Ilr. 234. Adomlkments• HedingÄNgt»: Abonnements- Preis pränumerando: «terteljährl. Z,Z0 Ml., monatl. l.loMl.. wöchentlich LS Psg. frei in« Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirler Sonntags- Beilage„Di- Neue Welt' lo Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. «ingetragen in der Post- ZettungS- PreiSltfie für 1897 unter Er. 7437. Unter llreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Srscheinl liiglich außer Wonlng«. Vevliner VolksblÄkt. 14. Ilchrg. Die Inftrtions- Gebühr betragt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Auzeigen. fowis ArbeitSmarlt 20 Pfg. Jnferais für die nächste Nummer miisfen btS 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen btS 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt« a Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Smk I, Er. 1298. Telegramm-Adresse: »SuzialdemoKrai Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Hiedaktion: SW. 19, Wettty-Straße 2. Donnerstag, den 7. Oktober 181)7. Hitpedltton: SW. 19, Weuty-Straße 3. Klus Fvankveich. Paris, 4. Oktober. Der Anklageakt in Sachen der Panama- Affäre. den der„Matin" bente vollinhaltlich veröffentlicht, zeigt bis zur Evidenz, daß die Justiz auch ni der neueste» Panaina-Untersuchung als Werkzeug des herrschenden Klüngels gehandelt hat. Arto» hall» nach dem Anklageakt zirka 2 Millionen Franks von der Panama Gesellschaft zu Korruptionszweckeu bekommen. Davon erhielte» aber die neu» angeklagte» Deputirlen in, ganzen nur 404 000 Franks. Ueber die Berivenduiig der iveiteren N/s Millionen schweigt des Anklägers Höflichkeit. Warum? Weil Artou's Aussagen und Vermerke in den Siotizbüchern»von der Justiz nur dann berücksichtigt wurde», wenn dieselben durch andere Beweismomenle hinlänglich bestätigt wurden". Das ist die klägliche Ausflucht, die der Parteijustiz zur Rettung der großen panamistischen Diebe dient. Die„anderen Belveismomente" fehle» nämlich in allen Fällen, wo Arton's Bc fchuldigunge» opportunistische Parteigrößen treffen! Dabei weiß man aus den Erklärungen des Untersuchungsrichters Le Poitlevin vor dem parlamentarischen Panama-Ansschuß, sowie ans den diesem Ausschuß vorgelegten Dokumente», daß gegen die regierungsfrennd lichen Panamiste» mindestens ebenso belastende anderweitige Beweismomente vorhanden waren, wie gegen die oppositionellen Angeklagten... Ganz unverhülll ist von der Meline'sche» Justiz Gesetz und Recht mit Füßen getrete» worden im Falle des opportunistische» Senators Levrey. Anfänglich in die Anklage mitverwickelt und vom Senat selber einstimmig dem Untersuchungsrichter ausgeliefert, wurde er später ganz aus dem Spiele gelasse»— nicht etwa wegen„Mangels an Beweisen" sonder» wegen seines— Gesundheitszustandes, der ihn unzurechnungs sähig mache! Diese.Unznrechnungssähigkeil" hindere ihn aber nicht, nach>v i e vor Senator zu bleiben. Ueberdies wird der Fall Levrey mit keiner Silbe im Anklageakt erwähnt, während der inzwischen init Selbstmord abgegangene ehemalige Abgeordnete Richard im Anklageakt als vollkommen zurechnungsjähig ent ehrt wird. Was die acht lebenden Angeklagten betrifft, so scheine» überzeugende Echuldbeweise nur gegen den ehemaligen bonlangistil schen Senator und gegenwärtigen radikale» Abgeordneten Raqu et, der sich»ach London geflüchtet, und gegen den radikale» Abgeordueten Maret erbracht worden zu sein. Naqnet soll 150 000 Fr. Bestechungsgeld erhalten haben als Helfershelfer Arton's beim Zilstandebringe» des Votums über die Panama-Lotterie-Anleihe. Marek soll für 90 000 Fr. sich dazu hergegeben haben, als Bericht- «rstatler der Anleihekommission einen ihm von Arton übermittelte» günstigen Bericht vorzulegen, trotzdem er ei» Jahr vorher in seinem Blatte„Le Radical" die kleinen„Gimpel" vor dem bevor- stehenden Panama-Krach gewarnt hatte. Der Verfasser des Berichts ivar übrigens derhochselige, ausNationalkostenbestattete opportunistische Heilige, B» r d« a u, der Obermaklcr der parlamentarischen Panama- Korruption. Insbesondere haltlos erscheint dagegen die Anklage gegen den sozialistischen Abg. Antide Boy er(10 000 Frs. Be- stechnngsgeld). Die famosen„anderen Beweismoniente" bestehen lediglich darin, daß Boyer im Sommer 18S9, das heißt, mehr als ein Jahr nach de», P a» a in a- B o t u m, von Arton gegen eine» regelrechten Wechsel 300 und dann 3000 Fr. zu ent- leihen versucht hat. Davon zeuge» mehrere Briefe und Depesche» Boyer's an Arton. Der Wechsel auf 300 Frs. wurde ebenfalls aufgefunden. Dagegen fehlt der Wechsel ans 3000 Frs., und in diesem negativen Umstände, der durch die erwähnten Briese und Depeschen hinfällig wird, erblickt die Justiz de» erdrückendsten Schuldbeweis gegen Boyer. Und wie steht es mit Arton's Aussage gegen Boyer? Arton erklärt kategorisch, daß er Boyer's Votuni nickt erst zu kaufen gebraucht habe, da dieser als Vertreter der Hafenstadt Marseille von vornherein s ü r die P a» a in a- i!l» l e i h e st i m m e» m» ß t e. Er habe Boyer 10 000 Franks gegeben rein ans— boshafter Laune,„nicht weil er ihn gekannt hätte, sondern lediglich weil es sich»in«inen sozialistischen Deputirten handelte, der nach seinen Aenßernugen Geldangebote energisch zurückweisen zu müssen schien": so wörtlich im Anklageakt zu lesen! Und diese kostspielige Laune soll derselbe Arton gezeigt Kabe», der— wie in der Anklage gegen Maret angeführt— von de» für Maret bestimmten 100 000 Franks— 10 000 Franks»ach seinen eigenen Erklärungen„weggekratzt" hat... Sellen hat die Justiz ihre eigene Infamie so offen enthüllt, wie in dem Anklageakt gegen Boyer. Neber den Ausgang deS Prozeffes vor dem Schwurgericht herrscht allgemein die'Ansicht, daß sämmtliche Angeklagte frei- gesprochen werde» dürfte», was ja gewöhnlich in derartigen'Affären der Fall ist. wo die Geschworenen über ei» parteiisch heraus« gegriffenes Häuflein Sündenböcke zu urtheilen haben, während die Hauptschuldigen„in Ehren" die Früchte ihrer Mogeleien genieße».— Die S o z i a l i st e» haben bereits in vielen Orlen de» Wahl- ka m p f für die Kammerwahlen des nächsten Frühjahrs begonnen. In S a i» t- Q» e» t i n(Departement Aisne) genehnngte vorgestern eine Wählerversammlnng von 3000 Mann durch Akklamation die Kandidatur T u r o t s. eines Mitgliedes deS Revolutionären Zentral- komilees. In der Versammlung wurde unter anderen ei» Brief von Jaurös verlesen, worin die ausgesprengte» Gerüchte, daß er Carmaux, seinen gegenwärtige» Wahlkreis, aus Furcht vor Barthon's und Resseguier's Knüppelhelben gegen den Wahlkreis von Saint- Qnentin vertauschen werde, als eine Tendenzlüge bezeichnet iverden.— politische AebeeM,?. T Berlin. 6. Oktober. Die Scharfmacher in den„Hamburger Nachrichten" sind fleißig bei der Arbeit. Jede Gelegenheit, und wäre sie noch so ungeeignet, benutzen sie, um ihre gcivaltthätigcn Ge- sinnungen zu bekunden. Unser Parteigenosse Bebel wies auf dem Hamburger Parteitag ans die Möglichkeit»euer Unterdrncknngsmaßnahmen gegen die Sozialdemokratie hin und warnte vor Uebernahme geschäftlicher Betriebe in Parteihände, da diese Betriebe alsdann der Reaktion zum Opfer fallen könnten, wie es zur Zeit der Eiusühruiig des Sozialistengesetzes schon eiumal geschehen. Die„Hamb. Nachr." verdrehen diese Ausführungen Bebel's dahin, als sei gesagt worden, ein Sozialistengesetz schade der Sozialdemokratie und die Partei fürchte das Wiederkommen eines solchen Gesetzes. Es verlohnt sich nicht, über diese offenbar mit Bewußtsein vorgenommene Fälschung ein Wort zu verlieren. Wohl aber sind die Schlüsse, die das Bismarck-Blatt ans seiner Fälschung weiter zieht, werth, festgehalten zu werden. Die„Hamburger Nachrichten" sagen: „Wir sind der Ansicht, daß wenn der Erlaß eines neue» Spezialgesetzes gegen die Sozialdemokratie auch keine andere» Nachlheile für diese haben würde, als die materiellen, die Herr Bebel angeführt hat, es Pflicht des Staates wäre, diesen Erlaß sofort ins Werk z» fetzen. Die hiesigen Auslassungen des Herrn Bebel beweisen wiederholt, daß sich die Sozialdemokratie als im Krigsz, islande gegen Staat und bürgerliche Gesellschaft betrachtet. was wir für zutreffend halten und immer vertreten haben, wenn wir anssührlen, daß die soziale Frage keine Rechts-, sondern eine Macht und Kriegssrage sei. die mit den entsprechenden Mitteln z» lösen wäre. Im Kriege aber hat jede kriegführende Partei die Pflicht, alle Nachtheile, die sie dem Feinde z» fügen kann, um ihn in seinen Operationen zu hindern und ihm die Fähigkeil zur längeren Fortsetzung des Katnpfes zn schmälern, auch anzuwenden; de»» der Zweck des Krieges ist die schnelle und vollkommene Niederiverinng des Gegners zur Erlangung eines günstige» Friedens. Dieser Ziveck aber wird gefördert, wen» der Kriegszustand dem Gegner so nnangenehin als möglich gemacht wird, damit er den Wunsch nach Friede» stark empfindet und in diesein Sinne auf die eigene Leitung drückt. Je schonender man den Kampf führt, um so länger ivird die Widerstandslnst und Widerstandsiähigkeit des Feindes dauern. Unter diesem Gesichts punkte hat die Regiernng, wen» sie die Soziatdemokratie ernstlich zu bekämpfen entschlossen ist, die Pflicht, der sozialistische» Agilalion alle Schäden zuzufügen, die Herr Bebel für seine Partei von dem Wiedererlaß eines Spezialgcietzes fürchtet. Mit letzterem würde außerdem erreicht, daß die Organisation und die Lffent- liche Propaganda der Sozialdemokratie zerstört sowie der Bevölkern»» wieder zum Bewußtsei» gebracht würde, daß die sozialdemokratische Agitation staatsgesährlich durch die Laudesgesetze verboten und mit Straf« belegt ist. Davon»nd von der Allfdebnng der ge Heime» Stimmabgabe bei den Reichstags wählen verspreche» wir uns eine sehr wirksame Eindämmung der sozial demokralische» Beivegung. Wenn die Sozialdemokratie dann ver suchen wollte, auf andere Weise ihr Ziel zu erreichen, so würde damit vielleicht eine nicht ganz unerwünschte Ge l e g e n h e i t zur heilsame» Abkürzung des langwierigen Versahrens gegen sie geböte» fei»." Offenherzigkeit ist eine Tugend; wir freuen uns, daß die „Hamburger Nachrichten" sie üben, wenn sie es auch nur thun, weil sie zu der Rolle der„Reichsnörglcr" vcrnrtheilt sind. Kaum je haben die Gcwaltpolitiker so ehrlich ihre Herzensmeiniing ausgesprochen;„nicht ganz unerwünscht" wäre es ihnen, wenn sie ini Blute des Volkes waten dürften! Daß doch die Herren noch immer nicht begreifen wollen, daß die Arbeiterklasse alles andere thnt und thnn wird als das, was ihnen„nicht ganz unverwünscht" ist. La l�galite nous tue— die Gesetzlichkeit tobtet uns, dies Odilon Barrot'sche Wort werden die Scharf machcr und Staatsstreichler auch für fernere Zeiten mit Ingrimm in sich hineinwürgen müsse». Die Arbeiterklasse thnt ihnen nicht den Gefalle», vor ihre Kanonen und Gewehre zu kommen. Ter„Krieg", den die Arbeiterklasse gegen der. heutigen Staat und die heutige Gesellschaft führt, ist ein ganz andersartiger als der Krieg, den die„Hamburger Nach richten" predige». Mächtiger als Flinten und Geschütze, mächtiger als die Mächtigsten der Machthaber ist der wirth- schaftliche Entwickelungsgang, der die politische und ökonomische Herrschaft der kleinen Minderzahl über den Haufen wirft und das Volk in seiner Gesammtheit zum Siege fühct!— Die Majorität des Grafen Badcni im österreichischen Abgeordnetenhause ist im Abbröckeln begriffen. Der Antrag der katholischen Voltspartei, der eine gesetzliche Regelung des Sprachcngesctzcs und die Aufhebung der Sprachenverordnungen fordert, bedeutet den Anstritt der letzten deutschen Gruppe aus der Mehrheit des Ministeriums, das sich— der erste Fall in der Geschichte Oesterreichs— blos auf die incht-dentschen Parteien zn stützen hat. Und auch nicht sämmt- liche nicht- deutsche Abgeordnete sind willens, das Kabinet Badem zu unterstützen. Ganz abgesehen von den sozialdemo- kratischen Abgeordneten polnischer und czechischer Abstammung stehen noch immer die Italiener, Rnthenen»nd einzelne weitere slavische Abgeordnete im Gegensatz zum Kabinet Badeni. Aber auch die Parteien, ans die sich das Ministerium stützt, sind weder unter sich einig, noch haben sie volles Vertrauen zur Politik des Grafen Badeni. Zwischen Badcni und den Jung- czechen soll Verstimmung herrschen, weil letztere Zu- geständnisse fordern, die Badeni nicht machen will. Im Polenklub macht sich großer Verdruß geltend gegen die Begehrlichkeit der Jungczechen, die ncuestens auch sprach- liche Zugeständnisse in Nicderösterreich, augeblich sogar eine czechische Abtheilung beim Wiener Magistrat, verlange». Graf Badcni dürfte somit trotz der Stütze, die ihm die Krone gewährt, nicht lange mehr das Ministerpräsidium behalten können. Falls er die Hoffnung hatte, daß der An- trag der katholischen Bolkspartci wenigstens die Opposition einlullen, sie zu einem Verzicht auf die Obstruktion ver- anlassen würde, so hat er sich wieder einmal getäuscht. Ein Kommunique der deutschen Volksparlei über die heutige, der Beralhnng des Antrages Dipauli gewidmete Klnbsiynng besagt, die deutsche Volkspartei bestehe einerseits aus dem Verlan gen der gesetzlichen Regelung der Sprachen- Verhältnisse und beharre andererseits bei strengster Opposition und Obstruktion, so lange die Sprachenverordnungen nicht voll- ständig und unbedingt zurückgenommen würden. Morgen dürften die Ministeranklagen zur Verhandlung kommen. Dabei dürfte die Obstruktion wieder niit vollster Schärfe einsetzen.— ft• « Deutsches Reich. — Preußische Eittlichkeitsbedenken. Spät kamen sie der hohen Behörde— die„sittlichen" Bedenke»— doch sie kamen Die Lehrerin Frl. Ida A l t m a n n, ivelche seit Jahren den in Berlin ersorderliche» Unterrichis-Erlaubuißscheiu von der städtischen Schuldepntalion erhallen Halle, wurde im Januar d. I. ans ihr Gesuch um Erneuerung desselben abschlägig beschiedc». Die slädlische Behörde begründete ihre Absage durch die ihr hierzu vom köuigl. Proviuzial- Schulkollegium erlheitie Aniveisnug. Auf An- frage des Rechlsanwalls Herr» Dr. Bieber, der sich der bedrängte» Lehrerin annahm, aus welchen Gründe» die �Ausstellung des Scheines verweigert würde, antworlele das köuigl. Prvvinzial-Schulkollegiiim zuerst allgemein: weil die Lehrerin I. A. nicht den Anforde. rnn gen der Staats-Miuisterial-Justruktio» vom 31. Dezember 1339 genüge; dann auf erneute Anfrage, die Herr Dr. Bieber a» die Behörde richtete, theilt diese am 22. Februar mit:„Der ferneren Ertheilung eines Unterrichts-Erlaubnißscheines an die Lehrerin Fräulein I. A. stehen Bedenken in religiöser Beziehung entgegen." Nochmals wandte sich Dr. B. an das Proviuzial- Schnlkollegium und ersuchte es, anzugeben, welche Vorwürfe es Frl. A. zu mache» habe; es müsse derselben doch mindestens die Möglichkeit gegeben werden, sich zu veriheidige», wen» man sie in der Weise beschuldige. Da— mit einem Male— am 19. März— entdeckte die hohe Be- Hörde, daß,„da die Genannte(Frl. A.) sich z n den a t h e i st i. schen Grundsätzen der hiesige» freireligiösen Gemeinde bekennt, außerdem aber wegen Ungehorsams gegen die An- o r d n n n g e» der zuständigen Behörde hat bestraft iverden müssen, sie iveder in religiöser noch in sittlicher Beziehung für den Lehrberns qiialifizirt erscheint." War inzwischen etwas vorgefallen, das diesen nenen Angriff gerechtfertigt hätte? Keinesivegs; der angebliche Ungehorsam Halle staligekabt am 26. Mai 1395 n»d war vom 14. bis 24. Dezember 1395 durch Haft am Alexanderplatz gebüßt worden Wenn daskgl.Provinzial- Schiilkolleßinm ei» und ein halb Jahre lang die mangelnde sittlich« Qualifikation nicht entdeckt hatte, für 1836 Frl. A. der Schein noch ausgestellt wurde, woher urplötzlich die sittliche Erlenchtung? Warum sind selbst»och am 22. Februar 1397 keine auderen als religiöse Bedenke» aiifgelaucht? Sollte» da gewisse Winde, die jetzt wehe». die Fahne der Erkenntniß dessen, was gut n»d böse, in eine neue Richtung oder mindestens zu vollerer Eurfaltiing gebracht habe»? Und worin hatte der Ungehorsam bestanden, der von der königl. Behörde erst nach i»ehr als anderthalb Jahren als sittlicher Mangel erkannt wurde? DerUnterrichl derKinderderfreireligösen Gemeinde war Frl. A. als das Halten einer Privatschnle, wozu nur Schnlvorsteherinnen berechtig feie», am 5. April 1394 nntersagt und auch eingestellt worden. Ein Jahr später, am 26. Mai 1395 hatte Frl. A. in Vertretung des gerade abivesenden Dr. Wille in einer von der Gemeinde ein- bernfeiien»nd bei der Polizei gemeldeten Versammlung von Geineindcmilgliedern und Gästen eine» Vortrag gehalten über„Die Grundsätze der Gemeinde", und dieser Vortrag soll eine Fortsetzung der»»icrsagte» Tbaligkeit gewesen sein— also identisch sein mit dem Hallen einer Privatschnle! Die Maßregelung des Fräulein Altmann und besonders auch die Art. wie»in» dieselbe betrieb, ist überaus charakteristisch für den„Geist", der heutzutage im preußische» Schulwesen, im Reiche des Herr» Bosse, herrscht. Auch diese Maßregelung ist eine von den Tbaten der jetzigen Regiernng. durch welche die Klitst zwischen dem Volk und deue», die es beherrschen und bevormunde wolle», immer breiter ausgerissen wird!— — Eine vergnügte M i n» t e bereitet»nS der neueste sozialisteumordende Vorschlag der.Deutsche» VolkSw. Corresp" Die Anitsenlsetzuiig des sreisinnigen OrtsvorsteherS Schnitze findet den volle» Beifall dieses Organs und es fordert dazu auf,«S niöge auf diese», Wege der Bekänipsung der Sozialdemokratie weiter fort- gefahren iverden: „Will man die Sozialrevolution bekämpfen, und das wollen ja, wie sie versichern, alle bürgerliche» Parteien, dann»mß man die Agitatoren in ihrer Person bekämpfe»; anders geht es nun einmal nicht. Man sollte daher meinen, der Lehniner Fall hält« noch andere lehrreiche Seiten gehabt, als die Rechts- tislelcien, die man ihm abgewann. Entschlösse sich das klassenbewußte Bürgerthum i» S t a d t» n d L a n d. lieber ans M i e t h e und ähnlichen Gewinn zu verzichte», als an sozialdemokratische Agitatoren zu vermiet he», mit der geiverbsmäßigen Agitation wäre es 'ehr bald zn Ende. Wollte etwa die Partei sie kasernire», sie würde» ich schnell genug gegenseitig die Auge» anskratzen." Also die A u S m i e t h n n g der Sozialdemokratie— »eueftcs unfehlbares NeltungSmlttel der bürgerlichen Parteien. Nur immer los,„klasseubcivußtes Burgerlhum!" Laßt Eure Wohnungen leer stehe», verkauft Sozialdemokraten keine Röcke und Hosen und keine Lebensmittel— so innß es geben! Es ist doch gut. daß in ernster Zeit der Scherz nicht ga», ausgeht. — Nochmals� die Eisenbahn- Katastrophe bei Eschede. Ans Lüneburg wird geschrieben: Auf Ansuchen der hiesigen Slaalsauivallschaft ist ei» Rollfuhrwerksbesitzer in Celle verhaftet und nach hier gebracht worden, der sich bis jetzt des besten Leumundes erfreuie. Der eine Bremser, dessen Schweigen über den herabgefalleneu Laiigban»,(ivie früher bereits berichtet) ein so großes Unglück zur Folge hatte, ist der Schivager deS Verhafteten. Der Bremser soll ihm derzeit mitgelheilt habe», daß der Langbainn heruntergefallen sei. Diesen Umstand soll der Rollfuhrwerksbesitzer nun bei feiner Vernehmung zuerst verschiviege» haben. Vielleicht oll deswegen ein Meiiieidsverfahre» gegen ihn eingeleitet werden. Die Verhandlungen gegen die Bremser werde» ganz hier in Lüne- bürg gejührt werde». Hätte der Bremser am 14. August gleich den Vorfall ans dem Bahnhof in Celle mitgetheilt, dann hätte der v-Zng so lange angehalten werden können, da der betreffende Giiterzug vor dem V-Zuge in Celle eintrifft. Da? verladene Holz soll erst i» Eschede aufgenomine» worden sein.— Die hiesige Staats- anwaltschaft macht folgendes bekannt:„Nachdem durch die statt- gehabten Ermittelungen festgestellt ist, daß dein Unfall, der am 14. August d. I. den Schnellzug Nr. 73 V zwischen Celle und Eschede betroffen hat. ein vorsätzliches Verbreche» nicht zu gründe liegt, wird die Bekanntinachung vom 21. August er., »ach der von dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten eine Belohnung von 3000 M. für die Entdeckung des Thäters ausgesetzt ist. hiermit zurückgeuomme»."— — Der„Post" ist in dein Kampf, den sie gegen die Arbeiter- klaffe führt, keine Gemeinheit zu gen, ein. In einem sonst nichts- sagenden Artikel über de» Hamburger Parteilag schreibt ste: „Die Legitimation für ihren(der Sozialdemokratie) Beruf zur Kritik der„absterbenden und versumpfenden" bürgerlichen Gesell- fchast hat gleich der„Genosse" Gerisch in seinem Kassenbericht durch die Aeußernng beigebracht, daß von einer„großen Anzahl" der Bevollmüchiigten die den Arbeitern abgelockten Parleibeiträge gar nicht oder zum geringsten Theil an die Zentralkasse abgeführt rvordeu sind. Es lohnt sich eben d a s A m t eines sozialdemokratischen Vertrauensmannes!... Die Arbeiter behalten derlei peifide Verläumdungen der Vor- kämpfer für„Religion und Ordnung" gut im Gedächlniß!— — Die Betheiligung unseres Parteigenossen D r. A r o n s am Parteitage giebt der„Post" Gelegenheit, ihrer gewöhnlichen Denunzialionssucht nachzugehen. Das Blatt bedauert. daß die Regierung»och keine Schritte gethan habe, um die Maß- regelung des genannten Privatdozentcn an der Berliner Universität durchzusetzen. Eine» ähnlichen Artikel konnte man schon seit Jahren in der „Post" lesen. Man muß es dem Blatt lasse», daß eS fein Augeber« Haudivcrk mit Fleiß und Ansdauer betreibt.— Kiel, S. Oktober.(Eig. Ber.) Die Wahlbewegung im neunten schleswig-holsteinische» Wahlkreise hat die Einigkeit der beiden feind- lichen freisinnigen Brüder schon in die Brüche geben lasse». Ans einer am 30. September stattgefuudenen freisinnige» Vertrauens« männer-V-rfaminlnug hatte man den Pastor a. D. Hoeck als Reichslagskandidal aufgestellt. Von waffelstieslerischer Seite wurde nun an ihn das Verlangen gestellt, zum mindesten der freisinnigen Bolkspartei als Hospitant beizutreten. Da dieses verweigert wurde, stellte die Bolkspartei als eigenen Kandidaten einen Hnfner Schmidt« Honighorst auf. An diese Vorgänge anknüpfend, behauptete die„Frei- sinnige Ztg.",„daß auf der am 3l>.Oktober angehaltene» Kreisdelegirten- Versammlung gegen die Kandidatur Hoeck die erheblichsten Bedenken erhoben seien und ma» deshalb übereingekommen sei, von einer Jnbetrachtnahme dieser Kandidatur gewisse Erklärungen von Herr» Hoeck zu verlangen." Das veranlaßt die„Kieler Ztg." zu der Be- merkung, daß„das eine ganz perfide Unwahrheit sei".„In einer unerhört frivolen W e i s e ist der Bruch des Friedens durch einen volksparteiliche» Gewaltakt erfolgt, der im Wahlkreise ein- iiüthig von allen Freisinnigen verurtheill wird." Der„Freisinnigen Zeitung" wird vorgeworfen, daß sie einen Bericht bringe,„der an Entstellung und Verdrehung der Thatlachen das Höchste leistet, was auf diesem Gebiete je geleistet ist". Eine Einigung dürste zinische» den beiden freisinnigen Parteien kaum zu erziele» sein. Die„Kieler Zeitung" fordert jetzt auf,„daß alle freisinnigen Männer, denen die liberale Sache höher steht als das kleinlichste Fraklionsinleresse, energisch in eine Agitation zu guusten der Kandidatur des Herrn Hoeck einzutreten".— Dresden, 6. Oktober.(Eig. Ber.) Von den biS jetzt bekannten Resultaten der Nachwahl von Wahlmännern im 10. ländlichen Kreise Plaue», Lödiau:c., stellt sich das Ergebniß wie folgt: Es wurden gewählt 2 Sozialisten, S Konservative, 13 Sinti« feinite». Es stehe» im ganze»»och 13 Resultate miS, die aber die Konstellation selbst nicht mehr beeinflussen könne». Das Gesaminiresultat ist demnach folgendermaße»: Es sind im ganzen gewählt: 4S Sozialisten, 24 Antisemiten, 54 Konservative. Selbst wenn all« 13 noch fehlenden Wahlmänner konservativ sind, haben letztere immer nnr 67, die Wahlrechtgegner aber 72 Stimme». Die Entscheidung bei der Slbgeordueteuwabl liegt also in den Händen 'der Slntisemite». — Chronik der MajestätsbeleidigungS-Prozesse. 'Einen erheblichen Sluflaus verursachte an einem Juli-Nachmtltage der Blninenhändler Joseph Clemens auf de», Bahnsteig des Potsdamer Bahnhofes. Clemens bot den Fahrgästen kleine Blume, l-Bonqnets i» so zudringlicher Weise an, daß er lästig wurde und ei» Schutz- mann sich ins Mittel legen mußte, lieber die Zurechtweisung gerieth Clemens außer sich, er tobte und bcschimpsle die Beamleii in der „»fläthigsteu Weise. Als er zur Wache geführt winde, stieß er«in« Majestätsbeleidiguug aus. Gestern stand Clemens wegen aller dieser Ausschreitungen vor der II. Strafkammer des Landgerichts I. Der vielfach vorbestrafte SInoeklagle wurde zu einer Gesäuguißstrafe von sechs Monaten verurtheilt. Wege» Majestätsbeleidignng wurde der Knecht Anton Krause am 13. Juli 1897 von, Landgericht Brauns- b e r g zu Strafe verurtheilt. Der Sl,»geklagte legte gegen das Nrtheil R e v i s i o n ein und führte zur Begründung derselben aus, er sei in seiner Vertheidigung unzulässig beschränkt worden, indem sei» Vertheidiger zu Unrecht nicht geladen sei zur Hauptverhandlung. Ausweislich der Slkten halte der Angeklagte in der Tdat dem Ge- �richte angezeigt, daß der Justizrath v. Massenbach sei» Vertheidiger sei. Da nun, fuhr die Revision fort, infolge dessen auch der Ber- theidiger nicht zur Hauptverhandlung erschien, mußle der SIngeklagte sich ohne ihn behelfe», da er auch iusoser» sich nicht zu helie» wußte, als er Vertagung der Verhandlung hätte beantragen können. Das Reichsgericht h o b ob dieses Verstoßes das Urtheil auf und verwies die Sache au die Vorinstanz zurück. Oesterreich. Wien, 6. Oktober. Das SlbgeordnetenhauS setzte die Verhandlung über die N o t h st a n d s a» t r ä g e fort, ohne dieselbe zu Ende z» bringen. Der Handelsminister Freiherr Glanz von Eicha brachte einen Gesetzentwurf betreffend den Hansirhandel ein. Slbgeordneter Ebenhoch interpellirt wegen der Mittel znr B e» kämpfung der Konkurrenz des ausländisch«,,, be- sonders amerikanischen Getreides. Die nächste Sitzung sindet morgen statt.— Wien, 6. Oktober. Ueber den bereit? am Montag gemeldeten Neberfall eines österreichischen EchiffeS in, P i r ä u S berichtet das„Fremde,, Matt" aus Athen: Mehrere hundert K r e t e„ s e r überfielen im Piräus den Lkoyddampfer„Maria Theresia". Der Ueber- fall war durch das Gerücht veranlaßt, daß sich an Bord des Schiffes hundert gefangene Kretenser befände». Der Lloyd-Slgent schlug den Eindringlingen vor, er wolle mit de», Hafeiikapitän und fünf Vertraue»smäil»ern das Schiff ab- suchen, dieselben sollten sich von der Grundlosigkeit des Ge- rüchtes überzeuge». Da die Eindringlinge das Schiff aber nicht verließen, ersuchte der österreichisch» ungarische Gesandle Buriau v. Rajecz den Komma, idauten des Kriegsschiffes „F r a n z I o s e f", die„M a r i a T h e r e s i a" mit G e w a l l zu säubern und verlangle ferner vom Ministerpräsidenten Zainiis energisches Einschreiten. Hierauf wurde» die Ruhestörer von griechischen Marinesoldate» enlfernt. Der Kommandant des Hafens Piräus und der erste Polizeibeamte sind gestern wegen des Uebersalls zur Dlsposition gestellt worden. Ungar«. Budapest, 6. Oktober. SI b g e o r d n e t e» b a u?. Der Honved- minister Freiherr v. Fejervary bringt eine Vorlage, betreffend das Nekrutett-Nontingeul für 1898 ein. Der Abgeordnete Molnar kündigt eine» Antrag, betreffend die Hilfeleistung gegen den N o t h st a» d an. Ministerpräsident Baron Banffy stellt die Ein« briugnng von Vorlagen, betreffend das Slusgleichs-Provisoriun, sür den Beginn der nächsten Wochd in Ansicht.— Agram, 5. Oktober. I» den Ortschaften Dubdvae. Vninece, Lbrieg und Banvace sind Ruhestörungen ausgebrochen, als dl« Bauern zum Bau der Straße von Rearina nach Kanisza Steine herbeibringen sollten. Militär wurde requirirt. Frankreich. Paris, 6. Oktober. Dem Bericht des Geueralberichterstatters für die Marine ist zu eiitiiehmeu, daß sür Neubauten 102 Millionen. gegen 85 Millionen im Vorjahre, für Ausbefferung 30l/s Millionen, gegen 26 Millionen vorgesehen seien. Der Privatindustrie sollen für Neubauten 34 Millioue», und für Ausbesserungen 16 Millionen übertragen werde». Jtalie». Rom, 5. Oktober. Infolge eine? Zirkular? Rudi»!'?, in welchem den Kirchen ein ausschließlich religiöser Charakter zuerkannt wird, hat der Präfekt von Vicenza den katholischen Kongreß, der in der Kirche zu Paffano stallfinden sollte, verboten. Seitens der Klerikalen wird diese Auordnnng als ei»« Vergewaltigung be- zeichnet.— Türkei. —„Gegen die Bevormundung Asiens durch Europa"— ist eines der Losungsworte der»inhamedanische» Well geivordc». Bemerkensiverth für die Bestrebungen, welche dieses Ziel verfolgen, ist das freundliche E»lgege»komn>e» der Türkei gegenüber der jungen ostasialischen Großmacht Japan. Jüngst sind Verhandlungen zwischen der Türkei und Japan bebuss Sln- bahiiuiig eines Handelsvertrages i», Gange und deren'Abschluß ist nahe bevorsteheud; Japan will auch in Koi>sta»tl»opel und den Hauptstädten der asiatischen Provinzen japanische Konsulate er- richten, die in Wabrbeit Haiidelsagente» werden solle». Wie sehr man türkischerseits diese» Bemühuiigeii auch eine politische Bedeulnng beimißt, gehl ans einer Bemerkung des Hofblatles„Jkdam" hervor. Dasselbe besprach den demnächstige» Slbschliiß des Handelsvertrages mit Japan und meinte dazu, dieser Vorgang sei ein erflenlicher Beweis dafür, daß sich die asiatischen Reiche immer in e h r ihrer I n t e r e s s e»- G c m e i» s ch a f t b e iv» ß l würden, wodurch in der Zukmift die B e v o r n,»>» d u n g 'Asiens durch Europa ,v o h l etwas verringert werden dürfte.— Griecheiikrtiid. Athen, 6. Okiober. In der heiitigeu Sitzung der Deputirten« kammer ist das Ministerium vollzählig erschiene» Minister- Präsident Zaimis erklärt,»ach der Krise fei er berufeii worden. ein Miiiisteriuu, zu bilde»; er habe es sür seine Pflicht gehalten, dein Rufe zu folgen. Das Ziel des Kabinels sei die Lösung der natioiialeu Frage und die Räumung Thessaliens. Damit die Regieriliig die Lösung herbeiführen könne, begehre und fordere sie Zeil. Er bitte die Kammer, ihre Arbeiten einstweilen einzustellen. D e l y a n n i s erklärt, seine Partei werbe die Maßnahmen unter- stützen, ivelche ans die Lösung der nationale» Krise hinzielen, er billige den Vorichlag, die Slrbei>cn der Kammer einstiveilcii eiiiziiilelle». Zaimis fügte hinzu, das Mmisteriin» werde später der Kammer das System einer vollständigen Reorganisation des Landes vorlege». Karapanos und Deligior�iS sagen im Nanien ihrer Parteien de», Kabmet ebenfalls Unterslützung zu. Hierauf wird die Sitzung geschlossen.— Asien. — Der Emir von St s g u a» i st a n hat gestern in Kabul die Antivorl bekannt gegebe», welche er den in seinen, Anflrage von Jalalabad aus zurückgeictiicklen Abordnungen der AfridiS ertheilt hat. Ferner erließ der Emir eine Proklamation an seine Unter- lhane». Der Emir verwirft darin das Verhalte» der S t ä in in e, welche z» de» Waffen gegriffen habe» und erklärt, er könne denselben nicht Beistand leiste», da er ei» U e b e r i n k o m m e» mit den Engländer» abgeschlossen habe, welches von den letzleren gewissenhast beobachtet wurde.— Psu'feifaa dev sozialdenrokeANfiszen ZDnvtei Vrutfichlnnds. Forlsetznng aus der I. Beilage. (Privaldepeschen des„Bor wärt?".) Bebel im Schlußworte sorlfahrend: In der heutigen iliede von 51 a tz e„ st e in hat sich ein bei ihn, ganz ungewohnter Radikalismus gesunde».(Heiterkeit.) Ich ivürde mich außerordentlich srenen, wen» dieser Gein, de» seine heutige» 'Aenkerungeii zeigten, öfter aus seines AtlindeS Zaun heransläine. (Heilerkeil lind Sehr richtig.) Ich bi», wie er selbst weiß, bis heule leider nur zn oft in der Lage gewesen, gegen ihn polemisire» zu müssen. Ich balle es durchaus sür die Pflicht der Genossen, Kritik zn übe», >vo sie nieiiien, daß Dinge vorko»»»en, die der Partei schädlich sind; und daß wir allesainmt Sünder sind und Mangel» des Ruhms, wissen wir alle»nd weiß niemand besser wie ich.(Heiterkeit.) Duninibeile» hat schon jeder einmal im Leben gemacht, die D»n,ni- heiten siiib sogar dazu da, daß sie gemacht werde».(Heiterkeit.) Aber wenn heule Rayensteii, sich vermilaßt sieht, vor ve> sainmeltem Kriegsvoll Singer eine» Rüffel zu erlheilen, weil seine Rede über das Vereinsgesey nicht radikal genug auegefalleu sei, weiin er er- klärt, daß er damals von Eugen Richter an radikalen Aelißerungen übertroffen worden sei. dann verzeihe ma» mir, wen» ich eine der- aitige Krilik denn doch sür etwas unangebracht balte.(Lebhafte Ziiftiinuiiliig.) Es komme» im Leben eines jeden Redners, und zn denen gehört ja glücklicherweise auch Katzenflein, Gelegenheiten vor, wo der Redner als ehrlicher Mann sich selbst lagt: Diesmal hättest du eigentlich besser reden könne»!(Heiterkeit und Sehr gut!). Jede Rede hängt vo» Stimmungen, von gewissen Imponderabilien ab. Singer hat größtentheils ausgezeichnete Reden geHallen, und wenn wirklich jene Rede nicht so gewesen sein sollte, wie es Katzenstein wünschte, nun. so war es einer der Momente, von deiie» ich eben gesprochen habe. Ich gestehe ganz offen, unter zehn Male», wen» ich von der Tribüne des Reichstages herabsteige, sage ich mir mindestens neunmal. Du hattest heute auch viel besser reden können(Heilerkeil.) Wie ich höre, ist das bei meinen Kollegen»in Reichslage auch der Fall, und ich hoffe, wen» mal Katzensteill das Glück und die Ehre hat, Abgeordneter zu werden, daß ihm dann nicht das gleiche passirt wie mir, sonder»» daß er jedes Mal, wen» er von der Tribüne herunlersteigt, sage» kann. Du hast heute eine famose Rede gehalten.(Heiterkeit.) Dan» meinte Katzenstei», es sei ihm nicht passend erschienen, daß der Redner unserer Partei bei der M a j« st ä t s b e l e i d i g u» g S- Debatte dem Präsidenten gegenüber erklärte, ich habe keinen Namen genannt. Das würde Eugen Richter nicht gethan habe». Es ist doch eiaenihnmlich, daß sowohl Singer als auch mir gegnüber Richter als Musterknabe angeführt wird.(Sehr richtig!) Das trifft aber nicht zu. Ich bi» der Meinung, daß nieine Rede bei der bcivnßle» Debatte eine vergleichsweise gute Rede war»»d die Gegner habe» mich diese» Eindruck gehabt.(Heiterkeit.) Nach der Praxis des Reichstages darf der Name des Kaisers in keiner Weis« in die Debatte gezogen werden. Um meine Rede Überbanpl halte» z» kö»»e», habe ich dies Verbot dadurch umgangen, daß ich den Namen und den Titel des deutschen Kaisers garnicht in den Mund genonunc» habe, aber trotzdem alles, was ich sagte, eigentlich nach einer destiinmlen Stelle hinrichtete. Das scheint auch der Präsident gemerkl zu habe». Er nnterbrach mich unter Hinweis auf die Geschäftsordnung, und da habe ich einfach in der Abwehr gegen den Präsidenten, beinahe hätte ich Polizeipräsidenten gesagt(Heiterkeit), erwidert: Ich habe keinen Nanien genannt. Zu dieser Abwehr war ich be- rechtigt und verpflichtet und es ist durchaus falsch, daß meine Aeußernng«ine» Sin» gehabt hat. wie ihn Katzenstein ihr gab. Genosse Hoffinan» hat es in drastischen Worte», die selbstverständ- lich nicht des Beifalls eines Theiles der Versammlung entbehrte», als bedauerlich hingestellt, daß so vielfach Akademiker als Kandidaten der Partei auftraten und daß sich so oft die Akademiker nur in das Bett hineinzulege» brauche», das ihnen die Arbeiter bereitet haben, und als er Beifall aus der Versaminliing erhielt, fügte er Hinz», er spräche im Sinne der großen Mehrhett der Parteigenossen. Aber die Genossen sollten doch bedenke», daß die Akademiker sich doch nicht selbst ausstellen oder etwa von der Parteileitung aufgestellt werden. Ich weise darauf hin, daß Genosse Arons als Berichterstatter der Konnnissio» über die Solinger An- gelegenheit, ohne zu wissen,»vas hier bebaitirt war, berichtete, daß die Parteileitniig streng darüber gewacht hat, sich bei der'Anfstellung vo» Kandidaten i» die einzelnen Wahlkreise nicht hineilizuniische». Sollte einnial ein Vorftandsmitglied auf Anfrage einem Wahlkreise euien Borschlag gemacht habe». so war das Sache der Person. Der Vorstand hat, so lange ich die Ehre habe, sein Mit- glied zu sein, derartige Anlräg« stets abgelehnl. Die Auf« stelliing von Kandidaleil geschieht ganz unabhängig von, Parteivorstand. Ebenso unrichtig wie der Gegensatz zwischen polnischen und deutschen Sozialdemo- kraten ist auch der Gegensatz zwischen Partei- genossen der schwieligen Arbeiterfaust und denen der Kopfarbeit, oder deneu, die kraft unserer gesellschaftlichen Zustände i» der außerordentlichen, von manche» vo»»ns beneidelei, Lage sich befinden, daß sie ein Vermögen haben, von dem sie lebe» könueu, ohne zu arbeiten. Der ganzen G r n n d- a u s st e l l u n g unserer Partei entspricht es d o chs, keinen Unterschied zivischen geistiger» n d köper- l i ch e r Sl r b e i t in dieser Hinsicht z n mache». Wer Genosse ist, wer unseren Priiizipiei» huldigt»nd iu die Partei eiutritt, iver bereit ist, das höchste Opfer zu bringe», was inan von ihm verlange» kam», mit all' de» Pflichte,,. Lasten niid der Vcraiit- w5rtii»g, der hat auch das Recht, als vollberechtigter Genosse an- gesebe» zn werde».(Sehr richtig!) Und wenn wir fortgesetzt über die Vernachlässigung der Volkskildung in, heutigen Siaate klagen und andere, seils i» seiudliche Slimmuug gerathei, gegen diejeuigen. die kraft ihrer soziale» Posiiion schon>» der hentigeu Gesellschaft i» der Lage sind, sich ei» höheres Maß von Bilduiig anzueigne», setze» wir uns da»ieht in einen Widerspruch? Durch solche Reben, wie sie Hoffmaiin heute gehalten hat, leisten wir de» peifiden Aiiktagen unserer Feinde gegen unsere Be- strebnugeu Vorschub, die iunner sagen, die Sozialbemokratie zerstöre alle Kultur und will die gesammle Menschheit auf de» Standpunkt des Proletariers herabdrncke».(Sehr wahr!) Es ist jetzt, nachdem ivir längst den Kinderschuhen entivachse» sind und Männer»nd Frauen von Charakter sei» wollen, Zeit, derartigen Stiisiührnnge», die nur unseren Gegnern Wasser aus die Mühl« sind, endlich einmal ein Ende zu machen.(Lebhaster Beisall.) Weiler hat Hoffinann bei der Besprechung der Aeußernng Schippel'S, auf die ich nachher noch koniine, gesagt, daß wir durch unier Verhalten denjenigen Elenienten recht geben, die die Masse» von der Nutzlosigkeit und Gefährlichkeit der Wahlen zu»berzenge» siichen. Ich begreife ja, daß Hoffinann zur Verlheidigniig seines Standpunktes die Aeiiberniig macht, aber andererseits haben die sogenannten Slnarchisten, die vor Jahren dieses Thema i» Versainnilungen breit zn treten suchten, heute viel weniger Anhänger i» der deuische» Arbeiterschaft als je zuvor. Was nieine Resolution betrifft, so haben sich Molkenbnhr n»d Liebknecht gegen den Ausdruck Verschlechterung der bestehenden Preßgesetzgebniig ausgesprochen, man sollie lieber sage», dast keine VersckLifnng eintritt. Knappe ging sogar so weit, vorznschlagen, es solle keine Eigänzuilg des Preßgesetzes vorgeiionimen werden. Mit diese», Ausdruck aber werden wir»»s die Hände auch da diilden, wo es sich um Verbessernngen bandelt. Weder Liebknecht noch Molkenbnhr haben eine bessere Fassung vorgeichlagen und die 'Anssührnugen von Molkenbnhr treffen»iedt einmal die Sache. Nack seinen Slussübrnngen könnte jemand ja das Konfiskationsrecht der Polizei erweitern oder die Kaulion ivieder einführen wollen. Das wären aber reaktionäre Maßregeln allerschlimmster Art, gegen die wir lins mehr als gegen eine Slrnsverschärsiliig mit Händen und Füßen wehren müssen. Der Ausdruck Verschlechterung ist also berechtigt, und weiin man eimvendet, daß derjenige, der eine Ver- schlechlernng vornimmt, sagen wird, es ist ja eine Verbesseriliig, ja wenn solche Kailiistit als zulässig erachtet werden soll, weiin man glaubt, daß jemand durch solch« Auslegung den Bruch seines Ehrenwortes rechtfertigen kann, so dürfe» wir im? überhaupt auf keine Uiiterhaiidliinge» einlassen. Wer das lhnt, wird wohl von jedem deiikeudei, Menschen ausgelacht. Ich bitte also den vo» mir gemachten Vorschlag beizubehalten. Von de» Katzensiein'scheii Vorschlägen stimmt einer mit dem An- >rage Znbeil überein. Katzenstein hat sich schon bereit erklärt, mir die Redaktion zn überlassen, und ich bin selbstverständlich bereit, wenn der Antrag angeiionimcn wird, eine passendere Form zu wähle». Des weilereu hat Katzenstein vorgeschlagen, auch die Forderung ailfznnehnieii, daß von den einmal geivährten sozial« reforlnalorischen Einrichtnngen: Bäckerewerordiiung, Schutz der Kon- feklivnsarbeiter»ilchlS zurückgenommen werde» soll. Ich Halle eine solche Bestiiuinung nicht gerade sür„othwendig. Ich glaube, daß mit Dem, was ich in»ieiiicrNesolut>o»fordere,geiiügeudeGara»lie» geschaffen sind. Aber wenn die Versammlung anderer Ansicht ist, so habe ich nichts Dagegen, daß eine solche Forderimg anfgenomnien wird. Eine Reihe von Rednern hat bezweifelt, ob eine mündliche Ve-pflichtung der Kandidaten genügt, und Znbeil bat dies sogar eine Farce genannt. Es wurde statt dessen eine schriftliche Erkläniiig verlangt. Ist es Denn heute das erste Mal, daß ivir lins hierüber berathen? Durch Parteitagsbeschlüsse oder durch Beschlüsse lliiseres Zentral-Wahl- komitee's habe» wir bei jeder Wahl die Parole ailsgegede», daß gegnerische Kandidate», die in der engeren Wahl unsere Stimme haben wolle», eine Verpflichtung eingehen sollen. Und da»»iß ich Hoffman» gegenüber koustatiren, daß ich mich bis jetzt in meinet 30jährigen purlaineiitarischen Thätigkeit kanm eines Falles enlsinne, wo es vorgekonimen wäre, daß ein gegnerischer Kandidat nachher sein Veispreche» nicht gehalien hat. Sollte es eiiinial vorgekommen sei», so bildet«in solcher Fall jeden- falls die Ansnahme; insbesondere darf der Fall Alexander Meyer, den Hoffinann als typisch hillstellte, nicht als maßgebend erachtet werden. Ich eriuiiere»ilch des Falles nicht, verinnlhe aber, daß er ganz anders liegt, denn Meyer hat sich der Verpflichtung, gegen die Verlä»ger»»g des Sozialistengesetzes zu stimmen, einfach da- durch entzogen, daß er bei der Slbstimmnug wie andere seiner Fiakiionsgenossen fehlle. Sollte es sich aber so verhallen, wie Hoff« inailii sagt, so halte ich Meyer sür einen viel zu gejcheilen Mensche», als daß er eine so dninm« Moiivirung seines Worlbruch? gegeben hätte.(Sehr richtig!) Bisher haben wir keineil Grniid, nach dieser Richtung hin zu klage». Würve ich persönlich in eine solche Lage kommen, würde ein sozialdemokratisches Wahl- koniltce mir, als Anhänger einer bürgerlichen Partei, sage», es sei bereit, mir die Stimmen zn geben, falls ich mich verpflichte, die und die Forderiliigen in, Reichstage zu vertrete» und würde dann, wenn ich mein Wort darauf gegeben hätte, ei» Sozial« demokrat auftreten und sagen, das ist ja ganz schön, was Sie er- klären, aber die Sache ist bedenklich, besser ist es, wir haben die Sache schwarz ans weiß, denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann ma» getrost nach Hause tragen, wisse» Sie, was ich da»» lhäte? Ich wurde sagen:„Machen Sie, daß Sie zur Thür hinaus- kommen, ich bin ei» Ehrenmann, und>ven» Sie meinem Ehrenwort nicht glauben, so brauche ich Ihre Unterstützung nicht. Dann verlasse ich mich darauf, daß Jbre Wähler mir glanbe», ich werde die Erklärung öffentlich als Annonce abgeben. Und ich setze meineii Kopf darauf, dreiviertel der Wähler werden mir das glaube», wasISie mir nicht glaube» wollen." Ich betrachte das Mißtrauen als eine deniokralische Tilgend; ich habe oft das Wort zn den Gegnern ge- braucht.(Heiterkeit.) Ich halte nicht Leute, die sich»in das Ber- lraueii des Volkes bewerben, von vornhereiii für Schufte. So viel Toleranz habe ich auch dem Gegner gegenüber, daß ich ihn nichc eher sür elnen Schuft halle, als bis er den Beweis dafür geliefert Hat. Ich komme«im zu de» Anträge». Mit dem Aulrag 30 bin ich eiuverstaiiden. Ich habe schon 1874 eine solche Broschüre heraus» gegeben und ich weiß, eine wie vorlheilhasle Emrichinng das war. Dies« Broschüre hat sogar Engen Richter znr Abfassung seines A-B-C B"chs veranlaßt, wie er niir einmal initiheitte. Er sei einmal in einer Versmiimluiig gewesen, wo ein Albeiter ihm das Siinoen« register seiner Partei an der Hand dieser Broschüre vorgehalten habe, das habe er sür gut befimden und er habe sich nun zur Heraus- 'be seines Buches veranlaßt gesehen. Ich hoffe, daß unser H.>.»> d d u ch»och vor den nächste» Wahlen erscheinen kann. Später würde natürlich die Herausgabe einer Broschüre nicht ruehr nöihig sein. Andernfalls betrachten wir es als selbsiverfläud- liche Aufgabe, eine solche Arbeit herauszugeben. Wir haben das sogar 1893 pctha». als die Auflösung des Sieichstags Hals über Kopf kam. Da habe» sich Wirrni, Schippe! und ich in die Arbeit gctheilt. Und binnen sechs Tagen war die Broschüre fertig, die sonst für einen einzelne» eine iiieihe von Wochen in Anspruch ge- »online» hätte. Nun kommt der Antrag Versus, anläßlich dessen wir heute eine Art P olendebatte gehabt haben. Es liegt mir ferne, mich jetzt über eine so wichtige Frage eingehend zu äußer», über die ich mich mit meinem Freunde Liebknecht in Uebcreinstinimnng befinde, die aber nicht aus der Tagesordnung steht, nicht breniieild ist und die zu erörtern ivir vorläufig keine Beranlassnug haben. Daß wir dennoch in eine Poleudebalte eintreten nuißte», ist außerordentlich bedauerlich. Die Schuld liegt auf beiden Seiten, soivohl bei den deutschen wie bei den polnische» Genossen. All' die traurigen Er- fahrunge», die die polnischen Arbeiter gemacht haben, lassen ja ihre Haltung erklärlich erscheinen. Nirgends im ganzen Reich wird von seile» des Unternebmerlhums eine so rohe Sprache gegen die Arbeiter geführt, wie gegen die polnischen, deshalb gerade sollte» die beut- scheu Geuossen alles vermeiden, was Anlaß zu Klagen giebl. Des- halb bedauere ich die Aeußerunge» des Genossen Winter, die gerade das Eegeulheil von dem bewirken, Ivos sie bewirken solle». Ich habe mich gefreut, daß Winter nach Oberschlcsien kam, wo noch ei» außerordentlich großes Feld für unsere Thätigkeit ist. Er als Mann aus dem deutsche» Sprachgebiete sollte uns über die dortigen Zustände berichten. Aber seine Aeuße- rungeii hier und in der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" beiveise» doch, daß er nicht das erforderliche Maß von Objektivität besitzt. Und ich bitt� ihn dringend, sich hierin zu moderiren. Aus der anderen Seite aber steht fest, daß die polnischen Genosse» keine» Grund haben, sich über die Deutschen zu beschweren. Wir haben ihnen Jahr für Jabr bedeutende Summe» für Agilations- zwecke gegeben, die Führung ihrer Prozesse ihnen ermöglicht, kurz, große finanzielle Opfer gebracht, was ja auch ganz selbstverständlict. ist. Wir sind sogar damit einverstanden gewesen, daß die polnischen Genossen sich einen eigenen Parteivorsland erwählen, weil wir ihre Sprache nicht verstehen. Es handelt sich gar nicht um Polen und Deutsche, sondern einfach um Sozialdemokraten.(Lebhafter Beifall.) Ein guter Genosse, der nur deutsch kann, ist geeigneter als ei» un- fähiger polnischer(Sehr richtig). Die Genossen haben ihm dann eben Leute zur Unterstützung i» der Agitation beizugeben. Finden wir aber jemanden, der beide Sprachen spricht und die»öthige» Fähigkeiten besitzt, so wird er selbstverständlich gewählt. Daher bitte ich den Antrag Bcrfus abzulehnen. Wir wollen nicht die Kluft zwischen Deutschen und Polen erweitern. Was de» Antrag betreffs der Doppelkandidaturen betrifft, so war ich allerdings 1893 in Hamburg und Straßbnrg ausgestellt. Hamburg konnte sich allerdings auch eine Nachwahl leisten, und ich habe den Straßburgern sofort erklären müssen, daß sie das nächste Mal selbst für einen besonderen Kandidaten sorge» müssen. Ich habe den Straßburgern jetzt den Genossen Böble als Kandidaten vorgeschlagen. Sie haben sich ursprünglich gesträubt, darauf einzu- gehen, aber vor 14 Tagen in Offenburg sind zu meiner großen Genngthuung dieselbe» Leute, die damals gegen meinen Vorschlag opponirten, zu mir gekommen und haben gesagt, sie hätten sich von meinen Argnmenlen überzeugen lassen und Böhle aufgestellt. Ich habe ja in dieser Beziehung Pech, insofern als ich jetzt in Wetzlar aufgestellt bin.(Heiterkeit.) Ich weiß nicht, welcher Redner sagte, daß daran wieder der große Name schuld ist. Inwieweit das zutrifft, kann ich nicht sagen, aber der Genosse vergißt, daß ich ja eigentlich Wetzlarer bin. Die dortige» Genossen glauben, daß, wenn sie jemanden aufstellen, der dort bekannt ist, mehr Stimmen für ihn abgegeben werden. Be- schließt der Parteitag dem Antrage gemäß, so trete ich natürlich in Wetzlar zurück. Aber Gefahr ist bei dieser Kandidatur nicht vorhanden, denn wenn wir mal Wetzlar erobern, dann haben wir inzwischen drei Viertel von Teutschland gewonnen.(Heiterkeit.) Ich komme nun zu der R e s o l u t i o n gegen S ch i p p e l. Auch ich bin der Meinung, daß Schippe! sich nicht glücklich ans- gedrückt hat. Aber ich bitte Sie, für einen Moment von den Worten abzusehen und die Thate» zu betrachte». Schippe! soll entgegen aller bisher von der Fraktion befolgten Taktik für Bewilligung von Geldern zu niilitärischen Zwecken gestimmt haben. Das ist einfach nicht wahr. Sie können dieser Resolution gar nicht ihre Zustiinmung geben, denn sie würden damit etwas aussprechen, was den Thalsache» widerspricht. Schippe! hat nicht gesagt, daß wir in die Lage kommen könnten, für derartige Forderungen zu stimmen, sondern daß es vom Standpunkt der Gegner aus erklärlich sei, daß solche Forderungen kommen. Wir halten bei dieser Gelegenheit keine besondere Veranlassung zu einer groben Agitation. Auch in der Vudgelkommission habe ich namens unserer Parteigenossen ungefähr in demselben Sinne erklärt, daß die Bertreler dieses Systems und besonders der Kriegsminister mit solche» Forderungen kommen, sei begreiflich. Aber sie müßien ihrerseits be- greifen, daß wir von unserem prinzipiell gegnerische» Standpunkl a»S niemals für derartige Forderungen«intreten können und werden. Dasselbe habe ich im Reichslage erklärt, das hat gar kein Aussehen erregt, weil meine Red« nur kurz war und die anderen Parteien dazu schwiegen. Das ist doch nicht unsere Schuld. Erst bei der zweiten Lesung hat Richter erklärt, daß seine Fraktion für diese Foidernng stimme. Kein politisches Organ unserer Partei hat ge- fordeit, daß wir diese Forderung für militärische Zwecke agitatorisch ausnützen. Es sind auch keine bezüglichen Anträge an den Vorstand gestellt worden. Anders liegt die Frage, wenn eine nene Militär- vorläge kommen würde. Aber diese Forderungen gingen doch ein- sack, darauf hinaus, das System in seiner gegenwärtigen Gestalt intakt zu erhalten und deshalb war die Haltung der Partei durch- aus korrekt. In den Militär- und Marinefragen ist nicht der geringste Versuch gemacht worden, die bisherige Taktik zn ändern, und so lange das nicht der Fall ist, soll man nicht einen Genossen eines ungeschickten Ausdrucks wegen vor der ganzen Partei moralisch vernichten. Das wäre doch etwas zn weil gegangen. Ich bitte Sie deshalb, nicht mir wegen der darin behanplelen umvahren That- fachen die Resolution abzulehnen, sondern auch weil ungeschickte Worte keinen Anlaß zu solchem Vorgehen geben dürfen. Ich bitte Sie. im Sinne meiner Ausführungen zu beschließen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Peiföiilich erklärt Katzenstein, daß er durch feine Aus» fübruugeu keinen Anlaß zu der gepfefferten Ironie gegeben habe, die Bebel gegen ihn anivandte. Singer(persönlich): Ich habe mich heute Vormittag an der Diskussion nicht beiheiligt. Ich gestehe offen, daß ich die Empfindung hatte, es bedürfe eigentlich keiner Rechtfertigung meinerseits, vor dem Parteitag.(Lebhafter Beifall.) Nachdem aber Katzenftein jetzt iviedeiholt darauf zurückgekommen ist, will ich ihm erklären, daß ich der letzie bin, der ihm das Recht zur Kritik meiner Sieden bestreitet. Ich hoffe nur nnd gebe ihm den Rath, daß, wen» er in den Reichstag kommt, er an seine» Reden dieselbe Kritik üben solle.(Beifall.) ES wird zur Abstimmimg geschritten. M o r a>v s k i zieht de» Antrag 41 zurück, weil er von vielen Seile» als selbstverständlich bezeichnet ivorden sei. Damit fällt auch das Amendement Windhoff. Angenommen wird der Antrag 89. ' Bei Antrag 90 mit dem Amendement:„In solche» Wahlkreisen, wo die Möglichkeit eines Erfolgs vorhanden ist", bleibt die Abstimnmng zweifelhast, durch Auszählen wird festgestellt, daß er mlt 92 gegen 110 Stimmen abgelehnt wird. Das Amendeineilt, in Absatz 2 der Bebel'schen Resolution hinzuzufügen,„der sich schriftlich verpflichlel", wird abgelehnt. Das Amendement Katzenstein wird in seinen beiden Tveilen angenommen und die so veränderte R e s o l u- tion Bebel gegen einzelne Stimmen beschlossen. Die Resolution gegen Scbippel wird von Sindermann zurückgezogen, weil der Ziveck derselben durch die Diskussion erreicht sei.(Widerspruch) Frau S l e i n b a ch: Ich bin als Milnnterzeichnerin der Resolution mit deren Zurückziehung ebenfalls einverstanden unter der Voraussetzung, daß die Erllärnngen der Genossen Auer und Bebel zur Folge haben, daß an der bisherigen Taktik der schließlichen Ablehnung des Mililär-Etals festgehalten wird, was ans Schippel's Ausführungen nicht hervorging.(Lebhafter Widerspruch.) Eine zweite Resolution von P a tz e r- Oldenburg und Ge» nossen: „Ter Parteitag erklärt, daß er stch mit den Ausführungen Sckfippel's und Auer's in bezng auf die Bewaffnung nicht ei»- verstanden erklärt", findet nicht die uöthige Unterstützimg. Damit ist dieser Gegenstand der Tagesordnung erledigt. Punkt 5 der Tagesordnung, die Beiheiligung au den preußi- schen L a n d t a g s w a h l en, wird mit Rücksicht auf die vor- gerückte Zeit und die Eriiiüdnug der Referenten auf morgen vertagt und dafür zu Punkt ö geschritten,„Tie Mai- frier»8S8". Berichterstatter Förster: Parteigenossen, ich bin in der angeiiehineu Lage, äußerst kurz sein zu können. Die Fimge der Arbeitsruhe, die uns in früheren Jahren am meisten in Anspruch geuoiiiiiieii hat, fällt für das nächste Jahr fort, da der 1. Mai im nächsten Jahre auf den Sonntag fällt. Ich unterbreite Ihnen kurz folgende Siesoliitioii: „Der Parteitag wolle beschließen, die Resolution des Gothaischen Parleilages, beheffcud die Maiseier, sür die solgenden Jahre als bindend zu betrachten." Die Gothaer Maifeier-Resolution wird verlesen. Sie hat folgenden Wortlaut: „In Ucbereinstiinmung mit den Beschlüssen der Internationalen Arbeiterkongresse zn Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1893 und London 1896 feiet) die deutsche Sozialdemokratie den 1. Mai als das Weltsest der Arbeit, gewidmet den Klassenfordernngeii des Proletariats, der Verbrüderung und dem Weltfrieden. Als würdigste der Feier des 1. Mai beirachtet die Partei die all- meine Arbeitsruhe. Der Parteilag macht es daher den Arbeitern und Arbeilerorganisalioneu zur Pflicht, neben den anderen Kund- gedungen für die allgemeine Arbeitsrnhe am 1. Mai einzutreten, und überall da, wo die Möglichkeit zur Arbeitsruhe vorhanden ist, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lassen." Zur Debatte stehen auch die Anträge: SS. Parteigenossen in Magdeburg: Zu einer geeigneten Zeit bat im Jahre 1898 eine allgemeine einheiilich geregelle und umfassende Agilaiion für das ganze Deutsche Reich zn beginnen. Dieselbe hat den Ziveck zu erfüllen, folgenden Forderungen mehr Nachdruck zu versclmssen: 1. Verkürzung der Zlrbeilszeit auf L Sliindeii; 2. gesetzliche Feststellung diefes Arbeiislages; 3. Arbeits- ruhe am 1. Mai. Die vorbereitenden Schritte zu dieser Agitation sind der Parteileilung zu überlassen. SS. Parteigenossen des 1. H a m b u r g e r Reichstags- Wahlkreises: Die Forderung der Arbeilsruhe am I. Mai fallen zu lassen. SS. Parieigeiiosse» in Bar m e n: Zur nächsten Maifeier ein für ganz Dculschlaiid bestiiiinites Flugblatt beransziigebeii. 34. Parleigenosseii in Dan zig: Behufs einheitlicher und billigerer AgUalion zur Maifeier den geschäflsführenben Ausschuß zu beauftragen, ein für ganz Denlsckiland bestimmtes Fingblatt berniis- zugeben nnd zum Selbslkostenpreis abzugeben; den Orlen, die Geld- mittel nicht zur Veriügung haben, sind ans deren Antrag die Flug- blätler gratis zn liesern. 80. Karl Windhoff- Düsseldorf: In Erwägung, daß die Maifeier von eminent agitatorischem Merlhe für unsere Parle! ist, haben unsere Parteigenossen niehr denn je für allgemeine Arbeitsrnbe einzntrelen. Zurückgezogen zu gnnsten der Förster'schen Resolution wird der Antrag: OS. Jean H a n ck: Der Parteilag möge beschließen, daß die Maifeier als Demonstration zu gnnsten des Acdlstnndentages nur dort durch Arbeilsruhe gefeiert wird, wo dieS nicht von nach- theiligen Folgen für die Arbeiter begleitet ist. Jni übrigen soll die seitherige Taktik in Bezug auf die Mai- seier aufrecht erhalten bleiben. Die Debatte wird eröffnet. L o h in a n n- Barmen begründet Antrag 33. Ein Flugblatt müsse die Masse» über die Bedeutung der Verkürzung der Arbeits- zeit aufklären. S t o l t e n- Hamburg: Ich weiß von vornherein, daß der Antrag des ersten Hambmger Wahlkreises leine'Aussicht hat, von diesem Parteitage angenommen zu werden. Ich bekenne mich als Urheber des Antrages und werte versuchen, ihn zu begründen. Die Uet'erzengung von seiner Ansstchtslosigkeit habe ich ans Gesprächen nnd aus der ganzen Siinuunng des Parteitages gesckiöpst. Auch in der Parteipresse ist man über de»'Antrag hergefallen, und es war berechltgter Anlaß dazu, weil er im Gegensatz zu den bisherigen Beschlüssen der Maiseier eine andere Rich- tnng geben will. Zunächst will ich feststellen, daß in Paris die Arbeitsrnhe nicht beschlossen worden ist. Erst später ist in der Agitation der Gedanke der Arbeilsruhe aufgetaucht. Verschiedeue Beschlüsse haben i» verschärfter Weise aus die Arbeitsrnhe hin- gewirkt. Sie fordern die Arbeiter ans, die Maifeier durch Arbeits- ruhe zu begeben, so weit es geschehen kann, ohne daß die Interessen der Arbeiter geschädigt werde». Aber wir müsse» nnS sagen: wir haben nicht erreicht, was wir damit erreichen wollte». Die Art und Weise, wie jetzt die Maifeier begange» wird, ist un- haltbar, weil sie eine Halbheit ist. Entweder begehen wir die Mai- seier durch wirkliche Arbeilsruhe oder wir lassen die Arbeilsruhe ganz. Die Genossen im Lande baben sich iinii sehr gewundert, daß ein solcher Antrag aus Hanibnrg, der Hochburg der Sozialdemo- kralie, komme» konnte. Ich will nun von vornherein bekennen, daß in jener Volksversammlung, wo der Antrag angenominen wurde, nur ein v e r h ä l t u i ß in K ß i g kleiner T h e i l d e r A»- w e s e n d e n, von diesen aber die Mehrheit für den Antrag gestknimt hat. Das mag daran gelegen haben, daß wir nicht zu Ende dislutireii konnte», weil das Lokal geräumt werden mußte. An den sachliche» Gründen aber wird damit nichts geändert. Wo haben wirf denn in Deutschland bisher die Arbeitsrnhe gehabt? Einzig in den Kroßstädlcn. J,, den kleinen Städten so gut wie garnichl.(Wider- ipnich.) In den Großstädten aber war die ArbcilSruHe auch nicht so, wie wir es erwarten können. Wenn die Sozialdemokraten dazu aufgefordert, de» 1. Mai nach Möglichkeit durch Arbeilsruhe zu seiern, müßte doch der Erfolg ein ganz anderer sein. In Hain- bürg hallen wir in diesem Jahre am 1. Mai eine große Morgen- versanimlung, an der sich 6000 Personen, gut gerechnet, betheiligien. Siber diese 6000 waren durchaus nicht alle abhängige Arbeiter. Da waren z B. dielöOMami. die im„Echo" arbeilen, dann kleine Geschäfts- lente, selbständige Handwerker, Kraiikcnkassen-Vorstäiide n. s. w. Nur die gute Hülste war vielleicht abhängige Arbeiter. Diese Betheilignng ist nicht ausreichend für eine Stadt wie Hamburg, die mit der Um- gebuiig 20 MO Arbeiter in sozialdemokratischen Vereinen zählt. Wir habe» uns nun Jahre lang damit getröstet, die geringe Beiheiligung an der Arbeitsrnhe sei die Folge schlechler geschäftlicher Verhältnisse. Wir baben jetzt aber im zweiten Jahre so günstige Geschäfts- Verhältnisse, wie wir voraussichtlich unter der kapitalistischen Wirthschaslsweise überhaupt nicht mehr bekommen werden. Und doch ist die Eiilwickelung der Arbeitsrnhe im günstigen Sinne aus- geblieben. Woher kommt das? Die Sache liegt ganz einfach: Die große Masse sagt sich, wenn wir demonstriren unter der Gefahr, schwere persönliche Verluste zu erleide», so müssen wir einen greif- baren Erfolg sehen. Das tl�it die Maiseier nicht. Die Freigabe des I. Mai, nun, das ließe sich hören. Aber was wird damit für die Arbeiter gewonnen? Sollen sie demonstriren, blos um einen Feieriag im Jahre mebr zn haben? Man sagt: Wir feiern den I. Mai, weil wir den Gegnern unsere Macht zeigen wollen. Wenn man aber den Gegnern die Arbeitsruhe abringen ivill, dann muß man den Miilh und die Kraft haben, alles auf eine Karte zu setzen. Wie aber kann man glauben, so etwas abzutrotzen, tropfenweise, körneriveise von Jahr zu Jahr, wo immer ein Dutzend und noch ein Dutzend sich anschließt an die Demonstratio» durch Arbeitsrnhe. DaS vermag ich nicht zu glauben. So können wir die Masse nicht geiviniu». Die Masse sagt sich: Wenn wir unsere Existenz einsetzen, dann ninß es wenigstens der Mühe werth sein. Denken wir an Amerika an den Labonr Day. Anfang der achtziger Jahre agilirten die amerikanischen Arbeiter für die Freigabe dieses Tages. Die amerikanischen Unternehmer»aren schlau, sie haben die Forderung bewilligt, statt sie zu einer MHbt- frage zu machen. Heute legt niemand in Amerika noch besonderes Gewicht auf den Labonr Day. Wenn unsere denlschen Unternehmer so klug wie ihre ainerikanische» Kollegen gewesen wären, viele von denen, die jetzt für die Maiseier so entschieden eintreten, würden gar nicht mehr davon sprechen. So ist eben nichts zu erreichen durch die fortgesetzte Zlgitation. Für die Maifeier verschlechtern wir auch unsere Position im Kampfe gegen die Uiiteruehiner. Nichts ist gefährlicher, als den Gegner vorher von seinen Absichten zu unter» richten. Auf den 1. Mai sind sie immer gerüstet, und die kleinen Aussperriuigen haben keinen Erfolg sür die Arbeiter ge- bracht. Wenn wir die Forderung der Arbeitsrnhe fortlassen, können wir der Maifeier einen viel schärferen Charakter aufprägen. Es giebt eine Reihe von Arbeitern, auch gut organisirten, die durch ihre wirthfchastliche Stellung nicht in der Lage sind zu feiern. In welche Lage kommen diese Genossen den anderen gegenüber? Diese Genossen, die am Morgen zur Feier nicht erscheinen kömisii, scheuen sich vielleicht auch, am Abend zu erscheinen. Also dadurch wird die ganze Feier verdorben. Darum fort mit der Halbheit. Sagen wir: der erste Mai gehört dem Proletariat. Am ersten Mai werden Mittel gesammelt zum Kampfe 1 Arbeiten sollen die Genossen an diesem Tage, und die Hälfte ihres verdienten Tagelohnes soll der Organisation gehören. Dann wird der Mai bedeuten: volle Kassen; heute bedeutet er: leere Kassen, weil die im Gefolge kommenden Maßreglungen die Organisation auf längere Zeit schwächen. Die Maiseier brennt uns nicht auf den Nägeln. und wir könnten vielleicht die Thalsache, daß die nächstjährige Feier auf einen Sonntag fällt, benutzen, um den praktische» Vorschlag der Eiiglnuderzu befolgen undvon da an die Maifeierauf den Sonntag nach dem 1. Mai zu verlegen. Ich halte das für einen sehr glücklichen Gedanken. Gewiß müsse» internatlonale Abmachungen geHallen werden.(Zu» rufe: Na also!) Aber gerade deshalb habe ich die Frage so frühzeitig angeregt, daß, wenn die Eulscheidnng auf dem nächsten internatio- iialen Kongresse fällt, die Frage nach allen Richtungen durch- diskutirt ist. Lange- Leipzig beantragt: „In anbetracht, daß der l. Mai im nächste» Jahre auf einen Sonntag fällt, siebt der Parteitag davon ab, diesmal eine Dis» kiission Uber diese Frage zu führen, er erwartet von den Genossen, daß sie in allen Kreisen die Frage erörtern, und daß sie dann auf die Tagesordnung des nächsten Parteitags gestellt wird." Der Anlragstcller begründet diesen Antrag damit, daß die Gründe, die Stollen angeführt habe, doch nicht ohne weiteres ab- gethan werden können. Schade- Halle: Wir haben alle Ursache, diese brennende Frage jetzt zu erörtern. Ich ersuche dringend um Ablehnung dieses Antrages. Schaffen Sie nicht noch mehr Wirrwarr, als er bisher schon bestand. Wollen wir eine Kampfparlci bleiben, so muß oer Hamburger Antrag grundsätzlich abgelehnt werden.(Lebhafter Beifall.) Der Antrag auf inotivute Tagesordnung wird mit großer Mehrheit abgelehnt. D r e y e r- Dresden: Am 1. Mai 1890 zogen 12 000 Arbeiter über die Anguftnsdrücke in Dresden, seit dem hat der Gedanke der Maifeier bei uns mehr und mehr noch an Boden gewonnen. Es wäre ganz falsch, einen Beschluß zu fassen nur mit Rücksicht auf die vielleicht eigenthümliche» Verhältnisse in tanibnrg. Es ist ganz fasch, daß nur in de» Industriezentren die rbeilsruhe stattfindet. Ich bin überzeugt, fassen Sie einen Be- ichlnß gegen die Maifeier, wird den meisten Dclegirte» in ihren Kreise» gehörig der Kopf gewaschen.(Heilerkeit und Beifall.) Wie wir als Partei groß geworden sind, wird auch der Gedanke der Maifeier sich answachsen.(Beifall.) S i n d e r m a n n- Dresden: In Dresden hat die letzte Maifeier allein 30 000 M. Geldstrafe zur Folge gehabt. Es war ein großartiger Prolest zu gnnsten des Achtstundentages und gegen die sächsische Polizeiwirihschaft und da sollten wir eine solche Feier wieder aufgeben, nachdem eine Reihe von gewerkschaftlichen Organisationen die 'Arbeitsrnhe durch Streiks erkämpft haben? Nun nnd nimmermehr können wir jetzt zurückweichen, wir wollen alle dafür sorgen, daß die Feier ininier giößer wird. Das ist die richtige Antwort aus die Pläne der Reaktion. Windhoff- Düsseldorf: Ein Zentral- Flugblatt paßt sür die verschiedenartigen Verhältnisse in den Kreisen nicht; darum ditte ich»m Ablehnung des Danziger Antrags. Der Hamburger Antrag hat bei u»S in Rheinland geradezu Entrüstung hervorgerufen. (Beifall) Was wir können, müßte die Hochburg der Sozialdemo- kralen, Hamburg, auch können. Frl. Baader- Berlin: Auch ich ersuche dringend um Ab« lehnung des Hamburger Antrags. Naturgemäß mußte in Hamburg nach den Opsern des letzten Streiks ein giiickfchlag erfolgen, und daS hat auf die Hamburger deprimireiib gewirkt. Die agiinlorifche Wirkung der Maifeier ist nicht zn unterschätzen. Gerade für die polilisch enlrechlelen Frauen ist es von großem Werth. An diesem Tage können wir Massen in die Versammlungen bringe», wie es sonst nicht möglich wäre. Männer, vie sonst ihre Frauen zu Hause lasse», bringen sie an diesem Tage in die Versanimlimgeii. Der Maiseier miiß noch viel mehr der Cha- ralier des polilischen und wirthschafliicheii Kanipfes aufgeprägt werden An diesem Tage können wir den Frauen die Bedentung des Slchistnndenlages recht klar machen. Der Kampf ist schwer, aber ohiieKaiiipfkomnieiiwiriiicht vorwärts. Wir haben Opfer zubringen nnd werden sie bringen, um unsere Idee» z»»i Siege zu führen. Ich erklär» mich auch gegen den Antrag, ei» Flugblatt über ganz Deulschland zn verbreiten. Tie M a i z e i t u n g entspricht durchaus den An- forderniige», die Idee der Maifeier auch im gedruckien Wort den Masse» zugänglich zu mache». Ich schließe mit dem Wm'sche, daß die nächste» Mnjfeiern sich vielmehr durch Arbeitsrnhe anszeichne», als bisher.(Beifall.) G r ü» w a l d t- Hamburg: Ich ersuche um Ablehnung de? Ha ni burger Antrages.(Lebbafler Beifall.) Ihn will kein anderer bei uns als Stollen allein. Die Mehrheit in der Ver» snmiiilnng, in der der Beschluß gefaßt wurde, war eine Scheinmehrheit. Der Beschluß kam durch Ueberrniiipelniig zn stände. Im vorigen Jahre haben sich nur 2000 bei uns an der Maifeier beihriligt. Diesmal schon 6000. Das ist doch schon ein Fortschritt. Slnf eine» Hieb läßt sich die Maifeier»ichl erreichen. Wir Hamburger alle, die wir hier vertreten sind, erklären uns gegen den Antrag. Nur Stollen allein will ihn. Q» a r ck- Wiesbade»: Erinnern Sie sich, mit welchem Wuth- geheul die Maiseier das erste Mal von der Bourgeoisie aufgenommen wurde. Jetzt hat sie sich schon theilweise Anerkennung erzwungen. DaS kann man doch nicht eine» Rückschritt des Gedankens der Arbeits- ruhe in Deutschland nennen. Schwierig wird ihre Durchführung bei uns infolge»nsereS so außerordentlich zurückgebliebenen Koalitions- nnd Versamliilungsrechts. Der Proletarier will auch ein» mal einen Feiertag ans eigener Kraft, der ihm nicht von Kapitalswegen diklirt wird. Für den Prolelarier hat der 1. Mai einen idealen Gehalt und ich protestire gegen die nüchterne Aiisfassnng Stolten's, der einen materiellen Ersatz dafür geben ivill. Lehnen Sie seinen Antrag möglichst einstimmig ab. Ter deutsche Charakter ist etwas spröder politische» Demonstratio»«» gegenüber als der romanische nnd der englische, aber die einzige Demonstration, die wir haben, wolle» wir doch behalten.(Lebhafter Beifall.) Ei» inhaltlich dem vorher abgelehnten Antrag Lange auf motivirte Tagesordnung gleicher Antrag findet nicht genügende Unterstützung. Dagegen wird ein von Li e n a u gestellter, von Mittag bekämpfter Schlußantrag angenommen. S t o l t e n(persönlich): Ich verwahre mich dagegen, den Be- schluß in der Hamburger Bersamniluiig durch Ueberrnmpelnng erzielt zu haben. Als Sozialdemokrat habe ich jedenfalls auch als einzelner dnS IhiAt,(ine eigene Meinung ,» haben und»» äußern.(Sehr richtig!) Es ist durchaus salsch, daß ich allem hmler dem Antrage stehe. ES wird zur Abstimmung geschritten. Ter Antrag 52, Hamburg I, wird zurückgezogen. Die Anträge 36, S3� 54 werden abgelehnt; Aulrag 80 a» genommen. Der Antrag des Referenten»vird einstimmig l g e» o m m e ii. M o l k e ii b u h r erstattet hierauf den Bericht über den A r b e i t e t s ch» tz- K o n g r e ß in Z ii r i ch. Der ttongreß ist von der Fraktion beschickt worden, ohne daß der Parteitag gesragt werden konnte. Sie werden ja darüber zu entscheiden habe», ob die Fraktion recht gehandelt hat. Sie wissen, wie überall in der zivilisirten Welt jetzt der Drang nach Arbciterschntz- Gesetzen vor« Händen ist. Praktische Erfolge hat ohne Zweifel die Schweiz am meisten aufzuweisen, wo auch die Unternehmer vielfach für Arbeiter schutz-Forderimgen eintreten. Referent giebt hierauf eine eingehende Darstellnng der Vorgeschichte des Kongresses. Der Schweizer 9l r b e i t e r b u n d, der einen großen Bruchlheilder Schweizer Arbeiter� schaft umfaßt und in dem nicht nur die sozialdemokratische Arbeiter� schaft vereinigt ist, versuchte schon 1893, einen internationalen Arbeiterschutz Kongreß zu stände zu bringen, auf dem Arbeiter aller Länder ohne Niicksichl auf Religion und Parteizugehörigkeit vertreten sein sollten. Damals lehnten wir die Theilnahme ab, Oesterreich folgte unserem Beispiel und infolge dessen kam der Kongreß nicht zustande. Diesmal nahmen wir die Einladung des Arbeitersekretärs Greulich an. In der Fraktion wurde gegen die Belheiligung geltend gemacht daß wir dochZnicht mit allen möglichen Leuten, wie Christlichsozialen, Pastor Naumann und dergleichen zusammen tagen könnten, denn es könnte ja vorkommen, daß Beschlüsse gefaßt werden, welche erheblich hinter unserem Programm zurückblieben und daß wir dann moralisch verpflichtet? wären, für diese Beschlüsse einzutreten. In der Gesetzgebung könnten wir sehr wohl kleine Verbesserungen der gegenwärtigen Zustände herbeizuführen suchen, in unfern Forderungen aber dürften wir ohne Prinzipienverralh auch nicht um ein Haar zurückweichen. Sodann wurde, wie schon früher geltend gemacht, daß Beschlüsse durch eine Mehrheit ans vorgeschrittenen Staaten, die jetzt weniger Arbeiterschntz bedürfe», für die zurückgebliebenen Staaten ein Hemmschuh werde» können. Wir habe» aber doch dafür gestimmt, einmal, weil unsere Parteigenossen in dem schweizerischen ülrbeiterbnnd lhatsächlich die Führung haben, es also im wesentlichen eine Anregung unserer schweizerischen Genossen war, dann weiter, weil auch wir der Mei- unng der Schweizer waren, daß wenn die Schweiz die lliegierungen einlüde zu einer Verständigung über die iniernalionale Regelung der Arbeiterschntzfrage, dann die Regierungen offen damit heraus- rücken müßten, ob für sie die Grundsätze, die 1899 mit so großem Aplomb verkündet wurden, noch maßgebend sind oder ob sie vor dem Kapitalismus Bankrott gemacht haben. Letzteres war ja nun auch der Fall. Der Kongreß trat also zusammen. Em buntes Gemisch! 49 Vertreter religiöser Arbeiter- Vereinigungen gegenüber 89 Sozialdemokraten. Auffallend war besonders eins: Während die katholischen Arbeitervereine sehr stark vertreten waren, blieb ihre offizielle Parteivertretung, die deutsche Zentrums� sraktion von dem Demokralen Slötzel, dem Kaplan Hitze bis zum aristokratischen Freiherrn von Hertling dem Kongreß vollkommen fern. Auf der Tagesordnung standen Anträge bezüglich der Sonntagsarbeit, der Arbeit der Kinder und jungen Leute, der Erwachsenen, der Frauen und der Nachtarbeit. Uebcr die Zusammensetzung des Kongresses gewann man schon am ersten Tage durch die Annahme der Sympathiekundgebung durch die englischen Maschinenbauer ein einigermaßen klares Bild. Daß in bezug auf die Sonntagsruhe eine eininüthige Resolution zu stände kam, ist nicht verwunderlich, da hierin Sozialdemokraten und christliche Arbeitervertreter, wenn auch aus verschiedenen Gründen, zu» sannnengehen. Ein anderes Bild gab es schon bei der Kinderarbeit. Das Zentrum schließt, wie Sie wissen, für die Landwirlhschaft jeden Schutz der Kinder ans. Es kam zu lebhafte» Auseinandersetzungen, dennoch wurde schließlich eine Resolution angenommen, die sich nichi ganz mit unserem Programm deckt. Denn statt der Altersgrenze von 14 Jahren wurde eine von 15 Jahren beschlossen. Dieser Be- schluß geht also noch über unser Programm hinaus. Beim Achtslunden- tag war am ehesten eine recht matte Resolution zu befürchten. Trotzdem wurde in der Resolution der Achtstundentag als er- strebenswerthes Ziel hingestellt. Eine der heftigsten Debatten rief die Frage der Frauenarbeit hervor. Die Christlich-Sozialen wollen bekanntlich den moderne» Verhältnissen keine Rechnung tragen, ja sie gingen sogar so weit, zu beantragen, daß die ganze Erwerbs- thätigkeit der Frauen in Fabriken und Bergwerken verboten werde. Ein Beschluß, der offenbar ein Wahnsinn wäre bei dem Unischwung, der sich in der Industrie vollzogen hat. Der heiße Kampf endete mit deni Siege der von Frau Zetkin und Bebel vertretenen Ansicht. Nun gab aber die Fassung, in der diese sltesolnlio» angenommen wurde, dem Genossen Parvus zu einem scharfe» Angriff Veranlassung. Während der Sektionsantrag die eingehende Behandlnng der Frage der Hausindustrie dem nächstfolgenden Kongreß überließ, aber bereits von dem gegenwärtigen die Einschränkung und endliche Beseitigung der Hausarbeit forderte, überließ die aiigenoininene Resolution auch die endgiltige Beschlußfassung über die Frage der Hausindustrie dem nächsten Kongreß, eine einfache Forderung der Logik. Hierin sah Parvus die Furcht vor den Konsequenzen. Wenn man solche Angriffe gegen Parteigenossen auf grund einer Nesolulion richtet, dann sollte man sich doch vorher über ihren Inhalt unterrichten. In der Frage der Nachtarbeit und der Arbeit in gesundheitsschädlichen Betrieben wurden eben- falls Resolntionen gefaßt, die mit dem Parteiprogramm vollkommen in Einklang stehen. Zur Verwirklichung dieser Forderungen des Kongresses wurde selbstverständlich in erster Linie freies Koalitions- recht gefordert. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, wenn irgend möglich ein i n t e r- nationales Arbeiter-Sekretariat zn schaffen und ein bezügliches Gesuch an de» Schweizer Bundesrath gerichtet. Sie alle haben ja wohl seinerzeit ausführliche Berichte über die VerHand- limgen des Kongresses gelesen. Ich glanve, wir Sozialdemokraten können mit den Ersolgcn dort zufrieden fei». Gelingt es, die Frage der Arbeiterschntz- Gesetzgebung in den gesetzgebenden Körperschaften in Fluß zn bringen, so ist jedes Wort zugleich eine Anerkennung der Ziele im zweiten Thele unseres PrograinmeS. Sodann wird aber der Kongreß seine moralische Wirkung nicht verfehlen. Einmal hat er den Beweis erbracht, daß auch von anderer Seite anerkannt wird, daß auf dem Gebiete des Arbeiterschntzes viel mehr geleistet werden muß, und sodann ist»n- zweideutig klar geworden, daß alle Versuche der Reaktion auf eine» viel erheblicheren Widerstand stoßen werden, als lediglich von unserer Seite. Was der Führer der fchweizeri schen katholischen Ülrbeiterschafr.Decnrtins, in seinem Schlußwort so schön aussprach:„Nur im Sonnenlicht der Freiheit gedeiht der Zlrbeiterschutz", das war die Meinung aller Kongreßtheilnehiner. Ja, dieses Sonnenlicht der Freiheit mag die Ursache sei», weshalb die ganze offizielle Zentrumspartei fehlte; aber das ist auch für uns eine Waffe, die für das Zentrum verhängnißvoll werden kann. Wir können darauf hinweisen, daß auch die in katholischen Vereinen zusammengefaßten katholischen Arbeiter mehr verlangen, als die politische Partei, das Zentrum, be- willigen will. Und das könne vielleicht einmal dazu beitragen, daß die in katholischen Organisationen vereinten Proletarier sich vom Zentrum trennen. Entscheiden Sie jetzt, ob die Fraktion recht hatte, den Kongreß zn beschicken, oder ob sie in Zukunft solche Schritte zu unterlassen hat.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vorsitzender Lösche: Es hat sich niemand zum Worte ge- meldet. Ich konstatire im Name» des Parteitages die Entgegen- nahm- des Berichts. Folgende Resolution wird vom Rcsereuten vorgeschlagen; m „Der Parteitag erklärt nach Entgegennahme des Berichts über die Verhandlungen des diesjährigen Nrbeileischutz-Kougreffes in Zürich sei» Einverständuib mit den daselbst gefaßten Beschlüssen und ersucht die Parteigeiwssen, bei jeder passende» Gelegenheit für diese Beschlüsse zu wirken. Diese Resolution wird mit großer Mehrheit angenommen. Am Donnerstag Abend finden zu Ehren des Parteitages zwei Kommerse bei Tütge und Sagebiel statt. Schluß 7 Uhr._ Aus der Schweiz. Am Sonnabend und Sonntag wurde in S t. Gallen, im Saale des Großen Raths(dem Landtage) die Delegirten- Versammlung des schweizerischen G r ü t l i- V e re i n s abgehalten, der mit seinen 11 559 Mit- gliedern der stärkste und außerdem der bestorganisirte politische Verein in der Schweiz ist. Die Zahl seiner Sektionen beträgt 331, wovon 64 durch 89 Delegirte in St. Galle» vertreten waren. Von den Verhandlungen ermähnen wir die Genehmigung des Ankaufs eines HanseS für 329 999 Fr. für die Grüllidriickerei in Zürich, ferner den Beschluß, daß das Personal derselben mit der Koutrollkoinmission in Verbindung treten kann, um Wünsche und Beschwerden vorznbriiigev, und endlich die Annahme einer Re� solnlion betreffend die Revision des eidgenössischen Fabrikgesetzes, worüber Gen. W u l l s ch l e g e r referirte. Er empfahl, mit weiteren Schritten bei de» Bnndesbehördeii zu warten, bis die großen Vorlagen über Eiscnbahn-Verstaatlichnng, Kranken »nd UnsaUversicherung ic. erledigt seien; inzwischen solle Hinsicht lich der Wirkungen der eidgenössischen wie der kantonalen Arbeiterschntz-Gesetzgebung Material gesammelt und zweckdienlich bearbeitet werden. Die von Wullschlcger beantragte und von der Delegirteiiversammlniig nach kurzer Diskussion angenommene Re� solntion erklärt sich prinzipiell für die Revision des Fabrikgesetzes und zwar im einzelnen für die Einführung des Zehnstundentages, für Bestellnug weiblicher Fabrikinspektoren, für Freigabe des Sonnabend Nachniittags, ivenigstens für die Arbeiterinnen, für Ausdehnung de? gesetzlichen Arbeiterschntzes auf diejenigen Betriebe, die in einige» Kantonen kantonalen Gesetzen unterstellt sind, und endlich für Revision des Rnhetagsgesetzes sür die Arbeiter und Angestellten der Transport gewerbe im Sinne der Einführung des Zehnstundentages. Auch die ohnungsfrage wurde diskulirt und soll vom Zentralkomitee weiter verfolgt werde». Genosse A l b i s s e r von Lnzern referirte kurz über die Tagesordnung: E i s e n b a h n- V e r st a a t l i ch n n g. Volkswahl des Bundesrathes, Proportionalwahl des National ralhes, obligatorisches Referendum statt des fakultativen, und über Kranken- und Unfallversichcrnng. Bezüglich des ersten Gegenstandes empfahl er im Falle der Volkeabstimmnng die Zlnnahme, was beschlossen wurde, lieber die andere» Gegenstände soll im nächsten Frühjahr eine sogenannte Vertrauensmänner Versammlung berat hen und entscheide», ob hierfür die Initiative zu ergreifen sei. Beim Bankelt am Sonntag Mittag hielt Genosse Scherrer von St. Gallen eine vorzügliche Rede über die großen Aufgaben der Schweiz auf polilischem und ivirihschaftlichem Ge- biete, die immer mehr zum Vorbild sür alle Staaten n»d Völker werden möge, wie dies Liebknecht am Schlnsse des inter nationalen Arbeiterschntz-Kongresses in Zürich ausgesprochen habe. Die Rede wurde mit stkrinischem Beifall aufgenommen. Unsere belgische» Parteigenosse» beabsichtigen in nächster Zeit die Agitation in de» deutschen Gemeinden, die in den Provinzen Lütlich und Luxemburg zerstreut liegen, energisch zn belrciben. Tie alteingesessene deutsche Bevölkerung in jener Gegend zahlt beiläufig 50 999 Köpfe; der größte Ort ist Arlon mit über 8999 Einwohnern, die meisten der übrigen, wie Hever- dingen. Hingen, S e l i n g e n n. s. w. haben kaum je 1999 Einwohner. Für diese Gemeinden will, wie wir dem„Penple" entnehmen, die sozialistische Partei Belgiens entweder ein selbst- ständiges, in deutscher Sprache gehaltenes Organ herausgeben oder es soll dahin gewirkt werden, daß eins unserer rheinischen Parle!- blätter ein Kopsblalt für die betreffende Bevölkerung herstellt. Auch 'ollen dort deutsche Flugblätter und Broschüren verbreitet werden. Todteuliste der Partei. Durch Sturz vom Gerüst eines Neubaues hat in A l t e n d u r g ein wackerer Parteigenosse, der Zimmermann Bernhard Köhler, seineu Tod gefunden. Gegen f)9 Personen erwiesen ihm die letzte Ehre. GewevksisMfiliches. Vcrli» und Umgebung. Zum Forincranöstand vor dem EinigungSamt nimmt die „Vossische Zeilniig" in ernem Leitartikel Stellung. Darin schleudert sie den ganz unbegründeten Vorwurf gegen uns, wir hätten in unserem gestrigen Artikel„neue Hetzereien gegen die Arbeitgeber" erhoben. Wir haben uns gestern darauf beschränkt, das wegwerfende Benehmen der Unternehmer vor dem EinignngSamle den Arbeitern gegenüber zn keniizeichneii. Das war eine berechtigte Kritik, die mit den Ursachen des Streiks, mit seiner Berechtigung oder Sticht- berechligimg an sich nichts zn lhun hatte. Der Entscheid des Einignngsamtes. der die Arbeiter formell ins Unrecht setzt, ist von uns nicht krilisirt worden. Durch unseren Schlußsatz:„Es liegt nahe, daß auch die Arbeiter- veisammliingen die sachlichen Zugeständnisse der Unternehmer würdigen und die engberzige Rechthaberei ans sich beruhen lassen werden", den auch die Vossiii zitirt, haben wir jedenfalls alles andere gelhan, als„neue Hetzereien" ausgesprochen. lieber die von den Vertretern der Arbeitnehmer vor dem Eini- gnngsamt angeführten, weiter zurückliegenden Ursachen der Erbitte- rung der Aibeitcr, die auch in unserem gestrigen Artikel Erwähnung fanden, schweigt sich die„Voss. Ztg." natürlich aus; le bringt dafür wieder die abgedroschenen Redensarten von den „Verführern" vor. welche..friedfertige Arbeiter" nöthige», Weib und Kind brotlos zu mache»?... Was ficht die Vossin die fest- stehende Thatsache an. daß in den dem Streik vorangehenden Ver- sammlnngen die„Verführer" es waren, die gegen den Streik sich ausgesprochen habe»; was genirt eS sie, daß die Arbeilervcrtreter vor dem EinigungSamt erklärten. sie würden ihr niöglichstes thiin, daß die Streikenden den Spruch deS Eiliignngsnmtes anerkennen. Daß dem„bürgerlich- liberalen" Organ alles Verständniß abgeht sür Arbeiter- solidaritäi ist ebenso erklärlich, als sie das g e m e i n s a m e Vorgehen der U n l e r n e h m e r als ganz selbstverständlich ansieht. Die Verhandlungen zwischen' der Firma B o r s i g und ihren Formern sind bis jetzt zn einem Abschluß noch nicht gelangt. Die unter den Leipziger Formern vorgenommene Ur- abstiminung über die Frage, ob die Aibeit aus den Berliner Gießereien gemacht werden soll oder nicht, hat bisher folgendes lllesultat ergeben: Eingegangen sind die Antworten aus 17 Gießereien mit 731 Formern. Von diesen stimmten 616 mit Nein, 87 mit Ja, 4 Stiminzeltel waren nngillig, 17 Former nahmen an der Ab- stimmung nicht theil und 17 Former fehlten gestern in der Werkstatt. Die Stimmzettel aus 4 Gießereien mit 63 Formern stehen noch ans Achtnng, Holzbildhancr! Die an alle Werkstätten unserer Branche versandten, aber noch ailsstehenden Stalistikdogen ersuchen wir unverzüglich, spätestens jedoch bis>2 Okiober an die Adressen: Vereinslokal, Kopnickerstr. 62, oder P�Gallasch. Mnskauerstr. 49, abzuliefern. Zentralverein der Bildhauer, Ver- w a l t n n g Berlin.— Der V o r st a n d. Z» den bcvoistchcndeu Wahlen der Delegirte» zur OrtS- kranrenkaffe der Tischler und Pianofortrarbeiter wird eine demnächst statlfiiidende Bersammlunq Slellnng iielrnien. Die be- theiliglen Arbeiter werden schon jeht darauf hingewiesen, auf die am Sonnabend erscheinende Annonce zu achten. Teutschcs Reich. Achtung, Holzarbeiter! Seit 26 Wochen befinden sich die arganisirte» Holzarbeiter(Tischler. Drechsler und Maschine ii arbetter) Lübecks im Streik. Es ist den Unternehmern bis jetzt noch nicht gelungen, Arbeitskräfte in genügender Zahl heranzuziehen. Ihre letzte Hoffnung haben sie, bis jetzt aber ebenfalls vergeblich, aus die R e s e r v i st e n gesetzt. Wir richten nun an alle Kollegen und iminenllich an die, die jetzt vom Militär entlassen worden sind, das dringende Ersuchen, Lübeck fern zu bleiben. Wie b-im Militär O r g a» i- s a t i o n und Disziplin eine große Roll? spielen, so ist es auch in der A r b e i t e r- B e w e g u n g. Der einzelne von im?-st macht- los gegenüber dem Kapital, desbalb muß es Loosung jedes Arbeiters sein: Einer für alle und alle für einen! Kollegen, kommt nicht nach Lübeck, laßt Euch nicht durch Versprechungen verlocken, die später doch nicht in ErsüllilNg gehen. Hoch die Arbeilerinteressen! Hoch die Solidarität! Das Stretkkomilee. I. A.: D. R o h d e, Leder- straße 3. I» der Stöwer'schen Fabrik in Stettin ist es nun doch zur Arbeitseinstellung auch der Näh maschinenarbeiter gekommen. Der„Volksbole" berichtet darüber: Die am Sonntag gefaßten Be- schlnsse, wonach nochmals mit der Direktton Rücksprache genommen werden sollie. um eine Einigung zn erzielen, konnten nicht durch- geführt werden, weil die Fabrikleitung selbst diesem Beginnen ent- gegengearbeilet hat. Montag Nachmittag wurde das Mitglied des Arbeiteransschnffes, Schlosser B u ch h o l z, plötzlich entlassen. Die Arbeiter waren darüber sehr aufgebracht und erblickten in diesem Verhallen der Leitung die Absicht, die Arbeiter in den Streik zu treiben und gütlichen Verhandlungen ans dein Wege zu gehen. Der erste Direktor der Gesellschaft, W a s in u t h, ist verreist, obwohl er doch weiß, was ans dem Spiele steht. Dienstag Morgen 6 Uhr gingen die Arbeiter im Nähinafchinenban nur in die Fabrik, um ihre Kontrollmarken abzugeben; 19 Minuten später legten sSinnilliche die Arbeit nieder. Unier den Streikenden befinden sich viele Arbeiter, die 15—29 Jghre lang in der Fabrik beschäfligt sind. Die Zahl derer, die am Montag die Arbeit einstellten, beträgt nach Angabe des„Volksboten? eiwa 329. In Chcmnitz legten am Montag 13 F e i l e n h a u e r und 2 Schleifer der F o m m'schen Werkstatt die Arbeit nieder, weil der Unternehmer nicht alle Sätze des Akkordlariss bezahlen will, der bei der Lohnbewegung im Mai vorigen Jahres mit den Chemnitzer Unternehmern vereinbart worden ist. Ausland. RnS Troppan wird gemeldet, daß der Ausstand der Arbeiter in Jägerndorf beendigt sei, nachdem die Forderungen der Streikenden befriedigt sind. Ter Nationalkongrest der bcsgische» Bergleute, der am 3. Oktober i» Lüttich tagte, beschloß, wie bereits lelegraphisch kurz uiitgetheilt, daß in allen Zechen eine ISprozenIige Lohnerhöhung verlangt werden soll. Wird diese nicht bewilligt, so soll am 1. No- veinber der Generalausstand erklärt werden. Zum Kampf der englischen Maschiucnbaner. Den Publikationen des Unteriiehmer-Vervandes zufolge waren an Aus- sperrungen beilmligt in der Milte des Monats Juli 189 Firme», gegenwärtig sind es deren 517. Im Monat September sind allein 115 und im Oktober 25 hinzugekommen.— In einigen Tagen dürfte es durch Vermittelnng des Haudelsamles zu Verhandliliigen zwischen den Parteien kommen. Tagegen meldet ein heute eingelanfeues Telegramm des „W. T. B.", daß die Arbeitgeber im Maschineiiba». Gewerbe erklärt hätten, sie köiinten sich auf die Dazivischenkmift Dritter zur Bei- legung des Streites nicht einlassen. Die Bestätigung dieser Nach- licht bleidt jedenfalls abzuwarten. Es ist nicht gut anzunehmen, dag die Unternehmer zn diesem Entschluß hätten kommen sollen, nachdem ihr Führer. Colonell D y e r, schon mehrfach mit dem Sekretär des Arbeitsainles konferirt hat. Lttlkevnrhmev-Vvvbiinde. Nhcinisch- westfälisches Kohlensyndikat. Ueber die dieser Tage abgehaltene Zeche nbesitzer- Versammlung wird berichtet: Die Marktlage wurde als andauernd außer- ordentlich günstig geschildert und zum Beweise aus die Zahlen für Förderung und Absatz im Monat August, welche für sich sprächen, hingewiesen. Das Geschäft ist immer noch leb« Halter geworden, namentlich uinfangreich seien sortgesetzt die Ver- schiffungen über die Rheinhäfen und dieBezüge der Industrie. Die Nach- frage nach Hausbrandkohle» hat in letzter Zeit ebenfalls stark znge« nominell, so daß nicht allen Anforderungen entsprochen werden kann. Das Vertrauen in die Zukunft ist nach wie vor daher das allerbe st e. In de» Kreisen derselben Leute, die so ausgezeichnete Geschäfte machen, entblödet man sich aber nicht, jetzt mit der Einstellung von Strafgefangene Ii aus den Werken zn beginnen; selbst die Ansprüche der galizischen und ungarischen Arbeiter, die man in Schaaren imporlirt hat, sind den Zechenbaronen noch zn hoch. Der Gefangene ist billiger zu haben und bietet außerdem den Vortheil klavischen Gehorsams.__ Sozinles. Ein Preisausschreiben für Arbcitcr-Schntzbrillc» erläßt der Verband der dentschen Beiiifsgenofsenschaflen. Ausgesetzt sind 599 Mark, die ganz oder gelheilt für praktische Brillen zu vergeben sind, die in einem oder mehreren der folgenden Jndnftrieziveige Verwendung sinde» sollen: a) Hütten- und Walzwerke, b) Maschinen- bau, o) chemische Industrie, d) Sleiniiidnsirie. Für Bewerbnngs- lustiae wird bemerkt, daß die speziellen Bedingungen in der am 29. September erschienenen Nummer der Monaisschrifl sür die Stein- Verussgenossenschafl in Berlin NIV. angeführt sind. Mit belustigender Zaghaftigkeit wird im bayerischen Etat die V e r iv e n d n» g von Frauen im Fabrik- inspeklorat behnndell. Es heißl dort:„Zur Revision der aus- schließlich oder vorwiegend weibliche Arbeitslräste beschäfligende» Betriebe sollen versuciisiveise weibliche Hilfskräfie gegen Ge- Währung angemessener Vergütung für die einzelnen Dienst- leistungen berangezoge» werden, wofür der Betrag von 2999 M. vorgesehen ist." In Preußen ist man freilich noch nicht einmal soweit. Dopesrhen und letzte Llucheichkeu. Köln, 6. Ollober.(W. T. B.) Nachdem der linke Flügel des Bensbergec Schlosses völlig ausgebrannt und auch das linke Hintergebäude in Brand geralhen war, gelang es den Be. niühnngen der ans der ganzen Umgegend herbeigeeilten Feuer- wehren, das Feuer zn löschen. Das Feuer soll unter dem Dache des linken Schloßflügels ausgebrochen sei». Wiesbaden, 6. Sept.(W T.B) Ter„Rheinische Kurier' meldet aus Hochheim: Bei der Ersatzwahl im Landlagswahlkreis Wies- baden-Land und Höchst wurde der Kandidat der Nationalliberaien, Bürgermeister Wolff-Biebrich, im zweiten Wahlgange mit 189 gegen 65 Etiniinen zum Landlags-Abgeordneten gewählt. Frankfurt a. M.. 6. Oktober.(B. H.) Aus Innsbruck wird der„Franks. Zig." telegraphirt: Das Innthal erschien heute srüh im Winterkleid. Der Schnee liegt bis zur Thalsohie herab. Fiume, 6. Okiober.(B. H) Von dem hier eingetroffenen englische» Kriegsschiff„Vnlcan" sind sechs Matrosen deseitirt und trotz eifriger Nachforschungen nicht wieder ermittelt worden. Mailand, 5. Oktober.(B. H.) Die großen Bank- und Ge- treidefirmcn Lnigi Botlaliga in Aiicona und Landalo Padovano in Sinigaglia sind mit!>/, bezw. 1�/4 Millionen Passioe» in Zahlungs» stocknng geraibe». Vorwiegend be>be>ligt ist die Banca d'Jtalia. Rew-Aork, 6. Oktober.(W. T B.) Eine Depesche des„New- Bork Herald" ans San Jos« in Gnatemala meldet ans amilicher Quelle, daß die Truppen der Regierung Quezallenango wieder- genommen, Waffen und Miiiiition erbeulet und eine Anzahl Oisiziere der Ansftäudiset eu gesangen geucinmen haben. Die Nachricht von dem Siege der Regierung ist auch aus Totonicapan und andeieu Orlen eingelansen. Rio de Janeiro, 6. Okiober.(Meldimg der„Agence Havas.") Die Stadt Canndos ist von den RegierirngsUtippen genommen. Conselheir» ist gefangen genommen worden. Verantwortlicher Redalienr: Anglist Jarobey in Berlin. Für den Jiiseraientheil veraniworttich: Th. Glocke tu Berlin. Drucl und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu it Beilage» u. UnterhaUnugSblatt Hr. Wt. U. IG,-, Ig. 1. Ifjlfljje J>stvfcifaö dvv sozielldrmokvntisrhen Pstt'fci Deutsltilnnds. Dritter Vcrliandlungötag Millivoch, denk. Okiober.— Vor mlltag,-Sitzung. S Uhr. De» Vorsitz führt L e l ch e. Die czechischc Sozialdeinokraue lenket de»» Parteitag die herz- lichste» Grüsie. Z,»» Antrag S0 ,ft et» An»e»dei»e»i W i» d h o f»- Düsseldorf eingegangen, die Erklärung gegen die Doppelkandidalnren«»»zu- schränken durch Hinzusügung der Worte.. .»» solche» Wahlkreisen, wo die Möglichkeit vorhanden ist' Das gesler» erwähnte redaktionelle Siinendenienl lsijindhofs zu Antrag»I verlangt, das, hinter de», Worte.find" e»igefügl werden soll: «soiveit die Möglichkeit vorhanden ist" K n a p p e- Stettin beantragt, in Punkt il der Resolnlion Bebel zu sagen: „der sich schriftlich verpflichtet". Payer- Delnienho>st: Ich bitte Sie. den Antrag ,1. der die K a n d i d a t n r e n l» den p o l n> s ch c» Bezirken behandelt. abzulehnen. Die Haiiptjordernng. o>e gestellt werden ninb. ist. dab der fsandidnl ei» erprobter Genosse ist, der nicht erst inng r» der Bewegung ist. Ablehnen inöchie ich auch de»?l»lrag W. stlicht sehr syinpalhisch ist»irr der zweite Theil der Bebel'schen Rrsolntio». Eo iverde» sich stets skrupellose Gegner stnden. die das vor der Slichwahl uns abgegebene Versprechen nachher nicht halten; die Ehrlosigkeit werden sie i»it dein Interesse des Staates entschuldinen wollen. Ziii» niindeste» sollte nia» daher sich in der Nesoltttio» auf die links stehenden Lpposilions- parle»«» beschränke». Liebknecht. Berlin: In bezng aus die Resolutio» habe ich sehr wenig dem hinzuzusüge». was Bebel gesagt hat; ich bin über- zeugt, dast der Ernst der Lage jedein unserer Genossen klar wird Bebel sagte vorgestern, wir käme» dein Berg uuiner näher. Dieser Berg ist nicht blas die endgiltige Adrechnung init dem 5kap>tal>sniiis. cr hat auch»och so einige Borbergr, und ciner dieser Vorbeige ist der V e r j a s s u n g S k a in p f Der Kninps, den andere Länder, England und Frankreich, vor Jahrhunderten Überstande» haben, wird auch Teutschland nicht erspart bleiben. In Deutsch- land ist die absvlutr Monarchie, das Königthnm von Goltes Gnaden,»ieinals so vollständig beseitigt worden, wie in Frank- reich und England, weil wir insolge der eigenthüniliche» historische» Entwiclelung nienialS ei» Bürgerthum gehabt haben, das stark geimg war, wirklich m« bürgerliche Freiheit zu ivahrcu. So lominl es. das» die Sozialdemokrnlie eine Doppelansgabr hat. Diese» doppelte» jkainpf gegen Bürgerthum und gegen istvIoliitisiiillS haben»vir zu erfülle», und wenn jeder von uns sich bewiifst ist, daß wir lin Doppelkampse stehen, so werden sich auch die Kräfte eines zeden ver- »lehren. Wollen unsere Gegner die Entwicklung der Sozial- deinokralie hindern, so niüssen sie dem allgenieiiie» Wahl- recht z» Leibe gehen: bie Feludc wolle» der Sozialdrinokratie einen Daini» entgegensetzen, und dieser Damm ist ver Staatsstreich. Deshalb uiuß sich icdcr klar fei» über die Bedentmig der nächsten Wahlen. Der Nesolulio» stiinme ich bei, nur glaube ich asterdingS. daß man sie in einzelnen Pnnlleii etwas schärfer sormulirc» könnte Der Ausdruck:„gegen jede Verschlechterung der bestehende» Preß gesetzgebnng", ist z. B. ändernngsbedürflig, denn belanntlicki wird iede Nevisio» als eine Verbessernng bezeichuel. Gegen das Ainendeinenl, ivelches verlangt, daß die Kandidaten sich schriftlich verpflichten, wird nieinand etwas haben, obgleich eineui Mensche», der uns mündlich belügt, auch«ine schriftliche Lüge znzulraue» ist (Sehr richtig!) Dein Uusng init den D o p p e l k a n d i d a I u r e n iniiß gesteueri»verde». Wir sollten nicht einmal in aussichtslose» Kreisen Doppelkandidaturen nusstelleii, de»»«S»st za uicinals zu berechncii, wie«ine Wahl ausfalle» wird. Der Punkt, zu dem ich eigentlich sprechen wollte, ist der An- trag 41, welcher verlangt, daß IN Kreise» mit überivtegend polnischer Bevölkerung nur Kaiididateii ausgestellt werden, die der deutschen»»d polnischen Sprache mächtig sind. Ich weiß nicht, ob es uolhwendig ist, einen solchen Antrag direkt anzunehmen, aber der darin ausgesprochene Gedanke ist so absolut richtig, daß ich mir gar,»cht denken lan», wie es anders sein soll, als daß man nur eine» Kandidaten nimmt, der sich auch mit seine» Wähler» zu ver- ständige» in der Lage ist. Ich bin überzeugt, daß der Kongreß sich in diese»» Sinne aussprechen wird, seibst wenn der Antrag nicht formell zur Aiinahme gelangt. Mit der polnischen Frage ist das so eine etwas«igenthuinliche Sache. Es herrscht. wie ich leider gesehen habe, vielsach in»»seren Reihe» e»>e gewisse Aniiiiosllät gegen die Polen. Wir haben eine Anzahl von Parieigenossen, die außer sich gerathe», wen» vo» der Insel Kreta die illede ist, die tn Harnisch kommen, wenn man die Armemer Freibeuter nennt, die sich aber den Pole» gegenüber ganz aüders verhalten. Wir»enne» uns»ulernational, aber die Jnlernationalilät schließt ebensowenig das Nalionalitätsgefühl ans. wie der Sozialismus den Jndividnalisniiis, d. h. die Enlwickelung der Persönlichkeit ans- schließt. WaS Jndividnalität des einzelne» Menschen in der Gesellschaft ist, das ist in der allgenieinen Menlchheit die Jndividnalität der Rationen. Daß das Rationalgesühl nicht dazu ans- arten darf, daß sich einer über de» andern fetzt, versteht sich vo» selbst, Wir wollen dir Gleichheit alles dessen, was Me»sche»a»llitz trägt, wir tiaden in nnserein Programm ausgesprochen, daß wir sür gleiches stlcchl sind ohne Unterschied des Geschlechts und der Zlbs>au»»»»g. Wie wir dein entgegentreten, daß man die Jude» als»»ilergeordnete iKasse betrachtet, wie wir dem entgegentreten, daß uia» die Franzosen als nnlergeordueles Volk ansieht, so muß eS auch unter alle» Um- stäube» den Polen gegenüber geschehe». Diese Elimmung gerade den Pole» gegenüber erklärt sich aus der eigenartigen geschichtlichen Entivicllnng Heute ist Rußland der Schiedsrichter Europas. Preußische Junker, Stunn». die Agrarier. sie alle e> blicken in Rußland den letzten Rückhalt. Wenn dieser sälll, wissen sie. sind sie dem Ansturm der westeuropäischen Kultur und dem Sozialismus hilflos preisgegeben. Daher finde» wir, daß alle Organe, die unter dem Einfluß der Reaktion stehen, seil M Jahren gegen die Pole» Etimmuna zu machen snche», dab sie de» Gedanke» einer-Wiederherstellung Polens geradez» als einen verrückten hinznstellen suchten, und daS ist theil- iveise selbst tn unseren Reihen der Fall. Will man eS den Polen verargen, we»» sie in den Wahlkamps auch als Polen einircten wollen? Dürfen«vir denn den Pole» das Recht bestreiten, ivelches wir selbst u, Anspruch nehmen? Wir betrachte» die Fraiizosen als Brüder: wen» sie aber Deuischland zerreiben und theilc» wollen. dann müsse,, wir die. die das thu», als Feinde betrachte». Genau auf demselben Standpunkt»ns gegenüber haben die Pole» das Recht zu stehen. Gleiches Recht sür alle; wer will den Polen das Recht de- streiten, sich als Nation zu organisire»? Daß sie gewaltsam unter- drückt find, ist doch kein Beiveis dafür, daß sie rechtlos sind, im Gcgcnlheil, da? legt»ns die Pflicht auf. für sie einzulrele», daimi das Unrecht wiedec gut gemacht wird. Ich bin sicherlich keiner vo» denen, die sich auf Aiiloriiäle» beziehen, ich kcuuc aber einen Mann, von dem ich weiß, daß jeder ihn als Aiitvrität beirnchlet. Den will ich rede» lassen statt meiner, es ist Karl Marx. Ich war in diesem Sommer in London, und da hat die Tochter von Marx unter seine» Papieren eine ganze Anzahl höchst interessanter, sür Marx selbst charakteristischen und für uns außerordentlich iverthvvllen Akten- stücke gefunden, u. a. auch die in englischer Sprache ausgearbeiteten Aiiiveisiingen zu den internationalen Kongressen. Daist auch ein merk- würdiges interessaiites Schriftstück für den Baseler Kongreß von löLS des J-miirls" oder vielleicht, was wahrscheinlicher ist. für den von Haag lS72. und da sag! Marx in dezng aus die volnische Frage: „a) Warum nehmen die Arbeiter Eurova's dieie Frage aus? In erster Linie, weil die Bourgeois-Schriilsteller und Agitatoren sich verschivoren haben, sie zu ünlerbrncken, obgleich sie alle Arien von Naiioiialilälen ans dem Kontinent patronisire» und sogar Jr- land. Woher diese Schweigsamkei!? Weil sowohl die Arislokralen als die Bourgeois die finstere asiatische Mach: im Hinlergruiide. als das letzte Bollwerk gegen die vordriiigende Slnrinsinih des Einflusses der Arbeiterklasse de- lrachlcn. Jene Mach! kanii ersolgreich nur uiischäblich gemacht werden durch die Wiederherslelluiig Polens aus demokratischer Grundlage. b) Bei der gegenwärtigen veränderten Lage Milteleurova's und naiiieiiilich Dentichlands ist es mehr als!« nolhwendig. daß wir ein dcniokrntiiches Polen haben, da. ohne es Tenlschland ein Anhänglei scmurorlc) der Heiligen Allianz, in i:-hin der Bundes- gei'.vsi'e icooperator) des iepiiblikanischen Frankreich sein wird: die Bewegung der Arbeiterklasse wird ioriwährend uiilerbrvchen. lahm gelegi und anigehnlien werde», bis diese große europäische Frag« zur Ruhe gebrach! ist. a) Besonders ist es die Pflicht der deutschen Arbeiterklasse, in dieser Frage die Jnilialive zu«rgrelien, weil Teutschland eine der Mnchie ist. die Polen gelheil! haben." So hat Marx über die Polensrnge genrlheilt, der doch gewiß hoch»der ledeni Verdacht des Ralionalüätsgesühls steht. Ich will heute nicht näher baraui eingehen, ich bitte Sie aber dafür zu lorgen, dab alle diese Eiscrsnchleleie». wie sie da stallgesunden haben zivischen deiilschen und polnischen Parteigenosse», ruhen. ick will hosten, daß Worte wie„die deutsche Kiillur suhl höher als die polnische" niemals wieder ausgesprochen werden>» eiiiein deutschen Arbeilervarlainenl Was heißt es den», die deutsche Kiillur steht höher als die polnische 8 Vor Iah» Hunderten schon habe» die Polen die Gleichheit der Inden ausgesprochen, vor Jahrhunderte» schon ist Polen neben Holland das einzige Land gewesen, in dem die absolute Prcbsreiheil bestände» hat. n»d gerade durch diese Freiheit ist Polen der Gegen- stand des Hasses der übrigen Mächte geworden. Ich sage ia»ichi, daß Pole» in der allgemeinen Weliknltur das geleistet hat. was Denlschiand geleistel hat. aber was ist den» die deutsche Kultur. wenn sie die Gennamsiruug betreibt? Der Gutsbesitzer, der vi« Peitsche in der Hand hat. der preußische Beamte, der mit gezücktem Säbel durch die Masse» zum Bahnhof stürzt und seine Lerne als Hunde bezeichnet— ist das Kultur? Für diese Knliur danke ich, das ist eine Schande und Schmach für Deuischland. Dieser Kultur dabe»«vir eiilgegeiiziilrelen. Wir dürie» unter nnsere» polnische» Genossen keinen Zweifel darüber lassen, daß imr die polnischen Bc- strebiingen nach Unabhängigkeit sür ebenso berechligt hallen, wie die jedes anderen Volkes. Den Polen ist schweres Unrecht geschehen. mit) gerade wir deuischen Arbeiter sollten den Polen gegenüber ge- recht sein!(Lebhnsler Beifall und Händeklatschen.) Singer(zur Geschäslsordnnng)! Sie werden sich erinnern, daß ich Ihne» vorgestern die Mittheilung machte, es seien durch den Genossen Uarvns Anträge eingeschickt, die wir, da sie durch den Verlratiensinami nicht uiiterzeichnet waren, nach unserem Orga»'- saltons-Sialnl nicht bcralhen lonnlen. Einer Aussorderiing. evenlnell die Parviis'schen Anträge oder eine» von ihnen zu Übernehmen, ist von keinem der Dclegirten nachgekommen worden. Damit ivar für uns die Sache zur Zeil erledigt. Heule bekomme ich»»in«in Schreiben, wonach der Verlrnuensinann des 5 sächsische» Wahlkreises Dresden-Aiistadl, Genosse Messing, bestätigt, daß diese Anträge durch den Parleigenoslen Parvns eingebracht seien. Nun brauchen wir, meine ich, nicht darüber zu streiten, ob die Einbringung vo» Anträgen in Form eines Zeitungsarlilels zulässig ist. Die An- träge a und b sind zum Bericht der Parteiieiiung. c bis I zum Berichte über die parlamentarische Thätigkeit ge- stellt. Diese beiden Punkte unserer Tagesordunng sind aber bereits erledigt, wir sind also taktisch in der Uiiniögkichkeit. diese verspätet eingebrachten Anträge jetzt noch zu beraiheu.(Zu- stiniiiuing) Dagegen ist Antrag g zu den Rcichstagswahien gestellt, und ich meine, wir dürfen Parvns sein Recht nicht beschränke» Antrag g lautet t Der Parlettag wolle beschließen: Bei der Agitation sür die nächsten Reichstagswahie» ist auf die Einsührung des achtstündigen Arbeitstages und die Aushebung der Getreidezölle besonderes Gewicht zu legen. Ich gebe also dein Vorsitzenden anheim. die Uiiterstützuiigi frage zu stellen und salls sie bezahl wird, diesen Antrag nachträglich zur Berathimg zu stelle». Bebel: Ich möchte doch sehr stark beziveiseln, ob eS geschäslS- ordnungsmäßig zulässig ist, daß im lchten Augenblick, mitten in unseren Beralhungen answärlige, nicht aus dem Parteitag anwesende Genosse» in x- beliebigen Schreibe» oder Drucksachen sich an uns»venden und uns hier z,»»uthe>i, daß wir jetzt im letzten Angenblick u»S damit beschäftigen.(Sehr»vahr!) Ich prolestire gegen dieses Versah, en.(Lebhafter Beilall.) Der Antragsteller Er konnle ebenso gut seine Antrüge zur rechten Zeit eindringe»,»vie jeder andere Genosse(Sehr wahr.) Ich proUstue also dagegen. dab der Antrag zur Unterst ütziing gestellt wird. Vorsitzender Lesch e: Nach diesem Widerspruch iverde ich den Antrag nicht zur U»lers»'itzu»g stellen, soliden» de» Parteitag erst darüber abstimmen lassen. Die Mehrheil erklärt bei der Abstimmung die Unterstützung sür unzulässig Damit ist der Antrag erledigt. N» a p p e. Sielt»»: Wir»uüsieu ei»» schriftlich« Er- klärung von dem gegnerischen Kandidaten verlange»,, sür den »vir bei der Slichivadl einireten. Das geschriebene Morl kann nicht bestrillen»»'erden. Ei» Ehroniuan»»vird sich nicht»veiger»,«ine schriftliche Erklärung abzugeben. Den Punkt k der Forderunge» können»vir streiche». Wenn ein sozialdemokratischer Abgeoidneler »vi« Schippe! schon Bedenken über»»sere Sleuerpolilik hegt, könneir »vir ein solches Verlange» nicht an e»»e>i gegnerischen Kaiididalen richte». Auch der Ausdruck„linksstehende" Parteien, den einzu- fügen vorgeschlag«,, wurde, ist nicht glücklich. DaS Zentrum steht in einige» Fragen rechlS, in anderen links. Ich bilte Sie, die Re> solulio»» Bebel mit»»einem Zusatzanirag anzunehmen. Z u b e i l: Mit der Resolnlion Bebel kann man sich eini'erstandei» erklären: aber«ins muß mit aiifgeiio»»»»«»»verde», dab nämlich die gegnerischen Kandidaten, die»vir bei der Stichivahl nnterstützen. sich gegen jede Vermehrung des Heeres»nd der Marine erklären. Ob schriftlich oder mündlich, ist glcich. Die Gegner hallen doch nicht. was sie versprechen.(Sehr richtig!) Der Standpunkt, de» Genosse Schippe! gestern hier vertreten hat,»vird wohl nicht von vielen Delegirlen gebilligt»verde»».(Lebhaftes: Sehr richllg!) Mit dieser Argiiinentalion»verde»»»vir uns sehr schwer gegen eine Flotten- Vermehrung erklären könne».(Sehr richtig!) I» de» henligen Morgcnblältern und in der„Kölnischen Zeitung"»vird anS- cinandergcsetzt. daß die Flotte vermehrt iverde» müsse, um unsere Ostseekiist« zu schützen, die in ihrer langen Ausdehnung vom Landhecr nicht gedeckt»verde»» könne. Nach den Ausführungen Schippel's müßte» mit Sozialdemokrale» für die Vermehrung der Flotte eintreten, denn es»väre ja,»ven» seine Ansicht richtig»väre, auch»nfere Pflicht, nicht nur unsere Soldaien, sondern auch die zurückbleibenden alle» Männer, Frauen und Kinder im Kriegsfalle nicht ohne Schutz zu lassen. Sicherlich kommt auch eine Bcriiiehrniig dcS Landheeres. I» die Armee-Organisalioii passen die»leiien Regimenter»>it zwei Bataillonen gar nicht hinein, sie iverde» bald in Regimenter mit drei Bataillone» verivandelt iverde». Allen diesen Versuche» gegenüber muß sich unser ganzes Handeln und Agitiren gegen die Vermehrung des Heeres und der Flotte richten. (Zustimmung.) Der Anlrag 41 ist berechtigt. Für die Agitation ist«S nicht förderlich, wenn in gemischt sprachlichen Gegenden Agitatore» Donnerßilg, 7. Oktober 1897. geschickt werden, die nur emer Sprache mächtig sind. Es ist nicht angenehm, wenn die Kaplan«»n polnischer Sprache die Masse be- geistern»nd man erfährt nur stückweise und»iigeiingsnd von einem danebeii sitzenden polnischen Genosseii. was sie eigentlich gesagt. Ein Knndlbal in dieicn Bezirken»inß beide Sprachcn beherrschen. Ich stell.« nichl aus dem Standpunkt, daß ,ch eine preußische, hamburgische, polnische oder mecklenbiirgische Sozialdemokralie will, aber ans dem Lande stnden doch auch diejeiiigen unserer Agitatoren, die plattdeutsch sprechen können, mehr Anklang als wir Berliner, die ivir nur hoch- deutsch sprechen.(Heiierkeil.) M o r a w s l- Berlin: Die Hauptsache hat Genosse Liebknecht bereits gesagt Psannknch und Winier haben behauptet, wir Polen hätten die Vereiiibamiig nicht geHalle» und das Wort gebrochen. Eine Vercinbariing hat»>e staligefniiven. oder es war eine Verein« barung wie die des Schafes nnl dein Wolf. Gerisch, Pfannknch und Förster hatten init uns eine Besprechung und iheilte»»»ls obne weiteres nnl der und der Kandidat ist nnsgestelit: den müßt Ihr akzevtiren. ob Ihr nun wollt oder nicht. Wir machten Ein- wenduiigen l es ginge doch»ich! an, eine» Kandidaten zu einpfehlen, den die Wähler garinchl verstehen. Es wurde uns er- widert. es ginge nicht anders. wenn wir nicht wollten, sollten wir thun, was wir nichl lassen könnte». Genosse Bersus meinte: Wenn Sie uns den Revolver auf die Brnsl setzen. dann müsse»»vir»ns fügen. Ich hob de» demokratischen Standpunkt hervor: die Wähler müßten doch tveiiigslens besragt werden. Da wurde»ns direki cmpsohlen, daß mehr germaiiisirt werden müsse. Ein polnischer Genosse rief: Wir sind aber Pole», da wnrde»ns von Gerisch zugerufen: Dan» seid Ihr keine Sozialdemokralc», wenn Ihr Pole» seid. Wir waren ganz sprachlos, als wir das hörten. Seit 25 Jahren haben»vir doch Schulter an Schulter mit den deutschen Genossen gekämpsl»nd den Slandpnnkl der JuleriiaUoiialität nie verlassen. Da blieb ansschsießlich nichts anderes mehr übrig, als de» Antrag«l zu stellen. Mag der Parteilag im» entscheiden, od»vir uns Kandidaten oklroyiren lassen»iiüssei», die sich mit ihren Wählern nicht verständigen können. Der Streit init Genosse» Winter datirt seil Pfingsten. De» Anlaß gab der Widerspruch, den Genosse Legie» in der österreichische» Generalkomuiission der Geiverkschasien gegen den Antrag erhoben hat. daß der Selrelär der Kominijflo» deutsch und czechisch verstehen müsse. Die polnische Presse hat sich der Sache bemächtigt und uns Schu'ierigkeilen bereitet. Wir erwiderte», das sei nnr die persönliche Ansicht eines einzelnen Genossen, nicht die der dmlschen Sozinldeinokralie Winter»il n»» nach Obcrschlesien gegangen und hat in der„Sächsische» ArbeiteizeUiing" uns eine Marschroute geben wollen. Er hat die polnische Sprache nur als ein Millel bezeichnet, die polnischen Genossen über de» Sozialismns ansznkiäre». In einen» Briese(den Redner stellenweise veiliesl) hat er sich sür die Gerinanisaiion Ovcrschlesieiis erklärt, die durch wirthschasiiiche Ursachen veranlaßl iverde. Wir haben ihn daraus hin zu den Halatiste» geworsc», aber sür einen Spitzel haben wir ili» Nicht erklärt.(Winter: Ja wohl!) Es länst ein vo» Z u b e> l nnd Genossen unlerzeichneles Amendement zur Resolutton Bebel ein, das als Forderung an gegnerische Kandidalen verlangt, dab sie sich erktäre» „gegen jede Vermehrung des stehenden Heeres und der Marine." Lesche macht daraus ausmerksam. daß dieser Anlrag sich mit dem Amendement Katzenstein decke und deshalb vielleicht zurück- gezogen werde» könne. Mittag- Halle: Den Antrag 41 halle ich sür überflüssig. ES muß doch jedein Wahlkreise überlasse» werden, ivelchen Kandi- baten er ausstellen will: wozu also erst den Parteitag damit befassen? Tie Fliigbläitersabrtl in Berlin, von der aus bei den letzten Wahlen die Wnblkreise versorgt wurde», hat sich nicht recht bewährt, die Verhällmsie t» den einzelnen Kreise» sind doch verschieden, nach einem Schema dürfe» die Flugblälter also nicht angefertigt iverde», sonst schaden sie mehr als sie nütze». Die Resolution Bebel muß nolhwendigerweise durch die Erklärnng gegen jede weitere Heeres- und Marinebewilligungen ergänzt werden. Das ist um so»olhivendigcr nach den gestrigen Alissührungen des Genossen Schippet. Wo nnsere Parole ist: dicsei» System keinen Man» nnd keinen Groschen, da kommt der Genosse Schippet»nd ist sogar sür Kanonen zu habe»: so habe ich ihn wenigstens verstanden. Wir haben iml dein stehenden Heer gar nichts zu thun: was Scdippel da gesagt hat. war nur ei» Spiel mit Worten. Bon Schippe! hat mich seine gestrige Hallung gaiiz besonders gewundert, da ich ihn doch früher zu meiner Freude auf der linke» Seile der Partei gesunden habe: er halte eine» srische» Zug in die Berliner Volks-Tribün« gebracht. Pens: Auch ich halle die bevorstehenden Reichstagswahlen sür wichtiger alS alle, die wir hinter uns haben. Wir haben durch den AuSfall der Wahle» dafür zu sorgen, daß die Staatsstreich- gelüste ein für alle Mal vor dem Wille» des VoikeS zerstieben und daß die soziale Resorm ansgebant ivird. Heule werde» wir ganz mit recht so regiert, wie wir es verdiene». den» von 397 Abgeord- iieteii sind erst 48 Sozialdemvkralen Sorgen wir. daß ivir mehr werde»»nd die Opposition überhaupt so aassälll, daß die Re» gieruag sich nicht mehr aus de» Willen des Volkes berufen kann.— Wen» der Standpunkt Schippel's, de» er tvohl etwas»»über- legt vorgetragen Hai, richtig sei» sollte. hätten wir dann e»n Recht gehabt, gegen jenen 45 Millionen-Kredit sür Kanonen zu stiinme»? DaS gegenwärtige System braucht den Krieg: ivir sind prinzipiell aege» dcn Krieg. Wir wollen de» vollen und ganzen Friede». Wir müssen daran festhallen: sort mit dem Krieg! Fort mit alle»», ivas die moderne wirlhschaslliche Entivickeliing behindert. Deshalb habe»»v>r nicht dafür z» sorgen, die Soldaten mit Kanonen zu ver« sorgen, damil sie nicht so gesährdet sind, sondern»vir haben dafür zu sorgen, dab sie überhaupt»»cht mehr dieser Gefahr ausgesetzt sind. Bei der Agiialio» inüsse» wir mehr Gcivicht legen ans die post- tiven Forderungen, die berufen sind, ans der gegenivärtigen Welt das Gebäude einer besseren z» errichten. Der Begriff der Revo- Uilion ist im Volke»och nicht mit der nölhigen Klarheit ersaßt. Wir dürfe» kein großes Gewicht lege» auf Aersamailiiugen, die in einem Kreise, in dem noch gar nicht agitirl uar. im letzte» Augenblick vor der Wahl abgehalie» iverde», dafür ist aber das wichtigste die Organisation. Die Resolutio» Bebel bilte ich, so wie sie von ihm gestellt ist, ohne Zusätze aiizllnehme». De» Anlrag 90 ersuche ich abzulehnen. Gewisse Orte müssen sich mit einer Doppelkandidalur behelsen, wenn sie nicht eine unwirksame Kandidalnr ausstellen ivollen. Ei» von B e s> n g-Breinen gestelller Schlnßantrng wird von F r e i w a l d I- Nieder-Barnim bekäinpft. Tie Schippel'schen AnS- sührmige» seien noch nichl erledigt ES müsse von der Fraktion verlangt werden, sich zu erkläre», wie sie zu Schippei'S Anschauung stehe.(Lebhafter Beisall.) Der Scdliißautrag wird abgelehnt. Frau G r e> f e n b e r g: Unser Programm fordert daS allgemeine Wahlrecht auch für die Frauen. Seit den letzleu Wahle» ist die Agitation dafür aber sehr vernachlässigt worden. Man will dem Proletariat sei» imnzigeS Wahlrecht noch schmäler»: legen wir dem gegenüber aus eine Erweiierung des Wahlrechts Gcivicht nnd sorge» ivir dafür, daß die Frauen das Wahlrecht bekommen. Sie wisse», welchen Einfluß die Frauen ans Männer haben. Es ist»othivendig, de» Frauen vor Augen zu führe», ivic nolhwendig es ist, die sälinnge» Männer zur Wahlurne heranznschleppe». Laßt die Fraueu nicht mehr so zurück»me bisher. Schade- Halle: Ans die Surachenkiliide muß man in den polnischen Bezirke» das größte Gewicht legen. Die Haupterfolgc bei den Wahlen»Verden durch die persönliche Agilalion erzielt, nnd es ist geradezu unveranlivortlich, Genossen in jene Kreise zu schicke», die deS Polnischen nicht mächlig sind. Die Ausnahme der Forderung in die Resolution Bebel, gegen jede mililärifche Bewilligung zu stimmen, hnlte ich für nStbtg. Dovpelkandidaturen müssen iinbedingt mttersagt werden; es finden sich tn jedem Rreis schon ueeignele Sfaiibibaten. ®ovf. L e s ch e: Genosse Schippe! läßt.inkrogen. ob der Partei» raff damit einverstanden ist, daß ich ihm außer der Reihe zu einer kurze» Berichtigung das Wort erlheile.— Der Parteitag ist vannt einverstanden. Schippe!: Man hat meine Worte von gestern ganz miß verst. niden iRufe: Äha! und Gelächier). Erlauben Sie mir, das ganz kurz zu begründen Ich habe gestern ganz kurz hervorgehoben. daß die Fraktion einstiinniig gegcii die Miliiärkrediie im Reichstag geitiinnil hat. Ich selber bin iilchl dafür eingetreten, sie zu be< ivllligen: ich habe auch nicht die Absicht gehabt, hier rrgeud ivelche Stimmung für künslige Beivilliglliigen zu machen. Ich habe es nur als meinen persönlichen Standpiinkl hervorgehoben, daß ich es rn einer so zwickinühlenartigen Lage nich! für«»würdig gehalten habe, daß in der Fraktion und der Oeffentlich- reit kein großes Aufhebens davon gemacht wurde. Ich habe einfach die Sachlage geschildert, wie sie liegt. Die Soldaten sind bewilligt. die Formationen und alles ist beivilligl: wir können das nicht äiidern, wir haben es nicht in niiseren Händen. Geiviß, die heutige Regiernng lebt vom Kriege, wir müssen also mit der Möglich. keit eines Krieges rechne». Da habe ich den» doch gesagt. daß ich das Gefühl habe, ist man in einer solchen Lage, laun man Me Kriege nicht verhindern, da kann man doch nicht ullseren Soldaten schlechte Flinten, schlechte Kanonen geben tGelnchter und Unruhe). Weiter habe ich nichts gesagl, ich habe nur gesagt, daß unsere Situalio» nicht derart ist, daß es erforderlich wäre, diese Frage besonders zu betonen und großes Ausheben davon zu inachen. Der Fraktion kann man daraus keinen Borivurs machen. Wenn da? Niilitaristische Systems. zu einem Kriege treibt, den wir nicht ver- hindern könne», wenn wir eine Niederlage erleiden, und wenn dann das Blut unserer deutschen Arbeiterklasse doppell gestosse» ist. ich glaube, wir alle würden dann der Negierung den Vorwurf ge- macht habe», daß sie nicht zur rechten Zeit eingegriffen hat.(Ge- lächter.) Ich bitte also streng zu unterscheide»: die Fraktion hat dagegen gestimmt, sie hat gegen die erste Rate gestimmt und wird gegen die lüustigen Raten stimmen. Ich habe nur hervorgehoben. daß es richtig war, kei» Aushebe» i» der Oeffentlichkeit z» machen. M e tz n e r- Berlin: Wohl keiner verleimt die Wichtigkeit der kommenden Reichstagswahlen. Daher ist die Vorlegung von Miiidestforderuiigen a» die Kandidalen, die wir bei de» Slichwahle» linterstützen sollen, überaus nothwendig Ich wünsche auch die Ans- uahme der Verpflichtung, gegen Forderungen für Heer und Marine zu stinime». Eine schriftliche Berpflichtiing würde. ivenn sie auch ebenso gebrochen werde» lan» ,vie eine niündliche, doch einen Wer») injosern haben. als man sie jeder zeit de», betreffenden unter die Augen halten könnte. Es ist hervorgehoben worden, daß die Gcsahr vorliegt, daß»ns das Wahl- recht genommen werde» und wir genöthigl sei» könnlen. es erst wieder durch die gewerkschastliche Beivegung zn erkämpse», daß also das Hauplgeivicht auf die g e w e r l s ch n s l I, est e Organisation gelegt werden müsse. Die geiverlschnfiliche Be- wegilng ist doch nur dann von ivirklichem tlintze», wenn dasiir gesorgt wird, daß die Erfolge der gewerkschastliche» Kämpfe durch die Gesetzgebung festgelegt werde». Dazu ist aber der politische ttmups und die politische Organisation die Hauptsache. S i n d e r m a» n- Dresden: Ich bitte Sie, den Antrag wegen der Doppelkaudidaluren anzunehme». sie müffen aus jede» Fall vermieden werde». Die Nesolulion Bebel reicht völlig aus. Die Psi-vus'schc» Anträge sind vollkommen überfliissig. Der Parteitag ist nicht dazu da, nach dem Taktstock eines einzelne» Schul« Meisters zu tanze». Da geht der Ehrgeiz so weil, daß niau die ganze Partei leiten möchte. Aber in der Schreibstube nehme» sich die Dinge anders ans, als draußen bei der Agitation. Die P-rrvns. sche» Anträge sind gar nicht neu. Schon seit 20 Jahre» werden sie von unserer Fraktion gefordert.(Sehr richtig!) Schippet hat sich mit seiner zweite» Ausslihrilng gewaltig hinein- geritten. Wir können doch nicht deswegen neue Kanonen bewilligen, weil Soldaten exisiiren, sonst müßie die Fraklio» regelmäßig, wenn neue Waffen ersiinden werden, ihre Einsühruiig m der denischen Armee verlange». Soweit treibt man es, wen» man eine derartige Taktik empfiehlt. Wir»n'isse» dagegen prolestire»(sehr richtig!), sonst können wir das Schauspiel erleben, das, die llassenbennißlc Arbeiterschaft kein Bertrnnen mehr zur Sozialdemokratie hat, weil wir unsere» ganzen revolntlonären Charakter verlieren.(Lcbhasler Beifall.) Auer: Es ist vorhin das Wort gesallen, daß mit Schippet Abrechnung gehnlte» werden muß, und der letzte fliedner hat sich in ähnlichem Sinne ausgedrückt. Da fühle ich mich verpflichtet, offen und frei z» erklären, daß wenn wegen der Aenßeruiig. die Schippet gethan hat— ob er sich geschickt ausgedrückt hat, ist eine andere Frage—, wenn aber wegen dessen, ,vas Schippcl geniei»! hat und nur meinen konnte, Abrechniliig gehalten werde» soll, daß dann nicht mit ihm allein, sondern mit einer ganze» Neihc von Parteigenossen und zwar mit Parteigenossen wie Bebel und Liebknecht und auch mit meiner Person Abrechnung gehalten werden muß.(Hört! hört!) Ich glaube, Sie befinden sich in einem Mißverständnis,, mag sein, weil Schippe! nicht das richtige Wort gefunden hat Der letzte Redner spricht davon, daß Schippe! die Kanonen bewilligt hat und daß er die Schießprügel bewilligen will. Wo hatSchtppel auch nur»nt einem Wort das gesagt. Er hat ausdrücklich erklärt, auch wieder in seiner letzten Rede: Wir haben es abgelehnt, weil wir grundsätzliche Gegner des Systems sind, aber wir habe» nicht ge- glaubt, daß diese Frage der Bewilligung, die sich i» der wahnsinnige» Entwicklung, die der Militarismus unter den europäische» Kulturstaaten atigenommen hat, nothwendig macht seitens der Ae,tretcr dieses Systems, zu denen wir nicht gehören— wir haben es nicht geglaubt, daß diese Angelegenheit eine solche sei, bei der eine besondere Agitation gegen die Kanonen— wohl verstanden, nicbl gegen das System— angebracht sei Man kann diese seitens des Militarismus für nothwendig erachtele Ausgabe von Hunderten von Millionen sür neue Kanonen gewiß zur Kennzeichnung des Wahnsinns dieses Systems benutze», man kann den Militarismus a» diesem Beispiel anfs neue verurtheilen und kann sich doch vielleicht der Thalsachc nicht entschlagen, daß diejenige», die einmal sür den Militansmus eintraten und unter den Heuligen Verhältnissen die Aeranlivorluug tragen, diese Summe bewilligen»inssen. Wir sind dagegen, weil wir grundsätzliche Gegner des Mililarismus sind. Damit ist aber»och lange nicht gesagt, daß es angebracht ivar, ninde, Kanonen willen eine besondere Agitation zn entfalten. Das hat Schippe! sagen wollen, das hat er nur sage» können. Und ist denn dleser Standpunkt so neu in der Partei? Ich habe vorhin Bebel und Liebknecht genannt. Erinner» Sie sich an die Verhandlungen des Parteitages«» Halle, wo seitens des Führers der Unabhängigen unserem Genossen Bebel genau derselbe Vorwurf gemacht ivnrde; und ivas hat Bebel darauf geantwortet? ES ist noihivendig, daß daran erinnert wird. Er sagte nach dem Protokoll: „Wenn Ihr aber einmal diese stehenden Heere für nothwendig haltet, dann trefft wenigstens Einrichlmigc», daß der ans den nn- gehenren Verbesserungen in der Technik der Nriegführnng ent- fpringenden Massenhinschlachtniig nach Möglichkeit gesteuert wird Ich habe darauf hingewiesen, daß bei der Anwendung des rauch- losen Pulvers und der gegen früher»»geheuren, gesteigerten Treff. sicherheit der Gewehre, die jetzige» Uniforme» mit ihre» blitzenden Metallknöpfen und grellen Farben ein geradezu Verderben bringendes Zielobjckt sür die Feinde seien. Müßten sich unsere Brüder. Söhne und Aäler schon einmal auf das Schlachlfeld schleppen lassen, dann kleide man sie wenigstens so, daß sie nicht geradezu das Ange des feindlichen Schützen herausfordern. Und nun frage ich Euch alle, die Ihr verpflichtet seid, gegen den auswärtigen Feind die, Waffen zn tragen: als Liniensoldaten, Reservisten, Landwehrmänner oder Landsturm, wenn ich verhindern will, daß Ihr durch äußere Kennzeichen eine bequeme Zielscheibe für die Feinde werdet, habe ich damit irgend etwas gethan, was vom Parteistandpunkt ans verwerflich wäre?(Rufe: nein!) Wenn ich aber weiter erklärte. ich bin bereit, d i e M i t t e l sür weniger sichtbare Uniformstücke zu bewilligen, dann habe ich damit nichts weiter gethan, als meine Bereitwilligkeit ausgedrückt, dafür zu sorgen, daß im nächste» Kriege nicht Zehnlausende unserer eigenen Genoffen durch die Ungeschicküch- keil unserer Militärverwaltung zwecklos ans die Schlachtbank geführt werden. Ich habe die Genugthuilng gehabt, daß ieyl nach den Manöver» l» allen Zeitungen und Miluärblätier» diese Frage erörtert wird. Es ivird da ausgeführte daß es mit ver bishengen farbenschillernden Monltrung nicht mehr geht, wenn unsere Soldaten vor der massenhaiien Hiiischlachtuiig beivahrl bleiben sollen. Nie>n meinem Leben habe ich in einer Frag« ein besseres Gewissen gehabt, wie in dieser. Und diese Wort« erfreiilev sich de? lebhaften Beifalls der Tele- girten Wenn Bebel sagt, er sei bereit die Mittel zu bewtlllgen. um unsere Brüder davor zu schützen, daß sie den freundltchen Ee- schössen als Zulobzeku schon durch ihre äußere Erscheinung diene». ist das i» der Sache nicht schließlich dasselbe? tRnfe Nein! nein!) Selbstverständlich ist es sür Sie nicht dasselbe Das weiß ich. deshalb habe ich tu gerade diese Frage aufgeworfen. Wenn das sür Sie nlchl dasselbe ist. dann könnten Sie ja auch die Soldaten mit Stöcken ausgerüstet ins Feld schicken(Widerspruch.! Wir sind prinzipielle Gegner des Kriegs, wir können ihn aber nichl verhinderi!.«vir müssen iml der Eventualttät recknen. daß es gegen unseren Willen zum Kriege komml Zum enischeidenden Punkl unseres Angriffs aus den Militarisinns köniien wir diese Angelegenheit nicht machen, das ist»ichl der Punkl, wo die Agitation cinseye» kann Solle» wir uns m der nächsten Session. Ivo diese Frage zur Enlschetdung komml, etwa auch dagegen wehren. daß unsere Soldalen warmes Adcndbrol bekoinnien, was za in'.: einer Vermehrung des Miliiärbudgeis verbunden ist? Aber weiter, wir sind Gegner des Krieges, und doch haben unsere Führer auch mit der Möglichkeil eines Krieges gercchnel nnd osfizielleErklärungeu abgegeben Es läßt sich allerdings eiiie Möglichkeil deiikeu, in der wir auch sür de» Krieg einlrelen und ihn sür absolui nolhwendig hallen(Sebr richiig!) Ich erinnere mir au dieAeußerungcn von Bebel und Liebknecht im Reichstage über die Möglickkeil, daß es dazu kommen kann, gegen de» Feind a»s dem Osten, gegen die Barbarei, gegen den russischen Zar'mns und seine Erobernngs- gelnste>n den Krieg«iiizuiieic» Diese Erklärnnge» ivnrde» abgegeben unter dein Belsallssturm der gesammte» Fraktion Wolle» Sie denn, daß dieser Kueg cvcnlncll gesnbrl werden soll mil Kanonen, die von allen übrigen Staaten, Rnßland mit eingeschlossen, längst überholt sind? Eine»ugeinei» inleressanle Eikläriing hat in dieser Beziihuiig Liebknecht schon ISÜÖ aus bei» Nu-»beiger Aiitiunoge abgegeben Er sagte da: „Einer der Vorredner'— es war der alle Ladendors—„Hai sür die allgemeine E n 1 ivasinung gesprochen Vilich ich bin dasiir Vlbcr sie kann erst eintrete», wenn alle Feinde der Böiker nn schädlich gemachl sind. Und das wird noch lange dauern Für Deutschland und Frankreich scheinl mir die Stunde der Besreiniig nicht sehr scrn. Doch mit unserer Besreinng sind wir noch nichl ani Ziele, es bleibt uns noch eine bliilige Strbcil z» verrichten und eine heilige Pflicht zu erfülle»: die Z e r l r u in in e r n» g Ruß- lands, die Wiederhersielliing Polens. Ist dem»»sflsche» Doppelaar das nach Weste» gekehlte Haupt abgeschlagen, haben wir an Polen die Verbrechen unserer Fürsten, namentlich des treulosen und iindcnlschestcn unter ihnen, Friedrichs deS—„Großen w»e die Geschichissällcher ihn nenne», gesühnt, ist der Deepolismns ans seinei» letzte» Schlupswiukel vertrieben, dann, aber auch erst dann können die Völker entwaffnen. Vis dahin müsse» wir fest hallen an unserer Forderung der allgenieinen Bolksbewaffnung: „Jeder Bürger Saldal, jeder Soldat Bürger!" Ja ivobl, Parteigenosse», auch wir verlangen Wnfse». Wird das Mitizsysteni eingeführt, so wüssen wir doch auch Wnfse» haben. Ueberblicken wir also die Dinge ruhig, verkehre» wir nicht den Standpunkt und»nterstellcii wir Schippet nicht etwas, ivas er nicht gesagl hat. Schippet hat ausdrücklich den prinzipiellen Stantpiinll sestgehalie». daß wir als grundsätzliche Gegner des M liiorisni»? und der heute herrsche»' de» Slaalsgewall»ichis bewilligen können. Wenn Sie Hiera» fest' hallen nnd sich die Sacke riihig überlegen, so habe ich nicht die geringste Furcht, wie die i» Vlilssicht gestellte Abrechnung ausfallen wird(Beifall nnd lebhafter Widerspruch.) U l l e» d a n m- Elberfeld verzichtet anss Wort. Färber- Brailnschweig erklärt sich gegen die Annahme des lenigen Aniendeineiits zur Bebcl'ichen Resolution, das von den Gegner», die bei der Stichwahl auf die St»ni»eii der Sozial- dciiiokrnlen rechnen, das Eintreten sür die Vtlbeiterschutz-Gesetzgebniig verlangt. Die nächsten Wahle» siehe» iiiiier dem Zeichen der Vlnseiiiandersetznng zivischen Konftitutionalismiis und Absolutismus. Sollen wir bei einer eventuellen Stichwahl zwischen dein Maucheftermann Richler und einein Reakiionär durch Elimin- enihalliiiig sür die Wahl des letzteren„»'schuldig werden, weil Richter sich nicht verpflichten würde, jür die Arbeilerschutz- Gesetzgebung einzutrelc»? W e i» h e b e r- Hamburg bittet, bei der Landagitation nicht durch unvorsichtige Vleußerunge» über Religion jahrelange Arbeil zu zerflöre» und die Lenle ans einander zu hetzen, wie eS eine Hain- burger Genossin in Schleswig-Holstein geihan hat. K a y e u st c i u-'Mainz: Bon enticheidender Bedentniig für den Vlnssall der nächsten Wahle» wird das Verhalle» nnserer Reichsiags- Fraktion in der nächste» Session sein. Wir haben ja nn» aller« diiigs keine» Griind, irgendwie mit unserem Vertrauen z» der Fraktion zurückzuhalten. Ich möchte aber doch bitten, daß i» den nächste» Monaten gerade die prinzipiellen Fragen, auch die nns von der bürger- lichen Oppoflllon scheiden, in de» Vordergrund zu stellen. Es ivird das Schlagwort nusgegebcn, es handele sich>:>» eine Abrechnung zwischen Konsiitutionalismus und Absolutismus. Es handelt sich um viel mehr. Wir wissen, daß die, die jetzt iinzufrieden sind, im enl- scheidenden Vlugenblick doch für den Absolutismus und alle diese Dinge zu haben seiu werte». Darum dürfen wir uns um sie nicht kümmer». Wir haben es ja erlebt: unsere österreichischen Genossen, eine kleine Fraklion. hat in der Frage des Wahlrechts sehr bald die Fiihnilig übern oinmeir. In einer Frage von so entscheidender Wichligkeil,>vie der des VereinSgesehcs.'haben wir es dagegen er- lebt, daß wir hinter der Front zurückgeblieben sind, daß die führende Stellung zweifellos Eugen Richler gehabt hat. Liebknecht, Bebel. Vollmar, Vluer habe» sich zurückgehalten, und Singer, der hat die Sache vertreten, wie man es in einer gewöhnlichen Versammlung lhut, mit einer gnlen Bersammluugsrede will ich sagen, mit der Routiiie eines geübten Parlanienlariers, nicht aber von großen Gesichlspiinkten ans.'vie sie der Sozialdemokratie würdig "»id. Dies« großen Gesich'spnnkie möchle ich Ihnen ein- pfehlcn. Und für die Frage der Wnhlagitaiio» möchte ich auf die Nvlhwendigkeit hiniveise», den Angriff gegen das System zu richte» Es wird von dem Versprechen Hohenlohe's gesprochen. Vorsitzender Lefche: Pmilt 2 der Tagesordming sieht nichl mehr zur Beralhnng. Wir sind bei den Reichstagswahlen. Katzeiistein: Es muß bei der Wahlagitation betont werden, daß es sich nicht blos um ein Versprechen des Reichskanzlers handelt, sondern um das Verspreche» der Fürsten. Ich finde es auch nicht richtig, daß Bebel in seiner Rede über den Majestäis« beleidigungsparagraphen, als ihn der Präsident unterbrach, erklärte. er hätte ja keinen Namen genannt. Eugen Richter Halle das nicht gethan. Und was de» Staatsstreich betrifft, so ist unsere Stellung, daß, wer die Gesetze verletzt, a»ßerl,all> de? Gesetz?? steht, daß, wer den Staatsstreich will, vogelsrei ist. Dieser Elandpuukt muß fest- gehalten werden. Die Annahme meine? ZlntrageZ zur Resolution Bebel ist noth- wendig; wie er hineingefügt wird, will ich gern Bebel überlasse». Die Nesolulion scheint mir ans die Herren vom Freisinn zugespitzt zu sein. Die sind aber nickt nur waschechte Man» cheslermänner, sie find außerdem iehr auf unfere Nnlerstützung angewiesen. In der Frage der Heeresbewilligungen müssen wir die Kandidaten der bürgerliche» Oppositionsparteien und ich möchte fast auch sagen, unsere Abgeordneten(Heiterkeit) festlegen. Die Auffassung ZIner's führt i» ihrer Konsequenz nicht dazu, daß wir ablehne», sondern daß wir be- willigen.(Sebr wahr!) Wenn Auer einen Ausspruch von Liebknecht von vor 30 Jahren zitirt hat, so wird Liebknecht, den ich verehre, eS mir nicht verübeln, wenn ich sage, daS war elwaS revo« lutionäre Romantik von 48; da glaubte man noch an eine Verarttge Kriegssührnng. Wenn wir erst das Milizsystem haben, dann können wir das machen: setzt stehen andere Forderungen im Vordergrund. Wir haben mit dem heutigen Mtlitärsystem nichts zu thun.(Lebhafter Beilall.) Der Krieg, ob er gegen Frankreich, ob er gegen Rußland gesührt wird, er ncklel sich tn letzier Lnne gegen das arbeitend« Volk(lebhafier Beifall), und dem müssen irnr entgegentreten Wer t:e Akuoiissähigkeil der Armee stärkt. stärkt den Kamps gegen das Prolelanat. und das müssen wir ab- lehnen. Linn die Polendebatle. Da sage ich: Wir wollen keine» national-polnlschen Sozialrsinns. aber auch keinen national-deutjchen Sozialismus, wie ihn Piannknch oerlreien hat.(Beiiall.) Wir müssen unsere Kraft das nächste Mal zusammenfassen wie noch i»e Wir müssen die bürgerliche Opposition schärfen, sie ins Feuer nehmen wie noch>ue Die Maiorrlät werden wir>a nicht bekommen, auch nicht mit der bürgerlichen Opposition. Ader worauf es ankommt, ist, daß wir seststehen wie die Mauern: daui' werden wir der Sturm sein, der die Herren hinwegbläst.(Lebhafter Beifall) H o f f m a u n- Berlin- Ich habe, obwohl niemand über meine Stellung zur Religion nn Zweifel ist, in einem Landbezlrke große Erfolge gehabt. Es koinml eben auf die Geschicklichkeit an. An» trag 90 bitte ich anzunehmen. Wir haben nicht zu wenig, sondern zu viel Kändidalen. daher dl« vielen Streiligkeiien Ein Kreis bleib! so lange aus- sichislos, als nur«»> Zäblkaudtdal ausgestellt wird. Haben dann die einfachen Genossen ycarbeiiel und den Kreis so weil gebracht, daß ein lo.zialdemokraiischer'Kaiidldal Vtussichi hat. da»» kommen vre Herren Doklorcn»nd Akademiker und übernehmen die Kaudidalur.(Heilerkeil.) Ich habe nichts gegen sie. ich heiße sie herzlich willkominen, aber es sollen ihnen Kreise übergebe» werde». die sie selber erst erobern sollen, nicht daß wir ihnen«in sertig gemachtes Blatt über- geben und zu thiien sagen: Nun sei so gut und leg Dich hinein. (Große Heiterkeit.) Glauben Sw mir. ich spreche im Sinne der großen Masse. wen» ich das sordere. Auer hat meine Worte über die Abrechnung mit Schippet sehr tragisch geiiomnien. Mit einem Slanbpunkle. wie den des Genossen Schippel, werden Sie wenig Vlnhäiiger stiidcn(Sehr richtig!) Auer hat mit anderen Worten, blos geschickter, dasselbe>vie Schippe! gesagl Auer— der ivar schlauer(Heiierkeit). aber im Grunde sagt er dasselbe Wir können vom Standpiinkl Schippel's ans auch den nserlosen Floltenplänen nicht widerspreche», den» es sind ja auch Mannesoldaten da, die ans neue» Schiffen besser geschützt sind, als aus allen. So laßt sich eben alles molunre»!(Sehr richtig!) Da kann man auch sagen: die Fraktion muß sür das Budget stimmen(Widerspruch), denn der Staat hat ja eine Menge Beamlen, und die dürfen wir doch nicht verhungern lassen. Dazu kommt noch eins: Schippe! hat sich unter Uinsländen auch sür die Erhaltung der Schutzzölle gegen em anderes Schutzzolltand ausgesprochen. Aus dieser schiefe» Ebene rutschen wir immer mehr hinab. Durch solche Dinge erhalten nur die Elemente»e»e Nahrung, die die Masse» von der Nutzlosigkeit des Parlamentarismus überzeugen wollen. Vergegenwärtige» Sie sich, wie Genosse Schippet früher war und wie er heute da steht Als er ,n die Fraktion kam, da dachten die Genossen, daß er Nägel unter den Schuhen und Eisen nnler den Vlbsätzen haben würde.(Heiterkeit.) Jetzt aber geht er in Lackstiesetn herum(Große Heiterkeit), während andere, wen» sie auch nicht radikal sind, doch wenigstens noch in guten Katds- und Rindsleder» Stieseln austreten. (Heiterkeit) Schippet. der früher so radikal war. daß er vor der Gesahr stand, zu de» Unabhängigen gerechnet zu werden, hat sich in einer Weise entwickelt, daß ich wohl im Sinne der meiste» Berliner sagen kann: Max. mir graul vor Dlr!(Große Heitertcil»nd Beifall.) Stückten-Hos: Unsere Führer, die im Parlament sitzen, sollte» bei ihre» Aenßerungen etwas vorsichtiger sein Bei seder Wahl wird uns der von Bebel zltirte Vers vorgehalten:„Den Himmel überlasse» wir den Engel» und den Spatzen". DaS schadet uns nanientitch dei den Bauern. Wenn wir dann noch wenigstens hinzufügen:„bis daß die Schote» platzen", und ihnen sage», daß nur des Rennes wegen das Wort„Spatzen" gewählt ist. so geht es noch an.(Heiterkeil) Für die Agiiaiion nns dein Lande sind n»r solche Genossen geeignet, die mit dem Bauer selbst leben nnd mit ihm denken und suhle». Der Antrag betr. die Doppelkandidniuren geht nicht a». Sie haben ja gestern gehört, daß Bebel i» Wetzlar ausgestellt ist. er hat also schon eine Doppel- landidalnr. Die Genoffen I» Wetzlar würde» ja auch eine» anderen Kandidalen finden, aber sie sagen sich, Bebel erhält mehr Stimme» als ein unbekannterMensch. Villerdings tu Wahlkreisen, die sicher sind, sollten ivir von Doppelkaitdidaliiren absehen, um eine Nachwahl zu vermeiden. Es heißt, wir habe» genug Kandidaten sür alle Kreise. Das haben die Berliner gesagt, die' würden nns schon Kandidaten sür ganz Deutschland schicke», aber die BerUner Kandidaten sind auch danach.(Heilerkeit.) Wir in Bayern würden uns schön bedanke», wenn man uns einen Berliner aujokloyiren wollte. Znbeil ist der erste Berliner, der bescheiden ausgetreten ist; den sollte mau eigenllich»'s Panoptikum schicken.(Heiterkeii.) Für die überzeugten Genossen bleibt es sich gletch, wer ausgestellt ist, sie geben dem Sozialdemokraten ihre Stimme. Aber wir diirse» nicht allein aus die Summen der Genossen rechnen, sondern auch aus die der Massen. Die Aussühruugen Aiier's in bezug ans dir Takiik kann>ch ganz»»Urschrelben, und der größte Theit der Genossen Deiilschtaiids ist wohl damit einverstanden.(Widerspruch.) Von den vorltegeiiden Anträge» bitte ich den die Dvppelkandidature» be- treffenden abzulehnen, den, der d>e Heransgabe einer Agtlalions» broschüre sür die Reichstagswahlen beabsichtigt, bltte ich anzunehmen. (Beifall) Lefche fragt den Parteitag, ob jetzt die Debatte geschloffen und dem Referenten daS Schlußwort erlheilt iverde» soll, damit dieser Punkt der Tagesordnung noch vor der Millagepanse erledigt werden kann. Tie Vibstininiiing über diesen Vorschlag bleibt zweiselhaft, es wird also in der Distussio» sortgesahren. H e» g s b a ch- Köln: Ich lan» mich»nter keine» Ninstniiden ans den Slandpunkl Auer's und Schippel's stelle». Diese geistige Manserliug billige ick nicht, nnd ich hoffe, daß das Gros der Ge- noffen sich dem anschließt.(Sehr richtig!) Der Vergleich mil der Bebel'schc» Rede in Halle trifft nicht zn, denn dort hat sich Bebel für einen Antrag ausgesprochen, der die Mililärlafte» vermindert, hier aber handelt es sich um eine Bermehrnng der Vlnsgabrn.(Sehr richtig!) Diesem System keinen Mann und keinen Groschen! Wenn wir diese» verbesserte» Mordwaffen das Wort reden, so erkennen wir damit ihre Berechtigung an und vergesse», daß sich die Waffen auch gegen nnseren Bruder im srauzösischen Waffenrock richten können. Wo bleibt da die inlernalioiiale Arbeilerparlet? Das ivarnie Abeiidbrot sür die Soldaten ist dock etwas ganz anderes, das können wir bewillige», aber nicht dt« Kanonen. Bon de» vorliegenden Amendements stimme ich dem Katzenstein'schen zu. Besonders vorsichtig brauchen wir in nnseren Aeiißeruiigen bei der Agitation nicht zu sein, wir sollen uns einfach an das Pro- gram», halte»»nd daS. ivas wir fordern, klar und offen vertreten, auch in bezug a»f die Religion. Dr. W i» t e r- Königshütte erklärt sich gegen de» Vlntrag betr. die polnisch« K a n d i d a t e» s r a g e. Kuhn in Lniigenbielau wollte einen Bergarbeiter nach Oberschlesien geschickt wissen, weil die Polen zu sehr nationalpoliiische Tendenzen verfolgen. Ich wollte Oberschlesien selbst entscheiden lassen. Daß Sachße in zwei Kreisen aufgestellt war. war ein Fehler, die Polen wurden dadurch erbittert. Die Angelegenheit wurde in Berlin beigelegt, dann aber ne» anfgerübrl. Nicht allgemeine politische Gesichispiiiikte, wie Liebknecht es will, habe» zu entscheiden, sondern die Verhällmsse Obeeschlcsieus. Es liegt keine Noth- wendigkeil vor, polnisch bei der Agitation zn reden, da die Polen tenlsch verstehen. Die wirthschaftliche Gernianisimiig ist thatsächlich etwas Gutes, alle Deutsche», die als tüchtigere Arbeiter hinkommen und auch die Polen, die weiter kommen wollen, stehen thalsächlich auf unserem Standpunkte: In dieser Beziehung hat auch Nosa Luxemburg in der„Neuen Zeit" »Aug recht; wir wäre» für einet» polnischen Kandidaten, wenn wir »ine geeignete Pe so» hätten. �»igende Resolution läuft ein: Resoliuio» der Genosse» S i u d e r m a n n- DreZden, Reichelt- Dresden, F. Stelz n er- DrKden, P. D r e y e r- Dresdeu-Löbtau, Ernn St ihschke« Großenhain, H. Baerer, P. W i l m. K. Müller, L. B e s cl, n i n g, E i tz i n g e r, I. Heine, Abel, G. Krüger, H. S t e i n b a ch, L o h m an n, Cohns, G e w e d r, W a in iit e s, Färber, L ii tz n e r, A. E i ch h o r n: Der im Oktober 18Ö7 in H nnburg tagende Sozialdemokratische Parteitag protestirt gegen die, anläßlich der Berichterstattung über die parlaineiitarische Tbätigkeit der Fraktion, von dein Genossen Schippel ausgesprochene Aiiffassmig, daß sozialdemokratische Abgeordnete im deutschen Neichetage aus irgend welchen Gründen, entgegen aller bisher von der Fraktion befolgten Taktik für Be- willigung von Geldern zu militärischen Zwecken ihre Stininie ab- geben dürsten. In anbetracht, daß die Regierung jede Mehrforderung stets und ständig mit dem Argument„des nothweudigsten Schutzes der nationalen Wehrkraft" niotivirt, legt der Parteitag entschieden Verwahrung dagegen ein, daß sich die Fraktion von derbe- d i n g u n g s l o s e n Ablehnung des Militarelats abdrängen lassen könnte. Die Ehre der Partei erfordert es, daß der Parteitag klar und bündig sein Veto einlegt gegen eine von diesem bisher in Wort und Schrift durch die Gesammtpartei vertretenen prinzipiellen Standpuukt abweichende Anffafsung des Genossen Schippel. Liebknecht: Zunächst möchte ich zu dem polnischen Antrag noch einige Worte sagen. Siels hat die Partei die Gleichberechtigung der Pole» anerkannt; wo es ging, sind immer in solchen Bezirken Kandidaten aufgestellt worden, die beide Sprachen beherrschen. Ich möchte die polnischen Genossen bitte», angesichts der Stimmung, die sie hier gefnndeu haben, ihre an sich ja selbstverständliche Forderung zurückzuziehen. Wenn, wie mir privatim mitgetheilt ist, von einigen meine Stellung zu de» Polen so verstanden ist, als sei da eine prinzipielle Differenz »wischen mir und Mitgliedern des Vorstandes oder der Partei, so habe ich dem mit der größten Schärfe zu widerspreche». Es handelt sich hier um einen konkreten Fall, über ihn ist es zu Differenzen gekommen. Die polnischen Genossen dürfen glaiibcn, daß es kein Mitglied in der Fraktion giebt, das die polnische Nationalität als eine Nationalität zweiter Klaffe und die polnischen Genossen als Genossen zweiter Klasse betrachtet. Auch ei» Wort von Pfannknch hat ein Mißverständniß hervor- gcrnfen; auch dieses Wort hatte seine Anwendung ans«inen be- stimmten Fall und war jedenfalls nicht so zu verstehe», als wolle er die polnischen Genossen als Genossen nntergeordueter Slrt hinstelle». Pfannknch hat den Ausdruck im Bericht nachher selbst gemildert. Ich wiederhole meine Bitte, den Antrag zurückzuziehen. Und min zu der Hauptsache. In dieser Frage sind wir in eine Debatte über die Taktik gekommen. Ich gebe zu, daß Schippel sich nicht glücklich ausgedrückt hat. Es scheint ja wirklick aber hier eine Stimmung unter vielen Genossen zu sein, als ob sich Schippe! fürdie Bewilligung derKanouen ausgesprochen hätte, als hülle er gesagt, daß die Fraktion dafür zu stimmen bereit gewesen sei. Das ist nicht der Fall. Die Slellnng der Fraktion in bezug auf diese Frage ist ganz genau dieselbe geweseu wie in allen Militärfrage» von Ansang an: Absolute Negation, keinen Mann und keiizen Groschen! Die Differenz ist dadurch entstanden, daß durch Richter und andere bekannt wurde, daß innerhalb der Budgetkommission vorher bereits Mittheilnngen gemacht waren, aber unter dein Siegel der Verschwiegenheit, unter der ehren- n örtlichen Verpflichtung, nicht darüber zu sprechen. Ich denke doch, das ist gestern von Bebel so klar gemacht worden, daß kein Mensch erwarten kann, wir hätten unter Bruch des Ehrenworts die Suche an die große Glocke hängen solle». Auer ans unsere Stellung ziim Militarismus hat das gar keinen Einfluß ausgeübt. Wir haben dagegen gestimmt, werden gegen all« Forderungen stimmen und werden gerade in dieser Neu- btwaffnnng der Artillerie, wie das ja unsere Presse bereits gethan hat, eine neue Waffe finden gegen den Militaris- inns. Wer A sagt, das haben wir hundert Mal im Reichstag gesagt, der muß auch B sagen. Von dem Moment an, wo wir auf dem Boden deS stehenden Heeres stehen, müssen Ver- befferungen und beständige Vermehrungen stattfinden; und gerade die wirksamste Waffe, die die Sozialdemokratie gegen de» Militarismus und die Militärsorderiingeii hat, ist, daß sie immer weiter führe». Wir haben damals im Reichstage aiisgesprochc»: Schon ehe diese Forderung Gesetz getvoiden ist, haben die Franzosen uns über- flügelt. Jetzt hat man neue Kanonen erfunden; ehe sie vollständig im renlscken Heere eingeführt sind, hat man wieder neue erfunden. Ebenso ist es i»it de» Geivehren. Der Scharssiuu vieler Leute richtet sich heute auf dielohnenden Erfindungen für dasMilitär; das liegt iniW'ien der Zeit, das können wir nicht andern. Aber hat denn jemals die Sozialdemokratie derartige Dinge gerechtfertigt? Wir haben stets erklärt, das ist die Logik des Militarismus, aber diese Logik läßt den Militarismus eben»in so viel verdammensivcither erscheinen, zwingt uns um so energischer, ihn z» bekämpfen. Was hat denn Schippet weiter gesagt? Hat er den Militarismus vcrtheidigt? Da muß ich mich mit ihm durchaus solidarisch erklären in bezug auf die ganze damalige Haltung der Fraktion. Wegen eines tut- geschickten Ausdrucks soll man ihn doch nicht verdammen. Ick bitte deshalb, die Resolttlion, die gegen Schippel eingebracht ist, zu verwerfe». Es ist nun hier über unsere Thätigkeit im Reichstage gesagt worden, daß wir da unter Umständen nicht ganz so kräftig reden wie in Volksversammlungen. Ja, da hat mein Freund Katzeustein voll- ständig reckt, und wenn er in den Reichstag käme und säße dort eine halbe Stunde und hätte sich die Geschäftsordnung angesehen, würde er es ganz genau so machen wie die andere». Es istmirjaschonnianchmal vorgekomine», daß Genossen, die die Verhaltiiisse nicht kenne», sagten: ack. was sind die im Reichstage zahm! Ick erinnere mich da a» Most, den größten Umstürzler. Die erste Rede, die er hielt, war uni eine Badewanne, darin mußte er seine ganze Geschichte einpacke»; niemals hat ein Abgeordneter sich im Reichstag läckerlicher gemacht, als gerade er. Es müsse» da eben geivisse Forme» beobachtet werde». Genosse», ich bitte Sie nun, diese ganze Angelegenheit doch falle» zu lassen, hier nickt Worte auf die Goldwaage zu lege». sondern die Thalsachen zu betrachte», und die Tbatsacke ist, daß Schippel nicht anders gehandelt hat, als die ganze Fraktion,»>ic sie von Anfang an gehandelt hat»nd wie sie, so lange wir im Reichs- tage sind, wird handeln müssen. Man sagt, dann liegt ein Paktire» mit de» gegenwärtigen Verhältiiisse». Ja, Genossen, warm» hat man uns denn in de» Reichstag geschickt? Es wäre ganz gut, weil» auf dem nächsten Parteitage die Frage der Taktik, die ich längst erledigt glaubte, wieder auftauchte. Im Anfang, als wir noch wenige Anhänger hatten, gingen wir in den Reichklag, die Tribüne zur Propagirung zu benutzen. Ja, sehr bald wurden wir auf den Bode» der Praxis gestellt. Wir habe» gesehen, daß das Unrecht in der heutigen Gesellschaftsordnung doch etwas mehr ist, als eine Ge- legenheit, schöne Reden zu halte». Wir haben gefunden, daß die Hauptsache ist. daß ans dein Boden der Praxis etwas gethan wird. Aus den Nrbeiterkreisen selbst sind wir aufgefordert worden, bei allen Gelegenheiten durch Amendements, durch eigene Anträge für Verbesserung der äugen- blicklichen Zustände, der Gesetze einzutreten. Ein solcher Antrag. das Paktiren mit den gegebenen Verhältnissen, ist das Vcrrath? Ja, was ist denn überhaupt die ganz« Thätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion? Wer verlangt, daß wir niis anders verhalten, der will, daß wir zurückkehren gewifferinaßen in die Eierschale, aus der wir vor langer, langer Zeit einmal herausgekrochen sind.(Beifall). Wer nicht will, daß wir eine Partei sind, die in Wolkenkuckitcksheiin wohnt und oben vorn Mond auf die Dinge der Erde herniederschaut, wer will, daß wir praktisch sind, der muß auerkenuen, wir sind kein« Partei, die in der Luft wandelt, wir kämpfen aus der Erde, wir kämpfen mit den Waffen, die wir haben; wir kämpfen nicht mit Phrasen, mit Theorien, sondern mit Argumenten, die wir aus den Verhältnissen schöpfen. Das ist die iiothwendige Taktik der Partei und unendlich viel revolutionärer als die Taktik der Phrase.(Lebhafter Beifall und Unruhe.) Ja, Genossen, wer gar nichts lhut, das habe ich schon ans einem früheren Parteitag gesagt, als revolutionäre Phrasen im Mund zu führen, wie der Holländer Nieuwenhuis, der soll uns verdammen; aber wer etwas lhut— er mag einen Fehler machen, er mag eine» Hieb nicht richtig pariren: aber der Mann steht im Kampf, und das ist etwas mehr, als wenn er schöne Phrasen macht.(Beifall.) Und deshalb bitte ich Sie, unserer Taktik nicht zu widersprechen. Ein Wort Schippel's bringt Sie in antisch, seine ganze Thätigkeit liegt vor Ihnen. Lassen ie diesen Punkt aus der Debalte fallen und verlasse» Sie das Gebiet eines Angriffs, der thatsächlich persönlich wird. Den» wenn auch in imgesckickter Form, hat Schippel mir die Taktik nicht nur der sozialdemolratischen Fraktion, sondern der sozialdemokratischen Partei, seit sie als Partei besteht, befürwortet.(Lebhafter Betfall und Händeklatschen) Ein erneuter Antrag auf Schluß der Debatte wird an- genommen. Es folgen persönliche Bemerkungen. Z üb eil: Stückle» hat in seiner urwüchsigen bayerischen Art sich so über die Berliner ausgesprochen, daß man sage» nmß, er nähert sich seinem berühmte», um nicht zu sagen berüchtigten Lands- manu Sigl immer mehr.(Heiterkeit.) Psannkuch: Morawski hat behauptet, der Vorstand hätte den polnischen Genossen die Pistole aus die Brust gesetzt und die Berhandlnngen seien wie zwischen Wolf und Schaf gewesen. In der Parteileitung hat nie ein Genosse mit Ranbthieriustinkten gesessen (Heiterkeit.) Wir haben ziifaminengefesse» und durchaus kollegial verhandelt und kollegiale Beschlüsse gefaßt. Frau Stein dach: Ich war nicht anwesend, alS Weinheber von der G nofsin sprach, die in Schlesivig-Holstein durch ihre Angriffe auf die Religion in den Landkreisen mehr verdorben als ge- nützt hätte. Agitation gegen die Religion entspricht durchaus nickt meiner allgemeinen Taktik iii Versamiuluiigen. Ich muß also um Beweise bitten. Wein Heber: Die Genossen Bartels und Lieuau sind ja hier. SiO'agte» mir, die ländliche» Telegirle» hätte» auf der Proviuzial- Kowereuz einstimmig erklärt, Frau Sleiubach jglle nicht mehr nach Schleswig-Holstein loiume». Morawski: Ich habe nur erwähnt, welche Worte in der Zusammenkunft gefallen sind. Damit enden die persönlichen Bemerkungen. Auf Antrag Singer wird die Solinger Angelegenheit vor der Mittagspause noch erledigt. Namens der Siebeuer-Kouimiision erstattet Bericht Dr. Ar ans: Der Siebener-Kommission ist es glücklicherweise leicht geworden, mit der Solinger Angelegenheit fertig zu werden, dank dem Eiitgegenkommen der. Solinger Genossen von beiden Seiten. Ich bitte dies Eiitgegenlomme» nicht gering anzuschlagen, denn die Solinger Genossen waren sich wohl bewußt, daß sie mit der Vertretung derjenigen Reseluiion, der sie zugestimmt haben, einen schweren Standpunkt zu Hause haben würden. Die Siebener-Kommission beantragt folgende Resolution: Der Parteitag möge jolgendes beschließen: Da der Genosse Schumacher erklärt hat, daß er die Wiederausstelluiig seiner Kandidatur für die Reickstagswalil ablehnt, beschließt der Partei- tag, die Parteileitung z» beauftragen, einen den Solinger Streitig- ketten fernstehenden Kandidaten auszustellen. Der Parteitag beanitragt die neue Parteileitung, die Ver- schmekzung der„Bergischen Arbeiterstimme" nnd der„Solinger Freie» Presse" sowie die Uebertührnng in das Eigeuthum der Gesammtpartei baldmöglichst in die Wege zu leiten. Die Autrüge 89. 49 und(54 sind hiermit erledigt. Die Genossen Inger nnd Schaal einerseits, Schumacher und Langenberg andererseits erklären, daß sie diesen Beschluß vor ihre» Genossen vertreten wollen. Noch einige kurze Bemerkungeu zu der Resolution: Die»reisten Genossen werden wissen, daß sich die Parteileitung nur höchst ungern mit der Ausstellung der Kandidaten befaßt. Das ist im allge- meinen Sache der Wahlkreise. Anders liegen die Dinge in Solingen. Hier bedarf es, wenn mau ein Wort au» enden darf, das in der Kommission gef> llen ist, für den Augenblick der Bevormundung. Selbstverständlich soll der Kandidat nickt oklroyirt werden. Es wer- de» Besprechung«» mit der einen und der anderen Seile erfolgen, aber das letzte Wort soll die Parteileitung sprechen. Sie wissen, wie sehr die Parteileitung dagegen eingenommen ist, ein Nnteriiehnien in den Betrieb der Gesammtpartei zu»ehmen. Die Siebener-Kommission iü auch erst dazu gekommen, die..Verstaatlichung" der beiden Solinger Blätter zu empfehlen, als G-risch mitgetheilt batle, daß der Vorstand cinktimmig erklärt habe, nur diese Slrt des Vorgehens sei möglich. Wir werden also in den saitren Apfel beißen müssen. Die Schlußerklärung ist auf Wunsch der Solinger Genossen hier hiiiziigefügt worden. Es soll dadurch vermieden werden, daß die Solinger Delegirten in der Angelegenheit hier das Won ergreifen. Es könnten dabei Ausdrücke fallen, die das Friedensiverk stören. Bei dieser Sachlage darf ich wobl bitten, von einer Diskussion überhaupt abzusehe» und uiisereu Antrag möglichst einstimmig anzit- nehmen.(Beifall.) G e r i s ch giebt die Erklärung ab, daß Genosse Schumacher an der Solinger„Freien Presse" nicht mehr engagirl sei, als die andere und anck nickt tu sondere Verbindlich eilen habe. Die Ver- bindlichkeiten des Blattes selbst, die bei der späteren Uebcrnahme in betracht kommen, sind außerordentlich geringfügiger Natur. Vorsitzender L e sch e: Wünscht jemand das Wort? DaS ist nicht der Fall.(Beifall.) Die Resolution der Kiebcner-Koiumijsion wird hierauf einstimmig angenommen.(Bravo.) L e s ch e: Dem Parteilag ist ein Schreiben des Genossen Hülle in Erjnrt zugegangen, daS Beschwerden über den Parleivorftand enthält. Nach den Erknudigmigeu, die ich ein- gezogen habe, bat die Beschwerde de» Kontrolleuren noch nicht vorgelegen. Der Parteitag hat sich daher mit der B-schiverde nicht eher zu befasse», als bis die Kontrolleure entschieden haben. Der Parteitag stimmt dieser Auffassung zu. P o s e n e r Genossen theile» telegiapbisch mit, daß sie mit de» Aeußerungeu Wiuter's gegen Moratvskt durchaus(in- verstände» seien. Weitere Begrüßungsschreiben sind eingelaufen. Die Mittagspause tritt ein. N a ch m i t t a g S> S i tz u n g. 3'/« Uhr. Den Vorsitz führt L e s ch e. Vor Eintritt in die Tagesordnung erbittet und erhält Frau S t e i n b a ch- Hamburg die Erlatibniß, einig« Bemerkunge» mit bezug auf die Slussührungeu von Weinheber in der Vormittagssitzung zu machen. Rednerin führte aus:. Die miquatifizirbare» Angriffe auf meine AgitalioiiSart sind wohl geeignet, in den Augen derzenige», die mich nicht haben reden hören, den Schein zu ertvecken, als ob das Dümmste vom Dümmen gerade gut genug für mich wäre, oder als ob ich gerade dumm genug wäre.(Heiterkeit.) Dagegen verwahre ich mich aber. Genosse Bartels, auf den sich Weinheber berufen hat. hat mir nun gesagt, es hätten einmal 1893 einige Leute an meinen Ausführungen über die Sieligion Anstoß geuommen. Ick rufe alle die, die mich jemals haben reden höre», als Zeugen dafür an. daß ick über die Religion stets nur wenige Worte sage, etwa in dem Sinne: Die Religion ist ein mit der Muttermilch ein- gesogenes heiliges Gefühl; dies Gefühl denjenigen zu nehme», denen wir noch keine neue Religio» geben können, empsiuden wir als eine Rohheit. Wir sind eine wirthschastliche nnd politische Kampfpartei, und deshalb erklären wir die Religion als Privatsache. Die Leute, die mich kenne», wissen sehr wohl, daß ich nicht so dumin bin, etwas Priiizipienwidrigks zu sagen! Hieraus tritt der Parteitag in die Tagesordnung. Das Schlußwort zum Punkt„Die bevorstehenden Reichstags» wählen" hat Bebel: Parteigenossen! Die Debatte über den dritten Punkt unserer Tagesordnung, die uns bisher beschäftigt hat, hat einen ganz ungewöhnliche» Umfang angenommen. Ich wenigstens kann mich nicht entsinnen, solange ich auf Parteitage» bin, eine so weitschichtige Erörterung über die Taktik bei den Reichstagswahlen erlebt zu haben. Aber weit entfernt das zu tadeln, srene ich mich darüber. Gerade diese Art der Debatte, wo die Gegen- sähe aus einander platzen, zeigt, daß wir mit einer herzerfrischenden Offenheit, die bis zu einer gewissen Riicksichts- losigkeit sich äußert, unsere Ansichten vertrete»; und daS ist kein Fehler. Denn keine bürgerliche Partei wird es wagen, in solcher Weise Meinungsverschiedenheiten in der Partei vor dem Forum der ganzen Well zum Ausdruck zu bringen, wie wir es gestern und heute gethan haben.(Beifall.) Gerade diese Debalte ist der beste Beweis, daß die Behauptung, die auch diesmal in der gegnerischen Presse gethan wurde, daß die große Mass« der Delegirten eigentlich nur am Eäiigelbande geführtes Stimmvieh sei. eine der gröbste» Unwahrheiten ist, die man sich denken kann. Wenn eine Partei überhaupt für sich in Anspruch nimmt, daß sie die Denk- sühipkeit und Selbständigkeit ihrer einzelne» Glieder fordert, so ist es die unsere, und das beweist gerade diese Debatte. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß nicht bei solchen Gelegenheilen verschiedentlich über die Schnur gehauen ist, nnd das ist auch heute geschehe». In erster Linie möchte ich hier aussprechen: ich bedauere, daß Stücklen in dieser Weise, wie es geschehen ist, einmal wieder gegen die Berliner aufgetreten ist. Die Berliner haben zu einem derartigen Austreten nicht die geringste Veranlassung gegeben(Rufe: Sehr wahr! Na na!)— nicht die geringste Veranlaffung! Und ich muß sagen, daß, wenn in dieser Weise bei uns ein Ton einreißen sollte, der an den gröbsten Partikular ismus erinnert, so wäre das das schlimmste, waS nnS passiren könnte.(Sehr wahr!) Ich möchte also bitte», sowohl im Interesse des guten Geschmacks, wie der Partei-Einheit, derartige ganz u n m o t i v i r t« Angriffe zu unterlassen und bösen Beispiele, die etwa von einer Seite gegeben sei» sollte», nicht zu folgen.(Beifall.) Ich bin nun genöthigt, auf eine Reihe von Ausführungen einzugehen, die im Anschluß an mein Referat von verschiedenen Delegirten gemacht sind. S ch o e n l a n k, der ja im einzelnen mit meinen Ausführungen eiuverftaudetr ist, hat mich in einem Punkte misiverstanden. Den Optimismus, daß wir bei den komiuenden Wahlen 39 Mandate neu gewinnen werden, theile ich ebenso wenig wie er. Ich habe«iufach erklärt, daß, wie immer der Ausfall der nächsten Wahle» sein könne, eine wesentliche Verschiebung der gegenwärtigen Parteiverhältuisse nicht eintreten dürfte, selbst auch caun' nicht, wenn wir 13 oder 29. ja selbst wenn wir 39 Mandate erobern würden. Sie werden zugestehen, daß das nicht bedeutet: wir werden 39 Mandate erober»; ich gestehe Ihne» aber ganz offen, ich würde mich außerordentlich freuen, wenn das ge- schehen sollte.(Heiterkeit.) Weiler habe ich zu konstatiren, daß der Tadel, den ich gegen die Essener Genossen ausgesprochen haben wegen ihres Ver- Haltens bei der letzten Wahl, vollberechtigt war. Der Vertreter von Essen hat ihr Verhalten damit zu rechtfertigen versucht, daß er er- klärte, sie hätten den Krupp im Reickstag haben wollen, damit man ihn dort einmal gehörig vornehmen könne.(Heiterkeit.) Ja, wenn eine solche Taktik maßgebend würde, dann käme eine schöne Gesellschaft in den Reichstag hinein(Heiter- keit)»ud wir würde» uns ins eigene Fletsch schneiden. Also ich bitte dringend, diesen schönen Grundsatz i» Zukunft nicht wieder zu befolge». Weiter aber hat er erklärt, daß das Verhalten der Cenirumspartei seinen Genosse» gegenüber diese und ihn speziell besonders gereizt habe, daß man sie herausgeschmissen habe n. f. iv. Es freut mich, daß dieser Punkt mir Veranlassung giebt, auf eine Sacke zu spreche» zu konnne». die auch bei der nächste» Wahl wieder eine Rolle spielen wird. Wenn eine gegnerische Partei aus gewissen Gründe» der Ansicht ist, es»dlehnen zu müssen, Mitglieder anderer Pnrteien in ihre Versammlungen zu lassen, weit» sie aus« drücklich mit den Worten einladen:„die Wähler der Zeutriims« parter", dann haben wir die einsachste Anstandspflicht(Sehr wahr!), daß derjenige, der zu den Eingeladenen nicht gehört, auch nicht in die Versaumiltiiig geht.(Lebhafter Beifall.) Wenn wir auf der einen Seite in unserem Programm die volle Freiheit dcS Vereins» und Versaninitnngsrechls verlangen, dann verlangt es das einfachste Gebot der Gerechtigkerl, auch jedem anderen das gleiche Recht ziizit- gestehen. Wenn eint andere Partei uns nicht wünscht. dann bleiben wir eben fort, und wenn wir geschickte Leute sind, dann schlagen wir daraus Kapital und kennzeichnen die Feigheit der Leute und sage», das beiveist. daß sie uuS nicht antworten können. Wir Haben darin eine ausgezeichnete Waffe, möge daS Selbstgefühl, aus dem die Essener Genossen diesmal die Kandidatur des Zuchthäuslers Schröder aufgestellt haben, auch bei cinenr größeren Theil der'Arbeiter, die bisher für Krupp oder das Zentrum gestimmt habe», sich zeige», und wir damit eine größere Zahl von Stimme» und damit den Sieg ernngen. (Fortsetzung im Hauptblatt.) Valtttses. Zur Lokalliste. Das Etahlissement BuggenHagen am Moritzplah ist jetzt in de» Besitz der K a i f e r b r a u e r e i zu C b a r l o 1 1 e n d tt r g übeigegangeu. Der Oelonom Herr Wäbekiud erklärte der Lokalkomiiiilsiorr aiis lie Anfrage, ob er geneigt sei, seine Räunilichkeileu der Arbeiiersckast unentgeltlich zu Versa»»»- lnngen zur Verfügung zu stellen, daß er dieses nur gegen ein bestimmtes Entgelt ober gegen die Verpflichtnng, ein bestimmtes Quantum Bier zu verzehre», thun könne. Da die Lokalkommifston aus derartige Forderiuigen nicht eingehen konnte, waren weitere Ver- baiidlnngen über diesen Punkt unnöthig und somit bleibt das Lokal nach ivie vor für die Arbeiterschaft g e s pe r r t. Die Arbeiter werbeit auf alle Falle wissen, wie sie im» zu bandeln habe». Die Lokale k o in>» i> s i o ii. I. A: Oskar Mahl e. In R i x d o r s sind die V> k> o r i a s ä l e als gesperrt zu betrachten. Der neue Oekonom des Lokals. Herr Musikdirektor Schwarz, stellt an die Arbeiterschaft die Zitmuthung, bei Veranstaltung von Vergnügungen entweder seine Musik zu nehmen oder ihm für den Saal 45 M. Eutschädigung zu zahlen. D i e L o k a l komm ission von R i x d o r s. I. A.: D o r m a n n, Zielhenstr. 61. Freie Volksbiihne. Die Aufführimgen von Arthur Fitger'S Trauerspiel„Die Hexe" finden statt für die erste Adlheilung am Sonntag, de» 19. Oktober, für die zweite Zlbiheilung am 17. Oktober »nd für die drille Adlheilung am 24, Oktober, nachmittags 3 Uhr. Sänimtliche Aufführungen diese? Stückes im Lessing-Theater. Di« Mitglieder werden gebeten, den Ollober-Beitrag bis drei Tage vor der Vorstellung zu begleichen. Die erste Adlheilung ist geschloffen. Zur zweiten und drillen Abtheilnng können nttr noch wenige Mitglieder ausgeiiomnien werden. Für eine vierte Adlheilung kann erst dann eine Vorstellung arrangirt werden, wenn dieselbe mindestenss/ege- üllt isi. Da am 12. Oktober der Termin ablänsl. bis zu welchem für eine IV. Abtheilnng im Lessing-Theater Vorstellungen bestellt iverden könne», liegt es im Interesse des Vereins und aller Mitglieder, für die schlennigste Einrichtung der IV. Adlheilung zu sorgen. Zu diesem Zweck liegen Ausnahme-Scheiue in den Zahlstellen aus, in welchen sich diejenigen Freunde der Volksbühne, welche Mitglieder iverden wollen mit ihren Familien, gegen vorläufige Hinterlegung des Eintrittsgeldes von 69 Pf. einzeichnen können. Am Montag, de» 23 Oktober, findet die Generalversatniiilnng, am 27. November das Winterfest des Vereins mit künstlerischem Programni in der Brauerei Friedrichshain statt. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Die Mehrheit der Berliner Geschäftsinhaber hat gegen den Achtuhr-Ladenfchluß nichts etiizitiveuden. Die? ist daS erfttuliche Resultat ciiict Umfrage, welche von nicht sozial- demokratischer Seite wegen dieser»othivcudigeu, von der arbeiterseiudliche» Presse aber»atiirlich hcslig befehdete» Neuerung vor.urzeui gehalten worden ist. In Verbindung mit 59 Berliner Firmen hat»äinlich der kanfuiänn Ische und gewerbliche Hilfsverei» siir weibliche Zlugcstellle au 19 Sgl) Ladcniuhabcr Rundschreiben versandt mit der Anfrage, l. ob sie sich für den einheitlichen Acht- Uhr-Ladenschlufi oder 2. dagegen und 3. aus welchen Gründe» erklären. Bis zun» 20. September waren im ganzen 1815 brauchbare Autworle» eingegangen, wovon sich 1285 für und 560 gegen den Achlnhr- Ladenschlusr erklären. Der Verein nimmt mit recht a», daß ei» gleiches Verhältnis auch für die übrigen Ladeninhaber vorausgesetzt werden könne, d. h. dajz in lBevliii eine überwältigende Mehrheit für den Achtuhrschluß zu habe» sei. Jnteressaut sind einige zustimmende Begründungen z. B. bei einer Schuhrvaaren-Handlnng mit mehreren Filialen:„Ich bin für den Achlnhr-Ladenschlnß, weil'die Arbeilszeit von 7-9 llhr abends zur genüge anstrengt mid das Publikum sich sehr schnell daran gewöhnen wird"; ein Nähuiaschineu-Händler erklärt sich für den Schluß,„iveil nach 8 llhr das Gas oft nicht verdient werde", und der Inhaber eines großen Kolonialwaaren-GeschäftS sagt kurz und bündig:„Gegen den Achlnhrschluß giebt es überhaupt keine Gründe". Wird die Regierung trotz der Slera Stumm mm den Mnlh Hüven, diese Neuerung baldigst einznsühren 3 Die„Deutsche Warte", ein hier erscheinendes„unparteiisches" Blatt ist bekanntlich von uns vor einiger Zeit des Diebstahls a» geistige»,(Sigeulhnnr überführt worden. Sie hatte, wie ihre Gcschnstsleitung selber zugeben mußte, schlankweg eine Londoner Korrespondenz, die in einem Züricher Blatt erschienen war, aus dresenr Blatte ausgeschnitten und sie dann ihren gut- gläubigen Lesern als„Bericht unseres Londoner Kor- respondenten" vorgesetzt. Tie„Deutsche Warte" mag vielleicht guten Grund gehabt haben, zu stehlen. Wenigstens zeigt eine Korrespondenz aus Ztl a s k a(1), die sie gestern veröffentlichte, daß es mit der Richtigkeit ihrer angeblichen Berichterstatter nicht ganz so gut bestellt ist. wie mit ihrer bamaligen Fixigkeit in» Ver- wechseln von Originalkorrespondcnz und dem geistigen Erzeugniß anderer. Nach dem Origiualberichl des Korrespondenten im neuen Goldlande zeigen nämlich„die Küsten von Alaska wilde Gebirgs- sormationen bis zu 13 000, ja selbst bis über 20 000 MelerffHöhe." Was das zu bedeuten hat, wird man ermessen können, wenn man erwägt, daß die höchsten Gebirge der Erde, wenigstens nach der Wissenschaft der ABT-Schllhe» vor der in der„Deutschen Warte" niedergelegten Entdeckung, nur etwa 8000 Meter hoch waren. Das Blatt sollte seiuenr Originalkorrespondente», selbst rveun er sich in Alaska befindet, doch empfehlen, ei» bischen mehr bei der Wahr- heit zu bleiben und ihn, gleichzeitig androhe», daß man bei Nicht- besolgnug dieses Rathschlages wieder zu der„Londoner" Methode des ikorrespondirens zurückkehre» müsse. Mit den Vorarbeite» fiir den neuen Botanischen Karten bei Dahlem wird jetzt i» den nächsten Tagen, sobald ans dem bisher als Ackerland verpachtete» Terrain die Kartoffelernte ganz beendet sein wird, begonnen werden. Es soll dann sofort a» die Bearbeitung des Bodens gegangen werde», die mit Dampfpflüg»» geschehen soll. Die Bohrversuche bade» ergeben, daß überall auf dem großen Gelände die Bodenverhältnisse für den geplanten Zweck außerordentlich günstige sind. Das Erdreich besieht größteulheils ans durchlässigem Lehmbode» abwechselnd mit natürlichen Bodenbewegungen, welche je nach Höhe und Lage auch andere Erdschichten in sich bergen. Mit den, Nmznge von dem allen Garten nach dein neuen wird voraussichtlich noch in diesem Herbst der Anfang gemacht und dann zu Beginn des kommende» Jahres energisch forlgcsahre» werden. Der gesaunutc Umzug deS Gartens einschließlichZseiuer vollständige» Instandsetzung wird fünf Jahre i» Anspruch nehmen. Erst in weiteren dreißig Jahren aber wird der neue Garte» so iveit entivickelt sein, daß er einen vollständigen, parkartige» Charakter tragen wird. Auch im alten Garten iverden schon seit einiger Zeit die erforderlichen Vorbereitungen für den Unizrig getroffen. Um eine ganze Anzahl von Bäume» ist bereits an den Wnrzelballc» ein kreisförmiger tieser Graben ausgestochen worden. Und in diesen Graben hat man eine Blechhülle gesenkt, welche die Ausbreitung der Wurzeln verhindern und die Bildung neuer feiner Wnrzelsasern innerhalb der Blcchhülle befördern soll. Die Bäume sollen dann im Winter, wen» die Erde gefroren ist. heransgenoiiunen und nach ihrem Bestimmungsorte übergeführt iverden. DaS Projekt für de» Renba» des märkische» Proviuzial- HI» seil ins nach den Pläne» des Bauraths Hoffina»» verspricht dem „Berliner Tageblatt" zusolge in seiner Eigenartigkeil nicht blos ein ganz neuartiger Mnseuinsbarl für Berlin, sonder» überhaupt ein Baniverk, wie es ähnlich unsere Reichshauplstadt noch nicht besitzt, zu werden. Die Grundidee ist eine doppelte, es soll ein- mal den Bedürfnissen der naturgeschichtlichen und kullur- geschichtlichen Sammlungen in beziig aus Raum, Uebersichllichkeit und gute Beleuchtung genügt und außerdem in dem Gebäude selbst ein bedeutsames und lehrhaftes Ausstellungsobjekt dargeboten werden. Mit anderen Worten, es sollen die Baulichkeile» selbst die Geschichte der Baukunst und der Baustile in der Provinz Brandenburg vom Ende des 12. bis zum Anfang des 13. Jahrhunderls darstellen, also vom Ende des romanische» Stils bis zur Periode Andreas Schlüler's. Elcndöstalistik. In» Männer-Asyl des Berliner Asnlvereins für Obdachlose nächtigten im Monat Seplewber 20 217 Personen, im Frauen-Asyl 2817 Personen. Arbeitsnachweis erbittet der Verein für Männer Wiesenslr. 55/59, für Frauen Flisilicrftr. 5. Tie Wcidcndauliucr Brücke ist noch immer nicht fertig. Zwar ist die Brücke endlich in ihrer ganzen Breite dem Verkehr ubergeben, allein auf der nördlichen wie ans der südlichen An- rampuug werde» z. Z. Pflasterarbeiten ausgeführt. Die Arbeiten scheinen auch in diesem Jahre nicht zu»» Abschluß z» kommen, so daß die bekannte Inschrift„Erbaut 1895—-96" wohl um wenigstens zwei Jahre der Wahrheit vorausgeeilt sein wird. Gewarnt wird vom„Reichs-Auzeiger" vor einer Geschäfts- Verbindung mit einem gewissen Jules H. Koller in Brüssel, der Anzeigen für ein von der Soeietä de Globe herauszilgebendes Welt-Adreßbuch sammelt. Die genannte Gesellschaft bestehe seit Jahren nicht mehr; Julius Hermann Köller werde in Hainburg, Aurich und Stuttgart wegen Betruges gerichtlich verfolgt. Unter dem Berdachte der KlndcStödtnng ist da» 19 Jahre alte Dienstmädchen Bertha W. festgenommen worden. Da» Mädchen war bei dem Kanfmau» P. in der Prenzlauer Allee 34 seit acht Wochen in Stellung und hatte seinen Zustand zu verbergen gtwnßi, bis es i» der Nacht zum Dienstag im Badezinnner ein Kind gebar, das»ach der Behanpluug der jungen Mutter nicht gelebt haben soll. Die Leiche halte die Muller in eine Schürze gewickelt und dann in einer Pappschachtel mitgenonunPi, um bei einer Tante in der Pappel- Allee Nnlerkounnen zu suchen. Kleine Mittheilnugeu. Am Dienstag Vornnltag erschoß sich der Haiidelstnaun Karl B. in seiner Kellerwohiiung in der Neuen Hochstraße.— Gegen Abend fuhr der Drosckikenlutscher Friedrich Richter gegen eine vor dem Hanse All-Mvabit 124 stehende Straßen- latente, wurde durch den Anprall vom Bock geschlendert und am Kopf schwer verletzt. Er wurde in die Chnrilee gebracht.— In einem Anfall von Sänserwahn stürzt« sich abeudS der Zimuiermann Juliiis N. ans einem Fenster im vierten Stock eines Hauses in der Wienerstrnße, in dem er als Psörlner beschästigt war, und starb auf der Sielle infolge eines Schädelbruches.— Vor dem Hause Reichenbergerstraße 57 wurde abends die unvereyelichte Wilhelmiiie Theurich von einem Handwagen überfahre» und am rechten Unterschenkel schwer verletzt. Sie fand im Krankenhanse Am Urban Ausnahme. Im Thiergarten Hot sich vorgestern Abend gegen 8 Ubr das aus Sampohl im Kreise Schlochau stammende 23 Jahre alte Dienst- mädchen Martha Krause, das ohne Stellung und Obdach war. ver- Beranlworllicher Redakteur: Angnst Jacoben in B gifiet. Der Schutzmann Schneider vom 33. Revier fand das Mädchen lülslos auf einer Bank am kleinen Stern sitze». Es hatte ans einer weißen Düte Kleesalz genommen und den Rest des Giftes über die Bank und die Erde vcislreut. Die Vergiftete, die von dem Schutz- man» in ein Krankenhaus gebracht wurde, scheint mit dem Leben davonzukommen. Durch ci»c» Sturz vom Bock ist am Dienstag Abend der 61 Jahre alle Droschkenkutscher Friedrich Richter schwer verunglückt. Richter fuhr in der Nähe des Beresina- Panoramas gegen einen Lälernenpfahl und flog vom Bock herab. Ein reitender Schutzmann fand ihn beivußllo- daliegen und brachte ihn mit einer Droschke in ein Krankenhaus, wo er an einer Kopsverlctznng schwer darnieder liegt. D�is Pferd blieb unversehrt, die Droschke wurde nur leicht beschädigt. Verdorben, gcstorbe». Der 27 Jahre alte HandlungSreisende Bruno Schiffenhauer, der Sohn eines ehemaligen Holelbesitzers, jetzt Gutsbesitzers in Sachsen, kam vor einem Jahre nach Berlin und wohnte bei der Plällerin Schinidlsdorf in der Alexanderstraße. Er reisle hier für ein Wolleuwaareugeschäst und hatte eine gute Stelle. Vor einein halben Jahre lernte der junge Mann Mädchen von ziveifelhaslein Rufe kennen und nun ging es sehr bald mit ihm bergab. Wiedcrbolt erhielt er von den Eltern größere Geldsuiniiien zugesandt, die jedesmal in wenigen Tage» verjubelt waren. Vor einem Vierteljahre aus dem Geschäft entlassen, machte Schiffeuhauer noch in derselben Nacht einen Selbstmordversuch, schoß aber vorbei. Da der junge Mann schließlich keine Miethe mehr bezahlte, so setzte ihn seine Wirtbi» vor 2 Monaten vor die Thür. Gestern landete man ihn als Leiche aus der Spree. Bcrmistt wird seit Sonnabend Abend der 60 Jahre alle Tischler August Zeh, der seit einem Jahre mit seiner Frau und zwei Töchtern in der Bärwaldslr. 14 wohnie. Zeh, der als ein ruhiger und solider Manu bekannt ist, ging am Sonnabend Abend von seiner Arbeits- stätte ans inil zwei erwachsenen Söhnen, die in Berlin verheirathet sind, in die Großdesiillalion von Thenner in der Prinzeiistr. III. Um 3'/» Uhr verabschiedeten sich hier seine Söhne von ihm. Wie lauge er noch geblieben ist, weiß man nicht. Um lO'/e Uhr sah ihn der Zigarrenhändler Richter in der Nähe der Vürwaldbrücke a» seinem Laden vorübergehen. Seitdem'ist er spurlos verschwunden. Fcuerbcricht. Dienstag Abend 6 Uhr mußte Gotzkowsky- straße 77 ein Zimmerbrand abgelöscht werden, der nicht»»erheb« lichen Schade» verursachte. Kurz vorher hatte A u g u st st r. 47» ans der Kochmaschiue lagerndes Holz Feuer gefangen, das aber leicht beseitigt wurde. Abends 9 Uhr wurde die Wehr nach S ch i l l i n g st r. 12 gerufen, wo Lumpe» in Brand gerathen waren. Bald darauf niußle die Wehr einen Gardinenbraud Am ■Schief if che» B a h n h o s e 2 lösche». Im Parke der „Neuen Welt", Hasen Haide 108/114, halte um 10 Ubr ein Rohr längere Zeit Wasser zu geben, um eine in Brand geratheu« Verkaufsbude abzulöschen, die jedoch total ans- brannte. Mittivoch früh 6»/4 Uhr enistaud K a r I st r. 31 in einem chemischen Laboratorium ein Schadenfeuer, das leicht einen ver- häiigiiißvollen Umfang hätte annehmen können, wenn es nicht ge- lungen wäre, dasselbe noch im Keime zu ersticken. F e n n st r. 23 hallen iN/e Uhr. vorinitlags in Haufe Brennmaterialien Feuer ge- sangen, das jedoch bei Aukimsl der Wehr bereits gedämpft war. Bald daraus wurde sie infolge blinden Lärms nach U r b a n st r. 67 gerufen, wo übergekochter Theer brannte. Die Urania veranstaltet wie in früheren Jahren, so auch jchi wieder Borlragsserien, die sich über die verschiedenen naturwissen- schafllichen Gebiete erstrecke» sollen. So beginnt am Heilligen Tage ein Zyklus von zehn Vorträgen über Elektrotechnik, welche Herr Dr. Spies nllivöcheutlich Donnerstags in der Urania, Abthrilmig Jnvalidcustraße, halten wird. Diese Vorträge bezwecken durch Vorführung und Erläuterung zahlreicher Experimente, dein Laien Ausschluß über die Hauptgesetze des elck- Irischen Stromes»nd seine wichtigsten Anwendungen zu gebe». Ebenso hat Herr Professor Dr. Karl Müller am Dienstag einen Karslis von gleicher Aiisdrhiinng begonnen, der sich mit der Wissen- schast der Biologie befassen soll. Der erste Vortrag, dem wir beiivohnien, wurde mit einer Kritik des Vergleichs eingeleitet, durch welchen die Materialisten geivöhnlichen Schlages die lebenden Wesen als Maschinen hinstelle». Nachdem der Vortragende auf die engen Grenzen hingewiesen, welch« bis jetzt dein Wissen vom Leben gesteckt sind, legte er dar, daß alle in betracht kommende Kenntniß dieses Gebietes auf das Studium der Zelle zurück- zuführen ist. An zahlreichen Lichtbildern wurde dann der Bau der elle und der niedersten Lebewesen erläutert und betont, daß das tudinin der einfachstcn Thierformen deshalb von außerordentlicher Wichtigkeit ist, weil sie die Grundlage bieten für die Erforschung der Gesetze, nach denen unser eigener Körper fiinktionirt. ES sei bemerkt, daß der Besuch des ganzen Kursus 7 Mark kostet, für cinzeliie Vorträge ist ein EintrillSpreiS von 1 Mark zu entrichten. Thcatcr. DaS L o u i s e n- T h e a t e r hat sich ans klassischem Boden einen Schritt weiter gewagt und bringt jetzt Schiller'S „Wilhelm Tell" zur Aufführung. Wer noch Zweifel hegte an dem Mnlh und der Leistungsfähigkeit des Louisen-Theaters, wurde durch die Darstellung dleses Werkes besiegt. Die Regie des Herrn Julius Türk wußte mlt den gewiß nicht allzureichlichen Mitteln, die ihr zur Versügimg standen, tüchtiges auszurichten und die Darsteller waren sämuutich mit Feuereifer bei ihrer Aufgabe. Herr Kiudaisch gab einen kernigen Tell, der sich frei von hohlen Vrnvaden hielt, und der Melchlhal deS Herrn Türk konnte sich in seiner ergreifenden Wahrhafiigkeit getrost vor seinesgleichen sehen lassen. Recht brav spielte auch Herr Kulig de» Geßler. und die beiden weiblichen Rollen deS Schauspiels waren bei den Damen Bauer und Reuter gut ansgehobeu. Das recht zahlreich erschienene Publikum nahm lebhaften und verständnißvollen Aittheil an der Darstellung des SlückeS.—„Der große Wohlthäler", von Heinrich Willen, gelangt am Sonnabend im Lnisen-Theater zur ersten Aufführung. Die Hauptrollen befinden sich in den Händen von Frl. Gerthn Senden, Martha Relnecken, Wilhelm Ruff, Arthur Winckler, Ernst Kettner und Ludwig Arno. SsiiS den Nnchliarorten. Tie crstcn Schviicbergcr Etadtvcrordiietcii-Wahlen werden nach einem soeben eingegangene» Bescheide des Sieg iernn gs- Präsidenten zu Potsdam bereits in a l l e r n ä ch st e r Z e i t vorgenommen werden. Es war nämlich wegen der seitens des Ge- iiieindevorstnndcS erfolgten Eintheilnug der dritie» Wählerklasse in 16 Bezirke von dein.'Iltisschuß zur Herbeiführnng der Wahlen un< abhängiger Stadlverordneten" bei dem RegimtugS- Präsidenten Beschwerde erhoben und gebeten worden, auch für die dritte Wählerklasse, ebenso wie für die zweite, die Einlheilniig in acht Bezirke anzuordnen. Hierauf ist nun vorn Regiernngs-Präsideulc» folgender Bescheid eriheill:„Die von dem Geineindevorstand daselbst beschlossene, von mir genehiiiigie Ein- theilnng der Wähler der 2. Adtheilnng in 3, der der 3. ittbiheilung in 16 Wahlbezirke steht mit den Bestiiinniiugen der Slädle-Ordnung im Einklang und in»ß auch für die Verhältnisse der dortigen in ■chnellem WnchSlhnm befindlichen Geineiude als durchaus zweck- entsprechend angesehen iverden. Die Zahl der Wähler der 3. Ab- theilinrg beträgt in Schöneberg über 9000. Während bei der jetzigen Eintheüimg die Wahlbezirke der 2. Abtheilnng dnrchschnitiltch je 102, die der 3. Abiheilnng je 612 Wähler umfassen und so i» richtige», Verhältniß z» einander stehen, wurde sich infolge der beantragten Eintheilnug der 3. Abtheilnng in nur 8 Wahlbezirk« die Zahl der Wähler in diesen Bezirken auf über 1200 erhöhen. Außerdem aber würde die beantragte Abänderung der Wahlbezirke die Umschreibung»nd nochmalige Auslegung der Wähler- liste» nothwendig machen. Dadurch würden die Stadt- verordneten- Wahlen, deren alsbaldige Bor nähme in anbetrachl der von der S t a d t v e r o r d n e l e n- B e r s a m m- lnna bis zum 1. April 1833, dem Tage des Inkrafttretens der Städteordnung, zu erledigenden umfangreichen Aufgaben dringend geboten ist, eine unerwünschte Verzögerung er- trli». Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Bali leiden." AnS diesem Bescheide geht hervor, daß alsbald nach Erledigung der Stadtverordneten- Wahle» jedensalls auch die Einsetzung des Magistrats erfolgen und die städtischen Körperschaften dann sofort i» Thätigkeil treten dürften, iitilli;»»nch vie Verivalliing der Landgemeinde bis zu dem Moment des ofsiziellen Emiritls Schönebergs in die Reihe der Studie durch den Mngistrat und die Stadtverordneten erfolgen müßte. Denn insbesondere wird die nene Sladtverordneten-Aersanimlung bereits den Etat für die Stadt Schöneberg zu beratheu haben, da die städtische Verwaltung nicht nach einem Etat arbeite» könnte, den die Laudgimeiude-Ver- iretiing festgestellt hat. Unsere Parteigenossen werden mit Eiser ihrer Pflicht genügen. Eine Bahiibcrbindnng mit Berlin wird sich unser Nachbar- siädtchen Alt-Landsberg zulegen. Die Linie soll sich an die Station Hoppegarten anschließen. Die Stadt hat bereits 65 000 M. bewilligt nnd hat noch außerdem gegen 35 000 M. für Gebäudeeriverb auf- zubringe»._ Gevlllszks�IZeikttng. Ei» Betrug gegen die Orts-Krankcnkasse führte gestern den Kellner Wilhelm SUske vor die 129. Abtheilnng des Schöffengerichts. Der Augeklagte hatte eine» kranken Vetler, welcher irgeuo einer Kasse nicht augehört. Silfke übergab deinselbe» seine sä»»»!- lichen Ausweispapiere und der kranke Vetter erhielt darquf als der augebliche Silske nicht nur freie ärztliche Behandlung und Arzeuei, sondern er bezog auch 78 Mark Uuleistützungs- gelder, die er mit dem gesunden Vetter lbeille. Als der Schwindel entdeckt wurde, zog der Veiter vor, das Weite zu suchen, sodaß nur der richtige Silske zur Verantwortung gezogen werde» loniite. Ter Gerichtshof war mit dem Staatsanwall der Ansicht, daß gegen einen derartige» geuieivgefährliche» Betrug energisch eiugeschutie» iver/en müsse und der Angeklagte wurde deshalb mit einem Monat Ge� säugniß bestraft. Der Streik der Arbeiter bei der Woldenbcigcr Wiesen- melioratioiiögenoffeuschaft erlebte ei» gerichtliches Nnchipiel vor der Strafkamiuer in Landsberg a. W. Es war nämlich gegen acht Arbeiter, Wilhelm Speeck, Kail Specck, Karl Siegert, Alt ert Zuinbach, Karl Graß, Theodor Körner, Friedrich Frank und Wilhelm H«»neina»n Anklage ivegen gemeinschasllicher Nöthiguug erhoben worden. Wie die Änklagebehörde behauptete, sollen die Angeklagten die anderen Milarbeiler, welche die Arbeit nicht, wie sie, nieder- zulegen gewillt gewesen seien, durch die Drohnng, sie mit Steine» zn bewerie», veranlaßt habe»,«beusalls die Arbeit niederzulegen. Die Ursache des Slreiks. welcher am 19. Mai b. I. zum Ausbruch kam. lag in de» elenden ArbeitsverhäUnissen. Tie Arbeiter verdienlen pro Tag 1,75 Mark und inußten bei Ans« Übung ihrer Thäligkeit stundenlang im lallen Wasser stehen, meistens bis an die Knie, oft aber auch bis a» den Leib, was sie nicht auszuhallen vermochten. Sie forderten daher entweder eine Erhöhung des Lohnes oder aber den Wegfall der Wasserarbeit, in welchem letzleren Falle sie sich sogar erboten, zn de» alle» Löhnen weiter zn arbeiten. Die Beweisaufnahme ergab die Haltlosigkeit der erhobenen Anklage ans geineiiisame Nöihigung nnd es wurden mir die beiden Brüder Specck und Hanntinnnn derselben für schuldig befunden. Das Gericht verurtheilte die erfteren zu je 1 Woche Gejängniß, den letztere» zu 30 M. Geldstrafe resp. 6 Tagen Gefäugniß. Tie übrigen Angeklagten wurden sreigcsproche». Ter FortbildnugSnutcrricht ist in Schnei de»in hl durch Ortsstat»! geregell. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, Lehrlinge nnd jugendliche'Arbeiter binnen sechs Tagen bei der Fortbildungsschule anzuiiielden und darauf zu achten, daß die jimgen Leute den Unter« richt besuchen. Der Kansman» Krause, der d>e Anmeldung seines Lehrlings linterlassen halte, wurde wegen Vergehens gegen das Orts- staliit'in der Bernfiingsinstanz zu einer Geldstrafe vcrurlheilt. Er legle Revision ein»nd berief sich darauf, daß»ach verschiedenen Gerichlserkeiintnisse» der Stiiiideiiplan nicht ordnungsmäßig zu stände gekommen sei. Das Kaminergerich t erkannte diese Be- Häuptling als richtig an, wies aber die Revision dennoch als nn- begründet zurück. Die llngilligkeit deS Stundenplanes entbinde den Lehrherrn noch lange nicht von der vorgeschriebeiien'Anmeldung seines Lehrlings bei der Fortbildungsschule. Vevfanrmltmgem Der Berliner Arbeikervertreter- Berel» hielt am Dienstag Abend seine Monntsversammlung bei Baske ab. Ans der Tages- ordnnng stand die Besprechung der U e b e r l a st u n g der Bei- sitzer in den Schiedsgerichten. Ter Vorsitzende S i m a n o w s k i führte aus, daß häustg zn einer Schiedsgerichts- Sitzung bis 20 Sache» angesetzt iverden, in einzelnen Fällen sind sogar 30—37 Sachen verhandelt worden. Früher seien nie mehr als 10 oder 12 Sachen angesetzt worden. So könne es nicht weiler gehe». Wenn das Bersahren so abgehetzt werde, bekommen die Bei- sltzer kein klares Bild von der Sache tmd könne» infolge dessen nicht sachgemäß nrlheile». Es kommen auf ein« Sache bei solcher Geschäftsführung kaum 7 Minuten. Die Schiedsgerichts- Beisitzer müßten dagegen etivns.thun. Das liege im Juiereffe der Rente beanspruchenden Arbeiter, wie auch der Beisitzer selbst, die überlastet werden. In der Besprechung theilt Gutheit ähnliche Fälle attS seiner Praxis mit. Er ineint, daß auch die juristischen Vorsitzenden eine solche Menge von Sachen nicht gründlich und ordnungsgemäß er« ledigen können. Für die geladencn Parteien sei es auch sehr un- bequem, stundenlang auf die Erledigung ihres Terininß warte» zu müssen. D ä h n e hält die jetzige Praxis- für un- haltbar. Die Beisitzer müßten die Aktenstücke selbst. nicht mir das Resninee des Vorsitzende» kennen lernen. In 7 Minnten lasse sich ei» Fall schlechterdings nicht behandeln. Die Urthcile werden infolge der VUberlaslmig auch der Vorsitzenden nicht nrehr von den Vorsitzenden verfaßt, sondern nach Ranvbemerktingen des Vorsitzenden von Sekretäre», die gar nicht bei der Sitzung zugegen waren. Die'Arbeitnehmer- Beisitzer können zwar nicht erklären: „wir sitzen nicht bis zn Ende"; aber sie können darauf bestehen, daß ihnen in den Sitzungen das ganze Material vorgelesen wird. Damit iverde man Erfolge haben. Auch Buch holz erklärt, wenn die Beisitzer verlange», daß ihnen die Bernsungsschristen, die ärztlichen Gutachten ic. vollinhaltlich vorgelragen werden, dann müssen die Vorsitzenden dem enlsprcchen. Die Aerzle gewöhnten sich ebenfalls an diese laxe Haudhabiiiig, sonst würde» sie ihre Entnchicn oft besser begründe». Sintanowski erklärt, daß diese Häufung der Termine zn einer Sitzung hanpisnchlich in der Bnu-, der Holz-»nd der Eis n- und Stahl-Berussgenossenschaft vorkomme.— H o f f»> a n» beantragt, abznivarten, ob eine von dein Regienmgsrnth>>. Gorlkowski» dein Vorsitzenden der sämmtliche» Zlrbeitervasicheriings- Schicds- gerichte Berlins, anberaumte Konferenz mit de» einzelnen Vor- sitzenden in dieser Sache Erfolge haben werde. Sollte dnS nicht der Fall sein, dann müsse man eine Kollcktivbcschwerbe an das ReichS-Versichernngsaml richten. Dähne fügt dem Antrage noch hinzu, daß man die Beisitzer verpflichten müsse.'sich in Zaknnst alle Sachen ausführlich vorlege» zn lasse».— Die Versaaimlmig hat diese Antrage znm Beschluß erhoben, nnd e? ivird nnii abzuwarten ein, ob es nicht der vereinten Anstrengung der Arbetlnehmer-Beisitzer gelingen wird, diese skandalösen Zustände bei den durch dl« Arbeiter» versicherungs-Gesetze geschaffenen Schiedsgerichten zu bejeit-gen. Briefkasten der Redaktion. Tie snrlsiische SPrechsinnbe findet So»«abend nicht von k bt» 7'/- Uhr. sonder» von 7V- biS 9 llhr abends statt. Wuttke. Cpielsragen können wir nicht beantworte». Mt. 2. Im Brieskasic» lassen sich solche Frage» nickt beantworten. Sobald wir mehr Raum habe», soll eine Notiz über das Thema erscheinen. Heute nur: Sie irren, wenn Sie aiiiiehuien, das Deutsche'Reich marichire in der Volköbildung an der Spipe._ Wctier-Prognose fiir Donnerstag, den 7. Oktober kdii>7. Kühl, theils heiter, thcils ivollig bei mäßigen nordöstlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a n. Tritck und Verlag von Mux Bading in Berlin, |t. 234. 14. 2. Dm des jBtnärts" fttlintt DckslilM. Dornittßas, 7, NM» 1897. Gevickzks�Ioikung. Der letzte Manrerstrcik hatte auch für den Maurer Kier die Folge, daß er sich gestern wegen Mißhandlung und Beleidigung vor der 133. SIbtheilung des Amtsgerichts I zu verantworten hatte. Stuf dem Neubau, auf welchem der Angeklagte in Genieinfchast mit dem Maurer Moos arbeitete, war im August d I. der Streik ausgebrochen. Der Angeklagte erklärte sich mir den Ausständigen solidarisch und legte die Arbeiter nieder, während Moos sich de» Streikenden nicht an- schloß; alle Versuche, ihn zur Niederlegung der Arbeit zu bewege», blieben erfolglos. Natürlrch sammelte sich in den Herzen der Kollegen, die nur durch Einigkeit ihr Ziel erreichen konnte», ein berechtigter Groll an. Arn 33. August dieses Jahres kam Moos in das Ewald'sche Lokal, in welchem sich eine An- zahl der Streikenden eingefunden hatten; nnler ihnen befand sich auch der Angeklagte. Infolge der Erörterungen, welche hier zwischen den Streikende» und Moos stattfanden, kam es zu einer turbulenten Szene, in welcher Moos von den Streikenden verprügelt wurde; der Augeklagte nannte ihn außerdem einen„Streikbrecher". Wie von vornbcrein, so bestritt der Angeklagte auch in der Haupiverhandlnng vor dem Schöffengericht, sich der ihm zur Last gelegten Siraflhaien schuldig gemacht zu habe»; er hatte auch einen EnilastungSzeUgen laden lassen, welcher bekundete, er hätte nicht gesehen, daß der Angeklagte geschlagen babe. Die Bekllndungen deS Moos lauteten jedoch so bestimmt und sicher, daß der Gerichtshof eine» Zweifel an der Schuld des tllngektagten nicht hatte. StaatSanwall Kanzow führte in der osl gehörten Weise aus. daß hier wieder einer jener Terrorisirungsversuche der Masse gegen Einzelne vorliege, gegen die der Staat ganz energisch einschreiten müsse. Der Staat dürfe nicht erlaube», daß in ihm von dem eine« gegen den anderen Gewalt angewendet werde. Das müsie auf jeden Fall vermieden werden, deshalb müßte gegen derartige Terrorisirungsversuche zur Abschreckung energisch auf- getreten werden. Der Staatsanwalt beantragte schließlich, trotz der bisherigen Unbeschollenheit deS Angeklagte», von einer Geldstrafe abzufeben und auf zusammen vier Wochen Gefängniß zu erkennen. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Löiven- stein, bat den Gerichtshof, sich doch zur Beurtheilung des Falles in die Gemüthsstimmung der Streikenden hineinzudenken, welche für ihre Existenz kämpften. Es handle sich hier doch nicht um jenes Vergehen, welches der Gesetzgeber nur mit Freiheitsstrafe bedroht, sondern um einfache Beleidigung und Körperverletzung. Der Gerichtshof solle nicht iveiser sein, als der Gesetzgeber, und desdalb aus eine geringe Geldstrafe erkennen. Der Gerichtshof schloß sich jedoch de» Ans. fnhrungen des Staatsanivalts an und erkannte auf 14 Tage Ge- sängniß. DaS Preusienthum gegen die Muttersprache der Polen. Die Auslösung einer Arbeiterversnimiihing in W i s z o iv a, die am S. und 9. Januar d. I. zu heitigen Debatte» im Abgeordnetenhanse führte, hat jetzt das Ober-Verwaltungsgericht beschäftigt. Bei der Anmeldung jener Versammlung, die ArbeiterangelegeiiHeite» erörtern sollte, war dem Einberufer Doinbroinsly vom Amlsvorstehcr bedeutet worden, daß die Versammlung aufgelöst werden würde, wenn in einer anderen Sprache als der deutschen geredet und der Polizei dadurch die Ausübung ihres Ueberwachnngs- rechtes unmöglich gemacht werde. Als D. trotzdem die Versamm« lung in polnischer Sprache eröffnete, erfolgte sofort ihre Auslösung. Die Beschwerden des Einbernfers blieben erfolglos. Er erhob dann gegen den Bescheid des Regierungspräsidenten in Oppeln die Klage beim Ober-Verwaltungsgericht, vor dessen erstem Senat am S.Oktober in der Sache Termin anstand. Die Parteien waren nicht vertreten, indessen war ein Staatskommissar in der Person des Re- gierungsrathes Diterici erschienen. Er gab namens der Regie- rung folgende Erklärung ab: Di« Ktaatsregierung halte an der Auffassung fest, daß daS Versammlungsrecht im polizeilichen Interesse Be- schränkungen unterworfen werden könne, daß «s kein absolutes Recht fei. Es werde durch das polizei- liche UeberwachungSrecht modifizirt, zum Beispiel da und dann, wo es sich um die öffentliche Sicherheit und Wohlfahrt handele. Wenn das Ober- Verwallungsgericht im Jahre 1S76 im Gebrauch der polnischen Sprache keine» Grund zum Einschreiten gesehen habe. dann sei es noch nicht gezwungen, daran festzuhalten, den» seitdem sei die Polenbewegung i» jeder Beziehung eine andere ge- worden. Unzweiselhaft bestehe jetzt eine polnische Aktions- partei, die bei aller Unklarheit ihrer Ziele doch unverkenn- bar bezwecke, die betreffenden Landestheile. wenn auch nicht loszureißen vom Staat, so doch in ihren Verfassungs- zuständen zu ändern. Es werde versucht, die polnische Bevölkerung in einen bewußten Gegensatz zu den jetzigen Verhältnissen zu bringen. Die Bewegung dehne sich auch schon auf die polnischen Bewohner anderer Provinzen aus. Sie iverde durch die Presse angefacht und durch eine rege Versammlungsldäligkeit und Agitation in polnischer Sprache gefördert. Unter diesen Umständen sei die Behörde nicht nur be- rechtigt, sonder» geradezu verpflichtet(!). von ihrem Ueberivachungs- recht strengsten Gebrauch zu inachen, namentlich aber im Regierungs- bezirk Oppeln. Nun sei der in belracht kommende Amtsvorsteber der polnische» Sprache nickt mächtig und er habe auch keine deutsche Vertraucnsperson zur Hand gehabt, die ihn i» dieser Beziehung hätte vertrete» können. Im übrigen seien die Behörden in den polnischen Bezirke» wiederholt angewiesen worden, sich zur Ueber- wachung von Versammlungen solcher Personen zu vergewissern, die polnisch verstehen. Im vorliegenden Falle habe sich nun aber der Amtsvorsteher die Ausübung des Ueber- wachungsrechtes nur dadurch sichern können, daß er den Ge- brauch der polnischen Sprache untersagte. Dazu sei er umsoinehr berechtigt gewesen, als die polnischen Bewohner jener Gegend soviel deutsch verstehen, um deutschen Verhandlungen folgen zu können. Da der auch deutsch redende Einberufer vorher verwarnt worden sei. so sei anzunehmen, daß er dolos« Werse die Ueberwachung unmöglich machen wollte.— Nach langer Beralbuug verkündete Präsident Persius, daß das Gericht von einer Urtheils- Publikation absehe; das mit Gründen versehene Erlenntniß werde es den Parteien schriftlich zugehen lassen. Versalimnlnnjöen. Im sozialdemokratische» Wahlverein für den 6. Berliner Reichötagö-Wahtkreis, der am Dienstag bei Werna», Schwedter- straße, tagte, hielt Herr Schütte einen iuleressanten Vortrag über: Robespierre. Der Vortrag wurde beifällig au'genoinrnen. In der Diskussion schilderte Genosse Kiesel die Ursachen der französische» Revolution mit ihren Begleiterscheinungen, ivobei er verschiedene Einwendnngen gegen die Anssührungen des Referenten, beziigl. der Cbarakierisirung der zur Zeit im Vordergrund stehenden Männer machte. Unter Vereinsangelegenheiten machte der Vorsitzende auf die vom Verein arrangirte Uraniavorstellung und auf die am 14. Oktober stattfindende Generalversammlung aufmerkfain. Stachdem noch ein Genosse auf die guten Bestrebungen der Arbeiler-Bildungs- schule hingewiesen und zur regen Tbeilnahme an dieser Institution eingeladen hatte, erfolgte der Schluß der Versammlung mit einem lräsligen Hoch auf die Sozialdemokratie. Tie streikenden Former hielten gestern Vormittag eine zahl- reich besiichte Versaminliing im Kolberger Salon ab. Müller, Plath und Zern icke, die Vertreter der Streikenden vor dem Einigungsainte, legten der Versammlung die Einigungsbedingnngen vor und empfähle» die Annahme derselben unter der Begründung, daß der Ausstand von der öffentlichen Meinung nicht mehr gebilligt werde» würde, nachdem das Einignngsaml den Streik für unberechtigt erklärt bat. Dem Verlangen der Streikenden, daß die Arbeit erst nach der Einigung bei Borsig auf- genommen werden solle, sei insofern nachgekommen, daß Direktor Dorn am Dienstag Nachmittag mit einigen der Borsig'schen Arbeiter gesprochen habe, und am Mittwoch Nachmittag wahrscheinlich die endgiltigen Abmachungen bei der Firma Borsig getroffen iverde» würden. Der Punkt 3. Einstellung„möglichst" und„nach Bedarf", gebe zu Be- denken keinen Anlaß, denn es sei nichtderFall. daß ein so großerTheil der Arbeit nach auswärts gegangen sei. In den Berliner Gießereien sei soviel Arbeit vorhanden, daß die Streikenden ohne Zweifel bald wieder alle eingestellt werden würde». Eine Fortsetzung des Streiks wegen dieser Punkte sei nicht rathsam. Man möge bedenke», daß schon am nächsten Sonnabend ein großer Theil der Metallarbeiter infolge mangelnden Gusses arbeitslos werden würde. Wenn auch im all» gemeinen der Geist unter den Streikenden ein gut« sei, so liege doch auch die Thatsache vor, daß 131 Kollegen sich dem Streik nicht angeschlossen haben und dadurch der Kampf bedeutend erschwert werde. Während die meiste» Redner diesen Austührunge» zustimmten, sprachen andere für eine Weilersührung des Streiks, da ihnen die Vorschläge des Einigungsamts nicht weit genug gingen. Eine Meinungsverschiedenheit trat auch darüber zu tage, ob die Versammlung einen bindenden Beschluß über die Vor- schlüge des Einigungsamtes zu fassen habe, oder ob dies den am Donnerstag stallfindeuden Metallarbeiter- Versammlungen überlasse» bleiben solle. N ä l h e r trat für die letztere Ansicht ein, indem er ausführte, der Beschluß in dieser Angelegenheit müsse von de» Metallarbeitern gesaßt werden, ohne deren Hilfe die Former ihren Kamps nicht fort- setzen könnten. Denen, welche einer eventuellen Weiterfllhrung des Streiks das Wort redeten, gab er zu verstehe», wenn einmal Dumm- heilen gemacht worden seien, so solle mau dieselben nicht verewigen. De» Kollegen fei eine weise Mäßigung zu empfehlen. Die Ver- sammlung sah von bindende» Beschlüssen ab und nahm folgend« Resolution an: Die Versammlung erklärt sich mit der Thätigkeit der Vertreter der Streikenden vor dem Eiuigunsamt einverstanden. Sollte eine befriedigende Einigung bei der Firma Borsig erfolgen, so würde einer Wiederaufnahme der Arbeit nichts entgegenstehen. Eine Arbeitsniederlegung i» der Möbelfabrik von Euqnil? wurde am Dienstag m einer öffentlichen Holzarbeiter« Versammlung besprochen. Nach der Darstellung von Tusche und andere» Rednern haben die Tischler der be- treffenden Fabrik eine Erhöhung der Akkordlöhne für einzelne Stücke verlangt, iveil an denselben eine entsprechende Mehr- arbeit zu leisten ist. Bezüglich dieser Forderung konnte eine Einigung zivischen den Arbeitern und Herrn Euquitz nicht erzielt werden, wesbalb die Arbeitsniederlegung erfolgte. Ein Buchhalter der Möbelfabrik stellte die Angelegenheit so dar, als hätten die Tischler eine so iveseutliche Erhöhung der Preise gefordert, daß die Firma sie nicht habe bewillige» könne», auch hätten sich die Arbeit«, welche den neuen Tarif vorlegten, so benommen, daß man mit ihnen nicht habe unterhandeln können. Die nachsolgenden Redner wiesen diese Behauptung entschiede» zurück und führten aus, daß von der Forderung einer Lohnerhöhung keine Rede sei. Der bis jetzt geltende Tarif sei vor einem Jahre vereinbart worden, inzwischen seien aber die betreffenden Stücke immer reicher ausgestattet worden, so daß sie für den bisherigen Preis nicht mehr hergestellt werde» konnten. Die Versammlung»ahm eine Resolution an, worin sie sich mit den Kollegen der Firma Euquitz solidarisch erklärt. Schließ- lich bemerkte der Euquitz'sche Buchhalter noch, daß eine erneute Verhandlung der Tischler mit der Firma wohl zu einer Verständi» gung führen iverde. Die Ausständigen wollen demgemäß nochmal in Verhandlung treten. A> t> rit»r-Ktlt>>»no»tit)»I-. Znselstr. 10, v. 3 Tr. Der Unterricht beginnt >» 91 a! i o n a lö t o n o m i e(fflnmbbeariffe der NaUonalökonomie: Dr. E o II r. Schmidt) am MUIwoch, den iz. Cttobet; in Geschichte(Die vorgeschichtliche Zeit und die ersten geschichtlichen Neberlieserungeii l Dr. Georg Zeppler) am Donnerstag, den i«. Oltober: in Gesetzestunde lAibeitSvertrag, die lozialpoltlische Gesebgebiaig. Slrasrech!, gewerbliches KoiizeslioiiSweseu, Eherccht, MielbSiccht. C-ib- und VoriiiimdschaflSrechl, öfseiitlicheS Ncchl s Rechtsanwalt Walsgang Heine) am strettag, 15. Oll., abends b-sjn Uhr. Die Bibltothel ist um\9 Uhr geöfsner. Mitgliedsbeitrag monall. 9» Pf.. Kursus<10 Abende) i M. pro Fach. Dh>iliiehmer weiden aufgenommeii in folg. Stellen: Gottfr. Schulz, Admlialnr.«0«: Meul, Aaruinislr.<2 l EchUl-r, Roscinhalersir. e? l Blcwert, Müllerflr. 7a: Paul Mücke, Manleussilstr. 12« l H. KöiilgS, Diefsenbachstr. SV. Alle Zulchrlile« slnd an den Poi slhenden Paul Mücke ir., LO. Mau- leusselflr. 12«, Geldsendungen an den Kasslrer H. Köllig S, S, Dlesfendachstr. so, SN senden. Zentralverdand der tztonditorru. Heute, adendi»X Uhr, bei Schiller, Roseiithalersir. 5? i Milgltedeiverlammiung. i. Vortrag deS Genossen SiMer über I„Dle Bedeutung der SewertschaslSbiweguug für die Arbeiter." 2. DiS- tulston.— Gäste wtlllommen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publik, in, gegenüber keinerlei _ Tlzentev. den 7. Oktober. Undine. Anfang Donnerstag, Opernhaus. 7V2 Uhr. SchanspielhanS. Waidwund. An- fang 7'/,»Hr. iDentsches. Mutter Erde. Anfang 7,/, Uhr. Berliner. DaS höchste Gesetz. An- fang 71/2 Uhr. Goethe. Em«ommernachtstraum. «esswg.�Die Ehre. Anfang 7l/, Uhr. Neues. Aschermittwoch. Vorher: Lieb' iin Spiel. Ansang V/, Uhr. Residenz. Die Einbemfung. An- sang 7'/. Uhr. Schiller. Die«reuzelschreiber. An- fang 8 Uhr. Unter den Linden. Pariser Leben. Ansang 7-/2 Uhr. Luisen. Wilhelm Teil. Anfang 8 Uhr. Thalia. DaS Krokodil. Anfang ?>/, Uhr. Ostend. Jugendbronnen. Anfang 8 Uhr. Central. B«lin« Fahrten. Anfang 71/2 Uhr. Friedrich- Wilhel,»städtisches. Das Zeichen deS Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Alexanderplatz. DaS LiebeSdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Spezialitäten. An- fang 7-/2 Uhr. Apollo.'Spezialitäten. Ans. 7V, Uhr. Neen-Palast. Spezialitäten. Passage< Panoptikum. Indisches Dorf. Luisen-Theater 34. Reichenbergerstrasse 34. Abends 8 Uhr zu kleinen Preisen: HViUivRiu Teil. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Morgen, Freitag: Geschwister Fiebig. Sonnabend, zum ersten Male: Der große Whlthäter. Volksstück mit Gesang in 3 Akte» und 1 Vorspiel von H. Willen, Musik von R. Bial. Sonntag, den 13, Oktober, nach- mittags 3 Uhr: Bolls-Vorstellung zn halben Preise» unter Regie von Ttirk: Wilhelm Teil. Maehr'sTheater Oranienstmnse 24. SchiNev�hoater (Wallner-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Tie Zkreuzelschreiber.' Freitag, abends 3 Uhr: Madame Bonivard. Sonnabend, nachmittags 3V2 Uhr: Frei- Vorstellung: Weh dem, der lügt. Abends 3 Uhr: Ei» Tropfe» Gift.__ Ostend-Theater. Gr. Fraiiksurlerstr. 132. Dir. E. Weift. Zum 21. Male: Jngendbronnen. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag Nachmittag Bolksvorstellung: Die Lieher des Mußkantttt. SW Täglich"VS Gr. ÜTte-Vorstellung Kovitttten-Proicrninni. Ans, Sonntags 6 Uhr, Woche 8 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Entree aus BonS Iv Pf. Nachzahlung. Uli» höheres künstlerisches Interesse bilden die von der gesammten Presse einmüthiff als die besten Novit, iitei» der Wlnter-Salson anerkannten Zu�- und Kassen- stücko: Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier, welche in Kaufmanns Yariftä 4 Wochen hintereinander ans verkaufte H Unser zeitigten und alle bisherigen 1- ach st ü cke des I. Original- Itnda- pcster Possen- n. Operettentheater(pirektion A. dt». Herrnfeld) bei weitem übertreffen. Anfang V28 Uhr. Kassen- öfinung V27 Uhr. Vorzugskarten gelten. Vorverkauf 11—5 Uhr. Urania Tanbcnstrasse 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt BOPf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Invalidenstrasse Vo.57, 6S: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! MzWtilWiBIWWBWIllll—■wtlllll I Casian's am Panopticnm. Eriedrichstr. 165. Bären wclb die grösste Sehenswürdigkeil des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! U aii t TtalienischeKapelle nCU. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2-Damen. Central-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Itlchard Schnitz. Donnerstag, den 7. Oktober 1897; £iull Thomas a. G. Zum 34. Male: BeHinap lalinteii. Burleske Aussiattäiigsposseniit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. Einödshofer. Alifaug>/z8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Apollo-Theater. Friedrichstr. SIS. Ssir. J. CilUck. Miss Marie Haiton, englisch-französische Sängeri». Ferner: Rodo Leo Rapoll. Flip, Flap, Flop!! Große Pantomime, dargestellt von ti« Joseph Phoites-Tronpe. Kaffe»eröffu»Ug6t/zUhr. Alls. 7»/, Uhr. Lonekrtdaus f.eipzigerBtr.Mo.TH Täglich: Hoffmann's Quartett und Humoristen, sowie Gastspiel des ?istan>Viiptuosen iniillee-£lpal't. Anfang 8 Uhr. Loge und l. Rang Balkon 1 Mk., Sperrsitz 50 Pfennig. Entree und kl. Nang 30 Pf. Passage-pAiioplieum. Indisches Dorf ,, mit dem bedeutendsten Fuss- ball- Künstler der Welt ■onng Toon. Vorst. 12, 5, 7 und 9 Uhr. American-Thealer. Dresdenersir. 55. Donnerstag, den 7. Oktober 1897: Kolossaler Erfolg! Stürm. Beisall! Berlin wie'S näht»»d trennt. Volksstück m. Gesang in 2 Abth. V.L. Elh. Musik von M. Schmidt. Der Tranm von Bayreuth. Parod. Traumbild. Hugo Schulz als Seemann. Wally Smollm, Erentriauc-Soubrctte. Emmy und Ernst Rcbcntisch alö ZukuuftS-Ehcpaar. Paul Beudix, Humorist. Ansaug der Vorstcllunaen: SonntagS 7t/z, Wochentags 8 Uhr. Volks- Theater im Wclt-Rcstauvant 07. D r e S d e n e r. S t r a ft e S7. Die Reemburg. Bilder aus dem Berliner Volksleben von L. El». Anfang: SonntagS 6 Uhr, Wochentags 7i/. Uhr.— Eutree: Sonntags 33 Pfg., Wochentags 23 Pfg. Theater der Reichshallen Lieipzigerstrasse 77. tteberraschender Erfolg des neuen Oktober-Programms! Der aktuelle Humorist Martin Menter. Der neue Kineto- graph mit den Berliner Stadt- ansichten. Die reizende Soubrette Olara Antonl. Die brillanten Tänzerinnen Malta. LS erstklassige Nummern. Anfang des Konzertes 7i/z Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. ZM- Entree SO Pf."DO Im Parterre-Saal zur Kloster- frau täglich S Kapellen. Donnerstag, den 7. Ottober: Erstes gr. Militnr-Konzert. Regimentsmusik des königlichen II, Garde- Regiments zu Fuß, Kgl, Musikdirigent: Max Graf. Feen-Palast KS Uurg'str. SS. |®tö6t. Vergnügnugslokal Berlins 10 neue Debüts. U. a.: Äliiniatiir> Eirkus Skelly. die beste Dressur der Neuzeit. Eine verunglückte Droschken- fahrt, Urkomische Paittomlme von der Garcton-Truppe. Richard Winkler und Wilhelm Erttbel in der Leopold Elpsichen Berliner Posse 'Ne wilde Sache. Austreten deS Schauspiel- und Künstlerpersonals. Anfang 7>/2 Uhr. SonntagS 6 Uhr Entree 30 Pf. biS 1 M. 53 Pf. Alcazar Variätd-Theater I. Ranges. Dresdenerstrabc 52/53(City-Passage) Annenstraße 42/43. Direttion Richard SBtnller. Heute: Die Rosen aus dem Süden. Große Aussiattungöposie mit Gesang und Tanz in 1 Akt von B. Gcricke. Neu! Vorher: Neu! Wir werden STonnent Schwank in 1 Akt von Ernst Moser. Austr. eines durchweg neuen glänzenden Spezialitätcn-Pcrfonals. Wochentags 8 Uhr. „ Sonntags 7 Uhr. Entree SO Pf."Tjagj Gutscheine haben an den Wochen- tagen zu allen Plätzen Gilttgkctt. W. Noack's Theater lt r 11>1 11 c n- S t r n 8 a o 10. Täglich(außer Privatfcstlichkeiten): Theater» 11. Sipezlalltliten« Vorstellung;. VQdektnven. Lustspiel tu 1 Aufzuge von Puttlitz. Ein Wert zn rtchter Zeit. Schwank in 1 Akt von Staack. Das gestörte MittageKen. Posse mit Gesang und Tanz von G. Friedrich. Jede» Sonntag, Dienstag 11. Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkrltniiehen. Clrens Buseh (Bahnhof Ui(rse). Donnerstag, 7. Okiober, abdS. I1/, Uhr: Eröjfnnngs-Verstellnng. Bollständig u e n c s Programm. Vom Guten das Beste. Preise der Plätze: Für die Er- ösfnungs- Borstclluug! Logensitz 6 M., Sperrsitz 3 M, Balkon 2 M., I Platz 1,53 M,. II, Platz 1 M,, Gallcrie(Stehplatz) 53 Pf. Für die folgende» Tage: Logensitz 5 M., Sperrsitz 3 M., Balkon 2 M., I. Platz 1,53 M., H. Platz 1 M,, Gallerte (Stehplatz) 53 Pf, Sonntag: 2 Vorstellungen. Nach- mittags 4 Uhr und abends 7t/, Uhr. Nachmittags zablc» Kinder ans allen Plätzen außer Äallerie halbe Preise. Für die Gallcrie I Kind frei._ Grüner Papagei entflogen. Wiederbr. Belohn. Strelitzcrstr. 58, Bugcnhagen. Kl. Bereinsztmmcr zu vergeben 1391b Großer, Wallstt. 76. 'Neue Welt1 S. Haaenhalde 108. , Inhaber A. Fröhlich. I Jeden Sonntag: Spezialttüten. 1 Borstellung und Ball., I Empfehle meine beiden Säle(mit 1 I Thcaterbühne) zu Winterfestlich- s I leiten jeder Art. Einige Sonn-j I abcnde sind noch stet. Bestellungen I I für Sommerfeste werden schon! I jetzt entgegengenommen. 3217L»! Feuerstein'8 Fostsülo Alte Jakebstrasse 75. Znh. Martin Herzberg. Grosse nnd kleine Shle zu Versammlungen unentgeltlich, sowie zu Sommer- n.'Wintei-festlich» keiten b. koulanten Bedingungen. Betten, Pracht». 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SKittungsßssi bestehend in VoKttl-?»I»Ä- ItvusrSrt. Auftrete» der Geselkfchaft Strzelewiez uud des Turuvereius„Fichte". Von 6 Ubr an: TANZ« 243/14 Große Matinee am Sonntag, den IO. Oktober, in Kanfuinnn's Tarietd (KönigSkolonnaden, vis-i-vis dem Stadtbahnhof Alexander-Platz) Erstes Lrigillal-Bstliststtster Posseil- nild Lperettell-Theater (Direktion Rnton und Donat Herrnfeld) vercinswltet vom VenKsnii rten Vongolcken (Filiale Berlin) 226/11 zum Kesten hilfsbedürftiger Kollegen. Blllets a 30 Pf. sind zu haben bei Ewald, Schönleinstrabe 6 E. Krüger, Auguststr. 38, bei Hildebrandt.— Billcts an der Kaste 50 Pf. Zentral-Verband der Zimmerer (Filiale Cliarlottenburg). Sonnabend, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale Bismarck shöhe, Wllmersdorlerstr. 80: V. Stiftungs-Fest. Tokal- nnd Instrnniental-Konzert unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Morgenroth". Komisohe Vorträge. Ueberrasohungen. NM" TAXX für Herren 50 Pf., für Damen 25 Pf."MQ Um zahlreiche Bothoiligung ersucht_ Das Oomltfc [256/4 Frauen-Vortrag am Freitag, de» 8. Oktober, abends S'/i Uhr, Andrcasstrasse LI. Praktischer Naturheilknndiger Grniidninnn über: »Ein Blick in das Innere der Frau.« Die Entstehung und Heilung der Frauenleiden werden an groben Lichibildem im dunklen Saal erklärt. ifjty Eintritt 20 Pf.-Mg Bcrcin für Körper- und Natnrhcilkunde. Alexaiiverstrabe 8. Normalhemden Normal-Beinkleider Slüci M. 0,80, 1 M., 1,20-4,50. Paar 1 M. bis 4 M. ßestrilkte Westen siir Knaben Ctstrilkte Westen für Manner Stück von 1,40 bis 4 M. Stück von 2,25 bis 12 M. Arbeitsliemden 3280L* ohne Ueberschlag Stück 95 Pfg., utit Ueberschlag Stück 1,15, 1,50, 1.75 M. Socken Franenstrnmpfe Paar 20 Pf. bis 1,75 M. Schwarz, Paar 50 Ps.. 65 Pf., 1-1,50 M. Berlin Q., Blumcnstrasse 83. » gegenüber der Wallnertheaterstrabe. Filiale: Bninnielsbarg, Schitlcrstrasie 1. An mein. Kalle werden Rabattbüch, verabiolgt. geg. welche ich4°/� Rabatt gewäbre. Freie Volksbflhne. I. Abthoilung: Sonntag, 10. Oktober, naclim. 3 Tnirf U*», 99 n n � n ÜI.„„ n i> �»» Zur Aufführung gelangt: plr I>lc Hexe Trauerspiel in 5 Aufzügen von Arthur Pitger unter Mitwirkung folgender Gäste; Thalea: Seraphinc Dctschy, A 1 1 m u t h: Enimn Thonret, Xaver: Richard Ocser vom Deutschen Theater. Die Mitglieder werden gebeten, den Oktober-Beitrag bis drei Tage vor der Vorstellung zu begleichen. Die erste Abtliciliing ist geschlossen, Zar 11. u. III. Abtheilung können nur noch wenige Mitglieder aufgenommen werden. Für eine vierte Abtheilung kann erst dann eine Vorstellung arrangirt werden, wenn dieselbe mindestens-/, gefüllt ist. Da am 12. Oktober der Termin abläuft, bis zu welchem für eine IV. Abtheilung im I.CKsIng-Thcnter Vorstellungen bestellt werden können, liegt es im Interesse des Vereins und aller Mitglieder, für die schleunigste Einrichtung dar IV. Abtheilung zu sorgen. Zu diesem Zweck liegen Aufnahme-Scheine in den Zahlstellen aus, in welchen sich diejenigen Freunde der Volksbühne, welche Mitglieder werden wollen mit ihren Familien, gegen v o rläutig eHinte riegung desEintritts- geldes von 60 Pf einzeichnen können. Am Montng:, den LZ. Oktober, findet die Oeneral-Tcvimmniliiner, am 27. Toveraber das 'ivinterfest des Verein« mit künstlerischem Programm in der Druiicrel Friedrlchshuin statt. Der Torstand. LA.: G. Winkler. W. XoacU's Konzerl-Säle, Brunnenstp. 16. Sonnabend, den 9. Oktober 1897: Herbstvergnögen des Zentralverbandes der Stuckateure (Filiale Berlin) verbunden mit_ � Theater- Vorstellung sowie Auftreten hervorragender KräUe. Nach der Vorstellung: Im groben Saale fAni. Anfang 8 Uhr. BiNeis: Herren 50 Pf., Damen 30 Pf. bei Sehünemann, Stelnstr. 17, zu hoben. Ende??? (InN. Tanz). BiNets sind 270/11 Das Komitee. Festsaie Beuthstrasse 20. Meine eleganten nen rcnovlrten Festsäle mit Bühne, bis 1000 Personen fassend, sind noch an einigen Sonnabenden und Sonntag en zu vergeben._ 3248L* Achtung! Maurers Achtung! Jsreikug. den 8. Okkobee» cibends 8'/, Mhv: Oeffentl. Versammlung d. Baadepntirten der Vusfre»(Drencrdierltrcilze 33. 295/8 TageS-Ordnung: 1. Die augeilblilkliche Sitilatioll m tlnsereat Ceiverbe. 2. CtmrWsMs. NB. Wir ersuchen die Kollegen jeden BaueS, sich durch einen Deputirten in dieser Versammlung vertreten zu lasien, da wir auuehmen, dab hier die Meinung der Berlwer Maurerschaft zum Ausdruck gelangt. ES dürfte daher keine Baustelle unvertreten sein. Die Dohukoinmission, Metallarbeiter! Doimerstag, den 7. Oktober, abends 8 Uhr: Zwei ö'ffentl. Uerfammlnngen im„Cösliner Hof", Cöslincrftraße 8 und in„Lonis Kellers Feftsälen", Koppenftroße ÄV. Tages-Ordnung: Der Ausstaud der Berliner Eiscuformer uud das Eiuignkigsamt des Gewerbegerichts. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen nothlvendlg. 161/5 Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. Otto NSther.N., Anklamerstr. 44. Torthellhafteste Besn|psil. bill. Allein. Bersandtsl. f. Berlin u. Prov. Porterlellerei Ii i» g i e r, Berlin, Brun- nenftraste löL. NiclitFlaschenzohl — Qual.eutschiid. Nöbel. Wödsl. In den neu erbauten groben Sälen Neue Schöiihanserstr. 2 (friiherRoseiitlialcrstrasie 13), Seitenflügel u.Ouergcbäiide, erste ». zweite Etage, dicht a. Hackelchcn Markt, werdensneue u. verliehen gewesene elegante u. eins. Möbel zn jedem annehmbare» Preise ver- kaiift; für Brautleute und zum Umzüge ganz besonders ge- eignet: Nttßbauiit-, Mahagoni- Kleidcrspilidenu.Wüschcspl>iden36, Waschtoilettcn.Stühle 3, Korridor- ipinden 20, Komuioden 16, Bett- üellen m. Matratzen u. Keilkissen 21 M., französische, souniirte Miilchelbettstellcn m. Sprungfeder- Matratzen n. Keilkistcu 48, Tru- »leaup 58, elegante Plüsch- u. 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In der Treppengeländer-Werkstatt von POschcl, MuStauerstrabe 27, und Voigt, Köpenickerstr. 64, wird der Tarif nicht bezahlt. Sämmtlichs Kollegen haben die Arbeit eingestellt. 293/20 Die OrtSverwaltung. EiliiEBttr, SKÖS zusammen wohnt, erhält zugleich freie Wohnung sofort für Berlin. 72/16 Zahlstelle Berlin. Holmarltstr. 8. WWgeilHiitider 1,13 verlangt Midjncltirchstv. 22/83. Junges Mädchen tagsüber für leichten, angenehmen Ticiist gesucht. Bauer. Dieffenbochstr. 54. Dirigent 100,'ib wird von mittlerem Gelangverein (M. d. A.-S.) für Dienstags gesucht. Gest. Offert, mit Gehaltsnnsp. erbeten. Jk.Kollhoff, Cuvrystr. 13, l.Ouerg.IV. Ütttsiilirbtitcriiiiltü'd� Besaiäftigung. Hirstein dt Öo., Karioniabnk, Nene Königstr, 39. Ein Schlosser, der schon in Fabril- Reparatur- Werkstätten gearbeitet hat, wird verlangt, Orlaiiinnder-Siummelsburg. I Bermilivortlicher Siedakteur: Angnst Jarobry in Berlin. Für de» Jnseralentheil veranlivortlich: Th.(LloUe in Berlin. Druck und Bering von winx Bading i» Berlin.