Einzelpreis 40 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montags mur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freie Buitellung ins Haus und burch die Boft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Boltbezug nehmen jämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen file Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelg biet iowie die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luremburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.-. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9 Connabend, 1. Oktober 1921 Nummer 459 Morgen- Ausgabr Die neungeipaltere Ronnare llegeile oder deren Nanm kostet 6,- M. ein chließlich 27. edes weitere Snfera: ensteuer. Kleine Anzeigen: Das etgedruckte Wort Paufendi Anzeigen faut Tarts. So 1,50 m. einschlieblich 3nicratensteuer. Romilien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m netto pro Berle. Stellen- Gesuche ia Wort- Anzeigen: bas ettgedruckte Wort 1,50 M. edes weitere Wort 1.- 2. Fernsprecher: Jentrum 152 30-152 32 greiheit. Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der Erzbergermord- ein 3rrium Die unschuldigen Deutschnationalen- Dittmanns Abrechnung- Wirth gegen Hergt Der deutsche Reichstag zeigt immer wieder als seine 1 besondere Eigenschaft, daß er politischen Entscheidungen ausmeicht und sich dafür lieber rüdschauenden Betrach tungen hingibt. Auch dieses Mal wiederholte sich diefer Vorgang. Als der Kampf gegen die nationalistische Reaktion auf seinen Höhepunkt stand, da hatte sich das Barlament selbst ausgeschaltet. Die Entwidlung ist nunmehr zu einem gewissen Abschluß gekommen. Der Görliger Beschluß der rechtssozialistischen Partei hat es vorläufig verhindert, daß die Bewegung der Arbeiterschaft die Erfolge ergab, die ihrem Stärkegrade entsprochen hätten. Wie die Dinge sich in der nächsten Zukunft gestalten werden, liegt noch im Ungewissen. So war es erklärlich, daß die gestrige Debatte im Reichstag einen vornehmlich parteipoliti Ichen Charakter trug und in einer gründlichen Abrechnung mit den reaktionärsten aller Parteien, mit den Deutsch nationalen gipfelte. Der Redner der deutschnationalen Fraftion, Herr Dr. Sergt, spielte sich als das Unschuldslamm auf. Die Deutschnationalen sollen etwas gegen die Verfassung der Republit haben? I wo, erklärte der deutschnationale Parteiführer, wir stehen völlig auf verfassungsmäßigem Boden. Die Deutschnationalen sollen zur Ermordung von politischen Gegnern aufgefordert haben? Ach nein, so hörte man, das waren nicht wir, sondern die Leute von ,, ultra rechts". Die Deutschnationalen sollen die einzelnen Teile der Bevölkerung gegeneinander aufgeputscht haben? Aber woher denn, so erzählte Hergt, wir waren noch immer die Partei der Bers föhnungspolitit. Und so tam er schließlich zu dem Ergeb nis, daß mit dem„ Irrtum der letzten fünf Wochen" endlich Schluß gemacht werden müsse, damit die Basis für eine gemeinsame Arbeit gefunden werden könne. Es war begreiflich, daß die Rede mit allgemeiner Heiterfeit aufgenommen wurde. Herr Hergt hatte einmal von Fechterkunststücken des Reichskanzlers gesprochen. Die deutschnationale Rede ist aber doch sehr gelinde gekennzeichnet, wenn man sie eine Aneinanderreihung von Klopffech= terkunft ftüden nennt. Unser Genosse Dittmann, der die Anträge der unabhängigen Fraktion begründete, stellte das bei Beginn seiner Rede fest. Er zeigte an zahlreichen Einzelheiten aus der früheren wie aus der jüngsten Bergangenheit, wie es in Wahrheit um die Harmlosigkeit der Deutschnationalen bestellt ist. Es nüße ihnen nichts, wenn sie jetzt ihre Hände in Unschuld waschen. Die deutschnationale Partei sei verantwortlich für die schlimmste Erscheinung auf dem politis schen Gebiet, für den politischen Meuchelmord, der deutschnationalen Heze müsse die intellektuelle Urheberschaft auch für die Ermordung Erzbergers zugeschrieben werden. Dittmann führte dafür eine Fülle von Beweisen an. Es genüge aber nicht, die deutschnationale Partei zu bekämpfen, fondern es müsse mit der Reaktion auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Schluß gemacht werden. Wie das zu geschehen hat, das zeige der von der unabhängigen Fraktion eingebrachte Gesezentwurf zur Republifanisierung der Verwaltung und der Justiz. Jeder Verfuch, so schloß Dittmann feine vortreffliche Rede, das frühere Regime wieder aufzus richten, wird an dem geschlossenen Widerstand, an der Einigkeit der Arbeiterklasse scheitern. Der Reichstanzler befand sich insofern in einer ungüntigen Situation, als er sich damit begnügen mußte, die moralische Hinrichtung der deutschnationalen Partei zum Abschluß zu bringen. Durch den Koalitionsbeschluß des Görliger Barteitages ist seiner bisherigen Politit das Rüdgrat gebrochen und er mußte sich deshalb versagen, ein Programm für die nächste Zukunft aufzustellen. Denn wer will heute voraussagen, wie sich das Schicksal des jetzigen Reichskanzlers gestalten wird, wenn erst nach dem Willen der rechtssozialistiichen Parteiführer die Stinnesleute in die Regierungsfoalition aufgenommen sind. Innerhalb der ihm so gesteckten Grenzen führte er gegen die deutschnationalen Schädlinge eine scharfe Klinge. Besonderen Eindrud machte die Feststellung, daß Herr Hergt eine von ihm selbst nachgesuchte vertrauliche Besprechung mit dem Reichstanzler zu einem hinterhältigen Angriff auf ihn ausnute. Versuch eines parlamentarischen Meuchelmordes ist dem deutschnationalen Parteiführer nicht geglüdt. Herr Dr. Wirth zahlte ihm zwar nicht mit gleicher Münze heim, aber seine Abrechnung war so gründlich und so deutlich, daß die politische Laufbahn des Herrn Dr. Hergt von dieser Stunde ab eigentlich beendet sein müßte. Dieser Mann ist jedoch an der eigenen Lächerlich leit nicht zugrunde gegangen, ihm wird deshalb auch die Schamlosigfeit feines Han belns feinen Abbruch tun. Der Von ehrlichem demokratischen Willen zeugte die Verteidigung der Maßnahmen der Regierung gegen die Reaktion. Die große Bewegung vom 31. August müsse aus der psycholo gischen Stimmung der Massen heraus verstanden werden. Glaube die Rechte, daß eine zweite revolutionäre Bewegung ebenso ausgehen werde wie die erste? Wo ist an diesem Tage auch nur eine einzige Gewalttat geschehen? Gegen die Verbreitung nationalistischer oder tommunistischer Ideen werde die Regierung nicht einschreiten, aber sie werde jeden Appell an die Gewalt mit wirksamen Mitteln bekämpf n. Diesem Zwede sollen die Vorlagen zum Schutze der Republik dienen, die in den nächsten Tagen den gesetzgebenden Körperschaften zur Beratung unterbreitet werden. Der Reichskanzler machte dann noch einige Mitteilungen über die nationalistischen Geheimorganis fationen, von deren Bestehen die Deffentlichkeit vor einigen Tagen bereits durch die badische Regierung unterrichtet worden ist. Die schlimmsten Herde dieser Verschwörerbanden befinden sich in Schlesien und in Bayern. Es solle der Versuch unternommen werden, einen neuen KappButsch zu beginnen. Die Regierung sei über die Pläne genau unterrichtet, fie habe Vorsorge dafür getroffen, daß ihre Durchführung verhindert und die führenden Personen ding fest gemacht werden würden. Hoffentlich macht die Just iz der Reichsregierung feinen Strich durch ihre Rechnung. Noch laufen ja die Hauptbeteiligten vom Märzputsch unbehelligt herum, und das Verfahren gegen Herrn von Jagow soll zwar jetzt endlich durchgeführt werden, aber der Mann erfreut sich noch heute der goldenen Freiheit und irgendein märkisches Gut gewährt ihm eine sichere Unterkunft. Die Rebe des Herrn Dr. Wirth war zwar gegen die deutschnationale Partei gerichtet, aber sie traf ebenso die Politit ihrer Nachbarin zur Linken, der Deutschen Volks= partei. Denn wenn deren Ausdrudsformen auch nicht ben gleichen Charakter tragen, so verfolgt sie im Grunde ge nommen das gleiche 3iel, die Wiederherstellung des alten Regimes, verstärkt durch die besondere Begünstigung des Besitzes. Man mußte sich unwillkürlich fragen, ob eine Koalition, die die Stinnespartei zu ihren Mitgliedern einen zählt, dem Reichstanzler gestattet hätte, So Scharfen Ton gegen die Reaktion anzuschlagen. Dieses Gefühl hatte wohl auch Abgeordneter Scheidemann als Redner der Rech ssozialisten. Bei allem rhetorischen Geschid flang aus seinen Ausführungen die Unsicherheit und die 3wiespäitigkeit der Lage heraus, in die sich die rechtsLozialistische Partei durch ihren Görlitzer Beschluß hineinmanövriert hat. Eine Anspielung auf die tommende Verbindung mit den Stinnesleuten fonnte man aus dem Beginn der Rede heraushören; man sollte, so meinte Scheidemann, jetzt den Versuch unternehmen, entspannend und entwirrend zu wirken und eine große Mehrheit für die künftige Politit des Reiches firden. Wir und mit uns eine große Anzahl der eigenen Anhänger Scheidemanns glauben, daß die rechtssozialistische Partei diesen Versuch mit der Jolierung von den großen Massen des arbeitenden Volkes ertaufen wird. So scharf Scheidemann auch gegen die Deutschnationalen auftrat, so mußte seine Rede ohne nachhaltige Wirkung bleiben, weil er sich hüten mußte, den fünftigen Bundesgenossen, die Deutsche Volkspartei, die nicht weniger schuldig ist als die Deutschnationale Partei, allzuhart an zupaden. Nachdem ein Bertagungsantrag angenommen war. gab es noch ein Nachspiel von persönlichen Bemerkungen. Herr Dr. Selfferich fühlte sich von einem Angriff Scheidemanns bitter gefränft; nicht er sei der intellektuelle Urheber politijdher Morde, sondern umgekehrt habe man es auf feine werte Person abgesehen. Scheidemann antwortete ihm gebührend, ebenso der Reichskanzler. Sitzungsbericht 3nterpellation der USPD. betr. Durchfreuzung der republikanischen Politik Mit der Beratung dieser Interpellation werden verbunden: Die Beratung über den Gejezentwurf der U. S. P. zum Schuhe der Republik sowie der Antrag der Deutschnationalen betr. Alujhebung der Verordnung des Reichspräsiden en vom 29. August 1921, ferner die Beratung über den auf denselben Zwed gerichte ten Antrag unserer Frattion, und weiter die Beratung über den Antrag unserer Fraktion betr. Die Außerkraftschung der von der bayrischen Regierung getreffenen Maßnahmen. Abg. Hergt( Dinl.): Der Reichstanzler hat sehr oft von Versöhnung gesprochen. Im selben Augenblid aber den Feuerbrand ins Land geschleudert. Wäre es der Regierung Ernst gewesen mit der Versöhnung, so hätte sie vor den Reichstag treten müssen und fag: n: Wir haben es uns übernommen, wir wollen Garantien übernehmen, daß die Bestrafung der Ausüber von Attentate gegen die ordnungsliebenden Reichsangehörigen schnellstens und strengstens durchgeführt wird. Wir sind immer eine Bartei der Versöhnungspolitit gewesen( Stürm. Seiterkeit). Wir haben unseren Antrag erst gestellt, als der Reichstanzler erklärt hatte, daß er die gegen uns gerichtete Politit fortfehen wolle. Die Verordnung des Reichspräsidenten wirfte wie ein Aufruf zur Begehung von Gewalttaten und die authentische Interpretation ließ auch gar keinen Zweifel darüber, daß die Verordnung gedacht war als ein 3wangs und Machtmittel gegen die Rechten. Man muß sehr weit zurückgreifen. ehe man im alten Regime auf solche Ausnahmegesekgebung stößt. Jeder, der sich an einem Mors beteiligt het, schlicht sich damit ohne weiteres aus der Deutschnationalen Partei aus.( Stürmische ironische Zurufe.) Wir verwahren uns dagegen. daß man irgendwelche Kreise, die ultrarechts. also noch weiter rechts wie wir stehen uns an die Rockschöße hängt.( 3urufe: Gibt es das auch noch!) Wenn man von Norddeutschland nach Bayern fommt, fallen einem die baneri dje Werbitnisie als Erbnur sverhältnife in die Augen.( Große Heiterteit links.) Der Kanzler ist am wenigs sten das gemelen was er sein sollte nämlich Heidstanzler. Der Reichstanzler ist herabgestiegen von der Tribüne, ist herabgestiegen in die Arena, herabgestiegen zum politischen Kämpfer. Er ist ein guter Kämrfer aber das fommt nicht in Betracht. Er sollte über den Parteien als oberster Leiter des Reiches stehen; dann wäre er ein Kanzler von Deutsa land gen orden! So ist er nur zum deutschen Reichstanzler für das Ausland gemo den. Darum ende ich in den Ruf: Macht Echirß mit dem Irrium dieser letten fünf Wochen, um eine Basis zu ermögli, en, auf der das deutsche Bolt wieder gesundet! Abg. Dittmann( USP.) Der Herr Abgeordnete Hergt hat hier sehr viel gesagt, mit dem ich nicht einverstanden bin. Aber ein Wort fat er nefntochen, das ich restlos unterstreiche:„ Nur feine Fechterkunsstädchen!" Damit hat Herr Hergt sein eigenes Duftreten am besten selbst charakterisiert. Es waren Fechterkunststückchen, die er hier aufs geführt hat, und er wird selbst nicht glauben. daß auch nur einer in diesem Hause außer seinen politischen Freunden ihn ernst genommen hat Sie müssen doch gestehen, daß Sie nur ges zwungenermaßen als erster Redner in dieser Debatte das Wort genommen haben. Man hat Herrn Hergt erst in diese Rolle hineinführen müssen, denn er hatte sich bis zum heutigen Tage in der Rolle des zusammengefugelten Zaunigels gefallen, der sich im Hintergrund halten wollte, und der verlangte, daß der Reichss fanzler als erfer das Wort ergriffe. Erst als dieser das abs lehnte, hat er sich dazu bequemen müssen. nun seinerseits als erster Redner zu sprechen. Es war auch ein Fechterkunststüden, die Deutsc nationale Volkspartei als Klub der Harmlosen hins zustellen. Ich muß gestehen, daß es mit eine sehr große Befriedis gung war, auch endlich einmal von den Deutschnationalen zu hören, daß Ausnahmemaßnahmen schlechte Mahnahmen sind. Allerdings höre ich es erst jetzt, da sich zum ersten Male ein Ausnahmezustand gegen rechts richtet, da zum ersten Male die Deutschnationalen die Wirkungen des Ausnahmezustandes am eigenen Leibe verfrürt haben. Da sind sie auf einmal von Freunden des Ausnahmezustandes zu Feinden desselben geworden. Wir wissen doch alle, was wir von den Bersicherungen der Deutschs nationalen über ihre Harmlosigkeit und Loyalität zu halten haben. Wir wissen doch aus der Geschichte. daß herrschende Klaffen niemals freiwillig auf Privilegien und Rechte verzichtet haben, daß sie um ihre Erhaltung gekämpft vnd gefochten haben. Wie sollten sich da die Junter und Militaristen, die brutalsten Repräsentanten dieses Enstems, anders verhalten haben? Der Kapp- Butsch hat uns doch ihr Bestreben deutlich gezeigt. Seit delen Mißlingen haben sie nicht etwa refigniert, im Gegenteil. Sie wollen die Republit nicht hochlommen lassen. Jm offenen Kampf fönnen sie dieses Ziel nicht erreichen. dess halb betreiben sie den Sturz der Republik im Dunkeln und scheuen das Licht. Sie haben fortgefett Banden organisiert zu dem 3wed, um fie als Stoßtrupps für reaktionäre Butsche zu vers wenden. Waffenlager find angelegt, und so im Dunkeln rüstet die Deutschnationale Voltspartei zum offenen Bürgerkrieg. Ihr Zentrum haben sie nach Bayern verlegt. Ehrhardt und Bauer sitzen seit Jahr und Tag in München, spinnen die Fäden über Deutschland weit hinaus bis nach Ungarn, die ungarischen Zustände sind doch das deal, das sie für Deutschs land verwirklichen wollen. Bon alledem wissen natürlich die Herren von der Deutschnationalen Volksrartei nichts, rein gar nichts. Sie sind entrüstet, wenn man sagt, daß sie mit den Butschiften unter einer Dede steden. h will nur erinnern an die Rolle, die Hergt bei dem Kapp- Putsch gespielt hat.( 3uruf Hergt: Sie war ganz einwandfrei!) Ich will zeigen, wie einwandfrei fie mar. Am 13. März saate Sergt, Kapp und Lüttwig sind zum Aeuß rsten entschlossen, sie werden vor nichts zurückschreden. Die Deutschnationale Boltspartei hat mit diesem Butich und seinen Borbereitungen direkt nichts zu tun. Wir werden die Teilnehmer an diesem Putsch sogar veranlassen, formell ihren Austritt aus der Partei zu erklären. Kapp und Lüttwig haben die Macht und werden sie voraussichtlich behal ten. Wir müssen nun auf dieser neuen Grundlage weiterarbeiten. 14 Tage später sagte er:„ Wir haben von dem Putsch nicht die geringste Kenntnis gehabt. Die sogenannte Kappregierung war unmöglich. Davon sind wir überzeugt gewesen dieser Ueberzeu gung haben wir immer Ausdrud gegeben." Jch überlasse es dem Sause 1.16st, aus diesem Verhalten des Herrn Herat Schlußfolge rungen zu ziehen, und überlasse es ruch dem Hause davon cuf seine heutige Rede zu flißn. Wir glauben ion, tak die Buts schisten automatisch aus der Partei ausgeschlossen worden sind, die geistige und politische Mentalität ist aber ganz di selbe bei den Deutschnationalen, wie bei ben putschistischen Verschwörerbans ben. Sergi aber lagt: 3 wasche meine Sände in Unschuld". Die deutschnationale Bartei ist auch verantwortlich für die| schlimmste Erscheinung der lezten Jahre auf dem politischen Gebiet, für den politischen Meuchelmord. Es Das ist das schlimmste Extrem der deutschnationalen Politit. Durch maßlose Heze in der Presse, in Versammlungen, die die politischen Gegner persönlich aufs gemeinste schmähen, wird die Atmosphäre und das Milieu geschaffen, aus dem heraus gedungene Bravos die Untaten ausführen. Die deutschnationale Seze ist nachweis: bar die intellektuelle Urheberschaft auch des vorläufig legten Meuchelmordes, des Mordes an Erzberger, gewesen. Helfferich und Westarp haben ein Reifeltreiben gegen Erzberger losgelassen, das wohl beispiellos ist. Die deutschnationale Presse ist nicht müde geworden, persönliche Stimmungsmacherei gegen ihn zu treiben. Am 16. April hat das Organ der Deutschnationalen, die„ Deutsche Tageszeitung". geschrieben: wäre besser, wenn Erzberger das Zeitliche gesegnet hätte. In der deutschnationalen Bresse tlangen durch alle Mystit, in die fie diese Aufforderung zu fleiden wußte, doch die Worte durch:„ Der täte ein gutes Werk, der den um die Ecke bringt!" Wie gegen Erzberger, so ist man auch mit gemeinen Schmähungen gegen Wirth vorgegangen. Und da stellt sich Hergt hier hin und sagt, wir haben nichts zu tun mit dem Erzberger- Mord, wir bebauern ihn. 3ur Rechten: Sie sind verantwortlich für diesen Mord. Am 27. August wagt dasselbe Blaft, die„ Deutsche Tageszeitung", zu schreiben: Wir haben den Kampf gegen Erzberger nur mit geistigen Waffen geführt. Wir bedauern diesen Mord. Das sind wirkliche Krokodilstränen. Ein Volkspar= teiler hat nach einer bis jetzt unwidersprochenen Meldung auf dem Parteitag gefagt, er fönne der Deutschnationalen Boltspartei den Vorwurf nicht ersparen, daß sie durch ihre Heze eine Atmosphäre geschaffen haben, aus der der Mord an Erzberger entstanden sei. Der Mordplan ist in München ausgehedt worden und von dort ist er auch ausgeführt. Die Deutschnationalen haben Jubelhymnen auf das Kahr- Bayern gesungen, auf die idealen urdeutschen Zustände. Die Jubelhymnen brauchen uns nicht zu wundern, denn Herr von Kahr war ja die bayerisch- mastierte Marionette der Stocpreußen. Boehner hatte eine geradezu rigorose Fremdentontrolle eingeführt, teine Maus wurde nach München hineingelassen, die die Polizei nicht tannte. Und da will Boehner nichts von der Mordorganisation in München gewußt haben? Rach rechts drückte er eben beide Augen zu, alle Ausnahmemaßnahmen richteten sich gegen lints, richteten sich gegen uns. Garcis, der hinter die Schliche der Polizei gekommen war, wurde ermordet. Die deutschnationale Mörderclique fonnte ungestört weiter Opfer weiter wirtschaften, bis das zweite Erzberger wurde. Deshalb find Kahr und Boehner mitschuldig an der Hehe, find Kahr und Boehner mitjchuldig an der Ermordung Erzbergers. Der Artikel im„ Miesbacher An zeiger" war das Signal zum Mord in Griesbach. Schon im Heberwachungsausschuß habe ich es gesagt: Bon Miesbach nach Griesbach führt eine gerade Linie. Auch dort habe ich schon betont, daß in München eine deutschnationale Mörderclique lak. Die Abgeordneten Hergt und Westarp haben damals den Entrüsteten gespielt und sind hinausgelaufen, genau so wie sie es jetzt hier auch wieder gemacht haben. Wenn es darauf antommt, die Wahrheit zu hören, da reißen sie aus. Dann verfahren sie wie 1918 beim großen Zusammenbruch. Es ist bezeichnend, daß die Mörder, über die Poehner seine Schützende Hand hielt, gewarnt wurden und entfliehen tonnten. Es ist auch bezeichnend, daß die Mörder nicht gleich ins Ausland Das flohen, sondern nach München zurüdtehrten. heißt, daß fie fich dort sicher fühlten wie in Abrahams Schoß. Es ist gut tonservative Tradition, was wir jetzt an persönlicher Hege Das Kejjelgegen führende Politiker der Linten erlebt haben. treiben gegen Gradnauer und Wirth zeigt flar, daß diese beiden Minister die nächsten Opfer auf der deutschnationalen Mörderliste find. daß 13 Morde von links, dagegen 314 Morde von rechts begangen worden sind Während gegen die Mörder von rechts so gut wie nichts unternommen wurde, beging man bei dem Vorgehen gegen links vielfach bewußte Rechtsbeugung. Ich erinnere Sie nur an das Wüten der Sondergerichte nach dem Märzputsch. Ich erinnere weiter an Jagow, der als stedbrieflich verfolgter Hochverräter seit eineinhalb Jahren frei herumläuft. Demgegenüber steht die deutschnationale Justiz gegen den unabhängigen bayerischen Abgeordneten Fischer. Wir verlangen die Beseitigung der Unabjezbarkeit der Richter und Wahl der Richter durch das Volt. Wenn die deutschnationalen Treiber in Zukunft damit rechnen müssen, daß sie ihr Tun auch zu verantworten haben, wird ihnen selbst bald das Herz in die Hosen rutschen. Die Reichsregierung aber muß sich flar darüber sein, daß sie keine republikanische und feine demokratische Politik treiben fann, wenn sie nicht endlich. darangeht, in allen Stellen Remedur zu schaffen. Wir haben einen Gesezentwurf eingebracht, als ersten Schritt auf dem Wege zur Republikanisierung der Verwaltung und der Justiz. Wir verlangen, daß die Strafjustiz den Berufsrichtern abge= nommen und Geschworenen überwiesen wird. Wir sind schärfste Gegner der Anwendung von Ausnahmemaßnahmen, wie sie durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August und neuerdings vom 28. September festgesetzt sind. Wir sehen darin Wir fein geeignetes Mittel zur Bekämpfung der Reattion. lehnen alle Ausnahmemaßnahmen grundsäglich ab und verlangen gesegliche Regelung. Republik und Demokratie als geschichtliche Durchgangsform zur flaffenlosen sozialistischen Gcjellschaft werden nur geschützt durch die arbeitenden Boltsmassen. Sie müssen auf der Wacht sein und die Reaktion niederhalten wie beim Kapp- Putsch und nach der Ermordung Erzbergers. Sie haben am 31. August der Reaktion einen heilsamen Schreden eingejagt, haben bewiesen, daß das Proletariat famrfbereit ist und bleibt. Auch die Reichsregierung muß sich darüber klar sein, daß sie sich in erster Linie auf das Proletariat stüzen muß. Sie findet teinen Rüd halt, dessen sie bedarf, bei den geschworenen Feinden der Arbeiterschaft, der Schwerindustrie, den Stinnes Rapitalisten. Sie muß sich auch gesagt sein lassen, in demselben Augenblic, wo sie um die Unterstützung dieser Kreise wirbt, verwirkt sie das Vertrauen der Arbeiterklasse. Erlahmt die Reichsregierung, so werden die Massen ohne die Regierung, und wenn es sein muß, gegen die Regierung den Kampf gegen die Reaktion fortjejen. Die Revolution hat Monarchie- und Obrigkeitsstaat fortgefegt. Jeder Versuch( nach rechts) von Ihnen, ihn wiederaufzurichten, wird auch in Zukunft auf den geschlossenen Widerstand des Proletariats stoßen. Die Einheit des Proletariats ist der Fels, an bem bie Reaktion zerschellt.( Lebhafter Beifall bei den Unabhängigen.) Reichsfanzler Dr. Birth Die ganze heutige Situation ist nur als ein Rüdzug der Reichsregierung bezeichnet worden, als eine Art Schamade. Ich bin dankbar für diese Kennzeichnung der Situation. Es ist gewiß richtig, baß eine sogenannte politische Schlacht, daß ein Konflikt, der zweifellos große Gefahren in sich geborgen hat, abgeschlossen ift. Die bayrische Frage ist zum Abschluß getom= men, was in weiten Kreisen Deutschlands sicher mit großer Befriedigung aufgenommen worden ist.( 3uftimmung.) Die Verhandlung mit der bayrischen Regierung, daß Sierherkommen des Grafen Lerchenfeld, für das ich aufrichtig dankbar bin. die lebendige Fühlungnahme, hat in so furzer Zeit zu einem positiven friedlichen Ergebnis geführt, daß ich nur wünschen kann, daß diese Pragis in Zukunft eingehalten werden möge.( Beifall.) Der Bes lagerungszustand ist seit einigen Wochen in Preußen trog Der von einigen Seiten gehegten Befürchtungen aufgehoben. ohne das Schwierigteiten entstanden sind.( Beifall.) Nun fragt es fich, wie es mit dem bayrischen Belagerungszustand werden soll. Der Reichstag hat bereits zweimal damals noch mit Mehrheit das Fortbestehen des Ausnahmezustandes in Bayern gebilligt. Es war aber nicht zu erkennen, daß die Majorität für den Belagerungszustand in diesem Hohen Sause im Abnehmen begriffen war, und es war zweifellos, daß in der dritten Abstimmung hier in diesem Hause der Belagerungszustand unbedingt fallen mußte. Darum war es die pflichtgemäße Aufgabe der Reichsregierung, ehe es hier zu einer Abstimmung tommen tonnte und tommen mußte, mit der bayrischen Regierung Verbindung zu suchen, um den AusFeiger, jämmerlicher und kläglicher hat noch nie eine herrschende Relasse sich nach ihrem Sturz benommen. Jegt aber machen die Deutschnationalen nicht sich Jelber, sondern diejenigen ver antwortlich, die damals die Zügel in die Hand nehmen mußten, um zu retten, was zu retten war. Jezt scheuen sie sich nicht, den Waffenstillstand, den Friedensvertrag, alles Folgen der deutsch nationalen Kriegspolitit, als Ursachen unseres heutigen Elends hinzustellen. Die Männer und Parteien, die den deutschnationalen Konkurs liquidieren mußten, werden jezt von den Deutsch- nahmezustand, der nach der Reichsverfassung fein dauernder Zunationalen mit ingrimmigem Saß verfolgt. Es ist ein großes Bersäumnis der parlamentarischen Regierungen, die wir seit zwei Jahren in Deutschland gehabt haben, daß sie der deutschnationalen Lügenpropaganda nicht planmäßig und großzügig entgegengetreten find. Nur dadurch hat die deutschnationale Boltsvergiftung so großen Umfang annehmen fönnen. Warum greift die Reichsregierung nicht zu den Mitteln der Boltsaufklärung, wie es in allen parlamentarischen Ländern, besonders in Frankreich, geübt wird? Warum läßt sie nicht mit diesen Mittein die deutschnationalen Lügenmäuler stopfen? Damit wäre der deutsch nationalen Hehe und Demagogie der Boden entzogen, die polis tische Atmosphäre gereinigt. Jeber weiß, daß Ludendorff es war, der Hals über Kopf den sofortigen Waffenstilstand forderte. Und es weiß jedes Kind, daß Hindenburg es war, der von Erzberger verlangt hat, den Waffenstilstand abzuschließen, ganz gleich, wie er ausfalle. Allein jene Männer sind verantwortlich für diesen WaffenStillstand. Sie tragen die politische Verantwortung, die zum Wann endlich wird die Waffenstillstand getrieben hat. Reichsregierung mit dieser Lüge aufräumen und die LudendorffAlle diese Verbrecher gehören vor den Ligenmäuler stopfen? Staatsgerichtshof, fie gehören ins Zuchthaus. Es zeigt sich immer wieder, wie beim Kapp- Butsch, daß die Reichsregierung sich heute nicht stützen fann auf Behörden, Schutzpolizei, Reichswehr und Richter, die die Schützer des Staates sein sollten. Gegen rechts ist dieser ganze gewaltige Schugapparat nicht in Bewegung zu jezen, während er sich gegen links bei dem Teisesten Drud sofort in Tätigkeit befindet. Alle diese Stellen empfangen ihre politischen Direktiven nicht vom Reichstanzler oder von dem Ressortminister, sondern von außerhalb, von den deutschnationalen Feinden der offiziellen Politit der Reichss regierung. Diese Kreise in den Behörden betreiben offen und geheim reaktionäre Machenschaften und sabotieren die Politit des Reskanzlers. Und sie werden unterstützt von einem großen Teil ber pensionierten höheren Beamten und Militärs. Diese Leute Scheuen sich nicht, ohne Gegenleistung von derselben Republit sich ernähren zu lassen, gegen deren Bolitit fie fortgesekt wühlen. Deshalb muß hier der Hebel angesetzt werden zum Schuße der Republik. Die Reichswehr muß gesäubert werden von den monarchistischen Offizieren. In der Reichswehr fönnen nur zuverlässige Republikaner Offiziere sein, sonst wird sie, wie beim Kapp- Butsch, eines schönen Tages die Reichsregierung wieder im Stich lassen. In den Ministerien und Behörden siken in leitenden Stellen vielfach Leute, die hinterhältig die Politit der Regierung durch freuzen, so wie jener Liebermann in Breslau, der gegen die Orgesch vorgehen sollte und in Wirklichkeit mit ihr unter einer Dede stedte. In dieses Kapitel gehört auch das Kahr Regiment in Bayern. Mit dem Rücktritt der Kahr, Roth und Boehner ist die deutschnationale Best aus dem bayerischen Beamtentörper noch nicht ausgebrannt. Deshalb wollen wir, daß ber bayerische Ausnahmezustand sofort aufgehoben werde, und nicht erst in 14 Tagen. Es zeigt sich ja bereits, daß die deutschnationalen Verschwörer das Kompromiß allmählich benugen, um die Aften über ihre Schandtaten zu beseitigen. Deshalb soll der Reichstag sofort den Ausnahmezustand aufheben nub die Mün chener Verbrecher faltstellen. Die schlimmsten Orgien erlebten wir auf dem Gebiete der Justiz, Behörden und Richterschaft. In dem Buche von Dr. Gumbel 3wei Jahre Mord" tönnen Sie nachlesen, stand sein kann, zu beseitigen.( 3uftimmung.) Wir haben ein Kompromißgeschlossen. Es ist als ein Rückzug bezeichnet worden. Aber ein fluger Rüdzug, der zur 3ufrie benheit führt, ist doch noch besser, als eine vers lorene Schlacht, die alles vernichtet.( Bewegung.) Das war mir in den Verhandlungen mit den Vertretern Bayerns nicht die Hauptsache, daß wir nun ingendwie der bayrischen Regierung Schwierigteiten bereiten wollten; sondern darauf tam es uns an, daß wir gewisse Quellen politischer Brunnenvergiftung in Deutschland allmählich zum Versiegen bringen.( Sehr richtig!) Ich habe von der bayrischen Regierung, wie von Vertretern der Parteien das Versprechen bekommen, daß gebrochen werden son, mit dem, was bisher teilweise üblich gemejen ist. Und wenn es nun heute hier heißt:„ Wir treten den Rüdzug an..., meine Herren, ganz andere haben den Rüdzug angetre= fen.( Sehr richtig!) Ueberlassen wir den Gesundungsprozeß, bez im Süden des Reiches begonnen hat, der Bevölkerung selbst, ohne Ausnahmebestimmungen. Es handelt sich doch um folgendes: In allen Städten Deutschs lands, insbesondere in Berlin, segten sich große Arbeiter= massen in Bewegung zu den größten Demonstrationen, die unser Bolt je gesehen hat. Blind mußte da jeder sein, der nicht merfie, bas aus pinchologischen Stimmungen heraus eine große Bewegung einsetzte.( Widerspruch rechts.) Eine solche Bewegung mußte in ruhiges politisches Fahrwasser geleitet werden, zu einer frieblichen Demonstration gestaltet werden. Wo im deutschen Lande ist in den Tagen nach der Ermordung Erzbergers eine Gewalttat er= folgt? Der Abg. Hergt hat ausgeführt, auf dem Parteitag, den er an besonderer Stelle leitete, fei fein unfachliches Wort gefallen. Er hat mir geraten, ja recht vorsichtig mit meinen Aeußerungen zu sein. Ich werde in Zukunft in jedem Gespräch mit Ihnen sehr vorsichtig sein. Für den Gedanken nationaler Tradition habe ich volles Verständnis. Eind aber die Gedenktage, find die Kundgebungen an diesen Gedenktagen so geleitet werden von den Führern, daß fie unsere außenpolitische Lage nicht gefähr den? Sehen wir uns einmal die Sedanfeier anfäßlich des deutschnationalen Parteitages in München an. Ich weiß wirklich nicht, was in Tagen, in denen wir in schweren außenpolitischen Nöten stehen, gerade eine solche Feier bedeuten soll. Der Krafft von Deldendingen fonnte sich dabei fofnendes leiften:„ Die Männer die heute an der Spike des Reiches stehen, find nur die Gerichtsvollzieher des Könias Mammon. Die Stellen, an denen einst Männer mie Bismard standen, sind für viele heute nur die Versorgung mit Arbeitslofeneinkommen gem rben. Mas mir heute führen als das Reichsbanner, ist uns verhaßt, nicht weil es ein Symbol alter Jdeale bedeutet, sondern weil es in sich birgt den gelben Indenstreifen!" Sat diese ganze Rede noch irgendetwas mit einer nationalen Feier zu tun? Die gemeinsame Arbeit ist gewiß schwer, gefahrvoll nach der Katastrophe des Krieges. die das ganze Bolt getroffen hat. Wir müssen eine Politit ehrlicher, aufrichtiger Leistungen machen, bis an die Grenze dessen, was ein Bolt überhaupt tragen tann, ohne wirtschaftlich zusammenzubrechen. Sier scheiden sich die Geister. Der Abg. Sergt hat in München ausgeführt: Für uns gibt es feine Erfüllung. teinen Versuch der Erfüllung."( Sört! Sört!) Ein anderer Redner führte aus: Die Whicht ben Beweis ber unerfüllbarteit zu bringen, ist verbrecherischer Wahnsinn." ( 9rbo Selfferich: Wer hat denn das gesagt?) Der Abg. Edler von Braun! Die Verfolgung ber Geheimorganisationen, die dort aufgedeckt worden sind, ist Sache ber badischen Staatsanwalt. haft. Aber ich hatte gestern Gelegenheit, einem Referat eines berufenen Mannes buwohnen über das Material, das da zusammengetragen ist. zeigt sich, daß die Fäden der Geheimorga nisationen auch nach erschießten führten( Hört! Hört!) Uns lag schon seit Monaten n nur am Herzen, daß dieses deutsche Land uns erhalten bleibt, bern unsere Arbeit war auch darauf gerich= tet, es nicht polnischeBanden preisgegeben zu sehen. Wir dan= ten denen, die ihre mat mit der Waffe in der Hand verteidigt haben.( Beifall.) er so sehr die Taten des Selbstschutes an= zuerkennen sind, so sterzlich ist es, daß sich nun an die Reihen ber eblen Kämpfer rade die Geheimorganisationen mit ihren verbrecherischen Elenten herangemacht haben. Es handelt sich um eine größere Gemorganisation zum Sturze der Berfassung. ( Sört! Hört! b. d. hrheit. Lärm rechts.) Es ist der badis schen Staatsanwaltset geglückt, die Fäden und die Zentrale dies fer Geheimorganisat zu lähmen und einige Hauptführer dingfest zu machen. Boschlesien, wie von Bayern her ist der Vers such vorbereitet gen, einen neuen R.Butsch in Deutschland herbeizuführen. ( Lebh. Hört! Hört! d. Mehrheit.) Das weitere überlassen wir der Justiz( Lacherechts.) Wir werden vielht bald die gigantische Frage zu erwägen haben, wie wir alschichten unseres Voites bei den rajen wucherischen Preisßerungen durch den Winter bringen sollen. Die Stunde ist getmen, wo wir für die Träger der mittle= zen Schichten dieicht mehr im Produktionsprozeß stehen und nur über ein beschenes Einkommen verfügen, auf Grund ihrer Lebensarbeit, untelen Umständen eine größere Aktion unternehmen müssen.( fall.) Dazu gehören auch die Arbeitslosen. Sie bedeutet eine usgabe von Milliarden, aber das ist nötig, trog allem, as uns drückt, um in diesem Winter unier Vaterland vor derhwersten Schädigungen sozialer Art zu bewahren. Im Nah der ganzen Reichsregierung erkläre ich: Wenn wir die Art überblicken, die seit dem Tage des Zusammenbruches geleist worden ist, so haben wir allen Anlaß, der deutschen Beamtenaft für ihre Leistungen Worte warmer Anerkennun guszusprechen.( Beifall.) Wir müssen aber Anerkennunduszusprechen. an die Beamtensdt die bestimmte Forderung richten, daß im Dienste den Untersenen gegenüber der Gedanle parteipolitischer Agitation im Sin einer Unterhöhlung des republikanischen Staates feinen hat.( Beifall.) Wir haben keinen Anlaß, irgendjemand den und zu verbieten und geben jedem Beamten die Freiheit der litischen Betätigung. Wir wehren uns nur gegen die Träg der Gewalt, die den politischen Mord verhericht haben, und gegen die sich die ganze Wucht derjenigen rteien richtet, die die Verfassung von Weimar tatsächlich nicht als Episode, sondern als ein grof s Wert, geboren in der ersten Stunde unseres Landes, ansehen.( Bei fall.) toda Der Mord in Esbach war teine Tells- Tat, sondern die Tat eines feigen Mordbuben. ( Sehr richtig!) Jere Bolitit soll appellieren an alle Kräfte unSeres Volfes, dieillens sind, bem politischen Jdeal nachzustreben. die deutsche Republit vor Gewalt und Untergang zu be wahren. A Scheidemann( SPD.) Das Stärffte fühl nach der Griesbacher Tat war im deutschen Bolle bas einer entfeglichen Schande. Es ist auf Dauer undenkbar, daß die Führer bes stimmter politijd Richtungen nach der Reihe abgeschossen werden, ohne daß danhänger dieser Richtung, die sich damit selbst getroffen fühlenar Abwehr schreiten. Eine Abwehr fann nicht ausbleiben, es t sich bloß, ob sie in gesegliche oder ungesehliche nen gelentt wird. Dennoch war es Pflicht Der Regierung, iese Abwehr selbst in die Hand zu neh ment, anstatt Gefühlen der Masse freien Lauf zu laffen. Das Das ere hätte bestimmt zum Bürgerkrieg ges führt. In unotändlichem Optimismus hat der Reichstanzler geglaubt, diefe hlage auch den Deutschnationalen flarmachen zu können. Alntwort darauf erflärte Herr Hergt dann in einer Berliner be, daß sie mit einer zweiten Revolution hon fertig werden den. Wenn die Reichsregierung, um den polis tischen Meuchehrd einzudämmen, die Verordnung erließ, fo billigen mibas, so wenig wir fonft für Ausnahmegefeße übrig haben. Ifen fann uns nur eine Abwehr aller Gewaltbestrebungen. Einkehr der Deutsánationalen muß beginnen mit dem Eingenbnis, daß sie bie Mitschuld tragen an Erz bergers Tob. gerachtet. e Diesen Mensche haben Sie( nach rechts) auf dem Gewissen. ( Lebhafte Unr rechts.) Gewiß haben teine Deutschnationalen hinter dem Bu gelegen, als der Mord geschah, haben auch nicht die Mörder betigt, aber Sie haben Erzberger nicht bekämpft, wie man poli the Gegner belämpft, sondern Sie haben den Mann gehest, is er lag, und als er lag, hat man in Ihrem Wählerkreisen jubelt Die Mörder Sulz und Tillessen haben nur pobet, was andere begonnen haben. Nicht nur an ihren Hän flebt das vergossene Blut. Deutschnationale Generäle habeben Morb mit Settgelagen gefeiert.( Unruhe.) Meine Reben der ich angeblich das Offiziertorps bes schimpft haben, ist von einem Deutschnationalen, ber hier ist, in niederträchtigsten Weise gefälscht worden. Mir würde es niems einfallen, einen ganzen Stand zu beschimpfen. Das tut aber berst Bauer in seiner befannten Schrift, wenn er lagt, die ganzen 500 Offiziere der Obersten Heeres leitung am 9- ovember fich gebrüdi haben und nur noch drei Offiziere hintebem Obersten Kriegsherrn standen. Ich empfinde es als die ge Dreiftigkeit, wenn sich ein Mensch oder eine Partei hinste und so tut, als hätte sie allein die Vaterlandsliebe e Sozialdemokraten fajjen uns an Liebe zu unjerem Water nde von niemand übertreffen. Aber wir tragen unsere Vaterlosliebe nicht auf der Zunge, sondern im Herzen und arbeiten h Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Bayern ibas 3ufluchtsland aller dieser Sezer und Reaktio näre, Dorinte sich die Mörderzentrale ruhig entwideln. Stedbrieflich folgte Verbrecher sind dort bei den höchsten Bes amten ein ausgegangen. Ein grelles Schlaglicht auf die bayerischen Vältnisse wirft auch die letzte Preflamation Boeh ners, des Ma les, der aus den nichtigsten Anlässen die Straßen Münchens mirbeiterblut b.flect hat. Mit der großen Mehrs heit des bane hen Bolles, das ich tenne und schäze, wollen wir wieder zurüf geczbneten Zuständen. Wir haben das Vers trauen zu Regierung Wirth, daß sie alles tun wird, um die Repub zu verteidigen und der Vergiftung des öffentlichen Lebens Einhau tun. Mit Verordnungen allein ist nichts ge tan. Wir buchen die Demokratisierung der Verwaltung, bie Republitanijing der Reichswehr, die Reform der Justiz. Den Gejezantrag unabhängigen bitten wir, dem Rechtsausschuh überweisen und werden dort Verbesserungsanträge Stellen. Wir echten uns nicht vor den Pistolen der Reaktion und rufen alle, di guten willens find, zur gemeinsamen Arbeit auf. ( Lebhafter Ball links.) Es tol Ein Vert gungsantrag wird angenommen. gen persönlid Bemerkungen. Abg. Hergt( Dtn.) erklärt, daß er Die vom Rei stanzler erwähnte Besprechung nicht für vertrau lich gehalten abe. Abg. Dr. Seifferich( Din.) weist Scheide manns Borrfe, daß er der intelleftuelle urheber des Mords fei, zurüd, und gibt eine ausführliche Dare tellung des geblichen Ueberfalles während seines Sommetayfa enthalts. Abg. Ehemann( Soz.): Dr. Selfferich hat das richtige Ge fühl gehabt, az er hier der Hauptangeklagte ist. Warum hat er sein lebhafte Bedürfnis, unser Leben von Korruptionen zu rei nigen, nur ei Erzberger zum Ausdrud gebracht und nicht auch bei Keholf? Herr Helfferich möge feine Sorge haben; er möre nicht von den Deutschnationalen, sondern vom ganzen deutschen Boe wie ein Seiliger verehrt werden, damit er als lebendiges 3 Sugnis defür erhalten bleibe, wie tief gewiffe Schida ten des deuen Boltes finten tönnen.( Große Unruhe rechts. Ordnungsrubes Präsidenten.) Sonnand, 10 Uhr: Interpellation Sergt über die Balutaipetution. Weiterberatung. Die Deutsch nationalen sind natürlich wiederum beEine Erklärung der rechtssozialistischen strebt, die Ursachen des Sturzes der Mark, die in der fortReichstagsfraktion Kurz vor Redaktionsschluß geht uns nachstehende Erklärung zu, zu der wir erst in der nächsten Ausgabe Stellung nehmen fönnen. Die fozialdemokratische Reichstagsfraktion erklärt zur Frage der Umbildung der Regierung: Zu einer Gesamtdemission des Kabinetts Wirth ist feine Veranlassung. Es tann sich bei einer eventuellen Erweiterung nur um eine Um bildung handeln. nur um Umbilbung bei einer eve Vor der Umbildung muß eine Einigung über den Teil des Regierungsprogramms erzielt sein, der die Stellung der Res gierung zur demokratisch- republikanischen Staatsform und zu den zum Schuße der Republik zu ergreifenden Maßnahmen flarlegt. Eine Entscheidung über die eventuelle Umbildung der Regierung fann die Fraktion erst fällen, wenn das gesamte Stenerprogramm vorliegt und aus ihm die Gestaltung der vorgeschlagenen BefihSteuern sowie der besonderen Leistung des Besizes ersichtlich ist. Die Fraktion beschloß weiter, an den Vorstand der U.S. P. heranzuireten, um festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen diese eventuell bereit wäre, in die Reichs- und in die preußische Regierung einzutreten. Die schwierige Regierungsbildung Kein Nachgeben der bürgerlichen Parteien in der Simmerfrage Ueber die Verhandlunger zur Neubildung der Reichsregierung wird in der„ Deutschen Allgemeinen Zeitung" mitgeteilt, daß eine optimistische Auffassung zum mindesten ver= früht ist. Die Besprequngen am Mittwoch abend beim Reichskanzler hätten nur eine Einigung in Fragen der inneren und äußeren Politik ergeben, während sich auf dem Gebiete der Steuerreform noch grundsätzliche Ge= gensätze geltend machten, die bisher noch nicht ausgeglichen seien. Es wird ann ferner betont, daß die bürgerlichen Parteien, Zentrum, Demokraten und Deutsche Volkspartei, nicht gewillt seie, die Neubildung der Regierung in Preußen und im Reich getrennt vorzunehmen. Ueber ihre Stellungnahme in der Steuerfrage wird dann erklärt: Nun hat sich aber die Sozialdemokratie in den Steuerfragen den Massen gegenüber beanntlich auf die Besteuerung der Sachwerte festgelegt. Daß va bürgerlicher Seite hier ein Nachgeben erfolgen tann, ist nicht erwarten. Die bürgerlichen Parteien vertreten, wie wir höre, den Standpunkt, daß ein Eingriff in die Sachwerte erst erfoßen darf, wenn eine unbedingte Sicher heit gegeben ist, daß di Reparationspflichten tatsächlich von uns erfüllt werden fönnen. Diese Sicherheit besteht aber zur Zeit nicht. Auch die Sozialemokratie dürfte das zugeben. Es flafft also in der Frage der Steuerreform ein jo breiter Gegenjah zwischen der Auffassung der Soizaldemokratie und der der bürger lichen Parteien, daß nh nicht die Möglichkeit einer Einigung in diesem Punkte gesche werden tann. Bevor aber hier feine Einigung erzielt ist, das Zustandekommen der Koalition im Reiche ausgeschlossen. Damit ist bestätig, was wir vorausgesagt haben, daß die bürgerlichen Partein die Mitwirkung der Deutschen Volkspartei in der Regieung nur zur Verstärkung der kapitalistischen Widerstände egen eine ausreichende Heranziehung des Besizes zu den Stuerlaften erstrebt haben. schreitenden Verschlechterung unserer Finanzen, verursacht durch unzulängliche Maßnahmen zur Deckung des Staatsbedarfes früher und jetzt, zu vertuschen. Sie haben im Reichstage eine Interpellation eingebracht, was die Regierung gegen den völligen Zusammenbruch der deutschen Valuta zu tun gedenkt. Gie bezeichnen aber gleichzeitig diefen Sturz der Mark als die Folge der Annahme des Ultimatums. So sind auch in diesem Falle die Deutschnationalen die zuverlässigsten Bundesgenossen jener Schieber und Spekulanten, die durch den Sturz der Mart ungezählte Millionen in ihre Taschen gelenkt haben. Wann der Antrag der Unabhängigen und die Interpellation der Deutschnationalen im Reichstage verhandelt wird, ist noch unbestimmt. Es ist jedoch zu erwarten, daß der Ernst der so= fortigen Eindämmung der Spekulation mit Devisen die baldige Beratung zur Folge hat. Wir Kommunisten" Der Reichstagsabgeordnete π a Der Reichstagsabgeordnete Walter Stoeder, der es in seiner Frattion wieder bis zum Beigeordneten des Fraktionsvorstandes gebracht hat, erklärte in der gestrigen Reichstagssigung, daß wir Kommunisten" den deutsch- amerikanischen Friedensvertrag ebenso ablehnen müßten, wie den Friedensvertrag von wie be Versailles. Man muß feststellen, daß Stoeder dieses Mal von seinem Gedächtnis ebenso im Stich gelassen wird, wie bei der Erinnerung an seine Tätigkeit als Kriegsberichterstatter. Als es fich nämlich um Annahme oder Ablehnung. des Vertrages von Bersailles handelte, da gehörte Stoeder noch nicht zu ,, wir Kommunisten", sondern er hat damals als Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratie der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles zugestimmt. Damals hat die Reichstagsfraktion der Kommunisten nur aus Klara Zetkin und Paul Levi bestanden. Es war sozusagen die Urzelle des fommunistischen Parlamentsbetriebes. Jetzt fann man dort einen interessanten Vorgang beobachten, der ganz nach den naturwissenschaftlichen Entwidlungsgesetzen verläuft. Die tommunistische Zelle will in der Sonnabendigung rednerisch auftreten; sie hat aber inzwischen bereits das nächstfolgende Stadium der Entwidlung erreicht, nämlich die Fortpflanzung durch Spalfung. Klara Zetkin spricht für die Kommunistische Fraktion, Paul Levi für die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft. Die Rote Fahne" ist auf den Herzog. gekommen. Chefredakteur des Blattes ist nicht mehr August Thalheimer, der von der ununterbrochen fortgesetzten Reinigung der Partei an irgendeine andere Stelle geschleudert wurde, sondern Wilhelm Herzog. Die Zentrale der K. B. D. ist offenbar von der Auffassung ausgegangen, daß das finanztechnische Geschick Herzogs, das er in der„ Republit" und bei ähnlichen Gelegenheiten bewiesen hat, sich jezt sehr gut für die„ Rote Fahne" verwerten ließe. Der Goldstrom aus Rußland versidert mählich; jeht muß Wilhelm Herzog seine privattapitalistischen Erfahrungen nutzbar machen. Etwas von der kommunistischen Schwesterpartei. Die Orts gruppe Braunschweig der K. A. P. D. hat ihre Auflösung beschlossen, weil teine Möglichkeit mehr bestand, die Mitglieder nach Spitzeln und richtigen Kommunisten zu unterscheiden. Auch in der Bitung der preußischen Regierung find neue Schwierigfeien eingetreten, die von den Demokra= ten ausgehen. Diese möchten ihren Dominicus allzugerne halten und haber sich deshalb auf den Standpunkt gestellt, daß alle an der Soalition teilnehmenden Parteien zu glei chen Teilen die Berantwortung tragen müssen. Das Säuflein Demokratenwünscht also die gleiche Zahl von Ministern.com wie jede ander Partei. Bombastisch wird erklärt, wenn Diese Forderungnicht erfüllt werde, wolle man lieber außerhalb der Regieung bleiben und das Kabinett von außen loyal unterstützn. So haben dieDemokraten bisher immer vor jeder Regierungsbildung geredet. Na cher aber waren sie stets dabei, weil sie es gar nicht ertragen können, irgendeinen Ministerposten, de ihnen angeboten worden ist, abzulehnen. Eine Gommerfrische für Attentäter Deutschnationale Fürsorge für Oltwig v. Hirschfeld Der Fähnrich a. D. Oltwig v. Hirschfeld, der den ersten Mordanschlag auf Erzberger unternahm, wurde bekanntlich per einiger Zeit aus der Strafhaft wegen gefährdeter Gesundheit beiriaubt. Wie nun dem B. T. aus Wildbad im Schwarzwald mitgeteilt wird, ist er im nahen Calmbach als Sommerfrischegast aufgenom men worden nachdem von einer deutsch nationalen Parteistelle aus bei den Parteigenossen auf dem Lande in einem Rundschreiben angefragt worden war, wer bereit sei, ihm ene fostenlose Sommerfrische zur Kräftigung auf dem Lande zu rmöglichen. Darauf meldete sich der Sägewerksbefizer Kepper und nahm Sirschfeld bei sich auf, ohne daß die Anwesenheit n Calmbach oder Wildbad bekannt geworden wäre. Keppler ist enragiert deutschnational. Trogdem werden natürlich die Deutschnationalen nach dem Muster ihres eisenstirnigen Führers Hergt nach wie vor behaupten, daß sie nicht das geringste mit den Attentätern zu tun haben. Gegen die Börsenfpekulation So Die Besteuerung des Börsenverkehrs Wenn auch der Dollar inzwischen wieder etwas gesunken ist er wurde gestern an der Börse mit 115 notiert ist doch kein Zweifel, daß die Spekulation weder ihr Ende erreicht, noch die Absicht aufgegeben hat, ihr gewissenloses Spiel bald wieder aufs neue zu beginnen. Die gesetzgebezijchen Maßnahmen, die nach unserer Meinung dagegen einzuleiten sind, haben wir neulich bereits dargelegt. Eine der wichtigsten, unmittelbaren Aufgaben ist natürlich eine scharfe Besteuerung der Devisenumfäße. Die unabhängige Reichstagsfraktion hat nun einen entspre= chenden Gesezentwurf dem Reichstage un terbreitet. Während er sich im allgemeinen anlehnt an die Vorschläge, die die Regierung in dem Entwurf einer Kapitalverkehrssteuer gemacht hat, geht er in bezug auf die Höhe der Steuersäge wesentlich über die Vorschläge der Regierung hinaus. Er schlägt eine Berdoppelung bei der Besteuerung des Handels mit ausländischen Banknoten, ausländischem Papiergeld und bei sonstigen ausländischen Zahlungsmitteln vor. Abkehr vom System Kahr Drahtmeldung unseres Korrespondenten München, 30. September. In der heutigen politischen Aussprache im Landtag tam auch der neue Ministerpräsident Lerchenfeld zum Wort. Seine Rede unterschied sich vorteilhaft von denen seiner Vorgänger in dem freien, offenen Wort. Er ging zwar durch geschickte Wendungen um manchen heiklen Punkt herum, aber wenn er seine heute gegebenen Versprechen einlösen wird, müßte man von einer entschiedenen Abkehr von dem System Kahr sprechen. Er machte gegen die von den sozialistischen Parteien erhobenen Angriffe gegen die Mißstände in der Polizei und Justiz Vorbehalte, erklärte sich aber entschieden für gleichmähige Handhabung der Polizeigewalt nach allen Seiten und für Ausscheiden der Polizeigewalt und für die Entbehrlichkeit und versprach, nach Kräften in dieser Richtung zu wirken. Er wandte sich gegen die Politisierung der Justiz, sprach aber den bayerischen Richtern sein Ver= trauen dahin aus, daß er überzeugt sei, daß sie sich freihalten von jeder parteipolitischen Beeinflussung. Das gegen den Polizeis präsidenten Poehner eingeleitete Untersuchungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen. Gegen Kanzler, dem ehemaligen stellvertretenden Landeshauptmann der Einwohnerwehr, sei wegen der Beschuldigung der Aufforderung zum Mord jetzt der Staatsanwalt in Bewegung gesetzt worden. Die Unterfuchung gegen die Geheimbünde werde ohne jede persönliche Rüdsichtnahme durchgeführt. Wenn in der Presse Beschuldigungen in dieser Frage erhoben werden, so bitte er um Zuweisung des Materials, er werde sofort eine peinliche Untersuchung veranlassen. Er wolle eine saubere Berwaltung haben, die keine Kritik zu fürchten habe. Von der sozialistischen Weltanschauung trenne ihn eine scharfe Linie, der materialistischen Weltanschauung wolle er entgegensetzen die sittlich- ethische Erneuerung des Voltes. In der Debatte sprach u. a. auch der Abgeordnete Gandorfer als Vertreter des linken Flügels vom Bayerischen Bauernbund. Er richtete die schräfften Angriffe gegen das zweierlei Maß in der Justiz und Polizei unter dem System Kahr und verlangte wegen des gegen Boehner vorliegenden Belastungsmaterials, daß Boehner, da ja noch der Ausnahmezustand bestehe, sofort in Schuhhaft genommen werde. Boehner müsse zur Verantwortung gezogen werden und dürfe nicht in den Justizdienst zurüdkehren. Der Friedensvertrag mit Amerita ist am Freitag vom Reichstag in allen drei Lesungen gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen worden. Damit ist der Kriegszustand mit allen Ländern auch formell aufgehoben. Für eine beschleunigte Entscheidung des Reichsratsausschusses für Zeitungsverbote im Falle der Beschwerde über erfolgte 3eitungsverbote tritt eine Eingabe des Vereins deutscher Zeitungsverleger beim Reichsrat und Reichsminister des Innern ein. Ungarn stellt in Abrede. Auf die durch die Wiener Presse verbreitete Nachricht, daß in West ungarn unter Leitung von Stefan Friedrich ein selbständiger Staat ausgerufen worben sei, stellt das ungarische Telegr.- Norr.- Bureau fest, daß Abgeordneter Friedrich fich in Budapest befindet, in Weftungarn felbst aber von einer solchen Proklamation nichts be= fannt ist. Praktische Hilfe Englands für Rußland. Dem„ Daily Telegraph" zufolge beschloß die englische Regierung, die noch vorhandenen Kriegsvorräte an Kleidung und Stoffen dem englischen Roten Kreuz zur Berteilung in Rußland zur Verfügung zu stellen. Amerikanische Hilfe für Oppau W. T. B. teilt mit: Der befannte Philanthrop und Großkaufmann Herr Nathan Strauß in New York hat an W. T. B. den Betrag von 100 000 Mart( einhunderttausend Mark) zu= gunsten der Opfer der Oppauer Explosion über wiesen mit dem Auftrag, ihn zur Unterstützung der Kinder zu verwenden. Wir haben die Spende an den Reichshilfsausfauß für Oppau weitergegeben und die Zusicherung erhalten, daß die Summe entsprechend dem Wunsche des hochherzigen Spenders verwendet werden wird. Das Deutsche Rote Kreuz wurde benachrichtigt, daß die„ Ne w Porter Staatszeitung" im Auftrage des Central Relief Commitee neuerdings einen Sammelbetrag von über einer halben Million Mark für Unterstützung der Notleidenden in Oppau durch Kabel überwiesen hat. Weitere Spenden Die Stadtgemeinde München hat zur Linderung der Not in Oppau 100 000 Mart zur Verfügung gestellt. Die Breslauer Stadtverordnetenversammlung bewilligte in ihrer Sigung den Betrag von 25 000 Mart für die Hinters bliebenen der Opfer der Oppauer Explosionstatastrophe. Die braunschweigische Staatsregierung hat für die Sinter bliebenen der Opfer der Katastrophe von Oppau 100 000 Mart bewilligt. Weiter wurde beschlossen, an die braunschweigische Bevölkerung einen allgemeinen Aufruf zur öffentlichen Samm Tung für die notleidenden Angehörigen der Verunglüdten zu richten. Das medlenburgische Staatsministerium hat beschlossen, zur Linderung der Not der durch das Explosionsunglüd in Oppau Betroffenen 100 000 Mart zu bewilligen. Der Teutsche Bauarbeiterverband, Siz Hamburg, hat der Sammlung des Reichshilfsausschusses für Oppau 250 000 Mart überwiesen Eine vorbildliche Opferwilligkeit entfaltet die Stadt Pirmasens. Bisher wurden bereits mehr als eine Viertelmillion Mart freis willige Spenden für Oppau aufgebracht. 40 Familien erklärten sich bereit, Waisenkindern aus Oppau Aufnahme zu gewähren. Der für Oberschlesien geplant gewefene Opfertag in Heidel. berg am Sonntag wurde für Oppau umgestellt und erbrachte 120 000 Mart. Hierzu treten Sammlungen der Banken und Bresse, die bisher 90 000 Mart erbrachten. Auf Anregung des Niederländischen Generalkon. suls in Frankfurt a. M. wird in Holland eine Unterstügungss aktion für die Opfer von Oppau eingeleitet werden, an der sich besonders die großen Banken beteiligen werden. Der Leiter des englischen Generalfonfulats in München, Botschaftsrat Seeds, hat dem Präsidenten des bayerischen Landtages 5000 M. für die Opfer der Katastrophe in Oppau übersandt. Mehr Würde! Der Reichshielfsausschuß für Oppau teilt mit: In der Reichsa tagssigung am Mittwoch, den 28. September, ist anläßlich der Beratung über das Oppauer Unglüd von mehreren Seiten schon auf die geschmadlose Form hingewiesen worden, in der sich vielfach Sammlungsunternehmungen zugunsten der Oppauer Opfer vollziehen. Der Reichshilfsausschuß für Oppau bittet, der Würde und der Größe der Trauer über das Oppauer Unglüc entsprechend, geräuschvolle Luftbarkeiten, Kabarettaufführungen und ähnliches nicht zum Dedmantel von Sammlungen für Oppau zu machen. Er glaubt des Einverständnisses weiter Volts= schichten sicher zu sein, wenn er die Auffassung vertritt, daß angesichts der Trauer, die über Tausende von Famillen durch das Oppauer Unglüd gebracht ist, Würde und Anstand die ges rügten Geschmadlosigkeiten von selbst verbieten sollten. Er macht weiter darauf aufmerksam, daß nach zahlreich vorItegenden Meldungen auch das Unglück von Oppau leider wieder dazu dienen muß, um schwindelhaften Sammlern die Taschen zu füllen. Die von dem Reichshilfsausschuß und den örtlichen Gammelausschüssen eröffneten Sammelstellen( u. a. die Reichsbant, sämtliche Banten, Postanstalten und Sparkassen) bieten hinreichende Gelegenheit, den für Oppau zu entrichtenden Beifrag an die richtige Stelle zu geben. Der Reichshilfsausschus gibt weiter bekannt, daß außer den bereits genannten Annahmestellen von Spenden auch die Spar= taffen sich bereit erklärt haben, Beträge entgegenzunehmen. De Balera nimmt an London, 30. September. De Balera hat die Einladung Lloyd Georges zu einer Konferenz angenommen. Der Aeltestenrat des Reichstages beschloß am Freitag, den Untersuchungsausschuß über die Oppauer Katastrophe aus acht Mitgliedern zusammenzusehen; jede Fraktion soll einen Vertreter entienden. Das Gesetz über die Beamtenräte soll nicht dem sozialen, sondern dent Beamtenausschuß überwiesen werden. Offen geblieben ist noch die Frage, ob am Montag und Dienstag das Plenum über die Devisen petulation verhandeln soll. Die Entscheidung wird am Sonnabend getroffen. Der französische Botschafter Charles Laurent ist nach Berlin zurüdgefehrt und hat die Leitung der Botschaft wieder übernommen. Ausschneiden! Haupterpedition der„ Freiheit" Breite Straße 8-9 Berlin C 2 An die I wis Drucksache Marke 13 Pig Billige Schuhwaren Wegen Umbau verkaufen wir nur bis Mittwoch, d. 5. Oktober, zu diesen enorm billigen Preisen. Nutzen Sie die Zeit und machen Sie von dieser Gelegenheit, Ihren Schuhbedarf günstig einzudecken, recht ausgiebigen Gebrauch. Ferner von unserem elgenen Lager: Wir verkaufen im Auftrage einer in Auflofung begriffenen Heeres- Berwaltungsstelle: Sandalen aus starkem Militär27/30 31/35 leder, holzgenagelt, 2575 3075 Kinderstiefel verschiedene Formen, kräftiger Strapazier und Schulstiefel 25/26 27/30 31/35 36/40 3575 4775 5375 6775 Arbeitsstiefel sehr gut instand gesetzter 5675 Militärstiefel. Charlottenburg Theater und Vergnügungen Bolksbühne 71% Uhr: Staatstheater. Overnhaus Bum 100. 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Schneider& Sohn, Brunnenstraße 41. Kontor und Verkaufsräume vorn 1 Treppe. Kapitän mmer einmal geprobi gelobt. Feinft. Geschmack. ftets frisch. Bu kanfen in den Bigarrengeschäft. usw. Neue Generalvertrieb C. Röcker, autabat erkaufstellen richtet ein Berlin, Lichtenberger Straße 22( Tel: Raft.* 861), Herrenartikel Spielwaren fofort gesucht. Meldungen 5-7 Uhr abends. A. Jandorf& Co. Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 118/119. Meu aufgenommen Volle Fo mate Reunion Nr. 30 Nr. 40 Nr. 50 30 Ply. 40 Pig. 50 Pig Nr. 459 Beilage zur„Freiheit" Sonnabend, 1. Oktober 1921 - Ansturm gegen die Kommunalwirtschaft Die bürgerliche Lnieressenpoliiik Von Stadtrat Radtke-Neukölln In dem bevorstehenden Wahlkampf wird von bürgerlicher Seite in unverantwortlicher Weife der Vorwurf erhoben, wir Härten durch unsere Kominunalifierungsplüne den finanziellen Ruin der Stadtgemeinde herbeigeführt.„Sozio liftifche Mihwirtschaft", „Rote Hcrrfchaft-Mistwirtfchaft",„Fiasko des städtischen Regie- Getriebes" stnd die seit Wochen und Monaten deliebten Ueber- chriften der bürgerlichen Presse. Demgegenüber ist zu betonen, dotz von einer eigentlichen kom- munalen Bewirtschaftung heute noch gar kein« Rede sein kann, vielmehr handelt« es sich bisher um ganz bescheidene An- fange. Die Angreifer machen sich die Beweisführung sehr leich:, irgendeine einzelne Begebenheit wird ohne Sachkenntnis und ohne Wiedergabe der Zusammenhänge entstellt, benutzt und dann wird gegen die„rote Lotterwirtlchasl" losgedonnert. Nicht das Wohl der Gemeinde, nicht das Bestreben, die Gemeinde vor Schaden zu bewahren, ist Leitmotiv bei diesen Vorgängen, son- der» vi« Wahrung der Interessen gewisser Händler und Unter- nchmerkrelse, die als Zwischenglieder im Produktions- und Der- teilungsprozetz auftreten. Man will alles, was nicht zu der Zunft gehört, fernhalten: man will vermeiden, dah wir so in die Widerwärtigkeiten der kapitalisthchen Produktionsweise eindrin- gen und ihr Wirken an Einzelheiten aufdecken. � Es entspricht der Moral bürgerlicher Kreis«, wenn fich das Unternehmertum zu Syndikaten. Trusts, Kartellen und sonstigen Interessengemeinschaften zusammenschlietzt, um Preise und Liese- rungen zu ihrem Borteil und zum Schaden der Allgemeinheit zu bestimmen. Was schadet es jenen Kreisen, wenn die Unter- nehmcr bei Submissionen unter sich die Preisangebote festlegen, wenn der Unternehmer, dem die Arbeit dann zufällt, einen be- stimmten Anteil abgeben muß. So etwas findet man ganz in Ordnung, das ist absolut keine Korruption und keine Misiwirt- syast! Erreichte man dann b«i dem Eubmifsionsangebot nicht ganz sein Ziel, so bot sich noch bei den nachträglichen Lohnar- Veiten, Veränderungen und anderen Nacharbeiten, Gelegenheit, dcw Versäumte nachzuholen. Bei der Bescheinigung solcher Ar- heilen stieß man auf keine großen Schwierigkeiten. Heute ist es hier schon etwas anders geworden, es treten (gut geleitete Kommunalbetriebe mit in Konkurrenz, sie sind in der Lage, die Arbeiten zumindest so gut auszufghren, als die Privatunternehmer, sie ermitteln ihre Preise nach den tatsäckikichen Kosten von Material und Löhnen mit einem mäßi- gen Gewinnaufschlag. Sie schützen die Stadtgemeind« vor Uebervorteklung. Dieser Grund allein würde schon rre Daseinsberechtigung erweisen. Nur deshalb die ungeheure Wut jener Kreise, daher die An- eindungen und Verdächtigungen: es ist nicht mehr möglich, will- Arliche Forderungen aufzustellen und nach eigenem Ermessen zu bestimmen. Selbst wenn diese Art kommunaler Betriebe kein« Ueberschüss« -rächten, vielleicht nocd minimal« Zuschüsse erforderten, hätten wir urch ihre Wirkung auf die Preisgebahrung norme Summen erspart und müßten von allen Stadt- »ertretern. die nich, Sonderinteressen verfolgen, gesördert Heiden. Daß dem nicht so ist, ist allseitig bekannt, haben doch ie Kommunalbetriebe in der eigenen Berwaltung noch viel iderstand zu überwinden. Wir weisen es entschieden zurück, daß un» die Mißerfolge er Kriegs- u«d Zwangswirtschaft an die Rockschöße �ängt werden,»ir hoben in der Kritik dieser Einrichtungen cht zurückgehalten und vom August I!U4 an verde sserungsvor- hlägc gemacht. Diese Einrichtungen hat die Sozialdemokratie Ncht organisier», sie hat auch bei der Verwaltung keinen Maßgebende« Einfluß gebabt. Das waren bürger» ch e Leute mit den so gerühmten„Fachkenntnissen" und der so bewährten„Uneigcnnützigkcit". ®Kr haben oersucht, dies« Einrichtungen zum Wohl« der All- gemei�hxjj umznstelleil und auszubauen. Greifen wir nur ein Beispiel heraus. Die Stadtgemeind« Berlin stellt ihr« Konalanlagen,' Eisenbahnanschlüsse, Lagergebäude, Zeniralmarkthalle, Markthallen und andere Baulichkeiten und Plätze privaten Groß- und Kleinhändlern zur Verfügung, damit die Lebensmittel und Bedarfsartikel vom Produzenten bis zum Kon- fumenten erst durch einhalbev Dutzend und mehr Hände gehen können. Alle am Umsatz beteiligte Kreise müssen erst ihren„angemessenen Verdienst" an der War« haben, und verteuern ste dadurch so, daß sie für breit« Kreis« un- erschwinglich wird. Die Stadt bekommt für ihr« Anlagen Pachte und Mieten, ein Heer von Preietreibern und Kettcnhänd- lern Hai die Möglichkeit, die Bevölkerung auszubeuten. Dafür hat Verlin iogleich die Pflicht, die durch Hunger und Unterernährung zugrunde gerichteten Bcvölkerungsteile in ihren Krankenanstalten oder durch die Wohlfahrtsämter zu unterstützen. Wäre es nicht geradezu Pflichtder Gemeinde, die Der- forgung der Bevölkerung in die eigene Hand zu nehmen. wo ste alle Einrichtungen besitzt? ZBas könnt- erspart werden durch große zentrale Einkäufe bei den Produzenten und direkter Abgabe an die Konsumenten! Bei mäßigen Zwischenverdiensten könnt« e« ermöglicht werden, daß Mancher, der heute wegen der teuren Preise hungern muß, sich auch einmal satt essen könnte. Doch dazu ist die heutige Verwaltung Berlins nicht imstande, bekommt sie es doch noch nicht einmal fertig, alle auf den eigenen Gütern erzeugten Produkte den städtischen Anstalten direkt zu- zuführen. Auch hier muß der Privatunternehmer ein- springen, er kauft die Waren von der Etadt und ver- kauft sie dann an dieselbe Stadt mit Gewinn wieder. Welche Vorteile für die Stadtgemeind«, wenn sie mit einem großen Teil der Einwohnerschaft inniger verwachfen ist. wenn ein jeder weih, die Gemeinde selbst ist bemüht, ihm Dorteil« zu verschaffen, ihn vor Uebervortetlung zu schützen. Mit welcher Freude könnten Tausende an die Arbelt gehen, wenn ste wüßten, das Ergebnis ihrer Tätigkeit käme wieder der Allgemein- h e i t zugute, und ste selbst wären nicht der Willkür des Kapi« talismus unterworfen. Eine bürgerliche Mehrheit in de« zukünftigen Stadt- verordnetenverfammlung bedeutet Beseitigung der so be- fcheidensn Anfänge in der E e m« i n w i r tscha f t, bedeutet die Gefahr, daß in allen Betrieben das Privatkapital«in- geschaltet wird, bedeutet Ausbeutung der Stadt und der bei ihr tätigen Arbeiter durch den Nimmersatten Kapitalismus. Wollt ihr das verhüten, dann wählt am IS. Oktober die Lift« der Unabhängigen Sozialdemokratie! Die Iungfernbeid« als Vottspar? Die Ausgestaltung der Iungfernheide zu einem volkspark will das Bezirksamt Charlottenburg in Angriff nehmen und de» antragt dafür bei der Stadtgemeinde Berlin die Bewilligung von Ü Millionen Mark. Die Arbeiten sollen als Notstandsardetten, zu denen Reich und Staat 2 Millionen Mark zuschießen, au»« geführt werden. Der vom Eharlottenburger städtischen Garten« dircktor Barth herrührend« Entwurf geht von der Ide« aus, nicht einen Zierpart, sondern einen wahren Volkspark zu schaffen. Die Jungfernheid« soll zunächst durch Bervollständigung der Waldpflanzungen und Beseitigung der im Kriege entstandenen Lücken im Baumbestand wieder ihr schöne» waldmäßige» Au»- sehen erhalten. Umfangreiche Wegeanlagen sollen ste syst«- matisch durchziehen. Insbesondere stnd vorgesehen die Anlagen eines 30 Morgen großen Teiches mit Badeanstalt und große Flächen für Rudersport, welche im Winter als Eisbahn be- nutzt werden können. Für Kindererholung-statten mitUnterkunft und Speiferäumon stnd 40 Morgen vorKsehen. Der vorgesehene Platz könnt« täglich von etwa 0000 Kindern besucht werden. An die Spielplätze schließt stch ein» P l a n s ch w i« s e an. Auf den Mäckeritzwicsen sind Sport- und Spielplätze sowie eine Volkswiese vorgesehen. Hier sollen große Fußballplätze, zwei kleinere Spielplätze für Wurf- und Ballspiele sowie eine 400 Meter lange Laufbahn geschaffen werden. Zum Schutze soll der gesamte Waldpart eingezäunt werden, um den schönes, alten Baumbestand, namentlich an Eichen und Buchen, sicherzustellen. Vamii wir nichi ersticken.... Draußen, irgendwo im Norden Berlins, zwischen Pankow und Schönhavsen, sah ich eines Tages»n einem hübschen Garten einen mächtigen Baum, der von unten bis obenhin von Efeu und anderen Schlingpflanzen gar gewaltig überwuchert war. Der Besitzer dieses Fleckchens Erde hatte gewiß vor langen Iahren ein paar Stecklinge Efeu tn das Erdreich um den Baum gepflanzt und stch gefreut am Wachstum de« Immergrünen... Wesensverwandte Ranken waren hinzugekommen, und nun erschien der Stamm des Baume« wie von einem Blätterkleid umhüllt. Und als ich eines Tages abermals einen Spaziergang da hinaus machte... es war im hohen Sommer... steh«, das Blattwerk um den Äamm wuchert« nach wie vor in Hülle und Fülle, aber die Krone de» Baumes war dem Sommer voraus- geeilt und zeigte schon die Farben de» Herbste». Gestern aber...? Just kam ich hinzu, wir der Mann, dem der Garten gehört. mit einer Stange die Efeuranken herunterriß und mit einem Beile den Schlingpflanzen an die Wurzel ging. „Der Baum geht ein, wenn ich's nicht tue.. antwortete er mir auf meine Frage,«er erstickt..." Und als das Blattwerk der Schmarotzer herunter war. da zeigte sich'», daß im Schutze des Geranies allerhand Ungeziefer hauste, Flechten und Schwämme, Käfer und Würmer denen die warme Feuchtigkeit behagliche Nester bot. Im nächsten Jahre aber, da wird der schöne Baum stch erholt haben und wird wieder im herrlichsten Schmucke dastehen, wird nicht vorzeitig dahinwelken und atmen können, aufatmen nach einer Zeit schwerster Bedrückung... Gleicht dieser Baum nicht der armen deutschen Republik? Auch sie droht zu ersticken unter dem Gerank der Schieber aller Art, die ihr das Mark aus allen Poren saugen, eng ver- schlungen mit dem Geschmeiß der monarchistischen Wühler und Putschisten, vereint im Bestreben, stch auf unsere Kosten zu mästen, ungerührt von dem Elend, das sie herausführen. Laßt uns mit scharfem Beil diesem Unkraut an die Wurzel gehen, auf daß es sich«ie mehr breitmachen kann. Sonst ersticken wir!?. Schikanen gegen Erwerbslose Zahlreich« an un« gelangende Zuschriften führen Klage über mannigfach« unerfreulich« Zustände im Bereich der Er» werbslosenfürsorge. Eo wird uns ein Fall geschildert, in dem ein durchaus berücksichttgenswerter Antrag st eller. dessen Sohn«inen sehr wenig einträglichen Posten in einem städtischen Bureau bekleidet, moralisch gezwungen worden sein soll. den gestellten Antrag zurückzuziehen, indem man ihm damit drohte, daß sonst sein Sohn entlassen werden würde. Als „wirtschaftlich Starler" wäre der Sohn in der Lage, den Vater zu unterstützen. Täte er e, nicht in genügendem Umfang, so müsse er sich die Folgen selbst zuschreiben. Die wirtschaftliche Stärke des Sohne» scheint der Erwerbslosenfürsorge über allen Zweifel er- haben zu sein. In Wahrheit leitet ste sich her ») von einem Einkommen, da» noch nicht den dringendsten Existenzbedarf deckt, d) von einem Guthaben auf der Sparkasse in Höhe von einigen hundert Mark. G« gibt gewiß, wie die Ding« heute liegen, sehr viele, die noch viel schlechter daran stnd als dieser Sohn, aber ihn als Wirtschaft- lich stark anzusprechen, kann, die uns gemachten Angaben als wahr unterstellt, nur ein vertrocknete» Bureaukratengehirn fertig- bringen. In einem anderen Fall war ein Antragsteller groben Takt- tosigketten de« Beamten, mit dem er zu tun hatte, aus- gesetzt. Der b»treffonde Herr interessierte sich weniger für die Verhältnisse als für das angebliche„Verhältnis" des Antrag» steller». Als solches betrachtet« er nämlich«in« Untermieterin des» selben und erklärt«, er würde den vermerk:„Lebt tn wilder Ehe" zu den Akten nehmen, obzwar ihm wiederholt versichert wurde, daß seine Auffassung jeder Begründung entbehre. Ob das letztere der Fall ist oder nicht, kann ruhig dahingestellt bleiben. Entschieden zurückgewiesen muß es aber werden, dotz Beamte der Erwerbslosenfürforg« in dieser Weise vorgehen. Felsenbrunner Hof Von Anna Eroissant-Rust (tl..) tNnchdrsck»«rbot»».) ,. ß* s�nd seine Frau im Sonnenschein vor dem Hause sitzen, ihre öl utter daneben. Nichts hatte er in Feld und Hof -zeseho», an nichts gedacht, nur ste, nur ihre blassen Hände .ah er über dem schweren Leib,' aller Groll versank, er kam ansaestrcckten Händen auf ste zu. Doch Kittchen stieß sie hart zurück, ihre Augen wurden arr vor Wut, alles Bsut stürzte in ihr weißes Gesicht. ..„e° kommst du endlich, du?" keuchte sie.„Derweilen "lte ich verderben und sterben können! Hast du nun alles rgeudei und verpraßt? Du, nur du bist schuld, wenn ir elend zugrunde gehen. Deshalb Hab' ich dich nicht ge- nratet. Mach nur so zu! Verhungern und verfaulen sollst i auf demem elenden Hof! Wär' ich doch nie da herein- kommen! s>as war ganz die Stimme ihrer Mutter,— und ehe Peter .ßte, was er tat. hatte er ihren Kopf zwischen seinen ustcn. sein Blut brauste wie ein Wasserfall,' er stieß die ischeiide Alte zurück, die sich an ihn hing.— Da war's, als wenn wieder der kleine Schatten neben- m aufstünde, feine Hand« sanken zurück, er ging still, sturig gebeugt ins Haus. fief'. � wurde ein schwerer Winter für den Felsenbrunner iji Das Vieh mußte wegen Futtermangels zum großen ,. oerkauft werden, und der Erlös war schnell durch die wenden Termine verschlungen. Mißernte, das Heu ver- 'lt, das Ohmet verbrannt.'tolles Wirtschaften— das te Geld wurde rar, alles itcckic in den Gründen, zum >en mußte der Iud vorschießen. So oft er grinsend er- en. lief es Peter eiskalt den.rucken hinunter.' er hätte zu Boden schlagen mögen, und doch mußte er ihn haben, war noch der anständigste unter all den Halunken, die an ihn drängten. sind gerade jetzt hätte er die Wiesen von den Thomanns chcn können, um einen Preis, der eigentlich gering war. «er er konnte ja nicht zahien! Noch mehr Schulden machen, er gar den Thomanns schuldig bleiben' Nein und drei- , hl nein! War nur der Winter voroei! Er hotte die ! Uze Sippe sowieso in der Hand. Er durste nur alles Acker- ind zu Wiesen machen und seine Bewässerungsanlagen aus- nützen! Dann würden ste ihm die Wiesen gern für ein Schandgeld geben, dann hatte er sie kirre gemacht! Da lagen schon seine Pläne fix und fertig. Die sollten Augen machen mit ihrer Wasserkräft! Betteln sollten ste bei ihm! Der Winter war viel zu früh und gleich mit strengem Regiment gekommen. Die Händler lauerten um den Hof und zogen unter irgendeinem Vorwand die Torglocke: also war es schon ruchbar geworden, daß es kein bare» Geld mehr ans dem Felsenbrunner Hof gab. Kein Wunder, wenn es die Leute mußten, konnten sie ihre Dienstboten ja nicht mehr regelmäßig bezahlen. Die verließen den Hof ohne Kündigung, auch ohne daß jemand den Vorschlag machte, ste aufzuhalten. Peter verdroß die armselig« Wirtschaft: er nahm sich um nichts mehr an und verlor alle Freude an der Landwirtschaft. Scheunen, Hof und Stall waren voll wüsten Durcheinanders, ohne daß er Hand anlegte. Ordnung in den Schlendrian zu bringen: der größte Teil des Viehes war fort. Was sollte er denn Vieh den Winter über durchfüttern, wo er kein Futter hatte? Die paar Stücke waren genug, unv dle konnte der alte Knecht gerade noch versorgen. „Wäre der doch der alte Hannes gewesen", dachte Peter oft, wenn er den Alten hcrumschleichen sah, der seiner Frau ergebenster Diener und Vertrauter war. „Gib doch Feld her, verkauf doch Wielen", kam Kätchen eines Tages verstört und schaute ihn halb bittend, halb feindselig an. Seit der Winter da mar, seit niemand mehr nach dem einsamen Felsenbrunner Hof kam und stö auch nicht mehr zur Stadt fuhr, hatte sie die Gewohnheit angenommen, den gan- zen Tag in alten, weiten, ja sogar in ichmutzigen Kleidern umherzuziehen. Sich für Peter ordentlich zu kleiden, fiel ihr nicht mehr ein: sie war müde, gleichgültig, stumps und trotzig. „Und wenn wir alle krepieren müssen", schrie er ste an, „nichts gebe ich her, gar nichts". Es war sinnlos, was er sagte, er wußte«s. Und doch konnte er nicht anders. Wie unter einem Zwange mutzte er ihr webtun. mußte ste leiden machen.— Wie sonderbar! Er Haie stch selbst schon so und so oft gesagt'.„Fort mit der Landwirtschast! Es kommt eine andere Zeit: ich muß an die Verwirklichung meiner andern Projekt« gehen." Und doch gab er Kärchcn nicht Nach, er konnte nicht' nicht nagetgroß gab er her. Wenn er so oben am Gangscnster stand und seinen Vesitz übersah, biß er die Zähne übereinander: der loutv ihm bleiben, sein ganzes Herz hing an ihm, an der Heimat. Er hatte ihn wieder zum Felsenbrunner Hof ge- bracht, und er wollt« nicht, daß auch nur ein kleir wieder davon wegkam. In seinen Ohren summte da- Lied, das er sein« l>alte fingen hören, das er auch in seinen Wäldern Norden Amerikas nicht vergessen hatte:„Du bist mein Land". Kätchen sprach kein Wort mehr mit ihm: sie aß ni Tische, nur heimlich nahm ste Nahrung zu sich und die bösen und anklagenden Allgen scheu auf lhn ger wie ein lebendiger Vorwurf um ihn herum. Ts wurde nicht nur ein früher, es wurde auch stre Winter. Peter kam fich wie eingesperrt, wie in die Ei> verbannt vor, neben der wartkargen verbissenen Frau. Schnee lag schon vor Weihnachten wie eine Mauer um de. Hof, vom Hochwald scholl das Krachen berstender Bäume, es fror, daß die Kälte bis in den Stall drang. Dann kamen unerwartet wieder warme Sonnentage, die den Schnee auf» saugten und wieder strenger Frost, der die Wintersaat, die schön gekeimt, braun und rostig machte, daß ste aussah, al-, wolle sie stch wieder in die Erde verkrieche,«. Peter hatte ein ruhloses Wandern im Hause angefangen und stch in Erinnerungen und bösen Gedanken verloren. Mit einem Gefühl» gemischt aus Grauen und einer seltsamen Neu- gierd«, hatte er die Zimmer der Mutier aufgeschlossen und saß dort stundenlang über ihren Büchern starr vor Kälte, stets mit Empfindungen der Beklemmung und drs Gefangen» seins. Dennoch reizte es ihn, Schritt für Schritt ihrem Wesen nachzugehen, sich in ihre Sorgen und Qualen zu ver- senken und olles wieder aufleben zu lassen, was er selbst mit ihr und um sie gelitten. So nahte Weihnachten, und ste waren noch wie begraben im Schnee. Peter griff sich manchmal an den Kopf: war er denn noch derselbe Mensch, der die harten,»dstillen Winter da oben im Norden so kaltblütig ertragen, den die Kälte ge- stählt und aufgerüttelt hatte? Sein Kopf ward immer dumpfer und dumpfer, er verkroch sich immer mehr in fich selbst. Kätchen mied ihn und mied die Zimmer oben, die er sonst auch nichr betreten hatte: sie saß in de? Küche, wenn ste sich nicht in das Zimmer des alten Knechtes schlich. Am Weihnachtstag hatte der Alte ein kleines Bäumchen geholt und war gerade daran, ein paar Aepfel aufzu» hängen und Lichter aufzustecken, als ihn Kätchen nach dee weisen Frau und der Wärterin schickte. Mühsam, und ohns Peter ein Worr zu sagen, schleppte sie sich nach oben. '(Fortsetzung folgt.) Morgen, Sonntag früh, in Flugblattverbreitung der Stadtgemeinde Berlin von den bekannten Lofalen aus feinen Fall steht es ihnen zu, ich zu Sittenrintern aufzu werfen und Menschen, die die physische und seelische Not der Arbeitslosigkeit quält, unzart und schitanös zu behandeln. Die neuen Fernsprechgebühren Heute treten die neuen gesetzlichen Bestimmungen über die Fern Sprechgebühren in Kraft. Es werden von jetzt ab drei Arten von Gebühren erhoben. Eine einmal zu entrichtende Einrich tungsgebühr, eine Grundgebühr und die Ortsgesprächsgebühren. Die Einrichtungsgebühr wird als einmaliger Zuschus für die Herstellung eines Anschlusses erhoben. Die Grund= gebühr, die in festen Sägen erhoben wird, richtet sich nach dem Umfang des Ortsnetes. Die Ortsgespräch gebühren betragen für jedes von einem Anschluß aus geführten Gespräch 25 Big. Für Benutzung öffentlicher Fernsprechstellen ist ein Satz von 50 Pfennigen pro Gespräch in Aussicht genommen. Es wird be= absichtigt, solche öffentliche Fernsprechstellen in verfehrsreicher Gegend auch bei Privaten( Läden, Gastwirtschaften) einzurichten. Im übrigen fönnen sich auch private Teilnehmer bei Benugung ihres Anschlusses eine Vergütung zahlen lassen; wieviel sie sich dafür erstatten lassen wollen, ist der freien Bereinbarung überlaffen. Die Berrechnung der Steuermarfen Wiederholt ist darüber geflagt worden, daß die Steuerhebestellen Steuerfartenblätter zurüdweisen, auf denen der Arbeitgeber Steuermarten für die Zeit bis zum 30. März 1921( Rechnungsjahr 1920) und zugleich für die spätere Zeit( Rechnungsjahr 1921) eingeflebt sind. Mitunter werde auch verlangt, daß die für April 1921 oder später eingeflebten Steuermarten losgelöst und auf ein besonderes Blatt geflebt werben. 3weifellos ist das vorerwähnte Verfahren der Arbeitgeber nicht zu billigen, da es gegen den klaren Wortlaut der jeder Steuertarte vorgehefteten Bestimmungen verstößt, wonach für jedes Vierteljahr mit einem neuen Blatt zu beginnen ist. Um aber allen Beteiligten Weiterungen zu ersparen, wird für den Bereich des Landesfinanzamts Groß Berlin folgendes bestimmt: Die zuständigen Steuerhebestellen haben der= artige Rartenblätter abzunehmen und dem Steuerpflichtigen( Arbeitnehmer) neben der Steuerquittung für das Rechnungsjahr 1920 über die für das Rechnungsjahr 1921 gelebten Steuermarien eine Bescheinigung auszustellen. Die BeIcheinigung stellt für den Steuerpflichtigen einen Steuerausweis für das Rechnungsjahr 1921 dar und ist sorgfältig aufzubewahren. Der Neuköllner Urnenhain Der städtische Urnenhain Neukölln, der als Sonderanlage des allgemeinen Friedhofs an der Rudower Straße im Jahre 1915 anläßlich der immer mehr in Aufnahme kommenden Einäscherung verstorbener Personen errichtet worden ist, hat jetzt eine neue Einteilung erfahren. Die gesamte innere Anlage von 2000 qm Raumgröße stellt nunmehr eine geschmackvolle Gruppierung zahl reicher, durch Heden in sich abgeschlossener Urnenquartiere dar. Für jedes Einzelquartier besteht größtmöglichste Ausnußungsfähigkeit, so daß insbesondere Familien Gewähr für eine ge meinsame Beisehung aller Angehörigen gegeben ist. In An betracht der Tatsache, daß immer weitere Kreise der an sich auch billigeren Feuerbestattung den Vorzug geben, hat die neue Begräbnisstätte erhöhte Bedeutung gewonnen. Die Bezirksversammlung des 12. Berwaltungsbezirks( Steglitz, Lichterfelbe, Lantwig) hielt am Mittwoch eine Sigung ab. Wegen des herrschenden Raummangels in den Gemeindeschulen hatte unfere Fraktion einen Antrag gestellt, die Bezirksversammlung möge beschließen, den Magistrat zu ersuchen, fofort mit dem Neubau einer Doppelgemeindeschule zu beginnen. Der Antrag wurde vom Genossen Leue begründet. Er fennzeichnete die herr Schenden Mißstände und verlangte schleunige Abhilfe. Für die höheren Schülen würde alles Mögliche getan, für die GemeindeSchulen habe man nie Geld. Da wir nicht in der Schuldeputation vertreten sind, so müßten wir alle Misstände hier öffentlich zur Sprache bringen. Unser Antrag wurde angenommen. Eine interessante Aussprache gab es bei dem Antrag der Rechtssozian, welcher die Anschaffung der schwarz- rot- goldenen Fahnen en Bezirt verlangte, und daß an republikanischen Fest- und ftagen geflaggt werden soll. Die Begründung durch die Sozialisten bewegte sich nur im Bitten an die Bürgerlichen, doch dem Antrage zustimmen möchten. Diese erklärten daß fie an den schwarz- weiß roten Farben Iten. Für unsere Partei sprach Genosse Frach. Er er daß es nicht auf die Fahne auf dem Rathause ankomme, n auf den Geist der Leute, die im Rathause maßgebend find. Geist ist jedenfalls nicht der Geist der Republik, sondern eift, der vor dem Kriege herrschte. Der Antrag wurde abhnt. ezirksverfammlung des 17. Berwaltungsbezirks( Lichtenberg). Erledigung der geschäftlichen Mitteilungen und Vorthme verschiedener Wahlen zu den Bezirksorganen, gab Bezirks rordn. Arndt einen Bericht der Wohnungs- Beschwerdefommis on betr. Ueberlaffung von Wohnräumen im Schlosse Biesdorf an die Schupo. Unsere Genossen geißelten das eigenartige Verhalten der Kommission, daß bei einer Beschwerde gegen das Wohnungsamt nur ein Beamter desselben gehört wird, aber davon abficht, die Zeugen der Beschwerdeführer gleichfalls zu hören. Der Berichterstatter vertrat den Standpunti, das, was in den Aften nicht stände, eriftiere für ihn nicht. Unser Antrag auf 3u= rüdverweisung an den Ausschuß wurde ange nommen. Ein Antrag, Maßnahmen zu treffen, um mit Beginn ber Quäferspeisung gleichzeitig die Schulspeisung aller Kinder der Erwerbslosen und sonstiger Bedürftiger einzuführen, wurde angenommen. Desgleichen fand ein Antrag, aus Borbehalts: mitteln der Bezirksversammlung 30 000 Mart zur Bekämpfung her Scundliteratur und 20 000 Mart für die Jugendbühne zur Verfügung zu stellen, Annahme. Jin 15. Verwaltungsbezirk ist jetzt die Einrichtung von zweimal wöchentlich abzuhaltenden Märkten in Johannisthal, Treptow und Baumschulenweg beschlossen worden, nachdem man mit den Märkten in Oberschöne veide und Adlershof gute Erfahrungen gemacht hat. Für andere Vermeltungsbezirle liegen gleiche Anträge vor. Nach Ansicht der Behörden hat der leistungsfähige anlässige Gewerbetreibende den Wochenmarkt als Konturrenz nicht zu fürchten. Mehr Rüdsicht auf die Laubenkolonisten! Die Bestrebungen der Lanbentoloniften finden noch immer nicht die Unterstützung der in Betracht kommenden Behörden, die sie im Hinblid auf die gesundheitsfördernde und wirtschaftliche Bedeutung, die ihnen zuzusprechen ist, beanspruchen dürfen. Wiederholt gehen uns 3u chriften zu, in denen lebhafte Klagen über mannigfache Nachteile geführt werden, unter denen die Kolonisten dadurch zu leiden haben. Besonders schwere Mißstände scheinen in der Kolonie an Der Liebenwalde Groß- Schönebeder Kleinbahn zu herrschen. Es ist Pflicht der beteiligten Behörden, für Ab hilfe zu sorgen. Proletarische Kindergärten. Meldungen zur Teilnahme an dem Einführungsturfus find sofort an die Genossen Löwenstein( nicht Löwenfeld, wie es infolge eines Drudfehlers in der am Donners tag abend veröffentlichten Notiz heißt), Neukölln, Rathaus, und Kulisch. Bezirksamt Wedding, schriftlich zu richten. Ein Jubilar. Auf eine 25jährige Zugehörigkeit zur Partei fann in diesen Tagen der Genosse Wilhelm Erich, Ebertystraße 12, der dem 17. Distrikt der 9. Abteilung des 409. Bezirks angehört, zurücbliden. Möge der treue Genosse uns noch lange erhalten bleiben! Oeffentliche Wählerversammlung heute, abends 7 Uhr, BiesdorfSüd bei Dieg, Köpenider Straße. Gewerkschaftliches Die Holzindustriellen als provokateure! Schups als Helfershelfer Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiter- Berbandes hatte zum 30. September 1921 eine Massenversammlung der streitenden und arbeitslosen Holzarbeiter nach der„ Neuen Welt", Hasenheide, einberufen. Diese Gelegenheit hat die Firma Grostus, unter Führung des zweiten Obermeisters der Tischlerinnung, Herrn Barsdorf, benugt, um einen Transport von Gegenständen, die bei der Firma Groschtus angefertigt wor den sind, nach der„ Neuen Welt" zur Eröffnung der Tabatausstellung zu befördern. Unter Zuhilfenahme der Schupo, die mit Revolverfanonen und Karabinern bewaffnet war, trafen um 10 Uhr vormittags in zwei Möbelwagen die Gegenstände ein. Die Streifenden haben diesen Vorgang beobachtet und versuchten die Saußpolizei von dem Streit in der Berliner Holzindustrie zu informieren, was zur Folge hatte, daß einer der Streitenden verhaftet und auf ein mitgebrachtes Last auto geworfen wurde. Als der Verhaftete pom Wagen aus seine Kollegen über den Borgang informierte, hatte der auf dem Wagen stehende Wachthabende sogar den elenden Mut, den Karabiner zu entsichern und auf den Berhafteten anzulegen. Wenn die Besonnenheit der Solzarbeiter nicht gefiegt hätte, wäre das größte Unheil angerichtet worden. Diese Maßnahme erregte unter den 5000 bis 6000 anwesenden Holzarbeitern eine außerordentliche Erbitterung, und es wurde nach Feststellung der Personalien erwirkt, den Gefangenen freizubekommen. Der Arrangeur der ganzen Affäre, der zweite Obermeister der Tischlerinnung, Herr Borsdorf, versuchte mit allen Mitteln, daß die auf dem Sof angefahrenen Gegenstände am Ort bleiben sollten, was die streitenden Holzarbeiter, nach diesen Vorgängen, unter feinen Umständen zugaben. Um nicht den ganzen Vorgang auf die Spize zu treiben, wurde ermöglicht, Die angefahrenen Gegenstände nach ihrem Ausgangsort zurüc zubefördern, was dann auch versprochen wurde. Die Schutzpolizei brachte nunmehr den Transport in die Kaserne in der Blücherstraße, und als auch hier wieder die Streitenden dagegen protestierten, wurden wiederum vier Holzarbeiter verhaftet und mishandelt. Die Empörung der ganzen Arbeiters Schaft wird durch diese Borgänge ausgelöst, und Kutschern, die sich zu solchen Zwedn mißbrauchen lassen, müßte die Scham töte ins Geficht teigen. Wir möchten die Frage aufwerfen:" 3ft die Schupo zum Schuh privattapitalistischer Interessen bei wirtschaftlichen Kämpfen eingelegt oder ist sie eine Einrichtung des Staates, die auch der Arbeiterklasse zur Verfügung steht?" Es ist an dieser Stelle schon wiederholt auf Uebergriffe jener Leute hingewiesen worden. Nicht nur, daß sie einseitig die privattapitalistischen Machtgelüfte unterstützen, sondern sie leisten auch Arbeitswilligen- Dienste. Die Holzarbeiterschaft protestiert auf das entschiedenste gegen solche Vorgänge und glaubt nicht, baß der Berliner Polizeipräsident zu einem solchen Vorgehen seine Zustimmung gegeben hat und erwartet, daß nach dieser Richtung hin sofort Abhilfe geschaffen wird. Welche Wirkungen durch das Vorgehen des Obermeisters Borss dorf auf die Streifenden ausgelöst werden, wird sich bei eventi. Wiederaufnahme der Arbeit zeigen, denn es besteht die Gefahr, daß durch solche Provotationen die Berliner Holzarbeiter selbst nach Beilegung des Konflittes sich reiflich überlegen wer den, ob mit jenen Leuten vom Schlage Borsdorf überhaupt noch Verbindungen aufzunehmen sind. Zum Kampf der oftarbeiter Am 30. September nahmen die streitenden und arbeitslosen Holzarbeiter erneut Stellung zum Kampf in der Holzindustrie. Bor zirka 6000 Kollegen gab Kollege o ele einen furen Rüds blid auf die zurüdliegende Kampfzeit und hilderte die Situation, die sich nach dem vom Schlichtungsausschuß gefällten Schiedsspruch ergeben hatte. Wieder waren die Parteien zusammengetreten, um die Streitobjekte aus dem Wege zu räumen, doch scheiterte diefer Versuch und mußte scheitern, da die kleine noch übrigge bliebene Gruppe der Tischlermeister absolut und unter allen Um ständen den Tischlern und Holzarbeitern Verschlechterun gen aufzwingen wollen. Am 25. September bemühte sich ein Vertreter des Landesarbeitsamts, erneut eine Verhandlung, vor dem Reichsarbeitss ministerium einzuleiten, wozu wir unsere Zustimmung gaben. Boese, von der Streitleitung, nahm an dieser Besprechung teil, doch auch hier waren es die paar Arbeitgeber, die jede Verständigung unmöglich moten. Run trat der Demobilmachungstommiffar auf den Plan und stellte mit Zustimmung der Parteien ein freiwilliges Schiedsgericht aufammen, um endgültig den Kampf beizulegen. Schon 3 Tage wird über die strittigen Fragen verhandelt und fein jultat erzielt. Tekt wird der Demobilmadungsfemmiffar ein Schiedsgericht von Amts wegen einlegen, das am Montag den 3. Oktober, einen Schiedsspruch fällen wird. Für uns als Holzarbeiter gibt es nur die eine Frage: hat der Reichsmantelvertrag auch seine Wirksam feit für die fleine Gruppe der übriggebliebenen Tischlermeister Berlins oder nicht? Diese eine Frage ist zu beantworten. Der Kampf der Holzarbeiter zieht auch Produktionsstockungen anderer Industrien nach sich, und so ist es um lo mehr an der An unsere Abonnenten! Um unseren Zeitungsansträgerinnen die Arbeit zu erleichtern und um ihnen unnötige doppelte Wege zu ersparen, bitten wir unsere Abonnenten, das Abonnementsgeld für den laufenden Monat stets in den ersten Tagen des Monats zur Abholung bereitzuhalten. Durch dieses eigentlich selbstverständliche Ents gegenkommen der Abonnenten wird die ununterbrochene pünktlige Weiterbelieferung am besten gewährleistet. Wir machen ferner darauf aufmerksam, daß alle Freiheit"-Epe. bitionen und Ausgabestellen Bestellungen auf Bücher, Broschüs ren, Inserate und fleine Anzeigen jederzeit entgegennehmen. Beschwerden über unpünktliche Belieferung find zuerst in der Sollte diese feine zuständigen Spedifion anhängig zu machen. Abhilfe schaffen, so wende man sich direkt an den Verlag, Berlin C. 2, Breitestraße 8-9. Zeit, daß diefer Kampf beendet wird. Bei diesen legten Verhandlungen vor dem Demobilmachungsfommissar ist auch die Lonfrage berührt worden, und wie blutiger Hohn flingt es, wenn den Holzarbeitern 6.90 Mart Stundenlohn für Durchs schnittsarbeiter und 10 Prozent weniger für Mindestarbeiter ges boten wird. Die Kollegen von Hamburg haben ohne Kampf 8.80 Mart erreicht und den belinern bietet man 2 Mart pis Stunde weniger. Boese teilte mit, daß der Lohn der zu Anfang des Kampjes gefordert wurde, nicht mehr den jeweili gen Verhältnissen entspricht und auf 9 Mart Mindest und 9,50 Mart Durchschnittslohn durchgeführt werden muß. Jn der kommenden Woche merden erhöhte Ertraunterstützungen an die im Kampf stehenden Kollegen ausgezahlt. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen und den Majs nahmen der Streifleitung durch stürmische Zustimmung Anerfens nung erteilt. Nach Schluß der Versammlung ereigneten sich di= verse Borkommnisse, über die wir separat berichten werden. Gegen die Schlichtungsordnung Die Charlottenburger Gewerkschaftstommission beschäftigte sich in ihret letzten Sigung am 27. d. M. u. a. mit der Schlichtungsordnung, über die hier schon oft und eingehend gesprochen wurde. Die Versammelten sehen in der Schlichtungsordnung ein reines Antistreifgejes, das Der nur zur weiteren Knebelung der Arbeiterschaft führt. A. D. G. B. wurde aufgefordert, gegen dieses Gesetz zu wirken und dessen Annahme zu vereiteln. Hoffentlich gelingts. Die leidige Angelegenheit des Bahn moerfouis nom verfouften Vollshaus wurde dahin erledigt, daß dem Gen. Reinsch, nach DarStellung des Sachverhalts, feine Schuld zugemessen werden tann und man zur Tagesordnung überging. Hierauf wurde die Aufstellung von acht Kandidaten nebst dazugehörenden Erfah männern zu den bevorstehenden Wahlen um Borstande der Algemeinen Ortstrantentasse für den Stadtfreis Charlottenburg glatt vollzogen. Außerdem erging noch eine Aufforderung zur Propaganda für die Sausangestelltenversammlung in den Spicherfälen am 6. Oftober. Berfchärfte Situation im Versicherungsgewerbe Der Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmunge hat den Vergleichsvorschlag des Reichsarbeitsministeriums vou 24. 9., die Gehaltsläge bett., abgelehnt. Das gleiche Resulta hatte eine Abstimmung unter den im Zentralverband der Angs stellten organisierten Bersiherungsangestellten ergeben. Die hie durch entstandene gespannt Situation erfährt noch eine Verihäs fung dadurch, das jetzt der Arbeitgeberverband auch die allgemeing Bestimmungen der Reichstarifverträge vom 3. 3. und 9. 4. d. zum 31. Dezember d. I gefündigt hat. Diese Kündigung zeigt, daß der Arbeitgeberverband die Zeit für gekommen hält, dem Rahmentarif Berschlechterungen vorzunehmen. Dice Absicht wird auf die ohnehin auf Rampf eingestelle Stimmung der Versicherungsangestellten sicher nicht berul gend wirken. Sollten es die Arbeitgeber zum legten Schritt to men lassen, so sind die Angestellten infolge ihrer miserablen G haltsverhältnisse der Sympathie der weiten Deffentlichkeit fiche, Bimmerer Groß- Berlins! Auf Grund der vielen Anfragen veröffentlichen wir hier e mal das letzte Lohnabkommen mit der Bitte, daß sich unite Mitglieder diese Beröffentlichung aufheben. Nachtrag. Zwischen dem Verband der Baugeschäfte on Groß- Berlin, E. B., und dem Zentralterband der Zimmer Deutschlands, Zahlstelle Berlin und Umgegend, ist folgender Nch trag zu dem Bezirksiariforcag vom 20. Juli 1920 vereinbrt morden: I. Der§ 4, 3iffer 1, erhält felgende Fassung: ez Stundenlohn beträgt für immerer vom 25. Ceptember 1921 ab 9,30 M. Die im§ 4. 3iffer 6 festgesetzte Werkzeugentschädigung beträgt 15 Pf. pro Stunde. Die übrigen Bestimmungen difes Baragraphen bleiben unverändert. II. Durch vorstehende Lan vereinbarung lommen alle Zulagen und Vergünstigungen in Fortfall, die außerhalb des Tarifvertrages und ohne Genehri gung der Schlichtungskommiffion bisher gewährt worden in soweit der Wochenbetrag dieser Zulagen den Betrag von 70,50 07 nicht übersteigt. In den Fällen, in denen der Wochenbetrag ber Zulagen größer ist als der Wochenbetrag der Lohnerhöhung, loll in Zukunft nur der 70,50 M. übersteigende Betrag fortgezah werden. Ferner ersuchen wir hierdurch bringend alle Vertrauensleut die Urlaubslisten über alle diejenigen Kameraden, welche bi zum 30. September 1921 40 Wochen bei einer Firma beschäftig find, dem Vorstand bis spätestens 5. Oftober einzureichen. Die Arbeiterfürsorge auf Bauten in Groß- Berlin Der Berliner Polizeipräsident hat nach Anhörung des B Standes der Tiefbau- und der Nordöstlichen Bargenerfsberut genossenschaft und unter Zustimmung des Magistrats folgend verordnet: Der in§ 9 der Polizeiverordnung vom 18. Febru 1913 bezeichnete Zeitraum für die Dichtung der Arbeitstän auf Bauten wird auf die Zeit vom 1. Ottobei bis 1. April festgelegt. Gleichzeitig wird die Polizeiterordn Dom 18. Februar 1913 für den gesamten Bezirt der neuen G gemeinde Berlin für gültig erklärt und insoweit die Poli verordnung des Regierungspräsidenten in Potsdam vom 24. zember 1912 aufgehoben. er en Sogenannte Fabrikanten. Unter dieser Spigmarke bran wir in Nr. 439 eine Einsendung des Fabritarbeiterverbandese sich mit den Betriebsverhältnissen der Firma Franz A Charlottenburg, Calvaniſtraße 6, beschäftigte. Dazu erhalten jetzt eine Berichtigung, in der es unter anderem heißt: Betriebsrat ist alsbald gewählt worden, nachdem die Arbeite die erforderliche Höhe hatte. Ursprünglich beschäftigte Herr nur sieben Lente. Der fragliche Verbandsvertreter wurdon Herrn Aben gewaltsam aus der Fabril entfernt, weil er lies Hausfriedensbruches schuldig gemacht und nach Mitteilung schiedener Arbeiter versucht hatte, fie von der Arbeit abzuen. In der Fabrif des Herrn Aben werden ca. 25 Prozent der er über Tarif bezahlt. Das Betriebsratsmitglied Leder ohne Kündigung entlassen, weil es tätlich gegen eine Arbin vorging und diese hierdurch in die Gefahr fam, in eine maschine zu geraten. Da Leder schon zuvor sich unbotma nommen hatte, war ihm gelagt worden: er fei der er ber fliege". Es wird in der Fabrit des Herrn Aben stren gestellt sind. Entsprechende Anschläge befinden sich unbar geachtet, daß die Sicherungen an den Seifenpressen nie. über den Pressen." " be be auf abe er gen bie f In unferer Mitteilung war zunächst nicht die Rede dar obige Firma früher andere Produfte erzeugt hat. Desa brigte sich der erste Teil der Berichtigung". Die eige Betriebspältnisse dort werden dadurch gekennzeidne! Gewerbeinspektion an den Verband unterm 2 schrieb, daß die Firma entsprechend belehrt u und, falls nicht Ashilfe erfolgt, anheimgestel wird, anzeige§ 99 d. 6.) zu erstatten". triebsversammlung vom 18. 9. wurde erft feftgeftellt, Sicherungen an den Seifenpressen nicht benügte Daß ein erfahrener Verbandsvertreter Hausfriedensbrucht, die Arbeiter von der Arbeit abhält und deshalb vem Gentleman Aben gewaltfam entfernt wird, wie er bt, ift so albern, baß jeber Kommentar fich darüber erübrigt. Und in ee Trennung von Staat und Kirche Preußischer Landtag Freitag, 30. September Das Haus erledigt zunächst fleine Anfragen. Abg. Kleinspehn ( U. Soz.) fragt an, wer die Bestellung eines Salonwagens für Hindenburg zur Kyffhäuser- Feier veranlagt hat und wer die Kosten trägt. Ein Regierungsvertreter antwortet. daß nach dem Uebergang der preußischen Bahnen auf das Reich das Reichs. verfehrsministerium zuständig sei und daß die preußische Staatsregierung feine Auskunft geben tönne.( Gelächter links.) Auf die Anfrage des Abg. Müller- Breslau( Soz.), was die Regierung gegen den orge, chfreundlichen Polizeipräsidenten von Breslau zu unternehmen gedente, wird regierungsseitig erklärt, daß der Polizeipräsident in den einstweiligen Ruhestand verseht sei und daß dadurch sich eine weitere Stellung nahme erübrige.( 3uruf bei den Soz.: Er erhält aber Pension!). Aussprache über die Milchverforgung Abg. Peters- Hochdonn( Soz.): Die hohen Preise für Kälber haben dazu geführt, daß diese geschlachtet werden, und daß die Aufzucht von Milchtühen fast völlig unterbleibt. Es ist Tatsache, daß unerhörte Mengen von Brotgetreide und Milch an das Bich vers füttert werden. Wer jezt noch von einer Not der Landwirtschaft jpricht, verhöhnt die Not der städtischen Arbeiterschaft. Gegen die frivolen Aufforderungen der Landbünde zum Lieferstreit muß von der Regierung mit aller Entschiedenheit vorgegangen werden. Abg. Jürgensen( USP.) Landarbeiterlöhne bis zu 30 000 m. jährlich, von denen die Abg. Deutsch sprach, gehören in das Reich der Fabel. Vielmehr läßt die Entlohnung der Landarbeiter noch sehr viel zu wünschen übrig. Sie hält sich in sehr vielen Fällen noch bedeutend unter den abgeschlossenen Tarifverträgen. Die ländlichen Wohnungsverhältnisse sind vielfach noch sehr unbefriedigend. Die Herstellung von Trockenmilch muß unterbleiben. Das Streitrecht lassen sich die Landarbeiter niemals nehmen. ( Zuruf des Abg. Conrad( Dn.): Dann dürfen Sie sich auch nicht über den Lieferstreit wundern! Gleiches Recht für alle!) Ich stelle fest, daß ein Abg. der Rechten die Frechheit besessen hat, den Lieferstreit offen zu verteidigen.( Redner erhält einen Ord= nungsruf.) Die Not erfordert schleunigste Abhilfe. Ein Vertreter des Staatskommissars für Boltsernährung: Die Reichsregierung erwägt Maßnahmen zur Steigerung der Milchproduktion. Hierzu sollen Reichsmittel zur Verfügung gestellt werden. Die Erwägungen sind aber noch zu teinem Abschluß gelangt. Die Kommunalverbände müssen sich durch Liefe rungsverträge, die nötige Milch sichern. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Milch möglichst nur für Zwecke der unmittelbaren Er nährung verwendet wird. Allerdings hat eine Trodenanstalt, die der Aba. Jürgensen anführte, die Genehmigung zur Verarbeitung von 20 000 Litern Milch erhalten. Diese Menge ist aber bereits mefentlich herabgelegt worden. Durch Verordnung ist die Herstellung von Schlagsahne grundsäglich verboten worden. Der Erlaß eines Berbotes der Herstellung fünstlicher Schlagsahne steht bevor. Abg. Milberg( Dn.): Der Lieferstreit ist nur als ultimo ratio gedacht.( Gelächter lints.) Abg. Frau Ege( Goz.) beantragt in ihrem Schlußwort Weberweisung der sozialdemokratischen Anträge an den Hauptausschuß. Abg. Frau Christmann( U. Soz.): Die Abg. Frau Deutsch hat fortwährend von der Not der Landwirtschaft gesprochen. Kennt ie nicht die Not der armen Mütter? Landwirte haben offen er flärt, wenn wir nicht angemessene Preise erhalten, gießen wir die Milch lieber in den Straßengraben! Man darf nicht nur die Her ftellung von Schlagsahne verbieten, sondern man muß auch dafür ach sorgen, daß das Verbot durchgeführt wird. Die Anträge gehen an den Hauptausschuß. 25 Es folgt die Beratung des Antrages Braun und Gen.( Soz.) auf Ablösung der Staatsleistungen an die Religionsgemein Ichaften. Abg. König- Swinemünde( Soz.): Die Reichsverfassung ist nun Ichon zwei Jahre in Kraft. Art. 138 bestimmt, daß baldigst die Grundsäge für die Ablösung aufgestellt werden sollen. Es ist an der Reit, daß uns endlich eine entsprechende Vorlage zugeht. Bei der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche darf allein der Rechtsstandpuntt maßgebend sein. Je länger fie hinausgeschoben wird, desto schwieriger wird sie. Das Interesse der Religionsgesellschaften selbst macht sie notwendig. Abg. Dr. Kriege( D. Bp.): Wir sind für den Sozialdemokrati schen Antrag, wenn in ihn hineingefügt wird, daß bei der Ahlösung der Staatsleistungen auf die Lebensnotwendigkeit und die Bedeutung der Religionsgemeinschaften auf die Volksgemeinschaft Rücksicht genommen wird.- Abg. Wildermann( 3tr.): Es darf nicht übersehen werden daß den Ausgaben des Staates für die Religionsgemeinschaften auch Leistungen ihrerseits gegenüberstehen. Abg. Koch- Deynhausen( Dn.): Eine Trennung von Staat und Kirche ist nicht möglich. Beide sind voneinander abhängig und aufeinander angewiesen.( Redner hält darauf eine wüste Schimpfrede gegen die Republik und die Sozialdemokraten.) Abg. Kleinspehn( USP.) Als Ende Juni vorigen Jahres der Landesversammlung die Vorlage zugegangen war, die die Verfassungsänderung der Kirche in den alten preußischen Provinzen regeln sollte, geschah diese Regelung unter Zustimmung aller Parteien des Hauses mit Ausnahme der U.S. P. Heute sehen wir nun, wie aus dieser Ursache immer mehr und mehr diejenigen Fattoren in der Kirche gestärkt werden, die gegen das staatliche Interesse von heute stehen und immer wieder versuchen, der Republik die größten Hindernisse zu bereiten. Die preußische Republit gibt, von diesem Gtandpunkt aus betrachtet, die Millionen, die sie heute für die Kirche aufwendet, ihrem allerschärfsten Gegner. Denn sie stärkt mit der Zuwendung dieser Mittel einen Feind, der mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln versuchi, die Republik zu befämpfen, an ihrer Vernichtung mitwitlt und der darauf ausgeht, so schnell wie möglich ihren Sturz herbeizuführen. Es kommt der Kirche nicht darauf an, daß sie die weitestgehende Möglichkeit hat, zu ihrer firchlichen Betätigung das Wort Gottes zu verbreiten und die Instrumente zu verwalten. Sie will eine bestimmte politische Staatsform, ein bestimmtes politisches System vorbereiten. Des= halb empfinden wir es als Staatsbürger direkt als eine Un= ehrlichteit, daß das Verhältnis von heute aufrechterhalten wird. Bei der Betrachtung solcher Dinge zeigt sich immer wieder von neuem, und das muß gesagt werden, weil sonst nicht klar wird, warum wir eine derartige Stellung gegen die heutige Kirche einnehmen, daß die Kirche von hente auf die Erhaltung einer bestimmten Wirtschaft, auf die Erhaltung des Kapitalismus eingestellt ist. Das trifft nicht nur auf die evangelische, es trifft auch auf die katholische Kirche zu.( Sehr richtig! bei der U.S. P.) Da sehen wir gar feinen Unterschied, im Gegenteil, ich glaube, daß die katholische Kirche noch eine viel feiner angepaste Organisation zur Erhaltung dieses Prinzips hat, denn sie weiß sich bei jedem Zeitwechsel immer mehr die zeitgemäßen Organisationen zu schaffen. Unsere Forderungen sind also nicht religionsfeindlich, sondern wir erheben Protest gegen die Tätigkeit der heutigen Kirche. Der heutige. Staat muß unter allen Umständen das Religiöse vom Politischen trennen. Wir müssen dafür sorgen, daß das firchliche Leben Dom staatlichen Leben vollständig geschieden wird, denn nach der Umwälzung des Staates ist diese Trennung auch vollständig gegeben. Der preußische Staat ist heute ohne König, die Kirche ohne ihr bisheriges Oberhaupt, also auch in dieser Be ziehung ist die Verbindung vollständig zerrissen. Diese beiden Organe find auseinandergefallen, und ist es ganz folgerichtig. daß nun aus dieser geschichtlichen Tatsache auch rechtlich die Folge gezogen wird. Je firchlicher sich ein Staatsregime in den letzten Jahren drapiert hat, desto un religiöser ist es im Grunde gewesen.( Sehr wahr! links.) Ich brauche nur an das Horthy- Regiment in Ungarn zu erinnern. Und ist es in der Ordnungszelle Bayern anders gewesen? Was haben wir da in den letzten Jahren alles erleben müssen. Ist der Mord an meinem Parteifreund Gareis nicht unter dem Regime firchentreuer Männer vor sich gegangen? Unter der Herrschaft eines Kahr, eines Boehner und eines Dr. Roth? Waren die Männer, die den Mord propagiert haben, nicht vielleicht solche, die in ihrem täglichen Religionsunterricht gehört haben: Du sollst nicht töten, bu sollst deinen Nächsten lieben wie bih selbst?( Gehr wahr! bei der U. 6. B.) U.S. Wir wollen, daß die Kirche, die es nicht vermocht hat, religiöses Leben zu verinnerlichen, endlich einmal ausscheidet aus den öffentlichen Einrichtungen. Der Kirche ist es niemals möglich gewesen, religiöses Leben in größerem Umfange zu verinnerlichen. Religion tann nur dann Tat werden und die Religion ist nur dann Zwed für die Allgemeinheit, wenn durch sie die Gemeins schaft und das Leben der Gemeinschaft etwas Lebendiges wird. Solche Religion fordern wir und wollen wir auch haben. Eine solche Religion fann natürlich nur getragen sein von starten Persönlichkeiten, denen ist dann Religion persönliches Leben. Solche Persönlichkeiten können nur werden unter einer ganz anderen Arbeitsart, unter einer ganz anderen Arbeitsgemeinschaft, als wir sie heute haben, nur unter der Herrschaft des Sozialismus.( Lebhafter Beifall bei der U. S. B.) Das Haus vertagt sich. Nächste Sizung Sonnabend 11 Uhr: Weiterberatung. Kleine Vorlagen. Eine fozialpolitische Tragikomödie P. L. 3ur selben Zeit als im Jahre 1911 eine, wenn auch nur äußerliche Zusammenlegung der Kranken-, Unfall- und Invaliden- Versicherungsgesehe( Reichsversicherungsordnung) stattfand, wurde den Handlungsgehilfen, Tech nifern, Wertmeistern, Bureau- Angestellten usw. unter dem Namen„ Versicherungsgesetz für Anges stellte" eine neue besondere Invaliditäts-, Alters- und Hinterbliebenen- Versicherung beschert. Diese Sonderversicherung war von den Angestellten teis neswegs verlangt worden. Was sie wünschten, waren höhere Leistungen, nicht aber eine besondere Gesetzes for m. Nicht nur die freien Angestelltengewerkschaften, sondern auch die bürgerlichen Angestelltenverbände waren gegen eine weitere organisatorische Zersplitterung der Sozialversiches rung. Denn noch im Jahre 1907 beschlossen die Vertreter dieser bürgerlichen Verbände einer weiteren Zersplittes rung des Versicherungswesens vorzubeugen und den Bestres bungen der Regierung nach einer Vereinheitlichung der Or. ganisation der Versicherungsgesetze nicht entgegenzumira fen. Darum wurde die Angliederung der Privatangestellten- Versicherung an die Arbeiterversicherung empfohlen, wos bei daran gedacht wurde, die verwaltungstechnischen Eins richtungen dieser Versicherung für jene nutzbar zu machen. Durch die gemeinsame Benutzung desselben Verwals tungsapparates würden die Verwaltungskosten für beide Versicherungseinrichtungen erheblich vermindert und die eine fönnte die Erfahrungen der anderen gleichmäßig vers werten. Auf dieser Grundlage erscheint die Lösung der schwierigen Frage verhältnismäßig am einfachsten erreich bar."( Bericht der Siebenerkommission an den Hauptauss Гадив, 1907.) Die damalige Reichstagsmehrheit und die Regierung haben den Angestellten aber feine höheren Leistungen, das für jedoch eine neue Versicherungs for m gewährt, womit sich ein Teil der bürgerlichen Angestellten führer abgefunden hatte. Nach Schaffung des besonderen Versicherungsgesetzes für Angestellte wurde ofjendar, daß sich feine bestimmte Grenze dafür finden ließ, wer als versicherungspflichtiger Angestellter oder als versicherungspflichtiger Arbeis ter zu gelten hat. Aus den Jahresberichten der Reichss versicherungsanstalt für Angestellte( R. f. A.) geht hervor, daß sich diese fortdauernd trampshaft berüht, Richtlinien zu finden, die die endgültige Klarstellung der Frage bringent soll, wer der Angestelltenversicherungspflicht unterliegt. Die Poliere, das sind die Werkmeister im Baugewerbe, hatte man beispielsweise für die Zeit von 1913 bis 1917 in die Angestelltenversicherungspflicht einbezogen. Nach einem Echreiben vom 7. Februar 1917 sind die Poliere indes wie der aus der Angestelltenversicherung hinausgeworfen wors den. So wie den Polieren geht es auch anderen Angestell tenberufsgruppen und vielen, vielen einzelnen Angestellten. Aus folgendem Beispiel mag der Leser ersehen, mit welchen Lingen sich die Gelehrten der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte ihre Zeit vertreiben und zu welchem Zwecke die Gelder der Angestelltenversicherung verwendet werden. Nach den amtlichen Nachrichten der R. f. A. vom Mai 1921 hat das Direktorium der R. f. A. einen Lokomotive Aufseher, dem etwa zehn Lokomotiv- Führer und zwanzig Lokomotiv- Heizer unterstellt waren, als versicherungspflicht tigen Wertmeister zur Beitragsleistung herangezogen Die zuständige Landes- Versicherungs- Anstalt hatte sic ebenfalls dahin geäußert, daß der betreffende Lokomotivs Aufseher angestelltenversicherungspflitig sei. Weil aber der Unternehmer( ein großes Hüttenwer!) die Angestelltenversicherungsbeiträge nicht zahlen wollte, fam die Sache vor den Rentenausschuß der Angestelltenvers sicherung, der den Lokomotiv- Aufseher als einen Arbeiter bezeichnete, der nicht angestelltenversicherungspflichtig sei. Danach hat das Echiedsgericht der Angestelltenversicherung den Lokomotiv- Aufseher als einen versicherungs pflichtigen Angestellten bezeichnet. Die später ans gerufene höchste Instanz der Angestelltenversicherung, näm lich das Oberschiedsgericht, hat ihn endgültig zum Arbei ter gestempelt. Und zwar ist die Frage, ob dieser Lokomos tiv- Aufseher vom 1. Januar 1913 ab nach dem Versicherungss gesetz für Angestellte versicherungspflichtig sei oder nicht, erst am 13. Oftober 1920 endgültig beantwortet worden. Es hat also beinahe acht Jahre gedauert, bis man diese DEGEASpar Glühkörper 25% den Hellstes Licht bei geringstem Gasverbrauch Gas Ersparnis Bestes Erzeugnis der Auerlicht Gesellschaft, Berlin O.17 Montag, 3. Oktober 1921 Dienstag, 4.Oktober 1921 den bleiben unsere unsere Häuser geschlossen HERMANN TIETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE ,, Feuerhand" die moderne Patentkarbidlampe, die kolossale Lichtersparnis durch außerordentlich geringen Karbid verbrauch Bis 15.Oktober Preis m.Glocke 33.00 MkNach außerhalb gegen Einsendung v. 36.00 Mk. fr. Haus Was sagen Sie zu der allgemeinen Preissteigerung? Alles ist teurer geworden wir haben unsere Preise noch nicht erhöht. Die Verhältnisse zwingen uns selbstverständlich auf die Dauer ebenfalls dazu. Wir sind gezwungen, vom 15. 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Wer fich für verhältnismäßig billiges Geld amüsieren will, dem ist Schlechte Aussichten für Monarchisten licht lange erhalten will. Darum schlicht er vierjährige Lehrzu empfehlen, sich die amttlichen Nachrichten der R. f. A. อน kaufen, er wird darin öfter ähnliche Entscheidungen finden. Das Direktorium der R. f. A. berichtet für das Jahr 1920, baß es 3362 Beamte habe, wozu noch die Beamten des Rentenausschusses, des Schiedsgerichts und des Oberschiedsgerichts tommen. Im selben Jahresbericht wird außerdem mitgeteilt, daß man sich ein Haus baue, das nur 1500 Beamte umfaffe, weil man in Zukunft mit dieser Zahl auskommen werde. Gegenwärtig ist der Verwaltungsapparat der Angestelltenversicherung nämlich so großartig organisiert, daß man rund 2500 Beamte in Zukunft entbehren zu fönnen hofft. Bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte liefen Ende 1920 folgende Renten: 1081 Ruhegeld- Renten, die einen Jahresaufwand von 164 Krantenruhegelder, die einen Jahresaufwand von 11 322 Sinterbliebenen- Renten, die einen Jahresaufwand von 217 527 M., 23 256 07., 1098 962 M., und 773 Leibrenten für weibliche Angestellte, die einen Jahresaufwand von 8501 m., erfordern. Man teile diese Jahresrenten ummen durch die Zahl der Rentner, dann wird man ersehen, wie lächerlich geringfügig diese Renten waren, zu denen im Sommer 1921 der Reichstag Zuschläge beschlossen hat. Dagegen betrugen die Verwaltungsfosten im Jahre 1920 nach dem Geschäftsbericht 56 Millionen Mart; in Wahrheit sind es noch mehr. Die. Angestellten verlangen die Beseitigung dieses überflüssigen Berwaltungs- Apparates und die Eingliederung in die allgemeine Versicherung. Der Reichstag sollte sich dem nicht entziehen und der sündhaften Verschleuderung von Angestelltengeldern durch die R.f. A. ein Ende machen. Keine Sozialisierung der Kaliindustrie Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß bes Reichstages fand am Freitag die zweite Lesung des Entwurfes über die Nenderung der Durchführungsbestimmungen bes Gejeges über die Kaliwirt schaft statt. Ein reditssozialistischer Antrag forderte, daß bet Errichtung neuer Schächte, wie fie im Gefehentwurf für Baden, Braunschweig, Medlenburg- Schwerin und Preußen vorgesehen find, die Anteile der neuen Werte fich mindestens zur Hälfte im Besize des Landes ober bes Reiches befinden. Die Vertreter der Einzelstaaten widersprechen der beabsichtigten Staatlichen Beteiligung. Bei der Finanznot tönnten die Länder das Rijito nicht übernehmen. Abg. Löffler( So.) und. Dr. Her ( U.S.) traten diesen Ausführungen entgegen. Auch die Privattapitalisten bauen feine Schächte, wenn sie nichts baran verdienen. Nach weiterer Debaite belonie Borsigender Abg. Simon ( 1.6.), daß die Spetulations wut der Kallindustrie ihren Zusammenbruch herbeigeführt habe und fritisierte, daß von den Gegnern des Staatlichen Eingriffes staatliche Maßnahmen zum Schuße der Industrie im Gefehentwurf verlangt wurden, während man lich gegen die Beteiligung der Allgemeinheit am Erträgnis bieses Eingriffs sträube. Staatsjettetär Dr. Sirich erflärte, xamens feines Ministeriums, die Zustimmung zum Antrag Janschet. Den Bedenten, die den Antragstellern borschwebten und ben Gründen, die von anderer Seite und besonders auch von den Bertretern der Länder angeführt werden, tönne wohl am besten badurch begegnet werden, daß nicht nur die Beteiligung bes Reiches oder der Länder, sondern auch gemeinwirtschafts licher Körperschaften vorgesehen wird. Eine solche Lösung Ilege im Intereffe der Bollswirtschaft insgesamt und insbeson bere auch der Landwirtschaft.- 3 der barauf folgenden Abstimmung wurde der Antrag der D. abgelehnt, hingegen ein Rompromißantrag Dr. Fischer Köln( Dem.) angenommen, der die Errichtung der Schächte an die Bedingung fnüpft, daß die Anteile der neuen Werte fich mindestens zu einem Viertel im Besitze des Landes oder des Reiches oder gemeinwirtschaftlicher Unternehmungen befinden. Die Annahme erfolgte mit 14 gegen 13 Stimmen. Der Ausschuß stimmte fodann noch einem Antrage Schlad( 3tt.) zu, daß die Beteiligung auf Verlangen auf 50 Prozent zu erhöhen sei. Der Gefehentwurf über bie Raliwirtschaft murde schließlich gegen die Stimmen der Unabhän= gigen und Kommunisten in zweiter Lefung angenommen, naddem Abg. Dr. Herk erflärt hatte, daß seine Frattion fich vorbehalte, die Sache im Plenum des Reichstages zur Verhandlung zu bringen. Trotz Preissteigerung, alte Preise! 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Der König Don Preußen hat seinem Bolf bie Irene ge= brochen, als er es im Augenblid höchster Gefahr perließ und über die Grenze eines neutralen Staates entwich: Gründe der äußeren wie der inneren Politit machen seine Rückkehr auf den Thron unbentbar Berblüffend waren mit mitunter die Uniworten, die ich von Monarchisten auf die Frage erhielt, watum fie unter ben heutigen Umständen bie Herstellung, bez Monarchie jorderien: weil sie die schönen Hoffeste schmerzlich vermigten weil ihre Söhne viel bessere Chancen des Fortlommens gehabt hätten weil sie hofften, daß die Baluta bank rapibe eigen werbe und bergleichen mehr. Man kann sich des Lächelns ob folcher Maivität nicht erwehren." Herr Professor Reinte stellt sich auf Grund seiner aus dem Jus fammenbruch gewonnenen Anschauungen auf den Boden der Res publif. Die rechtsstehende Presse ist darüber ins Toben geraten, fie bezweifelt, ob ein solcher Mann geeignet sei, als Erzieher der akademischen Jugend". Die erforderliche Eignung dazu haben nach Ansicht der deutschnationalen Bresse anfheinend nut bie Professoren, die noch heute vot jebem Gamaschenknopf ftramm stehen und gerne sterben würben, wenn sie nur noch einmal ben Stiefel Wilhelm Hohenzollerns Büfen fönnten. Eisenbahnerstreit in Jeland. Infolge bes Generalfizeits auf den Linien der Great Southern and Western Railway find alle Ber bindungen Jelands mit dem Elben abgeschnitten. Jugendbewegung Jugend und Gewerkschaft Die Gewerkschaften spielen in der Arbeiterbewegung eine sehr wesentliche Rolle. Während es Aufgabe ber sosialistischen Par teien ist, für die Berwirklichung des Gozialismus zu tämpfen und bie staatsbürgerlichen Intereffen der Arbeiterschaft zu wahren, fällt den Gewerkschaften die Pflicht zu, für die wirtschaftlichen Interessen des Proletariats einzutreten. Dabei fallen häufig genug die Aufgaben der politischen und der gewertschaftlichen Or ganisationen zusammen. Auch die freien Gewerkschaften haben als Ziel ben Sozialismus. Aber sie müssen ihre ganze Zaftit auf Gegenwattspolitit einstellen, um gegen die Verelendungserscheinungen bes Rapitalismus angulämpfen und so die Grunds lagen und Vorauslegungen für den Sozialismus ju kaffen. Alle politischen Parteien erkennen die wichtigkeit ber Ges wertschaften an. Sie versuchen die Führung in ihnen an sich zu reißen. Aber höher als jebes patteipolitifde Interesse steht die Einheit der Gewerkschaften und der Amsterdamer Gewerfchafts internationale. Darum ist man fich trok aller großen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der U. 6. B. D. und bet E.$. D. barüber flar, daß fie auf alle Fälle aufrechterhalten bleiben muß. Die Genossen diefer Parteien kämpfen gemeinsam gegen die Bes ftrebungen sowohl von seiten der Unternehmer als auch ber Rom munisten, die fich eine eigene Gewethschaftsinternationale juges legt haben, biefe Einheit zu zertrümmern. Auch wir als Jugendliche müssen die Einheit der Gewerkschaf ten unbedingt aufrechterhalten. Aber wir haben die Pflicht, uns in ihnen zu betätigen, damit weit mehr für den Jugend Ichutz getan wibb, als es bisher geschehen ift. Gerade bie Jugend ist es, die der profitgierige Unternehmer mit Borliebe eine Spannt, um fie auf die brutalfte Weise auszubeulen. Denn die Jugendlichen find für die geiftestätenbe Stafchinenarbeit am besten zu gebrauchen. Sie sind noch unverbraucht, fie fönnen noch schaffen und leisten barum oft mehr befonbets in ber Malsen produktion als mandher alte Arbeiter. Trog ihrer Deistungen aber werben bie jugendlichen Kräfte am jämmerlichsten entlohnt. Den Hauptgewinn stedt bez Unternehmer in die Tasche. Am schlimmsten aber ist die Ausbeutung der Jugendlichen während der sogenannten 2ehrzeit. Der Berdienst des Lehrs lings ist so gering, daß er von ihm unmöglich leben kann. Der Unternehmer jebody hat eine billige Arbeitskraft, die er sich mög REINES TROPER Cobu ELELIGHTS Fordern Sie Cobu" Colos- Pflanzen- Butter- MARGARINE Bergifch Markifche Margarine Werke F.A.JSSERSTEDT A.G Elberfeld und Berlin- Pichelsdorf Generalvertretung: FRANZ JOS. GFRURER, Berlin W 50 NOTGELDSCHEINE Ansbacher Str. 36. Fernsprecher: Steinplatz 4348 Preislisten kostenlos. Ball, Mezenhandig., BerllaW 68, Wilhelmstr. 40. Möbel Bu bebeufenb herabgefegt. Breifen auf Zeilzahlung Kleinste As-. Abzahlung Möbel- Cohn Gr. Frankfurier Str. 58 5 Min. p. Alezenberpi. Riliale Babstr.47-48 BR 9.fefubbe. Bettnässen nerträge ab, obgleich die meisten Berufe mühelos in mei bis drei Jahren erlernt werden fönnen. Sier ist eine der zahlreichen Aufgaben aufgezeigt, für die die einzus Jugendabteilungen der Gewerkschaften treten haben. Die anderen, die vielleicht ein anderes Mal behandelt werden, sind nicht minder wichtig. Aber um die Gewerkschaften für die Forderungen der Jugend zu intereffieren, ist es naturgemäß notwendig. in die Gewert, [ aften hineinzugehen und dort in unserem Sinne zu wirten. Zehntausende jugendlicher Arbeiter sind gewertschaftlich orgas nifiert, haben aber noch nicht den Weg zur politischen Jugendorganisation gefunden. Siez winft allen unseren Jugendgenoffinnen und Jugendgenossen ein reiches Betätigungsfeld. Es darf fein Mitglied der E. P. J. geben, das nicht auch in einer freien Gewerffchaft organisiert ist. Heinz Marquart. An alle Referenten der SPD.! Die Jugendorganisation hat in Berlin einen Aufschwung genommen, wie wir es in der Kürze der Zeit nicht erwartet haben. Ueberall find neue Gruppen der Soz. Proletarier- Jugend entstanden. Die Auffläzungs- und Bildungsarbeit der neuen Mits tämpfer ist unsere wichtigste Tätigkeit. Es feh It an Kräften, und wit menden uns an Eud, Parteigenossinnen und Barteigenoljen. Jeder, der in der Lage ist, unfere Gruppen durch Wors träge zu unterstützen, sende seine Adresse sowie Angabe der Spezialthemen an die Zentrale Berlin ber Eoz. ProletarierJugend, C. 2, Breite Straße 8/9. Eine Benachrichtigung erfolgt in jedent Falle rechtzeitig. Sozialistische Proletarier- Jugend, Zentrale Berlin. Arbeitersport St. 5. S. Im Sonntag het die Freie Turnerfoft Neuföln- Bein in der Grenzallee in Neulan be Sportverein Boruffia a Galte. Spielanfang S½ Uhr. Borher 2 Mannjaaji, Fahrverbinbung: Straßenbahn 47, 48, Sübring, 7, 15 sbet Stadtbahn bis Ringbahnoof Reutöln. Parteiveranstaltungen Berlin- Mitte. Perteigenesen aus greiheitiefer mecht cure fhalentfaffenen Eshme und Zächter auf die Beranstaltungen be: Sozialisien Beviefacierjugend cufmertjem. Unjere Salentosungsfeier findet am Sonntag, hen 2. Oftober, te bee tule bes Surbeldi- Gymnasiums, Gartenstraße Ede Javalidenkraße,#tatt. Anjeng 6 uge. Saalöffnung 5 Uhr. Sonnabend, 1. Oftober 2. Berwaltungsbegit, 4. Dittiti. Abends 7 hringblattausgabe. 1. bfeffung Steinment. 25 bei Geiler; 2. Motellung Lühowits. 7 in Särensprung. 4. Berwaltungsbegiet. Bersammlungsplalate abholen bei Hoffmann, pjener Straße 8. ittschok. 5. Berwaltungsbezit. 17. Drift. Beute abend Materialeusgabe bei 19. Berwaltungsbeglet, Samitime Abteilungen jomie Gruppen haben ihre FlugSlätter( siert ran bet Spedition Bantow abzuholen. 2. Diftritt( Berlin.title). Abteilungsfährt Cluablätter von den befantas Spebtilonen abfoies. 2. Diftritt( Berlin- Mitte), 3. st. Die Gruppenführer beler die lugblätter von 5 Uhr an bei Miene ab. 7. Diftritt. Die Geneffen werden ersucht, die Schulenttatungsfeier durch ihren Bein zu unterftigen. Die Billetis müssen bis heute abgerechnet werden, ba fie Jonit als perfauft gelten. Die Feies finder im Sumboldtgymnasium, Gartentraße, ftati. 11 Dijrift. Abteilungsführer nehmten Heute Flugbläste: beim Genossen Werner in Empfang. Schönebergiepenan. Flugblätter sind nachmittags bei Balm, Rojbags, Ede Cherusler traße abzuholen. Die Rieber treifen jih um 7 the baselbst. interfelbe. Abends Tie ir Bujammenfunft aller Selfer zur Flugblattners breitung bel Ateft fit tex Ofbegirl; bei Beneti für den West begirl. MaterialAusgabe. Sonntag, 2. Diteber 15. Betwaltungsbezirt, bt. Baumschulenweg. Borm. 9 Uhr wichtige Flugblatt. berbreitung pon Bages Rachf., Baumitulenfraße aus. ... 5. unb 6. Distrik. Die Gruppe Monbit bet Sos. Troteintier Jugend beteiligt han fet Eduienitafungsfeier det Gruppe Webbing in beste Banfitr, 18-19. infang 6 Uhr. Barteigeroffen, lidt Gure fhuientlassenen Anaben und Mädchen und tommt felbst zu biefet Betanftallung. Ciperid. Auger ber Flugsinitverbreitung findet ju ber am Mittwoch, den 8. Oftober, tailfindenben Berjammlung eine Sandsettelserbreitung unt 8% Uhr von den bekannten Stellen statt. Geschäftliches Sei der heuts auf eten Gebieten in Reaft trelenden reiserähungen feien pajere Dejet auf bas alert der a. 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