Einzelpreis 20 Pfg. • 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags muz emmal. Der Bezugspreis beträgt bei freler Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. im voraus zahlbar. Für Boft begug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Desterreich, Ungarn, Danzig, das Baarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 9. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 89. Dienstag, 2. August 1921 Nummer 356 Abend- Ausgabe Die echtgespaltene Nonpareillegelle oder deren Raum koftet 5,-. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1.-. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 greiheis Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der Kuhhandel um Oberschlesien Die Arbeiten der Sachverständigenfommiffion EE. Paris, 2. August. Jm„ Echo de Paris" spricht heute Bertinag über die Beratungen der Sachverständigen in der oberschlesischen Frage. Er erklärt, daß zunächst ein englisch- italienisches Projekt vom Monate Mai vorliege, unterzeichnet von dem Obersten Pers cival und dem General De Marini. Diese gingen von bem Grundjah aus, daß das Industriegebiet nicht geteilt werden dürfe und daß man Bolen infolgedessen nur ein Drittel jener Bewohner zuteilen dürfe, die für Bolen gestimmt hatten. Zweitens liegt das Korfantoprojekt vor und ein Plan des Generals Le Rond, die die von den Engländern und Italienern angenommenen Argumentationen in das Gegenteil, also zugunsten Polens, verkehren. Das vorgesehene Ergebnis ist von Korfanty noch besonders vom strategischen Gesichtspunkt aus zu Polens Gunsten verbessert worden. Diesem Plan zufolge verlören die Deutschen zwei Fünftel ihrer Stimmen. Der Plan des Grafen Sforza, Polen und Deut schen jene Gebiete zu geben, die ihnen unbestritten nach dem Er: gebnis der Voltsabstimmung zufallen würden, enthält enthält zwei Lösungen: Eine, die die Einheit des Industriegebietes wahren will, und die andere, die Deutschland den größten Teil Des Industriegebietes zugesteht und Polen durch Abtretung lands wirtschaftlicher Gebiete im Norden und Often entschädigen will. Während der Beratungen am legten Sonntag empfahlen die englischen Sachverständigen eine englische Linie, die sich nur wenig von dem ursprünglichen englisch- italienischen Blan unterscheidet. Bolen soll demnach außer Bleß und Rybnit noch Teile der Kreise Rosenberg, Ratibor und Lublinit erhalten, womit nahezu die den Deutschen den Deutschen günftige Sforzalinie erreicht wäre. Am legten Sonntag hatten die Sachverständigen intensiv den ganzen Tag zu arbeiten. Die französischen Sachverständigen hatten eine Linie vorgeschlagen, die sich von dem Vorschlag des Grafen Sforza insofern unterscheidet, als die Polen noch die Kreise Hindenburg und 3aborcze erhalten sollten. Die italienischen Vertreter wurden jedoch nicht von dem neuen Außenminister ermächtigt, fich an die vor zwei Monaten übermittelten offiziellen DokuFalscher Entrüstungsrummet Aufforderung zu Tätlichkeiten Das ,, Deutsche Tageblatt" des Herrn Reinhold Wulle veröffentit eine Zuschrift aus Offizierstreijen, die den Geisteszustand der Leute, die nichts gelernt und nichts ver geffen haben, grell beleuchtet. In unserer Nr. 338 hatten wir uns mit dem Brief des früheren bayerischen Kronprinzen Ruprecht beschäftigt, den dieser am 19. Juli 1917 an den Grafen Hertling gerichtet hat. Wir hatten an die Wiedergabe der entscheidenden Steilen dieses Briefes die Bemerkung geknüpft, daß die politischen und militärischen Führer des deutschen Boltes Feiglinge waren, wenn ihnen der wahre Zustand Deutschlands befannt, war und sie die Wahrheit dem Volke vorenthielten. Wir hatten auch darauf hin gewiesen, daß die Dolch it oẞlegende teine bessere Erledigung finde als durch diesen Brief Rupprechts. Beweist er doch, daß schon im Juli 1917, nach dem Urteil der damaligen politischen und militärischen Führer, alle Keime des Zufammenbruchs verhanden waren. Und in der Tat: Jit es nicht feige, in der Seit der höchften Rot, der ungeheuersten torperlichen und seelischen Anspannung eines ganzen Boltes, diejes Volf mit falschen Redensarten zu betören und ihm die Wahrheit zu verweigern? Haben nicht die, die den Busammenbruch tommen sahen und sich ihm nicht entgegengestellt haben, jeige und verantwortungslos gehandelt? Dürfen persönliche Rücksichten, Rücksichten der Stellung und des Ansehens stärker sein, als die Sorge um das ganze Bolt? Unter ruhig denkenden Menschen täuscht sich heute niemand mehr darüber, daß die politische und militärische Führung Teutschlands im Weltfriege äußerst mangelhaft gewesen ist. Um die Führung in diesem Sinne hat es sich aber ganz allein in unserer Notiz gehandelt. Mit teinem Wort war den Offizieren oder irgend wem Feigheit vor dem Feinde oder dergleichen vorgeworfen worden. Kein vernünftiger Mensch konnte aus jenen Zeilen etwas Aehnliches entnehmen. Da aber ein Großteil der deutschen Offiziere absolut und um jeden Preis vor der Welt daran erinnern zu müssen glaubt, daß der deutsche Offizier nicht denkt, so wird in der betreffenden Zuschrift an das Deutsche Tageblatt" eine wüste, persönliche Heze gegen den" Genossen Liebschütz als verantwortlichen Redakteur der Freiheit" eröffnet. Neben den in diesen Spalten selbstverständlichen antisemitischen Anpöbelungen wird deutlich zu Tätlichkeiten gegen den Ge noffen Liebschütz aufgefordert, was übrigens ebenso selbstverständlich in diesen Spalten ist. Wo der Verstand aufhört, fängt die Gewalt an. Die Buschrist uthält folgende Säße: mente zu halten. Die Sachverständigen verwandten nun ihre Zeit darauf, eine Teilung der Stimmen, Gemeinde für Ges meinde, vorzunehmen. Pertinag erklärt, daß die Boltsabstimmung sehr verschieden ausgelegt werden könnte. Jede Regierung legt sie gemäß ihrer Gesamtpolitit aus. Nur eine Gesamtbesprechung über die Angelegenheiten Deutschlands werde die Einigkeit oder Uneinigkeit der alliierten Ministerprä fidenten festlegen können. Das Programm des Obersten Rates Fünf Fragen EE. Paris, 2. Auguft. Gestern sind die Einladungen an die alliierten Regierungen abgejandt worden und, wenn der„ Petit Parisien" gut unterrichtet ferenz eingeladen. Man erklärt, die englische Abordnung werde ist, wurde auch Belgien zur Teilnahme an der Pariser Konaus Lloyd George, Lord Curzon, dem englischen Bots schafter in Paris, Lord Hardinge und dem Feldmarschall Wilson bestehen. Balfour wird also der Sigung des Obersten Rates nicht beiwohnen. Der„ Petit Parifien" glaubt zu wissen, daß fünf Fragen auf der Tagesordnung stehen werden. Zus nächst die Frage der Truppen entiendung nach Ober. schlesien, jedann die endgültige Regelung des oberschlesischen Problems. Diese Frage allein wird zwei oder drei Sigungen des Obersten Rates in Anspruch nehmen. Hierauf würde der Oberste Rat auf Verlangen der englischen Regierung die orientalische Angelegenheit prüfen, ferner die Frage der Kriegsbeschuldigten, auf die Belgien und Frankreich großes Gewicht legen, und endlich die Frage der Hilfe für das notleidende Rußland. Dem„ Petit Parifien" zufolge würde also die Frage der Aufhebung der Santtio nen nicht erörtert werden, während andere Berichte erklären, daß auch diese Frage zur Sprache gebracht werden würde. Frankreich ist aber, dem„ Matin" zufolge, der Ansicht, daß sich die Zollgrenze am Rhein an das allgemeine Wirtschaftssystem der Kontrolle Deutschlands anpassen solle, das heißt mit anderen Worten, daß die Garantie lommission ihr Urteil über die Aufhebung der Sanktionen fällen müsse. Wo waren Sie, Herr Leo Liebschütz, im letzten Kriege?! Führen Sie diese niederträchtige, frivole Sprache in Ihrem Schmuzblatt weiter, dann tann niemand dafür bürgen, daß Sie nicht eines Tages einen recht fühlbaren Dentzettel seitens diefer " eiglinge" erhalten werden. Die deutschen Offiziere find gewöhnt, von Ihren„ Laiten" beschimpft und beschmutzt zu werden; sie der Feigheit" zu zeihen, dieses Bubenstück war Ihnen vorbehalten. Es tommt der Tag, Herr Liebschüz, an dem man auch von Ihnen Rechenschaft fordern wird für diese feige Tat! Man könnte diese Hezze achtlos beiseite liegen lassen, wenn uns die Fälle Hirschfeld, Sänger, Gareis und noch manche andere nicht bewiesen hätten, daß auch die sinnloseste Heke in gewiffen Kreisen Eingang findet. Die Frage, wo Genosse Liebschütz im legten Kriege gewesen ist, fann beantwortet werden. Genosse Liebschütz mar im Felde wie jeder einfache Soldat. Er war weder Etappenschwein, wie so viele aus den Offizierstreisen, die ihn anpöbeln, noch Garnisonhengst. Es ist hier nicht der Ort und wir haben auch keinerlei Ursache, den Leuten um Wulle gegenüber uns zu rechtfertigen. Wie Frage dem Grafen Reventlow, dem Leitartikler des wäre es aber, wenn man die dem Genossen Liebschütz gestellte Deutschen Tageblattes", vorlegen würde? Generalstreif in Danzig Danzig, 1. August. Da die von seiten der sozialdemokratischen Partei für diesen Donnerstag beabsichtigte Demonstration auf dem Heumarkt vers boten wurde, rufen heute der Allgemeine Gewerkschaftsbund für die Freie Stadt Danzig, der Allgemeine Freie Angestelltenbund, die Alfa, die sozialdemokratische Partei in Danzig, die Unab hängige sozialdemokratische Partei Danzig und die Vereinigten Kommunistischen Parteien Deutschlands, Bezirk Danzig, zu einem auf Donnerstag, 4. August, stattfindenden 24 tündigen Generalstreit der Arbeiter, Ange stellten und Beamten auf. Es soll protestiert werden gegen die unerhörte Belastung durch direkte und indirekte Steuern, gegen die Erhöhung der Wohnungsmiete, gegen die gewaltige Berteuerung der Lebensmittel und gegen die beabsichtigte Erhöhung des Brotpreises. Als Ausgleich der bestehenden Teuerung wird gefordert werden eine Erhöhung der Löhne und Ges hälter für sämtliche Lohn und Gehaltsempfänger, Erhöhung der Bezüge der Arbeiter- Invaliden und der Witwen und Waijen, der Kriegsbeschädigten, der Empfänger von Armenunterstügungen sowie eine ausreichende Unterstügung aller Erwerbslojen. Dem Kampfe ausgewichen Die politische Lage in Sachsen Aus Dresden wird uns geschriebent: Im sächsischen Landtag wurde im Herbst vorigen Jahres der Ministerpräsident mit den sozialistischen Stimmen gegen die bürgerlichen Stimmen gewählt. Die Kommunisten, die erst eine ablehnende Erklärung gegen Herrn Bud abgegeben hatten, stimmten für ihn als Ministerpräsidenten. Damit war die Bildung einer sozialistischen Regierung möglich. Es begann aber auch damit der Kampf der bürgerlichen Parteien um eine Veränderung der Regierung. Ihr Streben ging dahin, einen Zwist innerhalb der sozialistischen Gruppen herbeizuführen, um zu erreichen, daß eine Regie rung aus Sozialisten, Demokraten und Deutscher Volkspartei gebildet werden solle. Die Rechtssozialisten lehnten ab, mit monarchischen Parteien zusammen eine Regierung zu bilden und hielten an der Koalition mit der Unabhängi gen sozialistischen Partei fest. Die bürgerlichen Parteien gaben ihren Plan auf Veränderung der Regies rungsbafis nicht auf, sondern benutten jede Gelegenheit, um den Nachweis zu führen, daß die Regierung mit dieser Koalition feine Dauer haben könne. Alle kleinen Fragen, die durch die bürgerlichen Parteien zum Gegenstand der Opposition gemacht worden waren, verfingen nicht. Es fam öffentliche Leben gewann. Die Regierung rechnete mit den der März putsch, der in Sachsen feinen Einfluß auf das Kommunisten scharf ab, was wieder die bürgerlichen Parteien benützten, um durch Erklärungen zu dokumentieren, daß es an der Zeit sei, die Regierungsbasis zu verändern. Auch das wurde von den sozialistischen Parteien abgewiesen. Erneut wurde die Ernennung des Unabhängigen Reichstagsabgeordneten Ryssel zum Amtshauptmann in Leipzig benutzt, um mit den Beamten und unterstützt von den bürgerlichen Parteien, einen Kampf gegen die sozialistische Regierung zu entfachen. Die Enthüllungen des Ministers über die Bestrebungen einer Beamtennebenregierung führten aber dazu, daß die sozialistischen Parteien geschlossen sich hinter die Regierung stellten. Nur die Kommunisten blieben unflar in ihrer Stellungnahme. Die BeSchaffung von laufenden Mitteln durch Einbringung der Grund- und Gewerbesteuergeseze gab den bürgerlichen Parteien den Mut, erneut eine Machtprobe gegen die Regierung herbeizuführen. Obgleich sie fachlich gegen die Steuer nichts einzuwenden hatten, weil einmal diese Grundsteuer in Sachsen bereits besteht, und die GewerbeSteuer von den Gemeinden auf derselben Grundlage aufgebaut worden ist und angewendet wird, und es nur galt, diese Steuern auch dem Lande dienstbar zu machen, nutzten sie Dennoch die Gelegenheit, durch Ablehnung der Steuern der Regierung die laufenden Einnahmen zur Bestreitung der Besoldungsaufwendungen für die Beamten zu verweigern. Die Kommunisten lehnten ebenfalls die Steuern unter der Begründung ab, daß diese Steuern auf die ärmeren Klassen abgewälzt werden können. Dieser Einwand ist bindisch, weil alle Steuern abwälzbar sind und die neue Grundsteuer gerade progressiv nach dem Grundwert wirkt und bei der Gewerbesteuer das Existenzminimum unter 24 000 M. aus gewerblichen Einnahmen steuerfrei bleiben sollte. Die Regierung nahm, nachdem eine Verständigung im Aeltestenausschuß des Landtages von den bürgerlichen Parteien nicht beliebt wurde, zu den Beschlüssen des Sonderausschusses des Landtages in einer Erklärung Stellung. Die Erklärung schob die Verantwortung für die Ablehnung der Steuer und die Gefährdung der Durchführung der Besoldungsordnung den bürgerlichen Parteien und den Kommunisten zu und stellte dem Landtage anheim, sich selbst aufzulösen, um durch Neuwahlen eine andere Regierungsgrundlage zu schaffen. Da die bürgerlichen Parteien und die Kommunisten die Regierungsbasis zu verändern erstrebten, so wäre es Selbstverständlich gewesen, daß nun jene Parteigruppen die Gelegenheit rasch ergreifen würden, das Volk selbst zur Aenderung der Regierung durch Neuwahlen aufzurufen. Davon war aber feine Rede, sie wichen dem Kampfe aus. Bezeichnend dafür war, daß der Führer der Deutschnationalen Partei, der Abgeordnete Beutler, durch einen Zwischenruf erkennen ließ, daß die sozialistischen Parteien den Antrag auf Auflösung des Landtags stellen sollten. Erstrebten die bürgerlichen Parteien die Veränderung der Koalition, so war der Appell an die Wähler das geeignete Mittel, um diesem Verlangen Nachdruck zu geben. Die bürgerlichen Parteien lehnten es aber ab, einen solchen Antrag zu stellen; sie gaben damit ihre Kampfstellung gegen die Regierung auf. Auch die Kommunisten stellten keinen Antrag auf Auflösung des Landtags, obgleich sie der Regierung den schärfsten Kampf angesagt hatten. Der angesagte Kampf wurde also aufgegeben. Ein Antrag der bürgerlichen Parteien, unterstützt von den sozialistischen Parteien, verlangte die gesamte Tagesordnung für eine spätere Sigung, die nach einem oder mehreren Monaten stattfinden sollte, zu ver= tagen. Die Sorge um die Sicherung der Beamtenbesoldung führte zu einem Einverständnis, daß diese Vorlage verabschiedet wurde. Der Antrag auf Vertagung wurde angenommen. Ein Antrag auf Behandlung der Anfragen wegen der Ernennung des Amtshauptmanns Nyssel auf den nächsten Tag wurde ab- gelehnt. Die bürgerlichen Parteien, die nach Artikel 27 der sächsischen Verfassung ein Mihirauensvotum gegen die Re- gierung beantragt hatten, zogen diesen Antrag zurück und gaben damit zu erkennen, dah sie nicht den Mut fanden, die Kampfansage gegen die Regierung durchzuführen. Damit ist der Ansturm der bürgerlichen Parteien abgewehrt, der -Bestand der so z i a l i st i s ch e n Regierung zur Zeit gesichert, sie steht geschlossener da denn je, und wenn die sozialistischen Parteien wollen, dann weichen die bürgerlichen Parteien zurück. Trotz ihrer dröhnendcn'Worte wollen sie es nicht zum Aeutzersten kommen lassen. Die politischen Kinder der Kommunistischen Partei wutzten aus dieser politischen Situation nichts anderes zu machen, als im Landtage einige abgebrauchte Phrasen vorzutragen, ohne für die politische Seite des Kampfes Verständnis aufzubringen. ie Arbeiterschaft hätte mit diesen Konfusionären auch bei der Neuwahl gründlich aufgeräumt. Resultat: k e i n e N e u- wählen, keine Regierungskrise, sondern die bürgerlichen Parteien und die Kommunisten haben den ttampf abgeblasen und sind in Ruhestellung getreten! Dsf Ketdherr Ludendorff Vor einigen Wochen erschien in der rechtssozialistischen Presse eine Unterredung, die der Dresdener Rechtssozialist Robert Albert in Bad Elster mit dem General H 0 f m a n n hatte. Dieser General ist bekannt durch sein herausforderndes Auftreten während der Friedensverhand- lungen in Brest-Litowsk. Er war es. der damals mit der Faust auf den Tisch schlug und damit„der Komödie der Ver- Handlungen endlich ein Ende machen wollte". General Hof- mann galt dieserhalb allgemein als ein Reaktionär schlimmster Sorte..Es sind aber dann später wiederholt Aeuherungcn laut geworden, aus denen zu erkennen war. daß General Hofmann nicht zum Ludendorffkreis gehörte. und daj} er über die Kriegsführnng seine eigenen Ansichten hatte, sie sogar sehr abfällig beurteilte. Der Rechtssozialist Albert behauptet nun. General Hof- mann habe in der Unterredung den Generalstabschef F a l- k e n h a v n unverblümt den„größten Verbrecher des Krie- ges" genannt. Mährend der Verhandlungen in Brest- Litowsk habe er die schlimmsten Winke lzüge gemacht, es sei, genau wie im Auswärtigen Amt seit 25 Jahren, a n- dauernd gelogen worden. General Hofmann gab dann einen Ueberblick über die Verhandlungen in Brest- Litowsk. Als er von Albert darauf aufmerksam gemacht wurde, daß in den Büchern Ludendorffs und Hindenburgs ganz anders über die Verhandlungen berichtet wurde, er- klärte General Hofmann: „Ach ja, das iveih ich. Aber Ludendorfs» Such ist»in vor« teidigungsbuch, deshalb dumm, falsch und zum Teil erlogen. llcberall, wo er sich verteidigt, wimmelt e» von Irrtümern. Und der gute Hindenburg: na, sein Buch ist so, dah es einen Hund jammern könnte." Albert fragte darauf, weshalb denn General Hofmann seine Memoiren nicht schreibe. Sein Material wäre doch äußerst wertvoll. General Hofmann erwiderte darauf: „Rein, einstweilen nicht; denn täte ich es, müßte ich der ganzen Welt ja unterbreiten, daß Luden- dorff kein Feldherr war, und das will ich vorder- Hand noch nicht." General Hofmann sprach sich dann weiter über die Unfähigkeit vieler Generäle aus. Die Marneschlacht im September 1914, die der Anfang zur beut- scheu Niederlage war, sei eine direkte Folge von Führer- Unfähigkeit gewesen. Die Heeresleitung habe dauernd die Kräfte verzettelt, die Frühjahrsoffenfive 1918 sei ganz- l i ch verfehlt gewesen, nicht Ludendorff, sondern Konrad von Hötzendorff war nach General Hofmann der best« und tüchtigste Offizier. Die Unterredung wurde seiner Zeit in der Oeffentlichkeit nur wenig beachtet. Es wurden kurze Auszüge daraus ver- ofsentlicht und Zweifel an der Echtheit geäußert. Jetzt ver- -isfentlicht General Ludendorff in der„München-Augsburger Abendzeitung" folgende Erklärung: „Gleich noch Bekanntwerden der Besprechung Hoffmanns mit Robert Albert, einem Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, hat General Ludendorff in der Ueberzeugnng, dah die ganze Besprechung freie Erfindung sei. an seinen ehe- rn a I i g e n Mitarbeiter geschrieben und ihn gebeten, eine dahingehende Berichtigung der Presse zugehen zu lassen. Nach Eingang des Briefes beiuchte General Hoff mann. der sich in Tegernsee aufhielt. General Ludendorsf, der dort zufällig einen Tag weihe. Er bestätigte, was die Presse veröffent- licht hatte. Ludendorsf wies auf das Unzulängliche solcher Erklärungen hin und lieh Hoffmann gegenüber keinen Zweifel bestehen, dah eine derartige Unterredung, wie er sie hiernach mit Herrn Albert gepflogen habe, unvereinbar mit den An- lichten des O i f i z i e r st a n d e s fei, dem auch et angehört habe, und dah ihm diese Unterredung in den Kreisen, von denen ein Wiederaufbau des Vaterlandes zu erhoffen fei. nur i ch a d e. General Ludendorf beabsichtigt nicht, sich zu der vor- liegenden Angelegenheit weiter zu äuhern. Er ist der An- ficht, dah sich General Hofmann durch seine Erklärung von neuem einen schlechten Dienst erwiesen hat." Damit wird also die Echtheit der Unterredung bestätigt. Die Auseinandersetzung zwischen Ludendorsf und General Hoffmann wird sich sicherlich nicht in den üblichen kamerad- schaftlichen Formen vollzogen haben. Es kennzeichnet aber wiederum den Geist Ludendorffs, wenn er auf den sach'ichen Gehalt der Behauptung des Generals Hofmann überhaupt nicht eingeht, sondern sie einfach als„unvereinbar mit den Ansichten des Offiziersstandes" bezeichnet. Die Ansichten des Ofsiziersstandes gehen also nach Ludendorsf dahin, daß im Interesse dieses Standes gelogen werden muß und daß derjenige, der die Wahrheit sagt, ein schlechter Kerl ist. Wir hegen für den General Hofmann selbstverständlich keinerlei Sympathien, müssen aber gestehen, daß er mit seiner Unter- rednng dem deutschen Volke einen guten Dien st erwiesen hat. Denn auch diese Unterredung zerstört wieder einmal die Dolchstoßlegende. General Hofmann beweist uns, daß der Krieg nicht verloren oing durch die Revolution, fon- dern daß die Revolution die Folge des Zusammenbruchs war und daß dieser Zusammenbruch verursacht wurde durch die Unfähigkeit und Unzulänglichkeit der politischen und mili- tärischen Führung. Die l�saktion in der Schutzpolizei Nachdem der preußische Minister des Innern, Herr Domi- nicus, durch einen Erlag vom 10. Mai die politischen Rechte der Schutzpolizeibeamten so stark beschnitten hat, daß nahezu ein Verfassungsbruch vorliegt, ist er jetzt durch einen neuen Erlah noch weiter gegangen. Der Erlah vom 10. Mai verbietet den Beamten die Teilnahme an politischen Versammlungen in Uniform und die parteipolitische Betätigung innerhalb der Diensträume. In seinem neuen Erlah geht der Minister nun- mehr auch gegen die Betätigung der Beamten auf rein wirt- Ichaftlrchem Gebiete vor. Die Beamten hatten zum Schutze ihrer Interessen einen Wirtschafts verband ge- gründet. Gegen diesen Verband tobte monatelang ein« zlelbe- wußte Hetze der reaktionären Offiziere. Der preußische Innen- minister hat sich dieser Hetze angeschlossen, indem er jetzt das Ver- bot des Wirtschaftsoerbandes in Aussicht stellt. In dem Erlaß heißt es, daß eine gewerkschaftliche Organisation der Polizeibe- amten den Interessen des Staates widerspreche. Der Erlaß stützt sich auf ein N o s! e w o r t:„Sine gewerk» fchaftlich organisierte Polizei ist eine stete Gefahr für das Volk." Noske hat diesen Sah seinerzeit aus der Erwägung heraus ge- prägt, daß weder in der Polizei noch in der Reichswehr die Mannschaften irgendwelche Rechte besitzen dürften. Er schwur auf den alten kaiserlichen Offizier; dieser sollte alle Macht in den Händen haben. Innerhalb der Reichswehr hat Noske diesen Grundsatz ja auch durchgesetzt. Dort herrscht heute die gleiche Disziplin wie in der Hohenzollernarmee. Nicht ein Hauch des neuen Geistes ist zu verspüren. Auf die Polizei vermochte Noske einen bestimmenden Einfluß noch nicht auszuüben. Jetzt hat sich der preußische Innenminister die reaktionären Grundanschau- ungen Noskes zu eigen gemacht, und unter Berufung auf Nooke unterbindet er nunmehr auch die wirtschaftlich« Betätigung der polizeilichen Beamtenorganisationen. Rückwärts! ist also die Parole dieses preußischen Polizei- Ministers. Aber es liegt System in diesem Vorgehen. Wie die Reichswehr, so soll auch die Schutzpolizei ein politisches Machtinstrument in den Händen der extremen reaktiv- nären Offizierskaste werden. Den Schutzbeamten wird jede ge- meinschastlich« Betätigung unmöglich gemacht. Sie sollen die willenlosen Werkzeuge ihrer Führer werden. Dieses Vorgehen ist zugleich auch ein Ausfluß der sich immer mehr zu« spitzenden politischen Verhältnisse. Di« Reaktion drängt aus eine offene Entscheidung.'Republik oder Monarchie, diese Frage wird immer mehr akut, und die Reaktion weiß, daß sie in der entscheidenden Stunde nicht nur die Reichswehr, sondern auch die Polizei hinter sich haben muß. Aus diesem Grunde werden die Schutzbeamten rechtlos gemacht. Sie sollen, genau wie beim Kapp-Putsch. bedingungslos auf die Seite der Reaktion treten, sie soNeu nicht die Möglichkeit haben, sich untereinander zu ver- ständigen, um gegebenenfalls gegen die eidbrüchigen Offiziere vorgehen zu können. Das ist der Zweck der Uebung. Rur aus diesen Gründen werden die verfassungsmäßigen Rechte der Schutzbeamten immer mehr beschnitten. - J Das wandernde Elend Kopenhagen, 1. August. Noch einer Meldung des Moskauer Blattes„Zswetija" de» läuft sich die Zahl der hungernden Bewohner in Oftruß- land, die auf Moskau zu marschieren, aus über 5 Millionen. Sie überschwemmen die Gouvernements Tambow, Penfa und Woronesch und bewegen sich ohne Ausenthalt vorwärts. Am Zfl. Juli erreichten sie die Stadt Tambow. nachdem sie die ihnen entgegengesandtcn Truppen in die Flucht geschloqen hatten. Sie plünderten alle Borrät« und töteten sämtliche Pferde der Ka- vallerle, der Feuerwehr und der Droschken. Die Untersuchung ergab, daß die Truppen, denen der Schutz der Stadt anvertraut war, sich gewtigert hatten, auf die Menge zu schießen. Zum Hunger die Cholera Kopenhagen, I. August. „Politiken" wird aus Riga telegrahiert: Amtlich wird mit- geteilt, daß die Cholera im Gouvernement Samara furchtbar wüte. Allein in der Stadt Samara kommen täglich 400 neue Fälle vor. Eine ungeheure Anzahl flüchtender Eltern hat ihre Kinder zurückgelassen. Im Gouvernement Samara gibt es bereits über 40 000 solcher verlassener Kinder. T r o tz k i er- klärte in einer Unterredung, dah das verbreitete Gerücht von einer Mobilisierung Sowjet-Rußlands gegen Polen, Rumänien und Lettland«ine freche, imperialistische Lüge sei. da die Rote Armee zur Zeit drei- bis viermal geringer sei, als vor 8 Monaten. Dagegen würden viele neue Offiziersschulen errichtet, um die Schlagfertigkeit des Heeres zu verbessern. OaS amerikanische Hilfswerk für Rußland EE. Washington, 2. August. Der amerikanische Handelsminister Hoover telegraphierte dem Direktor des europäischen Ernährungsbureaus der Bereinigten Staaten Walter Lyman Brown in London, er möge sofort mit der Sowjetregierung in Verhandlung treten, um die Unterstützung durch Lebensmittel ins Werk zu rufen. Hoover erklärte, daß so- fort nach Abfckluß eines Vertrages Lebensmittel von Danzig nach Rußland abgehen würden. Da die amerikanische Regierung über genügend Lebensmittelvorräte verfüge, werde man sick, wegen Geldunterstützung nicht an den Völkerbund wenden. Monatlich sollen bis zu 1250 000 Dollars verwendet werden. Die erste» Schiffe würden wahrscheinlich nach Petersburg abgehen. Die Reuwahle« zum thüringischen Landtag. Die Neuwahl«» zum thüringischen Landtag finden am 11. September statt. Vertrauensvotum für da» italienisch« Kabinett. Der italienisch« Senat hat eine Tagesordnung angenommen, worin der Regie. rung mit 317 gegen 146 Stimmen bei 21 Stimmenthaltungen da» Vertrauen ausgesprochen wird. Der Führer der australischen Arbeiterpartei gestorben. T. I. Ryan, der Führer der australischen Arbeiterpartei, der von 1915 bis 1919 Ministerpräsident war, starb im Alter von 43 Jahren an Lungenentzündung, nach nur zweitägiger Erkrankung. Eine amerikanisch« Handelsabordnung in Paris. Gegenwärtig befindet sich«ine amerikanische Handclsabordnung in Paris, die die Aufgabe hat. Berhandlungen über die Aufhebung der Zoll- grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Europa zu ver« handeln. Die Abordnung wurde von Briand persönlich empfangen. Ausschreitungen tschechischer Legionäre. Die Wiener Blätter melden aus A u ß i g: Im Verlaufe einer von 1500 tschechischen Legionären veranstalteten Protcstversammlung kam es zu Aus» schreitungeii gegen deutsche Passanten, die von den Tschechen verprügelt wurden, ohne daß die Polizei eingriff. Paul Mee Von Adolf Behne Die Ausstellung einer großen Zahl von Zeichnungen, Radie- rungcn, Aquarellen und Gemälden P a u l K l e e s im«Stur m", Potsdamer Straße 1S4K, verdient sehr unsere Aufmerk- samkeit. Sie läßt in einer fast lückenlosen Reihe den Weg Klees von seinen frühen, noch literarisch bestimmten, verzweiflungsvoll bizarren Radierungen zu seinen Aquarellen, unbeschreiblich reinen, geläutert stillen Lobliedern eines traumhaften Gleichgewichts er- kennen— und zu feinen Gemälden, die doch kaum über die Graphik hinausgehen. Ein Studium dieses Weges ist sehr ge- eignet, in die neue Kunst einzuführen, gerade weil Klee ein Uebergang ist. Niemand kann ernsthaft bestreiten, daß dem„Sturm" ein Haupt- verdienst zukommt, wenn Paul Klee zu der ihm gebührenden Gel- tung gekommen ist. Der„Sturm" hat mit als erster und stets mit besonderem Nachdruck Klees kühn in ein« unbekannte Welt der Linien, Farben und Formen— und der Beziehungen von Linien, Farben und Formen, vorstoßenden Aquarelle und Zeichnungen— damals Gegenstände allgemeinen Spotte»— ge- zeigt und hat sie nicht nur„gezeigt", sondern, damals noch«nt- schieden wertend, sie an ihren Platz gestillt. Er hat auch als erster«in sehr schönes Album mit Reproduktionen Klcefcher Zeich- nungeu herausgebracht(Sturmbilderbuch 3). Nachdem das freu- dige Sich-Einfetzen einiger Freunde die Isolation Klees endlich durchbrochen hatte, interessierte sich plötzlich auch das Kunst- Kapital für den Künstler, und mit einem Schlage erschien auch eine ganze Paul-Klee-Literatur. Wilhelm Hausen st ein schrieb ein sehr gut. z. T. farbig, illustriertes Buch mit dem gezierten Titel„Kairuan oder die Geschichte vom Maler Klee und der Kunst dieses Zeitalters" (Kurt Wolff Verlag, München 1921). Der äußerlich gebliebene Versuch, über Klee im Stile Paul Klee zu schreiben. ist bös mißlungen— und mußte mißlingen. Denn Hausenstein ist ein kluger und verdienstvoller Schriftsteller, aber kein Dichter. Der Stil geschraubter Geistreichigteit ist nicht der Stil Paul Klees.(Wer einen Maßstab haben will, der lese P a u l S ch e r- barts„Cervantes" und dann wieder als Gegenbeispiel Eugen Monts„Paul Scherbart".) Ganz wundervoll ist freilich das Vorwort. Diese Sprache hat«inen geheimnisvollen Gleich- klang mit dem Werke Klees und ist«in- Seit« aus dem„Titan" des Jean Paul... H. v. Wederkop schrieb für Klink- Hardt und Biermanns„Junge Kunst" ein Klce-Bänd- chen(Nr. 13). Hier heißt es auf S. 13 in einer kurzen Biographie ..nach Angaben des Künstlers":„Eine neu« Vereinigung„Tema" zog Klee zu sich, aber Kandinsky lenkte ihn gleich darauf wieder ab."„Klee reitet uns blau davon", sagten die Semiten.(Eine Anspielung auf Kandinskys Buch„Der blaue Reiter".)... Ich schlage das Paul-Klee-Buch von Leopold Zahn auf(Ver- lag Gustav Kiepenheuer, Potsdam 192 0). Da steht S. II:„Eine neue Vereinigung„Sema" zog Klee zu sich, aber Kandinsbij schreibt und Zahn Kandinsky. Uebringens ist das uns blau davon", sagten die Semiten. Der ganze Unterschied zwischen Wedderkop und Zahn besteht darin, daß Wedderkop Kandinskij schreibt und Zahn Kandinskij. Uebrigens ist das nicht die einzige Wortgleichheit sätzelang. Ein solches Detail zeigt die Art, wie die Bücher gemacht werden, wenn der Held gerade Koniunktur hat. Daß das Zahnfche Buch sonst manchen gut durchdachten Abschnitt enthält, sei nicht verkannt. Die Arbeit der frühen Vorkämpfer für Klee scheint für Zahn freilich nicht zu existieren. Die lapidare Angabe am Schluß der Biogretphi«:„Im Mai'Iüni 1920 bot eine Ausstellung bei Goltz in München den ersten Gesamtüberblick über das Schaffen Klees" muß doch etwas falsch« Vorstellungen erwecken. Und die Tatsache, daß der„Sturm" einige Uebersetzungen Delaunayscher Aufsätze aus dem Französischen Klee zu verdanken hat, scheint mir nicht so wichtig, wie die ander«, daß Klee auch dem„Stur m" einiges zu verdanken hat— und, wie gesagt, zu einer Zeit, als Klee noch nicht ein Liebling des Kunsthandels war. Oer Einfluß der Farben auf das Gemüt Ein englischer Gelehrter, Kemp Prossor. hat. wie wir im „Peuple" lesen, an das britische Ministerium des Innern als oberste Vcrwaltungsinstanz für Gefängniswcscn eine Denkschrift gerichtet, deren Inhalt er gleichzeitig in der Londoner Presse veröffentlicht«. Es handelt sich um die farbige Ausstattung der Gefängnisräume zwecks einer Beeinflussung des Gemütslcbens der Insassen. Bon dem Gedanken ausgehend, daß der Anblick von Farben und Schattierungen auf das physische und moralische Be- finden des Betrachters von ganz bestimmt definierbarem Einfluß ist, will er die Dekoration der Gefängnismauern zur Besserung der Insassen ausnutzen. Es ist nach setner Ansicht nicht gleich- gültig, ob dt« Zellen von Untersuchungsgesangenen oder Sträf- lingen in blutrot, flaschengrün oder himmelblau ausgemalt sind; sie find vielmehr der Mentalität und Moralität der Betreffenden anzupassen. Aus der langen Reihe seiner Vorschläge sei bcispiels- weife erwähnt, daß für vorsätzliche Gewalttat gelb, für Verbrechen aus Leidenschaft blau, für Betrug und Unterschlagung violett empfohlen wird. In besonderen Fällen kommen auch Zusammen- stellungen verschiedener Farben in Betracht; für Falschmünzer z. B. schwarze und violette Streifen. Im übrigen müßte die praktische Erfahrung zu weiterem Ausbau der Idee im einzelne» leiten. Mr. Kemp Prossor dürfte im Prinzip Recht haben. Daß Farben auf unser Gemüt wirken, ist unzweifelhaft. Der ältere Dumas schrieb anfänglich auf Rat von Dupreytrcm nur auf blauem Papier und blieb dieser Gewohnheit sein Leben lang treu. Da» übliche weiße Papier strengt die Augen an. verursacht Kurzsichtig- keit, ermüdet schließlich den Geist. Blaues Papier, vas die Augen- nerven schont, wäre uns allen zu empfehlen. In England werden alle Schriftstücke der Behörden auf blauem Papier ausgeführt, dank dem praktischen Sinn der Briten. Der Einfluß der Farbe auf die Nerven und damit auch auf das innere Leben des Menschen ist also sicher nachweisbar. Com- faypac erzählt, er Hab« bei einem Umzug fein Arbeitszimmer in einem Raum aufgeschlagen, den sein Vorgänger in Scharlachrot tapeziert hatte. Er hielt es nicht vier Wochen aus: Augen- schmerzen, Migräne. Rttzbarkeit, endlich völlige Arbeitsunfähigkeit waren die Folg«. Ein befreundeter Arzt machte ihn auf d-n Grund aufmerksam. Ein Ersatz der Tapete durch eine solche in dunkelblauer Farbe beseitigte schnell die unbequ.'men Symptome- Gibt es also Farben von günstiger und ungünstiger Wirkung am den Gemütszustand, so hat sicher Kemp Prossors Vorschlag viel für sich. Warum soll ein Anstrich in tiefem Orangzgelb nicht die heftigsten Gemüter besänftigen können? Wichtig für die Ves' waltung ist der Umstand, dag Mehrkosten nicht entstehen, da die Ausmalung der Räume doch in irgendeiner Farbe geschehen muß- Vir lex- Eine parlamentarische Grnppe von Kunstfreunden hat sich Rom zur Förderung der wirtschaftlich bedrohten Kunst und Kiinl-s ler gebildet. Vielleicht, so bemerkt dazu das„Kunstolart", folge» die deutschen Reichstaasabgeordneten. hie ihr Interrsse an d" Kunst durch die Einführung der Kunstluxussteuer bereits praklii« betätigt haben, dem Vorbild ihrer italienischen Kollegen un», gründen einen— Klub der Antikunstfreunde. 1 Fernwirkung kranker Zähne. Erst vor kurzem hat man am Grund der Erscheinung, daß einige inner« Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Muskel- und Gelenkrheumatis mus. sehr oft gleichzeitig, mit Zahnwurzelerkrankungen a». treten, einen engen ursächlichen Zusammenhang dieser Leiden nn den Zahnkrankheiten erkannt. Neuerdings hat sich aber geft'� daß auch dem alten Volksglauben vom Zusammenhang zwisms. Augen- und Zahn leiden ein Stück Wahrheit' gründe liegt und daß bei der Entstehung gewisser Augenkran heften kranke Zahnwurzeln mitwirken. Gutmann bat. wi«£ in der„Deutschen Med. Wochenschrift" ausfübrt. in iungsier-T.« mehrere solcher Fälle beobachtet. In einem Fall war z.®., Zahnfistel die Ursache einer schmerzhaften Geschwulst am Wut' die erst verschwand, als die Fistel geheilt war. Die Untersuch11"' Riesenbetrug an der Berliner Arbeiterschaft Von der Freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale geht uns folgender Aufruf zu: Das große Wert der Hilfe, das unsägliches Leid gefindert, das den ärmsten unserer Genossen, den Familien der Inhaftierten, in schwer bedrängter Zeit, vor und nach der Revolution, die einzige Hilfe darbot: Die Unterstügungskommission der Berliner Arbeiter schaft, ist bestohlen und betrogen. Wir stellen heute fest, daß die nach der Abrechnung vom 15. April 1921 angeblich auf der Bant sein sollenden 345 329,50 Mart bereits am 18., 19., 20. November 1920 von den beiden fommunistischen Treuhändlern Paul Edert und Karl Sagen abgehoben wurden und verschwunden sind. Der Kaffenbericht, der in der Generalversammlung der Betriebsräte Berlins am 6. Mai 1921 gegeben worden ist, war Lug und Trug. Die als Kassierer und Revisoren tätigen Genossen Adolf Baer, Paul Edert, Otto Wendt, Karl Hagen und Hermann Walter haben frech und unverantwortlich die gesamte Arbeiterschaft belogen, und sie haben mit diesem lügenhaften Kassenbericht auch den dritten Treuhänder hintergangen, der alten Freunden und Kampfgenossen glaubte restloses Bertrauen entgegenbringen zu müssen. Der Genosse Emil Barth, der von der Generalversammlung der Betriebsräte Berlins beauftragt war, dafür zu sorgen, daß die Unterstützungstommission paritätisch zusammengesetzt werden soll, hat dies zu vollbringen versucht. Die B. K. P. D. Sträubte sich in mehreren Sigungen, dem Beschluß der Generalversammlung zu entsprechen. Am 1. August 1921 fand die tonstituierende Sigung der neu gewählten Unterstützungstommission statt, die den Genossen Emil Barth zum Borsigenden und den Genossen Adolf Baer, trotzdem er nicht anwesend war, zum Kassierer bestimmte. Diese Sigung beauftragte den Genossen Barth, Gelder der Unterstügungsfommission insoweit zu sperren, daß sie nur mit der Unterschrift aller drei Treuhändler abgehoben werden können. Als Genosse Barth heute früh nach der Bant tam, um dies dort mitzuteilen, erklärte ihm der Filialleiter, daß dies, da nur noch 250,50 M. als Bantguthaben vorhanden seien, doch nicht mehr zwedmäßig sei. Da nach oben genannter Abrechnung vom 15. April 345 329,50 2. vorhanden sein sollten, stellte Barth fest, daß rund 345 000. unterschlagen find. Wir warnen die Berliner Arbeiterschaft bringend, noch einen einzigen Pfennig an den Genossen Baer abzurechnen. Wir bitten ebenso dringend, alle noch vorhandenen Listen möglichst umgehend mit den gezeichneten Beträgen bei dem Genossen Richard Herbst. Berlin, Breite Str. 9, abzurechnen, ebenso leere Listen dort abzuliefern. Diese Einlieferung aller Listen ist bringend notwendig. um nunmehr von Anfang bis heute eine eingehende Nachprüfung aller vereinnahmten und verausgabten Gelder vorzunehmen. Freigewerffchaftliche Betriebsrätezentrale f. b. Wirtschaftsbezirk Groß- Berlin. J. A.: E. Guiard. Berliner Gewerkschaftstommiffion. 3. A.: Carl Vollmerhaus. Unterstügungsfommission der Berliner Arbeiterschaft J. A.: Emil Barth. Die Feststellungen der Freigemerfschaftlichen Betriebsrätes zentrale bedürfen der eingehendsten Prüfung. Sollte es sich tatsächlich herausstellen, daß Edert und Hagen die Gelder auf eigene Faust abgehoben haben, so wäre das schon für sich allein, ganz ohne Rücksicht darauf, was mit dem Gelde geschehen ist, eine Rücksichtslosigkeit und Unterhältig feit ohnegleichen. Wir wollen die Ergebnisse der Unterjuchung abwarten, die ohne alle Bertuschung zu erfolgen hat. Aber schon heute steht fest, daß auch dieser Fall erneut zeigt, daß jede Gemeinschaft mit den Kommunisten unmöglich ist. da die einfachsten Grundsätze von Redlichkeit, Treu und Glauben regelmäßig von ihnen umgestoßen werden. Folgen der Hitze Als Antwort auf die gewaltige Demonstration„ Nie wieder Krieg" haben einzelne, besonders nationalistisch verblödete Gefellen aus Anlaß des siebenjährigen Jubiläums der Kriegserklä rung Deutschlands an Frankreich und Rußland den schwarz- weißergab hierbei, daß zwischen den 3ahn- und den Augenhöhlen eine direkte Berbindung durch die Benen besteht; ist nun eine Zahnwurzel ertrantt, jo fann es leicht geschehen, daß es innerhalb der Augen und Zähne verbindenden feinen Benenstämmchen zu Zirtulationsstörungen tommt, was dann als Fernwir tung eine Mitertrantung des Auges zur Folge hat. Auch die Ueberbrüdung einer anscheinend toten Bahnwurzel mit einer Goldkrone schüßt nicht vor dieser fatalen Fern wirtung. Wie ein Fall gezeigt hat, war gerade der Verschluß der Wurzel durch die Goldkrone die Ursache, daß das in ber franten Zahnwurzel gebildete Settet nicht nach außen abfließen tonnte und daß der Giftstoff deshalb auf dem Weg der Benen verbindung bis zum Augenrand verschleppt wurde, wo er alsbald eine sehr unangenehme Lidschwellung hervorrief. wird es bei der Behandlung derartiger wie auch bei der der Jebenfalls oben genannten inneren Ertranfungen immer gut jein, zunächst die Zähne gründlich zu untersuchen, ba besonders trante Zahn wurzeln einen beständigen Eiterherb bilden. Können Pflanzen bas Wetter vorausjagen? Nach dem Volts glauben sollen gewisse Pflanzen, die man als Wetterpflanzen be zeichnet, die Eigenschaft besigen, die kommende Witterung zu er tennen und durch Gestaltsveränderungen auch äußerlich fundzugeben. In der Tat tann man an einigen Gewächsen eine außer ordentlich feine Empfindlichkeit für den jeweiligen Feuchtigkeitss gehalt der Luft und gleichzeitig damit eine Reattionsfähigkeit beobachten, bie fich durch bestimmte Bewegungen diefer Pflanzen äußert. Sehr häufig tommt es auch vor, daß die Feucht. empfindlichkeit der Wetterpflanzen erit im abgestorbenen oder vertrockneten Zustand auftritt und zwar in diesem Falle als Folge von nebeneinanderliegenden Gemebeschichten, die sich beim Eintrocknen Spannungserscheinungen zwischen zwei aufammenziehen und bei Beseuchtung wieber ausdehnen, wie man. es 3. B. an manchen Stapfelfrüchten lehen tann. Am deutlichsten und sichersten soll man das Wetter am Ver halten der Wetters ober Silberdistel( Carlina acaulis) voraussehen tönnen, die bei schönem Wetter die glänzendweihen Süllschuppen ihrer ungeftielten Blütentöpfe ftrahlenförmig aus. einander legt, während sie sie bei trüber Bitterung zu einer länglichen Kugel zusammenschließt. Ein anderer, ebenso sicherer Wetterprophet joll der Erbstern( Seaster hygr.) jein. ein zu ben Bauchpilzen gehörender, etwa walnußgroßer fugelförmiger Bilz, befen äußere Beridien sich indes im Gegenjat zur Wetter bistel bei Feuchtigkeit sternförmig ausbreiten und bei Trockenheit fugelig zufammenlegen. Bet anderen Wetterpflanzen find es wieder einzelne Teile, an deren jeweiliger Stellung man die Wetteraussichten erkennen will, so beispielsweise bie zarten Grannen der Teilfrüchte des Reiherschnabels wie auch die Grannen des Feberpfriemen grases, der erste und bes 5afers. bie sich bei trockenem Wetter forfzieherartig auftollen und bei Nässe ausstreden. Das einzige, was man nun an allen diefen Wetterpflanzen erkennen tann, ist also immer nur der augenblickliche Feuchtigkeitsgehalt der Luft, der allerdings por roten Lappen herausgehängt. Wie das Wetterbureau mitteilt, hat die Site am heutigen Tage ihren Höhepunkt erreicht. Die Deutsche Zeitung" berichtet über„ Kindermord in Sowjetrußland" wie folgt: In Folge der schwierigen Ernährungsverhältnisse in St. Petersburg und Mostau wurden aus diesen Städten etwa 1000 Kinder nach Zarizyn geschickt und dort in einem Asyl untergebracht. Nachdem sie mit Pferdefleisch genährt wurden, ertrantten fie eines Tages an der Rogfrankheit. Da wurden eines Abends alle Türen abgeschlossen, mit Petro= leum begossen und angezündet und so die ganze Kinderschar eingeäschert. Hierbei darf nicht vergessen werden, daß 98 Prozent davon Proletarierkinder waren. So forgen die Bolschemisten für das Volt! So sorgt die Size für die weitere Verblödung der deutschen Zeitungslefer. Steuerabzug vom Arbeitslohn Ein wichtiger Erlaß Zu Artikel III des Gesetzes über die Einkommensteuer pom Arbeitslohne vom 11. Juli 1921 ist der folgende wichtige Erlaß des Reichsministers der Finanzen vom 21. Juli 1921 ergangen: Der Reichsminister der Finanzen. III. 22452. Verlin, den 21. Juli 1921. Nach Artikel III Abs. 1 des Gesetzes über die Einkommensteuer vom Arbeitslohn vom 11. 7. 1921( Reichsgesetzblatt S. 845) er= höhen sich in denjenigen Fällen, in denen Abzüge im Sinne des§ 13 nicht schon beim Steuerabzug in der Zeit vom 1. Apri! bis 31. Juli 1921 berücksichtigt find, die in§ 46 Abs. 2 Nr. 3 vot gesehenen Ermäßigungen für den in der Zeit vom 1. August bis 31. Oftober 1921 gezahlten und bis zum 31. Oftober 1921 fäll'g gewordenen Arbeitslohn auf 0,40 m., 1,40 m., 8,40 M. oder 35 M. 11. a Der Freistaat Danzig Danzig, 1. August. Die Interalliierte Kommission für die Verteilung des ehes maligen Reichs- und Staatseigentums hat dem Senat der Freien Stadt Danzig die ersten Entscheidungen bekanntgegeben. Weitere Entscheidungen werden voraussichtlich in den nächsten Tagen mits geteilt werden fönnen. Ueber wichtige Fragen wird eine Stellung nahme der Kommission zur Zeit noch nicht erfolgen, z. B. über die Zuteilung der Danziger Werft, der gesamten Eisenbahnen Die Kommission wird am Sonnabend Danzig verlassen und voraussichtlich im Oktober zurückkehren. Der Freien Stadt Danzig find u. a. zugeteilt: Das Polizeigefängnis, das Polizeipräsidium das Stadttheater, das alte Steuerhaus und das Posts gebäude. Ferner ist der Freien Stadt Danzig die Technische HochSchule unter Bedingungen zugeteilt, die in einem Uebereinkommen zwischen dem Danziger Vertreter Präsident Sahm und dem pola nischen Vertreter niedergelegt find. Danach erklärt sich der Senat der Freien Stadt Danzig bereit, die Interessen der Studierenden polnischer Staatsangehörigkeit an der Technischen Hochschule in der Weise sicherzustellen, daß er sich verpflichtet, an der Technischen Hochschule ein Lettorat für polnische Sprache und Literatur in der Art der bestehenden Lettorate zu errichten und dem Leftor einen Lehrauftrag zur Abhaltung polnischer Unterrichtsfurie zu erteilen. Ferner stellt der Senat in Aussicht, daß an der Technischen Hochschule eine Vorlesung über Wirtschaftsgeographie Bolens eingerichtet wird. Schließlich verpflichtet sich der Senat, dafür zu sorgen, daß die Technische Hochschule für die besonderen Bedürfnisse der polnischen Staatsangehörigen die erforderlichen Bücher und Lehrmittel beschafft. Die Regierung der Republit Polen wird dem Senat je= weils entsprechende Vorschläge machen. Die Danziger Gewehrfabrit ist auf Beschluß des Bölterbunbrats geschlossen worden. Infolgedessen sind gegen 1300 Arbeiter, Angestellte und Beamte entlassen worden. Weiter wird der Freien Stadt Danzig zugestanden: Die Ar tilleriemert statt einschließlich des Geländes, der Gebäude und der dort befindlichen Maschinen, die Gebäude der Gewehra fabrik, die beiden Husarenfasernen, die Traintaserne, das Traindepot, das Proviantamt, die St. Elisabethkirche, das Konsistorium jowie der nördliche Teil des großen Ererzierplages in Landfuhr mit Ausnahme eines Geländestreifens von 50 Meter Breite ents lang der Eisenbahn. Dem Hafen ausschuh sind zugeteilt: das Hafenamt, das Hafenbauamt, das Lotsenamt mit dem Gelände und dem dazu ge= hörigen Inventar. Außerdem sind ihm zugeteilt das Gelände nördlich des Freibafens und südlich des Brösener Wäldchens einIn vielen Fällen sind dem Arbeitnehmer von seinem Arbeitslohne in der Zeit vom 1. April bis 81. Juli 1921 die Beiträge nach§ 13 Abs. 1 Nr. 3( Beiträge zu Kranten-, Unfall-, Saftpflichts, Angestelltens, Invaliden- und Erwerbslosenversicherung, Witwen, Waisen- und Pensionstassen) nur soweit abgeschließlich eines Geländestreifens von 20 Meter Breite zur even setzt und damit beim Steuerabzua berücksichtigt worden, als sie Dom Arbeitgeber entrichtet und zu Lasten des Arbeitnehmers verrechnet worden sind. Wenn auch an sich nach dem Wortlaut der oben angeführten gesetzlichen Bestimmung in diesem Falle Abzüge im Sinne des§ 13 in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1921 berüdfichtigt worden sind, so will ich mich doch damit einverstanden erklären, daß die Absehung von Beis trägen der in§ 13 Abs. 1 Nr. 3 genannten Art vom Arbeitslohne in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1921 der Zulassung der höheren Ermäßigungen von 0,40 M., 1,40 m., 8,40 M. oder 35 M. für den in der Zeit vom 1. Auguft bis 31. Oftober 1921 gezahlten und bis zum 31. Oftober 1921 fällig gewordenen Arbeitslohn nicht entgegensteht. Es sind demnach die höheren Ermäkis gungen von 0,40 9, 1,40.. 8,40 m. ober 35 M. für den in der Zeit vom 1. August bis 31. Oktober 1921 gezahlten und bis zum 31. Oftober 1921 fällig geworbenen Arbeitslohn auch dann zuzuTaffen, wenn in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1921 Veiträge bder in§ 13 Abjah 1 Nr. 3 genannten Art bei dem Steuerabzug berüdsichtigt worden sind. Ich ersuche hiernach das Weitere umgehend zu veranlassen. An die Landesfinanzämter. In Vertretung: gez. 3apf. Durch diesen Erlaß des Reichsfinanzministers werden hie und da bestehende Zweifel, in welchen Fällen der erhöhte Abzug für Werbungskosten vorzunehmen ist, beseitigt. Ueberall also, wo bisher die Werbungskosten nicht voll abgezogen worden sind, ist jetzt in der Zeit vom 1. August bis zum 31. Oftober der erhöhte Abzug zulässig. Die Be triebsräte müssen nun darauf achten, daß das auch überall geschieht. Der türkisch russische Bertrag. Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat die türkische Nationalversammlung den im März 1921 gezeichneten türtisch- russischen Vertrag mit 207 gegen eine Stimme ratifiziert. Eintritt eines Regens größer ist, so daß man, wenn die Pflanze ihre Feuchtigkeitsreaktion wahrnehmen läßt, allenfalls Regen wetter prophezeien tann. Das ist aber auch alles. Wirklich wertvolle Voraussagen für die fommende Witterung tann man dem Verhalten jener Pflanzen niemals entnehmen, schon des halb nicht, weil sie für die Luftdruckverhältnisse, die aber gerade bas wichtigste Kennzeichen jeder Witterungsveränderung bilden, teine Empfindlichkeit äußern. Als Feuchtigteitsmeffer fönnen die fogenannten Wetterpflanzen, zu denen übrigens auch die bekannte Jerichorose gehört, mit vollem Recht gelten, als Wetter anzeiger jedoch nie und nimmer. Die Batterien des Papiergeldes. Daß unser berzeitiges Geld einen der gefährlichsten Bazillenträger bildet, ist seit langem bes fannt und durch viele Untersuchungen im einzelnen nachgewiesen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Papiergeldes hat sich dieses Uebel natürlich nicht verringert. So hat eine vor furzem in Italien vorgenommene Untersuchung ergeben, daß sich auf einem Ein- oder Zwei- Liteschein im Durchschnitt 100 Millionen Bakterien befinden. Diese 3ahi stieg in einzelnen Fällen bis auf 150 Millionen. Außer Bazillen gewöhnlicher, harmloser Art fand man die verschiedensten Krankheitsteime, besonders Eitererreger der verschiedensten Art. Ein Tier, das nicht trinkt. Die Strauße im Londoner Zoologischen Garten haben einen Reford aufgestellt: Sie haben Jeit einem ganzen Jahre nicht getrunken. Früher hatten die Strauße einen stets reichlich gefüllten Wasserbehälter in ihrem Käfig, bis der Straußensachverständige der südafrikanischen Regierung, Prof. J. E. Duerden, den 300 besuchte. Er riet, man folle das Waffer ruhig aus dem Käfig herausnehmen; denn diese Vögel brauchten nicht zu trinken und befänden sich dabei sehr wohl. Nun haben die Strauße schon ein ganzes Jahr lang teinen Tropfen Flüffigkeit zu fich genommen. Der Waffergehalt bes grünen Gemüses, bas sie erhalten, genügt ihnen augenschein lich vollständig. Um die sprichwörtliche Kraft bes Straußenmagens zu erproben, werden den Tieren von den Besuchern die mertwürdigsten Dinge zu freffen gegeben. Die Verwaltung bittet aber, ihnen teine Stupfermünzen zu verabfolgen, da diese im Magen Grünspan anjegen und so schädlich wirken. Silber- und Goldmünzen fönnen fie gut vertragen. Doch hat man dafür ja meistens bessere Berwendung. Rieler Herbstwoche. In Kiel findet vom 9. bis 18. September wieder eine Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft statt. Zahlreiche Feftaufführungen in den Theatern, wissenschaftliche Vorträge. Ausstellungen und eine Nordische Messe bilden das Programm. Aufgeführt werden u. a. die Nibelungen von Hebbel, Werte von Goethe, Mozart, Berdi, Wagner, Carl Hauptmann u. a. 3m Gemertschaftshaus spricht Professor von Laue über das Bhnsikalische Weltbild der Gegenwart", Professor Benned über Moderne Methoden der drahtlosen Telegraphie". Auch sonst enthalten die Brogramme noch manches Interessante und sie zeigen auch die Absicht, moderne Ideen zu verarbeiten. Der ganze Cha ratter ist aber bürgerlich und eine einheitliche Idee fehlt, tuellen Weiterführung und Erweiterung der Eisenbahn, das Mas rinefohlenlager mit Ausnahme der Tanks und Behälter für Pe troleum einschließlich der Koksbrennmaschinen und Leitungsein richtungen, das Gelände füdlich des Weichselbahnhofs, das der Weichselstrom- Bauverwaltung gehörte, somie zwei in Neufahr wasser gelegene Häuser. Diese Zuteilung ist unter dem ausdrüc lichen Borbehalt gemacht, daß, wenn ein Teil dieser Gelände endgültig dazu bestimmt wird, als Lagerplatz für den Transport und die Lagerung der für Polen bestimmten Division und als Anlegeplak für die polnische Flotte gemäß den Resolutionen des Völkerbundstates zu dienen, der Hafenausschuß alle notwen bigen Maßnahmen treffen müfie, um das ihm zugeteilte Gelände zur Verfügung zu stellen. Dem Hafenausschuh sind ferner von jetzt ab zugeteilt die Nuznießung über die Verwaltung folgender Güter: 1. Westerplatte. 2. Weichselmünde mit Ausnahme der Forts und des diese umgebenden Grabens. 3. der Munitionshafen mit Ausnahme des Geländes. das gegenwärtig von den polnischen Rückwandererlagern benukt wird, 4. die Holm- Insel mit Ausnahme des Teiles, der der Werft eingeräumt ist. Eine Panama Affäre in Budapest Der U.. wird aus Budapest geschrieben: Die ungarische Na tionalversammlung, die vielleicht als einziges Parlament in Eu topa noch immer nicht in die Sommerferien gegangen ist, be= Schäftigte sich in ihren letzten Sigungen wiederum mit einigen Korruptionsangelegenheiten. Die sensationellste dars unter ist der Zusammenbruch der„ Nationalen Arbeiter- Partei". Diese Partei ist, wie Abgeordneter Rupert dem Hause bewies, nach dem Zusammenbruch des Bela Khun- Regimes mit Regie= rungsgeldern begründet worden, um die Sozialdemo fratie zu schwächen. Sie fonnte aber trotz reichlichster Subventionen teine nennenswerte Mitgliederzahl gewinnen. Darauf stellte die Regierung zehn Millionen Kronen zur Gründung einer Zeitung zur Verfügung. Einer der Mittelsleute der Regierung bei diesem Unternehmen glaubte sich übervorteilt und erhob größere Geldansprüche. Er wandte sich mit seinen Forderungen an ein Offiziersdetachement, das gleichfalls in die Angelegenheit verwickelt war. Die Offiziere Todten den lästigen Mahner in eine Stube, sch I ugen ihn dort halbtot und warfen ihn die Treppe hinunter. Aus Rache brachte der so Mißhandelte die Affäre durch den Mund des Abgeordneten Rupert in die Deffentlichkeit. Die Regierung ist durch diese Angelegenheit Start tomprommittiert. Die Nationale Arbeiter- Partei" aber ist infolge der Enthüllungen völlig zusammengebrochen. 1900Die amerikanische Volkszählung DA. Washington, 1. August. Die Bolkszählung von 1920 in den Vereinigten Staaten, die nunmehr statistisch ausgearbeitet ist, hat ergeben, daß von der Bevölkerung 94 822 431 Personen der weißen, 10 463 013 der Schwarzen Rafie angehören, außerdem zählte man 242 959 Jn dianer, 111 025 Japaner, 61 686 Chinesen und 9485 Angehörige anderer Rassen. Das japanische Element hauptsächlich an der Küfte des Stillen Ozeans ansässig hat in dem Jahrzehnt von 1910 bis 1920 eine Zunahme um 53,9 Prozent erfahren. In Kalifornien, wohin im Laufe des Jahrzehnts 38 868 Japaner einwanderten, zählte man am 1. Januar 1920 deren 71 952. Der Reft verteilt sich auf die Staaten Washington, wo gegenwärtig 17 398 leben, Oregon, das 8151 aufweist, ferner Utah, Colorado und New York, wo man 2000-3000 zählte. Die weiße Rasse hat im Laufe des Jahrzehnts nur um 10 Prozent zugenommen, die schwarze um 6,5 Prozent, die Indianer um 8,6 Prozent und die Chinesen um 13,8 Prozent. Im vorhergehenden Jahrzehnt hatte fich die weiße Bevölkerung um 22,3 Prozent erhöht. Die Vermin berung der Zunahme ist, wie der offizielle Bericht feststellt, der Berringerung der Einwanderung infolge des Krieges zuzuschreiben. Arbeitslosenunruhen in Brüssel. Am Montag mittag sind nach einer Arbeitslosenversammlung eine Anzahl Manifestanten in die Sigung des Brüsseler Gemeinderates eingedrungen. Da der Bür germeister sich weigerte, die Manifestanten anzuhören, tam es zu Tumulten, so daß die Sigung aufgehoben werden mußte. Laut Peuple" wurden zwei Verhaftungen vorgenommen. " Sinausschiebung des Lohnabbaues in der französischen Textils industrie. Auf Grund einer Intervention haben sich die Arbeitgeber der Textilindustrie von Raubair entschlossen, die für den 1. August vorgesehene Lohnreduktion auf den 15. August zu ver Jchieben. Die Delegierten der Synditate haben infolgedessen den geplanten Generalstreit verschoben. Junggesellenstener in Georgien. Die selbständige Vertretung des Staates Georgien beschloß, eine jährliche Steuer von fünf Dollar für Junggesellen über dreißig Jahre einzuführen. Groß- Berlin Das erste Müllkraftwerk in Berlin Auf Veranlassung des Bürgermeisters Berndt fand am 27. Juli eine Besichtigung des Müllkraftwerts Schöneberg durch das Bes zirksamt und die Bezirksversammlung des 11. Bezirks( Schöneberg- Friedenau) statt. Die Führung in der Anlage hatte der Dezernent Herr Baurat Schiller übernommen. Den Besuchern wurde die Anlage im Betriebe vorgeführt: Das Müll wird in den Häusern in runden Gefäßen von 110 Litern Inhalt gesammelt, die abgeholt und in der Anstalt mechanisch ohne Staubentwidlung entleert werden. Nach der Entleerung wird jede Tonne gewaschen und gebürstet, so daß stets nur sauber gereinigte Gefäße in den Häusern aufgestellt werden. Das Müll gelangt dann ohne besondere Sortierung automatisch in den Verbrennungsofen. Hier wird es einem neuartigen Treppenrost, der zum ersten Male angewendet wird, tontinuierlich zugeführt und verbrennt unter Zuführung von tomprimierter Luft zu einer festen harten Schlade, die von dem Ofen automatisch ausgestoßen wird. Von dem Ofen gelangt die Schlace durch Steinbrecher in eine neben dem Müllkraftwerk befindliche Steinfabrit, in welcher sie zu Kunststeinen aller Art verarbeitet wird. Die Heizkraft des Mülls wird dazu benutzt, um in einem großen Steilrohrkessel Dampf von hoher Spannung zu erzeugen, welcher in das benachbarte Elektrizitätswert Südwest ge= leitet und dort zum Betrieb der Dampfturbinen benutzt wird. Auf diese Weise ist es möglich, den zum Betrieb des Elektrizitätswertes erforderlichen Dampf anstatt aus Kohlen aus Müll zu erzeugen. Hierin liegt ein gewaltiger technischer Fortschritt, der für die große Stadtgemeinde Berlin außerordentliche finanzielle Vorteile bringen tann. Die Anlage, die sich äußerlich als architektonisch wohlgelungenes Bauwert präsentiert, fand um so mehr den ungeteilten Beifall der Besucher, als sich der Betrieb in der Anstalt in hygienisch einwandsfreier Weise vollzieht. Das Werk soll am 1. Oktober 1921 in vollen Betrieb genommen werden. Eine Statistit des Elends Dr. Im Reichsarbeitsblatt veröffentlicht Regierungsrat Krause vom Reichsamt für Arbeitsvermittlung eine Statistit der langfristig Erwerbslosen. Von der Gesamtzahl aller unterstützten Erwerbslosen, die im Reiche am 1. Mai 400 097 betrug, waren mehr als ein Fünftel, nämlich 90 871, seit länger als sechs Monaten erwerbslos und damit dem förperlichen und seelischen Leiden dieses Dauerzustandes ausgesetzt. Besonders ungünstig liegen die Verhältnisse in GroßBerlin. Hier betrug die Zahl der unterstützten Erwerbslosen am 30. April 136 394. Davon waren nicht weniger als 43 914 oder 32 Prozent länger als sechs Monate erwerbslos, also fast ein Drittel aller Erwerbslosen. Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache. Sie beweisen, daß gerade in der Einheitsgemeinde Groß- Berlin mehr als irgendwo anders eingegri werden muß, um das unerträgliche Elend der langfrist verbslosen zu beseitigen. Die Notstandstarife für Zeitfarten Wie im Fernverkehr treten auch im Berliner Stadt, Rings und Vorortverkehr vom 1. September ab neue ermäßigte Preise bis auf weiteres in Kraft. Nachdem nunmehr der Reichsverkehrsminister die neuen Säge genehmigt hat, werden ich im Vorortverkehr die Preise der Monatstarten um 20 vom Sundert ermäßigen. Der Mindestfahrpreis für die Monatstarte 3. Klasse wird sich danach auf 20 Mart stellen, die Monatstarte 2. Klasse, die heute 40 Mart tostet, ab 1. September 32 Mart. Eine wesentlich höhere Ermäßigung wird in bezug auf die Preise der Wochenkarten eintreten. Bisher ergab sich der Preis für die Wochenkarten dadurch, daß der Preis für die Monatskarte durch 3 geteilt wurde. Der Notstandstarif, der zum 1. September eingeführt werden soll, sieht für die Berechnung des Preises eine andere Grundlage vor. Der neue um 20 v. 5. ermäßigte Saz der Monatstarte der entsprechenden Strecke wird durch 4 geteilt und ergibt den neuen Preis der Wochenkarte. Die Wochenkarte für die Mindestentfernung, die bisher 8,50 Mart Loftete, wird vom 1. fommenden Monats, ab also nur noch 5 Mart tosten. Ebenso wie die Monats- und Wochenfarten, werden auch die Schülermonatsfarten um 20 vom Hundert im Preise her untergesetzt. Die Schülermonatstarte 2. Klasse für die Mindest entfernung wird 16, in der 3. Klasse 10 Mart tosten. Soziales aus Friedenau. Uns wird geschrieben: In dem Stall, gebäude des Hauses Bismarckstr. 15 bewohnt seit 2 Jahren ein 73 Jahre alter Rentenempfänger Kretschter mit seiner 79jährigen träntlichen Ehefrau eine Wohnung, bestehend aus Stube und Küche. Der alte gebrechliche Mann erhält eine monatliche InGute billige Bücher für Reise und Sommerfrische! Von Mag Dortu. Wir Männer vom Steinbruch Der Hochwald Bon Adalbert Stifter.. Ein buntes proletarisches Shizzenbuch Preis 10.- Mk. Preis 1.50 Mk. Bon Mag Dortu Preis 7.- Mk. Immenfee Bon Theodor Storm Preis 1.50 Mk. Briefwechsel zwischen Schiller und Lotte gebunden 3.-E. Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe gebunden 3.- Mk. Weiße Nächte Preis 1.80 Mk. Ueber See und Heide gebunden 8.- Mk. Der Krötenteich Von Dostojewski.. Bon Paul John. Bon Konrad Loele. Bon Konrad Loele. gebunden 8.-M. Der Weg zum Haß gebunden 11.-M. Buchhandlung ,, Freiheit" Berlin G2/ Breite Straße 8-9. Prozesse, validenrente von 84 M. Um mit seiner Frau auch nur vegetieren| Fortbildungsturse für Angestellte der Versicherungsträger zu können, zahlt die Gemeinde ihm eine fleine laufende Armenunterstützung. Durch die Not der Zeit gezwungen, nahm das Ehepaar einen in Arbeit stehenden Neffen, einen ehrlichen Bädergesellen, zu sich in Schlafstelle, doch dem Hausbesitzer, einem Herrn Lewald, der die ansehnliche Villa vor Jahresfrist erworben hat, ist dieses Idyll nicht angenehm. Indem er sich zunächst selber vor zwangsweiser Zuweisung anderer Mieter dadurch zu schüßen wußte, daß er Zwischenwände entfernen ließ, um so weniger Zimmer zu haben, verlangt er von K. auf Grund des Mietsvertrages Entfernung des Schlafburschen. K. erhob beim Mieteinigungsamt Beschwerde. Dieses hat unter Vorsitz des früheren Friedenauer Bürgermeisters Walger den Antrag auf Erstattung der Aftermietung abgewiesen", später, unter Vorsig eines anderen Herrn, die ZuStimmung zur Kündigung zweds Räumung erteilt". Das Amtsgericht Schöneberg hat nun auf Antrag des Hausbesizers den alten Mann am 28. 7. zur Räumung verurteilt; am 29. 7. läßt der Herr Hauswirt dem Mieter sogar das Wasser absperren. Bemerlenswert ist, daß die Miete stets bezahlt wurde. Die Folge davon ist nun, daß die Leute, welche 30 Jahre Friedenauer Bürger find, auf die Straße gesezt werden. Was gedenkt das Wohnungsamt hierzu zu tun? Eine Wanderfahrt nach Neu- Ruppin und der Ruppiner Schweiz veranstaltet ein Berliner Distrikt am 14. Auguft. Dabei ist auch ein Besuch unserer Ortsgruppe Neu- Ruppin vorgesehen, die an diesem Tage ein Sommerfest veranstaltet. Bei größerer Beteiligung tritt eine erhebliche Fahrpreisermäßigung ein. Die Genossen hoffen, daß die Berliner die Gelegenheit zu einem Besuche der schönen Umgebung Neu- Ruppins wahrnehmen, und sich zahlreich beteiligen. Meldungen müssen umgehend erfolgen an Osfar Schliep, N. 39, Kiautschoustraße 1. Die Distrikte werden zu gemeinsamer Beteiligung aufgefordert. Die Verletzten von Angermünde. Die Aufräumungsarbeiten an der Unfallstelle wurden im Laufe des Montags mit aller Kraft betrieben, so daß man damit rechnet, den Verkehr in beiden Richtungen in der Nacht zum Dienstag wieder freigeben zu können. Die Namen der im Angermünder Krantenhause liegenden Schwerverlegten sind: Heinrich Metzner, Berlin, Werneuchener Str. 15, Stadtrevisor Emil Hoppe, BerlinSchöneberg, Schulrat Dr. Lorenz, Berlin- Lichterfelde, Dr. Conerts, Greifswald, und Sudrow, Berlin- Charlottenburg. Die Verwundeten haben größtenteils Arm- und Kopfwunden davongetragen. Ihr Befinden gibt jedoch zu keinem Bedenken Anlaß. Der Verkehr von und nach Stettin mußte während des ganzen Tages über Eberswalde umgeleitet werden, was zu erheblichen Verspätungen führte. Seitens der EisenbahnDirettion Stettin ist eine Untersuchung über den Unfall eingeleitet worden, deren Ergebnis jedoch noch nicht feststeht. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Mitts woch. Zunächst sehr warm und schwül, überwiegend heiter, bei ziemlich leichten südlichen Winden. Nachher zunehmende Bewölkung. Gewitter nicht ausgeschlossen. Gewerkschaftliches Beendigung der Lohnbewegung im Metallhandel Ein Beispiel dafür, daß der Arbeitgeberverband des Großhandels auch einmal schnell arbeiten tann, ist die Bewegung im Metallhandel. Am 8. Juli hatten wir eine 20prozentige Lohnforderung eingereicht. In den Verhandlungen ist dann eine Einigung auf der Basis des Tarifes im Eisenhandel zustande gekommen mit der Maßgabe, daß eine Umgruppierung der Sortierer und der quali fizierten Arbeiter von Gruppe III nach Gruppe II stattfand. Die Gruppenversammlung nahm dieses Angebot gegen eine größere Anzahl Stimmen an. Etwas merkwürdiges ereignete fich dann allerdings bei der Unterzeichnung des Vertrages. Während es sonst im Arbeitgeberverband des Großhandels üblich ist, daß alle Verträge durch den Syndikus Dr. Engel unterzeichnet werden, hat man diesmal den Vorsitzenden der Fachgruppe, Herrn Heillbronner, unterschreiben lassen. Der 3wed diefer Maßnahme ist allerdings recht durchsichtig. Herr Dr. Engel vertritt das Prinzip, daß die Tarife des Großhandels 300 M. nicht erreichen dürfen. Der Tarif im Metallhandel erreicht, ja überschreitet teilweise diesen Say. Nun will man auf Verhalten dieses Vertrages bei den anderen Fachgruppen sagen fönnen:„ Ja der Vertrag im Metallhandel ist nicht mit uns, sondern mit der Fachgruppe geschlossen worden." Um dieses Argument von vornherein hinfällig zu machen, stellen wir fest: 1. Die Verhandlungen im Metallhandel sind auf Arbeitgeber seite von Herrn Dr. Engel, Syndikus des Groß- Berliner Arbeitgeberverbandes des Großhandels, geführt worden. 2. Der Vertrag trägt folgende Unterschrift:„ Groß- Berliner Arbeitgeberverband des Großhandels, Gruppe Metallhandel. Der Vorsitzende der Fachgruppe Hugo Heilbron ner." Damit ist der Beweis erbracht, daß der Arbeitgeberverband des Großhandels diesen Vertrag abgeschlossen hat. Wir empfehlen allen Gewerkschaftsgenossen diese Feststellung zur besonderen Beachtung. Alle näheren Auskünfte erteilt Kohlschmidt, Engelufer Nr. 14-15, v. 2 Tr., Zimmer 32. Rat, Beiftand, mäß. Preise, Teilzahlung, Ehe, Aliments, Straffachen. Gnadengefuche, Landgerichtsrat Dr. von Kirchbach Alexanderstr. 45 Gefeufch.( geg. Tien)& 7. Glänz. Erfolge. Beobacht. Mitw. nahm. Jurist. Sonnt. 10-12 Bertrauenssach. Briefmarken Münzen kauft Großmann, Johannisstr. 4. Zugang v.b. Friedrichft.( tr.108) Norden 106 21 autabat einmal geprobt immer gelobt. Feinster Geschmack; ftets frisch. Zu kaufen i den Bigarrengeschäften usw. Neue Berkaufsstellen richtet ein: Generalvertrieb C.Röcker, Berlin, Lichtenberger Str. 22( Kgft. 8861) Grundstück zu pachten gesucht. mit Garten und Stallung in öft: lichem Vorort: Angebote unter Annahme ta allen Spebitiouen des Verlages Die gesetzlichen Bestimmungen für die Abwicklung der Ges schäfte in den Krankenkassen und den übrigen Versicherungss trägern sind sowohl nach der RVO. wie nach den während des Krieges und in der Nachkriegszeit herausgekommenen Verords nungen und Erlassen so umfangreicher und mannigfacher Natur, daß zur Beherrschung des Stoffes eine gutgeschulte Angestellten ichait nötig ist. Leider konnte bei Neueinstellungen nicht immer die fachliche Eignung der einzelnen Angestellten so, wie es nötig gewesen wäre, geprüft werden. Andernteils tönnen neben guten Brattifern und schlechten Theoretikern wieder gute Theoretifer fizen, die schlechte Praktiker find. Für die Schulung der Ans gestellten fonnte bisher offiziell wenig getan werden. Lehr material ist nur in geringem Maße und wenn es vorhanden ist, nur zu taum erschwinglichen Preisen zu beschaffen. Diesem Uebelstand soll jetzt etwas gründlicher abgeholfen werden. Die Arbeitsgemeinschaft von Reichsversicherungsträgern hat unlängst beschlossen, Fortbildungskurse für Angestellte einzurichten. Die Bortragenden werden erste Fachleute auf dem Gebiet der Sozialversicherung sein. Als Hörgebühr wird zweifellos der Gag Don 10 Mart für den ganzen Kursus erhoben werden. Abgehal ten werden die Kurse in Hörsälen Berliner Schulen, vielleicht im Sophhien- Gymnasium, Weinmeisterstraße, und im Gymnasium in der Elisabethstraße. Die Angestellten der Versicherungsträger und sonstige Beteiligte aus der Krankenversicherung tun gut, fich wegen Teilnahme an den Kursen an den Zentralverband der Angestellten, die Beamten der Landesversicherungsanstalt und der Reichsanstalt für Angestelltenversicherung an ihren Betriebsrat zu wenden, um rechtzeitig Teilnehmertarten zu erhalten. Wohnungsreparatur aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge in Groß- Berlin Die Aktion, Arbeitslose unter Zuschuß aus Mitteln der produttiven Erwerbslosenfürsorge mit Wohnungsreparaturen zu behäftigen, zeigt in Berlin erfreuliche Fortschritte. Anfänglich bestand in Handwerkerkreisen eine starte Abneigung gegen diese Attion überhaupt. Erst als das Landesarbeitsamt dazu überging, auch dann Reparaturarbeiten zu bezuschussen, die von Arbeitslosen unmittelbar, also unter Umgehung des Handwerksmeisters, übernommen waren, gaben die Unternehmer den Widerstand auf und bemühten sich in steigendem Maße um die Zuschüsse. Während in den Monaten November 1920 bis Januar 1921 die Summe der gearbeiteten Werktage unter 10 000 im Monat blieb, nämlich 5300, 6866 und 8396, stiegen die Monatszahlen von da recht schnell. Der Februar 1921 brachte 11568 Tage, dann 20 617, 28 361, 37 007 Tage und erreichte im Juni 1921 bereits 42 992 Arbeitstage. Jm ganzen wurden bis Ende Juni 161 782 Arbeitstage bezuschußt. Dieses bedeutet für rund 6500 Arbeitslose Beschäftigung für je ein halbes Jahr. Den stärksten Anteil zeigen naturgemäß die Maler mit über 57 000 Tagen. Das engere Baugewerbe( Maurer, Hilfsarbeiter, Buker und Zimmerer) weisen zusammen fast 73 000 Tage auf. Dachdecker 8500 Tage, Gerüstbauer 5100 Tage, Klempner 5400 Tage, Töpfer 2962 Tage. Dagegen erscheinen die auf Tischler und Tapezierer entfallenden Tage mit 1954 und 1823 Tagen recht gering. Der Zuschuß beträgt für Tag und Arbeiter rund 32 M. Nach den neuerlichen Bestimmungen wird für langfristige Arbeitslose ein höherer Zuschuß ausgeworfen. Es ist nur zu wünschen, daß allgemein von dieser Attion ein noch viel weiterer Gebrauch ge macht würde. Die Arbeitslosen tönnten zum eigenen Vorteil noch sehr viel zur Propagierung der Wohnungsreparatur mit Mittelu der produktiven Erwerbslosenfürsorge tun. Parteiveranstaltungen Dienstag, 2. August Brig. Funktionärigung bei Ripf, Chauffeeftr. 84. Alle Funktionäre men es fcheinen. Mittwoch, 3. August 20. Verwaltungsbezirt. Frauen und Kinderschugkommission. Abends 7 he Sigung im neuen Verwaltungsgebäude Reinidendorf, Sauptstraße, Zimmer 23 Jeder Ort muß vertreten sein. 7. Diftritt( Wedding), 2. Abteilung. 7 Uhr Funktionärsigung bei Holtsch, Stress Junder Str. 43. 13. Diftritt. Abends 8 Uhr Sigung der Frauenarbeits- und Kinderschutzkom mission bei Höhne, Stolpische Str. 37. Bereinskalender Mittwoch, 3. Auguft. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Abends 5 Uhr Versammlung bet Bertrauensleute der Mashinisten und Heizer in der Metallindustrie bei Schulz, Am Königsgraben 2, im fleinen Saal. Tagesordnung: Unsere Lohnforderung. Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend ist es Pflicht eines jeden Ber trauensmannes, pünktlich zu erscheinen, evil. Vertretung zu entsenden. Zentralverband der Angestellten. Bapier, Graphisches Gewerbe. 7% Uhr Mit gliederversammlung im Englischen Sof, Alexandrinenstr. 27c. Soz. Broletarierjugend, Agitationsbezirt Often, umfassend bie Gruppen Lichten berg, Stralan, Often, Norboften, Brenzlauer Berg und Weißenfee. 8 Uhr Sihung der Borstände der einzelnen Ortsgruppen im Sefretariat. Tagesordnung 1. Berichte der Ortsgruppen. 2. Aussichten für unser Arbeiten. Donnerstag, 4. August Internationaler Bund der Kriegsopfer, Drisgruppe Siben. Abends 7 he Generalversammlung im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45. Berantwortlich: für Politik u. Feuilleton: Leo Liebsiz. Berlin- Friedenau; für Kommunalpolitit, Lokales und Gewerkschaftliches: Gerhart Seger, Mahlsdorf- Slb bei Berlin; für den Inseratenteil u. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Charlottenburg. Berlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6. m. b. 5., Berlin.- Drud der Berliner Druderef 6. m. b. 5., Berlin C2, Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen Geschäftsstelle: Berlin 2, Breiteste. Das Ueberschriftswort 2- k, jedes mettere Wort in Eegt 1.50 h. wetto. Stellungsgeinche: Ueberschriftswert 1.50 k., jebes weitere Wort im Text 1.-M. Berkäufe Kreuzfüchse, feltene Ges legenheit vor der Verteuerung, ebenfo Silberfüchse, Alaska füchfe, Zobelfachfe, Sealmäntel, Sportpelze, fabelhaft billig! Reine Tombardware. Leihhaus, Brunnenftr. 5. Anzüge, stadtbekannt billigste Werkstatt, Elfaffer Straße zwan zig, hochparterre. Möbel Küchen, moderne, mit und ohne Anrichte, lackiert, lafiert, rob, jest von 350 m. ab. Riesen auswahl. Küchenmöbelfabrik Himmel, Lothringer Straße 22 ( Schönhauser Tor). Fahrräder Fahrräder 200.-, 350.-, 500.-, Rahmen, Räder, Gummi alles billig Brückner, Gitschiner Straße 78, Motore kauft Hartmann, Fahr Motorräder, Autozubehör, seugiabrik, Schwedter Str. 258. Neckarsulmräder, Geld- Berkehr Reell. Abzahldarlehne schnell ftens durch Langer, Rathenower Straße 68, Berschiedenes Lethhaus, Brunnenstr. 5, Nur einige Tage! 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