Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags nur conenal. Der Bezugspreis beträgt bei freter Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10. m voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen ente gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, bas Saarn. Memelgebiet fowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20 M., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. edaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 83. Mittwoch, 10. August 1921 Nummer 370 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezetle oder deren Raum koftet 5,- m. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgebruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,- m. bis Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 greiheit Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Auf dem Wege zum Kompromiß Die Richtlinien für die Sachverständigen den Weg eingeschlagen, der rasch zu einem Abkommen führen Paris, 9. Auguft. Die Havasagentur berichtet über den Verlauf der heutigen Nachmittagssigung des Obersten Rates ferner, zu Beginn des Abends seien die Arbeiten des Sachverständigenausschusses schon weit vorgeschritten gewesen. Die angesagte Abendsizung habe nicht stattgefunden, dagegen würden die Sachverständigen morgen vormittag zu einer Sizung zusammentreten. Der Oberste Rat seinerseits werde morgen um 11 Uhr zusammentreten. Man glaube, daß in dieser Sizung schon über den Entwurf des Ausschusses beraten werden könne, und daß der Oberste Rat in der Lage sein werde, ihn mit oder ohne Abänderung anzunehmen. Die Resolution über die Wiederaufnahme der Verhandlungen des Sachverständigenausschusses bestimmt: In Anbetracht der Schwierigkeiten, die sich ergeben dadurch, daß in den sogenannten Industriezentren im Herzen Oberschlesiens fich nebeneinander städtische Kommunen mit starten beutschen Mehr heiten und ländliche Kommunen mit polnischen Mehrheiten bes finden, sowie ferner in Anbetracht der Notwendigkeit, daß nach Möglichkeit diefe Lage mit den im Einvernehmen aufgestellten Grundsägen in Uebereinstimmung gebracht werden müsse, wird die Durch die Zuziehung der Oberkommissare verstärkte Kommission der Sachverständigen aufgefordert, die Frage aufs neue zu prüfen und einen Bericht vorzulegen, aus dem hervorgeht, welche Kommunen aus wirtschaftlichen oder topographischen Gründen nicht von den obengenannten städtischen großen Gemeinden ge trennt werden können. Der Bericht soll ferner Rüdicht nehmen barauf, welche Eisenbahnlinien notwendig find für die wirtschaftliche Existenz und die Wohlfahrt dieser Gemeinden. Die Haltung der französischen Preffe Paris, 10. August. Die Morgenblätter zweifeln fast durchweg nicht mehr an der Möglichkeit einer Einigung. Pertinag sagte im Echo de Baris", der gestrige Tag habe schlecht begonnen, was aber nicht bedeute, daß Petit Baristen" schreibt: Zum ersten Male habe man werde. Das Dogma, das von britischer Seite verteidigt wurde, habe darin bestanden, daß das oberschlesische Industriegebiet unteilbar sei. Dieses Dogma habe Lloyd George in seiner Rede, deren Inhalt vielleicht glücklicher gewesen sei, als ihre Form, aufgegeben. Da man von diesen fünstlichen Hindernissen befreit sei, hätten die Sachverständigen ihren Weg sofort voranschreiten tönnen. Petit Journal" fagt, das Industriebreied sei die Festung der englischen Politit gewesen. Noch vor zwei Tagen hätten die englischen Vertreter gesagt, es sei unteilbar, es müsse Deutschland zugesprochen werden. Nach der Verhandlung in öffentlicher Sigung und nachdem Lloyd George und Briand in der Vollsitzung ihre widersprechenden Thesen gewissermaßen absolut vertreten hätten, habe man erklärt, daß sie in einem Puntte einig seien, vor allen Dingen das Recht und die Gerechtigkeit in Betracht zu ziehen. Man habe Grundsätze angenommen, die dazu führen werden, daß eine gewisse Anzahl von leinen natürlichen Bezirten geschaffen werde, die zum Teil Deutschland und zum Teil Polen zugesprochen würden. Die Lösung, die man voraussehe, nähere sich also der von Graf Sforza vorgeschlagenen. Resolution, in dem Augenblid, in dem man die Sachverständigen „ Matin" fagt zur Erläuterung der gestern angenommenen eingeladen hätte, ihr Augenmert auf die Teilung des Industries gebietes zu richten, sei die absolute englische These nicht mehr aufrechterhalten worden. Gaulois" erklärt, der zweite Tag der Verhandlungen habe mit der einstimmigen Annahme einer Resolution geendet, die eine mertliche Annäherung der beiden entgegengelegten Standpuntte bedeute und zu der Hoffnung berechtige, daß nunmehr der Oberste Rat den Weg zur gerechten Lösung beschritten habe. Auch Figaro ,, schreibt, daß man sich in Wirklichkeit der Bersöhnung nähere, trotzdem scheinbar die Gegensäge so unüberbrüdbar seien, wie am gestrigen Tage. Die Horthyfierung Offeuropas Nach Jugoslawien geht nun Rumänien daran, fich unter dem Vorwand, der fommunistisch- terroristischen Bewe gung zu erwehren, die Horthy- Methoden anzueignen und gegen die ganze Arbeiterbewegung, sowohl gegen die poli tische Bewegung der Sozialdemokratie als auch gegen die Ges werkschaften einen Ausrottungskampf einzuleiten. Die Vertrauensleute der Arbeiterschaft werden zu Tausenden in die Gefängnisse geworfen, die Gewerkschaften, aufgelöst. die Arbeiterheime geschlossen, die Arbeiterabgeordneten ihrer Manbate beraubt, die politischen Freiheiten wie Versammlungsrecht und Preßfreiheit für die Arbeiter abgeschafft. Eine nadte Diktatur, die man, in Ermangelung einer solchen, nicht einmal eine Diktatur der Bourgeoisie nennen tönnte, eine Diftatur der Soldatesta und der Verwaltung, wird aufgerichtet. Die Staaten, die in einem außenpolitischen GegenJazz zu Horthy- Ungarn stehen und gegen das Reich Horthys und Habsburgs in der Verbannung die demokratische Hilfe so oft anzurufen pflegten, schiden sich an, in allem in Horthys Fußstapfen zu treten. Eine wahre Horthysterung Ost- und Mitteleuropas ist im Anzug. Rumänien, Jugoslawien und in gewissem Sinne auch die Tschechoslowakei rücken in die von Horthy aufgestellte Front der internationalen Reaktion ein, der weiße Terror wird zur Losung aller Staaten, die als die Schöpfungen des ehemals revolutionä ren und demokratischen Nationalitätenprinzips in die Ges schichte eingetreten sind. Alle diese Nationalstaaten sind aus dem Verfall und aus dem Zusammenbruch der alten österreichisch- ungarischen Monarchie hervorgegangen. Das alte Reich an der Donau war ein nationaler Kerfer für alle seine zum geschichtlichen Selbstbewußtsein erwachten Nationen; und dem von Habs burg vertretenen, in ihm verförperten fonterrevolutionären Prinzip gegenüber vertraten sie alle während des Krieges das Nationalitätenprinzip, daß in Ost- und Mitteleuropa seine revolutionäre Bedeutung noch nicht eingebüßt hatte wie. in Westeuropa, wo die Periode der nationalen Revolutionen einige Menschenalter schon zurücklag. Da sie aber ihre nationale Einheit nicht durch den revolutionären Krieg oder Aufstand der Massen, sondern durch die fonterrevolutiomer heb er flecht geendet habe. Lloyd George habe in ſei- Die Prüfung der Kleinasiatischen Frage nären Methoden und Ergebniſſe des imperialiſtiſchen Krieges Rede die Extravaganzen und historischen Theorien wieder vorgebracht, die seine berühmte Rede vom 13. Mai ausgezeichnet hätten. Pertinax findet die Rede des Ministerpräsidenten Briand schwach und erklärt weiter, die drei in Lloyd Georges Vorschlag für die Arbeiten der Sachverständigen enthaltenen Grundsätze feien von Briand nicht restlos angenommen worden. In der Frage der Verstärkungen habe General le Rond den fanzöftschen Standpunkt aufrecht erhalten, aber was nüze dies alles, da die Deutschen zum größten Teile Befriedigung erlangen würden. Die Forderungen des Generals le Rond seien also ins Leere gegangen. In der Angelegenheit der Verstärkungen habe man vor vierzehn Tagen in Berlin gedroht und in London eine fast brutale Sprache geführt. Bertinar schließt mit der Frage: Ist das eine französische Politik?" Die Kosten der Besakungstruppen Sigung der interalliierten Finanzkommission Paris, 9. Auguft. Sm Verlauf der Nachmittagsfihung der interalliierten Finanztomission hat man sich vor allen Dingen mit der Frage der Kosten der Besagungstruppen beschäftigt. Es wurde beschlossen, ein Komitee einzusetzen, bestehend aus den Finanzministern der alliierten Länder, um den Betrag der Kosten für die Besatzung bis zum 1. Mai' festzustellen. Dieser Ausschuß soll auch die Besatzungskosten für jedes einzelne Land prüfen. Während ein englischer Soldat 15 Goldmart pro Tag toftet, che'n betragen die Unterhaltungstoften für einen franzöft: Soldaten nur 6 Goldmart. Minister Loucheur hat zur Vereinheitlichung der Ausgaben einen Betrag von 11 Goldmart jür jeden Mann vorgeschlagen. Bis jetzt hat die englijde Delegation diesem Antrag noch nicht zugestimmt. Der gleiche Ausschuß soll auch prüfen, ob die Lieferungen Deutschlands die Kosten decken und wenn nicht, wie das Defizit gedeckt werden soll. Ein weiteres Komitee soll die Besetzungskosten nach dem 1. Mai prüfen. Dieser Ausschuß wird morgen zusammentreten. Am Schluß der Sigung hat sich die Finanzkonferenz mit der belgischen Prioritätsfrage und mit der Rüderstattung ber belgischen Kriegstoften durch Deutschland beschäftigt. Die nächste Volligung der Konferenz findet Mittwoch nachmittag statt. Der Krieg in Kleinasien Beginn der zweiten griechischen Offensive T.U. London, 10. August. Die Times" vernimmt aus Smyrna, daß die zweite Phase der griechischen Offensive begonnen hat. Der Angriff begann fünfzehn Meilen nördlich von Bilejit. Die Türken ziehen sich zurück. Aus Athen wird gemeldet: Gunaris hat erklärt, daß Angora nur besetzt werden soll, wenn dies unbedingt nötig ist. Auf jeden Fall ist nicht die Besetzung Angoras, sondern die all. gemeine 3erstreuung der Reste der türkischen Paris, 10. Auguft. Der Schluß der gestrigen Nachmittagsstzung des Obersten Rates wurde mit der Prüfung der Kleinasiatischen Frage ausgefüllt. Es äußerten sich hierzu Marschall Foch und der eng lische Oberst Heywood, der an der griechischen Front gewesen ist. Die beiden Militär- Eachverständigen erklärten, über das endgültige Ergebnis des türkisch- griechischen Konflittes tönne man vielleicht erst nach einigen Monaten urteilen, da die endgültige Entscheidung überall hinausgeschoben werden könne. Die Absicht der Alliierten sei, in diesem Konflitt neutral zu bleiben. Eine andere Handlungsweise sei nicht möglich, da die beiden friegführenden Parteien bis zur Stunde einen Vermittlungsvorschlag noch nicht angenommen hätten. Streitfräfte das Ziel der griechischen Operationen. Gunaris fonnte noch nicht sagen, wann die Operationen ungefähr beendet sein werden. Die Räumung Angoras Havas meldet aus Angora, daß nach einer Debatte über die militärische Lage die Militärbehörden im Einvernehmen mit der Nationalversammlung beschlossen haben, Angora zu räumen und sich nach Cäsarea zurückzuziehen. Infolgedessen werden die Nationalversammlung und die Verwaltung nach Cäsarea verlegt. Die spanische Katastrophe in Marokko EE. Paris, 9. Auguft. Der diplomatische Redakteur des Daily Telegraph" schreibt: In London sind sehr ernste Nachrichten über die Lage der Spanier in Melilla eingetroffen. In den legten Tagen rüdten die Mauren mit solcher Schnelligkeit vor, daß ihre Geschütze bereits die Stadt Melilla zu erreichen vermögen. Die Stadt ist von Flüchtlingen überfüllt. Da tein Platz vorhanden ist, kann die Ausbildung der Verstärkungen nicht vollendet und die Verteidigung der Stadt nicht organisiert werden. Nur ein geschickter Führer und Organisator tann unter diesen Umständen das drohende Unheil abwenden. Aus Madrid wird gemeldet: In den letzten Tagen find 50000 Mann nach Maroffo abgegangen und die Garnisonen oon Ceuta, Tetuan und Larache um 30 000 Mann verstärkt worden. Die Angriffe der Rebellen gegen die Truppen Navarros werden heftiger; sie leisten immer noch heldenmütigen Widerstand am Berge Arruit, trog der großen Verluste, die sie bisher erlitten. Mehrere Angriffe der Mauren wurden abge= Schlagen. Es gelang Flugzeugen, die Truppen Navarros mit mehreren Säden Nahrungsmitteln zu versehen. Zeitungsverbote in der Pfalz. Der Vertrieb der MünchenAugsburger Abendzeitung" ist vom 8. August ab auf die Dauer von drei Tagen in der Pfalz verboten worden. Die„ Bayrische Staatszeitung" ist vom 8. August ab wegen eines Artikels „ Der Wirtschaftstod der Pfalz" verboten worden. verwirklicht und durch die Ueberspannung der nationalen Wünsche und Aspirationen sofort verfälscht haben; da sie die Verwirklichung des nationalen Gedankens nicht den proletarischen Massen und der nationalrevolutionären Intelligenz, sondern den diplomatischen Kniffen der Lloyd George, Briand und Wilson, den strategischen Erwägungen der großen Generalstäbe der Entente zu verdanken haben, so haben sie das an sich revolutionäre Prinzip schon von Anfang an in einer fonterrevolutionären Weise verwirklicht, nicht so sehr die Selbständigkeit und freie Entwicklung der eigenen Nation begründet, als sich zu Herrschaftsorganisatio= nen entwickelt, deren hauptsächliche Aufgabe die Knechtung und Unterdrüdung anderer Rationen, und vor allen der deutschen Nation sind. Diese Nationalstaaten: Rumänien, Jugoslawien, die Tschechoslowakei sind ein Werkzeug einer fünstlichen Kombination, deren 3wed es ist, die nationale Einheit der deutschen Nation zu hintertreiben, ihre Ohnmacht, die Folge der wirtschaftlichen und physiologischen Ausblutung des deutschen Boltes, zu einer dauernden Einrichtung des Herrschaftssystems von Versailles zu machen, den wirtschaftlichen und nationalen Tiefstand des deutschen Voltes als einen ständigen, Bestandteil des imperialistischen Herrschaftssystems, das ins folge des Ausganges des Weltkrieges entstanden ist, zu einem ständigen Bestandteil der Weltpolitik zu machen. Der deutschfranzösische Krieg von 1870/71 wurde gleichfalls unter der Flagge des nationalen Gedantens ausgefochten. Da aber in der Revolution von 1848 die demokratischen Kräfte nicht den Mut, nicht die Entschloffenheit aufbrachten, die nationale Einheit mit revolutionären Mitteln zu verwirklichen, entstand das neudeutsche Reich als eine Verfälschung des revolutionäts nationalen Gedankens und erschien als die Schöpfung der Dynastie der Hohenzollern, der Junker und des Militarismus; und die ganze deutsche Entwicklung, ja die ganze Weltpolitit des letzten halben Jahrhunderts hatte unter dieser Entstehungsgeschichte der deutschen Einheit zu leiden. Etwas Aehnliches und auch in seinen Folgen Verwandtes bereitet sich heute in den Nationalstaaten vor, und die Einführung der Institutionen" des weißen Schreckens in Jugoslawien, in Rumänien und teilweise auch in der Tschechoslowakei ist nur die den gewandelten Zeitumständen und den abgeänderten Machtverhältnissen der Klassen angepaßte Nachahmung des deutschen Sozialistengesetzes von ehedem. Nicht nur an der Ueberspannung des Nationalgefühls, nicht nur an dem Wahne, sich als herrschende Nation den pielfach an fultureller Reife und wirtschaftlicher Kraft überlegenen Böllern der Deutschen, Magyaren, Slowenen und Kroaten gegenüber aufspielen zu können, franken die neuen Staaten: Sie wollen auch ein straff zentralisiertes und von den herrschenden Klassen der herrschenden Nation geführtes Staatswesen aufrichten; und in diesen ihren Bestrebungen Stoßen sie naturgemäß auch vor allem auf den Widerstand des Proletariats. Es ist fein Zufall, daß der Bolsche wismus in der Arbeiterschaft dieser Staaten einen so großen Antlang findet; er ist der Ausdruck der um sich greifenden Unzufriedenheit der werftätigen Massen, ist eine Abkehr von den nationalistischen Gedanken, die den Arbeitenben nichts gebracht, dem Staate aber einen mächtigen militärischen und verwaltungstechnischen Apparat beschert haben, welcher sich naturgemäß vor allem gegen die Arbeiter fehrt. Es ist kein Zufall, daß die Slowakei, daß Siebenbürgen und die neuen Gebiete Jugoslawiens: Mazedonien, Albanien, Bosnien, die Hochburgen und die Ausgangspunkte der bolschewistischen Bewegung waren und es sind. Niemand wird sich dem Wahne hingeben, daß die Vorauss setzungen einer fommunistischen Gesellschaftsordnung in bes sonderem Maße in den der Gentilverfassung taum entwachsenen Balkangebieten, in der kulturell und wirtschaftlich gleich rückständigen Slowakei und in Rumänien gegeben sind. Der Bolschewismus ist nur die schärfste Form der Auflehnung gegen die herrschenden Verhältnisse, die sich durch die natio nale ,, Befreiung" wohl in gar feiner Hinsicht gebessert, aber in manchen Hinsichten eine merkliche Verschlechterung ers fahren haben. Das Unvermögen, die neu aufgetauchten gewaltigen Staats- und Wirtschaftsprobleme in einer für Sie Bolksmassen annehmbaren Weise zu lösen, läßt die leitenden Staatsmänner der neuen Staaten auf den Ausweg der Gewalt verfallen. Denn wie nach Heine der erste Gedanke der Eva, nachdem sie von dem Baume der Erkenntnis gegessen hatte, also nach ihrem Erwachen zum denkenden Selbstbewußtsein, das Feigenblatt, das heißt ein neues Kleid war, so ist der erste Gedante eines Routiniers von einem Minister oder Politiker bei neu auftauchenden Schwierigfeiten immer eben der Belagerungszustand, der Appell an die militärische Gewalt und das Ausnahmegeset. Das übrige tut dann das anstedende Beispiel HorthyUngarns, wo eine übermächtige Militärdiktatur mit allen ,, aufrührerischen" Bewegungen fertig geworden ist, wo ber Kerfer, ber Galgen, die Abschaffung aller öffentlichen Freiheiten die Möglichkeit einer bequemen" Regierung und die Errichtung einer nach außenhin start erscheinenden Staatsmacht erleichtert hat, und das naturgemäß eine große Anziehungskraft auf alle Gewaltpolitiker ausübt. So Streifen nun die neuen Nationalstaaten die legten Reste einer demokratischen und freiheitlichen Entwicklung ab, stürzen sich mit der vollen Wucht ihres noch ungeschwächten Militarismus auf das Proletariat und bedienen sich der bolschewistischen Legende, um eine Militärdiftatur aufzurichten, die weder durch eine reale, auf Organisation oder demokratische Schulung der Arbeiterklasse gestützte Macht, noch aber durch eine irgendwie selbstbewußte demokratische öffentliche Meinung außerhalb des Proletariats begrenzt oder fontrolliert wird. Während der große Gendarm der Welt, nämlich Frankreich, bei seiner äußeren und inneren Unterdrüdungspolitit noch irgendwie die äußeren Formen zu wahren sucht, legen sich die fleinen Gendarmen der Entene im Orient gar feine Rücksichten auf, und indem sie in ihrer offiziellen Pressepolitik in Westeuropa Horthy bekämpfen, treffen sie alle Anstalten zur Sorthy sierung ihrer eigenen Länder. Sie wollen vielleicht Sorthy in Ungarn stürzen, um seine Galgen, seine Kerter, seine Ausnahmegesetze um so ungenierter im eigenen Lande einführen zu können. Die Reaktion, die ihren Siz bisher im Westen hatte, schidt ihre Posten nach dem Osten vor, vielleicht um zu einem entscheidenben Schlage gegen Sowjetrußland auszuholen und so die ganze Welt der unumschränkten Herrschaft des aus dem Weltkrieg siegreich hervorgegangenen Welttapitals zu unterwerfen. Geßler verteilt Orden In der Nummer 41 des Heeres- Verordnungsblattes vom 15. 6. 1921 wird bekanntgegeben, daß ein Erinnerungszeichen für bie Angehörigen der aufgelösten Kampfwagen Verbände ges schaffen sei, um die Erinnerung an die Tanks im deutschen Volke wach zu halten. Zur Erlangung dieses Abzeichens sollen sich die ehemaligen Angehörigen der Kampfwagen- Berbände an das ReichswehrMinisterium wenden, das die Anträge an Hand der Atten, Kriegstagebücher, Kriegsranglisten und Kriegsstamm rollen prüfen wird. Kriegsgefangene in Deutschland Von H. Schließtedt So viel und so treffliches in den letzten Tagen gegen ben Krieg auch geschrieben wurde, so sind doch die Leiden der Kriegsgefan genen in deutschen Gefangenenlagern wenig berührt. Und doch darf auch dieses Kapitel der unsäglichen Leidensjahre nicht vergessen werden. Jm Spätherbst 1915 fam vom Jnternationalen Roten Kreuz in Bern ein Herr von Glardon in das Gefangenenlager Minden II und verhandelte mit den Vertretern der russischen Kriegsgefangenen über Liebensgabensendungen aller Art, besonders für die Unbemittelten, und sagte zum Schluß etwa folgendes:„ Ich schide Ihnen außerdem Brot; für jeden Gefangenen ohne UnterSchieb zwei Kilogramm. Das soll ein Gruß aus der Seimat sein." Wohl haben die Gefangenen das Brot erhalten, dafür wurde ihnen aber die offizielle Brotration gekürzt, d. h. in Wirklichkeit murde ihnen das Brot gestohlen. Selbstverständlich wurde eine Benachrichtigung des Herrn von Glardon verboten. Die zweite Brotsendung tam. Wieder dasselbe Verfahren. Daraufhin weigern sich die Russen, am anderen Morgen zur Arbeit zu gehen. ,, Rig Brot, nig rabotta!" Mit Säbelhieben werden die Gefangenen zur Arbeit gezwungen. Der Herr Kommandant ( Oberst Nütten) erscheint. Die russischen Feldwebel erwarten ihn am Blodeingang, um sich zu beschweren. Erfolg: Arrest für die Beschwerdeführer. Einer der Arbeitsverweigerer ist erheblich verlegt und wird im Lazarett von dem ruffischen Arzt Dr. Blumstein verbunden, der furze Zeit darauf ohne Erlaubnis über Holland nach Petersburg abreist und der dortigen Greuelfommission Bericht über diesen Borfall erstattet. Durch die amerikanische Botschaft erhält das Kriegsministerium amtlich Kenntnis von dem Bericht, welches Jeinerseits die Lagerkommandantur um Aeußerung ersucht. Der berichtende Feldwebel zeigt mir den Bericht des Dr. Bl. und meint:„ Das ist doch eine Gemeinheit von Danach fiel natürlich auch die Antwort aus. dem Doktor!" Wehe den Gefangenen, die einem raffinierten Soldatenschinder in die Hände fielen! Mit Paragraphen ist diesen Gesellen nicht beizukommen, aber sie können Menschen zur Verzweiflung treiben. Ein typischer Vertreter dieser Spezies war der Generalmajor Wolf in Minden. Der malträtierte Jogar die deutschen Mannschaften in einer Art, daß selbst preußische Hauptleute ihre" Mannschaften gegen diesen Schinder schüßen mußten. Und der war Kommandeur eines Gefangenenlagers! Im Jahre 1916 wurde zwischen den feindlichen Regierungen ein Bertrag abgeschlossen, wonach Unteroffiziere nicht zu törperlicher Arbeit gezwungen werden durften. Dieser Vertrag wurde treu Es wird Aufgabe des Reichstages sein, sich nach seinem 3ufammentritt im September mit dieser Verfügung zu befassen und dem Reichswehr- Ministerium diese Ordens- Spielerei zu verbieten. Es wird auch genau zu prüfen sein, in welchem Zusammenhang das Reichswehr- Ministerium mit den Stellen steht, die die Akten ,, Kriegsranglisten" und„ Kriegsstammrollen" des alten Heeres aufbewahren. Sind etwa im Reichswehr- Ministerium die Unter lagen vorhanden, die zu einer neuen Mobilisierung notwendig find? Die Kriegsranglisten und Kriegsstammrollen müßten ledig. lich bei den Versorgungsämtern vorhanden sein, um die Ansprüche der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu prüfen. Deutschnationaler Burgfrieden Die Deutsche Volkspartei hat soeben zur Abwehr der demagogischen und verheyenden Agitation der Deutschnationalen eine Kampfbroschüre gegen ihre Schwesterpartei mit dem Titel„ Rationale Abwehr deutsch nationa= Ier Angriffe" veröffentlicht. Dieser Vorstoß der Deuts schen Volkspartei veranlaßt die Deutschnationalen nicht etwa zu einer Abwehr der gegen sie erhobenen Angriffe, vielmehr bläst der Vorsitzende der Deutschnationalen Bollspartei, Dr. Hergt, schleunigst zum Rüdzuge, indem er eine parteioffizielle Erklärung veröffentlicht, in der es u. a. heißt: Ich halte einen Kampf zwischen den beiden Parteien der Rechten, zumal unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen, für vers berblich und unerwünscht. Diese meine Auffassung habe ich auch gelegentlich eines Meinungsaustausches über die zwischen beiden Parteien vorgekommenen Auseinandersetzungen in einem Brief vom 5. Juli 1921 an Herrn Dr. Stresemann zum Ausdruck gebracht und am Schluß meines Schreibens gesagt: " Indem ich versichere, daß ich es mit Dant begrüßen werde, wenn in den beiderseitigen amtlichen Barteiorganen überhaupt tein Raum für Auseinandersetzungen zwischen den beiden Bru derparteien gegeben zu werden brauchte, darf ich mich nach Ihrem lezten Schreiben wohl der Hoffnung hingeben, daß Sie Ihren Einfluß auch in dem erwähnten Sinne geltend machen werden." An diesem Grundsage soll unsererseits auch, trotz der neuen Kampffchrift der D. V. P. festgehalten werden. Eine Entgegnung Kampfschrift der D. V. P. festgehalten werden. Eine Entgegnung auf die darin enthaltenen Vorwürfe wird also nicht erfolgen. Zum Schluß erklärt Dr. Hergt, daß die Deutschnationale Boltspartei bis zum letzten Augenblid Burgfrieden zu halten gewillt sei und deshalb auf jede Auseinandersetzung mit der Deutschen Volkspartei verzichte. Man wird diesen Rückzug des deutschnationalen Parteivorfizenden nicht nur als ein Eingeständnis der eigenen Schwäche gegenüber den erhobenen Anklagen, sondern auch als wohlberechneten tattischen Schachzug würdigen müssen, der den 3wed hat, eine gemeinsame Front der beiden Rechtsparteien herzustellen. Ohnehin kann ein Unterschied zwischen der Partei Stresemanns und den Deutschnationalen nur noch unter der Lupe festgestellt werden. Die jetzigen Annäherungsbestrebungen seitens der Deutschnationalen Volkspartei werden die Geschlossenheit des reaktionären Blods auf der Rechten noch mehr festigen. Im Namen des Königs Ein mit Fleiß beabsichtigtes Versehen Die preußischen Richter versuchen die wilhelminischen Zu Stände mit Zähnen und Nägeln zu verteidigen. Der von ihnen vertretene Ungeist muß natürlich auch nach außen hin die entsprechende Form haben. So tommt es, daß viele Gerichte ihre Urteile noch heute Jm Namen des Königs" verhängen, statt, wie es die Verfassung vorschreibt, m Namen des Volkes". Natürlich fehlen dabei auch die Potsdamer Richter nicht. Von ihnen sind noch in allerletzter Zeit Urteile„ Im Namen des Königs" ergangen. Das preußische Justizministerium erläßt dazu nunmehr folgende Erklärung: Ob in letter Zeit bei dem Amtsgericht in Potsdam Urteilsausfertigungen mit der Ueberschrift Im Namen des Königs" hinausgegangen sind, hat durch die inzwischen stattgehabten Ermittelungen nicht festgestellt werden tönnen, da bisher von feiner Seite eine solche Urteilsausfertigung vorgelegt worden ist. - Das in der Presse besprochene Urteil der Abteilung IV. des deutsch gehalten. In dem berüchtigten VII. Armeekorps wurden die Unteroffiziere, soweit sie in den einzelnen Lagern teine bringenden Funktionen oder einflußreiche Beschüher hatten, gesammelt und in einem Lager zusammengeführt. Hier saßen sie zu Tausenben, von aller Welt vollständig abgeschnitten. Der Herr General hält ihnen hoch zu Roß eine Rede:„ Meldet euch freiwillig zur Arbeit, so tommt ihr heraus." Monatelang faßen hier die gefangenen Unteroffiziere, deren Los doch durch den Vertrag erleichtert werden sollte. Eine im Quadrat von zirka 100 Meter Seitenlänge errichtete, mit nur einem Eingang versehene Barade ist ihr Aufenhalt. Niemand tommt in diesen Blod hinein und niemand heraus. Eine Bitte, sich Kartenspiele und Bälle kaufen zu können, wird abgeschlagen. Unerträglichkeiten, Stumpfsinn! Immer dieselben Gesichter. Kein Baum, tein Strauch; nur der Blodhof und darüber die Wolfen. Monatelang! Sechszehn Mann entschlüpfen eines Nachts durch einen unterirdischen Gang. Eine ganze Kompagnie und besonders auf Gefangene dressierte Hunde werden aufgeboten, und die Flüchtlinge sind bald wieder eingefangen. Arrest! Verschärfte Bewachung! Monatelang. Da naht. Erlösung durch eine Internationale Rote- Kreuz- Kommission, der die Gefangenen ihr Leid klagen. Die Kommission fann sich nur mit Franzosen, Belgiern und Engländern verständigen. Sie ist sehr unbefriedigt. Aber noch ehe das Lager von der Kommission verlassen ist, wird von dem zur Ueberwachung der Kommission befohlenen Dolmetscher ein-- Geg nbericht angefertigt: die Beschwerdeführer find Querulanten und widerSpenstige Elemente. Die Rote- Kreuz- Kommission hat aber ihren Bericht weiter. gegeben und nun ist eine russische Kommission im Anzuge. Vom Kriegsministerium fommt der Befehl: sämtliche Unteroffiziere find abzutransportieren nach Zweiglagern im Moor und in der Lüneburger Heide. Das sind sogenannte Exerzierlager. Transport dorthin ist nicht zu beschreiben. In diesen Ererzier lagern werden die Gefangenen geschliffen", bis sie sich freiwillig" zur Arbeit melden. Kommissionen tommen nicht in die 3w: iglager, sondern nur in die Stammlager. Der Befehl lautet weiter: Alle Gefangenen, welche im Osten an den Befestigungsarbeiten oder im Westen in der Etappe beschäftigt waren, die bei industrieller Arbeit zu Unfall gekommen sind, sowie alle Gefangenen, welche nicht ohne Ohrenzeugen mit Vertretern des Roten Kreuzes sprechen dürfen, sind sofort in das Lager D.( Dülmen) zu überführen. Warum? Lager D. war Seuchenlager, in das niemand hineindurfte. Erfolg: Als die gemeldete Kommission fam, gab es teine Beschwerde mehr. Aber das Furchtbarste an Gefangenenelend sah ich im Sommer 1917. Da zollten vom Westen sogenannte Leichttrantenzüge nach dem inneren Deutschlands mit triegerischen Russen, die an der Amtsgerichts in Potsdam vom 9. Juni d. Js., das den Verkündis gungsvermert des Referendars Wittig trägt, weist in der Urschrift den Kopf Im Namen des Voltes" auf. Sollte eine Ausfertis gung dief s Urteils mit der falschen Ueberschrift Im Namen des Königs" hinausgegangen sein, so würde das lediglich auf ein Versehen der Kanzlei zurückzuführen sein. Die in Be tracht tommenden Beamten sind daraufhingewiesen worden, bei der Ausfertigung pon Urteilen mit größter Sorgfalt zu verfahren." Die Gerichte besigen noch eine Menge alter Urteilsfor mulare mit der ominiäsen Aufschrift. Diese Formulare sollen zuerst verbraucht werden, bevor Neudruce gemacht werden. Eine Verfügung des Juistzministers vom 20. Juli 1920 ordnete jedoch an, daß die Vordruce sofort handIchriftlich zu ändern sind. Das ist nach einem vollen Jahre immer noch nicht geschehen und so können sich die Paragraphenhelden immer noch darauf stützen, daß ein altes Formular aus Versehen" verwendet worden sei. Dieses Bersehen" wird sich so oft wiederholen, bis den Richtern, die immer noch auf ihren Wilhelm schwören, endlich flar gemacht wird, das sie nur aus einem bloßen Ver= lehen auf ihrem Posten geblieben sind und nun aber schleunigst den Abschied zu nehmen haben. Wenn sie durchaus einem Monarchen dienen wollen, sollen diese Herren nach Doorn gehen und dort„ Im Namen des Königs Kohl bauen. Gebrüder Münchhausen Die Kommunisten Ernst Friesland und Paul Neu mann veröffentlichen in der Roten Fahne" einen gemeinsamen Artikel über die Lage der Arbeiter in Sowjetrußland. Sie haben beide ohne Bärenführer, wie sie behaupten das Werk Ko lomna besichtigt und wollen dabei die Feststellung gemacht haben, daß der vielbesprochene Artikel des Genossen Dittmann glatter Schwindel gewesen sei. Dittmann hat Kolomna im Jahre 1920 besucht. Friesland und Neumann waren ein Jahr später dort. Daß innerhalb eines Jahres manches besser werden kann, soll nicht bestritten werden. Selbst die Kommunisten haben sich während dieser Zeit gewandelt, warum also nicht auch die Ver hältnisse in Kolomna? Neumann und Friesland ziehen das wohlerklärlich nicht in Betracht. Mit dem gleichen Rechte wie sie fönnte auch ein Alldeutscher aufstehen und im Wulleblatt behaup ten: Der deutsche Ueberfall auf Belgien im Jahre 1914 sei ein glatter Schwindel. Er habe soeben Belgien bereist und dort weder einen Soldaten gesehen noch einen Kanonenschuß gehört. Ist die Reichswehr immun? Die„ Kreuzzeitung" entrüstet sich über die ,, ungeheuerliche Beschimpfung" des Heeres, die in unseren gestrigen Auslassungen zu dem Zusammenstoß zwischen Reichswehrangehörigen und Zivilisten enthalten sein soll. Nun ist in den betreffenden Zeilen auch nicht ein Wort enthalten, das als ungeheuerliche Belchimpfung bezeichnet werden fönnte. Es ist fachlich so viel gegen gewisse Auswüchse in der Reichswehr zu sagen, daß sich bas Schimpfen erübrigt, das übrigens auch nicht unsere Sache ist. Daß die Kreuzzeitung" aber schon in der fachlichen Kritik eine ungeheuerliche Beschimpfung steht, ist für uns der beste Beweis, daß wir ins Schwarze getroffen haben, und daß der„ Kreuzzeitung" die Sprache fehlt, sachlich zu erwidern. Das sonst sehr ernste und gemessene, mit Tradition geradezu überladene Organ tommt aber der Lächerlichkeit bedenklich nahe wenn es schreibt:: Herr Ebert, der Reichspräsident, Herr Bauer, der Vize tanzler, Herr Dr. Gradnauer, der Reichsinnenminister, sind Sozialdemokraten. Billigen sie das schmachvolle Verhal ten ihrer Presse gegen das Reichsheer? Wenn der Reichspräsident und die Reichsminister diese ungeheuerliche Beschimpfung des Heeres durch ihre Presse stillschweigend sutheißen, dann wissen wir nicht, wie die Herren künftig hin den Offizieren und Mannschaften unter die Augen treten wollen. Ebert, Bauer und Gradnauer haben nunmehr sofort der sozial demokratischen Presse eine derartige Schreibweise zu verbieten, widrigenfalls die Offiziere und Mannschaften der Reichswehr jeden Respekt vor ihnen verlieren. Borausgesetzt allerdings, wenn fie den jemals besessen haben. | Front völkerrechtswidrig, z. T. in der Feuerlinie, an der Hinden burglinie und an der Siegfriedstellung gearbeitet hatten. Diese G: fangenen waren wie geistesabwesend; törperlich und seelisch völlig gebrochen. Sie werden in Möbelwagen hineingelegt, so weit sie nicht mehr fihen können. Keiner von ihnen ist verwundet oder wirklich frant. Nur erschöpft durch Arbeit und Hunger, total er höpft. Langsam fahren die Möbelwagen zum Gefan genenlager. Unterwegs sterben ber its einige Gefangene; die übrigen sigen und liegen um die Toten herum, völlig teilnahms los vor Erschöpfung. Am Ziel werden sie von den Sanitätern aus dem Wagen gehoben wie kleine Kinder- ach, sie sind so leicht und vorläufig auf den Rasen gelegt. Niemals vorher habe ich gewußt, wie weit ein Mensch erschöpft werden kann, bevor er stirbt. Damals habe ich's gesehen. Und nun beginnt das Sterben; nein, das ist kein Sterben, sondern nur die weitere Auflösung des Organismus. Jeden Tag zwei, vier, sechs usw. Aerztliche Diagnose: Vollständige Erschöpfung. Nicht einmal ihren Ramen fonnten einzelne der Unglüdlichen noch aussprechen vor Erschöpfung; sie waren schon tot, obwohl der Körper noch lebte. Sie wurden begraben, und niemand wußte, wer sie waren. Die Tischler mußten fleißig arbeiten! Geht hin und seht euch die Gefangenenfriedhöfe an! Wenn die Kreuze und Doppel treuze reden tönnten! Da liegen Menschen, die Jahr und Tag in Gefangenschaft lebten und deren Angehörig deshalb die größte Soffnung auf ein Wiedersehen hatten. Gestorben- verdorben buchstäblich zu Tode gehungert. Gewiß, die in Gefangenschaft geratenen Deutschen flagen über erduldete Leiden; unbestreitbar mit tausendfach m Recht. Denft aber auch an die armen Menschen, die in deutsche Gefangenschaft geraten find! Nur einiges von ihren Leiden erzählte ich. Furchts bar in der Massenvirtung war das alles. Und die mir in der Erinnerung gebliebenen tausend Einzelheiten lassen mich schon um der Gefangenen willen einstimmen in den Ruf: Nie wieder Krieg! Der„ Berliner Bolfschor" verschickt seinen 17. Jahresbericht. Wir finden darin einige Säge, die auch unsere Leser interessieren werden: Lange Jahre haben die Bestrebungen des Berliner Bolts Chors verneblich um anerennung innerhalb her reciteria und des Arbeiter- Sänger- Bundes gerungen. Erst allmählich ſetzte sich der künstlerische Grundsatz durch, dem unser Chor sein Be stehen verdantt. Heute fann mit Genugtuung festgestellt werden, baß die Ziele, denen unser Bolts- Chor nachstrebt, von einer großen Zahl der im Arbeiter- Sänger- Bund zusammengeschloffenen Chore als richtig empfunden werden. Der gemischte Chor gelang beginnt sich in der Arbeiterschaft durchzusehen. Allents halben entstehen Bolts- Chöre. Die Wiedergabe der Meisterwerte unjerer flaffischen und neuzeitlichen Chorliteratur und das Die faiserlich grüne Wehrmacht Tatsachenbericht eines Polizeioffiziers In der Leipziger Volkszeitung" schreibt ein höherer Polizeioffizier: Die Monarchisierung der deutschen Schuhpolizeikörper macht jest rasende Fortschritte Die Ernennung des Obersten Friedrich zum Chef der preußischen Schutzpolizei beleuchtet bligartig die Lage. Wer die Verhältnisse in der deutschen Schutzpolizei tennt, ist nicht erstaunt über diese Entwicklung. Es scheint aber nachgerade notwendig, daß sich die breite Masse der republikanischen Bevölkerung, vor allen Dingen aber ihre Führer, um diese Dinge ganz energisch fümmern. In Sachsen ist vor kurzem der Versuch gemacht worden, an bie Unterbeamtenschaft monarchistische Geschichtsbücher schlimmster Art zu verteilen. Der Versuch, für den der Polizeioberst Reichardt verantwortlich zeichnet, ist dank tatkräftigen Handelns der Regierung und der Unterbeamtenschaft zu Fall gebracht. In Bayern ist die Schutzpolizei völlig in der Hand der Monarchisten. Der Name Boehner sagt alles. Wie weit der Einfluß des Ludendorff- Adlatus, Oberst Bauer, reicht, jei dahingestellt. Die bayerische Schutzpolizei ist reaktionär nach jeder Richtung hin. In Mecklenburg fommandiert noch der Republikaner Lange. Wie lange noch? Seit Jahr und Tag ist eine unerhörte Wühlarbeit der Monarchisten gegen diesen untadelhaften und kenntnisrein Offizier im Gange. Die Wühlarbeit wird währe, solange Lange auf diesem Posten teht. In Thüringen ist es einer beispiellosen, schamlosen und nöllig strupelfreien politischen Intrigue gelungen, Major gelungen, Major Müller Brandenburg zu Fall zu bringen, obwohl ihm, mie jetzt offen im Landtag zugegeben worden ist, weder als Mensch noch als Polizeioffizier etwas nachgesagt werden fann. Und nun Preußen! Seit Severings Abgang wird die preußische Schutzpolizei mit Hochdruck monarchisiert und militarifiert. Das breiblättrige Gardefleeblatt Oberst Graf Boninski, Oberst von Klüfer und Oberst Friedrich haben das Heft in den Händen. Abegg, der republikanische Polizeichef, wird beiseite geschoben und Friedrich, Mit, glied des Garbelleeblatts, tritt an seine Stelle. Die Beseitigung Müller- Brandenburgs und Abeggs einerseits, die Berufung Friedrichs andererseits spricht Bände. Werjeht noch nicht mertt, was los ist, dem ist nicht zu helfen." Nach dem Kapp- Butsch schien es so, als ob die Regierung aus den Vorgängen etwas gelernt hätte. Die Polizei hatte sich genau so wie die Reichswehr als ein von der Republik befoldetes Instrument zur Beseitigung der Republik erwiesen. In Berlin hat die grüne Polizei schon vor dem Butsch ganz offen mit Kapp tonspiriert. Ihre politische Abteilung sorgte dafür, daß Oberst Bauer und Hauptmann Pabst nicht verhaftet wurden. Als dann Kapp mit seiner Sunnenschar in Berlin einzog, stellte sich die grüne Polizei auf Befehl der Offiziere sofort auf die Seite der Rebellen. Die Offiziere fchidten schon vorher A bordnungen nach Döberig und gaben ihre Ergebenheit fund. Als der Kapp- Putsch niedergeschlagen war, wurde dann ganz allgemein eine Säuberung der Sicherheitspolizei von unzuverlässigen Elementen gefordert. Die Regierung gab bindende 3ufagen. Sie wurden dergestalt erfüllt, daß die unteren Beamten, die den eidbrüchigen Offizieren den Gehorsam verweigert hatten, hinausbugsiert oder suspendiert wurden. Die reaktionären Offiziere blieben auf ihren Posten. Severing hat bann versucht, einen fleinen Wandel herbeis zuführen. Es gelang ihm jedoch nicht, gegen die Hydra des taiserlichen Offizierkorps anzufämpfen. Immerhin verlangt die Gerechtigkeit, zu sagen, daß Severing von den kaiserlichen Offizieren der Sicherheitspolizei gehakt wurde und daß sich diese Herren in ihrer antirepublikanischen Agitation etwas gehemmt fühlten. Dominicus machte dann wieder die Bahn frei. Durch Erlasse und Verordnungen schränkte er die verfassungsmäßigen Rechte der unteren Beamten ein und verlieh den Offizieren wieder ihre allmächtige Stellung. Heute sind die disziplinarischen Verhältnisse in der Sicherheitspolizei dieselben wie in der Reichswehr, und in der Reichswehr dieselben wie in der alten kaiserlichen Armee. Die Sicherheitspolizei ist Reichswehr Nr. 2. Die maßgebenden Führer denken nicht daran, aus dieser Truppe ein wirkliches Schuzinstrument zu machen. Militärischer Drill ist oberstes Gebot der Erziehung. Die ausgebildet, es werden Schieß- und Felddienstübungen abMannschaften werden in der modernen Kampftechnik gehalten, furz, alles zeugt dafür, daß die Schutzpolizei in erster Linie militätisch- friegerische Aufgaben verfolgt. Die Sicherheitspolizei entsprang dem Kopf des preußis schen Generalstabes. Diese Generalstabsidee wird immer mehr reale Wirklichkeit. Die Arbeiter dürfen diese Zeichen nicht vergessen. Es sind Zeichen der Zeit, Zeichen der immer mehr erstarkenden Reaktion, die alle Mittel anwendet, um wieder zur Herrschaft zu gelangen. Die Zerstörung der Waffen Auf Grund des Ultimatums und der Entwaffnungsnoten sind, wie die P. P. N. melden, bis zum 6. August folgende Bestände an Waffen, Munition und Kriegsgerät zerstört worden: 453 Geschütze, 395 Geschütztohre, 845 Lafetten, 2 368 263 Stüd Artilleriemunition und Minen, 1695 953 Stild Zünder für Artilleriemunition, 3 141 977 I. Pulver, 1198 Minen- und Granatwerfer, 80 Signalwerfer, 9266 Maschinengewehre, 370 712 Gewehre, Karabiner, Tantgewehte, 19 312 Revolver und Pistolen, 227 566 blanke Waffen, 2078 489 Gewehr-, Wurf- und Handgranaten, 2 091 241 3ünder für Handgranaten, 37 499 117 Stüd Sandwaffenmuniton, 370 290 Kartuschen aller Art, 349 530 Sprengladungen und Sprengpatronen, 14 826 Wagen aller Art, darunter 418 Progen, 60 Maschinengewehrwagen, 751 Feldküchen. Weiter sind zerstört worden große Mengen an sonstigem Kriegsgerät, wie Waffenzubehör und Ersatzteile optischem Gerät, Nachrichtengerät, Brüdengerät, Gasschutzgerät, Werkzeuge aller Art, Feld- und Förderbahngerät, Geschirr und Stallsachen, Wagenzubes hörteile, Textilien, Feldfüchengerät, Schiffszubehörteile; desgleichen 70 Feldbacöfen, 2 Motorräder, 140 Kraftwagen, 18 Kraftwagen anhänger, 220 Fahrräder, 5000 Armeesättel, 1000 Bodjättel, 800 Sielengeschirre, 5 Millionen Platzpatronen. Soweit die Meldung. Nun fragt sich nur, woher die Waffen fommen, mit denen sich der oberschlesische Selbstschutz" ausrüsten konnte und aus welchen Beständen die Waffen entnommen werden, die noch immer in Versteden gefunden werden. Gewiß hat die Entwaffnungsaktion Fortschritte gemacht, aber ebenso gewiß verfügt die Reaktion immer noch über gewisse Bestände, die ihr nur schwer zu entziehen sind und die sie, dank ihrer guten Beziehungen zu den Stellen, die über Waffen verfügen, immer wieder neu zu ersehen vermag. Gegen die Kriegsverbrecher Im Anschluß an die Nie wieder Krieg Demonstration anläßlich der siebenten Wiederkehr des Tages des Kriegsaus bruches, hat der der Internationale der Soldaten angeschlossene Friedensbund der Kriegsteilnehmer auf Anregung von neutraler Seite hin und gemäß eines bereits im Ottober 1919 gefaßten Beschlusses bei den Führern der internatio nalen Kriegsteilnehmer aller Länder beantragt, schleunigst eine Konferenz einzuberufen, die die Feststellung after, wo und verbrechen einleiten soll. Die bisherigen Einzelveröffentlichungen unter welcher Fahne immer begangenen und geduldeten Kriegsin den verschiedenen Ländern haben bewiesen, daß diese nur den nationalen Reattionen gedient haben, die die Kriegsverbrechen der andern stets als schüßenden Mantel für die Untaten ihrer eigenen Militärs benutzen. Die jetzt ein geleitete Attion soll die Sammlung und internationale Veröffent lichung aller feststellbaren militärischen Uebergriffe und die stelle anstreben, um so zur erbarmungslosen Enthül. Ueberweisung des gesamten Materials an eine neutrale Schieds. lung des Gesichtes des Krieges beizutragen und für die fommenden Generationen aller Bölter ein Warnungszeichen aufzurichten. sich unter den Seidenwürmern sehr zasch, und deshalb beziehen Japan, wodurch sie die beste Gewähr für eine gesunde Aufzucht erheute die meisten europäischen Züchter ihre Eier aus China und in Brutöfen gebracht, die eine bestimmte Wärme haben, und nach Ablauf von 30 Tagen triechen die Seidenwürmer aus. Ein Seis benwurm streift viermal seine Haut ab und ist schließlich etwa monatelange Einstudiern von diesen bringt jedem einzelnen Sänger, jeder Sängerin zum Bewußtsein, daß der Geist eines Kunstwertes auf den Sänger viel mehr als auf den Hörer übergeht. Wie der Schauspieler, der eine Rolle verkörpern soll, gehalten. Die Eier sind gelb und ähneln Rübenjamen. Sie werden nötigt ist, sich weit mehr als etwa der Zuschauer in das Werk und dessen Schöpfer zu vertiefen, wenn er den Gehalt des Kunstwertes restlos erschöpfen will, so auch der Sänger, jei er nun Solist oder Chorist. Das ausbrudsvolle Singen erfordert ein Nachfühlen, ein Sichverjenken in das Empfindungsleben unserer größten Geister, denen ein gütiges Geschid zu sagen gab, was fie leiden". Fast tönnte man sagen, daß Schöpfer und Darsteller sich geistig vermählen. Und wer wollte nicht eine jo edle Ber bindung mit den Größten unseres Boltes eingehen! Mus dieser Erkenntnis, die immer weitere Kreise erfaßt, ist die Entwidlung der Bolts- Chor- Bewegung zu erklären. Sowohl in Berlin als auch auswärts, innerhalb und außerhalb des Arbeiter Sänger- Bundes, läßt sich die Neigung zur Bildung von ge= mischten Chören verfolgen." Nachdem dann die zahlreichen äußeren Schwierigkeiten erwähnt find, mit denen der Bolts- Chor" zu kämpfen hat( Verteuerung bes mitwirkenden Orchesters, der Säle und Drudfachen, Gleich gültigkeit der großen" Presse usw.), wird ein Rückblick auf das vergangene und ein Ausblid auf das tommende Jahr gegeben: Jm abgelaufenen Vereinsjahr veranstaltete der Chor einen Richard- Strauß- Abend, für den das Philharmonische Orchester auf 100 Künstler verstärkt werden mußte; der Chor sang Wan derers Sturmlied" und den„ Taillefer". Im rubianz jolate dann Haydns ewigjunge Jahreszeiten". Ein drittes Mal lang ber Chor in zwei Weihnachtstonzerten. Ferner fand ein PeterCornelius- Abend statt. Für das tommende Jahr plant der Chor Wiederholungen von Berlioz Fausts Verdammung", Jomie mehrere Aufführungen von Sändels selten gehörtem " Jephta" und Bachs Matthäus Passion". Von Solistentonzerten soll ein Weber- Abend und ein Beethoven- Abend stattfinden, in beiden wird der a capella- Chor mitwirken. Der Berliner Bolts- Chor wird auch im tünftigen Jahr feinem ursprünglichen hohen 3iel folgen. Er ruft in erster Reihe seine fingenden und zuhörenden Witglieder auf, ihm in diesem Betreben weiterhin treu zu folgen, aber er bittet auch die gesamte Deffentlichkeit durch Beachtung und Förderung um Unterstützung feiner fünstlerischen Bestrebungen." = Wie entsteht die Seide? Mie entsteht eine seidene Bluſe, ein Seidener Schlips? Der Schlips hat bas Opfer von wenigstens taufend Seidenwürmern und die Bluse das von 20 000 erfordert. Der arme Seidenwurm ist ein Stlave der Mode geworden, der diefer strengen Göttin zu Millionen hingeopfert wird. Früher war die Seidenfabrikation nur in den Ländern üblich, wo der Seidenwurm von Natur vortam. In China besteht sie seit über 4000 Jahren, hat sich von dort nach Indien und Japan verbreitet und fam dann später auch nach Frantreich und Südeuropa. Bei ber Züchtung der Seidenraupe muß die größte Sorgfalt auf die Auswahl der Tiere verwendet werden. Krankheiten verbreiten 3½ 3oll lang. Er ist weiß mit braunen Fleden, und seine Beine haben die Farbe der Seide, die er spinnen wird. Nach der vierten hier selbst in ein Roton ein. Drei Tage lang dauert diese Arbeit, Säutung flettert der Wurm auf einen 3weig und fapfelt fich und dann ist das Wert vollendet, eine Hülle von 1½ 30 fammenhängenden doppelten Seidenfaden von etwa 3500 Meter Länge und Zoll Durchmesser. Der Koton besteht aus einem zu Länge, und das Material zu seiner Arbeit erhält das Tier aus zwei Drüsen unterhalb seines Maules. Kotons. die von den weiblichen Tieren erzeugt werden, haben eine eiförmige Gestalt, Züchtungszwecken werden die besten Kotons ausgewählt und in während die Kotons der männlichen Tiere stabförmig find. 3u einen warmen Raum gelegt. schmukig weiße Motte, die sich in dem Koton entwidelt hat, das Nach zwei Wochen benäßt die eine Ende des Rotons mit ihrem Speichel, drängt die Seidenfäden beiseite und friecht aus. Die Motten beginnen augenblicklich das Paarungsgeschäft, und jedes Weibchen legt etwa 400 Gier, worauf es stirbt. Die Eier werden von dem Züchter gesammelt, sorgfältig daraufhin untersucht, ob fie Zeichen von Krankheiten aufweisen, nicht zur Rüchtung dienen, werden zunächst Dampf ausgefekt, um und dann zu weiteren Züchtungen verwendet. Die Kotons, die Auf diese Weise lösen sich die Seidenfäden. so daß sie aufgewickelt alles Leben darin zu töten und dann in heißes Wasser gebracht. Auf diese Meife Töfen sich die Seidenfäden. so daß fie aufgewidelt und zur Fabrikation verwendet werden können. Die neneste Nummer ber Freien Welt", die der Freiheit" morgen, Donnerstag früh, beiliegen wird, enthält folgende Beiträge: Emma Dölz: Am Mutterherzen, Erzählung. Sellmuth Faltenfeld: Kant. Graf: Stammt der Mensch vom Affen ob? Gg. Engelbert Otto Fenses Iau: Radwandern! Th. 3e11: Die Rattenplage in Berlin. Mutter und Kind. Tages- Notizen Die Schöneberger Selfsbhne eröffnet am 16. Tugu ihre Spielfaifon. Reus aufnahmen werden in sämtlichen Zahlfteffen, sowie in der Hauptgefchäftsffeffe Berlin- Schöneberg, Grunemafbftr. 85. v. 1 It., entgegengenommen. Is nächte Aufführungen Frb n. e. in Tuscht genommen: Goethe, Fault 1. und 2. Teil; Schiffer, Die Räuber; Jbsen, Nora und Resmersholm; Salbe, Jugend; Schönherr, Der Meibsteufel. Sonnabend, den 13. Auguft, abends 8 Uhr, gelangt in der Boltsbühne am Bülowplay Der Opernball", Operette Don Richard Heuberger, in einer Neueinstudierung von Magimilian Moris zum ersten Male zur Aufführung. Ernst Friedrich( pricht am Donnerstag, ben 11. August, abends 7 Uhr, in ber Arbeiter Kunst- Ausstellung", Petersburger Straße 39, Dichtungen des Riaview arbeiters Walter Lehmann Die Ernte in Preußen Die„ Statistische Korrespondenz" des Preußischen Statistischen Amtes veröffentlicht die Ergebnisse der Umfrage über den Stand der Ernte. Sie ist diesmal besonders interessant, weil sie Aufschluß gibt über die Wirkungen der großen Size. Die nachstehende Uebersicht gibt ein Bild von dem Stand der hauptsächlichsten Feidfrüchte Anfang August d. J. Von den Begutachtungsziffern = bebeuten: 1 sehr gut, 2 gut, 3= mittel( durchschnittlich), 4= gering. Winter meigen Sommerweizen Winterroggen co SommerWinter gerfte SommerGerste Kartoffeln Zuckerrüben Anfang August 1921 2,5 2,8 2,6 3,2 2,6 2,9 3,2 3,5 3,1, Anfang Juli 1921 2,4 2,7 2,5 8,1 2,6 2,8 3,1 2,8 2,7 Anfang August 1920 2,7 2,7 3,0 3,1 2,8 2,8 2,8 2,8 2,7 Danach haben sich zwar die Aussichten für die Getreideernte bei Weizen, Roggen und Hafer etwas verschlechtert, bei Gerste nur bei der Sommerfrucht. Die Aufstellung bestätigt jedoch, daß die Brotgetreideernte außer Sommerroggen noch besser mit mittel bis gut bewertet" werden darf und daß das Geschrei der großagrarischen Organisationen über die Unmöglichkeit der Erfüllung der Umlage unwahr ist. Die Aussichten der Kartoffelernte hatten sich im August verschlechtert, doch ist noch zu hoffen, daß durch die inzwischen überall erfolgenden Niederschläge noch eine Besserung eintreten wird. Die Erntearbeiten sind überall im Gange und gehen bei dem sonnigen Wetter flott vonstatten. Bei Fortdauer der bisherigen Witterung glaubt man bis Mitte August alles geborgen zu haben. Das eingefahrene Getreide sowie die Hülsenfrüchte befinden sich in solch trockenem Zustande, taß mit dem Drusch schon hätte begonnen werden können, doch fehlt es dazu meist an Zeit. Druschproben liegen somit noch wenig oder gar nicht vor; immerhin sind von den meisten Berichterstattern schägungsweise Angaben über den voraussichtlichen Settarertrag in Doppelzentnern für sämtliche Getreidearten gemacht worden, die Anfang September bekanntgegeben werden. Der Strohertrag soll bei dem Wintergetreide im allgemeinen zufriedenstellend sein. Freie Bahn dem Steuerhinterzieher Der Reichstag macht die Steuergesetze, aber wenn diese auch gegen das Kapital Anwendung finden sollen, deutet sie der Reichsfinanzhof, der die Ausführung dieser Geseze zu überwachen hat, jofort in das Gegenteil um und baut den Kapitaliften Brüden zur Umgehung der Gesetze. Auf nichts anderes läuft eine Entscheidung des Reichsfinanzhofes, die die„ Bezugs rechte" der Attionäre von der Besteuerung ausnimmt, hinaus. Eine gleiche ungeheuerliche Entscheidung bildet der fürzlich ges faßte Beschluß, wonach die den Steuerbehörden vorgelegten Bilanzen als richtig angenommen werden müssen. Falls die Steuerbehörde anderer Auffassung sei, müsse sie den Gegenbeweis antreten. Dieses Urteil wurde jeht noch durch eine Bestimmung ergänzt, die die Forderung eines Finanzamtes nach„ Entzifferung der Unkosten und Kreditoren einer Bilanz" als unberechtigt erklärt. Damit ist den Finanzämtern jede Bilanzprüfung einfach Tür und Tor geöffnet. unmöglich gemacht und den fapitalistischen Steuerhinterziehern Stellt man dieser Entscheidung des Reichsfinanzhofs die Tats Sache gegenüber, daß der Lohn- oder Gehaltsempfänger über seinen Kopf hinweg vom Unternehmer zur Veranlagung herangezogen wird, daß er also gegenüber dem sich selbst zur Steuer einschäzenden Kapitalisten eine beschämende steuerlice Ausnahmebehandlung erfährt, so tönnen die Eithe scheidungen des Reichsfinanzhofs feinen Zweifel darüber auf tommen lassen, daß in diesem Gerichtshof derselbe reaktionäre Geist herrscht, den wir von den Strafgerichten her zur Genüge tennen. Bom internationalen Metallarbeiterfongreß Luzern, 9. Auguft. Der hier versammelte Internationale Metall. arbeitertongreß beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Bericht des Sekretärs Jig, Bern. Danach gehören dem Internationalen Verband achtzehn Länder mit 43 Landessei der Beitritt einer der größten a meritanischen Organis verbänden und 4 600 000 Mitglieder an. Besonders zu erwähnen sationen mit 350 000 Mitgliedern. Der Bericht wurde einstimmig genehmigt. Auf dem Kongreß ist Deutschland durch zwölf Delegierte vertreten. Aus anderen Läns dern sind anwesend Delegierte aus der Schweiz, aus Bel gien, Dänemart, England, Frankreich, Sol. land, Italien, Oesterreich, Luxemburg, Polen, Norwegen, Tschechoslowatei und Ungarn. Der Reichswehrtrach in Münster. Bon amtlicher Seite wird mitgeteilt: Bei dem Zusammenstoß zwischen Reichswehr und Zivilisten in Münster in Westfalen handelt es sich um Aus schreitungen von drei einzelnen Reichswehrangehörigen gegen Zivilpersonen. In deren Verlauf griff eine Patrouille der Schupo und auch eine Patrouille der Reichswehr zum Schuße der Zivilisten ein. Sierbei wurde ein Reichswehrsoldat verlegt, jedoch keine Zivilperson. Wenn das nur stimmt! Entscheidung der Rheinlandfommission. Die Rheinlandtommission hat dem Reichstommissar eine Entscheidung mitgeteilt, wonad) fie beschlossen hat, nicht mehr zuzulassen, daß die deutschen Gerichte über Baterschaftstlagen gegen Bersonen entscheiden, die zu den allierten Armeen oder zur interalliierten Rheinlandfommission gehören. Die Rheinlandkommission ist der Ansicht, daß der Kläger seine Klage vor dem nationalen Gericht des Be flagten einbringen muß. Ausdehnung des Mainzer Buchdruferstreits. Der Ausstand der Buchdrucker dehnt sich auch über Mainz hinaus aus. Die Mainzer bürgerlichen Blätter geben seit Montag eine gemeinsame Zeitung heraus. Nur die sozialdemokratische Boltszeitung" erscheint unverändert weiter. In Worms sind die Buchdruder gleichfalls den Ausstand getreten. Auch dort behelfen sich die bürgerlichen Blätter mit der Herausgabe eines gemeinsamen Nachrichtenblattes. In Wiesbaden ist der Ausstand Dienstag früh ausge brochen. Er hat auch auf die preußische Seite nach Biebrich und in den Rheingau übergegriffen." Buchverbot im belegten Gebiet. Auf Grund des Artikels 13, Berordnung 3, hat die Interalliierte Rheinlandskommission den Bertrieb des Buches: Französische Giftmischer", herausgegeben vom Verlag ,, Rote Hand" in München, wegen feines die Würde der Besahungstruppen beeinträchtigenden und verlegenden Inhaltes" im befegten Gebiete verboten. Auslieferung ungarischer Kommunisten durch die Jugoslawen. Seit den jüngsten Attentaten werden in Jugoslawien fortg fest Personen, die der kommunistischen Gesinnung beschuldigt werden, verhaftet, besonders die aus Ungern geflüchteten politischen Verbrecher werden neuerdings start verfolgt. Die Polizei von Maria- Thereftopel verhaftete, wie der U. K. gemeldet wird, vierzehn ungarische Emigranten und ließ sie sofort an der Demartationslinie den ungarischen Behörden übergeben. Der Würgeengel. In Frankreich sind nach offiziellen Berichten während des Krieges 84 000 Soldaten an der Tuberkulose gestorben. Groß- Berlin Die Ladung von Vormündern Die vormundschaftsgerichtliche Ladung von Vormündern, Pfle gern usw., hat für diese häufig einen Verdienstausfall zur Folge, der dann besonders empfindlich ist, wenn sie, um zu der festgesezten Stunde an Gerichtsstelle erscheinen zu können, eine Ar beitsschicht versäumen müssen. In einer Verfügung des Preukischen Justizministers vom 2. August wird, wie die P. B. N. erfahren, angeordnet, daß den berechtigtem Wunsche nach Einschrän fung dieser Fälle in möglichst weitem Umfange Rechnung zu tragen fei. Ein Mittel hierzu bietet sich, zumal wenn die Arbeitszeit der Vormünder, Pfleger usw. zwischen Tag- und Nachtschichten wechselt, darin, daß ihnen, anstatt sie auf einen bestimmten Tag zu laden, eine Frist gesezt wird, innerhalb deren sie an den für den Verkehr mit dem Publikum vorgesehenen Zeiten erscheinen fönnen, oder daß ihnen freigestellt wird, zu einem von mehreren ihnen bezeichneten Zeitpunkten zu erscheinen. Soweit die gleich zeitige Anwesenheit des Mündels. der Mündelmutter, gegebenenfalls auch anderer Personen geboten ist, wird es vielfach den Bormündern überlassen werden können, diese Personen selbst zu bem in ihre Wahl gestellten Terminstage mitzubringen. Hiermit sollen nur Fingerzeige gegeben sein. Je nach den örtlichen Verhältnissen werden sich auch sonst geeignete Wege finden lassen, um Vormündern, Pflegern usw. mögen fie der Arbeiterschaft oder einem anderen erwerbstätigen Stande angehören die mit der Erfüllung ihres Amtes verbundene Belastung zu erleichtern." Schützt die Kinderspielplätze Bei der schlechten Finanzlage in der sich die Stadt befindet, ist die Beschaffung der Mittel für die Instandhaltung der Spielpläge mit großen Schwierigkeiten verbunden. Um so bedauerlicher ist es, wenn die vorhandenen Spielgelegenheiten mutwillig beschädigt oder gar bestohlen werden. So ist in der Petersburger Straße wiederholt beobachtet worden, daß Anwohner aus dem dort für Kinder befindlichen Sandkasten den Kies eimerweise entnommen haben. Die Auffüllung dieser Kästen verursacht unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht unbeträchtliche Ausgaben. Es ist Pflicht der Bevölkerung, darüber zu wachen, daß diese für unsere Kinder bestimmten Einrichtungen durch unlautere Elemente nicht ihrem Zwed entzogen werden. Das erste felbfttätige Fernsprechamt Groß- Berlins Mit dem bereits im Jahre 1914 geplanten, durch den Krieg aber verzögerten Bau eines automatischen Fernsprechamtes in Zehlendorf wird in diesem Monat begonnen. Die vor einer Reihe von Jahren mit einem als Versuchsanlage gedachten Amt in Berlin gemachten Erfahrungen sollen hier verwertet werden. Zehlendorf wird dann das erste Groß- Berliner selbsttätige Fern[ prechamt haben, dem weitere folgen werden, bis der gesamte Fernsprechverkehr der Hauptstadt automatisiert ist, was natur gemäß bei den außerordentlichen Schwierigkeiten in jeziger Zeit Jahre dauern wird. Der automatische Betrieb in Zehlendorf wird sich übrigens auch noch nicht auf alle Anschlüsse erstreden, man rechnet zunächst nur mit etwa ein Fünftel der Teilnehmer; boch sieht der Umbau genügend Erweiterungsmöglichkeiten vor, so daß die Ausdehnung des selbsttätigen Fernsprechbetriebes auf ben ganzen Ort sich leicht wird bewerkstelligen lassen. Wenn auch mit der Neuerung eine Verringerung der Zahl ber Telephonistinnen eintritt, so find doch auch fernerhin Beamte nötig, um die nach außerhalb gehenden Gespräche zu vermitteln und die Verbindung mit den von dort nach Zehlendorf gewünsch ten Anschlüssen herzustellen. Parteijubilar. Auf eine 25jährige Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeit tann unser Genosse Ostar Rautenberg zutüdbliden. Rautenberg hat stets im fleinen Kreise für die sozialiftischen Ideen gewirkt. Wir hoffen, daß Genosse Rauzenberg noch viele Jahre so vorbildlich weiterwirken tann. Mängel in der Aufschrift der Postsendungen( wie unvollstänbige, ungenaue oder undeutliche Bezeichnung des Empfängers, Fehler der Angabe von Straße und Hausnummer, Gebäudeteil, Stockwert usw.) wirten besonders nachteilig für Absender und Empfänger. Genauigkeit, Vollständigkeit und Deutlichkeit der Klufschrift sind unerläßliche Voraussetzungen für richtige und schnelle Bestellung. Dies gilt namentlich für Postsendungen an Empfänger in der neuen Stadtgemeinde Berlin, wo Straßen mit gleich und ähnlich lautenden Namen mehrfach vertreten sind und biele Straßenzüge aus einem Postort in den anderen übergehen. Bei Sendungen nach dem Bostort Berlin mit seinen zahlreichen Bestellpostämtern muß außerdem hinter der Ortsbezeichnung der Postbezirk( W, NW, N, S usw.) und die Nummer der Bestellpostanstalt angegeben werden( z. B. Berlin W 8). Ebenso ist es bringend erwünscht, daß der Absender von Postsendungen auf beren Außenseite seinen Namen, Stand und Wohnort nebst Wohnung angibt. Bereinigte Elternbeiräte der weltlichen Schulen Neuköllns. Unter diesem Namen ist eine Arbeitsgemeinschaft sämtlicher Elternbeiräte der weltlichen Schulen, zweds Regelung gemeinsamer Angelegenheiten, geschaffen worden. Alle drei sozialistischen Parteien find paritätisch rertreten. Der leitende, engere Ausschuß besteht aus den Elternbeiräten: Ostar Hüttel, Jljestr. 24; Friz Schulz, Manitiusstr. 20; Max Grabe, Sobrechtstr. 37. Dem erweiterten Ausschuß gehören außerdem an die Elternbeiräte: Karl Windus, Weserstr. 199; Adolf Moechel, Steimetstr. 29; Albert Regge, Tho masstr. 34; Wilhelm Schudar, Allerstr. 4; Karl Dally, Emser Kleide Dich billig, elegant! Straße 16/17; Mar Ismer, Herzbergstr. 22. Eltern aller Schulen, die Auskunft in Schulangelegnheiten, insbesondere über Befreiung der Kinder vom Religionsunterricht, Einschulung, Einführung der Gemeinschaftsschule u. dergl. wünschen, wollen sich an eines der Ausschußmitglieder wenden. Der Leichenfund im Engelbecken Die weiteren Nachforschungen im Kanal haben gestern abend auch noch den Unterfiefer der unbekannten Toten zutage gefördert. Man hofft, jemanden zu finden, der die Ermordete erkennt. Das Alter der Ermordeten wird auf 20 bis 24 Jahre geschätzt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei erstreden sich natürlich auch auf vermißte weibliche Personen, die jünger oder älter sind. Die Tote hat wahrscheinlich nicht den bessergestellten Kreisen angehört. Dagegen sprechen die schlechte Zahnpflege und der Schmus unter den Fingernägeln. Ihre Oberlippe war ohne Zweifel eingefallen, weil die Zähne im Oberkiefer fast vollständig fehlten. Der Untertiefer enthält im Gegensatz dazu durchweg gute Zähne. Nur ein Badenzahn fehlt. Es besteht die Vermutung, daß die Unbekannte das Opfer eines Lustmörders geworden ist, der schon mehr Verbrechen dieser Art auf dem Kerbholz haben mag. Funde von Leichenteilen, die zu verschiedenen Zeiten in östlichen Stadtteilen, an der Oberbaumbrüde und im Grunewald gemacht wurden und bisher noch nicht hatten aufgeklärt werden fönnen, lassen mit dieser Möglichkeit rechnen, daß ein Luftmörder planmäßig am Werte ist. Hoffent lich gelingt jetzt die Aufklärung, weil die Kriminalpolizei in diesem Falle wenigstens die Möglichkeit geschaffen hat, die Persön lichkeit der Toten festzustellen, was in den früheren Fällen bisher nicht möglich war. Unerfreuliches ans Wuhlgarten. Zu der unter dieser Ueberschrift am 4. d. M. veröffentlichten Notiz erhalten wir vom Betriebsrat der Anstalt Wuhlgarten eine Zuschrift, die besagt, daß die kranten Hospitaliten in einer rielleicht berechtigten Erregung die Vorfommnisse übertrieben haben. Der Betriebsrat selbst setze sich mit aller Energie für eine gute Behandlung und Verpflegung der Kranten ein. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Don nerstag. Zeitweise wärmer, sehr veränderlich, vielfach heiter, bei mäßigen südöstlichen Winden. Später zunehmende Bewöltung und etwas Gewitterneigung. Gewerkschaftliches Die Forderungen der städtischen Arbeiter und Angestellten Am gestrigen Dienstag nahmen die Funktionäre der städtischen Arbeiter und Angestellten in einer vom Lohnkartell der städtischen Arbeiter und Angestellten einberufenen Versammlung zu dem neuen Lohntarif Stellung. Bolenste von der Tariftommission führte aus, daß der erhöhte Brotpreis, die Steigerung der Kosten der Lebenshaltung sowie die Mehrbelastung durch die bevorstehenden Steuern eine Lohnerhöhung unbedingt rechtfertigten. Die Tariftommission hat nur für die Arbeiterschaft das verlangt, was unbedingt zur Bestreitung des Lebensunterhaltes notwendig ist. Die städtischen Arbeiter verlangen nichts Unbilliges. Die Forderungen sind folgende: A. Männliche Arbeiter. Lohnklasse 1, ungelernt, 7,30 M. Stundenlohn, Lohntlasse 2, ge= lernt, 7,50 M. Stundenlohn, Lohnklasse 3, Jugendliche, 14 Jahre, 3,50 M. Stundenlohn, Jugendliche, 15 Jahre, 4,00 M. Stundenlohn, Jugendliche, 16 Jahre, 4,50 M. Stundenlohn, Jugendliche, 17 Jahre, 5,00 m. Stundenlohn, Lohntlasse 4, Mindererwerbs fähige, 5,50 m. Stundenlohn. B. Weibliche Arbeiterin nen. Lohntlasse 5, ungelernt, 6,50 M. Stundenlohn, Lohntlase& gelernt, 6,70 M. Stundenlohn, Lohntlasse 7, Jugendliche, 14 Jahre, 3,00 M. Stundenlohn, Jugendliche, 15 Jahre, 3,50 M. Stundenlohn, Jugendliche, 16 Jahre, 4,00 M. Stundenlohn, Jugendliche, 17 Jahre, 4,50 M. Stundenlohn, Lohntlasse 8, Mindererwerbs fähige, 5,00 M. Stundenlohn. Neben diesen Löhnen werden folgende Lohnbeihilfen gewährt: Für Jugendliche unter 18 Jahren 65 M. monatlich, für Ledige über 18 Jahre und Verheiratete 150 M. monatlich. Für jedes noch zu versorgende Kind bis zu 6 Jahren, 100 m., bis zu 14 Jahren, 125 M., bis zu 21 Jahren, 150 M. Für völlig erwerbsunfähige Kinder( Krüppel, Geistesschwache), die im eigenen Haushalt leben, wird die Unterstützung dauernd gewährt. Als noch zu versorgende Kinder im Sinne die fes Lohntarifes find diejenigen Kinder unter 21 Jahre anzusehen, welche tein steuerpflichtiges Einkommen haben. Das Personal der Müllabfuhr und die Kohlenträger der Brennstoffverwaltung erhalten zum Lohnsatz ihrer Klasse einen Zuschlag von 20 Prozent. Für Arbeiten, die besonders gesundheitsschädigend find, z. B. Bleis arbeiten, Jolierarbeiten, werden von Fall zu Fall im Einverneh men mit dem Betriebsrat besondere Zuwendungen gewährt. Die in der Lohntabelle festgelegten Löhne gelten als Grund- bzw. Minbeftlöhne. Die tariflichen Vereinbarungen gelten nur für freigewertschaftlich organisierte Arbeitnehmer. Hochschild von den städtischen Angestellten teilt mit, daß zwar die Angestellten ihren Tarif noch nicht gekündigt haben, daß fie aber genau dieselben Bezüge fordern. Das Monatsgehalt ist nach einer Arbeitszeit von 208 Stunden zu errechnen. Die Angestellten werden mit allen Mitteln den Kampf für diese Forderun= gen Seite an Seite mit der Arbeiterschaft ausfechten. Rach längerer Debatte, in der die Redner der einzelnen Bes triebe zu dem Tarifvorschlag Stellung nahmen, und Polenste und Hochschild noch einmal die Anwesenden aufgefordert Jackelt- Anzüge Cutaways, Ulster teils auf Seide, früher bis 1200 Mk.. jetzt für 400-500 Mk. Ferner DamenKostüme,-Mäntel, enorm billig! Nach beendeter Saison 50% herabgesetzt. im Leihhaus Moritzplatz 58 a Wel, Silberfächse. Keine Lombardwaren. Voranzeige! Jm unterzeichneten Verlage erscheint in den nächsten Tagen Die Erwerbslosenfürsorge nach dem neuesten Stande Wiedergabe der Reichsverordnung über Erwerbslosenfürsorge und gemeinverständliche Darstellung der Erwerbslosen und Kurzarbeitern zustehenden Ansprüche unter Berücksichtigung ministerieller Erlaffe u. Bescheide sowie die legten Beschlüsse des Reichstages Von Rudolf Weck Arbeiterfelretär in Rönigsberg i. Pr. Preis ca. 8.- Mark Organisationen Preisermäßigung Vorbestellungen richte man sofort an die Berlagsgenoffenfchaft Freiheit" e- 6- m- b. Berlin C2 " Abt. Buchhandlung Breite Straße 8-9 Annahme in allen Speditionen des Verlages hatten, sich mit aller Kraft für den Tarif einzusehen, wurde der vorgeschlagene Tarif gegen vereinzelte Stimmen angenommen. Die Versammlung ertlärte ihre Solidarität mit den Festange stellten, die seit April um die Anerkennung ihres alten Tarifs ringen. Der Magistrat hat es abgelehnt, neue Beisiger für den Schlichtungsausschuß zu wählen und verhindert so alle Verhand lungen. Außerdem wurde eine Resolution Rosolowsti ein Stimmig angenommen, die von den Gewerkschaften verlangt, une verzüglich die Untersuchung über die Ermordung von Sylt wieder aufzunehmen und die Bestrafung des Schulbigen durchzu setzen. Eine andere Resolution fordert, daß in Anbetracht der Notlage und der Teuerung die Gewerkschaften sofort den Kampf für die 10 Punkte und für die Festsetzung eines der steigenden Teuerung angepaßten Reallohnes aufnehmen. Mitglieder des Holzarbeiterverbandes! Betrifft lang fristige Erwerbslose. Ab Donnerstag, den 11. d. M., erfolgt die Auszahlung der Sonderbeihilfen an alle länger als 26 Wochen erwerbslosen Mitglieder unserer Organisation im Marinehaus, Ede Brandenburger Ufer. Im Behinderungsfall des Unterstützungsempfängers fann eine Vertretung geschickt wer den, die aber mit ausreichender Legitimation versehen sein muß Erwerbsloje, welche zum Bezug der Unterstützung die Borauss Jegungen nicht erfüllen, jedoch glauben, Ansprüche erheben zu tönnen, haben diesbezügliche Anträge bis spätestens Sannabend, den 20. d. M., in unserer Auszahlungsstelle( Marinehaus) zu stellen. Die Ortsverwaltung. Baudelegierte bes Bauarbeiterverbandes! Die für die Rußlands hilfe herausgegebenen Sammellisten tönnen am Freitag, den 12. d. M., in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags, in unferens Bureau, Zimmer 53, in Empfang genommen werden. Gleichzeitia machen wir darauf aufmerksam, daß für die bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen ein Flugblatt zur Ausgabe gelangt, und fönnen diese ebenfalls durch die Baudelegierten in unserem Bureau, Zimmer 46, zur Verteilung auf den Baustellen abgeholt werden. Kein Baudelegierter darf sich dieser Pflicht entziehen. Der Vereinsvorstand. Studs und Gipsbanbranche! Den Kollegen zur Nachricht, daß die Ferienfrage wie folgt geregelt ist: Anspruch auf 4 Werktage Ferien( Beurlaubung unter Fortzahlung des Tariflohnes) hat, wer im Stud- und Gipsbaugewerbe frühestens bis zum 15. Juli, Spätestens bis zum 30. September mindestens 30 Wochen in dem selben Geschäft hintereinander gearbeitet hat. Ist ein im Stud und Gipsbaugewerbe Beschäftigter nach dem 15. Juli in einem anderen Betriebe desselben Gewerbes in Arbeit getreten, und hat Anspruch bei seinem früheren Arbeitgeber auf Grund des oben Angeführten, Ferien erworben, so soll der Arbeitgeber mit bez Betriebsvertretung in Verbindung treten, wann der Betreffende feine Ferien antreten fann. Streittage werden bei der Berech nung in Abzug gebracht. Dies zur vorläufigen Kenntnis ber Kollegen und wird unser nächstes Mitteilungsblatt nähere Ans gaben in der Ferienfrage bringen. Die Sektionsleitung. Parteiveranstaltungen Mittwoch, 10. August 9. Berwaltungsbezirt( Wilmersdorf- Schmargendorf- Grunewald). 7½ Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. Stadtverordnetenkandidaten. Seute aben Aufstellung der Bezirks un 15. Berwaltungsbezirk( Abteilung Baumschulenweg). Seute abend 8 Uhr b teilungsversammlung bei Krause, Riefholzstraße 248. Funktionäre haben Bov besprechung um 7 Uhr. 1. Diftritt. 142. Stadtbezirt. Alle U. S. B.- Genossen, die in folgenden Straßer wohnen, heute abend 7 Uhr bei Brasser, Michaelfirahtraße 29a. Sehr wichtige Besprechung. Brandenburger Ufer 1-4, Inselstraße 1-16 und 10-12, Am öll nischen Bart 1-4 und 6-7, Köpenider Straße 76-104, Neanderstraße 1 und 38, Rungestraße 3-11a, 27a- 37, Brüdenstraße, Wassergasse und Schulze- Deligsch- Bla 2. Diftritt( Berlin- Mitte). 5. Abteilung. 3ahlabend Rosenthaler Hof, Rosen thaler Straße 12. Charlottenburg. U. S. B. D.- Fraktion ber Kriegsopfer. Sigung 7 The Lützowstraße 9. Abteilung Rieberschönemeibe. Abends 8 Uhr in Rieberschöneweibe, Brites Straße 17, bei Bliz: Gemeinschaftlicher Zahlabend. Donnerstag, 11. August Freie Schule in Spanbau. 7% Uhr abends im Alten Schüßenhanje Eltern Es versammlung. Vortrag über das Thema: Die freie Schule zum 16. Auguft. soll in dieser Versammlung Beschluß gefaßt werden, ob wir bie freie Schule zu 16. August durchsetzen wollen oder nicht. Alle Eltern, die ihre Kinder vo Religionsunterricht abgemeldet haben, müssen unbedingt erscheine Freitag, 12. Auguft 19. Berwaltungsbezirt( Pantow- Riederschönhausen). Sigung der Bandag tationstommiffion bei Hubert, Mendel, Ede Damrowstraße, abends 7 Uhr. 20. Berwaltungsbezirt( Relnidendorf- Tegel). Vorstandsfizung mit ben Abtei Tungstaffierern abends 7 Uhr im Zeichensaal der 1. Gemeindeschule, Lindauer Straße, hinter dem Reinidendorfer Rathaus. Sobregtsfelde. Abends 7% Uhr im Lotal von Deutschmann( Gemeinschaftshaus) öffentliche Versammlung. Bortrag des Genossen Stadtverordneten Zimmermann Die Landarbeiter und der Berliner Gutsarbeiterstreit. Diskussion. Verschiedenes. Sonnabend, 13. Auguft Alpenberge und Schweizerberge. Abends 8 Uhr Zahlabend bei Jurisch. Birtholz. Abends 8 Uhr Zahlabend bei Buhimann. Vereinsfalender Donnerstag, 11. August Zentralverband der Angestellten. Buchhandel. Funktionärversammlung 5½ he Wilhelmshof, Anhaltfr. 11-12. Textilindustrie und Großhandel. Funktionä verfammlung 744 Uhr Schultheiß, Rene Jatobftraße 24-25. Bigarrenhandel Mitgliederversammlung 8 ihr Einsiedler- Bierhallen, Neue Promenade 9-10. Internationaler Bund der Kriegsepfer. Funktionäre Gau Berlin- Brandenburg, Sigung abends 6 Uhr in der Schulaula des Sophienlyzeums, Berlin C, Wein meifterstraße 16-17. Urbeiter Samariter Kolonne Berlin, E. B., Abteilung Wedding, Brenzl. Bow Kadt. Der Bortrag fällt aus. Berantwortlich: für Bolitit u. Feuilleton: Leo Liebf. Berlin- Friedenau für Kommunalpolitit, Lofales und Gewerkschaftliches: 3 B.: Robert Senfel, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Charlottenburg. Berlagsgenoffenschaft Freiheit, e. 6. m. b. S., Berlin. Drud der Berliner Druderei G. m. 6. 5.. Berlin C2, 1 Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen Geschäftsstelle Berlin 2. Breitests.& Das Ueberschriftowort 2.-M., jedes weitere Wort im Zegt 1.50 m. netto. 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