Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erfcheint morgens uns nachmittags, Sonntags and Montags mus emmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10 m. im voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen sämtliche Poftanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Desterreich, Ungarn, Danzig, das Saazu. Menelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens u.Luremburgs 20 M., fir das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 m. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin€ 2, Breite Straße 8.9. Freitag, 5. August 1921 Nummer 362 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezetle ober deren Raum hoftet 5,- m. einschließlich Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Teuerungszufching. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und StellensBesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgebruchte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1. m. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 Freiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Dentfchlands Die Teilungspläne für Oberschlesien Schwierige Entscheidung Es spricht alles dafür, daß die gestern durch die Agentur Radio verbreitete Meldung, wonach die endgültigen Be Schlüffe in bezug auf den größten Teil Oberschlesiens bereits gefällt worden seien, von der französischen Regierung veranlagt worden ist. Offenbar hat man den Weg über London gewählt, um den Glauben zu erweden, als ob die englische Regierung bereits im Einverständnis mit diesen Teilungsplänen fei. Davon tann aber noch keine Rede fein. Vorläufig scheint es sich lediglich um Stimmungs mache und um Mutmaßungen zu handeln, die von eifrigen Reportern an die Beratungen der Sachverständigen fommission gefnüpft werden. Die endgültigen Beschlüsse" dürften wohl nur die Wünsche der französischen Regierung Darstellen. Gegen die Neutralisierung eines Teiles von OberSchlesien und zwar des wichtigsten, nämlich des eigentlichen Industriegebiets, werden sowohl von der französischen wie von der englischen Presse Bedenten erhoben. Der„ Temps" erklärt, daß man die oberschlesische Frage nicht offen lassen und damit eine flaffende Wunde in dem franken Europa Schaffen dürfe. Ebenso sagt der oberschlesische Berichterstatter des Manchester Guardian", daß der Neutralisationsplan vielleicht vollkommen unparteiisch erscheine, er habe jedoch seine gefährlichen Seiten. Bon größerer Bedeutung als dieses Hin und Her von Meldungen und Berichten ist, was der Berichterstatter des ,, Manchester Guardian" in Paris von angeblich hervor ragender, vollkommen zuverlässiger Seite erfahren haben will: Danach habe ungefähr vor einer Woche Briand einem Vertreter der polnischen Regierung in Paris mitgeteilt, daß, wenn Frant reich bei der kommenden Sigung des Obersten Rates in Paris eine polenfreundliche Politik verfolge, es isoliert sein werde. Wenn Frankreich versuchen wollte, irgendwelche der anderen alliierten Mächte für seinen Standpuntt zu gewinnen, so müßte es in London, Rom und vielleicht sogar in Brüssel Zugeständnisse machen. Diese Zugeständnisse würden zu der Untergrabung der Regierung Briands und vielleicht zu deren Sturz führen. Die Frage der 3ugeständnisse sei schwierig, da die griechischen Siege die Stellung Englands in Kleinafien gestärkt und die Stellung Frankreichs ge Schwächt hätten. Frankreich sei tatsächlich nicht in der Lage, in Oberschlesien eine antienglische Politik zu treiben. Es könne es fich nicht leisten, Bolens wegen einen Bruch mit England zu ristieren. Wenn dagegen Oberschlesien neutral würde, dann würden die Interessen Frankreichs auf dem europäischen Festland eher gewinnen als verlieren. Frankreich wäre dann in der Lage, ein starkes reguläres Heer in Oberschlesien zu unterhalten. Dies würde für Frankreich sowohl anläßlich eines russisch- polnischen Krieges, als auch bei ernstlichen Berwicklungen mit Deutschland von Vorteil sein. Der Korrespondent des„ Manchester Guardian" berichtet, Polen sei dem Neutralisationsplan feindlich, denn es wünsche einen Anteil an Oberschlesiens materiellem Reichtum, felbst wenn es nur Bleß und Rybnik erhalte. Deutschland widersetze sich selbstverständlich diesem Plan noch mehr als Polen. Diese Meldung des englischen Blattes hat insofern große Wahrscheinlichkeit für sich, als es sich bei der oberschlesischen Frage in der Tat um ein Teil des weltpolitischen Komplexes handelt, an dem in Europa und im nahen Orient England, Frankreich und Italien, in der übrigen Welt auch die Vereinigten Staaten und Japan beteiligt sind. Oberschlesien mag für Deutschland und für Polen eine außerordentliche Bedeutung haben; für die Alliierten ist das Schicksal des Landes nebensächlich, es wird bestimmt von ihren eigenen übereinstimmenden oder gegensätzlichen Interessen. Je nachdem die weltpolitische Stellung der einen oder der anderen Ententemacht sich verändert, wechfelt auch die Rolle, die Oberschlesien in der Politik der Entente spielt. Die Niederlage der türkischen Nationalisten hat in dieser Beziehung einen viel größeren Einfluß aus geübt, als es selbst hundert Reden deutscher Minister tun fonnten. Es stellt sich mit immer größerer Deutlichkeit heraus, welchen schweren Fehler die deutsche ebenso wie die polni sche Regierung begingen, als beide auf die Entscheidung der Alliierten gewartet und nicht den Versuch unternommen haben, eine Verständigung über Oberschlesien herbeizuführen, die die wirtschaftlichen und politischen Interessen beider Länder berüdsichtigt hätte. Die fapitalistische Staats funst zeigt bei der Lösung des oberschlesischen Problems noch einmal mit aller Deutlichkeit, wie wenig sie imstande ist, die wahren Bedürfnisse der Völfer zu befriedigen. Die Rückendeckung für Lloyd Georges Rüstungen zur See und des engliſch- japaniſchen Bündniſſes ſeien London, 5. Auguft. Wie der„ Daily Telegraph" berichtet, ist die Politit, für die Lloyd George in der bevorstehenden Pariser Konferenz des Obersten Rates bezüglich Oberschlesiens eintreten wird, von der Konferenz der Premierminister bes britischen Reiches gebilligt worden. Zum ersten Male seit der Friedens tonferenz werde daher die britische Politik auf einer Konferenz der Alliierten nicht nur Großbritannien, sondern das gesamte Britische Reich vertreten. In einer in Carnarvon gehaltenen Rebe drüdte Lloyd George die Hoffnung aus, daß auf der Konferenz des Obersten Rates ein Einvernehmen erzielt werde. Noch fein Ergebnis der Sachverständigen Paris, 5. Auguft. Bertinag bestätigt heute im Echo de Paris" von neuem, daß der Sachverständigenausschuß in der oberschlesischen Grenzfrage noch zu feinem Ergebnis gekommen sei. Es scheine im Gegenteil, daß die Sabgier der englischen Regierung das In dustriegebiet nicht teilen wolle. Notwendigerweise stünden sich jo die franzöfifche und die englische Auffassung gegenüber. Die letzte Sitzung der Reichskonferenz London, 5. Auguft. Seute findet, wie mitgeteilt wird, die letzte Sigung der briti schen Reichstonferenz statt. Lloyd George wird wahrscheinlich zugegen sein, Der politische Mitarbeiter des Daily Chronicle" schreibt, die Konferenz habe die tonstitutionelle Stellung der verschiedenen Teile des Britischen Reiches hinsichtlich der Beratung der Krone in den Fragen der auswärtigen Bolitit festgestellt. Der Berichterstatter betrachtet diese Tatsache als einen Wendepunkt in der tonftitutionellen Geschichte des Britischen Reiches. Man sei auf der Konferenz übereingekommen, daß die britische Politit alle Demokratien des Britischen Reiches vertreten müsse, so daß von jezt ab das Britische Reich mit einer Stimme spreche. Die aus wärtige Politik werde durch die Konferenz der ersten Premier: minister bestimmt. Wenn diese Konferenz jedoch nicht tage, werde die auswärtige Politit von der britischen Regierung geführt, nach dem diese schon vorher den Rat der Dominien eingeholt habe. Außerdem sei, wie der politische Mitarbeiter des„ Daily Chros nicle" berichtet, beschlossen worden, daß die Notwendigkeit eines Zusammenarbeitens mit den Bereinigten Staa ten in Angelegenheiten der Welt der erste Grundsatz der britischen Politit fein müsse. Die pazifische Frage, die Fragen ber daher bis nach der bevorstehenden Konferenz in Washington vers schoben worden. Die Konferenz der Bremierminister des Britis schen Reiches habe sich auch für die Politik einer engen 3uJammenarbeit zwischen England und Frant. reich ausgesprochen. Die deutschen Biehlieferungen Paris, 4. August.. In einer Note der Reparationsfommission wird bekanntgegeben, bag in den nächsten 6 Monaten auf Grund des Anhangs 4, Teil 8, des Friedensvertrages von Deutschland folgende Biehlieferungen ausgeführt werden müssen: Pferde 29 400, Schafe 130 000, Horns vieh 175 000 Stück. Diese Viehlieferungen sind vorzunehmen, außer denen, die auf Grund gewisser Vereinbarungen verschiebener alliierter Regierungen mit Deutschland als Ersatzleistungen für Artifel 238 vorzunehmen sind. Die Hilfsaktion für Rußland TU. Genf, 5. August. Die Tschechoslowatet hat gestern bei Gustav Ador und dem Roten Kreuz Schritte unternommen, damit eine Hilfsaktion für Rußland organisiert wird. Alle Staaten, Amerita einbegriffen, werden eingeladen werden, sich an diesem Werte zu beteiligen. Die Kommission des Internationalen Roten Kreuzes hat gestern in Genf getagt und den Text eines Rundschreibens festgelegt, das an alle Staaten telegraphiert wird. TU. Paris, 5. Auguft. Das Auswärtige Amt hat an die Preffe folgende Mitteilung erlassen: Der Vorsitzende des Ministerrats hat den Alliierten vorgeschlagen, auf die Tagesordnung des Obersten Rates unter die Hauptpunkte auch die Frage zu stellen, ob die Alliierten zusammen mit den Vereinigten Staaten an Maßnahmen zur Lebensmittelbeschaffung für Rußland teilnehmen können. Die Reaktion in Jugoslawien Beelgrad, 4. August. Bei Schluß der Sigung der gefeggebenden Versammlung, in der die Aufhebung der Parlamentsimmunität Don 58 tommunistischen Abgeordneten beschlossen wurde, ver haftete die Belgrader Polizei die Mitglieder des Exekutivausschusses der Kommunistischen Partei. Anfläger Caillaug II. Caillaur hat übrigens nicht bis 1917 gewartet mit seinem Bestreben nach dem Verständigungsfrieden. Schon 1914 nach der Marneschlacht hielt er die Stunde für ges fommen, dem Völkermorden ein Ende zu bereiten. Bekannts lich haben damals selbst deutsche Militärs schon die Ueberzeugung gewonnen, daß Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen fönne. Dem deutschen Volte wurde diese Wahrs heit ängstlich verborgen und der Kriegstaumel weiterge schürt. Wie anders würde dieser Friede von 1914 oder Anfang 1915 ausgesehen haben als der von 1919! Caillaug hebt hervor: „ Die Geldopfer waren unbedeutend, die ohne Frage schmerz lichen Menschenverlufte noch äußerst geringfügig. Wäre 1915 der Friede gefommen, so wäre es für die 3entralmächte allerdings nicht der Hentersfriede geworden, der 1918 Plaz griff, doch wenn man die Bilanz zieht aus Sypothese und Wirklichteit... dann sieht man sich doch zu der Feststellung gezwungen, daß der Friede nach der Marne und der ser der einzigen das mals siegreichen Nation, nämlich Frankreich, die Hegemonie eins getragen hätte, die moralische Hegemonie versteht sich. Ist davon im Jahre 1918 noch die Rede gewesen? Es genügt, daß ich die Frage stelle( Caillaux zeigt wiederholt in seiner Schrift, daß der Kriegsausgang die Hegemonie der Angelsachsen gebracht hat, den Triumph des gefährlichsten, weil weitgreifendsten Imperia lismus, des englischen).. Und damals hätte von zwei Möglichkeiten die eine zutreffen müssen: Entweder wir hätten zu einer internationalen Organisation gelangen können, die Entwaffnung durchdrücken mit einem Wort: die Demos tratie in Europa verwirklichen oder aber die Widerstände gegen die große Menschheitsbewegung hätten sich noch einmal in Deutschland und Desterreich erhoben, und die beiden nationalen Gruppen hätten weiterhin einander gegenüberg standen... Und Caillaux zeigt dann weiter, wie in dieser Lage die Stellung Frankreichs gestärft, wie der preußische Militariss mus noch schneller in sich hätte zusammenbrechen müssen vor der demokratischen Hochflut, die seine Weigerung entfesselt hätte, und wie England sich da mit einer bescheideneren Rolle hätte zufrieden geben müssen. Diese Gedanken Caillaur haben die Logik und den gesunden Menschenverstand ebenso wie das wahre Interesse Frankreichs und der Menschheit für sich. Natürlich sind sie deswegen von den Rationalisten und Reaktionären, die in Frankreich nicht minder dumm und bösartig sind als in Deutschland, aufs grimmigste befämpft und verzerrt worden. Wir begreifen, daß dieser Mann von den Realtionären Frankreichs bitter gehaßt wird, noch besser, wenn wir uns seiner Rolle im Jahre 1911 erinnern, wo er in der Ma= toftofrise gegen die Meute der französischen und deuts schen Kriegstreiber den Frieden zu erhalten, die Verständi gung zu finden wußte. Caillaug hat damals einen tiefen Einblick in die zum Kriege drängenden Kräfte in beiden Ländern getan, und das befähigt ihn, sich auch jetzt über die offizielle Lüge zu erheben und den Anteil der Reaktionäre Frankreichs an der Kriegsschuld offen anzuerkennen. Er schreibt: „ Ich hatte im Jahre 1911 den Weltkrieg abgewendet. Wenn ich in der Macht blieb, insbesondere, wenn ich die Führung übernahm, wie es nach den Wahlen vom Mai 1914 vorauszu sehen war, so fonnte ich meine Bolitik fortsetzen, die auftauchens den internationalen Schwierigkeiten lösen, zusammenfassen, verhandeln, Zeit gewinnen und die Kriegspartei wußte nur zu gut, daß die 3eit gegen fie arbeitete. Die Aldeutschen, um die große Hoffnung gebracht, die sie 1911 ge= nährt hatten, wütend, weil ihnen die schöne Gelegenheit" ents schlüpft war, bestanden fest darauf, daß derartiges nicht noch einmal vorkomme. Sie mußten schnell machen und infolgedessen die Hemmnisse umrennen, welche die ungeduldig erwartete Feuersbrunst zu verhindern drohten.( Caillaur behauptet, daß der Figaro", der 1914 den befannten unsauberen Feldzug mit Privatbriefen gegen ihn führte, dem der Revolverschuß seiner Frau auf den Chefredakteur Calmette ein Ende setzte, von deutscher Seite, und zwar durch die Dresdner Bank und von der ungarischen Regierung des Grafen Tisza subventioniert und durch die Drohung, diese Tatsache zu enthüllen, zu diesen Angriffen gezwungen worden sei. Sie haben aber auch gleichzeitig den Wünschen der französischen Kriegspartei entsprochen, wie der nun folgende Teil des Zitats zeigt. Red. d.„ Freiheit".) Diese überlegten Absichten verbanden sich mit den Konflittwünschen, die unsere Reaktionäre im verliebten Leichtsinn zärtlich hegten, da sie zitterten vor den Finanz- und Sozialreformen und überzeugt waren, daß ein„ netter, fleiner Krieg", wie sie fich auszudrücken pflegten, mit den umstürzlerischen Plänen der Radikalen und der Sozialisten aufräumen würde... Wie wimmelte es doch von halben Bekenntnissen dieses Geisteszustandes in Reden, Artikeln und Büchern. In der rauhen Sprache eines Soldaten.. hat General Rebillot den ganzen Ges dankenschatz seiner Freunde in der„ Libre Parole" vom 13. Des zember 1914 von sich gegeben:„ Der Krieg allein fonnte uns retten, aber der Pazifismus würde ihn trog allem noch beschworen haben. Da hat sich die Vorsehung zu er tennen gegeben, indem sie es Kaiser Wilhelm auferlegte, uns den Krieg zu erklären." Ohne Zweifel hat sich gleichfalls die Borsehung zu erkennen gegeben, als sie einem Zeitungsdirektor bie Gorge übertrug, das stumme Einverständnis zwischen den Angriffsbestrebungen des von Jagow und Tisza und den Wünschen zu besiegeln, in denen die Gegenrevolutionäre ihre Auffassung vom Seile Frankreichs zusammenfaßten. An einer anderen Stelle erwähnt Caillaur eine Studie über die Schuld am Kriege, die er 1915 für sich verfaßt hat, die man in seinem Geldschrank fand und gegen ihn als Anklagematerial verwerten wollte. Er sagt da: .. Wenn ich schreibe, daß der Kriegswille Wilhelms II. zugleich voller Schwanken und Leidenschaft mar und sich gebeugt hätte, wenn er auf eine stolze und würdevolle Entschlossenheit zum Frieden gestoßen wäre, dann bringe ich ohne Frage damit eine Ansicht zum Ausdruck, die ich zur Stunde noch hege. Ebenfalls habe ich das Gefühl, daß es in Frankreichs Interesse lag, 3eit zu gewinnen, weil die Zeit für uns gegen die Deutschen arbeitete und weil man es hätte erreichen können, wenn man Klugheit und Ruhe an den Tag gelegt hätte, wie sie bei uns gefehlt haben. Ich bin immer noch überzeugt davon, daß es ein Fehler von seiten der französischen Regierung war, wenn sie der russischen Mobilmachung, die Deuhaland den gesuchten Vorwand für Aufrollung des Dramas lieferte, nicht im Einvernehmen mit England vorbeugte oder sie wenigstens hinausschob." Caillaug wendet sich gegen den Einwurf einiger seiner Freunde, daß er, beeinflußt durch seine Erfahrungen von 1911, die Verschiedenheit der Situation im Jahre 1914, die Erfegung des Staatssekretärs v. Kiderlen durch einen gelehrigen Schüler der Alldeutschen( v. Jagow) vergesse. Er halte diesen Einwurf nicht für entscheidend. Indes bes hält er sich das endgültige Urteil vor. Er werde darüber nichts veröffentlichen, ohne vorher mit peinlichster Aufmerksamkeit alle Dofumente über die Ursprünge des Konflifts geprüft zu haben, die schon erschienen sind oder die in den nächsten Jahren herauskommen werden... Ueber die unmittelbaren Ursachen des großen Krieges werde ich nichts erscheinen laffen, bevor nicht die Archive der meisten Regierungen den Kern ihrer Geheimnisse ausgeliefert haben." Nach all dem verstehen wir, daß Caillaur nächst dem großen Kriegsbekämpfer Jaurès der meistgehabte Mann für Reaktionäre, die Nationalisten und Monarchisten gewesen ist. Der Revolver, aus dem die mörderische Kugel auf den großen Sozialisten und Menschen Jaurès abgefeuert wurde, enthielt nach Versicherungen, die der Justizminister Viviani im Jahre 1916 Caillaug gegeben hat, auch eine Kugel für diesen: 3wei Tage lang hat ihn der Mörder Villain in jenen fritischen Augusttagen vergeblich gesucht. Im August 1916 wird Caillaur im Badeort Vichy von einer durch die Nationalisten aufgehezten Menge bebroht, verfolgt, in einem Hause mit seiner Frau stundenlang belagert. Der Mord mißlang. Schließ lich sollte der Justizmorb helfen. Auf diese Ausflüsse der strupellos die verbrecherischsten Mittel nutzenden Politik der französischen Reaktionäre, die eine eklatante, wenn auch feineswegs überraschende Aehnlichkeit mit der Politit unserer Rechtsput schisten und Orgeschleute aufweist und die intereffante Aufflärungen über die politische Kräfteverteilung im jezigen Frankreich gibt, soll in einem besonderen Artikel noch näher eingegangen werden. Auch da ist Caillaug ein unerbittlicher und gutbewaffneter Antläger. Für uns Deutsche aber ist die Anklage, die sein Buch gegen die deutschen Kriegsschuldigen und Kriegsverlängerer erhebt wobei er die Frankreichs nicht schont das Wichtigste. Der englische Gläubiger. Der englische Schazkanzler teilte in Beantwortung einer Anfrage mit, daß die Schulden der TschechoSlowakei England gegenüber 133 071 000 fund Sterling, die Schulden Bolens 70 690 000, diejenigen Frankreichs 5 922 741 000 Pfund Sterling betragen. Das beträgt auf den Kopf der Berölferung in der Tschechoslowakei 11 Pfund Sterling, in Polen 2 Pfund, in Frankreich 151 Pfund. Das amerikanische Der wiedergefundene Friedensvertrag. Exemplar des Friedensvertrages, das man lange vergeblich gelucht hat, ist nunmehr in einem Safe des auswärtigen Amtes wieder aufgetaucht. Arbeiter Büchertisch ( Der Arbeiter- Büchertisch erscheint jeben zweiten Freitag) Die russische Bolkspsyche Bon guten Beobachtern des deutschen Lebens ist mit Recht die Feststellung gemacht worden, daß man in Deutschland der Eigen. art des russischen Lebens und des russischen Bolfscharafters meist verständnisloser gegenübersteht, wie etwa dem Charakter der SüdJeeinfulaner oder der Chinesen. Trotz des jahrzehntelangen wirtschaftlichen Verkehrs zwischen den beiden Nachbarstaaten, ist die Schranke zwischen der deutschen und russischen Kultur noch lange nicht durchbrochen, ist namentlich die Kenntnis der komplizierten nationalen, wirtschaftlichen und fulturellen Probleme des russischen Riesenreiches in Deutschland in so geringem Maße verbreitet, daß für allerhand Phantastereien und Spekulationen der breiteste Spielraum bleibt. Bergebens hat eine Anzahl von Literaten versucht, den Schlüſſel zum Verständnis der russischen Boltspsyche in tiefsinnigen Bergliederungen der russischen„ Boltsseele", soweit sie ihnen in der Betrachtung einzelner Helden der ruffischen Literatur zugänglich erIcheint, zu erlangen. Namentlich die Helden in den Romanen und Novellen von Dostojewski sind ein beliebtes Objekt derartiger Betrachtungen, deren Ergebnis schließlich ist, daß man alles Rät felhafte und Unverständliche in der russischen Kultur und Geschichte mit dem mystischen Schleier der rätselhaften, widerspruchsDer Leser vollen, unergründlichen„ russischen Seele ,, umwebt. bleibt dabei so flug oder so dumm wie er war, denn durch die Erhebung der vorhandenen Rätsel des geseqschaftlichen Lebens in eine andere Dimension, deren Rätsel heilig gesprochen werden, fann weder die Erfenninis der Probleme des gesellschaftlichen Lebens gefördert, noch der Schlüssel zu den widerspruchsvollen Erscheinungen der russischen Boltspsyche und des russischen BoltsLebens gefunden werden. Einen Versuch zur Ueberwindung dieser Untenntnis macht Raphael Seeligmann in seiner Joeben erschienenen Schrift 3ur Pinche des russischen Boltes"( A. Seehof- Verlag, Berlin 1921). Es ist ein fleines anspruchlos auftretendes Büchlein, in dem in einer Reihe zwangslos aneinandergereihter Kapitel die verschiedenen Seiten der geistigen und fulturellen Entwidlung des russischen Bolles geschildert werden. Der Verfasser schöpft nicht nur aus dem reichen Inhalt der russischen Literatur, die in höherem Maße als in jedem anderen Lande ein Spiegelbild des gewaltigen Entwidlungsprozesses des russischen Bolles ist, er versucht auch die literarische Analyse, die bei ihm nie in leblose Spintifiererei ausartet, burch philosophische und soziologische Betrachtungen zu ergänzen, die gemeinsam ein fesselndes, fünstlerisch abgerundetes und tiefdurchdachtes Gesamtbild des russischen LeDer erste Deutsche in Paris Die Frankfurter Zeitung" begleitet die Tatsache, daß unser Genosse Crispien in Paris öffentlich sprechen fonnte, mit folgenden Bemerkungen: Die französischen Sozialisten haben im Trocadéro eine Gedenkfeier für Jaurès veranstaltet. Aus allen Ländern waren Abgeordnete erschienen, um dem großen Toten ihre Dankbarkeit zu bezeugen für sein unerschrodenes Apostolat des Friedens, in dem er als Märtyrer gefallen ist. Das Bemerkenswerteste an der Feier war vielleicht die Tatsache, daß ein Deutscher, der Führer der Unabhängigen Crispien, bei der Feier erscheinen und reden fonnte. Gewiß, die Versammlung bestand aus Sozialisten, und man hatte vielleicht Borsorge getroffen, um unwillkommene Kundgebungen zu verhindern. Nur ein einziger Störenfried machte sich bemerkbar, der aber rasch vor die Tür gesegt worden war. Crispien selbst stellte in seiner Ansprache fest, daß er der erste Deutsche sei, der nach dem Krieg wieder öffentlich in Paris spreche. Und er hat seine Rede auf deutsch gehalten. schen Bahnhof, Berlin, weiter nach Breslau gefahren. Das Ziel ist das Kommando des Oberst Schuster, das in der Nähe von Breslau stationiert ist. So wird also das Verbot der Reichsregierung mißachtet. So darf am hellichten Tage jede reaktionäre Aufruhrbande nach Oberschlesien fahren, ohne daß auch nur das geringste geschieht. So darf im hiesigen Café„ Ei spalast" in der Nauener Straße, dem Stammlofal des Verbandes nationalgefinnter Soldaten", allabendlich der Umsturzplan besprochen, dürfen neue reaktionäre Ränte geschmiedet und neue Transporte für Oberschlesien zusam mengestellt werden. Und es gibt in Potsdam feinen Staatss anwalt, dessen Auge über die Durchführung der Geseze wacht. Unser Vertrauen ist allerdings schon längst erschüttert. Erschüttert seit dem Fall Oppermann, zu dessen Klärung erst der General= Staatsanwalt beim Kammergericht in Berlin nach Potsdam tommen mußte, weil eben scheinbar auch dort das Mißtrauen gegen unsere Staatsanwaltschaft besteht. LM Wir hoffen und erwarten nun dringend, daß endlich diese hochverräterische Oberschlesien- Werberei in Potsdam unterbunden mirb, daß man endlich mal bei jenen Schurken zujaht, wie man es gewohnt ik in Fällen, in denen es sich um Arbeiter handelt. Wir wollen nicht allzuviel Hoffnungen an diesen Vorgang knüpfen. Aber er muß doch beachtet werden. Er beweist, daß es in Frankreich Leute gibt, die den Haß des Krieges überwun ben haben, die den Mut finden, sich mit deutschen Gesinnungsgenossen wieder zu gemeinsamem Streben zusammenzutun. Bielleicht hätte ein deutscher Mehrheitssozialist es nicht so leicht gehabt wie ein Unabhängiger. Solche Nuancen haben in Paris noch große Bedeutung. Trotzdem, der Vorgang behält seine volle Tragweite, die wir vor allem darin erbliden, daß es bis jetzt den Arbeitern vorbehalten blieb, sich wieder die Hand zu reichen und daß das Bürgertum noch immer dasteht, als ob die Schützen- rungsministerium die Absicht zu haben scheine, die vom Reichstag gräben nicht eingeebnet worden wären. Das Blatt hat recht, ein deutscher Rechtssozialist dürfte sich vor französischen Arbeitern noch nicht sehen lassen. Er fann sich, wie bei den Tagungen der 2. Internationale, höchstens mit jener besonderen höchstens mit jener besonderen Sorte von französischen " Sozialisten" an einen Tisch sehen, die ihre nationalistische Gesinnung heute noch so zur Schau tragen, wie es die Wort führer der Rechtssozialisten während des ganzen Krieges und noch lange nachher getan haben. So hat dieser Vorgang seine besondere Bedeutung; er zeigt, daß die deuts che unabhängige Sozialdemokratie es vorläufig allein ist, die das Vertrauen der Arbeiter auch in solchen Ländern genießt, deren Regierungen sich zu den Feinden Deutschlands zählen. Aber noch ein anderes zeigt die Kundgebung der französischen Sozialisten: nur in der gemeinsamen Aktion auf dem Boden des Klaffentampfes fann das Proletariat der natio nalistischen Verhehung und der chauvinistischen Revanchefucht Herr werden. Neue Transporte nach Oberschlesien! Aus Potsdam wird uns geschrieben: Wir haben in unserer Ausgabe vom 29. Juli an dieser Stelle auf einige Selbstschutzorganisationen, die heute noch frisch und fröhlich weiter bestehen, hingewiesen und dabei ausdrücklich für die Staatsanwaltschaft festgestellt, daß troß des Verbotes der Werbungen für den oberschlesischen Selbstschuh noch immer Transporte von Potsdam abgehen. Wir haben dabei die Angaben so bestimmt gemacht, daß es dem Staatsanwalt ein leich tes hätte sein müssen, hier endlich einmal ganz energisch aufzuräumen. So haben wir neben dem berüchtigten Oppermann auch seinen Nachfolger in der Leitung der Orgesch, den ehem. Leutnant Glödnet, Alexandrinenstraße wohnhaft, genannt und mitgeteilt, daß dieser unter Assistenz des Herrn Justizsekretärs Oppermann nicht nur die örtliche Leitung der Orgesch hat, sondern auch luftig weiter für Oberschlesien wirbt und die Angeworbenen in fleinen Transporten nach Oberschlesien schickt. Es wäre nun nichts einfacher gewesen, als diesem neuen Hochvers räter seine Tätigkeit schleunigst zu unterbinden. Doch weit gefehlt. Die Transporte gehen vor wie nach weiter. Der legte dieser Raubrittertransporte ging am 3. August, also vor zwei Tagen, von hier ab und wurde geführt von einem Vertrauensmann ber Or gesch, Herrn Bartet, hier, Ludenwalder Straße wohnhaft. Der Transport, den Herr Glödner abgesandt hat, fuhr mit dem Bor ortzug 12.02 Uhr mittags hier ab zum Potsdamer Bahnhof und ist mit noch anderen fleinen Trupps aus der Provinz vom Schlesibens liefern: Besonderen Wert gewinnen diese. Betrachtungen noch durch entsprechende Vergleiche mit einzelnen Seiten bes wefteuropäischen Lebens, so namentlich durch den Vergleich des Typus bes Revolutionärs, des Jntellektuellen, des Schriftstellers usw. in Rußland und in Westeuropa, einen Vergleich, der blighell Die Unterschiede zwischen diesen Typen, als den Produkten eines besonderen geschichtlichen Entwidlungsprozesses, beleuchtet und zugleich die Schwierigkeit des gegenseitigen Verstehens der Träger der östlichen und westlichen Kultur erkennen läßt. Es mag als Mangel der erwähnten Schrift empfunden werden, daß der Verfasser sich einerseits unverhältnismäßig viel mit den Intellektuellen und wenig mit den Vertretern der großen Masse, der Bauern und Arbeiter beschäftigt, und daß er andererseits bei ber Analyse gewisser Probleme an ihren ideologischen Ausdrudsformen haften bleibt, ohne sie in ausreichendem Maße geschichtlich und soziologisch zu ergründen zu suchen. Manche Lüde in der Schrift wäre durch eine solche Bertiefung ausgefüllt, manches Unfertige und Rätselhafte, das etwa mit dem Hinweis auf die ,, religiöse Veranlagung", auf den Massentrieb", auf das„ östliche Denten" des russischen Boltes erklärt wird, wäre auf diese Weise dem Verständnis näher gerüdt worden. Doch trok dieser Mängel fann die fleine Schrift Seeligmanns allen benen auf das wärmste empfohlen werden, die ernstlich in das Studium des russischen A. Stein Boltsleben eindringen wollen. Ein Buch über Ungarn Das Ungarn der Gegenrevolution, bas, mit dem Mäntelchen des Christentums umhangen, dem schändlichsten Terrorismus huldigt, dieses Ungarn stößt auf den Saß der internationalen Arbeiter Elasse. Aber so wenig das Noste- Deutschland das wahre und alleinige Deutschland war und ist, so wenig ist das Horthy- Ungarn das wahre und einzige Ungarn. Die liebenswürdigen und hel dischen Züge des ungarischen Boltes und Landes, seine ruhmvolle Bergangenheit als Schuhwall des Abendlandes gegen die Türfen, seine leicht entzündbare Begeisterung und nicht zulegt Jeine revolutionäre Energie, all das liegt jegt begraben unter dem Schutt des viereinhalbjährigen Weltfrieges, ber rasch aufeinanderfolgenden bürgerlichen und proletarischen Revolution und der hereinbrechenden Reaktion, die heute noch herrscht. Echon immer fanden die lebendigen Kräfte im ungarischen Bolte, die Bauern und Arbeiter, nicht die Auswirkung, die dem Lande eine ausgleichende Kraft und eine große Entwid lung gegeben hätte. Die ungarijchen Großgrundbefizer, die Magnaten, beherrschten das Land. Die politischen Vorrechte und bas Privileg an Befih und Bildung gaben ihnen die Macht dazu. Lieferten so die inneren Verhältnisse Ungarns, zu denen noch die Nationalitätenfrage hinzutrat, reichlich Stoff zu er bittertem politischen und fulturellen Kampf, so bildete das ftaatsrechtliche Verhältnis zu Desterreich nicht minder eine schwere Belastung der ungarischen Bolitit. Kein Wunder, daß dieses Die froßenden Agrarie Sabotage des ilmlageverfahrens Als wir vor einigen Tagen bemerkten, daß das Reichsernäh beschlossenen Geseze außer Kraft zu setzen, und dabei insbesondere auf dessen eigenartige Stellung zum Umlageverfahren hinwiesen, erhielten wir von dieser Stelle eine Zuschrift, worin gesagt wurde, daß der feste Wille bestehe, das Umlageverfahren durchzusehen. Es sollen lediglich Nachprüfungen vorgenommen und Erleichte rungen zugestanden werden, wenn es sich herausstelle, daß die Landwirtschaft nicht in der Lage sei, die Getreideumlage zu ers füllen. Für unsere Annahme, daß diese Nachgiebigkeit des Reichsernährungsministeriums die Agrarier lediglich dazu veranlassen werde, sich dem Umlageverfahren gänzlich zu entziehen, liegt heute bereits die Bestätigung vor. Die Reichsgetreidestelle hat von den ost p re ußischen Agras riern verlangt, daß sie insgesamt 4 367 500 Doppelzentner Brots getreide aufbringen sollen, was bei einer Anbaufläche für Brotgetreide von 426 000 Settar 5 Zentner für den Morgen ergeben würde. Die ostpreußische Landwirtschaftstammer erläßt nunmehr eine programmatische Erklärung, in der behauptet wird, daß die Ernte in weiten Teilen der Provinz weniger als 5 Zentner pro Morgen und nur in einigen Teilen vielleicht 7 Zentner pro Morgen betragen werde. Sie fei infolgedessen außerstande, die Umlage auf die Kreise zu vers teilen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Sie fagt weiter, daß die einzelnen Kreise und die Landwirte über die Höhe der ihnen zugemuteten Umlage in Streit geraten würden und daß dadurch die ostpreußische Brotversorgung gefährdet werden tönnte. Die Landwirtschaftskammer fordert zwar am Schluß ihrer Kundgebung die Landwirte auf, nach besten Kräften Getreide abzuliefern; es ist aber flar, daß die ostpreußischen Agrarier es schon verstehen werden, wie die Kundgebung in Wirklichkeit gemeint ist, nämlich als eine verftedte Aufforderung zur vollkommenen Sabotage des Umlageverfahrens. Was gedenkt das Reichsernährungsministerium zu tun, um den Trotz der Agrarier zu brechen? Will sie schon bei Beginn der Ernte zulassen, daß das Umlageverfahren außer Kraft gesezt und dem Bedürfnis der Großgrundbesitzer nach der Auswucherung der verbrauchenden Kreise der weiteste Spielraum gegeben wird? Ein Geleh gegen den Grafen Rarolni. Die ungarische Natio nalversammlung nahm ein Gesetz über die vermögensrechtliche Berantwortung der Hochperräter" an. Danach kann das in Ungarn befindliche Vermögen von Hochverrätern" ohne weiteres beschlagnahmt werden. Obwohl in dem Entwurf teine Personen namentlich genannt werden, richtet sich das Gesetz gegen den Grafen Karolni, bessen große Grundbesige und sonstigen Bermögensobjette somit der Beschlagnahme anheimfallen. In der Debatte richteten die Redner der christlich- nationalen Parte heftige Angriffe gegen Karolni. Land die klaffendsten Gegensäge entwidelte. Neben starten, Stüßen der Feudalaristokratie und einem robusten, aber gänzlich untultivierten Bauerntum, eine nach Westen orientierte geistige und fünstlerische Elite, die aber im Lande selbst kaum zur Geltung fam. Dazwischen die sozialdemokratische Arbeiterschaft in hartem Kampfe gegen die Magnatenherrschaft. Dieses Land der Widersprüche, dieses an glänzenden wie an eng herzig- brutalen Charakterzügen reiche Bolt wird in seiner politischen und vor allem in feiner fulturellen Entwidlung meister haft geschildert in dem Buche von Ludwig Satvany„ Das Derwundete Land".( Verlag E. P. Tal u. Co., Leipzig, Wien, Zürich.) Bon allen Büchern, die in den Ländern der ge Ichlagenen Mittelmächte von gewefenen Staatsmännern und Heerführern geschrieben worden sind, ist wohl feines mit so heißem Blut, mit solcher leidenschaftlichen Eindringlichkeit geschrieben worden, wie dieses. Satvany, der sich in diesem Buche als Des motrat und Pazifist bekennt, der er schon während des Krieges war, ift tief enttäuscht von dem Versagen der Wilsonherrlichkeit. Das ganze Buch ist durchzogen von der stillen Anklage, daß alle Kraft der Aufopferung und der Hingabe an die Demokratie und den Frieden, seinem Lande nicht die erhoffte Erneuerung, sondern ben fürchterlichsten Zusammenbruch gebracht haben. Erhöhtem Interesse wird die Schilderung der Verhältnisse bei Ariegsausbruch begegnen, die den damaligen österreichischen Außenminister Grafen Berchtold, diesen befradten und be claqueten Monsieur", diesen aalglatten, tip- top- patentfeinen Vorsitzenden", als den Haupttreiber bezeichnet. Ebenso interessant find die selbsterlebten Schilderungen der Vorfriedensverhand lungen des Grafen Karolyi mit dem französischen General Franchet d'Esperan. Bei alledem ist natürlich ein starter nationaler 3ug unverkennbar, der sich aber nie ins nationalistis Jche verliert. So ist dieses Buch für jeden, der etwas über Ungarn erfahren mill, voller Anregungen. Nicht das Buch eines Sozialisten, aber eines feinen Kulturmenschen mit reicher Beobachtungs-, Emp findungs- und Darstellungsgabe. Leo Liebschüs Bon Marg zu Lenin. Morris Sillquit, einer der fähigsten und marristisch durchgebildetsten Köpfe, über die die amerikanische lozialistische Bewegung verfügt, der bereits mehrere wertvolle Ars beiten über die Arbeiterbewegung der Vereinigten Staaten schrieb, hat jekt in englischer Sprache ein Buch„ From Marx to Le nin( Sanford Breß New York) herausgebracht. Sillquit befaßt sich mit der tommunistischen Dottrin und versucht eine gesunde Bafts für eine Analyse zu finden, die es ermöglicht, eine befruchtende Diskussion herbeizuführen. Er erflärt im Bor wort, je früher die neuen Verhältnisse und Fragen eine eingehende Analyse erfahren, desto eher wird auch der Prozeß der politischen Regeneration eintreten. Den Grad des Radikalismus" zu melsen, lei unmöglich, weil dies eine zein ideologische Eins Schägung fei. In eff Kapiteln setzt sich Sillquit mit Lenin und der fommus nistischen Auffassung auseinander, behandelt bie marristische Auf Nationalistische Erzeffe in Böhmen Tschechische Baltikumer an der Arbeit Aussig ist es in den letzten Tagen wiederholt zu 3uJammenstößen zwischen der tschechischen und der deutschen Bevölke rung gekommen. Eine von den Deutschen einberufene Protestfundgebung wurde gewaltsam auseinandergetrieben, wobei es eine Anzahl Verwundeter gab. Es steht fest, daß tschechische Legionäre, denen sich Zivilpöbel angeschlossen hatte, die Angreifer waren. Die Vorfälle haben sich am Dienstag wiederholt. Nach der Rede eines Abgeordneten auf dem Marktplay tauchten im Hintergrunde wieder Legionäre auf und gaben auf die Menge, die bereits auseinandergehen wollte, Revolverschüsse a b. Es wurden insgesamt 10 Personen verlegt, von denen eine gestorben ist. Gendarmerieverstärkungen find nach Aufsig abgegangen. Der tschechische Ministerpräsident gab in der Sigung des Senats und des Abgeordnetenhauses eine Erklärung über die Vorgänge ab. Er mußte bestätigen, daß die Legionäre zum Angriff vorgegangen sind, so daß also die Schuld an den Zusammenstößen in Aussig auf tschechischer Seite liegt. Der Ministerpräsident wies allerdings darauf hin, daß auch von deutscher Seite gewiß Provotationen verübt worden sind, die allerdings weiter zurückliegen. Er behauptete u. a., daß in den Grenzorten von deutscher Seite Waffen und Munition verstedt würden. So feien legthin an einem Ort 125 deutsche Mausergewehre mit 10 000 Scharfen Patronen aufgefunden worden. Die Regierung, so versicherte der Ministerpräsident weiter, habe alle Mittel zur Hand, um eine solche Tätigkeit im Keime zu erstiden. Eine strenge Untersuchung sei eingeleitet. Die tschechischen Legionäre spielen in Böhmen ungefähr die Rolle wie die Baltikumer und die Orgeschleute in Deutschland. Es handelt sich hier wie dort um entlassene Soldaten, die von den extremen Reaktionären organisiert und bei nationalistischen Exzessen ins Treffen geführt werden. Alle derartigen Zusammenstöße sind Nachwirtungen des Krie ges. Der Bodensatz der Armeen, der sich nicht wieder dem Zivilleben anpassen fonnte, der Zust an Schlägereien und Schießereien hat, bildet in allen Ländern, die von dem Kriege betroffen worden find, eine große Gefahr und es kann gegen diesen Sumpf gar nicht scharf genug angefämpft werden. Prag, 4. Auguft. Der deutsche parlamentarische Verband hat angesichts der Mel bungen über die blutigen Ereignisse in Postelberg, Auslig und in anderen deutschen Städten sowie wegen der Bereitwillig felt der staatlichen Verwaltungsbehörden, derartige Gefezwidrig teiten zu unterstützen und zu deden", beschlossen, allen VollJigungen und Ausschußberatungen des Parla ments bis zur Klärung der Sachlage fernzubleiben. Bravo Lidu" erfährt, daß die Myslowitzer Eisenwerte bereits 5000 Arbeiter entlassen haben, weitere Entlassungen follen folgen. Auch die Prager Gisenindustrie- Gesellschaft habe ihre Betriebe eingeschränkt, wodurch ebenfalls einige tausend Arbeiterfamilien brotlos geworden seien. In allen Industriegebieten erfolgten Einschränkungen der Produktion und die wirtschaftliche Krise verstärte sich beständig. Im Anschluß an diese Feststellungen pricht fich das Blatt für die Teilnahme der Sozialisten an der Regierung aus, damit die Arbeiterschaft dem Ansturm des Rapis talismus nicht unterliege. Die Frage des nahen Orients EE. Paris, 5. August. Reuter erfährt, daß von allen Fragen, die dem Obersten Rat vorliegen werden, die des nahen Ostens als diejenige betrachtet wird, die die größten Schwierigkeiten hervorrufen wird. Seit einigen Monaten sei sie noch durch die unnachgiebige Haltung ber Kemalisten England gegenüber fomplizierter. Was Großbritan nien anbelangt, so müsse man bemerken, daß nichts geschah, um die englischen Zivil- und Militärgefangenen zu entlassen, bie in die Hände der Regierung von Angora fielen. Inzwischen behalten die Engländer in Malta die türkischen Gefangenen zurüd, die abgeurteilt werden sollen, weil sie die Kriegsgeseze verlegten. Eine andere Komplitation in der Frage des nahen Ostens rührt von der Haltung der temalistischen Regierung gegenüber den Bewohnern der griechischen Stadt Sanfun her, die von den Türken schlecht fassung der sozialen Revolution, läßt Marg und Engels über Ruß-, land urteilen und geht dazu über, die Natur, den Sinn und ben Gehalt der russischen Revolution zu erörtern. Er bespricht die Diftatur des Proletariats und die Funktionen der Kommunistischen Dittatur. Der Verfasser definiert weiter die Fragen: Sowjet oder Barlament, Verbrechen und Terror. Zum Schluß unterzieht H. die Weltrevolution und die russische Orientierung einer Betrachtung und weist auf den Unterschied zwischen dem Osten und dem Westen hin. Jm Schlußkapitel wird die Frage der sozialistischen Internatio nale geprüft, die nicht nur sozialistisch sein muß, sondern auch international in Form und Funktion". Die alte Internationale, bie von den beutschen Sozialdemokraten geführt worden sei, sei durch deren Politit vom 4. August 1914 total zusammengebrochen. Fünfzehn Jahre nach dem Beginn der ersten Internationale wurde der Grund für die zweite gelegt. Die Wiederkehr der sozialistischen Internationale ist viel. Teicht näher als wir ahnen." Sillquits Arbeit verrät den gewandten und gutbeschlagenen Marristen, der mit wissenschaftlicher Schärfe den Kern der. Fra gen herausarbeitet. Für den englischen Sprachbereich ist, nach unserer Kenntnis, diese Arbeit als die wertvollste über den Bolchewismus zu nennen. Hoffentlich findet das Buch in den Länbern englischer Sprache die Anerkennung und Verbreitung, die es verdient. B. R. Bollstümliche Philosophie. Dieser Tage ist im Verlag Diet, Stuttgart, ein Buch erschienen, das sich an die Arbeiterschaft wenbet, und nach Ton und Inhalt durchaus den Anforderungen entpricht, die die Arbeiterklasse an ihre Bücher stellen muß. Als Verfasser zeichnet Karl Borländer, der sich bereits 1911 in fozialistischen Kreisen mit seinem damals überall günftig aufgenom menen Wert„ Kant und Marg" einen Namen gemacht hat. Neuerdings find von Borländer, der als Provinzialschulrat in dem tlerifalen Münsterland wirft,' mehrere Schriften sozialistischen Inhalts erichienen; wir nennen Kant, Fichte, Segel und der Sozialismus" ( Berlag Baul Caffirer," Berlin) und außer diesem das kleine bei Dieg veröffentlichte Wert Marg, Engels und Lassalle als Philo Jephen". Jezt legt uns Borländer eine„ Boltstümliche Ge chichte der Philosophie" auf den Tisch, in dessen Vorwort der Berfaffer die folgenden über sein Wert Aufschluß gebenden Säge Jchreibt: Schon lange war es mein Wunsch, neben meiner zweibändigen Geschichte der Philosophie( liegt jetzt in Jechster Auflage vor) die sich hauptsächlich in den Kreisen der Studierenden eingebürgert zu haben scheint, eine fürzere Darstellung desselben Stoffes für den freidentenden Mann aus dem Bolte zu schreiben, der für die großen Weltanschauungsfragen interessiert ist. Das ist allerdings feine leichte Aufgabe und ist wohl deshalb bisher noch nie versucht worden. Denn ein solches Buch soll furz sein und doch die Hauptprobleme der Philosophie flar herausarbeiten, ihre Hauptgestalten lebensvoll schildern; allgemeinverständlich, ohne doch an der Oberfläche zu bleiben." Man fann sagen, daß Borländer den richtigen Ton getroffen hat. Bermieden find alle fremdsprach lichen Zitate, nach Möglichkeit auch die Fremdwörter. Der Philo behandelt werden. Eine gewisse Anzahl von ihnen wurde sogar systematisch deportiert. Ein autorisiertes Dementi wurde der Nachricht gegenüber abgegeben, daß Frankreich und England Angebote gemacht wurden, im griechisch- türkischen Streitfalle zu vermitteln. Ein solcher Vorschlag wurde nie gemacht. Man glaubt aber zu wissen, sobald beide Regierungen bereit wären, eine Vermittlung anzunehmen, würde England seine Dienste anbieten. Kritische Lage in Maroffo EE. Paris, 5. Auguft. Die Lage in Spanisch- Marotto gestaltet sich tragisch. General Berenguer stellte unter seinen Truppen eine solche Banit fest, daß er jeden Offizier mit Erschießen bedrohte, der beunruhigende Gerüchte verbreitete. Mehrere Offiziere, die ihren Posten verlassen hatten, wurden vom Kriegsgericht zum Tode ver urteilt und das Urteil sofort vollstrect. Da inzwischen brei Bataillone der Fremdenlegion, etwa 1000 Mann, und eingeborene Truppen eintrafen, gelang es dem General, sich vor einem maurifchen Ueberfall zu schüßen. Dennoch ist die Lage in Melilla außerordentlich traurig. Auf allen Häusern der Vorstädte stehen Maschinengewehre, in der Versorgung der Besagung machen sich immer größere Schwierigkeiten bemerkbar, da sic gegenwärtig etwa 13 000 Mann in Melilla befinden, viel zu viel für diese fleine Stadt. Es macht sich bereits Wassermangel geltend. Da die eingetroffenen Verstärkungen nicht genügend ausgebildet sind, zögert man, mit ihnen zum Angriff vorzugehen, und so ist man in Melilla nicht imstande, den Belagerern Hilfe zu bringen. Die Kabylen sind außerordentlich mutig, ihre Artillerie schießt ausgezeichnet, alle Stämme find voller Begeisterung. Die Gefangenen werden mit dem Tode bedroht, falls die Spanier versuchen würden, sie zu befreien. Die Berichte der Flüchtlinge übersteigen an Schrecklichkeit alle Vorstellungen, die man sich nur machen fann. Der Heimtrieger Die rechtsstehende Presse hat die großen Friedenstund gebungen am letzten Sonntag zum Anlaß genommen, das Streben nach Frieden herabzusetzen und den Krieg wieder einmal als eine Art Stahlbad zu feiern. Das„ Leipziger Tageblatt" knüpft sich diese kriegerischen Federhelden vor und weist auf folgenden charakteristischen Fall hin: " Die Zartbesaiteten nennen es persönlich werden, wenn man gelegentlich einen der Heldensöhne hervorzieht. Ja, aber ist es richtig, zum Beispiel in einem Blatte wie die Tägliche Rundschau" einen Mann jahrelang schreien und das deutsche Volk beschimpfen zu lassen, der dazu teine Berechtigung hat? Das Blatt der Gebildeten" nennt die Demonstranten für den Ruf„ Nie wieder Krieg!" armselige Schächer, spricht von dem Geist der Verachtung und des Sasses", den die Welt für unsere Unterwürfigkeit hat, und schreibt: Immer wieder wird man mit Erbitterung an alles das denten müssen, was auf deutscher Seite nicht getan worden ist, was für einen glücklichen Ausgang des Krieges notwendig gewesen wäre." Dieser selbe Mann bat mich 1914, ihn doch an Kommerzienrat Stalling, den Freund des Großherzogs von Oldenburg, zu empfeh len, damit er als Erfagreservist nicht zur Infanterie fomme, sons dern zu den Sanitätshundführern, wo doch die Gefahr für das Leben nicht so groß sei. Es wäre fein Wort darüber zu vers lieren, wenn nicht gerade diese Leute es jeden Tag wagten, ehrliche Gegner des Krieges als Feiglinge zu schmähen." Jm Felde zirkulierte ein drastisches Wortspiel:„ Der Krieg ist ganz schön, wenn bloß der verfluchte Heldentod nicht wäre!" Vor diesem Heldentod hatten besonders die alldeutschen Heimtrieger eine bannige Angst. Sie zogen es deshalb vor, hinterm Ofen zu hoden, von dieser gesicherten Position aus den Feind" mit der Feder anzugreifen, den„ Heldentod" aber, den sie so oft besangen, überließen sie gerne den anderen. Daran muß von Zeit zu Zeit wieder erinnert werden. Denn gerade im Kriege hat es sich gezeigt, daß die lautesten Schreier die größten Feiglinge waren. Silberbergbau in der Pfalz. Die Gewerkschaft Pfalztupfer erhielt vom bayerischen Oberbergamt das Bergwerkseigentum an einem in den Gemeinden Jmsbach und Börrstadt gelegenen Feld von 200 Hektar Flächeninhalt verliehen. Zu dessen Ausbeute zwecks Ges winnung von Silbererzen wurde eine Gesellschaft unter dem Namen„ Beche Elisabeth" gegründet. Sophie des Sozialismus ist ein breiter Raum, wenigstens der Anlage des nur 316 Seiten starten Buches nach, gesetzt. Auch entbehrt das Wert nicht eines gewissen revolutionären Untertons. Der Breis( 20 M. geheftet, 24 M. gebunden) ermöglicht die Anschaffung. E. W. Neumann. Zeitschriftenfchau Die neuen Hefte der Weltliteratur" find wieder alten und neuen Dichtern gewidmet. Heft 18 Magim Gorfi, Seft 19 Franz Trautmann, einem Münchener Dichter, der 1887 gestorben ist, Seft 20 A. M. Frey, der in München lebt, Heft 21 bringt Bruchstüde aus der Beschreibung seines Lebens von Benvenuto Cellini, dem Florentiner Goldschmied, in der Uebersehung von Goethe, die als Ganzes leider viel zu wenig gelesen wird, obwohl sie so viele in ihrem" Goethe stehen haben. Der Sammler", Wochenschrift für alte und neue Kunst ( Herausgeber Joachim Stern, Schriftleitung: Erich Römer) zeigt fortlaufend fast sämtliche deutsche Ausstellungen neuer und alter Kunst an, bringt Abbildungen aus ihnen und berichtet über alle wichtigen Versteigerungen und Museumserwerbungen des In- und Auslandes. Dr. Gustav Hoffmann: Natur und Liebe. Zeitschrift zur Begründung, Verbreitung und Bertiefung der Religion des Go zialismus. 7. Heft. Rostoc, Verlag für sozialistische Lebenskultur. Nummern 7-9 2,40 M. und 45 Pf. Porto. Neuerscheinungen Eine Auswahl Groß- Berliner 55ch stmieten. Bekanntmachung des Magistrats Dom 16. Juni 1921 über Abänderung der Miethöchstgrenze und der Regelung in Heizungshäusern für die neue Stadtgemeinde Berlin. Dargestellt und erläutert von Stadtrat Brumby, Berlin- Neukölln. Preis 6 M. Verlag von Franz Bahlen, Berlin W9, Lintstraße 16. Gustav Hartlaub: Kunft und Religion. 112 Selten, 76 Tafeln. Ges. 24. Sturt Wolff Berlag, München. 3. Lenin: 3ur Agrarfrage der Belschewifi. Wien, Verlag der Arbeiter buchhandlung. 54 Seiten. R. Lenin: Aufgaben des Broletariats in unserer Resolution. Wien, BerTag der Arbeiterbuchhandlung. 66 Seiten. . B. Miljutin: Die Organisation der Volkswirtschaft in Sowjetrußland. 12. Seft der Bibliothet der Kommunistischen Internationale 34 Seiten, 1 Tabelle und ein Verwaltungsschema des Obersten Bolfswirtschaftlichen Rates. Breis 1,50 m. Verlag der Kommunistischen Internationale. Auslieferungsstelle für Deutschland: Verlagsbuchhandlung Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley, Hamburg 11. Rarl Rögel: Das Verbrechen als soziale Erscheinung. Eine Einführung in bie Aufgaben ber unaufschiebbaren Strafreform. 90 Geiten. Berlag Erich Lichtenstein, Jena. Senriette Roland Holt, Partei und Revolution. Wien, Berlag ber Arbeiterbuchhandlung. 64 Seiten. Paul Weheim: Das Solzschnittbuch. Mit 144 6Bildungen nad alten unb mobernen Holzschnitten. Breis 95 M. Guftas Riepenheuer, Berlag, Botsdam. Die Firma Dietrich Reimer( Ernst Vohsen) A.-G. Berlin G 48, hat faebex ein ausführliches Literatur. und Kattenverzeichnis von Ländern, die für bie Auswanderung besonders geeignet sind, herausgebracht. Auf Wuns wirb das Verzeichnis som Berlag fostenlos überfandt Marschrichtung links! Der von den Rechtssozialisten vorgelegte Programmentwurf hat auf einen Teil der Mitgliederschaft gewirkt wie ein Schlag in einen Ameisenhaufen. Aus allen Rigen tauchen die von dem Ueberfall betroffenen hervor, um sich gegen das Attentat zu wehren. Einer solchen Fronde der Mitglieder hat noch keine Barteileitung gegenübergestanden. Dabei bleibt die Kritit feineswegs an dem Programmentwurf stehen. Es ist, als wäre vielen plöglich eine Binde von den Augen gefallen und als bemerkten fie nun mit Schreden, in welchen Sumpf sie hineingeführt werden Jollen. In der„ Chemnizer Boltsstimme" stößt ein Rechtssozialist den Ruf aus:„ Marschrichtung lints!" Und wie ein reuiges Sündenbetenntnis flingt es, wenn der Rufer eingesteht: „ Militärischer Zusammenbruch, Revolution und Fürstenflucht eine ganze Serie Ereignisse von weltgeschichtlicher Bedentung find an uns vorübergestürmt, die merkwürdige, verderbliche deutsche Politit ist geblieben. Rein großzügiges Aufräumen mit den zwei Dugend Fürstensigen und Schaffung einer großen deutschen Republik, die allein im Stande gewejen wäre, eine fefte Grundlage zur inneren Neuordnung zu bilben. Am liebsten hätten wir für jeden abgehalfterten Fürsten einen würdevollen Präsidenten mit allem Drum und Dran eingetauscht, um die alten Reibungsflächen der auseinanderregierten deutschen Stämme zu fonservieren und den verschiedenen Ehrenanwärtern ihre Tätigkeit zu erleichtern. Die gleichen Unterlassungsfünden finden wir, wenn wir die wahre revolutionäre Steuer- und Wirtschaftspolitik betrachten." Während noch am Montag der jetzt zurüdgetretene rechtsSozialistische fächsische Justizminister Sarnisch bedauert hat, daß sich Deutschland die Waffen aus der Hand schlagen ließ, wird in der„ Chemnizer Boltsstimme" nach einem Hin weis auf den Friedensvertrag von Versailles bemerkt: Was will man angesichts dieser flaren Tatsachen wohl das mit praktisch erreichen, wenn wir die Rebensart vom„ Volfe ohne Waffen" in der Deffentlichkeit benügen? Natürlich find wir ohne Waffen: aber ebenso bekannt ist es doch auch, daß wir zusammengebrochen find, als wir die Waffen noch besaßen. Seien wir froh, daß wir feine Waffen mehr besigen, oder wes nigstens nicht so viel, day an einen gewaltjamen Widerstand gedacht werden tann: jonit hätten wir bestimmt schon längst wieder den Krieg im Lande, und die Bernichtung der letzten Kulturrefte wäre gesichert. Tagtäglich können wir ja beobach ten, wie der noch verbliebene Reft unserer Wehrmacht, die Reichswehr, mehr und mehr zu einer ständigen Gefahr für unsere Innen- und Außenpolitit und damit zugleich für die Republit zu werden droht. Zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, an der wir ja alle gleichmäßig interessiert sind, wäre bestimmt jede andere Organisation beffer geeignet, als die volts und freiheitsfeindliche Reichswehr." Was der Artikelschreiber hier ausspricht, ist von unserer Seite seit dem 9. November unaufhaltsam betont worden. Wir fanden babei leider fein Gegenecho in der rechtssozialistischen Presse. Jm Gegenteil: unsere Warnungen wurden in den Wind geschlagen und die ganze rechtssozialistische Politik bewegte sich in einer geradezu entgegengesetzten Linie. Ob jetzt Görlig für die rechts. Sozialistische Partei ein Damastus werden wird? Jm Intereffe der deutschen Arbeiterbewegung und im Interesse der Arbeiterbewegung der ganzen Welt wäre dies zu wünschen. Aber eine Schwalbe macht noch feinen Sommer und es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der rechtssozialistische Brogrammentwurf nicht das Ergebnis einer zufälligen Erfennt nis ist, sondern der geistige Niederschlag der bisherigen rechtssozialistischen Politit. Erst wenn fich die rechtssozialistische Partei von dieser Politik freigemacht und einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit vollzogen hat, ist an einen Wandel zu denken. Sie fönnen zwei Herren dienen Bei einem Hausstreit, der zwischen der deutschnationalen„ Salles schen Zeitung und der deutschooltsparteilichen Allgemeinen Zei tung" in Halle ausgebrochen ist, erhielt die weitere Deffentlichkeit einige Einblide in die Verhältnisse des Halleschen volksparteilichen Blattes. Danach ist die Redaktion dieses mit großen Geldmitteln aus bekannten Quellen" ausgestatteten Blattes nur zur Sälfte deutschvolfsparteilich, die andere Hälfte ist deutschnational. Ein paritätisches Redaktionskomitee hat darüber zu wachen, daß die Zeitung zu gleichen Teilen den Deutschnationalen und der Deutschen Boltspartei dient. Jm allgemeinen weiß man ja, daß Die bürgerlichen Journalisten jedem Wint ihrer Brotherren zu entsprechen wissen, aber daß es Redakteure schon zu solcher Gewandtheit gebracht haben, gleichzeitig zwei politischen Herren zu dienen, ist gerade nichts alltägliches. Mohrenwäsche Zu bem ausführlichen Bericht des Genossen Emil Barth über die Berliner Unterstützungskommission sendet uns der Verteidiger der kommunistischen Treuhänder", Rechtsanwalt Dr. Serzfeld, ein Schreiben, in dem er folgende Feststellungen" macht: Nach dem mir vorliegenden Kontoauszug der Dresdener Bant vom 3. August 1921 für die Herren Emil Barth, Karl Hagen und Paul Edert, Unterstügungskomitee der Berliner Arbeiterschaft, sind von dem Konto am 18., 19. und 20. November 1920 insgesamt 375 000 m. abgehoben worden. Nach dem mir ebenfalls vorliegenden Kontoauszug einer anderen hiesigen Großbant vom 3. August 1921 für die Herren Edert, Walter und Hagen, Unterstügungsfond der Groß- Berliner Arbeiterschaft, find dort am 30. November 1920 375 000. eingezahlt worden.( Dreihundertfünfundsiebzig tausend Mart.) Den Namen der Großbant ver= schweige ich der Oeffentlichkeit aus Gründen, die auch Herrn Barth verständlich sein sollten. Dieser Kontoauszug ergibt ferner einen Kreditsaldo von 247 675 m. am 3. August 1921. Für Unterstügungen sind also vom 30. November 1920 bis 3. August 1921 127 325. von der Bank erhoben worden, zuzüglich der feitdem für die Unterstügungskommission eingegange nen bei der Bank eingezahlten und wieder abgehobenen Beträge. Es ist unwahr, daß auch nur ein Pfennig der Gelder des Unterstügungsfonds der Berliner Arbeiterschaft an die Rote Silfe" überwiesen worden ist. Auf die Beschimpfungen und entehrenden Unterstellungen des Herrn Barth zu antworten, ist unter meiner Würde." Das Schreiben Dr. Herzfelds bestätigt nur erneut, daß die kom* munistischen Treuhänder Eckert und Hagen, unter Bruch von Treu und Glauben, hinter dem Rüden des dritten Treuhänders, des Genossen Barth, das Bermögen der Unterstügungskommission widerrechtlich abgehoben und nach einer anderen Bant verschoben haben, um eigenmächtig über das Geld verfügen zu können. Aus dem Schreiben ergibt sich ferner die Tatsache, daß etwa ein Drita tel bes Geldes, 127 000 m., bereits verausgabt worden ist, ohne daß über die Verwendung dieser Gelder Rechenschaft abgelegt ist. Unter diesen Umständen macht sich der Verteidiger der kommunistischen Treuhänder" nur lächerlich, wenn er die getränkte Leberwurst spielt und gegen den Genossen Barth polemistert. Genosse Barth erfüllt nur seine Pflicht, die er als Beauftrag ter der Berliner Arbeiterschaft übernommen hat, wenn er mit aller Energie darauf bringt, die von den Kommunisten begangene po litische Unterschlagung aufzubeden und das Geld der Berliner Arbeiterschaft seiner wahren Bestimmung zuzuführen, Groß- Berlin Schießplatz Kummersdorf Die Freiheit" hatte einen Bericht über ein Sommerfest auf dem Schießplay Kummersdorf veröffentlicht, das auf Staatskosten von Beamten der Reichswehrinspektion für Waffen und Geräte veranstaltet worden war. Dieses Sommerfest war, unter maßloser Verschwendung von staatlichen Geldern und Materialien, zu einem nationalistischen Rummel gemacht worden. Die Veröffentlichung in der Freiheit" hatte die ungesetzliche Entlassung zweier Betriebsräte zur Folge, die bis heute noch nicht wieder eingestellt sind. In einer Vollversammlung der auf dem Schießplay Kummersdorf beschäftigten Beamten und Arbeiter wurde über die„ Freiheit" hergezogen. Der Inspettor Steinert fündigte an, daß es sich zeigen werde, ob die Freiheit" mutig und wahrheitsliebend genug sein würde, eine Berichtigung abzudrucken. Wir haben wochenlang auf diese Berichtigung gewartet, sie ist bis heute nicht eingetroffen. Es würde wohl auch den nationalistischen Herrschaften von Kummersdorf ohne eine Vergewaltigung der Wahrheit unmöglich sein, unsere Angaben zu widerlegen. Da uns die Sache zu lange dauerte, hat sich unser Genosse, Reichstagsabgeordneter Künstler, mit der dem Schießplat vorgesetzten Reichswehrbehörde in Verbindung gesetzt. Genosse Künstler war persönlich bei der Inspektion für Waffen und Geräte in Berlin, Kaiserallee, und trug im Beisein der beiden entlassenen Betriebsräte dem Oberst Lilie die Vorgänge vor. Oberst Lilie versprach. Offiziere(!) nach dem Schießplatz hinauszuschicken und eine genaue Untersuchung vornehmen zu lassen. Auch nach dieser Unterredung hüllte sich die Reichswehr wochenTang in Schweigen. Als Genosse Künstler die Behörde am Montag, den 1. August, telephonisch fragte, was denn bei der Untersuchung herausgekommen sei, wußte der Oberst Lilie lediglich anzugeben, daß die beiden entlassenen Betriebsratsmitglieder mit Zustimmung des Betriebsrats entlassen worden seien und zwar wegen Aufhehung der Arbeiter.( Wir haben in der Freiheit" einen Bericht über den Verlauf der betreffenden Betriebsversammlung wiedergegeben, aus dem zu erkennen war, daß die Entlassung der Betriebsräte sowohl nach der Form wie nach der Begründung ungesetzlich ist.) Auf die Frage des Genossen Künstler, wer das Preisschießen veranlaßt habe, wer die Kosten trage, und welche Stellung die vorgesetzte Behörde zu dem ganzen Rummel einnehme, antwortete Oberst Lilie ausweichend, er könne darüber nichts sagen, er habe jedoch dem Reichswehrministerium Meldung gemacht. Offenbar ist aber dem Oberst Lilie die Angelegenheit derartig unangenehm, daß er zu dem lächerlichen Ausweg gegriffen hat, sich sehr dumm zu stellen. Er behauptete nämlich dem Genossen Künstler gegenüber, ihm sei diejenige Dienststelle, die im Reichswehrministerium den Fall zu bearbeiten hätte, selbst unbekannt. Das Benehmen des Oberst Lilie und der Jnspektion für Waffen und Geräte ist ebenso lächerlich als dumm. Glauben denn diese Leute tatsächlich, daß die Oeffentlichkeit sich mit solchen Ausreden abspeisen läßt? Will das Reichswehrministerium die Oeffentlichteit glauben machen, in ihm bestehe eine solche Desorganisation, daß die unterstellten Behörden nicht einmal die Dienststellen tennen, an die sie Meldung zu machen haben? Uns mutet jedenfalls das Benehmen des Oberst Lilie einem Abgeordneten gegenüber, der sein Recht als Volksvertreter ausübt, wie eine Solidaritätserklärung mit den preisschießenden Nationalisten von Kummersdorf an. Wir stellen den Reichswehr= oberst Lilie und seine famose Behörde durch= aus auf eine Stufe mit dem Inspektor Stei= nert, der sich nicht schämt, sich von der Republik bezahlen zu lassen, gleichwohl aber seine amtliche Stellung in größtem Umfange mißbraucht, um gegen die Republik zu hetzen. Die Reichswehrbehörde darf versichert sein, daß für uns mit der lahmen Erklärung des merkwürdig schlecht unterrichteten Oberst Lilie die Angelegenheit nicht erledigt ist. Internationale Tagung für Geruafreform in Berfin Die erste internationale Tagung für Sexualreform findet vom 15. bis 19. September in Berlin im Virchow- Langenbed- Hause und im Institut für Sexualwissenschaft, Beethovenstr. 3, statt. Aus dem Programm seien hervorgehoben die Vorträge über ,, Die Bedeutung der inneren Sefretion für die menschliche Sexualität" und Referate aus dem Gebiet der Segualpädagogik. Ferner werden behandelt werden die Themata:„ Geschlecht im Recht", ,, Die Liebe im Licht der experimentellen Biologie",„ Ehereform", ,, Entstehung des Storchmärchens"," Seruelle Zeremonien der Naturvölfer"," Prostitution und Sexualreform" und„ Geburtenregelung". Die einleitenden Vorträge über„ Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage" halten San.- Rat D. M. Hirschfeld- Berlin und Prof. Mieli- Rom. Diese Tagung wird eine hervorragende Bedeutung haben durch die außergewöhnlich erfreuliche und vielfache Beteiligung ausländischer Wissenschaftler. Wir werden über die wesentlichsten Borträge berichten. Rauchtabak Pfund 18 Mark Holländer . 20 M. Schwarz. Krausen 22 M. Portoriko Gold Shag 23 m. 27 M. Rund Große Hamburger Etraße 1, I Münzen Sammlungen kauft Ball, Berlin, Wilhelmftr. 46/47 Münzen Handlung Gin Erlebnisbuch fürs Proletariat ist soeben erschienen Max Dortu Wir Männer vom Steinbruch Elegant fartoniert 10 Mark Buchhandlung„ Freiheit" Berlin C2/ Breite Straße 8-9 Beachtet unsere Juferenten! Der Arbeiter- Abstinentenbund hat an den Magistrat der Stadt Berlin folgende Eingabe gerichtet:„ In den letzten Monaten sind städtische Einrichtungen, wie Straßenbahn, Anschlagsäulen, Brottarten, für die Reklame freigegeben worden. Die Alkoholfabrifanten und Händler haben von dieser günstigen Gelegenheit, ihre Waren dem Publikum zu empfehlen, ausgiebig Gebrauch gemacht. Es besteht, fein 3weifel, daß durch diese eindringliche Altoholreflame der Alkoholgenuß gefördert wird. Der deutsche ArbeiterAbstinenten- Bund, Ortsgruppe Berlin, erhebt entschieden Einfpruch dagegen, daß städtische Einrichtungen zur Anpreisung alkoholischer Getränke zur Verfügung gestellt werden. Die daraus der Stadt erwachsenden Einnahmen werden mehr als ausgeglichen durch die Ausgaben, die die Gemeinde für die Opfer des Altoholismus wird leisten müssen: für die Behandlung der durch den Alfohol geistig und förperlich Ertranften in städtischen Anstalten, für die Unterstützung der durch den trinkenden Ernährer verwahrInsten Familien, für die Unterbringung der entarteten Trinfer tinder usw. Da die Schäden des Altoholgenusses sich sowieso schon wieder in erschreckendem Maße bemerkbar machen und mit der Alkoholherstellung eine Vernichtung wertvoller Nahrungsmittel verbunden ist ein in der gegenwärtigen Zeit ganz unerträglicher Zustand, muß jeder Anreiz zum Alkoholgenuß unter allen Umständen vermieden werden. Der deutsche Arbeiter- AbstinentenBund, Ortsgruppe Berlin, ersucht daher den Magistrat, die Altoholreklame so schnell wie möglich von den städtischen Einrichtungen zu entfernen und neue Aufträge der Alkoholinteressenten abzulehnen." Erledigte Bestätigung für Bezirksamtsmitglieder. Der Oberpräsident hat sämtliche noch schwebenden Bestätigungsangelegen heiten der Groß- Berliner Bezirksämter für erledigt erklärt, weil die wählenden Bezirksversammlungen durch das inzwischen er: gangene Urteil des Oberverwaltungsgerichts aufgelöst worden find. Von dieser Entscheidung werden betroffen die Wahlen des Stadtrats Dr. Görig in Charlottenburg zum Bezirksbürgermeister des Bezirks Copenid und des unbesoldeten Stadtrats Buchdruckerei- Expedienten Stimming zum stellvertretenden Bezirksbürgermeister im Bezirk Lichtenberg, sowie des Lehrers Eggert in Staaten und des Buchbruckers Fintelmeyer 311 bejoldeten Stadträten des Bezirksamts Spandau. Aus dem selben Grunde ist die beim Minister des Innern eingelegte Beschwerde wegen der wiederholten Nichtbestätigung des Werkzeugmachers Münsinger und des Schlossers Leo als befoldete Stadträte des Bezirksamts Spandau für erledigt erklärt worden. Die Neuwahlen für diese Bezirksamtsstellen sind von den am 16. Oftober neu zu wählenden Bezirksversammlungen vorzunehmen. Ein Berliner Schuljunge als Erpresser. Der vierzehnjährige Schultnabe Walter Kühne aus Berlin schrieb einem Reichenberger Gutsbesitzer, er solle in Radebeul 2000 m. niederlegen, widri genfalls sein Gut in Brand gestedt werden würde. Die Radebeuler Polizei verhaftete den jugendlichen Verbrecher, der Realgymnasiast ist. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonn abend. Etwas wärmer, vielfach heiter, stärker bewölkt bei mäßigen südwestlichen Winden. Keine erhebliche Niederschläge. Gewerkschaftliches Umfang und Stand der Erwerbslosigkeit Die Zahl der Arbeitslosen ist nach den neuesten Mitteilungen weiter gesunken. Leider fehlen uns genaue Zahlen. Die Erwerbslosenfürsorge zählt nur die unterstützten Arbeitslosen, während die Zahl der Nichtunterstützten( Ausgesteuerte und aus besonderen Gründen Nichtunterstügte) nicht festgestellt ist. Sinzu kommt auch die Zahl der Erwerbsbeschränkten, deren Unterstügung aus der Wohlfahrtspflege fließt, die aber zum erheblichen Teil den Arbeitslojen zuzurechnen find. Die Feststellungen der Gewerkschaf ten beschränken sich auf den Kreis der Mitglieder. Es lassen sich daher aus diesem Grunde absolut sichere Zahlen über den ganzen Umfang der Erwerbslosigkeit nicht gewinnen, wohl aber läßt sich Steigen und Fallen genau beobachten. Die Zahl der aus der Erwerbslosenfürsorge Unterstützten betrug am 1. Juli 316 970 Perfonen( nämlich 245 713 männliche und 71 257 weibliche Arbeitslose). Die Höchstzahl wurde am 1. März mit 426 892 Unterstützten erreicht und sant dann: 1. April auf 413 421, 1. Mai auf 394 498, 1. Juni auf 358 161 und 1. Juli auf 316 970. Entsprechend ist auch die Zahl der sogenannten Zuschlagsempfänger, also der Familienangehörigen der Vollarbeitslosen gesunken. Diese sant von 499 071( Höchstzahl am 1. Februar) auf 339 863 am 1. Juli. Auch die monatliche Statistit der deutschen Gewerkschaften, die die Zahl der arbeitslosen Mitglieder jeweils am Monatsende festzustellen sucht, zeigt in den letzten Monaten einen anhaltenden leichten Rüdgang der Arbeitslosenzahl, die Ende Juni 3 v. H. der Mitglieder beträgt, gegen 3,9 und 3,7 v. 5. in den Vormonaten. Maßstab ist auch das Steigen und Fallen der Mitgliederzahl der Krankenkassen. Ungerechnet Arbeitslose und erwerbsunfähige Krante, umfaßten 6712 berichtende Kassen 13 101 036( 8 393 208 männliche und 4 707 828 weibliche) in Arbeit stehende Mitglieder. Es zeigt sich damit gegen den Vormonat eine Steigerung um 77 823 Versicherte. Leider läßt sich die außerordentlich wichtige Zahl der Kurzarbeiter trok aller Versuche nicht erfassen. Die ermittelte Zahl bleibt offensichtlich ganz erheblich hinter der Wirklichkeit zurüd. Immerhin lassen die recht guten Erhebungen einiger größeren Gewerkschaften zurzeit ein Zurückgehen der Zahl der Kurzarbeiter erfennen. Diese Entwicklung ist sehr erfreulich. aber die Zahlen lassen erfennen, daß der Umfang der Arbeitslosigkeit noch ein fürchterlicher ist, der selbst die Krisenzahlen der Vorkriegszeit überflügelt, ganz abgesehen davon, daß die derzeitige Lage der Erwerbslosen feinen Bergleich mit den früheren Zuständen zuläßt. Es wird daher Soeben erschienen! PROLETARISCHE SAMMILLING JUGEND 40ZIALISTISCHER JUGENDHRIFTEN Heft 5 Eine Einführung in die fozialistische Gedankenwelt Bon Hans Hachmack Preis 2.50 Mark Bu beziehen durch die Buchhandlung„ Freiheit" Berlin Breite Straße 8.9 Annahme in allen Speditionen des Berlages immer und immer wieder der Arbeit der Gewerkschaften bedürfen, um die Arbeitsbeschaffung durch öffentliche Arbeiten zu verbreiten. Dabei darf allerdings nicht verkannt werden, daß sich in den sintenden Zahlen bereits zum erheblichen Teil der Erfolg der bisherigen Bemühungen ausspricht. Wie weit bei der unsicheren Grundlage der deutschen Wirtschaft weiter mit dem Sinfen zu rechnen ist, ob nicht Veränderungen am wirtschaftspolitischen Firmament die deutsche Industrie in vermehrte Krisen wirft, ist nicht zu sagen. Jedenfalls liegt fein Grund vor, anzunehmen, daß die Bereitstellung öffentliches Notstandsarbeiten abgestoppt wer den dürfe. Im Gegenteil wird man überall im Reiche, den Län dern und den Gemeinden unverzüglich sorgen müssen, daß ents sprechende Arbeiten in Angriff genommen werden. Kaufmannsgerhtewahlen Kaufs zur Wahlbescheinigungsformulare mannsgerichtswahl am 28. 8. 21 find ab Sonnabend, der 6. Auguft. im Ortsbureau, Belle- Alliance- Str. 7-10 und in der 3meiggeschäftsstelle, Kommandantenstr. 63-64, erhältlich. Einzelne Formulare werden in den Zahlstellen des Zentralverbandes der Angestellten ab Montag, den 8. d. Mts, ausgegeben. Wir empfehlen den Angestellten- Vertretungest, die Wahlformu lare für die Betriebsbelegschaft von uns direkt abzufordern. Die objektive Rote Fahne" Bon der Ortsverwaltuna Berlin des Sattler-, Tapezierer- und Bortefeuiller- Verbandes wird uns geschrieben: In der Nr. 351 der Roten Fahne" wird die lehte Lohnbewe gung der Reiseartikel- und Portefeuiller- Branche fritisch beleuchtet, aber von einem Herrn, der von den ganzen Berhandlungen und den damit verbundenen Dingen recht wenig Bescheid weiß. Go with gesagt, daß die Affordarbeiter überall 10 Brozent weniger verdienen als die Lohnarbeiter. Das Umgelehrte ist der Fall Weiter wird behauptet, daß die Branchenkommission am 29. Julk beschlossen habe, den Kollegen von der Zustimmung der Zentrale zu dem Berhandlungsergebnis nichts zu fagen. Auch dies stimmt nicht, denn einmal hatte die Fachzeitung schon vorher diese Tatfache gebracht und dann hat die Leitung in der Vertrauensmänner fikung dies fofort befanntgegeben und gleichzeitig auch Mittel und Wege gezeigt, wie die Kollegen handeln fönnen, so daß diese nicht erit von den Kollegen gesucht werden brauchten. Daß wir bereits am 19. Juli von der Zustimmung des 3. B. Kenntnis hatten, Stimmt. Man mag es vielleicht für einen Fehler halten, daß wir hiervon nichts jagten. Die Gründe habe ich sowohl in der Ver frauensmänner als auch in der Kommissionssihung angeführt. Sie hier darzulegen. würde eine Schädigung der nächsten im Sep tember stattfindenden Verhandlungen bedeuten. Ich selbst habe das Ergebnis der Verhandlungen in Frankfurt a. M. für ganz ungenügend gehalten und habe als Tarifamtsbeisher auch das gegen reftimmt. Folglich fonnte ich es auch nicht warm empfeh len. Feststellen möchte ich aber, daß seit Bestehen des Reichs tarifes die Zustimmung in den Ortsverwaltungen nie anders ge handhabt wurde als diesmal und seitens der Mitglieder bisher fein Widerspruch zu verzeichnen war. gez. BLum e. Berbindlich erklärter Tarifvertrag. Auf Verfügung des Reichs arbeitsministeriums ist unter dem 16. Juli 1921 auf Blatt 1945 Ifd. Nr. 4 des Tarifregisters der zwischen dem Nordostdeutsen Textilarbeitgeber- Verband E. V., Berlin und dem Allgemeinn freien Angestelltenbund am 2. Mai 1921 abgeschlossene Nachtra zu dem allgemein veerbindlichen Tarifvertrag vom 2. Juli 1920 zur Regelung der Gehaltsbedingungen für die faufmännischen und technischen Angestellten, sowie die Wertmeister in den Fabri tationsbetrieben der Textilindustrie( einschl. der Veredelungs anstalten für Gewebe, Färbereien und chemischen Waschanstalten) für diesen Berufstreis und das Gebiet der Einheitsgemeinde Berlin gemäß§ 2 der Verordnung vom 23. Dezember 1918 ( Reichsgesetzbl. S. 1456) für allgemein verbindlich erklärt worden. Die allgemeine Verbindlichkeit beginnt mit dem 1. Februar 1921. Kaufmännische Angestellte, welche in dieset Branche tätig sind und noch nicht das tarifmäßige Gehalt be ziehen, werden ersucht, sich an den Zentralverband der Angestell ten, Fachgruppe Textil, Bekleidung Leder, Berlin, Belle- Alli ance- Str. 7-10, zu wenden. Parteiveranstaltungen Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Am Sonnabend, bett 6. August 1921, findet eine Sihung der Obleute der Landagita tionstommissionen aller Distrifte und Verwaltungsbezirke in det Breiten Straße 8-9. Arbeiter- Bildungsschule, abends 7 Uhr, statt. Erscheinen unbedingt notwendig, da in dieser Konferenz die neue Buteilung der Arbeitsgebiete erfolgt. Der Vorstand der Land agitationskommission. Freitag. 5. August 13. Berwaltungsbezirt, Mariendorf, Marienfelde, Tempelhof, Lichtenrabe. Abends 7 Uhr Sigung des Bildungsausschusses für alle vier Orte im Rathause Mariendorf, 3immer 26. Erscheinen aller Genoffen ift dringend notwendig. 2. Diftritt( Berlin- Mitte). Frauenarbeits- und Kinderschuhkommission. 7% he Sikung hei Kurzrod, Rionsfirchplak 5. Bollzähliges Ericheinen i licht. 11. Diftritt, 5. Abteilung. Alle Genossen und Genosfinnen, die im Belik von Bolfsfeftiarten find, wollen heute abend bis 7 Uhr im Zahlstellenlotal von Otte Ralies abrechnen. Um 8 Uhr ist Abrechnung im Diftrift. 12. unb 13. Diftritt. Die nicht verfauften Eintrittstarten zum Volksfest bet Bogom sind bis heute abend bei Hoffmann, 2nchener Str. 8, abzugeben. Sonnabend, 6. August 10. Diftrift( Gesundbrunnen). Frauenarbeits- und Kinderschuttommific Abends 8 Uhr furze wichtige Besprechung bei Schurzmann, Stettiner Straße. Berantwortlich: für Bolitik u. Feuilleton: Leo tebih. Berlin- Friedenau; für Kommunalpolitit, Lofales und Gewerkschaftliches: Gerbart Seger, Mahlsdorf- Sid bei Berlin; für den Injeratenteil u. gefchäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Charlottenburg.- Berlagsgenossenschaft Freiheit, e. 6. m. b. 5., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. 6. 5., Berlin C2, Breite Strake 8-9. Kleine Anzeigen Geschäftsstelle: Berlin 2, Breitests. 8 Das Ueberfdriftswort 2.- k., jedes weitere Wort im Regt 1.50 Mk. netto. Stellungsgesuche: Uebersdriftswort 1.50 k., jedes weitere Wort in Tegt 1.Verkäufe Arbeiterschuhe und Belts bahn, Brotsäcke sehr preiswert zu verkaufen, auch eingeln, Morgenstern, Linienstraße 2230, am Schönhauser Tor. Leihhaus, Brunnenstr. 5, Nur einige Tage! Wir haben einen großen Boften Maßstoffe, zum Teil englische, erworben und folche mit prima Zutaten, elegantem Sig, aufs feinste auss ftatten laffen, jeder Maßarbeit gleichkommend nnd bieten an Anzüge, Cutaways, Schlüpfer ( Winter) 500,- an. Monats anzüge, Baletots, teils auf Seide, 300, 400, 450. Reine Lombardware. Klappsportwagen, Kinders wagen, Kinderdrahtbettstelle, hochelegant, verkauft Schwarz mann, Rottbuser Damm 93. Krenzfüchse, feltene Ge legenheit vor der Berteuerung, ebenfo Silbersüchse, Alaska füchse, Robelfüchse, Sealmäntel, Sportpelze, fabelhaft billig! Reine Lombardware. Leihhaus, Brunnenstr. 5. Räderweiblich. Leiters Kinders wagen, Kastenwagen und alle Sorten Erfagräder. magen, Puppenwagen. 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