Einzelpreis 30 Pig.. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uns nachmittags, Sonntags und Montags was mal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10 M. in voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen jämtliche Boftanstalten Bestellungen ente gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u.Luxemburgs 20 M., ür das übrige Ausland 27 M. per Brief beg. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Brette Straße 8.8. Mittwoch, 24. Auguft 1921 Nummer 393 Morgen- Ausgabe Die echtgespaltene Ronpareillegeile oder beren Raum koftet 5,- M. einschließt Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgebruckte Wort 2- M., jebes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen Gesuche 3,20 m. netto pro Zeile. Stellen Gesuche in Wort Anzeigen: das fettget ruckte Wort 1,50 m., iebes weitere Wort 1,- M. Fernsprecher: 3entrum 15230-152 89 greiheit der Berliner Organ bei Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Frontfämpfertag" Was wir den Frontkämpfern zu sagen haben Fronttämpfer! Kameraden! Genossen! Die Gegenrevolution will Euren Namen mißbrauchen, um unter heuchlerischer Maste eine Heerschau ihrer Kräfte abs zuhalten. Der Nationalverband deutscher Offiziere" und der„ Bund nationaldenkender Soldaten" haben im Verein mit anderen alldeutschen, militaristischen und monarchistischen Organisationen für heute nachmittag einen„ Fronts tämpfertag" im Berliner Stadion angesetzt. Schon diese Bezeichnung ist eine höhnische Herausforderung. Obwohl wir nicht daran zweifeln, daß das Zehntausende fassende Stadion nicht Raum genug haben wird für alle diejenigen, die ihre gegenrevolutionäre Gesinnung, Sensationslust und Gedankenlosigkeit treibt, jeden nationalistischen Rummel mitzumachen, wird von den Millionen echter Frontfämpfer nur ein verschwindender Bruchteil dort fein. Nicht nur, weil die erbrüdende Mehrheit derer, die wirklich alle Schrecken und Leiden der Front mitgemacht haben, dieses Wohltätigkeitsfest" zugunsten der Kriegsopfer als einen blutigen Sohn empfinden, sondern auch, weil seine Beranstalter in fluger, aber nicht gerade tapferer Vorsicht Tag und Stunde so gewählt haben, daß es den Arbeitern unmöglich ist, zu Tausenden ins Stadion zu strömen und dort die Schändung des Andentens der toten Kameraden zu verhindern. So sind es ausschließlich die Frontkämpfer des Bürgerkrieges, die Streiter gegen die Revolution, die Republik, die Arbeiterschaft, die die sich dort versammeln werden, und ihr Tun gilt nicht dem Gewesenen, sondern dem Zufünftigen, sie denken nicht an den Krieg, in dem fie und ihre Führer aufs Haupt geschlagen wurden, wie nur je ein Seer der Welt, sondern an jene Kämpfe, in benen sie über die demokratischen und sozialistischen Kräfte in Deutschland leicht zu siegen gedenten, um wenigstens nach innen die alte Macht und Herrlichkeit wieder aufzurichten. Wir wollen, Kameraden und Genossen, die Antwort darauf nicht schuldig bleiben: wir wollen sie vor wegnehmen! Wir brauchen nicht erst zu hören, was ein Pfaffe und ein Junker im Stadion sprechen werden. Wir wissen ohnehin: jener wird im Namen des Gottes der Liebe die felig sprechen, die gemordet wurden, weil sie selbst morden mußten, und dieser wird dazu auffordern, aufs Neue zu morden, insbesondere jene, die sich damals bemüht haben, dem Völkerwahnsinn Einhalt zu tun. Es wird sich nicht ein neuer Gedanke in ihrem überlieferten Programm der Brutalität und des Machthungers finden. Auch was wir ihnen zu antworten haben, ist längst und oft gesagt. sei in seinen wichtigsten Punkten heute wiederholt, man fann es nicht laut genug sagen, nicht oft genug hören, nicht scharf genug seine Folgerungen daraus ziehen. Es Es ist unerhört und beispiellos, daß Generale, die einen Krieg verloren haben, so verloren haben, wie Deutschlands militärische Führer,- drei Jahre nach ihrer Nieders lage wiederum die Gözen des chauvinistischen Zukunftsglaubens sind, daß die Urheber des Weltkrieges heute in Deutschland als Märtyrer und Helden der Zukunft gefeiert werden. Die erdrüdende Mehrheit der wirklichen Frontkämpfer weiß heute, daß sie im Sklavenrod des preußifchen Militarismus der schlechtesten Sache der Welt gebient haben. Wir brauchen feine Aften zu wälzen, um zu wissen, mit welcher Inbrunst das in Deutschland herrschende preußische Junkertum den Krieg herbeigesehnt, mit welchem Eifer, mit welcher Verschlagenheit es ihn herbeigeführt hat! Geht uns mit euren Aktenbergen, von denen das Wichtigste doch längst verbrannt ist, mit Euren Erinnerungen", die nichts beweisen, als euer Schuldbewußtsein! Wir wissen aus jahrhundertelanger Erfahrung, wie es in den Köpfen derer aussieht, die jetzt mit Eifer Bücher schreiben, wir hatten schon vor 1914 eine lange und bittere Zeit hinter uns, die uns zur Genüge gelehrt hat, den hatten( und deren Puppen Kanzler, Minister und oft auch baß diejenigen, die Deutschlands Schidsal wirklich in Händie Fürsten waren); für ihre Machtgier teine Grenzen fannten. Es ist sicher, daß es auch jenseits der deutschen Gren zen Menschen gab, die unseren Kriegshehern geistes- und wesensverwandt waren, daß es auch in anderen Ländern eine Schuld am Weltkrieg" gibt. Wir wissen aber auch, daß der deutsche Militarismus diesen Krieg vom 3aune gebrochen hätte, selbst wenn es in jenen Ländern nur Engel gegeben hätte! Die preußisch- deutsche Kriegsmaschine, das ist: der preußische Militärsta at, mußte sich einmal in Bewegung setzen, sonst verlor das Leben deren Sinn und Ziel, die diese für die ganze Welt bedrohliche Maschinerie geschaffen hatten. Wer nach den geistigen Ursachen der deutschen Niederlage forscht, braucht in der Geschichte des Krieges nicht weit zu blättern. An dem Tage, wo wir die Grenze des neutralen Belgiens überschritten, begann, zunächst nur bei wenigen, die Erkenntnis dessen, daß wir für teine gute Sache fochten. Diese Erkenntnis hat lange gebraucht, um sich trok aller Lügen in Heeresberichten, Regierungstundgebungen und im vaterländischen" Unterricht durchzusetzen. Aber sie ist eine der Hauptursachen der deutschen Niederlage. Aber, Kameraden, nicht nur das war es. Selbst wenn wir Frontfämpfer nicht in steigendem Maße das Empfinden gehabt hätten, für eine verwerfliche Sache, für die Frivolität des preußischen Junfertums zu fämpfen, so mußten wir doch schnell erkennen, daß dieses Deutschland es nicht wert war, daß man seine Knochen seinetwegen zu Martte trug! Was hatte man uns in den ersten Tagen alles persprochen, als man das Bolt brauchte, wie hat man uns betrogen, als wir uns hatten fangen lassen. In welch irrfinniger Weise hat man uns bluten, verbluten lassen. Vergessen wir doch nicht: die Beliebtheit des Marschalls Hinden burg an der Westfront hatte ihren Ursprung in der Hauptsache darin, daß er der menschlichere" Nachfolger des Blutsäufers" allenhayn war, der entfernt wurde, weil viermalhunderttausend deutsche Soldaten seinetwegen vor Verdun sterben mußten! " Man hat in diesem Kriege auch den Dümmsten und Stumpfesten gelehrt, Vergleiche zu ziehen, und darf sich nicht Stumpfesten gelehrt, Bergleiche zu ziehen, und darf sich nicht wundern, wenn diese Vergleiche nicht so ausfielen, wie man gewünscht hatte. Die Kameraden aus Ostelbien z. B. lernten in Frankreich große, schöne Bauernhöfe kennen, und immer wieder versicherte man ihnen, daß diese Höfe seit TT einem Jahrhundert oft schon Eigentum der Bauern seien, während in Mecklenburg, Pommern, Ostpreußen der Groß grundbesitz nichts duldete als Knechte und allenfalls noch Pächter. Da wurde es auch dem Beschränktesten flar, daß er auch im Soldatenrod nichts war, als ein Junkers knecht, während in den feindlichen Schüßengräben frete Männer standen. Und, Kameraden, wie war es benn mit unseren politischen Rechten? Erinnert Ihr Euch noch der furchtbaren Erbitterung, die es hervorrief, als wir in Preußen das Dreiflassenwahlrecht abgeschafft wissen wollten und man um fleine und wertlose Reformen widerlich feilschte? Erinnert Jhr Euch noch des maßlosen Erstaunens, des Neis des, den gerade damals die Kunde hervorrief, daß man in England die Frage diskutierte, nicht ob die Soldaten in den Schüßengräben zum Parlament wählen sollten, sondern wie man es ihnen möglichst leicht und bequem machen könne! Als wir das damals hörten, haben wir uns in tiefster Seele geschämt vor unseren Gegnern. Wir erkannten wiederum, daß unser Kampf nicht für uns, sondern für die Reaktion geführt wurde und gegen Menschen, deren politische Rechte für sie so selbstverständlich waren, wie unsere Rechtlosigkeit für uns ers niebrigend. Auch hier bedurfte es nicht erst der ,, Vergiftung", um uns sehen zu lehren. Der Krieg selbst riß uns die Binde von den Augen. Wer sich aber etma um politische Dinge nie gefümmert hatte, mußte aus anderen Erlebnissen lernen. Es fam der Sunger, in der Heimat und an der Front. Er fam für Soldaten und die übergroße Mehrheit des Volkes, er fam nicht für Kriegsgewinnler und Offiziere! Es tam die Zeit, in der der Mann im Schützengraben sich von Dörrgemüse nähren mußte, während der Divisionsgeneral trotz aller Bahnsperre seinen Burschen dienstlich" allwöchentlich nach Deutschland schichte, um gestohlene Lebensmittel zu befördern. Wer von Euch ist nicht erstaunt gewes sen, in französischen und englischen Gräben stets Nahrungs mittel in Menge, aber nie einen besonderen Offiziersunterstand" zu finden? Wer hingegen ist nicht so und so oft aus dem Grabendred in ein Waldlager oder in ein Stabsquartier gekommen( von der Etappe ganz zu schwei gen) und hat sich dort von einem geschniegelten und gebü gelten Lumpen mit Achselstücken und vollgefressenem Gesicht Die Frontfämpfer der Gegenrevolution Wollt Ihr sie wieder zur Macht bringen? VII ,, anhauchen" lassen müssen, weil die ermüdeten Knochen des „ Frontschweins" nicht schnell genug zusammengerissen wurden zur Bezeugung einer„ Ehre", die nicht jenem, sondern Euch gebührt hätte. Wir wissen, daß es auch anständige Offiziere gab, aber man mußte lange danach suchen. Den Toten unter ihnen trauern wir ehrlich nach, von den Lebenden haben wir die Genugtuung, daß viele von ihnen heute in unseren Reihen stehen! So haben wir von Tag zu Tag es deutlicher erkennen gelernt, daß wir nicht für uns fämpften, sondern gegen uns, daß, wenn der preußische Junter siegte, nicht nur die Weltherrschaft des deutschen Militarismus begründet wäre, sondern wir selbst uns die Kette der Knechtschaft neu ge= schmiedet hätten. Die Unabhängige Sozialdemokratie ist stolz darauf, dieser Erkenntnis nach Kräften die Wege geebnet zu haben. Sie ist es gewesen, die ihr schon in den letzten Kriegsjahren die Sympathien der im Schüßengrabendred Verkommenden und zu immer weiterem Morden angetriebenen Frontsoldaten eintrug. Diese Erkenntnis war es aber auch, die die im Hinterlande leidenden Männer und Frauen des arbeitenden Volkes immer stärker in die Oppoition trieb und den Kampf der Unabhängigen Sozialdemokratie um einen schleunigen Friedens Schluß, um einen Frieden ohne Sieger und Besiegte" unterZeit, den Sieg davontrugen über Militarismus und regierung in unverantwortlichem Nachgeben gegenüber den Reaktion. Der Sieg der Revolution ist in den nachfolgenden Jahren zunichte gemacht und zum Teil in sein Gegenteil verkehrt worden. Alle jene„ Selden", die sich in den Novembertagen erschreckt in die Mauselöcher vertrochen oder sich der Revo lution, zur Verfügung" stellten, fonnten es nach fürzer Zeit wagen, mit eisenstirniger Frechheit wieder an die Oeffentlichfeit zu treten, das Bolt anzuflagen, die Arbeiterklasse und die Republif zu bekämpfen und der monarchistischen Reaktion die Wege zu ebnen. Heute ist es schon so weit, daß die Gegen revolution offen vor aller Welt Musterung über ihre Truppen abhalten kann und nur auf den Augenblick wartet, um losschlagen zu können. Die Baraden der Gegenrevolution Find Warnung und Wedruf zugleich. Warnung: weil fie uns zeigen, wie stark bereits die Macht des Gegners angewachsen ist. Wedruf: weil sie auch die Gleichgültigsten und Müdesten aufrütteln müssen, um der einheitlichen Front der alldeutschen Reaktion die geschlossene Front der Arbeiterklasse entgegenzusetzen und auf die halbe Revolution die ganze zu setzen. Mögen die Hindenburg und Ludendorff ihre Paraben abhalten. Auch wir werden nicht müßig sein. Je offenForderungen der Erzeuger ihrem Bestreben nach Annäherung der Getreidepreise an die Weltmarktpreise in vollem Umfange Rechnung getragen hat, so richtig ist auch, daß die bayerische Regierung und die baneri schen Abgeordneten genau dieselbe Saltung ein genommen haben. Das gilt insbesondere von denen, die dem ,, Bayrischen Curier" nahestehen! Sie waren die stärksten Kämpfer für die freie Getreidewirtschaft. Sie erklärten sich gegen. alle von den sozialistischen Parteien geforderten Sicherheitsmaßnahmen. Keiner von ihnen hat die For derung nach einem Getreide monopol, wie sie jetzt von den Bayern vertreten wird, erhoben. Die ganze Hetze der bayerischen Regierung und der bayerischen Reaktion ist also nur der Versuch, die überaus verdiente Verantwortung für die eigenen Taten in eine strupellose partikularistische Sche gegen das Reich umzumünzen. Reichstagsbeginn 27. September Der Reichstag hat in seiner legten Sizung vom 7. Juli den Präsidenten ermächtigt, die nächste Plenarsizung auf den 6. Seps tember anzuberaumen für den Fall, daß bis dahin die Beratung der Steuergesete in allen vorbereitenden Instanzen erfolgt sei. Da die Steuergesetze den hierzu berufenen Körperschaften zur Zeit noch zur Beratung vorliegen und da die oberschlesische Frage, auf deren Entscheidung man noch im Augujt gerechnet hatte, durch den Obersten Rat veriagt wurde, so. hat der Reichstagspräsident nach ſtützen ließ. Als dann, in unmittelbarem Zusammenhang sichtlicher die Gefahren werden, die dem Frieden Europas, Fühlungnahme mit den Fraktionen und der Reichsregierung die mit dem militärischen Zusammenbruch und als seine natura notwendige Folge, die Novemberrevolution ausbrach, als das arbeitende Bolt endlich die Bankerotteure des alten Regimes davonjagte, und sein Geschicht selbst in die Hand nahm, da waren es die leitenden Ideen unse= rer Partei, da war es der revolutionäre Wille und die sozialistische Erfenntnis der Avantgarde der deutschen Arbeiterklasse, die, wenn auch nur für furze der Sicherheit der Republik, der Existenz der Arbeiterklasse drohen, desto schneller wird sich das arbeitende Volf im Kampfe gegen seine Klassengegner zusammenschließen, um seine revolutionären, sozialistischen Ziele zum Siege zu führen.. Nieder mit der Reaktion und Militarismus! Es leben die Frontkämpfer der deutschen Revolution! Fort mit dem Ausnahmezustand Cine Anfrage an den Reichsminister des Innern, Dr. Die politischen Zustände in Bayern sind nachgerade ebenso unerträglich, wie die Haltung der Reichsregie rung zu diesem Standal unverständlich. Kein Mensch kann darüber heute noch den geringsten Zweifel haben, daß der Ausnahmezustand nur noch dazu dient, die Arbeiterbewegung zu knebeln und in der frechsten Weise zu verhöhnen. Der Belagerungszustand hat nicht im geringsten gehindert, daß infolge der systematischen Setze der bayrischen partitula ristischen und nationalistischen Organe verschiedene sozia listische Führer überfallen und mißhandelt, unser Genosse Gareis erworbet wurden. Derselbe Polizeipräsident Boehner, in dessen Amtsbereich der Mord geschehen ist, herrscht aber unumschränkt weiter.. Die Unfähigkeit und der mangelnde Wille, eine Hege zu verhindern, die den Mord als notwendiges Resultat hatte, hat ihm nichts geschadet. Noch mehr. Die Unfähigkeit und der mangelnde Wille, Mörder ausfindig zu machen, schadet ihm ebensowenig! Diesem Subjekt ist es möglich, den Kampf gegen die Unab gige Sozialdemokratie mit allen Schandmitteln der Polizeigewalt fortzuführen. Er verbietet unsere Presse, er verbietet selbst den ungenügenden Ersatz durch ein Mitteilungsblatt. Wie der Ochse im Porzellanladen, so trampelt dieser Kerl auf den verfassungsmäßigen Rechten herum, und es gehört wirklich die unbegreifliche Geduld der bayrischen Arbeiter dazu, dieses blinde Wüten zu ertragen. Mit der Gewalttätigkeit verbindet sich die Perfidie. Es fennzeichnet den Mann, daß er die unabhängige Presse unterdrückt, während er gleichzeitig ein fommunistisches Blatt gestattet, allerdings unter demütigenden Bedingungen. Für bie Kommunisten ist es freilich nicht minder charakteristisch. baß sie auf diese Bedingungen eingegangen sind. Die Efel, die nur mit dem Belagerungszustand regieren Tönnen, behaupten, daß sie nur so die„ Ordnung" aufrechtzu erhalten imstande sind. Die Ermordung von Arbeiterfüh rern, die neue Mordheße, die gegen unsere Genossen jezt wieder getrieben wird, ist die eine Seite dieser Ordnung. Die andere besteht in einet wilden partitularistischen Seße gegen die deutsche Einheit und gegen die Reichsregierung. Juden-, Schieber- und Wucherregierung sind noch Kosenamen. Die letzte Nummer des„ Miesbacher Anzeiger" erscheint mit der breiten Ueberschrift:„ Wirth und Lump". Eine Schmutzige Demagogie vergiftet systematisch die Atmosphäre und wird zu einer immer größeren Gefahr. Das alles sieht die Reichsregierung und sieht der sozialistische Minister des Innern, Dr. Gradnauer. Aber es geschieht nichts, obwohl nach der Verfassung die Reichsregierung mit einem Federstrich den Belagerungszustand be= seitigen und dem ganzen Sput ein Ende machen könnte. Denn es ist ein Sput. Hinter diesem ganzen Regiment Kahr Poehner stedt in Wirklichkeit recht wenig. In Nordbayern, wo die Arbeiterschaft stärker ist, weiß Serr Kahr sich einigermaßen zu beschränken. Aber in München, wo die Arbeiter leider noch immer sich viel zu sehr einschüchtern lassen, haust dieser Poehner, der Verantwortliche für die Mordhezze, wie verrüdt. Würde aber die Reichsregierung endlich einmal sich aufraffen, würde namentlich Gradnauer, wir sagen nicht wie ein Sozialist, aber wenigstens wie ein Demokrat, feine Pflicht erfüllen, so würde sich sehr rasch herausstellen, daß die Kahr und Boehner ebenso nachgeben müßten, wie sie schließlich in der Ultimatumskrise nachgeben mußten. Aber die Reichsregierung, die immer wieder feierlich erflärt hat, daß der Belagerungszustand überall beseitigt wer ben soll, weicht vor dem Widerstand der Landesregierungen ftets zurüd. Sie hat auch in Preußen noch immer nicht die Beseitigung der Reste des Belagerungszustandes durch gesezt, obwohl seine völlige Ruglosigkeit und Grundlosigkeit ganz offensichtlich ist. Daß die Kommunisten auch im Mansfeldischen Kreis an feine neue Offensive" denken können, ist nach dem völligen Niederbruch und bei der geistigen und moralischen Saltlosigkeit dieses Parteirestes wohl ganz offen fundig. Ebenso überflüssig ist der Belagerungszustand in Ostpreußen. Es zeigt nur die reaktionäre Natur der preußischen Regierung, der Stegerwald und Dominicus, daß fie der Aufhebung noch immer Widerstand leisten. Gradnauer, Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Aber daß die Reichsregierung an dem Brauch, der unter ihrer Vorgängerin eingerissen ist, festhält, den Ausnahmezu ihrer Vorgängerin eingerissen ist, festhält, den Ausnahmezu stand nur im Einvernehmen mit den Landesregierungen aufzuheben, kann für die Arbeiterschaft wirklich kein Grund sein, diese Schande noch länger zu tragen. Die Reichsregie rung hat das Recht; den Ausnahmezustand aufzuheben. Wir zweifeln nicht, daß sie selbst überzeugt davon ist, daß seine Aufrechterhaltung die schlimmste Willkür be= deutet. Wir fordern deshalb, daß endlich einmal mit die. fer Schande aufgeräumt wird, daß Dr. Grad. nauer seine Pflicht erfüllt! Aus Kahrbayern Drahtmeldung unseres Rorrefpondenten. Münden, 23. August. Jmmer deutlicher wird es offenbar, daß die Vereinigung der Angehörigen früherer bayrischer Regimenter den Erfaz für die rawfgelößte Einwohntermehr bildet und die monarchistischen Stoßtrupps für die bayrische Konterrevolution abgeben. Nach dem mit großem monarchistischen Gepränge in der vorigen Woche in München abgehaltenen Leibregimentstag fand gestern in Kempten i. A. ber„ Generalappell" des bayrischen Regiments statt. Egironprinz Rupprecht war mit vielen bayrischen Militärs er schienen und nahm stürmische Ouationen entgegen. Ein Fest gottesdienst besiegelte den militaristisch- flerifalen Bund. Aus dem Münchener Stadtrat Jm Stadtrat wurde heute der Antrag der U. S. P., ber voi Reichspräsidenten die Aufhebung des bayrischen Ausnahmezustan des forderte, in der Plenarsizung behandelt. Im Ausschuß war der Antrag gegen die bürgerlichen Stimmen angenommen worden. Im Plenum verließen die Bürgerlichen heute den Sigungssaal, schlußunfähig zu machen. und es gelang thnen durch diese Obstruktion, den Stadtrat be Schuhpolizei gegen Streifende In dem bekannten Wallfahrtsort ftötting traten die Arbeiter der Straßenregulierung wegen Lohndifferenzen in Streit. Sie demonstrierten dabei gegen die Teuerung. Der Staatstommissar antwortete darauf mit dem Aufgebot einer Sundertschaft der Staatspolizei und der Verhaftung mehrerer Arbeiter, die teils der K. P. D., teils der U. S. P. angehörten. Bayerische Demagogie Unter den üblichen Beschimpfungen der Reichsregierung, ohne die ja die Blätter der bürgerlichen Parteien in Bayern überhaupt nicht mehr denkbar sind, fritisiert das führende Blatt der Bayerischen Volkspartei den Entschluß der Reichsregierung, eine Sonderregelung für die Getreidebewirt schaftung für Bayern nicht zuzulassen. Mit welchen strupellosen Mitteln die bayerische Reaktion dabei vorgeht, ersieht man aus folgendem Zitat: ,, Es sei ein großer Fehler gewesen, den Schritt in die sogenannte freie Getreidewirtschaft zu tun. Allein, wenn er schon einmal getan wurde, dann konnte man schon dabei bleiben, im System der Getreidezwangswirtschaft das aufzugeben, was uns heute am meisten bedrückt, die Beschlagnahme des Getreides. Am zwedmäßigsten wäre es gewesen, das Getreidemonopo! einzuführen, oder wenn man das nicht habe tun wollen, so hätte man wenigstens dem Erzeuger nicht den freien Handel öffnen dürfen, sondern nur den Berkauf an die Kommunalverbände. Die Folge sei die Teuerungswelle, von der wir jetzt erst den gelinden Anfang erlebten. Wir seien dem Schlagwort von der Anpassung an den Weltmarktspreis zum Opfer gefallen. Die Folgen feien denen der Marneschlacht im Weltkriege vergleichbar. Es gebe für uns noch feinen Weltmartipreis, an den wir uns angleichen könnten, da er für uns nur eine von dem Wert unseres Geldes abhängige, schwanfende und wechselnde Größe sei. Senkung der Produktionsfosten müsse heute die Losung sein. Um sie zu erreichen, müßten in die freie Wirtschaft, wie wir sie jetzt haben, Sicherungen eingeschaltet werden." Alle diese Vorwürfe werden gemacht, um die Reichsregierung vor dem bayerischen Bolf als die allein verant wortliche Stelle für die großen Auswüchse des freien Sandels hinzustellen. So richtig es nun auch ist, daß die ReichsEinberufung des Reichstages aufgeschoben und als Termin des Zusammentritts nunmehr den 27. September vorgesehen. Der preußische Landtag, dessen Hauptausschuß bereits am Dienstag feine erste Sigung nach den Ferien wieder abgehal ten hat, wird am Mittwoch, den 28. September, zu Tammentreten. Der zürnende Jupiter Genosse L. Martom, der augenblidlich in Süddeutschland weilt, schreibt uns: ,, Der kleine Jupiter in der Redaktion des Vorwärts" ist über des Rationalismus" ersichtlich sehr in Born geraten, wenn er in meinen Artikel in Nr. 380 der Freiheit"," Eine Berherrlichung den 17 Zeilen seiner gegen mich gerichteten Notiz soviel rein pers lönliche Angriffe gegen meine Wenigkeit zusammentragen konnte. Schon die Tatsache, daß ich in meinem Artikel für die deutschen unabhängigen und gegen den Vorwärts" Partei ergreife, wird als eine sonderbare Einmischung" und als eine„ Taftlosigkeit" bezeichnet. Den Lesern des Zentralorgans der deutschen Sozial demokratie werden gleichzeitg sehr durchsichtige Andeutungen dat über gemacht, daß ich über mehr freie Zeit“ verfüge, als es für einen Sozialisten passend sei, und daß ich namentlich eine Autorität in theoretischen Haarspaltereien, beim Zigarettenrauchen und Teetrinten" sei, die, wie männiglich bekannt, eigentlich die russische Revolution zugrunde geridtet haben. Die Redaktion des Vor wärts" ist übrigens gut darüber unterrichtet, welchen Schulpanteil er( Mariow) als Führer der Linksmenschewisten durch sein Theo retisieren(!) gegen rechts und sein Lavieren gegen lints am tragi fchen Echidsal des russischen Proletariats persönlich trägt." Das sind die Komplimente, denen sich in Deutschland ein aus ländischer Sozialiſt aussetzt, wenn er in gana sachlicher Weise den Versuch macht, seine Anschauung darüber auszu Sprechen, inwieweit fene Bofitit der sozialdemokratischen Partei die zwar vollkommen von Wilhelm II. gebilligt, wurde, aber bet den Millionen der Arbeiter in ganz Europa kein Verständnis fand, den Interessen des Sozialismus entspricht machen Gewiß hat nur der Mangel an Zeit den tühnen Anonymus in Borwärts" gehindert, die in meinem Artikel angeführten Arg mente fachlich zu beantworten. Ich hoffe, daß nur ber Bedeutung jener gegen mich gerichteten Anschul selbe Mangel an Zeit ihn daran gehindert hat, über die digungen nachzudenken, die er den russisch- nationalistischen Weißgardisten entlehnte, die mich für das„ tragische Schicjal" des russischen Bolles verantwortlich Ich habe vom ersten Tage des Krieges an gegen den Deutschens haß und gegen die Parole des Krieges bis zum siegreichen Ende gefämpft zuerst in Frankreich, wo diese Aufgabe ein wenig schwieriger war als das Schreiben von Artikeln in Deutschland, über die Grausamkeit der Franzosen, die Barbard Der Russen und die Perfidie der Engländer, und später in Ruh land, wo ich von der Revolutionsregierung forderte, daß e das Geschid des russischen Boltes von dem des Krieges fit Recht und Zivilisation" trennen müsse. Deshalb wurde und werde ich von den russischen Nationalisten beschuldigt, daß meine und meiner Freunde Arbeit die russische Armee„ jerjeht" habe usw. In der russischen und französischen Nationalistenpresse wurde ich wegen meiner Tätigkeit unzähligemal als ein bezahlter Agent Deutschlands" beschimpft, und ein amerikanischer Bro fessor nannte sogar die Höhe fener Unterſtügungssumme, die i angeblich von der deutschen Regierung erhalten habe. Wenn der Anonymus im Borwärts" in diesem Sinne über meine Verantwortlichkeit für das tragische Schicksal des russischen Volkes spricht, so tann ich nur meine Bewunderung über jene moralische Elastizität ausdrülden, die es versteht, sid zu gleicher Zeit auf den Standpunkt des deutschen wie des ententistisch- russischen Nationalismus zu stellen. Ueber die Frage, was vom Standpunkt des Sozialisten als eine sonderbare Einmischung" bezeichnet werden muß, werden wir un mit dem Anonymus des Vorwärts" taum verständigen. Mit russischen Sozialisten betrachten es als eine„ londerbare Cin mischung", als Südefum in bekannter Mission nach Italien und Parvus nach Bulgarien und Rumänien reifte, und als August Winnig in den baltischen Provinzen die Borbereitungen für die Angliederung dieser Gebiete an Deutschland traf. Det Anonymus des Vorwärts" jedoch betrachtet es als eine fonber bare Einmischung", wenn wir von dem Recht Gebrauch machen unsere Anschauung über die strittigen Fragen der profetarischen Politit auszusprechen einem Recht, das wir russischen Gozial demokraten, wie ich anzunehmen wage, dadurch erworben haben daß wir die in Stuttgart und Basel übernommenen Verpflichtun gen chrlich durchgeführt haben. Wenn der Jupiter im Vorwäris" genügend freie Zeit" fin ben wird, um über diesen Unterschied nachzudenken, so wird viel Teicht sogar er einzusehen vermögen, auf welcher Seite ein Tattlosigkeit zu suchen ist. Vorstellungen der Regierung zum Vorfall am Bahnhof T fall am Bahnhof Friedrichstraße, mo französische Soldaten auf richstraße. Die deutsche Regierung ist im Anschluß an den Vor Anordnungen der Schußpolizei widerlegten und fich zu Tatli ihrer Durchreise von Oberschlejien nach dem Rheinland fich den teiten hinreißen ließen, beim franzöfifchen Geschäfte zösischen Heeresangehörigen dahin zu unterweisen, die in Deut träger mit der Bitte norstellig geworden, tünftighin die fram nehmen auf die Anordnungen deutscher Beamten. bu de B be zu de Fr 101 tej A Et ich hä 51 T1 in mi be Ste St rid ei Be 231 R Ich Er โป fei gel 23 Lo de คน be h 10 Би $ 31 ei δε tic De Ich 00 ne D al ho க 84 n ett 11 in Das Kartell mit dem Beamtenbund ch, Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsem en ich ent Or on er Dett bundes hat sich in seiner jüngsten Sigung auch mit der Frage Brotverteuerung und Beamtenforderungen des Kartellvertrages zwischen dem Deutschen Verhandlungen der Gewerkschaften mit der Regierung- Keine Verständigung Beamtenbund, dem Afabund und dem A. D. 6. B. beschäftigt. Wir haben seinerzeit über die Vorbereitungen zu diesem Kartellvertrag berichtet und auch mitgeteilt, daß der Deutsche Beamtenbund auf seiner legten Tagung die Frage zunächst zurückgestellt hat, wodurch das Zustande fommen des Kartells zur Zeit verhindert wurde. Leipart jo referierte auf der Sitzung des Bundesausschusses über diese ür Angelegenheit und sprach sein Bedauern über die ungünstige he Entwidlung des Verhältnisses des A. D. G. B. zum Deut schen Beamtenbund aus. Er fündigte jedoch an, daß der Bundesvorstand seine auf die Erzielung eines Kartellverhältnisses zwischen den Spitzenverbänden der Arbeiter, Angestellten und Beamten, bei dem alle Glieder ihre volle Selbständigkeit behalten sollen, gerichteten Bemühungen fortsehen würde. Wenn im Deutschen Verkehrs bund, einem Kartell der deutschen Gewerkschaften der Transport- und Verkehrsgewerbe, Bestrebungen zutage treten, führte Leipart aus, die diesem Abkommen entgegen mirten möchten, so dürfe sich der A. D. G. B. dadurch nicht beirren lassen, da eine Einheitsfront der Arbeiter, Ange stellten und Beamten im Interesse der gesamten arbeitenden Klasse läge. Wie der Bericht des„ Gewerkschaftlichen Nachrichtendienstes" über die Bundesausschußßigung angibt, zeigte sich auch in der Aussprache, daß die Vertreter der dem Verkehrsbund angeschlossenen Gewerkschaften mit ihrer dem Beamtenbund feindlichen Auffassung allein standen. Der Bundesausschuß hielt an seiner früheren Stellung in dieser al rage fest und nahm gegen zwei Stimmen folgende Resolution an: ep ng ei. eit Den ach Die Des its ju and ber ng in ers te. en ird it" al at für tät and che teil 20 gi 110 ez 811 tei, bet gu Dez bie hen сфе en. de" ein rd B Tic für ind inc be rbe ter to e Des Der Bundesausschuß des A. D. G. B. hat von der Ents hließung des Deutschen Beamtenbundes Kenntnis genommen. Er hält unter Aufrechterhaltung seiner früheren Beschlüsse an der uffassung fest, daß das vorgelegte Abkommen der beider eitigen Borstände eine geeignete Grundlage für ein Zusammen gehen der drei Spigenorganisationen bildet. Er erwartet baldige Wiederaufnahme der vom Deutschen Beamtenbund in Aussicht gestellten Verhandlungen. Sollte in angemessener Frist eine Vereinbarung nicht zustande lommen, so wird der Vorstand des A. D. G. B. beauftragt, mit den beteiligten Berbänden und dem Afa- Bund in Verhandlungen zu treten, um die Grundlagen für eine gewerkschaftliche Beamten. bewegung im Anschluß an den A. D. G. B. und Afa- Bund zu chaffen." Wir geben einstweilen von diesem Beschluß Kenntnis und warten ab, ob es die weitere Entwidlung dieser Bestre bungen nötig macht, näher auf das außerordentlich wichtige Problem eines Bundes aller Arbeitnehmerorganisationen einzugehen. Zunächst bemerken wir nur, daß wir den Einbrud haben, als ob der gegenwärtige Zeitpunkt aus vielfäl tigen Gründen für eine Durchsehung des KartellBeschlusses im Beamtenbund ungeeignet ist. Wir verstehen das durchaus, weil die Erfahrung lehrt, daß Ent scheidungen von so schwerwiegender Bedeutung sorgfältig vorbereitet werden müssen und nur durchgesetzt werden kön nen, nachdem sich ein auf Verständnis für die Notwen digkeit des Schrittes begründetes Bedürfnis bei allen Beteiligten von innen heraus entwidelt hat. In dieser Entwidlung dürften sich die Beamtengewert. haften noch etwas im Rüdstande befinden. Man wird ihnen. haher Zeit lassen müssen, durch ihren eigenen natürlichen Werdegang jene Reife zu erwerben, die die Voraussegung für einen so wichtigen Schritt und für eine fruchtbare Wirkung des Kartellverhältnisses ist. Nach dem Wortlaut der oben wiedergegebenen Entschlie. bung haben wir den Eindrud, als ob der Bundesausimu Die Lage ebenso betrachtet. Die Lohnbewegungen im Reiche Die Welle der totalen Lohnbewegungen im Reiche steigt von Crunde zu Stunde. In Solingen nimmt die Bewegung an heinend allgemeinen Umfang an. Es wird gemeldet, daß die beiter- Berband und Solinger Industriearbeiter- Werband organi Jette Arbeiterschaft zu der durch die gegenwärtige Teuerung entdenen Verschlechterung der Lebenslage Stellung genommen hat, getrennten Versammlungen tagten die Vorstände der Heim arbeitergruppen. Die gestellten Anträge sollen in ge meinsamen Berhandlungen zwischen Unternehmern und Arbeitern beraten werden. Die Verhandlungen zwischen dem Ortsausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und dem Bund der Arbeitgeber in Kiel über die Gewährung von Teuerungszulagen für die in Kleinbetrieben beschäftigten Arbeitnehmer sind gestern abend gescheitert. Sämtliche Berufsgruppen haben darauf noch am Montag abend in Versammlungen Stellung zur Lage genommen und beschlossen, am Dienstag in ben Streit einzutreten, da die Angebote der Arbeitgeber für unannehmbar erklärt wurden. Der Streit ist darauf gestern morgen ausgebrochen. Auch die Hilfsarbeiter dr Linte- Hoffmann- Werke A.-G. in Breslau sind in den Aus stand getreten. Während die Di reltion die Erhöhungen aus dem neuen Lohnabkommen erst vom 1, September ab in Wirksamkeit treten Tassen will, verlangen die Hilfsarbeiter die Auszahlung mit Wirkung ab 15. Juli. ng fich Des ine ns Git in len 15 en Det en als 21 64 Dagegen wird aus Düsseldorf über die Beilegung einer Lohnbewegung berichtet. Die Arbeiterschaft der Eisenindustrie erhält bis zum Intrafttreten des neuen Tarifvertrages 50 Prozent 3ulchlag zu Sausstand- und Kindergeld und die Teuerungszulage. Die Lohnbewegung auf ben westdeutschen Kanälen ist durch einen Schiedsspruch des Reichstommiffats in Dortmund zum Abschluß gebracht worden. Parteitag der BKPD. Jena, 23, Auguft. ber K. B. D. schon deutlicher hervortreten. Die Rede des BerDie Dienstagsigung ließ die verschiedenen inneren Strömungen treters der Mostauer Exekutive Rolarow sagt freilich nur einige Wiederholungen der Gedanken des Aufrufs der Exekutive an den der Offensivtaltit, Abschluß der Partei. Parteitag, Abweisung bistussion und positive Arbeit, die nur bei den Kommunisten etwas Levi, Geyer ausdrückte, war zu erwarten. Bemerkenswert aber anderes heißt, Auch, daß er seine Genugtuung über den Ausschluß war seine Erklärung, daß er von der Berliner Delegation, der Angriffe der Erefutive empfangen habe, die, wenn die Berliner ausgesprocheniten Bertreterin der Linken, Auftlärung gegen bie Organisation in dieser Richtung beharre, eine Aenderung der Saltung der Ere utive zu ihr herbeiführen dürfte, Beratungen mit den Parteiführern Wie wir schon in unserer Ausgabe vom Montag mitteilten, haben im Laufe des Montags die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Organisationen der Beamten und Arbeiter der Staats- und Reichsbetriebe über die Lohnforderungen begonnen. Die Verhandlungen gingen am Montag nicht zu Ende, sondern mußten nach langen Beratungen auf Dienstag vertagt werden und auch gestern ist teine endgültige Einigung zustande gekommen. Ueber die Verhandlungen am Montag, die unter dem Boris des Reichstanzlers stattfanden, und bei bencn Groener und Giesberts zugegen waren, wird berichtet, daß der Reichstanzler barstellte, die Befriedigung der Ansprüche, die von den Eisenbahnern und von einem Teil des A. D. 6. B. erhoben worden seien, würde eine Mehr belastung des Reichshaushalts von 14 milliarden betragen. Groener, der über die Verhältnisse bei den Reichseisenbahnen Sprach, teilte mit, daß man im Reichsverkehrsministerium an eine neue Tariferhöhung gedacht habe, die sich taum werde umgehen lassen, wenn die Zulagen an die Bediensteten gezahlt werden sollen. Dann gab Geheimrat Kühnemann vom Reichsfinanz ministerium dieBesoldungsvorschläge der Regierung bekannt. Die Regierung sei bereit, einen Ausgleich der Teue rungszuschläge in den fünf Ortstlassen vorzunehmen, und zwar derart, daß die Differenz amischen Ortsflaffe& und E anstatt 15 Prozent wie bisher, in 3ufunft nur noch 10 Prozent betragen jolle. Dagegen fönne die Regierung der Forderung der Organi fationen auf gleichmäßige Erhöhung der Zuschläge für alle Bes amten nicht zustimmen. Sie sei dagegen bereit, die einzelnen Teuerungszuschläge in den verschiedenen Ortsklassen um je 15 Prozent zu erhöhen, daß also in Ortstlasse A zum Beispiel eine Erhöhung von 70 auf 85 Prozent erfolgen würde. Man sei weiter hin bereit, bie Stundenlöhne der Arbeiter um 55 Pfennige gleichmäßig zu erhöhen. Die Kin. berzuschläge sollten von 150 Prozent auf 175 Prozent in Ortsklasse A, in Ortstlasse B und C auf 150 Prozent und in den Klassen D und E um 125 Prozent erhöht werden. Das würde in Drtstlase E eine Erhöhung gegenüber den jezigen Zuschlägen um etwa 50 Prozent betragen. Diese Vorschläge der Regierung wurden von jämtlichen Vertres tern der Beamten und Arbeiter als unzureichend bezeichnet. Nach langen Debatten verstanden sich die Regierungsvertreter dann bazu, die Teuerungszuschläge für sämtliche Ortstlassen anstatt um 15 Prozent um 20 Prozent zu erhöhen. Auch hier vertraten bie Gewerkschaften vor allem wieder die Forderung, daß anstelle einer prozentualen Erhöhung eine gleichmäßine Teues rungssumme an alle Beamte ohne Rücksicht auf das Grundeintommen zu zahlen sei. Man einigte sich auf einen Kompro= misvorschlag, der vorsteht, daß bie Zulagen um 20 Prozent erhöht werden, baß jedoch den in Oristlase E eingestuften Beamten ein annehm barer Ausgleich zugeftchert werde. Diese Frage wurde einem Unterausschuh unter Borsiz des Geheimrais Schlieben zur weiteren Bearbeitung überwiesen. Man tonnte jedoch in biesem Unterausschuß nicht zu einer restlosen Verständigung ge langen, so daß die Regierungsvertreter dann den Vorschlag mach ten, eine weitere Erhöhung der Kinderaulagen um 25 Brozeat zu genehmigen, so daß also in Ortstlane A 200 ProProzent zu genehmigen, so daß also in Ortstlasse A 200 Pro zent, in B und C 175 Prozent und in D und E 150 Brozent gezahlt metden. Für die Diätare wurde zugesagt, dak nie jest in den beiden ersten Jahren 90 Prozent des planmäßigen Beamteneintommens, im dritten und vierten Jahre 95 Prozent und vom vierten Jahr ab das zuständige Beamtengehalt erhalten sollen. Den Arbeitern wurde nach dem Vorschlag der Regierung eine Auf befferung des Stundenlohns um 85 Pfennig zugesichert. Die Ausahlungen der neuen Gehälter und Löhne loll am 1. Septem ber bereits erfolgen, da die Regierung dem Reichsrat unverzüglich eine entsprechende Borlage überreichen wird. Die Gewerkschaften hielten am Montag an der Forderung einer Mindestgarantie fest, auf die sich die Regierung indes nicht einlassen wollte, fodaß nach 12- stündiger Verhandlung die Kon ferenz abgebrochen wurde. Am gestrigen Vormittag haben die Bertreter der Beamten und Arbeiter ihre Forderungen noch einmal den Ressortministern gegenüber begründet und am Nachmittag trat dann der große Ausschuß noch einmal zusammen. Aber auch gestern ist es nicht zur Einigung gelommen. Der Beginn der Gigung am Nachmittag verzögerte sich sehr wesentlich, weil angesichts der Tragweite ber schwebenden Verhandlungen ber Reichstanzler sein Erscheinen zugesagt hatte, um die Stellungnahme der Regierung darzutun. Nach seinem Erscheinen übernahm der Reichstanzler wiederum den Borsiz der Verhand lungen Es waren fast alle Vertreter der an der gestrigen Konferenz beteiligten Organisationen zur Stelle Der Reichstanzler ertlärte in einer furzen Ansprache, daß die Regierung sich bie tivität auf allen Gebieten und ist durchaus nicht etwa General streit und Aufstand. Der Linken reichte er eine in der bekannten Weise verklausulierte Huldigung vor Sölz und eine in biplo matischem Ton gehaltene Desavonierung Brandlers, bem die Zentrale fofort erflärt habe, baß sie mit seiner Saltung vor Ges richt nicht einverstanden sei. Die Leviten bekamen den Fußtritt. daß sie längst innerlich dem Kommunismus entfremdet worden feien, mit ihnen fei man glüdlich fertig, worauf die Rufe tamen: es find noch nicht alle raus. Die Diskussion, die am Nachmittag fortgefekt wurde, zeigte das Ueberwiegen der Linten gegen Trogtis scharfe Rede in Mostau gegen die Offenfiotattit. Seine Brognose einer längeren Atempause der Revolution war fast in allen Reden auch jetzt der Angriff. Diese Linie wurde nur unterbrochen von den Vertretern der Opposition, Maltzahn und Neumann, die den Gegensatz der Linken zu den Beschlüssen des Moskauer Kongresses hervorhoben, wozu eine von der Linten vorgelegte Resolution diente. Maltzahn fand öfter Widerspruch, Neumann besonders, als er von der gewerkschaftsfreundlichen Linken Sprach, was ihn indes nicht beirrte. Der dünne Beifall, den Maltzahn und Neumann fanden, zeigte die Schwäche ihrer Richtung auf dem Parteitag. Das Ereignis der Nachmittagssigung war eine wissenschaftliche aber dabei wohlberechnete Rede Klara Zetkins, in der sie ihre Unterzeichnung des Friedensvertrages in Moskau erklärt nicht als ein Kompromiß, jondern als Ergebnis ihrer späteren Erkenntnis, baj die Märzaltion doch ein Fortschritt war und, soweit sie ein Kampi der Arbeiter war, eine Durchbrechung der Paffivitiät. Die Verstärkungen für Oberschlesien W. T. B. meldet: Zur Verstärkung der interalliierten Truppen in Oberschlesien werden zwei britische Bataillone und eine franzöfifche Brigade vom Rheinland nach Oberund laufen über die Strede Bischofsheim, Frankfurt- Süd, HanauVersuch, die Schuld der Zentrale an der Märzattion zu verhüllen. Ichlesien befördert. Die Transporte beginnen am 25. Auguft Dr. Meners politischer Bericht der Zentrale war natürlich ein worden, was also die Kämpfe gar nicht beeinflussen tönne. Eine Oft, Flieden, Blankenhain, Gerstungen, Weißenfels, Taucha, polemische Finte, die unterschlägt, daß die Führerschaft die Offene Dobrilugt, Sagan, Arnsdorf, Liegnig, Mochbern, Brodan, Karls. inführung vor ihrer literarischen Formulierung von den Tur leftanern" angenommen hatte. Und dann fam das flägliche Kunst mertt, Oppeln. Täglich werben 4 Züge gefahren. Die Bevöl d, daß die Theorie von vielen Genossen misverstanden worden terang ber von den Transporten berührten Gebiete wird zur lei- diefe harmloje Parole bebeutet nämlich nur gesteigerte At. Bermeidung von unliebsamen Zwischenfällen darauf hingewiefen, Forderungen der Gewerkschaften nicht in allen Bunkten zu eigen machen könnte. Dr. Wirth gab für den Entschluß der Regierung ausführliche Erklärungen ab, über deren Inhalt die Berichte Schweigen. Um einen Abbruch der Besprechungen zu vermeiden, erklärte der Reichskanzler schließlich, daß er am Mittwoch die Beratungen in der Reichskanzlei fortzusehen wünsche, und daß er zu dieser Sigung die Fraktionsführet bes Reichstages laden werde. Der Zeitpunkt dieser neuen Bes sprechung wird noch bekannt gegeben werden. Im Anschluß an diese Besprechung fanden Konferenzer der beteiligten Beamten und Arbeiterorganis Augenblich wie das eigensinnige Beharren bei einem Prin dung der Berhandlungen beschäftigte. Man hofft namentlich in den Kreisen der Gewerkschaften auf eine Verständigung. Es ist auch bereits der Plan wieder aufgetaucht, die Beamten und Arbeiter über die Vorschläge der Regierung eine Abstimmung vornehmen zu lassen, von deren Ergebnis dann die weiteren Entschließungen der Organisationen abhängen wird. Wir finden das Festhalten der Regierung an einer pro zentualen Zulage pöllig verfehlt. Es erscheint in diesem Augenblid wie das eigensinnige Beharren bei einem Prinzip, das absolut nicht in unsere Zeit paßt und vor allem im gegenwärtigen Augenblid nur geeignet ist, Beunruhi gung unter die Arbeiter und Beamten zu tragen: dem Prinzip der ungleichen Behandlung der ein dem 3med, zelnen Beamtenfategorien au zwischen ihnen einen bestimmten sozialen Abstand aufrecht zu erhalten. Die Durchsetzung dieses Prinzips fonnte sich die faiserliche Regierung leisten, die im Beamtenförper lediga lich einen Machtapparat ihres Staates fah, aber dieses Prinzip der sozialen Ungleichheit paßt wenig zu der republifanischen Staatsgesinnung, die die gegenwärtige Regierung von der Beamtenschaft verlangen muß. Auch von ganz materiellen Gesichtspunkten aus betrachtet ist die Ungleich heit einer Zulage völlig unfinnig. Die Teuerung, die es auszugleichen gilt, betrifft alle gleich, den höheren Beamten in demselben Maße, wie den Angehörigen der unteren Beamtenkategorien. Es handelt sich nicht darum, gehobenen Beamten eine bessere Lebenshaltung zu garan tieren, sondern es handelt sich darum, die gewaltige Teuerung für alle Beamtenschichten einigermaßen erträglich zu gestalten. Aus diesem Grunde ist die von den Gewerks fchaften aufgestellte Forderung nach einer gleichmäßi gen 3ulage für alle Beamten durchaus berechtigt, ja, es ist sogar das einzige Prinzip, das auf sozialem Gerechtig feitsgefühl beruht. Soeben wird aus Hamburg von einer großen Versammlung ber unteren Postbeamten und Postangestellten berichtet, in der beschlossen wurde, den 2ohnzettel eines Post= beamten der Deffentlichkeit bekanntzugeben. Infolge dieser Entschließung waren gestern in der ganzen Stadt an allen Häusereden, Brieffästen usw. Zettel angeklebt, auf denen in übersichtlicher Form die einzelnen Bluspofitionen nebst Abzügen und die Endsumme des Einkommens eines Postbeamten aufgeführt sind. C Als Endfum me selbst erscheint hier für einen vet heirateten Postboten mit awei Kindern 709,15 Mart. In furzen Worten wird weiter auf die Notwendigkeit einer fofortigen wirtschaftlichen Beihilfe und ausreichender Gehaltsaufbesserungen hingewiesen; besonders ergeht diefer Notruf nochmals dringend an die maßgebenden Stellen in Berlin. Was meint wohl die Regierung und was denkt vor allem der Reichskanzler, was die große Masse der unteren Beamten, die in folcher Weise entlohnt werden, bazu sagen, wenn auch nach diesen Verhandlungen, deren Notwendigkeit aus tiefstem Elend erwachsen ist, die oberen und ohne hin besser bezahlten Beamtenschichten wiederum eine höhere absolute Zulage einsteden sollten, als die Masse der unteren Beamten? Aus der Berichterstattung über die Verhandlungen geht nicht hervor, daß die Regierungsvertreter nach gewiesen hätten, daß die gleichmäßige Aufbesserung eine höhere Belastung des Haushnits zur Folge haben würde. Um so eigensinniger erscheint das Verhalten der Regierung, und um so mehr ist zu hoffen, daß sich die Parteiführer die Forderung der Gewerkschaften zu eigen machen werden. | daß es im allgemeinen Jntereffe liegt, diesen Transporten feiness lei Schwierigkeiten zu bereiten. Eine Ablehnung Wie Havas aus Madrid melbet, hat Quinones de Deon das Angebot des Grafen Ishii, das Amt des Berichterstatters in der oberschlesischen Frage zu übernehmen. abgelehnt. Der polnische Eisenbahnerstreik TU. Danzig, 23. Auguft. Der polnische Eisenbahnerstreil hat den Verkehr zwischen dem Freistaat Danzig und Bommerellen nahezu Ia hm gelegt. Die Züge von Danzig nach Dirschau verkehren nur bis Hohenstein und werden von dort wieder nach Danzig zurüdgelassen. Die Züge Don Danzig nach Bofen und Warschau fielen gestern aus. Rach den Richtungen Stettin und Königsberg wurde der Verkehr not dürftig aufrecht erhalten. Auch der Verkehr durch den polnischen Karribor soll nach Möglichkeit aufrecht erhalten werden. In Dirschau streiken allein 4000 Eisenbahner, die gestern eine Vers fammlung abhielten, um die ber Warschauer Regierung unterbreiteten Forderungen nochmals zu besprechen. Heute findet in der Dirschauer Stadthalle eine Versammlung aller polnischen Bost beamten statt, die über einen evtl. Anshinh an den Streit der Eisenbahner beraten werden. Die Schweiz anerkennt Bitanen. Der Chef des schweizerischen politischen Departements hat dem Vertreter Litauens in der Schweiz mitgeteilt, daß der Schwetzer Bundesrat die Republik Litauen de jure a nerfannt hat. Hühneraugen Hornhaut Schwielen. Warzen beseitigt das ärztlich empfohlene millionenfach bewähr Kukiro Schachtel M. 3.-. In Apothekea u. Drogerien erhältlick Fahrschein GZoran und Out Muhcreme Tung über Gültig für diegarnefat unter den im Wagen aus hängenden Beförd Bed 84121 D.612 Berlmer Strassenbahn W6. 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Weltkongresses der Kommunistischen Internationale Moskau, 22. Juni bis 12. Juli 1921 Inhalt: Refolution zum Bericht des Eretutivkomitees der Komm. Internationale/ Thefen zur Weltlage und die Aufgaben der Komm. Internationale/ Thefen über die Taktik Resolution zur Märzaktion und über die Lage in der V. K. P. D./ Kundgebung für Mar Hölz Thesen über die Komm. Internationale und die Rote Gewerkschaftsinternationale Resolution über die Arbeit auf dem Gebiete der Kooperativen Thefen über die Arbeit der Kommunisten in den Kooperativen Thesen zum Referat über die Politik der Komm. Partei Rußlands/ Resolution über die Taftik der Komm. Partei Rußlands Leitfäße über den organisatorischen Aufbau der Komm. Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer Arbeit/ Resolution zur Organisation der Komm. Internationale Thesen über die Methoden und Formen der Arbeit unter den Frauen der Komm. Parteien/ Resolution über die Internationale Verbindung der Kommunistinnen und über das Internationale Kommunistische Frauensekretariat Resolution über die Formen und Methoden der Kommunistischen Arbeit unter den Frauen Resolution über die Kommunistische Internationale und die Kommunistische Jugendbewegung Aufruf des Exekutivkomitees der Komm. Internationale an die Proletarier aller Länder 191 Geiten Preis broschiert Mark 2.50 Gebunden Mark 6.Zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley, Hamburg 11, sowie durch alle Buchhandlungen und Organisationen der V.K.P.D. Glühlampen Halbwattlampen und fämt!. Elektro- Install. Material kauft Elite- Sänger Schröder. Bernauer Str. 101 10 Herren! Vovk 11-1% u. 4-6 ETEOP VARIETE KABARET Behrenstraße 54. 7 Uhr: Das sensationelle Salson EröffnungsProgramm. 18 Fabrikgeb. III. 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Nr. 8-9 Soeben erschienen Unser Weg ( Sowje) Zeitschrift für kommunistische Politik Herausgeber Dr. Paul Levi. Aus dem Inhalt: Paul Levi: Der Parteitag der V K.P.D. Kurt Geyer: Zur Vorgeschichte des dritten Weltkongresses. Eernh. Düwell: Zur Steuerpolitik der V. K. P. D. Waldemar Hinter den Kulissen der Märzaktion, Die Ausführung der Kongreßbeschlüsse. Preis der Einzelnummer 2 M./ Quartalsabonnement 11 M. Zu beziehen durch alle Postanstalten und durch die Internationale Verlagsanstalt G. m. b. H., Berlin SO. 36. Elsenstr. 75. Telephon Mpl. 13315 Tüchtige Verkäufer für Baumwollwaren sofort gesucht Meldungen: 12-2 Uhr mittags 5-6 Uhr abends A.Jandort& Co. Große Frankfurter Str. 113. Tüchtige Verkäuferinnen für Damenwäsche Damenkonfektion Baumwollwaren Gardinen sofort gesucht Meldungen: 12-2 Uhr mittags 5-6 Uhr abends A. Jandorf& Co. 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Gesundbeter machte das unmöglich Scheinende möglich; er nahm sich den seligen Doktor Eisenbart zum Muster: er machte die Blinden wieder gehend und die Lahmen wieder sehend. Aerztliche Wissenschaft und ärztliches Gewissen tamen dabei natürlich nicht in Frage, das brachte ja auch weder Anerkennung noch Beförderung. Dem R. B. Geſundbeter tam es nur darauf an, seine Tüchtigkeit zu beweisen, indem er unter allen Umständen das höhererJeits angeforderte Menschenmaterial lieferte. Was er lies ferte, war ja in der Regel nicht gerade erstklassig, aber ein Sundsfott gibt, mehr, als er hat.„ Sterbliche Menschen, sterbliche Menschen, sie füllen eine Grube gerade so gut wie andere", läßt Shakespeare seinen Falstaff sagen, als man ihn beim Anblid der von ihm gestellten Refruten fragte, ob er wohl die Galgen geplündert habe. Solch ein K. B. Gesundbeter fühlte sich eben als nichts weiter, denn als gefügiges Werkzeug höherer Instanzen. Ein Wink von oben genügte, und die stark gelichteten Reihen des Schlachtviehes füllten sich wieder. Aerztliches Gewissen, mit dem man fortgesetzt prahlte, verstummte gehorsamst, wenn höherer Befehl es so forderte. Jedes menschliche Ges fühl, jede wissenschaftliche Ehre wurde während des Krieges von diesen K. B. Gesundbetern verleugnet, wie eine feile Dirne behandelt. Es wurde bald offenes Geheimnis, daß nach schweren Verlusten die Lazarette mit ganz besonderer Särte von diesen K. V. Gesundbetern gesäubert wurden. Bei den Kämpfen um den Kemmelberg wurden Leute mit hohem Fieber aus den Betten hinaus und in die Front hineingejagt:„ Fieber! Kennen mit! Remmelfieber! Nischt weiter, Angstmeier! Rrrraus!" So waltete der K. V. GeJundbeter seines Amtes während des Krieges. Dafür wurde ihm manchmal höchster Lohn zuteil: Er durfte zuweilen auch mit den Herren Offizieren verkehren und wurde von hnen beinahe als ihresgleichen angesehen. Beinahe: denn die aus dem Zivilberuf hervorgegangenen Landsturm- und Zivifärzte hatten während des Krieges jahrelang vergebens den Kampf um die Epauletten ge tämpft. Dugende von Artikeln in den medizinischen Fach eitungen, Resolutionen, Eingaben und Denkschriften an das Kriegsministerium, ja selbst eine Throneingabe der offiziellen Bertretung der deutschen Aerzteschaft an Wilhelm II. hatten leinen Erfolg. Das Militär! abinett soll alles vers eitelt haben: in der legten Nummer der„ Berliner Aerzteforrespondenz" berichtet Geheimrat Mo11: Wer erinnert fich nicht noch fener Klagen, die sich auf die Achselstücke be80gen! Durften doch nach der damaligen Berordnung die Bivilärzte nicht einmal einen Helm tragen( Schrecklich, schrecklich! D. Red.) fodaß sie bei Bernehmungen vor Kriegs gerichten und anderen offiziellen Feiern, zum Beispiel Trauerfeiern, oft unangenehm auffielen.( Entfeglich, ents feglich! D. Red.) Die Klagen wurden auch im Aerzteaus. Das Morgengrauen Aus Henri Barbusse, Das Feuer" An der Stelle, an der wir niedergesunken waren, erwarten wir den Tagesanbruch. Er tommt ganz allmählich, eisig und düster und fliegt finster über die fable Ebene. Es regnet nicht mehr. Der Himmel hat allen Regen hergegeben. Die bleifarbene Ebene taucht mit ihren blinden Wasserspiegeln nicht nur aus der Nacht, sondern scheinbar aus einem Meer hervor. Salb eingenidt, halb, schlafend, öffnen wir dann und wann die Augen, um sie wieder zu schließen; wir sind gelähmt, entfräftet Lichtes. Wo find die Schützengräben? Man sieht Geen und zwischen den Seen milchige Streifen stehen den Wassers. Es hat noch mehr Wasser, als man glaubte. Das Wasser, hat alles aufgefogen; es hat alles überschwemmt und die nächtliche Brophezeiung der Leute ist in Erfüllung gegangen; es hat feine Schüßengräben mehr; fin find in jenen Kanälen untergegangen, bie man dort sieht. Das Schlachtfeld schläft nicht, es ist tot. In der Ferne dauert das Leben vielleicht fort, aber so weit steht man von hier aus nicht. Ich richte mich mühsam halb auf, um mir die Gegend anzufehen, und schwanke wie ein Kranfer. Mein Mantel erdrückt mich mit seiner ungeheuren Last. Neben mir liegen drei un förmige Gestalten. Die eine ist Paradies; ein ungewöhnlicher Rotpanzer bebedt ihn und sein Gurt ist an der Stelle, mo bie Patronentaschen hängen, aufgebläht. Er richtet sich ebenfalls auf. Die andern schlafen regungslos. Welch eine Stille! Eine gewaltige Stille. Nicht ein Ge Iräusch; nur dann und wann hört man inmitten der geisterhaft gelähmten Welt eine Erdscholle ins Wasser fallen. Niemand ichießt Kugel, denn die Menschen Kein Geschoß, es würde ja doch nicht plazen. Keine Die Menschen, wo sind die Menschen? der Erde und schlafen. Der Rot bebedt sich von oben bis unten; Allmählich sieht man sie. Nicht weit von uns liegen welche auf es find beinahe nur noch Gegenstände. Beilage zur„ Freiheit" Schuß viel erörtert. Immerhin wurde damals schließlich die, Grußfrage befriedigend(!!) erledigt." Ja, unsere Aerzte hatten während des Krieges große Sorgen. Vielen war es lediglich darum zu tun, Mitglied des Offizierkorps zu mimen, gleichberechtigte Glieder einer bestimmten Klasse und Kaste herauszubeißen, und darum ging all ihr Streben und Mühen dahin, in die ganze Denkart und Gefühlswelt dieses Standes hineinzuwachsen und völlig darin aufzugehen. Schon in Friedenszeiten stand der Mis litärarzt nicht in allzuhohem Ruhme. In den Augen der Zivilärzte wurde er in der Regel nicht für ganz voll ges Wissenschaft stehend. nommen, galt zum mindesten nicht als auf der Höhe der Das lag an dem System. Die ganze Stellung eines Militärarztes war eine schiefe und zweifelhafte. Auf der einen Seite militärischer Beamter mit Offiziersrang, auf der anderen Seite doch wieder fein Offizier. Es war ihm ja allergnädigst gestattet, im Offiziertorps und mit demselben zu verkehren, aber eine Gleichberechtigung war damit noch lange nicht ausgesprochen. Der jüngste Fähnrich, der dümmste Leutnant dünfte sich unendlich mehr, wie der älteste Oberstabsarzt. Es war so ungefähr dasselbe Verhältnis, wie es in einer bekannten Anekdote von dem Oberlandes wie es in einer befannten Anetbote von dem Oberlandes gerichtspräsidenten zum Ausdrud fommt, der für größens wahnsinnig gehalten wurde, weil er sich eingebildet hatte, er fei Regierungsreferendar. Also feine Gleichberechtigung, sondern im besten Falle stillschweigende Duldung und Zulassung, ein vornehm sich herablassendes Gönnertum. Mittwoch, 24. August 1921 pflichtigen spielte ja bekanntlich der Arzt eine geradezu tlägliche und beschämende Rolle. Er war nicht etwa, wie der beschränkte Untertanenverstand zu Anfang des Krieges ans nahm, der wissenschaftlich erfahrene und streng gerecht urs teilende Berater über das ihm in bezug auf Tauglichkeit vorgeführte Menschenmaterial, sondern ein bloßer Sand langer und Selfershelfer, ein blindes, gefügiges Werkzeug, das von höherer Hand dirigiert wurde. Selten, daß sich wissenschaftliche Ueberzeugung und männs licher Charakter aufgebäumt hätten gegen solch unwürdigen Dienst. Im Gegenteil, die K. V. Gesundbeter fühlten sich in ihrer Rolle ganz fannibalisch wohl. Und wenn von oben der Befehl und die Anweisung fam: so und so viel wird ges braucht, dann wurde eben das gewünschte Quantum geliefert. Durch Widerspruch hätte man ja nur sich und seiner ganzen Stellung geschadet:„ Man fann es ja einmal pro= bieren", so die Entscheidung des militärischen Vorgesetzten, zu der der K. V. Gesundbeter demütig ja und amen sagte. Dieses Probieren und Experimentieren hat unzähligen Leben und Gesundheit gekostet, und daß dieses unwürdige Spiel später in den Lazaretten seine Fortsetzung gefunden, braucht nicht weiter Wunder zu nehmen. Auch hier, wie bei dem ganzen Aushebungsrummel, war einzig und allein das militärische Element entscheidend und ausschlaggebend; auch hier wieder das Spiel geheimer Einflüsse und geheimer Orders, demgegenüber der K. B. Gesundbeter alles willig mit Jeinem Gewissen und seiner Autorität zu deden hatte. Auch im österreichischen Heere traten dieselben Erjcheinungen zutage, sie wurden schließlich Gegenstand wieder. holter Debatten im österreichischen Reichsrate. Der Reichs ratsabgeordnete Günther erflärte gelegentlich:„ Heute ist die ärztliche Behandlung der Soldaten durchweg von ungesunden militärischen Gesichtspunkten geleitet. Ich scheue mich nicht, hier im Hause es offen auszusprechen: Der Soldatenrod hat bei der Militärjanität den Gelehrtenrod ver= drängt und damit auch sehr oft das ärztliche Gewissen. Vielen Aerzten gilt der Befehl des Obertommandos alles, die Rücksicht auf den einzelnen gar nichts". Also genau so wie bei uns. Wie sehr sich übrigens die deutschen Aerzte trop fortgesetzter schlechter Behandlung durch die militärischen Instanzen als Untertanen im Thomas Mann'schen Sinne fühlten, da für zum Schluß noch die Tatsache, daß im Auftrage der deutschen Aerzteschaft der Ministerialdirektor Dr. Kirch= ner Wilhelm II. zu seinem Geburtstage im Jahre 1917 eine Glückwunschadresse überreichte, die ein charakteristisches Zeichen der Knechtseligkeit jener Kreise ist. In dieser Adresse mird von dem verblendeten Hochmut der Gegner gesprochen, die nicht nur die hochherzig dargebotene Hand des Kaisers zurüdgestoßen, sondern sogar nicht einmal vor der erlauchten Person Sr. Majestät haltgemacht haben:„ Die Unterzeichneten bitten Eure Kaiserliche und Königliche Majestät alleruntertänigst, das heilige Gelübde der deutschen Aerzte zu Füßen legen zu dürfen... Wir erflehen den Segen des Himmels auf allerhöchst Ihr erlauchtes Haupt!" Naturwissenschaftler, die den Segen des Himmels" auf„ Auerhöchst ihr Erlauchtes Haupt" herabflehen, eine prächtige Sorte! " Kann man sich wundern, wenn Ludendorff gerade von der medizinischen Fakultät in Königs berg zum Ehrendoftor ernannt worden ist? Als nun der Krieg ausbrach, strömten aus dem Zivil in Massen Aerzte herbei. Auch hier ergab sich bald genau dasselbe Bild. Die Zivilärzte hatten sofort den Wunsch, vom Offiziertorps als gleichberechtigte Glieder angesehen zu werden. Und darum setzte sofort der Kampf um die Offiziersepauletten ein, darum entwickelte sich sofort das Buh Der Krieg bekommt mir wie eine Badefur" len und Kriechen um die Gunst dieses auserwählten Teiles der Menschheit. Schon bei der Einstellung der Militärdiensts Baradis dreht den Kopf und schaut andersmo hin. Blöglich seh ich, wie ihn ein Zittern padt. Er stredt die Kot frufte feines ungeheuren Armes aus: Dort..., bort., ruft er aus. Auf dem Wasser, das in einem besonders gerhadten und aus. gehöhlten Gelände aus dem Schüyengraben fließt, schwimmen runde Massen wie Felsriffe. Wir schleppen uns dorthin. Es sind Ertrunkene. Ihre Köpfe und ihre Arme steden im Wasser. Man sieht ihre Rüden im Lederzeug durch die Oberfläche der taltigen Flüssigkeit burchschimmern, und ihre Waffenröde aus blauem Tuch find aufgeblasen; die Füße figen schief an den aufgeblähten Beinen wie an den schwarzen unförmigen Beinen von Lederpuppen. Auf einem eingejuntenen Schädel stehen die Haare sentrecht im Wasser wie Seegräser, Sier schwimmt ein Gesicht obenauf: Der Kopf hängt am Ufer fest und der Leib verschwindet im trüben Grab. Das Ge ficht ist gegen den Himmel gefehrt. Die Augen sind nur noch awei weiße Löcher, der Mund ein schwarzes Loch. Die gelbe, auf geblafene Haut dieser Maske ist weich und gefaltet wie falter Teig. Es sind die im Schlamm erstickten Wachtposten. Die steile Böschung der Grube war schlüpfrig, das Wasser stieg, und die An Strengung herauszukommen, zog die Leute nur noch tiefer hinein - langsam und rettungslos. Sie starben angeflammert am Ufer ber Erbe, die ihnen entwischte. Dort liegen unsere ersten Linien und auch die deutsche sorberste Linie, über beide die gleiche Stille, beide unter Wasser. Wir gehen bis zu jenen aufgeweichten Trümmern über das Gelände, das gestern noch eine Gegend des Schredens war, über ben furchtbaren Zwischenraum, an beffen Schwelle der tolosale Anfturm unserer legten Attade stehen blieb, über das Gelände, über melches feit anderthalb Jahren die Kugeln und die Geschosse ohne Unterlaß den Raum durchfurcht hatten und wo sich in diesen Tagen ihr wagerechter Playregen über die Erde hin wütend freuzte, von einem Horizont zum andern. Jetzt ist es ein übernatürliches Felb der Ruhe. Ueberall liegen fledenartig schlafende Wesen; andere bewegen sich leise, heben einen Arm oder den Kopf und denten wieder an Leben oder liegen gerade im Sterben. Der feindliche Graben stürzt, totüberlaben, vollends im Schoße wogender Hügel und fumpfiger Trichter in sich zusammen; bort sieht sich der Graben durch Lachen und Wassergruben. Stellen Etwas weiter fehe ich andere Soldaten: sie sind in sich zu lammengefunten und fleben wie Schneden an dem runden Hügel, weise bewegt sich sein Ufer, brödelt ab und wirft die noch überden das Wasser halb aufgesogen hat. Es ist eine unbewegliche hängenden Ränder ab. An einer Stelle fann man sich darüber Reihe roher Klumpen, die wie Saufen nebeneinanderliegen, von Rot und Wasser triefend, und sie haben die gleiche Farbe wie die Erbe, zu der sie gehören. 3 raffe mich auf und unterbreche das Schweigen und sage zu Baradies, der nach derselben Richtung blidt: Sind fie tot? hinzugehen. Gleich wollen wir sehen, antwortet er leise. Aber bleiben mir noch ein bißchen hier. Nachher werden wir den Mut finden, die fich bis hierher geschleppt haben und hier niedergefallen find. Wir schauen uns beide an und wenden unsere Blide auf die, Die Gefichter find so müde, daß es feine Gefichter mehr sind; nur etwas ichmugiges, verwischtes und zerschundenes. mit blutigen Bugen oben im Kopf. Wir haben seit Anfang schon nach allem Möglichen ausgefehn und dennoch erkennen wir uns jetzt nicht mehr. beugen. In diesem unglaublichen Rotgelände fieht man teine Leiche. Aber dort regt, schredlicher als ein Leichnam anzusehn, starr und einsam, nadt und bleich wie ein Stein, ein Arm aus dem Loch einer verworrenen feuchten Wand. Der Mann wurde in seinem Unterstand verschüttet und konnte nur noch seinen Arm ausftreden. Ganz in der Nähe erkennt man gewisse Erbschichten, die auf den Trümmern ber Böschung dieses erstidten Schlundes nebeneinander Tiegen; es find menschliche Wesen. Sind fie tot? Schlafen fie? Man weiß es nicht. Jedenfalls ruhen fie Sind es Deutsche oder Franzosen? Man weiß es nicht. Einer von ihnen hat die Augen aufgeschlagen und khaut uns topchüttelnd an. Man fragt ihn: Franzose? Denn: Deutsch? Generalfeldmarschall v. Hindenburg Er antwortet nichts; er schließt die Augen und verfällt wieder in seinen Todesschlaf. Wir haben nie gewußt, wer es wa Man tann die Identität dieser Wesen unmöglich feststellen, weber an den Kleidern, die eine dichte Kotschicht bedeckt, noch an der Kopfbedeckung, denn die Leute sind barhäuptig oder in Woll zeug eingewidelt und steden in nassen und stintigen Rutten; auch an den Waffen ertennt man sie nicht; das Gewehr haben sie verloren, oder ihre Hand gleitet über ein Etwas, das sie herge schleppt haben, eine unförmige, flebrige Masse, die einem Fisch ähnlich ist. Alle diese Männer mit Leichengesichtern vor uns und hinter uns, die am Ende ihrer Kräfte find, ohne Stimme und ohne Willen, alle diese erdbeladenen Männer, die sozusagen ihre eigene Bestattung besorgen, sehen fich gleich, als wären sie nadt. Aus dieser furchtbaren Macht tauchen hin und wieder einige Uebriggebliebene auf; fie tragen die gleiche Uniform des Elends und des Schmuges. Alles hat jest ein Ende. Es ist die Stunde der ungeheuren Raft, die epische Baufe des Krieges. Einst glaubte ich, das höllischfte im Kriege seien die Flammen der Geschosse; dann habe ich lange gemeint, es jei das Erstiden in den Erblöchern, die sich für ewig über uns schließen. Auch das ist es nicht, sondern die Hölle ist das Wasser. Wir gehn mit furzen Schritten weiter, quer übers Land; eins feltene Maffe zieht unsere Aufmerksamkeit auf fich; zwei mert würdig ineinander verschlungene Menschen stehn dort, Schulter an Schulter, die Arme gegenseitig um den Hals gelegt. Ist es der Nahkampf zweier Ringer, die einander in den Tod gezerrt haben und sich, auf ewig aneinander gefettet, festhalten? Nein, es find zwei Eoldaten, die zum Schlafen aneinander lehnen. Sie fonnten sich nicht auf die tüdische Erde legen, da sie darin er trunten wären, so beugten sie sich einer zum andern und sind, bis zu den Knien in der Ebene stedend, eingeschlafen. Dann bleiben auch wir stehn. Wir haben unsere Kräfte zu hoch eingeschäßt. Wir fönnen noch nicht fort. Es ist noch nicht aus. Bon neuem stürzen wir in ein Kotloch mit dem Geräusch eines hingeworfenen Mittlumpens. Man schließt die Augen. Von Zeit zu Reit öffnet man fie. Stolpernd tommen Leute auf uns zu. Sie neigen sich über uns und sprechen leise mit matter Etimme. Der eine von ihnen sagt auf deutsch: Sie find tot. Wir bleiben hier. Der andere antwortet seufzend: Ja. Aber sie sehn, daß wir uns bewegen. Dann sinten sie plöglich vor uns nieder. Mit leiser, tonloser Stimme sagt der eine Zu uns: Nous, levons les bras, sagt er. Dann rühren sie sich nicht mehr. Gie lassen sich vollends niederfallen, getröstet, als ob ihr Leiden ein Ende hätte; der eine, dem der Kot wie einem Wilden das Gesicht bemalt, lächelt leise. Bleib da, jagt ihm Paradis, ohne seinen Kopf, der nach hinten auf einem Erbrüden liegt, zu drehen. Nachher fommst du mit uns, wenn du willst. - Ja, jagt der Deutsche. Ich hab's satt. Man gibt ihm teine Antwort. Der neue deutsche Militarismus Wie die Freikorps entstanden Jedem Führer, der sich berufen fühlte, eine freiwillige Truppe zu bilden, blieb alles wettere überlassen. So entstand bald ein Rebeneinander von größeren und fleineren Freikorps, die alle verschieben geartet waren, was später die Schaffung einer einheitlichen Reichswehr unendlich erschwert hat. Und doch brachten fie die militärische Gesundung, weil ihnen allen etwas Gemeins james innewohnte: der Autoritätsstandpunkt, die reine Vorgeseztenstellung des Offiziers, weil sie auf dem Grundlage straffer Manneszucht aufgebaut waren; weil sie entschlossen waren, der Regierung zu helfen, Ordnung zu schaffen, und weil in ihnen, dant der Offiziere, der alte Geist des preußisch- deutschen Heeres wieder lebendig wurde, der Geist der Unterordnung des einzelnen unter das Gesamtwohl soweit dies bei der vollkommenen Ver wahrlosung des deutschen Volkes nach dem Umsturz möglich war." General Märter,„ Bom Kaiserheer zur Reichswehr", Leipzig 1921, G. 41. Die Offiziere Wir Offiziere wünschten alle lebhaft die Erhaltung der Ueber Lieferungen bes alten Heeres, nicht aus irgendwelchen gegenrepo lutionären Stimmungen, sondern aus dem begreiflichen Stolze auf die wunderbaren Heldentaten des alten herrlichen Heeres; ferner um der Truppe sofort einen festen Kitt zu schaffen, und um ihr den nicht hoch genug einzuschäzenden Waffenstolz zu geben, der zugleich eine Quelle vaterländischer Gesinnung ist." Mätter, S. 224. Wenn man sich bemüht, ganz gerecht zu sein, so fann man nicht umhin, zuzugeben, daß von den monarchistischen Offizieren unerhörte Tattloßigteiten begangen wurden, die geeignet erscheinen, die Reichswehr in den Augen der Mehrheit des Voltes verdächtig 31 machen. Auch die Organisationen der Offiziere und ihre Bresse ist dieser Berdachterwedung direkt schuldig." Endres, Reichswehr und Demokratie", München 1919, S. 37. Die Mannschaften In Deutschland liefen viele, die sich vorm Staatsanwalt fürchteten, zum Militär, wo sie vor Nachforschungen eine Zeitlang nerschwunden blieben. Allzuviel Zulauf war nicht bei den Freis willigenverbänden und starter Wechsel obendrein, so daß man die nehmen mußte, die gerade tamen, ohne viel nach ihrem Borleben an fragen." Rub. Mann, Mit Ehrhardt durch Deutschland", Berlin 1921, 6. 129. Die Kappzulage Die fogenante Rappzulage non Reben Mart für den Mann und den Tag, die damals Lüttwih eingeführt hat, wurde weiter zugebilligt, und die Reichsbank lieferte uns willig das viele Geld, bas dazu nötig war. Die Soldaten freuten sich und meinten, die Eache hätte doch ein Gutes gehabt. Eines Morgens tam der Stabsfeldwebel und drückte nach der Liste noch einmal jebem 50 Mart in die Hand. Wofür ist das?" Der Feldwebel, in leichter Verlegenheit, diese Sonderzulage beim richtigen Ramen zu bezeichnen, antwortete ftodenb: ,, Das ist für die zehn Tage, für den Sturz der Regierung." Da rief der schneidige Leutnant T. strahlend:„ Für 50 Mark Jürze ich jede Regierung, im Abonnement billiger." Mann, G. 205. Soch weht die Flagge schwarz- weiß- rot Die Fahnen, Herrgott die Fahnen, die dilrft ihr uns nicht nehmen. Das ist, als ob man einem ganz Armen sein legtes Etinnerungsglüd nimmt. Boriges Jahr hatten wir sie schon einmal gehigt, in Berlin, auf dem alten Kaijerschloß, unserem Quartier. Mir, das heißt, bie Leute aus sich heraus. Da hatte eine sehr hohe Zivilstelle" burch den Fernsprecher geschimpft, daß so etwas unerhört wäre und die Fahne jofort herunter migte vom Bligableiter. Und da hatte man als Antwort der Soldaten zurüdgerufen: Wer mit Semalt, an unserer Fahne rührt, bekommt einen Bauchschuh." Waas?"- Einen Bauchschuß, B. von Berta, A. von Anna ufw." Mann, G. 146. Wir wollen Hindenburg! Als Reichspräsident soll neuerdings wieder eine Parteigröße festgelegt werden auf sieben lange magere Jahre, der als Mensch Dann fragt er: Die andern auch? Ja, sagt Paradis, sie sollen auch hier bleiben, wenn sie mollen. Darauf haben sich vier Leute auf die Erde gelegt. Der eine von ihnen fängt an zu röcheln. Es ist wie ein schluchzender Gelang, der aus seinem Munde tommt. Dann richten sich die ande ren halb auf Knien vor ihm nieder und rollen große Augen in ihren totbesprizten Gesichtern. Wir stehen auf und betrachten bie Gruppe. Aber das Röcheln erlischt, und die schwarze Kehle, bie sich an jenem großen Körper wie ein fleiner Bogel bewegte, erftarri. Er ist tot, sagt einer von ihnen. Er fängt an zu weinen. Die andern legen fich mieber schlafen. Auch der Weinende schläft schleuchzend ein. Ein paar Soldaten sind hergetortelt, bleiben plöglich hängen, mie Betrunkene, oder triechen wie Würmer und flüchten hierher, in das Loch, wo wir schon eingefunten liegen, und alles schläft burcheinanderliegend im Massengrabe ein. ★ Barabis, den ein Gebante nicht ruhen ließ, fuhr mit der Sand Aber die unbeschreibliche Landschaft und wiederholte starren Blides seinen Saz: Das ist der Krieg... und überall ist er so. Und wir, mas find wir, und was hat das hier alles zu bedeuten? Gar nichts. Alles, was du hier siehst, ist nur ein Punkt. Stell dir vor, heute morgen gibt es auf der Welt dreitausend Kilometer Menschen, bie ebenso oder nicht viel weniger unglüdlich oder noch unglüdlicher find als mir. Und dann, sagt neben uns ein Kamerad, den man auch an ber Stimme, die aus seinem Innern tommt, nicht mehr erkennt, und dann geht es morgen wieder von neuem los. Vorgestern und früher hatte es auch wieder von neuem angefangen. Der Jäger rig feinen Körper mühsam von der Erde hoch, als ob er sie zerreißen wolle; feucht wie ein Grab war die Mulde, die er in die Erde eingedrüdt hatte und setzte sich in dieses Loch. Er zwinkerte mit den Augen, schüttelte den Kot von seinem Geficht ab und sagte: Diesmal tommen wir noch davon. Und vielleicht kommen wir morgen auch noch davon! Wer weiß? Baradis faß, den Rüden gebeugt, unter einer Sumus und Lehmschicht und versuchte zu erklären, daß man sich den Krieg nicht vorstellen fönne, daß er unermeßlich sei in der Zeit und im Raum. Wenn man vom ganzen Krieg sprechen will, dachte er ganz laut, ist es, als ob man nichts sagen tönnte. Es erstiden einem die Worte. Man siht da und starrt es an wie ein Blinder... Gine etwas entferntere Stimme zollte ihren Baß und meinte: Nein, man tann sich's nicht vorstellen. Diese Worte zerriß ein plögliches Lachen. -Ueberhaupt, wie foll sichs einer vorstellen, der nicht dabei war? Dann müßte einer schon verrüdt sein! sagte der Jäger. Paradis beugte sich über eine Masse, die neben ihm ausgebreitet Tag. Schläfft du? Nein, aber ich rühr mich nicht, murmelte gleich darauf eine erstidte und angsterfüllte Stimme; sie tiefelte aus der Masse, die eine dichte und derart hödrige Lehmschicht bedeckte, daß es auswahrscheinlich feine Größe ist. Wir haben vom Schlapphut genug. Wir wollen einen Bräsidenten, der einen Helm trägt und ehr würdig ist einen, bei dem uns das Herz höher schlägt und die Augen leuchten, wenn er im Auto vorbeifährt. Hindenburg." Mann, S. 138. Wir werden wieder Krieg haben! Nun haben sie doch alle gehen müssen, weil die Franzosen und die Berliner es so wollten. Da bin ich auch gegangen. Was macht man mit dem Rod? Wir werden wieder Krieg haben, wenn die Zeit erfüllt ist. In den abgetretenen Teilen des herrlichen Deutschland unserer Bäter liegt zuviel Zündstoff verschüttet. Wir werden wieder Krieg haben, und wäre es nur gegen Polen oder irgendwo gegen rote Sturmmellen. Ich werde den Rod behalten und in den Schrank hängen Es fizen Bluthprizer daran, aber keine leden." Mann, S. 218. Groß- Berlin .. Das Sommerfest von Kummersdorf Die Freiheit" hatte eingehend über ein Sommerfest auf dem Schießplatz Kummersdorf berichtet, daß die Beamten der Reichswehrinspektion für Waffen und Geräte veranstaltet hatten. Das Reichswehrministerium hat auf der Pressekonferenz Mitteilungen gemacht, die die Angaben der Freiheit" widerlegen sollten. Durch besondere Umstände gelangten Abschriften dieser Mitteilungen erst jetzt in unsere Sand. Jm allgemeinen ist es üblich, daß gegen Angaben in der Presse von den betroffenen Stellen eine offizielle Berichti gung erfolgt. Es ist sehr merkwürdig, daß das Reichswehr. ministerium darauf verzichtet hat, unter Anrufung des Bressegesetzes eine Berichtigung der Angaben der Freiheit" zu fordern und es vielmehr vorzog, nur in der Pressekonferenz Mitteilungen darüber zu machen. Das Reichswehrministerium schreibt wörtlich:„ Bon nationalistischem Rummel" fann nicht die Rede sein". Die Arbeiter, die den Verlauf des Festes beobachtet haben, sind gegenteiliger Meinung, und das Reichswehrministerium tann sich von dem Inspektor Steinert berichten lassen, daß der Play zunächst einmal schwarz- weiß tot deforiert mar und daß das Preisschießen und die Auswahl der Mufitstücke die Bezeichnung nationalistischer Rummel ohne wei teres rechtfertigen. Das Reichswehrministerium sollte sich selbst sagen, daß ein einfaches Abstreiten unserer Angaben ohne jeden Gegenbeweis nicht als eine Berichtigung aufgefaßt werden fann. An tatsächlichen Angaben finden sich in den Mitteilungen des Reichswehrministeriums lediglich folgenbe Sätze: Der Jnfpefteur hatte bereits am Tage des Festes felbft an geordnet, daß der Reichskasse durch die Veranstaltung feinerlei Untosten und Schädigungen entstehen dürften. Infolgedessen ist auch die Rüderstattung der durch das Fest entstandenen Aus gaben an Arbeitslöhnen erfolgt. Untosten für Betriebsstoffe und Fahrlöhne waren von vornherein aus dem Festerlös godect worden. An den für das Fest verwandten Brettern usw., die dem Scheibenmaterial leihweise entnommen sind, ist keinerlei Wertminderung eingetreten. Das sogenannte Breisschießen fand aus etatsmäßigen Karabinern der Inspektion statt, die mit ber bazugehörigen Uebungsmunition angeschossen werden mußten.( 15 Karabiner und rund 200 Batronen.) Der Ueber schuß aus dem Preisschießen mirde ebenfalls der Oberschlesischen Spende zugeführt. Eine Schädigung der Reichstase hat also auch hier nicht stattgefunden. Bei dem Schultraftwagen handelt es sich um eine feit vielen Jahren bestehende und von den zuständigen Stellen infolge der jolierten Lage des Plages als notwendig ertannte und ge nehmigte Einrichtung, um den Kindern der Angehöri gen der Inspeftion den Schulbesuch in Ludenwalde zu ermöglichen. Das Recht zur Benugung dieser Fahrgelegenheit haben nicht nur Kinder, sondern, soweit Blag vorhanden, auch andere Reisende. Die Höhe des Fahrgeldes ist vom Reichswehr ministerium festgesetzt. Dieser Schultraftwagen ist wiederholt fah, als sei man barauf getreten. Ich will dir was sagen: ich glaub', ich hab ein Loch im Bauch, ich weiß es nicht sicher und ich fürchte mich, es zu wissen. Lah mal sehn. -Rein, jetzt noch nicht, sagte der Soldat, ich möchte noch ein wenig jo liegen bleiben. Die andern plätscherten sich im Dred herum, fchleppten sich auf ben Ellbogen vorwärts und schüttelten die höllische, teigige Kot schicht ab, die sie erbrüdte. Allmählich taute dieses gemarterte Säuflein aus der lähmenden Kälte auf, obwohl der Tag über dem großen, unregelmäßigen Teiche der fintenden Ebene nicht heller wurde. Die Trübfal ging weiter, aber der Tag blieb stehn. Giner von uns sprach traurig wie eine Glode und Jagte: -Und nachher tannst du lange erzählen, teiner wird's glauben. Nicht aus Böswilligkeit oder um dich aufzuziehen, aber man wird's einfach nicht lönnen. Wenn du später mal jagft, wenn du überhaupt noch lebst und reben fannst: Wir haben Nachtarbeiten gemacht, dann sind wir beschossen worden, und dann sind wir beinah im Kot ertrunten". So!", wirds da einfach heißen; oder vielleicht lagt einer:„ ums Lachen wars euch wohl nicht dabei". Weiter nichts. Keiner wird davon eine Ahnung haben, nur du allein wirft es wiffen. Nicht einmal wir, nicht einmal wir! schrie einer. Ich glaub's auch, wir werden's vergessen, wir.. werben's schon vergessen, Alter! Wir haben zu viel gesehen! Und alles, was wir gefehn haben, ist zuviel. So viel Zeug fann man gar nicht aufbewahren; dazu ist man nicht gefchaffen. Es entwischt nach allen Seiten; unfereins ist halt zu flein. Und nicht zu fnapp werden wir vergeffen! Nicht nur wie lang's gedauert hat mit dem Elend, das unberechenbar ist, wie du jagft; nicht nur die Märsche, die die Felder pflügen und überpflügen, die Füße abschinden, die Knochen abnügen unter der Last bes Gepäds, das in den Himmel hineinwächst und die Müdigkeit, daß du deinen Namen nicht mehr weißt, das Rumstehen und bie unbeweglichkeit, die einen erschöpft, bie Arbeiten, zu denen die Kräfte nicht ausreichen, die endlosen Wachen, wo du dem Feind auflauerit, der überall ist, und dich gegen den Schlag wehrt und gegen das Mist- und Läusetissen. Nicht nur das, sondern die Sundsgeschichten mit den Blahgranaten und den Maschinen gewehren, den Minen, dem Stidgas und den Gegenangriffen. Im Augenblid selbst ist man voll vom Eindrud der Wirklichkeit. Aber das verblaßt in der Erinnerung und verfliegt, du weißt nicht wie, und weißt nicht wohin; und es bleibt nur der Name übrig, nur bie Worte, wie in einem Generalstabsbericht. Er hat recht, sagte einer, der seinen Kopf unbeweglich, wie in einem Schandpfahl, hielt. Als ich auf Urlaub war, hab ich gemerkt, daß ich schon manches vergessen hatte. Ich hab Briefe Don mir wieder durchgelesen; dabei glaubte ich, in einem fremden Buche zu lesen. Und auch das hab ich vergessen, was ich im Krieg gelitten hab. Vergessen. Maschinen sind wir. Der Mensch ist ein Ding, das ein wenig nachdenkt; vor allem aber vergißt er. Das ist der Mensch. Wir nicht, und bae andern werben's auch nicht wissen! Sovie! Unglüd ist also verloren gegangen. Diese Aussicht erhöhte noch das Elend dieser Menschen und he deutete für fie soviel wie die Nachricht eines noch größeren Un heils, das sie noch tiefer in den Untergang zerrte. auch für perfekte und frante Arbeiter gestellt worben. War er während der Schulzeit nicht auf dem Plage, so wurden stets Ge panne des Schießplaytommandos zu diesem Zwede benutzt. So gar Kugeldiebe, die während der Nacht bei ihrer verbrecherischen Lätigteit auf bem Blaze verunglüdt find, wurden durch den Schultraftwagen ungesäumt dem nächsten Krankenhause zu geführt." Wir Wir bemerken dazu, daß in der Bollversammlung der auf derz Schießplay beschäftigten Beamten und Arbeiter über die Ber öffentlichung in der Freiheit" eine ungeheure Erregung ge herrscht hat und daß Inspektor Steinert anfündigte, der Freiheit" eine Berichtigung zusenden zu wollen. Wir warten heute noch darauf, da auch die vorstehend abgebrudten Angaben des Reichswehrministeriums in jeder Hinsicht ungenügend find. Das Fest muß einen ganz unglaublichen Erlös gebracht haben, wenn, wie behauptet wird, die der Reichstasse entstande nen Untoften daraus gededi sein sollen. Was den Schultraftwagen" angeht, so magt auch das Reichswehrministerium nicht zu bestreiten, daß die seit vielen Jahren bestehende und als notwendig erfannte" Einrichtung ledig lich für die Kinder der Militärbeamten da ist und nicht für die Kinder der Arbeiter, obwohl diese ebenso unter der isolierten Lage des Plates leiden! Ueber die angeblich gefeßliche Entlaffung der beiden Betriebs ratsmitglieder, die den schwarzweißroten Frieden" gestört haben sollen, wird noch zu reden sein. Wir stellen ferner fest, daß das Reichswehrminifterium auch gar nicht erst den Bersuch macht, seinen famosen Beamten Herrn Ispettor Steinert zu beden, det folgende Drohung in der Versammlung ausstieg:„ Wer einen folchen Artikel verfaßt, ist ein Vaterlands und Hochverräter, ein Strid und eine Kugel find für den zu schade, jalche Elemente müffen mit allen Mitteln beseitigt werden." Dieser Herr gehört mit zu den Leuten, deren weites Gewissen es ihnen gestattet, fich gleichzeitig von der Republik bezahlen zu laffen und gegen fie zu arbeiten; es laffen sich Aeußerungen von Herrn Steinert wiedergeben, die über seine Gesinnung und Sandlungsweile teinen Zweifel lassen. Wir wundern uns nicht darüber, daß das Reichswehr ministerium außerftande ist, den von der Republik bezahlien Nationalismus zu bekämpfen! Mehr Klaffenbewußtsein Diese Mahnung muß heute im verstärkten Maße erhoben wer bent, weil itog der Verschärfung der Klassengegenfäge noch viele Arbeitnehmer den Unternehmern gegenüber nicht genügend Rüd grat zeigen. Jeder neue Tag bringt uns erneut den Beweis, wie rüdsichtslos bie Unternehmer in der Vertretung ihrer Interessen find, Darum sollten fich bie Arbeitnehmer ein Beispiel nehmen und als Klasse genau lo züldfichtslos den Unternehmern gegenüber treten. Man sollte es nicht für möglich halten, daß es Arbeiter gibt die sich für ihre Tätigkeit einen Orden überreichen lassen. Aber ein Borfall aus ben legten Tagen beweist das Gegenteil. Bei der Turbinenfabrik( A. E. 6.), Huttenstraße, war vor einigen Tagen ein Arbeiter 25 Jahre tätig. Dieser Tag wurde festlich begangen. Die Firma überreicht dem Arbeiter einen Orden mit dem Bildnis des früheren Generaldirektors Rathe nau. Die Kollegen des Betreffenden hatten gesammelt und Ge jchente gegeben. Der Arbeitsplay war weig gedeckt und über demselben ein elektrisch beleuchtetes Transparent angebracht. Wir sind weit entfernt davon, uns etwa über die durch die Ueberreichung des Ordens zum Ausdrud getommene Wert schäzung des Arbeiters zu entrüsten. Aber über den in Frage tommenden Arbeiter somie feine Kollegen find wir doch sehr ver mundert. Wollen die Arbeiter fich etwa noch dafür bebanten, daß ihnen gestattet wird Frondienste zu leisten? Sind fie fich nicht darüber liar, daß eine folche Feier wie eine Verhöhnung der Ar beitslosen wirken muß? Zur Abwehr Bon den Angestellten des Bezirkswohnungsamts 17( Lichten berg) erhalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Ber öffentlichung:. Es mehren sich in letzter Zeit die Fälle, in denen Wohnung Juchende dem Lichtenberger Wohnungsamt zur Anzeige bringen, Ja! wenn einem das alles in der Erinnerung bliebe! rief einer ans. Wenn man's nicht vergessen würde, fagte der andere, gab's feinen Krieg mehr! Ein britter aber fügte feierlich hinzu: Ja, wenn die Erinnerung daran bliebe, so wäre dieser Kries weniger nuglos, als er es ist. Da hob sich mit einem Male einer diefer liegenden Heberleben den auf die Knie, schüttelte seine schmuzigen Arme, non dene bez Rot herunterlief, und schrie bumpf und schwarz wie eine große, flebrige Fledermaus: Nach diesem Kriege darf es teinen andern Krieg meht geben! Aus der fotigen Ede heraus, in der uns Schwache und Macht lofe der Wind anfauchte und so wütend anpadte, daß die Erde wie ein Wrad zu beben schien, brang der Schrei jenes Menschen, ber davonzufliegen schien, und wedte andere ähnliche Ausrufe: -ww Es darf nach diesem Krieg fein andrer Krieg mehr tommen! Die dumpfen wütenden Worte dieser Menschen, die an die Erde gefesselt, von Erde durchdrungen waren, stiegen und flogen in den Wind wie Flügelschläge. Keinen Krieg mehr, teinen Krieg mehr! Ja, es ist genug! Es ist zu blöd zu blöd, murrien fie. Was soll das alles eigentlich bedeuten, all das, was nicht einmal in Worte a fallen ist! Sie rebeten alles mögliche durcheinander und fnurrten wie wilde Tiere mit düsteren, zerfeyten Gefichtsmasten, auf ihrer Eisban von der fie die Elemente zu vertreiben trachteten. Die Emp rung, die sie aufpeitschte, war so groß, daß sie an ihr erftidien. Zum Leben ist man doch geboren und nicht um derart verreden! Die Männer follen doch Gatten und Väter sein überhaupt! und verpesten. Menfchen und nicht Bestien, die einander hetzen, erwürgen Und überall, überall find es Bestien, wilde Bestien oder zer treiene Tiere. Schau, schau dich um! Nie werde ich den Anblid jener grenzenlosen Felder ver gessen, deren Farben vom Wasser zerfressen waren, und bie Söder, die, von der Fäulnis angefressen, allen halben zerbrödel ten, überall an den zerschlagenen Gerippen der Pfähle, der Drähte, der Holzgerüste und über die finstren Endlosigtetten bes Sing die Bision, das Beben einer Bernunft, einer Logit und einer Einfachheit, die jene Menschen urplöglich wie ein Wahnsinn erschüttert hatte. Man fah, wie fie der Gebanke quälte; dag nämlich ber Be such, auf Erden sein Leben zu leben und gülis zu sein, nit nur ein Recht sei, sondern eine Pflitt ein beal fogar un eine Tugend; daß die Gesellschaft nur dazu da ist, jebem Innen leben mehr Lebensmöglichkeit zu verschaffen. Leben! Wir!... Du... Ich Kein Krieg mehr Nein, nie wieder!... Es ist dumm Schlimmer noch als das, es ist.. Da tam ein Wort und antwortete wie ein Widerhall ihrem wirren Gedanken und bem zerstildelten Gemuenel bi fer Masse. Ich sah eine totgetrönte Stirne sich erheben, und der Mund sprach am Rande der Erde: bit 3wei Armeen, die fich bekämpfen, sind eine große Armee, Selbstmord an fich übt! 89 48 4149 1 ge ESMA 8. L S FTCITE C 2487 NORF 33 DI De et ie ris ge CID 211, ief eg ent he ht pie Der men! bie Tes an Ibe ant por hen gen zez ver bie del bes atten und finn Ber t unb ens rem die யம் bit bak. menn femand eine Wohnung haben will, er fich nur an An- 1 gestellte des Wohnungsamtes außeramtlich" zu wenden braucht, um außer der Reihe berücksichtigt zu werden. Daß diese Angaben nicht den Tatsachen entsprechen, braucht wohl nicht erst betont zu werden. Wahr ist lediglich der eine Puntt, daß es tatfächlich ein Angestellter gegen Bestechung versucht hat, einem Wohnungfuchenden außer der Dringlichkeitsreihe hintenherum" au einer Wohnung zu verhelfen. Dieses ist ihm nicht gelungen. Im Gegenteil, der Betreffende mußte aus diesem Grunde entlassen werben. Er teilte damit das gleiche Schichal mit einem anderen Angestellten, der ähnlich liegende Bergehen ausführen wollte. Die Angestellten des Lichtenberger Wohnungsamtes find leider genötigt, diese traurigen Vorkommnisse betanntzugeben, um ein für alle mal Verdächtigungen und Versuchungen zur Bestechung die Spine abzubrechen. Sie erflären gleichzeitig, daß, wenn der eine oder andere ents laffene Angestellte nochmal verfuchen sollte, auf Grund seine: frühezen Tätigkeit den Wohnungsuchenden Versprechungen und BorIpiegelungen zu machen, fie dann genötigt find, seinen Namen mit Wohnungsangabe der Deffentlichkeit bekannt zu geben. Bei dieser Gelegenheit weisen die Angestellten immer wieder barauf hin, daß nicht sie es find, bie die Wohnung zu verteilen und zu vergeben haben, sondern, daß dieses lediglich die Aufgabe des Wohnungsvergebungsausschusses ist. Dieser setzt sich zusammen aus Dierzu gewählten Vertretern der Lichtenberger Einwohnerschaft und trägt legten Endes die Entscheidung und Verantwortung hierfür. Die Neuregelung der Polizeiffunde in Preußen Bon amtlicher preußischer Seite wird mitgeteilt: Der preußische Minister des Innern, Dominicus, hat nunmehr an die Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten zu Berlin den folgenden Erlag vom 19. August gerichtet: Der Reichsminister des Innern hat den§ 3 der Bekannt machung, betreffend die Ersparnis von Brennstoffen und Beleuch tungsmitteln vom 11. Dezember 1916 RGBI. S. 1355- mit Ablauf des 31. August d. I. außer Kraft gelegt. Ich ersuche nunmehr. nachdem damit die Wirtschaftsschlußstunde in Fort fall gekommen ist, die in der Folge allein maßgebende Polizeitunde neu festzusehen und hierbei nach folgenden Grundlagen zu verfahren: 1. Bergnügungsparts, sogenannte Rummelpläge, find mit Einbruch der Dunkelheit zu schließen. Es bleibt den Ortspolizeibehörden jedoch überlassen, eine Verlängerung bis 10% Uhr eintreten zu lassen. 2. Für Theatervorstellungen und alle Darbietungen, welche bei gewerbsmäßiger Veranstaltung einer Erlaubnis aus§33e der Reichsgewerbeordnung bedürfen, sowie für alle Lichtspielvorfüh rungen ist die Polizeistunde spätestens auf 12 Uhr festzusehen. 3. Kaffees, Gaft-, Speise- und Schantwirtschaften find spätestens um 12 Uhr, Sonnabends um 1 Uhr zu schließen. Die Ortspolizeis behörden in größeren Städten und Badeorten find berechtigt, bei nachgewiesenem bringenden Bedürfnis die Polizeistunde auch für die übrigen Tage bis 1 Uhr auszudehnen. Als In diesem Rahmen find gleichartige Betriebe grundsäglich einheitlich zu behandeln. Erweist sich jedoch der Unternehmer oder der Wirt eines der in den Ziffern 2 und 3 bezeichneten Betriebe in der Ausübung feines Gewerbes als unzuverlässig oder ergeben Raus seiner Geschäftsführung Unzuträglichteiten für die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung, so tann die Polizeiftunde für Jeinen Betrieb durch Verfügung der Ortspolizeibehörde bis auf 10 Uhr abends herabgesetzt werden. In besonders gearteten Ginzelfällen, die einer besonderen Regelung bringend bedürfen, B. für Wohltätigteitsveranstaltungen, tönnen Ausnahmen, in leinem Falle aber über 2 Uhr hinaus, gestattet werden. Wohltätigteitsveranstaltungen in diesem Sinne find nur die jenigen anzusehen, zu denen gemäß der Bekanntmachung über Wohlfahrtspflege während des Krieges vom 15. Februar 1917 ( Reichsgesehblatt E. 143) die Erlaubnis eingeholt ist. Der durch bielen Erlag gezogene Rahmen darf unter Leinen Umständen Eberschritten werden. Ueberhaupt ist dafür Sorge zu tragen, daß die neuen Bestimmungen nur bem berechtigten Bedürfnis der Allgemeinheit entsprechen, nicht jedoch der Bergnügungs- und Vers wendungslucht gewisser Kreise Borschub leisten. Es bedarf faum einer Betonung, daß der Ernst der Zeit zur äußersten 3u tüdhaltung auf dem hier zur Erörterung stehenden Gebiet zwingt. Ich ersuche, die Durchführung der Neuregelung so zu beschleunigen, daß fie mit dem 1. September 1921 in Kraft tritt. Der preußische Minister des Innern hat sich außerdem in einem Rundschreiben an die Länder gewandt mit der Bitte, im Sinne der im Reichsrat stattgefundenen Aussprache auf eine ( 30, Fartfehung) Felfenbrunner of Bon Anna Croissant- Rust ( Nachbrad verboten) Still! Des is des legte Wort! Jezt hab ich genug!" Im höchsten Zorn rappelte sich Frau Thomann trog ihrer Beleibtheit schnell auf. Zahlen! Gleich zahlen. Anspannen, gleich anspannen! Sörft bu, Rolf?" Gie Sprach hochdeutsch, bas Stadium war gefährlich; also standen Rolf und Eugenie, ohne eine Miene zu verziehen, auf. Rolf, um die nötigen Weisungen zu geben, und Eugenie, um etwas vorauszuschlendern; fie trug eine Miene zur Schau, wie wenn sie überzeugt wäre, daß man mit dieser Mutter Geduld haben müsse, wie mit einem Rinde. Mila saß da mit wütenden Augen, ganz Protest und stand auch nicht auf, als Rolf wiederfam. So laß doch Milachen da! Das wäre so ihre Fasson, felig zu werden, und du willst doch nicht als Tyrannin gelfen, du bist doch eine aufgeklärte, weit vorgeschrittene Frau! Du verstehst doch etwas von Individualitäten! Warum denn herauf immer Elementartatastrophen beschwören? Welch unnüßer Aufwand an Kraft! Und bann Mutter, ich bitte dich die Zuschauer! Ich bin gar nicht den Orte sagen:„ Die Thomanns haben sich gestritten." mit und laß Mila bei mir, daß nicht morgen alle umliegenDes tönne die Kaffere sage, meinetwege!" Die alte Dame schob verächtlich die Unterlippe vor, beswege bleibe möglichst einheitliche Ausgestaltung der Polizeiftunde durch sämt liche Länder hinwirten zu wollen. Im übrigen werden also nunmehr die Ortspolizeibehörden und der Polizeipräsident don Berlin nicht mehr wie bisher in Einzelfällen, gegen die sich die Kritit gewandt hat, weitgehende Erlaubnisse zum Abweichen von der Polizeistunde geben fönnen, sondern werden sich im Rahmen der neugegebenen Richtlinien halten. Die einzig möglichen Ausnahmen, die für Wohltätigkeitsveranstaltungen, sind dadurch auf den richtigen Umfang reduziert, daß von Fall zu Fall, wie oben erwähnt, die Verständigung mit den für die Beaufsichtigung der Wohlfahrtseinrichtungen zuständigen Instanzen herbeigeführt sein muß, ehe die Erlaubnis zur Verlängerung der Polizeistunde erteilt werden tann. Ein touchernder Agrarier vor Gericht Preisüberschreitung bei Getreidelieferungen. Gegen den Rittergutsbefizer Kiepert Marienfelde und dessen Administrator Faltenberg richtete sich eine Anklage wegen Preisüberhebung, die das Wuchergericht am Landgericht II mehrere Stunden beschäftigte. Kiepert besikt das etwa 1800 Morgen große Rittergut Marienfelde bei Berlin. Die Anklage beschuldigte die oben Genannten, bei der Abgabe von Gerste, Roggen und Hafer in fleineren Posten an Viehhalter und in größeren Bosten an die Gemeinde die vorgeschriebenen Preise zum Teil in bedeutender Höhe überschritten zu haben. Ein solcher, der Gemeinde gelieferter Bosten war zur Kenntnis der Reichsgetreidestelle gekommen, die die Angeklagten aufforderte, das zuviel Gezahlte zurüdzuerstatten. Diese Aufforderung wurde rundweg abgelehnt und dadurch kam der Stein ins Rollen. Die Angelegenheit ging an die Staatsanwalt= schaft. Staatsanwalt Dr. Geng ließ die Bücher des Rittergutes be schlagnahmen und durch einen gerichtlichen Bücherrevisor und einen landwirtschaftlichen Sachverständigen eine ganze Anzahl von Fällen feststellen, in denen aus den Buchungen sich Ueberpreise ergaben. Beide Angeklagte bestritten im Termin, sich strafbar ge= macht zu haben, insbesondere lehnte Herr Kiepert seinerseits eine persönliche Berantwortung für die Verkäufe und deren Preisstellung ab. Nach Schließung der umfangreichen Beweiserhebung beantragte Staatsanwalt Genz das Schuldig gegen beide Angetlagte und die Verurteilung des Angeklagten Kiepert zu 15 000 Mart des Angeklagten Faltenberg zu 5000 Mart Geldstrafe, außerdem Einziehung der erzielten Ueberpreise in Höhe von 40 000 art. Rechtsanwalt Bahn beantragte dagegen aus tatsächlichen und juristischen Grünben die Freisprechung der beiden Angeklagten. Da es sich um tomplizierte Rechts- und Tatfragen handelt, segte das Gericht Termin zur Urteilsverkündung auf Mittwoch an. Der Frauenmord in der Langen Straße Das Dunkel, das bis in die letzten Tage noch über den jüng Sten Frauenmorden in Groß- Berlin lagerte, beginnt sich nach und nach zu lichten. Die Verhaftung des Händlers Carl Großmann, leitet zu soviel vollen Momenten über, daß, wenn nicht alle Anzeichen trügen, hierdurch der Schlüssel zur Auftlärung ber mysteriösen Leichenteilfunde gegeben ist. Großmann selbst, der in einer Einzelzelle im dritten Stodwert des Bolizeigefängnisses untergebracht ist, scheint trok, schwerster Belastung seine Ruhe noch nicht verloren zu haben. Wenn feine Angaben auch reichlich viel Widersprüche enthalten und durch glaubhafte Zeugenaussagen widerlegt werden, so war ihm bis zur Stunde ein Geständnis noch nicht abzuringen. Man sieht es diefem mehr als unansehnlichen Manne nicht an, daß er Mädchen an sich loden fonnte, um sie dann auf bestialische Weise ins Jenseits zu befördern. Ueberaus häßlich von Ansehen und schmuzig und zerlumpt in der Kleidung, das ist das Aeußere dieses Mörders. Ganz so ist das Milieu, in dem sich die Er mordung der früheren Köchin Marie Ritsche abspielte. Ein denkbar unsauberer Raum, ausgestattet mit altem Möbelgerümpel bildete die Wohnung des Müftlings, im Hauje der Langen Straße, Inzwischen ist man im Polizeipräsidium bemüht, die zahllosen blutbejubelten Geräte, Betten und Kleidungsstüde, die in der Wohnung Großmanns vorgefunden wurden, einer Sichtung und Später einer chemischen Untersuchung zu unterziehen. Einem Tröblerladen gleicht das Zimmer der zuständigen Mord tommiffion. Hier liegt noch die blutige Reibeleule, mit der der Mörder sein Opfer besinnungslos geschlagen hat, dort ein zusammengedrehtes Handtuch, das dem ohnmächtigen Mäd chen tief in den Hals gewürgt war und so den Erstidungstod herbeigeführt hat. Ein Topf enthält einen Reft vergifteten Lassen Sie sich nicht zwingen. Sie dürfen nichts gegen Ihre Veranlagung tun! Sie erinnern sich doch unserer Gespräche! So wollen Sie doch, und Sie können alles, was Sie wollen! Schämen Sie sich, sich so unterkriegen zu lassen! Nein, Sie gehen nicht!" befahl Eugenie. Und Sie?" Peter sah sie müde und etwas spöttisch an. Eugenie wurde unruhig. Ich? Ja, mein Lieber, ich bin ein Mädchen, das ist etwas ganz anderes! Ich möchte wohl heraus aus der Enge, ich möchte wohl etwas, aber es ist alles noch so unflar,- und wie soll ich das machen?" Ja, wie soll ich das machen? Es ist dasselbe, Eugenie, ganz dasselbe." Eine furze Weile schwiegen Sie beide verdüstert und fühlten die Hemmungen und Verwirrungen und ihre vergeblichen Anstrengungen so start, daß sie sich nicht anzusehen wagten. Dann stand Eugenie schnell auf ihre Mutter tam und reichte Peter die Hand. Wir reden noch darüber. Trogen Sie einstweilen weiter, Peter! Sie sind nicht von - ach, für mich benen, die sich zerbrechen lassen. Aber ich! wird es noch viel zu fämpfen geben. Lassen wir es gut sein! Auf Wiedersehen! Kopf hoch, Peter!" Sie hielt ihm ihre schöne, große, gut geformte Hand nochmals hin, und Peter brüdte sie lange und fest. Wie wohl das tat, wie wohl! Ich habe jemanden, ber mit mir fühlt, ich habe einen treuen Kameraden, ich bin nicht allein, ich bin nicht allein!" jubelte es in ihm. Ja, er wollte sich nun dagegen stemmen; zum Teufel! Er hatte die ganze Geschichte satt bis herauf. Er war nicht ges boren, den Knecht zu spielen, er war nicht geboren, sich befehlen und hofmeistern und schieben zu lassen; er hatte sich und sich verachten fammen und machte sich, ohne Bescheid zu geben und ohne lassen. Dieser Tagedieb von Bruder, der mit einem Aufschlag Rolf und Mila etwas zu sagen, auf den Weg zu dem wartenben Wagen. und sah mit dunklen Bliden an den Tisch seines Vaters hinEugenie hatte Peter in seiner Ede erspäht; er saß dort über. Helene war vorhin dicht an ihm verbeigegangen, ohne mit der Wimper zu zuden. Auch er war unbeweglich en ihre Blide gefreuzt. Ganz leise tam Eugenie und saß plöglich neben ihm. Beter seiner verschleierten Augen Gretchen an sich riß und ihn lächelnd ob seiner Schwerfälligkeit verachtete, sollte es verlernen, ihn zu verachten, er sollte es verlernen, ihn als seinen Diener zu betrachten; die 3eit war gekommen, er ließ sich nicht mehr treten! Peter tnirschte mit den Zähnen und schlug, seine Umgebung vergessend, mit Wucht seinen Stod auf den Tisch. Da stand sofort, still und freundlich, vernünftig und dienstHerr Peter? Warum farat auf; in sein blasses Gesicht fam Röte, und seine Augen find Sie bös? Wollen Sie was?" betamen Glanz. " Run haben wir uns solange nicht mehr gesehen, Peter! Jhabe so oft an Sie gedacht! Was haben sie denn mit Ihnen vor?" Ihre Art hatte etwas Sicheres und Verständiges, zugleich etwas Weiches, fast Mütterliches, und nichts war dabei, was ihn verwirrte, nichts Weibliches, Weibisches, das sich vors brängte. Das war ein gescheiter, gütiger, älterer Freund. 3 loll Oberknecht werden, Eugenie; Sie lennen ja meinen Beruf." ,, Wo ist Gretchen?" herrschte er; er war selbst über seinen befehlenden Ton betroffen. 99 Ach Gretchen!" Wie alt und abwehrend das junge Geficht plöglich aussah, wie finster!„ Es wird vielleicht später noch fommen, ich weiß nit. Warum fragen Sie?" Und Heinrich?" " Seinrich?" Ein 3ug von schnippischer Berachtung fam in Kätchens Geficht. Ich fümmer' mich nit um ihn. Es mird ihm zu weit sein, er hat doch immer zu schnaufen und zu husten ist denn Mila schon fort?" Kaffees, und ein Stochgeschirr birgt Fleischteile, die vermutlich von einem Menschenkörper stammen. Eine Blütenlese schmutzigster weiblicher Kleidungsstüde vervollständigt das ausgestapelie echlagnahmte Beweismaterial. Großmann scheint das mag jedoch nicht als Entschuldigung für seine schweren Verbrechen ge jagt werden start widernatürlich veranlagt zu sein. Sein Ge fichtsausdruck legt hierfür auch ein beredtes Zeugnis ab. Großmann wird der Obduktion der Leiche der Ermordeten beiwohnen und zu diesem 3wede unter sicherer Bewachung nach dem Leichens Ichauhaus gebracht werden. Bon anderer Seite wird folgendes berichtet: Das Mädchen, das von dem Händler Großmann ermordet wurde, hatte sich in der Pappelallee als Schneiderin Emma Boretti angemeldet. Es ist jest festgestellt, daß diese Angabe falsch war. Die Ers mordete ist in Wirklichkeit eine frühere Köchin Marie Nitsche. Die Vorgänge bei der Ermordung stellt der Berhaftete immer noch so dar wie bei seinen ersten Vernehmungen. Das Treiben Großmanns in seiner Wohnung wird noch näher aufgeklärt mer den. Biele Mädchen, die mit ihm zu tun hatten, haben sich ents weber selbst gemeldet oder sind von der Kriminalpolizei ermittelt worden und werden im Polizeipräsidium vernommen werden. Von den anderen Mädchenmorden will Großmann nach wie vor nichts wissen. Er bleibt dabei, daß er mit ihnen nicht das Ge ringste zu tun hat. Die Kleidungsstüde, die bei ihm gefunden wurden, sollen von Mädchen herrühren, die sich mehrere Tage bei ihm aufgehalten und ihn dann verlassen hätten. Um den Straftaten Großmanns gänzlich nachgehen zu fönnen, ist es drin gend nötig, daß sich alle Personen, die irgendwie mit dem Mörder zu tun hatten, bei der zuständigen Mordkommission im Berliner Polizeipräsidium melden. Der Stadtbahnsteig Warschauer Straße wird zurzeit durch die Reuanlage eines zweiten Vorortbahnsteiges zu einem richtigen Umsteigbahnhof ausgebaut. In Warschauer Straße werden von der Inbetriebnahme des neuen Bahnsteiges an sämtliche Vorort züge halten, die über die Stadtbahn verkehren. Damit wird der Bahnhof Warschauer Straße eine erhöhte Bedeutung für den UmSteigeverfehr erlangen und den Reisenden der Züge, die dort bisher nicht hielten, die Möglichkeit eines Ueberganges auf die Hoch bahn ebenfalls geboten. Die Bauarbeiten, die umfangreiche Gleisverlegungen, die Schaffung einer neuen Treppe usw. erfordern, follen in möglichst turzer Zeit durchgeführt werden. Das germanische Reitergrab. Ein vielbesuchtes Museum ist ge genwärtig die vor 25 Jahren von dem Lehrer Emil Fischer be gründete Schaufammlung, deren heimattundliche Abteilung sich jetzt im Körnerpart in Neukölln befindet. Hier ist auch das germanische Reitergrab aus der Zeit der Völkerwanderung ausgestellt, über das wir berichteten. Am Eröffnungstage wurden während der dreistündigen Besuchs 3000 Besucher aus Groß- Berlin gezählt. Das Museum ist täglich von 4 bis 7 Uhr zu besichtigen. Die 87. Brottommission, Böhowstr. 40, wird am 2. September d. J. nach Pasteurftr. 5 verlegt und dortselbst mit der 88. Brottommission vereinigt. Die vergrößerte 88. Brottommission führt Reftor Rietdorf. Lugussteuerpflicht beim Berlauf eines Stugflügels. Ein Kaufmann zeigte in einer Tageszeitung den Verkauf eines Stugflügels an. Dem Umsatzsteueramt gegenüber, das die Angelegenheit aufs griff, gab er an, er habe den Stugflügel zwar vertauft, ihn aber wieder zurücknehmen müssen, da das Holzwurmfräßig" sei. Es wurde ermittelt, daß der Verkauf doch zustande gekommen sei. Ergebnis: Nachzahlung von 750 M. Luxussteuer sowie Zahlung des dreifachen Betrages wegen der Steuerhinterziehung. Da die Umsatzsteuerämter bereitwilligst und fostenlos Auskunft über die Steuerpflicht erteilen, fann nur bringend geraten werden, bei Zweifeln sich an das nächste Umsatzsteueramt zu wenden. Arbeitersport Arbeiter- Sportfartell Spanbau( Bezirk 8, Berlin). Am Mitt woch, den 24. Auguft, findet in Spandau bei Lutow, Morisstraße, Ede Vittoriaufer, eine außerordentliche Sigung des Kartells statt, zu der Vereine, die folgenden Organisationen angeschlossen sind, hiermit geladen werden: Arbeiter- Turn- und Sportbund, der M. S. B., A. R. B. Solidarität, Arb.- Athletenbund, Touristenverein Die Naturfreunde, Verband Volksgesundheit, Arb.- Schach bund, Arb.- Wanderbund Naturfreunde, B. b. Arb.- Musikvereine, Arb.- Theaterbund. Prol. Gesundheitsdienst. Arb.- Anglerbund, so wie die Arbeiter- Gesangvereine. Zum Kartell Spandau( Bez. 8, Berlin) gehören folgende Vereine aus den Ortschaften Spandau, Siemensstadt, Gatow, Cladow, Staaten, Falkenhagen, Seegefeld und Pichelsdorf. Mila, Gretchen, Gretchen, Mila; er soll sie alle zwei haben; er soll zum Teufel gehen!" In ausbrechender Erregung stürzte Peter an dem verrannte einen Seitenpfad ouzten Mädchen vorbei und rannte bergan, bis er hinter einem Baumstamm stehen bleiben mußte, erhitzt und mit feuchendem Atem. Er hätte es nicht flar sagen fönnen, warum er herauf Alle Leute, gerannt und warum er nun stand und lauerte. die mit der„ Partie" nach dem Heidefelsen wollten, mußten nicht weit von ihm unten vorbei, und er sah sie alle aufs tauchen und wieder verschwinden. Die Ersten, ein paar Damen in hellen Kleidern, standen Schon oben am Felsen, während die Letzten, Langsamen, den Hohlweg und den Wald noch nicht erreicht hatten. Wie ein unruhiges, buntes, stets bewegtes Band zog sich's jezt den Berg hinauf und schrumpfte zuletzt zusammenwar niemand mehr zu sehen. Doch, da tam noch einer, den Pfad über die Wiesen her, ganz langsam und schleppend. Der hellgraue Anzug, der hellgraue Hut das war Heinrich. Der wird heute auch vergebens fuchen! Mila war in sicherer Sut und Gretchen noch nicht da! Mit Schadenfreude sah Beter zu, wie Heinrich näher fam, stehen blieb, um aus Schnaufen zu fönnen und wieder mit aller Vorsicht weiter Stieg. Jungher, heut' ist euer heißes Bemühen umsonst", frohs lodte Peter. Jezt fonnte er gehen. Was hätte er denn weiter da tun sollen? Die Menagerie oben reizte ihn nicht - es trieb ihn plötzlich zurüd. Er ging nicht den Weg der andern, er ging seinen Weg, den steilen Steig querfeldein, hinter Heinrich weg wollte er nach Hause. Aber Peter hatte Heinrichs Langsamkeit unterschätzt; als er, halb stürzend, rot und zerzaust über die Schneuse heruntergepoltert fam, fiel er Heinrich fast vor die Füße. Der erschrat einen furzen Augenblid, dann nahm sein Gesicht den halb verächtlichen, halb gönnerhaften Ausdruck an, der Peter stets aufs äußerste reizte. ,, Nun, nun", hielt er Peter auf, du kommst ja heruntergemettert wie ein Lustmörder! Reitet dich der Satan oder Die Liebe?" ,, Gretchen ist nicht da!" stieß Peter heraus. " Naund? Weiß ich. So lauf doch zu, lauf schnell zu der fleinen Hure, sie ist zu Haus." Peter verdrehte die Augen vor Wut:„ Noch ein solches Wort-" ,, Das ist sie doch! Ein Dirnlein, eine-" „ Schweig!" Peter hatte beide Fäuste erhoben. Fällt mir ein, still zu sein, du dummer Bub! Sie ist eine solche, die wol- ich muß das doch am besten wissen!" " Nein!" schrie Peter außer sich, du bist ein Lügner, et Lump; ich lasse Gretchen nicht beleidigen! Hör auf, diese höhnische Frage zu machen!" ( Fortfegung folgt.) Gewerkschaftliches Appell an die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter Aus der Gewerkschaftskommission wird uns geschrieben: Die Gewerbegerichtswahlen für die Arbeitnehmerbeifizer sind vorüber. In den sozialistischen Tageszeitungen haben Gewerkschaftskommis fion und Afabund( Ortstartell Groß- Berlin) wiederholt zur Wahl der Liste der freien Gewerkschaften aufgerufen. Die Einrichtung der Gewerbegerichte ist für die Gesamtheit des Proletariats von großer Wichtigkeit, werden sie doch als Einigungsinstanz ange rufen und sollen sie bei gewerblichen Streitigkeiten schnell und sachverständig entscheiden. Es mußte also alles getan werden, um die Liste der Vertreter der freien Gewerkschaften zum Siege zu führen, denn nur die freien Gewerkschaften sind Gegner der tapitas listischen Wirtschaftspolitik und führen den Kampf gegen das Kapital. Bei der einschneidenden Bedeutung der Gewerbegerichte für das gewerkschaftliche Leben mußte die freigewerkschaftlich orga nisierte Arbeiterschaft alles daransehen, auch hierfür ihren Einfluß geltend zu machen. Mit zäher Energie muß sie überall einbringen und alle Attivposten besetzen. " Da führt ein Berliner Blatt, das, es muß leider festgestellt werden, in freigewerkschaftlichen Arbeiterkreisen noch eine reichliche Leserschaft hat, gegen diese Bestrebungen einen derben Schlag. In der Morgennummer der Morgenpost" vom Sonnabenb ist ein halbseitiges Inserat des nationalen Gewerkschaftsfartells aufgenommen, in dem für die Liste der„ Gelben" Stim men geworben werden. Ein Blatt, das sich stets den Anschein der ,, Arbeiterfreundlichkeit" zu geben versucht, schädigt hier die Intereffen der freigewerkschaftlichen Arbeiter auf das Gröbste. Es zeigt sich, wie schon so oft, daß bürgerliche Blätter, welchen Schein sie auch immer vortäuschen, für die Interessen der freigewerkschaftlichen Arbeiter nicht das geringste Verständnis haben. Durch die Aufnahme von Inseraten der gelben Organisationen, die den Befreiungskampf des Proletariats hemmen, demastieren fich solche Blätter und enthüllen ihren wahren Charakter. Diese Blätter müssen daher restlos aus dem proleta rischen Haushalt verschwinden; für sie darf tein freigewert schaftlich organisierter Arbeiter Geld übrig haben. Wir fordern unsere Mitglieder auf, nur die Presse zu lesen, die ihre Interessen wahrnimmt, die Presse, worin sie alles finden, was sie mit ihrer Klasse und mit dem ge wertschaftlichen Leben aufs Engste verknüpft. Hierfür tommt nur die Presse der sozialistischen Parteien in Frage. Heraus mit allen anderen Zeitungen! Left die sozialistische Presse! Der Berliner Holzarbeiterstreif Die Lohnbewegung in der Berliner Holzindustrie ist durch den von uns bereits gemeldeten Willküraft der Unternehmer in ein neues Stadium getreten. Bekanntlich hat der Führer der Berliner Holzindustriellen, Herr Obermeister Paeth, die dem Verbande der Arbeitgeber anges schlossenen Unternehmer aufgefordert, alle Betriebe der Solzindustrie stillzulegen. " Unter der pompösen Ueberschrift Stillegung sämtlicher GroßBerliner Tischlerei- Betriebe" wurde am 17. August ein von ihm unterzeichnetes Flugblatt an alle Tischlermeister und Fabrikanten versandt, in dem diese Forderung streng und energisch befohlen wird. In dem Pamphlet des Herrn Paeth tehren alle bisher nur in der Fachzeitung" verbreiteten unwahrheiten über den Reichsmantelvertrag wieder, um Stimmung für die Aussperrung zu machen. Daß Herr Baeth bei seiner sprichwörtlichen Wahrheitsliebe alle Dinge auf den Kopf stellt, braucht nicht besonders vermerkt werden. Um nicht der gänzlichen Berelendung anheimzufallen, soll auch vor dem letzten Mittel nicht zurückgeschredt werden. In diesem Flugblatt wird auch mit der ständig wiederkehrenden| berungen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu vertreten Unrichtigkeit aufgeräumt, daß nur ein leiner Teil Arbeitgeber Organisationen den Reichsmantelvertrag unterschrieben und der größere Teil der Arbeitgeber abgelehnt hätte. Namentlich sind die Unternehmer- Verbände aufgeführt, die den Reichsmantelvertrag anerkannt haben. Mit diesen Fragen beschäftigte sich auch die gestrige Versamm lung der streifenden Berliner Holzarbeiter, in der alle Betriebe vertreten waren. Gen. Boese gab einen ausführlichen Situationsbericht, in welchem er den Stand der Bewegung feft stellte. Besonders scharf trat er den Auslassungen der Herren Baeth und Konsorten entgegen, die durch ihre oben angeführte Stimmungsmache versuchen, das Bild der Bewegung zu verwischen. Es muß immer wieder betont werden, daß die nicht die Arbeiterschaft, sondern die Unternehmer diesen Streit provoziert haben. Wenn sie heute glauben, durch die von ihnen angewandten Machinationen die Arbeiter irre zu machen, dann täuschen sie sich gewaltig. Die Arbeitnehmer in der Holzindustrie stehen fest hinter ihrer Organisation. Sie werden diesen Kampf fiegreich zu Ende führen. Hunderte von Unternehmer haben das auch bereits erkannt und die gestellten Bedingungen, Annahme des Reichsmantel und des Bezirts: lohntarifes, anerkannt. Bon demselben Gedanken war die ganze Versammlung beseelt. Ausharren im Streit, bis die Forderungen restlos erfüllt sind, das war das Leitmotiv aller Redner. Wenn die Einmütigkeit und Geschlossenheit weiter anhält, dann mögen ide Paeth und Konsorten anstellen, was sie wollen, sie werden den Sieg der Holzarbeiter nicht verhindern können. Goeben wird uns aus Arbeitertreisen gemeldet, daß der Ar: beitgeberschutzverband auf seiner Tagung am 20. August in Braunschweig den Reichsmanteltarif mit großer Mehrheit ange nommen hat und den Proteft der Berliner Unternehmer zurüdgewiesen hat. Baeth mit seiner Korona steht somit isoliert da. Damit ist offiziell von ganz einwandfreier Seite festgestellt, daß die Leitung der Berliner Vereinigten Verbände ihre Mitglieder mit unwahrheiten trattiert hat. UGPD. Gewerkschaftsangestellte! Am Sonnabend, den 27. August, abends 6 Uhr, findet im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 1, eine wichtige VerSammlung jämtlicher Gewerkschaftsangestellten, die der U.S. P. D. angehören, statt. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Partei und Gewerkschaftsbuch legitimiert. Bezirksverband Berlin- Brandenburg U. S. P. D. J. A.: A. Sola USPD.- Straßenbahner! Am Freitag, den 26. Auguft, abends 6. Uhr, findet im Gewerk schaftshaus. Engelufer 15, eine wichtige Vollversammlung statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl resp. zur Kandidatur; 2. Wahl der Abteilungsleitungen; 3. Abrechnung mit dem Kaffierer. Bezirksverband Berlin- Brandenburg U. S. P. D.. J. A.: A. Holz. Die Lohnforderungen der Hochbahner Das Berkehrs- und technische Bersonal der Berliner Hochbahn nahm in einer sehr start besuchten Vollverjammlung Stellung zu der erneut einsehenden ungeheueren Steigerung der gesamten Lebenshaltung. Genosse Alexander Stein hielt als Einleitung ein Referat über die Verelendung der deutschen Arbeiterklasse". Er fand aufmerksame Zuhörer und nach Beendigung seines Referats großen Beifall. Dann gab der Borsigende des Betriebsrates unter besonderer Berücksichtigung der niedrigen Löhne die Forderungen be Die„ Aussperrung" setzte nun auch mit der von Baeth gewünschtannf. ten Pünktlichkeit ein. Am 17. 8. erging die Aufforderung: Jeder Am Sonnabend, Arbeitgeber hat seinen Betrieb zu schließen." ben 20. 8., am 3. Tage der Aussperrung, waren 4 Betriebe mit 13 Arbeitern ausgesperrt. Bis Montag, den 22. 8., abends, find 27 Betriebe mit 141 Arbeitern dem Kommando Baeths nachgefommen. Die äußerst geringe Zahl der aussperrenden Arbeitgeber beweist zur Genüge, daß es in den Köpfen der Tischlermeister zu dämmern anfängt, und die geplante Aussperrung lediglich der Ruhmessucht Baeths zuzuschreiben ist. Die täglich einlaufenden Bewilligungen rnd Unterschriften bisher noch zögernder Arbeitgeber beweisen ber auch, daß der bisher von Paeth betriebene Schwindel mit Gen Wirkungen des Reichsmantelvertrages erkannt ist. Zur Aufklärung und Richtigstellung der immer erneut von Baeth porgebrachten Unwahrheiten und Unrichtigkeiten ist vom Holzarbeiterverband an alle Tischlermeister eine Aufklärungsschrift verbreitet worden, worin diesen Herren die Sachlage dargestellt wird, mie sie den Tatsachen entspricht. 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Nach reger Aussprache, in der das Wohlleben und der überhandnehmende Lurus der besigenden Klassen fritisiert und die einseitigen Maßnahmen der Regierung für die Besitzenden und gegen die Arbeiter aufs schärfte gegeißelt wurden, beauftragten die Versammelten die Gewerkschaften und Betriebsräte, ihre For780am 65 an 9000 an 24ºº 36-39 2400 Graue Segeltuch- Turnschuhe mit Lederfohle Größe 27-30 Größe 31-35 27.00 36-40 33.00 41-46 39.00 Refipoften weiße Leinenschuhe mit Lederfohle Leder Größe 300 Größe 4100 Restposten schwarze Sandalen ausführung 27-30 33 31-35 Größe Restposten braune prima Hindleder- Sandalen 4809 Größe 30-35 60.00 36-39 75.00 40-42 80.00 25-29 Hausschuhe aus Militärtuch mit fester Sohle Größe 22-30 1000 Größe 31-35 11.00 36-42 13.00 Schuhmarkthalle Buckower Str.8 000 an der Dresdener Straße Volks- ReiseVerband Neukölln VRV Münchener Straße 53 Bom 3. bis 10. September: Durch den Odenwald zum Neckar bis Heidelberg Wiederholung der s. 18.- 25. Juni veranstalteten Ferienfahrt Teilnehmerkarte einschließlich Fahrt und Verpflegung: 500 Mark Anmeldungen find umgehend( eventl. auch schriftlich) gegen Einzahlung der Sicherheitssumme von 100 Mk. an bie Geschäftsstelle des B.-R.-B., Neukölln, Münchener Str. 53 zu richten. lückwunschKarten zur Jugendweihe In vornehmer Eusiahrung Buchhandlung ,, Freiheit" Breite Str. 8/9 und in den,.Freiheit" Speditionen erhältlich. Spez- Beh: Ischias nur für in Hüft., Gefäß u. Bein. Da schw. Fälle in 15 Tagen bes feit. w., hierüber unantastb. Seilerf. befteh. u. Referenzen Invalidenstr. 106, Jacoby von 9-3, KOGNAK Meiner Weinbrand M.42.00 Allasch zuckerg. 44%. 50.00 Stonsdorfer 40.00 320 Restaurateure Weinbrand Liter M. 45.00 Sämtliche andere Spiri tuofen, Weißwein, Rots wein, Sekt billig ft. Zigaretten, Bigarren, Tas bak zu Fabrikpreifen. Schlaraffia Werlin Münzftr. 2, Turmstr. 80, Botsdamer Straße 26 b, Weißenburger Str. Erke Franseckyftr. 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Vertrauensmännerversammlung am Donnerstag, den 25. d. M., nachm. 3 Uhr, Gewerkschaftshaus, Saal 3. Alle Bertrauensmänner, Obieute und Betriebsräte aus dem Hoch, Beton- und Tiefbau sowie sämtlichen Fabritbetrieben sind hiermit eingeladen. Jugendbewegung Sos. Proleterierjugend, Gruppe Westen. Freitag, 7½ Uhr, bei Wiemers, Bülowftr. 58, Borirag des Gen. Helle: Sozialismus und Antimilitarismus. Soz. Broletarierjugend, Agitationsbezir! Weiten. Mittwoch, 7 Uhr, bei Wiemers, Bülowitz. 58, wichtige Gigung. Vertreter von Schöneberg, Wilmers dorf, Zehlendorf und Lantwik find besonders eingeladen. Parteiveranstaltungen Freitag, den 26. Angu rbeiter Bildungssule U. S. B. D. abends 7 Uhr, findet in der Arbeiter- Bildungsschule ,, Breite Str. 8-9, eine Ronferenz fämtlicher Mitglieder der Distriktsbilburgstommiffionen in der Stadt Die Jugendbewegung. Der Zentral gemeinde Berlin tatt. Sagesordnung: Dorstand der S. B. 3. sowie die Mitglieder aller Bildungskommissionen sind hierzu eingeleben. Die nächte Am 25. Auguft fällt die Sprechstunde für Elternbeiräte aus. Sprechstunde findet am Donnerstag, den 1. September, von 6-7 Uhr, in ber " Freiheit" Bibliothek statt. 13. Verwaltungsdegirl( Tempelhof, Martendorf, Marienfelde, Lichtenrabe). Die Jugendweihe im 13. Berwaltungsbezirk findet am Sonntag, den 25. September, 10 Uhr vorm., statt. Der vorbereitende Unterricht für die Kinder von Mariens dorf, Marienfelde und Lichtenrade beginnt am Mittwoch, den 24. Auguft 1921, non 2-4 Uhr nadm., im Nadelarbeitsraum ber 4. Gemeindeschule in Marienboth Kurfürstenstraße. Anmeldungen daselbst bei Lehrer Genosse Witthauer. Mittwoch, 24. August 19. Diftrift( Kreuzberg), 3. Abteilung. Abends 7 Uhr Extrazahlabend, 131. Be girl, bei Krüger, Grimmstr. 1. Vortrag des Genossen Kraah.„ Freiheit"-Leser und Gäste willtommen. 118.- 120 Bezirt bei Rösner, Baerwaldstr. 12. Reinidendorf- West. Abends 8 Uhr in der Aula ber 5. Gemeindeschule Eltern verfammlung für die weltliche Schule. Thema: Was will die Freie Schul gesellschaft? Bortragender: Lehrer Krüger. Freie Aussprache. Weißenfee. Abends 7½ Uhr Sigung der Bildungskommission im Wirtshaus am Orankesee. Donnerstag, 25. August 10. Distrikt. Abends 8 Uhr bei Gliesche, in der Spedition in der Bankstrake Sigung der Frauenarbeits- und Kinderschuhlommission. Es wird gebeten, bie Armbinden vom Sommerfest bestimmt mitzubringen. Lichtenberg Stadt und Land. Sigung der fommunalen Kommission und Frab Hon, Rathaus, 3immer 25, Abends 7 Uhr 9. Diftrift( Wedding). Agitationstommiffion, 1. Abteilung. Sigung bei Kroll, Utrechter Str. 21. 3u erscheinen haben alle Genossen, die im Areile Templin schon gearbeitet haben, sowie alle Genossen, die als Referenten in Frage tommen. Am Sonntag ist beim Waldfelt eine goldene Damenuhr und ein Schlüssel gefunden worden. Abzuholen bei Kroll, Utrechter Str. 21. 15. Verwaltungsbezir!, Diftrift Treptow. Abends 7 Uhr Distrikts- Vorstands Rigung in Rieberschöneweide, Berliner Str. 26. Die Abteilungsleiter werden g beten, Rame, Beruf und Wohnung der aus ihren Abteilungen vorgeschlagese Kandidaten anzugeben. 10. Diftrift( Gesundbrunnen), 3. Abteilung. Abends 7 Uhr Funktionärfonferen bei Knad, Grünthaler Str. 6. Erscheinen aller Funktionäre ist notwendig. Bereinsfalender Mittwoch, 24. August Deffentliche Bersammlung des Bundes entschiedener Schulrefarmer, abends 7 Uhr, im Werner- Siemens Realgymnasium, Berlin- Schöneberg, Hohenstaufen Straße 47-48. Thema: Die fremden Sprachen in der neuen Schule und die Welte Sprachenbewegung. Jedermann eingeladen. Zentralverband der Maschinisten und Heizer, Geschäftsstelle Groß- Berlin. Abends 6 Uhr bei Schulz, Am Königsgraben 2, Bersammlung der Vertrauensleute ber Metallindustrie. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Unbedingtes Erscheinen eines jeden Vertrauensmannes ist Pflicht, de wichtige Beschlüsse gefaßt werden sollen. Die Ortsverwaltung. Deutscher Berlehrsbund. Elektrobroschfenführer. Nachm. 5% Uhr und Donnerstag, morgens 6 Uhr, im Lokal von Lemte( Inh. Breitag), Hessische Str. 12, Ede Hannoversche Straße, 2 große Versammlungen. Tagesordnung: 1. Stellung nahme zum neuen Lohntarif der Elektrobroschtenfahrer. Donnerstag, 25. August Deutscher Wertmeister- Berband. Obleute, Bertrauensmänner und Funktionäre ber Metall- Industrie. Abends 7 Uhr AfA- Bersammlung im Deutschen Hof, Ludauer Str. 15. Deutscher Transportarbeiter Verband( Bezirk Groß- Berlin). Rolltutscher Abends 6 Uhr bei Boeker, Weberftr. 17, Bersammlung. Tagesordnung: Bericht über unsere Tarifverhandlung. Solzplagarbeiter, Bretterträger und Kutscher Abends 7 Uhr im Englischen Hof", Alexanderstr. 27c, Branchenversammlung. Berantwortlich für Politif und Feuilleton: Dr. Paul Herz, Charlottenburg für Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkschaftliches: 3. B.: Robert Sensel, Berlin; für den Injeratentcil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Charlottenburg. Berlagsgenossenschaft Freiheit, e. 6. m. b. 5., Berlin. Drud der Berliner Druderei G. m. b. 5., Berlin C2, Fahrschein und Quit- 4 Gültig für die ganze Jahr senter den Im Wagen aur Breite Strake 8-9. Glyzoran hängenden before bedingtuhcreme 84121 D 6121 Berliner Strassenbahn W6.Leipziger Platz 14 Ausweis für diejenige Person und Fahrt die gelöst. Haltestelle Straßenbahn der Sieh doch mal, die hübsche Kleine GIYZoran Sie mitgen den sammelt Glyzoran- Fahrscheine Rauchtabak Pfund 18 Mark Holländer • 20 m. Schwarz. Kranfen 22 m. Portoriko . • • 23 9. Gold Shag 27 m. Straße 1, I Rund Groke Damburger Fahrschein sammeln! V fur 50 Glyzoran- Fahrscheine erhalten Sie in jedem besseren Geschäft eine echte Original- DoseGlyzoran Schuhcreme gratis! 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