Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 11 M. im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen jämtliche Poftanftalten Bestellungen enas gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Desterreich, Ungarn, Danzig, das Saarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens u.Luxemburgs 20 M., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9. Donnerstag, 14. Juli 1921 Nummer 324 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezetle oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Besuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gefuche in Wort- Anzeigen: das fettae? ruckte Wort 1,50 m., jedes mettere Wort 1.- m. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 greibeir Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Zustimmung zu Hardings Einladung Die Abrüstungskonferenz Washington, 14. Juli. Die Antworten der englischen und der italienischen Regierung auf die Einladung zur Konferenz sind hier eingetroffen. Die italienische Regierung hat die Einladung angenommen. Die englische Antwort ist noch nicht veröffentlicht worden, es steht aber nach den Erklärungen Lloyd Georges im Unterhaus außer Zweifel, daß sie zustimmend lauten wird. New Yort, 14. Juli. Der japanische Korrespondent der„ New York Times" teilt mit, die japanische Regierung habe die Einladung zur Konferenz angenommen. Die Britische Reichskonferenz zur Abrüstungsbesprechung Loudon, 14. Juli. Times" meldet, daß in der gestrigen Sitzung der Britischen Reichstonferenz die Frage der Vertretung der englischen Regierung und der Regierungen der Dominions auf der Washingtoner Konferenz unformell erörtert wurde. Eine Anregung, daß ein vorläufiger Gedankenaustausch über die politischen Fragen des Stillen Ozeans in London abgehalten wer den möchte, bevor die Premierminister der Dominions abreisen, werde gegenwärtig vom Präsidenten Harding geprüft. Keine Verzögerung der Friedensverhandlungen mit Deutschland EE. London, 14. Juli. Ein hier eingetroffenes Telegramm aus Washington besagt, daß Präsident Harding in einer an den Kongreß gerichteten ErElärung zu verstehen gab, daß die Abrüstungstonferenz in feiner Weise einen Aufschub der Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland be wirken werde. Sachverständige für Oberschlesien Paris, 14. Juli. Wie dem„ Matin" aus London gemeldet wird, soll das Foreign office gestern den englischen Botschafter in Paris, Lord Hardinge, angewiesen haben, der französischen Regierung mitzuteilen, daß die englische Regierung endgültigden Vorschlag, eine Sachverständigentommission nach Obers schlesien zur Festjehung der deutsch- polnischen Grenzlinie zu entsenden, annimmt. Das Blatt fügt hinzu, man nehme in London an, daß die Sachverständigen sofort nach Oberschlesien abreisen werden und daß es möglich sein werde, bereits für die Konferenz von Boulogne einen Bericht zu liefern. Wann die Konferenz des Obersten Rates stattfinden wird, ist noch immer nicht bestimmt. Gestern hat der Pariser Korrespondent des„ Daily Expreß" gemeldet, Frankreich wünsche, der Oberste Rat möge am 25. Juli zusammentreten. Vorher war mitgeteilt worden, daß Lloyd George die Konferenz erst in einigen Wochen wünsche, da er zur Zeit wegen der britischen Reichskonferenz unabkömmlich sei. Nach der heutigen Meldung fönnte man annehmen, daß jetzt nicht nur über die Entsendung der Sachverständigenkommission nach Oberschlesien, sondern auch über das Datum der neuen Konferenz eine Einigung zwischen der französischen und englischen Regierung erfolgt ist. 3m besetzten Gebiet Berhaftung eines Redakteurs Düsseldorf, 14. Juli. Der Chefredakteur der„ Düsseldorfer Zeitung", Paul Muegel, ift von der französischen Besatzungsbehörde zu vier Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er wurde gestern nachmittag durch zwei französische Gendarmen aus seiner Wohnung geholt. Gründe für das Verbot der Zeitung und die Verhaftung Muegels wurden bisher nicht mitgeteilt. Es wurde nur auf eine Nummer der„ Düsseldorfer Zeitung" hingewiesen. Anscheinend hat die Verteidigung des Leipziger Prozeßvers fahrens das Mißfallen der Bejagungsbehörde erregt. Die Leipziger Prozesse Englands Haltung noch unbestimmt Paris, 13. Juli. Wie Havas aus London berichtet, fragte ein Abgeordneter im Unterhaus den Staatssekretär des Auswärtigen, ob er in der Lage sei, jetzt das Haus zu verständigen, ob die französische Resierung ihre Vertreter in Leipzig wegen der Urteile gegen die Kriegsverbrecher abberufen habe. Harmsworth anwortete, daß die französische Regierung in der Tat diesen Be schluß gefaßt habe. Der Abgeordnete fragte weiter: Liegt es in ber Absicht der britischen Regierung, sich diesem Vorgehen der französischen Regierung anzuschließen und darauf zu bestehen, daß diese Kriegsverbrecher vor einem alliierten Gericht abgeurteilt werden? Harmsworth sagte, daß er auf diese Frage nicht antworten könne, bevor er Instruktionen erhalten habe. Der Kemalistische Krieg Paris, 12. Juli. Nach einer Meldung aus Konstantinopel sandte der Befehlshaber der nationalistischen Truppen in Jsmid der Pforte eine Note zur Uebermittlung an die Alliierten, in der es heißt, er werde sich genötigt sehen, die Konstantinopeler neutrale Zone nicht länger zu respektieren, wenn die Griechen fortfahren, Konstantinopel als Stützpunkt zu benutzen. Ferner wird aus Konstantinopel gemeldet, daß nun doch in nächster Zukunft eine 3 usammenkunft zwischen Mustafa Kemal und General Harrington, dem englischen Befehlshaber arrangiert werden wird. Mustafa Kemal habe seine Haltung geändert und den britischen Oberbefehlshaber um eine Konferenz gebeten. Ursprünglich hatte Kemal Pascha nämlich den Engländern sagen lassen, er habe feine Besprechung nötig. Wenn die Hohe Meerengenfommission eine Konferenz mit ihm wünsche, so habe das nur Sinn, wenn die Kommission Kemals Bedingungen annehme. Sie seien: Der Besitz von Thrazien und Smyrna und die Räumung Konstantinopels und der Meerengen. Es hat den Anschein, als ob der Wunsch nach einer Verständigung bei England ziemlich groß ist, denn ein Krieg in diesen Gegenden ist nur mit einer verhältnismäßig großen Truppenmacht zu führen und bleibt selbst dann ein ungewisses Wagnis. Griechenland allein wird den Krieg gegen die Angore- Türfen faum mit Aussicht auf Erfolg führen fönnen. Die Wiedergutmachung Ueber das Ergebnis der Pariser Verhandlungen der Sachver ständigen wird noch folgendes berichtet: Zwei Arten von Fragen waren zu lösen: Die eine bezog sich auf den Mechanismus der Reparationen, die andere auf den Handelsverkehr zwischen Frankreich und Deutschland. Bei der Zusammenkunft zwischen Loucheur und Rathenau in Wiesbaden nahm man wahr, daß die Angelegenheit der Natu ralleistungen eine ernstliche Regelung erfahren müsse. Wenn Frankreich geneigt war, die deutschen Lieferungen anzunehmen, mußten doch gewisse Erleichterungen gewährt und der Preis des zu liefernden Materials günstiger gestellt werden, als der der Holzhäuser, die von Deutschland türzlich angeboten wurden. Um diese verschiedenen Schwierigkeiten zu löjen, einigte man sich beiderseits auf einen Organisationsplan, der dahin geht, daß die französischen Käufer im zerstörten Gebiet mit den deutschen Verkäufern in unmittelbare Verbindung treten. Die Zahlungen würden durch Vermittlung eines oder mehrerer ge= mischter Bureaus vor sich gehen, die vom Staate eingerichtet werden, und denen der Käufer als Zahlung eine Erklärung über die erlittenen Schäden übergeben würde. Das Bureau müsse dann den deutschen Verkäufer in deutschen Reichsmart entschädigen. Dieses System war bereits auf der Brüsseler Konferenz in Aussicht genommen worden, da es den Einfluß des Staates auf ein Mindest maß verringert und gestattet, daß sich der Mechanis mus der Reparationen im allgemeinen mehr den im Handelsverkehr üblichen Gebräuchen anpaßt. Es müßten jedoch auch die Rüdwirtungen erwogen werden, die diese Operation auf die Handelstätigteit der beiden Länder ausüben würde. Wenn Frankreich sich darauf beschränkt hätte, die Lieferung deutscher Waren zuzulassen, ohne daß es selbst Waren an Deutsch land verlaufe, so wäre die Handelsbilanz Frankreichs sicherlich in Unordnung geraten. Denn wenn auch französische Waren ins Rheinland gelangen, jo werden Sie doch im übrigen Deutschland mehr oder weniger bontottiert. Andererseits beklagt sich Deutschland darüber, daß es durch das 2och im Westen außer ordentlich geschädigt werde. Deshalb hat man beschlossen, an die Stelle dieses Zustandes ein dauerndes und vernünftiges Regime zu sehen. Die Kontrolle der Einfuhrerlaubnis, die im Rheinland gegenwärtig in den Händen der Interalliierten Kommission liegt, würde nunmehr in Verbindung mit der deutschen Regierung durchgeführt werden, wodurch das Loch im Westen geschlossen würde. Ein System der Kontingentierung wird zugunsten der französischen Luruswaren eingerichtet werden, durch das dem Bontott ein Ende bereitet wird. Doch sollen genauere Abmachun gen über diese Frage noch getroffen werden. Brinzipiell find beide Länder dahin übereingekommen, ein gewisses System der Repa rationen und ein solches des Warenumtausches nunmehr in Kraft treten zu lassen. Beiderseits war der gute Wille vorhanden, zu einem Einvernehmen zu gelangen. Die deutschen Vertreter verzichteten ihrerseits auf eine Erörterung der Frage der wirtschaftlichen Santtionen, die nicht von der französischen Regierung, Jonbern vom Obersten Rat abhängen. Ueber die Frage der Holzhäuser hat man nicht gesprochen. Loucheur scheint zu der Ueberzeugung gelangt zu sein ,, daß die französische Industrie diele zu besseren Bedingungen liefern tönnte als Deutschland. Im allgemeinen ist die französische Regierung geneigt, von der deutschen Industrie nichts zu kaufen, was der Entwicklung der französischen Industrie irgenwie im Wege stehen tönnte. Unsere Tätigkeit im Intereffe • der Erwerbslosen Von Robert Dißmann Das Arbeitslosenproblem steht seit Jahresfrist erneut im Vordergrunde der sozialen und wirtschaftlichen Fragen. Nicht nur um eine finanzielle Unterstügungsangelegenheit handelt es sich. Treten wir mit allem Nachdrud dafür ein, daß den Erwerbslosen eine Unterstützung gewährt wird, die fie in die Lage versetzt, den notwendigsten Lebensunterhalt ( Ernährung, Kleidung, Wohnung usw.) fristen zu können, So bleibt doch als vornehmste und zwingendste Aufgabe, die Beschäftigungslosen wieder in Arbeit zu bringen. Von diesen Gesichtspunkten sich leiten lassend, trat die Reichstagsfraktion der U. S. P. D. nach den letzten Reichss tagswahlen an ihre Aufgaben heran. Nach dem Zusammentritt des Reichstages reichten wir sofort einen entsprechenden Initiativantrag im Reichstage ein. Unseren Bemühungen im Plenum wie in den nachfolgenden Kommissionsberatun gen( 5. Ausschuß des Reichstages) ist es in erster Linie mit zuzuschreiben, daß im Oktober 1920 die Unterstützungssäge für Erwerbslose um 20-25 Prozent erhöht wurden und gleichzeitig die produktive Erwerbslosenunterstützung( Beschäftigung von Arbeitslosen) durch Bereitstellung größerer Geldmittel eine Förderung erfuhr. Doch damit war unsere Tätigkeit feineswegs erschöpft. Jederzeit und überall, wo Staat und Kommunen für ausreichende Unterstützung der sich eine Gelegenheit bot, sind unsere Bertreter in Reich, Arbeitslosen eingetreten. Dabei haben wir nie aus dem Auge verloren, daß eine völlige Lösung des Arbeitslosenproblems nur durch eine Aenderung der Wirtschaft erfolgen lann. Die heutige Wirtschaftsanarchie und die Arbeitslosig teit sind untrennbar miteinander verbunden. Die Beseitigung fapitalistischer Herrschaft und die Herbeis führung der sozialistischen Produktions- und Bedarfswirts schaft ist das von uns mit allen Mitteln zu erfämpfende Ziel. Solange dieses Ziel jedoch nicht erreicht ist, haben wir die Pflicht, für eine Linderung des Elends der von Ars beitslosigkeit Betroffenen alles zu tun. Am 26. Februar d. Js. reichte der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund ( ADGB.) seine bekannten Forderungen bei der Reichstegies rung ein. Einer Initiative unserer Partei folgend, stellten die Fraktionen der U. S. P. und S. P. D. die gleichen Fordes rungen im deutschen Reichstag. Es tam in den Maitagen dieses Jahres zur Auseinandersetzung über diese Fordes rungen im Plenum des Reichstages. Die K. P. D. hinkte bei dieser Gelegenheit mit einigen Abänderungsanträgen hinter uns einher. Aber wohl nur, um ihre„ revolutionäre Stoßtraft" gegen die„ menschewistischen Arbeiterverräter" und Gewerkschaftsbureaukraten" usw. ausrasen lassen zu fönnen. " Es folgten die Beratungen im volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags. Wir haben auf eine gründliche Behandlung der Arbeitslosenfrage gedrängt. Sie war doppelt notwendig nach der damals abgegebenen Erklärung der Regierung, fie fönne einer Erhöhung der Unterstützungssäge für die Arbeitslosen nicht zustimmen. Wir mußten deshalb die Probleme gründlich aufrollen, um den zwingenden Nachweis dafür zu erbringen, daß mehr für die Erwerbslosen geschehen muß. Es wurde daraufhin ein von uns eingebrachter Antrag angenommen, die einzelnen Ministerien zu ersuchen, dem Ausschuß Bericht zu erstatten über die gegenwärtige Lage, 1. im Stein- und Braunkohlenbergbau, 2. im Eisenerzbau und der Großeisenindustrie, 3. im Kalibergbau, 4. in der verarbeitenden und Exportindustrie, 5. im Baugewerbe, 6. über die Rohstoffversorgung und die Absatzmöglichkeiten der verschiedenen deutschen Industriezweige, 7. über den Stand der Verhandlungen wegen der Beteiligung Deutschlands an dem Wiederaufbau in Nordfrankreich und Belgien und der damit in Aussicht stehenden Aufträge für die deutsche Industrie, 8. in der Landwirtschaft, der Düngermittelbeschaffung und Urbarmachung von Dedflächen. Die Beschlußfassung über unsere gestellten Anträge, deren Ablehnung nach der gegebenen Regierungserklärung damals sicher war, mußte nun zurückgestellt werden, bis die in dem Antrag geforderte Berichterstattung der Regierung erfolgt war. Die Kommunisten griffen uns dieserhalb erneut und wütend an. Darin erschöpft sich ja ihre revolutionäre" Tätigkeit fast völlig. Sie warf uns Verschleppungspolitik u. a. vor. Als dann die Berichte eingegangen waren, setzten unsere Genossen ihre ganze Kraft und Sachkenntnis ein, um alles nur irgend mögliche herauszuholen. Was letzten Endes dabei herausgekommen, entspricht feineswegs unsern Forde rungen. Unsere Macht, sie durchzusehen, reichte nicht aus. Doch wir haben alles in unseren Kräften stehende getan, die Annahme unafzeptabler Anträge zu verhindern, andere Anträge zu verbessern und bei jeder Position für die von der Wirtschaftskrise Betroffenen das irgend mögliche zu erreichen. Am 7. Juli stand die Ausschußrorlage im Plenum zur Bes ratung und gelangte dort zur Annahme. Es war ein starkes Stüd, daß der kommunistische Abgeord nete Plettner bei dieser Gelegenheit in längerer Rede bie ,, Kraft seines Angriffes" gegen uns zu fonzentrieren und uns alle möglichen und unmöglichen Verrätereien zu unters stellen suchte. Ausgerechnet dieselbe kommunistische Fraktion ünternahm dieses Manöver, deren Vertreter im Volkswirt- schaftlichen Ausschuß I. bei den meisten Beratungen über die Erwerbslosenfrage überhaupt nicht anwesend waren, 2. nach dem Regierungsbericht über die Wirtschaftslage und den folgenden Beratungen nicht einmal das Wort ge- nommen hatten, Z. bei der Abstimmung über die Anträge für die Erwerbs- losen, selbst bei der Abstimmung über ihre eigenen An- träge, durch Abwesenheit glänzten. 4. durch ihr Fehlen bei der Abstimmung die Ablehnung zweier wichtiger Anträge verschuldeten und zwar die An- träge, daß a) bei Streitigkeiten zwischen kartellierten Unternehmern und Abnehmern(in der Regel den Warenpreis resp. den Profit angehend) diese Interessenten den Arbeitern den Lohnausfall zu ersetzen haben, wenn letztere dadurch arbeits- los werden� b) daß die Regierung beauftragt wird, zu prüfen, wie durch Gesetz die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer nach der mit Sicherheit zu erwartenden Teuerung entsprechende Aufbesserung erfahren können. Diese Anträge wurden mit Stimmengleichheit resp. mit einer Stimme Mehrheit im volkswirtschaftlichen Ausschuß abgelehnt. Selbstverständlich wurde diesen kommunistischen „Leistungen" im Plenum des Reichstags die ihnen gebllh- rende Abfuhr zuteil. Die angenommene Borlage des 5. Ausschusses enthält fünf Abschnitte: 1. Planmäßige Umschichtung der Bevölkerung. 2. Arbetisbeschaffumr. 3. Arbeitsvermittlung. 4. Allgemeine volkswirtschaftliche Maßnahmen, 5. Bessere finanzielle Unterstützung der Erwerbslosen und Kurzarbeiter. Ich begnüge mich damit, aus der angenommenen Vorlage die zwei ersten Absätze des ersten Abschnittes wiederzugeben, dann folgend das Kapitel Arbeitsbeschaffung und die Beschlüsse finan- zieller Natur. Die einleitenden Sätze des ersten Abschnittes, die meinem Antrag entsprechend formuliert wurden, lauten wie folgt: ..Das Arbeitslosenproblem ist mit den Fragen der Wirtschaft aius engste verbunden. Eine Besserung der wirtschaftlichen Ver- > Hältnisse trägt gleichzeitig zur Linderung der Not der Arbeits- losen bei und reduziert deren Zahl durch zunehmende Vcschäfti- gung. Erwerbslose, die keine Beschäftigung finden können, bedürfen einer finanziellen Unterstützung, die ihnen ein E x i st e n z m i n i- in u in sichert. Dabei besteht jedoch in erster Linie die zwingende Notwendigkeit, den Beschäftigungslosen Arbeit zu beschaffen/ Damit ist anerkannt, daß das Arbeitslosenproblem nicht von den Fragen der Wirtschaft getrennt werden kann. Den zweiten Absatz, speziell die in dieser Form erfolgte chervor- Hebung eines Eristenzminimums für Erwerbslose, versuchten die Rechtsparteien im Ausschuß wieder zu Fall zu bringen. Doch das gelang ihnen nicht. Ein zweiter Artikel soll etwas näher auf den Inhalt des Gesetzes eingehen. Die Moralischen Wir lesen in der„Frankfurter Zeitung" folgende treffende Kennzeichnung der politischen Moral jener Kreise, die sich beständig als einzige und wahre Hüter„nationaler Würde" aufspielen: der Bergisch-Märkischen Zeitung", einem Organ west- d»vischer Unternrhmerkreise, das mit Vorliebe auf der nationalen IM? spielt, wird der Steuerflucht eine General-Absolution erteilt.„So unmoralisch, wie unter den früheren schönen Ber- Hältnissen, sei heute jedenfalls die Steuerflucht nicht. Schwer- wiegende volkswirtschaftliche Gründe ließen sogar unter Um- ständen eine Kapitalflucht nützlich erscheinen. Mitunter können solche Handlungen nach Ansicht der„B.-M. Ztg." sogar als„natio- nale" Taten angesehen werden. Und mit diesem Wort ist der Artikelschreiber wohl auf dem Höhepunkt seiner Argumentation angelangt. Man schreit heute so lange das Wort„national oder auch völkisch" und behautet vom politischen Gegner, daß das Vater- land ihm ferner stünde, bis daß sich der„National-Dölkische" mit einer Glasur bedeckt glaubt, die erstens im Sonnenschein strahlt und zweitens die Pfeile der Angreifer abgleiten läßt— kraft Große Berliner Kunstausstellung-192� Von Adolf Lehne. Den Ausstellungen im Glaspalast kommt heute nicht mehr entfernt die Bedeutung zu. die sie noch in den achtziger Iahren hatten, als sie von Jahr zu Jahr ein einigermaßen unter- richtendes Material vom europäischen Kunstschaffen brachten. Da- mals war die Kunstausstellung in München, Berlin. Dresden das künstlerische Ereignis der Saison. Sie war Zentrum der künst- lerischen Arbeit eines Jahres und wurde von allen gleichermaßen wichtig genommen. Jetzt sind die Ausstellungen am Lehrter Bahnhof nicht viel mehr als ein zufällig zusammengeratenes Material, das über den Stand der Kunst keineswegs noch sehr verbindliche Aussagen machen kann. Natürlich spielen zur Zeit äußere Hemmungen mit; auswärtiges oder gar ausländisches Material heranzuziehen, wird durch die großen Kosten des Transportes fast unmöglich. Von Auswärtigen können nur diejenigen die Ausstellungen noch be- schicken, die sich den Transport leisten können, und das müssen nicht immer dieselben sein, die das größte künstlerische Interesse haben. Die„Freie Sezession", die diesmal zugleich mit dem „Verein Berliner Künstler" und der„Novembergruppe" die Aus- stellung bestreitet, versuchte den Ausweg, sich französische und russische Bilder aus dem Besitz von Händlern und Sammlern zu leihen. Auf diese Weise bekommt man schöne Werke von Kan- dinskq, LSger. Rousseau und Picasso zu sehen. Bei dem weiteren französischen Material hat man aber den Eindruck. als hätten die Besitzer die weniger guten Stücke ihres Besitzes für diese Ausstellung gut genug gefunden. Derain z. B. ist sehr unglücklich vertreten. Und dasselbe gilt von manchem«in- heimischen Künstler. Wenn man von Röhls? nichts Besseres erhalten konnte, so wäre es besser gewesen, ihn unvertreten zu lassen— und so auch Liebermann und Kokoschka. Das Verzeichnis der„Freien Sezession" enthält viele große Namen aus aller Herren Länder, aber repräsentativ ist von diesem Material nur wenig. Unter solchen Umständen ist es schwer zu verstehen, daß man sich aus Wien M a x K l i n g e r s„Christus im Olymp" kommen laßt. Die sehr hohen Kosten dieses Transportes sind wirklich an falscher Stelle eingesetzt. Der Eindruck de« Räume,, der dem Gedächtnis Klingers gewidmet wurde, ist einfach niederschmetternd>— schlimmer noch als der Raum in der„Akademie". Und das Wiener Bild rettet ihn nicht. Man hätte die Summe wirklich nützlicher verwenden können, als für die Ehrung eines Mannes. der doch zu seinen Lebzeiten Ehre und Ruhm in übertriebenstem Reichtum genießen konnte, und an dem ein Unrecht der Mitwelt doch kaum gutzumachen war. Di« hi« geübte Ehrung wirkt fenes Wort-Fetischs. Auf die unsinnige Argumentation dieses „Steuermoral-Artikels" einzugehen, der die Berechtigung zur Steuerflucht aus den angeblich unproduktiven Ausgaben des Staates(z. V. Erwerbslosenfürsorge!) und den Zugriifsmöglich- ketten der Entente ableitet, verlohnt sich wahrlich nicht. Sie ist fadenscheinig, daß sie den Stempel subjektiver Unehrlichkeit trägt. Es sollte nur an einem Beispiel gezeigt werden, an welchem Punkt bei gewissen Kreisen der Patriotismus zu schmelzen be- ginnt. In dieser feinen Nummer der„B.-M. Ztg." wird auf einer anderen Seite vom Erwachen Germaniens und der zukünf- tigen Hermannschlacht gefaselt— die Sleuerflllchtlinge, denen auf Seite 1 ihr Gewissen befreit wurde, könnten bereits Kal- lulationen anstellen, was mit der„Hermannscblacht" zu verdienen sein wird. Unser Unglück prägt sich zu deutlich in diesem Geiste aus." Dazu paßt es vortrefflich, wenn die„Deutsche Zeitung" schreibt, direkte Steuern seien unmoralisch und rufen unmoralische Wirkungen hervor, weil sie zum Verprassen und Verschieben„verleiten". Natürlich! Unmoralisch ist das Steuerzahlen, und das sitt- liche Prinzip der Edelsten und Besten und ihrer schwermdu- striellen Gesinnungsfreunde� bleibt die Auswucherung der Volksmassen und die Erpressung von Liebesgaben aus dem Staatssäckel. Ministerielte Zaghastigkeii Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht die Unterredung eines ihrer Mitarbeiter mit dem Neichswirtschaftsminister Schmidt. Es wurde über die Frage der Ausführung des Ultimatums gesprochen. Der Minister schützte die deutschen Ber- pslichtungen aus jährlich ZZ-t bis 4 Milliarden Eoldmark, die je nach dem Stande der Valuta 50— CO Milliarden Papiermark ausmachen. Es sei dringend notwendig, dag„jeder Stand" aus solchen Ziffern die Nutzanwendung für sich und die Folgerungen ziehe. Leider scheine das nicht in genügendem Maße der Fall zu sein. Wie sich auch das Steuerprogramm gestalten inöge, an einer abermaligen steuerlichen Erfassung des Besitzes werde sie nicht vorübergehen können. Hierbei würden im besonderen die- jenigen Sachwerte herangezogen werden müssen, die in ihrer Wertgrundlage durch die Geldentwertung weniger berührt worden seien. In welcher Weise diese Eingrifse vorgenommen werden, sei noch Gegenstand eingehender Beratung. Mit halben Maß- nahmen dürfe man sich bei diesem zweiten großen Finanzprogramm nicht begnügen. Wir finden immer wieder, daß die Minister, wenn es sich um die Frag« der Heranziehung des Besitzes zu den Reparations- lasten handelt, von außerordentlicher Zaghaftigkeit sind. Sie appelieren immer wieder an die Einsicht und an die Opferwillig- keit der kapitalistischen Kreise, während doch jetzt endlich klar sein müßte, daß ohne den härtesten Zwang aus deren Eeldjchränkcu nicht viel herauszuholen ist. Die minderbemittelte De- völkerung ist schon längst weit über das Maß ihrer Leistung?- fähigkeit in die Steuerpflicht eingespannt worden: glaubt die Regierung, daß diese es sich auf die Dauer gefallen lassen wird, mit den schwersten Lasten belegt zu werden, während man sich der besitzenden Klasse gegenüber mit bloßen Ankündigungen und gutem Zureden begnügt? Das Einigungsgewinsel Daß das Proletariat nur dann den Sozialismus verwirk- lichen kann, wenn es in geschlossener Front gegen die es bis- her beherrschenden und ausbeutenden Klassen auftritt, ist eine Binsenwahrheit, die von allen Arbeitern erkannt wird, gleichviel welcher Parteirichtung sie sich zuzählen. Die Auf- fassungen gehen nur darüber auseinander, unter welchen Bedingungen sich die Wiedervereinigung der Arbeiterklasse vollziehen soll. Die Unabhängige Sozial- demokratie hat deutlich erklärt, daß nuraufdemBoden des Klassenkampfes und auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus eine Einigung des Prole- tariats möglich ist. Eine Einigung um jeden Preis, eine Vereinigung zweier Parteien, deren Politik von ganz ver- sckiedenartigen Grundsätzen ausgeht, kann selbstverständlich nicht in Frage kommen. Solange die rechtssozialistische Par- übrigens durch das peinliche Material keineswegs pietätvoll. Die„weibliche Gewandfigur in Marmor und Onyx" ist, rund herausgesagt, ein trauriges Machwerk, steht unter dem Harm- losen Kitsch des großen Plastikfaalcs und sollte von allen denen sorgfältig vor der Oeffentlichkeit verborgen werden, denen der Ruhm Klingers heilig ist. Wenn die Ausstellung nicht mehr als Uebersicht über das letzte zeitgenössische Schaffen gelten kann, so liegt die Ursache mehr noch als bei den erwähnten äußeren, bei inneren Momenten. Die künstlerische Arbeit, die früher die paar großen Iahresreouen zum Mittelpunkt hatte, emanzipierte sich mehr und mehr vom Aus- stellungsbetrieb. Viele unserer besten Künstler sind der Aus- stellungen müde und haben sich auch diesmal yicht beteiligt (andere fehlen, weil irgendeine vereinspolitische Situation sie von den ausstellenden Gruppen trennte). Die Arbeit ist ihnen nicht mehr Saison- und Revue-Angelegenheit und sie bemerken, daß die Beschickung der Ausstellungen auch gar nicht einmal mehr Voraussetzung der Wirkung für die konsequente und kom- promißlose Arbeit ist.. Wirklich wird die wichtigste künstlerische Arbeit heute abseits von den Ausstellungen geleistet— es genügt vielleicht, an die Arbeit des Weimarer Bauhauses zu erinnern(von dessen Lehrern nur F e i n i n g e r und Klee hier ausgestellt haben. In der Kollektion der Kleeschcn Aquarelle sind köstliche Stücke, reizvolle, erfindungsreiche und seine Miniaturen. Ihnen gegenüber fallen die Oelbilder beträchtlich ab. Sie deuten auf die Groye seiner Gestaltungskraft hin.). Ein« wichtige Neuerung ist die A r ch i t e! t u r- A b t e i l u n g. Während früher die Architektur als eine Masse hauptsächlich von Photos die Korridore füllen durste— kein Mensch verirrte sich außer den Fachleuten dahin— ist sie jetzt unlösbar mit dem Ganzen verbunden. Ich glaube nicht, daß diesmal schon die Architektur-Abteilung den Besuchern sehr nachdrücklich die Bedeutung der Baukunst für die gesamte künstlerische Arbeit unserer Zeit einprägen wird. Da- für ist gerade sie zu sehr vom Zufall abhängig geblieben. Das künstlerische Niveau des„Bundes deutscher Archi- tekten", der den größten Teil des Raumes innehat, ist zu- mindest hier sehr wenig imponierend. Es herrscht die Konvcn- tion, die die„Modernen" unter irgendeiner„interessanten" De- koration zu verstecken suchen. Am saubersten wirken in dieser Um- gebung die Kleinhäuser von Heinrich Straumer. Die „ganz" Modernen haben das dankbare Thema des Hochbaues alias Wolkenkratzer aufgegriffen. Eine glatte Unmöglichkeit ist das Kohtzsch« Projekt für ein Hochhaus auf dem Königsplatz. das allerdings groß genug wäre, alle Reichsministerien aufzu- nehmen, aber wie ein Modell für Tischlereiarbcit aufgebaut ist. Ueberall Ideenskizzen für Berliner Hochhäuser. Alle Plätze Berlins, die für dies« Hausfoim überhaupt in Bettacht kommen. tei ihre reformistische, sich an die bürgerlichen Parteien cm- lehnende Politik nicht aufgibt, ist für das revolutionäre Proletariat, das sich in der Unabhängigen Sozialdemokratie verkörpert, eine Einigung mit ihr nicht möglich. Das haben denn auch bestimmte Kreise der rechtssozialistischen Partei erkannt, und sie drängen auf eine Aenderung dieser Politik, um so die Grundlage für die Wiedervereinigung des Prole- tariats in einer geschlossenen Kampfesfront zu ermöglichen. Man erinnere sich, daß der Ruf nach Einigung in der jüngsten Zeit besonders laut aus Chemnitz und aus Kassel, wo Herr Scheidemann residiert, gekommen ist. Um so merkwürdiger klingen einige Reden, die auf dem Bezirkstag der S. P. D. in Magdeburg gehalten worden sind. Da hat zuerst der Bezirkssekretär Hähnsel behauptet, das Cozialisierungsproblem fei deshalb in weite Ferne gerückt worden, weil die Rechtssozialisten in Preußen gezwungen waren, der Regierung Stegerwald Platz zu machen. Schuld an diesem Fehlschlage trage nur die Spal- tungspolitik der Unabhängigen und Kommunisten. Herr Hähnsel führte weiter aus: „Mit lauten Tönen können wir als Partei nichts anfangen. Wenn wir auch für die Einheit der Arbeiterklasse sind, so wollen wir doch die alte Sozialdemokratische Partei sein und bleiben. Taktisch wäre es«in großer Vorteil, wenn das Einigungsgewinsel in un'ern Kreiien aufhörte. Wir stärken dadurch die Einbildunas- kraft der Unabhängigen. Wir dürfen nicht mit künstlichen Mitteln die Einigung erstreuen, eine solche Zwanasehe mit den Unabhängigen würde nur weitere Spaltungserscheinungen zur Folge haben." Es sei nur daran erinnert, daß die Rechtssozialisten zwei Jahre lang in der preußischen und eine etwas kürzere Frist in der Regierung des Reichs gesessen haben. Und gerade in diesen Zeiträumen ist für die Sozialisierung so gut wie nichts geschehen, im Gegenteil, den rechts- sozialistischen Führern ist der größte Teil der Schuld daran beizumessen, daß die Frage der Sozialisierung immer weiter in den Hintergrund rückte. Und nun soll die Unabhängige Sozialdemokratie für das klägliche Versagen der rechtssozia- listischen Partei verantwortlich sein! Man begreift, daß einem Manne mit solcher Auffassung der Drang der Ar- beiterklasse nach Einigung nur als„Einigungsgewinsel" er- scheint. Dann kam Herr B e i m s, wohlbestallter Oberbürger- meister von Magdeburg. Dieser führte folgendes aus: �„Dcn Einigungsfimmel unter allen Umständen, um die Unav- hängigen heranzuziehen, wäre verhängnisvoll. So berechtigt und erstrebenswert der Wunsch nach Einigung ist, müssen doch erst die Unabhängigen vorh:r auf Herz und Nieren geprüft werden. Wer die Vergangenheit dieses Mannes besonders während des Krieges kennt,"der wird begreifen, daß ihm die Einigung des Proletariats auf dem Boden des Klassenkampfes ein Greuel sein muß. Beims ist getreuer Schildknappe des großen Otto Landsberg und wie dieser steht er sein politi- sches Ideal in der nationalen Einheitsfront mit dem Bürger- tum. Nicht umsonst ist Herr Landsberg für seine treudeutsch« Gesinnung mit dem Eesandtenposten in Brüssel und Herr Beims mit dem Oberbürgermeisterposten in Magdeburg be- lohnt worden. Wenn es zu einer Einigung des Proletariats kommen sollte, so werden diese beiden Leute sicher nicht dabei sein! Ein Veriot des„Deutschen Tageblatts". Wie das„Deutsche Tageblatt"(Herausgeber Reichstagsabgeordneter Reinhold W u l le) mitteilt, ist die Zeitung auf Beschluß der Interalliierten Kommission in Düsseldorf und Duisburg auf die Dauer von acht Tagen verboten worden. Der Prinz von Wales auf Reisen. Reuter erfährt, daß die japanische Regierung den Prinzen von Wales ofsiztell eingeladen hat. im Anschluß an seine Indienfahrt Japan einen Besuch abzustatten. Explosionskataftrophe in Eoisson». Infolge eines Grasbrande» ist ein Munitionslager westlich der Stadt, wo 450 000 Kilo Explosivstoffe lagern, teilweise in die Lust geflogen. 10 000 Granaten sind zur Explosion gekommen. Der nächst« Esperanto-Weltkongreß. Der Prager Esperanto- kongreß findet vom 31. Juli bi» S. August statt. Visher haben sich 2300 Fremde als Kongreßgäste angemeldet. 41 Nationen werden vertreten sein. sind auf dem Papiere schon bebaut. Aber die Architekten lassen zu deutlich erkennen, daß sie von der„Größe" der Aufgabe be- rauscht sind. Es ist also ganz gut, daß es mit dem Bauen noch so lang« Zeit hat. big die Zahl der Stockwerke dem Architekten kein Fieber mehr« verursacht. Und es ist erfreulich, daß bei den jungen Architekten das Wolkenkratzer-Thema fehlt. Es kommt diesen Architekten ja Eott sei Dank endlich nicht mehr auf Monumentalismus an, sondern auf die ursprünglich« architektonisch« Form, und diese suchen sie— und im Fortschreiten ihrer Arbeit mehr und mehr— gerade an kleinen Aufgaben, wie d:m Einfamilienhaus, zu verwirklichen Vielleicht Hütten die Brüder L u ck a r d t auf die in ihren letzten Arbeiten doch schon überwundenen Volkshausmodelle verzichten sollen.— Mit großem Mut sind einig« der Gruppe an den Wett- bewerb um das Dresdner Hngienemuseum herange- gangen— außer den Luckhardts Carl K r a y l und Hans Scharoun— und wenn man die preisgekrönten Arbeiten kennt(Abbildungen in der„Bauwelt" und in Wasmuths Mo- natshcften für Baukunst") muß man feststellen, daß diese jungen Arbeiten, die alle samt und sonders durchgefallen sind, den preis- gekrönten überlegen sind— und dieses Urteil basiert nicht etwa auf einer Ueberfchätzung der modernen Formensprache— ich finde. sie ist der schwäch-re Teil aller Arbeiten— sondern gerade auf den sachlichen Werten ihrer Crundrißbildung, namentlich bei Hans Luckhardt. Der Pölzig-Raum ist sehr interessant. Er zeigt Pölzigs Bielseitigkeit, die viele„genial" nennen, f-ine eminente Fähigkeit. sich anzupassen, aber auch seine innere Haltlosigkeit. Pölzig ist in allen Sättelngerccht und ein blendender Dekorateur, aber Archi- tekt nur in einigen früheren Arbeiten(Fabrik Lubahn, Wasser- türm Posen. Werdermühle) und dem äußeren Umbau des Zirkus Schumann zum„Großen Schauspielhaus". Das sind Leistungen hohen Ranges, die es uns doppelt schmerzlich empfinden lassen. daß Pölzig allzuoft dem Aeußerlichen, Malerischen. Wirkungs- vollen nachgibt. Im Mod-ll des Salzburger Festspielhauses ist die Anpassung an das Terrain ausgezeichnet— abcx die An- passung an die indische Tagesmode recht bedenklich. Seit dem Projekt für das Haus der Freundschaft in Konstantinopel neigt Pölzig zur mechanischen Abwicklung und TothetzuNg eines Formgedankens— eine Art. die in seinen barocken Porzellan- kandelabern ihre Schwäche deutlich enthüllt. Für denjenigen, der in den Kunstformen nicht da» Artistisch« anerkennt(Geschmack, Tradition. Richtigkeit. Schönheit), sondern den direkten und notwendigrn Ansd'uck von allen Spannungen. die wir erleben müssen, eine vom Monschenwillen fast unabhängig« Graphologie der Zeit, bedeutet-cs kein« Ungerechtigkeit, wenn ich sage, daß die wenigen Bilder und Plastiken der Ausstellung die Dokumente unserer Zeit sind, in den Räumen der „Freien Sezession" und der„Novembergruppe" zu finden sind. Die Einladung der Labour Party Wie wir schon mitgeteilt haben, hat die Englische Ar beiterpartei( Labour Party) an sämtliche Arbeiter und so= zialistischen Parteien folgendes Schreiben gerichtet: London, 28. Juni 1921 Der jährliche Parteitag der Labour Party hat eben in Brighton getagt. Ich beeile mich, Jhrer Partei die Resolution mitzuteilen, die von den tausend Delegierten, die 4500 000 Mitglieder vertraten, einstimmig angenommen wurde. Diese Resolution lautet, wie folgt: Im Hinblick auf die gegenwärtige Lage der Arbeiterbewegung in ganz Europa und den Wechsel im Sekretariat der Internationale fordert der Parteitag den Parteivorstand auf, für die Sicherung und Stärkung der Zweiten Internationale und die Aufrechterhaltung ihrer demokratischen Grundsäge im Gegenjag zur Dittatur zu sorgen. An alle sozialistischen Organisationen in der Welt find Einladungen zu versenden zu einer Konferenz, auf der eine umfassende Internationale geschaffen werden kann. Der Parteitag wünscht schließlich eine Fühlung nahme zwischen der Zentrale der Wiener Internationalen Arbeitsgemeinschaft und me Exekutivkomitee der Zweiten Inters nationale, um einen Zusammenschluß vorzubereiten und fünftigen entgegenzuarbeiten. Sie werden bemerken, daß man meinen Parteivorstand aufgefordert hat, eine Konferenz einzuberufen, auf der eine umfassende Internationale geschaffen werden kann. Es würde mich freuen, wenn Sie Ihrem Parteivorstand diese Resolution so bald wie möglich vorlegen und mir mitteilen wollten, ob Ihre Partei bereit wäre, vertreten zu sein, falls wir eine solche Konferenz für Anfang Oktober nach London berufen würden. 3u gleicher Zeit habe ich der Zentrale der Wiener Arbeitsgemeinschaft den Text der Resolution mitgeteilt und habe sie eingeladen, eine Delegation zu ernennen, die sich mit der British Labour Party beraten soll, um den Beschluß des Parteitages in Brighton zu verwirklichen." Das Exekutivkomitee der Internationalen Arbeitsgemeinschaft hat nach eingehender Beratung beschlossen, folgendes Antwortschreiben an die Labour Party zu senden: An das Sefretariat der Labour Party, Werte Genossen! London. Mit einem Schreiben vom 28. Juni 1921 übermitteln Sie uns die vom Parteitag der Labour Party in Brigthon beschlossene Resolution. Bon der gegenwärtigen Lage der europäischen Arbeiterbewegung und dem Wechsel im Sefretariat der zweiten Internationale ausgehend, fordert die Resolution die Sicherung und Stärkung ber Zweiten Internationale und die Aufrechterhaltung der demofratischen Grundsäge der 3weiten Internationale im Gegensatz zur Diftatur. Um diese Zwede zu erreichen, werden Sie beauftragt, Einladungen zu einer Konferenz zu versenden, die eine umfassende Internationale" schaffen soll. Sie wenden sich aus diesem Grunde außer an die einzelnen sozialistischen Parteien auch an das Setretariat der J. A. S. P. in Wien zwecks Fühlungnahme,„ um einen Zusammenschluß vorzubereiten und fünftigen Spaltungen entgegnzuarbeiten". Was zunächst Ihre Einladung an die sozialistischen Parteien, soweit sie unserer 3. A. S. P. angeschlossen sind, betrifft, so machen wir Sie auf folgenden Beschluß unserer Wiener Konferenz aufmertfam: § 6: Die Beschlüsse der Arbeitsgemeinschaft find für alle ihre Mitglieder verbindlich, insbesondere verpflichten sich die der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Parteien, einzeln feinerlei Anschlußverhandlungen mit anderen internationalen Organis fationen zu führen und im übrigen ihre internationale Politit gemeinschaftlich zu bestimmen. Schon auf Grund dieser organisatorischen Bestimmung können Sie von den unserer Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Barteien teine zustimmende Antwort auf Ihren Vorschlag erhalten. In deren Namen fann nur unsere J. A. S. P. als solche derartige Verhandlungen internationaler Natur führen. Auf der rechten Seite des Hauses( Verein Berliner Künstler") ist eine Kunst versammelt, die Kunst zur Voraussegung hat. Nur wenige erweden Interesse durch ihre relative Freiheit vom allgemeinen Kunstschema( das natürlich, in neuerer Form, auch auf der Linten eine Gefahr bedeutet, sobald bie Bewegung ins Stoden gerät). Otto Heinrich, Kurt Pallmann, Sartmann- Drewig und Dieffenbacher fallen in der Unmenge brav gemalter Leinwände durch ihre Frische auf, während Birtle und Kath vielleicht nur ein fubisches Schema übernehmen möchten. Sehr reizvoll ist auf der Rechten der Saal der„ Szenenbilder und Theaterfigurinen( fehr reiz los dagegen der Saal der Staatlichen Porzellanmanufattur", der das Stagnieren dieses Betriebes deutlich beweist): César Kleins Entwürfe für das Lessingtheater", Hans Stroh= bachs für die„ Voltsbühne“ und die von Aravantinos für die Staatstheater dazu viel Dekorationen und Figurinen für den Film. Aehnlich wie in der Akademie ist nun auch hier Seinrich 3ille mit 3 Entwürfen für Kalischs 100 000 Taler"( Schillertheater) ber beste von allen. Die Umgebung wirkt dünn, geschmackvoll" und ästhetisch neben feinen Entwürfen ein Prachtstück der„ Salon" die mit einer erstaunlichen Einfachheit und Eindringlichkeit da sind. 3ille ist Beweis dafür, daß Kunst weder, Naturalismus", noch„ Stir" ist. Suchen wir auf der linken Seite, was mehr ist als„, Stil". Eine Arbeit von seltener Präzision ist Archi pentos Borträtkopf aus Holz, Metall und Glas", der den meisten Besuchern wohl das rätselhafteste Wert der Ausstellung sein dürfte Otto Freundlichs„ Kopf" ist das vollkommene Gegenstüd: mächtig, groß, von urtümlicher Einfachheit... Eigenschaften, die auch sein Bild„ Kosmische Landschaft" und seine Zeichnungen besigen. Bellings Geste Freiheit", ein Wert von infettenhafter, energischer, Inochiger Bewegtheit, ist seine beste Arbeit, und ähnlich war Oswald Serzog noch selten so glüdlich, wie in seinem neuen Wert„ Klage", in dem er sich zum ersten Male von dem Jllustrierend- Symbolhaften, dem Literarischen, freigemacht hat. Richard Scheibes Spielende Razen" und Karl Herrmanns, Bewegung" müssen erwähnt werden. 97 Raoul Hausmann, der übrigens einen wirklich ausgezeichneten Führer durch die Ausstellung der Novembergruppe" geschrieben hat( ber am Eingang für 1 M. fäuflich ist), zeigt ein leidenschaftlich bewegtes Bild„ Kopf in erzentrischer Bewegung", das, wie sonst nur noch die 3 Bilder Don Johannes Molzahn, eine dunkle Tür zu einer unbekannten Welt öffnet. Bei Hausmann geschieht das mit einem wilden Rud, bei Molzahn mit einer fast noch tiefer erschütternden iraumhaften Stille und Verhaltenheit. Bei den meisten anderen ist das komische doch mehr ein Name für Dekoratives, wovon freilich Solzmann, Melzer und eines der Bilder von In der Sache selbst gestatten wir uns zunächst darauf aufmertsam zu machen, daß der Zweck der möglichst einheitlicher Zujammenfaffung der proletarischen Kräfte weder die" Sherung und Stärkung der Zweiten Internationale" noch die Aufrecht erhaltung ihrer demokratischen Grundsäge im Gegenic zur Dittatur" fein fann. Als einzigen und ausschließlichen Zweck der Scheffung einer umfaffenden Internationale tönnen wir nur auffall, die Steigerung Was Ihre Einladung zu einer Besprechung der Erefutive bet Labour Party mit dem Bureau unserer J. A. S. P. betrifft, so entsprechen wir ihr sehr gerne, würden aber wünschen, um alle Mißverständnisse auf internationalem Gebiete zu vermeiden, daß diese Besprechung vollständig unabhängig von dem von Ihnen ans geregten Konferenzplan in die Wege geleitet wird. der Kampffähigkeit und Schlagkraft des internationalen Brole Die preußischen Vertreter zum Reichsrat tariats gegen die internationale Bourgeoisie, bis zur schließlichen Ueberwindung der kapitalistischen Klaffenheithaft in allen Ländern. In diesem Kampf handelt es sich auch nicht darum, die demokratischen Grundsäge in abstrakter und falscher Weise dem Prinzip der Diktatur gegenüberzuſteden, weil die Kampfmittel des Proletariats sich anpassen müen an die gegebenen Kampfbedingungen in einem jeden Lande, diese Bedingungen aber von Land zu Land verschieden sind. Diesen Gedanken hat die Wiener Konferenz sehr flar hervorgehoben, in den nachfolgenden Sägen unseres Beschlusses betreffend„ Methoden und Organisation des Klassentampfes": Die endgültige Befreiung des Proletariats tann nicht innerhalb der nationalen Schranten erkämpft werden; sie kann nur das Ergebnis internationaler Aktion sein. Diese internationale Aktion zu organisieren, ist die eigentliche Aufgabe der proletarischen Internationale. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muß die proletarische Internationale den Verschiedenheiten der objektiven Kampfbedingungen in den einzelnen Ländern Rücksicht tragen. Sie darf die Freiheit der einzelnen sozialistischen Parteien, ihre Attion den besonderen Bedingungen ihres Landes anzupassen, nicht beengen. Sie darf das Proletariat weder auf die Anwendung der demokratischen Methoden beschränken, wie dies heute die sogenannte Zweite Internationale tut, noch ihr die schablonenhafte Nachahmung der Methoden der russischen Bauern- und Arbeiterrevolution vorschreiben, wie dies die fommunistische Internationale will. Aber unbeschadet der Verschiedenheit der in den beiterrevolution vorschreiben, wie dies die Kommunistische Internationale alle Kräfte des internationalen Proletariats zu einheitlicher Attion gegen den internationalen Kapitalismus vereinigen. Im Verfolg dieses hier zitierten Gedankenganges legen wir Wert auf die Erklärung, daß wir mit dem Ziel der Schaffung einer allumfassenden proletarischen Internationale durchaus einverstanden sind. Die Wiener Konferenz hat diesem Willen in einer besonderen Resolution Ausdruck gegeben, sie hat aber gleichzeitig die Vorauslegung umschrieben, die für die Schaffung einer allumfassenden Internationale maßgebend sind. Diese Internationale fann nur das Resultat einer im unablässigen Klassentampf des Proletariats eines jeden Landes errungenen günstigen Klarheit sein, die den Willen zur proletarischen Einheit auf die Grundlage der gemeinsamen prinzipiellen Anschauungen stellt. Diese Gemeinschaft der Grundanschauungen ist heute leider noch nicht verwirklicht, und als Zeichen dafür dürfen wir den Gegensatz auffassen, der heute zwischen den Grundsätzen" der 3weiten Internationale und der unserer J. A. S. P. angeschlossenen Parteien besteht und der sich, um es mit einem Worte zu sagen, auf den Gegensatz zwischen der reformistischen und der revolution nären Auffassung des Klassentampfes zurückzuführen ist. Solange dieser Gegensatz weiterbesteht und gewisse der Zweiten Internationale angeschloffene Parteien sich nicht in höherem Maße zur Einsicht über die Bedingungen und Möglichkeiten der proletarischen Revolution durchgerungen haben, fehlt die Basis der internationalen proletarischen Einigung, denn ein Zusammenschluß ohne gemeinschaftliche Grundauffassungen wäre nur eine formelle Einigung ohne innere Geschlossenheit, ohne Kraft und Aftionsfähigkeit. Aus diesem Grunde betrachten wir den Zeits punkt für die Einberufung einer Konferenz auf breiter Grundlage jegt noch nicht für gekommen. Dagegen halten wir unverbindliche Zusammenfünfte zu rein informativen 3weden für durchaus notwendig, wenn eine allumfassende Internationale schließlich zustande kommen soll. Unser Bureau ist daher im Sinne der Beschlüsse der Wiener Konferenz stets gewillt, Einladungen zu informativen Besprechungen, mögen sie nun ausgehen von Parteien der sogenannten Zweiten Internationale oder der sogenannten Dritten Internationale oder von Parteien, die keinem dieser Parteienverbände angehören, zu entsprechen. 3terrath auszunehmen sind... Auch Ewalds„ Interieur" hat einen sachlichen Wert.„ Ein Tag" von Arthur Segal ift in seiner parteilos reifen Anschauung wertvoll, Sanna Höchs Jtalien- Aquarell von einer feinen, flugen Anmut. Die schlecht gehängten Stilleben von Erwin Saß sind erfreulicher als die vielen gut und reich plazierten Mobe- Stilleben in der dustriebauern") und Otto Dix( Alma" und" Salon") sind gut Freien Sezession". Die bissigen Bilder aber von Scholz.(„ Inapplizierte Ohrfeigen für den Kultur- Spießer, der hier im Bereich der hohen und heiligen Kunst" sicherlich empörend und abstoßend findet, was er als Lebewesen ungeniert bejaht. Die Sommerbirektion der Kammerspiele" hat literarischen haltungstoft abfüttern. Sie hat ein ernsteres Stüd gewählt. Egeiz. Sie will ihr Bublifum nicht nur mit seichter UnterDas ist nett. Aber das ernstere Stück ist leider nicht gut. Und das ist schade. " Der Herr, der die Mauischellen triegt", ein Spiel in vier Aufzügen von Leonid Andrejem, variiert das Thema des Bajazzo, des Clown, der lacht und lachen macht, obwohl ihm verdammt ernst zu Mute ist. Andrejem tompliziert das Thema: Sein Bajazzo ist ein Vornehmer, ein Dichter. der vom Freund und vor der Welt um seine Frau und seinen Ruhm betrogen, Bitterfeit im Herzen. die namenlose Maste eines Clowns vorbindet. Was weiter? Er liebt die prinzeßliche, reizend unschuldige Kunstreiterin und vergiftet, da er sie weder erobern noch sonst irgendwie vor einer von ihrem tupplerischen Vater eingefädelten unwürdigen Ehe retten fann na, furz und gut: er vergiftet sie und sich. Also eine ganz einfache, sentimentale, rührende Geschichte. Sie münde ihre Wirkung tun, wenn Andrejem sie einfach, sentimental und rührend verfilmt, ich wollte jagen verdramatisiert hätte. Aber er versucht sie zum Symbol, zu tiefsinniger Philosophie zu Steigern. Das Resultat ist natürlich durchaus feine Steigerung. sondern eine Berflachung. Eine an und für sich schon nicht sehr volle Sache wird immer leerer und hohler, je mehr man sie stei gert", vergrößert, aufbläst. Von der Aufführung wäre dasselbe zu sagen. Statt alles ganz leicht und harmlos zu geben( die Tragit hinter den Worten, der Tieffinn beiläufig), unterstrich die Regie( Jwan Schmith) alles breidoppelt und versah jedes etwas bedeutungsvollere Wort gleich mit sechs Ausrufungszeichen. Köpfer( nicht un sympathisch) und die anderen Schauspieler unterstützten dies BeStreben der Regie aufs trefflichste und nur die sehr hübsche Margarethe Siegel traf manchmal den richtigeren. leichteren. harmlosen und eben dadurch ergreifenderen Ton. Das Beste des Abends schien mir die Zirkusmusik von Klaus Brings= heim zu sein. Ganz unaufdringlich. Und doch gingen die lebendigsten Wirkungen von ihr aus, wurden zum mindesten mit ihrer Silfe lebendig. Auch die Bühnenbilder von John Heartfield feien nicht vergellen. Ein flein wenig tunstgewerblich. Aber nicht schlecht. H. S. Die Ergebnisse der Wahlen der Provinzialvertreter zum Reichss rat liegen jetzt vor mit Ausnahme von Oberschlesien, wo die Wahl erst im Herbst, und der Rheinprovinz, wo die Wahl am 14. Juli stattfindet. Es haben gewählt: V Stadt Berlin: Bürgermeistet Adolf Ritter. Stellvertreter: Stadtrat Otto& rant. Brandenburg: Landrat a. D. von Bre dow, Stellvertreter: Oberbürgermeister Dreifert Cottbus. Hannover: Landschaftsrat von der Wense, Stellvertreter: Oberbürgermeister Dr. Rißmüller Osnabrüd. Seffens Nassau: Staatsminister a. D. von Trott zu Solz, Stella vertreter: Generaldirektor Dr. Haeuser. Niederschlesien: Oberpräsident a. D. Dr. von Günther Stellvertreter: Obers präsident 3immer. Ditpreußen: Regierungsassessor a. D. Frhr. von Gay 1, Stellvertreter: Handelstammersyndikus, a. D. Friz Simon. Grenzmart Posen- Westpreußen: Obecstudien direktor Becher. Stellvertreter: Rechtsanwalt Dr. Kräu ter. Pommern: Fideikommißbefizer Graf Behr, Stellver Sachsera Oberpräs treter: Rittergutsbesizer v. Flemming. sident Sörsing, Stellvertreter: Oberbürgermeister Dr. River Halle, Schleswig- Holstein: Dr. Schiferer. Stell vertreter: Hofbefizer Tönnies. Westfalen: Buchdruckereis besitzer Lensing, Stellvertreter: Bergassessor. Brandi. Die Reichszentrale für eimatdienst Durch W. T. B. wird folgende h, albamtliche Ers flärung verbreitet: „ In der Sigung des Reichstages 40m 4. Juli 1921 hat der Abgeordnete Dr. Cremer( D. Bp., die Behauptung aufgestellt, daß von 35 000 Mitgliedern der Rigszentrale für Heimatdienst allein 27 000 zur sozialdemokratisch zn Partei gehören. Demgegen über wird festgestellt, daß mit der Bezeichnung Mitglieder nur die ehrenamtlich im Heimatdiit arbeitenden Vertrauensleute gemeint sein können. Es gefren von einer Gesamtzahl von 30 892 ehrenamtlichen Vertragensleuten 20 221 den bürgerlichen, 10 671 ben Sozialdemokratischen Parteien an." Sozialdemokratische Parteien dürfte falsch sein, denn von unserer Partei he man bisher nur ein Mitglied nachgewiesen, das ebenfalls bald nicht mehr als solches eris stieren dürfte. Abe hier ist nur von den ehrenamtlich tätigen Vertrauersleuten die Rede. Dürfen wir neugierig sein und fragen, wie es mit besoldeten steht? Kuzurfeindliche Verkehrspolitik Unverändlicher Beschluß der Eisenbabntariffommiffion. Wir erhalten folgende 3uschrift: Die von der Stadt Berlin und fämtlichen großen Berufsverbänden getragene Volkshochschule Groß- Berlin veranstaltet regelmäßig fleine und größere Erfurs fonen zu naturwissenschaftlichen und anderen Lehrzweden. Diese Ertursionen beruhen auf dem durchaus richtigen Gedanken, daß eine wirklich fruchtbare Boltsbildungsarbeit unmöglich auf das Katheder und den Hörsaal allein beschränkt bleiben kann, sondern auch die Bildungsmöglichkeiten erschließen muß, die in der uns mittelbaren Betrachtung und Erforschung der Natur und des lebenden Objekts liegen. Die Hörerschaft der Volkshochschule Groß- Berlin setzt sich zu 80 Prozent aus Arbeitern und Anges stellten, also aus Kreisen zusammen, für die die heutigen Fahren preise, wenn überhaupt, so nur unter unverhältnismäßig schweren Opfern erschwinglich sind. Während es nun bisher immer mögs lich war, für die an den Exkursionen deilnehmenden Hörer die üb liche Fahrpreisermäßigung zu erlangen, wird diese neuerdings von der Eisenbahndirektion versagt, und zwar mit der Begründung, daß solche Ermäßigungen nur für Schüler und Stubenten, nicht aber für Hörer von Volkshochschulen, die doch schon im Erwerbs leben ständen", in Betracht fämen. Seien Sie ihnen in früheren Fällen trotzdem gewährt worden, so wäre dies lediglich auf einen Irrtum der abfertigenden Beamten zurückzuführen. Tatsächlich ist die im offiziellen Tarif( Teil 1) vorgesehene Fahrpreisermäßigung für Fahrten zu wissenschaftlichen und bes lehrenden Zwecken nur für die dort angeführten Anstalten bes stimmt, unter denen sich befremblicherweise die Bolkshochschulen nicht befinden. Noch befremblicher wirkt es, daß die zuständigen Stellen, trotz aller Vorstellungen der betroffenen Kreise, sich weigern, von diesem engherzigen und unsozialen Standpunkt abzugehen. Wir wir nämlich erfahren. lag erst türzlich der Stän bigen Tariffommission der deutschen Eisenbahnen ein formulierter Antrag auf Ausdehnung der Fahrpreisermäßigung auf Volks hochschulen vor, wurde aber einstimmig abgelehnt. Es ist uns nicht bekannt, ob die Kommission es für notwendig befunden hat, entsprechende Informationen einzuziehen. ehe sie ihren Spruch ergehen ließ. Die Wahrscheinlichkeit spricht dagegen, denn sowohl die Bolkshochschulstelle im Kultusministeri um, wie auch die Beratungsstelle für Volkshochschulen, die an der Universi. tät besteht, hätte sie zweifellos darüber belehrt, daß Angelegen heiten dieser Art nicht nur nach bureaukratisch- fistalischen. sondern vor allem nach tulturellen Gesichtspunkten zu beurteilen sind. Wenn der Eisenbahnfistus im übrigen den Hörern der Volkss hochschule aus der Tatsache, daß sie bereits im Erwerbsleben stehen, einen Strick dreht. so ist dazu zu bemerken, daß es unter diefen Hörern nicht wenige gibt, die notgedrungenerweise nicht erwerbstätig sind. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit macht näm lich vor den Hörern der Boltshochschule nicht Halt. Andererseits gibt es sehr viele Stundenten, die einen Erwerb ausüben, ja, wenn man von der immer dünner werdenden Oberschicht absieht, die ein reichlicher Monatswechsel aller Fristenssorgen enthebt und der wahrscheinlich deshalb die Weisheit der Tariffommission den vollen Anfprud auf Fahrpreisermäßigung bedentenlos fonzebiert, fann man sagen. daß das Gros der Studentenschaft erwerbstätig ist, sei es als Stundenlehrer Uebersetzer. Dolmetscher oder dergleichen, und feineswegs nur im Nebenamt. Vielleicht beabsich tigt die Tariffommission, dieser Kategorie von Studenten die Fahrpreisermäßigung zu entziehen. Wenn sie aber, was wir immerhin annehmen wollen, Diese Absicht nicht haben sollte, womit begründet sie die Durdsführung derselben Absicht gegenüber den Boltshochschülern? Die Volkshochschule Groß- Berlin muß wohl oder übel auf die Veranstaltung von Erfurfionen verzichten. solange die Tariffommission auf ihrem Standpunkt beharrt. Rein wirtschafts lich betrachtet, heißt das: die Kommission macht es 20 oder 30 Personen unmöglich, eir.en ohnehin verkehrenden Zug zu era mäßigtem Fahrpreis zu Benuhen, folglich bleiben sie zu Hause. Die Untoften sind in fedem Fall dieselben, aber die Einnahme ist fleiner, wenn überhaupt nicht gegefahren wird, wie wenn billig gefahren wird. Zu der fulturellen Schädigung des Volfsbildungswesens gefellt somit der Eisenbahnfistus durch eines seiner Organe eine wirtschaftTiche Schädig ang Iriner selbst. Auch von diesem Gesichtspunkt aus ist das Verhalten der Tas riffommiffio non einer schlechthin unre ständlichen Beschränkt heit und bringend revisionsbedürftig. Pr. Lippmann gestorben. Der französische Physiker Prof. Lippmann, Mitglied des Instituts und Nobelpreisträger, der oer Mission des Marschalls Fajolle, die eine Reise durch Kanada und Amerika unternommen hat, angehörte, ist auf der Ueberfahrt gestorben, Groß- Berlin Der Oberpräsident hat Zeit Ein Bild von dem„ Selbstverwaltungsrecht" Berlins. Die Einheitsgemeinde Berlin muß sich bei ihrem außerorden. lichen Bedarf an Mitteln vielerlei Plänen zuwenden, die geeignet sind, die Einnahmen der Stadt zu erhöhen. Ein solcher Plan ist die Vermietung von sichtbaren Flächen zu Reklamezwecken. Um bei der Verwirklichung dieses Planes zu verhüten, daß das Stadtbild allzusehr verunstaltet wird, hat der Magistrat am 16. März d. J. ein Ortsstatut zum Schuße der Stadt Berlin gegen Verunstaltung durch Reklameinschriften entworfen. Dieses Ortsstatut, das lediglich zwei bescheidene Paragraphen enthielt, wurde von der Stadtverordnetenversammlung bereits in der Sigung vom 31. März angenommen. Die selbständige" Stadtverwaltung Berlins hat a m 6. April den Beschluß an den Oberpräsidenten weitergegeben und diese Behörde wiederholt gemahnt, endlich die Zutimmung zu den zwei Paragraphen erteilen zu wollen. Alle diese Beschwerden blieben ohne Antwort, und erst am 22. Juni hat sich das Oberpräsidium zu der Mitteilung aufgerafft, daß die Aften an das Wohlfahrtsministerium weitergegeben seien. Dort lagern sie auch wohl jezt noch, und es ist die Frage, ob sie überhaupt wieder einmal zum Vorschein kommen. Potsdamer„ Landfriedensbruch"! Der Jugendbund des„ Deutschvölkischen Schuh- und Truzbundes" in Dahme feierte am 19. September vorigen Jahres sein erstes Stiftungsfest. Der Bund zog mit schwarzweißroten Fahnen durch die Straßen, um vor dem Rat haus Aufstellung zu nehmen. Die B. K. P., die U. S. P. und die 6. P. D., die von diesem Vorhaben erfahren hatten, postierten zwölf ihrer Mitglieder vor dem Rathause, um der Kundgebung entgegenzutreten. Als die truzige deutschvölkische Jugend antam, entrissen ihr die Männer die Fahne, zerbrachen den Fahnenstod und rissen die Fahne in Stücke. Wegen dieses Delittes, das als Rötigung" ausgelegt wurde, waren die zwölf Mitglieder der Linksparteien, fast ausschließlich Familienväter, vor der Potsdamer Straftammer angeklagt. Nachdem ein großes Zeugenaufgebot pernommen war, fühlte sich die Kammer als unzuständig und verwies den Fall an das Schwurgericht(!!), wo sich die Angeklagten wegen„ Landfriedensbruch s" verantworten sollen. Ein hübsches Gegenstück zu der heute morgen in der Freiheit" veröffentlichten Biertimpelei" aus Heidelberg. Wenn es sich um die Söhne der Bourgeoisie handelt, dann ist die Polizei ..machtlos"; handelt es sich um Arbeiter, die den provozierenden Demonstrationen der Hakenkreuzbanditen entgegentreten, dann ist die Polizei sehr machtvoll und das Gericht nicht minder. Nur so weiter, und auch der letzte Arbeiter wird unsere deutsche Gerech tigkeit entsprechend einschätzen! Die Anrechnung der Steuermarten Das Landesfinanzamt teilt mit: Ueber die Frage der Anrechnung der Steuermarken auf die Einkommensteuer der Rechnungsjahre 1920 und 1921 bestimmt die Verordnung vom 7. Juli 1921 in 3iffer 2 folgendes: Steuermarken, die für einen nach dem 31. März 1921 bezogenen Arbeitslohn in den Steuerfarten eingeklebt und entwertet sind, find auf die für das Rechnungsjahr 1920 geschuldete endgültige und auf die für das Rechnungsjahr 1921 geschuldete vorläufige Einkommensteuer nicht mehr anzurechnen. Das gleiche gilt für die Beträge, die für einen nach dem 31. März 1921 bezogenen Arbeitslohn einbehalten und unmittelbar an die Finanztasse überwiesen find.". 3ur Regelung der entstehenden Grenzfälle hat sich der Reichsnanzminister ferner einverstanden erklärt, daß, soweit die Lohnsahlung nach Tagen oder Wochen erfolgt, Steuermarken die bis um 10. April 1921 entwertet sind, und Steuerbeträge, die bis gum 10. April 1921 unmittelbar an die Finanztasse überwiesen find, als Steuerzahlungen für einen bis zum 31. März 1921 be zogenen Arbeitslohn gelten. Erfolgt die Lohnzahlung dagegen für einen längeren Zeitraum, z. B. monatlich oder vierteljährlich, To ist( wenn die Anrechnung nach dem 31. März 1921 entwerteter Steuermarten oder überwiesener Beträge verlangt wird) zu unterscheiden, ob der Arbeitslohn( z. B. bei Beamten) im voraus oder ob er erst nachträglich gezahlt wird. Im letteren Falle dürfen Steuermarten und Ueberweisungsbeträge auch dann noch auf die für das Rechnungsjahr 1920 geschuldete endgültige und für das Rechnungsjahr 1921 geschuldete vorläufige EinkommenSteuer angerechnet werden, wenn die Entwertung oder Ueberweisung erst nach dem 31. März 1921 erfolgt ist. Wenn sich aber umgekehrt ergibt, daß z. B. am 30. März 1921 Steuermarten entwertet sind für einen Arbeitslohn für die Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1921, so dürfen diese Steuermarken nicht mehr an gerechnet werden. Ueber die Anrechnung der für die Zeit nach dem 1. April 1921 verwendeten Marken wird das in Kürze zur Veröffentlichung tommende Lohnsteuergeset Bestimmung treffen. Die Wohlfahrtspflege im 17. Berwaltungsbezirk. Durch die Bezirksverordnetenversammlung ist vor einiger Zeit die neue Wohlfahrtsordnung für den Verwaltungsbezirk 17 endgültig angenommen worden. Das Geschäftsgebiet des Wohlfahrtsamtes ist bei der Jugendpflege und dem Gesundheitswesen erweitert worden. In den Bereich der Jugendpflege sind die AngelegenStoffe für Herren Anzüge, Ulster, Baletots, Damen- Kostüme, Meter 50.-, 100.-, 150.-, 200.- mark. Mur langjährige Verbindungen mit altbewährten Fabrikanten bürgen für preiswerte, gute Qualitäten. Koch& Seeland Gegr. 1893. Gertraudtenetr. 20-21. Gegr. 1893. Prozesse, G. m. b. H. L Rat, Beistand, mäß. Preise, Teilzahlung Ches, Aliments, Straffachen. Gnadengesuche Landgerichtsrat Dr. von Kirchbach Alexanderstr.45 Gefelisch.( geg. Tieg) 8-7. Glänz. Erfolge. Beobacht. Mitw. nahm. Jurist. Sonnt. 10-12 Bertrauensjach. Zwei Jahre MORD Aktenmäßige Untersuchungen über die politischen Morde Der legten zwei Jahre und ihre Sühne Zusammengestellt von E. J. Gumbel Mit einem Vorwort von Profeffor G. F. Nicolai Preis Mh. 6,60 portofrei! Das in dem Buche verarbeitete material wirkt ers erschütternd, grauenerregend. Die Taten felbft find zwar gefchehen und die Toten werden durch keine nachträgliche Sühne wieder lebendig. Aber der Schrei des Entfegens, der fich beim Lesen des Buches aus jeder Bruft löft, könnte vielleicht das Gewissen einiger Menschen wecken! Buchhandlung ,, Freiheit" Berlin C 2 Breite Straße 8-9 Postscheckkonto Berlin Nr. 51263 Heiten der Leibesübungen und die Verwaltung der Jugendheime einhezogen worden. Dem Gesundheitsamt ist neben seinem bisherigen Wirkungskreis noch die Verwaltung des Städtischen Krantenhauses übertragen worden. Als Träger der gesamten Wohlfahrtspflege ist eine gemischte Deputation( Wohlfahrtsdeputation) eingesezt. Die Ueberleitung der Amtsgeschäfte der Einzelgemeaden auf das Bezirkswohlfahrtsamt ist inzwischen fast ausnahmslos erfolgt. Es soll erreicht werden, daß Angelegenheiten der Wo.fahrtspflege im Bezirk zentral bearbeitet werden. In Fällen dringender Not sind die Amtsstellen in den früheren Außenorten jedoch verpflichtet, vorläufig selbständig einzuschreiten. Im übrigen nehmen die Amtsstellen Anträge auf Gewährung von Unterstüßung entgegen und erteilen Rat und Auskunft in allen Wohlfahrtsangelegenheiten. Der Bau der Nord- Südbahn. Die Unterfahrung des Landwehrkanals durch die Nord- Südbahn ist jetzt fertig gestellt. Die mit der Unterfahrung der Spree an der Inselbrüde und an der Jannowig rüde gemachten Erfahrungen haben bei dieser neuen Kreuzung einer Untergrundbahn mit einem Wasserlaufe zu einer völlig neuertigen Bauweise geführt. Man hat mit der Fertigstellung der endgültigen Decke des Tunnels begonnen, nachdem die Spundwände gerammt waren. Unter dem Schuge dieser völlig wasserdichten Decke ist dann die Absenkung des Grundwassers, die Ausschachtung des Bodens unter dem Kanal und schließlich der Einbau der Sohie und Seitenwände des Tunnels erfolgt, ohne daß die Schiffahrt länger als 6 Wochen unterbrochen war. Zu dem Raubmord bei Königswusterhausen wird mitgeteilt, daß die Leiche der ermordeten Frau Kroll gefunden wurde. Kriminalfommissar Geißel war in Begleitung des Staatsanwaltes Jeserich vom Landgericht II mit dem Arbeiter Freimund an den Tatort gefahren, um dort nach der Leiche zu suchen. Freimund fand nach längerem Suchen auch die Stelle, wo nach seiner Darstellung Koppe die Frau ermordet hat. Wenige Schritte davon entfernt liegen mehrere Torflöcher. Es handelt sich um das Mooßgelände, unweit der Schenkendorfer Gutsforst, einer vom Verkehr ganz entlegenen Stelle. In einem der Torflöcher wurde dann auch nach einigem Suchen die Leiche der Frau Kroll, die schon teilweise in Verwesung übergegangen war, gefunden. Sie hatte, als man sie hervorzog, noch einen Strid um den Hals, der, wie Freimund jetzt aussagte, ebenfalls von Koppe um den Hals der Toten geschlungen worden ist, nachdem er sie mit den Händen erdrosselt hatte. Unter Hinzuziehung eines Arztes und des zuständigen Amtsrichters wurde die Leiche nach der Besich tigung nach der Friedhofshalle des Gutes Schenkendorf gebracht. In dem Wasser fand man außerdem noch die Handtasche der Ermordeten mit einem Schlüssel, eine fleine Halskette, den Hut und den Fuchspelz. Nachdem Freimund die Vorgänge an Ort und Stelle nochmals geschildert hatte, wurde er wieder nach Berlin zurüdgebracht. Heute soll Koppe der Leiche gegenübergestellt werden. Die Nachforschungen nach den Schmudsachen werden noch fortgesetzt. Gewerkschaftliches Höhere Löhne Ueberzeit Staatsdünket Bom Verband der land- und forstwirtschaftlichen Angestellten wird uns geschrieben: Ein geradezu flassisches Beispiel für die Unrichtigkeit der Be hauptung, daß die hohen Preise von den hohen Löhnen herrühren, bieten die Arbeits- und Bezahlungsverhältnisse bei den in der Land- und Forstwirtschaft und deren Nebenbetrieben tätigen Angestellten. So ist z. B. in den Meiereien und Käsereien in verschiedenen Gegenden Deutschlands die normale Ar= beitszeit 12-14 Stunden den Tag. Im Frei staat Danzig und einem Teil Ostpreußens wird sogar 16 Stunden gearbeitet bei einer Bezahlung von 150, 200 und 250 m. den Monat und freier Station. Da Sonn- und Feiertags ebenetwa 10 Stunden den Tag so tommt falls gearbeitet wird eine Arbeitszeit von mindestens 84 Stunden in einer Woche heraus, die nicht selten auf 100 und darüber steigt. Ruhetage in der Woche sind etwas vollständig Unbekanntes. Dabei ist die Stellenlosigkeit in diesem Berufszweige infolge des durch die Kriegsfolgen bedingten Rüdganges der Milchanlieferungen in die Meiereien und Käsereien eine ganz ungeheure. Der Reichsarbeitsminister, der am 15. Mai dieses Jahres in Form einer Eingabe auf diese Verhältnisse von uns aufmerksam gemacht wurde, schweigt sich aus. Schäßungsweise 60-70 Prozent der Berufsangehörigen find stellenlos. Auf eine Stelle meldeten sich( nachweisbar) mindestens 50 Bewerber. Diese unglaublichen Zustände, deren Darstellung durchaus feinen Anspruch auf Vollständigkeit macht, konnten natürlich nur in einem Beruf entstehen, dessen Angehörige auf der einen Seite vom Arbeitgeber in einem wahrhaft patriarchalischen Abhängigkeitsverhältnis gehalten werden, und auf der anderen Seite ein Teil sich immer noch nicht vom Standesdünkel freimachen kann. Zu ihrem eigenen Schaden, wie wir sehen. Eine Aenderung wird auch hier erst dann möglich sein, wenn die betreffenden Arbeitnehmerschichten sich von ihren deutschnationalen oder christlich- nationalen Vereinigungen abwenden und den Kollegen fich anschließen, die in dem freigewerkschaftlichen Verband land und forstwirtschaftlicher Angestellter, Berlin SW 48, Endeplatz 6, organisiert sind. Erst dann wird es den Molkereifachleuten möglich sein, sich die Bezahlung und die Beachtung zu ertämpfen, die ihnen nicht nur als Menschen, sondern auch als äußerst wichtiger Faktor des Wirtschaftslebens gebührt. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck ersucht. Arbeiter! für Euere Kinder kauft Ihr stets gut und billig Rindbor- Schnürstiefel es eber 68. alles v. 27-35 nur Leberkappen, Leders Rindl.- Sandalen brandjoht. v.27-35 n. nur in 38. Kaatz Schuh- Engros- Lager Kein Laden. Münzstr. 101. Kein Laden. Annahme in allen Speditionen des Berlages Der Groß- Berliner Blumengeschäftstarif Der vom Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter, Berlin S. 42, Luisenufer 1, mit dem Verein der Blumengeschäftsinhaber Groß- Berlin am 24. Mai 1921 abgeschlossene Tarifvertrag ist zur Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Binder und Binderinnen in den Blumengeschäften für das Gebiet der Einheitsgemeinde Berlin gemäß§ 2 der Verordnung 23. Dezember 1918 für allgemein verbindlich erklärt worden. Die allgemeine Berbindlichkeit beginnt mit dem 23. Mai 1921. DOM Es haben somit alle in den Blumengeschäften Groß- Berlius beschäftigten gewerblichen Arbeitnehmer ein flagbares Recht auf die im Tarifvertrag festgesezten Lohnjähe. Urlaub ist unter Fortzahlung des Lohnes zu gewähren. Bei längerer Tätigkeit unters liegt die Dauer des Urlaubs der freien Vereinbarung. Die Sonntagsarbeit soll unter Zugrundelegung einer wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden nur alle 2 Wochen und nur für je 2 Stunden gefordert und geleistet werden. Für diesen Fall ist sie mit einem Aufschlag von 25 Prozent zu bezahlen. Wird die zweistündige Sonntagsarbeit außerhalb der 48 stündigen Arbeitszeit geleistet, so ist sie mit 50 Prozent zu vergüten, dara über hinaus mit 100 Prozent. Für gewährte Kost und Logis darf pro Tag tein höherer Abzug gemacht werden, als der Demobilmachungs- Kommissar für Groß- Berlin für die Hausangestellten jeweilig festgesetzt hat. Bestehende bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen bleiben bes stehen. In allen anderen Fragen geiten die Bestimmungen des Reichstarifes. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Blütner- Branche sind der heutigen Zeit entsprechend, noch sehr schlecht, und empfehlen wir allen Kolleginnen und Kollegen nunmehr dringend darauf zu bestehen, daß die Tarissäge überall gezahlt werden. Ein Erholungsheim für Metallarbeiter in Württemberg Mit dem 1. Juli 1921 hat die Verwaltung des Stuttgarter Metallarbeiterheims ihr neu geschaffenes Erholungsheim auf ihrem zirka 60 Morgen großen Landgut eröffnet. Ein kleiner See von ein paar Morgen Größe, umgeben von großen Obst- und Gemüsekulturen, ein eigenes kleines Wäldchen bilden mit den zwedmäßig gebauten, im Schwarzwaldstil gehaltenen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden das Heim. Das Gut liegt direkt an der Haltestelle Rutesheim der Bahnlinie Stuttgart- Calw, am Fuß der Ausläufer des württembergischen Schwarzwaldes, und ist umgrenzt von mächtigen Laub- und Nadelwäldern, die fich stundenlang ausdehnen. Ein idyllisch gelegener, absolut ruhiger Erdenwinkel, zur Ers holung der Nerven geeignet wie selten einer und der trotzdem nicht weit abgelegen ist von belebten Stätten. Rach Calw, Teinach, Liebenzell, Hirjau. in das romantische Monbach und Schweinbachtal herrliche Tagesausflüge. Nach Stuttgart über Solitude, Botnang oder Glemsed durch pracht vollen Wald 2 Stunden. Für gute Unterkunft und Verpflegung wird die Verwaltung auf das gewissenhafteste besorgt sein. Es stehen zirka 10 bis 12 3immer mit zusammen 20 Betten zur Verfügung. Das bedingt an sich, daß nicht jeder Besucher ein Einzelzimmer haben fann, sondern daß zwei Kollegen ein Zimmer teilen müssen, wenn fie nicht mit Familienangehörigen Aufenthalt nehmen. Die Verpflegung besteht aus Frühstück( nach Wahl Kaffee oder Tee), Mittagessen, Nachmittagstaffee, Abendessen. Getränke ( Wein, Bier, Most, Milch, Liköre) sind nicht im allgemeinen Ver pflegungslag inbegriffen. Der volle Pensionspreis beträgt pro Person und Tag 25 M. Besucher, die sich als Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter Verbandes ausweisen, erhalten bei Begleichung ihrer Rechnung -für sich und ihre Familienangehörigen auf die Pensions preise einen Nachlaß pon 20 Prozent. Ausdrücklich gestatten wir uns jedoch, darauf aufmerksam zu machen, daß Kollegen, welche die Absicht haben, in unserem Er holungsheim ihre Ferien ganz oder teilweise zu verbringen, vor her anfragen müssen, ob sie zu dem von ihnen gewünschten Zeits punft unterfommen fönnen. Bei der beschränkten Bettenzahl, di zur Verfügung steht, ist dies unbedingt notwendig. 1777 Alle Anfragen richte man nur an die Verwaltung des Stutt garter Metallarbeiterheims, Herrn Jakob Haug, Stuttgart, Kanzleistraße 33, Telephon 7300. Parteiveranstaltungen Freitag, 15. Juli 1. Distrift( Mitte). Abends 7½ Uhr Sigung der Zeitungskommission und Helfer bei Schweifarbt, Alte Jakobstraße 24. 8. Diftritt. Abteilungsfigung. 1. Abteilung bei Barleben; 2. Abteilung bet Erdmann. 18. Diftrift( Kreuzberg). Abends 7½ Uhr Sigung der Zeitungskommission und Helfer bei Schweikardt, Alte Jakobstraße 24. 2. Berwaltungsbezirt, Distrikt( Westen). Die Ferienfinder treffen fi morgens 48 Uhr Hochbahnhof Bülowstraße. Abmarsch pünktlich% 8 Uhr. Schlaf deden sind mitzubringen. 16. Berwaltungsbezirk( Köpenid, Friedrichshagen, Bohnsdorf, Rahnsdorf). Abends 7 Uhr gemeinsame Sigung der Frauen, Arbeits-, Kinderschutz- und Bil dungskommission im Köpenider Rathaus, Turmzimmer. Vereinskalender Freitag, 15. Juli Zentralverband der Angestellten. Wurstfabriken. Oeffentliche Versammlung abends 8 Uhr im Verbandslotal, Belle- Alliance- Straße 7-10. Zentralverband der Angestellten. Damenwäsche, Herrenwäsche, Schürzen, Unters röde. Mitgliederversammlung abends 5% Uhr in Haverlands Festsälen, Neue Friedrichstraße 35, Verantwortlich: für Bolitit u. Feuilleton: 2e o Liebschi. Berlin- Friedenau; für Kommunalpolitik, Lokales und Gewerkschaftliches: Gerhart Seger, Mahlsdorf- Süd bei Berlin; für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: i. B. Gustav Ratush, Berlin NW. Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. 5. m. b. S., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin C 2, Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen Geschäftsstelle: Berlin 2, Breitestr. 8-9 Das Ueberschriftswort 2.-M., jedes weitere Wort im Tegt 1.50 Mk. netto. Stellungsgefuche: Ueberschriftswort 1.50 Mk., jebes weitere Wort im Text 1.- Mh. Verkäufe Schreibmaschinen, Sichts schrift, sämtliche Systeme, neu und gebraucht, kaufen Sie vors feilhaft bei Hans Bähr, Spittels markt 7, Bentrum 3225. Belzwaren Sommerpreise Schmitz Möbelhaus, Adolf Kreuzflichse 85- Rotfüchfe65.- ftraße 19, verkauft Sopha 90.-, an, Silberfüchfe, Alaskafüchse, Tifche 80.- Küchenipind 5.-, außergewöhnlich billiger Ges Stube und Küche billig, bequeme legenheitskauf. 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