Einzelpreis 20 Pfg.. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags uz nmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berit 11 M. voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen fämtliche Boftarftalten Bestellungen ents aegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Scarsu. Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens u.Luxemburgs 20 M., it Das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Yedaktion, Expedition und Berlag: Berlin E2, Breite Straße 8.0. Donnerstag, 29. September 1921 Nummer 456 Abend- Ausgabe Die achtgespaltene Stonpareillezette aber beren Ran koftet 6, M. einschließlich Jaferatensteuer. Kleine Angeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-., jedes weitere ort 1,50 m. einschließlich Jxferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,75. netto pro Zeile. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jebes weitere Wort 1,- M. Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 greibeir Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Poehners Zukunft gesichert Wird er befördert? Sowohl die Form als auch der Inhalt der öffentlichen Kundgebung Boehners mit der Ankündigung seines Rücktritts werden in der Münchener Bresse fast allgemein ver urteilt. Die ,, Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben: ,, Die Art, in der Herr Poehner seinen Rücktritt öffentlich be gründet, muß abgelehnt werden. Vor allem erscheint es uns außerordentlich bedenklich und tief bedauerlich, daß Herr Boehner fich dazu hinreißen ließ, mit der Begründung und vor allem mit der Veröffentlichung der Begründung seines Abschiedsgesuches die gute bayerische Beamtentradition aufs gröblichste zu ver. lezen. Mag Herr Poehner noch so sehr überzeugt davon sein, daß die Maßnahmen der jezigen Regierung falsch sind, als er das Gesuch der Deffentlichkeit übergab, war er noch Polizeipräsident und Staatstommissar, und als Polizeipräsident und Staatstommissar hatte er die dienstliche Pflicht, die Staatsautorität zu wahren." Die„ Bayerische Volksparteiforrespondenz" äußert sich wie folgt: Der Erlaß des Polizeipräsidenten Boehner, in dem er seinen Rüdtritt motiviert und der heute an den Anschlagtafeln der es handelt sich wohlgemerkt nicht um den Stadt zu lesen war Text des Rüdtrittgefuches, ist nach der Auffassung, die man bei uns zu Lande vom Beamtentum hat, eine Disziplinwidrigkeit. Wenn die Staatsregierung der Auffassung ist, daß sie die Verantwortung für die demnächstige Aufhebung des Ausnahme zustandes tragen tann, so hat tein Staatsbeamter das Recht, in der Deffentlichkeit indirekt dagegen zu protestieren. Wir hätten Herrn Boehner einen besseren und würdigeren Ab, gang gewünscht." Auch die offiziöse„ Bayrische Staatszeitung" schreibt: ,, Es tann nicht unausgesprochen bleiben, daß die Form des Schrittes des Herrn Boehner etwas ungewöhnlich und feineswegs geeignet ist, die gegenwärtige Situation zu crleichtern. Auch die Aera Boehner war nicht ohne Fehlgriff, insbesondere die Handhabung der Plakatzenfur hat auch im bürgerlichen Lager eine nicht unberechtigte Kritit gefunden, aber das Bofitive, das der bisherige Polizeipräsident für die Staatsautorität geleistet hat, überwiegt trotzdem. Wie wir soeben erfahren, ist der Polizeipräsident bereits seines Amtes enthoben worden. Die. Amtstätigkeit desselben hat Regierungsrat Rahmer übernommen. Trozdem soll Poehner aber nicht ganz aus dem öffentlichen Dienst verschwinden. Auch jeht noch glaubt man anscheinend auf die wertvolle Arbeitstraft dieses Mannes nicht verzichten zu können. In einer amtlichen Meldung, in der darauf hingewiesen wird, daß Boehner aus dem Justizs dienst stammt und daß ihm der Rüftritt in diese Stellung offengehalten wurde, wird mitgeteilt, daß einem Ge= juch von ihm um Wiederaufnahme in den Justizdienst voraussichtlich in Bälde stattgegeben wird. Boehner, der Beschützer der Mörder Erzbergers, der Hüter der deutschnationalen Mörderzentrale, der vorsägliche Verächter von Gesetz und Recht, soll jezt Organzum Schuhe des Rechtes werden! Wir müssen zugeben: Die Justiz fann ärger nicht bloßgestellt werden als durch diese Verwendung Boehners im Justizdienst. Ludendorffs Schiebergenossen Ueber die Verschiebungen von deutschem Vermögen in die Schweiz, an der Ludendorff hervorragenden Anteil genommen hat, haben wir erst fürzlich an Hand der Schweizer Enthüllungen berichtet. Die deutsche Presse, darunter auch ber allergrößte Teil der demokratischen Bresse, schweigt diese Borgänge tot. Ob aus Freundschaft für Ludendorff oder aus Freundschaft mit jenen Kapitalisten, die täglich dieselben Verbrechen an den deutschen Finanzen begehen, ist in der Wirkung völlig dasselbe. Ueber den Hauptschieber, SchmidtChoné, den Vertrauten Ludendorffs, und seine Zentrale für Bermögensverschiebungen von Deutschland nach der Schweiz. berichtet jetzt die ,, Reue Züricher Zeitung": Das Bild, das sich von der Cecil- A.- G. ergab, deren geistiger Leiter Erich Schmidt- Choné war, entsprach dem, was man nach den Aufdedungen im Nachlaßstundungsverfahren der Zürcher Depofitenbank erwarten konnte: eine Wlihwirtschaft und Schieberet mit fremben Geldern, wie fie fich unverantwortlicher und gewissenloser faum denken läßt. In der Hauptsache dürfte es sich dabei um Kapitalfluchtgelder aus Deutschland handein; die Cecil- A.- G. wurde schon während der Kriegszeit in der deutschen Bresse wiederholt im Zusammenhang mit Kapitalschiebungen genannt, und neuerdings wird auch der Name Ludendorff mit Schmidt- Choné und der Cecil in Zusammenhang gebracht.. Das frase Ueberhandnehmen des Schmuggels an der Schweizergrenze gab den deutschen Behörden Veranlassung, einen besonders routinierten und gewandten Beamten nach Konstanz zu delegieren, der dort auch mit großem Erfolg tätig gewesen sein soll. Schmidt- Choné, der die Konstanzer Grenze häufig passierte, engagierte den Herrn in der Folge nach Zürich als seinen Privatsekretär mit dem Monatsgehalt von 3000, nach anderen Verfionen 6000 Fr. Der teure Beamte traf in Zürich ein, es wurde thm aber mitgeteilt, seine Dienste seien einstweilen nicht nötig; er fönne sein Galär jeweilen auf Monatsende einziehen und inzwischen sich die Schweiz etwas ansehen. Der Zwed der Uebung war also nur der gewesen, den gefährlichen Wächter an der Grenze wegzubringen. Wer sich solche Opfer leisten fann, der hat natürlich Seine Gründe; Schmidt- Choné betrieb die Verschiebung beutschen Kapitals nach der Schweiz in ganz großem Stile." Wie sagte doch der deutschnationale Abg. Gräf( Thüringen) im Reichstage? „ Das Bergehen der Steuerhinterziehung und der Kapitalflucht ist nach unserer Auffahjung niemals ein politisches, sonbern stets ein gemeines Delift, und zwar ein solches, das die Ehre des betreffenden Angeschuldigten tangiert." Trogdem spielt Ludendorff bei den Deutschnationalen bie erste Geige. Theorie und Praxis! Höchst und Umgegend Ueber die Bewegung in Höchst und Griesheim wird heute von verschiedenen Seiten gemeldet, daß die Tarif. tommission der Belegschaften der Forderung der Arbeitgeber auf„ Wiederherstellung des gesetzmäßigen Zustandes" zua gestimmt hätten. Dieser gesetzmäßige Zustand soll in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eintreten. Wenn dies geschieht, dann wird der Unternehmerverband die Verhandlungen mit den Gewerkschaften am Donnerstag nachmittag fortsegen. Wir verstehen diese Meldung nicht recht und vermögen nicht zu erkennen, welcher Art der„ gesetzmäßige Zustand" ist, um den es sich hier handelt. Nach unseren Informationen ist durch die Atbeiter fein ungesezmäßiger Zustand herbeigeführt worden, der in einen gefehmäßigen zu verwandeln wäre. Das könnte höchstens für die Unternehmer gelten. Jedenfalls dauert die Aussperrung noch an. Das Unternehmertum läßt in seiner Rücksichtslosigkeit nicht loder. Die Scharfmacher fezzen den Konflikt, den sie selbst vom 3aune gebrochen haben, mit zäher Ausdauer fort, während sie sich bei anderen Gelegenheiten heuchlerische Tränen über die Opfer von Oppau auspressen. Steigen und Fallen des Dollars Auch der Getreidepreis steigt Gestern erreichte der Dollar an der Börse einen Stand von 132 Mart. Dieses Retordniveau wurde zwar nicht gehalten, es jetzten vielmehr sehr starte Schwankungen ein, die vorübergehend den Dollar bis auf 125% herabdrückten. Schließlich aber hielt der Kurs doch wieder und erreichte 128%, so daß der Stand dom Bortage wiederum überschritten wurde. Die allgemeinen Folgen dieser fortgesetzten Entwertung der Mart haben wir gestern bereits bargelegt. Eine andere Wirkung aber ist jedenfalls von außerordentlich drüdenden Folgen für die Masse der Bevölkerung. Es steigen vor allem dauernd und unaufhaltsam die Preise für Getreide. Sie erreichten gestern mit 470 bis 476 M. für den Doppelzentner Weizen den höchsten Stand seit der Aufhebung der 3wangs wirtschaft. Auch der Roggenpreis ist erheblich gestiegen, er be trägt jetzt 374 bis 378 M. für den Doppelzentner. Für Weizen also erhalten die Landwirte einen Preis, der ihnen an jeder Tonne Weizen einen Egtra profit von etwa 2500 201. gegenüber dem amtlich festgesetzten Preis von 2300 m. verschafft. Das ist aber beileibe kein Mucher, denn sonst würde ja selbst. verständlich der Staatsanwalt sofort mit unnachfichtlicher Strenge einschreiten. Auch der Butterpreis ist gestiegen. Butter erster Quafität toftet 29,50 M. Da nach der von den Agrariern verlangten neuen Regelung der Milchpreise für Berlin dem Landwirt für den Liter Milch ein Zehntel dieses Butterpreises gezahlt werden muß, so muß bei Anhalten dieses Preises im Monat Ottober ein meiteres Steigen der Milchpreise die Folge fein. Daß dabei ungezählte Menschen langsam dem Hungertode überliefert werden, fümmert die Nugnießer dieser Entwidelung anscheinend sehr wenig. Heute ist der Stand des Dollars auf 128 gefunken. Ungarn räumt das Burgenland? Bonbon, 28. September. Reuter zufolge geht aus in London eingegangenen Nachrichten hervor, daß die ungarische Regierung willens ist, der Aufforderung ber Alliierten zur Räumung des Burgenlandes nachzukommen. Gollte jedoch die ungarische Regierung irreguläre Banden im Lande zurüdlassen, so würden die Alliierten barauf bestehen, daß Ungarn diese Banden, nötigenfalls mit Gewalt, ver: treibt. Ein taftisches Manöver Es war sicher zu erwarten, daß die rechtssozialistischen Führer auch diesmal wieder dasselbe Manöver versuchen werden, das sie jedesmal bei einer Regierungsbildung an wenden. Sie wollen probieren, einen Teil der Verantwor tung für ihre Politik auf die Unabhängige Sozialdemokratie abzuwälzen, um es ihrer oppofitionellen Haltung zuzuschreiben, wenn sie gezwungen seien, sich mit bürgerlichen Parteien zu verbinden. Neu ist nur die plumpe Art, in der diesmal der Versuch von vornherein angefündigt und offen als ein taftischer Schachzug gekennzeichnet wird. So veröffentlicht ber rechtssozialistische Braunschweiger Boltsfreund" einen parteioffiziösen Artikel, in dem zunächst der Deutschen Volks. partei gedroht wird, falls an ihrem Bestreben, Wirth zu stürzen, die Koalition scheitern sollte, dann könnte der Pendel nach links ausschlagen und ernsthafte Versuche gemacht werden, die U. S. P. D. zur pofitiven Mitarbeit der Reichspolitif heranzuziehen. Dann fährt der Artikel fort: Zu bemerken ist hierzu, daß die Sozialdemokratie nicht erst das Scheitern irgend welcher Verhandlungen mit der Boltspartei abwarten wird, um dann an die Unabhängigen zweds Eintritts in die Regierung beranzutreten, sondern daß sie beabsichtigt, die Unabhängigen vor aller Deffentlichteit im Reichstage vor die Frage zu stellen, ob sie bereit sind, eventuell in eine Res gierung einzutreten. Der Görlitzer Beschluß spricht bes fanntlich meder von einer Erweiterung nach rechts, noch nach lints, weshalb es für uns selbstverständlich erscheint, daß, falls die Er meiterung der Regierung im Vordergrund der Beratungen steht, wir zunächst an die Unabhängigen als die uns Rahes stehenden herantreten. Schon aus tattischen Gründen ist eine ents prechende Frage an die Unabhängigen notwendig, benn folange bie U. G. 3. ben Eintritt in eine Regierung ablehnt und lediglich mit Thrafen und Zeitungsartiteln die politische Lage zu meistern gebentt, solange it fie nicht berechtigt, an einem Beschluß der Sozialdemokratischen Partei Kritik zu üben, der ihr vielleicht mehr Borteile bieten tann, als den von uns rechtsstehenden Parteien. In den kommenden Tagen wird sich also zeigen, ob die Un= abhängigen es mit dem Schuh der Republit tatsächlich ernst meinen, oder ob sie ihre unsachliche Kritit gegen die Sozialdemokratie lediglich anwenden, um aus ihr gewife Vorteile in Bezug auf die Mitglieberzahl zu ziehen. Wir sehen einer solchen Erwartung mit größter Gelassen heit entgegen. Wie stehen denn die Dinge? Die Unabhängige Sozialdemokratie hat der Regierung Wirth für ihre Politik der Erfüllung feinerlei Schwierigkeiten bereitet. Sie war bereit und hat es durch ihr praktisches Verhalten bewiesen, alles zu unterstützen, was diese Regierung zur Durchführung ihres außenpolitischen Programms und zur Führung einer wirklich demokratischen, die Republik sichernden und die Reaktion befämpfenden Politit ausführen wollte. Damit war diese Regierung gesichert, solange fie ein solches Programm ausführte. Die Stellung der Rechtssozialisten in einer solchen Regierung war gerade dadurch besonders start, daß sie sich auf diefe Haltung der Unabhängigen Sozialdemokratie stützen fonnten, während die Rechtsparteien in Opposition standen. Denn das mußte auch die demokratischen und Zentrumsminister zwingen, auf die Forderungen der Arbeiterschaft gebührende Rüdficht zu nehmen, wenn sie nicht die Existenz der Regierung gefährden wollten. Ohne jebe Rot und ohne jeben 3wang haben die Rechtssozialisten in Görlitz diese Stellung preis= gegeben und helfen jetzt eine Regierung bilden, die unabhängig ist von den Stimmen der Unabhängigen Sozialdemottatie, aber ange= wielen auf die der Deutschen Bolfspartei. So haben sie ohne jede politische Notwendigkeit die Links" politit Wirths unmöglich gemacht und den Beginn der Rechtspolitif Stresemanns eingeleitet. Es ist einfach Schwindel, wenn gesagt wird, daß eine solche Unterstützung durch unsere Partei nicht ausreichend war. Dann wäre auch eine reinfozialistische Regierung in Sachsen nicht möglich, weil die Kommunisten feine Minister stellen wollen. Daß die Rechtssozialisten selbst feinen Moment an den Borwand, den fie ieht vorschügen, glauben, beweist die einfache Tatsache, daß sie ihren Görliger Beschluß mit Reben be gleiten ließen, die die stoffften Angriffe gegen die Unabhängige Gegialdemokratie brachten, während sie um bie Liebe der Deutschen Volkspartei geradezu warben. Aber wozu darüber noch viel Worte verlieren, nachdem ber Boltsfreund" felbst ja die bevorstehende Anzapfung als rein taftisches Manöver enthüllt hat? Denfelben 3wed verfolgt auch, wenn auch nicht in so, plumper Weise, ein Artitel des Berwärts". Er nimmt als Borwand den Antrag unserer Fraktion auf Aufhebung ber Berordnung des Reichspräsidenten. Da auch die Deutsch nationalen einen solchen Antrag stellen, so würde die Regies rung Wirth unter Umständen durch die Stimmen der Rechts und Linksoppofition gestürzt werden. Der Vorwärts" weiß natürlich, daß die Unabhängige Sozialdemokra tie, was fie gleichfalls wiederholt erflärt hat, nicht baran benfi, sich zum Vorspann deutschnationaler ministerstützereimachen zu laffen. Er vergißt aber absichtlich, daß die Situation gründ. lich geändert worden ist gerade durch den Görlitzer Be Ihluß. Wir haben nie einen 3weifel daran gelassen, daß wir die Ausnahmeverordnung höchstens als einen ungenügenden Rotbehelf bis zur schleunigen gelegiichen Regelung ansehen. Jeht aber haben wir damit zu rechnen, daß eine Regierung tommi, in der die Deutsche Volkspartei vertreten ift, die unaufhörlich in ihrer Presse und in ben Besprechungen der Regierung die Anwendung dieser Verordnung gegen linis gefordert hat. Dazu Tommt, daß die Verordnung in ihrer gegenwärtigen Form ohnebies von der Regierung selbst nach der Vereinbarung mit Bayern aufgehoben werden muß. Diese Vereinbarung hat zur Folge, daß die Ausführung wesentlich von den Landesbehörden und von dem reaktionären Reichsrat ab hängt. Damit ist sie aber, abgesehen von allen anderen Bebenken, zu einem Kampf gegen rechts unbrauch, bar geworden. Nicht durch Ausnahmeverordnung, sondern burch eine gründliche Just izreform, durch Reinis gung der Verwaltung und durch die Schaffung der bazu notwendigen gesetzlichen Möglichkeiten, wie sie der Antrag unserer Frattion verlangt, fann der Kampf gegen die Realtion geführt werden, wenn er eben in einer Regierung der Deutschen Volkspartei überhaupt geführt werden könnte. Unter diesen Umständen halten wir es für das einzig richtige, wenn die Regierung Wirth die Berordnung beseitigte und eine Gesegesvorlage vorlegte. Also auch mit diesem Vorwand ist es nichts. Es bleibt schon dabei, die Rechtssozialisten haben in Görlitz der Deutschen Boltspartei in den Sattel ge= holfen. Es wird ihnen nicht gelingen, der Arbeiterschaft weiszumachen, daß jemand anderer als fie, den Steig. bügel gehalten hat. Richt mal ein Lippenbekenntnis Die erleuchteten Demokraten wollten hinter den RechtsSozialisten nicht zurückbleiben und sprachen in ihrer Frattionsfihung den Wunsch aus, die Deutsche Boltspartei sollte nor ihrem Eintritt in die Regierung eine Erklärung über ihre Stellung zur Verfassung abgeben, die sie bekanntlich als monarchistische Partei abgelehnt hatte. Darauf antwortet die„ Deutsche Allgemeine Zeitung":" „ Mir glauben, daß derartige Forderungen der beste Weg sind, die Roalition unmöglich zu machen. Wie die Deutsche Boltspartei zur Berfassungsfrage steht, hat sie in der letzten Zeit genügend zum Ausdruck gebracht. Wünscht die neu zu bildende Regierung die Stellung des neuen Kabinetts in dieser Frage noch einmal auszulegen, so steht dem nichts entgegen. Die Deutsche Volkspartei wird ihrerseits darüber hat die Tagung der Reichstagsfraktion feinen Zweifel gelaffen- jebe Forderung, wie sie hier von demokratischer Seite aufgestellt wird, ohne Diskussion ab= lehnen. Wenn in der jetzigen Zeit des völligen Zusammenbruchs der deutschen Finanzen und der deutschen Valuta eine Partei wie die Deutsche Bolfspartei sich im Jnteresse des Baterlandes überhaupt bereit erflärt, an der Regierung teilzunehmen, so wird man ihr jedenfalls nicht zumuten tönnen, dieje Teilnahme durch irgendeine Bedingung zu ertaufen, die wie ein von anderer Seite aufgestelltes fandinisches Joch zu betrachten ist. Wünscht man in demokratischen Kreisen dies zu tun, so möge man auf weitere Verhandlungen verzichten." Die Deutschen Volksparteiler machen es den armen RechtsJozialisten wirklich nicht leicht. Sie beanspruchen in der ofitit dieselbe Stellung wie in der Wirtschaft: sie wollen Setren im Hause sein und vertreten diesen Standpunkt it immer größerer Offenheit. Aber die Rechtssozialisten werden sich trösten. Hai nicht Schiller gelehrt: Immer strebe zum Ganzen und fannst du jelber fein Ganzes Werden, als bienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an." Die Rechtssozialisten haben mit ihrem Beschluß verhindert, daß fie ein Ganzes mit der gesamten Arbeiterschaft werden tönnten. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich an ein anderes Ganzes, die Bourgeoisie, anzuschließen als -dienendes Glied. Die deutsche Einfuhr nach England im Monat August weist eine Zunahme von faft 158 000 Pfund Sterling auf. Eugen Dühring Obwohl Dühring schon am 2. September Starb, ist die Nach richt von seinem Tobe erst gestern in die Deffentlichteit gedrun gen. Er stand dem öffentlichen Leben in den letzten Jahren anScheinend so fern, daß selbst ein Ableben nicht die nötige Be achtung fand. Für das sozialistische Proletariat ist der Name Eugen Dühring eng verknüpft mit jener Beriode, in der es, in den Anfängen der prattischen Bewegung siedend, erst um Klarheit in seinen theore tischen Grundauffassungen rang Es war um die Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Eugen Dühring, der als Privatdozent für Philosophie und Nationalökonomie an der Berliner Universität in eine scharfe Kampfstellung gegen das Professorenkollegium geraten war, sich der Eosialdemokratie zu wandte. Er tam aber zum Proletariat nicht, um als Soldat in Reih und Glied zu fämpfen, sondern mit dem Anspruch, die sozialistische Bewegung von Grund auf zu reformieren. Mit einer ungeheuren Anmaßung und einem Selbstbewußtsein, das in feiner wissenschaftlichen Leistung nicht im entferntesten begründet war, wandte fich Dühring gegen alle Lehren und Leistungen des Sozialismus. Er tanzelte ebensosehr Owen und Fourier ab, wie Lassalle, Marg und Engels, deren wissenschaftliche Leistungen er in Grund und Boden verdonnerte. Statt der von ihm verwor= fenen Lehren des wissenschaftlichen Sozialismus bot er in seinen Aufsätzen und Schriften ein Gemisch von philosophischen und ökonomischen Lehren, das er als das einzig wahre grundlegende System der Geisies- und Gesellschaftswissenschaften anpries. In der jungen sozialdemokratischen Bewegung, die eben erst die Einigung zwischen Lassalleanern und Eisenagern herbeigeführt hatte, beutete das Auftreten Dührings feine geringe Gefahr. Ein Teil der jozialistischen Preffe begrüßte den Neubelehrten mit einer Wärme, die zwar nur dem guten Willen Dührings galt, die aber auch die Neigung durchbliden ließ, bie neue Universallehre unbesehen mit in den Kauf zu nehmen. Unter diesen Umständen fah fi Friedrich Engels genötigt, in einer Reihe von Abhandlungen, die im damaligen Zentralorgan ber jozialdemokratifchen Bartei, dem Voltsstaat", erschienen, die Lehren Eugen Dührings fritisch unter die Lupe zu nehmen. Diese Abhandlungen, bie später unter dem Titel„ Herrn Eugen Dührings Umwälzung Der Wissenschaft" als Buch erschienen, sind heute noch das Beste, was zur Einführung in die philosophischen und ökonomischen Lehren des Margismus geschrieben worden ist. Mit aller GrünbJichfeit ging Engels den Jerlehren Dührings auf allen Gebieten ber Wissenschaft nach; er enthüllte ihn als oberflächlichen Dilet tanten somohl auf dem Gebiete der Philosophie und der Naturwiffenschaften, wie auf dem ber politischen Delonomie, und er verftanb es bei bicfer Gelegenheit meisterhaft, den Stern der margifti Ein Todesurteil Vor einiger Zeit haben sich in Swinemünde Zusammenstöße zwischen Zivilisten und Reichswehr einerseits und Reichsmarineangehörigen andererseits ereignet. Am 6. März rottete sich eine Menge von etwa 150 Personen, die mit Knüppeln ausgerüstet war, zusammen, um die Marines angehörigen zu verprügeln. Als diese nachts gegen 12 Uhr zur Fähre tamen, um sich nach ihren Schiffen übersehen zu laffen, Fähre tamen, um sich nach ihren Schiffen übersehen zu laffen, wurden sie von der Notte überfallen. Als die Fähre dann abfuhr, wurde noch eine Handgranate hinterher geworfen, durch die zwei Personen getötet und etwa fünfzehn verletzt wurden, meist Angehörige des Kreuzers Berlin". Als Haupttäter bei diesem Zusammenstoß mußten sich am Dienstag vor dem Schwurgericht in Stettin der Gelegenheitsarbeiter Rewold, der die Handgranate geworfen hatte, sowie der Bädergeselle Moll und ber Schiffsheizer Rasti verantworten. Das Schwurgericht verurteilte Rewold wegen schweren Landfriedensbruch, Berbrechen gegen das Sprengstoffgesetz und verbotenen Waffenbesiges zum Tode, lebenslänglichem Ehrverlust, 5 Monaten Gefängnis und 100 M. Geldstrafe, Moll wegen schweren Bandfriedensbruchs zu 1 Jahr und 6 Monaten Zuchthaus und Naski zu 1 Jahr und 3 Monaten Zuchthaus. Wir fennen das Ergebnis der Beweisaufnahme noch nicht und können deshalb auch nicht nachprüfen, ob die vorstehende Darstellung, die wir den Meldungen der bürgerlichen Bresse entnehmen, in allen Teilen zutreffend ist. So verurteilenswert auch das Werfen von Handgraten und so bebauernswert die Folgen dieser Tat find, ob ein Tobesurteil gerechtfertigt war, wird man wohl mit Recht anzweifeln dürfen. Und wenn man sich die Tatsache vergegenwärtigt, daß der Mörder Marloh für den Mord an dreißig Menschen mit einer ganz geringfügigen Strafe davontam und daß in zahlreichen anderen Fällen, in denen Menschen von Mördern von rechts getötet wurden, überhaupt feine Strafe verhängt wurde, so muß man in diesem Urteil, das einen Arbeiter betrifft, den Ausfluß von zweierlei„ Gerechtigfeit" erbliden. Die Erfachen des Oppauer Unglüds Bon einem Chemiker wird der Frankfurter Zeitung" geschrieben: Der anläßlich der Explosionstatastrophe in Oppau viel genannte Stoff ist ein Gemisch von Ammoniumnitrat und Ammo niumsulfat. Ersteres wird durch Steutralisation von Ammonia! und Salpetersäure, letzteres durch Neutralisation von Ammonial mit Schwefelsäure hergestellt. Ammoniumsulfat tommt als Sprengstoff sowohl rein als auch in Mischungen nicht in Betracht, dagegen Ammoniumnitrat. Dieses ist als folhes nicht als Sprengstoff anzusprechen, erhält jedoch brisanten Charakter von außerordentlicher Stärke, wenn es mit organischen Stoffen wie Kohle, Sägemehl, Dinitrobenzoi, Di und Trinitrotoluol gemisht und zur Entzündung gebracht wird. In solchen Mischungen hat es seit längerer Zeit eine starke Berwendung als sogenannte Sier heitssprengstoffe, hauptsächlich in der Bergwerksindustrie, gefunden. Das Gemisch von Ammoniumnitrat und Ammoniumsulfat hat sich wegen seines hohen Stichstoffgehaltes ais Dünge mittel sehr gut bewährt. In den Stidstoffwerfen Oppau und Merseburg wird der weitaus größte Teil des Bedarfs für die Landwirtschaft hergestellt. 1 Wie nun die folgenschwere Explosion zustande gefommen ist, barüber find nur vorläufig Vermutungen im Umlauf. Um folche traurigen Bertommnisse zu vermeiden, mas es die erste Aufgabe ber Sndustrie sein, die großen Lager einzuschränken, vielleicht in der Weise, daß fern von menschlichen Siedlungen einzelne fleine Lager errichtet werden, die mit einer Endumwallung umgeben find. In der Sprengstoffindustrie werden solche Borkehrungen getroffen. Selbstverständlich sind solche Umänderungen mit einem großen Roften aufwand verbunden, weil immer mit großen Borräten gerechnet werden muk, ba Düngemittel faft ausschließ lich nur im Frühjahr und Herbit angefordert werden; es müssen bann immer große Vorräte vorhanden jein. Es ist aber zu hoffen, daß die Industrie auch diesen Schwierigkeiten begegnen wird, und es ist ihre Pflicht, alles davan zu sehen, um jegliche Gefahr auf ein Minimum herabzusehen. Auch diese Aussage eines Fachmanpes widerspricht den Angaben der Oppauer Direktion. Sie zeigt, daß die Explosion die Fachkundigen durchaus nicht überrascht hat und schen Lehren und die Methode der materialistischen Geschichtsauffassung in populärer Form der Arbeiterschaft zugänglich zu machen. Es liegt eine gewisse Tragit darin, daß Dühring nicht durch seine eigene wissenschaftliche Leistung, sondern durch die vernichtende Kritit, bie Engels an ihm geübt hat, berühmt geworden ist. Die zahlreichen Schriften, die er geschrieben hat, modern in ben Bibliotheken und haben nur geringen Gegenwariswert. Aber bie Schrift, die zur Ueberwindung seiner Jerlehren, zugleich aber auch zur Ueberwindung der theoretischen Unreife der damaligen fozialistischen Bewegung geschrieben worden ist, nimmt hente noch den Ehrenplay in der wissenschaftlichen Literatur des Sozialismus ein. A. S. Dante- Vorlesung( durch Theobor Stiefenhofez). Des größten chriftlichen Dichters, der vor 600 Jahren gestorben ist, wird jest oft gebaut. Goethe nannte Dante eine Natur Das ist teine glückliche Bezeichnung für den Mann, der weniger ein Dämon als ein ungeheurer Geist-, Kunst- und Willensmensch gewefen ist. Sört man aus seiner göttlichen" Romödie( welch ein Titel, welch Krönung eines Dichterwerfes durch die staunende Nachwelt!) lejen, so weiß man nicht, was man zuerst becounbern foll: Jeinen Geift, feine bildnerische Kraft, seine Phantasie, seine Frömmig teit, feine Kunst-? Sein Geist ist groß und modern, weil er feine hergebrachten Bilder und Attribute verwendet. Er schöpft immer aus dem Augenblid and fagt das, was er am allerticiften, am wahrsten empfindet. Daher ist sein Geist anderer Art als der leichteren, fpäteren Dichter feines Schlages und feiner Nachfolge, wie Milton und Klopstod. Seine Gestaltungsfraft beruht auf der Vision. Und seine Vision ist weniger überfinnlich als natürlich. Er sieht, was er Ichilbert wirtlig. An seine Hölle, an sein egefeuer, an sein Baradies glaubt jedermann, Dante hat sie gesehen, wahrhaftig gesehen, und wir vergessen alle Zweifel und sehen mit ihm. Und barum ft feine Phantasie die wesenhaftest, die je mals ein Sirn beherrscht hat. Daher war er auch der größte Anreger größter Künstler, der stärkste Befruchter Michelangelos. Eh das Lamm Gottes hinwegnahm unfere Sünde", wenn Dante es ausspricht, glaubt man ihm jeden Laut. Er wußte tief um das Symbol. S.in Christentum war ein zufälliges. Er wußte, daß Sölle, Himmel und Fegefeuer nicht nach einem Schema wahr sind, nicht nach Jeinen eigenen fünstlerisch gestalteten Blänen, fondern nach der abfoluten unfaßbaren Wahrheit selbst, die das ganze Mysterium umfaßt. Belaß er doch wirklich, wie er sich aus.. brüdt, das Wie und Wieviel aller Herrlichkeiten! und feine Kunst! Gein Berantwortungsgefühl für jeden Bers, der bei ihm voll gefüllt und gefühlt ist wie bei feinem anderen Dichter, wat unendlich ausgeprägt. Er war zu gleicher Zeit aus dem Geschlechte der hart- handwerklichen Rünstler wie Donatello unb Mantegna und aus dem Lichte und der Schwebetraft Fra Angelicos, des Engels. daß die Gefährlichkeit des massenhaft gelagerten Stoffes gar nicht zweifelhaft war, wie die Direktoren hartnädig behaupten. Bu dumm! Zwischen Ungarn und Desterreich besteht bekanntlich feit einiger Zeit ein scharfer Konflikt wegen der Freigabe Westungarns, eines rein deutschen Gebietes, das nach dem Wortlaut des Trianoner Friedensvertrages Desterreich zugesprochen ist. Entgegen diejen flaren Bestimmungen weigert sich Horthy- Ungarn, das Gebiet zu räumen. Der Konflift hat zu blutigen Zusammenstößen im Grenzgebiet ge= führt und zu einem Ultimatum der Entente an Ungarn, das die Ausführung des Friedensvertrages fordert. In dieser Situation hält es das Berliner Tage= blatt" für angebracht, einen Bericht eines gewissen Th. Berfes aus Budapest zu veröffentlichen, der nicht nur durch seine ungarnfreundliche Tendenz auffällt, sondern auch eine perfibe Stimmungsmache gegen DeutschDesterreich bedeutet. Nachdem in ausführlicher Weise das wiedergegeben wird, was eine„, maßgebende Persönlichkeit" des ungarischen Auswärtigen Amtes ihm eingetrichtert hat, heißt es weiter: ,, Dabei ist zu bedenken, bak Desterreichs Prestige durch den ers Verhalten solglosen ersten Versuch, durch ungejidtes im besezten Gebiete Bestungarns, dem Borantragen roter Fahnen, den Zuzug von Kommunisten, die Absetzung ber Gemeinderäte nad Verfolgung der Geistlichen jetzt schon start gelitten hat. Die weftungarische Bevölkerung hat das Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung. Wer sie ihm gibt, it willfom. men. Fraglich bleibt freilich, ob der Befih des Dedenburger Gebietes mit etwa 45 000 Bewohnern von im ganzen 350 000 den ungarischen Jnjuzgenten genügt und ob nicht später der Versuch erfolgt, auch die übrigen Teile Westungarns, die mit Dedenburg wirtschaftlich und geographisch verbunden sind, nach sich zu ziehen. Weftungarns Ziel eint die Butonomie zu fein." Man weiß nicht recht, ob man sich mehr über die DummBerliner heit oder über die Berjibie des Bertreters bes Tageblatts" wundern soll. Dasselbe Blatt, das sonst nicht genug Worte finden kann, um den Anschluß Deutsch- Defterreichs an Deutschland als notwendig darzustellen, läßt sich nun durch die durchsichtigen Lügen der Horthy- Regierung dazu verleiten, eine Darstellung über den weftungarischen Konflift zu geben, die ben von der Entente zugesagten Anschluß Dieses reia deutschen Gebietes an Desterreich fabotieren soll. Und dasselbe Blatt, das die Jdee einer oberschlesischen Autonomia verwirft, fällt nun auf die von den Sorthgleuten inpieriezze bee einer weftungarischen Autonomie herein. So fieht die Politit aus, die das Berliner Tageblatt" macht! Um eine„ Originalnachricht zu haben, gibt es tritiflos den magparish- reaktionären Treibereien eines Schmofs Raum, der sich seine Weisungen von den Horthy- Leuten geben läßt. Was die Deutsche Tageszeitung" aus Liebe zu den ungarischen Weingardisten und aus Saß gegen das demokras tische Desterreich tut, macht das„ Berliner Tageblatt" aus Sensationsluft. Und das behauptet dann, die Interessen der deutschen Nation adein zu vertreten! 35 Arbeitslosendemonftration in London London, 28. September. Wie die Blätter melden, fand heute in Thoreditch eine große Arbeitslosentundgebung statt. Die von 2000 Arbeitslosen besuchte Bersammlung nahm nach Entgegennahme des Berichts über die Unterredung zwischen den Londoner Mrs beiterbürgermeistern und Lloyd George eine Entschließung an, in der erklärt wird, daß die Arbeitslosen sich nicht länger mit leeren Versprechungen begnügen werden und vor nichts zurüdweichen werden, um ihre Forderung nach Arbeit oder voller Unterstügung zu erzwingen. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. In Südwales haben heute weitere Rohlenbergwerfe die Arbeit eingestellt. Die Zahl der feiernden Bergarbeiter wird auf 80 000 geschätzt. Stefan George ist der einzige groß- handwerkliche Künstler alten Golages, der ihn nachbilden fann. Stiefenhofer las aus ben Georgefchen Uebertragungen mit schönem Material und tiefer Inbrunst. Doch hätte er mehr aus sich herausgehen sollen, mehr innige unb büftere Leidenschaft auch nach außen gebrauchen und nicht zuviel und verhalten für sich genießen sollen. Die Perfönlichfeit Arno Rabel Sonne und Lichtfülle waren als tägliche Guttaten schon seit Wochen über die Gebirgslandshaft gestreut. Fern, wie das etträumte Wunderbare, das jeder Mensch sich in seine Zukunft baut, und nah wie das Gute, das man nicht greifen will, blauten die Berge. Rot, gelb und violett, alle Farben der Malpalette fed perhöhnend, blühten die Blumen. Selbst der steile, gefährliche Bjab, biele Sallelujastraße, die durch fieine Vorkommnisse überraschend schnell Menschen ins Jenseits befördern fonnte, sprogte bunt auf. Ein dider Klatschmohn wiegte sich vor dem hölzernen Heiland am Kreuz. Den hatten Mitleid und findlich verfonnene Frömmigteit einem Berunglüdten als Gedenktafel gesetzt, gleichzeitig barauf fpekulierend, daß fromme Gebete fünftige Unfälle verhüten möchten. In all der Sommerherrlichkeit verspürten die Menschlein das Verlangen, ewig zu leben. Die Sorgen und Nöte des Lebens waren so weitab, daß sie taum erkennbar waren, ebenso schwach wie ein graues Spinnengewebe, das sich irgendwo im Gebüsch spannte. Und die Sommerfrischler, erholungsbedürftige Städter, sogen fich voll Menschheitsbeglückungsideen. Sie feierten bantbar ihre Ferien. Sie gedachten der noch nicht allzufernen Zeit, wo die ungehemmte Profitgier und bie wüste Ausnutungstenbenz ihnen nicht mal eine Spanne der Erholung gönnten. Wie leicht, wie froh waren sie jetzt in den Tagen bes Richistuns und des Wachstums zu neuen Kräften. Blöglich wurde die Ruhe durch Erregtheit aufgescheucht. Forsch, trädgend, monofelbewaffnet tam die Bersönlichkeit in den stillen Kreis. D, es war ein ganzer Mann, der auf der Bildfläche erschien. Seine Borfahren hatten mal Kaufleute totgeschlagen und fie beraubt, darauf bilbete er fuh jetzt noch etwas ein. Dann rebete er. Trefflich in Bofitur und Geste, herablassend und belehrend zugleich. Er sang ein Loblieb zur Berherzlichung des Krieges und des persönlichen Mutes. Dabei hatte er sich selbst, fo wohlbehalten wie ein Kaisersohn, durch den Krieg gebracht. Sodann( prach er von der Maffe. Sie ist dampf, urteilslos, teiner Erhebung fähig und in ihren Instinkten nur auf das Niedere gestellt. Aus Gründen der Selbstachtung ist man gezwungen, ftets die nötige Distanz von der Menge zu wahren. Gie tobie nur ein paar Tage- die Persönlichkeit. Sie beuchte. fich felbft so wichtig wie ein Naturereignis, ein Erdbeben, eine t 2 Die Aufhebung der Sanktionen Rittel in der Hand haben, fich dagegen zu wenden. ron Rizenzen festgestellt würde, die alliierten Regierungen ein Einladung deutscher Delegierter Berlin, 29. September. Dem deutschen Botschafter in Paris it getern die Felgende 91 ote überreicht worden: Herr Botschafter! Die alliierten Regierungen haben Kenntnis genommen von der Erklärung, durch die die deutsche Regierung die burch den Bejdfuß des Obergen Rates vom 13. 8. 1021 aufgestellten Bedingungen ausdzülich angenommen hat. Sie haben die Aufhebung der wirtschaftlichen Santtionen, die durch den Obersten Rat vom 7. S. 1921 verhängt worden sind, beschlossen. Sie laden die deutsche Regierung ein, baldmöglichst ihre Delegierten zu bezeichnen, die zusammen mit den alliierten Sachverständigen bie Bedingungen feststellen sollen, nach denen, entprechend den Bestimmungen des Beschlusses vom August 1921, die Lizenzen geprüft und aufgestellt werden sollen. Im Namen des Obersten Rates habe ich die Ehre, Em. Exzellenz zu bitten, Borstehendes zur Kenntnis ihrer Regierung zu bringen. Genehmigen Sie, Herr Botschafter, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung. gez. A. Briand. Wortlaut der französischen Note GE. Paris, 28. September. Amtlich wird folgende Note veröffentlicht: Die Artikel 264 bis 267 des Versailler Berirages verbieten es Deutschland, in formeller Weije, in seinen Handelsbeziehungen irgendwelchen Unterschied zum Nachteil eines der alliierten Staaten walten zu lassen. Deutschland hat jedoch eine Liste der für die Ein- und Ausfuhr verbotenen Waren aufgestellt, und zwar dergestalt, daß die Interessen mehrerer alliierten Länder, besonders derjenigen Frankreichs, verlegt werden. Die französischen Kaufleute haben nicht aufgehört, darzulegen, daß Erzeugnisse in großer Zahl von den deutschen Märkten durch derartige Verbote ausgeschlossen find, Erzeugnisse, deren Einfuhr aus anderen Ländern gestattet ist. Die Botschafterfonferenz hai bei der deutschen Regierung in 谁 dieser Hinsicht zweimal Schritte unternommen, die aber ohne Ergebnis blieben. Die Angelegenheit wurde endlich vor den Obersten Rat gebracht, der entschied, daß diesen Vertragsverlegun gen ein Ende gemacht werden solle. Er fnüpfte die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen an gewisse Bedingungen. Die Note wiederholt dann den Beschluß des Obersten Rates, der diese Bedingungen, die ja bekannt sind, betrifft. Die deutsche Regierung bemühte sich, diesen Beschluß unwirksam zu machen, indem sie dessen Bestimmungen anfoot. In ihrer Note vom 26. Auguft erklärte die deutsche Regierung, daß sie mit der Schaf= fung eines interalliierten Organismus zur Ueberwachung der Ein- und Ausfuhrerlaubnisse einverstanden sei, machte ihre Zustimmung jedoch von gewissen Vorbehalten abhängig, die der französischen Anschauung nach einer Ablehnung gleichfamen. In den darauffolgenden Besprechungen legte Deutschland dann feine Absicht genauer dar, und es betonte, daß die von dem interalliierten Organismus ausgeübte Kontrolle der Ausgabe von Erlaubnisscheinen durch die deutschen Behörden der Souveränität Deutschlands Abbruch täte und daß Feststellungen nach Ausgabe der Lizenzen als genügend erachtet werden müßten, um die Alliierten über deren Inhalt zu unterrichten. Die französische Regierung wandte fich gegen eine derartige Auslegung des Beschlusses vom 13. August, die dem Wortlaut der Bestimmungen zuwiderlaufen würde. Diese Bestimmungen forderten, daß der interalliierte Organismus mit den zuständigen deutschen Stellen bei der Prüfung der Ausfolgung von Ein- und Ausfuhrerlaubnissen mitwirten sollte, derart, daß diese Zusammenarbeit vor Ausfolgung der Lizenzen erfolge. Die deutsche Auslegung läuft bem Geifte der Entschließung vom 13. Auguft zuwider, weil diese den 3wed hat, dem Unterschied ein Ende zu machen, der von der deutschen Regierung zum Nachteil der Alliierten, besonders Frankreichs, gemacht wurde. Die deutsche Regierung suchte bei den Alliierten Frantreichs, insonderheit bei England, Unterstügung. Nachdem jedoch ein Gedantenanstausch stattgefunden hatte, erklärten die Engländer die französische Auffassung für berechtigt. Sobald die deutsche Regierung dieses Einvernehmen feststellte, gab sie nach und nahm am 22. September die durch die Entschließung vom 18. August gestellten Bedingungen ausdrüdlich an, ebenso wie sie sich mit der Auslegung einverstanden ertlärte, die die Alliierten dieser Entschließung gegeben haben. Gleichzeitig timmte Deutschland einer Zusammenkunft alliierter Sachverständiger mit deutschen Bertretern zu, die ebenfalls in der Entschlichung vom 13. Auguft in Aussicht genommen war. Diese Sachverständigen würden das Ueberwachungstomitee einzurichten haben, damit für den Fall, daß ein Unterschied in der Erteilung THE ROZRAZANZ Sturmflut oder ein Lawinenunglüd. Aber auch alle Sommerfrischler verspürten noch nach der Abreise der Persönlichkeit das Jegensreiche ihres Wirkens. Denn auf dem Sig des Aborts des fleinen Gasthofs und an dem unschuldigen Kruzifiz an der ges fährlichen Wegstelle, da lebte ein Hafenkreuz. Erna Büsing. Metropol.( Die Straßenfängerin".) Mit unerSchöpflicher Komit erschütterte Guido Thielscher im Bunde mit Leonhard Hastel bis zum Lachkrampf das ganze Haus. Waschechtere Karrikaturen als diese beiden Originaltypen in der Rolle zweier urberlinscher Dienstmannegemplare fann man sich nicht Borstellen. Die Sandlung von August Neidhardt und Lo Portem ( lies den Namen von hinten und verstehe darunter Friedmann Frederich!) bot ihnen die tollsten Situationen. In der Verquidung Don Situation und Geste lag ein Stüd so ursprünglichen Lebens ( aus der scharfen Perspektive des Wiges gesehen), daß man ganze Szenen lang aus dem umplätschernden Genre von Kitsch, Gentimentalität und Sensation emporgerissen wurde. Aber das musttalische Opern- Operettengemisch Leo Falls ist Saccharin, wo man nach Pfeffer verlangt, und wirtt um jo peinlicher, als es ein gefangliches Niveau voraussetzt, dem selbst die ersten Kräfte des Metropoltheaters( mit Ausnahme Albert Kuhners) nicht gewachsen sind. Otto Urad, der Operettentapellmeister! Es ist heute noch nicht aufgetlärt, wie er auf den Dirigententhron der Berliner Staatsoper tam. Er zeigte sich musikalisch tüchtig( außer ordentlich begabt) und hatte sich als Neuling den sorgsam gehüteten Boften auf irgendeine gewigte Art erobert. Das spricht nicht gegen ihn, wenn auch nicht gerade für den Berwaltungsapparat an der Staatsoper. Als legte überragende Leistung hörte ich von ihm die Begleitung des Mendelssohnschen Violinkonzertes mit den Philharmonitern in der Singakademie; dann enisinne ich mich nur noch auf zwei liederlich herunterdirigierte Opern, in denen Orchester und Solisten jedesmal in heitelste Verlegenheit getrieben wurden. Jetzt hat ihm die goldene Operettenvaluta ben legten Fegen von Gesinnung geraubt, und er schwingt den TattStod mit Schmiß im Balutareich der Soubrette. F. W. Pädagogische Tagungen in Berlin- Bantwig( vom 30. September bis 3. Oftober). Man mag über den Wert von Eagungen jeder Art sehr verschieden denken; man fann überzeugt Jein, daß sie der Gefahr der Verflachung reichlich Borschub leisten; fchließlich wird man sie mindestens als notwendige Uebel gelten laffen. Ihr positiver Wert wird am stärksten nach der gemeinIchaftbildenden und gemeinschaftfördernden Seite liegen. Das gilt vor allem, wo es sich um die Zusammenkunft von fleineren Gruppen handelt, von folchen, wo fonit jeder einzelne in feiner Arbeit ijoliert steht, von seiner Umgebung spöttisch oder mißtrauisch betrachtet. So scheint mir auch der Hauptwert der beiden pädagogischen Tagungen dieser und der nächsten Woche in jenem Zusammenschluß und der gegenseitigen Aussprache der Wenigen zu liegen, die fiz neue 3deale tämpfen. Denn darüber mache man fich feinerlei Illusion: wahre Schulreform, vor allem aber Die Aufhebung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen wurde Der deutschen Regierung am 28. September mitgeteilt. Diese Begleitmusik zu der nun endlich erfolgten Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen ist wohl in der Hauptsache für die französische Kammer bestimmt. Eine Absicht, die französischen Kaufleute zu schädigen, hat bei der deutschen Regierung wohl nie bestanden. In Wirklichkeit ist es außerordentlich erfreulich, daß die Hindernisse für die wirtschaftlichen Beziehungen der Länder aus dem Wege geräumt find. Es ist zu hoffen, daß die neuen Bereinbarungen, denen die deutsche Regierung vorbehaltlos zugestimmt hat, die reibungslose Abwidelung der geschäftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Ententeländern, insbesondere Frankreich, sicherstellen. Stimmen der französischen Preffe EE. Paris, 29. September. Besonders mißvergnügt mit der Aufhebung ist das„ Echo de Paris", das erklärt, das Frantzei nicht jagen tönne, es hätte feinen Willen durchgesetzt. Denn das von ihm beantragte Betorecht sei nicht zugestanden worden. England habe zwar zugegeben, daß die alliterten Kommissare in den Ein- und Aus. fuhrbureaus Kenntnis von den ausgegebenen Ein- und Ausfuhrfizenzen nehmen, daß auch gewiffe 3wangsmaßnahmen gegen Deutschland verhängt werden fönnten, aber irgendein Bers botsrecht gegen die von Deutschland ausgegebenen Scheine sei nicht zugestanden worden. Bertinag hätte es gern gesehen, wenn man die Rheinzoll grenze aufrechterhalten hätte. Wenn man die Sanktionen jett aufgehoben habe, so sei dies geschehen, weil man bem Ministerium Wirth am Tage des Reichstagszusammentritts ein Zeichen der Ers mutigung geben wollte. Damit aber sei noch lange nicht gefagt, daß Deutschland ernstlich gewillt sei, seine Verpflichtungen zu er füllen. Selbst wenn Louceur und Rathenau am 5. und 6. Ottober zusammentreffen werden, so werde zwar eine Methode für die Naturalleistungen festgelegt werden, damit sei aber lange noch nicht gesagt, daß Deutschland den guten Willen habe, alles zu bezahlen. Man müsse sich darauf gefaßt machen, daß Deutschland, wenn das Abkommen abgeschlossen sein werde, den englischen und amerilanischen Streifenden ertiäre, an ihrer Arbeitslosigfeit seien nur die deutschen Naturalleistungen schuld! Loucheur über Wiesbaden Paris, 28. September. Der Ausschuß für die befreiten Gebiete ist heute zusammengetreten und hat die Mitteilungen Loncheurs über die Vereinbarungen von Wiesbaden entgegengenommen. Loucheur hat die im Finanzausschuß vor einigen Tagen gemachten Erklärungen wiederholt. Er bemerkte dazu, daß die Franzosen das Recht der Wahl hätten, und daß sie nicht gezwungen feien, die von Deutschland eingeführten Baustoffe zu nehmen. Diese würden zum französischen Durchschnittspreis berechnet, der durch drei Persönlichkeiten, nämlich einem Franzosen, einem Deutschen und einem Dritten, der von dem Bräfidenten der Schweiz bezeichnet werden würde, bestimmt werden. Dieser dritte Sachverständige foll jedoch nur vermitteln, falls sich Meinungsverschieben= heiten zwischen den beiden anderen ergeben sollten. Der Wert der gelieferten Baustoffe werde auf Reparationstouto guts geschrieben werden. Eine Art Einkaufsbureau würde in Saint Quentin errichtet werden, wo alle Bestellungen von deutschen Waren zusammenlaufen sollen. Der Minister hofft, daß diese Vereinbarungen durch die deutsche Regierung zwischen dem 5. und 6. Oktober ratifiziert werden würden, und daß sie vor Monats. ablauf in Kraft treten können. Die Kosten der Rheinlandbesehung Eine Dentschrift über die bis Ende 1921 entstandenen Roften der Rheinlandbesetzung, die dem Reichstage zuging, gibt umfassende Aufschlüsse über diese Art von Ententeschöpfung. Die Kosten für diese Offupation nehmen allmählich eine Gestalt an, die die deutsche Zahlungskraft und die Erfüllung der Bedingungen Des Friedensvertrages ernstlich ge= bis hat Ende März für ihre Befagungsheere 3 936 954 542 Goldmark ausgelegt, dazu kom men 7313 911 829 Papiermart, die Deutschland für die Unter fährden. Die Entente 99 -Erziehung zur Völferversöhnung und Böfferverständigung ist bei denen, die es sozusagen angeht und das heißt alle vielfach höchst unpopulär. Der Bund entschiedener Schulreformer" wird diesmal über Frauenbildung und Wirtschafts= reform" verhandeln. Er ist sich dabei flar, daß, wenn auch Koodutation feine Programmforderung bleibt, die teine geSonderte„ männliche und weibliche Erziehung" fennt, doch nur aus dem Heute sich das Morgen gestalten tann, und daß nirgends Rüdständigkeit und Untlarheit stärker find als auf dem Gebiet der Frauenbildung, nirgends auch deutlicher zutage tritt, daß erst bie wirtschaftliche Befreiung der Frau auch ihre geistige und Seelische Freiheit bringen tann. Eng verknüpft mit dieser Tagung ist die der pazifistischen Lehrer und Erzieher, Bölferversöhnung durch Erziehung", die Friedrich Wilhelm Förster einleiten wird mit einem Vortrag über die Hauptgesichtspunkte für die politische Erziehung der deutschen Jugend. Antonie Biülf. M. d. R., wird über Artikel 148 der Verfassung. Siegfried Kawerau über Erziehung zur Bölferversöhnung und Geschichtsunterricht reden, Lydia Stöder über Erziehung zur Völkerversöhnung und Frauenwelt. L. St. Die banerische Seele tocht auch in Wien. Dort hat auf der Messe Der Malit- Verlag" 3eichnungen von George Grosz ausgestellt, was die benachbarten banerischen Berleger, dieauch ausstellten, so in Harnisch brachte, daß sie die Entfernung der Bilder bei der Messeleitung burchetten. Erst dem Eingreifen unserer österreichischen Genossen gelang es, diese politische Maßregelung wieder rüdgängig zu machen. Nun hängen die glänzenden Karikaturen wieder an Ort und Stelle, und beschämt erkennen die banerischen Nachbazen in den Portraits von Grosz ihr eigenes, bayerisches Arischgesicht wieder. Tages- Notizen Ausstellung einer Gewerkschaft. Freitag, 5 Uhr, wird im Saal 3 bes Gemertschaftshauses die Ausstellung von photographischen Bildern, die fünstlerischer Art find, eröffnet. Die Ausstellung ist geöffnet: Freitag von 6-8, Sonnabend von 4-8, Sonntag von 10-4 Uhr. Sonntag, 11 Uhr, spricht Dettel über die Kunst in der Photographie". Bolfsbildungsamt Berlin- Meinintendorf. Sonnabend, 6 Uhr, in der Jugendhalle, Residenzstr. 49( Seebab), eine Marionettentheatervorstellung für Erwachsene und Kinder. Für Kinder 75 Pfg., für Erwachsene 1,50 M. Theater. Das bisherige Nose- Theater wird Sonnabend als Theater bes Often s. unter der neuen Direktion Leopold Saenger mit der Uraufführung eines Voltsstids Das Glüd ber fleinen Leute" eröffnet. Bolksoperette Walhalla Theater: Gonnabend zum 1. Male: Die Gloden von Corneville. Das Große Saus" bes Slobpazttheaters Steglit with Sonntag mittag mit einem Orchestertonzert unter 2ea Ble eröffnet. r -V Muftpflege an der Bollshochschule Groß- Berlin. Der feeben erschienene Seitsplan der Boltshochschule Groß- Berlin für die Ott./Dez.-Periode enthält eine große Anzahl von Kursen und Arbeitsgemeinschaften aus allen Gebieten baz Muft. Insbesondere bezüidfichtigt ist der Liebe und Chorgefang. fowie der Saus gefang, aber auch die Instrumentalmuft, die Oper, sowie Theorie, Harmonie und Formenlehre fommen zu ihrem Recht. Daneben finden besondere Uebungen im Mufithören und musikalische Aufführungen Ratt. Alles Nähere geht aus den FlugBlättern und Arbeitsplänen hervor, die in ben Bertaufstellen. ferner bei den meisten Verbänden, fowie in der Geschäftsstelle der Boltshochschule Groß- Berlin, 28. 7, Georgenstr. 34-36, au haben sind. haltung und Unterbringung der Truppen zahlen mußte. Die Denkschrift weist im einzelnen nach, welche hohen Ansprüche auf Quartier die Entente für ihre Truppen stellt. 120 000 Köpfe unterhält die Entente im Rheinlande, davon Frankreich allein 85 000, ohne die Garnisonen rechts des Rheins( Santtions. truppen). Ebenso anspruchsvoll wie das Militär ist die Rheinlandfommission. So verlangte Frankreich für zwei Mitglieder dieser Kommission nebst Bersonal 39 3immer. Aehnliche Ansprüche erhoben die übrigen Herren, wenn auch etwas bescheidener. So tostete uns diese hohe Kommiffion bis März d. J. 145 750 826 Mart. Zur Unterhaltung der Truppen hat Deutschland bis jetzt 3 187 597 040. gezahlt, weiß aber im einzelnen nicht, für welche 3wede, denn die Entente detailliert ihre Forderungen nicht. Dazu tommen Requisitionen, Kosten für Soldatenheime, Bordelle, Kas fernen, Eperzierpläge, Flugpläge, Erfaz der Einquartierungslaften. Es liegt nicht nur im Interesse Deutschlands, sondern auch in dem Intereffe der Entente, diese Besatzungstoften zu vermindern. Sie beeinträchtigen ja nicht nur die deutsche Zahlungsfähigkeit, sondern züchten auch den Nationalismus. Der Pariser Warenhausbrand. Die Leitung des Printemps teilt mit, daß, da die Feuersbrunst in einem neuen Gebäude ausgebrochen sei und das alte Gebäude nicht berührt habe, der Befrieb des Marenhauses nicht gestört werde. Eine weitere Ausbreitung des Feuers sei nicht zu befürchten. Zwei Feuerwehrleute seien leicht verlegt worden. Zarifer Bhung bei der Hochbahn Wegen der Straßenbahn nur geringe Erhöhungen Neben der Eisenbahn, die ihre Tarife befanntlich um 30 Prozent erhöht, teilt jetzt auch die Hochbahn mit, daß sie ab 1. OtIn der tober eine Erhöhung ihrer Fahrpreise vornimmt. 3. Klasse wird der Fahrpreis für bie erfte 3one( bis fünf Stationen) von 85 auf 90 Pfennig erhöht, während er für die ganze Strede auf 1 Mart bestehen bleibt. In der 2. Klasse wird der Fahrpreis für die erste 3one mit 1,10 M. beibehalten, für die ganze Strede aber von 1,20 Mart auf 1,30 Marf erhöht. Mancherlei ist an dieser Mitteilung interessant. Die Erhöhung der Tarife bei der Hochbahn gilt nur für die allernächste Zeit. Die Geringfügigkeit der Erhöhung ist darauf zurückzuführen, daß die Straßenbahn überhaupt teine Erhöhung vornimmt. So hat also die Tatsache, daß der kommunali. sierte Betrieb der Straßenbahn aus eigener Kraft zur Gefundung gelangt ist, jcht bereits nach zwei Seiten hin günstige Wirkungen. Einmal zwingt er das privatkapitalistisch betriebene Unternehmen der Hochbahn, seine Tarife niedriger zu halten, als es in der ursprünglichen Absicht der Zeitung lag, und zweitens entlastet er die städtischen Finanzen von dem bisher vorhandenen Fehldetrage. Das find zwei Erfolge, auf die die sozialistische Verwaltung Berlins mit Recht stolz sein tann. Sie zeigen, wie unbegründet die Borwürfe der bürgerlichen Parteien gegen die sozialistische ., Mizwirtschaft" und wie falsch ihre Behauptung von der Unterlegenheit fommunalisierter Betriebe ist. Die städtischen Verkehrssteueru Die Soffnung des Berliner Magistrats, daß die neuen städtischen Verkehrssteuern, die Kraftdrofchtensteuer, die Kraftfahrzeug Steuer und die Wagen- und Bferbesteuer zum 1. Oftober in Kraft treten werden, dürfte sich nicht erfüllen. Wie mitgeteilt wird, sind die Steuerentwürfe vom Oberpräsidium mit einem Guts achten den zuständigen Ministern zur weiteren Prüfung übergeben worden. Ein wichtiges Wort hat auch das Landesfinanzamt nach der Richtung hin zu sprechen, ob die Steuern mit Reichs- und Staatsfeuern oder steuerplänen in Widerspruch stehen. Bekannt ist, daß Reich und Staat ihrerfeits eine befondere Kraftwagenftener erheben wollen; ehe diese Frage nicht von den Aufsichtsbehörden flar beantwortet ist, fann mit der Genehmigung der Städtischen Steuern nicht gerechnet werden sehr zum Scha ben bes Stadtfädels, der die Millionenerträge der Steuern dringend braucht. . So ist auch in diesem Fall die Ausübung der Aufsichtsbefugnisse burch die staatliche Verwaltung ein wesentliches Hemmnis bei der Don der jetzigen Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrates angestrebten Gesundung der städtischen Finanzen. Provinzialfonferenz für den Bezirksverband Berlin- Brandenburg und die Grenzmark in Berlin, Rathaus, Stadtverordnetenjigungsjaal, Sonnabend, 1. Oktober und Sonntag, 2. Oktober. Tagesordnung: 1. Die Aufgaben der Partei( Organisation, Agitation, Prese). Referent: Genosse Krille. 2. Die politische Lage. Referent: Genosse Crispien. Beginn der Konferenz: Sonnabend, 1. Ottober, 7% Uhr abends. Jeder Distrikt( Berlin fowie Provinz) entjendet 3 Delegierte. Die Kosten trägt der Distrikt und nur in Ausnahmefällen die Bentraltaffe. 3ur Teilnahme find weiter berechtigt alle Reichs= tags: und Landtagsabgeordneten des Bezirksverbandes. Wir bitten, zu dieser Konferenz Stellung zu nehmen und Delegierte au wählen.( Mandate Find den Distriktsleitern zugefandt, den Berliner Diftritten ebenfalls Gasttarten.) Wir bitten gleichzeitig die Perliner Delegierten, soweit es möglich ist, Delegierte aus der Provinz für die Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in Quartier zu nehmen.( Meldungen hierfür Sonnabend abend vor Beginn der Konferenz beim Genossen Müller.) Bezirksverband Berlin- Brandenburg, U. S. P. D. Proletarische Kindergärten Die Vereinigung proletarischer Kinderfreunde" beabsichtigt, nach dem 1. Oftober in den Bezirken 3 und 14 mit der Einrichtung proletarischer Kindergärten zu be ginnen. In Gemeinschaft mit der Bezirksverwaltung soll zu gleicher Zeit mit der prattischen und theoretischen Arbeit begonnen werden. Proletarierinnen( junge Mädchen und Mütter), die die Notwendigkeit dieser Bestrebungen erkannt haben und gewillt find, mitzuarbeiten, sollen in Kursen mit dem nötigen theoreti schen und praktischen Rüstzeug ausgerüstet werden. Die Kurse Gebt für Duymu! Spendenannahme: 2e Reichsbankanstalten alle Banken, alle Postanstalten Bonicheconten: Ludwigshafen Dr. 15000 Frankfurt a. M. Otr. 55000, Berlin Dr. 117000 Gefäftsstelle bea Newbsbilsausfuffes file Duvau Reichsarbeitsministerium Berlin Scharnhorststr. 35 Toffen an zwei Spätnachmittagen stattfinden. Die praktische Mits arbeit fell so organisiert werden, daß sie neben den häus lichen Verpflichtungen ermöglicht wird. Meldungen zur Teilnahme an den Einführungstursus sind sofort an die Genossen Löwenfeld, Neukölln, Rathaus, und Kulisch, Bezirksamt Wedding, schriftlich zu richten. Den Genosinnen, die fich für meitere berufliche Ausbildung eignen, soll Gelegen heit zur Weiterbildung geschaffen werden. Säuglingefürforge und Mütterberatung Jm 15. Berwaltungsbezirk( Treptow) ist eine Reihe von Säuglingsfürsorge- und Mütterberatungsstellen eröffnet worden. Den Einwohnern des Bezirks steht die Benutzung dieser Einrichtungen fret. In den Beratungsstellen, die unter ärzt licher Leitung stehen, erhalten die Mütter nicht nur Ratschläge über die Pflege der Säuglinge, sondern auch geeignete Nährmittel und Meditamente, teils zum Selbstlostenpreis, teils unentgeltlich. Auch Wäsche wird in dringenden Fällen ohne Enigelt abgegeben. Schwangeren und Müttern kann Die freie Benukung dieser sozialen Fürsorgeeinrichtungen nur bringend empfohlen werden. Parteijubilare. Die Genossen Otto Adam, Karl Roop mann und Ferdinand Keusch haben eine 25jährige Parteizugehörigkeit hinter sich. In dieser Zeit haben sie meist mit in den vordersten Reihen gestanden und sind noch heute eifrige Mitarbeiter. Sie gehören gegenwärtig dem Ortsverein Bohnsdorf an. Den jüngeren Genossen mögen die Jubilare ein Anporn sein, diefen nachzufolgen. Die Polizeiftunde in Lichtspieltheatern. Durch Polizeiverordnung vom 17. Rovember 1919 waren Beginn und Ende von Lichtbildvorführungen beschränkt worden. Ebenso hatte man die Einlaßzeiten des Publitums besonders festgesetzt. Nachdem infolge Neuregelung der Polizeistunde ab 1. September der Schluß solcher Veranstaltungen auf 11% Uhr hinausgeschoben worden ist, sind auch die übrigen Beschränkungen unter Aufhebung der Bolizeiverordnung vom 17. November 1919 fortgefallen. Das Urteil im Mordprozeß Thielemann. Der Prozeß gegen die des Mordes an der Witwe Thielemann in der Köpenider Straße angeklagten Riedel und Poser ist Dienstag in später Nachtstunde zu Ende gegangen. Beide Angeklagte wurden des Totschlages unter Ausschluß mildernder Umstände schuldig gesprochen. Riedel wurde zu 15 Jahren und Poser zu lebenslänglichem Zuchthaus rerurteilt. Die Angeklagten erklärten sich zum sofortigen Strafantritt bereit. Das Strafverfahren gegen Dr. Franzle ist nach einer Mitteilung des Rechtsbeistandes von Herrn Dr. Franzle von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Damit find alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen in sich zusammengebrochen. 203 M. für ein Telephongespräch! Die Fernsprechgebühren nach dem Ausland werden ebenso wie die inländischen am 1. Oktober erhöht. Es foftet dann ein Gespräch mit Dänemark 23 bis 79 M., Litauen 4 bis 60 M., den Niederlanden 11 bis 53 M., der Schweiz 4 bis 54 M., Ungarn 23 M., Belgien 14 bis 36 M., Jtalien 79 bis 113 M.. Norwegen 96 bis 129 M., Schweden 51 bis 152 M. Das teuerste Gespräch ist ein dringendes zwischen der 1. deutschen und 3. französischen Zone, das bei Tag 203 M., während das billigste Gespräch im Berkehr mit Frankreich bei Nacht 8 M. tostet. Kleine Notizen. Die Sonderausstellung Spielzeug, Kleider, Küchen in den Räumen der Hausrat Gesellschaft, Rö nigin- Augusta- Straße 21( Potsdamer Brücke), bleibt bis zum 15. Oktober täglich von 9-6 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Führungen können auf Wunsch stattfinden. Auskunft in der Ausitellung. Für die notleidende oberschlesische Musiterschaft veranstaltet die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Mufiterverbandes am Sonntag, den 2. Ottober, vormittags 12 Uhr, in der„ Neuen Welt", Hafenheide, ein großes Majentonzert. Karten zum Preise von M. 2,50 sind auch im VorBertauf zu haben. Berloren. Im Stadtbahnzuge, zwischen Jannowißbrüde und Bahnhof Charlottenburg, ist eine rotlederne Brieftasche verloren worden, welche hauptsächlich Ausweispapiere, quittierte Rechnungen und sonstige Quittungen enthielt. Da die Ausweispapiere für den Finder ohne Mert sind, wird gebeten, dieselben an den Zentralverband der Maschinisten und Heizer, Berlin, Engelufer 25, 3immer 27, einzusenden. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgegend am Freitag. Nachts sehr fühl, am Tage ziemlich mild und nachher vielfach heiter. Ziemlich stark bewölft, bei mäßigen westlichen Winden. Keine erheblichen Niederschläge. Rauchtabak Pfund 18 Mark Holländer 20 M. Schwarz. Krausen 22 M. Bortoriko Gold Shag . .23 m. 27 M. Rund Große Samburger AAAAAAA @ traße 1, I AAAA GOLDSilberPlatinkauit Sliber- Zentrale Golzkowskystr. 13. Gewerkschaftliches Arbeitsnachweis und Gewerffchaften Gegen die Komba Am Montag tagte im Städtischen Arbeitsnachweis Rüderstraße, unter Leitung der Berliner Gewerkschaftstom= mission eine Versammlung sämtlicher Angestellten der städtischen Arbeitsnachweise. Kollege Siegle von der Gewertschaftstommiffion gab einen Bericht über die Vorarbeiten der Gewerkschaftskommission in der Arbeitsnachweisfrage. Vom Gesamtbetriebsrat der städtischen Arbeitsnachweise wurde mitgeteilt, daß auf Grund des am 30. 3. in der Preußischen Landesversammlung beschlossenen Unterbringungsgesetzes in den städtischen Arbeitsnachweisen aus den Grenzgebieten vertriebene Beamte untergebracht werden sollten. Es bestand die Gefahr, daß ein Teil der von den Gewerkschaften vorgeschlagenen Arbeitsvermittler, die als Hilfsangestellte tätig waren, ihren Plag diesen gegenüber räumen mußten. Eine ge meinsame Versammlung der Arbeitsvermittler und der Mitglieder der Kuratorien der städtischen Arbeitsnachweise sollte diese Angelegenheit gleichfalls behandeln. Da diese Versaminlung feine Klärung brachte und nam.ntlich in der Frage„ Tarifvertrag oder Besoldungsordnung" Meinungsverschiedenheiten bestanden, sollten in weiteren Versammlungen die freigewerkschaftlich organisierten Angestellten der städtischen Arbeitsnachweise selbst dazu Stellung nehmen. In zwei Versammlungen entschieden sich die Festangestellten wie auch die Hilfsangestellten für den Tarif, vertrag. Das war auch der Standpunkt der Berliner Geweri schaftskommission von vornherein. Kollege Siegle schilderte dan die historische Entwicklung des Arbeitsnachweises, der früher allein ein Privileg der Unternehmer war. Erst nach schweren und langwierigen Kämpfen belamen die Gewerkschaften Einfluß, und der paritätische Arbeitsnachweis fam zustande. Wir können es als Sozialisten begrüßen, daß die Kommunen zu Trägern der städtischen Arbeitsnachweise gemacht werden, Bedingung aber müsse sin, daß die Arbeiterschaft durch die Gewerkschaften Einfluß auf diese haben. Diesen Einfluß gilt es zu sichern. Der Ausschuß der Gewerschaftskommission hat nunmehr eine ständige Kommission gebildet. Deren Aufgabe muß es sein, Arbeitsnachweisfragen von allgemeiner B.deutung zu bearbeiten und im besonderen die Wahrnehmung der Interessen der Angetellten in die Hand zu nehmen. Um die Kommission arbeitsfähig zu gestalten, find alle am Arbeitsnachweis beteiligten Organisationen, soweit sie beruflich verwandt sind, zu 8 Gruppon zusammengelegt, die je einen Vertreter in die Kommission ent senden. Dazu tommen drei Vertreter der Arbeitsnachweis- Angeftellten und je ein Vertreter der AfA und der Gewerkschaftstommission. Die Kommission wird ihr Augenmert auch auf die Don der Stadt Berlin geplante Zentralisation mit Dezentralisation zu richten haben. Eine ihrer ersten Aufgaben wird es sein, in Anbetracht der schlechten Lohnverhältnisse einen Tarifvertrag für sämtliche freigemerschaftlich organisierte Angestellte auszuarbeiten, der mit dem Magistrat Berlin abzuschließen ist. Weiter beschäftigte sich der Redner mit dem KommunalBeamten- Berband( Komba). Der Standpunft der Gewerkschaftstommission geht dahin, daß dieser als freigewerkschaftliche Organis fation nicht anzusprechen ist. Mitglieder der freien Gewerkschaften fönnen also nicht gleichzeitig in dem Komba organisiert jein. Wir haben den Kampf gegen den Komba mit aller Schärfe aufzunehmen und seinen unheilvollen Einfluß, der beim legten Streit der Festangestellten des Magistrats zutage trat, zu brechen und auszuschalten. Auf Beschluß der Versammlung wurde dieser Bericht ohne Diskussion entgegengenommen. Sierauf wurden drei Vertreter der Arbeitsnachweis- Angestellten in die Kommission gewählt. Nicht nur die Arbeitsnachweis- Angestellten, sondern die gesamte freigewerkschaftliche Arbeiterschaft wird die Arbeiten dieser Kommission mit großem Interesse verfolgen. Der Arbeitsnachmeis muß den freien Gewerkschaften erhalten bleiben. Der Komba dürfte nun auch eingesehen haben, daß er durch die Haltung der Angestellten der städtischen Arbeitsnachweise gegenstandslos wurde. Bauarbeiter! Es ist allgemein bekannt, daß das gesamte Unternehmertum auf die Einführung der Affordarbeit drängt. Ata Botenfrauen sofort gesucht! Henkel's Scheuerpulver phozt Alla At eignet sich für alle Küchengeräte, besonders auch für ölen, Badewannen, wwww Klosetts, Marmor, Steböden Herstel. Hen! el& Cie., Düsseldorf Alt- Metalle Achtung! Kupfer, Meffing, Blei, Bink usw. kaufen wir zu Engrospreifen. Bester Absatz für Händler, Installateure und Fabriken. Gebr. Fuhrmann Neden Hollendorfstr. 39 Laden 9-7 21z. Händler und Wiederverkäufer! Kantinen nnb Bereine! 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Bibliothetsfragen. Mitglieder dez Bibliotheistommissionen sind gleichfalls eingeladen. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Wächter. Sonnabend, den 1. Oftober, vormittags 9 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshaules große Branchenversamme lung der bei den Wachgesellschaften beschäftigten Wächter, Ober wächter, Wachtmeister und Kontrolleure. Bericht von den Vers handlungen im Schlichtungsausschuß. Steinjeher. Die Mitgliederversammlungen des Steinfegerverban des finden in Zukunft jeden ersten Sonntag im Monat statt. Die nächste Bersammlung tagt am Sonntag, 2. Ottober, vormittags 9 Uhr, im Zentral- Kasino, Brunnenstr. 154. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das vollzählige Erscheinen der Mits glieder. Der Vorstand. Parteiveranstaltungen Donnerstag, 29. September 15. Berwaltungsbezirt. Abteilungen Trepiem und Baumschulenweg. bends 7 Uhr Sigung ber Kommunalen Kommission bei Mügel, Neue Krugallee 59. Charlottenburg. 3. Abteilung, 25. Gruppe. Egitazahlabend bei Büttner, Rails Aug.- Alee 81. Freitag, 30. September 3. Diftrift( Berfin Mitte). 1. Abteilung, 2. Gruppe. Abends 7½ Uhr Extras zahlabend, Fortbildungsschule, Friedrichstr. 126, 3immer 33. 10. Dirilt. 2. Abteilung. Abends 7% Uhr Funfiionärtonferens bei Fritsch, Drontheimer Ett. 4. Die Kartotheffarten find mitzubringen. 11. Skritt. 6. Abteilung. Abends 7½ Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre, Kommissionsmitglieder und Elternbeirate bei Lick, Raugarber Str. 14 Niederschönhaufen. Abends 7 Uhr Zusammenkunft der Jugendlichen und Schulentlassenen zweds Bilbung einer Ortsgruppe der S. B. J. bei Matis, Eichen ftraße 70. Die Genossen werben erfucht, ihre schulenifassenen Kinder dafür zu intereffieren. Für den Kinderchor tönnen fich noch timmbegabte Knaben und Mädchen von 10-14 Jahren bei Denoffin Muds, Irestowftt. 56, und in der Freiheit" Spedition, Eichenftz, 65, melden. Sonnabend, 1. Oftober 14. Diftritt. Abteilungsführer bis 5% Uhr Flugblätter in der Spedition, Choriner Str., abholen. Die Bezirksführer von 7 Uhr ab in ihren bekannten Lokalen. Bereinsfalender Donnerstag, 29. September Boltsfürforge. Abteilung Norden( Bezirke 16, 27, 66, 64, 80, 87, 91, 92 unb 97). Abends 7 Uhr Beritauensmännerversammlung bei Kari Döhling, Brunnen Straße 79, Freitag, 30. September Rentralverband der Angestellten. Baumwolle, Leinens, Kleiberstoff- Grohhandel. Abends 7% Uhr Funktionärssung, Verbandsbureau, Roter Saal, Belle- Affiance Etz. 7-10. Spedition. Abends 7% Uhr Funktionärversammlung, Engl. Hof, Alexanderftr. 27c. Deatscher Transportarbeiter.Berband. Bretterträger, Plazarbeiter und Rutscher aus den Fournier- und Rusholzbandlungen Groß- Berlins. Abends 7 Uhr im Lofal Englischer Hof, Aleranderftr. 27c, Bollversammlung. Tagesordnung: Bericht der Lohntommission. Kollegen, der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Verbandsbuch oder starte ist mitzu bringen und zur Kontrolle am Eingang vorzuzeigen. Mitgeber ber Bilmersdorfer Schuhmacher Junangsfranfenfaffe. Abends 7 Uhr Versammlung, Brandenburgische Str. 85( ufftellung der Kandidaten zum Aus Schuh). Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Voltsfürsorge. Abteilung Sübliche Bororte( Bezirfe 5, 33, 38, 47, 71, 72, 73, 75, 76, 78 und 79). Abends 7 Uhr Vertrauensmännerversammlung bei Ridert, Steinmenftr. 36a. Abteilung Norben( Bezirke 2, 8, 12 und 54). Abends 7% Uhr Vertrauensmännerperfammlung bei Lehmann, Charlottenburg, Königs meg 8. Sostelikishe Broletarierjugend, Ortsgruppe Charlottenburg. Alle Mitglieder treffen ich um 7 Uhr abends zur Teilnahme an der Schulentlaffungsfeier, Culm Straße 15. Berliner Mieterverband Sübweft. Abends 7% Uhr außerordentliche General nerfammlung in der Bodbraueret, ibisinftr. 2-3. Fichte 21, Marienborf. Altersriegen- Turner. Abends 9% Uhr bei Streiter Besprechung zur Bartie am 2. 10. Hauptbetriebsrat ber städtischen Betriebe und Verwaltungen. Vorm. 9% Uhr Plenarßigung, Breite Str. 11. Internationaler Bunb ber Kriegsopfer Neuföln. Alle U. S. P. D.- Genossen treffen Fh 7 Uhr im Lofal von Rabtle, Bobbinstr. 60. Verantwortlich für Politif und Feuilleton: Les Liebli. Berlin- Frie Denau; für Kommun politit, Lotales und Gewerkschaftliches: B. Rudner, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mittellungen: Ludwig Romeriner, Charlottenburg. Berlagsgenoffenschaft Freiheit. e. 6. m. b. H., Berlin. Drud ber Berliner Druderei G. m. b. S., Berlin C. 2, Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen Geschäftsstelle: Berlin 2, Breitefte. 88 Das Ueberschriftswert 2- M., jebes weitere Wort Im Zegt 1.50 h. netto. Stellungsgesuche: Ueberschriftswort 1.50 k., jedes weitere Wort im Tegt 1.- k Verkäufe Hausburgstraße Straßmannstraße Hebersicher billigt. Straßmannstraße Ueberzieher billigt. Schenk, Zorndorfer Straße Speditionsveränderung Die Spedition Luck, Weißensee Langhansstr. 119, wird am 1.Oktober 1921 dem Genossen Natche, Weißensee Friedrichstr. 4, übertragen Der moralische Zusammenbrud der SPD. Mark 0.75 Die Kriegsschuld der Rechtssozialisten Von Heinrich Ströbel Mark 2.00 Abrechnung mit den Rechtssozialister Von Artur Crispien Mark 1.00 Zu beziehen durch die Buchhandlg... Freiheit, Berlin C2, Breite Str. 8-9 Geld: Berkehr Stannenerregend! Rots Kleiderschränke, Bertiko, flidhje 60.-, Kreuzfitchfe 75.- englische Bettstellen, Sofas, AusMark an! Alaskanje! Silbers zieht fche, Stühle, Sofaumbane, füichfe! Bobeljuchfe! Skunkje! Büferts, Schreibtische, Bücher 31iffe! sowie alle anderen Belse] fchränke. gange Schlafzimmer, arten! Riesenauswahl! Keine Wohnzimmer, Rücken außerges Berfahren, es su beben Belb sofort, auf jebe Wert tenb herabgelegten, fpottbilligen Ramerling, Kaftanienallee 56 Sommerpreisen! Spesial- Pels( Ede Weinbergsweg). 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