Einzelpreis 30 Pfg.• 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus und durch die Poft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luremburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.-. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9 Dienstag, 11. Oktober 1921 Nummer 476• Abend- Ausgabe Die neungespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum koftet 6,- M. einschließlich Inseratenftener. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,75 m. netto pro Zeile. Stellen- Gefuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1,-m Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 Freiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Anffurm gegen das Kabinett Wirth Ungünstige Aussichten in Oberschlesien = Nach einer Pariser Meldung des Telegraphen- Bureaus Est- Europe" lassen sich die dortigen Blätter aus Berlin berichten, daß die deutsche Regierung der englischen die De= mission des Kabinetts Wirth angedroht hätte, falls eine Polen günstige Entscheidung in der oberschlesischen Frage getroffen werden sollte. Der Kanzler würde den Reichstag zu einer besonderen Sigung zusammenrufen, die gegen die Verlegung des Rechtes protestieren und den Versailler Vertrag und das Wiesbadener Ab= tommen für aufgehoben erklären würde, weil Deutschland, der oberschlesischen Produktion beraubt, Frankreich nicht mehr die notwendigen Materialien liefern fönnte. Gleichzeitig würden auch die Vertreter des Handels, der Industrie und des Ackerbaues ihr der Regierung gemachtes Kreditangebot zurückziehen. Diesen politischen Ereignissen würden Massenfundgebungen im ganzen Reiche folgen, die Nationalisten würden gegen Frankreich eine ungeheure Kampagne entfalten, und die jetzige Regierung würde jedenfalls von einer Regierung der Rechten abgelöst werden, deren erste politische Tat der wirtschaftliche Bontott Bolens wäre, um einen Vorwand zu finden, in Oberschlesien Reichswehrtruppen zu belassen. Es ist nicht anzunehmen, daß die Berliner Berichterstatter der Pariser Presse die Informationen für ihre Schauermeldungen aus Regierungsämtern bezogen haben, vielmehr dürften irgendwelche politische Intriganten und Ignoranten die Gelegenheit für günstig erachten, um mit Hilfe des Auslandes das Kabinett Wirth zum Sturze zu bringen. Ohne Zweifel verschlechtert sich die wirtschaftliche und politische Stellung Deutschlands, wenn die Entscheidung über Oberschlesien zugunsten Polens ausfallen würde; wir fönnen aber nicht einsehen, aus welchen Gründen das Kabinett Wirth mit diesem Vorgang belastet werden soll. Glaubt man etwa, daß ein Kabinett mit Herrn Selfferich an der Spike eine günstigere Wirkung auf die Entschlüsse erst des Obersten Rates der Alliierten und jetzt des Völkerbundsrates ausgeübt haben würde? Weder eine Politik der großen Geste, wie sie die Rechtsparteien wünschen, noch eine Politik feuilletonistischer Ueberredungskunst, wie sie in den demokratischen Blättern gewünscht wird, ist jetzt am Plazze, sondern lediglich die ruhige Beurteilung der Tatsachen, aus der sich dann die weiteren Schlußfolgerungen zu ergeben haben. Das eine steht fest: wenn wir jetzt den Verlust eines Teiles Oberschlesiens zu beklagen haben sollten, so trifft die Schuld daran nicht das Kabinett Wirth, sondern jene nationalen Kreise, die für den Krieg verantwortlich sind und die mit ihrer Politik das deutsche Volk in sein jetziges Elend hineingetrieben haben. Glauben diese Kreise etwa, daß das verbrecherische Spiel der Ludendorff und Tirpik, der Helfferich und Hergt und wie alle diese Herrschaften noch heißen mögen, vergessen werden könnte, wenn sie jetzt einen Angriff gegen das Kabinett Wirth eröffnen? Es muß ferner festgestellt werden, daß das deutsche Volk mit den Drohungen, die den Berichterstattern der Pariser Presse in Berlin eingeflüstert worden sind, nichts zu tun hat. Deutschland hat die Pflicht zur Wiedergutmachung übernommen und es wird sie in den Grenzen auszuüben versuchen, die seiner Leistungsfähigkeit entsprechen. Hinter diesen Drohungen stedt aber noch etwas ganz anderes. Der ungünstige Ausgang der oberschlesischen Frage soll nur den äußeren Anlaß zur Beseitigung des Kabinetts Wirth geben; die wirtlichen Ursachen sind in der Befürch tung der fapitalistischen Kreise begründet, daß dieses Kabinett ernst machen könne mit der schärferen Heran ziehung des Besiges zu den Lasten des Staats und zur Erfüllung der Reparation. Nicht umsonst haben diese Kreise den jetzigen Reichskanzler beschuldigt, daß er sich in allzuenge Nachbarschaft zu der proletarischen Gedankenwelt begeben habe. Es ist also nicht die Sorge um den Schutz nationaler Interessen, sondern die Hoffnung, daß die Interessen des Geldbeutels bei einem anderen Reichstanzler besser gewahrt werden könnten, die den Anlaß zu dem Treiben gegen Wirth und zu den Drohungen gegenüber dem Ausland gegeben hat. Der Vorwärts" sagt in seiner heutigen Morgenausgabe, daß der Sturz des Kabinetts Wirth in diesem Augenblid ein großes Unglüd und eine schwere Gefahr sei. Von einer deutschen Krise zu einer europäischen Ratastrophe sei nur ein Schritt, und diese Katastrophe drohe alle Ansäge der Besserung wieder zu vernichten. Jn sozialdemokratischen Kreisen", heißt es im„ Vorwärts" weiter, bestehe daher der dringende Wunsch, daß das Kabinett Wirth bleiben und instandgesetzt werden möge, seine bisherige Politik weiterzuführen. An die bürgerlichen Koalitionsparteien muß die dringende Mahnung gerichtet werden, daß sie sich weder • Intriguenspiel der Rechtsparteien zu parteipolitischen Treibereien mißbrauchen, noch durch Sorge und Bestürzung zu kopflosen Beschlüssen verleiten lassen, deren Folgen nicht übersehbar sind. Vor allem ist zu bedenken, daß eine endgültige Entscheidung noch nicht vorliegt und daß vor ihr unmöglich ein Beschluß gefaßt werden kann, der den Bestand der gegenwärtigen Regierung berührt. Kurz zusammengefaßt ist also die Lage die: Die Sozialdemofratie steht, mit einigen einsichtsvollen bürgerlichen Politikern, in Verteidigungsstellung zum Schutze des Kabinetts Wirth und feiner bisherigen Politit. Sie ist von vorn angegriffen von den Nationalisten Deutschlands, und sie ist im Rücken bedroht durch die Entscheidung über Oberschlesien. Ob sie imstande sein wird, ihre Stellung zu halten, das wird nicht nur von ihrer eigenen Entschlossenheit abhängen, an der es nicht fehlt, sondern auch von der Entscheidung über Oberschlesien. Fällt diese so ungünstig aus, wie hier befürchtet wird, so werden wir deshalb noch nicht die Flinte ins Korn werfen, aber wir dürfen uns auch nicht verhehlen, daß dann die 3utunft sehr dunkel vor uns liegt." Den Rechtssozialisten muß gesagt werden, daß ihnen die Sorge um das Kabinett Wirth erspart geblieben wäre, wenn sie es nicht selbst durch ihre furzsichtige Taftit, um einen sehr milden Ausdruck zu gebrauchen, in diese ungünstige Situation gebracht hätten. Statt die reaktionären Kreise zu isolieren und die Angriffskraft der arbeitenden Klassen auf einen Punkt zu lenken, haben sie den Stinnesleuten die Wege geebnet, auf denen sie der jezigen Regierung zuleibe rüden Deutsche Volkspartei als neuen Koalitionsgenossen liebend zu umfassen. Am Sonntag hat Hermann Müller, der eine Vorsitzende der S. P. D., auf dem rechtssozialistischen Parteitag für Württemberg erklärt, daß die Sozialdemokratie bereit sei,„ unter Umständen" mit der Deutschen programmatische Einigung mit ihr möglich sei. Noch deutlicher Boltspartei zusammenzuarbeiten, sofern eine drückte sich der andere Parteivorsitzende, Otto Wels, auf dem rechtssozialistischen Parteitag für Hessen- Nassau aus: „ Wenn wir Deutschland vor dem Ruin retten und das Kabinett Wirth, das Kabinett der Erfüllung, erhalten wollen, dann bleibt uns fein anderer Ausweg, als die Vertreter der Industrie mit in die Regierung einzubeziehen. Die Art, wie in Bayern und in Preußen die Verfügungen des Reichspräsidenten zum Schutze Meinung aufzwingen, daß wir unter allen Umständen wieder in der Republik fabotiert wurden, müssen jedem Parteifreund die die preußische und bayerische Regierung eintreten müssen. Die Jdee der Jsolierung der Deutschnationalen muß dabei mit in dem Programm stehen." Im offenbaren Widerspruch mit der Auffassung weiter Parteitreise sind also die oberen Instanzen der Rechtssozialisten dabei, ihren Pakt mit der Stinnes partei zum Abschluß zu bringen. Jm ,, Borwärts" jammern stellung für das Kabinett Wirth gekommen seien, zu gleicher sie noch ein weniges darüber, daß sie jetzt in VertidigungsZeit aber verbrüdern sie sich mit den grimmigsten Feinden dieses Kabinetts. Aus den Ausführungen des Herr Strese mann auf dem niederrheinischen Parteitag der Deutschen Volkspartei konnte man entnehmen, daß die Verhandlungen angeblich für Hermann Müller der entscheidende Punkt sei, schon sehr weit gediehen seien, und daß die Steuerfrage, die schon in einer für beide Teile befriedigenden Weise gelöst ist. Hat doch selbst der Abg. Keil, der Steuerfachverständige der rechtssozialistischen Partei, auf dem Württembergischen Parteitag erklärt: Eine Koalition von den Rechtssozialisten bis zur Deutschen Volksparteifei im Reich möglich, wenn bei beiden Parteien einigermaßen der Wille vorhanden sei, die Volks- und Staatsinteressen über die Parteiinteressen zu stellen. Das stimmt überein mit dem, was Stresemann bereits aus= geführt hat, wonach die Differenz in den Anschauungen über die Aufbringung der finanziellen Mittel„ nicht unlösbar" erscheine. Das heißt aber nichts anderes, als daß die Einigung in der Steuerfrage sich nach den Wünschen der Deutschen Volkspartei, also zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung, vollziehen wird. Ueberbliden wir also die Situation, so erkennen wir, daß die oberschlesische Frage für die Rechtssozialisten die günstige Gelegenheit schaffen soll, den Görlitzer Beschluß auszuführen, und für die Deutsche Bolkspartei, das Kabinett Wirth zur Strecke zu bringen. Wie die Unabhängige Sozialdemokratie zu der jetzigen Regierung steht, das hat sie in ihrem letzten Schreiben an die S. P. D. zum Ausdrud gebracht. Daß sich ihre Stellungnahme ändern würde, wenn mit oder ohne Wirth die Deutsche Volkspartei in die Koalition eintreten sollte, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Der Reichstagsabgeordnete Wels sendet W. T. B. folgende Mitteilung: Die T. U. verbreitet einen Bericht über eine von mir auf dem Parteitag der Sozialdemokratie für Hessen- Nassau gehaltene Rede. Ist schon die Darstellung meiner Ausführungen über Oberschlesien nicht ganz richtig, so wurden betreffend die Heranziehung der Boltspartei zur Regierung mir Worte in den Mund gelegt, die ich überhaupt nicht gebraucht habe. In meiner Rede stellte ich lediglich die Tatsache fest, daß der Reichskanzler Wirth den Führern der Koalitionsparteien erklärte, daß, wenn die Industrie in der Beschaffung von Gold dem Reiche über die Steuerlichen Leistungen hinaus, namhafte Opfer, auch durch Dar bietung der Substanz, bringe, er sich angesichts der Notlage des Reiches veranlaßt sehen würde, an die Koalitionsparteien zweds Einbeziehung der Deutschen Volkspartei in die Koalition herans zutreten. Ich habe auf das Gewicht dieses Arguments aufmerksam gemacht, aber feinen 3weifel gelassen, daß eine Sicherung des Kabinetts durch Verbreiterung der Basis nach links meinen Ans schauungen am meisten entspräche. Das geht auch aus der ein stimmig angenommenen, von mir empfohlenen Resolution unzwei deutig hervor. Die oberschlesischen Teilungspläne Paris, 11. Oktober. Wie„ Petit Parifien" mitteilt, wird die Erörterung der obers Schlesischen Frage im Bölferbundsrat in Genf erst in einem oder zwei Tagen beendet sein. Allem Anschein nach fönne man bestätigen, daß die Lösung, auf die man sich einigen werde, darin bestehe, Oberschlesien einschließlich des Industries gebiets gemäß den Ergebnissen der Boltsabstim mung zu teilen und provisorisch zu gleicher Zeit durch eine Spezialorganisation die wirtschaftliche Einheit beg Landes aufrecht zu erhalten. Das Blatt behauptet angeblich nach Berliner Nachrichten, England hätte in Ger interveniert, um sich einer Polen günstigen Lösung zu widers jetzen. Dem„ Petit Journal" wird aus Genf gemeldet: Der Bölfers bundsrat hat bereits eine Grenglinie für Oberschlesien festgesetzt ( Der Bericht deutet, ohne es direkt auszusprechen, darauf hin daß danach Beuthen und Königshütte an Polen fallen würden.) Bei dieser Grenzfestsetzung habe sich der Völkerbundsrat nur von der Gerechtigkeit leiten lassen, und die öffentliche Meinung alle Länder fönne angeblich von dieser Entscheidung befriedigt sein Allerdings müßten die Polen den Deutschen gegenüber, die zur Kenderung ihrer Nationalität gezwungen werden, viel Taft und Wohlwollen beweisen, wenn sie aus ihnen nicht erbitterte Feinde machen wollen. Die Krise in Desterreich Die Sozialdemokratie tampfbereit In einer Massenversammlung nahm gestern die Wiener Be völkerung Stellung zu der Verschleppung der Uebergabe West ungarns und der drohenden monarchistischen Putsch gefahr. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Ellen bogen protestierte, wie die Bossische 3tg." meldet, in feiner Rede dagegen, daß das Burgenland als Sprungbrett der Kar listen benutzt werde. Die Sozialdemokraten wüßten genau, was in den Konventikeln der Monarchisten vorgehe, sie kennen jedes Schriftstück und alle geheimen Losungsworte. Die Arbeiterschaft würde sich das verbrecherische Treiben der Herren Hussaret, Wiess rer und Schlager nicht mehr lange bieten laffen. Diese Herrschaft ten würden die proletarischen Fäuste zu spüren bekom men, da man auf alles mit allen Mitteln und für jegliche Fälle gerüstet sei. Dr. Ellenbogen betonte die friedlichen Absichten Deutschösterreichs, das im Burgenlande fein neues Elsaß- Loth ringen schaffen wolle. Die derzeitige Haltung Ungarns sei abet die ungeheuerste Blamage der Entente, die gegen über den Pronans, Heijas und Konsorten völlig versage. Wenn die Entente aber ihre Zusage nicht einhalte, werde der Anschluß an Deutschland die einzige Antwort des deutschösterreichischen Boltes sein. Wie Havas aus Budapest meldet, haben die Vertreter des Verbündeten einen gemeinsamen Schritt bei der un garischen Regierung unternommen, um gegen deren past five Haltung in bezug auf die Banden zu protestieren, die im Burgenland immer noch ihr Unwesen treiben, und sie nochmals baran zu erinnern, daß sie für die Auflösung dieser Banden vert antwortlich sei, ebenso wie für den 3uftrom von Freit willigen, der aus den Komitaten andauernd gemeldet wird. Der Protest der Ententevertreter in Budapest hätte nut dann Bedeutung, wenn die Ententeregierungen ihren Worten Taten folgen lassen würden. Die Entente hat Machts mittel genug, um die Horthy- Regierung zum Gehorsam zu 3 wingen. Wenn sie sich dennoch auf leere Worte bes schränkt, so bietet sie der Welt nur das lächerliche Bild völ liger politischer Impotenz." Die USPD. und die Beamten Wer Eine Erinnerung und eine Mahnung Von Luise 3iez Bereits in der verfassunggebenden Nationalversammlung, die das neue Besoldungsgesetz und die Besoldungsordnung für die Beamten zu schaffen hatte, hat die U. S. P. D. fest umrissene Grundsätze in der Beamtenfrage vertreten und dementsprechende Abänderungsanträge eingebracht. Unser Bemühen war, ein einheitliches Reform wer! nach großen Gesichtspunkten und erfüllt von freiheitlichem und sozialem Geist zu schaffen. Aber nicht nur die Regierungsvorlage, die naturgemäß als Grundlage der ganzen Verhandlungen diente, stellte sich als unüberwindliches Hindernis unseren Bemühungen entgegen, weil sie nichts Einheitliches, Großzügiges, sondern Flickwert war, nach alten, überholten Anschauungen ge-. schaffen. Allüberall stießen wir auch bei den Beratungen und der Verteidigung unserer Anträge im Ausschuß und im Plenum auf den Widerstand der bürgerlichen Parteien, die, wenn man ihren Wahlreden Glauben schenken würde, von Beamtenfreundlichkeit triefen. Als nach langer, gründlicher Ausschußberatung seinerzeit die Plenumbehandlung der Vorlage folgen sollte, ist von bürgerlicher Seite alles getan worden, um eine Diskussion im Plenum zu hintertreiben. Wir lehnten jedoch entschieden ab, diesem Anfinnen zu folgen und brachten die wichtigsten Anträge, die von bürgerlicher Seite im Ausschuß niedergestimmt worden waren, im Plenum wieder ein. In den Tagen nach dieser Plenarberatung erhielt ich eine Flut von Beamtenzuschriften, die mir zeigten, warum die bürgerlichen Parteien die Plenarberatung hatten abwürgen wollen. Die Beamten gaben in den Buschriften ihren Dank und ihrer Freude Ausdruck über unsere Haltung in der Beamtenfrage und erklärten, jezt hätten sie mit eigenen Ohren gehört die Tribünen waren von Beamten überfüllt, wie man sie bisher belogen, als man ihnen erzählte, die U. S. P. D. sei Feindin der Beamten. Nicht nur unsere Reden, sondern auch unsere Anträge und das Niederstimmen derselben durch die Bürgerlichen hätten den Beamten gezeigt, wo ihre wirklichen Freunde säßen. Einer von den Anträgen, die wir von Anfang an vertreten haben und immer wieder vertreten werden, solange, bis der darin ausgedrückte Grundsay sich durchgesezt haben wird, ist die Forderung: allen Beamten eine gleich hohe Teuerungszulage zu gewähren. Als wir das erste Mal diese Forderung erhoben, wurden wir des= wegen erhöhnt und verspottet, allmählich hat der Gedante auch in anderen Kreisen Wurzel geschlagen, und bei der letzten Verhandlung der Spizenorganisationen mit der Regierung ist die Forderung auch von den Spizen organi fationen vertreten worden, leider noch nicht durchgesezt. Auch wir haben vor dem letzten Abschluß, als von der Regierung den Fraktionsvertretern mitgeteilt wurde, wie man die Teuerungszuschläge gestalten wolle, mit allem Nach= drud unseren grundsäglichen Standpunkt vertreten, der besagt:„ Die Differenzierung in der Bewer tung der Beamtenleistungen muß im Grundgehalt zum Ausdrud kommen, eine Diffe. renzierung der Teuerungszulage ist unge= recht." Ramenlos ungerecht und unsozial aber ist es, wenn man die Teuerungszuschläge gar doppelt ab st u ft. Einmal nach Ortsfiassen und gleichzeitig nach Gehaltstiassen. Die legte Abstufung ist die ungerechteste. Es flingt ja ganz hübsch, wenn es heißt: Alle Beamten erhalten erneut gleichmäßig 25 Proz. Teuerungszuschlag. Faktisch bedeutet dieser gleiche prozentuale Teuerungszuschlag eine riesenhafte Bergrößerung der Spannung in den Bezügen der unteren und der oberen Beamten. Denn 25 Proz. von einem Grundgehalt von 4000-5000 m. betragen 1000-1250 M., dagegen betragen 25 Proz. von 20 000 M. Grundgehalt, wie es in den obern Gehaltsklassen Der Film am Dienstag Gfagerraf und andere Ehrenfchulden T ber Nach der kraftvollen„ Kundgebung für die Republik" scheinen die monarchischen Aktien trotz des gegenwärtigen Börsenrausches bedenklich niedrig zu notieren. Denn die Deulig ( ,, Deutsche Lichtbild Gesellschaft"), Herstellerin Meßtermoche, hat plöglich nicht mehr den Mut, unsere Anflagen erhaben zu überhören, wie sie es bei günstiger Konjunktur zweifellos tun würde. Sie verteidigt sich, und siehe, sie ist so un schuldig! Erklärt sie doch plötzlich, jede Absicht, durch die Meßterwoche reaktionäre Propaganda zu treiben, läge ihr, um Gottes willen, völlig fern. Wenn sie, unbegreiflicherweise, dennoch den Anschein einer politischen Tendenz erwedt hätte, so sei sie sich dessen nicht bewußt gewesen. Jedenfalls werde sie sich bemühen, in Zukunft auch den leisesten Schimmer eines verdächtigen AnScheins zu vermeiden. Sie war sich also nicht bewußt, vermittels welcher Tarnkappe Ludendorff mit seinen Paraden im Aufnahmeapparat der Meßterwochen erschien. Und jede böse Absicht lag ihr fern, als sie die Kundgebung für die Republit" in einer Verzerrung abphotographierte, die auf lächerliche Wirkung berechnet war. Immerhin ist ihr Versprechen, in Zukunft neutral zu sein, erfreulich. neue Eine Bewußtlosigkeit getratschlacht London, die Regung ihrer ist angeblichen die Verfilmung Man ( Marmorhaus). deutsche Marine politischen ber Sta behauptet in in deren Offiziere Der Deulig wohl reichlich vertreten sind sei am Stagerrat ges schlagen worden. Was hat die Deulig da Eiligeres zu tun, als Modelle zu bauen, um mit ihnen eine zweite Stagerrakschlacht zu liefern und nachzuweisen, daß die Engländer zweimal so viel Dresche gekriegt hätten wie„ wir"! Daß also die Hälfte der Echläge, die die Engländer bekommen haben, genügte, von den Engländern ausgeteilt, uns" zu Boden zu werfen. Statt sich nun schweigend zu erheben und, an Erfahrungen reicher, sich nach fruchtbarerer Tätigkeit umzusehen, rufen diese Wir" dem über ihrer Brust seinen Stiefel haltenden Koloß zu: Mensch, wenn id uffsteh, biste ne Leiche!" 22 Aber die. ,, Deulig" glaubt, die Ehrenschuld, in der sie bei ihren Offizieren steht, mit der Verfilmung der Stagerralschlacht noch nicht genügend getilgt zu haben. Darum fabriziert sie ein Filmdrama:„ Ehrenschuld"( Marmorhaus), das den edlen Eigenschaften eines deutschen Offiziers die gebührende Würdigung restlos auteil werden läßt. Und zwar so: Der Bruder eines deut fchen Kapitäns schwängert ein Mädchen. Wie kann man in so Mornehmen Kreisen bloß? Gemach, gemach, der arme Junge thatone billiges Brot will wählt deutschnational! So verkündeten große Plakate bei der Landtagswahl. Was aber ist eingetreten? Durch die Politik der bürgerlichen Parteien wurde das freie Spiel der Kräfte" hergestellt, und alle Preise schnellten in die Höhe. Wer gegen diese Teuerung ist, der stimmt am 16. Oktober gegen das Bürgertum und wählt die Liffe der GPD. gezahlt wird, 5000 M. Hier ist also der Teuerungszuschlag viermal so hoch als in den unteren Gehaltsklassen, in denen die Gesamtbezüge ohnehin viel zu niedrig sind. Und dazu tritt nun noch die zweite Differenzierung nach Ortsklassen, wodurch die Spannung noch größer wird und die Teuerungszulage für die unteren und mittleren Beamten völlig ungenügend bleibt. Es muß Sache der Beamtenorganisationen sein, abgesehen von der Erhöhung des Grundgehaltes für die unteren und mittleren Beamten, eine gleich große Summe als Teuerungszuschlag für alle Beamten durch= zusehen. Die U. S. P. D. vertritt mit Energie und Husbauer diesen Standpunkt. Dieser Gedanke muß unablässig vertreten, den Hirnen eingehämmert werden. Das sollten auch die Beamten bei den Stadtverordneten wahlen bedenken. Die bürgerlichen Parteien, in deren Reihen nur höhere Beamte Einfluß haben, sind auch in der Gemeinde Gegner des Grundsages: Freie Bahn den Tüchtigen. Ihnen verdanken die Beamten die unerträglichen Lasten, für die durch die kleinen Zulagen nur ein unvolltommener Ausgleich geschaffen worden ist. Ein Handlanger der Reaffion Ein Zentrumsblatt in Frankfurt a. M. hat vor einigen Tagen behauptet, der demokratische Minister Dominicus fümpfe um seinen Regierungssessel wie ein Löwe. Für die eingeweihten Kreise war das feine Neuigkeit. Bei den bisherigen Verhand lungen über die preußische Regierungsbildung spielte die Person des Herrn Dominicus tatsächlich eine sehr wesentliche Rolle. Die Demokratische Partei bekundete schon recht deutlich ihren Willen, Dominicus auf seinen Bosten zu belassen, auch wenn die rechts. sozialistische Partei in die Regierung mit aufgenommen werden Jollte. Da der Posten des Herrn Dominicus wesentlich von der Unters stützung der Rechtsparteien abhängt, bemüht sich Herr Dominicus eifrigst, den Sachwalter dieser Parteien zu spielen. Er rechnet auf eine entsprechende Gegenleistung von dieser Seite und übt deshalb seine Regierungsgeschäfte so aus, daß jedes volksparteis liche und deutschnationale Herz in Entzüden gerät. Die schle. sische Orgesch wird von ihm wie ein rohes Ei behandelt. In der Frage der Berwaltungsreform ist seine Haltung gegen jede ernsthafte Demokratisierung gerichtet. Eine besondere Spe= zialität des Herrn Dominicus besteht jegt darin, Gemeindevertretungen mit sozialistischer Mehrheit aufzulösen, nachdem der Streich mit Groß- Berlin so schön geglüdt ist. So hat er am 2. September die Gemeindever. trägt ja den Keim des Wahnsinns in sich wie wär er auch fonft einer so unfittlichen Handlung fähig! Außerdem will er durch die Trauung alles wieder gutmachen. Leider lentt's der Himmel anders. Er erfältet sich und stirbt, bevor er die EhrenSchuld abtragen konnte. Doch er darf beruhigt sterben, denn er läßt einen Bruder zurüd, der als deutscher Offizier„ feffaständ lich" weiß, was Ehre ist! Dieser nimant die Schuld auf sich und zahlt sie, indem er das Mädchen heiratet, obwohl er eine andre liebt! Wir sind eben so! Die Bürgermoral triumphiert, und Tränen gerührter Zuschauer fließen, zumal diese Zuschauer aus Badfischen bestehen, die unbefriedigt nach Hause gehen würden, wenn sie nicht den Olaf Fönß aus der Loge herausklatschen und anstaunen dürften. Und wem vor dieser schleimigen Jauche zum Kotzen übel wird, dem fehlt gewiß jegliches Verständnis für die Ehrbegriffe des Offiziers! Filmschau Dosio Koffler Das Rätsel ber Sphing.( Schauspiel von Dr. W. Wolff und A. Somlay. Regie: Adolf Gärtner. Hersteller: Ellen- Richter: Film. Aufführung im Tauenzienpalast.) Das ist ein Film von der Sorte, wie man sie nur in Deutschland macht. Alles ist fünstlich und gefünftelt und weil diese beiden Worte von Kunst herkommen, so glauben dann manche Leute, so ein Film tomme den Forderungen der Kunst sehr nahe, näher z. B. als die wilden amerikanischen Filme, in denen so viel geschossen, geritten, gebort und gelaufen wird, und die fast alle ganz in der wilden, freien, unlünstlichen Natur vor sich gehen. Es ist aber gerade umgekehrt, die scheinbar sehr unfünstlerischen und ungebildeten omeritanischen Wild- West- Filme sind in den allermeisten Fällen nicht nur viel interessanter, sondern auch fünstlerisch viel besser als die deutschen Durchschnittsfilme. Bon so einem Machwert, wie„ Das Rätsel der Sphing" ganz zu Schweigen. Das ist regelrechter ausgesprochener Schund. Alles an diesem Film ist schlecht. Es ist eine Unverschämtheit, erwachsenen Europäern so etwas zu bieten. Ich habe nur die ersten drei Atte gesehen. Länger hielt ich es nicht aus. In diesen drei Atten ist nicht eine einzige hübsche oder auch nur gut gespielte Spene. Die Schauspieler stehen hilflos, steif und albern herum, nicht einer findet eine einzige natürliche und überzeugende Gebärde; jede Bewegung ist fünftlich, verlogen und schlecht. Ein kleiner Neger, der von verbotenem Kuchen najcht, ist der einzige, der seine Sache gut macht. Dieser kleine Junge ftedt die ganzen, flugen, erwach jenen, europäischen Schauspieler in die Tasche. Und so falsch wie die Schauspieler spielen, so falsch ist auch die echtägyptische" Landschaft. Man hat in irgendein Berliner Sandfeld eine Sphinx aus 3ement hineingesett( sogar der Stil dieser besonders angefertigten Sphing ist völlig falsch und ganz unägyptisch) und diese armselige Kartoffel- Landhaaft soll dann das jonnenglühende Aegypten vorstellen. Man soll an die Wüste, an Pyramiden, Palmen, Karamanen denten und man denkt an's Tempelhofer Feld. tretung der Landgemeinde Eichwalde, im Kreis Teltow, aux gelöst. Dort waren die bürgerlichen Vertreter ausgeschieden, um cine Neuwahl des Gemeindevorstehers zu verhindern. Da in Eichwalde eine sozialistische Mehrheit bestand, war die Gemeindevertretung trotz des Ausscheidens der Bürgerlichen immer noch beschlußfähig. Ein Grund zur Auflösung lag also nicht vor, so daß der Erlaß des Ministers auf eine offensichtliche Bes günstigung der bürgerlichen Minderheit hinauslief. In Jehoe in Holstein hat sich jetzt dasselbe Spiel wieders holt. Dort wurde im Februar mit 4700 gegen 4000 Stimmen der rechtssozialistische Stadtrat Schinkel zum zweiten Bürgermeister gewählt. Als Protest gegen die ordnungsmäßig erfolgte Wahl legten die 14 bürgerlichen Stadtverordneten ihre Mandate nieder. Obwohl auch hier noch eine beschlußfähige sozialis stische Mehrheit bestand, löfte Herr Dominicus das Stadts verordnetenkollegium turzerhand auf und arbeite damit der ge= einten bürgerlichen Reaktion in die Hände. Im preußischen Landtag wird wegen dieser beiden Borfälle mit Herrn Dominicus ein ernsthaft Wörtlein gesprochen werden. Gradnauer über die Schußpolizei Gie ist notwendig zur Bekämpfung des Aufruhrs Minister Dr. Gradnauer hatte mit dem französischen General Verraug eine Unterredung, wobei er über die Abrüstung und Entwaffnung folgende Ausführungen machte: ,, Die Abrüstung Deutschlands ist vollzogen; mit Ausnahme der Rüstungen, die der Friedensvertrag dem Reiche zugestanden hat, hat Deutschland weder Kanonen, noch Maschinengewehre, noch Flammenwerfer. Die Furcht, die man in Frankreich gegenüber der Schuh polizei an den Tag legt, ist übertrieben. Sie Schutzpolizei ist unsere einzige Waffe der Aufruhrbewegung gegenüber, die nur durch die Schutzpolizei unterdrüdt werden tonnte. Die Kontrollkommission verlangt von uns die Dezens tralisierung der Schußpolizei. Wenn diese aber nicht zentra= lifiert gewesen wäre, hätte man mit der Ausstandsbewegung in Mitteldeutschland nie fertig werden können. Uebrigens wurde bie Notwendigkeit einer Polizei, die in die verschiedenen Teile des Reiches entsandt werden kann, vom Obersten Rate selbst anerfannt: Deutschland sollte Schuh'polizei nach Oberschlesien entsenden. Die Kontrollkommission forderte die Verminderung dieser Polizei, Deutschland unterwirst sich dieser Forderung trog der Unannehmlichkeiten, die dadurch für Deutschlands innere Sicherheit entstehen tönnten. Nur ein Drittel der Polizei besitzt noch Gewehre. Die Maschinengewehre hat sie abgeliefert, obwohl deren Vorhandensein genügte, um die Massen in Schach zu halten und Blutvergießen zu vermeiden. Auch die Flammenwerfer wurden abgeliefert. Die Revanchepartei in Deutschland wird nie den Sieg davoniragen. Sie fönnte niemals genügend Formationen zur Bildung einer Armee aufstellen und fönnte fich auch nicht die nötigen Ausrüstungsgegenstände verschaffen. Der Krieg, den Frankreich von seiten Deutschlands immer bc= fürchtet, tann von diesem nicht geführt werden." Herr Gradnauer produziert sich mit diesen Auslastungen als ein gelehriger Schüler Nostes. Gewisse Leute scheinen die Existenz Deutschlands schon bedroht zu sehen, wenn nicht hinter jedem zweiten Mann in Zivil ein Schuhmann steht und wenn nicht jedes Dorf über 1000 Einwohner eine Kaserne hat. Heuet steht aber die Frage ganz einfach so, daß Deutsch land schon aus finanziellen Gründen eine Polizeimacht in der jezigen Stärke auf die Dauer nicht halten kann. Die Auswanderung nach Nordamerita. Nach einer Statistit find im Monat September vom Safen von Antwerpen ous 3762 Personen nach Nordamerita ausgewandert, darunter über 2200 Bolen und 32 Deutsch e; im legten Vierteljahr insge famt 3343 Polen, 1324 Ruffen, 975 Tschechen, 286 Belgier und 51 Deutsch e. 200 000 Mann Rehendes Scer für Japan. Das japanische Kriegsministerium hat beschlossen, daß ein Heer von mindestens 21 Divisionen, ungefähr 290 000 Mann, für die Zutunft erforder= lich sei. Falls aber die Washingtoner Konferenz eine größere Abrüstung aller Landmächte erziele, werde Japan sich anschließen. Ueber die große Tragödie Ellen Rechter nur soviel: sie ist von Natur aus na sagen wir: ganz gewiß nicht hübsch; nun, das ist nicht ihre Schuld. Sie hat nicht die geringste schauspielerische Begabung; ist auch nicht ihre Schuld. Aber, daß sie dann zunt Film geht daß ist ganz gewiß ihre Schuld. Sans Siemen Der Autor und Regisseur Frizz Lang wird mit seinem Film: Der müde Tod( U.T.= Kurfürstendamm) den Weg zu Millionen Menschenherzen finden. Mit Recht finden. Er hat hier ein Wert geschaffen, das an tünstlerischer Reinheit etwa dem„ Golem" Paul Wegeners vergleichbar ist, nur ist Lang weniger diszipliniert und bunter als Wegener. Seine allzu üppige Phantasie brennt mit ihm gar häufig durch, er folgt willig und berauscht sich an ihren fühnen Sprüngen. In das verschlafene Märchenstädtchen irgendwo und irgend wann" verirrt sich ein junges Brautpaar. Der Tod folgt als Dritter, wirft feinen Schatten über den Bräutigam und entführt ihn. Das Mädchen greift verzweifelt nach dem Giftbecher, fegt ihn an die Pippen, da sieht sie sich an der Schwelle des Totenreiches. Vor ihr aufgepflanzt steht der Tod. Ihn rührt die Klage des Mädchens, er verspricht, ihr den Liebsten auszuliefern, wenn's ihr gelingt, auch nur eins von den drei herabgebrannten Lichtern vot bem Erlöschen zu bewahren. Nun erlebt das Mädchen die Geschichte der drei Lichter. Das erste gehört einem jungen Franken, der bei der Schwester bes Kalifen im Seiligtum der Gläubigen ertappt wird. Der Kalif läßt ihn durch seinen Gärtner lebendig begraben. Eein Licht erlischt. Die zweite Geschichte spielt in der italienischen Renaissance. Der Liebhaber der schönsten Venezianerin fällt Sen Racheplänen ihres verschmähten Freiers zum Opfer. Ein Mohr ersticht ihn, sein Licht erlischt. Die dritte Geschichte ist von grotest tomijchem Barod des chinesischen Kaiserhofs umrahmt. Der Kaiser verlangt nach der schönen Tochter des Hofzauberers und stößt auf Widerstand ihres Liebsten. Diesen räumt der Pfeil des faiserlichen Bogenspanners aus dem Weg, sein Licht erlischt. Niraends tonnte das Mädchen das Erlöschen aufhalten. Der Tod selbst iſt hnmächtig gegen die Bestimmung des Schicksals, dem er als willenloses Werkzeug dient, ohne in seiner Müdigkeit je aus ruhen zu dürfen. Das Mädchen fann sich erst im Reich der Toten mit ihrem Liebsten wiedervereinigen. Sie läßt sich gleich zu ihm hinfübren. Dieser tnappe Grundriß aibt faum eine ausreichende Vors Stellung von der Fülle und Farbigkeit der Ereignisse. Aus ihm lassen sich aber die Männel des Stüds leicht herleiten. So ergibt die Geschichte der drei Lichter brei verschiedene Filme, die mit fnüpft sind als dadurch, daß ihre Liebespaare die Züge des Brauteinander sowie mit der Haunthandlung durch nichts weiter vers paars aus der Haupthandlung tragen. Auch werden die jeweiligen Senter, so der Gärtner des Kalifen und der Bonenspanner des Kaisers, nom Darsteller des Todes gespielt, do tann man feltfamerweise nicht darauf, auch den Mohren mit ihm au belegen! Außerdem zeigt man in den drei Geschichten ousführlich, w0burch das Leben der Onfer verwirkt und wie der Tod vor ein un abwendbares Los gestellt wird, im Hauptfall aber vergist man zu Morgen, Mittwoch, Zahlabend in Groß- Berlin 3m Hinblick auf die am Sonntag stattfindenden Stadtverordnetenwahlen sind alle Parteigenossen verpflichtet, zu erscheinen Der Landwirtschaftsetat Die Ausschußzberatungen beendet Die Beratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Verwaltung wurde gestern zum Abschluß gebracht. Es lagen nicht weniger wie 93 Anträge vor, aus denen wir die Anträge unserer Fraktion hervorheben, die angenommen wurden. Die am 1. November 1921 in Kraft tretende 30 prozentige Tariferhöhung wird beim Lebensmitteltransport nicht angewendet. Ein Antrag, worin die Reichsregierung ersucht wird, die Ausfuhrgenehmigung bei Milch, Molferei und landwirtschaftlichen Erzeugnissen nicht zu erteilen, und die Verschiebung derartiger Produkte unter allen Umständen zu unterbinden, fand Annahme. Ferner ein Antrag, der die Förde rung der Saatgutwirtschaft und der Viehzucht in zu diesem Zwed einzurichtenden Betrieben gemeinwirtschaftlicher Art vorsteht, sowie die Nukbarmachung der Naturkräfte zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. Um der Landwirtschaft die notwendigen Arbeitskräfte zuzuführen, sollen den Landarbeitern anständige Wohnungen und Unterkunftsräume sichergestellt werden. Zur Hebung der materiellen Lage sollen austömmliche Löhne bewilligt werden und das Boltsund Fortbildungsschulwesen für den landwirtschaftlichen Besuch ausgebaut werden. Ein Antrag der Deutschen Volkspartei verTangt die Aufhebung des Streifrechts der Land: arbeitet. Dafür stimmte neben den Rechtsparteien auch das Zentrum. Ein politischer Prozeß in Danzig Auf die Mindeststrafe, ein Jahr Festung, erkannt Am 3. Oftober begann vor dem Schwurgericht des Landgerichts Danzig die Berhandlung gegen die zwei aus der Unterfuchungshaft vorgeführten kommunistischen Boltstagsabgeordneten Rahn und Schmidt. Die Verteidigung liegt in den Händen des Genossen Dr. Kurt Rosenfeld- Berlin und des Justizrais Rosenbaum- Danzig. Den Vorsiz führt der Landgerichtsdirektor Kuje, die Staatsanwaltschaft wird vertreten durch Staatsanwaltschaftsrat Kanjow. Ueber die Vorgänge, die zu der Verhaftung und zu der jetzigen Verhandlung führten, haben wir seinerzeit berichtet. Am Tage des Generalstreits, am 4. August, der von den drei sozialistischen Parteien, den Freien Gewerkschaften und dem AfA- Bund als Protest gegen die ständig wachsende Belastung der arbeitenden Bevölkerung und gegen das Verbot einer Massendemonstration unter freiem Himmel proklamiert worden war, stand in der Sigung des Volkstages eine vom Senat ohne Anhörung des Voltstages erlassene Getreideverordnung auf der Tages ordnung, die in unerträglicher Weise wiederum die breiten Schichten des Voltes beschwerte. Das Boltstagsgebäude war mit Sicherheitspolizisten, die bis an die Zähne bewaffnet waren, besetzt. In der sich entspinnenden Geschäftsordnungsdebatte er flärten die drei sozialistischen Parteien, daß, solange die Schupo= Ieute nicht aus dem Boltstage entfernt seien, fie nicht fachlich verhandeln und durch Obstruktion die Verhandlung unmöglich machen würden. Im Verlaufe der Obstruktion und der sich steigenden Unruhe rief plötzlich der Polizeifenator Echlimmer einen 3ug Echupoleute in den Sigungssaal und ließ die beiden Abgeordneten Kahn und Schmidt verhaften. In einer später abgegebenen Erklärung des Senatspräsidenten Sahm wurden die beiden Abgeordneten eines Verbrechens gegen§ 105 St.6.B.( Absicht, das Barlament auseinanderzusprengen und an der Fassung der Be Schlüsse zu hindern) bezichtigt. Schon in der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden an die Geschworenen und Zeugen fam der Charakter dieses Tendenzprozesses tlar zum Ausbruch. Er wandte sich namentlich gegen das, wie er sich ausdrückte ,, ö de Wort der Klasicnjustiz"; dieser Vorwurf solle die Geschworenen nicht einschüchtern. Genosse Rosenfeld wandte sich gegen diese Beeinflussung der Geschworenen, wobei ihm vom Vorsitzenden das Wort in brüster Form ents 3ogen wurde. motivieren, warum das Licht des wichtigsten Liebenden erlischt. Filmwidrig ist das Thema von der Müdigkeit des Todes und von Jeiner fruchtlosen Auflehnung gegen den ihn beherrschenden 3wang. Das sind unphotographierbare Gedanken. Sie gehören ins Reich der Dichtung. Damit sind die Einwände gegen diesen Film erschöpft. Er ist von so großer Bedeutung, daß wir's für geboten hielten, ihn an feinen schwachen Stellen gründlich zu betlopfen, um über den Rest ungemindertes Lob aussprechen zu können. Regie, Darstellung, malerischer Entwurf, Photographie, das wirkt nicht durch sich im besondern, sondern durch harmonische Verschmelzung zu einem Guß. Unter den zahlreichen schauspielerischen Kräften tein Miktlang! 23alter Janssen und Lil Dagover als das Liebespaar, Bernhard Gözle als Tod, Winterstein als Kalif, Karl Hussar als drolliger Kaiser von China, Baul Biensfeldt als Holzauberer, all diese festumrissenen Gestalten bleiben in der Erinnerung haften. Neues vom Film D. K. Charlie Chaplin ist uns bisher nur aus dem einen Film: Chaplin läuft Roll uh", der zu den ältesten und billigsten gehört, bekannt. Die " Damca- Film- Gesellschaft, die das Chaplin Monopol für Deutschland und Zentraleuropa beigt, verspricht uns, biefem ersten Film bald wettere und beffere folgen au laffen. Das nitut für Kulturfor hung" beschäftigt sich mit den Bor für das Vierteljahr Otlober/ Dezember 1921 eine Vorlejung von Dr. Ostat Kalbus über das Thema i Im, kunst und Wissenschaft" an. Beginn der Vorlesung 20. Ottober. Die Kulturabteilung ber Ufa wird im u.-T. Mozartsaal am Rollendorfplay Donnerstags, erstmalig am 20. Oftober b. 3. ein buntes Programm von Filmen bildenben Inhaltes zur Vorführung bringen. Dazwischen werden einige fürzere Unterhaltungsfilms in das Programm eingeflochten. Die Veranstaltungen sollen in gleicher Weise den Wünschen der Teiferen Jugend, wie dem Bedürfnis vieler Erwachsener entgegens tommen. Aus diesem Gesichtspuntt heraus hat sich die Direktion entschlossen, für diese Vorführungen ein ermäßigtes Eintrittsgeid zu erheben. Europäisches Denfen Ein Vortrag Heinrich Manns Die deutsche demokratische Republik ist mehr als arm an Geistigen, die ihr einen Weg zu neuen Jdealen weisen. Heinrich Mann steht unter ihnen an erster Stelle, und die Republik, die ihn nicht beachtet, entehrt sich selbst. Er ist Tein Margift, und wir, die wir feptisch sind gegen die formaldemokratische Wegs bereitung zu großen Bielen", fönnen ihm nicht in allen Buntten timmen, aber in seinem Bathos ist Glaube und Menschenliebe. Der Reichspräsident, der jeden Ausstellungsrummel und jede Unterhosenmesse einweiht, war zu dieser Veranstaltung des SchutzDerbandes der Deutschen Schriftsteller nicht erschienen, und der Schwechtensaal, in dem sich ein Publitum von Literaten befand, war nicht einmal gefüllt. Das ist der beste Beweis dafür, daß bie wirkliche Demokratie der Anerkennung und Wahrheit noch Nach vollen acht Verhandlungstagen ist gestern abend der Prozeß gegen Rahn und Schmidt zu Ende geführt worden. Der Staatsanwalt stellte sich in seiner Anklagerede auf den Standpunkt, daß die beiden Abgeordneten Rahn und Schmidt sich des Verbrechens nach§ 105 schuldig gemacht haben; er billigte ihnen aber von vornherein mildernde Umstände zu. Die Verteidiger plädierten auf das entschiedenste für Freisprechung unter be sonderem Hinweis darauf, daß niemals ein Versuch, die Immunität der Abgeordneten durch den§ 105 zu be= schränten, unternommen worden sei. Es folgten längere Repliken und Duplifen, darauf eine mehr als einstündige Verteidigungsrede des Abgeordneten Rahn. Die Geschworenen bejahten nach mehr als zweistündiger Beratung die an sie gestellten Fragen, ob die Angeklagten es unternommen hätten, am 4. August den Danziger Boltstag zu sprengen oder diesen zur Fassung oder zur Unterlassung von Beschlüssen zu nötigen. Gleichzeitig bejahten sie auch die Frage nach den vorliegenden mil= bernden Umständen. Der Staatsanwalt beantragte für jeden der Angeklagten zwei Jahre Festung. Das Urteil lautete auf das gesetzliche Strafminimum von einem Jahre Festung unter Anrechnung von zwei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Die Angeklagten wurden auf Antrag ihrer Verteidiger jofori aus der Saft entlassen und von ihren zahlreich anwesenden Parteifreunden unter Ueberreichung eines Blumenstraußes in roten Farben sympathisch begrüßt. Jede Nummer eine Gensation Die deutschnationale Verleumderpresse Die gestrige Abendausgabe des Wulle- Blattes macht gegenüber der Erklärung des Reichsarbeiisministeriums über die Ver wendung der Gelder der Ludendorffipende spaltenlange Verlegenheitstiraden. Kein Wort der Begründung oder des Anhalts für die Berleumdung, daß von dieser Spende 100 Millionen für sozialdemokratische Wahlzwede verausgabt worden seien. Das Blättchen beschwert sich über die diesem Organ gegenüber gewiß nicht zu starfe Bezeichnung seiner Handlungsweise durch die offiziöse Erklärung als eines in der Publistit glüdlicherweise seltenen Tiefstandes des moralischen und politischen Verantwortlichteitsgefühls". Dieser Tiefstand des moralischen und politischen Veranwortlichfeitsgefühls ist bei der deutschnationalen Presse durchaus nicht vereinzelt. Beweis dafür sind die ungezählten Preßprozesse gegen deutschnationale Blätter, die die Personen und Einrichtungen der Republit in gemeinster Weise beschimpften und beleidigten. Vor Gericht sind in fast allen Fällen die verleumderischen Behauptungen schmählich zusammen. gebrochen. Der Umstand, daß das Wulle- Blatt seine Informationen zur Berleumdung aus der monarchistischen Zeitschrift„ Die Tradition" genommen hat und diesem Blättchen die Verantwortung überläßt, ist ebenfalls ein feiger Rückzieher. Der Direktor der Wulle Blätter ist Herr Franz Sontag, der auch gleichzeitig Herausgeber der Tradition" ist. Da die persönlichen Beziehungen zwischen dem Sontag des Wulle- Blattes und dem der„ Tradition" also unschwer herzustellen sind, so verstärkt sich der Eindruck, daß es für die aufgestellte Behauptung wohl am nötigsten fehlt, am Material. Ein neuer Kämpfer. Jm Bezirt Altmart- Osthannover erscheint Seit 1. Oftober täglich als Organ der U. E. B. D. die„ Bolts. wacht", als Kopfblatt unseres Magdeburger Parteiblattes. Der Bezirt Altmart- Osthannover ist erst seit einigen Monaten ge bildet. Die Altmart gehörte früher zum Bezirk Magdeburg- An halt. Obwohl die Altmart, wo die Wiege Bismards stand, eine fast rein ländliche Gegend mit einer sehr fonservativen Bevölke rung ist, tann unsere Partei doch über gute Erfolge einer uner müdlichen Arbeit berichten. Selbst die Spaltung hat uns nicht. erschüttert und ist jetzt überwunden. Die„ Boltswacht" wird dazu beitragen, daß es noch mehr als bisher vorwärtsgeht. " seinen wundervollen Essays Macht und Mensch" entstammten, Heinrich Mann spricht mit dem Bathos und der Dittion der französischen Revolution. Seine Worte, die zum großen Teil jeinem wundervollen Essay Macht und Menfch" entstammten, fanden begeisterte Bejahung, in der das Pieifen einiger beutschnationaler Gassenjungen rasch unterging. Hier ihr Inhalt: Der Beweis für die Kraft des Europäertums ist geliefert gerade durch sein Erstarten im Kriege, denn es beruht auf Arbeit und Vernunft. Wir sind feine asiatischen Schwärmer, sondern Helfer, und der Nuten der Vielen ist die Seele unseres Tuns. Immer schlägt unser Gewissen füreinander, und auch die Gerechtig feit wollen wir als ein sittliches Mehr erarbeiten. Wir tragen alles in uns: Chaos und selbstvernichtende Kriege, Kaftengeist und elendes Mißtrauen gegen den Geist. Aber wir stärten ein ander gegen das Chaos. Einer vom anderen und jeder für sich erwarten wir Vernunft, Gerechtigkeit und Freiheit. Wir Deutschen haben in unserer Vergangenheit Stunden wirklicher Demokratie und glaubten doch an ein Herrenrecht. Aber unsere Enfel werden uns Lügen strafen, wie die Entel Ludwigs XIV. und der italienis schen Renaissance ihre Ahnen Lügen gestraft haben. Raffenfanatiter fanatisieren von einem germanischen Siegfriedtyp, der in Wirklichkeit aus russischer Statur, fizilianischem Langschädel und feltischem Blondhaar besteht. Schon gibt es eine europäische Gemeinwirtschaft, gegen die wir nur mit schlechtem Gewissen verstoßen. Unser gemeinsames Haus hat noch innere Grenzen, aber zu guter Zeit werden wir sie durch Vernunft und nicht durch Gewalt niederlegen. Unser Kampf sieht aus wie der Frankreichs vor 50 Jahren. Damals fonnte Zola nur im Geiste der Republit über sein Land schreiben, das durch die Niederlage geläutert wurde. Die Demokratie strebt aufwärts nicht durch große Männer, worauf immer ein heftiger Rückschlag folgt, sondern burd eine allgemeine Bewegung von unten. unbewußt arbeiten die Massen ohne taiserlichen Glanz und imperialistische Lüge an menschlicher Größe und Liebe. Noch sind alle Führer bedeckt von dem Staub der Vergangenheit, aber die Abschaffung der Hohenzollern bedeutet, daß die Zeit hochfahrender Abenteuerer vorüber und die der Arbeiter da ist. Ohne Völkerfrieden und ohne Mehrheit gibt es feinen Ausgleich des Besizes, um dessentwillen sich jetzt Deutschland zerfleischt. Der Sozialis mus fomme zum Bewußtsein seiner Größe. Er ist mehr als eine Geldfrage. Sein Geist tomme über den Stoff, er werde zum fämpfenden Menschentum, schaffe Gesinnung aus Lohnlämpfen, Liebe aus Hah. Das Kaiserreich verleugnete den Geist, jezt hat bie öffentliche Schule der Politit für uns begonnen. Der Geist der wahren Demokratic tann uns und vielleicht die H. E. K. Welt erretten. Tages- Notizen Arbeiter Runft- Ausstellung( Petersburger Straße 39). Donnerstag 7% Uhr Bor trag von Mar Weber über Broletariat und Baufunt". Sonn abend 7 Uhr Vortrag von Otto Nagel mit anschliehender Führung durch die neue Ausstellung. Sonntag vormittag 11 Uhr und 7½ Uhr besondere Führungen. Künstlerhilfe für die Sungernden in Ruhland. Von Alfons Paquet murde der Künstlerhilfe das Drama Fahnen" zur Verfügung gestellt. Der Dichter verzichtet auf ble Tantieme, bie ihm aus sämtlichen Aufführungen in Der richtige Preis" Die Händler für den Wucher Wir lesen in der Kolonialwaren- Woche", dem führenden Organ der Kolonialwarenhändler, u. a. folgendes: ,, Das Gleichnis der sieben törichten und der sieben weisen Jung frauen tann prächtig auf den heutigen Einzelhandel angewend. t werden. Den weisen Jungfrauen gleich, die nicht vergaßen, daß eine Lampe bei der Nacht auch brennen müsse, sind die Händler, welche den derzeitigen Umständen entsprechend ihre Waren vers faufen und Preise halten. Die sieben törichten Jungfrauen hatten schöne Lampen mitgenommen, aber tein Del. Genau jo einfältig sind diejenigen Händler, welche sich scheuen, die Preiss der Aufschläge angemessen zu erhöhen; denn sie sind wie bie törichten Jungfrauen, die im Finstern tappen und das Beste übers sehen, nämlich den Verdien ft. Wie oft hört man die Redensart: Ja, ich fann diese Breije nicht verlangen, sonst würde man sagen, ich wäre ein Wucherer." O du heilige Einfalt! Daß aber Meuger, Milchmann, Schuster, Schneider usw., ohne zu fragen, ihre Breise ganz nach dem Tagesfurs erhöhen, findet jeder Mensch als selbstverständlich, weil es alle gleich machen und überall dieselben Preise sind. Das ist natürlich der springende Bunft und in. bezug auf Konsequenz entschieden löblich. Anders beim Einzelbändler, wo eine gewisse Sorte den Preis einfach nach der Tagestaune macht, ohne Gag und ohne Regel, diejenigen, die den lieben langen Tag übera bei ihren Einkäufen mehr, sogar das Doppelte, bezahlen und fich selbst aber alle erdentliche Mühe geben, an ihren Bertaufs artikeln selbst so wenig wie möglich zu verdienen. Gekauft wird unter allen Umständen doch, und es ist eine gan unrichtige Rebensart, daß es anders wäre bei den Sachen, welche der Mensch haben muß. Diejenigen Artikel, welche der Käufer nicht haben muß, sondern gerne haben möchte, reizen fogar noch mehr zur Anschaffung, und heute ist es auch noch keine große und schwere Aufgabe, dem Käufer begreiflich zu machen, daß bie Preise, schritthaltend mit anderen Artikeln, eben bebentend höhere gewerben find. Die Kundschaft verlangt die billigen Preise nicht, aber sie profitiert mit Lachen von dem Unverständnis des billigen Sändlers." Das ist ein wertvolles Geständnis, aus dem Munde der Händler selbst. Diejenigen, die nicht wuchern, werden als einfältig verurteilt, der Wucher aber hochgepriesen! Das sind die Kreise, die unter der Führung der bürgerlichen Parielen gegen die Kommunalisierung anstürmen, weil sie dann nicht mehr wuchern fönnen. Armes Berliner Volt! Wie werden dir die Augen übergehen, wenn es diesen Profitjägern gelingt, am 16. Oftober zu tegen! Aus dem deutschnationalen Parteifumpf Bor dem Schöffengericht NeuföIIn wurde gestern in vierständiger Sigung eine private Beleidigungstfage des Oberlehrers audich gegen den Papierhändler Paapke pers handelt. Beleidigt fühlte sich Gaudich durch eine von Paaple im Februar 1921 veröffentlichte Broschüre, in der ihm vorgeworfen wurde, er habe als Vorsitzender der Orts gruppe Neukölln der Deutsch nationalen Bolts. partei ein Verhalten gezeigt, daß einem die Haare zu Berge stehen müßten. Der Ortsgruppenvorfizende Gaudich wurde von dem früheren Borstandsmitglied Baapke u. a. beschuldigt, im März 1920 bei dem Kapp Putsch vor den Roten das Weite gesucht zu haben und im Sommer 1919 bur Ausnügung seiner Stellung in der Partei seis nen Kindern einen Ferienaufenthalt verschafft zu haben. Die Berhandlung bot das Bild einer hochnotpeinlichen Beweiss aufnahme, in derem Verlauf recht anrüchige Sistörchen aus dem intimen Familienleben der deutschnationalen Volkspartei zur Sprache tamen. Es ers wies sich dabei, was längst nicht mehr erwiesen werden muß, bağ die Deutschnationalen alles eher sind als die bes rufenen Hüter von Ordnung, Recht und Sitte, als die sie sich so gerne aufspielen. Insbesondere Herr Gandich, nebenbei bemerkt, der deutschnationale Spizenkandidat in Neus Tölu, mußte es sich gefallen lassen, daß das Gericht ihm attestierte, mindestens sehr unvorsichtig gehandelt zu haben. Demgegens über spielt es eine nur unwesentliche Rolle, daß das Gericht den Wahrheitsbeweis für den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Uns ehrenhaftigkeit und Feigheit nicht als erbracht ansah und dems entsprechend den Papierhändler Paapke zu einer Buße vont 200 M. verurteilte. 2507 Wahllofale am 16. Oftober Die Groß- Berliner Gemeindewahlen werden sich am 16. Oftober in nicht weniger als 2507 Wahllotalen abspielen, da auf 1000 bis 1500 Mähler ein Wahllofa! entfällt. In Alt- Berlin allein find 1471 Wahllokale vorhanden, in Charlottenburg 173, in Spans dau 40( wo auch diesmal Männer und Frauen getrennt abstima men), in Wilmersdorf 88, im Wahlkreis X 150( Steglitz 94, Tempelhof 41, Zehlendorf 15), in Schöneberg 110, in Neus tölln 123, im Wahlkreis XIII 91( Treptow 54, Köpenid 37), in Lichtenberg 120, im Wahlkreis XV 141( Weißensee 27, Ban tow 65 und Reinickendorf 49). Mishandlungen auf Polizeitwachen Wir erhalten häufig 3ufchriften und Mitteilungen aus unserem Lesertreis über schwere Mißhandlungen, die von Beamten der Schutzpolizei auf der Polizeiwache an fiftierten Personen bes gangen werden. Trogdem uns die Leitung der Schuspolizei die Bersicherung gegeben hat, in allen solchen Fällen mit äußerster Strenge gegen die betreffenden Beamten vorzugehen, nehmen die Klagen über Mihhandlungen nicht ab. Am Sonntag abend gegen neun Uhr tam es in der Frankfurter Allee am Strausberger Platz zu einem Menschenauflauf, der von einem Betrunkenen verursacht war. Ein Wachtmeister der Schupa wollte den Menschenfräul auseinanderbringen und äußerte hier bei:„ Das Gesindel, das hier herum läuft, muß weg von der Straße". Einige Straßenpassanten fühlten sich durch diese Aeußerung beleidigt und machten dem Beamten Vorhaltungen. Der Beamte, der darüber ungehalten war, griff sich einen fünfzehnjährigen Knaben aus der Menge heraus und brachte ihn zur Polizeiwache in der Frankfurter Allee. Dabei traftierte er den jungen Menschen mit Fußtritten. Mehrere Zeugen gingen mit zur Wache, um dort den Sachverhalt flarzustellen. Hieran wurden sie aber von einigen Beamten, die sich eingefunden hatten, gehindert. Ein Zeuge wurde schließlich auf Drängen hereingelassen und von drei Beamten Die Treppe heraufgezerrt, so daß ihm der Jadettärmel Z ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk Jahre schriftliche Garantie. Zohnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen grafts. Kronen p. 30 Mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine faxuspreise 10% Preisaufschlag. Berlin und im Reich aufteht, zugunsten der Rußland- Silfe auf swet ehre. Die Zahn- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. Uraufführung wird Anfang November in Berlin stattfinden. ausgerissen wurde. Dieser Zeuge tonnte nun beobachten, daß der verhaftete junge Mensch schwer mißhandelt wurde. Der Zeuge protestierte hiergegen, worauf man den jungen Menschen in die hinteren Räume der Wache schleppte. Die Spuren der Mikhandlung waren im Gesicht und am Körper des jungen Mannes sichtbar. Wir erwarten vom Kommando der Schutzpolizei, daß es diese Angaben prüft und die betreffenden Beamten zur Verantwortung sieht. -Festnahme eines Erbschaftsschwindlers Einen groß angelegten Erbschaftsschwindel hatte ein gewisser Karl Wollant aus der Schulstraße 49 eingeleitet und zum Teil auch schon mit guten Erfolgen durchgeführt. Als er jetzt wieder einen neuen großen Streich ausführen wollte, wurde er von der Kriminalpolizei festgenommen. Der Verhaftete hatte feinerzeit gemäß dem Karl Friedrich Wollantschen Testament 20 000 Mart erhalten. Der Verstorbene hatte in diesem Testament nicht nur seine Verwandten bedacht, sondern auch allen männlichen Personen, die feinen Namen tragen, unter gewissen Bedingungen große Zuwendungen gemacht. Dem Karl Wollant war ebenfalls eine Summe von 20 000 m. ausgezahlt worden, außerdem hatte er eine Abschrift der lettwilligen Berfügung des Erblassers erhalten. Als das Geld jezt aufgebraucht war, legte sich Wollant auf den Erbschaftsschwindel. Er erzählte überall, daß er auf Grund des Testaments wieder 400 000 Mart erbe, die demnächst zur Auszahlung gelangen sollten. Auf diese in Aussicht stehende Erbschaft lieh er sich dann große Beträge. Um die Leute sicherzumachen, hatte er fich Briefbogen, die den Kopf der Wollant- Familien- Stiftung trugen, anfertigen lassen, und mit Schreibmaschine Briefe hergestellt, die seine Angaben bestätigten. So war es ihm gelungen, von einer Bant 20 000 Mart zu erhalten. Eine Familie gab nach und nach ihre ganzen Ersparnisse in Höhe von 13 000 Mart. Wahrscheinlich hat aber Wollant noch eine ganze Reihe anderer Personen unter falschen Vorspiegelungen angeborgt. Zur Auftlärung seines Treibens ist es dringend erwünscht, daß fich weitere Geschädigte unverzüglich bei Kriminaloberwachtmeister Neumann im Zimmer 113 des Berliner Polizeipräsidiums melden. Das Gerücht von einem Raubmord war gestern nachmittag in der Choriner Straße verbreitet. In dem Hause Nr. 67 hatte man den 45 Jahre alten Kurbelstider F. Ernst tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Mordkommission begab sich sofort an den Fundort. Ernst war zum letztenmal am Montag vergangener Woche gesehen worden. Gestern vormittag wollte ein junger Mann ihn besuchen, fand aber die Tür verschlossen. Man nahm zunächst an, daß Ernst einem Mörder zum Opfer gefallen sei. Die ärztliche Untersuchung ergab jedoch, daß die Leiche keinerlei äußere Vers legungen aufzuweisen hat, so daß mit einem Selbstmord oder Unfall zu rechnen ist. Es meisen auch keinerlei Spuren auf ein Verbrechen hin. Aus der Wohnung ist nichts geraubt worden, auch war die Wohnungstür nicht abgeschlossen, sondern nur zugeschlagen. Als Todesursache wird Gasvergiftung ange= nommen. Die Leiche wurde ins Leichenschauhaus gebracht, wo sie noch einmal genau untersucht werden wird. Einbruch im Schloß Wustrau. In einer der letzten Nächte statteten Einbrecher dem Schlosse Wustrau einen Besuch ab. Sie Stahlen u. a. einen gravierten silbernen Kranz, ferner einen 70 Zentimeter hohen silbernen Botal mit einem in rotweiß gehaltenen Wappen, zwei kostbare Zigarettendosen, auf deren Rückfeite eine Fürstentrone eingraviert ist, und zahlreiche silberne Beste de mit verschiedenen Wappen. In der Boltshochschule Groß- Berlin, Bezirk 17( Lichtens berg) findet im Vierteljahr Ottober/ Dezember 1921 ein Kursus Die Chemie im Gartenbau" statt. Dozent: Dr. Klemt. Beginn: 20. Oftober, 8 Uhr abends, im Reform- Realgymnasium, Bartaue 12. Dauer: Achtmal 1½ Stunden. Hörerkarte: 7,50 M., Verkauf in der städtischen Schulverwaltung, Möllendorfstraße 5, 3immer 2, beim Schulhausmeister der Schule Partaue 12 und in den auf den großen Plakaten angegebenen Verkaufsstellen. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgegend am Mittwoch. Etwas fühler, vielfach heiter, vorübergehend stärker bewölkt, bei größtenteils schwachen veränderlichen Winden: Keine erheblichen Niederschläge. Gewerkschaftliches Hungerlöhne in einer Reichsbehörde! Der frühere Generalsekretär des Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, jetziger Regierungsrat und Personalreferent beim Reichstommissar für Auslandsschäden in Zehlendorf, tonangebender Herr in Arbeiter- und Angestelltenfragen beim Reichsministerium für Wiederaufbau, Herr Dr. Ruhnau und sein ihm beigeordneter Kollege, Herr Oberregierungsrat Selig mann schließen unter Bruch des bestehenden Tarifvertrages mit Angestellten, die zur Einstellung kommen, eigenartige Verträge ab. Es heißt da u. a.: „ Die ersten beiden Monate gelten als Probezeit mit täglicher Kündigung. Während der Probezeit wird eine monatliche Ber gütung von 500 Mart, in Worten: Fünfhundert Mark, ge= währt. Die Uebernahme einer Rebenbeschäftigung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Behörde." Berücksichtigt man, daß die fürstliche Entlohnung von 500 Mart sich für den Monat noch um zirka 75 Mart für Steuern, Krankentasse usw. verringert, so wird jeder objektiv denkende Mensch zugeben müssen, daß bei dieser Reichsbehörde nur Hungerkünstler tätig sein können. Herr Minister Dr. Rathenau! Wollen Sie diese Saboteure von Verträgen und ihre Helfershelfer sämtlich noch länger in ihren Stellungen lassen? Ist es Tatsache, Herr Minister, daß jedenfalls infolge seiner eminenten Fähigkeiten die Ernennung des Herrn Dr. Ruhnau zum Oberregierungsrat ,, vorbereitet" ist? Glauben Sie wirklich, Herr Minister, mit diesen Herren wiederaufbauen zu fönnen? Arbeiter und Angestellte! Ihr seid vor dieser Reichsbehörde gewarnt. Bertrauliche" schwarze Listen Der Verwaltungsstelle Elbing des Metallarbeiterverbandes ist eine vertrauliche schwarze Liste auf den Tisch geflogen, die mal wieder den Beweis erbringt, wie die Unternehmer ihre wirtschaftliche Macht in Anwendung bringen. Bei den Bereinig= ten Maschinenfabriken A.-G. in Gumbinnen sind die Arbeiter wegen Lohnforderungen in Streif getreten. Flugs erläßt der Verband der Metallindustriellen des Ostens, E. V., ein vertrauliches Rundschreiben, das die Num mer 94 trägt, in welchem auf diesen Streit hingewiesen und ge= beten wird, keine Streitenden einzustellen". Zu diesem Zwed wird eine Liste beigelegt, die 224 Namen enthält. Dieser brutale Terror des machtlüfternen Unternehmerflüngels tommt gerade recht, um den Terrorakten der Arbeiter, von denen die verlogene bürgerliche Presse täglich voll ist, gegenübergestellt zu werden. Hier wehren sich Lohnsklaven gegen ein Versinken in den Pauperismus, und dort erdreistet sich die gut verdienende Industric, gegen Arbeiter eine geheime Feme zu inszenieren. Nur eine feste Einheitsfront des Proletariats wird diese Herren zur überwinden. Raison bringen, um sie letzten Endes zu Lohnbewegung in der Damenwäschebranche Eine überaus gut besuchte Mitgliederversammlung der im Befleidungsarbeiterverband organisierten Arbeitnehmer sollte, nach dem die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband zu teiner Einigung geführt und von beiden Parteien der Schlichtungsausschuß angerufen, zu dem Schiedsspruch, welcher von diesem am 5. Oftober d. Js. gefällt werden sollte, Stellung nehmen. Durch das eigenartige Geschäftsgebahren des Schlichtungsausschusses für die Bekleidungsindustrie, veranlaßt durch den Arbeitgeberverband, ist es zu einer Verhandlung an diesem Tage nicht gekommen. Bon seiten der Arbeitnehmer waren 4 Tarifstreitigkeiten beim Schlichtungsausschuß anhängig gemacht worden und durch persönliche Unterredung des Arbeitnehmer- Vertreters mit dem Sefretär des Schlichtungsausschusses der Antrag gestellt, diese Streitigkeiten an einem Tage zu verhandeln, da es sich um Arbeitgebergruppen handelt, die, in sich vereinigt, dem Konzern Dr. Heimann als Syndikus angehören. Diesem Antrage ist von seiten des Schlichtungsausschusses stattgegeben worden; denn die Ladung zu den Gesamt- Streitigkeiten erfolgte am 29. September zum 5. Oktober 1921, vormittags 9 Uhr. Ernste Mahnung an die Deutschen Hausfrauen! Die Frau als Hausärztin! Die Arbeitgeber witterten aber Gefahr durch den gemeinsamen Ausmarso) der Arbeiter und wußten die Verhandlungen zu vers eiteln. Der Schlichtungsausschuß in seiner neutralen" Haltung machte sich die fadenscheinigen Argumente zu eigen und vertagte neuerdings die Verhandlungen. Dieses Vorgehen löste in der Versammlung, die am. 6. Oktober stattfand, in der Frizz Schumacher berichtete, stürmischen Protest aus und einstimmig wurde folgende Resolution beschlossen: Die heute am 6. Oftober 1921 in den Arminjälen tagende Versammlung der in der Damenwäschebranche Beschäftigten erhebt gegen das Geschäftsgebahren des Schlichtungsausschusses der Bekleidungsindustrie färsten Protest. Sie sieht durch dasselbe die Interessen der Arbeitnehmer auf das schwerste geschädigt und hat jegliches Vertrauen zu dieser Institution verloren." In der Tarifftreitsache der Versicherungsangestellten wird uns vom Zentralverband der Angestellten folgendes mitgeteilt: Der Schlichtungsausschuß Groß Berlin beschloß in feiner Sitzung vom 10. Oftober, daß erstens die Sache vertag! und ein neuer Termin zur Verhandlung vor dem Schlichs tungsausschuß unter gleicher Kammerbejetzung, auf Mittwoch nachs mittags anberaumt wird. Zweitens wurde beschlossen, daß der Schlichtungsausschuß sich in dieser Sache für zuständig erklärt und die Parteien hingewiesen werden, zu erscheinen. Das Auss bleiben einer Partei würde die Anwendung des§ 23 der Verordnung zur Folge haben. Weiter wurde entschieden, daß der Berliner Feuerversicherungsverband als Gegenpartei anerkannt wird. Parteiveranstaltungen Dienstag, 11. Oftober 19. Verwaltungsbezirt. Die zu heute bei Vater, Mühlenstraße angefegte Sigung der Frauen und Kinderschutzfommission fällt aus. Die Genosinnen treffen fich am Donnerstag eine halbe Stunde vor Beginn der Frauenversammlung Wollant trafe. 13. Berwaltungsbezirt. Sämtliche Orte sofort Material abholen von der Spe bition Bankow. Rentölln, Brig, Rudow, Budom. Die Bezirksführer holen sofort wichtiges Material vom Bureau bis 7½ Uhr. Mittwoch, 12. Oktober 9. Diftrift. 2. Abteilung. Für die Genossen, welche in der Müllerstraße, nördlich vom Baul Gerhardtstift, Barfus, Transvaal, Glasgowers, Ofeners, Schöning-, Otavistraße und Baraken wohnen, gemeinsamer Zahlabend bei Pito, Müller-, Ede Barfusstraße. Charlottenburg. 5. Abteilung. Gemeinsamer Zahlabend bei Grüttner, Lügower Straße 8. Brig. Abends 28 Uhr gemeinschaftlicher Zahlabend bei Meier, Chauffeeftr. 69-70. Baniow. Zur Einäscherung der Genossin Gaßmann treffen sich die Genossen um 12 Uhr Pantow, Nordbahnhof. Tegel. Nachmittags 5 Uhr Sandzettel bei Leonhard, Berliner Straße abholen und vor dem Zahlabend verteilen. Waidmannslust. Oeffentliche Wählerversammlung bei Holt. Ref.: C. Leid. Vereinsfaiender Alle Einsendungen für den Bereinskalender müssen an die Inseratens abteilung der Freiheit", Berlin C 2, Breite Str. 8-9, gerichtet wer ben. Telephonish tönnen teine Notizen angenommen werden. Die Mitteilungen Find mindestens drei Tage vor dem Versammlungstage einzusenden. Jebe Einfendung muß mit einem Stempel sowie der Adresse des Koffierers versehen sein. Besondere Wünsche in bezug auf den Tag der Veröffentlichung fönnen nicht berüdfichtigt werden. Dienstag, 11. Oktober. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Abends 7% Uhr Mitglieder versammlung der Ortsverwaltungen Charlottenburg 1, 2 und 3, Kaiser- Friedrichs Loge, Kaiser- Friedrim- Str. 87. 7% Uhr Lichterfelde- Zehlendorf, Hohenzollern, Hindenburgdamm 93a. Mittwoch, 12. Oktober Deutscher Transportarbeiter- Berbend, Bezirk Groß- Berlin, Seftion 1. Branche: Reichsorganisationen. Nachmittags 5 Uhr Funktionärversammlung bei Feyfara, Melchiorstraße 15. Tagesordnung: Bericht über die Verhandlungen betr. Er höhung der Abbauentschädigung und des Austrittsgeldes. Vertrauensleute der Schürzens, Unterrods, Kinderkleider- und Damenwäsche branche. Die für Mittwoch, den 12. Oktober, festgesezte Bersammlung fällt aus. Zentralverband der Angefilten. Angestellte der Buttergeschäfte. Abends& Uhr Mitgliederversammlung in den Brachtsälen Alt- Berlin, Blumenstr. 10. Zentralverband der proletarischen Freibenter, Ortsgruppe Neuruppin. Mitgliederversammlung im Boltshaus, fleiner Saal. Wichtige Tagesordnung.[ 9 Bund der technischen Angestellten und Beamten. Abends 7% Uhr Mitgliederversammlung Norden 2, Lamperts Festsäle, Echönhauser Allee 129. 7% Uhr Südost, Grünauer Garten, Grünauer Str. 14. Abends 7 Uhr Fachgruppenver jammlung der Architekten im Nordischen Hof( weißer Saal), Invalidenstr. 126.. Berantwortlich für Politik und Feuilleton: Leo Liebschüh. Berlin- Frie denau; für Kommunalpolitik, Lokales und Gewerkschaftliches: B. Rudner. Berlin; für den Injeratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Charlottenburg. Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6. m. b. H., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. b. 5., Berlin C. 2. Breite Straße 8-9. Ein ärztliches Nachschlagewerk der Gesundheitspflege und Heilkunde mit besonderer Berücksichtigung der Frauen- und Kinderfrankheiten, Geburtshilfe und Kinderpflege und der Nachbehandlung Kriegsverletter. 1036 Seiten mit ca. 500 Abbildungen, 43 Bunftbeilagen und einem Wodell- Album, Manu und Weib". Die Heilkunde enthält zuerst die Beschreibung der Krankheiten, dann ihre Behandlung. Großer Prachtband.132.- mit Bahlungserleichterung von monati. nur 12 M. Die Lieferung des Werkes erfolgt ohne Anzahlung.( Siehe Bestellschein). Buchhandlung A. M. Feller, Hermsdorf bei Berlin, Weisbachstraße 2. Die ungeheure Nervenanspannung des Weltkrieges und seiner Folgen fann ohne Schaden nur gut gemacht werden, wenn die Gesund Aber die heitspflege zur höchsten Aufgabe der Frauen gemacht wird. Unwissenheit unter den Frauen auf dem Gebiete der Gesundheitspflege und Heilkunde ist geradezu beängstigend. Es gibt feine Statistit barüber, wie viele Frauen an Strankheiten fierben, bie fie aus Schamgefühl vor der Behandlung des Arztes verheimlichten, wie viele unter dem Drude dieses unwürdigen Zustandes leiden und wie viele bet rechtzeitiger Auftlärung gerettet würden. Treten nicht die meisten Bräute leichtfinnig in die Ehe ohne jede Kenntnis der Pflichten gegen fich selbst und ihre fünftige Familie, von den Eltern über die wichtigsten Aufgaben des Ehelebens total im Dunkeln gelassen? In teinem Haushalte sollte daher das berühmte große Brachtwert von Frau Dr. med. Auna Fischer- Düdelmann fehlen. Ausbleiben der Wenstruation Afterjuden Eingehend behandelt find: Anstedende Krankheiten Ausfiuß Befruchtung Blutungen Bestimmung des Geschlechts Behandlung der Brüste Frühgeburt Fieber Fehlgeburt Cholera GeburtshilfeDammriß Diphtherie steine Gelenirheumatismus Geschlechtsleben und Geschlechtskrankheiten Gicht GrippeKindbettfieber Krebs Tuberkulose jämtl. Leber- und Lungenkrankheiten Hämorrhoiden Langlebigkeit Leistenbruch Masern Boden Scharlach Scheidenkrankheiten Schönheitspflege Ratschläge für Bräute und junge Ehefrauen Schwangerschaft Weißer Fluß Wochenbett Wechseljahre Zahnkrankheiten Injere Heilkräuter alle atuten und chronischen Krantheiten, sowie erste Hilfe bei Unglücksfällen. Behandelt find auch die so gräßlichen Hautkrankheiten wie: freffende Flechte Lippenflechte nassende Flechte Postscheck- Konto Nr. 28 524 Berlin NW 7. Schuppenflechte GallenWassersucht über Gürtelrose und Strofulose. In offen. Brief- Ma aus dir Bestellſcheinreiheit. . M. Feller, Hermsdorf 6. Berlin An die Buchhandlung Best. hiermit„ Die Frau als Hausärztin". Großer Prachtband 132,- M. mit monatlich umschl. f. 15 f. 20 Name: Stand:. Ort: nur 12,- M.. Erfüllungsort Berlin. U.S. P. D. Bezirk Bankow. Am 8. d. Mts. vers starb unsere langs jährige Genossin Minna Gaßmann i. Alter v. 59 Jahren. Einäscherung am Mittwoch, 1 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 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