11 is Te Te t ie 11 ut et 5 e et ie 05 eg eitl Пе it Da 12 55 en ng 31 ga 19 offe nig cid tel get chl bi off bet ein ge Ing le Ti nb Det Jan ben Sis ate en 46474 ges ter rak at Einzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang Die Frethett erscheint morgens ano nadimittags, Sonntags und Montags m einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freter Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 10 m. im voraus zahlbar. Für Boftbezug nehmen sämtliche Postanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luremburgs 20 M., fit bas übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Desterreich- Ungarn 95 m. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 62, Breite Straße Seb. Donnerstag, 18. August 1921 Nummer 384 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Ronpareillezetle oder deren Raum koftet 5,- M. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2- M., jedes weitere Wort 1,50 M. einschließlich Teuerungszufching. Laufende Anzeigen laut Sarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgetruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 89 greibeir Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Lebensmittel Ausfuhr nach dem Auslande! Dittatur statt Gelbstverwaltung Sobald auf dem ausländischen Markt höhere Preise gezahlt werden als im Inlande, entsteht das Bestreben der deutschen Produzenten, ihre Waren nach dem Auslande zu verkaufen. Ob diese Waren für die inländische Bevölkerung unentbehrlich find, spielt für fie dabei keine Rolle. Sie lassen sich stets nur von den Aussichten auf die Erzielung des höchsten Gewinnes leiten. Dasselbe ist der Fall, wenn den Produzenten die Preise im Inland zu niedrig sind, und wenn sie glauben, durch eine fünstliche Verringerung des Abgebots, die ihnen durch die Ausfuhr ermöglicht wird, auch im Inland die Preise steigern zu fönnen. Bisher hat die deutsche Regierung solche Absichten verhindert und im allgemeinen die Ausfuhr von Nahrungsmitteln nach dem Auslande verboten. Jetzt scheint sie auch hierin genau wie bei ihrer sonstigen Ernährungspolitit, dem ungestümen Drängen der Produzenten nach höheren Preisen nachzugeben, trotzdem die Ausfuhr von Lebensmitteln nur möglich ist unter schwerer Schädigung der einheimischen Bevölkerung.. Wie aus Mitteilungen des Reichsverbandes Deutscher Feins Loftlaufleute an den Boltswirtschaftlichen Ausschuß des Reichs lages hervorgeht, hat am 12. Juli d. J. der Reichsernährungs minister die Ausfuhr von Süßwasserfischen freigegeben. Welche - durchaus vorauszusehenden Folgen diese Maßnahme haben würde, geht aus einem Rundschreiben hervor, das die Württembergische Fischereigenossenschaft am 1. August an ihre Kunden versandte. In diesem Rundschreiben heißt es: Durch Freigabe der Ausfuhr von Süßwasserfischen in das Ausland wurden wir genötigt, um die Abwanderung der Bos denseefische nach dem Ausland zu verhindern, unseren Fischern biefelben Breise zu bewilligen, die die Schweizer Fischer erhalten. Daher die wesentliche Preiserhöhung für Bodenseefische. Wie, um es milde auszudrüden, leichtfertig das Ernäh tungsministerium die Ausfuhr von Süßwasserfischen ins Ausland gestattet hat, geht aus der Mitteilung des Reichsverbandes der Feinkosttaufleute hervor, daß im Ernährungsministerium als Grund dafür angegeben worden sei, es bestehe ein Ueberangebot in Süßwasserfischen, und man befürchte, daß jetzt im Sochsommer die Fischer verderben würden. Daß das nur der allbekannte und von den Interessenten stets angegebene Vorwand für die Erzielung höherer Preise ist, beweist die Tatsache, daß nach den Angaben des erwähnten Verbandes in Fachtreisen übereinstimmend die Anschauung herrscht, baß von einem Ueberangebot in Süßwasserfischen teine Rede Briand gegen Lloyd George Der Standpunft der französischen Regierung Paris, 17. Auguft. Ministerpräsident Briand erflärte heute abend Pressevertretern gegenüber, er fühle teine Neigung, die Streitereien über den Obersten Rai noch fortzusehen, sie hätten ohnehin lange genug gedauert. Uebrigens sei der ganze Streitfall dem Völkerbundrat zur Erteilung eines Gutachtens unterbreitet worden, und dieser Rat bestehe aus den Vertretern von acht Ländern, die alle Bürgschaften für volle Unabhängigkeit gewährten. Diese Männer würden in ihrem Gewissen und in ihrem Gerechtigkeitsgefühl die Grundlage für eine Ansicht finden, die dem Wortlaut und dem Geiste des Friedensvertrages entsprechen könne. Zu der Rede Lloyd Georges bemerkte Briand, die Rede gleiche ganz genau derjenigen, die Lloyd George im Obersten Rat gehalten habe. Er verteidige die nämliche Auffassung mit der gleifeiner Weise der französischen Auffassung Abbruch tun könne, Es einzig und allein der Sorge um Frankreichs Sicherheit zuzuschreiben. Er sei so gut wie Lloyd George ein eifriger Anhänger des Gedankens der Gerechtigkeit und der Durchführung des Friedens vertrages. Eine Meinungsverschiedenheit bestehe nur in der Art und Weise, wie Artikel 88 aufgefaßt werde, und vor allem in dem Geist, in dem die Voltsabstimmung entschieden worden sei. Das Gutachten des Völkerbundes wird, so sagte Briand, unsere Meinungsverschiedenheit in dieser Frage beilegen. tellung Um die Teilbarkeit Oberschlesiens Im Obersten Rat waren wir immer nur in zwei Punkten völlig einig. Unsere Sachverständigen und vor allem die juristis fchen Sachverständigen hatten einstimmig folgende Schlußaufangenommen: 1. Der Friedensvertrag fiest grundsählich tatsächlich eine Teilung Oberschlesiens vor. 2. Für diese Teilung, die nach der Abstimmung der Bevölkerung erfolgen soll, werden die ethnographischen Interessen entscheidend sein. und Die englische Abordnung hat sich dieser Auffassung nicht anSchließen tönnen und wollen. Sie hielt sich vielmehr eng ge= bunden an die Gegend, wo sich starke deutsche Enklaven isoliert befinden, die nur einem Abschnitt in der Entwidlung der Industriegebiete entspricht. Daraufhin mußten dann die Sachvers ständigen gerufen werden, um die Grenze eines möglichst einzuSchränkenden Industriebezirks festzusehen und uns die Unterlagen zu unterbreiten, die uns die Möglichkeit geben sollten, uns ein Urteil darüber zu bilden, ob dieses Gebiet teilbar sei oder nicht. Die Engländer jagten, es sei nicht teilbar, und wir sagten, es sei teilbar. Es genügt, sich auf die Arbeiten der zuständigen Persön fein tann. Im Gegenteil, die Nachfrage nach Fluß- und See fischen sei nach wie vor außerordentlich start. Wenn trotzdem der Absatz zu wünschen übrig lasse, so liege das nur an den enorm hohen Preisen für Süßwasserfische, die nur ein geringer Teil der Bevölkerung zu bezahlen imstande ist. So hat z. B. der Inhaber des größten Feinkostgeschäftes in Essen( Ruhr), der gleichzeitig ein bekannter Fachmann des Fischhandels ist, auf die Anfrage hin folgendes mitgeteilt: Es ist für mich als Fachmann vollständig unvers # tändlich, wie der Reichsernährungsminister zu einer derartigen Berordnung tommt, und vor allen Dingen wäre es interessant, zu wissen, welche Vertreter des Fachhandels diese Berordnung für zeitgemäß befunden haben. Wir im Westen tennen den Artikel Süßwasserfisch nur noch aus Bilders büchern, und man muß fich geradezu vor den Kopf schlagen, wenn man bedenkt, daß durch eine solche Maßnahme vielleicht auf unabsehbare Zeit der Artikel Sabwasserfische voll. tändig verschwinden soll. Der Erfolg wird lediglich ber sein, daß in den Grenzgebieten die Teichbesiger und nicht julegt die Flußfischpächter ihre Erträgnisse in das Ausland führen, wo infolge der günstigen Währung ihnen ein hoher Breis in den Schoß fällt. Wir timmen Ihrer Vermutung vollkommen bei, daß der wahre Grund dieser Ausfuhr von Süßwaller. fischen nur der ist, daß eine Gentung ber Preise fishen nur der ist, daß eine Sentung der Breije im Inland vermieden wird und daß auf der anderer Seite lieber dem Auslande das we nige an Süßwasserfischen zugeführt wird, als durch eine Ermäßigung der Preise ben deuts schen Berbrauchern den Genuh von Süßwailer. fijgen möglich an machen. Aus dem anfangs wiedergegebenen Rundschreiben der Württembergischen Fischereigenossenschaft geht flar hervor, daß die durchaus auf der Hand liegenden Befürchtungen, die Freigabe Der Ausfuhr würde zu einer starten Preissteigerung und für gewisse frachtgünstig gelegene Bezirke sogar zum gänzlichen Verschwinden der Flußfische vom Markte führen, leider nur zu begründet waren. Die Sandlungsweise des Ernährungsministeriums ist deshalb nur ein neuer Beweis für sein Bestreben, jeden Wunsch der Interessenten zu erfüllen, auch wenn er mit schweren Schäden der Boltswirtschaft und der Verbraucher verknüpft ist. Es muß deshalb mit aller Entschiedenheit nicht nur verlangt werden, daß diese Ausfuhrerlaubnis zurüdgezogen, sondern auch, daß Vorsorge getroffen wird, daß Ausfuhrerlaubnis für andere Lebensmittel nicht erteilt wird. lichkeiten zu berufen, um festzustellen, daß wir es find, bie Recht haben. Das sogenannte Induftriedreieck Auch über die Bestandteile, die dazu bestimmt sein sollten, das sogenannte Industriedreied zu bilden, bestand eine Meinungsverschiedenheit. Unsere Sachverständigen vertraten den Stands punkt der wirtschaftlichen Einheit des Bezirtes. So beziehen die Werte in Königshütte ihre Kohlen und ihren Kots aus Rybnit, wo sie ihre eigenen Gruben besitzen, und die Fabriken in Rybnil erhalten ihr Gußeisen aus Königshütte, da sie selbst die Weiterverarbeitung betreiben. Unsere Sachverständigen vers traten daher den Standpuntt, daß die Bedürfnisse der wirtschaftlichen Einheit es nicht erlauben, aus dem Industriedreied die Gruben und Werte von Rybnit auszuscheiden. Aber die englischen Kollegen lehnten es ab, sich dieser Auffassung anzuschließen. Das Ergebnis wat, daß eine Masse polnischer Stimmen für die Wertung der Mehrheit hinsichtlich der Zuteilung des Gebietes aus der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen ausschied. Die Hauptgründe der Meinungsverschiedenheit Die gleiche Unmöglichkeit einer Verständigung bestand in der Frage der Zuteilung der unbedingt polnischen Gebiete, welche bas Wasser für die Industriegegend liefern, sowie über die Zusammengehörigkeit der 3intgruben sowie der Zintfabriken, von den Eisenbahnen will ich dabei gar nicht reden. Darin liegen bie Hauptgründe für unsere Meinungsverschiedenheit. Ich durfte nicht zugeben, daß der Geist, in dem der Friedensvertrag niedergeschrieben worden ist, dahin führt, Deutschland, das von den Verbandsmächten feierlichst als verantwortlich für den Krieg erklärt worden ist, eine ungeheure Mehrheit polnischer Stimmen zuzuteilen, während Bolen nur eine fleine deutsche Minderheit erhalten soll, und alles nur aus dem Grunde, weil Deutschland johon seit 50 Jahren, gleich nach dem Kriege 1870/71, mit den Milliarden, die es von Frankreich expreßt hat, seine Industriegegenden auf gebaut hat, die in völkischer Hinsicht durchaus polnisch sind. Die Aufgabe des Bölferbundrats Das ist die Meinungsverschiedenheit, die vor dem Völkerbunds rat gebracht worden ist. Er ist es, der nun in Gemäßheit des Völkerbundspaftes berufen ist, in vollständiger Unab hängigkeit dem Obersten Rate fein Gutachten mitzuteilen, das ihm die Möglichkeit gibt, die endgültige Entscheidung zu treffen, zu der er durch den Artikel 88 berufen ist. Von heute ab ist schweigen unsere erste Pflicht, und ich werde diese Pflicht nicht vernachlässigen. ( Siehe auch Seite 3.) Die durch die Verfassung garantierte Selbstverwaltung der Gemeinden steht in Preußen nur auf dem Papier. Die Ein heitsgemeinde Groß- Berlin hat das in ihrer einjähriger Wirksamkeit in unzähligen Fällen erleben müssen. Seitdem eine sozialistische Mehrheit den Versuch unternommen hat alte Vorrechte zu beseitigen, neue Gedanken zu verwirklichen das Millionengebilde finanziell leistungsfähig zu machen, if bei jeder einzelnen Maßnahme das Damoklesschwert des staatlichen Aufsichtsbehörden niedergesaust. Von der Nicht bestätigung der zu Stadträten gewählten Vertrauensmänne der Mehrheit angefangen, bis zur Versagung der Genehmi gung für die Steuerordnungen der verschiedensten Art, reicht eine einzige Rette von Willtüraften der Obrigkeit, die das stärkste Hemmnis für den Gesundungsprozeß der Einheits gemeinde gewesen ist. An feinem Fall aber ist diese Verlegung des Selbstverwal tungsrechts der Gemeinde, dieser schnöde Bruch eines ver fassungsmäßig zugesicherten Rechtes so fraß in die Er scheinung getreten, wie jetzt bei der Haus angestelltem Steuer. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sie vor vielen Monaten beschlossen. Jetzt ist sie durch den Eingriff der preußischen Ministerien gegenwärtig unmöglich ge worden. Daher hat sich vor wenigen Tagen der Steueraus Schuß der Stadtverordnetenversammlung unter dem Drud Steuerordnung veranlaßt gesehen, auf sie überhaupt Berzicht der von den Ministerien verlangten Abänderungen der zu leisten. Um diesen Beschluß zu verstehen, muß man sich vergegen wärtigen, daß die preußische Regierung sich bei dieses Steuerordnung nicht damit begnügt hat, einzelne Ab änderungen zu verlangen, sondern sie hat der Stadt einen vollständig neuen Entwurf vorgelegt mit der Fors derung, ihn in dieser Form anzunehmen. So sieht die Selbst verwaltung der Gemeinden aus! Ist es an und für sich schon ein Zustand, der bei den jezigen verfassungsrechtlichen Zu ständen unerträglich ist, daß eine aus den alten Herra schaftsverhältnissen hervorgegangene Bureaukratie den Willen einer von der Bevölkerung gewählten Körperschaft durch einen einfachen Federstrich beiseiteschieben tann, so wird es vollends unerträglich, wenn sie sie zwingen will, den Willen der Bureaukratie auszuführen, obwohl er dem Willen des Gelbstverwaltungskörpers ichroff entgegengesett ist. Das aber ist hier der Fall. Die Stadtverordnetenversamm lung verfolgte mit der Steuer auf das Halten von Hauss angestellten den 3wed, den Luxus, der unter den heutigen Umständen das Halten von einem oder mehreren Hausangestellten bedeutet, zu den ungeheuren Lasten heranzuziehen, die die Neuordnung der städtischen Finanzen vers ursachen. Sie verhehlte sich durchaus nicht, daß es Fälle gibt, in denen das Halten eines ersten Hausangestellten ein unabwendbares Bedürfnis und feinen Lurus darstellt. Für solche Fälle sah deshalb die Steuerordnung, wie sie von der Stadtverordnetenversammlung gestaltet war, Steuerbefreiung vor. Sie mußte sich natürlich dabei auf die dring Itchsten Fälle beschränken, weil sonst die Veranlagung der Steuer so kompliziert und kostspielig geworden wäre, daß die Steuer ein nennenswertes finanzielles Ergebnis nicht gehabt hätte. Was hat aus diesen Absichten die Regierung gemacht? Der von ihr vorgelegte Entwurf enthält zu den bisherigen Befreiungsgründen sieben neue Gründe. Steuerfrei soll das Beschäftigen des ersten Hausangestellten nach dem Ents wurf der Regierung vor allem sein: 1. Wenn der Hausangestellte mit dem Haushaltungsvorstand oder dessen Ehefrau in gerade Linie verwandt oder ver Ich wägert, oder in der gleichen Linie im zweiten oder dritten Grade verwandt oder in zweitem Grade verschwägert ist. 2. Wenn als Hausangestellte Haustöchter tätig sind, die zur Vertiefung ihrer hauswirtschaftlichen Kenntnisse oder zur Förderung der Selbsthilfe des Mittelstandes in die häusliche Ges meinschaft eines Haushaltes mit sogenanntem Familienanschluß aufgenommen werden. 3. Wenn der Hausangestellte nicht älter als 17 Jahre und nicht jünger als 50 Jahre ist. 4. Wenn der Hausangestellte sich mehr als 10 Jahre in seiner jchigen Stellung befindet. 5. Wenn ein Haushalt, in dem sich feine weibliche Perfon über 18 Jahren befindet, aus mehr als 3 Personen besteht. 6. Wenn sich im Haushalt mindestens 3 Kinder unter 14 Jahren befinden. 7. Die Beschäftigung von Angestellten in gemeinnügigen Anstalten oder Einrichtungen unterliegt nicht der Steuer, bes gleichen die Beschäftigung solcher Angestellter, die von Inhabern von Dienstwohnungen für die Instandsetzung der über das eigent liche Wohnbedürfnis hinausgehenden Räume benötigt werden, ober die zur Erfüllung von beruflichen mit DienstaufwandsentSchädigung von Reich, Land, Gemeinde oder einen anderen öffent lichen Verband abgegoltenen Repräsentationspflichten beschäftigt werden. Jeder, der diese Befreiungsgründe lieft, insbesondere Punkt 1 und 2, wird sich ganz unwillkürlich die Frage vor legen, ob nicht mit bieten Gründen gerade diejenigen, bei denen das Halten von Hausangestellten einen Luxus dar- stellt, eine leichte Möglichkeit erhalten, sich der Besteuerung xu entziehen. Und das ist in der Tat der Fall. Daneben aber wird, wie ebenfalls ohne weiteres ersichtlich ist. durch diese Befreiungsgründe das Veranlagungsgeschäft ungeheuer kompliziert werden. Fast jeder Steuerzahler wird Einspruch gegen seine Veranlagung erheben i unzählige Kräfte werden mit der Kontrolle beschäftigt werden müssen: der finanzielle Ertrag der Steuer wird ausserordentlich unbedeutend. Man würde die preuhische Regierung zu niedrig ein- schätzen, würde man annehmen, daß ihr diese Wirkungen ihres Entwurfes nicht ganz genau bekannt wären. Der Zweck ihres Entwurfes ist ja auch ein ganz anderer. Nicht ehrlich genug, offen zu sagen, was sie will, sucht die Regierung auf Umwegen ihr Ziel zu erreichen. Und dieses Ziel ist die Verhinderung der Steuer überhaupt, ist der Schutz der Besitzenden vor dem notwendigen Zugriff der Gemeindebehörden, die ihre wirk- schaftlichen, finanziellen und sozialen Aufgaben erfüllen will. Deshalb alle die vielen Befreiungen, die die Gemeinde zwingen sollen, freiwillig auf diese Steuer, die ihr nichts � mehr einbringen würde, zu verzichten. Man beachte aber ferner den Punkt 7. der Befreiungs» gründe. Er lässt erkennen, daß hier unter dem Deckmantel des Schutzes der Interessen der Besitzenden zugleich ein be» sonderer Schutzwall aufgerichtet werden soll für diejenigen hohen B e a m t e n, die sich im Besitz von Dienstwohnun- gen öder Dicnstaufwandsentschädigungen befinden. Wir möchten einmal die reaktionäre Presse sehen, wenn irgend- eine aus den sozialistischen Parteien hervorgegangene Per- sönlichkeit auf diesem Wege des amtlichen Miss- brauchs behördlicher Befugnisse die Sorge um d«?. eigenen Geldbeutel in den Vorder- grund schieben würde. Di« preußische Regierung fühlt sich als der Cachverwaltsr der steuerscheuen Besitzenden. Man denke: die Steuer sollte nach den Vorschlägen der Stadtverordnetenversammlung 1l)y M. jährlich betragen, das sind noch nicht 3 0 Pf. pro Tag. Eine so geringfügige Summe, daß sie eigentlich für ! denjenigen, der einen Hausangestellten beschäftigen kann, überhaupt nicht in Frage kommt. Das Halten eines Haus- angestellten verursacht in Eross-Berlin gegenwärtig Kosten in Höhe von mindestens 6000 M. jährlich. Ist es nicht unter -diesen Umständen geradezu eine Brüskierung der breiten Volksschichten,, wenn ihnen zugemutet wird, der Herab- Setzung dieser Steuer von 100 M. auf 60 M. ihre Zu- stimmung zu geben? Haben doch die Massen allein durch die letzte Erhöhung der Gaspreise eine wesent- lich grössere Belastung auf sich nehmen müssen, als sie hier leistungsfähigen Kreisen zugemutet wird. Der Er- trag der Hausangestelltensteuer wurde auf 16,5 Millionen Mark geschätzt. Durch die Schuld der preußischen Regierung entgeht jetzt dieser Detrag dem Stadtsäckel, werden die Mög- lichkeitcn weiter vermindert, für soziale Zwecke, für Kinder- und Säuglingspflege, für die der Ertrag in erster Linie be- stimmt war, Mittel aufzuwenden. Es ist nicht wahr, dah die Erwerbslosigkeit der Haus- angestellten durch diese Steuer vergröhert würde. Indem Berufe der Hausangestellten überwiegt die Nachfrage nach Arbeitskräften das An- gebot, Arbeitslose sino nicht vorhanden. Wer wird bei mindestens 6000 M. Ausgaben, die täglich weiter steigen, eine Steuer von 100 M. jährlich zum Anlaß nehmen, einen Hausangestellten zu entlassen? Die berufene Organisation der Hausangestellten hat sich deshalb mit dieser Steuer auch durchaus einverstanden erklärt, ja, sie sogar gewünscht. Es ist also bürgerliche Heuchelei, wenn die Rücksicht auf die Hausangestellten für die Ablehnung der Steuer geltend ge- macht wird. Der Vorgang hat aber auch noch eine tiefere Bedeutung. Gr zeigt die gewaltige Abhängigkeit der Ee- meinde von der Staatsgewalt. Er deckt auf, welche unüberwindlichen Hindernisse die reaktionäre preußi- sche Regierung, unterstützt von den reaktionären Parteien der Stadtverordnetenversammlung, dem sozialistischen Ma- i g istrat und der sozialistischen Stadtverordnetenversammlung bereitet haben. Die sozialistische Mehrheit wollte die Gesundung der Finanzen. Sie suchte auch die Besitzenden für die»on ihnen verschuldeten Folgen ihrer Kriegsmisswirtschaft heranzuziehen. Stets stieß sie dabei auf den Widerstand der bürgerlichen Parteien, der von der preußischen Regierung unterstützt wurde und des- halb erfolgreich war. Die Steuer für den Wertzuwachs, um nur wenige Beispiele herauszugreifen, mußte auf ihren Wunsch gemildert werden: die Wohnungsluxus- st euer wurde überhaupt nicht genehmigt. Bei den Stadtverordnetenwahlen im Oktober hat die Be- völkerung Gelegenheit, gegen diese Diktatur für die Selbst- Verwaltung einzutreten. Drohungen aus München München, 16. August.(SB. T. 53.) Zu der Meldung, datz das Reichsernährungsministermin auf da» Ersuchen der bayrischen Regierung um Anwendung der im § 42 der Reichsgetreideordnung dem Reichsernährungsminifter eingeräumten Befugnisse, einen ablehnenden Bescheid erteilt Hab«, wird von amtlicher Seite darüber erklärt: Es ist richtig, daß ein« Antwort der Reichsrogierung in diesem Sinne ergangen ist. Die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen, da auf Grund des Ministerratsbeschlusses vom 15. August der Vertreter des bayrischen Landwirtschaftsministeriums mit den zuständigen Reichsstellen in Berlin aufs neue verhandelt. Erst von dem Aus- gang dieser Verhandlungen wird es abhängen, ob die Reichs- regiertmg ihre bisherige Stellungnahme ändert, oder ob die bayrische Regierung genötigt ist, von sich aus Mahnahme« z» treffen. Als solche Massnahmen plant die bayrische Regierung die Konzessionierung des Getreidehandels und die KontrolledesVerkehrsmit Getreide durch amtliche Frachtbriefe. Es ist ausserordentlich interessant, daß hier ganz reaktionäre Kreise wieder zu den Mitteln der Zwangs- Wirtschaft zurückgreifen, die sie vorher eifrigst bekämpft haben. Es wird jedoch Aufgabe der Reichsregierung fein, zu verhindern, daß die bayrische Regierung ungesetzlich« Maßnahmen trifft. Da die bayrische Regierung das aber in anderen Fällen tun konnte(siehe das erneute Verbot unseres Münchener Parteiblattes), ohne daß die Reichsregierung mächtig genug war, ihr zu begegnen, wird man auch in diesem Fall gut tun, pessimistisch zu sein. Das Geschäft über alles Oeuischnationale Schiebermethoden Wie jetzt bekannt ward, handelt es sich bei dem von uns ge- meldeten Verkauf des deutschen Dampfers„Tirpitz" an eine kanadische Linie nicht um den erst kürzlich erbauten Stinnes- dampfer, sondern um den ehemals der Hapag gehörigen Schnelldampfer„Tirpitz", der an die Entente abgeliefert werden muhte. Angenommen, es hätte sich wirklich um den Etinnesdampfer gehandelt, so wäre das nichts mehr und nichts weniger als«in glatter Betrug am deutschen Vollsoermögen. Die„Äreuz-Zet- tung", die von dieser Annahme ausgeht, findet es unsrer gestrigen Notiz gegenüber vollkommen in der Ordnung, wenn Stinnes mit dem Verkauf des Dampfers ein gute» Ge- schaff machte. Wenn die„Kreuz-Zeitung" den Berkauf«ine» Dampfers an das Ausland billigt, der mit Hilfe von Reichs» Mitteln, die dem Wiederaufbau der deutschen Handelsflott« die- nen sollte«, gebaut wurde, so beweist sie damit, dah ihr im Ernstfall das Geschäft über den Patriotismus geht. Man kann daran die Bedeutung des Wehgeklages ermessen, das das feudale Blatt täglich über die Echieberrepublik erhebt. Eine Kundgebung des A.O.G.B. Kurz vor Redattionsschluh geht»u» eine länger« Kundgebung de» Buudes-Ausschusses des Allgemeinen Deutsche» v« werkschafts. Bundes zur jetzigen Teuerung zu. Wir«erden dies« Kundgebung in her nächste« Morgenausgabe»eröffentlichen. Die falschen Indexziffern Zn■ der Handelszeitung des„Berliner Tageblatt� vom 13. August(Abendausgabe) behandelt Dr. Arthur Heichen unter der Ueberschrift Steuern. Teuerung und Lohn, die Rol- wendigkeit, die Reichs-Indexziffer gemäß den tatsächlichen Teuerungsverhältnisse abzuändern. Er erkennt, was ja immer- hm beachtenswert ist, an. dah die außerordentliche Verteuerung aller Lebensbedürfnisse in den amtlichen Statistiken durchaus nicht zum Zlusdruck kommt. So heißt es in dem Artikel u. a.. .Das sich die deutsche Ziffer«ruf einem Niveau bewegt das viel zu tief gegenüber der wirklichen Teuerung i|t, erklärt M auch aus anderen Umständen. Die Teuerungszahlen um sahen nur die Ausgaben für Ernährung. Heizung, Wohnung und B-- leuchtung. Dagegen fehlen die Ausgaben für Bekleldung. Km- turbedürfnisse usw. Dieser Umstand wäre für die relative Bewegung der Ziffer— nicht für die absolute Ho y e der Kotten—nicht so bedeutungsvoll, wenn nicht durch diese ein* feittee Konstruktion der Schwerpunkt der Ziffer ungebührlich nach unten verschoben würde. Während die Wohnungsmiete, die bekanntlich nur sehr wenig gestiegen ist. enthalten ist. fehlt das Gegengewicht, die Bekleidung(�ertilien.s, deren Kosten über den allgemeinen durchschnittlichen Teue- rungsgrad hinaus gestiegen sind und in der unsere schlechte luta zum vollen Ausdruck kommt. Auf diese Weise kann amtliche Lebenskostenziffer selbstverständlicherweife kein zu- treffendes Bild von der Entwicklung der Teuerung g-ben.„ Aue diesem Grund« muh gefordert werden, daß das Reichs- statistisch« Amt den Aufbau einer Indexziffer in Angriff nimmt. die das K a l o r i e n p ri nz i p aufgibt und ble ein zutreffendes Bild von der Entwicklung der Lebenskosten unter Verückstchtigung der jetzt noch fehlenden Kategorlen zur Kleidung usw. bietet. Dabei muß nach englischem Voroild von einem normalen Haushalt der Friedens zeit aus- aeaanqen weiden, der die inzwischen eingetretene Verarmung des deutschen Volkes unberücksichtigt läßt. Nur mit einer solchen Ziffer kann man dem Ausland gegennb-rtreten, kann man Unterlagen zur Beurteilung von Deutschlands Leistungsfähigkeit bieten." Sehr bedenklich ist aber der Schlußsatz des Artikels: „Die Teuerungszahlen, so wie st« bisher errechnet wurden, können dabei auch weiterhin nebeneinhertaufen und tonnen nach wie vor für i n n e r p ol i t t s ch« Zwecke, für Lohn- tavif-, Deloldungs- und llnterstützungspolitik, dienen." Diese Meinung ist durchaus unrichtig. Di« Teuerungszahlen, soweit sie bisher berechnet wurden, für innerpolitischc Zwecke zn verwenden, würde eine— ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, ist gleichgültig— Täuschung der Oeffentli chkeit bedeuten. Denn die Teuerungszahlen stnd nicht nur absolut, sondern euch relativ falsch, und es ist gar kein« Gewähr gegeben, daß das Ver- hältnis der Teuerungszahlen in den einzelnen Monaten der wirf- lichcn Teuerung entspricht. Im Gegenteil, die jetzige Entwich lnng der Preise, die über kurz oder lang fich in einem starken Anziehen auch der Preise für Textilwaren äußern muß, macht die amtlich« Statistik immer falscher und wertloser. Wo höri die deuische Kunst auf? und wo fängt sie an?? Von Adolf Lehne ' Vor etwa 15 Jahren trat innerhalb der recht gleichgültig ge- wordenen Sezessionen eine jüngere Malergeneration auf, die fich zu einer Gruppe„Die Brücke" zusammengeschlossen hatte und deren Hauptort zunächst Dresden war. Zu ihr gehörten Erich Höckel, Karl Schmidt-Rottluff, E. L. Kirchner, Otto Müller und Max Pech st ein. Die Sezesstonshäupt- linge waren nicht lange tolerant. Sehr bald entschlossen fie fich. die Jugend abzuweisen, und das Publikum gab ihnen durchaus Recht. In Berlin schloß sich der Kreis der Rcfüsterten zu einer „Neuen Sezession" zusammen, die aber in wechselnden Lo- kalen nur eine kleine Wahl von Auestellungen zustande brachte. Zn der ersten Ausstellung empörte namentlich ein Pechsteinscher Akt das Publikum außergewöhnlich heftig: er wurde mehrfach be- jpuckt. Das war vor zehn Jahren. Heute ist die„Brücke" die große Mode. Wer nicht einen Heckel oder Kirchner hat, ist einfach kein Kulturmensch. Von Pechstein muß man sogar mindestens zwei Bilder haben. Es ist wie ein« stillschweigende Verabredung, daß die deutsche Kunst der Gegenwart Heckel, Kirchner, P e ch st e i n heiße.— Otto Müller und Schmidt-Rott- luff, da sie weniger ihre bestimmt« Mark« malen, treten gegen Heckel, Kirchner. Pech st ein billig zurück. Wer ist im„Kronprinzenpalais" am reichsten vertreten? Heckel, Kirchner, Pechstein. Wer stellt in jedem besseren Stadtmuseum die neue deutsche Kunst dar? Heckel. Kirchner. Pechstein(obligatorisch werden jetzt neben ihnen Nauen, R o h l f s und Feiniger). Wer hat die beste, netteste Presse? Heckel. Kirchner, Pechstein. Wer dominiert in betnahe jeder Ausstellung? Heckel, Kirchner, Pech st«in. In den Räumen der Orangerie de« Sansjouci-Partes hat die Stadt Potsdam eine— übrigens sehr geschmackvoll durchge- jährte und innerhalb ihre: Grenzen recht gut gewählte— Kunst- ausstellung ausgemacht. Di« Bilderreihe beginnt bei Krüger und P l e ch e n. bringt als Elou das zum erstenmal öffentlich gezeigte Heuptwerk Menzels„Friedrich und die Seinen bei Hoch- kirch" und geht bis in die Gegenwart— d. h. bis Heckel, Kirchner, P e ch st e i n.(Die wertvollsten Bilder der Aus- 'irkluna sind ein Marc und ein N o l d e. Unter den Bildern des :iicke"-Kreists ist O t t o M ll l l e r s„Polnische Familie" weit- das Interessanteste.) Nie Galerie Gurlitt zeigt in einer Ueberficht ihr künstle- rifches Programm. Es reicht vom Biedermeier bis zur Gegenwart» b. h. bis Heckel, Kirchner, Pechstelo. Ein neuer Kunstsalon Eoldschmidt-Wallerstein hat stch am Schoneberger Ufer 36-c aufgemacht. Zur Eröffnung zeigt er Heckel. Kirchner. Pech st ein. Und so weiter und so weiter.... Gegen diese Heiligsprechung einiger willkürllch herausgegriffener Maler ist es Zeit, Widerspruch zu erheben.... nicht aus persön- lichen Gründen, sondern aus sachlichen Gründen. Soll nun wirk- lich abermals eine Mauer aufgeführt werden:„bis hierher geht die neue deutsche Kunst und was jenseits steht, ist unreifes Zeug", so daß also die Mauer, gegen die vor 15 Jahren die Heckel, Kirchner, Pechstein anrannten, nur genau um so weit nach- gegeben hätte, um eben noch die„Brücke"-Lellte in fich aufzu- nehmen? Wollen wir denn nicht lieber diese Mauer ein für alle- mal niederreißen? Ich weiß wohl, was die Skeptiker sagen: daß die abermals Jüngeren es zu ihrer Zeit nicht anders machen werden. Aber das trifft nicht den Kern der Sache! Natürlich lassen sich die Generations-Spannungen nicht aus der Welt schaf- fen.... und wozu auch? Sie sind so alt. wie die Kunst selbst. (Ein Beispiel aus dem 15. Jahrhundert: Der altgewordene Lucas Moser schrieb 1431 aus seinen Tiefenbronner Altar den bitteren Stoßseufzer:„Schri, Kunst, schri und klag dich ser, dein degert jetzt niemer mer". Es war seit seinem Ruhme eine jüngere Generation gekommen, und der alte Moser urteilt« offenbar über deren Leistungen nicht verständnisvoller, als heute der Akademie-Präsi- dent Ltebermann über die„Jungen"). Die Mauer, von der wir hier sprechen, ist nicht voHviegend Folge künstlerischer Gegensätze, ist n i ch t so sehr von einer älteren Malergeneration aufgerichtet, als von den Händlern, der Press« und auch den Museumsleitern. Wenn nun gar diese drei mächtigen Faktoren— sicherlich ohne Verabredung— in gleicher Richtung arbeiten, wird die Mauer bald uniiber- steigbar. Heckel, Kirchner, Pechstein mögen nun sein wie sie wollen(und von Kirchner gibt es einig« wirklich gute Ar- betten): der Schlußstein der deutschen Kunst sind sie nicht! Und gerade die letzten Ausstellungen lassen ganz deutlich erkennen, wie sehr weit die Entwicklung bereit» über jene hinan». gegangen ist. Die Stoßkraft der„Brücke" war von vornherein nicht groß. Keineswegs brachte sie eine geistig« lleberwindung des platt gewordenen Naturalismus. Ihre Bilder waren eigentlich nur«ine zunächst sehr erfreuliche Auffrischung der Machart. Sie waren uns zunächst ein unleugbarer Gewinn, weil st« gegen die Schablone„Sezession" standen: persönlicher, empfindungsooller waren als die banale Konvention Trübner, Hübner, Spiro, Rhein. Aber es war doch nur eine Auffrischung der alten Sache, und eben die individuale, gefühlsrnähigs Haltung, die damals noch ein Ge- winn war, ist heute ebenso wie die Sezessions-Schadlon« Rest pes alten Geistes, der fertige« Zeit. Die entscheidende Wendung I««er noch„Lustiania". Der amerikanisch« Senat nahm gestern «in« Resolution des Senators Pomerene an, worin da» Staatsdepartement aufgefordert wird, genaue Mitteilungen üb«: die Verluste bei der Versenkung der„Lusitania" zu machet., namentlich anzugeben, wieviel Menschenleben vernichtet un° welche Ersatzansprüche gestellt wurden. Die gesamte Korrespondenz der deutschen Regierung bezüglich der Vesriedigung' dieser Ersatzansprüche soll dem Senat übermittelt werden. Gestört« Geburtstagsfeier für Exkaiser Karl. Am Mittwoib fand in Graz eine von 306 Monarchisten besuchte Versamm- lung anläßlich des Geburtstages des Exkaiser» Karl statt. D»« S o z i a l i st en und die K o m m u n i st e n drangen in die Per- sammlung ein. Es kam zu einein Kampf, wobei ein Arbeucr durch einen Bajonettstich verletzt wurde. Es fielen auch einige Schüsse, die niemanden verletzten. Der Monarchistenführer Ritt- meister Riedl wurde verhaftet. Griechischer Vormarsch in Kleinafieu. Nach den amtlichen Be- richten über die Lage an der kleinastatischen Front vom 14. Augu" haben die griechischen Truppen ihren Vormarsch wieder auf- genommen und zunächst nach unbedeutendem Widerstande vor- geschobene Posten des Feindes in einer Linie ungefähr 70 Kilm meter östlich von Eski Schehir genommen. Der Vormalsü! wurde dann weiter fortgesetzt und dabei Siwri Hissar genommen- zur neuen Kunst— da« muß immer wieder betont werden— Se,! schah dort, wo sie sich von der individualen Haltung zum Kolleksi- vismus kehrte— und von dieser Wendung enthalten die„Brücke"- Bilder nichts. Wir wollen st« trotzdem nicht verachten. Sie haben zu ihrer Zeit geleistet, was damals zu leisten möglich war, und in ein« historische Sammlung der neuen Kunst, gehören durchaus einige Arbeiten der„Brücke" hinein. Aber wir müssen uns gegen di« nicht mehr zu ertragende Fiktion richten, als repräsentierten di« Heckel, Kirchner, Pechstein noch heut« da» künstlerische Leben. Heute steht das neu«, da» Heckel malt, außerhalb aflc» dessen, was uns angeht! Es ist ganz gewiß sympathisch, aber mir scheint» dah Hans Thoma das alles bereits besser und ein- facher g-n:'.li hat— und einige der letzten Arbeiten sind so dünn, so hübsch und in einem bestimmten Sinn« so„deutsch", daß«*• Titelbilder der„Jugend" sein könnten. Die Bilder der Heckel, Kirchner, Pechstein „modern", und doch tut ihre Modernität nicht weh. Di« Wifl>- heit und Schroffheit der ersten Zeit haben sie abgelegt— und keineswegs sehnen wir uns nach dieser malerischen Wildheit Vs' rück. So stnd st« denn das recht« Sammelobjekt für vorgeschritten« Menschen privaten wie offiziellen Charakter»— und wir gönne« den Malern ihren Ruhm furchtbar gern—, auch wenn es e� «unger Ruhm fein sollt«. Aber wir müssen Hz- um sie gezogene Mauer attackieren. Denn das Entscheidende der neuen Kunst steh' außerhalb dieser Mauer. Die private« Sammler und di« Händler können ja tun u"4 lassen, was sie wollen. Sie tragen kein« Verantwortung für ds» Ganze. Aber die Museumsleiter, deren Auswahl natürlich M sehr viel« maggebend ist und die dadurch im guten wie schlechten einen ganz außerordentlichen Einflvß haben, muss«" über di« Mauer hinaussehen. Dazu ist freilich Voraussetzung, d-h st« der Kunst folgen... und nicht dem„Museum". Die Kunsi ist«in« Wirklichkeit, da» Museum erst eine abgeleitete Sa-P- Cs kämmt gar nicht daraus an, daß ein Museum neuer Kunst st Mjön und so würdig wirke, wie de, Prado zu Madrid oder Mauritshui» im Haag, sondern darauf, daß es im Zusammenhang stehe mit der immer wieder neu geleisteten künstlerischen Arbeit- Dieser Begriff der Arbeit muß an oberster Stelle stehen, dann fallen die willkürlichen Mauern von selbst... nicht nur die Heckel. Kirchner. Pechstein, sondern auch alle künftig� Sollten di« bestehenden Sachverständtgenkommissr-nen ein HeMw- Nis sein— st« bestehen gewöhnlich aus älteren Künstlern, Kunst'? Historikern und Sammlern, also aus den am allerwenigsten 0" eigneten Kategorien—. so ziehe man doch die llrteils dieser K»«'' Missionen aus ihrem anonymen Dunkel heraus, damit die Oeff«"� lichkeit weiß, welche Geister und Einflüsse über di- Bedeutoi'S unserer Sammlungen entscheiden. 44 1 = 1 Der Zusammentritt des Böfferbundes Paris, 17. August. Wie Havas mitteilt, soll Baron Jichii, nachdem in den legten Tagen ein lebhafter Meinungsaustausch stattgefunden hatte, und hauptsächlich infolge der am 17. August zwischen den Mitgliedern des Völkerbundrates in Paris abgehaltenen BeIprechungen beschlossen haben, die ursprünglich auf den 1. September festgelegte Seffion des Bölferbundrates auf einige Tage früher zu verlegen. Der Rat soll in Genf gegen den 25. August Mit dem Sinweis auf die Zustände in Rußland hat sich| Nachflänge zum englischen Grubenstreif Lloyd George eine billige Genugtuung verschafft. Man mag gegenüber den bolschewistischen Methoden vom sozialistischen Standpunkt aus noch so viele Einwendungen machen; das eine aber ist sicher, daß die kapitalistischen Staaten, allem voran England, die Hauptschuld an dem jezigen wirtschaftlichen Elend in Rußland tragen. Ernste Spannung EE. London, 18. Auguft. In der Jahresversammlung der Gewerkschaft der englischen Bergarbeiter sprach der Präsident der Gewerkschaft, Herbert Smith, über den legten Streit. Gr wandte sich heftig gegen die raditalen Elemente. Die Forderung der Bergarbeiter, daß alle Gewinne gemeinsam sein sollten, ei ein Fehler gewesen, ebenso der Verfuch, diejenigen Arbeiter zum Streit zu zwingen, die mit den für bie Sicherheit der Bergwerte notwendigen Arbeiten betraut waren. Heute leiden die Bergarbeiter schwer unter der Arbeitslosigkeit, weil durch Unterlassen jener Arbeiten habe sich dadurch auch die Sympathie der Deffentlichkeit verScherzt, fogar die andern Mitglieder des industriellen Dreiverbandes, die Transport und Eisenbahnarbeiter hätten die Bergarbeiter ihrem Schichal überlassen. Herbert Smith griff sodann bie Abgeordneten der Bergarbeiter im Unterhans an, die feiners, lei Autorität befizen, und doch immer bereit waren, die Attion ber Bergarbeiter zu tritisieren. Man müsse im Interesse aller derer handeln, deren Los einem am Herzen liege, und nicht leere Formeln hinaustrompeten, die nur dazu bienen, Schreden und Elend hervorzurufen. zusammentreten. Auf der Tagesordnung wird in erster Linie die in den englisch- irischen Verhandlungen in den Bergwerken schwere Schäben angerichtet arbetet" Der Prüfung der oberschlesischen Frage stehen. Berichterstattung in 3talien Rom, 17. August. Im Ministerrat haben Bonomi, della Torretta und Soleri Bericht erstattet über das Ergebnis der Pariser Konferens, in erster Linie auch über die Finanzfrage. Der Ministerrat hat beschlossen, zwei Bataillone als Verstärkung der italienis jchen Truppen nach Oberschlesien zu entsenden. Die Leipziger Urteile London, 17. Auguft. Im Unterhause sagte der Solicitor- General Bollad, bie Urteile des Reichsgerichts in Leipzig müßten nach dem deutfchen Standard geprüft werden. Der Gerichtshof habe aufrichtig gewünscht, das beste zur Bezigung stehende Beweismaterial zu erlangen. Der Oberste Rat habe beschlossen, daß französische, belgijche, italienische und englische Juristen darüber beraten sollen, ob dem Reichsgericht weitere Fälle zu überweisen seien. Nach einer ergänzenden Reutermeldung sagte der SolicitorGeneral noch, er sehe sich gezwungen zu erklären, daß die Art und Weise, wie der Präsident des Reichsgerichts die Prozesse geführt habe, sicherlich den aufrichtigen Wunsch zeige, der Wahr heit auf den Grund zu tommen Ueber die französischen und belgischen Fälle set er nicht unterrichtet, aber es würde unfair von ihm sein, nicht zuzugeben, daß nach seinem Eindrud der Leipziger Gerichtshof entschlossen war, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wie die Urteile auch lauten mochten, die Aufrichtigkeit des Ges richts scheine über jeden Zweifel erhaben. Lloyd George und der Klaffenkampf London, 18. Auguft. In einer Erflärung aus Anlaß der letzten Erfahwahl sagt Lloyd George, der politische Horizont des Landes habe sich in den letzten Monaten sehr verändert. Die industrielle Welt Englands sei von einem versöhnlichen Geiste erfüllt, die Beziehungen zwischen Unters nehmern und Arbeitnehmern hätten sich gebessert. Die Aussichten in der Industrie feien günstiger als seit langer Zeit. Der gesunde Menschenverstand des englischen Boltes werde der Aufreizung zum Klassentampf, Streits, Aussperrungen und Drohungen mit der Direkten Aktion überbrüffig. Der englische Arbeiter wolle, das melancholische Beispiel des ruinierten Rußlands vor Augen, ans Jeiner eigenen Heimat nicht ein neues Rußland machen. Bezüglich der Abrüftungsfrage erklärte der erste Minister: Wir haben mit größter Freude die Einladung der Bereinigten Staaten angenommen, und ich hoffe, daß das Ergebnis einen Weg zum Frieden weisen wird, der den pazifischen Ozean zu einem wirtlichen Friedensozean macht. Solange Rationen gegeneinander rüften, wird es Kriege geben. Ich hoffe aber ernstlich, daß ein Uebereinkommen erzielt werden wird, um alle Rüstungen inner halb vernünftiger Grenzen zu halten. Lloyd George forderte zum Schluß die Liberalen auf, ihm bei seinen Aufgaben zu helfen und thm keine Hindernisse in den Weg zu legen. Aus den ersten Teil dieser Ausführungen spricht die Befriedigung der Bourgeoisie über den augenblidlichen Stillftand in der revolutionären Entwidlung. Der Kapitalis mus fieht bereits wieder den Himmel für fich offen. Aber es ist ein Jrrglaube, daß die soziale Entwicklung, die in die Joziale Revolution ausmünden muß, bereits an ihrem Endpuntt angelangt sei. Solange nicht die kapitalistische Wirtschafts- und Staatsverfassung durch eine höhere, auf sozialistischen Grundsätzen beruhende Ordnung abgelöst ift, Jolange es noch die einander gegenüberstehenden Klassen der Besitzenden und der Besitzlosen gibt, fann es feinen wirtlichen sozialen Frieden in der Welt geben. " Rean" von Edschmid in den Münchener Kammerspielen. us München wird uns geschrieben: In wenigen Tagen wird man auch in Berlin Edschmid's tean" zu sehen bekommen. Bassermann soll die Titelrolle spielen. Es sei vorweggenommen, daß der Darmstädter Intendant Hartung, der bas Stüd auch in Berlin inszenieren wird, eine außerordentliche Leistung vollbracht hat. Es liegt wirklich nur an seiner eminen en Begabung, daß seine Leistung kein Versuch mit untauglichen Mitteln blieb. Das Objekt ist bestimmt untauglich. Es verlohnt sich nicht der Mühe, eine Inhaltsangabe zu geben, wohl aber zu warnen vor dem Jobber Edschmid, der sich nicht gescheut hat, neben seiner literarischen Betriebsamkeit den Mat des aufrichtig revolutionären Sozialismus auf sich zu neh men. Ein wildes Durcheinander von modernsten Seelenschiebungen, von Leuten, die sich, soweit das Tempo es zuläßt, gegenfeitig die seelischen und anderen Läuse absuchen, die einzige Be Schäftigung, deren ich Edschmid für fähig halte. Bielleicht kann nur das Lesen des Stüdes biefen sehr scharfen Brotest erklären bamit aber hätte ich gerade das Gegenteil meiner Absicht erreicht. Ich warne vor Edschmidt, der, des Filmes untundig, geglaubt hat, französischen Theaterfiguren feine „ Seele einschmettern" zu müssen! Hans Jacob. unfaubre Straßenmuffanten im Auto. Das Elend der Schauspieler ist in England noch größer als bei uns, und die Zahl der engage mentslosen Bühnentünstler ist riesengroß. Da sind ein paar Findige auf einen glüdlichen Einfall gekommen, um sich über die geben zu müssen. Sie haben sich als Straßenmufitanten aufgetan. aber in einer ganz modernen gehobenen" Form. Men trifft jest in den Londoner Straßen hier und ba richtige Lastautos, anf denen ein Klavier steht, und dieses zunächst in rasendem Galopp durch die Straßen sausende Gefährt macht plötzlich Salt. Das Klavier wird aufgemacht; eine junge Dame fett fich baran und bearbeitet die Tastatur aus Leibesträften, und dann tritt ein Die den neuesten Operettenschlager vorträgt. Das find engageHerr vor, der eine dramatische Arie fingt, ober eine junge Dame, mentslose Bühnentünstler, die sich auf diese Weise ihr Brot verDienen. Wie einer dieser Straßenfänger im Auto" in der„ Daily Sail" erzählt, ist es durchaus tein faules Leben, das fie führen. Bir fahren jeden Tag um 2 Uhr mittags los," schreibt er ,,, und geben etwa zehn Zehnminutentonzerte, bevor wir um 5 Uhr nach Sause fahren. Dann beginnen wir um 6 Uhr die zweite Tour und fragen nun unser Brogramm noch etwa fünfzehnmal vor, bevor mir um 10 Uhr abends unser Tagewert vollendet haben. Das bentet. daß man 25 mal dasselbe Lieb, dieselbe Arie fingen, das leihe Couplet vortragen, dieselben Wike machen muß, und das bitte immerhin für Schauspieler ein Reford sein. Unsere Er träge fb nit groß; bei jeder Vorführung wird durchschnittlich eine halbe Krone eingenommen. Wenn man die Kosten für das uto und die anderen fleinen Ausgaben abzieht, so bleibt für Die Tagung des Ginnfeiner- Parlaments EE. London, 18. Auguft. Das irische Parlament versammelte sich gestern zum zweiten Male in öffentlicher Sigung, wobei De Balera eine Rede hielt, die durchaus ablehnend lautete. Er erklärte unter anderem: Nach den Auszügen, die ich heute morgen in der englischen und ausländischen Presse las, scheint es als ob irgendwelche Ungewißheit bezüglich der Saltung der Sinnfeiner gegenüber den englischen Vorschlägen besteht. Darüber barf tein Zweifel herrschen. Wir können und wollen dieje Borschläge im Namen des irischen Boltes nicht annehmen. Man sagt, die englische Regierung habe Jrland das Statut der Dominions angeboten, aber in Wahrheit hat sie uns dies nicht angeboten. Der Ausdrud Statut der Dominions" enthält eine doppelte Unrichtigkeit. Mit diesem Statut gibt es fein einheitliches Jrland, sondern nur Stücke davon. Man kann unserm and wegen seiner geographischen Lage nicht das Statut der Dominions vorschlagen. Australien, Südafrika, Kanada sind fern von Großbritannien. Wir sind die Rachbarn Englands, das mujß man berücksichtigen. De Valera, versichert, daß die Jrländer mit England in guter Nachbarschaft leben wollen. Wir können aber England in feiner Weise hochschägen. Das irische Bolt haßt das englische Joch. Man erklärt, daß die irische Frage ein Problem fet, Das Problem besteht aber darin, daß eine mächtige egoistische Person die Güter, Rechte und Freiheiten seines Nachbarn wegnehmen will. Die Jeländer find entschlossen, bis zur äußersten Grenze ihrer Kraft Widerstand zu leisten. Wenn sie gezwungen werden, nachzugeben, würden sie dies nur nach hartem Kampfe tun. Bezüglich der Ifterfrage erklärte De Valera: Wir haben alles getan, um in Beziehungen mit Nordirland einzutreten. Wir haben keinen Haß gegen Ulster und find bereit, weil die Ulterleute Irländer find, Opfer zu bringen, die wir den Engländern niemals bringen würden. Wir sind geneigt, die Forderungen von Ulster zu erwägen und 3ugeständnisse zu machen, um zu einem Einvernehmen zu gelangen. Das irische Bolt hat nicht nachgegeben, als man es durch Gewalt seiner Rechte berauben wollte. Jeht, da die englischen Verstärkungen nach Jrland abgesandt werben, wird das irische Volk jedenfalls wieder nicht nachgeben. Die Rebe De Baleras zeigt die ungeheuren Schwierigteiten, die der Lösung der irischen Frage gegenüberstehen. Sie berechtigt zu stärkstem Pessimismus hinsichtlich der Mög= lichkeit, die jahrhundertealten erbitterten Kämpfe zwischen England und der grünen Insel zu beendigen. In London glaubt man noch nicht an einen Abbruch der Verhandlungen, sondern nimmt an, daß das Dubliner Parlament alles tun werde, um ein neues Blutvergießen zu vermeiden. Im englischen Unterhaus erklärte der Schazminister Chamberlain, die Regierung glaube nicht, im Augenblid irgendeine Erflärung über Jrland abgeben zu sollen. Die Regierung werde von den Ereignissen geleitet sein, die sich von einem Tage zum andern abspielen. Gegenwärtig wise man noch nicht, was geschehen werde. Chamberlain bat das Unterhaus, nichts zu tun, was den Frieden kompro mittieren fönnte, solange noch die geringste Aussicht besteht, ihn zu verwirklichen. Ebenso antwortete Lloyd George einem journalistischen Ausfrager, er glaube, daß es besser sei, wenn er über diesen Gegenstand im Augenblid nichts sage. Die polnisch- litauischen Verhandlungen. Die polnische Regierung hat die Einladung des Bölterbundes, zur Wiederaufnahme der polnisch- litauischen Berhandlungen einen Delegierten zu ent senden, angenommen. Die Zusage der Litauischen Regierung ist Schon vor einiger Zeit eingegangen. Die Konferenz wird am 25. August in Genf stattfinden. jeben ber vier Teilnehmer ein wöchentliches Gehalt von noch nicht 4 Bfund. Das ist nicht viel. Aber man muß zufrieden sein in Diesen Zeiten wenns nur nicht allzu sehr regnet! Wir haben gar viele Abenteuer schon auf unseren täglichen Fahrten durch die Straßen Londons erlebt und gute Erfahrungen gemacht mit beifallsfreudigen, gebeiuftigen Musikenthusiasten und böse mit Raffauern", die sich zwar unfere Darbietungen sehr aufmerksam anhörten, aber spurios verschwunden waren, wenn Der Hut herumging." Caruso und der Milliardär. Die„ Neue Züricher Zeitung" ezzählt zum Tode des großen Tenoristen Caruso eine Episode, wie ihm einmal der amerikanische Milliardär Morgan für einen Abend 5 Millionen Dollars angeboten hat. Caruso hat die Einladung mit der Begründung zurüdgewiesen, daß er am selben Abend einen berühmten Komponisten zu Gast habe. Dies spricht allerdings dafür, daß er nicht habgieriger Natur war und Sinn für große Gesten hatte, wenn einem auch dabei einfällt, daß 5 Millionen Dollars, für hungernde Kinder verteilt, ein gut Stüd Elend hätten lindern fönnen. Wir haben aber die obengejchilderte Episode aus folgendem Grunde aufgegriffen: Es wird oft behauptet, daß es über ein gewisses Einkommen hinaus ziemlich gleichgültig jei, wie hoch das Vermögen eines Millionärs ist. Er hat zwar das Recht, fein Geld zu verschwenden, macht aber feinen Gebrauch davon. So gehört sein Vermögen eigentlich nur rechtlich ihm selbst. In der Tat dient es der gesamten Volkswirtschaft. Bon seiner leitenden Rolle in der Probuftion infolge feines Vermögens wird in diesem zusammenhang nicht gefpromen. Die Episode Caruso soll an einem Beispiel veranschaulichen, daß dies nicht der Fall ist. Stellen wir uns vor, daß Caruso die 5 Millionen Dollars angenommen und diese Summe an seine Verwandten und Freunde verteilt oder vererbt hätte. Hundert Leute würden dann in die Lage tommen, lebenslang ein arbeitsloses Einkommen zu genießen. Co. mißbraucht der Kapitalist das Berfügungsrecht über sein Bermögen öfter als nach der obenerwähnten Theorie anzunehmen wäre. Der gestern erschienene Artikel Bolfsversammlungen" ist bem bereits angefündigten Buche des Genossen Friedrich Mind ent nommen, das in Kürze unter dem Titel„ Räterußlands Not" im Verlag Gesellschaft und Erziehung, Berlin- Fichtenau, erscheint. Tages- Notizen In der Erstaufführung von Rafimir Cosmids Rean" im Deniser Theater am 23. Auguft find in ben Hauptrollen beschäftigt: Albert Basset mann, Paul Graeg( alternierend: Siegmund Nunberg), Sans Shweitert, Aribert Wäscher, Erich Babt, August Eicher, Lita Staub, Elle Tiebemann. Regie führt Gustav Sartung. ber Das 140jährige Bestehen begeht der Verlag 5offmann und Campè, im Jahre 1781 von B. G. Hoffmann gegrünbet wurde. 1810 erfolgte der Eintritt von Franz Auguft Campe, beffen Salbbruder Julius im Jahre 1823 den Berlag übernahm und zu beren Bebentung brachte, die er über ein Menschens alter hindurch gehabt hat; es fei nur an die Namen Boerne, Seine, Seibel erinnert. Ans Anlaß bes 140jährigen Bestehens veranstaltet der Bens lag eine Ausstellung alter and neuer Erscheinungen bei Edmund Meget, Batsbamer Str. 28. Auch der Sekretär der Bergarbeitergewerkschaft, Hodges, tabelte die radikalen Elemente wegen ihrer Unnachgiebigkeit. Amerifas Hilfswert für Rußland EE. Washington, 18. Auguft. Die amerikanische Regierung erörterte gestern die Lage in Rußland und billigte die Pläne des Staatssekretärs Hoover be züglich der Lebensmittelverteilung in Rußland. Das Kabinett beschloß, fich an jeder Aftion europäischer Mächte zur Unters fügung Rußlands zu beteiligen. Präsident Harding billigte den Standpunkt der amerikanischen Ernährungskommission in Riga, daß die Verteilung der Lebensmittel erfolgen soll, ohne daß die Sowjettegierung darauf irgendeinen Einfluß hat. Die Industrietrise im Mährisch- Oftrauer Industriegebiet hält an. Die angekündigte Betriebseinstellung auf der Sofienhütte in Mährisch Oftrau ist nunmehr erfolgt. Bei den Witkowizer Eisenwerten sind in der Vorwoche 1360 Arbeitet entlassen worden. Der Internationale Metallarbeiter Kongreß für den Völkerfrieden In unserem ausführlichen Bericht vom 9. Internationalen Metallarbeiterfongreß berichteten wir über die Stellungnahme zur Munitionsherstellung sowie zu den Friedensverträgen von Versailles und St. Germain. Der Wortlaut der beiden einstimmig angenommenen Resolutionen ist: I. Die vom 9. Kongreß des Internationalen Metallarbeiters bundes eingefegte Kommission schlägt nach Prüfung des ameri fanischen und italienischen Antrages folgenbe Resolution vor: Der 9. Kongreß des Internationalen Metallarbeiterbundes erinnert alle Organisationen und alle Metallarbeiter der dem Bunde angeschlossenen Länder an die durch den 8. Kongreß des 3. M. B. vom 23. August 1920 gefaßte Resolution, die damals schon die Pflicht der Arbeiter im Kriegsfall präzisierte, indem fie sagte: „ Wir anerkennen die Gemeinschaft der proletarischen Inters effen und der solidarischen Aktion( Internationaler Gewerks fchaftsbund). wadnim Der 8. Kongres des 3. M. B. ladet alle Länder ein, ihre Solidarität gegenüber ihren Klassengenossen dadurch zu be zeugen, indem fie die Fabrikation von Waffen, Munition und Kriegsmaterial irgendwelcher Art verweigern, indem sie die Bestellungen überwachen und die Eisenbahner und Transports arbeiter in ihrer Weigerung, Truppen, Waffen und Munition zu befördern, unterstügen." Der am 10. August 1921 in Luzern versammelte 9. Kongre bestätigt diesen Teil der Kopenhagener Resolution und fordert außerdem die Metallarbeiter aller Länder auf, in enger Vers bindung mit der gesamten Arbeiterklasse den Kampf gegen den Militarismus und Kapitalismus fortzusehen, so daß die in der Munition und Kriegsmaterialherstellung bisher tätigen Ar beiter in der Friedensproduktion, welche der Rivilisation und bem materiellen Wohl der Arbeiter dient, Beschäftigung finden. Ans diesem Grunde verpflichtet der Rongreß alle angeschlosse nen Settionen, die Propaganda zu steigern, damit man dazu gelangt, die Kriegsfabritation stufenweise durch die Friedens produktion zu ersehen. Der Kongreß beschließt und beauftragt das Sekretariat des 3. M. B., eine Statistik einzuleiten, um festzustellen: Die wirkliche Arbeiterzahl jeder Ration, die mit der Hers tellung von Waffen, Munition und jeglichem Kriegsgerät bes schäftigt ist." Der 9. Kongrek verpflichtet jede Nation, dem Sekretariat des 3. M. B. diese Anskunft zu erteilen, indem gleichzeitig genau angegeben wird, mieniel Urbeiter in der Fabrikation von Munition, Gewehren, Geschüßen, Flugzeugen. Kriegsschiffen usw. beschäftigt werden, und das Kräfteverhältnis ihrer Organisation. Ferner erinnert der 9. Kongres baran, daß die Kopenhagener Resolution„ die Metallarbeiter der ganzen Welt auffordert, jedem Aufruf des Internationalen Gewerkschaftsbundes gegen den Krieg Folge zu leisten". Der Kongres bestätigt neuerdings diese Resolution, in ber Ueberzeugung, daß nur die Geschlossenheit und Entschlossenheit des Proletariats eine Wiederkehr des Krieges verhindern kann. II. Der IX. Internationale Metallarbeiter- Kongres Tentt erneut bie Aufmerksamkeit der Metallarbeiter aller Bänder auf die im August v. J. in Kopenhagen gesagten Beschlüsse. Die dort ana genommene Resolution vermirit den Krieg, verurteilt jede Bes fegung, wie jede Bergewaltigung der Neutralität oder Unab hängigkeit eines Landes, und weist jede offene oder verstedte Intervention ber Regierung eines Staates in das Recht anderer Bölfer zurild. Der bereits in Ropenhagen als ungerecht bezeichnete imperia listische Frieden von Versailles und St. Germain erfuhr ins zwischen feine Auswirkung in der Besehung weiterer deutscher Städte, schwerster Reparaturbedingungen, neuer Zollgrenzen und anderer wirtschaftlicher Erschwerungen, dem gewaltsam behinderten, nach Grundsägen des Selbstbestimmungsrechtes der Bolier angestrebten Anschluß der deutschösterreichischen an die deutsche Bevölkerung, u. a. Die Bernichtung des Wirtschaftslebens durch den Krieg, ber alie, wichtige Handels- und Wirtschaftsbeziehungen und Eins heiter zerri, wirtte aufs shwerfte nach, und alle künstlich era fonuenen Mittel zur Wiederaufrichtung versagten. Die Völker inb gegenwärtig von einer schweren Krise getroffen, die eine unmittelbare Wirkung durch die zwangläufig wiederaufgerichtete und burch Gewaltmaßnahmen geschütte tapitalistische Wirtschaft erhält, und den Arbeitern zeigt, daß nur der revolutionäre, pom Klaffenbewußtsein getragene Klassenkampf ihre Befreiung in der Verwirklichung des Sozialismus zeitigen fann. Der IX. Internationale Metallarbeiter- Kongres bestätigt die in bezug auf die Friedensverträge und friegerischen Handlungen am 17. 3. 1921 vom Zentralfomitee des Internationalen Metalarbeiterbundes gefaßten Beschlüffe. Der Kongreß forbert alle dem 3. M. B. angeschlossenen Orgas nisationen auf, mit allen Kräften und in engster Gemeinschaft mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund in Amsterdam im Sinne des vorstehenden Beschlusses zu wirken, und beschließt, Die Resolution der Amsterdamer Internationale weiterzuleiten Groß- Berlin Wie Waldbrände entstehen Gefährliche Dummejungenstreiche tamen in einer Berhandlung vor dem Jugendgericht des Landgerichts 3 zur Sprache.- Aus allen Gegenden Deutschlands laufen während der gegenwärtigen allgemeinen Dürre Nachrichten über Waldbrände ein, durch welche Schäden, die in die Millionen gehen, angerichtet worden sind. In den meisten dieser Fälle wird die Schuld an den Bränden Wandervögeln und Ausflüglern aufgebürdet, welche angeblich im Walde geraucht und dadurch den Brand verursacht haben sollen. Daß diese Abwälzung der Schuld auf Ortsfremde jedoch vielfach völlig ungerecht ist, zeigten mehrere Fälle, welche jetzt zur Anflage standen. In dem ersten Falle war ein 15jähriger Kutscher, welcher auf einem Gut in der Nähe von Nauen beschäftigt ist, wegen vorsätzlicher Brandstiftung angefiagt. Der junge Mensch hatte eines Tages mit mehreren Schuljungen einen Spaziergang über die Wiesen gemacht und sich dabei, um seinen jüngeren Bes gleitern zu imponieren, eine 3igarette angezündet. Das achtlos weggeworfene Streichholz jezte die infolge der andauernden Sonnenglut ausgedörrie Wiese in Brand, und als die Begleiter des Angeklagten das Fenec austreten wollten, verbot ihnen der Angetlagte dies mit den Worten:„ Laßt es doch ein bißchen brennen!" Durch den Wind angefacht, verbreitete sich das Feuer mit unheimlicher Schnelle und im Nu standen 5 Morgen mit der wertvollen Heuernte in Brand. Das Feuer sprang schließlich auf den angrenzenden Wald über, und nur durch die verzweifelten Anstrengungen des Försters Pieper gelang es, den Waldbrand rechtzeitig einzudämmen. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß es sich um einen unüberlegten Dummenjungenstreich handele, 1 Woche Gefängnis. Das Gericht nahm jedoch nur fahrlässige Brandstiftung an und erkannte auf einen Bermeis. In einer zweiten, ganz gleichliegenden Sache hatte fich ein 15jähriger Landarbeiter megen vorjählicher Brandstif= lung vor dem Strafrichter zu verantworten. Der jugendliche Brandstifter hatte in einem Anfall von Pyromanie einen großen Haufen Seu angezündet. Die Folge war, daß ein größeres Wiesenareal in Flammen aufging und wertvolles Viehfutter vernichtet wurde. In diesem Falle sah das Gericht eine vorsätzliche Brandstiftung als erwiesen an, ließ jedoch auch hier Milde walten, da es sich um einen Dummenjungenstreich handelte und erfannte auf 3 Tage Gefängnis. Dem jugendlichen Brandstifter wurde jedoch eine Bewährungsfrist von 3 Jahren gewährt. In beiden Fällen versprachen die Angeklagten dem Gericht, es nie wieder tut zu wollen". Neue Polizeiverordnung über die Leichenschau Der Polizeipräsident hat mit Zustimmung des Magistrats für bie Stadtgemeinde Berlin folgendes verordnet: Die Beerdigung einer Leiche darf nur nach vorheriger Austellung eines Beerdigungsscheines durch das zuständige Bolizeirevier erfolgen. Zur Erteilung des Beerdigungsscheines sind dem Revier von dem zur Anzeige des Sterbefalles Berpflichteten einzureichen: a) ein über den Sterbefall von einem in Deutschland approbierten Arzte ausgestellter Totenschein( Bordrude sind auf dem Revier erhältlich). b) die Bescheinigung des Standesbeamten über die erfolgte Eintragung des Sterbefalles in das Standesamtsregister. Der Beerdigungsschein ist dem Küster oder Friedhofsverwalter porzulegen. Weigert sich der approbierte Arzt, der den Verstorbenen ärzt lich behandelt hat, oder vor Eintritt des Todes herbeigerufen morden war, den Totenschein auszustellen, oder ist ein approbierter Arzt überhaupt nicht zugezogen worden, so hat der zur Numeldung des Todesfalles Verpflichtete die Ausstellung des Lotenscheines Coren Zahlung ber nefeßlichen Gebühren bei dem zuständigen Kreisa de anvermögensfalle nach Antrag hei dem Vertreter der rmendirektion bei dem Armenarzt nachzurfuchen. Für Leichen, die von auswärts tommen, ist der Leichenpaß oder die von der Ortspolizeibehörde ausgestellte Bescheinigung dem Küster oder Friedhofsverwalter vorzulegen. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen werden mit Geldstrafen bis zu 30 Mart, im Unvermögensfalle mit entsprechender Saft bestraft. Dr. David für die„ Teutschen Turner". Wenn der noch immer der rechtssozialistischen Partei angehörende Roste unjeligen Angebentens für die Schützenvereine schwärmt, diesen ausgesucht nationalistisch eingestellten Korporationen, so braucht es einen ja nicht sonderlich zu wundern, wenn Dr. David den Spuren Jeines Parteifreundes Noste folgt und zur Abwechslung die Am teutschen Turner, diese Surraschreierfippe, verherrlicht. 7. b. M. fand in Krofdorf bei Gießen ein Turnfest des Deutschen Turnerbundes statt. Der mit seiner Gemahlin anwesende Dr. David brachte es fertig, auf diesem Feste eine AnSprache vom Stapel zu lassen. Er feierte sich selbst als Mitbegründer des Vereins und wünschte demselben auch fernerhin Blühen und Gedeihen". Viel Glück zur Reise und den RechtsSozialisten Glückwunsch zu ihrem großen Parteigenossen, der Propaganda für bürgerliche Sportvereine macht, diesen Brutstätten der Nationalisten und Monarchisten. Parteijubilare. 25 Jahre waren es im Monat Juli, daß die Genossen Karl Ehling, Wilhelm Grahn, Ernst Hafering, ReinStoffe für Herren Anzüge, Ulfter, Paletots, Damen- Koftlime, Meter 50.-, 100.-, 150.-, 200.- Mark. Nur langjährige Berbindungen mit altbewährten Fabrikanten bürgen für preiswerte, gute Qualitäten. Koch& Seeland G. m. . Gegr. 1893. Gertraudtonstr. 20-21. Gegr. 1893. H NOTGELDSCHEINE Preisilste bestanlos. Ball, Münzenhandlung, Berlin W 66, Wilhelmstr.46 Prozesse, --hold Seier, Paul Langer, Bruno Lohse, Martin Padud, Franz Breppernau, Friedrich Rechenberg, Rudolf Sandmann, Friz Schäfer, Hinrich Schäfer, Gler. Edhmidt, Emil Straßburg, Wilhelm Tangermann, August Vogelsang, Otto 3wanzig, der Par tei, zur Zeit dem 19. Distrikt( Kreuzberg) zum Teil als Funttionäre tätig, angehören. Jm 11. Distrikt konnte der Genosse August Fengel auf seine 30jährige Parteizugehörigkeit zurücksehen, der Genosse August Rosenstengel auf eine 25 Jahre lange Mitgliedschaft.- Der Kassierer Robert God glüd, geb. 3. 9. 64, Schillingstr. 22, gehört der Partei seit 15. 6. 91 an und blidt somit bereits auf eine 30jährige Mitgliedschaft zurück. Möge es den Genossen vergönnt sein, auch weiterhin in törperlicher und geistiger Frische für die Arbeiterbewegung tätig zu sein, den jüngeren Genossen zum Vorbild. Raubüberfall im Grunewald. Ein Ueberfall durch bewaffnete Räuber, der schon am 27. d. M. verübt wurde, beschäftigt erst jetzt die Kriminalpolizei, weil er verspätet zu ihrer Kenntnis ge tommen ist. An jenem Tage befand sich abends um 8% Uhr eine Dame auf dem Wege von der Station Grunewald nach Paulss born. Auf dem Waldwege sprach ein Mann sie an und be= gleitete, etwa 20 Meter weit. Dann zog er plöglich einen Revolver, stieß einen lauten Pfiff auf und verlangte nun von der Dame die Herausgabe ihrer Schmudsachen. Die Angefallene erschrat umsomehr, als sie in diesem Augenblick auf den Pfiff hin auch schon einen zweiten Mann mit einem Revolver in der Hand herantommen fah. Sie händigte ihre Schmucksachen aus. Mit dem geraubten Gute schlugen sich die Räuber in die Büsche, nachdem sie die Beraubte auch jezt noch mit dem Tode bedroht hatten, falls sie nachträglich Lärm schlagen oder Anzeige machen sollte. Beides unterließ dann auch die Dame vor Schreck und ständiger Angst. Erst Angehörige, denen sie von dem Ueberfall erzählte, machten lett Anzeige bei der Kriminalpolizei. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Freitag. Troden und vielfach heiter, am Tage ziemlich warm bei meist Schwachen und nordwestlichen Winden. Gewerkschaftliches Delegierte zur Generalversammlung der Betriebsräte für den Wirtschaftsbezirt Groß- Berlin Am Dienstag, den 23. August 1921, a bends 6 Uhr, findet in den Sophien- Sälen, Sophienstraße 17-18, die cond Generalversammlung der Betriebstäte mit folgender Tagesordnung statt: 1. Das Geld und die Abrech nungen der Unterstügungskommission und des Roten Vollzugsrates". 2. Freie Aussprache. Nur die mit der Delegiertentarte der Betriebsräte der Gewerkschaften und des Orts- AfA- Bundes Bersehenen haben Zutritt. Gruppenvollversammlungen! Die Vollversammlungen der einzelnen Industriegruppen finden Statt: M für Gruppe I, Bank und Handel, für Gruppe V, Freie Berufe, für Gruppe XII, Staatl. 1. fommunale Behörden, für Gruppe XV, Sozialversicherung, am Montag, den 22. 8. 1921, a bends 7% Uhr, in den Sophien Sälen, Sophienstraße 17-18; für Gruppe VIII, Landwirtschaft und Gärtnerei, für Gruppe IX, Lebens und Genußmittel- Industrie, am Montag, den 22. 8. 1921, a bends 6 Uhr, in den Residenz Fest= Sälen, Landsberger Straße 31; für Gruppe II, Baugewerbe, für Gruppe VII, Holzindustrie, am Mittwoch, den 24. 8. 1921, abends 6 Uhr, im Gewertschaftshaus, Engelufer 15, Saal 4; für Gruppe III, Bekleidungsindustrie, für Gruppe X, Lederindustrie, am Donnerstag, den 25. 8. 1921, a bends 6 Uhr, in den Berliner Vereins- und Konzertsälen( Arminhallen), Kommandantenstraße 58-59; für Gruppe XIII, Verkehr, am Montag. den 29. 8. 1921, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Gaal 4; für Gruppe XI, Metallindustrie, am Mittwoch, den 31. 8. 1921, abends 6 Uhr, in den Germania- Pracht Sälen, Chauffeestraße 110; für Gruppe IV, Chemische Industrie, für Gruppe VI, Graphisches Gewerbe, am Donnerstag, den 2. 9. 1921, abends 6 Uhr, in den Berliner Vereins- und Konzertfälen( Arminhallen), Rommandantenstraße 58-59. In sämtlichen Industriegruppen- Versammlungen wird folgendes Thema behandelt: 1. Die praktischen Aufgaben aus dem Betriebsrätegefeg. 2. Betriebsräte- Schulung. Wir erwarten einen vollzähligen Besuch dieser Veranstaltungen. Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale für den Wirtschafts bezirk Groß- Berlin. Auftakt zu den bevorstehenden Lohnbewegungen der Gemeindearbeiter Zwischen den Borständen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter und des Reichsarbeitgeberverbandes deutscher Gemeinden und Kommunalverbände ist am 11. August folgende Vereinbarung getroffen worden: " In Erkenntnis der sich vorbereitenden Menderung in den wirtschaftlichen Verhältnissen empfehlen der Reichsarbeitgeberverband deutscher Gemeinden und Kommunalverbände und der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter ihren Mitgliedern, Rat, Beistand, mäß. Brelse, Teilzahlung, Ches, Aliments, Straffachen. Gnadengefuche, Landgerichtsrat Dr. von Kirchbachs Alexanderstr.45 Gesellsch.( geg. Tieg) 87. Gläng. Erfolge. Beobacht. Mitw. nahm. Jurist. Sonnt. 10-12 Bertraneussach. Rauchtabak anderfarten Pfund 18 Mark Holländer 20 M. Schwarz. Krausen 22 m. Portoriko Gold Shag . 23 M. • 27 M. für alle Gegenden erhält man in der Bund Große Samburger Buchhandlung Freiheit" Voranzeige! Straße 1, I Jm unterzeichneten Berlage erscheint in den nächsten Tagen Annahme in allen Speditionen des Berlages unverzüglich alle Vorbereitungen zu treffen, um rechtzeitig durch gemeinsame bezirkliche( örtliche) Verhandlungen sich über Art und Höhe der durch die Teuerungsverhältnisse gebotenen Lohnzuschläge zu verständigen. Bei der Verschiedenheit der bezirklichen( örtlichen) Verhält nisse sind die Voraussetzungen für eine zentrale Regelung nicht gegeben; es muß vielmehr den Bezirken( Orten) überlassen bleiben, die durch die jeweiligen Verhältnisse gebotenen Mak nahmen zu treffen. Angesichts der außergewöhnlichen Umstände wird im Einzel falle dabei zu prüfen sein, ob und inwieweit etwa trog nog bestehender langfristiger Berträge Zulagen zu gewähren find, ebenso wie erst in lezter Zeit vereinbarte Lohnerhöhungen auf der anderen Seite entsprechend zu berücksichtigen sein werden. Der Abschluß über das endgültige Ausmaß der in Anbetracht der eingetretenen Teuerung zu gewährenden Zulagen wird im allgemeinen erst dann erfolgen fönnen, wenn die Wirtschafts lage sich geklärt und die Frage auch bei Reich und Staat ihre Regelung gefunden hat. Berlin, den 11. August 1921. Reichsarbeitgeberverband deutscher Gemeinden und Kommunal verbände. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Am Bezirks- Betriebsrätefekretariat für Schleswig- Holstein. 15. August 1921 hat das Bezirks- Betriebsrätesetretariat fü: Schleswig- Holstein seine Tätigkeit aufgenommen. Es hat seinen Siz in Hamburg, Besenbinderhof 57, 3immer 45. Zum Sekretär wurde Arbeiterfetretär Bauer, Flensburg, gewählt. Parteiveranstaltungen 15. Berwaltungsbezirt, Abteilung Adlershof. Freitag, abends 7½ Uhr, bel Wellstein, Bismardstraße, öffentliche Wählerversammlung. Die Stadts und Be zirksverordnetenwahl." Referent Stadtverordnetenvorsteher Gen. Weyl. Freitag, 19. August 3. Berwaltungsbezirt, 9. Diftritt. Diftriftstonfecenz in der Oberklaffe der Schule Lütticher Straße 47-48 abends 7 Uhr. Stellungnahme zu ben Stadtver orbnetenwahlen. Erscheinen sämtlicher Funktionäre notwendig. 5. Berwaltungsbezirt. Männerchor U. S. P. Uebungsstunde 8 Uhr bei Drelle, Shreinerstraße 18. Pünktliches Erscheinen notwendig. Sangesfreudige Genoffen Dom 15., 16., 17. Distrikt sind hiermit eingeladen, zu erscheinen. 13. Berwaltungsbezir!( Tempelhof, Mariendorf, Martenfelbe, Lichtenrade) 7 Uhr engere Borstandssigung bei Roepfe, Mariendorf, Bergstr. 7, Ede Rev bausstraße. 19. Verwaltungsbezirk. Abends 7 Uhr wichtige Sigung der Distrikts- Bildungs fommission bei Bater, Mühlenstr. 12. Erscheinen sämtlicher Mitglieder unbe dingt erforderlich. 1. District( Berlin- Mitte). Funktionärtonferenz abends 7 Uhr Gewerkschafts haus, Gaal 5. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Stadtverordnetenwahlen. 13. Diftritt. Abends 7½ Uhr Sigung aller Armen- und Kommunalen Kommi fionsmitglieder bei Höhne, Stolpische Str. 37. 16. Diftrift. Funktionärinnenigung abends 7 Uhr Romintener Straße 2. Det Lejeabenb findet Montag, den 22. b. M., Litauer Straße in der Aula statt. 19. Diftritt( Kreuzberg). 7 Uhr bei Bieber, Dieffenbachstraße 76, Sigung ber Agitationsfommission. Der Vorstand ist dazu eingeladen. 20. Distritt( früher 4. Distrikt). Abends 7% Uhr findet bei Lier, Nauny traße 9, eine wichtige Sigung aller Abteilungsleiter und der Frauen arbeitstommission statt. Erscheinen aller bringend notwendig. Kommunale Kommission, Groß- Berlin. Sigung fämtlicher Obleute abends 7 Uhr in der Arbeiter- Bildungsfoule. Neuföün. Abends 7 Uhr Vollversammlung aller sozialistischen und Lommuniti jchen Elternbeiräte von Neukölln, Brig und Rubow betreffs Propagandawoche filt bie weltliche Schule im Gesangsfaal der Realschule Boddinstraße. Schöneberg- Friedenau. 8 Uhr Abteilungsversammlung im Lindenpart, Sauph Straße 13( 1., 2., 3. und 6. Bez.). Steglis. Abends 7% Uhr findet in der Aula dez Realschule Stubentauchplas eine öffentliche Elternversammlung statt. Thema: Die Benachteiligung der Ge meindeschüler in Steglis burd Mittel- und höhere Schulen. Referent: S. A. Hermes. Lantwig. 7 Uhr abends Gefellschaftshaus, Kaiser- Wilhelm- Straße 31, Bor trag des Gen, Stadtschulrat Dr. Löwenstein über„ Die Einführung der Gemein schaftsschule", Sonnabend, 20. August 19. Berwaltungsbezirk. Abends 6 Uhr findet in Vantom, Breite Straße, f Türkischen Zelt, eine Sigung ber Kommunalen Kommission und sämtlichet Funktionäre des Distrikts statt. Es wird ersucht, zahlreich zu erscheinen. Mariendorf. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Streiter, Chauffes Kraße 27. Aufstellung der Kandidaten für Stadt- und Bezirksparlament. Vereinskalender Freitag, 19. Auguft Deutscher Transportarbeiter- Berband. Handelshilfsarbeiter und arbeiterinnes aus den Engrosbetrieben der Herren, Knabens und Burschenfonfettion, Gummi mäntel, Phantasiewesten sowie Berufskleidung. Nachm. 5 Uhr im Rotal vo Karl Eitte, Boststraße 29, Gruppenversammlung. Kraftfahrer der Metall industrie. Versammlung 7 Uhr abends im Gewerkschaftshaus, Saal 3. Deutscher Hutarbeiter- Berband. Bersammlung aller in Damenstrohhuts und Umpreßbetrieben Beschäftigten um 5 Uhr Saal 1 Gewerkschaftshaus, Engelufer. Zentralverband der Fleisher. Abends 7 Uhr Versammlung aller Gefellen is den Groß- Berliner Wurstfabriken in Heinrichs Festfälen, Gr. Frankfurter Str. 30. Vollzähliges Erscheinen bringend notwendig. Der Lichtenberger Männerchor und Matverein Freiheit" veranstalten hente abend 6 Uhr im Schloßrestaurant Bellevue ein Wohltätigteitskonzert zum Besten ber Hungernden Rußlands. Eintritt 2 M. Da die beiden Beregte sich auch bel allen sonstigen Veranstaltungen zur Verfügung stellen, erwarten wir recht rege Beteiligung. Zentralverband der Angestellten. Rohlen- Großhandel. Abends 7% Uhr Mit gliederversammlung, Mufitersäle, Kaiser Wilhelm- Str. 31. Textil- Großhandel und Industrie. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung, Dresdener Kajino, Dresbener Str. 96. Arbeiter Samariter Kolonne Berlin C. B., Abteilung Berlin- Mitte, Hallesches Tor. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung, Schule Annenstr. 18. U. S. B. D.- Lehrer. Rahm. 5 Uhr wichtige Frattionsßigung in der Bibliothek Der Freiheit". Arbeiter Eltern- Band( Gruppe Roobit). Die ausgefallene Partie nach Hennigs dorf findet am Sonntag, den 21. Auguft statt. Treffpunkt 18 Uhr Kleiner Tier garten, Springbrunnen. Kinder, welche datan teilnehmen, müssen sich bis Heute mittag bei Frau Jorban, Lübecker Str. 43, melden. Shamipieler. Abteilung Often 2 des Berliner Schachflubs spielt jest Marfilt Straße 23, bei Dietrich, jeben Freitag 7 Uhr. Gäste, auch Jugendliche, willkommen. Berantwortlich: für Volitik u Feuilleton: Leo Lieblük. Berlin- Friedenan filz Kommunalpolitit, Lokales und Gewerkschaftliches: 3. B.: Robert Hensel, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komerinet, Charlottenburg. Berlagsgenossenschaft Freiheit e. G., m. b. S., Berlin. Drud der Berliner Druderei G. m. 6. 5., Berlin C2 Breite Strake 8-9. Kleine Anzeigen Befchäftsstelles Berlin 2, Breitests. S Das Ueberschriftswort 2-9k., jebes weitere Wort im Tegt 1.50 h. netts. Stellungsgesuche: Ueberschriftswort 1.50 h., jebes weitere Wort im Tegt 1- Mk. Verkäufe Gardinen Staunenerregend! RotMöbel Fahrräder filchfe 60.-, Streusfüchse 75.Mark and Alaskarichje! Silbers füchse! Zobelfüchfe! 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