Einzelpreis 40 Pfg.. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens une nachmittags, Sonntags und Montags muz einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. im voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen sämtliche Poftanstalten Beftellungen ent gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Desterreich, Ungarn, Danzig, bas Saan. Memelgebiet fowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20 M., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 80. Sonntag, 31. Juli 1921 Nummer 353 • Sonntags- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum kostet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgebruckte Wort 2,- M., jedes weitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Besuche in Wort- Anzeigen: das fettgebruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1,- M. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Nie wieder Krieg! Ringsum in Deutschland werden in dieser Zeit trüber Erinnerung an die unheilvollen Hochsommertage des Jahres 1914 Rundgebungen veranstaltet, die unter der Parole tehen:„ Nie wieder Krieg!" Umrahmt von den ach so klei nen und einflußarmen Gruppen der bürgerlichen Pazifisten bilden die Arbeitermassen den Kern dieser Demonstrationen. Rechtssozialisten, für die die Beteiligung gleichzeitig eine Art von Sündenbekenntnis sein sollte, vereinigen sich mit Unabhängigen und Gewerkschaftlern, und nur eine Gruppe von Proletariern fehlt: die kommunistische. Die umständliche Art aber, in der die Kommunisten ihr Fernbleiben in langatmigen Ausführungen begründen, bes weist, wie sehr sie sich bewußt sind, einer Rechtfertigung ihres Verhaltens vor der Welt zu bedürfen. Sie erkennen, daß ihr Fehlen einen sonderbaren Eindrud. hervorrufen muß und sich mit ihrer Abneigung gegen Veranstaltungen, die sie an die Seite so lebhaft von ihnen bekämpfter Barteien bringt, nicht ausreichend zu erklären ist, und deshalb berufen sie sich auf die Notwendigkeit, die jedem wirklich proletarischen Staat erwachse, sich der Bedrohungen durch die internationale Bourgeoisie mit Gewalt zu erwehren. Sie weisen auf Rußland hin und vers fichern, daß auch die Arbeiterklasse Deutschlands sich ges moungen sehen werde, die deutsche wie die internationale Revolution mit bewaffneter Hand zu behaupten. Insoweit mit diesen Worten nicht der Raubzug der rus fischen Sowjetregierung gegen Georgien und ihr Zusammens arbeiten mit den türkischen Nationalisten vom Schlage eines Enver Pascha verteidigt werden soll, stimmen wir mit den Kommunisten überein. Ein proletarischer Staat muß bereit sein, sich gegen die Inters pention tapitalistischer Mächte zur Wehr zu [ egen, die Proletarier aller Länder haben die Pflicht, ihre ganze Kraft daran zu setzen, um Unternehmungen, die irgendeine bürgerliche Regierung gegen ein sozialistisches Gemeinwesen durchführen will, zu verhindern. Aber es heißt den Sinn unserer Kundgebungen völlig mißverstehen, wenn man in ihnen den Versuch erblicken will, den Eifer zur Verteidigung revolutionärer Errungenschaften zu läh men. Sie finden dort statt, wo der Kapitalismus noch herrscht. Sie fehren ihre Spitze gegen den Imperialis mus und die nationalistische Kriegsheßerei und nicht zuletzt sind sie bestimmt, das Proletariat auch das vor zu warnen, daß es sich von Strömungen mitreißen läßt, die unter dem Vorgeben, Ruhe und Ordnung in Rußland wiederherstellen zu wollen, reaktionären Absichten dienen. Kein Kommunist würde sich also irgend etwas vergeben, wenn er in unsern Ruf mit einstimmte und ihn auf solche Weise noch vernehmlicher und nachdrucksvoller machte. Daß dieser Ruf überhaupt noch ausgestoßen werden muß, und daß er nicht bei allen Klassen aller Völker ein freudiges Echo findet, ist das Gefühl, das uns am schmerzlichsten bes wegen muß. In den letzten Jahren des Weltkrieges wurde die Opferwilligkeit der Nationen mit der Versicherung angefeuert, daß dieser Krieg der letzte sein werde, und daß man ihn nur führe, um eine Basis für den ewigen Frieden zu schaffen. Auch diese Heuchelei war eine Verbeugung, die das Laster vor der Tugend machte, aber es gab doch Millionen, die die unsäglichen Leiden geduldiger ertrugen, weil sie in ihnen die Vorbereitung zu einem Glüdszustand erblidten, dessen Kinder und Entel sich erfreuen fönnten. Die schönen Hoffnungen sind unverwirklicht geblieben. Die Waffen haben seit 1918 nicht geruht. Wir erlebten die zahlreichen Feldzüge gegen das revolutionäre Rußland. Wir sahen den Krieg Polens gegen die Sowjetmacht, und wir sind eben jetzt Zeugen der Kämpfe, die Griechenland mit den kemalistischen Türken auf dem Boden Kleinasiens führt. Weder die schönen Verheißungen Wilsons noch der Völker= bund sind imstande gewesen, die Welt vor diesen blutigen Konflikten zu bewahren. Gewiß, sie haben sich sozusagen an der Peripherie abgespielt. Die Großmächte sind in sie nicht unmittelbar verwidelt gewesen. Es fehlte ihnen jene fürchterliche alles zermalmende Wucht, durch die die Welttragödie von 1914 bis 1918 ausgezeichnet war. Aber die Großmächte besaßen nicht nur nicht den Willen und die Kraft, um die ZusammenStöße zu verhindern, sie waren sogar die eigentlichen Treiber. Sie hatten die Drähte in der, Hand, an denen die Puppen ihren blutigen Tanz tanzten. Sie benutten und benutzen den Ehrgeiz der Kleinen, damit er ihnen ihre eigenen Ausdehnungs- und Machtbedürfnisse erfüllen helfe. Die Sieger von 1918 suchen die Einflußsphären, die sie erobert haben, zu sichern und zu erweitern, und wer bürgt dafür, daß das Geplänkel ihrer Agenten nicht eines Tages die Auftraggeber selbst gegeneinander die Waffen ergreifen läßt? läßt? Allenthalben verdunkeln Wolken den Horizont: an der deutschen Ostgrenze, im näheren Orient, an den Küsten des Stillen Ozeans, und überall werden die gewaltigen Rüstungen fortgesetzt, weil man weder den Friedensversiches rungen des Nachbarn noch den eigenen glaubt. Die heilige Dreieinigteit Kapitalismus, Militaris mus und Imperialismus regiert nach wie vor die Stunde, und die Völker haben trog all den Schrecktnissen, die sie durchlebten, noch nicht den Mut und die Stärke gefunden, die fürchterlichen Gözen zu stürzen. Deutschland steht vorläufig außerhalb des Ringes derer, die die Geschide des Erdballes lenken wollen. Die durch den Größenwahn seiner Machthaber verschuldete Niederlage hat es zu einer passiven Rolle verurteilt. Aber auch in dieser gedemütigten Nation lebt der alte Kriegsgeist. Daß er praktisch zur Ohnmacht verurteilt ist, hemmt nicht seine verbrecherischen Regungen, und die, die das Unglück des Krieges und des Zusammenbruches über uns gebracht haben, dürfen es heute wieder wagen, sich als die Führer des Volkes zu einer schönen Zukunft aufzuspielen. Sie bedienen sich der Phraseologie des wilhelminischen Zeitalters. Sie reden von dem Tag der Rache. Friedenswillen nennen fie lästernd Schwäche und Verrat. Sie schüren den Haß und bemühen sich, die Flammen des militaristischen Uebermutes wachzuhalten, und sie arbeiten so dem Nationalismus der ,, Es ist kein anderer Krieg für Preußen- Deutschland mehr möglich als ein Weltkrieg, und zwar ein Weltfrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit. Acht bis zehn Millionen Soldaten werden sich untereinander abwürgen und dabei ganz Europa sp tahlfressen wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges, zu= sammengedrängt in drei bis vier Jahre und über den ganzen Kontinent verbreitet, Hungersnot, Seuche, allgemeine, durch akute Not hervorgerufene Ver= wilderung der Heere wie der Boltsmassen, rettungslose Verwirrung unseres tünstlichen Betriebes in Handel, Industrie und Kredit und am Ende ein allge= meiner Bankerott, Zusammenbruch der alten Staaten und ihrer traditionellen Staatsweisheit derart, daß die Kronen zu Dußenden über die Straßenpflaster rollen und niemand sich findet, der sie aufhebt, abso= lute Unmöglichkeit, vorherzusehen, wie das alles enden wird und wer als Sieger aus diesem Kampfe hervor= gehen wird. Nur ein Resultat absolut sicher: die allgemeine Erschöpfung und die Herstellung der Be= dingungen des schließlichen Sieges der Arbeiterklasse. Das ist die Aussicht, wenn das auf die Spitze getriebene System der gegenseitigen Ueberbietung und Kriegsrüstungen endlich seine unvermeidlichen Früchte trägt." Friedrich Engels. „ Wie der Militarismus zusammengebrochen ist, so wird auch dem Kapitalismus bald seine Sterbestunde läuten. Die Gößendämmerung für das alte System ist hereingebrochen. Schon zeigt sich die Morgenröte einer neuen Zeit. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wird aufhören; nur Freie und Gleiche wird es dann geben. Von der Kühnheit und Entschlossenheit der Arbeiter, namentlich der deutschen Arbeiter, aber freilich auch der Arbeiter der anderen Länder wird es abhängen, ob diese, die Menschheit befreiende Umwälzung bald erfolgt oder ob wir noch schwere Zeiten bis dahin durchzumachen haben. Wir haben Vertrauen zu den Arbeitern; wir find überzeugt, daß aus all dem Elend am letzten Ende doch hervorgehen wird die volle Befreiung der Menschheit." Hugo Haase, am 23. Oftober 1918. andern in die Hände, der glücklich ist, über neue Vorwände für die Aufrechterhaltung seiner Gewaltherrschaft zu verfügen. Daher ist gerade auch in Deutschland die immer erneute Kundgebung der Proletarier gegen Krieg und Kriegsvorbe reitungen dringend geboten. Und sie müssen ihre Warnung vor neuen Abenteuern immer wieder mit der Auf, frischung der Erinnerung an die Verbrechen der Bergangenheit verknüpfen. Sie können nicht an der Frage vorbeigehen, wer die Schuld an dem letzten gro Ben Kriege getragen hat, und sie haben sich mit aller Schärfe gegen diejenigen zu wenden, die jetzt, mit Geldmitteln dunkler Herkunft reichlich versehen, einen großangelegten Propagandafeldzug führen, um die ehemaligen deutschen Macht, haber reinzuwaschen und die Schuld auf die Ententestaaten zu wälzen. Wir sind die letzten, die die Hezer jenseits der Vogesen, jenseits des Kanals und jenseits der Weichsel der Sünde frei Sprechen wollen. Wir wissen auch genau, daß bösester Wille das verheerende Feuer nicht zu entfachen vermocht hätte, wenn der Zündstoff nicht durch das ausdehnungsbedürftige internationale Kapital zusammengetragen worden wäre. Aber alle spitfindigen Feststellungen über Mobilmachungstermine und dergleichen werden niemals etwas an der Tatsache ändern, daß Deutschland im Bunde mit Desterreich- Ungarn die Verantwortung an dem Ausbruch des Krieges trägt. Auch nichts daran, daß die deutsche Politik der Tezten Jahrzehnte die für uns verhängnisvolle Konstellation geschaffen hat. Von der Annexion Elsaß- Lothringens beginnend bis zur rückhaltlosen Unterstützung der wahnwißigen Eroberungspläne Desterreich- Ungarns auf dem Baltan hat sie nichts versäumt, was geeignet gewesen wäre, den Ring der übrigen Mächte gegen uns zu schließen. Denten wir auch nur an das Verhalten Deutschlands auf Den Haager Konferenzen! Von ihm sagte der spä tere Außenminister Simons im Jahre 1919 mit Recht, daß es eine der wesentlichsten Ursachen des Kriegsausbruchs und der deutschen Niederlage gewesen sei. Es habe die Welt mit Mißtrauen erfüllt, daß Deutschland die Entscheidung sei ner Streitfragen nicht auf dem Wege der Gerechtigkeit, son dern auf der Spitze des Schwertes suche und so ie Atmosphäre geschaffen, die sich in immer neuen Kriegserklä rungen entlud. Was bedeuten gegenüber diesen Tatsachen die Rechtfertigungsbemühungen der Delbrüd, Montgelas und wie sie alle heißen mögen? Und daher genügt es nicht, gegen zu fünftige Kriege zu protestieren; es muß denen die Maste vom Gesicht gerissen werden, die die früheren heraufbeschworen haben. Aber es genügt überhaupt nicht, zu prote testieren! Kundgebungen sind gut, aber die Erkenntnis dessen, was not tut, ist besser. Und not ist die Ausrottung der Wurzeln des Krieges ganz allgemein. Der gefahrenSchwangere Imperialismus ist die Begleiterscheinung der tapitalistischen Wirtschaftsordnung. Sie zu beseitigen, ist die Aufgabe. Gelöst werden kann diese Aufgabe nicht von einem noch so wohlmeinenden Pazifismus, sondern nur von den Arbeitermassen, die im Klassenfampfinter, national zusammenstehen. Jean Jaurès, der große Tote, dessen Name so unglück lich mit dem Ausbruch des Weltkrieges verbunden ist, sagte im Jahre 1899:„ Wir wissen wohl, daß die Ueberwältigung des Krieges noch nicht von den vereinigten Proletariern abhängt. Wir wissen wohl, daß es noch nicht von ihnen abhängt, die Unordnungen und Ungerechtigkeiten des Kapitals durch die Gerechtigkeit der souveränen und organisierten Ars beit zu ersetzen. Es bedarf einer ungeheuren und fortgesetzs ten Anstrengung, damit der schwache Anfang allgemeinen Friedens und allgemeiner Gerechtigkeit sich sichern und ausbreiten und das Leben erneuern fann. Aber was wir wissen, ist, daß es nur hier eine Soffnung und eine Idee gibt, und daß die Welt an einer schrecklichen moralischen Entkräftung zugrunde gehen müßte, wenn sich das große sozialistische Licht nicht über ihr erhöbe." Das sozialistische wicht war 1914 nicht stark genug, um mit seinen Strahlen die finsteren Wolfen zu durchbrechen. Es gilt, ihm zur äußersten Kraft zu verhelfen. Nur dann wird die Parole:„ Nie wieder Krieg!" mehr sein als ein schöner Wunsch und ein frommes Bekenntnis. Rud. Breitscheid. Hin und her Das oberschlesische Problem Die Nachrichten aus Paris und London folgen einander, aber sie gleichen sich nicht. Eifrige Zeitungsforrespondenten senden morgens und abends Telegramme, deren verwirrende Fülle nicht dazu beiträgt, uns eine klarere Erkenntnis der politischen Situation zu vermitteln. Bald soll man die Verhältnisse als' ernst ansehen, bald liegt keinerlei Grund zu pessimistischen Betrachtungen vor. Bald sind die Beziehungen zwischen Frankreich und England äußerst gespannt, bald ist es falsch, von einem tiefgehenden Konflikt zu reden. Heute steht der Termin für den Zusammentritt des Obersten Rates fest, morgen ist alles wieder ganz ungewiß geworden, und so fort in lieblichem Wechsel. Des Beispiels halber seien nur zwei Depeschen erwähnt, die fast unmittelbar nacheinander einliefen: Die erste: Wie Reuter erfährt, hält man es in maßgebenden Kreisen für unwahrscheinlich, daß die Zusammenkunft des Obersten Rates am 4. August stattfinden wird, da die gegenwärtigen Schwierigkeiten noch behoben werden müssen. Die zweite: Wie Reuter erfährt, hat sich der Stand der englisch- französischen Suseinandersehung erheblich gebessert. Verschiedene Mißverständnisse sind beseitigt worden und es erscheint als sehr wahrscheinlich, daß der Oberste Rat doch am 4. August zusammentreten wird. Es ist also wirklich nicht ganz leicht, die Tatsachen aus dem hochaufgeschichteten Haufen der Meldungen von gewöhnlichen und Sonderberichterstattern herauszuflauben und aus den mannigfaltig abgetönten Stimmen der französischen und englischen Presse das Wahre und das Wesentliche herauszuhören, und so kann es sehr wohl sein, daß die Ereignisse bald poreilige Schlüsse Lagen strafen. Man muß fich an das wirklich und einwandfrei Feststehende halten. Feststehend aber ist im Augenblick, daß das Londoner Kabinett nach Paris eine von persöhnlichen Ab= fichten getragene, aber doch sehr energische fanntgegeben, ihre weitgehende Förderung zugesagt. Eine Vereinigung der bereits von mehreren nationalen Rotfreuzgesellschaften unternommenen Hilfsbestrebungen zu einer internationalen Rotkreuzhilfe für Rußland steht zu erwarten. Obwohl die Arbeiterschaft eigene Wege zur Linderung der Not des russischen Volkes gehen will, wird sie nicht umhin fönnen, der Schnelligkeit, mit der das Rote Kreuz, unterstützt von der Regierung, Hilfe bringt, große Anerken nung zu zollen. Der gesamten Kulturwelt ist hier ein Beispiel gegeben. Eine selbst aus vielen Wunden blutende Nation tritt ungefäumt auf den Plan, um einem noch schwerer leidenden Volke Rettung zu bringen. Der bedrohte Grundbefiz Jm Rheingold" tagte am Sonnabend die Delegiertenversamm lung des Schutzverbandes für deutschen Grundbesitz, zu der neben zahlreichen Delegierten aus allen Teilen des Reiches Vertreter verschiedener Reichsministerien, der Parlamente, des Handels und der Industrie erschienen waren. Zwed der Einberufung war die Herbeiführung einer Stellungnahme des deutschen Grundbesitzes in Stadt und Land zu den neuen Steuerplänen der Reichsregierung, vor allem zu der geplanten Vorausbelastung des Grund und a Wenn man auf einer entfernten Insel einmal ein Bolt anträfe, bei dem alle Häuser mit scharfgeladenen Gewehren behängt wären und man beständig des Nachts Wache hielte, was würde ein Reisender, anders denken können, als daß die ganze Insel von Räubern bewohnt wäre? Jit es mit den europäischen Reichen anders? Man sieht hieraus, von wie wenigem Einfluß die Religion überhaupt auf Men= schen ist oder wenigstens, wie weit wir noch von einer wahren Religion entfernt sind. Lichtenberg. Bodens in Form einer Zwangshypothet zugunsten des Reiches. Als erster Referent sprach der frühere Verbandsdirektor des Eine dringende Reform Rüdzahlung der zuviel geleisteten Steuerbeträge Durch die unzulängliche Regelung des Lohnabzuges im vers gangenen Jahr und durch die nachträgliche Festjehung des einheit lichen Steuerabzugs von 10 Prozent für alle Einkommen bis zu 24 000 W. haben viele Steuerpflichtige, insbesondere die mit großer Kinderzahl, im vergangenen Jahr wesentlich mehr Steuern gezahlt, als ihrer tatsächlichen Steuerpflicht entspricht. Unice den gegenwärtigen wirtschaftlichen Notständen ist das eine un geheure Hätte für die Lohn- und Gehaltsempfänger, zumal bisher die Bemühungen auf Zurlikzahlung der zuvielgezahlten Steuerbeträge sehischlagen. Nun hat zwar der Finanzminister fürzlich auf eine fleine Ans frage erklärt, daß die Finanzämter in ben Fällen, in denen es fich um besonders Bedürftige und in Not befindliche Steuerpflichtige handelt und sich aus der verzögerten Rückzahlung der zuviel einsehaltenen Beträge besonders schwere Härten ers geben, auf Antrag des Steuerpflichtigen dessen Veranlagung Dorweg durchzuführen, soweit dies ohne nennenswerte Verzöge rung der übrigen Veranlagungen möglich ist. Anscheinend aber haben die Finanzämter diese Auweijung nicht beachtet. Denn es mehren sich in Tester Zeit die Klagen, daß die Rüderstattungen nicht vorgenommen werden. Es erscheint uns deshalb dringend notwendig, daß das Finanzs ministerium eine Anweisung ergehen läßt, die die Finanzämter auffordert, in allen Fällen, in denen der Antrag auf Rüderstattung der zuviel gezahlten Beträge gestellt wird, sofort eine Entscheidung zu sällen und evt. die Herauszahlung anzuords nen. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß Steuerbeträge, die infolge fehlerhafter Gesetzgebung zuviel entrichtet wurden, nicht zu ridgezahlt, sondern den rechtmäßigen Beigern noch jahrelang vorenthalten werden. Das muß aufreizend wirken, insbesondere, wenn man fich vergegenwärtigt, daß die täglichen Mitteilungen über Steuerhinterziehungen der besitzenden Kreise den Gegensag der Leistungen der verschiedenen Bevölkerungstreise für die Adgemeinheit shroff hervortreten lassen. Auflösung des thüringischen Landtages Note gerichtet hat, und ferner, daß Briand den Englän- Zweckverbandes Groß- Berlin, Dr. Steiniger. Die tommen Auflösung des bern einen neuen Kompromißoorschlag unterbreitet hat, dessen Annahme es ermöglichen würde, sein Gesicht einigermaßen zu wahren. Wie die französische Deffentlich feit den falten Wasserstrahl aufnehmen wird, den ihr Lloyd George verabreicht, steht dahin, und ebenso wissen wir noch nicht, ob Briands Anregung den Beifall der Verbündeten findet. Bei ruhiger Ueberlegung so sollte man meinen müßte fich die französische Diplomatie jedenfalls eingestehen, daß ihr wildes Draufgängertum ihrer Sache wahrhaftig nicht genügt hat. Sie verlangte ohne Rücksicht auf die Bestimmungen des Versailler Vertrages Deutschlands Zustimmung zu sofortigen Truppentransporten nach OberSchlesien und begründete ihr Begehren einseitig mit dem Hinweis auf die von deutscher Seite der Ruhe im Abstimmungsgebiet drohenden Gefahren. Der inzwischen auch in Paris befanntgegebene Bericht der interallis ierten Kommissare, auf den sich das ganze Vorgehen berief, enthielt in Wirklichkeit nichts, was das schroffe Auftreten gerechtfertigt hätte. Das Memorandum spricht von den ernsthaften Bedrohungen, denen das umstrittene Gebiet ausgesetzt fei, und die Kommissare sind der Meinung, daß der Zustand der Ueberreizung, der aus der Animosität beider Parteien herrührt, solange dauern wird, als die Ungewißheit, in der das Land schwebt, nicht beendet ist". Wohl= gemerkt, von beiden Parteien wird gesprochen, und die Truppenverstärkung wird danh des weiteren für den Fall als dringend bezeichnet, daß die Mächte ihre Entscheidung hinausschöben. Frankreich wollte die Verzögerung und rückte deshalb die Frage der Truppenverstärkungen nachdrücklich in den Vordergrund. Es erweckte im Gegensatz zu der Denkschrift; die übrigens auch die Unterschrift des Generals Le Rond trägt, den Anschein, als ob Deutschland der einzige Störenfried sei, und es stellte an die deutsche Regierung eine Forberung, die diese gar nicht erfüllen fonnte, ohne den Verjailler Vertrag zu verlegen. War es gar so schwer vorauszusehen, daß diese Handlungs weise ernste Differenzen mit dem englischen Alliierten heraufbeschwören würde? Jetzt muß Paris nun glüdlich sein, wenn ein Ausweg gefunden wird, auf dem sich wenigstens fein Prestige wahren läßt, und wenn der Oberste Rat von Berlin die Zusicherung erwirkt, daß Deutschland feine Schwierigkeiten machen werde für den Fall, daß dem Vertrage ge= mäß Truppentransporte verlangt werden. Deutschland wird feine Schwierigkeiten erheben, weil es fie nicht erheben fann und weil es zur Erfüllung seiner ver traglichen Verpflichtungen entschlossen ist, und es hat den Anschein, als ob es seine Bereitwilligkeit Frankreich gegenüber auch schon bekundet habe. Im Pariser ,, Temps" wurde einer deutschen Note Erwähnung getan, die wahr: Scheinlich eine derartige Erklärung enthalten hat. Sie fei, sagt das Blatt, in freundlichem und verbindlichem Ton gehalten, und diese Feststellung hat nun die deutsche nationalistische Presse in helle Entrüstung versetzt. Sie verlangt die Veröffentlichung der Note und schilt im voraus auf ihre rückgratschwachen Verfasser. Eine nicht gerade sehr geschickte Erklärung des Außenministerium erhöht den Zorn. Wir kennen die Gründe, die die Regierung zur Geheimhals tung des Schriftstücks bewogen haben, nicht. Vielleicht fürch= tete fie, daß die patriotische Erregung, die sein Bekanntwer den in der Rechtspresse hervorriefe, neues Del ins Feuer gieBen würde. Sie wird jetzt einsehen, daß unbedingte Offenheit vorzuziehen gewesen wäre. Die Maulhelden wird sie doch nicht zufriedenstellen können. Sie muß den Weg besonnener Ruhe ohne Rücksicht auf die Temperamentaus= brüche des Pariser Kabinetts und seiner diplo matischen Vertreter und ohne Rücksicht auf die mehr oder meniger aufrichtigen nationalen Gefühle der heimischen Reaktionäre gehen. Deutsche Hilfe für Rußland Amtlich wird gemeldet: Das Deutsche Rote Kreuz hat zur Linderung der Notin Rußland dem rus fischen Roten Kreuz seine Hilfe angeboten. In türzester Frist soll zunächst ein Sanitätsschiff des Deutschen Roten Kreuzes mit ärztlichem Pflege- und Entfeuchungspersonal, sowie mit Meditamenten und ärztlichem Behelfsmaterial nach Petersburg abgesandt werden. Jm Einvernehmen mit dem Russischen Roten Kreuz beabsichtigt die Deutsche Rote- Kreuz- Hilfe in erster Linie eine planmäßige Bekämpfung der Seuchen in den Hauptepi demieherden. Die deutsche Regierung hat, wie schon beden Steuergesetze sollen durchgepeitscht werden. Es gelte heute vor allem, die Hauptstoßkraft zum Kampf gegen die von der Reichsregierung in Aussicht genommene Grundzwangshypothet einzusetzen. Der Grundbesitz in Stadt und Land stelle gar keine Goldwerte dar. Die geplante Zwangshypothet stelle nicht die BeSteuerung eines Goldwerts, sondern die Wegnahme eines Vermögensteils dar, eine entschädigungslose Enteignung des privaten Grundeigentums zugunsten des Staates. Die Parteipolitif müsse aus der Steuerpolitik verschwinden, die freie Wirtschaft und das freie Privateigentum müßten für den erhofften Wiederaufbau als Grundlage erhalten bleiben. Als nächster Redner ergriff für den ländlichen Grundbesitz der Vorsitzende des Reichslandbundes, Rittergutsbesitzer Hillger= Spiegelberg, das Wort. Niemals werde der deutsche Bauer in eine Zwangshypothet auf den Grund und Boden einwilligen, den er von seinen Bätern ererbt habe und den er seinen Kindern hinterlassen wolle. Eine einmütige geschlossene Phalanx aller Schaffenden müsse zum Kampf gegen diese Steuerpläne der Reichsregierung gebildet werden. Für den städtischen Grundbesitz sprach Stadtrat Sumar= München. Angesichts dieser Gesetzesvorlage müsse man sich fragen, ob der Staatssekretär, der sie ausgearbeitet habe, noch länger im Amte bleiben fönne.( Stürmische Zurufe: Nein!) Der Sinn aller dieser Reden läßt sich in die wenigen Worte zusammenfassen: Wir wollen nichts zahlen. Dunkle Pläne Was beabsichtigt das Ernährungsministerium? Ueber die von uns bereits erwähnten Besprechungen im Reichsernährungsministerium wird jeht ein amtlicher Bericht aus gegeben. Danach wurde in dieser Sitzung festgestellt, daß nach den aus verschiedenen Reichsfeilen vorliegenden Nachrichten von einer Gefährdung der Ernte im allgemeinen nicht gesprochen werden tönne, daß aber in einzelnen Gebieten des Reichs die Rauhfutter- und Futterpflanzenernte unter der Dürre außerordentlich gelitten habe. Sowohl von den Vertretern der Landesregierungen als auch von den Vertretern der landwirtschaftlichen Organisationen wude besonderes Gewicht darauf gelegt, daß jene Notstandsgebiete, die ganz besonders unter der Dürre zu leiden haben, bei der Belieferung mit Tauschmais zeitlich vorzugsweise berücksichtigt würden. Fer ner wurde die Sperre für die Ausfuhr von Delfuchen verlangt und die Einführung von Notstandstarifen für Futter- und Streu mittel. Gegen diese lettere Forderung sind verschiedene Bedenken geltend zu machen, die durchaus benen entsprechen, die kürzlich das Reichskabinett gegenüber der Frachtenverbilligung für 3ei tungspapier geäußert hat. Es geht nicht an, daß bei dem Defizit der Eisenbahn dauernd neue Sondervergünstigungen geschaffen werden, die dieses Defizit nur vergrößern, ohne daß fie der Volks wirtschaft nügen. Befremdlich aber muß es wirken, daß dieser amtliche Bericht jede Berichterstattung über die Verhandlungen wegen der Erfüllung der Umlage mit Getreide vermeidet. Das muß den Eindrud, daß hier Dinge geschehen, die das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen haben, nur noch verstärken. Aussichten der Kartoffelernte Neuwahlen am 11. September Drahtmeldung unseres Korrespondenten Weimar, 30. Juli. Der Thüringer Landtag wurde heute auf Antrag der 2. S. P. D. einstimmig aufgelöst. Der Verfuch der Rechtspars teien, die Entscheidung auf den 30. August zu verschieben, scheiterte. Die Neuwahl findet am 11. Eeptember statt. Während noch am Freitag der Antrag der Unabhängigen auf sofortige Einstellung der Arbeiten des Landtages und seine Auflösung abgelehnt wurde, haben sich gestern die bürgerlichen Parteien eines anderen besonnen, nach dem ein Antrag der Rechten, den Auflösungsantrag bis 30. 8. zu vertagen, um die Arbeiten des Unterausschusses in der Angelegenheit Müller- Brandenburg zum Abschluß zu bringen, abgelehnt wurde, desgleichen ein Antrag der Demos fraten, den Unterausschuß trok Auflösung des Landtages bei zubehalten. Nun wird hier ein Wahlkampf entbrennen, beis dem die Volksmassen die Möglichkeit haben, der Steuerscheu ber Besitzenden einen gehörigen Dentzetter zu erteilen. rou Auch eine Einheitsfront W. T. B. verbreitet folgende amtliche Meldung: 60 Die in der Presse über den 3usammenstoß zwischent Reichswehr und Schupo in Stettin verbreiteten, teilweise ungeheuerlichen Nachrichten geben dem Reichswehr- Mints sterium und dem Preußischen Ministerium des Innern Vers anlaffung zu folgender Richtigstellung: 1. Der Anlaß der bedauerlichen Vorgänge bedarf noch der Fests Stellung. Diese wird durch die ordentlichen Gerichte erfolgen. Es wird insbesondere noch festgestellt werden müssen, ob, wie anfangs als feststehend gemeldet wurde, ein„ Angriff" von Soldaten vorliegt und wer geschoffen hat. 2. Schon jetzt fann gesagt werden, daß politische Motine oder die Kasernenfrage bei dem Zusammenstoß feine Rolle gespielt haben. 3. Wie immer in solchem Falle, hat Janhagel sich ein gefunden und gegen die Polizeibeamten Stellung genommen, doch ist ein 3usammenhang zwischen Militär personen und Janhagel in feiner Weise fest= gestellt. 4. Es steht einwandfrei fest, daß Offiziere an dem Vorfall in feiner Weise beteiligt sind. 5. Der Vorfall wird den beteiligten Behörden Anlaß geben, ein ähnlich gutes Verhältnis und gegenseitige Unter ftügung von Schuhpolizei und Seeresangehörigen wie fost im Reich auch in Stettin anzubahnen. Da hat sich ja eine schöne Einheitsfront zusammengefunden. Das preußische Innenministerium und das Reichswehrminis fterium! Die gemeinsame Erklärung ist so abgefaßt, daß die Vorgänge vertuscht und die Oeffentlichkeit irregeführt mer den soll. Der Trost, daß die Gerichte Aufflärung schaffen würden, ist völlig verfehlt. Wir kennen doch unsere Gerichte! Und wenn sich schon die preußische Regierung und das Reichs wehrministerium zu einer Einheitsfront zusammengefunden haben, dann wird auch das Gericht nicht abseits treten und das gute Verhältnis" zwischen Reichswehr und Schuhpolizei durch einen unliebsamen Prozest stören. Bom Berband Deutscher Kartoffelinteressenten wird über die Der polnische Ministerpräsident Witos augenblicklichen Aussichten der Kartoffelernte folgende Mitteilung gemacht: Meldungen von einer angeblichen Ratastrophe" in der Kartoffelernte sind übertrieben. Der sandige Boden der Mart und anderer Gebiete leidet zwar außerordentlich unter der Dürre; diese Gebiete sind aber nicht ausschlagge bend für die Gesamternte. Die Frühkartoffelernte ist gut über mittel gewesen, und die Herbstkartoffelernte dürfte sich, zumal auf schwererem Boden, wieder erholen, sobald Regen fommt. Zurzeit läßt sich die Herbstkartoffelernte durchaus noch nicht übersehen. Vorzeitige Angstmeldungen könnten höch stens, ähnlich wie im Vorjahre, zu Angsttäufen und damit zu übertrieben hohen Preisen führen. Trotz der Gluthize bewahre man also taltes Blut. Die Kredithilfe für Desterreich.„ Times" tritt den Pressegerüchten über ein Scheitern der Kredithilfe des Böllerbundes für Oesterreich entgegen. Die Behauptung, wonach die amerikanische Regierung habe wissen lassen, daß wenig Aussicht auf Erteilung der amerikanischen Ermächtigung zur Rüdstellung der Generalhypothek auf die österreichischen Attiven bestehe, fei ganz falsch. Es handle fich bloß um eine Verzögerung der Ermächtigung infolge langsamen Geschäftsganges des Kongresses, über Oberschlesien O.E. Warschau, 30. Juli. An Stelle des angekündigten Außenministers sprach Minister präsident Witos heute im Sejm über Oberschlesien. Witos, erklärte, daz, da die polnische Regierung feine Rechtsgewalt auf obers schlesisches Gebiet habe, sie jede Maßnahme zur Verstärkung der Dic tatsächlichen Macht der Alliierten dort dankbar begrüße. polnische Regierung verlange schnellste Ausführung des Versailler Vertrages. Ste hoffe, daß man den auf den 4. August festgesetzten Entscheidungstermin beibehalte und daß alle Projekte einer teilweisen und provisorischen Erledigung als schädlich und vertragswidrig verworfen werden würden. Die pol nische Regierung habe bereits Schritte in dieser Richtung unters nommen. Sollte es aber anders geschehen, schloß Witos, so müsse die polnische Regierung bereits heute erklären, daß sie eine solche Entscheidung nicht durchzuführen in der Lage sei. Der letzte Eat ist reichlich unklar. Was heißt das, die pol nische Regierung fönne eine provisorische Entscheidung nicht durd führen? Soll damit angedeutet sein, daß sie nicht imitande fel, eine Bewegung, die die vorläufig festgelegte Grenze nicht refpela tieren wolle, in ihre Schranten zu verweisen? Ein Denkmal für Eidbrecher Das Nordseebad Borkum ist zu einem monarchistischen Paradies geworden. Dort tummeln sich die Hakenkreuzler im Glanz der Sommersonne, Die Lage in den Bereinigten Staaten Kreuz plane, und die Treudeutſcheſten unter ihnen tragen das Eine Unterredung mit Morris Hillquit bildeten fast autonome Organisationen in der Partei und trieben sogar auf der Badehose, damit auch die Fluten des Meeres wissen, mit welcher Gattung Menschen sie in Berührung tommen. Auf Borkum ist auch eine Reichswehrabteilung untergebracht, die zu dem sogenannten Küstenschutz gehört. Ihre Anwesenheit in Borkum ist aber, selbst wenn man militärische Gesichtspunkte gelten lassen, wollte, vollkommen überflüssig; dieses Trüpplein tummelt sich auf der Insel vielmehr bloß deshalb herum, um den Hakenkreuzlern in Zivil einen Abglanz der früheren Zeit zu geben; an der sie ihre Gesinnung erwärmen können. Diese Küstenwehrabteilung macht seit Jahr und Tag in dem übelsten Radaupatriotismus. Bei jedem nationalistischen Erzeß, der sich in Bortum abspielt, ist die Reichswehr zugegen. Die Offiziere, die von den republikanischen Steuerzahlern ihren schönen Gehalt beziehen, betätigen sich darin, die ihnen unfergebenen Soldaten gegen die Republit aufzuputschen. Die Herausforderung erreichte ihren Höhepunkt am legten Mittwoch. An diesem Tage hat die Küstenwehrabteilung ein Denkmal enthüllt wir haben noch nicht genug in Deutschland!, und zwar ein Denkmal für die Gefallenen der Marinébrigade Ehrhardt. Das Denkmal zeigt ein Relief mit einem fräftigen Arbeiterarm, der auf offe= ner Hand eine Krone trägt. Aljo eine ganz offenkundige Berherrlichung der monarchistischen Idee, in deren Dienste ja die Brigade. Ehrhardt ihre mannhaften Taten vollbracht hat. Gleichzeitig wird auch der blutige Bürgerkrieg verherrlicht, denn wir finden auf dem Denkmal die Inschriften: Ber lin, München, Oberschlesien. Nach der Deutschen Zeitung" waren das die Höhepunkte für den unsterblichen Ruhm, den die aus dem schmählichen Zusammenbruch der Marine erftandene Ehrhardt- Truppe sich erworben hat im heiligen Kampf um den inneren Frieden". Dieser innere Friede wurde durch Mord aufgerichtet, und es war tein Friede der sozialen Republik, sondern ein Friede der schwärzesten Reaktion, ein Kirchhofsfriede, martiert durch Leichensteine. Berlin, München und Oberschlesien geben noch heute Kunde davon. Insbesondere auch Oberschlesien, denn dort hat im Jahre 1919 die Marinebrigade Ehrhardt vandalisch gehaust und wesentlich dazu beigetragen, daß bei der Abstimmung hunderttausende Oberschleit der Abstimmung Deutschland, sondern für Polen stimmten. Das ist neben den Leichensteinen tatsächlidy ein hervorragendes Berdienst der Marinebrigade, lobenswert genug, daß ihr jetzt von der Reichswehr Reid mehr ein Denkmal für dieje Taten geſetzt wird. Selbstverständlich fahlten auch bei der Einweihung die schwarzweiß- roten Fahnen nicht, wie denn überhaupt auf Borkum die Fahnen der Republit in einem sehr geringen Ansehen stehen. Sobald eine solche Fahne zu sehen ist, kommt die republikanische Reichswehr und holt sie herunter. Alles natürlich auf Befehl der Offiziere, die die Mannschaften decken und sie vor Verfol= gungen zu schüßen wissen. Auf Grund eines derartigen Vorfalls hat jetzt der rechtssozialistische Reichstagsabgeordnete Hünlich an den Reichswehrminister Geßler ein Telegramm gerichtet und ihn auf die Treibereien dieser hervorragenden Soldaten auf merksam gemacht. Wie es heißt, soll der Reichspräsident dem Oberpräsidenten von Hannover, Herrn Roste, Anweisungen zur Aufrechterhaltung der Dordnung auf Borkum erteilt haben. Das wird wenig nügen, denn Noste ist nicht der Mann, der sich den Offizieren gegenüber Respekt verschaffen kann. Er war es ja ge= rade, der die Marinebrigade Ehrhardt lebensfähig machte und die schwarz- weiß- rote Gesinnung den Truppen einimpfen ließ. Ganz richtig erkennt die Germanie", daß die Bortumer Küstenmehr nicht von den richtigen Führern geleitet wird. Sie schreibt im Anschluß an die Vorkommnisse auf der Insel: Wir verkennen gewiß nicht, daß es manchem Offizier der Reichswehr, obwohl er den Eid auf die Berfassung geleistet hat, schwer wird, sich von Traditionen und Anschauungen frei zu machen, unter denen er unter dem faiserlichen Adler gern und freudig feine Pflicht getan hat. Nichsdestoweniger aber ist es eine billige, aber auch unabweisbare Forderung, die das Reich an die in die Reichswehr übergetretenen Offiziere stellen muß, daß sie sich der Konsequenzen dieses Uebertritts stets bewußt find, daß sie dem Republik gewordenen Deutschland in gleicher Treue dienen, daß sie selber die Berfassung und die Reichsfarben achten und ihre Mannschaften dementsprechend heranbilden." Der Wunsch der Germania" wird nicht erfüllt werden, am allerwenigsten durch den Reichswehrminister Geßler. Diesem tanzen genau wie zu Nostes Zeiten die Offiziere auf der Nase herum, und er ist schließlich nur dazu da, die Pöbeleien der monarchistischen Offiziere gegen die Republit zu deden oder zu beschönigen. Warum werden die Herren Offiziere, die nur Sohn und Spott für die Republit übrig haben, nicht endlich zum Tempel hinausgejagt? Eine Gesinnung, die zu achten wäre, haben diese Offiizere doch nicht. Höchstens die Gesinnung eines Lumpen. Denn menn fie eine ehrliche Ueberzeugung hätten, würden sie freiwillig von ihrem Posten zurücktreten und nicht einen Tag einen Sold von sinem Staate beziehen, den sie nicht lieben. Und doch Bürgerblock! Das offizielle Organ der Deutschen Volkspartei, die ,, Tägl. Rundschau", schreibt über die Absichten der bürgerlichen Parteien zu den Stadtverordnetenwahlen: " ,, Angesichts der bevorstehenden Wahlen für die Berliner Stadtperordnetenversammlung finden, wie leicht erklärlich, zwischen ben einander nahestehenden Parteien und Frattionen Bespre= chungen über die Durchführung des Wahlkampfes statt. Bei den nichtsozialistischen Parteien hat die Deutsche Volkspartei, schon bevor das Urteil des Oberverwaltungsgerichts amtlich verkündet wurde, die Anregung zu Verhandlungen über ein Zus sammengehen der bürgerlichen Parteien gegenüber der bisherigen sozialistischen Mehrheit gegeben. Diese Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen; ob es zu einem Bürgerblod", das heißt zu einer bürgerlichen Einheitsliste oder nur zu einer Wahlgemeinschaft tommt, um den Wahlkampf der bürgerlichen Parteien untereinander auszuschalten, steht noch dahin. Eine Einheitslifte hat bei dem System der Verhältniswahl und der Notwendigkeit des Nachrüdens der Ersagmänner natürlich ihre technischen Schwierigkeiten. Eine Verbindung der Listen ist für die Wahlfreise gefeßlich nicht zulässig und nur die Stadtwahlvorschläge möglich. Es wäre aber schon viel erreicht, wenn die Parteien, die von der bisherigen Jozialistischen Mehrheit benachteiligt würden, fich zu einmütigem Handeln zusammenfinden. Die Führung in dieser bürgerlichen Sammlungspolitik hat die Deutsche Volkspartei; auch das Sentrum und die Wirts chaftspartei find, wie entgegen anderslautenden Meldungen bes tont sei, für ein Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien. Bei ben Deutsch nationalen ist ein großer Teil der maßgebenben Vertreter für eine bürgerliche Einheitsfront, und diese wird in einigen Bezirken unter Führung der beiden Rechtsparteien unter allen Umständen zustandekommen. Ungeflärt ist die Saltung der Demokraten. Es sind auf demokratischer Seite Strömungen im Gange, die aus allgemein- politischen und Unser Genosse Morris Hill quit, der bekannte Theoretiker des Sozialismus und einer der verdientesten Führer der sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten, weilt zur Zeit in Berlin. Er hat einem Mitarbeiter unseres Blattes folgende Darstellung der Lage in den Vereinigten Staaten gegeben: Die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten ist gegenwärtig sehr fritisch. Seit ungefähr einem Jahr hat die Propaganda in ihren eigenen Sprachen. Von diesen ausländischen Gruppen wandte sich die große Mehrzahl dem Kommunismus zu, merkwürdigerweise auch die Majorität der deutschen Sozialisten, die in der Regel durchaus nicht aus jungen Männern, sondern aus alten Genossen, teilweise Flücht lingen aus der Zeit unter dem Sozialistengesetz, bestanden. Die Mitgliedschaft der Partei ist aus allen diesen Gründen sehr starf zusammengeschmolzen, aber es beginnt jetzt ein allgemeiner Zeit wieder gefräftigt wird. industrielle Depreſſion in fast allen 3weigen eingeseyt. Die Pro- Klärungsprozeß, der hoffen läßt, daß die Partei in kurzer duktion war natürlich während des Krieges ungeheuer gesteigert worden. Der Waffenstillstand und der Frieden kamen so ziemlich unvorbereitet, und das Resultat war vor allen Dingen, daß alle auf den Krieg besonders eingerichteten Industrien die Arbeit plötzlich einstellen mußten, und es wurden notwendigerweise andere Industriezweige ebenfalls hineinverwidelt. Die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten wird auf 3 bis 5 Millionen geschätzt, und zur Zeit ist kein bestimmtes Symptom einer Besserung vorhanden. Wir haben natürlich in den Vereinigten Staten teine Erwerbslosenunterstügung. Die Wirkung der Arbeitslosigkeit ist im Gegenteil, daß die Löhne der Arbeiter herabgesetzt werden. Lohnkürzungen von 10 bis 25 und 30 Prozent sind während der lezten Monate in fast allen Industrien eingeführt worden, während die Lebenskosten nur gering fallen. Troz alledem läßt sich feine verschärfte revolutio näre Stimmung bei den Arbeitermassen finden. Es scheint im Gegenteil, daß die Ereignisse der letzten Jahre, die in schneller Folge die Arbeiterschaft Ameritas heimsuchten: der Krieg, die große Steigerung der Lebenskosten, dann der Niedergang und die Lohnfürzungen, verbunden mit der arbeiterfeindlichen reaktionären Politit, die bald nach dem Kriege einsekte, die Arbeitermassen in eine Art Lethargie versetzte. Wo früher vor dem Kriege und während des Krieges eine unbedeutende Lohnreduktion er bitterte Streits zur Folge hatte, nehmen die Arbeiter jetzt ganz bedeutende Kürzungen stillschweigend entgegen. Trohalledem be= trachten wir in Amerita die Stimmung in der Arbeiterklasse durchaus nicht als Hoffnungslos. Es wird allgemein erwartet, daß die Arbeiter, nachdem die Betäubung überwunden ist, fich zu einer starten und mehr flassenbewußten Bewegung zu sammenfinden werden. Die ersten Symptome eines derartigen Er wachens sind bereits hier und da zu verspüren. Dann wird auch in der amerikanischen Arbeiterschaft die sozialistische Bewegung voraussichtlich eine größere Rolle spielen, als in der Bergangenheit. stellt. Die sozialistische Bewegung Ameritas hat seit dem Gegenwärtig ist es um diese Bewegung recht schlecht be= Eintritt Ameritas in den Krieg viel gelitten. Die sozialistische Partei, die damals den Höhepunkt ihrer Stärke listische Partei, die damals den erreicht hatte, war fast einmütig in der Opposition gegen den Krieg, und diese Stellung zog ihr eine ständige und brus tale Verfolgung durch die Regierung zu. Sozialistische Organe wurden unterdrückt durch die Weigerung der Postbehörden, sie zu befördern; sozialistische Versammlungen wurden untersagt, und unzählige Kriminalverfolgungen gegen sozialistische Führer wurden inszeniert, die in fast allen Fällen Verurteilungen zu langen Gefängnisstrafen zeitigten. In vielen Fällen betrug diese Strafe bis 20 Jahre für eine oppositionelle Rede oder einen Artikel ge gen den Krieg. Neben der Regierungsverfolgung wurde hauptsächlich durch die tapitalistische Breffe eine allgemeine Hetze gegen alle radikalen Bewegungen entfaltet, die an Roheit nirgendwo ihresgleichen erreichte. Unter dem Drud dieses Terrorismus wurde die Partei, hauptsächlich im Westen und mittleren Westen, fast völlig gesprengt. Als dann nach dem Waffenstilstand die Stimmung normaler wurde und die Partei sich an die Arbeit des Wiederaufbaus machen konnte, tamen die 3wistigkeiten, die aus der tom= merken, baß die sozialistische Partei Ameritas, wie das amerikamunistischen Agitation erwuchsen. Dabei ist noch zu benische Volt im allgemeinen, zum großen Teil aus Einwanderern aus allen Ländern Europas bestand; die eingewanderten Arbeiter aus„ Koalitionsrückichten" nichts von einer bürgerlichen oder, wenn man will,„ nichtsozialistischen" Einheit wissen wollen. Die Koalitionsgebanten im Reich und Staat fönnen unmöglich auf das Berliner Gemeindeleben übertragen werden. Der Trennungsstrich wird durch die Frage der Kommunalisierung bedingt, und in dieser Beziehung wie in der ganzen Steuer- und Finanzpolitik find die Demokraten genau so bürgerlich wie die anderen rechts von ihnen stehenden Parteien." Das 8- Uhr- Abendblatt" erklärt gegenüber dem Versuch des B. T.", die Demokraten als Gegner des Bürgerblocks hinzustellen, daß der Stadtverordnete Merten sich so geäußert, wie das Blatt mitgeteilt habe. Gleichzeitig erklärt der zweite Borsigende der Zentrumspartei, daß auch das 3entrum bem Bürgerblock lebhaftes Interesse zuwende, und einen Bürgerblod von der Deutschen Boltspartei bis zu den Demo fraten für am aussichtsreichsten halte. Diese Veröffentlichungen schaffen endgültig Klarheit. Die bürgerlichen Parteien sind einig in dem Bestreben, die so zialistische Mehrheit niederzuringen und eine Herrschaft des Bürgertums aufzurichten, die alle Lasten auf die besiklofen Boltsmassen ab= wälzt. Diese weitere Niederdrückung der Lebenshaltung aller Lohn, Gehalts- und Rentenempfänger zu verhindern, ist die Aufgabe, die dem Wahlkampf gestellt ist. Der Liller Gewerkschaftsfongreß EE. Paris, 30. Juli. In der heutigen Vormittagssigung des Gewerkschaftstongresses von Lille sprach zunächst der Kommunist Monatte, Der die Internationale von Amsterdam heftig angriff und behauptete, diese stände im Dienste der Regierung. Sie werde von Mertens geleitet, der noch royalistischer als der König von Amsterdam sei, und von Jouhaug, der nationalistischer sei als Poincaré. Monatte dehnte auch seine Angriffe auf das Gewerkschaftsbureau von Genf aus; seiner Ansicht nach vertrete nur die Gewerkschaftstommission von Mostau die Interessen der Arbeiter. Jouhaux, der nach Monatte als Redner auftrat, verwahrte sich gegen den Vorwurf, seine Handlungen seien nur durch den Mangel an 20? ut gefennzeichnet. 25 Jahre stände er schon im Dienste der Arbeiterbewegung. Die Revolutionäre hätten immer wieder erklärt, daß alle Reformen nur dazu dienen sollten, die Arbeiter zu befreien. Dies aber tönne nur geschehen, wenn die Aktion von gestern mit der Aktion von heute in Webereinstimmung gebracht werde. Die Tätigkeit der Gewerkschaften lasse fich nicht mit ben tommunistischen Methoden vereinbaren. Was Die Kommunisten getan hätten, um der Arbeitslosigkeit abzu helfen, gleiche auf ein Saar dem, was die Reformisten beantragt hätten. Zwischen der Theorie der Kommunisten und ihrer täglichen Attion felbft beständen die gröhten Widersprüche. Auf dem letzten Parteitag, der Ende Juni in Detroit abgehalten wurde, faßten wir den Beschluß, uns vorderhand von jeder internationalen fernzu= Verbindung halten, nicht, weil die Sozialisten Ameritas gleichgültig das Ge= Den Bruderparteien Europas gegenüberstehen genteil ist der Fall sondern weil wir uns bewußt sind, daß es unter den gegebenen Umständen für die Sozialisten Ameritas ge= boten ist, allen theoretischen Diskussionen über die internationalen Probleme aus dem Wege zu gehen, und sich der praktischen Arbeit des Wiederaufbaus der Partei zu widmen. Die große Mehrheit der sozialistischen Partei steht im großen und ganzen theoretisch auf demselben Boden, wie die Unabhängige Partei Deutschlands; ich zweifle auch gar nicht daran, daß die Sozialistische Partei Ameritas sich einer;- sagen wir radikalen sozialistischen Internationale anschließen würde, sobald ein realer Boden für die Schaffung einer solchen da ist. Es handelt sich bei dem obigen Entschluß nur um strategische Erwägungen. Ist die Partei erst wieder einmal in den Fugen, dann werden sich die internationalen Verbindungen schon finden. Eine sozialistische Internationale muß doch letzten Endes aus nationalen sozialistischen Parteien bestehen, und es scheint uns darum von größter Wichtigkeit, vor allen Dingen die sozialistische Organisation in den verschiedenen, von der Spaltung heimgesuchten Ländern erst wieder herzustellen, ehe an eine wirkliche sozialistische Internatio nale gedacht werden kann. Die J. W. W.( Syndikalisten) spielen fast feine Rolle in der Arbeiterbewegung Ameritas. Ihre Methoden sind„ sensationell" und werden darum gern von den zwei Extremen, den radikalen Schöngeistigen und den bürgerlichen Reaktionären, ausgespielt. Das Gros der organisierten amerikanischen Arbeiter befindet sich noch immer in den Reihen der American Federation of Labour. Die letzteren sind noch immer fonservativ oder besser gesagt unpolitisch und klassenunbewußt, aber es beginnt sich dennoch unter ihnen zu regen. Ganz deutliche Bestrebungen nach Sozialisierung machen sich bemerkbar, hauptsächlich in den Reihen der Eisenbahnarbeiter und der Bergarbeiter. Die Eisenbahner haben einen Plan entworfen, den Plumb- Blan", genannt nach dem Namen ihres Urhebers, laut dem die Eisena bahnen des Landes von der Regierung übernommen und von den Arbeitern und dem Betriebsstab verwaltet werden sollen. Der Plan dedt sich mit den allgemeinen Auffassungen der englis schen Gildensozialisten. Unter den Bergarbeitern wird auch eine rege Propaganda für die Bergesellschaftung der Bergwerte getrieben. 99 Präsidenten Die Arbeiterpolitif des neugewählten Sarding ist im allgemeinen recht reaktionär, obwohl seine Rea gierung noch feine Gelegenheit gehabt hat, genau Stellung in wichtigen Arbeitsproblemen zu nehmen. Was die Hardingidhe auswärtige Politit betrifft, so haben die amerikanischen Arbeiter im großen und ganzen wenig Verständnis oder Intereffe dafür. Genosse Debs ist noch im Gefängnis, obgleich es von Zeit zu Zeit verlautet, daß er in Freiheit gesezt werden soll. Unter der Präsidentschaft Wilsons ließ sich das Verhalten der Regierung Debs gegenüber durch die persönliche Animosität des Präsidenten erklären; die Hardingsche Regierung würde wahrscheinlich nicht bereit sein, Debs in Freiheit zu setzen, wenn sie nicht den Einfluß der sogenannten American Legion" fürchtete. Diese Dr. ganisation, bestehend aus früheren Soldaten, übt zur Zeit wohl ben reaktionärsten und gefährlichsten Einfluß in den Vereinigten Staaten aus. Eine flare Entscheidung müsse getroffen werden. Nur wenn die Einigkeit aufrechterhalten bleibe, werde es der Gewerkschaftstommission möglich sein, ihre Aktionspläne zu verwirklichen und die beabsichtigte Umgestaltung durchzuführen. Danach wurde eine Resolution der Mehrheitler vor gelegt, die etwa folgendes besagte:„ Es besteht ein unüberwind licher Widerspruch zwischen der Unabhängigkeit der Gewerkschafts bewegung und allen Formen einer dauernden Verbindung einer politischen Partei, weil die Gewerkschaften dadurch nur in das Schlepptau irgendeiner bestimmten Partei geraten würder Das würde die Arbeiter jedoch nur veranlassen, innerhalb Klassen Weltkämpfe auszufechten. Die Gewerkschaftstommiffion wird hiermit aufgefordert, ihr Programm zu verwirklichen namentlich bezüglich der sozialen Versicherung, der Arbeiterkon trolle und der Verbesserung der Löhne ihre Bemühungen fortzu feßen. Ihre größte Sorge miljse fortan die Aufrechterhaltung der Cinigteit sein. Aus diesem Grunde sei es notwendig, der Inter nationale von Amsterdam treu zu bleiben. Der Kongreß erklärt daß die Angelegenheiten der Arbeiterbewegung wirkjam nur durc tägliche Attion und eine starke Disziplin der Gewerkschafts organisation durchgeführt werden kann. Die Attion der Minori täten tönne fich im Rahmen der Gesamtorganisation ausleben Solche Aktionen fönnen aber nicht geduldet werden, wenn sie den Charakter einer offenen Opposition gegen die Entscheidungen der Mehrheit annehmen. Gewerkschaftlich Organisierte tönnier daher nicht gleichzeitig den freien Gewerkschaften angehören." Verzweifelte Lage Herr Werner v. Heimburg ist zum politischen Wochen In seiner jüngsten Schauer der Deutschen Zeitung" aufgerüdt. Betrachtung tommt er im Anschluß an Rathenaus Rede über der Wiederaufbau zu folgendem erschütternden Ergebnis: ,, Die Gefahr ist groß, daß die hundertmal als unausführbar er wiesenen sozialistischen Jrrlehren sich von neuem durchsetzen, wei niemand aus der allgemeinen Verwirrung, in die uns die revolutionäre, republikanische Mißwirtschaft geführt hat, einer Ausweg zu weisen vermag." Ja, wenn selbst Wernerchen feinen Weg mehr sieht, dann mus die Lage wohl verzweifelt sein. Aber was werden seine politi schen Freunde zu diesem Bekenntnis deutschnationaler Unfähigkei jagen? Z ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautsdruk 5 Jahre schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubun bel Bestellung von Gebissen gratis. Kronen p. 30 mk. as Spez.: Zähne ohne Gaumen. 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Paul Heidemann a. G., Josefine Dora v. Staatsth. a.6., Jnge van derStraaten, Jfa Narfen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg. Residenz- Theater 4 Uhr: Die Freundin 7 Uhr: Mar Adalbert in 1919 Ab dafür Trianon- Theater 31% 11.: Lady Windermeres Fächer Täglich 7, Uhr: Lady Windermeres Fächer Kleines Theater 4 Uhr: Casanovas Sohn Täglich 7, Uhr: Casanovas Sohn Walhalla- Theater 7%, Uhr: Die Königin der Luft Wallner- Theater Wallnertheaterstraße 35 7 Uhr: Zigeunerliebe TROPO VARIETE KABARETT Behrenstraße 54. 71, Uhr: Bersönliches Auftreten: Johannes Riemann und Dora Schlüter in Cocain( Sektkübel) and 9 weitere Attraktionen Täglich: Tip- Tip Hurra! oder Der Sport- Schlemihl mit Wilhelm Hartstein Theater a. Kottbuser Tor Elite- Sänger. Bis 31. Jull Täglich 7, Uhr Gastspiel d. OriginalLeipziger Fritz- WeberSänger. Ab 1. August Wiederauftreten der Elite- Sänger B SCHAUBURG Königgrätzer Straße 121 Das große Spiel Amerikanischer Sensations- Film: Ein Kampf auf Leben und Tod 2. Episode: Aufd. 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An die russische Jugend Mk. 1,40 Mk, 1,00 Mk. 1, Mk. 0,50 Die auswärtige und innere Politik Sowjet- Rußlands. Die gegenwärtige Lage Sowjet- Rußlands Mk. 1, Mk. 0,50 Das Verhältnis der Arbeiterklasse zum Bauerntum Mk.1, Die Vorbedingungen und die Bedeutung der neuen Politik SowjetRußlands( Ueber Naturalsteuer)..... Mk. 1,00 Zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung Carl Hoym Nadif. Louis Cahnbley, Hamburg 11 Nr. 353 Groß- Berlin Vor sieben Jahren Heute vor sieben Jahren flutete durch Berlin eine einzige Welle der Begeisterung. Alle Menschen auf den Straßen, die sonst achtlos aneinander vorbeieilten, hatten sich plötzlich etwas zu sagen; alles sant sich gerührt in die Arme, alle Standesunterschiede schienen aufgehoben. Gelehrte, Männer der Wissenschaft, mettciferten mit einfachen Arbeitern, um als Kriegsfreiwillige angenommen zu werden. Was war die Ursache dieser gewaltigen Begeisterung? Der Krieg. Nicht ein tulturelles Ziel, der Höherentwicklung der Menschheit dienend, löste so allgemeine Begeisterung aus, sondern ein barbarisches Ziel, die 3 er störung der erreichten Kultur. Jahrzehnte hindurch wurde auf diesen Rückfall in die Barbarei und Wildheit des Menschengeschlechts hingearbeitet. In der Volksschule wurde den jungen Menschenkindern der Haß gegen anderssprechende Völker eingepflanzt; barbarische, tierische Instinkte wurden als„ Heldentum" und„ Tapferfeit" gepriesen. Bei der militärischen Erziehung und Ausbildung war gerade in Preußen- Deutschland die Roheit Trumpf; Selbstbewußtsein und menschliches Fühlen wurde ausgerottet und niedergetreten; die Dümmsten und rohesten Lümmel waren Vorgesetzte, die über Menschen zu befehlen hatten, deren innerer Wert oft nicht von einem Dugend solcher preuBischen Feldwebel erreicht wurde. Die Geschichte der Menschheit weist viele solcher dunklen Blätter auf, die uns den Rüdfall in finstere Barbarei und tierische Vergangenheit verkünden. Das letzte solche Blatt beginnt mit dem Tage: heute von sieben Jahren. Wir wollen daraus lernen! Die Menschheit hat sich von den einfachsten Lebewesen zu der gewaltigen Höhe der gegenwärtigen Kultur entwidelt. Sie kann diese Entwidlung aufwärts aber nur dann fortTezzen, wenn die Erkennenden, die Voranschreitenden gegen alle Rüdfälle anfämpfen mit der Kraft der Ueberzeugung. Solche Voranschreitenden sind wir Sozialisten. Wir haben auf unser Banner geschrieben, den Kampf für eine höhere Kultur zu führen. Dazu aber gehört vor allem der Kampfgegen den Krieg! Noch ist der Geist von heute vor sieben Jahren nicht überwunden. Noch laufen Menschen herum, die das brutale Niederschlagen Andersdenkender und Anderssprechender für eine Heldentat halten; noch lebt der Geist der Knechtseligkeit, des niedrigen Kriechens vor dem Gottesgnadentum und dem Gözzen des Militarismus. Aus tausend Quellen fließt noch das gemeine Gift der militaristischen Verhegung von Mensch gegen Mensch. Dagegen wollen wir fämpfen! Welchen Proletarier, den feine Erkenntnis in die Reihen der Sozialisten geführt hat, padt nicht ein Efel und Abscheu, wenn er an den Tag heute vor sieben Jahren denkt! Ausgemachte Schwachtöpfe, moralisch minderwertige Gesellen wie die Hohenzollern waren die Götzen, vor denen alles auf den Knien lag! Mordinstrumente strebte jeder in die Hand zu bekommen, um Menschen, die er nie gesehen, zu töten, eine goldene Tresse am Kragen und ein Fastnachtsschmud aus Blech für die Brust war das höchste Jdeal. Mit welchem Eifer, der immer eine besseren Sache würdig gewesen wäre, haben nicht ernsthafte Män ner ein marionettenhaftes Kopfverdrehen geübt, um einem Gymnasiasten, der durch den Geldsad seiner Eltern von der Schulbank weg Offizier wurde,„ Ehre zu erweisen". Der grausige Sput ist vorbei. dafür kämpfen, daß es heute über sieben Laßt uns Jahre anders aussieht! Noch mehr über„ Sportbanken" Bei den geftrigen. Durchsuchungen in den Geschäftsräumen der neugegründeten Sportbanten" und Wettkonzerne", über die wir in der gestrigen Abendausgabe berichteten, sind nicht nur Bücher " Abb. 1 Abb. 2 Einsegnungskleider Schwarzer Woll- Schwarz. Lindener Popeline mit Tressen- Velvet Abbildung 2 Garnierung Abbild. 1 Länge 105. Länge 105,110 115 cm 340.- 110675.cm Einsegnungsanzüge Größe 295.- Größe 38-43 360.aus marine Cheviot, zweireihig 9-12 BHD 1. Beilage zur„ Freiheit" und Schriftstücke, sondern auch große Barbeträge beschlagnahmt worden. In Berlin allein beträgt die mit Beschlag belegte Summe etwa 12 Millionen Mart. Die beschlagnahmten Gelder sind zunächst zur Deckung der bisher nicht ge zahlten Kapitalertragssteuern sichergestellt. Ferner haben die Sportbanken auch die Stempelsteuer nicht entrichtet. Bei der Vernehmung erklärten die Banteninhaber über die Steuerabzüge nichts zu wissen.( Gott, wie harmlos!) Uebri gens geht der Betrieb dieser famosen Gewinnstätten lustig weiter. Ueber Sitten und Gebräuche in dieser Hölle, dem sogenannten Sportkonzern, erfahren wir noch folgende Einzelheiten. Die Geschäftsräume der„ Sportbant" liegen im ersten Stockwerk über dem, Café des Klante- Sportkonzerns". Sie sind über eine neben dem Café liegende Treppe zu erreichen. Die Tür hat an der Außenseite eine Klinte, so daß sie jeder öffnen kann. Hat er diese dann aber hinter sich zugeschlagen, so kann er den Rückweg nicht wieder antreten, da diese Tür an der Zimmerseite feinen Griff hat, also von innen nicht zu öffnen ist. Wenn der Besucher seinen Gewinn eingestrichen hat, so verläßt er die„ Bank" durch eine große Freitreppe, die in das darunterliegende Café führt. Dort aber herrscht ständig Hochbetrieb und„ Stimmung". Es ist selten unter den ,, angehenden Kapitalisten"," die so schnell und mühelos Nie wieder Krieg Dieser Ruf ist für den sozialistischen Arbeiter kein VerMilitarismus, Kapitalismus und Reattion. Arbeiter, shart zweiflungsschrei, sondern ein Bekenntnis zum Kampf gegen Euch unter diesem Ruf am heutigen Tag zusammen. Laßt aus der Massendemonstration eine Mauer werden, an der die Front der Kriegsschreier zerschellen muß. Nie wieder Krieg, das heißt: Nieder mit dem Kapitalismus! Nieder mit dem Militarismus! Nieder mit der Reaktion! ihr Geld verdienen", einer, der nicht an der allgemeinen Lustigfeit teilnimmt und zunächst einen Teil des Gewinnes dort in Alkohol umsetzt. Die Besucher der Bank und auch des Cafés segen sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammen. Für alle diese leichtgläubigen Leute, die sich dutch die bisherigen Auszahlungen sicher fühlen, ist Herr Klante der Abgott. Wenn er im Auto vorfährt und in das Café tritt, wird er von allen, die ihn fennen, mit Jubel empfangen. Die Haustapelle bläst einen Tusch und stimmt dann die Melodie Schiebermar ist da" an, in die die Kaffeehausbesucher mit der Variation: Alles Schreit Hurra, Klante- Mar ist da!" einstimmen. Eine ebenso betannte Erscheinung ist Herr Klante auf den Rennbahnen. Wenn er im Automobil nach Karlshorst, oder der Grunewaldbahn hinausfährt, wird er stets von zwei Detektiven begleitet, da er doch über sehr große Geldmittel verfügt, die er infolge seiner ,, totsicheren Tips" dort für seine Kundschaft anlegt. Die Güter der Stadt Berlin Am Freitag den 22. Juli, fand eine Besichtigung der städtischen Güter Lindenhof, Hobrechtsfelde und Buch durch die Vertreter der Presse statt. Wir hatten über diese Veranstaltung nicht berichtet, da wir der Meinung sind, daß sich durch ein abschließendes Urteil über Bewirtschaftung und Arbeiterverhältnisse auf den Gütern bei einer solchen Besichtigung nichts gewinnen läßt. Die übrige Berliner Presse hat sehr verschieden berichtet. Die Deutsche TagesBewirtschaftung der Güter zu sagen, und die„ Rote Fahne" zeitung" hatte natürlich allerhand Großagrarisches zu der machte sich das deutschnationale Urteil in diesem Punkte zu eigen, indem sie schrieb:„ Das fachmännische Urteil( der„ Deutschen Tageszeitung") über den Zustand des landwirtschaftlichen Betriebes ist dagegen sehr zutreffend."( Rote Fahne" vom Dienstag, den 26. Juli.) In der Abendausgabe vom Sonnabend, den 23. Juli, berichtete dagegen die„ Rote Fahne" sehr ausführlich über die Arbeiterverhältnisse in Hobrechtsfelde. Auch der Vorwärts" machte in seiner Sonnabend- Abendausgabe vom 23. Juli einige tritische Bemerkungen über den Zustand der Arbeiterwohnungen und über die Tatsache, daß an der Besichtigung kein Mitglied des Betriebsrates teilnahm. Wir können uns diesen Bemerkungen durchaus anschließen. Die„ Rote Fahne" wird sich bei der kommunistischen Taktik des ,, Verschweigens der Wahrheit" nicht darüber wundern dürfen, daß man ihre Mitteilungen über die Arbeiterverhältnisse in HobrechtsSonntag, 31. Juli 1921 felde zum mindesten sehr kritisch behandelt. Immerhin ist weder vom Magistrat im allgemeinen noch von der Güterdirektion im besonderen bisher eine Berichtigung der Angaben der„ Roten Fahne" erfolgt. Wir geben einen Teil der Angaben im folgenden wieder: In Sobrechtsfelde hatte man den ganzen Tag auf den Besuch gerüstet. Mindestens 40 Arbeiter wurden von der Erntearbeit zurückgelassen, um Reinigungs arbeiten auszuführen. So sah der Hof äußerlich sauber aus. Doch bei Besichtigung der Massenquartiere der Arbeiter und Arbeiterinnen fonnte man fonstatieren, daß die ,, Rote Fahne" durch aus nicht übertrieben hatte, als sie während des Streits schrieb, daß die Leute eng zusammengepfercht liegen und vor Ungeziefer umkommen. Es wimmelte direkt von Wanzen auf den Strohsäcken, auf den schmutzigen, zerissenen und zerschlissenen Decken und in den Kleidern der Arbeiter, die sie frei herumhängen müssen, weil in den meisten Räumen feinerlei Spinde oder Schränke vorhanden sind. Ueberzüge für die Strohsäcke und Decken werden nicht geliefert, nur wenige Arbeiter besigen selbst welche. Viele Arbeiter und Arbeiterinnen übernachten deshalb im Freien. Die Verpflegung der Arbeiter ist ungenügend und schlecht. Sie bekommen als Deputat- Lebensmittel oft eine schwarze Erbsenart, die sogar in Ostelbien nur dem Vieh verfüttert wird. Die Behandlung der Leute durch die Vorgesezten ist schitanös. Einer Schnitterfamilie von 4 erwachsenen Menschen mit einem fleinen Kind ist seit März ein Raum zugewiesen, in dem teine 2 Betten richtig Blak haben. Weil der Hofinspektor kein Trintwasser aufs Feld bringen ließ, haben Schnitterinnen Rieselwasser getrunken. Eine davon hat dick aufgeschwollene eiternde Lippen bekommen. Die ganze Last der Gesundheit und Kinderpflege liegt auf einer Krankenschwester, die dazu noch ganz ungenügend mit Verbandsmaterial versorgt wird. Trotzdem fie mil bewun berungswürdiger Hingabe diesen aufreibenden Dienst versieht, hat sie seit vier Monaten weder Gehalt noch Zuwen dungen an Kleidung bekommen." Ferner erhält der Vorwärts" vom Gesamtbetriebs rat der Güter eine Zuschrift über die Verhältnisse auf den nicht mitbesichtigten Gütern Osdorf, Großbeeren und Sputendorf, der wir folgendes entnehmen: Dort findet man 3weizimmer- Wohnungen, deren Fußboden aus Steinpflaster besteht. Jedes der zwei Zimmer hat 12 Quadrat meter Bodenfläche. Die Küche( 4 Quadratmeter Bodenfläche) ist ein dunkles Loch, liegt auf dem Flur und muß gemeinsam von awei Familien benutzt werden. Die Wohnungen sind derartig feucht, daß die Wäsche verstockt und die Möbel auseinanderfallen. Boden und Keller sind nicht vorhanden. Bei den nichtständigen Arbeitern( Berliner Arbeitslosen) in der Barade Reubeeren tommt außer dem schon am Sonnabend Gerügten noch folgendes hinzu: Die Größe des Raumes beträgt ungefähr 300 Quadrat meter; er wird von 38 Mann bewohnt. Der Saal ist Schlaf-, Wohn- und Eßraum zugleich. 56 Arbeitern stehen 22 Schränke, zum Teil ohne Rüdwände, zur Unterbringung ihrer Kleidung und Speisen zur Verfügung, ferner ganze 16 Waschbecken und 1 Fußbadewanne. Eine Badegelegenheit für alle Arbeiter der südlichen Güter ist nicht vorhanden. Ueber das Essen wird überall geklagt. Auch in Schmetzdorf ist ein großartiger, im Jahre 1908 mit einem Kostenaufwand von 65 000 M. errichteter, zirka 2000 Stüd Vieh fassender Schweinezuchtstall errichtet worden, dem leider nur die Schweine fehlen. Er dient jetzt zur Lagerung von fünstlichem Dünger, besonders Kainit. Die innere Einrichtung, Rohrleitungen, Gitter usw., ist dadurch vollständig zerfressen und der Stall erst nach einer durchgreifenden, sehr hohe Ausgaben erfordernden Instandsekung wieder zu gebrauchen. Ein besonderes Kapitel auf den südlichen Gütern ist die Feldbahn. Seit über einem Jahre führen die Betriebsräte ihretwegen einen Ichweren Kampf sowohl mit der Direktion als auch mit der De putation. Es liegen hier zirka 20 Kilometer Feldbahngleise, die der unpraktischen, zeitraubenden Art der Anlage wegen überhaupt nicht benutzt werden. Die Gleise sind vollständig eingewachsen, so daß die ganze mertvolle Anlage völlig wertlos ist. Die dazu gehörigen Wagen sind zum großen Teil ebenfalls verrottet und verfault. Durch Herausnehmen und Instandsetzung der Gleise, wozu Plaz und Räume vorhanden sind, und Vermieten derselben ( für einen laufenden Meter wird bis 1 M. pro Monat bezahlt) ließen sich weitere Einnahmen schaffen. aber leider sind bis jetzt alle Bemühungen vergeblich gewesen. Die Lage der Arbeiter wird von ihnen selbst feineswegs so rosig angesehen, wie sie Herr Stadtrat Koblenzer schildert. Aus dem Vorstehenden wird man des= halb wohl ersehen können, wie dringend notwendig cs gewesen wäre, daß an der Besichtigungsfahrt sich ein Mitglied des Betriebsrates beteiligt hätte. Da der Magistrat sich bis jetzt noch nicht zu diesen detaillierten Angaben geäußert hat, so wird er dies sehr schnell nachholen müssen. Der Stadtrat Koblenzer hat in seiner Ansprache bet der Besichtigung den umfangreichen Beamtenapparat erwähnt, durch den die Güter verwaltet werden. Die Deffentlichs Nisrael Waschstoffe Baumwoll. Musselin aparte Dirndl- Muster 11.50 ungefähr 80 cm breit. Perkal in hellen Mustern. für Hemden und Blusen 12.50 ungefähr 80 cm breit. Zephir gute Qualität. in hellen Streifen für Ober- 14.hemden, ungef.80 cm breit Favorit- Schnittmuster Halbwoll. Schotten ungef. 105 cm breit 30.Reinwoll. 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Die Veranstal tung von Besichtigungen durch die Presse wäre auf das entschie= denfte zu bekämpfen, wenn der Magistrat dabei vielleicht die Methoden des Fürsten Potemkin sich zu eigen machen wollte und die Vertreter der Oeffentlichkeit in einer so groben Weise über die wirklichen Verhältnisse zu täuschen versuchte, wie dies in den Angaben der„ Roten Fahne" behauptet wird. Je schneller die restlose Aufklärung durch den Magistrat erfolgt, um so besser für ihn. Schwimmsport Der Berliner Schwimmverein„ Welle", Abteilung Lichtenberg, hielt am Sonntag, den 24. Juli, im Rummelsburger Seebad sein diesjähriges Sommerschwimmfest ab. Der gute Besuch des Festes ist ein Zeichen für das rege Interesse, das dem Schwimmsport entgegengebracht wird. Nach einer furzen Begrüßungsrede wurde das Schwimmfeſt mit einem Aufmarsch der Schwimmerinnen und Schwimmer und darauffolgendem gut geschwommenen tombinierten Paddelreigen eingeleitet. Trotz des bewegten Wassers zeigten die Vorführungen gute Leistungen. Die Mannschaftskämpfe, Stafetten, Wasserball spiele waren durch den regen Wetteifer aller Teilnehmer recht interessant. Das gutgelungene Fest wurde durch einen Fahnenreigen beendet. Der Arbeiterschwimmsport, der sich noch zahlenmäßig in der Entwidlung befindet, hat durch dieses Schwimmfest wiederum neue Anhänger fich erworben. Es tann nicht eindringlich genug der Appell an die Arbeiterschaft gerichtet werden: lernt schwim men, hidt eure Kinder in die Schwimmvereine, um sie durch diese wohltätige Leibesübung zu tüchtigen und gesunden Men schen heranzubilden. Aufnahmegesuche sind an den Genossen Gustav Müller, O. 17, Memeler Str. 5, zu richten. Resultate: Schlerfhwimmen 50 Meter. a) Damen: 1. Sigismund, 1,6 min.; 2. Droft, 1,10 Min. b) Damen: 1. Frl. Gesch, 1,31 Min.; 2. Frl. Döring, 1,33,24 in. c) Knaben: 1. Grunwald, 1,4 Min.; 2. Böhnte, 1,5 Min.; 3. insti, 1,6 Min. Pof. turze Strerte, 50 Meter. Klaffe A: 1. Thulmann( Welle"), 35,24 Sef.; 2. Rüntel( Welle"), 39,24 Sef. Klaffe B: 1. Lorenz( Welle"), 35,48 Sef.; 2. Althaus( ,, Welle"), 44,24 Set. Damenbrustschwimmen. a) 1. Frl. Sieger, 2,16 Min. 2. Frl. Ulrich. 2,17,48 Min. b) Jugend: 1. Frl. Agog, 2,14,12 Min.; 2. Frl. Schuster, 2,21,48 Min. Mädchenschwimmen: 1. Grunwald, 1,9,12 Min. Lot. Männerbrustschwimmen. Klasse: 1. Lorenz(„ Welle"), 3,45 Min.; 2. Dahle ( Welle"), 3,50 Min. Klasse B: 1. Amler( Welle"), 1,45 Min.; 2. Klapezinski ( Welle"), 1,48 Min.; 3.. Wendal( Welle"). 1,51 Min. Lot. Setteschwimmen: 1. Schwertfeger( Neptun"-Lichtenberg), 1,37 in.; 2. Althaus(„ Welle"), 1,39.36 Min. Jugendwasserballspiel. Neptun- Lichtenberg Welle 4: 2 Tore. Lot. Knabenschwimmen 50 Meter. 1. Rühn, Neptun- Lichtenberg, 49,24 Set. 2. Christian, Neptun- Lichtenberg, 50 Sef. 3. Gräbert, Reptun- Lichtenberg, 52 Sef. Lot. Kürspringen. Klajfe: 1. Althaus, Welle", 18% Buntie. 2. Thulmann, Welle", 18% Punkte. Klasse B: 1. Reinhold, Welle", 20 Punkte. 2. Rilufel, Welle", 19 unite. Damenbruststafette. 1. Welle- Berlin 4,26,12 Minuten. 2. Mette, Neptun- Lichtenberg, 4,34,48 Min. Jugendschwimmen 50 Meter. a) Brust: Pietsch, 54,12 Set. 2. Raschubowski, 54,24 Set. b) beliebig: 1. Heise, 45,24 Set. 2. Aftenfith, 40,24 Set. Männerlagenftafette. 1. Welle Lichtenberg, 3 Wein. 4 Set. 2. Welle- Berlin, 1,3 Min. 8 Set. Wasserballspiel. Neptun- Lichtenberg Welle 1: 1 Tor. Flugpost. Die vom 15. Juni bis einschließlich 31. Juli verJuchsweise eingerichtete Flugpostbeförderung von Briefpost, für die keine Flugzuschläge entrichtet sind, wird auf der Strede Berlin- Bremen bis zum 15. Geptember einschließlich ausgedehnt. Die Sendungen treffen auf diese Weise schon um 2.00 statt 8.09 in Bremen ein. Sie werden vom 10. August an von dem Postamt, bei dem die Flugpostbeförderung endet( Bremen bzw. Berlin) mit einem Stempel mit Luftpost befördert( Bezeichnung des Flugpostamts) in roter Forbe bedrudt. Briefe, für die feine Fluggebühren entrichtet sind, haben feinen Anspruch auf Flugpostbeförderung. Flugpostvertehr mit Lettland. Am 29. Juli wird ein wöchentlich dreimaliger Flugpostverkehr mit Lettland für die Dauer der Rigaer Messe eröffnet. 3ugelassen be find gewöhnliche und eingeschriebene Brieffendungen gegen Flugzuschlag für Auslandssendungen, also neben der gewöhnlichen Gebühr 40 f. für Posttarten und für je 20 Gramm bei Briefen. Die Flugpost verkehrt Montag, Mittwoch, Freitag ab Danzig 10.00, ab Königsberg 12.00, ab Memel 2.00, an Riga 5.00,( 6.00 letti Icher Beit). Burüd Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, ab Riga 12.00( 1.00 Tettischer 3eit), an Memel 2.00, an Rönigs berg 4.00, an Danzig 6.30. Wegen Einrichtung einer Flugpostperbindung mit Riga über Kowno an den übrigen Tagen schweben Berhandlungen. 3d 394 1 Bosteinlieferungsbücher. Die Herstellungskosten der Posteinlieferungsbücher, die die Postverwaltung bisher unentgeltlich an die Versender abgegeben hat, find im Laufe der Zeit derart ges stiegen, daß bei der jegigen Finanzlage auf den Ersatz der Selbst foften nicht mehr verzichtet werden fann. Die Postanstalten find deshalb angewiesen worden, fortan bei der Abgabe von Posteinlieferungsbüchern der verschiedenen Größen einen Verkaufspreis von 50 Pf., 1 M. oder 2 M. zu erheben. Die Herstellung und der Vertrieb von Posteinlieferungsbüchern ist sei einiger Zeit auch für die Privatindustrie freigegeben. Dabei ist vorausgesetzt, daß die Bücher mit den amtlich ausgegebenen Bordrucken genau übereinstimmen. Bom Postiendungen nach Luxemburg und der Schweiz. 1. August an fönnen im Verkehr mit Luxemburg und der Schweiz die auf eingeschriebene Briefsendungen, Wertbriefe und Wertfästchen eingezogenen Nachnahmen, sowie die auf Bostaufträge eingezogenen Beträge auf ein Bostschecktonto bei der Postverwaltung des Bestimmungslandes übertragen werden. Schulgeld an den Baugewerkschulen. Mit Rüdsicht darauf, daj es vielen Schülern der staatlichen Baugewert schulen in Der jezigen teuren Zeit schwerfällt, bas erhöhte Schulgeld am Beginn des Schul- Halbjahres für das ganze Schul- Halbjahr in einer Summe zu bezahlen, bestimmt, wie den B. B. R. mitgeteilt wird, der preußische Handelsminister, daß das Schulgeld, obgleich es mit dem Eintritt des Schülers in die Anstalt für ein volles halbes Jahr fällig wird, in zwei Raten entrichtet werden kann. Die erste Rate des halbjährlichen Schulgeldes ist am Tage des Schulbeginns, die zweite einzuziehen. Rate in den ersten 8 Tagen des nächsten Kalendervierteljahres Bezirksamt III übernimmt die Steuergeschäfte. Das Bezirksamt III( Wedding) hat am 20. d. M. die Geschäfte des BezirksSteueramts III und der Steuerlassen III A( früher XI), III B ( früher XIII A) und III C( früher XIII B) übernommen. Damit sind in seine Zuständigkeit die Veranlagungsgeschäfte und die Einziehung der von der Stadtgemeinde verwalteten Steuern( Beherbergungs-, Luftbarkeits-, Sunde-, Grund-, Zuwachs-, Gewerbeund Betriebssteuer und Kanalisationsbeiträge) innerhalb seines Verwaltungsbereichs übergegangen. Die Diensträume des Bezirkssteueramts III befinden sich zur Zeit noch im Stadthaus, Stralauer( Jüden-) Straße, 1. Stod, Eingang Jüdenstraße. Die Steuerfassen verbleiben in ihren bisherigen Diensträumen. Der Dezernent der Bezirkssteuerverwaltung hat seinen Amts im Ledigenheim am Brunnenplay, Schönstedtstraße 1. Der Wasserverbrauch Berlins in den Higetagen. Der Wasserverbrauch in Groß- Berlin war in den letzten Monaten außergewöhnlich groß. In der Higeperiode vor acht Wochen hat es Tage gegeben, an denen fast 300 000 Kubikmeter Wasser nur von den städtischen Wasserwerken Berlins abgegeben wurden. Also fast soviel wie 1916, wo an einem Tage einmal 320 000 Rubikmetr in Berlin verbraucht wurden. In den letzten Tagen sind rund 290 000 bis 300 000 Rubikmeter gefördert worden. Butter- Auktion. Die 18. Butter- Auftion am vergangenen Freitag zeitigte folgende Ergebnisse: Zugeführt und verkauft 529 Faß Mollereibutter. Oldenburger von 9. 25,90 27,90 M., Hanno versche von M. 25,70 27,60 M., Schleswiger von M. 25,90 27,30 M., Medlenburgische von D. 25,60-26,60 M., Ostpreußische M. von M. 22,30 26,40 M., Westpreußische von M. 24,40 26,40 M., Bommersche von M. 24,90 26,10 M., Altmärker von M. 25,70 M., Westfälische von M. 25,70 M., Neumärkische von 26,00. Borsigwalde Wittenan. Die Jugendweihe findet am 25. September, vormittags 9% Uhr, in den Borsigwalder Festfälen statt. Anmeldungen beim Genossen W. Gebauer, Schubartstraße 32, und O. Gehrmann, Konradstraße 6, 2 Tr. Genossinnen, beteiligt euch rege an dieser Feier und erbringt dadurch den Bemeis, daß die Arbeiterschaft die religiöse Heuchelei verwirft und daß an unserem Orte fein Bedarf für den Bau einer Kirche vorhanden ist. Dies tönnen wir nur erreichen, wenn jeder Arbeiter seine Kinder vom Religionsunterricht befreit. Brottartenstichwort. In der Woche vom 1. bis 7. August darf Brot und Mehl nur auf die Brotkarte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwort Dr. Thompsons Seifenpulver" tragen. Die städtische Rettungsstelle 5, Neukölln, Kirchhofstraße 23, wird ab 1. August nach Neukölln, Prinz- Handjernstraße 9, verlegt. Zu den Gewerbegerichtswahlen. In dieser in der SonnabendMorgennummer erschienenen Notiz muß es im letzten Absatz heiBen, daß vor dem Kriege für die Arbeitgeber und nicht Arbeitnehmer( tleine Geschäftsleute) die sozialdemokratische Partei eine Liste aufstellte" etc. „ Wunder des Schneeschuhs." Der einzigartige Naturfilm aus der Gletscherwelt der Schweizer Alpenriesen wird in der TreptowSternwarte vorgeführt: Sonntag, den 31. Juli, nachmittags 6 und 8 Uhr, Mittwoch, den 3. August, abends 8 Uhr, Sonnabend, den 6. August, abends 8 Uhr. Außerdem finden noch folgende Bor träge statt: Sonntag, den 31. Juli, nachmittags 4 Uhr: Japan, Land und Leute( farb. Lichtb. u. Filme), Dienstag, den 3. August, abends 7 Uhr: Unser Planetensystem"( Vortr. mit Lichtb. von Dir. Dr. Archenhold), Sonnabend, den 6. August, nachmittags 5 Uhr: Das malerische Indien( farb. Lichtb. u. Filme). Mit dem großen Fernrohr werden bei_flarem Wetter und Auftreten von Flecken von 2-7 Uhr die Sonne, von 7%-11 Uhr Firsterne, Doppelsterne und Sternhaufen beobachtet. Führungen durch das astronomische Museum finden täglich von 2 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends statt. Stehen geblieben ist ein filaseidener Regenschirm am Mittwoch in der Erwerbslosenfürsorge Breite Str. Der ehrliche Finder wird gebeten, denselben bei Kuphal, Elsasser Str. 32, abzugeben. Wer ist der Tote? An der Fennbrücke landete gestern die Leiche eines noch unbekannten Mannes. Der Tote ist etwa 25 bis 30 Jahre alt und 1,66 Meter groß, hat dunkelblondes, langes Haar, bartloses Gesicht und trug eine graue ManchesterKniehose, einen blauen Rod, ebensolche Weste, schwarze Strümpfe und Militärschnürschuhe. Bei sich hatte er einen Schlüssel mit der Nummer 253. Die Leiche wurde dem Schauhause überwiesen. Acht Tage im Wasser gelegen. Am vorigen Sonnabend ertrant beim Baden im Müggelice der 23 Jahre alte Martin Böttger. Gestern nach acht Tagen wurde seine Leiche in der Nähe des Restaurants Prinzengarten" aus dem Wasser gezogen und dem Schauhause in Köpenia zugeführt. Jugendbewegung Sozialistische Proletarierjugend. Jugendfefretariat C2, Breite Str. 8-9. Donnerstags Materialausgabe 7-10. Often: Montag und Mittwoch Rasent Spiele, Friedrichshain. Freitag im Jugendheim Gr. Frankfurter Str. 16, pt. Weißenfce: Leonhardt, Pistoriusstr. 16. Mittwoch, Freitag. Brenzlauer Berg: Montag, Dienstag und Donnerstag, Rasenspiele auf dem Ererzierplay. Freitag, Schule Greifenhagener Straße. Rosenthaler Borstedt: Dienstag Borttag in der Shule Ruppiner Str. 48. Gonnteg Wanderung. Rerben: Dienstag und Freitag bei Lohmann, Suffitenstr. 43. Montag und Donnerstag Rasenspiele, Humboldt hain. Gesundbrunnen: Dienstag, Schile Gotenburgstr. 2. Wedding: Dienstag Mitgliederversammlung, Müller, Ede Triftstraße. Mistwech Arbeitsgemeinschaft bei Lautant, Rorbuser 11. Freitag Rasenspiele. Treff 7 Uhr, Virchow- Krankens haus. Sonnabend und Sonntag Nachttour. Moabit: Dienstag Krüger, Butlig Straße 10. Charlottenburg: Echule Spreestr. 29. Dienstag, Freitag. Mittwoch, 8 Uhr, Wiemers, Bülowstr. 58. Funktionärßigung des Agitationsbezitts Welten. Weften: Wiemers, Bülowftr. 58. Montag Spielabend. Mittwoch Funktionärs igung des Agitationsbezirks. Freitag Vortrag des Genojien Krämer. Siden: Schule Wasserthorstr. 31-32. Dienstag, Donnerstag Spielen, Tempelhofer Feld ( Wald). Nerföln: Jugerbheim Friebelstr. 58. Montag Lejeabend. Jugend heim Schierfeftr. 44. Dienstag 2nrtrag: Familie und Sozialismus. Freitag, Monatsversammlung. Mittwoch und Donnerstag Sportplak Grenzallee. Bris:. Jugendheim Chauffeeftr. 48( Rathaus). Montag, Donnerstag. Adlershof: Barade Hafenbergstr. 14. Dienstag. Lichtenberg: Seipfe, Kronprinzenstr. 47. Dienstag, Freitag. Baumschulenweg: Jugendheim Ernititr. 16. Donnerstag, Sonnabend. Lantwig: Charlotten- Ede Seidligstraße. Mittwoch. Ernste Mahnung an die Deutschen Hausfrauen! Die Frau als Hausärztin! Arbeitersport Freie Arbeiter- Samariter Kolonne Neuföfn. Jeden Freitag abend um 7 Uhr Lehrabend bei Kophamel, Thomas, Ede Bodestraße. Arbeiter- portfartell Rentölln- Brig. Montag, den 1. August, abends pünktlich Der wichtigen 7½ Uhr, Sportfartellsigung im Lotal Frant, Ganghoferstr. 1. Tagesordnung wegen muß jeder Verein vertreten sein. Geschäftliches Unter der Firma Weininger& Co., Berlin NO 18, Große Frentfurter Str. 10f ( direft am Strausberger Play) ist ein neues Gardinen und Teppich- Spezial gelüft eröffnet worden. Eine unverbindliche Besichtigung des in prächtigen Räumen neuzeitlich untergebrachten großen Lagers it lohnend, zumal uns die Firma versichert, nur vom Guten das Beste zu bringen und mit dem kleinsten Nugen zu arbeiten. Wir verweisen auf die fleine Anzeige in der heutigen Ausgabe. Ihre Marke?? CANDE wenn Sie Kenner und Feinschmecker sind! Jogal ärztlich empfohlen gegen: Gicht, Rheuma, Ischias, Herenschuß, Nerven und Kopfschmerzen. Togal stillt prompt die Schmerzen, scheitet die Harnsäure aus und geht direkt zur Wurzel des Uebels. Keine schädlichen Nebenwirkungen Klinisch erprobt! Apotheken erhältlich Die ungeheure Revenanspannung des Welts krieges und seiner Folgen kann ohne Schaden nur gut gemacht werden, wenn die Gesundheitspflege, zur höchsten Aufgabe der Frauen gemacht mirb. Aber die Unwiffengeit unter den Frauen auf dem Ballens Gebiete der Gesundheitspflege und Heilkunde ist geradezu beängstigend. Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Frauen an Krankheiten sterben, die fie aus Schamgefühl vor der Behandlung des Argtes Derheimlichten, wie viele unter dem Drucke dieses unwürdigen Zustandes leiden und wie viele bei rechtzeitiger Aufklärung gerettet würden. Treten nicht die meisten Bräute leichtsinnig in die Ehe ohne jede Renminis der Bflichten gegen fich selbst und ihre künftige Familie, von den Eltern über die wichtigsten Aufgaben des Ehelebens total im Dunkeln gelaffen? In keinem Haushalte sollte daher das berühmte große Prachtwerk von Frau Dr. med. Anna Fischer- Dückelmann fehlen. 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Wie wäre es sonst möglich, daß die Foch und Hindenburg, die Conrad und Brussilow, die Helfferich und Lloyd Georges, die Clemenceau und Apponyi in der Welt das große Wort führen und daß die Hohenzollern, | Sonntag, 31. Juli 1921 teien, die ihn gestern herbeigeführt haben, und die, wenn sie noch einmal zur Macht gelangen, ihn wieder, wenn es ihr Gie politischer Vorteil erfordert, herbeiführen werden. wollen feinen Krieg, die Bauern, die Kleinbürger, die fleinen Beamten, die geistigen Arbeiter. Aber sie sehen mit scheelen Augen den Aufstieg der Arbeiterklasse, der ein igen wahren Friedensmacht, an, stemmen sich ihr entgegen, wo sie die Ketten der alten Sklaverei noch nicht zerbrochen hat, und schirmen damit die Schürer und Nuz nießer des Krieges. Sie haben nicht nur zum großen Teil vergessen, was sie durch den Krieg gelitten, sondern sie haben es auch nicht gelernt, die Zusammenhänge zu durchschauen, die von der Politik zum Kriege als zu ihrem notwendigen Ergebnis führen. Sie haben es noch immer nicht begriffen, daß das Gefäh! an sich, sei es noch so mächtig, die Einsicht, sei sie noch so flar, in der Stunde der Entscheidung nur dann eine feste Organisation zusammengefaßt und zum Hebel, zum Beweger eines handelnden Armes wird. Ob sie wohl kommen wird, die Zeit, von welcher Romain Rolland mit dem adelnden Glauben des großen Dichters und des noch größeren Menschen in seinem Drama verkünden läßt, die Zeit, da alle Menschen die Wahrheit wissen werden, da sie Pflugscharen schmieden werden aus Schwertern, Sicheln aus Lanzen, und da der Löwe weiden wird neben Schafen?" Ob sie wohl kommen werde, ob sie im Anzug sei, fann man, muß man mit bangen Zweifeln, mit lodernder Empörung an dem Tage fragen, an dem vor sieben Jahren das Entsetzen entfesselt wurde, dessengleichen niemals, seitdem Menschen mit einiger Bewußtheit ihre Geschichte len fen, über die Menschheit hereingebrochen ist. Sieht man sich diese in ihrem allergrößten und allerwichtigsten Teile noch immer von Waffen strogende, von Haß erglühte, von den Leidenschaften des Krieges verblendete Welt an, dann wäre Nach dem Englischen des W.N. Ewer von Eduard Bernstein zu einer wirksamen geschichtlichen Kraft wird, wenn sie durch man schier daran, über dieses hoffnungsloseste Geschlecht der Menschen zu verzagen, über dieses Geschlecht, das den Krieg erlebt hat und doch so beschaffen ist, wie wir sie noch heute mit schaudernden Augen sehen. Es gab eine Zeit, wo alle, die für die Befreiung der Menschheit aus den Ketten des Elends, der Sklaverei und Dummheit gefochten haben, nichts so sehr gehakt haben als die verfluchte Bedürfnislosigkeit der Massen, die sie Not und Würdelosigkeit ertragen ließ. Nun hat es den Anschein, daß ein fast schlimmerer Feind allen Bestrebungen, die die Menschheit auf eine höhere und reinere Stufe des Daseins erheben wollen, entstanden ist in der Vergeßlichkeit der Massen, die in ihrer übergroßen Zahl heute, nicht einmal drei volle Jahre seit dem Tage, da sie sich dem Joche des Krieges entwunden haben, schon nicht wissen, was sie gelitten, wie sie zugrunde gerichtet wurden, was ihnen die Mächtigen von ehemals angetan haben. Renan schrieb einmal, daß das Vergessen die Strafe ist, die die menschliche Seele über die häßlichen und schmerzhaften Erlebnisse verhängt, und er pries diese Eigenschaft des seelischen Lebens, denn nur sie befähige den Menschen, unendliches Leid zu ertragen und nach seiner Ueberwindung weiter zu leben. Aber wer es sich vergegenwärtigt, in welche Hölle die Menschheit hineingestoßen wurde, welches Leid, welche Schmach und Erniedrigung ihr zugefügt wurde und wie wenig innerlich gewandelt sie heute noch die Kreise dieser Hölle durchwandert, der würde wohl wünschen, daß die unsagbare Pein, die wir alle erlitten, das Verbrechen, das an uns allen verübt wurde, stets gegenwärtig bleibe und wie am ersten Tage in der Seele brenne. Denn nur aus der anschaulichen Gegenwart dieser Eindrücke kann die Kraft wieder erstehen, die die Menschheit befähigt, endgültig mit allen, mit der Gesellschaftsordnung, deren natürliches Kind der Krieg ist, und mit den Trägern dieses wahnsinnigen Systems abzurechnen. Diese Kraft ist aber, außerhalb des Proletariats und einiger aufrichtiger, ehrlich denkender und tief fühlender Menschen, nirgends vorhanden, und darum gilt es, sie, die sich so rasch verflüchtigt hat, wieder aufzurichten. Niemals wohl hat ein Gefühl so tief von fast allen Menschen Besiz ergriffen als der Haß gegen den Krieg und seine Urheber, so lange er noch währte. Die pielen Millionen Mönner, die die staatliche Gewaltmaschine aufgegriffen und sie gegen ihren Willen zu Mördern, Brandtiftern, Räubern gemacht hatte; die ungezählten Millionen Frauen, denen die Männer, die Kinderschar, denen der Bater, die Mütter, denen die Söhne geraubt, getötet, entführt wurden; die unübersehbare Schar der Siechen, die durch Hunger und Harm, durch Tuberkulose und Schmuk, durch Läuse und Syphilis um Leben, Gesundheit, Lebensfreude gebracht wurden; alle, die durch die täglichen Lobpreisungen dieses Gemezels, durch das die ganze Welt in ein einziges Schlachthaus verwandelt wurde, in allen ihren menschlichen Gefühlen und Gedanken beleidigt und erniedrigt wurden; all die, und wer könnte denn ihre Namen nennen, waren während des Krieges nur von einem Gedanken beherrscht: Nie mehr Krieg! Krieg dem Kriege! Bestrafung der Kriegsverbrecher! Krieg der Ordnung der Dinge, deren Schoße dieses Ungeheuer entsprungen ist! Trotz alledem hat sich aus dieser von Haß und Efel_ge= schüttelten Welt eine, an der Zahl der Menschen gemessen, verhältnismäßig nur fleine Gruppe losgelöst, bei der sich Der fommende Krieg Visionen vor 1914 Von Wilhelm Lamszus Zu denen, die das Verbrechen des Weltkrieges kommen sahen, gehörte Wilhelm Lamszus. Niemand hat die Greuel des Krieges auch nach dem Kriege so furchtbar geschildert wie er in seinen Büchern„ Das Menschenschlachthaus" und das Irrenhaus", die bereits vor dem August 1914 teils ge brudt, teils drudfertig waren. Wir veröffentlichen heute aus dem Irrenhaus"( Pfadweiser- Verlag, Hamburg) zwei Kapitel. Wen follte diese Vision nicht ergreifen: die französische Armee, die Hoch Deutschland", die deutsche Armee, die„ Frankreich hurra!" ruft. Die Wirklichkeit hat Lamszus nicht Lügen gestraft, sie ist nur noch nicht soweit wie der Dichter. Unsere Aufgabe ist es, zu kämpfen, bis der Tag des Weltfriedens gekommen sein wird. Der Arbeiter Einer, der hier unter uns lag, ein einarmiger.Krüppel, dem der rechte Arm bis zum Ellbogen weggerissen ist, bekam heute mittag einen Brief. Als sie ihm den aufmachten und er ihn las, stand er plöglich auf, brach in Verwünschungen aus und stürzte drohend zur Tür hinaus. Was war das für ein Mensch?... Schon damals auf dem Marsch, wenn ich die Leute miteinander reden hörte, wie sie da ihre Ansichten zum besten gaben, ergriff mich plötzlich das Gefühl, in einer fremden Welt zu sein. Und eine dumpfe Ahnung stieg in mir empor, daß diese Menschen ja ganz anders waren, als wir sie uns gedacht. Es war, als paßten fie gar nicht mehr in diesen Krieg hinein. .. Eine Szene sehe ich noch deutlich vor mir. Jenen Abend im Biwat. por der ersten Schlacht... wie ich allein unter dem Zeltdach lag. die Kameraden waren noch draußen am Wachtfeuer; denn es gab Teepunsch. Ich aber war hineingetrochen, weil ich mich hundsmüde fühlte. Da tamen zwei und legten sich auf ihre Tornister. Sie hatten mich nicht in dem dunklen Zelt gesehen und fingen eine Unterhaltung an, die nicht für Zuhörer beStimmt war. Zwei Arbeiter waren es, beide aus meinem Zug. Der eine war in der letzten Nacht auf Patrouille gewesen. ,, Nun Les", sagte er, und seine Stimme flang merkwürdig aufgeregt, morgen geht's los. Was sagst du nun?" Leo aber sagte nichts, sondern schwieg sich aus. E Fünf Seelen Dieses Gedicht ist im ersten Kriegsjahr in der Londoner Ration", einem Organ ber bürgerlichen Demokratie Englands, erschienen. Die erste Seele. Ich war ein Bauer in Polenland, Als die Botschaft tam, der Deutsche bedroht Die slavische Welt, Kampf sei das Gebot, In den Kampf ich zog, und den Tod ich fand. Für die Freiheit starb ich, des war ich froh, Denn die mich riefen, die sagten mir's so. Die zweite Seele. Auf den Bergen Tirols, da war ich zu Haus, Ich stieg herunter mit frohem Mut Ins Feld gegen Rußlands hündische Brut, Und auf Polens Feld hauchte den Geist ich aus. Für die Freiheit starb ich, des war ich froh, Denn die mich riefen, die sagten mir's so. Die dritte Geele. Vom Webstuhl in Roubair her stellt' ich mich ein, Als Preußens Despot, der von Frieden stets sprach, Gegen Belgien und Frankreich den Frieden brach, Und in Belgien nun bleicht mein zerschossen Gebein, Für die Freiheit starb ich, des war ich froh, Denn die mich riefen, die sagten mir's so. Die vierte Geele. Ich bebaute am Main ein kleines Gut, Als von Feinden umringt das Vaterland rief: ,, Auf, man will uns vernichten!" und willig ich lief Zu den Fahnen- in Frankreich vergoß ich mein Blut. Für die Freiheit starb ich, des war ich froh, Denn die mich riefen, die sagten mir's so. Die' fünfte Seele. Am Clyde müht' ich rüftig im Schiffbau mich ab, Da hörten von Krieg wir bei Tag und Nacht, Wie Belgien uns braucht' gegen Uebermacht, Ich stellte mich und fand im Meere mein Grab. Für die Freiheit starb ich, des war ich froh, Denn die mich riefen, die sagten mir's so. Habsburger und Romanows es wagen dürfen, daran auch nur zu denken, die Zügel der Macht wieder zu ergreifen? Wozu wachsen in den Wäldern Bäume, aus denen Galgen gezimmert werden können, wozu werden Verbrecher erschoffen, wozu baut man Gefängnisse, wenn noch keinem einzigen aus der Reihe der Urheber unseres Unglüds das gefügt haben? widerfahren ist, was sie Millionen unschuldiger Menschen zuGewiß wollen die Menschen in ihrer übergroßen Zahl graben. Gewiß lebt auch heute in ihnen noch der Haß gegen feinen Krieg. Gewiß wollen sie nicht zurück in den Schüzenden Krieg und gegen jene, von denen sie annehmen, daß sie ihn herbeigeführt haben. Sie wollen feinen Krieg, aber fie lesen tapitalistische 3eitungen. Sie wollen feinen Krieg, aber sie lassen ihre Kinder in„ patriotischem" Geist erziehen. Sie wollen feinen Krieg, aber sie schimpfen auf die Revolution, die die Front„ erdolcht" habe. Sie wollen feinen Krieg, aber sie geben ihre Stimmen den Par,, Weißt du, Leo", fuhr die erregte Stimme fort,„ ich tomme" nicht drüber weg. Am liebsten möchte ich die Flinte nehmen und sie an den nächsten Stein zerschlagen!" „ Das laß man lieber bleiben", bemerkte der andere trocken. „ Weißt du," hob der Patrouillengänger wieder an, als ich so im Graben lag, und die drei tamen da so angeritten. Ganz deutlich fonnte ich die Uniform im Mondlicht sehen. Franzosen waren es, da war fein Zweifel dran. Du, so muß einem zumute sein, wenn man zum erstenmal auf der Jagd ist und hat den Hirsch vorm Rohr. Ganz hiddelig war mir dabei. Und dann, als ich abdrückte und einen stürzen sah, wie wir dann zusprangen, und da lag er, lag und bewegte nur noch die Arme hin und her, wie so'n Kaninchen, wenn es ein paar hinter die Löffel gekriegt hat... die Angst auf einmal! Wie wenn das einer von den Unsrigen ist, ein Arbeiter wie wir? Ein Proletarier! Und ich, ich hab ihn hinterrüds erschossen?! Weißt du noch, Leo, wie wir von der letzten Versammlung nach Hause gingen, wie wir uns schwuren, niemals die Hand zum Brudermord zu erheben! Weißt du es noch!... und nun! Heiß war seine Stimme geworden und dunkles Schweigen lastete auf beiden... Da sagte der Kamerad ruhig und klar, und meine Seele jubelte ihm zu: ,, Wenn wir nicht schießen... dann schießen sie eben uns." " Rein, Leo! sie schießen nicht!" rief der andre leidenschaftlich aus, fie schießen nicht, wenn wir nicht schießen!" In diesem Augenblick wurden draußen Stimmen laut, Füße= getrampel, schwahend und schimpfend tamen die Kameraden hereingetrochen, und es dauerte nicht lange, da fing es rings zu schnarchen an. Jch aber lag noch lange wach und suchte zu begreifen, was ich eben vernommen hatte. Aber das Verhängnis brach über uns herein, noch ehe ich Zeit hatte, das Rätsel zu Lösen. Hier nun auf diesem mühseligen Krantenlager habe ich's be= griffen. Zu meiner Rechten liegt ein Metallarbeiter aus Han nover, ein fluger, gescheiter Mensch. Er hat einen Schuß durch das Kniegelenk erhalten, und obwohl er große Schmerzen leidet, verschmäht er es, sich zu beklagen. Ich habe mit ihm Freundschaft geschlossen und ihm erzählt, wie wir als Meuchelmörder unsern Hauptmann mordeten. ,, Wissen Sie auch, wie es im Herzen dieser Meuchelmörder ausgesehen hat", sagt er und sieht mich mit großen Augen an ,,, wissen Sie das? Sie waren ja selber täglich mit ihnen zusammen. Haben Sie einmal gehört, wie der deutsche Arbeiter von dem französischen spricht? Und glauben Sie, daß es da drüben anders war? Ich sage Ihnen, hätten jene, die diesen Krieg einst zu verantworten haben, gewußt, wie es um diese Menschen stand, fie hätten sie nicht gegeneinander losgejagt. Ehe der Krieg ausbrach, war ich brunten in der Schweiz auf dem Friedenstongreß der zehn So ist es den großen Mezgern, den militärischen und politischen und auch den wirtschaftlichen, gelungen, ihre so arg bedrohte und erschütterte Herrschaft aus dieser Sintflut von Tränen und Blut hinüberzuretten, ihre durchbrochene und erdolchte Front wiederherzustellen und über die verarmte, verseuchte, um jede Lebensfreude betrogene Welt wieder ihre blutige Peitsche zu schwingen. Aber wie langsam auch die Entwicklung der Revolution im Westen, wie groß auch ihre Rückschläge in Mitteleuropa sein mögen: die Macht und Einficht des Proletariats ist doch in stetem Wachsen begriffen und aus seiner Bewegung dringt allmählich in die Massen der Nichtdenkenden, der Vergeßlichen die Einsicht, daß nur die Herrschaft der arbeitenden Menschen, eben durch ihre Aufrichtung, die Verbrechen des Krieges sühnen und die blutige Gefahr fünftig bannen wird. Zu dieser schweren und opfervollen Arbeit schöpft das Proletariat die Kraft aus dem Anblick der durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung zertrümmerten und geschändeten Welt. Die Millionen toter Brüder, die Blinden und Verkrüppelten, die Waisen und die Witwen, die zugrunde gegangenen und die nichtgebornen Kinder, die vernichteten wirtschaftlichen und sittlichen Güter, der ganze Jammer dieser Welt steht in dieser Nacht des Gedenkens auf und wie die von ihm Ermordeten dem König Richard in Shakespeares Tragödie, so ruft dieser Zug der vom Krieg ermordeten Menschen und Güter der kapitalistischen Welt zu: Verzweifle und stirb! Bis zur Vernichtung! ,, Im übrigen meine ich, daß Englands Weltherrschaft zu zerstören sei!" So müßte jeder Aufsatz schließen, der sich Seit Englands Kriegserklärung an uns mit unserem Verhältnis zu England beschäftigt. Aber wie selten liest man solche Worte. Täglich enthalten unsere Zeitungen Aeußerungen der Entrüstung über Englands ,, Falschheit",„ Selbstfucht",„ Krämergeist" ,,, Rassenverrat",„ Geldgier"," Reid" und" Mißgunst"; aber wie wenige dieser Aeußerungen schließen anders, als mit dem Ausdrucke einer schwachen Hoffnung, daß wir auch gegen England siegreich sein werden. Man tönnte fast glauben, daß die Verfasser dieser Aufsätze die Sachlage nicht vollkommen übersehen. England hat uns durch seine brutale Kriegserklärung zu ertennen gegeben, daß es dem deutschen Volke die Wege seines AufStieges zur Weltmacht nicht freigeben will, daß es uns rüdsichtslos schaden will, wo und wie immer das möglich ist. Diesen bösen Willen müssen wir brechen, foste es, was es wolle. Wir 67 Millionen Deutsche sind nicht gewillt, die Schmach auf uns zu nehmen, daß uns von den 45 Millionen Engländern der Fuß auf den Nacken gesetzt wird, wir sind nicht gewillt, uns unsere Zukunft durch einen bösartigen Neider zerstören zu lassen. Darum muß der Kampf mit England bis zur Vernichtung dieser Macht ausgefochten werden. Frankreich, Rußland und Belgien müssen in einen Zustand der Ohnmacht versezt werden, daß fie uns dabei nicht stören fönnen. Das ist unter feinen Umständen zu erreichen, wenn wir diesen Gegnern nicht entsprechende Friedensbedingungen auferlegen, wenn wir sie nach dem Wunsche der Freunde sogenannter„ Kulturpolitik" ohne Gebietsverlust mit einer mäßigen Kriegsentschädigung davonkommen lassen. Admiral z. D. Breufig, 1915, in der alldeutschen Presse. Millionen. Und als wir da unter dem Jubel einer ganzen Stadt ins Münster zogen, und als wir dann unter dem Läuten der Kirchenglocken die Hände ineinander legten, wir zehn Millionen bis in n Arbeiter Europas, und uns Brudertreue gelobten Tob... tönnen Sie sich ein Bild davon machen, wie mir in diesem Krieg zumute war? Ich wundere mich noch heute, daß ich nicht auch den Verstand verloren habe." Kaum hat er das gesagt, da öffnet sich die Tür, und strahlend von der Abendsonne umflossen steht im Rahmen ein schwarzbärtiger, hochgewachsener Mann... ein Franzose... ein Offizier ist es, den Arm in der Binde. Ohne Degen steht er da, sieht zu uns her und bannt uns alle mit seinen leuchtenden Augen Plötzlich stürzt er auf den an meiner Seite los.„ Konrad, bist du's!" schreit er ihn an und ruft es in so wohllautendem Deutsch, daß ich an eine Sinnestäuschung dente. Der aber an meiner Seite richtet sich mühselig auf, lacht ihn an und streckt ihm beide Hände entgegen. Und der feurige Mann fällt auf die Knie, und sie brüden einander an die Brust und fönnen vor Freude nur stammeln. Und nun fizen Sie Hand in Hand, die beiden Erbfeinde, und werden nicht müde, sich zu erzählen. Und dann beugt er sich über das zerschossene Knie des Freundes. Langsam erhebt er sich. Weißt du noch, Konrad," ruft er ,,, damals in Basel, als wir die Hände ineinander legten, wir Franzosen und ihr Deutsche, und uns gelobten, niemals das Blut der Brüder zu vergießen. Siehst du, nun haben wir's doch getan und uns zu Krüppeln gemacht! Aber wart nur, und er redt die gesunde Faust,„ der Mord, er wird gebüßt. Draußen die Regimenter, sie werden einander finden. Konrad, ich sage dir, die Menschheit wird des Blutes genesen sein!" Hochaufgerichtet, wie zum Schwur, steht er, und Begeisterung loht aus seinen schwarzen Augen. als Mir wird so feierlich zumute, so bang und grauenfüß. ob ich etwas Großes schauen soll und licht und flar wird es vor meinen Augen. Nun weiß ich, was es war. Ein Vorhang wie vom Himmel bis zur Erde schwebt zur Seite. Und draußen auf dem Felde sehe ich die Völker stehn. sehe sie einander gegenüber zur Schlacht gereiht. Schwermut und Grausen im Ge sicht, bäumen sie vor einander zurück. Denn sie sollen die Kugel richten auf des Bruders Herz. sollen die Klinge bohren in des Bruders Brust, die von teinem Saß, von teiner Feindschaft weiß. Leidenschaftlich zu einander hingezogen, jubelnd sich an die Brust zu finden, tun fie von Tag zu Tag nichts anderes, als werfen be= sinnungslos Zentner von Dynamit auf einander. Weh uns! Weh allen miteinander! Das ist das furchtbare Geheimnis dieses Krieges! Wir haben ja alle miteinander nicht an diesen Krieg geglaubt! Ungläubige find wir hineingezogen und wußten nicht, wozu wir sterben sollten! Ja, hätt man uns gegen Räuber und Barbaren aufgerufen, Weib und Kind und unsere heiligsten Güter 3n jenen Tagen Im September 1914 sollte der Internationale Sozialistentongreß in Wien, etwas später der Pa rteitag der deutschen Sozialdemofratie in Würzburg stattfinden. Die friedlichen Vorbereitungen für diefe Tagungen wurden durch den wilden Kriegslärm unterbrochen. Der österreichischen Militärclique war der Thron folgermord sehr gelegen gefommen. Sie wollte den Krieg und verhinderte durch ihr hinterhältiges diplomatisches Trugspiel eine schiedliche Beilegung des neuen österreichisch Serbischen Konfliktes. Die Wiener Regierung richtete am 23. Juli ihr Ultimatum an Serbien, das nichts anderes als die Niederknüppelung jeden Versuchs war, den Kriegs, ausbruch zu verhindern. Selbst das Blatt der Zechenbarone, die Rheinisch- Westfälische Zeitung", erklärte: ,, Das österreichisch- ungarische Ultimatum ist nichts als ein Kriegsvorwand, aber diesmal ein gefährlicher. Wie es scheint, stehen wir dicht vor einem österreichisch- serbischen Kriege. Es ist möglich, daß wir osteuropäische Brände mit Gewehren löschen aus Verträgen oder aus dem 3mange des Tages. Aber es ist ein Standal, wenn die Reichsregierung nicht in Wien ver langt hätte, daß solche Endgebote ihr vorher vorgelegt werden. Heute bleibt nur eines übrig, zu erklären: Für Krieg der habsburgischen Eroberungspolitik find mir nicht verpflichtet." Auch die sozialdemokratische Presse durchschaute selbstverständlich die Absichten der österreichischen Kriegstreiber und fie machte gleichfalls die deutsche Regierung mitverantwort lich für alle fünftigen Schritte Desterreichs. Am 25. Juli erließ der Parteivorstand folgenden Aufruf: ,, Noch dampfen die Neder auf dem Balkan von dem Blute der nach Tausenden Hingemordeten, noch rauchen die Trümmer verheerter Städte, verwüsteter Dörfer, noch irren hungernd arbeits lose Männer, verwitwete Frauen und verwaiste Kinder durchs Land, und schon wieder schickt sich die vom österreichischen Im perialismus entfesselte Kriegsfurie an, Tod und Berderben über ganz Europa zu bringen. Verurteilen wir auch das Treiben der groß- serbischen Nationalisten, so fordert doch die frivole Kriegs provokation der österreichisch- ungarischen Regierung den schärften Protest heraus. Sind doch die Forderungen dieser Regierung so brutal, wie fie in der Weltgeschichte noch nie an einen felb tändigen Staat gestellt sind, und können sie doch nur darauf bes rechnet sein, den Krieg geradezu zu provozieren. Das tlaffenbewußte Proletariat Deutschlands erhebt im Namen der Menschlichkeit und der. Kultur flammenden Protest gegen dieses verbrecherische Treiben der Kriegsheter. Es fordert ge bieterisch von der deutschen Regierung, daß sie ihren Einfluß auf die österreichische Regierung zur Aufrechterhaltung des Friedens ausübe, und falls der schändliche Krieg nicht zu verhindern sein sollte, sich jeder triegerischen Einmischung ents halte. Kein Tropfen Blut eines deutschen Soldaten darf dem Machtfitel der österreichischen Gewalthaber, den imperialistischen Brofitintereffen geopfert werden. Parteigenossen, wir fordern euch auf, sofort in Massenversammlungen den unerschütterlichen Friedenswillen des tlassenbewußten Proletariats zum Ausdruck zu bringen. Eine ernste Stunde ist gekommen, ernster als irgendeine der letzten Jahrzehnte. Gefahr ist im Verzuge! Der Weltkrieg droht! Die herrschenden Klassen, die euch im Frieden tnebeln, verachten, ausnuten, wollen cuch als Kanonenfutter mißbrauchen. Ueberall muß den Gewalt habern in den Ohren flingen: Wir wollen teinen Krieg! Nieber mit dem Krieg! Soch die internationale Völkerverbrüderung!". Am 29. Juli trat in Brüssel noch einmal, zum legtenmal, bas internationale sozialistische Bureau zu fammen, um von den Vertretern aller durch den Weltfrieg bedrohten Nationen Erklärungen über die politische Lage in ihren Ländern entgegenzunehmen. In einem einstimmig gefaßten Beschluß forderte es die Proletarier aller beteiligten Nationen auf, die Kundgebungen für den Frieden nicht nur fortzusetzen, sondern zu verstärken. Das deutsche und franzöfifche Proletariat sollte fraftvoller als je auf ihre Regierungen in dem Sinne einwirken, daß Deutschland auf Desterreich einen mäßigenden Einfluß ausübe und daß Frankreich bei Rußland bewirte, daß es sich nicht in den Konflikt hineinmenge. Die Proletarier Großbritanniens und Italiens sollten diese Bestrebungen aufs energischste unterstützen. Die Sigung des Bureaus beschloß, sofort einen internationalen Kongreß nach Paris einzuberufen, der dem entschlossenen Friedenswillen des gesamten Proletariats der Welt zum entschiedenen Ausdrud bringen sollte. Wenige Tage später brach der Krieg aus, der Kongreß fonnte nicht mehr abgehalten werden. Aber im Anschluß an die Sigung des internationalen Bureaus wurde in Brüssel eine gewaltige Friedenstundgebung veranstaltet, an der gegen Sunnen und Mongolen zu beschüßen, wir wären jauchzend in den Tod gestürmt und in die Schlacht gezogen wie zu einem Fest. Doch da es nicht gegen Hunnen und Mongolen ging, fon= bern gegen Menschen unsersgleichen, Menschen unserer Qual und unserer Sehnsucht, da es nur galt, blühende Dörfer und Städte zu entwölfern, so zogen wir zu diesem Schlachtfest der Kultur, den Schauder Goites im Genid! Kulturverwüster, das war das Kainsmal, das unsichtbar auf unseren Stirnen brannte! Das war es, was uns allen miteinander als Entsegen in den Gliedern lag! Wie in ein Irrenhaus sind wir in diesen Krieg gezogen, und Geiftestrante waren wir, eh noch der erste Schuß gefallen! Das Ende Aufs Feld hinaus, oftwärts fährt die Eisenbahn. Der Wagen ist vollgestopft von Verwundeten, die alle nach der Heimat wollen. Ohne Gefühl, wie abgestorben lieg ich hier am Boden. Mein Herz ist so merkwürdig ruhig, als ob es eingeschlafen wär... und ich mit ihm. Und doch ist diese Luft in fieberhafter Spannung. Aufruhr und Revolution schwirren durch die Eisenbahn. Der Irrsinn ist erwacht und redet laut aus Blut und Wunden. Ja, nun ist's zu spät. Run sind die Geister los. Geschossen und gehauen haben fie bis auf den letzten Augenblid, bis es so viele Tote waren, daß der Zorn der Lebendigen erwachte. Nun haben Hunger und Krankheit das vollendet, was die Verzweiflung begonnen. Jch starre zum Fenster hinaus. Meine Schläfen sind zerbrochen. An Dörfern vorbei fliegen wir, an Häusern, die in Brand ge schossen sind und deren Fenster ausgestorben. Vor einem einsamen Ziegelhaus liegt noch der Bauer vor der Tür. Nicht weit davon unter der Linde seine Frau. Pferdekadaver sehe ich, die von Verwefungsgafen wie Blasebälge aufgetrieben find. Die Erde ist zerwühlt. Tornister, zerbrochene Gewehre, Kochgeschirre liegen zu beiden Seiten des Bahndammes. Ich mag nichts sehen und mag auch nichts mehr hören. Ich lehne mich mit dem Kopf gegen die Wand und schließe die Augen. Ich merke noch, wie mir der Kopf vornüberfällt, als fiele er vom Rumpf zu Boden. Wie ganz von weitem hör ich sie noch reden, Stimmen aus einem fernen Märchen. Wie lange ich so gelegen hab weiß ich nicht. Als ich wieder zu mir tomme, stehen sie an den Fenstern, haben die Scheiben heruntergezogen, minten und schreien hinaus. Immer aufgeregter gebärden fie fich. Und einer wendet sich zu uns, stammelnd, schluchzend. Die Tränen stürzen ihm aus den Augen. Ich stehe auf und dränge mich hinzu. Langsam fahren wir durch ein Soldatenlager. Sie haben Zelte aufgeschlagen, soweit das Auge reicht. Hinten ist jogar ein Kanonenpart: Franzosen sind es, zwischen denen wir hindurchfahren, ein richtiges Franzojenbiwat... und nun wieder deutsche Regimenter... und dort auf jenem Hügel zwei Fahnen... ich traue meinen Augen nicht, es sind die deutschen und franzöftviele Tausende von Arbeitern teilnahmen und die den Red-| nern der Internationale stürmische Ovationen bereiteten. Der Kriegsausbruch aber war nicht mehr aufzuhalten. So unfähig sich die deutsche Regierung zu ernster Friedensarbeit zeigte, so geschickt verstand sie es jetzt, den patriotischen Taumel zu wecken und auch die proletarischen Massen in den Wirbel zu ziehen. Die Regie der Kriegstreiber siegte über den Friedenswillen der Arbeiterschaft. Und in den letzten Tagen des Juli schon waren die reformistischen Staatsmänner aus den Reihen der Sozialdemokratie bereit, der Regierung des Krieges durch den Ozean von Blut und Tränen zu folgen. Während die Arbeiter noch Riesenkundgebungen gegen den Krieg veranstalteten, schrieb Fried= Die Wortemacher des Krieges Erhabne Zeit! Des Geistes Haus zerschossen mit spigem Jammer in die Lüfte sticht, doch aus den Rinnen, Rigen, Kellern, Gossen befreit und jauchzend das Geziefer bricht. Das einzige, wofür wir einig lebten, des Brudertums in uns, das tiefe Fest, wenn wir vor tausend Simmeln niederbebten, ist nun der Raub für eine Rattenpest. Die Tröpfe lallen, und die Streber frächzen und nennen Mannheit ihren alten Kot, daß nur die fetten Weiber ihnen lechzen, wölbt sich die Ordensbrust ins Morgenrot. Die Dummheit hat sich der Gewalt geliehen, die Bestie darf hassen, und sie fingt! Ach, der Geruch der Lüge ist gebiehen, daß er den Duft des Blutes überstinkt. Das alte Leid! Die Unschuld muß verbluten, indes die Frechheit einen Sinn erschwigt. Und eh' nicht die Gerichtsposaunen tuten, ist nur Berzweiflung, was der Mensch besitzt. Franz Werfel. rich Stampfer, der jetzige Chefredakteur des„ Vorwärts", in einem Korrespondenzartikel in der Parteipresse der Provinz: ,, Wenn die verhängnisvolle Stunde schlägt, werden die Arbeiter das Wort einlösen, das von ihren Vertretern füz fie abgegeben worden ist. Die vaterlandslosen Gesellen werden ihre Pflicht erfüllen und sich darin von den Patrioten in feiner Weise übertreffen lassen." Nach den bisherigen öffentlichen Kundgebungen der Par tei bestand für die Genossen im Lande fein Zweifel darüber, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Kriegs kredite ablehnen würde. Am 31. Juli war der Kriegszustand erklärt worden, die Presse durfte nicht mehr frei reden, Ver sammlungen fonnten nicht mehr veranstaltet werden, die brutale Fauft der militärischen Machthaber hatte sich auf das öffentliche Leben Deutschlands gelegt. Am 1. August tam die Meldung, daß Jaurès, der Führer der französis schen Sozialisten, der große Friedensfreund, von einem Eine Mordbuben meuchlings getötet worden war. Zeit der ungeheuersten Spannung und der tiefsten feelischen Depression! Alles blidte nach Berlin, wo am 3. August die entscheidende Fraktionsligung stattfand. Die Verweigerung der Kredite für den Krieg war nunmehr die einzige Gelegenheit, den herrschenden Klassen zu zeigen, daß das Proletariat auch in dieser Stunde nichts mit ihrer Politit zu tun haben wolle. Aber es fam anders! Die Reichstagsfraktion beschloß mit großer Mehrheit, die Kredite zu bewilligen. Es war, wie der Kriegs patriot Konrad Saenisch zwei Jahre später schrieb, ein in seiner Art schlechterdings beispielloser Frontwechfel". In dem Vorwort zu seinem Buch über die Neichstagsreden gegen die deutsche Kriegspolitif sagte Sugo Saase von jenen Stunden: Verwirrt und enttäuscht schauten die Wurzelfesten auf die Führer, diese schwammen mit dem Strom." Die Arbeiter in dem Lande wußten in der Tat zu erst nicht, was sie mit diesem Ereignis beginnen sollten. Hatten ihre Reichstagsabgeordneten besondere Informa tionen von der Regierung erhalten, die sie davon überzeugen mußten, daß die unbedingte Unterstützung der deutschen schen Farben, die sich im Sonnenlicht ineinander schmiegen. Und den Bahndamm entlang zu beiden Seiten stehen sie dicht gedrängt plaudernde Gruppen.. Franzosen und Deutsche durcheinander, schwazend und Pfeife rauchend, die Erbfeinde auf Tod und Leben, sie lachen und winten uns zu; denn aus allen Fenstern den ganzen 3ug entlang streden sich fragende Köpfe und find verdugt wie wir. Wie auf Kommando haben jene Taufende bie Räppis vom Kopi gerissen, schwingen sie jubelnd im Sonnenschein und Vive l'Alle magne! faucht es von allen Seiten uns entgegen. Frankreich hurra! ertönt es bonnerstimmig wieber. Ein brausendes, sturm erwachtes Meer. Durch einen Jubelsturm fährt unser 3ug, wie ein Triumphzug rauscht er hin und hat doch nichts als Tote und Verwundete geladen.. Borüber ist das schredensschöne Bild und grüßt uns fingend aus der Ferne. Mir ist's, als wär ich durch einen Traum gefahren. So unfagbar ist es gewesen, daß wir alle still geworden find... Bergebens versuche ich mir ein Bild von alledem zu machen. Ich faß es nicht. Es ist schon Abend. Da fahren wir in Koblenz ein. Zwei Stunden Aufenthalt. Der Bahnhof ist voll Menschen. In unsern Wagen tommen sie hinein und bringen Brot und Gläser noll Milch und Wein und Früchte. Es schwirrt vor meinen Augen hin. Der Schwindel steigt in meinem Blut, daß ich die Menschen, die vorüberhaften, als Schatten nor den Augen sehe. Es ist abends neun Uhr, da fahren wir zum Bahnhof hinaus. Böllerbund pon Europa", das war das legte, was ich sprechen hörte. Dann schwand mir das Bewußtsein. Als ich erwachte, war es wieder Tag. Auch Samburg ist in den Händen der Friedenspartei", berichtet jemand. Es soll sehr blutig zugegangen sein." Da schred ich auf. Wachholder huschen an den Fenstern vorbei. Wir fahren durch die Lüneburger Heide. Morgengrau liegt sie da draußen. Hier bin ich manchesmal in glüdlicherer Zeit gefahren. In Harburg kommen wir an... ,, alles aussteigen!" Die Verbindung nach Hamburg ist zerstört. Die Schienen find demoliert... Was nun? Kriegspolitik zur Verteidigung des von allen Seiten anges griffenen Vaterlandes geboten sei? Ach nein, die Fraktion mußte schon damals wissen, daß es sich um den Beginn eines Eroberungskrieg es handelte, für dessen Ausbruch die deutsche Regierung in vollem Umfange mit verantwortlich zu machen war. Am 4. August legte die deuts sche Regierung dem Reichstag ein Weißbuch vor, aus dem für jeden, der sehen, wollte, die Mitschuld der deutschen Regierung am Kriege flar vor Augen lag. Aber die Mehra heit der Fraktion wollte nicht sehen. Sie glaubte an das Märchen von dem ruchlos überfallenen Deutschland. Mit vollem Recht stellte Rosa Luxemburg in ihrer Juniuse broschüre folgendes fest: ,, Das Weißbuch erklärt uns flipp und flar: 1. daß die österreichis sche Regierung vor ihrem Schritt gegen Serbien Deutschlands Ein verständnis eingeholt hatte; 2. daß die deutsche Regierung fich vollkommen bewußt war, daß das Vorgehen Desterreichs jum Kriege mit Serbien und im weiteren Berfolg zum europäis chen Kriege führen würde; 3. daß die deutsche Regierung Desterreich nicht zur Nachgiebigkeit riet, londern umgekehrt ers flärte, daß ein nachgiebiges, gefchwächtes Desterreich fein würde voller Bundesgenosse mehr für Deutschland sein könnte; 4. daß die deutsche Regierung Desterreich vor dessen Vorgehen gegen Serbien auf alle Fälle ben Beistand im Kriege fest zugesichert hatte, und enblich 5., daß die deutsche Regierung fich bei alldem die Rontrolle über das entscheidende Ultimatum Desterreichs an Serbien, an dem der Weltkrieg hing, nicht vorbehalte, sondern Oesters reich völlig freie Sand gelassen hatte." Nur eine Minderheit von 14 Abgeordneten ertannte damals den wirklichen Sinn des Krieges und stimmte in der Fraktion gegen die Bewilligung der Kredite. In der entscheidenden Sigung des Reichstags unterwarfen sich bis auf Genossen Frizz Kunert, der sich an der Abstimmung nicht beteiligte, alle Abgeordneten ber Sozialdemokratie dem bisher üblichen Fraktionsawang, so dah nach außen der Eindruck der einstimmigen Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion zu den Kriegskrediten hervorgerufen wurde. Sugo Haase, der in der Fraks tionssigung vom 3. Auguft die Bewilligung der Kres bite am heftigsten befämpfte, ließ sich aus Parteidisziplin dazu bewegen, in der Sigung des Reichstages eine Erklä rung der Fraktion als ihr Vorsitzender und als Vorsitzender der Partei vorzulesen. In seinem schon erwähnten Buch schrieb Hugo Haase über jene Tage: Die wenigen unter ihnen( der Führer), die den alten Grunds Jägen die Treue bewahrten, trennten sich aus Solidaritätsgefühl nicht von ihren Kampfgenossen. So entstand das Bild einer einzigen burgfriedlichen Sozialdemokratie, In Wahrheit offenbarten sich Ihon beim Ausbruch des Krieges starte Gegenfäge innerhalb der Sozialdemo= tratie, die bis dahin latent geblieben waren. Mit 13 Frats tionsgenollen forderte ich am 4. August 1914 in der Fraktion die Ablehnung der Kriegskredite als Konsequenz unserer prinzipiellen Gegnerschaft gegen das herrschende System, dem die Verantwor tung für den imperialistischen Krieg zuzuschreiben sei. Die Mehrheit der Fraktion bestritt, daß die deutsche Regierung auf Er oberungen ausgehe, und stimmte für die Bewilligung der Kriegstrebite, bekundete aber den Entschluß, dak. falls der Krieg den Charakter eines Eroberungstrieges annehmen sollte", der entschiedenste Widerstand geleistet werden müsse. Da nach einer festen Tradition die Fraition im Reichstage ftets gefchloffen auftrat. die Minderheit sich der Mehrheit fügte, so wurde in der Reichstagsligung vom 4. August für die gesamte Frattion eine einheitliche Erklärung abgegeben." Aber es dauerte nicht allzu lange, fo begann fich im Lande die Opposition gegen die Kriegspolitit ber leitenden Parteiinstanzen zu regen. Erst tastend, vereinzelt und zerstreut erhoben sich im Proletariat Stimmen, die die Abkehr von de, mverderblichen Wege forderten; immer stärfer wuchs ihr Chor an, vergeblich waen alle Unterdrüdungsversuche, Weder die Gewaltstreiche des Parteivorstandes, noch die Brutalität der militärischen und zivilen Machthaber haben zu verhindern vermocht, daß die Opposition in der Partei von Monat zu Monat wuchs und schließlich den Boden ebnete, auf dem brei Jahre später die Unabhöngige Sozialdemokratische Partei Deutsch= lands fich bilden konnte. Der Profeffor telegraphierf Beim Frühstüc fiel es auf, wie ausgezeichneter Stims mung der Kaiser war, augenscheinlich von der größten Klarheit und Zuversicht. Unter anderem äußerte er feine lebhafte Genugtuung über die schweren Verluste des Gegners, Professor Wegener, 19. Oftober 1916. heißer Strom des Lebens schwillt durch meine Adern. Tie Hoffs nung, daß ja alles nur ein Traum gewesen sei... Aber links und rechts sebe ich Säuser, deren Fenster zerschlagen find. Das Mauerwert ist abgebrödelt. ... Und der Kutscher erzählt. mie Nie zwei Tage lang die Stadt beschossen haben, beschossen? da, unsere Häuser haben sie bes choljen! Sier diese Straßen entlang sind die Kugeln geflogen und durch die Fensterscheiben in die Wohnungen gedrungen? Und drei Minuten weiter ist mein Haus! Mein Herz steht auf unb hämmert, gegen die Schläfen. Ich will vom Wagen springen und das legte Ende laufen. Da stehen wir auf einmal wie nor einer Vision und können nicht hindurch. Denn nschen, nichts als Menschen, unablehbar fluten sie bahin: ein ungeheurer Trauerzug, ein Leichenzug von einem Ende bis zum anderen der Stadt. Fahnen, feierlich mit Trauerflor umhangen, schweben über diesem Schwarzen Meer. Vor meinen Augen fahren sie dahin: Leichenwagen, einer nach dem andern. Und auf jedem liegen Särge. ,, Das sind die Opfer der Belagerung." Es werden immer mehr. Minutenlang... ich mein, es find. Schon Stunden, daß der Totentanz vorüberschwebt. Gefichter uns bewegt, Männer und Frauen, barhäuptig schreiten sie dahin.. Soldaten mit geschultertem Gewehr... Mir ist's, als sähe ich in jedem Sarge ausgestreckt die Leiche liegen. Kleine Särge, Kinderjärge find dabei. Da fommt ein schwarzbehangner Karren. Ein großer Sarg, zwei fleine ihm zur Seite. Eine Mutter und ihre Kinder," höre ich eine Stimme lagen. Da bin ich vom Wagen gesprungen, mitten durch die Menschen hindurch. Zwischen Gespenstern und Fragen hindurch in die stille Straße geflohen. Ich bin allein. Da. um die Ede... und da ist mein Haus. Der Garten ist zerwühlt Dachziege! liegen umber. Bligartig hab' ich es erfaßt. Da reiß ich die Haustür auf. Kein Mensch zu sehen. Der Staff ist von den Wänden ge fallen. Die Tür zersplittert und oben das Dach... Der Simmel fieht hindurch... eine Granate st durch das Dach gefahren ,, Dora!!" schrei ich,„ Dora!!" Zu Fuß hinüber... zwischen einem aufgeregten Menschenschwarm hindurch schreite ich der Elbbrüde zu. Wagen fommen mir nach. Alle mit verwundeten Solbaten befeht. Ich winte, ich rufe einem zu. Er hält. Ich steige auf und faure mich in eine Ede nieder. Der Wagen rattert über das Pflaster. Mein Kopf drauf, wie es geschieht. Und siehe, es ist ba: spannt sich, aber mein Herz hält aus. Nun tann es nicht mehr lange dauern. Schon sind wir über die Rozderelbe hinüber und fahren in die Stadt hinein, tommen am Sauptbahnhof vorbei und biegen in eine Nebenstraße. Ein paar Kinder tommen aus einer Tür gesprungen. Sand in hand laufen Sie die Straße hinunter. Ach, wie das zauberhaft mein Herz berührt. Ein Und falle auf die Knie. Blut beffedt den Boden, dunkles, ge trodnetes Blut. Ich starre drauf. Ich liege da fühllos wie ein Ein Schrei erfaßt die Mauern. Die Fenster fliegen auf, und bie Bolaune des jüngsten Gerichts fährt durch bas Heus. Von roten Fahnen flattert rings die Luft, die Marseillaise steigt, der Schrei der wunden Menschheit steigt empor. Barmherzig sentt sich über mich die schwarze Nacht. Ehrendoktor Hindenburg Von Kole Koff Unter den zahlreichen Rednern, die am 31. Juli zu den Tausenden sprechen werden, die für den Gedanken„ Nie wieder Krieg!" demonstrieren wollen, werden die Vertreter gewisser Körperschaften fehlen, obwohl gerade sie zu solchem Dienst am Volte sich besonders berufen fühlen sollten. Kein Minister wird unter den Rednern der Friedensdemonstration sein, obwohl sie nicht nur aus innerem Herzens: bedürfnis, sondern auch aus politischer Klugheit jede Gelegenheit ergreifen sollten, die ihnen ein öffentliches und feierliches Betenntnis zum Pazifismus gestattet. Vor allem aber werden die deutschen Professoren fehlen, die wissenschaftlichen Zierden unserer Hochschulen, die so gern die Berufung der geistigen Führerschaft dem ganzen Volfe gegenüber für sich in Anspruch nehmen. Sie werden am Sonntag sicher nicht den Weg zum Volke finden, obwohl es nur die paar Schritte von der Universität zum Schloß find, just der Weg, den sie vor der Revolution mit beson derem Hochgefühl zu gehen gewohnt waren. Dafür wird es vielen von ihnen nicht zu weit sein nach dem Stadion im Grunewald, wenn der Frontkämpfectag" die Heerschau über die wahrlich nicht wenigen abhalten wird, die am Kriege noch nicht genug haben. Es wird für die Professoren eine Ehrenpflicht sein, dort zu erscheinen, denn diese Heerschau hält ein Mann ab, der sein Haupt mit fast noch mehr Doktorhüten schmücken fann als seine Brust mit Orden. Hindenburg, doctor honoris causa,( b. h. Ehren- Doktor), wohl aller Fakultäten aller deutschen Universitäten und Hochschulen. Selbst die evangelische Gottesgelahrtheit hat es fertiggebracht, diesen und andere Feld: herren gleichsam zu solchen zu stempeln, die der Ausbreitung des Reiches Chrifti, das nicht von dieser Welt" ist, bejon deren Vorschub geleistet haben, und nur die katholische Theologie hat davon abgesehen, ihm zur höheren Ehre Gottes" ihre akademische Würde zu verleihen. Diefe massenweise Ernennung von Hindenburg, Luden dorff und anderen Kriegsverlierern zu„ Ehren- Doktoren" wirft ein helles Schlaglicht auf die geistige Verfassung der deutschen Hochschule. Eine Knechtseligtett fonder gleihen spricht aus ihr. So belanglos die Angelegenheit an fich ist es lohnt sich schon, auf die Naturgeschichte des Ehrendoktorats der Generale einzugehen. Es wird sich da bei erweisen, wie sehr die deutsche akademische Welt in ihrer überwiegenden Mehrheit einer Geistesart und Gesinnung verhaftet war und ist, über deren„ Schuld" am Kriege nicht mehr gestritten zu werden braucht. 11 Der Doktor- Titel ist ein afademischer Grad, der nach längerem Studium, Ablegung einer Prüfung und Herstel lung einer wissenschaftlichen Arbeit auf Antrag erworben werben tann. Er lann aber auch ehrenhalber" verliehen werden und zwar entweder an hervorragende Wissenschaft ler oder an Laien", die abseits der Universität bedeutende wissenschaftliche Leistungen vollbracht haben. Als der blut junge Student Friedrich Nießsche auf Grund seiner wissenschaftlichen Arbeiten von der Universität Basel zum ordentlichen Professor ernannt wurde, beeilte sich die Uni versität Leipzig, ihm den Doktortitel zu verleihen, ohne daß er darum ersucht hätte. Ebenso verlieh die Universität Leip: zig dem heute hochbetagten Völkerkundler Eduard Seler den Doktortitel auf Grund einer außergewöhnlichen Arbeit chne weitere Prüfung. Die Maler Hans Thoma und Max Liebermann erhielten den„ Dr. h. c." auf Grund ihrer bedeutenden tunsthistorischen und funstfritischen Arbeiten. Daß Gerhart Hauptmann und Thomas Mann den Ehren- Doktor erhielten, hat seinen guten Sinn in ihren schöpferischen Leistungen auf dem Gebiete der deutschen Literatur, während Goethe, der erste deutsche EhrenDoktor, diese Würde für seine wissenschaftlichen Arbeiten er halten hat. Das alles ist sinngemäß und logisch.„ Ehrendoitor Hindenburg" dagegen ist eine Unmöglichkeit, ist Widersinn und nur erklärlich aus dem Bedürfnis der Selekterniedrigung. In feinem Lande der Welt ist je der Ehren Dottor" für militärische Leistungen verliehen worden. Nir gends ist man auf den Gedanken gelommen, aber einen Helm Den Tokioihut zu stülpen. In Jianfreich schlägt der Patriu tismus des Siegers gewiß hohe Wogen, aber hat man je davon gehört, daß der Generaliffimus Foch zum Ehren boktor der Universität Paris ernannt worden wäic? Er ist Mitglied der Académie und vertritt bort bie tranzufliche Armee, die von jeher einen der Unsterblichen" gestellt hat. In England war Lord Kitchner allerdings Dr. h. e. Aber die Universität Orford verlieh ihm die, en Titel niat etwa für die Einnahme von Khartum, wie die Universität Königsberg Hindenburg für die Schlacht Sai Tannenberg, jondern in Anerkennung seiner geographischen und archäologischen Arbeiten von hohem wissenschaftlichen- Wert. 99 In Deutschland dagegen hat man an Hindenburg und Lu dendorff und noch viel kleinere Geister dugendweise die Doktorwürde verliehen, ohne daß je einer diefer Herren auch nur die geringste wissenschaftliche Leistung aufweisen konnte. Den Ehren- Doktor verleihen, heißt:„ Wir rechnen es uns zur Ehre an, wenn du den gleichen Titel trägst wie wir, wenn wir dich zu den Unsern rechnen können!" Wo aber jede| Voraussetzung dazu fehlt, in dem zu Ehrenden einen zu sehen, der sich um die Wissenschaft verdient gemacht hat, bekommt diese Handlung eine andere Deutung.„ Wir, die deutschen Wissenschaftler, sind tief durchdrungen davon, daß ein General hoch über uns steht. Geben wir ihm, ehrenhalber, unsern Titel, und vom Glanze des Allgewaltigen wird ein Widerschein auf uns arme Schächer fallen, die als Landsturm= leute und Armierungssoldaten der Ehre gewürdigt wurden, Offizierslatrinen zu reinigen und vor jedem Schnösel von Leutnant die alten Knochen zusammenreißen zu dürfen. Als deutsche Professoren sind wir nichts, als Kollegen unseres Ehrendoktors Hindenburg fühlen wir uns irgendwie als ein Teilchen der Allmacht." Man muß wissen, mit welch a b grunbtieferera tung das preußische Offiziersforps auf jede wissenschaftliche Bildung herabjah, wie es sie geradezu hakte. Hindenburg rühmte sich, seit seiner Kadettenzeit nie wieder ein Buch aufNach dem Kriege gehe ich unter die Sozen und suche wir Laternenpfähle aus, aber einen ganzen Saufen, denn es müßte einer ganzen Hydra zuleibe gegangen werden, wenn es besser werden sollte. Großadmiral v. Tirpitz am 13. 11. 1914. 2 gemacht zu haben, das nicht für den„ Kgl. Dienst" in Frage fam. Der Standpunkt der meisten Offiziere war der jenes ihnen geistesverwandten österreichischen Abgeordneten, der den unsterblichen Ausspruch tat: Wissenschaft ist das, was ein Jub' vom andern abschreibt." Im deutschen Seere war es verboten, einen akademischen Grab, den man etwa besaß, zu führen. Und es ist nicht anzunehmen, daß auch nur Dantschreiben an solch allzu dienstfertige Universität etwa die Unterschrift trug: ,, Dr. h. c. Hindenburg". Wer als Akademiker oder auch nur sonstwie gebildeter Mensch gedient hat, weiß, daß bei den„ Preußen" ein gerade. zu raffiniertes System bestand, um das Selbstbewußtsein der Menschen, die etwas wußten, zu brechen. Der Mensch begann erst mit dem Reserveleutnant. Und ein Professor, der aus Gründen des Alters oder ,, unmilitärischer Schlappheit" dieses höhere Menschentum nicht mehr erreichen konnte, blieb das Stück Kanonenfutter, das er war. Für alle Ehrendoktors" der Welt hätte man sich nie dazu verstanden, auch den berühmtesten Gelehrten zum ,, Gefreiten h. c." zu er nennen. Man tannte andere„ Ehrungen". In der Dolmetscherschule zu Berlin rief man beim Appell diejenigen auf, die ihre Prüfung in mindestens vier Sprachen abgelegt hatten. Die fommandierte man aum Klofettreinigen. Das mit sie auch ja davon überzeugt wurden, wie tief sie unter dem Feldwebel vom Dienst standen, der zwar nicht richtig Deutsch konnte, aber auf der militärischen Sproffenleiter dem „ Ehrendoftor" Hindenburg erheblich näher stand. schullehrer, denen man kein taudinisches Joch zu errichten Genug. Es ist legten Endes ganz gut, daß deutsche Hochbraucht, um sie friechen zu lehren, nicht unter uns sein werden. Uns genügt es, Männer wie Fr. W. Förster zu den Unse= ren zu zählen, den zwar die Kommilitonen des gräflichen großen Waffe der arbeitenden deutschen Menschen ein wahrer, Mörders Arco in München nicht lesen lassen, der aber der hochberehrter Lehrer" ist und der, wo er auch gerade weilen mag, nicht unter denen fehlen wird, die mit dem Rufe ,, Rie wieder Krieg!" den Verbrechern vom 1. August fluchen werden. Tirpitz der Prophet 11 Kinder und Narren sagen die Wahrheit. So lautet ein altes Sprichwort. Der Krieg hat uns noch eine Gattung Wahrheitsführer, die nicht auf ihre Kosten gekommen sind, und die nun tünder gebracht: die perärgerten Generäle und Heere schwiegen haben. Zu dieser Menschengaitung gehört auch Tire aus Wut über das Mißgeschick aussprechen, was sie früher ver piz, Erbauer der deutschen Flotte, Großadmiral und Bater landsparteiler in einem. Er hat seine Erinnerungen", die im Verlag Kohler, Leipzig, erschienen sind, durch ein Tagebuch ergänzt, das uns Aufzeichnungen bringt, die Tirpik im großen Sauptquartier zu Luxemburg und später in Charleville gemacht hat. Aus diesen Aufzeichnungen geht hervor, daß Tirpitz und sein Kreis schon im September 1914 die Niederlage und die Revolution voraussahen. Tirpig bekundet auch offen, daß die NiederRepolution, sonern, daß sie lommen mußte durch die Unfähigkeit lage nicht etwa verschuldet worden ist durch das Bolt oder die der herrschenden Schichten. Wir geben nachstehend einige Aufzeichnungen des großen Propheten wieder: Luxemburg, 15. 9. 1914. Sier ist die Krisis noch gar nicht vorüber; sie wird sich euch auch noch in hohen Personalverände rungen fenntlich machen. über die ich nicht schreiben mag. Ich tann mich ja täuschen, aber ich würde Falkenhayn nicht gewählt haben, obendrein mit sehr großen Befugnissen. Bei der Irmee wird heftig gekämpft, und die von allen Seiten veranlaßten Verstärkungen werden nicht mehr zur richtigen Zeit ans tommen. Das ist alles sehr fatal, und die Siegestollheit der Bers liner Zeitungen, die mit schon stets unangenehm war, stößt mich je't noch mehr ab. Luxemburg, 20. 9. 1914. Durch den Zusammenbruch, den ich angedeutet habe und der in Berlin schon überall bekannt ist, find allein die furchtbaren Opfer ohne Erfolg gebracht worden und ist Deutschland. in eine überaus gefährliche Lage ges fommen. Alles ist letzten Endes der Spielerei zu verdanken. Bielleicht rettet uns das Volk und seine Kraft. Mit dem bisheris gen Klassen- und Rastenwesen ist es vorbei. Sieg oder Niederlage, wir bekommen die reine Demokratie. Luxemburg, 21. 9. 1914. Wie ist dieser Krieg schwer, und vor allem die große, große Gefahr, daß alles Blut umsonst gefielsen sein sollte. Die Stellungnahme von Rumänien muß fich jetzt entscheiden; schlägt sie gegen uns aus, so weiß ich faum, was werden soll. Amerita steht init seinem Herzen auf Seite Englands. die Franzosen werden vorzüglich geführt, während das bei uns leider nicht der Fall gewesen ist. Körperlich ist Moltte zusammengebrochen. Laß feinen Ton darüber verlauten, a ber äußerst gefährlich ist unsere Lage geworden, meil Desterreich völlig versagt hat. Sie sollen noch 500.000 Mann in Galizien haben, von 800 000 Mann Ausgerüdten. Hier im Westen ist die Lage für uns schon sehr schwer geworden. Luxemburg, 27. 9. 1914, enn das deutsche Volk ein maldahinterlommt, gibt es ein Unglück. Wie soll diefer Krieg enden, darin liegt das Rätsel der Zukunft. Mit den felben Leuten, die ihn jo töricht eingeleitet haben oder ich haben treiben lassen, die auf der ganzen Welt nichts bemerkt und vor= hereitet haben, mit diesen Leuten soll ein brauchbarer Frieden geschlossen werden? Das scheint mir wahrhaftig eine Quadratur des 3irtels. Charleville, 18. 10. 1914. Gine sehr große Enttäuschung steht unserem Bolte in jedem Falle doch bevor, wenn man seine Riesenleistungen und seinen Blutverlust berüdsichtigt. Wenn wir in der inneren Politik nicht die Zügel in die Hand nehmen, so werden wir nachher gezwungen werden zu Reformen, die über das Verständige hinausgehen. Das tann aber nach der Verfajfung nur der Reichstanzler. Unsere Verfallung paßte für den alten Kaiser und Bismard; fie paßt aber nicht für den Duraichnitt. Die Berfassung und Leitung besteht aber nur aus zwei Augen, das ist ein Methodenfehler, Wenn aber bie zwei Augen einmal unter dem Durchschnitt sein sollten, so ist das schlimm. Wenn der Krieg langlam verfumpfte und einschliefe, wie Jagow glaubt, so wäre es aus mit Deutschlands Weltstellung. Wir sind so umgeben von Haß und Uebelwollen der ganzen Welt, daß nur ein ganzer großer Sieg uns helfen kann. Man denke: nicht nur der saß der Feinde, Sandern fast sämtlicher Neutralen, vielleicht mit Ausnahme von Schweden und der deutschen Schweiz. Dazu der Kriegsantak Serbien!! Wir werden in der ganzen Welt als die Antifter angesehen. Charleville, 13. 11. 1914, Jch habe gelitten und leide noch mehr, daß unsere ganze Politit der legten Jahre Blöd= finn war und daß die Leitung des Reichs jo total persagte und es noch tut Ich wollte ja froh sein, wenn ich persönliches Vertrauen zur hiesigen Armeeleitung hätte. Be urteilen fann ich das freilch nicht, meine Nase will aber durchaus nicht heran. Mehr ist gar nicht zu berichten, als daß alles zum Etehen getommen ist. Im Often fiehen neue zwanzig deutsche und österreichische Korps gegen 48 russische. Die Bundesbrüder ählen freilich nur halb. Die Türken freien ſchon jest nach Munition, und wir haben teine abzugeben, ganz abgesehen davon, daß Rumänien nichts mehr durchläßt. Nach dem Kriege gehe ich unter die Sozen und fuche mir Laternenpfähle aus, aber einen ganzen Haufen, denn es müßte einer ganzen Sydra zuleibe gegangen werden, wenn es besser werden sollte. Charleville, 22. 11. 1914. Es wird den Leuten in der WilhelmStraße Schwer gelingen, mich als Sündenbed hinzustellen, dazu wiffen zuviel Leute das Verfahren des Auswärtigen Amtes im Juli, das wahnsinnige Sineinschlittern in den Krieg. Charleville, 26. 3. 1915. Serr v. N. hat vollständig recht: es ift ein unerhörtes Bersagen unserer Oberschicht, mitverschuldet durch die Spike. Ich habe das ja die ganze Zeit jahrelang tommen sehen. Wie oft hatte ich dir gefagt; Wie die Katastrophe einmal lommen pird, müßte ich nicht, fie müte aber tommen. Deshalb ist es so fürchterlich, mit dabei gewesen zu sein. * Faltenhayn sagt, er tönne nichts mehr machen. Charleville, 29. 3. 1915. Die Stimmung ist hier sehr gedrückt. Den Desterreichern traut man gar nichts mehr zu. Mein Oberstabsarzt sagt, der Kaiser betete förmlich nach einer Ablösung burch Abschiebung der Verantwortlichkeit, aber dann stößt er auf die Mauer und stökt auf sein Selbstgefühl, Der alte Jauuschauer schrieb mir, der Kaiser würde sich wundern, was von seinem Königreich Preußen noch übriggeblieben wäre nach dem Krieg. Charleville, 8. 4. 1915. Der Kaiser la voller Siegesnachrichten; andere dürfen an ihn nicht herangebracht werben, u. a. ist in Indien Riesenaufstand" usw. Die Wissen= schaft der blassen Trübsal. Reft& Einzelpaare Morgen Schluß unseres Ausverkaufs Nach beendetem Saison- Ausverkauf ist eine grössere Menge Rest- und Einzelpaare übriggeblieben, die wir in den Innenräumen unserer Geschäfte übersichtlich zusammengestellt haben. 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Bohnsdorf- Grünau: Priebke, Paradiesstr. 12 Borsigwalde: Gebauer, Schubertstr. 32 Brig: Mittag, Chausseestr. 82 Bruchmühle, Kr. Niederbarnim: F. Preuß, Buchholzer Str. 52 Charlottenburg: F. Sternkifer, KöniginElisabeth- Str. 6b; Köhnke, Wallstr. 90 Eichwalde: Käthner, Bahnhofstr. 89 Erkner: Warzelhan, Mittelfir. 20 Fichtenau bei Rahnsdorf: Kräste, Waldstraße 28, 3.- 8. Fredersdorf: Rechenberg, Lange Str. 15 Friedenau: Petermann, Rheinstr. 28, Ecke Rönnebergstraße Friedrichsfelde: Furmanski, Viktoriaftr. 1 Friedrichshagen: 3.- 8., Kurze Str. 1 Grünau- Falkenberg: Schedone, Köpenicker Str. 92 Heinersdorf: Wisniewski, Tiniusstr. 58 Hennigsdorf: Korbafinsti, Rathenaustr. 3 Hermsdorf: Sorauer, Kaftanten- Allee 2 Herzfelde: M. Smolibocki, Hauptstr. 75 Hohenneuendorf: Müller, Schönfließer Str. 5 Hohenschönhausen: nach Sped. Weißensee, Langhansstraße, 3.- 3. Johannisthal: Kieper, Friedrichstr. 38 Karlshorft: Lohrmann, Dönhoffstr. 34 Kaulsdorf: Scholz, Doßstr. 8 Bezugspreis für die Freiheit" bei täglich zweis maligem Erscheinen Mk. 10.- frei Haus, durch die Poft bezogen Mk. 10.-, per Streifband für Deutschland und Desterreich Mk. 20.-, für das übrige Ausland Mk. 27,00, per Brief bezogen für Deutschland und Desterreich, Mh. 95.-. Sämtliche einschlägige Parteiliteratur in allen Speditionen erhältlich. Anzeigen- Annahme ebendaselbst. Königswusterhausen: Döhring, Schwarzkopfstr. 98, siehe Wildau Köpenick: 3.- 3, Schlag, Stieger Str. 6 Lichtenberg: Reifemiz, Tasdorfer Str. Paul Schulze, Gitelstr. 30; Stimming, Weichselstraße 28 Lichtenrade: 3.- 3., Viktoriaftr. 3 Lichterfelde: 3.- 3., Kaiser- Wilhelmstr. 3 Lichterfelde- Dst: 8.- 3., Hindenburgdamm 85 Mahlsdorf: Mertens. Wilhelmstr. 1 Mariendorf: 3.- 8., Chauffeeftr. 29. Marienfelde: Greulich, Kirchstr. 27 25; Mittenwalde b. 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Kuserau, Scheidstr. 12 Stralau: Senne, Laskerstr. 2 Steglitz: Berufee, Mommsenstr. 59 Südende: Zwintschert, Brandenburgerstr. 7 Tasdorf: Teige, Schulzenhöhe, Bogelsdorfftr. 1 a Tegel: Eide, Brunowstr. 46 Teltow: Häfel, Rühlsdorferstr. 37 Tempelhof: 3.- 3., Kaiser- Wilhelm- Str. 13 Treptow: Weiß, Kiefholzstraße 18b Belten: Moltke, Luisenstr. 40 Waidmannsluft: Ernst Eng, Platanenftr. 12 Weißensee: H. Luck, Langhansstr. 119 Wildau: Döhring, Schwarzkopfstraße 98 Wilhelmshagen: Kohlhagen, Moltkestr. 24 Sebastianstraße 37/38 Filiale Berlin Sebastianstraße 37/38 Achtung! Achtung! Damen- Konfektion( Kostüme, Mäntel) Um Montag, den 1. Auguft, abends 6 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58,59, Branchen- Versammlung Tagesordnung: 1. Wie hoch ist die neue Teuerungszulage? 2. Unsere Wirtschaftslage. Referent: Kollege W. Schumacher. Mitgliedsbuch oder skarte legitimiert; obne dies oder mit mehr als 6 reftierenden Wochenbeiträgen kein Zutritt. Die Branchenleitung. Berliner LandpachtGenossenschaft eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Dienstag, den 9. Auguft, GARDINEN abends 7 Uhr, im Berliner jeder Art, Tischdecken, Gewerkschaftshaus, Engets Bettdecken, Bettwäsche ufer 15, Saal 1. auf Teilzahlung General- Berfammlung Grebler Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Bes kanntgabe der Bilanz. 3. Wahl des Borstandes und Aufsichtsrates. 4. Anträge und_ Gee schäftliches. Der Rechnungsabschluß des Geschäftsjahres 1920 liegt zur Einfichtnahme der Genossen von heute ab in der Geschäftsstelle, Geschäftsstunden von 9-1 und 3-7 Uhr aus. Wilmersdorf: 3.- 8. Neßler, Holsteinischestr. 19 SO, Röpenicker Str. 32 a, in den Wittenau: E. Holz, Oranienburger Str. 82 Zehlendorf: 8.- 3., Wegener, Annaftr. 10 Zeuthen: Behling, Bahnstr. 2 Wir bitten, dieses Berzeichnis aufzubewahren und die in demselben angeführten Speditionen bei Bestellungen det Freiheit", bei Aufgaben von Anzeigen und bei Bücherbestellungen in Anspruch zu nehmen. Beschwerden jeder Art find an den Verlag direkt oder an die zuständige Spedition zu richten. Der Berlag. Der Aufsichtsrat. F. Steinweg. D. Borftand. Fr.Wils. K. Siebel. Händler gesucht für den Bertrieb aktueller Broschüren Buchhandlung Freiheit", Breite Straße 8/9. " Зайдаляти. bringt der fis cher wirkende ,, Orlinda. balsam", ber auch in hartnäckigsten Fällen bewährt ist. M. 15.-. Zur gleich Berlag der Freiheit" e.G.m.b.H., Berlin C2, Breite Str.8/ 9 Blutreinigungapulv. Sch, 9.4,50 Außerhalb Groß- Berlins Wohnende bitte beim Boftamt bestellen! Der Unterzeichnete bestellt hiermit vom übliche 3 Sch. M. 13.-. Otto Reichel Berlin 46, Eisenbahnst Weinbergss Homöopath. weg 4 Inft.( 1905). Erfolgreich giftfreie Kuren ohne Einsprigungen. Kries, Bin- Hohens fchönhausen( 55) Oberfeestr. 41( Teleph.) Ausk. u. Brosch. 80 Pf. Trauer- Magazin Große Auswahl. Billige Breise. 1. Mohrenstr. 37 ( Kolonnaden) 11.Gr.Frkf.Str.115 ( nahe Andreasstr.) Auswah Isendung sof. Amt Zentrum 7890 Sonntags geschlossen. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige Den Kollegen zur Nachs richt, daß unser Mitglied, der Schloffer Robert Pfeil Bettenkoferstraße 37, am 24. Juli beim Baden ers trunken ift. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, d. 1. August, nachmittags 3 Uhr, von der des Leichenhalle Köpenicker Kirchhofes in Köpenick, Rudorfer Str., aus ftatt. Rege Beteiligung ers wartet Die Ortsverwaltung. Parteisekretär für die Ortsgruppe Frankfurt a. M. der U.S. P. D. gesucht. Bewerbungen unter Angabevon Referenzen über seitherige Tätigkeit sowie Gehalts ansprüche find unter Aufschrift Parteisekretär" bis 8. August 1921 an den Gen. Gg. Herrmann, Frankfurt a. M., Sommerringftr. 32 zu richten. NOTGELDSCHEINE Preislisten kostenles. Ball, Münzenhandlung, Berlin W 66, Wilhelmstr.46. anerkannt Schokolade Qualitätsschokolade fehr preiswürdig, Marke ,, Dennoch" babei gleichwert. den bekanntesten Marken. 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Berlin Brandenburg ( Bitte Namen, Wohnung und Geldsummen recht deutlich schreiben) Ausschneiden! 1 Exemplar der zweimal täglich erscheinenden Zeitung „ Freiheit“ Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands mit der wöchentlich einmal erscheinenden illustrierten Unterhaltungsbeilage„ Freie Welt" zum Preise von Mk. 10.- monatl., Mk. 5.- halbmonatl. bei freier Zustellung ins Haus Jch entrichte als Eintrittsgeld. als Beitrag für . Vor- und Zuname: Beruf:. .100 Pfg. Monat à Pfg. Sa. Pfg. Pfg. den ten 19........... Name: Drt: Straße: ( Namen deutlich schreiben, Adreffe genau ausfüllen: vorn, Hof, Stfl., Duergeb.) Nr. Geburtstag und-Jahr Wohnung: Bei mem:. zit ( Straße, Nummer, Borders, Hinterhaus, Treppen) ( Wenn nicht eigene Wohnung, Wohnungsinhaber angeben) Die Zettel bitten wir in einer unserer Speditionen abzugeben oder an die Hauptexpedition, Berlin C2, Breite Straße 8/9, einzusenden BF Ausschneiden Nr. 353 Ein deutscher Held Bor sieben Jahren glich Deutschland einem einzigen großen Heerlager. Attive Truppen waren bereits vor dem Bekanntwerden der offiziellen Kriegserklärungen nach dem Westen in Marsch gesetzt. Viele betamen als Reservisten und Landwehrleute durch Eilboten den Gestellungsbefehl noch nachts ins Haus geschickt. Nur wenige Stunden blieben Zeit, um von Frau und Kind Abschied zu nehmen, bald waren die Straßen und Bahnhöfe zu Tausenden gefüllt mit Männern aller Jahrgänge, in der Hand den berühmt" gewordenen Pappfarton. Jm Sinne Friedrichs II., der das Wort geprägt haben soll, daß man Kriege nicht allein mit Soldaten und Kanonen gewinnen tann, wenn nicht auch die öffentliche Meinung, also das Volt, für den Krieg zu haben ist, war mit Ausnahme weniger sozialistischer Zeitungen der gesamte deutsche Blätterwald eingestellt auf den Schlachtruf: Verteidigungskrieg gegen die fremden, neidischen Barbaren!" Die somit ganz planmäßig erzeugte nationalistische Kriegsbegeisterung brachte es zuwege, daß damals bis weit in die Kreise der Arbeiterschaft der Zweck und die Ursachen des imperialistischen Krieges verwischt wurden. Ein neues Deutschland sollte nach dem Krieg erstehen." alte Parteihader sollte verschwinden." Das war die Willens,, Der äußerung der vom Kriegswahnsinn Berauschten. Wie herrlich war doch die nationale Erhebung unseres Voltes im August 1914!" So fasein heute wieder trotz Rot und Tod die nationalistischen Literaten. Tag für Tag erheben deutsche" Schriftsteller und nationale Politiker Anklage gegen Volk und Heimat, daß sie es waren, die den Siegeslauf unserer herrlichen, von einem so tüchtigen und selbstlosen" Offizierstorps geführten Armee verhindert haben. In dem militärischen Wochenblatt der Deutschen tungen und Untersuchungen angestellt über den Verfall der so Zeitung“ haben wiederholt Offiziere fachmännische Betrach ,, bewährten" alten preußischen Disziplin. So tam in der Nr. 198 der Deutschen Zeitung" vom 30. April 1921 ein solcher Fachmann, Oberleutnant d. R. a. D. Holy, zu dem Ergebnis, daß unter anderen Ursachen für die Revolutionierung des Heeres nach seiner Meinung eine der verhängnisvollsten Erscheinungen gewesen ist die aus einem ganz falschen Gerechtigkeitsgefühl heraus aufgehobene gesonderte Verpflegung und Unterbringung von Unteroffizieren und Mannschaften. 3eigen wir am Jahrestage der gewaltigen Katastrophe einmal an einem Beispiel, wie die„ Selden" in Wirklichkeit den Beruf eines Soldaten, eines Kämpfers und Helden auffaßten und bestätigten. Dies ist gerade jezt notwendig aufzuzeichnen, wo man abermals dabei ist, das deutsche Volt durch nationale Phrasen aller Art einzufangen und zu betören. Einer der typischen Vertreter des preußischen Militarismus, bei Mann und Offizier gleichsam gehaßt, war der vor Ausbruch des Krieges in Meh im Polizeidienst beschäftigt gewesene Regimentstommendeur Hülsmann, Inf.- Regt. 451, 234. J.-D. Als im Sommer 1918 die angeblich aus Spanien importierte Krankheit, Grippe genannt, nicht nur in der Heimat, sondern auch unter den Soldaten an der Front reiche Opfer forderte, war es Hülsmann, der gegenüber den Erkrankten ein brutales und rohes Verhalten zur Schau trug. Die einzelnen Kompagnien waren zum Teil durch Verluste an Toten und Verwundeten auf eine Gefechtsstärke von 40 bis 60 Mann zusammengeschmolzen. Von diesen war ein nicht geringer Prozentsatz an Grippe erfrantt. Mit hohem Fieber mußten die ertrantten Soldaten in den Gefechtsunterständen kampieren. Aufmerksam gemacht auf den tranten Zustand der Soldaten, äußerte Hülsmann, daß man die Soldaten nicht eher zurückbringen dürfe, bis sie genesen seien. Reserven in Gefahr!" und die Leute blieben in ihrem FieberSie bringen ja nur die zustand in den elendesten Verhältnissen und unter furchtbarsten Leiden in der Gefechtsstellung. Dieser Herr wußte genau, in welcher Gunst" er bei seinen Leuten wegen dieses Benehmens stand. Aus seinem Regimentsunterstand fam dieser Herr sehr felten hervor. Die Erregung der Leute war derartig, daß sie diesem Helden alles angetan hätten. Als die ersten Nachrichten von dem Umsturz in Deutschland beim Frontheer eintrafen, ahnte Hülsmann, was die Glode geschlagen hatte. Bei Nacht und Rebel, während sich sein Regi ment auf dem Rückzuge befand, also noch vor Abschluß des Waffenstillstandes, floh dieser deutsche Held" am 9. November Cambron St. Vinsent in einem zweispännigen Wagen( Landauer) in Begleitung eines Regimentskutschers und seines Pferdeburschen. Auf der Flucht wollte er von seinen Beaus 3. Beilage zur„ Freiheit" gleitern in den zur Rast aufgesuchten belgischen Gasthäusern nicht| einmal mehr mit„ Herr Major" angeredet werden. Das war das tapfere Verhalten eines Tyrannen, der Führer und leuchtendes Beispiel seiner Truppen sein sollte. Zahlreiche andere Beispiele tönnten zur Ergänzung angeführt werden, um das brutale und feige Betragen dieser Angehörigen ,, des besten Offizierkorps der Welt" zu illustrieren. Dieses Bild wollen wir uns am Jahrestage des Völkermordens einprägen, um den Helden von dieser Art, die jetzt in den„ Stahlhelm" vereinen, geschmückt mit dem Hakenkreuz, ihr Wesen treiben, die Maste vom Gesicht reißen. Franz Künstler. Wie sie starben ,, Er starb, getreu seinem Fahneneid, den Heldentod für Kaiser und Vaterland." So lasen wir es während des Weltkrieges oft in den Todesanzeigen der Tageszeitungen. Als der Weltkrieg beendet, die Führer unsichtbar geworden oder geflohen waren, ging auf dem Papier das Sterben für„ Kaiser und Vaterland" Wenn meine Soldaten anfangen zu denken, so bleibt nicht einer in den Reihen. Friedrich II. weiter. Die Regimentsvereinigungen veröffentlichten die VerIust listen. Da wurden alle Offiziere namentlich aufge führt, dann kamen, ungenannt, die„, vielen, vielen anderen", und sie alle starben, getreu ihrem Fahneneid, für Kaiser und Reich, für König und Vaterland". In der„ Weltbühne“ erzählte nun vor einigen Wochen ein früherer Offizier, Arno Voigt, wie Soldaten starben. Von jeder Poesie entkleidet, berichtet er über die reale Wirklichkeit: 1. Bei Langemaard starben im Oktober 1914 Tausende, weil die zusehen hatte. mittlere Führung keine Ahnung hatte, wie sie die Truppenteile an 2. Unser Regimentsstab baute sich auf dem Brimont einen Brachtunterstand. Dazu benötigte er lange Wochen hindurch sämtliche Bautrupps. Folglich konnte in der Kanalreserve fein Mannschaftsunterstand gebaut werden. Folglich erschlug eine Granate nachts neun Mann. 3. Nach dem Feldgottesdienst trollte eine Kompagnie übers freie Feld zurück. Eine Granate hatte sich verirrt und verwundete zwei Mann schwer. Ruf nach dem( frühstückenden) Stabsarzt. In dieser Gegend( sie gehörte zum schlafenden Heer", wie der Stabsoffizier der Weltbühne" Heeringens Armee genannt hat) passierte nie etwas. Troß der Engelsruhe bestand der( frühstückende) Stabsarzt darauf, daß die beiden Schwerverwundeten zu ihm gebracht würden, wobei er sich auf die Feldsanitätsordnung berief. Sie starben auf dem Transport. 4. Am 6. August 1916 tam mein Bataillon an die Somme. In der Nacht vom 7. zum 8. mußten drei Kompagnien in dem uns ganz unbekannten Gelände ohne jeden vernünftigen 3wed einen Sturm auf die Monacu- Ferme unternehmen. Die Reste der drei Kompagnien wurden zu einer einzigen vereinigt. 5. Jn ganz ruhigem Gelände schickte der Abschnittskommandeur allnächtlich Schleichpatrouillen hinaus, um darüber ,, Meldun= gen" machen zu können. Das wurden dann die einzigen Verluste, die wir hatten 6. Der Verpflegungsoffizier fragt durch Meldegänger bei dem in vorderster Linie sitzenden Kommandeur an, ob er Weißbrötchen wünsche er habe Mehl zum Baden da. Der Kommandeur be= fiehlt:„ Dann lassen Sie Splitterhörnchen baden." Der Meldegänger, der diesen Befehl durch die Splittergranaten zurüdtragen muß, fällt dabei. 7. Der Soldat Helmhake wird tottrant an einen Baum ge bunden und in ein stinkiges Erdloch geworfen. Exitus, Es müßte manchem auf der Seele brennen, es müßte manchem nachts in den Schlaf hineingellen, wie sie star= ben. Die meisten liebten das Leben, weil sie Frau, Kinder und Sonntag, 31. Juli 1921 Beruf hatten. Sie hatten allen Grund, sich nicht zu opfern, aber sie wurden geopfert. Und ihr Opfer soll heute zur Verdächtigung, zur Anschwärzung des neuen Staates dienen. Da sie noch lebten, fragte man nicht nach ihnen. Jezt, wo sie tot sind, versteckt man sich hinter die Pietät, um unter ihrem Schutz das Neue zu bes sudeln. Da glaubt man sich unangreifbar. Vielleicht ist unter denen, die ihre Leute heute noch für den Kaiser sterben lassen, mancher, der von einem feisten Gehalt der Republik lebt. Das würde uns zu dem Thema führen: Wie sie leben. Und da müßten wir erschaudern, weil wir sehen müßten, daß viele in der Art, wie sie leben, sich nicht mit jenen messen tönnen, deren Tod sie nügen zur Verspottung der Republit, zur Verleugnung der neuen Staatsverfassung, zur Verherrlichung des gekrönten Deserteurs und zur Opferung der Kerle, die sie über den Tod hinaus kommandieren und unmündig machen, damit ihren dunkeln Zwecken selbst heute noch dienen, wie sie starben. Wie die Revolution gemacht" wird Nachstehende Ausführungen entnehmen wir dem in Paris ers scheinenden Populaire":" In den kommunistischen Kreisen der Tschecho- Slowatei herrscht große Erregung. Ein früheres Mitglied, das von der Partei mit einem Vertrauensauftrag vergangenen Februar nach Moskau entsandt worden war, hat die Kühnheit be seffen, alle Geheimnisse der Propaganda Mostaus in dem sozial demokratischen Organ„ Prawo Lidu" zu enthüllen. Dieser reuige Kommunist heißt Kucera. In den kommunistis schen Organisationen von Kladno und Brno war er gut bekannt, und er wurde nach dem Mißerfolg des Generalstreits 1920 zur Ueberreichung eines offiziellen Berichts über die Ereignisse im Exekutivkomitee nach Rußland geschickt, wo er zugleich für das illegale Komitee der Partei Geld erbitten sollte. Er und sein Reisefamerad Otto Berger wurden von Bela Kun und Robetsti empfangen. Bela Kun war über den Bericht der tschechischen Partei sehr unzufrieden, da in ihm ausgesprochen wurde, daß die ökonomischen und politischen Verhältnisse in der Tschecho- Slowakei die soziale Revolution in absehbarer Zeit un möglich machen würden. Nach den Aussagen von Kucera soll Bela Kun hierauf den beiden Delegierten geantwortet haben:" Thr müßt die Revolution um jeden Preis machen. Ihr müßt diese vers suchen, auch wenn teine Hoffnung auf Erfolg besteht. Bergeßt nicht, daß wir Euch große Summen zur revolutionären Propaganda überfandt haben und arbeitet entsprechend meinen Weisungen. Die Tschecho- Slowakei ist eine künstliche Schöpfung. Sie muß von der Landkarte Europas verschwinden." Bela Kun bestand dann auf der Notwendigkeit, daß sich die deuts schen und die tschechischen Kommunisten in einer einzigen Partei Dereinigen. Wenn Ihr noch Geld notwendig habt, um unents schlossene Redakteure und Arbeiterpropagandisten zu kaufen, so fordert solches durch den Vertreter in Berlin an. Wir werden Euch unverzüglich solches schiden." Ueber diesen Gegenstand veröffentlicht Kucera den Wortlaut eines chiffrierten Telegramms, durch das Bela Kun auf dem Wege über Berlin am 9. März 1921 fünf Millionen Kronen dem illes galen Komitee der tschechisch- slowakischen Partei übersandte. Er bemerkt dazu, daß außer diesen fünf Millionen dem Präsidenten des illegalen Komitees, Sinet, 33 Brillanten, an Friedrich aus Brno 16 Brillanten und den tschechischen Delegierten des 2. Kons gresses von Moskau( Banet Zapototsti usw.) ein Teil der Golds gegenstände übersandt wurde, die bei den reichen tschechischen Fas milien in Moskau beschlagnahmt worden sind. " 3 Diese sensationellen Enthüllungen haben bei den Kommunisten große Aufregung hervorgerufen. Sie konnten die Behauptungen ihres früheren Genossen nicht bestreiten. Alle Welt tennt in Prag den Goldschmied. dem die Brillanten und Schmucksachen angeboten worden sind. Das Haus Falnenau in der Hybernstastraße", so schreibt Prawo Lidu",„ hat Gegenstände geprüft und sie sind ihm nur nicht verkauft worden, weil es zu wenig dafür geboten hat." Das„ Rudi Prawo" hat übrigens nicht versucht, direkt auf die schweren Anschuldigungen von Kucera zu antworten. Die Mit glieder des illegalen Komitees Petsa, Jlet, Motteh und Berger selbst haben sich ausgeschwiegen. Sie haben nur versucht, Kucera zu beschmuken, indem sie ihn beschuldigt haben, er hätte von der Partei 150 000 Kronen verlangt. Kucera hat daraufhin unwiderlegt im Prawo Lidu" aeantwortet, daß ihm die Kommunisten das Geld angeboten hätten, um damit sein Schweigen zu ers faufen." Billige ANGEBOTE DAMEN- WASCHE DAMEN- BEKLEIDUNG Farb.Waschkleider 6900980015000 recht jlott gearbeitet.......... Wasch- Kleiderröcke....... 2950 4900 Damenhemden mit Stickerel garnieri. 2350 Damenhemden vorzüglicher jester Stoff, mit Stickerel.. 2950 Damen- Beinkleid Knieform, mit Stickerel....... 2350 Damen- Nachthemd guter Stoll, halsfrele Form....... 3950 Woll- Kittelkleider in verschiedenen Farben.... 27500 49000 Untertaille aus jeinem Makostoff, reich mit Spitzen garniert... 1950 Frotté- Kleider weiss und farbig....... Garnitur Hemdu. 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August 1921, an find bei den Ortsvers waltungen jämtlicher freigewerkschaftlichen Verbände die Unterrichtsverzeichnisse und Hörerkarten für den im September be= ginnenden Herbstlehrgang der Betriebsräteschule erhältlich. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß an den Kursen nicht nur die Betriebsräte, sondern alle freigewert schaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten teilnehmen fönnen. Jeder, der die Echule besuchen will, wende sich daher an die Ortsverwaltung seines Verbandes. Der Preis der Sörerkarte beträgt für einen Kurs von 10 Doppelstunden 6 M. Arbeitslose haben freien Zutritt und erhalten Karten gegen Borzeigung ihrer Arbeitslosenlegitimation im Bureau der Betriebsräteschule, SO. 16, Engelufer 14/15, 2. Hof I. Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale für den Wirtschaftsbezirk Groß- Berlin. Lohnbewegung der Klavierarbeiter s Am vergangenen Freitag nahmen in einer gutbesuchten VerSammlung die Klavierarbeiter zur schwebenden Lohnfrage Stellung. Der Branchenleiter Dorn teilte mit, daß die Forderung einer mindestens 15prozentigen Lohnerhöhung von den Arbeitgebern schriftlich abgelehnt worden sei. Die Unternehmer hätten sich aber bereit erklärt, einer Verlängerung des bestehenden Lohntarifs um einen Monat zuzustimmen. Die Arbeitgeber hätten andererseits eine nochmalige Prüfung der geforderten Lohnerhöhung verlangt und eine Verlängerung des Lohntarifs abgelehnt. Die Antwort über diese Forderung steht noch aus. Einem eventuellen Streit habe der Hauptvorstand bereits seine Zustimmung erteilt. In der Aussprache über den Bericht des Branchenleiters wurde durchweg die Ansicht vertreten, daß nötigenfalls der Rampf um eine Lohnerhöhung durchgeführt werden solle. Der Vorschlag, bei allen Unternehmern, die die Forderung ablehnen, in den Streit zu treten, wurde gutgeheißen. Planlos und ohne vorherige Zustimmung der Betriebskollegen solle jedoch nicht gestreift werden. Dem Verbandsbureau müsse vor Eintritt in den Streit eine diesbezügliche Mitteilung zugehen. Zur Lohnbewegung in der Zigarettenindustrie Die am Sonnabend versammelten Vertreter der in der 3igarettenindustrie beteiligten Organisationen und der Industrierat der Gruppe halten den Abschluß zwischen dem TabatarbeiterverBand und dem industriellen Verband in der Zigarettenindustrie nicht als geeignet, den Wirtschaftsfrieden und eine geregelte Aufnahme im Sinne des gefällten Schiedsspruches herbeizuführen. Sie verpflichten die Verbände ihrer Organisationen, sofort untereinander in Verbindung zu treten, um eine geregelte Aufnahme der Arbeit zur Zufriedenheit aller Beteiligten herbeizuführen. Die Arbeitnehmer der Zigarettenindustrie haben jede Streitarbeit bis zur endgültigen Regelung zu verweigern. Deutscher Metallarbeiterverband, Buchbinderverband, Transportarbeiterverband. Bum Zimmererstreit Wie uns von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat gestern im Reichsarbeitsministerium unter Borsiz des Geheimrats Wolff eine unverbindliche Aussprache zwischen Arbeitgeberund Arbeitnehmerorganisation stattgefunden. Da beide Parteien an ihren bisherigen Standpuntten festhielten, tonnte teine Einigung erzielt werden. Jedoch wurden vom Reichsarbeitsministerium neue Verhandlungen in der tommenden Woche zugesagt. 3um Streit im Kartoffelgroßhandel. Die Verhandlungen am vergangenen Freitag sind ergebnislos verlaufen, da die Arbeitgeber nur 325 Mart zahlen wollen, während die Streifenden auf einen Mindestwochen ohn von 360 Mart Gehalt beharren. Eine endgültige Klärung ist erst im Laufe dieser Woche zu erwarten. Ein Teil der Straßenhändler und auch Kleinhändler hat sich den Streif der Kartoffelhändler zunuze gemacht und die Preise für Kartoffeln sofort in die Höhe geschraubt. Eo sind z. B. Preise von 1 bis 150 M. das Pfund gefordert worden. Hier wäre es Aufgabe des Polizeipräsidiums, durch seine Organe solche unlauteren Elemente festzustellen und zur Bestrafung zu bringen. USP.- Genossen des Siemenstonzern. Zusammenfunft am Dienstag, den 2. August, nachmittags 3% Uhr, bei Suntheim, Siemensstadt, Nonnendammallee, Ede Märkischer Steig. Es ist Pflicht eines jeden Genossen zu erscheinen. Gleichzeitig wird auch ersucht, daß alle Gruppenführer des Bezirksverbandes Groß- Berlin die Adressen der im Siemensfonzern beschäftigen Genossen an Franz Bauthe in Siemensstadt bei Suntheim einjenden, damit eine restlose Zusammenfassung ermög licht wird. USP.- Kupferschmiede. Alle auf dem Boden der Amsterdamer Internationale stehenden Kollegen werden zu der am Dienstag, den 2. August, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 3, stattfindenden Fraktionsbesprechung eingeladen. Mitgliedsbuch der Partei und Verbandsbuch legitimieren. Die Gasarbeiter und Schmiede der Hamburger Gaswerte in Barmbed sind in Streit getreten. Die Werke Tiefstak und Grasbrook schlossen sich dem Streit an. Parteiveranstaltungen Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Am Sonnabend, den 6. August 1921, findet eine Sigung der Obleute der Landagitationstommissionen aller Distrikte und Verwaltungsbezirke in der Breite Straße 8-9, Arbeiter- Bildungsschule, abends 7 Uhr, statt. Erscheinen unbedingt notwendig, da in dieser Konferenz die neue Zuteilung der Arbeitsgebiete erfolgt. Der Borstand. Boranzeige. Die Genossen des 11. Diftrifts veranstalten am Sonnabenb, den 6. August, in den Gesamträumen der Böhow- Brauerei, Prenzlauer- Allee 247, ein großes Bolts feit. Die Einleitung bildet ein gutes Gartentonzert. Der Arbeiter- Athleten Bund, die Zentralriege des Arbeiter- Radfahr- Bundes Solidarität“ und die 8. Männerabteilung des Turnvereins Fichte" werden ihr Bestes hergeben, um das Boltsfest zu einem wohlgelungenen schönen Fest zu gestalten. Die Mendo linen- Vereine Milano und Stern( angeschl. d. B. b. A. M. B.), unter Mitwirkung von 70 Genoffen werden zur Geselligkeit beitragen, ebenso der Arbeiter- TheaterBund, welcher als Gastspiel das Voltsstück„ Am Brunnen vor dem Tore" zur Aufführung bringt. Das Berliner Ult- Trio darf selbstverständlich nicht fehlen. Für die Kinder find Belustigungen aller Art. Damit die Genossen die Sorgen des Alltags und ben politischen Tagestampf vergessen sollen, ist für Preisfegeln und Preisschießen gesorgt. Für die tanzluftige Jugend ist Tanz; anschließend Gartenfrühtonzert. Der Eintrittspreis beträgt intl. Steuer 3,60 M. ohne Nach zahlung. Tanz frei. Da der Ueberschuß zur Unterstützung bedürftiger Kinder Berwendung finden soll, ist es Pflicht jeder Genossig und jedes Genossen, für ben guten Zwed der Veranstaltung am Feste teilzunehmen. Kaffenöffnung 3 Uhr, Anfang 4 Uhr. Das Komitee. 19. Berwaltungsbezirt, Abteilung Rieberschönhausen. Arbeitslose Genoffen, welche mindestens ein halbes Jahr Freiheit" leser sind, wollen sich mit Parteibum und Stempelfarte des Arbeitsnachweises in der Freiheit"-Spedition, EichenStraße 65, melden. Sonntag, 31. Juli 15. Berwaltungsbezirt, Abt. Baumschulenweg. Die Genossen treffen sich mit ihren Familien um 19 Uhr am Bahnhof Baumschulenweg zweds Teilnahme an ber Demonstration. 15. Diftritt. Treffpunkt 9% Uhr, Weberwiese. Die Abteilungen marschieren um 9 Uhr von ihren Lokalen ab. 1. Abteilung: Andreasplay. 2. Abteilung: Friedenstraße, Ede Weidenweg. 4. Abteilung: Andreas- Play. 5. Abteilung: Magwig, Barnimstr. 13. 6. Abteilung: Pilzeder, Blumenstr. 32. 17. Diftritt. Die Kinderschutztommission bittet die Genossen um rege Beteiligung ber Kinder an den Ferienspielen, die Montags, Mittwochs und Freitags stattfinden. Treffpunkt früh 9 Uhr Rofinenstraße( Wagnerplatz). Lichtenberg- Stabt. Die Biertelsführer wollen fich Sonntag früh 8 Uhr beim Genoffen Seipte, Kronprinzenstraße, zur Entgegennahme des Materials zur De monstration einfinden. Montag, 1. Auguft 2. Berwaltungsbezirt, 4. Diftritt. Abends 7 Uhr bei Wiemer, Bülowftr. 58, Vorstandssigung. Pünktliches Erscheinen notwendig. 5. Berwaltungsbezirk( Friedrichshain). Kommunale Kommission. Abends 7 Uhr Vollversammlung in der Schulaula Tilsiter Str. 3. Tagesordnung: Die Tätigkeit unserer Fraftion im Roten Hause. Ref.: Bürgermeister Gen. Mieliz. Rasend billig Morgen Cannon Stabträte, Stadt und Bezirksverordnete find hiermit eingeladen. Genossen und Genosfinnen, welche Interesse an Kommunalarbeiten haben, find ebenfalls ein geladen. 20. Berwaltungsbezirt. Abends 7 Uhr Sigung der Landagitationsfommission im Sigungssaal des Reinidendorfer Rathauses, Hauptstraße. 3. Diftritt( Berlin Mitte). Abends 7 Uhr Vorstandssitzung bei Dams, Schlegelitr, 9. 5. Diftritt. Abends 7½ Uhr Borstandssigung bei Kaiser, Gogtowstoftr. 34. 7. Siit, 3. Berw.- Vez.( Webbing). Abends 7 Uhr Vorstandssitzung bel Rube, Streliger Str. 55. Zahlreiches Erscheinen notwendig. 13. Firit. Kommunale Rommission. Abends 7½ Uhr Sigung bei Söhne, Stofpilche Str. 37. Stellungnahme zu den Stadtverordnetenwahlen. Weidmannsluft. 7½ Uhr Generalversammlung von Serm dorf und Walde mannsluft im Schweizerhaus, Dianastraße. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen Pflicht. hind Dienstag, 2. Auguft. 4. Berweltungsbegirt( Prenzlauer berg). Abends 7 Uhr wichtige Frattions Egung bei Hoffmann, Lachener Str. 8. Begirls- und Stadtverordnete, Stadträte, Obleute der fommunalen Kommissionen und die beiden Vorsitzenden der Distrikté 11, 12, 13, 14 müssen erscheinen. 17. Berwaltungsbezirt. Kommunale Rommission. Untergruppe 6. 71 Uhr Sigung bei Seipfe, Lichtenberg, Kronprinzenstr. 47. 18. Berwaltungsbezirt, Weihensce und Hohenschönhausen. Abends 48 Uhr Sigung der Landagitationstommission bei Koppe, Sedanstr. 68, Ede Lichtens berger Straße. 2. Diftritt( Berlin- Mitte). Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Weinmeisterstr. 15-17. Vortrag des Genossen Weise: Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahl". 5. und 6. Diritt und Charlottenburg. Heute Schlußabrechnung vom Waldfest bei Kaiser, Goktowskystr 34. 8. Distrikt. Frauenarbeits-, Bildungs- und Kinderschugkommission. Abends 7 Uhr bei Kaths, Tegeler Str. 23. 8. Distritt. ile Kinder treffen sich um 9 Uhr auf dem Sparrplatz zum Aus flug. Agitationstommiffion. Sigung bei Klinge. 13. Diftrift. Abends 7 Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre und der gesamten tommunalen. Rommission bei Gliesche. Kopenhagener Str. 74. Die Stadtverords netenwahl. Vereinskalender Jugendheim Meinidendorf- eft, Scharnweberftr. 114-115. S. B. J.- Wochenprogramm: Sonntags: Spielabend, bei günstigem Wetter Ausflüge. Montag: Diskussionsabend. Mittwoch: Spielabend. Freitag: Literarischer Abend. Der Borstand. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Die für Dienstag, den 2. August, vorgesehene Generalversammlung wird vertagt und findet am Freitag, den 19. August abends 7 Uhr in den Arminhallen, Kommandantenftr. 58-59, statt. Am Dienstag, ben 2. August, nachm. 5 Uhr, im selben Lotal tombinierte Bers trauensmänner- Sigung. Der Verein der Freidenter für Feuerbestattung hält am 7. Auguft, vormittags 10 Uhr, eine außerordentliche Generalversammlung im Zirtus Busch ab. Näheres im Inseratenteil der Nummer nom Sonntag, den 24. Juli. Montag, 1. Auguft. Zentralverband der Schuhmacher. Shoharbeiter. Abends 7 Uhr Bezirksver femmlungen in folgenden Lokalen: Charlottenburg: Liersch, Kantstr. 62. Steg liz: Behnke, Seesejtz, 1. Westen: Wiemets, Bülowstr. 58. Reutöfn: Ahlburg, Bietenstr. 58. Süd- Ost: Opiz, Stalizerstr. 59c. Often und Lichtenberg: Hoffmann, Gubener Str. 5. Norden: Krause, Usedomstr. 18. Moabit: Marg, Oldenburger Straße 10. Jn allen Lokalen Stellungnahme zum Tarifablauf. Deutscher Transportarbeiter- Berband( Bezirk Groß- Berlin). Transportarbeiter in städt. Betrieben. Abends 6 Uhr große Branchenversammlung im Englischen Sof", Alexanderftr. 27c. Berband der Gastwirtsgehilfen. Nachts 12 Uhr Branchenversammlung ber Branche 7 und 8( männliches Silfspersonal und weibliche Angestellte) in Haver Lands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35. Tagesordnung: Stellungnahme zu un seren neuen Lohnforderungen. Nachts 12 Uhr allgemeine Mitgliederversamm lung der Hotel und Weinkellner, Restauranitelner, Cafétellner, Hotelbiener und Zimmermädchen in den Germania- Sälen, Chauffeeftr. 110. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der von den Betriebsräten und Vertrauensleuten gefaßten Resolution in der Trinkgelbfrage. 2. Unsere Forderungen zum neuen Lohns ablommen. Ohne Mitgliedsbuch tein Zutritt. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Branche Möbeltransport und Klavier träger. Abends 7 Uhr Vollversammlung im Lotal Residenz- Festfäle", Lands berger Str. 31. Dienstag, 2. Auguft. istan Internationaler Bund der Kriegsopfer R 8. Abends 7 Uhr Mitgliederversamm Jung mit Vortrag im Leffing- Gymnasium, Panfftr. 18( Schulaula). Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschlands. Ortsgruppe Gro Berlin. Große öffentliche Versammlung Dienstag, 2. Auguft, nahm. 5 Uhr in der Schulaula Wilmsstt. 10. Mittwoch, 3. Auguft, nachm. 5 Uhr in der Schulaula Basteurstr. 44-46. Donnerstag, 4. Auguft, nahm. 5 Uhr in der Schulaula Grüne thalerstr. 5. Berband der graphischen Silfsarbeiter und arbeiterinnen. Nahm. 5 The Ber fammlung aller Bertrauensleute im Aleganbriner", Alexandrinenftr. 37a. Tages ordnung: Bericht über die Lohnbewegung im Buchbrud; Beratung des Dets Statuts; Berschiedenes. Verantwortlich: für Bolitit u. Feuilleton: Les Liebfit, Berlin- Friedenan; für Kommunalpolitit, Lofales und Gewerkschaftliches: Gerhart Seger, Mahlsdorf- Süd bei Berlin; für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Charlottenburg. Berlagsgenossenschaft Freiheit, e. 6. m. b. S., Berlin. Drud der Berliner Druderei G. m. b. 5., Berlin C2 Breite Straße 8-9. Schluss In der Tauentzienstr. 20 und Leipziger Str. 64 ist der Ausverkauf bereits beendet Ausverkauf Leiser Annahme in allen Speditionen des Berlages Geschäftsstelle: Berlin C2, Breite Straße 8-9 Verkäufe Bettwäsche billig, 6 billige Kleine Anzeigen Schreibmaschinen, Sicht| Tapeten, Wachstuche, Dauers schrift, fämtliche Syfteme, neu wäsche verkauft Saillat, Kolonies und gebraucht, kaufen Sie vor firaße 9. teilhaft bei Hans Bähr, Spittel markt 7, Zentrum 3225. Jeder Betriebsrat muß die Schrift von Rud. Hilferding Reparaturen an Schreibs Die Sozialisierung und die Tage! Preise bedeutend er maschinen, Ladenkaffen und Machtverhältnisse der Klaffen Einzelmöbel. Schriftliche Gas mäßigt. Deckbettbezug 35.- Rechenmaschinen lesen. Preis 3.- Mk.( Porto Riffen 11.-, Bettlaken 20.-, und preiswert bei Hans Bähr, extra). Bu beziehen durch die Juletts 88,-, Wäscheſtoffe. 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