Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags mur einmal. Der Bezugsprets beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 1. im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen sämtliche Bostanstalten Beftellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Baarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20 m., fir das fibrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8-8. Mittwoch, 13. Juli 1921 Nummer 321 Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezetle oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Befuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgetruckte Wort 1,50 m., jedes meitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 reiheit of Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Zur politischen Lage in Sachsen Aus Sachsen wird uns geschrieben: Der Landtag hat am 30. Juni seine letzten Beratun gen gepflogen, nun ist er bis zum Herbst vertagt. Die legte Sigung, die über acht Stunden dauerte, bot ein im parlamentarischen Leben gewiß einzigartiges Bild: von Beginn bis zum Schluß waren sämtliche Abgeordneten anwesend! Diese Tatsache tennzeichnet zugleich die politische Lage in Sachsen, die ja seit dem Zeitpunkt, da wir eine rein sozialistische Regierung haben, gerade nach der Richtung hin wiederholt Gegenstand lebhafter Erörterung in der ganzen politischen Presse Deutschlands gewesen und deshalb bekannt ist. Die gesamte Linke verfügt gegen über dem geschlossenen bürgerlichen Blod über nur zwei Stimmen Mehrheit, einschließlich also der neun kom munisten. Die Präsenz dieser legten Sigung war gegeben in Rücksicht auf wichtige Abstimmungen. Troks bem find drei wichtige Gesezesvorlagen nicht wie beab fichtigt erledigt worden, weil im letzten Augenblick unvorhergesehener Weise eine meist nicht übliche dritte Lesung verlangt wurde. In dem einen Falle gab die Frattion der U. S. P. dazu die Anregung aus einem taktischen Grunde. Die Bürgerlichen taten es im übrigen, um Obstruk tion zu treiben. Die Vorlagen wurden einem Sonderauss Schuß überwiesen, sie sollen nun auf einer furzen Zwischen tagung Ende Juli erledigt werden. Es handelt sich dabei um die Grundsteuer, die Gewerbesteuer und eine provisorische Regelung der Schullasten. Auch der Etat hat in diesem ersten Tagungsabschnitt nur eine vorläufige Regelung erfahren, die es der Regie: rung ermöglicht, die nötigen Ausgaben zu machen. Doch das hat teinen politischen Grund, sondern wurde verursacht durch technische Schwierigkeiten, die nicht zuletzt in dem finanziellen Verhältnis zum Reich begründet sind. Der ganze Landtag hat diese 3wangslage der Regierung anerfannt und sich mit dem Provisorium einverstanden erklärt, Trotzdem unternahmen die beiden RechtsfraktionenDeutschnationale und Deutsche Boltspartei einen Vorstoß, indem sie diesen ,, Notetat" ablehnten mit der Begrün dung, daß die jezige Regierung eine reine Partei und Klassenregierung sei. Das ist überhaupt die Formel gewesen, mit der der gesamte Bürgerblod, voran die„ Demokraten", schon wiederholt und seit geraumer Zeit gegen die sozialistische Regierung operierten. Sie beklagen bei jeder passenden und unpassen den Gelegenheit die jetzigen Zustände und betonen immer wieder, die sozialistische Regierung müsse so bald wie möglich das Zeitliche segnen. Deshalb eine Anzahl Vorstöße im Parlament, die jedoch bisher infolge der Wachsamkeit der anderen Seite stets vorbeigelungen sind. Hinterher haben die Bürgerlichen jedesmal erklärt, sie wollten die sozialistische Regierung ja gar nicht oder noch nicht stürzen. Nur einen Dentzettel habe man ihr geben, Warnungstafeln errichten wollen. Richtig ist, daß die Bürgerlichen bisher mit Bosheiten und Nadelstichen vorgingen, sozusagen tastend und versuchend dem Ziele näher fommen wollten. Die formelle, verfassungsmäßige Vertrauensfrage haben sie noch nicht gestellt. Was aber auch ein zweischneibiges Mittel für den Bürgerblod wäre. Denn die zwei Etimmen Mehrheit sind doch nicht wegzubringen, solange man mit den reaktionären Absichten nicht auf die kom= munisten rechnen kann. Für die wäre es aber gerade unter den sächsischen Verhältnissen politischer Selbstmord, wollten sie auf diese Weise die Position des Sozialis mus verschlechtern. Für sie, die Kommunisten, muß natürlich, wenn sie das wollen, ein in ihrer Politif gegebener Grund vorliegen. Dann aber werden sich wieder die Bürgerlichen genieren, den Kommunisten einen solchen Dienst zu erweisen. Zumal lettere trotz allen Sträubens und gelegentlichen Raisonnements im allgemeinen doch nicht bestreiten fönnen, daß das Proletariat Sachsens und sein Kulturleben unter dieser vielgeschmähten sozialistischen Regierung wesentlich besser, fährt, als wenn eine andere Regierung das Heft in den Händen hätte. Doch darüber wird. ipäter einmal besonders zu berichten sein. Bis auf weiteres gefallen sich unter diesen Umständen die Bürgerlichen in der Rolle, von Zeit zu Zeit zu drohen, Vorlagen der Regierung abzulehnen und in ihrer Presse der Wut über ihre Ohnmacht die Zügel schießen zu lassen. Die bürgerliche Bresse versucht es auch mit der Taftit, die fozialistischen Parteien untereinander aufzuheken, sie in der Aktion im Parlament zu zersplittern. Das Vlänchen, wurde jedoch sofort durchschaut, so daß auch diese Methode bisher mißlungen ist. Wenn dann die Streiche der Reaktionäre einer nach dem andern baneben gehen, erflären sie in ihrer Bresse ab und zu, daß die sozialistische Regierung mit GeIchid serstände, an hehaupten, um im selben Atem den eigenen Leuten zu sagen, daß fie füger and energische: vergehen müßten. Immer folgte auf Borstöße gegen die sosialistische Regierung ein derartiger Kazenjammer der bürgerlichen Kämpen. Nach dem mitteldeutschen Märzputsch glaubte die Rechte im Landtag, daß das heißersehnte Ende der Regierung gefommen sei. Man hetzte die Rechtssozialisten auf Die Kommunisten und letztere auf die Regierung. Auch bieser Schlag wurde pariert. Seit diesen Tagen ist eine geBriand über die Abrüstung Hardings Borschlag in der Kammer Paris, 12. Juli. Briand teilte in der Kammer mit, daß der Geschäftsträger der schlag Sardings übermittelt habe, der die Einberufung Vereinigten Staaten der französischen Regierung einen Bor= Washington bezwede. Aufgabe der Konferenz werde es sein, die einer Konferenz der alliierten und assoziierten Mächte in besten Bedingungen festzustellen, die ins Auge zu fassen seien, um ben Frieden im Stillen Ozean zu sichern, und zu gleicher Zeit die Einschränkung der Rüstungen zu Wasser und zu Lande zu erörtern. Briand erklärte, er glaube sich zum Dolmetsch der Gefühle der Kammer zu machen, wenn er dem ameritanischen Staatsoberhaupte danke, daß er diesen edlen Schritt unternommen und sogleich daran gedacht habe, Frankreich daran teilnehmen zu lassen, dessen friedliche Gefühle er auf diese Weise geehrt habe. Er habe wohl nicht nötig, zu sagen, daß die französische Regie rung die Einladung besonders gern annehme. Sie sehe darin die Möglichkeit, an den Vereinbarungen über den Stillen Ozean teilzunehmen, die Frankreich nicht gleichgültig lassen könnten in Anbetracht der großen Interessen, die es dort habe. Die französische Regierung sehe darin weiter die Möglichkeit, noch einmal zu beweisen, daß Frankreich aus tiefstem Herzen und mit glühendster Begeisterung der Sache des Friedens er geben sei, der sie schon so viel geopfert habe. Die Regierung werde sehr loyal und ohne Hintergedanken mit allen Alliierten vorgehen, fie empfinde besondere Befriedigung darüber, daß die Konferenz unter dem Vorsitz des Präsidenten Harding abgehalten werden soll. Sie wird, sagte Briand, alle Mittel suchen, die dazu angetan find, die Rüstungen zu beschränken und die fchredliche Last zu erleichtern, die auf alle Völker drückt, wohlverstanden jedoch unter Wahrung aller Vorbedingungen für bie nationale Sicherheit. Vielleicht werden wir sogar eine neue Gelegenheit finden, Verständigungen zu suchen, die uns erlauben tönnten, das von allen Völkern gewünschte Ziel zu er reichen. Briand erklärte, er sei unter diesen Umständen überzeugt, die Kammer werde der Regierung darin beistimmen, daß sie dem eblen Rufe der amerikanischen Regierung unverzüglich geantwortet habe. Die Regierung hoffe mit der Kam mer, daß die Konferenz der Welt den endgültigen Fries den verleihen und dabei Frankreich die Sicherheiten geben werbe, auf die es ein Recht habe.( Lebhafter und anhaltender Beifall auf allen Bänken.) Die Leipziger Urteile Ein neuer Grund für die Sanktionen EE. Paris, 12. Juli. In der heutigen Nachmittagssigung des französischen Senats gab Ministerpräsident Briand eine Erklärung über die Abberu= fung der französischen Abordnung aus Leipzig wisse Resignation im Bürgerblod eingetreten. Er gab, als ihm diesmal die Felle fortgeschwommen waren, am 21. April im Landtage eine Erflärung gegen die Regierung ab, die in der Losung gipfelte, daß die bürgerlichen Parteien die Ministergehälter grundsäglich ablehnen würden. Es hieß in der Kundgebung", die die bürgerliche Presse auf der ersten Seite in fetter Schrift verbreitete: Aus Aeußerungen einzelner Minister und aus Forderun gen der Regierungsparteien geht hervor, daß sich die jezige Regierung als reine Klassenregierung in schroffen Gegensatz zu den nichtsozialistischen Parteien des Boltes stellt." Man hatte sich zu diesem Protest ausgerechnet den Führer der Demokraten, den vorherigen Kultusminister Dr. Seyfert, erforen. Wie denn bisher immer die„ Demotraten" als willfährige Hausknechte der Reaktion die Bolzen gegen die verhaßte Regierung abgeschossen haben. Man bemerkte nicht, daß man damit nur eine Empfehlung der sozialistischen Regierung an das klassenbewußte Prole tariat gegeben hat, die dankend quittiert werden kann. Die Demokraten haben sich aber durch diese enge Pierung mit den Ganzrechtsparteien in die Nesselr bei manchen ihrer prominenten Parteigängern draußen im Lande gesetzt. Das trat aub auf dem füchsischen Parteitage der Demokraten am 1. Mai in Erscheinung. Nach dem Bericht im„ Leipziger Tageblatt" beschwerten sich mindestens vier Redner darüber. Dort verurteilte man auch die Politik der Nadelstiche und der Schifanen" gegen die sozialistische Regierung, wenn man sie schon nicht stürzen wolle. Wiederholt begegnete man auch der Bemerkung im bürgerlichen Lager, die Regierung sei in der Hauptsache in das Lager der Unabhängigen geschwenkt, die die Jniab. Er führte aus, daß die Frage der Bestrafung der Kriegsbe schuldigten von größtem Interesse sei. Der Versailler Vertrag habe dem Gedanken der Gerechtigkeit Ausdrud gegeben, indem man die Bestrafung der Kriegsgreuel verlangte. Auf die Forde rung Deutschlands hatten sich die Alliierten später damit einverstanden erklärt, daß Deutschland selbst diese Gerechtigkeit ausüben solle. Entgegen den Vorschriften des Friedens vertrages gestattete man deshalb ein Verfahren, durch das Deutsch land das Vertrauen der Alliierten entgegengebracht wurde. Jedes Land fertigte seine Anträge zu Händen des Reichsgerichts aus. Doch schon die ersten Urteile waren sandalös. Frankreich wartete den von ihm selbst beantragten Prozeß ab. Dieser Prozeß gegen den General Stenger gab Gelegenheit zu einer niedrigen, chauvinistischen Rundgebung. Es tam zu 3wischenfällen, die häßlich wären, wenn sie bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands nicht als lächerlich bezeichnet werden müßten. Beim Ausgang des Prozesses gab die Menge Beweise einer niedrigen, flegelhaften Gesinnung. Frankreichs Vertreter nahmen diese häßlichen Kundgebungen mit Würde auf. Die deutschen Vertreter gaben zwar ihre Entschuldigungen ab, aber als Frankreich die näheren Umstände des Prozesses tennenlernte, berief es seine Vertreter ab. Die Frage ist gegenwärtig nur, ob sich die anderen Alliierten dem Beschluß Frankreichs anschließen werden. Aber das geht diese allein an. Jeder verteidigt seine Würde nach seiner Auffassung. Deutschland muß aber endlich einsehen, daß es Zeit wäre, jeine Haltung zu ändern. Alle Kundgebungen in Deutschland betrachtet Frankreich von der Höhe seiner Würde und seines Rechtes. Es wurde in London seinerzeit beschlossen, Deutschland zu beweisen, daß Frankreich die Stärke für sich habe. Deshalb wurden die Sanftionen in Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg in Kraft gesetzt und es wurde Deutschland erklärt, daß diese Sanktionen ein Ende nehmen würden, wenn Deutschland die Bedingungen des Friedensvertrages erfüllt habe. Jetzt sieht man, daß Deutschland die Bestrafung der Schuldigen nicht vornehmen will. Frankreich zog daher seine Anklageschriften zurück und verständigte seine Alliierten, daß es noch Richter in Frankreich gebe. Briand gab dann der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Alliierten zu Frankreichs Anschauung bekennen möchten und daß diese es nicht befremdend finden sollten, wenn Frankreich, da es in Deutschland feine Gerechtigkeit gefunden habe, diese in seinem eigenen Lande suche. Diese Erklärungen Briands wurden mit großem Beifall aufgenommen. Es wird angenommen, daß Briand noch heute in der Kammer und im Genat das Vertagungsdefret erlassen wird.. Englands Haltung London, 11. Juli. Im Unterhause richtete Bollomley an die Regierung die Frage, ob Frankreich sich von den Leipziger Prozessen ohne jede Fühlungnahme mit der britischen Regierung zurüdgezogen habe, und ob England nicht das gleiche könne. Der Generalstaatsanwalt erwiderte, was auch immer Frankreic in dieser Angelegenheit getan habe, habe es, soweit er unterrichtet sei, ohne irgendeine Fühlungnahmegetan. Er selbst sei nicht unterrichtet, ob eine Zurückziehung erwogen werde oder durchgeführt sei. " tiative hätten. So erklärte der demokratische Abgeordnete und Ministerialdirektor Dr. Dehne in einer Hauptver= Sammlung seiner Partei in Dresden:„ Die Sozialdemokratie hat sich mehr und mehr von dem Boden der Demokratie entfernt, und zwar seit dem Bündnis mit den Unabhängigen. Auch diese Behauptung fann man nur als gutes Zeichen für beide sozialistische Regierungsparteien buchen. Der deutschnationale Abgeordnete Dr. Beutler erklärte aber schon im Februar auf dem deutschnat. Parteitage in Chemniz:„ Die Unabhängigen regieren in Wirklichkeit in Sachsen. Es tomm tdarauf an, wie weit die Rechtssozialisten dem Vorgehen Fleißners sich fügen werden." Aeußerungen ähnlicher Art sind bei allen bürgerlichen Parteien vielfach zu verzeichnen. Auf einem 3entrumstag Anfang März in Dresden wetterte der einzige Abgeordnete dieser Partei im Landtag besonders gegen Fleißner wegen der Einbringung von Gesetzesvorlagen, die den Herrn außerordentlich in Harnisch brachten. Die Bürgerlichen haben jedoch auch noch andere Rezepte bei ihrem Rarcehen Einer der thrigen plauderic nam aus der einem ber mißlungenen Ministerstürze etwas Schule, als er erflärte: ,, wir wollen die Regierung dura dauernde Niederlagen mürbe machen". Und im gleichen Sinne schrieben die stoffonservativen ,, Dresdner Nachrichten" am 8. Mai in einem Leitartikel zur innerpolitischen Lage in Sachsen: ,, Der Weg der Mehrheitssozialdemokratie in Sachsen hat stän dig linkswärts geführt. In dem vorliegenden Falle muß die Attion von bürgerlicher Seite so lange wiederholt werden, bis der damit beabsichtigte Zweck erreicht ist. Wenn die bürgerlichen Parteien zu einem solchen unerbittlich konsequenten Verfahren nicht fest entschlossen wären, würde das ganze Vorgehen nur einen Schlag ins Wasser bedeuten. Wird es aber bis zum bitteren Ende durchgeführt, so muß dadurch schließlich auch die harts gefottenste radikale Unempfindlichkeit mürbe gemacht werden." Inzwischen werden diese Strategen wohl eingesehen haben, daß es mit dem Mürbemachen auch nichts ist. Der gute böse Wille allein genügt dazu doch nicht. Die Spiegelberge wurden auch in diesem Falle sofort durchschaut. Ünd nun scheint die Taktik der Bürgerlichen vielmehr an der , radikalen unempfindlichkeit" zu scheitern. Dafür dürfte folgender Vorgang ein Beispiel liefern. Minister Lipinski hatte ein Gesez auf Verstaatlichung der Polizei vorgelegt. Die Fraktion der U. S. P. stimmte aber diesem Gesetz nicht zu, fie trat für Kommunalisierung der Polizei ein; die Rechtssozialisten waren für die Vorlage. Deshalb entstanden zwischen Minister und Fraktion der U. S. P. gewisse Unstimmigkeiten bei den Berhandlungen. Wieder waren es die Demokraten, die den " Fall" ausnutzen wollten. Sie waren zwar auch für das Gesetz, wollten aber dann dagegen stimmen, um es zur Ablehnung zu bringen, und so dem Minister ein Bein stellen. Dazu brauchten Sie die anderen bürgerlichen Fraktionen. Diesen war eine solche Politik aber denn doch zu gemein und hinterhältig. Sie lehnten eine von den Demokraten formulierte Erklärung zu gemeinsamem Vorstoß ab! Das hatte sich hinter den Kulissen abgespielt. In einem verärgerten Artikel hat nachträglich das Leipziger Tageblatt" darüber geplaudert. Es heißt in diesem Artitel: ,, Das gemeinsame Vorgehen ist an dem schwer zu verstehenden Widerstande der Deutschnationalen gescheitert. Die Deutsche Volkspartei war unschlüssig. Beide Parteien ließen die Demokraten im Stich. Für sich allein vorzugehen, war den Demokraten natürlich unmöglich gemacht. Die Deutschnationalen haben dies getan, um dann nach der Abstimmung durch den Abgeordneten Wagner noch ein Demonstratiönchen für sich zu machen. Seine Erklärung ist ein bis zur Untenntlichkeit verdünnter Aufguß der demokratischen Erklärung; ist aber doch eben ein Protest und als solcher in die Oeffentlichkeit gedrungen. Damit haben die Deutsch nationalen erreicht, daß sie als einzige bürgerliche Partei gelten fönnen, die demon #triert hat. Das Vorgehen selbst zu beurteilen, sei dem politischen Anstande überlassen. Politisch betrachtet ist es ein schmales Feigenblatt, die Blöße zu decken." So wurden die Herren Demokraten obendrein für ihr erbärmliches Verhalten noch hinters Licht geführt. % Der erste parlamentarische Abschnitt, der seit dem 13. Dezember 1920 am Ruder befindlichen reinsozialistischen Regierung ist beendet. Sie hat sich länger gehalten, als viele annahmen. Das verflossene halbe Jahr war eine Zeit schwerer, andauernder Kämpfe zwischen hüben und drüben. Aus dem eigenen Lager der Partei in Sachsen ist bei einigen Gelegenheiten Widerspruch gegen die Haftung unserer Genossen in der Regierung gekommen. Meist entsprang diese Kritik aber wohl aus der Verkennung der Umstände und der gegebenen Möglichkeiten. Wenn z. B. Maßnahmen verlangt werden, die verfassungsmäßig unmöglich sind, so heißt das zuviel fordern. Diese Grenze ist auch bereits in dem Beschluß gezogen, den der sächsische Landesparteitag Anfang Dezember einstimmig zur Frage der Regierungsbildung faßte. Die oben erwähnte Differenz wegen des Polizeigesetzes ist keine grundsätzliche, sondern eine 3wedmäßigkeitsfrage. Eine sozialistische Regierung fann #fonsequenterweise die Verstaatlichung der Polizei fordern. Immerhin möchten in Zukunft solche Vorfälle vermieden werden. Von bürgerlicher und teilweise auch von rechtssozialistischer Seite ist der Vorgang start übertrieben worden, um ihn gegen die U. S. P. ausschlachten zu können. Soweit jedoch manches Berechtigte an Beschwerden bleibt, muß es beachtet werden. Im übrigen wird die Aussprache auf dem bevorstehenden sächsischen Landesparteitage der U. S. P. in Leipzig zur Klärung und zum allseitigen Verständnis der Lage führen. Uns will scheinen, daß durch die zielbewußte Mitarbeit unserer Genossen in der Regierung in Sachsen ein Zustand geschaffen werden kann, der praktisch und agitatorisch nur nützlich für das Proletariat ist. Schuldebatte im Landtag Im preußischen Landtag gab es gestern eine recht lebhafte Schuldebatte. Die demokratische Fraktion hatte eine große Anfrage eingebracht, die sich gegen den Reichsschul gesehentwurf aussprach und die Simultanschule forderte. Von der Unabhängigen Fraktion lag ein Antrag vor, den Religionsunterricht aus der Schule zu entfernen und die weltliche Einheitsschule zu schaffen. Die Debatte ergab, daß die bürgerlichen Parteien auch in den Schulfragen eine ausgesprochene Klassenpolitit bes treiben. Die Formel, die Herr Stegerwald in seiner Antrittsrede prägte und die bei den Rechtsparteien ein begeistertes Echo auslöfte,„ über den Parteien hinweg muß die Regierung ihren Weg gehen“ wurde von den Parteien in der Schulfrage verleugnet. Die fonfessionelle Schule, die die Jugend spaltet, der Einfluß der Kirche, der die Gegensätze zwischen Schule und Elternhaus vertieft, soll im Schulwesen beibehalten werden. Und dabei ist, wie immer, die Volksschule das Stieftind des Schulwesens. Für sie hat der Staat das wenigste übrig, während die höheren Schulen in jeder Weise bevorzugt werden. Der Antrag der Unabhängigen Fraktion wurde durch einen Schulfachmann, den Genossen Hot- Aschersleben, begründet. Er zerpflückte sehr gründlich den Reichsschul gesetzentwurf und bezeichnete ihn als ein fonterrevolutionäres Machwerk, das dazu angetan sei, die wenigen Fortschritte, die die Revolution auf dem Gebiete des Schulwesens gebracht habe, wieder zu beseitigen. Sehr eingehend beschäftigte sich Genosse Holz dann mit dem Klassencharakter der heutigen Schule, wobei er scharf hervorhob, daß die kapitalistische Gesellschaft die Klassenschule fordere, weil es ihr Bestreben sei, die Arbeiter von den Bildungsmöglichkeiten fernzuhalten. Sie dürfen nicht zu viel wissen, müssen in der Anschauung der gottgewollten Abhängigkeit erzogen werden, damit das kapitalistische System erhalten bleibt. Erst die weltliche Einheitsschule wird diesen Klassengeist im Schulwesen überwinden, wird jener Erziehung die Wege ebnen, die notwendig ist zur Seranbildung eines freien, starken Menschengeschlechts. Reichskanzler Dr. Wirth hat an den gegenwärtig in Wien tagenden Kongreß der Internationalen Frauenliga das nachstehende Begrüßungstelegramm gerichtet:„ Dem dritten Kongreß ber Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, die sich die Schaffung einer Atmosphäre der Verständigung unter den Rationen und die Verhinderung neuer Kriege zur Aufgabe gesetzt hat, wünsche ich für die derzeitige Tagung und ihre idealen Bestrebungen von ganzem Herzen Erfolg. Die Reparationsleistung für 1921 1281 gesichert Die Reichsbant teilt mit, daß es ihr gelungen ist, durch Vermittlung des Hauses Mendelssohn u. Co., in Amsterdam, sich einen Kredit von 150 Millionen Goldmark zu be= schaffen, und das Verhandlungen über weitere Rre bite gleicher Art schweben. Die von der Regierung getroffenen Maznahmen werden durch diese Kreditoperationen so ergänzt, daß die Erfüllung der am 31. August fälligen Reparationsverpflitung als gesichert anzusehen ist. We i tere Reparationszahlungen sind alsdann während des Jahres 1921 in Devisen nicht mehr zu leisten. * Die Mitteilung der Reichsbank ist von Bedeutung sowohl für unsere Außen- als für unsere Wirtschaftspolitik. Am 31. August wird die erste große Wiedergutmachungsforderung, die Barzahlung von einer Milliarde Goldmart, fällig. Davon sind bereits 247 Millionen gezahlt worden. Die Devisenbeschaffungsstelle des Reichs verfügt noch über einen weiteren Devisenbestand, d. h. über Geldforderungen im Ausland, der zur Erfüllung dienen soll, und die AufAusland, der zur Erfüllung dienen soll, und die Aufbringung des Restbetrages ist durch den erhaltenen Kredit gesichert. Damit ist eine große Leistung vollbracht, die dem Ausland beweist, daß seine Forderungen, soweit sie überhaupt erfüllbar, erfüllt werden. Deutschland wird jegt eine kurze Atempause erhalten. In diesem Jahre sind keine Barzahlungen mehr zu leisten, und die Sachlieferungen fönnen ohne schwere Erschütterung unserer Wirtschaft erfüllt werden. Dazu kommt, daß der außerordentlich große Druck, der durch die Anschaffung der Devisen auf unserer Valuta gelastet und zu einer so starken Verschlechterung der Mark geführt hat, nunmehr aufhören wird. Damit ist die Möglichkeit gegeben, daß der Marffurs sich wieder erholt. Dies erleichtert aber die Erfüllung der Reparationslasten. Denn je schlech ter der Kurs der Mart, in einer desto größeren Summe voit Papiermark stellen sich die Goldverpflichtungen Deutschlands dar. Die Papiermark aber müssen auf dem Steuerwege aufgebracht werden. Besserung des Martfurses bedeutet also eine Erleichterung in der Erreichung des Zieles, das wir immer vor Augen haben müssen, der Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte. Der Hort der Reaktion Die Kämpfe um das Kabinett Stegerwald Seute soll im preußischen Landtag der Rotetat, der für vorläufige dringende Staatsausgaben fünf Milliarden Mark verlangt, zur Beratung tommen und womöglich verabschiedet werden. Die Beratungen darüber werden eine hochpolitische Debatte bringen. Im Hauptausschuß wurde der Etat gegen die Stimmen der drei sozialistischen Parteien angenommen. Die Rechtsparteien befürchten nun, daß durch einen 3 ufall der Etat im Plenum abgelehnt werden fönne, und sie haben deshalb für die Beratungen ihren ganzen Anhang aufgeboten und ihn verpflichtet, vor den Ferien unbedingt im Parlament anwesend zu sein. Die reaktionären Parteien wissen, um was es geht. Das Ministerium Stegerwald ist die Vorstufe zu einem Kahr= Regime in Preußen. Sie werden versuchen, das Ministerium Stegerwald zu halten und es immer weiter nach rechts zu treiben, bis es durch eine ganz rechtsgerichtete feditionäre Parteiregierung abgelöst werden kann. Die Demofraten arbeiten diesen reaktionären Drahtziehern offen in die Hände. Eine bürgerliche Einheitsfront gegen die Arbeiter soll nach den Wünschen der Reaktion im ganzen Reiche hergestellt werden, in Preußen leisten die Demokraten dabei der Reaktion Vorspanndienste. 99 Das Berliner Tageblatt", das sich in seiner gestrigen Abendausgabe mit der Entwicklung der Politik in Preußen befaßt, muß gestehen, daß in Preußen tatsächlich die Gefahr besteht, daß die Regierung nach bayrischer Methode in die Niederung des Bürgerblods hinabruscht". Die Frankfurter Zeitung" hat schon vor vierzehn Tagen festgestellt, daß dieser Abrutsch nicht erst zu geschehen braucht, sondern, daß er tatsächlich schon vollzogen ist. Dank der Unterstützung von demokratischer Seite regiert in Preußen ein neuer schwarzblauer Blod. Wenn das„ Berliner Tageblatt" jeht die Frage aufwirft, es müsse erwogen werden, wielange die Demokratische Partei innerhalb dieses Bürgerblocks noch mitarbeiten dürfe, so muß darauf geantwortet werden, daß die Demofraten, wenn sie ihren Namen wirklich verdienten, diesem Block gar nicht erst hätten beitreten dürfen. Eine bittere Lehre Unsere Leser werden sich noch erinnern, daß wir furz vor den preußischen Landtagswahlen mit Konrad Haenisch ein Sühnchen rupfen mußten, weil der Brave, seinerzeit Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung in Preußen, in zahlreichen Artikeln, die vornehmlich im„ Berliner Tageblatt" erschienen, der non Biertimpels Geist besessenen, schwarz- weiß- roten deutschen Jugend an den höheren Schulen mitsamt ihren gleichgesinnten Schulmeistern in teiner Weise den Hof machte, daß diese Artikel sehr gut auch in die„ Tägliche Rundschau" gepaßt hätten. Wir mußten Haenisch vor allem den Vorwurf machen, daß er gegenüber den anmaßenden Ansprüchen der nationalistischen Kreise in bezug auf die Schulpolitik eine schwächliche Nachgiebigkeit an den Tag gelegi hatte, die er in diesen Artikeln mit sehr seltsamen Gründen zu rechtfertigen suchte, und daß die Volksschule auch unter seiner Herrlichkeit das Stieftind blieb. Damals war Konrad Haenisch noch Minister, wie wir schon sagten. Inzwischen hat er seinem ehemaligen Staatssekretär Platz gemacht, und nun schreibt er wieder Leitartikel! Aber andere! Sie wenden sich recht scharf gegen das Ministerium Stegerwald, und in einem jüngst erschienenen Artikel Haenischs heißt es, Stegerwald sei zwar ein netter Kerl, aber: ,, teine Sentimentalität, auch noch keine noch so engen per sönlichen Beziehungen zu dem einen oder dem anderen mensch lich schätzenswerten und fachlich tüchtigen Mitgliede dieses Ministeriums dürfen daran hindern, flipp und klar auszuspre chen, was ist. Das heißt in diesem Falle: Auszusprechen, daß das Kabinett Stegerwald eine Ichwere politische Gefahr bedeutet, und daß deshalb seine Beseitigung ein Gebot vaterländischer Notwendigkeit ist." Dagegen ist nichts einzuwenden. Wir sind ganz einer Meinung mit Konrad Haenisch. Aber nun bemächtigt sich die„ Tägliche Rundschau" der Angelegenheit, dect, was wir auch natürlich fin den, das Ministerium Stegerwald und schreibt: ,, Eine schwere politische Gefahr" nämlich deshalb, weil das ruhig und ohne parteipolitische Voreingenommenheit arbeitende Ministerium Stegerwald gutzumachen sucht, was die sog. Regie rung Severing- Haenisch an. Werten und Volksgütern zerstört hat." Also Werte und Boltsgüter hat Saenisch zerstört! Er, ber alles barangesetzt hat, um das nationale„ Boltsgut" der preußischen Klaſſenſchule zu retten, muß sich so etwas nachsagen lassen. Alles Liebeswerben um die Gunst der nationalistischen Kreise war vers gebens. Während Konrad Haenisch auf der einen Seite, bei der Arbeiterschaft und auch bei zahlreichen Lehrern, seinem Ruf unendlich geschadet hat, hat er auf der anderen Gette nichts gewonnen. Das ist die Moral von der Geschichte, um derents willen wir von diesen Dingen Notiz nehmen. Ob Saenisch daraus lernen wird für den Fall, daß er wieder einmal Minister für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung wird? Ein Reinfall der Reaktion Der Staatsgerichtshof des Deutschen Reiches hielt am Dienstag im Reichsgerichtsgebäude zu Leipzig seine erste öffentliche Sigung ab. Dabei wurde über den Braunschweiger Verfassungsfonflitt verhandelt. Der reaktionäre Landeswahlverband, in dem sich alle bürgerlichen Parteien zusammengefunden haben, hatte beantragt, zu erklären, daß der am 16. Mai 1920 gewählte braunschweigische Landtag am 15. Mai 1921 sein Ende erreicht hat. Der Antrag wurde abgelehnt mit der Be gründung, der Landtag habe seine Aufgabe, dem Lande eine Vers fassung zu geben, noch nicht erfüllt. Damit ist die Weiter tagung des bisherigen Landtags in Braunschweig gesichert. Die Reaktion hat ihren Vorstoß unternommen, um Neuwahlen zu erzwingen. Zu diesem Zwede trieb sie eine Zeitlang Ob= struktion. Ihr Wunsch dabei war, dem jezigen Landtag, der eine sozialistische Mehrheit hat, die Verabschiedung der Verfassung unmöglich zu machen. Die Verfassung könnte bei der heutigen Zusammensetzung des Landtags einen freiheitlichen Geist bekommen. Das wollte die Reaktion verhindern, wobei sie sich in dem Gedanken wiegte, die Neuwahlen tönnten eine bürgerliche Mehrheit bringen, die dann eine Verfassung schaffen würde, wie sie den Wünschen der Reaktion entspricht. Der Flaggenzauber Wir haben vor einiger Zeit berichtet, daß der Kieler Polis zeipräsident Boller, ein Rechtssozialist, auf seiner Dienst jacht die schwarz- weiß- rote Flagge mit der Kaiserkrone führt. Der Vorwärts" hat darauf erwidert, daß der Kieler Polizeipräsident an dieser Sache unschuldig sei; es liege ein Erlaß des preußischen Handelsministeriums vor, der die Anweisung ent. halte, die alten Flaggen weiter zu führen. Dazu schreibt nun der amtliche preußische Pressedienst, daß sich der betreffende Erlaß lediglich auf das Flaggen der staatlichen Dienstgebäude, nicht aber auf die preußischen Dienstfahrzeuge beziehe. Der Polizeipräsident sei wohl berechtigt, aber nicht verpflichtet gewesen, die alte Flagge zu führen. Auf einen Erlag des preußischen Handelsministeriums oder einer anderen vorgesetzten Behörde könne er fich damit nicht stützen. Nunmehr hat Herr Poller bas Wort. Wilhelm als Steuerverweigerer Ueber einen Kampf mit den holländischen Steuerbehörden, dea Wilhelm der Ausgeriffene führt, berichtet die Dena" folgendes: Französische Blätter melden, daß Ertaiser Wilhelm lebs haft gegen die ihm auferlegten Gemeindesteuern der Gemeinde Doorn protestiert habe, indem er erklärte, daß die Gemeindevers waltung von Doorn tein Recht habe, ihn zu besteuern, da er nach Holland gegen seinen eigenen Willen gekommen und da er in Wirklichkeit nur ein Gefangener sei. Infolgedessen sei er auch nicht der Steuer unterworfen, wie ein freier Bürger Hollands. Der Ertaiser soll gleichfalls gegen die Steuer auf sein Einkommen protestiert haben, die man ihm auferlegt hat. Die Mehrheit des Gemeinderats steht aber auf dem Standpunkt, daß der Kaiser freiwillig nach Holland gekommen sei und daß er sich Doorn freiwillig als Residenz ausgesucht hat. Der Gemeinderat berät zur Zeit über die Maßnahmen, die getroffen werden sollen, um den Kaiser zur Steuerzahlung zu zwingen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Meldung der französischen Blätter auf Wahrheit beruht. Das klingt durchaus glaubwürdig, denn es entspricht ganz ben Gepflogenheiten im Verkehr mit Steuerbehörden, denen die junterlichen Klassengenossen Wilhelms von jeher gehuldigt haben und denen sie bis auf den heutigen Tag treu geblieben sind, das heim und in der Fremde. Und die Hohenzollern waren den ande ren Junkern auch darin stets ein leuchtendes Vorbild. Sie waren immer vom Stamme Nimm! Neue Kämpfe in Oberschlesien Ratibor, 12. Jul. 1 W. Z. B. meldet: Bei Neuhof, Kreis Ratibor, fand heute früh T. gegen 4 Uhr ein Gefecht der Polen mit der deutschen Orts wehr statt, wobei fünf Polen erschossen wurden. Nach Meldungen von Flüchtlingen sollen die Ortschaften Olsau, Odrau und Budau heute nacht von den Insurgenten besetzt werden. Soeben find gegen 200 Flüchtlinge aus Orzefche, Nikolai, Pleß und Czerwionka eingetroffen, die infolge des polnischen Terrors flüchten mußten. Aus Oppeln wird berichtet: Der unter dem Schutz des inter nationalen Roten Kreuzes in Oberschlesien ins Wert gesezte Austausch von Internierten und Gefangenen wird mit dem 14. Juli einstweilen beendet sein. Es muß jedoch damit gerechnet werden, daß eine Anzahl der von den Insur genten internierten oder verschleppten Deutschen noch nicht in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Um sofort Nachforschungen nach diesen Persönlichkeiten einleiten zu können, sind die erforderlichen Unterlagen unter Angabe von Namen, Vornamen, aus welcher Gemeinde, Tag und Ort und nähere Anhaltspunkte über den augenblidlichen Aufenthaltsort und sonstige zweddienliche Mit teilungen baldmöglichst an die Delegation des deutschen Roten Kreuzes bei der Kommission des internationalen Roten Kreuzes, Oppeln, Oberrealschule, einzusenden. Kriegsdienstverweigerer Saag, 12. Juli. Als der Präsident heute mittag die Sigung der Kam mer eröffnete, trat eine gutgeflcibete Dame in den Sigunsjaal und begann laut für die Freilassung des Militärdienstverweigerers Groenendaal 311 demonstrieren, der sich im Gefängnis im Hunger streit befindet. Auf Veranlassung des Präsidenten wurde die Dame durch einen Diener aus dem Scale geleitet. Sie ist die Frau eines fozialistischen Gemeinderatsmitgliedes von Dortrecht Die griechische Offensive. Die griechische Gesandtschaft in Paris dementiert die Nachricht, daß die Griechen in Kleinasien die Offensive ergriffen hätten. Die Mitteilungen der Tür fen über die Kämpfe an verschiedenen Punkten der Front werden als unrichtig bezeichnet. Der U- Boot- Krieg vor Gericht Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Schmidt hat heute vormittag vor dem II. Straffenat des Reichsgerichts in Gegenwart von Vertretern der Reichsregierung and einer englijchen Delegation unter Führung des Generalstaatsanwalts Sir Ernest Pollock der 2. Unterseebootprozeß begonnen. Angeklagt find die beiden Oberleutnants zur See Ludwig Dittmar und John Boldt, denen als Verteidiger die Rechtsanwälte Hahnemann und Dr. Rudolf Beier aus Leipzig und Dr. von 3 wehl- Berfin zur Seite stehen. Der Oberreichsanwalt hat gegen beide Anflage wegen vorfäh lichen Mordes erhoben, weil sie, nachdem das U- Boot 86 am 27. Juni 1918 120 Geemeilen westlich der Südfritze von Jrland das Lazarettschiff 21 andovery Castle" versentt hatte, ge meinsam mit dem Führer des U- Bootes, Kapitänleutnant a gig. die Schiffbrüchigen nach Aufnahme in die Rettungsboote välfers rechtswidrig haben beschiehen lassen, um die Zeugen der völkers rechtswidrigen Bersentung des Lazarettschiffes zu beseitigen. Rapitänleutnant Pasig ist verschwunden. Er hatte die Angeklagten verpflichtet, nichts über die Ereignisse jenes Tages auszulegen. In seinem Kriegstagebuch hat Pasig nichts von diesen Vorgängen erwähnt. Er hat, wie die Anklageschrift schließlich hervorhebt, während der Beschießung die Mannschaft seines U- Bootes unter Ded gehalten, damit sie nicht Zeugen der Tat sein sollten. Beide Angeklagte haben in der Boruntersuchung jede Austunft über die Ereignisse des Tages verweigert, und zwar unter Berufung auf ihr dem Kapitänleutnant Pakig gegebenes Ver sprechen. Der Angeklagte Dittmar ertlärt, auch heute nichts aussagen zu wollen. Boldt dagegen äußert sich allgemein über die äußeren Umstände und erklärt, er sei stolz, unter einem Komman danten wie Pasig tätig gewefen zu sein. Sierauf beginnt die 3eugenvernehmung. Der zweite Offizier der. ,, Llandovery Castle", Chapman, er flärt, daß das Lazarettschiff ordnungsgemäß als folches gefennzeich net war. Zum Transport von Munition und Truppen sei die Llandovery Castle" niemals benutzt worden. Nach der TorpeDierung wurden die Insassen in die Boote gesetzt, die an Steuerhord heruntergelassen wurden. Bald darauf erfolgte auf dem Schiff eine Kefjelexplosion. Das Rettungsboot, in das der Zeuge gelangt war, trieb in der Nähe des Schiffes. Die auf dem Wasser liegende Leuchtboje verbreitete etwas Licht. Es gelang dem Zeugen, zwölf im Wasser treibende Schiffbrüchige in sein Boot zu nehmen. Der Zeuge hat sieben Rettungsboote auf der einen Seite des Schiffes gesehen, weiß aber nicht, wieviele auf der anderen Seite heruntergelassen waren. 3wei Boote fenterten und ver Santen. Der Zeuge glaubt, daß durch die Kesselerplosion noch eine Anzahl Personen getötet worden sind. In seinem Rettungsboot befand sich auch der Kapitän. Als das U- Boot herantam, wurde den Rettungsbooten zugerufen: " Kommen Sie sofort, sonst hießen wir auf Sie!" Der Sprecher war der Kommandant des U- Bootes, der zwei Re volver in der Hand hatte. Der Kapitän der ,, Llandovery Castle" stieg auf das U- Boot über, tam aber bald zurück und erklärte, ihm sei von dem ersten Offizier gesagt worden, die Rettungsboote sollten sich rasch aus der Nachbarschaft des Schiffes entfernen. Die Engländer trachteten danach, diesem Ersuchen schnell zu ents sprechen. Bald tam aber das U- Boot wieder heran und habe die Rettungsboote aufgefordert, lintsseits zu fahren. Der vierte Offizier und der Zeuge wurden an Bord des U- Bootes genommen und ausgefragt, ob amerikanische Fliegeroffiziere an Bord der Llandovery Castle" gewesen seien. Die Frage wurde verneint, der deutsche Offizier sei aber dabei geblieben, daß Flieger an Bord gewesen sein müßten. Die beiden Engländer wurden dann wieder auf das Rettungsboot entlassen, das das U- Boot zunächst aus den Augen verlor. Dann aber sei das U- Boot wieder auf das Rettungsboot zugekommen, das sich nur schwer der Gefahr eines Zusammenitokes entziehen tonnte. Dem Zeugen tam dabei der Gedante, daß das U- Boot bestrebt war, alle Zeugen des Ereignisses zu beseitigen. Das Rettungsboot segte schließlich ein Segel, um in der Dunkelheit schleunigst zu entkommen. Der nächste Zeuge ist der vierte Offizier der„ Llandovery Castle", Barton. Er macht ähnliche Angaben über die Torpedierung und erzählt Einzelheiten darüber. Er behauptet insbesondere, daß das U- Boot verschiedene Versuche gemacht habe, bas Rettungsboot zu rammen, wie er aus dem diretten 3ufahren des U- Bootes auf die Rettungsboote schloß. Das Gericht beschließt sodann die Verlesung der von dem am Erscheinen in Leipzig verhinderten englischen Zeugen Evans vor dem englischen Polizeigericht in London gemachten Aussage. Evans, der Zahlmeister auf der Llandovery Castle" war, hat angegeben, daß auch er den Angriff des U- Bootes auf die Rettungsboote beobachtet habe. Der Zeuge Potts, erster Offizier auf dem Dampfer Atlantian", der vorher torpediert worden war, befand sich als Ge fangener at Bord des U- Bootes 86, und zwar im Torpedoraum, als die Torpedierung der„ Llandovery Castle" erfolgte. Einzelheiten über das Abfeuern der Schüsse hat er nicht beobachtet. Er hat auch nicht bemerkt, daß am nächsten Morgen bie Besatzung des U- Bootes sehr bedrüdt gewesen sei. Am 10. Juli ist er in Kiel an Land gebracht worden. Der An geklagte Boldt habe ihm zuvor das Versprechen abgenommen, nichts von dem Vorgang zu erzählen. Der Zeuge Heather aus Southampton war Schiffstellner auf der ,, Llandovery Castle". Er hat die Fahrt von Liverpool nach Salifar mehrmals zurüdgelegt und behauptet, daß das Schiff niemals zu anderen als Lazarettzweden benutzt worden ist. Er rettete fich durch Schwimmen auf das Kapitänboot. In diesem Boote befanden sich schließlich Leute aus verschiedenen Rettungsbooten. Der Zeuge erzählt dann weiter, daß das U- Boot versucht habe, das Rettungsboot unterzumaschen", so daß es hätte tentern können. Daß das U- Boot die Absicht hatte, sein Boot zu rammen, fann er nicht behaupten. Als das Rettungsboot eine niertel englische Meile vom U- Boot entfernt war, hörte der Zeuge zwölf bis vierzehn Schüsse. Thomas Abrahams aus London, ebenfalls Steward auf der Llandovery", will nie Munition auf dem Schiff gesehen haben. Der Präsident hebt gegenüber den früheren Zeugenaussagen hervor, daß nach diesem Zeugen bereits 2 Rettungsboote gesunken maren, ehe das Lazarettschiff selbst unterging und ein Boot in den Grund zog. Der Kommandant des englischen Torpedoboot- 3erstörers, Lylander Twigg, der seinerzeit die Schiffbrüchigen aus dem Kapitänsboot aufgenommen und das Boot dem Meere überlassen hat, erzählt, was ihm damals von den Geretteten mitgeteilt worden ist. Er will durchaus den Eindrud gewonnen haben, daß das U- Boot die Spuren der Versenkung der„ Llandovery Castle" habe verwischen wollen. Das später gefundene leere Boot tönne nicht dasselbe sein, das er nach der Aufnahme der Schiffbrüchigen habe treiben lassen. Die Weiterberatung wird auf Mittwoch vormittag 9 Uhr vertagt. bil Der Kampf um die Schule Preußischer Landtag 38. Sigung, Dienstag, den 12. Juli. Als erster Punkt der Tagesordnung wird der Antrag über die Menderung der Ortstlasseneinteilung ohne Aussprache angenom men, ebenso der Gesezentwurf über die Aenderung der Amtsgerichtsbezirke Königsberg( Nm.) und Bärwalde( m.). Der Gesezentwurf über die Aenderung des Boltsschullehrerdiensteinkommensgeseges und die Ausführungsbestimmungen dazu gehen an den Ausschuß der Beamtenange= legenheiten. Es folgt die erste Beratung des Gesezentwurfes über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Förderung der Ansiedelung. Nach der Vorlage dürfen für diesen Zwed 300 Millionen Mart aufgewendet werden. Abg. Braun( Soz.): Wir werden für die Borlage stimmen, halten aber die geforderten Mittel feineswegs für ausreichend, um die großen Ausgaben, die auf dem Gebiete der Siedlung zu lösen sind, in wünschenswertem Umfange zu erfüllen. Wenn nicht mehr Geld zur Verfügung steht, tann für die Siedlung nicht einmal so viel geleistet werben, mie in der Friedenszeit. Auch für die Urbarmachung von Moorländereien müssen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden.( Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Abg. Freund( U. Soz.): Brauns Begründung für die Notwendigteit der Siedlung ist richtig. Zwei Fragen stehen im Vordergrund, die Frage der Wohnungsmöglichkeit und die Frage der Arbeitsmöglichkeit. Bei der Siedlung zeigt sich der Widerfinn des fapitalistischen Enstems in der trasfesten Weise. Wir fürchten, daß die Leute, die heute auf das Land gehen, unter der Kostenlaft für das lebende und tote Inventar der Siedelung zu Jammenbrechen und die Opfer der Grchgrundbesiger werden. Die Siedlungspolitik ist Jllusionspolitif. Sie machi Soffnungen, die nicht in Erfüllung gehen.( Bravo b. d. U. G. P.) Zur weiteren Beratung wird die Vorlage an den Siedlungsausschuß überwiesen. Es folgt die erste Beratung des Gesezentwurfes betr. Reisekosten und Aufwandsentschädigung für die Mitglieder und dem Präsidenten des Staatsrates. Der Entwurf gewährt freie Fahrt zwischen Wohn- und Tagungsori auf den ehemaligen preußisch- heischen Staatseisenbahnen, ferner ein Tagegeld von 150 M. und dem Präsidenten des Staatsrats für die Amtsdauer eine jährliche Aufwandsentschädigung von 12 000 M. Der Gesegentwurf wird dem Hauptausschusse überwiesen. Der Antrag Rüffer( Dnat.) über die Milderung der Wohnungsnot wird in der Ausschußfassung angenommen. Eine Schuldebatte Es folgt nun die große Anfrage der Abg. 5 off( Dem.) und Gen. über den Entwurf des Reichsschulgesetzes für Ausführung des Artikels 146 Abs. 2 der Reichsverfassung betr. Bekenntnis- und Weltanschauungsschulen. In Berbindung damit wird der Antrag der Abg. Frau Kunert( U. S.) und Gen. über den Wegfall des Religionsunterrichts in den Schulen beraten. Abg. Hoff( Dem.) zur Begründung der Anfrage: Der Entwurf des Reichsschulgesetes steht mit der Reichsverfassung in Widerspruch. Er steht auch in Widerspruch mit der programmatischen Erklärung des Kabinetts Stegerwald, die die Pflege des nationaIen und Sozialen Verantwortlichkeitsgefühls in den Schulen über Konfessionen und Parteien weg gefordert hat. Wir verstehen den Protest des deutschen Lehrervereins und vor allem den Protest der Volks= schullehrer. Die Erziehungsberechtigten und die obersten Verwaltungsbehörden haben, wenn der Reichsschulgesetentwurf angenommen wird, allein etwas zu sagen. Die Volksschullehrer wer den förmlich unter ein Ausnahmegesetz gestellt. Der Reichsschulgefehentwurf schafft nicht nur hier verschiedene, sondern einen ganzen Rattenkönig von Schularten, denn es gibt zahllose Bekenntnisse und Weltanschauungen. Kommt die Bekenntnisschule, dann bekommen Sie auch die Proletarierschule. Die Gemeinschaftsschule soll das Selbstverständliche sein. Sonderschulen sollen erst auf Antrag eingerichtet werden dürfen und nur soweit, als der geordnete Schulbetrieb nicht gestört wird. Darauf beruht ja das Schultompromiß. Wir verlangen, daß das Reichsschulgesetz im Geist und im Sinn dieses Kompromisses durchgeführt wird. Abg. Holtz( U. S. P. D.): Wir halten das Reichsschulgesetz nicht für verbesserungsfähig und lehnen den Entwurf deshalb grundsäglich ab. Der Gesetz entwurf ist konterrevolutionär, er hat den ausgesprochenen 3wed, die Errungenschaften der Revolution auf dem Schulgebiet restlos zu beseitigen. Die Revolution brachte auf dem Schulgebiet ja einige Erfolge. Der Gewissenszwang, die religiöse Un terdrüdung für Lehrer und Schüler sollte aus der Schule herausgebracht werden. Der Lehrer sollte nicht mehr verpflichtet sein, Religionsunterricht gegen seinen Willen zu übernehmen. Die geistliche Schulaufsicht wurde aufgehoben, die Entfirchlichung der Schule angebahnt. Damit war die Möglichkeit ge geben, daß in die tonfessionellen Boltsschulen ein freiheit. licher Geist hineintam. Die tonfessionellen Schulen hatten nun auf einmal das Gift der Freiheit im Leibe, und dieses Gift der Freiheit soll jetzt ausgeschaltet werden. Das ist der Zwed dieses Reichsschulgesetentwurfes.( Sehr wahr! bei den U. S.) Wir hatten bisher zwei Boltsschulen, eine evangelische und eine katholische. Jezt soll es dahin gebracht werden, daß auch Schulen für die Buddhisten, monisten, Atheisten, ja, überhaupt Schulen für jede beliebige Weltanschauung ge schaffen werden. Damit wird die Zerrissenheit im Boltsschul wesen noch größer, der angestrebte Einheitsgedante, das Jdeal jeder Schulpolitit, wird vernichtet. Die Regierung hat sich mit ihrem Entwurf auf den Standpunkt der Standpunktlosigkeit gestellt.( Sehr richtig und Seiterkeit.) Man dente sich einmal diesen Gesichtspunkt der Standpunktlosigkeit auf andere Gebiete des öffentlichen Lebens übertragen. Wir haben Monarchisten, Anhänger der parlamentarischen Republik und Anhänger der Räterepublik. Wenn da die Regierung ebenso verfahren wollte, wie auf dem Gebiete des Schulwesens, dann würde die Folge sein, daß die Monarchisten ihre Monarchen, die parlamen tarischen Republikaner ihre parlamentarische Republit und die Räterepublifaner ihre Räterepublit in Deutschland bekämen. ( Seiterkeit!) Der Wirrwarr, der dadurch angerichtet würde, wäre genau so geartet und so unsinnig wie der Wirrwarr, der durch dieses Reichsschulgesetz hervorgerufen werden muß. Die Wirkung dieses Schulgesetz- Entwurfes ist die Verschlechterung der Volks. Schule, die Senkung der Volksbildung. Dabei wird diese Berschlechterung des Volksschulwesens nicht etwa Ersparnisse bringen, sie wird vielmehr eine Verteue rung herbeiführen. Der Grundsay: schlecht und teuer gilt für diefes Schulgesetz. Und für diese Verschlechterung sollen tommu nale und staatliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dies felben Kreise, die hinter dem Reichsschulgesetz- Entwurf stehen, benten natürlich nicht daran, die gleichen Grundsätze auch auf die mittleren und höheren Schulen anzuwenden, nur bei der Boltsa schule werden die religiösen Gesichtspunkte in den Vordergrund gestellt. Die Volksschule könnte, ohne daß es nur einen Pfennig foftete, in ihrer Leistungsfähigkeit sehr schnell gefördert werden, man müßte nur die Konfessionalität verlassen, dann hätten wir eine Steigerung der Leistungsfähigkeit ohne einen Pjennig Mehrs ausgaben. Hinter dem Schulgesetzentwurf stehen in erster Linie die reaktionären kirchlichen Kreise, weil sie glauben, sich auf diese Weise ihren Einfluß zu sichern. Es handelt sich darum, den Einfluß der Geistlichen auf den wesentlichen Teil des Volkes so zu erhalten, wie er bisher vors handen war. Jede Klaffe der Bevölkerung hat ja eine ihren Interessen entsprechende Schulpolitit. Das Wejen der tapitalistis schen Schulpolitik ist darauf gerichtet, sich selbst und ihrem Nachs wuchs eine überlegene und bevorrechtete Bildung zu sichern, das Proletariat aber geistig niederzuhalten. Man will das Proles tariat an den Vorrechten der herrschenden Schichten nicht teils nehmen lassen. In dieser Richtung versucht man das Schulwesen zu organisieren, so wie es bisher organisiert war. Die tapitalisti schen Schichten sind unbedingt Anhänger des Klassenschulwesens. Sie wollen das Proletariat so erziehen, daß es die Herrschaftss verhältnisse, wie sie bestehen, als sittlich und unabänderlich, ja sos gar als notwendig anerkennt, daß es sich in diese Verhältnisse fügt, sich in die Ausbeutung schifft und in ihr ein gerechtes Verhältnis erblidt. Deshalb ist die kapitalistische Bildungsordnung stets barauf ges richtet, die große Masse des Volkes in fümmerlicher Bildung zu halten und nur einen fleinen Teil des Boltes zu einer höheren Bildung hinaufzuführen. Deshalb schafft man verschiedene Schus len, die Volksschule, die höhere, die mittlere Schule, ohne daß pädagogische Gründe dafür vorhanden sind. Die Kinder werden nicht geboren, das eine mit einer Volksschulseele, das andere mit einer Mittelschulseele, das dritte mit der Veranlagung für höhere Schulen, sondern alle Menschen sind, wie ein großer Bädagoge jagt, in ihrem Wesen gleich; sie haben zu ihrer Ents wiflung nur eine Bahn.( Sehr richtig! bei den u. S.) Das Bildungsziel des Proletariats ist die Einheitsschule. Der Reichsschulgesetentwurf will die Einheitsschule unmöglich machen, denn die herrschenden Schichten sind Todfeinde der Ein heitsschule. Wir verlangen, daß die Ungerechtigkeit, die heute im Schulwesen besteht, beseitigt wird. Wir wollen keine Bolls schule, teine mittlere und teine höhere Schule, wir wollen eine Schule, in der alle Kinder, ganz gleich, aus welchen Gesellschaftsschichten sie stammen, dieselbe Bildung und Erziehung genießen sollen. Die Verfassung leistet der reattionären Entwidlung unseres Schulwesens leider Vorschub. Deshalb fordert unser Antrag: Aufhebung dieses Punttes der Verfassung. Alle, die für eine reiche Entwicklung unseres Volksschulwesens und für eine Entwicklung zur Einheitsschule sind, fordern wir auf, unseren Antrag anzunehmen. Die Weltlichkeit der Schale muß tommen. Heraus mit dem Religionsunterricht, der in der Schule nichts zu schaffen hat. In der Belämpfung des Reichsschulgejeges müssen sich alle dies fenigen vereinigen, die nicht nur den Worten, sondern auch der Tat nach für die Bildung des Voltes und für die Gleichberech tigung im Bildungswesen eintreten. Das sozialistische Prole tariat wird in dieser Beziehung seine Schuldigkeit tun. Jeder, der sich in diesem Kampf auf unsere Seite stellt, soll uns willkom men sein.( Bravo b. d. U. S.) Kultusminister Beder: Der Reichsschulgesetzentwurf ist ein Kompromiß. Preußen hat die Reichsregierung immer wieder era sucht, mit einem Gesetz die außerordentlich großen schulpolitischen Schwierigkeiten wegzuräumen. Es ist tlar, daß die Bevölkerungsschichten, die heute die weltliche Schule verlangen, bisher in ihrem Gewissen schwer gelitten haben. Auf der anderen Seite sind die Kreise, die für die Bekenntnisschule eintreten, der Ansicht, daß die Gründung religionsloser Schulen ihre Staatsbürgerrechte be= einträchtigen, wenn nicht die in der Reichsverfassung geforderten gesetzlichen Grundlagen geschaffen sind. Der Gefeßentwurf liegt nun vor. Zufrieden mit ihm ist niemand. Die Kritik geht eigent= lich weniger gegen den Entwurf, als gegen das diesem zugrunde liegende Schultompromi B. In Weimar hat man die parlamentarische Krise, aber nicht die Schultrise gelöst. Die Schwierigkeit besteht heute darin, daß seit Weimar die Anhänger der weltlichen Schule und die Anhänger der Konfessionsschule sich vermehrt haben. Die Regierung ist der Meinung, daß das Gesetz in der Praxis nicht so bureaukratisch wirken wird, als es den AnSchein hat. Die Schulaufsicht wird nicht illusorisch werden. Auch die Schulaufsicht des Staates wird bleiben. Freilich ist unser Tettes Ziel die einheitliche Volksschule. Abg. König- Swinemünde( Soz.): Die ganze Debatte zeigt, daß im Hintergrund des Schulproblems das Problem der Trennung der Kirche vom Staat steht. Die Kirche merkt, daß die Trennung nicht mehr aufzuhalten ist und sie will sich deshalb rasch möglichst viel Machtpositionen in der Schule sichern. Die Anhänger der Konfeffionsschule sprechen so viel vom Elternrecht. Es erhebt sich aber die Frage: Kann der Staat die Schule nur auf dem Elternrecht aufbauen? Heute, wo innerhalb des Staates nicht mehr eine einheitliche Weltanschauung vorherrscht, sondern alle Weltanschauungen anerkannt sind, entsteht für die Schule eine uns geheuere Gefahr, wenn die Anhänger der Bekenntnisschule durchs dringen. Heute ist es so, daß in irgendeinem Dorf zwei Kons feffionsschulen mit 40 fatholischen und 30 evangelischen Kindern bestehe, statt einer Schule. Das Schulwesen als Ganzes leidet darunter und die Gelder des Staates werden verschwendet. Es Sollte wenigstens soviel erreicht werden, daß die Simultan= schule als Regelfall und die Konfessionsschule als Ausnahmes fall erreicht wird. Abg. Delze( Din.): Die religiös- sittlichen Eigenschaften müssen im Unterricht gepflegt werden. Die Religion fann in der Ge meinschaftsschule den Kindern nicht so nebenbei vermittelt merden. Man will eben den Christlichen den Religionsunterricht einfach ausschalten. Dagegen wenden wir uns mit aller Entschiedens heit. Abg. Mener( Komm.): Das Kabinett Stegerwald ist nicht in der Lage, rein objektiv in dieser Frage vorzugehen. Der große Widerstand von rechts ist größtenteils durch die Haltung der Gozialdemokraten, in Weimar heraufbeschworen worden. Das Schulprogramm der Rechtsparteien bedeutet cine geistige Veritlavung des Proletariats. In der Schule joll der Gedanke der Bölferversöhnung gelehrt werden. Wir sind An hänger der gemeinsamen Erziehung von Knaben und Mädchen. Darauf vertagt sich das Haus. Auf Antrag Heilmann ( Soz.) wird die vom Aeltestenrat beschlossene Beschränkung der Redezeit auf eine Stunde bei der Beratung des Notetats aufgehoben. Auf Antrag Scholich( Soz.) wird das Kommunal- Abgabengesetz morgen an erster Stelle auf die Tagesordnung gesezt. Nächste Sigung Mittwoch 12 Uhr: Notetat in Verbindung mit der kommunistischen großen Anfrage betreffs Beschlagnahme fommunistischer Zeitungen und der deutschnationalen Anfrage betreffs Aufhebung der Sanktionen. Kleine Vorlagen, Anfrage über das Grubenunglück auf Zeche Constantin der Große. Rest von heute. Schluß gegen 7 Uhr. Heute Zahlabend in Groß- Berlin! In der Morgenstunde Damenhemden aus feinem und sehr elastischem Trikotgewebe, 1300 sehr lang und mit Aermeln.... M. 17,00, Damenhemden guter Friedensqualität M. aus weiß. Hemdentuch, in 2400 Damen- Schlupfhosen in schönen Farben, 1250 Dam.- Reformbeinkleider für den Winter gute Qualitä. M. in erstklass. blauen Trikotgeweben, in allen Größen. M. wollgewebe. 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Heimat ann.: Die Kreuzelschreiber citag: Föhn Romödienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Der ( Ralph, Korff, Otto). 7 Apollotheater 7/2 Friedrichstraße 218 Täglich: Tip- Tip Hurra! oder Der Sport- Schlemihl mit Wilhelm Hartstein Theat. a. Kettb.Tor Tel Moritsplatz 16077 Täglich 7% Uhr: Elite- Sänger 10 Herren! Vervk. 11-1 u. d Berliner Prater Rastanien- Allee 7-9 Täglich 4, Uhr: :: Varieté: EMILE ZOLA GESAMMELTE NOVELLEN Durchgesehen und herausg. von Hans Jacob Drei Bände Zum ersten Male wird hier eine Zusammen fassung von Zolas novellistischem Schaffen in deutscher Sprache geboten, in der wir neben den allbekannten Meisternovellen des grossen Romanschriftstellers auch Werke finden, die bisher in Deutschland wenig zugänglich waren. Unmittelbar mit Wärme und Leidenschaft spricht aus dieser Sammlung menschliches Erleben, innere Erschütterung. 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Residenz- Theater , Uhr: Mag Adalbert in 1919 Ab dafür Trianon- Theater Täglich 7%, Uhr: Lady Windermeres Fächer Lleines Theater Täglich 7, Uhr: Casanovas Sohn omische Oper Die Oper 73% Alt- Heidelberg Theater Operette in 3 Akten Behrenstraße 54. 71 Uhr: Persönliches Auftreten: Johannes Riemann und Dora Schlüter in Cocain( Sektkübel) und 9 weitere Attraktionen Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Mittwoch, den 13. Juli Konzert u. SpezialitätenBorstellung am Rollendorfplag II. Gr. Erntefest 7: Der Vetter aus Dingsda 71, Uhr: Walhalla- Theater Die Scheidungsreife Rose- Theater 7% Ubr: Der arme Millionär Grosser Ernte- Umzug Kindertheater:-: Kinderspiele und Kinder belustigungen aller Art, wie Topfschlagen, Sackhüpfen, Wettlaufen, KinderFackelzug Um 6 Ubr: Aufsteigen des Luftballons„ Neue Welt" Anjang 4 Uhr Ginley 3 Uhr Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geöffnet Boranzeige: Donnerstag, den 14. Juli Gr.Kunst- u.Frontenfeuerwerk ,, Ein Ausbruch des Vesuv" Schneider Rodenbergstraße 27. 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Die Schule soll die frohe Lebensstätte der Jugend sein, sie wird aus dem geistigen Streben der Kinder, Eltern und Lehrer hervorwachsen, und das Buch will ein Stück dieses Weges bahnen helfen und ist Eltern und Lehrern in ihrem Wollen ein Führer Preis nur 10.- Mark Gebunden 15.- Mart Zu beziehen durch jede Buchhandlung, in allen Freiheit"-Speditionen oder direkt von der Verlagsgenossenschaft Freiheit" e.G.m.b.H Berlin C2 Abt. Buchhandlung Unser diesjähriger Breite Straße 8-9 SaisonAusverkauf beginnt am Mittwoch, den 13. Juli Der Schuhhof Inh.: Theodor David Berlin W.9, Linkstr. 11 Schuhwaren- Groß- und Kleinhandlung Zweigniederlassung: Spandau, Breite Straße 22, 1. doiding stud Mr. 321 Groß- Berlin Die Rache der Militärbeamten In der Freiheit" vom Mittwoch, den 6. Juli, Morgenausgabe, hatten wir über unerhörte Vorkommnisse auf dem Schießplaz Kummersdorf berichtet. Die Militärbeamten hatten dort auf Staatsfosten ein Sommerfest abgehalten, das sich nur sehr wenig von dem beliebten Preisschießen der Orgesch in Bayern unterschied. Auf diesem Schießplay hat nun eine Vollversammlung der Betriebsangehörigen am Sonnabend, den 9 Juli, stattgefunden. Die Aufmachung der Versammlung war so, daß man ohne Uebertreibung von einem nationalistischen Terror schlimmster Art sprechen tann. Die Arbeiter waren umringt von allen Offizieren und Militärbeamten, die bei den Erörterungen eine herausfordernde Haltung einnahmen und die Distussion vollkommen beherrschten. Der Jnspettor Steinert, der sich um das Zustandekommen des Sommerfestes und damit um die Verschleuderung der Reichsgelder sehr verdient" gemacht hat, hielt eine Rede, wegen der allein schon der Mann hinter Schloß und Riegel gehörte. Er regte sich zunächst über den Artikel in der Freiheit" auf, der ihm begreiflicherweise wenig gefallen hat; wir halten aber daran fest und können dafür Zeugen beibringen, daß die Art, wie er sich über diesen Artikel ausließ, ein stillschweigendes Eingeständnis der von uns gemachten tatsächlichen Angaben enthielt. Dieser Herr, der sich nicht schämt, sich von der Republik bezahlen zu lassen, gleichwohl aber in der übelsten Weise gegen sie hetzt, behauptet: wer einen solchen Artikel verfasse, sei ein Vaterlands- und Hochs Wer einen solchen Artikel verfasse, sei ein Vaterlands- und Hochverräter, ein Strid und eine Kugel seien für ihn zu schade;„ solche merden“, führte der Herr wörtlich aus. Die beiden Betriebsräte, Genossen Metlewski und Sühzing, find in dieser Versammlung wiederholt bedroht und sogar angespien worden von den Offizieren und Militärbeamten, die in ihrem Nationalistenkoller feiner vernünftigen Erwägung der durch den Krieg für Deutschland geschaffenen Lage gegenüber der Entente zugänglich sind. Die beiden Betriebsräte sind am Sonnabend unter Mißachtung der gesetzlichen Vorschriften fristlos entlassen worden. Das Entlassungsschreiben lautet: Auf Grund des in der heutigen Vollversammlung der hiesigen Arbeiterschaft gefaßten vielstimmigen Beschlusses werden Sie mit dem heutigen Tage entlassen, weil Sie innerhalb des Dienstes den Frieden zwischen Behörde und Arbeiter und der Arbeiter untereinander zu stören versucht haben. Vorstand der Verwaltungsabteilung der Inspektion für Waffen und Geräte. Unterzeichnet ist der ungesetzliche Wisch natürlich von demselben famosen Herrn Steinert, und wir weisen nochmals darauf hin, daß die Inspektion für Waffen und Geräte eine Reichs= behörde ist, die sich nicht an das Reichsgesetz für Betriebsräte gebunden hält, sondern es gemäß der Anschauung der nationalistischen Militärbeamten mißachtet. Die beiden entlassenen Genossen werden diesen Terrorakt der wildgewordenen Militärbeamten natürlich nicht unwidersprochen hinnehmen, und so wird die Angelegenheit noch ein weiteres Nachspiel haben. Da sich der Inspektor Steinert und seine Amtskollegen vorläufig noch sehr sicher fühlen, wollen wir bemerken, daß wir über sehr viele Dinge, die sich auf dem Schießplay abgespielt haben und über äußerst kompromittierende Aeußerungen des Inspektors Steinert sehr gut unterrichtet sind. Wir fordern zunächst von der Reichswehrbehörde, daß sie auf diesem Schießplaz aufräumt. Wenn die Reichswehrbehörde aber nicht fähig ist, im Interesse Deutschlands und seiner schwierigen außenpolitischen Lage dafür zu sorgen, dann werden wir mit unseren Veröffentlichungen fort fahren, so lange, bis auch den Gerichten das Material genügt, um die Schuldigen unter die Anlage des Hochverrats zu bringen. Wenn Herr Inspektor Steinert diejenigen, die solche Zustände aufdeden, als Hochperräter bezeichnet, so ist das eine nationalistische Anmaßung ohnegleichen. Wir machen Herrn Steinert darauf aufmerksam, daß es Hochverrat ist, durch ungesetzliche ( 15. Fortlegung.) Felfenbrunner Sof Von Anna Croissant- Rust ( Nachdrud verboten.) Von diesem heißen Spiel hatten Mila und Eugenie nichts wahrgenommen. Sie waren in einem fleinen Streit über das lustige, farbige Tal, über das sie hoch wegfuhren. Eugenie meinte, dort unten liege Dahn, während Mila behauptete, das sei das Annweiler Tal, und unten liege die Bahnstation. ,, Natürlich liegt dort die Station," sagte Rolf. Helene erwachte und starrte ihn an. Er hatte seine Hand fortgezogen und deutete hinüber: „ Ja, fennt ihr denn das nicht? Das ist doch der Rehberg, und in der Ferne, das sind die alten Renommier= ruinen! Wenn ihr wollt, fönnen wir von da aus zur Station, es führt eine prachtvolle Straße hinunter. Oder wir bleiben ben unserm ursprünglichen Plan, nehmen in Andreaskreuz ein fleines Frühstüd und fahren zurück, ehe es heiß wird. Was meint das gnädige Fräulein?" Selene war fassungslos; fie starrte Rolf noch immer an. Konnte man so leicht, so falt, so überlegt disponieren, wenn man eines anderen Menschen Hand und Schicksal gefangen genommen hatte? Sie nidte mechanisch, ihr war alles recht, wenn sie nur ihn neben sich fühlte. " Was meinst du, Rolf?" fragte Eugenie.„ Ich meine, wir wollten doch von Anfang an nach Andreasfreuz. Ich will dort meine alte Freundin aufsuchen, die bei dem Forstmeister zu Besuch ist. Ihr andern ruht euch im Wirtsgar ten aus." „ Und ich möchte in das Tal hinunter", schmollte Mila. Da inzwischen der automatische Kutscher seine Pferde sachte weiter gelenkt hatte, ohne sich um die Micinung der Herrschaften zu fümmern, war man längst über den Kreuzweg hinaus und sah bald die roten Dächer von Andreaskreuz durch die Bäume leuchten. ,, Du hättest auch für die Station stimmen können, Lenchen," brummte Mila mißlaunig; wer weiß, vielleicht tommt dein Vater, er hat doch Heinrich," hier hielt sie inne und ärgerte sich, denn Rolf grinste. „ Der Vater?" antwortete Helene zerstreut. Ach ja. Ja, ja. Aber weißt du, ich möchte ich möchte gerade nicht“ „ Ich möchte auch nicht, daß uns die Mutter mit dir sähe", sagte Eugenie offen. " Ach die Mutter ist so großartig!" Beilage zur„ Freiheit" Handlungen Schwierigkeiten mit der Entente herbeizuführen, und wenn die Militärbeamten des Schießplages Kummersdorf fein Verantwortungsgefühl haben, so müssen sie entweder von ihrer vorgesetzten Behörde zurechtgewiesen oder von ihrem Posten entfernt werden. In der Betriebsversammlung soll der Inspektor Steinert ferner geäußert haben, die Freiheit" müsse, wenn sie nicht zu feige set, einen berichtigenden Artikel abdruden. Wir sind sehr ge= spannt auf diese Berichtigung, auf die wir noch immer warten; damit sich aber die Herrschaften feine unnötige Mühe machen, sei bemerkt, daß wir nur solche Zuschriften abbruden, die peinlich genau dem§ 11 des Pressegesetzes entsprechen. Konfumvereine und Gewerkschaften An die Konsumvereine stellt die Arbeiterschaft neben andern Anforderungen auch das Verlangen, hinsichtlich der Arbeitsverhältnisse ihres Personals vorbildlich zu sein. Dazu schreibt nun „ Der Deutsche", das Blatt der christlich- nationalen Arbeiterbewegung, in Nr. 80 unter der Ueberschrift:„ Konsumvereine und Lohnabbau": Die Gewerkschaftsorganisatio'nen fämpfen gegen die drohende Gefahr des Abbaues der Löhne an. Die Unternehmer fuchen einen Vorwand. Auf irgendeine Weise müssen die Kriegslasten, die schwer lastenden Steuern und Abgaben herausgewirtschaftet werden. Besonders schwer lasten Steuern und Abgaben auf jenen Unternehmen, die von dem jüngsten Preissturz getroffen wurden, so u. a. den Konsumvereinen. Die Preise verschiedener Lebens mittel find gesunken. Die Umjahziffern der Genossenschaften find fleiner geworden. Konjunkturgewinne fehlen, müssen fehlen, weil die Verbraucherorganisationen getreu ihrer vollswirtschaftlichen Aufgabe, der Preisregulierung auf dem Wareumarkte, stets als erste die Preise herabsehen müssen, um den Privathandel zum Nuzen aller Verbraucher zu gleichem Vorgehen zu zwingen. Gehälter und Löhne sind aber dieselben geblieben. Diese sind sogar meist höher als bei den privaten Unternehmern. Denn der Kon= sumverein soll als foziales Unternehmen auch in der Lohnfrage vorbildlich sein. Freilich ist der Koniumverein dadurch auch be= sonders belastet. Steigt nicht die Umsatzzijfer der Vereine in der nächsten Zeit, so müssen die Verwaltungen versuchen, diese Betriebsunkosten nach Möglichkeit zu mindern, denn die Mehrkosten auf die Ware zu schlagen, wie das der Privathandel tut, ist in Anbetracht des wirtschaftlichen und sozialen Zieles der Bewegung nicht angängig. Man müßte also zunächst versuchen, Löhne und Gehälter zu senten. Soweit aber darf es nicht und braucht es nicht zu tommen. Löhne und Gehälter sind aufzubringen, wenn der Umjaz der Vereine steigt. Dessen Höhe hängt aber von den Mitgliedern ab. Das sind Arbeiter und Angestellte. Deshalb sollte jeder Arbeitnehmer die Verbraucherbewegung in erhöhtem Maße unterstützen und ihr zur Durchführung ihrer Mission die notwendigen Mittel durch restlose Einzahlung der Geschäftsanteile zur Verfügung stellen. Vor allem muß mehr wie bis her im Konsumvereine getauft und der Umsag des eigenen Unternehmens erhöht werden. Wird das vernachlässigt, so tönnte der Tag lommen, wo auch die Ge= nossenschaften abbauen müßten, weil sonst Umsag und Unkosten nicht in Einklang stehen. Und dann würde es bei den Privatunternehmern sofort heißen:„ Seht, Arbeiter und Angestellte, eure eigenen Unternehmungen bauen Löhne und Gehälter ab. Es iſt also notwendig. Deshalb haben wir auch das Recht dazu." Der Arbeitnehmer sollte nie vergessen, wie die Verbrauchergenossenschaften vorgeschoben wurden, da es sich um den Abbau der 3wangswirtschaft handelte. Das war damals ein Vorteil, heute würde es die gesamte Verbraucherbewegung aufs schwerste schädi gen, wenn die Unternehmer bei der Frage des Lohnabbaues auf die Konjumvereine verweisen fönnten. Der Arbeitnehmer unterstüßt die Gewerkschaften, damit sie wenigstens die Erhaltung des Existenzminimums erkämpfen. Er sollte mit seiner Kauftraft, mehr wie bisher, seinen Genossenschaften helfen und durch Gesamteintauf den Umsatz aller Bedarfsartikel im Konsumvereine er höhen, damit die eigenen Unternehmen der Verbraucher auch fürderhin als Muster und Beispiel für die Entlohnung von Arbeitern und Angestellten dienen fönnen." Soweit das christlich- nationale Blatt. Es bezwedt mit diesem Aufsas, seine Leser zur Unterstützung der christlichen Konsumvervorhanden sind. Aber auch die Berliner Arbeiter könnten daraus eine anzuhalten, die namentlich im Rheinland und in Westfalen einverstanden sind. einiges lernen, wenn sie auch nicht mit jedem Satze des Artikels Ein Jubilar. Der Genosse Carl Böhlmann, 3iparrenfabrikant, Staliger Straße 132, gehört der Partei seit dem 8. Juli 1896 an. Seit dieser Zeit steht er ununterbrochen in den vorderMittwoch, 13. Juli 1921 | sten Reihen der Arbeiterbewegung. Bei Ausbruch des Krieges stellte er sich sofort auf feiten der Gegner der Kreditbewilligungen, bei Gründung der U. S. P. D. trat er dieser sofort bei und hat bis dato für ihre Interesseft gewirkt. Zu seiner 25 jährigen Parteizugehörigkeit wünschen wit, daß er uns noch recht lange erhalten bleibt und für unsere Interessen weiter fämpft. ,, Mutter hat feine Vorurteile," forrigierte Rolf ernsthaft, und nun lachten die Geschwister laut, selbst Mila lachte mit. ,, Na, noch bös, Darling?" fragte Rolf uno hob sie, als der Wagen hielt, mit einem Rud heraus. Stets war irgendein Gepläntel zwischen Rolf und Mila, und sie mußte immer auf ihrer Hut sein, daß sie Rolf nicht auf die eine oder andere Art hereinfallen ließ. Ja, er legte es geradezu darauf an, sie bös zu machen, die Bereinigung von findischem Getue und beleidigter Damenhaftigkeit mach ten ihm einen heillosen Spaß. Er liebte ihre drollig borstige Art, ihm zu zürnen; im Grunde hatte er sie gern, und sie vermißte geradezu etwas, wenn er sie einmal ein paar Tage ungeschoren ließ, ja gebrauchte allerlei Listen um wieder ges nedt zu werden. Nun tam Milas Rache. Während er sie heraushob, führte sie einen leichten Schlag nach der Rose in seinem Knopfloch und sagte:„ Die hast du von deiner Helene! Meinst du, ich merke nichts?" Er hielt sie einen Augenblid an der Brust und schaute ihr in die Augen:„ Oh du Baby, fleines Schaf! Was merkst du denn? Keine Ahnung hast du!" Mila blinzelte nur vielfagend als Antwort, und er hob sie wie ein Kind hoch in die Höhe, ehe er sie auf den Boden stellte, was sie ungebärdig strampelnd und schmollend hinnahm. Rolf war in übermütiger Laune. Mit glänzenden Augen, äußerlich jedoch sehr formell, half er Helenen aus dem Was gen, deren Hand unruhig die seine brüdte. Wie es Euge: niens Gewohnheit war, die Selbständigkeit über alles liebte, war sie schon auf der anderen Seite ausgestiegen. Ihre Mutter sagte, Eugeniens Ehrgeiz sei sicher, forrett, fühl und dennoch liebenswürdig zu erscheinen, eine Mischung, die Rolf anstrebte, die ihm aber bei Eugenie nicht ganz sympathisch war. Ach Gott, der Aff will als Dam' gelte, will in jeder Lebenslag das Richtige treffe und vornehm sein und doch nit hochmütig, ich hab mein Lebdag teen Dam' in dem Sinn sein wolle!" sagte ihre Mutter, wenn sie ärgerlich auf sie war. „ Laß sie sich doch auf Vornehmheit trainieren," begütigte Rolf, es schadet nicht, eine Dame in der Familie zu haben." Dam' hin, Dam' her," ereiferte fich Mama Thomann, Temperament is die Hauptsach, natürlich sein und seine Neigungen for alles Jdeale die Zügel schieße lasse und nit alles mit'm Zentimeter abmesse." Der Fälscherprozeß Stiller und Genossen In Fortsetzung der Beweisaufnahme tam der Fall der chemischen Fabrik von Böhmer u. Co. in der Schweiz zur Sprache. Die Firma beabsichtigte im Frühjahr 1920 mehrere Waggons Knochenbein Gallerte nach Deutschland einzuführen. Ihr Vertreter erhielt durch Böhmer und Vermittlung von Kruse und Stiller 3 Gin fuhrscheine für 40 000 Mart. Die Unechtheit der Scheine wurde auf dem Hauptzollamt Lindau erkannt, die Sendung angehalten: und für verfallen erklärt. In dem zweiten Falle handelte es sich um folgenden Tatbestand: Jm Juni 1919 hatte die Firma Menzel u. Nüsser von der bayerischen Heeresverwertungsstelle Flugzeuge gekauft und von diesen 30 Flugzeugzellen ohne Motoren an eine Firma in Barcelona in Spanien verkauft. Die Bewilligung zur Ausfuhr verschaffte sich die Firma durch Böhmer, der ausdrücklich erklärte, die Bewilligung sei vollständig in Ord nung. Bon den an Böhmer insgesamt aus den Geschäften gezahl ten 115 000. hat dieser an Etiller 50 000 Mart, 30 000 M. an Kruse und 35 000 M. nochmals an Stiller gegeben. Das Hauptzollamt München hat die Ausfuhr verhindert, weil sie nach dem Versailler Vertrag ungesehlich war. Die Nachprüfung des Einfuhrscheins ergab seine Unechtheit. Nach Bekundung eines Zeugen hat dieser die Ausfuhrscheine von Böhmer in Empfang ge nommen, der erklärte, er habe sie soeben von dem in seinem Rebenzimmer wartenden Dezernenten erhalten. Der Zeuge habe bemängelt, daß auf den Scheinen die Journalnummern fehlten, worauf Böhmer sich ins Rebenzimmer begeben habe und die Scheine mit den eingefügten Zahlen zurüagebracht haben soll. Der Zeuge war der Meinung, daß wirklich der Dezernent im Rebenzimmer gesessen habe, in Wirklichkeit soll aber der Angeflagte Stiller dort gesessen und die Zahlen eingefügt haben. Letzterer bestritt dies ganz entschieden, so daß R.-A. Leon Meyer den Antrag auf Ladung eines Schreibsachverständigen stellte. Die 57. Brottommission, Pufendorfer Straße( 181. Gemeindes Schule), wird am 15. Juli d. J. mit der 64. Brottommission, Fruchtstraße 38, vereinigt. Die vergrößerte Brottommission leftet Bezirksvorsteher Schmidt. Die Städtischen Volkskonzerte des Blüthner- Orchesters im Monat Juli jinden statt: Germania- Säle: 20. und 27., BlüthnerGaal: 22. und 29., Brauerei Königstadt: 25. Juli. Karten sind zu haben bei Horsch, Engelufer 15, Vor wärts", Linden= Straße Freiheit", Breite Straße 8-9, Orchester bureau, Lützowstrraße 76 und an der Abendkasse. Festnahme eines falschen Gastontrolleurs. Gestern nachmittag erschien vor der Wohnung des Kaufmanns Müller in Wilmers dorf, Aschaffenburger Straße 22, ein junger Mann und gab sich als Gasmessertontrolleur aus. Da er sich nicht legitimieren fonnte, verweigerte ihm das Dienstmädchen den Zutritt und ließ ihn durch einen Schuhpolizisten feststellen. Auf der Wache entpuppte er sich als der aus Wien gebürtige 20jährige Wilhelm 3., der bei seinen Eltern in der Neuen Winterfeldtstraße wohnte usb beschäftigungslos ist. Mordversuch an der Geliebten? Gestern morgen wurde die 24 Jahre alte Arbeiterin Emma Dreher in ihrer Wohnung im Hause Waldemarstraße 68 von Hausbewohnern bewußtlos aufgefunden. Das Schlafzimmer war mit Gas angefüllt. Nach den bisherigen Ermittelungen und Aussagen scheint es sich um einen Mordversuch des bei der Dreher wohnenden 22jährigen Arbeiters August R. zu handeln, der mit der D. furz zuvor einen Streit gehabt hatte und dann weggegangen war. Der alarmier ten Feuerwehr gelang es, die D. wieder ins Leben zurüde zurufen. Ein zärtlicher Gatte. Der 26 Jahre alte Trainer Franz Abe I hate gestern dem Alkohol etwas reichlich zugesprochen. Als ihm auf dem Heimwege seine Frau Elise darüber Vorwürfe machte, zog er vor dem Hause Potsdamer Straße 86 fein Messer aus der Tasche und verlegte seine Frau durch mehrere Stiche in den linten Unterarm erheblich. Während man die Frau nach einem Krankenhause schaffte, wurde Abel festgenommen. Das leidige Aufspringen auf einen Straßenbahnwagen hat gestern wieder einmal einen schweren Unfall zur Folge gehabt. Die 32jährige Witwe Rosa Meroz tam dabei vor dem Hause Ritterstraße 2 zu Fall und wurde von dem Anhänger fünf Häuser mitgeschleift. Mit schweren Verlegungen schaffte man sie nach dem Urban- Krankenhause. Ihren Sohn Rolf betete sie an. An ihm liebte sie alles, was sie an Eugenie verabscheute. In ihm sah sie das in die Erscheinung getretene schwärmerische Jdeal ihrer Mädchen jahre, ein Jdeal, dem ihr Gatte nie entsprochen. Rolf wat die Erfüllung, fie tannte feinen vollendeteren Mann, feine höhere Autorität. Nur Schöngeist" war er nicht genug, und an ihre ästhe tischen Neigungen ließ sie sich auch von ihm nicht tippen. Mila war ihr zu unbedeutend. Wenn sie von ihr sprach, sagte sie ,, bes gut Milache, es wird sich gut versorge, es hat feine richtige Ambitione." Man nahm das Frühstück in einem fleinen Pavillon ein, der eine weite Rundschau über die grünen Pfälzer Berge und Täler bot. ,, Wundervoll," sagte Helene, fah aber sofort nach der Rich tung des Stalles, woher Rolf fommen mußte. Ihr eigenes Vergnügen hatte Mila: sie zählte die vielen Burgen und die Felsen, die wie Burgen aussahen und wat felig, so viele zusammenzubringen. Eugenie stand still an der Brüstung und sah hinab. Da lagen vor ihr, festgebannt, fleinere und größere Wellen, eine die andere überholend, oder sich wie im übermütigen Spiel über sie fortstürzend, wie Wellen eines riesigen leuch derer und kleiner schienen sie gegen das Elsaß zu werden, tenden grünen Saatfeldes, die Pfälzer Berge. Immer nie wo eine feste blaugraue Dunstmauer hodte. Strahlend blau, in der Mitte sich weißlich färbend, lag die Himmels. glode über der heiteren Welt, die man in der Sonne brunten jah. Die Täler voll bunter Dörfer und Gehöfte, rote Dächer und weiße Mauern, dazwischen Schiefertürme und umbuschte Gärten. Drüben standen die stumpfen Bergkegel, die sich alle glichen, alle gegen die Ebene vorschoben, einer dem an dern förmlich ausweichend, und von denen jeder eine Burg trug. Zwischen den Burgen und über die niederen Berge weg sah man das reiche ebene Land von der Haardt bis zum Odenwald und bis dahin, wo in schwachen verwischten Lis farbener Dunststreifen folgte dem Laufe des Rheines und nien der Schwarzwald am Horizont stand. Ein schiefer= verdichtete sich zu einem schweren dunkeln Qualm, der sich an einer Stelle zusammenballte wie eine unheilschwangere gigantische Wolfe, die sich niedersentte dort hatte sich die Industrie festgelegt und ließ dice schwarze Rauchfahnen aus Hunderten von Schloten wehen, Trauerfahnen in dieser heiteren sonnigen Landschaft. ( Fortsetzung folgt) Gewerkschaftliches Wo bleibt die Justiz? Während die heutige Klassenjustiz ein hageldichtes Maschinengewehrfeuer gegen politische Verbrecher" aus der Arbeiterschaft unterhält, geschieht nichts, um frasse Gesegesverlegungen seitens der Unternehmer zu fühnen. Die Uebertretungen, die mit Bewußtsein gegen das Betriebsrätegesez unternommen werden, häufen sich immer mehr, ohne daß wir bisher hörten, daß sich die Aufsichtsbehörden und die Justiz bemüßigt gefühlt hätte, gegen solche Gesetzesverächter irgendwie vorzugehen. Am 4. Juni teilten wir erst einen solchen Fall mit und zwar handelte es sich um ein Vorgehen der Agrarier aus der Kieler Gegend, die ganz systematisch daraufhin arbeiteten, die Betriebsratsmitglieder und Funktionäre des Landarbeiterverbandes aus Lohn und Brot zu bringen, um die ganze Arbeiterschaft einzuschüchtern, so daß sie es ablehnen würde, als Funktionär und Betriebsratsmitglied von seinen Klassengenossen erwählt zu wer-. den und zu fungieren. Heute bekommen wir Kenntnis von folgendem Vorkommnis: Auf dem Fürstlichen Lohnschacht- Waldenburg ist ein Schmied deshalb entlassen worden, weil er sich ein kleines Aquarium selbst zusammenbaute. Als er sich seine Papiere holen wollte, wurde ihm bedeutet, er könne wieder weiterarbeiten, wenn er folgende Erklärung unterschreiben würde: Erklärung! Nachdem die Verwaltung mich wieder in Arbeit genommen hat, verpflichte ich mich, in Zukunft meinen Dienst als Schmied voll zu erfüllen, die achtstündige Arbeitszeit innezuhalten und insbesondere jede Agitation innerhalb des Gru= benbetriebes zu unterlassen. Sollte ich nicht meinen Verpflichtungen nachkommen, so foll die Verwaltung berechtigt sein, mich sofort zu entlassen. Waldenburg, den 1. Juli 1921. Stempel. Maschinen- Abteilung Lohnschacht. ( Unterschrift des Entlassenen) ( Unterschrift des S. P. D.- Betriebsrat) Unterschriften. gez. gez. Das ist nicht der erste Fall, sondern wie uns mitgeteilt wird, bereits der dritte. Ganz ähnlich ist diese Methode auch gegen zwei Kommunisten angewandt worden und bemerkenswert ist, daß auch der rechtssozialistische Geschäftsführer des deutschen Metallarbeiterverbandes die obige Erklärung gegengezeichnet hat! Der Betreffende scheint nicht zu wissen, daß er damit eine offene Berlegung gegen das Betriebstätegeseg beging. In diesem Fall sind zwei wichtige Dinge zu beachten: Ein Ge wertschaftsfunktionär und rechtssozialistisches Mitglied der S. P. D. scheint nicht die primitivsten Kenntnisse des Betriebsrätegeseges zu haben und ist sich wahrscheinlich dessen gar nicht bewußt, was er tat. Es wird zunächst Aufgabe des Deutschen Metallarbeiterverbandes sein, diesen Mann entweder zu belehren, oder durch ein fähigeres Mitglied zu ersehen. Außerdem: Anscheinend fümmert sich feine Aufsichtsbehörde und keine Justiz um trasse Verlegungen des Betriebsrätegeseges, wir wenigstens haben bisher noch nichts gehört, daß irgendwelche Schritte gegen solche Gesezesverächter aus dem Kreise der Unternehmer unternommen worden wären. Hier sind ganz deutlich u. a. die§§ 95 und 96 verlegt worden und auf Grund des§ 99 fann sofort eingeschritten werden. Wir sind gespannt, ob die betreffenden Stellen auch weiterhin in Untätigkeit verharren, oder ob sie sich bemüßigt sehen werden, in diesem Falle gegen diese Gesellschaft vorzugehen. Wir warten auf Antwort und fragen noch einmal: Wo bleibt die Juftiz? Zum Kampf der Banfangestellten Donnerstag abends findet in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee, in der Frage des Tarifs eine große VersammTung statt mit dem Thema: Unterwerfung oder Kampf. Mary und Emonts werden referieren. Die Tarifrevision der Angestellten bei Reichs- und Staatsbehörben. Mit der unerhörten Verschleppung der Tarifrevision der Reichs- und Staatsangestellten und Des Berrates der Gewerkschaftsbünde beschäftigte sich am Montag eine oom fa- Bund einberufene öffentliche BerJammlung. Die verschiedenen Redner erörterten die Ursachen der Verschleppun, an der zu nicht geringem Teil die Gewerkschaftsbünde schuld sind und verteidigten den Standpunkt der Afa bei den bisherigen Verhandlungen. Als Gewerkschaftsbündler die göttliche Frechheit besaßen, aus Agitationsbedürfnis heraus, die Haltung der Afa als Berrat zu bezeichnen, stießen sie auf lebhaften Widerspruch der Versammlung. Genosse Frizz Schmidt lüftete die Maste dieser Auch- Gewerkschaftler gelber Couleur und verordnete ihnen eine Abreibung, die den stürmischen Beifall der Versammlung auslöste. Nach längerer Aussprache beschloß die Versammlung gegen einzelne Stimmen folgende Resolution: Die am 11. Juli 1921 versammelten Angestellten der Reichs- und Staatsbehörden protestieren einmütig gegen die von den Ressorts bisher betriebene Verschleppung der Revisionsverhandlungen. Sie fordern die beschleunigte Durchführung der Verhandlungen, nachdem die Besoldungsordnung der Beamten seit über einem halben Jahre bereits Gesez geworden ist. Die fünftigen Verhandlungen sind nur auf der Grundlage der vom Afa Bund aufgestellten Forderungen zu führen. Die Gewerkschaftsbünde haben durch ihr verräterisches Verhalten während der bisherigen Verhandlungen das Recht verwirkt, im Namen der Reichs- und Staatsangestellten diese weiterzuführen. Den Gewerkschaftsbünden wird das schärfte Mißtrauen ausgesprochen. Den dem Afa- Bund angeschlossenen Gewerkschaften erklären die Versammelten ihre volste Zustimmung zu ihrer Verhandlungsführung und versichern ihrerseits, alles für die Durchführung der Afa- Forderungen zu tun." Betriebsräte der Metallindustrie. 3. Hauptgruppe. Am Donnerstag, den 14. Juli, abends 7% Uhr, findet eine Borbesprechung der Betriebsräte der U. S. P. D. statt. Parteiveranstaltungen 9. Berwaltungsbezirt( Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald). Mitteilungs blätter find im Restaurant Krulat( vorm. Schilling), Wilmersdorf, Lauenburgers, Ede Gasteinstraße, von den Abteilungsführern abzuholen. Mittwoch, 13. Juli 15. Berwaltungsbezirl( Abt. Oberschöneweide). Abends 7 Uhr gemeinschaftlicher Zahlabend in der Schulaula Frischenstraße. Da wichtige Tagesordnung, it pünkt liches Erscheinen erforderlich. 16. Diftritt( früher 7.). 1. Abteilung. Gemeinsamer Zahlabend bei Brind, Rotherstraßes Ede Benmestraße. Bortrag des Genossen Liers. 19. Dirift( Kreuzberg). 3. Abteilung. Zahlabendlotale: 115-117 Rostod, Blücher, Ede Bärwaldstraße. 118-120 Rösner, Bärwaldftr. 12. 121-122 Berg mann, Ede Bärwaldstraße. 123-124, 130, 132 Sieler, Dieffenbachstr. 76. 131 Krüger, Grimmjtr. 1. 20. Diftritt. 5. Abteilung. 3ahlabend bei Gansel, Grünauer Str. 17. Borisas, des Genossen Zubeil. 20. Diftritt( früher 4.). 13. Abteilung. Abends 7 Uhr Gemeinsamer Zahl abend bei Setwert, Echlefiche Straße, Efe Hedmannufer. Reulsün. Das seau ist nur noch geöffnet von Montag bis Freitag von 5-7 Uhr( Sonnabend geschlossen). 3. Beglif. 7 Uhr Bezirkszahlabend Pannierstr. 59 ( früher Megner). 5, Bezirt. 7 Mhz Bezirfszahlabend im Jbeal- Rafino, Weichsel ftraße 8. Referat: Gen. Schneider über Wohlfahrtspflege". 4. Vezirt. 7½ ühr Bezirkszahlabend bei Lehmann, Weserstraße, Ede Telstraße. Referat: Genoffe Fiedler. 8. Bezirk. Bezirksversammlung Südgarage, Köllnisches Ufer 22-23. Res ferat: Gen. Besier. 11. Bezirk. Bezirkszahlaberd Böhmischestr. 43-44. 21. Be girt. 7 Uhr Bezirkszahlabend Weiseftr. 8, bei Heisle. Rentäkn. 22. Bezirk. Bezirksabens bei Großlahn, Weiseftr. 8. 14. Bezirk Ofers Straße 14 bei Schulz. Alle anderen Bezitte in den befannten Lokalen. Söneberg Friedenau. Die Genoffinnen, Genaffen und Freiheit" leser werben gebeten, am 3ahlabend des Sachsendammbezirks, Reichefstraße, Ede Sachjendamm, volzählig teilzunehmen, da wichtige Bartelangelegenheiten zu erledigen find. Tempelhof. Der Zahlabend für den Nord- und Südbegut findet bei. Soff mann, Berliner Str. 143, statt. Thema: Die Einigungsfrage. Anfang pünktlich 7½ Uhr Diftritt Sparban. Abends 7 Uhr Abteilungsversammlungen. Bezirke 1, 2 und 7 im Restaurant fritener, Fischerstraße. Bezirke 3 bis 6 im Jägerhäuschen, Lynarstr. 2. Bezirke 8, 9 und 10 im Restaurant Wind, Bichelsdorfer Str. 5. Abt. Siemensstadt im Restaurant Sauer, Schulstraße. Abt. Staaten in der Garten Stadi chule. Wichtige Tagesordnung. Brig. Ubends 8 Uhr gemeinschaftlicher Zahlabend bei Meter, Chausseestz, 60-70. Tagesordnung: 1. Die Umgestaltung des 14. Verwaltungsbezirts. 2. Geschäftliches. Bezirk Friedrishngen. Abends 7% Uhr Mitgliederversammiung bei Zachow, Seeftr. 36. Schen- Reuendorf. Abends 8 Uhr 30stabend beim Genossen Richter, Oranienburger Straße. Vollzähliges Erscheinen wird verlangt. Donnerstag, 14. Juli 19. Berwaltungsbezirk. Kinderausflug. Treffpunkte: Pantom- Rorb, vorm. 19 Uhr bei Briefe, Rettiaftr. 16. Pantow- Süd, vorm. 10 Uhr, Berliner, Ete Raisers Friedrich- Straße. Stieberschönhausen, vorm. 10 Uhr, am Rathaus Blücherstraße. Seiner borf, vorm. 11 Uhr, Prenzlauer Brom., Ede Granigstraße. Gemeinsamer Treffpunkt gleichfalls bort. 8. Dikrift( Wedding). 2. und 3. Abteilung. Kommunale Kommission. Abends 7 Uhr in der Schule Lütticher Str. 47-49. Diftritt Epenbau. Abends 7 Uhr bei Kohlschmidt Lehr- und Lernfurfus des Genoffen Eggert. Freitag, 15. Juli Spandau. Abends 7 Uhr bei Rohlichmidt Sigung des Diktittsvorstandes, um 8 Uhr Sigung der neugewählten Bergnügungskommission. Vereinsfalender Donnerstag, 14. Juli Berband der Buchbinder. Abends 5% Uhr im Saal 1 des Gewerkschaftshauses Branchenversammlung. Deutscher Trensportarbeiter- Serband. Handelshilfsarbeiter und arbeiterinnen aus allen Betrieben des Bodenlederhandeis. Abends 7 Uhr im Lokal von Karl Bau- und Arbeitstutscher. Witte, Poftstr. 29, wichtige Gruppenversammlung. Abends 7 Uhr, im Gemertschaftshaus, Engelufer 14-15, Saal 4, Branchenvers sammlung. Rollfutscher, Begleiter, Bodenarbeiter, Mitfahrer, Stalleute und Wächter. Abends 6 Uhr bei Böter, Weberstr. 17, Bollversammlung. Geschäftliches Die heutige Anfündigung der Kleidermerke Baer Sohn, alleinige Bertaufstelle Chauffeeftr. 29-30, enthält ungewöhnlich billige Angebote. Die Firma legt Wert darauf, zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, daß ihre Offerten freibleibend find, d. h., daß sie nicht verpflichtet ist, solche Waren, die ihrer Billigkeit wegen vez griffen find, vertaufen zu müssen. Der Versand nach außerhalb erfolg. in ber Reihenfolge der eingegangenen Aufträge. Verantwortlich: für Bolitik u. Feuilleton: Leo Liebschüs, Berlin- Friedenau; für Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkschaftliches: Gerhart Seger, Mahlsdorf Süd bei Berlin; für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: i B. Gustav Matusch. Berlin W. Berlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6. m. b. 5., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin 2, Breite Straße 8-9. Hühneraugen Hornhaut, Schwielen u. Warzen beseitigt das ärztlich empfohlene millianenfach bewährte Kukir Schachtel M. 3.-. In Apotheken. Drogerien erhältlich. Räumungs- Ausverkauf Peiser Qualitätsware Kriegsanleihe wird zu 84% in Zahlung genommen! 2 Ausnahmetage für Reisebekleidung Plüsch- und Pelzmäntel!!! Impr. 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Maschinen für Brennereien, Brauereien und chemische Industrie. 7. Werkzeugmaschinen für alle Suduſtrien, Werk zeugbau und Feilenhauerei. Sua Ischias Am Donnerstag, den 14. Juli 1921, abends 6 Uhr, in Hüft., Gefäß u. Bein. Da im Rosenthaler Hof", Rosenthaler Straße 11/12, ( chw. Fälle in 15 Tagen bes feit. w., hierüber unantastb. Heilerf. befteh. u. Referenzen. Invalidenstr. 106, von 9-3, Jacoby Tausende befreit! Bandwurm mit Kopf um Spulu. Madenwürmer beseitigt leicht und schnell das unschädliche Medicos Bandwarminittel. 30jhr. Erfolge. Für Erm. M.10.-, f. Rinder M. 7.50( Alters angabe). Echt u. wirksam nur mit Marke„ Medico". Wo nicht erhältl., durch Otto Reichel, Berlin 46, SO, Eisenbahnstr. 4. Aufpolftern, Sofabezüge Bappelallee 12. Pickel, auch die hartnäckigiten, fettglän zende, großporige Haut u.fonitige Hautunreinheiten lassen sich nur Durch die seit 30 Jahren sicher bes währte Pasta Sera beseitig. m.12.50.3ur gleichzt. innerlich. 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