Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Conntags und Montags us einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 16 M. im voraus zahlbar. Für Boftbezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saan. Memelgebiet fowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20 m., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief beg. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin E2, Breite Etraße 8-9. Sonnabend, 6. August 1921 Nummer 364• Abend- Ausgabe Die achtgefpaltene Monpareillegelle oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgebruckte Wort 2- M., jedes weitere Wort 1,50. einschließlich Teuerungszufchlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jebes weitere Wort 1.- M * Fernsprecher: Zentrum 15230-152 89 Freiheis Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Englische Reichskonferenz und Oberschlesien Der Bericht über die Verhandlungen Grenzregelung dienen, denn eine fofortige Löſung ſei wesentlich EE. London, 6. August. Ueber den Gang der Berhandlungen auf der Konferenz der Ministerpräsidenten der Dominions ist ein langer Bericht von offizieller Seite veröffentlicht worden, worin auch Mitteilungen über die Beratungen der Konferenz in der obers schlesischen Frage gemacht werden. Es heißt darin: Eine der wichtigsten Fragen der auswärtigen Politik war die obers schlesische Frage, die im Verlaufe der Besprechungen bereits Scharfe Formen angenommen hatte. Jede ihrer Phasen ist von den Mitgliedern der Konferenz erörtert worden, welche ein unzweifelhaftes Interesse an einem Problem haben, das in so starker Weise die Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich berührt. Die großen Linien einer Bolitit bezüglich der Lösung dieses Problems erhielten einstimmig die Billigung der Konferenz, und mit Genugtuung er fuhren die Mitglieder, baß die endgültige Lösung dieser Frage bezüglich der Festschung der oberschlesischen Grenze einer bevor tehenden Tagung des Obersten Rates unterworfen werden soll." Der Berichterstatter der Dominionstonferenz erflärt, daß die Meinungserörterungen, namentlich bezüglich der auswärtigen Politik und der Verteidigung des englischen Weltreiches, durchs aus vertraulichen Charakter hatten. Man könne das Werk dieser Ronferenz mit den Konferenzen während des Krieges in den Jahren 1917 und 1918 vergleichen. Bezüglich der Außenpolitik wurde der Ueberzeugung Ausdrud gegeben, daß Die Zukunft des englischen Reiches hauptsächlich davon abhängt, daß ein volles Einvernehmen in der Leitung dieser Politit herrsche und daß in allen auswärtigen Fragen gemeinsam ges handelt werde. Die Ministerpräsidenten der Dominions gaben ferner ihrem Bebanern Ausdrud, daß Präsident Harding fich mit der Einberufung einer Bortonferenz nicht einverstanden erklärt. hatte. Der Völkerbund finde die volle Unterstügung der Konferenz, doch wünscht hie, daß die Kosten für den Aufwand des Bölferbundes in verschiedener Weise, je nach dem Reichtum ber einzelnen Dominions, getragen werden. Zu feinem Einvers nehmen gelangte die Konferenz in der Behandlung Indiens. Südafrika erklärte, daß es sich auch weiterhin der indischen Einwanderung verschließen werde. Keine Einigung der Sachverständigen EE. Paris, 6. Auguft. Der Petit Parifien" meldet, daß die Sachverständigentommif fion gestern ihre eigentlichen Arbeiten abschloß. Nach mehrtägigen Beratungen war es dennoch den Sachverständigen unmöglich, fich auf eine gemeinsame Formel zu einigen. Die verschiedenen Standpunkte alliierten Vertreter waren zu weit voneinander ent fernt, daß man in der gegebenen Frist zu einem grundsäzlichen vernehmen gelangt wäre. Es fonnte daher kein ge meinsamer Beschluß über die deutsch- polnische Grenze in Obers schlesien formuliert werden. Heute werden sich die Sachverständigen zum letzten Male versammeln, um einen Bericht zu unterzeichnen, der dem Obersten Rat vorgelegt werden und als Orien tierung für die Beratungen in der nächsten Woche dienen soll. Dieser Bericht wird alle Elemente der oberschlesischen Frage umfassen und ein genaues Bild der von der Sachverständigentommission abgehaltenen Sigungen geben, er wird alle erörterten Projekte anführen und die Angebote darlegen, die von den Anhängern und den Gegnern der einzelnen Pläne vorgebracht wurden. Auf diese Weise werden dem Obersten Rat wirtschaftliche, geographische und statistische Dokumente unterbreitet werden fönnen, die zweifellos für die endgültige Regelung der oberschlesischen Frage von Nugen sein werden. Amerifa und der Oberste Rat London, 5. August. Wie Reuter erfährt, hat Präsident Harding die Einladung, zu ber am 8. August beginnenden Tagung des Obersten Rates, einen Vertreter zu entsenden, angenommen und dabei die ernste Hoff nung ausgesprochen, daß die direkt beteiligten Mächte schleunigst eine gerechte und befriedigende Regelung der oberschlesischen Streitfrage herbeiführen und damit eines der Haupthindernisse beseitigen, die jetzt einem dauernden Frieden im Wege stehen. Um die Berstärkungen London, 6. Auguft. Der diplomatische Mitarbeiter des„ Daily Telegraph" erklärt, bevor die oberschlesische Grenzfrage erwogen werde, werde Briand als Vorsitzender der Konferenz darauf bestehen, daß die Verstärkungen für Oberschlesien zur Erörterung fommen. Die legten englischen Berichte besagen, daß im Abstimmungsgebiet fast überall Friede und Ordnung herrschen, so daß die Notwendig feit für Verstärkungen nicht groß ist. Die französische Regierung habe die Absicht, als 3eugen für die Notwendigkeit einer weiteren militärischen Aktion der Alliierten außer General Le Rond noch General Rollet und sogar Marschall Foch zu bringen. Der Berichterstatter erklärt, man müsse vermeiden, daß irgendwelche Meinungsverschiedenheiten über die Entsendung von Verstärkun gen als Grund für eine neue Verschiebung der entscheidenden für die Wiederherstellung des politischen und wirtschaftlichen Gleichgewichts. Die Möglichkeit, unter gewissen Umständen ein großes fontinentales Stahlmonopol zu schaffen, tönne ebenfalls nicht übersehen werden. Breitscheid in Populaire" über Oberschlesien W. T. B. meldet aus Paris: Reichstagsabgeordneter Breitscheid, der sich augenblicklich in Paris aufhält, veröffentlicht im Populaire" einen Artitel und erklärt, die augenblickliche deutsche Regierung fei der Auffassung seiner Partei über die Notwendigkeit, zu reparieren. Obzwar feine Partei die innere und Finanzpolitit des Kabinetts Wirth nicht teile, sei doch anzuerkennen, daß die Regierung den ernsten Wunsch habe, Pflichten zu erfüllen, die der Friedensvertrag von Versailles Deutschland auferlegt habe. Die Regierung habe das Ultimatum nicht einzig und allein angenommen, um das Land aus einer vorübergehenden gefährlichen Lage zu retten und um Zeit zu gewinnen, sondern weil sie aufrichtig den Wunsch habe, endlich die Politit der kleinen Machenschaften zu verlassen, um resolut den Weg zu gehen, den das Gewissen und der Vertrag vorschreiben. Man werde in Frankreich gezwungen Jein, anzuerkennen, daß die Regierung Wirth sich nach dieser Richtung nicht begnügt habe, Worte zu sprechen, ohne ihnen Taten folgen zu laffen. Die Regierung habe auch ihre Unterschrift nicht unter das Ultimatum gesetzt, um Oberschlesien zu retten. Sie habe einfach getan, was sie für nötig gehalten habe. In der Rebe des Reichstanzlers in Bremen habe dieser die Gerechtigkeit verlangt aber nicht gejagt, daß Deutschland das Recht habe, Oberschlesien uns geteilt zu verlangen. Deutschland hoffe, daß der Oberste Rat eine Lösung finden werde, die das Ergebnis der Boltsabstimmung berüdfichtige und Deutschland die Möglichkeit zum Leben laffe. Breitscheid sagt schließlich, die Alldeutschen würden bei allen bürgerlichen Parteien Unterstützung finden, wenn der Oberste Rat eine Entscheidung treffe, die das Industriegebiet Oberschlefiens Polen zuerkenne. In diesem Falle sei das Schicksal der Regierung Wirth besiegelt. Entweder werde sie sofort durch ein rechtsstehendes Kabinett ersetzt oder es würden neue Reichstagswahlen stattfinden mit der Parole„ Oberschlesien", die für die Rationalisten besonders günstig ausfallen würden. Es handele fich feineswegs um eine Personenfrage, wenn der Reichstanzler Wirth verschwinde, sondern es wäre eine Ermutigung für alle Reaktionäre in Deutschland. Breitscheid schließt seinen Artikel, indem er sagt, die Pazifizierung Europas müsse das politische Ziel aller Länder sein. Die Reinigung der französisch- deutschen Atmosphäre sei deren grundlegende Bedingung. Außer Oberschlesien bestehe noch eine Reihe von Konflikten, die verschwinden müßten, damit normale Beziehungen zwischen dem französischen und dem deutschen Volle wieder möglich würden. Er wage nicht, von einer Entente zu sprechen. Die Kämpfe in Maroffo Neue blutige Zusammenstöße Madrid, 5. Auguft. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgende soeben aus Melilla eingetroffenen Nachrichten: Rostinga wurde heute vormittag von fünf Landungstompagnien besetzt. Die Landung fand unter dem Schuße der Schiffsgeschüze statt. Der Drud der Riffpiraten bei Sut el Hach verstärkt sich. Eine von Melilla abgesandte Abteilung griff den Feind heute vormittag an und vertrieb ihn vollständig. Der Feind hatte große Verluste. Von der spanischen Abteilung wur den drei Offiziere verwundet, zwei Soldaten getötet und 31 Soldaten verwundet Der Angriff wurde hauptsächlich von eingeborenen Truppen durchgeführt, die aus Ceuta herangeführt waren. Ein Leutnant und acht Soldaten, denen es gelungen war, aus Seluan zu entkommen, sind vergangene Nacht in den spanischen Stellungen eingetroffen. Sie berichteten, daß gestern vormittag die Berteidiger von Seluan mit den Riffpiraten vereinbart hatten, sich in aller Freiheit aus den dortigen Stellun gen zurückzuziehen, nachdem sie zuvor ihre Waffen abgeliefert hätten. Kaum waren die Waffen abgeliefert worden, als der Feind ein heftiges Feuer auf die waffenlosen Soldaten eröffnete. Nur wenigen gelang es, zu entkommen.& ast alle wurde'n getötet, darunter auch Hauptmann Carrasco, der Befehlshaber der Stellung. Spanische Verstärkungen für Maroffo EE. Paris, 6. August. Aus Barcelona wird gemeldet: 2 Batterien wurden nom mies lilla eingeschifft. Vor der Einschiffung mußte die Boiizet einschreiten und die Menge verhindern, sich den Kais, auf denen die Einschiffung erfolgte, zu nähern. Infanterie oder Kas vallerie wurde von Barcelona nicht abgesandt. In Katalonien fürchtet die Regierung einen Aufruhr durch die Soldaten und feindliche Kundgebungen seitens der Arbeiter, namentlich befürchtet man Unsstände. Infolgedessen lägt man alle Truppen dort, um etwaige Unruhen zu unterbrüden. Zulassung der Frauen zum Staatsdienst. Im Unterhause wurde nach einer Besprechung über die Zulassung der Frauen zum bürgerlichen Staatsdienst mit allen Stimmen der Regierungsvorschlag angenommen, wonach bestimmt wird, daß nach drei Jahren die Frauen zum bürgerlichen Staatsdienst in England zu denselben Bedingungen zugelassen werden sollen, wie die Männer. Die Frage der gleichen Bahlung soll jedoch erst später besprochen werden. Was not tut E. K. Die Bourgeoisie, einig unter dem Schlachtruf: ,, Keine Steuern!" fämpft mit Anstrengung für die Erhal tung ihres Daseins. Sie schreit die Deffentlichkeit an, fie wühlt hinter den Kulissen, und Herrn Gotheins fühl sames Herz schlägt bekümmert in den Spalten des„ Berliner Tageblatts" um die Bedauernswerten, bie längst 65 Prozent ihres Vermögens abgegeben haben sollten: Das sind die jenigen, die mehr als fieben Millionen Mark besitzen. Er verschweigt schamhaft, daß erst von dieser Vermögensziffer ab der höchste Prozentsaz in Abzug tommen sollte; ahnt er vielleicht, daß der nerbleibende Rest den hungernden Zeits genossen noch stattlich genug erscheine? 99 , Erfassung der Goldwerte" und„ Veredelung des Reichs notopfers" heißen die zunächst drohenden Gefahren, zwei ganz verschiedene Abgaben. Aber schon hat die Bourgeoisie, bie jeden Milliardär zum Sachverständigen aufzuplustern versteht, eine Alternative daraus gemacht. Es vers lautet, daß das Finanzministerium für das Reichsnotopfer, das Wirtschaftsministerium für die Goldwerte ist. Dem zufolge wird man befürchten müssen, daß gar nichts daraus wird. Man weiß nachgerade, wie es bei uns zugeht. In Brüssel erflärten die deutschen Sachverständigen, daß die Steuereinnahmen erst seit dem Inkrafttreten des Lohn abzuges ein nennenswertes Ergebnis brächten, daß aber weitere direkte Steuern unmöglich seien. Als Folge dieser frivolen Unaufrichtigkeit verschrieb uns Lloyd George in London den Exportinder. Jezt muß man doch in irgendwelche Sädel greifen. Für Erhöhung der Steuern auf Kohle, Tabat, Bier, Zucker und ben Warenumfah- alles Steuern, die auf die Schultern der legten Verbraucher, also in der Hauptsache der Ar. beiter, fallen werden forsch dem Reichswirtschaftsrat übersandt. Bei den Steuern auf den Besitz begnügte man fich zaghafter mit Andeutungen. Die Regierung ist immer noch im Stadium der„ Erwägungen". Herr Wirth hat uns schülerhaft auseinandergesetzt, daß er den Rohstoff Kohle verteuern und gleichzeitig das Defizit der Reichsbetriebe ver ringern wolle; leider vergaß er nur zu sagen, wie diese ökonomische Volte zu machen sei. Y So gut wie alles ist unklar, bis auf die Tatsache, daß die Kriegsanstifter ihren Krieg nicht bezahlen möchten. Das Reichsnotopfer war ein gesunder Gedanke. Energisch durchgeführt, hätte es genügend erbracht, um nicht in dem allgemeinen Minus zu verschwinden. Es hätte allen anderen Steuern vorangestellt werden müssen, und die Finanzämter wären dann wohl in der Lage gewesen, dem darbenden Staat rasch eine genügende Summe zuzuführen, um den Papierstrom zu hemmen. Statt dessen beriet man über Abschwächungen, ließ die Zahlung in breißigjährigen Raten zu, und machte aus bem nötigen Opfer ein gelegentliches Als mosen. Selbstverständlich benutzte jedermann die lang jährige Gnadenfrist; nun will man gar dieses papiernene Gesetz beseitigen. Der schöne Name Veredelung des Reichsnotopfers" ist nicht etwa der veredelte Sinn zum Opfern für das Reich, sondern nur der geschmückte Vorhang, hinter dem die Hoffnung auf Abbürdung der Schulden verschwinden soll. Eine Vermögenssteuer, bescheiden wie ein Veilchen, ist alles, was die Sachverständigen( lies: Besitzenden) uns zu billigen wollen. Also spricht Herr Gothein: Das jeweilige Vermögen mit den gleichen ungesunden Staffel sätzen zu besteuern, wie sie dem Reichsnotopfer beziehungsweise seinen Ratenzahlungen zugrunde liegen, hieße das deutsche Voltsvermögen der Vernichtung preisgeben, hieße die ohne. hin aufs äußerste erschwerte Vermögensneubildung ein fach zu unterbinden. Von dem mit 65 Prozent zum Reichsnots opfer herangezogenen Vermögen würde dann die laufende Vers mögenssteuer 4% vom Hundert des jeweiligen Vermögens betragen( über sieben Millionen!). Nun find aber sehr erhebliche Teile des Vermögens nicht werbend, wie z. B. jetzt die meisten Kolonialmerte, wie ber der Zwangsbewirtschaftung unterliegende. Hausbesik." Tatsächlich sind aber die Kolonialwerte heute Valuta. papiere, deren sprunghaftes Steigen vor einem Jahr die ganze Börse in Aufregung versezte. Millionen find an ihnen verdient worden, und ganz gewiß hat keiner ihrer ursprüng lichen Besitzer daran verloren. Ebensowenig ist es ange bracht, von einer steuerlichen Notlage der Hausbesizer zu reden. Allerdings ist die Berzinsung durch das Niedrighalten der Mieten nicht im Verhältnis der allgemeinen Ver Reichsnotopfer gilt als Wert das zwanzigfache des Reinteuerung gestiegen, aber nach§ 18 des Gesetzes über das ertrages, also eine zu versteuernde Summe, die kaum den Friedenswert übersteigt. Ueberhaupt ist die tezige Berzinsung durchaus fein geeigneter Maßstab zur Steuerlichen Bewer tung eines Gutes. Es gibt sehr viele Kapitalisten, die bei den unsicheren Verhältnissen des Marktes eine sichere Anlage( Sypothefen, Kommunalabgaben usw.) einer guten Berzinsung vorziehen, weil sie auf„ bessere" Seiten hoffen, wo der Steuerfistus sich mit einem geringeren Teil des Ers trages begnügen würde. Es soll sogar nicht wahr, Herr Gothein? Leute geben, die ein Vermögen in Silberbarren oder Porzellanen oder Briefmarken angelegt haben, um den Zuwachssteuern zu entschlüpfen, und das sind ja wohl auch nicht gerade werbende Werte. Nicht anders verhält es sich mit dem abgedroschenen Argument, das die hohen Dividenden der Industriepapiere an ihren Kursen mißt und schmerzgebeugt erklärt: ,, Die Aftie eines Unternehmens, das 25 Prozent Dividende gibt, hat einen Kurswert von vielleicht 725; das macht eine Verzinsung von noch nicht 3,42 Prozent. Eine VermögensSteuer von 4,42 Prozent( was immer der höchste Sah ist) würde in solchem Falle nicht nur das ganze Erträgnis des Bermögensobjekts verschlingen, sondern darüber hinaus noch erhebliche Zuschüsse aus der Substanz des Vermögens er= fordern." Stimmt. Nur müßte der siebenfache Millionär bazu dumm genug sein, um für 725 sich ein Papier hinzulegen. Sind Papiere einmal so hoch gestiegen, so werden sie in der Regel nur von denjenigen behalten, die sie zu einem Kurse gekauft haben, der die Dividende rentabel macht, ganz abgesehen von den angenehm billigen Neuemissionen, die heute beinahe periodisch üblich geworden sind, um die Gewinne zu verSchleiern. Der Markt mit hochwertigen Aftien ist ein reiner Spefulationsmarkt, bei dem die Dividenden in Zeiten sinkender Währung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Mit den Goldwerten hat bisher der angeführte§ 18 beweist es weder das Notopfer noch eine andere Vermögenssteuer etwas zu tun gehabt. Die deutsche Währungseinheit ist immer noch die Mark, und zwar die Mark nach ihrem augenblicklichen Stande. Eine verflossene Parität für einen Teil des Volfsvermögens oder einkommens annehmen zu wollen, während die große Masse der Bevölkerung ihre Löhne in Papiermark erhält und auf Papiermarkwährung leben muß, ist ein Rechenunfug, der weitest nicht in Betracht gezogen werden kann. Das Reichsnotopfer in der Erzbergerschen Fassung ist durchgefallen, und der Gedante, es in eine neu zu veranlagende Vermögenssteuer zu veranlagen, ist sicher erwägenswert. Ein endgültiges Urteil über ihre 3wedmäßigkeit wird man zurüdstellen müssen, bis das Finanzministerium genaue Schätzungen ihres Ertrages befanntgegeben hat. Aber schon heute muß mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß an einem Abbau der Staffelung babei nicht im entferntesten gedacht werden tann. Die Tatsache, daß Deutschland nicht mehr das reiche Land von 1914, sondern verarmt durch den verbrecherischen Krieg ist, fann sich nur dann in das notwendige Bewußtsein umsehen, wenn die Träger des Reichtums endlich die harte Wirklichkeit am eigenen Leibe verspüren. Eine Erhöhung der Konsumentensteuern muß eine erneute SchwelTung des umlaufenden Papiergeldes, neue wirtschaftliche Zudungen und eine immer zunehmende Vers armung der breiten Massen bedingen, während das Kapital mit derselben Leichtigkeit wie bisher nur daran profitieren würde. Es wird endlich Zeit, daß auch die Kapitalisten etwas von unserm Jammer erleben. Schon darum ist es nicht mehr an gängig, nur den Papierwert in die Steuerrechnung einzu stellen, sondern man muß heran an die Substanz. Nicht der heutige Ertrag darf maßgebend sein, sondern der wirf liche gemeine Wert, ausgedrüdt in Papiermart. Nicht mehr Halbheiten und mildernde Nachträge, sondern energisches Anfassen des wirklichen Vermögens! Nicht Notopfer oder Goldwerte, sondern beides! Ein bentsch- franzbfischer Zwischenfall. Im Schlafwagen des Hamburger Schnellzuges hat sich vor einigen Tagen ein Zusammen ftoß zwischen dem französischen Kapitän Langevin und der Bolizei zugetragen, ber mit der Entfernung des Kapitäns aus dem Buge endete. Der deutschen Regierung ist nun im Namen der Interalliierten Marinefommission eine von General Masterman unterzeichnete Rote übergeben worden, in der eine eingehende Untersuchung des Falles, sowie die Amisenthebung des betreffenden Polizeibeamten gefordert wird. Mein Traum Von Bertha Raad ( Eine Genoffin( Arbeiterin) sendet uns biefen Beitrag.) Krant und elend matt liege ich auf meinem Bett, so matt, die Beine schwer wie Blei. Noch nicht fünfzigjährig leide ich schon an Entträftung. Proletenlos!" Und proletarisch ist mein Schlafzimmer, die Tapete ist durch die Feuchtigkeit gelöst und heruntergefallen, und grau starrt mich die tahle Wand an. Aber die Sonne leuchtet goldig durch die Gardine, schräg fallen die Strahlen auf mein Bett, herrliche, lebenspendende Märzsonne, wie liebe ich dich!! Wohlig schließen sich meine Augen. Und da fällt mir noch ein, daß i ja heute mein Viertelliter Milch bekomme und fühle, wie ein leichtes Fieber durch meinen Körper geht. Plöglich bin ich auf der sonnigen Straße, den Milchtopf in der Hand, und sonderbarerweise habe ich den dunkelroten Morgenrod an, den ich am Tage nach meiner Hochzeit als selig- glüdliche, junge Frau trug, Filzpantoffel an den Füßen, und ich stede meine Börse mit zwei Mark und neunzig Pfennigen zu mir in Nidel und Silber. Ich gehe eine furze Strede und bin unvermittelt in einem fremben, einstödigen Hause. Flur, Türen und die paar Stufen, alles ist grau gestrichen. Mandolinenmufit tönt hinter einer Tür, und ich stehe und lausche einen Augenblid. Aber ich friere und strebe der hellen Straße zu, steige die Stufen hinab und gehe über die Straße meinen Milchladen suchend. Nun stehe ich vor einem eingezäunten Grundstück und luge hindurch und sehe grüne Rafenflächen und weißen Sand. Es tommt ein Ehepaar auf den Eingang zu und trägt einen verdeckten Waschkorb. Ich bin froh, daß ich Menschen sehe, denn nun merle ich gerade, daß ich mich verirrt habe. Als die beiden jungen Menschen auf der Straße find, die Pforte hinter sich schließend, bitte ich sie um Bescheid, die blonde, starte Frau lächelt, aber der schwächere Mann sieht mich an und sagt teilnahmsvoll: Sie sind doch frant, warum bleiben Sie nicht lieber im Bett?" Da flage ich ihm meine Beschwerden, und er gehen Sie nur hinunter Jagt:„ Das ist die Bauchfellentzündung, gehen Sie nur hinunter auf die Straße, dann kommen Sie nach Hause!" Nun wende ich meinen Kopf nach der Richtung und sehe bekannte Straßen und freudig danke ich. Doch in dem Augenblid erwacht die weibliche Neugier, und ich frage, was sie wohl in dem Korb hätten, und die blonde Frau wird ernst und erzählt mir, daß dieser Platz ein Kirchhof war, der nun eingeebnet wird, und sie tönnten sich so schwer von ihren Verstorbenen trennen und haben sich nun die Ueberreste nach Hause geholt. Ich will nun nach meinem Milchlaben gehen, und während ich noch darüber nachdente, wie Menschenherzen am Vermoderten hängen fönnen, mandere ich nun immer weiter durch Vorortstraßen. Villen, grün umrantt, SträuDer Herold der Aldeutschen Eine der übelsten Erscheinungen des Krieges war Herr Houston Stewart Chamberlain, der in England geboren und in Frankreich erzogen wurde, schließlich aber in Deutschland als Schwiegerfohn Richard Wagners sein germanisches Herz entdeckte. Von ihm berichtet die Frankfurter Beitung" folgendes: „ Mr. Houston Stewart Chamberlain schien uns endgültig ein guter Landsmann und Deutscher geworden zu sein, als er im August 1916 in flammendem Protest gegen alles Englische die deutsche Staatsangehörigkeit, und damit den Beifall seiner überdeutschen Freunde erwarb. Deutschland, das Land of his adoption and affection"! Der Protest war plaionisch, denn Mr. Chamberlain bezog ihn in seinem Herzen nicht auf die Leibrente, die ihm sein Onkel, der schamlose Brite, General Sir Crawford Trotter Chamberlain, vermacht hat. Die den englischen Richter anjleh, diese dramatische Geste seines völtiLondoner Presse berichtet von einem„ Herrn Chamberlain", der schen Geins vom August 1916 ja nicht zu ernst zu nehmen. folcher Renten, aber- Mr. Chamberlain treibt seine BewundeGewiß, der Friedensvertrag beraubt deutsche Staatsangehörige rung für das Pfund Sterling, das allerdings weiß Gott nicht scheut, seinen Anwalt sagen zu lassen: diefer„ illegale heute 270 Mark oder gar noch mehr wert ist, so weit, daß er sich Att" des nationalen Glaubenswechsels nach englischem Recht ist Chamberlain strafbar,- fönne natürlich seine british- natio nale Lebenspflicht niemals berühren: Mr. Chamberlain jei Brite- after all! Das Gericht war anderer Meinung und es soll auch in England Leute geben, die dergleichen verächtlich finden. Abermals optiert Mr. Chamberlain diesmal leise fnurtend für Deutschland. Nicht der leiseste Sdhatten einer Pfund note wird seinen Lebensabend in Wahnfried beunruhigen." Das„ Berliner Tageblatt" erinnert daran, daß Chamberlain zu Beginn des Krieges seine englischen Landsleute als Sehler, Heuchler, Lügner, Falschspieler" und England als morsch bis auf die Knochen" bezeichnet hat. Dafür erhielt er das eiserne Kreuz, und die alldeutschen Blätter jubelten:„ Es ist das erstemal, daß ein in germanischem Geiste wirkender Schriftsteller durch die Gnade Kaiser Wilhelms II. ausgezeichnet wird. Der Tag und der Att ist bedeutsam; möge er symbolisch für die kommende Zeit werden." In der Tat ein sehr symbolischer Aft! Herr Chamber: lain, der Herold der Alldeutschen, wollte wieder Engländer werden, weil das Pfund Sterling so außerordentlich viel wert ist. Leider ist ihm das nicht geglüdt; die Engländer wollen Herrn Chamberlain nicht haben. Es gibt bei uns noch sehr viele Chamberlains, die ihr Vaterland dort suchen, wo der Kurs am höchsten steht! Der Ritter am Schreibtisch Zur Kennzeichnung Wilhelms Gott, gib uns unseren Kaiser wieder! Dieser Stoßfeufzer unserer Rationalisten erhält erst seine richtige Würdigung, wenn man weiß, wer dieser Kaiser war, Kurt Seinig schreibt in seinem Buche Hohenzollern" über ihn unter anderem: ,, O, Wilhelm II. sorgte für sein Bolt, er„ arbeitete" vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Reisen, Festlichkeiten, im besonderen aber jede Soldatenspielerei waren ihm ernsteste Angelegenheiten. 3u Pferd figen, alles übersehen und jedes beurteilen, bas gab Selbstbefriedigung. Dann ins Auto und mit Tatütata ins Schloß: dort beugten sich schon die wartenden Rüden der Chefs des Zivil-, Militär- und Marinekabinetts, der Haus- und Hofmarschälle, vieles fünstlich vergrößert durch glizernde und flimpernde Uniformen. Im Galopp Entscheidungen und Befehle, und dann auf dem Schreibtisch liegen die eben eingegangenen diplomatischen Geheimberichte ging es auf ein neues Pferd. - ging es auf ein neues Pferd. ( Wilhelms II. Schreibtischstühle waren richtige, wirkliche Reitfättel.) Da wurde mit Randbemerkungen nach rechts und links um sich gehauen:„ Blech",„ Blödsinn",„ Schwein"," Salunke" so lieft bu es noch heute mit neuer Angst in den wichtigsten diplomatischen Aften des Auswärtigen Amtes aus der Zeit des Juli 1914" cher und Bäume tragen eine Fülle aufbrechender Knospen, trunken labt meine Seele sich an Sonnenschein und Blütenpracht, Sonne und Leben, die Erde erscheint mir wie eine schwangere Frau, Leben, aufbrechendes Leben! Weiter wandere ich in Gedanken verfunfen, meine Beine sind schon so schwer, ich sehe nun schon die Landstraße und weiße von Epheu umgebene Landhäuser; hier blühen auch schon Obstbäume, und ich bin so müde und fühle jest eine große Berlassenheit, feinen Menschen, teinen meiner Lieben sehe ich, ein schwerer Drud legt sich auf mein Herz- noch ein Stüdchen Landweg zwischen Aedern, und ich stehe in einem Kieferngehölz. Saftige, rotbraune herrlich frisch, ich empfinde und atme den töftlichen Kieferngeruch, Rinde tragen die Stämme, die Nadeln in den Kronen sind so der durch die Sonnenwärme den Bäumen entsteigt, ich bin erschöpft, umschlinge mit dem linken Arm einen Stamm und lehne meinen Kopf daran. Nach einer Weile höre ich plöglich den Pfiff einer Lokomotive, und nun erblide ich ein Stüdchen vor mir im weißen Waldesfand einen von der Sonne gleißenden Schienenstrang, und Erleichterung zieht in mein Herz; denn links seitwärts erbliden meine Augen eine ländliche Bahnstation. Und so wunderhübsch ist das alles, die grünen Riefern, wo die Sonne hindurchdrängt, der weiße Sand, die roten Gebäude und darüber die strahlende Mittagssonne. Und ich fann nun nach Hause fahren! Meinen Kopf nach rechts wendend, sehe ich wieder zwei weiße Landhäuser, von Gemüsegärten und blühenden Obstbäumen um geben. Aus dem nächsten Hause tommt ein Mann von dunklem Typ; er hat noch den Mantelfragen hochgeschlagen, den Kopf fröstelnd eingezogen, die Kaffeekanne des Arbeiters unter dem Arm, und ich bemerke, wie er eine Kontrollmarie an eine Tafel hängt, die sich an einer Kiefer befindet. Ich rufe, aber er schüttelt nur den Kopf und eilt zur Station. Ein zweiter Mann tommt, genau wie der erste hängt auch er seine Marke an, auch er vers steht mich nicht. Wieder fühle ich mich so grenzenlos verlassen und müde. Da werde ich durch ein Geräusch neben mir aufmerksam, und aufschauend erblide ich einen jungen Mann, auf einem Baumstumpf sigend; auch er ist dunkel, aber ohne Mantel und Sut und scheint sich ebenfalls an der Schönheit der Natur zu erquiden, denn lässig hat er die Beine übereinander geschlagen. Ich frage nach dem Namen der Station. Da schaut er mich verwundert mit großen, dunklen Augen an und sagt nur„ Menschentum, Ungarn."„ Menschentum?!" rufe ich staunend und fragend aus, gibt's denn das in Ungarn auch, in Sorthy- Ungarn?" Wieder fieht er mich groß und nicht recht verstehend an; dann bringt eine tiefe Traurigteit in seine Augen, er schüttelt verneinend den Kopf und läßt ihn müde auf die Brust sinken. Da- wieder ein Pfiff, der Zug, der eben eingefahren, fährt davon, und ich stehe railos dal Und an eine andere Marotte Wilhelms II. erinnert Heinig. Ueberall hatte der erhabene Herrscher seine Photographien aufgehängt. In allen möglichen Stellungen hing er sogar im Klosett, so daß ein Matrose beim Anblick dieser Klosett- Bildergalerie ausrief: ,, Wie Wilhelms Politit; wenn du de Bilder davon antiefft, dann denkste, du bist ewig unterm blauen Himmel und et stinkt nich!" Joyllen aus Schlesien Aus Schlesien wird uns geschrieben: Am 2. August wurde von der Kurtapelle des Bades Alt. heide auf Wunsch eines Nationalisten das Lied„ Deutschland, Deutschland über alles" gespielt. Eine große Anzahl der Kurgäste erhob sich von den Plätzen und sang stehend das Lied mit, während eine Anzahl Bürger von Altheide sowie ein Teil der Kurgäste sitzen blieb. Das rief unter den Vertretern des Schiebertums eine heftige Erregung hervor, die beinahe in einen Lynchaft ausgeartet wäre. Der Fuhrwerksbesitzer Ernst aus Altheide wurde mit Totschlag bedroht, während andere den Böbeleien des nationalistischen Janhagels ausgesetzt waren. Um dem Fuhrwerts besiger Ernst eins auszuwischen, wurde er für einen Polen erflärt. Genau so erging es zwei Brief= trägern, die dem B drohten beisprangen. Ernst mußte schließ= lich durch Beamte der Schupo von den Angriffen des Pöbels geschützt werden. Als schließlich festgestellt war, daß Ernst kein polnischer Staatsangehöriger ist, wurde er als Kommunist denunziert. Er begab sich dann in seine Wohnung, nun bildete sich vor dem Grundstüd ein großer Menschenauflauf und die Pöbeleien wurden fortgesetzt. In Altheide befindet sich auch eine Militärturanstalt, in der schwerkriegsbeschädigte Arbeiter zur Herstellung ihrer Gejundheit untergebracht sind. Auch diese Kurgäste wurden von dem Böbel belästigt. Echließlich wurde ein Prügelheld ver haftet und neun andere namentlich festgestellt. Man stelle sich nun einmal vor: Sozialisten verlangten in einem Kurart, daß irgendein Arbeiterlied gespielt werde und jeder, der von 1 bürgerlichen Herrschaften nicht mitfingt, befäme eine Tracht Prügel. Was würde der Schlußeffekt sein? Die Staatsanwaltschaft würde einschreiten und es gäbe unter Umständen einen Prozeß wegen Landfriedensbruch. Wir wollen nun abwarten, was dent nationalistischen Böbel in Bad Altheide geschieht. Bei dieser Gelegenheit soll auch gleichzeitig der Militärtur anstalt gedacht werden. Die Berpflegung der dort untergebrachten Kriegsbeschädigten ist feineswegs ausreichend. Wenn sich aber ein Kranter erholen soll, so ist doch die erste Bedingung die, daß or fich attesen tann. Sobald sich aber die Patienten über das Essen beschweren, wird ihnen mit Entlassung gedroht. Jede Beschwerde gilt als politische Agitation". In den staatlichen Kuranstalten scheint überhaupt der Geist der schwärzesten Realtion zu herrschen. So befanden sich die Seizer und Maschinisten des hiesigen Kurhauses feit längerer Zeit in einer Lohnbewe gung. Ende Juni wurde die Badeverwaltung vom Schlichtungsausschuß Glatz verurteilt, einen Stundenlohn von 3,75 bis 4,25 M. zu zahlen. Der Badedirektor konnte sich zur Zahlung dieses föniglichen Lohnes nicht aufschwingen. Die Heizer und Maschinisten ge hören dem Verband an und sie beschlossen nach erneuten, erfolg losen Berhandlungen den Streit, der am 3. August begann. An den Verhandlungen nahm der Arbeiterfetretär E1 dner aus Waldenburg, der in der Militärfuranstalt zur Kur weilt, teil. Die Erfüllung seiner sozialen Berufspflicht wird ihm nun eben falls als„ politische Agitation" angetreibet. Ichner soft entlassen werben. So sehen pir, wie die Reaktion überall am Werte ist. Der Geift der alten Zeit ist wieder maßgebend geworden. Die Repu blit ist ein Gefäß ohne Inhalt, jede Provokation von Rechts wird geduldet. Die Regierung tut nichts, fie sieht den Treibereien der Nationalisten geduldig zu bis ihr die Berhältnisse über den Kopf gewachsen find. Die Ruhr in München. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat sich im Monat Juli die Ruhr in München bemerkbar gemacht. Die Rahl der Erkrankten beträgt 18. Gestorben find 7 bis 8 Personen. Zu einer Besorgnis besteht nach amtlicher Versicherung kein Anlaß. -Bis Ungarn bin ich gewandert, mit Bantoffeln an den Füßen, zwei Mart neunzig Pfennige in der Tasche, wo ich eben nach suche, und den leeren Milchtopf in der Hand ob ich mich an den Ortsvorstand wende? Jn Schweiß gebadet erwache ich, mein erster Blid fält auf das gegenüberstehende Bett, in dem mein Jüngster, mein 3wölf jähriger, mein einziger Junge, mit fieberrotem Kopf liegt. Die Sonne trifft jetzt gerade sein Bett. Junge, du mein Junge einziger Bruder deiner fünf Leibesschwestern, werden deine und meine Augen noch in sonnendurchleuchtetes, freies Menschentum schauen? Wir beide, den Arm um Baters Raden gelegt, schauen wir aus, sehnen es inbrünstig herbei. Werden wir es erleben? Du wenigstens? „ Selbenmütter." Unter dieser Ueberschrift hatten wir in Nr. 358 der Freiheit" einige Worte des Genollen Siemen gegen den Krieg abgedruckt. Wir erhielten darauf einen Brick, in dem es unter anderem heißt: ,, Von mir sind vier Söhne ins Feld gezogen. Mein jüngster und mein liebster Sohn hängt vielleicht auf diesem Drahtzaun in dieser Verfassung."( Sans Giemsen hatte den Tod eines Ver wundeten im Stacheldrahtverhau wah: heitsgetreu geschildert.) „ Ich muß diesen Herrn hiermit anklagen, daß er diejen Artikel nicht im Jahre 1914 in den Zeitungen bekanntgegeben hat, dan hätte ich meine Söhne wie eine Löwin mit meinem Leib und Leben beschützt, und andere Mütter hätten dasselbe getan. trifft nur die ganze Schuld die Führer der Arbeiter, die uns Mütter nicht vor dem Krieg aufgeflärt haben." Go feit Wie recht hat diese unglückliche Mutter! Ihr Vorwurf triff zwar nicht den Genossen Siemjen, nicht die Rebatteure bet Freiheit" und nicht die Führer der U. 6. B. Sie alle haben 1914 mit allen Mitteln gegen den Krieg geïämpft. Aus des Empörung gegen den Krieg ist ja die U. S. B. entstanden. Aber wie schwer trifft der Vorwurf dieser Mutter die beiterführer, die die Internationale verrieten, die den Burg frieden mit militaristischen Bürgerparteien schlossen und viel Jahre lang alle Greuel und alle Berbrechen des Krieges schwei gend duldeten. Was fagen diese Arbeiterführer zu der Antiag der Millionen Mütter, die ihre Söhne verloren haben? Den unglüdlichen Müttern aber fönnen wir nur eines fagen Ihr ehrt das Andenken eurer gefallenen Söhne nicht durch Kla gen und Tränen, sondern dadurch, dak ihr doppelt entschlossen den Kampf aufnehmt gegen Krieg und Militarismus und Militä und gegen alle Dummheit und Roheit, die den Krieg und den „ Seldentod" preist und verherrlicht. Schlagt die Mörder eurer Söhne nieder, indem ihr für den Sozialismus lämpit, der allein den wirklichen Völkerfrieden herbeiführen tann! Dadurch ehrl ihr das Andenken eurer gefallenen Söhne am besten. Ein unverschämter Gewaltstreich Der polizeiliche Ueberfall auf Abgeordnete Danzig, 5. Auguft. In der heutigen Sigung des Voltstages gab Präsident Matthaei eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Mir ist gestern die Nachricht zuteil geworden, daß ein Ueberfall auf dieses Haus und auf Personen in diesem Hause, besonders Senatoren, geplant fei. Als mir dies befannt wurde, habe ich den Senat erfucht, mir Polizei zur Verfügung zu stellen. Ich habe ausdrüdlich dem Senat gesagt, daß ich die Polizei gewalt haben wolle zum Schuge des Hauses und derjenigen, die darin find, der Senatoren, der Abgeordneten und der Beamten. Als ich gestern vormittag von vier Abgeordneten der kommunistischen Partei nach der Veranda herunter gebeten und gefragt wurde, ob die Polizei, die dort lag, auf meinen Befehl dort sei, habe ich erwidert: Ja, und hinzugefügt, daß ich fie erbeten habe nicht gegen Abgeordnete, sondern zum Schuh bes Hauses und derer, die darin sind, der Senatoren, der Abgeord neten und der Beamten. Es ist mir nachher mitgeteilt worden, daß die Polizei nicht aktionsfähig sei, wenn sie nicht eine Ermächtigung von mir habe. Diese Ermächtigung habe ich gegeben. Ich habe angenommen, daß ich die Polizei in den Gaal rufen würde, nicht ein anderer. Wie bekannt, find von der Danziger Polizei zwei fommunistische Abgeordnete während der Tagung verhaftet worden. Der Befehl wurde von dem Polizeisenator Shimmer gegeben, der dazu nicht befugt war. In zwischen ist ein dringlicher Antrag von der sozial demokratischen Fraktion eingegangen. Er verlangt, daß das Strafverfahren und der etwa bestehende Haftbefehl oder sonstwie bestehende Beschränkungen der persönlichen Freiheit gegen die Voltstagsabgeordneten Rahn und Schmidt sofort aufgehoben werden. Ein Aufruf der Danziger Arbeiterzeitung" behauptet, der Danziger Senat habe sich zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung um Silfe an Polen gewandt und nach deren Ablehnung die Schutzpolizei aus Deutschland ( Königsberg, Marienburg, Lauenburg) erbeten und ers halten. Auch deutsche Orgeschritter sollen bereitgestellt gewesen sein. Das hungernde Rußland Ein Aufruf des Roten Kreuzes Bern, 5. August. Das Internationale Rote- Kreuz- Komitee veröffentlicht eine Mitteilung, in der es u. a. heißt: Angesichts des Elends ber Bevölkerung Rußlands und der Hungersnot, durch die sie bedroht ist, sind das Internationale Rote- Kreuz- Komitee und die Liga der Rote Kreuz- Vereine von verschiedenen Seiten aufgefordert worden, den Regierungen des Völlerbundes und den Wohltätigkeitsorganisationen Vorschläge zu machen, um ein internationales Hilfswerf zu gründen, das die Tätig feit bez einzelnen Regierungen zur Versorgung Rußlands mit Lebensmitteln zentralisiert. Das Internationale Rot- KreuzRomitee ist überzeugt, daß nur ein mächtiger internationaler Drs ganismus unter Beihilfe aller Regierungen und mit Zustimmung ber Sowjetregierung eine wirklich zweckmäßige Silfsaktion und bie Initiative zur einheitlichen Sammlung und Berteilung der Silfsmittel ergreifen fann, und fordert deshalb die Delegierten aller europäischen und amerikanischen Vereinigungen, bie zu gunjten Rußlands eingreifen wollen, auf, fi am 15, Angujt in Genf zur Borbereitung einer internationalen Silfsaition einzus finden. Das Komitee hofft, daß auch die Regierungen ihre Vertreter zu dieser Zusammenkunft entienden werden. EE. Washington, 6. Auguft. Soover soll darauf bringen, daß man wegen der amerikanischen Unterſtügung mit Sowjetrußland selber verhandeln solle, weil bieses die einzige Macht sei, die nach Rußland reisende Amerikaner schützen könne. Kopenhagen, 5. Auguft. Politiken wird aus Riga telegraphiert: In der Zeit vom 25. bis 27. Juli hat auf Anregung des amerikanischen Roten Kreuzes in Riga eine Konferenz von Vertretern Lettlands, Litauens. und Estlands stattgefunden, um eine Organisation zu schaffen gum Das neueste Mordinstrument. Der amerikanische Brigade- General J. T. Thompson, der im Kriege als Organisator der Klein waffen- Erzeugung der Vereinigten Staaten eine bemerkenswerte Rolle gespielt hat, hat jeht ein neuartiges Maschinengewehr tontruiert. Es wird gehandhabt wie ein gewöhnliches Jagdgemehr und ist nur unwesentlich schwerer, obzwar unterhalb des Laujes eine ganze Reihe von fomplizierten, automatisch wirkenden Vorrichtungen angeordnet ist. Mit Hilfe dieser Vorrichtungen ist es möglich, im Zeitraum von nur zwei Sekunden nicht weniger als 50( fünfzig!) Schüsse abzugeben. Bei einem öffentlichen Probes Schießen wurden auf je 50 Schüsse bis zu 47 Treffer erzielt. Die Schießscheiben, die dabet benutzt wurden, hatten die Form der menschlichen Gestalt, permutlich um die Schüßen in die richtige Stimmung zu versehen, vielleicht aber auch nur um die fünftige Berwendungsart dieses neuesten Mordinstrumentes zart anzudeuten. Um der Menschheit nicht bis zum Ausbruch der nächsten großen Zeit" die damit verbundenen Segnungen vorzuenthalten, wird es schon jetzt bei der New Dorfer Bolizei eingeführt zur Verwendung in außerordentlichen Fällen". Das heißt, aus dem scheinheiligen Jargon der Offiziösen in flares Deutsch übersetzt: man wird damit die Arbeiter niederfartätschen, wann und wo immer fie und sei es mit den friedlichsten Mitteln die Bes freiung von der Stlaverei der Truftgewaltigen und ihres Trosses anstreben sollten. Was will man noch mehr? Fünfzig Schuß in zwei Sefunden- ber Fortschritt marschiert! Hoffen wir, daß un jere wadere Sipo sich ihrer New Yorfer Kollegin würdig zeigen und auch ihrerseits zu der neuen Thompsonmaschine übergehen mird. Die dazu erforderlichen Mittel wird ihr der deutsche Reichs: tag, der es immer mit den Thompsons gehalten hat, mit tausend Freuden bewilligen. a10. Der Zeitungs- Arzt. Durch die bürgerliche Brelle ging vor einiger Zeit die Schilderung eines mit allem Raffinement der Neuzeit ausgestatteten Zeitungspalastes, den einer der Matadoren der gelben Bresse Süd- Amerikas zur Erhöhung des Ruhmes einer Inseratenplantagen errichtet hat. Es gibt da Marmortreppen und Säulen von erlesener Bracht, die Redaktionsbureaus trogen von Reichtum und Eleganz und sogar ein eigener Ballfaal, ben man betanntlich zum Redigieren besonders nötig hat, ist vorhanden. Daß auch eine Apothele vorgesehen wurde, in ber ein ganzer Stab von Aerzten Tag und Nacht damit beschäftigt ist, den Lefern des Blattes tostenlos Ratschläge zu erteilen, werden insbesondere diejenigen als eine Wohltat empfinden, denen bei ber Lektüre der Balastzeitung schlecht geworden ist. Daß die an gestellten Aerzte mit besonderem Nachdrud die Medizinen emp fehlen, die im Inseratenteil auftauchen, finden die bürgerlichen Blätter, die diesen Umstand ausdrücklich hervorheben, vollkommen in Ordnung. Wenn man weiß, dak in der amerikanischen Bresse in geradezu ungeheuerlichem Umfang gemeingefährliches oder völlig wertloses Zeug von Kurpfufdern aller Grade angepriesen wird, so tann man sich eine Vorstellung von dem fegenszeichen Wirten einer Apothese machen. in der, unter dem Borspann Scheinbar objektiver ärztlicher Fachmänner, gerade dieses Zeug Silfe juchenden tranten Menschen aufgenötigt wird, noch dazu mit besonderem Nachbruc". Doch was liegt an dergleichen Kampf gegen die Einschleppung von Krankheiten aus RuB= land nach den Ostseeprovinzen und Westeuropa. Die Konferenz beschloß u. a., ein Bureau mit fanitären Sachverständigen aus den Ostseeprovinzen zu errichten. Ebenso soll ein Quaran= tänelager in Dünaburg geschaffen werden. 3 Die schwierige Friedensproffamation EE. Paris, 6. August. „ Chicago Tribune" meldet aus Washington: Obwohl das Staatsdepartement zugibt, daß die Vereinigten Staaten mit Deutschland wegen des Abschlusses eines Friedens. vertrages in Verhandlungen stehen, der nach der Proklama tion in Kraft treten tönnte, weigern sich die in intimen Be ziehungen zur Regierung Hardings stehenden Männer, mitzuteilen, welchen Verlauf diese Verhandlungen nahmen. Ebenso schweigsam bleiben sie bezüglich der Form, die dieser Friedensverirag annehmen soll. Bezüglich der Friedensproflamation wird der„ Chicago Tribune" aus Lancester gefabelt, Präsident Harding habe die bestimmte Erklärung abgegeben, daß die Friedensproflamation, die das Verhältnis Ameritas zu Deutschland tlären soll, erst nach seiner Rüdtehr von seiner gegenwärtigen Reise nach Washington erfolen wird. Kapitänleutnant Patig meldet sich TU. Leipzig, 6. August. Bazig erst jetzt(!!) in Südametila, wo er sich eine neue Existenz Wie die Leipziger Abendpost" berichtet, hat Kapitänleutnant gegründet hat, von der Berurteilung seiner beiden Kameraden erfahren. Er hat daraufhin erklärt, er werde nach Deutsch land tommen, sich selbst dem Reichsgericht stellen und be tunden, daß er allein die Verantwortung trage. Boldt und Dithmar hätten nur seine Befehle ausgeführt und wären andernfalls natürlich wegen Gehorsamsverweigerung vor ein Kriegsgericht gezogen worden. Es ist zu hoffen, daß die beiden verurteilten Oberleutnants Boldt und Dithmar, die in Einzelhaft sitzen und demnächst nach Kottbus überführt werden sollen, durch eine neue Verhandlung durch den U- Bootstommandanten Pasig bedeutend entlastet werden. Wenn Pazig fich jetzt tatsächlich dem Gericht stellen sollte, so würde er damit noch feineswegs Boldt und Dithmar von der Strafe befreien. Die Befehlsgewalt geht niemals so weit, daß jemand verpflichtet werden tann, einen Mord zu begehen. Das haben die Kameraden Pagigs aber getan, und deshalb find sie mit Recht verurteilt worden. Bazigs Aeußerung, nach Deutschland zurückzukehren, ist außerdem nichts weiter als eine schöne Geste. Wenn er den Mut gehabt hätte, seine Verbrechen vor Gericht zu ver antworten, warum ist er da erst ausgerissen? Der Programmentwurf der SPD. Im neuesten Heft der„ Glode" unterzieht der sächsische Wirtschaftsminister Fellisch den Programmentwurf der rechtssozialistischen Partei einer scharfen Kritik. Fellisch schreibt: ,, Es wäre falsch, für dieses Monstrum eines Bartels programms die Programmtommission verantwortlich zu machen, denn diese ist selbstverständlich nur ein Arbeits- und Hilfs organ des Parteivorstandes zur speziellen Lösung einer großen unb wichtigen Aufgabe. Berantwortlich für den Ent wurf als Ganzes ist der Parteivorstand. Daß dieser es über sich brachte, ein solches Programm herauszugeben, muß eigentlich die Parteigenojen veranlassen, einmal darüber nachzu denken, ob denn der heutige Parteivorstand eine Aufgabe richtig erkannt hat, ob man ihm die Führung der Partei weiter ohne trengite Reitit anvertrauen tann!" Der Vorwärts" bemerkt dazu, daß der Parteivorstand die Programmfommission in feiner Weise als sein„ Arbeitsund Hilfsorgan" betrachtet habe. Die Programmtommission fei vom Parteitag gewählt und beauftragt worden, der Parteivorstand habe deshalb fein Recht gehabt, ihre Hefte zu forrigieren. Kleinigkeiten? Die Hauptfache ist das Geschäft, und die Seele des Geschäfts ist das Inserat! In dieser Beziehung unterscheidet sich die ameritanische Presse zwar vielleicht ein wenig in der Form, aber feineswegs in der Sache von der deutschen. Die Bublizistit des Kapitalismus zeigt eben überall die gleichen Mertmale. Sie wird nicht von Köpfen, sondern von hungrigen Mägen gemacht und hat statt des Herzens eine automatische Registriertasse im Leib. 810. Ueber Fischgifte schreibt W. A. Collier von der Biologischen Station Selgoland in den Naturwissenschaftlichen Monatsheften". Unter Fischgiften versteht man, daß der Genuß gewisser Arten sowohl in tohem als in getochtem Zustand nachteilige und gesundheitsschädliche Folgen haben tann. Es ist dabei nicht notwendig, daß der ganze Fisch diese Eigenschaften zeigt, mitunter find nur einzelne Organe, z. B. Fleisch, Genitaldrüsen oder Blut, für den Menschen mit Nachteilen beim Genuß verbunden. Da neben gibt es auch direkte Giftfische, die mit einem Giftapparat ausgerüstet find, der gegebenenfalls als Verteidigungswaffe oder auch zum Angriff benugt werden tann.-Collier spricht an dieser Collier spricht an dieser Stelle jedoch hauptsächlich von Fischgiften solcher Fische, die nicht als Giftfische im obigen Sinne anzusprechen find, deren Kenntnis tommenden Fischvergiftungen ist. aber von weit größerer praktischer Bedeutung bei den häufig vor tommenden Fischvergiftungen ist. Neben dem Aal ist in Europa die Barbe der bekannteste giftige Fisch, dessen Genuß unter bestimmten Bedingungen die sogenannte Barbencholera hervorrufen tann. In Italien ist der Sandel mit Barben daher in den besonders gefährlichen Monaten, vom März bis Mai, verboten. Ebenso soll der Rogen des Karpfens, des Hechtes, der Schleie, des Brachjen in manchen Fällen giftig werden. Eine start giftige Wirtung hat auch die sogenannte Protamine bei Lachs, Matrele, Seehajen, Karpfen usw. Die Entstehung der Protamine bei der Spermatogenese des Lachses ist von Miescher genau verfolgt worden. Es ist bekannt, daß der Lachs bei seinem Aufstieg in die Flüsse zur Laichzeit teinerlei Nahrung zu sich nimmt. Dabei entwideln sich unter gleichzeitiger Verminderung der Muskulatur die Geschlechtsorgane. Es merden Aminosäuren und andere Gruppen des Eiweißmoletüls abgespalten, während ein Kern zurückbleibt, der die wesentlichen Bestandteile der Protamine enthält. Ein anderes Gift ist das Jugugift, das bei dem als„ Toad- Fish" am Kap der guten Soffnung und in Neukaledonien befannten Tetrodon honlenni portommt. Am Gift dieses Fisches starben 1885-1892 zirta 680 Menschen. Die Wirkung dieses Giftes ist ähnlich der des Schlangengiftes auf das zentrale Nervensystem und läßt sich deutlich an Schwindel zustand und Sinfen der Körpertemperatur erkennen. Tages- Notizen D. Frelligtbühne in Spandan. Sonntag, den 7. Auguft, nachmittags 5 Uhr, Die goldene Era". Gintritt für Boltsbühnen- Mitglieber 4,50 wt., Gajifatten 6,50 2. Bottas unb Berimniter" fanden gestern im Deutschen Theater" aam 100. Mole ein lah: und beifallbereites Bublifum. Graet, Ettlinger unb Margarethe Rapfet waren with sehr fomis. Uns scheint der Streit von dieser Seite aus recht übers flüssig zu sein. Tatsache bleibt doch, daß der Parteivorstand das Recht haben mußte, die Arbeit der Programmlommission zu prüfen, bevor sie der Deffentlichkeit übergeben wurde. Das ist sicher auch vom Parteivorstand aus geschehen, und die Prüfung hat eben im allgemeinen eine große Befriedigung über den Entwurf ergeben. Er stellt ja auch nichts Absonderliches dar, sondern ist der geistige Nieders schlag des politischen Fühlens und Handelns, wie es bei der rechtssozialistischen Partei seit langem zu Hause war. In den Massen der Parteimitglieder hat sich allerdings ins zwischen ein Wandel vollzogen, immer mehr wächst die Einsicht darüber, daß die bisherige Politik ein großer Irrtum war, der sehr zum Schaden des Proletariats ausschlug. Diese Massen fonnten daher dem Programmentwurf fein Verständnis entgegenbringen, die Opposition der fortgeschrittenen Elemente regte sich sehr lebhaft und überraschte die stehengebliebenen Führer, die sich noch immer in den alten Gleisen bewegen. Und so tam die Blamage. Die Väter des Entwurfs schämten sich ihrer Erzeugerschaft, niemand will für den Wasserfopf verantwortlich sein, und doch haben sie alle ein Samenförnlein dazu beigesteuert. Prediger des Basses Die Rede unseres Genossen Crispien in Paris, die den lebhaftesten Beifall der französischen Arbeiterschaft fand, gibt der Kreuz 3eitung" Gelegenheit, mit den wüstes ften Schmähungen über unseren Genossen herzufallen. Dieser Crispien" schreibt das Blatt der hochfeudalen Safenfrezuler, der verrucht und schamlos genug ist, das deutsche Volt in den Schmutz zu treten und das französische zu umschmeicheln, nur um in Paris sprechen zu dürfen, fhän det das Deutschtum. Er ist verächtlicher als ber gemeinste Franzose." Es dürfte der„ Kreuz- Zeitung" schwer fallen, in der Rede Crispiens auch nur ein Wort nachzuweisen, das sich gegen das deutsche Bolf wendet und das französische umschmeichelt. Die Rede Crispiens hielt sich im Gegenteil, wie das unserem ständig vertretenen Standpunkt entspricht, vollkommen frei von allen nationalen Gegensätzlichkeiten, die nur die Gegensäglichkeiten der nationalen Bourgeoisien sind; sie erhob sich über die niedere Gedankenwelt der nationalen ZuchthausStaaten, in der die herrschenden Klassen die arbeitenden Massen festzuhalten suchen, und brachte zum ersten Male nach dem vollermordenden Krieeg vor der gesamten frana zösischen Oeffentlichkeit den Gedanken zum Ausdruck, daß kein Saß und feine Rachsucht die Arbeiter Deutschlands und Frankreichs von einander trennt, die sich über die Grenzen hinweg brüderlich zum gemeinsamen Wirten die Hände reichen. Es ist verständlich, daß das Organ der alldeutschen Kriegss verbrecher sich mit giftigen Schmähungen auf diejenigen stürzt, die die Ideen der deutsch- französischen Verbrüderung und der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse prebigen. Wo blieben auch die Haßprediger und Hezer, die unter der Maste des Patriotismus ihr Unwesen treiben, wenn die völferbefreienden Gedanken des Sozialismus die überwiegende Mehrheit der Volksmassen für sich gewinnen würden? Mit Schimpf und Schande würden diese traurigen Gestalten, die hundertfache Schuld auf sich geladen haben, aus der Oeffentlichkeit verjagt werden, wenn die Jdeen, die Genosse Crispien als Sprecher der Unabhängigen Sozial demokratie in Paris verfündete, Gemeingut der arbeitenden und leidenden Boltsmassen sein würden. Die Frankfurter Zeitung", die die Rede Crispiens in Paris als Ereignis von großer Tragweite würdigte, hat mit Recht darauf hingewiesen, daß es bis jetzt den Arbeitern allein vorbehalten blieb, sich wieder die Hand zu reichen, und daß das Bürgertum noch immer dastehe, als ob die SchützenDie„ Kreuz graben nicht eingeebnet worden wären. Beitung" entrüstet sich über die Feststellungen des demokratischen Organs. Von ihrem Standpuntt mit Recht. Denn die herrschenden Klassen Deutschlands, die trotz Niederlage und Revolution an den Ueberlieferungen des feudalkapitalistis fchen faiserlichen Deutschlands festhalten, tönnen ihre Macht nur aufrecht erhalten, wenn die nationalen Gegensätze zwischen den Völkern bestehen bleiben, wenn hüben und brüben die nadte Gewalt als Gewalt als oberstes Ges seg der internationalen Beziehungen anerkannt wird, wenn Nationalismus und Militarismus nach Dor wie Die allein Den als Gözzen angebetet werden, Böllern die Rettung aus der jetzigen Not zu bringen ver mögen. Der französische Dichterphilosoph Romain Rol land hat mit Recht darauf hingewiesen, daß das Lügens system der bürgerlichen Welt, das sich dem Geist jeder Rasse, jeber Ration anpaßt, es den Bölfern so schwer mache, einander zu verstehen, und es ihnen so leicht mache, einander zu verachten. Die Wahrheit ist bei allen dieselbe; jedes Volk aber hat seine Llige, die es feinen Jdealismus nennt." 99 Es ist aber nur scheinbar Idealismus", unter dessen Maste die deutschnationalen Seher die heranwachsende Jus gend und breite Kreise des Voltes zu vergiften suchen. Hinter ben Phrasen über„ nationale Not"," Befreiung" usw. vers birgt sich nichts weiter als das nadte Profitinter= esse der Junker und Industriegewaltigen, die mit dem Schicksal der arbeitenden Massen wie mit hohlen Nüffen spielen. Brauchen wir daran zu erinnern, mit welchen Strupellosen Mitteln die alldeutschen und militaristischen Kreise Deutschlands den Weltkrieg vorbereitet haben? Brauchen wir zu erwähnen, daß schon lange vor dem Welts friege Starle Fäden zwischen den großen Waffenfabriken und Panzerplattenfabrikanten in den verschiebenen Ländern lies fen, die künstlich internationale Konflikte schufen, um ihre Profite in die Höhe zu treiben? In seinem soeben erschie nenen Buche Meine Gefangenschaft" hat der frühere fran zösische Ministerpräsident Caillaug unter anderem auch auf die noch nicht genügend gewürdigte Tatsache hingewiesen. daß eine der reaktionärsten und nationalistischsten französischen Zeitungen, der„ Figaro" von der Dresdner Bant und dem ungarischen Grafen Tisza ausgehalten wurde, und daß Krupp und Konsorten eine französische Telegraphenagentur und eine große franzöfifche Zeitung finanzierten. Gegen diese Art deutsch- französischer Berbrüderung" hat die„ Kreuz- Zeitung" wohl auch heute nichts einzuwenden. Sie und die ihr gesinnungsverwandten Pressereptile des Herrn Stinnes und der bürgerlichen Parteien würden es ficherlich als einen großen Erfolg der deutschen Politik buchen, wenn es den fapitalistischen und militaristischen Cliquen gelingen würde, mit derartigen Methoden erneut die nationalistischen Gegensäge zu schüren und neue inter-, nationale Konflitte zu schaffen. Die Schandbuben der nationalistischen Bresse leben von der na tionalen Verhegung. Es ist deshalb eine Ehre, von ihnen beschimpft zu werden, wenn man, geleitet von den hohen Jdealen des Sozialismus, an der Berbrüderung der Bölter arbeitet. Groß- Berlin Wie lungenfrante Proletarier behandelt werden Dem Verband der Lungen- und Tuberkulose. ertranften Deutschlands, Ortsgruppe Berlin, ging folgende Beschwerde über das Wohnungsamt 3b, Babftraße 35-36, au: Am 25. Juli erschien der Mechaniter Richard, Gropiusstraße 1 wohnhaft, und teilte folgendes mit: Bor einigen Tagen begab sich meine Ehefrau nach dem Wohnungsamt 3 b, Badstraße 35-36, um Ertundigung wegen einer Wohnung einzuholen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Beamte:„ Laden Sie sich nicht eine größere Wohnung auf den Hals, Jhr Mann stirbt ja doch bald, was wollen Sie dann mit der Wohnung anfangen? Die Wohnungen werden ja alle ver: schoben durch andere Mieter." Am 23. Juli d. J. ging ich selbst zum Wohnungsamt, um ebenfalls wegen der Wohnung nachzufragen. Derselbe Beamte äußerte fich: Es ist besser, Sie gehen ins Krantenhaus; tommen Sie uns nicht mehr hierher. Wenn mal eine Wohnung frei ist, be tommen Sie schriftlichen Bescheid." Bemerken will ich noch, daß ich durch den Verband auf Veranlassung der Landesversicherungsanstalt Berlin erstens in die Dringlichkeitsliste eingetragen bin und zweitens, daß mir meiner Krankheit wegen eine Zweizimmerwohnung zugestanden ist. Wir müssen aufs schärfte Proteft gegen die Art und Weise, wie mit Lungentranten verfahren wird, erheben und fordern, daß derartig ungeeignete Beamte aus den Wohnungsämtern entfernt werden. Der Verband der Lungen- und Tuberkulosetranten hat es sich zur Aufgabe gemacht, dafür einzutreten, daß gefunde Wohnungen für Lungentrante geschaffen werden, ebenso darüber zu wachen, daß die Kranken in den Krankenhäusern, Heil- und Heimstätten eine ihrer Krankheit entsprechende Behandlung er fahren. Darum, Lungenfrante, die ihr noch abseits steht, schließt euch unserem Verbande an, helft mit die Mißstände, die noch in einzelnen Anstalten bestehen, zu beseitigen, denn nur vereint fönnen wir das Ziel erreichen. Alle Anfragen sind zu richten an den Vorsitzenden der Ortsgruppe Berlin, Reinhold Gossow, Berlin N 65, Guineastraße 38 II, oder an den Vorsitzenden des Verbandes, Paul Hennig, Berlin NW 87. Wiclefstraße 36 II. Fort mit den Künstler Bureaufraten! Die U. S. P. D. nnd S. P. D.- Fraktionen haben im Berliner Stadtparlament gemeinsam die Anträge der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter- und Angestelltenschaft zur Berliner Woh nungsfrage eingebracht, vertreten und ihre Annahme herbei geführt. Sie gingen dabei von der Erkenntnis aus, daß endlich mit der geradezu gefährlichen Berliner Wohnungspolitik, die eigentlich überhaupt niemals eine gewesen ist, gebrochen werden müßte, daß die Behebung des Wohnungselendes nicht erfolgen tönne durch Förderung der Terrainspekulation, durch Förderung der Auswüchse der Haberlanderitis" und durch trügerische Schulhausbauten, Märchenbrunnen und Prachtstraßen. Gegen diese Aeurlichkeiten bei der Behandlung des Wohnungsproblems einer Millionenstadt wie Berlin muß ein Ende gemacht werden. Wenn wir heute zu diesen von uns schon immer als geradezu verbrecherisch bezeichneten Unterlassungen und Verhinderungen Stellung nehmen, so geschieht es in zwölfter Stunde. Die tommende Wahl des Generalbirettors für Wohnungs- und Siedlungswesen muß einen Merfftein in bez wohnungspolitischen Entwidlung Berlins bedeuten. Berlin als einzige aller Gemeinden im Bereich des früheren Wohnungsverbandes Groß- Berlin hat bisher auch nicht eine Siedlung so rechtzeitig und schnell fertiggestellt. Die Millionen, die hierbei unnötigerweise verlen gingen, fehlen jetzt doppelt. Aber dies ist nur ein Ausschnitt aus dem furchtbaren Bersagen der bisher verantwortlichen Personen, die bewußt oder unbewußt nur Diener der privatfapitalistischen Wirtschaft gewesen sind. Sie gehen bei ihrer Tätigkeit von falschen Voraussetzungen aus, von Voraussetzungen, die nicht dem Interesse der Berliner Bevölkerung dienen, denn sie verhindern einen neuzeitlichen Zug der Berliner Wohnungspolitit. Misstände in den Berliner Krankenhäusern Die Verhältnisse in den Krantenanstalten Berlins haben sich infolge der durch den Magistrat hier ganz falsch angewandten Sparsamkeit, in einer Art und Weise verschlechtert, die es notwendig erscheinen läßt, der breitesten Deffentlichkeit diese unhaltbaren Zustände zu unterbreiten. Der Wäschemangel auf den Krantenstationen ist so groß, daß Frauen, die zur Entbindung tamen, das Hemb, welches sie bei der Entbindung anhatten, noch bis zu fünf Tagen nach derselben tragen mußten, weil es nicht möglich war, ihnen ein sauberes Semb zu geben. Der Magistrat hat einen erheblichen Teil der für Reinigungs material nötigen Mittel gestrichen. Dadurch ist es nicht möglich, die Krankenstationen so sauber zu halten, wie es vom hygienischen Standpunkt aus unbedingt erforderlich wäre. Klassiker sind ein Schmuck für jede Bibliothek Solange Vorrat liefern wir Chamisso- Werke 1 Band 12.- M. 3 Bände 50.FreiligrathGoethe99 99 48.99 99 99 99 99 80.138.39 99 99 Heine5 99 59 99 " 90.33 Herwegh1 Band 20.99 99 HölderlinIbsenKörnerLenau2 Bände 36.99 2 39 99 22.99 1 Band 20.39 99 " 1 " 12.99 Lessing2 Bände 24.99 Reuter39 " Schiller99 48.48.99 99 39 Shakespeare- ,, 99 48.99 Storm99 99 54.99 Gut gebunden Zu beziehen durch die Buchhandlung ,, Freiheit" Berlin C2 Breite Strasse 8-9 Get oen, beachtet unsere Inserenten! Die schlimmsten Gefahren werden hervorgerufen durch die Einfchränkung des Personals. Besonders arge Mißstände herrschen im Kinderkrankenhaus in ber Reinickendorfer Straße. Dort hat z. B. eine Pflegerin zeitweise den Nachtdienst bei 30 und mehr Kindern zu versehen. Es handelt fich dabei um Kinder, die an Keuchhusten, Masern, Scharlach, Diphterie, Ruhr und derartigen Kranthetten leiden. Daß Mißstände fich zeigen, liegt nicht in der Pflichtvergessenheit einzelner Personen, nicht in der Leichtfertigkeit, mit der ein einzelner fein Amt versicht, nein, das sind die Folgen von Zuständen, die durch das System des herrschenden Krankenhauswesens gezeitig werden. Solange man nicht einfieht, daß eine solche übertriebene Sparsamteit nicht am Blake ist, solange wird man die Schuld für die Mißstände an die Adresse der Stadtgemeinde richten müssen. Sportfest der Jugendturner in Spandau, Interesante Kämpfe werden sich am Sonntag, den 7. Auguft, nachmittags 2 Uhr, auf bem Sportplay der Freien Turnerschaft an der Falkenhagener Chaussee abspielen. Alle möglichen Sportarten werden der Arbeiterschaft zeigen, daß die idealen Bestrebungen der ArbeiterTurn- und Sportbewegung die größte Zukunft haben. Es ist ein Gebot der Stunde, auch die Arbeiterschaft in Spiel und Sport zu einer Einheitsfront zusammenzuschließen; denn dem Volt gilt's, während wir zu spielen scheinen. Wir möchten nicht verfehlen, unsere Parteifreunde in Spandau besonders auf diese Sportfämpfe aufmerksam zu machen. Der Leichenfund in Buchholz bei Fürstenwalde, über den wir wiederholt berichteten, hat jetzt insofern eine Auftlärung ge funden, als es zweifelsfrei feststeht, daß die Tote identisch ist mit der auf rätselhafte Weise verschwundenen 56 Jahre alten Ehefrau des Rohrlegers Anna Jacoby aus der Fennstr. 55. Jacoby ist bereits seit einigen Tagen unter dem dringenden Verdacht, seine Frau ermordet zu haben, verhaftet worden. Frau Jacoby war seit dem 17. v. m. ipurlos verschwunden. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonntag. Etwas fühl, zeitweise aufklärend, jedoch überwiegend trübe mit wiederholten Regenfällen und lebhaften südwestlichen Winden. Gewerkschaftliches Einwirkung der Betriebsräte auf die Unfallziffern im Bergbau Der Deutschen Technifer- Zeitung", der Zeitschrift des Bundes der technischen Angestellten und Beamten, entnehmen wir folgende bemerkenswerte Ausführungen: Die amtliche Zeitschrift der Knappschaftsberufsgenossenschaften für das Deutsche Reich, Der Kompaß, bringt in einer Nummer Dom 5. Juli 1921 unter der Ueberschrift„ Die fnappschaftliche Unfallversicherung im Ruhrgebiet" Ausführungen, die geeignet find, die weitestgehende Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf sich zu ziehen. Während die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle im Laufe des Krieges wie bei allen Berufen zugenommen hatte, ist erfreulicherweise für das Jahr 1920 ein beträchtlicher Rückgang festzustellen. Die Gesamtzahl der entschädigungspflichtigen Unfälle, die sich im Jahre 1913 auf 5297 stellte und im Kriege im Jahre 1917 bie Höchstzahl von 6488 erreichte, ist im Jahre 1919 auf 6314 und 1920 auf 4884 zurüdgegangen. Sie war also erheblich niedriger als im letzten Jahre vor dem Kriege. Die Zahl der entschädigungspflichtigen tödlichen Unfälle belief fich 1913 auf 1038, 1917 auf 1474, 1919 auf 1220 und 1920 quf 1098. Dabei ist zu beachten, daß die Zahl der beschäftigten Arbeiter( ohne Krante und Beurlaubte) von 396 700 im Jahre 1913 auf 465 400 im Jahre 1920 angewachsen ist. Die vorstehende Statistit zeigt im allgemeinen erfreulicherweise einen wesentlichen Rüdgang der tödlichen Unfälle im Bergbau 1919 gegenüber den erfahredend hohen Ziffern in der Kriegszeit. Das ist sicher nicht auf eine bessere Einsicht der Unternehmer nach Kriegsende zurückzuführen, denn in dem Wesen des Kapitalismus hat sich gegen früher nichts geändert. Vielmehr scheinen die Ur fachen auf anderem Gebiete zu liegen. Seit Beginn der Revo lution ist in dem Verhältnis der Grubenbeamten und-arbeiter zueinander ein bemerkenswerter Umschwung eingetreten. Gegenüber früher hat ein Vertrauensverhältnis Blaz gegriffen, melches dort am ausgeprägteften ist, wo die freigewertschaftliche Beamten organisation im Vordergrund steht. Daß ein solcher Borgang eine günstige Wirkung auf die Unfallziffer ausübt, liegt in der Natur bes Bergbaues begründet und wird jedem Kenner der Bergarbeit einleuchten. Bon viel größerer Bedeutung scheint in diesem Zusammenhange die Tätigkeit der Betriebsräte zu sein. Mit dieser Einrichtung ist die Möglichkeit geschaffen, eine wirksame Kontrolle der Betriebe vorzunehmen und Anregungen zur Verhütung von Unfällen an bie richtige Stelle weiterzugeben, ohne dabei Gefahr zu laufen, abgewiesen zu werden. Wünschenswert wäre ein engeres 3u fammenarbeiten der Bergbehörben mit den Betriebsräten und ins besondere mit den darin tätigen technischen Grubenbeamten. Sicher fönnten beide Stellen sich in vielen Fällen gegenseitig unterstügen und damit wertvolle Arbeit für die Gesundheit aller Arbeitnehmer im Bergbau leisben. Die geringste Unfallziffer im Bergbau wird erreicht, wenn ber Arbeiterweasel auf ein ganz geringes Maß beschränkt bleibt, was Botenfrauen sofort gesucht! Spedition Werner Greifswalder Straße 29 Spedition Lohmann Hussiten Straße 43 Melbung: 10-12 und 3-6 Uhr Spedition Wuzki Choriner Straße 68 Spedition Wengels Cadiner Straße 11 Spedition Krüger Neukölln, Emfer Straße 32 Melbung: 10-12 unb 3-6 11hr Spedition Spiekermann Pankow, Mühlenstraße 20 Spedition Jordan Dresdener Straße 24 " Freiheit"-Ausgabeftelle Steinmetzstraße 23 " Freiheit"-Ausgabestelle Charlbg., Wallstraße 90, Seitenflügel part. am ficherften durch geordnete Lohn- und Arbeitsverhältnisse er zielt wird. Die Revolution hat einmal die Tarifverträge gebracht, andererseits die Betriebsräte, die das Sicherheitsventil dafür sind, daß vorhandene Mißstände sich nicht aufipeichern, sondern zur Sprache gebracht werden können. Die Revolution hat ferner den gewohnten Kajernenhoiton im Bergbau beseitigt, für den Arbeiter sind somit eine ganze Menge von Gründen wege gefallen, denen er früher nur durch Wechsel der Arbeitsstelle aus dem Wege gehen fonnte. Hinzu kommt, daß die Betriebsräte auch Jachgemäßer darauf hinarbeiten, gefahrbrohende Verhältnisse in ber Erde zu beseitigen. Früher war die Hauptsache, die Vors Ichriften wörtlich zu erfüllen, nicht aber die Gefahren herabzusehen. Trogdem tönnte noch mehr erreicht werden. Die Herabdrüdung der Reviersteiger zu ausführenden Organen der unverantwort lichen Fahrsteiger bedingt innere Reibungswiderstände, die nicht nur die Gefahrenverhütung nicht voll zur Auswirtung gelangen lajsen, sondern die auch hinsichtlich der Leistung schädliche Rädmirkungen auslösen. Die technischen Grubenbeamten sind dies jenigen, die vom allergrößten Einfluß auf die Leistungsfähigkeit wie überhaupt auf den Zustand des Grubengebäudes sind. Es zeugt von großer Kurzsichtigteit der verantwortilchen Stellen im Staat jowohl wie in der Privatindustrie, wenn Unfallverhütungsund Leistungsfragen, die sich rein fachlich vom technischen und wirtschaftlichen Standpunkt aus besprechen lassen, von ihnen als Zuständigkeitsgebiet angesehen werden, für das sie allein Sach verständnis befizen. Weitere Erfolge werden hinsichtlich von Ges fahrenverhütung und Leistungsfähigteit erzielt werden, wenn man den Forderungen der technischen Angestellten Gehör schenkt. Die Wachangestellten und die Zeuerung Eine am 4. Auguft im Gewerkschaftshause stattgefundene Branchens verfammlung der Wach- und Schließangestellten beschäftigte sich mit der Wirtschaftslage, die sich durch die andauernde reiss steigerung für alle notwendigen Bedarfsgegenstände immer mest verschlechtert hat. Das Gehalt dieser Branchenangehörigen ist leiber trotz der auf dem Wachangestellten lastenden Verantwortung noch ziemlich niedrig. Nun sezt am 15. August erneut eine ge waltige Berteuerung der notwendigsten Lebensmittel ein. Sar toffeln find schon seit langer Zeit nur zu Preisen zu erhalten, die man als fabelhaft bezeichnen fann und es besteht die Ausiicht, daß für dieses notwendige Lebensmittel ein größerer Preisabbau nicht einfegen wird. Außerdem wird das Brot um 40 Prozent teurer. Es ist auch hinreichend bekannt, daß beim Steigen der Preise für Lebensmittel eine Preiserhöhung auch aller anderen Bedarfsg genstände eintritt. Das alles aus den bisher gezahlten Löhnen zu bestreiten, ist eine glatte Unmöglichkeit. Die Branchen versammlung stellte sich deshalb auf den Standpunkt, den Unter nehmern die Forderung einer 25prozentigen Teuerungszulage a unterbreiten. Da die Forderungen in Anbetracht der Teuerung bescheiden zu nennen find, erwarten die Wächter, daß die Unters nehmer dem Verlangen Rechnung tragen werden. Dom Berbindlich erklärte Tarifverträge. Der am 14. Mai 1921 ab geschloffene Nachtrag zu dem allgemein verbindlichen Tarifver trag vom 1. Dezember 1919, zur Regelung der Gehaltsbedingun gen der kaufmännischen Angestellten der Damenwäschebranche Schürzen, Unterrod- und Kinderkleider- Konfettion ist Reichsarbeitsminister für das Gebiet der Einheitsgemeinde Be lin mit Wirkung ab i. April 1921 für allgemein verbindlich er flärt worden. Gedruckte Tarifverträge sind im Bureau des Zentralverbandes der Angestellten, Berlin, Belle- Alliance Straße 7-10, erhältlich. Kollegen, welche in der Damenwäsche branche, Schürzen, Unterrod und Kinderkleider- Konfettion tätig find und noch nicht das tarifliche Gehalt beziehen, werden ers fucht, ich an den Zentralverband der Angestellten zu wenden. Der am 19. Februar 1920. abgeschlossene Rahmentarifvertre und der am 20. April 1921 abgeschlossene Nachtrag hierzu, zur Regelung der Arbeits- und Gehaltsbedingungen für die Ange stellten der Huts und Mühenbranche engros ist vom Reichsarbeitss minister für das Gebiet der Einheitsgemeinde Berlin mit Wir tung ab 15. Juni 1921 für allgemein verbindlich erklärt worden. -Gebrudte Tarifverträge find im Bureau des Zentralverbandes ber Angestellten, Berlin, Belle- Alliance- Str. 7-10, zu haben. Rol legen, welche in der Hut- und Müzenbranche engros tätig sind und noch nicht das tarifliche Gehalt beziehen, werden ersucht, fich an den Zentralverband der Angestellten zu wenden. Vereinsfalender Sonntag, 7. Auguft Arbeiter Samariter Rolonne Berlin C. B., Abteilung Charlottenburg. Führung burch die Reichsanstalt für Säuglingsfürsorge. Treffpunkt 9% morgens, Straßen bahnhof Weftenb. Parteiveranstaltungen Sonnabend, 8. Auguft 18. Berwaltungsbezirt. 7 Uhr Diftriftsfonferenz im Grünen Baum". Us 6 Uhr Vorstandssitzung. Verantwortlich: für Bolitif n. Feuilleton: Les Liebl, Berlin- Friedenan file Kommunalpolitit, Lofales und Gewerkschaftlines: Gerhart Seger Mahlsdorf- Sild bei Berlin; für den Inferatenteil a. geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriner, Charlottenburg. Berlagsgenossenschaft Freiheit e. 6. m. b. 5., Berlin.-Drad der Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin C Breite Strake 8-9.. nebst Nissen, Wanzen, Motten, Flöhe, Schwa Wanderfarten LAUSE ben werden radikal vernichtet durch für alle Gegenden erhält man in der Buchhandlung„ Freiheit, Berlin Breite Straße 8-9. I Bergrebelt. Annahme in allen Speditionen bes Berlages Erhältlich in Apotheken und Drogerien, Apotheker Otto Pfeiffer& Piehler, Berlin N. 65, Schulstraße 16 PFEIFFEROL Kleine Anzeigen Geschäftsstelles Gerlin 2, Breitefts. Se Das Ueberidhriftewart 2- th., jebes weitere Wort im Eegt 1.50 h. nette. Stellungsgefuche: Ueberschriftswort 1.50 9, jebes weitere Wort in Zegt 1.- 91%. 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