Nr. 227. Abonnements Kedingungen: Bbonnementä-Pret» pränumerando: vterleljährl. S�o Ml., monall. l.lvMe. wöchenllich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer B Pfg. Sonntag«» Nummer mit illustrirter Sonntag«» Beilage ,5!lc Neu- Welt" XO Pfg. Post- Abounement: 3,80 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post» Zeitung«. Preisliste für 1897 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Erscheini laglich allster Danlags. Devlinev Volksblatk. 14. Jahrg. Die Insertlons-Gebllhr beträgt für die fechsgefpaltene stalonel» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für BereinS- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeilSmarlt 20 Pfg. Znferaie für die nächste Nummer imiffen bi» 4 Uhr nachmittag« in der Elpedilimi abgegeben werde». Tie Erpedilion ist an Wockienlage» bi« 7 Uhr abends, an Sonn- und festlagen bi« a Uhr vorinitlag« geöffnet. Frriifpreelirr: klml l, Er. 1503. Telegramm»Adresse: „SoiUIdcmoluat Perlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ziedtlktion: 8V. l9. Menly-Straße 2. Spedition: 8V. l9. Mtuly-Ktraße 3; AbSlllltllltllts-Alllllilllllg. Aul 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf den Vormäeks mit der illustrirten Sonntags-Bcilage „Die neue Welt". In der «.Ankevholfunüs-Veilagv** wird der Noman „Der Batternführer" von Franz Kahler ztt Ende geführt werden. Nene Abonnenten erhalten den bereits erschienenen Theil des Werkes nachgeliefert. Teni deutsche» Autor wird das Werk eines Franzosen folgen: „Der Roman eitler Verschwörnng" von A. Ran c. Die äußerst spannende, frisch und lebendig geschriebene Erzählung behandelt die Verschwörung der republikanischen „blauen Brüder" gegen Napoleon I., entbehrt nicht eines eigen- artigen Humors und ist voll der tiefsten Tragik. Gleich zu Beginn des Quartals wird der sozialdemo kratische Parteitag stattfinden, über den wir den genauesten und raschesten Bericht veröffentlichen werden. Der Reichstag wird bald zusammentreten. Große politische Ereignisse bereiten sich vor. Der„Vorwärts" wird dabei nicht blos seinen Leser- kreis stets auf dem Laufenden halten, er wird auch allezeit ein furchtloser Führer seilt und unerschrocken die Wahrheit atis sprechen. Daß der„Vorwärts" über den Wcltangclegenheiten und den deutschen Angelegenheiten auch die Berliner Angelegen Heiken nicht vergißt, das haben wir nicht �iWig dettcu zu lagen, die den„Vorwärts" lesen. Der„Vorwärts" ist bemüht, über das gesammte geistige und öffentliche Leben der Reichshanptstadt seine Leser aufs rascheste und genaueste zu insormiren. Und wir Habelt darum ein Recht, von allen, die nnser Streben billigen, und namentlich von den Parteigenossen, e s als Pflicht zu verlangen, daß sie für die weite st e Verbreitung des„Vorwärts" thätig sind. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspeditcnre sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum nlonatlichen Preise von I Mark I« Pfeiimgen frei ins Hans. Für außerhalb nehmen säinlntlichc Postanstaltcu Abonne ments znin Preise von S,SO M. für die Monate Oktober,?!ovcttlber und Dezember entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post- Zeitungsliste für 1897 unter Nnminer 7437.) j Redaktion u. Expedition des„Voiwkirts". Die GenevttlVerfkunmlung des Veeeins füe Sozialpolitik. Hans Delbrück nannte, alsder diesjährige Kathedersozialisten Kongreß seinen Höhepunkt auf einem Festmahl erreichte, Herrn v. Berlepsch den künftigen Führer des Vereins. An die M i t t e l st a n d s f r a g e hat dabei der lebhafte »nid leicht bewegliche Leiter der„Preußischen Jahrbücher" hoffentlich nicht gedacht, denn der Verein für Sozialpolitik hatte hier in Köln soeben viel liberalere, fortgeschrittenere An- schauungen bekundet wie weiland der preußische Handelsminister iit seinem seltsamen Jnuungs-Ges ctzeutivurf. Der Berlcpsch'sche Entwurf hatte freilich auch seine liberalen Seiten, die den echten Zünftlcrn schlecht in den sonstigen Kram paßten; er hatte die GehilfenanSschüsse ans eine breitere Grundlage gestellt und ihre Befugnisse iveitcr ausgedehnt, wie das nunmehr unter dem Minister Brefeld zu stände gekommene Gesetz. Er hatte jedoch andererseits die Zwangsorganisation des Handwerks zu einem schwindelnden Ausbau übertrieben, die Zivangsinnungen für alle Kleingewerbe zur Regel erhoben, während jetzt— soweit es sich nicht um schon bestehende privilegirte Innungen handelt � die Zunftfreunde in jedem einzelnen Falle erst den Nachweis führen müssen, daß sie die Mehrheit der Meister in ihrem Fache hinter sich haben. Der Einfluß der Jnnnngeu ans Prüfung und Selbständigmachnng, auf Kassenwesen und gewerbliche Rechtsprechung war nach dem Berlep'schen Entivnrf dementsprechend gesteigert. Dennoch war in Köln der Held des ersten Tages Prof. Bücher-Leipzig, der selbst von dem abgeschwächten neuen Gesetz behauptete, es müsse das Zeit- alter des gewerblichen Mandarinenthums eröffnen, wenn es seine Ziele ivirklich erreiche. Daß daran jedoch niemals zu denken sei, wies v. Philippovich-Wien aus den österreichischen Erfahrungen nach,„der Erfolg der Genosscnschafts-Organi- sarion in Oesterreich ist gleich Null"; jedes kritische Wort war hier zugleich eine Vernrtheilnng der Berlcpsch'sche» Handwerkerpolitik, wie sie sich zuletzt enthüllte. Herr Hitze stand ihr noch am nächsten; in Köln blieb er mit feiner unklaren Be- geisternng für Zivangsinnungen und Befähigungsnachweis ganz vereinsamt. Herr v. Berlepsch selber nahm an dieser Sitzung noch nicht thcil und der ihm geistig sonst so verwandte Herr v. Rottenbnrg, der ehemalige Leiter der Sozialpolitik im Reichsamt des Inner», betonte noch hinterher am nächsten Tage, die Zivangsinnungen ständen im Widerspruch zum Rechtsbeivnßtseiu und zum Bedürfniß des Volkes, hier ivar für Herrn Delbrück mithin gar kein Anlaß, dem ehemaligen preußischen Handelsminister ein so günstiges Horoskop für seinen künftigen Einfluß im Verein zu stellen. Bei der Debatte über den ländlichen Personal- k r e d i t selbstverständlich auch nicht. Diese Debatte verlief überhaupt, soweit Zeitungsberichte ein Bild geben können, rein geschäftsmäßig. Ein paar sachkundige Referate leiteten sie ein, die üblichen Anseinandersctzungen zwischen den Anhängern von Raiffcisen und Schulze-Delitzsch folgten. Dazwischen redete Adolf Wagner einiges über die großen Grundlagen seiner nie beendeten„Grundlegung": Selbsthilfe, Organisation, Staats- Hilfe; das lief dann, wie einzelne Blätter melden, wie jede Rede Wagner's in einen begeisterten Lobgcsang auf Armee und Flotte aus. Dem„vierten Stand", auf den Herr v. Berlepsch trank, galt lediglich die Erörterung des K o a l i t i o n s r e ch t e s, die zweifellos in Köln im Mittelpunkt des Interesses stand, an die sich bereits eine rege Zeilnngspolcmik geknüpft hat ttnd wahrscheinlich weiter knüpfen ivird. Hier kann man allerdings sagen, daß die Verhandlungen des Vereins, in Verbindung mit der Eröffnungsrede Schmollcr's und dem Toast des Frei- Herrn v. Berlepsch, geradezu den Charakter einer Demonstration trugen— einer Demonstratio» gegen das System Stumm, gegen die Beschränkung der Bercinsfreiheit, gegen den feigen Rückzug ans dem Felde der Sozialrcsorm. Wir wüßten nicht, warum wir den Werth dieser Kundgebung verkleinern sollten, wenn wir uns auch von jeder Ucbcrschätznng der Be- dentung des deutschen zünftigen Gelehrtcnthiims für unser öffentliches Leben frei wissen. Mit einer DdVakkZ'ltvcr ArbeilSeliistellirngen und Gewerkvereine hatte der Verein für Sozialpolitik vor 25 Jahren seine Wirksamkeit begonnen. Damals wünschte man Arbeiter- koalitionen, die man im Hirsch-Dnncker'scheii Sinne zu erziehen gedachte, um dadurch die vorübergehenden„wilden Streik- organisationcn der Sozialdemokratie" zu ersetzen; Schieds- gerichte, die vor jedem Lohnkamps anzurufen ivaren, sollten den sozialen Frieden wahren; um den Kontraktbruch zu hindern, sollten die Gcwerkvcreins- Kassen für die vorzeitige Arbeitsniederlegung der Mitglieder haftbar gemacht werden. Je weniger man ans einer vor Augen liegenden thatsächlichen Eutwickclung lernen konnte, desto mehr erging man sich damals in allerlei Projekten, nach denen sich die künftige Entwickelung richten sollte. Es ist alles anders gc- kommen. Aber wie nnividerstchlich das Vorwärtsschreiten der Arbeiterklasse ist, das war aus der Stimmung ans dem jetzigen Kongreß zu ersehen. Man hatte noch immer seine Be- denken gegen die volle Gleichstellung der sozialdemokratische» deutschen Arbeiter mit den Unternehmern. Prof. Locning- Halle wiederholte in seinem sonst sehr entschiedenen Referat seine Befürchtungen wegen des§ 153 der Gewerbe- Ordnung, wenn auch bereits in etivas abgeschwächter Weise; er fürchtet die organisirtcn Eisenbahner, will diesen jedoch eine mehr beamtenmäßige Stellung einräumen. Aber auf der anderen Seite ging er dem Koalitionsvcrbot für die ländlichen Arbeiter Preußens so energisch zu Leibe, daß die„Deutsche Tageszeitung" bereits die„kathedersozialistischc Unklugheit" mit. ihrem„demagogischen Gerede gegen den Großgrntldbesitz" als ebenbürtig»eben die„sozialdemokratischen Verhetzungen" stellt; die letzte Umstnrzaktion des Ministers v. d. Recke wies er mit Verachtung zurück, obivohl er ans seiner Gegnerschaft gegen den Sozialisinns kein Hehl machte; „daS Verbot des Jnvcrbindungtrctens politischer Vereine ist thöricht und hat keinen anderen Zweck, als der Polizei Anlaß z» Chikanen zu geben." Prof. Hcrkncr warf auch die letzte spieß- bürgerliche Unschlüssigkeit über Bord. Freilich, er will die ganze Koalitionsfreiheit, weil er sie für ein Gegengewicht gegen die sozialdemokratische Partei-Agitation hält. Doch waS kümmern uns seine Gründe, sein Wollen genügt nnS! Als er endl'ch die Stnmm'sche Herrenhaus-Redc zerzauste, war er des Beifalls der Versammlung sicher. Dr. Max Hirsch, v. Rottenbnrg, Ad. Wagner und Dr. Hitze, dann in langer Reihenfolge fast alle bekannten Redner des Vereins, sprachen übcreinstinimend lür die Fortbildung des Koalitionsrcchts. Hitze erklärte sich gegen jede Verschärfung des§ 153; wenn das Zentrum ein- müthig hinter ihm steht, so wäre auch parlamentarisch die neueste Hetze der Stnminkliqne erledigt. Für„die Industrie" trat der Generaldirektor Hegener ein— soweit das Zeitungsreferat Aufschluß giebt: nicht ganz in dem Tone der Ueberhcbnng, den sollst unsere deutschen großindnstricllen Praktiker gewöhnlich bei allgemeineren sozialpolitischen Ans- einandersetzungen anschlagen, aber sonst ganz im Sinne Stumm's und des Zentralvcrbandes deutscher Industrieller. Er zehrte vom Stichwort Stnmin's, das der Geheimrath der Post" und des preußischen Ministeriums der öffentlichen Ar- beiten alle Tage stammelnd wiederholt: die„Disziplin" sei der Boden, in dem Deutschlands Jndustriegröße wurzle und iveiter allein wachsen könne, zivischeu Unternehmer und Arbeiter dürfe sich keine Zwischenorganisation drängen— keine Organi- ation der Arbeiter natürlich, gegen die Einmischung der Polizei und der Arbcitgeberverbände hat Herr Hegener nichts einzuwenden gehabt. Nnr Herr Ditges, der Generalsekretär des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln, beim Bankett noch die Kölner Schmalbein und Michels, standen Herrn Hegener zur Seite. Rösicke sowohl wie der klerikale Fabrikant Brandts(München-Gladbach) wiesen die Gemein- meiuschast mit der Stumnt'schen Sozialpolitik zurück. Am iveitcsteit links standen wohl Dr. Jastrow von der„Sozialen Praxis" und Töblin vom Buchdruckerverband; sie machten besonders daranf aufmerksam, wie nnser bischen Koalitionsrecht durch die Handhabung der Gesetze dnrch Polizei und Justiz vollends vernichtet iverde. Oberbürgermeister Becker konnte zum Schluß den Inhalt der Debatte dahin zusammenfassen: Von der groben Mehrzahl der Herren Redner witrde eine vollständige Koalitionsfreiheit und eine Organi- sationsfreiheit für die Arbeiter für erforderlich geHallen. Es wurde von keiner Seite bemängelt, daß das Verbot für ländliche ist r b e i t e r der Ans Hebung be- dürfe, ebenso wurde von keiner Seite betnäitgelt, daß Verletzungen der Koalitionsfreiheit mit den vorhandenen gesetzlichen Kantelen ztt schützen seien, tttid soweit sie nicht vorhanden, diese z>t schaffen seien. Endlich wurde Ilebereiilstiinmung gefunden, daß das Verbot der Verbindungen politischer Vereine nicht mehr aufrecht zu erhalten sei. Taß Frauen, daß Minderjährigen gestaltet werden müßte, att Versammlungen theilzunehmcn, in dcneti ihre gewerblichen Verhältnisse berathen werden, wurde von keiner Seite in Frage gestellt. Das waren die Punkte, für die eine allgemeine Uebereinstimmung vorhanden war. Die kathedcrsozialistischeil Kreise werden denntächst ja mehr wie sonst Gelegenheit haben, zu zeigen, welche Thatenlnst und welcher Milth hinter ihren Worten steckt. Ein angesehenes Wochenblatt wird ihnen zur Verfügung stehen; bis zu den Wahlen wird manche Lanze gebrochen werden könne». Der Name des Herrn v. Berlepsch wird wesentlich mit diesem Blatte verknüpft sein, wie er einst mit den Anläufen zu einer wirk- sainere» Arbeiterschntz- Gesetzgebung und den kaiserlichen Erlassen von 1890 untrennbar verbunden ivar. Doch auch andere Erinnerungen der deutschen Arbeiterklasse knüpfen sich an die ministerielle Laufbahn des einstigen preußischen Handelsininistcrs, vor allem die an die da- inals versuchte Verschlechterung des Z 153 der Gewerbe- Ordunng. Vielleicht war das in jener widerspruchsvollen Ucbergangszeit nnr eine widcrwilligc Kniebeuge einer schwachen Regierung vor einer starken Großiinternehmerschast. Von solchen Rücksichten würde Herr v. Berlepsch heute frei sein. Wenn er also die ihm von Delbrück zugedachte Rolle spielen will, dann müssen wir ja bald sehen, welcher Kurs von ihm im Verein für Sozialpolitik gesteuert werden soll. politische MeKeesicht. Berlin. 28. September. Tie sächsische» Laiidt.igSwahlcn sind zwar noch lange nicht beendigt, aber obgleich sogar das Ergebnis! der Wahlen der dritten Klasse», bei denen wir hauptsächlich interessirt sind, noch nicht vollständig bekannt ist, so können wir doch heute schon mit berechtigtem Stolz ausrnfen: unsere s ä ch s i s ch e n Genossen habe» ihre S ch n l d i g k c i t g e t h au, und der gestrige Tag war ein Tag des Triumphs für die Sozialdemokratie! Wenn wir von Leipzig und llmgcgcnd absehen, wo die Genossen sich ans Gründen, über die wir jetzt nicht»rtheilea wollen, von der allgemeinen Aktion ferngehalten habe», sind irnsere Genossen überall mit zielbcivußter, kampsfroher Be- geisterung in die Wahlschtacht eingetreten. Und auch diejenigen, welche an die Möglichkeit der Erringung eines Mandats unter dem sächsische» Abklatsch des„elendesten aller Wahlsysteme" nicht glauben, erachtete» es als ihre Pflicht, den Handschuh aufzunehmen, den die Kartellparteien der Sozialdemokratie Sachsens hingeworfen haben, und dahin zu wirken, daß dnrch M a s s e n a b g a b c von Stimmen ein imposanter M a s s e n p r o t e st gegen die reaktionäre Ber« kümmeriing des Wahlrechts ausgesprochen werde— ein Massenprotest, der eine Anklage ist vor dem Forum der zivilisirten Welt., Unsere Genossen waren auf dem Posten.„Ehrlos iv e r seine Pflicht nicht t h n t!"— Das Wort schallte jedem ins Ohr. Und in hellen Hansen zogen sie zur Wahlurne— die Enterbten der„dritten Klasse", di? durch die zwei ersten Klaffen mnndtodt gemacht werden sollen. Massen waren es in der That, die zum Massenprotcst sich einfanden. Taufende und Tauscnde stimmten, wo früher nur Hunderte gestimmt hatten. Bleibt all die Anstrengitng ohne Einfluß ans das Wahlrcsnltat, werden die Tauscnde und Zehn« tauscnde überstimmt von de» Hunderten der ersten und zweite» Klasse, um so tiefer drückt s i ch d a s B r a n d nl a l i n d i e S t i r» e der Urheber dieses Attentats a u f das G r» n d r e ch t des sächsischen Volks. Das Resultat der sächsischen Landtagswahlen werden wir noch eingehend behandeln, iveun es in seiner Gesammtheit vor uns liegt. Für Heute verweisen wir nnr noch ans die Einzel- mittheilnngeii, d'ic sich am Schluß dcs Hanptblattcs finden.— Tic hakbc Milliarde, die ein einmarinirtcs Reptil der „Köluischen Zeitung" für die Rcichsflotte fordert, ist eine so lächerlich kletuc Summe, daß wir in der That glanbcn, der Mann ist sehr schlecht unterrichtet. Binnen der nächsten zehn Jahre— so meint der gute Man»— sollen jährlich im Dnrch- schnitt 50 Millionen ins Wasser gesteckt werden, ii»d dann sind wir den vereinten Franzosen und Russen, und anch den Cniplönbcrn gcwcchscn. llnfer Ei»nmr!iinter scheint nicht zu wissen, daß wir. um bloß der französischen Ilotte gleich- »Ulbminen, ungefähr fünf Milliarden, d. h� f ü n s t a n s e n d a)l i l l i o u e u Mark ausgeben mußten, und um den Eng- l ä n d e r n allein gleichznkoinmen, gar weit mehr als das doppelte, mindestens z w ö l f t a n s e n d Millionen. Was soll da eine Lappalie von 50 Millionen Mark jährlich? Oder auch von 00 Millionen, wie ein anderes Reptil meint, das sogar in sieben Jahren das Ziel erreichen will. Das z e h u s a ch« dessen, was die„Kölnische Zeitung' fordert, d. h. fünfhundert Millionen jährlich wäre dos geringste, was wir zu bezahlen hätten, um blas den Franzosen gleichzukommen. Und wenn wir es auch den Engländern gleich thnn wollten— die Nüssen wollen wir ganz aus dem Spiel lassen—, dann als äußerstes Minimum ungefähr 17 000— siebzehn tau send Millionen jährlich. heißt um die Hälfte mehr als unser ganzes Jahres- b u d g e t beträgt.> v- � Und iibcrdics hätten wir noch, durch irgend eine uns jetzt noch räthsclhaste Operation— vielleicht durch H y p n o- tisirnng und Suggestion— zu bewirken, daß die Franzosen und Engländer in diesen 10 Jahren schlafen. Thnn wir das nicht, so bauen die verflixten Franzosen und Engländer in diesen 10 Jahren drei und viermal so viel als wir selbst; und wir sind am Ende der 10 Jahre noch weit mehr im Hintertreffen als jetzt. Haben z. B. doch diese ab- schcnlichcn Engländer, deren Reich von unseren Patrioten schon jeden Tag am Biertisch vertheilt wird, eine einzige Privat-Werft, ans der nichr Schiffe gebaut werden können, als auf s ä m m t l i ch e n(Staats- und Privat-) Werften des Deutschen Reichs. Man sieht, der Marincmensch der„Kölnischen Zeitung' ist sehr schlecht unterrichtet, und er krankt an dem bösen deutschen Nationaliibel allzugroßer Bescheidenheit. Tie Uferlosen niüsscn mit ganz anderen Ziffern anrücken, oder sie sind„blamirte Europäer'. Die niarinebcgeisterte nationalliberale Korrespondenz hat ein paar staatsrechtliche Bedenken gegen den nun aus der Ver- senknng wieder auftauchenden Plan eines Militärseptcnnats. Obgleich wir wohl wissen, daß die Nationalliberalen sich durch derartige Bedenken von der Zustimmung zu Regiernngs- vorlagen und gar zu Marincvoncigen nicht abbringen lasse», wollen wir doch die Auslassungen der parteiosfiziellen national« liberalen Korrespondenz hier wiedergeben: „... Es bleibt freilich noch die äicherst wichtige Frage zn erledigen, in welcher Weise etatsrechtlich die Forderung formnlirt werden soll, daß die Berpslichtnng sich auf sieben Jahre erstreckt, also über die Dauer der nächsten Legislalur- Periode hinaus. Und da erhebt sich die Frage, wie dies ohne Verminderung des Bndgelrechts zu er- möglichen ist. Solange darüber nichts bekannt ist, muß das endgiltige Urtheil vorbehalte» bleiben. Man hört allerdings, daß daß Vudgetrecht des Reichstags lein- Minderung erfahren werde. Wir warten auch dieses ab. Bcmerleii möchten wir vor der Hand nur, daß der Sache selbst durchaus nicht gedient ist, wenn da mehrere flotlenübereisrige Blälter bereits dein Reichstag die Pistole aus die Brust setzen. Die Flotlenvorlage bleibt eine Frage der nationalen Wehrkraft und eine solche Frage hat Anspruch darauf, verständig und versöhnlich behandelt zu werden." Ueber den Stock werden sie auch diesmal springen, die wackeren Nationalliberalen.— Die Marlnc Legenden sollen, wie eS scheint, um eine neue vermehrt werden. Voriges Jahr, als der seenntüchlige„Jlns" unter sehr erschwerenden Umständeii init fast der ganzen Mannschaft scheiterte, verbreitete»>a», in» die Aiifiiierksainkert von den U r- fachen der Katastrophe abzulenken, das pairiolische Märchen vom Singe» des Flaggenliedes im Angesicht des Todes, lind jetzt, da ein Torpedoboot, nberinals»nler erschwerenden, der Ansklärung sehr bedürsenden Urnstäiiden nnlergegangeii ist, verbreiiel man das Märchen, die Ertrunkenen hält«» vor dem Tod zwar nicht das Flaggenlied, aber doch ein gemeiiischnsilichcs Gebet auf Kon»»a»do a»gestiii»»t. Gesehen und gehört hat's ualürlich niemand, denn die dabei waren, sind alle todi. Unsere Malrosen, dächten wir, sind nicht weniger ninthig als die englische» Matrose»! und diese habe» das gute Morl: never say die! Sage»ienials: d» bist verlor«»! Ei» M a» n giebi sich nicht verlöre»; er kämpft bis zuletzt»>» sein Leben und denkl an keine melodramalisch-sentimelitale Tbeater-Vorstcliungeu. De» Urhebern dieser nene» Jagdgeschickte sei aber bemerkt. daß wir uns kein L für ei» U vorniachen lasse», und ebenso wie im Fall des„Iltis' erforsche» wollen, w e r und w a S au dein „Unglück" die Schuld hat.— Bienen und Drohnen summen noch immer in den Spalten der„Hamburger Nachrichten", anscheinend auch i» den Köpfen der Redakteure dieses Blatte? herum. Die Zeiluug kommt auf ihren„Bienen und Drohnen'- Artikel zurück und behauptet, sie sei mißverstanden worden. Es heißt da: „Unser neiilicher Artikel, in dem wir ei» K»rlell der pro- dukliven Stände empfahlen, hat in einei» Theile der Presse Widerspruch gefnnden, dein gegenüber wir mis fragen:»»ehrlich oder meuts captus(verrückt)? Jeder iinbeiangene Leser wird ans unserem Artikel nur herausgelesen haben, daß wir eine Vermehrung der Männer des prakiischen Lebens im Parlamenle und«ine Verminderung der Beamten. Professoren, Berufs- parlaniinläre u. s.>v., welche die Wirkung der Gesetzgebung, die sie inachen Helsen, weniger als jene am eigenen Leibe erfahren, für»othweudig»nd nützlich hallen. W«»» aus»nserem Artikel herausgelesen wird, wir hätten die geistige Arbeil der Ration z» gn listen deS produktiven UnternehmerthiiinS in Landwirlhschaf!»»d Industrie i» ihrem Werth« und ihrer Bede»i»»g herabdrücken wolle», so ist da» enisach eine Fälschung des Sinnes miserer Dnr- legiiiig.' Demgegenüber ist zu bemerken, daß. wie die, Konservative Korrespondenz' ausgerechnet hat, schon jetzt im Reichstag nur 91 Beamte, Schriftsteller, Professoren und dergleichen vorhanden sind, denen über 200 Abgeordnete aus den Kreisen der Land- wirthschaft, der Industrie, des Handels und de« Geiverbes gegenüberstehe». Was aber das augebliche Mißverständuiß «ud die Frage„unehrlich oder msnts oaptus' betrifft, so hatten die„Hamburger Nachrichten' in ihrem ersten Artikel geschrieben: „Die Klaffen der Bevölkerung, die an dem Gedeihen einer geiviii»bri»genden nationale» Arbeit nicht iuteressirt sind, de- stehen lediglich in den u» p r o d u k l i v e n Elemente», in den„ R i ch t s- a l s- K o ii s u in e n l e n', unter denen die GehaltSbezieher im Staats- oder Koninninal- amt, die Professoren, Pastoren und viele andere Lenle. die gleichivohl ans»nser politisches Leben großen Einfluß haben und innner mehr zu nehmen bemüht sind, in erster Reihe stehen." Da darf man doch jeden, der lesen kann, fragen, ob diese Ansicht nicht ans ein Verachten der geistigen Arbeit hinaus- kommt.— Warum auch soviel Worte der Eutschuldigung? Es paßt ja so vollständig in die sousligen politischen Ansichten der„Hamburger Nachrichten" und ihrer Hintermänner hinein, daß jemand, der O ch s e n erzieht, produktiv, aber jemand, der Menschen erzieht, unproduktiv ist.— „Ein nener Führer" ist dem deutschen Volke plötzlich erstanden— und zwar ein Führer aus der Wüste agrarisch- manchesterlichcn Demagogenthums ins gelobte Land der Sozial- reform und in das tansendjährige Reich sozialer und politischer Glnckieligkeit. Ter neue Führer, wir hätten fast gesagt: der neue Heiland, heißt Herr v. Berlepsch, und er ist früher in der preußischen und Reichsregurimg gewesen. wo jedoch sein Licht schnöde unter den Sckeffel gestellt war, so daß die Welt es nicht sehen tonnte. Jetzt aber ist es entdeckt— Pro- sessor Delbrück hat ei der staunenden, erlösungsbedürstigen Menschheit gezeigt, weite Kreise haben die frohe Bolschaft mit Begeisterung aufgenommen, und sogar Tante Boß ist unter die Gläubigen gegangen. Der neue Heiland hat sich, wie da? der BefähigungS- Nachweis von solchen Herren verlangt. durch ein Wunder offenbart: durch ein'Wort.„Im Anfang war das Wort" und der neue Heiland hat es gesprochen, und sein Wort war eine T h a t. wie die Gläubigen unS be- wuudernd verkünden. Und das Wunderivort, das eine Wunder- that ist, es lautet:„Tie Arbeiter sind der vierte Stand und sie sind ebenso gut Menschen wie die der drei ersten Stände!" vbstepuimus! Wir sind niedergedonnert von der Größe des Worts und der Größe der Tbat— und der Größe des Glaube»?. Scherz bei Seite. Nur von der Größe des Glaubens. Leben wir am Ende des 19. Jahrhunderts? Ist nicht vor jetzt 49 Jahren das Kommunistische Manifest erschiene»? Ist nicht seil länger als einem Mensche alter das.Kapital' eines gewissen Karl Marx das geistige Eigenthuln aller wirk- lich Gebildeten? „Ter vierte Stand!" Wir reiben uns die Augen. Leben wir denn noch in dem Zopfaltcr ständischer Verfassungen? Stecke» wir noch in der staubigen, modrigen Bastille des Zunft- und Jnniingswesens? W a s ist, w o ist denn dieser„vierte Stand"? Tante Vvß hat einmal, als sie noch jung gewesen, in der Schule davon gekört, daß ein französischer Abbö vor 108 Jahren den„Edelsten der Nation' und ihren Gehilfen von der Klerisei das Wort entgegenschleuderte:„Was ist der dritte Stand? Nichts! Was soll er sein? Alles! Llber hat Tantchen sammt ihren männlichen und weibliche» Fraubasen denn ver- gessen, daß Frankreich damals noch eine ständische Feudal- verfaffuiig hatte, und daß der„dritte Stand" nicht, wie das Franbasenvolk sich einbildet, das B ü r g e r t h n m be- deutete, sondern das ganze französische Volk, mit Ausnahme der paar mal hilndcrltallsend Mitglieder des Adels und der Geistlichkeit? Mit dieser Ausnahme das g e s a m m t e französische Volk, also auch die Arbeiter, soweit sie sich damals von dem Bürger- und Bauernthum schon losgelöst hatten. Wie aber kann wan vernünftigerweise eine Mensche»- grnppe, die zum dritten Stand gehört � hat, so lange es einen gab, vierter Stand nenne»? Das hat ja keinen Sinn. Ebensowenig Sinn wie das altmodische Zählen der Menschen nach Ständen. Tie Arbeiter sind kein Stand, sie sind eine Klasse: und die Ausbeuter der Arbeiter, die Herren Bourgeois mit den Junkern und sonstigen Drohnen als Anhängsel, sind eben- falls eine Klasse; und wer das nicht begreift, paßt nicht in die nioderne Welt. Er gehört zum alten Eisen, und wenn er fünfzig mal preußischer und Reichsminister gewesen ist. Jeden- falls ist er kein neuer Führer und kein neuer Heiland. Diese plötzliche Berühmtheit des Herrn von Berlepsch wegen seines Toasts ans den vierten Slaud ist ein gar selt- sames Zeichen der Zeit. Ein recht, recht beschämendes! Aiaii denke nur: ein Mann, der um ein volles Jahrhundert zurück ist. konnte bis vor dreiviertel Jahren in Deutsch- land Minister sein! Und derselbe Mann wird von Leuten, die sich für sonschrittlich halte», als ein fortgejchrutener Geist gefeiert! Welche Rückständigkeit. Und das ist nicht einmal das schlimmste. Dieser nämliche Manu war der deutsche» Regierung noch zu fortge- schritten. Und von fortschrittlichen deutschen Bürgern wird es ihm als mannhafte That aiigerechliet. daß er.»ach- dem er aus der Regierung hinausgedrängt worden ist, über- Haupt es noch wagt, den Mund aufzittbuu. In welchen Abgrund politischer Verkommenheit läßt das blicken!— Der batierische Landtag tritt heute ,u einer boebwichtigen Tagung zusam»'»». Sa on die Präsi>nteu» nbl kann Ueber- raschuiigen bringen, da es nicht ausgeschlvssen ist, daß das Prastdium ans den Händen der Klerikalen in die der Libeialen übergeht. Die überaus stark aiigeschmollene, dein Gängelbande des Zentrums entwachseiie Ba»e>»beivegu»g dal die Einbniigiing einer Vorlage erzwungen, wodurch die allmälige Anfhebniig der Bodenzinse erzwnngen wird. In schroffner Weise nähme» die Führer der Vailernbewegnng, die di, volle Aiishebiiiig der Bodenzinse forderten. gegen die Reglerung Stellniig i» einer Sitzung des landwirlhschafllichcn Vereins, der der liiiistige König Bayerns, Prinz L»divig. deiwohnle: auch die Geist- lich«» hörte» da recht unangenehme Dinge über die von ihnen»ichi verabicheuie Sieuerhiiilerziehmig. Das Präludium jür de» Landlag tlingl höchst kriegerisch. Viel zu ihn» nnrd der Landlag haben; er miiß ein neues VereinSgesetz beschließen, viele Ele»erresori»en. Agrarische Vorlagen. eine Aendernno der Polize>-Orgamsaiio». A»sführli»gsge>eye zum Bürgerlichen Gesetzbnche. Errichtung von Naturalverpflegiiiigs- statio»«» u. s w.»»ierlieg«» seiner Beichlnüfassuiig Die sozialdemokratische Fraktion der Adgeordnelenkainmer flndet so viel Ardeil vor; wir sind überzengl, daß sie sich derselbe» ge wachse» zeigen wild.— Deutsche» Sieich. — Der dentsche Handel und di« Revolution in Gnalemata und di» Flotte nagitation. Die.Kölnisch« Zeitung" berichiet. daß Hamburger Kauileul« angesichts der Revo- lnlion in Guatemala»in de» Schutz der deutschen Kriegsmarine ge- bele» habe», denlelden aber nicht erlange» können. Unlerdesse» dal Deutschland das einzige Kriegsschiff, den Kreuzer«. Klasse.Bussard". von Sainoa, wo neue Verwickelungen von selten der Ainerilaner drohen, wegnehinen müssen,»»> ihn nach Kaiser Wilhelmsland zur Unterstützung des Kreuzers„Falke" zu schicken. Zugleich gestallen sich die Aerhällnisse i» Marokko so krilisch, daß alle Eeemächle, nur Demschland nicht. Kriegsschiff« dorlhi»«ulsende». Die„Köln. Zig." hebt hervor, daß nur»och alS einziger brauch. barer Kreuzer 3 Klasse.Gefion" übrig bleibt, der aber zum Schutze der heimische» Geivässer unenibehrlich sei. Der Bau der von unseren Floitenenlhnsiasten geforderten Kriegsschiffe wird sich kaum so beschleunigen lassen, daß die neuen Schiffe i» Guatemala noch eingreifen können. Uebrigens habe» alle diese Schwarzmalereien über den Znftand der Flotte sich nachträglich als verlogene Tendenjarbeil erwiesen.— — Eine Verdreifachung der Brau st euer betreibt die Regierung, um die Mittel für di« neuen M a r i n e p l ä n« aiifjudriiigen. Die.Voss. Zlg." hat davon Kennlntß erhallen und wird darüber in der M>ttwoch-Nu»»»er ausführliche Miilhe>l»>igen machen. Im Jahr« 1893 wurde eine Verdoppelung gefordert und dann aufgegeben, weil sie auf die minder bemittelte Volksinaffe falle. Jetzt soll die Siener nicht verdoppelt, sondern verdreijachl werden. wobei ma» den Widerstand der mittlere» und kleinere» Brauereien durch eine Staffelung der Steuer zu schwächen hofft. Danach laufen. wie nicht anders z» erwarte» ivar, die neuen Flottenpläne aus eine drückende Sleuervermehrnng hinaus. Die Begeisterung für die Marine wird jetzt bei der in unseren Landen nicht seltene» Spezies der Bierlrinker zu helle» Flammen emporlodern.— — Wieder ein— Erlaß de? Herrn Thielen gegen die Elsenbahn-U» fälle: „Der Minister der öffenllichen Arbeiten. C. B. 1794. Vertraulich! Berlin, 17. Septeniber 1897, Die in letzter Zeit vorgekomnienen bellagenswerlhen Eiseobl»,»- Unfälle haben viel, ach Anlaß zu Erörlerunge» in der Presse ge- geben, bei denen es an unrichngen Behailplungen und Angrissen ans die Siaals-Eiseiibahn-Verivallung nicht gesehll hat. Das Publikum nnrd dadurch, daß die erhobenen Anschuldigungen nicht josort in gebührender sachgemäßer Weise ziirückgeivieseo iver'eii, zu der Annahme verleilel, daß die aufgefielllen Be- Häuptlingen den Thalsacbcn entsprechen uiid nicht wider- legt werden können. Ich ersuche Sie daher, für den Bereich des Ihnen uitterstelllen Bezirks in allen Fällen, wo dnich die Presse de» lhaisächlichen Berhällnissen inchl enlsprechende Millheilniige» ge- brnchl oder Angriffe auf die Verivallung gemach! werden, diese sofort durch geeignele Entgegnungen richiig zu stellen, josern RicMiing und Bedenlnng der beiiessenden Zeitungen eine solche Maßnahme angezeigt erscheiiien lassen. In Vertretung: An die Herren gez. Fleck. Eiseiibahndlretlions-Präsidenten. So'ort!" Der Inhalt des Erlasses ist im weseiillichen zu billigen. Wir sind freilicd überzeugt, daß vielfach nicht berichligt wurde, weil »ichi berichligt werde» kounle Uebrigens ist es bemerkenswerth, daß nicht blos ans die Bedeulung, sondern auch auf die Richtung der Zeitung bei den Berichiigiinge» Raclsichi genommen werden soll. Was das heißt, braucht wohl nicht gesagt zu werden.— — Ueber die Verbreitung k ir ch l i ch e r O r d e n i n Preuße» meldel die„Statist. Korr.": Die 1372-73 geiählien 914 Ordens,„nd ähnlichen Ni-'der- lassiiiiyen mil 8795 Insasse» wäre» I87S auf 955 gestiegen; Ende des Jahres waren indessen, nachdem 340 amtlich aufgehoben waren »nd 19 üch freiwillig ausgelöst hallen, nur»och 596 vorhandei', deren Mitgliederzahl unermittell blieb. Ueber den seiiberige» Stand und die Beivegiiiig der Orden:c. bis z»i» Ende 1896 giebt die »achsolgeade Znsainnienstelliing Auskunft. Es wurde» in Preußen am jedesmaligen Jahresschlüsse ermittelt: In der Zeit vom Jahre 1875 biS zum 81. Dezember 1886 wurde die Niederlassung vo» 150 der freiwilligen Krankenpflege sich widmenden Genossenschafien genehmigt, so daß 746 derartige Riedel« lafsniigen vorhanden wäre», i» denen Ende lö36 7248 Anstalts« »isassen»achgewiesen wurden. DaS Gesetz vom 29 April 1387 wirkt« durch Ziilafiung anderer Orden des weiteren fördernd auf die Ausbreiiimg der Ordensmederlasiungen, so daß Ende 1396 gegenüber 1836 die Zahl derselben um 653 mit einer Insassen' Zniiahin« um 10 150 angeivachsen war. Im Jahr« 1890 entfiele» aus I Million Bewohner in Preußen 374 Ordeiisleute: am 31. Dezember 1896 stellte sich daS Berhältniß auf ungefähr 539.— — Die Sonntagsruhe und der Reichskanzler. Ans Baden-Baden wird der„Volks-Zig." der folgende wellerschütternd.� Vorfall gemeldet: In Baden- Baden wurden gestern wegen Verstoße? gsgen die Bestimmungen über die Sonntagsruhe zwei Badegäste, die i» einein Blumenladen Blumen kauften, vo» einem Schutzmann sestgestellt. Einer der Kansende» legiiimirte sich, wie uns ein Privat-Telegraiin» meldet, als der Oberbürgermeister vo» Stuit- gart, Herr' Rümeli», der andere als der Reichskanzler Fürst Hohenlohe. Eiiisetzlich? Von der„Volks-Zeitung" bis zu den„Berliner Neuesten N.ichuchien" freut ma» sich darüber, daß derartiges just dem Reichskanzler passirt ist. weil man glaubt, durch solche Vorkominnisse würde in den Regiermigskreise» Stimmung gegen die Sonnlagsruhe entliehe». Wäre es wirklich ein lo fürchte, liches Unglück, wenn sich die Soniinergäste in Bade»-B»de» zu benimmlen Stunden des Sonntag« keine Blumen kaufen könnlen? Wir meinen, das würde nicht daS geringste gegen die Elimchtniig der Eonnlngsrilhe beweisen.— auch ivenn der Herr Reichskanzler selbst das Malheur hatte, keine Blumen zu bekoiiiine». Dafür hatte wenigstens die betreffende Berkäuserin ihre Son»tagS> ruhe.— — Manöversrenden. Die„ManSselder Zcil»»g", amt« licheS Kreikblall für de» Mansfeltei Gebirgskreis, schreibt! Bei den Manöver» der letzlen Tage in de» Bezirken Gr. Wect.sniige», Hoch- nedl, Günzerode. Jinnienrode, Wackerode. Gratznng«» kam«» aus dein eiiigeiveichlen Boden viele Pieide zum Sturz, von denen einige sofort erschossen werden mußle». Einem Soldaten wurde ein Auge ausgeschossen Zur Jlluftratio» der gegemvärtigeii Beschaffenheit des Bodens sei»och die Thatsache erwähnt, daß die Räder der G-schütz« i» der Erde steckleii und die Rolne dichl ans der Erde schleiften. Wiederholt sind steckengebliebene Geschütze von Ochsen herausgezogen worden. — Die Antisemiten der Provinz Brandenburg habe» ans ihrem Parteitage koiistatirl, daß in einige» Waklkreise» der Provinz Brandenburg der Bund der L a n d iv i r t h e die Kandidalen der deutsch< sozialen Reforinpartei offiziell unlerstützen will Wa? werde» die Konservalive», die in jene» Kreisen kandiduen, für Gesichler machen!— — Zur Frag« de« Genossenschaftswesens hat der national-sozmle Parleiiag die folgend« Resolution gesaßi: „Wir sehe» in starke» politische» und beruflichen Organi» fationen noihwendige Eigänzniigeu aller Genossenschastsbildungen. Wir erstreben Ferndalluna parteipolitischer und religiöser Ge« sichlsvankte aus de» Eenossenschaflen. Wir verlangen für alle lebensfähigen Gonoflenschaftei', soweit Bedürfnib vorhanden ist. ibalkräslige Unterftützimg des Staates und der Gemeinden, unbefchadel der genossenschafllichen Gui»d- sähe der Selbsthilfe und der Selbstveiwalliing." — Die Verurtheilung des Streikkomitees der Leipziger Maurer erregt überall berechtigte- Aufsehen, ist doch die glechlsprech»»g um ein merkivürdiges Urlheil reicher. Man vergegeiiivärlige sich de» Fall An einem Tage, an dem an über 600 Streikende Unlerstiitziing ausgezahlt wird, und zwar in zivei Räumen von je laui» 30 Ouadraluieler Flächeiiinhall, kommt ei» Maurer, den andere in dem Glanbe», er arbeile zu allen Be- dingungen, bereits verfolgt haben. Kaum hat er eine» Halden Schritt in das Zinnner geiha», da wird er vo» binten zurückgerissen. die Tbür« geschlossen und er wird geschlagen. Die Elreikleiler, mit ihrer Arbeil vollauf beschäfligl. inerke» kaum, was vorgeht. Sie weiden aber, weil sie»ichls gegen Lehmann»nd die, die ihn miß- handelt haben, Uiiternonnnen haben, wegen— Beihilf« zur Körper- Verletzung z» je drei Monate» Gesängniß verurlheät, weil sie, wir rede» hier mit der Urtheilsdegrüiidnng. durch ihr Mandat als Etreilleiler die vertragsmäßige Pflicht hatte» und diele nicht erfüllte», daß die Leute, die zu ihnen in daS Bureau kamen, unbedelligt und unbelästigt ivieder aus de» Räumen herauskamen. Im andere» Falle hat Berlhold den ©liuivev Krämer nm gefaßt und andere Maurer darauf auf- »licufam gemachi, daß er schon einmal als Arbeits- >o i l l i g e r Reisegeld erhalle» und sich doch wieder blicke» lieh uiw Arbeit in Leipzig qusnahm. Die Maurer verhauen Kramer und >uovU» iha die Treppe hinunter. Berlhold muß deshalb Weiler« drei Monate Gesängniß büßen, weil er dadurch, dag er an de» Kramer am Rocke gefaßt und die anderen Maurer aufmerksam gemacht habe, das Zeichen zur Mißhandlung gegeben hat, mithin sich der gemeinschaftlichen schineren Körper- Verletzung schuldig gemacht hat. Daß Berthold eine» Mann, der die Eireckkass« unter falschen Vorspiegelungen ausbeute» will, etwas energrsch aus dem Lokal weist, wird man nur zu begreiflich finden. Er kalt« die Pflichl in seiner Stellung, die Kasse vor solche» im- deiechiigle» Ansprüche» zu beivahren. Andererseits wird man sich aber die Erregung der anwefeuden Streikenden vorstellen können, wenn sie ivahrnebmen, daß einer ihrer Kollegen zu sehr un- sauberen Mitteln greift, ui» die Sireitleitung zu täuschen. E>» paar Hitzköpfe genügen, um von den ernsten Vorstellungen über die betrügerilche Handlnugsiveise zum thälliche» Angriff über- zugehe». Die ganze Affaire spielt sich in wenigen Minuten ab, vhne daß Beribotd selbst zum Eiuschreile» kommen oder ihm gar eine juristisch konstruirte Beihilse zu einer Körperverletzung zum Beivnßlsei» komme» kann. Niemand wird die Mißhandlung„Arbeits- ivilliger" oder unredlicher Elemente seilens der Streikende» vertheidige», wir bednuern aufs ledhnsieste solche Vorkommiiisse, ganz abgesehen von allen andere» Gründen schon deshalb, Iveil sie nur der Arbeiter- beivegung schaden und den reaktionslüslernen Strömungeu neue Nahriiiig geben können. In dem Leipziger Fall, der zu de» für die deutsche Rechtsprechung am Ende dieses Jahrhunderts charak>eristische» Gerichtsnrtheilen gezählt iverden»ruß, konnten die eigeut- kick«» Thäter nicht zur Verantwortung gezogen iverden, dafür wird aber in einer selbst den a> erkaunten sächsischen Jurisleiischarfsinn noch in Schatten stellende» Findigkeil der Koustrutlio» ein neuer Tbäter gefnnde», der»»t der Sache nichts gemein bat, als die Schuld, in dein betreffenden Rai»»», wo die Tbat passirt i!>. anwesend gewesen zu sein. Wenn solche passive Handlungen, man enischuldige den unlogischen Ausdruck, ktiuMig allgeinein bestrast werden sollen, wird es i» Deutschland unter de» Straf- mündigen Persviie» bald gar keine unbesirasten Personen geben. Im Volke, soweit es nicht juristisch verbildet ist, wird das Leipziger Urlheil wohl nur als ei». Zc che» der Zeit, nicht, aber als ei» Werk der mit verbuudcue» Augen urlheilende» Gerechtigkeit beiverlhet werden.— — D i e Gesinde-Orduungen und die„Frei- sinnige Zeitung". Unler« Aufforderi.ng, offen mit der Sp.ache herauszukoininen, ob etiva der Chef der„Freis. Zeiiung" u> ch t f ü r B e s e i l i g u>> g. sondern» n r s ü r R e s o r in e» der G e s in d e-Or d» u n g e n sei, beantwortet die„Freis. Ztg.", »achdcur sie erst in einig«» Sätze» ihr Herz durch einige Schmipfereien und Enlstellungen gegen uns«livas erleichiert hat, wörtlich folgender- maße»:„Dann sordert der Artikel ans, offen beraus mit der Sprache zu kommen, ob es ohne besondere Gcsinde-Ordnung nicht angehe. ob nur Reform, nicht Brseitignng der Gesinde-Ordnung angebracht sei. Das ist ein leerer Worlstreit. Es handelt sich ei»- fach darum, für die Rechtsverhältnisse des häuslichen Dienst- Personals, mag man es Gesinde nenne» oder nicht, eine neue. moderne» Verhältnisse» eulsprechende Rechisordnnng a» stelle der veralteten Gesinde-Ordnunge» zu schaffen, welche vielrach an siühere Ilnterlhänigleilkveihältmsse erinnern. Die Hausgemeinschaft beding! bierbei besondere Besti»»»u»gen. Solche besonderen Bestiinnruuge» sind schon in Einzilpniiklen in dem Dienstverlrag des Vnrgerlichen Gesetzbuchs enthalte» und müssen anch fernerhin an stelle des bis- de, ige» Rechtes trete», weu» nicht gerade die Interesse» des häns- liche» Dienstpeisonals selbst aufs äußerste geschädigt merde» sollen" D>« Frage,„Reform oder Beseitigung der Gesinde. Ordnunge»" ist kein„leerer Wortstreit". J»t«resiaut ist es, daß der Chef der„Frei- sinnigen Zeitung" jetzt gegen Beseitigung der Gesinde-Ordnunge» dieselben Gründe sich aneignet, die stets seitens des bornirten Theils der Junker für Anfrechierhallung„patriarchalischer" Zustände vor- geritten wurden. Der El>e> der„Freis. Zig." giebt t»»ch diese Ausführungen zu erkennen, daß er im Grund« mit der Haltung seiner Parteifreunde in der ersten Kommissivnssihung gegen Beseitigung des Art. 95 des Einführungsgesetzes, der die Gesinde-Ordnunge» ausrecht erhält, einverstande» war, und legt dadurch klar, daß die Absti»inm>>g des größeren Theils der„freisinnigen Volksparlei" i» der ziveiten Ko»i»»ssjo»sles»»g und im P l e» um für Beseitigung des Art. 9S nicht der Ansicht der„Freis. Ztg." enisprach. Ans dieser Thalsache folgt, daß die Haltung der sreisianigeu Abgeordneten keine Gewähr dafür giebt, daß die sreisinnige Partei als solche für Aufhebung der partlknlarrechtlichen Gesinbe-Orduungen ist. Hieraus folgt weiter, daß sehr zutreffend»nsere Genassen im Kreise Rnppiu- Templin vor der Stichwahl dem sreisinnigen Kandikale» L e s I> n g die Frag» vorlegte», ob er für Beseitigung der Geflude-Ordnung sei. Dies« Frage ivurde von Lessing bejaht. Die„Freisinnige Zeitung" theilt»och folgende Zuschrift in dieser Frage mit;„Im einzelnen wird uns ans de» tu-mmiisioas- beratbungen des Reichstags»och folgendes»lilgelbeckl. So oft in der Komniissio» die Dienstkoieiifiage bei der erste» Lesung an- geschnitten wurde, z. B. bei der Frage der Hnslung der Herrschaft für Krankheitskosten. ferner bei den Küudiguiigs- termiiie» u. f. w., kam es zu langwierigen Erörterungen, die sich tagelang hinzöge» und nur das Eine klarslelllen. daß das Bürgerliche Gesetzbuch noch heule»ichl feuig wäre, wenn die Koinmissio» sich darnuf eiugelnsse» hätte, das ganze Gesinderecht in das Gesetz hineiuzuarbeiten. Bereits bei der erste» Lesung herrschte i» der Koiuniissio» allgemeines Eiiiverstäiiduiß daiüber, daß»ur eine Resoluiion. betreffend reichsgesetzliche Regelung des Gesinderechts, anzunedme» sei. Diese hat da»» Avg. Sladihagen selbst eingebiachl. Ernülich wurde der weitere Ansba» der stz 909 und 610 des Bürgert!chen Gesetzbuchs in Angriff genomttieu ei»- fchtießlich Ergänzung des Art. 95 deS Einführuugsaesetz»?. DerVer- lreter der F>eisi»»igen VolkSparlei i» der Ko>n»r>>>io», Abg. Kaufs- maiin, Halle sogar selbst de» Antrag gest-llt, in Art. 95 noch ein- ziisnge»:„§§ 119 bis 140, 141 bis 153, 936 des Bü-ge>tichen Gesetzbuchs." Hiermit drang er aber nichSdnrch. Die bloße Slreichnng des Art. 95 war schon deshalb nicht möglich, weil einzelne Landes- gesetz« für die Dieustdose» günstiger« Besliininnugen euihalic». Man» für Man» erklärten die Reg>elung»kvin»>issale sich gegen die Slreichuiig des Art. 95, welcher die landesgesetzlichen Best»m»»»g«lt in bezng auf Gesiude-Oldiinng ausrecht erhält." Der Hinweis dieser Znschrifi ans die lange Dauer, die eine sachgemäße E>ledjgu»g des Gesinderechts angeblich erfordert hätte, ist zivar uiirichiig, aber in Veibindniig mit bei» Hmweis auf die ndlehueude Haltung der Regie, uugekonimissio» ein tiefflicher Beweis für die diesseits ausgestellte Behauptnng, daß der„Freist»»" durch seine elende Haltung bei Gelege>>heil der Gesinde-Orduinigs- Frage sich„regiernugssähig" oder regierm gssrenndlich habe beweise» wolle» Was das Thaliächliche der Znschrisl der„Freis. Zig." aalangt, so genüge uiii Rücksicht auf den Rnuiu unseres BtalieS die Richtig- slelliliig nur folgender Punkte: 1. Selbst die Regierungeverlreler e>- klärte» nur. daß der von Frohnie und Stadlhage» zur einheitlichen Regelung des gesaminle» Arbeileverlrags-Rechls(einschließlich See- manns-, Handelsgehilsen-»nd Bergarbeiler-Perlruges) eingeschlagene Weg die Beralhung des Bürgerlichen Gesetzliches eliva um vier Moitite verzögern könnte. Hätten die fre>st»>ligen Kominissions- inilgtieder in der ersten Lesung statt gegen für Be- seiligiing der Gesinde-Ordnung gestimmt, so wäre hierzu nicht eine Sekunde mehr Zeit ersorberlich gewesen, als für ihre entgegengesetzte Stellimg. 9 Wie gegenüber der Thalsache, daß lediglich durch die Haltung der srelsinnige» Vertreter die Beseitigung der Gesinc>e-Orb»u»gen abgeletmt wurde, man von einem„allgemeine» Emverstmidniß darüber, daß»ur eine Resolution anzunehmen sei" spreche» kau». ist unverständlich. 3. Weder der Abg. Sladihagen noch der Abg. Frotnn» haben jemals eine Resolmio» betreffend reichsge'egliche Regelung des Gesinderechts eingebracht. Sie haben eine i» der Ko,»Mission und im Plenum aiigenonmiene Resofnlfon eingebracht, nach der endlich derArbeitsvertrag für alle Ar- beiter, einschließlich der Bergarbeiter und ländlichen Arbeiter, ein» h e i t l i ch reichsgesetzlich geregelt werde. 4. Abg. Kauffmann bat de» in der Zuschrift behaupteten, übrigens belanglose» Antrag nicht gestellt. Roch ist«in solcher Antrag abgelehnt. Gestellt hatte der Abg. Kanffmann einen noch bedentnngsloseren Antrag, nämlich den, „der Redaktionskommission zur Erwägung zu geden, ob nicht auch die ßs 112— 169, 178—181 bei Art. 95 zu erwähnen seien". Dieser Antrag wurde am 18. März 1896 in der Konimisflon a n- genommen. Die Redaktionskominissio» hat dann als Allegat dem Art. 95 die ß§ 104—115 und 186 zugefügt. 5. Auch diese Zuschrisl der„Freis. Ztg." zeigt, daß der Freisinn der„freisinnigen Volks» parlei" noch nicht einmal den Freisinn des Navoleonische» Code aus dem A»saiig dieses Jahrbunderls erreicht. Bis in die Reihen der Nationalliberale» hineiii wird— z. B. von Professor Endemann— die Bescitigung der Gesiude-Ordiiungen veriangt— Eugen Richter's Organ sucht die Hinderung der Beseitigung der Gesiiide-Ordnuiigen zu beschönigen Es wird sicb Gelegenheit finden, die übrige» Mit- gtieder der„Freisimiigen VolkSparlei" danach z» befragen, ob auch sie gegen Beseitigung der Gesinde-OrdiiMige» sind.— — Die Fesselung des Redakteurs Schulze krilisirt i» scharfer Weise auch die„Fiankj Ztg." Ihr« Bemerkunge» schließt sie solgenderinaße»: Wir selbst gestatten uns eine kleine Anfrage an die sächsischen Juslizbekörde»: Wie wird es gehandhabt. wenn z. B. irgend ein Mitglied der Jnstiz, ein Richter oder Slantsanwalt, oder irgend ei» hoher Regierungsbeaniter eine Strafe abzubüßen hat— sage» wir einmal ivege» Duellvergehens— und vor Gericht in einer andcrcii Sache als Zuge zu erscheinen hat, werden ihm dann auch Fcssel» angelegt? Wir sind über die Antwort»ichl zweifel- Haft; sie genügt aber zur Charakterisirung des gegen den Re- dakleür beliebte» Verfahrens. Hamburg. 97. September.(E!g. Ver.) Die Reklame- Anträge des auliseniillfckien Mitgliedes de, Hambiiiger Bürgerschaft, F. Raab, linier denen sich anch einige sozialpolitische» Charakters befanden, sind gleich in der erste» Sitzung der Bürgerschaft nach de» Ferien unter de» Tisch gefallen, indei» sie nicht die genügende Unleisliitznng fanden. Für dle Iiella»>ebedürstigkeit der Antisemiten hat dieses Scheitern der Anträge jedoch den- selben, ja vielleicht mehr Werth, als eine Be>athu»g oder gar eine Aimahme. Der Kern eines der antisemitischen An- träge ist übrigens von anderer Seite ausgeuounnen und mit der uöthige» Uulerstützung als selbständiger Antrag eingebracht. Es handelt sich um die Regelnng der Gehaltsve, Hältnisse der Harn- bnrgische» Zollbeamten. Diese Frage ist bekannilich im vergangeiieii Winter schon von bei» Abgeordneten des 1. Hainbiiiger Wahlkreises. i»iseie»>Par>eigenosse»Motkeiibi>hr,in>Reichstageaiigeschn>ltenwoiden. indem derselbe gegen die hainbnrgischc Regierung den Vorivurs erhob, dieselbe mache n» den Gehältern der Zolldeamlen gänzlich»»gerecht- serligte. hoireiide Ersparnisse. Der hamburgische BnndeSralhs- Vevollinächliftle bestrill das zwar entschiede» und warf dem Abg. Molkeiidnhr vor, er sei falsch istsormirt. jedoch gelang es diesem»ach Schluß des Reschslage?. seine Vehanplunge» in der Presse klipp und klar zu beweisen. In dem oben bezeichneten Antrage wird nun ge- sordert, daß die Bürgerschaft einen Ausschuß von nenn Personen zur Prüfung der Gehaltsverhältniffe der Zollbeamten niedersetze» soll. Kuxhnvcn, 27. September.(Eig. Ber.) Seit dein letzten schweren St»rm der vergangenen Woche, den, unter anderem auch das Torpedoboot L 26 zum Opfer fiel, ist das Fahrwasser der Elbe- wündnng besonders interessant geivordeu. Eine kleine Flotte, be- stehend aus bei» Panzer„Boewolf", zwei Torpedoboote», ein Torpedo-Divisionkboot. der Werst-Beigungsdampfer„Kraft", die Aackl„Lennsohn" mit dem E>dgroßherzog von Oldenburg an Bord und die Bergungsdainpfer„Aiöve" und„Seeadler", haben sich«in- gesunde», um das veiloreii gegangene Boot oder wenigstens dessen Führer zu suche». Bisher freilich vergeblich Ei» Taucher, der mehrere Male unten auf dem 96 Meter tiefe» Meeresgruiide war, bezweifelte mir gegenüber die Auffiiiduna des Schiffes überhaupt, da dieses nur von einem Zufalle abhängig sein könnte. Außerdei» aber ist nebe» dem fast ständig bewegie» Woffer die i» einer Stunde bis 6 Seemeilen betragende Slrömuiig ein Hanpihinderniß der Taucher, denn dieselben könne» dadurch nicht ausiecht stehen bleiben. Somit dürste das Boot das Schicksal des 1885 in der Jnnenbilchl ge- kenterte» Bootes L 48 lheilen und für immer verschollen bleiben. — Die bayerische M i l i tär-Strafprozeßordnung, die das i» den inaßgebeuden Kreisen Preußens fast gesürchtele Prinzip der Oiffenltichkeit dulchgesührt hat, ist jetzt 95 Jahre in kraft. Die bayeriiche Armee ist i» dieser Zeil anßerorbentiich vervollkoiiiuii worden. Das Ansehen ber Aunee hat nicht das mindeste gelitien. Und doch wagt man trotz dieser Erfahrnnge»»och immer nicht, das Verspreche» des Fürsten Hohenlohe einzulösen.— — Die beiden bayerischen Bauer» bunde haben sich nu» geeinigt. Dem Zentrum erwächst dadurch eine ganz ernst« liebe Ge-ahr i» einem Land», das«S für seine» sestesten Besitz an- gesehen hat.— Stuttgart, 27. September.(Eig. Ber.) Der Stuttgarter Gemeinderalh hatie vor einiger Zeit die Einführung einer R a d f a h r st e n e r von 2 M. beschlossen. Die Stadldirektio» gab dazu auf grund der b e st e h e n d e n Gesetze ibre Genehm» gang und jetzt bat da? Vcr»-alli>»gsge>ichl der Kreisregierung beschlossen, daß die Erhebnng der Eieuer aus grund der be- stehenden Gesetze uiiznlässlg sei und die bis jetzt erhobene Steuer wieder zurückgezahlt ioerde» in ü s s e. Im vorigen Jahre war, wegen Platzmangel ans dem hiesige» Güterbahnhos, der Mvliobstmarkt ans ten Nordb-chnkos verlegt worden. Da dieser Baknkos aber ans Cannstaiter Marknng liegt, verlangte die Bebörde von den Slnitgariei Händler», die nur durch die Eiseiibakn-Verivnllniig gezwnnge», ans dem Sivrdbnhndos ihren Handel trieben, die Vezahlnng einer Wander-Gewerbe- steuer. Jetzt hat die obere Sieneibebörbe beschlösse», daß die Er- Hebung dieser Sieuer unzulässig sei. und die im vorigen Jahre zu unrecht erhobene Steuer wieder zurück- bezahlt werden müsse. Und bei einem solcbe» vcrivaltnvgsgesetzklchen Tohuwabohu v«r- langt nia» von de», grivöhnlichen Volke, daß es die Geletz« v«r> stehen soll! Beim Tübinger Bataillon rief während eines Ausmarsches ei» Reserve-Hauptmann ans Eßlingen feinen„Kamerade»" in jovialer Weise zu:„Paßt aus, daß Euch die Stieiel»icbt im Dreck stecke» bleiben!" In spaßbafler Beaniworiung dieser Mahnung rief ein aus Eßlingen eiiigeriickler Landivehrrnann seinem engeren Landsmann die gutgeineinie Mahnung zu:„Fallen nur Sie nicht vom Gaul!" Dieses Staatsveibrecben mußte natürlich gerochen werden. Ei» aktiver Hauptmann, der davon erfahren, brachte die Geschichte zur Meldung und das Militärgericht verurlheilte den UebeUhäler. Metzger Eitel, wegen Acht» ngsver letzung vor der Front zu z>v e i Monaten Festung.— Karlsruhe, 27. September.(Franks. Ztg.) Der Gesetzentwurf über hie V e st e n e r n n g des Wander-Gew erbebet riedes, der dein nächsten Landtag zugehe» soll, und jetzt den Handeteiammern zur Begniachlnng vorliegt, oerlnngt nach tz l, daß Personen, die ein Gewerbe im Umherziehen betreiben, eine Wa»der-G«>verbeste>ier an stelle der Gewerbe- und Einkommensteuer zu entrichten haben. Be- treibt der Steuerpflichtige mehrere unter verschiedene Tarifnniiimern fallende Wandergewerde, so ist er mit jeder besonders zur Steuer Heranzuziehen. Fällt der Betrieb unier verschiedene Ablheilunge», so kommt nur der Steuersatz der höheren Abtheilung zur Anwendung. Durch die Verlegung des Wohnsitzes an den Betriebsort oder durch die polizeiliche Ai>»ieldu»g des Betriebes als stehendes Geiverbe wird der Inhaber eines Wanderlagers von der Entrichtung der Wander-Gewerbestener nicht befreit, sobald die Unistänoe erkennen lassen, daß die Verlegung des Wohn- sitzes zur Verdeckung des Wandeilager-Betnebes erfolgt ist. W a» d e r- Inger find für jeden Berka nfstheil auch in den, gleiche» Ort« besonders zu besteuern. Ergänzungen des WaarenvorrathS sind gleichfalls umgehend anzumelden. Von den Erträgnissen der Wanber-Gewerbesteuer soll eine entsprechende Summe(20 pCt.) den Kassen der Kreise zugewiesen werden, in welche» die Wanderlager staUsinden. Die Feststellung erfolgt ans grund eines Tarifs, der oerschiedene Abtheilungen enthält. I» der Abtheilung für Wanderlager beträgt die Steuer für 7 Tage und für 10 000 M. oder weniger Gesammtwerth der zum Verlaus bestimmten Waaren i» den Städten von über 20 000 Einwohner 45 M. und in den übrige» Städten 30 M. Handluiigsreisende, welche eines Wander-Gewerbescheines bedürfe», könne» für daS Kalet>deriahr mit 60 bis 860 M. besteuert iverden. Auch damit ist dem Kleinhandel nicht aufzuhelfen. — Herr Eugen Wolf, der für das„Berliner Tageblatt' «in« Reklamereise nach Ostasien macht, kam auch nach der russischen Sträslingsinsel Sachalin und stieg in Korsakow. einem Sträslings- ort, an Land. Nach seiner Antnnsl lelegraphirte Wolf an den Gouverneur nach Alexandrowst und bat um die Erlaubniß, die Galeerensträflings- Anstallen und die freien Kolonisten besuchen zu dürfen, auch die Ainos im Inneren Saghaliens besichtigen zu könne». Die Genehmigung des Gouverneurs wurde ihm bereitwilligst ertheilt, ivas erklärlich ist, da das„Berliner Tage- blatt" sich u»ler allen deutsche» Biättern durch seine Kriechern vor der russischen Regierung auszeichnet. Und so hat de»» Wolf, wie seine Zeitung triumphirend berichtet,„die russischen Verbrecher, Gesängiiisse, Werlställen und auch die Lebensweise der freien Kolo- nisten eingehend sludirt, um zu sehen, was von den russischen V e r b r e ch e r k o l o» i e n- E i» r i ch t u n g e i, eventuell für ilnsere Kolonien Interesse haben könnte." Für ei» rnssisch-ossiziöses Blatt ist es ja ein ganz korrekter Standpunkt, wen» es für russische Einrichtung-» Reklame macht und von eventueller Nachahmung spricht. Daß sich aber die deutsche» Leser dieses Blattes es bieten lassen, daß ihr Leibblatt— vorläufig allerdings noch verschämt andeiilend— eine event. Nach- ahmung de? russischen Verbanmingssystems inS Auge faßt, deffelben Systems, das i» der ganzen Kulturwelt durch seine Ungerechtigkeit und Grausamkeit verrufen ist, das stellt den Lesern des russisch« osfiziöse» Blattes nicht das beste Zeuguiß aus.— - Chronik der Ma j e st ä t s b e l e i d i g u n gS- Prozesse. Heute hatte sich der Bureaugehilfe Krüger wegen Majestäts- beleidigung vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I. zu verantworte». Die Verhandlung sa»d ausnahnisweise nicht unter Ausschluß der Oefse»ll>chreit statt. Wie die Beweisaufnahme ergab, hat der Angeklagte, welcher aus einem Orte bei Heilsberg gebürtig ist, bereits ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich; er ist auch schon in Amerika geweseii. Was die zur Anklage stehende That anbetrifft, so trat der Angeklagte eines Morgens gegen 7 Uhr a» der Ecke der Wilhelm- und Leipzigerstraße a» den Schutzmann Weihe heran und machte zu demselben eine den Kaiser herabsetzende Bemerlmig; er fügte vami noch hinzu:„Ich bin Anarchist durch und durch, das glauben Sie mir. Hoch lebe die Anarchie!" Der Beamte nahm ihn zur Wache mit niid hier wiederholte der Angeklagte, daß er Anarchist sei. I» der Verhandlung bestritt er dagegen Anarchist zu sein; er könne beschwöre», daß er keiner sei, man soll« sich in seiner Heiinath»ach ihm erkundigen u. s. w. Der Schntzniann erklärte, daß ihm der Angeklagte den Eindruck eines Geisteskranken gemacht hätte. Der Staalsaiiivalt hielt die»r« sprüngltchen Bethenerunge» des Aiiaeklaglen, daß er Anarchist sei, mehr für Renonimisterei, als für Wahrheit. Der Angeklagte, der obdachlos war, wollte wohl nur ein freies Quartier haben; aber das Ansehen des Kaisers stehe zu hoch, als daß man diilde» dürfte, daß ein Lump sich zu einem solchen Zwecke eine MajestätSbeleidigniig erlaubt. Aus diesem Grunde beantragte der Staatsanwalt 1 Jahr Gesängniß. Der Gerichtskos vertagte jedoch die Sache, um über den Aiigeklaglen, welcher nicht recht geisteskräftig zu sein scheine, in dessen Heimath nähere Erkundigungen einzuziehen.— Wegen Majestälebeleidigung wurde am 24. September der Ardeiter Nikolaus N e w a k aus Ruda von der Strafkammer in R a t i b o r (Schlesien) zu sechs Monaten Gefängniß verurlheilt.— — I n der Disziplin ar-UntersuchungSsache wider den Reichskommiffar a. D. Dr. Peters ist zur»inndliche» Verhandlnng über die von der Staalsanivallschaft und Dr. Peters eingelegte» Bernsungen ein Termin ans Montag, 15. November, vor- mittags l0 Uhr, vor dem kaiserlichen DisziplinarKof für die Schutz- gebiete im Kamuiergerichtsgebäude, Sitzungssaal Nr. 3, anberaumt worden.----- Oesterreich. Wie», 98. September.(„Voss. Ztg.") Die Klerikaken nehmen gegen den Gruse» Badens wegen seines Zweitnmpses entschieden Stellung. Die„Tiroler Siiinnie»" schreibe», daß Badem nach diesem Vorgänge a» der Spitze der Regierung noch möglich sei, icheine ganz ansgeschlosse». Anch das Brünner Organ der Czechisch Klerikale» Mährens verlangt den Rücktritt Bndem's.— — Die Anträge der Sozialdemokraten im Ab« g e o r d» e l e n h a u s e lauten: Autrag ans Eiiassnng eines Gesetzes über die Un verein« barkett der Milgliedschast in einem der beiden Häuser des Reichs r a t h e s mitbestimmten Stellungen und geschäftlicken Beziehungen zum Staate. Anliag aus Eriaffniig eines Gesetzes über die Nicht« gestatlung der Uebiuiahme bestimmter Stellungen n» d die Ein geh n n g gewisser geschäftlicher Be- rieh»ii gen eines Hof» oder Stnatsbeamten des R» h e st a n d e s. Anliag ans Erlassmig«ineS Gesetzes über die Besch äs« t i g»>i g von j u g e» d l i ch e>> u n d weiblichen Personen, dann über die l ä g l i ch e A r b e i t s d a n e r und die Bonn» u n d F e i e r t a g s r u h e b e i m B e r g b a». Antrag ans Erlassung eines Gesetzes über die Regelung der D i e>i n v e r h ä l t n> s s e der H n ii d l» ii g s g e h i l s e n, der Ha n delehilfsar beiter, der Angestellie» in A d o o katurs- u n d N o t a r i a l s k a n z i e> e». in Apotheken, in Tabak- trasiken nndLottokollekture», bei den Arbeiter« U ii s a l! v e r s i ch e r u n g s- A» st al l e n»nd K r a nkenkassen, ferner über de» Ladenschluß in Berkaufsgeschäslen und die S o n» l a g s r n h e. Antrag ans Erlassung eineS Gesetze? über die Bestellung von Bergs nspektore» n»d die Wahl von Bergarbeiter- delegirten, ferner die Zuständigkeit der ordenilichen Gerichte bei Uebertrelunge» des aUgemeiuen Berggesetzes und vbr Ergänzniigen desselben. Dringlichkeitsantrag, wodurch die Regierung auf- gefordert wird,»»gksäiiint einen Gesetzenlipurf zur Reform der Versicherung der Bergarbeiter«inzubringen, dessen Grundsätze der Anirag spezifizirt. Dringlichkeitsantrag. Im Hinblick"auf die er« schreckend große Zahl der Eise»bahn- Unfälle und die Nothivendjgkeit. deren Ursache» festzustellen, in. Hin- blick ferner daraus, daß eine unparteiische Untersuchung vom E i s e» b a h n> M i n i st e r i n m deshalb nicht zu er- warten ist, weil notorisch sei» Bemühen ausschließlich a u f E r z i e l u n g»> ö g l i ch st hoher Ueberschüsse selbst auf Kosten der Gesundheit und Sicherheit der Eisenbahn- Bedien steten lind des reisende» Publik» i» s gerichtet ist, beantragen die Gefertigten: Das Abgeordnelenhaus wolle beschließen, es wird et» öllgliedriger, ans dem ganzen Hause zu wählen- der A u s s ch» ß zu dem Zwecke eingesetzl, den Umfang u» kr die Ursachen der auf den österreichischen Eisen« bahnen in der letzten Zeit v o r g e k o», m e n e i, II n � fälle in erster Linie durch Einvernehmung von Zeugen und Sachverständige» zu erheben. Dringitchkeilsantrng: In Erwägung der schweren Gesetz verletz un gen, die sich die Regierung seit Schließung des Reichsraths zu schulden kommen ließ, rnd die insbesondere in dem bekaniiten Geheim, rlah de? Ministers des Innern, die Handhabung der versa in mlungSpolizei betreffend. in zahllosen V e r s a m in l u n g s v e r b o t e n. einer n n e r h ö r t e n Kon- s i s l a t i o n s p r a x i s. in Verletzung der I m in n n i- i a t der Abgeordnete», in U e b e r s ch r e i t u n g des Roth- v e r o r d n n n g s r e ch l e s(Zuckerstener) zum Ausdruck kamen; in Erwägung, daß mithin der V e st a n d der gegenwärtigen N e g i e r n n g sich als eine Gefährdung für die Rechts- ordnung und Rechtssicherheit im Staate erwiesen habe und erweise, beschließe das Abgeordnetenhaus, das M i n i sie r i n in aufzufordern, sofort seine Entlassung e i n z u> reichen. Von diesen Anträgen sind die ersten fünf ganz ausgearbeitete Gesetzentwürfe.- — Zehn Wiener Lehrer, die den Wahlanfruf der Schönerer-Partei unterschrieben, erhielten vom Laudesschulrathe eine ernste Rüge, zwei Lehrer vom Lande wurden strafweise versetzt.— Prag, 27. September. tEig. Ber.) Bekanntlich hat die Prager „Friedeiiskoilfereiiz" der böhmischen Genossen eine energische Aktion gegen die chauvinistische Verhetzung beschlossen. Den Anfang machte die Prager Demonstration, der sich andere in den größeren Provinz- städten anschlössen. Besonders glänzend verlief das Meeting, das gestern am Jaberlicher Berge, eine Stunde von Reichenberg entfernt, abgehalten wurde. Mindestens 2S 000 Personen waren ans der näheren und weiteren Umgebung zusammengeströmt, darunter tanscnde Genossen aus dem czechische» Gebiete von Turnan. Es war eine Kundgebung, die an Größe und Würde die von den Denlschbürgerlichen veranstalteten „Volkstage" mit ihrem Fahnengewimmel, ihren Bratenreden und theatralisch arrangirteu Schlachten gegen ein Dutzend Gendarmen weit hinter sich ließ. Diesem Eindrucke konnten sich wohl auch die anwesenden Nationalen nicht enlziehen, deren Radaulust angesichls der internationalen Proletariermassen erheblich abgekühlt ward.— Benierkensivcrlh ist, daß das Meeting auf einem anderen Platze als dem ursprünglich bestimmten statlfinden mußte. Es hatten nämlich sechs Anrainer Widerspruch erhoben, sünf Deulschnationale und ein Lungezeche. Man sieht, das Pack versteht sich ebenso gut zu ver- tragen, als zu schlagen. 3frAi,Tccid), Paris, 26. September.(Eig. Ber.) Die B r o t f r a g e hat einen Konflikt zwischen der sozialistisch-radikalen Mehrheit des Pariser Gemeinderaths und der Regierung gezeitigt. In dem Manifest an das Pariser Volk wegen Nichteinberusnng des Gemeinderaths zur Berathung über die Brollhenerung protestirt die Mehrheit gegen die Mißachtung der Rechte der Pariser Selbstverwaltung und kündigt der Regierung einen Widerstand mit allen gesetzlichen Mitteln an. Der Ausgang des Konflikts dürfte aber, nach den früheren Erfahrungen zu urtheilen, ziemlich harmlos sein. Die Zeit der akuten Mißstimmung gegen die Theuerung ist vorbei, die arbeitende Bevölkerung scheint sich mit dem Preisaufschlag, der noch immer 5—10 Centimes (4—8 Pf.) pro 2 Kilo Brot betrügt, resignirt abgefunden zu haben. Aus diesem Grunde haben wohl auch die Nnterzeichner des Manisests den Gedanken einer Kollektivdeniission fallen lassen. Zu alledem litt die sozialistische Agitation um die Brotfrage meines Erachlens an einer prinzipiellen Unklarheit. Mit Rücksicht auf die vermeintlichen Interessen der Kleinbauern hat man viel- fach die Getrcidezvlle als solche nicht angegriffen, die ganze Schuld auf die Aufkäufer", die„Spekulanten" abwälzend. Und I a u r ö s, der übrigens seinerzeit in der Kammer für die Getreidezölle gestimmt hat, brachte in der Presse seinen allen Vorschlag, betreffend das staatliche Getreide Handels- Monopol, wieder zur Sprache. Dieses Monopol soll unter Aufrechlerhaltung der Getreidezötle die Preise derart reguliren, daß sowohl eine„übermäßige Preissteigerung wie ein übermäßiger Preisfall" verhindert werde.... Der Vorschlag wird in der nächsten Session von Jaurös wieder eingebracht werden.— Belgien. — Die R e g i e r n n g beschloß, das Gesetz über den Bürger- Wehrdienst für Ausländer vorläufig nicht in kraft treten zu lasse».— Cngsgnd. — Die e g y p t i s ch e Frage möchten die Franzosen gerne wieder aufrollen. Das Organ des französischen Ministers des Aus- wärtigen, der„Temps" schreibt:„Durch das unverhohlene Geständniß englischer Blätter, daß England sich in Egypten zu Hanse fühle. werde die egyptische Frage auf die Tagesordnung der europäischen Diplomatie gesetzt. Man müsse aller Zweideutigkeit über den Zweck der Expedition nach Khartum ein Ende macheu.'Ob die nothweudige Initiative zur Eröffnung der unabweislichen Pourparlers von einem jener Kabinette, deren Einvernehmen in diesem Falle sicher fei, oder von der Türkei ausgehen möge— England werde sich ver- ständigen müssen, ehe es viel weiter gehe. Hierdurch könnten be- danerliche Zwischenfälle hintangehalten werden." Wir glauben vorerst nicht, daß es Herrn Hanotaux gelingen wird, die egyptische Frage wirklich ans die Tagesordnung der europäischen Diplomatie zu bringen, obgleich wir sicher sind, daß lltußland sich sehr freuen würde, wenn die Verlegenheiten des i» Indien jetzt sestgeleglen Englands ernstlich vermehrt werden Knuten,— Spanien. Madrid, 23. September. Die Aerhaftnng von 7 Individuen erfolgte infolge von Anzeigen über anarchistische Komplotts. Auf eine weitere Anzeige beschlagnahmte die Polizei in der Straße Bravo Murillo E x p l o s i v m a s ch i n e n und verhaftete noch ein Individuum, von dem man glaubt(!), daß cs ein ülnarcbist ist. Diese Nachricht kann wieder nur als Beweis der Nutzlosigkeit der bekanntlich überaus scharfen Ausnahinegesetzgebung gegen die Anarchisle» verwerlhet werden.— Norwegen. — Zu den Wahlen. In B e r g e n siegle bei den Wahl- mäunerwahlen die Linke mit ca. 1000 Stimmen. Im Südbergischen Amt fielen ans die Linke 70 Wahlmänner, auf die Rechte und die Moderaten zusammen 6S. Im ganzen hat die Linke bis jetzt 5 Storthingssitze erobert.— Nnssland. — Man hat der russischen Regierung Unrecht gethan. Die vom„Vorwärts" aus der„Intern. Corr." eut- iioinmene Nachricht, welche seinerzeit auch von russischen Zeilnngcn gebracht und mit großem Beifall von der russischen Bevölkerung begrüßt wurde, daß betreffs der Herbeiführung des Schulzwauges eine Koinmission(beim Ministerium der Volksausklärung) zur Be- ralhnng eingesetzt worden sei, erweist sich jetzt als vollständig aus der Luft gegriffen. Die Berichtigung klingt uns sehr glaubwürdig.— Türkei. — Die Pforte soll beschlossen haben, nach Annahme des Vorfriedensvertrages seitens Griechenlands zwei Drittel der Operationsarmee in Theffalien und Janina, etwa 75 000 Mann Redifs, zn verabschieden, während 40 000 Nizains bis auf weiteres in Thessalien verbleiben sollen. Der Kriegsminister soll mit der Vorbereitung dieser Maßregel beschäftigt sein.— — Verfolgung von I n n g t ii r k e n. Nach den vorliegen- den Berichten aus Konstantin opel sollen sechs Zollbeamte am Sonn- tag wegen Verbreitung jungtürlischer Zeilschrislen verhaftet worden sein.— Griechenland. Athen, 27. Sept. Der russische Gesandte Onil als Doyen des diplomatischen Korps hat heute Nachmittag dem Minister des Aeußeren Sluludis den Wortlaut des Präliininar-Friedeusvertrages mit einer Begleitnole übergeben, welche erklärt, daß die Mächte die Aufgabe ihrer Ver Mittelung als ab- geschlossen betrachten, und welche die griechische Regierung auffordert, ihrerseits zur Ernennung von Bevollmächtigten für die Verhandlung über den endgilligen Friedensvertrag zu schreiten. Die dem Präliminarvcrtrage beigefügten Zusätze erklären,, daß die geflüchteten Thessalier nach vorausgegangener Verständigung zwischen den türkischen und griechischen Behörden zurückkehren Verantwortlicher Redalteur! Rugnst Jacobrtz in Berlin. Ftir den I dürfen. Ferner wird darin die Freiheit der Schifffahrt in den beiderseitigen Häfen und Gewässern angekündigt, wobei die belheiligten Großmächte für den Fall, daß Schwierigkeiten entstehen sollten, ihre Vermittelung anbieten. Eine A in ii e st i e für türkische U n t e r t h a n e n, welche im griechischen Heere gedient haben, wird zu- gestanden. Diese letztere Erklärung ist unter Vorbehalt einer Abänderung durch weitere Bestimmungen gemacht. Ferner wird i» der Begleitnote die griechische Regierung er- sucht, Delegirte für die strategische Abgrenzung zn ernennen und im Einvernehmen mit den Mächten vorzugehen behufs Erfüllung der Bedingungen des Artikels 2 des Vertrages. Der d e n E r l a ß einer A m n e st i e betreffende A n h a n g zu dem Vertrage wird durch eine b e s o n d e r e K o n st a t i r u» g d e s r u s s i s ch e n G e s n n d t e n O n u ausgehoben, da der Sultan es ablehnte, denselben zu ratifizireu. Asien. Siiula, 27. September. General Westmacott, Kommandeur der erste» Brigade der Kolonne des Generals Elles, griff heute die Dörfer der aufständischen Kudakhels an. Der Feind leistete hart- uäckigen Widerstand, wurde aber schließlich in die Berge gelrieben. Diese wurden später von den britischen Truppen genommen und die feindlichen Forts und festen Thürme zerstört, woraus sich die Engländer zurückzöge». Der Feind sammelte sich nun wieder, aber die Bewegungen der Engländer wurden unter dem Schutze der Feld- geschütze und Maximkanonen bestens ausgeführt. Der Gesammt- verlust aus britischer Seile beträgt fünf Verwundete. Ergebnisse der fiisszfifchen Ubndtagswnhlen. 3. Abthriluiig. Stadt Leipzig. Im ersten Kreise stimmten von 6080 Wahlberechtigten 1240, gleich 20.4 pCt., im vierten Wahlkreise von 9704 Wahlberechtigten 1331, gleich 13,6 pCt. Gewählt wurden die Wahlmänner der Ordiinngsparteie», da sich die Sozial- d e m o k r a t i e der Abstimmung enthielt. Zwickau(Landkreis). Zu wählen waren 34 Wahlmänner. Gewählt sind 30 Sozialdemokraten und 4 Vertreter des Kartells. 2. städtischer Wahlkreis(Bautzen, Elstra, Kamenz, Königsbrück, Neusalza, Schirgiswalde). In alle» Bezirken muß Nachwahl stattfinden. In K a m e n z(2. städt. Kreis) wurde einer der von uns ans- gestellten Wahlmänner gewählt, in 2 Bezirken ist Nachwahl erforder- lich. Stimmen wurden abgegeben für die Sozialdemokralen 205, Antisemiten 170, Konservativen 117. 11. städtischer Wahlkreis(Colditz, Geringswalde, Grimma, Hartha, Lausigk, Naunhof, Nerchau, Trebs«»). 8 Bezirke stimmen für Gleisberg(uall.), 2 für Müller(k.), 5 für den Sozial- demokraten, 4 stehen noch ans. In L i ch t e n st e i ii wurden alle sozialdemokratischen Wahl- männer gewählt. In Glauchau ist mit Ausnahme eineS Bezirks ebenfalls Sieg auf der ganzen Linie zu koustatire». 13. st ä d t i f ch e r Wahlkreis tMarienberg, Oederan, Schellenberg. Thum, Wolkenstein, Zöblitz, Zschopau). In Oederan, Zschopau, Thum, Wolkenstein wurde für keinen Wahlmaun eine ab- solule Mehrheit erzielt. Auch in Zöblitz hat Nachwahl stattzufinden. In Marievberg wurden drei Karlellanhänger gewählt, ein Bezirk erfordert Nachwahl. In Schelleuberg wurden mit allen Stimmen Antisemilen gewählt. 19. st ä d t i s ch e r Wahlkreis(Annaberg, Bnchholz, Jöh- stadt, Oberwiesenlhal, Scheibeuberg, Schletta», Unterwieseuthal). 5 Sozialdemokraten und II Gegner gewählt. In 2 Bezirken haben Nachwahlen ftatlzusinden. In Plane n(23. städt. Kreis) gewannen wir 4 Wahlmänner. 3 gewannen die Gegner, in 30 Fällen ist Stichwahl nolhiveudig. 24. städtischer Wahlkreis(Adorf Auerbach, Falkenstein. Markneukirchen, Oclnitz, Schönebeck). 22 Nationalliberale und sechs Sozialdemokraten sind zu Wahlmännern gewählt. Im 9. ländlichen Kreise(Amlsgerichtsbezirk Nadeburg, Radeberg ec.) wurden gewählt: 3 Sozialdemokraten, 9 Konservative, 4 Antisemiten und 2 Fortschrittler. In 1 Bezirk ist Nachwahl. In zirka 20 Orten, wo wir Wahlmänner nicht ausstellen konnten, waren unsere Partcianhäuger ersucht worden, die Stimme direkt für den Kandidaten Clemens Planitz i» Dresden abzugeben. Dieselbe ist an sich zwar ungillig, doch ist sie ein Protest gegen das Drei- klassen-Wnhlgesetz und die konservative Wirthschast. Im 10. ländlichen Kreise, den die Landgemeinden des Amtsgerichts- Bezirks Dresden(Löbtau, Cotta, Strehlen zc.) bilden, wurden 38 sozialdemokratische Wahlmänner gewählt. 6 Nachwahlen mit 8 Wahlmännern sind vorzunehmen. Die Gegner brachten keinen einzige» Wahlmann durch. Die Zahl unserer Stimmen betrug 4301, die Konservative» erhielte» nur 882, die Antisemilen 844 Stimmen. Im 16. ländlichen Wahlkreise, umfassend die Gerichts- Amtsbezirke Döhlen und Tharandt bei Dresden, betrug die Belheiligung nach ungefährer Schätzung zwischen 60 und 70 pCt. Einzelne starke Bezirke im Plauenschen Grunde wiesen sogar eine Betheiligung bis zu 85 pC. auf. Das endgiltige Resultat ist folgendes: Die 3. Ablheilung hatte 31 Wahlmänner in 19 Bezirken zu wählen Gewählt wurden 28 Sozialdemokraten und 3 Konservative. Auf die sozialdeinokraiischen Wahlmänner siele» insgesamurt 3l70 Stimme», sür konservative Wahlmänner wurden 1112 Stimmen abgegeben. Bon unserer Seite kandidirt der bisherige Vertreter des Kreises, Reichstags-Abgeordnete Georg Horn, und seitens der vereinigten Konservativen und Antisemiten ein konservativer Gemeindevorstand, dessen bisherige Leistungen darin bestanden, daß er seinerzeit die 42 Gemeindevorstände bei ihrer be- kannten Petition gegen die Sozialdemokratie anführte und daß er das Gemeindewahlrecht durch Einführung des Klassensystems für die Unaiisässigen verschlechterte. In den drei Wahlbezirken, wo kon- servative Wahlmänner gewählt sind, ist bei der ReichStagSwahl für uns sehr gut gewählt worden. Es sind Bauerndörfer, wo massenhast Bauarbeiter(Bauernsöhne oder ehemalige Bauern, vielfach jetzt noch im Besitze kleiner Stellen) wohnen, die im Sommer answnrls arbeiten. Bei der Reichstagswahl konimen sie am Nach- mittag von ihren oft weit entlegenen Arbeitsstätten nach Hause und wählen. Diesmal sind sie weggebliebe», weil die Wahl schon um 1 Uhr geschlossen wurde und weil den Leuten sonst der ganze Tag verloren gegangen wäre. In diesen Bezirken war deshalb die Wahlbetheiligung auch lächerlich gering. Im 13. ländlichen Kreise(Meißen Land) war bis gestern Nachmittag festgestellt, daß wir in Cölln 5 Wahlmänner mit 420 gegen 116 Stimmen durchgebracht. In Zscheila eroberten wir mit 86 gegen 19 gegnerische Stimmen de» Wahlmann. Weiter errang unsere Partei in Sörnewitz 2 und in Oberjahna 1 Wahlmaun. Im 19. l ä n d l i ch e n W a h l k r e i s e(Großenhain-Riesa) sind die Resultate aus 13 von 22 Bezirken bekannt. Es wurden gewählt 4 Sozialdemokraten und 10 Gegner. Wir erhielten in den 13 Be- zirken 444, die Gegner 391 Stimmen. Von 3609 üblen nur 1335 ihr Wahlrecht aus. 24. ländlicher KreiS(Kötzschenbroda, Blasewitz, Loschwitz, Striesen w.): Gewählt 10 Sozialdemokraten und 6 Konservative. I» 8 Bezirken ist Nachivahl. Wir erhielten 1604 Slimmen, die Konservativen 1125, die Anlisemiten 704. S. Ablhcilung. In Dresden I sind sämmtliche 54 konservative Wahlmänner gewählt. Von 1373 abgegebenen Stimmen 51 sozialistische. Dresden lV hat 23 konservative Wahlmänner gewählt. Ueber 3 Wahlmkiiuer muß Nachwahl stattfinden. Von 638 ab- gegebenen Stimmen sind 75 sozialistisch. 16. l ä» d l i ch e r Wahlkreis(Plauenscher Grund): zirka 25 konservative, 2 sozialistische Wahlmänner. 10. Kreis(nächste Umgebung Dresdens): 4 sozialistische Wahl- männer; viele Nachwahlen.'Durchgängig fürchterlicher Reinfall der Antisemiten._ seratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drink und Verlag von -"Ltechvichten» Eine große Versammlung für Frauen und Männer findet am Donnerstag, den 30. September, abends 3 Uhr, im Berliner Prater, Kastanien-Allee 7, statt, in der Wilhelm Liebknecht über:„Die Stellung der Frau in der Sozial« demokratie"(mit Hinblick auf den Züricher Arbeiterschutz» Kongreß) referiren wird. Starke Belheiligung, besonders der Frauen, erwartet Die Vertraue n sperson. Für den dritte» hambiiraer Wahlkreis sind als Dele« girre zum Parteitag die Parteigenossen Martikke, D i e tz und Frau S t e i n b a ch gewählt. Der Parteitag der Sozialdemokratie in Reuß ä. L., der am Sonntag in Greiz verhandelte, stellte de» bisherigen Vertreter im Reichstage, den Genosse» Hermann F ö r st e r in Hamburg, einstimmig wieder als Kandidaten für de» Reichstag auf und betraute de» Genossen I o h. R ö d e r in Greiz mit dem Mandat für den Hamburger Parteitag. Slls Vertrauensmann für den Wahl« kreis wurde wieder Genosse Heinrich Jahn gewählt. AnS Offciibnrg in Baden wird nns geschrieben: Am Sonnlag Nachmittag hielt hier Reichstags-Abgeordneter Bebel eine Volks- versaminlung ab, in der er über die Thätigkeit des Reichstags Be- richt erstattete. Die Versammlung nahm einen glänzenden Verlauf. Die Zahl der Besucher belief sich auf ungefähr 3500, darunter über 1000 aus Straßburg und sehr viele Frauen. Die Slraßburger Genosseii waren zum größten Theil mittels Extrazuges herüber- gekommen, ein anderer Theil(ca. 120) mit Fahrrad. Unter den Slraßburger Gästen befanden sich auch ein Dutzend Geheimpolizisten; sie konnten ihren Auftraggeber» aber nur berichten, daß der Verlauf der Versammlung musterhaft war. Genosse Adolf Geck war Leiter der Versammlung, der namentlich geißclle, daß die Behörde das Ausschänken von Gelränke» verboten hatte. 1000 Liter Wein, die in sechs Fässern in den verschiedenen Ecken der Halle aufgestellt waren, bliebe» dadurch einstweilen ungetrunke», aber ihr Schicksal ist dennoch besiegelt._ Gewevksslzttftlisszes. Vrrlln und Niiigcbuiig. Zum AiiSstand der Formet. Ten übereinstimmenden Meldungen bürgerlicher Blätter zufolge ist in der gestrige» Aus- schiißsitzung des Verbandes der Berliner Metall- i n d u st r i e l l e n beschlossen worden, die Einladung des Einigiings- amles des Berliner G e w e r b e g e r i ch I s zu Verhandlungen behnss Beilegung des Formeransstandes anzunehmen. ZIls Vertreter des Verbandes vor dem Einignngsamt wurden gewählt: die Herren Kommerzienralh Henneberg, in Firma Rietschel u. Henne- berg, Brandenbiirgstr. 6l; Fabrikbesitzer Kühne, in Firma Rudolph Ii. Kühne, Pankstr. 24, sowie Direktor Knaus der Mafchineusabrik L. Sentker, Müllerstr. 35. Außerdem wird Betriebsdirektor Dorn für die Borsig'schen Eisenwerke au den Verhairdluugen theilnehmen. Das Berliner Gewerbegericht hat sich heute nach Eingang der zu- stimiiieiideii Antwort des Verbandes der Berliner Metalliuduftriellen nochmals an die dem Gericht bekamtten Führer der ausständigen Former gewandt und diese eingeladen, nach Wahl einer vollgiltigen Ver- lrelung an den Verhandlungen theilzinrehmen. Der Terini» soll nach Eingang einer znstinnnendeii Antwort der Ausständigen sofort au» gesetzt werden. Die Firma B o r s i g läßt den Zeitungen nochmals eine Dar- stellung über die Ursache» des Streiks zugehen, welche nicht un- wesentlich von der früher von ihr gegebenen abweicht. Die streikenden Arbeiter werde» Gelegenheit nehmen, diese neue Kundgebung zu prüfen und gegebenensalls zu berichtigen. Die zwei gestern Abend tagenden Massenversammlungen der Metallarbeiter haben beschlossen, der Einladung des E i n i g u n g S» amtes des Berliner Gewerbegerichts Folge zn leisten. Als Vertreter der streikenden Arbeiter vor dem Einigungsamt wurden gewählt: P l a t h, Müller und L i t f i n. als Vertrauensmann der Borstg'sche» Arbeiter der Former Zernicke. Rchtniig, Rabitzpntzcr! Bei de» Firmen Zöllner u. Co.. Bosivan». Nnaner und Stüive haben die Kollegen wegen Lohn- disferevzen die Arbeit niedergelegt. Wir bitten, bis aus iveilereS den Zuzug fernzuhalteii. Der Vertrauensmann. Dopessszen und letzke Muchvichten. Saatfeld(Sachseii-Meiiiingen), 23. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Landtagswahl siegte unsere Partei in zwei Wahlkreisen, und zwar in Köppelsdorf-Neuhaus und in Sonneberg. Saalfeld fraglich. Lauscha« S t e i n a ch aussichlSvoll. Breslau, 28, September.(W. T. B.) Die„Schlesische Ztg." meldet: Die Verhandlung des Landeskauplmannes von Schlesien Röder mit dem Slaatlminister Dr. v. Miqncl hatte folgendes Er- gebniß: Sobald die aintlickien E r m i t t e l u n g e» des Hochwasserschadens abgeschlossen sind, soll ein Gesetz- enlwnrf ansgearbeilct werde», welcher einen weiteren näin- hasten Betrag zur Unterstützung von einzelnen Beschädigte» und von Gemeinden zur Versügung stellt. Dieser Gesetz- entivnrf würde de», Landtage der Monarchie alsbald nach scinciir Zusammentritt zugehen. Die Frage einer p l n n m ä ß i g e n R« g n l i r n n g der schlesische» G e b i r g s s l ü s s e ans Slaalskoste» oder wenigstens nnler Gewährung erheblicher weiterer Hilfe aus Staalsmitteln muß gelrennl behandelt werden, weil die Vorbereitung und ihre Lösung ungleich schwieriger und zeit- raubender sei. Wie«, 28. Sepiember.(B. H) Gestern Nachmittag wurde in Franzeiisfeste ein sü»f Sekunden währender Erdstoß verspürt. Wir«, 23. September.(B. H.) Dem Gemeinderalhe wurden seitens der Deutschen Bank und der Firma Siemens u. Halske neue weitgehendste Proposilionen überreicht behufs Umwandlung der Traimvay in eine elektrische Bahn. Es ist Aussicht vorhanden, daß diese angenommen werde». Agram, 23. September.(W. T. V.) In Sjenicak sind wegen der dort stattgehabte» Unruhe» bereits 70 Personen verhaftet. Warschan, 28. Sept.(B. H.) Die Nachricht, der polnische Sprachunlerricht rverde in den Mittelschulen als obligatorischcr Lehrgegenstand eingestellt, wird als vollständig unbegründet be- zeichnet. Madrid, 28, September.(W. T. B.) Die Königin wird nur seitens der Behörden empfangen werden. Die Polizei tind die Gendarmerie ist in der Umgebung des Bahnhofs znsaminengezogeii. Auch ein Zeichen für die monarchische Gesinnung der Bevölkerung. London, 23. Scplember.(B. H.) 31 Gefangene in dein spanischen Gefänanlß Moittjuich haben an„Daily Chronicle" einen Brief zur Veröffentlichring gesandt, in welchem sie gegen ihre Zurückhaltung im Gesnngniß prolestireir und dieselbe als gesetzwidrig bezeichnen, da das Militärgericht sie schon vor Monaten sür»n- schuldig befnnden habe. London, 27. September.(W. T. V.) In Mnidstone(Kent) herrscht der Typhus infolge einer Berunreiiiignng des Wassers durch die Abwässer aus den Hopfenpflücker-Lagern. Bisder sind 325 Fälle vorgekommen, von denen 15 lödllich Verliesen. Täglich werden gegen 50 neue Fälle gemeldet. Ncw-Bork, 23. Sept.(W. T. B.) Gelegentlich cincs Streiks über den Zwischenfall mit de» ausständigen Ar- beitern bei Lattimer am 10. d.M. kam es gester» in Girardviiie i» Pennsylvaiiien zwischen polnischen Arbeitern zu einer S ch l ä g e r e i, bei welcher durch Revolverschüsse und Messerstiche 36 Arbeiler verwundet wurden, neun davon tödtlich. Max Pading i« Berlin. Hierzu S Bcilage» n 1l»lerhall»»gc-t>lat» Sir. 121 14. IahrgNg. 1, ................... n.■■ MiontmunAleS. Äröschnf? der Sladtverordne!e»-Versali»»Iung z»r Vor- veralhung der Mngistrolsvovlage bchnfs Iil>ni>der»»ge» i» der C>.hcutZord!'.:iiijz für die Lehrerpeirsione» au den Berliner Gemeinde- schule.'. hat heule unler Vorsitz des Sladtverordneten- BorsieherZ Dr. Langcrhans und i» Äliiivesenheit der kounnissare: Bürgermeister Kirschner. Eladt-Schnlralh Berlram und Kcimnierer Maaß die Generaldedalte zu Ende geführt '"'d'st sodann in die erste Lesung der Vorlage und der dazu ge- slclllcn VdänderungSanträge eingetreten. Bezüglich der Gcmeindclehrer wurde beschlossen: für endgillig angestellte Lehrer, auch wenn sie nicht 4 Jahre in öffentlichem Schuldienst gestanden haben, wird ei» Grund- S-Halt vo» I2V0 M. und eine MielhSentschädigung von 600 M. gc- wahrt. Die Alterszulagen gelangten nach dem Magislralsvorschlage unverändert zur Annahine. Nach diesen Beschlnssen, welche aller- Vings»och keine ciilgilligen sind, beträgt das Mindestgehalt der Lehrer 1ö00 M., das Höchstgehalt 4000 M. jährlich. Uok�les. Die Kochfliust in der Schule. Von den vielen revolulionirenden Wirkungen, die der kapitalistischen Produklionsiveise zuzufchreibe» stud, äußert sich wohl am einschneidendsten die Umwälzung im Familicnleben. Der Umstand, dah die Frau des Arbeiters in»»zähligen Fällen gezivnngen ist, entiveder als Fabrik- arbeiterm oder soustivie innerhalb oder außerhalb des Haiises sür einen Unternehmer zu frohnden. bringt es naturgemäß mit sich, daß der Sorge um das Hanswesen und vor allein der Erziehung der Kinder auch nicht enlsernt die Zeit gc- widmet werde» kann, die»mmigm, glich erforderlich wäre Die Jntercssente» der heutige» Wirthschaftsweise begnügten sich früher einfach damit, gedankenlos oder hcuchlerisch über die Schlechligkeit und Faulheit der Arbeiterniütter zu zetern, die schnöde rarer hänslicheir und mütierlichen Pflichten vergäßen und die Jdrnder wild aufwachsen ließen. Dann hallen sie ihr Gewissen salvirt und konnten weiter ans der Prolelariersrau Mehrwerlh herausschinden. Ganz allmälig und vornehuilich durch die Wahrheiten vcr- anlaßt, welche die sozialdemokratische Presse unausgesetzt der Bour- gevisie verkündete, machte sich doch hier mid da die Einsicht geltend, daß es eine Art Selbsterhaltungspflicht der bürgerlichen Gesell- schaft sei, wenn sie dein Proletarierkinde die Erziehung, die ihni„zu Hanse" versagt bleiben muß, an anderer Slällc, so in der Schule zu theil werden lasse. Ein gut Stück Egoismus fuhrt« natürlich zu dieser Erkenntniß; so mögen namentlich die Kalamitäten, die der bürgerlichen Familie ans der sogenannten Tienstbolenniisöre erwuchsen, den Gedanke» an nothdürftiger Aende- runa der bisherige», durch das freie Spiel der ivirlhschastlichcn Kräfte eingerissenen Berderbuiß eingegeben haben. I» Berlin hat vor einigen Jahren der Verein sür das Wohl der ans der Schule entlassenen Jugend im engen Kreise dafür gesorgt, daß neben dem bereits obligatorisch bestehenden Handarbeits-Unler- richt auch der h a u s w i r t h s ch a f t l i ch e Unterricht in Ge- meindeschnlen eingeführt werde. Nicht allzu groß ist das Bereich, das der Verein sich bis jetzt schassen konnte, aber es ist doch ein Anfang gemacht, der kaum zu einem andern Ende führen kann, als daß die K o m in u» e auch den Kochnnterricht in de» Gemeindeschulcn obliga- torisch macht. Vorläufig nimmt der genannte Verein noch die Pflicht auf sich; er läßt sich daran genügen, daß die Stadt ihm für das letzte Etatsjahr einen Zuschuß von 1000 M. bewilligt hat Der banswirthschaftliche Unterricht, wie er amtlich genannt wird, erstreckte sich bis jetzt ans sechs Mädchenschulen, nämlich auf die 13.. 39.. 36, M!" 141, 196-®v svird in der 196. Gemeiudeschnle (Müllerstraße) je zwanzig Schülerinnen der ersten Klasse einmal wöchentlich vier Stunde» lang ertheilt und dauert ein Jahr hindurch vom Oktober bis Ende September. Im Jahr 1895/96 sind 227 Lektionen, von den einzelnen Lehrerinnen je 36 bis 40 gehalten. Es entfielen 37 Lektionen auf: Einführung I, Herd. Brennstoffe und Verbrennung 2, Wasser und Seife 2. Behand- Imig der Wäsche I, Milch 2. Kartoffeln und Gemüse 4. Fleisch, Fett, Knoche» 5, Mehl, Brot, Gähriing 3, Hülsenfrüchte 2. Snppen- griin, Gewürz 1. Fische 2. Obst 2, Gelränke I, Kranlenkost und Hilfe bei Unglücksfällen I, Ernährung 1, Nepetition 5. In 32 Lek- tionen wurden hergestellt: 16 Milch-, Mehl- und Eierspeisen, 4 Obst- speisen, 7 Gemüse- und 8 Kartoffelspeisen, 5 Hülsenfrüchte, 3 Ge- tränke, 7 Fleisch- und 4 Fischspeisen, im ganzen 54 Speisen. Für das unn m ehr abgelaufene Unlerrichtsjahr liegt noch kein Bericht vor, doch fand die vorige Woche hindurch eine Art öffentlicher Probeleklion statt, zu der die Angehörigen der Schülerinnen und sonstige Jiitcressenten«ingeladen waren. An dem Tage, als wir den Unterricht besuchte», wurden Mohrrüben mit Schweinefleisch und Kartoffeln gekocht. Voran ging eine Nepetition über dicBehandliing derWnsche und die Her- slellnng der Seife. Den nnwcseudeu Mültern der Schülerinnen mag die UnlerrichtSmelhode gewiß fremdartig und viel zu gelehrt vorgekomuien fein. Es war in der Küchcnchemie. die vorgetragen wurde, sehr viel die Rede vo» Kohlehydraten und anderen wunderlichen Dingen, die nach den Gelehrten zur Ernährung nolhwendig sein sollen; die Kinder hatten sich nicht mit der Tbatsache zu begnügen, daß hartes Wasser zur Wäsche nicht tauglich ist, sondern wurden auch belehrt, warum dies so sei. Aber es lag Methode und Geschick in der Vortragsweise; die Mädchen gaben sich meist mit der Materie vertraut, und wenn man auch die Hoffnungen ans die Erfolge des lhcorelischen Unterrichts nicht allzu hoch anschlagen darf, so wird doch die eine oder die ander« Schülerin die Lehr- stunden mit soviel Wissen verlassen, daß sie hinfort mit Bewußtsein eine Arbeit verrichten kann, die bisher von den meisten Frauen nnr mechanisch vollführt wurde. Noch größer als die Lust an der Koch- knnstlheorie war natürlich die Lust am praktischen Wirken. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, um die alberne Meinung faullenzender Bourgeoisdamen zn widerlegen, daß das Proletarier- kind von Natur ans zur Schlotterigkeit veranlagt sei, hier wurde er erbracht. Man sah, mit welchem Maße von Necht die Jahresberichte des Vereins die bisherigen Erfolge zn loben Ursache hatten. Es ist nichts Uebcrtriebenes darin, wenn es in einem dieser Berichte heißt: „Wie aber aller Unterricht sein letztes Ziel nicht nur darin sieht, den Kindern eine gewisse Summe nützlicher Kenntnisse und Fertig- keilen zn übermitteln, fondern ihre Charakterbildung zn beeinflusse» und sie zn erziehen, so liegt aiich der Hauptwerth des hauswirth- schasltichen Unterrichts ans sittlichem Gebiet. Die Erziehung zum Fleiße und zur Atifmerksamkeit, zur Neinlichkeit, Pünktlichkeit und Ordnuiig, zum Gehorsam und zur Verträglichkeit nmß nothwendiger- weise auf das gesaininte sittliche Berhalten der Mädchen einen scgensvollen Einfluß ausüben. Und wenn sür den Werth des Unterrichts das Interesse der Kinder und die Freudigkeit, mit dcr sie sich demselben hingeben, spricht, so muß die Pünktlichkeit und Sliegelmäßigkeit des Komineus, das emsige, fröhliche Leben und Treiben in der Schulküche, die Bereitwilligkeit, Freudigkeit und der Eiser, mit dem sich die Mädchen allen Arbeiten unterziehe», als ein Zeichen dafür angesehen werde», daß der Haus- wirthschaftliche Unterricht ein inneres Bedüifniß dcr Mädchen be- friedigt und für die harmonische Ausbildung der weiblichen Jugend nicht mehr entbehrt werden kann." Bei solchen Erfolgen und bei der Nützlichkeit des neuen Unter- richtszweiges sowohl sür die Proletarierfamilie, wie sür die Gesell- schast, glauben wir, daß die Gemeinde sich ans die Dauer ihrer Pflicht nicht entziehe» kann und den hauswirthschaftlichen Unterricht obligatorisch zum wenigsten in allen Gemeindeschiilen einführen muß. Wir sind davon überzeugt, daß diese nolhwenbige und nützliche Neuerung bei nusern Parteigenossen im Nolhe» Hanse volle Würdi- g»»g finden wird. Ks Jmiitls" Vom Steige» der Brotprcise. Nach den jetzt bis Juni 1397 veröffentlichten Zusammenstellungen des Berliner Statistischen Amts über die Groß- und Kleinhandelspreise der wichtigsten Nahrungs- mittel in Berlin betrug hier im I.Halbjahr 1897(in Klammern die Zahlen sür denselben Zeilraum 1896 und 1835) der Durchschnitts- preis, ermittelt durch zweimal in jedem Monat in je 34 Bäckereien gemachte Käufe, sür 1 Kilogramm Roggenbrot: im Januar 21.69(20,47, 19,97), Februar 21,86(20,71, 19,70), März 21.54(20.69, 19,33), April 21.55(20.72, 20,10), Mai 21.59(20,78, 20,74), Juni 22,04(21,10, 21,03) Pf. Die Wirkung dieser Preis- st e i g e r n n g auf den Haushalt der weniger be- m i t l e l t e n Bevölkerung tritt klar hervor, wenn man ans obigen Zahlen berechnet, wie viel Brot man für 50 Pf. im Jahre 1897 und wieviel man zwei Jahre früher bekam. Für 50 Pf. bekam man 1897(bezw. 1895): im Januar 2305(2504), Februar 2287(2538), März 2321(2509), April 2320(2488), Mai 2316 (2411), Juni 2269(2373) Gramm Roggenbrot. Das Weniger des Jahres 1897 gegen 1895 betrug: im Januar 139, Februar 251, März 183, April 168, Mai 95, Juni 109 Gramm pro 50 Pfennig. Wie sehr sich für eine vielköpfige Arbeiterfamilie, in der das Brot zn den wichtigsten Nahrungsmitlel» gehört, eine solche Gewichts- Verringerung fühlbar machen muß, das kann sich jeder an den sünf Fingern abzählen. Eine ähnliche Preissteigerung bezw. Gewichts- Verringerung hat beim Weizenbrot(Schrippen) staltgesunden, doch fällt diese sür die unbemitlelle Bevötkernng, von der ja das Weizenbrot wegen seines an sich schon höheren Preises weniger konfnmirt wlrd, nicht so sehr ins Gewicht wie beim Roggenbrot. llcbcr sozialdemokratische Nnduldsamkelt beschwert sich das Hirsch-Tiincker'sche Blatt„Der Geweikverein" in einer Notiz, die mit Behagen von der arbeiterseindlichen Presse abgedruckt wird. Danach hätten sich die Arbeiter einer hiesigen Korbwaarensabrik bei einem neu eingetretenen Kollegen erkundigt, ob er auch seiner Orgaiiisationepflicht genüge. Als der Mann darauf das Quitliings- buch des Hirsch-Diincker'scheii Gewerkvereins vorgezeigt habe, sei diese Organisation nicht für voll erachtet worden und man hätte von dem Korbmacher verlaugt, daß er sich dem Holzarbeiterverband anschließe. Dies habe der Hirsch- Duuckerianer aber nicht gethan, sondern die Arbeit verlaffeu. Ob hier eine der gewöhnlichen arbeiterfeindlichen Lügen- geschichten vorliegt, ist uns nicht bekannt; aber wenn die Sache auch stimmte, so werden die in betracht kommenden klassenbewußte» Arbeiter schon aus dem Grunde alle Ursache zum Mißtrauen gehabt haben, weil die braven Hirsch- Duncker'schen bisher eine nicht im- wesentliche Aufgabe darin erblickt haben, bei eingetreteneu Aussläudeu ihren Kollegen in den Rücken zn fallen und dem Unlernehmerthnm schmähliche Streikbrecherdieuste zn leisten. Von diesem allem aber abgesehen, haben die Hirsch-Duiicker'schen und ihr Organ am allerwenigsten ein Recht, über Unduldsamkeit zu zetern. Geht bei ihnen diese Untugend doch so weit, daß sie statutengeuiäß sozialdemokratische Arbeiter von der Mitgliedschaft ihres Vereins ausschließen. Wenn da einmal wirklich gleiches mit gleichem sollte vergolten worden sein, so geziemte es sich sür die guten Leute, hübsch zu schweigen. Wie viel Personen werden jährlich und täglich in Berlin befördert? Die polizeiliche Zusaininenslellnug über die gesammle Personeiibesördermig in Berlin giebt ein nugesährcs Bild von dem riesige» Verkehr, der täglich von den verschiedenen Pferdebahn- und Omnibus-Gesellschaften bewältigt werden muß. Auch die Roth- wendigkcit der weiteren Ausdehnung der alten und dcr Anlage von neuen Linien wird durch die Gegeuübcrstellniig der Zahlen ans den Jahren 1895 und 1396 beiviese», welche wir hier folgen lassen. Im Jahre 1895 wurden insgcsammt 270 049 451 Personen befördert gegen 311216 955 Personen im Jahre 1836, woraus sich sür das Jahr 1836 eine Zunahme von 41 167 474 Personen ergiebt. Nalür- lich sind bei diesen Zahlen lediglich die dnrcki die verschiedenen Pferdebahn- uiidOmnivus-Gesellschaften sowie die Stadt- und Ringbahn beförderten Personen berücksichtigt, während die große Zahl der mit Droschken besörderte» ganz außer Ansatz gelassen ist. Die Beiörde- rung vcrtheilt sich auf die einzelnen Gesellschaften in folgender Weise. Die Große Berliner Pserdeeisenbahn- Gesellschaft besörderte 1395 iusgesammt 133 300 000 Personen, 1396 dagegen 154 200 000 Per- sonen, also 1896 15 300 000 Personen mehr. Die Stadt- und Ringbahn wies 1895 eine Frequenz von 65 003 153 Personen auf, gegen 76 833 563 Personen im Jahre 1836, es wurden also 1836 11891410 Personen mehr befördert als im Vorjahr. Die anderen Pferdebahn-Gesellschaften beförderten 1835 iusgesammt 23 726 313 Personen, 1396 aber 32 903 844 Personen, woraus sich als Zunahme sür 1836 die Zahl von 4 182 026 Personen ergiebt. Sehr gering ist im Verhältniß die Zahl der durch die verschiedenen Omnibus- Gesellschaften beförderten Personen, denn sie beträgt sür 1395 35 079 630 Personen, im Jahre 1896 43 452 626 Personen. Außer diesen Zahlen kommen noch für die Gesainmtbefördcrniigszahl die von der elektrische» Bahn von Siemens u. Halsk« beförderten 3 835 894 Personen in betracht, während die durch die Dampfer- Gesellschafte» beförderten Personen, die ebensalls noch eine sehr große Zahl repräsenlireu, nicht in die Berechnung anfgenommen worden sind. Die sich anS vorstehenden Zahlen ergebende tägliche Personenbeförderung in Berlin betrug 1395 739 662 Per- sonen. 1836 dagegen 350 323 Personen. Die Berliner Getverbc-Anöstellitiig ist bald ein Jahr ge- schlösse», und noch immer bietet ihre ehemalige Stätte ein Bild der Verwüstung. Hunderte von fleißigen Händen sind thätig, den städtischen Park in Treptow wieder in stand zu setzen. Zwar ist das Drahtgittcr jetzt entfernt, auch von den einstigen Herrlichkeiten Alt-Berlins in kaum eine Spur zu entdecken, sonst aber zeigt der Park noch überall weite Flächen, die mit Sand und Schutt bedeckt sind. Allenthalben ist man dabei, die Erbe nmz»- graben, um anbaufähigen Boden für den Rasen an die Oberfläche zn schaffen. An den Böschungen wird Rasenboden ver- pflanzt. Vom Neuen See, deni der Magistrat zum Leidwesen des Ausjchiisses keinen Pardon geben wollte, ist nnr noch ein kleines Stück übrig; lange Kippwagenziige einer kleinen Feld- Pferdebahn schaffen den einst ausgehobenen Sand wieder herbei. Das«instige Bell des Sees ist in eine Eandwüste verivandelt. Ein unförmiges Balkengerüft vom ehemaligen Wasserthurm ist die letzte Spur der verschivundeiien Pracht des Hauptrestnurants. Vollständig erhalten ist bekanntlich die Sternwarte mit dem fltiesen- Fernrohr, die Feuerbestattungs-Aiilage und einige kleinere Pavillons, die jetzt als Bauhütten dienen. Merkwürdigeriveise soll auch der nuschine Re- klamebogeii einer„Kuust-Sandstein-Fabrik" erhalten bleiben. Diese künstliche Ruine, die bald nur zn natürlich werden wird, da sie überall abbröckelt, verdiente ebenso wenig wie die verschwiindene» Gips- und Rabitzbanlen den Versuch, sie der Nachwelt zu erhallen. Kairo, das außerhalb des städtischen Bereichs sich befindet, bietet noch immer das Bild wüsten Versalls. Seine„Palmen" sehen noch melancholischer aus als zur Zeit dcr Blülhe jenes Jahrmarkts. Bis zum nächsten Frühjahr soll der ganze Park in Ordnung gebracht sei», um seiner früheren Bestimmung wieder zn dicucn. In der Ansii biing der„Polizcichemie", d. h. der im Ans- trag des hiesigen Polizeipräsidiums vorznnehmeuden chemischen Unter- fnchiinge»,, wird nach Mittheilnng einer Lokalkorrefpondcnz vom I. Oktober ab eine Aenderniig eintreten. Bisher wurden diese Unter- suchnngeii, und namentlich auch die Nahrungsmittel-Prüfuugen, ausschließlich durch den Chemiker Dr. Bischoff ausgeführt. Vom I. Oktober wird darin zunächst insofern eine Aeiideruna eintrete», als auch ander« gerichtlich vereidete Chemiker zn diesen Unter- suchnngen herangezogen werden sollen. Tnö erste Programm dcr Hnmvoldt-Nkadcmie für das am I I.Oktober beginnendeHerbstqnartal.diezweiLehrstätteu in der Georgen- straße und Lützowstraße betreffend, enthält Anzeigen von 59 Bor- tragszyklen und Unlerrichtskursen aus fast allen Wissensgebieten, , Mimch, 29. Srptr nili« 1897. welche an den Wocheutagen für Herren und Damen gehalten wer« den. Neben den bisherigen Dozenten werden als neu ge« ivonnene Lehrkräfte in den genannten und in den drei anderen Lehrstätten(im Süden, Nordosten und Osten, für welche besondere Programme erscheinen) thätig sein: die Herren I. H. Andresen sür skandinavische Sprachen, Dr. PH. Aronstein sür englische Literalnr, Dr. G. Gronau für Kunstgeschichte, Prof. Dr. W. Mangold sür ausländische Literatur, Dr. R. Steinfeld, Privaldozent an der Uni- versilät, sür Geschichte, Generalsekretär I. Tews für Sozialpädagogik, Dr. O. Weddigen für deutsche Literalnr- und Kulturgeschichte, Dr. I. Wurm sür Hygiene des Auges und Frau Jeanette Schwerin sür Armenpflege. Laut Bericht im Programm wurden im letzten Jabre an dcr Hiimboldt-Akademie zusammen 177 Vortragszyklen abgehalten und von 5117 eiugeschriebeueii Hörern besucht; eine Zunahme von 66 Vortragszyklen und 2204 Hörern seit 1895. Das neue Programm ivird den Mitgliedern und den Hörern der beiden letzten Quartale gratis zugesandt. Im übrigen ist es in einer Anzahl bekannter Buchhandlungen, sowie im„Jnvalidendank" und in den Bureaus der Akademie: Unler den Linden 47, Potsdamerstr. 116», Priuzeustr. 54 und Landsbergerstr. 82, für 10 Pf. erhältlich. Eine rohe Ncklame ist vor kurzem von der Polizei inhibirt worden. Vom Polizeipräsidium wurde der Direktion des Friedrich- Wilhelmstädtischen Thealers die Vorsührung zweier Berberlöwen ver. boten, die von Hagenbeck in Hamburg für den Preis von 8000 M. sür das Schauspiel„Das Zeichen des Kreuzes" in Bereitschaft waren und im letzten Bilde in der Arena„mitwirken" sollten. Es ist wohl der Gipfel dcr Geschmacklosigkeit, in einem angeblich zur VerHerr- lichung des Chrislenlhums dienenden Ausstattungsstück die Bestie mitwirken zu lassen. Das Fortfallen des RbfahrtSflgnalS durch die Zngfiihr« dcr Stadtbahn hat insofern Uiunträglichkeilen zur Folge, als das Publikum jetzt vielfach den Versuch macht, auf die in der Fahrt be- findlichen Züge zu springen, wodurch eine Gefährdung der betreffen- den Personen stattfindet. Die Sladlbahn-Direktion geht deshalb mit großer Schärfe gegen derartige Uebertretunaen vor. Die Beamten sind aiigewieseu, die Personalien solcher Personen behufs Vornahme von Bestrafungen sestziislellen. Strasjensperrung. Die Nostizstraße von der Mariendorfer« straße bis zur Bergmaunstraße wird behufs Umpflasterung vom 30. d. M. ab bis auf weiteres sür Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vo» einem lknfall ans dem Manöbergekände erhalten wir nachträglich folgende Nachricht. Am Donnerstag Halle eine Kompagnie der Eisenbahner zwischen Burg und Beizig eine Feldbahn gebaut, die in der Nacht zum Freitag von einem Zug, bestehend ans Lokomotive und zwei Wagen, befahren wurde. Die Begleiter dieses Zuges waren Soldaten vom Feld-Artillerie-Regiiiient zn Spandau. Plötzlich bemerkte der Sergeant St., der ans dem letzten Wagen saß, daß derselbe ins Wanken gerielh. Er rief dem Bremser zu, er solle halten. Als aber der Zug nicht zum Stehen kam und die Gefahr immer größer wurde, sprang er vom Wagen. In diesem Augenblick gerieth auch dcr Wagen aus dem Geleise und die Ladung, die aus Schienen bestand, siel über St. hinweg. Man machte sich sofort daran, die Schienen wegzn« räninen und den St. aus seiner Lage zn befreien. St. halte wiiuder- barerweise außer einer Quetschung des rechten Beines nnr eine leichte Verletzung an der rechten Hand davongetragen. Er erhielt in Belzig einen Nothverband nnd wurde dann nach Spandaii in feine Garnison übergeführt. Wen die Schuld an dem Ilugtück trifft, wird die Untersuchung, die sofort eingeleitet ist, ergeben. Im Kampf mit einem Verbrecher ist gestern Abend dcr Schiitzmann Schlach von dem Polizeirevier in der Lynaistraße schwer zu Schaden gekommen. Schlach wurde vor dem Hanse Mnllerstr. 162 auf einen Mann ansmerkfam gemacht, der ein von der Polizei gesuchter, wegen Kuppelei schon mehrfach bestrafter Mensch sei. Der Angehalleue folgte zunächst willig der Aufforderung des Schntzmannet, mit ihm zur Wache zu gehen. Kaum war man jedoch zehn Schritte gegangen, so brachte er den Beamten un« Versehens durch einen Fußtritt zn Falle nnd versetzte ihm. während er am Boden lag, drei schwere Messerstiche. Zugleich kamen aus dem Hause 162 gegen 20 Kerle heraus, die ihre Messer zogen nnd jeden bedrohten, der es wage, dem Verwundeten gegen den Messer- Helden zn Helsen. Als dann weitere Beamte dazukamen, floh die ganze Bande und mit ihr auch der Messerstecher. Der schwer- verwundete Beamte wurde auf die Unfallstation gebracht. Ter flüchtige Thäter ist ein obdachloser„'tlrbciler" Franz Carow, in seine» Kreise» Schier genannt. Ein gefährlicher Kindcrfrcnnd ist in der Person eineS Kaufmanns Karl Meißner, der in der Arbeiterkolonie in der Reinicken« dorferstraße wohnte, am Montag Abend um 6>/e Uhr festgenommen worden. Meißner lockte die achtjährige Tochter der Fra» Gunschera aus der Müllerstr. 3» nnd eine Tochter des Schank- wirthcs Morgendorff aus der Müllerstr. 4 mit dem Versprechen an sich, ihnen Aepfel geben zn wollen. AIS die kleine Gunschera nach der elterlichen Wohnung die Treppe hinauf lief, verfolgte Meißner sie und holte sie im zweiten Stock ein. Zum Glück sür das Mädchen kam dessen Mutter gerade dazu, als der Unhold es eben mit beiden Händen gepackt halle. Meißner ergriff nun die Flucht, HauS- bewohner aber fetzten ihm nach, stellten ihn in der llteinickendorser- straße und übergaben ihn der Polizei des 58 Revier?, die ihn der Kriminalpolizei znsührle. Von dieser wurde er vorgestern in daS Unler» fuchungsgefängniß gebracht. Tic Nachfoischnnge» dcr Kriminalpolizei nach dem Ver- bleib des 14jährigen Führer? der jugendlichen Brandslifterbande waren bisher vergeblich. Dcr Knabe, der in dem Kreise seiner Freunde„Towke" gerufen wurde, pflegt im Freien oder auf Hans- böden zu nächtigen. Auch dieser Knabe hansirt mit Slrcichhötzern; ihm werden, wie es heißt, vierzehn vollendete Brandstiftungen zur Last gelegt. Einem Obdachlosen ist ein Diebstahl, den er im Asyl anS« führte, außerordentlich schlecht bekommen. Der Mann wußte sich ein Kleidungsstück anzueignen, das dem Hausvater zum Aufbewahren übergeben war und wollte damit verschwinden. Er wurde jedoch bemerkt, und die Folge war, daß die erbosten Quarliergäste dem Diebe eine derbe Lektion ertheillcn. Es gelang dem Man» jedoch, aus dem Gedränge zu eutivischeii, als iljni die Beute ab« geuommen war. Fcncrbcrichl. Die Feuerwehr halte in den lttzten 24 Stunden verhätlnißmäßig Ruhe. Sie wurde Montag 9lbe.id zweimal und im Laufe des Dienstags ebensalls nur zweimal alarmirt. Dabei handelte es sich dreimal um blinden Lärm und zivnr Köpnicker« straße Iva, Fchrbellinerstr. 34 und Chorinerstr. 68. Ein Zimmer« brand mußte Montag Abend Perlebergerstr. 10 gelöscht werden.— Die aus Anlaß der Moabiter Dachstnhlbräude nach jenem Stadt» theil verlegte Verstärkung der Feuerwache ist jetzt wieder ein- gezogen, doch verbleibt die Reservc-Dampfspritze beim Löschznge 15 in der Thurmstraße. Zwei Stecknadeln hat vorgestern das I7jährige Dienstmädchen Anna B. verschluckt, welches bei einer Famitie in der Chansseestraße in Stellung ist. Das junge Mädchen, welches Näharbeilen ans» führte, hatte gleich vielen anderen Personen die leidige Augewohn- heit, Nadeln, die es augenblicklich nicht gebraucht, in den Mund zn nehmen. So hielt die B. auch gestern zwei Stecknadeln zwischen den Lippen, als plötzlich die Hausherriii, die Thür öffnend, dem Mädchen einen Auftrag ertbeilte. Die B. erschrak darüber und schluckte in der Aufregung die Stecknadeln hinunter. Eine Nadel blieb hierbei in dem Kehlkopf stecken nnd verursachte dem Mädchen heftige Schmerzen. In der königlichen Klinik kvnntc die Nadel nur mittels operativen Eingriffes entfernt werden. Die zweite Nadel, welche sich im Magen befindet, kounle bisher nicht herausgeholt werden. �fie.Ucv. DaZ S ch, l l e r- T h- a t e r bringt h«»te eine > Anzengrnbn's„Die Krenzclschreiber" und Ende nnchsler Woche d>e erst« Anfsnhrnng des neuen Echnuspiels„Das Etarkere" von Earlol Gotliricd Neuling. Im Vürgersnale des �tnlyyauseS finde. Eonnlng der erste Dichlerabend stalt. der Seinrich Heme gewidmet ist.>. v> Alls dril Nnchdarorte». � Heute Abend veranstaltet der seitherige Oekonom der >ol>toriafale zu Rrxdorf, Herr Ehrenbcrg, eine Abschiedsseier, worauf wrr die Benosse» ganz besonders nnsrnerksanr inachen Die Feier de.iiiint uni 6 Uhr, iiebe» Instrninrntal. Konzert treten die Haniburger Ganger auf. Zilie Frellnde und Bekannte find dnzn eingeladen. Dei: Ueberschust soll zu einenr gnlen Ziveck verwendet werde» Pro grainnie werde» z» 30 Pf. verkauft. In Steglitz hatte de» 20. Februar dieses Jahres eine Volks versaniintnng den Beschlnst gefaht, für Errichtung eines Gewerbe gerichtes am Orte zu wirken und n»> 29. März ging iniolge dessen ei» entsprechendes, mit 8S4 Nnlerschriften veisehenes Gesuch denn Gcnieindcralh ein. Bereits vor zwei Jahren ivar ei» ähnlicher Antrag eingereicht worden, der jedoch nicht berncksichligt wurde, weit *'•' ftl»»ölhigslc», nämlich an Geld und an Naum für das Gericht ,» der Gemeinde fehle. Nunmehr ist Geld>»> Ueberfluß vorhanden, fo daß allein für ein so nutzloses Ding, wie das Sedanfest. 3000 M ansgeivorfc» werde» konnten, nnd auch dem Rauinninngel ist durch den Bliu eines neuen Nathhallses abgeholfen worden. Trotzdem Iclmlc die Gemeindevertretung vor einigen Tagen auch diesmal das Gesuch ab, hauptsächlich deswegen, weil an diesem Orte(mit dem lebhafte» Bauschwindel) kein Bedürfniß für ei» Gewerbegeiicht vor- bände» sei» sollte. Die Arbeiterschaft i» Steglitz wird sich bei diesem Beschluß natürlich nicht beruhigen. Der Bahnhof in Werder a. H. soll umgebaut werden, da er den Verkchrsverhättnisfe» nicht mehr genügt»nd keine Tunnel. anlagen hat. Es ist beabsichtigt, den bisherigen Bahnhof nur für de» Güterverkehr zu belassen nnd einen neue» Personenbahnhof »nwitl des bisherigen zu errichien. Soziale MechlspfleAe. ©in otdiinugsniäfzigcs Zcuguisz beanspruchte der Kutscher N. von der Frau Schtächlermdster Schulz, die ihm in sein Zengniß hineingeschriebe» halte:„It. ist sehr faul, hat einen große» M»»d, und zeigt große Trägheit." Zu diescin Urlheil war die Frau gc kommen, obivvhl It. nur eine Woche bei ihr gearbeitet Halle. Sie entpuppte sich vor dein Ge werbegericht, wo die Aiigelegenheil verhandelt wurde, als eine echte rechte Echlächlerineester>»il „Haaren auf den Zähne»." Mit großer Zungcnferiigkeit ver theidigle sie ihr Zeugniß als wahrheilsgemnß. Assessor Schneider setzte ihr a»sei»a»der, daß es doch gransain sei, einem moinenlanc» Aerger in dieser Weise Ausdruck zu gebe». Das kouute die gute Frau aber absolut nicht begreife». Die Bemühungeu des Vorsitzende», die Dame einem Vergleich geneigt zu mache», halten erst Erfolg, als er ihr i» strengeren» Tone nahe gelegt Halle, daß das Zengniß geradezu Beleidigungen cnlhalle, die nicht hinein. geschrieben werden dürfien, selbst wenn die Woite den Thalsachen entsprächen. Sie ließ sich»»»mehr bewegen, ei» neues Zengniß ausznslclle» und darin ihre Unjnsriedenheit mit dem Kläger nur ganz allgemein auszudrücken. Gcgcu dcu Fnhrhcrru Grimmig klagte der Kutscher W. bei»» Geiverbegericht auf Zahlnng von lv M. Er machte geltend, er habe bei der Löhnung das Geld aus Berseheu ans dein Tisch liegen lasse». Als er nach wciiigc» Minuten den Verlust bcuielkt Hobe, sei er sofort ins Ziunner zurückgekehrt, das Zehnmarkstück habe aber nicht inchr auf dein Tische gelegen. Ter Beklagte leugnete dein- gegenüber jede Möglichkeit, das Goldstück ivieder eingesteckt zu haben. Zul» Glück Halle aber ein anderer Kulscher gesehen, daß auf dem Rücken des Buches, ivoranf das Geld ausgezählt worden war, et» Goldstück log, als Kläger soeben den Rani» verlasse» Halle. Dieser Kutscher sagte als Zeuge vor der Kamnier VII des Gewerbe- gerichts aus, Beklagter habe das Zehnuiarkstück forlgenomiue» und zu seinem, deS Beklagte», übrige» Gelbe gelegt. Hieraus wurde Beklagter, der den moralisch Entrüsteten hervorkehrte, nach dein Klageantrage verurlheill. Ohne im Besitze eines ordnnngSmiißigcn Dienstbuches zu sei», war ein junger Man» von dem Besitzer Totzki in Dienst ge- nommen und beschäftigt worden. Totzki erhielt desivege» ein Straf- Mandat, ivurde aber vom Schöffengericht und später nnch vom Landgericht freigesprochen. Die Gerichte nahmen Verjährung der Slrasbarkeit au. Die Straskanimer führte ans, die Verjähruiigssrist beginne a» dem Tage zu laufen, wo der Dienst angetreten wurde. Die Staatsanwallschaft legte gegen das Urlheil die Revision ein nnd focht vor allem de» vom Landgericht ansgesprochenen Grundsatz an. Der Strafsenat des Kammergendits gab der Revision stalt nnd veriirtheilte Totzki zu der niedrigsten Geldstrafe. Die Au- nähme sei r e ch ts i rr t h ü in l i ch, daß die Verjährungsfrist in Fällen wie dem vorliegende» am Tage des Dicnsteintrills beginne. Die strafbare Handlung des Dienstherr» dauere so lange, als er ein„Gesinde" beschäftige, ohne daß es das vor- sckriftsinäßige Dienstbuch besitzt. Demnach könne die Berjährnngs- frist erst zu laufen beginnen an dem Tage, wo d a s D i e» st b n ch angeschafft oder das Dien st ver hält» iß beendet werde. Bei dieser Rechtslage sei aber im vorliegenden Falle die Verjährung noch nicht eingetreten. Willkürliche Rcutcnvrrkiirznng. Ter minderjährige Lehrling H aardt hatte infolge eines Belricbsnnfalles ein Glieo des Daumens nnd zwei Glieder des Zeigefingers der rechten Hand eingebüßl. Stach dem Gutachten des Dr. Knebel fehlt dem jungen Manne nun die Gefchicklidjkeit, die für feinere Arbeiten nolhwcndig ist. Der Arzt schätzte die Minderung der Euverbssähigkeil auf 27I/2 pCt. uud rundete den Satz auf 25 pCt. ad. Die Papieruinckier-Bernssgeuosseii- schast bewilligte daraus H. indesje» nur 20 pCt. der Bollreiile, indem sie ausführle, Kläger habe sich schon ganz gut au de» Gebrauch der verstümmelte» Hand gewöhnt. Das Schiedsgericht sprach H. jedoch demnächst 25 pCt. der Vollreute zu. Hiergegen legte die Bernfs- genossenschaft Rekurs ein. allerdings erfolglos. Das Rcichs-Ver- stchernngsanit führte begründend ans: Richtig sei, daß die Schicds- gerächte in der Regel dann nicht die Ncnteiisestsctznnge» der Berufs- genossenschaften abändern sollten, wenn in der Schätzniig des GradeS der Eriverbsiinfähigkeit nur geringe Abweichnnae» vorliege». Allein diese Regel treffe dann nicht z», wenn ohne jeden erweis- lichen Grund die Renlenfestsetzniig hinler der sachgemäße» Schätzung des Gutachters zurückbleibe; denn der höhere Rechtsgrundsatz sei doch der, daß dem Verletzte» zugesprochen werde, ivas ihm»ach richtiger Schätzung zukomme. Gegenüber dein ärztlichen Gutachte» habe nun hier die Bernfsgciioffeuschast eine willkürliche Kürzung eintrelen lassen, und die sei vom Schiedsgericht mit recht beseitigt worden. Bctriebsnufall auf ei»er Dienstreise. Der Eisendreher Päseler, der in einer Eisenbahn-Werkstatt beschäftigt war, besuchte vor Jahren im Austrage der Eisenbahnbehörde die Generalver- sannnluiig der Peiisionstasso der Ztrbeiter der preußische» Siaats- Eiseiibahn-Verivalluiig. Ans der Rückreise nach seinem Beschäf- tignngsorle hatte P. Berlin zu berühren. Hier gedachte er bei Ver» wandten zn übernackte». Ans dein Wege zu ihnen rutschte er infolge der Winterglätte aus und qneischle sich die Brust. Vier Jahre später erhob P. Nenlenansprüche, indem er geltend machte, sein Lniigenleiden sei auf jene» Unfall ziirückziiführen. Der Eisenbahnsislus und das Schiedsgericht wiesen P. mit der Begründung ab, es fehle der ursächliche Zilsaininenhang zivischen dem Unfälle und dem Betriebe und außerdein sei die Frist versäumt worden, innerhalb deren der Rentenanspruch erhoben werden müsse. Das Reichs-Ver- sicherungsamt als Rekursinstan» veranstaltete eine unifang- reiche Beweiserhebrnig; insbesondere ließ es sich mehrere Gutachten erstatte». Die Aerzte stellten fest, daß ein Magenleiden mit seine» Begleitrrscheinunge» jahrelang das chronische Lungenleiden verdeckt habe, da? de» hohen Grad der ErwerbSnnfähigkeit des Klägers verschulde, nnd daß dieses Lungeiileiden wabrscheinlich eine Folge deS fragliche» Unfalles sei. Der Eisenbahn-Fiskus wurde verurlheilt, P. die Unfallrente zu gewähren. Das Rekursgericht nahm an, P. sei erst»ach Ablauf der gesetzliche» Frist vom Arzte darüber iuformirt worden, daß er es vielleicht niit Uiifallfolgen zu lhun habe. Die Veripätnng des Anspruchs wnrde deshalb dem P. nicht als eigenes Verschulden angerechnet. Ferner erachtete das Gericht den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Unfall und der 5kra»kheit für dargethan und erkannte an, daß es sich»»i einen Betriebsunfall handele. Nach Z 1 des Ansdehiiuiigs gesetzes vom Mai 1385 sei der Betrieb der gesain inten E i s e» b a h n- V e r w a l t u n g in die Unfallversichernng einbezogen. Zn diesem Betriebe gehöre aber der Werkstäitenbelrieb. Bernnglückle nun P. auch gelegenllich einer Reise, so müsse der Unfall wegen der cigenlhümlichen Umstände doch ols Betriebsunfall angesehen werde». Ausschlaggebend sei dabei, daß P. die Generalversaminlnng der Pensionskass« im Austrage und ans Koste» der vorgesetzlen Behörde besuchte._ Gernszks��eikuns. Gine cOcnfo bcachtenSwcrthc wie bedenkliche Anwendung des Gesctzes zur Bekämpsniig des unlauteren Wellbe>verbcs vom 27. Mai 1896 aus die Presse Hai gestern die III. Strafkammer am Landgericht II getroffen. Der Bi.chdnickereibesitzer Friedrich Lenz in S ch ö n e b e r g giebl das„Schöneberger Tageblatt" heraus. Als verantwortlich zeichnet der Redakteur Johaiiues Müller, in- dessen bezieht sich diese Verantwortlichkeit nur auf den politischen Theil, der in der Druckerei des„Berliner Tageblattes" he>gestelll ivird, während die weitere Füllung des Blattes durch den Verleger Lenz besorgt wird. Dem Titel des Blattes ist in Parenthese»och die Bezeichnung„Geniest de Zeitung" beigefügt. Nn» besteht aber in Schöneberg noch ein Konlnrrenzblalt, welches sich„Schöneberger Wockenblnll" nennt und von dein früheren Ge> richlsnollzieher' Alex Rindfleisch verlegt»nd redjgirt ivird. Dieses Blatt ist nominell anitliches Pnblilntiovsorgan geivorden, weil es aus Seiten der Gemeindeverlvollung steht»nd deren Interesse gegenüber dem Interesse der Einwohuersckaft vertritt. Es bringt »nr die Millheiliingen ans dem Bureau des Amisvorstehers, während das„Schöneberger Tageblatt" sämmlliche Gcineindenackrichte» bringt, aber mit kritische» Bemerknnge» begleitet. Nachdem »»» aber da? Gesetz vom 27. Mai 1896 in kraft getreten war. glaubte Herr Rindfleisch, seinem Blatte dadurch a»fbelfe» zu könne», daß er gegen Lenz und Müller Strafantrag ivegen»»lanleren Welt- bcivcrbes stellte. Er behauptete vor Gericht, einzelne seiner In- serenten feien stutzig geworden, weil das„Tageblatt" sich„Ge- nieiiide-Zeilnng" nannte,»nd hätten ihm die Inserate entzogen, i» dem GUrube», daß ihm die Qnaliflkalion als nintliches Organ entzöge» worde» sei. Tadnick sei er geschädigt worden. Das Landgericht II hat ursprünglich die Eihebiing der Anklage abgelehnt, ans eingelegte Beschwerde hat eist das Kammergericht die Erhebung der Anklage angcordnet. Das Schöffengericht hat den veraiitworl- lichen Redakteur Müller fieigesproche», weil dieser nur für de» politischen Theil, nicht aber für den Titel des Blattes verantwortlich sei. Lenz dagegen wurde zn 20 M. Geldstrafe vmirlkeilt. Dieser legte Berufung ein. aber auch die Slaalsaiiwaltschaft focht das llrthcil wegen der Freisprechmig Müllec's an. I» der gestrige» Verhandlung suchte der Verlheidiger, RechtsmnvaU Dr. Ludwig Flatan den Nachiveis zu führe», daß niemand durch die Bezeichnung„Geineiiide'Zcitling" getäuscht worden sei. Der Gerichtshof verwarf aber zunächst die Berufung des Angeklagten Lenz, da der§ 8 einen Zivilansprnch des Geschädigte» neben der im§ 4 angedrohten Strafe festsetze. Auf die Bernsniig der Staats. anivaltschast iviude andererseits auch der Iiedaktenr Müller zu 20 M. Geldstrafe verurlheill. Das Gericht nahm an, daß, wenn ein Sie- daktcur eininal als verantwortlich zeichne, er de» ganze» In- halt des Blattes zu verlretc» habe, sofern nicht eine andere Person als veraiitivortlich genannt sei.— Dieses Urtheil wird natürlich noch die SievisioiiSinstanz beschäfligen. Tie morgen, Tounerstaa, vor dem hiesigen Echwlirgericht anstehende Verhandlung ivider Histermann»nd Genosse» erweck«, wie die zahlreichen Nachfrage» nach Einlriltskarte» beweise», in weiten Kreisen ei» lebhaftes Jntereffc. Besonder» Eintrittskarten iverden nicht verabfolgt. Wie schon erwähnt, richtet sich die Anklage, die ans schwere nnd einfache Uiknndeiifälschnng, soivie Beihilfe zu diesen Verbrechen nnd Erpressung lautet, gegen den Schreiber Wilhelm H i st e r m an», den Handlnngskoininis Fritz Köhler, den Arbeiter Ernst Lehman n und dessen Ehefrau Anna Lehmann. Der Thntbeflniid dürste ans früheren Zeilnngs- mittheiliingeii noch im allgemeinen bekannt sein: Köhler, der Sohn eines Gnstwirths, ist im Jahr« 1892 als Untertertianer vo» der Friedrich Werdci'schcn Gewerbeschule abgegangen nnd de- suchte dann die Einjährigeiipresse des Dr. Fischer i» der Zieihen- slraße. Er scheint seine» Fähigkeiten nicht viel zugetraut zn haben, denn er ließ sich vo» dein Angeklagten Hislermann, der selbst n»r eine bis zur Untersekunda gehende Schntbildiing gc- »offen, bei seinen Sirbeilen helfen. Schließlich reifte bei beiden der Plan, daß Histerniann unter dem Nauie» Köhler«in hiesiges Gyninasinm besuche» nnd unter diesem Namen bie Reifeprüfung iür de» einjährig-freiwilligen Dieiist bestehe» solle. Der Plan wnrdi dann auch auf dem hiesigen Falk- Realgymnasium glücklich zur Ansführuiig gebracht, wobei Lehman», der in der Restauration des alle» Köhler lhälig war. eifiigst mitwirkte. Hislermann erhielt 1394 als„Fritz Köbler" das Zengniß für de» einjährig-freiwilligen Dienst,»nd auf grund dieses Zengnisscs dieiile der richtige Fritz Köhler bei einem hiesige» Garde»egime»l sein Jahr ab, nachdem er durch allerlei Winkelzüge nnd Vorlegung falscher Urknndei» seine» Ellein den Glauben bei- gebracht halte, daß er ordnungsmäßig die Piüiung bestanden habe. Histerniann hat wählend seiner Schulzeit»»d auch später»och eine Weile die zmn Lebensunierhalt nölhigen Mittel durch den Angeklagte» Köhler erhallen. Der Fluch der böse» Thal folgte aber nach; denn nachdem alles so schön glatt abgelaufen zu sei» schien, trat das Ehepaar Lehma»» in die Erscheinung und begann nun einen siegreichen Erpressiingszng gegen Köbler, den sie dinch Drohn»ge» mit dein SlnalsaiiivaU und dem Militärgerichte so eiiizuschüchtern verstanden, daß er innner wieder d>e größeren und ileineren Summen berbei» zuschaffen wußte, deren jene lheils mit, theils ohne Hilfe vo» Wechsel- akzeple» bedurften. Slls er aus der Sackgasse keinen Ausweg mehr fand, ninßte die Bombe zum Platze» komme»»nd die Slnatsanivalt. schast Kcnnlniß von der Sachlage erhallen. Nu» ist aber Hister- inaii» vor Jahren schon einmal tu einer Irrenanstalt geivesen und diese Thatsache hatte seinen Vertheidiger R.-A. L. Friedmann veranlaßt, eine ärziliche Untersiichnng des Ge>stesz»sta»des seines Klienten herbeizuführen. Histerniann ist in Dalldorf beobachtet worde» und Geh. Rath Sander bat in einem anssührlichen Gutachten die Unzurechnnngsfähigkeit deS H. ausgesproche». Es soll aber nicht aiisgeschlosse» sein, daß seitens der Slaalsaiiwaltschaft noch das Obergntachlcn des Medizinalkolleginnis angerufen werden wird. H i st e r m a n» wird vom Rechtsanwalt L e o» h. Friedmann, die übrigen Angeklagte» von den Rechtsanwälte» Dorn! und Bodländer vertheidigt werden. Wege» Körperverletzung nnd Beleidigung im Amte halte sich vor der Straskunimer in H i l d e s h e> m oer Nacklwächter R o s e>» e y e r zu verantworten. Der Angeklagte hatte am Abenv des 29. März d. I. einen Arbeiter mit einer Badewanne aus der Straße angetroffen und ihn wegen Verdachts des Diebstahls zur Polizeiwache gebracht, dem betreffende» auch sofort Handschelle» augelegt und ihn unterwegs mehiuials mit einem Gummi- schlauche(!) über Arm und Kopf geschlagen. Der„Herr Nacht- mächter" ivar mit dem Arbeiter versemdet. Nosemeyer erhielt zwei Monate Gefängniß. Mangel an Patriotismus. Ein Lehrer i» Urach, na»>e»s Julius W e i m a n n. hatte im Londoner„Standard"«ine Studie über deutsche Arbeitslöhne veröffentlicht und dabei, ohne Namen zn nennen, statistische Miltheilnngen gebracht, welche der Direktor der� Uracher Flachsspinnerei, ein Herr Alfred Egeler, ans seine Fabrik bezog. Der Direkior verklagte de» Verfasser ivegen Beleidigung, ivurde aber i» erster Instanz abgewiesen. In zweiter Instanz wurde der Lehrer jedoch von der Slrafkaminer zu Tübiiigeii zn 100 M. Geldstrafe verurlheilt und zwar zog das Gericht als hauptsächlich nrafverschärfeud de»„bedauerlichen Mangel an Patriotismus" in bctracht, dessen sich der Angeklagte damit schuldig gemacht haben soll, daß er den Artikel im Ausland nnd zwar in England ver« öffentlichte, Ivo gegenwärlig ohnedem eine der deiilschen Industrie sehr»»günstige Stimmung herrsche. Dies Urtheil ist nngemei» charakteristisch für das Ding, das henlznlage von angeblich staalserhallender Seile als Patriolismus bezeichnet wird. Radlev, die mit dem Rade solche Straßen kreuzen, auf denen zu radeln verboten ist, machen sich damil»ach einer nenesten Eiitscheidnng des Kainmergcrichts einer Slraslhat schuldig. Natürlich ist dabei Boraiissetzniig, daß nicht ausdrücklich das Kreuzen solcher Slraßen durch Polizeiverordnung gestattet ist. Letzteres ist in Berlin der Fall, deshalb konimt für die Reichshmiptstadt jene Entscheidung nicht in betracht. Die eiilsprcche»dei> Polizeiverordnnngen anderer grober Städte, so zum Beispiel die für Breslau enthalte» aber nicht derartige den Nadlern günstige Sonderbestimmiingen. Es waren B> e-la»er Radier, die die Angelegenheil bis zum Kninmergericht ver- folgten._ Gewevksrlzctf tliches. TentscheS Reich. In der Fahrradfabrik„Hermes" in Nen-Nuppin steht ein Anssland bevor. Ter Fabrikant hat eine Lohnreduktion von 10 pCt. angekündigt, die bei den Arbeitern ans Widerspruch stößt. Der Znjng�ist sernznhalle». Die Hamburger Polizei hat gelegentlich des Hafenarbeiter- streike bekamitlich inehisach nicht nur Saminellisten, sondern auch das bereits gesaiinuelte Geld beschlagnahmt. Die nniimehr im Auf- trage der Jiilereffenten vom Nechlsanivalt Dr. Suse gegen die Polizei geführte Klage hat den Erfolg gehabt, daß in erster Instanz die Hochivohllöbliche zur Rückzahlc.ng der konsiszirte» Beträge verurlheilt wurde. Die Lübecker Möbelfabrikanten hatten gegen die Lohn- tomniissio» der Hvlzarbeiter sowie den Redakieiir St ft f ch und t en Verleger Schwnrtz vom„Lübecker Voltsboten" Klage auf Geschäfts- schädigilng erhoben. Die Klage stützte sich daranf, daß in dem ge« »annte» Parleiblalt wiedeihott vo» der Lohiikonimission der Holz- arbeiler eine Notiz eingerückt wnrde, in der die Holzarbciler ausgefordert wurde», den Zuzug»ach einer Reihe von Werkstätten sernznhalle». Das Gericht wies die Kläger kostenpflichtig ab. Die Manrer in Zwickan beschlossen in einer öffentliche» Ver- samniliing. ihren alten Lohnlarif(37 Pf. Stundenlohn»nd zehn- slündige Arbeiiszetl) ivieder geltend zu machen. Gegenivärlig wird ein Stilndeniohn vv» 34—36 Pf. gezahlt. Ausland. In Christiania ist ein großer Streik der gesammten M ö«> e l l i s ch l e r nnd Drechsler zum Ausbruch gekommen. Der Verband bittet, Zuzug vom Ausland sernzuhalle». Der Streik der Schiffs- Zimmerlente in Fred eriks« Häven, der wegen einer von de» Arbeiter» verlangte» Lohn- erhöhung von 5 Oeren per Slunde am 3. Juli erklärt werden niiißle, da die Meister alle Unterhandlungen abiviesen, dauert noch immer»»iveräudert fort. Erneute Aergleichsversuche in letzter Zeit sind wieder gescheitert. Ans Italien wird»»s geschrieben: Die wirthschaftlichen Käniple reiße» hier nicht mehr ab, trotzdem die Regierung sie im Blute der streikenden Arbeiter zu ersticke» sich die größte Mühe giebt. I» M e l z o halte» die Arbeiter der Firma C a s a n o r a wegen Maßregelung eines ihrer Kainerade», der sie zu organisiren versuchte, die Arbeit niedergelegt. Die Streikende» stellten nun auch weitere Forde, nngen in bezog auf Lohnhöhe und die Arbeits- zeit; diese sollte von 12 ans II Slunde» herabgesetzt iverden; anberdem verlangten die Arbeiler den halben S o»» I a g(!) frei. Alte Einignngs- Versuche scheiterten. Vor einigen Tagen balte» sich die Arbeiler ans dem Marktplatz eiiigesuuden. Einige Unbekannte aus der Masse(wahr- scheinlich gar keine Streikende») hatten die Fabrik Casauora's mit Steinen beworfen. Nach kurzer Zeit trafen Gendarmen uud Soldaten aus Mailand ein und schössen ohne iveiteres in die Menge. Ein junger Bauer blieb lodt auf dem Platze, mehrere waren lödtlich getroffen. Der Kouinia»da»l der 5tarabi»ieris soll de» Befehl, scharf zu schießen, gegeben haben. Eine Uulersuchnng soll eingeleitet werde»; auch wird die Angelegenheit i» der Kammer zur Sprache gebracht werde». Vorläufig aber ist„Ruhe" in Melzo. Vo» dem Streik der Gicßereiarbeiler i» B i ell a, dem„italieni- schen Manchester", haben wir bereits Mittheil, uig gemacht.— I» dein Thal« von S e s s e r a dauert der Slusstand schon seit einigen Woche».— Der Streik der Floreiiliuer Strohiveberinueu, über den «vir scko» eingehend berichtet habe», dauert noch immer fort. Und überall zeigt sich dasselbe Bild: Die streikenden Arbeiter werden mil der größten Brutalität verfolgt, die Organisatoren werden verhaftet nnd zn monatelnngen Gesängnißslrafen verurlheilt, gegen die hungernde» Arbeiter schickt mau Gendarmen und Soldaten vor. Trotzdem schreitet die Organisation der Arbeiter i»it Macht vor- wärts und die Zeit ist nicht mehr allzufern, wo die Unternehmer mit dieser gcschnlten Macht zu rechnen haben werde». Zni» Kampfe der englischen Maschinenbaner. Nach den Meldungen englischer Blätter scheine» die SInsstchle» eines baldige» Vergleichs wieder mehr in die Ferne gerückt zu sei». In London selbst hat sich die Zahl der Ailsgespercle» in» einige Hunderte vermehrt. Bon anderer Seil- wird indeß berichtet, daß der Heizog von Norfolk. Lord-Mayor von Sheffield, sich be>eit erklärt hat, Ver- Mittelungen anzubahnen._ Ut ttke v tt vT) tu v v-S wbcittde. Die österreichischen Vanininollenspinnereie» habe» in diesem Jahre während der ersten sechs Monate einen Fonds angrsaiiimelt, ans dem für die betdciliglen Firmen eine Prämie für de» Absatz nach dem Auslände gewährt ivurde. Der Beitrag wurde pro Spindel und Monat auf zwei Kreuzer bemessen und crrielie die Summe vv» 252 000 fl Veunöge dieser Mampnlaiioii ist es gelungen, mit dem ongehänile» Waarenvorrath aufzuräumen und sind etwa 7 000 t>00 Pfniid Bonniivollengariie vorwiegend nach Deulschla»>d gesandt. Trotz der schlechten Lage der Textilindustrie konnte» die Preile im Inland ans der gleiche» Höbe wie im Vo> jähre gehalten werlen. Allerdings waren die Preile für Bniimwolle etwas gestiegen und so der Nutzen der Unlcriiehnicr gegen den des Vmjahres zurückgeblieben. Eine Erneuerung des Syndikats ist nichi gepla»! und soll der Restbetrag des Exporlfonds im Betrage von 52 000 fl. a» die Betbeiligte» mrtheilt werden. Man will versuchen, die Preise im Inland ohne diese künstliche Beeil, fluflung zu halten»nd schien den Jnlerefleiite» der deutsche Markt auch weniger verlockend, weil bicc die Preis« sehr stark im Rückgang ivaren, inithiu die Exportprämie eine nicht unbedeutende Höhe erreichen»inßte. SojioTvs. Neber den Arbeitenuangel ans dem Lande erheben ins- besondere unsere ostelbische» Agrarier gar jämmerliche Klagen: daß die Herren aber selbst schuld sind, wen» die Arbeiter ihnc» davon- laufen, ist schon oft genug bewiesen worden. Schlechte Eniätirmig und Bchandlnng, dazu eine übermäßig lange Arbeitszeit sind in Osteldie» an der Tagesordnung; einen»eueii Beleg dafür bietet eine Mittheilung, die der„Niederschlesische Auz." brochte. Das Blait sübrt an, daß ibm eine Probe von vollständig ausgcivackreiicm und völlig verdorbenem Roggen vorliege, welche» der Direllor der Herr« fc�nft T h a in in bei Bnchivald im JTvctfe Slogan am lehien Monatsschlich seinen D e p n t a t l e ii t e n verabreichen lieb. Die Deputalleute der Herrschast Thannu haben mit dem Besiher der dortigen Wafscriuiihlc ein Nebereinkoinmen getroffen, wonach ihnen von dein Mnhlcnbesitzcr fnr da§ Bi olkorn, das sie an die Mühl« ein- liefern, ein beninnntes Qnanlnin Mehl und Kleie verabreicht wird. Da aber der Mnhlcnbesitzer selbstverständlich nur gesundes Brotkor» vermählen kann, innbic er, so groß auch sein Mitleid mit der Lage d er Dcputatlente war, das aiisgrivachseneilnd verdorbene Broikornziirnck- weisen und gab ihnen de»!Halh, von dein Direktor anderes Brotkor» zu verlangen, was nur ihr gutes Recht sei, Älnch andere Sach- verständige stellten dem Direktor vor, daß der ausgewachsene und verdorbene Roggen den Leuten nninöglich als Deputat verabfolgt werden könne. Es half aber alles nichts. Ter Direktor erwiderte einfach, er gebe kein anderes Korn. Wenn der Müller in Thannn das Korn nicht mahlen wolle, so werde er es in einer anderen Muhle mahlen lassen. Ein ander Bild. Der Rittergutsbesitzer John ans L i s eh k o>v i tz im Kreise Slogan stand vor dem Landgericht in Slogan unter der ZInllage, ein bei ilun in Diensten stehendes russisches Mädchen schwer mißhandelt und ihrer Freiheit beraubt zu haben. Ferner waren der Wirlhschasis-Jnspeklor St. der Beihilfe zur Freiheiisberanbung. der Schäfer R. ebenfalls der Beihilfe der Freiheilsberanbung und der Mißhandlung� be- schuldigt. Das Mädchen wurde, iveil es cincs Tages die Aibeitsslälte verließ, um sich»ach anderer Sltbeitsgelcgen- l?m umzusehen, vom Schafmeister ergriffen, nach dem Donnninni znrnckgcschleppt und hier von John mit einem starken Rohrstock geschagen, bis dieser zerbrach. Hieraus ließ der rohe Patron das Mädchen durch den Schafmeister i» einen Speicher sperren, dessen Fußboden sich etwa einen Weier unter dem Erdboden befand und in welchem außer- dem noch Wasser stand. In diesem Ranme niußle das Mädchen d�e Nacht zubringen, ttlni Sonnabend vor dem Osterfest verreiste John; vor seiner Zlbrcise befahl er noch dein Schaf- Meister, das Mädchen in einen anderen Keller zu sperre», der sich Unter der Slallung befanv und der elivas wärmer war. I» diesem Keller, dessen Fensler vernagelt wurde, hielt ma» das Mädchen vier Tage und v i e r S! ä ch l e gefangen. Durch die Per- Handlung ist noch erwiese», daß das eingesverrle Mädchen von Freitag llldeud bis Sonnabend Mittag nichts zu essen dekoinincii Halle. Der Slaalsaitivaltschasi beaithagle gegen John wegen!cr Freiheilsberanbung sechs Wochen G e f ä n g n i ß und wegen der Körperverletznug 150 M. Geldstrafe; der Geriet. lshof sprach ihn von der Anklage der Freiheitsberaubung freirbrechcn nebengeordnete Erscheinungen sind, daß Ve> brechen und Prostitution, ebenso wie Trunksucht, geistige Degeneralion nnd so fort die Folgen einer dritten gcmei-schaftlichen Ursache sind, nämlich ungünstiger w i r t h s ch a s l l i ch e r n n d sozialer Verhältnisse. Die lriunnal-arthropologischen Lehren sind in neuerer Zeit namentlich von dein Italiener Lombroso anfgebant und von ihm und seinen zahlreichen, meist romanischen Ländern angehörigen Schülern popularisirt worden. Später sind analoge Erklärungsversuche auch auf die Erscheinung der Prostitntion angewandt worden.— Alle diese, im einzelnen vielfach von einander abiveichenden Lebv mcinunge» der kriininal-anthropologischcn Schule werden von Hirsch anssührtich im Anschluß an die Hauptschristen der Autoren dargelegt, docb verhält sich der Verfasser hierzu im wescnllichc» nur referireud. C erkennt an, daß die von den Kriminalantbiopologen behauptete» Ursachen vielfach allerdings in die SchicksalsgestaUnng derartig be- anlagter Individuen hineinspiele», daß die eigentliche Quelle aber. aus der in der Regel Prostitution nnd Verbreche» fließen, ungünstige wirlhschasiliche, sociale, sittliche Zustände sind. Aus die Darlegung dieser Lehre vom„sozialen Milien" ver ivendct Hirsch de» meisten Raum nnd verhält sich hier nicht mehr referireud, sondern selbständig bciveisend. In eurer längeren Reihe von Kapiteln behandelt der Verfasser de» Einfluß von Ebe> Hemmnissen ans die Besördernng von Prostilnlion nnd Verbrechen »»günstige häusliche Emsiiisse, schlechte Wohnnngsvcrbäll- nisse, den ursächliche» Znsammcnhang zivische» Prostilution nnd gewerblicher Bcschästigung der Frauen, die Folgen der gewerblichen Beichäfligiiiig von Schulkindern nnd den Einfluß wirthschafilicher Krisen auf die behandelten Zkranlheilserscheinnnge». Wir müssen darauf verzichten, dem Äliilor hier ins einzelne zu folgen nnd können nur ans das reiche Material der Schrift selbst ver- weise».— Am Schlüsse wird darzulegen vernicht, in welchem Maße geistige Miuderinerihigkeit. krankhafte BcanlagNiig nach Ai sieht des Verfassers ani das Entstellen von Verbrechen nnd ProstUnlia» einwirken. Vezelchnend für seinen Staudpunkt ist wohl das folgende von ihm angeführte Zilal:„Daß nenropathische Individuen vermöge ihrer verminderten Widerstandsfähigkeit nnd der Schwan- klingen, die in ihrem Nervenlebcn so häufig stallfinden, in ihrem Forlkomincil', ihrer Haltung in der Sesell>chafl, ihrer Erwerbssähig- leit, kurz im Kampie nnis Dasein iingüiistigcr gestellt sind, als Menschen mit norinatein Nervensystem nnd infolge dessen leichler als diese in Armin,,»nd Sllolh, in Alisregnng nnd Leidenschaft veriallen, halte ich nicht für zweifelhaft; und insofern diese Zustände hänsig nie Quelle vo» Verbrechen werden, ist ein wenn auch eiitiernler Znsanimenhang zwischen neuiopathischer Disposition und Verbrechen vorhanden." Im letzten Kapitel wird dann noch ans die verschiedenen vor- geschlagenen Bekäinpiuiigsmeihodeu vo» Verbreche» und Piostünlion hingewiesen, wobei der Autor allerdings— und mit allein Recht— z» dem Ergebniß kommt, daß innerhalb der bestehenden Wirlhschaflsoidnniig. in deren ungünstigen Lebensbedingungen sür das Proletariat ja eben die Ursachen sür die behandelten„sozialen Krankheilen" liegen, fast gar nichts zur Heilung solcher Schäden ge- schcheu kann. Immerhin wird auf inm chcrlei liingewiesen, so z. B. das frühzeitige Entreißen gesährdeter junger Individuen ans ihrer ungesunden Umgebung, was inenigstcns im beschränkten Maße die Entstehung von Prostilnlion nnd Verbrechen verhindern kann. Wer sich— ohne Gelegenheit zum eigene» Studium der zahl- reichen, diese Materie bebandclnden wissenschasilichc» Werke zu haben— in Kürze über die Ursachen von Verbreche» und Prostltntio» »nterrichien will, dem wüßten wir kein besseres Hilfsniiilcl an die Hand zu geben, als diese Broschüre. Sluch als Grniidlage zu Vor- trägen in Diskulirklnbs nnd dergleichen eignet sich das hier gebotene Material vortrefflich. M. Pf. erprl mmT« tt gen. Die Bautischlee hieUen am Montag in Verlin und den Vor. orte» sechs Versammlungen ab. wo das Thema:„Die Lohn- und Arbeitsverhällnisse der Baulischler" erörtert wurde. Die Berliner Versammlnitg fand im Englische» Garte» statt »nd war gut besucht. Der Referent M i l l a r g besprach die Entwickelung der gewerkschasUichen Bewegung der Bautischler seil dein Jahre 1873. Er schildern'die Mißstände, unter denen die Baulischler besonders zu leiden habe» und wies zahlenmäßig»ach. daß im Laufe der letzten 25 Jahr« die Preise der Lebensbedürfnisse gestiegen find, die Lötzne der Bautischler aber, abgesehen von einigen Schwankungen zur Zeit besserer Konjunktur, gesunken sind. So seien namentlich die Akkordlöhne gegenwärtig bis ans die Hälfte derjenige» Höhe gefallen. welche sie im Jahre 1873 einnahmen. Die mehr nnd mehr zur Anwendung koinmende» Maschinei» dältcn so- wohl die Unfallgefahr erhöht, als auch die Aibeilsgelegeiiheil im Beruf der Bautischler bedeutend veniiindert. In den letzten Jahren sei die geschäftliche Konjunktur eine bessere geworden nnd könne auch gegenwärtig noch eine gute genannt werden. Daher sei es an der Zeit, daß die Bautischler ivieder ernstlich an die Ber- besserimg ihccr Lage denken und,»in erforderlichenfalls die ge- eigneten Schritte zn diesem Ziele thnn zu können, sich Mann für Mann der Organisation, dein Holzarbeiler-Verband anschließen. Eine Anzahl von Disknssionsrednern stellte» die Verhältnisse des Berntes als eine recht ungünstige dar und be- tonte», daß eine Rnsbessernng derselben höchst»othweiidig sei. Zum Schluß ricth M i l l a r g den Baniischleni, in jeder Werkstatt einen Delegirlen zu wählen, die dann gemeinsam inil de» Verlranens- männern des Holzarbeiter- Verbandes die erforderlichen Vor- bmilniigeii für eine evenlnclle Lohndewegung zn beralhe» hälle». Die Vcrsannnlung nahm eine im Sinne des Referats gehallenc Resolulio» an. Tie i» HokzbearbeitnngS-Fabriken«nb ans Holzplätzen beschäftigte» Arbeiter(Filiale II) hielten am 21. Eepleinbcr ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Nach einem Vortrag des Herrn S r e m p e wurde Weiland zum 2. Vorntzenden, Hohn, zum Revisor gewählt. Eine längere Debatte entspann sich über den Arbeitsnachweis; mehrere Redner wünschten die Auflösung desselben und Verschmelzung inil dem der Filiale I. Die Mehrheil war sür Weiterfübrnng. Ein Antrag des Vorstandes, Verlegung des Verkehrs« lokals und Zlrbeilsiiachineises, wurde angenouunen. Die llebersiedelnng findet am I. Oktober statt nnd zivar zn Bachgänger, Swinemünder- itraße 120. Daraus verlas der Vorsitzende dieAbrechiumg vo» derHaupl- kasse. Bekannt gemacht wurde, daß die Firma Hellniich, Bergstraße, sür die organisirten Kollegen nach wie vor gesperrt nnd der Zuzug streng seriizuhalte» ist. Die mit den Beiträge» bis vor Jnli noch rückständigen Kollegen werden ersucht, dieselben vor der nächsten Bersainmlung zn begleichen. Zt> belUr-KUduitaoftI,,,!». Ter Unterricht beginn t I» Nationalökonomie, ffletchichte und AesetzkSkunde am 13. Dllober, abends M Uhr, Ins ellir.>0, v. s Tr. Thellnehmer werben schon jetzt ausgenommen in solgenbe» Stellen: Soltsr. Schulz, Admiralslr. eoa; VIenl, Barntmlir.«3! Schiller, illosenlhalerbr.»7: Blctnert, Müllirtir. 7a; Paul Mücke, Manieusfelstr. 13«; H. Königs. Tiefsenbachjir. 30. Alle Nnschrilte» find an de»«o> sitzenden Paul Mülle jr., SO. Man- lensselstr. 128, Seldlendungen an den ttasslrer H. tt ö» t g», L. Tieffendachslr. so, zu senden. zierein für Körper-«nd Nat»rb»Ilt>»nd».(Nordbezirk) Heilt«, abends oll Uhr, Badstr. is; Vortrag des pratt. Naturhetlkunbtge» Herl» O. Srundmann über: Ein Blick in da« Innere M«itinntiche» und weiblichen Körpers. Sasie, nur Herren, willtommen. »«„»«mannl'chnft»er Kchleowt«- Kotft«!»»». Fe»«, steint gesilänn, Ali« Jakobsir. 75: Sitzung. Stzenter»»nd ziergniitzunsdoerrin„Kelgotand", Aclersir. ltt: Sitzung. Hente abend»«ll Uhr, tn Heul« adend! o Uhr» Briefsmflen dev Redaktion. Die snrlftischc Sprechstunde findet am Montag, Dienstag und Sonnabend von k bis 7V, Uhr statt! 1! A. St. Im Jahre 1879 fand hier eine Gciverbe-Ausstcltnng statt. G. M. Falls cö sich um einen Handlmigsgehilscn handelt, ist daS Gehalt weiter zu zahlen.— Wohnung Schöncberg. Wird die Wohnung Ihnen zum vereinbarten Termin nicht in brauchbarem Zustand übergeben, so lönnen Sie von dem Miethsverlrag zurücktreten und aus Schadensersatz llagen...., O. M. 14. Darüber müflen Sie sich mit der Direktion verstandigen. — W. B. 101. Das Gewerbegericht ist zuständig. Die Frage, ob der Baunnteriiebuier für den Diebstahl von Kleidungsstücken, die in einer unver- (chlofjeiicii Baubude sich befanden, zu hasten hat, ist zu bejahen.- A. S. 101. Die Beantwortung hängt von dem genauen Alter Jhreö Vaters ab. Die Boraussetz nn gen sür Erlangung einer Altersrente sind: 1. Votlendiing des 70. Lebensjahres. 2. Zurücklegung vo» 1410 Wochen Wartezeit. Diese Wartezeit vermindert sich sür die vor dem l. Januar 1851 Gebarenen, falls sie nachweisen, daß sie in der Zeit vom l. Januar 1888 bis l. Januar 1891 mindestens 141 Wochen hindurch m einem Arbeitsverhällniß gestanden haben, welches die Versicherungspflicht begründet hätte, wenn damals schau das Klebegesetz bestanden hätte. Die Vermindcniiig der Wartezeit beträgt soviel Beitragsjahre und Beitrags- wochen, als der betreffende am I. Januar 1891 an Jahren und Wochen das 40. Lebensjahr überschritten hatte. Jedes Jahr rechnet aber nur 47 Wochen. Beispiel: August ist am 25. Dezember 1833 geboren. Also war er am l. Januar 1891: 57 Jahre»nd 8 Tage alt. Sein Lebensalter über- stieg mithin am l. Januar 1891 40 Jahre um 17 Jahre und eine volle Woche. Die Wartezeit von 1410 Wocken veniiindert sich also sür ihn um 17X4?-s- 1_ 799-ff 1— 800, beträgt also 610 Wochen. 2. Unverständlich. - 3(. B. Das Mädchen kann sich aus den von ihm geschlosienen Vertrag berufen. Am vraktischstcn dürste es vielleicht sein, die Mictherin zur schrift- lichen Klagedrohnng dem Mädchen gegenüber, falls dieses nicht zuzieht, zu veranlassen nnd diese dann dem Bormundschaftsgericht vorweisen.— F. Karge, W. 80, G. HJl. Ja.-«. schwarz 10. Der Ehemann ist leider im Recht.- Fr. Heiiize. A. B.(Fnrstcuwaldc), O. N. 15. Nein.- W. 100. Geburtsurkunde.- G. K. Der Miether kann die Mtethe hinterlegen.- S.»0. In fünf Jahren.- Delitzsch. Wie wieder- halt seinerzeit dargelegt ist, besteht diese Erhöhung der Gebühren sür Aus- tritt aus der L. und Befcheiniguiig über den Austritt feit dem 1. Oktober 1896.- H. M. 42. In der ersten Beilage zum„Vorwärts" vom 25. d. M.(Soiniabend) finden Sie ans Seite 4 die Namen der zur Ver- tretuug bereiten Arbeitervertteter.— R. S. 80. Nein.— B. 001. Ja. - P.(«. 100. 1. Nein. 2. Das ist streitig.— P. F. 100. Die Klage ist zittälsig; Berjährnng liegt nocb nicht vor.— Alt Ab. Lvderburg. Der Wirih lann Hinterlegung der Micthe vor dem Auszug verlangen.— Wcst-Sternberg. Gegen die Verzögerung der Ansschitlnng läßt sich nichts aiisrrö teil. Wenn die Ansschnlmig erfolgt ist, so kann der Konfirmanden. mttcrr'cht nicht wider Ihren Willen nachträglich dem Kinde crtheilt werden. WitlcrnngSiib erficht vom 28. September 1807. Berliner lleutselsöl' liol�i'beitei'-Vei'bWl!. (Zihlstellc Berlin.) Am Mittwoch, den 20. September, abends 8»hr, im Englische» Garte», Nleranderstratze 27«: Brgiilhtn-Btrsllinmluilg i>er Kitljjeitülöbtl-Tislhler. Tages- Ordnung: 1. Besprechung der Mißstände in der Branche und wie beseitigen wir dieselben'? 2. Verbandsangetegeiiheiten. Es ist Pflicht eines jeden Küchcnmöbel-TischlerS, in dieser Versa, mnlnng zu erscheinen. BrMlßtn-Vtrslliiiinlliitg der MusikillsirWeitten-Arbeiter. am Mittwoch, den 20. September, abends 8>/z Uhr, im Lokale des Herrn volm, Beuthstratze Rr. 20/22. TageS-Ordnnng: 1. Rezitation moderner Dichtunge» niit einleitendem Vortrag über: „Knnst nnd Kunstgenuß". Referent: Herr Völker. 2. Branchcn-An- gelcgenhcitcn._ 293/18 Metallarbeiter! Donnerstag, den SO. September, abends 8 lthr, im„ttrania-Salon", Wrangelstratze 10/11! Große öffentliche Uersammlnng. Däges-Ordnuna: r Firma0, und Trost, Stallschreiberstr. 18. Der Bcrtraucnsmaii» der Verliner Metallarbeiter. 168/15__ Ot 1 o 9! a eth er, N., Slnklamerstr. 44._ Achtung! Gr. öffentliche Versammlung der Bllu-, Erd-«. geiverblilhek HilMrdeiter Berlins Freitag, den 1. Oktober. abendS 8 Uhr. im„Englischen Garten". Alexauderftratze 27e, oberer Saal. TageS-Ordnung: I. Bortrag des Kollegen Derger, Stettin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ginbernfcr. 30/16_ G. I a n k o w 8 k y, Tilsiterstr. 83. Achtung!! Achtung l Mittwoch, de» 20. d. M., abendS 8 Uhr. t» Stabcrnack's Vcrelnshaus, Inselstrasse 10: Autzerordentl. Mitgliederversammlung der Zahlstelle III des Verbandes der iUaurer Deutschlands. Die Tages- Ordnung wird in der Versamuilnng bekgiiiit gemacht. 2bL/ö Die vrtsvern altnnZx. Mir beu Julnilt der In fern te iiberiiimiiit die»iedaktivi, dein Piiblikiiui gegenüber keinerlei Berlintiiiortniig. �szrnfrv. Mittwoch, de» 29. Septcuiber. O�iernhans. Siegfried. Anfang •i'/i Uhr TchanspielhanS. Rosenkranz und Güldensteril. Anfang 7>/, Uhr. Deutsches. Mutter Erde. Ankang Bertiner. KSnig Heinrich. Anfang 7'/, Uhr. Goethe. Das vierte Gebot. An� sang 7l/z Uhr Lessing. Das Tschaperl. Anfang 7l/j Uhr Steneo. Lieb' im Spiel Afcherniittlvoch Ansang 7>/, Uhr. Residenz. Die Etubernfung. An- sang?>/, tlhr. Schiller. Die Kreuzelschreiber. Anfang 8 Uhr. Hilter den Linden. Perichole. die Strastensängerin. Anfang 7i/,Uhr Lnisen. Die Rünber. Anfang 8 Uhr Thalia. Das Krokodil. Anfang 7'/, Uhr. Ostend. Jugendbronnen. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang ?'/- Uhr. Friedrich>«Ilheliiistlidtifches. Das Zeichen deS Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Rlexanderplah. Das Liebesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Speztaliläten. An- fang 7i/,Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7V, Uhr Feen-Pnlast. Spezialitäten. Passage> Panoptitni». Indisches Dorf. Schillrv-TheAkov (Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Die iirenzelschreiber. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ein Tropfen Gift. Freitag,. abends 8 Uhr: Ei» Tropfen Luisen- Theater 3J. Sieichenbergorstrasie 34. Abends 8 Uhr: Zu kleinen Preisen: O. Tolks-Vorstclluii"- Die Iiäitber. Gill Trauerspiel in 5 AufzKgen von Friedrich von Schiller. Carl Moor- Danny Gürtler vom Stadttheater in Stettin a. G. Donnerstag: Zu kleinen Preisen: iO. Volks- VorstcIIniiK Geschwister Fiebig. Direkte Verbindung mit dem Theater: Gleitrische Bahn: Dönhoffplatz— Neicheubergerstraße in 10 Minuten. Centrai-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion ilicliunl Sollnitz. Mittwoch, den 29. September 1897: £niU TIioiiiuh a. G. �Znm 20. Male: Lenlinen k'Kiknten. BnrleSke AnSsiaitnngspoffeinit Gesang und Tanz in<> Bildern von JiilinS Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jnl. Giuödöhofer. Anfang li£ Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrte». Apollo-Theater. Friedrlchstr. 218. Dir. 3l. Glück. Die i? 0 w MMimiiiilchtn. Dagmar Hansen. Brotli. Serra Prinzessin Poeahunfas The Burnells. Griffin und Dubois. Der Ülffe als Lttftgymnaftiker �osep'ii Piioiles Pantomimen- Troupe ]>er Kinetoerar etc. etc. Kassenerössinilig VVz Uhr. Auf. 7 Vi Uhr. Sieitiner Sänger lMeysel. Pietro, Vritton, Steidl. Krone, illöhl, Schneider und Schräder.) Freitag, den 1. Oktober: Vietoria-brauerei. Sonntag, den 3. Oktober: I. SolrC« im Deutschen Hof, (Luckauerstrahe, am Moritzplatz.) Deuiseher (ZLadlstcIlc KZoclln). Arn Sonnabend, den 2. Oktober, im Lokal des Herrn Keller, Koppenstrasse No. 29; 5. Stiftungs-Fest. Gr. Instrumental-Konzert und Oesangs-Vorträge(Solls) unter gütiger Mitwirkung von Fiäulein Gevtrnd Wnrschc, den Herrn P. Friedrichs und dos flenn WIndlsch-Horst von den Norddeutschen Sängern. Klavier-Begleitung: Herr liehiunun. Dem Wunsch der Mitglieder, etwas Besseres zu bieten, nachkommend, haben wir oin rein künstlerisches Programm zusammen gestellt. AM- Alles KHhere die Programme mit Text am Flngang gratis."TPQ Während des Konzerts darf nicht geraucht werden. Billcts ä 25 Pf. auf allen Zahlstellen und auf dem Arbeitsnachweis Annenstrasse No. 39. Grosser BaBI. Herren, die daran thoilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. 293/13 Das Komitee. Ostend-Theater. Gr. Fra»ks»rlcrsir.ll!2 Dir. C. Weift. Novität! Stürmische HeiterleU l guui 13. Male: Jngendbronnett. Stürmischer Beifall bei„Nick, rack, runter damit", gesungen v. G. Weist, und„Ach Lillu, Lilly, wie lieb hat Dich Dein Willy", gesungen v. Rich. JürgaS, sowie„Bei n»S in RunimelS- bürg, in Zlew-RummelSburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, kleine Preise: Die Lieder d. Musikanten. Alcazar Varidtä-Theater I. Banges. DreSdenersiraste 62/63(Gity-Paffage) Annenstraste 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Heilte, Mittwoch, zni» 2l>. Male: Die Rosen ans dein Süden» /, Uhr. An Wochentagen ist der Saal zn Berfa, ninlungeit u. Privatfestlichkelten zu vergeben.[916b Gr. Elite-Yorstellung. Anfang; Sonntags 6 Uhr, Wochentags 71/» Uhr.— Gntree: Sonntags 30 Psg, Wochentags 20 Pfg. Zlnnät'« 8aal. Jub.: Ernst«rUnder. !- Köpnilkcrstrastc 199.-MF Fernsprecher Amt VII 39. Täglich:«rosser Hall. K Saal und Vereinsz immer yi Vereinen unenigeldlich zur Verfügung."VV_ 32088* 30. Oktober, Sonnabend Saal frei! Engl. Glarten, Alcxanderstr. 87e. Weber- Giltst sW�xr. -tr. l? Fest-Säle �7. Gmpfehle Vereinszimmer. Mehrere Sonnabende und Sonntage frei. Fernsprecher. 3024L* H. Xleft. (�rtTr» 200—1000 Personen, mit Bühne, Sonnabends und Sonntags zu vergeben. Näheres Fritz Schröder, Wiesen- straste 39. Tel. II 623. Bercinsziininer, 40 Person, fast, m. Piano, auch zu Zahlstelle, Nr- beitSuachweiS, Kontrolle geeignet, an einigen Tagen noch frei. Rudolf Mehrwald, Reftanrateur, 915b Alte Jakobstr. 54—55. Saal frei für«ereins. Festlichkeiten. 3213L* Hergstrasse IL. Wer 8toir bat, fertige Anzug, feinste Futtersachen, für 20 M. an. Winterpaletot 18 M. Wollfutter, Sauimetkragen. 959b Hehmanu. Ghauffeestr. 26. BreUohieu-Brnch kostet ab Platz 95 Pfg. 958b A. Hcrrmnnn's Kohlenlager: Schlestsch. Bahnhof, Mühlenstr. 18. Bahnhos Moabit, Ouihowftraste. Portieren,(siardinen, Läuier, Renlontoinchreii, Regulatoren, Kleidnngsst, Opemgl, Reisekoffer spottb. Pfandl. Neanderftr. 6. Beim bevorstehenden Guci-vkalsiveltzTok empfehlen sich folgende Partei-Speditiouen: Herlin vierter IVablkrels O.: Robert WengelS, Fruchtstraße 30, Hof II.— 8«.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 p. pari.— Steehster■Wahlkreis(Hoablt): Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, pari, im Laden.— Wedding und Dranlenbnrger Vorstadt: Emil Stolzenburg, Wicsenstraße 14.—«esnnd- brnnnen: Wilhelm Gaß mann, Grünthalerstr. 64.— Roscuthaler Vorstadt und SchUnhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Charlottenhnrg: Guflao Schar n berg, Pestalozzistr. 34, Quergeb. pari.— Deutsch. Wllmers- dorf: Frau K ü b l e r, Sigmaringenstr. 34 und Frau Heinemann, Stgmaringenstr. 35.(Hier ist auch die.Brandenburgische Bolts-Zeitung" zu erhalten.)— Hlzdorf: Ost ermann, Jägcrstr. 70, H— 8chUuc- berg: Wilhelm B ä u m I e r, Belzlgcrstr. 59, Seilenflstgel pari.— dohannlstlial-A'leder- nnd Dber-Sichönciveldc: Otto John, Ober-Schöneweide, Siemensstraße 7, Zigarrengeschäsi. Annahme- stellen: Nieder-Schönewetde: Karl Weber, Zigarrengeschäft. Johannis- thal: Sen stieben, Restaurateur.— Erledenan-Steglltz: H. Bern see, Kirchstrabe 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen enigegen in Steglitz: H. Mohr, Düppeistraße 8, und F r. S ch e 1 1 h a s e, Ahom straße 15a.— Danmsehnlentveg: Rich. Ulbricht, Marienthaler-. straße 18, I. Außerdem ist sämintliche Parteiliteratur, sowie alle wissenschaftlichen Werte dort zu Haien. Auch werden Inserate für den„Borwärts- entgegen genommen. Um Avaatlv Angabe der Adresse wird dringend gebeten�_ KmkelmiterWllO-Bgilii der Slhittiher. Unser Mitglied <». Kunitz ist am 27. d. M. verstorben. Die Beerdigmig findet am Donnerstag, den 30. d. M.»nchmitt. um 2>/z Uhr voit der Leichenhalle des Neuen Lonisen-Ktrchhofs.BnberChaussee, statt. 950b Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die Nachricht, daß die Beerdigung unseres lieben Vater und Gatten, deS Maurers Karl Staege, am Donnerstag Nachm. 4 Uhr vom Städt. Krankenhause Moabit, Birken. straße, a»ö nach dem Heiiands-Kirchhof am Plötzenfee stattfindet. 95Sb Die Hinterbliebenen. Sitzung jeden Freitag bei Stabernack. Jnselstr. 10. Bitte Bestellungen nur dorthin und an Unterzeichneten zu richten. 200/5 Hieb. Hartmann. Vorsitzender, Schönhauser Allee 63. Material-. Obst- n. Backwaaren- Geschäft krankheitSh. zu verkaufen Anglist Hamann. Stralau, * Dorfstrabe 17. WM- Wenig gebrauchte Pllssee- Waschino Ulm treten, mit Bolzen u. Gas, für 50 Mark. Hochmeister- straße 6, Ouergeb. II. 963b Knaben-Anz., Joppen, einz. Hosen kauft man billig im Restergeschäft Sorauerstr. 30, pari._ 966b* Zitnfallsachen, Klagen, Eingaben II Pntzger, Stegliherstr. 95. Sleppdecken-(Fabrik) Vorzügl. Handarbeit! staunend billig. Alt« Decken werden ausgearbeitet. Ucrlln O., Wallstrassc 72. Anzüge Herren"Kilsben Gröffte Zluswahl in in- und auS- ländischen Stoffen für Paletots, Anzüge. Beinkleider k. werde» unter Garantie des guten Sipes zn überaus billige» Preisen schnellsienö angefertigt im Tuchgeschäft b-i A. Karle,[Waidemarstr. 66. Frack» u. GesellschaftS-Rnzüge. f. jede Figur paffend, werden verlieh. J. Karncli. Kominandantenstr. 72 I. Etage, Ecke Bcuthftratze. Anzüge Ii. Paletots nach Manß werden zn sehr billigen Preisen angefertigt. 254b Eine gut eingerichtete Tischlerei mit vier Hobelbänken, kann auch zum April vergrößert werden, ist sofort zu verkaufen. Schöneberg, Hohen- friedbergstr. 20._ 9136 Hulhen- iiiiö kuhen-AWl- „K die beste O fenheizung- vi), billiger wie Kohle— liefert .«loncntz, Bärwaldstr. 64. Achtung!-Wg Zniu Umzug�! Hut pünktlichen Lieferung des .Vorwärts" eulpfiehit sich 949b Harl Weisse, Triftstr. 49 a, Zeitungsspediteur. Nur Parteiltteratur wird verbreitet Ein Kleider- n. Küchensp. ist f. 20 M. zu verk. Kottbuserstr. 8, 2 Tr. b. Keil. Blitzlampe, mal). Bettstelle, Feder- boden, Zyliuder-Bureau verkauft 944b Bobect, Manteuffelftr. 10. Grünkramgeichäst weg. Krankheit sos. zu verkaufen Liegntiierstr. 87. s94Ib Schläfst, verm. Oranienstr. l81, H. 3'/z, Pühler._ 9626 Fr. Schläfst., 1—2 H., v. Oranien- straße 181, H. III, Schröder.[961b Kleines möblirtes Zinimer Seydelstr. 29, vorn 4 Tr. r. 957b Schläfst. Fürstenstr. 13, Haack II. 2 Schlasstellen f. Herren. Ronny» straße 90, v. 2 Tr., Ww. Hohnwaldt. Möbl. Schläfst., sauber, sosott bei Ww. Hoheisel, Admiralstr. 6, v. 3 Tr. Kl. möbl. Ballonzimm. f. H, nur 12 M. Wißmannstr. 44, III., Flureing. -chlfst. frdl. sep. Friedrichstr.215, Rüben. Genosse findet frdl. Schlafstelle bei Stegmann, Naunynstr. 54, 4 Tr. Ein- gang Naunynplatz._ 952b Schlafstelle vom 2 Tr. Hildebrandt, Manteuffelftr. 5. 951b Möbl. Zimmer, sep., und srenndl.. Schlafstelle. Neue Grünstr. 29, H. 4 Tr., Schlafftelle f. Hcrm Slalitzerstr. 12, 1 r. Freundl. ntöbl. Schlafstelle z. verm. b. Gürsdorf, Ruppinerstr. 27, v. 2�r. Frdl. Schläfst, f. H. b. Wwe. Henze, Elisabeth-Nfer 30, Hos 3 Tr. r. Seitst. Carl Becker; AM- Clgarren, Clgarr ette« n. Tabake Liudowerstr. 85 an der Müllerstr. I Arbeitsiiliirkt. Achtung! Holzarveiter! Möbeltischler.> In der Möbel- u. Spiegelfabrkk von Eqnltz, Grosse Frankfurter- strasse 185, haben ZI Tischler wegen � Lohndisserenzen die Arbeit eingestellt. VarheModettleger.( Di« Finna Itosenfeld dk Cle, zahlt auf dem Bau Wertbelm, Leipzigerftrafte, den Tarif nicht.! Zuzug nach obigen Werkftelle«, ist fernzuhalten. J 293/6_ Di« OrtSverwaltung.■- AMT Korbmilllitr! Die Werkstätten von Aneion n. C». (Jnh. Starke), Wilheluistr. 123, sowie Schmidt u.(To., Krautstr. 6, sind gesperrt. Zuzug ist fleug semzuhalten.! 283/10 Der Borstand.? Farbigniacher 921b■ verlangt Kottbnser Damm 199. Karton- Arbeiterinnen verlangt! Angres», Alte Jakobstr. 8. 758« Tüchtige Maurer- n. Zimmer- geselieu finden sofort Beschäftigung■ bei II. Vogel, Maurer- u. Zimmenneister, 31992* Pritzwalk._ u. Handnäherinnen aus Wäsche finden lohn. Beschäflig. Holliiinniiftr.17,11. Selbständig arbeitender Mechaniker oder Techniker für eine Erfindiingswerkstati sofort gesucht. Meldungen i». Lebenslauf unter C. OSO, Ptittner's Annoncen- llnrean, Rosen- thalerstrasse 18.• AW- Knclibindcr_ m g. Zengniffe», geiild im Mustersach, findet in der Musterei eines hiesigen Nanufaktur-Gngrvsgeschästs dauernde Stellg. Off. unier O. Z nimmt die Expedition entgegen._ 964b Graveur. Ei» junger Graveur-Gehilse, der sich auf Schrift, Monogr.». DamaS- cinmg versteht, kann eine gute, angenehme u. feste Stellung bekommen. Off. an A. Hoffnieister's Gravir- Anstalt, Grönnegade 21, Kopenhagen. Mädchen a. leichte Handarbeit verl. Hübner Rachf., Aleranderstr. 28: Paplerziiscbnelder verlangt A. EisenstUdt, 95»b Kartvn-Fabrik, Beuthstr. 5. Geübte 954» Tischdecken- Frangirerinne» verl. Rriniv, Kl. Marlusftr. 7, 3 Tr. Schlosser nnd Mechaniker verlangen sofort Koschke n. Komp., tkharlottcnburg. Englischestr. 23 o, 953b_ Station Thiergarten. Lausburichcn verlangt 947» E.«»oethert, Nene Grünstr. 4. Tüchtige Lergvlder und Anstreicher verl. Kaufmann, Stralanerbrücke 3. liinni-r � JuHalatioiis-Apparate mpllll und bessere Sachen Verl. 943b H. Hotte, Grinniislr. 39. Woll- Languetten- Arbeitcrinucn bei guten Löhnen sofort verlangt. Probe erbeten. Arthur 8 a m u I o n, Neue Friedrlchstr. 79 a. Bermitwortlicher LIedakteilr: August Iacobcy in Berlin. Für de» Jnseratentheil verantivorilich: Th. Gloike in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. JIr. 227, 14. IlihrgiH. 2. Scilngc Ks„UmSrls" Knlimr WksM wssamz L�akiottal-sozinlev Pstvfcifstfl. Erfurt, 27. September 1897, In der Nachmittags-Sitzlmg war Pastor a. D. Naumann- Be>4i» erschieueu. Dieser, mit stürmischem Beifall empfangen, üuiicrte stch etwa folgeudermabc»: Ter Vorwurf ist erhoben'worde», da» die„Zeit" der Sozialdemokratie nicht schroff genug entgegen- getreten sei. Ich bin der Meinung, in Fragen, wo die Sozial- deinokralie mit uns verschiedener Meinung war, ist dieser mit voller Entschiedenheit entgegengetreten worden. In der bekannten Ver- sainmlnng, in der mir und Lorenz Bebel gegenüber- trat, ist das Wort vom Tischtuch zerschneiden so klar ausgesprochen worden, daß mir dies Geschäft erledigt zu sein scheint. Wir haben uns bekanntlich in jener Versammlung auf den Standpunkt des Fürsten Bismarck gestellt, daß rn der auswärtigen Politik nicht die Interessen eines fremden, sondern die unseres eigenen Landes maß- gebend sein müssen. Große Angriffe hatte die„Zeit" wegen ihres Eintretens für den Hamburger S e e m a» u s st r e i k sich zugezogen. Ter Kampf für diesen Streik ivar um so schwieriger, da unser Kaiser sich gegen den Streik gewendet halte. Mci» obwohl wir zu unserem Kaiser stehen, so konnten iv i r n i ch t g c g e n u n s e r Gewissen von der Unterst n tz n n g d e S Streiks ablasse». Wir traten für die V e r m e h r u n g derben tschen Flotte ein, weil wir der Meinung sind, daß das im Interesse des deutschen Vaterlandes liegt. Man sagte uns: Euer Standpunkt in der F l o t t e n f r a g e widerspricht dem C h r i st e n t h u in und der Humanität. Ich antworte: Wahre Humanität ist, unsere Kinder und unsere Interessen zu schützen. Es galt im weiteren die Konservativen zu bekämpfen. Die Haltung der Kon servativen betreffs des B e r e i n s g e s e tz e s war a u t i n a t i o n a l und antisozial. Die konservative Partei hat kein Gefühl für die Achtimg, die Geschichte und die Zukunft des deutschen Volkes. Die Konservativen bewilligen dem Staate die Mittel zu seiner Wehrhaflmachung. so lange sie die Herrschafl haben. Ich weiß aber nicht, ob sie das auch thnn würden, wenn sie die Herrschaft nicht mehr hätten. Die Konservativen erstreben ebenso den Klassenstaat wie die Sozialdemokratie. Deshalb müsse» wir nach wie vor den Kampf sowohl nach rechts als auch nach links führen. Geh. Hofralh Professor Dr. S o h in- Leipzig: Ich will nicht verhehle», daß mich das Austreten des Herrn v. Gcrlach. des Herrn Pastor Göhr« und auch einige Aeußerungen des Herrn Pastor Nau- mann zur Stellung meines Antrages veranlaßt haben. Das Auf- treten der national-sozialen Partei führt nothweiidigerwcise zu dein Gedanken, daß aus dein vorjährigen Parteitage eine neue demokratische Partei gegründet worden ist. Die konservative Partei wird in der hesligste» Weise bekämpst, während man mit den Sozialdemokrale» liebäugelt. Das ist nicht der Ziveck der national-sozialen Partei. Es ist ja eine alte Erfahrung, daß der Arbeiter in demjenigen seinen Feind erblickt, der gegen die Sozialdeinokralie austritt. Ebenso hallen alle anderen Släiide denjenigen für einen Sozialdemokraleu, der für die Arbeiter eintritt. Es kann sich für uns nicht d a r u m handeln, die 'Arbeiter, sondern die Gebildeten zu gewinne». Ich bin selbstverständlich entfernt, durch äußere Zwangs- mo ß r e g e l n die Sozialdemokratie z u bekäuipscn, wir wollen blos den sozialdemokratischen Geist b e- k n i» p f c n. Ich bin der Meinung, der Arbeitersland hätte bcdcnlrnd mehr erreicht, wenn er unler anderer Fahne inarschirte. Ich muß die konservative Partei in Schutz nehmen, daß sie anli- national und antisozial sei und Klaffenpoliiik treibe. Die kon- servative Partei ist gewisser maße», unser Vater. Mit der kon- servativen Partei haben wir eine Lteihe BerührnngSpuukle. die Sozialdemokratie vergislet dagegen den patriotische» und religiösen Geist unseres Volkes. Ich iviederhole, ich kann es nicht länger ver- antworten, daß die Konservativen bekämpst iverde» und mit den Sozialdemokraten gelicbängelt wird. Ich ersuche Sie, meinen An- trag anzunehmen.(Beifall und Zischen.) Pastor a. D. G ö h r e- Leipzig: Die nalional-soziale Partei hat ihre Stellung nicht geändert, sondern an ihren Grundlinie» fest- gehalten. Die Annahme des Antrages der Herrn Gehciinrathes Evhm würde eine Schwenkung nach rechts, eine Prinzipien- Verleugnung bedeuten. Die konservative Partei hat uns ans das schmählichste verfolgt. Ich erinnere an die Aechtung der 7 Pastoren. an die Maßregelung des Pastors Wagner. Die konservative Partei hat uns durch Boykotlirung der Säle mundtodt gemacht, sie hat uns denunzirt, Staatsanwälte zur Ueberwachnng national-sozialer Geistlichen in die Kirchen geschickt. Ja, sie hat sogar einen Stöcker, der konservativ sein wollte bis ans die Knochen, hinaus- geworfen. Sie hat mit der chrisilich-soziale» Partei geiiebängelt, so lange diese blos gegen die industriellen Großnnlernehnier kämpfle. Als sie aber selbst Opfer bringen sollte, halte sich das Blätlche» gewendet. Landralh v. Pnttkainer hat in Pommern die Freisinnige» mundtodt zu machen gesucht, weil diese unter den Bauern agitirten. Die konservative Partei hat eine» Mann, der die Wahrheit über ländliche Wohnungsvcrhält nisse aufdeckte, in der schmählichsten Weise angegriffen. Die konservative» Junker haben den Osten unseres Vaterlandes, der»ül deutschem Blute erkämpft worden, polonisirt, indem sie polnische Arbeiter einführten und die deutschen Arbeiter von der Schwelle trieben. Die ostelbischen Junker haben die Welle der Reaktion über das ganze Land gerollt, sie haben dem Volke das heiligste Recht, das V e r e i n s r e ch t n e h m e n wollen. Mit einer solchen Partei haben wir keine Berührungspunkte. Ich er- klär«, daß ich für die Reaktion nie und nimmermehr zu haben bin. Wie steht eS dagegen mit der Sozialdemokratie? Ich weiß, daß uns eine unüberbrückbare Kluft von der Sozialdemokratie trennt, ganz besonders in nationaler und religiöser Beziehung. Wäre das nicht der Fall, dann wäre ich läng st Sozialdemokrat. Allein die Sozialdemokratie hat uns nie- mals geächtet, sie hat uns niemals dennnzirt und sie ist zweifellos ein Hort der Freiheit. Sie ist stets für die Rechte der Arbeiter eingetreten, sie führt einen entschiedenen Kampf für das allgemeine Wahlrecht und das freie Vereinsrecht, sie ist die einzige Partei, die sich bisher der Kleinen und ll n t e r d r ü ck l e n angenommen hat, sie ist somit ein Hort der Volksfreiheit. Thöricht wäre es, wenn wir die Beseitigung der S o z i a l d e m o- kratie anstreben wollten. Im. Gcgenlheil. wir National- Sozialen haben Ursache, uns zu freuen. daß die Sozialdemokratie da ist. Ich sage nicht, daß wir die Sozialdemokratie nicht b e k ä m p s e n sollen, aber dieser Kampf kann nichtgeführt werde»,»m die Sozialdeinokralie zu beseitige», sondern um sie an Hanl und Glieder» umzubilden, sie a»f den Weg der sozialen Reform zu führen. Eine Beseitigung der Sozialdemokratie halle ich ein- f a ch n i ch t s ü r in ö g l i ch. dazu h a t d i e S o z i a I d e in o- kratie in d e r?l r b e i t e r s ch a s t z n s e st e W u r z e l g e- faßt, dagegen ist eine Aendernng der Sozialdemokratie nach der Seite der Resorm hin unverkennbar, llnd in diesem Sladinin will nian, ähnlich wie 1878 bei Verhängung des Sozialistengesetzes, auf die Sozialdemokratie losschlage», damit sie wieder einsieht, daß sie nur ans sich selbst angewiesen ist. Die Gebildeten wer- den wir in ihrer Mehrheit niemals für unsere Prinzipien gewinnen, dazu sind dieselben zu sehr durch lausend Fäden mit den K a p i t a l i st e n verbunden. Die n a t i o» a I- s o z ia l e P a r t e i Ist wahrhaftig nicht g e- g r ü» d e l worden, um aus die Sozialdemokratie lo- zuschlagen. Würde der Antrag S o h in angenommen. dann wären wir nichts weiter a I S eine Kohorte von S o z i a l i st e» t ö d t e r n allen Schlages. Sozialistentödler will ich aber durchaus nicht sein.(Stürmischer Beifall.) Es wurde nun sogleich von 20 Delegirten der Antrag gestellt: sowohl über den Antrag Sohni als auch über den Antrag Göhre zur Tagesordnung überzugehen. Geh. Hofralh Prof. Dr. S o h m: Ich muß erklären, daß ich die Annahme des Antrages auf Uebergang zur Tagesordnung einer 'Ablehnung meines Antrages gleich achten würde. Da ich eine Verantwortung für die bisherige Taktik der national-sozialen Partei nicht länger übernehmen kann, so würde ich, wenn mein Antrag nicht an- genommen werden sollte, aus dem V o r st a» d e aus- scheiden müsse n. Dr. 91 u p r e ch t- Göltingen besimvortete folgenden Antrag: 1.„Wir lehnen e s ab, eine einseitige Juler- esse n-Vertretung des Arbeiterftande-Z zu sein, weil das egoistische Ziel einer solcher unverträglich wäre mit nnserein nationalen und sozialen Grundgedanken, und iveil der Arbeiterstand ganz besonders, aber keineswegs ganz allein, der Besserung seiner Lage bedarf. 2. Wir steh e n in einem scharfen Gegensatze zur niarxistischen Sozialdemokratie, weil diese weder national noch sozial und das s ch iv e r st e H i ii d e r>i i ß einer gesunden Entwicklung Deutsch- I a ii d s und des Arbeiter st an des i st. W i r iv e r d c» daher die sozialdemokratische Partei mit allen tauglichen Mitteln b c k ä ni p f e n. Wir halte» aber P o l i z e i m a ß r e g e l n nicht j ii r t a n g l i ch, sondern für schädlich, und werden allen Versuchen, mit solche» vorzugehen, nachdrücklich entgegentreten. 3. Von den„n a t i o n a l e n Parteien" trennt nnS ihr antisoziales Verhalten. Wir werden diese P a r- t e i e n bekämpfen, soweit sie egoistische K l a ss e n i n t e r- essen vertreten und werden im nationalen und sozialen Interesse insbesondere uns zur Aufgabe machen, die Ue der>» acht des mobilen Kapitals und des G r o ß g r u n d b e s i tz e s zu brechen. Wir ivissen aber, daß innerhalb dieser Parteien rv e i t e Kreise soziales V e r st ä n d n i ß haben und werden deren Bestrebungen ebenso fördern wie die derjenigen S o z i a l d e ni o k r a t e n, die für den Gedanke» einer nationalen Soziaire form empfänglich sind." Konlrollenr L o h in a n n- Heilbronn tadelte ebenfalls das Ver- hallen des Redakleiirs v. Gerlach in der„Zeit". Die Sozialdeino- killten sagen:„Wer so etivas schreibt, der kommt schließlich doch zu uns."— Rechtsanwalt M a r t i n- Leipzig führte in längerer Rede aus, daß man doch jetzt nicht mit den Konservativen gehen könne, i» dem Augenblick, wo der große Staatsmann in Friedrichsruh sie noch viel heftiger als Herr v. Gerlach angegriffen habe.(Stürmischer Beifall.) Man dürfe aber n i ch t b l o s d i e K o n s c r v n t i v e n, sondern müsse auch die Sozialdemokraten in nach- d r ü ck l i ch st e r Weise b e k ä in p f e n und danach streben, die Arbeiter für die nalional-soziale Partei zu gewinnen. Die national- soziale Partei sei dazu berlifen, die w i r t h s ch a f t l i ch e n Gegensätze im deutschen Volke auszugleichen. (Beifall.) Redakteur D a in a s ch ke- Berlin betonte, daß die konservative Partei die National-Sozialen von Anfang an bekämpft habe. Es he daher nicht an, auf eine Bekämpfung der Konservativen zu verzichten. e g e n s a tz zur Partei b e« Oberlehrer Professor Dr. T r o m m e r s h a u f e n empfahl, die Einigketl der national-sozialen Partei nicht zu gefährden.— S ch u« mache r- Bockenheim bezeichnete es als Jrrthum, daß die Sozial« demokratie sich gemausert habe. Es gelte, die Sozialdemokratie ebenso scharf zu bekämpsen, wie die konservative Partei.— Repetent T r a u b- Tübingen: Er sei der Meiming. nicht die n ational-soziale Partei, sondern Ges. h e i in r a t h S o h m. der im vorigen Jahre sagte: Wir müssen die Sozialdemokratie ablösen, habe sich geändert. Er sei für die A b l e h n n n g des Antrages Sohl», er könne aber anch die Art der Polemik des Pastors Göhre nicht billigen. Graveur Haag- Frankfurt a. M.: Die Gebildeten werden für die n ational-soziale Partei niemals gewonnen werden. Wenn die national-soziale Partei nicht die Arbeiter gewinnen wolle, dann sei ihr ganzes Dasein un- ii ü tz.— Redakteur Loren,- Leipzig: Die Konservativen seien zu bekänipfen, schon wegen ihres wirthschaftlichen Prinzipes, die S o z i a l d e»i o k r a t e n seien aber n i ch t m i n d e r z u bekämpfen, da diese nach wie vor an ihren radikalen Forde- ruugen festhalten.— Lithograph T i s ch e n d ö r f e r- Berlin trat dieser Ausfassung entgegen und besürworlele die Annahme folgenden UntrngeA: Im Hinblick aus mancherlei Allssprüche hervorragender Vereinsgenossen und vielfache Behauptungen verschiedener Volks- kreise erklärt der Delegierlentag des national-sozialen Vereins, daß derselbe........ 1. nur für offizielle Vereinsmittheilnngen verantwortlich ist, 2. die Arbeitersrage nur in Verbindung mit dem Gesammt- interesse des Volkes gelöst werden kann. 3. den sozialen Frieden nur von einem fortgesetzten, grnnd- lichen Ausbau der Sozialreforni erwartet, 4. sich in entschiedenem b e ti t i g e n s o z i a l d e in o k r a t i s ch e n s i n d e t und 5. alle antinationalen und antisozialen Bestrebmigen der vorhandenen Parteien in ausdrücklicher Weise bekämpft." Redakteur v. G e r l a ch empfahl, über alle Anträge zur Tages- ordnung überzugehen.— Pastor a. D. N a u in a n n- Berlin meinte, daß die zu tage getretenen Meinungsverschiedenheiten keine Ursache zur Spaltung der Partei seien. Es gelangte schließlich der Antrag Ruprecht und Tischen- dörfer, sowie folgender Antrag des Pastors Lehmann- Hornbcrg mit großer Mehrheit zur Annahme: „Ter Parteilag erwartet von seinen Mitgliedern, daß sie bei den Reichstagsivahlen jedem Kandidaten die Frage nach seiner Stellung zur Erhaltung des allgemeinen, direkten Reichstags- Wahlrechts zu klarer Bennlivortung vorlegen." Danach wurde gegen 7�/2 Uhr abends die Verhandlung auf Dienstag vertagt._ V c vsn ttiurl u ngr it. Eine öffentliche Versammln«» der Schuhmacher für den Osten tagte am Montag bei Roll. Ad'albertstraße, in der Hain- i» acher über:„Die gegenwärtige Lage der Schuhindustrie itnd ihre Arbeiter" reserirte. Aus den Ausführungen des lliefcrenten sowohl, als auch den der Diskussionsredner war zu entnehmen, daß die Arbeitsverhältnisse der Schnhmacher- Gesellen äußerst traurige sind und insbesondere diejenigen geradezu als die Parias der Arbeiter bezeichnet werden können, die in de» be- riichiiglen Keller- Werkstellen gezwungen sind, sich ihr Brot zn verdiene». Wie angeführt wurde, niiisseii diese Arbeiter i» diesen ungesunde», dumpfen, oft nassen Räumen, in die häufig kein Tages- licht dringt, täglich 12 bis 16 Stunden und mehr und auch des Sonntags noch arbeiten,»Iii dann schließlich einen Lohn von ILM. wöchenllich zu erziele». In vielen Fällen aber werden überhaupt keine Gesellen beschäfligt und der„Meister" verlegt sich ganz nnd gar ans die Lehrlingsansbentung, um seine Existenz z» fristen. Diese Lehrlinge, die»ieistens bei schmaler Kost 14 nnd 16 Stunden be- schäfljgt werden, rekrntiren sich fast nur aus Waisenkindern oder sie werden ans der Provinz herangezogen, da die Eltern in den Großstädte» ihre Kinder von diesem Gewerbe ivegen der erbärmlichen Zustände scrnhallen. Mit dem Großbetriebe, der sich innner mehr Eingang verschafft und sich besonders in den letzten Jahren außerordentlich ausgedehnt hat, wollen die Handwerksmeister aus diese Weise die Konkurrenz ermöglichen. Verschiedentlich wurde trilistrt, daß die Behörde nicht gegen die ungesnnden Schlafrnume nnd Keller-Werk- stätten einschreiiet nnd überhaupt eine bessere Kontrolle ansübh um anch die Sonniagsarbeit wenigstens einigermaßen zu beschränken. In den sogenannten Besohlungsanstalle» sind, wie behauptet wurde, die Arbeitsbediiignitgeii ebeusalls sehr schlechte und bei aus- gedehnter Arbeitszeit die Löhne sehr minimal. Nach« dem wiederHoll auf die Nolhinendigkeit der Organisatioil hingewiesen und zur regen Agitation für dieselbe aufgefordert ivordeu war, gelangte eine entspccchende Resolutio» zur Annahme. Z»m Schluß wurden einige„Werksiellen" bekannt gegebe», die nach den Aussührnnge» eines Redners derartig gesnndheitsschädlich sind, daß dieselben polizeilich als Arbeits- nnd Schlaframn inbibirt werden mußte». Es sollen»ach dieser Richtung in nächster Zeit noch weitere Recherchen vorgenonnne» und das Material der Arbeiter-Sauitäls- konnnission überwiese» werden. Tie Rabitzpnizer beschlossen in ihrer Versammlung am 22. September nach einem Referat von Rücke, bei den Firmen Boswan». Knauer, Zöllner». Stüwe am Montag, den 27. d. M„ einen Stnndenlohn von 65 Psg. zn verlange» und im Weigerungs- falle die Arbeit niederzulegen. Der Streik ist mittlerweile eingetreten Landaa& Lanlerbach BERLIN 8 Üeye Promenade 8 MP" gegenüber Ltsätbakvdok„vorse""WW chuhwaaren. � �,. Herren- u. Knaben-Garderobe.... Nfi� Anfertigung nach Maass unter Garantie besten Sitzes. Eröffnung! Sonnabend, den 2. Oktober« I a m m /% M Dicker Cober, mit ireitrm Joppen»»'» mm t h. Baer Sohn Fabrikation von Strapazirfühig«. feite Kabrikat« niit warmem Kutter. Viele Sa�ous sb- Herren- u. Phaniasiegewebc t apart Mustem mit elegantem Futter Neue Jasons 1«.- 24a. Chausseestr. 24a. 11. Brückenstr. 11. 16. Gp. Frankfurterstr. 16. 15 M. Alle Preise sind streng fest und w Zahlen Siimmtliche �Vlntvr-Hfviikelteil sind eingetroffen, ltlockernv ausgezeichnet. Mädsl. �pisgel und Polsterwaam 7 Conipl. Wohniiii.�8- Einrichtungen. Pmmr TlilTOIIOn Tiscblermeister,[23582" 1 i(lllä I U�ÄUvt, Berlin SW., BEUcherstr. 14. Direct von Aachen! rycltbcrllhnit durch seine im Inlnnilo und Anslanilc prttmllrten reellen Tnchwaarcn, jrersenden wir zu - anerkannt niedrigen Preisen Herren- A n z n gf- und l'aletotatoffe vom einfachsten bis zum elegantesten. Vorzügliche Musterauswahl franco an Jedermann! Zahllose Knipfchlungen aus allen Kreisen beweisen unsere Eeellität! ♦ Alnnnnnl Phnifiai uns. bekannte Spezialität, kosten eliüllU|jwS',*UllwiSOl 3l/sMot. schwarz, blau od. braun zu r'einem gedieg. Anzug gSgr- lO M. lAnerkennnngnachrelbcnu.MaclibcstcIlnnK'cn tägl.! WllkeH.V< le, TuchindnHtrie, Aachen\<>. 7H. w.'--S tyS&ZMi!... •"ffk StolT- Rest« zu Anzügen P Her reit- a.. '■XnaalaAza StolT-Restc für jedes Älter Ol_■ik lin B»A IJ- uon M?- M. 1.- �jj an. � a SV Herrenhoscnrestos reu fje&~ S JH. a». CM Ä Haltbarkeit der Stesse miter Garantie![Sb/14»' F. Umsonst zuneschnitteii. B n g s I, ZAiinzstr. LK, part.« H] Wer Stoff hat, sertiae Anzug, feinste Futtersache».« k NV M. 18.-.-DW fein fem M- M. 2«.-. ftnBM!lrtO|tl,tl.aKäntet' Winterhosen, vorjährige, nach Maast« DOIltltjOIttlst' bestellt, nicht abgehott, verkanse Hälfte Kostenpreis, ö Wäsche hält länger und bleibt länger rein, wenn mit Karol WeirnScifenextract gewaschen. Es entfernt den Schmutz vollkommen und Kragen und Manschetten werden nicht faserig, weil die Wäsche geschont wird. Karol Well's fteifenextract ist die beste trockene Seife in feinster Pulver-| form. Nehmet nichts anderes als graue Fackete mit Schutzmarke Waschfass. Das Vorzüglichste: Möbel Tischlerei miii-Kager comp!. Wohnnngs-Eiurichtnngen empfiehlt in jeder Holz- und Stylart, vom einfachsten bis zu dem elegantesten, zn den billigsten Fabribpreisen. «fuHns Apelt, Tischlemeißer, Skalitzevstv. 6» py Zn erreichen mit allen Pferdcbahnliuien nach dem Kottbnscr-Thor."99 23572* Or-SimmeLSlSS, Spezialarzt f. Haut n. Harnleiden. 10-2, B— 7. Sonntags 10-12, 2-4. 3n(nt �Atoliev. Klinstl. Zähne in tadelloser AuS- lährung v. 3il)t., P.omben v. 2M. an. Schmerzlos. Zahnziehen mitt. Cocain, Clurelhhl, Chloroform und 2achgaS unter 2cil»ng etiles prall. Arztes. Bei Bcstellnng v. liinsti. Zähnen Zahn- ziehen, Zahnreinigen»mfonst; Raten- zahlnng gestallet, Woche 1 M.* hgnckcl, 2a»siher Plag 2, Elfasserftrabe 12, Slcglihcrstraste 71. zlumlnium-Vedizze. 2� HnK'vI HVvtK's Dieblingsseife der Damenwelt. Preis per Zahn in». Platte 4 Mark Kan4»cbnk-,s,c PrciS per Zahn in». Platte 3 Mark. Plomben 1,50 M., Zahnzichen IM. SchmcrzloseSZiehen eines od. mehrerer Zähne(2achgas-od.Chlorosorinnarlose) im Beisein eines Arztes 8 Mark. Valdemar und Reinhold Haupt, Bruiiiieustraste 18 II. Frauksiirterstraffe 113 II. We i). 2 Mr!"3iÄ"; Ol iga Jacobeton, FnDalibcnst. 145. Wöbel, 8|»lcgcl n. Polstcrwaarcn 8 reell, zu soliden Preisen, empfiehlt i. SlrelOW, Tischlermstr Itirhrtff Nichardstrafte 116, Jll.tUU(|» am Denkmal• M. u. W. Müller s Nordlicht t Müller* NORDLIC hat sich durch seine vorzüglich wohlschmeckende Qualität in vielen Haushaltungen einen ständigen Platz erobert Statt thcuren Kognak und ausld. 2iköre nimmt man nach der Mahlzeit gern ein Gläschen von ltl. dir W. Mttller'z Mordlicht als BcrdanungShilsSmittel. Jf. A W. MUIlcr'H Mordlicht, ei« hochfeiner alter Nordhäuser. 1890 mit goldener Medaille imd Ehrenzeugniff prämiirt, ist nur echt und unverfälscht in unseren mit Firmengub im Glase versehenen Original- laschen, die mit unseren Firnrenlapseln verschloffen und mit unserem geschiitzten blauen Eliquette versehen sind, überall für 1 Mk. inkl. Flasche käuflich, wo unser nebengedruckteö Plakat aushängt. I» Konmrrenzgeschäftcn giebt man ähnliche Qualitäten Nordhäuser nicht uuter 1,50 M. ab Sin Versuch liefert Beweis. Nordhäuser Kornbranuttvein-Brennerei, Berlin. Waldemarstr. 20. Möbel in sedem Stil und jeder Holzart äuberst billig, auch aus Theilzahlung. Gr Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel 22502' OnsniensKn. 73« Tätlich von 7 Uhr morgens bis 0 Uhr abends: Verlauf frisch gek. fchw. pnlf. uud finn. Kleisches. Rindfleisch... pro Pfd. von 30 Pf an, Schweinefleisch..,„ 40 Pf.[29051." Verivallllnx der üoelianstiilt 8tädt. 8chlachthot fertige ketten gr. Stand Oberbett, -- Unterbett, j zwei KopMffcn mit acreiiiigten neuen Federn, von 12 M. an, fertige Inletts, Bettwäsche, Matratzen jeder Art, Stepp-, Schlaf-, Bettdecken und Polster- Bettstellen empf. billigst das als streng reell bekannte, 1870 gegr. Spczial-Gesch. 8. Pollack, Oranienstr.vl.am Moritzplatz :Ä3 m« Fertige Garderobe. Paletot zu 15, 17, 20, 25. 30 M. Anzüge zu 18, 20, 25, 30, 35 M. Mäntel zu 20, 23, 25. 28, 33 M. Joppen 8, 10, 13, 15, 18 M. verkauft mit wenigem Verdienst J. TomporowHki, Schneidermstr., Jüdenstr. 37, 1. Etage. Kein Laden. Bei Garderobe nach Mab THeilzaHl. monatl.lOM gestattet. Graeke's Fleekwasser beseitigt jeden Fleck, ohne den Stoff anzugreifen, ä Flasche 25 Pf.Droguerie Stctttnerstr. 03,«. Greese. 31252' Möbel auf Credit liefert Äalirn hinaus bei aus Bettcnsabrik von o. Felhel, i Berlin M-,[3181L' h ■ Ehauffeeftr. III. Usa H I Preislisten frei!■i-iaiwaH MnKes Nachlässe. Schuh. »VtzUUV», waaren. wie sämmil. arttewaaren kauft zu hohen Preisen cblcnlnxcr, Änklamerstr. S2. Proben u. Preislisten portofrei. Mittwoch, Donnerstag, Freitag Versand- Abteilung Berlin W. Leipzigerstr. III. weiss u. orJme Gardinen, Meter 40, 50, OO, VO, 90 Pf Fenster(2 Chäles) � 3�40� 4j— 5 4:j50j Mk. ßardinenhalter,>•<>» 30, 40, 60» Gardinen-Stangen l,io Portieren I,is, 1,75, 2,75 Steppdecken,°«-°. 5, so, 8 � Plättdecken 1«■ 1,45 � Kongress-Stofie, sr«-. a-.w glatt Meter 45, 50, 65 Pt gestreifte Meter 45, 56, 66 Pt Holzwaren 125 cm 4 Mk. Paneele, Li�e � � 1,80, rS,S». Bauerntische 2,4® ml Cigarrenschränke 4,?- Mk. Vogelkäfige, sechseckig, 4,vs Mk. Vogelbauer-Haken 40pt Handtuchhalter OOpi Klelderrlegel 5 Haken, A vernickelte Haken 55 Pf. 1,40 Mk. Papierkörbe, vergoldet, A,s® Mk. Lampen Tischlampen, Metoiifuss, 1,5® und s,- Mk. ,, Blumenmuster T,85, Delttmuster 3,30 Mk Hficbenlampen S6 Pf. HaCbtlaMpen, Delftmuster 55 Pf- Petroleumkannen �" UUT V elour-Teppiche Grösse es. 135/200 160/240 200/295 cm 36 Mk 13, s®, Ä5, Velour-Vorleger 3,»«- Tischdecken, 2,25, 3,20, 5,40» Möbel-Köper, 40 Möbel-Krepp, 65 Geiärbte Ziegenfelle Pf. Pf. Grösse ca. 50/80 65/110 mit Futter 75/125 76/175 cm. Ä, 4,»s, 5,50, y,«5 M. Ängorafelle, stiert, mit Futter, Grösse ca. 40/70 50/80 55/90 70/100 cm. gestreute meter stAaF,«FV, W"« v" v«vmu.ivv,uuvw �■[�■nn■■,,> Damen,- Con.£$otloz3. Grosse Auswahl in allen Preislagen.■- 1,50,£,10, 3,«5, 4,75Mk. Postkarten- Album! In elegantem Einband «OO 500 1000 Karten ,10, 3,85, 6,30 Mk. Warenhaus AWertheim Beranlivortlicher ilicbnfteur: Augnst Jacobe» in Berlin. Für den Jnserateiitheil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.