· Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montags mar einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus und durch die Bost bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen fämtliche Poftanftalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens und Luxemburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.-. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9 加 Montag, 24. Oktober 1921 Nummer 498 Abend- Ausgabe Die neungespaltene Nonpareillegelle ober deren Raum koftet 6,- M. einschließlich Inferatenftener. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Inferatenfteuer. Laufende Anzeigen lant Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Beile. Stellen- Gefuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jebes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 greibeis Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der Monarchistenputsch in Ungarn Desterreich in Not As Wien wird uns geschrieben: Was alle Klarsehenden kommen sahen, ist nun eingetreten: der Habsburger ist wieder in Ungarn und damit ist die Frage der Existenz sowohl der aus dem Kriege her vorgegangenen Nationalstaaten, als auch der mitteleuropäischen Republiken aufgeworfen. Wenn auch der Habsburger fich als eine Sicherung gegen eine Erstartung Deutschlands den Ententemächten, vor allem Frankreich, schmadhaft zu machen sucht und gewisse Ermunterungen von dieser Seite erhalten haben dürfte, so ist es flar, daß ein gelungener Putsch der Habsburger als Vorspiel zu einer Restauration der Hohenzollern dienen würde. Die Bedingungen, unter denen der Putsch jetzt erfolgte, find für den Habsburger jetzt viel günstiger, als zur Zeit feines Osterausfiuges. Damals erwarteten ihn in Steinamanger einige Grafen, Bischöfe und Betschwestern; jekt ist er in Dedenburg mit seinem Flugzeuge inmitten einer zur Kriegsführung gut ausgerüsteten Armee gelandet, die durch und durch legitimistisch ist. Damals trat er die Fahrt nach Budapest in einem Automobil mit einigen Ehrentavalieren an; jezt hat sich auf die Nachricht seiner Ankunft in Budapest ein farlistische Regierung gebildet. Auf einen inneren Widerstand von irgendwelcher Bedeutung ist absolut nicht zu rechnen und Horthy wird vor dem„ ge frönten König" ohne weiteres tapitulieren. Er wird in Ungarn nicht aus dem Grunde auf teinen Widerstand stoßen, weil Ungarns Volt monarchistsch ist, sondern weil es durch den Terror und die Militärbiftatur in jeder freien Regung gehindert wird. felhaft sein, solange sich die Kräfte der österreichischen Monarchisten und Republikaner allein gegenüberstehen. Die Macht des österreichischen Proletariats ist vermöge seiner unerschütterten Einheit, seines festen revolutionären Willens und nicht zuletzt vermöge seiner flugen Führung jeder inneren Gefahr gewachsen. Hier können sich die Monarchisten nur blutige Köpfe und eine vernichtende Niederlage holen. Gefährlich könnte sich die Situation nur gestalten, wenn die monarchistischen Putschisten gemeinsam mit den Horthy- Banditen gegen die österreichische Republik vor gehen, und wenn Desterreich selbst in dieser Lage auf fich allein gestellt bliebe. Das österreichische Proletariat ist sich des furcht baren Ernstes der Situation wohl bewußt. Es weiß, daß es nun ums Ganze geht, und daß es nicht nur die Errungenschaften seiner Revolution, sondern seine nadte Existenz gegen die entmenschten Terrorbanden Ungarns zu verteidigen hat. Das bedeutet in dieser Konstellation den revo Iutionären Krieg, in dem es nur Sieg oder voll Die österreichische Arbeiterschaft ständige Niederlage gibt. vertraut vor allem ihrer eigenen Kraft und rüstet sich, diese schwere Prüfung mit revolutionärer Entschlossenheit, aber auch mit Besonnenheit zu überstehen. Sie hofft aber auch auf die Hilfe des internationalen Proletariats, vor allem des Proletariats in der Tschechoslovakei und in Italien, das seine ganze politische Macht, seinen ganzen parlamentarischen Einfluß aufbieten muß, um im Falle eines ungarischen Angriffes auf Desterreich nötigenfalls auch eine bewaffnete Intervention durchzusehen. Der Bürgerkrieg in Ungarn U. K. Preßburg, 24. Oktober. Während die Verbindung zwischen Budapest und Wien völlig unterbrochen ist, laufen hier noch Nachrichten aus Ungarn ein, die eine ziemlich genaue Beurteilung der Situation gestatten. Ungarn teht tatsächlich in vollem Bürgerkrieg, der nach allen Anzeichen zwischen den Anhängern Karls und seinen Gegnern bis zum blu gierungen: die Horthy- Regierung in Budapest und die habsburs gische Gegenregierung, die am Sonntag ihren Sig in Györ( Raab) aufgeschlagen hat, inzwischen aber ihren Sig vielleicht näher an die Hauptstadt vorgeschoben hat. Karl ist nach übereinstimmender Aeußerungen fest entschlossen, diesmal nicht nachzugeben und soll erklärt haben, er werde entweder als König in Budapest einziehen oder Ungarn nicht lebend verlassen. Auch die Annahme, daß er durch diplomatische Mittel, wie es Ostern geschah, dazu gebracht werden kann, das Land zu räumen, wird sich als falsch erweisen. Bei dem Osterputsche stand die inoffizielle Politik der Pariser reaktionären Salons, der General Franchet d'Esperan, die Action Francaise", der Kreis des gewesenen Leiters der französischen auswärtigen Politit, des Ministerialdirektors Paléologue, hinter ihm, und diese Gesellschaft fonnte höchtigen Ende ausgetragen werden wird. Es bestehen z. 3. zwei Re ftens eine politische und diplomatische Unterstützung ihm ans gedeihen lassen. Dem stand aber damals die in der Habsburger Frage einheitliche Front der fleinen Entente mit Einschluß Italiens, gegenüber, die nicht nur über politische und diplomatische Mittel, sondern über marschbereite Divisionen verfügte. Darin ist nun mittlerweile Sowohl die eine gründliche Aenderung eingetreten. tschechische als die italienische Politik ließ sich zu der Annahme verführen, daß Horthy eine Sicherung gegen Habsburg bedeute, und daß durch die Stärkung der HorthyRegierung zwar eine konservative, aber anti- habsburgische Richtung in Ungarn am Ruder erhalten werde. Allerdings ist bei Italien sogar dies recht zweifelhaft, und man muß mit der Möglichkeit rechnen, daß Italien sogar seinen Widerstand gegen eine Restaurierung der Habsburger auf gegeben hat und Jugoslavien, wie bei der westungarischen Krise, an einem energischen Auftreten hindern wird. Dies ist der springende Punkt in der weiteren Entwicklung der ganzen Krise und darum liegt der Schlüssel der Situation diesmal in Rom. Es ist ohne weiteres flar, daß auf einen gelungenen Habsburger- Putsch in Budapest der Aufstand in der Slovakei, in Siebenbürgen und Kroatien folgen wird, der schon von Horthys Emissären vorbereitet wurde. Der Wille, den Brandherd in Budapest zu unterdrücken, muß bei allen diesen Staaten, wenn sie überhaupt noch einen Lebens willen haben, vorausgesetzt werden. Bieten sie gemeinsam ihre militärische Kraft auf, so wird der ganze Sput in Ungarn verfliegen. Aber wenn sie zu feiner einheit. lichen und raschen Aktion fommen, wenn insbesondere Jugoslavien, das an militärischer Kraft und flarem politi schen Willen am bedeutsamsten ist, von Italien gehemmt wird, so hat Karl die Partie gewonnen, denn die Tschechoslovakei wird und kann ohne Südslavien nichts Entscheidendes unternehmen. Die Schwierigkeiten Jugoslaviens in Albanien find nicht nur von italienischer Seite herbeis geführt, man muß angesichts der Lage, daß gerade jett jugoslavische Streitkräfte an der albanischen Grenze ges bunden find, an die alten Beziehungen der habsburgischen Hauspolitik zu den albanischen Stämmen erinnern. Damals galt es allerdings, den italienischen Einfluß dort zu paras Infieren, heute fann der habsburgische Thron in Budapest an der albanischen Grenze gestützt werden. Desterreichs Proletariat und zu einem gewissen Teil auch die großdeutsch orientierte Bürgerschaft rüstet sich zur Abwehr, die die Formen des Krieges gegen den äußeren Lans desfeind, aber sehr leicht auch die des Bürgerfrieges an nehmen fann. Es ist bestimmt damit zu rechnen, daß, wenn die Ungarn Desterreich angreifen- und das liegt heute im Bereich des Möglichen, die Monarchisten in Wien sowie in Steiermark und Tirol einen Putschverfuch unternehmen. Der Ausgang eines solchen Unternehmens würde nicht zweiDie militärischen Kräfteverhältnisse sind im Augenblid für Karl günstig, ihn unterstützen die weftungarischen Banden, die Truppen Ostenburgs, das Detachement Léhar, die bewaffneten Anhänger Friedrichs und die zu ihm übergegangenen Garnisonen von Györ und Komorn. Die Budapester Regierung hat zu ihrer Verfügung vorläufig nur die in der Hauptstadt selbst befindlichen Truppen, und das Detachement Hejjas, mit denen es die Hügelfette wests lich Ofen, welche die Hauptstadt beherrscht, halten will, bis die aus dem Theiß- Gebiet schleunight herangezogenen Truppen anges langt find. Zweifelhaft ist noch die Haltung Pronans, der mit feinem Detachement in der Gegend von Stuhlweißenburg steht, bisher zu den Anhängern Horthys zählte und den habsburgischen Truppen durch einen Flantenstoß aus südlicher Richtung gefähr lich werden könnte. Nach den legten Nachrichten war am Sonntag abend die Situation in Budapest äußerst tritisch. Der Kampf um Budapest Budapest, 23. Oftober. Ein Augenzeuge berichtet über die Kämpfe: Die heute morgen bei Budapers ausgeladenen Karliftentrappen bestanden aus Truppen der Garnison von Dedenburg und Raab, die unter dem Borwande, daß in Budapest eine boliche wistische Bewe gung(!) ausgebrochen sei, alarmiert und verladen wurden. Die Regierungstruppen gingen in einem träftigen Gegenstoß gegen 11 Uhr vormittags vor. Als die das Terrain beherrschenden Hügel von ihnen besegt worden waren, traten die Karlisten den Rüdzug an. Eine lebhaftere Kampfestätigkeit fegte nur ein, als die Vorhut der Regierungstruppen in Budaoers einzog. Als die Regierungstruppen um 4 Uhr nachmittags die Karlisten hinter den Eisenbahndamm zurückdrängten, entsandten lettere einen Barlamentär, um die Einstellung der Kampftätigkeit zu erwirken. Der Befehlshaber der Regierungstruppen besprach sich mit Osztenburg, worauf ein Uebereinkommen getroffen wurde, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Die Regierungstruppen erbeuteten große Mengen an Waffen und Munition und machten 180 Gefangene. Sie verloren acht Tote und zwölf Verwundete. Das neue Ministerium Der frühere König Karl hat folgendes Ministerium ernannt: Ratevszty, Präsidium and Justiz, Anbrafin, Hengeres, Beneczty, Inneres, General Schnegler, Krieg, Dr. Graz, Finanzen, General Hegedues wurde zum Obertommandanten ernannt. Der Vormarsch gegen Budapest Eine offiziöse Darstellung Budapest, 24. Oftober. Ueber das Unternehmen des Ertönigs Karl verbreitet das ungar. Telgt.- Korr. Bureau folgende zusammenfassende Dar ftellung: Die ungarische Regierung erfuhr am Sonnabend morgen, daß König Karl mit Königin Zita am Freitag in Dedenburg ange tommen war, die Uebernahme der Königsgewalt proklamiert und eine Regierung unter Führung von Stefan Ratovszty ernannt hatte. Ministerpräsident Graf Bethlen berief den Ministerrat zu sammen, der einen Beschluß faßte, demzufolge König Karl auf Grund des Artikels 1 des Gesetzes vom Jahre 1920 die Aus übung der Königsgewalt nicht übernehmen könne und das Land unverzüglich verlassen müsse. Die Regierung wurde in diesem Entschlusse beträftigt durch die Erklärungen der Budapester Bertreter der großen und der fleinen Entente. Ministerpräsident Graf. Bethlen unterrichtete davon wiederholt den Vertrauten des Königs, Rafovszky, telephonisch und wies auf die unabwendbaren verhängnisvollen Folgen eines etwaigen Einzugs des Königs in Budapest hin. Doch anwortete Ratonszty stets mit Drohungen. Die Regierung strebte eine unmittelbare Verständigung mit dem König an. Um ihm den Ernst der Lage flarzulegen, entsandte fie Sonnabend abend den Kultusminister Baß, der ein Schreiben des Reichsverwesers Horthy überbrachte, in dem sich der Reichss verweser auf die Baterlandsliebe des Königs berief und ihn zu bewegen suchte, das Land nicht ins Berderben zu stürzen. Diesem Schreiben war auch die Note der Entente und die Bekannts gabe des Standpunties der fleinen Entente beis gefügt. Baß wurde nicht zum König vorgelassen. Indessen setzten die aufrührerischen Truppen den Vormarsch gegen Budapest unter Füh rung des Obersten Lehar und des Majors Osztenburg fort. Die Regierung wollte sie ohne Blutvergießen aufhalten und ließ daher die Schienen aufreißen, die jedoch durch die Osstenburgische Borhut wiederhergestellt wurden. So erreichten die Aufrührer Budaörs. Die Regierung war daher gezwungen, energische Maßnahmen anzuwenden. Nach einem erfolgreichen Gegenstoß bei Budaörs wurden wieder friedliche Mittel versucht, und General Hegedues, der sich in der Umgebung des Königs befand, wurde nach Budapest gebeten, um sich persönlich von der Lage zu überzeugen. In Budapest wurde General Hegedues in Anwesen heit des Ministerpräsidenten durch den englischen Gesandten Sohler über den Standpunkt der Entente und der fleinen Entente unterrichtet. Der Ministerpräsident bat ihn, dem König wahrheitsgetreu zu berichten und ihn zur Aenderung seines Vorhabens zu überreden. Hegedues tehrte zum König zurüd. Da jedoch keine Antwort erfolgte, mußten militärische Maßnahmen getroffen werden, um die Gefahren eines Handstreiches abzuwenden. Die Regierung schreibt die Verantwortung dafür denjenigen zu, die bereit waren, aus selbstsüchtigen Gründen das Vaterland in den Abgrund zu stürzen. Die Abwehraftion Wie aus Brag gemeldet wird, haben die Regierungen der Kleinen Entente durch ihre Budapester Bertretung der ungarischen Regierung ein achtundvierzigstündiges Ultimatum überreichen lassen, in dem die Entfernung des Extönigs Karl binnen dieser Frist gefordert wird. Gleichzeitig roird gemeldet, daß der Ministerrat sich am Sonntag in Permanenz erklärt hat und die Verfügung erlassen hat, daß sämtliche Zivil- und Militärbehörden verstärkten Permanenzdienst zu machen haben. Der Verkehr nach Ungarn ist eingestellt. Die Regierung hat die teilweise Mobilisierung angeordnet. Die Einbe rufungsbefehle sind bereits auf den Straßen platatiert. Große Truppenmassen gehen in die Slowakei ab. Aus Jugoslawien werden ähnliche Maßnahmen gemeldet. In Belgrad ist der Ministerrat zusammengetreten und hat zum Ausdrud gebracht, daß die Kleine Entente entschlossen sei, falls die ungarische Regierung ber Bewegung bis Montag nicht Herr werde, mit den schärften Maßnahmen vorzugehen und dafür zu sorgen, daß Karl schleunigft den Boden Ungarn verläßt. Wie aus Agram gemeldet wird, haben die jugoslawischen Truppen die Grenze gegen Ungarn be= sett. Auch Teile des Komitats Baranya sollen von jugoslawischen Truppen besetzt worden sein. Eine Belgrader Mel bung besagt ferner, daß die italienische Regierung bie jugoflawische Regierung benachrichtigt habe, sie würde deren Schritte gegen das Unternehmen des Ertaisers Karl unterstützen. In Wien werden sowohl von der sozialdemokratischen wie von der Großdeutschen Bartet Aufrufe veröffentlicht, in denen * nter Hinweis auf die Gefährdung der Republik zum Eintritt he bie republikanische Wehrmacht aufgefordert wird, bie nicht einmal über die im Bertrag von St. Germain vorgesehenen Beffünde verfügt. Gestern ist eine Obmännertonferenz des Rreisarbeiterrats Wien zusammengetreten. Heute findet eine Blenarversammlung sämtlicher Vertrauensmänner der Par teien statt, die über die Gefahren der Reaktion und über die Maßnahmen der Arbeiterschaft beraten soll. Auch in Prag halten die Vertreter der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen Beratungen ab, um gemeinfame Maßnahmen gegen das monarchißische Abenteuer Karls zu bezaten. Einmütig wird der Wille zum Ausdruck gebracht, daß die Arbeiter entschlossen sind, die republikanischen Einrichtungen und die Errungenschaften des Proletariats gegen die Habsburger und die mit ihnen verbundene Reaktion unter allen Umständen zu verteidigen. Die sozialistischen Parteien beschlossen, während der Zeit der Gefahr in dauernder Bereitschaft zu bleiben. Eine Plenarsizung der politischen und gewerkschaftlichen Organifationen erließ einen Aufruf, in dem die Eisenbahner sowie die Poft und Telegraphenbeamten aufgefordert werden, die strengste Blockade gegen Ungarn durchzuführen. Die Proteftnote der Entente Budapest, 22. Oktober. Die Bertreter der alliierten Hauptmächte überreichten der ungarischen Regierung eine Note, in der unter Berufung auf den Schritt am 3. April 1921 der Beschluß des Botschafterrates vom 4. Februar 1920 in Erinnerung gebracht wird, demzufolge die Restauration eines Habsburgers ben Frieden gefährde. Die ungarische Regierung wird daher neuerdings aufgefordert, unverzüglich Maßnahmen zur Entfernung des Königs zu unternehmen. Der Minister des Aeußern, Graf Banffy, teilte den Ber tretern der alliierten Hauptmächte mit, daß die ungarische Res gierung in dem heute vormittag abgehaltenen Ministerrat beschlossen habe, daran festzuhalten, daß König Karl die Herrscherrechte in Ungarn derzeit nicht übernehmen fönne und daher das Land unverzüglich verlassen müsse. Die ungarische Regierung habe zu diesem Zwede alle Maßnahmen getroffen. Den sodann vorsprechenden Vertretern Rumäniens, Südflawiens und der Tschechoslowakei wiederholte Graf Banffy diese Erklärungen. Die Haltung der Entente Die französische Presse und der Putsch EE. Paris, 23. Oktober. Zu dem neuen Unternehmen Kaiser Karls schreibt das„ Echo de Paris", daß die Ententemächte bereits jetzt die Haltung eingenommen hätten, die sie auch gelegentlich des ersten Butsches Kaiser Karls por Pfingsten einnahmen. Ihre Vertreter haben eine Brotestatiion in Budapest eingeleitet. Jugo flawien hatte die Ergebnisse der italienischen Vermittlung in der Burgenlandfrage ungünstig aufgenommen und in bent Ungarn gemachten Zugeständnis einen Angriff auf den Frieden von Trianon erblidt. Stärker aber widersetzt sich Südlawien dem neuen Angriff auf den Friedensvertrag, der die Wiederherstellung der Monarchie in Ungarn bes benten würde. Das Journal" befürchtet, daß fich der Ausgang biejes Abenteuers nicht so einfach gestalten werde wie im März. Gegenüber einem Manne, der seine Unterschrift so leicht vers Teugne, dürfe man sich mit Berzichterklärungen nicht mehr begnügen, sondern müsse Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich seines tünftigen Aufenthaltes ergreifen. Der Flug Kaiser Karls fönnte Teiht in St. Helena enden. Der Figaro" glaubt nicht, daß die Tschechoslowakei große Lust verspüren werde, mit Ungarn Krieg zu führen. Zudem würde 3talien eine Intervention der Sübslawen wenig günstig auf nehmen. Allerdings werde die Botschaftertonferenz wahrscheinlich ein neues Berbot ergehen laffen, hoffen müffe man aber, daß Frankreich sich nicht zu sehr beeilen werbe, im Namen einer interalliierten Solidarität, die niemals zugunsten Frant reigs ausgeschlagen sei, einen Fürsten zu verbannen, der für ette Alideutschen einen Alpbrud bebeute. Jules Sauerwein erfuhr von einer Persönlichkeit aus der Umgebung des Erfailers Karl folgendes: Karl weilt in Ungarn und wird dort bleiben oder ein würdiges Ende zu machen wissen. Der König wußte wohl, daß die Opposition der Kleinen Entente nicht zu umgehen war, doch ließ er sich dabei von folgenden Ges banten leiten: Die Südslamen sind mit Albanien in einen Rampf vermidelt. Die Rumänen haben ihre Armee Besarabien mobil gemacht, und die Tschechoslowakei, die ber Irene der Slowater wenig gewiß ist, hat nicht die Macht, einen Felbzug gegen Ungarn zu führen. Der Vertrauensmann Karls glaubt auch nicht, daß Frankreich oder England Truppen nach Ungarn fenden werden, um die Rüdtehr eines Herrschers Der einzige Weg Unser neuer Roman in Unser neuer Roman, ber morgen, Dienstag früh, zu erscheinen beginnt, ist ein hochbedeutsames Wert, dessen Dichter ein junger Franzose, Paul Rebout, ist. Das Wert ist bereits in unferent französischen Bruderblatt, dem Bopulaire", erschienen und hat in ganz Frankreich ein sensationelles Aufsehen erregt. Niemals vorher hatte es jemand gewagt, sich mit solcher Kühnheit und Offen heit mit allen Erscheinungen der Nachkriegszeit ausein anderzusehen, wie diesez Rebour( prich: Rebu). Und stolz konnte bas geistige Frankreich feststellen, baß es nicht nur die stärksten und mutigsten Bücher gegen den Krieg im Krieg hervorgebracht habe, sondern nun auch das bedeutendste für den Frieden und den Wiederaufbau des zerstörten Europas in einer Zeit, in der noch der ganze Kontinent von den eben erlebten Schrecken nachbebt und trotz den furchtbaren Lehren der Gewaltpolitit noch nicht den Mut gefunden hat, eine wahre Politik internationalen Aufbaues anzufangen. Rebout stellt nun in Form eines glänzend, geistreich und überzeugend geschriebenen Romans den Kampf eines französischen Schriftstellers gegen die nationalistische Gesellschaft dar, die, von den Phrafen der Kriegszeit noch immer erfüllt, in dem jungen und mutigen Brediger eines wahren Friedens und einer sozialistischen Zusammenarbeit mit Deutschland selbstverständlich einen Baterlandsfeind erblidt. Welche Rämpfe hat der tapfere Herr Réal, bet Helb des Buches, zu bestehen. Aber die Rämpfe er= matten weber feinen Willen noch seine inbrünstige Ueberzeugung. Die Widersprüche zwingen ihn, sich mit allen Phrasen des Nationalismus auseinanderzusehen, um ihnen begegnen zu können. Und bies geschieht nun so geistreich, spannend und antegend, daß der Roman, obwohl er gefüllt ist mit Auseinandersegungen politischer Art, den sozialistischen Leser mit fortreißt und mit wahrem Feuer erfüllt, auch ein Mitfämpfer der großen und klaren Ideen des Ro mans zu werden. Unsere Leser werden vielleicht hier und dort mit Verwunderung entnehmen, wie der Verfasser manches an Deutschland verteidigt, was wir angegriffen haben und weiter angreifen werden. Wie er Frankreichs Politit kritisiert, auch dort, wo der deutsche Sozialist fie glaubt begreifen zu tönnen. Aber alles bies muß in diesem Buch so jein. Denn ein franzöfifcher Sozialist hat es gegen den französischen Nationalismus geschrieben, allerdings so, daß bamit der Rationalismus eines jeden Bandes getroffen werden wird. Das Buch with aber auch den Leser zwingen, sich mit deutschen und französischen Eigenarten auseinanderzusehen. Er wird Frant retch tennen und Deutschland beffer tennen lernen. Aber alles nur zu verhindern, der während der beiben lehten Kriegsjahre seinen Wunsch bekundete, sich von Deutschland zu trennen, was leicht hätte geschehen fönnen, wenn man ihm genügend Sicherheit ge= boten hätte. Man dürfe sich nicht täuschen, daß man nicht allein gegen Karl, sondern gegen ganz Ungarn Krieg führen müßte, bas seinen rechtmäßigen Herrscher wiederhaben will und welches sich wie ein Mann gegen jede Einmischung wehren würde. Englische Pressestimmen London, 24. Oktober. Daily News" schreibt: Der Rüdtritt des Rabinetts Wirth und der Bersuch des vormaligen Raijers Karl, den Thron Ungarns wiederzuerlangen, seien nicht ohne Zusammen= hang. Ein zeitweiliger Erfolg Karls würde eine gefährliche letzten Ereignisse in Deutschland, die in dem Rüdtritt ber ReWirkung auf Deutschland, insbesondere auf Bayern haben. Die gierung Wirth gipfelten, bestätigen, daß es feinen Frie ben in Europa geben tönne, bevor die Reparationspolitit nicht abgeändert werde.„ Daily Chronicle" sagt, die Rückkehr Karls würde nicht erlaubt werden, ein Habsburger in Ungarn fönne ebensowenig geduldet werden, wie ein Hohenzoller in Deutschland.„ Daily Tele graph" schreibt, eine Annahme der Restauration Karls durch die Magyaren würde den Krieg Ungarns mit der Kleinen Entente bedeuten, was um so ernster sein würde, als die Entwaffnung Ungarns feineswegs vollständig sei. Times" meint, es würde lehrreich sein, zu sehen, wie die Ludendorfforganisationen in Deutschland sich zur Unternehmung Karls stellen würden. Des weiteren müsse man die Stellungnahme der süddeutschen und der österreichischen Truppen beobachten, um zu sehen, wie weit die Abrüftung in diesen Ländern fortgeschritten sei. Sie verkaufen sich jedem Lumpen Unter den Truppen, die sich dem Erkaiser Karl zur Verfügung gestellt haben, befinden sich auch mehrere ,, bayerische Kompagnien". Es handelt sich hierbei um Offiziere und Mannschaften, die von Bayern aus über Tirol nach Westungarn gebracht worden find. Das läßt darauf schließen, daß hinter dem farlistischen Abenteuer auch reichsdeutsche politische Drahtzieher stehen. In erster Linie fommen wohl die Kreise um Oberst Bauer und Kapitän Ehrhardt in Frage, die fich für das Unternehmen des Ertaisers Karl einfegen. Um die politischen Wirkungen ihrer Streiche fümmern sich diese Kappbrüder nicht. Die Hauptsache ist, baß wieder irgendwo ein Feuerchen angezündet wird, an dem sie sich die Hände wärmen tönnen. Auch das„ Bater land" spielt keine Rolle für fie. Die von den deutschen Monarchisten mobilisierten Landsknechte verkaufen fich jedem Lumpen, der gut bezahlt und ihnen persönliche oder politische Vorteile verspricht. Die Revolution in Portugal GE. London, 24. Ottober. Aus Vigo meldet der„ Daily Mail"-Rottefpondent, daß die revolutionäre Regierung einen ultrade motratischen Charakter habe. Das Signal zur Revolte wurde durch das Siffen einer roten Fahne auf einem Ariegsschiff gegeben. Ueber den Ausbruch der Revolution besagen Madrider Depeschen, baß bereits in der Nacht vom 19. überall das Gerücht verbreitet war, eine Revolution werde ausbrechen. Der Ministerpräsident forderte die sofortige Bereitstellung aller Truppen. Um 7 Uhr früh fielen drei Kanonenschüsse von der Kaserne Ampolide, denen brei andere von der Fregatte San Fernando antworteten. Die Marinetruppen und bie republitanische Garde verließen froh bes Befehls, in den Kasernen zu bleiben, ihre Quartiere und riefen: Es lebe bie Revolution! Nur ein Ravalleries und ein Infanteries regiment sowie ein Bataillon Eisenbahntruppen blieben der Re gierung treu. Etwa um 9 Uhr wurde Ministerpräsident Granjo verhaftet und in die Carmentalerne geführt. Mittags erschien das revolutionäre Komitee und forderte von dem Präsidenten det Republik die Auflösung des Parlaments und die Bildung einer Regierung der öffentlichen Sicherheit. Der Präsident der Repu blit weigerte sich zunächst, mußte aber schließlich doch in allen Buntten nachgeben. Eine französische Militärtommission in München. Reben ber französischen Gesandtschaft ist in München nunmehr auch eine Zweigstelle der Berliner französischen Militärtontrollmiffion ein gerichtet worden, an deren Spize ein französischer General steht zu bem 3wed, in den Berschiebenheiten und Gegensäglichkeiten beider Länder die Notwendigkeit ihres wirtschaftlichen und fultu= rellen Zusammenwirtens zu entbeden. Enthielte der Roman nur dieses, so wäre das wohl ein genügender Grund, ihm durch die deutsche sozialistische Presse bas notwendige Echo zu geben. Aber ber Roman enthält auch wie feber Roman Liebe und Gesellschaftsschilderung, Straßen- und Land. schaftsbilder, bewegtes, tämpfenbes, dunfles und helles Leben. So wird er hoffentlich jedem etwas bringen. Und allen bie Glut, und die Kraft eines Wertes, das, von einem seltenen fittlichen Mut erfüllt, den Leser dazu anspornt, mit gleichem Mut Bortämpfer großer, für wahr erkannter Jbeen zu werden. und ble General Nollet unmittelbar unterfteft ift. Ihre Auf gabe besteht in der Kontrolle über die Entwaffnung der bayerischen Gelbstichusorganisation und der Einwohnerwehren. Sie arbeitet dabei Hand in Hand mit der Wiener Kontrolltommiffion. Das endgültige Stadtverordneten Wahlergebnis Der letzte Siß noch unentschieden Der städtische Wahlausschuß stellte am Donnerstag das Ergebnis der Stadtverordnetenwahlen vom 16. Oftober fest. Es erhielten hiernach: Sozialdemokraten Unabhängige Rommunisten .> Deutlanationale Deutsche Bolfsportet Demetzaten. Wirtschaftspartei. Zentrum. Deutsch- Soziale • 353 075 Stimmen, 46 Mandate 329 378 Stimmen, 44 Mandate 162 575 Stimmen, 21 Mandate jujammen 845 028 Stimmen, 111 Mandate Freie Bereinig.( Rechtspart.) Ordnungsblod. Deutschnationale Wählersch.. 298 002 Stimmen, 41 Mandate 263 049 Stimmen, 35 Mandate 126 696 Stimmen, 17 Mandate 86 808 Stimmen, 11 Mandate 63 163 Stimmen, 8 Mandate 12 302 Stimmen, 1 Mandat 9 933 Stimmen, 9 077 Stimmen, 5 983 Stimmen, zusammen 875 013 Stimmen, 113 Mandate Außerdem ist unter Berücksichtigung der Resistimmen noch ein Manbat zuzuteilen. Es steht jedoch noch nicht fest, welche Partei es erhält. Dieses Ergebnis ist für die sozialistischen Parteien noch etwas günstiger, als wir es in unserer Abend- Ausgabe vom Donnerstag angegeben hatten. Anstatt 843 543 Stims men, wie wir damals mitteilten, haben die sozialistis schen Parteien 845 028 Stimmen erhalten, die bürgerlichen anstatt 874 028 875 013 Stimmen. Die sozialistischen Par teien haben danach 1485, die bürgerlichen Parteien 985 Stimmen mehr erhalten, wie bisher angegeben. Ob diese Berschiebung aber ausreichen wird, daß eine der sozia listischen Parteien das legte strittige Mandat erhält, wird erst die endgültige Ausrechnung ergeben, die am Dienstag erfolgen soll. Kleine Nachrichten Menderung der Steuergesehe durch den Reichsrat. Der Reichs rat nahm am Sonnabend einen Beschluß an, der die Konzeffto nierung der Buchmacher beseitigt, und ermäßigte die Umfassteuer auf 2% Prezent. Beendigung des Thüringer Metallarbeiterstreifs. Der Thü tinger Metallarbeiterstreit ist auf Grund einer Vermittlung des Thüringer Wirtschaftsministeriums beendet worden. Es find den Streitenden Stundenzuschläge von 40-75 und vom 1. Dezember ab weitere in Höhe von 30-60 Pfennige zugebilligt worden. 190 Die Zurückziehung der Amerikaner. Infolge des allmählichen Zurüdziehens der amerikanischen Truppen aus dem Rheinland wird ihre Stärke, welche zurzeit 13 500 Mann beträgt, um die Hälfte vermindert werden. Dies wird im März 1922 geschehen. Der bulgarische Kriegsminister ermordet. Der bulgarische Kriegsminister Dimitroff, der sich im Auto nach Küstendiel begab, wurde durch Gewehrschüsse getötet, ebenfo fein Chauffeur und wei andere Bersonen, die sich mit ihm im Wagen befanden. Die Mörder find unbekannt, doch handelt es sich anscheinend um einen politischen Mord. Sowjetrepublit Arim. Einem Moskauer Telegramm zufolge wurde in der Krim eine autonome Sowjetrepublik errichtet, die zu der ruffischen Sowjetrepublit in föderativem Verhältnis fteht. Die Regierung der Sowjetrepublit Krim besteht aus 12 Voltss tommissaren. Alle militärischen und auswärtigen Angelegen Seiten sollen auch weiterhin burch die russische Sowjetrepublit geführt werden. Berhandlungen in ber amerikanischen Eijenbahnerbewegung. Det Labour Railway Board" hat die Eisenbahndirektionen und bie Arbeiter zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen, welche am 26. Oftober stattfinden wird, und sie gebeten, bis dahin nichts zu unternehmen. Die Regierung erwägt die Wiedereinführung ber Kriegsmaßnahmen, um den Eisenbahnverfehr aufrechtzu erhalten. Berliner Bühnen Spielplan Abends Boltsbühne: 24., 28. xb 30. 20tasse Mensch. 25. und 2. Der Bauer als Millionär 20. Das Beftamt. Romödie ber Jrrungen. 27. Kapitän Braßs bounds Belehrung. Opernhaus: 24. Bisletta. 25. Jigente auf Leuris 25. Jofephs- egenbe. Bajazzi. 27. Tannhäuser. 28. Ritter Blaubert. 29. Tosca, 38. Der fliegende Solländer. Chauspielhaus: 20. uns 38, Die gefefelte Bhan tafte. 24. un 29, Beer Gert 25. Riarb m. 27. Riesco. 28. Die Stäuber Deutsches Theater: 25., 26., 28. Zouis Ferdinand. 24., 27. und 23. Reat. Rammersiele: Det Sihkethef. Grebes Schenspielhaus: Die Räuber. Beining- Theater: 25. unb 28. Der lasterhafte Herr Lichu. 24, 26., 27., 25. und 80. Die Spielereien einer Reiferin. Theater in Der Königgräger Straße: Bianak Bescaut. Deutles Opernhaus: 28. unb 30. Der fliegende Holländer. 24. Tieflanb. 25. ignen, 26. Die Waltüre. 27. Der Freijlig. 29. Tosca Schiller- Theater: 2 26. Der Rand der Sabinerinnen. 25., 27. 29. unb 30. Meine Frau, bie Sefufpielerin. 28. Der Richter pon alames. Wenes Bolts- Theater: Die Bibente. Theater am Kurfürstendamm: Ingeborg. Die Tribune: Det Wettlauf mit ben Satten. Dentides Aünler- Theaters Die Ballerina bes Rönigs. Remöblenhaus: Die Fahrt ins Blaue. Berliner Theater: Fringefin Diala. Aleines Schauspielhaus: Ritt, Trisnous Theater: Meix Freund Tebby. Rendenz- Theater: Der König in Batis. Sentral- Theater: 24., 25. Die Temeisterin. 26. Gefchlofen. 27. Wolfsbühne. 26 28. Dis Deteftismäbel. Theater in der Remmanntenkrake: 24. und 25. Seifenex. 5 23. Debut. Friedrich Wilhelmstädtisches Theater: Ameri can- Girl. Romishe Oper: Der Sert ber melt.- Lappielhaus: Die Schaus Spieler Metropol Theater: Die Straßenfängerin. Renes Operetten- Theaters Die Roxigin ber Rachi. Thalibenter: Sam bich, Latte. Theater am Rokendorfplug: 2er Better aus Dixgebs. Theater bes Welters: Die Braut bes Lucullus. Rielney Theater: Fräulein Safette meine frau. Theater: Rigehen. Walhale Theater: Die Gleden son Carneville. bes Oftens( Mose- Theater): Das Glüe ber einen Leute. Rafino Theater: Exzellenz Maze, tenes Sheets am Sop: Das Ewig Rässliche. Glohpart Theater Stenlig: 24., 28., 27., 29. und 30. Che. 25. un 28. Minna von Barne Folies Caprice: Stamens Debut, Admirstspalat: 24., 26., 28. Die rsten Schuhe. 25., 27., 29. und 30. brafebabra. Intimes Theater: Lauf boch nicht immer nadi herum. Die Spelunde, Chanpielhaus Potsdam: 27 Bunbury. 24. unb 29. Gefchloffene Borstellung. 25. Beer Gynt. 26., 28. und 30. Der Liebesbiplomat. Ein Erlebnis. Ueber eine Beranstaltung ber U. G. B. D, in Bantom schreibt uns Genosse Rudolf Gothe: 3m nördlichen Borort Bantow steht in der Görschstraße ein Lyzeum. Sein pruntvolles Treppenhaus erinnert an die Schlösser in Bayern, bie ber versajwenderische, irrfinnige König einft aufführen ließ. Aber auch sonst hat diese Schule vor anderen Schulhäusern etwas voraus. Belästigen das Auge sonst Herrscherbilder und-büften, so ist es in Panlow ein Wandgemälde. Hindenburg tommt im Auto angefahren und die Feldgrauen laufen von allen Seiten zusammen. Die Beleuchtung war etwas schwach, barum fonnte ich nicht sehen, ob sie„ Surra" oder„ Sunger" schrien. Alle diese Eindrüde waren weggewischt, als der Kunstabend begann, als Sela Izau auf dem Cello das Schubertsche„ Adagis" zu ¡ pielen begann. helm. Ich bin fein Mujiffachmann, aber wunderbar weich wurde mir's ums Setz, und alles Edige in mit befam fliekende freie Formen. Und dann erzählte Alfred Beierle, ben man in Berlin viel zu selten hört und sieht, wunderbar unvergleichlich bie„ Geschichte von den 7 Gebentten", in der Andrejem es fertigbringt, uns mit Silfe armseliger Worte Einblid zu geben in die Seelen der Menschen, die um ihrer Menschlichkeit willen mit den unmenschlichen Gesezen in Widerspruch geraten und gehentt werden. Wer Beierle oder Andrejem oder gar beide fennt, weiß, wie der Hörer dabei mitleben muß und aufgerissen wird in Weh und Zorn. Der Saal war ein geballter Schmerzensblod bei Beierles legten Worten, ben dann die Musit in erlösende Tränen umjekte. Und das Cello? Spielte es nicht zuletzt die zwei russischen Boltslieber auf den Seelen der vorn fizenden Menschen? Aber warum lärmten diese nachher so häßlich durch Aneinanderschlagen ber Hände?! Bach und Steich. Ich trat in eine Musitalienhandlung," se wird in Reclams Universum" erzählt, und verlangte einen Klavierauszug zu der Bachschen Kantate: 3hr werdet meinen". Die bebrillten Augen des Herrn Gehilfen starrten mich eine Meile geiftentrüdt an, plöglich begannen sie zu leuchten, und nun belehrte er mich mit höflich gedämpfter Ueberlegenheit: Diese Kantate ist nicht von Bach, Jondern von Hugo Sirsch; es ist auch nicht eigentlich eine Rantate, sondern ein Fortrott, unb in Wirklichkeit hat das Mufitftüd ben Titel: Wer wird benn weinen, wenn man auseinandergeht!" allwer Theater Bot- und nachmittags Weltsbahne: 24. und 30. Der Bauer als Millionär. Shanfpielhaus: 30. Die Journalisten. Rammerspiele: 30. Frühlings Erwachen. Leffing- Theater: 30. Die Darquise von Arcis. Theater in der Königgräger Straße: 30. Salome. Deathes Opernhaus: 20. Figaros Sodzeit. 30. Der Postillon von Lonjumeau. -Siber Theater: 50. Selden. 26. und 20. Die Stüigex der Gesellschaft. Renes Belts Theater: 30. Jugendfreunde. Theater em Kurfürstendamm: 30. 111 Uhr: Rebs Meba. 3: Bunbury Die Tribine: 80. Tetentang. Romödien ans: 30. Die Sage mit Lola. Berliner Theater: 50. Der legte Walzer, Stisken Theater: 30. Die Freunbin. Refiber geeter: 30. Lady Windermeres Fächer. Sentral Theater: 30. Rabale und Liebe. Thalia Theater: 30. Rumpelstilsher. Theater des efters: 30. Der ersten Liebe golbene Beit. 26. phigenie auf Tauris. 29. Der Jugendfreund. Stleines Theater: 30. Casanovas Sohn, Wallner- Theater: 30, Die Tanzgtäfin. Theater des Dftens: 29. anjel unb Gretel. 30. Das Glüd der fleinen Lente. Elekpark Theater Steglig: 30. Sans Sudebein. Intimes Theater: Nechter Sand, linter Sand. Det Sets, ber unvermundbar ist. Eine Liebesnacht. Das Jugendlen, zeue Wege in ber Stabenergiesung. Devilfer fpricht Dra ei Lightenrade in Bffentlicher Versammlung des Bundes entschiebener Schul teformet in ber Mula bes Berner Siemens Realgymnasiums, Hohenstaufens tabe 47-48, Dienstag, 7% it. Die Stelos Gemeindeks par Crfeenteis geitgenöffner Matt B. 6. St. ( Berlin Bethenfee, Berliner tee 57) veranstaltet 14tägig im Sturm" Bots bamer Str. 134a, am mezmulifabende unter der fünstlerischen Leitung unferes ufifteferenter+ indifo, bem Herausgeber der Seltschrift Dieles 1 benb: Mittwoch, 7% br. 1ogramm: Espresfionate Don G. Garg& fert, ein Streichquartett in zwei Noteffungen, unter Mit wirtung namhafter Solifen. Die Ziegi Oieparieiführerbeim�eichspräsidenten Berlin. 23. Oktober. Der Reichspräsident empfing im Laufe des heutigen STages zu Einzelbesprechungen über die politische Lage !>en Reichstagsprästdenten Lobe, vom Zentrum die Abgeord- »eten Dr. Spahn und Dr. Marx, von den Sozialdemokraten die Abg. Müller und Wels, von der Deutschen Volkspartei die?lbgg. Stresemann und Kempkes, von den Demo- traten die Abgg. Dr. Petersen und Äoch und von den!ln- »bhängigen Sozialdemokraten die Abgg. Dr. 23 r e i t s ch e i d und E r i s p i e n. Ein« völlige Klärung der Lage ist bei diesen Be- sprechungen noch nicht herbeigeführt worden; die Verhandlungen werden morgen fortgesetzt. Die Unterredung mit den Genoffen C r i s p i e n und D r e i t s ch e i d trug lediglich informatorischen Charakter. Unsere Genossen vertraten die Auffassung, die in den Triefen und Kundgebungen der Parteileitung zum Ausdruck ge- kommen ist. Tis zur Stunde ist noch niemand mit der Kabinetts- bildung betraut worden. Augenblicklich schweben Ter- Handlungen zwischen den Demokraten und der Deutschen Volks partei, um einen Kompromiß zustande zu bringen. Die Deutsche Volkspartei möchte eine Trennung zwischen den politischen und wirtschaftlichen Momenten vornehmen. Zn ihren Kreisen glaubt man, daß man zu den deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen Vertreter des Reiches schicken könne, ohne dadurch die Rote der Alliierten anerkennen zu müssen. Das würde nichts anderes als eine Halbheit bedeuten, die im Auslande nur lächerlich wirken könnte. *• Verwirrung und Ausweglosigkeit Der gestrige Tag hat gegeigt, welche grenzenlose Frivolität die Demokraten mit ihrem Dolchstoß in den Rücken des Kabinetts Wirth verübt haben. Statt die Regierung vor das Parlament treten zu lassen und eine verantwortliche Entscheidung der Volksvertretung und ihrer Parteien her- beizuführen, die entweder die bisherige Politik bestätigt oder gezeigt hätte, welche andere Regierung und andere Politik in der DoKsvertretung eine Stütze finden kann, haben die Demokraten im geschlossenen Fraktionszimmer ihre ZZerschwö- rung angezettelt. Wenn diese Leute nun wenigstens eine Idee gehabt hätten, was nun geschehen soll! Aber davon ist keine Rede. Wie die Politik des deutschen Reiches geführt werden soll, darüber können sie nichts sagen außer dummen, hohlen und inhalts- losen Phrasen. Diesen Leuten geht es ober auch um etwas ganz anderes: sie wollen mit der Deutschen Volks- partei zusammen sein. Ob dann die Reichspolitik in der einen oder anderen Richtung geführt wird, kommt für sie erst in zweiter Reihe in Betracht. Das Bündnis mit der Vollspartei sichert ihr ja die Wähler! Das Zentrum hat den Leuten das Spiel erleichert, weil es zu schwanken begann .und halb und halb die Sohnsucht der Demokraten nach der Deutschen Volkspartei mitfühlte. � Der saubere Plan, die aufecnpokitische Erregung zu nützen» um an deren Feuer die elenden parteipolitischen Bettelsupven zu wärmen, ist aber schwer ausführbar. Die Deutsche VoLs- partei erklärt mit dergrößten Entschiedenheit, daß sie nur in eine Regierung des Widerstandes eintreten, das heißt, daß sie nur deutschnational« Politik treiben will. Sie will die wirtschaftlichen Bestimmungen ablehnen, obwohl es sich über- Haupt nicht um Ablehnen oder Annehmen handelt, sondern um eine Zwangslage, in der nur versucht werden kann. das für Deutschland noch halbwegs Günstige der Entscheidung sicher zu stellen. Mag aber selbst die Deutsche Volkspartei jetzt noch irgendeine abschwächende Auslegung ihrer Entschlie- siung versuchen, so würde das nicht das Geringste nutzen. Zeds 'Regierung, der die Deutsche Volkspartei angehört, ist als eine . Regierung des passiven Widerstandes abgestempelt. Und daß die Entente dieser in Wirklichkeit ganz unausführbaren Passi- vität sofort«inen sehr wirkungsvollen aktiven Widerstand entgegensetzen würde, daran kann nur ein Narr zweifeln. Damit ist aber die politische Dummheit der breiten Koalition hoffentlich erledigt. Und selbst iene Politiker, die bisher die Unaussührbavkeit nicht eingesehen haben, müssen das nun- mehr zugeben. So erklärt die..vofsisch« Zeitung", daß die Deutsche Volkspartei sich fetzt selbst aus jeder Kombination für die Kabinettsbildung ausgeschaltet hat. Was aber dann? Das„Berliner Tageblatt" macht es sich verdammt leicht. Nach den schmählichen Hetzartikeln feines leitenden Feuilletonisten orakelt heute einer der kleineren: „Der Reichspräsident wird sich mit den Parteiführern ins Benehmen setzen und man wird dann ersehen, was sich schließ- lich aus diesem Wirrwarr ergeben wird." Man muß schon sagen, klarer als in diesem„man wird dann schon sehen", kann die ungeheuerliche Leichtfertigkeit der demokratischen Politik gar nicht ausgedrückt werden. Run diese Politik wird zur Eroteecke, wenn es weiter heißt: „Es wäre daher«in Fehler, wenn die Demokratisch« Partei sich, sofern die Volksparteiler nicht mitmachen wollen, in ein leckes Schiff setzen wollt«, um mit geblähten Sc- geln«ine» bedenkenlosen Optimismus auf das hohe Meer zu segeln. Dann wäre es schon besser, den Linksparteien dasEteuerruheralleinzu überlassen und den w e i t e- ren Gang der Entwicklung abzuwarten. Dabei braucht« die Demokratische Partei nicht ohne weiteres in eine gvunbsätzliche Opposition gegen eine solche Regierung zu treten. Aber die V e r a n t w o r t u n g für etwas zu übernehmen, was über die Grenzen des Möglichen, ja auch nur de» Aßahrschein- lichen hinausgeht, kann niemand einem ernsthaften Politiker zumuten." j Die Scheu vor der Verantwortuno ist das ein- zige, was die Demokraten bewegt. Lengstlich schielen sie nach tn Deutschen Volkspartei und begeben sich in völlige Abhän- gigkeit von ihr. Die anderen Parteien sollen, nachdem die Demokraten das Schiff mitten im Sturms angebohrt haben, es in den Hafen steuern! Diese Hüter des Parlamentaris- mus wollen diese Aufgabe sogar gütigst den sozialistschn Par- teien belassen, obwohl diese nur eine Minorität find, wenn sie nur sich selbst in Sicherheit gebracht haben. Wenn diese Erbärmlichkeit Lbertrofsen«erden Könnte, so nur durch den Zynismus, den diese« Geständnis offenbart. Aber die Demo- traten sind noch weiter gegangen. Um einer Regierung der Deutschen Volkspartei die Schsoierigkeiten au» dem Wege zu räumen, haben sie widerraten. Wirth mit der Reubildung des Kabinetts*u betrauen, da- er der Deutschen Volkspartei nicht KchleM H»! » Unter diesen Umständen muß man die bürgerlichen Parteien schon den Versuch machen lassen, ob sie imstande sind, die Politik, die sie treiben wollen, auch als Regierung zu vertreten. Sie haben ja die Majorität ohne die Arbeiter- Parteien. Nachdem die Deutsche Volkspartei sich zu der deutschnationalen Auffassung, die Demokraten zu der der Deutschen Volkspartei bekannt haben, ist ja vielleicht die Eruirnage zu einer solchen Majoritätsbildung gegeben. Die Entscheidung läge dann beim Zentrum. Der Versuch würde «ine klare Situation schaffen. Gelingt er, kommt«ine Regie- rung auf deutschnationaler Grundlage zustande, dann wird sich ja sehr rasch herausstellen, welche Segnungen und Erfolge sie dem deutschen Volke bringen wird. Mißlingt er, dann zeigt es sich eben, daß augenblicklich nur eine Politik, wie sie von Wirth vertreten wurde, möglich und ausführbar ist. Dann muß eine Regierung zur Fortführung dieser Politik gebildet und die Krise beendet werden, ganz ohne Rücksicht auf die schwankenden Gestalten der Demokratie, mit der hoffentlich bei den nächsten Wahlen gründliche Abrechnung gehalten werden wird. Aber es ist keine Zeit zu verlieren. Donnerstag läuft die Frist ab. bis zu der die Bereitwilligkeit, in Ber- Handlungen siber die wirtschaftlichen Bestimmungen einzutre- ten, ausgesprochen und ein Kommissar ernannt werden muß. Sollen sich die schmählichen Szenen, die wir schon zweimal, bei der Annahme des Friedensvertrages und dem Ulti- matum, erlebt haben, nicht ein drittes Mal zum großen Scha- den der deutschen Politik wiederholen, so muß im Laufe des morgigen Tages eine Regierung gebildet sein und der Reichs- tag entscheiden können. Unglaublich und widersinnig Während die Demokraten in der Regierung und ihr Sprachorgan, das„Berliner Tageblatt", eine Poli- tik der Verantwortungslosigkeit und der Kurzsichtigkeit trei- ben, sagt ein ernst zu nehmendes Blatt, die„Frank- furter Zeitun g", was in dieser Stunde zu tun ist, Es handle sich jetzt nicht um Zustimmung oder um Ableh- nung, die Entscheidung des Sieger» sei endgültig, s i e werde uns diktiert. Man ist sich in diesen Parteien der bisherigen Koalition ganz überwiegend darüber klar, so schreibt die„Frankfurter Ztg.", datz wir grundsätzlich gar kein« andere Politik treiben können als diejenige, die das Kabinett Wirth bisher getrieben hatte und künstig treiben wollte. Diese Politik ist zwangsläufig—- und trotzdem stürzt man das Kabinett, das sie vertritt! Das ist das Unglaubliche, da» völlig Widersinnige an diesem Vorgang: daß man die Männer opfert, um mit anderen Männern doch wieder eine grundsätzlich gleich« Politik weiter zu treiben— sofern man nämlich überhaupt eine Vorstellung von dem hat, was jetzt kommen soll! Vierzehn Tage lang hat diese Krise gedauert, die die Mtivität der verantwortlichen lähmte, die auch das Denken des Volkes un- heilvoll von der äußeren Notlage ab auf diese innere Wirrnis lenkte. Das Kabinett Wirth selbst war daran nicht ohne Schuld. Einzelne seiner Mitglieder, die in persönlich achtenswertem Empfinden sich durch Vorausgegangenes gebunden fühlten, waren schwankend und trugen die Erschütterung nach außen. Aber das wäre schnell zu überwinden gewesen, wenn die Parteien und Fraktionen selbst sich die Klarheit des Blicks und die Festig- keit der Linie bewahrt hätten. Das Gegenteil trat ein. Im Zentrum und bei den Deutschdemokrateu spalteten sich die Meinungen. Sie standen nicht mehr fest hinter der Regie- rung, bröckelten täglich weiter ab. drängten schließlich zu erheb« lichen Teilen direkt zum Rücktritt und führten diesen dadurch herbei. Aus ihnen liegt die Hauptlast der Verantwortung für den unerhörten Zustand, in dem wir uns heute wieder befinden — auf ihnen und auf dem Reichstag überhaupt, der, statt im Plenum offen und öffentlich den Gegensatz der Meinungen klärend zum Dusdruck zu bringen, seiner wichtigsten Ausgab« völlig»er- gaß und sich auflösen ließ in die geheime« Kvnventikel der Frak- tionen und der Prioatkonserenzen. Wäre die Regierung vor das Plenum getreten, um für ihre Politik zu kämpfen, so hätte sie unzweifelhaft ihre Mehrheit hinter sich gezwungen— wer hätte offen gewagt, sie zu stürzen, wenn er dann auch die Verant- wortung und die Führung hätte übernehmen müssen? Im Halb« licht der verteanlichen Sitzungen gediehen die Intrigen und die Veeinflussungen, wirkten die unausgesprochenen Abneigungen und die geheimen Wünsche. So kamen mir zu dieser Verfälschung be» Parlamentarismus: daß vierzehn Tage lang«ine Krise sich ent- wickeln konnte, ohne daß das Volk von der einzig berufenen Stell« aus erfuhr, warum und zu welchem Ende, daß der Reichstag sich versammelte, ohne eine öffentliche Sitzung zu wagen, daß die Regierung schließlich von den Parteien gestürzt wurde und nicht von dem Parlament, dem sie vorher nicht einmal mehr Rechen- schaft für ihr Handeln und ihr Unterlassen ablegen konnte! Die„Franks. Ztg." verlangt schließlich, daß schnellstens eine Regierung gebildet werde, die Deutschland wieder aktionsfähig mache. Die äußere Lage sei fürchterlich genug. es wäre unerhört, wenn sie auch noch von innen her durch das Versagen der Parteien eine gefährliche Zuspitzung er- führe; sie müßten sich zusammenraffen zur E r n st h a f r i g- keit und zur V e r a n t w o r t u n g. Es dürfe nicht länger von Einsichtslosen mit Deutschland gespielt werden. Die französische presse zum Rücktritt Or. Wirihs Paris, 23. Oktober. Zum Rücktritt des deutfcken Reichskabinett» schreibt Saint Brtce im„Journal", die Krise sei unvermeidlich gewesen. Das Ministerium Wirth sei zu schwach gewesen, um einem so heftigen Sturm, wie ihn die Entscheidung über Oberschlcsien hcrvoracrufcn habe, widerstehen zu können. Saint Vrice meint, seit acht Tagen habe sich die Frage darum gedreht, ob es zu einer parlamentarischen oder zu einer außerparlamentarischen Krise kommen werde. Nach seiner Ansicht sind die Parteien un- entschieden. Da» werde sich zeigen, wenn eine Regierung ge- bildet werden soll«, die schwerlich ohne die Sozialisten zustande kommen werdt. Es sei sehr schon, gegen eine Entscheidung zu protestieren, die man nicht oerhinber« könne. Der Protest sei kein Regierungsprogramm. Gustave H e r v e erklärt in der„v i c t o i r«", jetzt, da Reiche- kanzler Wirth sein« Geste gemacht habe, wünsche man in Frank- reich im Interesse des republikanischen Deutschlands, daß er lein Ministerium neu bilde und die Macht wieder ergreife. Wenn die volkspartei ohne fvckalistffches Gegengewicht zum Herrn der «acht würde, würde die Srannung zwischen Deettichkans und Avankmch alsbald wieder rinfetzen, w,d das bedeute bei der ersten Verzögerung in den deutschen Zahlungen di« Vesetznng fcjp Sluhrgeoietrs. Dadurch würde da» Merk der Pazifizie»ng Europas einen beträchtlichen Rückschritt erleiden, ohne daß je- maird davon«inen Rüden haben würde.. Der sozialistil�„Populstre"»ill wissen, drchr fei tu deutschen sozialiftifchen Kreisen davon üdmeugt, es fei den Wunsch Englands, daß die Jggspaptgi in dix Regierung eintretc pnd daß dies nicht ohne Einfluß auf die Haltung geblieben fei, die der Reichskanzler seit einiger Zeit einnehme und die zu seiner Demission geführt habe. Der Sturz des Ministeriums Wirth werfe nicht nur in internationaler Beziehung einige sehr wich- tige Probleme auf. Das Ergebnis sei auch innerpolittsch für Deutschland nicht weniger ernst. Das Blatt sagt unter gleich- zeitigem Hinweis auf die Ereignisse in Ungarn, mehr denn je falle dem Proletariat Mitteleuropas, in erster Linie aber dem so mächtig organisierten Proletariat in Deutschland die Ausgabe zu, zu verhindern, daß die Reaktion wieder ans Ruder gelange. Heraus mit der zuviel gezahlten Steuer Die Unfähigkeit der Finanzbehörden Auf die wiederholten Mahnungen, di« durch den Lohnabzug von den Lohn- und Gehaltsempfängern zuviel eüm gezogen« Einkommensteuer endlich zur Ausgahlung zu bringen, haben die Finanzämter bis heut« noch weiter nichts getan, als durch die Presse Mitteilungen verbreitst, wonach die Lohn- uns Gehaltsrinpfänger sich mit der Rückzahlung ge- dulden sollen, von den Finanzämtern wurde wiederholt betont, daß man mit größter Beschleuniyung an die Prüfung der Veranlagungen herangehen wolle, um so die Rück Zahlung der nicht unerheblichen Summen der zuviel und u n- berechtigt«ingezogenen Steuer zurückzuzahlen. Zwar wurde betont, daß in Fällen besonderer Bedürftigkeit ein« sofortige Prüfung der Veranlagungen und Zurückzah- l u n g des zuviel abgezogenen Betrages erfolgen sollte. Immer wieder aber wird darüber geklayt, daß selbst in solchen Fällen die Rückzahlungen durch bvreaukratische Umständlichkeit verhindert wird. Nachdem das veranlasungsgeschäft seit nunmehr einem halben Jahre beendet ist, sollt« man annehmen, da die Beranlagungs- bchörden durch da» veränderte Lckhnfteuevgesetz von vielen Arbei«, ten befreit wurden, nunmehr endlich die Veranlagungen aller Lohn- und Gehaltsempfänger fertiggestellt«rvden. Aber erst ein kleiner Teil der ZZerartlagten hat aus Grund seiner Veranlagung jetzt ein« Unmenge von Rückfragen«halten, die zum größten Teil recht überflüssig sind, da die fraglichen Punkte durch ein« geordnete Jinanzverwaltung mit Leichtigkeit nachgeprüft werden könnten. Bei der dadurch zutage getretenen Unfähigkeit der Finanzämter ist mir einer schleunigen Beendigung des ZSeraniagungsgeschäfts für das Jahr 1320 nicht zu rechnen. Gegen«in solches Verfahren müssen wir auf das allerentschie- d'enstr protestieren,«eil die Lohn- und Gehaltsempfän- ger auf das härteste betroffen«erden. Es muß gesor- d-rt werden, daß die Zurückzahlung der zuvieligazahlten Beträge sofort««folgt, weil die davon betroffenen Kreise die Gelder dringend benötigen zur Beschaffung von Lebensmitteln und WinteSleidung. Ein« Hinausgögevung der Zurückzahlung würde für die Lohn- und Gehaltsempsänger insbesondere auch da- durch empfindlich wirken, weil die Entwertung der Mark auch dann noch erheblich in Erscheinung tritt. � Di« Lehn- und GShaltsempfnäger find gegenüber anderen Steuerzahlern schon dadurch erheblich im Nachteil, daß sie ge- zwungen sind, ihre Steueren im voraus zu entrichten. Man darf deshalb nicht von ihnen verlangen, daß st« darüber hinaus noch dem Staate lange Zeit zinslos Beträge stunden. Dieses Versah- ren muß den größten Unwillen aller Lohn- und Gehalts- empfänger hervorrufen, weil ste durch di« Steuergesetzgebung bisj über ihr« Leistungsfähigkeit hinaus zur Steuer- zahlung yegwunyen sind, und die Kreis«, die tatsächlich leistungs- fähig sind, bis heute noch nicht in erheblichem Maße zur Zahlung von Steuern herangezogen werden. Nicht einmal di« für diese Kreffe unerheblichen Beträge find Äs heute«ingezogen worden. Dies« uirterschiädlich» Behandlung mutz all« gerecht denkenden Kreise empören. pack im Frack Folgend« empörende Episode hat fich dieser Tage— nicht etwa. in später Nachtstunde, sonder« im hellen Sonnenschein de» Vor« mittags— im Weichbilde von Berlin abgespielt: Der Arbeiter Ernst St., wohnhaft Gerichtstraßr 3, geht um fy Uhr vormittags di« Gertchtstraße entlang. An der Eck» Müller- stratze wird er plötzlich von zwei auffallend elegant gekleideten an- getrunkenen..Herren" angerempelt und belästigt. Die ruhig« Verwahrung des St. beantworten die beiden Schnaps- Kavaliere mit Tätlichkeiten. Sie schlagen den Arbeiter mit Fäusten und mit einer Hunde- leine. Ausdrücke wie:.DreckigesSchwein! Dreckige« Prolet! Dreckiger Roter', werden ihm dabei in» Ge- ficht geschleudert. Der Wachtmeister Eckert von der 1. Tier- gartenwache nahm schließlich nach Ueberwindung einiger Schmie- rigkeiten die beiden nobeln Herren mit zur Wache Genter Straße. Hier stellte fich heraus, daß der eine der Flitgerleutnanti Waldemar Bölke(Bruder des im Krieg gefallenen de- kannten Fliegers Bölke) und der ander« ein gewisser Willy Freier(ebenfalls Offizier), wohnhast Liebenwalder Straße 26. waren. Nachdem St. die Wache verlassen hatte, ver- suchten die beiden ihn nochmals anzugreifen. Da ihn jedoch eist Beamter der Sich-rheitswache begleitet«, ließen sie von ihm ab: St. befindet fich in ärztlicher Behandlung und ist für längere Zeit arbeitsunfähig. Es bedarf keines Wortes darüber, daß Exzesse dieser Art nur zum Teil den Wirkungen de» Alkohols, zu einem mindestens ebenso großen Teil aber der niederträchtigen Arbeiter- Hetze der Deutschnationalen und ihres deutsch» volkspartetlichen Anhangs zuzuschreiben find. Merkt; e» euch, Arbeiter! lsfi?,rrjch«-kurse für ArSetter Mitte November beginnen neue Kurf«. Gelehrt wird richtiges Deutsch und stcheres Rechnen. Deutsch in vier Stufen; Recht- schreibung, Satzbau, Zeichensetzung. Aufsatzlehre und Grundlagen der Literatur. Rechnen in vier Stuten: Grundrechnung. Bruchrechnung. Zinsrechnung und R-gekdetti, Einführung in die Buch« stabenrechnuna. Außerdem ein Kursus in Naturkunde»nd ein anderer zur Einführung in die deutsche Sprache, vor« nehmlich für AuslSnder. Hiiegeblthr flir einen Vehrgang(12 Wochen dauernd) 8 Mark, Nrfwitslose erhalten Freikarten.— Der Verein„Anterrichtskursa für Arbeiter" ist politisch und ekligics neutral. Hörer und Lehrer haben in ihm die gleichen EiniUiss«. Den Unterricht erteilen Studierende der Berhner Hochschulen in Form neu Arbeitsgeinein- schaften. Jeder Kurs findet einmal wöchentlich abend» von: 7H bis Uhr statt. Anmeldungen und Ausknnft ist den Schullokalen an folgenden Tagen obends von 7H bis Uhr: Montag, den 24. Oktober, in Neukölln, Kaifer-Iried- rich-Straße 108/210: am Dienstag, den 28. Oktober. Gips- fi r a ß e ZZa; am Mittwoch, den 26. Oktober, in Lichtenberg Rathausftr.»: am Donnerstag, den 27. Oktober. Gleim» ftraße und D och um- r Str. t; am Freitag den 28 Ok« tober. in Nsnkölln, Kaijer-Frtedrich-Str. 208 2! 0 nnd am Sonnabsstd. de» M. Oktob«. Riederwallftr. 12 (HSreroersmnmlunz). 3)1« Beamten«r die Etuheits-Ortsklass». Etwa SOOO Beainkä protrnierten gefter* j« der Neuen Welt gegen die Absicht der, Reg-erung. die Einheirsaemeindo Eroß-Berlin in zw«, BefolZ dunn�lassen zu inNmt Räch auofikhrlichen Referaten wigt* ein« MtZchließvnß«fMWtzven. in der dix E in h» i t*-S r t,- 11affe A innerhalb des Einheitswirtschaftsgebiets von Groß- Berlin gefordert wird. Zu Beginn der Versammlung brachte das Bureau eine Entschließung über Oberschlesien zur Abstimmung. Da diese politische Angelegenheit mit ber rein wirtschaftlichen Tagesordnung nichts zu tun hatte, protestierte die Genossin 3ie hiergegen. Da ihrer Auffassung nicht Rechnung getragen wurde, verließ sie die Versammlung. Die Nationalisten im Luftgarten Am gestrigen Nachmittag fand im Lustgarten eine Kundgebung gegen die willkürliche 3erreißung des oberschlesischen Wirtschaftsgebietes statt. Es sprachen u. a. Erwin Barth( S. P. D.), Abg. Dietrichs( Deutsche Dem. Partei), Abg. Bürgermeister Maregti, Abg. Laverrenz( Dtnat. Bpt.) und aus Ober: Schlesien die Herren Lutaczkowis, Sosnowski, Amtsgerichtsrat Dr. Dettinger, Mosler, Lehrer Hach. Nach Schluß der etwa 20 Minuten dauernden Kundgebung formierte sich ein De mon trationszug, der unter Vermeidung der Bannmeile nach bem Belle- Alliance- Blag zog und sich dort ohne Zwischenfall aufTöfte. Ein Trüppchen Studenten zog aber vor das polnische Konfulat, wo man Nieder mit Bolen!" schrie. Die U.S. P. hat sich an dieser zein nationalistisch orientierten Sexanstaltung nicht beteiligt. Eine Kundgebung der Hausbefiger fand gestern im 3irfus Busch tatt. Bezeichnend für den Geist, in dessen Zeichen fie stand, ist der Umstand, daß u. a. unter dem einmütigen Beifall der VerSammlung der jofortige Abbau der Wohnungszwangswirtschaft gefordert wurde. Ein Referent er wähnte, daß eine Maschinenfabrit, um Räume in dem Edhaus in der Leipziger und Friedrichstraße zu bekommen, fürzlich die Abstandsjumme von 4 Millionen Mart und außerdem eine Entschädigung von 2 Millionen Mart für das zu entlassende Bersonal bezahlt hat. Das genügt ben Herren offenbar noch nicht. Zustände dieser Art würden jedenfalls in noch viel stärterem Maße einreißen, wenn die Wünsche der Hausbesitzer Berwirklichung fänden. 6.15 Verkehrsverbesserungen nach der Köllnischen Heide. Ab Montag, ben 17. b. Mis., tritt auf der Linie 65 nach der Köllnischen Heide folgender Fahrplan in Kraft: Ab Köllnische Heide von 9 Uhr vorm. Stundenbetrieb; von 9. 2 Uhr nachm. Stundenbetrieb; von 2 6.30 Uhr abends 4 Stundenbetrieb; von 6.30 8 Uhr abends Stundenbetrieb; dann: 8.15, 8.35, 9.01, 10.01 und 11.21. Amt Merkur. Beim Fernsprechyamt 5( Französische Straße 33 b) wird voraussichtlich im Frühjahr 1922 eine zweite Fernsprech- Vermittlungsstelle in Betrieb genommen werden, die die Benennung Merfur" erhalten soll. Die neue Vermittlungsanstalt Mertur wird eine große Zahl von Teilnehmersprechstellen umfassen, die gegenwärtig beim Amte 3 entrum angeschlossen sind. Wettersturz. Der milde Herbst dieses Jahres scheint endgültig der Vergangenheit anzugehören. Sonntag früh ging ein schweres Gewitter über Groß- Berlin hinweg, nach dem sich der Himmel nicht mehr aufflärte. Erst entlud sich ein förmlicher Wolfenbruch, der zahlreiche Kellerräume unter Wasser segte, dann stürmte es gewaltig. Vielfach wurden Häuser abgedeckt und Bäume entwurzelt. Legion ist die Zahl der zertrümmerten Fensterscheiben. Die Feuerwehr mußte wiederholt eingreifen, um Gefahren für den Straßenverkehr zu beheben. Kinderspielzeug, Kleider, Küchen. Heute um 5 Uhr nachmittags eröffnet die Hausrat- Gesellschaft in ihren Verkaufsräumen in der Müllerstraße 175( am Wedding) eine Sonderausstellung von Kinderspielzeug, Kleidern, Küchen. Die Ausstellung ist werts täglich von 9-6 Uhr geöffnet bei freiem Eintritt. Auf Wunsch finden Führungen nach vorheriger Verabredung statt. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Diens tag. Nachts fühl, am Tage etwas wärmer, veränderlich bei mäßigen, veränderlichen, langsamen, abnehmenden nordwestlichen Winden. Keine erhebliche Niederschläge. Theater und Bergnügungen Volksbühne Berstellung der Jugend- Volksbokne: 3: Der Bauer als Millionär Komische Oper 71, allabendlich 7% 7. Casino- Theater 7 Nur noch b. inkl. 3. Novemb. Exzellenz Mare Stg. 3, Uhr: Pantoffelhelb Geloftecher perngläfer Feldſteger toapp. Mikroskope kauft DWZ, Dranienstraße 138. : Mafe Menia Die große Ausstattungs- 3eiß- oder GoetzNeues Volkstheater Röpenicker Str. 6%. 71, hr: Die Wildente Staatstheater. Opernhaus 7, Uhr: Violetta Schauspielhaus 7%, Uhr: Beer Gynt ( Außer Abonnement Direkt.: Mag Reinhardt Dentsches Theater 7%, Uhr: Kean Kammerspiele 8 Uhr: Der Hühnerhof Großes Schauspielhaus Karlstraße 7% Uhr: Die Räuber Wallner- Theater Täglich 7.30 Uhr: Nixchen Theater i. D Königgrätzer Str.: Allabendlich 7.30 Uhr: Manon Lescaut ( Drska, Janssen, Riemann, Operetten- Revue Der Herr der Welt TRIANON- THEATER Täglich 8 Uhr: Mein Freund Teddy Sonntag.: Kleine Breiſe Brismenfeldftecher fucht Dimae, Yorckfir.14Steph.968 Pistolen kauit su böchften Breifen Kirstein, Linienftr. 50. Bollständig gebeilt liche Silfe vergebens war, RESIDENZ- THEATER wurde ich, obwohl ärzt sub: Der König in Paris Sonntag, 4 U.: Kleine Br. Evchen Humbrecht KLEINES THEATER 18 Uhr: Carola Toelle in Fri. Josette meine Frau Sonntag, 4 U. Kleine Pr. Casanovas Sohn Theater des Oftens Das Glück der kleinen Leute 73 Uhr: 81 Apollotheater 81.1 Friedrichstraße 218 Unter persönlicher Paul Lincke FRAU LUNA Busstattungsoperette Leitung des Komponisten Bildt, Brandt, Bicha, Rupp, Theater a. Kottbus. Tor Rehkopf, May, Appelt) Komödienhaus: Täglich Die Fahrt 7.30 Uhr: Ins Blaue Erika Gläßner, Richard, Engl, Pröckl, Stieda, Dernburg Berliner Theater: Täglich 7.30 Uhr: Prinseffin Olala Frißi Maſſary a. G. Ralph Arthur Roberts, Bept Zampa, Herb.Kiper Tel.: Mpl. 16077 Tägl. 7, Uhr u. Stg. nadim. 32. E It- Sänger Filthgen- Konzert Bokf. 11-1, n. 4-6 METROPOL Behrenstraße 64. 8 Uhr: Der unübertreffliche Oktober- Spielplan Walhalla- Theater Circus 8 Uhr: Die Glocken von Corneville heater Busch Egl.7,, Stg.auch 3U. Nur noch kurze Zeit! am Rollendorfplatz Eisenkönig 8 Mar: Der Vetter aus Dingsda Breitbart Sämtliche Sensationen. Bornks. Wertheim und Circusk. Bon meiner Flechte durch Reichel's Flechten balfam. So schreiben Diele! Fl. 12.50 M. Otto Reichel, Berlin 46, SO, Eisenbahnftr.4.Gewerkschaftliches Kopf- und Handarbeiter Hand in Hand! Auf dem Anfang Oktober in Düsseldorf stattgefundenen Kongreß des Algemeinen freien Angestelltenbundes wurde der Organilationsvertrag zwischen dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Allgemeinen freien Angestelltenbund einstimmig angenommen. Neben der nunmehr durchgeführten Reuorganisation des AfA- Bundes ist damit auch das Zusammenarbeitsverhältnis der beiden freigewerkschaftlichen Spizenorganisationen festgelegt. Es gilt nunmehr auch den Gedanken der Zusammen gehörigkeit restlos in die Reihen der Mitgliedschaften dieser Spitzenverbände hineinzutragen. So fest, wie das Zusammen arbeiten zwischen den Zentralen geschmiedet ist, so innig muß das Gemeinschaftsgefühl der gesamten Kopf- und Handarbeiter werden. Zu diesem Zwede wurde vom Ortsausschuß des ADGB. und vom Ortskartell des AfA- Bundes in Minden i. Weftf. eine große gemeinschaftliche Versammlung aller freigewertschaftlichen Handund Kopfarbeiter für Donnerstag einberufen. Der große Saal des Gesellschaftshauses„ Tonhalle" war von Angestellten und Arbeitern dicht besetzt. Kollege Seifert, Bezirksleiter des Zentralverbandes der Angestellten, hielt einen 1½ftündigen Vor trag über das Thema: Hand- und Kopfarbeiter Hand in Hand! Sein außerordentlich wohldurchdachter Vortrag legte in übers zeugender Weise die Notwendigkeit des festen Busammenschlusses der Kopf- und Handarbeiter dar. Die feffeinden Ausführungen des Kollegen Seifert löften einen geradezu stürmischen Beifall aus. Ohne Diskussion wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen. „ Die am 6. Oktober im Gesellschaftshaus Tonhalle" vers Jammelten freigewertschaftlichen Arbeiter und Angestellten ge loben sich wiederholt gegenseitiges inniges Zusammenhalten. Sollten in Tariftämpfen die freien Angestellten die Hilfe der freigewerkschaftlichen Arbeiterschaft brauchen, jo wird sie ihnen geboten. Das gleiche fagen die Angestellten den Arbeitern zu." Diese Manifestation ist zu begrüßen und äußerst nachahmenswert. 3nternes aus dem Reichsversorgungsamt Das ehemalige Bezirkskommando in Schöneberg beherbergt jezt das Reichsversorgungsamt V. Der Regierungsfetretär Stade hat die Verwaltung des Gebäudes Jozusagen in der Hand, überläßt aber dem dortigen Hausmeister Otto Edert, alle Obliegenheiten zu erledigen, der nach Willfür schaltet und waltet. Die Sache wird nicht dadurch besser, daß dieser Mann Betriebsrat ist. Der Hausmeister treibt insbesondere sein Spiel mit den dort beschäftigten Reinemachefrauen, die er andauernd anpöbelt und ihnen täglich die Entlassung an broht. Dieser famose Hausmeister und Betriebsrat figt mehr in der Kantine als auf seinem Arbeitsplay, ist oft betrunken und Derunreinigt das Haus. Er wurde dadurch schon öfters eingeschlossen, so daß dieser Mann durchs Kellerfenster das Ge bäude verließ. Den Frauen, die auch dem Sekretär Stabe diese Angaben machten, wurde erwidert, das sind Privatgeschichten". Es dürfte zunächst an den übrigen Angestellten liegen, einen solchen Betriebsrat schleunigst zur Disposition zu stellen. Dem Regierungsrat Stade und der Verwaltung dürfte daran liegen, eine solche Hauspaschawirtschaft sofort abzustellen. Es ist eine Pflichtvernachlässigung des Getretärs, einem. Jochen Satis meister freie Hand zu lassen. Wir hoffen, diese Zeilen genügen, um dort Ordnung zu schaffen. Streit der blinden Bürstenmacher. In der Berliner Blindenwerfstätte, Neue Grünstraße 27, befinden fich die Arbeiter im Streit, da der Arbeitgeber den vorgelegten Tarif den 61in den Arbeitern nichtzahlen will Den Generalvertrieb Wichtig für jeden Arbeitnehmer! Reichs- Einkommensteuer Lohnsteuer Abzug vom Arbeitslohn Von Eugen Prager mit Tabellen, Beispielen und Erläuterungen Preis 4.- Mark Buchhandlung ,, Freiheit Berlin C2 Breite Straße 8-9 Meine Breise find meine Reflame! Wollen Sie die Gewähr haben, wirklich reell bedient zu werden, fo verkaufen Sie Ihr Goldber von ben 16 Blinden Männern und 7 blinden Frauen angefer tigten Bürstenwaren hat die Firma 3ander, Berlin, Pots damer Str. 99. In Flugblättern wird das Publikum aufgefordert, durch Kauf der von den blinden Arbeitern angefertigten Waren den angeblich humanen Betrieb zu unterstützen. Kein Streit der Lokomotivführer. Die Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer, die an die Verwaltung der Eisenbahnen die Fors derung stellte, daß etwa 1000 Mann in eine höhere Besoldungsgruppe einzurangieren sei, und die für den Streitfall schon Aufrufe verteilte, sieht nun, wie W. T. B. meldet, von einem Streit für ihre Forderung a b. Freigewerkschaftl. Jugendkartell. Bollversammlung Donners tag, 27. Oftober, abends 7 Uhr, Verbandshaus der Holzarbeiter ( Sizungsfaal), Rungestraße 30, Sof part. Tagesordnung: 1. Be richt von der gewerkschaftlichen Jugendfonferenz in Cassel 2. Aussprache über die Frage der Schülerräte. Bestimmtes Er scheinen aller Delegierten ist Pflicht. Die durch die Organisation zugestellten Einladungen legitimieren.be Metallarbeiter. Am Sonntag, den 4. Dezember 1921, findef die Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiters Verbandes, Verwaltungsstelle Berlin, statt. Anträge zu dieser Generalversammlung müssen spätestens am Sonnabend, den 5. Nos vember 1921, in Händen der Ortsverwaltung sein. Zu dieser Generalversammlung haben die alten Delegiertenfarten feine Gültigkeit, sondern die Generalversammlungsdelegierten sind nach dem neuen Ortsstatut, gemäß§ 7 Absatz 2, in den Wahlförperversammlungen der Bezirke neuzuwählen. Die Ortsverwaltung. Verband der Gemeindes und Staatsarbeiter, 18. Bezirt, Weißenfee. Am Mittwoch, den 26. Oktober, abends 7 Uhr, in der Schulaula des Realgymnasiums, Woelfpromenade, Bezirksversammlung. 2. VerbandsTagesordnung: 1. Wahl der Bezirksleitung. angelegenheiten. Zutritt haben nur im 18. Verwaltungsbezirk wohnende Mitglieder gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Parteiveranstaltungen Sexte abend 7 the Funktionärianenkonferenz im Rathaus, Zimmer 53. Frauenfetretariat. Spanbas. Die für Mittwoch, den 26. Oftober, angelegte Diftrittstonferenz findet umständehalber schon morgen, Dienstag, den 25. Oftober, bei Kohlschmidt, Neuendorfer Str. 87, ftatt. Beginn 8 Uhr. Distriktsvorstand pünktlich 7 Uhr. Erscheinen aller Funktionäre dringend notwendig. Montag, 24. Oktober 15. Diftritt. Abends 7 Uhr Vorstandssigung bet Gallas, Barnimftr. 20. Tages ordnung: Die Veranstaltung am 9. November. 7. Diftritt. Die für heute abend angesetzte Diftrittstonferenz findet nicht statt. Dienstag, 25. Oftober 20. Berweltungsbezirt, Abteilung Bantow. Abends 7 Uhr findet in der Mula Grunowstraße eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Wahlbetrachtung; Bericht von der Provinzialfonferenz. Neu! Ist Ihr Mittwoch, 26. Oftober Berw. Bez. 7. Diftritt. Abends 7% Uhr Sigung der Bildungskommission bei Carl Döhling, Brunnenstr. 79. Steglit. bends 8 Uhr Mitgliederversammlung in der Aula der Realschule, Stubenrauchplag. Vortrag über die politische Lage. Vereinsfalender Prol. Gefundheitsdienst Abteilung ND. Nächster Lehrfurfus ftatt Dienstag am Mittwoch, den 26, Otio er; der folgende am Montag, ben 31. Oftober, im Lygeum, Greifswalder Str. 24-25. Dienstag. 25. Oftober Zentralverband Deutscher Ruhestandsbeamten und Sinterbliebenen. Nach 5 Uhr im großen Festsaal der Germaniajäle, Chausseestr. 110, öffentliche Lers Jammlung. Tagesordnung: Die verzweifelte Lage der Ruhestandsbeamten und Beamtenwitwen. Die Bertreter der Ministerien, sowie die Abgeordneten bes Reichs und des Landtags find eingeladen. Mittwoch, 26. Oftober Saj. Proletarierjugend Bohnsdorf. Abends 18 Uhr Mitgliederversammlung im Jugendheim, Privatstr. 14. Berantwortlich für Bolitit und Feuilleton: Leo Liebfcüh Berlin- Fries benau; filr Kommunalpolitit, Lotales und Gewerkichaftliches: B. Rubner Berlin; für den Injeratenteil und geschäftliche Wiitteilungen: Ludwig Romeriner, Charlottenburg. Berlagsgenoffenschaft Freiheit", e. G. b. 5.. Berlin. Drud ber Berliner Druderet G. m. b. 5., Berlin C. 2 Breite Straße 8-9. Neu! Wohnungstausch ? eilig? Beantr. Ele fof. 5 oder 10 wöchenil. Bermitifungs tätigkeit durch die Express- Abtlg. d. E- Wo- Ge C. Alezanderstraße 38, SW. Friedrichstraße 250. W. Borsbamer Str. 56( am Bahnhof Bülowtraße). Für Berkleinerungsfälle v. 53immer abw. kostenlos. Möbl. Zimmer möbl. Wohnungs- Adressen stets vorrätig. Express- Abteilung der E- Wo- Ge Alexanderstraße 38 Friedrichstraße 250 Potsdamer Straße 56. Für Vermieter kostenlos. 150. 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