Einzelpreis 20 Pfg. . 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno nachmittags, Sonntags und Montags mus einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freter Zuftellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. im voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen ents gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Baars. Memelgebiet fowie die früheren deutschen Gebiete Polens n.Luremburgs 20 M., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief bes. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin€ 2, Breite Straße 8.0. Sonnabend, 20. Auguft 1921 Nummer 388 • Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Nonparetezelle sher beren Raum koftet 5,- M. einschließlic Tenerungszuschlag. Kleine angeigen: Das fettgebruckte Wort 2- M., jebes weitere ort 1,50 9. einschließlich Teuerungszufching. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen Besuche 3,20. netto pro Zeile. Stellen Befuche in Wort uzeigen: bas fettgebrachte Wort 1,50 m., fedes weitere Wort 1.- M. Fernsprecher: Zentrum 15230-152 39 Freiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Verhandlungen mit Amerifa Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen EE. Paris, 20. Auguft. ,, Chicago Tribune" meldet aus Washington: In offiziellen Kreisen weigert man sich aus unbekannten Grünben, Informationen über die Verhandlungen in Berlin zu ertellen, doch nimmt man im Staatsdepartement an, daß der Staatssekretär Hughes in wenigen Tagen in der Lage sein werde, Mitteilungen über den Fortgang der Verhandlungen zu machen. Trotz dieser Schweigsamteit der offiziellen Kreise herrscht die Meinung vor, die Besprechungen mit Berlin bezögen sich nicht auf einen Sonderfrieden, sondern auf bloße Abmachungen mit Deutschland, die Grundlagen für die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen sein sollen, während die Friebensverhandlungen fortdauern würden. Ob nun Bertraulich wurde mitgeteilt, daß die Verhandlungen einen befriedigenden Verlauf nehmen und daß die Vereinigten Staaten das Handelsabkommen bald unterzeichnen würden. dieses Handelsabkommen die Form eines Protokolls oder die eines modus vivendi annehmen wird jedenfalls wird es nur eine zeitweilige Abmachung sein, während welcher die Konsuln die Erlaubnis erhalten, ihre Tätigkeit zu beginnen, und bei welcher Gelegenheit den Amerikanern die Rechte zugesichert würden, die ihnen der Waffenstilstand zugestanden hatte. Amerita würde Konsuln nach Deutschland, Deutschland nach Amerita senden, während die diplomatischen Beziehungen erst nach Abschluß des Friebensvertrages aufgenommen würden. Das Handelsabkommen unterliegt nicht der Genehmigung des Senats. Die Mitteilungen des amerikanischen Blattes werden durch eine Washingtoner Meldung des Daily Telegraph" betätigt, die noch bestimmter als jene lauten. Auch von deuther Seite wird bestätigt, daß die Verhandlungen mit Amerita na he vor dem Abschluß stehen. Ein Berliner Telegramm der Frankfurter Zeitung" bezeichnet die in Umlauf gebrachten Mitteilungen über angebliche deutsche Forberungen, die sich auf die Rückgabe des deutschen Eigentums und die Frage der deutschen Patente beziehen sollen, auf Grund von Angaben von unterrichteter Seite als will. türliche Erfindungen. Sie wendet sich ferner gegen bie von einigen auswärtigen Blättern verbreitete Nachricht, daß die Verhandlungen zu einem Stillstand gelommen feien, weil von amerikanischer Seite die Abgabe eines deutschen Schuldbekenntnisses gefordert worden sei. Ein solches Berlangen ist niemals gestellt worden. Gie melden ihre Interessen an E. E. Paris, 20. August. Bezüglich der Abrüftungstonferenz in Washington erklärte der frühere japanische Ministerpräsident Of uma in einem Interview, daß die japanischen Bertreter sich dem formell widerlegen würden, daß die Washingtoner Konferenz die Entscheidungen aufhebe, die der Bersailler Bertrag bezüglich der Insel Yap und bezüglich Schantungs getroffen habe. Otuma fügte hinzu, daß die Die bürgerliche Einheitsfront Der Sansabund, jenes reaktionäre Gebilde, angeblich zum Schute des Handwerks und des freien Gewerbes, in Wirtlichkeit Bertreter des engherzigsten Verdienerstandpunt. tes, macht von sich reben. In einem Aufruf an die Bevölke rung Berlins tritt Jeine Berliner Ortsgruppe für eine Ver Bertreter Japans die Anerkennung dessen besonderer Lage in Sibirien fordern werden, wo Japan Kapitalien angelegt habe, die sich auf etwa 440 Millionen en belaufen. Wenn man sich erinnert, daß gerade die Jap-, Schantungund die fibirische Frage die Hauptpunkte des pazifischen Problems find, die auf der Washingtoner Konferenz behandelt werden sollen, so gewinnen die Aeußerungen des ehemaligen japanischen Ministerpräsidenten eine besondere Bedeutung. Wenn nämlich in Washington nicht an den Abmachungen des Versailler Vertrags gerührt werden darf, warum dann überhaupt die Konferenz? Sie wurde doch nur deshalb zusammengerufen, weil in Versailles halbe und schlechte Arbeit geleistet wurde. Die eifersüchtige Wahrnehmung der eigenen Interessen, wie sie den imperialistischen Staaten eigen ist und die auch die Washingtoner Konferenz beherrschen wird, sorgt schon dafür, daß an dem bestehenden Zustand nichts wesentliches geändert wird. Von den Kriegsschauplätzen Die spanischen Berlufte in Maroffo GE. Paris, 20. Auguft. Der Korrespondent des Matin" in Cerberi erfährt, daß die Spanische Regierung die ersten offiziellen Berichte über die Kämpfe um Melilla erhielt. Jm ganzen wurden 14 712 Soldaten getötet, 29 540 Gewehre, 139 Feldkanonen und 392 Maschinengewehre verloren. Das Staatsblatt enthält einen Beschluß, wonach zur Dedung ber Unkosten des Feldzuges in Marokko die Erlaubnis zu einem außerordentlichen Kredit von 119 Millionen Beseten erteilt wirb. Der Krieg im Orient In Kleinasien sehen die Griechen ihren Vormarsch fort. Angora steht vor der Räumung. Mustapha Kemal richtete eine Protlamation an seine Armee, worin er ihre Tapferkeit preift und die Truppen ermuntert, folange zu fämpfen, bis sich die Türkei eine unabhängige Existenz gesichert und das Land von der blutigsten aller Invasionen befreit haben. Westungarn und Baranya Infrafttreten des Friedensverirages von Trianon Budapest, 19. August. Die hiesigen Vertreter der alliterten Mächte haben beschlossen, dak die Uebergabe Weftungarns um zwei Tage verschoben werben soll. An die alliierte Mission in Debenburg ist eine entsprechende Weisung ergangen. Das Ung. Telegr. Rorr. Bureau erfährt aus Fünfiren, daß der Räumungsbefehl an die ferbischen Truppen bereits ers gangen ist. Der erste Tag der militärischen Operationen ist der 20. Auguft. Die ungarischen Truppen dürfen vor Mitternacht bes 20. zum 21. Auguft die Demariationslinie nicht überschreiten. Nur in Baja dürfen zum Schutz der Wasserwerte am 20. Auguft mittags 50 Mann unter Führung eines Offiziers einziehen. Die ungarischen Verwaltungsbeamten übernahmen heute die Ver waltung von den serbischen Regierungskommissaren. Unsere Genossen sehen an dieser Agitation, mit welchen Mitteľn der Kampf um das Berliner Stadtparlament geführt wird. Die Aufgabe, gegen diese durchsichtigen Phrasen anzufämpfen, die Jeiber bei der leicht beeinflußbaren Menge raschen Anklang finden, ist ungeheuer groß. Es muß alle Kraft eingesetzt werden, um dem vereinten bürgerlichen Ansturm zu trozen. Späterer Zusammentritt des Reichstags? In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß mit einem Zusammentreten des Reichstages, der bekanntlich für ben 6. September in Aussicht genommen war, taum noch gerechnet werden fann. Bon einem genauen Termin ist allerdings bisher noch nichts bekannt geworden. Stimmungen und Verstimmungen Bon Rud. Breitscheid. Paris, 17. Auguft. Der erste Eindrud, den die Entscheidung des Obersten Rates in der oberschlesischen Frage in Frankreich hervorrief, war die einer grenzenlosen Ueberraschung. Alles hatte man im Verlauf der fritischen Tage, während deren man zwischen Furcht und Hoffnung hin- und herschwankte, eher erwartet als die Ueberweisung der Angelegenheit an den Rat des Bölferbundes. Alle Welt war viel zu ſehr überzeugt von der Aengstlichkeit, mit der der Oberste Rat [ eine Rechte wahrte, als daß er ihm eine solche Selbstentäußerung zugetraut hätte. Allmählich erst ist die Ueberraschung fritischen Betrach tungen gewichen, und zur Kritik ist natürlich, vom französi fchen Standpunkt gesehen, reichlicher Anlaß gegeben. Zunächst: Das Kollegium von Staatsmännern, das sich berufen glaubte, die Geschicke der Welt zu leiten, hat mit seinem Beschluß den Banterott angemeldet. Es erklärt sich für unfähig, ein Problem zu lösen, das am Anfang wirklich nicht das schwierigste von denen zu sein schien, die Krieg und Friedensschluß aufgegeben hatten, und es muß einem anderen Gerichtshof das Urteil überlassen. Der Fall Oberschlesien ist der Entente entzogen und vor das Forum Europas gebracht worden. Des tapitalistischen Europa selbstverständlich, aber ob fapitalistisch oder nicht, die Nugnießer des Vertrages von Versailles im engeren Sinne haben doch von ihrem Piedestal heruntersteigen müssen. Es ist ein Präzedenzfall geschaffen, der bedeutsame Folgen nach sich ziehen kann. Die Interessen der Siegerstaaten das hat sich jetzt her. ausgestellt entbehren der Einheitlichkeit, die Koalition, die im Kriege aufrechterhalten werden fonnte, zeigt bebent liche Risse, wo es sich darum handelt, Friedensarbeit zu leisten, und damit ist die fromme Sage, wonach unzählige Menschenleben um erhabener Ziele willen geopfert wurden, Dor aller Deffentlichkeit als Schwindel enthüllt. Die großen Phrasen von der Gerechtigkeit und von der Freiheit der Bölfer haben nicht standgehalten. 3war find fie in den Debatten der letzten Wochen noch reichlich genug verwendet worden, aber Erwägungen anderer Art drängten fich doch gar zu deutlich vor. Bon beiden Seiten wurde die Gerechtigkeit" im Munde geführt, aber als die Dinge eine bedrohliche Wendung zu nehmen schienen, fing Frankreich an, von seiner Sicherheit" zu sprechen, und die Art, wie Lloyd George das Recht vertrat, war auch nicht gerade danach angetan, den Glauben an den Jdealismus der Beherrscher Englands zu befestigen, und gerade wir Sozialisten find weit davon entfernt, uns seine Beweiss führung zu eigen zu machen. Der britische Premierminister begründete seine Ansicht, daß Oberschlesien im wesentlichen deutsch bleiben müsse, dynastisch und fapitalistisch. Das Land sei deutsch, weil es lange unter deutschen Herrscherhäusern, den Habsburgern und den Hohen zollern, gestanden habe, und weil es durch deutsches Kapital wirtschaftlich erschlossen worden sei. Mit einer solchen Argumentation fönnen wir schlechterdings nichts zu tun haben, da nach unserer Auffassung weder dynastische Eroberungen noch tapitalistische Ausbeutung einen Rechtstitel gewähren, und da überdies die Anerkennung des Lloyd Georgischen Standpunktes zu den ungeheuerlichsten Konsequenzen führen muß. Besser als es der Engländer getan hat, fonnte fein Mensch die Ansprüche der deutschen Annexionisten und die Bestrebungen unserer Revanchehelden unterstützen, wirksamer freilich auch niemand die englische Ausdehnungspolitik vers dammen. Wie durfte fie Deutschland seiner Kolonien be rauben, wenn sie die These verficht, daß dort, wo deutsches Kapital Fuß gefaßt hat, die deutsche Flagge gehiẞt bleiben muk. Kein Wunder, daß die Franzosen diese Schwächen und Widersprüche mit Nachbrud unterstrichen und daß ihre einigung sämtlicher bürgerlicher Parteien zu einer gemeinsamen Neue Gesetzesvorlage für den Reichstag Sympathien für den mächtigen Mann auf der anderen Seite Front gegen die Linksparteien bei den bevorstehenden Neuwahlen Zur Groß- Berliner Stadtverordnetenversammlung ein. Der Schlußabsatz dieses Aufrufes hat folgenden Wortlaut:„ Getreu feinen bisherigen Grundsätzen, für freie Wirtschaft, für Gleichberechtigung aller Erwerbstreise, gegen einseitige Interessen- und Parteipolitik zu wirken, fordert der Hansabund seine Mitglieder und alle WähTer Berlins auf, mit ihm einzutreten für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Groß- Berlins, für die Rückkehr zur Ordnung, zur Sparsamteit und zur Arbeitsluft, aber gegen einseitiges Parteis regiment und bie die Allgemeinheit schädigenden Kommunalis terungsbestrebungen." Auf diefem letzten Satz liegt die Hauptwirkung dieses Auftufes. Die Anhänger des Hansabundes sind die geschworenen Feinde jeder Kommunalisierung. In der Zersplitterung und Verlage für den persönlichen Profit. Das Wohl des Gemeinwesens einzelung der wirtschaftlichen Funktionen sehen sie die beste Grund t ihnen schnuppe, es handelt sich in Wirklichkeit um ihren Geld beutel. Diese Herrschaften gehen trebsen mit den angeblichen Mißerfolgen der Kommunalisierungspolitit, angesichts der TatJache, daß die Kommunalisierung noch faum in einem 3weige des Hädtischen Lebens voll in Erscheinung getreten ist und durch die fürchterlichen Kriegsfolgen jede günstige Wirkung neuer Maßnahmen im voraus underbunden wird. Außer den großen Steuergesehen wird dem Reichstag eine ganze Reihe neuer Gesetzesvorlagen zugehen. Bon besonderer Bedeutung sind darunter die im Anschluß an das Washingtoner Uebereinkommen vom 28. November 1919 ausgearbeiteten Gesetzes vorlagen über das Arbeitsrecht, so u. a. die Vorlagen über die Arbeitslosigkeit, Nachtarbeit der Frauen, Fortsetzung einer Altersgrenze für die Zulassung von Kindern zu gewerb lichen Arbeiten, Festsetzung der Arbeitszeit in gewerblichen Betrieben auf 8 Stunden täglich, gewerbliche Nachtarbeit Jugendlicher, Jowie die Beschäftigung von Frauen vor und nach ihrer Niederrunft. Schließung ber Berlin- Burger Cifenwerte. Die Magbebur gische Zeitung" meldet aus Burg, daß die Berlin- Burger Eifenwerte wegen zu hoher Lohnforderungen der Metallarbeiter ihren Betrieb 141 Han haben bes Kanals burch den Verlauf der Pariser Konferenz wieder beträchtlich herabgemindert find. Sie sehen in ihm geradezu ben Feind ihres Landes, die Verförperung des alten briti fchen Pirnzips, Frankreich nicht zu groß und mächtig werden zu laffen. Diese starte, fast von Tag zu Tag wachsende Ab neigung gegen England fommt dann auf der anderen Seite Briand zugute, bessen Verhalten auf der Konferenz des Obersten Rates unter anderen Umstänn wahrscheinlich einen Sturm nationalistischer Entrüstung hervorgerufen hätte. Briand hat nämlich viel gewagt. Er hat nicht nur die Le Rondsche Linie, die alledings in den hiesigen amtlichen Kreisen schon längst als„ Wahnsinn" bezeichnet wurde, preis gegeben, er war auch zu Bugeständnissen bereit, die über die fogenannte zweite Sforza- Linie Hinausgingen. Mehr als bas: er hat seinerseits die Initiative zur Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen ergriffen. Und das eine wie das andere, ohne daß er sich auf einen Beschluß der Kammer batte tügen fönnen. Für ben Wieberzusammentritt des Barlaments find Interpellationen über diese Gegenstände angefündigt, die ber Regierung Briens vielleicht gefährlich werben. Aber wenn man pos den Blättern der äußersten Meglen, wie bepielsweise bee section Francaise", absieht, so fällt doch die Zurückhalwng auf, mit der man das weitgehend» Entgegenkommen des Minister- Präsidenten behandelt. Er stand eben unter englischem Druck. Sein Auftreten war diktiert durch das Bestreben, den offenen Bruch mit dem Verbündeten zu verhüten. Aber niemand gibt sich noch irgendwelchen Illusionen über den Wert des Bündnisses hin. Welchen Sinn hatte die Fortsetzung der Entente über den Krieg hinaus? Den, Frankreich gegen einen neuen deutschen Angriff zu schützen. und zwar nicht nur durch Waffenhilfe im Kriegsfall, son- dern, was fast für noch wichtiger gehalten wird, durch Unter- stützung jener Politik, die auf die Schaffung von„Sicher- heilen" hinausläuft. Wir müssen uns, um diese Sorge um die„Sicherheiten" zu begreifen, in die Geistesverfassung Frankreichs zu versetzen suchen. Nichts ist falscher, als hinter allem nur Rachsucht und Vernichtungswillen zu sehen. Diese Triebkräfte mögen in gewissen bürgerlichen Kreisen vor- Händen sein, aber maßgebend ist zuletzt doch die A n g st v o r Deutschland. Man hat gesiegt, ist seine» Sieges aber nicht recht froh. Man ist sich trotz allen Stolzes auf die Leistungen der fran- zösischen Armee darüber klar, daß ohne die Hilfe der Alliier- ten, die vernichtende Niederlage sicher gewesen wäre, und nun fragt man sich, ob ein neuer deutscher„Ueberfall" auch einmal die ganze Welt zur Abwehr vereinigen werde. An diesen Ueberfall glaubt ein wichtiger Teil Frankreichs unbedingt, und wir müssen ja offen gestehen, daß die fort- gesetzten deutsch nationalen Demonstrationen, solchen Besorgnissen immer wieder neue Nahrung zuführen. Die Gegenagitation unserer französischen Genossen, vortreff- lich von unserem Bruderblatt, dem„Populaire", geführt, stögt auf die denkbar größten Schwierigkeiten, solange die Ludendorff, die Wangenheim und wie sie alle heißen mögen, das große Wort führen dürfen. Selbst in Arbeiterkreisen lebt noch die Ueberzeugung, daß die Schwächung Deutsch- lands Gebot der CSlbsterhaltung sei. Wenn sich nun England einer solchen Politik entzieht, so sind für Frankreich zwei neue Wege denkbar. Der eine liefe dem Ziele zu, selbständig und auf eigene Rechnung und Ge- fahr das anzustreben, was sich mit den Bundesgenossen nicht durchsetzen läßt, der andere wäre der, eine ernsthafte Ver- ständigung mit Deutschland zu suchen. Der erste ift gefährlich, da sein« Beschreibung unter Um- ständen England unmittelbar an die Seite Deutschlands bringen könnte, der zweite würde einen so vollständigen Bruch mit der Vergangenheit bedeuten, daß es Rch verstehen läßt, wenn man vor ihm zurückschreckt. Und doch mehren sich die Zeichen wachsender Einficht. Hinter den Kulissen werden gewisse wirtschaftliche Fäden zwischen den beiden Ländern geknüpft, Interessengemeinschaften werden angebahnt, und die Deutschen, die solches Zusammenarbeiten betreiben, ver- sichern, daß sie auf mehr Entgegenkommen stoßen als sie er- wartet hätten. Nach unserem Sinn ist solch«ine Lösung gewiß nicht, denn sie trägt rein kapitalistischen Charakter, aber solange wir nicht stark genug sind, die sozialistische zu erreichen, ist es nicht unsere Aufgabe, die andere zu behin- dern. Jede einigermaßen Erfolg versprechende Methode, die Kluft zwischen Deutschland und Frankreich zu verkleinern, muß einstweilen willkommen sein. Freilich sollen wir uns vor Illusionen hüten. Es sind unendliche Schwierigkeiten zu überwinden, und es wäre Wahnsinn vorläufig mehr zu erwarten, als eine kleine Ent- spannung der Situation und eine gewisse Erleichterung der Sftjpiehungen. Das freilich kann— vielleicht gerade infolge -de*, Entscheidung des Obersten Rates— erreicht werden. wenn auch die deutsche Regierung den Augenblick begreift und sich nicht durch die scheinbare Gunst von Lloyd George zu dem Versuch verleiten läßt, die Verlegenheiten Frank- reichs im Interesse kleiner Augenblickserfolge auszunutzen. Sitae kommunistische Zeitung in München. Der bayerische Staats- kcmmissar hat das Erscheinen einer neuen kommunistischen Zeitung in München g e st a t t e t. Sie heißt„Neue Zeitung", soll jedoch mit der seinerzeit von Kurt Eisner begründeten und dann von Thomas rein kommunistisch weitergeführten, am 2«. März ver- botenen„Neuen Zeitung" nicht identisch sein, sondern unter der Leitung des kommunistischen Landtagsabneordneten Otto Graf den Kommunismus„wissenschaftlich' behandeln. Warum Burlage Republikaner wurde Der gestern verstorbene Zentrumsfllhrer Burlag«, der in der letzten Zeit zum linken Flügel de» Zentrums gehörte, war ehe- mals überzeugter Monarchist. In der letzten Zeit aber war er einer der wenigen, aufrechten und innerlich überzeugten Republi- kaner. Bei der Abstimmung über die Flaggenfrage fehlt« er wegen Krankheit, er hätte sonst sicherlich zu dem kleinen Häuflein um Mrth gehört, das den Deutschnationalen die empfindliche Niederlag« beibrachte. Im Frühjahr dieses Jahres nahm Burlag« im Hauptaus- s ch u ß de« Reichstages, dem er als ständiges Mitglied angehört«. Gelegenheit, den raschen Umschwung in seiner Anschauung zu be- gründen. Sin führender deutschnattonaler Abgeordneter hatte sich in der üblichen Weise über die Verhältnisse in der Republik„ent- rüstet" und die„gute, alte Zeit" verherrlicht. Da meldete sich Burlage zum Wort und in immer steigender Erregung gab er dem Lobredner der Monarchie folgende vernichtende Antwort, die der„Borwärts" wie folgt wiedergibt: „Auch ich bin Monarchist gewesen, überzeugter Man- a r ch i st. und ich hätte mir bis zum 10. November 1S1K für den monarchistischen Gedanken den Schädel einschlagen lassen. Als ich aber an diesem Tage in Leipzig sah, wie Plötz- lich niemand mehr den Mut hatte, sich zur Monarchie zu be- kenne», da packte mich ein unmidcrstchlich«, Ekel: diese» erbärmliche Schauspiel hat mich zum überzeugten Republikaner gemacht. Und Sie mögen jetzt sagen was Sie wollen, das spielt alles kein« Rolle mehr: in meinen Auge» bleibt die Tatsach« ausschlaggebend, daß sich im Augenblicke der Gesahr alle Monarchisten verkrochen. Im übrigen sollte man nicht vergessen, daß vor allem die preußische Monarchie jeden Maßstab verloren hatte. Jeden Tag erfüllt es mich mit Zorn, wenn ich den Restaurationssaal des Reichstages betrete und an der Decke das gemalte Hohenzollernwappen sehe mit den Worten des Psalmisten als Devise: Sub urnbra alorurn tuarurn proteye nos(Im Schatten deiner Flügel beschütze uns). Diese Worte, die der Psalmist auf Gott gedichtet, die ließ das preußische Königs- lzaus mit Bezug auf sich selbst unter den Reichsadler setzen. Jeder aufrichtig« Christ mußt« sich über dies«««erhört««las- phemie auf das Tiefste empören'." Auf den ganzen Hauptausschuß machten dies« Wort«, von denen jeder merkte, daß sie aus innerster Ueberzeugung ge- sprachen waren, einen außerordentlich tiefen Eindruck. Und es wagte auch kein Deutschnationaler, dem Abgeordneten Burlag« zu erwidern. Dasselbe war später noch einmal der Fall, als Helfferich den Versuch machte, die Republik als die Ursach« der Korruption hinzustellen. Auch da war es Burlag«, der Helfferich sin« vernichtend« Abfuhr zuteil werden ließ und mit schneidender Schärfe die großen Sünden der Monarchie und de» alten Regiment» an den Pranger nagelte. Also doch nachgegeben Wie au» einer Erklärung der bayerischen Regierung hervor- geht, hat die Reichsregierung in dem Konflikt zwischen ihr und der bayerischen Regierung letzten Ende» doch nachgegeben. In dieser Erklärung heißt es: „Ferner hat der Reichsernährungsminister zwar dem weiter- gehenden Antrag Bayerns, die Getreideausfuhr aus Bayern «wer Kontroll« zu unterwerfen, in dieser Form nicht ent- ! prochen, aber doch zugestimmt, daß dt« veekehrsverwaltung >en Setreideverfand aus den Bahnen ersaßt und der Landes- zenträlbehörde regelmaniq darüber Mitteilungen zukommen läßt. Damit ist die Möglichkeit zum Eingreifen geg«b«n. salls künftig ein« übermäßig« Ausfuhr von Getreide au» Bayern fest- gestellt werden sollte. Also nicht einmal in dieser Frag« hat es die Reichsregierung vermocht, dem unberechtigten Anspruch Bayerns mit der geböte- «en Entschiedenheit zu begegnen. Oer edle MinisterstÜrzer Der„Edle" von Braun, gegenwärtig noch Präsident des Reichswirtschaftsrats, hat wieder einmal in einer deutsch- nationalen Versammlung in Breslau dem Kabinett Wirth schärfsten Kampf angesagt. Er erklärte am Schlüsse seiner Rede: „Die Forderung der Deutschnationalen Volkspartei gehe dahin, daß die Frage der deutf chen Schuld vorurteilslos geprüft werde und daß die Entfchädlgungsleistnngen nicht über da« möglich« Maß hinausgehen. Sie könne fich nicht ent- schließen, fich an der Auffindung neuer Steuern zu beteiligen, da fie auch nur den Z>ll«n zur Erfüllung des Ultimatums als volksverderblich ansehe,»nd desHalt»»ter alle« Umstände, daravf dringe» müsse, daß das llnterzeichnvngskabinett gestürzt würde. Was über die Rede dieses„Sachverständigen" sonst noch mitgeteilt wird, ist zu unbedeutend und nicht der Wiedergabe wert. Für die Skrupellosigkeit dieses Herrn, der im alten Regiment jahrelang die einflußreichsten Stellungen inns hatte, ist aber bezeichnend, dag er die Schulden des Reiches fast d o p p e l t so hoch angibt, als sie gegenwärtig sind, näm« lich auf 636 Milliarden Mark. Woher er diese Zahl hat, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben, denn„Edler bedeutet ja noch' lange nicht wahrheitsliebend und ehrlich. Lutendorffs Gelbstzeugnis gegen die Dolchstoßlegende Man schreibt uns: Z» Ihrem Zitat au» Ludendorffs..Kriegserinnerungen"(in Rr. SSV o. IS. Aug.). worw er selbst zugibt, daß das Nachlassen der Stimmung im deutschen Volk« sehr wesentlich mit der Er- nährung zusammenhing, diene als Ergänzung ein weiteres Zitat aus E. 278 seiner Erinnerungen, worin er diese Sachlage sogar für das Heer zugibt. Er schreibt: „Der Mann erhielt häufig nicht genug, auch wenn er die zu der Zeit vorgeschriebenen Sätze vollständig bekam. Die ver- pflegung war zu einförmig. Oft hörte ich Klagen der Ober- befehlshaber über diesen Punkt, konnte aber im einzelnen nicht helfen. In der Htimat genügte die Verpflegung bei den Ersatz- truppenteilen nicht, das gab zu schweren Mißständen Veran- lassung." Man kann behaupten, daß Ludendorff und seine Leute ein schönes Stück Geld ausgeben würden, wenn dieser und der in Nr. 386 zitiert« Satz nicht in den Erinnerungen ständen. Anderes ist auch von den sog. Dolchträgern nie behauptet wor� den, nämlich:„daß der Mann häufig nicht genug erhielt, auch wenn er die zu der Zeit vorgeschriebenen Sätze vollständig be- kam". Wenn Ludendorff aus S. 521, wo er beiläufig mitteilt, daß er„von der Feldküchenkost nicht leben konnte", den versuch macht, die Klagen über die Ausraubung der Mannschaften durch die Offiziere«als ein« schändliche Verleumdung feindlicher und Inländischer Propaganda" hinzustellen, wenn er weiter(S. 522) erklärt, auch w der Kantinenwirtschaft wäre„alles in Ordnun» gewesen", so muß die Frage hierzu lauten, nicht etwa, ob da» wahr ist, sondern, wie weit er so etwas wirklich selbst noch ge- glaubt hat. Gewarnt worden ist die Oberste Heeresleitung schon 1916. Dr. Herm. Kantorowicz(Professor der Rechte, Freiburg) hat 1816 im amtlichen Auftrage über„bedrohlich« Stimmungen im deutschen Heere" berichtet, worin er den Offiziers- haß im Heer« als diese Ursache bezeichnet und sagt: „Eine sozialdemokratisch« Mehrheit im Reichstage ist nach de» Urteil aller, die die Stimmung im Heere kennen, schon heute ge- sichert,»nd zwar handelt es fich um ein« Sozialdemokratie, welch« zweierlei»erlernt hat: da» Maschinengewehr zu fürchten»nd in einem Bürgerkrieg avf andere zu schießen als die. die etw» da» Schieße« befehle« würden". Im Herbst 1918 sprach nicht nur niemand vom Dolchstoß, son- dern die„Deutsche Zeitung" forderte(Nr. 557 v. 1. Nov. 19l8) „Gleiche Kost im Felde" und gab alle die haaisträubrnden Ding« von der Ausnutzung der Mannschaften zu. Sechs Wochen, später war die„Deutiche Tageszeitung" in Nr. 635 v. 14. Dez. 1816 lc>zn so weit wieder obenauf, daß sie behauptet«, die Konftr- vaiiven hätten al« erst« Verdoppelung der Löhnung und „gleich« Kost" beantragt!! Ludendorff war auch ein halbes Jahr vorher durch eine Denk- fchrift gewarnt darüber„Wie denkt und fühlt der deutsch« Sol- dat?", die ihm«in sehr nahestehender Verwandter übersandt hatte. Wenn jemals«in lückenloser Beweis erbracht werden kann, wi< die Dinge lagen, wer die Stimmung im Heere„zermürbt" hat. hier ist er erbracht. Aber bei der Pudeltreue der Deutschen ist Aus Watt Whiimanns Tagebüchern Neu übertragen von Hans Reisiger Mir hi«r noch znxi der Ichöafte» Skizze»»u M«lt Whitnum, die dem achte» Pest der„Neuen R»ndlch-u"(S. glicher, Berlin)«nlnommca find und»«n denen«ir einig» bereite früher gebiachl habe». Die Eichen und ich 5. September 77. Ich schreibe dies, elf Uhr vormittags, unter einer dicht belaubten Eich« am Ufer, unter der ich vor plötzlichem Regen Schutz suchte. Ich kam hierher(es war den ganzen Atorgen krüb und regnerisch, doch vor einer Stunde hörte es etwas auf) zu der schon erwähnten, täglichen, einfachen Leibesübung, die ich so liebe: um an diesem jungen Eichbäumchen hier zu ziehen und von ihm gezogen zu werden, mitzuschwingen mit der zähen Ge- schmeidigkeit seines aufrechten Stammes— vielleicht etwas von feiner elastischen Faser, seinem klaren Safte in meine alten Sehnen hineinzubekommen. Ich stehe aus dem Rasen und übe die» Ge- sundheitestemmen mäßig schnell und mit Unterbrechungen fast eine Stunde lang und atme dabei die frische Luft in tiefen Zügen. An dem Bach entlang habe ich drei oder vier von Natur günstige Ruheplätze— außerdem trage ich einen Stuhl mit mir und benütze ihn für bedachtsamere Gelegenheiten. An anderen geeigneten Stellen Hab« ich, außer dem eben erwähnten Eich- däumchen, in bequemer Reichweite starke und geschmeidig« Stämme von Buchen und Stechpalmen ausgesucht zu meiner Natur- gvmnastik für Arm-, Brust- und Rumpsmuskeln. Bald fühle ich Saft und Kraft in mir aussteigen, wie Queckstlber in der Wärme. Dort in Sonne und Schatten halte ich Aest« oder schlanke Stämme zärtlich umfaßt, ringe mit ihrer harmlosen Stärke und«'ß. daß die Lebenskraft von ihnen auf m,ch ubergeht.(Oder vielleuht ist es ein Austausch zwischen uns— vielleicht gewahren die Baume von all dem mehr, als ich mir je träumen ließ.) Nun aber in vergnüglicher Gefangenschaft hier unter der großen Eiche— der Regen strömt, der Himmel ist mit bleiernen Wolken bedeckt— auf der einen Seite nichts als der Teich, auf der andern ein Grasflecken, besät mit den weißen Bluten der wilden NNhre_ Axtlänge von einem fernen Holzschlag her:— warum bin ich so(beinahe) glücklich, ganz allein hier in dieser nichts- sagenden Umgebung(wie die meisten Leute es nennen würden). Warum würde jede Störung— selbst durch Leute, du ich gern habe— den Zauber vernichten? Aber bin ich denn allein. Zweifellos kommt ein« Zeit— vielleicht ist fie für mich ge- kommen—, wo man mit seinem ganzen Wesen, vornehmlich im Gemüt, jene Identität fühlt zwischen dem subjektiven Ich und der objektiven Natur, die Schelling und Fichte so gerne betonen. Wie es ist. weiß ich nicht, aber pst werde ich mir hier ein« Gegen- wart bewußt— in klaren Stimmungen bin ich mir ihrer gewiß, und weder Chemie noch Logik noch Aesthetik kann die geringste Erklärung dafür geben. Die ganzen beiden letzten Sommer hat fie meinen kranken Leib und m-ine kranke Seele gestärkt und genährt wie nie zuvor. Dank, unsichtbarer Arzt, für deine stumme, köstliche Arznei, deinen Tag und deine Nacht, deine Wasser und deine Lüfte, für die Ufer, das Gras, die Bäume und sogar für das Unkraut! Sin Sonnenbad— Nacktheit Sonntag, 27. August.— Wieder ein Tag, ganz frei von au«- gesprochener Hinfälligkeit«nd Schmerzen. Es Icheint wirklich, als flösse ungesehen Frieden und Stärkung auf mich herab, wie ich so langsam in der guten Luft durch diese Wiesenweg« und Felder humple— wie ich hier einsam mit der Natur sitze— der offenen. stummen, mystischen, fernen, doch fühlbaren, beredten Natur. Ich lasse mich oerstnken in die Landschaft, in den vollkommenen Tag. Ich hock« an dem klaren Wasserlauf und trinke die Ruhe.— hier aus seinem leisen Glucksen, dort aus dem tieferen Rauschen seines drei Fuß hohen Wasserfalles.— Kommt, o ihr Trostlosen, wenn noch Entschlußkraft in euch schlummert.— kommt zu der unfehl- baren Heilkraft von Bachufer. Wald und Feld. Zwei Monate lang(Juli und August 77) habe ich sie nun in mich aufgenommen. und sie beginnen, einen neuen Menschen aus mir zu machen. Jeden Tag Einsamkeit— jeden Tag mindestens zwei oder drei Stunden Freiheit, Bad. kein Geschwätz, keine Fesseln, kein« Kleider. keine Bücher, kein„Benehmen"! Soll ich dir sagen, Leser, worauf ich meine schon fast wieder- hergestellte Gesundheit zurückführe? Darauf, daß ich seit fast zwei Jahren, mit wenigen Unterbrechungen, ohne Arzneimittel und täglich in der frischen Luft bin. Porigen Sommer fand ich eine besonders geschützte kleine Schlucht, etwas abseits von meinem Bach: ursprünglich eine große, ausgeschlachtete Mergelgrube, nun verlassen und ausgvfüillt von Büschen, Bäume,,, Gras, einer Weidengruppe, einer einzelnen Erhöhung und einer Quelle mit köstlichem Wasser, die mitten hindurchfließt, mit zwei oder drei kleinen Wasserfällen. Hierher flüchtete ich mich an jedem heißen Tage, und so mache ich es auch in diesem Sommer. Hier begxcif« ich, was jener Alte meinte, der sagte, er sei selten weniger Mein, als wenn er allein fei. Nie zuvor kam ich der Natur so nahe, noch nie so nahe zu mir. Eine Stunde oder so nach dem Frühstück schlenderte ich zu der Verborgenheit besagter Schlucht hinab, die ich und einige Drosseln usw. ganz für uns allein hatten. Ein leichter Südwest blies durch die Wipfel. Es war just der Ort und die Stunde für mein adamitisches Luftbad nebst Bürsten des Körpers von Kopf bis zu Fuß. So hing ich denn die Kleider auf einen nahen Zaun, behielt den alten, breitrandigen Stroh- Hut auf dem Kopf und bequeme Schuhe an den Füßen und hatte zwei herrliche Stunden! Zuerst Arme, Brust und Seiten mit den steis-elastischen Borsten gebürstet, bis fie feuerrot waren— dann ein teilweises Bad im klaren Wasser de» rinnenden Bache» � alles sehr gemächlich, mit vielen Ruhepausen— alle paar Minute» barfuß herumgelaufen im nahen, schwarzen Schlamm, als fette» Moorbad für meine Füße,— ein zweites und drittes Mal in dew kristallklaren Wasserlauf kurz abgespült— mit dem duftenden Handtuch abgerubbelt— langsame, lässige Promenaden aus de» Rasen auf und ab in der Sonne, abwechselnd mit Ruhepausen, und dann wieder Abreibungen mit der Bürste. Manchmal nehm« ich meinen Feldstuhl von Ort zu Ort mit. da mein Bereich ziemlich ausgedehnt ist(fast hundert Ruten) und ich mich gifli sich» fühle vor Störungen(und da» würde mich auch keineswegs aus der Fassung bringen, wenn es zufällig einmal vorkäme). Wie ich langsam über da» Gras ging, schien die Sonn« Senug, daß ich meinen mitgehenden Schatten sehen konnte Irgendwie schien es mir. als würde ich«ins mit all uiä» fedet» Ding um mich her, je nach seinem Wesen. Di« Natur war na«» und ich auch. Es war ein« zu lässige, emichläfernde, wonnige u"5- ausgeglichene Stimmung, um darüber nachzugrübeln. Doch ich mir etwa die folgenden Gedanken gemacht h«rb:n: Vielleicht ist unser innerer, nie verlorener Zusammenhang mit Erde, Licht, Luft. Bäumen usw. nicht durch Augen und Gemüt allein zu erjalst"' sondern mit dem ganzen fleischlichen Körper, den ich ebenso wen« wie dl« Augen geblendet und verbunden haben will. Süß«, 9� slmde. stille Nacktheit in der Naturl— Oh. könnte die arfl*. kranke, geil« Stadtmenschheit dich nur einmal wieder wirklich kennen lernen! Ist also Nacktheit nicht unanständig?— Nein. sich nicht. Eure Gedanken, eure Heuchelei, eure Furcht, euer b«tun: die find das Unanständige. Es kommen Stimmungen, v* bttft unser« Kleibung nicht nur zu lästig wird zum Tragen. K dern in fich selbst unanständig. Vielleicht hat der Mann oder da» We«b. die das freie, heiter« Hochgefühl der Nacktheit in der Natt* irt« kennen lernen durften(und wie viel« Taufende find da»-)' nw wirklich gewußt, was Reinheit ist— noch was Glauben, Ka«1 (Wahrscheinlich entfvrang der Schatz an höchster Phrlosophi«. Schönbeit. Heroismus. Form, Ik« alt« hellenische Rasse ihn aufweist— die höchst« Höhe lufft« T,ef«. die die Kultur auf diesen Gebieten kennt � ihr« natürlichen und religiösen Idee der Nacktheit.) «ine Knnststistnng für die Stadt Pari». Ein« aroßarfiS* Sammlung, die bedeutend« französisch« Gemälde umfaßt, wird** Stobt Pari» durch«"Vermächtnis zufallen. Das in Pari» T �lwar Du ck wird fein« Sammlung, wie Jkaifftwaniwtei" berichtet wird der Stadt vermachen. Gs delt sich um«ine Anzahl vortrefflicher Bilder von B o u ch e r«n» Ef.;leau alter Gobelins aus den Wlturen von Brüssel. Aubousson und Veauvais. Di« Stifter M«* noch einen Betrag von einer Million Franc» für vi* SfedÄ'ÄÄ � � eben alles möglich. Nicht nur, daß Ludendorff und Sindenburg es fertig brachten die bis dahin an die Wand gedrückten " Zivilisten" zum Abschluß des Waffenstilstandes zu zwingen, unmittelbar danach suchen sie Stadt und Land davon zu überzeugen, daß fie gar nicht militärisch geschlagen seien und daß nur der Berrat der Heimat" ihnen das Schwert aus der Hand geschlagen habe. Die Republit sollte in ihrer eigenen Sicher heit Ludendorffs eigene 3eugnisse dagegen in Millionen Flugblättern verbreiten. Arbeiter als Schöffen und Geschworene Die bereits fürzlich erwähnte Verfügung des preußischen Justizministers über die Heranziehung von Arbeitern zum Schöffenund Geschworenenamt wird jetzt in ihrem Wortlaut bekannt. Danach ist mit Wirkung vom 1. August an das Tagegeld für Echöffen und Geschworene auf 30 Mart, die Uebernachtungszulage auf 20 Mart erhöht worden. Die Verfügung fordert ferner die bei der Auswahl der Schöffen und Geschworenen mitwirkenden Etellen auf, die Arbeiter mehr als bisher zu der Tätigkeit als Schöffen und Geschworene heranzuziehen. Das sei nicht nur deshalb wichtig, damit das Ge= fühl der Zurüdsegung in dieser Beziehung verschwinde, sondern es würde dadurch auch bewirkt werden, daß den Teilen der Bevölkerung, die heute der Rechtsprechung in Straffachen fremb, wenn auch nicht mißtrauisch gegenüberstehen, mehr als bisher ein Einblid in die Strafrechtspflege gewährt und so ein gerechteres Urteil über das Wirken der Strafgerichte vermittelt, zugleich aber auch ein tieferes Interesse und Verständnis für die Aufgaben der Strafrechtspflege geweckt wird. Das Mißtrauen der Arbeiter gegenüber den Strafgerichten werde um fo eher schwinden, je mehr sie Leute aus ihren eigenen Reihen auf den Bänken der Schöffen und Geschworenen sehen. Schließlich wird es auch der Tätigkeit der Strafgerichte selbst zu einem wesentlichen Nuzen gereichen, wenn Angehörige der Arbeiterschaft in den Strafgerichten die Gesichtspunkte zur Geltung bringen, von denen aus die Arbeiterschaft die Geschehnisse des täglichen Lebens betrachtet. So sehr es nur einer alten Forderung der Arbeiterschaft entspricht, auch zur Mitwirkung bei der Rechtsprechung herangezogen zu werden, so wenig dürften, falls die übrigen Einrichtungen Der Rechtspflege unverändert bleiben, die Soffnungen erfüllt werden, die das Ministerium daran fnüpft. Die Heranziehung von Arbeitern als Geschworene und Schöffen, selbst in umfangreichem Maße( was allerdings nicht zu erwarten ist), beseitigt weder die formelle noch die geistige Vorzugsstellung des beamteten Richters. Sie entstammen aber ausschließlich den besitzenden Kreisen und stehen deshalb in den allermeisten Fällen den Angeklagten anderer Bevölkerungskreise völlig verständnis Los gegenüber. Das Justizministerium sollte sich aber auch darüber nicht täuschen, daß dieses Reform chen nicht dazu führen wird, daß bie Forderungen nach gründlicher Umgestaltung der gesamten Rechtspflege, die von der Arbeiterklasse als überaus dringlich empfunden wird, in den Hintergrund tritt. Die Zentralarbeitsgemeinschaft zu den Lohnforderungen Am Freitag, den 19. August, hat der Zentralvorstand der Bentralarbeitsgemeinschaft über die neuen Lohnforderungen perhandelt. Es wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: Nachdem die in den Verhandlungen vom 1. April erwähnte Erhöhung des Brotpreises eingebracht, empfiehlt der Vorstand der Zentralarbeitsgemeinschaft, gemäß dem damaligen Beschlusse, in Berhandlungen der Tariftontrahenten dieser Tatsache und den sich Daraus ergebenden Folgen Rechnung zu tragen, soweit das noch nicht geschehen oder ausdrücklich vereinbart ist. Die vielfach ablehnende Haltung der Unternehmer zu den Lohnforderungen der Arbeiter und Angestellten, insbesondere die schroffe Ablehnung durch eine Reihe von starken Unternehmer organisationen der Schwerindustrie zeigt, daß diese Anerkennung der Notwendigkeit einer Lohnerhöhung burch die Zentralarbeitsgemeinschaft für die Praxis teinen sehr großen Wert besitzt. Wo die UnterTheater in der Königgräßer Straße bas jo. Sudermann:„ Notruf" Jemand wagt tatsächlich den Versuch, in ein paar Dramenreihen den gigantischen Umwälzungsprozeß der Gesellschaftsformen, in dem wir feit ein paar Jahren stehen, zu schildern. Im„ Notruf", dem Teilstüd einer Trilogie„ Das deutsche Schicksal" macht er Ginem Oberstleutnant und seinem Adjutanten widerfahren teils militärische, teils private Nachkriegserlebnisse recht unerfreulicher Art. Die Braut des Adjutanten eine gräfliche Schwesterbietet ihm, im Vollgefühl der„ Erweiterung" ihres Daseins, Liebe ohne Standesamt, auf die er natürlich verzichten muß. Disziplin und Zuneigung zu seinem Vorgesezten machen ihn zum„ diensttuenden" Aufpasser auf die Frau Oberstleutnant. Sie hatte einen jahrelang, im Kriege einen platonischen Hausfreund, den sie allerdings turz darauf an eine zwar nicht weniger empfängliche, aber meniger platonische Freundin, mit älteren Rechten an den netten Herrn, abtritt. Weniger widerstandsfähig ist sie aber gegen die Don- Carlos- Liebe ihres bolschewistisch verseuchten Stiefsohnes, und anscheinend am wenigsten widerstandsfähig gegen die Freund Ichaft" mit dem Adjutanten- Beschützer. Der Stiefsohn, um seiner Stiefmutter nahebleiben zu fönnen, tritt nach der großen AusSprache" mit dem verhaßten Vater in dessen Freikorps ein und wird beim Spartafistenaufstand auf der Seite der Roten getötet. Dez Adjutant und die Frau wollen zusammen sterben; eine Probe eines neuen, unübertrefflich giftigen Gases, das ausprobiert wer ben soll(!), ist im Hause; das Maschinengewehrfeuer gegen die Spartatiften, vom Adjutanten mit Begeisterung begrüßt, fnattert vor den Fenstern; der Abendtisch mit den Weingläsern ist glüdlicherweise abgeräumt, so daß dem Wunsche des Adjutanten entSprechend ein Buch Kleifts Briefe(!) auf den Tisch gelegt werden lann ,, als Beweis, daß die Offiziere doch geistige Bildung haben"(!); die letzte Beidyte", die Frau tann sich nicht ganz nadt" zeigen; der Adjutant spricht von der Schmach des Bater landes. Das Gas strömt aus auf dem Korridor; draußen er tönt die dienstliche" Klingel er stürzt hinaus in die Pflicht -in bas sofort tödliche Gas, nicht ohne zwei Türen hinter sich abzuschließen. Für den Oberstleutnant ist nun endlich der Zeits puntt gekommen, daß er mit seiner Frau solange hoffen kann, bis es wieder etwas zu hoffen gibt. Eine derartige Mischung von Marlitt, Otto Ernst und Genjationsfilm tann nur Subermann- Mache sein. Das alte Geschick für Theaterwirtungen tritt wieder in die Erscheinung; ja, eine Teezene mit ein paar Offizierswitwen ist ein kleines Meisterstüc von Gestaltungsvermögen. Jedoch über die versteckten und offenen Taft- und Geschmacklosigkeiten, die ungeheure Verlogenheit und Unanständigkeit des Gesamtmachwerks ist jedes weitere nehmer fich mächtig genug fühlen, da stellen fie fich nach wie vor auf den Herrenstandpunkt und lehnen jeden Anspruch von Arbeitern und Angestellten ab. Deshalb darf dieser Beschluß der Zentralarbeitsgemeinschaft nicht darüber hinwegtäuschen, daß infolge der ablehnenden Haltung der Unternehmer, der Bassivität der Regierung, die gegenwärtige hohe Preiswelle die gegenwärtige hohe Preiswelle nur durch den ges schlossenen Kampf aller Arbeiter, Angestellten und Beamten überwunden werden kann. Der Preissturz in Amerika F. P. S. Das statistische Bureau des Arbeitsamtes der Vereinigten Staaten veröffentlicht die folgende Uebersicht über die Inbegzahlen für die Kosten der Lebenshaltung im Monat Juni 1920 und 1921, verglichen mit dem Jahresdurchschnitt von 1913. Prozentuelle 1913 1920 1921 Abnahme im legten Jahr Durchschnitt Juni Juni Bodenerzeugnisse 100 243 113 58,5 Lebensmittel etc. 100 100 Kleidung 279 132 52,7 335 180 40.* Beheizung u. Beleuchtung 100 Metalle u. Metallwaren 100 Baumaterial Chemische u. pharmazeutische Artikel 246 187 24.0 190 132 30, 100 137 202 40,0 100 218 166 23,5 Hausrat 100 362 250 30,9 100 247 150 39,3 269 148 Kleinere Bedarfsartikel Gebrauchsartikel insges. 100 45,0 Ein fommunistischer„ Idealist" Zu unserem Artifel in der Freitag- Ausgabe Kommunistische Jdealisten", sendet uns der Kommunist mar Barthel eine Buschrift, in der er bie von dem Genossen Friedrich Wind und Anneliese Ruegg vorgebrachten Behauptungen zu entfräften sucht. Soweit seine persönliche Haltung in Rußland in Frage tommt, Schreibt er: " Ich habe mich nie bemüht, ben wärmsten Belz zu bekommen. Tatsache ist, daß ich in Nischni- Tagil im Ural Rüdfalltyphus be tam, und von den Genossen in Jekaterinenburg, da ich noch nicht vollständig gefund war, einen Bärenpelz betam, der in Mostan wieder abgeliefert wurde. Bon Fuchspelzen in Jekaterinenburg ist mir nichts bekannt. Bei dem Gespräch zwischen dem Kommissar Sarrat und Anneliese Ruegg war ich nicht anwesend. Mit der Rüdfahrtangelegenheit von Friedrich Mind hatte außer dem Kommissar Sartat fein Menja, auch ich, nichts zu tun. Es stimmt, daß zwischen Ticheljabinst und Slatouft bei Strenger Kälte Männer und Frauen auf der Lokomotive mitfuhren und daß wir uns darüber stritten, ob wir sie nicht in unsere Waggons nehmen sollten. Der Kommissar Sarrat war bagegen und zwar deshalb, weil zur Fahrt auf den russischen Eisenbahnen damals Ausweise und Erlaubnisscheine notwendig waren, weil er als Kommissar für unsere Wagen und die ausländischen Genossen ver antwortlich war, und wir waren schon neun Wochen unterwegs ein großer Teil von uns frant war." Aus Gründen der Loyalität( die wir übrigens in ähnlichen Fällen niemals bei der Roten Fahne" fanden) geben wir diese Ertlärung wieber, müssen aber dazu bemerken, daß sie zu einem wesentlichen Teil nur die Darstellung der Genoffin Ruegg be= tätigen. Im übrigen schenken wir den Behauptungen der Genoffin Ruegg mehr Vertrauen als denen des„ Dichters" Mar Barthel, der in feinen Berichten aus Sowjetrußland die größten Schwindeleien feelenruhig wiedergab. Aus der Zuschrift von Barthel ist ferner hervorzuheben, daß er nicht nur die Erklärung des Genossen Mind über seine Legitimation vollauf bestätigt, sondern noch bemerkt, daß Mind Mitglied der Kommunistischen Russischen Partei geworden war. Dadurch wird die parteioffiziöse„ Warnung" der„ Roten Fahne", in der Mind als Schwindler und Abenteurer hingestellt wurde, auch von tommunistischer Seite als infamet Shwindel enthüllt. Aus der Parteipreffe Die Kämpferin". Die neue Nummer unserer Frauenzeitschrift Die Kämpferin" ist soeben erschienen. Die sich immer größerer Wertschägung erfreuende Zeitschrift bringt u. a. folgende Beiträge: Rußland in Not.- Nie wieber Krieg.- Frauen- Friedenstongres in Wien. Die fämp Die tämp fenbe Mutter. Die Frauen im Gewerbsleben.- Prostitution und Geschlechtsleben. Wort zuschade. Selbst der größte Teil dieses subermannfreundlichen Premierenpublikums schien am Schlusse ernüchtert zu sein, so daß die Rufe nach dem„ Dichter" recht dünn erflangen. Die Darsteller, voran Mathilde Brandt als Frau des Oberst leutnant und all- liebendes, furchtbar attafiertes und leidendes Frauen- Kriegsopfer, mühten fich vor allem in den letzten Atten vergeblich ab, ein paar Quentchen Menschlichkeit aus der sensationellen Szenenhetze herauszupressen. Das war der einzige Notruf", den man hörte! Umsonst! Es ist einfach hoffnungsloseBeemüller. Parfümvergiftung. Was die Bibel enthält. Im Elsässischen besuchte dieser Tage ein Pastor die Schule. Um fich zu vergewissern, daß die Kinder auch einen ausreichenden Religionsunterricht erhielten, fragte er ein fleines Mädchen von ungefähr zehn Jahren: Weißt du, was die Bibel enthält?"„ Ja, Herr Pastor," erwiderte die Kleine. -Nun, so sag' mir's." Die Bibel enthält" begann darauf das fleine Mädchen tapfer die Aufzählung zuerst das Bild meiner Schwester und ihres Bräutigams; dann eine Lode von meinen Saaren, wie ich noch ganz flein war; dann ein Rezept ber Mama für die Leberknöpfle; dann einen Schein für die Uhr, die Papa aufs Pfandhaus gebracht hat; bann... Genug, mein Kind," unterbrach der Pastor, es sind mir schon zu viel Dinge in der Bibel." Tages- Notizen Die Staatstheater eröffnen bie neue Spielzeit am Donnerstag, ben 25. Auguft b. 3., und zwar bas Opernhaus mit einer Aufführung des Lohengrin", Anfang 5% Uhr( 108, Abonnements- Borstellung), und das Schaupielhaus mit" Peer Gynt", Anfang 6% Uhr( außer Abonnement). Deutsches Theater. Die Erstaufführung von Ebshmibs tean" findet nicht Dienstag, ben 23, sondern Mittwoch, den 24. August, statt. Bereits gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit. 3m Schiller- Theater Charlottenburg finden diefen Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch die letzten Anführungen der Operette eine Frau bas Fräulein" tatt. Am Donnerstag eröffnet bas Schiller- Theater feine 28. Spielzeit mit einer Reueinstudierung von Jbsens„ Rota" in der Heberfegung von Wilhelm Lange. Ralph Arthur Roberts ist von seinem Urlaub zurückgekehrt und spielt wieber allabendlich im Berliner Theater bic von ihm dargestellte Rolle bes Jimmy in der erfolgreichen Operette Das Milliardensouper" non Willner und Steffan. In der Urenia in der Taubenstraße wird am Montag, Dienstag und Mittwoch Shriftsteller Georg 5 a 11 ama, Direktor des Bertehrsverbandes ber Stabt Breslau, einen Bortrag, mit wunderbaren farbigen Bildern Unser schönes Riefengebirge" halten, und in diesen Vorträgen nicht nur das eigent liche Riefengebirge, sondern auch das romantische, zum großen Teil wenig betannte Borgebirge mit seinen Burgen und Salößern, Klöstern und alten malerischen Städten behandeln. Der Berliner Bolts Chor veranstaltet für feine Mitglieder und für ble it glieder von Fite- Georginia am antag, den 22. b. M., abends pünf 8 Uhr in der Aula des Königstädt. Gymnasiums, Elisabethstt. 57, eines führungsvortrag über Berliss und feine Faustmusit", de Dr. Ernst Jote halten wird. Den Fremdsprachenunterricht und die Weltsprechenbewegung behanbelt in feiner nächsten öffentlichen Versammlung bet und entfiebenet Goul. reformer am Mittwoch, ben 24. Auguft, abends 715 Uhr, in der Mula bes Werner- Siemens- Realgymnasiums, Berlin- Schöneberg, Hohenstaufenstr. 47-48 ( Nahe Untergrundbahnhof Vittoria- Luiseplag). Referenten Gymnasialdirektor Ge heimrat Professor 2etet amp und Stubientat Franz Siltet. Jedermann willtommen. Die Hilfe für Rußland GPD. und Rußlandhilfe Wie der Vorwärts" mitteilt, hat der Vorstand der S. 3. D. i bem Borgehen des Allgemeinen Deutschen Ge wettichaftsbundes zur Silfeleistung für Rußland und Georgien angeschlossen. Damit hat die Leitung der Sozialdemo tratifchen Bartei, die es früher abgelehnt hatte, gemeinsam mit der I. S. P. D. und K. P. D. eine Hilfsaktion für Rußland eins zuleiten, sich ber von der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale in Angriff genommenen proletarischen Hilfsattion angeschlossen, was im Interesse der Einheitlichkeit dieser Aktion nur zu begrüßen ist. Von der Energie und Opferwilligkeit ber Arbeiter, ohne Unterschied ihrer politischen Parteirichtung, wird es nun abhängen, daß die proletarische Hilfe für das hungernde Rußland auch wirtli einen umfassenden Charakter an nimmt. Ein Aufruf der Gozialiffen Revolutionäre R. B. Das zentrale Organisationstomitee der Partei der Sozialrevolutionäre, bas seinen Sig illegal in Mostau hat, hat sich mit einem Aufruf an die Demoftatie Europas und Amerita gewandt. In diesem Aufruf wird die Demokratie aufs gefordert, bei den Regierungen durchzusehen, daß der hungernben Bevölkerung Rußlands unverzüglich geholfen werde, ohne daß dabei der Sowjetregierung politische Bedingungen gestellt werden. Möge bei der schlechten Organisation des Sowjetapparates, bei der unglaublichen Korruption der Sowjetbeamten ein Teil der Lebensmittel nicht an die gelangen, für die sie be= stimmt sind, so darf trotz der Gefahr, daß ein Teil der Lebensmittel in die Hände der Kommissare gelangt, den Hungernden die Hilfe nicht entzogen werden. Durch euer ablehnendes Bet halten würdet ihr nur die Hungernden zugrunde richten, feineswegs aber die Schmaroger des bestehenden Regimes schädigen... Je weiter die Berrüttung des Landes vor sich schreitet, je mehr das, wirtschaftliche Leben ruiniert wird, desto leichtere Nahrung erhält die Anarchie. Allein der wirtschaftliche Aufbau tann die politische Wiedergeburt bewirken." Die dänische Hilf aflion Kopenhagen, 19. August. Die Regierung hat beschlossen, aus den Mitteln zur Abhilfe der Not in den vom Kriege verwüsteten Ländern dem Ministerium bes Aeußeren für die Silfsattion in Ruußland eine Summe zur Verfügung zu stellen. Zweck der Hilfsaktion ist die Einrichtung einer Kinderspeisung in Petersburg, die, soweit wie möglich, unter der Leitung der Personen stehen soll, die seinerzeit an den gleichen von dänischer Seite ausgeführten Arbeiten bes teiligt waren. Das Ministerium des Aeußeren hält es für rich. tig, die Silfsaktion in die Maßnahmen des schon bestehenden gemeinsamen Hilfskomitees für die durch den Krieg verwüsteten Länder einzubeziehen. Es wird beabsichtigt, die Arbeit in Peters burg in den ersten Septembertagen zu beginnen. Die Arbeiten werden von Frau Kammerherr Harald Scavenius und Kapitän Cramer geleitet. Rumänische Provokation Eine Proteftnote Tschitscherins Moskau, 16. August.( Rofta.) Angelegenheiten, Der Boltskommissar für auswärtige Tschitscherin, und der Boltskommissar für auswärtige Angelegen= heiten der ukrainischen Sowjetrepublit Rafowstij, richten an die rumänische Regierung eine Protestnote wegen der Unterstützung ber gegenrevolutionären Organisationen, die in Rumänien, in der Butowina und in Bassarabien sich zum Angriff auf die Sowjetrepubliken rüsten. Die Note bringt eine Reihe Tatsachen vor, für die die Sowjetrepublifen bokumentarische Beweise in Händen haben. 3nternationale Solidarität Die Fabrit Le Pontre in Roubaix erhielt vor furzem vom französischen Kriegsministerium Bestellungen auf eine größere Quantität von Granaten. Die Arbeiterschaft erklärte, tein Kriegsmaterial gegen Rußland herstellen zu wollen und trat in den Streit. Trotz der Drohung der Direktion, den Betrieb zu schließen, beschlossen die Arbeiter, den Streit weiterzuführen und fordern in den Nachbarfabriken die Arbeiterschaft auf, ihrem Beispiel zu folgen und die Herstellung von Kriegsmaterial gegen Sowjetrußland zu verhindern. Bolle Freigabe des Innenhandels in Sowjetrußland DE. Reval, 18. August. Ein Defret des Rates der Boltskommissare faßt die bisherigen Einzelverordnungen über die Freigabe des Innenhandels zusam men und erweitert sie zur vollen Freigabe des Handels mit Erzeugnissen der Landwirtschaft, Industrie und Heimarbeit. Jeder Staatsbürger im Alter von über 16 Jahren hat das Recht, Handel zu treiben, indessen werben die örtlichen Sowjeis angewiesen, Geschäftslotale in munisipalisierten Gebäuden vor allem Genossenschaften und erst in zweiter Linie Privatpersonen einzuräumen. Die bisherigen Verbote des Zwischen- und Großhandels sind aufgehoben. Das Volkskommissariat für Verpflegung und der Oberste Volkswirtschaftsrat erhalten bas Recht, den freien Sandel mit einzelnen Erzeugnissen der Landwirtschaft bzw. der Industrie vorübergehend zu verbieten. Ronzeffions Verhandlungen in Berlin ( R. P.). Die Berliner Zeitung„ Golos Roffii" erfährt aus= Derlässiger Quelle, daß zwischen einer Gruppe deutscher, engliser und amerikanischer Kapitalisten einerseits und der Sowjetregierung andererseits, Verhandlungen über die Erteilung von Konzessionen zum Wiederaufbau von Petersburg und Odessa geführt werden. Die Konzession erstreckt sich auf die Erweiterung und Ausbesserung der Säfen dieser Städte, auf die Wiederher stellung der Kanalisation, der elektrischen Straßenbahnen, und vor allem auf die Instandsetzung der Fabriten. Die Konzession soll auf 40 Jahre abgeschlossen werden. Am 26. August findet in Berlin eine Zusammenkunft der Kapitalisten mit den Bertretern der Sowjetrepublit statt, bei der die Einzelheiten endgültig nochmals besprochen werden An dieser Zusammenkunft wird Krassin wahrscheinlit auch teilnehmen. then Der frühere griechische Ministerpräßbent Rhalis ift in geftorben. Er war ursprünglich Abpolat, bann Ministerpräsident, Finanzminister und Angenminister in den Jahren 1803 bis 1009. 1916 wurde er neuerdings Finanzminister. Er gehörte der antivenizelistischen Partei an. Reine Finanzkonferenz in Amerita. Einer Washingtoner Melbung der Havas- Agentur zufolge erklären amerifanische amiliche Kreise gegenüber Zeitungsmeldungen, daß ihnen von einer bevor stehenden Finazkonferenz in Washington nicht bekannt fel. Groß- Berlin An unfere Postabonnenten! Um jebe Verzögerung in der Zustellung der„ Freiheit" an unsere Postabonnenten zu vermeiden, machen wir barauf aufmertjam, daß das Abonnement für den Monat September tunlichst bis zum 25. August bei der zuständigen Bostanstalt bestellt werden muß. Die Fraiheit", Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie, fojtet pro Monat 10 M. bei freier Zustellung Der Verlag. ins Haus. Die Heilsarmee als Retter Am Donnerstag nachmittag wurde in der Großen Frankfurter Straße ein Mann infolge Hungers vollständig erschöpft und hilflos aufgefunden. Hilfsbereite Menschen versuchten, diesen bei der Zweigstelle der Heilsarmee in der Büschingstraße wenigstens für eine Nacht unterzubringen. Aber weit gefehlt. Der Bortier wies jede Unterstützung schroff ab. Als man diesen Menschenfreund auf den 3wed der Heilsarmee aufmerksam machte, stan dalierte er in ganz gemeiner Weise. Man muß sich nach diesem Vorgang fragen, was eigentlich der Zweck der Heilsarmee ist, wenn es nicht einmal möglich ist, einem hilflosen Menschen ein Stüd Brot zu verabreichen bzw. Schuß zu gewähren. Wir entfinnen uns doch, daß bei Sammlungen, die die Heilsarmee veranstaltete, an die Algemeinheit appelliert wurde, ganz abgesehen davon, daß doch stets das große Schild der Humanität von der jogenannten Seils" armee bei jeder Gelegenheit herumgetragen wird. Die Arbeitgeberbeisiherwahlen zum Gewerbegericht Bis auf einzelne Bezirke liegt das Resultat der Arbeitgeber beisigerwahl zum Gewerbegericht vor. Bisher wurden im ganzen abgegeben 6170 Stimmen, davon erhielt die bürgerliche Liste 5769, aljo zirka 236 bis 239 Mandate, die Liste der freien Arbeits geber rund 300 Stimmen, aljo 11 bis 13 Mandate. Die Wahl erstreckte sich über Groß- Berlin. 1912, wo die Wahlen nur für Klein- Berlin in Frage tamen, übten 6307 Arbeitgeber ihr Wahlrecht aus, von denen 4618 Stimmen auf die Liste der Bürgerlichen entfielen und 1689 auf die Liste der freien Arbeitgeber. Aus diesem Resultat ist zu ersehen, daß die Arbeitgeber an den Wahlen tein großes Interesse gezeigt haben. Daß die Liste der freien Arbeitgeber so wenig Stimmen erhielt, beleuchtet ganz flar die wirtschaftliche und politische Situation. Der 1912 fo fräftige Mittelstand ist als Arbeitgeber verdrängt und proletarisiert. Dieses Resultat ist daher vom wirtschaftlichen und politischen Standpunkt aus betrachtet eine Folge davon, daß sich die Klassen gegensätze verschärft haben und der obengenannte Mittelstand aus geschaltet ist. Die Bereinigten Elternbeiräte der weltlichen Schulen Neus föllns" beabsichtigen eine großzügige Propaganda für die Weltliche Schule", für die Befreiung der Kinder vom Religionsunter richt zu arrangieren. Leider ist die Zahl der Eltern, die noch immer in dieser großen Zukunftsfrage gleichgültig beijeite stehen, tiefengroß. Nur zirka 6000 Kinder sind in den weltlichen Schulen Neuköllns vereint; eine Schmach für die aufgeklärte ArbeiterIchaft, für die freidentende Bevölkerung Neuköllns. Die vier fache Zahl dürfte noch zu gering sein, wenn alle Eltern ihre Ge wiffenspflicht in dieser Beziehung erfüllen würden. Hierzu aufrütteln soll eine Propaganda- Woche, abschließend mit einer machtvollen Kungebung aller, die Interesse an der weltlichen Schule haben, am Sonntag, den 4. September. Organisationen, Musit, Gesangvereine usw., die bereit sind, mitzuwirken, werden um Angaben gebeten an Elternbeirat Fritz Schulz, Mantiusstraße 20. Weißensee und Hohenschönhausen. Der 18. Verwaltungsbezirk begeht morgen, Sonntag nachm. 3 Uhr, im„ Wirtshaus am Orantesee" fein diesjähriges Sommerfest. Ein großes EliteGartenkonzert des 21 Mann starten Wolff'schen Konzertorchefters, Liederchöre des Weißenseer Männerchors und des Gemischten Chors. Boltstänze unserer Proletarierjugend, Marmorgruppenftellungen des Turnvereins Fichte"-Hohenschönhausen, Lampion- Reigenschwimmen des Arbeiter Schwimmtlubs Neptun", Verlosung, Regeln, Tanz usw. werden angenehm unterhalten. Auch den Kindern werden fröhliche Stunden geboten. Eine besondere Note erhält das Fest durch die schlichte Weihe und Uebernahme der beiden neuen Banner der Gruppe Weißensee und Hohen Genosse Landtagsabgeordneter schönhausen. D. Meier wird die Festrebe halten und Genoffin Traute Neumann- Staaten den Prolog sprechen. Die Genossinnen und Ge nossen der anderen Distrikte sind freundlichst eingeladen. Eintritt troy hoher Ausgaben nur 1,50 Mart, Rinder frei. Bei Ausfertigung von 1200 Mart für eine Einbürgerung. Stempelpflichtigen Einbürgerungsurkunden werden in Zukunft neben den Stempelgebühren von 600 M., Ausfertigungsgebühren in Höhe von 600 m., also im ganzen 1200 M., erhoben. Bei nachgewiesener Bedürftigteit tann die Gebühr bis auf 20 Broz. des jeweils an Stempelsteuer und Zuschlag zur Erhebung gelangenden Betrages ermäßigt werden. Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Am Sonntag, den 21. August 1921, vorm. 9 Uhr im Gesellschaftshaus, Triftftr. 63. Versammlung aller in Groß- Berliner Stahlwerken beschäftigten Kollegen, die an Stahlöfen arbeiten. Tagesordnung: 1. Unsere Betriebsverhältnisse. 2. Berschiedenes. Die Ortsverwaltung. Mietervereinigung Spandau u. Umg. ( Mitglied des Bundes D. M. B. E. B.) Einladung zu der am Montag, den 29. Auguft, abends 7%, Uhr, in Sawades Feftfälen, Schönwalder Str. 98/99, stattfindenden Außerordentlichen Generalversammlung der Vertrauensleute( Mieterräte) Tagesordnung: 1. Die neuen Höchstmietenzuschläge. Referent Kollege Conradt. 2. Bestätigung der neuen Geschäftsleitung. 3. Prozesse. 4. Bereinsangelegenheiten. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreiches C Der ZentralsBorstand. fcheinen gebeten. Die Leichenfunde am Engelbeten. Die neuen Leichenteil funde, die gestern wiederum am Engelbeden gemacht wurden, bestärten die bereits von uns mitgeteilte Bermutung, daß ein Massenmörder in der Gegend des Schlesischen Bahnhofes sein Un wesen treibt. Die Art der 3erstüdelung der Leichen ist in allen bisherigen noch unaufgeklärten Fällen gleich und soweit die Toten bisher festgestellt werden konnten, handelt es sich um Mädchen niederen Standes. Eine Schlägerei war die Veranlassung, daß die Feuerwehr nach der Rheinsberger Straße 52 alarmiert wurde. Eine Frau, die blutig geschlagen war, brachte die Feuerwehr schleunigst nach dem Krankenhaus. An der Ede der Brinzen- und Morizstraße überfuhr die Straßenbahn einen jungen Mann. Vor dem Hause Stralauer Straße 33 am Moltenmarkt brannte ein Automobil.. In der Fehrbelliner Straße 52 tam auf dem Boden ein Feuer aus, das auf den Boden beschränkt werden konnte, und in der Mittenwalder Straße 38 brannte das Dach. Durch Funten aus einem Schornstein war dieser Brand entstanden.- Gasvergiftungen wurden nicht weniger als fieben gemeldet. Warum denn weinen • Gestern früh erschienen auf der Wache des 46. Polizeireviers der 40 Jahre alte Filialleiter Willy Sch. und die 34 Jahre alte Martha B. Sch. blutete start Willy Sch. und die 34 Jahre alte Martha B. Sch. blutete start aus mehreren Wunden und verlangte die Feststellung seiner Be gleiterin. Bei der Untersuchung des Falles stellte es sich heraus, daß beide die Nacht durchgezecht hatten und dann gemeinschaftlich nach der Wohnung des Sch. gefahren waren. Hier ist es zwischen beiden am nächsten Morgen wegen Geldangelegenheiten zu Streitigkeiten gekommen, die schließlich in Tätlichkeiten ausarteten. Um ihren Forderungen größeren Nachdruck zu verleihen, hat dann Fräulein B. ein Dolchmesser gezogen und damit auf Sch. einge stochen. Sch. hat Verlegungen an der rechten Brustseite sowie am Hinterkopf davongetragen. Verloren gegangen ist am Donnerstag auf dem Wege Mahlsein doppelreihiges dorf Schlesischer Bahnhof- Mühlenstraße Jafett, grün langgestreift. Der ehrliche Finder wird gebeten, das felbe an Friedrich Meuser, Mühlenstraße 36, abzugeben. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonntag. Zunächst warm, troden und vielfach heiter, bei mäßigen füböstlichen Winden. Später zunehmende Gewitterneigung. Gewerkschaftliches Afa- Fachgruppe Holzindustrie Zum Holzarbeiterstreit. Am 17. Auguft cr. tagten die Fachgruppenausschüsse aus der Holzindustrie der im Af- Bund zusammengeschlossenen Organis fationen( Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Wertmeisterverband, Zentralverband der Angestellten). In dieser Tagung wurde eingehend die Lage in der Holzindustrie Besprochen und zu dem Streit der Holzarbeiter Stellung genommen. Es wird den Angestellten, Kunstgewerbezeichnern und Wert meistern zur strengsten Pflicht gemacht, jebe Streitarbeit abzu lehnen und die Zumutung zur Ausführung einer solchen der betr. Angestelltenorganisation sofort zur Kenntnis zu bringen. Arbeiter der Graphischen Industrie Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß der Streit in den Geschäftsbuchfabriken noch nicht beendet ist und daher jedwede Streitarbeit direkt oder indirekt zu verweigern ist. Besonders ist hervorzuheben, daß die Firma 2. Jürgens, Neue Königstr. 4, Arbeiten bei der Firma A. Menzel, Buchdruckerei, Neukölln, Mün chener Str. 46, herstellen läßt und ist auch diese Firma für Ber bandsmitglieder gesperrt. Das Graphische Kartell. Lohnforderungen der Angestellten bei den Reichs und Staatsbetrieben 3. Sofortige Auszahlung der zum Teil noch immer rädständigen Bezüge, welche sich aus der vorläufigen Höherstufung einer Anzahl von Orten sowie derjenigen Bezüge, welche fich aus den bisher ergangenen Schiedssprüchen des für die Revision des Teiltarifvertrages eingefesten Schlichtungsauss schusses ergeben; 4 die neuen Gehaltssätze treten mit dem 1. Juli 1921 in Kraft; 5. Jofortige Aufnahme von Verhandlungen mit den vertrags fchließenden Organisationen zweds Umwandlung des Teues rungszuschlages von 5000 M. in Grundgehalt. Industrie Mitgliederversammlung der Heizer und Maschinisten In der Mitgliederversammlung der Berliner Geschäftsstelle des Heizer- und Maschinisten- Verbandes am Mittwoch wurde nach einem Referat von Reiferscheidt( Köln) folgende Resolution einstimmig angenommen:„ Die am 15. August tagende Versamm lung der Geschäftsstelle Groß- Berlin des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands be dauert, daß der Beirat der Betriebsrätezentrale des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes dem auf dem Betriebsrätekongres pom 5. bis 7. Oftober 1920 von unserem Verbande gestellten und dem Beirat überwiesenen Antrag auf Schaffung einer 16. Industries gruppe der trafterzeugenden und vertellenden bisher nicht entsprochen hat. Die Versammlung erblickt in der Verzögerung des Antrages durch den Beirat der Betriebsrätezentrale eine Geringschägung und Zurücsehung unserer Organi jation und erwartet, daß der A. D. G. B. der Forderung unseres Verbandes in allernächster Zeit Rechnung trägt und zu der Schaffung der 16. Industriegruppe seine 3ustimmung erteilt. Die Organisation der Maschinisten und Heizer ist heute ein maßgeben ber Faktor bei allen wirtschaftlichen und politischen Kämpfen der Arbeiterschaft und darf vom A. D. G. B. die Erfüllung ihrer Forde rung erwarten." Der Kassenbericht vom 2. August wurde vom Kollegen Holz gegeben und lag gedruckt vor. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Außerdem wurde noch auf die am 16. Oftober dieses Jahres statfindende Besichtigung der Groß funtenstelle Nauen hingewiesen. Maler und Ladierer 99 Die am 18. August in den Mufiterfälen stattgefundene Ber jammlung war außerordentlich start besucht. Genosse Böker berichtete über die mit den Unternehmern geführten Berhand lungen, bei denen die letzteren den Arbeitern eine 3ulage" von ganzen 5 Prozent bewilligen wollten. Dieses Angebot" löste bei der Bersammlung fürmische Empörung aus. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche die Forderungen der Maler präzisiert. Die Forderungen lauten: 1. Eine Lohnerhöhung von 40 Prozent. 2. Neue Regelung der Fahrgelbfrage. 3. Endgültige Erledigung der Ferienfrage. 4. Die Geltungsdauer des Lohntarifs darf vier Wochen nicht überschreiten. Diese Forderungen werden die Verbandsvertreter bet der am 24. August stattfindenden Berhandlung im Haupttarifamt De treten und haben dabei die Unterstützung der gesamten Arbeit nehmerschaft für sich, die nicht länger gewillt in, mi sich Shindluber treiben zu lassen, Gewerbegerichtswahlen. Der Berliner Seftionsvorstand des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bantangestellten teilt mit daß er seine eigene vom ihm aufgestellte Lifte zu den Gewerbe gerichtswahlen auf Veranlassung des Zentralvorstandes be Organisation zurüdgezogen hat. Der Allgemeine Berband be Deutschen Bantangestellten weist Jeine Mitglieder, soweit sie den Kreisen der gewerblichen Kassenboten angehören, an, die Lift der freien Gewerkschaften zu wählen. Die gewerblic Lifte des Allgemeinen Berbandes der Deutschen Bantangestellte ift badurch zustande gekommen, daß der Sektionsvorstand der g werblichen Angestellten bei der Aufstellung der allgemeinen Li der freien Gewerkschaften zu den Gewerbegerichtswahlen nid zugezogen worden war. Jugendbewegung Kaltberge Die dem AFA- Bund angeschlossenen Organisationen, Bunb ber technischen Angestellten and Beamten, Zentralverband der Angestellten, Deutscher Wertmeister- Berband und Allgemeiner Ver band der Deutscher Bankangestellten, welchen die weitaus größte Treffpunkte der Gruppen der S. B. 3. zur Treffwanderung na Zahl der bei den Behörden beschäftigten Angestellten angehören, find bereits am 5. August 1921 an die Reichs- und preußische Staatsregierung herangetreten und haben verlangt, daß im Hinblick auf die erhebliche Brotverteuerung und die daraus entstehende Verteuerung anderer Lebenshaltungskosten, verbunden mit der Wirkung, die die Erhöhung bestehender bzw. die Einführung neuer Steuern ausüben wird, bie Einfünfte der Angestellten, insbesondere der jugendlichen und in den unteren Bergütungsgruppen befindlichen, welche schon heute weit unter dem Existenzminimum entlohnt werden, einer gründlichen Nach prüfung zu unterziehen sind. Der Reichs- und preußischen Staatsregierung find folgende Forderungen unterbreitet worden: 1. Für alle Angestellten einschließlich der jugendlichen und bets jenigen in den ersten fünf Vergütungsstufen Gewährung eines gleichen laufenden Teuerungszuschlages von 5000 M. jährlich; 2. gleichmäßige Festsetzung des allgemeinen Teuerungszuschlages auf 70 Prozent und des Teuerungszuschlages zu den Kinderzuschlägen auf 200 Prozent in allen Ortstlaser; In einigen Tagen erscheint in unserem Verlage die neue Schrift von Karl Kautsky Von der Demokratie zur Staatssklaverei! Eine Auseinandersegung mit Troßki 128 Seiten Preis gut fartonniert 12.- Mart In diefer Schrift untersucht Rautsty brei Fragen: Die Gründe für bie Forderung der Arbeiterklasse nach der Demokratie; die Bedeutung der Dittatur der Arbeiterflaffe und ferner die wichtige und ständig an Debeutung gewinnende Frage über das Ver. bälmis des Sozialismus zum Arbeitszwang Bestellungen werden erbeten an Buchhandlung„ Freiheit" Breite Straße 8-9 Annahme in allen Spebitionen bes Berlages Diten. Sonntag, 6 Uhr früh, Schlesischer Bahnhof Roppen, Ede Mabaitrab Ligtenberg. Sonntag, 16 Uhr früh, Bahnhof Stralau Rummelsburg( Fab fartenschalter). Süboten. Sonntag, 26 Uhr früh, Mariannenplay enc wehrbentmal). Realölln- Briz. Sonntag, 7 Uhr früh, Bahnhof Neutoun. Weiten. Sonntag,% 7 Uhr früh, Bahnhof Bülowtrage. Rosenthaler Bortabl Sonnabend, 17 Uhr abends, Sonntag, 6 Uhr früh, Bahnhof Börse. Webbing Sonntag, 6 Uhr früh, Fennbrüde. Norben. Sonnabend, 18 Uhr abends Sonntag, 16 Uhr früh, Bahnhof Börse. Gesundbrunnen. Sonntag, 4% Bahnhof Gesundbrunnen Parteiveranstaltungen Sonntag, 21. Auguft 8. Diftritt, 2. Stellung. Vorm. 10 Uhr Abtellungsfihung bef Cromann, Shi walber Straße. Erscheinen aller Gruppenführer notwendig. Berantwortlich: für Bolttit u. Feuilleton: Leo Liebf6, Berlin- Friebenau für Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkschaftliches: 3. B.: Rober Senfel, Berlin; für den Insetatentell und geschäftliche Mitteilungen Ludwig Komerinez, Charlottenburg. Verlagsgenossenschaft Freiheit e. G. m. b. S., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. 6. 5., Berlin C2 Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen Gefchäftsstelle: Berlin 2, Breltefte. 80 Das Ueberfchriftswert 2 k., jebes weitere Wort im Tegt 1.50 mk. netto. Stellungsgefuche: Ueberschriftswort 1.50 Mh., jedes weitere Wort im Tegt 1. Verkäufe Neuheit. Gummikrawatten, abwaschbar, unverwüftlich. Dauerwäscheborn, Reichens bergerstr. 7. Reftehaus Pels, Rottbufer| Straße 5. Rammgarne, Gabar dine, Tuche, Seiden, Futterstoffe. Stoffe filr Herren- und Knaben angige, fertige Mäntel, Kostüme, Röcke fehr preiswert. Möbel Lethhaus Friedrichstr. 2 ( Hallesches Tor) serkauft spott billig Herrenanzüge, Cutaways, Ulfter, Schlüpfer, Hofen, KreuzReensflichfe! 100.- Bobel( chfe, Silberfilchfe, Alaskafachfel Blaufüchsel Silberfilchfe! fächfe. Reine Lombardware. Seltene Gelegenheiten! Senfas Gelegenheitskäufe. Gute tions Sommerpreise! Anzüge! und billige Bücher jeber Art Sofen! Uhren! 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