Ur. S33 Abonnement»- Kcdtngnngen: vbonnementS- Preis pränumsrandoi «ierteljährl. S,30 Mr., monatt. 1,10 Mr.. wöchexlltch 28 Pfg. frei In« Haus. Einzelne Nummer s Pfg. SonniagS» Zwmmer mit tllustrirter Sonntag»- Beilage„Die Neu« Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,80 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1897 unter Hr. 7487. Unter llreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erschrml laglich außer Montags. 14. Jahrg. Die Insertion»-Gebühr vettiigi für die sechSgefxaltene Kolonel- «eile oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und VerfammIungZ-Anzeigen, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserats für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag» in der Ervedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» s Uhr vormittags geöffnet. Nevlinev Volksbl�tt. Fernsprecher: vint I, Hr. 1508. Telegramm-Adreste: „Solialdemokrar IZerlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. HiedalUiou; SW. 19, Meuly-Straße 2. Mittwoch, den 6. Oktober ßLpediliou: SW. 19, Atettty-Straße 3; Sin Srhiffsdou- Dlon Auf fiekvn FAhve. Gegen das Marine-Septeiinat sind schon eine Reihe ge wichtiger Gründe vorgebracht worden. Die ganze Ungeheuer� lichkeit aber, die darin liegt, inmitten der fortwährenden Um wälzung der Schiffs- und Geschütztechnik einen Schiffsbauplan auf sieben Jahre hinaus skstlegen zu wollen, ist noch nicht gfr bührcnd gekennzeichnet. Alle Achtllng vor den Ansichten und Urtheilen der Fach leute und Autoritäten in Marine-Angelegcnheiten. Aber sie selbst müssen zugestehen, daß sie trotz ver- schiedener Anläufe in dem letzten Jahrzehnt sich nie auch nur für die allernächste Zeit ans einen Plan einigen konnten, nach dem die deutsche Kriegsmarine aus gestaltet werden sollte. Und heute können sie es noch weniger wie früher. Wer einigermaßen die Fachzeitschriften des Marinewesens verfolgt hat, der begreift die völlige Ohnmacht der Marinebehörden, Schiffsbaupläue für die Daner aus> znstollen, dem werden die Verlegenheiten klar, die der See: taklik aus den unausgesetzten Fortschritten der Technik er ivachsen. � Um so befremdlicher muß der Wagemuth eines Tirpitz erscheinen, der dieser Thatsache zum Trotz dem Reichs tag einen siebenjährigen Schiffsbauplan vorzlilegen sich er kühnen will. Tie Entrepreneure der Septennatsvorlage wissen nämlich so gut wie wir, daß ihr Plan in Wirklichkeit eine große Un- geheuerlichkeit ist, eine Utopie, die gar keinen Zweck bat, als dein Reichstag für die Kriegsmarine hunderte von Millionen Mark abringen zu wollen, die hernach dann zur freien Ver sügnng der Flottenpolitiker stehen würden. Dieses Manöver nlnß sofort jedermann klar werden, der auch nur einen flüchtigen Blick auf den Stand der heutigen Geschütz- und Schiffstechnik wirft. Die dentscheir Seetaktiker haben seit 1889 und ganz be sonders seit dem chinesisch-japanischen Krieg im Jahre 1894 in die großen Panzcr-Schlachtschiffe sich verliebt. Tie Frage der Kriegstnchtigkeit dieser Schiffe soll entschieden sein, sagt man uns,»nd ivir würden als Laien geneigt sein, diesem Fach urthcil zu folgen, wenn nicht die Techniker wie auch andere hervorragende Autoritäten und Taktiker, die zufällig ihre Fach- ansichten nicht im Disziplinwege zu ändern haben, über die nämliche Frage ganz abweichende Ansichten bekundeten. Es ist nicht wahr, daß die Kriegstüchtigkeit der Panzer-Schlachtschiffe zu deren gnnsten entschieden ist. Hier nur wenige Fachstimmen dagegen. Da ist die deutsche Schiffs- Prüfungskommission, die über unsere Panzerschiffe von der Brandenbnrgklasse ein vernichtendes Urtheil gesprochen hat Diese Schiffe sind bei hoher See vorn völlig wehrlos. Von drei Panzerthürnien ist der vordere bei der Fahrt gegen hohe See nicht zn bedienen, weil das Schiff zn viel Wasser übernimmt, n»d ans dem näin- lichen Grunde können auch die Schnellfeuerkanonen nur zum theil verwendet werden. Ein weiteres geivichtiges Be denken resnltirt aus der Thatsache, daß auf den großen Panzern die Treffsicherheit der großen Geschütze sehr viel zu wünschen übrig läßt. Die nackte Wahrheit über die Erfolge der deutschen Schießübungen erfahren wir ja nicht. Aber was wir von fremden Panzerschiffen lesen, das genügt zu dem Ver gleich, daß unsere Scepanzcr auch nicht viel besser sein können. Die französischen Schießübungen vor Toulon haben nun bewiesen, daß von Treffsicherheit der auf Panzer: schiffen bedienten Geschütze überhaupt nicht die Rede sein kann. Dazu kommt ferner, daß die Unübersichtlichkeit der Schiffskonstruktion bei den großen Panzerschiffen eine stete Gefahr für das Schiff selbst ist. Ein kleiner Fehler, ein kleiner Unfall kann sofort zu einer Katastrophe führen. Als Beispiel für diese Möglichkeit weisen Fachleute ganz besonders auf den Untergang des russischen Panzerschiffes Gangnt hin, der durch einen kleinen Fehler in der Konstruktion, bei ruhiger See, normaler Geschwindigkeit und in Friedenszeit trotz aller Rettungsversuche der Mannschaft sich nicht aufhalten ließ. Ein solcher Unfall würde aber im Krieg ein solches Riesen- schiff sofort kampfunfähig machen. Endlich behaupten noch eine ganze Reihe angesehener Seetakriker, daß die Schwer- fälligkeit der Panzerschiffe die Manövrirfähigkeit geradezu lähme» und die Kampftüchtigkeit dieses Schiffslypns sehr pro- blematisch erscheinen lassen. Es giebt sogar Seestrategen, die behaupten, bei Seeschlachten zwischen Panzerschiffen entscheide nur— der Zufall. Die Technik hat angesichts dieser Mißstände ein weites Feld zu neuer Bethätigung. Und in der That sind eine Reihe rechnischer Fortschritte in Vorbereitung, die manchen dieser Uebelstände beseitigen. So verspricht man sich von der Ein- führnng der Turbinen-Dampfkessel anstelle der nicht einwands- freien Wasserrohr- Kessel bedeutende Verbesserungen für die raschere Beweglichkeit des Schiffes, wie für die größere Treffsicherheit der Geschütze. Denn diese Neuerung bewirkt einmal eine bisher nicht erreichte Gcschwindig- keit, sodann beschränkt sie die Erschütterungen am Schiffs- körper selbst bei vollster Fahrtgeschwindigkeit auf ein Minimum. Aber damit noch nicht genug. Die Panzerschiffe sind so schwer lenkbare Kolosse, daß alle Interessenten darauf sinnen, wie das Eigengewicht der Schiffe wesentlich vermindert werden könne. Heute baut man die Schiffe vornehmlich aus Stahl und Eisen. Holztheile werden wegen ihrer leichten er Versuche macht die ten, die keinen Schuß Entzündlichkeit ganz und gar vermieden. Nun ist es aber englischen Technikern gelungen, Holz absolut unverbrennbar zu niachen, eine Sorte iniprägnirtes Holz her- zustellen, die nicht nur dem stärksten Hitzegrad stand hält, sondern auch von einer direkten Stichflamme nicht in Brand gesetzt werden kann. Der Erfolg die jetzigen Stahlkolosse sofort zu alten Kä Pulver werth sind. Doch die Technik beschränkt sich nicht nur darauf, den Schiffstypns als solchen wesentlich zn verbessern, sie sinnt auch auf Mittel, die ganze Herrlichkeit der großen Schlacht schiffe durch Hochsprenggeschosse illusorisch zn machen. Kein geringerer als Hiram Maxim ist mit der Konstruktion eines Riescntorpedos beschäftigt, das im stände sein soll, aus weiter Ferne jede Schlachtflotte zu vernichten. In einem Vortrag in der Uniteck Lorviee Institution führte er in einem Vortrage des weiteren seinen Plan ans, ging mit den Panzcrschiffeil scharf ins Gericht und kam zum Schluß, die Panzer könnten den modernen Hochsprengstoffen, wenn sie von der Höhe ge schleudert würden, nicht widerstehen. Es werde nicht mehr lange danern, bis die Nationen die Panzerschiffe abschaffen würden. Angesichts solcher Perspektiven ist es doch mehr als kiihw auf sieben Jahre hinaus einen Plan für den Bau solcher Riesenschiffe festlegen zu wollen. In anderen Staaten gehen die Marineverwaltnngen doch etwas vorsichliger zn Werke; in Italien wie in Frankreich ist die Frage der großen Schlacht schiffe noch lange nicht so glatt entschieden, ivie von den deutschen Seestrategen, die mit Tirpitz von dem Reichs-Marine-Amt Besitz ergriffen haben. So steht's mit der Panzerschifffrage. Sie ist nicht gelöst und es ist geradezu lächerlich, sie als gelöst dem Laienpnblitum entgegenhalten n»d daraufhin daS Septennat begründen zu wollen. Noch viel unsicherer aber ist man selbst in den ein- heimischen Fachkreisen über die erforderliche Zahl von Kreuzern. lieber Zivcck und Verwendnngsart dieser Schiffe sollen sogar in den allerintimsten, aber maßgebenden deutschen Marine kreisen die entgegengesetzten Anschauungen bestehen. Tirpitz hält eine Kreuzerflolte nicht für dringend nöthig, andere Mariueautorilätcn legen auf den Bestand einer solchen Flotte, auf besondere Krenzerdivisionen ganz besonderen Werth Bei den anderen Schiffstypen wiederholt sich das nämliche Spiel, aber bei ihnen läßt man sich's eher gefallen, da ein verfehltes Experiment dem deutschen Volke nicht gleich zehn und noch mehr Millionen Mark aus der Tasche jagt, wie es bei Schlachtschiffen und Kreuzern der Fall ist. Wir wissen, daß Panzerschiffe, die heute in Bau gegeben werden, wahrscheinlich schon veraltet sind, ehe sie vom Stapel laufen; wir wissen, daß die Vermehrung der Kreuzer nicht dringend nothwcndig ist, weder für den Küstenschutz noch für den überseeischen Handel. Was aber wir wisse», wissen erst recht die Marinebehörden, die sich der Unmöglichkeit der Durchführung ihres Planes vollkommen bewußt fein müssen. Trotzdem erscheint nun ein Marine-Sept'ennat auf der Bildfläche. Was soll dieser Plan? Es ist eitel Sand in die Augen, wenn man glauben machen will, gelte die Sicherung der Fortentwickelnng der Marine. Nein, der Zweck ist der: vom Volke möchte man den Besitz von Hunderten von Millionen Mark garanlirt erhalten, damit die Marine-Liebbaber, unkontrollirt vom Reichs- tage, ihre Wünsche erreichen könnten. Sic selbst würden sich nicht an ihren aufgestellten Plan kehren, schon einfach nicht, weil sie nicht könne n. Das Volk aber könnte mit ver- chränkten Armen zusehen, wie seine Millionen mit nutzlosen Schiffsexperimenten ins Wasser geworfen würden. politische Mebevstcht» Berlin. 4. Oktober. Tie Reform des Militär-Strafprozesses hat, seitdem der Reichskanzler im Frühjahr 1896 sein bekanntes Versprechen abgab, zu Vermuthungen und Kombinationen aller Art und ohne Ende, wann die lange verlangte Vorlage erscheinen und wie sie aussehen werde, geführt. Ein ewiges elendes Frage- und Antwortspiel, dessen Fazit stets war: Es geschieht nichts. Jetzt, da der Reichskanzler nach Berlin zurückgekehrt ist und die letzten Vorbereitungen zur parlamentarischen Session getroffen werden, wird von denen, die wieder an irgend einem Geheimrathsschlüsselloch gehorcht haben wollen und die Miene des Wissenden aufsetzen, dasselbe traurige Spiel fortbetrieben. Alle die alten Lesarten, die schon dntzende Male wieder- gckänl wurden, werden dem deiitschen Leser nochmals vor- gesetzt, so daß es ihm zum Abscheu werden müßte, wäre es ihm nicht chon längst zum Abschen geivorden. Da tischt die„Kölnische Zeitung" wieder auf, Bayern sei schuld an der„Verzögerung" des Entwurfs, Bayern möge nicht gern von seinem obersten militärischen Sondergerichtshof lassen und der Kaiser wünsche nicht, daß die übrigen Bundesstaaten von ihrer Macht, Bayern im Bnndesrath zu majorisiren, Gebranch machen. Ob diese Lesart richtig ist oder die andere, daß der Kaiser das Bcstätigungsrecht des militärischen Befehlshabers nicht an regelrechte Gerichtshöfe über- lassen wissen wolle, wer weiß es? Die„Post" erklärt, darüber informirt zu sein, daß über den materiellen Inhalt der Vorlage selbst noch keine Verständigung erzielt sei. Ist es aber nicht schließlich ganz gleichgiltig, �welche An- nähme die richtige ist? Welches auch immer der Grund der endlosen Verschleppungen sein mag, wie geringfügig ist er gegenüber der Dringlichkeit der Reform und gegenüber den jesten Zusagen von feiten der maßgebendsten Stellen? Was kümmern den Soldaten, der jenem fühlbaren„Rechts"- System unterliegt, was den Bürger, der seinen Sohn jenen Gefährdungen ausgesetzt sieht, alle etwaigen Klein- und Scheingründe, über welche die Regie- rungen nicht hinauskommen? Der Soldat und der Bürger, sie sagen nach wie vor nur das eine: Es geschieht nichts! Und höchstens das noch: Man läßt uns im Dunkeln tappen, man giebt nicht einmal offene Auskunft, wie denn diese Dinge stehen! Ja, es ist ein böses Spiel, das man da mit der Geduld des deutschen Volkes treibt. Der Reichstag wird ja Auf- klärung heischen. Und wenn man ihn wieder mit schönen Redensarten abspeisen will und seine Zusage wieder so auslegt, wie es neuerdings Mode geworden ist, Zusagen auszulegen, so wird das deutsche Volk bei der nächsten Wahl all das Spinngewebe, in das man es einzu- spinnen bemüht ist, zerreißen und seine Antivort geben denen, die selbst seine bescheidensten Wünsche zu erfüllen nicht Willens sind und die es am Narrcnseil immer ue» erweckter und immer wieder betrogener Hoffnungen zu führen vermeinen!—_ Intel»atioualc Miiiizkonfeieiiz. Von Brüssel auskommt die überraschende Meldung, daß Frankreich, Italien, Schweiz, also der lateinische Müuzbund, ferner England und die Vereinigten Staate» die Berufung einer internationalen Mnnzkonferenz nach Brüssel beschlossen hätten. Deutschland, so wird als elivas Selbstverständliches hinzugefügt, hat die Theilnahme an der Konferenz zugesagt. Bei dieser Konferenz dürfte eZ sich mehr um eine diplomatische Liebenswürdigkeit gegen die große nordamerikanische Nepnblik als nm ein ernstes Eingehe» auf bimetalliftische Vorschläge handeln.— TcutscheS Reich.? — Der deutsche Kaiser sollte, wie der Berliner Korrespondent der„New-Iorker Staalszeitnng" aus sicherer Quelle erfahre» haben will, beabsichtigt haben, anläßlich der amerikanischen Ein- Mischung in die K n b a f r a g e an die spanische Regierung ein Telegramm zn richten, ähnlich wie das seiner Zeit an den Präsi- deute» Krüger von Transvaal abgesandte. Die Absendnng sei aber a» f A n r a t h e n h o ch g e st e l l t e r P e r s ö n l i ch k e i t e n unterblieben. Das war auch recht gut.— — Das Reichs-Marine-Amt läßt in der„Norddeutsch. Allg. Zeitung" mittheilen, daß es nicht durch sein Preßbureau eine Agitation siir die Vermehrung der Flotte betrieben habe. Die Nuchrichlen-Abtheilnng des Reichs-Marine-Amts habe die Aufgabe, die die Oeffentlichkeit inleressirenden Nachrichten in die Presse zu geben; außerdem erlheile sie Slnsklärung und Auskunft über Marine- fragen an jedermann, der sie darum angeht. Dies sei nicht nur das Recht, sondern die Pflicht der Verwaltung. Wie iveit im Marjne-Amt mit der Erlheilnng von„Aufklärung und Auskunft" der Agitation gedient werde» soll, bleibe dahin- gestellt. Jedenfalls dienen die ans dem Marine-Amt kommenden Nachrichten zn diesem Zwecke.— — Der sparsame E i s e n b a h n m i n ister. Ans Breslau wird uns geschriehen: Die Breslauer Eisenbahndirektion hat jüngst offiziös bekannt ge- gebe», daß de» nach Brottau bei Breslau versetzten Beamten eine„Entschädigung" für den erheblichen Ausfall an WohnnngS- g e l d z n s ch n ß zugebilligt worden sei. Wie die Eisenbahnverwal- tnng nun das, was sie einer Kategorie von Beamten zum Zivccke der Beseitigung einer offenbaren Ungerechtigkeit zuwendet, änderest- Angestellten wieder nimmt, zeigt sich daran, daß den Weichen- fiel lern in iviochbern bei Breslau dieser Tage die Meldung zuging, daß ihre Stellenzulage vom 1. Oktober ab von 100 beziehungsweise 80 Mark ans 60 Mark pro Jahr herab- gesetzt werde. Die ohnehin so außerordentlich schlecht besoldeten Weichensteller, die einen schivercn, ganz besonders ver« antwortliche», Tag und Nacht währenden Dienst haben, drückt man also»och weiter in ihrer jämmerliche» Lebenshaltung herab. Wen» sich diese Leute nun in Zukunft noch schlechter ernähren müssen wie bisher, dann kann es wohl geschehen, daß diesem und jenem einmal die Kräfte versage», und ei» Versehen im Dienste kann leicht Folgen zeitigen, die das verkehrende Publikum unter Umständen am eigenen Leibe schwer empsinden muß. Freilich, für den Eisenbahn- Fiskus � kommt es in der Hauptsache ans niöglichst hohe Ueberschnsse an!— — Chronik der Eisenbahn-Unfälle. Ans Frank« snrt a. O. wird amtlich gemeldet: Der heute früh 6 Uhr von reienwalde a. O, nach Frankfurt a. O. abgelassene Personenzug !r. 761 ist gegen 7 Uhr auf Personenbahnhof Werbig in Weiche 1 mit einer Achse entgleist. Es sind weder Personen verletzt, noch Wagen beschädigt. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten und war das Geleise nach 1�/» Stunden wieder fahrbar.— — Regelung der Stellenvermittelung für Schtsfsleute. Die„Berliner Politischen Nachrichten" schreibe»: „Im Reichsamt des Innern ivar bekanntlich ei» Enlivurf gesetzlicher Bestimmungen zur Regelung der Stellenvermittelung für Schiffsleule als Ergänzung der Seemannsordnung ausgearbeitet worden� Die mit der Berathnng der Seemanneordnnng betraute Kommission des Nautischen Vereins hat auch zu diesem Entwürfe generelle Stellung genommen. Danach würde der Weg, den SeemannSämtern bei der Stellen- v« r m i t t e l u n g eine hervorragende Rolle z» z n- weisen, nicht zum erwünschten Ziele führen. Vielmehr sollte dahin gewirkt werden, daß in den einzelnen Hafenplätzen von de» Rheder» gemeinschaftliche Heuerbureaus errichtet würden, um aus diese Weise die Auswüchse, welche sich bei der gewerblichen Stellen- vermittelnng gezeigt haben, zn beseitigen. Die im Entwurf vor- geschlagene» Bestimmungen Über die Kontrolle n. s. w. der gewerbs- mäßige» Stellenvermittelung begegneten keinem grundsätzlichen Be- denken." Natürlich muß de» Rheder«, deren Interessen im Nautischen Verein in erster Linie berücksichtigt werden, daran gelegen sei», die Stellen- vmnlttclmig antschllehlich in ifjve Hände zu bckoinmen, nber selbst in der?>«>» SiuiNiN inuß e?, denken wir, für die Verlicksichiignng der Nnlernehiner Interessen eine Grenze gebe», die zn überschreiten jede, Minister,>n.,g er heißen ivie er wolle, einfach als seiner»»- wnrdlg belrachlet. — T> l e Vra»stener-Pl仫 sind vom„Wolss'schen Tklegraphen-Biireau" deiuenlirt worden. Äber offen bnl ist biet Denienti mir erforderlich befunden worden, in» vorläufig die öfstnt« lllchc Meinung nicht noch mehr zn bennrnhiaen. Die»Köln, A o l k s. Z l g." vcröfsenlllcht jetzt folgende Znschrlft! «Ich erfuhr im Sommer 1805(»ach Rblthnnng der zweiten Tabalfabriknlstentr.Aoilnge), dnß im preußlfehe» Finauzniinlsterimu (nicht Im Neichkschahainlc)«ine staffrlfijruiiae Brattsteuer ausgearbeitet worden sei; mein Geivährsnian», Direktor einer groben Brauerei, lhellte mir alle Einzelheiten mit und bemerkt«, daß er direkt ans dem Finanzministerinm komme, wo er als„Sachverständiger" ge- hört worden sei. Er war(als viationalliberaler) sehr für dieses neue Clcnerprojekt und betonte, daß eres für die Mitiel-Braucreien wegen der höheren Belastung der Großbrauereie» als vorlhcilhast ansehe. Der Mehrertrag war damals ans 30—32 Millionen veranschlagt, Mein Gewährsmann ist mir als ein» so verläßlich» Persönlichkeit bekannt, das) die Nichtigkeit seiner illugabe» für mich letnei» Zweisel unterliegt. Diesen Sommer(1897, Juli) ist nach '«einen Infvrmalionen die Br austener nochmals nm» gearbeitet worden, und zumr abmuals im prenbischeli YI,ia»zi»Iiitst,rI»»i, wobei die S>»f°» auch siir kleinere nnd Millel- Brauereien erhöht worden seien, tun einen Gesa mm t. M e h r e r t r a g von elwa SSOOOOOO Mark herbei., nftihren. Danach erscheint es zweiselloS, daß nach Annahme des Marinc-ScvtennntS die Deckung tu der erhöhten Brailslener gesucht Ivcrden ivürde, ebenso zivelsclloS erscheint es inir aber auch, bah die ojfizlcll« Vorlag« a» de» LieichSiag jedenfalls erst n a ch de»?t e n iv a h l e n erfolge» würde. Die Ableugnmig des Wolfs'« scheu Bureaus ist demnach für den N n g» n b l i ck ganz zulrefsenv, Die„Köln. Voiksjtg," bemerkt hierzu! Mit dem Aersasser der vor» stehenden Zuschrist zweifeln wir in keiner Weise, daß die Erhöhung der Branstener lind vieileichl noch andere Pläne zur Erhöhung der tndtrekien Stenern alsbald anstauche» würde», ivenn«in Reichstag zn stände gekoinmen wäre, den man für zugänglich ans diesem Ge- biete halte» lönnle. E i i«» V e r t h e i d i g n n g d e s Dreiklasse»- Wahl- rechts imUi'Xtmmt die„Post". Das Organ für Zknebelgesetze und Ctaatsstrelche lästt sich also hören: «Die Gcrechligkeil besteht in, palllische» Leben nicht In der Gleichheit der lliechte und des Ginflnsses, sondern in der Vir- 'Heilung von Siech« und Einftiih»ach M a s, g a b- der Lasten nnd Leistungen, Die Bevötkernngskreise, welch« de» Hauptauthcil a» de» Slmrtslasten tragen, habe» ein naiürliches?ln- recht auf Nnlheilttahm« an der Gesetzgebung. Ebenso sieht den durch ihre Intelligenz, durch ihre Leistungen im Interesse des Slaaics, der Gesellschaft, der Gesittung nnd stnltur verdienten, durch dle Bor- ziig« große» ererbten oder mühsam erarbeitete» Besitzes ausgezeichneten kkrciscn,— also der Brist okrnls» dcS Geistes nnd Berdienstcs un- streitig ein höherer Einfluß j», Parlament zn, nie de» librige» Staatsbürgern. In ihnen sind die bleibende» JnUtcssl» der bürgerliche» Gcsestschaft verkörpert, und von der Ve- riicksichlignng dieser haben füglich alle tilassen ihren Vortheil. Somit wird ma» das Dreiklasscn-Wahlrccht in allen besitzenden und denkenden sikreisen entschieden dem Li« i ch s- W a h l r e ch l voranstellen. Seine Mängel werden ausgewogen durch die ihm nnhnslende» Vorzüge, und sie sind verbessernngssähig, lind dnß auch die breiten Volksmassen sich bei ihm nicht rechtlos fnhlc», beweist gerade jetzt die auf dem sozial- dcmokrnliichc» Parteitag erfolgte Anregung jnr Dheilnahme an den preußischen Lattdtngswahle». Das Drcitlassen. Wahlrecht hat also nicht de» Anlt�il an der In den Vereinen und Versammlungen, i» der Presse l,nd Literatur von der„Voss. Ztg." wnkrgeliol»iu«n«n Gahrung und Mißstimmung, und wo eine solche wirtlich vorhanden sei» sollte, ist sie»nr künstlich in die Massen getragen worden von ehrgeizigen Volksstiebcr». die bei dem preußische» Wahlsystem zu wenig auf ihre Siechuimg kommen. ES kann natürlich»ich: unsere Aufgabe sein, gegen dsrariigc Anslassungen zn polemisiren. Solche Schamloslgkeilen kennzeichne» sich selbst. Uns soll es nur recht sein, wen» die StniNm'schen Preßföldlinge so offen und so ost veknndett, daß sie das Vtammouswahlrechl dem gleichen Wahlrecht vornnslellcn. Wir trage» gern dazu bei, derartige Acnßeruuge» der„Post" zn möglichst weiter Verbreitung im Volke zn bringe», sinUnmteu die eigene Le erzähl des BlaUeS so gering ist.- — Die Freisinnige Vereinigung ist eisrlg mit Organisations- und Wahlvorbereiinngen beschäitigt. Am lrtzle» Eounlaa hicUcn die Wadenstrümpsler in AeuNiünster eine»„deiilsch- freisinnigen" Parteitag ab, n»f de,» einig« fkandidatnren, so die des Professor Hänel für dos bisher vö» Legte» verlrelcne lkiel, sestgesehl wlnde. Früher ist von dieser Partei in Vtosivet Herr Bnrlh, der bisher Hirschberg- Schönau vertrat, ausgestellt worden.?iuf irgend rvie erhet'llche Erfolge scheine» die Herr«» von der Freisinnigen Verehngung bei den nächsten Wahlen nicht jN rechnen. Daran hindert sie ja schon ih» Marint-Etser.— — öiückgang der konservativen Presse. Ein schwer«« Verlust für die Konservaliven ist der Uebergattg der „Elbinger Zeitung" in das nnlionalliberale Lager. Die «Elbinger Zeitung" inil ihren 10 000 Abonnenten war die de- dcntendste Slfitze der konservaliven Partei in den» dlin» bevölkerte» West- und Ostprenße». Die übrige» konservativen Orgaus dort hatten bei weil»» nicht denselben Einfluß. Im Jahre 1893 hat die «Elbinger Zeitung"»och wcsenllich zur gialien Wahl der kottset- valive» Abgeordneten von Pmkm»er>Pla>,th, Graf tknnitz und anderer beigetragen. Diese Wahlhilse fällt nun fort.~- — D i e ViSmarck-Blätter find sehr erbost, daß der Strasrichter ihren„Heros" nicht mehr wie einst gegen jedes freie Wort, dnS wider ih» fällt, schütze. Sir schmähe» darüber, dnß das Mtillchentr Landgericht eine angebiiche Bismarrk-Beleibignng nicht »ntrr die beliebte»inbrik beS„Groben Nnsngs" bringen wollte lind baß brt„Vorwärts" kürzlich dem Sachsenwäldler einige Wahrhrilen sagin dnrsle. Die schönen Zeiten der gedruckien Strasanirgklsormnlare sind «bt» vorbei.— fltrl, 4, Oftober.(Gig. Bericht) Der äußerst sekien« Fall, baß ein Amtsgericht von der nrnnderoaren jnrifllfchc» Erflndnng des letzten DezeniiinmS, dem sogenannten ambulaniei, Gerichtsstände der Presse, keine» Gebrauch macht, hat flch'i» Tellorf(SchleSwig-Holst.) zngetrage». Der antisciniiischo NeichSlaas« Kandidat Graf vo» Herentlon hatte de» verantwortlichen Nedaltenr der„VolkSzettmig" wegen Beleidigung vor dem genannten Anilsgerichl verktant. Das Gericht erklärte sich jedoch auf de» Einspruch des genannti» Genossen für iinjnständlg, so daß der Kläger kostenpfltchiig abgewiesen werden umßte. BcachteitSwerlh ist, dnß Gras Herentloi, tm Geltorfer AmlS- bezirke Großgrnndbeflher ist. Dies ist wohl auch die Ursache, rve». halb er gerade vor diesem Amlsgcricht die Klage verhandelt wisse» uwllte.— — Nachwahl«»«n Sachsen. In den kehten Tagen der vorigen Woche habe» in de» Bezirken Nachwahlen sinttgesiinden, in denen die Wahlmäniier-Kauvidate» keiner Partei im ersten Wahl- gana die absolute Majorität erhielten. In der dritte» Klasse wurden in Dresden 1 weitere 8 Sozialdemotraten, in Dresden IV 4 Sozialdemokraten gewählt; i» Planen wurden noch L8 Wahlmänner für die Sozialdemokratie gewählt. Das nunmehr abgeschlossen« Nesnltat aller drei Wählerklassen in Dresden ergiebt die Wahl von 40 sozialdemokralischt», 4 anti- semitischen und 112 konservaliven Wahlmänner» in DreSvrn l, und 37 sozialdemokratischen nnd 73 konservativen Wahlmännern t» Dresden IV. Beide Kreise fallen ohne weiter«? den Konservative» zu. Noch unbekannt ist daS vlesnltat der Nachwahlen tm 10. länd- lichen Streifs, in denen eine gewisse Möglichkeit auf Erzielmiz eines Mandats zu bestehen scheint.— Miiilche», 4. Oktober. Der dem Landtage vorgelegte Gesetz- entivnrf betrefsend die K a p i t a l r e n t« n st e u e r stellt sür die Anlage der Knpilalrentenstener folgende Süy« ans: l'/z pCl. bei einer illente von 40—100 M., 3 pCl. bei einer Rente vo» 100 bis 400 M., 2Vi pEt. bei einer Ncnl« von 400— 7V0 M., 3 pEt. bei tiner Stent« von 700—1000 M. 0'/e pSt. bei einer Renl« von 1000-100 000 an., 4'/i pEt. bei einer Ne»t« vo» mehr als 100000 M.— — Der Termin der dadtsche» Abgeordnet»»- Wahlen ist anf de» 10. November anberaumt worden.— Oesterreich. Wie,,. V. Oktober. Abgeordnetenhaus. Dipauli und Genosse»(kalh. Volksp.) brachten«inen DringlichkeitS« antrage»» ans sofortlgeWahleineS Ausschusses zu dem Zwecke der Aufhobung der S p r a ch e» v e r o r d- nuuge»; der Ausschuß soll serner grundsätzlich, BestinM'UNge» Über«lue im Gesetz«? wege anzustrebend« Regelung der Nationalitäten« und Sprache»frage binnen 6 Woche» dein Hrnif« vorlegen. Ebcnhoch brachte wiederum seinen Schul- a n t r n g Mit kleinen Abänderungen ein; dieser Antrag setzt eine achtjährige Schnlpsticht fest, räumt jedoch den Landtagen das Reci, tetn.dieselbean ftzJahr« herab»„setzen.» likUion, 5. Oktober. Den Moraenblällern zufolge ist Redakteur H o f e r- E g e r mit Rücksicht auf seinen bedenklichen GesnnvheiiS- zustand ans telegraphisch» Anordnung de? OberlandeSgerichle? anS der Hgsl enllaljtN Ivoldeil. Die Uiilersnchung gegtli ihn dnuert fort.— Anläßlich der Hastentlnssung de? MedakleurS Hofer wnrden in Eger abendS in der Straße, in welcher Hofer'S Wohnung liegt. eine Anzahl Hänser iNnmlnirt, wa? ein« Ansammlung von etwa 200 Personen zur Folgt hatte; dieselben brachte» wiederholt Heil- ruf« anS. Durch daS Ewschreiten de? Bürgermeisters und der städtischen Polizei wnrde die Kundgebung bald beendet, worauf die Menge ruhig auscinauderging. Wir», 5. Oktober. Der erst, internationale Kongreß für gewerbliche» Rechtsschutz wurde beut« hier cröfsuet. An dcinsclbcn nehme» über ziveihundert Telegirle aus Deutsch» ! a» d, Frankreich, Italic», Belgien, der Schweiz, Nnßlaud, Eng- land und den Vereinigten Tiaalen von Nordamerika lheil. Dcr HaNdelSminister Freiherr Glanz v. Eicha wie? i» seiner Begrüßnngs. rede auf die bedeiilende» Forlschrille in der Eutwickelnng der ge> iverbliche» Eigenlhttmsrichte, ans da? neue österreichisch» Patentgeseh nnd daß ivtaclenschntzgesetz hin»nd machte die Millhcilnng, daß der Gesetzenlwnrf gegen de» unlauteren Weltbeiverb sich in Bor» bernlhnug bcfiude Und gegenwärtig über den BeiUtU Oesterreichs zur inlernntiouale» Union verhaudetl«verde. In einer Sitzung der Sektion für ErsiiidiiugSschntz theilte der Vorsitzende mit, daß Ungarn gleichfalls im Begriss« steh«, der Siaaten-Union beiznireten.— Aus den bisherigen Berathnvyen dcr Sektion für Patentschutz ist hervorzuheben, dai, die Ansrechterhaltnng der im UnIons Vertrag« vorgesehene» Priorttälssrtst nnd die Ver- länger»»? dcr Schntzdaner auf ein Jahr beschlossen wnrde.— Hilf) iivii. Budapest, 2. Okiober. Räch dem„Neuen Pester Journal" de- trägt die Zahl derjenigen, die sich biS jetzt nnf grnnd der»«»eit KiichengesrtzgehUng als konfessionslos erklärt haben, etwa 4000. Anfsnllend ist zunächst, daß die KoNsessionSloflgkeit sich ans dem Lande mehr verbreitet hat, n>? in den Z t ä d t e ii; die(ctzuveii stellicn nämlich zusammen link 440, darunter die Hanplslndt mit ihrer halben Million Einwohner nur dS. Nach de» Nalionaliläie» vertheilt wnrden konfessionslos t 2000 Un- gar», SOO Serben, 800 Denllchej der Rest von 1100 verthcilt stch auf Rumänen. Sloa-aksn u. f iv. Di« melste» Gläubigen verlor die refviinirle Kirche, nämlich IIZ40s dann kommt die lömifch-kalholifch« mit 928, die proiestaniisch« Stirch» U d. mit 735 n. f. f, DaS Juden- lhum verlor 28, die Unitarier nienand. Interessant ist, daß mehr Frauen als Männer kanfessionstos wurden: 2181 gcae» 1809. Man ersteht ans diesen Ziffern, daß die Koiifessioüslosigkcit lauge nicht so groß genwrden ist, wie die Gegner der Rescungesetz« zn fürchte» vorgaben. Agram, 4. Oktober. Ans grmid eines vom 20. September dalirten königlichen Handschreibens find die Sitznngen des kroati- scheu Landtages ins anf weitere Anorbnnng suspenvirt worden. stZiedrrlaude. Am st erbat», 3. Oktober.(Eig. Ber.) Die deutschen Anarchisten Karl Biiicr nnd Luise Kronaner sind durch die Amsterdamischt Polizei verhaftet und a»S Holland ausgewiesen Wörde». Biller war anS Deutschland wegen einer ihm drohenden MajeflätS- bcleidtgmigsstrafe geflüchtet. Die Kronaner war früher veranrwöri- lich für die Rednklio» de? Landaner'schen„Sozialist",»nd lebt« mit Bttler zusammen. Dieser hatte ia Amsterdam Beschältignug als Schuhmachergesc»« gesunden, er halte sich niemals öffentlich bc- ihfttigt. Nile sehr wenig« Leute wußten, daß er«in deutscher Flüchiling war.' Den Alisgewiesenen wurde die Wahl des Lande?, wohin sie gehen wolle», gelassen. Bornnssichltlch werden sie nach England gehen oder schon dahin gegangen sein. Holland,«inst vi« inler- »aiionale Frclslälle, wo Spinoza und(Sartest»? sich vor Ver- svlgnngen schütze» konnten, hat stch mit dtesem renkliotiüre» Stretch, ganz abweichend von der üblichen Praxis, Nicht»nr»ach außen, sondern auch vor seiner eigene» Vergangenheit, surchibar biamirt.— SCAiieiuiU'f. kvprnhag««, 5 Oklober. Foikelhing. Finansmitilsker Hörrtng legte heule de» Budgetennvinf siir das NcchNnngSjahr 1893/1899 vor. Derselbe weist(;8 000lX>0 Krone» Einnahme»»Nd 08 400 000 Krone» Ausgaben. somit«tuen Urderschnß vo» 200 000 Kronen auf. Das Heeresbndget ist mit II Milltouen, da? Marinebudget mit 7'/» Millionen Krone» angesetzt. Zur Hebung der Landwirlhschaft tberde» Nenbewilllgnugen verlangt, darunter 200 000 Kronen zu Zivccken dcr Fleiscbausfnhr, 100 000 Krone» zur Bekämpfung der Tildetkiilose»»ler dem Vieh und zur Herstellung voil Tnvertniin. Für nenr Scknndnrbahn-Anlngen sind in bei» Gniwnrf g 000 000 Kronen«liigesielit. Z»k Hersteiiniig«ine» Telegraphen- uerl'iudnng mit Island über di« Khellandsinseltt und die Fnrüer- insrln ivitd die Regierung 34 000 Kronen Verlangens die Kosten det VerbinbNug sind im aanz«» ans 2 Milllonen Kronen veranschlagt. Di« Groß« Nordische Telearaphengesellschaft beabsichligt dl» Anlage z» übernehmen. Auf der Insel 2lnholt»n Kaltcnat soll«iN»illet Hase» angelegt werde», der in erster Reiht Fischerelzivecken diene» soll! die kosten find ans 1 400 000 Kronen veranschlagt. Für die Belheillgnna Dänemarks an der Pariset WelianSstelliiug im Jahre 1900 schlägt die Regierung einen Zuschuß vo» 800 000 Kronen vor.— Kvpeiihagr», 5. Okt. Der L a II d w I t t h s ch a f t S m t n i st e r »nterbrctteio heute dem vandSlhtng ctn« GeseheSvorlage betr. Ver- dütnng ver Verbreitung der Tuberkulose beim Vieh. Hiernach darf lebende? Hornvieh ans dem A u? l a n d, nur über einzeln», bestimmte Ort», in welchen eS einer Ouaraniän« und der Tnberknltn-Jnipsung unterzogen wird,»ingeiühri werde». In- ländisches Vieh kann nuf Staatskosten Mit Tuberkulin geimpft werden. Die Abgabe nicht p a st e» r i s I r t e r Milch au? den gelneinschasilichen Molkereien wird verboten. Nuruiefzei«. Christiania, 6. Okiober. Bei reu Wahlmännerwahlen gewann di« Linke das Mandat für die Stadt Olavanger. Nach den bi?- herige» Wahlen hat die Links im Ganzen 10 Etorthiiigssttze g t« w o n n e n.— Shristiania, 8. Oktober. Hier verkaulet, da? Kabtnet werde in den nächsten Tagen seine E n t t a s s n» g geben.— Pfrnntrsich. — Der neu« Panama-Prozeß. Der Pariser„Matin" ist in der Lag«, an? der Anklageschrtst für de»»weilen Bestechung?- prozeß, der vor dem Schwurgericht der Seine zur Verhandlung kommen soll, anssührliche MiUheihmgeil zn machen. Nachdem der General-Staalsamvalt nochmals eingehend die Umstände geschildert hat, unter welchen di« Panama- Gesellschaft gegründet wurde, nach welchen Jnirignen das Gesetz über die Ausgabe von Panama-Loosen angenommen wnrde, wie die zwei Ausgaben vo» 1383 scheiierlen. wie die Panama-Gesellschaft verkrachte und schließlich EbarleS de Lcsscps im Jahre 1393 vernrlheilt wnrde, geht er im einzelnen auf die Belastung dcr neu» Angeklagten ein. Der Anklage-'Att schließt dann wie folgt: Folglich sind de- schuldigt I. Aion, genannt Alton, im Jahre 1388 in Paris durch Versprechen, Angeboie, oder Geldgeschenke den Seuator Naquet bestochen zu haben,»in seine Gunst in der Aus- Übung feines öffenllichen Amte? zu gewiune». 2, Naquet als Senator sür eine Haiidliiiig seines Amte? Geld angenommen zn haben. 3. Nrton wegen Bcslechnng der damaligen Abgeorviielen Boycr, Gaillard, Laisant. Marei, Planten», Rignnt, St. Martin und Richard. 4. Boyer. Gaillard, Laisant, Marek, Plautea», Rigant und St. Martin Bestechnngsgelder a»ge»ou»»en z» habe». Die den Angeklagten zur Last gelegten Verbrechen werden laut den Artikeln 177, 179, 34 und SS des Slrafgesctzbnches bestraft.— Italien. Nom, 4. Oktober.„Esercilo" meldet, dnß im Herbst die ganz« Arme« mit lieinkalibrigem Gewehr. Modell 1891, versehcn ivird. Für die Landwehr ivcrden Wetterli-Gewehre eininagazinirt. Im Jalire 1SSS veginnrn die Arbeite» zur Herstcllnvg der Schnell- scuergeschütze.— Spanien. — In dem neuen Kabinet hat Pia Gallon die aus- wärllgen Augelegeuhcilen tiber»ou»n«ii, G-i-issacd die Jusliz a» siclle Romero GiroNs, von dcsse» Ernennung i» letzter Stmile Abstand geiiommc» ivurde. Der Ministerpräsident S a g a st a hat erklärt, daß die Negierinig willens sei, da? politische»nd militärische Programm mit Eni- schlossenheit und Ansiichtlgkett diirchzusnhren. Wenn General Wey ler nicht selbst scincii Abschied nähme, würde er abberufen werden. Es handele sich, so fügte der Minister Hinz»,>»» schnelles Voigehen ans de» Philippinen, deren Lage leine» Verzug zulasse.— Die Gefangenen in M o n t j n t ch Halle» an cngliscke und srnnzöstsche Blätter abermals et»«» Ausruf gerichtet, in welchem sie die Oessciitlichkeit»m Hilfe anflehen. ES sind im ganzen noch 93 nngetiliche Anarchisten, welch« seil Juli vorigen Jahres in den Kasenialten der FestNiig Monijuich bei Barcelona gefangen gehalten werden,»nd obgleich ihnen trotz einjähriger gerichtlicher Unter- snchnng keinerlei Thcilnnhme an der anarchistischen Propaganda nachgewiesen werden konnte, durch„königliches Dekret" zur Ver- baniiiiiig vniutdeilt worden sind. Sie werden jedoch nicht eher ans der Haft eiillafscit, als biS bei dcr Polizeidircklion in Barcelona für sie das Geld htnlerlcgl ist. sür welches sie sich eine Schiffekarle nach cinem ihnen osf«»slehe»dcn ausländischen Haienplatz kaufen könne». Da nun die Gefangenen während ihrer 14 monatlichen Haftzeit alle ihre Geldmittel nnsgcbrancht haben, so werden sie noch ans nnabseh- bare Zeiten in Moatjiiich schmachteit müssen, wenn für sie nicht von mildthätigcr Seite dt« Mittel zur Abreise in die«Vcröannitng" gesantinelt werden. „Pioderu" ist dies Versahren nicht.-- viuszsaud. Warschnn, 2. Oklober.(Eig. Ber.) Da? Reittet'sche Tel-gravhsn- Bureau hat wieder eine Schanermär in die Ptrsse hinnueposannt übet einen Atlenlnlsvcrsnch, der in Warschan während dcs Zaren- besnches von deutschen Fabrikanien u. s. w. angeblich ge- viant war, über eine Mine, die von der Brauerei des Herrn Jung bis an die Straße Nowy Swiat(also auf einer Stricke von L bis 8 Kilometern I) geführt war it. s. iv. Das eltizige, was an der ganzen Ränbergeschtchte wahr ist, besteht in der Thalsache, daß Herr Severin Jung, einer der reichsten Warschauer Bcanerei- besitz«-, sammt einige» seiner Bekannte», vor einigen Wochen von der rusflscheii Gendarmerie verhaftet und in das politische Ge- sängniß der Warschauer Festung gebracht wnrde. Herr S. Jung stammt zwar von einer deiilschc» Familie, die aber schon längst poloiiisirt wurde; es ist daher ebenso lächetlich, Ihn einen„Denlschen" zn nennen, wie es lächerlich wäre, zn behaupten, daß z. B. Herr v. Podöielski ctn Pole ist. Da aber seine Verhaftung großes Attsseh«» erregte, so beeilten sich di« politischen Loyaliste», ihn zu einem„Deutschen" zn stempeln, er gebörle ja zn ihrer Klasse, zur Bourgeoisie, die soeben den Zaren ihrer nngelrübien U»terlha»eiitr»ue versichert«. Es ist eine überall gut bekannte Methode: „Ausländes sind es, keine Landeskinder." In diesem Falle aber ging man soiveil, daß die in Preußisch. Polen erscheinenden „DzlAtnik Poznan-ki" und„Dziennlk Knjawski"(Organe des Herrn Koscielsti-Admiralski!) sich zu einer falschen D« n n n z i a t I o n gegen Herrn Jung verstiegen. Nicht geintg damit: Mau schiebt jetzt Herrn Zntig einett RltentalSversnch in die Schuhe, dcr nie gemacht Worden ist. Hier tönnen wir auch andere Hände im Spiele sehen. Wir wissen nicht, ivelche Anklage die Gendarmerie gegen Herrn Jnttg erhebt: wahrscheinlich ist es— wegen Lesens irgend eines„verboleitc»" Buches oder etwas dergleichen. Aber hier erzählt man von den g r a» s a tu e» Mißhandlungen, deren Opfer Herr Jung in der äestnng getvorbcit; man sagt, daß Herr Jtttig insölgc derselben eilte» «lbstmord beging oder iveiiigslens versnchle. Sicher ist es NNr, daß sobald sich dieDelailS der Leidensgeschichte des Hei rn Jntig anfilären tverden, werde» wir wieder einmal ein„russisches Greuel" und zwar der schtimmsten Art zn verzeichnen haben Und die Gendarmerie ivill die öffentliche Meinung in der europäischen Presse i,N vornnS milder stimmen, indem sie durch T legraphen- burenus Herr» Jung sür einen.schreckliche» Altentätcr" gelte» läßt. Türkei. Konssaitttnopcl, 29. September.(„Frankfurter Zeliniig".) Die Neue lürktschc N l e t d e r o r d n n» g. Wer»och zweiseln wollt», daß es dem Snllnn wirklich ernst mit Resort»«, sei, braucht mit die Gewissenhaftigkeit zu beobachten, mit ivelcher die neue Kleiderordtinng für snmmiliche türkische Beamten ausgeübt wird. Man könnle ineinen, alles sei schon wohibestellt in diesem Lande ttttd ziir Glücksetigkeii Hab« noch als Tipselchen ans dein i die iieite Kleider srdnunß gefehlt. Nach kaiserlichem allen Beamten des Reiches kundgegebenen Irak-« wird denscideii nicht mehr gestattet, in gelben oder branNen Schuhe», in hellen kkUIdcrtt, bunlen Hemden oder lichten Kraoalten ihres Amtes zn wallen. Bei strenger Strafe, dl« bei Wiedetholnng in Dienstenllnssiing besteht» sind dle Beamten von nun an vet pflichtet, 1» schwatzen Schnhen, schwarzem?lnznge»nd schwarzen jlravaile» zu erscheinen. Zuiii Anzüge gehört auch du rediiigoiartig« Stambuline, die einen Stehkragen har nnd bis obe« ztigeknöpst wird. Fertier dürsen die Effendis bei ihren Dietistgäitgen sich nur mehr schirnr�cr Handschuhe iedienen.- So geschehen am 29. Tage dcS Monat? Uebi nl-�ßhir im Jahre IvlS--- 27. Scp- t«mber 1897. Gricchenlaild. Athen, st. Oktobtr. Der gestrige Tag verlief lebhaft erregt. Die krtt. scheu Führer reifen nach Kreta ab, unter ihnen Efatianati?. der zniN Präsidenten der kretische» Nntioiiatversamnilniig ernannt werden dürfte. Die Versammlnng wird an die Admlrale eine Bin- schrist richtea, welche die Erkläruiig enthält, die Kreter seien beicit, unter den von Europa geslclltcn Bediiignnge» die'Antonvmis anzn- nehme», vor allem dcr Eiitsernung der türkischen Truppen»nd der Eruennnng eincs eliropäischcn Gonverneurs; die Kreter seien sogar genelgl, für die Eiiienniing Nnma Droz' zu stimme», d.sse» Name nuf der ganzen Insel sehr beliebt geworden sei.— tfficil. Bombay, 4. Okiober. Der heule festgenommeiie Indier ist dcr 2öjährige Advokat Damodar Chapekar Decrani,«in Brahniiuc. Er hal eingestanden, mit einem Mitschuldigen das Mitglied der Pest- kommission Rand nnd den Lientenant Ayerst ermordet zu haben. Er bekannte serner, dle Gtatne der Königin Vicioria zu Bombay besudelt und andere Verbrechen begangen zn haben.— Pavfvifaa drv sozZnldcittolivnsiMen Pstvfci Dotttfchlcinds. FoUsehttiiz.c>uz der l. Beilage. Sinn habe Ich in allererster Linie diejenige» Forderung«» wieder ausgenoinnien, die imr mich bei früheren Gelegen heilen als niaf-gebend beirachlet haben für die Uuleistühung eines gegnerische» 5ra»didnie» in der Stichwahl. Es waren das drei Punkte: St u f r e ch t e r h a l t u» g des a l l g e in e i n e n gleichen, direkten und geheime» Wahlrechts gegen die Einführung von St u s n a h in« g e s e tz e und gegen die Einführung»euer oder die Er h ö h»» g bestehender i n d i r« k t e r S t e u e r n und Z ö l l auf uolhivendige Lebens- oder Geniißmiltel(Kntjenstein Heeresbewilligungeii!) Die sind im letzten Punkt schon enlhalte» denn indirekte Stenern sind bei uns iniiner die Folge von Heeres� oder Marinefordcrungen gewesen. Ich habe nun diese Fordernngen etwas erweitert, und zwar auf grund der Erfahruiigen, die wir in der letzten Legislalurperiode gemacht haben; selbstverstündlich soll II ich> dt- Berpstichiuiig s-slgeliellt werden, gegen eine V-rbcsscrnng des jetzigen Wahlrechts zn stiinine»; ich habe ergönzt: des Wahl rechts„in feiner jetzigen Gestalt", um uns eine Stnckendecknng sichern gegen Leute, die zwar das allgemeine Wahlrecht behalten wolle», aber z. B. Eländewahlen einführen oder die Altersgrenze für die Mahltühigkcit hwatiffchrauben wollen. Ich beantrage auf- annehme»:„FürAnfrtchtrrhalkung des» n v er k iir zl c Bndgetrechts des Reichstages". Es wird ja die Frage erörtert, z. B. heule auch in einem Leilartikel des„BormfirtS*, ob nicht die Forderung eines Septennats oder QuinquennatS für die Marine komme» wird. Weiter habe ich mich verpstlchtet erachtet, mich insbesondere die Forderung f ü r S i ch e r u n g d e s v o 1 1 e n V e r e i n s Per i a»> m l u ,l a s- ii nd 5i o a l i t i o n Z r e ch t e s durch ei R e i ch s g e s e tz zu beantragen. Wir müssen verhüten. daß i einem Kandidaten möglich ist. sniiler für Antrage auf diese, Mebiete zu stimmen mit dem Hinweis auf BeNimmiingen Einzelstaate». Es ist ein Widerspruch der allerürgslen Art daß bei dem klaren Wortlaut der Reichsverfnssung eine!>ie giernng es über sich hat gewinne» können, in einei» Partikular staale sich mit der Frage des Konlilionsrechles zu befassen. Sodann habe ich mit nufgenommen:„Gegen die P e r s ch kl r f u n d e Z b e st e h e ii d e n S t r a f r e ch t S, soweit e s s i ch d a l> e n in p o l i t i s ch e P e r g e h e n o d e r V e r b r t ch e n h a n d e l t" weiter„gegen jede Verschlechterung d e r b e st e h e n d e n P r est g e s e tz g e b u n g." Unser Prestgesch ist schon schlecht genug, trotzdem ivilt man eS noch rückivnrls rcvidiren. Dag noch ein« ganze Reihe vo» Fordernngen der allerwichllgstei Art ans dem w i r t h f ch a f t l i ch e n Gebiete, ans de», Gebiete des A rb e i tersch utz es übrigbleiben, Ist ja selbstverstündlich Aber ebenso selbstverstäiidllch ist es, daß wir den politischen Gegnern, die wir bei der eZn g e r- nzW a h I nnterstntzen solle» nicht» n m» t h e n können, alle Forderungen d i wir für n ö t h i g halten, im Reichstag zu unter stützen. Wir können nur dasjenige von ihnen verlangen, was sie vertreten müssen, wenn sie sich liberal oder demokratisch gesinnte Männer nennen wollen; innerhalb dieser Forderungen haben wir u»S gc> Halle». Ich möchte also dringend btllen, daß aus dem Kreise der Genossen diese Forderungen nicht erweitert werde». Es wäre i» der Thai thöricht und der Situation nicht entsprechend; damit wäre ich mit meinem Referat zu Sude. Ich habe in Punkt 3 die ausdrückliche Verpflichtung auf- Senvmnien, daß, Ivo kein Kandidat in Frage kolnint, der sich ans diese orderungt» verpflichtet, strikte Stimmenthaltung zu proklmnireu ist; das ist absolut nolhwendig. Man hat es in einzelnen Kreisen über sich gewinn«» könne», bei der engeren Wahl Leuten die Stimme zu geben, von denen man die Sicherhett haben»instle. daß sie niemals unsere Mininialfordernngeii unterstützen würden, und man hat sich dann hernach daniil emschaidigl, daß ein National liberaler noch nicht so schlimm sei wie ein Konser vatioer. Es ist«ine Thatsache, die der Vertreter von Essen kaum wird bestreiten können, daß bei der letzten Essener Wahl in der Stichwahl zwischen Krupp, dem Besitzer von Essen, möchte ich sagen, Und Slötzel, dem einstigen ehemaligen wirklichen Arbeiter d-S Zeiiltnms, der als solcher genöthigt war, für die Arbeiter' fordernngen einzutreten und sich daher oft bei Abslimmuiigen vom Zentrum trennte, diesen hat durchfallen lassen und Herrn Krupp durch die Stimmen der Sozialdemokraten in den Reichstag brachte. (Hört! hört.) Kann es denn einen größeren Hohn geben? Nur»och, wenn an stelle von Krupp Herrn v. Stninni die Stimmen gegeben würden (Heiterkeit), aber jene Leute wären auch dazu im stände.(Heiterkeit und sehr wahr!) Ich weiß nicht, welche persönlichen Gründe damals unsere Genossen veranlaßt haben, gegen Eiötzel zn stimmen. Diese Tbatsachen sind unbestreitbar, und um ähnliche Verstöße gröbster Art gegen die bisherige ParleUatlit und insbesondere gegen die allgemeineu Partei- Interessen zu verhindern, es unbedingt nöthig, zn verlange», baß ein Kandidat, der diese Minimalfordernngen nicht in allen Pniikteii anerkennt, unter keinen Umstanden unsere Stimmen bekommen darf, sondern daß wir dann Slliiiinenthalliing aussprechen müsse». Sind wir dann nicht Herr der Massen, die bei der ersten Mahl hinter Uns gestanden habe», so können wir es nicht ändern, aber daß vo» Genossen so gehandelt wird. das darf nicht vorkommen. Ich ivill nicht all Wiiiive» änsreißen, aber ich erinnere daran, daß man sich einmal zur Wahl eines bütgerliche» Kandidaten bereit erklärt hat, weil dessen Partei bereit war, die Kosten für die Hanpl wähl zn tragen. Ein solcher Fall hat sich ja später nicht wieder ereignet, aber das zeigt doch, daß der Parteitag klar und denllkh über die einznlchlngende Taktik beschließen muß. Im übrigen müsse» wir uns verpflichten, altes daran zn sehen, nm mit möglichst zahl reichen Stimmen nnd mit möglichst viel Mandaten aus dem nächste» Wahlkampfe als Sieger hervorzngehe».(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Tie von Bebel vorgeschlagene Resoliilion, betreffend die Stellung der Partei zu den Reichsiagswahlen, hat solgenden Worllant; Der Parteitag beschließt: I. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, soweit dieS noch nicht geschehen ist, sofort i» die Borbereitniigen für die allgemeinen Reichstagswahlen einzutreten und in allen Wahlkreisen, i» welchen orgmiillrte Parteigenosse» vorhanden sind, ohne Rücksicht ans die Zahl der zn erwartenden Stimmen einen Patleikandidaten auf- zustelle». 2. Im Falle einer engtrcn Wahl in einem WählkceiS, bei welcher der Kandidat der Partei nicht in Frage koiiiml, sind die Parteigenossen gehalten, demjenigen Kandidaten einer bürgerliche» Partei ihre Sttlnme» zu geben, der sich verpflichtet, im Falle feiner Wahl für folgendes im SIetchstage einzutreten: a) Für Ansrechtei hallung des altgemeine», gleichen, direkte» und geheime» Wahlrechts in seiner jetzigen Gestalt, es sei denn, daß es sich um Aniräge auf Eiweilerilng oder größere Eiche- rung desselben handelt. Für Aiisrechterhitllinig des unverkürzten Bndgetrechts des ReichStagcs.(Kein Septennat, OlNinquenat ic.) Für Sicherung des vollen Vereins-, VersamiiitnngS- nnd KvalilionsrechteS durch ein Reichsgesetz. ck) Gegen die Etnführnng von iKiisiiahniegeseheii irgend einer Art und gegen die Verschärfung des bestehenden Strasrechls, soweit eS sich dabei um politische Vergehen ober Verbreche» handelt. «) Gegen jede Verschlechteruiig der bestehenden Preßgesetzgebung. I) Gegen die Einführung neuer oder die Erhöhung bestehender indirckler Stenern nnd Zölle auf nolhivendigr LebenS- oder Geniißmittel(Bier, Tabak K.). 8. Koniint kein Kandidat i» Frage, der sich auf diese Forde- »nngeil verpflichtet, so ist stritte Stimmihaltiiiig z» proklarniren. l') e) Die Debatte wird eröffnet. Dieselbe erstreckt sich außer auf die Resolulion auf die Anträge: 30. Parteigenosse» in B r e s l a»: Zur besseren Information unserer Wahlagilaloren wird wiederum ein kiirzgefaßler Bericht über die Thäligkeit des Reichstags von 1893—1838 herausgegeben nnd zwar in der Art niid von dem B e r f a s s e r dcZ Berichts über die Thäligkeit des flieichstagS von 1837— I8S0." 4t. Genosse B e r fn S in'Ber lin:„In den Wahlkreisen mit überwiegender polnischer Bevölkerung sind nur solche Ge- iwssen als Reichsingskandidale» aufzustellen, die der denischen und polnischen Sprache mächtig sind." k)0. Antrag der Genossen H. Schab«, O.Mittag, I. D e j n ii g, R. Vi o S b i tz k t, W. G e r- Krämer, W. K o l b, I. D i« tz: Der sich gegen jede Doppel-Kandidatur bei den H. P i st o r i n S, bold, Kölle, Parteitag ertlärt ReichStaaSwahlen. Diese Anträge finden die genügende Nilterstützuns, während die ans die Solinger ülngelegenheit bezüglichen Anträge ans Antrag Singer's einer Kominission und zwar der Maiidalsprüsnngs-Koin- Mission, die den mit den Berhällnissen vertraulen Genossen Gensch hinzuzuziehen hat, überwiesen whd, nachdem ein Antrag Krumm- Gicßc», über die die Solinger Angelegenheit betreffende» Anträge zur Tagesordnung überzugehen, abgelehnt wird. Zu der Resolution Bebel ist noch folgendes Amendement einge- gange»: In die Resoliilion Punkt 4 ist anszlliiehni«»! La. Gegen jede ErHölmng des bestehenden Standes des Hceres oder der Marine. Gegen jede Aushebung oder Einschränluiig von Arbeiterschutz oder Verordnungen, außer in den unter a angeuoinmenen Fällen. Die Debatte wird eröffnet von Schoenlank: Zn den eigent- lichen Referaten habe ich nur wenig hiliziiznfügen. Ich möchte die Aiistnerksamkeit der Genossen darauf lenken, daß bei den nächsten VicichstagSwahle» DageSsragen in dl» Vordergrund trete», die«Ine end- gillig«?ln3e>nnndersctzi»ig zwischen konstitutionellem Vsrfassnngsleben und nblolntislischerWirihschast, zwischt» parlainenlarilcherVerwaltnng und persönlichem Regiment bedenlen; es handelt sich darum, ob das deutsche Volk sich den Znstand deS ZickzackturseZ und der Plötz- lichkeiten weiter gefollen lassen will. Gicbl das dcnlsche Volk eine brjahcnde Anlinort bleranf, dann weiden wir allndings zu den viele» Ueberraschungen, die wir hellte haben, noch andere bekommen. ES ist ein Charakeristilnin unserer Zeit, daß das Bestreben, Elimmilng zu machen sür das, was bestimmte einflußreiche Peisonen wünschen, so deutlich zu tage tritt. Noch nie Mals ist so unverschäiiit»nd offen der Staatsstreich gefordert worden, wie jetzt. Ich criniicre daran, daß es nicht nur dieser und jener ist, der daS thnt. ich erinnert daran, daß Gras Mirbach im Herrenbause die Fnrste» zum Verfassungsbruch aufgesorderl hat; ich er- innere daran, daß sich der General Boguslawcki sür den Staniestreich nnsgesprochen hak, und da» die„Grenzboien", ein von Beamte» und für Beamte geschriebenes Blatt rücksichtslos erklärt hat, num müsse den Slanlsstreich wünschen. Ferner hat kürzlich ein bestimmter konservativer Führer, v. Helldorff» Bebra, in einer Abhandlung in der„Denlschni Neon«", ein ein Blatte, das gerade in den cinstuß- reichen herrschenden Kreisen Beachlniig findet, sich dahin nusgesprocheii, daß das allgemeine Wahlrccht ein ganz rohes System sei und daß es blos eine Frage der Zeil sei, wann man dieS System beseiiigt. Wenn so ossen der Konflikt heraufbeschworen und z u in Staats st r eich p r o v v z i r t wird, so iiuiß man sestslelle», daß die Leute, die das thun, damit nicht nur ihre VIntzlostgkeit, svndeul auch ihre Tölpelhaftigkeit beweisen. Teini löipcl- Haft ist es, solche Pläne zu Markt zu tragen; aber bei UNS in Denlsckilaitd ist alles»lögltch und d«?hrtlb muß man im Wahlkanipf hervorhebe», dasi es sich letzt darilin handelt, ob diese kionflikte gelliste sich in Tbaten iimfetz«» solle». Werve» intcNigenle, ei» sichtige nnd energische Leute in den Rcichstag gewählt, so wird es möglich sein, UeverriNNpeluiigen zu vermeiden. Dann ist es mit de» Staalsstreichgclüsten vorbei. Deshalb muß im Reichstage eine kvnzentrtrte Energit eiitsnilct werden, die jeden derarligen Versuch Niederschlägt. Eine ander« Frage, die anss innigste damit zusammenhängt, ist die F l o t t e n p o l i t i k. Die Floitenpoliiik wirb das Hauplstich- ivort bei den nächsten Wahlen sein. Sie wisse» ja, daß damit die Absicht verbunden wird, wenn der Reichstag es nicht gniwillig macht, über seinen Kops hinweg dle Sache zu mache». Mau bat Herr» Tiipih den zuküilftigen Mariue-Roon genannt, d. h. er soll aus dem Gebiet der Flotte daß anssühren, was in den sechziger Jahren in Preußen Rbon ans dem Gebiet der Landivehrorgänisation gemacht hat. Das bedeutet den Kons litt, wenn nicht im Reichstage eine geschlossene Mehrheit zur ttnlerdiückung derartiger Konflikts gelüste vorhanden ist. Die M a r i II e p o I l t i k nnd der Kamps gegen das persönliche Regiment sind innig perbnnden, sie hängen ursächlich zuianitiie»,»nd sie werden die Wahlparole sein. Bedroht ist in der Thal das allgemeine Wahlrecht, über dessen Gefährlichkeit für die Vvlirgroiüe sich ja immer wciiere Kreise des Bürgertbnms, soweit sie nichts sind als Bourgeois, klar geworden sind. Deshalb wird der Wahlkanipf nicht bloß ein aktueller, sondern ein prinzipieller lein zwischen konstilntio neller Verfassung und nbsotnlistischer Wirlhschasl, zwischen Zickzack und Jaadtnis und einem besliaimten parlninciilanschen System, das das Budget kontrollirt und nicht der Regierung oder denen, die hinler ihr stehen, die Möglichkeit giebt, das System der Stninni, das System der Scharfmacher und SlaalSstrcichler, ins Leben zn rufen. Es gilt, den Kamps gegen die Staatsstreichpotitiker, gegen die Wasserpölitiker, gegen die Sliimiii, Mirbach und Genosse»! Diese» Kampf zn fühlen, ist Aufgabe der Soztalvemokralie. nnd wenn wir Mit der alten Energie vorgehen, so wird der Erfolg ein großer sein. Es komint weniger darauf an, ob wir 20 oder 12'Abgeordnete mehr bekoininen, es kvniiNt darauf an, daß wtd mit Hiise des allgemeinen Wahlrechts eine Antwort gebe» gegen daß persönliche Regiment, das beute offener als je zn Inge tritt ohne die«Iiilllsteriellen Bekleidungsstücke. Für Staatsstreich- Gelüste giebt es iininer Leute, hier ganz nahe bei, ivcnige Bahnstationen enlsernt sitzt einer, der stets dafür z» haben ist, und nicht weil davon findet sich auch der General, der sich ivoh! dazu hergiebt. Wir werden aber dafür sorgen, daß die Herren zu Hans« bleiben»nd daß dem persönliche» Regiment endlich einliinl so der Tcxt gelesen wird, wie es sich gebührt in dein Zcitnller des sozialen ' orlschrilts, der Demokratie, der Soziltldemokrnlie.(Lebhafter leifäll) Molke n bithr! Ich gebe Bebel recht; es wäre eine kkickkug« heit, den Reichstag vor oer Zelt NNfznlviern Seitdem aber Herr V. Recke bewiesen hat, daß das alle Sprichwort t Wem Gott ein Amt giebt, dein giebt er auch Verstand, nicht immer zutrifft, köiinen wir auf alle UeberraschttiigeN vor- sein.(Heiterkeit). DeShnlb müsse» wir uns so daß, wenn die Führer in dem Wahlkampfe tnteniiri andere Kräfte ans der Mnffe an ihre Stelle trete» Hamburg bietet ein g»!eS Beispiel dafür; wie hatten hier einen Kreis erobert. Als das Sozialistengesetz kntn, wurde der zweite Kreis genomme». Dann kam der Belageriingszustand, es wurden mehrere Hundert ausgewiesen, nnd da sahen die Genosse» ein. daß es jetzt darauf ankoinuit, daß jeder eintritt,»nd wurden denn auch die beide» letzten Kreise erobert. Wenn wir denselben Weg niieiitwegt verfolgen, dann wird der Erfolg nicht ansbleibtN. Uiizwetfelhaft sind die Wahlen diesmal vo» so gewaltiger Bedeutung, well niemals in so offener Weise di« Bcuiepolitik beirieben wnrd«. Das, was ans wittbschaftlichem Gebiet Beut«Politik httßt, heißt auf poliltschem: Renkt ton. Nur wenn die Massen nmndtodt gemacht sind, wird iiirni im stände sein, ene Pläne durchzusitzen; und da glaube ich, wird die Gntscheiduug weniger im Parlaineill fallen, als vielmehr schon am Wahltage. Erheben die Wähler eiiirgiscden Prolest gegen diese Politik, so wird das g a n z« S y st e m a m W a h l t a g e z u s ch a n d e n gemacht. Deshalb heißt«S, sich so vorzubereiten, daß wir nicht sage», wir wollen Leute durchbringen, die daS Unglück verhindern. Nein, wir wollen e S selbst verhindern.(Beifall.) In der Re- solntion sind einige Ausdrücke nicht bestimmt genug, statt der Pro- klamation der Stiininenthaltiing wäre es besser, weiße Zettel abzn- bereitet rüsten, werden, könne». geben, vor allen Dingen kommt«» darauf an. immer mehr Leute in Tbäligkeit zu setzen, damit, wenn durch Einkerkerung der Führer der Wahlkanipf lahm gelegt werden soll, der Beweis erbracht wird, daß wir eine sozialdemotralische Partei sind, daß wir nickst von einzelnen Führern abhängen, sondern daß wir anch ohne Führer wissen, was wir zn thun haben.(Beifall), F r e i w a l d- Niederdarniin: Ich muß mich gegen we Taktik verwahren, die Schippet vorhin entwickelte. Wenn diese Taktik platzgreifen sollie, dann wird der Kricgsminislec sagen: wenn ihr'so verständig seid, dann könnt ihr auch die Mililarvorlageu bewilligen. Darüber muß morgen»och mehr gesprochen werden. W i e d h o s s- Düsseldorf beanlragt«ine redaktionelle Aenderung des Antraget 41......«r. E ch« i d e m a n n- Gießen: Bei den nächsten Wahlen wird es sicherlich z» einer sürchterlichen Abrechnung loimnin; setzen Sie aber nicht alleS auf die politische Karte, sondern bedenken Sie beim Wahltamps die»v»rthschast- lichen Interessen. Betonen Sie bei der Agitation aus dem Laude den zweiten Theil unseres Programms. Er enthält viele Punkte, die auf dem Lande Eindruck machen. Ferner ist du Forderung der Selbstverwaltung der Gemeinde von aller- größter Bedeutiiiig, ebenso unser« Forderungen auf dem Gebiete des Scknilweseus und der Rechtspflege. Die Genossen in den große» Städten können mir unsere Slgitati o ii ans dem Lande da- durch erleichtein, daß sie in ihren Aeußerunge» recht vorsichtig sind. ES wäre lntlisch rictuiger, wenn die Pc>rteipr-sse thörichle->->>»-- ntnaeii über die Religion zum Beispiel nicht a» die große Glocke hängen würde. Redner bittet, den Ztnlrag SO(Toppeikandidatnren) abzulehnen. In manchen Wahlkreisen geht eS gar nicht anders alv etnen Kandidaten mit bekannten Nninen als Zähtkandidaten aufzu- �«ohnS-Essen: Di- Vorwürfe, die Bebel gegen mi» erhoben Hai weil wir in der Stichwahl für Genosse» Krupp(Slurnusche Heiterkeit) gestimmt haben, muß ich als richtig hinnehmen. tAber die Erbitterung gegen das Zentrum war i» den Massen so gtoß, daß wir sie nicht mehr dämpfe» konnten. Man sagte sich auch: Es ist nicht so arg. wenn wir Krupp in den Reichstag schicke». Er wird dort von nnscre» Genossen in die Scdnr gcnomineii werden. Jetzt wird so etwas nicht mehr geschehen. Wir haben den Zuchthäusler Schröder niisgestcllt.(Bravo!) Unsere Stimmeii werden za alle ungrllig sein, aber wir können nicht anders. In der Erregung über s-rne Vcrnrtheilung haben wir ihn seinerzeit ansgestellt. Der Zentrums- kandidat wird wohl im ersten Mahlgang gewählt werden. Wenn«ins andere Tnkiik richtig ist, möge man uns eine Richtschnur mitgeben. Sonst werden wir jesthulleii an unseren Zuchthäusler Schröder. Es ist 7 Uhr geivvrden, die Weiterberalhnng wird auf morgen vertagt. � � In de,» Bericht deS„Vorwärts" über de» Geschäftsbericht des geschäi lsführenden AnSschnffeS ist-in de» Thatbestaud unrichtig wiedergebender Satz iinterlaiifen. Der Schlußsatz des Absatzes 3 des Berichts im Hanptblnlt des „Vorwärts" Nr. 232 lautet: „Die Gegner machen größere Anstrengung««, und wenn unsere Genossen erst einmal im Wahlkanipf stehen, kann«S vorkommen. daß für einen einzigm Vortrag 60 M. in Rechnung gesetzt werben." Ausgeführt habe ick,:„Daß sür die Mielhung eines einzigen HofrauinS 60 M. i» Rechnung gesetzt werden mußten." A. Gerts ch. Povket-Mttifjviditutt. ltcber da» Eigebniss der LandtaaSwahlri« in Sachsen- Weimar- Eisenach wird der Erfurier„Tribüne'' geschrieben: „Wenn inaii daS umständlich«, eiiieiii großen Theile deS Volkes bisher vollständig unbekannte Wnhiverfahren,»nd vor allen Dingen die vom letzten Landtage beschlossene Verschlechterung des Wahl- gesetzes in beiracht zieht, so kann mau mit dem erzielten Resultaie vollständig zufrieden sein. Während noch vor drei Jahren nur in zwei Wahlkreisen Glimmen für einen Abgeordneten der sozinldemokralischen Partei abgegeben wurden, können wir jetzt daS ersrenliche Resultat verzeichnen» daß dies in sieben Wahikreise» geschehen ist. Vor drei Jahre» wurden im Großherzogthu»! tnsgesammt 48 sozialdemokratische Wahlniäuner gewählt, während diese Zahl jetzt ans 92 ge- stiegen ist, und außerdem erreichten in einer Anzahl von Orte» unsere zr. Wahlmänncru anfgestellten Kandidaten eine ansehniiche Stiininrnzahl. Wahrend wir beispielsweise im Wahlkreise Apoida-Lmid vor 3 Jahren mir von 3 Wahimännern Stimmen crhielien, ist jetzt ein Znwachs von II Wnhlinänner- Stimmen zn verzeichnen(14 Sozialdemokraten, 23 Rationalliberale). Im Wählt, eis« Aiisledt-Oldislebe» ist der Sieg ebenfalls eine» Schrill näher gerückt; drm Resultat vor 3 Jahren(9 zn 17) steht jetzt als Ergebnis) gegenüber: 11 Sozialdeiiiokraten und 15 Wahlinäniier der Banernbündler und Konservativen; »nd dabei ist z» beuchten, daß in Oidislebe», trotz gegnerischer Wahl- beeinflnssnng(im Wahllokal war ein Tisch mit Zetteln der gegnerischen Liste niiigestelti) unsere 4 Wahlmäiiner mit u»r 3 Stimmen Niiler- lagen. In istpolda vermehrte sich die Zahl iinserer Wahlmäiiner von 37 ans sninmlliche zu wählenden 62, so daß die einstimmige Wahl unseres Knndidaie» erfolgt«. In Jena, Eisenach, Ruhla, Münch«»« berucdoes und Ilmenau, überall sind Forlschritte zn verzeichnen." Die Mehrzahl«»fem* Partei Organe- soweit sie sich über den Ausfall der sächsischen L a n d t a g S w a h l e Ii ausgesprochen haben, haben eine ähnliche Ausfassiing bekundet wie dir „Vorwärts". Zn denjenigen, die anderer Meinung sinv als wir, zählt die„Münchner Post", die gegenüber unserem Artikel in Str. 230 schreibt:„Uns scheint, hier in seiner Animosität gegen nberS Ziel hinaus, denn es gehört Optimismus dazu, in dem Ausfall der ivirklichest Erfolg für Misere Partei' der„Vorwärts" schießt Leipzig wieder einmal doch ein unbegreiflicher sächsischen Wahlen„einen oder„eine bedeulenve Teiiioiistrnlion gegen die Gittsiihunig des Dreillassen-Wahlrechts" zu sehen." Wir weise» diese Bezichlignng der„Münchner Post" ganz ent- schieden zurück Wir wisse» uns von jeder„Ülniinostlät gegen Leipzig" '»ei; es handelt sich hier nicht und darf sich Nicht Handel» nm persönliche Stiilu», ingen; unser« Auffassung ist durchaus sachlich und»iir haben sie mit reichlichem Thatsnchenmaterial begründet. Die Thaisache steht fest, das, i» denjenigen sächsische» Landtags-Wahl- kreise», wo man liberhanpl mit Eiser in bie Wählagitation eintrat, unsere StiiNMenznhl sich bedenlenv vermehrte, wählend die der Gegner sich ebenso sehr verminderte, und daß in diese» Kreisen die gegnerischen Wnhlinänner ans der drillen Klasse fast völlig hinallSgeworfe» worden sind. Und diese Erfolge hätten in noch weit mehr Kreisen erzielt werden können, wenn die sächsisch« Partei einheitlich in Aktion getreten wäre. Daß wir uns aber rücksichtslos gegen den Disziplin- Irnich der„Leipz. Volksztg." gewendet haben, ist wahrlich nicht ein Ausfluß von Slnimosität, sondern eine Parleipflicbt, bei deren Aiisübnng wir unser» gesainmt« Parleipresse, anch di»„Münchnor Post", aus»»serer Seite zu haben mit Bistinnniheit hoffe». Gewevkschttfkliches. Deutsches Reich. I» Vrandenbiirg ist der Streik der H a n d s ch» h m a ch e« »ach zwölftägiger Daner durch Vergleich beendet, Di«„Brnndeii- bnrger Zeitung"(heilt darüber folgendes nähere mit: Da die Fabrikanten es ablehnte», ans der Grundlage des von den Streiken- den ansgestelllen Tarifs zn verhandeln, beschlossen die Gehilfen mit Z»stimi>ii»ig ihres Verbandsvorstandes, ihre Forderiiiigen etwas herabzusetzen. Infolge dessen kam es zu mündlicher Aussprache zwischen den Parteien. Alle Beiiiühiliige» deS Verbands- Vorsitzenden und der KommissioiiSinitglieder, die Fabrikanten zur Anerkeiiniina der Forderungen z» bewegen, waren er- fvlgloS. Auch diese Forderiiiigen wurden als zn hoch abgelehnt; die Fabrikanten glaubte» genügend Entgegenkomme» zn z»lg«». wenn sie einen Tarif mit eine, geringen Erhöhung deS Echnitt- Preises einführten. Einer Einigung aus diesen Tans tonnten die Gehilfen nicht zustimmen. Nach mehrfachen getrennten Berathungen erklärten dann die Fabrikanten, weitergehenden Forderungen der Streikenden ihre Zustimmung geben zu wollen. Dte Einführung des einheitlichen Schniilpreises ist damit erreicht. Wenn auch der Kampf nicht mit der Bewilligung sämmtUcher Forderungen geendet hat, ist das Errungene doch als etne erfreuliche Besserung z» betrachten. � In Frankfurt a. O. versuchten die Drechsler der Schüler' scheu H o l z b e a r b e i i n n g s- F a b r i t, wo Lohn- differenzen entstanden sind, sich mit dem Ches zu einigen. Das ist leider erfolglos gewesen Jnzivischen ist die Kündigungsfrist der bethciligien Arbeiter abgelausen Die Lokaloerwaltuitg der dortigen Zahlstelle des Holzarbeiter-Berbandes ersucht tue Fachgenossen, den Zuzug fernzuhalten. Zum Streik in der Stoever'schen Fahrradfabrik in Stettin ging uns folgende Darstellung der Sachlage zu! Die Fabrik besaß! sich mit der Herstellung von Fahrräder» und Nähmaschinen, und be- schäftigt iusgesammt ca 1400 Arbeiter. Es sind der Mehrzahl»ach Metallarbeiter, jedoch werden auch ca. 200 Holzarbeiter, ferner Lackirer, Hilfsarbeiter und viele weibliche Arbeits- kräfte beschäftigt. Bei Beginn des Herbstes falsa gerade jetzt) ist die„Saison" für die Fahrrad- Arbeiter z» Ende, dagegen beginnt die Saison für die Nähmaschinen-Arbeiter. Die Gesellichast Hai im verflossenen Jahre lS pCt. Dividende gezahlt, doch das genügt den Herren Aktionären nicht. Es mußte abgezwackt werden am Arbeitslohn, um den„Entbehrungslohn" noch hober zu schraube». Man ging dabei nicht ohne Schlauheit zu Werke. Man legte nämlich den Nähmaschinen- arbeitern eine Kleinigkeit am Lohn zu, während den Fahrradarbeitern Abzüge von b0— 7 0 p C t. von ihren A k k o r d p r e i s e n gemacht wurden. Tie Fabrikleitung rechnete dabei auf die Uneinigkeit der Arbeiter. Diese waren zwar bereits zu 75 pCt. organisirt. sie gehören aber ver- schiedenen Geiverkschafte» an Ein Drittel der Metallarbeiter ist lokal organisirt, während die Hälfte der Former dem Zentralverein deutscher Former angehört, der ganze Rest der Metallarbeiter aber dem Deutsche» Metallarbeiier-Berbaiid angehört. Außerdem sind der Verband der Holzarbeiter und die Organisation der Maler und Lackirer bei der Sache eugagirt. Die Firma hat sich aber mit ihrer Spekulation ans die Uneinigkeit der ßlrbeiter verrechnet. Am Sonntag proklamirte eine Versammliing von ca. 900 Personen, die allesamnit bei Stoever beschäftigt sind, skr Dienstag die Aus- lös»» g des Fach ver eins der Metallarbeiter und dessen Ueberlrilt zum Deutschen Metallarbeitcr-Verband Außer- dem haben die Vorstände aller i» betracht kommenden Organisalione» den Streik für' berechtigt erklärt. Das Wichtigsie aber ist, daß sich die N ä h m a s ch i n e n a r b e i t e r mit den Fahrradarbeitern solidarisch erklärten, weil sie sehr wohl wissen, daß wen» für sie die stille Zeit eintritt, die geringe Zulage wieder verschwinden wird, sofern»ich! die gesammte Arbeilerschast der Fabrik solidarisch Handell. Zunächst wird nun»ochinnls unterhandelt. Der Arbeileransschuß, ergänzt durch 3 Nähiiiaschinenarbeiter, wird am Miliwoch wieder vorstellig werden. Wen» dann den Fahrradarbeiter» die Foiderung nicht bewilligt wird, daß anstatt 50— 70pCt. nur 10-12 pEt. abgezogen werde» solle», f o werden auch die Nähmaschinen- arbeiter die Tlrbeit niederlegen. Wen» also die bürgerliche Presse darüber zetern wird, daß die Näkmaschincnarbeiter streiken wollten, obwohl ihnen frei- willig eine Zulage gewährt worden sei, so wissen die Leser des„Vor- wärts", wie die Sache z n s a m»> e» h ä u g t. Von den Arbeitern ist alles versucht worden, die Sache friedlich beiznlegen; möge wenigstens der letzte Versuch nicht scheitern! I» Lübeck hatten mehrere Tischler die auf dem Bahnhofe ang-loinineiKn sogenannten Arbeitswilligen, die dort von den Fabrikanten erwartet wurden, aiisgesordcrt, Solidarität gegen die ftreikeiiden Fachgenossen zu üben. Einige der Tischler wiirde» deshalb sistirt und man erhob gegen sie Anklage wegen groben Unfugs, weil sie die Arbeitswilligen belästigt häiten. Das Schöffengericht verurtheilte einen zu 10 M. Geld- und zwei andere zu Haitstrasen von 3 Tagen und 1 Woche, und zwar weil sie die Fabrikanten belästigt hätten. Um die fremde» Tischler auf den Streik niifmerksai» zu machen, habe ein Man» genügt, es seien aber 10—12 Streikende auf dem Bahnhofe gewesen. Auf der Kölner Versainniluug dcS„Vereins für Sozialpolitik" hat ma» die Behauptung, beim Hamburger Hafen» arbeiter-Streik seien maffenhafie und planmäßige Gewalt- thätigkeiten gegen Arbeitswillige verübt ivorden, als nnzutreffend zurückgewiesen. Daraus entgegnet Dr. Ehrenberg, der Sekretär des Altonaer Kommerz- Kollegiums,>n einem Hamburger Blatte:„Bis Ende September sind 315 durch den Streik veranlaßte Strafthaleu zur gerichtlichen Abnrtheilung gelangt; eine weitere Anzahl schwebt noch, und»ach lieber- zeugung von Sachkenner» ist die Zahl der wirklich vor- gekommenen Gewaltthätigkeiten erheblich größer als die Zahl derjenigen, die zur gerichtlichen Entscheidiing gelangt sind. Bon den 315 Fällen endigle» 25 mit Freisprechung(zni» Iheit erst in der Bernsnngsinstanz); es bleibe» also 290 Fälle übrig. Meist handelt es sich dabei um Bedrohungen und Nöthignngen, vielfach verbunden mit Körperverletzungen, Beleidigungen, Sachbeschädigungen ec. � m einer kleinen Zahl war Aufruhr der Gegenstand des Erkenntnisses. Wenn es jetzt so dargestellt wird, als ständen bei der Beurtheilung dieser Thatlache» nur die Verurtheiluugen auf grimd von§ 1 53 der Gewerbe-Ordnuiig i» Frage, der die persönliche Freiheit der Arbeiter gegen den KoalitionSzwang zu schütze» bestimmt ist, so ist das eine willkürliche Einschränkung; denn für die Frage, ob ein Terroris- Mus aus die Arbeiter ausgeübt worden ist. kommen auch die Veriirtheilunge» aus grund einer Reihe von Paragraphen des Straf- Gesetzbuches(z. B. die 240, 185, 367) in betracht. Das sind die Thalsachen. Ich habe daraus und aus anderen Thatsachen in der Versammlung des„Vereins für Sozialpolitik" lediglich die Folgeruiig gezogen. daß solche Ersahrungen augenblicklich nicht erimithigen. eine weitere Ausbildung des ikoalitionsrechies der Arbeiter anzustreben, die von manchen Seiten geiviinschi wird, sondern daß sie den Freunden der Arbeiter— zu denen ich mich rechne— ernsten Anlaß gebe», auf sie im Sinne ciner für sie selbst wie für die Gesammiheit ersprießliche» Handhabung des Koalitionsrechts einzn- wirken." Angenommen. Dr. Ehrenberg's Rechnung sei richtig, so bewiese seine Ansicht doch nichts gegen die Nothivendigkeit der Ausdehnung des Koalitionsrechls. Die Hafenarbeiter Hamburgs wäre» in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht organisirt, nicht koalirt. als sie de» Streik begänne». Es ist bekannt, daß die keiner Gewerkschaft angehörenden Arbeiter bei Streiks hänfiger als die organisirten gegen die Gesehe verstoße», weil sie die Gesetze nicht kennen und weil sie noch nicht so wie die andern an Disziplin gewöhnt sind. Die Gewerk- schasten wurden nun zweifellos weit größeren disziplinirende» und ausklärenden Einfluß auf die Massen haben, wen» sie nicht auf Schritt und Triil durch Polizei, Staatsanwälte und Gerichte in ihrer Wirksamkeit behindert würden. Zieht man in betracht, daß die große Mehrzahl der vielen Tausende, die beim Hamburger Streik betheiligt waren, vor Beginn desselben nicht der Gewerkschaft angehörte und daß diese selber verhältnißmäßig noch jungen Datums ist, so würde es gegenüber dem provozirende» Anstreten des Ham» burger Arbeitgeber-Berbandes. der bekanntlich sogar die Einignngs- bemühuiigen des Senals durchkreuzte, wirklich wenig oder nichts besagen, wen» Dr. Ehrenberg mit seiner Rechnung recht hätte. Die Befreiung des Koalitionsrechts von den hindernden Bestiminiiiigen, die letzt i» Geltung sind, das also ist nölhig, um Gewaltthätigkeiten gegen Streikbrecher vorzubeugen. Der christlich-soziale Tcxtilarbeitcr-Vcrbaud für Aachen, Burtscheid und Uuigegcud hat in seiner letzien Hnuptversammlniig zur Brsferung der Lage des Arbeitsmarktes folgende Resolution ge- faßt: Es sei anzustreben, I. die regelrechte und ständige Berkürznng ver Arbeitszeit womöglich auf 10 Siunde» einschließlich der Pausen; 2. die Verlängerung der Mittagspausen auf l1/, Stunden; ß die Verkürzung der Arbeitszeit au den Tagen vor den gesetzlich'.» Sonn- und Feiertagen und Schluß der Arbeit einschließlich der Löhnung um öVs Uhr abends; 4 Versicherung der Arbeitslosen durch die Unternehmerverbände, die industriellen Gemeinden, den Staat oder das Deutsche Reich. Der Vorstand des Textilurbeiter-Verbandes wurde beauftragt, in diesem Sinne eine Eingab« an alle in betracht kommenden kommerziellen und handelspolitischen Faktoren, ferner an die Staats- und Reichsregterniig sowie an den Reichstag zu machen. AuS Qberschlcsien. Die vberschlesischen Kohlenbarone, die Tiele-Winkler. Henckel von Donnersmarch Ballestrem w. machen jetzt besonders gute Geschäfte. Da iiämlich im russischen Thetle des Kohteiibeckens, tm Dombrowaer Revier, vielfach gestreikt wird, ist in den russisch- polnischen Industriestädten, besonders in Lodz»nd Warschau, arger Kohlenmangel eingetreten Dieser Umstand hat den Bahnversand oberschlesischer Kohle nach russischen Industrie- platze» äußerst günstig beeinflußt. Die oberschlesische Kohle ist billiger als die russische, was sich hauptsächlich dadurch erklärt, daß die hiesigen Lohne niedriger sind, als die ans nissischen Kohlenwerken gezahlten. Bei den Streiks aus den russischen Gruben Handell es sich bekanntlich nicht sowohl nm Lohnerhöhungen, als oielmehr um die Gründung von Pensions- und Witlwennnlerstütznngs-Kasscn. Aus Troppau wird gemeldet: 220 bei Ver Oppa-Regnlirung bei Jägerndors beschäitigle Arbeitet stellten wegen Lohndifferenzen und Einlassung eines Partieführers die Arbeit ein. Auf dem Güterbodcit der Eisenbahn> Guterabferligungsstelle in Sagau haben säminttiche Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Ausständigen verlangen eine bessere Bezahlung. In Hamburg» Barmbeck streiken seit 1. Oktober die Zu- r i ch t e r der Nauhwaarenzurichterei von Gebr. Boß. In der Druckerei der„Deutschen Berg- und Hütten- arbeitcr-Zcitiing" in Bochnm ist dem Personal ei» jährlicher E r h o l u ii g s u r 1 a n b von 3 Tagen bewilligt, während welcher Zeil das Gehalt forlgezahtt wird. Der Vorstand des deutschen Berg- und Hntteiiarbeiler-Verbaiides Hai diese Vergünstigliiig giil- geheißen. Aus Magdeburg melde! die„Volksstimme": In der Buckauer Porzellan- Man»faktur sind sieben Brennhansarbeiler. darunler drei verheiralhete, ans gesuchten Gründen sofort eullasse» worden. Sämmtliche in der Fabrik beschäftigte Arbeiler nnd Arbeiterinnen sind fast durchgängig organisirt iiud stehen den Eul- lassenen solidarisch zur Seite, so daß die zur Beilegung der Differenz eiugeleiielen Uuterhaiidluiigen zu einem befriedigenden Abschluß gelangen werden. Jedoch ist Zuzug bis aus weileres zu vermeide». Wegen Lohndifferenzen haben am Schlestschen Bahnhofe in Dresden sämmlliche Ziinmerleule, 25 Mann, die Arbeit nieder- gelegt. In Zwickau verbot der Stadtralh die zu vorigen Sonntag ge- plant gewesene Bersniiimliing von ehemaligen Mitgliedern des ausgelösten Verbandes sächsischer Berg» und Hüttenarbeiter. In der Versammlung sollte über das in Liquidation befindliche Verbaudsvermögeii mit beralheu und be- schlösse» werde». Die Behörde berief sich bei ihrem Verbot darauf, daß den Mitgliedern vor zwei Jahlen, nach der Anflösiing des Ver- bandes, eine Schliißversammlniig gestaltet worden wäre. In der Textilfabrik von Gollbard Lindenntith in Hohen- k i r ch e u(Sachsen) ist wegen bedeutender Lohnrcduktionen ei» Streik ansgebrochen. Die Nichtbetheiligten baben sich solidarisch erklärt und legten die Arbeit ebenfalls nieder. Organisirt sind 23 Maiiii, am Streik beiheiligt sind 27 Mann. Hierzu komme» noch 44 Mädchen, die durch den Streik i» Mitleidenschaft gezogen sind. Senduiigeit und Anfragen sind zu richten an Bernhard Kertzsch in Lunzenau, Peniger Straße. In Schwei nfiirt haben die Arbeiter der I. automatischen K» g e l s a b r i k(A.-G) vorm. Friedrich Fischer durch«in- »lülhigcs Vorgehen erwirkt, daß die Bestimmungen, wodurch neu eintretende Arbeiter durch Kontrakt auf ei» Jahr verpflichtet und zur Zahlnug einer Kaution von 20 M. veranlaßt wurden, ans- geHobe» werden. Ferner soll ein Fabrikausscbiiß geschaffen werde». Die Schiihiiiachor-Anösperrniig in München geht, nachdem in de» größeren Werkstätten bewilligt worden ist, ihrem Ende ciit- gege». Die Zahl der Ansgesperrten, die anfangs 155 betrug und sich durch Abreise je. ans 96 vermindert halte, ist jetzt bis ans 40 zurück- gegangen. Anstand. Ter Mobelarbeitcr-Streik i» Helfingborg ist unter Be» ivillignng der Lohnsorderungen der Arbeiler beendigt. Ter Streik der Feilenarbeitcr Wiens wurde durch eine» befriedigende» Ausgleich, der am 30 September zwischen beiden Theiten beschlösse» nnd von den Streikenden in der Versammliing am I. Ollober cckzeptirt wurde, beendet, Zum Konflikt in Altrohla» wird der Wiener„Arbeiter-ZIg." geschrieben: Die Nachricht des„Vorwärts" nnd der„Arbeiter- Zeitung", daß die Porzellanarbciter der Firma Z dekalier in Altrohla» bei Karlsbad die Arbeil niederlegten, beruht ans einem Jrrlhui». Das brutale Vorgehe» der Direktion gegen die Organi- fatio», sowie der Wortbrnch des Vertreters der Firma, Baron Wolf, nihrte zur Verhängung der Sperre über diese Fabrik. Auch imirde» Donnerstag, den 30. September, in Altrohlan zwei große Protest- versammtimgen gegen das Borgehen der Direklion und das des Baron Wots abgehalten. Zur Arbeitsewstellnng ist es noch nicht gekommen. Zuzug nach Altrohlan ist streng sernzuhallen. In Budapest streiken 3000 Ziminerleute.— In Groß- Kanizsa haben sämmtliche Eisenbahnarbeiler die Arbeit ein- gestellt. Ans Budapest wird uns geschrieben: Die Eisenbahner- Bewegung scheint von Oesterreich»ach Ungarn hiiiiiberzngreise». In erster Reihe ist unter den Arbeitern der priv. Südbahn, die auch in Ungarn eine Verkehrslinie besitzt, eine große Uiiziisriedenheit bemerkbar, ivelche hauptsächlich auf die endlose Arbeitszeit und die wirklich elende Entlohnung zurnckziisühren ist. Ein neuer Erlaß der Südbahn» Direklion, der den Bahnbedienstelen ein karges Neben- etnkonimen entzieht. brachte die Unzufriedenheit zum Ansbrnch. Gestern in der frühen Morgenfinnde hat das Arbeiterpersonal der Station Groß-Kantzsa die Slu'nahme der Arbeit verweigert»nd den Sireik prollaiiiirt. Infolgedessen ist im Laufe weniger Siimden eine derartige Häufung von Frachtsendnnge» eingetreten, daß die Direktion um behördliche Intervention ansuchte, welche ihr in dem kapitalistische» Musterstaate auch bereilwilligst gewährt wurde. Die Gewerbebehörde ist bestrebt, die Arbeiter zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, unter der Drohung, daß sonst das ungansche Allheit» mittel— der Schubwagen in Attion tritt. Nähere Nachrichten über den Erfolg der behördlichen Einmischung stnd noch ausständig! Französische Streiks im August. Nach den Mitlbeilnngen des Arbeisainles fanden im August 29 Streiks mit 1975 Theil- »ehmern(für 22 derselben) statt gegenüber 25 Streiks mit 1857 Theilnehmern im gleichen Monat des Vorjahres. Die Dnrchschntttszahl der Angust-Streiks in den letzten vier Jahren beträgt 29 Von den 29 Streik? betrafen 22 nur ein einziges Unternehmen. II Streiks kamen vor in der Banindnstrie, darimter 5 Maurer- 'ireiks in der Nähe von Lyon unter dem Einfluß deS großen und erfolgreichen Streiks der Lyoner Maurer; darauf folgt die Textil- iitdustrie mit 7, die Metallindustrie mit 4 und 7 andere Gewerbe mit ie I Streik. Die U r s a ch e n: in 13 Fällen Forderung einer Lohnerhöhung, in 3 Fällen Abwehr einer Lohnherabsetzung, in 2 Fälle» Forderung einer Lohnerböhung nnd zugleich einer Verkürzung der Arbeitszeit, in fünf Fällen Personenfragen und in etnem Fall Werkstätten- Ordming. Die Dauer: die 20 im Anglist begonnenen nnd beendete» Streiks dauerlen meist l bis 6 Tage, nur sechs Konflikte dauerten 7 bis 17 Tage. Der Ausgang: mit den 6 vor August begonnenen und erst in diesem Monat beendeten Streiks sind zu oerzeichnen 4 Erfolge, 5 Ausgleiche und 17 Mißerfolge. Von den 4 Erfolgen entfallen 3 aus dte erwäbnten Manrerstretks(Lohnerhöhung), die Mißerfolge trafen mit drei Ausnahmen kleine Streiks mit einer durchschnittlichen Zahl oon 35 Theilnehmern. Dabei wurden in sieben Fällen dl» Streikenden fftmmtlich oder zum theil durch Slretkbrecher ersetzt. Zinn Kamps der englischen Maschiitetibancr. Die Ver- handliiiigen zwischen dem Handelsamt und den beiden Parteien dauern fort; der„Daily Chronicle" znsolge soll die Anberaninung eines Eimgmigsterniins in naher Ans st cht stehen.— Vom dentschen Holzarbeiter- Verband sind beim Streikkomitee 2000 Mark ein- gegangen. Der„Köln. Ztg." wird ans London telegraphirk: Die Aus- sichten auf Beilegnng des Ansftandes der Maschiiienarbetler bessern sich. Die Unternehiner nahmen in einer Versammlung in Birmingham die von dem Präsidenten des Handelsamtes vorgeschlagene Grundlage zu einer Beralhung mit den Arbeitern an, dte Ende dieser Woche stattfinden wurde. lieber die Beciidignng des Bergarbciterstreiks in P e n n s y l v a n i e ii wird uns ans New Jork geschrieben: Der Generalstreik der Kohlengräber ist beendet. Es ward zwar ans der allgemeinen Konvention der vom Vorstand gestellte Antrag ans all- gemeine Ausnahme der Arbeit ans grnnd des von demselben mil den Unternehmern verabredeten Kompromisses— mit einigen Stimmen Mehrheit— abgelehnt und beschlossen, die?lrbeil tm allgemeinen erst auszunehmen. wenn die Mehrzahl der Unteriiehmer in allen fünf beiheiligten Staaten lenen Koinpromiß anerkennt, andernsalls die Forisetznng des Streiks den einzelne» Distrikten zu überlassen. Auch ward beschlossen, den Generalstreik»och zehn Tage fort- zusetzen. Sinn haben diese Beschlüsse aber nicht. Die Kohlengräbcr des Pjttsburger Distrikts— ca. 24 000— beschlossen ans einer gleich danach einberufenen Distriktkonvenlton. sich nicht daran zu kehren und die Arbeil sofort anszunehinen.— In derselben Sitzung der allgemeinen Konvention— welche den Tag nach dem Massakre bet Hazleton stattfand— ward ans Antrag dcs Vorstandes eine Resolnlton gefaßt, in der es heißt:„Beschlossen, daß wir»ttt tiefem Interesse den Fortgang nnd die Ausführung des llnisortnitätsplans') versolgen und den Grubenbesitzern un s er» Dank ausspreche n. ivelche diesen Plan angeregt haben, sowie allen Unterzeichnern desselben"— Ferner:„Daß die gegenwärtige Zeit günstig ist für eine Vereinigung der Berg- arbeiler nnd der Berg werlsbesi her. um die Kohlen- iitdustrie auf eine stabile niid für die Besitzer sowohl als die Arbeiler lohnende Basis z» stellen."!! Mit recht schreibt die hiesige„Volkszettnng":„Nach dem bis- herigen Thun und Treibe» der Nalchsord, Dolan und Genosse» kann man nicht einmal die Entschnldignng gelte» lassen, daß sie aus Un- wissenheil die Geschäfte der Ausbeuter besorgen. Sie sind bewußte Handlanger des Kapitals". Soziales. LehrlingSivesen in Preußen. Durch königliche Verordnung vom 19. August d. I. ist auf grund der über die allgemeine Landes- verwaliung bestehenden gesetzlichen Vorschriften bestimint worden, daß gegen eine Berfügung der linieren Aerwaltungsbehörde, durch welche die B e s n g n i ß zum Hallen und z» r A n I e i t u n g von Lehrlingen entzogen oder beschränkt wird, binnen zweier Wochen die Klage beim Kreis-(Stadl-) Ausschuß staltfindet. Die Enlschetditng des Bezirksansschuffes ist endgillig. Laudarbeiter und Gutsbesitzer. Auf einem Rittergute in de» Nähe von Schwerin war ein Tagelöhner erkrankt. Der Arzt konnte die Natur der Krankheit nicht sofort ermitteln. Di« Krankheit verschlimnierte sich dann derart, daß der Bruder deS Erkrankten abends in der zehnten Stunde den Gutsherrn bat. sofort den Arzt holen zu lassen. Dieser erklärte, die Familie solle bis zum nächsten Morgen warten. Ein Hofgänger, dem der Jammer der Familie keine Ruhe ließ, richtete nun an den Gutsherrn dasselbe Gesuch, wurde aber grob hinausgewiesen: andern Tages, als der Arzt erschien, war der Kranke schon gestorben. Er hinterläßt Frau und vier kleine Kinder. Die„Mecklenburgische Volkszeitmig" betont tittter Berufung aus diesen erschütternden Vor- fall die Nothivendigkeit der Einbeziehung der ländlichen Slrbeiter unter das Kranken versichern itgs-Gesey. Jetzt habe der Gutsherr dem Tagelöhner den Arzt zu stellen. ES bänge jedesmal von seiner Einsicht ab, ob ärztliche Hilfe sofort ge- holt wird oder nicht._ Vevsttmmlungem Elite Braucheuversamntluiig der Kaininniacher nnd Berufs genossen beschäftigte sich am Montag mit der gegenwärtigen Lage und wie dieselbe zu verbessern wäre,©tusche geißelte in scharfes Worten das laue Verhallen der Kollegen der Werkstellen von Kreisch- mann. Streich, Beetz u. a. m. und empfahl überall das Vertrauens- »iännersystem. Unter„Werkstellen- Angelegenheiten" wurde die Handlungswetfe zweier Kollegen getadelt, die sich in einer Werk» stelle nm ein Drittel billiger angebolen halten, als der übliche Loh» beträgt. Reinickendorf. Der Arbeiter- Bildungsoerein„Zu k un s t'' hielt am Sonntag, den 19. v. Mts., seine Vereinsoersammlung ab. Genosse Knauf sprach über„Die Ursache nnd Entstehung der Gottesidee". In der Tisknssion sprach Genosse Thal im Sinne des Vortrags. Ztim Schluß machte der Vorsitzende noch bekannt. daß der Verein von jetzt ab seine Dislnlirabende in dem Lokal von Kirsch, Residenzstr. 19, abhält. Rixdorf. Am 21. v. Mts. fand hier eine Versammlung deS Dentschen Holzarbeiter- Verbandes statt. Da der Referent nicht er- schiene» war, wird über die bisherige Thätigkeit der Agitations- koinmission verhandelt. Ans die Erkärung des Vorsitzenden, daß die Verwaliung von Berlin nnd Umgegend eine scharfe Agitation in den Bantischlereten vornehmen und dadurch die Kot»- Mission sehr in Anspruch genommen wird, wurde von einer weiteren Debatte über diese Frage ülbstand genommen. Der Vorsitzende fordert diejenigen, ivelche Mitglieder der Rixdorser Orts- Krankenlasse sind, ans, mehr auf die Mißstände in der Ver- waltiing derselben z» achten, nnd im November, wenn die Delegirlen- wählen stalifiitden, zur Stelle zu sein. Grost-Lichtcrselde. Am Montag tagte hier eine stark besuchte öffentliche Z i»>»i e r e r- B e r s a m»> l» n g, welche sich mil der Arbeitsniederlegung der Zimmerer des Zimmerineister Mertens befaßte. Zuerst referirle F i s ch e r- Berlin über die Streiks de« Arbeiter in der Gegenwart. Redner nnterzog die Praktiken der Unternehmer einer scharfen Kritik und beleuchtete eingehend die Schädlichkeit des Submissioiiswesens— Hieraus erstattete die Lohn- kommission Bericht über den Stand der Sperre bei Mertens; nach den Ver- Handlungen, welche bis jetzt mit dem Unternehmer geführt worden sind, hat derselbe sich bereit erklärt, den Stnitdenloh» von 50 Ps. zu zahlen, jedoch sollen 3 Mann entlassen werden oder billiger arbeiten/ weil sie angeblich weniger leisten. Sämmtliche Redner betrachteten diesen Einwand als nicht zutreffend, sondern nur als Ausrede, um alsdann auch bald die übrigen Löhne wieder redttziren zu können. In einer Resolution erklärlen sich die Anwesenden mit den bei Mertens Beschäfligten solidarisch und verpstichteten sich, die Arbeit nicht eher wieder mifznnebmen, als bis Zimmer» meister Mertens bestimmt erklärt, jedem einzelnen einen Shindenlohn von 50 Ps. zu zahlen, sowie anch leine Maßregelungen vorzunehmen. Den Gemaßregelien wurde die weitgehendste Unteistutzung zugesichert und die Versammliing mit einem Hoch ans das Gelingen des Vor» Habens der Zimmerer von Lichterselde geschlossen. Znzng ist vor» läustg fernzuhalten. *) Welcher die Beseilignng der Konkurrenz unter den Unter- nehmern bezweckt. Beraniivoriltcher Nedakleur: Angnst Jacobey m Berlin. Vttr den Jnseratentheil reramwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck nnd Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u Unierhaliitiigsblatt Hr.» Ii IchMg. i. KtilU des„MWlirts" Kerliiltt MIdsdlM. MiN'°ch.K.ski°btri8S7. A!>5U'kettk»g dev lozl�ldcinoki.Atif/4 Uhr. De» Vorsitz führt Singer. Eingegangen sind einige Begrnßnngsschreiben, darunter einZ vom Dettlschen Lescklnb in Paris. Die Debatte über den Geschäftsbericht wird fortgesetzt. Dem Antrag 8t ist vom Anlragstesier folgende Fassung gegebe» worden: „Der Parteilag spricht den Wunsch an?, den einzelnen Partei Organe» immer dann, wenn dieselbe» Fremdwörter enthalten, eine Erklärung derselben beizufügen, ähnlich wie in dem vormalige» .Sozialdemokrat". B a e re r- Harburg: Die Anregung bezüglich einer Aeuderung der„Neuen Welt" bitte ich abzulehnen wegen der von Auer schon hervorgehobenen Mehilosie», die dadurch verursacht werden rvürden. Ich habe gesunden, dasi dem vom vorige» Parteitag aus gesprochen Wunsch aus Verbesserung des Inhalts der„Neuen Well" entsprochenen ist; ich habe auch nirgends Klagen darüber gehört Abzulehnen bitte ich auch den Antrag der Karlsruher Genossen an Verstaatlichung des„Volksfreundes". G e ck- Off-nburg: Als Verleger des„Volkslreunds" stehe ich dem Antrag auf Verstaatlichung mit einer gewissen Wurstigkeit gegenüber. Aber der Antrag Karlsruhe beruht auf dem ans- gesprochenen Wunsch der badische» Genossen. Die Mannheimer „Bolksslimme" ist nur ein Lokalblatt niit unbedeutender Abonnenten- zahl. Die Antragsteller ivollen nicht heute schon eine Festlegung auf grobe finauzielle Konsequenzen, sie wollen nur, daß der Partei- tag beute die Sacke endlich praktisch bchaudelt und nicht in der übliche» Art die Sache mit theoretischen Erwägungen abmacht. Tcr„Volkssre»nd" ist allerdings finanziell sickcrgesteltt-, er hat 4300 Abonnenten und bei einem genügenden Druck ans die Psorzbeiiuer Genossen wäre es sehr leicht möglich, das Blatt schon jetzt bei dreimaligem Erscheinen in der Woche mit 8000 Abonnenten, also in durchaus guten bältnissru in das Eigeulhum der Partei überzuführen. In der Ltesidenzstadt würde sich die Sache natürlich viel günstiger noch ge stalten, weil da ein viel besserer Boden für Inserate ist und eine große Poslersparniß eintreten ivird. Was Sie dann bei täglichem Erscheinen machen ivollen, ist Sache der Parteileitung und der Sachverständigen. Ich persönlich wünsche von der ver- antwortlichen und meine Zeit vollkommen in Anspruch nehmenden Thätigkeit der Herausgabe des„Volksfreunds" befreit zn werde». Iii Baden fehlt es an geschulten Kräften für die Agitation, hierfür kann ich meine Zeit viel besser verwenden. Ich habe auch weiter noch ein persönliches Interesse auf gruiid meiner Elfabrungen aus meinem Poüprozeß, Ivo die Parteileitung mich im Stich ließ und mich die Kosten meiner Ver urtheilung allein trage» ließ; da verliert man am Ende die Lust »och weiter die Lasten für die Partei z» trage». Ich Hab« den Eindruck von der Auer'schen Rede gewonnen, daß diesmal doch mehr Lust da ist, den badische» Genosse» entgegenzukommen als früher, und als ob Auer jetzt mehr volkefrenndlich geworden ist(Heiterkeit) oder, wie wir Badeiuer sagen, der anlikollektivistische Auerschädel wird etivas kollektivistischer für uns(Heilerkeit). Also ich ersuche um Annahme des Karlsruher An- träges. Durchaus unannehmbar ist der Freiiidwörter-Nnirag. Es giebt ja Fremdwörter, wo die Beifügung einer Acrdeutschung ganz unmöglich ist. Vorsitzender Singer: Eine mir zugegangene Mitlheilung stellt fest, daß>vir einschließlich der vier Delegirten der Bruder- Parteien 218 Thcilnehmer am Parteilage sind, wovon 164 Delegirleg die übrigen sind krajt ihrer Stellung in der Partei an der Theil nähme am Parteitage berechtigt. Soda»» möchte ich, um die Diskussion abzukürzen, millheile», daß die Redaktion der„Neuen Welt" schon seit längerer Zeil am Ende des Jahres»in Jnhaltsverzeichuiß anserligl und denen giebt, die den Wunsch darnach aussprechen. Dann erledigt sich ja die An- gelegeuheit dadurch, daß für die, die eS haben wollen, mehr Abzüge gemacht werde». K n ap p e- Stettin: Hoffepllich wird der Autrag 28 an- genommen, da die kleinen Orte nicht in der Lage sind. Geld für die Landagitation auszugeben. Auch der Antrag 33 ist nnnahmewerlh. Gerade aus dem Osten komme» die Lohndrücker. Auf diese Massen wirkt ein Landkalender viel mehr, als Flugblätter, die weggelegt werde». Auch die Geldkostcu sind nicht so bedeutend, weil der Kalender ja an stelle der sonst verbreitete» Gratisbroschüren tritt. Den Antrag 44 bitte ich abzulehnen, da es gefähr- lich ist, da? Parteivermögen festzulegen. Den Solingern kann eine Summe ziveifellos vorgeschossen werde», wenn finanzielle Schwierigkeiten der Zusammenlegt»!« der Blätter entgegenstehen. Was den Antrag 83 anlangt, so hqt sich heraus- gestellt, daß es sich um eine üble Meinung gegen das Hamburger Organ handelt. Damit ist die Sachlage verändert. Zu dem Aw trag 84 habe ich einen Abänderungsautrag eingebracht. Ich be� antrage, daß der Partei-Ausschuß die Ilebersiedelung des Offeuburger Blattes»ach Karlsruhe bezahle» soll. Durch die Uebersiedelung des Blaltcs werden die Portokostcn vermindert und das Blatt selber in den Mittelpunkt des Landes gebracht. Aber das Privaleigenlhnm des Verlages ivollen wir unberührt lassen. Auch wenn das Blatt in Privat- eigenthum genommen wird, würde die Last der Geschäfte doch wieder auf Geck fallen. Sachlich ivürdc alles beim alten bleiben. Lehnen Sie also den Antrag 34 ab und nehme» Sie meinen'Antrag an Damit wird den badische» Genossen die gewünschte Hilfe zu theil. Singer: Es wird der Wunsch ausgesprochen, daß der An- trag 64 erst»ach Erledigung der Anträge 33 und 40 zur Ad- stimmung gebracht wird. 39 und 40 beziehen sich auf die Taktik und werden bei Punkt 4 der Tagesordnung erörtert werden. Ich »chme an, daß sich dieser Wunsch nur auf den zweite» Theil des Antrages 64 bezieht, der sich mit der Solinger Kandidatur befaßt. Der zweite Theil wird also bei Punkt 4 erledigt werden. Damit ist der Parteitag einverstanden. Fischer- Berlin: Sie werden es verstehen, wenn ich Sie bitte, mir gegenüber die Redezeit von 10 Minuten nicht streng innezuhalten, denn ich habe zn einer ganzen Reihe von Anträgen Stellung zu nehmen und Erklärungen abzugeben, die Ihre Beschlußfassung zu beeinflussen geeignet sind. Eine mehr persönliche An- gelegeuheit ist durch de» Antrag Slolten in die Debatte gezogen. Um den Antrag zu verstehen, muß man seine Gesckichte kenne». Eines Tages sagte mir Genosie Baak«, der von der Buchhandlung Vorivärts mit für die Anfertigung des Protokolls eugagirt war, das„Echo" wolle nicht den Bericht seines BureauS. sondern den des„Vorivärts" haben. Ich erwiderte, die Redaktion des„Echo" möge sich an den Verlag des„Vorwärts" wenden. Acht Tage später fragte mich Baake wieder, wie die Sache stände. Ich sagte, das Verlangen sei abgelehnt, und daran knüpft« sich eine persönliche Unterhaltung, in der die Redewendung fiel: „Das ganze Jahr schimpft man auf den„Vorwärts", und wenn er sich mal was gutes lcislet, dann gönnt man es ihm nicht." Ich begreise nicht, lvaruni Schoenlank gestern so ganz besonders in Ent- zücken kam. als diese Stelle verlesen wurde, denn er gehört zu denen, die von oben herunter gegen den„Vorwärts" polemisiren und wenn was los ist, die Solidarität und das Entgegenkommeil des„Vorwärts" beansprucht. Zu der Ablehnung haben auch die Erfahrungen früherer Jahre Anlaß gegeben. Heule noch ist der auf eine Zeitung entfallende Anlheil des letzten Parteitagsberichls nicht an uns be- zahlt. Die„Leipziger Volkszeitimg" halte im vorigen Jahre auch auf unseren Bericht refleklirt, ihn aber nur den einen Tag benutzt, an dem Schoenlank's und Steiger's Lob gesungen wurde. Der„Vor- wärts"- Bericht ist ei» Originalberichl, der durch die ganze Presse gehen kann. Tie Konscquenz des Antrags ist einfach die, daß dem„Vorwärts" untersagt wird, Originalbcrichle über besondere politische Vorgänge zu bringen.(Widerspruch.) Es war sicher nicht nölhig, eine'Angelegenheit, die sich durch persönliche Rücksprache in süuf Minuten hülle erledigen lassen, öffentlich vor den Parteitag zu bringen.(Sehr wahr!) Dann ist auch zur Sprache gekommen, daß die Kataloge der Buchhandlung Vorwärts in tendenziöser Weise ausgearbeitet werden, und man hat sich darüber beschwert, daß die unsterblichen Werke des Schriftstellers Hosmann(Heiterkeil) nicht darin enthalten sind. Als höflicher Mann gehe ich darüber hinweg. Der Verlags- buchbändler Hosmann glaubt in dem Bericht über die Thätigkeit der Buchhandlung Vorivärts ein« Stelle zu finden, die eine Er- klärung snr dies sonderbare Verhallen der Geschästsleilung abgicbl; er stellt de» PassnS„literarische Freibeuterei" so hin, als schließe der Katalog aus Konkurrenzneid die Erscheinungen anderer Veilagsbnchhandlungen aus. Soll etwa die Vorwärts- Buchhandlung Reklame machen für geivisse Geschäfte, die die vorhandene Literatur verballhornisiren? Von den ILO Seiten des Katalogs sind nur der erste Theil reine Virlagsartikel des„Vorwärts" s es ist alles darin verzeichnet, was bei Dich, Wörrlei» und in anderen Parteigeschäften erschienen ist. Die Artikel von Adolf Hoffmann sind nicht aiifgenomme», denn wir haben nicht«inen Katalog wie jedes andere Geschäft. Unsere Ge- Nossen betrachten den Katalog als ein Verzeichniß empfehlensiverlher Schristen. und da haben wir eine moralische Verantwortung. Irr- thümer sind freilich nickt ausgeschlossen, aber jede Reklamation wird „ewisirnhast geprüft. Wenn man freilich an Agitalionsschristen den Maßstab legt, daß wissenschaftliche Befähigung, literarisches Wissen und die Kenniniß der deutschen Sprach« unfähig zur Ab- fnssung solcher Schristen machen» dann allerdings wird unsere Ausgabe«ine ganz ander«. Eiustweiten aber stehen wir ans dem Standpunkt, dem auch Genosse Frohme in seiner Eiösiiiungsred« Ausdruck gegeben bat: Ter Feind, den wir ani meisten hassen, das ist der Unverstand der Massen.(Sehr gut!) Wir dürscn nicht zur Unbildung hinniilersteigen, nm großen Absatz zu erzie'en, wir niüssrn diese nngebildeien Eleinenle alliuälig heranziehen, mit» da heißl es, die besten Kräfte der Partei allein find im tlniide,'Agitalionsschristen snr die Massen zu schreiben, aber nicht jeder, der einmal eine gnle lliede gehnllcii oder einen gntc» oder tchlcchie» Witz zum besten gegeben hat. ist dazu befähigt. Wenn bioö die Verbreitung einer Schrift in fremde» Sprachen maßgebend sein soll— ja, der Ronian„Scharfrichter Krauts" ist auch i» fiemte Sprachen über cht und hat eine noch höhere Auflage als die„Zeh» Ge> ole".(Heilerkeil).'Aber er wird trotzdem nicht in unsere» Katalog aiifgenoini»«». Wir verlegen die Broschüren, die wir vom Siandpilnkic der Partei ans veraniworleii können. Genosse Auer ist in beziig ans de» Katalog nicht recht unter- richtet, die Bnchhaiidlnng hat gar nicht die'Absicht, diesen Katalog eingehe» zu lasse», sie will nur neben diesem»och eine» zivcilcii herausgebe», der nur die Verlagsartikel des Vorwärts e»lbä>l. Wir können dock nicht die starken Kataloge, die uns viel Geld losten, i» beliebiger Anzahl hinauswerfe», noch dazu nn Geschäfte, die nicht vo» uns, sondern über Leipzig beziehe». Davon, daß eine Kam- missioii bestimmt, ivas in den Katalog ansgenoinine» werde» soll, kmi» gar keine Rede sein. Wenn es nach dem Genossen Hoffmaiin ginge, so dürfte in die Koiiiiuission nur der hinei», der die Be- sählgiing snr die wissenschaslliche und liicrariiche Unfähigkeit erbracht bat(Heiterkeit), aber wer gute Broschüren geschrieben hat, der darf nicht mitsprechen. Es wiliidcrt mich nur, daß die Berliner, die den Antrag mit unterschrieben haben, das so ruhig einstecke», daß ina» ihnen so etivas zumillhet. Der Schrislsteller Hoffmaiin hat als Literarhistoriker mich sein kritisches Uriheil abgegeben über„In freie» Stunde»". Ich bi» für jeden Hinweis dankbar, aber Voranssetzimg ist, daß die Kristk«»te> dem Gesichtspunkte erfolgt, daß sie dem Interesse n»d dem Ansehe» der Partei entspricht; ivemi man aber Kiitik bloß um der schnöd- drigen Herniiterreißerei ohne jede materielle Griindlage beireibt, so dars Man es mir nick! übel nehmen, wen» ich solche Kritik nickt be- sonders hoch einschätze. Genosse Hoffmaiin meint,„In freien Stunden" sei ein Unternedinen, das man lieber eingehen lassen sollte, aber er hat sich wohl gehütet zu sagen, wcsivegen. Wer die in dieser Zeilschrist bisher erschienenen Romane keuul, der muß zugebe», daß all« Aiisorderunge» erfüllt sind, die man an einen guie» historischen Roma» stellt. Man kann eS sehr wohl vernutworte», den Genoffe» einen so guten Roma» >vie den vo» Victor Hugo mit seine» benlicbe» Schilde» iiiige» nnd seiner wunderbaren Spi ache, zu einem billlgen Preise zur Verfügung z» stelle». Man knn» Über de» Roman, der jetzt veröffentlicht wiid, nrtbeile» wie man null, man kann sagen, er stellt z» große An- lorderiiiigen a» die Genosse», er ist zu hoch. Eine solche Kritik gebe ich zn. Gewiß, wenn man die„Zehn Gebote" liest, braucht man seinen Kopf nicht anzustrengen. Der Tintrag, der auf eine künstlerische und technische Verbefferung dieser Zeilschrist hinanslänft, ist berechtigt, den» das ist ja selbst- versländlich auch unser Bestreben. Aber Sie dürfen nicht vergessen, daß die Bnchhandlnng Vorivärts nicht Hunderte nnd Tansende i» ei» einziges Uiiternehilien hineinstecken nnd damit alle übrigen Ans- gaben der Partei vernachlässige» darf. Man darf doch unsere Zeilschrist nicht mit dem Schnndroman vergleichen, das ist ein Unterschied>vic Tag und Nacht. Wenn der Wunsch ausgesproche» ist, daß der Inhalt vermehrt wird, so ist das ja gerade ei» Beweis dafür, daß der Nvinaii gelesen wird, denii wen» man nickt geniig davon be- komine» kann, so ist das doch ein Zeichen, daß er Beifall findet. (Widerspruch.) Wen» gesagt wird, wir sollten unseren Kolporienre» mehr gebe», so ist demgegenüber zu betone», daß wir den Kolpor- teuren gennil so viel geben wie die Gegner, nur in anderer Form. Verlagsartikel werde» auf billigem Papier hergestellt, in schl-chler Zlusstalluiig, in billig prodiizireiide» Druckereien und in Buch- bindereie», die ausschließlich mit Kindern nnd Frauen arbeiten. Wir»inssen alles viel lhenrer bezahle»; ma» verlangt, daß das ivas die B»chhandl»»g Vorwärts heransgiebi, schön ansgeüatlet wird, aber ivie das möglich ist, ohne die finanziellen Kräfte übermäßig anziistreiige». das Rälhsel soll erst»ock gelöst werden. Ich werde vom I. Januar ab den Inhalt um die Hälfte vermehre», ohne den Preis z» erhöhe», ick werde mich auch bestreben, nach einer gewissen Richlniig hin den Kolporteuren mehr zu geben, aber Sie dürfen»ichl vergesseii, daß wir den Anitrag haben, diese Erscheinnnge» den Ge »offen zum billigste» Preise zn liefern. Ich erinnere iinr an den „Nencii Welt-Kalender", wo man auch den Gewi»» der Kolporteure verringert hat. Da»» sagt man, die Holzschnitte tauge» nichts, sie müssen besser werden. Die Zeichnungen find von einem der beste» Zeichner Berlins bergestelli, sie werde» vervielfältigt in der besleu 'Instalt, die ans diesei» Gebiete vorhanden ist; ivas den Genossen «nid ist und ihr Auge verletzt, ist nicht die Zeichmuig. nicht der Druck, sondern das stieprodliktioiisverfahre», an das sie nicht gewohnt sind. Ich werde auch diesen Beschiverdc» Nechmuig trage» und bei den nächsten Nnuimern ein anderes Verfahren einschlagen. Solchen Unternehmungen muß Zeil zur Entivickelung gegebe» ivcrde», sie dürfen aber nicht von vornherein die verletzendsten Kritiken erfahre». Ich habe gar nicht gewußt, daß ich ein so unfähiger Tropf bin, ivie Katzciistein mich hinstellt, und besonders wehe that es mir, weil ich aliiiahin. Katzeustein gehöre zu de» Geiioffen, die alles das versiehe», »vorüber sie sprechen: aber als ich ihn hörte, habe ich mir gesagt, daß der Tropscu seiuilischei» Blutes, der»ach Auer i» der Partei vorhaude» sei» muß, ihm fehlt.(Heiterkeit.) Statt allgemeiner Redensarten kann ich verlaugeii, daß er bestimmte Handlunge» anführt, die beweissu, daß die Buchhandlung Vorwärts idrer Aufgabe nicht gewachsen ist. Er »leinte, der Buchhandlung fehle der bnchhändlerische Charakter. Ja wohl, das ist ja auch unsere Absicht und das ist nothwendig, den» wir setzen nicht an Buchhändler ab, sondern an Parteigenossen, und wir müssen uns den Anforderungen nnd Gcschäftsgewohn« heilen der Genossen anschließen. Deshalb dürfen wir gegen unsere Kolporteure auch nicht so rigoros vorgehen. Auch daß wir mit andere» Buchhaudlungeu nicht im Verkehr stehen, hat seinen Grund, denn wir habe» meist billige Broschüren, für die sich die Buchhändler nicht besouders inleressiren, weil sie nicht viel daran verdiene». Auch die Kolporleure führen unsere Artikel lieber nicht, diese Leute, die Jahr aus Jahr ein geradezu von der Gnade der Polizei lebe» und eine» fortwährenden Kampf»m ihre Existenz sühie», sagen sich: Was solle» wir nus mit der Polizei ganz und gar vcrseiiiden, iven» ivir noch sozialdemokratische Schristen vertreiben? Daß unsere Literatur i» die Masse hineinkounut, ist nicht Sache der Buchhandliing, das ist Sache der Agitation. Deshalb hat auch die Buchhandlnng daraus verzichten müssen, ihr Geschäft buch- bäudlerisch einzurichten. Ob mau kleineren Orten, die wenig av- setzen, auch dieselben Preise gewähren kann, ivie größeren, das ist ei» Tbema, über das man sich sehr wohl verständigen kann. Ich bitte Sie also, die Anträge iu dem Sinne aiizunehiuen, wie ich eS ausgeführt habe, aber in Zuk>i»ft auch gegen die Partciangestellte» gereckt zu fei».(Beifall.) !k o l b- Karlsruhe: Gewehr hat sich gestern über den To» beschwert, den Auer angeschlagen hat. Nun, ich meine, Auer war gestern viel liebenswürdiger als sonst; auch unsereu badischen Wünschen gegenüber ist er nicht mehr so ablehnend. Wer sich gegen nuseren Aulrag erklärt, leimt die Verhältnisse des badischen Landes nicht. B 6 r a r d- Hamburg: Ich häile geglaubt, daß wir diesmal iiiit einer Debatte über die„Neue Welt" verschont bleibe» würden. Das ist nicht geschehen. Der Aulrag 25 steht im Widerspruch zn dein Beschluß des vorige» Paileitagcs, die Koste» des Blattes zu vermindern. Nur ivemgo L-ser lasse» sich die„Neue Welt" ein« binde»; es wäre also ivcggeworfeues Geld. Ter Zweck des An- träges 25 wird dadurch eireichl, daß der„Vorwärts" ein Jubaltsverzeichniß zugiebt. Die Bilder sind durch Katzenstein bemängelt worden; eine Verbesserung würde das Defizit wieder aiischwcllcn lasse». Das Blalt soll kein Kunst- blalt sei», sondern leichle Unterhaltuiigslektüre für die Frauen. Ueber die Verslaallichungsidee Kahenstein's hat Bebel gestern bereits i» politischer Beziehung das Nölhige gesagt. Ich will nur hinzu- fügen, daß ei» Privatdiiicler in der That billiger produzircn kann, als die Pariei. Merkwürdig, daß dieselben Genosse», die Wünsche für die Verstaatliclmug habe», über die hohen Preise der Parleidttickereie» klagen. Ilm ei» Gcichäst wie die„Vorwärts"- Druckerei zu leiten, dazu gehören tüchtige Kräfte, die wir nicht so leicht finde». Weshalb nicht? Der Privatdrucker kann die Leiter des Geschäfts bezahlen wie er ivill Wenn wir aber dein Leiter, wie es in bürgerlichen Geschäften üblich ist, 5—6000 M. zuhlen ivollle», dan» erhebt sich ei» großes Geschrei, wir wollten Millionäre züchten. Kominiisionen werden eingesetzt, in denen sich Genosse» befinden, die zivar tüchtig sind, aber keine Fachkeiintnisse besitzen. Sie solle» nun den Leiter der Druckerei überivache», reden überall hinein und verbittern dem Leiter das Leben. Eine Quelle eivige» Aergers ist geschnffc». Schon deshalb möchte ich den Ge- »offen von der Verstaatlichung der„Vor>värls"-Druckerei abralhcn. Ich»»iß hier Klage darüber führe», daß der Redakteur der „Neuen Well", der koulrakllich verpflichtet ist, auch den Neuen Weltkalender fertig zu stelle», uns iu diesem Jahre mit der Ma»nskripll>eferi»ig in Stich gelassen hat. Obgleich er mir in Gotha fest versprochen hat, das Manuskript Ende Dezember vorige» oder Anfang Januar d. I. zu liesern, ba wir de» Kalender Aufaug Juli erscheinen lasse» müssen, wenn wir Gcschafle damit macheu wollen, hat er sein Versprechen nickt gehalten. Von Woche zu Woche schob er die Lieferung hinaus, so daß das Erscheinen des Kalenders in Frage gestellt wurde: Ich mußte mich deshalb an die Inhaber der biesige» Firma Ivcnde», und so war die Zusamuieustellung des Kalender? gewissermaße» eine Kollektivarbeit von Hamburg und Berlin. Jmnierhin kann sich der diesjährige Kalender würdig seine» Vorgänger» a» die Seite stellen. Die Kritik an be» patriotischen Bildern bezieht sich offenbar auf die Abbildung des Kaiser Wilhelin-Denkmals. Zunächst ist das Denkmal ein Kunst- Produkt»nb seine Enthüllung, inzweifelhaft auch ei» historisches Ereigniß. Vo» de» größeren Bauleu hat der Kalender immer Notiz ge»o»»»e», so vom Iieiclistagsgebäude und vom Leipziger Reichs- gerichlsgcbäude. Als wir i» Köln war«», habe» wir uns de» Do»! ang«sche», nicht u», Gebete zu verrichte», sondern»in dem mächtigen Geiste und der Arbeitskraft zu huldigen, die in diesem Wuuderbau vcikörperl sind. In dem Kaleuberartikel ist das Denkmal durchaus richtig krilifirt und auch seine Mängel hervorgehoben ivorden. Um diese Kritik zu verstehen, mußte de» Lesern ein Bild deS Denkmals selbst vorgeführt werden. Ich bitte Sie, den bezüglichen Antrag ab- zulehnen. Schnell- Königsberg: Der Antrag 33 ist von kolossaler Be» deulung für die Lsiliche» Provinzrn. Man hat im Westen keine Ahnung vo» de» schivierigcn.Verbälluisse», unter denen wir dort agilireu müssen. Säle stehen uns iu Ost- und Weslprenßen so gut wie garuichl zur Veifiigung, unsere Presse ist für die Agitatious- zwecks dort absolut»»zurelcheiid. Die Heransgabe eines Agitatious- kaleuders halle» wir für das wirksamste Mittel und durchaus nolh- wendig. M o l k e n b Ii h r: Die Badeuser haben uns wiederholt ver- sichert, ddß sie mit ihrem Antrag schon vier Jahre hinter einander komme», niid eS scheint ja fast, als zeige der Parteitag de» Badensern gegenüber eine besondere Hartherzigkeit. Wenn ein solches Be- dürsniß für die Gründung eines Blattes bei de» Genossen eines ganze» Großherzoglhums vorhanden wäre, dann müßle es ihnen möglich sei», im Zeitraum von 4 Jahren selbst 20 000 Mark dafür aufjubringen. Wen» das aber nicht möglich ist. dann ist die Exiileuzfahigkeit eines solchen Blattes überaus zweifelhafl und eS köuute» i» jedem der nächsten vier Jahre weitere 20 000 Mark von der Partei gefordert werde»; tas würde zu kostspielig werden. De»'Antrag betreffend den gemeiiischnftlichen Bezug von Be- richten über Parteitag und Parlameutsverhaildliingen habe ich mit »»terschrieben. Fischer sagt, die Sache hätte man nicht öffentlich zur Sprache bringe» sollen; es ist aber geschehe», um zu verhindern, daß ähnliche Sachen i» Zukunft wieder passiren. Alle Genossen haben ohne Zweifel ei» Interesse daran, die Presse so gut wie möglich auSzugeflalten, vor allem auch in der Berichterslaltuiig. Ein Origiualbericht des„Vorwärts" würde der Bericht doch nicht auf- höre» z» sein, wenn er zu gleicher Zeit auch von einem andere» Blatte gedruckt wird. Der Absatz der Protokolle würde darunter auch nicht leiden. Das„Hamburger Echo" hat ja in frühere» Jahren stets den„Vor>värts"-Ber>cht bezogen, und trotzdem sind von der Gesammtauflage des Protokolls ein Viertel bis ein Drittel in Hauiburg und Umgegend abgesetzt worden. Auer sagte, das„Echo" kau» fich einen eigenen Bericht lelste»; das geht aber doch nicht ans einer Priuattasche, sondern fällt zu Lasten der Parteikasse. Nicht aus persönlichen Gründen, sondern im Interesse einer Vervollkommnung unserer Presse und um »»liebsame Erscheiuuuge» in der Zukunft zu verhüten, haben mir den Antrag gestellt. Mittag- Halle spricht für den Schluß, H o f f m a n n- Berlin dagegen, da er von Fischer persönlich aiigegrifse» sei. Auch andere Dinge müsse» noch zur Sprache kommen. Der Schlußantrag wird abgelehnt. H o f s in a n n- Berlin: Ich erwarte, daß Sie mir dieselbe Redezeit gewähren werde», wie dem Genossen Fischer.(Widerspruch.) Wo bleibt sonst die Gleichberechtigung? Genosse Auer ist gestern ini viel ruhigerer und netterer Weise gegen mich z» Felde gezogen, alS heute Fiscker. Da ist es»othivendig, daß ich Ihnen mitlheile, wie die sog. Schuiidliteralnr entsteht. Wenn Fischer gesagt hat, wir sollten Kritik üben und nickt schnoddrige Reden führen, so pflichte ich ihm vollkommen bei. Möge das nur bedacht werden, wenn im „Vorwärts" Kritik geübt wird. Auf den Parteitngen wurde immer der Wunsch ausgesprochen, eine Literatur für unsere Kinder zu schaffen. Auch ich war nun ein solcher Frevler, der ein Bilderbuch für die Proletarierjngend herausgab. Dabei weise ich den Ausdruck „Schriftsteller" auf mich angewendet zurück. Ich habe mich nie dafür gehalten. Ich habe nur ein Pantinengymnasium zu sehen bekommen und zwar nur Zl/z Jahre lang. Was ich dort erworben habe, das ist mein Stolz. Wer mehr weiß, soll glücklich fei». Was nun das Bilderbuch anlangt, so gefällt mir vieles darin selber heule nicht mehr. Wenn der„Vorwärts" in seiner Kritik des Buches gesagt hätte: das und das ist falsch, dann hätte er recht gehandelt. So aber schreibt der Schriftsteller Schönhoff darüber:„Es war eine überltiebene, schlechte und geschmacklose Nachahmung des Diey'schen Bilderbuches". Ich hatte aber, als ich mein Bilderbuch herausgab, keine Ahnung davon, daß der Dietz'sche Verlag sich mit derselben Absicht trug. Ich schrieb an den Parteivorstand, und Auer erwiderte mir, es sei in der Thal nicht wahr, was der„Vorwärts" geschrieben habe. Aber dabei blieb es. Mit der„Vorwäris"-Kri!ik aber war das Buch abgethan. Dann aber sind es doch gerade Partei- genossen geweseii, die das Buch verbreitet haben. Ich habe weiter die„Zehn Gebote"-Broschüre und die Broschüre„Die Sozialdeuio- kraten kommen" herausgegeben. Die erste Broschüre ist in 70 000, die zweite in 170 000 Exemplaren verbreitet worden. Fischer sag! nun in sehr geschmackvoller Weise: Ja, vom„Scharfrichter Krauts" sind noch viel mehr Exemplare verbreitet. Ja, Genossen, wer ver> breitet de»„Scharfrichter Krants" und wer meine Broschüre»'s Die meine Schriften verbreiten, sind ausschließlich Parieigenossen. Und sind die nun alle nriheilsunsähig? Die Schriften sind von vielen Parteiblättern gelobt worden. Das weih ich; für vorgeschrittene Parteigenossen kann ich nicht schreiben: dazu reichen meine Kenntnisse nicht aus. Aber für die indifferente Masse reichen sie aus. Wie oft habe ich mich geiveigert, den Vortrag„Die zehn Gebole" zu halten. Wie oft habe ich hören»iüssen: es ist Deine Parteipflicht, es zu thuir. Dan» bin ich aufgefordert worden, de» Vortrag als Broschüre herauszugeben. Das ist geschehen, und von de» 70000 Exemplare» derAiiflagehaldieVorwärls-Bnchhandluiig selber 10 000 abgesetzt. Die Broschüre ist früher innner empfohlen worden, auch auf dem Umschlag der Berliner Arbeiterbibliothek! sie hat>ahrelang»n Katalog der Vorwärts- Buchhandlung gestanden. Ich habe Briefe von Dr. Adler, Krouawetter und Prof. Geseyki bekommen, die die Broschüre loben, Krouawetter hat mir geschrieben, er ivünsche nur eine solche Literatur, die a» die Massen herankomint, diese wäre in Oesterreich möglich. Dr. Adler hat die Broschüre in 100. in 1000 Exemplaren in Böhmen verbreitet. Die Broschüre:„Die Sozial- demokraten kominen!" hat eine andere Vorgeschichte. Der Text ist zunächst als Artikelserie im„Zeitzer Volksbolen", de» ich redigirt habe, erschienen. Wenn ich als eine so anmaßende und unwissende Person hingestellt werde, so war es nicht hübsch vom Volstand, daß er mich drei Jahre lang auf dem Posten eines Redakteurs ließ, ja mich aufgefordert hat, dazubleiben, als ich fort wollte. Die Artikelserie wurde von der gesammten Parte, presse mit Ausnahmcdes„Vorwärts" nachgedruckt Die Artikel müsse» also doch ivohl gesalle» haben. Ich schickte sie dann de», Borstande zu, damit sie »lil auderei» Material über das Banernleben als Landagitatious-Bro- schüre vertriebe» würde». Nach 6 Wochen schrieb mir Fischer, die'Ar- beiten seien als gelegentliche Artikel sehr gut, als Broschüre aber nicht geeignet. Auf beständige Nnffordernug von feiten' der Genossen gab ich sie schließlich selber als Broschüre heraus. Ans dem Berliner Parteilag sagte ein Genosse:„Ja. solche Agitationsbroschüren brauchen wir,»in die Massen aiizuregen." Ja, Genossen: Nicht zur Duinmheit sollen wir hinabsteigen, aber i» der sechsteii Klasse müssen wir eben mit der ABC-Fibel aufange»! (Beifall.) Und auf dein Berliner Parteitag kam Auer zu mir heran nud sagte: Warum schicke» Sie lins nicht solche Böoschiire»? (Heiterkeit.) Ich erwiderte ihm: Wenn Sie künftighin Manuskripte eingeschickt bekomme», dann lese» Sie sie wenigsteiis!(Heiterkeit.) Auer war sehr erstallnt, daß die Broschüre dem Vorstand vorgelegen habe. Von dieser Broschüre sind i» Schleswig-Holstein ganze Ans- lagen gratis vertheilt worden. Zirka 00000 habe ich ohne Verdienst abgegeben. Sind null diese Genosse» alle nrlheils- unfähig, weil sie solchen„Schund" verbreitet habe»? Auch diese Broschüre hat jahrelaug im Katalog gestanden »nit dem Bemerken: Zur Laudagitalion sehr zu empfehle». Ich nehme also tinsere» Antrag wieder auf. Wir verlange». daß nicht eine Person darüber zu e»lscheiden hat, welche Broschüren im Katalog genannt werden. Sonst»Nissen wir zugeven, daß Fischer ein Universalgenie sei. tSebr richtig!»nd Wider- spruch.) Aber die Angriffe gegen meiiie Broschüren sind nicht nen. Eines Tages wurde im Magdeburger Arbeiter- Bildungeverein von Dr. Lux gesagt: Die Schristcn des Hoffmann'sche» Berlages sind Schundliteratur. Ich habe dazu keine Silbe gefugt Das ist seine persönliche Ausicht und damit gut. Später lese ich, daß ein Beiblatt der„Volkssthiime" in 5000 Exemplaren auf dem Lande durch die Magdeburger Genosse» verbreitet worden ist. Da ich selbst in einein Landkreis zu agiliren hatte, sah ich mir das Blatt an, und was finde ich? Einen Ab- druck der Broschüre:„Die Sozialdemokrate» konnneil". Nur de» Verfasser hatte der Dr. Lux nicht genannt. Vielleicht hat er ihn nicht gekannt.(Heilerkeil) Das nehme ich ihm weiter nicht übel, aber übel nehme ich lhin, daß er solche Schundliteratur selber verbreitet hat.(Große Heiterkeit) Da muß Wandel ge- schaffen werden. Wenn ich ans die Fehler in den Broschüren aufmerksam gemacht worden wäre, hätte ich das Fehlerhafte i» den folgende» Auflagen abändern können. Legen wir einen scharfen Maßslab an, aber bleiben wir anständig>n unserer Kritik, wie es sich für Parieigsnoffe» gehört.' Hat sich doch selbst der„Vorwärts" herbeigelassen, eine Heiralhsauuonce aufznnehme». (Heilerkeit). Nun jagt man:„Das kann einmal durch- gehen." Wenn so etivas aber so befähigten Leute», wie es die im„Vorwärts" sind, passirt, so sollte man doch auch mit einem weniger befähigten einfache» Arbeiter nicht so hart ins Gericht gehen. Fischer klagt, daß die Buchhandlung nicht den Erfolg hat, den fie eigentlich haben sollte. Dabei ist ihm bei der Frage der Kolporteure ein Widerspruch untergelanfe». Als der Neue Welt- Kalender um 10 Pf. billiger wurde, hieß es: Der Kolporteur braucht nicht soviel zuverdiene». Hnitcrhcr sagte Fischer: es ist ttusere Pflicht, dafür zu sorgen, daß der Kolporteur, der mit der Polizei so viel Scheerereien hat, auch als Mensch existiren kann; wen» der Verdienst nicht so gering ist, könnten die Kolporteure ihre» Ver- pflichtungen nachkominen und brauchte» nicht so viel Bären bei der Buchhandlnng anzubinden, darin gebe ich Fischer recht. Wohl haben wir Gelegenheit, durch Genossen unsere Literatur an Genossen zu verbreite». Gebe» wir aber den Kolporleuren eine» anständige» Verdienst, dann bringen sie uiisere Literatur in die Reihen, wo>vir sonst nie hindringen. Der polnische Partei- vorstand hat meine Broschüre:„Die Sozialdeinokraten kommen", ohne mei» Wissen ins Polnische übersetzen lassen und verbreitet. Mein Name als Verfasser ist nicht darauf genannt. Darüber habe ich mich ge- ärgert. Nicht weil ich mich für einen unsterblichen Schriftsteller Halle, das bin ich ebensoivenig. wie Fischer ein unsterblicher Buchhändler ist (Heiterkeit), sondern weil es heißen kann: ach. der Hossmann hat sich die Broschüre vom Polnischen ins Deutsche übersetze» lassen und sie dann als seine herausgegeben.(Heiterkeit.) Wen» aber so polemistrl wird, wie es Fischer heute gelha» hat, dann treibt er es dahin, daß schließlich blos»och die Akademiker schreiben dürfen.(Sehr richtig.) Dann hören wir auf eine Proletarierpartei zu sein und werden nur von Akademikern geführt,, und für die Arbeiter dürfen die nicht mehr schreiben, die ihre Sprache zu sprechen verstehen. Wenn ich die Bänke der Universität gedrückt hätte, dann spräche ich ein korrekteres Deutsch und wäre nicht halb so dumm wie mancher, der die Universität gedrückt hat.(Große Heiterkeit und Beilall.) Ein jetzt wieder eingebrachter Antrag aus Schluß der Diskussion wird von K a tz e» st e i n- Mainz bekämpft, da die verhandelten Fragen zu den wichtigsten aus dem Parteitage gehören. Der Antrag wird abgelehnt. Langenberg- Solingen: Nehmen Sie unseren Autrag an. Das wird zweifellos zur Beseitigung der bisherigen unleidliche» Zustände bei uns beitragen; eine Radikalkur ist nicht nöthig. S t o l t e n> Hamburg: Ganz entschieden lege ich Verwahrung dagegen«in. daß man meinen Antrag und was cch zur Begründung gesagt habe. als Mätzchenmacherei bezeichnet. Wir waren gt zwungen. einen solchen Antrag einzubringen, und was gegen>hn gesagt ist. beweist nur seine Nolhwendigkeil. Wenn man keine an- deren Gründe hat. als zu sagen: wir wollen das nicht, so muß es ein Mittel geben, den Willen zu brechen Mein Vorwurf gegen die Redaltion des„Vorivärls" ist ja hiiifällig geworden Wer die Stelle ist. von der die Sache misgegangen ist ist mir noch nicht klar. Mir scheint, das war Fischer.(Fischer ruft: Nein, der hat gar nichts damit zu thun!) Wenn das Altiveiberklatsch ist, dann hat ihn der geliefert der diese sogenannten Gründe zum Ausdruck gebracht hat. Es imiß absolut unzulässig sein, einen Bericht der Parteipresfe zu veriveigern wen» sie ihn brauche» kann Wir wollen za nicht unentgellliche Hergabe des Berichts; die Parleibläller solleii entsprechend ihrer Leistungsfahigkeil bezahlen. R o s b i tz k:> Wandsbeck: Mätzchenmacherei hat uns bei der Stellung unseres Antrages betreffend den„Borwärts'-Berichl ferngelegen. Als mir der Fall mitgetheill wurde, habe ich ihn»ich! glauben wollen. Derartiges Varl nicht wieder vorkomme». D Geld, das der doppelte Bericht mehr kostet, geht der Agitation ver- loren. Frau S t e t n b a ch- Haniburg? Es wird fo viel über den In hall der„Neuen Well" geilagt. daß er zu hoch sei für viele Ge »offen»l»v Genossiiinen. Ich würde als Redaklenr der „Neuen Well" eine solche Kritik als Schureichelei auf lassen. Das hat der Fischer gut gesagt, baß«vir nichi zur Unbildung herabsteigen, sondern sie zu uns herauf ziehe» sollen. Es ist nicht möglich, allen geistigen Oiinliiälen iii einer Literaturbeilage Rechnung zu tragen! aber wenn es sich »m den armen Aibeiler, den Lohnsklnven handelt und auf der anderen Seite II», die Genossen, die ei» höheres Bedürsniß für ihre geistige Befriediglliig ha>en, so plaidire ich für letzlere Die Soiintagsbeilage soll für die sein, die ein schöngeistiges Bedürsniß haben, die aber nicht die Mittel baben, in einer Bibliothek zu abonniren. Böses Blut Hai das Bild im Neuen Welikalender gemacht Ich halte es durchaus für berechtigt, eine Tarstellling nebst Beschreibuiig eine? solchen Kaiserdenkiitnls zu bringen, wen» die Kritik nur richtig ist Ich habe das De kmal in Bertiii selbst gesehen, und da hat mir, neben- bei gesagt, eins ganz gni gesalle»; z» ren Füße» des Kaisers, halb berunterhängend von den Stufen des Dentmals, da liegt die K>one und das Hermelin; das kann ii»s schon gefalle», die Idee ist gar nicht so übel(Heilerkeil.) Ich wiederhole: hauen Sie»ichi so arg ans der Redaktion der„Reue» Well" herum, die bat es wirklich nicht verdient. Ei» Reoakleur, der ein Blatt schreiben soll für eine Million von Lesern»n> allen zu Gefallen, der müßte ei» Goit sein, und daran glauben wir ja nicht.(Heitelkeit nud Beifall.) Jiizwischeu ist der Antrag 00. gestellt von K. Haenisck, K a tz e ii st e i ii. H. Lange, W. Vi o ß k o p s, W i t l> ch, Slröbel, Hng, eingegang««: Die ParleileUiing wird beauftragt, ein Verzeichniß geeigneter agitatorischer»nd wissenschafilicher wie Uuteihalluiigs- Literalnr als Führer sür die Parleigeuosse» herauszugeben und zum Selbst kostenpreise abzugeben. In diele,, Katalog sind alle geeigneten Schiistcn ohue Rücksicht der Paso» des VersasselS oder des Ver lags aufzunehiuen. Die Unterstützung für diesen Antrag reicht nicht anS. K a tz en st e i n- Mainz: Man sollte ohue Rücksicht auf den Verlag»nd vor allein ohne Rücksicht ans die Verfasser bei der Auf nahine von Pnrleililcrainr i» den Katalog der Buchhaiidlung Vorwärts verfahren; ich erinnere an das Schick'al von Kampsineyer und Bruno Wille. Aus de» Ton, den Fischer beliebt hat will ich nicht eingehen. Ich habe nicht in so allgemeiner Weise mich über das„Vonvärls">Geschäft anSgelassen, wie er es dargestellt hat. Wen» eine geeignete Kraft die Zeilnug hat, ivird sich sehr wohl eine Parteibuchbaiidlung in Berlin nach bilchhäudlerischeu Grundsätzen gegen ül'erderKonknireuz hallen können. Das dureankralische Verfahren des Verlags Vorwärts hat nicht blos die Koutrollenre sondern auch Parteibuchhändler abgeschreckt. Ich glauoe, der „Sozialdemokrat" ist nicht zum geringsten Theil deshalb cingegaiige», weil der Verlag Aorwärls nicht genug gclhau hat. uiii das Publikum für ih» zu inleressiren. Hin sichtlich der Frage der Ueberuahme der V o r w ä r t s d r» ck e r e> in eigene Regie habe ich nicht gcineiiit. daß an den Aibci>s Verhältnisse» bei Babing viel zu ändern wäre; das kann nicht billiger gemacht werden, aber daranj kommi es auch nicht a» gegenüber den anderen Borlheilen. Nicht durch Lohn- drückerei, sondern durch günstigere Arbeits- Verbältnisse in technischer Bezichung kann man günstigere Resnltaie erziele» und in geschäftlicher Beziehni g, durch Akzidenzarbeilen für Vereine. Kassen n. s. ,v., die sich nicht um den Parleisiandpunkt bei Druckerei küinmer». Es sollte mich gar nicht ivnndern, wenn»nsere Gegner die Aiissühningen Aner's gegen uns bciiiitzen; es war iiiiveiblümtes Manchesterthllin: eine schärfere Kiilik der sozialistischen Bestrebungen in bezug auf die Ren labililät des glschäsilichen Betriebes ist inir noch nicht vor- gekoinnien. Bebel hat das rolhe oder blaue Gespenst aus- leben lassen. Hätte man das Parteigeschäst vernichten können, so hätte man schon längst die Gelegenheit wahrgenommen. Eriahrnngen stehen Jbnen für Iure Skepsis nicht zur Seite. Ick berufe mich auf Geiioffen Kleeuiann, der durchaus nieiiie Aussassnng iheill und der in Leipzig die besten Erfolge erzielt hat. B a k e r- Slrclitz: Im Interesse niciner Berufskollegen denn ich bin auch so ein kleiner Buchhändler und ikolportenr möchte ich Fischer erividern. Er irrt sich, wenn er meint, daß die sogenannte Schiindliteratnr ebenso viel Prozente abwerft wie die Parteiliieratlir. De» Parleigeuosse» miler den Kollegen wenigstens sollle ma» die Existenz erleichtern. Ans Kosten der Kolporteure hat nia» bei der„Nene» Zeit" in der letzten Zeit ein Geschäft gcinacht. indem»>a» ihnen die Gratislieferung des Heftes 27 entzogeii hat. Die Ansichten über die Schundliteratur sind verschieden. Daß so viele Parteigenossen, die früher ausschließlich Parteiliteralm vertriebe» habe», das jetzt aufgegeben haben, liegt daran, weil sic äch davon nicht ernähren köiiim,; es wird ihue» hierfür nicht so viel Rabatt gcivährt, wie es sür die gegnerische Lilcralnr geschieht. Sorgen Sie dafür, daß es hierin anders wird. Bebel hat seine ganze Rede nur ans Hamburg zugespitzt.(Bebel: Nein!) Er bat schwarz i» grau und grau i» schwarz gemalt. Frau Zetkin- Stuttgart: Ich will mich mir kurz gegen den Genosse» Hoffmann wenden. Seine Ausführungen waren— er möge den Ausdruck entschuldigen; ich bin überzengt. daß es nicht beabsichtigt ivar— aber seine Ansführungen ivaren im höchsten " rnde demagogisch gehalten.(Sehr richtig!) Sie waren daraus zu- gespitzt, eine» Gegensatz zu konstnlire» von der sckivieljgen Fanst und dein Proletarier der Koviarbeit. und zwar wurde der Rnschein er- weckt, als werde hinsichtlich der Partäliteralur der Hand- arbeiter zurückgesetzt hinter dein Akademiker. Es ist meine Neberzengnng, niemand fragt nach dem Beruf nnd der Sieliiliig des Verfassers, fondern nach dein Grade deS politischen»nd sozialen Geschnllseins. Das ist der Maßstab, nach dem wir iuisere Parteiliteratnr. unsere Presse zu bearbeiten haben, lind es drängt mich. hier auszu» prechen: Wenn wir die Literatur, die Hoffmann verlheidigt hat,»ach ihrem Inhalt beurtheilen, so müssen wir ägcn: gewogen und zu leicht besuilde»! Der Erfolg jener Broschüre», auf den er sich benlsk, ist noch kein Beweis für ihre Güte, sonder» »ur dafür, wie gering die Anforderungen ihrer Leser sind; er de- weist, daß man sich i» den Kreise» der Genossen noch vielfach be- techen läßt durch die populäre leichte Fori», durch das Witzwort, durch Schlager, kurz durch alle die Eigenschaften, die de» Genossen Hoffmann als Schriftsteller nnd Redner auszeichnen und die ihm auch vorhin hier seinen Erfolg verschafft haben. Aber iveim wir nach dem In- kalt fragen: Was lassen diese Broschüren als Kern zurück, welche sozialdeniokralischen Gedanken prägen sie ei»?— dann komme» wir zu der Ueberzengung, daß eS besser wäre, jener Erfolg wäre nicht erreicht, als daß man hingeht und unsere Ideen m so oberflächllcher und schiefer Weise verlrill. Nicht den Proletarier inundrodt»lachen, heißt es, wen» man an den Inhalt große Ansprüche ftelll, im Gegentheil: der Proletarier, der sür seine Fortbildimg ein großes Maß von Energie, von Hingebung, von Begabung aufivendel, oerdienl alle Hochachlmig. alle Anerkennung und vor allein alle Unterstützung und Förderung. Aber d'.e Broschüren sind nicht dazu da. de» Genossen, die sie schreiben, die Möglichkell zu geben, sich weiter zu entivlckel» lind ihre Aulagen zu belhäiigen, souderii was hinansgeh:, das muß schon möglichst vollendet sein Fnr das Proletariat ist das Allerbeste gerade gut genug. zBeisiill.) Deshalb möchte ich eiitschleden Verwahruiig dagegen einlegen, daß der Siaiidpiiiiki des Genosse» Hoffmann bezüglich der Bcurlhellniig unserer Parteilileralur maß» gebend wird Wenn henle die Broschüren, die sein Entzürnen hervorrufen, eine Herde Kritik criahre» haben, so ist das kein Anzeiche». daß einzelne Parleigenoffeii mißgünstig sind, eiiizeliie Parteigenossen anderen Hindernisse in den Weg legen wollen, sondern es ist ein enrenliches Anzeichen, daß die Parieigenossen ans ein höheres geistiges Niveau gerücki werden, daß sie höhere Ansprüche stellen und mit der sogenannten populären seichien Literatur sich nicht mehr begnügen. Und wen» wir weiter an diesem Ziele arbeiten wolle», dann wäre nichts lhönchier. als sich ans den Slandpiinkt des Genossen Hoffmann zu stellen Nicht heniiilerschralibeii sollen wir iiilsere Ansprüche, sondern iimgekehrt. wir müsse» sie immer höher und höher hluaufslelger».(Lebhasler Beifall und Händeklatschen.) Damit schließt die Debatie. Der Aulrag 03 hat tiizwischen die genügende Unlerstütziing wieder gesunden. Persönlich bemerkt Fischer: Genosse Hoffmann hat einen Widerspruch in meinen Aiisführiinge» beziiglich der Kolporteure zu finden geglaubt, indem er sagte, ich Halle erklärt, wir stehen aus dein Standpunkt, daß die Kolporteure nicht soviel verdienen sollen. Im Gegentheil, ich habe ausdrücklich gesagt, daß der Paneitag seinerzeit beim„Neue Welt-Kalc-uder" diese Stellung einge- iiomnie» hat, also nicht ivir als Buchhandlung, sondern Sie als Delcgirte. Tann Hai Siolien in der dckannle» Angelegenbeil mich als schivarzen Perer hlugesiettt, der alles das gemachl hat. Ich halte>» der Sache»ilr das»uizulhu» nnd lnilzuinachen, was ich als Vertreter der Buchhandlung zu sagen hatte. Das entscheidende Wort aber wurde nuler dem Vorsitz Singers seileus der inBerlin anwesenden MilgliederderParlelleUimggesprochcn. Kayenstein meinte er hätte nicht so gedaUlose Vorwurfe gegen oie Buchhaudliing erboben, sondern spezifizirl,»»b er führte wieder die nicht geschä lsiiiäßige Behandlung im Sorliment und die Jnkoulanz gegen die Kunde» beim Bezug des„Sooaldeuiokrat" an. Aber ich habe weder mit der Expeduion des„Vorwärts" noch mit dem „Sozialdeniokral" etivas z» schaffe» gehabt Es ist ia immer das alle Lied: G'gen Paiteibeamle dars man sage»: Ihr seid Esel, unsähig und Eurer'Aufgabe nicht gewachsen; wenn aber jeniand ent-- gegnet, kehrt vor Eurer eigene» Thür— dann ist das eine Beleidi- gniig der Genosse». H o s f m a» n- Berlin erklärt persönlich: Frau Zetkin hat mir etwas uutergelegt, was ich nicht gesagt habe. Ich selbst begrüße ihre Aussührnuge» mit Freuden; es ist ein Forlschntr, wenn die Broschüren, die früher gejallen hal>en, heute nicht mehr gefallen. aber ich habe nusdrücklim von Broschüren gesprochen, die nicht sür Parteigenosse» bestiinint sind, sonder» für solche, die erst angeworben iverde» sollen, nnd ivenii Frau Zelkin mehr znul Volke herunier- steigt und selbst anss Land geht, dann wird sie auch dieselden Er- fahrnngen machen. Bevor zur Abstimmung geschritten wird, erhält das Schlußwort Gerisch: De» Anlrap 84 bilie ich abzulehnen. Diuch seine Annahme würden wir wohl den Wünschen der Karlsruher Genossen nachkommen, nicht aber den Wünschen der Genossen des badischen Oberlandes, denen mit einem täglich in Karlsruhe ericheinenden Blatte nicht gedient ist. Dazu kommt die Sckwierigkeil der Ablösniig des Verlagsrechtes. Bis jetzt ist mir nicht bekannt, welche Sliinnie Genosse Geck fordert, klein wird sie aber gewiß nicht sei». Die ganze Angelegenheit ist eine speziell badische. Aus ihrem letzie» Parteiiag zu Ostern d. I. haben die badlschen Genoffen ihren Landesvol stand mit der Regelung der Sache betraut. Erst wen» die bndischen Genossen nicht ins Reine konimen können, hat sich der deutsche Parteuag damit zu befassen. Warten wir eS also ab. Der Genosse Geck hat hier zwar erklärt, daß er die Last bald los sein wolle, soviel ich aber weiß, hat er auf eine Anfrage des bndischen Laudesvorstnndes. wie er(Geck) sich zu der llebergabe des„Voltssreiindes" an die Partei stelle, erst nach Moniten geantwortet. So lange sich übrigens die badischen Genossen die Sache so leicht mache», daß sic eine Erhöhung der Beiträge NN, 5 Ps pro Monat und Milglied ablehne». habe» wir leinen Anlaß, die Milte! der Gesamniiparlei anzugreisen Ich tonnne z» Antrag 64. dessen Znrnckstellnng ich beantrage, bis die Anträge 30 und 40 erledigt sind. Vorher darüber zn beschließen ist ganz unmöglich. Der von den Freunden des Genosse, i Schumacher gestellle Antrag will erst die lieber« sühriliig der„Belgische» Arbeilerstimm«">» Partcibesitz und dann die Kaiididatcnfrage regeln. Die Gegner Schinnacher's stehen aus dein enlgegcngesetzte» Standpunkt. Nnheile» Sie deshalb nicht nach den Friedeusschalmeien, die zetzt ans Soliiigen er« löne», Sie tönmen sonst hinterher schwer enttäuschl werden. Die Sachen liege» viel ernster und schwieriger als Sic denke». Der Mißtraiiensbazittils hat solche Verbeer,»ige» in der Denkweise der Solinger Genossen augerichtei. daß sie einander sticht über den Weg liane». Deshalb verlangen die Gegner des Genosse» Schumacher erst die Regelung der Mandaissrage. bevor die„Belgische Arbeiter» stiinnie" in dc» Belitz der Geiainmtparlel übergeht. Sie sage», ich reserire im solgendeii nur nnd spreche kein Urlheil ans t erst muß der Beschluß üoer einen ander» Kaudidalen l» Solingen festgelegt sei», damit Schumacher Nicht durch eine Hinterihür wieder hineinkomint, dann wollen ivir über die Uebernahme des Blattes in die Parleiregie reden, wohlgeiuerkl reden; zu welchem Bcschlnß wir kommen, steht noch dahin. Ich reserire weiter die Ansichlen der Gecienparlei. Schnmachcr hat der„Bergischen Arbeiterstimme" das Leben vo» jeher sauer gemacht. Er dal seuie Anhänger veranlaßt, ans der Geiioffeiischasis-Bnchdruckerei i» Solingen auszutreten und dein Unteriiehine» damit grobe geschäftliche Schivieriac. keilen gemacht. Als es ihm hierniil ii ich, gelang, bat er öffentlich die Parole ausgegeben: Nieder milder„Berg.'Arbeiterst>»iine"! Alserhierniitkeineil Erfolg hatte, bat er ei» Konkurrenzblatt, die„Freie Presse" ge- gründet. Als ihm auch das»ich! gelungen ist, veriuchl er ails dem Wege, der i» Antrag 04 vorliegt, sich der„Bergischen Arbeiterstimnie" i» entledigen. Wenn wir inil diese» Thatsachen rechnen. geivimZ>«r Antrag 64 em anderes Gesicht. Die Dinge sind als Kompensation gedacht. aber wenn die eine Seile die Verzichllcistnng Schnmacher's nicht als Kompensation nnfsaßt, dann ist es, meine ich, auch übeifliissig. dnß die„Berg. Arbeiterst." in Parteiregie ge- »oiiimen wird. Anßerde», ist es»ichl unbekannt, daß daS Konknrrenzblalt, die„Freie Presse", sich in Zahlimgsschwierig« keile» befindet, imv die Gegner Schiiiiiacher's meinen, die Partei brauche nicht die Schntden eines Koiiklirrenz-lliilernehiiieiis zu über- »ehiiie», das gegen ein Parteiorgan gegründet ist.(Sehr richtig!) Borlänfig sehe ich diese Fnedenszeü noch nicht gekommen nnd Hille deshalb, den Antrag 04 znrückziistellen. Was de» Antrag 32, die Herausgabe einer Broschüre über die Gesinde-Ordming betrifft, so wird die Parteileitimg versuchen, der Forderung gerecht zu iverveu; ob es gelingen wird, ist allerdiugs sraglich. Dem Antrag 33 häite ich lieber eine andere Form gegeben; statt die Partei« leitimg mit der HeraiiSgabe eines solchen Agitations« kalenders zu beauftragen, sollten die Genosseil der betreffenden Wahl- kreise selbst«inen Versuch machen. Die Parteileitung wird sie darin ilnterstützen; die Mecklenburger Geiiossen werden bestätigen, daß sich die Parleileitnng ihnen gegenüber bei der Herausgabe ihres Kalenders sehr enigegenkoniineiid gezeigt hat. Ter Antrag 03 ist 'chwerlich ernsthast z» nehmen, ich bitte, ihn deshalb abznlehiien. Zu der Besürchluiig unserer Delmenhorster Genosse» ist kein Sliilaß vorhanden. Wenn der Düsseldorfer Genosse den Eiiipfang der Ans» forbcntnp zur Verichterstottm'g»Iber die Pvesse bestritt, so lng ein böser Wille nicht vor; ich Hobe die Sl»ffo>de>»ng in geschlossenem Kouveri abgefnudt, weil erfohrungsgemäb Drucksachen leicht bei seile geworfen werden; der Brief kann ja verloren gegangen sei». Persönlich bemerkt Schumacher: Während wir jeden persönlichen Angriff ver» Mieden haben, hat Gerisch in seinem Schlußwort, auf das keine Er- widenmg mehr möglich ist, einen rein persönlichen Ton in die Debatte gebrachl. Wir haben uns auf beiden Seiten absolut« Znrück- 'baltnng auferlegt, weil uns Geri'ch versprochen hat, für die Verschmelzung unserer beiden Blätter einzutreten. Er wirst mir die Schulde» meines Blatles vor; das sind ganze I00V M., die auf Taufende von Parieigenossen fallen. Mit diplomatischen Kunst« griffen— Vorsitzender Singer: Ihre Furcht, daß Ihnen eine Eni- gegnung aus Gerisch nnmöglich gemacht sei, ist unbegründet, da der Antrag 64 ja znrnckgestellt ist. Gerisch: Ich habe blos referirt und die Ansichten der einen Rlchiung»riigetherlt, ich habe kein Wort gesagt, daß wir diese Auf- fassung lbeile». Geck: Gerisch sagte mit Unrecht, ich hätte wochenlang nicht geanrrnortet. Ich habe dein Lanbeevornand eine» ausführlichen Bericht bei memer Anwesenheit in Hamburg versprochen, wo ich Rücksprache mit der Parteileitung nehmen wollte. Vorsitzender Singer: Wir werde» wohl dazu kommen, alle Anträge, die Solingen betreffe», einer Kommission zu überweisen. Tie Abstimmung über den Antrag 64 wird hierauf ansgesetzt. Der Antrag 25 ist durch die von der Redaktion der„Neuen Welt" abgegebene Erklärung erledigt. Die Anträge 26 und 27, die die„Freie Stunden" behandeln, werden angenommen, ebenso der Antrag 93 und 83 in folgender Fassung: „Die Parteileitung ist verpflichtet, den offiziell hergestellten Bericht über den Parteitag den Parteiblälter», die ihn haben wollen, zum gleichzeitigen Abdruck zn überlassen." Abgelehnt werden die Anträge 28, 32. 33. 34, 76. 84 und der Antrag 85, der zurückgezogen war, aber wieder ansgenomme» wurde. Vor der Abstimmung über den Antrag 3l, betreffend die Ver- deutschnng der Fremdwörter in Parenthese, bemerkt M i I l a r g- Arnswalde: Ich gebe dem Antragsteller anHelm. hinter das Wort„Paranthese" zu setzen:„Klammern." lSlürmische Heiterkeit.) Der Antrag wird hierauf abgelehnt. Nunmehr wird die Diskussion über die Gruppe„Kasse" eröffnet. Anträge liege» hierzu nicht vor. Wein Heber- Hamburg: Die außerordentlichen Opfer, die Uns dies Jahr auferlegt hat, werden es erklärlich erscheinen lassen, daß Hamburg diesmal kein Geld an die Parteileitung abführen konnte. Wir haben hier kolossale Summen für den Hasen« arbeiterstreik aufgebracht, ein Beweis, daß das Proletarial'weiß, was es zu thun hat. Wir hoffen im nächsten Jahre rvieder Gelder abzuliefern. Unser Parteigeschäft hat 67 VA) M. Ueberschnß, abgesehen von 35 0 M, die es uns sür den Streik geborgt bat. Wir iverden die Ueberschüsse, die wir mache», nicht aufstapeln, sondern der Parteileitung zur Agitation zur Verfügung stelle». Im übrigen habe ich nur noch namens der Hamburger Hafenarbeiter den Genossen für ihre thatkrästige Unterstützung zu danken und zu versichern, daß wir gegebenensalles dasselbe Soli- darilätsgefühl beweisen werden.(Beifall.) F r e i w a l d- Niederbarnim: Ich halte eS sür ganz richtig, wenn die Wahlkreise sich Gelder reserviren, um für alle Fälle ge- rüstet zu sein. Wenn sie ihr Geld bis auf den letzten Pfennig ab» führe», müssen sie sich nachher bei jeder Gelegenheit an den Partei- vorstand wende». Hiermit schließt die Debatte. Im Schlußwort erklärt G er i s ch, daß er den Hamburger Geuoffen keinen Vorwurf daraus gemacht habe, daß sie in diesem Jahre keine Gelder ab- geführt haben. Daß die Wahlkreise ihr Geld bis auf den letzten Pfennig der Parteileitung überweisen sollen, habe er nicht verlangt. Hierauf wird der Antrag der Kontrolleure ans Eutlaftung des Kassirers angenonime». Um 1 Uhr tritt die Mittagspause ein. Nachmittags-Sitzung. Um 81/* Uhr eröffnet L e s ch e die Sitzung. Die polnische Arbeiterschaft Galiziens und Schlesiens sowie die kroatisch- slavonische Sozialdemokratie haben Begrüßungsschreiben übersandt. Der Allgemeine Hamburger Arbeiterverein, ein Ueberbleibsel des Allgemeinen D>ntschen Arbeitervereins, der hier unter dem allen bekannten Name»„Bräner'scher Verein"L»och ein Scheindasein fristet, hat einen Brief mit einem Antrag an den Parteilag geschickt. Der Vorsitzende macht davon Miltheilung. Punkt 3 der Tagesordnung ist der Bericht über die parlamcn- tarische Thätigkeit, den Schippe! erstaltet: Der Bericht liegt ge- druckt vor, Sie werden ihn ja alle gelesen habe». Der größte Theil unserer Anträge ist, wie nicht anders zu erwarten war, ergcbuißlos geblieben. Zunächst der auf Aufhebung des Majestätsbeleidigungs- Paragraphen. Daß er einen wunden Punkt in unseren öffentliche» Verhältnissen berührt, weiß ja jeder; jeder weiß aber auch, daß er in dein gegenwärtigen Reichstag absolut aussichtslos war. Er war aber agitatorisch von großem Werth für unsere Partei, daß wir die wunde Stelle berührten, daß wir fort- während attakirt und herausgefordert werden können— anderen Parteien gehl es ja jetzt gerade so—, ohne das Recht zu haben, darauf zn e>w>dirn, weil dann sofort der Staats- anwalt mit einer Anklage wegen Majestälsbeleivigung kommt. Wir haben ja nicht verlangt, wie unsere Gegner behaupteten, daß die Monarchen etwa beliebig beleidigt werden können. Wir haben nur verlangt, daß Majestäten ebenso behandelt werde» wie j der andere gen'öhnliche Sierbliche; wenigstens soll der Schutz des § 193 gewährt werden, und der Staatsanwalt soll nicht verpflichtet sei», ans jede Deiiuuziation allerniedrigfler Art die häßlichen Prozesse einzuleite». Aber das äußeiste, was uns von andere» Parteien koitzedirl wurde, ist, daß, wenn die bisherigen Ve>bäll»isse fortdauern, eventuell der Reichstag von seiner Gepflogenheit, den Mottarchen nicht in die Diskussion zn ziehe», abgeben würde; und weiter, daß der Strasversolgung die Stellung eines Antrages voraus- gehen solle. Unsere Jtiterpesialion wegen Bekämpfung der Konsunivereine ist bekaitirllich ergebnißlos gebliebe». Sie wissen ja, wie in Sachic» der kleine M i l t e I st a» d der N o» s» in v e r e i» s- B c- wegnng feindlich gesinnt ist und wie man gegen diese Vereine mittels einer llinsatzstener vorgehet, will. Bestimmte Anträge konnten sich natürlich an die Resolution nicht anschließen. Immer. hin hat sich die sächsische Regierung damals etwas znrück- gehalten, bis sie dann endlich nach Schluß des Reichstages doch einzelne der Stenern genehmigt hat. Es wird sich ja in» nächsten Reichstage ivieder Gelegenheit bieten, den Kampf gegen eine der friedlichsten und im Sinne des Bürgerthitms gesetzlichsten Bestrebiinge» der Arbeiter von neuem aufzunchmen. Er- yebnißlos blieb auch unser Antrag, die Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung aus die Hausindustrie auszudehnen. Unser Antrag betr. Anfhebuug aller landesgesetzlichen Sonderbestiiiimungen über die RechlSoerhälttiisse der lnnd- und forstwirthschaftlichen Arbeiter und de- G sindes zu ihren Arbeitgebern beziehnng-iveise ihrer Herrschast ist nicht zur Annahme gelangt, aber die Majoriät des Reichstages erkannte das Bedürfnlß an, und es ist ei» vermittelnder Antrag Lenzmann angenomme», der die Reichsregieruiig auffordert, reichsgesetzlich die Beziehungen zwischen Gesinde und Herrschaft zn regeln. Unser Achtstundentag hat zn einer zweitägigen Debatte Anlaß gegeben, wobei schließlich ein ganz vermischter Antrag des Zentrums heraus- kam. Zuerst halle das Zentrum»nter Führung des Abg. Hitze beantragt, ivenigsteus fürFabrikarbeiler wöchentlich dieZIrbeitszeil auf 63 Stunden sestzusetzen. Auch das wäre iinnierhin ein Fortschritt gewesen, wenn auch ein geringer, den» an de» thatsächlichen Verhältiiiffen wäre im großen ganzen nichts geändert worden. Aber selbst dieser Antrag ging der Majorität zu weit, und so hat man sich denn einfach dahin geeinigt, die Re- giernng aufzufordern, sie solle Erhebungen darüber anstellen, in welchen Gewerben die Arbeitszeit so lang ist, daß dadurch die Gesundheit der Arbeiter ruinirt wird. Thalsächlich ist das nur ein Scheinbeschluß gewesen, da ja das alles schon in der Gewerbe- Ordnung steht. Dagegen haben diesmal die Handlungsgehilfen zweifel- loS einen großen Forlschritt zn verzeichne», wie man ja über- Haupt nicht sage» kann, daß die Sozialrcs�rm so absolut still steht. Die Verhälluisse dränge» weiter, und trotz des Widerstandes der Gegner werde» einzelne Schritte getban. Die Handlnugsgehilten haben bei der Neuregelung des Handels-Gesetzbuches sehr liberale Bestimmungen sür ihr Arbeits- verhältniß, die Kündignugsfrist und die Konkurreuzklausel erhallen. Tiefe Klausel, die den Gehilsen oft die ganze Zukunft abschnitt, ist zwar nicht verboten, aber doch wesenlltch eiiigeschränli worden. Auch mit der Anrechnung der Unfallsgelder auf das Gehalt, mit der Kündigung und dem Lehrlingsweseu haben die Handlungsgehilfen gut abgeschnitten. Das ist einer der wenigen Lichtpunkte der letzten Seision in bezug auf die soziale Gesetzgebung. Unsere weitergehende» Anträge sind abgelehnt, aber es sind von ungestellte Resolutionen angeiionunen, daß dle Geweibegerichte aus das Gebiet des Handesgewerbes übertrage» werden n»d daß die Bestimmungen der Ge» erbe O, diiniig, die noch nicht im Handels« Gesetzbuch enthalten sind, nach Möglichkeil alif die Handlungsgehilfe» ausgedehnt iverden sollen. Die Bäckereiverordnung hat diesmal zu keinem neuen Resultat geführt; der Anstnrm der Gegner ist gescheltert, wenigstens schnitt also die Seision in dreser Beziehung ohne Schaden für die 'Arbeiter ab. Von Anträgen, die nicht mehr zur Verhandlung kamen, er- wäbne ich de» von iietieni vorgelegten Eulwurf einer Seeinutins- o r d n u n g und den Aulrag auf Ausdehnung der Fabrik- inspektion. Ferner ist nuter anderem liegengeblieben ein An- trag belressend die Aendernng des Landtags- Wahlrechts. wozit uns gerade die Vorgänge in Sachsen veranlaßl hatte». Zivetfellos wird sich in der nächsten Session von neuem GeUgeuheit finden, dalür zn agitire», daß in alle» Eiuzellandlagen das gleiche allguueiiie und geheime Wahlrecht ein- gesührl ivird. Andere Anträge, die regelmäßig wiederkehren, zum Beispiel der Aulrag aus Gewährung größerer Freiheiten in Elsaß- Lothringen, erwähne ich hier nicht. Sic sehen, daß die Thätigkeit der Fraktion»ach dieser Seite ganz de» Wünschen der Parteigenossen entsprochen hat. Auch die hier gestellten Anträge cnl- sprechen ja durchaus dcm, was die Fraktion seit Jahr und Tag an- gestiebt hat. und ich hoffe, daß das Ergebniß der Diskussion dasselbe Bild der Harmonie zivischen Partei und Fraktion zeigen wird, wl« in den letzte» Jahren.(Beifall.) Borsitzend.r L e s ch e: Wir kommen nun zu den hierzu gestellte» Anträgen. Es sind die Nuniniern: 55. Parteigenossen des 12. n»d 13. sächsischen Reichstags-Wahlkreises: Die soziatdeniokraiische Fraktion des Denlsche» Reichstages wird beauftragt, gegen die ungleichmäßige und mißbräuchliche Anwendnng des§ 153 der Gewerbe-Ordnung vor dcm Reichstag Beschwerde zu führen und insbesondere darauf hinzuweisen, daß das, was dem Arbeitnehmer ans grund dieses Paragraphen verboten wird, dem Unternehmer ungehindert ge- stattet ist. 56. Parteigenossen in Lübeck: Tie Reichstags-Fraklion zn beauttragcn, eine Interpellation betreffend die Handhabung des § 152 ber Gewerbe-Ordnung durch Polizei und Justiz einzildringen. 57. Parteigenossen in Ronneburg: Im Reichstag und den Landlage», in denen Genossen sitzen, sind Anträge dahingehend zu stellen: Die Regierung auszusordern, in den Etat eine Summe ein- zustellen, ans der Personen, die infolge hereinbrechender, uuvorhcr« gesehener Ltaturereignisse geschädigt werden, schadlos zu halten sind. 58. Parteigenossinnen in D r e s d e n und Umgegend: Der Parteitag wolle die siieichslags-Fraklion beauitragen, dabin z» wirken, daß weibliche Fabrikinspektoreu angestellt und auch alle kleinen Betriebe revidiri werden. 71. Parteigenossin des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises:„Der Reichstagsfraktion ist zu empfehlen, die Wiedereinführung der dreijährige» Legislaturperiode zu beantragen". 88.(An stelle des Antrages 65.) Die sozialdemokratische Fraktion z» ersuchen, aus baldigste Aend.runp der Seeuiannsordnung im Sinne der von der sozialdemokratischen Fialiton als Initiativ- antrag eingebrachten Seemannsordnung hinznwirlen. P. Hoff- man». G B l u m e. P.W ein heb er Stollen. L Grün- w a l d t. W M e tz g e r. L. Z i e tz P. W i l in. R. Patzer. D i etz. B e s ch i n g. Müller. B e h n k e. W i l h. M e y e r. Aug Brei. S l a d t h a g e n. A. v. E l m.£>' S l e i n b a ch. Theodor S ch w a r tz. S2. I. Die Fraktion wird beanslragt, im Reichstag sofort nach dessen Zusammentritt de» Antrag einzublingeu, daß die Aus- schließnng des Gewerbegerichts durch Bereiubarut-g der Parteien für»ngiltig erklärt werde. H o cd. II. Die Fraktion wird beanitragt, im Reicks lag dahin zu wirken, daß es den Ge>vcrbe-Jnspekioren als Pflicht auferlegt werde, bei jedem größeren Streik behufs Anbahnung eines Ver- gleiches mit beiden Parteien in Unterhandlung zn treten. Hock. Die Unterstützung reicht für säinintliche Anträge aus; sie werden zur Diskussion gestellt. Die Debaite wird eröffnet. S i n d e r m a n n- Dresden: Die letzte Reichslagssession war, darin sind wir wohl alle einverstanden, für uns srnchtreich und die Fiaktiou hat ihre Schuldigkeit gethan. Vennißt habe ick nur. baß die Fraktion nickt zum d e» t s ch- a m e r i k a n i s cd e n Handelsvertrag Stellung genommen hat. Der in Aussicht genommene giedner Schippe! war erkrankt. Künftig muß dafür gesorgt werden, daß ein zweiter Redner bereit gestellt wird. H o f s m a n n- Hamburg: Ter Antrag 83 ist überflüssig. Die Regierung hat die Aenderuug der Secinanusordnung bereits in An- griff genoininen; eine technische Kommilsion ist einberufen und be- ichäitigt sich auch mit nnsern Vorschlägen. Enipsehlcuswerth wäre cs aber, wenn die Fraktion gelegentlich eine Jnierpellalion an die Regiernng richtete, um den Gang der Dinge, der bekanntlich sebr langsam ist, zu beschlcunigen. Wie verbesserungsbedürftig die jetzige S e e in a n n s o r d n u n g ist, dafür einige Beispiele. In Malaga wird ein Seemann von dem ersten Maschinisten so in den Leib getreten, daß die Uhr eingedrückt wird. Trotz einer Anzeige ist keine Strasverfolgttiig eiiigelreten. Der Staalsanwall lehnt« ein Einschreiten ab. Erl! aus dein Zivilprozeßwege kam der Besckädigte z» seinem Rechte. Ter Verletzte niiißte aber erst nachweisen, daß die Tbat auch »ach den Gesetzen des Landes, wo sie geschehen, strafbar sei. Nachdem ein Jahr über der Anwendung aller dieser Rechtsmittel verstrichen war, kam ein Vergleich zu stände. Ter Maschinist iprach sein Bedanern über die Tbat auS, zahlte ihm 30 M für die beschädigte Uhr und trug säinintliche Koste», auch die des geguerischen Rechlsaiiwalls. Solche Fälle ließen sich hundertfach ansübren. Durch die SeemannSordnnug läuft wie ein rolher Faden die freie Vereinbarung. Nach 8 43 der SecmaunsordiiUiig haben die Rheder die Kosten der Heilung eines erkrankten See- iiianus während dreizehn Wochen zu tragen. Als»im ein Seemann erkrankte, ging er zunächst auf Kosten seiner Kasse ins Krankenhaus. Als er eiitlassett wurde, verlangte ez von der Rhederci die Bezahlung der Arankenhausrechnung. Die Rhederei weigerte sich. Es kam zum Zivilprozeß und der Secmaun wurde ab- gewiesen, weil der Heuerbaas beschwor, daß er nur deshalb angiinilstert worden sei. weil er Mitglied einer Krankenkasse war. Das Anitsgerickt und das Landgericht erklärten, daß die Rheder von der Verpflichtung des 8 � der EeeniannSordnung frei sein wollten. Durch die freie Vereinbarung wird der 8 48 also illusorisch geniacht. Wie schädlich wirkt diese Bestinuniing, zumal manche Krankheiten erst zum Vorschein kommen, wenn der Seenmim abgemustert ist. So wie wir also die vorsiulflulhliche Gesiude-Ordnuug bekämpfen, so müssen wir auch die Älenderuiig der Seemnnnsordnung in unserem Sinne erstreben. Und zwar muh diese Aendernng baldigst er- folgen. Hieizn soll die Fraktion durch ihre Interpellation bei- tragen. Tie Veihältuisse müssen besser werden. Die Vorschläge der technischen Kommission stellen nur ein Minimum von Verbesserungen vor. Im großen«nd ganzen bleibe» die Uebelstäude bestehen. Nehmen Sie also meinen'Autrag an. H ä n i s ch- Leipzig spricht für den Nulrag 55. Eine aus- sührliche Begründung dieses Antrages, der sich mit der mißbrauch- lichen Anwendung des 8 l23 der Gewerbe-Ordnung befaßt, erübrigt sich wohl. Die Handhabung dieses Paragraphen bei der Recht« spreckung der letzten Zeit ist geradezu zum Skandal geworden. Seit das Wort gefalle» ist, die schwersten Strafen sollen denjenigen treffen, der einen anderen an freiwilliger Arbeit verhindert, ist die Recht- sprcchuug eine ungeheuerliche geworden. Allein in den vier bis fünf Wochen während des Leipziger Manrerstreiks sind nach einer flüch- tigeu Ausstellung, die durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht, nickt weniger als 4 Jahre 4 Monate 27 Tage Gefängniß verfügt worden. (Privatdepeschen des„Vorwärt S".) Dazu kommt noch eine große Reihe zum theil sehr hoher Geld- strafe». Ich erluche sie um einstimmige Annahme des Antrages der Frau Eichhoru-Dresden. Tie Parteigeuossinue», die den Antrag 53 eingebracht habe», sind wobt noch nicht tauge in unserer Bewegung, sonst würde» sie wissen, daß schon seil langer Zeit diese Forderungen von uns in den Parlamenten erhoben werden. Gegen den Antrag in einer Versammlung i» Dresden zu sprechen ivar mir nicht mög- licki, da nach dem sächsischen Vcreiusgesetz die Versammlung sofort ausgelöst worden wäre. Hng-Bant: Am 23. und 24. März hat Genosse Metzger im Reichslage Klage gefühlt über die Entlassung von Werftarbeitern aus der königlichen Werst in Wilhelmshaven. Von den Redner» ter Partei des Königs SIumui, den Zlntisemiten und an« deren Parteien wurden diese Enllnssungeu sür gerechtscriigt erklärt, weil man Sozialdemokraten auf der Werst nicht zu dulden brauche. Der Marineimnister Hollmann erklärte die Angaben Metzger's sür , aisch, die Arbeiter also, die ihm die Mitlheilnngen gemacht hatten, sür Lügner. Hieraus hat unsei Berlreler zu erwidern unterlassen; die eutlafseneu Arbeiter erltären aber, daß die Angabe» des Staats- sekrctärs Hollniann absolut unrichtig waren und daß seine Jnforma« tioncn ans Unwahrheit beruhten. Sie sind keineswegs sämmtlich Sozialdcinokraten und haben keineswegs innerhalb des Betriebes sozialdemokratische Agiiation betrieben. Der wirkliche Grund der Entlassung ivar nicht, wie angegeben wurde, Mangel an Arbeit, denn da entläßt man nicht gerade die tüchtigsten Arbeiter und Leulc. die schon 17 Jahre und mehr im Betriebe lhäiig wcne». Der wirkliche Grund war offenbar, daß aus Wilhelmshave» eitle dcdeulcnde Summe für den Hamburger Haseuarbeilerstreik abgegangen war. Die Werftdirektiou hat offen- sichtlich beznblle Delnlorcii in ihren Diensten gehabt. Ich erwarte von unseren Bertrelern im LieichSlag, daß sie in der nächste» Session aus die Sacke zurückzukommen. Hoch-Hanau: Mein erster Antrag zu Nummer 92 ist ver- anlaßt ivorde» durch Vorgänge in Leipzig, wo ein Fabrikant tu seine'Arbeitsordnung einen Passus ausnahm, der die Kompetenz des Geu-erbegerichls bei Slreiligkeile» mit seinen Arbeitern ausschloß. Das Geiverbegerichl erklärte sich sür unzuständig,»nd in der That eiilbäU das Gesetz eine Lücke, die beseitigt werden muß. Den iweiten Antrag habe ich eiugebrackt, weil nuser Gewerbe- I Inspektor während des langdanernbe» Streiks der Diamantarbeiter >» Hanau sich in keiner Weise um die Sache bekümmert und auch nicht den geringste» Veri. ch gemacht hat, mit den Arbeitern in Ver- bu, bimg zu lreicu. Iii Preußen hat die vermittelnde Thäligkeit der Fabrikiuspeklorcu bei Streiks i» vielen Fällen segensreich gewirkt, darum ersuche ich unsere Vertreter im Reichstage, diese Angelegen- heil zur Sprache zu bringen und darauf zu dringen, daß unserm Geiverve-Juspekior eine einsprechende Instruktion eriheilt wird. B a r i e l s« Lübeck: Die Aulräge 55 und 56 decken sich. Wir Lübecker Genossen sind besonders gewabr geworden, daß das Koalitionsrcchl der Arbeiter nur auf dem Papier sieht. Wir hatten in eiinm L6ivöch'ge» Streik der Arbeiter der Tbiel'schen Emaillir- werke 22 Jahre Gefängniß zu verzeichnen. Das Wort„Psami- knchen" kostete einem'Aibcitcr. der es cineiii Streikbrecher zurief, 14 Tage Gefängniß.?lus Slreikposten-Stehen wird mit 35 Tagen Haft bestraft. Wir habe» alles Malerial der Fraktion geschickt. Bei Zusamnienlrill des Reichslagcs muß die Fraktion interpelliren. Die Zustände sind unhaltbar. Wir müssen hören, was wir in Sack-cn deS Koaliliousrechtes zu ermarlen haben. Es muß einmal zur Sprache gebracht werden, wie i» Gerichlsurtheilen der Umsturz bekämpst wird.— Der Rediier empfiehlt den'Antrag 71. B a u d e r l- Apolda: Ich bitte um Ablehnung des Antrages der Dresdener Genossin»«». Durch die bürgerlichen Zeitungen und einen Theil unserer Parteipresse ist die falsche Miltheilimg gegangen, daß unserem Fabrikinspeklor eine Assistentin beigegeben sei. Es war aber nicht eine Assistentin gewählt von den Arbeiterinneii. sonder» eine Dame, von deren Assislenteueigenschast, wenn sie in Äegleilung des Fabrikinspektors reiste, die Arbeiterinnen keine Ahnung halten. So also, wie der Dresdener'Anirag gestellt ist, hat er keinen Erfolg. Es»mßle ausdrücklich betont werden, daß die Assistentin von den 'Arbeiterinnen gewählt werden soll. W e n g e l s- Berlin: Ich Halle es für selbstverständlich, daß ber Parteitag den Antrag 41 aiiminint. Fran Zieh- Hamburg: Das reiche Malerial. daß dafür an- geführt ist. beweist, wie»oihivendig es ist. de» von den Genossen des 12. und 13. sächsische» Wahlkreises gestelllcn Antrag nnziuiehmen. Nicht auS dem Grunde, weil ich mir viel davon verspreche, sondern aus agilnlorischeii Giüude» muß nusere Fraktion im Reichslage es zur Sprache bringen, daß die Unternehmer ungestraft dasselbe'thnn lönnen. was bei den Arbeitern mit schweren Slrase» belegt ivird. Sie wisse» ja, daß es nur dem vielgeiiannle» Schweineglück der Sozialdemokialie zu danken ist, daß die Anträge ans Verschärfung des 8 1�3 seiner Zeit nicht angenonnne» wurden. Es fiel uns damals das Material in die Hände, das unter dem Namen„Ein Komplott gegen die Arbeiterschast" herausgegeben wurde. In unserer Presse wird ja täglich daraus hingewiesen, wie mit zweierlei Maß gemessen wird; aber es ist weit wirkungsvoller, wenn von der Tridüne des Reichstages herab ein solches Verfahren gebrandinarkt wird. (Beifall.) Leid-Berlin VI: Wir sollte» uns mehr darauf beschränken, der Fraktion Anlegungen z» geben. Wenn wir>ms mit jedem einzeiiien Wunsch hier beschäftige», dann wird der Parteitag auf ein Niveau herabgedrückt, das seiner nicht würdig ist. Findel sich eine Geleaeuheit. so wird die Fraktion schon die Wünsche ilnserer sächsischen Genossen berücksichtigen. Es genügt, die Anträge der Frallio» zur Berücksichtigung zn überweise». K ä p v l e r- Altrnblirg: Ich bin von Seilen verschiedener deutscher Miihleiiarbeiter ansgejordert worden, der Fraktion de» Dank für ihr energisches Anslieten zu gnnsten der Mühlenarbeiter auszusprechen. Ich bitte, daß die Fraktion durch eine Interpellation anfragt, weshalb die Bestliiimnngen über die Sonntagsruhe für die Müller so verschiede» gehandhabt werden. So wird die Saale tu ihrem Oberläufe für ein bcständiges Wasser erklärt und die Soniitagkriihe gilt für die kleinen Bockmnhle». Für die groß« Böbliuger Mühle, die hundert Arbeiter beschäftigt, wird die Sonnlagsarbeit aber zugelassen, weil die Saale ein unregelmäßiges Gewässer sei. Die Böbliuger Mühle aber liegt weiter nuten an der Saale.(Heiterkeit.) Auer: Durch die NiiSsuhruiigen des Genosse» Hug veranlaßt. gehe ich auf einen Vorgang ei», der die Anfmerksainkett der Genossen im bohe» Maße verdient. Hug hat den Verdacht ausgesprochen, daß sich unter den Werftarbeitern Wilhclmshaven's Delatoren befinden, die Arbeiter, die sich im Dienst der Partei bemerklich machen, denunzirt haben. Ich glaube nun eine Thaisache mittheilen zu können, welche diesen Verdacht fast zur Gewißheit machen. Es ist jiüt von Irgend einer bestimmten Stelle vor einigen Monolen die Mitthnlnng gemacht worden. dast Singehörige der Berliner Polizei nach süddeulsche» Orlen gegangen sind, um dort in Fabriken alS Slrbeiler einzutreten. ES wurde mir c'"e Fabrik bestimmt genannt, und zivar die eines süddeutschen Großindustriellen, der soivohl im polilischen als auch im sozialpolitische» Leben eine hervorragende Nolle spielt. Die Person, die in die Fabrik eingetreten sein soll, wurde lnir so gekennzeichnet, daß es möglich war, sie, wenn sie wirklich existirle, feslzustellen. Nachdem ich mit meinen Höheren Kollegen im Parteivorstande über die Sache Rücksprache genommen halte, habe ich mich an den Ge- Nossen Drceibach gewandt, ihm Millheiliing davon gemacht und ihn ersiicht, er möge, wenn es irgend angeht, feslsteNe» lassen, ob in die betr. Fabrik in letzier Zeit eine solche Person in Zlrbeit getreten sei, um, wenn das der Fall wäre, die Arbeiter der Fabrik vor diesem eigenthümlichen Mitarbeiter zu warnen. Ich betone ausdrücklich, da ich den Namen Drecsbach genannt habe, daß es sich hier nicht um eine Mannheimer, überhaupt um keine badische Fabrik handelt. Damit will ich nicht sagen, daß dort solche Fälle nicht vorkommen, aber was ich nicht beweisen kann, wage ich auch nicht zu behaupten. Dreesbach hat die von mir gewünschten Untersuchungen nngestellt, und es hat sich ivirklich ergebe», daß in die betreffende Fabrik zu der mir mit- getheilten Zeit die betreffende Person mit allen mir mitgetheilte» Merkmalen eingetreten ist. Die Aiigab« hat sich also bewahrheitet. (Pfui!) Sie sehen daraus, mit ivelchen Mitteln gegen uns ge- arbeitet wird. Es ist angebracht, daß von dieser Mitlheiluug de» Arbeitern weitgehendste Kenniniß gegeben wird, damit sie Gelegen» heit haben, vorsichtig zu sei».(Beifall.) K a n d t- Rostock: Da das KoaliiionSrrcht der Arbeiter so gut wie illusorisch ist, Halle ich es für nölhig, die AnlrSge 55 und 56 anzunehmen. Unsere Fraktion muß im Reichstage solche eklatante Fälle zur Sprache bringen. Ich erinnere nur an den Tischlerstreil in Rostock, Ivo die Streikende» die Zureisendeu bewegen wollten, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Gesetzlich ist das erlaubt, aber die Polizei stellte neben jeden Streikposten einen Polizisten und verhinderte so die Streikenden an ihrem Vorhaben. DaS Fixiren der Zureiscnden durch die Streikenden wurde als grober Unfug er- klärt.(Heiterkeit.) Und bei der Art der Auslegung des Begriffs grober Unfug sollte es mich nicht wundern, daß man es schließlich noch als groben Unfug erklärt, wenn man den Arbeitswilligen den Hintern zudreht.(Heilerkeil.) Ich bin überzeugt, daß unsere Fraktion die hier vorgebrachten Wunsche berücksichtigt und energisch für die Anträge eintritt.(Beifall.) Gewehr- Elberfeld: Den sozialpolitischen Drang des Genossen Hoch bekämpfe ich durchaus nicht. Ich halte es aber für verfehlt, bei jedem Streik den Gewerbe-Jnspeltor einzuladen. Im Westen Deutschlands würden die Arbeiter dabei bei der Rücksichl- »ahme der Fabrik-Jnspektore» gegenüber den dortigen Fabrikanten den kürzeren ziehen. Eine Anfrage möchte ich an den Referenten richten: Nach einem Bericht der„Freisinnigen Zeitung" hat Engen Richter in einer Rede in stienischeid behauptet, die Sozialdemokraten im Reichstag hätten sich mit der letzten Militärfordernng von 176 Millionen stillschweigend einverstanden erklärt, sie hätten sich unter der Hand mit de» anderen Parteien geeinigt, daß die neuen Kanonen in Arbeit gegeben werden sollten. Ich habe die lieber- zengung, daß Engen Richter, wie so oft. ganz gewaltig geflunkert hat. Ich erwarte von Schippel, daß er i» seinem Schluß- wort diese Flunkerei zerstört. I m g e r- Solingen: Bei der sozialpolitischen Gesetzgebung im Reichstag müssen unsere Genosse» scharf anfpassen, daß die humanen Absichten der Arbeiterschutz- Gesetzgebung nicht illusorisch gemacht werden. Da? Vertrauen der Arbeiter in die Fabrikinspeklore» ist ja im allgemeinen kein sehr großes, aber rühmliche Ansnahmen gicbt es doch; so war es früher bei»nS in Solingen. Unser Fabrik- infpektor nahm die Wünsche der Arbeiter entgegen, er nahm sich ihrer an. Die Folge war ein Rüffes von der Regierung und Ein- Versetzung, die Fabrikanten wandten sich gegen seine Thätigkeit. Unsere Vertreter müssen diese Sache in geeigneter Weise im Reichstag verfolgen. K» ü p f e r- Verlin: Ganz besonder? lege ich ihnen den Antrag 56 aus Herz. Betreffend die Handhabung des Z 152 der Gewerbe-Ordnung. seit das Wort von den schwersten Strafen für die Hinderung Arbeits» williger gefallen ist, wird die roheste Gewalt gegenüber streikende» Arbeitern seitens der Fabrikanten augewandt. In Verlin wurden Arbeiter verhaftet, die nichts weiter gethan haben, als am Bahnhos angekommene Slrbeiler darauf aufmerksam zu machen, daß ein Streik in Berlin stallfindet. Ein Fabrikant hat einem der Arbeiter den Arm zerschlagen. Es mnß darauf gedrungen werden, daß das Koalilionsrecht der Arbeiter gewahrt bleibt. A lb r e ch t- Halle: Ich hätte mich nicht zum Wort gemeldet, wenn nicht beantragt wäre, alle Anträge der Fraktion zur Er- wägung zu überweisen. Das geht nicht bei so wichtigen Anträgen, wie sie vorliegen. Wir müssen feste Direktiven geben. Eine Jntcr- pellalion über das Koalitionsrecht ist absolut nothweudig. Die Anträge 65 und 56 müssen sofort angenommen werden. Bebel: Die Stellung der Fraktion zu den Anträgen wird Schippet nachher darlegen. Mich hat auf die Tribüne die Aenßcrnng des Genossen Gewehr verführt hinsichtlich deS Verhaltens der Fraktion gegcnüter der Forderung von neuen Kanonen— übrigens nur einer Rate von ungefähr 44 Millionen.— Seine Darstellung ans grund deS Berichts der„Freisinnigen Zeitung" ist absolut unrichtig. Wie sich die Fraktion zu dieser Frage gestellt hat, geht aus der Er- klärnng hervor, die ich im Namen der Fraktion bei der damaligen Berathnng im Plenum abgab. Diese Aeußernug bezieht sich offenbar auf Vorgänge in der Budgelkommission. Dort verlangte der Kriegs- minister, daß, bevor er auf eine ausführliche Begründnng der Forderung eingehe, die Kommissionsmilglieder säinmtlich sich ver- pflichten müßten, von den Verhandlungen kein Wort an die Oeffent» lichkeit zn bringen. Es war also eine Ehrensache für uns. die wir der Kommission angehörten, diese Erklärung abzugeben, denn sonst hätten wir den Saal verlassen müssen, während wir naturgemäß ein Jntereffe daran hatte», zu bleiben. Eine derartige Verpflichtung wird auch bei sonstigen Gelegenheiten, wenn es sich z. B. um wichtige Staatsgeheimnisse handelt, übernommen. Wir haben in der Koni- Mission hernach ebenso gegen die Forderung gestimmt wie im Plenum. Wurm: In letzter Zelt weigern sich die Fabrikinspektoren, mit den Kartellen in Verbindung zu treten. Es sind nun schon von Legicn und mir in dem„Korrespondenzblatl der Gewerkschaslen" und im„Vorivärts" die Gewerkschaften aufgefordert, und ich richte diese Forderung auch hier an die Genoffen, an allen Orlen an den Fabrikinspeklor ausdrücklich die Frage zu richten, ob er bereit ist, sich mit ihnen in Verbindung zn sehen. Keine Antwort wäre in diesem Falle auch eine Antwort. Wie die Dinge heule liegen, ist ja gar nicht daran zu denken, daß wir zum Beispiel erreiche», daß die Fnbrikinspcktionen durch Arbeiter verstärkt werden. Ich muß lobend hervorheben, daß in Süddentschland einige Gewerbe- Inspektoren zu der Einsicht gekommen sind, daß sie. ohne die Ai beiler zn befragen, ihre Aufgabe gar nicht er- füllen können. Und auch in Preußen hat es an einigen Orte» solche gegeben. Im letzten Berichtsjahre sind sie aber verschwunden: Es scheint abgewinkt worden zu sein. Im Elsaß haben die Fabrik- inspckloren es auf direkte Anfrage venveigerl. Sorgen Sie also für Material, auf grund dessen wir vachweisen können, ob es sich bei der Gcwerbe-Jnspeklion nur um ein Schaugerichl für die Arbeiter handelt. Damit schließt die Diskussion. Das Schlußwort erhält Schippel: Ich will mit ein paar Worten Bebel's Erwiderung auf Gewehr'? Ausrage ergänzen. Die „Remscheider Zeitung" hat Richter's Worte ganz richtig wiedergegeben. Der Kriegsminister Halle im Dezember in der Budget- kommission vertraulich erklärt, daß eine neue Artillerie- A n s r ü st u n g im Werke sei. und daß Teutschland dadurch einen Vorsprnug erhallen werde. Diese Miltheilungen waren durchaus vertraulicher Art. Richter hat nur gesagt, die Sozialdemokraten hällen versprochen, von der Sache kein Wesen zu machen. Das heißt doch nichts anderes, als daß wir vertrauliche Millheilmigen Veraniwortlicher Redakteur: Rngnst Jacobry in>l nicht in die Oeffeuilichkeit bringen wollten. DaS ist ,i» Gebot der Ehrenhaftigkeit, wogegen kein Genosse Widerspruch erheben wird, lind wenn wir auch in der Ocffentlichteit kein Wesen von der Cache gemacht haben, nun. Eeuofsen, so müssen wir unS klar darüber sein, daß wir ims hier in einer Zwickmühle befinden. Wir habe» die Soldaten nicht bewilligt, aber sie sind einmal da. Für Milizaniräge und Abschaffmig aller stehenden Heere ist keine Mehrheit vorhanden und in absehbarer Zeit auch nicht zn schaffe». Das ist eine Thatsache, die uns sicherlich un> angenehm ist. mit der wir aber rechnen müssen. Sollten wir nun, weil die bürgerlichen Parteien uns nicht unseren Willen thun, die deutschen Arbeiter, gleichsam zur Strafe, vor die Gefahr stellen, daß sie mit ihrem Blut den Unverstand der Gegner einmal zn büßen haben? Das wäre widersinnig und gegen die Jnter- essen der Arbeiterklasse gehandelt. Ten Kampf gegen den Militarismus führen wir bei anderen Gelegenheiten, wo wir uns vor unserem Gewissen ke'tncu Borwnrf zn machen haben. Wir führen ihn bei allen guten Gelegenheiten, aber hier wäre es der denkbar schlechtest gewählte Moment gewesen. wenn wir gegen die Bewilligung der Arlilieriesorderung aufgetrelen wären. Dann eine Erwiderung an Genossen Sind ermann, der sagte, ich wäre bei der Tcbatle Über die Zollkämpfe znin Referentc» bestimmt und hätte das Referat ans Gesundheilsrücksichten nicht gehalten. Rein, das ist nicht richtig. Die Fraktionen konnten nicht wissen, daß die Interpellation so rasch kommt; man nahm all- gemein an, daß sie nicht kommen würde. Ich hätte aber das Referat jedenfalls abgelehnt, denn ich habe es stets abgelehnt, bei olllämpfen zu sprechen, bei denen ich mir sagte, daß nicht nur das ntercsse der deutschen Industrie, sondern auch da? der deutschen Judustrir-Arbeiter ans dem Spiel steht. So einfach liegen die Dinge nicht. Ich bin doch nicht gewählt in erster Linie als internationaler Freihändler, sondern als Bcrlreler der Klasse der Judnstrie-Arbeiler. Ich bin auch tnlernational so gut wie einer, aber die Jnter- Nationalität beruht doch ans Gegenseitigkeit. Und wenn ich ein Ausland habe, das fortwährend gegen uns ungerecht ist, so besteht doch die Jnternatioualitüt nicht darin, daß ich fortwährend den auswärligen Bourgeois lobe und über den deulschen herfalle. Gerade Amerika gegenüber sind wir Deutsche doch immer noch der bessere Theil. Dort ist die Steigerung der Schutzzölle unnnterbrochen vorwärts gegangen. Wir haben die Gelretdezölle herabgesetzt, haben den Anienkmiern durch die Gewährung der Meistbegünstigung alle möglichen Vorlheile eingeräumt. während sie»uferen Export fortwährend gdnrch neue Zölle beschränkt haben. Da bin ich doch international genug, um zu sage», in solchem Moment schlage ich nicht auf die Deulschen loS, sonder» auf den, der die größere Ungerechtigkeit verübt hat, nnd das ist nach meiner Meinung nicht Deulschland gewesen. Ans diese» Gründen würde ich eS abgelehnt habe», ein Referat zu übernehmen, und das war auch weiter kein Unglück. Denn ei» solcher Moment wäre der denkbar schlechteste gewesen, gegen unsere deuische Schutzzollpolttik vorzugehc», um der amenkanischeu zu nützen. Bvu de» vorliegenden Anträgen ist der Antrag wegen der w e i b- l i ch« n F n b r i k i» s p c k t o r e n zurückgezogen. Den Antrag Bändelt würde ich empfehle», der Fraktion zur Berückstchliguug zu überweisen. Eine Meimmgsdiffereuz besteht ja hier nicht. Den Antrag 57, der sich nicht verwirklichen läßt, bitte ich zuriick- zuziehen. Natnrercignisse könne» wir eben nicht voraussehen. Wir würden durch die Einstellung von Mitteln in de» Etat der Regierung nur Geld zur Verfügung stelle». Man weiß ja, daß vieles davon später für Zwecke gebraucht wird, die wir nicht biliigeu. Der Begriff„unvorhergeseheue Ereignisse" würde dann sehr weit ausgedehnt. Vielleicht ist die Aukuust cineZ Prinzen ein un- vorhergesehenes Nalurereigniß(Heiterkeit), wosür die Gelder dann verbraucht werden. Dan» bitte ich auch abzulehnen den Antrag 62, zum mindesten den zweiten Theil, wonach der Geiverbe-Jnspektor immer verpflichtet sein soll, Ausgleichsverhandlunge» herbeizuführen. Dem Grundgedanke» kann man ja zustimme», aber durch den Antrag würden wir nur das An- scheu der Fabrikiuspektoren erhöhen, die ans feiten der Arbeitgeber stehen. Wenn sie de» Autrag 73 der Fraklio» zur Berücksichtigung überweisen wollen, so thu» sie es; nützen wird es aber nicht?, denn wir werden nns in nächster Zeit mit wichtigeren Frage», als mit der Dauer der Legislaturperioden zu beschäfligen haben. In bezng auf den Antrag 88, der die Seemanns- Ordnung betrifft, ist die Fraktion und auch die Parteileitung mit dem Antragsteller einer DIeiunug. Ich bin ermächtigt, zu er- klären, daß auch der nächstens tagende Seemauustng von drei Ver- Irelern der Porteilrituug besucht werden wird. Auch über die Au- träge 55 und 56 besteht keine Meinungsverschiedenheit. Die Fraktion hat' ja die Handhabnug tes K J58 fortwährend zur Sprache ge- bracht, bei der Bercinsgesetz-Debatte, beim Hafenarbeiterstreik und bei anderen Gelegenheiten. Sie hat also nicht versäumt, ihre Pflicht zn thun. Ich bitte Sie, die Anträge, mit denen ich mich einverstanden erklärt habe, der Fraktion nicht als Aufgabe zn überweisen, sondern zur Bernckstchtiguiig je nach den parlamentarischen Verhältnissen. Persönlich erklärt Gewehr, er habe mil seiner Aenßerung, betr. die Kanonenbewillignng, nnr verhüten wollen, daß im Lande die Meinung verbreitet wird, als seien unsere Vertreter im LIeichs- läge stillschweigend darüber hinweggegangen. Ans die Taktik Schippel's in betreff der Mtlilärpoliltk, die er bedauere, werde er später eingehen.(Zustimmmig.) Die Abstimmung ergiebt, daß die Anträge 55, 56, 57, 58, 71, 88 nnd 32 der Fraklion zur Berncksichligung überwiesen werden. De» nächsten Punkt der Tagesordnung bilden die bevor- stehenden Reichstags wählen. Als Berichterstaller erhält das Wort Bebel: Parteigenosie»! Genosse Mokkenbnhr hat bereits in seiner Eröffnungsrede ans die große Wichtigkeit der kommenden Rcichstagswahle» hingewiesen. Sie werden wichtig nickt ,nnr für nns, sondern für die Entwickelnng der Dinge in ganz Deulschland sein. Reichstagswahlen sind sür nns als Kampfpartei immer dos wichtigste Ereigniß gewesen, weil sie nns Gelegenheit gebe», für unsere Ideen nnd Forderungen mit allem?!achdr»ck einzntrcten, weil wir an dem Wahlergebniß konstatiren können, wie die Eni- Wickelung unserer Partei in dem abgelnuseneii Zeilraum gewesen ist; sie waren nnd sind uns der Gradmesser, wie weit die Partei ans ihrem Vormarsch zum Siege vorgedrungen ist. Von diesem Ge- sichispunkte auS haben wir schon im Jahre 1867 die Wahlen als beste Gelegenheit betrachtet, unsere Kraft zu messen. Immer ist unser« Wahlparole gewesen, allüberall da, wo die Möglichkeit besteht, Kandidaten aufziistelle». Zweifellos wird auch dieser Parteitag in gleichem Sinne beschließen. Es liegt nicht in meiner Absicht, eine große politische Rede über die gegenwärtige Situation zn kalten. Rur einige Gesichtspunkte will ich für die ganz besondere Bedeutimg der nächsten Reichslags-Wahlen anführen. Gewiß war auch sonst Anlaß für die Partei gegeben, nni äußerster Krastanstren- gung i» den Wahlkampf einzuireten. Erinnern wir nns an 1873, an die erste nnd an die zweite Auslösung des Reichstages mit dem ausgesprochenen Zwecke, ein Ausnahmegesetz gegen nns zu erlassen nnd einen gesüaigen Reichstag zn schassen, der auch den übrigen reaklionären Maßnahmen der Regierung zustimmen würde. Es gelang bckauullich, nicht nur das Sozialistengesetz, sondern auch die reaktionären Zoll- und Steuergesetze wurden bewilligt, Gesetze, unter denen wir heute noch schwer seufzen. Denken wir dann an die unter schwerem äußeren und inneren Druck vollzogenen Wahlen von>887, die unS den Kartell- gleichslag brachten. Ebenso stand eS 1393 bei der Auslösung, zn der auch wieder eine Militärvorlage Ver- anlassnng gab. DicSmal ist der Reichstag zum ersten Male feit der reaktionären Verlängerung der Legislaturperioden fünf Jahre zusammengeblieben. Nach Ablauf der Wintersession werden die allgemeinen Wahlen vorgenommen werden.(Ruf: Abwarten!) Geiviß kann ich das nicht beschwören, es ist ja auch für unS ganz gleich. Wir treffen ja heute die letzten Vorbereitungen für die Wahlen!(Bravo!) In dem Moment, wo aufgelöst würde, ständen wir auch kampfgerüstet da.(Bravo!) Ich habe ja auch erlin. Für den Jnseraleutheil verantwortlich:?h. Glocke in Ber' nur eine B«rnnith»»a ausgesprochen nnd habe meine Gründe dafür. Ich glaube nicht, daß die Regierung jetzt nach einem Konfliklssloff lüstern ist, der nur den Oppositionsparteien angenehm war. Ich kann mich ja in der Weisheit der regierenden Männer tätlichen(Heiterkeit), na, dann ist es ihr Schade und unser Vortheil. Zweifellos war die Verlängerung der Lsgis'ainrperioden ein Angstprodukt, ein Produkt der Angst vor der Sozialdemokratie. Das allgemeine gleiche Wahlrecht istder weitaus größten Zahl der bürgerlichen Parteien im tiefste» Innern verhaßt. Wäre es ihnen möglich, daS Wahlrecht zn beseitige», ohne selbst ihr politisches Ansehen zn unter« graben, sie»hüten es. Es kann ferner keinem Zweite! unterliegen, daß in den maßgebenden Kreise von der höchsten Peison bis lief herunter die Ueberzengung besteht, daß ans die Dancr das Tenijche Reich nicht bestehen kann mit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht, daß es nothweudig ist, die erst« Gelegenheit zu ergreise», um es zu beseitigen. Das ist nicht blos meine Meinnug! Heute hat ein Redner gemeint, es hätte mir beliebt grau in grau z» malen. Wenn der verehrte Genosse Gelegenheit haben wird, in den Wal?!« kämpf mit einzugreifen, dann wird er geuölhigt sein, uocb weit nietir grau in grau zn malen und er wird nicht übertreibe», joiidcr.i blos der Wahrheit die Ehre geben. Allmälig ist es im Deuische» Reiche dahin gekommen, daß feil st unseren Gegnern vor der Zukunft bange zn weiden ansängt, bei nuseren inneren politischen Zuständen hat sich«in solches Maß von Unzufrieden» heit, Unsicherheit und Hoffiinugslosigkeit nicht bei nns, sonder» bei den Gegnern angesammelt, daß die Ueberzengung allgemein herrscht, so kann es nicht iveitergehcn. Kein Zweifel, die nächsten Wahlen werden von nmso ansschlaggebender Bedeutung sein, als nicht nur eine einze'ue Frage das deutsche Volk an die Wahlurne rusen wird, sonder» eine ganze Reihe von Fragen tiefernster und hochpolilischer Natur. Ter nächste Wahlkampf wird so intensiv werden, wie keiner vorher. Alle Parteien werden die größten Anstreugungen machen, sich z» be- haupten. Auch die wirthschastspvlitischen Fragen werden ihre Rolle spielen. In der nächsten Legislaturperiode muß der Abschluß der Handelsverträge wieder beschlossen werden. Unsere edelsten Junker stellen bereits mit der maßlosen Unverschämtheit, die wir an ihnen kennen, ihre Forderungen. Es wird sich also auch nm die Frage des Brotes für die Arbeiter Handel». Dazu treten eine groß« Reih« politischer Fragen in de» VorMergrimd- wir hören seit gerannter Zeit mit einer Uugenirtheit, einem Zijni»- »ms, wie er noch nicht da war, die Frage erörtert, ob nicht der deutsche Kaiser, iveiin der Reichstag Forderungen ablehnt, deren Bewilligung er für die Lebensfähigkeit des tiieiches für nothweudig erachtet, auf eigene Faust vorgehen soll. DaS hieß«, die R e v o l n l i o n von oben ins Werk zu setze», den Staats st reich aiisznfübren, um diejenige» Maßnahme» »unmehr au? eigener MachtvoNkvmmeiiheit und eigenem Willen von GoltcS Gnaden durchzusetzen, die man mit dem Wille» der Volksvertretung nicht durchzusetzen im stände ist. Jetzt, wo die Wahlen vor der Thür stehen, halten einzelne Parteien ja mit diesem Gedanke» zurück nnd versichern ihr« Ver« fassiingstrene. Wir wisse», was diese Versicherungen zu bedeuten habe», wenn es gelingt, die Wähler«iiizululleii. Wir haben ja bei jeder Reichstagewahl erlebt, daß daS stelige nnd rasche Wachsthum unserer Partei«inen tiefen Schrecken unter unseren Gegnern bis weit in die Reihe» der Opposition hinein er» regt; und wenn wir bei den nächste» Wahle», was ja jeder von nns hofft, wen» nicht mehr, so»iindesteus zwei Miiiivueii Stimmen und die eulsprecheude Wahl von Abgeordnele» erhalten werden, was meinen Sie wohl, was daS für einen Eindruck ans unsere Gegner, auf die geschworenen Feinde des allgemeinen SlimmrechlS machen wird! Und kann man sich darüber wunder»? Gerade diese unsere ruhige, gesetzmäßige Thätigkeit ist eS ja, die bei unseren Gegnern Grane» erregt.(Sehr wahr!) Wir könnten ihnen ja keinen größeren Gefallen thun, als auf dem Wege der Gewalt vorzugehen. Geht es aber so iveiter wie bisher, so könne» wir mit malhematischer Sicherheit berechueu, warnt das bis« herige Shstettt aufhört. Glatiben Sie da, daß dieietiigen, die ein von Gott geheiligtes Recht auf den Besitz der Macht und die Ge« nüsse zu haben glauben, es nickt darauf werden ankomme» lassen« nns zn provoztren? Das ist sür mich wenigsiens nnr«in« Frage der Zeit, vielleicht sogar der nächsten Zeit.(Sehr wahr!) Also diese Frage des allgettteiiten Wahlrechts nnd die Frage der bürgerlichen Freiheit überhaupt, werden in der nächsten Legislatur« Periode von der allergrößten Bedeuttuig sein. Ich frage Euch alle, wer von uns hat es sür ttiöalich gr hallen, daß wenige Jahre nach dem Fall des Sozialistengesetzes, wenige Jahre nach der Aettßmtttg, die der Kaiser gethan haben soll auf den Vorhalt: „Majestät, was soll werden 1"„Mein lieber Soundso, das überlassen Sie mir. mit der Cozialdentokrati« werde ich allein fertig," wer hätte eS, sage ich, gedacht, daß tttir vier Jahre darauf die Umsturzvorlag» in Szene gesetzt werde würde? Und jetzt wieder die Vereinsvorlag« in Preußen? Es ist doch kein Zweifel, daß nach diesem letzten Versuch der Gedanke, ans diesem Wege wetterzngeheii, nicht mehr erlöschen wird. Man will die Fortentwickelmtg des Staates auf dem Weg« der Nesortit, den wir vertreten, nicht, weil man sagt: auch dies« Wege führen schließlich in den Abgrund, und wenn einmal ein Ende sein soll, dann lieber ein Ende mit Schrecken. Dieler Optimismus ist also durchaus ungerechiferligt. Furcht will ich Euch nicht einjagett, oh»ein! Werde» wir zum Kampfe gedrängt, da«» bin ich auf dem Platze, dann käinpfe ich bis zum letzleu Atheittznge (Beifall)»nd die ganze Partei, sie tvird siegen oder untergeheu. Aber als Poliltker, als ernsthafte Männer, müssen wir doch den Dingen ins Gesicht sehen und haben danach unsere Schrille einzn« richten.(Sehr wahr!) Es ist zweifellos, daß, wenn sonst die Climmimg günstig ist, der Weg der Attnahmegesetzgebttttg noch viel lieber beschnllen wird. Für ihn sind die Nalionalliberalen ja sclion jetzt zn haben. Es ist also ganz selbstverständlich, daß wir unsere Stcllnng bei den Wahlen darauf«itizurichleit haben. Ich sctze es als selbstverständlich voraus, daß, wo eS nicht schon gcschchcn ist, die Anregung, die der heutige Parteilng giebt, die Wirkung haben würde, daß die tiölhigett Schritte zum Ausbau ber O r g a n i s a l l o n ergriffen, die » ö t h i g e n Mittel geschafft werden, die A» f st e l l n tt g der Kandidaten besorgt wird, lttrz daß alicS geschieht und daß auch die Parteileitung ihre Schuldigkeit thut, um der Agitation Material zu lieser». Ich glaube, auch die Frage, ob wir im Wahlkamps, wo wir keine Aussicht auf Er- folge haben, alS selbständige Partei vorzugehen haben, ist unbedingt zn bejahen. Nach einem Bcricl.t ber„Frank- furter Zeitung" sollte Frohine ans einer Agitationsionr in Bade» erklärt haben, wir müplen bei de» Reichslagsivahlett künftig dieselbe Taktik einschlagen, die für die pmtßischeit Landtagstvahle» vorgeschlagen wird, nämlich die, wo keine Aussicht sei sür den Sieg eines Sozinldeiiiokraien, eine»» gegnerischen Oppositionellen be« ditigtmgslos die Stimme zn gebe»(Frohtuet Nein!). Bitte, ich sage nur. das ist durch die Zeitungen gegangen und ich weiß bestiittutt. daß Parteigenossen das für wahr gehalten haben. Ich habe gleich gesagt, das kann Frohme nicht gesagt haben, und er hat mir vor« gestern auch erklärt, daß ihut dieser Gedanke selbstverständlich nicht i» den Sinn gekommen ist, und daß man höchstens bei der engeren Wahl einem andere» Kandidalen die Stimme geben könne. Das ist ja auchßdas, was uns heule beschäfligt. Ich habe in der Resolution, die ich im Anschluß an inein Referat Ihne» vorschlage. unter Ziffer 2 die Punkte sormnlirt, sür die sich gegtiensche Kandidalen. die sich nm unsere Slimttte» bei der Stichwahl be- werben,»»bedingt verpflichten müssen. Die früher vertreten« Anstcht, daß bei der ettgere» Wahl Stinimenlhallung geboten sei, hat man mehr und mehr als das denkbar Fchlcrhasleste ansgcgcbett, und unsere Wähler haben ja auch solche Beschlüsse nicht befolgt. Bei den Parteiverhüllnissen im Deutschen Reiche— und daran dürfte ein Gewinn für uns von 16 oder 15 und selbst, tvenn eS außerordentlich glücklich geht, von 36 Mandaten nicht viel ändern— wird die Entscheidung in wichligett Fragen immer nur von eines verhältnißmäßig kleinen Zahl von Slimmen abhängen. (Forlsetznitg im Hmtpiblalt.) in. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. Sr. 233. 11. mm. 2. KtlllP Der Fovmevftreik vov drnr Einigungsttmk« Gestern Vovmittng 10 Uhr begann unter starkem Andrang des Pubütunis und der Zliimesenheit zahlreicher Berichterstatter der zmeite Termin in Sachen des Formerstreiks. Vor Eintritt in die Verhandlung bemerkt der Vorsitzende v. Schulz, nach einem Bericht des„Vorwärts" habe Litfin am Sonntag in einer Metallarbeiter-Versammlung gesagt, es sei nicht gelungen, die nnmiltelbarc» Ursachen des Borsig'sche» Streiks vor dem Einignngsmnt festznstcllcn. Dazu habe er zu erklären, daß am Sonnabend festgestellt worden sei, die Borsig'sche« Arbeiter hätten verlangt, daß eine bestimmte Arbeit zu einem bestimmten Preise in der Fabrik angefertigt werden sollte. Litfin erwidert darauf, feiner Meinung nach hätten sich die Ansingen der Zlnskunftspersonen in diesem Punkt widersprochen, Es wird i» die Verhandlung eingetreten. Litfin erklärt namens der Streikenden zu den Einignngs- vorschlagen folgendes: Mit Punkt 1 und 2 der Vorschläge seien die Arbeiter einverstanden, im Punkt 3 wünschen sie, daß die Worte „nach Bedarf" und„möglichst" gestrichen werden. Die im Punkt 4 vorgeschlagene Einigung zwischen der Firma Borsig und ihre» Ar- beitern lnnsse stallfindcn, bevor die Arbeit ausgenommen wird. Andernfalls liege die Gefahr nahe, daß ein Tbeil der Streikende», wie man das bei andern Gelegenheit bemerkt habe, nicht wieder an- genommen werde. Kommerzienrath H e n n e b e r g, vom Vorsitzenden aufgefordert, die Erklärung der Arbeitgeber abzugeben, sagt, daß er Herrn Litfin überhaupt keine Antwort geben, sondern nur zu dem Einigungsamt sprechen wolle. Er legt dann die in der Generalversammlung des Ver- bandes der Metall-Jndnflricllen festgesetzten Einignngsbedingungen vor und betont, dieselben seien einstimmig gefaßt und drücken die Meinung der gesammlen Arbeitgeber aus. Der I. und 2. Punkt dieser Bedingungen decken sich niit den vom Einigungsamt geinachlen Vor- schlägen. Punkt 3 enthält folgenden Zusatz:„Es wird keinem der am gegenwärtige» Streik betheiligten Arbeiter, soweit er die Verpflichtung übernimmt, seine Mitarbeiter, die während des Streiks gearbeitet haben, dieserhalb weder durch Wort noch That, innerhalb oder außer- halb der Werkstatt zu beleidige» oder zu belästigen, von dem Arbeits- Nachweis des Verbandes Berliner Metallindustriellen der Arbeitsschein vorenthalten werden." Diese Bestimmung sei noth- wendig, um die treu gebliebenen Arbeiter zu schützen. Die Worte „nach Bedarf" und„möglichst" könnten nicht gestrichen werde», denn es sei, wie schon am Sonnabend erklärt, ein so bedeutender Thcil der Arbeit nach auswärts gewandert, daß es gar nicht möglich sei, alle Streikenden sogleich wieder z» beschäftigen. Wenn die Arbeitgeber erklären, daß sie die Streikenden möglichst und nach Bedarf wieder einstellen wollen, so sei das vor ihrem Gewissen und vor der öffentlichen Meinung eine bindende Verpflichtung. Punkt 4 der Vor- schläge des Emigungsamts müsse fortfallen, denn was die Firma Borsig mit ihren Arbeitern zu verHandel» habe, das gehe den Verband der Metallindnstriellen nichts an. Die Annahme der Eiiiiguugsbedingungen könne aber nur unter der ausdrücklichen Voraussetzung geschehen, daß das Einignngsamt in seinem Schieds- sprach erklärt:„1. Daß die Gründe, aus denen der Streik bei der Firma Borsig erklärt und in die übrigen Gießereien übertragen wurde, nicht zu rechtfertigen sind; 2. daß die Forderungen, welche seitens der Arbeitnehmer 5 Tage nach Ausbruch des Streiks ge- stellt wurden, mit dem Streik selbst in keinem Znsammenhange stehe», auch nicht, soweit sie jetzt zur Annahme gelangen." Der Redner bemerkt, daß seine Mandatgeber dem Spruch des Einignngs- amtes nicht vorgreife» wollen, daß sie aber große» Werth darauf legen, daß das Einigungsaml das Vorgehen und die Forderunge» der Borsig'sche» Arbeiter für ungerechtfertigt erklärt. Litfin: Die Arbeitgeber betonen immer, sie wollen mit unserem Verband nichts zu thun haben, während sie selbst sich stets ans ihren Verband stützen. Wenn sie unfern Verband nicht aner- kennen wolle», dann sollten sie sich auch nicht aus die Beschlüsse ihres Verbandes berufen. Wir haben in dieser Angelegenheit nicht einmal unfern Verband befragt, sondern die Entscheidung nur den am Streik belheiligten Arbeitern überlassen. Wir sind hierher- gekommen in der Meinung, daß eine gegenseitige Berständignng möglich sei. Wenn aber die Herren Arbeitgeber uns hier ausdrücklich ins Unrecht setzen wollen, dürfte die Verständigung unmöglich iverden. und die Erbitterung der Arbeiter wird noch um eine» Grad gesteigert. Was soll man dazu sage», daß auf der„Germania" in Tegel den Arbeitern bei der Lohnzahlung diejenigen Beträge abgezogen wurden, die sie auf eine Liste für die Streikenden gezeichnet halten'i Das beiße doch die Arbeiter provoziren. An dem redlichen Willen der hier anwesenden Arbeitnehmer werde wohl die Verständigung nicht scheitern. Dieselbe müsse aber eine solche sein, die b e i'd e Theile befriedigt. An den Worten„möglichst" und„nach Bedarf" würden die Arbeiter die Einigung nicht scheitern lassen. Daran müßten sie aber unter allen Umständen festhalten, daß bei Borsig erst die Einigung vollzogen sein müsse, bevor die Arbeit ausgenommen werde. Vors. v. Schulz wünscht nähere Auskunft über den von Litfin angeführten Vorfall in der„Germania". Litfin giebt dieselbe dahin: Ein Arbeiter der genannten Fabrik habe unter seinen Kollege» eine Sammelliste für den Slreikfond zirkulire» lassen. Dieselbe sei ihm abgenommen worden und bei der Lohnzahlung sei jedem, der aus die Liste gezeichnet hatte, der gezeichnete Beitrag voni Wochenlohn abgezogen worden mit der Bemerkung: Ihr verdient wohl noch zu viel. Der Redner legt zum Beweise die betreffenden Lohn- zettel vor. Nach Einsichtnahme in die Fabrikordnung der„Germania" erklärt der Vorsitzende diese Abzüge als durch dieselbe nicht gerecht- fertigt. Bezüglich der Einigung bei der Firma Borsig erklärt Di- rektor Dorn: Wir können erst mit den Arbeitern unterhandeln, nachdem die Arbeit aufgenommen ist. Gegenwärtig haben wir leine Arbeiter, denn dieselben find alle entrassen. Nach zweistündiger Berathung erscheint das Einignngsamt wieder. Der Vorsitzende erklärt zunächst, daß sich in der Fabrik- ordnung der„Germania" doch ein Passus finde, der die Abzüge rechtfertigt. Dan» legt der Vorsitzende den Parteien folgende Vergleichs- Vorschläge vor: Nachdem durch die Verhandlung vor dem EinigungSamt des Gcwerbegerichts tbatsächlich festgestellt worden ist: 1. daß der Anspruch der Ärbeitnehmer, den streitigen Doppelzylinder und vie Gleitbahn zu dem von den Arbeitnehmern geforderten Preise nur in der Borsig'sche» Gießerei fertig zn stelle», ebenso unberechtigt war, wie die auf die Ablehnung dieses Anspruches gegründete Weigerung der Former der übrigen Gießereien des Verbandes der Berliner Metallindnstriellen, Borsig'sche Arbeit anzufertigen, 2. daß die Forderungen, welche seitens der Arbeitnehmer fünf Tage nach Ausbruch des Streiks gestellt wurden, mit dem Streik selbst in keinem Zusammenhang stehe», auch nicht, soweit sie jetzt zur Annahme gelangen, schließen die Parteien folgenden Vergleich: I. Die Akkordlöhne für die anzufertigenden Arbeiten sind zwischen den zur Ausführung bestimmten Formern und den Meistern bezw. Gießereivorständen, welche die Arbeitgeber vertreten, zu ver- einbaren. 2. Solcher Guß, welcher nachweislich ohne Verschulden der Former zum Ausschuß wird, soll bezahlt werden. In Streitfällen solle» becheiligte Former gutachtlich gehört werden. 3. Die Arbeilgeber werden die am Streik belheiligten Former und Gießerci-Arbeiter nach Bedarf wieder einstellen, möglichst bevor auswärtige Former zur Beschäfligung angenommen werden. Es wird keinem der an» Streik belheiligten Arbeitnehmer, sofern er des JsiMtte" die Verpflichtung übernimmt, seine Mitarbeiter, welche während des Streiks gearbeitet haben. dicserbalb weder durch Wort noch That innerhalb oder außerhalb der Werkslätte zu beleidigen oder zu be- lästigen, von dem Arbeitsnachweis der Metallindustricllen der Arbeitsschein verweigert werden. 4. Die Regelung der übrigen Forderungen der Arbeitnehmer vom 27. August 1807 bleibt der freien Vereinbarung der Parteien vorbehalten. Direklor Dorn erklärt ans eine Anfrage des Vorsitzenden, daß er bereit sei, noch an demselben Tag« mit einem Theil der Borsig'- scheu Arbeiter zu verhandeln. Litfin bemerkt zu den Vorschlägen, daß er zwar den Sinn derselben nicht billige, weil darin eine Verurtheilung der Arbeiter ausgesprochen sei. Er verpflichte sich aber im Einverständniß mit de» übrigen Vertretern der Arbeiter dahin zn wirken, daß diese Bedingungen angenommen werden. Andererseits wünsche er aber, daß die Herren Arbeit- geber ihren Einfluß dahin geltend machen, daß die Maßregelungen durch den Arbeitsnachweis unterbleibe». Ferner wolle er den Arbeit- gebern rathen, wenn Differenzen ausbrechen, sich an die in Frage kommenden Faktoren der Arbeiter zu wende», dann würde mancher Konflikt vermieden werden. Vorsitzender v Schulz bemerkt, von einer Verurtheilung der Arbeiter könne keine Rede sein. Als der Vorsitzende die Eingangsformel verliest:„Nachdem beide Theile das Einignngsamt angerufen haben" be- tont Kommerzienrath H e n n e b c r g, daß die Unternehmer das Einigungsamt nicht angerufen habe», fondern aus Einladung des Gewerbcgerichts dasselbe»ur anerkannt hätten. Der Vorsitzende giebt das z».- Die Formel werde durch das Gesetz vorgeschrieben. Er habe, wie immer in solche» Fälle», die Parteien zur Anrilfimg des Einignngsamtcs veranlaßt. Damit schließt die Sitzung. Die Parteien haben sich nun inner- halb der gesetzlichen Frist von 3 Tagen zu erllären, ob sie sich unter den vorgeschlagenen Bedingungen einige». Anderenfalls fällt das Einignngsamt einen Schiedsspruch. *« � Die Verhandlungen des Einig nngsamtes in Sachen dcS Formerstreiks boten dem aufmerksamen Beobachter so manche typische Erscheinung aus dem modernen Klassenkampf. Wie oft wird von der bürgerlichen Presse der„Terrorismus der Arbeiter" in die Welt hiuanstrompetet! Wie beweglich lesen sich die Klage- rufe über die zunehmende Anmaßlichkeit der Arbeiter den Unternehmern gegenüber! Und als wie verlogen erwies fich dies alles, wenn man hier im Gerichtssaal den amtliche» Ermittelungen der Ursache eines Streiks beiwohnte, wenn inan das grundverschiedene Auftreten der Unter- nehmer und das der Arbeitervertreter mit einander verglich! Ans den Siüblen der Arbeilervertreter vier schlichte Arbeiter, die sich fast ängstlich hüteten, den Unternehmern durch verletzende Worte zu nahe zu treten, die fortwährend betonten, daß sie auch nicht das ge- ringst« Interesse an. Entstehen oder der Fortsetzung solcher Streitigkeiten haben und bei de» bescheidensten Zugeständnissen der Unternehmer gern die Wiederausnahme der Arbeit empfehlen würden. Ans der anderen Seite die hochmögenden Unternehmer,— nnzngch glich, zugeknöpft, fast protzenhast ihren Standpunkt klassenbewußter Kapitalisten wahrend. Wie bezeichnend ist es, daß der Gerichts- Vorsitzende stets von den„Herren Arbeitnehmer- Vertretern", die Unternehmer dagegen immer nur von den bei ihnen bedienstete» „Leuten" sprachen. Und diese gänzliche Verständnißlosigkeit bei den Unternehmer» für die Gefühle, von denen die Arbeiter beherrscht werden! Konnte doch einer der Herren überhaupt nicht begreife», warum die Arbeiter der übrigen Gießereien eigentlich streiken.„Die Arbeiter könnten ja jederzeit die Arbeit wieder aufnehmen,— aber sie hätten sich ja ohne Grund geiveigert, die de» anderen Werken überwiesene Borsig'sche Arbeil zu machen." Arbeitersolidarität ist de» Herren ein unfaßbarer Begriff. Allerdings: die Solidarität der Unternehmer den'Arbeiter n gegenüber durch schwarze Listen und dergleichen, die kennen und praktiziren sie sehr gut. Wenn durch die Verhandlungen vor dem Einignngsamt etwas bewiesen wurde, so ist es die Thatsache, daß bei dem geringste» Entgegenkommen seitens der Unternehmer der Streik überhaupt nicht ausgebrochen wäre. Die Borsig'sche» Arbeiter, die bei der Festsetzung einiger Akkordsätze mit dem Meister in Differenzen kamen, dachten ursprünglich auch nicht im enlsernteste» an einen Streik, und wünschten nur, ihren Chef, Herrn Borsig, oder den stellvertretenden Betriebsdirektor zn sprechen, um die Sache z» schlichten. Der letzlere aber war verreist, und der Chef ließ die Arbeiter einfach nicht vor. Der verhandlungsführende Ingenieur erklärte vielmehr in verletzender Schärfe: die Firma werde in dieser Sache von i h m vertreten, das genüge. Und die Verbandlungen mit den Arbeitern bei Festsetzung neuer Slkkorde hören von jetzt ab überhaupt auf: in Zukunft setze die Firma die Preise fest!— Nachher wundern sich die Herren, wenn die Arbeiter ihre einzige,! allerdings schneidige Waffe gebrauchen: i h r e S o l i- d a r i t ä t.— Schroff, feindselig, unzugänglich steht das kapitalistische Unternehmerlhni» den Arbeitern gegenüber. Man glaubt sich etivas zu vergeben, wenn man nur nienschlich mit den Arbeiter» spricht. „Wir sind die Herren, ihr habt zu gehorchen!" das ist ihre Parole. So sieht das vielgepriesene patriarchalische Wohlwollen der Unter- nehmer den Arbeitern gegenüber aus. Schroff und herrisch war auch die Haltung der Unternehmer vor dem Einigungsamt. Sie stellten die Bedingung, daß der Schiedsspruch des Einigungsamtcs konstatircn müsse: Der Streik bei Borsig und seine Ueberlragnng auf die übrigen Gießereien sei unberechtigt gewesen. Davon machten sie ihrerseits die Einigung abhängig.— Ist das der Geist sriedserliger Gesinnung, in dem man vor einem Einignngsamt erscheint? Nun. die Arbeilervertreter baben an diesem Punkt, der ja an den sachlichen Abmachungen weiter nichts ändert, das Zustande- kommen des Friedens nicht scheitern lassen. Die Vertreter der Arbeiter erklärten vor dem Einigungsamt, daß sie zwar den Inhalt der von den Unternehmern geforderten Er- kläruug nicht billige», aber im Interesse des Friedens den streikenden Arbeitern die Annahme des Einigungsprotokolls empfehlen wollen. Es liegt nahe, daß auch die Arbeiterversammlungen die sachliche» Zugeständnisse der Unternehmer würdigen und die eng- herzige Rechthaberei derselben aus sich beruhen lassen werden.— Jedenfalls hat sich hier wieder einmal klar gezeigt, wo der Wunsch nach Ruhe und Frieden im Gewerbe zu suchen ist. Mommunsles« Die Verbreiterung der Laudsbergerstraße beschäftigte am Montag Abend den von der Stadtverordneten-Versammlung zur Vorberathung dieser Angelegenheit eingesetzten Ausschuß. Entgegen dem Vorschlag des Magistrats, nach welchem die Südseile der Straße verbreitert werden sollte, kam der Ausschuß zn dem Resultat, daß die Nordseite sich am besten zu dieser Operation eigne. Würde die Verbreiterung aus der Nordseite vorgenommen, so seien bei einer Straßenbreite von 1 6Metern nur 7()l)Quadratmeter zn erwerben, während aus der Südseite dazu SSV Quadratmeter erforderlich seien. Der Ausschuß verhehlte sich aber auch nicht, daß, soll etivas Durch- greifendes geschaffen werden, die Straße gleich bis ans möglichst 18 Meter Breite, welche sie in ihrem weiteren Verlauf von der Lietzmannstraße ab bat, gebracht werden müsse. Ebenso vermochte der Ausschuß sich auch damit nicht einverstanden zu erklären, daß die Durchführung der neuen Fluchtlinie bei Gelegenheit von Neubauten erfolgen solle, er war vielmehr der Ansicht, daß dafür eine bestimnite Zeildauer vorzusehen sei, damit nicht wieder, wie in der Wallstraße. . Miwoch. 6. Gillobtt 1897, unUebjame Zustände entstehe». Er deschloß demzujolge, der Stadl- verordueten-Versammlung zn empfehlen, die Vorlage des Magistrats in der gestellten Weise abzulehnen und denselben zn ersuchen, ein neues Projekt ausstellen zu lassen, in welchem darauf Bedacht ge- nomtnen wird, daß die Straße eine Breite möglichst bis zu 18 Meter erhält, sei es, daß sie a»f der Südseite oder der Nordseite erfolgt, gleich- zeitig aber auch den Magistrat zu ersuchen, darauf Bedacht zu nehmen, daß die neuen Baufluchtlinien in spätestens 10 Jahren durchgeführt sein müssen. Die Stadttierordnetc» Dinse». Ge«». haben bei der Stadt« verordueten-Versammlung folgenden Antrag eingebracht:„Die Ver- sammlnng möge den Magistrat ersuche», eine ärztliche Untersuchung aller im städtischen Dienste Anzustellenden schon vor deren Eintritt in den Dienst stattfinden zn lassen." Milde Stiftnug. Aus der Simon, Hermann und Ella Voehm- Stiftung werden alljährlich am 10. Januar, 31. Mai, 12. Juni und S. August einmalige Unterstützungen in Höhe von 100-400 M. an solche alleinstehende, ganz oder theilweise erwerbs« unfähige Personen gewährt, die noch nicht der öffentlichen Armen» pflege anheinigefallen find. Insbesondere sollen aber auch Familien unterstützt werden, die ihres Ernährers beraubt sind und denen durch Gewährung einer Unterstützung die Begründnng bez. Wieder- aufrichtung einer Existenz geboten wird, und zwar soll die Ver« theilung zu �/s an Bekenner der christlichen Religion und'/» an jüdische Bewerberinnen erfolgen. Aus de» Einnahmen der Stiftung sind pro 1606/97 insaesammt ö9 Unterstützungen, und zwar an 41 christliche Bittstelleruinen öl 12 M.. an 18 jüdische 2656 M., zusammen 7668 M. gewährt worden. Meldungen sind a» das Stistungs« bureau, Poststr. 16, zu machen. Luftstfes. Ntbciter-Bilduugöschnlc. Wir machen die Mitglieder auf die heute Abend,','eg Uhr, Jnselslr. 10, stattfindende General- Versammlung besonders ausmerksam und bitte» um zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Strcifznge eines RrbeitSlosen. Das Denkmal für die M ä r z g e s a l l e n e n soll bekanntlich im Friedrichshain errichtet werden, doch hat der Magistrat beschloffen, den Fricdrichshai» erst zn besichtigen, ob er sich auch zum Denkmalsplatz eignet. Jeder kennt ja jenen schlichten Park im Osten, doch hat man ihn stets an dem Tage kurz vor Frühlingsanfang gesehen, wenn Tausende zn ihm«vallfahrten und die Massen sich in dichten Reihen zwischen den Büschen drängen, an denen die ersten Triebe knospen. Ein anderes Leben herrscht Alltags dort- was man am meisten empfindet, wenn man aus dem geräuschvollen Zentrum mit seinen glänzenden Geschäftshäusern und Luxns« Schaufenstern kommt. Je weiter man hinaus kommt in die Gegend, in der jenes Vorpostengesccht für die Freiheit geschlagen wurde, das im nächsten Jahre sein fünfzigjähriges Jubiläum erlebt, je mehr sieht malt, daß man sich in den Vierteln der Arbeiter und Werklhätigen befindet, wo die Straßen nur in den Morgenstunden, des Mittags und des Abends von einer hastenden und eilenden Menge belebt sind. Drüben UN Hain sind die Wege leer, nur nachmittags wird es lebhaft. Kinderschaarcn spiele» dann und durchlaufen de» Park. Vormittags sitzen einige kleine Knirpse aus den Sandwegen und spielen im dürren Laube, das die Bäume ans den grünen glasen säen. Selten durchquert ein Mann oder eine Frau den Hain nach dem Krankenhaus, das roth zwischen den Bäumen hindurch- leuchtet. Alle Stunde kommt eine Droschke oder der dunkle 51rankenwagen mit dem rothen Kreuz den Fahrweg entlang. Ebenso selten kommt ein Fremder, der den Opfern des Freiheits- kampses seinen Besuch macht und still in den kleinen, viereckigen Friedhof hinter dem braune» Stacketenzaun tritt, laugsam das von dunklem Epheu überwucherte Massengrab unischreitet und hier und da die verschwischleii Namen der Ehrenvollen auf den grauen Grabsteinen entziffert. Morgens sitze» auf den Bänken Arbeiter, ihre Stulle auf dem Schooß, die Kaffee- kann« neben sich. Von de» Straßen tönt das Geklingel der Pferde» bahn und das Gesurre und Geratter des Wagenverkehr hinein in die Ruhe. Hier ist ein würdiger Platz für das beabsichtigte Denkmal. Werden unsere Siadtväter den Muth finden, ein Jahr nach der Enthüllung eines Denkmals für einen Gegner jener, die hier unterm Rasen ruhen, auch diesen hier ein Ehrnngszcichen zu setzen— in der Gegend, da viele von ihnen den Tod fanden, in den Viertel» des Proletariats? Tic lintcrrichtöersolge der Berliner Gcmeirideschnlen er-. scheine» in nicht gerade günstiger Beleuchtung. wen» man sie nach dem Alter der Schulkinder der einzelnen Klassen beurtheilt. Da die Schulen nur sechsstusig sind und jede Klassenstnfe in einem Jahre abiolvirt werden kann, so muß uuter normalen Verhältnissen die I.Klasse schon mit Vollendung des 11. Lebensjahres erreicht werden. Danach sollte man erwarten, daß zwar selbst- verständlich nicht alle 11—12 Jahre allen Kinder, aber doch die Mehrzahl von ihnen in der I. Klasse säße. Das ist jedoch keines- wegs der Fall. Wie sich ans dem letzten Bericht der städtische» Schuldeputntion ergiebt, saßen Ende 189S von den 11— 12 jährigen Knaben und Mädchen in Klasse I: 11.3 und 10,7 pCt., in II: 34,8 und 33,4 pCt, in III: 33,5 und 35,9 pCt., in IV: 16,2 und 16,8 pCt., inV: 3,4 und 2,9 pCt., in VI: 0.3 und 0,3 pCt. Essaßen ferner von den 12— Igjähr. Knaben und Mädchen in Klaffe I erst 32,8 und 32,6 pCt., andererseits— um»ur die Extreme hervorzuheben — in Klaffe V noch 1,3 und 1,1 pCt., in VI noch 0.2 und 0.1 pCt.; von den 13—14 jährige» in Klasse! erst 51,3 und ö1,2pCt., in V noch 0,7 und 0,öpCt., in VI 0,06 und 0,06 pCt.; von den 14 bis IS jährigen in Klasse I 66,7 und 67,7 pCt., in V 0,4 und 0,8 pCt., in VI 0.06 und 0,66 pCt.; ja selbst von den über 16jährigen (24 Knaben und 22 Mädchen in absoluter Zahl) saßen noch einige (3 Knaben) erst in der V. Klasse. Aehnliche Verhältnisse ergeben sich, wenn man die jüngeren Jahrgänge betrachtet. Ilnter normalen Verhältnissen müßte die V. Klasse bereits mit dem 7. Lebensjahre, die IV. mit dem 8., die HI. mit dem 9. u. s. w. erreicht werden. Es saßen aber von den 7— 8 jährigen Knaben und Mädchen erst 61,1 und 47,1 pCt. in Klasse V, von den 3— 9 jährigen erst 36,1 und 31,6 pCt. in IV, von den 9— 10 jährigen erst 27,1 und 21,3 pCt. in III, von den 10— 11 jährigen erst 17,3 und 16,1 pCt. in II und von den 11—12 jäbrigen schließlich, wie oben gesagt, erst 11,8 und 10,7 pCt. in Klasse I. Man beachte, wie in dieser Reihe der Prozentsatz normal-alteriger Kinder von Klnsse zu Klasse geringer wird! Wie soll man das Zurückbleiben so vieler Kinder erkläre»? Daß sie alle durch eigene Schuld zurückgeblieben wären, daS ist nicht gut denkbar. Man wird nicht fehlgehen, wenn man die Hauptschllld der Schule selber zuschiebt. Die äußere wie die innere Organisation der Berliner Gemeinde- schulen ist von ver Art, daß sie de» Unterrichtserfolg von vorn- herein beeinträchtigen nmß. Die Vertheilung des Lehrst ofses auf sechs statt auf acht Jahre führt besonders in den untere» Klassen z» einer Ueberbürdung der Kmdcr, die sich umso fühlbarer macht, da die ständige U e b e r f ü 1 l u n g der Klassen dem Lehrer kaum gestattet, sich mit jedein einzelnen Kinde, und be- sonders mit den Schwächer begabten, eingehender zu be- schäftigen. Dazu kommen noch die spezielle» Erschwerungen. unter denen so viele Kinder zn leiden haben: die ge, verbliche Nebenbeschäftigung, die ihre Zeit und Kraft absorbirt, der schwankende Gesundheitszustand, der einen regelmäßige» Schulbesuch nicht aufkommen läßt, der hungrige Magen, den manches Kind mit in die Schule bringt, die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, Bücher und Schreib- Materialien in der erforderlichen Güte zn beschaffen,«. f. w. Von alle dem ist es schließlich nur eine ganz natürliche Folge, daß eine so große Zahl von an sich«veder trägen noch unbegabten inltv,, immer tinb Immer wieder sitzen bleibt, ja dntz manche bei Vvllei,�„„g 14, LcbenijahreS noch in de» mlUlmn oder gar »och j„ de,, uutcvcu Klassen HKagen. Die Bcrichle der Echnl- depntatlon zeigen jedes Jahr, das» in de» seä�slen Klassen alle Allers- "assen von den nnicr kjkhrigen biS zu den über 14iährigen neben- einander verlrelen sind. Eine solche Mischung der Alterstlassen ist aber auch in erziehlicher Hinsicht durchaus nicht unbedentlich; man denke z. S3. an Frühreife in geschlechtlicher Be> ziehuiig. Die Schul antrüge, die unsere Genossen im„Nöthen Hause" gestellt haben, sind geeignet, die gerügten Mißstünde auf dein Gebiete des Berliner GeineindesÄiulwesens erheblich zu mildern. Im Jiileresse der Eiitwickeluiig der Berliner Gcineiiideschnle ist zu wniische», daß sie Nunahine finden. Erst wenn die Ginsührnng eines nchlklassigen SÄinlsiisteins. die Herabsetzung der Maximal- Schiilerzahl der einzelnen Klassen und die Schaffung besouderer Klassen für Schwachbegabte, wenn ferner eine ttrztliche Ueberwachnng der Schulkinder, Verhütung der NindernuSbeulung. Speisung der Hiingrigei» uiid Lieserung der Lehrinitlel durchgesetzt sind,— erst dann sind von de» Berliner Gemeindeschule» bessere Erfolge als bisher zu erwarten. Eine Bcanitentragödie im Reiche des Herr« Thielen. I i der letzte» Nuinnier der„Werkführer-Zeilung", dem Organ des Vereins deutscher Eisenbahnwerkjührer lesen wir die folgende Zuschrift: „Vor etiva vier Wochen besuchte mich mein aller Freund, der greise Eisenbahn-Werksührer Weltzin aus der Hauplwerkstail Tcinpelhos mit seiner betagte» Frau und klagte mir sei» Leid, daß er dercils seit 10 Monaten infolge eines Unsalles in ärztlicher Be- Handlung sei und jetzt seine Pensionirnng mit 420 M. jährlich erhallen habe; sie feien ganz verzweifelt, denn das Geld reiche nicht weil. Damit überreichten sie mir folgende Aufstellung: Jährliche Pension: 429 M.! davon sind zu entrichlen: Einkommenslener und Kommunal abgabeil 36 AI., Lebensversicherung 1t M. 20 Pf., Feuerveisicherung 6 M., Sterbekasse G M., Wcrksübrerverein B M., Kriegerverein 6 AI.. Mielhc 336 M.. in Siniuna 496 M. 29 Pf., bleiben noch 22 M. 89 Pf. für Nahrung. Kleidung, für Heizung ze. für zwei Personen auf ein ganzes Jahr, und wo bleibt ärztliche Behandlung, Medikainentc w. w? Namentlich die Frau war sehr verznstifelt, da auf ihren Schuller» die ganze Last der Haushaltung ruhe und sie absolut nichl wisse, wie sie cS einrichte» solle, damit sie beide lveiler leben konnten. Ich wußte es auch nicht. Auf «nein gutes Zureden, daß, wen» die Krankheit wirklich durch den Unfall herbeigeführt sei, die lünigl. Eisenbahndireklion gewif! auch für ihn sorgen«verde, er solle nur ruhig eine dahin gehende Eingabe machen, dann würde schon alles gut«verde«, be- rnhiglen sie sich wieder. Und getröstet gingen sie von bannen. Im Innern sagte ich mir aber, das ist also das Loos eiueS allen treue» Beamten. Neber 30 Jahre«var er Merkführer, hat seine besten .Kräfte, sei» ganzes Wissen und Können dem Eisenbahn- dienst gewidmet und jetzt, ,vo er einundsiebzig Jahre alt, krank und schwach ist,»v i r d er dem Elend und der Sorge preisgegeben— trotz Land wehrdien st- a n s z e i ch n u n g und H o h e n z o l I e r n d c n k m ü n z e, die i» feinein Besitz sind!---- und in den Berichten liest inan, daß jährlich 36—49 Millionen Mark llcbcrschuß durch Spar- samkeit!!! erzielt werden.... Bor acht Tagen erhielt ich eine Karle von ihm, worin er mir mitlheilte, daß seine Eingabe a b- s ch l ä g i g bcschieden sei und er mich am Sonnabend, den 4. Sep- lember, besuchen wollte, um ineinen lllalh einzuholen. Wer aber nicht kam, war mein Freund Weltzin; kopsschültclnd sah ich die Karte noch einmal nach, ob ich mich auch nicht irre, denn eine solche Unpünkttichkcit war ich an ihm nicht gewöhnt, aber es blieb dabei und ich muhte der Zukunft überlassen, ivie sich die Sache auf- klären würde. Da erhielt ich am Montag, den 6. September, von einem 57ollegen den„Berliner Lokal- Anzeiger" vom Sonnlag. »vorin folgender Bericht stand:„Einen Selbstmord verüble gestern die B6 Jahre alte Ehefrau des bis vor kurzem in de» königl. Eisenbahiiwerkslätten zu Tempclhof beschnsiigten 7Ijührige« Werlführers Weltzin in ihrer im Hanse Jorkstr. 72 besindliche» Wohnung."... Das Räthsel war gelöst; er konnle»ichl kommen, denn seine Frau halte es vorgezogen, lieber in den Tod zu gehen, als zu hungern und zu darbe n." Man vergesse nicht, dnh hier das Loos eiueS Beanilen geschildert ist, der»och lange nicht auf der nu t ersten Rangstufe stand, und daß dieser Mann noch unendlich behaglicher leben lonnle, als z. B. die unglücklichen Streckenarbeiter, die. den Tod täglich vor Augen, mit einem Tagclohn von 2 M. 39 Pf. bis 2 AI. 99 Pf. ohne ein Anrecht aus Penston abgefunden werde». Mau stelle sich ferner vor, von welchen Gefühlen die Arbeiter nnd niederen Beamten besonders angesichts des Umstandcs beseelt sein müssen, daß man sie bei all ihrem übrigen Elend noch zu zwingen sucht. der Partei, die sich am ernstesten ihrer Lage an- nimmt, nämlich der sozialdemokratischen, mit dem Scheine bitlerer Feinds ch a f t entgegcnzntrele». Prügelstrafe für RohheitSvergeliei». In einer Reihe hiesiger Zeitungen reaktionären Schlages machl zur Zeit ein Artikel der konservativen Korrespondenz die Stunde, der mit einer recht unklngen Begeisterung die Prügelstrafe für Rohheilsvergeheu empfiehlt. Der Schluß der Schwärmerei lautet: „Gefängnißslrase„mit guter Kost und milder Behandlnng" dürfte in keinem Falle ausreichen. Es muß Prügel setzen! Jedermann»vünscht die Einführung der Prügelstrafe, es fehlt leider recht vielen der M u t h, dies offen auszusprechen. Mehr und mehr aber dränge» die sich hänsenden Slohheilsverbrechen auch diejenigen, die nns falschem „liberalen" Bewußtsein sich scheuen, für die Prügelstrafe einzutreten, zu diesem Schritte." Ob der staalserhaktende Theil des deutschen Volkes so innig von dem Sehnen nach Prügel» erfüllt ist, wie man in der„Rons Korr." behauptet, inöchle» wir denn doch beziveifeln, und zwar aus dem Grunde, weil bei einer auch nur eiiiigerinaßen gercchlen Handhabung des Rohrflockes gerade die Rückseite mancher Palriolen am buntesten in schwarz-iveiß-rolheu Farben schillern müßte Denn selbst die„Kons. Korr." nnd ihre Freunde werden doch nicht leugnen können, daß in den gesitteten Theilen des Volkes am meisten Entrüstung hervorgerufen wurde durch die RohheilSvergehen, die hier nnd da von prügelnden Schutzleuten, rüpelhaften Studenten»»d schneidigen Duellfexen verübt und van manchen Gerichte» allerdings milde abgeurtheilt worden sind. Diese Prügelhelden, die in der konservativen Presse bisher immer mit zärtlicher Liebe behandelt wurden, mögen sich jetzt lei den in betracht kommenden Blättern bedanken, wenn diese sich nitnmchr reuevoll dafür ins Zeug legen, daß ihrer Rüpelhaftigkeit mit so borstigem Pinsel der Firnis, menschlicher Gesittung aufgetragen werde. Am Oktober tviid a» der 4. FortbildiingSschnle, Heinersdorferftr. 18, wieder ein neuer KnrS im Englischen eingerichtet. Grammatik tritt ganz in den Hintergrund. Der Unterricht beginnt sofort mit Konversalion, der Fibeln und Lesebücher, wie sie in eng- lisch«» Schulen benutzt werden, zu gründe liegen. Slm Schluß des albjahrs beginnt die Einführung in die kanfmännischen Briese:c. er Unterricht erfolgt Dienstags und Freitags von 7—9 Uhr. Das Honorar beträgt nur 4M. pro Halbjahr; die eingeführten englische» Bücher kosten nur 19—39 Pf. Annieldungen nimmt noch täglich der Rektor Lntzenberger, Heincrsdorferstr. 18, entgegen. Große Wäsche. Die Australier, Neger und Kaffern der Transvaal-AuSstellung, bestehend aus ö3 Männern, B Frauen und 2 Kindern, wurden, wie nns berichtet wird, am Montag im städtischen Obdach gereinigt und gebadet. Hatten die Unternehnicr der Ausstellung denn keine Gelegenheit, den Schwarze» a» anderer Stelle als gerade im städtischen Obdach die doch regelmäßig nülhige Hautpflege znkominen zu lassen? Elendöstatistik. Im städtischen Obdach befanden stch am I. September cr. 17 Familien mit 55 Personen, darunter 6 Säug- linge, und 29 Einzelpersonen. Am!. Oktober war der Bestand 28 Familien mit 113 Personen, darunter 8 Säuglinge, nnd 38 Einzel- Personen. Da» Asyl für nächtliche Obdachlose denntzlen sin Laufe des Monals September 12 958 Personen nnd zwar 12 210 Männer, 743 Frauen. Bon diesen Personen wurden dem Krankeithaiis« am riedrichshain 19, 49 dem Krankenhanse Moabit, II der Charitee, der Anstalt Herzberge, 4 der Anstalt Wnhlgarten, 34 der Kranken- anstalt des Obdachs überwiesen, 229(215 Männer, 5 Frauen) der Polizei vorgeführt. 9455 Personen haben während des MonalS September in der Anstalt gebadet. To» Berliner BerkehrS-Lexikon(Verlag von Max Echikbterger) Preiö 49 Pf., ist soeben in der Winteransgabe erfchieiic». Die Eisenbahn- Fahrpläne sind siir den Nah- und Fernvcrtehr übersichtlich geordnet und reichen nicht nur für Touren in der Mark, solidem umfassen das ganze Deutsche Reich. Die Fahrzeiten der Pferdebahnen, Straßenbahnen und Omnibiiste weisen wesemliche Aendcrnngeii aus und sind mit ihrer Fahrt- richtung bei allen Straßen und Platzen cnvähnt, so daß die Frage: wie komme ich am besten nach dlefer oder jener Straße, sofort bcanlwortet ist. Unter dem Regime deS Major» v. Liiidheim. Ein hiesiges Blatt, die„Abendpost" berichtet über die mehrfach von uns gekeim« zeichnete Lage der Packelfahit-Angestellten:„Unter den Angestellten der Berliner Packeisahrl-Gesellschast steht eine neue Lohnbewegung in Aussicht. Seil die beiden Konknrrenzgesellschafteii. die Berliner BerkehrSanstali und die Privatpost zu bestehe» ausgehört, sollen ver- schiede»« de» Packelsahrt-Angestellle» seinerzeit nach dem Ausstände gewährte Bergniisligimgeii wieder zuriickgenoininn« worden sein. Besonders erschwert wurde, wie von derOiganisation der Handelshilfs- arbctier milgciheilt wird, die Gewährung der vereinbarten Ruhelage. Selbst am 1. Oktober soll denjenigen Angestellten, welche an diesen« Tage ihren Umzug bewerkstelligte».' trotz ihres Ansuchens, kein Urlaub er- iheilt worden sei«. Auch über die Bchandluiig der Uiiterbcnmten seitens ihrer Vmgesetzleii wird lebhaft Klage geführt. I« einer dem- nächst stallsindendcii Versammlung der Augeslellleii der Packelfahrl- Gesellschaft soll über die Maßnahmen zur Abwehr der anpedrohten Lohnkürzimac», sowie zur Beseitigung der vomwähnUn Mißstände Beschluß gesaßt werden." Ein beladener Bieitvagen gestohle». Im Chansseegrabcu bei Ncncnhagen fand man vorgestern sechs leere Biersäfscr, von denen man sich nicht zu erklären wußte, wie sie dorthin gekoinmen seien. Ein Wagenschild, das später in der Nähe gesitiiden wurde. zeigte nach Berlin. Der Fund hängt, wie stch jcyt Heraiis- gestellt hat, mit � einem frechen Ticbstahl ziisammtn. der am Freitag voriger Woche am hellen Tage hier on der Ecke der Allen Jakob- nnd Ritlerflrnße verübt worden ist. Hier ivnide einem Knischer Woilschak der Brauerei Lonisenslndt. während er in einer Schankwirlhschaft frühstückte, der belade»? Wagen mit dem Pfeide von der Straße weg gestohle». Bis jetzt war es nickt gelungen, eine Cpnr von den Dieben zn sinden. Ter timd bei Ncncnhagen zeigt, daß sie sich nach nnsivärls gewandt nben. Wagen und Pferd, eine braune Stute mit weißen Hinler- süßen, die auf einem Vorderbein etwas lahmt, sind noch nichl er- iniitelt. Es fehle» auch noch 14 volle Fässer. Tic Spitzbuben werden wahrscheinlich zunächst das Bier und dann erst Wagen und Pserd zu verkause» suchen. Ein viele Achsen zählender Sondertilg brachte gestern srüh O'/e Uhr von Hamburg die gesaiiniilen Mitglieder drs Zirkus Busch, sowie dessen reiches Pserdematerial und eine gewallige M.nge von Requisite», Dekorationen u. s. w. ans dem hiesigen Lehrter Bauhof« ein. Es entrollte sich alsbald auf den« Bahnsteig ein bniiIbcwcgtcS Leben und mit ihm ein echt charakicristischrs Bild von„suhreiiden Künstlern" in modern ein Sinne. Die erste Vorstellung findet, wie schon gemeldet, am nächsten Tonncistag statt. Unglücksfälle im Siraßenverkehr. In ker Lnisenstiaßc stürzte der Milchhnndler Knap, als er einer vor ihm hergehende» Frau ans- weichen wollte, mit seinem Fahrrad, und wurde durch eine hinter ihm fahrende Droschke überfahren. Er erlitt anscheinend erhebliche Verletzung«».— Durch eine vorschriflSivsdrig fahrende Droschke wurde aus der Kreuzung der Leipziger- nnd Wilhelinstraße der Bade- anstalis-Besitzer Kobcling überfahren und nicht unbedenklich an beide» Beinen verletzt.— Abends wurde in der Alten Echönhanfer- ftraße ein nachträglich als Arbeiter Heiniami festgekiellier Manu aufgegriffen, der, nur mit Heinde, Strümpfen»nd Slicfeln bekleidet, aus der Straße linihergiug. Er wurde als anscheinend geistesgestört zur Charitee gebracht.— Beim Abspringe» von einem Pserdebahn- wage» zog sich in der Hascnhaide der Zigaminnacher Gelschinann einen Bruch des linke» Unterschenkels zu. TnS SIpollo-Theatcr ist dieser Tage mit feinem Oktober- Programm hervorgtlrrteii. Soweit der Theil der Künstlerschafl in bcirächt kommt, dessen Fähigkeiten mehr daS Gebiet zirzensischer Leisliiiigk» streise», ist in jeder Hinsicht miziieikennen, daß überaus Achiungsiveribes geboten wird. Herr Leo Rapoli ist ein vorzüglicher Joiigleiir und Herr vom Gosrc vollbringt als Athlet fast über- menschliche Thaien. Desgleichen bal die vom vorigen Monat her bekannic Phoiles-Triippe ein neues Vcxirstück geschaffen. daS sich neben de» früheren Leistungen mit Fug sehen lassen kann. Wen»»och gesagt wird, daß einige„Excentries" das Pnblikui» vortrefflich zu amüsiren wiffeii»ud daß die„Heiiizelinännchen" nach wie vor durch ihre drollige Gewandlheit lebhaften Beifall ernte», so wäre ans vielem. was sich zur Zeit auf diesem Gcbicie repräseutirt, das wesentlichsie hervorgehoben. Minder glücklich als in diesen„siummeu" Spezinli- täten war die Tirektio» i» der Wahl der engagirlen Sängerinnen Bei Fräulein Dagmar Hansen mag die gut gespielte Naivität für bei« Mangel an Stimme Enischädigung biete», was aber ihre Ko»- kiirrenliniien betrifft, so muß gesagl werde», daß sie. ob i»>ä»dische» oder anSländische» Ursprungs, auch nicht eiilfernt durch äusiereii Glanz den Mangel a» innerer Befähigung zu verdecke» vermögen. Theater. Im Berliner Theater soll der zweite Theil deS „Faust" in der nächsten Woche i» Szene gehen.— Jui Goethe- Theater stnd die Proben zur nächsten Novität„Die Tvranncn deö Glücks". Lustspiel in 4 Akten von Fcdor von Zobeltitz, welches am Sonntag zur«uffübrnna gelangt, im Gange.— Im Schillcr-Theater werben bis zur ersten Austüstrililg der Novität„Das Stärkere" Bluuiciithal s„Ein Tropfen Gill" und Anzengruber s„Die Krcuzellchrcibcr" im Spielplan abwechseln. Unmittelbar nach Reuling s Schauspiel geht die Posie„Kyritz- Ppritz" in Szene. Zur Scbikler-Feier wird„WallcnstciiiS Tod" vorberciiel. Auch das Gastspiel des Märchen-EnkeinbleS der Geschwister Seitz, welches in dieser Woche durch die Frei-Borstelli»ig an« Goniinbend..Weh dem. der Istgt" unterbrochc,« werden mußte, wird um et»« wettere Novität be- reichert werden. Strnßensperrnng. Die Grünstraße, i-Brücke wird behufS Ne- paratnrarbeiten vom 6. d. M. ab bis auf iveitms für Fuhrwerke und Reiler gesperrt. SsttS de» Nnchl'ckiorten. Charlotteuburg. Den Parteigenosse» zur Nachricht, daß heute Abend. 8H', Uhr, in Bisinarckshöhe. Winuersdorfersir. 39, eine öffeiit- liehe Versaiiniiliiiig des Mahlvereins für Teltow-Beeskoiv-Storkow- Charloitcnbiirg siatisindet, in welcher Genosse Richard Cnliver einen inleressanien Vortrag halten wird. Wir hoffe», daß diese Versaininlung zahlreich besucht wird»nd bitten alle Parteigenosse», die»och nicht Mitglieder des Wahlvereins sind, an diesem Abend ihre Ausnahme bewirken zu wolle». Der V o r st a n d. NanbanfaN. Auf der Chauffee zivische» Dpa,«da» und Kremmen, etiva drewieriel Stunde von letztere»« Ort entfernt, wurde der Schneidergeselle Heinrich Stolle von zwei Personen übersallen und beraubt. Die SiaalSanwaltschast zu Nen-sttuppin erläßt jetzt eine» Steckbrief, wonach die Tbäler, die nach Spandau weitergiiigen, sich nach Berlin begebe» wollten, anscheinend Metzgergesellen imd der Sprache nach Rheinländer wäre». Der»ine war etwa 25 Jahre alt, 1,67 Meter groß, halte diiiikelbloudes Haar, blonde Angeii» braue», kleinen Bart, der andere, ebenfalls etiva 25 Jahre alt, mar etwas kleiner, hatte dellbloud« Haare und Angenbrane». Es wird vermiithet, daß die beiden Räuber die dem Stolle gestohlenen A»S- weispapie« benutzen. Man sucht sie in Becks». Ge viifzts""Jefcfung« Llstensaiiimliing für Streikende als öffeiiiliche Kollekte. Unsere Parleigeuossen Schlüter»nd Urbach in Kö!» sorgte» in« Oktober und November vorige» JahreS rege dafür, daß die zn gnnsten der streikenden Hasenarbeiter ansgegebene» Sammellisten unter die Leule kamen. Sie gaben die Listen vornehmlich in Fabriken nnd Werkstälien, zogen nachher die Beiträge ein und über- inillelte» das Geld der Streikkommissio». Polizei»nd Siaalsainvait- schaft brachten die Sannnlnng in Zusarninenhang mit einem ülrtikel i» der Nr. 276 der„vthein. Ztg.", unseres Kölner Brnderorgans, und warfen Schlüter nnd Urbach vor. eine nicht genehmigle, aber der Geuehmigllng bedürftige össeiilliche Kollekte veranstaltet und ab- gehalten zn habe». Schöffengericht und Landgerickt vernrlheitteii sie dann auch zn je 19 M, nachdem sie feilgesteUl hatten, daß von einer große» Anzaht Personen sreiivillige Beiträge gezahlt wurden. Das Urthcll«vurde auf eine Regiernngs.Polizei-Verordiinng vom 24. Februar 1876 gestützt, die eS unter Androhung einer Strafe ver- dielet, öffentliche Kolletten ohne Erlaubniß des Oberpräsidenle» zn veraiistallcn und abzuhalten. Beide Angeklagte legten Revision ein und machte» vor allem geltend, der Vorderrichler habe de»§152 der Gewerbe-Ordnung verletzt. Das Recht der Arbeiter, zum Zwecke der Erlanguiig günstiger Lohn- und ArbeiiZbediiiguiigeii Ber- adredungcn»nd Vereiliigungen einzngehen, wäre ja illusorisch,«venu es nicht gestattet«väre, Sammlungen zur Unleislntziing der Streikenden ungehindert vorzunehmen. Kein Oberpräsidenl würde eine Sammlung für Streikende genehmigen. Die Revision wurde gestern vor dem Strassenat des Kaimnergertchts verhandelt. Der Oberstaalsamvalt trat für ihre Verwerfung ein. Er betonte die Ltechlsgilligkeit der Verordnung vom 24. Februar 1876. Sie werde durch§ 61 des PoiizeiverivaHmigs- Gesetzes begründet, «vo'ii» gesagl sei, zn den Gegcnständcn polizeilicher Vor- schrisle» gehöre auch alles andere, was in« desonderen Jnleusse der Gemeinde»«nd ihrer Angehörigen polizeilich geordnet«verdcn müsse. Das K a m i» e r g e r i ch t wies die Revision als»nbegründet zurück. Lasse sich auch nicht die Ltechisgitiigkeit der Verordnung von 1876 ans das Polizei- Verwalinngsgesctz zuri ck- führe», so doch auf den§11 der SlegierungS-Jnslriiklio» vom 23. Okiober 1817»nd auf§ 11 Numnier 4 der JnNrukiio» für die Oberpräsidenien vom 81. Dezeinber 1825. Eine Verletzung de?§ 152 der Aewcrbe-Ordnung liege auch nichl vor. Dieser hebe das Verbot des KollellirenS zn Streik- UiilerstiitzniigSzivecken nicht auf. Er gestatte nicht jedes b e l i e b i g e M i t t e l, sonde.n mir jedes beliebige erlaubte Mittel. Zum Glück stnd derartige Gericht?lirlhcile für die klaffen- beivnßlen Arbeiter noch niemals ei» Hinderniß gewesen, an ihre» kämpfenden Brüdern Solidarität zn üben. Eilitvirknilft a»f öffeiiiliche Aiigelegeiiheitei« durch lebende Bilder. Ii, Schucidemühl besteht ei»„Jndiislrieverein", dessen Mitglieder vorwiegend polnischer Abkunft sind. Stalntengemäß bezweckt der Verein die Belehrung und Belnslignng seiner Mitglieder, sowie die Pstege der Geselligkeit. Der Verein veraiistaUet dar»»» von Zeil zn Zeit u. a. Theater-Anssührunge», Bälle nnd dergleichen Vergniigniigen. Bei eiium seiner Feste ivnrden auch lebende Bilder gestellt, wobei Schärpen in de» polnischen Nationalfarbe»,»veiß-rolh, Verwendung fanden. Es handelte sich»in allegorische Darstellimgen. Tie lebenden Bilder thaien es der Polizei an. Sie erblickte darin ei» Anzeickc», daß der Verein ans öffentliche Angelegeiiheilen ein- wirken«volle,»nd»lachte den Vorsitzende» Balkowsky dafür verant« wörtlich, daß ihr nicht gemäß tz 2 des Bereinsgesetzes das Slabnt »nd ein Miiglieververzeichniß eingereicht worden waren. Ter er- wähnte Paiagraph verlangt das bekauiillich von de» Vorständen solcher Vereine, die bezwecken, auf öffentliche Angelegenheitc» ei»z»- wirken. Teni Vorsitzenden wurde außerdem noch vorgeivorsen. baß die Aiiffnhning eine unerlanble ö ssenl liche gewesen sei, da auch Nicht- Mitglieder daran lheilge»oi»n>en hätte». Das Schöffengericht v erur- I heilte den Boisitzcnden. iiidcm es beide Schuldsragen bejahte. Tie Straskammcr ivres die Berusnng des Angcktagle» zurück. Was das Statut vorschreibe, sei nichl maßgebend, es komme das tbatfächlick.e Verhalle» des Vereins in Frage. Tie lebenden Bilder hätten eimn vcrschiedennrligeii Eindruck gemacht. Nach dem Berichte einer polnischen Zeitung sc« die il»terd>ückn»g des polnische» Bauern dargestelll worden. Das nnd die Verwendung der polnischen Farbe» spreche für eine Einwirkung im politischen Sinne, llebngens seien neuerdings die polnische» Benrebnnge» in Echneidemühl be« sonders hervorgetreten. Tie V o r st e l l u n g sei auch als ö f i e n t« liche anzusehen. Es stche fest, daß von s.chs Nicht- iniiglieder», die lheilnahinc». drei ohne jede Einladung erschienen waren. Der tzlngetlagte legle Revision ei» nnd machte gellend, daß man im Verein gar»'cht da>ail denke, ans öffentliche Angelegenheiten einwirke» zn wollen. Tuich das Siaint habe er sogar ausdrücklich religiöse und politische Bc- strcbilngc» vv» seinem Thun ausgeschlosse». lind ivas de» andern Borivnrf angehe, so könne doch«»»»öglicki eine Veianslalliing allein dadurch zu einer öffentlichen werde», daß sich drei Personen»»- eingeladen einschlichen. Das Kammergericht bestätigte aber in seiner lctzie» Sitznug die Vorentscheidung. Die Elraskaminer ha e ohne!>t e ch i s i r r t h u m in dcn» lebenden Bilde eine polnische und politische Knirdgebung gesehen und deshalb ohne R e ch l s i r r t h u i» a» g e» o»i in e», daß der Verein bezwecke, auf ö s f e n 1 1> ch e A n g c l e g« n h e i I e» e> n z u- wirken. Sliich sei die Vorstellung als öffentliche anzlischen. Nebcr ein pon eiilcm Bekrmikenen versuchtes Revolver» >?ltteiual geht einem hiesigen Blatte sotgeiide Meldung zn: In eiiirn, Hotel in der Krausenstraße war ein Ehepaar abgeslicgcii inid haue dort derart stark gezecht, daß es nur mit Mühe nach drin Zimmer geschafft werde» tonnte. Hier zog der Manu plvtzl ch einen ge- ladenc» Licvotver ans der Tasche und richicie ihn ans seu e Frau mit de» Worten:„?!»» geht's zu Ende!" Der»'och mit seine» Lenlen anwesende Wirlh entriß dem Mail»» die Waffe»»d schickte nach einem Schntzman».'Als der G ist den Auftrag hörte, erklärte er. er hätte»och einen zweite» Revolver bei sich, mit dem er de» Echutzinan» erschieße» werde. Als aber der Beamte kain, fand sich bei dem Manne keine wettere Waffe vor. Die Vernehmung konnte erst nach einiger Zeit vorgenommen werden. Tie trau gab an. sie sei so betruiilei« oeivesen, daß sie von de», ganze,» orsall nichts«Visse. Sie ivürde sich aber, wen» ihr Mann«virk- lich auf sie habe schieße» wolle», dies nicht erklären könne», da sie mit ihm stets im beste» Einvernchine» gelebt hätte. Der Mann wurde in Hast genomiiun. Ob ein Slrasverfahren gegen ihn eingeleliet wird, dürste davon abhängen, ob aus den Zengcn- aussagen hervorgeht, daß er wirklich die Abficht der Tödtung seiner trau Halle, oder ob er nur in sinnloser Trunlenheit eii>en schlechten cherz machte. Tie Berhandlniigen in dem Prozeß Sicrnberg ,md Genossen scheinen de» Verlauf nehmen zu sollen, de» man vernililhei hat: der kleine Schivurgerichts- Saal ist»lit dein Mehlstanb der Lauge- weile überzogen und die«venig zahlreiche» Zuhörer, die es über- Haupt»vagen. Keiiiitniß von diesem Prozeß z» ilehiiieii, fliehen bald ivieder enlseht, den» cs gewährt keinen Genuß, dies« endlosen Er- örteriiiigcii über de» Werth oder Univerlh von Unlcriiehmunge», die vor' mehr als zehn Jahren entstanden sind, zu verfolgen. Ter gestrige Tag wurde ansschtießlich mit Erörteningen über die Ver- häliinsse der„SkaSker Kohlenwerke«md Brikelifabnken" aus- gefüllt. Ta» Präservesalz. Eine interessante NnSeftiaiidersehnng zwischen zwei Edeniikern fand gester» vor der vierten Etrafkanniier am Landgericht II statt. Wegen Vergehens gegen das Nahrnugs. mittelgesetz war der Schlächtermeister Albert Harnisch ans Char- lotte»h»rg von« dortige» Schöffengericht z» 199 M. Geldstrafe ver- urtheilt«vorde». Die Beßrafinig ivar erfolgt,«vcil der Angeklagi« ans dem Wocheinnarkte Schabefleisch feilgeboten kalte, in ivelci e», sich nach Feststellung- des Charlotlendnrger Polizei- ChemjlciS Kürfeler 9,7 pCl. Konservesalz, das sogeiinunte„meab pioueivo crystai" befunden haben sollen. In Charlotienbnrg ist die Koiiservirnng des Fleisches verpönt, in Bertin dagege«« «vTonbt. Ter dortige Polizeichemiler stel>t auf dein Slandpiinkt«', dnß daS Fleisch in dem Znsinude verkanfl iverdcn muh, wie eS vom Tlüer koiumt; jeder Zusah, der dem Fleische eine längere Frische er- bült. isl in seinen Zlnge» eint Nahrungiuiiltelverfillschnng. die obendrein gesiindheitsgefährlich ist� iniudestens aber ist i» seine» Sluge» das Fleisch als verdorbenes Nahrungsinitlel anzusehen, iveil daS Süiiiciucsnlj dein Fleische einen anderen Geschmack verleihe. Diesen Standpunkt vertrat auch der Assistent des Kiuseler'sche» Laboratoriums, Chemiker Nenmann, der im vorliegenden Falle das Fleisch nutersucht hat, i» der Berufungsverhandlung. Diesem Standpunkte gegenüber machte der als Gegeusachversttindiger geladene bekannte Gerichtschemiker Dr. Bischofs energisch Front. Derselbe depouirte, daß es bisher absolut an Feststellungen mangele, daß das Praservesalz der Gesundheit nachlheilig sei. Einzelne Zlerzle behaupten dies zwar, doch seien dieselben bisher den Beweis dafür schuldig geblieben. Dagegen stehe fest, daß ein Arzt 40 Gramm von diesen schweflichen Salzen zu sich genomine» habe, ohne daß er das geringste Unbehagen erlitt. Ein kleines und ansangs sehr schwAchliches Sind sei zwei Jahre lang täglich mit konservirtein Schabefleisch gcsüttert worden und sei dabei prächiig gediehe». Das Berliner Polizeipräsidium habe den Werth des Konservesalzes voll und ganz anerkannt, denn bei der Eigenart des Berliner Marktes liegen zwischen Schlachlimg und Detailverkauf schon immer mehrere Tage und dazwischen verschiedent lichcr Transport bei jeder Temperatur, so daß ganz immense Mengen von Fleisch alS verdorben der Volkseriiäbrung entzogen werden würden, gebe es kein Mittel, um dem Fleische eine gewisse Frische zu erhallen. Nach Anhörung dieses Gutachtens nahm der Gerichts hos nur eine Fahrlässigkeit als vorliegend an, da flch das Delikt unter diesem neue» Gesichtsviinkte nur als Ueberlragnng darstellte und für diese längst die Verjährung eingetreten war, so muhte aus Einslelluug deS Verfahrens erkannt werde». Ter lchte Manrerstreik hat eine ganze Reihe Strafprozesse verursacht, von denen einer gester» vor der 2. Slrafkammer, als in der Berufungsinstanz, zur Verhandlung gelangte. Das Schöffengericht balte de» Angeklagten, den Maurer H. Wolf, des Vergehens gegen die Geiverbe-Oldnung für schuldig erachtet und ihn dieserhnlb, sowie wegen Körperverletzungzu einer Gesängnißstrafe von 2 Wochen und 1 Tage vcrnrlheill. Die Maurer beanspruchten eine» Stundenlohn von 60 Pf. Zu den zufriedenen Seelen, welche sich mit dem bisher ge- zahlten Stundenlohn von öd Pf. begnügte», gehörte auch der Maurer Sieginann. Am Abende des 22. Juni kam er von der Arbeit, als er an der Jannowihbrücke von deuiAngeklagten. welcher zu den Streikende» gehörte, angeredet wurde mit der Frage, ob er denn wirklich weiter arbeiten wolle. Als Sieginann bejahend antivortele, entfernte Wolf sich mit der Drohung:„Nun, Du wirst ja sehen, was Du davon hast." Am folgenden Morgen wnrde Siegmann wieder»»» von dem Angeklagten gestellt und gefragt, ob er sich znr Arbeit begäbe. Siegman» erwiderte, man möge ihn i» Ruhe lassen. Als er sich zum Gehen wandle, will er von dem Angeklagte» eine» Faustschlag gegen den Kopf erhalten haben. Dieser Sachverhalt wurde auch in der ziveiten Instanz festgestellt. Der Bertheidiger, Rechtsanwalt Löivenstein. führte au?, daß der Begriff der Drohung, welche doch unerläßlich sei, wen» der tz 1S3 der Gcwerbe-Ordiiung verletzt sein solle, durch die Worte: „Du wirst ja sehe», was Dn davon hast" nicht gedeckt werde. Es sei dies blos eine Warnung und nicht das Androhen mit eine», Uebel, welches doch in dem Begriff der Drohung liege. Man könne doch nicht Gedanken unter Strafe stellen. Der Staatsanwalt wies darauf hi», daß der Angeklagte selbst den Sin» seiner Worte durch den Angriff gegen den Zeugen Sieg mann in praktischer Weise erläiitert habe. Bei der Gepflogenheit der Gerichtshöfe, den Arbeiter vor den„nnberechtiglen Be> eiuflussniigei»" der Streikende» zu schützen, erwarte er, daß der Ge richishof das erste Urlheil bestätigen werde. Diesem Antrage wurde entsproche», die Berufung des Augeklagte» wurde verworfen. Kostenpflichtig abgewiese» sind die Lübecker Möbelfabrikanten mit ihrer berühinlen Klage gegen den Verleger und den Redakteur des„Lübecker Volksbote»", sowie gegen die Mitglieder der Lohin konnnission der Möbeltischler. Seit Ausbruch des Möbeltischler streiks in Lübeck erschien in dem dortigen Partei-Orga» an der Spitze des lokalen Theiles eine Notiz des Inhaltes, daß von einer Zlnzahl namhaft gemachter Möbelfabrikante» der Zuzug von Holzarbeitern streng fern zu halten sei. Unterzeichnet war die Notiz:„Die Lohiikoniniissioi» der Holzarbeiter". Die bezeichneiei» Fabrikanten klagten»»u gegen oben angeführte Personen auf Schadenersatz, in- dem sie in der besagten Notiz grobe» llnfug erblickten, was die Zahlung einer Entschädigung rechtfertige. Das am 28. Septeinbei verkündete Urtheil hat die Kläger kosleiipflichlig abgewiesen. Nach den Entscheid»ngsgrii»den ist die Klage rechtlich»»begründet. Ei» Schade» an Sachen oder eine körperliche Beschädigung käme» nichi in Frage. Es handele sich nur nin eine Dolusklage, die ziirBorans- setzung habe, daß die VermögenSschädigung vorsätzlich und nicht fahrlässig begangen sei. Die Beklagten würde» dann nur rechts- widrig gehandelt haben, wenn sie in die Privatrechte der Kläger eingegriffen haben würden. Das sei aber nicht der Fall. Ebenso wenig könne in der fraglichen Notiz grober Unfug oder eine Beleidigung erblickt werden. Die Veröffentlichung jener Anzeige in einem Blatte, das die Interessen der werklhätigeu Bevölkerung ver- trete, habe de» einzig erkennbaren Zweck, den sozialdemokratische» Arbeitern die Arbeitgeber als solche zu bezeichnen, bei denen Sozial- demokralen nicht in Arbeit trete» sollen. Eine Belästigung oder Bennruhiguug sei durch die Noliz auch nicht herbei- geführt worden. Die Koalitionsfreiheit schließe in sich, daß auch das Mittel der Presse znr Anivendung komme. Der Lohnkampf sei gesetzlich anerkannt, deshalb sei er auch nicht unsittlich. Unsittlich sei er nur, wenn Lüge oder Gewalt- Maßregel» i» Anwendung kämen. Hier könne von alledem nicht die Rede sein. Es fehle der Klage die Eigenschaft der Widerrechtlichkeit, deshalb habe das Gericht auch nicht ans die nähereu Punkte ein- zugehe» brauchen, welcher Schaden entstanden sei oder wer die Schädigung veranlaßt habe. Eine neue Ducllpriigekei. AuS Wiesbaden wird der „Boss. Ztg." berichtet: Der Regieriings-Neserendar Kurt v. Groddeck ist am 4. Oktober von der hiesigen Strafkammer ivegeu Zweikampfs mit süns Monate» Gefängniß(? soll wohl Festung heißen? D. R.) bestrast worden. Seinen Gegner, Gerichls-Referendar Eggers von hier, Husaren-Lieutenant der Reserve, hat bereits das Militärgericht abgeurlheilt. Die Veranlassung zu dem Duell war ein Streit in einem hiesigen Restailrant. Das Duell halle einen unbluligen Verlauf genouiine». Bo» der freie» Liebe im Gegentvartöstaate. Eine brave Gesellschaftsslütze spielte in einem ErpressungSprozesse, der am 2. Oktober vor dem Landgericht München I abgeurlheilt wnrde, eine beschämende ZengenroUe. Auf der Anklagebank saß die L7jährige Daincnschneiderin Mathilde Nenffert, aus Geislingen a.St. gebürlig, um sich wegen je eines Versuchs des Betruges und der Erpressung zu verantworten. Als einziger Zeuge erschien der verheirathete Dr. Friedrich Hauff, Fabrikbesitzer in F e u e r b a ch« S t u l t g a r t. Die Angeklagte daile vor dem Jahre I8S3 mit dem Fabrikbesitzer Dr. Hauff ein Liebesverhälluiß. Am 11. Februar 1894 lchenkte sie einem Knaben das Leben und bezeichnete ihren Geliebte» Dr. Hauff als den Vater des Kindes. Dieser beauftragte de» Rcchtsnnivalt v. Klauß, mit der Angeklagte» Vergleichsunterhnndlungen einzuleiten. Ilm NU» den Geburtstag des Kindes in die gesetzlich kritische Zeit lege» zu könne» und in den Besitz einer AbsiudlingSsnmnie von 3000 M. und 1S00 M. Mündelgeld z» koiinne», soll das Mädchen bei Entiverfung der Aerzichlsurkunde die beimißt unwahre Angabe gemacht haben, daß sie mit Hauff zuletzt am 28. April sexuellen Verkehr gepflogen habe, während dies in der That bereits am 23. März der Fall war. Nachdem die Berjichtsnrknnde entworfen war, wnrde das Mädchen ans den anderen Tag zur Unterzeichnung derselben in die 5kai,zlei deL Rechtsanwalts bestellt. Von Gewissensbissen geplagt, begab sich die Angeklagte noch am selben Abend zu Dr. Hauff und rechtswidrige» Vermögens� durch alle mögliche» Ver- Stellung in e i» e in einer Frau Leichle gestand demselben renmülhlg ein, baß nicht er, sondern ein Kauf- mann Glück in Slultgart, mit dem sie i» der Nacht vom 28. zum 29. April verkehrte, der Vater ihres Kindes sei.— Das Neat der Erpressung findet die Anklage in einei» Brief, den die An- geschuldigle am 4. Jinii 1897 au Dr. Hauff schrieb und in welchem sie denselben an sein Versprechen erinnert« und eventuell eine Deimnziation wegen Kuppelei K. in Aussicht stellte,, vorauf die Anzeige gegen das Mädchen erfolgte. Die An» geklagte, welche beim Verbör in eine» söruiltchen Weinkrampf ver- fiel, versicherte hoch»nid lheuer ihre Unschuld. Sie bestrilt ganz eulschteden, daß sie dem Rechlsamvalt v. Klauß bewußt unwahre Zlugaben bezüglich des Geburtsdalums ihres KiudeS geuiacht- habe, ebenso, daß sie sich dadurch«incii vortheil verschaffe» wolll«. Sie sei sprechungen a»S ihrer guten H o t e l d Ii r ch V e r ui i t t e l u» g berausgelockt worden. Dr. Hauff habe ihr bei einer Frau Hehl in Stuttgart«ine Wohnung g e m i e t h e t und fei für alle ihre Bedürsiufs« aufgekommen. Vor Unterzeichnung der Verzichts- Urkunde sei sie zu Dr. Hauff gegange» und habe ihn nntir Angabe des wahre» Sachverhalts kniesällig»m Verzeihung gebeten. Dieser habe sie zunächst in i t 2ö R» k h e n h i e b e n gezüchtigt und ihr da ii» verziehe». Die fraglichen 8000 M. seien ihr am fraglichen Abend schenkungsineise überlasse», aber schließlich nicht ausbezahlt worden. Auf ihr Billcii habe ihr dann Dr. Hauff die Schulden bei ihrer Mielhgebcrin bezahlt und 200 M. baar gegeben unter der Bediiiguiig, daß sie Stuttgart verlasse. Bezüglich des Erpressungsversuchs äußert sich die Angeklagle Nenffert dahin, daß sie Ihatsächlich von der bereits gciiaiinten Leichle. welche für Hauff Gelegeuheitsdieuste versah, an diesen verkuppelt wurde. Des weiteren behauptet dieselbe, daß ihr zur Abtreibung der Leibesfrucht und zur Reise nach Slraßburg 500 M. von Hauff angeboten wurden. Der Staatsanwalt wollte die Angeklagte zu einem Jahr und acht Monate» Gesäuguib verurthellt wissen, das Gericht sprach aber das bedaueruswerthe Mädchen von Schuld und Strafe frei. Wie der Polizist die Sozialdemokratie bis anf den letzte» Stumpf anörottct. Ueber eine vor der Slraskammer in Sl ar gard am Donnerstag stattgefmidcne Gerichtsverhandlung bringt die„Slarg. Ztg." folgenden Bericht:„Einen überaus schneidigen Hüter der Ordnung besitzt unser Nachbarstädtchcn Daber. Beim dies jährigen Schützenfest, am 8. Juni, war es dort hoch hergegangen. Auch Herr Rusch, der Polizeisergeaut des Ortes, hatte gefeiert und befand sich des Abends bereits in festlicher Stimililing. 'Als er nun des Rachls gegen 3 Ndr, ganz erfüllt von der Bedeiitnng seines Berufs und den hehren Pflichten der heiligen Hermandad, einen ArbeileH namens Pfaniienbeckcc, Redensarten führen hörte, die— man bedenke in einem Landstädlchen Pntlkameriins!— eine bedenkliche Hinneigung des Sprechers zu den Lehren eines Bebel verrielhe», glaubte iiiiscr Wächter der Ordiiniig das seinige zur Erhaltung von Slaat, Thron und Altar beitragen zu müsse». Er stellte den Pfannen bcckcr flugs zur Rede. Als dicier jedoch meinte, die politische Neber zengnng des stenerzahlenden Siaolsbürgers ginge die hohe Polizei garnichls an, kam es zu erheblichen Reibereien zwischen den beiden Männer». Nim wäre es dem Sergeanten Rusch— der sehr bald Hilfe gefttndeii halte— ein Leichtes gewesen, die Persön- lichkeit des Psaniienbecker, der von den Anwesenden gekannt wnrde und sich serner znr sofortigen Legiliination bereit erklärte, festzustellen, er zog es jedoch vor, den„Soziaidemokratcn" zu verhaften und unter Schlägen und Püffen zur Wache zu bringen. Aber noch nicht genug damit, auch ans der Wacbe juckte Herr Rusch unter Assistenz seines Sohnes, des Schloffermcistcrs R o b l o f f und des Feldwärters F r e e s e den vaterlandSlosen Gesellen durch Prügel an seine Pflichen zu erinnern. Donnerstag halte» sich der Sergeant Rusch wegen Freiheitsberaubung und M i b h a n d l n n g und die drei anderen Personen wegen Theilnahme an der Miß Handlung vor der Slargarder SIraskaininer z» ver antworten. Der Feldwärler Frees« sollte sich außerdem der Bedrohung verschiedener Einwohner von Daber»nd der Aiiiiahuie von Gesckenkcn im ülmie schuldig gemacht haben. Die Beweisausiiahiiie ergab die volle Schuld säminllicher Ülngcktagien in der Sache Psauneiibccker. Der Polizeisergeaut Rusch wurde zu vier Monaten Gefängniß, sein Cobn zu 30 M., Rohloff zu 10 M. Geld strafe und der Wärter Frees« im ganzen zu 1 Woche Gefängniß veriirtheilt. Von der Zinkiage der Bedrohung wurde Frees« jedoch freigesprochen."_ Vevsnntmlnttlgen. Tie Nabitzputzer waren am Montag im„Englischen Garten' versammell, um den Siliialionsbericht über die gcgenwärligrii An? stände entaegciiznnehnis». Wie ausgefuhrl wurde, konnte der Aus stand bei der Firma Zöllner nach cinlägiger Dauer bcendel werden, da die Forderung, 05 Pf. Sliindciilobii, bewilligt wnrde. Im Ausstände bcsindeii sich zur Zeit noch ei» Theil der Putzer von der Firma Knau er und der Firma S t ü w e. In der Diskussion wurde das Verhallen derjenigen Putzer herb krilisirt, die sich mit der Forderung erst wohl einverstanden zeigte», dann aber die'Arbeit wieder aiisiiahineii und durch ihr unsolidarisches Handeln ihicn Kollegen gegenüber die Ansständo in die Länge ziehen. Bei der Firma Knau er soll das sonderbare System, das von allen Rednern verurlheilt wurde, den Arbeitern eine Wcihnachtsgrutifik'ilioii für die Dauer ihrer Beschäsiigiing»nd nach monallicher Berechnung zu verabfolge», einen Tbeil veianlaßt haben, die Arbeit wieder aiisziinehineii. Von mehreren Rednern wnrde darauf hingewiesen, daß die anderen Nntcrnehiner, welche den Sluiidenlohii von 65 Pf. bezahlen, wiederholt schon gedroht haben, den Stundenlohn zu reduziren, da sie mit denen sonst nicht konkiirriren können. Nachdem die Aiissländige», von welchen ein Theil bereits anderweitig beschäftigt ist, eiiistiiiimig«rkläit hatten, »iiler den gegenwärligeii Umständen die Arbeit nicht aiisziinehineii, wnrde beschlossen, die Sperre über die Firma K n a u« r und die Firma S tu«« aufrecht zu erhalten, bis der geforderte Stundenlohn von 05 Pf. bewilligt wird. Die Ansständigen sollen eine Unter- stützuiig von 18 M. wöchentlich erhallen. Der Beitrag zum Streik- fonds wurde ans 25 Pf. pro Arbeitstag festgesetzt imd soll wöchcnt- lich von den arbeitenden Kollegen eingezogen werde». Mit der Leitung der Geschäsle während der Ausstände wurde Karl N i e k e betraut. Die Slreiklonliolle befindet sich bei S t a b e r» a ck, Jnselstr. 10. Tie Mcssiugformcr hielten am Montag im Lonisenstädlischen Konzertbause eine nur mäßig besuchte Versammlniig ab. S t o b s a ck schilderte ausführlich die Ursachen des Streiks der Eiseiisormer und den Verlans der Einigniigsverhandliiiigeii. Er betonte, es sei selbst- verständlich, daß die Mesiingformer, falls die Einigung der Eisen- foriner mit den Gießereibesitzeru nicht zu stände komm«, diesen Kampf ihrer nächsten Berussverwaiidlen mit allen Mitteln unterslütze». Eine Diskussion fand nicht statt, Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Im Zwcigvcrei» des Pcrbandrs deutscher Barbicr-Gc- Hilfe» berichtet« S t a r o s s o u über die Verhaiidlniigeu der Arbeits- »achweis-Koiiimissioii mit der Freien Vereinigung und empfahl, auf alle Fälle einen eigenen Kandidaten aufznnelleti. Die Veriaminellen erklärten Ihr Einverständniß hiermil; aber der Wichtigkeit dieser Frage und des schwachen Besuches halber überließ die Versammlniig die Aus- telluiig des Kandidaie» der iiächstenGeneralverfammlung. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß dieBilleis für das ani7. November statlfindende SlisluiigSfest beim Kafsirer zu haben sind. B a s ch w i tz wird als Vorsitzender gewählt. Die oben erwähnte Geiieralversainuiliiitg ludet am 14. d. M. statt. I» der Versammlniig der Miisikiiistrumentenarbeiter. die im Holzarbeiter-Verbande organisirt sind, hielt Herr Völker einen iiiteressaiilcu Vortrag. Der Vorsitzende wies aus die bevorstebende Delegirtenwahl zur Krankenkasse hin. Wcistcnsee. Der politische Arbeiterverein hielt am Sonnabend, den 25. September, eine Vereinsversainiiilung ab, in welcher Genosse Gr ein p» über»Rieseiifernrohre der Neuzeit" sprach. Köpenick. In einer öffentlichen Volksversammlimg erstatlet« am Donnerstag Abend der Genosse Nichter Bericht über die Thäiigkeit der Stadtverordneicii. Von den vierniidztvanzlg Stadt- verordiieteii-Mandate» entfallen bereils vier auf unsere Ge- nossen, die hier in alle Kommissioiien hineiiigewählt wurden. Im Bericht führte der Genosse Richter unter anderem an, daß bei Einsnhriiiig der neitgewählte» Stadlverordiielen der Herr Bürger- tneistcr unseren Genossen empfahl, ihre Thäligkeit nicht durch parlei- polilische Grundsätze beeinflussen zu lassen. Angebracht wäre dieser Wunsch des Bürgermeisters sehr wohl, jedoch nur bei der Mehrheit der Sladlverordneteii, die bei der Zentenar« und Sedanseier sich keinesfalls diesem Wunsche gefügt, sondern sich bei der Bewilligung von 150 Mark zur Deckung eines Defizits des hiesigen Kriegervereins, das demselben durch die Zenlenarseier«iilstaiiden war, dennoch von parteipoliiischcii An- schaimitgeil angenscheinlich haben leiten lassen. Ebenso verhielt es sich bei der Decknug eines Defizits von 81 Mark für die Schul- festlichkeiten anläßlich der Sedanfeier; hier wäre die Mahnung des Bürgermeisters recht am Platze gewesen. Auch einen kleinen Aiiquel scheint Köpenick zu besitzen, der in der Vesteiierung der uoihweiidigsten Geiiußniittel seinem erhabenen Vor- bilde nachstreben wollle, und zwar durch Einführung einer Bier- stener. Ein dahingehender Anirag wurde jedoch von der Mehr- heit der SladlveiWdncien mit dem Einversländiiiß des Magistrats abgelehnt. Die Erbauung eineS siädlischen Schlachlhanses wurde, obwohl der Magistrat»nd auch nnsere Genossen eifrig dafür eintraten, ab- gelehnt. Bezüglich des Neubaues eines Nathhanses, für welchen unsere Genosse» auch»inlralen, scheint die Mehrheit der Stadt- verordneten noch nicht zu haben zu sei». Ein«„große Baiieriistube" sei räumlicher als der hiesige Sladlverordneteii- Beralhnngsraum. Auch die übrigen Verivaltungsräuiile seien äußerst unzureichend. Bezüglich der imenlgeltlichen Lieferung von Lehrmitteln an Schulkinder wurde die Thatsacbe vom Referente» festgestellt, daß die für diese» Zweck im städtische» Hauehalt vorgesehenen 700 M. nur zur Hälfte verbraucht würde». Begründet wnrde die geringe Jiiansprnchliahme dieser Mittel damit, daß viele Eltern schulpflichliger Kinder glaublen, daß n» diese»nentgelbliche Lieferung der Lehr- initlel der Verlust politischer Rechie gebunden sei. Von der Stadt- verordiieteu-Versammlung ist jedoch besonders dabei betont, daß diese Unterftützmig nicht den Charakter einer Armeiiiinterstützung habe. Sehr im Argen liege die Straßenregulirung, Belenchlililg und Reinigutig, obwohl unsere Genosse» auch dafür größere Smumrn gern bewilligen würden. Hier sei der Stadt- Verwaltung ein Vorwurf zu mache»; denn diese erlheilte die Bau- erlaubniß an Straßen, die noch nicht rcgulirt wären. Auch koste die diesbezügliche Praxis des Magistrats der Stadt in unnöthiger Weise viel Geld; so sei einem Mtisikdireklor Bendt die Bauerlaubniß an einer nnregiilirteli Straße criheilt worden, der dann auch gebaut habe. Nachdem sei die Straße regiilirt und der Hos seines Grundstücks habe minmehr zirka 1 Meter unter dem Straßenniveau gelegen. Infolgedessen sei eine Klage gegen die Stadt von diesem Eigenthmucr angestrengt worden und habe diese im Versolg der Sache ca. 6000 M. an den Betreffenden zur Schadlos- hallnng zahlen müssen. Es sei auch zu erwarten, daß andere Eigen- lhümer in ähnlicher Weis« gegen die Stadt vorgehen würden. In den imregnlirten Straßen ist bei Regenwetter die Passage für Fuß- gäriger fast unmöglich»nd auch die ans die Straße fließenden Ab- wässer seien eine lhatsächliche Gefahr für die Gesundheit der Au- wohner. Trotzdem sei die Mehrheit der Stadtverordneten nicht für die Regiilirimg dieser Straßenzüge zu haben; dort wohnen ja auch nur Arbeiter und Proletarier. Ebenso stieß die Errichtung von öffentlichen Bedürfiiißaiistalten für Männer und Frauen auf Widerstand; genehmigl wnrde nur eine. Echliminere Zustände herrschen im hiesigen städtischen Kranken« hause�»nd erst der Thäiigkeit eines unserer Genossen in der Sanitälskoimiiission ist es zuzuschreibeu, daß die Aborte i» Gestalt von offenen Holzeimern, die wieder in einem Holzkaste» standen, ans den Krankenzimmern verschwunden sind. Als unsere Genossen iiiin den Antrag stellten, am Kraiikenhause einen Abort- anba» herzustellen und geeignete Ventilation einzurichten, blieb es einem der Herren Stadlverordiielen, der es jetzt nicht uöthig hat im Erkrantmigsfalle das städtische Krankenhaus anszusitche», vorbe Hai teil, aller Welt zu erklären,„daß ein derartiges K r a ii k e ii h a u s für Stromer»och gut genug sei, diese würden sich trotzdem noch dort wohl- fühlen!" Auch bezüglich der Bcsserstelluug der städtischen Schul- lehrer lrate» unsere Genossen mit selbständigen Anträgen ein, leider ohne Erfolg. Referent schloß mit dem Hinweise auf die»och in diesem Jahre sialtsindcnde Slndiveiordnelcn-Wahl und forderte die Arbeiter aus, bei derselben recht eifrig zu sein. An der Diskussioii betheiligten sich eine Anzahl Genossen, uiiter andeieii auch der Genosse Mehner, der bezüglich des Ertheilens der Ban-Erlattbniß an iniregiilirlen Straßen darauf hinwies, daß das ja garnicht anders sein könne, da die Grundbesitzer in den Stadtverordncten-VersantinUiiige» immer die Mehrheil hätte», und deren Wünsche und Fordernngeu deshalb weit eher berück- sichligt würden. Unter diesen Uinsländen kämen dann mich die Forderungen der Arbeiter bei einer derartigen Zusammeiisetzniig der Stadtverwaltung erst in zweiter Linie. Die Versamiiilniig wählte imnniehr ein Komitee für die im No- nember siatifindeiiden Stadlverordiieie» wählen, bestehend aus den Genossen W o i ck, H o f s m a n» und H e i n. Nach Annahm« einer 3!esol»tioii, die flch mit den AuSführiiiige» des Referenten einverstanden erklärt und die Versammellen veipflichtel, für die nächsten Siadtverordtteteiiwahlen cinzitlreie», wird die Versannnlung geschlossen. Landowniiiichiast d«r Dchtr-nilg.«jaltl«!»»». Heute abend« Sil Uhr, in Feueisiclin« tzestsiileii, itlie gakobste. 75: Zusammentuiist. ziMciit für Körp»,-»nt> lliitui'ljciihiuwc.(Beztrk Moabit) Thurmstrab« 25/26. Heute, abend« sx Uhr: Bortrag de« prakt. Noiurhetllinidiaeii Herrn O. tvrimdman» über:„Ein Bttck in da« Innere de« weiblichen und männtiche» Körper«"(Sähe, nur Herren, willtoimnen. Jeiitralorrrin der K»r«»»-2r»gefteIIten Zentschland».(Mttaltedschast Berit»> Tonnerstag, den 7. Otlober, abmds Bf Uhr, bei Schiller, fllosenthaler- liraße 57; Bortrag de« Herrn Dr. Heymann. Citigclaiifciie Triickschriften. Bon der..zienr» Zeit"(Stullaart, I. H. SB. Die«' Verla») Ist soeben da» 2. Heft d>S i«. Kahraangi erichlene». An« dem lfuhall Heden wlr dervor: Si» Humbug.— Ter Gozialismn« und die gewerbltchs Arbeit der Jugend. P oblcinc d.s Sozialt«»»!«. zwetle Serie. Von Ed. Bernstet».— Eine»nr lhetlwets« ans dein tiiteriialionalen Arbetterschnh-Kongreb gehalten«»lebe. Bo» P. Acelrod.— Tie ibeiverlschnstS-Bewegniia in Denischland tm Jahre 156».— Ltterartschi Mundschan.— fleuitteton: Der gelbe Domino. Lloman von»laicet Prevosl.(Jortschnng.) WlttormigSlibei ficht vom Oktober Wcttcr-Prognose für Mittwoch, dr» 6. Oktober IKK7. Theils heiter, theils wolkig bei srischcn nordöstlichen Winden, Nachlfrost und wenig veränderter Tages lemperalur; keine er- hedlichen Niederschläge. Berliner W e l t e r b ii r e a u. ZozlaldmMrMchtt Verein fiir den S. Berliner ReillMgs- Wahllirels. Dounerstng. den 7. Oktober, abends 8y, llhr. im Lokale des Herrn ISUIIij», R o s e n t h a l e r st r a s- e II-IS: Ordentliche General-Bersanttttlttng. Tages-Ordiiilng: 2lS/1K I. Vortrag deZ Genosse» Cii-einpv über: STotonirtTpotitll. 2. Dis- knsssoir 3. Bericht des Vorstandes und des Kassirers. i. Neuwahl des Vorstandest Vcreinsangelcgenheitcn und Verschicdcnest Um zahlrcichen Vcsuch bittet I»«i- Torstsud. .. Sozjllldmokratischer Wahlverein fm den L Verl. Relchstagg-Mahlkreis Wen). Lormtug, den io. Oktober 1894, tn L. Keller's Festsäleit, Koppenstraße 29: I. Stiftungsfest bestehend in Mal- und Inslrunienlal-Konzert. Auftreten der Gesellschaft u. des Turnvereins I'ivlltv. __ Von 6 Uhr an: TANZ. 243/14 Luisen-Theater. Sonntag, den 10. Oktober 1897, nachm. 3 Uhr: voUi«.V«rstvUi,iiA nnter Regie von Julius Türk. Mit neuer Ausstattung: WÜllGllll T Gl!, Wilhelm Tel!: gr. Kidaisch; Stauffacher: SBich. Rufs: Bertha B. Brunecl: Hedwig Martens; Gehler: Fr Knlig; Mclchthal: Julius Türk. Eintrittskarten ä 60 Pf. in de» bekannten Geschäften, ansterdem bei- «IV. Freitag. Belleallianccstr. 74»! Weiling. Zossenerstr. 32; Kunde, Heiinstr. 24;«. Merten, Prinzenstr. 109; Sonnenberg. Rittcrstr. 4,5; Bchrend. Reichcnbergcrstr. 8; Cadper, Marianncnstr. 26a; Kestler, Mariannenstr. 37; Henning. Skaliizerstr. 124; Popvc. Skalikerstr. 46»- Schäfer, Mantcuffclstr. 106; Röstler, Dresdenerstr. 2 1. Großer öffentlicher Vortrag im Heilverein Knbe für Damen und Herren in Kerlin W., Ahrens'sche Kranerei, Thurmstrasse 26, Ecke Stromstratze, Doutterstag, den 7. Oktober er., abends 8V- Uhr. Frl. M. Knbe, Naturheilkundige. über; Heirath und Ehe. Wen darf ich heirathen? Welches sind die Grundbedingungen einer glücklichen Ehe? 4siL3b Der Vorstand des Heilvereins Knbe. icWüngT Bixdorf. Ächtung! Der vom kLLAIMKt'KIIl Mölllflia am 23, Oktober geplante Uedcrabeml findet nicht in den Viktoria-Sälen, sondern am 30. Oktober bei«clinegelsberg, Hasenhaide Nr. 21. statt. Um Jrrthümer zu vermeiden, machen wir darauf aufmerksam, dast wir mit dem Gesangverein Gesangfreunde, welcher am 23. Oktober einen Liederabend veranstaltet, nichts gemein haben.«6/13 _ Gesaagyerein Melodia zu Rixdorf. New eröffnet! Residenz-Brauerei Schröder& Fich, Bernauersir asse 102, offerirt frei Haus, zum Selbstfüllen: Weissbler ?InI«biei? 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' reiches und pünktliches Erscheinen notwendig. 168/17 er Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. Otto N ä t h e r, fls, Anklamerstr. 44. Deutscher Metallarbeiter-Verband _(Verwaltungsstelle Berlin). Sonnabend, den 16. Oktober, in der Brauerei Friedricbshain(früher Ups), am Rönigsthor: Vokal- n. Instrumental-Konzert ausgeführt von Zivilbemfsninsikern unter Leitung des Herrn Waldemar Gnttmann, sowie dem Berliner Männerqnartctt„Harmonie". 161/2 USJT* Nach dem Konzert: Grosser Ball. Herren, weiche an demselben theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang Punkt'/-b Uhr. Billets 25 Pf. Alles Nähere besagt das Programm, tvclches beim Eintritt zur Ausgabe gelangt. Billels sind in allen Zahlstelle», bei den Kasstrern, sowie im Verbands-Bureau zu haben. N» der Kasse wird kein Billet verkauft. Die Vertrauensleute müssen bis Mittwoch, den 13. Oktober, mit den Kassirem ab- gerechnet haben, andenifalls gelten die in ihren Händen befindlichen Karten als verkauft und sind dcmgemäss zu bezahlen. IMe Ort«vem-altnns. M. Schneider L Oie. 11 SpiUelmarkt 11, Ecke Kurstrasse. Ricsen-Ausvcrhanf zu Selbstkostenpreisen willirt nur noch; Heute Mittwoch, sowie Donnerstag:, Freitag, Sonnabend, Sonntag. Zum Umzug! Kleiderstoffe, Seide etc. 1. e 1 n e n und Bnnmirollwaaren etc. Pietseh' Tanz- Sonntag, 3. u. 10. Okt., nachm. 4 Uhr Mittwoch, 6. u. 13. Okt., abends 8 Uhr Beg. neuer Lehrkursc. Anmeld, erbeten. Möhei anf Credit liefert hinaus bei auf AlUjtr vertbeilter Iahlungsmise Central-Möbel-Hallel BERLIN, EommandantenstraBse 51. 1 )errenuKnaben Größte Sluswahl in in- und ans- ländischen Stoffen für Paletots, Anzüge. Beinkleider ic. werde» unter Garantie des guten Sitzes zu überaus billigen Preisen schnellstens angefertigt im Tuchgeschäst b-t A. Karle, Waldemarstr. 66. spottb. Bert. Rosen- thalerstr. 4, III. l. Ich warne hiermit jeden, Frau Schwarz geb. Agnes Rose aus meinen Nanren etwas zu borgen, da ich für nichts auskomme. 32618» Max Schwarz, Gerichtsstr. 86. 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Um zahlreiche Betheiligung ersucht 161/4 Die Ortsverwaltung. Typographia. Küchstc Gesangstnnde Donnerstag._ Ich suche sreundschastlichen Anschluss an soz. Familie oder einzelne Person- lichkcit im Westen. Offerten unter Q. III nimmt die Exped. entgegen. Ei» Portemonnaie mit Kv M. Inhalt ist von einem unbemittelten Familienvater in der Ringbahn(anf der Strecke Koppensträsse— Hallesches Thor verloren worden. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen gute Belohnung an A. Romeiky. Schcnkendorferftr. 3, 3 Tr. abzugeb. Möbel. Möbel. In den neu ervaikten grossen Sälen Neue Schönhnuserstr. 2 (srüherRosenthalerstratze 13), Seitenflügel u.Ouergcbäude, erste u. zweite Etage, dicht a. Hackelchen Markt, werden neue u. verliehen gewesene elegante u. eins. Möbel zu jedem annehmbaren Preise ver- kauft; für Brautleute Und zum Umzüge ganz besonders ge- eignet: Nussbaum-, Mahagoni- Kleiderspinden u.Wäschcspindcn36, Waschtoilette», Stühle 3, Korridor- spinden 20, Kommoden 16, Bett- stellen m. 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Drechsler! In der Treppengeländer- Werkstatt von Püsebel, Mnskauerstrasse 27, und Voigt, Köpenickerstr. 54, wird der Tarif nicht bezahlt. Sämmtliche Kollegen haben die Arbeit eingestellt. 293/20_ Die Ortsverwaltnng. Klempnerlehi'ling verlangt Stange, Oppelnersir. 48. 10546 Tüchtige Liürschnergesellen im Hanse verlangt Louis Banchwiy, Neue Königstr. 8ä. � Tüchtige Kttrschnermamsells im Hause verlangt Louis Banchwitz, Neue Königstr 85. Zum Sonnabend, den 9. Oktbr. wird ein Tanzmaftre gesucht. Heesche, Grolmannstr. 17, 1073b Charlottenburg. Berfflberer verlangt Wienerstr. 9. Ccpidit Korbiiiaslitrgtstllt« auf runde Kugclkörbe. 60 Ps. Arbcissl. I Wl. W. Heitmann, Hamburg. DM" Versilberer-MsZ verlangt Blumenstr. 34, 2$r.[luSOB „Holzwerker" Bürstenmacher verll A. Viestenz, Ackerslr. 132. Betalldreher auf Gashähne verlangt. Grüner Weg. 5. 10796 Mamsells ÄrÄ; verlangt Niese, Weidenweg 10. 1087b! Baseblg, Wrangelsir. 4. Ein Schlosser, der schon in Fabrik- Reparatur- Werkstätten gearbeitet hat, wird verlangt. Orlainünder-Nnmmclsblirg. Jung. Mädchen, das eNvas Maschine nähen lau», find, angenehme Stellung. Kroll. Urbanstr. il0. lOSDb Beraiiiwortlichei Redakteur: August Jacobe», in Berlin. Für den Jnkcrntentbeil uermitwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. 233. 14. 8. Kililge des Jsrm W berliner MlksdlM. mm«,,«. IrnkovnetkronAsrv MongveH fiiu Avbvitv v�Gefetzge b«NA. ® v» f f e l, ben 2. Oktober. Dle Imifle Reihe der Skonßveffe, die umhvenö der Dauer der hiesige» WeUmiKsteUimg hier abgehallen worden ist, wxrde geschlossen durch den Kongreß für illrbeiter-Gesehgebniig. Dieser Kougreh sollte gewisserinaßen die Fortsetzung bilden der Berliner Konferenz non 1890, der soviel Bedeutuiig deigeinesse» wurde»ud die so wenig Früchte gelragen hat. Der erste Punkt der Tagesordnung:„Die Slrbeilerschutz-Gesehgebuug in den verschiedenen Ländern seil der Berliner Konferenz" belnndet deutlich die Stbsicht, diesen Kongreß als mit der Berliner Konferenz znsainuienhängend erscheinen zu lassen. In einer früheren Korrespondenz habe ich auch schon erklärt. warum die sozialistische Partei Belgiens es ablehnte, osfiziell am Kongreß betheitigt zn sein. Den einzelnen Parteigenossen war jedoch freie Hand gelassen»nd so habe» denn auch die Gen. Proff. H. Denis»nd L. Bertrand daran theitgenoiimien. Von den bürgerlichen Sozialpolilikern waren u.a. folgende Herren erschiene»: Brentano, v. Berlepsch, Echnioller, Philippovich, Herkner, Balleronx, AoeZ Gnyot, v. Mayr, Werner Soinbart, H. Denis, Hitze zc., eine Anzahl belgischer»nd ausländischer Akademiker, etliche Arbeilsinspektoren, Arbeiter jedoch garnicht. Die Berichte lagen gedruckt vor; einige davon ivare» von größerei» Werth; die Debaue» waren hie und da sehr inleressant, aber iiothwendigerweise bewegte sich die Diskussion in zeremonieller, steifer Art; der akademische. profefsorale Ton herrschte vor. Ter allgemeine Eindruck, den die Debatten gemacht, blieb noch hinter den geringen Erwartungen zurück. Im Gegensatz zum Arbeiterschutz-Kongreß zusZürich, wo nur das wieviel? i»id wie? des Arbeiterschntz-AntrageS in Frage kam. drehte» sich die Debatte» vielfach nm daS Prinzip des staatlichen Arbeilerschnhes. Die Anhänger der Staatsintervenlion hatten allerdings nicht allzu große Mühe, die Argumente der manchesterlichen Fossilien zu widerlegen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung lag ein gedruckter Bericht des Mr. Varlez vor, in dein dargelegt wurde, daß seil 1890 innerhalb der belgischen Gesetzgebung bezüglich des ArbeiterschntzeS ein wesentlicher Fortschritt nicht zn verzeichnen sei. Der General. direktor der belgischen Bergwerke H a r z v versuchte, diesen Belianp tnngen entgegenzutreten; er hob hervor, daß die Gesahr für Leben und Gesundheit der belgischen Bergleute in dem Zeitraum von 10 Jahren von 21,10%o gesunken ist aus 18,81 0/oo. Herr von Berlepsch sprach über die Verbesserungen, welche die Gesetzgebung in Deutschland herbeigeführt hat beziehentlich der Fianen- und Kinderarbeit und der Arbeit i» besonders gefährlichen Industrien. Der staatliche Arbeiterschutz liabe gute Resultate gezeitigt, die öffentliche Meinung sei ihm günstig, selbst einer gewissen Regelung der Slrbeit der Erwachsenen. Es sei zn hoffen, daß um» aus diesem Wege noch viel weiter gehe als heute. Hubert V n l l e r o u; lFrnnzose) betonte, daß die Berliner Konferenz keinerlei Einfluß an die Gesetzgebung ausgeübt habe. I» Frankreich sei man gegen die Intervention des Staates. Rassalowich sprach von den Arbeiterschuhgesehe», die in Rußland zn gniisle» der Frauen und Kinder erlasse» sind und mit großer Strenge durchgeführt würden. Die Maxjmal-Arbeilszeit der Erwachsenen betrage ll>/z Stunden inkl der obligatorischen Pansen. Herr Strauß, ei» belgischer Manchester- mann, versuchte, wie schon so manchmal, den gesetzliche» Arbeiter- schütz in Grund und Boden hinein zn reden— ohne Erfolg. Brentano und v. Mayr wiesen mit Leichtigkeit seine schiefen Anffaffnngen zurück, die er über die deutschen Verhältnisse»nd Gesetzgebung zum besten gab. Av es. Gnyot ist von derselben Schule, wie Strauß. Er beschränkte sich darauf, die angeblichen Rechtseingriffe aufzuzählen, die durch die Schutzgesetze in Frankreich vorgekommen seien, von Philoppovich hob hervor, daß Oesterreich schon 1890 die in Berlin anfgestellte» Grundsätze rcalisirt babe und daß seitdem große Fortschritte gemacht worden seien. Im Jahr« 1396 sei von liberaler Seite der Antrag gestellt, die zehn- stündige Arbeitszeit einzuführen. Ec verweist ans die italienischen Kinder, die, Sklaven gleich, in die französischen Glashütte» verkanst würden. Zur Frage der gesetzlichen Siegelung der Arbeit von Erivachsenen sprach zunächst der sozialdemokratische Slb- geordnete in der belgischen Kammer, Prozessor H. Denis. Er zeigt«, daß alle Statistik und alle Erfahrung z» gnnsten der gesetzlichen Regelung der Slrbeit auch der erivachsenen, männliche» Arbeiter spreche. Man brauche ja nur Ver- suche anzustellen auf breiter Grundlage, wieweit die Arbeits- zeit verkürzt weiden kann, ohne die Produktion zu beeinträchtige». Er schlug vor, daß diese Versuche in Belgien nnler Aussicht der Arbeitskannnern gemacht meide», und zwar ans Kosten des Staates Nachdem die anwesende» Manchesiermäniier mit ihren alten Gründen gegen diese Vorschläge prolestirt hatten, nahni H e r kri e r- Karlsruhe das Wort, um in glänzender Rede die Rothwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung darznthnn. Die internationale Regelung des Arbeiter- schütz es glaubte jedoch dieser selbe Redner nicht empfehlen z» können. Die Verhältnisse in den einzelnen Ländern seien zu ver- schieden, nm eine übereinstimmende Gesetzgebung herbeiführen zn können. Nur für einige Zweige der Gesetzgebung sei es möglich; so könne die Nachtarbeit der Fräne», die Slrbeit in den gesnndheits- gefährliche» Berufen mis internationalem Wege ihre Regelung finden. Philippovich und von Mayr waren dergleichen Ansicht. E p i e r- Franksnit hoffte, daß der Kongreß eine iuler- ualionale Verständignug herbeizuiühreu beiiiagcn möge. Zur Frage der Regelung der Arbeit im Kleingewerbe gab Herr Hitze, der«lbgeordnele des Zenlrilnis, zu, daß vor allein der Arbeiter des Kleinhaudwcrks des gesetzliche» Schutzes bedürfe. In Deutschland sei aus diesem Gebiete bereits einiges ge> fcheijeii; so habe man auf gesetzlichem Wege die Slrbeiisverhnllwsse der Böckereiarbeiter und der Konscktionsarbeiler geregelt; vieles bliebe aber»och zu lhnii übrig. Wittelshösser(Wien) sührt aus. die Fabrikgesetzgebung in Oesterreich, von den Konservativen im Jahre 1883 begonnen, habe den Zweck gehabt, das Leben der K l e i ii i» d» st r i e zu verlängern. Aber seitdem babe man längst erkannt, daß die Ucbelstände in der Kleiniiidnslrie und in der Hmisiudnstrie weit gröbere seien, als in den Großbetriebe». Herr v. Berlepsch erklärte sich im allgemeinen einverslande» mit seinem Vorredner. Dem gänzlichen Verbot der Hausindustrie könne er jedoch nicht das Wort rede», nur eine Regelung derselben sei zn empfehlen. W. S o in b a r t- Breslau zeigte, daß i» dieser Frage sich zwei Momente gegenüberstehen: Das Wohlergehen der Arbeiter und die Existenz des Äleiiihaiidweiks und der Hausindustrie. Der Redner betonte die Nothwendigkeit des Fortschritts der Produktion. Eine Regelung rückständiger Prodilklionsverhältniffe halle die ProdnktionLkiäste gefangen, drücke die Widerstandskraft der Arbeiter herab und mache das Koalitionsrecht illusorisch. R a d n- Rnniänie» erklärt, daß die rumänisch« Regiettnig die gesetzliche Siegelung ans diesem Gebiete begonnen habe. Die englische Fabrilmspeklori» Miß Andersen spricht von ihren Erfahrungen, die sie während ihrer Anitsdauer gemacht. Sie wandle sich mit großein Erfolg gegen Joes Gnyot, Strauß und die anderen Manchestermänuor. Bei der Bespreclinug über g e s n n d h e i t s s ch ä d l i ch e In- dustrien sprach M. H e n r o t t e sich sür eine inlervationale Siegelung beziv. Verhol der Fabrikation des weißen Phos- p h o r S aus. Zur Frage der F a b r i k i n s p e k l i o n snhrte van Laer- Lille aus, daß i» Fraiikreich die Präsekten sowohl als auch die Sladlverwaltnngen den Fabrikiuspekloren vielfach Hinderuisse in den Weg stellten; es sei vorgekommen, daß Direktoren von Fabriken die Juspektore» in ihre Betriebe nicht haben eintreten lassen. Die Inspektion sei ganz unzulänglich. Von 300 000 Etablissements seien 200 000 gar nicht, 75 000 einmal und nur 25 000 zweimal besucht worden, v. Berlepsch fügt dieser Mittheilung hinzu, auch in Deutschland habe die Jnspeklio» erst mit dem schlechten Willen der betheiliglen Kreise zu kämpfen gehabt. Jetzt aber lasse s i e n i ch t S mehr zu wünsche u übrig, man fei allgemein zufrieden mit ihr.(!?) v. Philippovich lobt i» ähnlicher Weise die österreichische Fabrikinspektion. Die Errichlnng eines internationalen Arbeits- b u r e a u s hält Denis zlinächst für unpraklisch. Man müsse in erster Linie für eine vergleichenbe internationale Statistik sorgen. Diese müffe der nationalen nnd der internationalen Arbeiter-Gesetz- gebilng vorarbeiten. Dies Institut bedürfe keiner Autorität, als der Wissenschast. Die Regierungen dürften es ka»m ablehnen, solches Werk zu nnterstützen. Schmoller, v. Mayr, Rassalowich, Brants stimmen dem Refereuten bei, aber sie versprechen sich nichts von der Privni-JiiUialive. Nach den üblichen Dankesreden und nach einem Schlußwort des Präsidenten fand der Kongreß am Donnerstag sein Ende. Einen Wiederhall in weiteren Volkskreisen haben die Verband- lungen dieses Kongresses nicht erweckt. Nnd praktische Erfolge sind noch iveniger zu erwarten. Als 1890 die interiiationale Arbeiter- schntz-Konferenz in Berlin slallfand, standen die Regierungei, hinler den Delegirten nnd besonders in Deutschland erwarteten hofinungs- frohe Gemülher von der deutschen Regiermig, welche die Tagung znsaminenberufen Halle, große Dinge. Die Brüsseler Konferenz jetzt ivar nur ein« Versammlung von Privatpersonen und ihre Theilnehmer, die vor einem halben Dutzend von Jahren noch hohe staatliche Slemter bekleideten und Einfluß besaßen, haben aus ihren fiaailicheu Stellungen weichen miissen und haben nur noch die Bedeutung, die sie sich durch persönliches Auftreten zn ver schaffe» verstehen, lind das kann nicht allzuviel sein, da sie fast ebenso fern, wie ibnen der Staat gerückt ist, von den Massen stehen, deren Lebeusinleresse» zur nachhaltigen und unentwegten Forderung des Arbeilerschutzes dränge» und die durch selbstgewählte Vertreter ihre Interessen zur Sprache brinaen. Soziales. Die Kürperlänge»»screr Fabrikbcl'ökkerung und Groß- städter ist im fortgesetzten Rückschritt beguffe». und der Zeitpunkt rückt immer uäber, boß das Maß der Rekruten viel niedriger gesetzt werben muß. wenn mau die Heeresstiule ans der Höhe erhalten will."... Der Körper unseres Fabrikarbeiters„ist degenerirt nnd daher ilnfähiger, zu widerstehen, was man schon daran erkennt, daß d i e in iltlere Lebensdauer desselben sinkt und seine Kinder einer größeren Sterblichkeit an hei in- falle»." Diese Ausführungen befinden sich in den„Blättern für Handel, Gewerbe»nd soziales Leben", dem Beiblatt der„Magdebnrgischen Zeitung", einer in der Molle gefärbten Gegnerin deS durchgreifenden ArbeiterschntzeS, den unsere Partei foi der! nnd der allein der Degeneration der arbeiteiideu Bevölkerung eine» Damm setzen kann. Eine RiiökuiiftSstellc, wo RechtSbelehrnng über die Arbeiter schntzgesetze sc. erlheilt wird, ist auch in K o b u r g von den orgaiusuten Arbeitern geschaffen worden. In Mainz war von unseren Parleigenoffen vor etwa vier Jahren beantragt worden, es möge auf grund von§ 119«. der Geiverbe-Ordmmg ein Orlsstatnt erlassen werde», wonach die acht- tägige Lohnzahlung einzusühren sei. Der Antrag ist jetzt von den Stadlverordneten abgelehnt worden. Die„Niainzei Volkszeitnng" lheilt darüber n. a. mit:„Es war uns bekannt, daß die vetflossene Hessische LndwigSbahn für den Antrag nicht zn habe» ivar, weil er ihr den Prosit dadurch etwas verkürzt hätte, daß sie, statt ihren Arbeitern allmoiiatOeh und vieizehu- lägig eist den vollen Lohn zu zahlen, infolge des Antrags mit de» Arbeitern hätte wöchentlich rechnen müssen und hierdurch vielleicht eine» Mann mehr ans ihren BnreanS gebraucht hätte. Die königlich preußische großherzoglich hessische Slaalsbahn hat sich nicht ganz ablehnend zu dem Antrag verhalten, allein sie war auch nicht so ganz damit einverstanden. Das mar unseren Großbomgeois auf dem Stadthanse und der Bürgermeisterei Wasser auf die Mühle geliefert— jetzt hatte man Anlaß, den Antrag einfach abzumnrlse»! Und das ist denn auch gründlich geschehen." Tic Entwilkliliig einiger Konsnmvrrrine von Leipzig»nd Vororte» veranschaulichte die„Leipz Vvllsztg." in einer imeu'ffaiiten Tabelle, die wir hiermit folgen lassen: Kons,»». Mitaliederslmid Waarennmsah Dividende verein.otilgueoeiitmio Mk. in Mk. 1895/96 1896/97 1893/06 1896/97 1896.97 ' Pkagwitz 10 933' 1.3343 3 579 416' 4 489 923' 421 994 Eniruzsch 8 058 8 576 785 489 969 479 03 900 Neusct.öneleld 1 640 1 639 405 074 429 738 40 401 Oltvorstadt 1 736 2103 440 981 574 863 56 502 Stötteritz 1 392 1 6 8 411626 401 404 47 624 Connewitz 1 270 1 443 859 641 450 863 49 495 20 029 23 719 5 962 227 7 415 270 711 916 Die Gcschiiftittage in Großbritannien wird als sehr be- sriedigend angesehen, da die Anssuhr an britischen Pcodnkte» für den Monat Juli, sür weleben offizielle Aiisiveise vor einigen Tagen erschiene» sind, 142 313 Lstrl. oder 0,6 pCl. mehr betrug, als im enlsprechenden Monate des vorigen Jahres; die Wiederancsnhr vo» ausländischen, beziehentlich.Koloiiialvrodntlen belrng 5 014 337 Lstrl. gegen 4 250 332 Lstrl. im Monate Juli vorigen Jahres. Albcikcrschllti-GesoNgcbnng in Argriltinic». Wie die in Buenoc Styrcs eisehelnenlc„Prensa" berichlei, läßt die argentinische Sie- giernng gegenwärtig eine Anzahl gesetztiehe Schutzbestimninuge» für die Arbeiter der JiidtislrieliiidLattbwuthschail ausarbeiten. Früher hat man den Forderungen der Arbeiter nur menig Beachtung geschenkt. Naclidcm sich die gemeikschafllicheii Arbeiterverbäiide in Buenos Slyres, La Plata, Corrientes mid Coidoba bei zahlreichen Gelegeu« heilen die Ilnerkennung als politisct er Machlsaktor erworben haben, ivill»»» die Regierung einen Maximal- Arbeitstag vo» 9 Sinnben für die Städte nnd von 10 Stunden sur das Land einführen. Weiler soll die Slrbeit der Kinder unter 14 Jahre» nnd die der Frauen bei Nachizeit verboten werden. ttcbcr eine techuischc Ncncrniig i» der Gußeisenfabrikatio» wird ans Amerika dertchitl. Sie besteht darin, daß das flüssige Eisen aitS den Hochösen nicht mehr in Sandbetlen läuft, sondern ans einer endlose» Kette in Gnßforme» geleilet wird, wo es erkaltet. Di rch diese technische Neuerung, die von dem Direkior der Earnegie- Werke, Herrn Jones, eingeführt worden ist, wird die vor den Hochöfen beschastigle Mannschaft um 60 pCt verringert. Nur sehr kräftige innsknlöse Männer konnten die schwere Arbeit, die Oese» auinslechen»nd das siüisige Eisen in die Formen zn leiten, ans- hallen; sie bekamen dafür pro Mann nnd Tag 21/1 Dollar, während die übrigen Hochofen-Arbeiter nur l'/e Dollar Lohn erhiellen. Die Unlernehiner ersparen also durch Einführung der Neuerung große Suiumeu au Lohn und könne» infolge dessen leichter konkurriren. Rußlands Grsaninitbevölkcrnng. Nach den neuesten Berichten des russifche» Statistischen AmteS haben die Feststelnnige» auf grnnd der Steuerliste» nnd der allgemeinen Zählnngen der mili- lärischen Aiishebnugslommissionen ans de» Jahren 1896 und 1897 eine Gesaminlbevölkerung von>80 Millionen ergebe». Eine genaue Zählung ist dies allerdings nickt, jedoch soll soviel feststehen, daß die bis- herige Annahme von 80 bis 83 Millionen Einwohnern für das europäische Rußland bei weitem zu niedrig sei. Es könne vielmehr behauptet werden, daß schon jetzt die europäische Bevölkerung der Zahl von 100 Millionen kaum noch fern stehe, während sur das asiatische Rußland die Bevölkerungszahl vo» 80 Millionen aus der allerniedrigste» Schätzung beruhe. Die große amlliehe Zählung der Gesammtbevölkerung, wobei vo» jedem Einwohner das Religions- bekenutniß, die Sprache, Volkszugebörigkeit und Berufslhätigkeit er» mitlelt werden soll, beginnt der umfangreiche» Vorarbeiten wegen erst im Jahre 1900 und dürfte mindestens anderthalb Jahre Zeit in Anspruch nehmen.__ Der Verein der ckicinischen Jndilstrie Deutschlands hielt am 26. September in Baden-Baden seine Generalversainuilnng ab, in der bei Verlesung des Geschäs'.sberichls miigetheilt wurde, daß die Gesammtprodnklion in diesem Industriezweig im vorige» Jahre um 3,7 pCt. gestiegen ist und die Durchschnittszahl der Arbeiter um 5,2 pCt. zugenommen hat. Die Arbeitslöhne haben sich im gleichen Zeilranme von 103,4 Millionen auf 113,7 Millionen Mark erhöht. was pro Kopf des Arbeiters berechnet eine Steigerung vo» 894,16 auf 906,58 M. ergiebt. Diese geringe Zunahme der Löhne dürfte im weseiillichen durch Ueberslundenarbeit erzielt sein. Nicht minder günstig gestaltete sich die Ausfuhr, die dem Werihe nach um 6,5 pCt. stieg. Der Bericht konstatirt bei der stark anftretendeu Konkurrenz einen Rückgang der Preise. Infolge dessen ist die durchschnittliche Rentabilität der chemischen Slkiieu-Fabriken, wie aus den Bilanzen festgestellt wurde, von>2.71 pCt. ans 12,30 pCl. gesunken.— Immer» hin noch ein sehr respektabler Prosit. DaS Rohöl Kartell der Lsterreiehisch-imgarischen Petrolenm- Jndusirie tritt an, 1. Oktober in Lemberg zn einer General» versamnilmig zusammen. Wie verlautet, soll die Kündigiing des bestehenden Kartells per 1. April 1898 ausgesprochen werden. Der Grund der Kündigung liegt hauptsächlich in der Thatsache, daß verschiedene bedeutendere Prodnzenteii Rohöl nnler dem Kartellpreise an Ralfinerien veikault haben. Die Leittmg des Zeiitral-Vcrkaussbnreans soll übrigens, wie dein„Wiener Frdbl." iniigeiheill wird, beabsichtigen, gegen die Vertragsbrüchigen Kartelltheilnehmer auf grnnd der vor- liegenden, rechtsverbindliche» Verträge gerichtliche Schritte einzn- schlagen. Bei der Generalversammlung sollen auch Bcsehlüffe zur Bildung einer Geiioffeiischast zum Zwecke eines gleichmäßigen Ver» kmises des Rohöls— auf ähnlicher Basis wie die Vereinigung der Zuckersabrikaitten— gesaßt werden. Sozioklo MvchtsUfkvAS. Für Mäutclnnhcrinncn ist eine kürzlich gefällte Entscheidung der Kammer I des Gewerbegerichts vo» erheblicher Bedeutung. Die Näherinnen Geschwister P. lieferten eines Tages ihrer Arbeitgeberin Filchbach einen Mantel. Dieser wurde von der Frau Fischbach über die Modellpuppe gezogen und dann von ihr ohne ein Wort des Tadels beiseite gelegt. Als später die Kundin, die den Mantel bestellt hatte, ihn anprobirte, da stellte sich heraus, daß er schief war. Die beiden Näherinnen wurden demnächst von Frau Fischbach eingeladen, den Mantel zn besichtigen und eventuell zu ändern. Sie erschienen vergeblich, denn die Knudin blieb ans. Als die Kund!» dann kam, waren die Näherinnen nicht da; man hatte sie nicht vom Erscheinen der Dame»ntmichlet. Nunmehr ließ Frau Fisehbach den Mantel van einer anderen Arbeiterin ändern, indeß nicht zur Zufriedenheit der Knndi», den» diese venveigerte intnmehr die Annahme. Für den Schaden machte Frau Fischbach jetzt die Fräulein P. verantwortlich, die sich darauf a» das Geiverhegerieht mit dem Antrage wandten, sie zur Zahlung von 21,35 M. zn vernrlheile». Die Kammer 1 erkannte»ach ihrem Antrage. Der Vorsitzende Hellimg führte ans: Schon weil die Beklagte keinen Tadel misgesproche» habe, nachdem der Mantel über d-e Puppe gezogen nnd besichtigt worden war, sei anzunehmen, daß die Zl b n a h in e des Kleidungsstückes r e ch t S v e r- biiidlich erfolgte. Dazu komme, daß Beklagte die Aenderung nicht den Klägerinnen überlassen habe. Sie hätte ihnen die Möglichkeit b i e t e» m ü s s e n, d o» M a» t e l selber zu ändern um sich vor größerem Schaden zn schützen. Somit Habs Beklagte vernrtheilt werden müssen. Eine ganz eigenartige KrankffetiScrsckicinniig brachte den noch jugendliche» Knischer Sawallich in den Verdacht der Siinu» l a t i o n. S. bezog wegen der Folge» eines Beinbruchs eine Ulifallrente, die zuletzt rechtsgiltig auf 20 pCt. der Vollrenle herabgesetzt worden war. Ii» März 1896 beantragte S. eine Er« höhung der Rente, indem er geltend machte, sein Znstand habe sich ver- schlimmert. Er legte ei» ärztliches Gutachten vor, daß ihn sogar fürvöllig erwerbsunfähig eiklärte. nnd zwar mit Rücksicht auf Zncknnge»(Krampf» flöße) des linken Armes. Die Bernssgcuoffeiischaft lehnte seinen Antrag ab. Ihr erschien nicht nur der Zusammenhang der Zuckungen� des Armes mit dem Beinbruch z weiselhast, sie»ahm auch an, daß S. übertreibe, hatte ihn doch ein Arzt für einen geiiebenen Siinnlanten erklärt. Das Schiedsgericht Holle dann«in Gutachten des Kreis- physikus ein. Dieser erklärte die eigenartigen Zuckungen deS linken Armes für Folgen des Unfalles nnd schätzte die Erwerbs- Uiisähigkeit des Klägers ans 50 Prozent. Der Verdacht der Siinnlalio» fei haltlos. Ans Verlangen der Berufs- genosseiffchaft erstattete dann noch Professor Eule» bürg ein Gntachlen. Auch dieser erklärte eine Simulation für völlig ans- geschlossen»»d machte dann ans grund der Akte» nnd seiner Beobachtungen folgende iiiteressaiite Ausführiiiigc»: Die Zuckniigen hätten hrgoniien, als S. sich im Jahre 1891 seil etwa zwei Monaten in ter Heimstätte in N t e d e r- S ch ä n h a u f e n befunden habe, wo er sich einer mediko-mechamiche» Behandlung habe unterziehen sollen. Es sei v e r h ä i> g n i ß v o l I gewesen, ihn dorthin zn schicken. Weit von der Heinialh«zstfernt, sei er in die Nähe Berlins nnd in ein Milien verschlagen ivoiden, das als eine unerhört günstige Brutstätte für die Züchtung vo» funktionellen Nerven leide» jetzt so ziemlich von allen ärztlichen Autoritäten dieses Faches anerkannt nnd gewürdigt werde. Gerade in der Zeit, >vo S. die Heiiiislätte bezog, feierte dort die venentdecklo. traumatisch« Neurose noch ihre Triumphe. I» dieser gefährlichen Untgebung sei S. krankhaft erregbar iliid hypochondrisch geworden, nnd er habe über Schmerzen gellagt. Am 29. Dezember habe man ihn denn aus dem Bett ausstehe» nnd gehe» lassen ll»d ihn anfgesordert, sich zufainmen zn nehmen. Da»» sei er an Vriist nnd Rücken in für ihn sehnierzhaster Weise beklopft worden, nnd schließlich auch am linken Knie, wobei nach seinen Sliigabeii das Bein in die Höhe geschnellt nnd er am ganzen Körper vor Schreck zusaniineiigeziickt sei. Arn folgenden Morgen sei er dann mit dem Krampf aufgewacht. ES sei nichts Selienes, daß unter dein Eiiiflusi von plötzlichem Sehieck Krämpfe entständen; man rede dann von Schrcckneurose. Mit größter Wahr- scheiulichkeit sei dazu auch der Krampf im vorliegenden Falle zu rechnen. Ei» direkter ursächlicher Zusamuie»hang zwischen dem Krampf imd dem Beiiibrnch bestehe indessen»icht. Enlenburg schätzt die Erwerbsunfähigkeit des Klägers ans 40 pEt. Das Schiedsgericht vernrtheilt« nun die Bernssgeiioffenschast, die Rente des Klägers auf 40 pCt. z» erhöben. Es nahm an, die Zuckungen seien als Unsallfolgen zn belrachte»; wenn sie mich nicht direkt mit dem Unfälle znsamme»- hängen, so seien sie dreh durch die infolge des Ilnsalles iiothivendig gewordene Behnndlni g enlstanden. Letzteres gehe ans dem Ober- gnlachte» hervor. Das R e i ch s- V e r s i ch e r u n g S a in t hob jedock die Enlscheidttiig auf nnd stellte die frühere Rente von 20 pCt. wieder her. Eine Erhöhung einer r e ch t s g i l l> g fest» siedenden Rente sei nur zulässig, wenn eine Verschlimmernng im Zustande des Verletzten seit der rechtsgiltig erfolgten R e n t e n s e st s e tz» n g erfolgt sei. Dassel hier nicht der Fall. da die Krampferscheinunge» damals schon bestanden, Miir bcii Inhalt der Inserate nberninimt bie Nebaktion beut Piiblikni» gegenüber keinerlei _ Tleraniiiioriiiiig. TlzrÄtev. Mittwoch, den&. Oktober. Opernhaus. Der Evangelimaim. Phantasien inr Bremer Raths- keller. Anfang 7 Uhr. Neues Operntheater. Geschlossen. Schauspielhans. Das Winter- Märchen. Anfang 7i/z Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 71/2 Uhr. Berliner. Die Maschinenbauer. An- ssang 7r/z Uhr. Goethe. Othello. Anfang 7V2 Uhr� Lessing. Das Tschaperl. Anfang m 71/2 Uhr. Neues. Aschennittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Anfang 7l/z Uhr. Residenz. Die Einberufnug. An- fang 7V- Uhr. Schiller. Ein Tropfen Gift. Anfang 8 Uhr. Unter de» Linden. Pariser Leben. Anfang 71/2 Uhr. Luisen. Preciosa. Anfang 8 Uhr. Thalia. Das Krokodil. Anfang 7V, Uhr. Ostend. Jngendbronnm. Ansang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 71/2 Uhr. Friedrich- Wilhelmsliidlisches. Das Zeichen des Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Nlexanderplatz. Metella. Anfang 8 Uhr. NeichShalleit. Spezialitäten. Anfang 7 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage- Pauoptiknu«. � Indisches Dorf. (Wallner-Theater). Mittivoch, abends 3 Uhr: Ein Tropfen Gift. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Freitag, abends 8 Uhr: Madame Bonivard. Lnisen- Theater 34. Reicheiibergerstrape 34. Abends 8 Uhr zu kleinen Preisen: Preciosa. Schauspiel in 4 Aufzügen v. P. A. Wolff. Musik von Carl Maria von Weber. Morgen, Donnerstag:. Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Direkte Verbindung mit deni Theater: Elektrische Bahn: Dönhoff- Platz— Reichenbergerstrasse in 10 Minuten. Ostend-Theater. Gr. Franlfnrtersir.l32. Dir. C. Weist Zum 20, Male: Jttgendbronnen. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag Nachmittag Volksvorstellung: Die Lieder des Musikaiiteil. ksszAge-fanoplieum. Iiidi8eKe8 Dorf mit dem bedeutendsten Fuss- ball- Künstler der Welt Uonng Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. Central-Tlieatep ante Jakobstr. 30. Direktion Uicliard Schnitz. Mittwoch, den 6. Oktober 1897; Emil Thomas a. G. Zum 33. Male: Lei'Iinei' fsknien. Burleske Aiisstattungsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. Einödshofer. Anfang V-8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Apollo-Vkeatvr. Friedrichstr. 818. Dir.d.«lilclr. Mm Marie Haiton, englisch- französische Sängerin. Ferner: Rfldü Leo Rapoli. Flip. Flap, Flop!! Große Pantomime, dargestellt von derdoseph Phoites-Tronpe. KasscneröslnnngöV-Uhr. Ans. 7>/,Uhr. imeriesn-IdeAtoi'. Dresdencrstr. bb. Mittwoch, den 6. Oktober 1897: Kolossaler Erfolg! Stürm. Beifall! Berlin wie's näht«11b trennt. Bolksstück m. Gesang in 2 Abth. V.L. Elh. Musik von M. Srhuiidt. Der Tranm von Bahrenth. Parod. Traumbild. Hugo Schulz als Seemann. Wally Smollm, Erentriqne-Sonbrette. Emuiy und Ernst Rebentisch alö Zukunfts-Ehepaar. Paul Bendix, Humorist. Anfang der Vorstellungen: Sonntags 71/2, Wochentags 8 Uhr. Flora Charlottenburg, Berlinerstrabe. Heute. Mittwoch. 0. Oktober: Einmalige Solree der altbeliebten Sleltiner Sänyer lMeysel. 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