Ur. 831. Adsimemtnts-KedlnguiMn: ilbonnemenl»- Preis pränumerando: »ZIerteljährl. 3.30 Mk.. monatl. 1,10 SDlt., wöchentlich 28 Psg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntag«» Nummer mit tllustrtrter Sonnlag«- Betlage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«» PretZlifte für 1SS7 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erschewi täglich außer Wonlag». Vevlinev VolksblAtk. Dontralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 14. Jahrg. Die Inftrlwns-GebShr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» «eile oder deren Raum«0 Pfg.. für verein«- und Bersainmlung«-Ai, zeigen, sowie ArbeilSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« i Uhr nachmittag» in der Erpediiion abgegeben werden. Die Elpedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und KesUagen bi« 9 Uhr pormitiag« geöffnet. Fernsprecher: Vml I, Dr. 1003. Deiegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Deduktion: SW. 19, Meuly-Straße 2. GruH vrm Vetvkeitttge! Heute vcrsamnieln sich in Hcuuburg die Abgescindten der deutschen Sozialdemokratie zu unserem jährlichen Parlament. Sie versammeln sich als Vertreter eines Staats im Staate — eines Staats, den die zielbeimißte Arbeiterschaft sich iui Schooße des Kapitalistcu-Klassenstaats geschaffen hat, trotz des Widerstandes, trotz der ivüthenden Angriffe der Feinde, und der trotz des Widerstandes, trotz der ivüthenden Angriffe der Feinde wachsen uild gedeihen wird, bis, aus ihm und aus den Brndcrparteien der übrigen Klaffenstaaten sich eulwickelnd, auf den Trümmern der alten, gemeinschädlich und kultur- widrig gewordenen Welt des Kapitalismus die internationale Znkunfts-Gesellschaft des Sozialismus die Proletarier aller Länder im Bruderbunde der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit vereinigt. In Hamburg tagt das Arbeiterparlament an denk- würdiger Stätte. Hier war das erste Hauptquartier der neuen sozial deniokratischen Bcivcgung Teutschlands. Hier wandten nach Gründllug des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins die Arbeiter sich zuerst in Massen der Sozialdemokratie zu; und hier er- stailden zuerst Massenorganisationen der Arbeiter— Organisationen, die bis zum heutigen Tag mustergiltig gc- blieben sind, sowohl ans politischem wie ans gewerkschaftlichem Felde. Ter Saal, in welchem der Parteitag seine Sitzungen hält, sah vor annähernd 30 Jahren die erste sozialdemokratische 3)!assenversannnlnng in Deutschland. Hier in Haniburg wurde, als es galt, dem Strom der sozialistischen Bewcgilng ein breiteres Bett zu geben, den nationalen Gedanken zum internationalen zu er- weitern, der sozialistische Internationalismus mit ebenso glühender Begeisterung aufgenommen, wie vorher der Sozialismus des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins; uild nirgends ist die Verschmelzung der beiden sozia- listischcn Fraktionen lebhafter begrüßt, ehrlicher durchgeführt worden, als hier in Hamburg, das heute neben Berlin die vor- uehmste Hochburg der internationalen Sozialdemokratie Deutsch laitds ist. Hier ist das klassische Schlachtfeld der organisirten Klassenkämpfe des Proletariats. Hier sind, mit dem Lauen» stein' sehen Streik in den sechziger Jahren beginnend, bis zum Zl n s st a n d der Hafenarbeiter im vorigen Jahr die hartnäckigsten, opfcireichsten Kämpfe des Proletariats um bessere Lebensbedingungen gekäinpft worden. Hier sehen die Milglicder des Parteitags noch die Spnren des vorjährigen Kampfes, hier wird ihnen frisch ins Ge- dächlniß gerufen, wie die Staatsgewalt die Seifenblase des „sozialen" Staates, der über den Parteien throne und den Schwachen gegen den Starken schütze, in alle Winde zerstäubte, und den Arbeitern, die noch an die Erlösung von oben geglaubt hatten, die eherne Lehre der Internationalen Arbeiter- assoziativn einhämmerte: Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selb st s e i ii. Und ganz nahe bei Hamburg ist die Stätte, Ivo der Mann lebendig � begraben liegt, der in verbrecherischer Thorhcit sich vermaß, die deutsche Sozialdemokratie zu ver- uichlen, weil sie sich nicht zu der niederträchtigen Rolle herbei- ließ, zu Nutz und Frommen des preußischen Juukerthums die bürgerliche Freiheil niederzuhetzen und dem deutschen Volk das Joch des rohcsten Polizei- und Kasernen- Sozialismus auf den Nacken zu heften. Da liegt er, der in verrücktem Größenwahn meinte, mit den— freilich koloffalcn— mechanischen Machtmitteln in seiner Hand die Sozialdemokratie überwinden zu können, — da liegt er überwunden, zerschmettert, verachter,— ein warnendes Exempcl für alle, die da sich einbilden, ihren persön- lichen Willen der Menschheit als Gesetz vorzuschreiben und die ewigen Gesetze, nach welchen der menschliche Kultnrfortschritt sich vollzieht, fälschen oder beugen zu können. Tie Tclcgirtcn unseres Parteitags können mit Stolz von sich, von unserer Partei sagen: W i r sind es, die diesen verbrecherischen Thor besiegt haben! Uitd wir werden Jeden besiegen, der in seine Fuß- stapfen zu treten sich unterfängt. So ist Hambitrg für uns reich an fruchtbaren Lehren und Erinnerungen. Und auch die Umstände, unter denen der Parteitag heute zusammentritt, sind geeignet, unser Krastgesühl und unser Sicgesvertrauen noch zu stärke». Welches Schauspiel bietet jetzt Teutschland, überhaupt die ganze sogenannte„zivilisirte" Welt! Ter Kapitalismus, dessen Lebensbedingnilg die Knechtung und Ausbeutung der Arbeit ist, wird mit der unaufhaltsamen Ausbreitung des Sozialismus von Tag zil Tag freiheitsfeindlicher, weil alle Freiheiten und Volksrcchte dem Sozialismus zu gute kommen; von Tag zu Tag muß er, um seine Lebensbedingungen zu erfüllen, die Masse» des Volkes härter bedrücken, schamloser ausbeuten, brutaler knechten— und so treibt er, „ei» Theil der Kraft, die stets das Böse ivill und stets das Gute schafft/ die Massen des Volkes von Tag zu Tag maffenhafter dem Sozialismus in die Arme, den zu erdrosseln er in ohnmächtigem Eruuiii sich abquält. Alles, was unsere Feinde im Dienste des Kapitalismus gegen die Sozialdemokratie unternehmen, schlägt so zu unseren Gunsten ans. Und je mehr unseren Feinden das Vergebliche ihres Bemühens aufdämtnert, zu desto tolleren Schlägen holen sie aus in ihrer Blindheit, desto erfolgreicher arbeiten sie uns in die Hände. Wohin wir blicken ins Lager unserer Feinde: die wüsteste Verwirrung, blödes Gezeter, jämmerliche Rathlosigkeit, Fiasko über Fiasko. Das Riesenfiasko der europäischen Staatsmannsznnft in der Schelmen-Komödie der orientalischen Frage. Das groteske Weit kriechen vor dem Knuten-Zar in Petersburg, dessen barbarisches Regiment die letzte Hoffnung der bankrotten Staatsknnst des Kapitalismus ist. Und in Deutschland: die Orgien des�ostelbischen Junkcrthnms, das den Staat als seine Domäne bc- trachtet und dessen edelstes Toppclstreben darauf hinaus geht, dem Volke„Liebesgaben" aus der Tasche zu nehmen und einen Knebel in den Mund zu stecken, damit es der zudringlichen Gesellen sich nicht erivchrcn kann. Attentate über Attentate gegen das allgemeine Wahlrecht, gegen das Vcrcinsrccht, gegen das Koalitionsrccht. Unter verlogenem Geschrei gegen den„Umsturz" zynische Zcttclungen zum Um stürz der Verfassung, zur Vorbereitung des Staatsstreichs— schmutzige Jntrigue», wie sie im Lcckert-Lützow-Tansch-Prozeß ans Tageslicht gezogen wurden. Und die eigentlichen Helden jenes Prozesses, sie treiben heute noch ihr Unwesen. Die ernstesten Verfassungskonflikte in Aussicht— die Regierungskrise in Permanenz— niemand wissend, wer Koch ist und Kellner im Deutschen Reiche. Und die alten kapita listischcn Parteien in vollster Auflösung. Innerhalb der kapitalistischen Welt daS Chaos— nirgends ein Ansatz zn fester Parteibildnng, nirgends ein festes Pro gramm, nirgends ein fester Plinkl. Fest steht nur die Sozialdemokratie. Jeder Tag legt Zcnguiß ab für die Richtigkeit unseres Programms und unserer Taktik. Und die Presse der bankrotten Parteien be denkt unsere Partei abwechselnd mit guten Rathschlägen und giftigen Schimpfereien. Sie mögen sich doch selbst helfen! Rathschläge brauchen wir nicht, und das Geschimpfe der Feinde belustigt uns nur. Die gegnerische Presse beschäftigt sich jetzt wieder viel mit unserem Parteitage. Nun,„wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu thun", und unsere Feinde sollten wahrhaftig froh sein, daß wir ihnen Stoff liefern— in den eigenen Reihen finden sie keinen. Was für Nichtigkeiten sind es, aus denen das politische Leben der anderen Parteien besteht! Wo ist bei ihnen Vcrstäiidniß für die großen Fragen der Zeit? Sozial rcformatorische Bcttelsnppen, kleinliche Polizeipolilik, knltnr kämpferische Konlissenreißerei, und— die Hauptsache!— Anschläge auf den Geldbeutel des arbeitenden Volkes— das ist der Inhalt des politischen Lebens unserer Feinde. Auf dicscs engherzige Treiben, diese niedrige Selbstsucht schauen wir mitleidig herab. Man soll den Feind nicht unter- schätzen— gewiß nicht; aber Achtung vor solchen Feinden kann niemand uns zumnthen. Sie lernen nicht und sie vergessen nicht. Wieder leiern le das alte Lied ab vom Znsammenbruch, von der Spaltung der Partei. Wir gönnen ihnen das kindliche Vergnügen. Nie war die Partei einiger, nie war die Partei fester. Nicht eine Frage liegt vor, die aus dem Kongreß zn ernst- hastcm Wlcinnngsstreit führen könnte. Die einzige Frage, die längere Debatten veranlassen wird, ist die der Bcthcilignng an den preußischen Landtagswahlcn. Sie ist aber in der Parteiprcsse bereits so gründlich behandelt worden, daß Klar- heit geschaffen und damit der Boden für die Verständigung angebahnt ist. In der Polemik wird von uitseren Parteigenossen manch- mal gesündigt; manchmal springt sie ins Persönliche über. Allein das ist nicht böse Absicht; es entspringt der Urwüchsig- keit einer jungen, stets kämpfenden Partei, und ist dem platten Formenkram der altersschwachen Parteien weit vorzuziehen. Tie P r e ß f r e i h e i t, die wir unter uns walten lassen, fördert alle Gedanken und Gefühle zu Tag. Alles wird offen verhandelt, ungesunde Säfte können sich im Partei- organismns nicht ansammeln, und so gereicht jede Polemik zur Kräftigung der Partei. Wir haben keine Geheimnisse. Die Partei wirkt und der Parteitag tagt im Licht vollster Ocsscntlichkeit. Unsere Rechenschaftsberichte sind jedem zur Verfügung. Wir sind iark genug, auch unsere Schwächen zu zeigen. Welche andere Partei kann das? Und welche andere Partei hätte die Debatte führen können, die wir bezüglich der Bctheiligung an den preilßischen Landtagswahlru seit Monaten führen? Von Anfang an wurde 'estgcstcllt, daß es nicht eine Frage des Prinzips sei, andern der T a k t i k, der P r a x i s. Und das erhob die Diskussion von vornherein über das Niveau des Persönlichen. Diesen Charakter ivird die Diskussion auch auf dem Parteitage bewahren. Wir wissen nicht, wie dessen Entscheidung ausfallen wird; aber wir wissen: alle Telcgirtcn haben das Wohl der Partei i m A u g e, und da prinzipielle Differenzen nicht vorliegen, so wird, falls nicht Einstimmigkeit zn erzielen ist, die Mehrheit einen Weg finden, den die Minderheit, ohne ihrem Gewissen Zwang anzuthun, mitgehen kann. Denn ist auch in der Kritik und Diskussion die absolute Freiheit oberstes Gesetz— für die Aktion gilt: Einheit und Disziplin. Unsere Genossen in Hamburg werden in dieser, wie m jeder anderen Frage beschließen, was im Interesse der Partei uothivendig ist. Noch ein Wort: der heutige Tag ist ein Gedenktag. Heute vor 10 Jahren— am 3. Oktober 1887— trat der Partei-Kongreß in St. G a ll e n z u s a m m e n. Es war in der Zeit des heftigsten Ringens unter dem Sozialistengesetz. Wir mußten im Ausland tagen. Drei Jahre später war Bismarck niedergeworfen, war daS Sozialistengesetz zerbrochen und in seinen Urhebern verurtheilt, gebrandmarkt. Ter 3. Oktober ist ein Tag guter Vorbedentung. Hoch die Sozialdemokratie! Glückauf dem Parteitag! JVlikisVhe UtefcevjWjf/ Berlin, 2. Oktober. Ihre Neigung zum Staatsstreich können die Flotte n- e n t h n s i a st e n kaum verbergen. So sehr sie wissen, wie ungünstig die Bekundung dieser Pläne im Volke wirkt und so sehr sie sich auch im allgemeinen in acht nehmen, vor der Zeit gar zu frech uild offen mit denselben herauszurücken, so geht es ihnen doch so, wie das Sprichwort sagt: Weß das Herz voll ist, geht der Mund über. So beschließt die„ D e u t s ch e V o l k s w i r t h s ch a f t- liche Correspondenz" einen der jetzt üblichen Tamtam- Artikel„Für eine deutsche Kriegsflotte" mit den sehr ein- deutigen Worten: „Verweigern Partcisucht und blindes Vorurtheil weiterhin das unbcdingt Nolhivendige, so ist jede Maßregel der verbündeten Siegierungen gerechtfertigt, welche diesem die Ehre, Sicherheit und Znknnst des 3!eichcs bedrohenden Zustande ein Ende macht." Natürlich, die Herren um Stumm— dessen Politik ver- tritt ja die„Deutsche volksw. Corr."— wissen allein, was Ehre, Sicherheit und Zickniist Dentschlands erfordern, und wer anders denkt als sie, handelt aus Parteisucht und blindem Vornrthcile. Darum sei jede Maßregel gerechtfertigt. Das heißt: die Regierungen sollen verfassnngsbrilchig über den Willen des Reichstages hinwegschreiten und thun, was ihnen beliebt. Die guten Herren, die den Mund so niächtig aufsperren, vergessen nur, daß dazu zwei gehören, der himvegschreiten möchte und über den hinweggcschritten werden soll. Hinter dem letzteren aber, hinter dem Reichstag, steht die gewaltige Mehrheit des deutschen Volkes. Das dcntsche Volk weiß recht wohl, was eS seiner Ehre und Sicherheit und Zukunft schuldig ist und wie es diese Güter bewahren ivill. Wenn gewisse Schivarmköpfe andere Ausichtc» darüber habe», so wird cs denselben zeigen, daß es noch Herr in seinem Hause ist und keine Lust verspürt, sich für nichts und wieder nichts in„weltpolitische" Abenteuer zu stürzen und neue Steuerlasten aufzubürden.— Nicht ganz nutzlos scheint die Kritik gegen die Mißstände im Eisenbahnwesen bleibe» zn sollen. Die Eiscnbahudircklion Berlin hat, wie eine lokale Korrespondenz mittheilt, ail die Lokomotivführer der Strecke Berlin- Sommerfeld die Aufrage gerichtet, welche Vor- schlüge sie zur V e r h ii t u n g von Eisenbahn- Unfällen machen könnten. In der letzten Versammlung des Vereins deutscher Lokomotivführer kam diese Anfrage zur Sprache. Es wurde mit Freude begrüßt, daß die Behörde, wenn auch noch in sehr beschränktem Umfange, an« gefangen habe, die Männer des praktischen Dienstes, von deren Tüchtigkeit und deren Ersahrungen die Verhütung von Eiscnbahn-Uusälleu ganz wesentlich abhänge, um geeignete Vorschläge zu befragen. Bedauert wurde nur, daß dies nicht auf allen Hauptstrecken geschehen sei und daß man den Be- fragten nur 24 Stunden Zeit bis zur Abgabe ihres Gutachtens gelassen habe. Infolge dessen hätten sich auch die Befragten kaum recht besinnen können, obwohl dieselben noch verschiedene Vorschläge zu machen in der Lage seien, Man habe sich daher zunächst darauf beschränken müssen. vorzuschlagen, daß vor den ans jeder Strecke zahlreich vor- handencn Blockstativncn sogenannte Vorsignale errichtet werden. Derartige Vorsignale, die zur Erleichterung und Sicherung des Fahrdienstes ganz wesentlich beitragen, sind längst als technisch uothivendig anerkannt worden, die Anlage derselben ist aber unterlassen worden aus— E r s p a r n i ß r ü ck s i ch t e n. Also ein Anfang zur Besserung bei den Herren Bureau- traten. Wird auf diesem Wege fortgeschritten werden? Tie einmalige und zufällige Befragung eines einzelnen Vereins kann natürlich nicht viel nützen. Das praktische, thätige Bahnpersonal muß in die Lage versetzt werden, seine Allschaunngen über die Betriebsverhältnisse und nöthig er- scheinende Reformen ständig zum Ausdruck und zur Geltung zu bringen. Und nicht nur die Lokomotivführer ninssen herangezogen werde», sondern auch die übrigen Bahn-Unterbeamten und Arbeiter. Wir würden es gern begrüßen, wenn die Eisenbahn- liehördcn sich entschließen wollten, endlich in dieser Weise vor- zugchen. Allerdings, trotzdem ein Anfang dazu gemacht ist, an den Fortgang glauben wir noch nicht recht; sollten wir uns tänscheu, um so besser!— Was kostet ein moderner Krieg? Die Pcuiscr„Revue du Sevcle Milit." berichtet in einer ih>er letzte» Nuiniiier» über eine interessnnte statistische Zlrbcit, die jüngst ein Franzose lieferte. Er berechnete»üinlich die Koste» eines moderne» Krieges. Ter täglich Unterhalt eines Soldaten im Felde wird mit 3 Fr. durchschnittlich angenommen. Hierin sind die illnsgabcn für Bcivaffnnng, Munition. Transporte tc. mit eingerechnet. Sonst wurden die tägliche» Zins gaben einer Grobmacht Enropa's sich mit 46 000 000 Fr. beziffern Angenommen, daß sich zugleich sechs Großmächle am Kriege bc t heilige», so wurde» die lägliche» Ausgaben der Großmächt 276 000 000 Fr. betrage»; rechnet man hierzu noch die Ans gäbe» der ebenfalls intcressirie» llcinerr Mächte, so betrage» die Dnrchschnitlsanslagen eines Tages 300 000 000 Fr. Würde der Krieg die Dauer von einer» Monat haben, so erreicht die Summe der Kosten die Höhe von 10 Milliarden Franks bis zur Einstellung der Fcindseligkerte». Bei der Berechiinng wurde die Einberufung von nur der Hälfte der Reservisten angenoinnien,— Deutsches Reich. — Verschiedene Auffassungen. Anläßlich der Wieder kehr des Geburtstages der Kaiserin Angnsta am 80. September richtete der deutsche Kaiser ein Telegramm au die Grobherzogin von Bade», der Tochter der Kaiserin Angnsta. Die Kaiserin Angnsta wird darin wieder als„groß e" Mnller der Grvßherzogi» bezeichnet Ferner sagt das Telegramm: In unwandelbarer Treue und Dankbarkeit schwebt das Bild derjenigen in meinem Herzen. zu der die deutsche Nation mit Bc wnnderung, Dankbarkeit und Liebe als zu einem Borbilde für alle Zeile» ausblicken wird. Ihr wird die Geschichte das Denkmal setzen. das niemand zu zerstöre» vermag. Ich aber werde mit Dir reu heutige» Tag iliunerdar als einen SegenSlag Gottes betrachte» Wilhelm." Welche Meinung die weiteren Kreise deZ denlschc» Volkes über die Frau Wilhelm I. haben, interessirt hier weniger. Zlber kürzlich hat sich ja Bismarck auch über die Kaiserin Angnsta ausgesprochen und sein Urlheil über dieselbe lanlet ganz anders; wir erinnern nur an die eine Aeußerung: „Ihre Neiglliig für alles Französtsche und Katholische wirkte dabei mit, a» ihrem Hof entstand im Lanse der Zeit eine Kamarilla die nicht immer nnbedenkiiche Mittel anwandle, um ihr Ziel zu er- reiche», und ich hätte vieles nicht durchsetzen können, wen» der alte Herr, der unter diesen Dingen übrigens nicht weniger litt als ich, in der Slnnde der Entscheidung nicht doch schließlich stets bei der Stange geblieben wäre. Diese Kämpfe kostete» aber Nerven kraft,— besonders, als sie in der Konfliklszeit den König zur Afr danknng überrede» wollte und ich ihn energisch bcim Portcpce fassen mußte. Ich kann wohl sagen, daß dieser langjährige Damenkrieg meine Gesundheit mehr angegriffen hat als alle offene» Gefechte im Parlament und im diplomatischen Dienst." Das klingt ganz anders. Ob der Kaiser bei seinem Telegramm an diese Bismarel'sche» Glossen gedacht hat?— Die Beziehungen zwischen Berlin und Fricdrichsrnhe scheine» also auch nach der letzte» Schiffstaufe und der dazu gehörigen Rede auf den größte» Slaalsiuanu des Jahrhunderts nicht gerade gut zu sein.— — Zur Frage de? Marine-SeptennatS wird den »Hamb. Nachrichten" ans Berlin geschrieben: „.... Auch vom Bnndcsraih darf man erwarten, daß er sich ausschließlich von seiner gewissenhasten Ueberzengung leiten lasse» wird. Das Siichter'sche Blatt ist der Meinung:„Nimmt der Bandes' rath diese Pläne an, so fieuer» wir mit voller Bestimmtheit einem Konflikt entgegen, und die Marinefragen werden zur Wahl' Parole, so sicher, wie zweimal zwei vier ist." Ganz so sicher möchten wir dies keineswegs annehme»; das Zentrum hat Gründe genug, sich seine Entscheidung gar sehr zu überlegen. Jedenfalls aber hoffe» wir. der B n n d e s r a t h wird sich durch die Drohung m i t der Wahlparole nicht einschüchtern lassen. Soll mau ihm eine» guten lllath geben, so ist es der. der Opposition die Stellung nicht durch Vorschläge zu erleichtern, die irgendwie auf eine Beschränkung der Rechte des Reichstags hinauslaufe». Wir wissen nicht, wie die angebliche Bervilligung ans 7 Jahre gedacht ist. hallen aber, wie die Dinge liegen, für das Beste, es bei der versassnngs- mäßigen alljährlichen Bewilligung zu belassen. Geschieht dies, so kann die Regierung, voransgcsctzt, daß sie i» sich einig und fest entschlossen ist, alle» Eventnalilälen ruhig entgegengehen." Die„Nat.-Ztg." schreibt: „In bezng auf die Form, in welcher die Ausgaben für die Durchführung des neuen Marineplans verlangt werden sollen, wird uns bestätigt, daß die Entscheidung des am 7. Oktober zusammen- tretenden Bnndesraths darüber noch a u s st e h t. Die Marine- Verwaltung hält eine Verständigung mit dem Reichstag über eine Grundlage, an der nicht in jedem Jahre gerüttelt werden könne, für nothwendig. Indern dies betont wird, ivird jedoch zugleich er- klärt, daß der M a r i n e v e r w a l t n n g die Absicht einer Beschränkung des Etatsrechts de? Reichstags durchaus fern liege. Wie diese beiden Gesichtspunkte ver< einigt werden sollen, bleibt abzuwarten."— — Der frühere Handels minister von Berlepsch hat sich von Vertretern der„Reform«" interviewe» lassen. Der Bericht des sonst gilt redigirte» Brüsseler Blattes kann nicht als authentisch angesehc» werden, denn Herr v. Berlepsch kann nicht gesagt haben, die Sozialisten wollen kein stanltichcs Eingreis«» (Isgislaticm d'Etat). Deshalb ist der wichtigsten Bemerkung des Interviews auch nicht allzu viel Bedeutung beizumessen, trotzdem sei dieselbe unter diesem Vorbehalte wiedergegeben: „Die Zeitungen kündigen meine Kandidatur für de» Reichs- tag an. Daran ist kein wahres Wort. Die Wahlen finde» erst im nächsten Jahre statt und ich habe noch nicht au irgend eine Maudatsbewerbiliig gedacht."— — Die„ K r e» z- Z e i t u n g" hält eine nochmalige lange Er- örterung für»öthig, um die Amlsenlsetznng des Ortsvorstehers Schnitze zu rechtfertigen. Jene Maßregelung sei berechtigt, sagt das edle Blatt, weil ein Beamter, der einem Sozialdemokrale» eine Wohnung vermiethet, sich dein Verdachte anssetze, daß er mit der Unisturzpartei sympathisire; darauf komme es aber an, de», Land- volk zu zeige», daß es„in den Auge» der Obrigkeit nicht gleichgiltig sei, ob jemand sich zu der sozialdemokratischen Partei zählt oder nicht". Durch gesellschaftliche und bürgerliche Aechtnng will die„Kreuz- Zeitung" die Sozialdemokratie bekämpfe». Ans diese Weise mögen vielleicht einige vorsichtige Gemülher sich äußerlich von der Sozialdemokratie fernhalte», dafür wird in den Kieisen der Arbeiter, auch der Landarbeiler, nm so größere Erbitterung gegen die Leute erzengt, die ihr geheucheltes Christenlhum durch solche gemeine SHath- schlüge, wie die„Kreuz-Zeitung" beliebt, bethäligen. Das Hammcrstein-Blalt sollte übrigens nicht vergessen, daß es selbst, ohne obrigkeitlich versehmt worden zu sei», von alle» an- ständigen Menschen gern gemiede» wird.— — Die„National-Zeitung" nimmt heute ans- führlicher das Wort zu dein Ausfall der sächsische» Wahlen. Sie spricht sich gegen das sächsische Dreiklassen- Wahlsyste», aus, da ein solches Wahlsystem„nothwendiaerweise verbillemd wirken muß". Aber man denke ja nicht, daß nun das nationalliberale Blatt sich etwa zum allgemeine» gleichen Wahlrecht für die Landtags- wählen bekennt. Da? Ideal dieser„Liberalen" ist ein anderes: „Zwischen der alleinigen Herrschast der Zahl, wie im Reichs- Wahlrecht, und einem Wahlsystem, das in vielen Wahlkreisen die große Mehrheit der Wahlmänner z»r Ohnmacht verurlheilt, muß für die Landtage ein Mittelweg gefnndeu werde», wie ein solcher in Preußen durch das ebenfalls nach Klassen abgestuft» Koni- mnnal-Wahlrecht gegeben ist. Es bat sich gezeigt, daß das neue sächsische Wahlgesetz diesem Bedürfniß nicht genügt." So denken die Herren-auf dem äußerste» linken Flügel der nationalliberale» Partei. WaS soll man da von denen weiter rechts erwarten? — Preußische Eise nbahnzil stände. Ans K o t t b u wird uns vom l. Oktober geschrieben: „Um einen heute Nachmittag im Zuge Berlin-Görlitz zurück gelassenen Gegenstand zu reklamiren, begab ich mich abends nach 8 Uhr in das Telegraphenamt der Station Koltbus. Ans dem Wege dorthin bemerkte ich in der Nähe der Brücke, unterhalb deren die Geleise Guben und Forst, Sora», sühren, die Aufmerksamkeit zahl reicher Passanten den Gleisanlagen zugewandt. Im Znfahrtcgleis von Forst waren beim Zusammensetzen des Zuges, während des Rangirens zwei Wagen 3. und 2. Klasse entgleist und besonders letzlcrer sperrte infolge seiner Lage noch Nebengleise. In« Tele- graphenamte waren die wenige» Beamten, die de» Dienst versahen überaus stark beschäftigt. Ich zählte einnnd zwanzig Mörse-Apparate, von denen der größere Theil Kottbus anrief und zu ihrer Bediennng zählte ich vier Beamte. Von diesen geHörle einer noch, wie ich ans dem Tragen der rolhen Mütze schloß. in de» änßeren Stationsdienst. Zur Zeit meines Verivcilens war dieser Herr mit dem Abgeben eines längere» Telegramms beschäsligt, dessen Inhalt augenscheinlich den Betriebsunfall der vorgesetzte» Behörde meldete. J»z, vischen war der Zng 8,24 ans Görlitz eingelaufen»»d anch seine Absahrls zeit herangerückt. Da kommt der bei diesem Zuge die Ans' ficht führende Beamte herein n»d forderte dringend das Signal für den zur Abfahrt bereit stehenden Zug. Die wenigen Telegraphen- Beamten springen von einem Apparat zum ander», mit Ansbietnng aller Energie sind sie bemüht de» übergroßen Anfordernnge» zu genüge», aber die Hast liest man ihnen vom Gesicht und unter Ueberhasleu bewältigen sie eine Arbeil ans welcher soviel Verantwortung lastet. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwähren, daß unter solchen Umständen die Betriebssicherheit eine recht sragivürdige ist. Die wenigen Männer mögen»och so sehr vom Pflichtgefühl durchdrungen sein, allein bei solch enormer Ueberbürdnng, da kann der Augenblick der Erschlaffung nicht ausbleiben und dieser Augenblick kann unter Umstände» sehr schlimme Folge» herbeiführe». Dan» kommt jener unglückliche Beamte, der der erdrückenden Arbeitssülle erlag, obendrein ans die Anklagebank!"— lieber die Lage der Weichensteller I.Klasse geht dem „Volt" die nachfolgende Zuschrift zu: „Schon durch die Ansbildnng dieser Leule spart die Verwaltung große Summe»; denn anstatt dieselben den kleineren Stationen»nd Haltestellen als überzählige Kraft zu nberiveiscn, damit ihnen Zeit niid Gelegenheit zur Erlcrnnng der nöihigc» Kenntnisse geböte» wird, werden dieselbe» als volle Kraft gleich als Hilfsiveichenstetter angcstellt,«vo sie denn nebe» ihrem zirka 14slündigen Dienst noch größere, schriftliche Prüfnngsarbeite» machen müssen. Nach ihrer Anstellung als Weichensteller und Zlblegiing der Prüfnng zum Weichenslellcr I. Klasse müssen sie nun bei, Dienst für letztere lbiiii, bekomme» aber nur das Gehalt eine? gcwölmlichen Weichen slellers, bis ihre Ernennung znm Weichensteller 1. Klasse erfolgt welches ca. 7 Jahre dauert, wo sie dann event. mit der Verwaltung einer Haltestelle betraut wert er«, was bei»lanchen schon vor ihrer Er»c»»»> g zu»» Weichensteller 1. Klasse eintritt. Welch' grobe Summen spart die Verwaltung wiederum hierdurch, daß diese Leute nicht für die Dienststellung besoldet werden, welche sie ausüben müssen! Warum werden dieselben nicht besser beioldet. wie die gewöhnlichen Weichensteller? Erster» müsse» anßer ihrem vierzehn st ü» d i g e>, Dienst n o ch s e h r oft Ueberstunde» macke», während letztere nur einen 8— ILstüudigcn Dienst lbun. Sie haben nur ihr Revier in Ordnung zu hallen»nd beim Durch' sabre» der Züge und Rangire» ans Posten zu sein, während wir mit den meisten Jnstrnklionm und Berfügunge» ebenso genau Bescheid wiffen müssen, wie jeder Etationsassistent oder Vorsteher.. Mein Gehalt beträgt nun 800 M. und die von mir zu hinterlegende Kaution 000 M., welche ich in vierteljährlichen Raten von 25 M. decke» muß. Von einem Kollegen, der eine Haltestelle verwaltet, aber anch noch> icht zun» Weichensteller I. Klasse ernannt ist und ein Gehalt von 375 M. bezieht,«verde» sogar 1800 M. Kantion ver langt! Was bleibt mir wohl von meine» 860 M»ach Abzug der Kanlions-, Kleiderkaffe»-, Lebcnsversicherungs-, Steuer-«c. Beträge viel übrig, um mich und meine Familie anständig unterhalte» zu können? Mein Dienst ist nun täglich vo» 3 Uhr morgens bis II Uhr abends mit 1�/, stündiger Mittagspause, bin aber nm 11 Uhr noch ehr selten»ach Hanse gegangen, da ich bei Bcrspälnng des letzten Zuges, den ich abzuferlige» habe, demenlsprcchciid länger bleiben mich uiid außerdem außer anderen schriftliche» Arbeiten noch die mit diesem Zuge eingehende» Gülerpapiere zu bearbeite» habe, Iva? »leistenlheils bis 12, ja öfter sogar 1 anch 2 Uhr iiiorgen? dauert. Nun habe ich früher alle 14 Tage ei««««« Soniilag frei gehal t(an dem ich aber auch»och mindestens 2 Slnndcn schriftliche Arbeite» lhnn»inßte), während ich am andern von 5 Uhr morgens bis II Uhr abends Dienst halte. Da nun aber— wie bestimmt worden— die durch minislerielle Verfügung angeordnete mindestens 8sinndige Nnhepanse bei uns nicht vorlag, wurde der Dienst dahin abgeändert, daß ich jeden freien Sonn-»nd Feierlag den Abend- Dienst von 9 bis 11 Uhr lhu» muß. Ich habe baher keine«, Abend rei,«ii» mal mit meiner Familie ausgehe» zu lönnen! Hat ivohl ein anderer Beamter solch eine» anstrengenden Dienst? Sollte nicht ein Reichstags-Abgeordneler da sein, der unsere Klagen befürwortet?"— — Chronik d er Eisen bah««-Unfälle. Bei den« Bahnhof Beienheim stieß«in Zug auf ei» Fuhrwerk. Eine Frau wurde dabei geiödlet, eine Person schwer und zwei leicht verletzt. Anch daS Pferd des Fnhrwcrls«vnrde von der Maschine zernialinl — Privilegien der„Edelste>«". Die„Berliner Abend- post" schreibt: „Als vor einiger Zeit Prof. Laband in Slraßbnrg vom Kaiser empfange» wurde, hieß es, daß derselbe u«it der Abfassung eines Gut- achten? über die nach dem Tode des Fürsten zu Fürst enberg vo» de» Erben zu zahlende Erbschaftssteuer belrant worden sei»nd über diesen Gegenstand de», Kaiser Vortrag geHalle» habe. Die„Badische Landeszeilnng" bestätigt jetzt, daß Prof. Laband lhal- äckilich ein Gutachle» erstattet hat, und zwar soll in demselben ans- gcsührt sei», daß der Uebergang der Fürslenberg'sche» Slamingüler von einer Linie des HanseS auf eine andere sich nicht durch ererb ung" vollziehe, sondern lediglich ei» Mitglied des HanseS nach Maßgabe der Ha nsge setze in die rechlliche slellniig des Oberbaiiples> es Hauses eintrete. Ein Gesetz, welches de» nach der Familienversassung sich vollziehenden Ein- irilt eines Miigliedes eines reichofläiidige» Hanfes in die Stelle des FamilienhaupleS»nd in de» damit verbundenen Genuß der Familieiigüler mit einer Abgabe belege, bestehe in Baden nicht, und daher fehle eS an einer gesetzlichen Grundlage. »m in« vorliegende» Falle von der„Slandesherrschnft Fürstenberg", welche»icht gestorben sei und weder beerbt worden sei noch geerbt habe, eine Erbschaftssteuer zn erhebe n." Es soll im Augenblick nicht unsere Ausgabe sei», der juristischen Frage näher zu treie». ob die Erhebung der Erbschaftssteuer wirklich ach dem Stande der badifche» Gesetzgebung ausgeschlossen ist. JedensaU? ist es merlwürdig, daß, wenn es sich um Verpflichtungen der Reichsie» und„Edelsten der Nation" handelt, das Gesetz so leicht versagt. Kleine» Leuten passircn solche angenehmen Tinge»icht.-- Köln, 30. September.(„Voss. Zig.") I» der vielbesprochenen Angelegenheit der Verhastnng einer»«« b'e s ch o l t e» e n Dame hatte sowohl die Staatsanwaltschaft als anch die Ober- laatsanwallschaft die Eröffnung des Verfahrens gegen den Schutz- mann Kiefer abgelehnt. Der eigentliche Thatbestand stellt sich erst jetzt solgendermaße» heraus. Die Polizei fahndete auf eine Dirne namens Faßbender. Fiäuleii« Faßbinder ging an dem verhängnißvollen Tage zufällig auf der Straße eine zeitlang nebe«« einer Dirne. Als«»»« Kiefer sie»ach ihrem Namen fragte, glaubte er die Fabbender vor sich zn haben und schritt zur Verhaftung. Da dieser Jrrthum als enischuldbar angesehen wird, ist die Anklage wegen»ngesehlicher Verhaftung fallen gelassen worden. Wege» der Nichlsreilaffung trotz der Legili- mirung der jungen Dame ist der Schntzmaun disziplinarisch beslrast worden. Es bleibt nur noch seine Verfolgung wegen fahrlässige» Siörperverketznng übrig, da er sein Opfer so gezerrt hat, daß blaue Flecke und ähnliches davon zurückblieben. Das Oberlandesgerichl hat jetzt verfügt, daß eine neue Untersuch u>« g eingeleitet ivird, >>« der die Zeuge» vernommen«verde«« sollen. BrcSla««, 2. Oktober.(Eig. Ber.) Zur Massenversetzung von E i s e» b a h»- U n t e r b e a m t e>«««» d Arbeiter»»ach dem bei Breslau gelegene» Dorfe Brockau, welche für die davon betroffenen Personen eine schwere Schädigung bedenlete,«vird jetzt offiziös gemeldet. daß der Minister eine»„nicht nnerbebliche»" Betrag angewiesen hat. um den Beamten für den Verlust au W o h» u>« g s g e l d z u s ch n ß eine Entschädigung zu gewähren. Wie doch diese Entschädigung sich beläust, wird nicht angegeben. Der Sparminister Thielen wird sich»icht sonderlich anstrengen.— — Ueber die sächsische» Landtags wählen urtheilt der sehr gemäßigte„Hamb. Corresp." also: „Zum erste» Male ist jetzt in Sachsen nach dem neue«« Wahl- system gewählt worden,»nd man kann nicht sage», daß d e r E r s o l g für das Experiment spricht. Bekanntlich erfreute sich Sachsen bisher eines sehr liberale» Wahlrechts, das nur a» einen Steuersatz vo» 3 M. gebunden ivar. Dieses Wahlrecht ist 1896 durch ein dem preußischen ähnliches Dreiklassensystcin ersetzt worden, n»d zivar in der Absicht, die sozialdemokratische Agitation im sächsischen Landlage zn«interbinden. Zunächst wollte«, die Sozialdemokraten sich jeder Belheitignng a» den Wahlen enthalte», sciiließlich hat ihre Landes- Bersaininlnng sich für die Wahlbelheiligung enlschieden; nur die Leipziger Genossen schritten»icht zur Urne, während überall sonst die Wahlen sich unter der ställste» Aiitheilnahme der dritte» Wahl- klaffe vollzogen. Das Resullat ist. daß statt 15 Sozialvemolraten lnnstig allerdings nur 9 im sächsischen Abgeordneleiihaiise sitzen «verde». Was macht es aber für einen Unterschied, ob 6'Abgeordnete mehr oder weniger sich zur Sozialdemokralie bekennen. Agiliren lönnen künftig die 9 mit deinseibe» Erfolge wie früher die 15, viel- mehr mit eine», größere», ,v e i l sie immer>v i e d e r auf die„Entrechtung" und„Aerge>valtigu»g" des sächsische» Volkes durch die reaktionäre Ver- f a s s«« n g s ä n d e r«« n g hinweisen könne n. Allen« Anschein nach wird sich die Beseitigung des alle» Wahlrechtes als ein schwerer Fehler erweisen, und die dadurch erzeugte Ver- bitlernng der unter» Klaffen Ivird durch kein Aeqnivalent, wie es in« Ziirückdämme» des sozialdeinokcalische» Geistes gelegen hälle, aufgewogen."— Oldenburg, Ende Sevtember.(„Nordd. Bolksblall".) D i e Schließung von U>« t e r s u ch u n g s- n n d Straf- gefangene» findet anch«in Großherzoglhui» Oldenburg noch stall, ohne große 9!iicksichl»ahnie darauf, ob«»au es mit eine»« flnchivürdige» Verbrecher z» lhu» hat oder mit einem Menseben, der eines verhällnißmäßig geringe» Vergehens angellagt oder wegen eines solchen verurlheilt ist. So«vnrde an, Sonnabend in de», Prozeß gegen die vier Delmenhorster Arbeiter, wegen Religio us- Verspottung, der Angekiagle M ü ck i s ch in> t Ketten geschlossen aus dem Uiiiersuchllugsgesäiigiiib vorgesührt. Ist es schon u>« b e g r e« f l i ch, daß iiian gcgc» Mnckisch, der in der Verhandlung frei« gesprochen«vnrde, die U n t e r s>i ch n n g s h a s t v e r h ä n g t z, so erscheint seine Schließinig mit einer Kette als eine uiinölhige Härle. Diese Sa licßiing ist um kein Jota gerechtfertigter, alv die Schließung sozialdemokealischer Redakteure.— — Der bayerische Gesetze ntivurf über die Grund» enllaslniig besaßt sich mit den Bodeiiziiiseu. Die GrundgesäUe vo» Piivatei«, Silstungei« und Gemeinde» sollen bei rechtzeitiger An- Meldung sowohl auf Verlangen deS Berechtigte»«vie des Pflichtige«« ans die Staatskasse übernoinme» und sodann de» seiiherigen Bodenzinse» zur«-laatskasse gleichstehe». Diese Bodeuzuise sollen allmälig in der Weise getilgt werde», daß den Pflichtigen der achte Theil der Jahresleistung als Tilgungs- rate des Kapitals angerechnet«vird, was dem bayerische» Staate bis zum Jahre 1958(!) ei» jährliches Opfer von 890 000 Vi. auf» erlegt. Noch vor Ablauf der Tilgnngsperiode ist jedem Pflichtigen die irciiviliige Ablösung anheimgestellt. Bei Ablösniigei« würde» de» Pflichtigen die bereit?— lhalsächlich von der Staatskasse— de- zahlten'Tilgniigsraien nebst Zinsen und Ziiifesjinse» gnlgmchnet nnd anßerdci» soll im Falle freiwilliger Ablösung, soferne das zur Ab- lösung erforderliche Kapital 250 M. nicht übersteigt, die Tilgung der zweileu Halste in drei nnverzinslichen Jahresrate» geslallel, verde». eine Bergünstigung, welche die sreiwilligc» Ablösungen der Meinen Bodenzinse wesentlich erleichtert und einen« Nachlasse an, Kapital von 3 pCt. entspricht. Die zur Ablösungskaff« BodeuziiiSpflichtigen würden vom l. Januar 1398 sofort«»» den achten Theil ihrer Jahresschuldig- keil erleichtert. Es«st serner vorgeschlagen, denjenigen Pflichtigen. welche freiwillig ablöse», eine» dem jeweiligen kapilaii- sirle» Weichs des Slaatsziischnffes gleichkoininenden Nachlaß an der Restschuld, welcher gleichfalls von der Slaalekaffe an die Ablösungskasse zu vergüte» ist, z» gewähren. Da der gegenwärtige Werth einer 37 Jahre geschnldeien Leistung von Ve pCt. bei 3>/i pCt. Verzinsung rund 10 pCt. des Nomiiial-Bodenzinskapitals beträgt und da bei den Ablösnngskasse-Bodenzinsen durch die seitherige Amortisation bereits 15 pCt. getilgt sind, so kann sieh der zur Ablösungskasse Pflichlige im Jahre 1693 durch die Zahlung vo» rund 7b pCt. des nominelle» BodenzinS- kapilals gänzlich befreie». Wer also zum Zwecke der Ablösung im Jahre 1303 eine 4pcoze>,lige Schuld aufnimmt, kann sofort seine bisherige jährliche Zinsleistmig um den viertel, Theil herabmindern. Ter Pflichtige, der seine Schuldigkeit ablöst, soll befugt sein, ans dem bodenzinspflichiigei« Grundstücke im Range vor de» zur Zeit der Ablösung eingmagenen Hypotheken für ein Kapital bis zu dem Be- trag« der Ablösungssumme eine Hypolhek zu bestellen, und für der- artige Hypolhek- Bestellungen und Hypolhek- Einträge sollen Ge» bühre» zur Slaalskasse nicht erhoben werde».— —„Grober Unfug". Die erste Slrafkammer des Land- gerichls München I publizirie heule i» der Berusniigssacke des Ne- dakleurs des„Südd. Postillou", Genosse Ed. Fuchs, wegen„grobe» Unfugs" folgendes Uilheil: Das schöffengerichiliche Urlheil vom 4. Juli dieses Jahres— das bekatiiillich eine Haststrase vo» acht Tagen ausgesprochen hatte— wird aiifgehohe» und der Angeklagte unter Ueberbürdnng der Koste» beider Jnstanzsi« auf die Slaalskasse frei- gesprochen. Zur Begründung dieses FreisprucheS führt daS BerufniigS- gericht ans: Dic vo» dem Angeklagleii«ingelegte wohl formell als materiell grober Unfug anch durch die Presse steht nach der konstante» Rcchispcechnng fest. Voraussetzung dabei aber ist, daß dm inkriminirle Preßaußernng geeignet ist. die Ruhe und Ordnung zu stören. Nicht j« v Auslassung, durch die einzelne Personen b u u r u h i g t«v e r d e», ist als solche zu bestrasen, den»»icht der Unsng, sonder» nnr der grobe Unfug ist strafbar. Tie B e- l ä st i g» i« g n u d Gefährdung des Publikums muß eine erheblich schwere sein, durch die der allgemeine Friede gestört wird. Der ß 360 Ziffer II ist keine all- gemeine subsidiäre S t r a s b e st i m m u n g, mit der man alles treffen kann, was sonst nicht zn treffen ist. Die Veröffenllichnng des Gedichtes„Rebekka's Tod, allen treuen Hiiiideseele» gewidmet", wäre iiiiler beftimmlen Voianssetzniigei« prober Unfug, wenn»änilich damit eine gröbliche Beschimpfung und Berböhnnng aller Patrioten beabsichligl gewesen wäre. Der An- geklagte bestreitet dies und erklärt, daß er nur eine ganz bestimmte Sorte von Bikmaickveredrern geißeln wollte. Diese Behanpinng ist in keiner Weise widerlegt«vordeu. Das fragliche Gedicht ist eine geschmacklose AnSlnssiing, aber eine berechtigte Kritik eines bis zur Geschmacklosigkeit ge- steigerte,« B i S m a r ck k«> l t u s. Das Gericht konnte deshalb anch de«» Erstrichler nicht beistimme». Aber selbst iveun man Berufung ist so- begründet. Daß verübt werden kann, >ei ee y -/ eine nmnittelbare Beunruhigung des Publikums auuehmen wollte, würde es schuß von 50 Millionen Pesetas verlangt, welcher zur Bezahlniig der seit 6 Monaien nicht aus- gezahlte» Gehälter der Beamten ans Kuba dienen solle. Die Bank hat ihre Entscheidung über diesen Antrag bis zur Ernennung des neuen Ministeriums verschoben. Ter Gonverneur der Bank reichte seine Enllassmig ein.— Nuhland. — Zur künftigen Behandlung der Juden tbeilt die„Poll!. Svii'." mit, daß das Verbot ihrer Anstedelung aus dem flachen Lande demnächst aufgehoben werden soll.— Griechenland. — D i e M i n i st e r k r i s i s in Athen ist noch nicht beendet. Der Abg. Zairnis wurde beauftragt, das neue Kabinei zn bilden. Er ist ein Neffe von Delyannis, nimmt aber eine von diesem ad- weichende Slellung ein. Delyannis selbst scheint stark in den Hinter- grund gedrängt zn werden, er hat die Sympathien, die er jrüher besaß, in hohem Maße verloren.— St sie«. — Vom indischen Kriegsschauplatze liegen folgende Nachrichten vor: S i»i l a, 2. Oktober. Der Emir erließ eine Proklamation, i» der er bei einer Silase von 1000 Rupien im Falle des Zuwider- Handelns scincn Unlerlhaiien verbleiet, Afghanistan zu verlassen, uin an dem Jehad(dem heiligen Kriege) lheilzimehme».— B o»> b a y, 2. Oktober. Eine Depesche aus dem Fort Cavagnari meldet, daß sich die OrakzaiS-Siärnme neuerdingS im Khanki-Thale gesammelt haben, um dem Vormarsch der englischen Truppen Widerstand zn leisten. Die AfridiS seien mit den Orakzais nicht vereinigt, sondern nickien gegen de» Khaibar-Paß vor. Die Telegrapheiilcitung zwischen Tbal nnd Hangu ist zerschniileii. Die Rachrichleii ans dem Kiirram- Thale treffen sehr verspätet ein. Am 23. v. M. griff der Feind eine Orischafl 6 Meilen von Sadda an und nahm den Orts- vorsieher gefangen. Der Stamm der Chamkanis hat sich mit den Masozais gegen die Engländer verbunden; am 24. v. M. schoß eine Ausllärungs- Streifschaar der Chamkanis aus eine Palronttte der bengaliscben Kavallerie und tödlete einen Mann derselbe».— (Siehe auch Korrespondenze» in der S. Beilage.) K�tei Ächuulztem TaS„Hanibnrger Echo" feierte am 2. Okiober den Tag seines zehnjährigen B« st e h e n s. Am 20. September 1887 war die„Bürger-Zeitung", die Vorgängerin des„Hanl- bnrger Echo's", ivegen eines Artikels, der die Ueberschrift trug: „?orce is vc> remscty"(Gewalt ist kein Heilmittel) ans grund des Sozialistengesetzes verboten worden und der Herausgeber, unser am 14. Jannar 1890 verstorbener allverehrter Genosse Johannes W e d d e mußte ins Exil wandern. Zum Ersatz sür daS verbotene Blatt wurde das„Hamburger Echo" geschaffen, und zwar mit der durch die Zelluinstälide iiolbwendig geboienen Bestimmung,„ein ganz nentrates, poliiisch vollständig»iiabhängiges und farbloses Tageblatt zu sein". Andernfalls wäre das neue Blatt sofort als „Fortsetzung" der„Bürgerzeitnng" verboten worde». Trotz aller Vorsicht fehlte nicht viel, daß das„Hamb. Echo" gleichfalls verboten worden wäre. Wegen eines Artikels in Nr. 50 vom 30. Siovember 1337, ivorin der Eiilwiirf des Alters- und Jnvaliditätsversicherungsgesetzes in durchaus ruhiger Sprache kritisirt war, wurde der verantivort- liche Redakteur, Genosse Stolten, zum Senator H a ch m a n n beschieden, der ihm sehr erregt erklärte: Er habe von dem sosortigen Verbot de?„Hamb. Echo' nur Abstand genommen, weil eS sich als vollständig parteilos bezeichnete; wenn die Redaktion die Grenze auch nur mit einem Konima überschreite, werde er das Blatt sofort unterdrücken. Aus Stolleu's Entgegiiuiig. er bezweifle, daß der frag- liche Artikel dem Herrn Senator ei» Recht gebe, auf grund des Sozialistengesetzes gegen das„Hamburger Echo" einzuschreiten, er- solgle die bezeichnende Antwort:„Auf Ihre Zweisel kommt eS nicht an; darüber habe ich] zu entscheiden!" Damit war die Sache abgelhan. Als nach dem Beschluß des Reichstags vom 25. Januar 1390 feststand, daß das Sozialistengesetz nicht verlängert werden würde, konnte das„Hamburger Echo" offen Farbe bekennen. Am 1. Zlpril 1890 ging es in die Hände des Genossen I. H. W. Di etz über und am 1. März 1891 wurde der Verlag von der Hamburgee Bilchdruckerei und Verlagsanstalt Auer u. Co. übernommen. Die Reichstags-Wahlbeivegung brachte einen außerordentlichen Auf- schwlmg des Abonuentenstaiides. Als die„Bürger-Zeitung' dem Sozialistengesetz zum Opfer fiel, halte sie nahezu 13 000 Abonnenten. Das„Hamburger Echo" begann mit 10 000, halte zu Beginn des Jahres 1390 14— 15 000 Aboiuienlen, im März aber bereits 18—20 000 und die Auflage stieg noch immer. Die Arbeiter- Aussperrungen im Mai, die durch die Maifeier verursacht waren. brachten einen nicht unbedeuteiidei! Rückschlag. Das wurde jedoch bald überivuiidei! nnd bis zur Reichstags-Wabl 1893 stieg der Aboiiiienten- stand ans 25—23 000, wahrend der Mahlzeit selbst zeitweilig bis über 30 000. Die schlechten Geschästsverhällnisse im Verein mit dem Fehlen hochbedenlsamer öffentlicher Ereignisse ließen nachträglich wieder ein kleines Abflauen und einen gewissen Stillstand eintreten. nur iiiiterbrochen durch kleine Schwankungen, bald nach oben, bald nach unten, was bis gegen das Ende des Jahres 1396 anhielt. Schärfere Anstöße gaben dagegen die Cholera-Epideiiiie und dann der große Hamburger Hafenarbeiter-Slreik. der trotz der großen Zahl seiernder Arbeiter keinen Rückgang im Aboniienieiit brachte, sondern ein erhebliches Emporschnellen, so daß zeitweilig die Auflage bis auf 33 000 stieg. Die Ursache davon war die zieldewußle niidnneiitwegteVertreiilng der Sache der känipseiiden Arbeiter, wodurch das„Haiiiburger Echo". ebenso wie zur Zeit der Choltra, zum öffentlichen Gewissen wurde. das die Unternehmer mit unermüdlicher Nücksichtslosigkeit liiUelle nnd dadurch auch Leser in de» Kreisen erlangle, die die sozial- demokratische Lekinre sonst weit von sich weisen. Daß die Mehrzahl dieser Leser nicht bleiben würde, war vorauszusehen. Immerhin ist von dem damaligen Abouiientenziiwachs ein nicht nnerheblicher Theil heu geblieben, so daß gegenwärtig die Auflage zwischen 27000 und 30 000 betiägt. Selbstverständlich ist die Zahl der Leser viel größer. Wir übergehen die zahlreichen Verfolgungen, die auch»userein Hamburger Brndeiorgan nicht erspart geblieben sind. Es sei noch der Tvdten gedacht, die dem„Hamburger Echo" ihre Dienste in hervorragendem Maße widmeten. Neben Johannes Wedde ist zn nenne» der im Jahre 1890 verstorbene Redakienr Heinrich Köhler und Otto Reimer, der so lange Zeit im Vorvergrunde des proletarischen Kkssenkainpses gestanden hat. Er schied im März 1892 ans dein Leben. Möge das„Hambniger Echo", das wir mit Fug und Recht als ein Arbeiterblatt ersten Ranges bezeichnen dürfen, auch ferner so kräflig gedeihen wie bisher, zur Ehre der Partei und der gesaiiunteii Arbeuerschast I Tie Paiteigenosse» tu Burg flellien in einer sehr»ahlreich besuchten Versainnituiig, die im giößien Lokal tagte, nach einem mit großem Beifall aiisgeiiommeneii Vortrage des Genossen Millarg aus Berlin den Genossen Theodor Glocke in Berlin als Reichstagskandidaten für den Wahlkreis Jerichow I und II auf. Den Kreis vertritt jetzt Graf Herbert Bismarck. Für den 3 weiinarische» Reichstags- Wahlkreis Weida- Auma kandidirt wieder der Parteigenosse Maler Leutert in Apolda. I» Magdeburg verhandelte eitie Parleiversammlnng nach einem Referai des Genossen Pfannkuch über die Frage der Reichstagskandidatnr. Hierzu wurde beantragt:„In Erwägung, daß die politischen und sozialen Zustände(ich immer mehr zuspitzen und ungeheuere Anfordcrniigen an unsere Partei und deren Vertretmig im Parlamente»nd Versaniinlungen gestellt werden; in Erwägung, daß Genosse Klees, der bislang unser Ver» trauen besaß nnd serner besitzen wird, diesen Ausorder Hilgen infolge geschäsiticher und gesundheitlicher Unistände nach eigenem Geständnis! nicht gewachsen ist, ersucht der Unterzeichnete von der Ausstellung des Genossen Klees abzusehen und den Genossen Psannkuch-Haitiburg mit der Kandidatur zn betrauen.' Ter Antrag wurde von einigen Parteigenossen lebhaft befür- ivortet, von anderen lebhaft bekäinpst, wobei es zu sehr nnerqnick- lichen Auseinaudersetzniigeii kam. Die Versammlniig vertief stürmisch. Beschlossen wurde, die Enlscheidung z» vertage», i»n dem Genossen Klees, der der Versammlung nicht beiivohnte. Gelegenheit zu geben. in einet andern Versammliliig über die Angelegenheit sich zu äußern. Zill» Hainbiii gcr Antrage, betreffend den Wegfall der Forderung nach A r b e i l s r u h e am 1. Mai, liegen noch einige Preß- ftimineii vor. Die„Märkische V o l k L st i in m e" in Frank- fnrt a. O. schreibt:„Wir können unS mit dem Anlrag absolut nicht befreunden und glaube», daß die Maifeiern der letzte» Jahre den Beweis geliefert haben, daß sich die Sympaihie der Arbeiterschast für die Arbeitsruhe immer mehrt und daß die Zahl der Feiernden von Jahr zu Jahr gestiegen ist, so daß keine Veraiilassnng vorliegt, hier eine Aendernng, die man als ein Zeiche» der Schwache auslegen würde, eintrelen z» lassen." Die„Mitteldeutsche SonntagS- Zeitung' in Gießen kann sich mit dem Anlrag ebenfalls nicht befreunden. Sie sagt:„Wir glaube» nichl, daß der'Antrag ans dem Parteitag große Unterstützung finden wird. Tbaisache ist ja, daß sich die Arbeitsruhe am 1. Mai seither in recht delcheidenen Grenzen bewegte. Aber das ist doch kein Grund, nun die Forderung der Arbeitsruhe ganz fallen zn lassen. ES liegt i»n so weniger Veraiilassnng dazu vor. als in den Maiseier-Resolnlionen, die ans früheren Parleiiagen aiigenoniiiien wurden, gesagt ist: Ueberall da, wo die Möglichkeit zur ArbeilSrnhe vorhanden ist, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lassen.' Tie Parteigcnosscn in Tortiiiund haben sür die bevorstehenden Stadlverordnele»- Wahlen ein K o m m u n a l- P r o g r a m m aufgestellt. Tie„Norddeutsche BolkSstimme" hat feit 1. Oktober ihr Format bedlntend vergrößert. Bisher in Geestemünde erschienen, wird sie jetzt in Bremerhaven('Ilm Markt 6) herausgegeben. Ans Prag wird uns unterm I. Oktober geschrieben: In macht- voller Weise hat gestern Nacht die Präger Arbeiterschast ihr Tag- blalt begrüßt. Nach einer Versammlniig auf der Schntzeiiiiisel, deren Tagesordnimg der neuen Parteigrnndnng galt, zog eine große Zahl der Thetlnehincr, etwa 3—4000 Mann, zum PodSkaler Quai, wo sich die Redaktion deS„Pravo Libu" befindet. In weitem Halbkreise schaarten sich die Massen um das Gebäude und stimmten daS„Lied der Arbeil' an. Während stürmische Rnzdar-Rnse criönten, erschien die unvermeidliche Polizei mit gezogenem Säbel. Indessen kam kein ernsterer Zwischenfall vor. Es gab zwar Verhaslimgen, doch die davon Belroffenen wurden sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Wegen Beleidigung des Oberstlieiiteiianls Wunderlich war der verantwortliche Redakienr der„Bremer Bürger- Zeitung", Genosse Rhein, vom Schöffengericht in Bremen.zu 50 M. Geldstrafe oder 5 Tagen Haft vernrtheilt. Das Landgericht ermäßigte die Sirafe auf 25 M. oder 3 Tage Hast. Es handelte sich um einen Artikel, worin getadelt worden war, daß der genannte Oberstlieitlenaiit einen Leichenzug durchrUten hatte. GvmevkfchKfkliches. Berlin»nd Umgebung. Achtung, Tapezirer! Mittwoch, den 6. Oktober, abend? 81/» Uhr, findet in den Arminhallen, Kommandanleiistr. 20, eine öffentlich« Versammlung statt und ist der wichtigen Tagesordnung wegen daS Erscheinen sämmllicher Kollegen nothivendig.(Näheres in der Dienstag-Nummer.) Der Einberuft r. Di« Lohiidifferriizrn in der Handschuhfabrik von E> Hopp in Friedrichshagen sind durch Beivilligung der von den Ar- bcitern beantragten Lohnerhöhung beigelegt. Auch in der Filiale der Fabrik wurde der alte Tarif wieder hergestellt. Tic Zimiucrev des Meisters Mertens in Groß-Lichter felde haben abermals die Arbeit niederlegen miisse», weil dieser den Stundenloh» von öv Pf. nicht zahle» wollte. In einer Vcv sannnlung war beschlossen worden, diese Forderung an alle Ziinnier nieister zu stellen; für Arbeiten, die in Berlin nnsgcfnhrt werden solle» 60 Ps. Stundenlohn bei neunstündiger Arbeilszeit gezahlt werden. TcntschcS Reich. mchinng, Stcindrnrkcr, Lithographen n»d BernfSgenosseli. I» der Lithographischen Anstalt von Boynard, Aktiengesellschaft in Paris, deren Hmipüheilhaber ein Herr Kaufmann in Berlin fein soll, ist es wegen Lohnkürzungen zu einer Arbeitsniederlegung gekommen. Es befinden sich 10 Steindrucker, 7 Maschinenmeister mid sämmtliche Punktirer im Ausstand. Der Geschäflssührcr erklärte fich Arbeitskräfte aus Deutschland beschaffen zu wollen. Die französischen Arbeiter ersuche» nun ihre deutschen Kollegen, solidarisch zu handeln und Arbeit bei der oben genannte» Firma nicht an zunehmen. Alle Arbeiterblätter werde» um Abdruck ersucht. Der V e r t r a u e u s m a n n Der christlich-soziale(katholische) Textilarbeiter-Bcrbaud bo» Aachen, Burtscheid»»d Nmgcgcnd hat dem Handels minister a.D. Freiherrn v. Berlepsch für sein„mannhaftes Eintrete» zu gunsten des vierten Standes" telegraphisch Dank gesagt Der Fefiwagen vom Telnienhorstcr GctvcrkschaftSfest Darstellung des Gegenwarlsftantes aiis� dem Festwagen des Die Delmenhorster Gewerkschaftsfcstes, das am 27. Jnni stattfand. hat ei» Nachspiel vor der Etraskammer in Delmenhorst gehabt. An geklagt waren der Barbier Albert Meyer, der Drechsler Friedrich Ehrenpforth, der Redakteur Reinh. Patzer und der Fabrikarbeiter Albert Mückisch wegen Berspollnng der christlichen Kirche, deren Einrichtungen und Gebräuche. Tie Slanlsanwalischast beschuldigt die genannten Angeklagten, die christliche Kirche und ihre Einrichtungen und Gebräuche öffentlich beschimpft zu haben indem Patzer und Meyer gelegentlich des sozialdemo kcatischen Gewerkschaftsfestes eine» durch die Straßen geführten Festinagen arrangirlen, ans welchem vorn Ehrenpforth eine» Geist- lichen ins Amtstracht darstellte, die Hände segnend über die zu seinen Füßen fitzenden und Wein trinkenden Frauen haltend. Rechls und links von ihnen befanden fich zwei Personen, reich und arm gekleidet. und an den Seiten und hinten ans dem Wagen». a. ein Polizist, ein Bettler, ein Offizier, ein verwundeter Krieger und ein Mililär geistlicher im Ornat, dargestellt durch Mückisch. Heber diesen alle» saß auf einem Thron eine iveiße Gestalt, mit rolhem Tuch und rother Fahne. Nach längerer Verhandlung verurtheilte das Gericht die Angeklagten Meyer und Ehrenpforth zu je 2 Monalen Gesäugniß Patzer und Mückisch wurden freigesprochen. Ausland. Zum RuSstaud der euglischc» Maschinenbauer leisten sich die bisniärckischcn„Berliner Neuesten Nachrichten" eine» Leitartikel der an Entstellungen und Verdrehungen nichts zu wünsche» übrig läßt. Daß der Ansstand das„neueste Experimenl der inler nationalen Sozialdemokratie zur Erprobung ihrer wirlhschaftlichc» Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Kapital" fei, ist ein in derartigen Blätter» schon so ost kolportirter, von uns ebenso oft zurück gewiesener Blödsinn, daß ivir heule nicht mehr darauf einzugehen brauchen. Um den Nachweis erbringen zu können, daß die Sozial- demolralie dahinter stecke,»uißle das Streitobjekt als„winzig hingestellt, verde». Die Verlürzung der Arbeitszeit um sechs Stnnde» wöchentlich, von 54 ans 48 Stunden, ein „winziges Streitobjekt"! Aber warum gingen dann die Herren Unternehmer ans dies„winzige" Verlangen nicht ein? Für die Arbeiter der Riesenstadt London— und diese allein halle» die Forderung gestellt—, die durch die uuerschwiuglichen Wohnungs miethen gezwungen sind, ost weit über eine Stunde von ihre», Arbeitsplatze wohnen zu müssen, ist die Geivinnung einer A r b e i t s st u n d e gewiß kein geringer Vortheil. Ucber die sonstigen Vorlheile einer Arbeitszeitverkürzung in wirthschafllicher, gesundheitlicher und sittlicher Beziehung uns mit dem Bismarckblatt auseinander zu setzen, müssen wir unterlasse»; den» seinen Lesern unterschlägt es unsere Aeußerungen doch und unseren Lesern ist die volkswirthschaslliche Bedeutung der Arbeilszeitveikürzuug hin länglich bekannt. Komisch nimnit eS sich aus, wenn das Blatt, das sonst in der Pöbelhastesten Weise sich über Arbeiter auszulassen pflegt, ans einmal in den höchsten Jaininertönen darüber klagt, daß die Streikunterl stützung sich andere Arbeiter„am M u n d e abdarben' müßt m. Tie arbeitenden englischen Maschinenbauer und die sonstigen Gewerkschaftler, die sich freiwillig eine Steuer zur Uiiterslützniig ihrer kämpfenden Brüder auferlegt haben, werden gewiß gern aus das Mitleid der„Neuesten" verzichten. Auf die übrige» Eiilslcllungen, die sie ihren Lesern auftischt, gehen wir nicht weiter ein und wollen nur noch die alberne Lüge tiefer hängen, die deutsche Sozialdemokratie habe bereits eine„namhafte Summe zur Niilersiiitzniig der englischen Maschinenbauer gespendet, obgleich der„Berliner Formerausstand ihre Kasse auch bereits stark in An- fprnch nimmt". « Zum Ansstand selbst liegen heute nur nachstehende Nachrichten vor: Die Schifsbauer in B i r»i i n g h a m stehen im Begriff, den Ansstand zu erklären. Durch diese Maßregel werden weitere 0000 Arbeiter ausständig. In Erinideruiig ans das Ansuchen einer Londoner Arbeiler-Ver- eiiiignng schrieb Lord Salisbnry: er bedauere, daß er nicht zur Herbei- führnng einer Erledigung des Maschinenbauer Ansstandes beitragen könne; jedoch werde die Angelegenheil von der Regierung im Auge behalle» werde».— Ter Lord Mayor von London Hai fich bereit erklärt, eventuell als Vermittler zn fuugiren. Der Generalrath des deutschen Gewerk- Vereins(Hirsch-Duncker) der Maschinenban- und Metallarbeiter hat beschlossen, den im Ausstand befindlichen englischen Metall- arbcitern 10 000 M. zu überweisen. Dieser Beschluß muß jedoch erst durch die Mitgliederabftimmuug bestätigt werden. Sozinles. Zur Kessclexplosion i» der Pasingcr Papierfabrik, wodurch mehrere Meuschenlebeu vernichtet wurden, theilt die„Münchener Post" weiter mit:„Ein Arbeiter, der sechs Jahre lang in der Pasinger Papierfabrik als Maschinist beschäftigt war, deponirte dieser Tage anläßlich einer amtlichen Vernehmiing, daß nicht nur die Dampfkessel, sondern fast regelmäßig auch die Maschinen in der genannten Fabrik belastet werden. Er selbst habe seinerzeit de» Regulator der großen Dampsmaschine fast täglich belastet und zwar oft bis zu einem Zentner Schwere. Der regelrechte Gang der Maschine sei dadurch von 120 Touren pro Minute auf ca. IVO gesteigert worden, lediglich um mehr Papier z n produziren, als beim regulären Gang der Maschinen hätte er- zeugt werden können. Die Leistung der Dampfkessel sei da- durch eine übermäßig große gewesen und nicht selten sei eS vorgekommen, daß plötzlich das ganze Werk stecken blieb. Das habe dann die Kesselwärter veranlaßt, stärker zu heizen und die Kessel zu belasten, um das Entweichen von Damps durch das Sicherheitsventil zn verhindern. Er(der Maschinist)»nd andere Arbeiter hätten immer gesagt, daß dieses Hasten und Wühlen zu einer K a t a st r o p h e führen müsse." Gerichts""ÄeikttNA. Die am Montag vor der 8. Strasrainiiier des Landgerichts 1 beginnenden Veihandlnugen in dem Prozesse gegen den Bankier August Sternberg und Geuossen wegen Vergehens gegen das Altiengesctz soll thatsächlich den riesenhaften Nmfang annehmen, welchen man vorher in Aussicht gestellt hat. Mit der Beschränkung. daß wöchentlich an vier sSitzungstagen bis zn einer bestimmten Tagesstunde verhandelt wird, wird berechnet, daß die Verhandlungen vor sechs Wochen nicht beendet sein können. Die Anklage richtet sich gegen S Personen, die seinerzeit Vorstands- und Aufsichtsraths Mitglieder der„Vereinsbank" gewesen find und nun beschuldigt werden, nach dem 4. Dezeniber 1884 absichtlich zum Nachtheile dieser Gesellschaft gehandelt und sich dadurch eines Vergehens gegen Art. 240 des Handels-Gesctzbiiches schuldig gemacht zu haben. Dieses Vergehen soll in der Reportirung von Aktien der Vereinsbank zu gunsten Stemberg's durch die Vereinsbank und in der im Jahre 188S durch Rückkauf von Aktien erfolgten Herabsetzung des Aktien kapitals der Vereinsbank bestehen, wozu dann noch eine Bilanz Verschleierung von der Anklagebehörde behauptet wird. Die An geklagten haben dagegen in sehr umsaiigreichen, dem Drucke übergebenen Schriftsätzen nachzuweisen gesucht, daß sie im besten Glauben gehandelt haben, daß die fraglichen Geschäfte lediglich zur Förderung der Vereinsbank vorgenommen und der letzteren ausschließlich zum Nutzen gewesen seien. Die in dieser Angelegenheit entstandenen Akten sind schon zn ganzen Bergen angewachsen; wie weitschichtig das Material ist, welches der Prüfung des Gcrichtshoses untcrbreitel wird, ergiebt sich ans der Thatsache, daß die Angeklagten ihrerseits in dreizehn umfangreichen Druckheften alle in Frage stehenden Ver- Hältnisse dem Gerichtshof unterbreiten. Dazu gehören auch ein gehende Gutachten des Geb. Raths Professor der Rechte Dr. Adol Wach in Leipzig, des Geh. Justizralhs Professor Dr. v. L i ß t und der Rechtsanwälle Dr. Hermann Staub I, Dr. Cell o Dr. K o f f k a und Dr. H e i n e m a n n, die sich auf die Verjäbrungsfrage beziehen. Für die Allgemeinheil dürsten die end losen Verhandlungen voraussichtlich kein hervorragendes Interesse darbieten. Den Vorsitz im Gerichtshof wird Landgerichts-Direktor W ei mann führen, die Anklage vertreten die Staatsanwälte Dr. E g e r und O e l s ch l ä g e r, den Angeklagten werden die Rechts amvälte Justizrath M u n ck e l, Dr. Staub I, B e r n st e i n und Wronker zur Seite stehen. Ans eine dreifach höhere Strafe, als die A n kla g e behörde bean tragt hatte, ist von dem C h a r l o t t e n bnrger Schöffen g e r i ch t gegen den Schriftsteller Joachim G e h l s e n wegen Be leidigung des zweiten Vizepräsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses Dr.Paul Krause erkannt worden. Gehlsen war s. Z. mit der Wahrnehmnng derJntercssen der bekannten Brandt scheu Millionen- Erbschaft betraut worden und halte im Frühjahr d. I. in der Sache einem Termin augewohnt, in welchem der Vizepräsident Dr. Krause in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt den Grafen Douglas vertreten hatte. In diesem Termin halte nun Dr. Krause durch eine Aeußerui g de» F ü r st e n Bismarck mit in die Affäre hineingezogen,»'vrans dann Gehisen in seiner„ N c i ch s g l o ck e" im April d. Ii folgendes geschrieben hatte:„Es ist dem Herrn Dr. Paul Krause überlasse», dem Fürsten Bismarck diese Aiihallspiinkte zn schaffen, wenn er nicht den Verdacht auf sich laden will, daß er durch eine» gemeinen Advokaten kniff die Gegner in der öffentlichen Meinung herabzusetzen versucht hat".— In diesem Satze halte die Staatsanwaltschaft eine ö f f e n t l i ch e Beleidigung des Vizepräsidenten, Ncchtsanivalt Dr. Krause gefunden, weshalb gegen Gehlsen die Anklage erhoben worden war. Der Beschuldigte erklärte in dem Verhandlnngs termin, daß seiner Auffassung nach Rechtsanwalt Dr. Krause bei einer Aeußeruug,„die Leute behaupten, Fürst Bismarck hätte auch von der Erbschaft abbekommen", die Grenzen desjenigen, was ein Anwalt für nolhweudig halte, nm den Kinger in den Augen der Oeffenllichkeit herabzusetzen, überschritten habe, zumal er keine Beiveise an der Hand habe und die betreffenden Personen, welche diese Be hauplnug gethan haben sollte», namhaft machen könne. Ter Staatsauwall beantragte 30 M. Geldstrafe oder 6 Tage Gesäugniß. Der Gerichtshof ging jedoch über diesen Antrag weit hinaus und verurtheilte Gehlsen zn 100 Mark Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gesäugniß sowie zur Tragung sämmtlicher Kosten nebst Publikation des Urtheils. Zehlcndorf. Nachdem dem Genossen Köhn zn Zehlendorf wegen Flugblallverbreituiig ein polizeiliches Strafmandat in Höhe von 10 M. zugestellt worden war, gelang es ihm, am 30. September in der Berufniigsinstanz vor dem Amtsgericht seine Freisprechung zn erreichen. Ein Opfer der Saiumelwiith. Am Sonnabend wurde am Amtsgericht in Prien gegen den Engländer verhandelt, der im königl. Schlosse Herrenchimsee eine Goldgnafle abgeschnitten halte. Er saß sechs Tage in Haft im Gesäugniß und wurde nur gegen Erlegung einer Sicherheit von 10 000 M. auf freien Fuß gesetzt. Der englische Konsul in München erklärte in der Verhandlung unter 'einem Eid, daß der Angeklagte in seiner Heimnth eines ungelrnbtcn Leumundes sich erfreut,»och nie vorbestraft wurde und in guten Vermögensverhältniffcn lebe. Die Quaste selbst wurde in Prien ans 3 M., in Traunstein auf 12 M. geschäht. Der Augeklagte gicbt an, das er nur eine Franse davon habe abschneiden wollen als ZI» denken an Herrenchiemsee, daß er aber gegen seine Absicht die Quaste abschnitt, als er die Abtrennung von rückwärts ausführte. In der That sind auch einzelne Fransen so dick wie die abgeschnittene Schnur der Quaste. Ein Zeuge sagt aus, daß er im Hause des Angeklagten eine Sainmluiig gesehen habe von Blätter» vom Grabe Liszl's und Waguer's. Die Verlbeidignng trat für geringe Sach- beschädigung ohne Absicht des Diebstahls ein, indem diese Art Sammler auch an der Muschelgrotte in München, an den Mosaiken der Markuskirche in Venedig niizulrefsen seien, ohne daß man sie gerade für Diebe anschaue. Das Schöffengericht eikannle aber ans Diebstahl und infolge dessen auf 14 Tage Gesäugniß, wogegen der Angeklagte sogleich Bernsnng an das Landgericht Traunstein an- uieldete. Die„Angsbnrger Abendzeitnng" bemerkt dazu: Der Angeklagte hat als Arzt proniovirt und macht nicht den Eindruck eines chlcchlen Menschen. Wenn man in Prien erbittert scheint, so muß man sich erinnern, daß vor allerdings geraumer Zeit auS demselben Schlosse eine goldgestickte Lilie aus einem Vorhang oder Stuhl ge- schnitten worden ist, ohne daß man des Thäters habhaft werden konnte. Ist Strcikpostenstche» grober Unfug? Mit dieser für die gesainnile Gewerkschaslsbewegiiug hochinteressanten Frage hatte sich am Donnerstag dieser Woche das Hanseatische OberlandeSgericht zu befassen, und zwar infolge einer Revision, die sechs streikende Möbeltischler ans Lübeck gegen ein Erkenntniß des Land- gerichis Lübeck eingelegt hatten, weil sie wegen Streikposten- ftehenS zu je drei Tagen Haft verurtheilt waren. Die sechs Tischler waren in den Tagen vom b. bis 7. April in frühester Morgenstunde von Polizeibeamten in Stadl- und Siraßen- gegenden Lübecks stehend angetroffen, in denen Möbelfabriken und Tischlereien lagen, in denen gestreikt wurde. Die Lübecker Staats- anwallschast sah in diesem Slreikpostenstehen eine Belästigung und Beunruhigung des Publikums und klagte die sechs streikenden Tischler wegen VerÜbung groben Unfugs aus§ 300 Abs. II des Elrafgesetzbuchcs an. Das Schöffengericht erkannte au kostenlose Freisprechung sämmtlicher Angeklagten, obwohl da Landgericht Lübeck schon in ganz analogen Fällen auf Ver- urthtilung erkannt hatte. Ob dieser Nichtachtung deS höher» inflanzlichen Urtheils war das Landgericht, an daS die Sache infolge Berufung der Staatsanwaltschaft kam, sehr entrüstet. Und dieser Entrüstung gab das Landgericht in seincin Erkenn tnisse scharfen Ausdruck, daß man meinen sollt«, dasselbe vernrlheile das Schöffengericht und nicht die sechs Tischler. Natürlich lautete daS landgerichtliche Erkenntniß ans Verurlheilung sämmtlicher Angeklagten. Zur Begründung der Revision führte der Rechtsanwalt Dr. Biß us Lübeck an, das Landgericht habe in nicht genügender Weise de» Begriff der Btunruhiguiig des Publikums oder eineS Theiles des- 'elben durch das Streikpostenstehen sestgestellt. Der Oberstaatsanwalt hielt diese Rüge für verfehlt und beantragte Verwerfung der Revision. Nach sehr langer Berathnng erkannte das Ober- landesgerichl auf Aushebung des Urtheils des Landgerichts Lübeck und Zurückverweisung der Sache an die Vorinslanz zur nochmaligen Verhandlung. AuS den Gründen deS Ober- landesgerichts ist hervorzuheben: Unter Umständen könnte man in dem Streikpostenstehen einen groben Unfug erblicken, jedoch sei nöthig, daß im Einzelfalle eine Belästigung und Beunruhigung einer größeren Anzahl Personen durch das Streitpostenstehen hervorgerufen werde. A priori sei das Streikpostenstehen jedenfalls kein grober Unfug, deshalb habe der Vorderrichter die Aufgabe nachzuprüfen, ob i» dicscm konkreten Falle eine Beunruhigung oder Belästigung des Publikums oder eines Theiles desselben hervorgerusen sei. In Breslau hat das Oberlandesgericht das Posteiistehen Streikender für groben Unfug erklärt, indem es die Revision gegen ein verurtheilendes Erkenntniß verwarf. Das Postenstehen habe nicht allein die Unternehiner, sondern auch weitere Kreise des Publikums belästigt, weil— man höre— alle Passanten daran denken mußten, einer Kontrolle und eventuellen Einwirkung auf sie unterworfen zn sein. Die Breslauer Gerichte sind uns bekanntlich, wenn auch natürlich wider Willen, recht oft mit Urtheilen gegen Arbeiter gekoiunien, die uns in der Agitation gegen den Kapitalisten- staat die vortheilhaflesteu Dienste geleistet haben. Vevfnttttttltttttgcn. Eine öffentliche Buchdrnckervcrsammlnng tagte am Freitag Abend in den Arminhallen. Referent war Karl Sindermann aus Dresden, der über„Die Griiudlagen einer Verständigung unter den Vcrbandskollegen" referirle. Der Referent führte aus, daß die Angst der Prinzipale vor energischen Gehilfenbeiveguiigen bei den Tarifverhandinngen nicht ausgenutzt worden sei. Der neue Tarif sei in vielen Punkten viel zu ungünstig. So könne das Minimum in der Provinz bis aus 18 M. herabgesetzt werden. Aus diesen Gründen würden die Gehilfen aus der Provinz die großen Druckorte nberschiveiiimen, wodurch in diesen die Verhältnisse verschlechtert würden. Der Redner kritisirt im einzelne» die Bestinimungen des Tarifs. Als Grundlage für die Verständigung müsse vor allem betrachtet werden, daß nicht einzelne, sondern sämmtliche Ausschlüsse znrück- genomineii werden.— Wenn der„Vorwäits" jetzt die Tarisgeniein- schast vertrete, so vertrete er damit manckesterliche Grundsätze. In Hamburg werde man diese Angelegenheit gegen den„Vorwärts" vorbringen.(Warten wir ruhig ab. Red.)— Wir wünschen, daß eine Einignug zu stände kommt, aber es muß auch von der anderen Seite nachgegeben werden. Der Referent legt die folgende Resolution vor: Resolution. Die beute am 1. Oktober in den Armiiihallen zu Berlin tagende öffentliche Versaiiimlung der Verbandsmitglieder der Tarifgenieinschastsgegner wünscht den Frieden unter de» Verbandsmilgliedern und ist geneigt, denselben anzubahnen unter den folgenden Bedingungen: I. Zurücknahme sämmtlicher Aus- schlüsse. 2. Einsetzung einer uuparleiischen Preßkommission. 3. Vollständige Meinungsfreiheit im Verbandsorga». Nur ans grund dieser vorbenannten Bedingungen ist es möglich, die Gegensätze auszugleichen. Die Versammlung erwartet, daß die Verbandsfuuklionäre diese Forderungen akzeplircn resp. eine Kommission wählen, welche mit einer gleiche» von der Opposition ge- wählten in Berathnngen tritt. Nachdem auch T e n f e r t für die Einiguiig gesprochen hat. theilt O l b e r g mit, daß er privatim Eiuignugsversuche gemacht und beide Seilen zn Verhandlungen bereit gefunden habe. Es müßten von beiden Seiten die Führer zusammenkommen, um über eine event. Einigung zu berathcn. Er legt folgende Resolution vor: In der Erwägung: daß diejenigen Kollegen, welche den Frieden wollen, auch die Mittel dazu bieten müssen, beschließt die heute in den Arminhallen lagende Versammlung der Berliner Veibaudskollegeii: zu den von dritter Seite angebahnten Verhandlunge» zwischen den Führern beider Lager vppositionsscits solch« Kollegen zu entsenden, die sich innerhalb des Verbandes befinden und einem Frieden unter Zurücknahme der Ans- schlüsse und Garantiruug der Preßsreiheil seitens des Verbands- Vorstandes geneigt sind. Kitzler spricht gegen das Eingehen der„Buchdrucker-Macht". Erst müssen die Ausschlüsse ziirückgenommen sein, dann könne man weiter über eine Verständigung reden. Die„Buchdrncker-Wacht" ist das Organ des radikalen Theils in der Bnchdruckerschaft. Ein solches Organ ist schon lange nöthig gewesen und muß auch in Zukunft bestehen bleiben. In der Re- solution müsse unbedingt auch die Amtsniederlegung Döblin'S gefordert werden.— Auch Labjnhn kann sich mit dem Eingehen der„Buchdrncker-Wacht" nicht befreunden. Der Verband müsse einen ausgesprochen proletarischen Charakter bekommen und ans den Boden der modernen Arbeiterbewegung gestellt werden. Ties zn crmöglichen, soll die„Wacht" auch in Ziiknnft dienen. Sollte aber beschlossen werden, die„Wacht" eingehen zu lassen, dann müsse der hauptsächliche Stein des Anstoßes, der Zentralvorsitzende, beseitigt werden.— Rosenthal meint, wenn die Gegenpartei auf die Wiederaufnahme sämmtlicher Ausgeschlossenen eingehe, dann müsse man darin ein weites Entgegenkommen erblicken, und bei Garaulirung der Preßsreiheit im„Corrcspondent" könne man dann die„Wacht" eingehen lassen, da man dasselbe ja im„Corresp." sagen könne. Die Forderung ans Amtsniederlegung Döblins fei vorläufig nuduichsübrbar. da cr 13 000 Stimmen sür sich gehabt hat.— S i n d e r m a n n betont im Schlußwort, daß auch er nicht für das einfache Eingehen der„Wacht" sei. Aber wenn man im„Corresp." alles das sagen könne, was heule in der„Wacht" steht, dann sei der Zweck ja erreicht. Jedenfalls dürfe die Opposition nicht den Schein dulden, als ob sie nicht zum Frieden geneigt sei. Tie Abstimmung über die Resolutionen ergiebt die Annahme der Sindermanu'schen. dagegen die Ablehnung der Olberg'schen.— In die Kommission zu etwaigen Einigungsvcrhaiidlungen werdeu Zach au und Kitzler gewählt.— Zum Schluß bespricht Kitzler die Ablehnnug der Klage Gasch �ind Genossen ans Wiederaufnahmt in den Verband, über die in der Sonnabend Nummer des„Vorwärts" bereits berichtet ist. �tloabit-r zi»turl>«iloer»ln, Donntaa. den 8, Oktober, abends 7 Uhr, Im«jcrelnSlolal, Netiauranlder MoabUer Wtarklhalle am AriiiiniuSplaK: Bortrag: Umsturz In der Medizin." Haniartt-r-Knrs»« fite Ztrb«I'»>»d Zlrbrlt«rl»n«n. Montag, den Oliobcr, abend« Uhr. bei Julius Wernau, Echmedierstraße ZZ: Bortrag deS Herrn Tr. Frlcdeberg über:„(Scste Hilfe bei Unglücksfällen." Franr»- ,,»d ztIüdchr»-KiId>,»g»u«r»in für Kirdorf„nd Zl«- gcg.iid. Mittwoch, den s. Oktober: Mtlatteder-Verlammluiig.«octrag über: „Tic Bollsschule als Erziehcrin der Jugend." Näheret flehe Im Jnferalenthetl am Dienstag. per»!« fite L>>»>«»>r>0l,l. Montag, den«. Oktober, abends« Uhr. yalk- Realgymnasium, Lützowstrabe Ste: Vortrag dct Frl. Käthe Schumacher über: „Französische Frauenbewegung". Frau Minna Sauer und Frau Hanna Bieber- Böhm berichieii über Noagrefse und«eneralverfammlunge»»» Brüssel, Kiel und Slultgart._ zi-rei» deulrcher Schnlimachrr. Montag, den«. Oltob-r, abends Uhr: Zahlstelle l bei Feind, W-liistr. lt. Zahlstelle II b-t Lang-, Tragoneistr. 15. Zabl- sielle III bei Cohn, Benlhstr. so. Zahlstelle IV bei Noll,«dalberlnraße 21. Zahl- stelle-chöneb-rg b-t Obst, lLiuiiewaldstr. no. Zahlstelle FrtedrichSbcrg bei Fuch», Frankfurter Slllee 49. Ehe.rier perci»..8ata-8»lo". Heute Abeud 7 Uhr bei Bolzmann, Lichten- bergerft abi le; Vorslellung.„Waldlieschen". Depeschen«nd letzte Ztacheichken« Rcichenbcig i.>v., 2. Oktober.(B. H.) Die große Baum« Wollspinnerei von Wnrivick». Co. in Rosenlhnl ist heule früh nieder- gebrannt. Dieselbe Halle 13 000 Spindeln. Ter erlillene Schade» st durch Versicherung gedeckt. Madrid, 2. Oktober.(W. T. B.) Sagasta ist init der Vildnug des Kabinets beanslragt Worten. Dem Vernehmen»ach werden dl« Minister bereits morgen de» Eid leiste». Alhc», 2. Oktober.(W. T. B) Gutem Vernehmen nach ist aS nene Ministerinm wie folgt gebildet: Zaimis Präsidi»»»»nd Inneres, Mavrcco» dato Answärliges.GeneralSniolenskiKrica.Adiniral Canaris Marine, Streit, Gonverneur der Nationalbank, Finanzen, Panagilopnlo Justiz. TelyanniS läßt eine Erklärung veröffnillichxii, in welcher Zaimis und die Majorität desavouirt und erklärt wird, er würde keincS der in der Bildung bcgrifsenen Ministcrie» an- erkenne». Die Spaltung i» der delyannisttsche» Partei ist eine voll» ständige. Beianiwortlicher Redalteur!»lngnst Jarobey in Berlin. Für de» Jnseratcntheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck mid Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u lluterhaltungSblatt Ilt. 231. lt. Id�rpiiD. 1. AMjjt Vcv Fovntevftrcifr vo v dvttt Einig« nssttmk. Ncber dc» Ausstand der Former, der am 23. August bei der Firma Borsig ausbrach uud in iveiiercr Folge fast alle Berliner Giestcreie» ergriffen hat, vcrhandelle gester» das Geivcrbegericht als UiiianngSamt. Ten Borsitz führt Magistrals-Asfessor v. Schulz. Als Bei- sitzer der Arbeitgeber sungiren: Melallivaareu-Fabrikaut Weigert, Ingenieur Bernhard t. Beisitzer der Arbciler sind: Former !r ö r st e», Schlosser P e tz o l d. Tie Parleien sind vcrlrelcn seitens der Fabrikanten durch: Zkom'.nerzirnrath Henneberg, Fabrikbesitzer Kühne, Direktor K n a n ß, Direktor Dorn von der Firma Borsig. Die streikenden Ardeilcr sind vertreten durch: Former L. Bt aller, Former P l a l h, Former Z e r n i cl e, Metallarbeiter L i t f i n. Die Verhandlung beginnt mit Feststellung der Ursachen deL Streiks bei Borsig. Beide Parteien stimme» darin nberein, dag bei d�r Vergebung eines Doppelzylinders und einer Gleitbahn an eine Kolonne von 5 Formern Tisferenzen zwischen diesen und de» Berlretern der Firma wegen Festsetzung des Akkordlohnes für diese beide» Stücke vorhanden innren. Die Former konnte» mit dem betreffenden Meister über den Preis nicht einig werde», dann wurde der In- geiiieur Bohner hinzugezogen, und als auch jetzt noch keine Einigung erzielt ircrdcn konnte, wünschten die Former, in dieser'Angelegen- heit mit dem Betriebsdirektor Dorn oder mit dem Chef der Firma zu verhandeln. Der Wunsch wurde jrdoch nicht erfüllt, vielmehr er- klärte der Ingenieur Bohner, dag er die Firma ver- trete. Uebcr die unmittelbare Veranlassung der Arbcilsniedcr- lcguug weichen die Bchanptnnge» beider Parteien ab. Ingenieur Bohner und Formermcislcr Borchert behaupte», die Arbeiter Hütten für die sireilige Arbeit Löv M. verlangt und erklärt, wenn ihnen dieser Preis nicht bewilligt werde, würden sie die Arbeit niederlegen. Dagegen bestreiten die Vertreter der Streikenden, dag die Androhung der Arbeitseinstellung in dieser Form erfolgt sei. Sie hätten gar keinen bestimmten Preis ge- fordert, sondern dem Meister nur gesagt, LötZ Mark mühte es eigentlich für die Arbeit geben, sonst könnten sie nicht ans ihren Lohn kommen. Als nun über den Preis keine Einigung erzielt werden konnte, hat die Firma den Formern sagen lasse», die streitige Arbeit solle auswärts angefertigt werden, die Kolonne solle andere Arbeil erhallen, und es sei ihr auch solche zu- gewiesen worden. Die Arbeiter sollen aber nach Angabe des Meisters und Ingenieurs erklärt haben, wenn die Arbeil nicht zu dem von ihnen geforderten Preise in der Borsig'schen Giepcrei angefertigt werde, würden sie die Arbeit niederlege». Die Streikenden be- Haupte» dagegen, dag die ihnen zugeiviescne Arbeit eine solche gcivese» sei, bei der sie sich wesentlich schlechter standen, wie bisher. Sie hätte» das Gefühl gehabt, daß sie durch solche Maßnahmen geschädigt»nd sozusagen indirekt eutlasseu werden sollten. Da ihr fortgesetztes Verlange», mit dem Chef oder dem Betriebsdirektor zu verhandeln, keine Be- rücksichligung fand, wäre» sie zu der Ansicht gekominen, daß nunmehr jede Einigung aitsgeschlossen sei. Dann hätten sie allerdings die Forderung gestellt, die betreffende Arbeit solle nicht außerhalb angefertigt werden, jedoch hätten sie das nur so gemeint, daß sie über den Preis derselben mit dem Chef nnterhandeln wollten. Daß sie einen bestimmten Preis dafür gefordert hatten, sei nicht zutreffend, nur mit dem angesetzten Preise hatten sie nicht zufrieden sein können. Zu dem Verlangen, daß die Arbeit nicht in einer anderen Gießerei hergestellt werden solle, wären die Former daher gekoimnen, weil sie schon verschiedene Vornrbeileu au dem betreffenden Stück ausgeführt hätten, für die ihnen keine Bezahlung angeboten worden sei. Aitdererseils erklärt der Meister Borchert, eine Be- zahlung der Vorarbeiten sei nicht verlangt worden. Wäre das ge- schehcn, dann hätte er dieselbe auch bewilligt. Ingenieur Bohner sagt aus, daß er, als die Former wegen des Preises mit ihm sprachen, ihnen gesagt habe: Dieser Tanz mit den Alkordlöhnen muß aufhören. Von jetzt an setzt die Firma die Preise fest; sie wird sich nicht gefallen lassen, daß die Forincr dieselbe» be- stimmen. Seitens der Vertreter der Streikenden wird dazu bemerkt, sie hätten diese Aeußerung so aufgefaßt, daß niit dem bisherige» Modus, wonach die Akkordpreise i» jedem einzelnen Falle zwischen den Formern und dein Meister vrreinbart wurden, gebrochen werde» solle, uud den Arbeitern die Preise von den Beauftragten der Firma diktirl werden sollten. Diese Er- klärung in Verbindung mit der Zurückweisung des Verlangens, Herrn Borsig oder den Direktor Dorn zu spreche», soivie die sonstigen Nmflände hätten bei den Arbeitern eine gewisse Erregung erzeugt und dieselbe» zur Arbeitsniederlegung veranlaßt, der sich alte Former des Borsig'schen Betriebes mit Aiisnahme eines Einzige» anschlössen. Dainit ist die Erörternng de? Borsig'schen Falles erledigt. Es werden weiter die Ursachen des Ausstand«? in den anderen Gießereien festgestellt. L i t f i n giebt dazu etwa folgende Darstelluiig: Die eigen!- liehe Grundursache des vorliegende» Konflikls sei nicht in den Lohndiffcrenzen bei Borsig zu suchen, sonder» in den jahrelang betriebenen Maßregelnngen der Arbeiter durch de» Verband der MelaNindnslrielle». Wenn ei» ei». zelner Arbeiter irgend einen Konflikt hinsichtlich seineS Arbeits- Verhältnisses mit seinen Borgesetzten halte und sich den Maßnahmen derselben nicht in jeder Hinsicht widerspruchslos sägte, dann sei er eiillasscn worden und habe in keiner dein Verband angehörenden Fabrik wieder Arbeit bekommen. Das habe nalürlich die Arbeiter erbittert. Erklärlich sei es auch, daß die Borsig'schen Arbeiter, als ihnen vor dem Streik die Frage nach etwaigen Wünschen vorgelegt wurde, diese verneint hätte». Sie fürchtete», daß auch sie, wenn sie Wünsche hätte», geniaßregcU und ans die schwarze Liste gesetzt würden. Da der Verband der MelnUindnstrielle» mit der Organisation der Arbeiter prinzipiell nicht verhandele, so hätten die Leiter der Arbeiter- orgamsation ihren Kollegen stets empföhle», daß die Arbeiter derjenigen Fabrik, wo ein Konflikt vorliegt, mit ihrem Chef unter- Handel» solle». Auch im Falle Borsig sei ein dahingehender Versuch gemacht, aber zurückgewiesen worden. Hätten die Arbeiter Herrn Borsig oder Dorn sprechen können, dann wäre es gewiß»ich! zu dem Ausstand gekommen. Wenn die Herren Fabrikant«» aus ihrer ilteserve heraus trete» uud mit den Arbeiter» imterhandelu würden, daß» würde mancher Konflikt nicht entstanden sein. Was de» gegeuiväriige» Ausstand betreffe, dcr in den anderen Gießereien nur infolge der Verweigerung Borstg'scher Arbeite» durch die Former entstanden sei, so ivürdc derselbe sofort beendet sein, sobald sich die Firma Borsig mit ihren Formern einige. Der llledner bemerkt, daß er nochmals ausdrücklich feststellen wolle, daß die Letter der Slrbeiler-Organisalion ausdrücklich vor einer Zurückweisung der Borsig'schen Arbeiten durch die Former anderer Fabriken gewarnt haben. Wenn doch ein dahin gehender Beschluß gefaßt wurde, so erkläre sich das durch die Erbitterung, welche bei den Arbetteni durch die Maßnahmen der Fabrikanten erzeugt worden sei. Daß dieser Streik von den Arbeitern beab- sichliat oder gar vorbereitet war, davon könne gar keine Rede sein. Nonnnerztenrath Henneberg erklärt zunächst, daß die Ver- kreier der Fabrikanten nicht das Mandat hätten, hier bindende Vereinbarungen zu treffen. Sie wollten nur hören, wie die A»S- sländigen den Streit begründe»»nd nnler welchen Umständen sie tenselbeu beilege» wollten. Wen», wie es geschehe», die Former sich weigerten, Arbeit für die Firma Borsig an- zufertigen, so sei das eigenllich kein Streik, sondern eine Unbotmäßigkeit, die im Jnlereffe des Betriebes nicht geduldet werden dürfe. Wen» die Arbeiter erklären, sie hätten d«„Kmiills" Kttii sich eines andern besonnen und wären bereit, jede Arbeit zu mache», die ihnen vorgelegt wird, dann würden die Fabnkanten die Ans- ständigen wieder ausnehmen. J-tzt seien aber so viele Arbelten nach auswärts gegangen, daß im Laufe des nächsten Vierteljahres für zwei Drittel der Streikenden keine Arbeitsgelegenheit in Berlin vorhanden sei. Der Streik bei der Firma Borsig sei eine inlerne Angelegenheit, die die Firma mit ihren Formern erledigen müsse. Was bezüglich der anderen Firme» hier festgesetzt werde, müssen die Vertreter der Fabrikanten erst ihre» Kollegen zur Beschlußfassung vorlegen. Beisitzer K ö r st e n fragt, ob nicht der Verband verpflichtet sei, seine Mitglieder, bei denen gestreikt wird, mit Arbeitskräften zu versehen. resp. deren Arbeilen anfertigen zn lasse», und ob es nicht eine beabsichtigte Herausforderung der Arbeiter gewesen sei, als nach dem Beschluß, Borsig'sche Arbeit zurückzuweisen, die Borsig'schen Modelle an demselben Tage in allen Verbandsgießereir» vorgelgt wurde». Die erste Frage wird vom Kommerzienrath Henne- berg bejaht, die zweite Frage beantivorlet Fabrikant Still)»« dahin, daß eine Provokation der Arbeiter nichl beabsichligt war. L i t f i n fragt, ob cS wahr sei, daß die letzte General» Versammlung des Verbandes der Metall industriellen beschlossen habe: Jeder, der die Arbeit für Borsig verweigert habe, dürfe nicht wieder eingestellt werden, die Agitatoren seien zn kennzeichnen und aus die schwaze Liste zn setzen, und daß die schwarze Liste des Verbandes sireng durchgeführt werde? Fabrikant Kühne bestreitet das Bestehen schwarzer Listen»nd die Kennzeichnung der Agitatoren. Former Plath bemerkt: Nach dem Ausbrnch des Streiks bei Borsig seien die Streikenden wochenlang von einer Gießerei zur anderen ge- gangen und hätte» sich»in Arbeit bemüht. Obwohl überall Arbeit vorhanden war, erhielten diese Arbeiter auf dem Arbeilsnachweis der Fabrikanten keinen Arbeitsschein, und obne einen solchen dürfe kein Verbandsmilglied einen Arbeiter einstellen. Bei Ludwig Löive sei sogar«in kurz zuvor eingestellter Arbeiter wieder entlassen morden, nachdem er als einer der Gekennzeichnelen er- kannt worden war. Fabrikant Kühne erklärt diese That» fache, die er nicht bestreitet, dahin, daß sich alle dem Verbände angehörenden Gießereien dahin geeinigt hätten, keine Zlrbeiter einzustellen und alle Arbeitsuchenden der Firma Borsig zn- zuweise». Former Müller bemerkt, daß auch er zn denen gehöre, die wegen eines Jahr und Tag zurückliegenden Konflikts keine Arbeit bekoinmen konnten. L i t f i n führt folgende» Fall an: Ei» Arbeiter Jakob, der jetzt, nachdem er drei Jahre im Zlnsland« war, wieder in Berlin Arbeit suchte, sei nur aus dem Grunde in allen Verbands- Fabriken zurückgewiesen worden. weil er vor Jahren einen Kranz am Grabe der Märzgefallenen»icdergclegl habe. Darauf erwidert Konimerzienralh Henneberg: Er sei über diese» Fall nicht informirt, habe auch nicht die Befngniß, darauf zn antworte», es werde sich aber zu gegebener Zeit jemand sinden, der die Antwort giebt. Im übrigen wundere er sich, daß Lilsi», der kein Former sei, hier das große Wort führt. Litfin sagt dazu, er sei mit der Vertretung der üllelallarbeiter betraut, weil dieselben doch durch den Forinerstreik in Mttleidenschast gezogen werden könnten. Hierauf wird über die Forderungen, welche die Borsig'schen Arbeiter während des Streiks a» die Firma gestellt haben, ver- handelt. Nach fast dreistündiger Pause legt das Einigungsamt folgende Einigiingsbeiäiiguiigen vor: I. Die Akkordlöhne für die in Znknnst anzufertigenden Arbeiten sind von den Formern»nd den Meistern, welche die Arbeitgeber verlreten, gemeinschasllich zn vereinbaren. 2. Solcher Guß, welcher nachiveislich, ohne Verschulden des Formers ziim Ausschuß wird, soll bezahlt werde». In Streilsälle» sollen die belheiligten Former gnlaehllich gehört werden. 3. Die Arbeilgeber verpflichten sich, die am Streik belheiligten Former und Gießerei- Arbeiler nach Bedarf einzustelle»; möglichst, bevor auswärtige Former zur Beschäflignng angenommen werden. Es darf kiiiieni dcr am Streik beiheiligten Arbeitnehmer von dem ZlrbeitSnacbweis der Metall-Jndnstriellen der Arbeilsschein vor- entHallen werden. 4. Die Siegelung der übrigen Forderungen der Arbeitnehmer vom 27. Anglist 1897 bleibt der sreten Vereinbarung der Parteien vorbehalten. Diese Bedingungen werden seitens der Vertreter der Parteien ihren Mandatgedern vorgelegt und findet an» Dienstag lv Uhr ein neuer Termin statt, wo sich die Parteien über Annahme oder Ab- lehnung der Einigtingsvorschläge zu erllüren habe». Luiv die Opfer der LZolszivnstev- VtttÄlltroplzen sind uns ferner die folgenden Beiträge zugegangen: Gesammelt von einigen Arbeitern der L> xnSpapier-Fabrit von Liltaner u. Boysen 14,ttö. Eschevhagen—,50. Michels—,50. Lmnme— ,50. Tempel—,50. Pietag—,25. Nagat—,30. Niisch—,25. Thiele—,80. Ueberschuß von der Matinee der Gesangvereine T. u. E. H. III. Schn. E. A. Gr. E. und„Melodia" und der Mnflkvereine Eintracht»nd Einigkeit, 2. Vinte 47,50 L. Werner, Broinbach 3,—. Summa 67,65 M. Bereils qnitlirt 3356,45. Gesammtfnmme 3424,10 M. Weitere Beiträge nimmt unsere Expedilion entgegen. Uokttlrs. Eine brabe Parteigenossin ist ans dein Leben geschieden. Fra» Marie Brader. welche besonders den älteren Genosse» be- kannt sein dürste, erlag am Freiing ihrem langjährigen schiveren Leiden. Marie Brader hat sich namentlich nnler dein Sozialisten- gcseh als rührige und unerschrockene Känipferin bewährt,»nd von allen, die sie näher kannte», ist es bedauert worden, daß die tückische Krankheit, von der sie in den letzten Zeilen heimgesucht war, unsere Genossin von aktiver Theilnahm« an dcr Bewegung fernhielt Parteigenossen und-Genossinnen, welche an der Beerdigung theil- nehmen wollen, werden da, ans anfmirksam gemacht, daß die Be- slattnng heute, Sonntag. Nachmittag 4 Uhr, von der Leichenhalle der Zionsgemeinde in Weißense« ans erfolgt. Ehre dem hindenken unserer Milkämpferin. Die Ve'rtranenSperson. Dritter Wahlkreis. Heute, Sonnlag, abends 6>/s Uhr. Ver- samnilung mit Familie in Cohn's Festsälen, Beulbstr. 21. Vortrag des Herrn A. Borchardt über„Heinrieh Heine". Hierauf geselliges Beisaniinensein mit Tanz, wozu um regen Besuch ersucht die Ber- tranensperson. AnS Wie» erhalten wir die Nachricht, daß dort die Nr. 89 der„Glühlichter" beschlagnahmt worden ist. Die hiesigen Freunde unseres österreichischen Witzblattes werden sich mit der uenesten Glanzleistung der Wiener Polizei vorab zufrieden geben und sich einige Tage gedulde»»lüffen. Tie„Kanfmäiiuischc» Fortbild nugSschnlcn zu Berlin", die, von eine»! besonderen Kuratorium errichtet und von Dr. Engel- mann geleitet, hier im Köllnischen, im Königstädtischen»nd im Friedrich'Werderschen Gymnasinm bestehen, begannen am Freitag ihr Wintersemester mit einer Eröffnungsfeier, der eine Prämieiiverthetlnng voranging. Von den verschiedenen Ansprachen, die dabei gehalten wurde», ist bemerkensmerth die des Dr. Engel- man», der die Frage erörterte, warum die Kauf- in ä n n i s ch e n F o r l b i l d u n g s s ch u l e n i m B e r g l e i ch z n dcr bedeutenden Zahl der Berliner Handlnugs- lehrlinge so schwach besucht seien. Herr Engelmann führte die herrschende Gleichgilligkeit gegen die Forlbildniigsschnlen Sttititltlts. 3. WM 1897, darauf zurück, daß über deren Werth noch ganz falsche An» schannngen verbreitet seien. Er sprach dabei auch von den G e» schäftsinhaber», die die ForlbildnngSschitlen nicht mögen, es war aber belustigend, zn sehen, wie der Festredner es sorgfällig vermied, sich mit einem schärferen Worte gegen sie zn wenden und die wahren Gründe ihrer Abneigung gegen die Fortbildungs- schulen mit dem richtigen Namen zu benennen. Diese Feier» haben den Zweck, nicht blos für die Anstaltc» Reklame zu machen, sondern auch den Zöglingen gute Lehren mit auf den Lebensweg zn gebe» und das„Standesbewiißtsein" in ihnen zu stärken, damit sie selbst nntcr dem Drucke der rücksichtslosesten Ausbeutung doch niemals müde werden, in Liebe»nd Ver- ehrnng zu ihren Herren Chess auszublicken und nur von ihnen das Heil zu erwarte». Eben deshalb darf aber auch nicht gesagt werden, daß so viele Chess ihre Lehrlinge überhaupt nicht zu dem Zwecke halten, ihnen etwas beizubringe», sondern mir um ihre Arbeilskrast ausbeuten zu können. Ter NcnncranSschnß des Zentralkomitees zur Uulerstützung der U e b e r s ch w e m m t e n i» Dcnlschland hielt gestern nnler Vorsitz des Stadtverordnolcn-Vorstehers Dr. Langerhans eine Sitzung ab, in welcher folgende Summen zur Versendung bestimmt wurden: nach Eppingeu in Bade» 35 000 M.,»ach Elsaß-Lothringen 25 000 M., nach der Stadt Guben: an Prinzen Carolalh 10 000 M. und an Tr. Kapp 10 000 M., nach der Stadt Forst 20 000 M., nach Kreis Sora» 20 000 M., nach Kreis Koltbus 20 000 M.. nach Delitzsch 20 000 M.. nach Bitterseld 30 000 M., nach Eilenbnrg 10 000 M., nach Dessau 15 000 M., nach Wärttem« berg 100 000 M., zusammen 815 000 M. Es verbleiben zur Disposilio» etwa noch 1 Million Mark. Gezahlt soll nur an Hilssdedürflige werden, die zur Fortsühruug ihrer Eristenz eine Uuterflützuug bedürfe», die ganz Uubemiltelten sollen jedoch eine» höheren Prozentsatz erhalten. Tie grgrnwäriige Zeit dcS SchuIwcchsclS regt wieder die Frage an, ob es hygienisch zulässig ist, daß die Schüler, wie ei in Berlin gang und gäbe, die Soiniiierszeit hindurch auch in den ersten Schuljahren bereits morgens 7 UhrzumIInlerricht auwesend sei» müssen. Für Ki»t er von sechs bis acht Jahren siud uaeh ärztlicher Erfahrung etwa zwölf Stunden Schlaf nolhweudig, wenn ihre Gesnndheit keinen Schade» leiden soll. Wenn das Kind i» so zartem Alter zur genannten Stunde in der Schule sein muß, so wird es, da oft genug ein halbstündiger Weg vom Ellernhanse bis zum Schnlhnuse zurück- ziilegen ist, schon vor sechs Uhr geweckt werden müssen. Nun wird jeder verständige Mensch es als- eine Unmöglichkeit bezeichnen, daß bereits um 6 Uhr nncbmillags, also zn einer Zeit, wo der Vater»nd leider oft genug auch die Mutter noch a»f der Arbeits« slätte frohilde» muß, die Kinder zur viuhe gebracht werden können/ Wer das Prolelarierleben der Großstadt kennt, wird auch wissen, daß die Schlafenszeil für die Kleinen frühestens um 8 Uhr, in gar viele» Fällen aber erst»uu 9 oder 10 beginnen kann, daß sie also unter permanentem Mangelan genügender Nachtruhe zn leiden haben. Unserer Meinuiig nach ist ein Theil derMißerfolae, welche die Pädagogik in den Geineindeschulen zu verzeichnen hat, diesem schwer bedenklichen Umstände ziijnschreiben. Sollte es nicht möglich sein, im kommenden Winter Mittel und Wege zu sinden, durch welche sich wenigstens slir jüngere Kinder der Beginn des Unterrichts fortan im Sommer- Halbjahr ans frühestens acht Uhr festsetzen läßt? Strcifziigc cincö Arbeitslosen. Am ersten Oktober bummelte ich wie gewöhnlich umher. Das Berliner Slraßenleben war wir gründlich verleidet durch die vielen Umzüge ans den Straßen. Da steht all das, was ein Heim angenehni und gemüthlich macht, auf dem Bürgersteig in wirrem Durcheinander; was eine Haussran so lange vor den Nachbar«» verbergen konnle— ihr verhängtes und garnirtes Elend— kommt nun nns Tageslicht. Das jammervolle, wirlhschastliche Dasein vieler lausender Familien muß rücksichtslos offenbart werde». In der Dümmerstnnde kamen vor einem die ganze kühle Frische eines Nenbanes ausdunstenden Hause einer ivestlielzeii Vorstadt zwei Möbelwagen vorgefahre». Ter eine, ein Hundesuhrwerk, ist hoch belade». Zwei Männer und eine Frau schieben und ziehen daran» während mehrere Kinder mit Lampe» und Spiegeln nebenher gehen, Der zweite ist ein reaelrechler Möbelwagen mit zwei derben Pferden, der flott angeraslel! kommt. Beide Wagen werden abgeladen. Die erste Partie schafft ihre Möbel ins Erdgeschoß, während die andere ihren Kram ans dem Bürgersteig ansbreUet. Di« vier Packer habe» den nur halb beladcnen Wagen bald geleert. Sie sind nahezu fertig, da komm! eine Frau angeeilt. Ihr feines Epitzenhülchen ist ihr bei dem raschen Gehen schUs gerutscht. Mit den dürren Händen, die in schwarzen, aufgesprungenen Handschuhen stecken, umklammert sie einige Porzellanstgürchen. „Sie hätten doch auch warten könne», bis ich hier bi»!" spricht sie aufgeregt und atbemlos zu den Packern. „Wir haben doch nnsere Zeit«ich jestohien!" meinte ein großer Mann in blauer Schürze. Die Fra» wendet sich stolz ab:„Ich werde sofort oben ans« schließen, da»» können Sie die Sachen hinanf tragen." Ein junges, hoch aufgeschossenes Mädchen kommt hinzu:„Na, laß nur, Mamachen, es ist ja schon dunkel. ES sieht ja keiner mehr nnsere Sachen." Die Fra». die in de» Keller zieht, kommt eben wieder heran?. Sie sieht die andere erstaunt an:„I. sich doch cener an!" sagt sie leise;„die Frau Kanzleisekrelär'»!— Also, bat is ihre janze Herr- lichkeet?—— Aber immer dicke dh»n n» ins Thealer»n uff de Bälle mit de Jöhre jeh»— na, mein Wilhelm soll nischt mehr für dt« dhnn; haben so noch Schulde» jenuch bei uns." „Auch das noch!" sagt die Frau Kanzleisekrelär rcsignirt, alS sie die Frau ihres Schnhinachers erkennt... Tie Konfcrcnz von Borstände» christlicher Jnugfranett» Vereine fand gestern eine» recht beschaulichen Abschluß. Wie schon am Freitag, war auch gestern die Hosdame der Kaiserin. Gräfin Keller anwesend, und auch der Sozialpoliliker Herr RegiernngS- rath v. M a s s o iv folgte den Anssührungen der verschiedenen Redner mit großer Nnfinerksamkett. Die gestrige Sitzung war vor- nehmlich unseren Dienstboten gemidmet. Viele Dutzende heilsamer Rezepte, wie man dem dienenden Volke die Frömmigkeit und Reli« gion erhalte, wurden nnler großem Beifall der Anwesenden verzapft. vliich über die gebildeie» Franc» wurde von den Geistlichen niauches Urlheil laut, das für diese gerade nicht als Schmeichelei aufzufassen war. In der Diskussion belonteu ebenfalls mehrere Geistliche, daß die Schuld an der Theiluahmslosigkeil der untere» Volksscküchlen reli« giösen Vereinen gegenüber, vor allen die gebildelen Stände träfe, welche letztere sich der Religion zum größten Theil enlsremdet hätten. Aus- gäbe der Jungsranen-Vereine müsse es sein, die Damen der besseren Stände zn ihrem Zwecke heranzuziehen zu versuchen, um mit ihnen gemeinsam z» arbeiten. Dies geschehe am besten, wenn man ihnen von dem Elend der Arbeiterinnen erzähle. Die Unkennlniß der Geistlichen und ebenso der Damen, welche der Konferenz beiwohnten, über die wirlhschasllichen Bcrhällnisse ist unglaubllch. Sie wissen nur, daß in den Fabriken gewöhnlich recht schlechte Zustände, in sittlicher Beziehung, obwalten, daß Schuld an diesen Zu« ständen meist aber nur die Hungerlöhiie sind, welche die Arbeiterinnen erhallen, ist ihnen unbekannt. Kein Wort verlor man darüber, wie es möglich ist, daß die Ar- beiterinnen zu auskömmlichen Löhnen kommen können. Den Schluß der Konferenz bildete ei» Vortrag des Pfarrers Seiffert über die Bahnhosshelferinnen. Charakteristisch ist, daß dieses neue Institut den Landvermielhern grimniige Konkurrenz macht und diese auf die Pfarrer und Damen, die sich dem„Liebesiverk" opfern, nicht gerade gut gestimmt sind. Ter Ferusprechverkehr mit Mörö ist eröffnet. Ein Gespräch von drei Minuten lostet I M. Neber cht Brandiinglkck in der Zeile eines Polizeireviers be- richtet das„Kl. Journal": In der Nacht vom 29. zum SV. v. M. ivnrde die Prostiluirle, unverehelichte Anna Höhnel, Langestraße 19 wohnhaft, von Beamten der Sittenpolizei ans der Straße fest- genommen, weil sie sich der Kontrolle entzogen hatte. In der Zelle zündete sie Wachskerzchen— sogenannte Fünfminutenbrenner— an, da sie sich vor der Dunkelheit fürchtete. Ueberwältigt von Müdig- keit, schlief sie schließlich ein, erwachte jedoch bald wieder und bemerkte mit Entsetze», daß ihre Kleider Feuer gefangen hatten und daß sie bereits von oben bis unten in lichte» Flammen stand. Sie lief zu der Thür, rüttelte und klopfte, wälzte sich verzweifelnd am Boden und schrie mit den Kräften, welche nur die Todesangst ver- leiht. Wiewohl sofort Hilfe nahte, verstrichen doch einige Minuten und die Bedauernswerthe erlitt schwere Verletzungen, die sofortige ärztliche Behandlung dringend erheischten. Das Revier requirirte daher einen Krankenwagen von Lück und schickte die Schiveiverletzte in ein Krankenhaus. Zu der Blutthat auf dem Tempelhofer Felde wird uns noch amtlich gemeldet: Durch die Obduktion der Leiche des Droschkenkutschers Wilhelm Gollmert wird festgestellt werden, ob durch Stich mit einer Mistgabel oder ob durch starkes An- prallen des Kopses an eine scharfe Kante des Wagens der Tod ei»- getreten ist. Ter„Direktor" des Auskunfts« und Detektivbureaus in der Leipzigerstr. 13 ist ausgerückt. Der Manu, namens Max Rudow, hat große Schulden hinterlassen; auch wird ihm zur Last gelegt, eine Summe von 23 000 M., die ein böhmischer Geschäflsinann ihm anvertraute, unterschlagen zu haben. DaS Polizeipräsidinut giebt bekannt: Unter Bezugnahme auf Z 6 der Polizeiverordnnng vom 14. März 1896 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach Bestimmung des Bezirks- ausschusses zu Berlin zu den Wochenmarkts-Zlrtikeln Hierselbst außer den im§ 66 der Reichs-Gewerbe-Ordnung unter 1— 3 aufgeführten Gegenständen nach Orlsgewohuheit und Bedürfniß auch„mit Wachs» und Papierblunren geschmückte Kränze" gehören. Seinen Verletzungen erlegen ist der 34 Jahre alte Arbeiter August Gruhn aus der Rostockerstr. ö0, der in der Fabrik von Siemens u. Halske zu Charloltenbnrg dadurch veritnglückle, daß ihm ein schweres Stück Eise» auf den Kopf siel. Im städtischen Kraukenhause zu Moabit stellte man bei dem Verunglückten einen Bruch der Halswirbelsänle und einen kouiplizirten Schädelbruch fest. Ans der Straffe erschossen hat sich gestern Morgen vor dem Hause Marburgerstr. 3 ein junger, kaum zwanzigjähriger Mau», nachdem er mit seiner Geliebte», einer Verkäuferin, auf der Straße einen Streit gehabt hatte. Die Person des Tobten wurde später als die des stellungslosen Handlungsgehilfen H e r s f e l d t festgestellt, der bis vor einiger Zeit in einem Zigarrengeschäst der Kanlstraße an- gestellt geiveseu war. Die Geschäftsräume der 3. Polizei- Bauinspektion sind von Elisabeth-Ufer 18»ach Schlesischestr. 39/40 verlegt worden. Verschwunden. Am 28. v. M., früh VVz Uhr, hat ei» Techniker I. seine Wohnung zu Neu-Hohen>Schöuhanssu verlassen, tun 3000 M. ihm gehöriges Geld von der Post abzuholen. Er hat dies auch gethan, ist aber nicht in die Wohnung zurückgekehrt, so daß ei» Unglück vermulhet wird. Von der Dampfstraffenbah». In einen vollgepackten Möbel- wagen ist gestern auf dem Winterseldplatz ein Zug der Dampf- flraßenbahn der Linie Steglitz— Zoologischer Garten hinein- gefahren. Durch den heftigen Znsammenprall wurde die Ladung des Möbelwagens total demolirl und die Wirthschastsstücke zum theil auf die Straße geschleudert. Personen sind nicht verletzt, da der Kutscher des Möbelwagens rechtzeitig absprang. Doch ist der Schaden, der durch die Zertrümmerung der Möbelstücke verursacht worden ist, ein sehr erheblicher. Das Konsortium der Dampfbahn wird aller Voraussicht nach Ersatz zu leisten habe», da auch dieser Zusammenstoß auf die mangelhaste Betriebssicherheit zurückzuführen sein soll, die während der letzten Wochen fast tag- l i ch eine» Unglücksfall verursacht hat. In erster Linie aber dürste diese Unsicherheit ans die Ueberlasluug des Personals mit Dienst- stunden und die in keinem Verhältuiß dazu stehende schlechte Be- Zahlung zurückzuführen sein. Ein Licbeödrama hat wieder mit dem Selbstmord eines jungen, blühenden Mädchens seinen Abschluß gesunde». Die zwanzigjährige Anna Bartlick befand sich von Jugend auf bei ihrer Tante, der Wittwe Rießler, All-Moabit öl wohnhaft, von der sie als das eigene Kind behandelt ivurde. Das junge Mädchen war seit zwei Jahren versprochen mit einem Mathematiker B., der früher bei Siemens und Halske beschäftigt war, jetzt aber beim Eisenbahn» Regiment dient. Am 15. v. Mls. erhielt das Mädchen von dem Auserwählten einen Absagebrief. Er schrieb ihr, daß er das Ver- hältniß hiermit aufgebe, weil er zit jung zum Heiralhen fei und er noch große Sachen vorhabe, in denen die Verheiralhung ihm hinder» lich sein würde; auch billigten seine Ellern nicht die Verbiirdung mit ihr. An demselben Tage verließ daS unglückliche Mädchen das HauS der Tante und kam nicht wieder zum Vorschein. Am Freitag wurde sie als Leiche in Spandau aus der Spree gezogen. In der Kleidertnsche befand sich der Absagebrief und die Photographie des Geliebten vor. Ei» schwerer Nufall ereignete sich am Freitag Abend 10 Uhr 40 Minuten auf der Stadtbahn-Stalion Jungseruhaide. Beim Aussteigen aus dem um diese Zeit ankommende» Nordring-Zuge gerielh ein Passagier, der wahrscheinlich noch während der Fahrt aus- gestiegen war, so unglücklich zu Fall, daß er unter den Wagen kam, rvobei ihm das rechte Bein vollständig zerquetscht wurde. Peinlich berührte es, daß der Verunglückte längere Zeit auf der Station liege» mußte, ohne daß geeignete Hilse herbeigeschafft werde» konnte. Auch war auf der Station weder eine Tragbahre noch Verbandszug zu haben. Der Stationsvorsteher selbst that in der bedrängten Lage was er thun konnte. Zunächst wurde von der nächsten Station Tragbahre und Verbandskasten herbeigeholt und nach einer Stunde war auch glücklich ein Arzt zur stelle. Ein vom Stationsvorsteher geforderter besonderer Train zur Fortschaffung des Veruilglücktcn kam leider nicht und so mußte der Bedauernswerthe bis l2 Uhr lo Minuten auf dem Perron liegen bleiben, um dann von dem eiulaufenden Zug»ach der Stadl transporlirt zu werden. Die Tragbahre konnte in diesem Fall gar- nicht benützt werden, da die engen Stadtbahnkoupees sich zur Aufnahme als ungeeignet erwiesen und daher mußte der Schwerverletzte aus den Boden des Koupees hingelegt werden. Von de» Paffagieren wurde diese Verzögerung in der Hilfeleistung natürlich sehr unliebsam empfunden und so hatte ein Herr, da man absolut rathlos war, die Fetlerwehr herbeigerufen. Sonderbarerweise gab der auf dem Perron diensthabende Polizeibeamte dem anrückenden Zug der Feiier- wehr kurz vor Eintreffen an der Etation die Weisung, zurück- zufahren, was denn auch geschah. Einem Taschendiebe ist von der Polizei ein schwarzes Beutel- Portemonnaie mit ö Mark Inhalt abgenommen, welches angen» scheiulich gestohlen ist. Das Portemonnaie hat eine» iveißen Eisen- bügel und an jeder Seite ein Lederläppchen zum Auscinandcrziehen. Der Eigenthümer mag sich melden, Zimmer 97, Polizei-Dienst- gebäude, Alcxanderstr. 3—6.— Bei einer Tascheudiebtn sind fünf ver- schiedene Klapp-Portemonnaies gefunden, die offenbar aus Dieb- stählen herrühren. Ferner ist am 27. d. M.. abends gegen 8 Uhr, einer unbekannten Dame ein gelbledernes Klapp-Portemonnaie mit 53 Pfennigen vor dem Schaufenster des Passage-Panoplikums� ge- stöhle», welches dein Diebe abgenommen ist. Die Eigenthümer werden ersucht, sich im Zimmer 37 des Polizei-Dieiistgebäudes Alexanderstr. 3—6, zu melden. Unglücksfälle im Straffenverkehr. Am Freitag trugen sich auffallend viele schwere Unglücksfälle durch Ueberfahren zu. Der Arbeiter Peters wurde in der Artilleriestraße durch einen Omnibus über den linken Fuß gefahren. Der Tanzlehrer Lein wurde in der Wallstraße durch einen Schlächterivagen überfahren und erlitt einen Kuochenbruch, in der Ranrlerstraße wurde der zwei Jahre alte Knabe des Kaufmanns Janke durch«inen Möbelwagen über- fahren und innerlich verletzt, der sieben Jahre alte Knabe des Pförtners Eüslmann wurde i» der Französischenstraße durch eine Droschke umgestoßen und überfahren, wobei er einen Bruch des rechten Oberschenkels erlitt.— An der Ecke der Hollmann- und Lindenstraße gerielh der Radfahrer Mechaniker Büttner mit einem Bierwagen zusammen und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.— An der Ecke der Boxhagenerftraße und der Frank- furter Allee ivurde dem Handelsmann Schulze durch einen Arbeits- wagen das rechte Fußknöchelgelenk gebrochen.— Auf dem Werdcrschen Markte erlitt der 81 Jahre alle Nachtwächter Hammel- mann schwere innere Verletzungen, indem er unmittelbar vor einer Droschke auf dem Pflaster ausglitt und überfahren wurde.— Am Moritzplatze wurde der Kaufmann Ernst durch eine» Omnibus über- fahren und erlitt einen Bruch des linken Unterschenkels.— An der Ecke der Slettiuer- und Badstraße stürzte der Händler Basser beim Abspringen von einem Pferdebahmvage» und erlitt einen Schädel- bruch.— In der Prinzessinnenslraße wurde der Buchhalter Larsch besinnungslos vorgefunden. Ein Arzt stellte einen Schädelbruch fest. Wie er zu der Verletzung gekommen ist, ist noch nicht aujgeklärt. Feuerbericht. Freitag Abend hatte Prenzlauer Allee 36 in einer Schleiferei Benzin Feuer gefangen, das aber noch recht- zeitig gelöscht werden konnte.— Infolge versetzte» Rauches entstand zweimal blinder Lärm und zwar T h a e r st r. 11 und Linden- st r a ß e 69.— Sonnabend früh 6 Uhr brannte F l i e d e r st r. 4 in einer Klempnerei ein Waarenlager. Ein Rohr halte längere Zeit Wasser zu geben. Das Haus wies erhebliche Beschädigungen aus. — Um 9 Uhr wurde die Wehr»ach Klopstockstr. 36 gerufen. wo ei» Wasserrohr geplatzt war.— Nachmittags 2 Uhr halte Zug 7 G u b e n e r st r. 13 einen Kellerbrand zu löschen, der bereits die ganze Schalbecke zerstört und auch sonstigen Hausschaden verursacht hatte.— Im Lause des Nachmittags ivurde dann die Wehr noch zweimal alarmirt nach A l v e n s l e d e n e r st r. 21 und R o st o ck e r- st r a ß e 29. In beiden Fällen handelte es sich jedoch um blinden Lärm. Durch ein ganz eigenartiges Hindcruiff hat eine für Berlin engagirle Künstlerin zur kontraktlich festgesetzte» Zeit in der Reichs- Hauptstadt nicht eintreffen könne». Das Malheur passirle M t ß Mary Halton, der englisch- französischen Sängerin, die am 1. Oktober im hiesige» Slpollo-Tdeater auftreten sollte. Mch Halton wurde näinlich ilnfreiivillig a» der Grenze fest- gehalten, ivcil die Zollbehörde in ihrem Gepäck eine Anzahl prachtvoller Seiden- und Atlasrobeu entdeckte, deren Verzollung kategorisch verlangt wurde. Miß Mary Halton weigerte sich selbst- redend dieser ungerechten Forderung nachzukommeu, da diese aller- dings funkelnagelneue» Kostüme zu ihrer persönlichen Garderobe ge- hören und diese Ausstattung zu ihre» Debüts iu Berlin durchaus »othivendig sei. Leider hatte Miß Halton ihren Kontrakt mit dem Appollo-Thealcr, der als Legitimation für ihre Behauptung diene» sollte, in London zurückgelassen, und so mußte sie rhu erst tele- graphisch zur Stelle schaffen. Die Künstleriu kann daher das für den i. Oktober angekündigt gewesene Debüt erst am Dienstag, den 5. Oktober, absolviren. Im Passagc-Panoptikuin wird das indische Dorf demnächst seine Hütten abbrechen, um Europa für imnrer zu verlasse». Die Mitglieder der Truppe wollen näinlich, von Heimweh erfüllt, ihre Tournee nicht weiter fortsetze», sondern von hier aus in ihre ferne Hcimath zurückkehren. Zsus de» Nuchbarorien. Charlottcuburg. Laut Beschluß der außerordentlichen General- Versammlung vom 8. September d. I. ivird den Mitglieder» des Wahlvereins hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß ihre Quittuugs- bücher bis zum IS. Oktober d. I. geregelt sein inüfsen, um von diesem Tage ab eine dem Z 10 unseres Statuts entsprechende Ordnung der Kassenbücher sonne Regelung des Mitgliederbestandes voriiehine» zu können. Jedes Mitglied, welches vom genannten Tage ab fünf Monate Beiträge schuldet, ivird unnachsichilich gestriche». Besondere Fälle regelt der Z 4 des Statuts. Der Vorstand. Der Arbeitervereiu von Pankow und Schöuhanscn hält am ö. Oktober seinen Lese-Abend ab. Tagesordnung: Vo trag über den internationalen Arbeilerschutz-Kongreß i» Zürich. Gäste willkommen._. Wochen- Spielplan der hiesigen Theater. Opernhaus, Sonntag, 3. Oktober:„Lohengrin".(Loheugrtn: Herr. Ernst Kraus, Telramund: Herr Rudolf Vcrger, als Gäste.) Anfang 7 Uhr. Aion- tag, 4. Oktober: 1. Sinfonie der königlichen Kapelle. Anfang 7»/, Uhr. Dienstag, ö.:„Die Zaubersliite". Mittwoch, 0.:„Der Evangelinunm". „Phantasien im Bremer Rathskellcr". Anfang 7 Uhr. Donnerstag, 7.: „Uudine".(Hans: Herr Karl Nebe aus Karlsruhe, als Gast.) Freitag, 9.:„Tristan und Isolde".(Tristan: Herr Bogt, königlich bayerischer Kamniersänger, als Gast.) Anfang 6'/, Uhr. Sonnabend, 9.:„Der Prophet." Anfang 7 Uhr. Sonntag, 10.:„Mignon". Montag, 11.:„Der Ring des Nibelungen". 1. Abend:„Das Rhcingold". Anfang?>/, Uhr. Dienstag, 12.: 2. Abend:„Die Walküre". Anfang 6»/, Uhr.— Schauspielhaus. Sonntag, 3. Oktober:„Waidwund". Montag, 4.:„Die Einzige",„Tanzstunde". Dienstag, 5.:„Waidwund". Mittwoch, 6.:„Das Wintermärchen". Werdita: Fräulein Ilona Sperr, als Gast.) Donnerstag, 7.:„Waidwund". Freitag, 8.: „Goldfische". Sonnabend, 9.:„König Lear. Sonntag, 10.:.. Waidwund". Montag, 11.:„Rosenkranz und Güldenstern".— Neues t ö n i g l. O p e r n- Theater(Kroll). Sonntag, 3.:„Zriny". Donnentag, 7.: Erstes Gastspiel der italienischen Kinderoper. Zum I.Atalc:„Salvatorello". Anfang 7V, Uhr. Sonn- abend, 9.: Zweites Gastspiel der italienischen Kinderoper.„Salvatorcllo". Anfang?>/- Uhr. Sonntag, 10.: Drittes Gastspiel der Italienischen Kinder- vpcr.„Salvatorcllo". Anfang nachm. 4 Uhr. Abends: Tie Ouitzows.— Montag findet der erste Synivhonie-Abend der lönigl. Kapelle unter Felix Weiligartner's Leitung statt. Die öffentliche Hauptprobe ist mittags 12 Uhr Zur Aufführung gelaugt: Faust-Ouverliire von Spohr: Smnphonie D-dur von Brahnis; Symvhoine E-dur-Beethoven: Freischütz-Ouvertüre von Weber. Die zweite diesjährige Gesammt-Aufführung von Richard Wazner's Bühnen- Festspiel Der Ring des Nibelungen" ist für folgende Tage festgesetzt: Montag, 11. Oktober:„DaS Rheingold": Dienstag, 12. Lttober: „Wallitre": Mittwoch, 13. Oktober:„Siegfried": Freitag, lö. Oktober: „Götterdäinnierung". Den Siegfried singt zum ersten Mal Herr Ernst Kraus. Die Besetzung der übrigen Hauptrollen ist dieselbe wie im ersten Zyklus. Kapellmeistcr Weingarwer dirigirt. Das Abonnement ist aufgehoben. Tie Preise zu jeder Vorstellung find folgende: I. Rang Loge 12 M., I Rang Balkon und Parkett 10 M., II. Rang Loge und'Ballon 7 M., ni. Rang Loge und Balkon b M. IV. Rang Sitzplatz 2,50 M., IV. Rang Stehplatz 1,50 M.- DaS Deutsche Theater bringt in dieser Woche Wiederholungen von Max Halbe's Drama „Mutter Erde" außer diesen Sonntag Abend noch am Dienstag. Donnerstag und Freitag:„Die versunkeuc Glocke" wird Montag und Mittwoch gegeben Am nächsten Sonnabend geht das neue fünfattige Schanspiel„Agnes Jordan" vo» Georg Hirschfeld zum ersten Mal in Szene und wird am darauf folgenden Sonntag Abend wiederholt.— JmLessing- Theater wird„Das Tschaperl" diesen Sonntag, am Dienstag, Mittwoch und Freitag wiederholt. Am Montag wird„Sodoms Ende", am Donnerstag„Die Ehre" mit Adolf Klein als Grafen Traft gegeben. Die sieben französische» Gastvorstellungen von Madame Röjane und der Gesellschaft des Vaudeville- Theaters werden am Sonnabend mit Alphonse Daudels Schauspiel„Sappho" eröffnet und am Sonntag mit„Madame Sans- Gene" fortgesetzt. Als Nachmittags-Borstellungen werden am heutigen Sonntag„Das Glück im Winlel", am nächsten Sonntag„Heunath" gegeben. Briefkasten der Redaklian. Die juristische Sprechstunde findet Nl o u t a g. D i e n st a g»nd Sonnabend nicht von L bis Uhr- sondern von 7� bis 9 Uhr abends statt. Rothe Relke. Kandidirte im Wahlkreise Usedom-Wollin 1893. Briefkasten der Expedition. Israel. Das Inserat kostet bei dreimaliger Aufnahme netto 8,20 M. 9k. Krüger. Sprembcrg. Sie müssen bei Ihrem Postamt reklamiren. Bon hier gehen die Zeitungen stets pünktlich zur Post. lvItiernnftSNberficht vom 2. Oktober 1897. Wettcr-Prognose für Sonntag, den S. Ottober 1897. Ein wenig kühler bei veränderlicher Bewölkniig und mäßigen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wellerb»rea«. »» Beim bevorsteheudeu empfehlen sich folpende Partei-Speditionen: Uei'IIn vierter Wahlkreis O.: Robert Wenzels, Fruchtstraße 30. Hof II.- 8«.: Fritz Thiel, Slalitzerstr. 35 v. pari.- 8eehster Wahlkreis(Moabit): Kart Anders, Salzwedeler- straße 8, pari, im Laden.- Weciaing und Oranienburger Vorstadt: Einit Stolzenburg, Wielenstraße 14— Oesnnd» brnnnen: Wilhelm Gaß mann, Grünthalerstr. 64.— Mosen tbulcr Vorstadt und Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien-- Allee 95/96.— Charlottenburg: Gustav Scharnbcrg, Pcstalozzistr. 34, Ouergeb. pari.— Oeutseh-Wlliuers- dorf: Frau Küblet, Signiaringeustr. 34 und Frau Hcinernann� Sigmarlugenstr. 35.(Hier ist auch die..Brandmburgllche Volks-Zeitung" zu erhallen.)— Mixdorf: Öfter mann, Jägerstr. 70, II.— Schönc- berg: Wilhelm Säumler, Bctzigerstr. 59, Seilensltigel pari.— .lohauulsthal-IVleder- und Ober-Schönowcide: Otto John, Ober-Schöneweide, Siemensstrahe 7, Zigarrengeschäft. Annahme- stellen: Nieder-Sdivneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäst. Johannis- that: Senftlcben. Restanrateur.— Crledenau-Stegllt-: H Bernsee, Kirchstrahe 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H Mohr, Düppelstraße 8. und Fr. S ck, e l I h a f e, Ahorn- straße loa.— Mauntscbuleuweg: 31 ich. Ulbricht, Marienlhaler- straße 18, I. Außerdem ist iämnitliche Parteililcrawr, sowie alle wissenschaftlichen Werte dort zu habeil. 9luch werde» Juferate für de»„Vorwärts" eutgcgen genommen. Um g c u a u c Angabe der Adresse wird dvittgond gebeten. I-sekirer! kiliale IV. Lenrntoerzammhing Dienstag. 5. Ottbr.. abends 8l/j Uhr bei Schöning, Köpenicterstr. 68. 1. Vortrag deS Herrn Dr. Paul Bernstein i„Etwas über Fabrik- Hygiene". 2. Quartalsabrcchnnng. 3. Vereinsangelegenheiten. 125/14 Zahlreiches Erscheinen cnviinscht, Gäste willkommen. Ter Aorftand. Zentral-AraM- u. Tterbe- Ajse der Tischler u. s. m. (Berlin l>.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 182/16 Carl Grnhn, welcher am 29. v. M. in der Fabrik von Siemens u. Halske verunglückt ist, am 3. Oktober nach 5 Uhr auf dem neuen Johannis-Kirchhose vorn Krankenhause Moabit aus beerdigt ivird. Um zahlreiche Betheiligung bittet Die Ortsverwaltung. Arn Dienstag, nachm. 1 Uhr. ver- starb nach kurzem Leiden unser lieber Sohn Frita; Woitschach im 13. Lebensjahre. 10346 Die Beerdigung findet am Sonn- tag. nachm. 3 Uhr, vom Thomas- Kirchhof ans statt. Die zelgen tiesbetrübt an Die' trauernden Eltern. Zentral-Verband der Ziiiuliem Deutschlands. Zahlstelle Charlottenbnrg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied 255/1 ISuko Brühl am 30. September plötzlich am Herz- sd>lag verstorben ist. Alle, die ihn kennen, werden ihm ein ehrendes Studenten bewahren. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 4 Uhr von der Leickienhalle des Neuen Louiscn-Kirchhoss aus statt. Um zahlreickies Erscheinen ersucht Ter Borstand. Zeiltral-Krauktu- n.Tterbc-llilterstützuugskajse der Zimnierer. Eingeschrieb. Hilsskasse 2. Hamburg. Oertl. Venu Charlottenbnrg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied 259/16 Hugo Brühl am 30. S epibr, nachmittags U/, Uhr, am Herzschlag verstorben ist. Er war stets auf dem Posten, wenn es galt, für die Sache der Berufs- lollegen einzutreten. Leicht werde ihm die Erde I Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle d.Louijen-Kirchhofö, Westend, aus statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Oer Vorstand. Den Genoffen»nd Genossinnen des 6. Wahlkreises zur Nachricht, daß die längjäh nge, tüchtige Parteigenossin Marie Bruder nach langem, schweren Leiden ver- storbe» ist. Dieselbe war stets, wenn es galt, für die Interessen der Partei einzutreten, auf dem Posten und wird man ihr ein ehrendes Andenken be- wahren. 246/19 Tie Beerdigung findet heute, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Zionsgcmeinde in Weißensee statt. Ole Vertrauensperson. Bckanntmachnng. Ich habe meine Wohnung von Weberstraße 52 nach Krautstr. 54 a verlegt. Ottilie Deitert. Stadthcbamme. Vereinszimmer, auch Zahlstellen, zu vergeben Alte Schützenstr. 6.(1057b Vereinszimmer, kleines, zu ver- geben Köpnickerstr. 192.„Vorwärts" und„Gastwirthsgehilse" liegen aus. Vereinszimmer zu vergeb. Nestau- raut Conrad, Jägerstr. 10. s1033b Ärbtitsiiilirkt. Aisztunq! Holzarbeiter! Möbeltischler. In der Möbel- u. Ipiegelfabrik von Fqnlts, Große Frankfnrter- straffe 1Ä3. haben 31 Tischler wegen Lohudifsereiizen die Arbeit eingestellt. ziarktModenleger. Die Firma Rosenfeld& Cie. zahlt auf dem Bau Wertheiin, Lcipzigcrstrasie, den Tarif nicht. Zuzug nach obigen Werkstell«» ist fernzuhalte». 293/6 Die Ortsverwaltung. Oer.Arheltsnachivels für Bügler, Stepper und Zuschneider befindet sich Fchrbellinerstr. 34. pt. bei Voigt. Jeden Dienstag Abend 9 Uhr ist Sitzung. Ebendaselbst jeden Sonntag Morgensprache._ 1049b Marmorschleiscr verlangt Günther, Müllerstr. 87. 1052b Lehrling f. feine Schneiderei verlangt Leuzncr. Weißenburgerstr. 83._ im Hause verlangt Lo» is Bauchwit?, Neue Königstr. 85. Achtige Kiirjlhiler-Mmlells a. Pclznähniaschine geg. höh. Lohn verl. Lonis Bnuchwly, Neue Königstr. 85. wichtige Kiirschiier-Maiilsells im Hauie verlangt gegen hohen Lohn Louis Bauchwih, Neue Königstr. 85 Maschinennäherinnen, geübte, Verl.' Laer u. Sohn, Wallstr. 67.__ 10326 Silberschlciser,(10356 tüchtigen, verl.(os. Franz M o s g a u, Markusstr. 50. Witsche söherlnnen auf Damen- Oberhemden verlangt gegen Vorlegung von Probearbcit. Gustav Frombcrg, Kronenstr. 31. 1. 50 Mamsells aus Jackets, 1,25 bis 2,25 M., ohne Ausfertigen, Fritz, Gerichtstr. 16 1, Eing. Kolbergerstraße. Silberpolirerinnc» bei hohem Lohn verlangen Bergas Cehriider, 10216 Schittingstr. 12. Tüchtige Barockvergolderinnen werden verlangt bei Xenmann, Hennig d: Co., Z e u g h o s st r. 21.(10236 Zlrbeiteriitaufwattirte Radmäntel, 2,25-2,50, verl. Grüner Weg 21.[10466 MdUttiim, Jncobl, Marienburgerstr. 9, fiöttoiirtrlicitcrinnfn�uernbf Beschästigimg.(Hirstein A. 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Va3 Uhr: Faust. Montag: Die versunkene Glocke. Berliner. Das höchste Gesetz. An- sang?!/, Uhr. Nachm. Vz3 Uhr: Kaiser Heinrich. Montag: Renaissance. Goethe. Ein Souuuernachtstraum. Anfang 7V, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Des Meeres und der Liebe Wellen. Montag: Das vierte Gebot. Lcssing. Das Tschaperl. Ansang 7>/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Das Glück im Winkel. Montag: SodomS Ende. NeneS. Aschermittwoch. Borher: Lieb' im Spiel. Ansang 7l/t Uhr. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Aschermittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Residenz. Die Einberufung. An- sang 7 � Uhr. Nachm. 3 Uhr: Odette. Montag: Die Einberufung. Schiller. Die Kinder der Exzellenz. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Ein Tropfen Gift. tinler den Linden. Perichole, die Straßensängerin. Anfang 7-/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Boccaccio. Montag: Perichole, die Strafjen- sängerin. Luisen. Wilhelm Tell. Anfang 8 Uhr Nachm. 3 Uhr: Preciosa. Montag: Geschwister Fiebig. Thalia. Das Krokodil. Anfang 7Vz Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Oftend. Jugendbronnen. Ansang 7V, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Lieder beS Musikanten. Montag: Jugendvronnen. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7-/2 Uhr- Montag: Dieselbe Borstellung. Friedrich< WtlhelinstädlischeS, Das Zeichen des Kreuzes. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Sliexanderpla«?. Das Liebesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Gr. Kinder-Doppcl- Borstellung: Rothkopp�en. Der Rattenfänger von Hameln. Montag: Das Liebesdrama einer Sängerin. Meichshallen. Spezialitäten. An WX Spezialitäten. Ans. 7l/, Uhr. Fccn-Palast. Spezialitäten. Passage< Panoptikum. Indisches Dorf. (Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Erst« Bor- stellung im Schiller-Zyklus; Die Räuber. t Sonntag, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Montag, abends 8 Uhr: Ein Tropfe» Gift. Dienstag, abend? 8 Uhr: Die Krcuzelfchreiber. Luisen-Theater 34. Reichenbergerstrafie 34. Nachmittag 3 Uhr: 13."Volks- Vorstellnng nnter Regie von 3 11 1 Iiis TUrk zu kleinen Preisen: 1* 1» S V 1 O 8 a. Schauipiel in4 Aufzügen v. P. A. Wolff. Musik von Carl Maria von Weber. Ab-ndS 3 Uhr: Zum ersten Male wiederholt! mit gänzlich neuer Ansstattung: Teil. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Montag: Geschwister Fiebig. Billets ä 00 Pf. zu der Sonniag- Nachmittag- Vorstellung in den belannten Verkanfsstcllcn._ Ostend-Theater. Gr. Franksnrlerstr.lW Dir. E.ikvciss. Nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Tie Lieder des Miifikailteil. Abends 7l/z Uhr: Zum 17. Male: Jttgendbrtmnen. . Morgen: Dieselbe Vorstellung. Oentral-Theater Zllte Jakobsir. 30, Direktion Ikiclinrd Kchnltz. Sonntag dcn 3. Oktober 1807: £i»U Thomas a. G. Zum 30. Male: {SeHinen Fahrten. Burleske AnsstaitnngSposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von J»l. Einüdshofer. Anfang V-3 Uhr. Morgen und die solgenden Tage: Berliucr Fahrte». 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Beifall! Berlin wie's näht und trennt. Volksstück in. Gesang in 2 Abth. V.L. Elp. Musik von M Schmidt. Der Traun, von Bayreuth. Parod. Traumbild Hugo Schulz als Seemann. Wally Tmolltn, Erentrigue-Soubrette Euimy und Ernst gtebcntisch als Zukunfts-Ehepaar. Paul Beudix, Humorist. Anfang der Vorstellungen: Sonntags���ochen� Siettiner Sänger lMeysel. Pieiro, Britto». Sieidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Montag, den 4. Oktober: Vleturlu-Rrauerel. Dienstag, dcn 5. Oktober: BUhmiscbcs Brauhaus. Mittwoch, den 6. Oktober: Einmaltge Soirse im großen Katfer-Saal der ChaHottenhiil'gei' Flora. Urania Tanbenstrnsse 48—49. Naturkundi. Aasstellung tägl. geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 30 Pf.— Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Urania- Theater(Invalidenstr.) Direkt. Dr. Koppen u. Dr.Stoedtner 8 Uhr; Moelerne Mulerei. Vortrag mit farbigen Lichtbildern _(Originale)._ Berliner Aquarium Unter den Cinden 68a, Cingane Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis DSF' S0 Pf. 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Sonntags 6 Uhr I Entree 30 Pf. bis 1 M. ö0 Ps. Ich wohne jetzt Oranicnstrasse 87 I. Df. Curt Freudenberg. Tel.-Amt IV 519. Voranzeige. Oircus Busch. Bahnhof Börse. Den hochgeehrten Bewohnern der königl. Haupt- und Residenzstadt Berlin beehre ick mich anzuzeigen, dab ich am 5. Oktober mit metner Gesellschaft mittels Souderznges von Hamburg hier wieder eintreffen und am Dolliltrstag, liett 7. Sftokr ct.,(ilcntö 7% Uhr, meinen völlig neu dekorirten Circus am Bahnhof Börse mit einer Darstellung m plus ultra wieder eröffnen werde._ Wie es mein Bestreben gewesen ist, die Stätte meines Wirkens völlig neu und anheimelnd auszugestalten, so werde ich nicht minder daraus bedacht sein, durch vollständig «eiie Darbietniigeii auf allen Gebiete» der circeiisische« Künste mich der auberordentlichen Gunst würdig zu erweisen, die das hochverehrte Publikum mir bisher entgegengebracht hat. Mein Bestreben, auch während der jetzt beginnenden Saison nur Mustergiltiges zu bringen, bitte ich auch diesmal wieder durck) wohlwollende Beachtung meines Unternehmens zn unterstützen, und mir dadurch zur Erreichung des mir vorgesteckten Zieles behilflich zu sein. Mit hochachtungsvollfler Ergebenheit l*. Bu�eh, Direktor. Billets sind ab Montag zu haben im Vorverkauf mit 10 pCt. Aufschlag an der Circuskaffe und beim Invnlidcndank, Unter dcn Linden 24. Preise der Plätze: Logensitz(für dcn Eröffnungstag) 0 M.: Sperrsitz 3 M.; Balkon 2 M.; I.Platz 1,50 M.; 2. Platz 1 M. und Gallerte (Stehplatz) 50 Pf._ W. Noaek's Konzert-Säle, Brunnenstr. 16. Sonnabend, de» 9. Oktober 1807: Herbstvergnugen des Zentralverbandes der Stuckateure (Filiale Berlin) verbunden mit MI Theater- Vorstellung sowie Auftreten hervorragender Kräfte. Nach der Vorstellung: Im groben Saale TällZ, Anfang 8 Uhr. Ende??? Billets: Herren 50 Pf., Damen 30 Pf.(i»N. Tanz). Billets sind bei SchUnciunnn, Steinstr. 17, zu haben. 270/11 Da» Komitee. Alcazai* Variste-Theater l Ranges. Dresdenerstrabe 52/53 kEity-Passage) Annenstrahe 42/43. Direktion R i ch a r d W'. n l l e r. Heute: Die Rosen ans dem Süden. Grobe Ausstatlungsposie mit Gelang und Tanz in 1 Akt von B. Gericke Neu! Vorher: Neu! Wir«'erden älounen! Schwank in 1 Ali von Ernst Moser Austr. eines durdiweg neuen glänzenden Spezialitätcn-Personals. U»h1»ll» Wochentags 8 Uhr. 2(I(|IIU{). Sonntags 7 Uhr DM- Entree 3« Pf."9� Gutscheine haben an den Wochen- tagen zu allen Plätzen Giltigkeit. Schweizer Garten Arn Königsthor. Am Friedrichshain. Im gänzl. renovirten groben Saal Ä. Ball. Ansang 4-/z Uhr. An Wochentagen ist der Saal zu Bersarnuilungen u. Privalsestlichkeiten zu vergeben._ j91Cb Vollis-Theatei' im Welt-Restaurant 97. Dresdener-Straffe 97 Me ReeMurg. Bilder aus dem Berliner Volksleben von L. Elp. Ansang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- tags 71/2 Uhr.— Entree: Sonntags 30 Psg., Wodienlags 20 Pig. 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Oktober, abends(iV, Uhr, bei Znbell, Lindenftr. 106: ¥ei«sammiunga T,-O: Bortrag des Genossen Vt'nKner über: Religion nnd Evolution, Nach dem Bortrage: Geiiiiithlichcs Beisammenfen» nnd Tanz. Um zahlreichen Besuch biltet Eintritt 10 Ps,_ Tie Blertranensperson. SMaldemMraMer Verein für den 5. Perliner Reichstags- Mahlkreis. Donnerstag, den 7. Oktober, abendS S'/, Uhr. im Lokale des Herr» NOIIls, Rosenthalerstrasse Ordentliche General-Versammlnng. Tages-Ordnniig: �4ü/1S t Bortrag des Genosscn«i'enlpv über: Kolonialpolitik, 2 Diskussion 3 Bericht des Vorstandes und dcS KassirerS 4 Neuwahl des Vorstandes, b Bcreinsangelegenheiten und Verschiedenes, Um zahlreichen Besuch bittet Idei» Vor««»«««. �nbviltvi'-SangvnduniI Kessins unil Umgsgenil. Sonntag» den 10. Oktober 1807, oovmittogs 11 Lltzr» im Saale der„Brauerei Fricdrichshain":_ WW" Uebungsstunde."�1 Folgende Lieder werden geübt: 1.„Mahnruf," 2.Bölkcrfrühliugslied,' Z,„Grub an den Mat.' 4.„Drei Ehrengrühe■— Di« Vereine werden ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen.— Wichtige Mitthcilung des Aorsihendcn.— Bundes-Mitgliedskarte leginuiirt, 17/U Der Vorstand. NB Im Nebensaale: Empfangnahme von Beiträgen und Ausgabe eines neuen BundesliedeS,— Die Adresse deS ersten SchristiührerS ist: Ott« NnscKe, Wrangelsirahe 11,_ D, O M SozialdmoKratischer Mahlverein' für den 0. Berliner Reichstags- Wahlkreis IMen««len 5. Oktober, nbenels S'/j Uhr. Lokale von Wernau} Schwedterstr. 23 im Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über RobeSpierre, KehUtto. 2, Diskussion, Reserent: Herr 3, Vercinsangelcgenhciten, 246/20 Zahlreiches Erscheinen erwartet Oer Vor.taml. Die AbtheilungSführcr werden ersucht, tn der Vcrsamuilung zu erscheinen NH. Die tsieneralversnininlung findet Donnerstag, d 14 Oktober, statt Berliner Arbeitervertreterverein Ilm Dienltog. den 5, Oktober 1897, abends S'/» Uhr, bei Buske, Grenadierstr. 33: Vorlnuitttlung. TaaeS- Ordnung: 1. Besprechung über die Ucbcrlasiung der Beisitzer in den einzelnen Schiedsgerichts-Sitzungen,- 2, Diskussion,- 3, Verschiedenes, Die Schiedsgerichts-Beisitzer und deren Ersatzmänner sowie die Arbeiter Vertreter nnd deren Ersatzmänner werden hierzu besonders eingeladen. , önsic haben Zutritt.— Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht vv/13 Oer Vorstnnd BilimOerck„Mehr Licht" Sonntag, den 3. Oktober, mittags Präzise 18'/, Uhr: Besuch der Berünklidemie, Jillialidenstrahe unter Führung des Herrn Or. JoOl. Treffpunkt vor derselben, Abcndö 6 t/z lihr, a.11...\....... Alexanderstrasic 87 c:""IS«» III III 1 U. 11 Vortrag des Herrn Or. Joill über:„Die ersien Formen des Lebens' — Dtskussion.— Daraus: Oeselllxes Itelsainnien.eln nnd kTana-.— Gäste sind stets wlNkonimcn, hiß Garderobe 10 Pf,- Eutree für Gäste 10 Pf,- Mitglieder frei. Zentralverein der Bildhaner. Verwnltnngsstellc Berlin. Dienstag, den 8. Oktober, abends präz. 8>/z Uhr, Köpnickerstr. 63: WM" Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftliches,- 2, Bibliothckabend,- Wie stellen sich die Mit gltcder zur Einfiihrnng cineS HnndkatalogS für die Bibliothek?- 3. Verschiedenes, 39/3 Bei der geschäftlichen Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch Oer Vorstand. + Kursus > Arbeiterinnen Grotze öffentliche Versantttllnttg fiiv ZMönnvr und F'ronvn des Samariter- für Arbeiter nnd Montag, den 4. Okt., abends 8>/z Uhr, bei Wernau, Schwedterstr, 23, Vortrag des prakt, Arztes Herrn Or. rrlcdebcrg über:»Die erste Hilfe bei Unglücksfällen.« Eröffnung der Filiale im Norden Brunncnstr. 160 am Montag, den 18. Oktober, nnd der Zentrale, Bcuthflr. 20, am 11, Oktober, abends 9 Uhr, Neue Theilnchmer werden ebendaselbst aufgmomuie». 155/7_ Oer Vorstand. Kistrnmachrr! Montag, den 4. Oktober, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommaudaiiteusir. 30: Mitglieder-Versannnlttng. TageS-Ordnung: 1. Die Sperre bei K e i l t n g. 2. Diskussion und Verschiedenes, Der Vorstand. I. A,: Franz Schulz, Schwedterstr, 47. Die Kollegen, die vom Stiftungsfest mit den Billets noch nicht abgerechnet haben, werden dringend ersuch», dleö spätestens am Montag in der Versammlung zu thun. 94/4 Achtung! Rabite-puRaer. Montag, den 4. Oktober, abcndö 8 Uhr, bei Herrn BolTmann. Alexanders«?. 27c: 252/8 Große öffentliche Versammlung der Berlins und Unigegeild. TageS-Ordnung: 1, SitnationSbericht über den Stand der jetzigen Bewegung und weitere Stellungnahme zu derselben, 2, Diskussion, I, A,: Karl Nicke, NB, Es ist Pflicht eineö jeden RabitzputzerS, in der Versammlung zu erscheinen,_ Verein dentscher Schuhmacher. KVersiiiioiiluiigen"WZ »g, de» 4. Oktober er., abends«'�llhr. f ahlstclle 1 bei Feind, Weinstraß« 11: Vortrag d, Koll, Langow. ahlstclle Ik bei l.angc, Dranoncrstr, 15: Vortrag, Zahlstelle III bei Cohn, Bcnthstrastc 20: Vortrag deS Sollegen Hamacher, 280/5 Zahlstelle IV bei Boll, Adalbcrlstr, 21: Vortrag. Zahlstelle Siehiineherj; bei Obst, Grunewaldstr, 110. Zahlstelle Friedrichsberg bei Fachs, Frankfurter Allee 49. Um zahlreiche Betheiligung bitten Die Bevollmächtigten. Diejenigen Kollegen, welche'» och mit der Abrechnung von Billets im Mückstande sind, werden dringend ersucht, ihrer Pflicht nachzukommen, tcklu-s! Dekateure! ktUml Dienstag, den 5. Oktober, abendö 8l/2 Uhr, im Englischen Garten, Alexandcrftr. 37c:_ �csseiltüche Rersammlnng. IM 3. Delcgirtcnwahl T a g e s- O r d 11 n n 1. Vortrag deS Genossen Ulot.he. 2, Diskussion. zur Gewerkschaftskommission, 4. Verschiedenes. 11/13 Oer Vertranensmann. Rixdorf und Umgegend. Achtuny! Bauarbeiter. Aclituny! Große öfciitlitfic VerslimilllilUß der Ball-, Erd- llild gtwerlillisitll Hilfsarbeiter am Dienstag, de» 3. Oktober, abends 8 Uhr. im Lokal deS Herrn Krämer, Hcrinannstraste 199. Tagesordnung: 1 Vortrag des Kollegen B c r g e r> Stettin. 2. DiSiussion, 3 Bericht der Delegirten vom Gewerkschaftskartcll nnd Neuwahl desselben, 4, Vcpchtedencs[30/17] Ter Vertrauensmann. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Morgen, Montag, abends 8>/, Uhr, bei Cohn, Bcuthstr. 20/21: der Ortsverwaltuiig. Achtung! Achtung! Verband der in Dolchearbeitungg-Zsabriken «.aufDolzplatzen besch. Arbeiter Dentschiands. «Filiale Berlin I.) Montag, den 4. Oktober, in Wilkc's Lokal, Andreasstraße 36; ZMitglieder-Vevfnmmlnttg. TageS-Ordnung: 82/19 1 Bortrag, 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom III. Quartal 1897. 4. Wahl des 1, Kasstrers und eines Revisors, ferner eines Arbeitsnachweis! Kommissionsmitglicdes, 5, Gewerlschaftliches, Oer Vorstand. Verband d. Fabrik-, Lattd-.�ilfsarbeiter nnd Arbeiterinnen Dentschlands. (Znhlstcne Itcrlin.) Tonnerstag, den 7. Oktober, abendö BV- Uhr, im Colberger Talon, Eoibergerstraste SS:_ General-Versammlnng."WJ Tagcs-Ordnung: 1, Jahresbericht, 2, Kassenbericht nnd Bericht der Revisoren, 3. Reu- wähl der Bevollmächligten und Revisoren, 4, Vcrbaiidsangelcgenheitcn nnd Verschiedenes,— Das Erscheinen säinmtlicher Mitglieder ist nothwendig, Mitgliedsbuch lcgttimirt. Tie Bevollmächtigten. Gleichzeitig werden die Milglicder auf das an» 23, Oktober statMndendc I, Stiftringsscst aufmerksam gemacht, welches im„Cösliner Hof", Cöslincr- strahe 8, stattsindet. Zahlreicher Besuch wird erwartet. 64/15 BerEiner Genossenschafts- Bäckerei (<5. G. m. v. H.) Nene Hochstr. 18. Plainifer 16. Thcilcn den Genossen hierdurch mit, daß wir unser Komptoir nnd Bäckerei von Stralsunder st r. 8, nach Lleue Hochstraffe 18, 2. Hof, verlegt haben. Durch Vergrüßerimg unseres Geschäfts sind wir jetzt in der Lage, bedenlend mehr Brot zu liefcm, Unser größtes Bestreben soll eö sein, den Genossen ein wirklich reines Roggenbrot zu liefcm. StT" Gleichzeitig machen wir auf das in der nächsten _ Nnminer erscheinende__>1 Verzeichnis? der BerkanfSstellen unseres Brotes ansmerksain. 0er Vorslsnd. �rkeiikr-ZüäimljL verein Lekönederg. Greneral-Versammluiig am Montag, de» 4. Oktober, abends 8 Uhr, bei Ohst, Grnnewaldstrastc 110. Abrechnung nnd Neuwahl dcS GesammtvorstaiideS. 1050b 'la'ävfi,. Ndmiralstr. 18c. Jeden jrBArJI � Sonntag IM prachtvollen Spiegcliaal: Gr. Fcstbnll. Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr. Gr. Horn- und Streichmustk. Beide Säle zu Hochzeiten, Veremsfcstlichleitcn u.Bersammlungen z.verg. Die Rcstnilratioiisräume ftchc» Sonntags dcii geehrten Familien zur Verfüguiig, Große und kleine BercinSzimmer sind»och frei. Robert Scheere, Skestanrant„S ä n g e r h e i m-, O. BlumenX) „ Winter-Anziige 13,00-30,00 „ Kinder-Anziigc 3,50—8,50 „ Burschen-Anziige 4,50—13,00 „ Riiabeiihosen 65 Pf. bt? 3 M. nur bei W. AiatheHvs, Pallifadenstr., ziir rotheil 7. bmlü Kompl. Federbett, grob, ni. neuen Federn, Bettstelle, Matratze u, Keil- kissen, alles zusammen 23,—. Dasselbe seiner 33,—, 43,—, 63— 73,— it. höher, Betten-Fabrik Stand 10.-. 11,50. 18.-. 30.- bts allerscinstc, Stopfen der Betten ans Wunsch im Beisein der Käufer Bettstelle», deutsche n, englische, für Erwachsene u, Kinder Polsicr-Bett- stellen. GhaiselongneS, Matratzen- fabrtk. Kinder« WbÄ« offen, Ricsc»- auswahl, hochmodern 10.-. 16.-. 30.- b allcrscinste Kindcr- KcZZML stähle, Piippenwag. Thellznhlung nach Vcrciiibaruiig gestattet SlUlt III 5281. Kinderwagen- ti. Schlafinöbcl- Bazar llaby. I Jnvalidenftr. 160, n, b. Markthalle Ii. Alcxandcrstr, 44(Alexanderplatz), Hl. Oranlenpr, 70, Ecke Komma»- dantenstraße, IV. 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Wegen Vergehe» gegen§ IS3 der Geiverbe-Ordnnng der Maurer Orth 14 Tage, ein anderer 3 Monate Gefängniß� 2. Berti». I» der Rcvisionsinstan; 7 Genosse» aus Wies- baden wegen Verstoßes gegen die Heilighallung des Sonntags je 3 M. Geldstrafe. 4. Leipzig. 2 Monate Gefängniß der Maurer Schneider wegen Vergehens gegen§ 1ö3 der Geiverbe-Ordnnng. # Hanau. Geng�e Stadthagen 200 M. Geldstrafe wegen Vichterbeleiinerna- Magdebm? enosse Vahle und Drucker Arnoidt " je 2 Wochen � igniß wegen Vergehens gegen Z 1S3 der Geiverbe-Ordiiuilg. 7. TrcSdcu. Vier Maurer je 1 Monat, einer S und einer 6 Monate Gefängniß wegen Bedrohung, Beleidigung:c. von Streikbrechern. . Gotha. Wegen Verübnng groben Unfugs Genosse Bock 30 M. Geldstrafe. „ Wittenberge. Wegen des gleichen Delikts Genosse Lade- m a n n S0 M. Geldstrafe. . Flensburg. 4 Schachtarbeiter wegen Bedrohung und Nölhigung je 2 Monate Gefängniß. 3. Lübeck. Zwei Tischler je 1 Monat, ei» dritter 4 und ein vierter 6 Woche» Gefängniß wegen Beleidigung von Streikbrechern. , Erfurt. Genosse C o o r s 100 M. Geldstrafe wegen Be- leidigung eines Streikbrechers. 9. Königsberg. 50 M. Geldstrafe Genosse Erb mann wegen Beleidigung eines Gutsbesitzers. , Mülhausen. Wegen Beleidigung eines Pfarrers Genosse B u e b 2 Monate Gefängniß. 10. Stade. Die Genosse» T h i e l»nd K a u fm a n n inHarburg je 100 M. Geldstrafe wegen Senatorenbeleidigung. 11. Halle. 100 M. Geldstrafe Genosse Brandt wegen Be- leidigung eines Offiziers.— Genosse S a l o in o n 150 M. Geldstrafe wegen Beleidigung eines Weißenfelser Fabrikanten. 13. TrcSdeu. Genosse Ungrade in M i ck t e n 50 M. Geldstrafe wegen Zulassung von Nichlmitgliedern zu einem Vereinsfest gegen Zahlung von Eintrittsgeld. , Halle. Wege» Beleidigung der Staatsanwaltschaft Genosse B l b r e ch t KO M. Geldstrafe. 14. Benthe». Je einen Monat Gefängniß die Arbeiter T n s k e r und Watzlawek wegen Betrugs, der bei der Aufnahme von Mitgliedern des Bergarbeiter- Verbandes begangen sei» soll. Im Abonnement des Verbandsorgans sei die Mitglied- schast im Verband einbegriffen. Pruig. Ei» streikender Wolldrucker einen Monat Gefängniß wegen Vergehens gegen§ 153 der Geiverbe-Ordnung. 15. Zwickau. Genosse Gold stein 50 M. Geldstrafe wegen Beamtenbeleidigung. ,. Iserlohn. Wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz Genosse !it a» e 15 M. Geldstrafe. IG. Hamburg. Im Wiederaufnahme- Verfahren ein Eiversührer wegen Bedrohung:c. 7 Monate Gefängniß. „ Dresden. Eine Woche Gesängmß Genosse Nitzsche wegen Vergehens gegen z 153 der Gewerbe-Ordnung. 17. Halle. Die Schuhmacher Z e b i s ch und H i t l n e r je 10 M. Geldstraf« wegen Verstoßes gegen die Straßenordnung. Leipzig. Der Maurer Heinrich ivegen Beleidigung " Streikender 24 M. Geldstrafe.— Wegen des gleichen Delikts und wegen Körperverletzung der Arbeiter Brake einen Monat Gefängniß.. 13. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Horn in Löbtau 10 Monate Gefängniß wegen Beleidigung mehrerer Hiitte»- direktoren. � � � Berlin. Wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz der Ge- " nosse D e ch e n d 20 M. Geldstrafe. 20. Leipzig. Ein Maurer 1 Woche, ein anderer 3 Wochen 5 Tage Gefängniß wegen Bedrohung von Streikbrechern. , Pcnig. Einen Monat Gefängniß Genosse R itzi wegen Ver- stoßes gegen Z 153 der Geiverbe-Ordnung. 21. Leipzig. Wegen Mißhandlung von Streikbrechern der Maurer W e s ch e 1 Jahr und 3 Monate Gefängniß.— Der Maurer K n o o f wegen Vergehens gegen Z 163 der Gewerbe- Ordiinng 1 Monat Gefängniß. 22 Hamburg. Genosse Runds wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz 10 M. Geldstrafe. �„. Nürnberg. Wegen Beleidigung der städtische» Kollegien " Genosse Löwenstei» 2 Monate und 15 Tage GefSngniß. Leipzig. Der Maurer Kießling wegen Nölhigung 4 Monate: wegen Verstoßes gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung der Maurer F i» d e i s e n 1 Monat 3 Tage und der Maurer Fritzsche 1 Woche Gefängniß. 23. Tauzig. Genosse Stolpe ivegen Anstiftung zu einer un- erlanbteii Handlung 10 M. Geldstrafe. Halle. I» der Bernfungsinstanz Genosse Thiele wegen Beleidigung 40 M. Geldstrafe. 24. Leipzig. 14 Tage Gefängniß der Maurer Krause wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung. Burgstädt. Genosse Wagner wegen Beleidigung eines Vorarbeiters 1 Monat Gefängniß. 25 Leipzig. Der Maurer S ch in e i ß e r wegen Körperverletzung 6 Wochen»nd der Maurer Loose wegen Bedrohung-c. 4 Wochen Gefängiiiß. �.... , Crefeld. Genosse Wolters wegen Beleidigung eines Fabrikanten 60 M. Geldstrafe. , Magdeburg. 500 M. Geldstrafe Genosse Vahle wegen Be- leidigung des Staatsininisterinms. 27. Köpenick- Wegen Beamtenbeleidigung Genosse Z u b e i l i» Berlin 100 M. Geldstrafe. „ Berlin. 2 Monale Gefängniß der Maurer B l ä s i n g wegen Vergehens gegen§ 163 der Gewerbe-Ordnung. Leipzig. Wegen Körperverletzung bezw. Beihilfe dazu der Maurer B e r t h o l d 6 und die Maurer Jakob und O r n t h je 3 Monate Gefängniß. 30. Wegen Beleidigung des Polizeipräsidenten Genosse Stadt- Hagen 0 Wochen Gefängniß. Dresden. Genosse Nitzsche wegen Beleidigung eines Thcaterdirektors 50 M. Geldstrafe und 100 M. Buße. Jttsgesamnit wurde erkannt auf 2130 M. Geld- und 8 Jahre 10 Monate 1 Woche und 2 Tage Gefängnißstrafe. Hamburg-Eimsblittel, den 1. Oktober 1397. Der geschäftsfahrende Ausschuß. Nrbeikev-Veopovz «nd Vouvgeois � ZDvopovz. Vo» einem Schweizer, Karl Bürkli von Zürich. (Siehe Nr. 223.) II. Da in Deulschland bei Reichstagswahlen das Ein er-Wahl- kreis-Systcm existirt, wo so wie so von einem Proporz nicht die Rede sein kann, so verstand es sich für die deutschen Sozialdemo- kraten schon vor zivanzig Jahren von selbst, daß man die Einer- Wahlkreise abschaffen und dafür aus dem ganzen Reiche einen ein- heillichcn Wahlkreis schaffe» sollte. I» England gab es in der Hauptsache nur Einer- n»d Zweier- Wahlkreise und so konnte 1859 Thomas Hare auch auf nichts anderes kommen, als das Einer- Stimmrecht auf das ganze Reich, Großbritannien und Irland, als einheitliches Wnhlgebiet zu empfehlen.— Damit waren zwei wichtige Proporz-Grundsätze ausgesprochen; 1. die Stimmberechtigten sollen ihren Gesinnungsgenossen durch das ganze Reich oder Wahl- gebiet,«nd nicht blos in einem engen Wahlkreise die Hand reichen dürfen, um ihre Vertreter in den Rath zu wählen; 2. der Wähler kann nicht mehr als e i n e g i l t i g e Stimme habe», eine Haupt- bedingung des ivahren Proporzes. In der Schweiz war aber die Sachlage eine ganz andere. Hier gab und giebt es nur ganz wenige E i n e r- Wahlkreise; Bund und Kantone sind eingetheilt in mchrplätzige, sogar sehr vielstcllige Wahl- kreise, wo 2, 3. 4, 5, 7, 10, 15, 20, 30, ja sogar i» einem Genfer Wahlkreise 40 Vertreter zu wählen sind, und jeder Wähler darf so viel g i l t i g e Stimmen abgeben als Vertreter zu ivähle» sind. Das ist das L i st e n s k r u t i n i u in, ein vorzügliches Werkzeug'für den Majorz, denn wenn die Anhänger der Majorität die vom Partei- komitee vorgeschlagenen Kandidaten, seien es nun 5, 10, 20, 30, 4V alle auf ihre Slimmzeltel schreiben, so sind auch alle, rutbi quanti und zwar im ersten Wahlgang gewählt, und die Minderheit steht draußen im Schnee.— Seit bald 70 Jahren, seit anno 1330 wird dieses Listenskrutinium in der Schweiz praklizirt, und unsere konservativen und liberalen Proporz-Zuschneider behaupten steif und fest, ohne das Listenskrutinium hätte das Volk nie und nimmer den Proporz an- genommen, denn das Listenskrutinium sei ja das beste, altgewohnte Werkzeug des Majorzes, müsse daher auch das beste für den neuen Proporz sein. Es kam diesen Bourgeois gar nicht in den Sinn, daß es sich beim Proporz ja nicht darum handeln könne, wie beim Majorz, die Majorität zu wahren und leicht zum Ausdruck zu bringen, sondern daß es sich beim Proporz im Gegentheil nur darum handeln könne, die P r o p o r t i o n a l i t ä t, d. h. die ver- schiedenen Parteien, die Portionen, die Proportion zu wahren und und zum richtigen Ausdruck zu bringen, was aber mit dem Listen- skrutinium nur sehr mangelhaft, wohl aber mit dem Einer- Stimmrecht fix und fertig gebracht werden kann. Ter Raum erlaubt nicht, diesen Widersinn an Beispielen zu erhellen und auf die verschiedenen Proporze in den Kantonen näher einzutreten. Sic sind alle sehr komplizirt und für die Massen schwer verständlich. was natürlich die Gegner, die„Majorzianer", nach Kräften aus- benten, sodaß der Proporz in der Schweiz nur lang- und mühsam voran kommt. Bei einem Proporz, wo der Wähler 20, 30 und 40 g i l t i g e Stimmen abgeben kann oder auch nicht, können ganz kuriose Streiche gespielt werden. Solche Wahlkniffe sind auch schon praktizirt worden und werde» cs i» Zukunft immer mehr werden, leider zum Schaden des guten und gerechten Prinzips. Das Listenskrutinium läßt sich beim Proporz nur da leidlich ansführen. wo die Wahlkreise nicht zu groß sind, nur 3 bis 7 Vertreter zu wählen haben; und zwischen diese» Zahlen schwankt denn auch die übergroße Mehrzahl der schweizerischen Wahlkreise. Das haben die liordamerikanischen Bourgeois auch gleich herausdividirt: nur Wahlkreise von nicht mehr als 7, höchstens 9 Vertretern(not mors than 7 or 9 at rnost), wie der Hanplberichterstatter i» Earatoga ganz besonders betonte. Diese wollen von Wahlkreisen von 20, 30 und 40, wie i» Bern, Nene»- bürg und Genf nichts wissen, weil da gar leicht Konsusion entsteht, und gar arge Streiche gespielt werde» können. Aber das ist ja gerade der Hauptgrund— die Kleinheit der Wahlkreise—, der den Sozialdemokraten das nicht entivicklungssähige Proporz-Listenskrutinium unannehmbar macht, denn wir verfügen in diesen Wahlkreisen, besonders ans dem Lande, nicht über ei» Drittel, ja nicht einmal über ein Siebentel; diese Stimmen gehen daher für die gute Sache verloren, was nicht der Fall wäre bei große» Wahlkreisen von 30, 40 und noch mehr Vertreter» oder wenn das ganze Land einen Wahlkreis bildete. Es ist ja klar, daß man beim rechte» Proporz vor allem nach Vergrößerung der Wahlkreise und schließlich nach deren gänzlicher Abschaffnug streben soll, weil die wirkliche Wahlfreiheit des Wählers erst dann eintreten kann, wenn das ganze Wahlgcbiet eins ist.>vo alle Gleichgesinnten im ganzen Reich sich zusammenschließe» und ihre wirkliche Stärke zeige» können. Diese Forderung: Abschaffung der nur für Wahlzwecke aus- gezirkelten Wahlkreisordnnng ist auch eine wichtige politische Frage für die Sozialdemokratie; ist diese einmal in den Köpfen dn«, wird sie schon in absehbarer Zeit zur That werden. Aber das ist ja eben beim Listenskrutinium gar nicht möglich, weil cs schon seiner Natur nach beim Proporz eine reaktionäre Institution, eine Krähwinkelei ist, die nur in einer geivissen Sorte Wahlkreise leidlich arbeitet. Sobald es in die 20, 30, 40 Vertreter hineingeht, tritt Konfusion ein, und wenn man gar die Wahlkreise ganz abschaffen und aus dem ganze» Reich einen Wahlkreis formiren ivollte, ist das Listenskrutinium ganz und gar unbrauchbar und würde zum krassesten Unsinn führen, denn man niüßte ja dann jedem deutsche» Wähler bei Reichstags-Wnhlen 397 giltige Stimmen geben, die er ganz nach Willkür aus die verschiedenen Parteilisten verlheilen und vergeuden könnte. Natürlich verbietet ja schon die Logik und der gesunde Menschenverstand eine solche An- wendung des Listenskrutininms und führt ganz von selbst zum allein wahren Grundsatz, daß jeder Wähler mir cinc gütige Stimme haben kann: zum Eincr-Stimmrccht, d. h. zur Proporz-Ataschine, die i» alle» Proporz-Werkstätte», ob groß oder klein, mit derseibe» Präzision und Schnelligkeit arbeitet. Der englische Wahlreform-Berein vom Jahre 1363, an dessen Spitze auch mehrere Arbeiterführer der Trabes- Unions stände», stellte folgende vier Grundsätze, die schon 1859 von Thomas Hare des Um- ständlichsten beschrieben worden: „1. Es soll keine Z w a» g s Vereinigung der Wähler in be- sonders bestimmte» Wahlkreise» mehr gebe»; der Wähler soll die Hauptsache sein, nicht die Erdscholle, d. h. das ganze Land oder Wahlgebiet soll ei» einheitlicher Wahllrcis sei». Eine Wahleinheit (an slsotoral unit, a eonstitusne�) d. h. die gleiche Zahl vo» Wählern, welche über die Wahl eines Kandidaten sich verständigt haben, solle», wo immer sie im Vereinigten Königreich, in Groß- britannien und Irland wohne», das giecht habe», ein Mitglied ins Parlament zu senden; Ivo immer er sein möge, soll der Wähler de» gleichen Antheil an der politischen Macht habe»; so wird die Ein- richtung der freien Vereinigung auch in Sachen des politischen Lebens zur Geltung gebracht." „2. Jeder gewählte Kandidat soll eine bestimmte Zahl von Stimmen(damals für das englische Parlament etwa 3000") oder den ") Schon damals fand man: WaS eigentlich gesetzlich fixirt werden sollte, sei nicht die Zahl der Parlaments- Mitglieder(das sei za nur eine Konsequenz des Majorzes, d. h. der Wahlkreis-Eintheilung), sondern die Zahl der Stimme», d i e e i n Mitglied haben sollte, sei zu fixire»; daS fei die Konsequenz des Proporzes in einem einheittichen Wahlkreis. Seither be- hanptenvielenamhafteProporzkenner:„Wasvor derWahl fixirtworden, sei nicht die Zahl der Repräsentanten, sondern die Zahl der Votanten (Stimmenden), die zur Wahl eines Repräsentanten nölhig sei. Jeder Kandidat, der diese Zahl nicht erreiche, sei eben nicht gewählt." Das wäre freilich das beste, weil a l l e r e i n f a ch st e, denn dann fallen alle jene komplizirten Rechnungen des Onotienten-Systems, auch die berühmten des Belgiers Victor D'Houdt und anderer ganz weg; sür die Wahl- bureaus wäre es eine wahre Wohlthat, nnd der Wähler wüßte dann schon lange vor der Wahl, wenn mein Kandidat so und so viel Stimmen hat, z. B. in ganz Deutschland bei Reichstags- Wahlen 20 000 Stimmen, so ist er im Reichstag drin. Diese vor der Wahl gesetzlich bestimmte Stinnnenzahl— eine Durchschnittszahl aus frühere» Wahlergebnissen— würde je nach Bedürfniß und Wahl- betheiligung vom Parlament höher oder niedriger gestellt. Die jetzige Wnhl-Quolienten haben, was darüber ist, kommt einem andern, dem auf dem Stimmzettel nächstfolgenden Kandidaten zu gut." „3. Jeder Wähler soll nur einem Kandidaten giltig zustimmen könne»(sivKlo voting), darf aber als Evenlualstimmen mehrere Kandidaten und zwar in der Reihenfolge, wie sie ihm am liebsten sind(in bis orcker ok preference) auf seinen Slinnnzettel setzen, so daß, wenn seine Stimme nicht für den ersten auf seinem Slimmzettel gezählt werde» kann, weil dieser schon gewählt ist. er die Chance haben niüge(rnay have the chance), für de» Zweiten gezählt zu werde», und wenn auch dieser schon gewählt wäre, für de» Dritten, u. s. lv. gezählt würde(alcsrnativo voting)." „4. In einem Wahlgang soll alles abgemacht sei». Das englische Muster- Slimmzeltel- Formular enthält folgende Bemerkung: „Ich ivülische durch de» Kandidaten vertreten zu werden, dessen Namen ich als Nr. 1 auf die oberste Linie gesetzt habe. Sollte der- selbe aber sein Quantnn» Stimmen schon erhalten haben, bevor dieser mein Stimmzettel zur Verlesung oder Auszählung kommt, — oder wenn er die»öthige Zahl nicht bekommen sollte und daher nicht gewählt werden könnte(or rk bs sboulä fail to odtain a sufficient number, and tberefore cannot be elected)—, so verfüge ich, daß meine Stimme aus denjenigen übertragen werde. welche» ich als Nr. 2 auf die zweite Linie gesetzt habe, und unter denselben Bedingungen auf den Kandidaten Nr. 3 auf der dritten Linie u. s. w." Die Engländer geben dieser Art Stimmabgabe verschiedene Namen: E v e n t u a l st i m m e n, P r e f e r e n t i a l- V o t n m. Alternativ-, Subsidiär-, Substitut- Votum. Die Frauzoseil heißen diese» Slimmzeltel: LuIIetin uninominal avec Substituts, d. h, Einer- Slinunzettel mit Ersatzmännern. Die deutschen Sozialdemokraten haben die englische Methode noch wesentlich verbessert und vereinfacht. Es sollen nicht nur geschriebene, sondern auch gedruckte Slimmzeltel zugelassen werde». Es handle sich ja nicht um eine„Schreibübung", sondern darum, ob der Wähler mit einem vereinbarten Wahlvorschlage einverstanden sei. Wenn er das aber ist, so solle er auch den gedruckten Wahl- verschlag als Stimmzellel gebrauchen dürfen. Da aber Papier, Format nnd Farbe dieser Wahlzettel gewöhnlich auffallend ver- schieden seien, was nicht nur für den Wähler, sonder» ganz besonders auch für die Wahlbnreaus beim Sortiren sehr bequem wäre, so müßte zur Wahrung der geheimen Stimmabgabe jedem Wähler ein gleichartiger Ninschsag zugestellt werden, in weldzem der Wähler seinen gedruckten Stimmzettel verbergen könnte beim Einwerfen in die Wahlurne. 'Aber nidch nur die geschriebenen, auch die gedruckten Stimm- zettel könnten nach dem Vorschlage wegfallen, welchen Lieb- k n e ch t schon vor mehr als dreißig Jahren im„Deutschen Wochien- btatt" gemacht hat, nnd nach welchem ganz Deulschland nur einen Wahlkreis bilden, und nicht nach Personen, sonder»»ach Parteien (alleidii'gs mit Namensnennung aus den Wahllisten) gestimmt werden soll. Das gleiche lvill August Bebel(„Die Sozialdemokratie und das allgemeine Stimmrecht", 1895). Derselbe sagt da Seite 53: „D e r W ä h l e r stimmt bei dem P r o v o r t i o n a l s y st e m n i d; t m e h r s ü r eine b e st i in in t e Person, sondern für eine Parte i". Die deutsdie Sozialdemokratie wird schon das Ideal eines Proportional-Wahlsystems fertig bringen. „Aber." sagt Bebel i» der angeführten Schrift,„daS ist gerade der f ch iv e r w i e g e n d st e Grund für unsere h e r r s d; e n d e n K l a s s e n, es n i d> t z u>v o l l e n u» d m i t aller Kraft seiner Verwirklichung entgegenzutreten"._ Norrcfpondvttzrtt. Bern, Ende September.(Eig. Ber.) Im Nation alrathe erneuerte der Abgeordnete H ä b e r l i n seinen vor drei Jahren nad) Verwerfung des Zündhölzchen-Monopols gistellten nnd damals auch erbeblich erklärten, aber vom Bnndesrath bis heute»od, nicht auS- gesührtc» Antrag betreffend Verbot des Phosphors zur Zündhölzchen-Fabrikation. Er will aber auch den Gebrauch von Phosphor-Zündbölzchen verboten wissen und mit dieser Erweiterung möchte er das 1879 eingeführte und 1880 wieder außer Kraft gesetzte Gesetz wieder eingeführt haben. Bundesrath Lichenal lheille mit, daß die bezüglid,cn Vorarbeiten im Gange seien, übrigens auch die Zündhölzchensabrikation zurückgehe und andere Industrien Eingang finde», in denen die entlasse»»: Zündholzarbciter Beschäftigung erhalten. Ter Nationalrath stimmte dem Antrage neuerdings zu und wird selber nun dem Ständerath zugehen. Annahme fand and) das Postulat belreffend gesetzliche Regelung der Lohn- und A n st e l l u n g s v e r h ä l t n i s s e der eidgenössisdien Arbeiter, wozu unser Genosse W u l l s d, l e g e r in der früheren Kommisston für das Besoldnngs- gesetz die Anregung gegeben hatte. Der Referent A b e g g ermähnt eine Eingabe des Verbandes der Telephonarbeiter, worin darauf Hingelviesen wird, daß ihrer viele jahraus und jahrein, sei es als Vorarbeiter oder Monteure von der Telegraphenverwaltung be- schäftigt seien und einen gefährlichen Beruf haben. Sie wünschten den eidgenössisdien Angestellte» gleidigestellt zu sein. Eine gleiche Eingabe machte» der Kommission die Zlrbeiter der Militär- verivallung. Bnndesrath Müller erklärt namens des Bundes- raths die Annahme des Postulats, das ohne weitere Diskussion nngcnoininen wird. Im Kanton A a r g a u findet am 24. Oktober eine Volksabstimmung über zwei Gesetzes-Vor lagen statt, wovon die eine die Versicherung gegen FeuerS- g e f a h r und die andere eine Neuregelung deS Wirthschafts wesens bezweckt. Die Gebäudeversicherung ist bereits obligatorisch und nun soll es auch die Mobiliarversicherung werden. Dabei werden die Fninilienvorstände verpflichtet, auch daS Hab und Gut ihrer Arbeiter und Dienstboten mitzuverstchern, welche Verpflichtung auch für alle Unternehmer gilt. Ansgenommeii von der Versichernngspflicht sind Geld, WcrtHpapiere. Schmucksache». Eisenbahnen. Schisse. Sprengstoffe. Festhütten, Markt- und Schaubuden. So lange keine staatliche Ver- sicherungsanstalt errichtet wird, hat die Versicherung bei den privaten GeseNsd)aften zu geschehen, mit denen der RegierungSrath günstige Versicherungsbedingungen vereinbaren wird. Der Abschluß der Versicherungsverträge erfolgt unter behördlidzer Aufsicht. Die Durchführung des VersicherungSzwangeS obliegt den Gemeinde- behörden. Wenn ein Versicher»»gspflid)ligcr mit dem Abschluß der Versicherung säumt, so kann sie auf Kosten des Säumigen vom Ge- meinderath abgeschlossen werden. Es wird ein staatliches Ver- sid>ernngsalnt errichtet und von der Regierung sür möglichst kosten- lose Versicherung und Kontrollirung gesorgt. Für»ichtgezahlte Prämien kommt ziinädsst die Gemeinde auf und wen» sie voi: dem Pflichtigen auf dem Rechtswege die gezahlte Prämie nicht zurück- erhalte» kann, so wird sie ihr vom Staate vergütet. Man erwartet die bestimmte Annahme des Gesetzes, da hierfür auch die Hansbesitzer stimmen werden, welche Aussicht auf niedrigere Prämien erhalten.— fixe Zahl des Parlaments würde schivankend, waS ja nicht viel zn bedeuten hätte, ein paar Dutzend mehr oder weniger wäre wohl so ziemlich irrelevant, besonders wenn die Wahlperioden kurz wären, eine Jntegral-Erneuerung alle zwei oder drei Jahre vorgenommelr würde. Bei kleinen Verwaltnngskörpern, wie Rcgierungsrath, Stadtraih, Gemeinderath:c. müßte freilich das Quotientensyste»: beibehalten werden. Nu: die fixe Zahl der Ralhsmitglieder zu er- halten, dürfte die Methode der sukzessiven Herabsetzung des Quotienten zu empfehle» sein, wie sie in Thoinas Hare's Buch, 4 Edition, London, 1873: The Election of Eepresentatives, Parliamentary and Municipal; Anhang E, Seite 305, auseinandergesetzt ist. •CnJ Wirlhschnftkaesetz»erbietet die sogennnuien ttißiiißeiüiid)#» Wirlhschnften. will die Einsühriing der Bedlirfnißsrage, die Ein- führiliig der Polizeistunde»m Millernncht, Echliestung der Wirlh« schuften während dcs sonntägige» Vorinitina?- Gollesdienstes ze. Es verletzt so viel« Interessen, dnß seine Verwersung ziemlich sicher ist. Die schweizerische gemeinnützige Gesestschtift behändelie auf ihrer Generalversanunlnug in Lnzern die sür die Schweiz mit ihren 220 000 Zlnsländern so überani wichtige Bürger» r e ch t s s r a g e. Der Sieserent Dr. Buchet schilderte die in den letzten Jnhrzehnlen eingetretenen Berschiebnngen in der Zahl der Bürger in den Wohngemeinden. Im Jahre 1850 wohnten ans 1000 Schweizer Bürger noch 860 in den Heiinalhgemeinden. im Jahre 1368 Mos noch 480. I» den volkreichen Städten ist der Prozentsatz der Bürger bereits ans 80 »nd 20 herabgesunken. I» Zürich, St. Galle», Basel über- steigt die Zahl der Ausländer diejenige der O r t s b ü r g e r »nd daS sei ein ungesundes Berhältniß. Diese SlnSländ erhaben alle Beziehungen mit ihrer früheren Heimath abgebrochen und sich unseren Berhällnifsen angepaßt. DaS nützt aber alles»ichlS; stirbt der Vater, so wird seine Familie in die Heimalh desselben abgeschoben, die doch derselben vollständig fremd ist. Die Schweizer Bürger soülen nach zehnjährigem Aufenthalt in einer Ge nieinde von derselbe» unentgeltlich und obligatorisch, also unabhängig von ihrem Willen, anfgenomine» werden,»nd auch die Ausländer sollte man in gleicher Weise behandeln. I» diesem Sinne wurde auch beschlossen.— Bis jetzt kostet die Einbürgerung in der Schweiz dem Ausländer unhezn eln Bermögen, 600, 800 bis 1000 Fr. und darüber, so daß nur Besser siluirte sich uaturalisiren lasse» lönnen, die aber nicht immer eine» Gewinn sür die deinolrat.sche Republik bedeuten. Tie große Masse ausländischer Lohnarbeiter kommt viel- fach nicht in die Lage, sich einbürgern zu laste», und außerdem werden sie von mancher Gemeinde noch abgewiesen, wen» sie mehrere Kinder, aber kein Bermögen habe».— London, Ende Sepiember.(Eig. Ber.) In der Baum- w o l l e n- I n d»r st r i e kündigt sich ein Kampf an, der ans engerem Gebiet— Laueashire, sowie Theile von Cheshwe und Uorkshire— eine noch größere Zahl von Arbeitern auf's Pflaster bringen wird, als die Aussperrung der Maschine»- bauet. Daß die Vaumwollen-Jndustrie zur Zeit an gewalliger Ueberproduklion leidet, und daß ans dem Wollmarkt die Preise einen Stand erreicht haben, bei dem viele Fabriken unter den heutigen Verhältnissen»nr noch mit Verlust in Konkurrenz treten könne», untersteht keinem Ziveifel, und angesichts der fast überall a e st i e g e n e» B r o t p r e i s e ist an eine baldige Steigerung der Nachfrage kaum zu denken. Und nun kommt der alle Streit zwischen Arbeitern und Unternehmern über die Gegenmaßregeln gegen diesen Zustand in schärferer Form als je zum Ausbruch. Bisher machte sich die Sache gewöhnlich so, daß die Fabrikanle» Herabsetzungen der Löhne, die Arbeiter aber Einschränkung der Pro- dnktion vorschlugen, die Fabrikanten auf ihrem Willen bestanden, die Arbeiter darauf in Ausstand traten, der sich so lange hinzog, bis der Markt entlastet war»nd Friede geschlossen werden konnte. Jetzt aber erklären die Fabrikanten, daß es mit der bloßen Ein- schränkung der Produktion absolut nicht gethan sei, die Lage de? Weltinarkics gebiete unbedingt Verbilligung der Produktion und die sei»nr noch möglich durch Herabsetzung der Löhne. In der Weberei ist man zuerst vorgegangen. In Black bnrn, C l i t h e r o e, Nelson wird schon gegen Lohn red tiklionen gestreikt, in Bnrnley steht ein Streik wegen Zahlung von Löhnen unter dem Tarif vor der Thür, nnd in ganz Laueashire rüstet sich der zwischen 80000 und 90000 Mitglieder zählendeBund derBereinigienWeber des Nordens zu einem hartnäckigen Widersland gegen die Absicht der F.ibrikaiite», nebe» E i n s ch r ä» k n n g der Produktion ans 40 Sinn- den die Woche 10 p C t. L o h n r e d» k l i o n diirchzusühren. Interessant ist, daß die Arbeiter, da in der Produktion Ersparnisse zur Zeit kanm möglich erscheinen, ihr Angenmert auf die jetzige Art des Marktverkehrs richte» und, wie dies kürzlich in einem Bericht der«Daily News" ausgeführt, de» Fabrikanlen zurufe», doch gefälligst znzusehe». ob sich nicht an den hohen Profiten der Kommissionäre sparen ließe, d. h. od nicht durch zweckmäßige Organisation des Absatzes ein Masse Unkoslen in Wegfall gebracht werden könnten, statt daß man sie, die Arbeiter, die Ungunst der Konkurrenzverhältnisse ans- baden lasse. Wie früher nnd heule»och Streits zur B e r v v l l l o in m- u u n g der P r o d n k t i o» s m a s ch i u e r i e gelrieben haben, so ist es nicht unmöglich, daß der Kamps diesmal z» Resormen in der Tistribulion führt. Inzwischen freilich werde» lecker die Ar- beiter in der einen oder nickern Fcim ge> öihigt werden, wochen- und vielleicht monatelang den Schinachlriemen enger zu ziehen. Inzwischen ist, wie der.Vorwärts" bereits mitgelhcill hat, auch die Nachricht eingelanfe», daß die Spinnereisabrikante» eine Lohn- rednktion angekündigt haben, und zwar ihre» lradilioiie-lle» Sah von ß pCt., der praktisch ans eine Sperre hinausläuft. So stehe» beide Zweige der Baumwollen- Industrie Englands inil ihren hundert- taufenden von Arbeitern vor einem bösen Winter. Unter diesen Urnständen werden sie die Nachrichten von de» S i e g e n d e r Li e g i e r n n g s l r u p p e n über die i n d i s ch< afghanischen Grenzvölker mit sehr nräinger Begeisterung lesen. Dcnn diese Siege kosten dcm indischen Budget ein ge- höriges Stück Geld» und da dasselbe durch die Folgen Pest und Hnngersnolh schwer gcnng belastet ist, rückt die sehnlichst er- wartete indische F i» a n z r e f o r in in immer weitere Ferne. Wie bekannt, haben bei der letzlen Parlaineniswahl die Trxlil- arbelter Laueashire» uiiler anderem deshalb konservativ gewählt, weil sie von der konservativen Regierung Maßregeln im Sinne der Toppelivährnng erwartete« und der Meiiiiing sind, daß bei dieser Laneashire in Asien bessere» Zlbsatz sür seine Gespinnste finde» werde als jetzt. Es hat sich aber schnell gezeigt, daß die Freunde der Doppel währnng in der jetzigen Regierung in hossnungsloser Minderheit sind, und so war die andere Alternative die Einsnhruiig der Goldwährung in Indien. Damit scheint es nun aber auch jetzt gute Wege zu habe». Lord Hamilto» hat mit genug Schivierigkeilen in Indien zu thnn, in» Lust zu verspüren, sie durch Währungsexperimenle noch zu steigern. Es ist schade, daß wir keine Nachwahl in Laneashire haben, sie würde eine iuleressanle Probe ans die politische Sliinmnng in dieser Graf- schaft ablegen, von der das bekannte Wort geht:„ivas Laneashire heute sagt, sagt England morgen."— AnS Rnstland- Ende September.(Eig. Ber.) Anfänge einer Arbeiterpresse t» R n ß l a n b. In de» im „Vorwärts' bereits genannten Rrbelterblällern, welche in Rußland geheim verbreitet wurden, sind in der letzlen Zeit zwei neue in Rußland selbst hergestellte und zwei nicht lilho- oder hello- graphirte, sondern gedruckte hinzugekommen, die„Arbeilerzeitnng" („Rabolschaja Gaseta") in russischer und die„Arbeilerstimme" In jüdischer Sprache. Die erste Nummer hat das Format ungefähr der.Gleichheil"(deS Organs der denlsche» sozialdemo- kratischen Frauen) und ist i» der„Bnchdrnckerei der rnssischen Sozialdemokraten' hergestellt. Tie erste Ninnmer der„Arbeitersliimiie", des Organs.einer Gruppe jüdischer Sozialdeinokraten in Ruß land'(der Heislcllnngsort dieses Blalles, wie auch des russischen ist unbekannt) ist in dem Formate eines kleineren zweiseitigen Tageblalles erschienen. Es ist geplant, dieses letzteren Blalt zweimal im Monat erscheine» zu lassen. Der ersten Nummer desselben ist nun auch, wie wir erfahren, nach kurzem Zwischenräume die Doppelnummer 2 nnd 3 gefolgt. Außer sehr inlercssanten Milheilungen über den Stand der Arbeilerbewegnng in verschiedenen Gegenden Rußlands(so z. B erfahren wir aus der„Arb. Zeitung" die uns bisher unbekannte TKatsache, daß am Nachmiltage des 1. Mai dieses Jahres ßI2 Arbeiter der Eisenbahn-Wcrkstälten in Kiew nicht zur Arbeit erschienen, sondern eine Feier außerhalb der Stadt veranstalteten, enthalten die Blätter unter andercm mich Artikel programmatischen Charakters. Beide BInller vertrete» die Ansicht, daß der wirthschaslliche Kalnpf der rnssischen Arbeiter gegen das Nnternehinerthnm. welcher zn ständigen Konflikten der Arbeiter init verschiedenen Organen der rnssischen Regierung führt, mit Nalnrnothwendigkeil in immer ivachsendem Maße das Erwachen und Erstarke» ihres politischen Bewußtseins, ihres Ber- langenS nach politischen Rechte« zur Folge haben wird, nnd beide Blätter betrachten eZ als ihre Aufgabe. zur Slärknng des Klassen- bcwiißtseins der Arbeiter nnd zur Beschleunigung der Enlwickclung dcs poliiischen Vewnßlscins bei ihnen beiznlrngc». Wie weit in einzelnen Gegenden die Enlivickelnng dcS Selbst- bemußlseinS der Arbeiter in Rußland schon vorgeschritten ist. können wir an? der in hohem Grade erfreulichen Thalsache schließen, daß nicht nur die Jniliative zum E> scheine» der.Arbeiterflimine' von de» Arbeitern onsglng. sondern daß die Arbeiter selbst auch ohne jedwede Milivirknng der sogenannte»„Jnlelligenz" sie geschrieben und gedruckt haben. Unter unbeschreiblich schwierigen Verhältnissen muß die Her- stellnng und BerbreiUing der genannte» Biälter vor sich gehen und als Anfänge— wenn auch uolhgedrungen bescheidene— einer russischen Arbeiterpresse verdienen sie unsere lebhafteste Anerkenunlig. Das Bedürfnis nach Information nnd Ausklärnna über wirihschastliche »nd politische Fragen ist bei de» vorgeschrittenen Arbeitern Rußlands so groß, daß sicherlich, wie schwer die Opfer, welche die Aufrecht- erballung einer geheimen Arbeiterpresse verlangen wird, auch sein u ög», unsere rnfsisch n Genossen sie ol.ne Zcudcr» bringen werden. Sir>v-?)ork, im September. Der bekannt« Mr. Alt- gelt, die zum neuesten Regiernngswechsel Gonvernenr des Staates Illinois, hat bei Gelegenheit des dies- malige»„Labor Day" in Philadelphia eine Siede gehalten, die i» Amerika lebhast beachtet worden ist. vom„Phila- delphia Tageblatt" z. B. ein.nationales Ereigniß" genannt wird. Ter amerikanische Labor Day ist bekaniillich eine Art Surrogat sür den I. Mai und ist den Arbeitern von den herrschenden Parteien als Ersatz für diese» ansoltroyirt worden. Die Arbeiter si- d nicht entzückt von diesem Feiertag, aber er wird doch i» viele» Slädlen du ich Aufzüge, Pikniks tc. gefeiert, zninal an diescm Tage, dem ersten Montag im S pteinber, sämintliche Fabriken. Bi»ea»e ee. geschlossen bleiben müssen. An diesem Tage hielt nun der Ex- gonvernenr Altgell im Washington Park zn Philadelphia vor den ver- sammellen Mitgliedern der United Labor Leagne eine stark arbeit erfreundliche, sozusagen staatssozialistliche Rede, in der er als sei» Programm unter anderem„Uebernahme von Bergwerken, Eisen- bahne», Telegraphen durch den Staat und Betrieb der Pferdebahnen, Gas- rn d Wasseravlagen ze. durch die Siädle" ausstellt. Das sind allerdings Tinge, die i» Europa vielfach täi gst durchgeführt sind, in Amerika aber, wo alles durch kapitalistische Geselllchasien betrieben wird, doch ziemlich weitgehende Forderungen darstelle». Die Kapitalisten sollen nach Allgeil's Vorschlag durch verzinsliche Bons ausbezahlt werden. In der Spezialansgabe einer Zeitung zum Labor Day schreibt derselbe Herr:„Wenn die Arbeiter- klnsse von Amerika nur ein paar Jahre znsaunnenhalte» wollte, so könnte sie der Gesetzgebung ein Ende machen. welche das amerikanische Volk ausraubt, um die Trusts zn mästen; könnte sie Berhältiilsien ei» Ziel setzen, unter denen ehr- lich«, detriebsame Menschen hilfloser als Sklaven werden; könnte sie einen neuen Himmel sür die Zilklinft ihrer Kinder errichien." Wenn man bedenkt, daß Mr. Allgelt bisher.Demokrat' im amerikanische» Sinne war, eines der angesehensten Politiker isfci und jahrelang Gonvernenr einer der größten amerikanische» Staaten war, so sind diese seine sozialpolitischen Ansichle» sicherlich sehr beachtenswerlh. Das umso mehr, als man vielfach glaubt, Me. Allgelt werde noch eine bedeutende Rolle in der amerikanische» Politik spielen.— San LoniS(Argentinien), Anfangs Cepleinber.(Eig. Ver.) Argentinien bestrebt sich, eine neue Riefenmileihe zu erheben. Die großen Bankiers in Europa glauben, daß die vor zehn Jahren so surchlbar geleimten G o g o s(betrogene Kleinkapilalisten) ihre ihnen durch argentinische Bonds verursachten Schmerzen nun wohl ver- gessen haben möchten. Nachdem sie die Papiere wieder an sieh gebracht haben, als die Kurse ans 80 und 40 standen, treiben die Finanziers nun dieselben wieder möglichst hoch und lassen die Zahlnngssähigkeit der argentinischen Regierung laut ausznposannen, um die Gogos wiedernm zn leimen. Das ist aber alles eitel Schwindel. Allerdings hat der Kongreß die Wiederaufnahme des Schulden- dienstes der Nalionalanleihen(nicht der Provinzialschnlden) an- geordnet, nnd sie werden wohl auch während zweier vder dreier Halbjahre bezahlt werde», aber nur, damit der nachsolgende Krach um so größer werde. Argentinien ist dann total bankrott»nd trotz des fnrchlbaren Slenerdruckes gar nicht im stände, seinen Verpflichtungen nach- zukommen. Tie Nationalschuld beläuft sich ans über 200 Millionen Pesos Gold(a 4 M.) nnd 600 Millionen Pesos Papier(a 1,33 M. etwa). Die Provinzialschnlden auf über l45 Millionen Pesos Gold, und zahllose Millionen in Papier. Tie Toialsninme der Bndgete beträgt jährlich mehr als 200 Millionen Pesos Papier,»nd die Defizite steigen von Jahr zu Jahr. Tieselben betragen seit 1890 mehr als 54 Millionen Gold. Alle diese Mißstände werden dem Publikum möglichst verschwiegen, nin die dummen Gogos in Europa wie 1386 bis 1889 aus den Leim zn locken. Dazu werde» über Argentiniens Reichihümer die kolossalsten Lügeiiberichle veröffentlicht, gerade wie vor zehn Jahren. Di« Ber- öffeiillichuiig über die neueste Volkszählung von 1895 ist eine elende Fälschung von ¥l bis Z. Die Publikationen des statistischen Amtes werden heflig in der Presse angegriffen, und deren Falschheit nachgewiesen. Nur die Viehzucht, welche in den Händen der Großgrundbesitzer liegt, giebt hier ausgezeichnete NesnIIale. Ter Ackerbau leidet schivcr unter der großen IVregeluiäßigkeit deS KlimaS, nnd durch die Heuschrecken, die ungeheueren Schaden verursachen. Seit drei Jahren waren die Ernten nur sehr ärmliche. In diesem Jahre envartet man aber eine sehr gute Ernte,— wenn bis dahin(November) die Heuschrecken ausbleiben. Was bezahlte Staalsgeologen von vorhandenen Kohlen- und Erzreichlhümern berichtet habe», hat sich als reiner Hninbng herausgestellt. ArgenIinienS Bevölkerung ist sehr arm, und leibet schwer unter dem nnerträglichen Steuerdruck, der Beanckenwillknr, der diebischen Beriraltnng nnd den nnansgeseht belriebene» Kriegs- rüstungen, welche gegen die Nachbarrepnblik Chile gerichtet sind. Die Justizverwallung steht tief unter der türkischen. lieber das Erziehungswesen steht viel auf dem Papier. Tie dafür ai'gesetzten Gelder stehlen die Beamten meistenlheils. es giebt Piovinzen, i» denen man de» Sehullehrer» das Gehalt seit 15 und 17 Monale» schuldet. Ans den Gymnasien werden SlaalZzengnisse an Subjekte'verliehen, die nie te» Unterricht besucht haben,— wenn sie mir die Geldmittel besitzen, die der Schwindel kostet, nnd aus den Universilälen geht eS nicht viel besser zu; daher denn die hiesigen Doktoren nnd Ingenieure, die sich gegenseitig in drolligster Weise beireihränchern, nnglanblieh unwissende Menschen sind. Es herrscht hier ein ByzanliniSmus, wie er wohl nirgends in so ekelhafter Weile sich breit macht. DaS Günstlmgswese» und die Katzbuckelei sind die bezeichnenden Charakterzüge der hiesigen Gesellschaft. Dabei treibt die KriegSparlei mit gllen Kräften auf de» Krieg mit Chile hin. Angeblich wegen Grenzfrage», in Wahrheit, weil unsere patriotischen lenow-notbirixs(NichtSwisjer) Chiles im Kampfe gegen Pein und Bolivia eifochlene» Lorbeeien beneiden. Der AnSbrnch deS Krieges ist lediglieh eine Frage der Zeih Beide Länder rüsten über ihre Kuifle hinaus, wobei Chile den Voriheil hat. viel besser verwaltet zu sein, und ein aufgeklärleres Bürgerlhum zu besitz». Bei de» Argentiniern ist alles nur Schein nnd Renorninage— Parure inib Gloriole— hinler welcher Niehls als Halbheit und Nnivissenheil steckt. Slrbeilslose Mensehen giebt es hier zn vielen Tausenden, und der Ltanckarä oklike(die LebenshallUng) ist im allgemeüien ein eulsehlich niedriger. Die Industrie ist sehr rückständig nnd der Arbeiterstand überaus ungebildet. Nur ganz arme und nrnviffende Italiener»ander» hier in nennenswerlher Zahl ein, meist Neapolitaner. Daher ist auch die Arbeiterbewegung, trotz eifriger und mühe- voller Agitation immer noch eine»nbedeickenbe. Die europäischen Kleinkapitalisi?» haben alle Ursache, auf ihrer H»! zn sein, um nicht auf die Lockungen der groneu Finanzhaistsche hui ins Gar» zn gehen. Trotz aller Parure»nd Gloriole ist Argentinien total bankrott, absolut zahlnngSnnfähig. keiierstem" Festsäle Alte Jakoltslrasse 75. Ol-oaao nud kleine Sille zu YersammliiDgen unontgeltlioli, sowie zu Sommer- u.Wintorfesthoh- keiten b. kulanten Bedinguiigen. Relclilmlttlge Abcndknvtc isu nolid. l'relDcn. Pllncncr und BUtasow-Bler.* JB\ � c Ii 1 o t e 9 SchulMr. 06, empsichlt allen Freunden seinen »enrenovirte» Saal, 300 Personen fassend, zu Versaimulmigen und Festlichketten.— Berelnszinliiier, b0 Pees. sassend, mit Piaiilno. 2348P* GesollscliaftsliiUis SN'tiicinniiderstr.42(alte Nr. SS) jeden Sonntag! M ii. Theattt-Mßtlsnnß. Empfehle meine Säle(250 it. 700 Personen fassend) sowie VereinSziiiuner zn Festlichleiten und Bersainmlimgen. 298 U!» Hübucr. 95 Bernauerstrasse 95, 2 Vereinsztnliner zu vergeben. Zahl- stellen. Jeden Sonntag Morgeiisprache. Sonnabends: Gänsc-NuSsplele» au dem Billard. sSGSL'I M.«wald. StobaMInnsiti-. 39. 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Charlottcnbnrg: Kaiser-Friedrichstr. 48.— Potsdam: Bäckerstrabe 7.— Vom 1. Oktober ab auch Schöneberg: Hauptstr. 129.__"3592. Verantwortlicher Nedakteur: Rnflnst Jacobe« i» Berlin. Für Ben Jnserateutheil verantivortlich: Th. Vloike in Berlin. Druck und Verlag von Max Tading in Berlin. ii Liv,. z. Ktilm i>ts„Wmilrli" KMer DMU. li-i 814( 76 179( 9 723( 6 445( 62 804) 73 173} 8 998) 5 508) AvbeikcvvrvlieilfttiNebettttVevgbau im Itthve 1890. lieber bie im Bergbau geznhlle« Arbcüslöhn«»nb erzielten Ar- beltSieistliugen giebt ber„Reichs> Anzeiger" ein« Zusanuneiislellniig. ber wir solgenbes entiiebiiieii: Die mittlere Zahl ber im Bergbau beschäftigte» Arbeitet betrug im Jatne 1896 in Preußen(einschließlich der zeitweilig wegen Krankbeit ober aus anderen Ursache» feiernden, aber ausschließlich der Beamten und sonstigen dauernd zur Aussicht verwendeten Personen) 344 417 gegen 331 520 im Vor jähre. Stach den einzelnen Kategorie» verlheitie sich diese Arbeiter zahl wie folgt: 183 256(im Vorjahr« 181 087) unterirdisch beschäftigte eigenlliche Bergarbeiter, sonstige unterirdische Arbeiter, über Tag beschäftigte Strbeiter, ans schließlich der jugendlichen und weiblichen. jugendliche männliche Arbeiter unter 16 Jahren, weibliche Arbeiter. Unter den jngendliche» männlichen Arbeitern befanden sich nur wenige im Alter von unter 14 Jahren. Der iveitaus größte Theil der jugendlichen männliche» Arbeiter wurde über Tage beschäftigt Eine umfangreiche Verwendung derselben unter Tage(704 im Jahre 1396) fand nur beim Mansfelder Knpferschiefer-Bergbau statt Von den 5445 Arbeiterinnen, welehe die Belegschaftslisten aufweisen beschäftigte allein der Steinkohlen» Bergbau in Oberschlesien 3929 während beim ganzen staatlichen Bergbau weibliche Arbeitskräfte überhaupt nicht verwendet wurden. Die Zahl der jugendlichen weiblichen Arbeiter erreichte übrigens— zuni Unterschied von den jugendlichen männlichen Arbeitern— nur beim Erzbergbau (Anfbereitungsanstalten) des Ober-BergamtSbezirks Bonn einige Bedeutung und betrug überhaupt in den hier in betracht kommende» Bergbmibezirken im Durchschnitt des Jahres 1396: beim Stein- kohleii-Bergbau in Oberschlesien 36, beim Braunkohlen-Bergbau des Bezirks Halle 6, beim siegen- nassanischen Erzbergbau 164, beim sonstigen rechtsrheinischen Erzbergbau des Ober- Bergamts dezirks Bonn 47 und beim linksrheinischen Erzbergbau dieses Bezirks 10. Die Schichtdauer einschließlich der Ein« und Ausfahrt und der Ruhepausen überstieg für die Mehrheit der unterirdischen Beleg schaft beim Steinkohlen-BergbaulO Stunden nicht. Nur in Oberschlesien hatte noch ein großer Theil zwölfstündige Schichten Aus dein Dortmunder Bezirk sind nur die Grenzwerthe initgetheilt. zwischen deue» die Schichtdauer schwankte: im allgemeinen währte die Schicht 3, bei beschwerlichen Arbeiten aber nur 6 Stunden ohne Ein» und Ausfahrt(zusammen meist rund eine Stunde). Beint Brau»kohlen-Bergbau betrug die Schichtdaner durchschnittlich 11,6 Stunden. Die wirkliche Arbeitszeit belief sich im all gemeinen noch nicht auf 10 Stunden. Beim Er,-Bergbau schwankte die Schichtdauer unter Tage zwischen 8,3 und 11,1 Stunden. Im großen und ganzen hat die Schichtdaner der Arbeiter unter Tage wie derjenigen über Tage gegen daS Vorjahr leine wesentliche Veränderung erfahren. Eine solche trat nur für die jugendlichen männlichen Arbeiter beim Cteinkohlen-Berg bau in Oberschlefien ein. Während nämlich im Vorjahre 36,3 pCt. dieser Arbeiter auf 8 Stunden. 43,4 pCt. auf 10 Stunden und 20,3 pCt. auf 12 Stunden beschäftigt wurden, hatten im Berichts jähre nur 21,3 pCt. eine achtstündige, dagegen 48,4 pCt. eine zehm stündige und 30,3 pCt. eine zwölfstündige Schicht. Dabei stieg die Zahl dieser Arbeiter von 276 auf 361. Die I a h r e s» A r b e i t e r l e i st u n g hat im Jahre 1896 in den Hanptbezirken des Stein kohlen-Bergbaues wiederum eine Zunahm« erfahren. Nach einem Vergleiche mit den, Vorjahre stieg die Leistung pro Kopf der Belegschaft in Ober fchlesien von 343 auf 359, in Niederschlesien von 217 auf 221, in Dortmund von 274 auf 236 und in Saarbrücken von 226 auf 233 Tonnen. Auch die Leistung auf 1 Schicht hat im Jahre 1896 in allen Be jirlei, zugenommen. Die Zahl der von 1 Arbeiter im ganzen Jahre verfahreren Schichten stieg in Oberschlesien von 275 im Vorjahre aus 280 im Jahre 1896, i» Niederschlesie» von 303 auf 305, im Dort- munder Bezirk von 303 auf 313 und in den Staals-Bergwerken bei Saarbrücken von 283 auf 294. Das Jahreseinkommen aller im preußischen Bergbau be schäftigten Arbeiter betrug im ganze» 310 093 316 M.(im Vorjahre 281085 331 M. und im Jahre 1894 275 568 683 M) Es mag hier gleich darauf Hingewiese» werden, daß nach diesen Angaben der Mehrverdienst der Arbeiter in, wesentlichen erzielt wurde durch eine erhöhte Leistung der Arbeiter in der einzelne» Schicht und durch die Erhöhung der Zahl der Schichten, die auf den einzelnen Arbeiter entfallen. Die niedrigsten Löhne wies, wie schon in den Vorjahren, der Erz- bergbau ans, bei den, der Neinverdienst nur für die 13137 unterirdifch beschäftigten Arbeiter in Siegen-Nassau im Durchschnitt 300 M, über- stieg(809 M. pro Kopf oder 2,77 M, pro Schicht), abgesehen von, Mansfelder Kupserschieser-Bergbau, bei dem die 9332 unterirdisch beschästigten Bergarbeiter, ebenso wie die 8923 beim Braunkohlen- Bergbau im Ober- Bergamtsbezirk Halle, durchschnittlich 883 M.(d.i. 2,95 M, pro Schicht) verdiente». Der Jahresverdienst der weibl, Arbeiter schwankte zwischen 246 M. bei 274 verfahrenen Arbeitsschichten (d, i. 0,90 M. pro Schicht) in Obevschlesie», wo beim Sleinlohlen- Bergbau 3929'Arbeiterinnen beschäftigt wurden, und 412 M.(für 382 Arbeiterinnen) bei 293 verfahrenen Arbeitsschichten(d. i, 1,40 M. pro Schicht) beim Braunkohle»- Bergbau des Ober- Bergauitsbejirks Halle,— Tie hier angegebene» Zahle» für die Löhne verstehe» sich nach Abzug aller Siebentosten(wie der Beiträge für die Versiche-nng gegen die Folgen von Krank- heit, Alter, Invalidität und Tod, der Koste» für Arbeils-Gezäh. Eprengmittel und Eeleuchte), Ebensowenig ist in den mitgetheilten Lohnziffern der Werth der den Arbeitern durch die Wecke zu theil gewordenen w i r t h s ch a f t 1 i ch e n Beihilfen enthalten, welche vornehmlich in Gestalt von Ackerland, Wohnung und verschiedene» Deputate»(namentlich Broitornznlage») gewährt werden, und deren Wctlh in, Jahre 1896 z.B. beim Steinkohlenbergbau in Niederschlesie» durchschnittlich 7.1 Pf. auf 1 Arbeitsschicht oder Lt. 65 M. für jede» Arbeiter im ganze» Jahre, bei Aachen 7 Pf., j» Oberschlesien rund 6 Ps., beim staatlichen Erzbergbau am Oberharz 3 Pf. ans eine Schicht betrug. Zum Scbluß sei den Lvhnverhnltnissen der Bergarbeiter noch das Einkoinme» der in den vorstehenden Ausführungen nicht berück- sichtigte» GrubenbeamUu(einschließlich der ständigen Aufseher, Oberhauer, Fahrhauer». s, w.) gegenübergestellt. Im Jahre 1896 betrug die durchschnittliche Zahl der Beamten 9817 gegen 9535 im Vorjahre und daS Netto-Einkommen stieg von 15 511 932 Jahre 1395 auf 16 385 671 im Jahre 1896. im Drv fvQttzöfislHv Grwcrkschofts� NongveH. Pari?, 27. September. Vom 20,— 23, September tagte in Toulouse der dritte Jahres- kongreß der„Konsöderatiou der Arbeit", jener Organisation, die da- nach strebt, sämmtliche Gewerkschafle» ohne Unterschied der politische» Richtung wieder zu vereinigen, nachdem auf dein allgeu'.eincn Gewerkschasts-Kongreß von Nantes(1894) die Frage deZ Generalstreiks eine Spaltung zwischen den ans dem Boden der Arbeiterpartei(GtieSdisten) stehenden und den übrigen Gewerkschaften verursacht hatte. Nach den vor- liegenden summarischen Berichten zu»rtheilen, scheint die Konföderation seit dem vorjährigen Kongreß nicht unerhebliche Fort- schritte gemacht zu haben. Die Zahl der vertretenen Organi- sationen(einzelne Gewerkschaften, Gewerkschafts- Verbände und Arbeitsbörsen) ist von 1029 ans über 1300 gestiegen, Indirekt zeugt für die wachsend« Bedeutung der Konföde- cation die Thatsache, daß die nicht zu ihr gehörenden Gewerk- schaften weder im Vorjahre noch in diesem Jahre einen Kongreß haben abhalten können. Andererseits hat freilich die Konföderation bisher ihre eigene Thätigkeit nur in der Abhaltung von Kongreffen kundgegeben. Auch beschäftigte man sich in Toulouse wiederum mit Statutenänderungen, Gnerard. der allemaniftische Leiter der Eisenbahner- Gewerkschaft, schlug ein radikales Mittel vor, um der Koiiföderation wirkliches Leben einzuhauchen: die einzelnen Geiverkschasten sollten direkt, ohne Vermittelung der Verbände der Konföderation beitreten. Der Vor- schlag, der die selbständig« Existenz der Verbände vernichten würde. wurde mit großer Mehrheit abgelehnt und dem Kommissionsantrage gemäß beschlossen, daß die Konföderation außer den verschiedenen Lokal-, Landes-, Industrie- Zweigverbänden»nd der Föderation der Arbeitsbörsen nur solche einzeln« Gewerkschaften direkt uinfaffen soll. deren Verbände den Beitritt zur Konföderation ablehnen würden, oder solche, die keinem Verbände angehören, Ferner wurde der alte Be- schluß nochmals wiederholt, daß keine gewerkschaftliche Organisation irgend einer politischen Parteiorganisation beitreten darf. Bei der organisatorischen Zersplitterung der politischen Arbeiterbewegung Frankreichs ist dieser Beschluß die unerläßliche Vorbedingung der gewerkschaftlichen Einigung des Proletariats, Dagegen wird der Generalstreik, dieser spezisische Glaubensartikel der allemanistischen Richtung, von den Leitern der Konföderation nicht als etn Hinderniß der Einigung betrachtet. So beschloß denn auch der Kongreß von Toulouse, daß die Konföderation für den Generalstreik Propaganda zu machen hat, Tie zum zweiten Mal verhandelte Frage eineS gewerkschaftlichen Tageblattes hat insofern einen Schritt vor- wärts gethan, als der Kongreß einen ausführlichen Gründungs- plan genehmigte. Es sollen 2000 zinslos» Aktie» zu l00 Franks ausgegeben werden, welch« nur von Gewerkschaften und Arbeitergenossenschaften erworben werden könnten. Vor Erscheinen des Blattes müßten wenigstens 100 000 Franks für die Aktien eingezahlt und 10 000 Franks an dreimonatlichen Abonnements- geldern«ingegangen fein bezw 160 000 und 6000 Franks, Ob aber der Plan zur Ausführung kommt, das ist angesichts des in den Gewerkschaften verbreitete» Geldmangels sehr fraglich. Daher erübrigt sich vorläufig die Wiedergabe der weiteren Einzelheiten des Gründungsplanes. Tie B o y k o 1 1- Frage wurde erledigt durch eine Resolution, in welcher der Boykott empfohlen wird als Hilfsmittel bei ungünstig verlaufenden Streiks. In bezug auf die Altersversorgung sprach man sich aus gegen das System der unternehmerlichen Pensionskassen, Ferner beschloß man die Abschaffung der G e f ä n g n i ß- arbeit und des Z w i s ch e n m e i st e r t h n in s, sowie die Ein- richtnng einer A r d e i t s k a m m e r, deren Mitglieder von den Gewerkschaftskongressen zu ernennen sind. Ter Sitz der Konföderation bleibt in Paris, aber außerhalb der offiziellen Arbeitsbörje, um Scherereien seitens der Regierung zu vermeiden. Der Kongreß hat u. a. gegen das Vorgehen des Präfekten des Seine-Departemeiits protestirt, der den Telegirte» der Gewerkschaft der Pariser Kommunalarbeiter den Urtand verweigert hatte. Der nächste Kongreß ivird in Grenoble tage». Unmittelbar vor Eröffnung des Geiverkschastskongreffes hielt in Toulouse die„Nationale Föderation der Arbeitsbörsen" ihren eigenen Kongreß ab. Es betheiligten sich daran 24 Arbeitsbörsen. etwas mehr als die Hälfte sämnittieher Arbeitsbörsen. Ans den Verhandlunge» ist hervorzuheben die Debatte über die politische Aktion. Im Vorstand des Arbeitsbörsen- Verbandes fitzen nämlich anarchistisch angehauchte Elemente, so daß der Berichterstatter des Voistandes in seinen Jahresbericht eine» Satz gegen die politische Aktion einzuschmuggeln versuch! hat. Ter Kniff ist aber kläglich mißlungen. Die Mehrheit beschloß die Elreichung des Satzes und lud den Vorstand ei», künsüghin derartige Versuche, den AnarchicmuS durch eine Hmlertjjüre einzu- sühren, zu unterlassen._ Versantmluttgen. Im demokratischen„Berliner Arbciter-Vcrein" sprach am Donnerstag, den 23, Septbr, Dt. Moses übet das Thema:„Das Bürgerthum bei den nächsten Wahlen".— In der Tislussio» > heilten sämmtliche Redner die Hoffnung des Referenten, daß sich i» kürze ein fester Zusaminenschluß aller radikale» und soziale» demokratischen Elemenle des Voltes vollziehen niöge, um gemeinsam die Grundlagen für allen weiteren politische» und»virthschaftlichen Fortschritt zu schaffen. Jedoch wurde bezüglich der Wahle», bei denen ein Erfolg der Reaktion von vornherein ausgeschlossen sei, hervorgehoben, daß der kommende Reichstag noch mehr Aufgaben habe, als die Bekämpfung des Junkerthums, und daß in dieser Beziehung die Freisinnige VotkSpartei weder politisch noch wirih fchnsilich de» Anforderungen wahrer Demokratie genüge, ebenso wie sie nicht einträte für das allgemeine gleiche Wahlrecht für Koiiiinunalwahlen.— Der Referent erkannte in seinem Schlnßivort die Ausführungen der Diskussionsredner an. Er betonte, daß mit ihm zahlreiche Anhänger der Freisinnigen Volkspartei nicht starr an allen Forderunge» ihres Programms hingen, sondern weil darüber hinausginge» und verwahrte sich dagegen, daß man alle Freisinnigen für die Haltuiig der Partei bezw, ihr Programm ver- ankivortlich machen könne, er selbst sei auch für das allgemeine Wahlrecht für Konnnnnalwahlen. Er würde lieber einem Sozial- dcmokraten seine Stimme geben, als einem zweifelhaften Milgtiede einer eigene» Partei. Ter Vorsitzende. Gürtler Gansert gab seiner Freude Ausdruck, daß der Referent eigentlich ganz den Slandpunkt vertrete, den der Berliner Ardeiter-Verei» schon seit Jahren vertrete und der ihn zivang, ans der Freisinnigen Partei ansziitreten, weil er in derselben kein Enigegenkommen fand. Der Referent möge baz» beitragen, daß seine Anschauungen im freisinnige» Lager die herrschenden würde», dann würde er der Sache des Volles einen großen Dienst eriveisen. Eine für die in der Wäschcbranche beschäftigten Arbeiter lind Arbeiterinnen zum 23, September»ach Cchulze's Feftsälen, Slene Königstr. 7, einberufene öffentliche Versammlung war nur schwach besucht. Das in Aussicht genommene Referat Tr, Weyl's wurde deswegen von der Tagesordnung abgesetzt. Nach Enlgegennahnie des Berichtes des Telegirte» zur Gcweikschasis Kommission entsandte die Versainmlnng K o o p m a n n als Vertreter in die GewerkschaftS-Koin- Mission. Koopma n» regte hierauf die Vereinigungsfrage zwischen der Organisation der Wäschebrauche und deijenigen der Plätterinnen an; er lonfiatirte, daß es gegenwärtig Beschäfiignugslose in diesen Branchen nicht gäbe, daß man angesichts einer so überaus günstige» Konjunktur verpflichtet sei, gegen die zahllosen Mängel und Miß- tände in de» verschiedenen ülrbeitsstälte» energisch Front zu machen. rjierz» wäre aber als erste Borbedingung eine geeinte kräftige Or- gaiiisatio» nothwendig. Diese Anregung erschloß eine recht rege Debatte, i» der auch die Organisationssorm berührt wurde. Zu endgiltiger Beschlußfassung kam es nicht. Schließlich wurde der Hoffnung Ran», gegebe», daß bei beiderseitigem guten Willen recht bald eine Einigung zu erziele» sei. Tic Sattler und Tapczirer der Filiale Berlin I hielten am 26. September im Englischen Garten ihre regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab. Herr Dr. Chnsteller hielt einen beifällig auf- genommene» Bortrag über:„Gefchlechlskrankheiten". I» der hterans folgenden Disknssion. welche eine sehr lebhafte war, wurden seitens des Referenten mehrere Fragen beantwortet. Unter Gewerkschaft- lichem kam das Ag'.latioiiskomitee mit Vorschlägen, wie es in nächster Zeit die Agitation zu betreiben gedenkt. Hieraus gab da? Ver- gnügiingstoinüee die Abrechnung von Mastenball und Dantpfer- parihie, Ersterer ergab einen Ueberschnß von 107,80 M., letztere 42,70 M, Dem Vergnngungstomilee wurde Decharge erlheilt. Zum Revisor wurde von der Filiale I Kollege Wolff geivählt. In einer öffentliche»»Zersammlutig der Färber, Appre- teure»nd Vcrufsgeuosfen. die am Sonntag, den 19. d. M., in Witke's Lokal, Andreasstr. 26 stallfand, reserirte Hübsch über: „Soziale Umwälzungen". AnlnüpfiNd hieran wurden von ver- schiede»«» Rednern" die lranrigen Verhältnisse in den Berliner Färbereien gefchilderl, In der Riedet'schen Färberei nnd Appretur, Köpmckerstraß«, werde bei einer Arbeitszeit von 94 Stunden ei» Wochenlohn von 20—21 M. erzielt. Ferner wurde gerügl. daß bei Bloch die Ueberstunden mit 25 Pf, und halbe Stunden garnicht bezahlt würde». Trotz dieser Mißstände und der großen Mühe, die sich einige Kollege» gebe», sei es bisher nicht möglich gewesen, diese Leute zur Oiganisntiou zu bewegen. Zum Vertraueusinann wurde F ö r st e r geivählt. Tie Modell- nnd Fabriktlschler hielten am Montag den 27. September eine Bra»che»versammU>ng im Vorstädtischen Kasino in der Ackerstraße ab, tu welcher Herr Ingenieur Krempe einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Unter Berbandsangelegen- heile» wurden die Kollegen S i a n g e n b e r g und Vogeler in die Werkstatl-Konlrollkomniifsion gewählt. Tie Zahlstelle deö Verbandes der Buchbinder hielt am 19. und 26, Sepumber Mitglicderversammlnngen ab In beiden Ver- sanimluilgen wurde verhandelt über die Herabsetzung der Verbands- beiträge, ivelche demnächst durch erne Urabftinnnung herbetgesiihrt werde» soll. Der Vorstand empfahl, für«inen Wochenbeitrag von 30 Pf, z» stimmen, Aus der Mitte der Versammlung wurde» jedoch auch Stimmen laut, die für Beibehaltung von 35 Ps. eintraten.— In der ersten Versammlung wurde das Andenken des verstorbenen Kollege» Franz Erl! in der üblichen Weise geehrt. Tie HandelshilfSarbeitcr hielten am 23, September eine öffentliche Versammlung ab. In dielen, Berufe bestehen bekanntlich zurzeit eine zentrale»nd eine lokale Richtung, Nach stundenlange»» Gezänk über die beste Organisationssorm und die vorliegenden persönliche» Differenzen, wurden Schnhmann und Schulzke als Delegirle zum Gewerlschaflstarlell gewählt. Zu Revisoren für die Vertrauensmänner werden Plötz, Harnisch und Brüschke gewählt. Tie Versammlung nimmt eine Resoiution an, die sich zu gnnsten des Zenlralverbandes ausspricht. Tic Freie Vereinigung selbständiger Barbiere, Friseure:c. beschloß, mit den organisirien hiesige» Gehilse» eine» gemein- s a m e n Arbeitsnachweis z» gründe». Als Kandidat für den Nachweisvorsteher-Posten wurde E ch r o 1 1 e bestimmt. Ueber den Kongreß gab Kappe Bericht, welcher angenommen wurde. Ferner wurde beschlossen, auch in diesem Winter eine Fachschule zu errichten und wurden zu Fachschullehrern Borges und Niesebel ge- wählt. Endlich wurde der Antrag angenommen, von jetzt an alle Vierteljahre die Mitgliederliste im„Vorwärts" zu verössenllichen. In der letzten MoliatSversammlung deS Vereins der graphischen Arbeiter Teutschlands reserirte nach Verlesung von 27 neuaiifgeiiomnienen Mitgliedern Herr Wagner übet„Volksbildung und Klassentninpf", Der Borsitzende machte dann bekannt, daß die Urania für den 6, Februar nachmittags 2 Uhr gemielhet sei und die Brandenburger Konserenz die Erhöhung des Beitrages auf 40 Ps, beschlossen habe. Auch wurde allen Kollege» der Besuch der Brauchenverfammlungen nnd ein lebhafteres Interesse für das graphische Kartell dringend empfohlen. Der AgitatioiiSverein für Groß-Lichterfelde-Lankwitz und Umgegend hicll am Sonnlag, den 27, Sep>euiber. im Lokale des Herrn Holz in Sudende seine ordentliche Generalvers ammlun g ad. Ans dem Bericht des Vorstandes geht hervor, daß es demselben, trotz aller Bemühungen, nicht gelungen ist, eni passendes Lokal für die Vereinsversammlungen zu erhalten; ieder Wirlh scheut die Maß- regelnngen der Polizei. Der Kassenbericht iveist eine Ein- nahm« mit Bestand vom Vorjahre von 193,11 M. auf, Ausgabe 113,20 M,. bleibt ein Bestand von 81,91 M. Mitgliederstand 67. Hiervon vertheilen sich ans die einzelnen Berus«: 23 Maurer. 12 Tischler, 9 Buchdrucker, 7 Arbeiter, 4 Metall- arbeiter, ZZirnrnerer, 2Schnslgießer, je 1 Maler, Barbier, Etereolypeur, Expedleut, Rohrleger, Dachdecker und Hausdiener. Der dritte Punkt der Tagesordnung. Vorstandswahl, ergab folgendes Resultat: P l ä t r i ch, erster, Wenzel, zweiler Borsitzender; L a b j» h n, erster, S e r n o w. ziveiler Schriftführer! Wronitzky, Kassirer: H ö h n e ck e. R a d v a n, Walker, L u b a s ch, Richter in Zehlendorf, BezirkSkassirer. Zu Revisoren wurden Schulz und K ii s f» e r gewählt. Die Paitcigcnoffcn von Stralan-RnmmelSburg hielten am 23, d. M, eine Bereinsversammlnng ab, in welcher Genosse tfa in macher einen Vortrag über„Die Sozialreform im heutigen lassenstaal" hielt. In der darauffolgende» Diskussion sprachen sämmtliche Redner im Sinne des Referenlen und verlangten un- bedingt, daß der a»s dein Papier stehende Arbeiterschutz auch end- lich in die That umgesetzt werde) Nachdem noch verschiedene Ver- einsangelegenheiten erledigt, wurde die Versammlung geschloffen. Pankow. Zum Zweck der B e s p r e ch u n g von Gemeinde» A n ge 1 e g e n h e i t e n fand hier am Dienstag, den 23. September, eine öffentliche Versammlung statt. Die Versammlung nahm vorher de» RechenschaslSbmchl vom letzten Soinmerfest(in Nieder-Schön- Hansen), welches mit einem Defizit von 27,45 M. abschließt, entgegen nnd beschäftigte sich dann mit G e m e i n d e- A» g e 1 e g e n heilen. Genosse H o f f m a n n empfiehlt sämmtliche seinerzeit vom hiesigen Arbeiterverein der Gemeindevertretung überwiesenen Anträge— be- treffend die Errichtung einer Volks- Bade- Anstalt, einer Turnhalle und von Bedürsniß- Anstalten für Männer nnd grauen— derselden aufs»ciie zn unterbreiten und bespricht dann die„urweltlichen" Zustände der hiesigen M ü h 1 e» st r a ß e. der Hauptstraße zwischen Bertin und Schönholz. Genosse Schocket weist darauf hin, daß tn unserem Ort häufig Scharlach und Diphtherie epidemisch auftreten, er sieht die Ursache dieser Erscheinung hanplsächlich in der mangelhaften Reinigung und Lüftung der Schulen nnd spricht die Ansicht aus, daß es unbedingt noth- ivendig ist, um diesen Umstand wenigstens zu mildern, Schuldiener anzn- stellen, welch« sich nur der Reinigung und Bedienung der Echnlen zn widmen und nicht, wie eS zn fein scheint, den größten Theil ihrer Zeit sich anderen Gemeinde- Arbeiten hnizrm gebe» haben. Genosse B i 1 z lheilt mit, daß neuerdings von der Geineindeverlretnng die niedrigste» Steuerzahler diS zu einer gewissen Grenze steuerfrei gemacht worden sind und somit ihr Wahlrecht, außer zun, Reichstag, verloren haben, Genosse E h l e r l hat im letzten dürren Sommer, als unsere Wafferleitung eine zeillang regelmäßig»achuüttagS versagte, mit Granen a» die Möglichkeit eines an einer oder mehreren Stelle» ausbrechende» Feuers nnd die Folgen des Wassermaitgels gedacht; er hält es für lvissenSwerth, zu erfahren, ob und ivelche Stellung die Gemeinde- Vertretung gegenüber einer etwaigen Wiederholung dieses Uebet- standes genommen hat oder zu nehme» gedenkt. Die Versainnilung beauftragt das Bureau(die Geuosscu Krause, Schocke! und Ehler!) alle hier vorgebrachten Anregungen zn Anträgen auszuarbeiten nnd dieselbe» einer demnächst abzuhaltenden öffentlichen Versamm- lung zn unterbreiten, von woher dieselben da»», wenn genehmigt, event. der Geineindevertrelung zugehen sollen. t Filz-Hüte tn größter Auswahl für Dame« Ärnder, gar- nirt u. ungarntrt zu anerkannt billtgen Preisen, auch Trauerhüte. W.A. Pßschke Berlln,1. Geschäft Lüszowstraße 30, 2. Geschäft Lützowstraße 39. Eigene Stroh- und Filzhut- Fabrik bei den Geschästsräuuten. Gegr. 1871. Fernspr. Amt VI. K34l. Kll lgsräiii H> denkbar größte Auswahl Win de«»euesten Mustern zu bekanntbillig. Preise», G R.SStS E xit 1, S bis 4 Fenster passend, bedentend unter Preis. Carl Scltloss, Waarenhaus„Sud-Ost". SS, Wienerstrasse SS, 1, Grünauerstr. 1. 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