Einzelpreis 30 Pfg. . 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags and Montags mur coumal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 10 9. m voraus zahlbar. Für Boftbezug nehmen sämtliche Poftanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens u.Luremburgs 20 M., ür das fibrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9. Dienstag, 26. Juli 1921 Nummer 343 Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., jedes meitere Wort 1,50 m. einschließlich Teuerungszufching. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1.- M. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 89 Freiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Verständigung zwischen London und Paris Das Kompromiß EE. Paris, 25. Juli. Kurz vor Redaktionsschluß ist der„ Intransigeant" heute abend in der Lage, feststellen zu können, daß eine leichte Annähes rung Frankreichs an England in der oberschlesischen Frage wahrzunehmen sei, ohne jedoch hierüber nähere Angaben zu machen. Gleichzeitig aber erklärt der„ Temps", daß die frans zösische Regierung einer Einberufung des Obersten Rates auf den 4. Auguft zustimme. Dies sei gestern dem französischen Botschafter in London eröffnet worden. Die französische Regie rung besteht aber noch auf der Notwendigkeit einer vors herigen Entfendung von Truppenverstärkungen. Der„ Temps" schreibt, die französische Regierung bringe darauf, dah die alliierten Sachverständigen sobald wie möglich zusammen treten, um ihre Aufgabe vor der Sigung des Obersten Rates volls ständig lösen zu können. Auch der„ Intransigeant" erklärt, daß die Truppenverstärkungen noch in dieser Woche nach Oberschlesien abgehen würden und der Oberste Rat sich in der nächsten Woche verfammeln fönne. Die englische Regierung ist, wie der„ Temps" meldet, bereit, sofert die Sachverständigen zu ernennen, wenn die Zusicherung gegeben werde, daß der Oberste Rat am 4. oder 5. August seine Sigung beginnen könne. Dem gleichen Blatt zufolge ist in London das Gerücht verbreitet, daß Lloyd George in der nächsten Woche nach Paris tommen werde, um an Ort und Stelle die Möglichkeit einer Zusammenkunft des Obersten Rates zu prüfen. Von Sir Harald Stuart traf ein neuer Bericht ein, der die Notwendigkeit einer sofortigen Entscheidung des Obersten Rates betont. Zu dem auch von dem englischen im Einvernehmen mit dem italienischen Kommissar aufgestellten Plan, gewisse Distritte jojort den Polen und den Deutschen zu zuweisen, nimmt auch der„ Temps" Stellung und meint, daß dadurch jedenfalls die Aussichten auf einen neuen Aufstand vermindert würden. Man müsse anerkennen, daß dieser Vorschlag gewisse Vorteile in sich schließe. Allerdings, sagt das Blatt, ist bereits früher der Botschafterkonferenz ein solcher Borschlag unterbreitet worden, der jedoch keine Zustimmung fand. Doch Lagen zu jener Zeit te Umstände anders, da gewisse Gebiete der Abstimmungszone nicht von den Polen, sondern vom dents ichen Selbstschuh befeht waren, während heute die Autorität der Interalliierten Kommission in Oberschlesien wiederhers gestellt sei. Dennoch habe dieser Plan einen militärischen und einen politis jchen Nachteil. Wenn die Deutschen Leobschütz und Rosenberg bes legten, tönnten sie in diesen Gebieten irreguläre Truppen zusammenziehen und von Westen und Norden her das ganze Ins dustriegebiet besehen, indem sie die alliierten Streitkräfte dort leicht auseinanderjagen fönnten. Allerdings fönnte man hierzu erwidern, daß die preußischen Behörden, wenn sie die genannten Kreise verwalteten, die irregulären Streitkräfte hindern könnten, fich dort zu versammeln. Doch sei dies nur eine schwache Aussicht, besonders unter dem Ministerium Stegerwald. Man müsse aber sichere Garantie für das Leben der französischen Soldaten haben. Politisch hat der„ Temps" gegen diesen Plan das Bedenken, daß bei einer Zuweisung von Plez und Rybnit an die Polen das übrige Oberschlesien fait durchaus deutsch würde. Der Oberste Rat tönnte dann leicht eine Entscheidung zu ungunsten der Polen fällen, die ihnen gegenüber eine Ungerechtigkeit bedeuten würde. Das Blatt erwähnt zum Schlusse noch die Tatsache, daß Sir Harald Stuart nach London kommen werde, um im Einvernehmen mit seiner Regierung das oberschlesische Problem einer Prüfung zu unterziehen. Einberufung des Obersten Rates zum 4. Auguft Utd. Tel. Paris, 26. Juli. Der Oberste Rat wird in zehn Tagen abgehalten werden. Wir erfahren im legten Augenblid, daß das englische Auswärtige Amt aus Paris eine Depesche erhielt, worin gesagt wird, daß die englische Regierung gegen die Entsendung von französischen Ber tärtungen nach Oberschlesien keinen Einspruch erheben dürfe, da Briand bereit sei, auf die Einberufung einer Sachverständigenfommiffion zu verzichten und die Konferenz des Obersten Rates im Laufe der nächsten Woche abzuhalten. Nach den Erkundigungen der Vertreters des United Telegraph stimmt die englische Regierung diesem Kompromiß zu, und sie wird in einer Note die Vorschläge der französischen Regierung annehmen. Schießereien in Oberschlesien Ratibor, 25. Juli. 4 W. T. B. meldet: In Dzierkowitz tam es heute nacht zwischen Deutschen und Bolen zu lebhaften Schießereien. In Mirawa wurde ein Eisenbahnzug angehalten, weil gemeldet wurde, daß Dzierkowig mit bewaffneten Insurgenten besetzt sei. Die Gleise am Bahnhof wurden durch Waggons gesperrt. Erst nach anderhalbstündigem Aufenthalt fonnte die Weiterfahrt erfolgen. Zwischen Mirawa und Dzierkowitz war die Strede von start bewaffneten Polen besetzt. Ungefähr 1 Kilometer von Dziertowih mußte der Zug abermals halten, da die Strecke und der Bahnhof in Dzierkowitz von Polen besetzt war. Die Stređe hinter Dzierkowitz bis Ratibor- Hammer ist ebenfalls von Polen besetzt worden. Polnische Ortswehr hatte heute nacht die deuts sche Brüdenwache bei Bukau( im südlichen Kreise Ratibor) unter heftiges Gewehrfeuer genommen. Diese polnische Ortswehr bes steht aus 80 Mann, die gut ausgerüstet sind und unter anderem auch Maschinengewehre befizen. Was Deutschland bisher gezahlt hat Brüssel, 25. Juli. Auf die Anfrage, wieviel Deutschland bis jetzt gezahlt habe, und zwar für die ausländischen Missionen, die in Deutschland tätig sind, und für die Requisitionen für die belgischen und alliierten Truppen im Rheinland, antwortete Finanzminister Theunis, bis zum 1. Mai habe Deutschland für rund 4 Milliarden Rohmaterialien und Lebensmittel getauft. Auf die freibleibenden 16 Milliarden habe Deutschland durch Sachlieferungen die Summe Don 4 831 773 000 Goldmart entrichtet. Seit dem 1. Mai habe Deutschland 1 Milliarde Goldmart gezahlt. Die Kosten für das Besagungsheer pro Mann und Tag seien im ersten Quartal 1921 gewesen für das amerikanische Heer 4 Dollar 32, für das britische Heer 13 Shilling 4 Pence, für das französische Heer 15 Francs 19 Centimes, für das belgische Heer 16 Francs 9 Centimes. Das letztere bedeute seit Ende 1918 eine Erhöhung um ungefähr 2 Francs. Die Besagungskosten bis zum 1. Mai müßten von den Zahlungen abgerechnet werden. Deutschland habe ferner in Papiergeld 470 Millionen Goldmark gezahlt, sowie weitere Sachleistungen für die Armeen getätigt. Die Kosten für die Missionen, die in Deutschland tätig seien, seien bis jetzt noch nicht bekannt. Diese müßten außerhalb der Reparationskosten gezahlt werden. Die Teilung der Beute Paris, 25. Juli. Die Reparationstommiffion wird sich am Sonntag und Freitag in zwei wichtigen Sigungen unter anderem mit folgenden Fragen beschäftigen: 1. Abschäzung des Wertes der von Deutsch land an die Alliierten ausgelieferten Handelsschiffe und endgültige Verteilung dieser Schiffe; 2. Auslegung einer Anzahl von Bestimmungen des Londoner 3ahlungs= statuts; 3. Prüfung des Berichtes des Garantietomitees über seine Verhandlungen mit der deutschen Regierung in Berlin. Die türkische Gegenoffensive Paris, 25. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Jsmid sehen die Türken ihren siegreichen Angriff auf Biledschit, Jeni Schehir und Inhissar fort. Die türtischen Truppen sollen Afiun- Karahissar und Tulu Bunar bereits besetzt haben. Nach einer weiteren Meldung aus Konstantinopel berichtet der Korrespondent des türkischen Blattes Vakit" auch die Einnahme von Uschat durch die Türken. Ferner soll, dem amtlichen Bericht von Angora zufolge, Fedhie Hamidie von den Türken genommen sein, die auf Inegöl vormarschieren. Die Metallarbeiterwahlen Eine große Mehrheit für die Amsterdamer Liste zu den Delegiertenwahlen für den im September in Jena stattAm Sonntag und Montag wurde in Berlin die Urabstimmung findenden Verbandstag des Deutschen Metallarbeiterverbandes vorgenommen. Es wurden insgesamt 53 517 Stimmen abgegeben. Davon enthielten: Liste A( Amsterdam) 30 523 Stimmen, Liste B( Mostan) 22 994 Stimmen. Die Liste A ist somit mit einem Vorsprung von etwa 7500 Stimmen gewählt. Das Wahlresultat ist noch nicht endgültig, da bis Redaktionsschluß das Ergebnis aus dem Spandauer Bezirk noch nicht eingelaufen war. An dem Gesamtresultat der Wahlen wird fich jedoch nicht mehr viel ändern. Nach dem bestehenden Wahlreglement tommt demnach von Groß- Berlin tein Anhänger der Moskauer Richtung als Dele gierter zum Verbandstag in Jena. Die Wahlbeteiligung war im Vergleich mit den bisher im Metallarbeiterverband vorgenom menen Urabstimmungen die relativ stärkste. Der Vorsprung der Amsterdamer Richtung ist gegenüber der letzten Urabstimmung, die im Dezember vorigen Jahres bei der Neuwahl der Ortsver waltung stattfand, weit größer geworden. Damals erhielt die Amsterdamer Liste 1339 Stimmen mehr als die Mostauer. Sieraus tann die Folgerung gezogen werden, daß der gesunde Sinn der Berliner Metallarbeiterschaft erkannt hat, welchen Weg die Gewerkschaften einschlagen müssen, Karthago und Deutschland Von Otto Lehmann- Rußbüldt Selfferich hat sich durch sein rasch berühmt gewordenes Wort, daß die Entente uns viel schlimmer behandelt habe, als seinerzeit Karthago von Rom behandelt wurde, in bezug auf geschichtliche Vergleiche in den Ruf eines Klippschülers gebracht. Weiter wurde dadurch daran erinnert, daß Graf Reventlow, der größte Seeheld des 20. Jahrhunderts - auf dem Papier, vier Jahre lang in einem Morgens und in einem Abendartikel der„ Deutschen Tageszeitung" den Vergleich zwischen dem Weltkrieg und zwischen der Auss einandersetzung Rom- Karthago zog, seine Rechnung auch absolut richtig war, wohl aber ein falsches Vorzeichen hatte, denn nicht wir waren in der Lage Roms, sondern England war in dieser Lage. Reventlow hielt sich bei seinem Ver. gleich an den rein äußeren Umstand, daß England wie Karthago eine Handels- und Kolonialmacht war und Rom eine Festlandsmacht auf der Grundlage bäuerlicher Wirt. schaft. Er hatte aber den entscheidenden Umstand verkannt, daß im ganzen in der angelsächsischen Politik gleichwie in Rom eine doch mehr demokratische Politif getrieben wurde, zu ers sehen aus der Einkommenbesteuerung Englands und z. B. aus einem an sich geringfügigen Umstand, daß im englischen Parlament allwöchentlich die englischen Verlustziffern vom Ministerpräsidenten selbst öffentlich verkündet wurden, wäh rend in Deutschland vier Jahre lang niemals eine Zahl darüber öffentlich genannt werden durfte. Deutschland war während des Krieges gerade durch den Einfluß der Kreise des Herrn Helfferich zu einer plutokratischen Macht geworden, wie es Karthago war und woran auch Karthago zugrunde gegangen ist. Schon wiederholt ist Helfferich überführt worden, daß voll seinem Vergleich zwischen dem Schicksal Karthagos und dem Schicksal Deutschlands vorläufig feine Rede sein kann. Zum Beweis dafür, daß troz der Härte des Versailler Friedens von einem Vergleich zwischen Karthagos Schicksal und Deutsch lands Schicksal nicht gesprochen werden sollte, sei einmal er. innert an den Unterschied des Friedens von Frankfurt 1871 und des Friedens von Versailles 1919, soweit er die reine Kostenfrage betrifft. Die französische Kriegsentschädigung 1871 mit Zinsen er gab rund 4450 Millionen Mart, die von Frankreich schon vor der vertragsmäßig festgesetzten Zeit bezahlt wurde, um die deutsche Besatzung früher loszuwerden. Der französische Staatsmann Thiers, seiner politischen Ueberzeugung nach ein Monarchist, der sich aber aus Vernunftsgründen ehrlich auf den Boden der Republik stellte, tat alles, um diese 4450 Mil lionen Mark vor der Zeit zu zahlen, weil er sich sagte, daß nichts so sehr die wirtschaftliche Neugeburt Frankreichs aufs hielt, als die fremdländische Besagung. Vor allem grub er dadurch den damaligen Urhebern des Krieges auf französischer Seite, dem Herzog Grammont und Olivier, das Wasser ab. Der Marschall Bazaine( einer der französischen Ludendorffe) wurde zum Tode verurteilt, wenn auch das Urteil nicht vollstreckt wurde. Wie haben nun die Deutschen diese 4454 Millionen Kriegsentschädigung verwandt? Die unmittelbaren Kriegss tosten selbst, verteilt auf den Norddeutschen Bund mit 108 Teilen, Bayern mit 14 Teilen, Württemberg und Baden mit je 4, und Hessen mit 2 Teilen, betrugen 1788 Millionen Mart, also nicht ganz die Hälfte der bezahlten Kriegsentschä digung. Die größere Hälfte wurde verwandt: 1. für mittelbare Kriegskosten, d. h. Pensionen, Entschädigungen und Eisenbahnen mit rund 1000 Millionen Mart und 2. Kosten für neue Rüstungen 1170 Millionen M., 3. Kriegsgewinne der Bundesstaaten 480 Millionen Mart. Die mittelbaren Kriegskosten verteilen sich auf Invalis denpensionen, Reichs- Invalidenfonds( 561 Millionen), Entschädigung an deutsche Reedereien( 16,8 Millionen), Unters stügungen an Angehörige der Wehrmacht( 24,9 Millionen), Ersaz für Kriegsschäden( 113,1 Millionen). Besonders interessant ist aber der Posten unter 2. mil 1170 Millionen Mark für neue Rüstungen. Darunter fallen Festungen( 216 Millionen), Festungen in Elsaß- Loth ringen( 120 Millionen), Reichstriegsschah im Juliusturm ( 120 Millionen), Kriegsmarine( 90 Millionen), Auffrischung des Heeres( 321 Millionen). Unter diesen Posten fallen 150 Millionen für ein neues Gewehrmodell und für neue Ars tillerie, sogar 60 000 Mart zur Ergänzung der im Felde vers lorengegangenen Militär- Gesangbücher, auf. Hochpitant ist auch die Tatsache, daß aus dieser Kriegsents Schädigung 36 Millionen Mark als Geschenke für hervors ragende Verdienste an 28 Generale und den Präsidenten des Reichstanzleramtes bezahlt wurden, und ferner sogar 24 Mil lionen für die Erbauung des jegigen deutschen Reichstags gebäudes. Die Begründung in den amtlich gedruckten Reichstagsaften der 4. Session 1873, der 1. Session 1874 und der 3. Session 1875/76, der mir alle diese Angaben entnehmen, sagt bezüg lich der Kosten für neue Rüstungen:„ Es erscheint un umgänglich, die Armee schleunigst wieder in triegstüchtigen 3ustand zu sehen, um für alle Fälle gerüstet zu sein." In diesem Tone geht das noch eine ganze Seite weiter. Man beachte, daß die eigentlichen Kriegskosten Deutsch- lands nicht einmal die Hälfte der von Frankreich gezahlten Kriegsentschädigung ausmachen und daß aus der größeren überschüssigen Hälfte dieKosten für neue Rüstun- en gegen Frankreich be st ritten wurden. Nach em Versailler Frieden von 1919 haben wir kein« Kriegs- kosten zu zahlen, wohl aber alle Schäden wieder gut- zumachen, die die Zivilbevölkerung an ihrem Eigentum erlitten hat, außerdem die Renten von Kriegsbeschädigten usw. Wäre Frankreich 1871 nur diese Verpflichtung auf- erlegt worden, so hätte es statt der 4i5i Millionen Mark nur rund 909 Millionen Mark zu zahlen brauchen. Unsere Verpflichtung aus diesem Posten des Versailler Friedens bewegt sich zwischen 160 und 180 Milliarden Mark. Wenn man uns 1919 nach dem Muster des Frankfurter Friedens von 1871 die gesamten Kriegskosten und noch einiges darüber hätte auferlegen wollen, so wären uns noch ganz andere Ohnmachtsanfälle beim Anhören dieser Zahlen an- gekomlen, als wir sie mit Recht hinnehmen mußten, als uns in Versailles 1919 die Suppe zum Auslöffeln vorgesetzt wurde, die uns die Firma Helfferich, Ludendorf u. Eo. ein- gebrockt hatte. Denn wenn man die Schätzung Lloyd Georges für die eigentlichen Kriegskosten der Siegerstaaten auf 700 Milliarden Eoldmark gelten läßt, wozu noch 170 Milliarden Nachkriegskosten kämen, so würden wir nach dem Maßstabe des Frankfurter Friedens von 1871 die Summe von 1392 Milliarden Goldiyark zu zahlen haben. Was nicht ist, kann noch werden. Wenn es der Firma Helfferich, Ludendorff u. Co. zu allen ihren Geniestreichen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges und der Märzoffen- sive von 1918 noch gelingen sollte, die im Oktober 1918 ver- säumte nationale Verteidigung nachzuholen, so könnte es unter Umständen zu dem von Helfferich prophezeiten Schicksal Karthagos für uns kommen. Die Orgesch ist ioi— es lebe die Ages! Die„Deutsche Tageszeitung" bringt in ihrer gestrigen Abendausgabe an versteckter Stelle folgende Notiz: Eine„Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Soldat««-. Vor kurzem ist mit dem Sitze in Potsdam(Eisenhartstrahe 15=16, Fernlprccher 281, SBerbdratca« Berlin SB. 57, Grohgörfchenstraße 0, Stephan 2063) eine„Apbeitsaemeinschaft ehemaliger Soldaten" begründet worden. Treudentfch gesinnte ehemalige Offiziere» Unteroffiziere und Mannschaften der alten and neuen Wehrmacht haben diese Vereinigung aus genossenschaftlicher«rundlage gebildet, eine Wirtschaftsgenossenschaft im wahren deutschen Sinne ohne parteipolitischen Hintergrund. Um die Ages sll) in dieser Tätigkeit wirksam zu unterstützen, hat sich ihr der„Verband national gesinnter Soldaten E. V." korporativ als Genosse angeschlossen und arbeitet mit ihr Hand in Hand. In der Eisenhartstraße 15-16 in Potsdam, dem Sitz der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Soldaten, befand sich bisher ein Werdebureau für die landfremden Banden, die in Oberschlesien ihr Unwesen trieben und jetzt in Mittelschlefien liegen, um neue Pläne gegen die Republik zu schmieden. Wenn in der Rotiz der„Deutschen Tageszei- tuna" behauptet wird, die neue Vereinigung sei eine Wirt- schaftsgenossenschaft„ohne parteipolitischen Hin- t e r a r u n d", so wird diese Behauptung schon durch den nächsten Satz widerlegt. Der„Verband national gesinnter Soldaten", der sich der Arbeitegemeinschaft angeschlossen hat, verfolgt hochpolitische Ziele. Selbst der General- oöerst von Heering sah sich letzthin veranlaßt, vor diesem Verband öffentlich zu warnen wegen seiner extrem gerichteten politischen Tendenzen. Wir warnen die Regierung rechtzeitig vor dieser Neu- gründung. Sie ist nichts weiter als eine neue militärische Geheimorganisation, deren Zweck es ist, monarchistische Sol- baten zusammenzuschließen, sie nckch Waffengattun- gen listenmäßig einzuteilen, damit sie bei passender Gele- genheit mobilisiert und gegen die Republik ins Tref- fen geführt werden können. Die Orgesch in Baden Auch in Baden find in der letzten Zeit wiederholt SBaffenschie- bnngen und Waffenverstecke aufgedeckt worden. Eo beschlag- «ahmte die badisch« Gendarmerie im Februar nicht weniger als 1400 Infanteriegewehre, 9 Maschinengewehre und 20 000 Schuß Munition. Ferner wurden in Olsterburken im Mai diese« Jahres einmal 300 und einmal 1000 Gewehre entdeckt. Letzter« waren in einer Kapelle(!!) untergebracht. Gleichzeitig wurde ganz in der Nähe von Osterburken ein Versteck mit 50 Maschinengewehren und 1200 Jnfanteriegewehren aufgefunden. In Verbindung mit diesen SBaffenfunden wurde ein früherer Hauptmann Damm verhaftet. Eleichzeitig gelang es, ein« Orgefch-Zentrale in Heidelberg aufzudecken. Hier- durch konnten all« von der Orgesch über ganz Baden geknüpften Fäden erkannt werden. Jedenfalls ist erwiesen, daß die Orgefch im ganzen Lande weit verzweigt ist. Es ist offenbar, daß Staatsanwaltschaft und Gerichtsbehörden gegen Waffenschieber und Orgeschleute nicht nur nicht mit dersel- den Schnelligkeit vorgehen wie gegen Kommunisten, sondern daß sie die Schieber noch begünstigen. So ist der ursprünglich verhaf- tete Hauptmann Damm, der al« die Seele dieser Orgesch-Tretbe- reien erkannt war, wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Di« noch ausstehenden Verfahren selbst werden nur sehr schleppend behandelt. Man erinnert sich, daß im vorigen November General Matter in Karlsruhe aufgetreten ist. Zweifellos find damals die ersten Vorbereitungen für di, jetzt in ganz Baden florierende Orgesch getroffen worden. Gegen Zvatter wurde ja auch damals «in Steckbrief erlassen, der aber, wie. immer in solchen Fällen, nicht— erledigt wurde. Di« Hundertschaft Z.B.V. Vom amtlichen Preußischen Pressedienst geht den P. P. 5t. folgende Mitteilung zu: Im Anschluß an den Fall Buchholz find in der Presse umfangreiche Mitteilungen über Borkommniss« bei der Hundertschaft Z. B. V. der Berliner Schutzpolizei ver- öffentlicht worden. Ein Teil dieser Mttieilungen hat dem Polizeipräsidenten von Berlin schon im November o. Js. Beran- lassung z« eingehender Untersuchang gogeben. So- weit jetzt neu« Tatsachen bekannt geworden find, bilden sie den Gegenstand eines im Gang befindlichen amtlichen Unter- fuchungsverfahrens. Der mit dem Fall Buchholz befaßte Untersuchungsrichter am Landgericht III hat das gesamt« über Hundertschaft Z. B. B. veröffentlichte Material in der Hand. Nach Wschluß dieses strafgerichtlichen Zierfahren» wird der Polizei- Präsident die Frage eine» etwaigen Einschreitens im Dienstauf- sichtswege prüfen. Der Weg. der hier zur Untersuchung der aufsehenerregen- den Vorgänge bei der Z. 33. SS. eingeschlagen sird, ist der Weg der Vertuschung. Die Untersuchung gegen die Hundertschaft yeht schon seit November 1920. sie soll sogar. wie der preußische Pressedienst behauptet, sehr„eingehend" gewesen sein. Was ist dabei herausgekommen? In acht Monaten nichts. Und warum? Weil die Z. V. V. eine Hydra ist, die ihre Köpfe überall zu sitzen hat. Gegen diese staatsgefährliche Gesellschaft ist nur anzukommen, wenn sämtliche Häupter in Haft genom- men werden. Denn es liegt Verdunklungsgefahr vor. Selbstverständlich dürften bei einem Strafverfahren nicht nur die Vergehen der letzten Monate Gegenstand der Un- terfuchuna werden, sondern es müßte die ganze Tätigkeit dieser Gefellschaft seit ihrem Bestehen nachgeprüft werden. Manches politische Verbrechen könnte dann aufgeklärt werden. Die Lügen-Ltnion Am Montag vormittag brachte die Telegraphen-Union eine Sensationsmeldung, wonach in Düsseldorf, Köln, Breslau. Brieg ufw. Personen verhaftet sein sollen, die durch ihre Aus- sagen und infolge des b e s ch l a g n am t e n Materials zugaben, daß in den nächsten Monaten ein neuer Linksputsch geplant sei, und zwar mit französischer Unterstützung an Geld und Waffen. Der Herd der Organisation für diesen neuen Linksputsch befinde fich im besetzten Rheinland, wo die Vorbereitungen sehr eifrig betrieben würben. Die ganze Meldung entpuppt sich sehr rasch als Schwindelnach- richt. An zuständiger amtlicher Stelle erklärt man am Montag abend, wie die P. P. N. melden, daß in den genannten Städten keine im Zusammenhang mit linksgerichteten Putschbestre- bungen stehende Verhaftungen vorgenommen war- den find. Di« Nachricht erweist fich danach al» ein sehr leicht- fertiges Hitzeprodukt. Die Telegraphen-Union hat ihre Lügenmeldung bisher noch nicht widerrufen. Es fragt sich nun. durch welche un- saubere Quelle dem Telegraphenbureau diese Nachricht übermittelt wurde. Mit Sicherheit ist anzunehmen, daß sie aus Orgeschkreisen stammt, die damit— wie immer— ihren eigenen Putsch verschleiern wollen. Schwerer Dalles Im„Berliner Tageblatt" beschäftigt sich Professor Ger- land mit der deutschnationalen Hetze gegen Republik und Demokraten. Er versucht dabei, die Demokraten von dem Verdacht zu reinigen, sie seien nicht national genug. Dann bespricht er die Aussichten der monarchistischen Bewegung und macht auf die Widerstände aufmerksam, die sich einer Wiederherstellung der monarchistischen Staatssorm entgegenstellen werden. Professor Gerland schreibt: „Sollen alle Monarchien wieder heraostellt werden? Oder sollen einzelne Monarchien als die Nutznieger der Revolu- tion die Erbschaft der verdrängten Monarchien antreten? Soll z. B. Thüringen als Ganzes betbehalten werden, oder soll es wieder in seine Bruchteile zerschlagen werden? Wie denkt man sich dt« Einrichtung eines übergeordneten Kaiser- tum» oder eines Gesamtkaisertums? Glaubt man, daß Wittelsbach fich noch einmal unter Hohenzollern beugt, oder daß zur Vbwcchslung Hohenzollern der Vasall Wittelsbach» wird? Di« Anhänger der monarchistischen Idee verkennen aus da»«vi- denteste, daß die Wiedereinführung der Monar- cht« derdeutschenFreiheit grundleaend im Wege steht, da fie unter allen Umständen den Zerfall des Deutschen Reiche» bedeuten würde, nicht etwa, weil Teile des deuffchen Volkes den Wiedereinführungsverstich mit dem Bürger- krieg deantworten würden, sondern weil die dynastischen Interessen der einzelnen ehemals regierenden Häuser die Einheit des Reiche» direkt in Frag« stellen würden." Das sind allerdings schlechte Aussichten, die der Herr Pro- fessor der Firma Wittelsbach. Hohenzollern u. Kompagnie eröffnet. Wir geben zu, daß diese Tatsache die Position der deutschen Monarchisten um vieles verschlechtert. Aber es darf nicht vergessen werden, daß es sich bei ihnen um eine Klique von Hasardeuren handelt, die sich keine Sorgen dar- über machen, von welchen Folgen ihr Tun begleitet sein wird. Deshalb wird sich das Proletariat nicht in Sicherheit wiegen lassen, es wird immer wachsam sein, um etwaige An- griffe der Monarchisten gebührend abweisen zu können. Der Aushungerungsfeldzug Was wir dutzendemal geschrieben und was vom Reichs- ernährungsminifterium und den bürgerlichen Parteien stän- dig bestritten worden ist. das ist bereits jetzt in vollem Um- fange eingetreten: die offene Sabotage der Agrarier gegen die Zwangswirtschaft wird fortgesetzt gegen das Umlagever- fahren, so daß die Gefahr nahegerückt ist, daß die Drotge- treideversorgung der städtischen Bevölkerung, die auf den Ablieferungen der deutschen Landwirte beruhen soll, b t- reits in ganz kurzer Zeit zum Stocken kommen und die Bevölkerung gezwungen fein wird, das freie Brot zu den drei- und vierfach höheren Preisen zu kaufen. Wie die brandenburgischen Agrarier und die rheinischen Landwirte, so hat jetzt auch die Landwirtschafts- kammer der Prövin'z Sachsen gegen die Höhe der Umlage protestiert und jede Verantwortung für die Abliefe- rung abgelehnt. Sie wurde dabei sogar, nach dem Bericht der„Magdeburgischen Zeitung", von den durch den neuen Stegerwald-Kurs„mutig" gemachten Vertretern der preu- ßifchen Nsgierung unterstützt, die ebenfalls die geforderte Umlage für die Provinz für zu hoch erklärten. Daß diese unverantwortliche Stellungnahme amtlicher Körperschaften den lange angekündigten Widerstand der einzelnen Landwirte nur noch steigern wird, ist sonnenklar. So breitet sich der Widerstand gegen das Umlageverfahren schneller aus, al» irgend lemano glauben konnte, und ver- schärft aufs stärkste sie Gefahr, daß bereits zu Beginn des Erntejahres das plötzliche Hinaufschnellen der jetzigen Brotpreise um da» Drei- und Vier- fache die Folge des„Segens" sein wird, den die bürger- lichen Parteien den Massen beschert haben. Auch der Reichslandbund fehlt selbstverständlich nicht, wenn es gilt, den Ablieferungestreik �zu organisieren. Er hat an die Reichsregierung und die preußische Regierung folgendes Telegramm gerichtet: „Infolge anhaltender Trockenheit droht für Sommergetreide in vielen Gegenden Mißernte. Daher Erfüllung der Getreide- Umlage ohne schwere Wirtschaftsschädigung vieler Orte nicht möglich. Bitten daher, durch besonder« Kommissionen im Wege der Lokalbesichtigung Umlage schleunigst nachzuprüfen zu lassen und entsprechend den veränderten Lechältnissen herabzu- setze n." Willfahrt die Regierung diesem Wunsch, so bleibt vom Umlagesyftem auch nicht ein Fetzen übrig. Glorreiche Politik'. I Nationalistische Schädlinge Daß das verhalten der deutschen Nationalisten in den besetze ten Gebieten die Lage der dortigen Bevölkerung nur noch er» schwert und ihre Interessen schädigt, ist an einer neuen Tat, ach» klar geworden. Jene Leute, die ihren politischen Gegnern die Pressefreiheit versagen, hatten sich auf das höchste entrüstet, daß angeblich die Befehlshaber der fremden Besatzungstruppen de» rheinischen Pressevertretern die strengsten Unterdrückungsmaß- nahmen angedroht haben, falls die Press« in gleicher Weise wie bisher gegen die Sanktionen Hetze. Nun hat sich aber heraus» gestellt, daß diese Darstellung, die einigen volksparteilichen Ab» geordneten Anlaß zu einer kleinen Anftage im Reichstag gege» ben hat. unrichtig ist. Nicht die Triippenführer. sondern der englische Delegierte der Rheinlandkommission Mr. P i g o t t hat die Pertreter der Kölner Presse zu sich gebeten und ihnen in äußer st korrekter und loyaler Form nahegelegt, sich von jeder Unrichtigkeit in bezug auf die Sanktionen zu hüten, da hierdurch der deutschen Sache mehr geschadet als ge- nützt werde. Don irgendeiner Drohung war nicht die R e d e, ja Herr Pigott gab wiederholt zu verstehen, daß ihm eine Unterdrückung der Pressefreiheit durchaus fernliege. Selbst das„Kölner Tageblatt" nimmt deshalb Stellung gege» die volksparteilichen Abgeordneten, deren Uebereifer für das Verhältnis der deutichen Bevölkerung zu den englischen Besatzungs- truppen äußer st unzuträglich sei. Die Zroni gegen den Hunger OE. Terioki. 25. Juli. Die Sowjetpresse fordert zur Bildung einer„Front gegen de» Hunger" auf und weist darauf hin, daß das Schicksal Sowjet« ruhlands von der Ernährungsfrage abhänge. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen sei es unmög- lich, di« Produktion zu Heden: die Förderung von Heiz- materia! ssnkr, die Anfuhr von Naphtha stockt, die Fabriken werden stillgelegt. Die antisowjetistifchen Kreise hätten ihre Hoffnung auf den Hunger und die für die Sowjetregierung dar- aus erwachsenden Schwierigkeiten gesetzt. Der Sieg auf der Hungerfront sei daher unumgänglich notwendig. Für den Kamps gegen den Hunger werden alle Kräfte aufgeboten: 124. leitende Sowjetbeamte sind zu diesem Zweck mobilisiert, 3000 Ge- werkschaftler aus den Zentren werden als„Verpflegungs-Miliz" abkommandiert; 30 000 weitere Gewerkschaftler aus der Provinz werden an Ort und Stelle mit verantwortlichen Arbeiten beaui- tragt. In allen Hungergouvernements werden„außerordentliche Verpflegungslommiisionen" mit weitgehenden Vollmachten ge- schaffen. In Petersburg begannen Arbeiterverfammlungen au» Anlaß des Hungers. Die Versorgung Petersburgs und Mos, laus verschlechtert fich von Tag zu Tag: der Rat der Volk slow- missare hat der Moskauer und Petersburger Kommune befohlen, unverzüglich die Zahl der von Staats wegen mit Lebensmittel« rationen Belieferten um 30 Prozent zu kürzen. Nach einiger Zeit sollen weitere 30 Prozent der bisher Versorgungsberechtigte» fortfallen. Lofowsky diktieri OE. Riga. 25. Juli.' Auf dem Kongreß der Roten Gewerkfchafts-Internationale ver» trat Lofowsky folgend« Bedingungen, die für die Aufnahm« neue« Gewerklchaflen gestellt werden sollen: der Klassenkampf muß aktiv verwirklicht und die Diktatur de» Proletariat, bedingvng», los anerkannt werden: die gleickjzeitige Zugehörigkeit zur Amster» damer und zur Moskauer Gewerkfchafts-Internationale ist ver« boten: die nationalen Organisationen haben sich de» Beschlüssen des internationalen Gewerkschaftskongresses undee dingt zu unterwerfen. Obgleich die Bourgeoisie versucht habe, die Betriebsräte durch gesetzliche Zulassung und Regulierung unschädlich zu machen, wo, für die Betriebsräte in Deutschland da» beste Beispiel bilden. könne die Rote Gewerkfchafts-Internationale nicht auf die SS«, triebsräte als Organisationsmittel verzichten. Ebenso dürften die Kommunisten die bestehenden Gewerkschaften nicht verlassen. sondern müßten ihnen einen wahrhaft revolutionären Geist ein, impfen.> Regina des Litter Kongresses Paris. 28. Juli, j Der französisch« Gewerkschaftskongreß ist heute vormittag in Lille zusammengetreten In die eigentlichen Verhandlungen wird heut« nachmittag eingetreten. Der„Jntransigeant" als einziges Blatt meldet au» Lille die Ankunft des Generalsekretärs der Dritten Internationale. Losowskt, in Begleitung von drei anderen russischen Kommunisten. Sie sollen die Grenze in di» jetzt unaufgeklärter Weise passiert haben. Eine neue Erklärung Karotyis UK. Budapest. 24. Juli.' Graf Michael Karolyi hat an den Wiener Vertreter de» Daily Herald ein Telegramm gesandt, in dem er erneut zu den Eni» hüllungen des Prinzen Wtndischgraetz Stellung nimmt. Karolyi erklärt neuerdings diese Enthüllungen al« von Anfang bi» zu Ende erlogen und den Prinzen selbst als ehrlosen Verleumder. Weiter schreibt Karolyi: Ich betrachte die gegen mich eingeleitete Hetze als letzten Versuch des jetzigen ungarischen Regimes, seine Macht zu behaupten. Die angeblichen Dokumente Windischgraetz' stammen von dem Major Konsten, den die deutsch« Regie» rnng während des Krieges in Budapest als Spion mit meiner lleverwachnng betraut hatte und der seine Gewährsleute in de» iidelste« Kreisen suchte. Wenn jemand schuldig ist, mit der Entente während des Krieges Verhandlungen über einen Sonderfriede» angeknüpft zu haben, so ist es vor allem ExkönigKarl, desse» Sixtusbriefe ja längst in die Oeffentlichkeit gedrungen sind» Siaaiszusammenschtuß in Amerika Utd. Tel. Weshinzton, 25. Juli.| Nach dem„New York Herald" sollen zwischen de» fünf zen». tralamerikanijchen Regierungtn Panama, San Salvador, Sue, temala, Nicaragua uno Costa Rica Verhandlungen vor dem Ab» Ichluß stehen, die einen Zusammenschluß dieser Staaten zu einen» einzigen Staat bezwecken. Die Vertreter dieser verjchiedenen Re« publuen hatten bereits untereinander Verhandlungen zur Befei« tigung innerer Differenzen gepflogen, wobei u. a. auch die Grenz, streitigkelten zwischen Costa Rica und Panama erörtert wurden. Eine solch« Lösung des zentralamerikanischen Problems würde nach Anncht offizieller Kreise sowohl im Interesse der einzeln«« Republiken als auch im Interesse ihrer Sezirhungen zu detz Außenwelt liegen. Es steht noch nicht fest, welcher von diu ge- nannten Staaten den Vorfitz in dieser neuen Republik führen, wird, doch soll jeder einzelne Staat wahrscheinlich«in« eigene Organisation mit eigener Regierung erhalten an Stelle einatz einzigen nationalen Regierung. s Die Behandlung der politischen Gefangenen in Bayern Die in der Presse bisher gemachten Feststellungen über gesetzwidrige Behandlung der politischen Gefangenen in Bayern, besonders in der Festungshaftanstalt Niederschönefeld, wurden von den Regierungsstellen stets abgeleugnet. Nun tam es im banerischen Landtag gelegentlich der Behandlung eines Antrages auf Einsegung einer parlamentarischen Untersuchungskommission zu einer ausführlichen Debatte im Verfassungsausschuß. Der Abgeordnete Fischer( U.S. P.) und Frau Aschenbrenner ( K. P. D.) trugen umfangreiches Material vor, von dem wir folgendes wiedergeben: Die Gefangenen in Niederschönefeld find ihres Lebens nicht mehr Ficher. Man geht mit Waffengewalt gegen fie vor. Drei Gefangene, die Beschwerden ihrer Mitgefangenen beim Festungs vorstand vorbrachten, sind deshalb in Einzelhaft gebracht worden. Ein Beschwerdetelegramm, das an die Regierung ge richtet war, hat die Gefängnismauern gar nicht verlassen. Einem Gefangenen, der körperlich start heruntergekommen war, wurden Milch und Eier vom Arzt verordnet, vom Festungsvorstand aber abgelehnt. Es tommt auch vor, daß Gefangene in die Jrrenzelle gesperrt werden. Der neue Festungsvorstand, Staatsanwalt Kraus, brachte einen streng militärischen Geist in die Festung. Die Posten erhielten Anweisung, nach dem zweiten Anruf rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen. Sämtliche Beamte sind mit Militärgewehren ausgerüftet. Familienangehörige erhalten, statt wie bisher 6, nur noch zwei Stunden Besuchserlaubnis. Der Vorstand erklärte, daß Besuche überhaupt aufhören müßten. Be Ichwerden nügen nichts, fie tommen einfach zum Att. Der Bor Stand erklärte einem Gefangenen:„ Der Oberstaatsanwalt, also die Aufsichtsbehörde, hat hier gar nichts anzuordnen, das tue ich." Wer innerhalb 14 Tagen mit mehr als zwei Bitten tommt, erhält Einzelhaft. Einem Teil der Gefangenen, die Abgeordnete sind, ist es nicht möglich, sich an ihre Barlamentsfrattionen zu wenden. Die alte Mutter des Genossen Toller wird nur zum Besuch vorgelassen, wenn Toller seiner Mutter schreibt, daß er sich gut führen werde. Das zweieinhalb Jahre alte Kind des Abgeordneten Schmidt wird bei einem Besuch förperlich durchsucht und unter Aufsicht gestellt. Ein Gefangener, der den Vorstand bat, einen Mitgefangenen, bei dem die Haftpsychose offenfundig war, in einer Heilanstalt unterzubringen, wurde in Einzelhaft gestedt. Frühere Festungsvorstände waren bemüht, den Festungscharakter der Haft zu wahren. Jetzt wird alles getan, um der Haft den Charakter des Gefängnißfes zu verleihen. Menschlich und loyal denkende Aufjeher werden versetzt, und nur ganz brauchbare" in der Festung belassen. Von einem Aufseher wurden einem Gefangenen Ohrfeigen angedroht. der Dies ist nur ein Bruchteil des vorliegenden Materials. Im Gegensatz zu der Behandlung in Niederschönefeld, geht es dem Mörder von Kurt Eisner, dem Grafen Arco lebenslänglich Feftung hat-, recht gut in der Festung. Er kann Licht brennen, solange es ihm behagt, Besuche empfangen, fo viel er will, fann sich in jeder Hinsicht frei bewegen und darf auch Klavier spielen. Det Regierungsvertreter leugnete natürlich alles ab und behauptete, daß die Gefangenen in jeder Hinsicht gut behandelt würden. Die in der Bresse vorgebrachten Klagen feien von Anfang bis zu Ende erlogen. Der Antrag auf Einsehung einer Kommission zur Untersuchung der Zustände in Niederschöne feld wurde gegen die, Stimmen der, U. 6. B., A. P. D. und S. P. D. abgelehnt. Da aber nach der Verfassung ein Fünftel ber Stimmen sämtlicher Abgeordneten genügen, die Einsehung eines Untersuchungsausschusses zu erzwingen, so besteht noch die Mög lichkeit, daß in der nächsten Plenasirkung der Antrag doch angenommen wird. Die bayrischen Demotraten, wohl die unfauberste politische Gesellschaft in ganz Deutschland, stimmten im Ausschuß gegen die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Deutschnationale Verleumder Die Deutsche Zeitung" veröffentlichte am 21. Juli einen Bericht aus Weimar über die erste Sigung des Untersuchungsausschusses, der zur Untersuchung der Vorgänge in der Thüringer Landespolizei eingesetzt worden ist. In dem Bericht heißt es zunächst, der Landtagspräsident Drechsler, der den Vorsitz führte, habe darauf aufmerksam gemacht, daß die Verhandlungen des AusSchulfes gemäß Artikel 23 der Thüringer Verfassung öffentlic feien, soweit es sich um die Zeugenvernehmung handelt. Dann heißt es weiter: Darauf wurde auf Antrag des Präsidenten bie Deffentlichkeit ausgeschlossen." In der Sonnabendfihung des Thüringer Landtages hat Genosse Drechsler diese Art Berichterstattung als bewußte Ber Ieumdung gekennzeichnet. Er stellte fest, daß der Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit von einem bürgerlichen Mit glied des Ausschusses gestellt und begründet worden ist. In dem Bericht der Deutschen Zeitung" heißt es dann weiter: Gegenüber der Tatsache, daß dieser Ausschuß nun bennoch in geheimen Gigungen tagt, fann der gut mit den Verhältnissen der Thüringischen Regierung Bertraute fich der fritischen Ein ficht nicht verschließen, daß Bräsident Drechsler ein Ges fühl der Erleichterung haben muß, so lange die Oeffentlichkeit von den Sigungen dieses Ausschusses ferngehalten werden kann. Denn die Angelegenheiten der Landespolizei berühren gewisse Borfälle im Staate Gera- Greiz, für die sich der reußische Staatss rat Drechsler ebenfalls vor diesem Ausschuß zu verantworten haben wird, obwohl er sonderbarerweise dessen Borsigender ist. Genosse Drechsler stellte demgegenüber fest, daß seine Person in der Angelegenheit der Thüringer Landespolizei nicht die geringste Rolle spiele. Das sei allgemein bekannt. Wenn er in diesem Zu fammenhang von der Deutschen Zeitung" trogbem genannt werde, so sei das ein Beweis dafür, daß der Bericht aus einer niebrigen Gesinnung geboren wurde; es solle nach außen hin der Eindruck erwedt werden, als ob der Ausschuß nicht objeftin verhandele. Die Feststellungen des Genossen Drechsler wurden mit berechtigten Protest rufen gegen die anwesenden bürgerlichen Berichterstatter begleitet. Der deutschnationale Abgeordnete v. Eichel- Streiber erklärte sich bereit, der ,, Deutschen Zeitung" eine Berichtigung zugehen zu lassen. Wir find gespannt, ob die„ Deutsche Zeitung" den Mut haben wird, dieser Berichtigung Raum zu gewähren, aber selbst, wenn sie es tun sollte, wird sie von ihren gewohnheitsmäßigen Verleumdungen gegen die thüringische Regierung taum Abstand nehmen. Die Einſegung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses ist der Initiative der Regierungsparteien entsprungen. Den Deutschnationalen ist es dabei schon heute nicht angenehm zumute. Denn es hat sich bereits herausgestellt, daß die gegen die Landes polizei vorgebrachten Antlagen nach jeder Seite hin haltlos find. Die Rechtspresse hat ihre Informationen über die thüringische Landespolizei von einem Oberleutnant 2 ampel erhalten, der durch ein ärztliches Gutachten als geistestrant bezeichnet wird. Bon dieser Tatsache hat die Rechtspresse ihre Leser nicht in Kenntnis gefekt: sie wollte die Wirkung, die durch die Produkte Die Einkommensteuer vom Arbeitslohn Wir haben in Nr. 328 vom 16. Juli die wichtigsten Bestimmungen des neuen Gesetzes über die Einkommensteuer vom Arbeitslohn besprochen. Amtlich geht uns folgende Uebersicht zu über die mit dem 1. August 1921 eintretenden wichtigsten Neuerungen und Abänderungen, die wir mit einigen von uns angeführten Ergänzungen zur genaueren Unterrichtung unserer Leser nochmals abdruden. Wir verweisen außerdem auf die in dieser Nummer im Inseratenteil abgebrudte amtliche Bekanntmachung. 1. Neben den durch Gesetz vom 21. Juli 1920 unter Wegfall der Unterscheidung zwischen ständigen und unständigen Arbeitsnehmern gewährten Ermäßigungen, 4 M. für den Tag, 24 M. für die Woche, und 100 M. für den Monat, die auch für die zur Haushaltung zählenden Ehefrau des Arbeitnehmers gelten, sowie für jedes zur Haushaltung zählende minderjährige Kind 6 M. für den Tag, 36 M. für die Woche und 150 M. für den Monat, tritt vom 1. August 1921 an, soweit Abzüge gemäß§ 13 des Einkommensteuergesetzes schon in der Zeit vom 1. April 1921 bis 31. Juli 1921 berüdsichtigt worden sind, des nach dem Freilassen der vorerwähnten Beträge sich berechnenden Steuerbetrages von 10 Proz., eine weitere Ermäßigung ein und zwar: a) um 0,60 m. täglich, b) um 3,60 m. wöchentlich, c) um 15 M. monatlich ein. Beispiel: Arbeitnehmer, verheiratet mit vier Kindern. Wochenlohn 350 M., davon abzugsfrei 2.24+4.36 Reft. hiervon 10 vom Hundert. davon ab zur Abgeltung der Abzüge nach§ 13 E. St. G. Demnach einzubehalten. • 192, M. 158,-m. 15,80 M. 3,60 M. 12,20 M. 2. Sind Abzüge nach§ 13 des Einkommensteuergesetzes in der Zeit vom 1. April 1921 bis 31. Juli 1921 nicht( oder nicht voll, Reb. d. Fr.) berüdsichtigt worden, so betragen die Ermäßigungen für den in der Zeit vom 1. August 1921 bis 31. Oftober 1921 ge zahlten und bis 31. Oftober 1921 fällig gewordenen Arbeitslohn a) 1,40 m. täglich, b) 8,40 M. wöchentlich, e) 35 M. monatlich. Bei den nach dem 31. Oktober erfolgenden Lohnzahlungen fommen nur noch die einfachen Abzüge 0,60., 3,60 M. oder 15 M. in Frage.( Die Erhöhung fällt von da ab fort.). Beispiel: Berheiratet, zwei Kinder, Wochenlohn 280 M. 1921: Wochenlohn a) für Lohnzahlungen in der Zeit vom 1. August bis 31. Oktober 280,-0. davon abzugsfrei 2.24+2.36= 120,- M. Rest. 160,-. einzubehalten hiervon 10 vom Hundert 16,-M. davon ab zur Abgeltung der Abzüge nach§ 13 E. St. G... • 8,40 M. 7,60 M. 16,- M. davon ab zur Abgeltung der Abzüge nach§ 13 E. St. G.. einzubehalten b) für die Lohnzahlungen nach dem 31. Oftober 1921 10 vom Hundert( wie oben) • 3,60 m. 12,40 907. 3. Der Erlaß vom 25. August 1920, wonach besondere Ents lohnungen für Ueberstunden vom Steuerabzuge fretzulassen waren, ist aufgehoben worden. Vom 1. Auguft 1921 ab unterliegen auch die aus der Leistung von Ueberstunden, Ueberschichten, Sonntags arbeit und sonstiger über die regelmäßige Arbeitszeit hinaus gehenden Arbeitsleistungen erzielten Löhne usw. dem Steuer abzuge. 4. Dagegen sind vom 1. August 1921 ab nicht mehr vom Arbeitslohn abzusehen: a) Krantentassenbeiträge usw.,. b) sonstige Abzüge, insbesondere für Werbungskosten. In den Fällen jedoch, in denen Arbeitnehmer von dem Finanzamt eine Bescheinigung darüber erhalten haben, daß beim Steuerabzug höhere Abzüge als 1800 M. jährlich zu berüdfichtigen find, treten diese höheren Abzüge an Stelle der obengenannten Beträge; ein Doppelabzug ist nicht gestattet.( Außerdem bleibt aber dem Steuerpflichtigen das Recht auf Beranlagung, falls er glaubt, höhere Werbungstoften als 1800 M. zu haben. Red. d. Fr.) 5. Den unständig beschäftigten Arbeitnehmern ist von dem Arbeitgeber bei jeber Lohnzahlung( nach Abzug der sonstigen Ers mäßigungen, Reb. d. Fr.) 10 Prozent des Arbeitslohnes einzubehalten mit der Maßgabe, daß bet Lohnzahlungen nach dem 31. Juli bis 31. Oftober 1921 fich der( für Werbungskosten, Red. d. Fr.) einzubehaltende Betrag oder der vom Finanzamt auf Be fcheinigung zugelassene geringere Betrag um 0,40 M. für je zwei angefangene oder volle Stunden und bei Lohnzahlungen nach dem 31. Ditober 1921 um 0,15 M. für je zwei angefangene oder volle Stunden ermäßigt. Beispiel: Unständige Arbeitnehmer mit 3% Stunden Arbeitszeit und 19 M. Lohn: = 1,90 M. einzubehalten 10 vom Hundert. davon ab zur Abgeltung der Abzüge nach§ 13 des E. St. G. in der Zeit zwischen dem 1. August 1921 und 31. Oftober 1921 einzubehalten. .. . 0,80 M. • 1,10 m. In der Zeit nach dem 31. Oftober 1921 gehen von 1,90 m. nur ab 2X 15 0,30 M., so daß 1,60 M. einzubehalten find. 6. Bemerkt wird noch, daß die einzubehaltenden Steuerbeträge nach§ 46 Schlußabsag nicht mehr auf volle Mart, sondern auf 10 Pfennig nach unten abzurunden sind, z. B. 35 f. auf 30 Pf. eines Jerfinnigen ausgelöst wurden, nicht abschwächen. Die Rechts- Um drei Milliarden Steuern betrogen presse ist sich auch heute schon klar darüber, daß die Berhandlungen des Untersuchungsausschusses ein negatives Ergebnis haben werden. Deshalb versucht sie das Ergebnis dadurch abzuschwächen, daß sie schon jetzt den Einbrud hervorzurufen versucht, als sei von einem solchen Untersuchungsausschuß nichts anderes zu erwarten gewesen. Reif für den Ausschluß Die Kommunistische Partei hat am vergangenen Freitag eine Versammlung veranstaltet, in der der Bericht vom 3. Kongres der Mostauer Internationale gegeben werden follte. Es war eine Reihe erotischer Größen aufgeboten, so daß Friesland, der eigentliche Referent, wenn man nach dem Bericht der„ Roten Fahne" urteilen darf, Mühe hatte, seinen Bortrag anzubringen. In der Hauptsache beschäftigte er sich mit der Konkurrenz, mit der Kommunistischen Arbeiterpartei, die sich durchaus nicht auf ben rechten Weg" habe weisen lassen wollen. Bief hielt ein Schlußwort, worin er ausführte, daß die internationale Konter revolution bie Notlage Sowjetrußlands auszunügen suche. " Das Proletariat muh deshalb Sowjetrußland mit der Waffe in der Hand verteidigen." Dieser Sag wird in der Roten Fahne" durch fetten Drud besonders hervorgehoben, er scheint also die enthusiastische Zustimmung des Blattes gefunden zu haben. Wir fürchten aber, daß Piet durch sein Bekenntnis in eine schwere Bedrängnis geraten wird. Denn wir erinnern barn, was Brandler, der Vorsitzende der B. K. P. D., vor den Richtern über das Thema„ mit der Waffe in der Hand" ausgeführt hat: Wenn wir einen bewaffneten Aufstand machen wollen und und Sie uns nicht für politische Kinder halten, jo jetzt das doch voraus, daß wir über Waffen verfügen. Es gibt Leute, die da glauben, wenn fie irgendein Schießeisen oder Gewehr haben, fönnten fie bewaffneten Aufstand machen. Dafür tönnen Sie aber doch nicht die Zentrale und mich verantwortlich machen. Mit ein paar Handgranaten-soviel wissen wir doch macht man doch feinen Aufstand!" Brandler ist für diese Auslegung der Phrase mit der Waffe in der Sand" vom Mostauer Kongreß zum Ehrenpräsis benten ernannt worden. Wenn Piet jetzt also wieder eine gegenteilige Auffassung zu haben scheint die Auffassung für politische Kinder", wie Brandler es nennt, so wäre die Mostauer Eretutive verpflichtet, ihn aus der Kirche auszu Schließen. " 3 Neuer Kommunistenprozeß Montag vormittag begann vor dem Sondergericht beim Reichswehrgruppentommando I in Frankfurt der Prozeß gegen 20 Kommunisten aus Neukölln und: antfurt a. M., denen zur Laft gelegt wird, ohne Genehmigung der zuständigen Dienstitellen Personen zu Verbänden militärischer oder politischer Art susammengeschlossen oder an solchen Berbänden teilgenommen oder dazu durch Rat oder Tat rissentlich Silfe geleistet zu haben. Die Antlage jtütt fich auf Pro: pagandamaterial der Kommunistischen Arbeiterpartei und auf deren Aufzeichnungen über Kampforganisationen, bie am 17. 9. 1920 in der Wohnung einer Frau Rueder in Neukölln von der Kriminalpolizei beschlagnahmt wurden. Die Anklage hebt die völlig militärische Gliederung dieser Kampforganisationen hervor, beren Reichsleitung in ben Händen bes Hauptangeklagten, Schriftstellers Kunz Neutölln, gelegen habe, dem als Adjutant ein gewisser& eidt zur Seite geftanden habe. In den Wohnräumen eines Teiles ber Angeklagten seien Waffen, Bomben und Sprengstoffe gefunden worden. Im Sep tember 1920 habe Kung mit dem Angeklagten Lehmann bei dem Stadtrat Baer in Frankfurt a. M. einen Raubverfuch unternommen, um sich einen angeblich bei Baer befindlichen Goldvorrat anzueignen und ihn für Zwede der Kampforganisa tion zu verwerten. Als Zeugen find 74 Personen geladen. Demokratischer Parteitag. Der Organisationsaussauß der deutsch- demokratischen Bartei hat dem Barteivorstand empfohlen, finden zu lassen. ben diesjährigen Parteitag am 8. und 9. Oktober in Köln tatt Die„ Wiener Arbeiterzeitung" berichtet über eine gewaltige Steuerhinterziehung, durch die der Staat um nicht weniger als bret Milliarden Kronen geschädigt worden ist. Danach haben die Kreditanstalt, Bodentreditanstalt und Unions bant die Attien von sechs der größten Industrieunternehmungen Deutschösterreichs, nämlich der Aktiengesellschaft für Mineral industrie vormals David Fanto und Comp., der ersten österreichi schen Aktiengesellschaft zur Erzeugung von Möbeln aus gebogenem Holze Jakob und Josef Kohn, der Mundus- Aktiengesellschaft, der Bereinigten österreichischen Bugholzmöbelfabriken, der At tiengesellschaft der Vöslauer Rammgarnfabrit, der Aktiengesellschaft der Fezfabrifen und der Holzhandelsattiengesellschaft an sechs sogenannte Holdingesellschaften als Treuhänder übergeben, die eigens zu diesem 3wed in der Schweiz gegründet worden find. Das Gesamttapital der gesamten sechs Gesellschaften betrug 70 Millionen Kronen, das Gesamtkapital der neugegründeten Soldingesellschaft 42 Millionen Schweizer Franken oder rund Techs Milliarden Kronen. Die Differenz stellt den durch Steigerung aller Werte bedingten Liquidationsgewinn der Ban fen und der Attionäre bar, der nach den bestehenden Geseyen mit brei Milliarden zu versteuern gewesen wäre. Dieser Versteuerung haben sich die Banken babura zu entziehen gewußt, daß sie bie Form der Gründung dieser ausländischen Treuhändergesellschaf ten wählten. Das Finanzministerium wird jetzt veranlaßt wer ben, die hinterzogenen Milliarden bei den in Frage kommenden Banten und Gesellschaften einzutreiben. Gleichzeitig wird sich die Nationalversammlung mit der Frage beschäftigen, wie es fommen konnte, daß das Finanzministerium den sechs Gesellschaften und den fie patronisierenden Großbanten dieses Milliardens geschent auf Kosten des Staates machen tonnte. Die Steuerbetrüger sind boch überall gleich. Urlaub unter Fortzahlung der Löhne und Gehälter? Die Frage der Urlaubsgewährung an Arbeiter und Angestellte unter Fortzahlung der Löhne und Gehälter, bedarf schon seit langem einer gefeßlichen Regelung. Der Reichstag hatte bei Beratung über den Haushalt des Reichsarbeitsministeriums an die Regierung das Ersuchen gerichtet, einen diesbezüglichen Gen Segentwurf vorzulegen. Die Regierung vertritt, wie sie in ihrer dem Reichstage zugestellten Antwort mitteilt, die Auffassung, daß auch diese Angelegenheit gelegentlich der Herstellung eines einheitlichen Arbeiterrechts geregelt werden müsse. In einem Ausschuß des Reichsarbeitsministeriums werde zur Zeit der Entwurf eines Abschnitts des Arbeitsgesehbuchs über das allgemeine Arbeitsvertragsrecht ausgearbeitet. Dieser Entwurf behandle auch die Urlaubsfrage. Der ArbeitsrechtsAusschuß habe es daher nicht für angezeigt gehalten, die Urlaubsregelung durch Sondergesez vorzunehmen. Immerhin unterliege diese Frage zur Zeit noch der Prüfung des Reichsarbeitsministeriums. Crispien in Paris. Der Genosse Crispien wird bei der Jaurès- Gedenkfeier, die am tommenden Sonnabend im Pariser Trocadero stattfindet, eine Rede halten. Die Einreiseerlaubnis durch die französische Regierung, ist, wie uns aus Paris telegraphiert wird, gesichert. Buchdruckerstreit in Köln. Nachdem die Forderungen der Kölner Buchdruder abgelehnt sind, haben die organisierten Gehilfen am Montag die Betriebe verlassen und sind in den Streit getreten. Die bürgerlichen Zeitungen erscheinen daher vorläufie nicht. Z ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk 5 Jahre schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bel Bestellung von Gebissen gratis. Kronen p. 30 mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise Zahn- Praxis Hatvani, Danzigar Straße 1. Theater und Bergnügungen Bolksbühne Lessing- Theater Sommerbirektion 7: Der Kaiserjäger Direkt.: Bictor Barnowsky Direktion: Mag Reinhardt. Deutsches Theater 7: Potasch u. Perlmutter Kammerspiele Allabendlich 7, Uhr: Die Ballerina des Königs ( Konstantin, Gög) Deutsch. Künstl. Theater 7%, Uhr: Der Herr, der die 7: Der Herr Berteidiger Maulschellen kriegt ( Hell, Gebühr, Kaiser- Tig) Großes Schauspielhaus Komische Oper Karlstraße 8 Uhr: Die Weber ( Außer Abonnement) Berliner Theater: Täglich 7.30 Uhr: Milliarder Theater i. d. Königgräger Str.: Nur noch diese Woche: Gastspiel Erl- Bühne Innsbruck: 7.30 U.: Die Kreugelschreiber Mittw.: Das Gnadenbild Donn.: Glaube und Heimat Freitag: Der G'wissenswurm Komödienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Robert Winterberg Paul Heidemann a. G., Josefine Dora v. Staatsth. a.G., Jnge van derStraaten, Jsa Narsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg. Residenz- Theater 7, Uhr: Mag Adalbert in 1919 Ab dafür Trianon Theater Täglich 7, Uhr: Lady Windermeres Fächer Kleines Theater Täglich 7, Uhr: Casanovas Sohn Walhalla- Theater 7 Uhr: Die Scheidungsreife Theater am Rollendorfplat 71 Uhr: Der Vetter aus Dingsda 7814 Die Oper 7 Alt- Heidelberg Rose Theater 7% Uhr: Mein Leopold Wallner- Theater Wallnertheaterstraße 35 7: 3igeunerliebe 72 Apollotheater 7/2 Friedrichstraße 218 Täglich: Tip- Tip Hurra! oder Der Sport- Schlemihl mit Wilhelm Hartstein Berliner Prater Raftanien- Allee 7-9 Täglich 4, Uhr: Varleté n Wenn Engel strelken! Dverette in 3 Akten VARISTE KABARET, Behrenstraße 54. 7 Uhr: Bersönliches Auftreten: Johannes Riemann und Dera Schlüter in Cocain( Sektkūbel) und 9 weitere Attraktionen Theater a. sottouser i or TUT Elite Sänger. Bls 31. Jull Täglich 7, Uhr Gastspiel d. OriginalLeipziger Fritz- WeberSänger. Ab 1. August Wiederauftreten der E11te- Sänger Münzen:: Briefmarken kauft Großmann, Johannisstr. 4. Bugang v.b. Friedricht.( Dir.108) Norden 106 21 Amil. Bekanntmachungen Das neue Reichsgeleg vom 11. Juli 1921 über die Einkommens Heuer vom Arbeitslohn fieht im§ 46 Abs. 2 Nr. 3. eine weitere Ermäßigung des von dem Arbeitslohn des Arbeitnehmers eins jubehaltenden Betrages von 10 n. 5. unter Wegfall der Interscheidung zwischen ständigen und unständigen Arbeit Rehmern-zur Abgeltung der nach§ 13 E. St. G. Juläffigen Abzüge vor, und zwar: a) Jm Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Stunden: um 0,15 m. für je zwei angefangene oder volle Stunden; b) Jm Falle der Bahlung des Arbeitslohnes nach Tagen: um 0,60 m. täglich; c) Jm Falle der Bahlung des Arbeitslohnes nach Wochen: um 3,60 m. wöchentlich; d) Im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Monaten: um 15 M. monatlich. Diese Ermäßigung tritt bei jeder Lehngahlung ein, die nach bem 31. Juli 1921 erfolgt; in denjenigen Fällen, in denen Ab Jüge im Sinne des§ 13 nicht schon beim Steuerabzug in der Beit vom 1. April bis 31. Juli 1921 berücksichtigt find, ers ohen fich zum Ausgleich dieser Abzüge die im§ 46 Abfag 2 Mr. 3 vorgesehenen Ermäßigungen für den in der Zeit vom 1. Auguft bis 31. Oktober 1921 gezahlten und bis zum 31. Dk. tober 1921 fällig gewordenen Arbeitslohn: a) Jm Falle der Bahlung des Arbeitslohnes nach Stunden auf 0,40 M. für je zwei angefangene oder volle Stunden; b) Jm Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Tagen auf 1,40 m. täglich; c) Jm Falle der Bahlung des Arbeitslohnes nach Wochen auf 8,40 m. wöchentlich; d) Jm Falle der Zahlung des Arbeitslohnes nach Monaten auf 35. monatlich; Nach Biffer 2 des Erlaffes vom 25. August 1920- III 22 205( Bekanntmachung vom 1. September 1920, 3entralblatt für das Deutsche Reich 1920, S. 1403) blieben von dem Steuerabzug bis auf weiteres frei besondere Entlohnungen, die über die für den Betrieb regelmäßige Beit hinaus geleistet wurden. Durch Erlas bes Herrn Reichsminifters der Finanzen vom 12. Juli 1921 III 19 246 wird der vorbezeichnete Erlaß vom 1. August 1921 ab aufgehoben; von diesem Zeitpunkt ab unterliegen auch die aus der Leistung von Ueberstunden, Uebers schichten, Sonntagsarbeit und sonstiger, über die regels mäßige Arbeitszeit hinausgehenden Arbeitsleistungen erzielten Löhne usw. dem Steuerabzug. Berlin NW 40, den 21. Juli 1921. Landesfinanzamt Groß- Berlin. Beranlagung und Erhebung von Steuern Bom 1. Auguft d. Js. ab werben im Bezirke des Landes finanzamts Groß- Berlin alle bas Reichsnstopfer, Die Körperschaftssteuer, die Rapitalertragssteuer, die Kriegsabgabe 1919, bie Kriegsabgabe 1918, die Kriegssteuer 1916 und den Wehrbeitrag betreffenden Sachen, soweit diese Steuern von nichtphyfifchen Bersonen( Gesellschaften, Bereinen usw.) su entrichten find, von bem Zentralfinanzamt Berlin( 1) hier, Jilbenftr. 58-60 bearbeitet. Die Erhebung dieser Steuern liegt von da ab der Finanskaffe dieses Finanzamts ob. Von demselben Tage ab geht auch die Bearbeitung der die bisherigen preußischen Staatsiteuern der nichtphyfischen Berfonen betreffenden Sachen auf das genannte Finanzamt über. Die Erhebung dieser Steuern erfolgt jedoch auch weiter durch die bisher zuständigen Kaffex. Spezial- Behandlung Geschlechtskrankheiten beiMänner u.Frauen schnell, schmerzl. u.mögl.ohne Berufsstörung Brunnenstraße 191 Heilanstalt C.Weissert, the other Platz Viele Jahre in Krankenhäusern und Kliniken tätig gewesen. Sprechet. 10-12 u. 4-7. Sonntags 10-12. Untersuchung kostenlos. Besonders günstige Angebote, gültig bis Montag, den 1. August Jack.- Anzüge f. Herren in gut. Qual. M. 875 750 650 450 350 22500 Strandanzüge Heraus gestreift. 23500 Sommerstoff. aus Lodenstoff, gemust. Sport- Anzüge Manch, Homespun usw. a. Breech. ed. lang. Hose M. 800 850 500 40000 aus reinwollenem geTennis- Anzüge Streiften Cheviot in 60000 erstklassiger Verarbeitung.... 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Todes- Anzeige Den Kollegen zur Nachs richt, daß folgende Mit glieder gestorben find: Der Helfer Karl Schubert Schönhauser Allee 159, am 22. d. M. Der Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. 7. ,, mittags 11 Uhr, von Leichenhalle des Städtischen Kirchhofes in Friedrichsfelde aus ftalt. Der Puger Karl Schmidt Stettiner Straße 40, am 21. D. M. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. 7., vormittags 11 Uhr, von ber bes Leichenhalle Städtischen Kirchhofes in Buch aus ftatt. Ehre Ihrem Andenken! Rege Beteiligung ers mariet Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nacm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Mittwoch, den 27. Juli 1921, abends 5 Uhr, in des Schulaula, Manteuffelstraße 7, Versammlung der Automaten- und Handbank- Eins richter der Schraubenbranche Tagesordnung: 1. Bericht über die Hauptausschußverhandlungen. 2. Branchenangelegenheiten. ― Mitgliedsbuch legitimiert. Mittwoch, den 27. Juli 1921, abends 61, Uhr, im , Rosenthaler Hof", Rosenthaler Straße 11/12( Großer Saal), Branchen- Versammlung sämtlicher Elektromonteure und Helfer Groß- Berlins Tagesordnung: 1. Referat und Rorreferat über die zehn Forderungen bes Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. 2. Diskuffion. 3. Branchenangelegenheiten( Lehrlingsfrage). 4. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Mittwoch, den 27. Juli 1921, abends 4%, Uhr, im , Märkischen Hof", Admiralstraße 18 c, Branchen- Versammlung der Graveure und Ziseleure Sagesordnung: 1. Stellungnahme der Kollegen zu der Lohnbewegung in unferer Branche. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Mittwoch, den 27. Juli 1921, abends 7 Uhr, in , Bökers Festfälen", Weberftraße 17, Branchen- Versammlung der Schmiede, Hammer-, Presse- und Kranführer Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenleitung. 2. Die Kündigung des Lohnabkommens und welche Forderunge ftellen wir? 3. Branchenangelegenheiten und Berschiebenes. Mitgliedsbuch legitimiert Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist unbedingt notwendig Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend Halbwattlampen und fämt. Achtung! ElektrosJnftall. Material kauft Lebensweise Graziana Schröder, Bernauer Str: 161 "> gefeglich gefchüßt. Bollkom men unschädliches, natürlich wirkendes Entfettungsmits höchft erfolg Fabrikgeb. III. tel. 30 Sabre bädt Gänsefedern bewährt. Bak. 15, 3 Bak. 43,50. Otto Reichel, Berlin 46, Eisenbahnstraße 4. fullfertige, auch ungerissen, aus erster Hand. Paul Paegelow Die Zimmerer! Achtung! Fortlegung der Zahlstellenversammlung Dom 23. Juli findet am Dienstag, den 26. Juli, abends 6, Uhr, in den Andreasfestsälen, Andreasstr. 21, ftatt Alle Delegierten sowie Funktionäre und Bertrauensleute de Organisation werden hiermit eingelaben. Außerdem bitten wir die Schlichtungskommissions- und Borstandsmitglieder am Dienstag, den 28. b. Mts., nachmittags 3 Uhr Wrlezen 15 Odrbr.swecks Besprechung im Büro erscheinen zu wollen. Wir demonstrieren! 5 Lieder für Massengefang 50 Pfennig Organisationen und Händlern hoher Rabatt Buchhandlung Freiheit" " Berlin C2, Breite Straße 8-9 Botenfrauen fucht Erfolg verblüffend. Kinderl, anzuw. Dankschreiben v. überan. Spedition Werner, Greifswalder Str. 29 Grhältlich in allen Drogerien und Apotheken und bel fämt Spedition Jordan, Dresdener Strasse 24 Befte Zeit zur Brutvernichtung. lichen Warenhäufern. Wertheim, font portofret sox Hermann A. Groesel, Berlin, Königgräger Str. 49 Mitgliedsbuch legitimiert. Zentralverband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend Der Borftand J. A.: W. Repichläger. Volks- ReiseVerband Neukölln RMünchener Straße 53 Bem 3. bis 10. September: Durch den Odenwald zum Neckar bis Heidelberg Wiederholung der v. 18.- 25. Juni veranstalteten Ferienfahrt Teilnehmerkarte einschicklich Fahrt und Verpflegung: 600 Mark Anmeldungen find umgehend( eventl. auch schriftlich) gegen Einzahlung der Sicherheitssumme nox 100 k. an bie Gefchäftlftelle bes B.-R.-B., Neukölln, Münchener Str. 53 zu richten. ZeitungsAusträgerinnen fellt sofort ein ,, Freiheit"-Ausgabestelle Steinmegstraße 23 r. 343 Groß- Berlin Flammender Protest Zur Notlage der Volontärärzte hat die Studentenvertretung der Berliner Universität eine Resolu= tion angenommen. Sie lautet folgendermaßen: Die Studentenschaft der Universität Berlin erhebt flammenden Protest dagegen, daß zahlreiche Privatdozenten, Alfistenten und Bolontärassistenten, welche an der Universität, ihren liche Brivatdozenten, Alhitenten Kliniken und Instituten notwendige Arbeit leisten, nur einen geringen Teil des Existenzminimums, das jedem Arbeiter zusteht, oder gar feinen Entgelt für ihre mühenolle Arbeit und Verantwortung erhalten. Die Studentenschaft der Universität Berlin fordert daher die Volontäraffiftenten der Charité sowie der übrigen Universitätskliniken auf, lich in ihrem wirtschaftlichen Kampie nicht mit 26. flagszahlungen aufrieden zu geben, sondern ihre berechtigten Forderungen restlos durchzusehen. Ganz im allgemeinen ist überhaupt eine zeitgemäße Umgestaltung der Besoldungsverhältnisse der geistigen Arbeiter und die Angleichung ihrer Bezahlung an die heutige wirtschaftliche Lage eine dringende Forderung des Tages." So richtig wir es finden, daß die Studenten gegenüber ihren bereits arbeitenden Kollegen Solidarität zeigen, so ist es doch immerhin auffällig, wie energisch sich die Studenten plöglich für Gehaltsforderungen einsetzen, wenn es sich um Angehörige des Bürgertums handelt. Die Studenten fordern, daß die Volontärärzte mindestens das Eristenzminimum, das jedem Arbeiter zusteht, erhalten. Man hat aber bis jetzt noch nicht gehört, daß die Studenten etwa Verständnis dafür hätten, wenn die vie Ten Arbeiter, die auch heute noch nicht das ihnen zustehende Existenzminimum erhalten, sich ihr Existenzminimum erkämpfen. Im Gegenteil fallen die Studenten in ihrer übergroßen Mehrzahl jeder Arbeiterkategorie, menn sie um menschenwürdige Eristenzbedingungen fämpft, in den Rüden. Die Technische Rothilfe und ähnliche Streitbrecherorganisationen, die der Arbeiterschaft thren Kampf erschweren, sehen sich zum überwiegenden Teile aus Studenten zusammen. Einer Beröffentlichung der Technischen Hochschule war vor kurzem zu entnehmen, daß die Studenten sogar in den mehrmonatigen Unipersitätsferien in technischen Betrieben arbeiten, also auch bei diefer Gelegenheit die Arbeiter im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit schädigen. Ebenso brauchen wir nur an diejenigen Studenten zu erinnern, die fich für die Erntearbeit zur Verfügung stellen und den Existenztampf des arbeitslosen Landproletariats erschweren. Es wäre im Interesse der Arbeiterbewegung sehr zu begrüßen, menn man den Protest der Berliner Studenten als eine Alenderung ihrer Stellung zu mintschaftlichen Kämpfen auffassen fönnte. Bir lönnen aber vorläufig angesichts der politischen Haltung der Studentenschaft unser Mißtrauen nicht aufgeben. Auch daß die Studenten die Volontärärzte auffordern, sich in threm wirtschaftlichen Kampfe nicht mit Abschlagszahlungen zufriedenzugeben, fondern ihre Forderungen restlos durchzusehen, ist interessant; wenn aber streifende Arbeiter dieses Rezept anwenden, dann tommen dieselben Studenten und marschieren als technische Nothilfe auf! Gewerbegerichtswahlen für Groß- Berlin Im August finden zum ersten Male die Gewerbegerichtswahlen für die Einheitsgemeinde Groß- Berlin statt, und zwar am 19. Auguft für die Arbeitgeber unb am 28. Auguft für die Arbeitnehmer. Wahlleiter ift Stadtrat Boetsch, Jein Stellvertreter der Stadtrat Genosse Schüning. In der legten Nummer des Gemeindeblattes werden die geltenden Wahlbestimmungen veröffentlicht, von denen wir nachstehend die wich tigsten wiedergeben: Attives und passives Wahlrecht. Wahlberechtigt find männliche und weibliche Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche das 20. Lebensjahr vollendet und in dem Bezirk der Stadtgemeinde Berlin Wohnung, Gewerbebetrieb ( gewerbliche Niederlassung) oder gewerbliche Beschäftigung haben. ( 26. Fortsetzung.) Feffenbrunner Hof Bon Anna Croissant- Ruft ( Nachbrad verboten.) Der Alte machte nicht viel Worte, er tat auch nicht, als fähe er Peters Tränen, er padte ihn nur und zog ihn mit fich fort. Und Peter ließ sich ziehen und folgte dem Alten. Nit heimbringe, Sannes!" bat er endlich. Dein Mutter is uff de Tod frant, fie will dich hawwe! Nir als heem." Beter wurde ganz blaß, und der Alte fonnte mit ihm anfangen, was er wollte. Schweigend gingen sie in der Morgenfrische die große Waldstraße hinauf. Wie müde abgeraderte Gäule, die zu schwer aufgeladen haben, schlichen fie dahin, und als fie oben waren, wo Helene gestern in das grüne Tal hinuntergesehen hatte, fiel das erste Wort: " Sannes, sie wird doch nit sterben?" Was wees m't?" Hannes machte sein grimmigstes Gesicht. Es war ihm noch nicht einmal eingefallen, eine Pfeife zu rauchen. Rauchen, wenn einem zumut war wie ihm? Er ahnte, was dem Jungen bevorstand. Wie gern hätte er ihn wie einen fleinen Selben zurüdgebracht! So mußte er ihn wie ein Säscher estortieren, und sein altes Herz hatte fort und fort Angit, er möchte ihm entlaufen und sich dann wirklich ein Leib antun. Beter sette ein paarmal zum Reden an, schwieg aber immer wieder, während der Wald über ihnen rauschte, und die Sonne fahien. Es hatte etwas Uebermütiges dies lustige Rauschen, wie ein übermütiger Junge tat der Wald aber das ungleiche Baar fah und hörte nichts. Langsam schlichen sie endlich auf das Haus zu: " Wie e verprüchelter Sund tummt er heem," meinte ein Knecht, der Sannes führt'n am Stridt und hot Angst, daß er'm nit widder ausreißt." Peters Empfang war anders, als er sich vorgestellt hatte: das heißt, er wurde nicht mit Schimpfen und Schelten, mit Büffen und Brügel empfangen, sondern man begegnete ihm mit wortloser Kälte. Gr fühlte wohl, daß hinter dieser Rälte etwas lauere, mas fich fürchterlich über ihn entladen würde, das nur zurüdgedrängt war und auf seine Zeit wartete. Veilage zur„ Freiheit" Wählbar als Beisiger des Gewerbegerichts find männliche Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche das 30. Lebensjahr vollendet haben. Nicht wahlberechtigt und nicht wählbar sind Bersonen, Der Vater sah ganz über Peter meg, der in seinem finiteren und sorgenpollen Gesicht zu lesen versuchte, wie es der Mutter ging; zu fragen getraute er sich nicht. Wie ein Dieb fchlich er fich die Treppe hinauf und horte nor der Mutter Türe. Eine sanfte Stimme sprach drinnen; das a) welche nicht Angehörige des Deutschen Reiches sind, b) welche die bürgerlichen Ehrenrechte verloren haben, c) gegen welche das funtpeziahren sicaen cines Berntechens oder Bergehens eröffnet ist, das die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter zur Folge haben fann, d) welche infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung e) die Mitglieder der Innungen, für welche ein Schiedsgericht in Gemäßheit des§ 81 b r 4 und der 88 91 bis 91 b ber Gewerbeordnung errichtet ist, sowie die von denselben beIchäftigten Arbeiter. über ihr Vermögen beschränkt sind, Als Arbeitgeber gelten diejenigen selbständigen Gewerbetreibenden, welche mindestens einen Arbeiter( Gefellen, Fabritarbeiter, Lehrling) regelmäßig das Jahr hindurch oder zu nemilen Zeiten des Jahres beschäftigen und den selbständi gen Gewerbebetrieb angemeldet haben. Den Arbeitgebern stehen hinsichtlich der Wahlberechtigung und wählbarfeit die mit der Leitung eines Gewerbebetriebes ader eines bestimmten Zweiges desselben betranten Stellvertreter der Selbständigen Gemerbetreibenden aleish, sofern ihr Jahresverdienst an Lohn oder Gehalt 30 000 M. übersteigt. Hausgewerbetreibende wählen und find mahlberechtigt als Arbeitgeber, wenn fie felbft mindestens einen Arbeitnehmer regel mäßig das Jahr hindurch oder zu gewißen Zeiten des Jahres beschäftigen und gemäß§ 14 der Gewerbeordnung den Gewerbebetrieb angemeldet haben, andernfalls als Arbeitnehmer. Wahlbescheinigungen. Wählerlisten werden nicht aufgestellt. Die Arbeitgeber weisen ihre Wahlberechtigung durch eine Bescheinigung der Poligei- oder Gemeindebehörde darüber nach, daß sie ein Gewerbe betreiben und mindestens einen Arbeiter regelmäßig das ganze Jahr oder zu gewißen Zeiten des Jahres beschäftigen. Die Arbeit nehmer haben den Nachweis der Wahlberechtigung durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder der Polizeibehörde zu führen, durch welche bestätigt wird, daß sie zur Zeit der Wahl in Arbeit stehen. Die Wahlbescheinigungen fönnen Dom 1. August 1921 ab während der Dienstunden in unserem 23 ahlbureau, 3immer 9, in Empfang genommen werden. Wahlhandlung. Die Wahl der Beisitzer ist unmittelbar und geheim. Die Wahlhandlung ist öffentlich. Sie beginnt um 9 Uhr vor= mittags und wird um 5 Uhr nachmittags geschlossen. Nach 5 Uhr werden nur noch Personen zur Wahl zugelassen, die sich vor diefer Zeit bereits im Wahlraum eingefunden haben. Die Arbeitgeber üben ihr Wahlrecht an derjenigen Wahlstelle aus, in deren Bezirk sie ihre gewerbliche Niederlassung haben; die Arbeitnehmer wählen an derjenigen Wahlstelle, in deren Bezirk sie wohnen oder, falls sie außerhalb des Gebietes der Stadtgemeinde Berlin wohnen, beschäftigt find. Das Wahlrecht ist in Berson und durch Abgabe eines Stimmzettels auszuüben. Die Stimmzettel müffen von weißem oder weitlichem Bapier fein und dürfen fein äußeres Rennzeichen tragen. Sie sollen 9 × 12 3entimeter grok fein und können auch aus Zeitungspapier betehen. Sie müssen außerhalb des Wahlraumes ausgelegt oder verteilt werden und dürfen nur das Kennwort der Wahlvorschlagsliste enthalten, für welche der Wähler sich entschieden hat. Hiervon abweichende Bettel sind ungültig. Die Groß- Berliner Arbeiterschaft muß den Wahlen zu dieser Körperschaft, die über Arbeits- und Lohnverhältnisse oft einSchneidende Entscheidungen fällt, besondere Aufmerksamkeit midmen. Die sozialistischen Parteien werden mit der Gewertschaftstommiffion eine gemeinsame Liste aufstellen. Berlin braucht Geld! Das Hafen- und Schiffahrtsamt der Stadt Berlin hat beschlossen, daß das vornehm ausgestattete städtische Motorboot mit geschlossener Kajüte für zehn Personen und offenem Raum für 20 Personen zur Ausnugung in Butunft an Brivatpersonen gegen Entgelt vermietet werden soll. Dabei soll be= sonderer Wert darauf gelegt werden, daß das Boot von den Benugern schonend behandelt wird. Interessenten sollen sich an das zuständige Amt, Stralauer Allee 16, wenden. Liche sich nicht bas Motorboot mit in den Dienst der Wohlfahrtspflege für die Gemeindeschulkinder stellen? war die Wärterin, die vor furzem gefommen. Diese fremde Stimme machte ihm die Mutter, machte ihm das ganze Haus noch frember. Hannes hatte doch gesagt, fie hätte nach ihm verlangt! Beter fühlte sein Herz erstarren. Wenn sie doch geschrieen, wenn fie ihn gepadt und geprügelt hätten! Die böle Stille war so schwer zu tragen. Er hätte es ja ver dient, wenn sie ihn geschlagen hätten, was hatte er seiner Mutter getan! Mußte sie nun alles? Er lief auf einmal schnell die Treppe hinauf, riegelte die Türe hinter sich zu und warf sich verzweifelt auf sein Bett. So blieb das ein paar Tage; er lebte nöllig abgeschlossen oben in seinem 3immer, fast wie ein Gefangener, nur mit oem Unterschied, daß ihm jetzt Tina, das junge Mädchen, das die Mutter bediente, die Speisen hinaustrug und ihn dabei halb mitleidig, halb furchtsam anschaute, wie wenn er ein wildes Tier wäre, dem nicht zu trauen sei. Peter schrie danach, daß sie ihm einmal etwas von der Mutter fage, es war ihm ja nicht möglich, zu fragen. Er sah es Tina an, daß sie nur darauf wartete, ja immer ärgerlicher deshalb wurde und ihm böse Augen machte:„ Und du bist doch so, wie fie alle fagen!" warf sie ihm hin und schlug die Türe hinter fich zu. Und niemand fam und brachte ihm Nachricht, und niemand fam und sagte ihm:„ Sie will dich sehen, Peter." Dienstag, 26 1921 Juli Gin entlarbler Berlumber Im Januar d. J. brachte die fommunistische Samburger Boltszeitung ng sipei irritet die heftige Angriffe enthielten gegen die Großeinfaufogelerini Dentider Korjusperejne und Es besonders gegen deren Gefführer Robert Apmann. wurde ihm der Bormurf gemacht. daß er in seiner früheren Stel Tung als Geschäftsführer des Eraunschweiger Konjumpereins Schmiergelder angenommen und daß er dies Snstem auch in der GEG. eingeführt habe Auch wurde ihm parneworfen. daß er sich auf schmutzigem Wege feine Sinefure erblichen und daß er Waren ahne Bezahlung aus der GEG entnommen habe. In höhnischer Weise wurde der in jo gemeiner Weise Angegriffene cuigefordert, Aloge zu erhoben, da man dann den Wahrheitsbeweis erbringen und die Zeugen heftionsweise aufmars ibieren laffen werde. Stundenlang stand er am Fenster und fah nach den Bergen, die mit ihren langgezogenen Linien eine vage Sehn sucht in ihm wachriefen, eine Sehnsucht, die eigentlich mit seinem Leid nichts zu tun hatte und doch mit ihm verwoben war. Ahmann strengte gegen den verantwortlichen Rebatteur der Boltszeitung" Heinrich Schwarz eine Beleidigungsflage an, die am 20. Juli vor dem Schöffengericht IX in Samburg zur Berhandlung fam. Der Bellagte erflärte ganz fleinlaut, er fönne nicht sagen, ob die Beschuldigung auf Wahrheit beruhe; er habe die beiden Artikel im guten Glauben aufgenommen, da Sie ihm von einem glaubwürdigen Genefien übergeben worden feien. Der fo pomphaft angefündigte Wahrheitsbeweis miglang vollständig; es fonnte nicht der geringste Beweis für die ungeheuerlichen Beschuldigungen, die nicht nur Ahmann, sondern mehr noch die ganze Genossen fhaftsbewegung zu schädigen geeignet sind, erbracht werden, so daß der Vertreter des Beklagten selbst einräumen mußte, daß teine einzige der Behauptungen durch die Remeis aufnahme erwiesen sei. Das Gericht merurteilte den Beklagten au einer Geldstrafe von 500 M., evtl. 50 Tagen Gefängnis. Manchmal durchlebte er jene schwere Nacht wieder, wo er wie ein verscheuchtes Getier umhergeirrt mar. Was hatte er denn eigentlich gewollt? Was wäre aus ihm geworden, wenn er mit seinem hischen Geld Hebr die Grenze wäre? Ein Bettelbub, ein Landstreicher, ein Bagant! Er hatte ja an gar nichts weiter gedacht, nur fort, weit fort. Warum hatte er nicht versucht, ein Ende zu machen? Peter verhielt sich die Ohren, wenn er baran dachte und stampfte mit den Füßen auf: ganz deutlich sah er das Geficht seiner Mutter vor sich, ihre AugenEr hielt's nicht mehr aus da heroben, er erstifte in der Angst und Einsamkeit; er mußte fort, hinaus, mit jemand reben! Aber ihn sprach niemand an, und er gönnte feinem ein Wort. Es wurde ihm befohlen, wieder bei den Mahlzeiten au erscheinen, wo Alwine feierlich und stumm präsidierte, weil der Bater das Essen noch oben bei der Mutter einnahm, und ihm sagte: Waffenfchiebungen nach Fahrland Der Vorwärts" meldet gestern abend: Gutsarbeiter der Domäne Fahrland bei Potsdam haben beobachtet, daß Laftautos von Potsdam damen, die schmer mit Waffen beladen nach dem Gutshof Fahrland hinfuhren. Beim Ausladen der Autos, die von Offizieren in 3ivil geführt wurden, wurden sämtliche Sofarbeiter vom Hofe geschifft. Die Waffen find in einem Berstedt untergebracht, das mit Brettern vernagelt wurde. Ein Angehöriger der Kraftfahrabteilung äußerte sich, daß die Schupo vorher verftändigt werde, Autos mit bestimmten Nummern nicht anzuhalten. Der Domänenpächter heißt Wilhelm Koehne. Warnung vor Ausbeutern Erwerbslofer Seit Jahren werden die Polizeibehörden unausgesezt in Ans Spruch genommen pon Leuten, die durch das unteelle Treiben so genannter Runftanstalten, vielfach unter hochtönenden Phantasiebezeichnungen, geschädigt find. Neuerdings aber werden nicht nur die Besteller von Bildervergrößerungen von folchen Unternehmun gen oder deren Abgesandten überoorteilt, fondern diese schädigen auch Erwerbslose, die sich einen Verdienst nerschaffen mallen. Da wird durch Zeitungsinserate Stellenlofen eine Eristenz mit 100 bis 150 M. Tagesverdienst in Aussicht gestellt. Die sich darauf Meldenden werden auf die Reise geschidt mit dem Auftrage, die allbetannten Bestellungen auf Bildervergrößerungen aufzusuchen. Als Entgelt erhalten sie nur die Fahrtosten und müssen sehen, wie fie fich die Provision verdienen. Natürlich tönnen diese Bedauernswerten bei ihrer Unerfahrenheit und Ungewandtheit und der schon bestehenden Abneigung gegen solche Kunstanstalten" nicht auf einen grünen Zweig tommen und merden badurch direkt ge= amungen, au piel zu versprechen oder sonst zu schwindeln, um iiberhaupt Bestellungen und damit den einzigen Berdienst, die Provision, zu erlangen. Die Folge davon find Anzeigen und ihre Bes Strafung, während die Inhaber der Kunstanstalten" jede Berant wortung ablehnen. Aber nicht nur durch Zeitungsinserate merden solche armen Leute betört, sondern auch auf Bahnhöfen und dergleichen, treten die Beauftragten, die Oberreijenden, dieser Art Unternehmungen an ihnen geeignet erscheinende Leute heran und verstehen es, fie au beschwagen. Strafrechtlich ist diesem Treiben nicht beizutom men, und es fann nur gewarnt werden danor, den Anerbietungen von Leuten, bie großartige Bersprechungen für die Tätigkeit als Bilderreisender machen, zu folgen. Bemerkt mird, daß solche In ferate nicht nur in Berlin und anderen Großstädten, sondern auch an fleineren Blägen ericheinen, und daß die anreißerischen Obers reifenden in den verschiedensten Orten thre Opfer suchen, die, statt Du hast heute nach Breitenberg zu gehen, der Behrer ers wartet dich, untersteh dich nicht, etma bie Schule zu schwän zen! Es wird jetzt aus einem anderen Ton gehen. Wir mollen einmal sehen, ob wir dich nicht flein friegen!" Man war nah der Heuernte, das Wetter zeigte sich nicht günstig, die Bust war schwer und wenn die Sonne tam, stiegen Dämpfe auf. Peter ging bedrückt den schmalen fandigen Pfad. Bor fich sah er deutlich die starren funtelnden Froschaugen des Lehrers, seine gelben viereckigen Zähne, und die inotigen Sände, die wie Eisenstangen niederfallen Tonnten. Oh, diefer grausame Mund! wenn er zutraulich wurde: Nun Peterchen? Was ist es, mein Lieber? Hast du wieder prima gelernt? Sm? Los mein Pring! Los! Wie er dann näher rückte, wie die Augen immer weiter aus den Höhlen vorkamen, wie man seinen schenklichen Atem ertragen mußte, wo sich alles gegen ihn sträubte! Wenn er neulich früh unter den Zug gegangen wäre, müßte er jetzt nicht zu diesem Untier! Er war zehnmal auf dem Sprung, vom Wege abzugehen und quer über die Felder zu laufen, gleichgültig wohin. Und doch setzte er weiter Fuß vor Fuß, bis er an ber Schwelle der Lehrermahnung tand. Seines Präzeptors Magdder Gewaltige war Junggeselle öffnete ihm. Schlottrig und faul wie immer, mit dummdreistem Gesicht, hieß sie ihn in das gute Zimmer" eintreten. Es war Peter als hätte er ein lustiges und befriedigtes Flimmern in ihren Augen gesehen. Das Zimmer haßte er. Es murde sicher niemals gelüf tet, war ein cistattes, nach Rorden gelegenes Barterrezim mer, besaß vor dem mit gehäkelten Deden überzogenen, zerschliffenen und schmuzigen Sofa einen Teppich, aus Fliffen zusammengesetzt: Resultat des Fleißes ber bidlichen Magd. Auf dem ovalen Tisch, der auch im Zeichen des„ Gehäfelten" stand, prangte als Milieu, verstaubt und von vielen Flies gen eifrig frequentiert, ein blauer Glasauffag, mit difen Blumen bemalt. Dann zierten die gute Stube noch ein paar Rohrstühle, ein Bertifow", ein Piano und an den Wänden zwei Delbruce; der eine eine blonde in Rosa ge= fleidete Dame mit Stopfelzieherloden und einem Kana rienpogel auf den zarten Fingern darstellend, und der an dere eine schwarze mit wilder Titusfrisur, burch die sich ein heftig rotes Band schlang, und die intensiv beschäftigt war, auf eine ganz unmögliche Weife Trauben zu verzeh ren, indem fie den wohlfrisierten Kopf wie ein Afrobat nach ridwärts bog. ( Fortehung folgt) den in Aussicht gestellten hohen Berbienst zu finden, ihre Sparpfennige opfern, schwer enttäuscht und schließlich dem Verbrechen in die Arme getrieben werden. Ein Parteijubilar. Genosse Gustav Mewes in Briz sieht in diesem Monat auf eine 25jährige Parteizugehörigkeit zurück. Früher Former, jezt Lagerhalter im Konsumverein, war er ehemals im 2. Berliner Reichstagswahlkreis 17 Jahre Bezirksführer. Die Trennung von der S. P. D. vollzog auch er, da er überzeugt war, deren Politik nicht mitmachen zu können, und schloß sich der U.S. P. D. an. Der jüngeren Generation ein leuchtendes Beispiel. Ein Glückwunsch dem Jubilar! Die Vorbereitungen zur Stadtverordnetenwahl. Vom Gesamtbetriebsrat der städtischen Betriebe und Verwaltungen wird uns geschrieben: Es ist uns bekannt geworden, daß bei der be= vorstehenden Wahl der Magistrat, wie bisher bei allen größeren Wahlen, die Aufstellung der Wählerlisten durch Nebenarbeit der Beamten und Angestellten vornehmen will. In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit sollte man endlich von diesem System absehen und eine Anzahl von Arbeitnehmern für diese Arbeit einstellen. Durch Einführung einer Arbeitszeit von 2 Schichten täglich läßt sich sehr gut der bestehende Raummangel lösen. Ebenfalls plant der. Magistrat, während der Auslegung der Wählerlisten das dafür erforderliche Personal aus den Kreisen der Be amten und Angestellten zu nehmen, das während dieser Zeit Ueberstunden leisten soll. Auch hier sind wir der Meinung, daß für diese Arbeiten ein großer Teil von Erwerbslosen herangezogen werden kann." 19. Berwaltungsbezirk. Zu einer bewegten Sigung gestaltete fich die letzte Bezirksversammlung. Lange vor Beginn der Sigung wurde bekannt, daß die Erwerbslosen in der Versammlung selbst ihre Forderungen bezüglich der Vergebung der Arbeiten an den Siedlungsbauten Pantow, Klausthaler Straße, vorbringen wollten. Dem Dringlichkeitsantrag der V.' K. P. D. wurde von allen sozialistischen Parteien zugestimmt, um auf diese Weise den üblen Begleiterscheinungen von vornherein zu begegnen, während die Bürgerlichen der Dringlichkeit widersprachen. Der inzwischen in den Saal getretenen Erwerbslosen bemächtigte sich eine ungeheure Erregung, so daß es legten Endes zu einer Vertagung der Sigung kommen mußte. Bei Wiedereröffnung der Sizung hatten denn auch die Bürgerlichen ihren Standpunkt geändert, so daß der Antrag nunmehr zur Berhandlung tommen fonnte. Es handelte sich im wesentlichen um die Einstellung der bei den Siedlungsbauten benötigten Arbeiter. Trogdem der für die Ar beiten verpflichtete Unternehmer bei Abschluß des Vertrages auch die Verpflichtung übernommen hatte, den Arbeitsnachweis zu benutzen, fonnte jegt festgestellt werden, daß der Herr Unternehmer Schmidt seine Arbeiter ganz wahllos von der Straße geholt und so die Erbitterung in den Reihen der Erwerbslosen hervorgerufen hatte. Zeigten die Bürgerlichen schon wenig Neigung, auch nur ein Wort der Kritik für den Herrn Schmidt zu finden, so war es geradezu unerhört, wie der Bezirksverordnete Reiher( Kriminalschutzmann) durch allerlei dumme Redensarten die Erregung von neuem bei den Erwerbslosen hervorrief. Ohnmächtig gegen den jetzt entstandenen Lärm, vertagte der Vorsteher von neuem, diese Gelegenheit benutte der stellvertr. Bürgermeister Dr. Stein, um jetzt die Schupo aegen die Erwerbslosen mobil zu machen. Sofort wurde von unserer Seite gegen eine derartige Maßnahme Einspruch erhoben und die sofortige 3urüd= ziehung der Schupo verlangt. Das Verhalten des stellv. Bürgermeisters wurde von unserem Genossen Buchwih ins rechte Licht gerüdt. Bei Wiedereröffnung der Sigung wurde dann anch die Erklärung abgegeben, daß die Schupo bereits abgezogen sei. Die Arbeiter des 19. Verwaltungsbezirts werden gut tun, an diese Dinge bei den kommenden Stadtverordnetenwahlen zu denken, sie haben dafür zu sorgen, daß die Hoffnungen des Bürgertum zuschanden werden! Muß das sein? Ein Leser schreibt uns: Ich wohne in der Kl. Rosenthaler Straße und beobachte seit Monaten, daß Sonnabends aller von den Mannschaften der Straßenreinigung in den umliegenden Straßen gesammelter Schmug auf Karren in die KL. Rosenthaler Straße gefahrn wird und hier bis Mittwoch oder Donnerstag als Fliegen- Rendezvous liegen bleibt. Ja, öfters bleibt alles liegen bis zum nächsten Sonnabend, damit sich der Haufen verdoppelt. Es ist unerhört, uns Bewohnern dieser Straße zuzumuten, unsere Kinder zum Spielen in diesen Staub und Schmuz zu schicken. Da sonst die Kl. Rosenthaler Straße eine sehr ruhige Straße ist, wäre gerade diese Straße zum Spielen für Kinder sehr geeignet, aber es gibt Kinderfeinde außer der Straßenreinigungs- Deputation, und dieses sind die vielen Menschen, welche ihre Liebe einem oder mehreren fleinen Vierfüßlern zuwenden. Man tann täglich sehen, daß aus den Nebenstraßen mit Peitsche und Maultorb bewaffnet in Gefolgschaft ihrer Lieblinge, diese Menschen in die Kl. Rosenthaler Straße ziehen, das mit dort, weil die Straße ruhig und ungestört liegt, aller Schmutz ber Tiere abgelegt werben tann. Ich nehme an, wenn in aller Deffentlichkeit mal diese Besitzer von Hunden und die Depu= tation für Straßenreinigung auf diese für die Bewohner der Kl. Rosenthaler Straße unangenehmen Tatsachen hingewiesen werden, auch eine Aenderung eintritt. Esperanto- Kundgebung. In der am 26. Juli, abends 7 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses stattfindenden Esperanto- Kundgebung wird u. a. Herr W. W. Mann aus London das Thema „ Die Notwendigkeit des Esperanto für die gemeinsamen Kulturarbeiten der Völker nach dem Kriege" in deutscher Sprache behandeln. Außerdem werden Esperantisten der verschiedensten Rationen, die sich auf der Durchreise zum Internationalen Efperanto- Kongreß in Prag befinden, das Wort ergreifen. An die Kundgebung schließt sich ein zwangloses Zusammensein im Berliner Ratskeller an. Freunde und Interessenten des Esperanto find willkommen. Polizeiliche Schließung der„ Wilden Filmbörse". Durch eine Verfügung des Polizeipräsidenten Richter ist nunmehr die Wilde Filmbörse" im Café Kolosseum, die vom Interessenverband der Silfsregisseure ins Leben gerufen war, geschlossen und den Unternehmern die Weiterführung des Betriebes, ebenso wie dem Wirt des Cafés die Sergabe seines Lotals zu diesen 3weden, unter Androhung polizeilicher Maßnahmen, untersagt worden. Der Polizeipräsident begründet die Verfügung mit dem Hinweis, daß die„ Kolosseumbörse" eine gewerbsmäßige Stellenvermittlung darstelle, für die die vorgeschriebene behördlicheGenehmigung nicht erteilt wor den sei und auch nicht erteilt werden könne. Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Filmindustrie haben ihren Bedarf an Arbeitsfräften lediglich in der allein anerkannten städtischen Filmbörse im„ Clou" zu decken. Das Verbrechen in der Pappelallee hat schnelle Aufklärung ge funden. Unter dem dringenden Verdacht, den früheren Schmied Karl Stuzte erstochen zu haben, war, wie mitgeteilt, dessen Schlafbursche, der Schuhmacher Eduard Ninz verhaftet worden. Er bestritt zunächst hartnädig, die Tat begangen zu haben. Im Laufe des Verhörs, das Kriminalkommissar Gennat mit seinen Beamten gestern den ganzen Tag über mit ihm anstellte, be guemte er sich abends doch endlich zu einem Geständnis. Danach hat sich der Vorfall so abgespielt, wie von den Beamten von vornherein angenommen worden war. Ninz war mit Stuzte, wie schon häufiger zuvor, wegen Geldangelegenheiten in einen Streit geraten, in dessen Verlauf Rinz zum Messer griff und mehrmals auf Stukte einstach. Geraubt hat er nach seinen An gaben jedoch nichts. Zur restlosen Aufklärung des Verbrechens findet heute nochmals ein Lokaltermin unter Vorführung des Täters statt. Ein ähnliches Verbrechen hat sich noch in der Rüdersdorfer Straße 57 abgespielt. Dort ist der 47 Jahre alte Stellmacher Hermann Wagner von seinem Flurnachbarn, dem 63 alten Arbeiter Kösling, erwürgt worden. Wie die Feststellungen ergeben haben, hatte Wagner den Kösling in angetrunkenem Zustande in feinem 3immer ausgesucht. Dort gerieten beide in Streit, in dessen Verlauf bann Kösling den Wagner erwürgte. Der Täter wurde sofort festgenommen, die Leiche zur gerichtsärztlichen Untersuchung beschlagnahmt. Gewerkschaftliches Reichsfonferenz der Seeleute Stäupung Paul Müllers -wenn 3um 19. und 20. Juli hatte der Verbandsvorstand eine Konfe renz der Seeleute nach Berlin einberufen, die Stellung zu den jüngsten Vorgängen in der Reichsabteilung und zu einigen ande ren wichtigen Fragen nehmen sollte. Kollege Schumann gab ausführlich die Gründe bekannt, die ein ferneres Zusammenarbeiten mit dem ehemaligen Reichsabteilungsleiter Paul Müller unmöglich machten. Die berüchtigte Flaggenrede in der Hamburger Börse sei schließlich nur der langen Kette legtes Glied gewesen. Immer wieder habe der Vorstand eingegriffen, immer wieder bequemte sich Müller zu Versprechungen, den Anordnungen der Verbandsleitung Folge zu leisten und immer wieder wurde der Verband vor fertige Tatsachen gestellt. Systematisch hat Müller die Verbandsleitung über die Bewe= gung der Seeleute und seine sonstigen Maß= nahmen im unflaren gelassen. Erst durch Beschwerden von draußen wurden wir auf Schritte Müllers aufmerksam ge= macht, die er dann stets mit einem unendlichen Wortschwall als harmlos oder notwendig rechtfertigte. Im November vorigen Jahres hatten sich die Entgleisungen" Müllers derart gehäuft, besonders auch seine journalistischen, daß die gesamte Reichsabteilungsleitung nach Berlin geladen wurde. Im Januar fanden dann in Fortsetzung der Novemberzusammenkunft zwei weitere Sigungen statt, in denen der Vorstand das Verhalten Müllers aufs schärfste rügte. Müller legte daraufhin seinen Posten als Reichsabteilungsleiter nieder. Wenige Tage später nahm er seine Amtsniederlegung zurüd und legte dem Hauptvorstand Richtlinien vor, die ein besseres Zusammenarbeiten mit der Reichsabteilung garantierten Müller Wort gehalten hätte. Seine Flaggenrede war dann keine Entgleisung mehr, sondern der Bruch mit dem, was uns Arbeitern heilig ist. Die Beschimpfung der Revolution, die Be schmutzung der republikanischen Farben, die Verherrlichung der alten Kaiserflagge schafften eine Situation, der ein raditales Ende gemacht werden mußte. Hinzu tam, daß Müller Jeinen alten Plan, die Seeleute vom Transportarbeiter= perband zu lösen, in zwar vorsichtig verschfeierter, aber für jeden Kenner der Verhältnisse untrüglicher Art und Weise wieder aufgenommen hatte. Er selbst bezeichnete den Attionsausschuß seemännischer Verbände, dem wir mit unserer Reichsabteilung Seeleute als Mitglied angehören, als seemännische Shigenorganisation, deren Vertrauen ihm schwerer wog, als das Mißtrauen des Verbandsvorstandes. Wenn der Verbandsvorstand ihm darin nicht folgen tönne, trenne ihn eine unüberbrüdbare Kluft von uns. Das wurde ihm bestätigt, mit der Aufforderung, seine Posten niederzulegen. Diese Aufforderung galt auch den übrigen Mitgliedern der Reichsabteilung, da sie sich hinter Müller stellten. Müller entsprach der Forderung und trat( am 1. Juli) gleichzeitig aus dem Verbande aus. Lorenz fündigte sofort Jein Vertragsverhältnis mit der Organisation, 2ünler einige Tage später. Der unorganisierte Müller betätigte sich am 2. Juli noch als Vertreter unserer Organisation im Attionsausschuß und hat inzwischen noch ein Mitteilungsblatt herausgegeben, in dem die reaktionären Reichstagsabgeordneten über den grünen Klee gelobt, indes die jazialistischen Vertreter in gröbster Weise beschinipft werden. Mit Ausnahme der drei geladenen Mitglieder der bisherigen Reichsabteilung, Lorenz, Lünjer und Hirsch, verurteilten sämtliche Redner die Handlungsweise des früheren Abteilungsleiters. Jmmer größer wurde das gegen Müller Sprechende Material. Vorgänge, von denen die Verbandsleitung nicht das geringste erfahren hatte, wurden fett offenbart. Rach ausgiebiger Aussprache wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: ,, Die am 19. und 20. Juli 1921 in Berlin tagende Seemannstonferenz nimmt Kenntnis von dem organisationsschädigenden Verhalten des bisherigen Leiters der Reichsabteilung Paul Müller, insbesondere von seinem Auftreten in der Flaggenfrage, und verurteilt diese Handlungsweise auf das schärfte. Gleichzeitig gibt die Konferenz ihrem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Mitglieder der Reichsabtei lungsleitung das Verhalten Müllers nicht nur gebilligt und unterstützt, sondern sich auch mit seiner, die Gefühle der organisierten Arbeiterschaft aufs tiefste verle Benden Rede ausdrücklich einverstanden erklärt haben. Die Konferenz verurteilt auch dieses Verhalten auf das allerentschiedenste und erklärt sich folgedessen init den vom Ver bandsvorstand getroffenen Maßnahmen einverstanden." Da das vierte Mitglied der Abteilungsleitung von Müllers Rede abrüdte und auch sein sonstiges Verhalten nicht billigte, wurden den Kollegen Lorenz, Lünser und Hirsch aufgegeben, sich schriftlich oder mündlich zu erklären, ob sie die Beschimpfungen der Revolution usw. durch Müller billigen, inden Kollege Schu mann auf die Ausschlußanträge gegen Müller aufmerksam machte, die auch für die drei Kollegen Konsequenzen haben tönnten. Eine zufriedenstellende Antwort erfolgte noch nicht. Die Konferenz beschloß, den Verbandsvorstand zu ersucher, die Ausschlußanträge gegen Müller wie gegen jedes andere Mitglied zu bes handeln. Es soll vermieden werden, daß Müller in eine andere. Organisation übertritt( was bereits geschehen sein soll) und vielleicht gar auf diesem Umwege im Aftionsausfchuß aufs neue seine verderbliche Arbeit aufnehmen kann. Am Attionsausschuß foll festgehalten werden, doch tann er nicht als Spikenorganisas tion in Frage tommen. Behält Müller einen direkten oder indirekten Einfluß auf den Ausschuß, so ziehen wir die Konsequenzen. In allen Körperschaften, in denen Müller als unser Vertreter saß, wird er durch andere Kollegen ersetzt werden. Die Konferenz sprach sich weiter für die finngemäße Uebertragung des Betriebsrätegesetzes auf die Schiffahrt aus. In der Frage der Revision der Seemannsordnung werden wir weiter mit dem von der Regierung beauftragten paritätisch zusammengesetzten Seeschiffahrts- Ausschuß zusammenarbeiten, doch müssen wir uns das Recht vorbehalten, mit unseren Forderungen direkt an die geseggebenden Körperschaften heranzutreten. Als Abteilungsleiter wurde einstimmig Kollege Fr. KöhlerHamburg gewählt. Die Posten eines Gefretärs und eines Redakteurs für die Schiffahrt wurden ausgeschrieben. Der Sitz der Abteilung bleibt in Hamburg. Mit einem anfeuernden Wort des Kollegen Schumann, nichts unversucht zu lassen, Schäden von der Organisation abzuwehren, wurde die Konferenz geschlossen. Zum Streit der Kontobuch- Arbeiterschaft Der Arbeitgeberverband der Papier verarbeitenden Industriel len fühlt sich bemüßigt, uns folgende Einsendung zuzuschicken: " In der Beilage zur Morgenausgabe der Freiheit" vam 22. Juli 1921 wurde die Behauptung aufgestellt, daß die Unternehmer in teinem festen Tarifverhältnis mit der BuchbinderGewerkschaft stehen. es besteht somit ein festes Tarifverhältnis mit der Buchbinder Gewertschaft Die Arbeitsnieber legung in den Berliner Geschäftsbücherfabriken bedeutet daher einen Bruch dieses Tarifvertrages. Wir haben uns von dem Reichstarifverhältnis, in welchem der Arbeitgeberverband der Papier verarbeitenden Industriellen mit dem Verband der Buchbinder und Bapierverarbetter steht, über zeugt und sind allerdings mit der Arbeitnehmerorganisation zu ber Ueberzeugung gekommen, daß von einem feiten Reichs tarifverhältnis mit dieser Gruppe nach Lage und Art der Be stimmungen dieses Vertrages feine Rede sein tann und demzufolge auch nicht von einem Bruch des Reichstarifvertrages. Jeden, der nur einigermaßen eine Ahnung von tariflichen Abe schlüssen hat, wird die Nachricht des„ Api" daher nicht beirren! Streit der Handelshilfsarbeiter im Textilgroßhandel Auf Grund des Ultimatums fanden am Sonnabend nachmittag mit dem Groß- Berliner Arbeitgeberverband des Großhandels noch Verhandlungen statt. Das Angebot der Arbeitgeber wurde von der am Sonntag vormittag stattgefundenen Bersammlung eine mütig abgelehnt und beschlossen, für die bekannten Mindest forderungen in den Streit zu treten. Fast einmütig wurde am Montag früh die Arbeit niedergelegt, so daß anfangs im gesamten Textilgroßhandel die Arbeit fast vollständig ruhte. Im Laufe des Vormittags haben zirka 80 Firmen die Mindestfordes rungen der Arbeiterschaft teils unterschriftlich, teils ehrenwörtlich anerkannt. Der Streit steht gut, es heißt, auszuhalten, um die berechtigten und bescheidenen Forderungen durchzusetzen. Alle Vorkommniffe usw. sind umgehend der Zentralstreilleitung, im Lokal von Karl Witte, Poststr. 29, Tel. Amt 3entrum 15016, zu melden. Die übrige Arbeitnehmerschaft, insbesondere die Handlungsgehilfen, haben ihre Solidatrität stets zum Ausdrud gebracht. darität! Handlungsgehilfen und gehilfinnen, Mitarbeiter, übt Soli Der Kampf der Handelshilfsarbeiter ist der Eure, niemand verrichte die Arbeit der Handelshilfsarbeiter! 99 Funktionäre der chemischen Industrie! Am Mittwoch, den 27. d. M., abends 7 Uhr, findet in den Musiker- Sälen", Börsensaal, Kaiser- Wilhelm- Str. 31, eine Funk tionärversammlung.der Angestellten der chemischen Industrie statt. Tagesordnung: 1. Kündigen wir den Tarifvertrag oder nicht? 2. Beschlußfassung. Referenten: Jungblut vom Zentralvers band der Angestellten, Martward vom Bund der technischen Angestellten und Beamten, Reinsberg vom Deutschen Wert meisterverband. Mitgliedsbücher eines Afa- Berbandes legitimieren. Afa- Bund, Ortskartell Groß- Berlin. Konferenz der gewerkschaftlichen Jugendbewegung Die Tagesordnung der am 19. und 20. August in Kassel statt findenden Konferenz ist nunmehr folgendermaßen festgelegt: 1. Stand der gewertschaftlichen Jugendbewegung( Ber. G. Bietsch, Eisenbahnerverband). 2. Die Methoden der gewerkschaftlichen Jugendbewegung( Ber. W. Maschte, Angestelltenverband). 3. Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen der Jugendlichen ( Ber. A. Meißner, Metallarbeiterverband). 3. Bildungsfragen ( Ber. Dr. Loewenberg, Angestelltenverband). 4. Bentrales und Totales Zusammenarbeiten der gewerkschaftlichen Jugend zentralen; das Verhältnis zur politischen Jugendbewegung( Bet Siegle, Berl. Gewerkschaftskommission). Wünsche wegen 3immerbejorgung wolle man recht zeitig an den Ortsausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewer schaftsbundes Kassel, Spohrstraße 6, richten. U.S. P.- Gewerkschaftsfunktionäre, Kartellbelegierte und Be triebsobleute Spandaus. Am Mittwoch, den 27. Juli, abends 7% Uhr, findet im Restaurant Werther, Spandau, Bismard Straße 59, eine wichtige Sigung statt. Jeder der genannten Funktionäre muß bestimmt zur Stelle sein. Bez.- Verb. Berlin- Brandenburg. J. A.: A. Hols Jugendbewegung 6. B. 3.Moabit. Achtung! Programmänderung. Dienstag, 26. Juft, Spie partie Jungfernheide. Treffpuntt 7 hr, Bahnhof Beuffelstraße. Freitag 29. Juli, Bortrag bei A. Krüger, Butligstr. 10, 7 Uhr. Parteiveranstaltungen Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Wir ersuchen die Diftritte, bie Platate für bie am Sonntag im Luftgarte tattfindende Demonstration umgehend vom Verbandsbureau abzuholen. Jeber Distrikt hat zehn Ordner zu stellen. Dieselben treffen fich am Sonnta vormittag 9 Uhr in der Breite Str. 8-9. Armbinden sind mitzubringen. Die Diftriftsleitungen werben gebeten, alle Vorbereitungen zu treffen, s den Aufmarsch wirkungsvoll zu gestalten. Die Geschäftsleitung. Hermann Müller. Dienstag, 26. Juli. 18. Diftrift( Kreuzberg). Die Genossen werden ersucht, ich an der heute mittag 23 Uhr stattfindenden. Einäfcherung unseres früheren langjährigen zirksführers, des Genossen Willi Arnold, rege zu beteiligen. Treffpunti: Rrems torium, Baumschulenweg. Copenid. Die Funktionäre von Copenid werden ersucht, am Dienstag, gweds Einladungen beim Genossen Lehmann, Dorotheenstr. 12, um 158 Uhr zu erscheinen. Mittwoch, 27. Juli 15. Verwaltungsbezirt, Distrikt Treptow. Abenbs 7% Uhr Diftriftsgeneralver fammlung, Equlaula, Niederschöneweibe, Berliner Straße. Tagesordnung: B richt aus der Bezirksversammlung und vom Bezirksamt. 3ahlreiches Erscheinen erwartet die Diftriftsleitung. 17. Berwaltungsbezirl. Die Sigung der tommunalen Kommission findet nicht am Donnerstag, sondern Mittwoch, den 27. Juli, statt. U. S. B. D.- Kriegsopfer bes 17. Berwaltungsbez.( Lichtenberg) werben einer Besprechung nach Lichtenberg, Scharnweberstraße. Ede Müggelstraße, bet Rabite, eingeladen. Eintritt nur gegen Parteiausweis. Bet 9. Diftritt( Webbing). Abends 7 Uhr Sigung der Agitationsfommiffion Kroll, Utrechter Str. 21. Auch die Genossen, die im Kreise Templin bei ber Wabl tätig waren, werben gebeten, zu erscheinen. 18. Diftritt( früher 7.). Ausflug, Mittwoch, ben 27. Juli nach Sabome Sanssouci. Treffpunkt, vormittags 9 Uhr, Küstriner Play, Rormaluhr. Ra zügler direft Sanssouci. 18. Diftritt( Kreuzberg). Abends 74 Uhr Mitgliederversammlung in Schulauia, Alte Jakobftr. 127. Vortrag über Miets- und Steuerfragen. Thiebenes. Ber Diftrift Spandau. Abends 7 Uhr wichtige Sigung sämtlicher Bartelfunktio näre im Restaurant Werther, Bismardftr. 59. Copenia. Abends 8 Uhr für die Süb- und Altvorstadt bei Rettig, Mittel heimerstr. 36, Vortrag des Genoffen Seger über„ Einigung des Profetariats Reinidendorf- West. Abends 8 Uhr im Boltshaus Funktionär- Sigung. Stellung nahme zur Stabtverordnetenwahl. Schmargendorf, Grunewald. 7 Uhr Extrazablabend im Franzensbaber Garten Bereinsfalender Dienstag, 26. Juliu Zentralverband der Angestellten. Baugewerbe. 7% Uhr Mitgliederversamm Tung in der Neuen Philharmonie, Röpenider Str. 96-07. Mittwoch, 27. Juli Zentralverband der Angestellten. Warenhäuser. 7 Uhr Jugendoersammlung Firma A. Wertheim in Saverlands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35. Geschäftliches be Die Kleiberwerle Baer Sohn, alleinige Bertaufstelle in Berlin, Chauffe traße 29-30, veröffentligen in der heutigen Anfündigung: Besonders günftige Angebote, gültig bis Diontag, den 1. Auguft." Die Firma Baez Sohn bille Sie nicht verpflichtet ist, solche Sachen, die ihrer Billigkeit wegen zal vergriffen uns, davon Bermert zu nehmen, daß alle ihre Angebote freibleibend find and in der Morgenstunde katt. Der Versand nach außerhalb erfolgt in der Reihen find, liefern zu müssen. Der Verkauf billiger Tritstagen findet nach wie vo Diese Behauptung ist falsch. Richtig ist vielmehr, daß am 17. Juni 1921 in Weimar der auch für die zur Zeit streifenden Arbeiter der Kontobuch- Branche verbindliche Reichstarifvertrag a für das deutsche Buchbindergewerbe und verwandte Berufszweige neu abgeschlossen worden ist, der die Lohnverhältnisse für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September b. J. regelt. Vertragspartei dieses Reichstarifvertrages ist auf Arbeitgeberseite u. a. der Arbeitgeberverband der Papier verarbeitenden Industriellen, Fachgruppe Geschäftsbücher, Notizbücher, Schreibhefte und Zeichenlernmittel- Fabrikation und verwandte Betriebe", welcher die vom Streit betroffenen Berliner Geschäftsbücherfabriken angehören, auf Arbeitnehmerseite der Verband der Buchbinder und Bapierverarbeiter Deutschlands, der durch seinen 1. Borfizenden, Herrn Haueisen, den Vertrag unterschriftlich vollzogen hat. Dieser Tarifvertrag ist auch für Berlin ohne weiteres verbindlich, und folge ber eingehenden Aufträge. Berantwortlich: für Bolitit n. Feuilleton: 2es Liebl, Berlin- Friedenau für Kommunalpolitit, Lokales und Gewerkschaftliches: Gerhart Geget Mahlsdorf- Süb bei Berlin; für den Inseratenteil a. geschäftliche Mitteilungen Ludwig. Romeriner, Charlottenburg. e. 6, m. b. 5., Berlin. Berlagsgenossenschaft Grethell Drud der Berliner Dredezet 6. m. b.. 5.,. Berlin C Breite Straße 8-0.