• Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit" erschein täglich morgens und nachmittags. Sonntags und Montags nur einmal. Ter Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus und durch die Post bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen fämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Dentschland, Danzig, das Saar- und Memelgebtet somie die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luxemburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.-. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9 Sonnabend, 22. Oktober 1921 Nummer 496 • Abend- Ausgabe Die neungespaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 6,- M. einschließlich Inferatensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Inferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes meitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 30 Freiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Handstreich Exkaiser Karls Monarchistischer Putsch in Weftungarn Wie wir bei Redaktionsschluß erfahren, ist Kaiser Karl in Dedenburg mittels Luftschiff gelandet. Die Truppen sind auf ihn vereidigt worden. Es handelt sich um Truppen, die bisher auf Seiten Horthys standen. Der Bahnver tehr zwischen Desterreich und Ungarn ist von den Ban= den unterbrochen worden. Es ist im Augenblick noch nicht sicher, wohin sich die auf Habsburg vereidigten Truppen wenden, ob nach Wien oder nach Budapest. Sorthy mar in diesem Augenblick nicht für ein neues tarlistisches Abenteuer. Die leichte Bereidigung der Truppen auf Kaiser Karl beweist aber, daß Horthy in der Armee geringe Unterstützung hat. Gleichgültig, ob die Truppen zunächst gegen Budapest oder gegen Wien fich wenden, so bedeutet das Ereignis eine ganz außerordentlich afute fonterrevolu= ionäre Gefahr für ganz Mitteleuropa. Wien, 22. Oktober. Die Arbeiterzeitung" veröffentlicht eine ihr nachts zugegangene Meldung, daß der frühere Kaiser Karl gestern in Ungarn angekommen sei. Das Blátt fügt hinzu, ob die sehr bestimmt aufgetretene Meldung wirklich zutreffe, könne im Augenblid noch nicht festgestellt werden, doch seien die nötigen Vorkehrungen hier bereits in allen Punkten ge troffen. Entweder oder Gegen die Politik des Irrfinns Der Vorwärts" spricht endlich heute das Wort aus, das die ganze Bedeutung der Krise enthüllt, das aber auch für die Entscheidung wichtig werden kann. Er sagt, wenn das Kabinett Wirth jezt über die oberschlesische Frage stürzt, dann wachse die Wahrscheinlichkeit, daß schließlich an Stelle der Regierung Wirth eine rein bürgerliche Regierung zuStande kommt, in der dann naturgemäß der Rechten die Führung zufallen wird. Damit ist die Frage endlich Klargestellt und wenn die rechtssozialistische Fraktion die notwendige Festigkeit zeigt, dann ist das elende Intrigienspiel durchkreuzt, die jetzige Situation auszunuzen, um eine Regierung der Deutschen Volkspartei herbeizuführen, in der die Rechtssozialisten nur ein dienendes Werkzeug der Reaktion sein könnten. Denn nach dem ganzen Verhalten der Deutschen Volkspartei kann auch nicht mehr der geringste Zweifel darüber walten, daß eine Regierung, an der sie sich beteiligen, eine völlige Kursänderung in der inneren und äußeren Politik, cine ausgesprochene Rechtsschwenkung bedeutete. Auch das ist so klar, daß eine rein bürgerliche Regierung im gegenwärtigen Augenblick nicht etwa, wie die Regierung Fehrenbach- Simons auf die Neutralität eines Teiles der Arbeiterschaft zu rechnen hat. Wir machen den Jrrsinn, der jetzt die Politik der bürgerlichen Parteien zu beherrschen scheint, unter feinen Umständen mit. Es ist Jrrsinn, wenn jezt darüber gestriten werden soll, ob wir die oberschlesische Entscheidung annehmen oder ablehnen sollen. Wir sind in derselben Zwangslage, die uns der freventlich herbeigeführte und schmählich verlorene Krieg immer wieder gebracht hat. Es war töricht und unmöglich, die Politik der Ablehnung zu befürworten, als es sich um die Annahme des Versailler Friedensvertrages handelte. Nach der Annahme des Friedensvertrages, nach der Annahme des Ultimatums, jetzt zum dritten Mal dieselbe Frage aufzuwerfen, ist schlechthin wahnsinnig. Das umsomehr, da ablehnen jetzt heißt, die für Deutschland günstigeren Teile der Entscheidung abzulehnen. Denn die wirtschaftlichen Bestimmungen mildern die politischen und schränken sie zu einem guten Teile ein. Glaubt jemand, daß wenn jetzt erst abgelehnt wird, die französisch- polnische Politik nicht den Anlaß benutzen wird, um ihr altes Ziel, die uneingeschränkte Souveränität über den ihr zufallenden Teil zu erhalten? Und sollen wirklich alle Aussichten auf eine Besserung der deutschen Lage verschüttet werden, um den Bedürfnissen der deutschnationalen Parteidemagogie zu genügen? Wenn die Demokraten sich vor der Deutschen Bolkspartei fürchten, die Deutsche Volks partei vor den Deutschnationalen und das Zentrum allein mit den Rechtssozialisten Politik zu machen ebenfalls Angst hat, so mögen die bürgerlichen Parteien diese Politik feiger Verantwortungslosigkeit allein treiben. Aber sie sollen sich bewußt sein, daß sie der schärften Opposition der gesamten Arbeiterschaft begegnen werden. Die Arbeiterklasse hat nicht die geringste Lujt, zum zweitenmal das Opfer derjenigen zu werden, die den Krieg anges zettelt und verloren haben, die für den Verlust Oberschlesiens die allein Verantwortlichen sind. Hcute finden entscheidende Beratungen der Parteien und der Regierung statt. Die Haltung der Parteien wird durch folgende Auslassung der Zentrums- Korrespondenz gekennzeichnet: ,, Sollte es sich bewahrheiten, daß die Deutsche Volkspartei und die Demokraten sich tatsächlich abseits stellen wollen, dann dürfte auch für das Zentrum die Frage von entscheidender Bedeutung sein, ob es unter diesen Umständen in der Lage sein wird, weiter die Verantwortung allein mit der Sozialdemokratie zu übernehmen. Es muß aber ausdrücklich bemerkt werden, daß alle diese Fragen noch völlig im Fluß sind und irgendwelche Beschlüsse nach feiner Richtung hin gefaßt sind. Es ist möglich, daß die Entscheidung rasch fällt. Auf der anderen Seite wird man allerdings unter. Umständen auch damit rechnen können, daß sich die Entscheidung um einige Tage hinausschiebt, weil namentlich über die wirtschaftliche Bedeutung des Genfer Beschlusses und auch über dessen rechtliche Seite im besonderen unter Hinzuziehung des Friedensvertrages noch eine Reihe von Unklarheiten aufzu= räumen sind. Die Hauptsache ist, jezt nicht die Ruhe zu verlieren. Es ist selbstverständlich, daß seitens der Reichstagsparteien alles geschehen wird, was nach Lage der Sache geboten ist. Bis dahin wird man gut tun, ruhig abzuwarten. Wie wir hören, kann mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden, daß der Rück= tritt des Gesamttabinetts erfolgen wird. Ueber die Bildung ber neuen Regierung läßt sich nach dem Vorausgesagten zur Stunde noch nichts sagen. Ob es zu einer Neutonstruktion des bisherigen Kabinetts, zu einer Erweiterung der Koalition oder zu irgendwelcher anderen Kombination tommen wird, wird letzten Endes, wie bereits bemerkt, von der Entscheidung in der oberschlesischen Frage abhängen. Wie wir hören, hat sich die Mehrheitssozialdemokratie in ihrer legten Sigung einstimmig entschlossen, aus der Koalition auszutreten, wenn die Deutsche Volkspartei die Bildung des breiten Blockes durch immer wieder neue Schwierigkeiten zu erschweren sucht. Soweit sich die Dinge übersehen lassen, ist die Lage im Augenblick derart, wie sie seinerzeit vor unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages in Weimar und bei der Ankunft des Ultimatums in Berlin gewesen ist." Aus diesen Auslassungen geht ganz klar hervor, daß die bürgerlichen Parteien auf dem besten Wege sind, ein unentwirrbares Chaos anzurichten. An Stelle der einzig möglichen Politik soll wiederum eine Politik leerer Gesten, das Fuchteln mit der verdorrenden Hand treten. Schon haben die Deutsch nationalen das Schlagwort vom„ pas= siven Wider st a n d" ausgegeben. Es ist ein völlig leeres Widerstand" und inhaltlojes Wort, aber ein sehr gefährliches zugleich, denn es bedeutet den sofortigen Konflikt nach außen. Die Deutsche, Bolkspartei hat das Wort schon akzeptiert, die Demokraten sind auf dem Wege dazu. Siegt diese Politif, dann bleibt für die Arbeiterschaft nur eines: sich in schärfster Kampfstellung gegen das ver= einte Bürgertum zu sammeln. Frankreichs Absichten Paris, 21. Oktober.( Savas.) Der Senatspräsident Léon Bourgeois, der Vertreter Frankreichs im Völkerbundsrat, gab heute abend vor Ver= tretern der Presse eine Erklärung über das Gutachten des Völkerbundsrates betr. Oberschlesien ab. Er sagte, der Rat habe seine Entscheidung in voller Unabhängigkeit gefällt. In erster Linie habe er sich bemüht, die Grenze so zu ziehen, daß die Minderheiten, die infolge der Teilung auf beiden Seiten der neuen Grenzlinie zurückbleiben müßten, fo gering wie möglich seien. In zweiter nie habe sich der Rat mit den wirtschaftlichen Bedingungen Oberschlesiens zu befassen gehabt. Er sei verpflichtet gewesen, die Kontinuität des Wirtschaftslebens in Oberschlesien zu sichern. Hierbei habe man sich an die Bestimmungen des Vertrages von Versailles gehalten, der in seinem Artikel 92 ausdrücklich eine Uebergangsperiode von 15 Jahren vorsteht. Durch das vom Völkerbundsrat vor= geschlagene Regime sei feiner der beiden Teile dem anderen untergeordnet. Man warte jetzt auf die Antworten Deutschlands und Polens, die aufgefordert worden seien, wegen der wirtschaftlichen Fragen Bevollmächtigte zu ernennen. Am Schluß seiner Ausführungen zog Bourgeois einen Vergleich zwischen der Lage von vor zwei Monaten und der Gegenwart. Damals Die Rede Briands In seiner Rede, die der französische Ministerpräsident Briand gestern in der Kammer zur Beantwortung der Interpellation über die auswärtige Politik hielt, finden sich außer dem im heutigen Morgenblatt der Freiheit" wiedergegebenen Auszug noch folgende Stellen von Bedeutung: Briand sprach von der Reparationsfrage. Niemals hätten die Bolkswirtschaftler ahnen fönnen, daß der Wechselkurs, nach dem Kriege so in Unordnung geraten werde, und daß die Reparations= pflichten sich auf Tausende von Milliarden belaufen würden. Die Finanzfrage habe einen Weltcharakter. Die Wiederherstellung des Wechselkurses tönne die ganz Welt besorgt machen, aber man dürfe trotzdem nicht die Realisierungen aus dem Auge verlieren, die man von Deutschland erwarten müsse. Den ersten Verfalltag habe Deutschland eingehalten. Der lange Krieg habe sämtliche Staatstassen in Mitleidenschaft gezogen. Für die Einzelpersonen sei das nicht der Fall. Sie hätten sich im Gegenteil mit dem Geld bereichert. Die Lage in Deutschland sei nicht anders. Die Regies rung des Reichstanzlers Wirth habe den aufrichtigen Wunsch, ihren Verpflichtungen nachautommen. Sie habe ernstliche Ans strengungen für die Entwaffnung und auch in finanzieller Hins ficht gemacht. Deutschland müsse in ausländischen Devisen zahlen. Unter den Gegnern des Dr. Wirth, so erklärte Briand, befänden sich die großen Finanzleute und die Groß industriellen; sie führten ihre Waren und ihre Kapitalien aus, tauften Fabriken und Zeitungen im Ausland und bereiteten den Bankerott Deutschlands vor. Dieser Banterott sei nicht auf. richtig. Ganz Deutschland sei solidarisch, und man werde sich nicht täuschen lassen.( Leb after Beifall.) Wan müsse Teutschland die Erfüllung seiner Verpflichtungen erleichtern. Die Mittel, die zu diesem Ziele führen fönnten, seien verwickelt. Man habe Loucheur vorgeworfen, daß er Fühlung mit Rathenaa genommen habe. Er habe im vollen Einverständnis mit allen seinen Kollegen gehandelt. Das Wirtschaftsablommen würde ges statten, denjenigen Teil Deutschlands zu entlasten, mit dem man in Frieden leben könne. Die Reparationskommission und die Alliierten seien loyal von den Verhandlungen unterrichtet worden. Briand erklärte weiter, das Abkommen verpflichte Frankreich nicht, es sei gewissermaßen eine Option. Derartige Bers handlungen hätten auf den gesunden Teil" der deutschen Bevöl terung die beste Wirkung ausgeübt. Es gebe in Deutschland wie in Frankreich Leute, die durch den Krieg. shredlich gelitten hätten und den Berjuch machten, den Frieden zu befestigen.( Beifall auf zahlreichen Banten) Ministerpräsident Briand sprach alsdann über das Saars aebiet und über die Rheinbande. Bom Rheinland, in dem ein Teil Verwandtschaft mit Frankreich vorhanden sei, so es ein Irrtum, zu glauben, daß die Bevölkerung ihr Vaterland verlassen wolle, aber wenn man bahin gelangen fönnte, daß die Rheinlande nicht mehr von Preußen regiert würden, häte man schon ein großes Ergebnis erzielt. Briand er: innerte daran, daß die 301linie am Rhein durch eine gemeinsame Entscheidung der Alliierten errichtet sei, und daß sie darauf verzichtet hätten, sobald sie ihren Zweck erreicht hatte. Die Alliierten wollten Deutschland helfen; seine Verpflichtungen aus zuführen. Was hätten sie Deutschland antworten sollen, wenn es gesagt hätte: 3hr verlangt viel Geld, aber Ihr legt unseren Handel durch die Zollgrenze lahm." Ueber die Lage in Deutschland erklärte Briand ferner, die Politik sei gut. Frankreich hoffe, daß dieje Politik fortgesetzt werde. Wenn Frankreich das Ruhrgebiet allein besetzt hätte, wäre ihm dies teuer zu stehen gekommen. Es hätte eine Lage herbeigeführt, die, dem Kriege nahe gekommen wäre. Wenn aber die Regierung Wirth gestürzt worden wäre, und wenn die Gegner, di: ans Ruder gekommen wären, erklärt hätten, sie wollten den Vertrag von Versailles nicht mehr anerkennen, dann hätte Franks reich mit allen seinen Alliierten vorgehen können. Er hoffe, daj man niemals zu diesem Aeußersten schreiten müsse. Bezüglich der inneren Lage in Frankreich erklärte Briand, das Land habe einen gejunden Sinn. Die letzten Wahlen hätten auf einer erweiterten Grundlage stattgefunden. Die neuen Des putierten, die in die Kammer gelommen jeien, wünschten eine feststehende Regierung. Sie wollten aber feine inneren Kämpi innerhalb der republikanischen Familie. Die Mehrheit der Kammer müsse ein Reformprogramm in wirtschaftlicher uns jozialer Beziehung haben. Die Republikaner achteten die Ges wissensfreiheit. Aber sie wollten nicht nach rechts und nicht nach der reaktionären Seite gehen. Wenn er teine starte Mehrheit erhalte, werde er nicht nach Washington reisen. Er werde dann einem anderen die Sorge überlassen, die Staatsgeschäfte zu führen. Er habe seine Verantwortlichkeit übernommen, jezt müsse die Kammer das Gleiche tun. Der Präsident teilte mit, daß der Abg. Puech zum Vize präsidenten der Kammer gewählt wurde. seien die vier Großmächte uneinig gewesen. Heute fei das Ge- Die amerikanischen Truppen am Rhein genteil der Fall. Wenn der Völkerbundsrat nichts anderes et reichte, als das, so sei seine Arbeit nicht verloren gewesen. Er habe aber mehr getan, denn er habe gezeigt, daß man die delifatesten Probleme im Geiste der Eintracht und voller Unabhängig teit in Angriff nehmen könne. Niemand brauche über dieses Ergebnis zu triumphieren. Es handle sich nur, und das sei schon viel, um die Verteilung des gemeinschaftlichen Gutes. Man habe Eintracht gefät, die Saat werde aufgehen und Früchte tragen. Washington, 21. Oftober.( Reuter.) Man erwartet, daß die amerikanischen Truppen am Rhein mit der Räumung des besetzten Gebietes innerhalb 14 Tagen beginnen werden. Im Staatsdepartement wurte heute erklärt, daß der Beginn der Räumung dem Austausch der Ratifitationen des deutsch- amerikanischen Friedensvertrages fol gen werde. Der Reichstag Die USP. fordert fofortige Einberufung des Plenums Kurz vor Redaktionsschluß wird uns aus dem Reichstag folDer Zeitungskampf beigelegt gendes mitgeteilt: Die Reichstagsfraktion ber u. G. Wiederaufnahme der Arbeit bei Moffe P. D. beschäftigte sich heute vormittag mit der politischen Lage. Sie war sich darüber einig, daß eine Ablehnung des Spruchs des Obersten Rates über Oberschlesien, wie sie von den bürgerlichen Parteien betrieben wird, für Deutschland die verhängnis= vollsten Folgen haben würde, noch dazu, da sich diese Ablehnung auf die für Deutschland nicht ungünstigen wirtschaftlichen Bestimmungen stützen soll. Die Fraktion stellt fest, daß die Un= cinigteit innerhalb der Koalitionsparteien die Aktionsfähig teit der Regierung, die in diesem Augenblick doppelt notwendig wäre, lähmt und die Gefahr heraufbeschwört, daß in legter Stunde vor Ablauf der in der Note festgesetzten Frist über= stürzte Beschlüsse gefaßt werden. Die Fraktion verlangt aufs neue die sofortige Einberufung des Plenums, damit die Volfsvertretung in die Lage versetzt wird, ihre Meinung über das oberschlesische Problem auszusprechen, auf Grund deren die Regierung ihre Entscheidung zu treffen hat. Die Frattion hat an den Präsidenten des Reichstags das Ersuchen gerichtet, für Sonntag eine Plenarsitzung einzuberufen. Eine merkwürdige Verhaftung Vor einigen Tagen wurde der Redakteur der Freien Presse", Heinrich Wandt, unter dem Verdacht, Aktenstücke und Urkunden, die die Rechte des Deutschen Reiches gefährden könnten, entwendet und an eine fremde Macht ausgeliefert zu haben, verhaftet. Er soll von einem gewissen Mar 3iehe Aften entgegengenommen haben, die sich dieser aus dem Reichsarchiv in Potsdam beschafft hat. Wandt ist der Verfasser der Schrift„ Etappe Gent", in der die Geheimnisse des Etappenlebens in ganzer Nadtheit dargestellt werden. Kein Wunder, daß er bei den ehemaligen Offizieren und den militärischen Behörden, die in dieser Schilderung nicht gerade glimpflich wegkommen, nicht beliebt ist. Sechs Monate Gefängnis hat er bereits weg wegen Beleidigung des Prinzen zu Reuß, die dieser in der Darstellung seiner Rolle, die er in Genf spielte, erblidte. Man wird die weiteren Ergebnisse der Untersuchung abwarten müssen, um zu der fachlichen Berechtigung der Verhaftung Stellung nehmen zu fönnen. Es ist allerdings zu bezweifeln, ob Wandt so rücksichtsvolle Richter finden wird wie Stadtler. Handelt es sich doch bei diesem um einen nationalistischen Politiker, während man in Wandt einen Ankläger des alten Regimes zu treffen fucht. Die Landwirte wollen weiter wuchern Der Reichs ausschuß der deutschen Landwirtschaft hat die eiserne Stirn, die Rot der Bevölkerung infolge des wucherischen Steigens der Preise für Kartoffeln auch noch zu erhöhnen. Er teilt mit: „ Die Verbraucher müssen sich flar machen, daß die Be sprechungen, die zwischen dem Ernährungsministerium und den Vertretern der Landwirtschaft und des Handels stattgefunden haben, und die Bemühungen des Ernährungsministeriums um Berbesserung der Verkehrslage, sich nicht so schnell auswirten, fönnen, um eine sofortige Entlastung, der Verbrauchertreise herbeizuführen. Es darf daher die Konsumenten nicht in Erstaunen sehen, wenn trotz aller Bemühungen die Kartoffelpreise am heutigen Tage wieder in die Höhe gegangen sind." Der Sinn dieser Mitetilung ist unzweifelhaft der, die Landwirte in ihrem Bestreben zu stärten, weiter die unerhörten Wucherpreise zu nehmen. Ebenfalls einem Schuh der Wucherer tommt gleich die Behauptung der Deutschen 3eitung", daß die Inland preise steigen müssen, weil wir tausende von Tonnen Saattartoffeln auf Grund des Friedensvertrages an Belgien und Frankreich liefern müssen. Um den Wucher zu rechtfertigen, find eben den Deutschnationalen alle Lügen redyt. Grenzen der Fortpflanzung Jedermann ist sich darüber klar, daß nur einer fl..nen Anzahl der Nachkommenschaft der Tiere die Erreichung eines reifen Alters vergönnt ist, und daß sich nur wenige Samen zur Pflanze entwickeln; wenige aber machen sich wohl davon eine Vorstellung, wie gering.in Wirklichkeit die Aussicht für die meisten Samen ist, sich zu voller Entwicklung entfalten zu können. Hierüber fönnen selbstverständlich keine genauen, zahlenmäßigen Berech nungen im einzelnen angestellt werden; immerhin kann man schäzungsweise doch ermessen, welch unendlicher Schade angerichtet würde, wenn der Kampf ums Dasein nicht die Mehrzahl der Lebewesen vor der Zeit der Reife vernichten würde. An Fruchtbarkeit kann sich z. B. faum ein anderes Säugetier mit dem Kaninchen messen. Man hat berechnet, daß, wenn nur einige Kaninchen innerhalb von drei Jahren ihre sämtlichen Nach tommen großziehen würden, diese Zahl am Schluß dieser drei Jahre auf 13 718 000 Kaninchen zu berechnen sein würde. In Australien sind die Kaninchen denn auch eine Landplage geworden und zwar aus dem Grunde, weil es an Tieren fehlt, die mit der jungen Kaninchenbrut aufräumen. fönnten. Dazu besigen die Tiere dort einen Ueberfluß an Lebensmitteln, der ihrer Nachkommenschaft die besten Existenzbedingungen gewährt und die Fortpflanzung deshalb begünstigt. Der Ursprung der australischen Plage liegt faum 70 Jahre zurüd, und die Ahnen der riesigen Kaninchenherden von heute waren ein paar englische Kaninchen, die ein eingewanderter Landwirt auf seinem Grund und Boden hatte frei umherlaufen lassen. Man weiß, daß seit altersher die Ernten durch Insekten mehr oder weniger zu leiden haben. Aber auch die schlimmste Jnfettenverheerung ist als ein reines Kinderspiel zu bewerten, gegenüber dem Schaden, der entstehen würde, wenn auch nur die Nachkommenschaft eines einzigen Insektenweibchens ungestört leben und sich entwickeln dürfte. Nehmen wir z. B. einmal den gewöhnlichen Kohlweißling. Er legt jedesmal vielleicht 40 Eier. Nimmt man an, daß die Hälfte dieser Eier weibliche Brut enthält, so würde die Zahl der Nachkommenschaft eines Schmetterlings nach drei Jahren nicht weniger als 1 Milliarde Stüd betragen. Abgesehen davon, daß eine solche Riesenmenge Jchon im Larvenzustand unerhörten Schaden anrichten müßte, würden beispielsweise die fliegenden Insekten in der Luft eine Riesenwolke bilden, die groß genug wäre, um eine große Stadt in Dunkelheit zu hüllen. Ueber die Zahl der Eier im Laich eines Dorsches hat vor Jahren ein englischer Naturwissenschaftlicher eingehende Untersuchungen angestellt. Danach betrug diese Zahl rund 7 Millionen. Nach niedriger Schägung würde damit die Nachkommenschaft eines Dorsches, vorausgefeßt, daß alle dem Ei Die Belegschaft von Mosse hielt heute vormittag eine Betriebsversammlung ab. Fuchs, der Vorsitzende des Betriebsrates, gab Bericht über die Verhandlungen zweds Beilegung des Konfliktes, die gestern bis in die Nacht hinein gepflogen worden sind. Der Versammlung wurde eine Reso= Iution folgenden Inhalts vorgelegt: „ Die Betriebsversammlung der Firma Rudolf Mosse beschließt nach Kenntnisnahme des Berichts ihrer Funktionäre im Ver= trauen auf das gegebene Versprechen, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Die Versammlung betrachtet es als ihr gutes Recht, bei Nichteinhaltung, des gegebenen Ver sprechens mit allen Mitteln, die ihr zu Gebote stehen, für ihre Forderung erneut wieder einzutreten." Die Resolution ist einstimmig angenommen worden und die Arbeit wird noch heute mittag wieder aufgenommen. Infolge Aufnahme der Arbeit hat die Prinzipalität zugesichert, daß die bisher von ihr ergriffenen Maßnahmen, wie Aussperrung und fristlose Entlassungen rüdgängig gemacht werden. Das in der Resolution erwähnte Versprechen besteht darin, daß der Belegschaft von Mosse die strittige Differenz von 15 M., die den Ausgangspunkt des Konfliktes gebildet hatte, gezahlt wird. Ueber die Bezahlung der Streiftage wird verhandelt werden. Die Erledigung des Konfliktes erfolgt also in der ursprünglich vom Reichsarbeitsminister vorgeschlagenen Weise. Suche nach dem Berräter Die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände in Not. In unserer letzten Sonntagsausgabe fonnten wir auf einige unserem Mannheimer Parteiorgan entnommene vertrauliche 3irfulare der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände aufmerksam machen. Wie erinnerlich ist, wandte sich die Vereinigung in diesem Rundschreiben mit einer großen Schnorrerei an ihre Mitglieder. Der Zweck der besonderen Beisteuer, zu deren Leistung die organisierten Unternehmer aufgefordert wurden, ist die Beschaffung von Mitteln für einen Propa gandafonds. Wir erklärten sofort, daß wir von dem ganzen Vorgang nicht überrascht seien und daß uns die Angelegenheit nur der Heimlichkeit wegen interessant erschien, mit der die Propaganda für den Arbeitgebergedanken", wie. sich das Zirkular ausbrüdte, betrieben wird. Die Propaganda be steht im Kauf der bürgerlichen Presseorgane und in der Korrumpierung der dort beschäftigten Schreiber, und darum hatte die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände Grund, thre Absichten streng geheim zu halten. Der Mannheimer„ Tribüne" ist nun als vortreffliche Er gänzung zu den ersten beiden ein drittes Rund= schreiben ins Haus geflattert. Dieses dritte Rundschreiben ist veranlaßt durch die Veröffentlichung der ersten beiden. Wir fönnen es insofern eine treffliche Ergänzung der von uns am Sonntag erwähnten Zirkulare bezeichnen, weil es zeigt, wie ängstlich die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände ihr Propagandageheimnis zu hüten trachtet. Das dritte Rundschreiben ist die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens gegen die Mitglieder der Vereinigung und der ihr angeschlossenen Einzelverbände, bei dem festgestellt werden soll, welcher Sündenbod der Mannheimer Tribüne" das große Geheimnis anvertraut hat. In dem neuen Zirkular werden die Mitglieder ersucht, das Rundschreiben Nr. 112 eben jenes, das die ver schwiegenen Mitteilungen machte sofort zurückzu geben.„ Wir wollen den Versuch machen," heißt es dann weiter, fe ft zustellen, auf welchem Wege das Rundschreiben in die Hände der Tribüne" gekommen ist." entschlüpften Jungen am Leben blieben, faum im Aermeltanal Play finden. Und im Laufe von drei Jahren würden die Weltmeere vollständig von Dorschen blockiert sein, falls die Vermehrung ungestört vor sich gehen könnte. Aber dazu kommt es nicht; denn gerade die Sterblichkeit der Dorsch- Eier ist außerordentlich groß. Hunderttausende von Eiern werden verschlungen, noch bevor sie ausgebrütet sind, und Hunderttausende der Kleinen Fische fallen den Raubfischen zum Opfer. So harmlos z. B. die Sumpfdotterblume ist, so würde fie doch sehr gefährlich werden können, wenn sie sich ganz frei und unbehindert vermehren könnte. Der Botanifer Anton Kerner Ritter von Marilam, hat ausgerechnet, daß dann in einer Periode von nur drei Jahren die Zahl der Pflanzen groß genug wäre, um das gesamte Festland der Welt zweimal zu bedecken. Was hält nun dieses Unkraut ab, sich ungehemmt auszubreiten? Die Frage ist nicht so ohne weiteres zu beantworten; denn man weiß nichts von einer epidemischen Krankheit, die am ehesten diese Ver= breitung zu hindern vermöchte. Vielleicht wird eine Anzahl der Samenförner von den Vögeln gefressen. Wahrscheinlich aber ist, daß die meisten Samen, die zu Boden fallen, von anderen Pflanzen erstickt werden. Nach den Mitteilungen des„ Scientific American" wurden an einem großen Exemplar eines Riesenchampignons nicht weniger als 7 Billionen Sporen gezählt. Man hat berechnet, daß im Durchschnitt jedes Exemplar des gewöhnlichen Champignons nicht weniger als 2 Milliarden Sporen auf weist. Wenn nun jede Spore nur einen einzigen Pilz von mittlerer Größe erzeugte, so würde sich das Endergebnis darin bemerk bar machen, daß ein Gebiet von der Größe des Hyde- Parks in London im Laufe eines einzigen Jahres von Champignons bebedt wäre. Die Frage, über welche Mittel die Natur verfügt, um eine übergroße Bermehrung in der Tier- und Pflanzenwelt hintenan zu halten, ist deshalb von nicht geringer Bedeutung. Bei den Tieren dürfte der wichtigste Umstand dieser Behinderung in der Schwi e= rigkeit der Ernährung zu suchen sein. Was die Pflanzenwelt anbetrifft, so wird hier das Gleichgewicht dadurch erhalten, daß es für die Pflanze überaus schwer ist, einen ihrer Weiterentwidíung günstigen Play zu behaupten. Jeder Quadratfuß der Erde, die fähig ist, vegetabilisches Leben zu erhalten, ist ja in Anspruch genommen und voll ausgenutzt. Kein Wunder, daß bei dem Kampf um einen Platz an der Sonne so viele Pflanzen Jhon im Keim erliegen. Zu Sardens 60. Geburtstag hat der Erich Reiß- Verlag ein Heft mit 30 Briefen und Aeußerungen über Harden herausgebracht. Harden war immer, auch als Sozialistenfresser und Imperialist, eine ungewöhnliche politische und fünstlerische Bublizistennatur. Heute, wo er seit den Novembertagen mit einer in Deutschland einzigdastehenden Kraft der Darstellung die Schmach der NosteWir haben alle Achtung vor den kriminalistischen Talenten der Herren in der Vereinigung deutscher Arbeitgebervers bände. Wer das Rundschreiben nicht zurückzusenden ver mag, der ist der ertappte Verräter. Was er von feinen Kollegen zu gewärtigen haben wird, wissen wir nicht. Aber wir glauben, er wird sich genügend gesichert haben, denn er wird besser wissen als wir, daß in solchen Dingen mit seinen Klassengenossen nicht zu spaßen ist. Die Korruption der Presse und die Verleumdung der Arbeiterbewegung mit Hilfe der ,, Propaganda für den Arbeitgebergedanken" ist ihnen Ehrensache und in solchen Ehrensachen hört bei ihnen die Gemütlichkeit noch viel schneller auf, als in Gelda sachen. Selbst dann, wenn der angebliche Verräter aus einer wirklichen und wohlverstandenen, für die Mehrzahl der Unternehmer aber völlig unfaßlichen Ehrlichkeit und Ans ständigkeit gehandelt hat. Denn Anstand ist Verrat. Aber wichtig ist für uns auch jezt wieder nur das eine, daß diese Untersuchungsaktion von neuem beweist, wie ernst und wie wichtig es die Vereinigung deutscher Arbeitgebers verbände mit der Geheimhaltung ihrer Propagandaabsichten nimmt. In der Tat: man muß sehr viel Dreck am Stecken haben, wenn man so verfährt. Die polnische Presse zur Entscheidung ( Intel). Warschau, 21. Oktober, In der Stellungnahme der polnischen Presse zur oberschlesischen Frage ist, obwohl am Freitag der Wortlaut der Entscheidung des Bölterbundrates in Warschau noch nicht bekannt war, eine offen sichtliche Veränderung festzustellen, die offenbar auf Anweisungen der Regierung zurückzuführen ist. Die früher bei jeder Gelegen= heit zum Ausdrud gebrachte Unzufriedenheit über die Teilung Oberschlesiens ist einer weit gemäßigteren Betrach tungsweise gewichen. Mehrforderungen, auf das ganze Obers schlesien, werden im Gegensatz zu früher nicht mehr erhoben und die Blätter, legen jetzt ihr Hauptaugenmerk auf die gemeinsame Wirtschaftsregie Polens und Deutschlands über das geteilte Ins dustriegebiet. So schreibt der Kurier Poranny", der als von der Regierung inspiriert gilt, es liege die Gefahr eines deuts schen Boykotts gegen die abgetrennten oberschlesischen Gebiete vor. Polen müsse dagegen gemeinsam mit den Großmächten wirken und streben, um einen modus vivendi mit Deutschland zu finden. Es müsse dabei auch in Rechnung stellen, daß fünftighin eine größere Loyalität der französischen Politit gegenüber Deutschland zu erwarten sei. Bolens Aufgabe werde es sein, seinerseits darauf zu achten, daß Oberschlesien nicht die eiternde Wunde des Kontinents bleibe. Die Politik der Regierung müsse entschlossen und versöhnlich sein. Sache der Presse sei es, diese Regierungspolitit nicht zu ers schweren. Riesendemonstrationen in Paris Zugunsten Saccos und Vanzettis EE. Paris, 22. Oftober. Gestern abend hatte das Komitee, das die Attion zugunsten der italienischen Kommunisten Sacco und Vanzetti, die bes Demonstration in die Salle de Wagram einberufen. Mitglieder, fanntlich in Amerita zum Tode verurteilt worden sind, eine riesigend der kommunistischen und anarchistischen Partei der Gewerkschaften, der republikanischen Vereinigungen der ehemaligen Fronttämpfer waren in ungeheurer Menge zu der Versammlung herbeigeströmt, so daß der Saal die vielen Tausende nicht fassen fonnte. Marcel Cachin sprach zu den Scharen auf der Straße, die der Versammlung im Innern nicht beiwohnen fonnten. Hier wurden revolutionäre Lieder gesungen. Als an die Polizei der Bes fehl erging, die Manifestanten zu zerstreuen, tam es zu einem riesigen Gedränge. Plötzlich hörte man die Explosion einer Granate. Mehrere Polizeibeamte und Inspektoren sowie einige Demonstranten wurden verlegt. Es wurde beschlossen, am Sonns tag vormittag vor der amerikanischen Botschaft zu demonstrieren. Der Matin glaubt zu wissen, daß der gestrige Ministerrat bes Schloß, derartige Manifestationen zu verbieten. Republif, die Berlogenheit eines demokratisch geschminkten Na tionalistenregimes, die Prasserei und Schmuzigkeit der Bourgeoisie dargestellt und durch seine Veröffentlichungen zahlloser in- und ausländischer Dokumente( zum großen Teil in eigenen muster haften Ueberlegungen) eine Fülle von Wahrheitslicht über die Kriegs- und Revolutionszeit ausgebreitet hat, heute fällt es uns natürlich leichter, ihm als Erscheinung der Zeit und des Geistes gerecht zu werden. Am besten spricht Heinrich Mann in diesem Geburtstagss heft in einem Brief an Harden aus, worin er seine Bedeutung ertennt Er schreibt: Ihr Aufstieg und Wirten gehören in der auch von mir erlebten Zeitgeschichte zu den Erscheinungen, die ich am höchsten stelle. Sie wissen, was ich so hoch stelle: die echte Leidenschaft Ihres Geistes und daß Sie, in einer Epoche nie bagewesener Einflußlosigkeit der geistigen Persönlichkeit, eine öffentliche Macht wurden. Dies ist unvergeßlich ehrenvoll für jeden von uns. Eine Macht vermittels Zergliederung und Durchleuchtung der Handelnden. vermittels Ertennen! Eine Macht auf dem Wege des leidenschaftlichen Stiles, des Pathos, Der Jdee und der Geste! Macht durch Literatur! Das neben verschwinden alle Einwände, jede abweichende Meinung." Eine Notjpende deutscher Kunst. Die nächsten großen Berliner Ausstellungen, die Jurnfreie Kunstschau und die der Berliner Sezeffion, werden eine Einrichtung zum ersten Male anwenden, die der notleidenden deutschen Kunst erhebliche Mittel zuführen soll. Jeder Besucher erhält für einen zwangsweise erhobenen Zuschlag zum Eintrittsgeld in Höhe von 1 Mark eine kleine Originalgraphit von einem der in der Ausstellung vertretenen Künstler. Darüber hinaus hofft man auf die Spenden von Kunstfreunden, um der Unternehmung bald einen träftigen Fonds zu geben. Tages- Notizen Don Das Boltsbildungsamt Reukölln veranstaltet ein Orchestertonzert in der Aula des Reformrealgymnafiums, Bobbinstraße. Sonntag, 7% Uhr abends, findet es unter Leitung von Leo Blech statt. Als Solistin ist Fräulein Mariquita Seden gewonnen. Aus dem Programm ist zu erwähnen: Symphonie C- dur von Beethoven, bie Unvollendete von Schubert, Oberonouvertüre Weber und Arien von Mozart. Karten zum Preise von 3-12 9. ind in den mit Blataten belegten Handlungen jowie im Boltsbildungsamt Neukölln, Rathaus, Zimmer 257, zu haben. Sämtliche Bläge sind numeriert. Große Boltsoper Berlin. Freifi" Montag, 7% Uhr, in der„ Neuen Welt". Eine Dante- Feier veranstaltet die Volkshochschule Groß- Berlis Sonntag, 5 Uhr, Aula des Sophiengymnasiums, Weinmeisterstr. 15. Das Bro gramm besteht aus einem Vortrag von Dr. Kurt Busse, ben Rezi fationen und musikalische Darbietungen umrahmen. Karten 1,50 0, Erstaufführungen. Golokparttheater: 24. Ehe" von Kurt Heynide. Jüdisches Künstleriheater: 26. Dybut" von Austi. 3um Gedächtnis Anton Brudners bringt das Ihner Orchester Sonntag, 7 Uhr, Blüthner- Saal, seine 4. Sinfonie( Romantische) zur Aufführung. Waldemar Lütschg spielt bas Klavier- Konzert Es- dur von Beethoven mit Orchester. Der Ostar Fried- 3yllus beginnt Sonntag, mittags 11% Uhr, in der Scale mit einer Aufführung von Gustav Mahlers 2.( Auferstehungs-) Einfonie für großes Orchester, Solt und Chor. Anilin- Hauffe Die Spekulation mit dem Oppauer Unglück Schon unlängst fonnten wir auf die erheblichen Kurs= steigerungen aufmerksam machen, die bei den Werten der chemischen Industrie seit dem Oppauer Unglück Platz gegriffen hatten. Die Börse rechnet damit, daß die geschädigten Werke riesige Neuaufnahmen an Attienkapital werden vornehmen müssen, um den Schaden zu decken. Das Kapital ist aber längst daran gewöhnt, daß neue Aftien- Emissionen den Besitzern der alten Aftien wertvolle Bezugsrechte einbringen. Darauf spekulieren sie jetzt, und die Folge davon ist, daß die Aktien sämtlicher Werke, die der Interessengemeinschaft der chemischen Industrie angehören, an der Börse stark in die Höhe gehen. Die„ Frankfurter Zeitung" schildert jetzt die Entwicklung des Kursganges der Anilin- Aktien in einer ausführlichen Darstellung, der wir das Folgende entnehmen: Die Aftien der J.- G.- Gesellschaften haben nach Eintritt der Katastrophe und nachdem sie zunächst einen Börsentag aus begreiflichen Gründen ohne Notiz geblieben waren, gewisse fursmäßige Einbußen erfahren, die im Vergleich zum absoluten Kursstande zumeist sehr unbedeutend waren. Vergleichsweise bald aber setzte am Markte der bei Oppau beteiligten Chemiewerte eine Erholung ein, die allmählich in eine ausgesprochene Hausse- Bewegung überging. In den letzten Tagen hielt sich die Kursbewegung dieser Chemie- Aftien nicht nur im Rahmen der allgemeinen stürmischen Aufwärtsbewegung der industriellen Werte, die sich an die zeitweise rapide Entwertung der deutschen Valuta anschloß, sondern sie trat zuletzt sogar noch besonders in den Vorder= grund. Der Grund für diese Kursbewegung liegt sicherlich nur zu einem Teile in den Aussichten auf weiter gesteigerte Exporterlöse, welche die J.-G. als Export- Konzern aus dem Hochstand der Devisen jetzt zu erwarten hat. Sehr wesentlich hat bei der Kurssteigerung der Chemie- Attien zweifellos die Vorbereitung des Marktes auf eine aus Anlaß des Oppauer Unglüds notwendig werdende neue Attien- Emission mitgesprochen. Es ist ziemlich wahrscheinlich geworden, daß die vielen Hunderte von Millionen Mart, welche zum Wiederaufbau von Oppau und zum Ausgleich aller Schäden notwendig sein werden, die Gesellschaften der J.-G. zu bedeutenden Kapitalserhöhungen veranlassen werden. In Erinnerung an die letzten Emissionen der Gesellschaften der J.-G. glaubt nun die Börse mit einem neuen wertvollen Bezugs= recht für die beteiligten Chemie- Gesellschaften rechnen zu können. Sie glaubt das um so mehr, als sie erwartet, daß die Gesellschaften heute mehr denn je dem Markte einen fursmäßigen Anreiz bieten wollen. Seit unserm ersten Hinweis auf diese Zustände haben die Aktien der Chemischen Industrie beständige weitere Steigerungen erfahren. Die Entwicklung der Kurse seit dem Unglück von Oppau, das sich am 21. September ereignete, gestaltete sich so: 19. Sept. 23. Sept. 27. Sept. 28. Sept. 19. Okt. 20.Okt). Bad. Anilin- u. Sodafabr.. 546.505.Höchster Farbwerke 475. Elberf. Farb.- Fabriken 479. Anilinfabrik. Treptow Griesheim- Electron Weiler- ter Meer. 520.- 570. 650.- 700.470% 4802 521.- 649, 685 478. 508. 550.- 675. 810.458.- 469 4752 670.- 3 479. 485 494.- 540.- 650.- 800.474.- 459-474-495.- 600-700.Die Aktien des Unglückswertes und der verwandten Betriebe haben also in den Augen der Börsenhyänen durch den Tod der Hunderte von Oppau erheblich an Wert ge= wonnen. Sie sind sicher, daß ihnen die Katastrophe neue Gewinne einbringen wird, und sie setzen daher bedenkenlos auf diese Karte. Außerdem wiegen sie sich in der Hoffnung, das ähnliche Katastrophen in der Zukunft den Wert der in ihren Händen befindlichen Papiere weiter steigern tönnten. Sie spekulieren also nicht nur mit dem Blut der in Oppau Umgekommenen, sondern auch mit dem Leben der Arbeiter der Chemischen Industrie überhaupt. Und es gibt keine Macht, die es wagt, diesem widerlichen Treiben ein Ende zu machen. Die„ Frankfurter Zeitung" warnt zwar die Interessengemeinschaft der Chemischen Industrie vor dem Beschreiten des Weges, den die Spekulanten von ihr erwarten, aber nur deswegen, weil sie glaubt, die Ausgabe neuer Aktien würde den beteiligten Gesellschaften selbst nicht besonders gut bekommen. Auch dieses Blatt muß aber zugeben, daß auch den Gesellschaften daran gelegen sein wird, der Börse einen ,, fursmäßigen Anreiz" zum Kauf der Aktien und zur Beteiligung an der Kapitalserhöhung zu bieten. Das geschieht durch einträgliche Bezugsrechte. Auch die Frankfurter Zeitung" weiß, daß die Spekulation feine Fesseln duldet, daß sie alle Hemmungen über den Haufen rennt, wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, daß das Blut der Armen sich umwandelt in Millionen= gewinne der Reichen. Der Lauf der göttlichen Weltordnung des Kapitalismus will es nicht anders. Die Düsseldorfer Freiheit" verboten. Das Düsseldorfer Organ der K. P. D., die Freiheit", ist auf 14 Tage verboten worden, weil sie die Sipo im Düsseldorfer Bezirt mit arbeiter feindlichen Aktionsplänen in Berbindung brachte. Schlußigung des belgischen Parlaments. Das belgische Barlament ist am Freitag zum letzten Mal zusammengetreten. Die allgemeinen Neuwahlen werden am 20. November stattfinden. Wir haben für Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend Die Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend versendet ihren Geschäftsbericht für das Ende Juli 1921 abgelaufene 22. Geschäftsjahr. Die Mitgliederzahl betrug an diesem Tage 125 622, der Umjaz im abgelaufenen Geschäftsjahr 232 071 451 M. An Rabatt wird den Mitgliedern eine Summe von 3 151137 M. zurückvergütet. Infolge der Warenpreissteigerungen ist die Konsum- Genossenschaft genötigt, ein Warenlager im Werte von über 25 Mi11. M. zu unterhalten. Die Zahl der Lebens= mittelvertaufsstellen beträgt etwa 150, dazu kommen setzt fühlen durften. Und wenn ihre eigenen Arbeitgeber nicht zufällig eine kleine Aussperrung des technischen Personals vers, anstaltet hätten, so würden wir schon längst das Ergebnis der Konferenz zu lesen bekommen haben: wie schlecht es den armen Arbeitgebern geht, während die Arbeiter prassen Und unsere Augen hätten bittere Zähren des Mitgefühls ges feuchtet, wie die Kehlen der Herren Journalisten, der süße Gratiss wein der Herren Arbeitgeber! noch die Warenhäuser in der Brunnenstr. 188 und Reiniden Verständigung im Gastwirtsgewerbe? dorfer Str. 21, sowie das Manufakturwarengeschäft in Teltow, Sandstr. 2. In der nächsten Zeit wird im ehemaligen Volkshause zu Charlottenburg, Rosinenstr. 4, das inzwischen umgebaut worden ist, ein Warenhaus eröffnet werden. Die Konjum Genossenschaft unterhält auch eine Spartasse, deren Bestand über 42 Mi II. M. ausmacht. Die Gesamtzahl der beschäftigten Personen ist 2216, die im Kontor, im Zentrallager und den Verkaufsstellen beschäftigt werden. Darunter befinden sich 260 Bäcker und Konditoren nebst Hilfsarbeiterinnen. Wenn demnach die Konsum- Genossenschaft auf ein weiteres erfreuliches Wachstum zurückblicken kann, so muß den= noch gesagt werden, daß, in Anbetracht der zahlreichen Arbeiter bevölkerung Berlins. noch viel zu tun ist, um diese Konsumenten für sie zu gewinnen. Eine unverständliche Maßnahme Eine recht eigenartige Wohnungsausweisung wird uns aus Neukölln mitgeteilt. Ein Wohnungsinhaber, der ein. Zimmer seiner Wohnung weitervermietet hatte, tauschte seine im Hause Anzengruberstraße 3 liegende Wohnung mit einer abgemietete Zimmer vom Wohnungsamt zugewiesen war, soll Wohnung in Grünberg in Schlesien. Die Untermieterin, der das nun, da sie dem Herrn aus Grünberg lästig ist, mit allen Mitteln zur Aufgabe des Zimmers gezwungen werden. Merkwürdigerweise unterstützt das zuständige Woh= nungsamt dieses Vorgehen. Obwohl der Tausch seinerzeit nur mit der Bedingung genehmigt war, daß die Untermieterin das Zimmer behält, soll das verhindert werden. Der Wohnungsinhaber duldet nicht, daß die Untermieterin ihr Zimmer betritt, er verhindert sie gewaltsam, daß sie ihre Sachen benützt. Der Untermieterin wurde während ihres Krankenhausaufenthaltes trotz der Wohnungsnot eine andere Wohnung nachgewiesen, die aber für diese Frau nicht geeignet ist. Die in Frage kommende Wohnung war früher von drei Personen bewohnt, jezt nur von zwei, trotzdem soll aber noch das Zimmer freigegeben werden; das scheint uns unverständlich. Die einfachste Lösung wäre doch, daß man den jezigen Wohnungsinhaber zwangsweise aus dieser Wohnung entfernt und sie einem Mieter zuweist, der gegen das Mitwohnen der Untermieterin nichts einzuwenden hat. Allerdings soll der jezige Wohnungsinhaber das mit allen Mitteln zu hintertreiben suchen. Das sollte doch kein Grund sein, entsprechend gegen diesen vorzugehen. Der Wohnungsinhaber wird sich wegen der gewaltsamen Behinderung zur Benugung des Zimmers durch die Untermieterin noch vor Gericht zu verantworten haben. Aber auch das Wohnungsamt, das doch sonst nicht um Mittel verlegen ist, sollte einen Weg finden, sich Seine Autorität gegen diesen Herrn aus Grünberg zu wahren. Es scheint uns dringend nötig, daß die leitenden Stellen sich der Angelegenheit annehmen. Berichtigung. In unserem Stadtverordnetenbericht ist irrtümlich von einer Ausfuhrgenehmigung von 200 000 Tonnen die Rede. Unser Redner hat aber nur von 200 000 3entnern ge= sprochen. Dunkelbraune Pelzitola mit braunem Seidenfutter, Nähe Bahnhof Heerstraße, abhanden gekommen. Gegen Belohnung abzugeben im Teppichgeschäft Emil Lefèvre, Oranienstraße 158. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Sonntag. Ein wenig wärmer, veränderlich, überwiegend bewölkt mit etwas Regen und frischen südlichen Winden. Die Liebe geht durch den Magen Die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände veranstaltete dieser Tage eine Pressekonferenz. Die Einladung dazu, die uns der bekannte Zufall in die Hände ge spielt hat, verzeichnet fünf Punkte von herzlichster Belanglosigkeit. Wir können es wenigstens nicht als erheblich bezeichnen, wenn Generaldirektoren und dergleichen Herrschaften Kritisches zur Lohnbewegung" äußern oder„ Grundsäglich e Betrachtungen zur Sozialpolitif" anstellen. Die Kritik, die da geübt wird, tut dem Portemonnaie der Herren nicht weh, und ihre grundsäglichen Betrachtungen schaden ihnen noch weniger. Bemerkenswert erscheint uns die große Veranstaltung lediglich wegen des sechsten Punktes, den die Tagesordnung gar nicht verzeichnete, der aber zweifellos den stärksten Eindruck bei den erSchienenen Herren von der bürgerlichen Bresse auslöste. Dieser Punkt bestand nämlich in einem solennen Frühstück, von dem das Geded 100 M. tostete. 200 Mann start erschien die bürgerliche Presse und frühstückte, Pardon, konferierte. Aber man ist nicht forrupt, i wo denn! Nebenbei bemerkt fand diese Frühstückskonferenz im Hotel Esplanade statt. Von Streitbrechern bedient, atmeten die Herren Journalisten mit Behagen die scharfmacherische Atmosphäre, in die sie sich teils durch das Milieu, teils durch die munteren Reden der Matadore der vereinigten Arbeitgeber verdie beiden Chluẞtage Untertaille, grau Trikot. Stck. 9,50 Handtücher... • Kinder Trikots, in allen Stck. 12,75 Größen Herren- Beinkleider, grau Stck. 9,50 Winter HerrenHandschuhe Der Verband der Unternehmer im Gastwirtsgewerbe sieht all gemach ein, daß es so nicht weitergeht. Es hat nun den Ar schein, als ob nun, nachdem man die Erfolglosigkeit einsah, mit unfähigen Streitbrechern die Betriebe aufrecht zu erhalten, zu Verhandlungen geneigt ist. Der Demobilmachungskommissar bes müht sich u. a., die beiden Parteien für nächste Woche zusammen zubringen. Die Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeberverbände im Gastwirtsgewerbe, die gestern tagte, ließ ebenfalls verlautbaren, daß zwischen beiden Parteien Verhandlungen angebahnt wer den". Da bisher die Arbeitgeber überhaupt von Verhandlungen nichts wissen wollten und alle Versuche hierzu ablehnten, dürfic. die Verhandlungsbereitschaft nun ein gutes Vorzeichen sein. Die Gastwirte zieren sich noch wie spröde Jungfrauen und bleiben bei dem„ Segen" des 10 prozentigen Systems, an dem nach ihrer Meinung nicht gerüttelt werden darf. Es wird den kommenden Verhandlungen jedoch vorbehalten bleiben, die strittigen Fragen einer Lösung zuzuführen, die den billigen Forderungen der Angestellten Rechnung trägt. Zum Berrat der Hotelbeamten Eine schmugige Schiebung. Der Verband der Unternehmer im Gastwirtsgewerbe ging bas mit trebsen, daß die Hotelbeamten vom Verband abgesprungen und die Arbeit wieder aufgenommen hätten. Wie die Sache in Wirklichkeit vor sich ging, wurde in einer Versammlung der Ab teilung I des Zentralverbandes der Gastwirtsangestellten, die Mittwoch statt fand, festgestellt. Das Mitglied der Hauptvers waltung, Schneider München, erklärte, daß die paar Fron deure gewissenlose Egoisten sind, die einen gewöhn lichen Rache att ausführten, bei denen die niedrigsten Instinkte mitspielten und die sich durch Geldbestechungen zu ihrem schmutzigen Vorgehen veranlaßt sahen. Diese Leute hätten sich durch ihr Gebahren außerhalb von Gitte und Moral gestellt. Kollege Sperling erklärte, daß er feinesfalls seine Unter=' schrift gegeben habe und weist jede Gemeinschaft mit diesen Ehrlosen weit von sich. In ähnlicher Weise schilderten mehrere Kollegen die Art, wie sie übertölpelt wurden. Von allen Rednern wurde die Schandtat aufs Schärfste verurteilt und nachfolgende Resolution einstimmig angenommen: ,, Die heute tagende Versammlung der Geschäftsführer, Hotel beamten und Portiers, Sektion I des Zentralperbandes legt flammenden Protest ein gegen den Uebermut des gewesenen Vorstandes, der sich erdreistet hat, ohne die Mitglieder der Geftion, I des Zentralverbandes zu befragen, den geschlossenen Austritt aus dem Zentralverband zu beschließen und bekanntmachen zu lassen. Die Sektion I denkt nicht daran, diesen Abtrünnigen zu folgen. Unsere Parole lautet: Treu zum Zentralverband!" U.S. P.- Lehrer. Die Sigung findet abends um 5 Uhr statt. Arbeitersport Arbeiter- Wanderverein Berlin". Sonntag, den 23. Oftobet, Wanderung Wild park- Beelig. Abf. 7.55 Uhr Potsdamer Hauptbahnhof und 7 Uhr Schles. Bhf. Der Schwimmverein Vorwärts Berlin 1897( M. b. A.-W.-B.) hält in folgenden städtischen Badeanstalten reservierte Uebungsstunden ab: Gruppe Lichtenberg. Jeden Dienstag von 7-8% Schillingsbrüde. Männer und Frauen üben gemeinsam. Gruppenadresse: D. Friesede, Berlin, Grüneberger Str. 17. Gruppe Süden. Jeden Mittwoch von 7-8% Uhr für Männer. Montags von 7-8 Uhr für Frauen im Stadtbad Neukölln, Ganghoferstraße. Gruppen adresse: A. Striegel, Neukölln, Pflügerstr. 13. Gruppe Norden. Jeden Mittwoch und Donnerstag von 7-8% Uhr in der Gerichtstraße. Männer und Frauen üben gemeinsam. Gruppenadresse: M. Edert, Beusselstr. 15. Gruppe Nordost. Jeden Freitag von 7-8% Uhr in der Badeanstalt Oberberger Straße. Männer und Frauen üben gemeinsam, Gruppenadresse: H. Schubert, Berlin, Senefelder Str. 17. Gruppe Westen. Jeden Montag von 7-8% Uhr für Kinder und Frauen, von 8% 9% Uhr für Jugend und Männer. Gruppenadresse: E. Zoste, Steglit, Schützenstr. 16. Die organisierte Groß- Berliner Arbeiterschaft hat hier Gelegenheit, unter sach gemäßer Leitung auch während der Wintermonate den so gefunden Schwimme sport zu betreiben und zu erlernen. Unentgeltlicher Schwimmunterricht wird in allen Gruppen erteilt. Es bestehen Männer-, Frauens, Jugend- und Kinder abteilung. Auskunft in jeder Angelegenheit erteilen die Gruppenleiter. Parteiveranstaltungen Sonnabend, 22. Oktober 2. Diftritt( Berlin- Mitte). Die Abteilungstaffierer werben ersucht, die Eins trittskarten der Proletarischen Feierstunden abzurechnen, da ich sonst annehme, daß sie verkauft sind. Sonntag, 23. Oftober. 6. Diftritt. Borm. 10 Uhr Vorstandsfizung bei Bessel, Bremer Str. 51. Röntgental- Zepernid. Flugblattverbreitung. Treffpunkt früh 8 Uhr bei Pohle, Röntgental, Siemensstraße. Berantwortlich für Politit und Feuilleton: Leo Liebschig, Berlin- Frie benau; für Kommunalpolitit, Lokales und Gewerkschaftliches: B. Rudner, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Charlottenburg. Berlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6. m. b. 5., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. b. 5., Bertin C. 2, Breite Straße 8-9. 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