Nr. 232, Ablnmrments-DedlngrnANl: «bonnement«-Pret» pränumerando: «ierleliährl. 3.30 Ml.,«nonall i.ioSDJT., «Scheulltch 28 Pfg. frei in» Hau». «Injctne Nummer 6 PIg. Sonntag». Nummer mit tlluftrtrter Sonntag». «ettage„Di- Neu- Welt' 10 Pfg. Post. «bonnement: SL0 Mark pro Quartal. Eingelragen in der Post-Zettung». Preisliste für 1397 unter Dr. 74S7. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich nufter Montag». _____ � � Veelinev VolKsblatt. 14. Jahrg. Die Instrtions-Grbilhr beträgt für die sechSgefpaltene«olonel- «eile oder deren Raum»0 Pfg., für verein»- und versammlungS-Anzetgen. sowie Arbettsmarkt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» l Uhr nachmittag» in der Slpeditlon abgegeben werden. Die Erpedtlion ist an Wochenlage» bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen dt» o Uhr vormittags geossnet. Fernsprecher: Amt l, Ar. IS0S, Delegramin- Adresse: «SotialdrmoKrat Srrltn". Dentralorgan der sozialdemokratischen gartet Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Ueuly-Straße 2. Dienstag» den 5. Giltober 1897. Kipedttion: SW. 19, Mettty-Strnße 8; Metvinv" Fovdevungen. Zur Frage der Maritieforderung theilen die„Berl. Pol. Nachr." mit, daß die betreffenden Gesetzesvorschläge, so- bald sie endgiltig festgestellt sein ivürde», im„Reichs-Auzeiger" veröffentlicht werden sollen,„um den Reichstagsmitgliedern Ge- legenheit zu geben, sich mit dem Inhalt der Vorlage vertraut zu machen, ehe noch dieselbe zur parlanientarischcn Verhandlniig gelangt." Das ist schon gut und erscheint so selbstverständlich, daß es nur bei den Gepflogenheiten, die sonst häufig bei Ein- bringnng von Gesetzentwürfen von der Regierung befolgt werden, besonderer Betonung bedarf. Wenn aber die genannte offiziöse Korrespondenz weiter in der Ausführung jener Absicht ein ivirk- sames Mittel erblickt, um„dem müssigen Gerede vom„Septennat" u. dcrgl. ein Ende zu machen," so wollen wir lieber ruhig abivarten, was da bescheert werden wird. Alle Anzeichen lassen erkennen, daß die bevorstehende Bcscheeerung den Beruhignngsversuchen völlig entsprechen wird, das heißt, daß sie, je mehr die Offiziösen jetzt zu beruhigen und die öffentliche Aufmerksamkeit abzulenken suchen, sich um so größer entpuppen wird. Wenn man jetzt das„Septennat", die Bewilligung der Kreuzer- und Panzerschisse auf Verrath, ableugnet, so kennt nian doch nun nur zu gut die Tirpitz'schen Pläne hinsichtlich der Kosteuhöhe. Und das„Septennat" scheint zu denjenigen Plänen der regierenden Kreise zu gehören, welche man, weil in der bevorstehenden Reichstagssession zu aussichtslos, zurückzustellen sich genöthigt siebt, um sie nach den nächsten Wahlen mit besserer Aussicht ans Erfolg vorzubringen. Schreibt doch die Münchener„Allg Ztg.", welche sich recht guter Verbindungen in Berlin rühmt „Alle Parteien, gerade auch jene, welche eine Aerslärkimg der Marine ernstlich wollen, iverdc» darauf bestehe», da? die Sepiennalsfrage, wenn sie vorgelegt wird, einem neue» Reichstag unterbreitet werde.... Mit der Forderung des Septennats soll man erst an den künftigen Reichstag herantreten ihn kann man dann vor ein Entweder— Oder stellen." Das deutsche Volk weiß, was eS von den Flottenpolitikern zu gewärtigen hat. Die Parteien, die vor den Wahlen sich ans den Tirpitz'schen 410 Millionen-Plan einlassen, würden nach den Wahlen alles erfüllen, was die abenteuerlichsten„Welt Politiker" verlangen, wären auch von neuem Steuern über Steuern dem Volke aufzuerlegen. Aber das Volk wird hoffend lich dafür sorge», daß von diesen Herren nicht viele in die gesetzgebende Versammlung hineingclangen!— politische Mvbeelrcht. Berlin, 4. Oktober. Der NeichSkanzlerZFiirst Hohenlohe hat nun seine sehr lang anSgedehnie» Ferien beendet. Ob er auch schon die Geschäfte über- noinmen hat, wisse» wir nicht. Sicher ist, dast Fürst Hohenlohe stets Anspruch erhoben hat, als Ehrenmann angesche» z» werden, deshalb zweifeln wir nicht, daß er mit vollem Eifer seine»eugestArkle» Kräfte anwende» wird, niu endlich seine beiden Versprechungen zu erfüllen: D i e Aufhebung des Verbots des In v e r b i n d u n g t r e t e n s d e r V e r e i» e n n d d i e O e f f e n t- lichkeit des Militär-Strasversahrens.— Die Ncnbildung deS MinisterininS in Slthcu ist vollendet. Es ist wie folgt zufammeugesetzt: Z a i in i s Präsidium und Ans wärtigcs, General S»> o l e» s k i Krieg, Oberst K o r p a s Inneres, Streit Finanzen, Toma» Justiz, Panagitopulo Unter richt, Kapitän Hndjikyriako Marine. Das neue Ministerium hat allgemein gute Anfnahme bei der Presse und der Bevölkerung gefunden. Nur Delyannis uud ein Thcil seines Anhanges hat sich gegen dasselbe erklärt. Diese Elellnngnahm« des ehemaligen Ministerpräsidenten hat ihn» jedoch die Sympathie selbst seiner Anhängerschaft zum große» Theil ver- scherzt. Es ist eine vollständige Spaltung innerhalb seiner Partei «ingetreten, eine große Gruppe— mau spricht von 35—40 Ab geordneten, ivill das neue Ministerium unterstützen. Es erscheint daher wahrscheinlich, daß die morgige Kainmersitzung ohne neue schwere Zwischenfälle verläuft und daß die Kammer die zum Abschluß der Friedeusbedingungen für die Regierung wüuschenswerthe Ver- tranenserklärnng abgeben wird. ZurFortführung der Friedensverhandlungen istFürstMaurokordato nach Konstanlinopel«ntsendel worden, wo�er früher schon Gesandter war. Die finanzielle» Fragen, die im Anschluß a» die Friedens- Präliminarien zu erledigen sind, dürften, wie eine Nachricht des „Daily Telegraph" aus Konstantinopel zeigt, noch leicht zu allerlei Häkeleien zwischen den Mächten führen. Nach dieser Meldung sind Rußland und Frankreich dahin überein- gekommen, daß, wenn die von Griechenland gebotene Sicher- heil nicht genüge, sie sich an einer internationalen Garantie bethciligen müßten, da daS sonst von einer anderen Macht allein geschehen könnte. De» russische» und französischen Mitglieder» der Kommission seien Sonderweisungen ertheilt, jede ge- Heime Abmachung zwischen der griechischen Regierung und Finanz- lenten zu verhindern, von denen man annehme, daß sie für England lhätig seien. Bemerkenswerth ist die folgende Meldung deS„Standard" ans Koustantinopel vom 2. d. Mts., wonach die Pforte nenerdingZ eine Note an die Mächte richtete, in welcher sie den früheren P rote st gegen dieU» Wirksamkeit des europäischen Protektorats über Kreta wiederholt und betont.— Englische Erfolge in Afrika. Im Sudan rücken die egyptisch- englischen Streitkräfte weiter südwärts vor, der Gegner zieht sich zurück. Nachdem die Truppen Osman Diama's schon vor einige» Woche» Berber freiwillig geräumt halte», sind sie jetzt, wie Londoner Depeschen nielde». weiter über den Atbara zurückgegangen. Damit ist der ganze Norden des ehemaligen egyptischen Sudan wieder in den Händen der Engländer. Weirn nun auch K a s s a l a, wie ver- «inbart ist, von deii Italienern geräumt wird, und es soll dies spätestens im Dezember dieses JahreS geschehen, so wird England gegen das Mahdireich auch von der östlichen Flanke aus kräftig vorstoßen können. Die mahdistischeu Truppen ziehen sich ans ihre Hauplstadt O m d n r m a» am Zu- sammenfluß des blauen»ud weißen Nil zurück. Doch ist kaum anzunehmen, daß es in diesem Jahre noch z» einer größeren ent- scheidenden Sluseinandersetzung zwischen de» Engländern und den „Derwischen" komme» wird. Um so weniger ist dies anzunehmen wenn die inneren Zwistigkeiten zwischen den einzelnen Stämmen aiif gegnerischer Seite weiter zunehmen, wie es der Fall zu sein scheint England darf die innere Auflösung deS alten Mahdireiches ruhig abwarte» und wird sich augenblicklich begnügen, seinen Einfluß weit nach dem Süden vorgeschoben zu habe». England hat dabei noch den Vortheil, daß es die Bclassnng seiner Truppen in Egypten gegenüber den europäischen Mächten bequem mit den fortdauernden kriegerischen Zuständen im Süden des Landes zu rechtfertigen i» der Lage ist. Bemerkenswerth sind ferner die Nachrichten, welche auS dem Innersten des dunklen Erdtheils, aus Uganda kommen und über Geschehnisse berichte», die sich bereits im Juli dieses Jahres ereignet haben. Die Truppen, welche in Menga, der Hauptstadt von Uganda (■nordwestlich vom Viktoria Nyansa-Sce)slntionirt sind, haben eine erfolg reiche Expedition gegen de» unbotmäßigen König Mwanga durchgeführt Die englische Streitmacht bestand aus 300 Sudanesen, 2 Maxim geschütze» und einer großen Anzahl Baganda; die Führung halte der Kommissar Terna». Mwanga wurde»ach anderthalbstüudigem. heftigen Kampfe geschlagen, die Verluste waren auf beiden Seite» schwere. Dle Bewegung, an deren Spitze Mwanga stand, hatte eine» ausgesprochen anlieuropäischen Charakter. Die englischen Truppen kehrte» darauf nach Menga zurück. Uganda ist bekanntlich von großer Wichiigkeit für die Eng länder, es verbindet die nordafrikanische Besitz- und Interessen sphäre Englands mit der südafrikanischen, es vermittelt den ge wältigen Weg von Kairo nach Kapstadt. So baut England sein großes asrikauisches Kolonialreich mit ebenso großer Schnelligkeit wie Beharrlichkeit weiter auS. Deutsches Reich. — Strafniederschlagung und Strafmilderun in Zoll- und St euer fachen. Ein königlicher Erla ermächtigt de» F i n a» z m i n i st e r, bei Zoll- und Sleuerkontra- venlione» Strafen einschließlich der Vertretnngsverbindlichkeiten, Ein ziehungen uud Werthsatzsnmme», sowie dieKostcn des Verfahrens niederzuschlage» oder zu mildern, und zivar dann, wenn die Strafen und Kosten durch gerichtliches rechtskräftiges E r k e n n t» i ß auferlegt sind. Diese Befugnisse kann der Finanz minister de» ihm unteistcllten Beamten übertragen; ferner kann in Zukunft der Finanzmiinster„im Wege der Nachsicht" die ver waltuugsseitige und die gerichtliche Strafvollstreckung bei Zuwider- Handlungen der bezeichneten Art aussetzen, sowie Straf- Unter. brechnng undSlraflheilung zngestatten. Ausgenommen bleiben Zuivider- Handlunge» gegen die Vorschriften über die Erhebung von Verkehrs- abgaben uud bei Ordnungsstrafe» gegen Beamte und Notare, welche sich bei ihrer Dienstverwallung einer Ueberlretung der Stenipel Vorschriften schuldig gemacht habe». Dieser Erlaß erkunert wieder lebhaft daran, daß die gesetz liche» Verhältnisse bei uns gestatte», den„Rechtsstaat" au allen Ecken und Enden zu durchbrechen. — Der ge maßregelte Ortsvorsteher Herr Schnitze ersucht uns um folgende Berichtigung, der wir gern Raum gebe». Iii dem Berichte über die Verhandlung vor dem Kreisnus schuß des Kreises Zauch-Belzig ist gesagt worden, Herr Sch. hätte sich bereit erklärt, sein möglichstes zu lhun,»m die Frau Palm aus seinem Hause zu entfernen, sobald er auf gruud des Miethsvertrages dazu in der Lage sein würde. Diese Mittheilnng beruhe jedoch auf einem Mißverständnisse.„Ich denke gar nicht daran, sagt die Zu- schrift des Herrn Sch., die Frau Palm aus ihrer derzeitigen Woh innig in meinem Hause zu vertreiben, da mir kein Gesetz bekannt ist, das die Sozialdemokratie für vogelfrei erklärt, uud da ich, selbst wenn ein derartiges Gesetz bestände, obgleich ich ein entschiedener Gegner der Sozialdemokratie, zur Ausübung derartiger barbarischer Gesehesbistimniungeii meinerseits nicht mitwirken würde/ Der Fall hat also, wie wir von Anfang an wünscht««, einen durch ans prinzipielle» Charakter gewonnen. Ist es eine Ueberschreituug der Amtspflicht, wenn ein Beamter an einen Sozialdemokrateii eine Wohnung vermielhel? Die„Nalional-Zeitung" erwidert noch der„Krenz-Zeitung" auf ihre Vertheidigung des Zauch- Belziger Kreisausschuß- Entscheides folgendes: „Das Belziger Urtheil geht von der Voraussetzung einer staat- lichen Vervehmung der Sozialdemokraten aus, eine Voraussetzung, die nicht einmal während des Bestehens des Sozialistengesetzes be- rechtigt war, jetzt aber vollends willkürlich ist und deshalb bei weiterer Zuspitzung der politischen Kämpfe beliebig auch egen andere Parteien angewendet werden könnte; wir oben daran erinnert, daß man zu einer Zeit, welche dem Gedächtniß der älteren Generation noch nicht entschivunden ist, das Mittel, unbequeme Leute obdachlos zu mache», in anderer Weise auch wider keineswegs sozialdemokratisch« Gegner reaktionärer Regie- rungen angewendet dal— selbstverständlich auch damals unter der Billigung der„Kreuzzeitung"..— — Chronik der Eisenbahn-Unfälle. Die„Franks. Zeitung" meldet aus Straßburg: Gestern Morgen 5 Uhr fuhr im hiesige» Zentralbahnhoie infolge falscher Weichenstellung der von Mülhausen kommende Güterzug Nr. 707 A auf den zum Anslanfen bereilstehendeu Güterzug Str. 709. Eine Lokomotive und drei Wagen wurden stark beschädigt. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend. Der München-Berliiier Abend-Schnellzug überfuhr nahe der Station Eching bei Freising ein von München heiinkehreudes Fuhrwerk aus Günzenhansen. Zwei Personen, die auf dem Wagen saßen, wurde» so verstümmelt, daß ihre Körpertheile z»sa»iiiie»gelesen werde» inußlen. Die beiden Todlen sind Familienväter; einer hinterläßt sechs inimündige Kinder. In kurzer Zeit sind in der Nähe von Freising sechs Personen überfahren worden.— — Die Bäckereiverordnung ist nun auch für das Königreich Württemberg als zu recht bestehend anerkaiint. Ein Bäckermeister in Stuttgart halte im Auftrage des Bäckerverbandes die Bestinimungeii des BundesratheS angefochten, war in zwei In- stanzen verurtheilt worden und legte dagegen Revision ein. Das königl. Oberlandesgericht in Stuttgart, vor dem diese verhandelt wurde, verwarf aber alle gegen die Verordnung erhobenen Einwände und schloß sich vollends den Entscheidungen der Vorinstanzen a».— — Chronik der Majestätsbeleidigungs-Prozesse. Wegen Beleidigung der K a i s e r i n verurlheilte die L i e g n i tz e r Strafkaunner den Handschuhmacher R e i b k e zu zwei Monaten Ge- sängniß. Der Angeklagte soll eine beleidigende Aeußerung in bezug aus die gesunde Gesichtssarbe der Kaiserin gelhan haben.— Ungar». Budapest, 4. Oktober. Der Ministerrath beschloß, zur Linderung der Roth in Süd-Ungarn 60 000 Zentner Saalgetreide auslheilcn zu lassen und Nothstandsbauten auszuführen.— Dänemark. Kopenhagen, 4. Oktober. Der Reichstag ist heute eröffnet worden. Das bisherige Präsidium wurde wiedergewählt. Spanien. Madrid, 4. Oktober. Das neue liberale Kabinet unter Leitung Sa gast«'s wird heute definitiv konstituirt und sodann den Eid leisten. Die Unterhandlungen mit dem amerikanischen Gesandten wegen Kuba werde» dann sofort beginnen. Letzterer äußert sich mit keiner Silbe über die Lage; auch Sagasta beobachtet Stillschweigen über die spanisch-anierikanische Frage. Das neu- Kabinet ist wie folgt znsamniengesetzt: Sagasta Pra- sidium, Guyon Auswärtige Angelegenheiten. Roinero Giro» Justiz, General Correa Krieg, Contreadmiral Bermejo Marine, Lopez Pnigeerver Finanzen, Capdepon Inneres, Gras �iquena Arbeiten und Moret Kolonien. Rnsjland. — Streik in Dombrowa und wie die russische Regierung Streikende behandelt. Der in Katlowitz erscheinende„Oberschlesische Anzeiger" berichtet am 2. Oktober: „Zu argen Ansschreitungen ist es. wie wir erfahren, vorgestern Abend in dem nahe der Grenze gelegenen russischen Orte Dom« b r o w a gekommen' Wie wir bereits vor einigen Tagen berichtet habe», ist auf der„ H u t a b a n k o w a", welche einer Gesellschast von belgischen und französischen Kapitalisten gehört und in welcher auch ein Kattowitzcr, der Hüttenmeister Mäusel be- schästigt ist. ein Ausstand ausgebrochen, an wel- chem sämmtliche Arbeiter, 4500 Mann, belheiligt sind, Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind der Gendarmerie- Oberst auS Warschan und der Gouverneur auS Petrikau an dem Streikorte eingetroffen. Militär ist in großer Menge beordert worden. Vorgestern Abend kam es nun zu den erwähnten ernsten Ausschreitungen. Als die Menge mit Steinen auf das Militär warf, wurde der Befehl zum Fe n ergeben ertheilt. Hierbei wurden z w e i P e r s o u e n g e l ö d t c t und fünf s ch w e 2 verletzt. Von den Verletzten sollen einige gestorben sein. Durch einen Steinwurf wurde ein Rittmeister an der Stirn verletzt. Den Arbeitern ist gekündigt worden, und die- selben werden, wie wir weiter hören, von dem Militär „abgeschoben". Die Auszahlung des Lohnes erfolgt uuter militäri- scher Bewachung. Infolge des Streiks hat der Generalgouverneur Fürst Jmeritinsky seine Reise in das Sosnowicer Revier ausgegeben. Von dem Streik wird v e r»i u t h l i ch der g e s a m m t e russisch« polnischeJndustriebezirk betroffen werden. Gestern hat sich die Zinkhütte„Panlshütte" bei Zagorze dem Vorgehen der Arbeiter der Huta baukowa angeschlossen. Auf der Hütte, welche der von Krainsta'schen Gewerkschaft gehört, sind gestern 400 Mann in den A u s st a ii d getreten. Militär ist auch dorthin ab» gesandt worden." Neber die Ursachen dieses Streiks wird u»S noch auch Kattowitz gemeldet: Der Grund diese? Streiks ist ebenso wie bei demjenigen der Niffkner Kohlengruben- Älrbeiter, von dem kürzlich berichtet wnrde. darin zu suchen, daß diese Leute, die Bergleute in Niffka und die Hüttenarbeiter in Dombrowa, seit 15 Jahren zu einer Betriebs- Uulerstützungskasse steuern, doch nie Geld oder nur einen minimalen Betrag daraus erhielten. In Dombrowa bei den Arbeitern der Huta baukowa kHüttenbaiik-Gesellschaft) verbreitete sich nun das Gerücht, daß der Betrag de» gesanimelteii Geldes nur etwa 3000 Rubel betrage, sie verlaugten Rechenschaft, wo das Geld geblieben(man weiß ja. wie in Rußland unterschlagen und bestochen wird), erhielten jedoch keine Auskunft. Dazu kam die allgemein ungünstige Lage und so griffen diese bedürsnißlosen und katholisch frominen Arbeiter. die vor jedem Kruzifix in die Knie« sinken, zum Streik. Der Streik in Niffka ist zu gunsteu der Arbeiter beigelegt worden und zwar, wie man sagt, durch Vermittelung des Bischofs. Ob der Streik in Dombrowa ebenso schnell beigelegt werden wird, erscheint zweisel« hast; zahlreiche deutsche Arbeiter wurden ausgewiesen.— Türkei. Koustantinopel, 3. Oktober. Folgende Ernennungen werden amtlich bekannt gegeben: Präsident deS Rechnungshofes Tswsik Pascha zum Finauzminister, Fiuanzniintster Nazis Pascha zum Generaldirektor der Zollämter, Hassan Fehmi zum Präsidenten deS RechuungshoseS.— Der frühere Souschef im Generalstabe v. d. Goltz Pascha erhielt die goldene Liakatmedaille.— Im Vilajet Ueskueb sollen bulgarische Bauden aufgetaucht sein.— Slfien. Bombay, 4. Oktober. Unter der Anklage, da? Mitglied deZ Pestansschusies Rand durch einen Schuß schwer verwundet uud den Lieutenant Dyerst am 22. Juni bei Poouah erschossen zu haben, ist ei» Individuum verhastet worden. Auf die Entdeckung der Mörder war eine Belohnung von 10 000 Rupien ausgesetzt.— Afrika. Algier, 3. Oktober. Auf einem hiesigen Kirchhose kam es z» a n t i s e»i i l i s cb e n A u s s ch r e i t u n g e n. Gendarmerie und Truppen trieben die Ruhestörer auseinander; die Polizei verhaftete 18 Personen, zwei Personen wurden schwer verletzt. Die Ruhe ist wieder hergestellt.— Amerika. — AuS Brasilien liegen Telegramme vor, denen zufolge kürzlich bei Canudos heftige, verschiedene Tage andauernde Kämpfe taltgefunden habe». Die Verluste aus beiden Seiten seien be« deutende gewesen. Es wäre den NegierungStruppe» nicht geglückt, den sesten Platz der Faualiler zu nehmen.— Pavfnfaa fccu sozwldrmokvntilrszett Prttlvi Drtttf»s)lnttds. Fortsetzung«us der I. Beilage. gemacht hadc», doch erst 45 pCt. der Verlraueusleute eS für»öthig geHalle» hadc», ctue» Bericht einzusenden,(Hört, hört!) Leider herrscht noch vielfach die Unsitte, daß die einzelnen Partei-Orte niöglichst hohe Betrüge für sich behalten und die Parleileitnng nicht in der Weis« unterstütze», wie es niünschens, verth und nöthia ist. Die Slnsführiliigen dcS Genossen Auer in bezng ans diesen Punkt, die er auf dein letzte» Parteitage gemacht hat, werde» ja»och in frischer Erinnerung sei»; daß sie genutzt haben, wage ich nicht zu behaupte»; anS den Berichte» geht gerade das Gegenteil hervor. Ich habe aus den vorliegenden Berichten LS Partei» Orte ansgen'lihlt, der»» Verhalte» geradezu typisch für die Masse der Partei-Orte ist. Diese LS Orte hallen eine Gesaininteiunahme von 149 1S0 Mark; daß es bessere »nd beste Orte sind, ergicot sich daraus, daß die durchschnittliche Jahreseinnahme 6000 M. beträgt. Von diesen I49I80 M. sind an die Parteileitung»»r 10 025 M. abgeführt, das übrige ist am Ort geblieben. Wesentlich anders wird das Bild. wenn wir von den LS Orlen drei abziehen. Die dann übrig bleibende» 22 Orte haben insgesammt eine Einnahme von I2Z023M.; es kommt also auf jede» Ort dnrchschmltlich eine Jahreseinnahme von 6550 M. Wenn die Parteigenossen nach dem ModuS die Partel- Einnahme» vertheilt hätten, daß sie die Hunderle der Parteikasse überwiese» hätten, so wäre daS ja allerdings schon sehr zu tadeln gewesen; aber die Parleikasse würde dann doch immer noch 12 100 Mark erhalten haben. Statt dessen aber wurden die 550 Mark»ochuinls gelheilt, die Parteikasse bekam 224 Mark, während die Wahlkreise 626 Mark behielten. Darnach blieben also im Besitz jedes einzelnen Wahlkreises 5326 M., und ins- gesammt behielten die 22 Wahlkreise 117 096 M. und lieferten nur 4925 M. ab. Es sind darunter auch noch wieder Partei-Orte mit Jahreseinnahmen von 13 000 M. und einem Kassenbesland von 8000 M., denen selbst diese 224 M noch als ein zu großes Opfer erschienen und die gar nichts ablieferten.(Linse: Namen nennen!) Ich komme noch darauf. Dagegen kann daS Verhalle» einer ganzen Anzahl anderer Orte nicht genug gelobt werden, ich nenne»nr Berlin, Barnren, Elberfeld, Görlitz. Gera, Hannover, Stettin und einige kleinere Orte. Selbst die armen Weber in» Eulengebirge und unser« Genossen in M e»» e l, die bofli ihr Geld gewiß brauchen könne», sind von dem Gedanken durchdrungen, daß auch sie eine» Thcil an die Parleikasse abzusühren haben. S o k a n n e S nicht weiter gehen. Es ist n i ch t z u v e r- antworte», daß Ort« mit hohe» Einnahmen, die sehr große Summen für sich behalten, die Diäten für ihre Reichslags-Abgeord. nete» sich von den armen Webern im Eulengebirg« zahlen lasse». Nameu zu nenne», werde ich mich wohliveislich hüte», den» wenn ich das thue, so haben wir diese Auskunft einmal erhalten und nicht wieder.(Heiterkeit.) Manche Vertraneusleute sind so klug, daß sie an den Stelle», Ivo die Ausknirft über ihre Einnahme» und Ausgaben gegeben werden soll, einen Strich hinmachen. Sie wollen damit sagen: Was wir einnehmen und ausgeben ist unsere Sache, danach habt Ihr nicht zu fragen.(Heiterkeit.) Auch hier»ruß Nemedur«iulrele». Vielleicht empsiehlt eS sich, in Jnkunst diese internen Dinge in einer geheimen Sitzung der Delegirlen gründlich durebzugeben. Grundverkehrt ist es, daß»eben der Zentralkasse die V«. trauensleute auch noch für sich so viel übrig beHallen, da ja dann nuser Bericht kein annäherndes Bild mehr von der Thäligkeil der Partei giebt. Die Berlranensleute haben nach den eingegangenen Berichte» 74 900 M. für sich beHallen; außerdem haben sie lediglich für lokale Agitation 115 571 M,, für Unlerslntznngcn— darunter allerdings große Summen für den Hamburger Streik-- 68 093 M., für Prozesse 12 077 Mk.. für die Presse 10 723 M. verausgabt, so daß nach dem vorliegenden Material die Ausgaben der Vertrauens- lente 176 469 M. betragen. Und dabei wird niemand be- Haupts» können, daß die Parteileitung jemals einen Antrag ani Bewilligung von Geldern zu agitatorischen Zwecken abgelehut hat Bei den nächsten Wahlen werden ganz gewaltige Ltusorderungeu an die Parteikasse gestellt werden; dort wo wir den Wahlkamps bisher mit Hunderten geführt haben, sind jetzt Tauscnde nölhig; die Gegner machen größere Anstrengungen, und wenn unsere Genossen erst einmal in» Wahlkamps siehe», so kann'es wieder vorkommen, daß uns für einen einzigen Vortrag 50 Mark in Stechuimg gesetzt werden. Unter allen Umstände» hat jeder Parteiort die Pflicht, alles n u r i r g«» d w>» v e r f ü g b a r« G« l d d e r Z e» l r al k a s s e zu übersenden. Dort wird die Veriheilting vorgenommen werden und kein Anlaß zu Klage» wird vorkommen. Wir alle wissen, was ans dem Spiele sieht bei de» nächsten Wahlen. Sorgen Sie dafür, daß der Partei- kassirer nicht blos um Geld antelcgraphirt und nachle nm 2 Uhr ans dem Bett« geholt wird,«r solle»nr rasch Geld schicke»(Heilerkeil). sondern senden Sie Geld nach der Zentralkasse, damit von dort ans der befruchtende Goldregen inS Land geht und die Agilaiion kräftig gesördert wird. Dann werden wir alle mit dem Liesuilal der»ächslen Beichstagswahle» zufrieden sein.(Bravo!) Meister- Hannover erstattet im Anschluß daran den Bericht der Kotttiollenre.(Punkt 2 der Tageso- di uug.) Bezüglich der Kasseiifllhruug der Parletleiltlng liegt kein Anlaü ,n einem Monilum vor. Auch die Kassensnhru--g der Buchhandlung Vorwärts war stets prompt und exakt; wir können den dort angestellten Parteigenossen nur unsere» Dank und unsere Anerkennung aussprechen. Ich bean- trage, der gesawmte» Parleileitnng Decharg« zu ertheilen. Die Diskussion über die beiden erste» Punkle der Tagesordnung erstreckt sich zunächst auf die Gruppe: Allgemeines, Agitation»nd Wahlen. Dabei werden die bezüglichen Anträge mit verhandelt/) Die Begründung der Anträge soll im Laufe der Diskussion erfolge». I a h n- S>ernberg: Der Piinlt Agitation wird bei den bevorstehenden!)ie>chslagSivahle» inr uns von ganz besonderer Bedeulniig fei». Das wird vornehmlich auch in den ländlichen Bezirken der Fall sein. Deshalb bitte ich den Parteitag, dem Slutrag 67 der Genossen von Cnlbe» Aschcrsleben Beachtung z» schenken, da die Erörterung der Agrarfrage in letzter Zeit etwas ins Glocken geralhen ist. Di« Agitation in den ländlichen Kreisen ist etwas schwersällig. Es wird vielfach Klag« gesührt über die Auswahl der Nedner, die ans Berlin in die länd- lichen Kreis» geschickt werden, die mit den ländlichen Berhälinissen nicht vertraut sind und mit dem Landmann nicht zu reden verstehen. Eine gute Auslese ist hier durchaus nölhig. Ich bitte Sie, die bezüglichen Anträge anzunehmen. G r« t n e r- AscheiSleben: Unser Antrag ans Ausnahme der Abschaffung der Gesinde- Ordnung in die Agitation ist für unseren zum größten lheil ländlichen Wahlkreis nur Bedürfniß; wir dürfe» diesen Punkt von der Tagesordnung nicht verschwinden lasten. Wir habe» unsere» NreiS bei der vorletzte» Wahl erkämpft nnv unser Kandidat hat damals Versprechungen gemacht, a» die er jetzt von seinen Wählern erinnert wird. Wenn auch Genosse Pfannkuch uns wenig Hoffnung gegeben hat, so ist es doch nothwendig, die Frage fortgesetzt lebendig zu hallen, nicht nur in der mündlichen Agitation, sondern auch in der Presse. Die abscheulichen Zustände unter der Gesinde« Ordnung müssen durch Mitlheilimg einzelner Fälle mehr als bisher in der Oeffentlichkeit gekennzeichnet werde». Bei dieser Gelegenheit möchte ich bitten, in Znknnst nicht, wie«S dieSinal geschehen ist, in dem Be> richt der Parleileilnng bei der Abrechnung über die für bestimmte Zweck« geleisteten Beiträge einzelne Orte besonders bervorzuheben, andere dagegen, die ihren Kräften entsprechend ebenfalls beigesteuert haben, gar nicht zu nennen. So ist zum Beispiel unter den Beiträgen für den Hamburger Streik Halbcrsladl fett gedruckt, AscherSleben dagegen gar nicht erwähnt. Sie wissen ja, wie die Gegner mit Verdächligunac» bei der Hand sind, wo wohl das Geld geblieben ist. Also entwever alle nenne» oder gar keinen. *) Dieselben finden sich bei der Abstinnnung mit den im Texte bezeichneten Nummer» angeführt. I Meyer- Magdeburg: Der Antrag 66 ist veranlaßt durch den Gedanken, daß«ine einheitlichere Agilaiion für die Arbeiisrnhe am 1. Mai und für den Achtstundentag entfaltet werden muß. K o l b- Karlsruhe: Obwohl die sozialdemokratische Partei an Agitationsstoff keinen Mangel hat, haben wir uns doch erlaubt, die Erörierung der E i s e n b a h n r e f o r in anzuregen. Die KmUrolle der Verwendung der Ueberschüsse, die der Eisenbahnsiskns macht, durch die Volksvertretung, reicht nicht an?. Ferner muß die Verbillignng und Vereinheitlichung des Personentarisks gefordert werden, Nedner sieht in der Eisenbahilresorm ein Agitationsmittel von un- geheurer Bedeutung. Auer: lieber die Anträge will ich kein Wort verlieren. Der Beweis, ob sie, wen» sie angenommen werden, auch ausgeführt werden können, wird beim nächsten Parteitag erst zu liefern sein. Alle diese Anträge enthalten nichts Neue?. Da wir eine Agitationspartei sind, so wird immer nach der einen oder anderen Richtung agilirt werren. Die bevorstehenden Reichs- tags- und Landtagswablen geben uns«in ergiebiges lilgitalionsseid. Bemerken will ich nur noch, daß eS mir bedenklich erscheint, wenn wir unS auf das Gebiet der Eisenbahnreforin begeben wollten, zumal doch von einer genügenden Fachausbildung bei den aller- wenigsten von uns die Rede sein kann.(Heiterkeit und Zustimmung.) Zum Wort habe ich mich»nr wegen deii Antrags 42 au« Breslau, ver die periodische Aeröffenilichung des VerzrichniffeS der Adressen sämmllicher Vertrauensleute ini„Vorwärts" verlangt. Ich möchte Sie dringend bilien, von der Annahme dieses Antrages abzusehen. (Sehr richtig!) Ich will nicht davon reden, daß wir mit einer solchen Liste lhatsächlich ein ProskriplionSverzeichniß(Sehr richtig!) unsercr Vertrauensleute schaffen würden— auch praktische Gründe spiccheu gegen de» Autrag. Er würde seinen Zweck gar nicht er- reichen. Es hapert mit der Richtigkeit der Berlranensmänner-Adressen. Vielleicht hilft die Strafpredigt, die wir heute gehört haben hie und da, aber ein« sichere List« läßt sich garuichl aufstelle», da unter den Vertrauensleuten«in beständiger Wechsel stallfiudet. Wenn die List« in die Hand der Interessenten käme, wäre sie schon lange nicht mehr richtig. Es giebt aber ei» sebr billige» Auskunflsmillel. Wenn die Parteigenossen die Adresse des Vertrauensmannes an irgend einem Orte erfahren wollen, so brauchen sie sich nur bei der geschästsfübrenden Stelle »ach der Adresse zu erkundigen. Dann wird dem Bedürsliiß abge- Holsen. Wenn unsere Genossen auch manchmal nicht die Adressen der VerlrauenSinänner der Rachbarschast kennen, so werden sie doch wohl hie Lldress« des Parlelvorstandes wissen.(Heilerleil.) H o s s m a n n- Berlin: Den Antrag 67«inpfehi« auch ich bringend. Ganz haarsträubende Dinge werden in der Press« mit- getheilt, tiotzdem beißt es in den» Bericht der Parteileituiig: Ein besonderer Anlaß, eine gegen dicGesinde-Ordnnngeii gerichleleAgilation zu entsallen. lag nickt vor. Ich meine, so lange Eozialdemolratie und Gesinde-Ordnung eristirle, lag jedesmal ein'Anlaß vor. Tann betreffs der Buchhandlung Vorwärts. Es wird immer gellagt, daß sie nicht so geht, wie wir es zu«rivarten haben. Diesmal ist in dem Bericht auck von einer Privatspeknlation literarischer Freibeuter die Rede, die in sogenannter Parteiliteratnr nach dem Grundsätze: Billig und schlecht arbciie. In letzter Zeil ist es Silte geworden, bei Erscheinen eines neuen Katalogs der Buchhandlung Vorwärts zu sagen, daß das die Rnütschnur sein soll für das. was die Genossen für ihre Forlbildung lesen solle«. Leider wird aber für diejenigen nicht gesorgt, die erst Genossen werden sollen; man muß den Trieb in Sirbeiterlreisen. eigene Gedanken zu Papier zu bringen, unterstützen, statt ihn niederzuschlagen. Wir werden beim Punkt Presse daraus noch kommen. Aber«inS ist uolhivendig: Solange in dem Katalog auch Schriften ans einem anderen Verlage anfaenommen werden, muß irgend ein« Kommission oder der Parle» vorstand die E> lschcidnng darüber haben, was in de» Katalog hineinkommt und was nicht; es darf aber nicht eine einzelne Person über Zulassung oder Abweisung entscheiden. Ich könnte Fälle anführen, wo eine Schrift in den Katalog ansge- »oimne» war mit dem Vermerk:„bestens empsohlen für die Land, agilalion", die dann nach kurzer Zeil aus dem Katalog verschwand, wo von Schundliteratur die Rede war, und diejenige», die diese» Ausdruck brauchten, dieselbe„Schnndliteraiur" ohne Namensnennnng des VcrfasseiS in ihrem Blatte nachdruckte», ja ohne den Verfasser nm Erlaubnist zu fragen, sie i» sreiude Sprache» übersetzten und Heransgaben. Da muß doch eine Instanz sein; sonst haben wir«ine Zensnrbebörde, die den Genossen dillirt, was sie zu lesen haben und inas nickt. Hoch» Hanau: In dem Geschäftsbericht vermisse ich, was die Parleileilnng gethan hat. um den Auftrag des Breslauer Partei- tage» in Sache» der Agrarfrage— Sannulung agrarpolilischer Schriften der sozialdemokratischen Partei DenlschiaudS— auszuiühren. Auf die lauge Bank darf die Sacke unler keinen Umstünden ge- schoben werde» Hat es sich herausgestellt, daß es auf dem Wege, den der Breslaner Parteilag beseUosseil hat, nicht weiter geht, werden wir einen anderen Weg anfinche» müssen. Wird keine be- friedigeude Anskunsl eriheill, so werde ick beanlragen, die Partei- leilung zu beauftragen, durch geeignete Genossen einen agrarischen Programln-Ettlwnrf anSaibeiien und mit Erlänurnnge» versehe» zu lassen, diesen bald zu veröffentlichen und auf die Tagesordnung des nächsten Parleiiages zu setzen. Enoas muß jetenfalls geschehen Der Antrag 42 ist unausführbar. B r u h u s- Breslau: Von den Gründen, die Auer gegen unseren Antrag bezüglich der Veröffentlichung der Adressen der Verlranens« p-rsvnen vorgebracht hat, könnte ick? höchstens den ciiicn als stichhaltig ansehen, den er aus d>i» schnellen Wechsel der Personen hergeleitet hat. Eine Proskriptioi slisie branchl ans der Aeiöffentlicknng der Adresse» nickt zu werden. Es inun der Unfug beseitigt werde», da» zweisclhafte Eleinenle, die ans irgend welche Art, sogar durck Diebstahl, sich in den Besitz von Lcgitimalionepapieren gesetzt haben, sich an Be:- lranenspersone» herandrängen. Erst Anslunft von der Pnrlci- leitnng in Hamburg zu holen, würde nichts nützen, da sie zu spät kommen wurde, um die Parteigenossen in den einzelnen Orten nor Schaden zu bewahre». Unseren Antrag, der die Answendnng größerer Miuel für die Agitalion im oberschlcsiichen Ind. striegediel verlangt, bitte ich ebensaU» anzunehmen. Für Ober- schlesien kann man schon eine Ausnahme machen, weil es da ganz abnorm« Verhälmisse sind. Wir bellten ja nicht daran, daß Tauiend« ansgeivendet werden, aber es muß dafür pesorgi weide», die ickwieiig« Personenfrage zu lösen. Wir müssen Genossen für die AguaUon haben, die deutsch und polnisch sprechen. M o r a w S k i- Berlin: Noch viel mehr als für die Ngitailon auf dein Land« ist es für die Agitation in ten polnischen Bez-rlcn nothwendig, daß geeignete Kräfte ausgesucht werden. Die Art der ÄernianisirungSpolilit der Regierung agilirt tür u»S in guter Weise; wir benutzen daS und ha-en schon gute Erfolge erzielt. Da ist es aber nothwendig, daß die Redner, die die Agitation dort führen, beide Sprachen vollständig beherrschen. Ich hoffe, daß Sie den Antrag 41 annehmen. Es hat verbiiieit, daß man Kandidaten anfgeslellt hat, die die Sprache der Bevöllerung nicht verstehen. Das Zentrum geht darin ander« vor. B e s ch i» g- Bremen empfiehlt den Antrag 66. Die Genoffen sind nicht im stände, die dock so außerordenttich wichtig« Flotten- frage in der Agitation sachverslänbtg zu behandeln und die'Arbeiter ans dem Lanve anszukiären. Ans diesem Grunde ist die Heraus- gäbe eines besonderen Flugblails wünichenSwerth. B a e r e r- Harburg: Es muß viel mehr als bisher von den Paradepferde» der Partei, Lieblnecht, Bebel, Auer, agilirt werden. Früher, als die Partei noch klein war, hat unser verstorbener Hasenclever ganz ander? agilirt; jetzt wollen sie aber nicht in die kleine» Stadt« gehen. Auch ich niöckte die Parleitung er- suchen, in ihrem Bericht über die Streilbeiträge etwas objektiver zu verfahren. Harburg»nd Umgebung hat 17 000 für den Hnm- bnrger Streik gegeben. Lüneburg allein 5000, trotzdem ist eS iu der Aufzählung der Orte vollständig übergangen. Baudert- Apolda: Eine planmäßige Agitalion für Ab- schassnng der Gesinde-Ordnungen ist gerade jetzt«in dringendes Bednriniß. Diese Frag« wird die Parlamente iu der nächsten Zeit zweifellos beschäftigen; eS werden vielleicht Vorlage» sogar ans Verschärfung der Gesinde-Ordnnng kommen, und wir könnten die» selben Erfahrungen machen, wie mit der Vereinsvorlage. W i n d h o s f- Düsscldors empsiehlt den Antrag 82, der den Gedanlen des Eintrages 29 wiederholt und nur hinznsugt, daß das parlaineniarische Nachschlagebnch zum Selbstkostenpreis abgegeben werden soll. Tie Vorwärts-Buchbandlung verdient nämlich ein un- geheueres Geld an den Broschüren.(Heiterkeit.) Die Preise der Broschüren müssen so billig gestellt sein, daß auch die schlecht gestellte» Wahlkreise sie kaufen und verbreiten können. Liedner wendet sich gegen den Antrag aus Veröffentlichung der Verirauensmänner-Adressen. B a k e r-Hamburg begrüßt den Antrag 37. Gerade in Mecklen- bürg ist die Gesinde-Ordnnng außerordentlich rückständig. Ohne gerichtliches Verfahren werden dem Dienstbolen dort Geld- und Haflstrafen auferlegt. Der'Antrag 42 muß abgelehnt werden; für Mecklenburg wäre seine Annahme geradezu verhängnißvoll. Nach Mecklenburgischem Recht darf kein polnischer Verein gegründet werde»; aus der Liste würde sofort die Existenz eines solchen AereluS gefolgert werden. Zubeil: Wenn wir in ein« Agitation gegen die Gesinde- Ordnungen eintreten wollen, müssen wir sie zunächst kennen. Ich habe deshalb die Bitte an den Parteivorstand, daß er eine Zusammenstellung der Gesinde-Ordnungen DenlschiaudS heransgiebt und unseren Agitatoren zur Versügung stellt. Redner beläiiipst de» Antrag 42. Vor unlauteren Elementen kann sofort im„Vorwärts" gewarnt werden. Das parlamentarische Handbuch, das der Antrag 82 fordert, ist nothwendig. Eine große Parle!, wie die unsere, kann alle zwei Jahre ein eigenes Handbuch herausgeben. Tr Winter- Königshülle: Nach den Aussührungcn des Ge- noffen Rioraivsli könnte es den Anschein haben, als ob in Ober- schlesien ein Heller Streit zwiiche» polnischen und deutschen Sozial- demokraten entsacht ist. Das ist nicht der Fall, der ganze Streit daliit seil Psingste». In sechs auseinander folgenden Nummern der„Gazelta Robolnicza" wurden die deutschen Genosse» ver- däcktigt, ich selbst wurde als Spion und Spitzel hingestellt.(Hört! Hört!) Ich habe nichts gegen diese Verdächtigungen gethan, einmal weil die„Gazelta Üioboinicza" ein unbedcnlendes Blatt ist und sodann weil ich eine öffentliche Anseinandersetzung mit Morawski nicht wünschte. Ich habe an den Parteivorstand die Bitte gelichtet, die Sache beizulegen. DaS ist auch geschehen, aber Morawski hat sich nicht daran gekehrt. Daß die Llgitalio» in Ober- schlesien»nr von Polen belriebe» wird, ist nicht nölhig, selbst- verständlich brauchen wir auch polnische Agitator«», aber alte hervor» ragenden Parteigenosse» sind dort fast ausnahmslos Deutsche. Schade- Halle: Das sozialpolitische Handbuch von Dr. Lux ist veraltet und entbält auch sehr viel Mängel. Es empfiehlt sich daher Antrag 29. lleber der Landagitatio» darf die Agitation in den Städten, in de» Jndustriebezirlen nicht vernach- lässigt werden. Wir find», den Städten zu verlrauens- selig geworden(Sehr richtig!), und die Städte geben bei den Wahlen doch den Ausschlag. Antrag 76 sollte angenommen iverden. Klar- hett über die uferlosen Fioltenpläne besteht noch nicht. Bis zu den Wahlen dürfen nur nicht warte». K o h n ß- Essen: Antrag 42 ist vollkommen unannehmbar. Das wäre ein Futter für unsere Gegner. Unsere Verlrauensmänuer würden sofort geinnsiregelt und aus ihre» Wobnungen getrieben werden im Königreich Krupp.— Redner bellaat sich, daß Bebel und Auer nicht nach Essen gekommen seien, um dort Bersammlnngen ab» zuhalten. Frau Ei ch b o rn- Dresden: Die Redner, die anfs Land geben, müsse» wissen, mit welchen Verhältnisse» sie zu rechnen haben. Ganz besonders gilt das auch von der Gesinde-Ordnnng. Daher ersuche ich»m Znstiinmnng zu dem bezüglichen Antrage. Meist- Köln: Ein großer Theil der Genossen ist durch Berufs- gesckäfie verhindert, sich stets a»f dem Laufenden über die par'a- menlarischen Begebenhej.en der ganzen Legislaturperiode zu hallen. Darum rechne ich ans'Annahme des Antrags auf Herausgabe cine? parlamentarischen Handbuchs. Ihm müßte» i» einem Anhang die GcsetzeSanträge unserer Partei, die Ansnahine, die sie bei den anderen Parteien gefunden. und die wesentlichsten Ergebnisse der Diskussion darüber besonders beigefügt werden. So würde es einen großen praktische» Werth haben. Qicrinil ichließt die Vormiliags-Sitzung nm 1 Uhr. " 0* Tie gestern eingebracht- Syinpathieknndgebuug für die englischen Maschinenbauer ist in solgender Form vom Bureau telegraphlsch übermittelt n orden: Ter irr Harnbnrg vcrsarnmelte Parteitag der Sozial- demotrali« Teutschlands enlsciidet den um den Rchtstnndntag lümpsenden Maschinenbauern Englands seinen brüderlichen Gruß. D e Soziaidernolralie Teutschlands blickt mit Siolz ans die mnstergiltige geiverlschailliche Organisalio»,»>it der die Arbeiter des Maschinenfaches in England der starken Koalition ibres IInler»ehinertht»ns entgcgenzitlrelen wissen. Mit Gemig- tbrinng begrüßt der Parteitag die Thalsache, daß zum ersten Mate gewerkschasllich organisirte Arbeiter eines ganze» Gewerbes im tapilalistische» Mnsterstaale England den Achtstundentag als Kainpfparvle ansgegebe» haben. Der Parteilag der Sozialdemokratie DentschlandS verstchert deshalb die englische» Maschinenban-Arbeiler seiner wärmsten Sympalhie. Er betrachtet es als eine Pflicht der inlerrialionnle» Sozialdeinolralie, die englischen Maschinenbaner, als Vorlämpser des Achlsln»r>e»lngeZ, mit aller Kraft nicht nur»roralisch, sondern auch materiell zu unterst ritzen, und vor aller» dafür z» wirken, da» vom Festland« Enropa's und»ainenllich von Deutschland, während der Tauer des StreilS keine Metallarbeiter sich»».ch England begebe». Der Parteitag der deutsche» Sozialdemokratie wünscht den Matchinenbanein Englands baldige» imd vollständige» E.solg in ihrer» jnr die'Arbeiter aller Länder bedeutsame» Kampfe. Im Namen des Parteitages: Paul Singer. NachnrittagS-Sitzung. 6'/« Ubr. De» Vorsitz führt Singer. C gegangen ist ein Begrübuiigs» Telegramm der Hafenarbeiler und E.elenle Harnt urgs, die gleichzeitig dr» Dank ausspieche» für die Solidarität und Unterstützung der Ecnosseu nährend des Streik» 1896- 97. Bor Eintritt in die Tagesordnung erstattet 91 r o» s den Bericht der MandatsprüsringS-KommIsston. ES sind 2t3 Mandate von 183 Delegirlen eingereicht. Hiervon ko»»ten ohne weiteres 204 Mandat« r on 175 Teligirte» als vollkomme» richtig anegcslcllt betrachtet werden. Dies« von der Kommission nicht beanstandeten Mandate werden debattelos für gillig erklärt. A r o» s: Das Mandat von Schmalfeldt ist wahrscheinlich vom geschäfisfnhreirdeir Aneschuß vernichtet. Da Genosse Pfannkuch be- släligl, daß es richtig ausgestellt war, so beantragt die Komnrissio» die Giltigteilserklärmig. Der'Antrag wild ebenfalls ohne Debatte angenommen. 9lrons: Genosse Gerlach-Halberstadt für Wanzleben und Frau Greisenberg für Berlin haben ihre Mandate nicht mitgebracht. Die Kommission beantragt, daß diese Mandate, bis sie eingeltesert sind, nicht ausgeübt werde» dürfen. Singer: Es giebt noch einen anderen 9lusiveg. Wir können doch anfragen, ob einer der Delegirlen bestätige» kann, daß Gerlach alS Delegirter gewählt ist. Nachdem Bartels- Lübeck bestätigt hat, daß Gerlach ordnungs- mäßig gewählt ist und nachdem S i» g e r dieselbe Erllärnng für Frau Greisenberg abgegeben hat, werden beide Mandate für giltig erklärt. 9lronS: DaS Mandat von KempkenS(Mühlheim a. Rh.) ist mit dem Stempel des Verlranensruanns versehen, trägt aber keine UnUrschriit. Genosse Gilsbach aus Köln bestätigt, daß Kenipkens rechtmäßig gewühlt ist. Die Kommisston beantragt, auch die» Mandat für ungittig zu erklären u»d ven Genosse» zu beauftrage», sich ei» gilliges Mandat zu verschaffen. Wir sind zu diesem Entschluß gelommc», weil wir wollen, daß bei der Nusslcllung der Mcivd�e ordm»'gS>i'Asj!ger verfahren nnrd� Ich l'U'eUasse es aber dun Alnsitzeiide», eine» Zlulrag ju stellen. (Heilerkeit.) Singer: Ta,» habe ich keine Veranlassung. Ich stelle de» Antrag der Kommission znr Debatte. Gilsbach- Köln bittet, das Mandat für giltig zu erklären, da Kernpken's ordmmgsmäpig gewählt sei. Morgen werde eine Bescheinigung, die telegraphisch nachgesucht sei, vorliegen. P f a» n k u ch theill mit, daß Keiupkens ordnnngsmäßig als Delegirler bei der Parteileitung angemeldet sei. Hierauf wird das Mandat für gillig erklärt. A r o n s: Genosse Thiele hat»eben einem einwandZfreU» Mandat für de» X. württembergischen KreiS auch ein solches vom Vorstand des sozialdemokratischen Vereins in Kannstadt. Mit Rück ficht auf den Vreslaner Beschluß, in Zukunft die Delegirlen nicht inehr in Vereinsversammlunge» zu wählen, beantragt die Kommission dies Mandat für ungiltig zu erklären. Ter Parteitag schließt sich dem Antrage an. Arons: Weiler sind zwei Prolesle eingelaufen. Der eine von Langenberg ans Solingen, ist,»m die Einigkeit nickt zu störe» zurückgezogen.(Bravo!) Der zweite Protest bezieht sich auf die Wahl von Gröneivold(Münster), der in einer ziemlich stürmischen Versammlung mit Sä Stimme» gegen 32 gewählt ist. Sein Gegen- kanbidal hat vier Tage später dagegen Prolest erhoben und erklärt, es seien 78 Zettel abgegeben, von denen I I unbeschrieben waren, während in der Versammlung nur 83 Personen anivcseud waren. Der Verlrauensman» de? Kreises erklärt, es sei möglich, da einige weiße Zettel vorn Tisch genominen sind; es seien aber nicht mehr Zettel abgegeben, als Personen da waren. Uebrigens hätte der Einsrnder des Protestes sofort Protest erheben müssen, da er ja selbst mitgewählt habe. Da es jetzt nicht meht möglich ist, zu konstatiren wer Nccht gehabt hat, beantragt die Koiinnissio», über den Protest znr Tagesordnung überzugehen. G r ö» e w o l d- Müitsler: Ich schließe mich dem Antrage an (Heiterkeit� Der Antrag wird angenommen. Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten uiid in der Dcbatle über Punkt I und II fortgefahren. Aulrag 86 wird mit znr Diskusston gestellt. Bei Antrag 37 reicht die Nnterstütznng nicht aus. Bartels- Lübeck: Antrag 37 ist ein alter Bekannter des Parteitages. So schrecklich die Zustände sind, die die brutalen Gcsinde-Ordnnngeu besonders ans dem platten Lande mit sich bringen, so halte ich es doch für unrichtig, in der Zeit vor den nächste» ReichstagKwahlen den Parteivorsland mit einer solche» Arbeil zu belasten. Die Zeit kann er zu besseren Dingen ver- rvcnde». Aber in der Landagitalion muß der Kampf gegen die Gesinde- Ordnungen die Hauptrolle spielen. Bei der Land agilation werden von unseren Genosse» manck« Fehler begangen Ei» Fehler war es, daß die mecklenburgischen Genossen ihren trefst lichen Kalender für die Landbevölkerung gerade am 12. Eep- teinber verbreitet haben, einem Tage, wo die ganze ländliche Bevölkerung auf dem Felde und nicht im Heim war. Der praktische Landagttator muß sich sagen: es genügt nicht, die Schriften nur niederzulegen, ich muß mit dem ländlichen Arbeiter in Berührung kommen. Das gesprochene Wort wirkt am meisten. Deshalb ist besonders der Winter sür die Land- agitation geeignet. Den Antrag 42 halte ich für gänzlich verfehlt. M i l l a r a- ArnSwalde: Auch ich ersuche um Ablehnung des Antrags auf Veröffentlichung der Namen der Vertrauenspersonen. Ebenso halte ich den Antrag bezüglich der Gestnde-Ordnung sür verfehlt. ES fehlt meiner Ansicht vorläufig»och an ge eigneten Kräften in der Partei für die Agitation auf diesem Gebiete. DaS gleiche gilt von der Materie der Versicherungs Gesetzgebung. GS muß da mehr Aufklärung geschaffen werde». Die Parteileitung kann nicht alles machen. G e r l a ch> Wanzleben: Daß der Antrag, betreffend die Ab schaffung der Gefinde- Ordnung, immer wieder und wieder eingebracht wird, beweist. wie nothwendig seine An nähme ist. Wir sollten ihn nicht wie bisher der Parteileitung zur Berücksichtigung überweisen, sondern ihr einen direkten Auftrag geben. Eine Zusamniensassung der durch die Presse bekannt ge wordenen krassen Fälle aus dem Gebiete der Gestnde-Ordnung in einer Broschüre würde sehr wirksam sein; daher empfehle ich auch de» Antrag 86. Nur möchte ich gleichzeitig die Genosse» ersuchen, das ihnen bekannt werdende Material dem Parteivoestand mitzutheilen. Einen guten Eindruck auf die Landarbeiter würde eine scharfe Betonung der Programmforderung von der Uncntgelt lichkeit der ärztlichen Hilfeleistung und der Heilmittel machen. Thiele- Halle empfiehlt Antrag 86 und räth den Redakteuren der Provinzpresse, alle Gerichtsverhandlungen, die das ländliche und städtische Gesinde betreffen und die in den kleinen Blättern enthalten sind, auszuschneiden und zu sammeln. Daun kann dem Vorstand sehr reichliches Material geliefert werden G r o t h« Schwerin: Wir haben unS sehr genau überlegt, an welchem Tage wir unsere Landkalender verbreite» sollten. Es giebt keinen Sonntaattm Jahre, wo man alle Landarbeiter z» Hans an» treffen kann. Wir haben den Sonntag im September gewählt, weil wir mtt der Verbreitung des Kalenders eine Sammlnngtlvon Abonnenten für unser Partei»Organ verbinden wollten. Deshalb mußte ei» Sonntag vor dem neuen Quartal gewählt werden und zwar im Monat September, denn für das Winterhalbjahr werden haupisächlich Zeitungen auf dem Lande abonmrl. Wir haben sehr guten Erfolg gehabt. Mehrere Hundert neue Abonnenten haben wir in Dörfern bekommen, wo wir vorher keinen einzigen halten.(Bravo!) Zu Antrag 86 stelle ich das Amendement,„die Behandlung der ländlichen Arbeiter" hinzuzufügen. En» großer Theil der ländlichen Arbeiter steht nicht unter dem Gesinderecht, wird aber über denselben Löffelefbarbirt wie das Gesinde. In Mecklenburg haben wir eine Verordnung über die Bestrafung des Dienstgesindes, die als eine schwere Geißel empfunden wird. Es heißt darin: Wenn das Gesinde oder der Tagelöhner eine» Befehl nicht erfüllt, so kann über sie eine Geld- oder Haftstrafe verhängt werden, ohne daß hiergegen eine Berufung an d a s G e r i ch l z u l ä s s i g ist. Wir habe» also noch de» polizeilichen Palriarchalismus von früher! Also auch Material über die Behandlung des ländlichen Arbeiters muß ge- sammelt werden. Damit schließt die Diskussion über die erste Gruppe. Das Schlußwort hat P f a»» k u ch: Der Hamburger Hafenarbeiter-Slreik hat der gegnernsche» Presse Anlaß zu der Bmimlhung gegeben, es bestehe darüber eine große Meinungsverschiedenheit in der Partei und es werde ans dem Parteitage zu einer stürmischen Debatte über die Unierstütznng des Streiks komme». Wirhaben dasignorirtunddiehentige Debatte hat bewiesen, daß«ine volle Einigkeit unter de» Genossen in ganz Deutschland befleht. Eine Nennung sämmtlicher Emzelziffern war ans geschäftlichen Gründen nicht angängig. Zum Antrag 42 will ich nur den Einwurf, den Brnhns zu guuslcn des Antrages machte, zurückweisen. Wenn die Vectrai ensmänner die Geschäsls- führniig in den einzelnen Orlen so handhaben, wie es sich gehört, ist eine Herandrängung zweifelhafter Elemente und eine Ans- Plünderung der Partei ganz unmöglich. Es wird aber viel- fach mit der Geivährung von Unlcrslütznngcn und dazu noch Empfchlungsschreibe» an andere Verlrauensinänner ein Uiifug ge- triebe». Die Parleigenosse», die ei» Recht auf Unterstützung durch die Partei habe», wiffcn, wohin sie sich zu wenden habe», und von feiten der Parteileitung wird die Unierstiitzung ihnen auch stets in so ausreichendem Maße gegebe», daß sie die Bertra»e»smä»iier an den einzelnen Orlen nicht anzugehen brauchen. Damit muß ein Ende gemacht werde», daß Leute, die nicht zu uns gehören, für ihre anderen privaten Zwecke, Freigeisterci, Naturheilkuude, und dcrgl. unsere Organisation benutzen und Geld herausschlage»; dazu sind wir nicht da. Was Genosse Hoch bezüglich der Agrarfrage wünscht, ist in der Nusfübrung begriffen. Ter Beschluß des Vreslaner Parteitages, geeignete Genossen mit der Verarbeitung des Materials zu betrmien. ist in die Wege geieiiet. Die beireffenden Genoffen sind bei der Arbeit; daß sie noch nicht zum Abschluß gekommen ist, liegt in der Behandlung der Malerie selbst; das läßt sich nicht übers Knie brechen. Je gründlicher die Studien gemacht werden, um so weniger Gntlänschnngen haben wie in der Zukunft zu erleben. Mas den Antrag 37 belrifft, so hat die Brandenburger Aglta- lionskouunission das Material zu Agilationszwecken gesammelt und Exemplare znr Verfügung. Ferner hat Genosse Stadlhagen eine solche Agitalionsschrisl in Zlrbeit; daS Werk wird demnächst er- scheinen, es ist also»ölhig, daß Sie diesen Antrag an- nehme». Auch mit der Herstellung eines parlamentarischen Handbuchs hat die Parleileitung bereits einen Genossen betraut, das Buch wird aber nicht unmittelbar im Anschluß an den Partei- tag erscheinen können. Deshalb wird es sehr gut sein, wenn zunächst gemissermaße» als Vorläufer dazu die Bebel'sche Broschüre neu heraus- gegeben wird. Der Antrag betr. Aufwendung von Mitteln sür die Agitation in Oberschlesien sollte zurückgezogen werden. Früher waren wir der Meinung, daß znr Agitation unter den Polen die Polen am geeignetsten sind, aber wir haben die Erfahrung gemacht, daß dann zu leicht der national- polnische Gedanke in de» Vorder- gnind tritt. Der Genosse Moraivsklf hat gesagt, wir sollten die durch die Germanisirnngsversnche der Gendarmen hervorgerufene Erbitterung benutzen und hier einsetzen. Ader die Polonisirnng durch die Pole» steht auf derselben Stufe wie die Germauifirung durch die Gendarme». Die Polen sollte» den sozialdemokratischen deulschen Brüdern dank wissen, daß sie ihnen das, was sie NN wirthschaftlicher Erkennlniß besitzen, zu eigen zu mache» suchen, selbst wenn die polnische Sprache einmal nicht die genügende Berück- sichtigung findet. Wir wissen, daß das dentsch-rcdeude Element auch in dc» polnische» Bezirken das intelligentere ist, und wenn die höhere Intelligenz der deutschen Genossen in den polnischen Dislrikie» desruchlend auf die polnischen Genossen wirkt, so ninß dies dankbar anerkannt werden. Es ist mit Zustimmung der polnischen Genossen ein Einverftändntß über die Aufstellnng von Kandidaten in de» polnischen Bezirken herbeigeführt. Deshalb ist es uns nicht verständlich, daß jetzt wieder ans Umwegen diese Ber« abredung aufgehoben werden soll. Das geht nicht a». Wenn Partei- genossen eine Verabredung getroffen haben, so heißt eS: Eni Man», ei» Wort! Und wer dasbricht.ver hatuichtmehrdieAnwartschast, im Namen der Sozialdeniokratie die Solidarität der deutsche» Sozialdemokraten anzurufen. Wir sind froh, daß wir nicht die Sprachenverwirrung haben, wie unsere Genossen in Oesterreich, wir kennen leine polnischen Genossen innerhalb der deulschen Sozialdemokratie. Gegen de» Antrag 66 ist folgendes zu sagen. Das Flugblatt mlSznarbeite» ist das wenigste. aber das Material muß doch erst vorliege». Da? Marine-Kabinel ist doch nicht so gefällig, uns vor allen anderen Sterblichen feine Pläne zur Keuntnib zu bringen. Liegen die Pläne vor, so wird bei unserer Wahl- agitalio» genug davon die Rede sein. Nur der Antrag 86 verdient Beachtung. Freilich, wenn hier beschlossen wird, das Material einzusenden, so haben wir noch keine Sicherheit, daß es geschieht, wenn der Vorstand nicht selber etwas dafür thut. Für die Provinz Hannover ist genügend für Agitation gesorgt worden. Der Tadel Baerer's war daher nicht berechtigt.(Beifall.) Nunmehr wird über die zu diesem Theil gestellte» Anträge ab- gestimmt. (P r i v a t d e p e s ch e n des„V o r w a r t 8".) ES wirb hieraus über den Antrag der ersten Gruppe abgestimmt. Zuerst werden die Anträge von W in d h o f f- Düsseldorf»nd der Parteigenossen in D a n z i g und Elberfeld erledigt; dieselben lauten: 82..Der Parteitag möge den Ausschuß oder die Fraktion beaus- trage», ungesäumt ei» parlamentarisches Hand- und Nachschlage- buch für die in der Agitation thäligen Genossen zum Selbstkosten- preis berzustellen." 29.„Die Parleileitung zu beanftragen, ein politisch-parlamen- tarisches Hanbbnch znr besonderen Benutzung bei der bevorstehende» Reichstags-Wahl herauszugeben." Die Anträge werde» für erledigt erklärt, da der Parteitag von der Mittheilung der Parteileitung Kenntniß nimmt, daß ein parlamentarisches Handbuch sür unsere Partei ausgearbeitet wird. Ausgesetzt bis»ach der Diskussion über die Maifeier wird die Abstimmung über de»'Antrag der Magdeburger Geiiosse»: 36.„Zu geeigneter Zeit hat im Jahre 1393 eine allgemeine, einheillich geregelte und umfassende Agitation für das ganze Deutsche gleich zu beginnen. Dieselbe hat den Zweck zu er- füllen, folgende» Forderungen mehr Nachdruck zu verschaffen: I. Verkürzung der Arbeitszeit aus acht Stunde»; 2. gesetzliche Festlegung dieses Arbeitstages; 3. Arbeilsrude am 1. Mai. Tic vorbereitenden Schritte zu dieser Agitation sind dem Partei- vorstand zu überlassen." In folgender Fafsung wird der Antrag 37 der Parteigenossen in C a l b c- A f ch e r s l e b e n angenommen: „Der Parteitag möge den gcschäftsführcnden Ausschuß be- auftragen, im Lause des nächsten Jahres eine planmäßige Agitation im ganze» Lande und besonders u»ter de» ländlichen Arbeitern sür Abschaffung der Gesinde- Ordnungen und sonstiger Ans- nahiiiebestimmungcn, welche die landwirihschaftlichen Arbeiter be- drücken, sowie für Gleichstellung der ländlichen Arbeiter mit de» gewerblichen in Bewegung zu setze»— ähnlich wie bei der Umsturz- vorläge— und hiermit gleich die schärfere Betonung der Progran»»- forderung:„Uneiilgeltlichkcit der ärztlichen Hilselelsuing einschließlich der Geburtshilfe und der Heilmittel. Uncntgelllichkeit der Tobten- bestaliung" zu verbinde». Gleichzeitio möge der Parteitag den Wunsch aussprechen, daß die Presse de» Gestnde-Ordnimgen sowie der Handhabung derselben. sowie den ans dem heutige» Aerzte- und Apolhckenwesen auf dem Lande hervorgehenden Mißstände» medr Beachtung widmet»nd be- deutend mehr Werth beilegt als bisher." Angenomme» ivird ferner der Antrag 86, gestellt von Gerlach, Hanck, Hofsma»» u. Gen.: „Der geschäftsiührende Ausschuß wird beauftragt, das Ma- tennt bezüglich der Behandlung des Gesindes somie der ländlichen Arbeiler und Arbdtermue» seitens der Enlsbesitzer und Pächter zu sammeln, nbersichilich zu bearbeilen und in Broschürcnform hei auszugeben." Angenommen wird endlich folgender Antrag 75: „Der Parleivorstand hat»ach jedesmal. gern Abschsuß der Lcgislalnrperiode in Broschürensorm eine» Bericht über die Ver- haudlungen des Reichelags analog denen von 1337—1336 und 1336—1893 herauszngeben." Abgelehnt werden die folgenden Aniräge: der Parteigenoffen in Breslau: 35.„Die Parteileilung hat für die Agilation im obcrschlesischen Jndunriebezirl größer« Mittel aufzuwenden." 42.„Die Parteileilung stellt ei» Verzeichniß der Adressen sämmtlicher Vertranenspersone» her und veröffentlicht dasselbe im „Vorivärls"; dann der Antrag der Parteigenossen deS 16. b a d i s ch e n Reichstags-Wahlkreises: 6T.„Angesichts der wirlhschafllichen Bedentmig der Eisenbahn- Rcsormsrage ist es nothwendig, in Versammlungen»ud in der Presse dieser Frage mehr Beachtung z» schenken, und daß die Partei bezw. deren Vertrcler sich i» de» Parlamenten mehr für die Frage inleressiren"; endlich wird noch abgelehnt der Antrag der Parteigenossen in Bremen: 66.„Der Parteitag möge den Parteivorstand beauflragen, un- oerzüglich ein die Frage der uferlosen Flottenpolitik behandelndes, zur Massenverbreitung bestimmtes und gratis a» die Partei- orgamsatione» abzugebendes Flugblatt herauszugeben." Hierauf wird zu den die Presse betreffenden Anträgen über- gegangen. Zur Diskussion stehen die solgenden: 26. Parteigenossen des 16. badischcn Reichstags- Wahlkreises: Die Parteiteitnng hat die Heransgabe eines täglich erscheinenden Orgaus in Karlsruhe einer gründlichen Erwägung zu unterziehe» und wenn möglich dieselbe erfolgen »» lassen. 25. Der Parteigenoffen itags-Wahlkreisi de? 12. und 13. sächsischen ReichStags-WahlkreiseS:. 1. Den Abonnenten der„Neuen Meli" ist Tckel sowie In- baktsverzeichniß als GraliSbeigabe resp. als letzte Nu,»», er des Jahrganges von jetzt ab zu liefern. 26. 2. Die Buchhandlung Vorwärts ist z» beauftragen. die Roinamvochenschrift„In freien Stnuden" in künstlerischer und technischer Hinsicht zu vervollkommnen. 27. Parteigenossen deS 6. Berliner Reichstags« Wahlkreises:..... Die im Verlage der Buchhandlung„Vorwärts" erscheinende Wochenschrift„In fieien Stunden" ist zu erwetUrn und in bezug ans Illustrationen zu verbessern. 28. Parteigenossen in H a st e d t: Die Buchhandlung BorivärtS sowie solche Buchhandlungen, welche Material zur Massenverbreitung herstellen, haben solches eine», klelne» Ort, welcher nur ein kleines Quantum bestellen kann, zu demselben niedrigen Preise zu liefern, wie einem großen Ort, welcher größere Posten bestellt, sosern es gratis verbreitet werde» soll. 32. Genossinnen von Dresden und der Umgegend: Die Parteileitung möge in aller nächster Zeit eine uncnt- geliliche Broschüre herausgeben mit besonderer Berücksichtigung der Gesinde-Ordnung. 33. Parteigenossen deS Reichstags-Wahlkreises Liegnitz« G o ld b e rg- H a p n an: ES ist auf Kosten der Partei wenigsten? für die östlichen Provinzen ein Agilations-Kalender herauszugebe». 34. Parleigenosse» in Harburg: Die Buchhandlung Aornvärls hat ihre Kataloge an die Parteibiichhandlnngen gratis adzngebe». 64. Parteigenosse» i» Solingen: „Di-„Belgische Arbeiterstimme" und die„Solinger Freie Presse" gehen am I. November d. I. unter de», Name»„Bergische Arbeite, stiimiu" in de» Besitz der Gesammtpartei über. Nach der Verschmelzung der beiden Blätter tritt der bisherige Abg. Schu- macher, der von der letzte» Kreis-Partei-Bersammlnng wiederun, ,»il großer Majorität als Kandidat für die demnächstige Legislatur- Periode aufgestellt wurde, als Kandidat zurück, und«iner� später einzuberiifenden Kreis-Partei-Bersammlung soll die Ausstellung eines llieichsings-Knndidale» vorbehalten bleiben." 76. Genosse B a r k in E i l b e ck: „Znr Ausstattung unserer Kalender dürfen patriotische Bilder Vciiveiiduua nicht finde»." 'Antrag 81 von Karl Windhoff in Düsseldorf: Die Partei- Schriftsteller sind gehalten, bei Fremd- oder an« deren Wörter», welche in Schrift und Sprache verschieden sind, die deutsche Aussprache in Parenthese oder Fußnote beizusetzen. Antrag 83 von E l o l t e n. M o l k e„ b u h r. F r o h>» e und Genossen: Es ist den R-daklionen der Parteiblätter untersagt, den gemein« schasllichen Bezug von Berichten über Parteitags- und Parlaments« Verhandlungen zu verhindern. Antrag 84 gestellt vo» Kolb, Quark, Meist. Antrik und Genossen: Die Parteileilung wird beauftragt, Schritte zn unternehmen, um den im Privatbesitz des Genossen Adolf Geck dreimal die Woche in Offenburg erscheinenden„Bolksfreund" in de» Besitz der Partei zu überführen und denselben alS täglich erscheinendes Organ in Karlsruhe herauszugeben. Antrag 85 gestellt von Kersten. Seiler, Hossmann, Ewald:«... Beantrage, die Zusammenstellung de? Kataloge?(Vorwärts- Buchhandlung) der Berliner Preßkommissio», unter Mitwirkung des Leiters der Buchhandlung, zu übertragen. Dem Antrage 26 haben sich nachträglich noch die Genossen deS Wahlkreises Teltow-Beeskow-Storkow angeschlossen. Der Antrag 26 wird zu gunsten deS Antrages 84 zurückgezogen. Nachdem einige weitere Anträge die geschäflsordnuiigsmäßige Unterstützung gefunden haben, wird in die Diskussion ein« getreten. Kolb- Karlsruhe: Wir haben unseren Antrag auf Aendernng ber Preßzustände i» Karlsruhe wieder eingebracht, obwohl derselbe früher abgelehnt wurde. Es handelt sich doch nicht um eine Neu- gnindmig, sondern um eine Verbesserung. Sobald das Blalt in de» Besitz der Partei übergeht, wird es auch floriren. Dazu kommt, daß die Versandverhältnisse jetzt„och schlechter sind als früher. Wir dürfe» nicht mehr alle Zeitungen in einem gemeinsame» Packet versende», weil die Post dies als eine Uebcrlretnng der Postvorschriftei, ansteht und die Gerichte gegen uns entschieden haben. Der Prozeß kostete uns außer de» Prozeß- gebühren über 6660 M. Jetzt geht der Versand viel schwerer vor sich. An Orten, wo 2666 Stimmen sür»ns abgegeben find, haben ivir nur zwei Älbonnenle»! So kann es nicht weiter gehen! Wir kommen seit einige» Jahren nicht mehr anS den Wühlen heraus »nd dabei sollen»vir mit«incm dreimal wöchentlich erscheinenden Blatte a>iskon»ne„, daS sich über ein so weites Gebiet erstreckt. Tragen Sie endlich den Wünschen der badischen Genosse» in bezng ans ihre Preßverhältnisse Rechnung und nehmen Sie uiiseren An« trag an! f o f m a n n- Berlin IV: Die Kritik in unseren Blättern kann und sachlich sein, aber sie darf nicht persönlich werden. Leider ist es in de» letzten Jahren nicht immer so gehalten worden, es stehen auch in den Broschüren, die von der Partei herausgegeben sind, manche Sachen, die eine scharfe Kritik wohl verdienen würden. Was Antrag 26 und 27 belrifft, so ist die Mißstimmung gegen die„Freien Stunden" in weiten Kreisen verbreitet. Es heißt vielfach, es sei besser, sie würden eingehen, besser würde» sie doch nicht. Ich will daS Kind nicht mit dem Bade ausschütten; ich erwähne es mir, um zu zeigen. daß Dinge, die von maßgebender Stelle ausgehen, auch scharf getadelt werden. DerRntrag76 betrifft denNenenWellkalender. Allcdie, diemit den Käufern des Kalenders direkt in Verbindung stehe», wisse», welche Aeußerniigen mau zu hören bekommt. Nachdem wir satt gefititert sind mit Zinteiinarseicrii, dabei, wir nicht nölhig, daß solche Dinge in unser Blalt kommen. Vergeblich sind die Enlschuldigungen, daß hierbei mir Finge,, der Kunst in belracht gekommen seien. I», Ein. verständnist mit de» Antragstellern erkläre ich. daß wir Antrag 86 fo fassen, daß nicht die Preßton, Mission, fondern eine Kommission schlechiweg mit dieser Ausgabe belrant wird. In diese Kommission gehöre» nicht bloS Genossen hinein, die in wissenschast« lichen Dinge» beschlagen sind, sondern auch solche, die wissen, ivaS für Literalnr für indifferente Kreise nolhwendig ist, bei denen wiffenschaflliche Broschüre» keine Wirkung hinterlassen. Wir bitten Sie. der Einsetzung einer Kommission«izustimmen, die gemeinschaftlich mit den Leiter» der Buchhandlung BorivärtS darüber zu enlscheiden hat, welche Broschüre» im Vorwärts-Katalog stehen sollen. Zum Antrag 34 ist ein Amendement Knappe eingegangen: Die Kosten der Uebersiedelnng deS„Volksfreund" von Offen- dach nach Karlsruhe übernimmt der geschäslSführende Ausschuß. Jedoch wird die Vergrößerung vorläufig abgelehnt. Der Antrag wird mit zur Diskussion gestellt. K a tz e n st e> n< Mainz. Ich schließe mich auch dem Antrag 33 an, bitte aber den To», in de» Genosse Pfminkuch den Polen gegenüber verfallen ist, zn vermeiden. Wir haben nichts mit Germani- siruiigsversuchei» zu thmi. Wir kennen nicht deutsche und polnische Genossen, sonder» nur Genossen. Ferner möchte ich die rheinische Presse besonderer Berücksichtigung empfehlen, damit auch in den Bezirken der Mosel und der Eise! künftig sozialdemo- kralische Kandidaturen möglich sind. DaS Defizit der„Neuen Welt" hat sich seit dem Vorjahr allerdings verrnigert. Wir sollten aber de» Inhalt verbessern und dafür sorge», daß das Blatt sür die große Masse und namentlich auch für die Frauen mehr Interesse hat. DaS dafür anfgewandte Geld ist gut angelegt. Wir würden noch über weit größere Summen verfügen, wenn der Verdienst, den der Drucker des„Vorwärts" hat. künftig der Partei zukommen würde. Nach de», Bericht deS Parteivorstandes beträgt die Druckerrechnung 345 313 M.. worin nach meiner Berechnung ein Aufschlag von mindestens 36 bis so ovo M. liegt. Auch in Leipzig haben wir gegen de» Willen der Parteileitung ein eigenes Geschäft gegründet und die besten Erfahrungen damit gemacht Es handelt sich ja auch nicht nur«in den Druck des„Vorwärts", souder» auch[um den einer ganzen Sleihe uou Broschüren. Der Parteivorstaud sollte sich die Frage der Gründung einer eigenen Druckerei sorgfältig überlegen. Wir haben nm so iveniger Veranlassung, jedes Jahr eine ungeheure Sniume einem Privatmann in die Hände fallen zu lasse», als der Drucker des„Vonvärls" die sozialistische Presse genau so unkulant behandelt, wie vielleicht früher seine antisemitische. Stollen- Hamburg: Der Antrag 83 wird wohl Zlopfschntteln erregt haben.(Jawohl!) Der Sachverhalt ist folgender: Wir am „Hamburger Echo" haben in früheren Jahren denselben Bericht über den Parteitag bezogen wie der„Vorwärts". Im vorigen Jahre zerschlug es sich wegen der schlechten Bahnverbindung. Wir haben damals nachträglich den Vorwärtsbericht abgedruckt. Ich habe mich in diesem Jahre wieder um den Bericht bemüht, und da wurde mir vom Genossen Baake nritgetheilt, das) die Redaktion des„Vor- wärts es abgelehnt habe, de» Bericht an uns abzugeben(hört! hört!). Es sei dabei geäußert worden:!„Das ganze Jahr wird auf uns herumgehackt und wir werden als ein schlechtes Blatt bezeichnet; wenn wir aber einmal elivas Gutes haben, wollen es die andern auch haben!"(Heiterkeit!)*) Ihre Heiterkeit sagt genug. Was soll die ganze Sache aber? Wird der Bericht im„Vorwärts" dadurch schlechter, weil er auch im„Echo" steht? Wir sind doch Vrinzipielle Gegner der Kräste vergeudenden Konkurrenz. Wir haben uns auf anderein Wege eiiken brauchbaren Bericht besorgt; es ist aber doch etivas anderes, wenn die beide» Berichte von zu- fammeit sechs Personen oder nur von drei hergestellt werden, die wir als die besten Kräfte von den sechs auswählen können. Im vorigen Jahre hat der Parteitag beschlossen, einen gemeinsamen Parlamentshericht heranszligeben. Da könnten wir ja Gefahr laufen, daß uns damit eines Tages dasselbe passirt, wie jetzt mit dem Parteitags-Bericht. Von den Anträgen bitte ich die Nummern 81 und 84 abzulehnen. Es ist doch eine Thorheit, den Parleischriststellern vorzuschreiben, was sie thun sollen. Man soll Fremdwörter möglichst vermeiden, aber nicht sie schreiben und hinterher sie verdenlschen. Die Ver« staatlichung des„Offenburger Voltsfrennd" wäre ein geivagtes Experiment. Hat ein Blatt an einem Orte festen Boden gesaßt, soll man eS nicht herausreißen. P a tz e r- Oldenburg III: Die Kopf»Blätter sind nicht zu ent- behreu. Es hat nicht jeder Kreis für ein eigenes Blatt eine genügende Abonuentenzahl. Außerdem ist in bäuerlichen Kreisen ein lokaler Theil in der Zeitung. de» die großen auswärtigen Zeitungen ans industriellen Kreiselt nicht bringen, nolhwendig. Sonst lesen sie die Bauern nicht. Für uns würde es ein schwerer Schlag in bezug ans unsere Agitation sein, wenn unser Kopfblalt nicht mehr existenzfähig sei würde. Auer: Der Wttnsch in Antrag 25, daß den Abonnenten der „Netten Welt" Titel und Jnhnltsverzeichniß am Schluß geliefert werden soll, wird aller Voraussicht nach seine Erfüllnng finden. Aber derartige Wünsche haben auch ihre finanzielle Seite. Wird doch durch diesen Antrag das Budget der„Neuen Welt" mit 4000 M. weiter belastet werden.(Hört! hört!) Dem Genossen Hoffmann kann ich die Versicherung geben, daß auch in den Kreisen des Parleivorstandcs und vor allem bei der Btichhandlttng Vorwärts durchaus kein Zweifel darüber besteht, daß die„Fr e i e n St u n d en" besser sein könnten, als sie sind. Wahrscheinlich wird atich das Heft „Freie Stunden" von 1 auf l'/i Bogen vergrößert werben. Unterstützen sie aber dieses Bestreben, indem sie für möglichst weite Ver- breilung dieser Zeitschrist sorge». Int übrigen ist bekanntlich tadeln leichter als besser machen. Das weiß vielleicht atich Genosse Hoff- mann, der ja selbst Schriftsteller und Buchhändler ist. Die Er- kenntniß davon veranlaßte wohl auch den gereizten To» in seiner Rede.(Heiterkeit.) Den Wunsch, daß die unleidlichen Verhällniffe in Solingen endlich beseitigt werden, bratiche ich nicht nochmals zu betonen. Ich erwarte aber, daß wenn es gelingt, die Konkttrrenz des Solinger Parteiblattes zu beseitigen, die Solinger Genossen in den Opfer- rnitth, mit dein sie bisher zwei Blätter erhalten werden, nicht er- lahmen werden, damit die„Verstaatlichung" der Partei nicht zu theuer zu stehen kommt. Die Forderung im Antrag 61 ist absolut unannehmbar. Wir können bestenfalls den Wunsch aussprechen, die Parleischriftfteller sollen auf de» allgemeinen Bildmigsgatig ihrer Leser Rücksicht nehmen. Das werde» sie schon in ihrem eigenen Interesse thun. Der Antrag spricht aber doch nicht nur von sozialdemokratischen Zeitungen, sondern von Parteischriststellern überhaupt. Wie weit soll im übrigen der Begriff Fremdwort gehen? Dann sind wieder die Anträge da, die alles umsonst von der Partei haben wollen, so besonders die Anträge 23, 32, 33. Es geschieht ja außerordentlich viel, aber es kann nicht mehr geschehen, als daß der Parteileitung Mittel zur Verfügung gestellt werden. Sie haben ja unseren Finanzminister Gerisch gehört. Nun zum Hamburger Antrag. So wie Stalten den Grund für den Antrag dargestellt hat, mag es ja wirklich scheinen, als sei da ein Unrecht geschehen. Aber schon in der Angabe der Gründe für den Beschluß ist Stolten schlecht unterrichtet gewesen und ebenso in der Sache selber. In dem Antrag ist von Redaktionen der Parteiblätter zu lesen. In der Begründung sprach er aber blos von der Redaktion des„Vorwärts". Ich kann hier erklären, daß die Redaktion des„Vorwärts" mit diesem ganzen Arrangement gar nichts zu thun gehabt hat, daß sie also vollständig außerhalb seiner Schußweite steht. Z)tich hat vorher noch einer der Redakteure gefragt, wie die Sache sich verhält; er wußte garnichts davon(Heilerkeil). Ter Parteivorstand hat dafür zu sorgen, daß tvir einen gnten Bericht für das Zentral-Organ bekomme» und zugleich, daß das Material für das offizielle Protokoll ordnungsgemäß her- gestellt wird. Wir haben dazu ein besonderes Bureau bestellt und haben, um obige Zivecke zu erreichen und eine Verzettelung zu ver- hüten, den mit dieser Arbeit Beauftragten gesagt: Wenn auch diese Arbeit in auskömmlicher Weise bezahlt wird, dann können wir von euch auch verlangen, daß ihr über den Parteitag nur dem„Vorwärts" berichtet und das Protokoll macht und zwar ausschließlich für uns. Das war der Grund für das Arrangement. Ich meine, auch Sie müssen den Stnndpttnkt des Parteivorstandes als richtig anerkennen. (Widerspruch.) Die Herren erklären: nein! Wir erklären: ja!(Große Heiterkeit.) Da wir die Verantwortung für das Protokoll z» tragen haben, so sind ivir anch dazu bernfen, die Geschichte so zu machen, wie wir es für richtig halten. LadetmannnsdieVeranlworlungauf.dantt müssen tvir anch die Entscheidung treffen können, sonst bedanken wir uns schön für Arbeit und Verantwortung. Einen Bericht bekommen ja die betreffenden Parteiblätter anch anderSwie. Es kann sich für sie nur darum Handel», billiger fortjurommen. Die betreffenden Blätter, die sich beklagen, sind aber so gut sitnirt, daß sie es tragen können. Nun hat Stolten eine Aeußernng als vom Partei- vorstand herrührend, vorgebracht:»DaS ganze Jahr schimpft man auf uns: wenn wir aber etwas Gutes haben, wollen die anderen eS auch!" Diese Aeußernng ist eine rein private Aeußerung eines Mitgliedes des Vorstandes gewesen, wobei sich der betreffende gar nichts gedacht hat. Ich Halle es für höchst überflüssig, eine solche rein private Aeußernng, die so aus dem Handgelenk gethan wird, an die große Glocke zu hängen. Das ist freilich Geschinacksache.(Beifall.) Ich habe die Aeußernng nicht gethan. Wenn ich aber alle Aeußerungen, die mir gegenüber gemacht sind, weiter tragen wollte, wohin käme da so mancher. Ich meine, das ist alter Weiberklatsch. Das wollen wir nicht machen(lebhaste Heiterkeit und Beifall). Zu dein badischen Antrag hat Stollen bereits sich zutreffend ge- äußert. Der Wunsch Hoffmann's wird in Erfüllung gehen und damit ist sein Antrag überflüssig. Es ist nämlich beschlossen, daß in den Katalog der Buchhandlung Vorwärts nur eigene Verlagsartikel auf- genommen werden. Was die Forderung der unentgelllichen Liefe- rnng des Katalogs anlangt, so ist aus einzelnen Orten gefordert *) Die Redaktion hat niemals Herrn Vaake oder sonst jemandem gegenüber eine derartige oder ähnliche Aeußernng gethan._ �Bemiitwvttlicher Nedalleur: Aug, ist Jaevbrtz in Berlin. Für den Ii worden, ihnen den Katalog in Hunderten und tausenden von Exem- plaren zu liefern. Das geht nicht. Die von Katzenstein angeregte Verbesserung der„Neuen Welt' würde ebenfalls zu viel Kosten verursachen; schon blos ein Bild mehr in jeder Nummer würde 4000 M. im Jahr kosten. Ich fürchte sehr, daß sein llicchenexempel für den Fall der Uebernahme der Privat» unternehmen in Parteiregie sich nicht verwirklichen würde. Aber ganz abgesehen davon, mache ich ihn auf eins ausmerksam. Heute ist schon die Parteileitung in einer Weise mit Verwaltungsarbeiten über- lastet, daß sie thatsächlich einen großen Theil ihrer Zeit und Kräste darauf verwenden muß, die wirthschasllichen Angelegenheiten der Partei zu regeln, wodurch ihre eigentliche Auf- gäbe, die Partei-Agitation zu leilen, eingeschränkt wird. Soll auch noch zu der Zeitung die Druckerei des„Vorwärts" hinzu kommen, so würde sie ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen sein. Im übrigen hat die Partei aus dem„Vorwärts" Summen bezogen. die beinahe so hoch sind, wie von dein Geschäft in Hamburg. Hamburg würde, wenn Katzenstein recht hätte, miitdestens 200 000 M. bringen müssen.(Lebhafter Beifall.) S ch a a l> Solingen: Ich bitte zunächst, von dem Antrag 84 nur den ersten Theil jetzt zu behandeln, den zweiten Theil aber bei dem Punkt Reichslagsbericht. Und wenn dies geschehen, so bitte ich, den ersten Theil abzulehnen, denn die Einleitung zur Ordnung ist ja durch die Parteileitung bereits getroffen, der Antrag ist also überflüssig. Die„Nene Welt" hat ans jedem Parteitage Spießrnthen laufen müssen. Es ist immer über ihren Inhalt geklagt worden, aber eine Verbesserung ist nicht erzielt worden; dem Arbeiter bietet dieses Blatt nichts, die kleinbürgerlichen Kreise können wir damit nicht für nus gewinnen. Den Inhalt und Titel gratis zu geben, Halle ich nicht für durchführbar, wohl aber könnte man denen, die es verlangen, das Jnhallsverzeichniß liefern. Zur Geschäftsordnung führt H o f s in a n n attS: Nachdem Atter erklärt hat, daß in Zukunft die Buchhandlung Vorwärts nur die im eigenen Verlage erschienenen Schriften in ihrem Katalog verzeichnen wird, ziehe ich den Antrag 85 zurück. W i n d b o f f- Düsseldorf: Im Interesse der indifferenten Massen, die, wenn ihnen etwas nicht verständlich ist, leicht lesesaul werden und unsere Literatur überhaupt nicht mehr verfolgen, bitte ich um Anuahme des Antrages 81. Ter Genosse Gerisch hat einige Orte attfgezählt, die viel gezahlt haben, und von anderen gesprochen, die nichts eingezahlt haben. Ich glaube, daß auch Düsseldorf ge- meint war. Wir haben einige Zeil nichts schicken können, weil es uns unmöglich war. Jetzt haben wir wieder 100 M. geschickt und ich hoffe, daß es anch in Zukunft möglich sein wird. Singer: Wir diskntiren jetzt nur über den Punkt Presse, der Kassenbericht steht erst später zur Debatte. W i n d h o f s: Dann komme ich später darauf zurück. Ich will noch bemerken, daß wir in Düsseldorf keine Aufforderung bekommen haben, über die Presse Bericht zu erstatten, und daß auch mir als Vertranensinaiin keine Aufforderung zugesandt ist, über die Bewegung im 5t'rcise Düsseldorf zu berichten. Helbig-Berlin: Ich hätte geivünscht, daß der Antrag 33, der die Stellung des„Vorwärts" beim Hamburger Hafenarbeiter- Streik und der Bnrchdrncker-Bewegnng geprüft wissen will, mit zur Verhandlung gestellt würde. Singer: Das geht nicht an. Ter Antrag befaßt sich mit der Taktik des„Vorwärts" in zwei bestimmten Fällen und wird bei anderer Gelegenheit verhandelt werden. Helbig weist knrz darauf hin, daß die„Freien Stunden" in ihren JUnstratione» und in ihrem Texte zu Beschiverden Anlaß gegeben hätten. H ä n i s ch- Leipzig tritt für die beiden Leipziger Anträge 25 und 26 ein. Bürgerliche Blätter liefern Titel und Inhalts- verzeichniß ihrer Sonntagsbeilagen gratis. Das muß auch die „Nene Well" können. Auer rechnet Mehrkosten von 4000 M. heraus. die verschwinden; ja es werden bedeutende Ersparnisse gemacht, wenn an Stelle der letzten Nummer Titel und Verzeichniß geliefert wird. Der Kritik an den„Freien Stunden" schließe ich mich an, soweit die Jllnstrationen in Frage konnueii. Mit der Auswahl des Textes war ich durchaus einverstanden. Aber die Jllustratione» erheben sich nnr wenig über das Niveau dessen, was in der sogenannten Schund- literatnr enthalten ist. Warum wird die Buchhandlnng Vorwärts nicht in eigener Regie betrieben? Ueber ihre geschästlichen Ergebnisse ist diesmal sehr wenig gesagt. Dem Antrag 33 stimme ich zu; vielleicht kann der ansgezeichneie Landkalender des„Märkischen Volks- boten" auch für den Osten verwandt iverdcn, iven» etwa ein halber Bogen als spezieller Anhang für den Osten beigegeben würde. Durch einen solchen Kalender würden Flugblätter u. s. w. gespart werden. I in g e r- Solinpeu: Die Aachener Genossen wiinschen die Zu- gäbe von Titel und Inhaltsangabe für die„Nene Well", aber nur i» soviel Exemplaren, als die Kolporteure verlangen. Der Antrag auf Verstaatlich»«« der„Bergischen Arbeiterstivinie' ist schon wegen der kurzen Fristslellung unatissührbar. Zuviel Dinge müssen vorher geregelt werden. H u g» Baut: Die„Freien Stunden" sind für die große Masse der Indifferenten berechnet, um die Schundliteratur zu ver- drängen. Deshalb muß ihr Inhalt so eingerichtet werden, daß sie der Masse gefallen. Namentlich sollte» die Bilder ver- ständlicher sein. Es würde anch nicht schaden, wenn bei historischeu Romanen die Bilder ganz fortfallen. Ferner tnüffets die Kolporteure mehr für die Vcrlagsarlikel des„Vorwärts" iniertssirt werden. Wir tuüssen alle Mittel der Konkurrenz, soweit sie an- ständig sind, heranziehen. Bebel: Ich kann in der Hauptsache alledem zustimmen. was Genosse Auer für oder gegen die einzelne» Anträge angeführt hat, und ich könnte deshalb ans das Wort verzichten, wenn nicht einige seiner Ausführnngen Widerspruch erfahren hätten. Ge- nosse Hönisch wundert sich, daß der diesnialige Geschästsberichl keine genaue Uebersicht über die Parteibnchhandlung enthält. Nun, wir haben seit einem Jahre keine Buchhandliing mehr, und deshalb kann anch nichts davon im Bericht stehe». Wenn ich noch nicht deutlich geiiiig gewesen bin. so will ich darauf hinweisen, daß die Umsturzvorlage uns beivogen hat. soivohl die Parleibttchhaiidltttig als anch eine Reihe anderer Bnchhandlniigen, die bisher Partei- Eigenlhuin waren, in Privatunternehmungen umzuwandeln. DaS ist zugleich ein Fingerzeig, wie es werden würde, wenn wir auch eine eigene Druckerei in Berlin grüitdete». Wer Katzenstein hört, für dem war es zweifellos, daß Babing 70—80 000 M. per Jahr verdient, das ist einfach Unsinn. Babing stellt uns die Sachen erheblich billiger her, wie jeder andere Drucker. Daß er ein Geschäft macht, ist selbstverständlich, denn ohne Profit raucht kein Schornstein. Mit einem Schlage aber würde sich die Sacke ändern, wenn wir ein Partei- Unternehmen hätten. Welche Anforderungen dann an die Partei gestellt iverden, daS haben wir ja i» Hamburg zur genüge erfahren. Da? Hamburger Geschäft, das inindestenS so groß ist wie das Bading'sche(Ruf: Doppelt so groß!) wirst einschließlich deS„Echo" keinen größeren Gewinn ab, alS der„Vorwärts" allein. Aus dem Hamburger Geschäft würde jeder Privalunternehmer min- destens daS doppelte Heransschaffen. Das Hambnrger Geschäft repräsen- lirt gegenwärtig in seinen Maschinen, abgesehen von den Häusern, einen Werth von 400 000 M. Wir hätten in ein Berliner Parteigeschäft, das den Anforderungen entspricht. mindestens 250 000 M. hinein- zustecken. Man sagt, das wirthschaftet man heraus. Jawohl, aber es fragt sich, ob man Zeit hat, das herauszuwirthschaflen.(Sehr richtig!) Ich wundere mich nur, daß die Leute, die den Anspruch erhebe», Poliker zu sein, in solchen Dingen nicht weiter sehen als ihre Nase reicht. Können wir denn in Deutschland sagen, so wirds bleiben? Ich habe vor Jahren gesagt: Nehmen wir u»S in acht, wir sind »och nicht über den Berg, wir stehen erst vor dem Berg, wir kommen jeden Tag dem Berge näher, aber wie es dann kommen wird, wissen wir nicht. Ist es denn ein Geheimniß, daß jeden Tag gegen die Sozialdemokratie losgeschlagen werden kann, ist es ein Geheimniß, daß die Junkerpartei jeden Angenblick bereit ist, gegen uns ei» Ausnahmegesetz zu schaffen? Ist es ein Ge- heimniß, daß die deutsche Bourgeoisie jeden Moment aufs neue bereit ist, gegen uns loszugehen? Haben wir das nicht chon einmal gehabt? Die große Mehrheit der heutigen Genossen eratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck nnd Verlag von kennt das nur vom Hörensagen, wir haben es durchgemacht. Und ich habe nicht den Wunsch, ein ziveiles Mal die Liquidation vor- zunehmen. Was ist denn ans den Parleigeschäften geworden? Sie sind alle mit Ausnahme des Hamburger Geschäfts, das ein glücklicher Umstand gerettet hat, zu gründe gegangen. Darüber sind wir doch alle einig, kommen einmal neue Stürme gegen die Sozialdemokratie, dann sind sie anders als das Sozialistengesetz! Daß man sichg dann alle die Erfahrnngen und öffentlichen Erörte- rungen, die wir ja als demokratische Partei zu machen gezwungen sind, aä notam nimmt und bei gelegener Zeit benutzt und daß man dann die Gesetze so formulirt, daß alle Verträge nichts nützen, ist sicher. Das hat man schon beim Sozialistengesetz erfahren! Da war in Breslau ein reines genossenschaftliches Unternehmen, kein Partei- geschäft. Die bloße Thalsache, daß eine Parteizeilung bis zu ihrer Unterdrückung dort gedruckt wurde, hat Veranlassung gegeben, das Geschäft zu konsisziren, und alle Einsprüche haben nichts ändern können. Das Geschäft ist verloren gegangen. Wir haben in Berlin die große Assoziations- Buchdrnckerei gehabt. Als 1878 der Belage« rungszustand verhängt wurde, mußte sie sofort in Liquidation treten. und die sauer verdienten Arbeitergroschen, mit denen sie gegründet war, sind bis auf den letzten Pfennig darauf gegangen. Aehnlich ist es Augsburg, München, Elberfeld und einer Reihe anderer Städte gegangen. Und daraus sollten wir keine Lehre ziehe»? Sollen wir etwa das gesainmie Parteivermögen so anlegen, daß eines schönen Tages die Reaktion nur die Hände anszuslrecken braucht? Und wie nothwendig hatten wir damals die Tausende gehabt, die heute vor der Polizei sicher sind. Denn sie bekommt sie nicht, und wenn sie sich ans den Kopf stellt.(Heiterkeit und Beifall.) Wenn wir überhaupt nur eine Geschäftspartei sein wollen, so begreife ich es, daß wir solche Dinge unteinehinen. In dem Augeitblick, wo wir in Berlin eine Druckerei gründen, müssen wir auch ein Geschäfts- hanS kaufen. Dann wird es bald heißen, da legen wir den Parteivorstand hinein und das Archiv. Ja warum errichten tvir nicht gar ein Parteihotel, in dem die Abgeordneten logiren können? (Heilerkeit.) Und wenn es überhaupt auf die Geschäfte ankommt, dann werfen wir uns doch einfach auf das Konstlinvereinsivesen. Was Herr v. Podbielski kann, das kann die deutsche Sozialdemo- Ciatie allemal. Wir würden Millionen einheimsen könneu, aber dann gehen wir natürlich auf in Eeschäslspraltike» nnd Geschäfts- streiligkeiteu des Tages ti»d unsere eigentlichen Aufgaben würben darunter leiden. Ich bitte also recht dringend: Ueberlegeu Sie sich die Sache, beachten Sie vor allen Dingen, daß Sie eine politische Kanipfpartei sind und daß es unsere vornehmste Aufgabe ist. den politischen Kampf zu führen. Ueberlassen wir solche Geschäft« denen, die sie unter gegebenen Veihältiiisseii am besten zu führen im stände sind und sorgen wir dafür, daß wir nicht einein Privatutiteriiehmer in die Hände fallen, der uns allzusehr rupft.(Lebhasler Beifall.) Singer theilt mit, daß der Antrag 83 zu gnnsten folgenden Antrages zurückgezogen.'fl: „Die Parteileitung wird verpflichtet, die offiziell hergestellten Berichte über den Parteitag alle» Parteiblätter», die ihn zu haben wünschen, zum gleichzeitigen Abdruck zu überlassen." Gewehr- Elberfeld: Ich verstehe, daß der Vorstand keine Sehnsucht nach der Verstaatlichnng der„Vorwärts"-Druckerei hat und bin ganz mit ihm einverstanden, nur gegen den Grund will ich mich wenden, den Auer dafür angeführt hat: Er sagt, der Vorstand ist mit Arbeiten überhäuft, während Pfannkuch die stärkere Durchsührung des zentralistischen Prinzips gefordert hat. Das eine paßt nicht zum andern. Wir werden dazu übergehen müssen, tnis eine andere Organisation zu geben und die Zahl der Genoffen im Vorstände zu verinehren. Was den Stolten'schen An- trag anlangt, so mag es dahingestellt sein, wie die Sache steht. Eins ist mir nur an der Aner'schen Rede anfgesallen. Er meinte, mögen Sie Nein sage», wir sagen Ja! Das klingt gerade so, als sollte diese nebensächliche Frage zu einer Kabinetssrage gemacht werden. Es wäre angemesse», n enn der Genosse Auer einen anderen Ton anschlagen möchte. Ter Antrag auf einen Gratiskalender ist schon vor Jahren abgelehnt worden. Ein einheitlicher Agitationskalender ist uitmög- lich. Die Redaktion des„Neuen Welt-Kalenders" bedarf in mancher Beziehung der Regelung. Aber daß ei» sozialdemokratischer Parteitag erst einen Antrag annehmen soll, in den Parteikalender gehören keine„patriotischen" Bilder, ist unmöglich. Hoffentlich ziehen die Antragsteller de» Autrag selbst zurück. Der Antrag Windhoff führt zu lächerlichen Konsequenzen. Ich bitte, lehnen Ste ihn ab.(Beifall.) S l o in k e- Bielefeld: Ich möchte anregen, daß die Preß- konserenz, die sich ja bewährt hat, künstig vor dem Parteitag znsanukicntrilt, damit ihre Beschlüsse nicht mehr in der Lust hänge» bleiben. Dem Antrag Stolten können wir, glaube ich, in seiner jetzige» Fassnug zustimmen; es ist nicht nölhig, den Blättern doppelle Kosten aufzuhalsen, die viel besser für Agitationszwecke ver» wendet werden lönne». Ans der nächsten Preßkonserenz kamt ja eine Einigung darüber erzielt werden, daß der Kongreßbericht von den besten Kräslen gemacht und in Znknust den Parteiblätter» gratis zugeschickt wird. S ch n in a ch e r- Solingen: Ich will Jhiten nicht die Geschichte des Kreises Solingen erzählen. Wenn die Verschmelzung der beiden Parteiblätter ermöglicht wird— darum allein handelt es sich— wird auch ein friedlicher Znstand dauut angebahnt werden. Es wird dann nicht vorkominen, daß sich die Genossen des Kreises bei den Wahlen in ihrer Presse gegenseitig bekämpseu. Der Fremdwörter- Antrag ist undurchführbar. Nitnmehr wird>tm 7 Uhr die Diskussion abgebrochen. Vorsitzender Singer: Es ist mir ein Brief vom Genossen ?s.rvu8 zugegangen, worin er mich ans Str. 229 der„Sächsischen Arbeiler-Zeitung" ansmerksam macht. In dieser Nummer befinden sich als das Resümee einer in dieser tnid in früheren Nummern enthaltenen Belrachtnng über die„Aufgaben der Sozialdemokratie" «ine Anzahl Anträge, die. wie er wünscht, hier auf dem Parteitag als von ihm eingebracht behandelt werde» sollen. Ich bin nun nach dem Orgauisationsstatut nicht in der Lage, Anträge von einzelne» Personen, die nicht von dem Vertrauensmann ihres Kreises unterzeichnet sind, zu akzepliren. Auf eine Umfrage ist mir weiter mitgetheilt worden, daß von de» Delegirlen von Dresden und Umgegend sich keiner veranlaßt sieht, die ganzen Anträge oder einen von ihnen zu dem seinigen zu mache». Um nun der Presse ihr Recht in keiner Weise zu verkümmern, mache ich die Dcle- girten auf diese Anträge ausmerksam. Ich werde abivarten, ob einer der Delegirte» einen dieser Antrage zu dem seinigen wachen wird. Ich habe die Sache vorgebracht, um von vornherein jedem etwaigen Mißverständniß ans dein Wege zu gehen. Nach unserem Organisationsstatuls und unserer GeschäflSorbnnng ist eine andere Behandlung nicht möglich.— Der Parteitag erklärt sich damit ein- verstanden.— Ich schließe die Sitzung. Getoevkpchttfkliches. Monteure! Eämnitltche Kollegen der Firma Töpffer u. Schädel haben am 4. September wegen Lobndifferenzen und un- würdiger Behandlnng die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Der Vertrauensmann. Ter Leipziger Mattrcrstreik ist in ein nenes Stadium ge- treten. I» einer Manrerversaninilung am Sonntag wurde mit- getheilt. daß der Oberbürgermeister Dr. G e o r g i seine Vermitlelnng zur Beilegung des Streiks angeboten hat. Ein gleiches Angebot war früher vom Bürgermeister Dr. Tröndlin gemacht worden, die Ausführung scheiterte aber an der ablehnende» Haltung der Unter- nehmer. Die Maurerversatnmlung stimmte einer Erklärung zu, die sich dent Vergleichsversnch gegenüber sehr skeptisch ausspricht, aber feststellt, daß die Maurer prinzipiell auf dem Standpunkt des gegen» seiligen Ausgleichs stehen. Sollten aber die Unternehmer einem Sltiß« gleiche znstinttiien, so könnte dies nur dadurch möglich sein, daß sie in Beziehung ans die Verkürzung der Arbeitszeit Entgegenkoinme» zeigen. Die inhaftirt gewesenen Streikleiter Jakob, Berthold und Ornth wurden zur eventuellen Verhandlung mit dem Ober» bürgermeister und den Unkentehntern bestimmt. Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Brilagett u lltitethattnngoblatt st. 232. u. mirpj. i. KilU des„Pormiiilö" Kellintt KlksdlM. s>ttchs.3.s«kti8S7. NAvkertag dev soziKldenrokvakifilsxett NAvter DettkfMktnds. Hamburg, 3. Oktober. Vorversainmlung. Im Tütgen'schen Saale trale» heme Abend um 7 Uhr die Delegirle» zur Vorversaiumluiig zusaiuiiie». Die Haniburger Ge uosse» hatte» für den festliche» Schmuck des prächtiaen Saales trefflich gesorgt. Mit rolhe» Draperien waren die Säule», die Nednerlribmie und das Podium behangen, auf dem das Bureau Platz nehme» wird. Im Hintergründe der Buhne stehen in einem Hai» von Palmen und Lorbeerbäumen die Büsten von Marx, Engels und Lassalle. Ueber dem Eingang zum Saale hängt das Porträt unseres Geib. Den beziehnngsreichsten Schmuck des weiten Raumes aber bilden die sicbenzig prächtigen Partei-, Gelverlschasts- und VereiuSfahnen die über der Bühne flailer», von de» Ballerie» herabwehe» und an den Wänden aufgerichtet sind. Wenn an nichts anderem, so kau» man hieran erkennen, daß der Parteitag diesmal in einer unserer Hochburgen zusammengetreten ist. An die fturmerprobte» rothe» Banner der Partei von Hamburg und Altona schließen sich die Fahnen aller Gewerkschaften und Arbeiter-Gesangvereine dieser beiden Städte. Unser alter Schlachtruf: Proletarier aller Länder vereinigt Euch! steht auf breitem, weißen Baude, das hoch über dem Podium ausgespannt ist. Ueber zweihundert Delegirte sind erschienen: unsere Fraktion ist beinahe vollzählig da, G r i l l e n b e r g e r und Volkmar mußte» wegen Beginns der bayerischen Landtagsverhandlunge» fernbleibe» Der Andrang der Hamburger Genossen zu der heutigen Abcnd-Ver- sammlnng ist außerordentlich stark. Um 6'/z Uhr sind die zwölf- bunderl Plätze, die für die Zuhörer zur Verfügung stehen, besetzt und Hunderte müssen umkehre». Das Interesse, das die bürgerlichen Parteien an de» Berhand lnngen nehme», wird am deullichsten bekundet durch die große Zahl Aerichlerstalter und Redakteure der bürgerlichen Presse, die an den langen, sür die Presse reservirteu Tafel» kaum Platz finden. Auch die führende» Blätter des Auslandes haben ihre Berichterstatter entsandt. Kurz nach 7 Uhr trage» die beide» Liedertafeln„Männer- Gesangverein Freiheit' und„Quartelt Barmbeck" einen„Gruß an den Parteitag", den der alte Jakob Andorf gedichtet hat, und„Bel' und arbeit ruft die Welt" von Georg Herwcgh vor. Nachdem der Beifall verrauscht ist, den der treffliche Vortrag der Lieder verdient hatte, betritt Fr ahme die Siednerlribune und begrübt die Erschienenen mit folgenden Worten:„Werth« Freunde und Genossen. Vertreter der sozialdemokratische» Partei, geehrte Gäste! Im Namen des Lokal-Komitees, welches die sozialdeino- kratische Parleigenossenschafl von Hambnrg-Altona rcpräseutirt, habe ich der ehrenvollen Pflicht zu genügen, Sie herzlich will- kommen zu heißen. Damit soll nicht lediglich einer bloßen äußeren Slnftandspflicht genügt sei»; nein, der Will konnuengruß, den ich Ihnen entbiete, ist ei» Ausdruck des Ge- siihls schöner Solidarität, die Ihne» entgegengebracht wird von viele» Taufende», ein Ausdruck der unwandelbaren Liebe und Hin gebung an die gemeinsame, gute, große Sache, zu deren Wahrung »nid Förderung Sie hierher geeilt sind nach Hamburg, nach der alten Hausastadt an» Elbestrande, von»ah und fern. Werlhe Freunde und Genossen! Die Hamburger Pnrteigenossenschast»veiß die Ehre, die ihr mit der Abhaltung dieses Parteitages in ihrer Mitte zu theil wird, zu»vüidige». Willkommen denn im Namen der hehren Idee, die uns mit vielen Millionen auf dem»veilcn Erdenrunde verbindet! Willkomme» im Geiste jeuer hehren Fragen. die zu löse» die Sozialdemokratie berufe» ist! Willkönnnen unter diesen Bannern und Panieren,»velche— diesem Geiste geweiht stumme Zeugen mancher Kämpfe und schöner Siege dieses Geistes sind!** Sie befinden sich hier auf einein Boden, von dein man sage» kann, daß anf ihm die Sozialdemokratie heimathberechtigt ist. AIS im Jahre 1863 Ferdinand Laffalle feinen flanunenden Appell an die Arbeiterklasse ergehe» ließ, jenen Appell zu»» großen Einanzipations- kämpf, da war Hamburg eine der ersten und fruchtbarsten Pflanz- stälten des demokratische» Sozialisinus. Klein war die Schaar, die damals sich hier zusamineufand,»vinzig klein im Verhälliiiß zu der Masse der arbeitende» Bevölkerung. Verhöhnt, verlacht, verspottet. Ei» bürgerliches Blatt»var es.»velches im Jahre 18SS spöttisch meinte, Hainbnrg sei die sozialdemokratische A p o st e l s ch u l e. Die ernste Wahrheit hat diesen Scherz, diese» Hohn gerichtet. Ja wohl, von Hamburg aus stich gar viele Verlundiger des neuen Evan geliiuns unserer Zeit hinausgezogen in alle Lande. Dies Eva» gelinm, es hal Wurzel gefaßt allüberall, ans der kleine» inißachtete» Partei, von der man in ihren Anfänge» glaubte, daß sie nur dem Hirngespinnste eines Einzelnen ihre Entstehung verdanke, ist eine Macht geivordeu; aus der kleinen Schaar erwuchsen Bataillone und aus den Bataillonen»vard ei» Heer, das Schlachten geschlagen hat und das zurückblicke» kann anf schöne Siege, die unvergessen bleibe» »verde», so lange man eine Geschichte der sozialdemokratische» Partei Deutschlands kennen»vird. Hier in diesem Staume ertönte zum ersten Male jenes Lied, das heute Huudcrttanseude begeisterungsvoll singen, das Eturrn- und Kampflied der Sozialdemokratie, da? uns das Herzblut»mseres Jakob Alldorf gegebe», die deutsche Arbeitermarselllaise, die aus- klingt in den Refrain„Nicht zählen»vir de» Feind, nicht die Ge fahren all!"— jenes Lied,»velches da mahnt zun» Kampfe für Wahrheit»md Recht gegen de» gehaßtesten Feind, den Uuverstnnd der Massen. Des SängerS Hoffnung ist»vahr geworden, der Un, verstand der Massen ist durchbrochen, der demokratische Sozialismus, er hat de»»nterdrücklen, inißachtcteu, verhöhnten Massen des Volles die Erkenntniß gebracht, die uothrveudig»var,»m den Bode» zu bereiten, auf»velchem eine große, starke Partei sich entrvickel» konnle. Werths Freunde und Genossen! Die Parteitage,»velche die Sozialdemokiatie abhält, dienen einen, höheren Zivecke als die, welche veranstaltet werden von den sogenannte» staatserhaltende», den bürgerlichen Parteien. Hier i» diesem Räume unter den Genosse» und Genossinnen, die bernfen sind, inilzuralhen und mit« zuthaten, ist keiner, der sich nicht voll bewußt iväre der großen Ver- antwortlichk-it, die die Sozialdemokratie vor der Geschichte, vor der Mlt- und Nachwelt hat. Wir wisse»— und i» dieser Ucberzeugung habe»»vir bis jetzt alle» Forlschritt vollbracht—, daß die Sozial- demokralie berufe» ist, die große» Fragen unserer Zeit zu lösen. von denen Lassalle vor bald 46 Jahren sagte, daß sie die Gesellschaft erschültern bis in ihre innersten Tiefe». Ein Parteiparlamcnt, mit dem kein anderes sich vergleiche» läßt, rücksichllich seiner Bedentung, seiner Ziele und seiner Wirkung. sehe»»vir hier versamnielt, ein Parlamenl jener Partei, die»nil Slolz von sich sagen kann, daß sie die wahre, die eckte Volkspartci ist. Fremide und Genossen! Nicht,»vas man im all- gemeine» das Parlei-Jnteresse zu nennen pflegt, ist es,»vas hier zu»Vahren und zu fördern ist; nein, in diesem Worte„Partei- Interesse" begreift sich das berechtigte Interesse des Volkes, all' jeuer »ach Millionen zählender Massen, die da zu ringen haben gegen Elend, gegen Ungerechtigkeit, gegen Unterdriickung. Eines darf die Eozialdemokralie, darf jeder ihrer Jünger und Verküudiger niemals aus dsnAngen lassen, das ist die hohe, sittliche Kraft, die in unsere» Prinzipien liegt, die uns bis jetzt geleitet hal, die es uns möglich gemacht hat, Herr zu»verde» über alle Hindernisse, zu überwinde» alles,»vas da geschaffen und bestimmt»var, uns zu vernichten. Die Zeit des Sozialistengesetzes, hier in Hamburg hat sie manche» Markstein für die Geschichte der Partei errichtet. Sluch von hier a»ls gingen in jener Zeit viele, viele»vackere Genosse» hinaus in alle Welt, Opfer bringend, ja sich selbst zun» Opfer bringend der großen schönen Sache, der sie diente». Nun dann, ich glaube voraussetzen zu dürfen, daß Sie alle, die Sie drirch das Vertrauen der Genossen in»»veiten Deutschen Reich berufen sind, an den Verhandlungen des Parteitages theilzunebmen, Ihre Thäligkeit entfalten»verde» uiiter dem Eindruck der Thatsache, daß die Sozial demokralie neuen Kämpfe» entgegengeht, die zweifellos schwerer und entscheidender sein»verde», als»vir sie bis jetzt gehabt habe». Eine ganze Welt von Vorurtheilen, die finsteren Mächte der Reaktion, die herrschenden Juteresse»,»velche den sozialen,»virthschastlichen und politischen Fortschritt nicht»vollen— sie stehen gegen uns, mrd wen»»im» ihren Worte» Glauben schenken könnte, so»vürde ihnen gelinge», uns zu überwinden. Die Sozialdemokratie hat, besonders unter dem Sozialistengesetz, den Beweis geliefert, daß sie, gefestigt in Wahrheit und Gerechtigkeit, umiberwindbar ist, und wie die neuen Kämpfe sich auch gestalten,»vas sie nns auch bringe» möge», das eine ist geiviß, daß die Sozialdemokratie bereit und im stände ist, jeder Gegnerschaft, jedem Schicksal, das»vider sie heransbeschworen»vird, die Stirne zu bieten. Unter dem Eindruck der Thali'ache, daß jetzt aufs neue seitens der sinslercn reaklionären Gewallen Vernichtnngsptäne geschmiedet »verde», die nicht iiur uns, der sozialdemokratischen Parte»,»ein, die der Freiheil und den» Rechte der ganzen Nation gelten,»verde» Sie, Freunde und Genossen, berathen und beschließen. Nochmals dann herzlich»villkomine»! Glückaus zum guten Werke! Hier sollen iieue Waffen geschmiedet»verde» zun» Kampfe gegen die Geguerschast, neue Positionen sind zu schassen, und ich bin überzeugt:»vis hart mich oft der Streit der Meinungen entfacht»verde» möge, er steht uiiler der Herrschaft des guten Willens, sür die Partei das beste herbeizuführen. Ans Werk denn. Freunde und Genosse», in der festen Ueberzengung, die uns bis jetzt nimmer verlassen bat. Daß das, was»vir sinnen, was»vir thiin, der ganzen Menschheit, der Kultur, den Ausgaben der Kulturmenschheit zu Nutzen gereichen»vird! Wenn Sie von hier fortgehe»,»verde»» Sie es thu» in dem tröstende», crmulhigenden Beivußtsein,»nilgeivirkt zu haben an Beschlüsse», die zweifellos eine ueue Etappe anf dem Wege der Entivickelnng der Sozialdemokralie zu ihren Zielen bezeichnen werden.(Lebhafter Beifall.) Molkenbuhr: Parteigenosse» i Der gefchäftSfübrende Ausschuß hat mich beaustragt, den heutigen Parteitag zu eröffnen. Ehe »vir jedoch zur Bureauwahl gehen, kann ich nicht umhin, einige Worte über den gegcnivärtige» Tag zu sagen, da er ja ein Er- innerungStag im Kampfe der Sozialdemokratie ist. Henle sind zehn Jahre verflossen, seil in der Nähe von St. Gallen 80 Vertreter der deutschen Sozialdemokralie zusannnenlraten, um einen Parteitag im Auslande abzuhalieu. Es ist also ei» Gedenklag der Sozialdeino- kralie. und wir können sage», ein Jahrzehnt der S.ege ist seitdem Verstössen. Damals sann Pnltkamer darauf,»uit»velchen Mitteln end- gilligdieSozialdemokratie beseitigt»verde»» könne. Seine Verschärfungen des Sozialistengesetzes, die er damals plante, gaben der llieaktion noch die Hoffnung, daß es möglich sei, diese Beiveglliig mit Geivalt- Mitteln zil unterdrücken, nud»vir sehen, die Leute der Geivalt sind gewichen, die Sozialdemokratie ist die Siegerin auf dem Kampfplatz. Damals hatte»»vir eben«ine Wahl hiuier uns. Die Sozialdemo- kralie hat unter dem Sozialistengesetze beiviesen, daß sie auch eine siegende Partei sein könne. Seitdem haben»vir z>vei Wahlen gehabt, jede Wahl hat nns neuen Zuivachs gebracht, ja, eine Million Mitstreiter sind im ersten Jahrzehnt geivonnen »vordc». Jetzt solle» wir berathen,»vie»vir uns zu den nächste» ReichstagSivablen stellen»Verden. Jetzt stehen »vir vor einer Wahl, nn»»vieder einmal Heerschau zu hallen. Die ganze Situation von heute und damals gleicht sich ja infofern, weil auch heilte die Reaktionär« darauf sinnen, ob nicht eine Möglichkeil vorhanden ist, mit Gewalt schließlich die Bcivcgnng zu unterdrücke». und gerade deshalb»verde»» die bevorstehenden Wahlen von so un- endlicher Bedeulung sei»; ja,»vir können sage», der Schlachtpla» soll hier«ntivorfen»verde», der Schlachtpla», uuler den» das Prole- tarial eine»» Kampf im nächste» Jahre auskämpfe» soll. Es ist eigen- lhümlich: solangcdiesozialdemokratische Parte» besteht, hat sie es alsihre »vichtigsteAufgabe mit betrachtet, gerade dieWahlagitation zu betreiben; aber seit 21 Jahre» bat kein Parteitag sich mit der Frage der bevor- stehenden Wahlen beschäftigt,»vell entiveder dle Wahlen unvermuthet kamen oder,»vie es unter dem Sozialistengesetz regelmäßig der Fall »var, erst längere Zeit»ach einen» Parteitage. Tie bevorstehenden Wahle»»verde» von besonderer Bedentilng sein; gerade bei diese» Wahlen gilt«S, de» Gegnern einen Schlag zu verletzen, und deshalb steht dem gegcnivärligen Parteitage, der jetzt a» der Slordgrcuze des Deutschen Reiches tagt, eine besonders wichtige Aufgabe bevor. Es gilt eiiie Grundlinie zu schaffen, eine Organisalion, unter der»vir»icue Siege an unsere Fahnen heften. Ohne Ziveisel blickt nicht nur Deutschland, sondern die ganze zivilisirte Welt auf diesen Parteitag. Es gilt für»nS zu arbeiten im Interesse deS gesainmten Proletariats.(Bravo!) Ich»vollte diese wenigen Bemerkuiigen vorausschicken. Es»var bei»»S bisher üblich, daß der Parteitag geleitet »vird von zivei Präsidenten inil gleichem Recht. Dagegen erfolgt auch diesmal kein Widerspruch, ich bitte»im Vorschläge. Meist- Köln schlägt Eingei.' und Lefche-Allona vor. Ein anderer Vorschlag wird nicht gemacht. Singer: Genossinnen und Genossen k Zngleich im Namen des Genossen Lesche sage ich Ihnen herzlichen Da,ck sür die Ehre, die Sie»nS durch die Wahl zu Vorsitzenden eriviesen hnbeu. Ich brauche.»vaS mich anlangt, nicht erst zu sagen,»vie tief ergriffen ich davon bin, daß nun schon zu wiederholte» Male» der P irteitag mir daS Vertraue» erwies, mich init der Leilimg sder Geschäsle z» beaiiftragen. Ich glaube, ich kann meine» Dank dafür nicht besser belhätigeii, als»venu ich Ihne» auch heute verspreche, in strenger Objektivität alles auszubielen, um die Geschäfte des Parteitages im Interesse der Partei zu fördern.(Lebhafter Beifall.) Die Vorredner haben i» tereoier und schöner Weise auf einen Gedenktag hiiigciviese», den»vir heute feiern. Ich»veiß noch eine» anderen Gedenktag, der besonders für die Hamburger Genossen hier von Bedeutung ist: Auch das Hamburger Parteiorgan hat in diese» Tagen das Jnbiläuin des zehnjährigen Bestehens gefeiert. Und so »vie die Hamburger Presse, waren es auch die Hamburger Genossen. die stets voran in der Partei gekämpft haben! Ich hege die feste Zuversicht, daß eS auch in Zukunft so bleiben»vird.(Beifall.) Der Parteitag in St. Gallen, der letzte, der nuter dem Sozialisten- gefetz abgehalten»vorden ist, hat uns zu neuen Siegen geführt. Wir trete» heule i» die Geschäfte dieses Parteitages ein, in der Zu- verficht und in dem Beivußtsen», daß auch dieser Parteilag keinen» andere» nachiiehe»»vird i» dem Bestrebe», für die Ehre, die Kraft und die Agitalion der Partei»veiler zu arbeiten, und ich»veiß mich cinS mit Ihnen allen,»venu ich Sie bitte, dieses Gelöbniß anszn- preche» in»nserei» alte» Schlachtruf: Die deutsche Sozialdemokratie, lente mehr angegriffen»vie je, heute aber auch kampfbereiter»vie je, re lebe hock, hoch, hoch! Die Delegirtcn und die Zuhörer erheben sich von ihren Plätzen und stimmen begeistert in das Hock mit ei». Auf Vorschlag von G e y e r- Leipzig»verde»» durch Akklaination �.n Schriftführern folgende Genossen geivählt: Frl. Baader- Berlin, S p« r k a- Stuttgart, H n g- Bant, F e l d in a» n- Langen- bielau, S i n d e r m a» n- Dresden, U l l e n b a u m> Elberfeld, Knappe-Stettin, Stollen-Hamburg und Börner-Berlin.— Geuoff« Eitzing, r-Nürnberg. der nrsprüngllch milvorgeschlagen war, halte zu gunsten von Börner-Berlin, den Zubeil vorgeschlagen, auf eine Wahl verzichtet. In die Mandatskommission werden durch Zuruf ge- »vähll: Wei» Heber- Hamburg, Frau Jäger- Leipzig, Böhl«. Straßburg, Dr. A r o n S> Berlin, K a tz e n st ein« Mainz, S t t l i g- Hannover und Michaelis- Waldenburg. Die provisorische Geschäslsordiiung wird ohne Debatte ge- nehmigt. Singer: Bevor wir die Tagesordnung festsetzen, bitte ich, zwei Refolutionen. die hier eingelaufen find,— hoffentlich«in- müthig— anzunehmen. Es sind Sympathiekundgebungen sür die un» den Achtstundentag ringenden englischen Metallarbeiter.(Leb- haster Beifall.) Die erste Resolution ist von Genossen Legien ein- gebracht und lautet: Der Parteitag der sozialdemokratischen Partei Deutschlauds bietet den in» Kampf um de» Zlchtstundentag befindlichen Maschinen- bauern Englands seine brüderlichen Grüße und»vünscht, daß dieser für die Erringung des achtstündigen Arbeitstages be- deulungsvolle Kampf zu gunsten der Arbeiter entschieden»verde. Die Delcgirten verpflichte» sich, in ihre» Heimathsorten dafür zu sorgen, daß der Zuzug von Metallarbeitern nach England fern gehalten und auch eventuelle Uulerstistzuiig ausgebracht wird, damit die Metallarbeiter Englands nicht»vegen Mangel an Gcldmilteln den Kampf aufgebe» müssen. Wenn der Parteitag auch der Meinung ist, daß die englischen Geiverk- schasten finanziell so günstig stehen, daß sie noch lange dem Nnternehmerthui» Trotz zu bieten vermöge», so hält er es doch für den beste» Ausdruck der Solidarität,»venu die deutschen Arbeiter nach besten Kräfte» den englischeu Älrbeilsgenossen mit materieller Hilfe znr Seile stehen. Der Einigkeit des Proletariats gegenüber»vird das Unlernehmerlhun» sich als machtlos er- iveise». Der Sieg der Maschinenbauer Englands»vird neue Bahnen schaffen zum endlichen Siege des Proletariats aller Länder." Eine zweite Resolution rührt von den Genossen Stückle»»(Hof), Emmel(Saarlouis), Thiele(Halle), Lienau(Neumünster) uud Metzger (Hamburg) und hat folgende» Worllaut: „Der heutige Parteitag der Sozialdemokratie Deutschlands entsendet de» um de» Achtstundentag kämpfende» Maschinenbauern Englands seinen brüderlichen Gruß. Er erklärt, daß die Sozial- demokralie Deutschlands mit hohem Stolze auf die mustergiltige geivcrkschaslliche Organisalion blickt, mit der die Arbeiter des Maschinenfaches in England der starken Koalition ihrcS Unter- uehinerlhnins entgegenzutreten wissen. Mit Genugthuung begrüßt er serner die Tdatsache, daß zum erste» Mal gewerkschaftlich orgnuisirte Arbeiter eines ganzen Gewerbes im kapitalistischen Mnsterstaat England den Achtstundentag als Kampfparole aiiS- gegeben haben. Der Parteitag der Sozialdemokratle Deutschlands versichert deshalb die englischen Maschinenbauer seiner besonderen Cympaihic und wünscht ihnen baldigen und vollständigen Erfolg in ihrem bedeutsamen Kampfe." Bebel bitiet, die erste Resolution zu gunsten der ziveiten zurück« zuziehen. Sie scheint mir besser dem Geist zu entsprechen, in dem »vir uns ausdrücken wolle«.(Znslininntng.) Singer: Ist Genosse Legten damit einverstanden? Legien: Nein. Singer: Ich glaube, eS ist der Sache nicht dienlich, wenn »vir uns i» einen Wortkampf über die Fassung der Resolution ein- lassen.(Zuslimnning.) Worauf es aukomint.»vissen»vir alle. Wir wollen den englischen Maschinenbauern uusere Sympathie, unseren Glückivuusch und unsere Hoffnuugen auf ihren Sieg aussprechen. (Bravo!) Ich nehme an. daß der Parteitag damit einverstanden ist, wen» das Bureau die Redaktioi» der beiden Resolutionen zu einer vornimmt und ich lonstatire mit Genugthnung, daß der Partei- tag eiuflimmig die Sympathiekundgebung selber beschlossen hat. (Bravo!) Nuniitehr»vird znr Feststellniig der provisorisch vorgeschlagenen Tagesordnung gefchritlen. Punkt 1: Geschäftsbericht»vird debatleloS anerkannt. Singer: Wir iverdcn den Geschäftsbericht»vieder grnppen« »veife diskutiren und zwar in einer Gruppe: Allgenieiue Agitation, in einer zweiten, die Presse, und in einer dritten: die Kassenverhält- nisse. Dabei iverdcn dicAiiträge, so»vie sie in diese Eintheilung falle»», »litverhaitdelt»verde:». Diese Praxis hat sich in Gotha durchaus zweckmäßig erwiesen. Die Pniikle der Tagesordnung II, III und IV bleiben, wie vor« geschlagen ist. Z» Punkt V: Die Betheiligniig an den preußischen Landtags« wählen beantrage» die Parteigenossen des 3. Berliner Reichstags« Wahlkreifes eine» Korreferenten zu bestelle». Börner- Berlin: Die Genossen, die diese» Vorschlag machten, sagte» sich: Weiii» ein Korreferent bestellt wird, wird die Disknssion wesentlich abgekürzt. Aus eben diesem Grunde ersilche auch ich Sie, für den Antrag za stimmen. Der Antrag wird aiigeiiominen. Für das Korreferat werden Liebknecht, v. Elm und S ch ö i» l a n k vorgeschlagen. S ch ö n l a n k verzichtet und Lieb« k n e ch t wird mit großer Mehrheit zum Korreferenten bestimint. Die übrigen Puiikie der Tagesordnuiig bleiben, wie sie provisorisch aufgestellt waren, nachde»» ein Aulrag der Parteigenossen in Lübeck, als achte» Piinkt die Besprechnng des Proportional-Wahlsystems einznstclleii, nicht die»öihige Unterstützung gefunden hat. Als Arbeitszeit des> Parteitages»vird,»vie es bisher immer üblich»var, die Zeit von 9-1 und von 3—7 festgesetzt. Damit»st die heutige Tagesordnung erledigt. Singer dankt»och der. Redaktion und dein Verlag der „Gärtiierzsitiliig", die im Vereine mit dein Vorstande des Gärtner- Verbandes dem Kongreß eine» prächtigen Strauß aus rothen Georginen »nd Gladiolen gewidmet hat, für die Gabe und schließt dann gegen '/ig die Vorversaiumluiig. Erster verhandkungStas. Montag, den 4. Ottober.— VormittagS-Eitzung. 3>/e Uhr. De» Vorsitz führt Singer. Sing er: Auch in diese», Jahre habe»,»vir daS Vergnügen, die Vertreter ausländischer Brnderparteien bei»mS zu begrüßen. Die belgische Sozialdemokratie hat Genosse» Tour» ein o»t hierher gesandt. Ich heiß« ihn herzlich»villkommen. Wir alle, Visse», mit welcher Tapferkeit, mit»vclcher Energie die belgische- Genossen das allgemeine Wahlrecht»nv mit dem Wahlrecht den Einzim ins Parlament erobert haben. Wir»vissen, daß sie auch in Ziiknnfl ihre Schul» bigkeit thun und Schulter a» Schulter mit dem Proletariat aller Länder für die Besreiung der Arbeiterklasse kämpfen werde». Unsere öfter« reichische Bruderpartei jendet zivei Delegirte. Genosse S klaret vertritt bie Gesaniintpartei-Verlrelniig, Genosse Zell er den sozial» demokratischen Verband österreichischer Reichsraths-Abgeordnelen. Als»vir vor einen» Jahre in Gotha Genossen Schumeier hörten, da versicherte er nns, und»vir alle glaubten es ihn», daß die öfter- reichische Partei init aller Kraft in die Wahlbeivegung eintreten und Mandate erobern würde. Hcute»vcilt ein sozialdemokratischer RcichSralhs-Abgeordneler»»nter lins, Genosse Zeller. Unsere österretchischen Freunde haben gleich im ersten Anslnri» große Er- folge errnnge»,»nd»vir haben die feste Hoffnniig, daß sie anf diese», Wege iveiterschreilei»»verde». Ich glaube es im Name» dieses Parteitages ausspreche» zu könne»: die österreichische und die belgische Sozialdeinokraiie hat sich verdient geinacht um die Sache des internationale», Proletariats. Ich heiße ihre Vertreter hier herzlich»villkommen.(Beifall.) Genosse L e ß» e r in London hätte, wie er schreibt, gern an »»seien Parteitag theilgenoininei», zumal er gerade jetzt das fülifzig- jährig« Jubiläum seiner Parleithätigkeit seiern kann. Leider ifi er durch Krankheit verhindert. Im Namen der spaiiischen Partei sendet»tnS I g l e s i a S, der vielen von«nS aus den internationalen Kongressen bekannt ist, Grüße n»d Wunsche sür den Erfolg unserer Verhandlniigen. SInßerde»» ist eine Reihe weiterer Begrüßungsschreiben und Telegranime eingelaufen. Soeben erfahre ich, daß auch die sozial« demokratische Pnrteijdcr Niederlande den Genossen Sch aper, Mitglied des Gcmeinderathes in Groningen, hierher gesandt hat. Ich heiße auch ihn herzlich»villkommen. Auch die holländischen Genossen haben Mandate erobert n»d auch die Tribüne im Hang ist eine Stätte der Sozialdemokratie geworden.(Beifall.) Ich ertheile nunmehr daZ Wort dem Genossen Tournemont. Genosse Liebknecht wird die Freundlichkeit hoben, seine Ansprache zu überfetzen. Tournemont: Ich danke Ihnen für den freundlichen Empfang, den Sie mir zu theil werden lasse». Es freut mich, da man anerkannt hat, daß das kleine Belgien auch ein Recht hat, hier zu sei» und daß es ebenso herzlich begrüßt ist wie die Vertreter der Sroße» Nationen. Belgien ist ja nur ein kleines Land, welches ge. nssermaßen wie ein Satellit unter den andern Ländern um daS große Deutschland herumkreist. Mit Stolz blicke» wir alle empor zu der bestorganisirten und größten sozialistischen Partei, deren Ver- treter wir hier versammelt sehe». Auch in Belgien, so klein es ist, hat der Sozialismus tiefe Wurzeln gesaßt, dreißig Deputirte sitzen in der Kammer, Hunderte von Vertretern befinden sich in den G-meinderäthen, und die Angehörigen der Partei zählen nach Hunderttausenden, sodaß man die Zeit voranssehen kann, wo die Mehrheit der Bevölkerung dort sozialistisch sein wird. Nochmals Dank für den freundlichen Empfang!(Leb- haster Beifall.)»u»>. 61 laret. Wien: Genossen! Es ist mir der ehrenvolle Auftrag zu theil geworden. Euch im Namen der Sozialdemokratie Oesterreichs zu begrüßen. Ich brauche wohl nicht besonders hervorzuheben, wie rnnig unsere Beziehungen zu Euch sind, ich brauche nicht z» betonen, wie eng geknüpft das Band ist, das uns mit Euch verbindet. Es ist allerdings ein natürlicheres Bllndniß als das, welches unsere Diplomaten schließen, es ist ei» Bündniß zum Zwecke der Befreiung der Arbeiterklasse. Noch im Vorjahre habe» wir Euch die Ver- sicheruug gegeben, daß wir Oesterreicher unablässig bemüht sein werden, das Wahlrecht, das uns bisher vorenthalten wurde, zu erringen, und trotz lebhaften Widerspruches haben wir es durchgesetzt, daß das Ministerium dem Arbeiter sein Wahlrecht gebe»»uißte, allerdings ein Wahlrecht, das man eher als ein Unrecht bezeichnen kann. Aber wir haben es verstanden, dieses Mittel, diese magere» Knochen, die uns hingeworfen wurden, zu benutzen im Kanipfe um die Beseitigung der Privilegien. Es war Heuer im Frühjahr ein heißer Kampf, aber wenn der Kampf auf ein so tiefes Niveau herab- gedrückt wurde, so ivar es nicht schuld der Sozialdemokratie Oester- reichs, sondern der bürgerlichen Parteien. Ich fühle mich verpflichtet, den deutschen Genossen den Dank für die thatkräftige Unterstützung ,n diesem Kampfe abzustatten. Das was uns zu gemeinsamem Kampfe beseelt, läßt sich nicht trennen durch die Grenzpfähle, die die Bourgeoisie ausgestellt hat, um ihre egoistischen Bestrebungen besser in ihren Lokalschrauke» beschränke» z» können. Das, was uns verbindet, hat eine weit tiefere und festere Grundlage,»ud ich bin überzeugt, daß sich diese Beziehungen immer mehr befestigen und ausbauen werden. Mit dem größten Interesse verfolgt die öfter- reichische Partei Ihre Berathuugen. Indem ich Ihnen nochmals besten Erfolg wünsche, schließe ich mit einem dreifache» Hoch auf die internationale Sozialdemokratie.(Die Versammlung stimmt be- geistert in den Ruf ein.) Z e l l e r- Reichenberg: Im Auftrage der Sozialdemokraten im österreichischen Abgeordnetenhaus spreche ich Ihnen den wärmsten Dank aus für die thatkräftige materielle Unterstützung, die Sie uns in unserem Wahlkampfe geleistet haben. Noch mehr danken wir Ihnen aber für Ihre geistige Hilfe in dem Kampfe. Wir wissen Ihre Kämpfe und Ihre Erfolge wohl zu würdigen. Aber auch wir haben zu der Zeit Ihres Sozialistengesetzes zu kämpfen und zu leiden gehabt: Auch wir haben Erfolge errungen, wenn wir auch eine arme Partei sind. Gegenwärtig wird Ihnen viel erzählt von der Be- drückung des deutscheu Volkes in Oesterreich..In der That, das deutsche Volk bei uns ist in einer erbärmlichen Lage, es wird bedrückt. Aber welches deutsche Volk? Die deutschen Arbeiter. Und wer ist der Feind? Nicht die polnischen und czechischen Arbeiter; nein, neben dem polnischen Adel, dem czechischen Adel»nd Bürger- thum auch das deutsche Bürgerlhnm. Wenn die deutschen Arbeiter ihre Lage verbessern ivollen, dann wird nach den Gendarmen ge- rufen; das sind dieselben großen Führer der deutschnationalen Be- wegung, die dann in das Reich hinausgehen und um Hilfe rufen für das bedrückte deutsche Volk. Auch wir gehen hinaus, um unsere Gemeinsamkeit mit Ihne» zu bekunden und uns für den Kampf zu stärke». Wir wünschen Ihnen weitere Erfolge; nnch bei uns machen sie sich bemerkbar und wir heimsen einen Theil von ihnen ei». Die deutsche Sozialdemokratie hat uns den Weg gezeigt, wir folgen ihrer Führung. Möge sie auch in Zukunft uns vorbildlich sein und von Sieg zu Sieg schreite». Hoch die internationale Sozialdemokratie!(Die Versammlung stimmt in das Hoch ein.) S ch a p e r< Groningen: Ich überbringe die Grüße der nieder- läudischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und auch unseren herzlichen Dank für die finanzielle Unterstützung. Unsere Partei ist leider noch klein, aber zwei Genossen haben wir schon ins Parlament gebracht. wir hoffen es weiter zu bringen. Hoch die deutsche, hoch die internationale Sozialdemokratie! Die Genossen G u e s d e und L a f a r g u e übersenden die Grüße der französischen Arbeiterpartei. Singer theilt mit, daß am Donnerstag die Nachmittags- Sitzung ausfällt. Der Kongreß wird a» diesem Tage der Einladung des Lokalkomitee's zu einer Hafenfahrt folgen. Nunmehr wird in die Tagesordnung eingetreten. Punkt 1: Geschäftsbericht des geschäftS- führenden Ausschusses. P f a n n k u ch: Der Bericht deS Aiisschuffes liegt gedruckt vor, und nur weniges ist diesmal mündlich hinzuzufügen. I» den Be- grüßnngsreden wurde bereits auf die Erfolge der Sozialdemokratie rn außerdeutschen Ländern hingeuiiesen. Gedenken wir auch der kleineren Erfolge, die die Partei im eigenen Lande errungen hat. Als wir im vorigen Jahre nach Gotha gingen, konnten uns die Gothaischen Genossen mittheilen, daß sie acht Mandate erobert hätten. Das war der schönste Willkommeusgruß, der uns zverden konnte. Genosse Bauderl ist inzwischen wieder in den Landtag für Sachsen- Weimar gewählt worden. Bei den Meininger Landlagsivahlen haben wir vier Mandate erobert; in einem fünften Kreise stehen wir in Stich- wähl. Di« Agitation war wie immer die vornehmlichste Aufgabe der Partei. Daß die Parteileitung in dieser Hinsicht ihre Pflicht gethan hat, dafür spricht wohl der Umstand, daß diesem Parteitage i» bezng auf Agitation viel weniger Anträge ans den Reihe» der Genossen vorliegen, als je zuvor. Nur drei Anträge liegen aus diese», Gebiete vor. Der erste(Parteigenossen in Breslau, 3S.) fordert die Aufwendung größerer Mittel für die Agitation im ober- schlesifchen Jndustriebezirk. Noch ei» anderer(41.) An- trag, der Aiurag Berfas, befaßt sich mit demselben Gebiete. Eo verschiedenartig wie die Materie der beiden Anträge auf den ersten Blick auch scheint, so stehen sie doch in» engen Zusammenhang. Wenn nicht vorher die Frage geregelt wird, so wird der Partei- tag in dieser Frage ein Machtwort sprechen müssen. Es erscheint»othwcudig. den zentralistischen Charakter unserer Parlei mehr als bisher in den Vordergrund zu stellen. Der geschäftsführende Ausschuß hat versucht, das Pflichtbewußtsein der Genossen im Lande zu wecken. Auf dem vorigen Parteitage wurde bereits Klage darüber geführt, daß die Vertrauensleute im Lande es an erschöpfender Berichterstattung an die Zentrale fehlen ließe» Die Anregung, die in Golha gegeben wurde, und die Mahnung des Partei-Ausschusses, das Versäumte nachzuholen, hat gute Früchte gelragen. Das Material, das auf diese Weise zur Kenntniß gelangt ist, wird dem Parteitag unierbreitet und auch fernerhin weiter be- arbeitet werden. Wenn an einzelnen Orten darüber geklagt wird, daß nicht genug Mittel für die Agitation zur Verfügung gestellt wurden, so ist darauf hinzuweisen, daß es in einzelnen Orten Gebrauch geworden ist, beträchtliche Mittel zurückzubehalten, um für alle möglichen Fälle und Zufälligkeiten gerüstet zu sein. Gewiß ist es schön, wenn die Genossen vorsichtig sind, aber vergegenwärtigen wir uns doch, daß es ganz gleich ist, ob für solche Zufälligkeiten die Mittel am Orte oder in einer Zentralstelle lagern. Der zentralistische Gedanke der Partei muß aber dadurch zum Auedruck gebracht Waden, daß die Gelder bei einer Zentralstelle einlaufen, die sie den einzelnen Orten wieder zur Verfügung stellt. Ich könnte auf einzelne Parteiorte exemplifiziren, die eine rühmliche Ausnahme von der vorhin getadelten Gewohnheit machen. Sie stellen neun Zehntel der Partei-Einnahmen der Zentralkaffe zur Verfügung und decken die besonderen örtlichen Ausorderungen mit dem letzte» Zehntel. Diesem Beispiel sollte überall nachgeeifert werden. Was die allgemeine Agitation betrifft, so liegt hier die Anregung der Magdeburger Genossen vor, im ganzen Reiche eine umfassende Agitation für den Acht st und«»tag zu entfalte» und ihn im Parlament zu fordern. Nebenbei wird die Forderung der Arbeitsruhe am ersten Mai erhoben. Aehnliche orderungen sind auch im Laufe des Geschäftsjahres von einem heil der Parteipresse mit allem Nachdruck erhoben worden. Die Parteileitung sollte dazu gedrängt werden, niehr als bisher in dieser Hinsicht zu thun. Weiter hat der Hamburger Antrag, der Feier des ersten Mai eine andere Richtung zu geben, zu lebhasten Debatte» i» der Parteipresse geführt. Man wunderte sich, daß gerade von Hamburg diese Anregung kam. Zwischen diesen beiden Anträgen hat die Parteileitung wohl die richtige Mitte gehalten. Der Parteitag wird den Hamburger Antrag wohl ablehnen; es ist, wie ich die Dinge überschaue, auch wohl ein Antrag, der aus einer gewisse» örtlichen Verstimmung z» erklären ist. darüber, daß die Hamburger Genossen das letzte Mal den ersten Mai nicht so haben seiern können, wie sie es gewünscht hatten. Der Parteitag kann aber einer örtlichen Verstimmung, einen, Antrag aus verärgerten Gemüthern, nicht Rechuung tragen. Im allgemeine» hat die Ausführung des Gedankens der Arbeilsruhe am 1. Mai eine erfreuliche Zunahme gezeigt; wir habe» keinen Anlaß, hier hemmend einzugreifen. Bezüglich deS Antrags von Calbe- Aschersleben wegen Aufhebung der Gefinde-Ordnung ist das gleiche zu sage», wie im vorigen Jahre. Auch in diesem Geschäftsjahre wird es»och nicht möglich sein, die Agitation aus diese» Punkt besonders zu konzentrire». St, ich des Bremer Antrags bezüglich der„serlose,, Flottenpläne hätte es wohl nicht bedurft; die kommenden Reichstagswahlen werden jedem, der gegen die uferlosen Flolteupläue etivas auf dem Herzen hat, reichlich Gelegenheit bringe», sein Herz zu erleichtern. Die Schwierigkeiten, die der Ausführung der Agitation entgegenstehe», sind mit de», Wachsen der Partei immer größer geworden. U-berall wird bitlere Klage darüber geführt, daß die zur Verfügung stehende» Lokale immer geringer an Zahl werden. So ist es zu erkläre», daß dort, wo die Genosse» »der größere Lokale verfügen, oder wo sie nach längerer Pause wieder in die mündliche Agitation treten könne», immer und inimer wieder der Ruf erschallt, es möge ein Reichstags- Abgeord- n« t e r hingeschickt werden. Wäre die S a a l a b t r e i b u» g nicht so i», Flor, wie sie im Flor ist, so könnten die Agitationstouren auch von solchen Genossen ausgeführt werde», die dieselben Fähig- keile» und dieselbe Routine habe», wie die Genosse», die im», er wieder verlangt werden. Aber weil diese Uebelstände bestehen, sind jene Forderungen begreiflich; die Genossen wolle» jemand haben. der durch die Zugkraft seines lllameus den Saal z» füllen im stände ist. Wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden, so muß man sich damit bescheiden, daß unter Umständen andere wichtigere Aufgaben der Parlei zu erledigen sind. Die Genosse» denke» oft. wenn eine Absage erfolgt, fei eS böser Wille;»ein, es find böhere Partei- Jutereffe» dafür ausschlaggebend, wenn irgend ein Verlangen ab- gelehnt wird. Wenn wir die mündliche Agitation nicht in dem bisherigen Maße betreiben können, so tritt die F l u g b l a t t- V e r l h e i l u» g naturgemäß a» ihre Stelle, deren Hinter, reibung eine Hauptaufgabe der Polizei-Organe ist. Alle möglichen Verorduunge», ja selbst eine veraltete Sabbaihorduung muß in Verbindung mit dem„Groben Unfug- Paragraphen" dazu herhalte», um die Vertheilung zu erschweren. Die richterliche Ausführung dieses Paragraphen geht sogar so weit, daß es als grober Unfug angesehen wird, wenn eine». Andersdenkenden ein Flugblatt überreicht wird, ganz besonders wenn es vor de», Kirchgange geschieht, weil hierdurch der anders politisch Denkende i» seinem religiöse» Gefühl beeinträchtigt wird. Das hat dazu ge- führt, daß unsere Genossen nicht in dem Maße, wie sie es gern Ihu» würde», den einzig freie» Tag zur Agilalio» verwenden könne». Klagen darüber anzustellen, wäre müßig, wir müssen»nS mit diesem Zustande abfinden und unsere Genossen werden sich damit abzufinden wisse». Im vorausgegangene» Geschäftsjahr waren wir an Reichs- t a g s w a h l e n als Partei belheiligt. Unsere Hoffnungen sind dabei nicht ganz erfüllt worden. Mainz haben wir nicht behaupte» können, immerhin bürgen die erreichte Slimnieuzahl und die Erfolge bei den Landlagsivahlen dafür, daß wir de» Mainzer Reichslagcsitz das nächste Mal wiedergewinne» werde». Einen besonderen Mahnruf an die Genoffen möchte ich bei Erwähnung der Wiesbadener Wahl richten, ich möchte da geradezu einen moralische» Zwang aus- übe». Bei de» Nachwahle» glaube» die Genosse» vielfach. der Erfolg werde durch ausreichende Geldmittel verbürgt. DaS ist ein Jrrthum x wie es das Frankfurter Organ»ach der Wahl richtig aus- gesprochen hat, ist vor allem erforderlich eine straffe. geschlossene politische Organisatio». Auch in manchen andere» Kreisen ist da noch viel nachzuholen, und diese Mahnung kann nicht oft genug wiederholt werden. In den Berichten der Vertrauensmänner wird vielfach Klage darüber geführt, daß durch Vestrebungen, die auf andere» Gebieten liege», die Kräfte abgelenkt»ud zersplittert werden. Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen ist es»othwendig. daß die Parteigenossen nicht weiter in diesen Fehler verfallen; dann könne» wir getrosten Muthes dem Wablkampf entgegensehen, wir werden ihn der Parleiehre gemäß zu führe» verstehe». Mit ein Paar Worte» will ich der Slgitation gedenke», soweit die Militärverwaltung darüberi» Harnisch gerathe» ist. Niemand mehrwie die Sozialdemokratie selbst warulihreParteiangehörige». alles und jedes zu unterlasse», was sie mit dem Militär-Strafgesetzbuch in Konflikt bringe» kann Aber daran ist nun einmal nichts zu ändern, daß eine Parlei. die nahezn zwei Millionen Wähler repräfentirt und 'ich mit der Hoffnung trägt, bei de» kommenden Wahlen die zwei Millionen zu überschreite», ganz von selbst entsprechend im Heere vertreten ist. Mag die bürgerliche Presse unserer Ansicht, daß sich in den stelig wiederkehrenden Erlaffen der Militärverwaltungen der Parlikularstanlcn sich eine bange Sorge dokumenlirt, noch so entrüstet entgegei' trete»; wir wolle» darüber nicht streiten. Wir werden uns in unserer bisherigen Taktik nicht beirren, uns nicht zu«lwaS anderem verleiten lassen; wie wir bisher taktvoll gehandelt haben, werden wir eS auch in Zukunft thun. Wir wisse», daß»>it jeder weiteren Ausbreitung der Partei auch das sozialistische Gift notbwendig denjenigen Körper durchdringen muß, den man als di,S letzte und festeste Fundament der bürgerliche» Gesellschaft ansieht. Ich gedenke„och mit ein paar Worten der Presse. An der Hand des Geschäftsberichts könnte man ja dieses o wesentliche Mittel der Organisation als im Rückgang begriffen annehme». Allerdings sind einige Kopsblälter eingegauge». die entgegen den Mahnungen der Parteileitung in einzelnen Orten, wo die Genosse» durchaus ein eigenes Blatt haben wollten, ge- zründet wurde». Ihre Gründung beruhte auf unrichtiger Voraus- 'etzung und ihr Geschick mußte sich erfüllen. Im ganzen ist es zu», mindesten bei», bisherigen Zustand geblieben oder er hat sich ver- bessert. Der Kassenbericht giebt unseren Gegnern Anlaß zu der Be- hauptung, die Partei habe ihre Leistungsfähigkeit bereits überschritten. Wir wissen, daß daS nicht der Fall ist; es bleibt dasselbe zu sagen. was ja Auer das vorige Jahr i» deutlicher Weif« ausgeführt bat. Es ist leider eine Thatfache, daß an mauchi» Orten die Genossen große Mittel festlegen und sie nicht an die Parteikasse abführen. Das muß anders werden; dann wird es auch möglich sein, manche Wünsche bezüglich Verstärkung deS Agttalionsmaterials, wie sie aus den verschiedenen Kreisen an die Parteileitung herantreten, in höherem Maße alS bisher zu befriedigen. Ich kann da nur auf die Berliner Genossen alS«in ninstergiltigeS Vorbild hinweisen. ES ist grundfalsch, zu sagen. wenn der KreiS seine Gelder behält, braucht er sich nachher nicht an die Parteileitung zu wenden. Mögen die Berarhungen des Parteitages dazu beitragen, daß der zentralistische Charakter der Partei mehr alS bisher wieder in den Vordergrund gerückt und gestärkt wird. Das ist der Wunsch der Parteileitung, Ihre Pflicht und Aufgabe.(Lebhafter Beifall.) Den Kaffenbcricht erstattet G e r i s ch. Bisher wurde nur jährlich die Zahl der vorhandenen Blätter der Parteileitung angegeben; in diesem Jahre haben wir die Parteipresse um nähere Angaben er- sucht, aber trotz aller Bitten»ud Mahnungen sind noch viele Blätter mil ihren Angaben im Rückstände(hört! hört!). Nach meinen Schätzungen, die von der Wirklichkeit noch übertroffen werden, haben die täglich erscheinenden Bläiter einen Abonnentenstand von mindestens 256 524. Davon habe» 6 Blätter eine Gesammtabnahme von 1440 Abonnenten, 23 Blätter eine Zunahme von 16 847, so daß sich»ach Abzug des Verlustes für die täglich er» scheinende» Blätter ein Gewinn von lb4i)7 Abouneuten ergiebt. Hierbei sind allerdings die Veränderungen in der Erscheinungsweise der„Rheinisch-westfälischeu Arbeiterzeitung" sowie unserer Partei- Orgaue in Münche» und Augsburg nicht berücksichtigt. Wenn wir diese Verschiebungen hoch anschlagen, so beträgt die Differenz nur 5000, so daß bei den täglich erscheinenden Blättern immer noch ein Gewinn von 10 000 Abonnenten zu verzeichnen ist. Die Gesammt« einnahmt der täglich erscheineude» Blätter beträgt ziffernmäßig 2 577 891 M.; dazu kommen»och die schätzungsweise sehr niedrig ein- gestellte» Einnahme» von drei Blätlern, die keine Angaben gemacht habe», so daß sich insgesammt eine Einnahme von 2 701891 M. er- gebe» dürfte. Von dieser Summe kommen auf Einnahmen aus Abonnementsbeträge rund 1 804 000 M., aus Inseraten 397 000 M. — Tie dreimal wöchentlich erscheiuende» Blätter haben eine Aboniientenzahl von 36 683; einschließlich eines Blattes, von den, keine Angaben vo, liege» und dessen Abonnenten- stand ich sehr niedrig eingeschätzt habe, beträgt die Gesammt- Abonnenteuzahl 41 083. Drei Blätter haben eine Abnahme von 190, sechs Blätter eine Zunahme von 1547 Abonnenten; im ganze» ergiebt sich also ei» Gewinn von 1337 Abouuenten. Die Gesammteinuaduien betragen 246 877 M., wovon aus Abonnements- beträge 169 337, auf Inserate 77 540 M. kommen.— Bei den zwei« mal wöchentlich erscheinenden Blättern beträgt der Abonnentenstand 16 065; ei» Blatt bat 100 Abonnenten verloren, drei Blätter haben 800 Abonnenten gewonnen, der Gewinn beträgt also 700. Die Ge- saiumleinuahme beziffert sich auf 64 435 Mark, und zwar 54 204 Mark aus Abonnemcutsbeiträgen und 10 230 Mark aus Inseraten.— Die einmal wöchentlich erscheinen- den Blätter haben insgesammt 9587 Abonnenten, ein Blatt Hai 300 verloren, ein anderes 300 gewonnen; Gewinn und Verlust gleichen sich also aus. Die Gesammleinnahmen betrugen 19 830 M.. aus Abonn-meutsgelder» 17 537, aus Inseraten 2342 M. Die Parteipresse hat also insgesammt 323 259 Abonnenten; gewönne» sind insgesammt 12 027. Die Einnahme der gesammten Parteipresse beträgt 3 032 192 M., wovon 2 045 079 M. aus Nbouuementsbeträgen, 937 113 M. aus Inseraten stamme». An Prozeßkosten wurde» gezahlt für die täglich erscheinenden Bläiter 34 974 M. Obenan stehen Breslau. Erfurt und Halle a. S. mit zusamme» 14 317 M. Für die dreimal, zweimal und einmal wöchentlich erscheinenden Blätter wurden an Prozeßkosten 5053 M., iusgesamnit also 40 027 M. verausgabt. Demnächst wird ja wieder eine Preßkonferenz tagen; jedenfalls wäre es erwünscht, daß die Parteiblälter sorgfältige Angaben machen, damit unsere statistische» Erheb»,, gen fort- gesetzt werden können. Nur so wird die Parteileitung im stände sein, ein richtiges Urlheil zu fällen. Zweifellos hat sich im letzte» Jahre eiue Zunahme an Abonnenten gezeigt. Aufgabe der Parteigenossen wird es sei», weiter für unsere Presse zu agitiren. Möge kein Redner eine Volksversammlung vorübergehen lassen, ohne aus die Wichtigteil der Presse aufmerksam zu machen! (Sehr richtig!) Bevor ich auf die offizielle Berichterstattung über die Kasseuver« hältniss« übergehe, muß ich es aufs schärfste tadeln, daß, trotzdem wir den Genosse» sechs Wochen Zeit zur Berichterftattuug gegeben und trotzdem wir ihnen alles so bequem und mundgerecht wie möglich (Fortsetzung im Hauplblatl.) Lokales� Tie NnSstcllnng des GewerbcsaaleS bietet Kunstschmieden Schlossern. Mechainlern und Maschinenbauern viel Anregendes. Man lernt dort die Borarbeiten kennen, die bei Ausübung der an- geführten Gewerbe nölhig find. Die ausgestellte» Zeichnungen und Modellirungen lassen die bedeutenden Fortschrilte dieser Gewerbe in den letzten Jahren begreiflich erscheine». Bor der Zeichen» fertigkrit der Schmiede, die trotz ihrer schweren Arbeit mit leichte,,, flotten Striche» ihre Gitter, Wandarme, Kronleuchter„. a. zeichnen, muß man uubediugl Achtung habe». Nur ist es bedauerlich, daß unter den Zeichnungen so wenig Eelbstentwürfe ztt sehen sind, ja, daß man überhaupt säst gar kein Streben nach nette» Formen ent- decke» kau». Wohl ist der Aufschwung der Kuustschlosserei und Kunstschniiederei noch sehr neuen Datums, doch sieht man z. B im Hausaviertel, im Thiergarleuviertel und auch in manchen Äeschästspaläsien der iuneri» Stadl viel eingen artigere Eisengitter und Geländer, als im Durchschnitt unter den Zeichnunge», die doch immer der praktischen Ausführung voraus fein sollten. Mit Vorliebe läßt man die Schüler immer noch zu viel in alle» Stile» arbeiten. Es ist ja gewiß gut, wenn die Schüler diese kennen lernen, doch sollte mehr auf die Anforderungen des moderuen Gewerbes gegeben werden. Die italienische Nenaiffance eignet sich, wie man bei Vergleichen der Zeichnungen sehen kann, auch sehr schlecht zn Arbeiie» in Eisen; die Gothik ist init ihre» kräftigen Formen sicher vorzuziehe», da das Material doch kernige Linien braucht. Auch dürste die Gothik mehr zu neuen Eni- würfen reizen. Soviel steht fest, daß die Kunstschmiede- Arbeiten, da sie die plumpe» Holzzäuue und Geländer und die schlechten gußeisernen Stackeie schon fast gänzlich ver- drängt haben, sicher einen nicht geringen Einfluß aus das ganze Kunstgewerbe ausüben werden. I» die Herstellttngs- weise der Eiseuarbeiten führen die mathematischen Aufzeichnungen von Rosetten und Rollköpsen ein, ebenso das sogenannt« Modell- austragen, wo nach eine», Entwurf das Ornament in Papier und Blech ausgeschnitten wird. Die Zeichnung eines Dachschildes zeigt, daß nicht nur Ornamentales, sonder» auch Konstruktives gelehrt wird; man sieht deS Schildes Vorderansicht und auch dauebe», wie es befestigt werden muß. Ileberhaupt ist zu loben, daß alle Gegenstände von mehreren Seite» gezeichnet werden. sodaß bei der Herstellung irgend welche Jrrthümer gänzlich aus- geschlossen sind. Unter de» in Plastelin ausgeführten Modellirungen salle» namentlich ei» ornaineutaler Löwenkopf sowie ein kantiger Hundekopf und e», Menscheniopf auf. Durch ganz einfache Linien werden bei den beide» letzteren gute Wirkungen erzielt. Bei den Zeichnungen der Mechaniker und Maschinenbauer, die alle mögliche» Maschine». Justrunienle und Apparate darstellen, ist die Sauberkeit anzuerkennen. Die Kennzeichnung einzelner Tbeile geschieht durch eine leichte Farbengebung, auch sind viel Feder- zeichnungen und einzelne Lichtpause» z» sehen. Jeden« falls lernen alle Schüler die Technik des Zeichnens in ausreichendein Maße. A» den sämmllichen Zeichnungen eines hervorragend begabten Schülers ist auch die Entwicklung zu sehen, die die Schüler binnen wenigen Jahren durchmache» können. Von den einfachsten Körperzeichnunge» hat er sich i» vier Jahre» durch, gezeichnet bis zu den komplizirtesten Maschineulheilcn. Die Schüler lim letzten Jahre 1722) werden unterrichtet in 76 Kursen, dw in zehn, durch die ganze Stadt vertheilten Abtheiluugeu abgehalten werden. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Ausstellung noch bi? Mittwoch, und zwar mittags von 12—3 und abeudS vo» 6 bis 9 Uhr geöffnet ist. Berliner Theatergrößen. Richard Alexander bat bis jetzt noch mit keiner Bühne ab 1693 abgeschlosse». Man erzählt, das, der beliebte Künstler die hübsche Kleinigkeit von 30 000 M. beansprucht. Emil Thomas, setn Rivale auf dem Gebiet, bezieht a» die 40 000 M. und Georg Engels verlangte im vorigen Jahre noch 10 000 M. wehr att er. Infolge dessen konnte sich kein Engagement des Kiinst- Urs ermögliche».— Diesen respektablen Gehältern stehen natürlich hunderte gegenüber, die kaum zum Sattessen ausreichen. In Sachen der VersromlniinaSverordnung heißt es jetzt, daß einem Beschliesse des StaalsmmisteriumS entsprechend Ver- Handlungen wegen Revision der in Rede stehenden Polizeiverordnung eingeleitet, aber noch nicht zum Abschlüsse gebracht sind. Es wird natürlich nicht darauf zu rechnen sein, daß der Theil der Maß- nahmen, welcher das Versaminlungsiccht einschränkt, zurück- genommen werde. Die Versammlnagsfreiheit ist ja auch ein Ding, das den meisten verordnungsseindlichen Geschästsleuten in hohem Grade gleichgiltig ist. Neber moderne Malerei hielt am Sonntag Abend Herr Dr. Koppen in der alten Urania einen interessanten und anregenden Borlrag. In klaren Skizzen führte Herr Dr. Köppen den Zuhörern die politische Entwickelung vor Augen, zn der das Jahr 1848 den Anstoß gegeben, und zeigte, wie aus dem Strome der sozialen Kämpfe auch die jüngeren Künstler geschöpft und sich zu mulhigem Vorstoße gegen die zopfigen Regeln der farbenfeindlichen Akademiker de» Muth geholt haben. Nachdem weiter geschildert worden, wie die neue Kunst der Freilichtmalerei sich zunächst der Landschaft zuwenden mußte, wurden in farbigen Glasbildern, die von den besprochenen Künstlern selber ausgeführt waren, die hauptsächlichstenWerke der neuen Richlttiig dem Publikum vorgeführt. An den bekannteren Werken der Künstler Leibi, Llebermann, Hans V.Bartels, Dill. Dettmann und Leistikow inachle der Vortragende seine Gemeinde mit der neuen Auffassung der Natur und der hohen Bedeutung der Farbe in der modernen Malerei bekannt und zeigte dann an Böcklin und Lesser-Ury ihren Einfluß auf die idealisirenden Künstler. Auch wurde an charakte- ristische» Beispielen der Unterschied in der alte» und neuen Dar- stellnng des Porträts veranschaulicht. De» Schluß bildete eine Vor- führung und interessante Erläuterung von Max Klinger's Aufsehen erregendem Bilde„Christus im Olymp". Herr Dr. Köppen verstand es, sich von aller akademischen Vornehmthuerei fernzuhalten; die offene Begeisterung, die er den wirklichen Künstler» der neuen Rich- tung darbrachte, und die Entschiedenheit, mit der er den alten Zopf angriff, mußte auch bei denen Freude erivecken, die nicht in allen Fälle» auf dem Boden seiner Anschauung stehe» mochten. Die Urania begann die Eröffnung ihres alten Jnstitules in der Jnvalidenstraße, in welchem wissenschaftliche Experimenlal- und Projektionsvorträge gehalten werden sollen, für diesen Winter am Eonnabend mit einem Vortrag über Telegraphie ohne Draht. Durch die Versuche Marconi's, die wir schon früher eingehender behandelt haben, ist die Frage der drahtlosen Telegraphie in ein aktuelles Stadium getrete», und das zahlreich erschienene Publikum folgte den Ausführungen des Herrn Dr. Spies über den Zusammenhang der In- duktion mit elektrischen Wellen und die Benutzung der letzlerenszur tele- graphischen Zeichengebung mit großem Interesse und reichem Der städtische Gewerbcsaal VI und die Berliner Tischler- schule V für den Südosten unserer Stadt beginnen am 6. Oktober dieses Jahres das Wintersemester. Maschinenbauer, Mechaniker, Kunst-, Bau- und Maschinenschlosser und Angehörige verwandter Gewerbe, sowie die Angehörigen des Tischlergewerbes finden hier die beste Gelegenheit, sich die ihrem Berufe entsprechende zeichnerische Ausbildung anzueignen. Der Unterricht findet Sonntags von S bis 123/« Ubr und werktäglich von 7l/z bis S'/z Uhr statt und wird von praktischen Technikern ertheilt.— Anmeldungen nimmt der Rektor Schünemann im Anitszimmer der ISl. Gemeindeschule, Reichenberger- straße 131/182 täglich vor Beginn des Unterrichts entgegen. Das Honorar für einen Kursus beträgt 4 M., für zwei und mehr Kurse L Mark. Die 7. städtische Fortbildungsschule für Mädchen, welche seit 1v Jahren im Schulhause N a»» y n str a ß e 63 besteht, beginnt ihre Unterrichtskurse für das Wintersemester am Mittwoch. den S.Oktober. Die Unterrichtsfächer sind: Deutsch(Rechtschreibung. Briefstil, Aufsatz, Lektüre), Schönschreiben, praktisches Rechnen, ei»- fache und doppelte Buchführung, gewerbliches Zeichne». Gesang, Turnen, Maschinennähen, Wäschezuschneiden, Schneidern, Plätten, Putzmachen, sowie alle weiblichen Handarbeiten inkl. Kun st Handarbeiten. Außerdem wird Französisch und Englisch für den mündlichen und schriftliche» Gebrauch gelehrt sowie auch die Stenographie nach Stolze und Uebung im Gebrauch bewährter Schreibmaschinen erworben. Das Schulgeld beträgt für die Hauptfächer zusammen monat- «ch 50 Pf., für die übrigen 1 M. Anmeldungen werden nachmittags von 6 Uhr ab im Aintszimmer der 42. Gemeindeschule beim Rektor Zander, Naunynstraße 63, e»t- gegengenommen. Die 8. städtische FortbildungS- Anstalt für Jünglinge und Erwachsene, Putbuserstr. 23, in der Nähe des Hnmboldthains, er- freut sich eines regen Besuchs. Im vergangene» Halbjahr haben 520 junge Leute, besonders Kaufmanns- und Handwerker-Lehrltnge, an dem Unterricht thetlgenommen. Außer in den allgemein bildenden Fächern, Deutsch, bürgerlichem, kaufmännischem und geometrischem Rechnen wird in Französisch und Englisch in Ober- und Unterkursen. in einfacher und doppeller Buchführung, Stenographie, Geometrie, Algebra, Physik, Mechanik, Chemie, Zirkel-, Prozektions-, Ornament- und Körperzeichnen, Fachzeichnen für Graveure und Lithographen und im Modellire» unterrichtet. Ferner ist mit der Schule ei» städtischer Gewerbesaal und eine Abtheilung der Berlines Dischler- schule mit zusammen 125 Theilnehmern verbunden, in denen Fach- zeichne» für Schlosser, Maschinenbauer. Mechaniker, Drechsler und Tischler gelehrt wird. Das Winter-Halbjahr beginnt Mittwoch, de» 6. Oktober. Slumeldunge» nimmt der Leiter der Schule, lltektor Klebe, mittags von 12—1 und abends von 7—9 im Schulhausc entgegen. Ju der städtische» FortbildnilgSschnle, Fruchtslr. 38/89 findet i» diesem Winter, MUlivoch, abends von 7—0 Uhr. ein uu- eutgeltlicher Kursus in der G e s e tz e s k u n d e statt. Es wird namentlich das Gewerbcrcchl und der gewerbliche Arbeitsvertrag sowie das Zlrbeiterversicherungs-Gesetz behandelt werde». Anmeldungen i» der Anstalt. Beginn am 6. Oktober er. Die zweite Tame»nbtheil»»g des TnruvereinS Fichte ver anstaliele am Sonntag Nachmittag in der Turnhalle der Realschule� auf den: Gesundbrunnen ein Schauturnen, zu dem sich eine stallliche Anzahl Zuschauer und Zuschauerinne» eingefunden halten. Die Freiübungen wie die Produktionen an Gerälhen legten Zeuguiß von dem Eifer ab, mit dem sich die jungen Mädchen den körperlichen Uebuuge» Hingaben, und der frische Gesang, der aus den jugend« lichen Kehlen ertönte, beivies, das, die Fröhlichkeit gleichfalls eine Stätte im Verein findet. Ju einer hübschen einspräche belehrte eine junge Dame das Publikum über die Nützlichkeit des Frauenturnens. Das Interesse, welches die Redneri» für den Verein beanspruchte. wird ihm in seiner ferneren Entivickelnng gewiß noch reicher als bisher entgegengebracht werden. Der Fall dcö Kutschers Schulz in polizeilicher sDar- stellnng. Zn der Affäre aus der Kochstraße, über ivelche wir vor einigen Tagen berichteten, wird von polizeilicher Seile das folgende gemeldet: Am 23. Septeuiber, nachmittags gegen SV, Uhr bog der Kutscher Schulz mit einem Geschäsiswage» vorschriftswidrig aus der Kochstraße im scharfen Trabe und im kurzen Bogen nach links i» die Wilhelmstraße ei». Bon den» dort stehende» Schutzmanns- Posten durch Wink« und Zurufe auf das vorschriftswidrige Fahren aufmerksam gemacht, fuhr Schulz zunächst zwar weiter, machte aber da»» mit dem Fuhrwerke kehrt und stellte den Schutz- mann wegen seines Zurufes zur Rede. Nu» erst stellte der Beamte ihn mit Hilfe einer Sleuerquitlnug fest und forderte ihn, da sich inzwischen eine größere Menschenmenge angesammelt halte, zum Weiterfahren auf. Der wieverholte» Aufforderung leistete Schulz auch, als noch ein Beamter hinzukam, keine Folge, sodaß er zur Beseitigung des Auflaufs zur Wache gebracht werden sollte. Da er Widerstand leistete, mußte er vom Bock geholt und ihm die Leine, an der er sein Pferd heftig riß, aus den Händen gewunde» werden. Vorher schon halte der eine Beamte die Zügel abschnallen wollen, um das Thier von seiner Qual zu befreien. Bon der Wache aus wurde Schulz entlassen, als die genauere Feststellung seiner Pelso» erledigt war. Mit einem furchtbare» Tode hat Sonntag Morgen in Schöne- berg der leichtsinnige Lebenswandel eines jungen ManneS geendet. Der 13 Jahre alle Sohn Otto des Bankbeamten Schwerdt aus der Kaiser Friedrichstraße war bei der Post als Hilisbeamter angenommen worden. Sein leichtsinniges Leben führte aber dahin, daß er vor einiger Zeit den Dienst verlassen mußte. Der junge Mann hatte nun wohl nicht mehr den Muth, seinen Elter» vor die Augen zu kommen, und trieb sich umher. Vergebens forschte der Vater nach seinem verlorene» Sohne. Er erfuhr nur. daß derselbe bei ver- schiedenen Bekannten ans seinen Namen Schulden gemacht hatte, den Anfentdalt des Gesuchten aber vermochte» ihm auch die Be- kannten nicht anzugeben. Am Sonntag Morgen um 6l/i Uhr nun fand die Frau des Pförtners aus dem Hause, in welchem die Elter» des Gesuchten wohnen, diesen im zweiten Stock aus der Trepp« liegen. Bevor die Frau den Eltern Mitlheilung»rächen konnte, lief der junge Schwerdt die Treppen hinauf und stürzte sich aus den» Flursenster der vierten Etage in den Hof hinab, wo er mit zerschmettertem Schädel todt liegen blieb. Es heißt, daß der junge Schwerdt geistesgestört gewesen sei. Erschossen hat sich gestern, Montag, Mittag der 50 Jahre alte Rentner van Norden, der mit seiner Frau in ein ein Pensionat in der Potsdamerstraße wohnte, va» Norden's Frau hatte wiederholt Anfälle von Geistesgeslörtheit und befand sich bereits zrveimal in der Maison de sante. Auch das letzte Mal wirrde sie von dort nur gc- bessert, nicht geheilt entlassen. Der Mann scheint unter diesen Ver- hältniffen schwer gelitten zu habe» und wurde schließlich hochgradig nervös. Gestern Vormittag ging er gegen 11 Uhr ans. Man merkte ihm nichts Besonderes an, obgleich er wobl schon den sesten Plan gefaßt hatte, aus dem Leben z» scheiden. Nicht viel spater kam er auf deir Flur des Hauses Potsdamerstraße 50, zog hier eine» Revolver aus der Tasche und tödtete sich durch einen Schuß. Die Pförtnersleule. die auf den Knall herbeieilten, holten sofort ans dem Nebenhause einen Arzt. Dieser konnte jedoch nur uoch feststelle», daß der Tod bereits eingetreten war. Die Leiche wurde von der Revierpolizei beschlagnahmt. Berichtigung. In der Meldung über das Ableben unserer Parteigenossin Bruder ist ein Druckfehler vorgekommen. Unsere tobte Genossin war irrthümlich Braver genannt worden. Verschwnude» ist seit einigen Tagen die 26 Jahre alte Tochter des früheren Pserdebahnschaffners Berg ans der Ackerstr. 160, die in verschiedenen Gerichtsverhandlungen von sich reden gemacht hat. Man vermuthet, daß das Mädchen sich ein Leid angethan hat. Kleine Chronik. Am Sonnabend wurde im Lustgarten der Diener Krüger durch einen Postivagen überfahren. Er erlitt eine Verstauchung des Rückgrats und einen Bruch des linken Unter- schenkels.— In der Dresdenerstraße fiel der Schlossergeselle Scholz aus Rixdorf infolge eines Schwindelanfalles vom Verdeck eines Omnibus und erlitt eine Gehirnerschütterung.— Durch die Explosion einer ungeschickt gehandhabten Petroleumlampe erlitt die Willive des Wächters Stresow, Kniserstr. 25, schwere Brandwunden.— Bei einer in der Nacht zum Sonntag in der Wilhelmstraße entstandenen Schlägerei wurde Buchhändler Klarkhaus und der Kriminalschutzman» Klarche an den Köpfe» verletzt.— Am Sonntag wurde der Arveiter Größler betrunken und mit gebrochenem Bei» in der Kottbuserstrnße aus dem Pflaster liegend gefunden. Soweit bisher sesigestellt werden kann, war er kurz vorher ans einem in der Nähe befindlichen Schanklokal herausgeworfen worden. Eine 74jährige Greisin, die Frau deS in der Schönhauser Allee wohnende» Klempners S. hat sich gestern erhängt. Die alte Frau litt an unheilbarer Krankheit. Feuerbericht. Sonntag hatte die Feuerwehr thalsächlich einen Ruhetag, da sie nur einmal abends gegen II Uhr und zwar nach P a l l i s a d e n il r. 11 gerufen wurde, um dort eine brennende Schaldeckc zu löschen. Arbeitsreicher ivar für sie die vorhergehende Nacht. Sonnabend Abend war durch Herabfallen einer Petroleum- lampe Kaiserstr. 25 eine Explosion erfolgt, wobei die W>ltwe Stresow derart verbrannte, daß sie nach dem Jüdischen Kranken- hause mittels eines Lück'schen Krankenwagens gebracht werden mubte. Die Feuerwehr beseitigte die Feuersgefahr. Verhängnißvoller hätte ein Kellerbrand Behrenstr. 26a werde» könne», hätte die rechtzeitig alarmirte Feuerwehr das Ilnlreil nicht bald abgewaudl. Es brannten hier Kellerverschläge und Kiste», rvobei der benachbarte Lagerraum der Gewehrsabrik von Leu«, der große Vorräche an gefüllten Patronen barg, stark gefährdet war. Die breunende Holzrvand halte bereits Feuer gefangen, als es der Wehr noch glückte die Flammen zu löschen, bevor die Patronen sich entlnden. Nardts 11 Uhr mußten zrvei Rohre Sandstr. Ia einen Etagenbraud beseitige», der da? Hans bereits erheblich beschädigt hatte. Eine Srunde später rvar Markusstr. 37 ein Kellerbrand zn löschen, bei dem ein Leisten- lager einer Fabrik für Möbelverziernngeu in Flammen auiging. Montag srüh gegen 1 Uhr brannten Chorincriir. 63 Möbel und früh 5 Ukr ans einem Svreekahn am Kronprinzen. User Lumpe» und Pnpiervorräthe. Ein Rohr dämpfte hier das Feuer, bevor der Kahn erhebliche Beschädignngeri erlitt.— 10 Uhr früh rvar Tempelherrn. straße ein Garviuenbrand und kurze Zeil darauf Nene Königstr. 13 brennendes Fett abzulöschen. Durch einen Dachslnhlbrarrd wurde die Wehr gegen 3 Uhr nachmittags nach MuSkauerftr. 27 geruse», ivo Tbeile des Dachstuhles und Bodenverschläge in Flammen standen. Drei Schlanchleilungen hatten über zwei Stunden zn thu», um dem Feuer Einhalt zn thun. Der Hansschaden ist groß. In der Urania, Abthcilung Jnvalidenstraße, wird heute, Dienslag, Herr Professor Müller über„Das Wissen vorn Leben" zum ersten Male sprechen; es ist dies der erste Vortrag eines Zyklus von zehn Vorträgen über Biologie. Am Donnerstag, den 7. Oktober, beginnt der Kursus des Herm Dr. P. Spies über Elektrotechnik mit dem Bortrag„Elektrische Ent- ladungen". Am Freitag wird Herr Dr. Spies leinen Vortrag„Telegraphie ohne Draht" noch einmal wiederholen und am Sonnabend Herr Dr. Bauard seinen Bortrag„Von den Felsengcstaden Hongkongs durch den Stillen Ozean in das Blumenparadies von Japan" halten. In der Urania, Ab- theilung Tanbenstraße, wird die ganze Woche hindurch.Das Wunderland der neuen Welt" gegeben. Im Berliner Aquarinm liefen während der jüngsten Tage wieder verschiedene Sendungen Meeresthiere vom Süden und Norden her ein. Dadurch ist die Vertretung einer der umfangreichsten Kreise deS Thierrelchs, der Stachel- häuter oder Echinoderincn, deren Mitglieder bei aller Mannigfaltigkeit der äußeren Gestaltung ein aus kohlensaurem Kalk gebildetes sestcs inneres Skelett besitzen und sich vermöge zahlreicher hohler Saugfüßchcn fortbewegen, zu seltener Reichhaltigkeit gelangt, den» alle Abtheiluugen dieser Gruppe wurden unr nrchrere Spezies ergänzt. So die Klasse der nach ihrer Körper- form so benannten Seesterne von Helgoland her durch einen röthlichen, mit etwa 12 Armen versehenen Sonneustcrn(Solaster) und einen bis fnbgroßen, fünfarmigen orangegelben Kammstern(�.stsropooton), vom adriatifchc» Meere her durch den kleineren, blaugrilnen zweistachligen Kammstern, mehrere prachtvolle dunkelrothe Purpurstcrne(TSedinaator) und den vier- bis acht- anuigcn rothcn dünnstacheligen Seestern OLstorias tenuispina), sowie die Klasse der Ophiurcn durch den grünlichen lnngarniigcn Schlangeustern (Oplr. longicauda). Aus der Klasse der betreffs der Gestalt ganz von den vorigen abweichenden, nämlich walzenförmig gestreckten Secwalzen oder See- gurken sind gleichfalls Angehörige zweier Gattungen, der eigentlichen See- gurke(Cucnmaria) und der Holothurie, angekommen und ebenso hat die Abthcilnng der kugeligen Stachelhäuter oder Seeigel eine Bercichening durch zwei Spezies erfahren. Theater. In dem neuen Schauspiel von Georg Hlrschfeld„Agnes Jordan", das am Sonnabend, den 9 d. Mts, im Deutschen Theater zur ersten Ausführung komnrt, wirken die Damen Puala Eberty, Else Lehmann, Margarethe Pix, Luise v. Poellnitz, Agnes Sorura, Anm Trenner und die Herren Paul Biensseldt, Hans Fischer, Herm. Müller, Enranuel Reicher, Max Reinhardt, Rudolf Bittner, Oskar Sauer, Richard Ballentin, Hans Waßmann mit.— Max Halbe's Drama„Mutter Erde" gelangt nach dem durchschlagenden Erfolge im Deutschen Theater an zahlreichen Bühnen zur Ausführung, so am Deutschen Volks- Theater in Wien, an den Hoktheatem zu Dresden und Weimar, an den Stadttheatern zu Bremen, Breslau. Danzig, Lübeck, Königsberg i. Pr. und vielen anderen. Die gestrige Aufführung des Halbe'schen Dramas im Deutschen Theater fand vor gänzlich ausverkaustenr Hause statt.— Die Direktion des O st e n d- T h e a t e r s hat ein Drama von Matthias erworben, welches sich„Die Geistergwcke betitelt.— Im Original-Budapester Possen- und Operetten-Theater in Kauf mann's V a r i ö t ö findet heute, Dienstag, keine Vorstellung statt. AttS de«» Nachbarorte»». Die Adresse der weiblichen VertrauenSperfon von Rixdorf. ist: Marie Quitt, Pminierstr. 7, 8 Tr. l. Ju Charlottenbnrg ist einer unserer tüchtigsten Parteigenossen der Zimmerpolier Hermann Schneidet an» Sonntag zur letzten Ruhe bestaliet worden. Schneider verstarb il» Alter von erst 42 Jahren. Trat er auch in der Oeffeutlichkeit weniger hervor, so lhat er doch in vollein Maße seine Schuldigkeit, wenn eS galt, mit Mnih sür die Interessen der Partei einzutreten. Unter dem Sozialisten» gesetz war er im Sladttheil Moabit lhätig; später schloß er sich dem Wahlverein des zweiten Reichstags-WahlkreiscS an, in welchem er auch verblieb, als er nach Charloilenburg zog. Infolge der Lohn- kämpfe, welche die Zimmerer im letzte» Frühjahr zu führen hatlen, verlor auch Schneider seine Stellnng; ein Denunziant hatte ihn bei seinem Meister als Sozialdemokrat bezeichnet. In dem imposanten Trauerzuge, der am Sonntag nach dem Westend ging, fiel vor allem der prächiige Kranz auf, den der Zimmererverband dem Tobten gestislet hatte. Eilt gewaltiger Kellerbrand hat in der Nacht zum Montag i» der Haupistraße 4 zn S ch ö n e b e r g gewüthet. Als die Schöne- berger Feuerwehr um 3 Uhr 26 Minute» ans der Brandstätte er- schien, lagen die Bewohner des ersten Quergebäudes und Seitenflügels in de» Fenstern und schrie» verzweifelt um Hilfe, da ihnen die Wege über die beiden Treppenläuse abgeschniiten waren. Sie wurde» von der Feuerwehr mitlels Hakenleitern durch die Fenstern geretiet. Andere mußten in Unterkleidern aus den Betten geholt und in Nachbarhäusern unlergebracht werden. Mehrere Feuerwehr- lcnte wurde» durch de» gisiigen Qualm dermaßen angegriffen, daß sie zeitweise die Brandstätte verlassen und Slärkungsmittel zu sich nehmen mußten. Ein Mann zerschnitt sich an einem zerschlagenen Fenster a» de» Pulsadern den Unlerann und mußte durch die Samariter der Wehr schlennigst verbunden werden, lieber die Ursache des Feuers ist nichts bekannt. Ter vor 14 Tagen bei der Explosion i» dem Maschiuenhause der Norddenlschen Eisiverke zu Rnminelsbnrg schwerverletzte Schlosser Schwarz ist i» der Nacht zum vergangenen Sonntag im Kranken« Hause Am Friedrichshai» gestorben. Prügelei zwischen Stationsbeamten. Aus Nenwedell(Reg.« Bezirk Frankfurt a. O.) wird das folgende ungewöhnliche Borkomm« »iß berichlel: Großes Aufsehen erregte die bei dem Abgange des Zuges 054 Kallics-?lrnsivalde(nachmittags l2l/2Uhr) ersolgtejfl u s- e i n a n d e r s e tz» n g zwischen dem Vorsteher der hiesigen Station und dem als Vorsteher- Stellvertreter fuugirenden Beamten. Der Streit zwischen den beiden Beamten artete schließlich in Thätlich» keilen ans. Beide mnßlen den Älrzt kons» ltiren und erstaltele» später gegeneinander Anzeige bei der vorgesetzten Behörde. Für die Spandaner Lehrer soll nach einem Antrage unserer Parteigenossen im Siadlparlament zukünftig folgende Gehaltsskala gelten: A. für endgiltig angestellte Lehrer: Grundgehalt 1200 M.» Wohnungsgeld 400 M, 9 Alterszulage» i 200 M.— 1800 M., Höchstgehalt nach 31 Dienstjahren 3400 M. L. sür Rektoren: Grnndgchall 22< 0 M., Wohnungsmiethe 500 M., 0 Alterszulagen ä 200 M.= 1800 M.. Höchstgehalt»ach 31 Dienftjahren 4500 M. C. für endgiliig angestellie Lehrerinnen: Grundgehalt 1100 M., Mieihsgeld 800 M..»nd mit Rücksicht daraus, daß die Arbeitskraft der Lehrerinnen schneller verbraucht ist. als die ihrer männlichen Kollegen, so daß sie nur äußerst selten 31 Tiensijahre erreichen, nur 8 Zulage» k 200 M.— 1600 M. Das Höchstgehalt»nl 3000 M. soll deshalb von den Lehrerinnen nach dem Antrage unserer Genossen schon mit 24 Dicnstjahren er- reicht werde». Nach den hier bestehende» Verhällnisten läßt sich kaum annehme», daß die Mehrheit der Sladlväter sich zu einer solchen Skala wird aufschwingen, obgleich ja sonst mit dem Gelde für Hurra bpalriotische Dinge nicht gespart wird. Die Spandauer Lehrerschaft wird aber hierdurch besser als dies bisher geschehen, er» kennen lernen, was es nrit der Freundschaft der bürgerlichen Elemente für sie auf sich hat. Ein wunderlicher Rechtsstreit schwebt gegenwärtig zwischen dem'Amts-» n d G e in e r n d e- V o r st e h e r S ch m o ck im be- »achbarie» Schöneberg und einem dortigen Bürger. Der eigen« artige» Rngelegenheit liegt folgender Thatbestand zu gründe: Der Besitzer der dort a» der Gleditscb- und Grunewaldstraßen-Ecke be- legene»„ A e g i r- A p o t h e k e". Herr W. hatte bei Herr» Schmock die Erlaubniß nachgesucht, in verschiedenen Gegenden des OrteS auf der Straße Laterne» mit Transparente», die auf die Apotheke anfmerksam wachen sollten, anfstelle» z» dürft». Diesem Antrage wurde auch seitens des Anilsvorstehers statlgegebe». Da nun Herrn W. die Gascinrichlnng vernniihlich zu kostspielig war— es bälle» nämlich zn gednchteni Zwecke eigens Nohrleilunge» für die fraglichen Laternen gelegt werde» müssen— so ließ er die letzteren mit Perroleiimbrennern versehen. Mit dieser Bclenchtungsart war aber Herr Schinock nicht einverstanden; er zog vielmehr in seiner Eigenschasl als Amlsvorstrhcr die erlheille Erlaubniß wieder zurück»nd verfügle die sofortige Bcseilignng der Laterne». Auf Veranlassung des unmittelbaren Vorgesetzten des Aintsvorstehers, kgl. Landraists dcsTeliowerKreiscS, an ivelchen sich der Apothekenbefitzer iimnnehr beschwerdesiihrend gewandt Halle, wurde jedoch obige Ver« sügnng wieder aufgehoben»nd dem Besitzer von»enein die Erlaub« niß ertheilt. die Laterne» stehen zu lassen bezw. in Gebrauch zu nehmen. Von dielcr landräihlichen Anordnung wurde der Apotheken- besitzcr durch besonderes Schreibe» des Anilsvorstehers Schmock in Kenntniß gesetzt. Glcichzeiiig erhielt aber Herr W. von Herrn Schmock ei» weiteres Schreiben, in welchem der letztere, diesmal in seiner Eigenschaft als Gemeindevorsteher— abermals die Ent- f e r n n» g der Laternen forderte. Da der Landrath in diesem Falle nicht zuständig ist, hat sich nun Herr W. an die vor- gesetzte Behörde des Gemeindevorstehers, den Herrn Regimmgs- Präsidenten in Polsdam. gewandt. Dev Skevnbevlg vov Gevirhk. In der seit Jahren schwebenden Uulersuchnng gegen den Bankier Tlernverg begann gestern die Hanptverhnndlung vor der 8. Slraf« kmmner des Landgcrichls Berlin 1(Vorsitzender Landgerichlsdirektor W e i n m a n n). Beschuldigt sind der Bankier Aug. S t e r n b e r g. sowie die früheren Direkioren Müller, Lnppa, Schede! und Weber wegen Vergehens gegen§ 240 des Handels» Gesetzbuches. Dieses Vergehen soll nach Annahme der Anklage bei Leitung der Geschäfte der„Vereinsbank" in den Jahren 1383 bis 1885»nd späler begangen sein. Der Angeklagte Sleriiberg ist außerdem desselben Vergehens in Sachen der„Denlschen Bangesellschast" beschuldigt. Ter Sachverhalt ist im wefentlichen der folgende: Der Bankier Sternberg, früher Direklor einer Bank in Franksurt a. M., hat dann ein Bankgeschäft unter der Firma Sternberg». Co. in Berlin errichtet und dieses nach seiner Angabe bis zum Jahre 1881 mit Erfolg be- trieben. Wie er behanplet, halte er, um den Umfang des Geschäfts zn vergrößern, zn dem Mittel gegriffen, billigere Provisionssätze dein Publikum anziibielen, als sie vordem gebräuchlich wäre». Das Bankgeschäft machle Sternberg im Jahre 1331 zur Basis eine? Aklieniintcriichiuens, welches unter den, Namen„Bereinsbank" mit einem Kapital von 6 Millionen Mark ins Leben trat. In den ersten Jahren verlheille die Bank befriedigende Dividenden, dann trat aber ei» Riickschlag ein, nachdem einige Schöpsnngen dieser Gesellschaft mißglückt waren, so daß die Börse und das Kapitalisten- Publikum neue von dieser Gesellschaft geschaffene Werlhe ailfzilnehmen nicht mehr gewillt schien. Dies Halle zur Folge, daß bereits im Jahre 1685 die Dividende vo» 8 a»f 5'/, pCt. herunterging. Im Jahre 1385 schrill die Gesellschaft aiif Anregung Siernberg's dazu, ihr Aktien- kapital von 6 Millionen Mark auf 2 Millionen Mark durch Aklien- rückkans zu reduziren, der ans dem Submissionswege erfolgte. Ter bezügliche Beschluß ist in der außerordentlichen Generalversammlung vom 26. Oktober 1885 einstimmig gefaßt worden. Sternberg mar damals Hauptbesitzer von Aktien; er als Vorbesitzer des Geschäfts hat dann aus seinem Bestand« von 4>/s Millionen Mark der Gesell» schaft 4 Millionen Morl Aktien zum Zknrse von 105 verknust. Die Anklage hält die Art dcs Zustandekoininens und die Moralität dieses Gesdzäfts für ungesetzlich nud»imint auch an, daß der bezahlte Kurs nicht dem Werths der Aktie» entsprochen habe. In den Schrift- sähen, welche die Vertheidignng eingereicht hat, wird dies bestrilteu und versucht, de» Nachweis zn führe», daß diese Transaktion formell korrekt»nd materiell angeuiessen gewesen fei. Sowohl von der Anklagebehörde, als auch von der Vertheidignng ist eine erheb- liche Anzahl von Zeugen und Sachverständigen vorgeladen, die sich über den Werth der einzelnen Außenstände äußern sollen. Diese Erörterungen dürften eine erhebliche Zeil in Ansprnch nehineu. Die Bereinsbank, ans deren Direktion Bankier Stcrnberg im Herbst ISSö ausgeschieden war, hat dann im Jahre 1883 durch verunglückte Spekulationen 480 000 M. und im Jahre 1300 an ebensolche» 800 000 M. verloren; serner hat sie in der Periode 1386—1830 ca. 1 500 000 M. durch Kredite an mehrere schlecht reulirende Brikett- fabriken und eine Pferdebahn-Gesellschast festgelegt. Im Herbst 1830 ist die Vereinsbank in Liquidation getreten. Nachdem die Außenstände an die„Weimarische Bank" verkauft ivorden waren, konntcir auf das inzwischen von 2 Millionen aus I'/z Millionen Mark reduzirte Aktienkapital nur 60 pCt. in Vorzugsaklien einer der erwähnten Brikettfabriken(Skaska) als LiquidalionSquole aus geschüttet werden. Diese Vorzugsaktien waren im Jahre 1831 ans der Konvcrlirnng einer aus gewährten Vorschüssen resultireuden Kontoknrrent-Forderung entstanden, wobei für je 150 M. Konto- kurrent-Forderung je 100 M. Vorzugsaktien der Bereinsbank gewährt worden lvaren. Es wird nun de» Angeklagten zum Vorwurf ge- macht, erstens, daß sie es herbeigeführt, beziv. zugelassen habe», daß dem Bankier Slernberg, der damals gleichzeitig Vorstand der Gesellschaft ivar, ein erheblicher Theil des Kapitals ans dem Wege der Reportirnng von Bereinsbank- Aktien, die in seinem Besitz waren, verzinslich überlassen wurde. Stcrnberg und die Vertheidignng stehen dagegen auf dem Standpunkte, daß aus diesem Geschäfte für die Bereinsbank keinerlei Verlust entstanden sei, und sie wollen den Beweis führen, daß sür diese Gelder an gemessene Aeqnivalente gewährt worden seien.— Den zweiten Anklagepunkt bildet die Beschuldigung, die ersterwähnte Kapitals reduktion resp. Aktlenrückkanf beivirkl beziv. zugelassen zu haben. Die Auklagebehörde behauptet: Man müsse das ungünstige Liqnidationsergebniß als eine Wirkung der in» Jahre 1885 ge- schehenen KapitalSrednktion resp. Aktienrnelkaufs ansehen, auch seien die Bilancen jener Zeit, wie auch die späteren, nnzuverlnssig. jeden- falls sei der Kurs von 105, der bei dem Aktienrückkaufe gewährt wurde, ein zu hoher gewesen. Die Vertheidignng hat dies alles in umfangreichen Ausarbeitungen bestritten; es wird von derselben behauptet, daß das unerwünschte Liquidationsergebniß lediglich auf den schlechten Ge fchäflsgang der auf die Kapitalsreduktion folgenden Zeitperiode zurückzuführen sei.— Ferner ist Slernberg allein als Vorsitzender des Aufsichtsraths der„Deutschen Bau-Gesellschast" zweier Vergehen gegen denselben Paragraphen des Akliengesetzes angeklagt. I» der Verwaltung dieser Deutschen Bau-Gesellschnfl befanden sich vordem die Inhaber einer Anzahl größerer Firmen, wie Delbrück, Leo »>. Co. je. und letztere waren, wie die Deutsche Bank, Bankiers der Gesellschaft. Der Bankier Sternberg hat sich im Jahre 1883 an die Spitze dieses Unternehmens gebracht; er und eine Anzahl ihm nahe- stehender Personen bildete» von da ab den Anfsichtsrath der Gesellschaft. Er begann damit, die Weimarische Bank, die er dirigirte, znin Bankier der Gesellschaft zu inachen; bei dieser wurden alle verfügbaren Mittel der Gesellschaft aiu gelegt, während es nach Annahme der Anklage vortheilhaster ge. wesen wäre, dieselben zur Tilgung von Hypotheken zn verwenden Biel empfindlicher sei aber die Schädigung, welche Slernberg später nach der Umwandlung der Gesellschaft in die„Deutsche Kredit- und Baubank" ihr zugefügt habe. Die Deutsche Bangesellschasl habe »ach ihrer Umwandlung in die Deutsche Kredit- und Baubank einer Anzahl industrieller Unternehmen Kredite außergewöhnlichen Ilm- fanges gewährt, die durch die Verhältnisse der betreffenden Unter- nehmen nicht gerechtfertigt gewesen seien. Hiergegen macht die Ber- theidigung geltend, daß die Anlage bei der Weimarischen Bank keine schädliche. sondern eine sichere gewesen. Dieses Institut, welches allerdings in einer frühere» Zeit sich in einer prekären Lage befunden habe und damals keine Dividende vertheilte, habe nach der Behauptung der Vertheidignng unler der Leitung Sternberg's 8�?, II, 7, 4>/e, 6'/e pCt. Dividende vertheilt; bei der Liquidation seien infolge einer Stern- berg'schen Offerte auf die Aktien 160 M. für 100 M. Kapital baar zurückgezahlt ivorden, was schon für die s. Z. vorhanden gewesene Sicherheit spräche. Einen Verlust habe die Deutsche Ballgesellschaft an diesen Geschäften schließlich nicht erlitten, auch seien die Zinssätze, die die Weimarische Bank gewährt habe, stets gleiche oder höhere gewesen, als die, ivelche den eingeholten Offerlen gemäß von de» anderen hiesigen größeren Banken zn erzielen waren, allerdings seien sie um eine Nuance gegen den Zinssatz zurückgeblieben, der für die Hypotheken, die auf den Hänsern der Gesellschaft ruhten, zu zahlen waren. Es sei aber die Absicht der Gesellschaft gewesen, ihre» Besitz an Häusern baldthunlichst zu verkaufen, um »hre Gelder anderen Geschäklszivecken zuzuwenden, sodaß die Ver- Wendung der Kapitalien zur Ablösung der ersten Hypotheken dadurch ausgeschlossen gewesen fei.— Bezüglich der de» letzten Auklagepunkt bildenden Kredite behauptet Slernberg, daß Verluste an denselben nicht entstanden seien; jedes Risiko sei sogar ausgeschlossen gewesen, da er als Vorsitzender der Gesellschaft und deren stärlsler Aktionär für solche seinerzeit schriftliche Bürgschaft übernommen habe.— Da die fernere Beweisanfnahme, die vornehmlich durch Vermiltelung in den Büchern stattzufinden hat, eine sehr umfangreiche werden dürfte, so ist hierfür eine längere Zeit in Aussicht genommen und eS ist eine Entscheidung erst»ach Durchgehen deS selten umfangreiche» Beweis- und Entlastungsmaterials zu erwarten. Es ist unmöglich, vielleicht Wochen hindurch täglich diese Erörterungen über die Ergebnisse der Bücher zn verfolgen. Falls die Verhandlungen Momente von weiter gehendem Interesse bieten sollten, werden wir von Zeit zn Zeit darauf zurückkommen, andernfalls seinerzeit das Ergebniß niit- theilen. Die Verhandlung findet wegen des Umfanges des in den Ver- handlungsräumen auszustellenden Büchermaterials im kleinen Schwur- gerichtssaale statt. Als Vertheidiger flehe» den Angeklagten zur Seite: Die Justiz- räthe M ii n ck e l. und Kleinholz, Dr. Staub I, Dr. Wilhelm B e r n st e i n. W r o n k e r. Dr. K o f f k a, Dr. H e i n e m a n n und Dr. Sello, welcher krankheitshalher noch nicht anwesend ist. Die Anklage ist vertreten durch die Staatsanwälte Dr. Eger und Oelschläger. Als Sachverständige wohnen der Verhandlung bei: Bücherrevisor Engel manu und mehrere Bank-Sachverständige. Die gestrige Verhandlung erstreckte sich ans die ersten allgemeinen Vernehmungen der Angeklagten, die im wesentlichen die oben ange- führten Angaben der Verlheidigung wiederholen. Sternberg bestreitet, sich irgendwie gegen den Z 243 des Handelsgesetzbuches vergangen zn haben. Die übrigen Beschuldigten erklärten, daß Alles, was sie geiha», nach ihrer besten Ueberzengung im Interesse der Gesellschaft gelegen habe und niemand von den Aufstchtsräthen auf den Ge- danken habe kommen können, daß in der Masse der volle Werth nicht liege» könnte. Alle diese Geschäfte seien rnter Mitwirkung des Geh. Juslizraths H e ck e r und des Geh. Obersinanzraths bat seinerseits, durchaus nach dem Vorschlage deS Staatsanwalts zu verfahren. Er habe das dringendste Interesse daran, nicht nur nicht freigesprochen zu werden, sondern den Nachweis zn sühren, daß er bei allen seinen Unternehmungen stets loyal verfahren sei.— Hierauf wurde in die Verhandlung über die Eiuzelpunkte eingetreten und es wurden zunächst die bei ber Begründung der Vereinsbank obwaltende» Verhältnisse erörtert. Gcini vor sich gegangen; es sei zn bedauern, daß der Tod diese Männer abberufen habe, den» diese hätten die Beschuldigten gewiß vor einer Anklage geschützt.— Justizrath Munckel macht den Vorschlag, zunächst über die Punkte zu verhandeln, i» welchen nach Ansicht der Anklage eine Verfehlung vorliege. Wenn sich, wie sicher zn erwarte» sei, heraus- stellen werde, daß die Ansicht des Staatsanwalts eine falsche sei, würde es sich doch erübrigen, in eine Beweisaufnahme über die von der Anklagebehörde zur Charakteristik Stern bergS heran- gezogenen älteren Unternehmungeu einzutreten, bei denen der Staats- anwalt selbst nicht zur Erhebung der Anklage habe kommen können. Staatsanwalt Dr. Eger widersprach diesem Vorschlage, da nach seiner Ansicht es seine Ausgabe sei, dem Gerichlshofe nach- zuweisen, daß nicht Einzelhandlnugen. sondern ein ganz bestimmtes System in Frage stehe.— Der Angeklagte Stern berg Gevillszks�SeikuttJg. Eine Ohrfeige bildete den Anlaß zn interessanten Erörtennigen vor Ablheilnng 132 des Schöffengerichts. Ter Schriftsteller und Lieutenant a. D. Hacke führte im Januar 1836 eine Beleidignngs klage gegen einen Buchhalter Schreiter, der ihn einen schlechten und gefährlichen Menschen genannt hatte. Echreiter's Rechlsanwalt Dr. L. F., trat dabei plötzlich im Termin mit der Behanp tniig hervor, Hacke wäre schimpflich ans der Armee»nd aus seiner früheren Stellung als Polizei-Osfizier ausgestoßen worden. Hacke gerielh schon darüber in große Aufregung, besorgte aber schnell die Papiere, die seine ehrenvolle Verabschiedung dav t Hute» und legte sie vor. Als nun Rechtsanwalt F. sich äußerte, diese Atteste widerlegten ihn nicht, Hacke wäre nach anfänglicher ehrenvoller Verabschiedung später doch noch wegen«krenrühriger Handlungen schimpflich ausgeiloste» worden erregte dies Hacke so, daß er dein Rechtsanwälte einen Schlag versetzte. Er wurde darauf wegen Beleidigung und Körperverletzung angeklagt. die Sache kam aber erst jetzt zur Verhandlung, weil der Angeklagte lange krank war. Im Termin trat Rechlsanwalt Dr. L. F als Nebenkläger auf, vertreten durch Rechtsanwalt L. Fr Der Angeklagte wurde durch lltechtsanwalt H. vertheidigt. Der Thatbest'and wurde von den Zeugen fast übereinstimmend an gegebe». Amtsrichter Genicke, der die Verhandlung seinerzeit geleitet Halle, bekundete, daß ihm das Vorgehen des Rechlsanwalt F. etwas scharf vorgekommen wäre. Hacke hat inzwischen durch eine amtliche Bescheinigung den Beweis geführt, daß auch die zweite Behauptung des lllechlsanwalts F. nicht richtig war. Der Siantsanwall beantragte 150 M. Geldstrafe, wogegen F.'s Vertreter eine Freiheitsstrafe forderte, da das Ansehen der Rechtsanwallschaft ans dem Spiele stehe. Rechtsanwalt H. er kannte an. daß eine Zlnsschreitnng vorliege, und wollte gegen den Antrag des Staatsanwalts nichts einwenden. Er halte den Siandpunkt des Angeklagten, daß mau eine Beleidigung mit einem Schlage erwidern müsse, für verwerflich, er habe aber trotzdem die Vertheidignng übernommen, um als Anwalt gegen einen Nebelstand aufzutreten, der im Pnbiikrnn oft empfunden würde. gegen die Rücksichtslosigkeit,»lit der. blos auf die Autorität der von einer Partei geinachten Angaben hin, die Ehre anderer öffentlich angezweifelt und bloßgestellt würde. Die verantwortnngsfreie Stellung, die der Anwalt einuehme, verpflichte ihn zu um so größerer Vorsicht und Zurückhaltung. Hacke hätte der Meinung sei» müssen, daß seine Ehre mindestens leichtfertig angegriffen würde, und bei seiner durch ärztliche Zeugnisse nachgewiesenen hochgradigen Nervosität sei deshalb seine Handlung milde zu benrtheilen. Das Gericht erkannte dem Antrage de» Siaatsanwalts gemäß auf 150 M. Geldstrafe. Einem Streikbrecher übel mitgespielt zu haben, wurde dem Schuhmachergesellen Gustav Pfeiffer ans Berlin zur Last ge> legt, der gestern unter der Beschuldigung der schweren Körper Verletzung vor der ersten Strafkammer am Landgericht II stand. Im Frühjahr d. I. wurde in verschiedene» Schuhwaaren- Fabriken Berlins gestreikt und die Strausberger Schuhmacher, die für Berliner Firmen arbeiten, wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen, denn der größte Theil erklärte sich selbstverständlich mit den Berliner Kollegen solidarisch. Zn den Ausständigen hatte der An geklagte Pfeiffer gehört, welcher in Strausberg gearbeitet hatte und am 23. Mai dem Schuhmachergesellen Kallenbach begegnete, der nicht die Arbeit niedergelegt halte. Pfeiffer nannte den jk. einen Streikbrecher; es kam zn Thätlichkeiten zwischen beiden, doch wurden sie nnseinaiider gebracht. Abends begegneten sich beide auf dem Tanzboden, wieder kam es zum Streit, Pfeiffer verließ das Lokal und stellte sich draußen ans die Lauer. Als Kallenbach ebenfalls heimging, ging ihm Pfeiffer nach und schlitzte ihm mit einem haarscharfen Schustermeffer den linke» Arm von der Schulter bis zum Handgelenk auf, das letztere dabei so schwer verletzend, daß der'Arm voraussichtlich sür immer gelähmt bleiben wird. Der Gerichts- hos erkannte ans zwei Jahre Gefängniß, wie auch auf sofortige Verhafluug. Professor Hänel nud einige andere Kieler Professorrn machten gegen ihre Veranlagung zur Gemeinde-Einkommenstetter gellend, daß sie von allen„Steuern und Lasten" befreit seien; sie beriefen sich zu»' Beweise dafür auf das Statut der Universität Kiel vom Jahre Ivkiv. Nach vergeblichem E»spruch erhoben sie gegen den Magistrat von Kiel die Freistellnngsklage. Der Bezirks- ausschnß entschied dahin, daß das Kommnnalabgaben-Gesetz die Befreiung der Kläger von den R e a l st e u« r n beseitigt habe, daß ihr sonstiges Privilegium aber fortbestehe. Beide Parteien legten Revision ei». Mit dieser halte sich gestern der zweite Senat deL Ober-Verwaltungsgerichts zn beschäftigen. Er b e- 'tätigte die Enlscheidnug des Bezirksansschnsses. Die Kläger brauchen also das Einkommen ans ihrer persönlichen T h ä t i g k e i t der Stadt nicht zn versteuern. Neber eiuc Beleidigung des ans dem Rechlsanwaltsstande ausgeschlossenen Sozialistentödtero Hans Blum verhandelte am Sonnabend das Landgericht Nordhausen. Vor der Strafkammer II Halle sied Genosse Wiertelnrz wegen dieses Vergehens zu verantworten. Die Strafthal sollte in einem am 20. Dezember 1835 unter der Verantwortlichkeit des Angeklagten in der„Thüringer Tribüne" erschienenen Leitartikels enthalten sei», in welchem Hans Blum als Lügner bezeichnet wurde. Der klägerische Rechtsanwalt beantragte im Auftrage seines Man- dante» 2 Monate Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte ans 150 M. Geldstrafe ev. 15 Tage Gefängniß. In der Borinstanz war ans Freisprechung erkannt worden. Revision wird eingelegt. Ter diesjährige Parteitag für das östliche Westfalen«nd die lippischen Fürstenthünier ist anf Sonntag, den St. Oktober. vormittag 3 Uhr. nach Rehme in das Lokal des Herrn Räbke einberufen. Slls ReichStagS-Kandidat für den Wahltreis Worms wurde von der Kreiskonfnenz zn Worms, die von 6 Orten mit 10 Delegirten beschickt war, einstimmig der Buchhändler B e r t h o l d ans Demnstadt ausgestellt. Die„Leipziger BolkSzcitnng" ist glücklich,«inen kleinen Jrrthum des„Vorwärts" entdeckt zn haben, nnd macht davon viel tlnshebens. In der Mitlheilung über den Prozeß gegen unser Hamburger Pnrtei-Organ wegen Beleidigung des KönigS der Belgier ist nämlich irriger Weife gesagt, der preußische Gesandte am belgischen Hofe habe den Slrasantrag gestellt, statt, wie es richtig heißen muß, der belgische Gesandte in Berlin. In der Hauptsache jedoch bleibt unsere Mitlheilniig richtig. den», was freilich die„Leipziger Volkszeilung" in der Freude der Jrrthums- Entdeckung übersehen hat, es handelt sich im vorliegenden Falle weniger um eine staatsrechtliche als«in eine strafrechtliche Frage; es ist von Bertheidigern de» angeklagten RedaklenrS eine Erhebung darüber veranlaßt worden, ob König Leopold selbst dem Gesandten den Auftrag zur Stellung des Strafantrages gegeben hat; anderen- falls, so nimmt der Vertheidiger an, sei der Strafantrag nicht rechtsgiltig. Im übrigen haben wir nnS gefreut, von unserem Leipziger Briiderorgan, das so viele Notizen aus dem„Vorwärts" über- nimmt, unser Blatt auch einmal als Quelle zitlrt zn sehen.— Polizeiliches, Gerichtliches tt. — In Breslau wurde am Sonntag«ine Volksversammlung. wo Genosse K n h n ans Langenbielau unter lebhaftem Beifall über die soziale Gesetzgebimg gesprochen hatte, polizeilich aufgelöst. Der überwachende Beamte Halle vom Vorsitzenden verlangt, ihm zn melden, wenn er den Vorsitz an seinen Stellvertreter abgebe. Als der Vorsitzende dies in der Versammlung zur Sprache brachte, ver- bat sich der Ueberwachende„persönliche" Angriffe, worauf ihm der Vorsitzende erklärte, daß er gar lein Recht habe, in die Debatte ein- zugreifen. Ter stürmische Betsall, der diesen Worten folgte, regte den Polizeibeamten so anf. daß er die Versammlung anflöste. Gegen die Maßnahme wird Beschwerde geführt werden. — Wegen formaler Beleidigung des Fabrikanten Otto Langerfeld in Krefeld wurde vom dortigen Schöffengericht der Lokalredalteur der„Niederrheinischen Volks- tribüne", Genosse Wolters, zu 60 M. Geldstrafe oder 20 Tagen Hast verurtheilt._ Llttkevnrhmv�Verbiittde. Tie Fünfzchncr Kommission der Berliner Damenkonfektion wird, wie der„Konfektionär" millheilt, demnächst Vorbereitungen für die neuen Handelsverträge treffen. Für die Konfektions« indnstrie handelt es sich um Ermäßigung der Zölle anf Verarbeitungs- Rohmaterialien, die im Inland« nicht hergestellt iverden können, also vom Auslande bezöge» werden müssen. Größeren Werth legt man aber anf die Ermäßigung der Zölle in solchen Läiidern, die infolge zu hoher Zölle bisher verschlossen waren. Dem Tentsche» Znckersyndikat sind bis jetzt nur 246 Firmen beigetreten. 40 behielten sich ibre Erklärung vor, 2 lehnten den Beitritt ab und 114 äußerten sich überhaupt noch nicht. Soziales. Ter Verband von OrtS-Krankenkasse» im Tentsche» Reich« hält am 10. und 11. Oktober in Köln seine Jahreeversammlnng ab. Ans der Tagesordnung steht ein Antrag des Verbandes der Orts-Krankeukassen Thüringens, eine Erweiterung des Kranken« Versicherung-gesetzes derart herbeizuführen, daß die Krankenkassen die Berechtigung eihnlten, sich zn Verbänden zusammenzuschließen und die entstehenden Kosten ans den betreffenden Kassen z» bestrei-en; ferner ein Antrag der Orts-Kranlenkasse Stuttgart auf Errichtnng einer Zenirale zur Anbringiing der bei Anssührung der A>bei!er-Ver- sicherungsgesetze zn tage tretenden Mängel und Abänderiings« vorschlüge. Weiter liegen Anträge der Allgemeinen Orts-Krnnkenkaffe. der Orts-Krankenkassen der Metallarbeiter und des Maurergeiverbes zn Berlin vor, und zwar zum Kraiikeiiverstchernngs-Geseh ans Be« schnffung gleichmäßiger, in den ZZ 55 und 56 vorgesehener Ver- jährungsfristen, zum Nnfallversicherungs-Gesey anf Verpflichtung der BernfSgenoffenfchafteii, vom Tage der Wiedererkrankung iiifolg« früher erlittenen Unfalles die Kosten des Heilverfahrens zn tragen. und zum Jnvaliditäts- nnd ülltersversicherniigS-Gesetz, die Wartezeit zur Berechtigung des Bezuges von Aitersrente» von 70 anf 60 Jahre herabzusetzen und auf Einrichtung einer höheren Lohnklasse. Tie Gartcuban-RnSstellniig iu Hamburg ist am 4 Oktober offiziell geschlossen worden. Im„Hambnrgischcn Eorrespondenten" schlägt nun ein Einsender vor, die Ausstelliing noch ein oder zwei Tage offen zn lassen, um sie den„taufenden unserer un- bemittelten Mitbürger" zugänglich zn machen.„die täglich von den Schönheiten der Ausstellung gehört, aber sie nie gesehen haben"._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag med Sonnabend nicht von« bis 7V, Nhr, sondern von?>/, bis i» Uhr abends statt. DaS gelehrte Hans. Theilen Sie uns eine Adresse(eventuell postlagernd) mit. Wir haben Ihnen eine Mitthcilung zu machen. Besten Dank für Ihre Sendungen. Wctter-Prognose für Dienstag, den 5. Oktober IMO?. Kühl und veränderlich, vorwiegend trübe mit geringen Nieder» schlügen und mäßigen südöstlichen Winden. V e r l i n e r W« t t e r b n r e a n. Todten-Sontttag wei große Säle zu Wohlthätigkeits- tonzerten an Vereine unentgeltlich zn vergeben. 32f;sß» Engl. Garten. Alexanderstr. 27o. Mir 10 Mark tiefere Stoff zu einem ff. 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Oktober. Opernhaus. Die Zauberflöte. An- sang 7 Uhr. Neues Operntheater. Geschloffen. Tchauspielhans. Waidwund. Anfang 7>/z Uvr. Deutsches. Mutter Erde. Anfang 7-/, Uhr. Berliner. Tante Jette. Anfang 7 s/z Uhr. Goethe. Ein Sommernachtstraum. Anfang 7Vz Uhr. Lessing. Das Tschaperl. Anfang 7Vz Uhr. Neues. Aschermittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Anfang 7»/, Uhr. Residenz. Die Einberufung. An- fang 7-/, Uhr. Schiller. Die Kreuzelschreiber. Aufaug 8 Uhr. »uter de» Linden. Perichole, die Straßensängerin. Anfang 7VzUhr. Luisen. Wilhelm Stell. Anfang 8 Uhr. Thalia. Das Krokodil. Ansang 7Vz Uhr. Ostend. Jugenbdronnen. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7Vi Uhr. Friedrich• Wilhelinftädtisches. Das Zeichen des Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Nlexanderplatz. Metella. Anfang 8 Uhr. Reichöhallen. Spezialitäten. An- fang 7 Uhr. »lpollo. Spezialitäten. Ans. 7»/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Indisches Dorf._ Schill r v-T lzeatvv (Wallncr-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Die Kreuzelschreibcr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Tropfen Gift. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Urania Taiibenstrnsso 48— 40. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl, Theater. Invalidens-truttse Xo. 57/6S: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Passage-Pauopiicum. Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Konng Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. � Castan's■■ Panopticum. Friedrichstr. 165. Bäreuweib die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Unii I Italienische Kapelle llvll. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Luisen-Theater 34. Reichenbergerstraße 34. Zum 3. Male zu kleinen Preisen: Abends 8 Uhr: HWHRSlm Teil. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Regie:.lull«» Dtivlr. Morgen, Mittwoch, zu NeinenPreisen: Schauspiel ln4 Aufzügen v.P. A. Wolff. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elektrische Bahn: Dönhoff- Platz— Rcichenbergerstraße in 10 Minuten. Osteitd-Theater. Gr. Franlfurterslr.lZÜ. Dir. C. Weist. Zum 19. Male: Jugendbronnen. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag Nachmittag Volksvorstellung: Die Lieder des Mllsikanten. Kmeriean-Iliealer. Dresdenerstr. bö. Dienstag, den 6. Oktober 1897: Zum 25. Male: Martin Bendir als Cäsar Rollmops. Berlin wle'S näht»nd trennt. Volksstück m. Gesang in 2 Abth. v. L. Elp Musik von M. Schmidt. Auftreten säiilintlichcr Spezialitäten. Anfang der Vorstellungen: Sonntags 7Vj, Wochentags 8 Uhr. Concerthaus I.cipzigerstr.Xo.48. Heute Dienstag: Koine Vorstellnns. Mittwoch u. folgende Tage: Gastspiel des Pistou- Birtuos.Müller-Lippart. Dazu lioffmsnn'8 lZlisttetl und Itziunnviist««. CenwI-TMi' Alte Jakobstr. 30. Direktion lUcliard Schnitz. Dienstag, den B. Oktober 1897: £iiiil Thomas a. G. Zum 32. Male: BeHinei' Fahrten. Burleske Ansstattnngsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von JulinS Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. Einödsh ofer. Ansang'/z8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. LgdmisekesLraudauz Landsberger Allee. Heute, sowie jeden Dienstag: Ltelliller Länger «Mehsel, Pietro, Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schluß: Strampelbrüder. Ensemble von Meysel. Anfang 8 Uhr.— Entree BO Pfg. Vorverkauf 40 Pf. in den Zigarren- Handlungen von Nenmann und Möhl(Landsberger Thor). Morgen, Mittwoch, den 6. Oktober: Einmalige Extra-Soiree Im großen Kaiser-Saal der lZdsi'Iottenbui'gki' ta. Anfang 8 Uhr.- Entree BO Pf. Numerirter Sitz 7B Pf. Strickwolle-Ausverkauf.» Reste in Zcphyr und Nockwoll« zu Fabrilpr. Holzmarktstr. Kl), H. l. 1. Tr Gebrüder Herrnfeld's I. Original- Budapester Possen- n. Opcrctten- Thcatep IKaufmann' Variete' Heute Dtenstajf, 5. Oktober, Geschlossen. | Morgen, Mittwoch, 6. Oktober Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. W. Noack's Theater II r n n n c n• M t r it s m u 10. Täglich(außer Privatfestlichkeitcn): Theater- n. SpczialltUtcn- Vorstellung:. öabekufcu Lustspiel in 1 Aufzuge von Puttlitz. Ein Wert zn rtihtcr Zeit. Schwank in 1 Akt von Staad. Dns gestörte Mittagegen. Poffe mit Gesang und Tanz von G. Friedrich. Jeden Souutag, Dienstag u. Tvuuerstag nach der Vorstellung: Taiür.krltnv.ehen. PH 1 Feen-Palast 1 «a Bnrgstr. aa. Größt. Vergnügungslokal Berlins 10 neue Debüts. U. a.: Miniatur- Cirkus Rellh. die beste Dressur der Neuzeit. Eine verunglückte Droschken- fahrt, Urkomische Pantomime von der Gareton-Truppe. Richard Wlnkler und Wilhelm IT-Übel in der Leopold Ely'schen Berliner __ Posse Ne wilde Sache. Auftreten des Schauspiel- und Künstlerpersonals. Anfang 7>/, Uhr. Sonntags s Uhr. Entree 30 Pf. bis 1 M. 60 Pf. Alcazai Varists-Theater I. Ranges. DreSdenerstraße 62/63(Cith-Paffage) Annenstraße 42/43. Direktion Richard Wtnkler. Heute: Die Rosen aus dem Süden. 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Die Mitglieder der Werlstatt-Kotttrolllommission versammeln sich um 7 Uhr vorn in: Lolal. Rosenthaler und Schönhauser Dorstadt: Tchwedterslr. L!t bei 4Vernan. Modell- n»ld Fabriktischler tn»„Vorstttdtlselien Rnstno", deekerstrasse Id-i. Jede Werkstatt mnb unbedingt vertreten sein. Mnsikittstrttlltetttett-Branche lm liokal des Herrn SlnbetI, I-lndenstrasse Vo. 406. TageS-Ordnung: I. Im letzten Bierteljahr an uns varfiberßegangene Wcrkstattbilber und deren Konsequenz. Referent: Kollege Brinkmann, 2. Die Ueberzeitarbeit. Referent: Kollege Seknuinnn. Wir bitten um Vertretung jeder Werkstatt. DreDler, Kinilmiiiilcher, Bärsteilinaliier, Perlmilttarbeittt und alle in diesen Branchen beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen. . MilttHvoel», den O. Oktober, abends SVj Uhr: BESir Kranchen Uersammlungon.-WM Öfitr den Korden: im Lokale des Herrn Dleke, Ackerstr. 128. Wir den Südosten und Westen: in den„vranienhallen-. Oranienstrasie 61(am Moritzplatz). Tages-Ordnnng: 1. Vortrag. 2. Dissnssion. 8. ErgänzungSwahl zur Konnnisflon. 4. Branchen- und Werlstattangclcgcnheite». Referenten: Kollegen Hünxe- und Tost.— Es ist Pflicht eines jeden Kollegen oben bezeichneter Branche» plinktlich z» erscheinen. 298/19 Achtung! Grosse öffentliche Achtung! Holzarbeiter-Versammlung Dienstag, den 5. Oktober, abendS 8 Uhr, im Lokale deS Herrn Steehert, AndreaSstr. 21(AudreaS-FestsSle). TageS-Ordnung: Der Streik bei der Firma ZS�nltD, Miibcl-»nd Splrgel-Fabrik, Grotze Frankfurterstr. 26. 800/1 Zu dieser Bersauunlung sind siiniintllche Kollegen Berlins eingeladen. Der Vcrtranensinann. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Vcnraltniiffsstclle Berlin). Dienstag, den 5. Oktober, abends 8Vi llhr, in den vietoriasiile», Hcrmannstrasie 48: Bezirks-Versanttnlttttg für Rixdorf. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genosien Oeorx Waane uale Arbeiterschutz-Kongretz in Zürich." 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegcn- heiten und Verschiedenes. über:.Ter iniernatiw Vezitks-VovsitNtnttluttrz fiic ücn Westen. Ziidiveste« unii Sdiöiiciicts am Mittwoch, de»«. Oktober 1887, abends 8% Wir, im Lokale des Herrn Obst, Gruncwaldstratze Nr. 118. T a g e s- O r d n u n g: l. Vortrag deS Kollege» Friedrich Schlcsel über:„Die wirch- schaftlichen Umwälzungen der Gegenwart und ihr EinfluS ans die Lebens- Haltung der Arbeiter." 2. Diskussion. 3. ErgänznngSwahl der Bezirks- leitung. 4. Berichte. S. Verschiedenes. Ilm zahlreiches, Pünliltches Erscheinen ersucht 168/1« Die Ortsvorwaltnnc. OkMiMe UtOminliiiig der stl'tlktilbtil Eruier ll.Bttiifsgell. niil Mittivsch, hen 6. Atobtt, lilsegeus 10 Uhr, im Koiberg-er �aion, Kslbergtrstruge 23. Tages-Ordnuilg: 1. Der Vorschlag des Geloerbeschicdsgcrichts über die GmeralanS- spcrnmg der Former und VernfSgenvsscn Berlins. 2. Dislnssion. 3. Vcr- schicdcnes._[03/10]_ Der Kinbernfcr._ Achtung! Tapezlrer. Achtung! Mittwoch, den v. Oltober, abendS 8l/i Uhr: Oeffenkl. Dersetttttnlnng in den„Arminhalleu«, Kommandantenstrasie Rr. 28. Tnges-Ordnuna: I. Vortrag deS Genosien Timm über:„GewerkschaftSentwicklimg und Wirthichastlickw Kämpfe." 2. Wahl eincS VertranenSnianneS und Delegirten zur GewerlschaftSkommission. 3. GcwcrkschastSaiigclegeHeiten. Da die Verschmelzung der beiderseitigen Organisationen destnitiv statt- gefunden bat und diese Versammlung die Einlcittmg zu einer lebhaften Agitation für den ncugcarüiwcten Verband bilden soll, so ersuchen wir nm zahlreichen Besuch und richten einen Appell an die noch sehr große Zahl der Fernstehenden, sich der Organisation anzuschlteßen. lOÖSb I. A. Franke. Metallarbeiter! Mittwoch, 6. Oktober, abends 8 Uhr, in derKronenbranerei, Alt-Moabit 47-40: Osktsntliclis Versammlung. Donnerstag, den 7. Oktober, abends 8 Uhr: Zwei öffentliche Versammlungen 1. im„Kösiilier M", Wlinerstr. 8. 2. Kellers Zestsiiltn, fiovjifiillr. 20. TagcsOrdnnng: Der Ansstand der Vcrliucr Eiseuformer und das Einig, ingsaint des Gewerbegerichts. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen nothlvendig. 168/17 _ Der BertraucnSinann der Berliner Metallarbeiter. Otto N ä t h e r, Auklamerstr. 44. Urdeiter-Lilllllilgssohule. Blttwoch, den O. Oktober 1807, abends'faB Uhr, ii Lokal von Benno Stabernack, Insolstr. 10: General- Versammlang. Tages or dnu n g; 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2."Wahl zweier Revisoren. 3. Antrage. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Beiträge werden entgegengenommen. Zahlreichen Besuch erwartet 6/7 Der Torstand. Verband der Graveure, Ziseleure etc. (Filiale Berlin.) Dienstag, bcn 5. Oktober, abends 8Va Uhr, Oranienstraste 5t: DcrraittmUtuti. ISi T.-O.: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 249/8 Der Torstnnd. Rixdorf. Frauen- und Mädchen-Bildnngsverein. Mitgliedlev�Novsttmntluntt am Mittwoch, de» v. Oktober, abend« 8Vz Uhr, bei Hummer, Bcrlincrstr. 58, 297/11 Tagisordnnng: 1. Wortrag über die Volksschule alS Erzieherin der Jugend. 2. Distnssion. 3. Bericht des Vorstandes.— Gäste haben Zutritt. kW««»! Charlottenbnrg! t°>»u°!i! Zlitlivooli, de» 6. Oktober, abends 8'/, Uhr, in Bismarckshöhe, Wilmersdorferstr. 39: Oeffentliche Versammlung hes Ssziklhernolratischtn Wuhloereills sör Teltm-BeMm- Storkom-Chsrlotteubiirg. T a g e S- O r d n n n g: 1. Vortrag des Genossen Bichard Falver- CHarlotlenburg. 2. Dislnssion. 3. Beschlubsasinng über das diesjährige Sttsluttgssest. 4. Verschiedenes. 230/13 Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Torstand. Sotiaidtmoluatischer Mahiomm für den 4. Der!. Reichstags-Mlillmls(Lstelt). LonntaZf, 6en io. Oktoder 1894, in L. Keller's Festsälen, Koppenstraße 20: 1° Stiftungsfest bestehend in Vokal- und Instrumental-Konzert. Zluftreten der GcseNschast Str-elevvloz». deS Turnvereins Fichte. Von 6 Uhr an: TANZ. 243/14 Voranzeige. Circus Bäschs Bahnhof Börse. Den Hochgeehrten Bewohnern der lönigl. Haupt-»nd Restdenzstadt Beriin beehre ich mich anzuzeigen, bah ich am 5. Oktober mit meiner Gesellschaft mittel» Tonderznges von Hamburg hier wieder eintreffe» und am Doiiutrslilis, deil 7. Lktöber er., llbeildS 7� lljr, meinen völlig neu delorirten Circus am Bahnhof Börse mit einer Darstellung llv» plus ultra wieder eröffnen werde. Wie es mein Bestreben gewesen ist, die Stätte meines WirkenS völlig neu und anheimelnd auszugestalten, so werde ich nicht minder daraus bedacht sein, durch vollständig »cne Darbietungen anf allen Gebieten der rircensischc» Künste mich der nugcrordentlichen Gunst würdig zu erweise», die daS hochverehrte Pnblilnm mir bisher entgegengebracht hat. Mein Bestreben, auch während der jetzt beginnenden Saison nur Mnstergiltiges zu bringen, bitte ich auch diesmal wieder durch wohlwollende Beachtung »leincs Unternehmens zu unterstützen, und mir dadurch zur Erreichung des mir vorgestcdlc» Zieles behilslich zu sein. Mit hochachtungSvollster Ergebenheit I*. Busch, Direktor. BillctS find ab Montag zu haben im Vorverkauf mit 10 pEt. Aufschlag an der CircnSkasie und beim Invalidendank, Unter den Linden 24. Preise der Plätze: Logensitz(für den Eröffnungstag) 6 M.: Sperrsitz SM.; Balkon 2 M.; 1. Platz 1,50 M.; 2. Plag 1 M. und Wallerie (Stebplatzl 60 Pf._;_ Lrts-KraukekW des Zimm trergerntthts zu Berlin. Gemäst§ 60 des Kassenstatuts bringen wir hiermit den Mitgiiedcni zur Kenntnib, dost die in der General- Versammlung voin 25. April 1897 beschlossene vierte Abänderung des Sia- tuis—(Ausdehnung der Unter- ftntznnaSdaiirr auf 38 Bloche»)— durch die höhere Berwaltungsbehörde genehmigt worden ist. Die dicsbczüzlicheAbändcrung wird den Mitgliedem gemäß ß 61 des Statuts ausgehändigt und ist mit dem 4. Oltober 1897 in traft getreten. Der Vorstand. 10üsb A. Rudolph, Vorsitzender. I. Krause, Schriftführer. feuerstelu'" Feslsäle Alte Jakobslrasse 75.1 Orossc und kleine Kille zu Versammlungen unentgeltlioli, sowie zu Sommer- u.WintorfesÜioh- keiten b. kulanten Bodim-ungen. KcickliaUigo Abendkarte zu solid. Freisen, l'ilwouor und BOteow-Blcr.• Scliönebcrs. Empfehle mein Weiss- nnd Buiriscli-Bicrlokal. Großes Veretnszimmer steht zur Verfügung. Zahlstelle des ZentralverbandcS der Maurer und des Zeutraiverbandes der Transport- und Aerlehrsarbeiter. Otto Tchittiilg. Kpiihäuscrstr. ia. Waldvögel Meisen 60, Buchfinken 76, Rothkchlchen 80, Ammern, Grün- u. Bergfinken 60, Zeifige 1 ,—, Weibchen d. Hälfte. Thurm- falle 3,—, Eichelhäher 1,76. Mir««». Grcisswalderft.IZ, KönigSth. Masclm:.-Kleidung Mascbin.-Jackets Guter blauer Baumwollstoff, mit Steh- od. Umlegekragen, auch schräg an der Seite zum Knöpfen. Als Haass genügt Brustweite. iQnal. II] I| Blau Leder 1,00 2,10 2,80" 3,50 Maschin.-Hosen Aus demselben Stoff wie obige Jackets. Als Haass genügen Leibweite und Schrittlänge. iQual.II I Blau Leder 1,50 1,75 2,20 u 2,80| Baer Sohn ]CUausB8estr.24a Brüokenstr.ll| Gr. Fiankfarterstr. 16. Aufträge von M. 20,— an franco.— Preisliste gratis. Obige Preise gelten für normale Figuren. C©tiBi,s Feslsäle Beuthstrasse 20. Meine oleganten neu ronovlrten Festsäle mit Bühne, bis 1000 Personen fassend, sind noch an einigen Sonnabenden und Sonntagen zu vergeben.__ 3248L* r Miinner-Vortraa mit letepien Mtomischeu sichtbiliiern und Ein Blick in daS Innere des männlichen und weibliche» Körper« vom Siaturheilkundigcn birnndmnnn. Mittwoch, den 6. Oltober, abends 81/» Uhr, Moabit, Altienbraucrci, Thurmstr. 26. Eintritt 20 Pf. Verein für Körper- nnd Natnrheilkunde. A l e r a n d e r st r a b e 8._ Oanksag&sng. Herrn G. Mttnsel, Berlin, Wallstr. 70 71. Vor längerer Zeit litt ich im hohen Grade an GclcnkrhcumaliS- »ins, so daß ich nicht im Stande war, ohne große Schmerzen zu haben, Arme und Beine zu bewegen. Durch einen Bekannten erhielt ich ziisällig ei» Billct zur Probe Ihrer I-obtnmiin-Biuicr. Trotzdem ich wohl zuerst nicht recht daran glauben wollte, lann ich jetzt nicht umhin, Ihnen meine volle Anerlennung auszusprechen, denn ich habe, trotzdem ich nur noch drei Bäder genommen, seitdem keine Schmerzen wieder verspürt, und kann ich allen an dieser Kmnkhett Leidenden Ihre Bäder auf das wärmste empfehlen, was ich bercils getha» habe. Hochachtnngsvoll 1066b Faul i, lerne, Cigarrcngcschäft, SöHiiiibfiii): Ntßtt'Berkittls! Brenner& Cie., » Alte Jakobstrasse No. 57— 59 3- die Mutter! Soeben erschien: sS2SbL» Berliuer Weiter- Kaleudtr IV. Wie�vcrkänfcr erhalten pro 1898, 88 Seiten, reich illustrirt, Frei» 15 Pf."IM"99 ohcn Rabatt, und mache ich bieje auf die leichte Absatzfähigleit nieineS Kalenders besonders aufmerksam. Th. Mayhofer Nachf., Verlagsbuchhandlung, Berlin N., Weinbergsweg 15b. B. Günzel, Lothriaserstr. iiafscillc, Marx jc. i» Cigarrenspitzcn, Pfeifen, Tliabi-Ui, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildem n. dgt, sowie jede Trechölerwaare n. Rcvar. /Man verl. Preiskuraut.) 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