Einzelpreis 30 Pfg.. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint morgens uno naconiittags, Sonntags und Montags mm inmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zufte lung ins Haus für Groß- Berlin 1( M. im voraus zahlbar. Für Boftbezug nehmen sämtliche Poftanstalten Bestellungen ente aegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Defterreich, Ungarn, Danzig, das Saarsu. Memelgebiet fowie die früheren deutschen Gebiete Bolens u. Luxemburgs 20., ir das übrige Ausland 27 M. per Brief bez. für Deutschland u. Defterreich- Ungarn 95 M. Fedaktion, Expedition und Berlag: Berlin 62, Breite Straße 8-8. Freitag, 30. September 1921 Nummer 457 Morgen- Ausgabe Die achtgespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum kostet 6,-. einschließlich Inseratensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-M., jebes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 greibeir Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Steuersabotage der Industrie Eine industrielle Schwindelschrift Unter dem Vorwand, objektives Material zur Beurtei lung der Wirtschaftslage zu liefern, treibt die Handels. fammer zu Berlin Brunnenvergiftung. Während es darum geht, den Besitz in hohem Maße zu den Steuerleistun gen heranzuziehen, damit die ungeheuren Lasten des Reis ches nicht auch weiterhin von den Arbeitern und Angestellten allein getragen werden müssen, verseucht die Handelstammer die öffentliche Meinung mit irreführenden Darstellungen, deren Zweck es ist, der Deffentlichkeit einzureden, daß kein Besig vorhanden ist, der zu höherer SteuerJeistung fähig wäre. Eine solche falsche Darstellung ist die Schrift des Herrn Geheimen Kommerzienrats Felig Deutsch, dem Vorsitzenden des Direktoriums der A. E. G., die von der Handelskammer zu Berlin verbreitet wird. Herr Kommerzienrat Deutsch stellt sich die Aufgabe, ein Bild von der Verteilung des Boltseintom. mens in Deutschland zu geben. Zu diesem Zwed hat er bereits im Jahre 1919 von 66 industriellen Gesellschaften Angaben erbeten, aus denen zu ersehen ist, wie fich die Summen für Löhne und Gehälter, für staatliche, tommunale und soziale Lasten und die für Dis videnden bezahlten Beträge zu einander verhalten. Er hat diese Arbeit im Jahre 1921 wiederholt, wobei ihm Mas terial von 152 Unternehmungen zur Verwendung vorlag. Als Ergebnis feiner schweißtriefenden Bemühungen ver öffentlicht nun Herr Deutsch eine zwanzig Seiten umfassende Broschüre. Der wesentliche Effett seiner Arbeit spiegelt sich in wenigen Zahlen. In den Jahren von 1908 bis 1917 ver wandten die 66 Gesellschaften im Durchschnitt pro Jahr von jeder Mark, die fie für die oben gekennzeichneten Aufwenbungen ausgaben, 76,7 Pfennig für Löhne und Gehälter, 11,7 Pfennig für den Staat und die Kommunen, 11,6 Pfens nig für die Aktionäre. Der Anteil am Ertrage der Wirtschaft, den die wenigen einzelnen die Aktionäre einstedten, war also einstedten, war also nahezu ebenso groß, wie der Anteil, der von den Unterneh mungen für die Gesamtheit abgegeben wurde, nämlich an den Staat, an die Kommunen und für soziale Leistungen. Ein Zustand, der das bekannte Wort von den ftaatserhaltenden Schichten der Gesellschaft" glänzend illustriert. Die paar Pfennige, die der einzelne Besitzende an Steuern von seinem Einkommen abgeführt hat, rufen keine entscheidende Veränderung dieses Verhältnisses hervor. Für 1919/20 sowie für die 152 Gesellschaften, deren Ertrag Herr Deutsch für dieses Jahr zugrunde legte, ist das Verhält nis der drei Posten zu einander ein anderes. Der Anteil an Löhnen und Gehältern beträgt jetzt 84,9 Pf., der Anteil des Staates 11,7 Pf., der des Kapitals 3,4 Pf. Mit diesem Vergleich zwischen 1919/20 und den 10 Jahren von 1908 bis 1917 spielt Herr Deutsch seinen Trumpf aus. Dieser Vergleich soll erstens beweisen, daß der Anteil der Arbeiter gewaltig in die Höhe gegangen, der Ertrag für die Aktionäre aber noch stärker gesunken ist. Wir möchten indes aus diesem Vergleich zunächst die Folgerung ziehen, daß der Anteil des Staats und der Kommu nen genau der gleiche geblieben ist wie 1908 bis 1917. Der Beitrag der besigenden Schichten zu den öffentlichen Lasten hat sich also nicht im mindesten erhöht. Er hat sich doch erhöht, werden diejeni gen antworten, die auf die Zahlen des Herrn Deutsch hineinfallen. Denn wenn der Anteil der Aktionäre am Volkseinkommen so erheblich heruntergegangen, die Abgaben zu den öffentlichen Lasten aber gleich geblieben find, so bedeutet das sicherlich eine erheblich höhere Bes lastung des Besizes. So wird man sagen. In Wirklichkeit liegt in diesen Zahlen eine ungewöhnlich dreiste Jrreführung, und diese Jrreführung ist der einzige 3wed der Arbeit Deutschs. Zunächst wird der Prozentanteil an Dividenden, der mit 3,4 berechnet wird, von Herrn Deutsch erzielt, indem er nicht die nominellen, wirklich eingezahlten Werte, sondern die Kurswerte der in Betracht kommenden Kapitalien in Anrechnung bringt. Bei Zugrundelegung der Nominalwerte beträgt die Durchschnittsdividende 11,6 Prozent, ist also genau so groß, wie die Abgaben für öffentliche Leistungen. Doch weiter. Das nominelle, von den Kapitalisten wirklich eingezahlte Kapital der 152 Gesellschaften betrug rund 10 Milliarden Mark, der Börsenwert diefer Attien steht aber gegenwärtig auf 24 Milliarden Mart. Warum aber steht der Börsenwert wohl so hoch über dem Nominalwert der Aktien? Doch nicht etwa, weil mit dem Besitz der Aktien ein so schlechtes Geschäft verbunden ist, daß die Herren Aktionäre nahezu dem Hunger preisgegeben sind, wie Herr Deutsch vortäuschen möchte! In dieem hohen Börsenwert der Aktien spiegelt sich im Gegenteil bas für die Kapitalisten selbst überraschend gute Geschäft wieder, das sie gerade in den Jahren 1919 und 1920 gemacht haben. Und dieses gute Geschäft bestand bei fast allen gröjeren Attienunternehmungen nicht so sehr im Bezug einer Neue Verhandlungen mit Irland Einladung zu einer neuen Konferenz EE. London, 29. September. Die Regierung Seiner Majestät hat mit dem größten Eifer die ganze Korrespondenz geführt, die zwischen uns, seit die Einladung erging, Delegierte zu einer Konferenz nach Inverneß zu entsenden, gepflogen wurde. Troy Jhres dringenden Wunsches und trog des Wohlwollens, das in unserer Einladung zum Ausdrud tam, wollten Sie eine Konferenz auf den Grundlagen dieser Korrespondenz nicht beschicken. Troß Ihrer Berficherung, die wir sehr schäßten, müssen wir erklären, daß die Ans nahme einer Konferenz auf der von den Sinnfeinern beschlossenen Grundlage die Anerkennung eines unabhängigen Irlands durch die englische Regierung bebeuten würde, was nicht zugestanden werden kann. In diesem Puntt muß sich auch die englische Res gierung gegen eventuelle Mißdeutungen schützen fönnen. Es würde zu nichts führen, den Austausch von Briefen fortzusehen, wenn der Standpunkt der Sinnfeiner aufrechterhalten würde. Die Stellung, die die englische Regierung einnimmt, ist grundlegend für den Standpunkt des englischen Weltreiches und dieser Stands puntt fann nicht abgeändert werden. Meine Kollegen und ich wünschen aber ängstlich, in Zusammenarbeit mit den irischen Dele gierten eine Begegnung zu haben, um alle Möglichfeiten für eine Regelung der Frage zu finden. Die Vorschläge. die wir bereits gemacht haben, wurden von der ganzen Welt als Beweis dafür angesehen, daß unsere Anstrengungen, eine Ver föhnung herbeizuführen, sehr ernst gewesen seien, und wir glauben, baß eine Konferenz und ein Gedantenaustausch das praktischste Mittel wären, das die größten Hoffnungen erweden tönnte, zu einem Einvernehmen zu gelangen. Durch diesen Brief senden wir nunmehr eine neue Einladung an Sie, am 11. Ottober zu einer Konferenz nach London zu kommen, wo wir mit Ihren Delegierten zusammentreffen werden, die wir als Wortführer, die Sie vertreten, betrachten, damit Vereins barungen zustande fommen fönnen, die mit dem Bestand des eng lischen Weltreichs in Einklang zu bringen sind. Lloyd George Die in der Note Lloyd Georges erwähnte Konferenz, die nach Inverneß einberufen war, scheiterte an der UnmöglichSinnfeiner eine Einigung zu erzielen. De Valera, der feit, über die staatsrechtliche Stellung der Abgesandten der Präsident der irischen Republif, bezeichnete seine Abgesandten als Vertreter der Republit Jrland, als eines unabhän= gigen und souveränen Staatswesens. Lloyd George, als Haupt der englischen Regierung, fonnte unter diesen Umständen nicht verhandeln, da eine Anerkennung dieser Formulierung, der Anerkennung der tatsächlichen Unabhängigkeit Jrlands und somit die Lostrennung Jrlands von England bedeutet hätte. Um diese Frage wogte bisher der ganze Streit. Die Sinnfeiner lehnten jede Erörterung der von Lloyd George gemachten Vorschläge über eine Neuregelung der irischen Verhältnisse ab, solange die Unabhängigteit Jrlands von der englischen Regierung nicht anerkannt würde. Die neue Antwort Lloyd Georges enthält nun feine direften Ablehnungen, vermeidet scharfe Formulierungen und lädt hohen Dividende, sondern darin, daß die Unternehmungen, um den wirklichen Gewinn zu verschleiern und ihn nicht in der Dividende zum Ausdrud fommen zu Iassen, zu umfangreichen Ausgaben von Gratis attien schritten. Sie machten damit ihren Teilhabern ein glattes Geschent, das obendrein durch die auch auf die Gratisaftien gezahlten Dividenden reich verzinst wird. Es ist also ein glatter Schwindel, wenn Deutsch den Eindruck hervorzurufen sucht, daß der Anteil der Kapitalisten am sogenannten Volfseinkommen sich erschöpft in ihren Gewinnen aus der Dividende. Gleichfalls irreführend ist der von Herrn Deutsch beliebte Vergleich zwischen dem Anteil der Löhne und dem Anteil der Dividenden. In den 152 Betrieben wurden rund 1 350 000 Angestellte und Arbeiter beschäftigt, und die Ge samtlohn summe pro Jahr betrug 16 Milliarden Mart. Die Steuern und sozialen Lasten, der Anteil der Gesamtheit also am Ertrag, betrug 2,2 Milliarden Mark. Die Dividenden aber machten insgesamt 650 Millionen Mark aus. Wie gering ist diese Summe doch, so meint Herr Deutsch, im Vergleich zu den Milliarden, die der Staat schludte und die an Arbeiter und Angestellte bezahlt wurden. Aber wie gering ist auch die 3 ahl der an den 650 Millionen beteiligten Kapitalisten im Vergleich zu der Riesenarmee der Arbeiter und Angestell ten, und wie unbeträchtlich sind die Opfer von 2.2 Milliarden, die zum Nugen der Gesamtheit Verwendung finden fonnten. Wobei immer wieder im Auge behalten werden muß, daß der in Gestalt der Dividende ausgeschüttete Gewinn nur einen fleinen Teil des wirklichen Gewinnes der beteiligten Kapitalisten ausmacht. Der Zwed der Uebung ist nun leicht erkennbar. Herr Kommerzienrat Deutsch schreibt eine lange Darlegung über Kommerzienrat Deutsch schreibt eine lange Darlegung über die Abschreibungen, das heißt, über die Rüdlagen für Verbesserung und Ausgestaltung der Betriebe. Ueber die Höhe der Rüdlagen sagt er nichts. Er begnügt sich damit, die fühne Behauptung aufzustellen, daß bei einem so niedris zu einer neuen Konferenz nach London ein. Nehmen die Sinnfeiner die Einladung an, dann ist zu hoffen, daß die Spannung im englisch- irischen Verhältnis nachläßt und man über die starren Formalitäten hinweg endlich zu Verhandlungen über den wirklichen Gegenstand tommt: die Befries digung der nationalen Wünsche Jrlands. Der Friedensvertrag mit Amerifa Am Donnerstag berichtete in einer vertraulichen Sigung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages wesenheit des Reichskanzlers Minister Dr. Rosen über die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen und über den deutschamerikanischen Vertrag. Nach mehrstündiger Aussprache beschloß der Ausschuß auf Anregung seines Borstzenden Dr. Stresemann bei vier Stimmenthaltungen, dem Reichstage die 3u. stimmung zu dem Geseze, betreffend den am 25. August 1921 vereinbarten deutsch- amerikanischen Vertrag über die Regelung der deutsch- amerikanischen Beziehungen, zu empfehlen. Der Vertrag wird heute dem Plenum vorliegen, und man darf annehmen, daß der Reichstag ihm wahrscheinlich sogar ohne Debatte zustimmen wird. Damit ist dann von deutscher Seite die Wiederherstellung des Friedenszustandes ermöglicht, und es bedarf nur noch einer entsprechenden Entschließung des ameri tanischen Senats. Trotz der neuerdings wieder von den Anhängern Wilsons aufgenommenen Opposition dürfte auch diese in absehbarer Zeit erfolgen.. Im Auswärtigen Ausschuß wurde die Regierung auch gefragt, wer als Botschafter für Washington in Aussicht ges nommen sei. Der Minister erklärte, feine Auskunft geben zu fönnen, und so darf das Rätselraten über die Person der Kandidaten seinen Fortgang nehmen. Beinahe sind schon alle nicht direkt vorbestraften Personen als Anwärter für Washington bezeichnet worden, und nur um die Liste auf dem Laufenden zu halten, erwähnen wir, daß außer dem gegenwärtigen Außenminister Dr. Rosen neuerdings auch der Ernährungsminister Hermes als tommender Botschafter genannt wird. Herin Hermes rühmt man nach, daß er wohlhabend sei, englisch spreche und eine gescheite Frau habe. Damit ist doch wahrhaftig seine Qualifikation zum Diplomaten zur Genüge dargetan. Wenn es völlige Entbehrlichkeit auf dem Posten eines Ernährungsministers ihm aber außerordentlich dienlich sein könnte, daß wir ihm seine bescheinigen, so stehen wir ihm ohne weiteres zur Verfügung. Parteiwechsel des hessischen Kultusministers. Der Präsident des Hessischen Landesamtes für Bildungswesen, Dr. Stredet, hat in einem Schreiben an den Staatspräsidenten Ulrich und an den Vorstand der Demokratischen Partei seinen Austritt aus der Demokratischen Partei und seinen Uebertritt zur Sozialdemokratie mitgeteilt. Zugleich hat er bem Landtagspräsidenten Adelung mitgeteilt, daß er sein Mandat niedergelegt habe. gen Anteil des Kapitals am Gesamtertrag an Rüdlagen beinahe nicht mehr zu denken sei. Er verschweigt, daß wie derum gerade in den letzten Jahren gewaltige Summen als Rücklagen sichergestellt worden sind, und zwar gleichfalls zu dem Zweck, den wirklichen Ertrag zu verschleiern und ihn nicht in allzuhohen Dividenden zum Ausdruck kommen zu lassen. Herr Deutsch aber will durch diese Täuschung den Eindruck hervorrufen, daß die deutsche Industrie am Rande des Bankrotts angelangt sei. Er findet dabei einen gläubigen Nachbeter und Helfer in Herrn Dr. August Müller, Staatssekretär a. D. und Mitglied der rechtssozialistischen Partei. Dieser unterstreicht im volfswirtschaftlichen Teil der„ Deutschen Allgemeinen Zeitung" did, was Herr Deutsch an fühnen Behauptungen in die Welt setzt. Aber dieses zustimmende Urteil ist das Urteil eines Mannes, der selbst an den Erträgen des Kapitals teilnimmt, indem er in einer Presse, die von Herrn Stinnes von den„ geringen" Erträgen der Industrie ausgehalten wird, beständig ähn liche irreführende Publikationen verbreitet, wie Herr Deutsch. Herr August Müller fühlt sich aber auch verpflichtet,„ die Aufmerksamkeit der Steuerfinder mit ganz besonderem Nachdruck" auf die Darstellung des Herrn Deutsch zu verweisen. Und auch Herr Deutsch tommt bei seiner Betrachtung über die Abschreibungen schließlich darauf hinaus, daß seine Arbeit geblendete Augen über die wahre Lage unserer Industrie öffnen" und bei unseren früheren Feinden die Einficht verbreiten soll,„ daß ihre Hoffnung, in unseren Aftiens gesellschaften eine ergiebige Quelle für unerfüllbare Tributleistungen zu finden, ebenso trügerisch ist wie die unserer eigenen Regierungen." Die Bemühungen des Herrn Deutsch, unterstützt von August Müller, find also nichts anderes, als ein Teil jener unerhörten Steuersabotage, die die schwerreiche und maß los verdienende Industrie seit Jahren treibt. Sie soll forts gesezt werden, indem sich das Kapital auch fernerhin don dem Zugriff des Staates fishert, und die von uns zitierte Aeußerung Deutschs fennzeichnet sich besonders als eine| deutliche Abwehr des Gedankens der Erfassung der Sachwerte. Ein unerhörter Zustand aber ist es, daß eine halbamtliche Stelle, wie die Handelstammer zu Berlin, die Jrreführung der öffentlichen Meinung und die Steuerdrüdebergerei der Kapitalisten mit ihren Mitteln unterstützt. Derartige Institutionen müssen, wenn sie öffentlichen Charakter tragen und öffentliche Rechte besitzen, wie ein Pfahl im Fleische des Staatsförpers wirken. Der Staat muß in der Besteuerung des Besizes unbedingt andere Wege gehen, als bisher, wenn die ungeheuren Mittel aufgebracht werden sollen, deren der Staat bedarf. Gerade das beweisen die Darlegungen Deutschs, denn sie zeigen, wie gering die Leistungen der Industrie bisher waren. Und zwar gerade die Wege müssen begangen werden, die diesen Herren so verhaßt sind. Korporationen mit öffentlichem Charakter aber, die der Regierung dabei Knüppel zwischen die Beine werfen durch irreführende Publikationen, müssen entspremend zurechtgewiesen werden. Auch die Arbeiterschaft darf sich durch solche Manöver nicht irre machen lassen. Eine Bestätigung der in dem vorstehenden Artikel dargelegten Gedankengänge sind die Jnderziffern der„ Frantfurter Zeitung" über die Börsenturse. Dieser Jnderberechnung liegen die Notierungen von 25 Aktien zugrunde. Seht man den Kursstand vom 1. Januar 1918 gleich 100, so ergibt sich für diese 25 Attien bis zum 23. September 1921 eine Steigerung auf 255. Das bes deutet, daß ein Aktionär, außer seiner Dividende, vom 1. Januar 1920 bis zum 23. September 1921 bei je 1000 Mark AttienRominalbesitz einen Gewinn von 1555 Mart erzielt hat. Auch daran tann man die Wahrheitsliebe des Kommerzienrats Deutsch prüfen. Auf dem Wege zur neuen Koalition Auf einem Abendessen bei einem ehemaligen Diplomaten wurden vor einigen Wochen die ersten Vorbesprechungen zwischen Rechtssozialisten und Volksparteilern über die Umbildung der Regierung gepflogen. Auf einem Abendessen bei dem damals übergangenen Reichsfanzler Dr. Wirth find am Mittwoch die Verhand lungen fortgeführt worden. Die Vorgeschichte der neuen Koalition ist also sozusagen auf Speisekarten geschrieben. Ueber die Ergebnisse der Mittwochgesellschaft wird. amtlich folgende Mitteilung verbreitet: Die Beratungen über eine Umbildung des Reichstabinetts im Sinne einer Erweiterung der Regierungstoalition haben ihren Anfang genommen. Bertreter der Koalitionsparteien und der Deutschen Voltspartei folgten Mittwoch abend einer Einladung des Reichstanzlers zu einer gemeinsamen Aussprache, die den Charatter einer Borbesprechung hatte und zu der auch der Reichspräsident und der preußische Minister= präsident und Reichstagspräsident 23be erschienen. In den mehrstündigen Verhandlungen, an denen Vertreter aller beteiligten Parteien teilnahmen, wurden die innerpolitische Lage, bie außenpolitischen Richtlinien, die Steuerfragen sowie die Form der eventuellen Umbildung des Kabinetis erörtert. Die Berhandlungen werden in den nächsten Tagen weitergeführt. Diese Darstellung ist recht nüchtern und zurückhaltend. Die Bossische 3eitung" ist gesprächiger und trägt gleichzeitig mehr Hoffnung für das Zustandekommen des Werkes zur Schau. Sie nennt zunächst die Namen der Teilnehmer: Stresemann und Rempfes von der Deutschen Boltspartei, vom Zentrum Mary, von den Demokraten Petersen, von den Sozialdemokraten Hermann Müller und Scheidemann; außerdem Reichspräsident Ebert, und die Minister Bauer, Gradnauer, Schiffer, Brauns und Stegerwald. Dann versichert sie, die Einigung der vier Parteien auf ein gemeinfames innen- und außenpolitisches Programm bereite eine ernsten Schwierigteiten, man dürfe voraussagen, daß bei den Verhandlungen am Sonnabend der Schlußstein zu dem neuen Koalitionsbau gesetzt werde. Die Umgestaltung des Reichskabinetts werde dann in der nächsten Woche erfolgen. Daß Dr. Wirth Reichstanzler bleibe, fei jest unbestritten. Daran werden dann noch einige Vermutungen über die Besetzung der anderen Ministerposten geknüpft. In Preußen ist nach der Behauptung der„ Vossischen Zeitung" eigentlich alles schon im reinen. Aber da nach unseren Informationen hier noch gewisse Schwierigkeiten bestehen, die nicht zuletzt aus der Abneigung der Demotraten gegen die Uebertragung des Ministeriums des Innern an die Sozialdemokratie herrühren, müssen wir annehmen, daß auch, was das Reich angeht, der Herold des neuen Blods in der Redaktion der Bossischen Zeitung" etwas zu rosig sieht. Die Bahn für das Zustandekommen ber ,, Regierung der Mitte" ist vielleicht noch nicht ganz so geebnet, wie er uns glauben machen will. Immerhin bleibt die Tatsache der offiziellen Besprechungen maßgebender Persönlichkeiten bestehen, und auch sie genügt, um die von uns schon gestern erwähnten Versuche der rechtssozialistischen Presse, die Görlizer Beschlüsse als im Grunde recht harmlos hinzustellen, noch schärfer als Verschleierungsmanpoer zu charatterifieren. Der Braunschweiger Volksfreund" hat bekanntlich verndet, die Sozialdemokraten würden zunächst an die Unabhängigen herantreten, um sie über ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt in eine Regierung zu befragen. Ob eine solche Anfrage wirklich ergehen wird, wissen wir nicht. Auf jeden Fall aber würde sie jetzt den Besprechungen mit der Boltspartei folgen und ihnen nicht vorangehen. innerliche unwahrhaftigkeit eines solchen Schritts wäre dann jedem ohne weiteres flar. Die Die Verordnung des Reichspräsidenten Die neue Faffung Bekanntlich ist in den Abmachungen mit Bayern der vielumstrittene Wortlaut der Verordnung des Reichspräsidenten in wesentlichen Punkten abgeändert worden. Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht jetzt die neue Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuße der Republit vom 28. September 1921, die an die Stelle der Berordnungen vom 29. und 30. August 1921 tritt. Sie ist von dem Reichspräsidenten, dem Reichsfanzler Dr. Wirth und dem Reichsminister des Innern Dr. Gradnauer unterzeichnet und lautet nunmehr in den hauptsächlichsten Bestimmungen: § 1. Periodische Drudschriften, deren Inhalt zur gewaltsamen Blenderung oder Beseitigung der republikanisch- demokratischen Verfassung oder verfassungsmäßiger Einrichtungen des Reiches oder eines seiner Länder, zu Gewalttaten gegen Personen bes öffentlichen Lebens( bisher: gegen Vertreter der republikanisch demokratischen Staatsforin), zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen oder gegen die innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen der verfassungsmäßigen Behörden auffordert oder anreizt, tönnen für die Dauer bis zu vierzehn Tagen verboten werden( ufw. wie bisher). § 3. Versammlungen, Vereinigungen, Aufzüge und Kundgebungen können außer den Fällen des Artikels 123 der Reichsverfassung verboten werden, wenn die Besorgnis begründet ist, daß in den Versammlungen usw. Erörterungen stattfinden, die zur gewaltsamen Aenderung oder Beseitigung der republikanischs demokratischen Verfassung oder verfassungsmäßiger Einrichtungen des Reiches oder eines seiner Länder, zu Gewalttaten gegen Personen des öffentlichen Lebens( bisher: gegen Vertreter der republikanisch- demokratischen Staatsform), zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen( usw. wie bisher). § 4. Zuständig sind die Landeszentralbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen( bisher: der Reichsminister des Innern). Der Reichsminister des Innern kann die Beschlagnahme ersuchen. Landeszentralbehörden um den Anspruch eines Verbots oder einer Glaubt die Landeszentralbehörde einem solchen Erfuchen nicht entsprechen zu können, so teilt sie dies spätestens am zweiten Tage nach Empfang des Ersuchens dem Reichsminister des Innern mit und ruft gleichzeitig die Entscheidung des im§ 7 vorgesehenen Ausschusses an. Entscheidet fich der Ausschuß für das Berbot oder die Beschlagnahme, so hat die Landeszentralbehörde die erforderlichen Maßnahmen so= fort zu treffen. § 5. Wer eine nach§ 1 verbotene Drudschrift herausgibt, verlegt, brudt oder verbreitet, wird mit Geldstrafe bis zu fünf hunderttausend Mart und mit Gefängnis oder mit einer dieser Strafen bestraft. -Entsprechendes gilt für verbotene Versammlungen. § 7. Gegen ein Verbot nach§§ 1 und 3 und eine Beschlagnahme nach§ 2 ist die Beschwerde zulässig; sie hat keine aufschiebende Wirkung. Die Beschwerde ist bei der Landeszentrals behörde( bisher: beim Reichsminister des Innern) einzureichen; diese kann ihr außer im Falle des§ 4 Abs. 2 abhelfen; andernfalls hat sie die Beschwerde unverzüglich dem vom Reichsrat bestellten Ausschuß zur Entscheidung vorzulegen. § 9. Der Reichsminister des Innern erläßt die erforderlichen Ausführungsvorschriften. Regierungsdebatte in Bayern Drahtmeldung unseres Korrespondenten München, 29. September. Seute begann im bayerischen Landtag die politische Aussprache über die Programmrede des Ministerpräsidenten Lerchenfeld, verbunden mit der Interpellation der U. 5. P. D. wegen des neuerlichen Verbots der Freiheit" in Bayern und dem Antrage Nitisch( U.S. B.) auf sofortige Aufhebung des Ausnahmes zustandes und der Interpellation der S. P. D., die sich mit den Migständen und Mißbräuchen in der Polizeis und Justizverwal tung befaßt. Als erster Redner sprach der Abgeordnete Stang( Bay. Vp.). Seine Rede war beherrscht von dem alten bayerischen Feldgeschrei für„ Ruhe und Ordnung". Er meinte, die Auseinandersetzungen zwischen Bayern und dem Reich hätten viel von ihrer Schärfe verloren, wenn sich Reichstanzler Wirth seiner verantwortungsvollen Stellung bewußt gewesen wäre und nicht phantastische Lederstrumpfgefchichten aufgetischt hätte. Durch die nun abgeänderte Reichsverordnung Jei das Ziel der Wahrung der bayerischen Bolizeiverwaltungshoheit erreicht worden. Nach Angriffen auf die Mittelpartei erklärte der Redner, die neue Regierung habe tein neues Programm, fie halte fest am alten Koalitionsprogramm. Das bedeute aber feine flavische Kopie früherer Methoden, sondern nur die Zielsetzung sei die gleiche ge blieben. Der Redner wiederholt die Forderung nach Schaffung eines bayerischen Staatspräsidenten und nach einem Reichsgesez, das die Zuständigkeit des Reiches und der Länder nach§ 48, Abs. 5 der Reichsverfassung genauest abgrenzt. Abgeordneter Sänger( S. P. D.) übt Kritik an den Polizei- und Rechtszuständen in Bayern. Die Sicherheit in München sei unter Boehner nicht größer gewesen als in anderen Städten. Die unaufgetlärten politischen Morde in München seien von feiner Großstadt erreicht worden. Er verlangt Aufklärung darüber, wie die neue Regierung den neuen Mißständen in Polizei und Justiz abhelfen will. Schließlich erklärt er, daß seine Partei ben neuen Ministerpräsidenten nach seinen Taten beurteilen werde. Sie treibe nicht Opposition um der Opposition willen. Wenn der Ministerpräsident rüdsichtslos für den Schutz der Republit eintritt, bann fönne er auf die Unterstützung der S. P. D. rechnen. Heute fönne tein Ministerpräsident auf die Dauer gegen die sozialdemokratischen Arbeiter regieren. Abgeordneter Hilpert, Mittelpartei, verteidigt die gegen seine Partet und gegen den Oberst Kylander in der Presse erhobenen Borwürfe. Dem neuen Ministerpräsidenten trete seine Partei Görlik Wir faßen einft im Zuchthaus und in Ketten, wir opferten, um ein Mandat zu retten, Geld, Freiheit, Stellung und Bequemlichkeit. Wir waren die Gefahr der Eisenwerfe, wir hatten Glut im Herzen- unsre Stätte war unsre Sehnsucht, rein und erdenweit. Uns haßten Kaiser, Landrat und die Richter: Jdee wird Macht das fühlte das Gelichter. Long long ago Das ist nun heute alles nicht mehr so. Wir sehn blasiert auf den Jdeennebel. Wir husten auf den alten, starten Bebel Wir schmunzeln, wenn die Jugend revoltiert. Und während man in hundert Konventiteln mit Fangschuß uns betämpft und Leitartikeln, find wir realpolitisch orientiert. Ein Klassenkampf ist gut für Bolschewisten. Einst pfiffen wir auf die Ministerlisten... Long long ago Das ist nun heute alles nicht mehr so. Uns imponieren schrecklich die enormen Bigarren, Autos und die Umgangsformen Man ist ja schließlich doch kein Nihilist. Wir geben uns auch ohne jede Freite. Und unser Scheidemann hat keine Seite, nach der er nicht schon umgefallen ist. Herr Stinnes grinst, und alle Englein lachen. Wir sehen nicht, was sie da mit uns machen, nicht die Gefahren all'... Statbrüder find wir, die den Mary gelesen. Wir sind noch nie so weit entfernt gewesen, von jener Behn, die uns geführt Laffall'! Theobalb Tiger in der Weltbahne". völlig unbefangen entgegen und warte seine Taten ab. Die Mittelpartei werde der Regierung ihre Unterstützung solange nicht versagen, als die Regierung an den bewährten Grundsägen des Herrn v. Kahr festhalte. Der Chef der Münchener Polizei im Münchener Polizeipräst dium, Regierungsrat& rit, ist heut ebenfalls zurüdgetreten. Mit ihm scheidet die wichtigste Stüge Boehners im politischen Spigeldienst aus dem Amte. Ueber die Neubesetzung des Polizeipräsidiums in München ist noch nichts bekannt. Wechsel der bayerischen Bertreter im Reichsrat Infolge des Rüdtritts des bisherigen Gesamtministeriums und der Neubildung des Ministeriums scheiden der bisherige Minister: präsident und Staatsmnister des Innern Dr. von Kahr und der bisherige Staatsminister der Justiz. Dr. Roth in ihrer Eigenschaft als Bevollmächtigte Bayerns zum Reichsrat aus. An ihrer Stelle sind durch Ministerratsbeschluß als Bevollmächtigte Bayerns zum Reichsrat bestimmt worden der nunmehrige Ministerpräsident und Staatsminister der Justiz, Graf Lerchenfeld und Staatsminister des Innern, Dr. Schweyer. Die Bevollmächtigung der übrigen zurüdgetretenen, aber wiederernannten Minister in ihrer Eigenschaft als Bevollmächtigte Bayerns zum Reichsrat ist durch Ministerratsbeschluß erneuert worden. Vertrauensfundgebung für Wirth Beim Reichstanzler Dr. Wirth ist folgendes Telegramm aus Düsseldorf eingelaufen: Die auf der Verbandsau schußßigung versammelten Diözesanund Bezirkspräsides sowie sämtliche Arbeitersekretäre des Westdeutschen Verbandes der katholischen Arbeitervereine gedenken in Dankbarkeit Ihrer aufopfernden Tätigkeit im Volksdienste. Sie Sprechen Ihnen im Namen der Arbeiter der Zentrumswählerschaft vollstes Vertrauen aus. gez. Jienrath. Die Industrie gegen Rathenau Kein Zwang - nur freiwillige Leiflung Der zweite Verhandlungstag der Tagung des Reichsvers bandes der deutschen Industrie brachte die Aussprache über das Referat, das am Tage vorher Baurat Riepert über die Stellung der Industrie zur Frage der Sachleistungen gehalten hatte. Als erster sprach der Reichskommissar für Wiederaufbau Dr. von Batodi. Er plädierte für Sparsamteit, wendete sich gegen den Luxus, die Devisenspekulation und die Warenhamsterei. In der Frage der Sachleistungen erklärte er: Man habe mit erheblichen Sachleistungen zu rechnen. Daß bie Verteilung eines solchen Riesenauftrages ganz ohne Reibungen vor sich gehe, fönne man wohl nicht ohne weiteres verlangen. Immerhin habe man gerade zur Vermeidung von bureaukratischen Beeinflussungen die vielen fleinen Bermitt lungsstellen und Aemtchen ausgeschaltet und Selbstverwaltungsorganisationen in großem Umfange vor= gefehen. Mit der Frage der Sachleistungen stünden noch viele andere Probleme in engitem Zusammenhang. So tomme man um eine Verquidung von reiner Wirtschafts- und Sozialpolitit nicht ganz herum. Bei der Verteilung ergeben sich Schwierigteiten, die großzügig zu behandeln jeien. Die Bezitte besonders Starter Wirtschaftstreise dedten sich nun einmal nicht mit den Ländergrenzen. Die gestern vorgelegte Entschließung über die Steuern der Industrie zu den Leistungsverbänden sei wohl vers ständlich. Dies fei aber nicht mit den bekannten Forderungen der Gewerkschaften in Eintlang zu bringen. Auf vielen Gebieten bietet sich die besondere Mitarbeit ber Industriekreise, so besonders bei der Verhütung von Repa tationsgewinnen, ferner zur Abwehr eines Gegen- einanderarbeitens von Behörden, Verbänden und Unternehmungen im Auslande, eine Erscheinung, die bisher leider schon verschie dentlich im Auslande den allerschlechtesten Eindrud gemacht habe. Das deutsche Ansehen im Auslande müsse bem einzelnen Unternehmer schon den Entgang eines mäßigen Gewinnes wert sein. Die deutschnationale Opposition Sodann kam der Direktor des Stahlwerksverbandes, ber deutschynationale Abgeordnete Dr. Reichert zu Wort. Er stimmte dem Grundgedanten, Goldleistungen in Sachleistun gen zu verwandeln, zu. Doch sei der Grundgedante nicht durch geführt. Die deutschen Leistungen würden nur zu einem Bruchteil in der Höhe einiger hundert Millionen angerechnet. Es sei ein Widerspruch, daß wir Frankreichs Bantier werden. Der Minister wolle zwar feine Zwangsorganisationen, aber die Verbände und der Verband der Verbände seien feine privaten Organisationen, benn eine reine Freiwilligteit eritiere nicht unb die Möglichkeit des ministeriellen Eingriffs fei da. Wie wolle man Taufende von Fachverbänden auf 25 bis 30 Leistungsverbände umschmelzen? Das sei eine Revolutionierung des gesamten Ber bandswesens. Dabei schweben noch Projekte der anderen Ministe= rien, Projefte über Steuergemeinschaft und Kartellgesetzgebung. Die Fachleistungen müßten im Wege der freien Bergebung untergebracht werden. Wohin fomme man, wenn man in das Ver bandswesen die Gewerkschaften einschalte. Die Industrie mükte unter sich bleiben. Die Preisfrage mache m bie größten Bebenten. Der Index sei eine Theorie u teine prattische Lösung. Zum Schluje geht Dr. Reicherdt noch darauf ein, daß Dr. Rathenau vor seinem Eintritt ins Kabinett die Ans nahme des Ultimatums abgelehnt, nachher aber einen ganz ane beren Standpuntt eingenommen habe. Trotzdem der Vorsitzende des Reichsverbandes davor warnte, sich von parteipolitischen Erwägungen leis ten zu lassen, wurde die folgende Resolution angenommen: „ Der Reichsverband der deutschen Industrie erklärt sich grund. säglich bereit, nach allen Kräften die Regierung bei der Durchs führung der Sachleistungen für die Wiedergutmachung zu unter Stützen. Diese Sachleistungen werden nach Möglichkeit in freier Vereinbarung durch die bestehenden Fach- und Landesvers bände, soweit sie sich Geschäftsfähigkeit beilegen, sonst durch Ver teilung auf die geschlossenen Unterverbände und einzelnen Werte aufzubringen seien. Soweit mit Rüdlicht auf die besonderen Verhältnisse eines einzelnen Industriezweiges die Bildung von Leistungsverbänden nach Maßgabe der Verordnung vom 22. Juli 1921 notwendig wer den sollte, wird fie freiwillig erfolgen müssen und die An ertennung feitens der Regierung nur abhängig zu machen sein von der Aufnahme von Bestimmungen über die in der Verord nung vorgesehenen Pflichten der Leistungsverbände, hauptsächlich über die Gewährleistung und Verteilung. Auch da, wo man eine zwangsweise Bildung von Leistungss verbänden nicht glaubt umgehen zu tönnen, ist. sie ausdrücklich auf den einzigen Zweck der Sachleistung für den Wiederaufbau und die Gewährleistung und Verteilung zu beschränken, ohne sie mit anderen, insbesondere soziapolitischen Bestimmungen zu be laften. Die Stellungnahme im einzelnen muß sich der Reichsverband vorbehalten, bis bestimmte Organisationsvorschläge der Regierung vorliegen." Dieser Beschluß bedeutet, daß die Industrie sich die Ges winnmöglichkeiten auch bei der Erfüllung der Sachleistun gen nicht beschränken laffen win. Der Streit der fächlich- thüringischen Weberelen ist beenbet Die Arbeit wurde überall wieder aufgenommen. Mit der Wieder aufnahme der Arbeit in den Färbereien ist für Sonnabend zu rechnen. Die Opposition gegen Görlitz eidigung der Gonberversicherung berefis eine merfliche ZurüidProteststimmen der rechtssozialistischen Presse Wir wiesen schon mehrfach darauf hin, daß der„ Vorwärts" jede Aeußerung der Kritit an den Görlizer Beschlüssen, selbst solche, die aus den Reihen der„ Vorwärts"-Redaktion kommen, Systematisch unterdrückt. Diese Politik des Totschweigens wird vom„ Vorwärts" nach wie vor geübt. Trotzdem ein großer Teil der rechtssozialistischen Provinzpresse in heftiger Weise gegen die Görlizer Beschlüsse Stellung nimmt, erfährt die Berliner Mitgliedschaft der S. P. D. nichts von alledem. Wir wollen deshalb den geistigen Klärungsprozeß innerhalb der rechtssozialistischen Arbeiterschaft fördern, indem wir zu den bereits mitgeteilten fritischen Stimmen noch die folgenden Aeußerungen der rechtssozialistischen Presse hinzufügen, wobei wir hervorheben möchten, daß die Opposition gegen die Koalition mit der Deutschen Volks= partei vor allem im Ruhrgebiet sehr start ist, also dort, wo die Arbeiter das Wirken des neuen Bundesbruders aus nächster Nähe kennen: Mainzer Volkszeitung": Käme eine Die Wirkung auf den Einigungsgedanken? Koalition mit der Deutschen Volkspartei zustande, dann: ade! Einigungsgedante. Die nächste Folge wäre, ganz günstig genommen, eine Rüdflut aller derjenigen, die in der letzten Zeit von den Unabhängigen wieder zu uns zurückgekommen sind. Eine starte Mißstimmung innerhalb unserer Partei selbst wird einen guten Rährboden bieten für die links: radikale Agitation. Das Ziel, zu einer Einheitsfront und damit zu einer proletarischen Mehrheit zu kommen, rüdt in immer weitere Ferne. Das ist das Wesentliche." " Freie Preffe" in Erfurt: " „ Es ist gut, daß das Echo, das der weittragende Beschluß von Görlig in der ganzen Partei findet, noch den Parteitag während seiner Tagung erreicht. Es dürfte manchem Delegierten, der dem Beschluß zugestimmt hat, hinterdrein sehr besinnlich stimmen, und auch die Barteiinstanzen, die über die eventuelle Durch führung des Beschlusses zu wachen haben, werden sich sagen müssen, daß er eine so schwere Belastungsprobe für die Partei bildet, daß es der größten Vorsicht und Geschicklichkeit bedarf, wenn die Partei als solche nicht dauernden und unheilbaren Schaden erleiden soll..." " Anhalter Volfsblatt": ,, Unbedingten Tabel aber verbient die Art und Weise, in der die taktische Wendung vollzogen wurde. Es muß als ein schwerer Fehler bezeichnet werden, daß die große Masse der Parteitagsdelegierten sowie die übrigen Parteimitglieder in der Art des Ziethen aus dem Busch mit der Resolution überfallen wurden. Wir haben den dringenden Wunsch, daß sich derartiges nicht wieder ereignet. Ein sozialdemokratischer Barteitag ist teine Zentrumsheerschau, bleiben wir also lieber bei unseren alten bewährten Methoden." " Duisburger Bolfsstimme": Im übrigen scheint es ja faft so, als wollte ein gnädiges Geschick oder besser die ungeheure Tolpatschigkeit der Deutschen Boltspartei unsere Partei vor den üblen Folgen ihres Liebeswerbens um die Volkspartei bewahren. Die oben ge= schilderte Hetze Stresemanns und seiner Kumpane gegen Wirth hat nämlich bewirkt, daß selbst das Zentrum, das doch sonst gestelltenversicherung, in der Erfelenz( Demofrat) bei der Verhaltung übte. Er regte u. a. eine Zuammenlegung der Spruchbehörden für Angestellten- und Arbeiterversicherung an. Die weitere Debatte, in der sich der Mehrheitssozialist Giebel für die Verschmelzung einsetzte, mußte mit Rüdsicht auf die vor= geschrittene Zeit abgebrochen werden. Zuvor hatten die sozialistischen Parteien drei Anträge gestellt, in denen das Reichsarbeitsministerium aufgefordert werden sollte, bis Ende Oktober eine Dentschrift über die Möglichkeiten einer Verschmelzung vorzulegen, bei der die jeweils günstigeren Bedingungen der Angestellten- oder Invalidenverficherung mit übernommen werden. In diesen Anträgen wurde noch weiteres Material zur Prüfung der Verschmelzungsmöglichkeit, so z. B. Vorkriegsziffern über die Leistungen der Angestelltenoder Invalidenversicherung, der Beamtenversorgung usw. gefordert. Diese Anträge riefen sofort den Vertreter des Reichsabeitsministeriums Aurin auf den Plan, der einen Berg bureaukratischer Schwierigkeiten auftürmte, um den Ausschuß von dem Verlangen nach Material abzubringen. Genosse Aufhäuser flärte Herrn Aurin, dem Leiter der Versicherungsabteilung im Reichsarbeitsministerium, darüber auf, daß sich die Parteien und Gewerkschaften, die auf dem Boden einer einheitlichen Sozialversicherung stehen, die anhaltende Sabotage für Oeffentliche Wähler Versammlungen Freitag, den 30. Geptember, abends 7 Uhr Marienfelde: Moldenhauer, Berliner Straße 114 Alt- Glienicke: Lokal Bohne, Grünauer Straße Treptow: Brauns Gesellschaftshaus, am Bahnhof Treptow Lokal Kraay( früher Wollschläger): Adalbertstraße 21 Schulaula: Heinersdorfer Straße 18 Schulaula: Senefelder Straße 6 Schulaula: Littauer Straße Schulaula: Schönfließer Straße 7 Schulaula: Kaminer Straße Schulaula: Lütticher Straße 47-48 Schulaula: Ofener Straße Schulaula: Köpenicker Straße 125 Für die Zaubftummen: abends 17 Uhr, Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 30 Referenten find: Die Genossen 3 ubeil, Dr. Moses, Bürgermeister Mieliz, Friedländer, Werner, Gürne, Loose, Dr. Löwenstein, Bürgermeister Gruno, Redakteur Dressel die Vereinheitlichung durch das Reichsarbeitsministerium nicht länger gefallen lassen. Der Ausschuß entschied schließlich gegen den Vorschlag des Regierungsvertreters, und das Arbeitsministe= rium ist nunmehr beauftragt, das in den Anträgen geforderte Material bis zum nächsten Zusammentritt des Reichstags zu liefern. treter der Gewerkschaften und Betriebsräte hinzugezogen werden. Weiter fordert die Entschließung, daß die zuständigen Spikenorganisationen als Kontrahenten des Reichstarifs( A. D. G. B. und AfA- Bund) sofort versuchen, Verhandlungen einzuleiten, um die Affordarbeit und das Brämiensystem in der Chemie auszuschalten und damit deren unheilvollen Einfluß auf die Betriebssicherheit zu beseitigen. A. D. G. B. und AfA- Bund werden ferner aufgefordert, bei der Regierung und den gesetzgebenden Körperschaften die nötigen Schritte sofort zu unternehmen und die Untersuchungskommissionen ohne Verzögerung in die bedrohten Betriebe zu entienden. Dirse Kundgebung der Betriebsräte des Bitterfelder Inbehörden, sowie die gewerkschaftliche Organisationen werden dustriebezirkes ist von großer Bedeutung. Die Regierungss der Etelungnahme und den Forderungen der mit ihrem Leben zunächst beteiligten Arbeiter- und Angestelltenschaft die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Vollauf berechtigt ist die Forderung der Betriebsräte, daß der Ar beiterschaft der Fabrikationsvorgang erklärt wird, damit sie weiß, unter welchen Gefahren sie arbeitet und feine Schutzbestimmungen außer acht läßt. Das Leben der Arbeiter und Angestellten steht immer noch um vieles höher als das Fabritationsgeheimnis. Preußischer Landtag Donnerstag, 29. September Auf der Tagesordnung stehen zunächst eine große Anzahl von Anträgen. Sie betreffen die Anwärterdienstzeit der Beamten, Kinderbeihilfen, Ausgleichszulagen, Teuerungszuschläge, Auf rückungsstellen, Geilchstellung der Philologen mit den Juristen, Versorgung der Schußpolizeibeamten, Einspruch des Reichsfinanz ministers gegen das Mittelschullehrer- Diensteinkommensgeseh usw. Die Anträge werden ohne Aussprache dem Beamtenausschuß überwiesen. Das Haus setzt darauf die am Mittwoch abgebrochene Bes ratung über den Antrag Dr. v. Krause( D. Vp.) über die Fördes rung der Königsberger Universität fort. Abg. Waentig( Soz.): Auch wir sind der Ansicht, daß die deutsche Wissenschaft im Osten gebührende Berücksichtigung finden muß. Die heutigen Zustände sind zum großen Teil auf das alte Regime zurückzuführen. Besonders in der Besoldung der Professoren ist vieles verabsäumt worden. Königsberg berufen werden. Abg. Dr. Wendorf( Dem.) wünscht, daß tüchtige Lehrkräfte nach Abg. Mertin- Königsberg( US.): Die Königsberger Universität ist nach und nach zu einem Tummelplay der wildesten nationalistischen Leidenschaften geworden.( Sehr richtig! bei den.S.) Das bezieht sich nicht nur auf die Stus benten, das bezieht sich leider auch auf einen Teil der Lehzerschaft.( Gehr richtig! bei den U.G.) Der verflossene preußis sche Kultusminister Saenisch, der im vorigen Jahre der Kös nigsberger Universität einen Besuch abstattete, tönnte ein Lied davon singen, wie er dort von den Studenten empfangen und behandelt worden ist.( Sört, hört! bei den U.S.) Derartig un erhört, wie es wohl noch nie an einer anderen Universität vorge tommen ist. Es waren Vorgänge, wie sie sich in den wildesten Boltsversammlungen nicht abspielen.( Sört, hört! bei den U.S.) Der Antisemitismus feiert dort Orgien, und niemand, der dazu berufen ist, tut etwas, um dieses Treiben einzudämmen. Wenn der Begründer dieses Antrags die Schwierigkeiten der Universi richtungen, wie Kliniten usw., fehlen, so hat mein Herr Vorredner, Herr Dr. Wendorf, ja bereits darauf hingewiesen, daß das doch Sünden feien, die nicht jetzt entstanden sind, sondern die sich seit Jahrzehnten dahinschleppten. ſo ſehr auf die Einbeziehung der Deutschen Volkspartei in die Die Arbeiter der chemischen Industrie tät darauf zurückführt, daß der Univerſität eine Reihe von Einso Koalition dringt, langsam ein Haar in der Suppe findet und die Deutsche Volkspartei durch die„ Germania" energisch in ihre Schranten verweisen läßt... „ Effener Arbeiterzeitung". 4 Wir sind anderer Meinung und fönnen beim besten Willen nicht einsehen, daß mit der Stinnes- Partei irgendwelche ver nünftige Gemeinschaftsarbeit im Interesse des werttätigen Boltes und des zusammengebrochenen Landes geleistet werden fann. Wir haben gewarnt und müssen jede Verantwortung für dieses Experiment ablehnen. Der Parteitag in Görlig hat entschieden. Nun haben die Parteigenossen im Lande das Wort, und zwar das letzte Wort in dieser Lebensfrage der Partei. Das ist maßgebend." " Bolfsblatt" in Bochum: mit „ Seit Monaten führten Parteipreffe und Parteiredner den Scharfsten Kampf gegen die Möglichkeit einer Regierungsteilnahme der Sozialdemokratie unter Einschluß der Boltspartei Zustimmung des Parteivorstandes! Und auf einmal und völlig unvermittelt schwenkt der Kurs nach der entgegengesetten Seite, plöglich wird die taktische„ Bindung der Partei auf ein Jahr" als unerträglich empfunden und an Stelle unbedingter AbJehnung jeder Koalition mit der Volkspartei erklärt, man müsse sich bei den Entschließungen zu eventuellen Umbildungen der Regierungen nach der jeweiligen„ politischen Lage" richten." Bolfswille" in Münster: „ Wir haben stets mit eindeutiger Schärfe den Standpunkt vertreten, daß ein Zusammenarbeiten mit der Deutschen Volks. partei uns aus grundsäglichen und taktischen Fragen heraus undiskutabel erscheint. Zwischen uns und den Bolksparteilern stehen Welten, die durch teine Brüde zu verbinden sind. Zwischen Kapital und Arbeit muh reinliche Scheidung geschaffen werden. Es liegt im Wesensinteresse von Gegenwart und Zukunft des Voltes, daß der Geist der Männer von ehemals in feiner Form wieder einwirken kann auf die neue Zeit." Eine weitere Absage an Görlitz Der rechtssozialistische sächsische Wirtschaftsminister Fellisch trat in einer Rede, die er in einer Dresdner Boltsversammlung hielt, nachdrücklichst für die ausgiebige Erfassung der Gold- und Sachwerte durch das Reich ein, und zwar nicht nur aus steuertechnischen Gründen, sondern weil in dem Maße, wie das Reich die Sachwerte erfasse, man auch der Gemeinwirtschaft näher tomme. Bei einer Koalition der Mitte könne man dieses Ziel allerdings nicht verwirklichen. Sein Verhältnis zur Deutschen Volkspartei fennzeichnete der Minister in folgenden Worten:„ Die Deutsche Volkspartei unterscheidet sich von den Deutschnationalen nur dadurch, daß sie politisch gerissener ist. Die Deutschnationalen sagen wenigstens, was sie wollen, während die Deutsche Volkspartei ihre Ziele versteckt." Die Sozialversicherung im Reichstag Unfallnotgesetz- Angestelltenversicherung Im Sechsten Ausschuß sollte nach der vorliegenden Tagesord nung gestern zunächst nur die Regierungsvorlage zur Sonderverficherung für Angestellte beraten werden. Nachdem aber tags zuvor vom Plenum anläßlich des Maffenunglücks von Oppau ein Antrag zur Schaffung eines Rotgefeges zur Unfallversicherung an den Ausschuß überwiesen worden war, entwickelte sich eine Geschäftsordnungsdebatte über die Behandlung dieses Antrags. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien bekundeten nochmals mit Worten ihre warme Anteilnahme für die Opfer von Oppau, versuchten aber gleichzeitig die Beratung des Notgesetzes auf die näaste, Ende Oftober einlegende Reichstagstagung zu perschieben. Genosse Aufhäuser ließ indes feinen Zweifel, daß das von uns beantragte Notgeleg die sofortige Erledi= gung erheische, einmal, weil die geschädigten Arbeiter und Angestellten, zum andernmal aber auch die übrigen Unfallrentner einer der Geldentwertung angepakten Rentenbemessung bedürfen. Es wurde schließlich beschlossen, noch an demselben Tage abends eine besondere Ausschußigung zur Beratung des U. S. P.Antrages abzuhalten. Alsdann begann die Debatte über die Anund das Unglück in Oppau Die Katastrophe in Oppau mußte bei der Arbeiterschaft der chemischen Großindustrie in den Betrieben, die mit den gleichen oder ähnlichen Gefahren wie das Oppauer Wert zu rechnen haben, erklärlicherweise Erregung auslösen. Die einseitigen Versuche der Wertsdirektionen, den jeweiligen Betrieb als ge fahrlos hinzustellen, können diese Erregung naturgemäß nicht bannen. Die Freigewerkschaftliche Betriebsrätezens trale Bitterfeld" hat sich in einer Vollversammlung der Betriebsräte des Bitterfelder Industriebezirkes mit den Ge fahren und deren Beseitigung beschäftigt. Diese Konferenz war auch beschickt von den Betriebsräten des Leunawertes, der Mittelbeutschen Stidstoffwerke, der Westfälisch- Anhaltischen Sprengstoff Attiengesellschaft und Zetralin( Rodleben), deren Interesse mit Rücksicht auf den Charakter ihrer Werke gegeben ist. Im In dustriegebiet Bitterfeld liegen die Betriebe des Konzern Griess heim- Elektron und der Aktiengesellschaft für Anilinfabritation. In der Aussprache wurde hervorgehoben, daß insbesondere die Unsicherheit in der Erforschung der Ursache der Oppauer Katas strophe die Erregung in den Betrieben hervorrufe. Die einmütige Ansicht der Betriebsräte ging dahin, daß in erster Linie durch die gerade in letter Zeit leider in steigendem Maße zu beobachtende Tatsache, die Leistungen der Arbeiter durch Einführung von Afford- und Brämiensysteme auf das äußerste zu steigern, ein günstiger Boben für Unglüdsfälle geschaffen wird. Den in den Betrieben beschäftigten Arbeitern ist in den meisten Fällen gar nicht bekannt, in welchem Umfange ihnen Gefahren drohen. Der Fabritationsvorgang wird geheim gehalten, so daß auch Aufklärung unmöglich wird. Angereizt durch das Afford- und Prämiensystem, das gerade im Leunawerf Triumphe feiert, das auch vom Arbeitgeberverband der chem. Industrie Sett. Vb als der Weisheit legter Schluß gepriesen wird, werden die sich der Folgen gar nicht bewußten Arbeiter verleitet, die notwendige Sorgfalt beiseite zu lassen. Einmütig fam zum Ausdruck, daß diese Tatsache der besonderen Berücksichtigung bedarf. Die gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen, daß Affordarbeit nur eingeführt werden tann, wenn Leben und Ges Jundheit der Arbeiter gesichert bleiben, bietet nach den gemachten Erfahrungen in feiner Beziehung den genügenden Schutz. Die Wertsleitungen vertreten meist einen anderen Standpunkt als die zu Rate gezogenen Betriebsräte. Es müssen ausreichende gesetzliche Bestimmungen geschaffen werden, die der= artigen Betrieben das Akkord- und Prämienwesen überhaupt verbieten. Besondere Aufmerksamkeit wurde ben auch in den mitteldeutschen Werten befindlichen Lagern gewidmet. Auch in MittelDeutschland sind Sprengungen vorgenommen worden. Hier herrschte ebenfalls die Ansicht, daß die Sprengungen der Lagermasse Gefahren nicht bietet. Diese Versuche sind in einem mitteldeutschen Wert auch für Oppau unternommen worden. Daß bie Annahme von der Gefahrlosigkeit eine irrige war, ist von Oppau berichtet. Jetzt werden auch Sprengungen nicht mehr vorgenommen, 3. T. wurden sie von Werten vorher schon abges lehnt, ein Zeichen dafür, daß man auf die Richtigkeit dieser wissenschaftlichen Feststellungen boch nicht unter allen Umständen und von allen Seiten baute. Es wurde des weiteren darauf verwiesen, daß auch elektrische Leitungen in den Lagerhäusern eine Gefahr bieten tönnten. Die Versammelten waren sich darüber flar, daß die Lager in Zukunft nicht mehr innerhalb der Werte geduldet werden dürfen, daß auch die Versuchsfabriken weitab von menschlichen Wohnungen und der Werke sich befinden müssen. Das ist heute ebenfalls nicht der Fall. Die Verantwortung der Wertsleitungen und der durch das Vertrauen der Belegschaften in die Betriebsräte gewählten Arbeitervertreter ist so unermeßlich groß, daß nichts verabsäumt werden darf, um Leben und Gesundheit der in den Betrieben Beschäftigten und der Anwohner zu schützen. Die Betriebsräte müssen in viel weitgehenderem Maße als bisher Gelegenheit haben, nach dieser Richtung tätig zu sein. Die Versammlung beschloß. aus dem Kreise der Betriebsräte, und zwar der gefährdeten Betriebe, eine ständige Kommission zu wählen, die sich mit der Frage der Gefahrenver hütung beschäftigt. Eine einstimmig angenommene Entschließung, in der die oben erwähnten Gesichtspunkte nochmals zur Feststellung gelangen, fordert eine eingehende Untersuchung der Werte der chemischen Industrie. Zu diesen Untersuchungen sollen außer den Bertretern der Regierung bzw. zuständigen Regierungsstellen Bers Wer ist es denn, der Ostpreußen bedroht? Welche Mogen sind es, die Ostpreußen umbranden? Die um uns liegens den Kleinstaaten haben alle mit sich allein zu tun, sie wünschen in Ruhe und Frieden mit uns zu leben, wenn wir fie nur in Frieden lassen. Die Unruhe tommt nur durch die nationalistisches Treibereien, die auch unsere Nachbarn nicht zur Ruhe tom men lassen. Was aber das Schlimmste ist, und was auch schon bes rührt worden ist, das ist der Umstand, daß die alte ehrwürdigt Kulturstätte, die Königsberger Universität, die einst Kant zu ihren Großen zählte, der ihr Patron war und der größte Geist seiner Ludendorff ernannte. Ein Vorgang, der sich in der Weltgeschichte Zeit, daß diese Universität zu ihrem Schuhpatron den Korporal hoffentlich nicht wiederholen wird. Die Universität hat einen Menschenschlächter von Beruf zum Ehrendoktor ernannt, das ist ein Vorgang, der gar nicht laut genug in die Welt hinausgerufen werden kann. Wenn von diesen Bestrebungen nicht bald gelassen wird, dann werden wir es erleben, daß die Königsberger Uriversität nach und nach nicht nur von den besten Lehrkräften, sondern auch von den Hörern und Schülern entblößt wird.( Beifall bei der U.S. P. D.) Abg. Dr. Steffens( D. Vo.) beantragt, die Vorlage an einen Ausschuß zu überweisen. Das Haus beschließt demgemäß. Es folgt die Beratung einer Reihe von Anträgen zur Milch. wirtschaft. Frau Ege( Soz.) begründet den sozialdemokrati schen Antrag. Die Landwirtschaft hat die Erwartung enttäuscht, daß fie bei Einführung der freien Wirtschaft die Säuglinge und die Unbemittelten zu erschwinglichen Breifen mit Milch versorgen würde. Wir müssen aber die Ernährung der Kinder sicherstellen, denn auf ihnen beruht unsere Boltstraft. Frau Chriftmann( U. Soz.): Man findet fast keine Kinder mehr, bie nicht unterernährt sind, besonders unter den Kindern in den Boltsschulen. Hier sollte zuerst Abhilfe geschaffen werden. Darauf vertagt sich das Haus auf Freitag 12 Uhr: Anträge und fleine Vorlagen. Schluß 6 Uhr. Breite Straße 8-9 Berlin C 2 Ausschneiden! Haupterpedition der„ Freiheit" An die Drucksache Marke 15 Big Theater und Bergnügungen Volksbühne 7%, Uhr: Male Mensch Neues Volkstheater Röpenicker Str. 68. 71 Uhr: 7 Uhr Residenz- Theater Olga Limburg, Kaiser- Titz in Der König Le roi) Trianon- Theater Täglich 7, Uhr: Tod und Teufel von Frank Wedekind. Der Schrei nach Ruhe Borher: Der Kammerfänger Staatstheater. Opernhaus Theater Circus Taraselli Bahnhof Friedrichstr. Heute 4 u. 8 U. Vorstellung L.T.L. Luisen- Theater- Lichtspiele Reichenberger Str.34 Aus Anlaß der einiſchen am Nollendorfplatz Eröffnung 1. Oktober Kulturwoche: 7 Uhr: Fidelio Schauspielhaus 71, Uhr: König Richard III Direktion: Max Reinhardt. Deutsches Theater 7 Uhr: Kean Kammerspiele 7% Uhr: Die Jungfern vom Bischofsberg 8 Uhr: Der Vetter aus Dingsda 73/4 Walhalla- Theater 7.30 Uhr: Die schöne Helena Casino- Theater 7. Großes Schauspielhaus Erzellenz Mare Karlstraße 7 Uhr: Die Räuber ( Außer Abonnement) Theater i. D. Königgräger Str.: 7.30 Uhr: Die Fahrt ins Blaue ( Gläßner, Richard, Engl, Bespermann, Stieda, Bildt) Komödienhaus: 8 Uhr: Bum 25. Male: Max Pallenberg Hans Waẞßmann Im neuen Burlesken- Schwank Jonnys Busenfreund Sonntag 3: Mittelarrest Theater a. Kottbus. Tor Tel.: Morigplay 16077 Täglich 7, Uhr und Sonntag nachm. 32. Blüthgen- Konzert Elite Sänger Borvk. 11-1, u. 4-6 VARIETE KABARET Behrenstraße 54. 8 Uhr: Berliner Theater: 11 Schlager Täglich 7.30 Uhr: Prinzessin Olala von Bernauer und Schanzer Musik von Jean Gilbert Hauptdarsteller: Frigi Maffary a. G. Betty Feiner, Herbert Kiper RalphArthur Roberts Wallner- Theater Täglich 7.30 Uhr: Nixchen Kleines Theater 18 Uhr: Carola Toelle in Fri. Josette meine Frau 8 r: Apollotheater hr: Friedrichstraße 218 Internationales Varieté- Programm Auslands- Sensationen Circus Busch Tgl. 7, Sonnt. auch 3 U. Am Sonntag Nachm. 3 Uhr ein Kind frei! Sämtl. Senfationen Bokf. Wertheim u. Circusk. 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Oktober 1921 vorm. 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus Große Matinee Programm: Orgelspiel, Rezitationen, Gesang, Russische Lieder, Russischer Tanz, Lebende Bilder, Ansprache, Massenchor Mitwirkende u. a.: Gertrud Eysoldt, Ernst Deutsch vom Deutschen Theater, und die Künstlerhilfe für Rußland Der Reinertrag dieser Veranstaltung ist für die hungernden Brüder und Schwestern Sowjetrußlands bestimmt. Karten zum Preise von 5.- Mk. sind zu haben im Sekretariat, Münzstr. 24 III; Arbeiterbuchhandlung, Annenstraße 1; Arbeiterbuchhandlung, Lichtenberg, Gürtelstr. 25; Jugendverlag, Schöneberg, Feurigstraße 63; Spedition Am Seepark, Wilmersdorf, Hindenburgstr. 34; Malikverlag, Kurfürstendamm 76; Buchhandl. Seehof& Co., Neue Schönhauser Str. 9; Zigarrengeschäft Schwelow, Pankow, Florastraße 38; Restaur. O. Marx, Oldenburger Str. 10; Zigarrengesch. Lohse, Puttbuser Str. 11; im 15, Bezirk: b. Schwarz, Baumschulenweg, Kiefholzstr. 256; in der Auskunft, Rosenthaler Str. 38, Hof Arbeiterinnen u. 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GREBLER, Weinbergsweg4, Bekanntmachung am Rosenthaler Piatz Der Fabrikbefizer Erich Kapinsky in Berlin- Weißenfee hat die Genehmigung zur Errichung eines Federhammers in seinem Fabrikraum auf dem Grundstück Langhansstraße 6 in Berlins Weißenfee beantragt. Eiwaige Einwendungen gegen diese Ans lage find bei dem unterzeichneten Stadtausschuß binnen 14 Tagen, Dom Tage nach der Beröffentlichung ab gerechnet, schriftlich in doppelter Ausfertigung oder zu Protokoll anzubringen. Nach Ablauf dieser Frift können Einwendungen nicht mehr erhoben werden. Beschreibung Zeichnungen der geplanten Anlage liegen in unferem Bureau, Karlshorst, TreskowsAllee 44, Bimmer Nr. 8, an den Geichäftstagen, in der Zeit von 9 bis 2 Uhr, während der oben bezeichneten Frift zur Einficht aus. Bur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Eins wendungen wird vor unserem Kommissar, Stadtfekretär Weigel, auf Mittwoch, den 19. Oktober 1921, vormittags 11 Uhr, in unferem Bureau ein Termin anberaumt, zu dem der Unternehmer sowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Eins wendungen vorgegangen wird. Berlin Karlshorst, den 27. Semptember 1921. Etadta sfchuß Berlin. Abteilung V. J. B. Dr. Graeffner. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes guten Baters, Chemigraphen Des Karl Plühr fagen wir allen Bers wandten, Freunden. Bes kannten und Kollegen sowie dem Wahlverein U. S. P. D., insbesondere Herrn Stimmig für die troftreichen Worte am Grabe unseres teuren Ents schlafenen, unseren herz lichsten Dank. Frau Anna Blühr nebst Kindern. Meinen Freunden und Genossen d.traurige Nachs richt, daß am 27. Sept., nach kurzem schweren Krankentager meine liebe Frau, unsere gute Mutter Else Dittbender geb. Lucas im Alter von 31 Jahren verstorben ist. Walter Dittbender Editt und Kurtchen Bl.- Wilm, Eisiebener Str.13 Die Einäscherung findet am Sonnabend, d. 1. Okt., nachm. 41, Uhr, im Kres matorium, Gerichtstraße, kleine Halle, ftatt. Küchenspind und-Tisch zu verkaufen( 200 M.) Schröder, Reichenberger Str. 99, S. 3 Tr. Am 28. September vers ftarb plöglich unerwartet am Herzschlag men ieber Mann, unser quter Bater, Schwiegervater u Großvater, der Restaurateur Albert Einfinger im 59. Lebens ahr. Dies zeigt tiefbetrübt an. Die trauernde Witwe Auguste Einfinger nebst Kindern. Die Beerdigung findet Sonnabend mittag 1 Uhr von der Leichenhalle des Ben ralfriedhofes, Fried richsfelde aus statt. USPD. 2.Distrikt. I. Abtg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe Albert Einfinger am 28. September vers storben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, d. 1.Dkt., mitt. 1 Uhr, Leichenhalle Friedrichsfelde, statt. Um bittet rege Beteiligung Der Vorstand. Am 28. September vers starb plöglich infolge Herzschlag unfer lieber Bater, der Zimmerer Wilhelm Schmidt Falkensteinstraße 21. Die Einäicherung findet am 3. Oktober, nachm. 21, Uhr im Krematorium, Baumschulenweg, statt. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen Wanzen Denticher Metallarbeiter Berband Sie in 1/2 Stunde Eckolda( D. Fachm. hers nur mit geftelt). 100 000 find zufriedengeftellt. Ueber den Erfolg werd. Sie ftaunen Verlangen Sienur Eckoldasta, Berfe, Effen. Zu haben in den Drogerien: Berlin N: Amann, Invalidenstr. 33; Humboldt Drog., Brunnenstr 99; H. Knappe, Reinickendorfer Str. 88; Kray, Reinickens dorfer Str. 119; H. Lange, Brunnenstr. 157; E. Lustig, Schönhauser Allee 86; NW:. Ockert, Waldens ferstr. 18; Drogenhaus Moabit, W. A. Born, Alts Moabit 45, gegenüb. Binzendorffir.; O: Andreas: Drog., Kleine Andreasstr. 12; Pietsch, Grüneberger Etr. 7; Glocken- Brog., Petersburger Str. 83, am Ba tenpl.; S: G. Lehrke, Kottbufer Damm 81/82; 9036 Drogens haus A. Guraffa, Graeßftr. 21; SW: E. 2. Weirich, Blücherstr. 1; Charlottenburg: Stephan: Drog., Wilmersdorfer Straße 155; Pankow: Georg Gorgs, Breite Straße 40; Schöneberg: Drogenhaus Oswald Schäfer, Akazienftr. 4; Steglit: Trogerie u. Pars fümerie Grap, Albrechtstr. 11; Tegel: H. Farchmin, Berliner Straße 93. Billige an Wald und Waffer gelegene Berwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienſtr. 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Am Sonnabend, den 1. Oktober, nachm.5 Uhr findet im Verbandshaus, Linienftr. 83-85, im Sigungsfaal, eine Sitzung der Delegierten zum Berbandsfag in Jena statt. Sämtliche Delegierte müffen zu dieser Sigung bestimmt erscheinen. Die Ortsverwaltung. Betriebsräte der kommunalen Betriebe und Verwaltungen Groß- Berlins Am Sonnabend, den 1. Oktober 1921, nachm. 4 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 14 15 großer Saal Barzellen in Heiligensee Bollversammlung bei Tegel. Sehr guter Boden. In jeder Größe. Anzahlung von M. 800 an. Günftige Abzahlung Auskunft: Terraingesellschaft Heiligensee, Berlin NW 6, Schiffbanerdamm 28. Tel.: Norden 716/ Jn Heiligensee im Bureau oder bei Lamprecht, Restaurant Rotkäppchen, Heiligensee, Kirschallee. Teilstr. d. Tegel Heiligens. Straßenb. Per sofort gesucht: Für unsere Abteilung. Kunstgewerbe tüchtige Verkäuferinnen Meldungen von 11-12 Uhr vormittags und 5-7 Uhr nachmittags Raufhaus.. Westens G. m. b. H. Berlin W50, Tauenzienstr. 21-24 Tagesordnung: 1. Der neue Organisationsplan für die Jndustriegruppe XII. 2. eie Aussprache. 3. Wahl der Bertreter zum Gruppenrat. Ausweis: Betriebsratsausweiskarte für Gr. XII und Mitgliedsa buch einer freigewerkschaftlichen Organisation. Ohne Ausweis kein Zutritt! Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale. Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer beitrag Erstmalig zu zahlen am Sonnaber den 1. Oktober, für die Woche vom 2. bis 8. Oktober. Der Gauvorstand. bettes beträgt nicht 8 M., fanbern 10 M. Zur bevorstehenden Wahlperiode empfehle den Genoffen und Distriktsvorständen den prima Kleister Blaktieren E. Rosemann, Berlin NO 55, Winsstraße 12 Fernsprecher: Königstadt( 319) Nebenanschluß. Graufüchse 350 außerdem großen Boſten Kreuzs füichse. Zobelfüchse, Silbers füchse, Prachteremplare, Riesenauswahl, fabelhaft billig Weinstein, Liebauer Straße 5 drei Minuten von Warschauer- Brüche 9 Speditionsveränderung Die Spedition Luck, Weißensee Langhansstr. 119, wird am 1. Oktober 1921 dem Genossen Natche, Weißensee Friedrichstr. 4, übertragen Fir. 457 Beilage zur„ Freiheit" Berliner Stadtverordnetenversammlung Die Erhöhung der Werkstarife vertagt Der Stadtverordnetenversammlung lag gestern zunächst bie Vorlage über die Erhöhung der Tarife für Gas und Elektrizität in Gestalt der Ausschußbeschlüsse vor. Die Unabhängige Fraftion beantragte die Rüd verweisung an den Ausschuß. Zur Begründung verwies Genosse Mie= liez darauf, daß insbesondere über die Rentabilität der Saswerke im Ausschuß feine ausreichenden Unterlagen vorgelegt worden seien. Ohne sie fönne man aber der Bevölke= rung feine Erhöhung der Gas- und Elektrizitätspreise zumuten. Die Notwendigkeit der Schaffung neuer Einnahmen für die Ausgaben durch Lohn- und Gehaltserhöhung erkenne die Unabhängige' Partei ohne weiteres an, jetzt aber handle es sich auch um das Maß der Erhöhung. Den Einwänden einiger bürgerlicher Redner und des Kämmerers gegenüber, daß dadurch eine Verschleppung und eine finanzielle Schädigung der Stadt eintreten würde, begegnete Genosse Herz mit dem Hinweis, daß niemand in der Bevölkerung es verstehen werde, wenn eine Erhöhung beschlossen wird, ohne daß der jetzige finanzielle Stand der Werke, die evtl. Ersparnisse, die Notwendigkeit dafür usw. eingehend geprüft worden sind. Die Unabhängige Partei wolle nur diese Prüfung. Sie denke nicht daran, die Sache zu verschleppen, sondern erwarte, daß der Ausschuß sofort zusammentrete, und daß bereits die nächste Stadtverordnetenversammlung dann endgültig entscheiden werde. Gegen die Stimmen der bürgerlichen Parteien wurde dann auch so beschlossen. Bei Besprechung der kommunistischen Anfrage über die Mißhandlungen von Demonstranten durch Schutzpolizisten anläßlich einer Arbeitslosendemonstration, kam es zu lebhaften Angriffen gegen Stadtrat Wege, der sich in seinen Ausführungen auf einen recht mangelhaften und unwahren Polizeibericht stützte. 3u heftigen Zusammenstößen mit den Bürgerlichen fam es bei der Beratung eines deutschnationalen antisemitischen Antrages. Sitzungsbericht Der Ausschuß zur Vorberatung der Deckungsfrage für die Erhö hung der Löhne der städtischen Arbeiter usw., hat der Versammlung seine in den Zeitungen schon bekanntgegebenen Beschlüsse unterbreitet. In einer sehr langen Geschäftsordnungs= debatte über die Frage, ob diese Beschlüsse des Ausschusses sofort zur Diskussion und Annahme gebracht werden sollen, vertritt Stadttämmerer Karding wiederholt den Standpunkt, daß die VerSammlung schon heute Beschluß fassen möge, damit der schon laut gewordenen Vermutung, daß wieder Ausgaben ohne Dedung beschlossen seien, verstumme. Dagegen erklären Stadtv. Mielik und Dr. Herh, daß das gar nicht beabsichtigt sei. Man wolle nur die Unterlagen haben zur Beurteilung der Erhöhung der Tarife, die dem Ausschuß nicht gegeben worden sind. Die auf Grund des Einspruchs der Aufsichtsbehörde abgeänderte Magistratsvorlage betr. die Erhebung der Wohnungslugusftener wird nach kurzen Bemerkungen der Stadtverordneten Dr. Herh ( USB.) und Leg( KPD.) angenommen. Es folgt die Beantwortung der Anfrage Gäbel und Genossen ( KPD.) betr. die Mihhandlungen Berliner Bürger usw. innerhalb des Rathauses. Stadtrat Wege schilderte die Vorgänge durch die Britle des Polizeiberichtes. Daß in dem Polizeibericht nichts von den Mißhandlungen einiger Bürger zu finden ist, ist eine Selbstver ständlichkeit. Nur von angeblichen Hezreden ist da die Rede und nur durch das ruhige Verhalten der Beamten feien ernstliche 3wischenfälle vermieden worden. Während seiner sonderbaren Berichterstattung wurde Stadtrat Wege wiederholt von der Linfen durch Zwischenrufe unterbrochen. Es wird Besprechung beantragt. Stadtv. Doerr( KPD.) führt aus, daß die Darstellung des Stadtrats Wege so viel Falsches enthalte, daß man jeden Satz widerlegen müßte.( 3uruf: Woher wissen Sie das?") Weilich dabei war!( Aha! und Hört, hört!) Ich wurde selbst von drei Polizeibeamten an den Kragen gepadt.( Heiterkeit!) Polizeipräsident Richter hat mir erklärt, daß er unter den ihm dargeleg Felsenbrunner Hof ( 81. Fortsetzung.) Von Anna Croissant- Rust ( Nachbruc verboten.) Die Dienstboten steckten natürlich die Köpfe zusammen, und sahen scheel nach ihr. Sowas war wirklich auf dem Felfenbrunner Hof noch nie dagewesen! Aber am Nachmittag war's schon wie ein stilles Einvers nehmen, ein Pakt zwischen dem Gesinde und der Frau; sie trotten ihm. Peter empfand das wohl, was ging ihn der Weiberstarrsinn an? Mochte sie tun, was sie nicht lassen konnte. Wenn er über seinen neuen Projekten saß und das Terrain abging, erwog, rechnete und überlegte, vergaß er, daß er eine Frau hatte. Nur, wenn sie ihm mit ihrem weißen, steinernen Gesicht gegenüber saß, erschien sin ihm schön und begehrenswert in ihrem Trotz und in ihrer Härte. Eine Woche lang hatte sie sich mit Knechten und Mägden herumgeschunden, ohne daß er dreingeredet hatte. Kätchen war von der Uebermüdung oft so schwach gewesen, daß sie sich kaum mehr hatte schleppen fönnen; endlich sah sie ein, was er schon lange eingesehen, daß das wilde Arbeiten für nichts gewesen, das Futterheu war und blieb verdorben. Der Großknecht meldete ihm das ganz zaghaft, blieb dann aber noch stehen und fügte bei:„ Herr, m'r haben de Dokder geholt." Den Doktor? Wer ist denn frank?" ,, Ei die Madam is frank." Beter ging sofort zu seiner Frau. Er war erregt und in böser Laune. Schöner Profit von dem unsinnigen Arbeiten," entfuhr es ihm. Ich will eine Frau und keine Magd, aber eine verständige Frau, mit der man sich beraten kann, die Verständnis zeigt." Sofort warf sich Kätchen gegen die Wand, daß Peter nur ihren zudenden Rücken und die zudenden Finger sah. Es schien ihm, als ob sie reden wollte; doch er wartete umsonst. Sie schwieg hartnädig, und er verließ geärgert ihr Zimmer. ,, Es steht nicht gut mit Ihrer Frau," bemerkte am Abend der alte Arzt, derselbe, der schon zu seiner Mutter gekommen; ste muß sich unsinnig überanstrengt haben; jetzt hat sie richtig ein Fieber weg, und in ihrem Zustande Was?" Stotterte Peter. " ten Umständen, daß nämlich kein Sturm auf das Rathaus beabsichtigt gemejen lei, bedaure. daß Stadtrat Wege die Polizei alarmiert habe.( Sört, hört! links.) Besonders hervorgetan hat sich bei der Brüstierung der Arbeitslosen und der mit ihnen verhandelnden Stadtverordneten ein rothaariger" Polizeioffizier. Der Magistrat habe kein Recht, solche durchaus friedlichen Bürger, die auf unsere Veranlassung im Rathaus erscheinen, zu vertreiben.( Lebhafte Zustimmung links.) Dr. Koelig( u. S. P.) erklärt als Augenzeuge der Borgänge im Rathause, daß der Polizeibericht erlogen und erstunten sei. Der Bericht enthalte tein wahres Wort, und, so fuhr der Redner fort, wenn der Polizeipräsident einen Zeugen dafür braucht, daß der Bericht nur Lügen enthält, so stelle ich mich zur Verfügung. Der außerordentlich jugendliche Polizeioffizier wütete wie ein Elefant im Porzellanladen und ist keineswegs für den Posten eines Polizeioffiziers geeignet, denn er provozierte die Demonstranten. Er hat die Polizisten gezwungen, die Demonstranten zu mißhandeln. Wie tommt eigentlich Stadtrat Wege dazu, wegen einiger Dugend Demonstranten die Polizei mobil zu machen? Er hat damit bewiesen, daß auch er nicht den Anforderungen seines Postens gewachsen ist. Zu einem meiner Parteifreunde, der ebenfalls von einer Sigung im Rathause tam, sagte der jugendliche Offizier, daß er ihn schon lange auf dem Kiefer habe. Wenn er nicht verschwinde, würde er ihn verhaften! Ich erkläre nochmals, daß der Bericht des Stadtrats Wege von Anfang bis zu Ende erlogen ist. Solche Szenen dürfen sich nicht wieder ereignen, und Stadtrat Wege hat so schnell wie möglich von seinem jezigen Posten zu verschwinden! Genosse Clajus und Genoffin Wengels( U. S. P.) unterstrichen und ergänzten die Ausführungen des Genossen Dr. Koelig in wirksamer Weise. Stadtrat Wege: Zum ersten Male sind bei einer Demonstration vor dem Rathaus Verhaftungen vorgekommen- ein Beweis, daß diese Leute nicht so harmlos waren. Auch Stadtv. Leupold( Komm.) greift Stadtv. Wege und die Polizei scharf an. Stadtv. Egner( Dt. Vp.): Jch hörte, wie Herr Leupold sagte: Wenn mir der„ Rothaarige" unter die Finger gefommen wäre, hätte ich ihn taltgemacht.( Hört! hört! rechts! Lärmende Zurufe links.) Eine Antisemiten- Debatte Es folgt die Behandlung des Antrages Lüdide und Ge= nossen( Dnat.) über den Zugang von Personen ohne Reichs. oder Staatsangehörigkeit in Berlin. Der Antrag wird durch Stadtv. Danide( Dnat.) begründet. Der Zustrom der Leute aus dem Often lasse nicht ab, sondern nehme noch immer zu. Diese Ostjuden gefährden auch vielen deutschen Arbeitern die Arbeitsmöglich: teit, ebenso sei doch die Seuchenfrage sehr brennend. Es sei dringend notwendig, daß der Magistrat nach dem Antrage Lüdicke Erhebungen darüber anstellt: 1. Wieviele Personen seit 1. April 1914, die die deutsche Reichs- oder preußische Staatsangehörigkeit nicht besigen, in Berlin zugezogen sind und Wohnung gefunden haben; 2. Wieviele von diesen aus Ost- Galizien und KongreßBolen stammen; 3. Wieviele deutsche Reichs- oder Staatsangehörige teine Wohnung gefunden haben und wieviele von diesen Flüchtlinge find. Dr. Koelitz( U. S. P.): Der ganze Antrag verfolgt einen anderen 3wed als den angegebenen. Lediglich antisemitische Tendenzen verfolgt er. Nicht nur Galizier treiben Schacher, sondern gerade in den Kreisen der Antragsteller figen die großen Schacherer und Schieber. Wenn der Borredner von einer gesteigerten Seuchengefahr redete( Pfarrer Koch: Die ganzen Juden find eine Seuche!), so hatte man früher während des Krieges teine Angst vor einer Seuche. Die Etappenschweine in Warschau und die Offiziere hinter der Front pflegten einen mehr als dienstlichen Vertehr mit jüdischen Mädchen. Let( K. P. D.) schließt sich den Ausführungen unferes Redners an. Stadtv. Czeminski( SPD.): Auch mir lehnen den Antrag ab, weil er eine offenkundige agitatorische antisemitische Tendenz hat. Wenn Sie glauben, damit bei der Wahr Erfolge zu erzielen, so irren Sie sich. Stadtv. Müller- Franken( Wirtsch. Bg.): Es handelt sich bei dem Antrag nicht um Juden und Nichtjuden. Man darf die Frage nicht auf ein falsches Geleise schieben. Stadtv. Kroepelin( D. Bp.): Zweifellos bestehe ein Krebsschaben, hervorgerufen durch fremde Elemente, denen entgegengetreten werden müsse. Ja, wissen Sie denn das nicht? Sie machen ja ein ganz sonderbares Gesicht! Wenn's gut geht, können Sie an Weihnachten ein Kindchen im Haus haben." " Ein Bub?" fragte Peter zaghaft und es war, wie wenn ihm Blut ins Gesicht geschüttet worden wäre. Ja, das weiß ich gerade nicht," lachte der alte weißhaarige Arzt, und sah sich den Felsenbrunner noch einmal an, den man einen falten und gefühllosen Kerl und einen Leuteschinder hieß. Schon lange hörte man das Geräusch des Wagens nicht mehr, und immer noch stand Peter auf demselben Fleck. Wie heiß und sonderbar ihm da drinnen war! Das war wie Furcht und Bangen, und dennoch ein großes brennendes Glüd, vor dem man den Atem anhalten mußte. Jetzt wollte er zu Kätchen! Er sprang die Treppen hinauf, er hatte die Klinke schon in der Hand, nein! Wenn sie ihm auch da trotte, wenn sie ihn für zu gering hielt, ihm das zu sagen Kein Wort war über ihre Lippen gekommen. Am Abend wurde er geholt. Das Fieber hatte sich verstärkt. Er setzte sich neben ihr Bett und hörte die irren und wirren Reden an. Wie eine andere erschien sie ihm; er sah scheu nach ihr, mit der ihn doch das innigste Geheimnis verband. Zärtlich und von Mitleid überwältigt, griff er nach ihrer Hand; er dachte an seine Mutter, an seine frühen Kindheitsjahre, die er oft in Angst und Sorge um ihr Wohl verbrachte. So vieles tam ihm, was er bis jetzt zurückgedrängt und vor sich verleugnet hatte, an dem er Kätchen nicht hatte teilnehmen lassen, er machte sich Vorwürfe, er hatte sie nicht wie seine Frau behandelt, sie hatte bei ihm Wärme und Liebe entbehrt. Erschüttert saß er nun an ihrem Bett und sah sie unter ihren unruhigen und quälenden Fieberträumen leiden. Ihre Not padte ihn. Daß sie so leiden mußte, und daß er so ängstlich mitlitt! Was war es denn Großes dieses Kind? Ob es einer Stallmago gehörte und einem Knecht oder ihnen? War das nicht gleich? Ein Kind wie ein anderes. So und so viele Kinder wurden geboren. Wie sonderbar, es war noch nicht da und schon rüttelte es alles auf in ihm, was schwach und rührselig war. Welche Torheit! Er fannte sich gar nicht mehr! Fort mit den Schwachheiten! Da hörte er Kätchen stöhnen und beugte sich leise über die Kranke. Er schickte die Pflegerin, die mit offenem Munde Schlief, weger will bei Rätchen bleiben. Mit einem Gemisch von Neugierde und Angst steht er in ihr mageres Gesicht! Wie schwach und Wie schwach und zart sie aussieht! Wird sie ihm den Sohn schenken? Mit fürchtendem Mitleid f Freitag, 30. September 1921 Ordnungsrufe Dr. Weinberg( USB.): Einem Prediger der christlichen Nächstenliebe, dem Pastor Roch, blieb es vorbehalten, die Juden als eine Seuche zu bezeichnen. Wir sind dem Vorsteher dankbar, daß er deswegen den Pastor Koch nicht zur Ordnung gerufen hat und betrachten dies als Zeichen dafür. daß er von feiner Seite des Hauses mehr ernst genommen wird. Vorsteher Dr. Wenl: Jch höre erst jetzt, daß Herr Koch von den Juden als eine Seuche gesprochen. Das bedeutet eine grobe Beleidigung einer großen Zahl unserer Mitbürger. Ich rufe dess wegen Herrn Koch zur Ordnung. Dr. Weinberg( USP.) fortfahrend: Wenn Herr Roch als Pres biger einer Religion, die von einem Juden begründet wurde, von den Juden als eine Seuche spricht, so charakterisiert er sich damit selbst als Hanswurst! Vorsteher Dr. Weyl: Hanswurst ist eine Beleidigung. Ich rufe hiermit Herrn Dr. Weinberg zur Ordaung! Stadto. Lewin( Dem.): Wir tönnen uns gewiß nicht der Erfenntnis verschließen, daß infolge der starten Zuwanderung die Bevölkerung in engen Räumen zusammengepfercht wird, und daß infolgedessen die Gefahr von Krankheiten entsteht. Die Begründung des Antrages zeigt seine tendenziösen Zwecke. Es ist nicht Aufgabe der einstweiligen Stadtverordnetenversammlung, diese Statistik zu machen. Das ist nicht dringlich. Wir können für den Antrag nicht stimmen. Stadtv. Lindeiner( Dnat.): Die Tendenz hat man in der Debatte erst in unseren Antrag hineingelegt. Es besteht eine Gefahr von Seuchen durch die Zuwanderung aus dem Osten, das hat der Bericht von Laporte festgestellt. Stadtv. Manasse( U. S. B.) bedauert, daß hundert Jahre nach Lessings Tode im Berliner Rathaus noch solche antisemitischen Reden geführt werden können. In seinem Schlußwort bemerkt Stadtv. Danide auf die Ausführungen der Redner der Linten: Was Sie als Antisemitismus ansehen, ist nichts als die Verteidigung deutscher Interessen. Wir wollen den Juden ihre Synagogen nicht nehmen, aber Sie wollen unsere Kinder aus der Kirche heraustreiben! Stadtv. Koch( Dnat.) erklärt, er habe nur gesagt, die Ostjuden seien eine Seuche( Ad. Hoffmann:„ Es gibt auch eine SchnapsSeuche." Heiterteit.); die Verallgemeinerung haben die Herren selbst gezogen. Er erkläre, daß er die Herren Löwenstein und Weinberg nicht als Seuche bezeichnet habe.( Große Heiterfeit.) Bei der Abstimmung wird der Antrag Lüdide abgelehnt. Ueber einen Antrag Lüdide u. Gen.( Dnat.), der die Beteiligung von Schultindern an einer fommunistischen Bersammlung betrifft, wird auf Antrag von Frau Stadtv. Riedger( Soz.) zur Tagesordnung übergegangen. Bei dem nächsten Antrag Antrag Gäbel( Komm.), der die Auflösung der Orgesch- und Selbstschußorganisationen in Berlin verlangt, macht Stadtv. Dr. Caspari( D. Vp.) dieselben Gründe für Uebergang zur Tagesordnung geltend. Die Mehrheit ist jedoch für Besprechung. Stadto. Leupold( kom.) weist nach, daß die Orgesch nur scheinbar aufgelöst ist, die Konterrevolutionäre vielmehr in zahlreichen Geheimorganisationen noch ihr Unwesen treiben. Unzählige Waffen befänden sich noch in den Händen von Bürgern der Deutschnationalen und der Volkspartei. Wenn Herren, wie Hindenburg, Ludendorff, v. d. Golz u. a. nichts Besseres zu tun wissen, als die Konterrevolution vorzubereiten, so müssen sie nach Naugard oder anderen festen Häusern gebracht werden, wo so viele Proletarier lange Strafen verbüßen, weil fie gegen die bestehende Regierung sich aufgelehnt haben. Mit eisernem Besen müsse dieser tonterrevolutionäre Unfug ausgekehrt werden. Stadtv. Dove( Dem.): Ich weiß gar nicht, was ich mit dem ganzen Vortrag anfangen soll. Diese Dinge gehören doch gar nicht hierher! STR Genosse Clajus( USP.) geht in längeren Ausführungen ben beutschnationalen Hezapoſtein und Waffenschiebern energisch a Leibe und weist zum Schlusse darauf hin, daß die deutsche Arbeiter schaft sich diese Treibereien nicht mehr gefallen läßt. Da die bürgerlichen Stadtverordneten fast alle den Saal vers lassen haben, fritt Beschlußunfähigkeit der Versammlung ein. Schluß 9.30 Uhr. Keine Erhöhung des Straßenbahntarifs Gegenüber der von einer Anzahl bürgerlicher Zeitungen ver breiteten Alarmnachricht, daß beschlossen sei, den Straßenbahntarif auf 1.30 Mart festzusehen, erklärt der Stadtverkehrsrat Dr. Adler: Diese Mitteilung ist völlig aus der Luft gegriffen. Der Beschluß des Magistrats bringt tlar zum Ausdruck, daß die Straßenbahn infolge der bei ihr in legter Zeit vorgenommenen Reorganisationen, die zu großen Ersparnissen und Kostenein schränkungen führten, in der Lage ist, sich selbst zu erhalten, horcht er auf ihre wirren Reden. Ach, ihr Gemurmel ist stets dasselbe. Das viele Geld, alles umsonst, alles verloren, alles vergeudet, für nichts, so viele Sorgen, fein Ende, feine, Ruhe" das folgte sich alles in jähen, fliehenden Worten. Auf einmal stutt er. Was war das? Ein Ruf:„ Rolf!" Und noch einmal sehnsüchtig: Rolf!" Mit einem Ausruf des Efels springt Peter auf. Also auch sie! " Pfui, sie beschmukte seinen Sohn! Er schleicht sich zerschlas gen, müde und angeefelt in sein 3immer, dessen offenes Fens fter im Morgenwinde ächzt. Ist ihm nicht ein Bau eingestürzt, den er allzu flüchtig und Sorglos aufgetürmt hat? Wozu soll er schaffen, wozu fieberhaft vorwärts hasten? Im Augenblick ist ihm alles gleich: Zukunft und Zukunftspläne, Ehrgeiz, Schaffen, Heimat, die alte Ruhelosigkeit zog bei ihm ein. Zum Teufel, sollte er etwa zu Haus versauern und verhoden, sich plagen und schinden wegen einer Frau, die nach einem andern schrie? Oder sollte er sich gar hinsetzen und flennen der paar verlorenen Groschen halber, wie sie es von ihm vollte? Das war nicht seine Art! Oder sollte er anfangen zu fnaufern für ein Kind, das ihn schon fnechten wollte, ehe es da war? Der ganze Bettel ließ ihn jetzt falt, war ihm verleidet, Heimat hin, Heimat her! Seine Zukunft war doch nicht auf den paar Nedern und Wiesen aufgebaut! Er ließ sich nicht einspinnen, nicht von dünnen und nicht von dicken Fäden! Seinethalben fonnte alles zugrund gehen, wenn er nur mit den Braunen sausend über Land fahren und dabei neue Pläne schmieden fonnte. Einmal nächtigte er im ersten Hotel und einmal in einer Bauernschente. Heute trant er Seft, und morgen vielleicht gemeinen Fusel, wie's ihm paßte. Heute zechte er allein, von einem feierlichen Oberfellner feierlich bedient, und morgen tanzte er in einer verräucherten Spelunte. Aber so wild er's auch trieb, es war immer ein fleiner Schatten neben ihm, den er nicht verjagen konnte, etwas uns greifbares, Neues, Fremdes, das ihn scheu und furchtsam machte. Er mochte es weglachen und wegtrinken, und wegs tanzen, es stand wieder neben ihm, ungreifbar, grau und still. Zulekt übertam ihn eine unbändige Sehnsucht naa Hause, wie wenn der fleine Schatten dort Gestalt annehmen müßte, er fonnte nicht schnell genug vorwärts, er fonnte nicht schnell genug heimfommen... ( Fortsetzung folgt.) und es daher nicht nötig hat, zu dem Mittel einer Fahrpreiserhöhung zu greifen. Wir hoffen, die Straßenbahn aber noch dahin zu bringen, daß sie darüber hinaus auch ein für die Stadt rentables Unternehmen darstellt, das heißt Ueberschüsse an die Stadtkasse abzuliefern in der Lage ist. Von einer Tariferhöhung tönnen wir also vorläu fig Abstand nehmen. Sie ist auch nicht für einen späteren Termin geplant. Freilich kann niemand in die Zukunft schauen. Wenn aber die Geldentwertung nicht weiter fortschreitet und wenn die Kosten des Materials sowie die der Löhne und Gehälter nicht weiter beträchtlich steigen, hoffen wir mit dem Marktarif auszutommen. Wir können augenblicklich alles Erforderliche glatt mit unsern Einnah= mendeden. Im Uebrigen wird der Betrieb der Straßenbahn noch weitere Verbesserungen erfahren." Diese Erklärung deckt sich mit den Beschlüssen der zuständigen Deputation. Die Deputation ist nach eingehender Prüfung der Unterlagen zu dem Ergebnis gekommen, daß eine Fahrpreiserhöhung nicht notwendig ist. Die behauptete Unrentabilität existiert nur als Wahllüge der Kommunalisierungsgegner. Es muß um die Sache der Bürgerlichen bei den bevorstehenden Wahlen doch überaus traurig stehen, sonst würden sie nicht schon jetzt mit solchen Wahllügen aufwarten. Nach den bisherigen Erfahrungen müßte man annehmen, daß sie mit solch plumpen Lügen, wie gewöhnlich in den letzten Tagen vor der Wahl herauskommen, wo dann eine genügende Aufklärung der Wähler nicht mehr möglich ist. Aber auch diese Manöver werden den Bürgerlichen nicht helfen, es wird ihnen nicht gelingen, Arbeiter, Angestellte und Beamte damit für ihre 3wede einzufangen. Die arbeitende Bevölkerung Berlins wird den bürgerlichen Parteien am 16. Ot= tober einen Denkzettel geben, der diesen für die Zufunft alle Lust nehmen wird, fernerhin der sozialistischen Aufbauarbeit Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Sand in die Augen In einem unter dieser Ueberschrift erscheinenden Artikel bespricht die Deutsche Tageszeitung" den Beschluß des städtischen Ausschusses, der die Deckung über die Lohnerhöhungen zu beschließen hatte. Das Blatt erklärt, daß dieser Beschluß alle Zusicherun gen sämtlicher Wettkonzerne in den Schatten stelle". Zum Schluß meint das Blatt, man wolle damit nur für den 16. Oktober eine Art Befähigungsnachweis erbringen. Die Deutsche Tageszeitung" ist also anscheinend der Meinung, daß dieser Antrag von den Sozialisten herrührt. Wir aber wollen den Herren verraten, daß er von der deutsch nationalen Fraktion stammt. Jit also somit auch die Voraussetzung des Blattes unrichtig, so ist doch völlig zutreffend die Ueberschrift des Artikels. Sand in die Augen: das ist das Leitmotiv der deutschnationalen Propaganda. Kriegsopfer heraus! Die gewaltige Teuerung hat die Not und das Elend der Opfer des Krieges ins Unermeßliche gesteigert. Ihre Lebenslage verschlechtert sich von Tag zu Tag in einer Weise, die alles bisher Erlebte übertrifft. Um einen Ausgleich herbeizuführen, stellten die Kriegsbeschädigtenorganisationen entsprechende Forderungen beim Reichsarbeitsministerium, um eine Aufbesserung der Renten, die seit Mai 1920 eine Erhöhung troh der wiederholten Teuerungswellen, die Deutschland durchzogen, nicht erfahren haben, zu erlangen. Die eingeleiteten Verhandlungen sind ergebnislos, ja als gescheitert anzusehen. Die Kriegsbeschädigten unter 50 Prozent sollen nach dem Vorschlag des Reichsarbeitsministeriums völlig leer ausgehen. Dadurch wird das Elend der Kriegsopfer immer düsterer, aber trok des Hungers und des Siechtums, denen der weitaus größte Teil der Kriegsopfer ausgesetzt ist, haben sie doch den Mut zur Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgegeben. Mit rührender Anspannung der letzten Kräftereste versuchten sie ehrlich minder hochzukommen, um dem Leben einen bescheidenen Sonnenein zu geben Durch die neue und gewaltige Teuerung ist uns auch der letzte Hoffnungsanter genommen und unsere Geduld ist eine Belastungsprobe unter Berücksichtigung der großen von uns bereits gebrachten Opfer zu ertragen, nicht mehr in der Lage. Um eine wirtschaftliche Sicherstellung zu erreichen, fordern wir euch deshalb auf, mit uns gemeinsam zu demonstrieren. Hört unsern Ruf! Kriegsopfer heraus! Zu der gemeinsamen Massenfundgebung aller Kriegsopfer am Sonntag, den 2. Oktober 1921, in der Schultheiß-, früher unionsbrauerei, Hasenheide 22/31, vor= mittags 9 Uhr. Der Aufmarsch der Massen der Kriegsopfer soll der Regierung zeigen, daß ihr alle einmütig zu unseren Forderungen steht. Kriegsopfer! Zeigt eure Macht! Euren Willen und eure Entschlossenheit! Folgt unserem Rufe und erscheint in Massen! Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen gez. Willi Lorenz. Internationaler Bund der Kriegsopfer gez. Reinhold Motes. Ausstellung von photographischen Bildern Der Verband der Lithographen, Steindruder u. verw. Berufe veranstaltet am Freitag, den 30. September, Sonnabend, den 1., und Sonntag, 2. Oktober, im Saal 3 des Gewerkschaftshauses eine Ausstellung von photographischen Bildnissen, welche ausschließlich von den in genanntem Verband organisierten Berufsarbeitern hergestellt sind. Die Ausstellung soll den 3wed haben, dem großen Publikum den Unterschied künstlerischer photographischer Aufnahmen gegenüber den allgemein gültigen photographishen Kitschbildern, wie sie heute den Markt beherrschen und dem Publikum von den verschiedenen Ateliers geboten werden, zu zeigen. Der Krieg mit seinen Folgen hat auch im Photographiegewerbe geradezu verheerende Wirkungen gezeitigt. Das Interesse an guten künstlerischen Aufnahmen wieder zu wecken, der geschmadlosen Bildaufnahme, wie sie vor 20 bis 30 Jahren den Markt be: herrschte und heute wieder start in Erscheinung tritt, entgegenzuarbeiten, soll Ausgabe der Ausstellung sein. Die Leitung der Ausstellung liegt in Händen beruflich vorgebildeter Fachleute und bietet Gewähr von guten und gediegenen Darbietungen der photographischen Kunst. Die Ausstellung ist geöffnet am Freitag von 5 bis 8 Uhr, am Sonnabend von 2 bis 8 Uhr und am Sonntag von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. Am Sonntag, den 2. Oktober, 11 Uhr vormittags, findet im Saale der Ausstellung ein Vortrag statt, in welchem Herr C. Dertel, Kunstphotograph, über die Kunst in der Photographie sprechen wird. Daran anschließend Besprechung der ausgestellten Bilder. Der Ehrenobermeister und sein Sohn Die bisherigen Ermittlungen in der Angelegenheit des Handwertstammerpräsidenten Rahardt haben ergeben, daß der Sohn des Verhafteten, E. Rahardt, an den Straftaten beteiligt ist. Er soll die Handwerkskammer um große Summen betrogen haben. Rahardt jun. soll geflüchtet sein. Während des Krieges war der junge Rahardt Direttor der Ver dingungsstelle bei der Handwerkstammer, er soll Gelder der Handwerkskammer zu Spekulationen benutt haben. Er spekulierte so unglücklich mit dem Gelde, daß er von den Geldern dem Konto der Handwertstammer nichts mehr zurückführen fonnte. Der ebenfalls verhaftete Sekretär Soffmann soll Kenntnis von diesen Verfehlungen gehabt haben; es heißt, daß er mit sehr erheblichen Schweige= geldern bestochen worden ist. Bisher sind Unterschlagungen festgestellt worden, die den Betrag von einer Million Mart überschreiten. Daneben ist man aber bereits auch anderen Verfehlungen auf die Spur gekommen. Eine Räuberbande verhaftet Der Schrecken der Umgebung des Schlesischen Bahnhofes war eine Räuberbande, die gestern und in der vergangenen Nacht unschädlich gemacht wurde. Es wurde festgestellt, daß fast Tag für Tag Leute, die zum Teil gar teine Anzeige erstattet haben, in der Madai, Breslauer- und Koppenstraße und auch in anderen Straßenzügen in der Nähe des Bahnhofes jogar am hellen Tage überfallen und ausgeplündert wurden. Die Ermittelungen ergaben, daß sich aus wohnungslosen jungen Burschen, die am Bahnhof herumzulungern pflegten, und Dirnen eine Räuberbande gebildet hatte, an deren Spize ein Frig Sczymala, ein schon berüchtigter Verbrecher, stand. Diese Bande postierte einen Teil ihrer Mitglieder auf irgendeinen Hausflur. Andere lockten dann durch Schwindelangebote Leute aus Berlin, die an oder auf dem Bahnhof zu tun hatten, oder Fremde, die aus den Vororten oder von weiterher nach Berlin tamen, nach diesen Flur. Oft waren auch die Dirnen diese Lockvögel. Einer dieser bedauernswerten Ueberfallenen hat einen dauernden schweren Schaden an feiner geistigen Gesundheit erlitten. Nachdem die Kriminalpolizei ermittelt hatte, daß die Bande besonders in einem Lokal in der Nähe des Bahnhofes zusammenzutommen pflegte, fielen dort gestern Beamte des Raubdezernats und der Streife BI plötzlich ein und überraschten den Bandenhäuptling mit drei Komplizen. Im Laufe der Nacht gelang es, noch weitere Mitglieder der Bande festzunehmen, so daß sie jetzt fast ganz hinter Schloß und Riegel sigt. Der Leichenfund bei Nikolassee. Die Verhaftung des Schlächters Robert 3intler, der nach der Aussage des Hausdieners Oberndorf die Leiche der Anna Wrobel zerstückelt und beseitigt haben sollte, hat rasch zu einer weiteren Aufklärung des geheimnisvollen Fundes geführt. Nach einem neuen Geständnis Oberndorfs ist Anna Wrobel nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern von ihm erschlagen worden. Heute morgen stellte Kriminalsekretär Gahmig die beiden Männer einander gegenüber. Jetzt gab Oberndorf sofort zu, daß der mitverhaftete 3intler mit der ganzen Sache nichts zu tun habe. Er befannte vielmehr, ganz allein gehandelt zu haben, ohne daß Zintler von den Vorgängen auch nur das geringste wußte. Er selbst zerstücelte die Leiche und machte aus den Teilen zehn Pakete. Nach diesem Geständnis Oberndorfs liegt also Totschlag vor. Der Schlächter 3intler wurde, nachdem Oberndorf die völlig haltlose schwere Beschuldi gung gegen ihn zurüdgenommen hatte, heute morgen sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. SPD. und Gewerkschaften Görlitz wirft auch seine Schatten auf das Verhältnis zwischen der rechtssozialistischen Partei und den freien Gewerkschaften. Auf dem Görliger Parteitag war ein Antrag gestellt worden, der die Mitglieder der S. P. D. verpflichten wollte, nur solchen Gewerks schaften als Mitglieder anzugehören, die sich dem A. D. G. B., der AfA oder dem Deutschen Beamtenbund anges schlossen haben. Dieser Antrag ist in Görlig abgelehnt worden, und diese Ablehnung erregt einiges Aufsehen. Der ,, Vorwärts" brachte in seiner Morgenausgabe vom Mittwoch einen Artikel über das Thema Partei und Gewerkschaften, der eine Auslegung des Görliger Beschlusses in dieser Frage darstellt. Er schreibt, daß der Parteitag den Antrag abgelehnt habe, weil sich die Grenze zwischen den eins zelnen Beamtenorganisationen noch nicht so scharf ziehen lasse. wie es wünschenswert wäre. Für alle Parteigenossen bestehe auf Grund des Mannheimer Beschlusses von 1906 nach wie vor die Verpflichtung, sich den Gewertschaften anzuschließen, die dem A. D. G. B. oder der AfA angehören. Die Partei stehe nach wie vor fest zu den freien Gewertjáaften. Der Bundesvorstand des A. D. 6. B. geht in einer Zuschrift an den„ Vorwärts" auf diesen Artikel ein. A. D. G. B. und AfA stünden. schreibt der Bundesvorstand, auf dem Standpunkt der Dreisäulentheorie. Darum tönne die Verpflichtung. fich den Gewerkschaften anzuschließen, die dem A. D. G. B. oder dem AfA- Bund angehören, nur den Arbeitern und Angestellten, Es set nicht aber den Beamten auferlegt werden. dringend erwünscht, daß gerade die Parteigenossen unter den Beamten sich den im Deutschen Beamten bund vereinig ten Organisationen anschließen. Soweit ist alles gut. Es war von vornherein zu erkennen, daß die Ablehnung des ermähnten Antrages in Görlik mit Rücksicht auf die Beamten erfolgt ist, die der S. P. D. angehören. Und diese Rücksicht war im Hinblick auf die zwischen den drei Spizenorganisationen schwebenden Kartellverhandlungen, die zur Verwirklichung jener Dreisäulentheorie führen sollen, immerhin erklärlich. Das ist auch der Grund. weshalb der Bundesvorstand des A. D. G. B. sich veranlaßt fühlt, den Görlitzer Beschluß ausdrücklich zu unterstreichen. Aber trotzdem tommt die S. P. D. durch diesen Beschluß und durch den Geist von Gö lih in eine etwas schief Lage auch in der Gewerkschaftsfrage. Gleichzeitig berichtet nämlich das Organ des Deutschen Eisenbahnerverbandes über einen seltsamen Vorgang. Der in Görlig abgelehnte Antrag ist von Salle gestellt worden. Nun gibt es rechtssozialistisch organisierte Eisenbahner und zwar Arbeiter die als Gewerkschaftsmitglieder dem im demokratischen Fahrwasser schwimmenden Allgemeinen Eisenbahnerverband angehören. Ihnen paßte der Antrag von Halle nicht, und sie haben sich, wie jetzt die Eisenbahnerstimme" das Organ des A. E. V., ausplaudert, bald nach dem Bekanntwerden des Antrages an den Hauptvorstand der S. P. D. gewandt, um von ihm eine Meinungsäußerung zu hören. Am 13. September 1921 hat der Hauptvorstand darauf folgendes geantwortet: „ Auf Ihre Zuschrift vom 6. September teilen wir Ihnen mit, daß unseres Erachtens der von Halle gestellte Antrag feiner= lei Aussicht auf Annahme hat. Der Parteivorstand ist jedenfalls gegen die Annahme des Antrages. Wir sind auch durchaus Ihrer Auffassung, daß ebenso, wie die Gewerkschaften nicht nach der politischen Zugehörigkeit ihrer Mitglieder fragen fönnen, auch wir diesen den Eintritt bzw. die Zugehörigkeit zur Partei nicht davon abhängig machen fönnen, daß das Mitglied einer bestimmten wirtschaftlichen Organisation angehört. Wir glauben, daß auch der Parteitag in seiner Mehrheit sich auf diesen Standpunkt stellen wird." Wir sind glücklich, daß wir nicht darüber zu entscheiden brauchen, ob dieser Brief noch mit der Mannheimer Gewerkschaftsresolution von 1906 in Einklang zu bringen ist. Die Eisenbahnerstimme", die unter dem Einfluß des demokratischen Abgeordneten Riedei steht, erklärt, sie sei in der erfreulichen Lage, mit diesem Schreiben einverstanden zu sein. Der in seiner Mehrheit aus Rechtslozialisten bestehende Vorstand des D. E. V. ist aber anscheinend anderer Auffassung. Der Deutsche Eisenbahner", das Organ des D. E. B., drudt den Brief ab, nimmt von der Genugtuung des Herrn Riedel Kenntnis, erinnert sich sehnsüchtig früherer Zeiten und ihres Verhältnisses zwischen Partei und Gewerkschaften und seufzt: Es war einmal Also etwas heitel ist die Situation doch. Sie zeigt außers dem, daß auch innerhalb des. D. G. B. noch einige Schwie rigteiten zu überwinden sein werden, bevor es zur Verwirtlichung der Dreisäulentheorie fommen fann. Obwohl auch wir das Zustandekommen des Dreibundes zwischen Arbeitern, Ans gestellten und Beamten für wünschenswert halten, möchten wir doch auf diese Schwierigkeiten von neuem aufmerksam machen. Wir haben den Eindruck, als ob der Bundesvorstand des A. D. G. B. bei seinem Versuch, den Dreibund herbeizuführen, doch Rücksicht nehmen müßte auf die Eisenbahner und auf einige andere Gewerkschaften, die sich zu den Organisationen des Beamtenbundes in einem ähnlichen Verhältnis befinden, wie der D. E. V. Es ist sehr taftvoll, wenn der M. D. G. B. den Beamten zart entgegentommt, aber er muß seine Tattif auch so einrichten, daß ihm nicht nachgesagt werden kann, er brüde alte Kampfgenossen dabei unsanft an die Wand. Billige ANGEBOTE Stoffhandschuhe 975 Damen- Trikotz Druckknöple.. Damen- Trikot la Qualität...... 1275 Damen- Schweden N. 1475 Damen- Schweden Nachahmung, mit farbigem Halblutter Nachahmung. ******* 1975 Lederhandschuhe Damen- Glacé 2 Druckknöple..3975 Damen- Glacé ganz gesleppl ganz gesteppt..4975 Damen- Glacé elegante Aujnahi 5975 Damen- Schweden gep6975 ganz gesteppt. curchgefärbt.. ganz Herren- Nappa 6975 Herren- Schwed. 6975 Lascher, besonders haltbar........ Herrenartikel larb., durchgeh. Oberhemden Perkal, mod. Streil, mil Klappmanscheller u. pess.Kragen 9250 Oberhemden aparte Streifen, scheffen u. passendem steifen Kragen 9850 Oberhemden Prima Perkal, mil Klappmanmil Klappman- 12500 Oberhemden weiss, prima schetten u. 2 passend. welchen Kragen Rumpistol. 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Mts. hat sich mit Ihrem Aufnahmegesuch eingehend befaßt und einer Aufnahme in denAFABund unter den folgenden Vorbehalten zugestimmt: 1. Voraussetzung für die Aufnahme der Lehrergewerkschaft in den AfA- Bund ist, daß dieselbe sich mit dem Bund der technischen Angestellten und Beamten, sowie mit dem Zentralverband der Angestellten über eine Abgrenzung der Organisa tions und Werbegebiete verständigt. 2. Wenn der Plan für die Bildung einer freigewert= schaftlichen Beamtenbewegung verwirklicht wird, so wäre die Freie Lehrergewerkschaft soweit es sich um die Vertretung der beamteten Lehrer handelt dieser neuen 3entrale anzugliedern. Wir bitten Sie, wegen des Punttes 1 sofort mit den Vorständen der beiden genannten Verbände in Verhandlun gen einzutreten und uns möglichst umgehend das Ergebnis der Verhandlungen mitzuteilen. Inzwischen ist viel Zeit verflossen. Die Lehrergewerkschaft gibt an, daß die im obigen Schreiben gestellten Bedingungen bes AFA- Vorstandes von ihr erfüllt worden sind. Am 27. September bekam nun die Lehrergewerkschaft vom AFA- Vorstand folgenden Brief: Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, daß es leider unmöglich ist, Ihren Antrage zu entsprechen. Der mit dem A. D. G. B. und uns getätigte Organisationsvertrag läßt die Möglichkeit nicht zu, Verbände aufzunehmen, die Beamte organisieren us." Wir können es verstehen, wenn die Lehrergewerkschaft über diese Verzögerung, bei der schließlich nur eine Ablehnung herausfam, unwillig ist. Aber auch der AfA- Bund ist in einer schwierigen Lage. Er ist an den Verhandlungen beteiligt, welche die drei Spizenorganisationen der Arbeiter-, Angestelltenund Beamtengewerkschaften zu einem Kartellverhältnis zusam menführen sollen. Darum fann er nicht in demselben Augenblic eine Gewerkschaft in den Kreis seiner Verbände aufnehmen, die vorwiegend Beamte organisiert. Der Beamtenbund würde ein folches Vorgehen als illoŋales Verhalten auffassen. Die Freie Lehrergewerkschaft wird ihren Anschlußantrag darum wohl etwas zurüdstellen müssen, bis deutlicher zu erkennen ist, wogin die Verhandlungen mit dem Beamtenbund schließlich führen. Sie Sollte den Versuch machen, die Verbindung mit dem AFA- Bund aufrecht zu eryaiten, und vom AfA- Bund erwarten wir ebenfalls, daß er Verständnis für die Situation der Freien Lehrergewertschaft zeigt, die sich aus vielerlei Gründen dem Deutschen Beamtenbund kaum wird anschließen wollen. Jedenfalls sind wir der Meinung, daß aufgeregte Artikel, wie die„ Rote Fahne" sie über diesen Vorfall bringt, der Angelegenheit nicht förderlich sind. Vielleicht kann aber der Vertretertag des AfA- Bundes, der/ in diesen Tagen in Düsseldorf stattfindet, die Angelegenheit ein Stüd vorwärts bringen. Bauarbeiter Am Sonntag, den 25. d. M., fand die Delegierten- Generalverfammlung des Bauarbeiterverbandes, Bezirksverein Berlin, statt, in welcher Kollege Thöns Bericht erstattete. Die Unternehmer verlangten die Zulassung von Affordarbeit und eine Erweiterung der Lohnspanne zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern, ein Begehren, das auf Grund der für die Vertragsperiode geltenden Tarife abgelehnt werden mußte. Nach langen Unterhandlungen gelang es, eine Lohnerhöhung von 1,50 M. pro Stunde für alle im Hoch- und Betonbau beschäftigten Arbeitergruppen zu erzielen. Durch vorstehende Lohnerhöhung kommen alle 3ulagen in Fortfall, die außerhalb des Tarifvertrages und ohne Genehmigung der Schlichtungskommission bisher gewährt worden sind, soweit der Wochenbetrag dieser Zulagen den Betrag von 70,50 M. nicht übersteigt. In den Fällen, in denen der Wochenbetrag der Zulagen größer ist als der Wochenbetrag der Lohnerhöhung, soll in Zukunft nur der 70,50 M. übersteigende Betrag fortgezahlt werden. auch der Verband der Baugeschäfte dem Lohnabkommen zustimmte, gilt diese Vereinbarung ab 23. September 1921. Für die Opfer der Explosionstatastrophe in Oppau bewilligte die Versammlung auf Vorschlag des Vereinsvorstandes aus Lokalmitteln 10 000 M. Zu stürmischen Auseinandersetzungen fam es, als der Versammlungsleiter über einen von kommunistischer Seite wiederholt eingebrachten Antrag, für die„ Rote Hilfe" aus Lotalmitteln ebenfalls 10 000 M. zu bewilligen, eine Abstimmung nicht zuließ.( Der Karlsruher Verbandstag hat ja bekanntlich beschlossen, daß politischen Parteien feine Ver= bandsgelder zugeführt werden dürfen. Dieser Beschluß hat seine Ursachen in der politischen Zersplitterung der Arbeitertlasse.) Diese Gelegenheit benützte Kollege W. Hoppe, die Geschäftsführung des Vereinsvorstandes zu tadeln, indem er auf eine am 13. September stattgefundene Sigung hinwies, über die die„ Rote Fahne" vom 28. 9. unter dem Titel: Sonderfonferenz im Bauarbeiterverband" in entstellter Form berichtet. Hoppe machte seinem Herzen weiter Luft, indem er öffentlich erklärte, daß der Vereinsvorstand mit den Unternehmern Hand in Hand über alle Maßnahmen, die gegen die Kommunisten unternommen werden, gemeinsam berate. Als der Vereinsvorsitzende diese lügenhaften Anpöbelungen zurüdweisen wollte, wurde er von den Radauhelden wiederholt unterbrochen und schließlich am Weiterreden verhindert, so daß sich der Versammlungsleiter veranlaßt sah, die Versammlung zu schließen. Hoppe, als Unberufener, ließ dann über die in der Roten Fahne" abgedruckte Entschließung von seinen Parteianhängern abstimmen. Dasselbe Schauspiel wurde dann am Montag, den 26. 9., in der BaudelegiertenVersammlung wiederholt. Ueber die Ursachen der am 13. d. M. stattgefundenen Sizung wird den Mitgliedern des Deutschen Bauarbeiterverbandes an anderer Stelle berichtet werden. Auf die anderen Behauptungen von' Kaiser einzugehen, erübrigt sich in Anbetracht der Qualität dieses Mannes. So erflärt er, man verhindere seine Beschäftigung bei den Berliner Unternehmern. Da ein großer Mangel an Bauarbeitern herrscht, hätte Kaiser längst Arbeit gefunden, die er aber anscheinend woher Kaiser das Geld für seine„, qualifizierte Arbeit" empfängt? Zentralverband der Glaser, Zahlstelle Berlin. Ab 26. 9. wird auf die bestehenden Löhne ein Zuschlag von 1,30 M. pro Stunde gezahlt. Der Mindeststundenlohn beträgt demnach 9,30 M. Wo dieser Lohn am Sonnabend nicht gezahlt wird, ist dies sofort auf dem Bureau zu melden. Montag, abends 7 Uhr, Vertrauensmännersigung bei Lehmann, Engelufer. Von der 40. Woche ab ist der Beitrag laut Versammlungsbeschluß auf 7 M. pro Woche festgesetzt. Die Vertrauensmänner werden ersucht, die alten Marken nur bis zur 39. Woche zu verwenden. AfA- Bund. Soeben ist im AfA- Bund der Nachtrag zu dem zwischen dem Arbeitgeberverband Groß- Berliner Wagen- und Karosseriefabriten e. V. einerseits und dem Allgemeinen freien Angestelltenbund, Ortskartell Groß- Berlin andererseits abge= schlossenen Tarifvertrag vom 1. August 1920 fertig gestellt worden. Es ist nunmehr der Tarifvertrag in dieser Industrie, einschließlich Nachtrag, zum Preise von 1,20 M. im AfABureau, Berlin SW. 61, Belle- Alliance- Str. 7-10 III, erhältlich. Internationale der Polizeibeamten. Nach Vorbesprechungen der Borstände verschiedener Polizeiorganisationen tam man überein, am 4. Oftober in Brüssel eine Zusammenkunft zu veranstalten, die den Zweck hat, eine Internationale der Polizeibeamten zu gründen. Zunächst sind drei Ententeländer und Holland beteiligt. Die Teilnahme der Deutschen konnte indes nicht erwirft werden. Musikinstrumentenarbeiter. Versammlung der Betriebsräte und Vertrauensleute aller Betriebe am Sonnabend, den 1. 10. 1921, nachmittags 2% Uhr, im Reichenberger Hof", Reichenberger Straße 147. Mitgliedsbuch, Vertrauensmännertarte legitimieren. Jeder Betrieb muß vertreten sein! Die Branchenleitung. U. S. P. D.- Buchdrucker, Bezirk 4( Osten). Sonnabend abend 7 Uhr bei Kirsch, Petersburger Straße( Baltenplay), wichtige BeSprechung. gat nicht fucht, und es wäre nur noch wissenswert, zu erfahren, 8. Internationaler Buchdruckerfongreß Schuhmacherstreif in Berlin? Mittwoch fand im englischen Hof eine Branchenversammlung der Berliner Schuhmacher statt, in der Kollege Schüler namens der Verhandlungskommission Bericht erstattete über die gestellten Forderungen an die Jnnungen. Die zugestandenen Löhne bleiben weit hinter dem Verlangten zurück, deshalb wurden diese Angebote abgelehnt und der Kampf zur Erringung anständiger Löhne in Erwägung gezogen. Vorerst soll noch der Schlich= tungsausschuß angerufen und in neue Verhandlun= gen mit den Unternehmern eingetreten werden. Es liegt nun an den beiden Faktoren, daß ein Kampf vermieden wird. Angestellte im Gastwirtsgewerbe Freitag, den 30. September, nachts 1 Uhr, sechs große Versammlungen in folgenden Lokalen: Karl Haberlands Festfäle, Neue Friedrichstr. 35; Arminhallen, KommandantenStraße 58; Neue Philharmonie, Köpenider Str. 96/97; ResidenzFestfäle, Landsberger Str. 31; Auguste- Viktoria- Säle, LutherStraße 31/32; Blüthner- Saal, Lüzowstr. 76. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Schiedsspruch über das Entlohnungssystem. 2. Bericht über den Stand der neuen Tarifverhandlungen. 3. Unsere Maßnahmen zu den angedrohten Aussperrungen. Kartell der im Gastwirtsgewerbe vertretenen Arbeitnehmerorganisationen. Angestellte in der Gesundheitsindustrie. Deffentliche Bersammlung aller in der Gesundheitsindustrie beschäftigten kaufmännischen und technischen Angestellten heute abend 7 Uhr im„ Alexandriner", Berlin, Alexandrinenstr. 3a. Tagesordnung: Die Arbeitgeber lehnen sachliche Verhandlungen über die geforderten Gehaltserhöhungen ab. Was nun? Wichtige Beschlüsse sind zu fassen. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Der Manteltarif durch den Magistrat gekündigt. Der Magistrat erläßt folgende Bekanntmachung: Nach Bildung der Einheitsgemeinde Berlin ist die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechtes und einheitlicher Tarifverträge eine zwingende Notwendig= feit geworden. Unstreitig bedürfen auch manche Bestimmungen des Arbeiter- Mantel- Tarifvertrages der Klärung und genaueren Fassung. Der Magistrat hat sich deshalb genötigt gesehen, diesen Mantel- Tarifvertrag vom 15. 6. 1920 zum 31. Dezember d. I. zu fündigen. Wächter. Die Angestellten der Wach- und Schließ- Gesellschaften befinden sich in einer Lohnbewegung. Am 27. d. M. hat der Schlichtungsausschuß zu der Frage Stellung genommen und ein Urteil gefällt, das den Wünschen der Wächter nicht entspricht. Um den Unternehmern zu zeigen, daß die Funktionäre und Belegschaften nicht um jeden Preis den Streif wollen, gingen sie_an Verhandlungen heran. Die Funktionäre haben nun beschlossen, dem Schiedsspruch zuzustimmen, der Lohnsätze von 1040 m. für Separatwächter, 1100 M. für Revierwächter vorsteht. Die Entscheidung liegt nun bei der am 1. Oktober stattfindenden Vollversammlung der Branche. Bemerken wollen wir noch, daß bereits drei Firmen, und zwar die Berliner Wachgesellschaft, Friedrichstraße 61, die Nachtwachgesellschaft Charlottenburg und die Wachgesellschaft Insp. Oberspree dem Schiedsspruch zugestimmt Ramens des Beseinsvorstandes empfahl Kollege Thöns die Annahme des Resultats. Nach einer lebhaften Diskussion Nach einer lebhaften Diskussion stimmte die Versammlung dem Lohnabkommen zu. Dahaben. Schäfer( Bern) referierte über die Frage der Preßfreiheit, und führte aus, daß die Buchdrucker für volle Breßfreiheit seien. Die herrschenden Klassen hätten immer verstanden, die Preßfreiheit zu ihren Zwecken zu handhaben. Nach einer lebhaften Diskussion wurde eine Resolution gegen 4 Stimmen angenommen, die sich auf den Boden der unbe= dingten Preßfreiheit stellt und sich entschieden gegen Zeitungsverbote wendet, aber zugleich erklärt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen einzuschreiten, wenn die Preßfreiheit als Mittel zur Unterdrückung mißbraucht würde. Am 4. Verhandlungstage standen die Gegenseitigkeitsverträge zur Tagesordnung. Es wurde eine einheitliche Reise-, Umzugs, Kranten, Invaliden, Witwen- und Waisenunterstützung gewünscht, jedoch fonnte sich der Kongreß für eine einheitliche Re gelung, wie sie besonders von Frankreich verlangt wurde, nicht entschließen. Der 5. Verhandlungstag brachte eine Aussprache über Industrieverbände. Es Referent war von der Wall( Holland). Er war der Auffassung, daß in dieser Frage fein rechter Grundsatz aufzustellen sei, denn es handele sich hierbei mehr um Tattit und Nüglichkeit. wurden fünf Grundsäge aufgestellt, nach welchen die Industrieverbände nur von taktischer Bedeutung sind und es nicht empfehlenswert sei ,,, die Gründung von Industrieverbänden künstlich zu fördern". Enge föderative Verbindungen sind anzustreben. Ueber die technische Entwidlung im graphischen Gewerbe referierte Klein Deutschland, der darauf hinwies, daß im Schoße der Zukunft zweifellos noch manche technische Ueberraschung für das graphische Gewerbe liege. Bei neuen Erfindungen müssen die arbeitslos gewordenen Arbeitsgenossen untergebracht werden. Hierauf wurde einstimmig Berdan zum Internationalen Sekretär gewählt. Der Sitz des Internationalen Bureaus bleibt Bern. @ Der Sekretariatstommiffion überwiesen wurde ein Antrag auf Schaffung eines internationalen Invaliden- oder Erholungsheimes. Nach einer Würdigung der geleisteten Arbeit und einem Ausblick in die Zukunft, jowie nach Worten des Dantes an die Wiener Kollegenschaft, durch den Präsidenten Schlumpf( Schweiz), fanden die vom besten Geist internationaler Solidarität geführten Verhandlungen ihren Abschluß. Erwähnt zu werden verdient noch, in welch herzlicher Weise Genossin Anna Grünwald als Leiterin der Kinderfürsorge den Vertretern der verschiedenen Länder dankte für die Aufnahme von Wiener Kindern. Die Wiener Kinder und Mütter würden diese internationale Solidarität niemals vergessen. Von besonderer Bedeutung ist auch noch das Faktum der erstmaligen offiziellen Einladung eines Arbeiterkongresses in das Wiener Rathaus durch den Genossen Bürgermeister Neumann. Die Reden auf dieser Empfangsfeier der Stadt Wien waren ein dringliche Manifestationen für den Sozialismus. Der deutschen Arbeiterschaft wurde besondere Anerkennung für ihre letzten machtvollen Demonstrationen zuteil. Nur Goldackers CENTRALE: BRUNNEN/ TR. 129/30. 25 FILIALEN. Pfund 285 Pfund 345 Roggenmehl........ Prima Weizenmehl..... Extra Weizenmehl. Kaffee frisch geröstet, Pfund 2200 2400 2600 2800 Auszugmehl..... Gerste gebrannt Marmelade reine Frucht... Billige Preise ind die berle Empfehlung für jede Hausfrau! wie Butter 1100 1300 1600 Pfund ** .. Pfund 375 Pfund 450 ... Pfund 370 Pfund 600 Margarine Bratfett...... ..... Pfund 1400 Schmalz reines Schweineschmalz, Pfund 1700 Weisse Bohnen...... Pfund 200 Viktoria- Erbsen...... Pfund 350 Grüne Erbsen....... Pfund 350 Tafelreis( feinster) Linsen Haferflocken Pfund 425 Pfund 600 .. Pfund 375 Heute kaufen Sie noch zu günstigen Preisen Darum räumen fie nicht! Arbeitersport Breie Turnerschaft Schöneberg- Berlin. Sonnabend Zusammenturnen der Altersriegen, Turnhalle Boedhstr. 17( Kottbuser Damm), 7% Uhr. Montag Sizung der Wiänner, Frauen- und Jugendturnwarte, Schule Niederwallstr. 12, 7% Uhr. Mittwoch Turnratsjigung Niederwallstr. 12, 7 Uhr. Fußball- Abteilung. Sonntag Wettspiel gegen Weißensee in Weißensee, Rennbahngelände. Bezirt Liten. Sonntag, Schauturnen der Knaben, Petersburger Str. 4, desgleichen der Blädchen, nachm. 3-5 Uhr. Bezirk Rorben. Wanderung beider Knaben- Abteilungen vom Freitag bis Montag nach dem Oberbruch. Abfahrt Donnerstag nachm. 5.15 Uhr vom Bahnhof Gesundbrunnen. Biesen Arbeiter- Wanderbund Naturfreunde". Wanderungen am 2. Oftober. Kremmen, Beezer See, Oranienburg. Abf. Sonntag vorm. 6 Uhr vom Stett. Vorortbahnhof( Welten umsteigen). Strausberg, Kaltberge, Erfner. Abf. Sonntag vorm. 6.25 Uhr vom Schlesischen Bahnhof. Großbeesten, Dubrow. Abf. Sonntag vorm. 6.35 Uhr vom Görliger Bororibahnhof( Königswusterhausen umsteigen). Belzig, Springrummet, Wiesenburg. Abf. Sonnabend abend 11.09 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße. Belten, Krämer, Brieselang, Fintenkrug. Abf. Sonntag vorm. 6 Uhr vom Stettiner Bor= ortbahnhof. Durch den Krämer Forst. Abf. Sonntag vorm. 6.30 Uhr vom Bahnhof Beuffelstraße( Gesundbrunnen umsteigen) nach Belten. Birkenwerder, Oranienburg. Abf. Sonntag vorm. 6.15 Uhr vom Bahnhof Reukölln. thal, Bucowsee, Klosterfelde. Abf. Sonntag vorm. 5.22 Uhr vom Bahnhof Franks jurter Allee. Bernau, Blögensee. Treffpunkt Sonnabend abend 5.30 Uhr, Bahnhof Schmargendorf. Werder, Kloster Lehnin. Abf. Sonntag früh 6 Uhr vom Bahnhof Großgörschenstraße. Strausberg, Annatal. Treffpunkt Sonntag vorm. 5.30 Uhr, Bahnhof Baumschulenweg. Kinderwanderungen. Staaten, Döberig. Treffpunkt Sonntag früh 6.30 Uhr, Nettelbedplatz und Bahnhof Gesundbrunnen. Hoppegarten, Strausberg. Treffpunft Sonntag früh 7 Uhr, Bahnhof Steglig. Birkenwerder, Mühlenbederfee. Abf. Sonntag früh 6.30 Uhr vom Bahnhof Schmargendorf bzw. Bahnhof Beusselstraße( Gesundbrunnen um Steigen). Arbeiter- Rabf.- Bund Solidarität“. Touren zum Sonntag, den 2. Oftober. 1. Abt.: Summt. Start 1 Uhr, Bülowstr. 58. 2. Abt.: Zescher See. Start 7 Uhr. Nachm. Streifzüge durch den Süden. Endziel Mariendorf, Kurfürstenstr. 44. Start 1 Uhr, Planufer 63. 3. Abt.: Birkenwerder( Japan.). Start 8 und 1 Uhr, Laufizer Blaz ( Kirche). 4. Abt.; Müggelberge. Start 8 Uhr. Nachm. Hirschgarten. Start 1 Uhr. 5. Abt.: Liepnissee. Start 7 Uhr. Nachm. Bernau( Salzmann). Start 1 Uhr, Comtureiplak. 6. Abt.: Streifzüge durch den Norden. Endziel Birken werder Japan.). Start 7 und 12 Uhr. 7. Abt.: Bernau( Salzmann). Start 12 Uhr. Coloniestr. 147. 8. Abt.: Gofener Berge. Start 6 Uhr. Nachm. Grünau ( Waldschänke), 1 Uhr, Waldstr. 8. 10. Abt.: Streifzüge durch den Grunewald. Endziel Spandau( Tivoli). Start 7 Uhr. Nachm. ebenda. Start 1 Uhr, Comeniųsplag. 11. Abt.: Wensidendorf. Start 7 Uhr. Nachm. Zühlsdorf. Wenn Sie im Start 1 Uhr, Seeftr. 101. Ortsgruppe Neuföln: Echnikeljagd Rörbistrug, 8 Uhr, Richardplay. Ortsgruppe Weißensee: Klein- Machnow. Start 8 Uhr, Berliner Allee 251. Ortsgruppe Charlottenburg: Wannsee( Fürstenhof). Start 1 1hr, Galvanistraße, Birnbaum. Woltersdorfer Schleuse. Ortsgruppe Lichtenberg: Start 8 Uhr, Lofal Scholz. Ortsgruppe Spandau: Nowawes. Statt 12 Uhr, Schützenhaus. Ortsgruppe Pantom, Niederschönhausen: Schönroalde bei Alöpfer, 8 Uhr, Floraftr. 24. Ortsgruppe Reinidendorf: Waidmannslukt, Schweizergartex, Fuchsjagd. Start 2 Uhr, Rest. Muster. Arbeiter- Radf.- Berein Groß- Berlin. 2. Oftober, früh 6 Uhr, Sohengolm bei Baruth. Nachm. 1½ Uhr Lichtenrade bei Stieler, Dorfstr. 10. Am nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr, veranstaltet die Berliner SchwimmUnion" in dem Städt. Hallenbad, An d. Schillingbrüde, ihr diesjähriges Schwimmfelt. Da u. a. 11 der größten Arbeiter Schwimmvereine ihre besten Kräfte zu entfender beabsichtigen, so find diesmal ganz besonders interessante sportliche Rämpfe zu erwarten. Turnverein Fichte", 6. Männerabteilung. Sonnabend, bex 1. Oftober 25. Stiftungsfest im Deutschen Hof, Ludauer Straße. Schachspieler. Sonntag, den 2. Ottober, vorm. 10 Uhr, Neuföün, Donauftr. 105, bei Gütig, Bortrag: Einführung in den Geist der praktischen Partie unter bes sonderer Berüdfichtigung von Kombinations- und Positionsspiel. Eintritt frei. Parteiveranstaltungen Freitag, 30. September Tempelhof. 7 Uhr Flugblattverbreitung bei Schlembach, Berliner-, Ede Ordenss meisterstraße. Diftritt Spandau. Die Gruppenführer und die Vertrauensleute der Betriebe holen die Flugblätter Freitag und Sonnabend abend von Kohlschmidt ab. Lichtenberg. Abends 8 Uhr öffentliche Wählerversammlung der Gewerbetreibenden in der Aula der Gemeindeschule Rronprinzenstraße. Sonnabend, 1. Oftober 12. Diftritt. Alle Genojfinnex treffen sich 7½ Uhr zur Gesangsübungsstunde bei Klimpel, Dunderstr. 83. Charlottenburg. Die Abteilungsführer werdex erfuht, bis 6 Uhr die Flugblätter von der Spedition Köhnte abzuholen. Sonntag, 2. Oftober 15. Berwaltungsbezirt, Abt. Treptow. Schreibgewandte Gensfen und Seifer treffen sich zum Abschreiben der Wählerlistex pünfflich 8 Uhr vorm. im Rathaus ( Wahlbureau). 3. Diftrift( Berlin- Mitte). Flugblattverbreitung. Alle Genossen haben sich au beteiligen. Abzuholen von Dams, Schlegelftr. 19. Roten Schuhkeller kaufen! gehen Sie der allenthalben eingesetzten Preissteigerung aus dem Wege. Mein enormes Lager und große Auswahl, speziell in kräftiger Ware, kommt Ihnen jetzt zu gut. Nachstehende Artikel sind sämtlich erprobte Sachen, welche weiter mit geringem Nutzen, solange Vorrat, abgegeben werden. Post.kräft.Kinderstiefel 22/26 33 Pa. Schnürschuhe u. Stiefel Post.kräft.Kinderstiefel 38 für ält. Frauen, m. fl.Abs., in versch. 125. 110 Als Spezialität: 27/30 br. u. schw. Kinderstiefel ( für Reißteufel), 31/35... Mk. Schw. Lein.- Spangenschuhe Form. u. Lederarten, 37743, Mk. Damen- Hochschaftstiefel 75 Rindbox, Strapazierstiefel, 36/42 Mk. 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Abends 6 Uhr allgemeine Versammlung der Gruppe Dungfutscher bei& eyfara, Melchiorstr. 15. Bericht von der legt statt gefundenex Berhandlung über die neue Lohnforderung. Sonntag, 2. Oftober Reichs- Bund der Kriegsbeschädigter, Kriegsteilnehmer und Ariegshinterbliebes xex, Ortsgruppe Groß- Berlin, Begirt 3( Süd- Ost). Vorm. 9 Uhr Protest- Bers Abends Sammlung in der Unionsbrauerei. Treffpunft 8 Uhr, Rottbuser Tor. 7 Uhr Bunter Abend" in der Aula des Leibniz- Gymnasiums, Mariannenplag. Eintritt 2,50 M. Internationaler Band, Gruppe„ Süden". Treffpunkt zur Demonstrations- Vers Jammlung am Rottbuser Tor, 8% Uhr. Abmarich 8% Uhr. Kriegsopfer Neuföllns. Vorm. 9 Uhr große Demonstrationsversammlung in der UnionsBrauerei, Hasenheide. Geschäftliches Die Kleiberwerte Baer Sohr, alleinige Verkaufstelle in Berlin, Chauffee ftraße 29-30, warnen davor, Sachen einzukaufen, die nicht unbedingt notwendig find. Durch den Einkauf überflüssiger Gegenstände tritt Warenmangel und Breis teuerung ein. 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