Einzelpreis 30 Pig. 4. Jahrgang . Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags einmal. Der Begugspreis beträgt bei freier Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 109. im voraus zablbar. Für Poftbezug nehmen sämtliche Poftanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, bas Baarsu. Memelgebiet fowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20 M., ir das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 89. Freitag, 22. Juli 1921 Nummer 337 Morgen- Ausgabe Die achtgefpaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., jebes weitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgebruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: 3entrum 15230-152 39 greibeif Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands England und die Kriegsverbrecher Keine unmittelbaren Schritte Eine Entscheidung im Unterhause London, 21. Juli.( Reuter.) Das Unterhaus lehnte mit 95 gegen 26 Stimmen einen An. trag Bottomlens ab, der die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Weigerung der Regierung lentt, sich dafür eins zusetzen, daß unmittelbare Schritte unternommen werden, um das Verfahren gegen die übrigen Kriegsverbrecher einzustellen. Oberschlesien Keine amerikanische Intervention 3 Washington, 21. Jaff. Das Staatsdepartement teilte mit, daß es nicht aufgefordert worden sei, in der oberschlesischen Frage zu intervenieren, und erflärte, daß Veränderun gen im umstrittenen Gebiet nicht bedeutungsvoll genug seien, um bie Regierung zu veranlassen, von sich aus eine Intervention in Erwägung zu ziehen. Italien geht nicht mit Frankreich Utd. Tel. Paris, 21. Juli. Wie in Deputiertenkreisen behauptet wird, besteht geringe Wahrscheinlichkeit dafür, daß Italien sich dem französischen Schritt in Berlin anschließen wird. Man meint, Italien würde sich aber nur diplomatisch einer Berstärkung der oberschlesischen Bes Jagung widersetzen, aus einer durch die französische Regierung in Oberschlesien geschaffenen Tatsache jedoch die Konsequenzen ziehen und, um Frankreich nicht ganz freie Sand in Oberschlesien zu lassen, die zur Erhaltung des italienischen Preftiges notwen bigen Truppen nach Oberschlesien entsenden. Es wird in den gleichen Kreisen auch nicht für ausgeschlossen bezeichnet, daß der neue Außenminister, Marchese de la Toretta, sich in diesem Punkte bem französischen Standpunkt nähere, um den Franzosen die Wag schale halten zu können. In den maßgebenden Kreisen Roms soll man nach vertraulichen Berichten Nachrichten über einen bevorstehenden neuen Polenaufstand in Oberschlesien Glauben schenken. Man glaubt der Erklärung Korfantys, die Deutschen würden es nicht wagen, sich einer Entscheidung des Obersten Rates zu widersetzen. Deshalb ist man für eine schleunige Einberufung der Konferenz des Obersten Rates, weil man überzeugt ist, daß mit seinem Urteil das oberschlesische Problem gelöst ist. In diesem Punkte schließt sich Italien den Forderungen der englischen Regierung an. Auch in italienischen Kreisen tellt man fest, daß Frankreich mit seinem Vorschlage ber Ber schiebung der Obersten Rates- Konferenz in Europa ganz allein basteht, sogar von seinen polnischen Freunden verlassen, die unausgesetzt versichern, daß eine Verlängerung des gegenwärtig un= haltbaren Zustandes in Oberschlesien den Ruin für das Land bedeute. Pressestimmen zum letzten Notenwechsel EE. Paris, 21. Juli. Der Daily Telegraph" berichtet über die Unterrebung zwischen Bord Curzon und dem französischen Botschafter in London, daß eriterer seinem Erstaunen über den Widerwillen Grant reichs gegen die Einberufung des Obersten Rates Ausdrud gab, obwohl Frankreich wiederholt, erklärt hatte, nach dem 10. Juli würde tein Hindernis gegen die Einberufung des Obersten Rates bestehen. Darauf legte Lord Curzon in sehr eingehender Weise ben Standpuntt Englands hinsichtlich Oberschlesiens dar. Dienstag nacht ging an den englischen Botschafter in Paris die Instruktion ab, in gleicher Weise Briand und dem politischen Direttor am Quai d'Orsay darzulegen, die englische Regierung münsche teine Truppenfendungen nach Oberschlesien, weil diese überflüffig feien, sobald eine zasche Entscheidung des Obersten Rates getroffen würde, Das Blatt schreibt weiter, es sei die feste Ueberzeugung der britischen Regierung sowie des englischen Kommissars in OberSchlesien, daß alle Unruhen in dem Abstimmungsgebiet perhinbert werden tönnten durch einen sofortigen endgültigen Ents Scheid und durch den Einzug regulärer deutscher und polnischer Truppen und Gendarmerie in den betreffenden Gebieten. Da die Infurgenten entwaffnet feien, wäre die Aufstellung einer irregu lären Armee nicht mehr möglich, die Insurgenten bildeten nur noch aufgelöste Banden, die sogar in der englischen Zone gegen englische Truppen Stellung genommen hätten. Andererseits habe man an der deutschen Grenze 500 Gewehre und 24 Maschinengewehre entdeckt. Das Blatt gibt der Hoffnung Ausdrud, daß Frankreich nunmehr auf die Note Lord Curzons eine günstige Antwort erteilen werde, damit die wachsende Spannung beseitigt würde. Andere englische Blätter beschäftigen sich damit, die Rote Curzons über Oberschlesien turz zu umschreiben, ohne Jachlich zu ihr Stelfung zu nehmen. Die Times" erklären, daß die Meinungsver Schiebenheiten zwischen Frankreich und England h mur auf Einzelheiten besögen, bie eine rasche Lösung des Problems nicht verhindern sollten. Man müsse die Notwendigkeit an erfennen, rasch eine autorifierte Entscheidung über diese Frage zu veröffentlichen. Daily Chronicle", das Blatt Lloyd Georges, unterstreicht natürlich den Inhalt der Rote Lord Curzons, wobei ez betont, daß die von Frankreich geforderte Verzögerung der Bujammenkunft des Obersten Rates die Grundlage der englishfranzösischen Zusammenarbeit untergrabe und den Zustand ber Not in ganz Mitteleuropa verlängere. Dadurch würden auch bie wertvollen Ergebnisse zerstört, welche durch die Abmachungen Dom Monat Mai hinsichtlich der Reparationen erzielt worden feien. Alle wahrhaften Freunde der Entente müßten die Notwendigkeit einsehen, der Verzögerung des Obersten Rates ein Ende zu bereiten. Von den Aeußerungen der französischen Abendblätter erschienen die des„ Temps" bemerkenswert, die erklären, man täusche sich, wenn man glaube, das Kabinett Wirth zu retten, indem man Oberschleften aufteile. Das Blatt beschwört die Engländer, auf berartige IIujionen zu verzichten. Wenn man den Ereig nissen in Oberschlesien Rechnung tragen wolle, möge man ohne Aufschub der Entiendung von Truppen und der Ein= bezufung der Sachverständigen zustimmen. * Sperrung der Grenzen Utd. Tel. Paris, 21. Juli. Wie verlautet, soll die deutsch- oberschlesische Grenze von französischen Truppen gesperrt werden, da Befürchtungen gehegt werden, daß die Selbstschuhbanden übertreten tönnten. Diese Maßnahme ist darauf zurückzuführen, daß über Einziehung von Beurlaubten in den nichtbesezten Gebieten Nachrichten vorliegen. Man will rechtzeitig zur Sand sein, um einem Putsch begegnen zu tönnen. Die britische Reichskonferenz EW. London, 21. Juli. Die Britische Reichstonferenz wurde gestern auf unbestimmte Premierminister daran teilnehmen durften und sogar die Ressort Zeit vertagt. Ihre letzte Sigung war so geheim, daß nur die minister und Sekretäre ausgeschlossen wurden.„ Daily Telegraph" will wissen, daß die Bertagung der Konferenz mit der britis schen Note an Amerita in Zusammenhang stehe, in welcher eine Beteiligung der Premierminister der Do= bezeichnet wird. Wenn die amerikanische Antwort eintrifft, soll minions an der Washingtoner Konferenz als wünschenswert die Konferenz wieder zusammentreten. Die irische Frage EM. London, 21. Juli. Nach dem Kabinettsrat über die irische Frage hatte Lloyd George noch eine Unterredung mit dem König, dem er das Dokument vorlegte, das heute Devalera überreicht werden soll. Im Unterhause versammelten sich unterdessen verschiedene Gruppen von Parlamentarieren, Unionisten und Liberale, die verschiedene Resolutionen bezüglich des Friedens mit Jrland annahmen und dem Premierminister zuschickten. Das Kabinett wurde teilweise sehr scharf angegriffen. Zwei bekannte Unionisten sind bereits aus der Koalition geschieden, weil sie nicht länger eine Regierung unterstützen wollen, die mit„ Rebellen" verhandelt. Das Dokument, das Devalera ausgehandigt wird, enthält die Forderung, daß nach Devaleras Be= such in Dublin neue Londoner Besprechungen stattfinden. Lloyd George hofft, den„ Daily News" zufolge, daß diese Besprechungen in zwei bis drei Wochen stattfinden können, und daß die Beziehungen zwischen ihm und den Sinnfeinern, die Es jetzt wiederhergestellt sind, nicht abgebrochen werden. Scheine, daß auch die Sinnfeiner Wert auf diese Beziehungen legen, um eine Möglichkeit zu haben, die englische Deffentlich feit zu informieren. In England hat es einen günstigen Einbrud gemacht, daß die Sinnfeinführer während des Waffenstillstands einen jofortigen und allgemeinen Ge horsam bei ihren Anhängern fanden. Japan und die Abrüstung T. U. New Yort, 21. Juli. Die Regierung in Washington hat an Japan die gewünschte Mitteilung über die Ziele der Abrüstungstonferenz erteilt. Die amerikanische Regierung fügt ihrer Antwort hinzu, daß Tokio sich weigern tönne, über eine der Angelegenheiten in Beratung zu treten. Berantwortliche, führende Krelse in Tokio sind der Anficht, daß Japan als führende Orientmacht wahrscheinlich der Washingtoner Regierung die Aufhebung der Exterritorialität in China vorschlagen wird, sowie die Festsetzung der Einwanderungsrechte in Kanada, Australien, Reuseeland und Indochina, wobei die Frage der unterschiedslosen Behandlung der Rassen natürlich eingeschlossen ist. Sübhina hat bei der Regierung der Vereinigten Staaten dagegen protestiert, daß die Regierung von Beting nicht gang China vertreten darf. al d Die deutschen Werluftlisten. Eine Gesamtveröffentlichung samtlicher deutschen Verlustlisten aus dem Weltkriege ist in Vorbereitung. Sie soll im Herbst fertiggestellt sein und wird dann der Deffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein mißglückter Berfuch Die rechtssozialistische Programmkommission, die von dem legten Parteitag eingesetzt war, veröffentlichte fürzlich einen Entwurf, der das Erfurter Programm ersetzen soll. Liest man nach dem Ersatz das Original, so liest man zugleich die schärfste Kritit dieses Entwurfes. Der theoretis sche Teil des Erfurter Programms die Leistung Kautskys war eine meisterhafte Zusammenfassung der marxistischen Auffassung der Entwicklung nach dem damals erreichten Stande unserer Einsicht. Es zeichnet die großen sozialökonomischen Richtlinien, in denen sich nach unentrinnbaren ehernen Gesetzen die kapitalistische Gesellschaft zur sozialistischen Umwälzung hin bewegen muß. Die fortschreitende Konzentration des Kapitals zerstört den Kleinbetrieb, schafft im ständig sich vermehrenden Proletariat die Totengräber der alten Gesellschaft, zwingt das Proletariat zu immer umfassenderen und gewaltigeren Klassenfämpfen, die die nationalen Schranken sprengen und nur international durchgeführt werden können, erfüllt es start mit Klassenbewußtsein und stellt ihm die Aufgabe, im politischen Kampf die Staatsmacht zu erobern, um mit ihrer Hilfe die alte Gesellschaft umzuwälzen und mit der Befreiung der Arbeitertlasse die Klassenherrschaft überhaupt zu überwinden. Gewiß, wenn heute das Programm zu erneuern wäre, würde eine Ergänzung und Umformung möglich und nötig sein. In drei Hauptpunkten fönnte Neues gesagt werden. Die agrarische Entwicklung hat sich anders vollzogen als zur Zeit der Entstehung des Erfurter Programms angenommen wurde. Weder hat sich die Erwartung erfüllt, daß jene Agrarfrise, die mit dem Einsetzen der überfeeischen Konfurrenz Ende der 70er Jahre begonnen hatte, fortdauern, sich verschärfen und die Landbevölkerung zum großen Teil in das Lager der sozialen Revolution treiben werde; noch hat die Konzentration in der Landwirtschaft sich nach der Art der industriellen vollzogen. War in England der Bauernstand zugrunde gegangen und das industrielle Proletariat zur überwiegenden Mehrheit geworden, hatte sich auch in Deutschland eine rasche Entwidlung zum Industriestaat und damit ein starkes Anwachsen der Arbeiterklasse vollzogen, so blieb hier und ebenso in Frankreich doch die Bauernschaft erhalten und bildet auch heute noch die wich tigste Stütze des sozialen Konservatismus. In noch höherem Maße gilt dies für Osteuropa, und die revolutionären Erfahrungen haben bewiesen, wie außerordentlich wichtig und geradezu entscheidend, das Verhalten der Landbevölkerung für die Eroberung und Behauptung der politischen Macht ist. Die industrielle Entwicklung hat dagegen die Vorauss Sagen der marristischen Lehre in glänzender Weise bestätigt. Was in den Darlegungen des ersten und dritten Bandes bes„ Kapital" zum Teil noch theoretische Vorwegnahme war, hat sich seitdem als Herrschaft des Finanzfapitals verwirklicht. In ungeheurem Expansionsdrang hat das Kapital die Welt erobernd durcheilt, seiner Politit im Imperialismus die neue Form gegeben, alle nationalen und internationalen Beziehungen umwälzend verändert und jene gewaltigen Kräfte und Spannungen erzeugt, die sich in Weltfrieg und Revolution entladen haben, eine neue Bafis schaffend, auf die sich in Zukunft die soziale Entwicklung vollziehen wird. Eine neue Basis auch und dies ist das dritte für den Sozialismus. In der früheren Epoche war die Sozialdemotratie nicht ihrer Theorie, ihrem Ziel und ihrem Wollen nach, wohl aber durch den 3wang der Verhältnisse in der Praris die Partei, die für die demokratische Republik als besten Boden für den Kampf der Klassen und für Sozialreform gestritten hatte. Die Erfüllung der wichtigsten Gegenwartsforderungen, wie sie der praktische Teil des Erfurter Pro gramms formuliert hatte, stellt sie unmittelbar in den Kampf um die Verwirklichung des Sozialismus. Dies macht es not wendig, über die Art der Verwirklichung sozialistischer Wirtschaft deutlicher und ausführlicher zu sprechen; die Entwic der Kartelle, Trusts, Tung der Kapitalsorganisationen Großbanken einerseits, die revolutionären Erfahrungen andererseits, machen solche Aussagen möglich. Die Probleme des Uebergangs von fapitalistischer zu sozialistischer Wirtschaft, die Fragen sozialistischer Organisationsformen der einzelnen Wirtschaftszweige heischen jetzt Antwort. Geht man nunmehr an die Prüfung des Programms entwurfes, so ist, davon zu reden, Verlegenheit. Nirgends auf eine wissenschaftlich- sozialistische Fragestellung die[ ozialistische Antwort, nirgends ein Fortschritt. Die Grundlage des Marrismus selbst ist verlassen. Das Erfurter Programm hatte sich bemüht, gleichsam die Geschichte selbst, die beste Marristin", sprechen zu lassen; der Sozialismus wird als notwendiges Resultat einer gefeßmäßigen Entwicklung be griffen, diese Geseze selbst in ihrem notwendigen Ablauf dargelegt, die Arbeiterklasse zur bewußten Trägerin und Volls strederin des historisch Notwendigen erhoben. Von alldem ist in dem Programm keine Rede. Der Entwurf hebt an: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist die Partei bes arbeitenden Wolfes, fie erstrebt die Ueberwin bung des fapitalistischen Wirtschaftssystems durch eine die Wohl fahrt after Gesellschaftsmitglieder sichernde sozialistische Gemeins wirtschaft und damit zugleich die allgemeine höchste Steigerung der geistigen und fittlichen Kultur des Boltes," Aug der geschichtlichen Notwendigkeit wird so das Streben einer Partei nach allem Guten, Schönen und Edlen. Dazu dient nach der subjektiven Auffassung der Verfasser eine „sozialistische Gemeinwirtschaft", die kommt, sobald das Streben nach Ueberwindung des kapitalistischen Wirtschafts- systems Erfolg gehabt hat. Dann heiht es weiter: „Die kapitalistische Gesellschaft hat sich zur Lösung dieser wirt- schafts- und kulturpolitischen Aufgabe als unfähig erwiesen. Anstatt den Kopf- und Handarbeitern die Befriedigung ihrer materiellen und geistigen Lebensansprüche zu sichern, hat sie die wirtschaftliche Ungleichheit gesteigert. Einer kleinen Minder- heit im lleberfluß lebender Kapitalisten stehen große, mit Not und Elend kämpfende proletarische Schichten gegenüber." Das ist nun ganK und gar die Rückkehr zum Standpunkt des utopischen Sozialismus. Auch die Utopisten sahen im Kapitalismus das Uebel, im Sozialismus das Heil. Des- halb verurteilten sie neuerlich das kapitalistische System und„strebten" nach seiner Ueberwindung. Aber eines hatten sie vor den Verfaffern des Entwurfs voraus: Phantasie. Deshalb entwarfen sie verführerische Bilder der„sozialisti- schen Eemeinwirtschaft", während der Entwurf sich zunächst darüber ausschweigt. Später werden dann allerdings„wirt- schaftspolitische Forderungen" erhoben— ein kunterbuntes Gemisch.„Da erstrebt" jetzt— wörtlich!—„die sozialistiscke Eemeinwirtschaft die Zusämmenfasiung der Betriebe falsa chas. was die kapitalistische Entwicklung im größten Umfang verwirklicht ohne„Streben") und die Ausschaltung des kapitalistischen Privatbetriebes", was von dieser Eemeinwirt- schaft um so netter ist. als sie noch gar nicht existiert, sondern erst durch die Erfüllung dieses Strebens verwirklicht werden soll. Im Anfang dieses Programms war eben das Streben und sicher nicht die Tat.... Dann kommen so fragwürdige Forderungen wie die alte Schmollersche nach staatlicher Kontrolle der Kartelle und Trusts, so selbstverständliche wie Unterstützung der Verbrauchergenossenschaften neben Fern. Haltung bureaukratischer Einflüsse auf die Leitung gemein- wirtschaftlicher Betriebe, sinnlose wie staatliche Regelung der Preise, alles Dinge, bei denen man dazu nie weiß, ob die Verfasser an eine kapitalistische oder sozialistische Wirt- schaft gedacht haben mögen, und bei denen nur eines sicher ist, die Konfuston und das Fehlen jeder nationalökonomi- schen Begriffsbildung. Gekrönt wird der Abschnitt durch eine vage Entschädigungsforderung. bei der lleberfübrung in gemeinwirtschaftlichem Besitz, offenbar ein Ausfluh des Gerechtigksits.,strebens", während die Entschädigungsfrage für Sozialisten einfach nur eine der praktischen Zweckmäßig- keit in der Uebergangszeit sein kann. Es ist aber charakte- ristisch, daß die Entschädigung hier als Programmforderung figuriert, während die Rechtssozialisten in der Rationalver- sammlung gegen ihre Aufnahme in der Verfassung gestimmt haben. Gemeinsam aber mit den Utopisten bleibt den Verfassern der Verzicht, die Verwirklichung des Sozialismus als das geschichtlich notwendige Werk der Arbeiterklasse zu begreifen. Kein Wort daher vom Klassenkampf. Der soziologisch klare Begriff der Arbeiterklasse wird vermieden, die Partei als die des„arbeitenden Volkes" bezeichnet, zu dem sich bekannt- lich so ziemlich jedermann rechnet. Und diese„Volkspartei" ist dann schließlich nur konsequent, wenn sie danach„strebt", womöglich jedem etwas zu bringen. An die beiden zitierten Absätze, die aber auch alles sind, was man als theoretischen Teil bezeichnen könnte, schließt sich plötzlich eine„Verurteilung" des Weltkrieges an, der ubetfwtvieder nicht als Resultat der imperialistischen Ent» Wicklung begriffen wird und des Verfailler Eewaltfriedens. Drttan reiht sich eine unendliche Aufzählung aller möglichen mehr oder weniger sozialistischen Einzelforderungen, die aus einer Zusammenstellung sämtlicher aufzutreibenden Reso- lutionen und Wahlprogramme gewonnen zu sein scheinen. Unklar und systemlos wie alles, ist schließlich auch die Stellung zur proletarischen Diktatur. Die Verfasser er- klären: Ablehnung jeder Diktatur einer Minderheit und der Verdrän- gung der demokratischen Volksvertretung durch berufsständige Organisation. Ausgestaltung des wirtschaftlichen Rätesystems, durch das die Arbeiter und Angestellten die Mitbestimmung im Wirtschaftsleben erhalten. Die Ablehnung einer Minderheitsdiktatur ist selbstverständlich, gerade deshalb aber nichtssagend. Wie falsch die Fragestellung, Diktatur oder Demokratie ist, hat Ledebour erst kürzlich hier ausgeführt. Aber wie stehts denn dann, wenn die Frage historisch und nicht dogmatisch gestellt wird? Haben denn die Rechtssozialisten nicht selbst die Diktatur aus- Seübt? Ging denn die Verwandlung der Staatssekretäre lZilhelms II., Eberls und Scheidemannns, in Volksbeauf- tragte der Arbeiter- und Soldatenräte auf demokratischem Wege vor sich? Wenn sich Ebert und Scheidemann darauf berufen, daß sie mit größtem Mißtrauen der Diktatur gegen- überjtanden und sich darin von Lenin unterscheiden, der aus einer bestimmten Form der Diktatur ein allgemeingültiges Dogma macht— über Motive und Gefühle wird nicht abge- stimmt, auch die demokratische Unschuld wird nur einmal. aber auf immer verloren, und die Tatsache, daß die Diktatur historische Notwendigkeit war, wird durch keine nachträgliche prinzipielle Verleugnung aus der Welt geschafft. Daß das Kind klein und verkrüppelt war und unter den Händen der Väter bald verstarb, bringt die verlorene Unschuld nicht wieder. In Wirklichkeit ist der dogmatische Streit eine Kinderei und bedeutet den untauglichen Versuch, der künfti- gen historischen Entwicklung das Gesetz eines Handelns vor- zuschreiben, das ausschließlich von den konkreten Umständen der revolutionären Machtergreifung bestimmt wird. Aber das theoretische Versagen, das dieses Programm im ganzen und im einzelnen bedeutet, ist ja nur das Symptom der Geistesverfassung, tn der sich heute die Führer der Partei befinden. Die rechtssozialistische Partei ist heute abgetrennt von den vorwärtsdrängenden, an den Prinzipien des wissen« schaftlichen Sozialismus festhaltenden Teilen der Arbeiter- klasse. Das macht die Partei zu der reinen Reformpartei, deren Ausdruck dieser Programmentwurf ist, der an dem so- zialistischen Endziel festhalten möchte, ohne doch die Mittel seiner Verwirklichung und den Weg des Klassenkampfes zu wollen. Und so enthüllt er die rechtssozialistische Partei als den Ausdruck der reformistischen Beengtheit, deren Ueber- Windung gerade die Aufgabe des wissenschaftlichen Sozialis- mus bildet und zeigt die Partei als die nur unvollständige und ungenügende Vertretung der Arbeiterklasse. Die Ueberwindung dieses Zustande? kann freilich nicht allein durch die theoretische Kritik des Programms ollein teleistet, sie muß durch die Kritik der Tatsachen erfolgen. Sie werden dafür sorgen, daß die Illusionen des Reformis- mus euch von den Massen als solche erkan.n werden und erst dann werden wir ein Programm erhalten, der Ausdruck der geschichtlichen Mission der ArbeircrUasse, der großen und geeinten, sein kirn Weit entfernt ein solches Programm zu fein, ist der Ent- wurf nur der Ausdruck der augenblicklichen Stagnation. Seine Annahme wäre vom Standpunkt der Gesamtbewegung schädlich, weil er die Kluft innerhalb des Sozialismus vertieft. Hilfe für Rußland Der Hilferuf Gorkis hat in der ganzen Kulturwelt tiefen Ein- druck gemacht. Die Hungersnot droht Dimensionen anzunehmen, wie sie Rußland Anfang der neunziger Jahre bereit« einmal er- lebte. Konnte Rußland schon damals bei völlig ungestörter Pro- duktion der Rot nicht aus eigenem Einhalt gebieten, so ist klar, daß nach den Verwüstungen des Krieges erst recht eine t n t« r- nationale Hilfsaktion notwendig ist, um das Elend des russischen Volkes zu bannen. Die reicheren Länder werden von ihren Ueberjchüssen an Produkten, die anderen Geldmittel bei- steuern müssen. Deutschland kann Medikamente liefern und seine A e r z t e zur Hilfeleistung veranlassen und die Kosten dafür übernehmen. Auch die deutschen regierenden Kreise, die dem Hilferuf die größte Aufmerksamkeit zuwenden, sind, wie wir erfahren, der Ansicht, daß sich Deutschland einer solchen inter- nationalen Aktion anschließen und helfen müßte, soweit seine Kräfte es zulassen. Die steuerscheuen Kriegsireiver Obwohl die Regierung Wirth eine schärfere Heranziehung des Besitzes erst in Aussicht gestellt, und es bekanntlich in solchen Dingen ein sehr weiter Weg von der Absicht bis zur Erfüllung ist, erhebt der agrarische Reichslandbund doch schon donnerndes Geschrei. In einem in der„Deutschen Tageszeitung" erschienenen Aufruf heißt es: „Dauernd fähig zur Aufbringung hoher Leistungen bleibt das deutsche Volk jedoch nur, wenn die Betriebsvermö- gen ungeschmälert erhalten bleiben. Die Steuerpläne der Regierung bewirken das Gegenteil: sie be» deuten zum Teil nichts anderes als die verkappte V e r st a a t- lichung der Produktionsmittel. Wo diese bis- lang zur Anwendung gelangte, hat sie eine verhängnisvolle Minderung der Produktion zur Folge gehabt. Ein solches Verfahren muß dazu führen, daß große Teile des über seine wirtschaftliche Tragfähigkeit hinaus belasteten Dolksvermögens dem Femdbunde und seinen Angehörigen in die Hände gespielt werden. Wer sich der schweren Verantwortung für da» Schicksal des deutschen Volkes bewußt bleibt, und wem es mit der Abtragung unserer Verpflichtungen ernst ist. darf gewaltsamen Eingriffen in die Substanz de» deutschen Volksvermögens niemals zustimmen. Echmä- lerung der Vermögensmasse führt unweigerlich zu Verarmung und Zahlungsunfähigkeit. Die Gesamtauegaben des Reiches müssen vom Gesamtvolke getragen werden. Mit jeder weiteren Besteuerung des Be- sitzes muß künftig der Ausbau der indirek- ten Steuern Hand in Hand gehen. Nach Ab- rechnung der an den Feindbund zu liefernden Sachleistungen werden beide Steuerquellen im gleichen Umfange ausgeschöpft werden müssen. Die Landwirtschaft vermag neue Lasten nur schwer zu trage«. Sie fordert, daß die Riesenbürde der kommenden Steuern ge- recht verteilt wird. Sie ist opferwillig wie bisher, wenn ihre Leistungsfähigkeit mit dem gleichen Maße gemessen wird, wie die der anderen Berufe. Gegen Maßnahmen aber, die ihre Existenzgrundlage untergraben, wird sich die deutsche Landwirtschaft mit aller Schärfe zur Wehr setzen." Womit einmal mehr bestätigt wird, daß den Agrariern der De- sitz das'Merheiligste ist. Sie haben zwar am machtvollsten die Kriegshetze unterstützt und stehen nicht an, Deutschland in neue Kriege zu treiben, aber die Zeche sollen jene anderen bezahlen, die der Krieg in Not und Tod getrieben hat. Da» nennen dann die Agrarier«gerechte Verteilung der Lasten". Wozu die Ltniernehmer Geld haben Man sage nicht, daß die Unternehmer keinen Opfer» willen zu bekunden vermögen. Sic geben ihr letztes Hemd, wenn es die Förderung der Reaktion und ibrer Cinrich- tungen, wenn es dem Kampfe gegen die Arbeiter- klaffe gilt. Mit besonders heißer Liebe sind sie der „Technischen Nothilfe" zugetan. Erst kürzlich konnten wir berichten, daß bayrische Industrielle ihre Betriebe zur Aus» bildung von Streikbrechern zur Verfügung gestellt haben, und jetzt hat der Arbeitgeberverband der deut- schen Buchhändler ein Rundschreiben an seine Mit- gueder erlassen, in dem es heißt: »Zahlreich« Angestellte des Berliner Buchhandel, haben sich der Technischen N o t h i l f e zur Verfügung gestellt. Sie haben an uns die Bitte gerichtet, dahin zu wirken, daß bei not- wendig werdenden Eingreifen der Technischen Nothilfe di« betreffenden Angestellten vom Arbeitgeber beurlaubt werden, ohne dag ihnen ein Abzug vom Eehalt gemacht wird. Der Vorstand empfiehlt es allen Mitgliedern dringend, der- artigen Urlaubsgesuchen unter Weiterzahlung des Gehaltes stattzugeben, da die Zweckbestimmung der Technischen Nolhilfe durchaus unter st ützenswert ist. Das Rundschreiben behauptet, daß sich„zahlreiche" Angestellte zur„Technischen Slothilfe" gemeldet hätten. Wenn das richtig ist. was wir allerdings bezweifeln, dann müssen die Unternehmer im Ernstsalle mit ziemlich hohen Unkosten zur Durcksiührung ihres Entschlusses rechnen. Aber das scheint gar keine Rolle zu spielen. Dafür ist Geld vorhanden, denn die Zweckbestimmung der Techni» schen Notlnlfe ist unterstützungswert. Die„Zweckbestim- mung" anderer Dinge dagegen, z. B. des Steuerzahlens oder der Bewilligung anstandiger Gehälter, pflegt den Unternehmern weniger„unterstützungswert" zu erscheinen. Denn dafür haben sie nie Geld, die„Notleidenden". Waffenfunde in Frankfuri a. M. In Frankfurt a. M. ist vor einigen Tagen in einer Schul« fl!) ein geheimes Waffenlager ausgehoben worden. Ueber den Vor- fall liegt jetzt folgende polizeiliche Meldung vor: „Die Durchsuchung der Räume hat ergeben, daß ein früherer Student von einem Auto Kisten nach dem Keller transportieren ließ. Ferner befanden sich dort 00 Kisten In- santericmunition und 8 Benzintank» mit 400 Gewehren. Stach den Angaben des inzwischen verhafteten Echnlver- waltere sind diese Tanks von einem Studienrat dort- hin gebracht worden mit der Angabe, es feien Stein« für das Senckeudergische Museum darin. Di« Unter» suchung bei dem Studienrat fördert« erhebliche» Belastung«» Material zutage, außerdem gewisse Aahalt»puntt« für da» Be- stehen einer Organisation und sonstiges, eine Reih« bekannter Persönlichkeiten belastendes Material. Der Gang der Unter- suchung ergab, daß weitere Gewehr« versteckt sein mußten. Das führte zu einer Untersuchung in einem Lokal auf der H u n d s w i e s«. wo über 500 Gewehr«»nd 40 Kisten Munition gesunden wurden." Gegenüber solchen und vielen anderen, gleich schwer wiegenden Tatsachen wirken alle Versicherungen der Regierung, die Ent- waffnung sei restlos durchgeführt, belanglos. Es erhebt sich bei dieser Gelegenheit aber auch wieder die Frage, die von uns schon so oft gestellt worden ist: Wieso konnten und können in allen Orten Deutschlands Waffenlager von derartige« Umfange angelegt werden? Ueber Waffen verfügt im allgemeinen doch nur die Reichswehr oder die Reichstreuhandgesellschast, die die abgelieferten Waffen zur Vernichtung erhalten hat. Die in privaten Händen befindlichen Waffen müssen also durch ein« dieser beiden Körperschaften verschoben worden sein, das heißt: Der eigentliche Schieber fitzt oben, hat bei den Behörden seinen Stützpunkt, und solange dieser Stützpunkt nicht erschüttert wird, bleibt die ganze Entwaffnungsaktion-ine Ko- m ö d t e. Die vertehie Kriegerehre Die Gesinnungsfreunds des B o ld t vermögen sich nicht zu beruhigen. Der„Deutsche Offiziersbund", den Herr Eeßler nicht auflöst, schreibt der reaktionären Presse: „In seinem heute erschienenen Bundesorgan hat der Deutsche Ostiziersbund seinen Protest gegen die Fesselung des Ober- leutnants Boldt bei seinem Transport nach Leipzig aufs neue er- hoben und Bestrafung des Schuldigen verlangt. Die rnzwifchm veröffentlichte Beantwortung de« Kleinen Anfrag« von Gräfe und Freund« im Reichstag durch Reichsjustizmrnister Schiffer fordert die schärsste Mißbilligung des gesamten ehemaligen Offizierlorps, da» in seinem Srandesgesühl aus da» tiefst« gekränkt ist, heraus. Als ursächlich sckuldige Behörde wird in ihr die Zentral- polizeistell« Hamburg an den Pranger gestellt. Geradezu unfaß- bar muß es bleib-n, daß die augenblickliche Rnchsregierung keinen Anlaß nndet, gegen Beamte einzuschreiten, die in empörendster Weis« die deutsche Kriegerehre verletzt haben. Nach unserer Ate,- nung hat sich die deutsch« Reichsregierung durch die von Justiz- minister Schiffer in ihrem Namen abgeg:bene Erklärung um jedes Vertrauen aller ehemaligen Soldaten und deutschgesinnten Männer gebracht."........ Also: das Standesgefühl ist tief gekrankt und die Krieger- ehre ist schwer verletzr. Nicht etwa, weil es sich herausgestellt hat, daß ein Mordgeselle dem Offizierkorps angehörte, fon- dern weil der Mordgeselle als solcher behandelt worden ist. Es erscheint uns außerordentlich ehrenvoll für die Regierung, wenn diese Geister, die sich mit Boldt sali« darisch erklären, ihr das.Hertrauen" entziehen. Was liegt daran! Landarbeiierflreik in Pommern In Vorpommern ist ein Landarbeiterstreik ausgebrochen. Der Streik erstreckt sich auf sechs bis acht Guter des Kreises Greifs- wald und auf 1? Güter der Insel Rüge». Gs handelt sich um ein« rein« Lohnbewegung. Um die Landarbeiter zu schädigen, bemüht sich die agrarisch« Presse, die Streikursache« auf „kommunistische Umtriebe" zurückzuführen. Diese Behauptung entspricht aber nicht den Tatsachen. Die Landräte der Kreise Greifswald und Rügen sind mit den Landarbeitern in Unter- Handlungen eingetreten, um sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Sollten diese Versuche scheitern, so wird, wie dl« P. P. N. berichten, die Technische Nothilfe zur Bergung der Ernte eingesetzt werden. Uns erscheint es zweckmäßiger, wenn di« Regierung dafür sorge« würde, di« Gutsbesitzer zu veranlassen, nachzugeben, und die be- rechtigten Forderungen der Arbeiter zu erfüllen. Denn durch da» Eingreifen von Streikbrechern wird de« Streik nicht beendigt, e» besteht vielmehr eher die Gefahr, daß er sich dann noch weit«« ausdehnt. Eisner und Auer Während die tayerifche Regierung die Unterstützung der Kray unseres Genossen Garets mit dem Hinweis ablehnte, daß kein« Gründe zur Annahme vorliegen, di« Ermordung Garei» fei poli- tischen Motiven entsprungen, hat der bayerisch« Landtag gleich» zeitig di« Unfallrente des früheren rechtssozialistischen Minister, Auer, der am 21. Februar lölS im bayerischen Landtage ver- wandet worden, nun aber wiederhergestellt ist, rückwirkend ah l. Januar 1021 auf 24 000 M. jährlich erhöht. Ein Antrag un« lerer Genossen auf Erhöhung der Unterstützung für di- Hinter« oliebenen des Genossen Kurt Eisner wurde hingegen abgelehnt, weil«in gesetzlicher Anlaß zu einer solchen Erhöhung nicht vor« liege. Dabei erhält Frau Eisner samt den beiden noch unmün» digen Kindern nur«ine Unterstützung von jährlich 3000 M. Wir verstehen sehr gut, daß die Kahr-Regierung die Verdienst« unseres Genossen Kurt Eisner anders bewertet, als di« des Rechtssozialisten Auer, hegen aber starke Zweifel, ob dies« ver« schiodene Bewertung Herrn Auer gerade zum Vorteil gereicht. Oer kluge Mann baut vor In der Furcht vor dem kommenden Heiland hat Herode» de« Kindermord von Bethlehem befohlen. Herr P ö h n« r i» München ist zwar— bis jetzt— nicht soweit gegangen, aber seine Furcht vor Kindern hat er mit Herodes offenbar gemein. So wird dem„Berliner Tageblatt" mitgeteilt, daß er einen sechs Wochen alten Jungen, den eine Münchener Familie aus Wien an Kindesstatt angenommen hat. als„gefährlichen und lästige» Ausländer" aus Deutschland ausweisen wollte. Nur mit Müh« konnte die Aufhebung dieser Ausweisung durchgesetzt wer» den. Das Kind war nämlich ein Jude, und ein hoher Polizei» beamter soll dabei geäußert haben: wenn wir da» Kind herein lassen, wächst es heran und kann in zwanzig Iahren ein— Kuft Eisner sein! Dieser Vorfall beleuchtet grell die zitternde Angst, in der sich die Elique Pöhner-Kahr befindet. Hoffentlich wird man nicht erst zwanzig Jahr« warten müssen, bis das Regime Kahr-Pöhncr sich genau so auflöst, wie das Regime Wittelsbach. Oie Jtoi der Werftarbeiter Di« industrielle Lage in Kiel, insbesondere auf den Wersten, ist sehr unbefriedigend. Aufträge liegen nur in geringem Um- fang vor. Di« Deutsche Werst, die bereits vor kurzem«inen großen Teil ihrer Belegschaft entlassen mußt«, hat am Sonn- abend weiteren 100 Arbeitern gekündigt und in verschiedenen Abteilungen die Arbeitszeit auf vier Tage in der Woche be, schränkt. Auch auf der Germania-Werft ist di« Einfühlung von Feierschichten notwendig geworden. Die Howaldts-Werft arbeitet zurzeit zwar in vollem Umfange, doch ist dort ebenfalls in Kürz« mit BetriebssiNschränkungen zu rechnen. Du Znhlnno der Goldmilliarde. Bei Bekanntgab« des Kredit«» von 150 Millionen Goldmork wurde miiaeictlt, daß di« ver» Handlungen mit internationalen Finanzkreffen zweck, Beschaffung weiterer Kredite fortgesetzt werden. Wir erfahren heut« von Reichsbank, daß es durch Vermittlung des Lankhauses Mendels- söhn u. To. in Amsterdam gelungen ist, inzwischen einen neuen Kredit von 50 Millionen Goldmark für di« Reichsbank zu beschaffen. Verhandlungen wegen fernerer Kren dite schweben. Metallarbeiter Groß- Berlins! Im September dieses Jahres findet in Jena ber Ver bandstag des Deutschen Metallarbeiters Verbandes, der größten der freien Gewerkschaften, statt. Dieser Verbandstag hat wichtige Beschlüsse zu fassen, die nicht nur für den Deutschen Metallarbeiter- Verband, sondern auch für das gesamte deutsche und internationale Gewerkschaftsleben von großer Bedeutung sind. Neben vielen Fragen der inneren Organisation werden von den Delegierten des Verbandstages Entscheidungen zu treffen sein, die für die gesamte internationale Arbeiterbewegung maßgebend sein werden. Dazu gehören in erster Linie die fernere Kampfestattit der Arbeiter * lasse gegen die Kapitalistenklasse und, hiermit eng vers wachsen, die Frage des internationalen 3us sammenschlusses der klassenkampfbereiten freien Gewerkschaften. Alle Mitglieder, Männer und Frauen, müssen an den zu treffenden Entscheidungen mitwirken. Ganz bewußt muß daher jedes stimmberechtigte Mitglied bei der Wahl der Delegierten seine Stimme in die Wagfahale werfen. Genossen und Kollegen! Ihr müßt alle zur Delegiertens wahl gehen und auch dem Unternehmertum zeigen, daß es nicht wahr ist, daß große Maffen der organisierten Arbeiterschaft gleichgültig und uninteressiert ihrem eigenen Schicksal gegenüberstehen. ten seft, muß aber auch wiffen, wo Wer wählen geht, muß aber auch wissen, wen er wählt. Die Berliner Generalversammlung hat zwei Listen, A und B aufgestellt; für Piste A trat die übergroße Mehrheit der Generalversammlung ein. Die Kandidaten der Liste A werden auf dem Verbandss tage dafür eintreten, daß die einheitliche ges chlossene Front der freien Gewerkschaften nicht zerstört wird, die unerläßlich ist zum zielbewußten Klaffentampf des Proletariats gegen die geeinigte Rapitalistenklasse. Darum alle Stimmen der Liste A! Die Abstimmung wird am Sonntag, den 24. Juli, in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags und am Montag, den 25. Juli, in der Zeit von 2 bis 6 Uhr nachmittags stattfinden. Genoffen, erfüllt Eure Pflicht! Die Gewerkschaften in der Revolution Amsterdam gegen Moskau Die Presseabteilung des Internationalen Gewerkschaftsbundes verbreitet eine Abfertigung der Kommunisten und insbesondere des Häuptlings der sogenannten Roten Ge werkschaftsinternationale, Losowsky, der wir folgendes entnehmen: ,, Alle politischen Partelen," Jagte Mary,„ mögen fie fein, welche Sie wollen, begeistern die Massen der Arbeiter nur eine Zeitlang, vorübergehend; die Gewerkschaften hingegen fesseln die Arbeiter auf die Dauer; nur sie sind imitande, eine wirt. liche Arbeiterpartei zu repräsentieren und der Kapitalmacht ein Bollwert entgegenzusetzen." Der Ordensgeneral der roten Gewerkschaftsjefuiten, Lo= sowity, weiß: Es ist ein lächerlicher Gedante, in Europa ohne oder gegen die Gewerkschaften die soziale Revolution durch zuführen." Der Internationale Gewerkschaftsund hat aus die fer ihm längst geläufigen Einsicht den Schluß gezogen, daß nichts wichtiger sei, als die Macht der Gewerkschaften zu stärken, er hat in den letzten Jahren nicht nur im wirtschaftlichen Leben, sondern auch in der internationalen Politit sich eine Stellung erobert, wie sie die Gewerkschaften niemals besaßen. Die Arbeiterschaft ist durch ihn zum erstenmal als souveräne Macht dem Terror und der imperialistischen Politit der tapitalistischen Staaten entgegengetreten. Der über Ungarn verhängte Boykott ist von der gesamten Rebattion als Sturmzeichen angesehen worden. Durch die Berhinderung der Munitionsdurchfuhr nach Bolen fiel die Arbeiter schaft den Ententestaaten in die 3ügel und rettete den Frieden. Die vom Gewerkschaftsbund in der Frage des Wiederauf baus vertretene Politit war eine Kraft der Versöhnung zwi Jchen den Völkern, während die Regierungen nur die Interessen des um die Herrschaft tämpfenden Kapitals ihrer Länder vers traten. Diese Macht ist jung und hat noch ihre Grenzen, aber bie in den Gewerkschaften international vereinigte Arbeiterschaft ist der wahre Bund der Völker. 3hm gehört die 3utunft. Losowity ist anderer Meinung. Für ihn und seinesglei chen ist die trumme Linie die kürzeste Berbindung zwischen zwei Puntten. Seine Meinung ist: Da die Gewerkschaften sa start find, daß nur mit ihnen die Befreiung der Arbeiterschaft mög lich ist, muß man ihre Macht im Namen der Weltrevolution untergraben. Mit anderen Worten: Jm Namen der Weltrenolution soll der Sieg der Reaktion vorbereitet werden. Nein, sagt Losowity, wir wollen die Gewerkschaften nicht vernichten, wir wollen sie erobern. Die Gründung einer neuen Internationale der Gewerkschaften beweist aber auch einem Blinden, daß es sich nicht um Eroberung der Gewerkschaften" und den Kampf um die geistige Herrschaft in ihnen handelt, sondern um ihre 3ersplitterung. Zersplitterung bedeutet Vernich tung der Gewerkschaften als einheitliche Macht im politischen und wirtschaftlichen Leben. So wenig als es einen Kreis mit swei Mittelpuntien gibt, tann es eine einheitliche Gewerkschaftsbewegung mit zwei internationalen Zentren geben. Die Kommunisten werden nicht müde, zu behaupten, daß ber Gegensatz Mostau- Amsterdam in der Formel proletarische Dit, tatur oder bürgerliche Demokratie" vollständig zum Ausdrud tomme. Die ständige Wiederholung dieser Schlagworte macht te um feinen Deut wahrer. Sie sind Lüge und bleiben Lüge. Der Internationale Gewerkschaftsbund denkt nicht baran, fich zum Borkämpfer der bürgerlichen Demokratie oder der Arbeitsge meinschaft zu machen, als wäre jene schon die erstrebte staatliche Form der sozialistischen Gesellschaft und diese das letzte Wort im Kampf um die wirtschaftliche Demokratie. Freilich glaubt die freie und unabhängige, Gewerkschaftsbewegung nicht an den unmittelbaren Anbruch des tausendjährigen Reiches; sie glaubt nicht an die explosive Verwirt ligung der sozialen Revolutian durch fortwährende litische Aktionen, jie glaubt nicht in diesem ruffischen Sinn an Beltrepolution. Es ist bezeichnend, daß die leidenschaftchsten Berfechter der Weltrevolution gerade diejenigen Maryisten nd, die durch geschichtliche Fügung bis vor wenigen Jahren nicht der Lage waren, zu handeln. Die Russen waren bis zu der peiten Revolution nach dem kurzen Triumph der ersten on allen europäischen Sozialisten diejenigen, die ohnmachtig ad meist aus der Fremde den Auswirtungen fapitalistischer und areaukratischer Willkürherrschaft in Rußland zusehen mußten. ie waren Zuschauer, Theoretiker, geladen mit revolutionärer ttivität. Sie sind prettische Sozialisten und Gewerkschaftler ingeren Datums. Der ruffische Sozialismus ist nicht an sich selbst bitaler und aufrichtiger, wie seine Verkünder erffären; nur die erhältnisse, die er vorfand, waren ungleich rüdständiger nb erbitternder als die des Westens; die Arbeiterschaft und bie Jauern in dumpferen Sinn Stiaven des Kapitals und Hörige er Grundherren: es war natürlich, daß die revolutionären So alisten die Atmosphäre diefer verrotteten Verhältnisse nur reini en zu fönnen glaubten burch radikale Zerstörung des gesamten ystems. Die geographische Lage Rußlands und der geschicht iche Augenblid, in dem die Revolution ausbrach und fich entpidelte, begünstigten gleicherweise wie ble geistige Einfalt ber ulichen Masse und ihre Gewähnung an tnechtischen Gehorsam en hemmungslosen und scheinbar dauernden Sieg ber bolschebiftischen Minderheit über Kapitalismus und Beamtentum, über ie anderen Richtungen des Sozialismus und den Widerstand der Bauern. Die Diftatur wurde zum bezeichnenden Zug des tuitschen Sozialismus, weil die Bolschemisten in einer Phase bie Macht an fich riffen, in der pie Staaten der umgebenden Lapita listischen Welt erst freie Savo gegen die fiegreiche Revolution be tamen, als sie selbst von furchtbaren Kriegen erschöpft waren; sie maren start genug die inneren Feinde der Räteregierung zu unters tügen, aber zu schwach, ihnen zum Siege zu verhelfen. Die Triumphe der Sowjetarmeen über ihre Gegner bekräftigten bas unerbittliche Regiment der bosschemistischen Autotraten, das sie vom ersten Tag ihrer Macht als Diktatur des Proletariats" zur Normalform des sozialistischen Uebergangsstaates allen europäischen Sozialisten aufdrängen wollten. Die Macht der Bolschewisten beruht mehr auf ihren militärischen Erfolgen, als auf ihren wirtschaftlichen und sozialen Leistungen; aber selbst die Siege der roten Armeen find von geringerer Bedeutung für die Ausbreitung ihrer Macht als ihre scheinbar so offenherzige schlaue Propaganda für ihre Barolen, Das Eingeständnis begangener Fehler ist gewiß ein Zeichen von Mut. Aber wenn es so zur Gewohnheit wird wie bei den Leitern des russischen Staates, fann es nur noch von Schwärmern als Beichen aufbauenden politischen Genies aufgefaßt werden. Bei uns hungert die Arbeiterschaft," erklärte Budharin in einer Rede vom 8. Juni dieses Jahres ,,, weil die Produktionszirtulation zwischen Stadt und Land gehemmt ist." Diese Störung war eine dirette Folge der wirtschaftlichen Methoden der Diktatur. die den Bauern den gesamten Ueberschuß der bäuerlichen Produkte weg nahm. Die Beseitigung der Requisition und die Einführung der Naturalsteuer bedeutet den Abbau der Dittatur. Das Recht der Arbeiter auf einen Teil ihrer Produkte, das ihnen ge= geben wurde, um sich Lebensmittel beschaffen zu können, hat zu einem blühenden Schleichhandel geführt; statt die Produkte an die Einkaufszentralen abzuliefern, schlagen sie es lieber an Kleinhändler los, die ihnen mehr dafür bieten. Auf illegalem und gesetzlichem Wege tommt der 3wischenhandel wieder zu seinem Recht. Alles das sind Symptome für das Berjagen bes 3entralismus. Da die Bolschewisten selbst die Dittatur nicht mehr ernst nehmen, fann wahrhaftig nicht verlangt werden, daß der Internatio= nale Gewertschaftsbund sich für sie ins Zeug lept. Deshalb ist er noch kein Borkämpfer der bürgerlichen Demokratie; im Gegenteil weiß er besser und schon länger als die fuperflunen Leiter der 3. Internationale, daß in ihr niemals die sozialen Forderungen der Arbeiterschaft verwirklicht werden fönnen. Und die Reaktion in allen Ländern verschärft nur diese Gewißheit. Die bürgerliche Demokratie unterbrüft in Frankreich alle antimilitaristische Propaganda; sie bulbet in England den Terror gegen bas irische Bolt, fie unterdrüat die frische, sozialistische Bresse und migachtet die Forderung der Bergarbeiter, bie für gleiche Arbeit gleiche Löhne forderten; fie ist in Deutschland außerstande, die unverhüllten monarchistischen und militaristischen Treibereien auszuschalten. Die bloße politische Demos fratie bietet teinen Schuh gegen den schrankenissen Militarismus Der Siegerstaaten und sein heimliches Fortwuchern bei den bes Fegten Böltern. Die Liquidation des Krieges war eine Probe auf die Aufrichtigteit der Friedensabsichten der bürgerlichen Demokratien. Die Friedensverträge wurden Sunbgebungen brutalen Machtwillens. Die Phrasen fadenscheiniger Sumanität, die sie verbergen sollten, verschärften nur den Ein brud unversöhnlicher Ausbeuter politit. Der Bölterbund, der nur eine Begleiterscheinung dieser Politit war, fonnte tein tatkräftiger Bürge Jozialer Freiheit und Ge= rechtigkeit werden. Wo es um die Rechte des arbeitenden Bolles geht, genügt die Souveränität des fleinsten Duodesstaates, seine Biele zu sabotieren. Er ist eine Atrappe des Kapitalismus für harmlose, aber unverbesserliche Idealisten. Für diese bürgerliche Demokratie fämpften die dem Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften in feinem Sinn. Die Sozialisierung der Produktionsmittel, bie ein wesentliches Ziel der Amsterdamer Internationale ist, fetzt einen Boltsstaat voraus, der mit dem bloßen politischen Parlamentarismus nicht austommen tann. Die Produktionsdemokratie, auf der Grundlage der Be= triebsräte tonsequent entwidelt, ist eine Ueberwindung der bürgerlichen Demokratie in der Richtung des Sozialismus. Für fie gibt es in jedem Lande eigene Wöglichkeiten, individuelle Borauslegungen und Formen. Das Rätesystem, Industriever bände und Gilden werden erst in ihrer vollen Bedeutung ge= wertet werden, wenn Ingenieure und Betriebsleiter aus den Reihen der Gewerkschaften oder mit sozialistischem Geist durch brungen, den Mitläufern des Kapitalismus ent gegengestellt werden tönnen. Sozialisierung der Produktionss mittel ohne Erziehung der Geister in der Richtung der Soziali fierung, ohne Ausbildung der Gewerkschaften zu Reservearmeen für jeden Dienstgrad der Probuftion, ist eine unwirksame Drohung. Bon den Gewerkschaften aus oder im Zusammenhang mit ihnen muß die Erweiterung der Front der Arbeiterbewegung erfolgen: Die Einbeziehung der Angestellten und Beamten, schließlich der Ingenieure und Betriebsleiter in den Kampf für die Sozialisies rung. Sobald die Arbeiterschaft über genug Brattifer verfügt, die bie Sozialisierung durchführen tönnen, wird nichts sie zu hindern vermögen, bas legte und mächtigste Privi leg der Kapitalisten zu zerstören: ihr Sachverständnis, das auf dem brutalen Monopol der Bildung beruht. Die Gewerkschaftsbewegung ist nur ein Teil der profetarischen Bewegung, deren leitender Gedante die Befreiung der Arbeitertlasse, bie neue Gesellschaft ist. Die Gewerkschaftsbewegung wird im Berlauf ihrer Kämpfe in jeder Nation zu sozialistischen Zielen geführt. Der Bergarbeiter ftreit in England ist ein Beweis dafür aus letzter Zeit. Auch wenn die Ziele nicht in sozialistischer Terminologie formu liert werden; auch dann, wenn in ben tontreten Forderungen der Gewerkschaften mit bewußter Sorgfalt jede Anspielung auf sozialistische Hoffnungen vermieden werden oder sogar das Streben nach fozialistischen Zielen ausbrüdlich bekämpft wird. Die fortwährende parteiprogrammatische Betonung der allge meinen Ziele ber Arbeiterbewegung ermüdet um jo mehr, als die Gewerkschaften jetzt in einer Phase Stückweijer Berwirts lichung ihrer been im eigenen Lande stehen, weil tontzete Probleme sie beschäftigen, weil Bofitionen erobert werden Jollen, van denen aus immer wieder nene Orientierungen gegen über ber bürgerlichen Gesellschaft notwendig werben: Frontverände rungen, neue Borschläge, die in fedem Staat andere ein müssen. Der russische Zentralismus, die Diktatur der Führer über die Partei, die Dittatur der Partei über die Gewerfiften verrät einen tiefen Mangel an Vertrauen in die Klasse instinkte der Arbeiter haft in den verschiedenen Ländern. Vielleicht deckt sie fogar zinen befremdenden Unglauben in thre eigene Ueberzeugung auf, daß der Sozialismus ein zwangsläufiges Ergebnis des wirtschaftlichen Lebens und der proletarischen Aktion sein werde. Es ist eine billige, aber deshalb nicht weniger schamlose demagogische Heuchelei, den Gegensatz Amsterdam Moskau in die Alternative: Bürgerliche Demokratie oder Diktatur des Proletariats preffen zu wollen. Abgesehen davon, daß Mostau schon felt geraumer Zeit fein so prinzipienfefter Anhänger der Dittatur des Proletariats mehr ift eins fteht jedenfalls fest: die Amsterdamer Internationale hat für die bürgerliche Demokratie ebensowenig übrig wie für bie russische Dittatur. Die Rundgebung, die wir nur teilweise zum Abdruc bringen, jagt zum Schluß: Während die Mostaner allmählich den Weg nach rechts antreten, wird die erStartende Reaktion den Internationalen Gewerkschaftsbund zu immer schärferem Kampf bereit finden. Seine Kompromisse" sind nur Etappen auf dem Wege nach links. Die Kompromisse der Mostauer weisen in entgegengesetzte Richtung. Es werden nicht bie Schaumfchläger der Weltrevolution sein, sondern die tlassenbe wußten, erprobten Streiter, die in der Amsterdamer Internationale sich zum Kampf gegen die Reaktion zusammengeschlossen haben, denen die Befreiung der Arbeiter und der Aufbau der Produktionsdemokratie gelingen wird." Jugendbewegung Wir Jungen Denn wir find noch ungebrochene Naturen, Wie die Wälder, wie die Ströme find, Ungeduldig fiebernd, wann der Kampf beginnt Auf dem Weg, den andere noch nicht fuhren. Gebt uns Macht und Fracht! Wenn nicht wir Jungen Grad mit steiler Stirne geh'n aufs Ziel, Wer bändigt dann, wer reißt ins Weltgewühl Sich neue Bahn, wer hätt' sich durchgerungen? Wir sind die Glücklichen! Wir sind die Künftigen! Auf uns find alle Väter, alle Mütter, fle Götter stolz! Alle Zonen, Alle Sternen liegen voll von Kronen! Wehe, wer sich selbst erschüttert, Denn das Schicksal liebt die Brünstigen! Die Methode der Bildungsarbeit 6. S. Die wesentliche Aufgabe der Volksschule war( und ist es Teider heute noch), die Kinder der Arbeiterbevölkerung zu gefügigen Untertanen zu machen. Dieses Ziel hat die Boltsschule zu erreichen versucht, indem sie den ganzen Unterricht in allen Fächern Darauf eingestellt hat, den unbedingten Glauben an die Autorität zu erzeugen. Nicht nur im Geschichtsunterricht, wo man uns alle Borgänge in der Geschichte der Menschheit als die Taten einzelner großer Männer hinstellte; im Religionsunterricht, wo man uns lehrte, daß der einzelne Mensch vor Gott und vor der von Gott eingelegten Obrigkeit überhaupt nichts be deutet, und in der Auswahl des Lesestoffes, an dem man uns mit Mühe und Not unsere Muttersprache lehrte, suchte die Volksschule dieses Ziel der Erziehung zu erreichen. Das am eindringlichsten mittende Mittel aber, mit dem die Bolksschule arbeitete, war die Methode des Unterrichts: man bot uns einen fertigen Wissensstoff, der gläubig und ohne zu zweifeln hingenommen und auswendig gelernt werden mußte. Unbequeme Frager wurden durch die Autorität des Lehrers zum Schweigen gebracht. Diese Methode der Ausbildung hatte zur notwendigen Folge, daß die Gehirne der jungen Arbeiterlinder geradezu verfümmerten. Alle die höheren Fähigkeiten, die sich die Menschheit im Laufe der Geistesentwidlung erworben hat, blieben bei uns unausgebildet. Wie sich der Körper des Menschen im Laufe der Jahrtausende allmählich immer höher entwidelt hat( wir fönnen dies in der Schrift Engelbert Grafs Stammt der Mensch vom Affen ab?" nachlesen), hat dies auch der Träger unferers Geistes getan, näm fich das Gehirn. Wenn wir das stolze Gebäude der Wissenschaft betrachten, so bekommen wir eine Ahnung davon, welche außer ordentlichen Fähigkeiten der menschliche Geist in sich birgt. Gin Teil von diesen Fähigkeiten schlummert in uns allen, es bedarf muz einer sorgsamen, leitenden Sand, um die junge Pflanze des findlichen Geistes zur Entfaltung zu bringen. Die haben wir in Der Bolfsschule vermissen müssen, unser junger Geist wurde mit rauhen militärischen Griffen so zurecht gebogen, wie es dem Willen der Auftraggeber der Boltsschule entsprach. Bon all den höheren Fähigkeiten des menschlichen Geistes: aufmerksames Beob achten, prüfendes Urteilen, fritisches Denten und logisches Ver tnüpfen der sinnlichen Eindrüde wurde in uns nichts oder nur sehr wenig gewedt. Der Boltsschulunterricht war lediglich eine mecha nische Gedächtnisübung, verbunden mit soviel Lefen, Schreiben und Rechnen, daß wir uns zur Not in unserem Arbeitsverhältnis bewähren können. Sier müssen wir nun das Verfäumte nachholen. Dabei tönnen wir gleich aus dem Urteil über die Bolfsschulbildung eine für unsere Bildungsarbeit wesentliche Schlußfolgerung ziehen. So jehr wir den Wissensstoff der Volksschule, die Geschichtsligen, die Schöpfungsgeschichte und ähnliche Dinge durch die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften und Soziologie erfegen müssen, so großen Wert müssen wir aber auch auf die Methodit Tegen. Die Methode der Volksschule war ein einfaches Aufhäufen von fertigem Lernstoff. Da in unserer Bildungsarbeit ein anderer 3wed verfolgt wird als in der Volksschule, müssen wir grundsäzlich auch anders verfahren. Das Wesentliche unserer Bildungs arbeit muh fein, an dem neuen Wissensstoffe, ben wir an die Stelle der Boltsschulbildung sehen wollen, zugleich eine neue Methode zu üben: nämlich die Ausbildung der höheren geistigen Fähigkeiten des Menschen. Die höhere menfchliche Geistestätigteit besteht darin, daß aus den Eindrüden ber Augenwelt, aus den Erfahrungen, die uns die Erlebnisse innerhalb der menschlichen Gesellschaft vermitteln, bestimmte Schlüffe gezoge werden. So wie der Naturforscher burch eine unausgesetzte Beobs achtung der Natur allmählich dazu gelangt ist, aus der Fülle der Erscheinungen die Geseze zu erkennen, nach denen das Naturgeschehen sich vollzieht, so verfolgt auch der Geschichtsforscher das gesellschaftliche Leben der Menschen, die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse und folgert aus ihnen die Entwicklungsgeseke der Menschheitsgeschichte. Erft diese Fähigkeit, beobachtete Erscheinungen und wissenschaftliche Forschungsergebnisse im Denten geistig vollwertigen Menschen aus. zu einer harmonischen Weltanschauung zu vereinigen, macht einen genossen als Stipendiaten, d. h. als geduldete Koftgänger der Für uns tommt es nicht darauf an, einige unserer Klassen= tommt es darauf an, die neistine Berfaffung der Arbeiterklasse bürgerlichen Gesellschaft auf höheren Schulen zu sehen, sondern uns als Gesamtheit auf eine höhere Stufe zu bringen. Folange wir noch nicht in den Besitz der wirtschaftlichen und politischen Macht gelangt find, solange wir also auch nicht alle Bildungss möglichfeiten in unserem Sinne umformen und benuken tönnen, solange muß diese Aufgabe jaber einzelne an sich selbst erfüllen. Die Zukunft der Arbeiterbewegung beruht auf der Arbeit, die feber einzelne unermüdlich an sich felst and an seinen Klaffens genollen im Sinne einer geistigen und sittlichen Höherentwicklung leitet. a.Wertheim Billige Lebensmittel neue Kartoffeln große Pfd. 55Pt. Kartoffel n neue, Kaiser- 70Pt. kronen Pfd. Pf. an Weißkoh..... Pfund 45Pf. Gurken hd ländische, Stck. 220 an Blumenka hl Kopf von 60 Wachsbolinen Pfd. Grüne Boh nen Pfd. Puffbohner).. Pfund 80Pf. Tomaten 3. 320 280 Pfund 2M Eẞbirnen( Ma kateller)... 320 Pfirsiche( gro.By: Früchte).. 650 Zitronen. 3 Stück 1M 3 Stück 1M Tauben junge 6M und 750 Rehblätter.... Pfund 1250 Hirschkeulen.. Pfund 16M Hirschrücken Pfund 14 M gi ole Salzheringe 25Pt. Fettheringe... Stck 90Pt. Matjes- Heringe. Stück 140 Heringsrogen. Pind 70Pf. Heringsmilch. Pfand 90P. Frisches Fleisch Kalbskammu. Brust Kalbsnierenbraten Pfd. 1050 Pfd. 950 Pfd. 1050 Kalbskeule ganz od. geteilt 10.50 Schweineschinken P 15M Schweinerücken P 15M 15M 15M 1 Schweinebauch Theater und Bergnügungen ganzen. Pfund ganzen Pfund ohne Kopf, im 150 Kabeljau Seelachs ohne Kopf, im 130 Schellfische.... Pfund 130 Rotbarse ohne Kopf, Pfd. 95Pf. Große Rotzungen. 220 Flundern geräuchert, Ptd. 360 Bücklinge große... Pfund 580 Schellfische geräuchert 3M Seelachs geräuchert. Pfund 4M Räucherheringe Stuck 125 Pfund Pfd. und Blatt geteilt. Pfd. Pfd. 950 1050 Hammelfleisch( vorder) Pid. Hammelkeule ganz oder 1050 Hammelrücken.... Suppenfleisch..... Gehacktes Rind- u.Schweinefl. 11M Rindertalg ausgelassen. Ptd. Rotwurst.... Pfund 12M Zwiebelwurst.. Pfand 12M Pastet.- Leberw.Pfund 16M Sülzwurst..... Pfund 13M Landleberw... Pfund 14M Mettwurst grobe. Pfund 22M Teewurst..... 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Groß- Berlin Nach den Sperenberger Gipsbrüchen Während in Luxus und Verschwendung die besitzende Klasse ihre Reisen unternimmt und in Tagen mehr verjubelt, als der Arbeiter mit Frau und Kindern im Jahr zum Leben hat, schuftet in Werkstätten und Fabriken das Proletariat neuen Profit Heraus. Ein paar Ferientage im Jahr, mit Streit und endlosen Verhandlungen dem Unternehmertum abgetrott, sollen genügen, verbrauchte Arbeitskraft wieder aufzufrischen. Immer wieder erhöhte Eisenbahnpreise, Verteuerung der Lebensbedürfnisse verschließen der großen Masse jede Möglichkeit einer Ferienreise. Ein paar Ausflüge in die gewiß schöne Umgebung Berlins sollen dann ersetzen, was der Geldbeutel nicht erschwingen kann. Der Arbeiter steht der Natur durchaus nicht fremd gegenüber. Er fühlt sich als ein Teil von ihr und sucht in seinen sonntag: chen Wanderungen immer mehr Beziehungen zur Natur zu fnüpfen. Jede Wanderung wird ihm zu einem Eriebnis, bringt ihm eine wertvolle Erkenntnis vom Zusammenwirien im Naturgeschehen. Heute sei ein Hinweis auf einen wenig besuchten Teil der mär= tischen Landschaft gegeben: eine Wanderung zu den Speren berger Gipsbrüchen. Wir fahren mit der Vorortbahn vom Potsdamer Bahnhof aus bis 3ossen. Dem Nottetanal, der hier gar nicht wie eine fünstlich angelegte Wasserstraße, sondern zwischen Ufern mit Gebüsch durch Feld und Wiese so munter dahinzieht, folgen wir südwärts bis zum Dorfe Mellen. Er ist eine Verbindung zwischen dem Mellensee und der Wasserstraße Dahme- Spree und dient dem Transport der Klausdorfer Ziegel- und Holzindustrie. Mellen ist ein hübsch gelegenes Dörfchen an der Nordseite des über 3 Kilometer langen Mellensees. Am sumpfigen Ostufer ist ein Wandern am See nicht möglich. Wir müssen durch die lang am Westufer sich hinziehende Mellener Villenkolonie hindurch. Die Grundstücke sind abgezäunt und sperren den Blick auf den See. Erst hinter der Kolonie, kurz vor Klausdorf, gibt es ein paar hübsche Fleckchen, Badestellen am See, wo sich denn auch ein frohes Treiben in den Sommermonaten entwickelt. Sehenswert sind die Klausdorfer Tongruben mit den Ziegeleiwerten, die. zum Teil jetzt wieder in Betrieb sind. Sinter der Chaussee Wünsdorf- Klausdorf- Sperenberg gehen wir rechts von der Dorfstraße einen Feldweg, der zum Faulen Gee führt. Hier wird die Torfgewinnung mit riesigen Torfftechmaschinen betrieben. Die Maschine schneidet und teilt etwa vier brikettgroße Stücke ab, die dann sorgsam auf Feldbahnwagen gelegt werden. Ein großer Platz dient zum Auslegen der einzelnen Torfftüde, die in der Sonne troden und für die Industrie oder den Hausbedarf als ein ziemlich hoch wertiges Brennmaterial verwendet werden. Landschaftlich bietet die Gegend teine besonderen Reize. Und wer in der Hitze dieser Tage dort durch das Faule Luch wandert, wird keinen der Arbeitsbrüder beneiden, die bei der Torfarbeit beschäftigt sind. Sandberge, von dürftiger Vegetation überzogen, die wir nach Westen übersteigen, führen zu den Speren= berger Gipsbrüchen. Ein Teil der Brüche ist außer Betrieb, seitdem die Berliner Gipswerfe hier den Abbau im Großen und die Verarbeitung des Gipssteines zu Stud- oder Baugips mit technisch vollkommenen Maschinen betreiben. Das Gipslager wird schon seit über 300 Jahren ausgebeutet. Wir besichtigen den großen im Betrieb befindlichen Gipsbruch am Krummen See. Der Abbau erfolgt in derselben Weise wie in den Rüdersdorfer Kalkbrüchen, über Tage. Die abgesprengten Blöde werden zerschlagen und mit einer Rettenbahn zur Wäscherei geschafft. Hier von Sand und anhaftenden anderen Unreinlichkeiten durch ständig fließendes Wasser gereinigt, wird der Gipsstein in Steinbrechern gemahlen und für das Brennen, wo ihm Dreiviertel feines Wassergehaltes entzogen werden, vorbereitet. Der Gipsstein ist ebenso wie das Steinsalz ein jüngeres Gestein aus der Felsenbrunner of ( 22. Fortsetzung.) Bon Anna Croissant- Rust ( Nachdrud verboten.) Nun saß sie natürlich wieder allein vor dem gedeckten Tisch, die schönen Hühner gingen zum Kudud und sahen aus wie ein Häuflein Elend, wenn sie auf den Tisch kamen, Knochen und Haut. Wie unangenehm dies Stillsitzen und Warten in dem großen 3immer! Und auf einmal dies schrille Läuten! Man tonnte Nerven friegen! Das war natürlich wieder die Mutter. Ihre Herzfrämpfe". Alwine lachte spöttisch. Ihre Herzkrämpfe famen immer zur passenden Zeit! Selene hatte ihrer Mutter noch nie soviel Teilnahme gezeigt, wie diesen Abend. In ihrem aufgelösten und wirren Zustand, in dem Zwischenzustand vom verliebten sentimentalen Badfisch zum sinnlichen Weibe war es ihr, als sei sie selbst nicht mehr fern jenem Zustande, in dem sie die Mutter wähnte. Das verschleierte ihre Eigenliebe, die sonst nur sich fannte, und verdeckte ihren Mangel an Aufopferungsfähigkeit. Es vermischte sich wunderlicherweise wie ein verwegnes, halb kindliches Spiel mit furchtbar ernsten Dingen fam's ihr wieder vor, mit ihren nächsten 3ufunftsträumen, das machte sie weicher, hingebender, als sie im Grunde war. Dabei fand sie das Gefühl wundervoll, gerade sich besser und andersgeartet zu fühlen als Alwine. Noch nie hatte sie die Schwester als so roh empfunden. Nein, die beiden Thomanns würden nie so gefühllos geredet und gehandelt haben! ,, Arme Mutter!" sagte sie wieder und wieder. " Oh, die Schmerzen, das geht vorüber, aber es bedrückt mich sonst so manches." Ach ja!" seufzte Helene altflug, es gibt so viel in der Ehe, soviel Graujames und Hartes! Ach, laß dich nicht niederbrüden, es unser Schicksal!" Und mit einem schweren Seufzer sentte sie ergeben den Kopf und sah und fühlte nicht, wie ihre Mutter vor ihr errötete und hastig ihre Hand wegzog. Ich bin ja nicht wie Alwine, weißt du, ich verstehe das chon," begann Helene wieder und starrte diesmal zur Dede empor, wenn man einen Mann liebt, alles tut, alles erträgt man, wenn er nur liebt-" Sprich nicht mehr, ich kann das nicht ertragen!" bat die Mutter. ,, und geh jetzt Helene, ich muß allein fein." Beilage zur„ Freiheit" sogenannten Zechsteinperiode, das als Meeresablagerung eine tiefe Mulde ausfüllt, die bei Sperenberg durch eine Veränderung der Erdoberfläche zertlüftet und hochgefaltet wurde. Eine Bohrung, die am Grunde des Bruches vorgenommen wurde, ergab 85 Meter Gipsstein und über 1100 Meter Steinsalz. Hier, in einer Tiefe von etwa 1200 Metern, mußte die Bohrung eingestet werden, da eine hervorsprudelnde Solquelle weitere Arbeit unmöglich machte. Eine Pumpe schafft nun ununterbrochen die Wir Wassermassen der Quelle nach dem Krummen See. finden ein schattiges Plätzchen an seinem Ufer. Vor dem Kaffeetochen mit Wasser des Krummen Sees sei gewarnt, es ist bitter salzig. In einer knappen halben Stunde fann man nach Speren= berg gehen, um dort vom Bahnhof wieder nach Hause zu fahren. Wenn man eine anderthalbstündige Wanderung nicht scheut, fährt man billiger von Wünsdorf zurück. Am kleinen Barssee vorbei, die Klausdorfer Heide hindurch, über weite, saftige Wiesen zum Wünsdorfer See, bietet dieser Teil der Wan derung viel Schönes und Interessantes. Wie man mühelos Geld verdient Schier riesig groß ist die Zahl von dunklen Existenzen, die fich die Not und Verzweiflung der Arbeitslosen zunuze machen und durch unklare Inserate in den Tageszeitungen bekanntgeben, daß sie durch Einsendung von so und so viel Mark mitteilen tönnten, wie man mühelos sich einen guten Nebenverdienst, oder gar ein horrendes Einkommen sichern tönne. Die Dummen werden nicht alle, und die„ Ratgeber" leben von dem Gelde der bedauernswerten Opfer unserer Wirtschaftsordnung einen guten Tag, sie pressen Gold, oder vielmehr Papiergeldstapel, aus dem Glend der Mermsten. Ohne Entschädigung fönnen wir heute ein Rezept mitteilen, wie man tatsächlich viel Geld verdienen kann. Natürlich muß man einige Voraussetzungen erfüllen. Also, man verschaffe sich einen einflußreichen Berwandten bei der Eisenbahndirektion. Bon irgendeiner Maschinenfabrit läßt man sich als Betriebsleiter anstellen und bewerbe sich um Aufträge der Eisenbahn. Der„ hohe" Verwandte wird schon dafür sorgen, daß man rentable Aufträge bekommt. Sat man den Zuschlag, dann miete man sich eine Küche, vielleicht in der Martgrafenstraße 14, lasse sich ein Schild mit der Aufschrift:„ Eisenbahn- Material- Werkstättenund Maschinenbau G. m. b. 5." anbringen und entsprechende Briefbogen druden. Die Aufträge der Eisenbahn läßt man in fleinen Werkstätten zu unerhört niedrigen Preisen ausführen, so daß ein sehr hoher Gewinn verbleibt. Die teure Bronze, die von der Eisenbahn zu Armaturen geliefert wird, verwende man nicht, sondern verschiebe sie zu teuren Preisen. Für die Armas turen nehme man nur billiges und minderwertiges Messing. So tann man viel und mühelos Geld verdienen, und wer es nicht glaubt, der erkundige sich bei Herrn Reichert, bem Inhaber der Eisenbahn- Material- Werkstätten- und Maschinenbau G. m. b. S., Markgrafenstr. 14. Zum Fall Dr. Rudolf Bon einer Korrespondenz werden folgende Ausführungen versprechen: breitet, die nach unseren Informationen der Wahrheit entDurch die Aufbedung des Falles Rudolf- Franzte haben sich bei der Kriegsbeschädigtenfürsorge der Stadt Berlin auch eine Reihe anderer Mißstände gezeigt, deven schleunigste Abstellung notwendig ist. Aus dem, was sich attenmäßig feststellen läßt, ist es auch mehr als wahrscheinlich, daß der bisherige Leiter der Kriegsbeschädigtenfürsorge in stärterem Maße für das Treiben Dr. Rudolfs verantwortlich zu machen ist, als man bisher anzunehmen geneigt war. Zunächst steht fest, daß der bisherige Leiter der Kriegsbeschädig tenfürsorge, der kommunistische Stadtrat Stolt, erit vor drei Wochen Rudolf die Unterstützung in Höhe von 3500 Mart bewilligt hat. Eine derartige Unterstügung, die höchste, die überhaupt dentbar ist, darf nur an Familienväter gezahlt werden, wenn sie vollerwerbsunfähig und in höchster Not befindlich sind. Dr. Rudolf war weder verheiratet, noch befand er sich als gutbezahlter Angestellter des Magistrats in einer dringenden Notlage. Stadtrat Stolt hat dann ferner dafür gesorgt, daß Rudolf Kleidung und Schuhe erhielt, ohne daß auch hierfür eine zwingende Notlage zu ermitteln war. Schließlich ist Rudolf vom Hauptverflopfen und begrüßte ihn, der im langen Reisemantel mit aufgeschlagenem Kragen tam, halb triumphierend, befangen. Oh! Er schämte sich, er war in Velegenheit! Ja, er mars fierte diese Verlegenheit, indem er laut und heftig schrie: ,, Was ist das für eine Wirtschaft! Niemand sorgt, daß ich einen Wagen habe! Jm Stall stehen acht Gäule, und der afte Hannes faulenzt herum, ich muß mir aber elende Mietsflepper nehmen. Warum schickt man mir feinen Wagen an die Station?" „ Hannes war dort," sagte Helene gemacht nachlässig,„ er fam allein zurüd." ,, Kann der Kerl nicht bis zum nächsten Zug warten? Wenn ich mit dem vorlegten nicht fomme, hat er zu warten bis zum letzten. So eine Lüderlichkeit! Jhr laßt ihn auss spannen, setzt euch gemütlich zu Tisch, damit ist die Sache erledigt." ,, Aber du bist doch hergekommen," sagte Helene agressiv, ,, und übrigens sei nicht so laut, Mutter ist frant, und bilde dir auch nicht ein, daß wir gemütlich bei Tisch sizen. Nies mand sigt bei Tisch außer Alwine, und die tut es aus Prinzip." Der Vater hörte nicht ihre Worte, nur den Widerstand hörte er heraus, und deshalb schrie er noch lauter: ,, Larifari! Geschwät!" riß die Türe des Eßzimmers auf und fuhr Alwine an:„ Das Essen! Die Suppe! Aber schnell!" ,, Suppe gibt's nicht," erwiderte Alwine. ,, Was sind das für Neuerungen? Habe ich nicht ein für allemal gesagt, es muß für ein vollständiges Essen gesorgt werden, wenn ich auf der Reise bin? Eß ich's, ist es gut, eß ich's nicht, ist es auch gut." Dann sah er über den Tisch hin.„ Was ist denn das? Habt ihr noch nicht gegessen?" Noch fonnte Alwine schweigen, aber schon tamen ihr die Worte bis an die Lippen. „ Nein." Warum?" ,, Du hast es doch gehört, die Mutter ist trant" Ja, ja!?" er stierte vor sich hin und fuhr sich ein paarmal durch die Haare. ,, Und Peter?" " Peter ist nicht da." " Was? Und das sagst du so ruhig?" 33 Ja soll ich denn auch schreien?" opponierte Almine. Ich verbitte mir das, ich schreie nicht!" Alwine merkte wohl, daß der Vater immer mehr in Aufregung geriet, aber sie hükete sich, ihn zu besänftigen. Selene sprang auf und sah ihre Mutter gehässig an. Sah lo ihr Dant aus? Man warf sie ja hinaus. Nun ging fie gerade die Stiege nicht mehr leise hinunter! Da vernahm he das Rollen eines Wagens. Aha, der Vater! Wie würde er gegen sie sein? Trotz aller Neugierde hatte sie Herz- lieren." Was soll ich denn tun? Er bleibt ja fort, wann er will, und es fällt niemand ein, deshalb ein Wort zu vers Freitag, 22. Juli 1921 sorgungsamt Berlin zu einer sechswöchentlichen Kur nach Wildbad geschickt worden, obwohl nach dem fürzlich erlassenen Ges Jetz nicht mehr das Hauptversorgungsamt, sondern lediglich die Krantentasse eine derartige Badereise hätte verordnen tönnen. Es ist also nachzuprüfen, wann das Gesuch Dr. Rudolfs auf Bes willigung dieser Kur ausgestellt und von Stadtrat Stolt unters zeichnet worden ist. Nicht nur im Falle Rudolf werden Stadtrat Stolt schwere Vor würfe gemacht, sondern auch in einer Reihe anderer Vorkommnisse. Der Vertreter des Stadtrats Stolt, ein Herr Gräser, der ebens falls der V. K. P. D. angehört und vom Stadtrat Stolt bei Ans tritt seines Amtes aus dem Siedlungswesen übernommen wurde, vertritt den Stadtrat nicht nur in jeber Beziehung, sondern emp fängt in Abwesenheit seines Vorgesehten Kriegsbeschädigte als Stadtrat Stolt". Infolge dieser Personalunion" ist es bereits mehrfach zu Konflikten mit den anderen Beamteu der Kriegsbeschädigtenfürsorge gekommen. 99 Sprachschule für Proletarier. Am 1. August beginnen die nenen Anfängerkurse in Englisch und Französisch( Abendunterricht) für Genossen und Genossinnen ohne Vorkenntnisse. Ebenfalls wes den Anfängerkurse für Kinder von 12 bis 14 Jahren( Nach mittagsunterricht) eingerichtet. Anmeldungen am Sonnabend, den 23. Juli und Dienstag, den 26. Juli, in der 24. Gemeinde. schule, Hinter der Garnisonkirche( Nähe Bahnhof Börse), 3im mer 7, und zwar für Kinder von 10-12 Uhr morgens, und für Erwachsene von 5-7 Uhr abends. Genossen, die verhindert sein sollten, fich persönlich anzumelden, tönnen sich schriftlich an die Sprachschule für Proletarier wenden. Wiederum drei Waldbrände. Die andauernde Trockenheit hat besonders den Waldboden derart ausgebörrt, daß vielfach der ges ringste Funte genügt, um einen Brand herbeizuführen. Bom gestrigen Tage allein werden wiederum brei solcher Feuer ges meldet. Am Vormittag brannte in der Nähe des Restaurants ,, Waldtater" in Tegel an der Bernauer Straße eine Waldfläche von 50 Quadratmeter ab. Nachmittags gegen 1½ Uhr brannte der Wald bei Beelighof. Jn beiden Fällen gelang es Streifs mannschaften der Schuhpolizei mit Unterstützung der Anwohner und von Waldarbeitern, das Feuer, bevor es noch größere Ausdehnung nehmen konnte, zu löschen. Einen weit größeren Schaden hat ein Waldbrand in Tegel angerichtet, der gegen 3 Uhr nach mittags wieder in der Nähe der Bernauer Straße austam. Hier griffen die Flammen so schnell um sich, daß die Wehren aus Waidmannsluft, Tegel, Wittenau und die freiwillige Feuerwehr der Borsigwerfe herangezogen werden mußten, um des Feuers Herr zu werden. Erst nach zweistündiger Tätigkeit fonnten die braven Sappeure wieder abrüden. Etwa vier Morgen Baums bestand waren vernichtet. Warnung vor falschen Fünfzig- Markscheinen. In letzter Zeit find wiederholt bei Geschäftsleuten im Zentrum, aber auch in anderen Gegenden Versuche gemacht worden, bei kleinen Einfäufen falsche Fünfzig- Martscheine zu wechseln. In mehreren Fällen ist den Vertreibern dieses Manöver geglüdt. Einer der Bertreiber wird beschrieben als etwa 1,75 Meter groß, im Alter von 27-30 Jahren stehend, hager, blasser Gesichtsfarbe, mit einem Anflug von Schnurrbart. Der Schwindler sucht mit Vorliebe Sändler auf, die allein im Laden sind, und ist bisher noch immer entkommen, da den Landeninhabern die Verfolgung nicht mög lich war. Raubüberfall eines Studenten. Ein schwerer Raubüberfall hat fich gestern nachmittag in dem Saufe Planufer 1 abgespielt. Die Familie der Hauseigentümerin Witwe Schinn steht schon seit vielen Jahren in freundschaftlichem Verkehr mit der des Reltors a. D. Krüger aus der Berliner Straße 77 zu Charlottenburg. Gestern vormittag erhielt die Witwe Schinn, eine Frau, von 68 Jahren, den Besuch des Studenten Edy Krüger, eines Sohnes des Rettors. Da gerade auch der Schwiegersohn der Witwe Schinn anwesend war, so lub die Frau den jungen Studenten ein, mit ihnen zu Mittag zu essen. Das tat dieser auch unb brachte nach Tisch den Schwiegersohn der Hauseigentümerin zur Bahn. Er selbst tehrte dann wieder um und suchte nochmals die Wohnung der Frau Schinn auf. Als er sie jetzt allein antraf, forderte er von ihr 1100 Mart bares Geld. Als die Frau ihm erklärte, daß sie so viel gar nicht bei sich habe, fiel der Student plöglich über sie her, warf sie zu Boden, würgte sie und verlegte sie mit einem Sademesser ziemlich schwer. Als ihm die Frau 100 Mart auss händigte, ließ er von ihr ab und ergriff die Flucht. Bisher ges lang es noch nicht, den Flüchtigen habhaft zu werden. " Seit wann ist er aus dem Hause?" ,, Weiß ich nicht." " War er schon am Morgen weg?" " Jawohl, ich denke in Haseberg. " Aber hatte er heute nicht Stunde in Breitenberg?* Gewiß, aber er war nicht dort." " Woher wißt ihr das?" Der Lehrer war hier." 31 Was wollte der Kerl?" Mit dir reden wegen Peter." وو رو Was hat er mit Peter? Was braucht er mit Peter zu haben? Was hat er zu flagen? Er hat nicht zu flagen, er hat sich zu helfen!" Alwine wurde sehr eifrig.„ Er wünscht, daß du ihm eine Methode äußerster Strenge erlaubst, er hält sonst Peter für verloren." ,, Nun- und? weiter." ,, Er glaubt, daß er einen sehr schlechten Charakter hat, und daß eiserne Strenge notwendig, wenn was aus ihm werden soll." " Und Peter?" ,, Was Peter?" " Ich meine, was fagt er dazu, was erwiderte et, wie hat er sich verteidigt?" " Ja, Peter war gar nicht dabei!" Was?" " Er ist seit der Zeit nicht mehr aufgetaucht." ,, Seit der Zeit? Sofort nachsehen! In seinem Zimmer nachsehen, auf dem Speicher, im Keller, im ganzen Haus, im Garten, in den Ställen. Schnell, schnell! Es ist über neun Uhr und stockfinstere Nacht. Es ist ja nicht möglich, daß ihr das habt anstehen lassen! Bande!" In steigender Erregung stürzte der Vater ein paar Gläser Wein hinunter und lief hinaus. Bald hörte man seine Stimme im Garten und im Hofe. Er wedte vor allem den Gräfe Hannes, er trieb die Knechte auf, eine fladernde Angst war plöglich über ihn gekommen, die beständig wuchs. ,, Es muß etwas passiert sein!" sagte er aufgeregt zu dem Alten.„ Sucht in den Wiesen, in den Feldern, im Wald, nehmt die Windlichter mit!" Bald sah man die kleinen Flämmchen da und dort aufs tauchen, zuletzt blitzten sie am Waldessaum oben, verdunkel ten sich und leuchteten wieder hell. Das ganze Haus war wie auf einen Schlag erschredt, es ging treppauf und trepps ab, Türen flappten; man hörte Rufe über den Hof, den finster ruhenden Garten, die stillen Wiesen:„ Peter! Peter!" Rufe, die bis ins Zimmer der Mutter brangen, die ein wenig geschlummert hatte, und nun mit einem Aufe Schrei erwachte. ( Fortsetzung folgt.) Gewerkschaftliches Kommunistische Berleumdungen die Form der 3entral organisation für die Gewerkschaften zwedmäßiger jet ober die der Lotal organisation. Das sicherte ihm auch die Beachtung der organisierten Arbeiter anderer Berufe, und schon aus diesem Grunde wird sein Andenken in der deutschen Arbeiterschaft weiterleben. Aftiengesellaft Wir teilten fürzlich mit, daß der Internationale Gewertschafts- Etwas von der Deutschnationalen Versicherungs bund in Amsterdam dem Italienischen Algemeinen Gewert Schaftsbund 50 000 2ire überwies. Der Kampf gegen die Faizisten, jenes Brigantengesindel, die eine obrigkeitliche stillschweigende Förderung erfuhren, erheischte große Opfer. Zu diesem Zweck wurde der Betrag unseren italienischen Genossen überwiesen. Nun stellte lata 3ettin auf einer der Sigungen des britten Kongresses der Kommunistischen Internationale die Behauptung auf, das Geld stamme aus den Taschen der Bourgeoisie, eine Tatsache", die man den Arbeitern mitteilen müsse. Der Internationale Gewerkschaftsbund schreibt dazu: Die Zeitschrift des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes bringt in ihrer Nummer vom 13. Juli d. 3. die Gewinnund Verlustrechnung seiner Versicherungsgesellschaft für das Jahr 1920. Für die breitere Deffentlichkeit wird hieraus interesant sein, daß einer Beitragseinnahme von 1754 581,06 Mart, an Verwaltungstoften 991 606,54 Mart gegenüberstehen, das sind genau 56,50 Prozent. Mit anderen Worten heißt das: Jeder Versicherte wirft von 100 Mart gezahlter Jahresprämie 56,50 Metallarbeiter! Unnötig zu sagen, daß der Internationale Gewerkschaftsbund noch nie auch nur einen Pfennig empfangen oder ausgegeben hat, der aus den Taschen der Bourgeoisie tommt. Es ist daher auch unnötig, den Klatschereien von Frau 3ettin zu widersprechen und noch einmal ausdrücklich zu versichern, daß die 50 000 Lire, die der Internationale Gewerkschaftsbund zur Ver fügung der italienischen Kameraden gestellt hat, aus den Taschen Zur Wahl für die Delegierten zum Verbandstag in Jena der Arbeiter fommen, die dem Internationalen Gewerkschaftsmuß sich der legte Kollege beteiligen bund angeschlossen sind. Menn aber Frau Beitin, jo beißt es weiter, bas Bedürfnis fühlt. Wahlabstinenz gilt als Verrat die Arbeiter über die Verbindungen aufzutlären, die zwischen der Bourgeoisie und gewissen Arbeiterführern bestehen, so bieten diese fommunistischen Freunde ihr reichlich Gelegenheit, thre Zunge tagelang in Bewegung zu halten. Zum Beispiel fönnte sie den. Anfang machen mit dem Herrn Chablin, dem Mitglied des Eretutivtomitees der Kommunistischen Internationale, der niemand anders ist wie Herr Iwan Nebjeltoff, ein berüchtigter Streitbrecher während des Streits der bulgarischen Eisenbahner im Jahre 1919, ein Schüßling des Er- Königs Ferdinand von Bulgarien, auf dessen Kosten er in Paris studierte. Sie tönnte auch beginnen mit Herrn J. T. Murphy, einem ber brei Mitglieder des vorläufigen Vorstandes der sogenannten Roten" Gewerkschaftsinternationale, Während des Krieges war Scotland dieser Herr ein bezahlter Spion Don Yard, und obwohl diese Tatsache von ihm selbst nicht geleugnet werden kann, ist sie doch unter„ Revolutionären" offenbar tein Hindernis, um an die Spike der sogenannten„ Roten" Gewertschaftsinternationale geftelt zu werden. tet Fritz Schrader t Am 15. Juli hat der Zentralverband der 3imme= einen verwandter Berufsgenossen und schweren Verlust erlitten. Frizz Schrader, der seit 81 Jahren Borsitzender dieser Gewerkschaft war, verschied nach langem Leiben. Er war am 4. Ottober 1857 in Hamburg geboren. Die 3immerer gehören zu den Berufen, benen es möglich wat, sich auch während der Dauer des Ausnahmegesezes gegen die ges meingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie"( 1878 bis 1890) in etwas größerem Maße gewerkschaftlich zu betätigen. Sie gründeten 1883 den Verband der Zimmerer Deutschlands. Schtaber war Mitglied dieses Verbandes und hatte ich das Vertrauen seiner Hamburger Kameraden soweit erworben, daß fie ihn zum Borsigenden ihrer Verwaltungsstelle oder, wie die 3immerer ihre örtlichen Verbandsgruppen damals nannten, ihres Lofalverbandes wählten. Als solcher wurde er im Mai 1890 als Delegierter zum 8. Handwerfertag des Verbandes der Zimmerer Deutschlands" entfandt. Dort wurde er zum Verbands vorsitzenden gewählt. Es ist wohl taum noch ein Gewerkschaftler vorhanden, der einen solchen Boften so lange befleidet, ein Be weis, wie sehr Frizz Schrader das Bertrauen gerechtfertigt hat, das feine Kollegen in ihn fekten. Als Verbandsvorsitzender wat er auch auf fämtlichen bisher abgehaltenen Gewerkschaftston greffen eine befannte Persönlichkeit. In den Jahren 1892 bis 1896 war er ebenfalls Mitglied der Generalfommission der Ges wertschaften Deutschlands, der Vorgängerin des Algemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Große Verdienfte hat Schrader fich ferner um die internatio nalen Berbindungen der Zimmerer erworben. Er hat diese zuerst angebahnt und sie unverbroffen ausgebaut. Seit 1903 wat et Gefretär der Internationale der Zimmerer. Seit 1911 war Schrader Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, des Landtages für das hamburgische Staatsgebiet. Dort gehörte er der S. P. D.- Fraktion an. Aus seiner Tätigkeit neuerer Beit wollen wir nur noch hervor heben, daß er auch dem Vorläufigen Reichswirtschaftsrat angehörte. Bor sechs Monaten ertrantte Frig Schrader an Anämie( Blut schwund), so daß seine Ueberführung ins Barmbeder Krantenhaus notwendig wurde. Die Kunst der Aerzte fonnte ihm jedoch das Leben nicht mehr erhalten. In Friz Schrader ist ein Gewertschaftler dahingegangen, det nicht viel von sich reden machte, aber dort, wo es darauf antam, seinen Mann stellte und dem die Simmerer Deutschlands viel zu danten haben. Von allgemeiner Bedeutung ist auch seine Tätig. feit in einem Zentralverbande schon zu der Zeit, wo unter der deutschen Arbeiterschaft der Meinungstampf darüber tobte, ob an den Prinzipien aufbauender freigewerffchaftlicher Arbeit Darum Metallarbeiter werbt und stimmt nur für dei Liste A Matt für Drudsachen, Gehälter und ähnliches zum Fenster hinaus. Dies mutet um so eigentümlicher an, da in den Anpreisungen stets gesagt wird:„ Keine besolbeten Agenten, an 1400 Orten ehrenamtliche Werber, baher hoher Geschäftsgewinn". Für die fachmännische Befähigung der deutschnationalen Kaufmannsgehilfen ist das Ergebnis ein nicht gerade rühmliches Zeugnis. Halten wir demgegenüber die Zahlen aus dem Bericht der Boltsfürsorge", ein von den freien Gewerkschaften und Genossenschaften ins Leben gerufenes gemeinnügiges Versicherungsunternehmen: Im Jahre 1920 hatte sie auch für Lebensversicherun= gen bis zum Betrage von 10 000 Mart Beitragseinnahmen in Höhe von 27 000 000 Mart, denen 7800 000 Mart Berwaltungsfoften gegenüberstanden, das find 28 Prozent. Die Deutsch nationale Versicherungs- Attiengesellschaft arbeitet also genau noch einmal so teuer, Dafür haben aber die Versicherten die Gewißheit, nur von deutschvöltischen Angestellten die Policen ausgefüllt zu erhalten. Bum Streit der Kontobuch- Arbeiterschaft In Graumanns Festfälen nahm die streifende Kollegenschaft Stellung zu dem gegenwärtigen Stand der Bewegung. Eine Aus Sprache mit Buchdruckereibefizern und Geschäftsbücherfabrikanten hat am Mittwoch, dem 21. 6. Mts., stattgefunden. Sie verlief ergebnislos. Mit höchster Entrüstung nahmen die Versammelten das Verlangen der Unternehmer auf, die Arbeit bedingungslos aufzunehmen. Das Verhalten der Unternehmer, welche am 30. Juni ich mit Vertretern des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter zusammenfekten, um den ausgebrochenen Konflitt beizulegen, spottet jeder Beschreibung. Die Arbeitsauf nahme wurde gestört burch die brutalen Maßnahmen der Unter nehmer, die der Arbeiterschaft ftitiofe Entlassungen utommen Ifeß. Der weitere Bersuch der Unternehmer, bie treitenbe Kollegenschaft durch Flugblatt zum Streifbruch zu ver leiten, ebenso die Erwirtung eines Gerichtsbefciuiles, welcher geeignet war, bas Koalitionsrecht der Arbeiter zu gefähr ben, waren Mittel, die Arbeiterschaft gegen die Unternehmer zu erbittern. Stürmische Zustimmung der Streifversammlung fand der Bevollmächtigte Rothe, als er erflärte, daß der Streit aus ben vorher genannten Gründen nunmehr seitens der Ottsver waltung des Verbandes der Buchbinder und Pa: pierbetar better anerkannt und geführt würde. Die Unternehmer, bie in feinem festen Tarifverhältnis mit unferer Organisation ftehen, werden ben geschlossenen Widerstand ber ftreitenden Arbeiterschaft, sowohl des Verbandes der Buch binder und Papierverarbeiter als auch der übrigen in Betracht tommenden Organisationen finden. Die Verbandsleitung nimmt nunmehr die Fäden der Bewegung in die Sand und fordert bie Buchbinderelarbeiterschaft auf, strengte Solidarität zu üben. Dasselbe wird gefordert von ben Buchbrucern und der Buch bruckerei- Hilfsarbeiterschaft. Uebt Solidarität! Die Ortsverwaltung. Die Streiffeltung. Arbeiterblätter werden um Abbrud gebeten. Zentralverband der Maschinisten und Seizer. Am Sonntag, bem 24. Juli, vormittags 9 Uhr, findet bei Schulz, Am Königss graben 2, eine Versammlung aller in der Metallindustrie beSaisonAusverkauf Qualitätsware Peiser schäftigten Maschinisten und Heizer statt. Der Wichtigkeit bes Tagesordnung entsprechend, ist es Pflicht eines jeden Kolleges Die Ortsverwaltunga pünktlich zu erscheinen. Arbeiterspori Freie Turners eft Ehöneberg- Berlin. Sigung ber Vereinsturnwarte bei puid. Reukölln, Weserstraße 11. Begint Greberg. Sonnabend Vierteljahresbers Jammlung, Sonntag Turnfahrt. Bezirk Süben. Sonnabend Versammlung bet Bluhm. Begit! Norden. Sonnabend Versammlung bei Schwarz, Gleim-, Ede Schwebiet Gitake. 4 Breiter- Wanberbund Neturirennbe". Wanderungen am 23. 24. Juli. Fürstens walbe, Ermiteffee, Springfee, Wenbuch Riek. f. Sonnabend abends 7.05 Schief. f.( Crfner umsteigen). Tiefensee, Blumenthal. NBf. Sonnabend abends 6.10 Eles. Bhf.( tiezenet Bitg.). Königsmusterhausen, Zieftice. Abt. Sonnebend abends 6,01 f. Weißenfee. Bernau, Plökenfee. bf. Genn abend nahm. 5.46 230f. Gesundet. Lebnis, Lehnielee. Nof. Gonntag vorm. 6.26 1. Gelundbe. Bielenial, Budowfee. Nof. Granabend abends 6.40 Slett. Rotottohf.( Bernau um eigen). Strausberg, landfee. of. Sonnabend 1 Familien Eltern Nach dem abends 7.00 Bhf. Bellevue unb Gonning ft 5.36. Renton.= wanderung nach der Löfnih. Abf. 7.09 hf. Stralau- Rummelsburg. wanderung nach dem Stärinsee, bf. 5.45 morgens of Steptors, Hölzernen See, Dubrow. Asi. Sonnabenb abends 7,27 Görlige Bif. Kindere wanderungen: Dranienburg, Grabowlee. Treffpunkt 6.30 Nettelbe play, 7.00 Bf. efunbbr. Ballen, Mokener See. Treffpuntt 6.30 35. Steglig. Erfner, Heiderentet Gee. bf. 6.45 f. 30st. Garten. Nach den Papenbergen. Treffpanit 600 f. Emöneberg. Tesriken Berein Die Rainrfreunde, Ortsaruppe Berlin, E. 2. Fabrien an 23. 24, Juli. Abilg. Lichtenberg: 25. Ziefenfee- Langer See. Abf. Sonnabend 5.59 riegener Bhf. Astig. Webbine: Melchow- leberfee. Sf. Gonnabend 5.35 Stett. Fernbbf. btlg. Steglin: Biefenthal- Budow- Gee. of. Sonnabend 8.16 Stett. Bernoff.- Astig. Charlottenburg: Rachtwanderung in Rutkeland. Treffpunkt Sonnabenb 7.30 Anhalter af.= bilg. Rorben: Eichwalde- Aroskins Abt. See. Abf. Sonnabend 5.30 und Sonntag 5.27 01. Gesundbrunnen. Treptow: Michendorf- Pienemisjee. Treffpunkt 5.27 Bhf Gefundbrunnen und 5.45 Bhf. Treptowo. otig. Weißenfee: Iteffahrt zum Sterfifee. Treffpunkt Sonnabend 6.00 Anionplak. Arbeiter Kablaresbund Seliberitat, Gan 9, Bezirt 2, veranstaltet am Sonntag. ben 24. Juli, im Ctablissement Reu- Seeland"( nh. w. C. Schoner!) in Stralau, Barnelweg, ihr diestäbriges Radfahrer- Sportfest( 16. Betirfsfeft) in großer Aufmachung, verbunden mit grokem Gartentonzert, Spesialitäten, Runks und Reigenfahren, großem Ball. Puntt 1 Uhr mittags treffen fich atte Orts gruppen des Begirts am Schlefischen Tor zur Aufstellung ut otiofahrt mit großer Muhittapelle nam Reuseeland. Abends graker Strandfadelzug. Arbeiter- Rad faster und Sportfet, Freunde und Gannet etteint in Maffen, zeigt den Bürger lichen eure erprobte Mami auf dem Gebiete her Sport und Körperpflege. Der Schwimmerein elle, Abteilung Lichtenberg( Mitglied bes Arbeiter. Waltersporteerbandes), vetantattet am Sonntag, den 24. Juli, Hachm. 3 Uht, im Seebab Rummelsbuta. Sauptstraße 6, eift Sommerschwimmfcft. Außer dem Er finden öffnungsteigen, welcher von der Damenabteilung geschwommen wird, Damen Männers, Jugend, Chillers Towie Stafetten- und Mannschaftstämpfe tatt. Zum Elu werden fich Neptun- Lichtenberg und Welle- Berlin im Masfer bripiel gegenüberstehen. Bei ber Gleichwertigfeit beiber Mannschaften läßt es fich nicht vorher fagen, wet Glenet bleibt. Während der Aufführungen Konzert, bak auch nach dem Goimmen vom Bandonium- Berein Often im Naturgarten der ( Mlafellofchen) Badeanstalt ausgeführt wird. Bei der gesundheitlichen Bedeutung, die der Schwimmsport speziell für bie Arbeiterschaft bat, ist ber Befuch dieses Schwimmfestes bei ben mäkigen Eintrittspreisen von 2 M. besonders empfehlens wert. Ainder in Begleitung Erwachener frei, Jonft die Säffte des Eintrittspreises. Freie Schwimmer Spanden. Sonnabend abends 7 Uhr Treffpunkt Bahnhof Spanben- Welt zur Badepartie nach Rapenberge( Bürgerablage). Damenabteilung und Raigler Sonntag früh 6.30 Uhr. Ahmarsch vom Klintebentmat. Berliner Arbeiter Emaflub, Abteiluna Siben. Det 2. Spielabend ist nach Ritter take 15 bei tiem verlent morben. Jeden Dienstaa. Der 3. Spielabend befindet sich jeden Freitag Sagelberger Straße 20a bei Reufnet. Hauptspielabend jeben Donnerstag bei Geisler, Waldemarstraße 32. Jede Austunft durch With. Scholz, S 42, Wassertorstraße 18. Parteiveranstaltungen Tegel. Jugendwethe. Wie alljährlich, veranstalten auch in blefem Serbit bie fonfeffionstolen Elternbeitate don Tegel eine Jugendweihe für diejenigen Kinder, welche am Religionsunterricht nicht teilnehmen oder damit brechen wollen. Eltern, helft uns in unferem Kampf gegen die driftliche Reaktion. Führt uns eure Kinder zu, daß fie menigstens nod in den ferien Wochen vor Eintritt ins Leben dafür vorbereitet wetben. Die Borbereitungsftunden beginnen Ende biefes Monats und werden von einem tüchtigen Babagogen gegeben. Die Kugenbweihe, an ber etitiaffige Rinkler mitwirken, bildet einen würdigen Abschluß ber Kinderzeit. Roften inb nicht zu entrichten. Anmeldungen nehmen entgegen Franz Krumens, August Müller- Straße 6, 3 Tt.; Otto Raften, Trestowstraße 21. Freitag, 22. Juli 19. Diftriff( Kreuzberg). Abends 8 Uhr Sikung der Frauenarbeits- und Kinders fchuttommiffion bei Hermantus, Arndistrage 28, vorn 4 It. 5. a. 6. Diftritt and Charlottenburg. Vergnügungstomitee sowie die Ordner bes 6. Diftritts abends 7 Uhr bei Raiset, Gogtowstytraße 34. 7. Diftritt, 3. Berwaltungsbeitrt( Webbing). Abends 7 Uhr findet eine Situng bet Zeitungskommiffion bei Döhling, Brunnenstraße 79, ftatt. Der Wichtigkeit halber ist das Ericheinen after Mitglieder unbedingt erforderlich. 10. Diftrift( Gesundbrunnen). bends 7 Uhr sämtliche Funktionäte der 2. Abe feilung bei Fritsch, Diontheimer Straße 4; familiche Ordner Freitag abend 7 Uhr bei Eurzmann. Genoffen, bie noch im Beige von roten Armbinden sind, werbew bringend ersucht, dieselben mitzubringen. 16. Diftritt( früher 7.). Abends 7 Uhr Mitglieber der Frauenarbeits. unb Kinderschutzlommission, Romintener Straße 2. Besprechung über unseren Ausflug am Mittwoch, den 27. Juli, nach Sadowa. Sonnabend, 23. Juli. 15. Berwaltungsbezirt( Abteilung Oberschöneweide). Sommervergnügen bes Oberschöneweider Boltschots", verbunden mit Kinderfest. Beginn der Ver anstaltungen nachmittags 6 Uhr. Die Genoffen und Genoffinnen werden ersucht, baran teilzunehmen, da der Boltechor" bei unseren Veranstaltungen stets mit witti und auch die Grabständchen fingt. Die Veranstaltung findet im Blumen gatten" Oftend statt. Bereinsfalender Sonntag, 24. Juli T Erbeiter Eltern- Bund, Die Partie am Sonnabend, ben 23. Juli, nach Sennigs borf( Metzners So fällt aus. Früh 7 Uhr nach Strausberg( Stienisfee). Treffpunkt früh 7 Uhr Schlesischer Bahnhof( Madeistraße, Gde Fruchtstraße). Fahrgeld für Kinder 1,50. Melbungen am Freitag bis 7 Uhr abends. Gruppe 1 1. 2 bei Genossen Herrhammer, Goßler Straße 27; Gruppe 4 bet Genoffen Hagedorn, Mühlenstraße 42; Gruppe 5 bei Genoffen Feiertag, Greifs walber Straße 30. Treffpunkt: Gruppe 5 früh 6 Uhr Arnswalder play. Verantwortlich: für Politit u. Feuilleton: Les Liebschig, Berlin- Friedenau; für Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkschaftliches: Gerhart Seger, Mahlsdorf Süb bei Berlin; für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: B. Gutab Matusch, Berlin NW. Verlagsgenossenschaft Freih e. G. m, b. S., Berlin. Trud ber Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin 2, Breite Straße 8-9. Wir verkaufen rasend billig und beschränken uns hier wegen Platzmangels auf einige Beispiele: Damen- Schnürschuhe grau Leinen, mit Ledersohle, sehr billig...... Damen- Spangenschuhe weiss Leinen, feste Ledersohle und braune Absätze Damen Schnürschuhe 24,950 39, echt Chevreau, Lackkappen, 89, elegante Form, enorm billig Damen- Spangenschuhe prima Boxkalf, hervorragende Qualitätsware.. Damen Stiefel, prima SO 98, Rindbox, vorzügliche Aus- 98, führung, nur Mittelgrössen Damen- Pumps, braun u. schwarz, echt Chevr. u. 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