Einzelpreis 30 Pfg. Die . 4. Jahrgang Freiheit erscheint täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montegs nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus ind durch die Boft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen amtliche Poftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saars und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luxemburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.-. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße S9 Dienstag, 25. Oktober 1921 Nummer 500 Abend- Ausgabe Die neungefpaltese Monpareillegeile oder deren Raum koftet 6,- m. einschließlich Inferatensteuer. Kleine Anzeigen: Des fettgedruckte Wort 2,-M., jedes weitere Bort 1,50 m. einschließlich Inferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m.. jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 152 30 152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Habsburgs letzte Schlacht Die Konterrevolution bleibt bestehen Wien, 25. Oftober. Unter dem Titel„ Habsburgs lehte Schlacht" schreibt die„ Arbeiter Zeitung":„ Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß der Putsch der Habsburger rasch und vollständig zusammengebrochen ist. Nicht die Demokratie, sondern Horthy hat die Habsburger besiegt. Die magyarische Konterrevolution selbst bleibt so bestehen wie bisher. Solange eine Militärdiktatur die Arbeiterklasse in Ungarn in Fesseln hält, bleibt mit oder ohne Habsburg der Friede Mitteleuropas bedroht. Die Tschechoslowatei hat mobiliFiert, Jugoslawien hat seine Divisionen an die ungarische Grenze geschickt. Sie werden nicht früher die Waffen aus der Hand Tegen, als bis die endgültige Abrüstung in Ungarn vorgenommen ist. Wir müssen auf der Hut sein und alles tun, um die Wehrmacht und die Abwehrorganisationen des Proletariats zu stärken." gegen die Generale Horvath, Léhar, Graf Anton Sigran, Boroviceni, Oberst Asboth und Major Osztenburg. Sie sind des Aufruhrs angeflagt und zum Teil flüchtig. 95 sollen ohne Rücksicht auf das Immunitätsrecht festgenommen werden. Die Abgeordneten Friedrich und Szilagyi befinden sich bereits bei der Polizei in Gewahrsam. Dem Abgeordneten Szmrecsanyi gelang es, als Geheimpolizisten ihn festnehmen wollten, durch das Fenster seiner Wohnung zu entkommen; er flüchtete im Automobil. Die Tschechoslowakei für die Abrüftung Ungarns Prag, 24. Oktober. In der heutigen Sigung des Außenausschusses des Abgeordnetenhauses legte Ministerpräsident Dr. Benesch den Standpunkt der tschechoslowakischen Regierung zu den Ereignissen in Ungarn dar. Er erklärte, solche Dinge dürfen sich nicht wiederholen. Es tann durchaus nicht zugelassen werden, daß sich daraus ein System entwickelt, das die einzelnen Staaten in Anarchie und Zerrüttung stürzt und so endlich den Krieg vorbereitet. Wir wollen, daß die Die Liquidation des Karlistenputsches habsburgische Frage endgültig gelöst, der Friedensvertrag zur Budapest, 25. Oftober. Geltung gebracht, insbesondere die Entwaffnung Ungarns voll: zogen wird. Wir wollen, daß die bisherige ungarische Politif, die angeklagt werden kann, daß sie fein Vertrauen erweckt hat, ge= ändert wird. In der burgenländischen Frage haben wir gezeigt, daß wir alle Angelegenheiten ohne Weiterungen und ohne militärisches Einschreiten lösen wollen. Ob die Ungarn ein DoppelDer Ertaiser Karl und seine Gemahlin Zita wurden nach ihrer Gefangennahme durch den Oberst Simenfalvy auf das Schloß Totis überführt, wo sie zunächst interniert bleiben sollen. 3wi schen der ungarischen Regierung und den Budapestern Vertretern der Staaten der großen und fleinen Entente werden Verhand- spiel getrieben haben oder nicht, das will ich nicht entscheiden. lungen über das Echidjal Karls geführt. Gegen den Grafen Andrassy, den Obersten Léhar, Dr. Graz, Stefan Ratomsly und zahlreiche andere Führer der Karlisten bewegung wurden Saftbefehle erlassen. Wie verlautet, wurde Graf Andrassy bereits festgenommen. Es ist offenbar das Bestreben der ungarischen Regierung, die Wiederherstellung der Ordnung möglichst bald zu erreichen, ohne dabei die Kluft zwischen Karlisten und Antikarlisten, besonders in der Armee, weiter zu vertiefen. Sie wird sich mit einer Ver folgung der Rädelsführer begnügen. Die zu Karl übergegange= nen Truppen, denen schon bei den Verhandlungen zwischen der ungarischen Regierung und den Vertretern Karls eine Amnestie versprochen wurde, sollen zwar entwaffnet werden, doch werden fie wahrscheinlich wieder in die Armee aufgenommen werden. Höchst charakteristisch ist eine Anordnung der Regierung, in der die Berbreitung„ unwahrer" Nachrichten über den Uebergang ungarischer Truppen zu Karl mit Strafen bedroht wird. Einen Weg, ihre Haltung gegenüber Karl zu entschuldigen, zeigt diesen Truppen das Verhalten der Offiziere der Garnison Rab, die, sobald der Sieg Horthys sicher erschien, erklärten, sie hätten sich in dem Glauben befunden, daß Karl mit Zustimmung der Ententes mächte und der Regierung nach Ungarn gekommen sei. Jedenfalls hat es den Anschein, daß es der Regierung gelingen wird, den Karlistenputsch ohne eine innere Erschütterung des Sorthy- Regimes zu lequidieren. Sie hat, nachdem die legitimistische Gefahr so gut wie überwunden ist, nur noch die gerade durch den Karlistenputsch bei den Regierungen und den Völkern ber Aleinen Entente" bestärkte Erkenntnis zu befürchten, daß die Interessen ihrer Länder nicht so sehr durch die Abenteuerluft des ehemaligen Kaisers gefährdet wird, wie wie durch den von den Ententeregierungen gepflegten ungarischen Mili tarismus, der Karls Abenteuer erst möglich machte und von fich aus immer neue Exzesse heraufbeschwören muß. Der Sieg Horthys U. K. Budapest, 24. Oktober. Das völlige Scheitern des farlistischen Unternehmens bedeutet ben Sieg des Reichsverwelers Horthy nicht nur über Karl, sonbern auch über die legitimistischen und verkappt legitimistischen Strömungen innerhalb des Kabinetts Bethlen und der Regie: rungspartei. Wie aus eingeweihter Quelle verlautet, hat Graf Bethlen selbst bis zum letzten Augenblid gezögert, wirklich energische Schritte gegen Karl und seine Anhänger zu unterneh men und versuchte, durch Verhandlungen, den„ legitimen König" so wie einst im März zum Verlassen des Landes zu bewegen. Erst die schroffe Haltung des Ertönigs gab dem Reichsverweser die Möglichkeit zum energischen Eingreifen und zur militärischen Bernichtung der habsburgischen Truppen. Auch die sieben Be dingungen der Regierung an Karl sind gegen das lebhafte Wider treben Bethlens formuliert worden, der ursprünglich eine bedeutend schwächere Fassung vorschlug. Die jetzt geschaffene Situation ift gefennzeichnet durch einen völligen Niederbruch der Karlisten und durch den Triumph Horthys, dessen Thronkandidatur der Verwirklichung näher scheint als je zuvor. Die Stellung des Rabinetts Bethlen ist durch diese Ereignisse natürlich schwer erschüttert. Gleichwohl sind Bestrebungen im Gange, den Ministerpräsidenten zu halten, und zwar offenbar deshalb, weil gewisse legitimistische Kreise mit seiner Hilfe die endgültige Liquidation des habsburgischen Gedankens in Ungarn sabotieren wollen. Budapest, 25. Oftober. Die Regierung erließ Saftbefehle gegen die Abgeordneten Stefan Friedrich, Ludwig Szilagyi und Georg Szmrecsanyi, ferner Aber darin find wir alle einig, daß alle Kreife der ungarischen Oeffentlichkeit, insbesondere die reaktionären Kreise, unter dem heutigen Regime nur ein 3iel hatten, bei der ersten Gelegen heit den durch die Friedensverträge geschaffenen Zustand zu stürzen. Die ungarische Regierung trägt die Schuld daran, bak Karl mit der verworrenen Lage im Burgenland rechnen und infolgedessen zurückkehren und den Frieden in Mitteleuropa stören tonnte. Ich muß auch darauf verweisen, welch treubrüchiges Spiel mit dem Völkerbund zu treiben die magyarischen Karlisten und Karl selbst sich vermessen haben. Als es sich um die Zulassung Ungarns zum Völkerbund handelte, wollte eine ganze Reihe von Leuten in der Schweiz die Kreise des Völkerbundes dahin unterrichten, daß die Tschechoslowakei und Rumänien eine vernünftige Entwidlung in Mitteleuropa unmöglich machen. Wir haben den Völferbund darauf aufmerksam gemacht, weich falsches Spiel mit ihm getrieben werde, daß er auf der Wacht sein müsse, um nicht das Opfer dieses treubrüchigen und perfiden Spieles zu sein. In der Debatte wandten sich die Vertreter der Parteien gegen die Rückkehr der Habsburger und versprachen der Regierung rückhaltlose Unterstützung. Am Schlusse der Sigung erklärte Ministerpräsident Benesch, die Regierung werde heute, wo Ruhe und Besennenheit, aber auch Energie nötig sei, alle notwendigen Maß nahmen ergreifen und werde nichts anderes im Auge haben, als eine rasche Beendigung dieses Ereignisses, und zwar mit möglichst friedlichen Mitteln. Die Erklärung des Ministerpräsidenten wurde sodann angenommen. Ein neuer Schritt der Entente in Budapest TU. Paris, 25. Oktober. Die Botschafterkonferenz hat gestern in einer den Ereignissen in Ungarn gewidmeten Sigung beschlossen, die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens in Budapest mit einer neuen Demarche zu beauftragen und durch sie der ungarischen Regierung, gleich viel welcher", die Forderung stellen zu lassen, König Karl der Krone für verlustig zu erflären, sich seiner Person zu bemächtigen und ihn unter Bedingungen, die die Alliierten festzulegen sich vor: behalten, des Landes zu verweisen. Deutsche Treue An dem zusammengebrochenen Unternehmen des Extaisers Karl haben, wie bekannt ist, auch ehemalige deutsche Offiziere und Soldaten teilgenommen. Ueber ihr Verhalten wird jetzt aus Budapest berichtet: ,, Die an der Organisierung des Putsches beteiligten Politifer und Soldaten fremder Herkunft lichen den König schließ lich im Stich und suchten nach Söldnerart fich den Folgen des begangenen Berrates durch die Flucht zu entziehen." Das flingt wenig ehrenvoll für Bauer, Pabst und Ehrhardt, die von München aus die früheren deutschen Soldaten nach Westungarn verschoben haben. Wir wissen, daß be: stimmte Abmachungen bestanden, und daß die deutschen Solbaten eine Art Leibgarde für Karl den Flieger bilden sollten. Beim ersten Zusammenprall ist diese Heldenschar echt deutscher Männer auseinander gestiebt und hat das Weite gesucht. Wie verträgt sich das mit der deutschen Treue, von der gerade die Männer um Ehrhardt so viel Wesens machen? Hat Karl nicht gut genug bezahlt? Amnestie zweier Roltjchafminister. In der letzten Sigung des allrussischen Vollzugsrates wurden die zwei ehemaligen Minister der Rolfhafregierung, die Professoren Wwedenjti und Preobraschensti amnestiert. Karls Fiasto Karl ist gefangen, aber das monarchistische Abenteuer isf nicht zu Ende, in diesem Sah prägt sich die innere Lage in Ungarn aus, die durch den Putsch der Monarchisten in eine Phase neuer heftiger Kämpfe getreten ist. Würde es sich bei dem neuen Unternehmen Karls bloß unt den Versuch eines abgetakelten Monarchen gehandelt haben, fich durch einen militärischen Handstreich vorübergehend in den Besitz der Macht zu setzen, so hätte der ganze Vorgang weder im nationalen noch im internationalen. Maßstabe die Bedeutung, die den jüngsten Ereignissen in Ungarn zukommt. Der Kernpunft der Lage liegt nicht in dem Habsburgerputsch als solchem, sondern in der Tatsache, daß der Karlistenaufstand und der darauf einsehende Kampf zwischen Karl und Sorthy nur eine Etappe auf dem Wege der ungarischen Ronterrevolution ist. 3wischen zwei Hentern" so charakterisierte die ,, Wiener Arbeiterzeitung" nach dem Bekanntwerden des Habsburgerputsches die Lage des ungarischen Volles. Neben dem alten Henter Horthy, der seit mehr als zwei Jahren mit Hilfe seiner Terrorbanden das unglüdliche Land in Fesseln hält, war der neue Henter Karl erschienen, der sich zwar eine liberal- demokratischen Anstrich zu geben suchte, der aber dennoch das ungarische Volt nur vor die Wahl stellte, den Horthna jazen Galgen gegen den habsburgischen einzutauschen. Man fann es psychologisch verstehen, daß bei einigen Schichten der ungarischen Bourgeoisie und der Landbevölke rung, die selbst nicht den Willen und die Kraft zum Kampfe aufzubringen vermögen, die Illusion entstehen konnte, daß die Wiederaufrichtung der Habsburgerherrschaft mindestens eine Milderung des unerträglichen Terrors der Horthyregie. ru rung mit sich bringen würde. Und nicht minder ist es vers ständlich, daß die liberalen Gesten der habsburgischen Agen ten in den Ententeländern jenen politischen Drahtziehern die Arbeit erleichterten, die aus machtpolitischen oder fonters revolutionären Erwägungen die Wiederherstellung der Monarchie in Mitteleuropa anstreben. In Ungarn selbst mußten die liberalen Spiegelfechtereien der Karlisten um so weniger ernst genommen werden, als dis große Masse des Volkes den neu einsetzenden Bürgerkrieg als einen Kampf ansehen mußte, der von zwei um die Macht rin genden Gruppen auf seinem Rüden ausgefochten wurde. Nicht die Parole Habsburg oder Horthy" stand für sie auf der Tagesordnung, sondern nur die Parole Weder Habsburg noch Sorthy" konnte das Volk zu irgenda welcher politischer Aktivität anfeuern. 99 Nun hat der notgedrungene Einspruch der Entente, aber mehr noch das energische Vorgehen der fleinen Entente in wenigen Tagen dahin geführt, daß ein großer Teil der Kars listen, auch in der Armee, von Karl abgefallen ist. Das Bes streben Horthys geht nun darauf aus, sich mit den monar chistischen Menterern schleunigst auszusöhnen, um die Kluft im monarchistischen Lager, dem auch er angehört, nicht zu vertiefen. Den Führern des Karlistenputsches, den Rafowsfn, Benizky, Friedrich, Lehar usw., wird ebensowenig ein Haar gekrümmt werden wie den Kappistenführern in Deutschland. Denn sie gehören mitjamt ihren Anhängern in der Armee zu jenem Machtapparat der Konterrevolution, dessen sich die privilegierten Schichten in Ungarn bedienen, um ihre Herrschaft über die arbeitenden Massen aufrechtzus erhalten. Der Kernpunkt der ungarischen Frage liegt darin, daß Regierung, Verwaltung und Armee ungeschmälert in den natenherrschaft von vor dem Kriege in noch brutalerer Form Händen des grundbesitzenden Adels liegen, der die alte Maga als je zuvor aufrechterhält. Dieser ganze Apparat ist ein fertiger Staatsapparat der Monarchie, dem es heute nur an der entsprechenden Spitze fehlt. Infolge der ungünstigen Konjunktur mißlang es Karl auch diesmal, diese Spitze zu erklimmen. Horthy bleibt nach wie vor der inoffi. zielle Hüter dieser Spize, der ungekrönte Monarch des auf rein militaristischer Grundlage aufgebauten monarchistischen Junterstaates. In dieser Tatsache liegt die größte Gefahr sowohl für das ungarische Volt wie für die angrenzenden Staaten. Niemals wird das fürchterliche Blutregiment in Ungarn ein Ende nehmen, niemals diese eiternde Wunde am Körper Europas sich schließen, wenn nicht der monarchistisch- milita ristische Apparat in Ungarn in Stüde geschlagen wird. Ob Karl mit Hilfe feiner Clique offiziell als ungarischer König regiert oder ob Horthy mit Hilfe der blutbejubelten Terror banden Pronays, Hejas usw. das Land knechtet, ist in der Wirkung dasselbe. Solange die jetzigen Machtverhältnisse in Ungarn bestehen bleiben, solange die Magnatenherrschaft fich auf eine nach Sunderttouferben zählende Arines stützen fann, muß ein monarchistischer Putsch dem anderen folgen, der unter gewissen Umständen ganz Europa in Brand steden fann. Es liegt deshalb im unmittelbarsten Interesse sowohl des ungarischen Volkes wie der gesamten europäischen Politit, daß mit der Beseitigung des ungarischen Milis tarismus endlich Ernst gemacht wird. Daß diese Aufgabe bisher nicht vollbracht worden ist, ist vor allen Dingen die Schuld der Entente, deren Generäle und Diplomaten offenkundig das Blutregiment Horthys und den ungarischen Militarismus gefördert haben. Nun verlangen die Staaten der Kleinen Entente, die die Gefahren des ungarischen Brand-| herbes am eigenen Körper spüren, daß die Abrüstung Ungarns endgültig vollzogen werde. Diese ultimative Forderung muß die Unterstützung aller sozialistischen und wirklich demokratischen Parteien in allen Ländern finden. Sie muß aber noch ergänzt werden durch die Forderung, daß das torrupte und unfähige Gewaltregiment in Ungarn beseitigt und die Grundlagen der demokratisch= republikanischen Ordnung in diesem Lande hergeschlesien für Deutschland schlechterdings unerträglich sei, auf der anderen, daß wir gar keine Veranlassung hätten, auf wirtschaftliche Vereinbarungen einzugehen, weil Deutschland auf das abgetrennte Gebiet überhaupt nicht angewiesen set. Mit einer in sich so widerspruchsvollen Verteidigung des deutschen Standpunktes fann man feinen besonderen Staat machen. Det achtens des Völkerbundsrates von neuem aufzuwerfen. Shaytanzler verneinte dieses. Das im Mai von der deutfchen Regierung angenommene Ultimatum habe den Betrag der Entschädigung festgesetzt, ohne die etwaige Entscheidung bezüglich Oberschlesiens in Betracht zu ziehen. Kenworthy fragte meiter: Jit es dem Schaffanzler befannt, daß der englische Finanz- und Handelsausschuß beinahe einstimmig der Meinung ist, daß die Buhlung des gegenwärtigen Reparationsbetrages nicht geleistet werden könne, ohne Großbritannien zu schädigen? Wird diese Frage von neuem erwogen werden? Geitens der Regierung er= auf eine andere Anfrage mit, daß er beabsichtige, den Abgeord= neten einen amilichen Bericht über das Wiesbadener Abkommen zugchen zu lassen. stell: werden. Erst dann werden auch hier jene gesellschaft Anklagen gegen das Auswärtige Amt folute feine Antwort. Der Schattanzler teilte in Erwiderung lichen Kräfte ausgelöst werden, die allen monarchistischen Abenteuern, allen Friedensstörungen und Kriegsdrohungen der ungarischen Serrenfaste von innen heraus ein Ende bereiten. Widersprüche In der Redaktion des ,, Berliner Tageblatts" gehen mertwürdige Dinge vor. Jm politischen Teil der Zeitung spuckt der Chefredakteur Theodor Wolff Gift und Galle gegen Die oberschlesische Entscheidung, die unter feinen Umständen atzeptiert werden dürfe und verlangt, daß Deutschland alles tun müsse, um den an Polen fallenden Teil Oberschlesiens verfaulen und das Polen in Verwesung übergehen zu lassen. Jm Handelsteil aber fommt der Handelsredakteur Dr. Felix Binner nach vorsichtig abwägender Betrachtung über die Birtschaftsgemeinschaft in Oberschlesien zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Lasten, so sagt er, die uns die wirtschaftliche Regelung des oberschlesischen Problems auferlege, sejen außerordentlich schwer, was uns an Vorteilen geblieben sei, bagegen blubwenig und dazu noch sehr unsicher. Troh allebem jei eines zu bedenken und müsse reiflich bedacht werden. „ Lehnt Deutschland jedes Eingehen auf die Wirtschaftsge= meinschaft ab, zieht es sein Kapital, seine Arbeit und die Intelligenz seiner Menschen aus diesem Gebiete zurück, so ist bie schnelle Polonisierung dieses Gebietes unvermeidlich. Diese Polonisierung wird möglicherweije, ja wahrscheinlich, verbunden sein mit einem wirtschaftlichen Zerfall des an Polen fommenden Industriegebietes, einem Zerfall, der mindestens für die Eisenindustrie endgültig sein dürfte. diesem Schicksal des Landes fönnen wir uns," so meint Herr Pinner ,,, abfinden, wenn wir die Gewißheit hätten, daß Oberschlesien für Deutschland auf alle Zeiten hinaus verloren sein würde." Ob eine solche Auffassung richtig sein würde, müsse dem Urteil von Politikern überlassen bleiben. Mit Frage: Hält Herr Pinner seinen Chefredakteur für einen Politifer? Der Artikel ist aber nicht nur deshalb so interessant, weil er die Verschiedenheiten, die zwischen den einzelnen Rayons der Firma Mosse bestehen, offenbart, sondern auch noch aus einem anderen Grunde. Er bemüht sich nämlich darzutun, daß für Deutschland das Wirtschaftsabkommen deshalb nichi so wichtig sei, weil es des Zuflusses oberschlesischer Produkte nicht unbedingt bedürfe. So sei zum Beispiel der Zufluß an Eisenfabrikaten, den Deutschland bisher aus dem jest polnisch werdenden Werfen erhielt, feine unbedingte Notwendigkeit, vielleicht nicht einmal ein wesentliches Bedürfnis. Da die oberschlesische Eisenindustrie so wie so nicht mit eigenen Erzen arbeitet, ja jogar einen Teil des Kosses, den sie braucht, aus dem Waldenburger Revier nach Oberschlesien einführen muß, fann sich Deutschland einen etwaigen Fehl= betrag an Eisen anderorts in gleicher, wirtschaftlich vielleicht sogar noch günstigerer, Weise ersetzen. Mit der Kohle lägen freilich die Dinge ein wenig anders, wenigstens solange, bis eine Erweiterung der Braunkohle durchgeführt sei. Aber das Ausfuhrbedürfnis Oberschlesiens sei hinsichtlich der Role fast ebenso groß, wie das Einfuhrbedürfnis Deutsch lands. Und selbst wenn Polen durch die Wirtschaftsgemeinhaft nicht genötigt würde, die Kohlenausfuhr nach DeutschTand zu gestatten, ist es schon durch seine eigenen Interessen dazu gezwungen. Wenn man die Argumentationen gegen die oberschlesische Entscheidung betrachtet, so gewinnt man den Eindruck, daß die, die sich der in Genf gefundenen Lösung widersetzen wollen, wieder einmal zu viel beweisen. Auf der einen Seite stellen sie dar, daß die Lostrennung eines Teiles von OberDer Film am Dienstag Filmschau Gleich zwei von unsern besten Regisseuren erscheinen diese Woche mit ihren neuesten Schöpfungen vor uns. Richard Oswald mit der Lady Hamilton"( im Marmorhaus) und Joe May mit dem ersten Teil des Indischen Grabma I"( im Ufa- Palast). Die Reklametrommel, die ihnen vorausgeeilt war, schuf eine gehobene Stimmung, die an den Premierenrausch längst verflossener, großer" Theaterabende erinnerte. Nun die Spannung gelöst ist, sei das Mäuschen untersucht, das aus einstürzenden Gebirgen hervorkriecht. wie Oswald war mit seiner Truppe in Neapel, um die Aufnahmen an den geschichtlichen Stätten" zu machen. Er lehrte mit geringer Auslese heim. Die hinterm Vesuv aufgehende Sonne, der Schloßhof, ein paar Gartenwege. und Plätze, das ist alles, um dessenwillen man unsere Erwartungen hochzuschrauben für ratsam hielt. Aber auch dieses wenige wird nicht genügend belebt und scheint nur die Aufgabe zu haben, für Oswalds italienische Reise Zeugnis abzulegen. Es lenkt unsere Aufmertsamkeit von den wirklichen Werten des Films ab, die immer bei Oswald in der Kleinmalerei und im Herausarbeiten rein menschlicher Züge aus den Anlagen der von ihm beherrschten Darsteller liegen. Wie sehr ez mit der Eigenart seiner Schauspieler vertraut ist und diese in richtige Bahnen zu lenten weiß, geht daraus hervor, daß Beidt, Schünzel, Krauß in ihren Filmanfängen erst durch ihn zu den klarstumzissenen Typen, die sie heute im deutschen Film vertreten, geformt wurden. Darum ist's schade, daß er sich diesmal an einen Stoff mit pompösem Hintergrund verliert, der ihm nicht liegt Ein armes Mädchen von auffallender Schönheit fesselt in London einen jungen Edelmann an sich. Der gerät bald in Geldnot, er erhält zwar Unterstützung von seinem Onkel, dem englischen' Botschafter in Neapel. Lord Hamilton, muß diesem aber als Gegenleistung das Mädchen überlassen. Lord Hamilton macht sie zur Lady und nimmt sie mit sich nach Neapel. Hier erwirkt sie ber von den Franzosen hergetriebenen Flotte des Admirals Nelson wohlwollende Aufnahme. Zwischen Neljon und ihr bahnt sich ein Liebesverhältnis an, das erst durch Nelsons Tod in der Trafalgarschlacht seinen Abschluß findet. An diesem Grundriß hängen zahlreiche Nebenhandlungen, die aber auf die Haupthandlung so wenig übergreifen, daß man sie ohne geringste Störung für den Drganismus des Ganzen in beliebiger Anzahl wegamputieren fann. Prinz Georg, seine Freundin, der Malez, der seltsame Arzt, der Kapitän, sie alle verschwinden unmotiviert, wie sie tamen, und lassen in der Handlung keine Furche hinter sich zurüd. Was vom Film übrigbleibt, sind kleine Szenchen mit Der Breslauer Berichterstatter der„ Bossischen 3ei tung" erhebt gegen das Auswärtige Amt schwere Anflagen. Er sagt, daß die Polen in Genf während der Berhandlungen über Oberschleen mit ihrer ganzen Berliner Botschaft vertreten gewesen seien und dort eine dauernde Abordnung von Arbeitervertretern unterhalten hätten. Wir hören weiter: Die Wilhelmstraße hat sich einmai damit begnügt, einen Legationsrat nach Genf abzuordnen, der im entscheidenden Augenblick pöllig mit seinen Nerven zusammengebrochen war und gerade in seiner wichtigsten Tiufgabe verjagte, die Verbindung zwischen den Genfer Politikern und den deutschen Vertretern zu ermöglichen. Er verstand im Gegenteil nur, den an sich nicht hoffnungsvollen, aber doch zu allen Versuchen wenigstens entschlossenen oberSchlesischen Bertretern abzuraten und Pessimismus beizubringen. Wäre nicht der Abg. Hué eingesprungen, hätten bie oberschlesischen Arbeiterführer, ohne auch nur eine wichtige Persönlichkeit ge= [ prochen zu haben, wieder abfahren müssen. Das Auswärtige Amt hat weiter oberschlesischen Bolitikern. Die über ausgezeichnete Verbindungen zum Völkerbundrat verfügten, ausdrücklich verboten, diese Verbindungen auszunuzen. Als es endlich notwendig wurde, Arbeitervertreter nach Genf zu entsenden, wurde eine Gruppe zusammengestellt, die gerade aus Richtoberschleiern bestand und so die polnische Stellung nur um neue Argumente bereichern tonnie. Man hat die ganze, zu Borbereitungen geeignete Zeit hindurch nur eine Parole befolgt, die angeblich auf Missionsberichten beruhte, nach den Erfahrungen der Oberschlesier in Genf aber gerade die verkehrteste war: vornehme zurüdhaltung zu wahren. Die vom Auswärtigen Amt resortierenden Diplomaten bei der Interalliierten Kommission in Oppeln haben es nicht fertig ge bracht, sich auch nur einer richtigen inoffiziellen Berbindung zur J. A. K. zu verfichern. Sie haben es bafür fertig gebracht, die vielleicht wichtigsten ausländischen Politiker, die Oberschlesien bereist haben, die Vertreter der Gewerkschaftsinternationale, Fim men und Jouhaug, wie Bittsteller antichambrieren zu lassen und bann in zehn Minuten abzufertigen. Sie bringen es jekt fertig, gerade diesen beiden Vertretern, die sich eben in einer offiziellen Erklärung gegen den Genfer Beschluß ausgesprochen haben, die Schuld an dem Genfer Beschluß zuzuschieben. Wenn nach dem Befanntwerden der Genfer Entscheidung von oberschlesischen Politikern in der ersten Bestürzung die Forderung nach dem Rücktritt Wirths laut geworden ist, so geht man nicht fehl, die Urheber auch hier in Kreisen des Auswärtigen Amtes zu suchen. Vielleicht wäre auch ohne diese Fehler der ungünstige Genfer Beschluß herausgekommen; das ändert aber nichts an der Notwendigkeit, jetzt, wo es möglich ist, auf diese Fehler hinzuweisen, um weitere zu verhindern. Protestierende Üntätigkeit wäre auch jetzt wieder der größte Fehler. Diese Angaben treffen im wesentlichen zu. Man wird sich über die Lässigkeit, mit der das Auswärtige Amt die oberschlesischen Fragen behandelt hat, nicht wundern dürfen, wenn man sich erinnert, mit welchem Widerwillen von dieser Stelle alle Angelegenheiten behandelt werden, die mit Polen im Zusammenhang stehen. Und darunter hat eben auch das oberschlesische Problem leiden müssen. Polen nimmt die Entscheidung an Paris, 25. Oftober.. Nach einer Blättermeldung aus Warschau ist der jetzige polnische Oberkommissar in Danzig, Plocinsly, der ehemalige Staats sekretär im Ministerium des Innern, zum Vertreter Bolens bei den wirtschaftlichen Verhandlungen über Oberschlesien bestimmt worden. Die polnische Regierung hat die Beschlüsse von Genj über Oberschlesien angenommen. Englische Anfrage wegen Oberschlesien Im Unterhause fragte Kenworthy, ob die Wirkung der Entscheidung in der oberschlesischen Frage auf die Zahlung der deutschen Reparationen in Erwägung gezogen worden sei und ob man beabsichtige, die Reparationsfrage infolge des Gutmenschlichem Ausdruck, die für sich als Einzelheit wirken: der grinsende Bootsmann Friedrich Kühnes, der versoffene König von Neapel Reinhold Schünzels, der sterbende Nelson Conrad Beidts und die einbrudsvollste Szene die Auspeitschung eines meuternden Mairofen an Bord des Schiffs. Liane Haid als Lady Hamilton war schwächer, als man's nach ihrem Dienstmädchen im„ Roman eines Dienstmädchens" erwartet hat. Die Fabel des„ Indischen Grabmals" besteht aus lauter willkürlich aneinandergereihten Motiven. Der Fürst von Eschnapur, von seiner Gattin mit einem Egländer beirogen, will der in seinem Innern erloschenen Liebe ein würdiges Grabmal errichten laffen. Er ruft einen Voghi, der sich zur Abtötung des Fleisches lebendig vergraben hat, ins Leben zurüd, und da solch ein Yoghi nach Gesez mit allen ihn auszeichnenden geheimnisvollen Kräften seinem Erweder dienen muß, schickt ihn der Fürst nach Europa mit dem Auftrag, von dort einen bestimmten Bildhauer mitzubringen. Pünktlich stellt sich der Doghi mit dem Bildhauer ein, nachdem er in Europa dessen Braut durch Zauberei verhindert hatte, mit ihrem Verlobten zusammenzutreffen und in feinen Reiseplan eingeweiht zu werden. Denn fie fönnte sonst folgen und den Bau des Grabmals durch ihre europäisch heitere Gegenwart ungünstig beeinflussen. Aber trotz allem Hokuspokus des Yoghi entdeckt sie die Spur des Verlobien und erreicht per Luftschiff das indische Schloß, wo er weilt, doch sperrt ihr der Fürst den Zutritt zu ihm und weist ihr nur einen beschränkten Teil der Gemächer zu. Während sie hier umberschleicht, spielen sich die Episoden mit dem Engländer ab, dem die Häscher des Fürsten auflauern, der sich aber mit zwei Revolvern Bahn bricht und entkommt. Soll man Einwände vorbringen und zum Beispie! fragen, warum der Fürst den Voghi nicht lieber mit Ergreifung bes Engländers betraut, dem Baumeister aber nicht einfach vor: geschlagen hat, dem chrenvollen Ruf, der ihn doch künstlerisch und materiell reizen muß, zu folgen und mit der Braut unter Darlegung der fürstlichen Bedenten gegen europäische Heiterkeit" auf vernünftige Weise irgendwie sich zu verständigen? Die Handlung ist so tonfus, daß ihr mit Kritik nicht beizukommen ist, man nimmt sie darum besser, wie sie ist, als gleichgültigen Vorwand, den May unbekümmert aufgreift, um feine film technischen Einfälle spielen zu lassen. Go, wenn der Kopf des Yoghi zwischen den Speichen des Automobilrades erscheint, das sich, wie hypnotisiert, vom rasenden Auto losschraubt. Oder wenn das Mädchen unter dem Schutz des Yoghi an Tigern vorbeigeht, die ihre Hälse nach ihr reden, aber, wie von magischer Kraft ge bändigt, plötzlich erstarren. Unter den Darstellern ragen Bern= hard Göhte als Voghi und Conrad Beidt als Fürst hervor, alles übrige mia may miteingerechnet ist Durch schnitt, Olaf Föns als Baumeister ausdrudslos. Die beste Stüße hat May in seinem Architekten Jacoby- Boy. Diefer Poffen Zwischenspiel Die lächerliche Kinderei, die die Demokraten und Bolfsa parteiler ausgehedt haben, bei der Entente eine Rüdfrage zu stellen, ob die Entsendung eines Kommissars die Anerfennung der oberschlesischen Entscheidung bedeute oder nicht, ist in der gestrigen Rach sigung des interfraktionellen Aus= schusses wirklich erörtert worden. Nun ist dieser Unsinn ja auch von den anderen Koalitionsparteien weiter nicht ernst genommen worden, aber schließlich wurde eine Formel aus geflügelt, die gegen die oberschlesische Entscheidung protestieren sollte und der die anwesenden Graftionsführer zustim men zu fönnen glaubten. Die Herren Stresemann und Kempfes waren weich wie Butter, ihre nationale Entrüstung war sehr gedämpft, der Regierungseintritt lodte. Die Frattionen sollen endgültig entscheiden. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei nam noch in der Nacht Stellung und lehnte einstimmig die Zustim mung zu der Erflärung ab, die in dieser interfrai tionellen Besprechung gefunden worden war. Ihr Organ, die„ Deutsche Allgemeine Zeitung", fügt hinzu, daß die Boltspartei damit endgültig aus der Regierungs fombination ausscheide. Herr Stresemannt also wieder einmal von seiner Graftion desavouiert worden. Dieser Mann, der noch tief unter dem Niveau der übrigen Fraftionsführer steht, sucht ununterbrochen nach der Formel, die ihm endlich den Ein tritt in ein Ministerium ermöglicht. Es ist ihm dabei ziem lich egal, ob Regierung mit oder ohne Wirth, mit oder ohne Protest, mit oder ohne Entsendung des Kommissars. Aber Minister will er werden, und deshalb ist er für die Formel. Herr Stinnes aber will nicht wie er, ihm ist das Schicksal seines jungen Mannes nicht so wichtig, und so zerreißt er die schönste Formel und zeigt immer wieder, daß er die Partei, die Herr Stresemann angeblich führt, ganz in der Tasche hat. So sieht die deutsche Politik in den Tagen einer unerhört schweren Krise aus. So wird geflüngelt, wenn das Parlament ausgeschaltet und die Herren Fraktionsführer unter fich find! Und mit dieser unmöglichen Partei haben sich die Demo fraten unter der glorreichen Führung ihrer Stresemänner, der Petersen und Koch, aufs engste verbunden. Und mit ihnen sehen sich die Rechtssozialisten noch immer an einen Beratungstisch! Jst jetzt die Komödie wenigstens zu Ende und versteht man, daß der Versuch der Koalitionsverbreiterung von jeher aussichtslos und zudem ein schwerer Schaden sowohl für das Reich als insbesondere auch für die Arbeiterklasse wäre? Glaubt man mirklich, daß man mit diesem völlig einsichtss Deutschlands, die so furchtbar schwer geworden ist, auch nur losen streberigen Klüngelpolitikern die auswärtige Politit zwei Wochen lang führen fann? Glaubt man, mit diesen Leuten, die vor jedem Stirnrunzeln eines rheinischen Industriellen zittern, weil sie fürchten, daß dann die Parteis tasse nicht gefüllt würde, die Steuerprobleme lösen und eine innere Politiz führen zu können, die nicht zu den schwersten Konflikten führen müßte? Wieder sind die kostbarsten Stunden verzettelt worden. Und so völlig unnük! Jetzt begreifen sogar die tobendsten Chauvinisten und die wildesten Schreier, daß die Koma miliare entsendet und die Verhandlungen baut nicht etwa ein fünftliches Indien als Ersatz für ein natürliches, er entwirft nur Echaupläge, die auch in Indien, künst lich" find ein Balasttor, einen verschnörkelten Bogen, Türflügel, Gondeln auf dem in allen Erdteilen sich gleichenden Wasser, und läßt das alles nie in Berbindung mit der Natur treten, sondern stellt's auf sich selbst und unterstreicht damit, indem er's ins Phantastische steigert, das Myftische" der Vorgänge. Aber der Welt größter Film", wie die Reflame bescheiden verkündet, liegt hier selbstverständlich nicht vor, und May selbst hat schon Besseres so in Ophir" geboten. Immerhin darf man auf den zweiten Teil dieses Indischen Grabmals" gespannt sein. " Was diese Woche zwischen Oswald und May an Filmen bea scherte, ist nicht der Rede wert: Dorothy von Goldengate"( im Tauengienpalast), Tänzerin in einer Animiertneipe, verliebt sich in einen Goldgräber, wird ihm zuliebe„ anständig", und er heiratet sie. Auf etwas höherem Niveau steht: Der Schidialstag"( im. T. Kurfürstendam), mit fünf unzusammenhängenden Aften, die miteinander nur die Fehlbesetzung mit Kurt Stieler und die vier verschiedene Gestalten darstellende Ma by Christians gemein haben. Die Anmut der Christians und die Aufnahmen( in der Schweiz?) machen den Film genießbar. Dosio Koffler. Proletarische Feierstunden Was gibt es Schöneres als mit Gleichgesinnten eine Stunde der Erhebung zu feiern, sich zu vereinigen unter der Fahne einer allverdienten Idee, und die Herzen schlagen zu lassen im gleichen Tatte. Die proletarischen Feierstunden sind der glückliche Ausdrud unseres Mollens und unseres Kämpfens. Sie sind unsere weltliche Andacht, unsere Hingabe an die großen Gedanken des Sozialisa mus, der die Menschheit sein wird. Was auf der Bühne des Großen Schauspielhauses vorging, das war fein Theater, das die Zuhörer nichts anging, es war nur die Fortsegung dieser Zuhörer selbst. Fleisch von unserem Fleisch, ge= formter Ausdrud unseres lebendigen Empfindens. Als der Sprechhor, glänzend geschult von dem Genossen Florath, geführt von der Soloftimme Lothar Mütheis, seine wahrhaft proletarischen Rhythmen sprach. da fühlten wir alle: das sind feine Statisten, sondern wir alle spielen mit. und die Sprecher tönnen ebensogut unter uns figen wie wir an ihrer Stelle sprechen tönnten. Die Freiheitslieber des Gesangvereins Ramenlos" unterstrichen dieses starte Gemeinschaftsbewußtsein, und die warmherzige Rede Arthur Crispiens brachte bie Bedeutung der Stunde schön zum Ausdrud. Der gemeinsame Gesang der 3ternationale" follte der Höhepunkt der Beranstaltung sein. Soffentlich werben alle unfere Genossen allmählich ihre Zurüdhaltung ablehnen, und wenn die Hymne des Proletariats erklingt, aufstehen und mitfingen, auch wenn sie nicht recht, dem Klang ihrer Stimme vertrauen. H. E. K. geführt werden müssen. Jetzt ist es offenbar, welcher, Wahnsinn diese ganze Krisenmache gewesen ist. Jetzt stellt es sich heraus, daß eine andere auswärtige Politit, als die, die seit der Annahme des Londoner Ultimatums eingeleitet worden ist, gar nicht möglich ist, weil es sich um eine zwangs läufige Unentrinnbarkeit handelt. Wird man jetzt endlich mit der Klüngelpolitit Schluß machen? Es heißt, daß Dr. Wirth heute mit der Bildung des Kabinetts betraut werden soll. Wenn das Zentrum nicht auch schon durch die Angst vor der Verantwortung gelähmt ist, da kann die Regierung sehr rasch gebildet werden. Eine berechtigte Forderung Die„ Deutsche Zeitung" verlangt, daß alle diejenigen, die durch ihre Handlungsweise den Verlust Oberschlesiens mitverschuldet haben, vor den Staatsgerichtshof gestellt werden. Wir unterstützen diese Forderung aufs nachdrüdlichste. Zuerst müssen alle diejenigen abgeurteilt werden, die die Schuld am Kriege tragen, die solange geschürt haben, bis der Zusammenstoß der imperialistischen Mächte unausbleiblich war, diejenigen, die mit dem deutschen Militarismus die Welt erobern und alle anderen Völker sich dienstbar machen wollten. Das sind die AII= deutschen, die heutigen Deutschnationalen, und an ihrer Spike die Deutsche Zeitung". Dazu fämen dann jene Leute, die den Krieg bis ins Unendliche verlängert haben, unsinnige Annettionspläne aufstellten und den anderen Völkern das gleiche antun wollten, was uns jetzt von den wirklichen Siegern im Weltkriege auferlegt wird. Der Staatsgerichtshof ist freilich nicht der richtige Ort, um diese Berorecher abzuurteilen. Nur das arbeitende Volk, das jetzt am härtesten zu leiden hat, ist befugt, in dieser Sache Recht zu sprechen! Der Reichstag Heute nachmittag 5 Uhr tritt der Aeltestenrat zusammen. Man rechnet damit, daß der Reichstag auf alle Fälle Mittwoch nachs mittag zusammentreten wird, um die Frage der Entsendung eines Kommissars zu entscheiden. dazu angetan, das Vertrauen der Bevölkerung zu erwecken, sie ist dazu angetan, das Vertrauen der Bevölkerung zu erweden, sie ist nach Lage der Dinge eine Prätorianergarde der mon= archistischen Reaktion." Der Kampf im Gastwirtsgewerbe Verschärfung des Kampfes bevorstehend In der Plenarversammlung der Berliner Gewerkschaftstommission wurde in der Diskussion über den Tätigkeitsbericht des Ausschusses, den wir in der nächsten Morgenausgabe bringen werden, der Kampf im Gastwirtsgewerbe besprochen. Genosse Vollmerhaus machte bekannt, daß Transportarbeiter und Fleischer über ben Belieferungsstreit der bestreitten Betriebe beraten, der in Wirksamkeit treten soll, wenn die Arbeitgeber sich nicht zum Verhandeln bequemen. Genosse Burde führte aus, daß die Unternehmer nicht mehr und nicht weniger beabsichtigen, als 35 000 Angestellte über die Klinge springen zu lassen. Etwa 600 gelbe Streitbrecher sind in den Betrieben; das zeigt, daß die organisierten Gastwirtsangestellten tapfer ihren Mann stellen. Orthmann, erster Bevollmächtigter der Transportarbeiter, führte aus: Wenn die Arbeitgeber im Gastwirtsgewerbe es dar auf angelegt haben, das Kartell auf die Knie zu zwingen, so haben sie die Rechnung ohne die Transportarbeiter gemacht. Die fominenden Dinge entwideln ich zugunsten der Streifenden. Wenn die Arbeitgeber denken, unsere praktische Solidarität sei Strohfeuer, dann irren sie sich gewaltig, denn soweit wirtschaftliche Kämpfe in Frage stehen, haben die Transportarbeiter noch nicht versagt. Die Solidarität der Berliner Transportarbeiter geht weit über die Gerisjenheit ehemaliger Gewertschaftsangestellter. In den allernächsten Tagen Tommen die Dinge zur Entscheidung. Streif in Bochum Bochum, 24. Oftober. Heute nachmittag 2 Uhr ist der gesamte Betrieb des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation still gelegt worden. Der Grund zu dieser Maßnahme liegt in dem Streit von 82 Maurern beim Bochumer Verein wegen Tariffstrcitigfeiten. Da fein Ersatz für die streitenden Maurer beschafft werden fonnte, mußte der Hochofenbetrieb gedämpft werden. Dadurch wurden die Kraftwerke infolge Fehlens der Gasträfte außer Betrieb gesetzt und der Betrieb im Bochumer Verein mußte stillKampf gegen die militaristische Schupo gelegt werden. Annähernd 12000 Mann sind arbeitslos geEin Prozeß gegen die Elberfelder ,, Vollstribüne" Gelegentlich der Märzunruhen d. J., die in Elberfeld= Barmen durch den energischen Widerstand der freien Gewerkschaften, der U. S. P. und der S. P. D. teine für die Gesamtarbeiterschaft gefährlichen politischen Folgen zeigten, erschienen in unserm Elberfelder Parteiblatt, der„ Boltstribüne", verschiedene Artikel, die sich mit dem Verhalten der Schupo gegenüber wehrlosen Gefangenen beschäftigten. Am 2. April brachte nun die ,, Volfstribüne" einen Artikel mit der Ueberschrift:„ Die Ordnungsbestie obenauf". In diesem wurden schwere Mißhandlungen von Schupobeamten an fünf wehrlofen, an den Ereig nissen gänzlich unbeteiligten Gefangenen festgestellt und scharf gebrandmarkt. Es erfolgte nun Strafantrag gegen die Volkstribüne" und am Sonnabend, den 22. Oktober, sand der Termin gegen den Verantwortlichen, Genossen Dobbert, statt, Die mehrere Stunden sich hinziehende Beweisaufnahme ergab die TatSache von schweren Mißhandlungen der Schupobeamten gegenüber wehrlosen Gefangenen. Weitergehende Beweisanträge, die sich mit reaktionären Mißständen in der Schupo überhaupt beschäftigten und fíarlegen wollten, wurden nicht zugelassen. Am Schlusse der Beweisaufnahme mußte selbst der Staatsanwalt Freisprechung des Genossen Dobbert beantragen. Der Verteidiger, Genosse Gerhard Obuch Düsseldorf, der in die Beweisaufnahme erfolgreich eingriff, betonte in seinem glänzenden Plädoner, daß sich der Angeklagte durch Aufdedung dieser furchtbaren Migstände ein Verdienst erworben habe. Das Gericht sprach denn auch nach kurzer Beratung den Angeklagten frei. Ein Antrag des Verteidigers, dem Angeklagten die notwendigen baren Auslagen zurüdzuerstatten, wurde vom Gericht merkwürdigerweise abge= Tehnt. Unser Elberfelder Parteiblatt schließt seinen Bericht mit den Worten:„ Die gesamten aufgedeckten Verhältnisse bewiesen aufs schlagenste die Notwendigkeit einer wirklich verantwortungsvollen, nicht fasernierten, von modernem Geist durchwehten kom= munalen Polizei.. Die heutige grüne Militärpolizei ist nicht Wenn der Kaiser wiederkehrt Bon Siegfried Weyr, Wien Heute, da der Ehrenwort- Karl in Ungarn festgenommen ist, mag es angebracht sein, in der Geschichte zu blättern und zu forschen, wie es denn aussieht, wenn die Kartätschenprinzen siegen, und was dabei der einzelne für sich zu erwarten hat. Ein#lassisches Beispiel bietet Wien nach der Revolution des Jahres 1848, als Franz Josef, nachdem die kroatischen und polnischen Soldaten von Windischgräh die Hauptstadt erstürmt hatten, achtzehn Jahre alt, in die Burg seiner Väter" zurüdfehrte und mit seinen Kreaturen eine Regierung begann, die den Wienern das Leben in den nächsten zehn Jahren zur Hölle machte. Ruhe, Kirchhofsruhe war das Biel, welches ein auf den Gräbern Blums und Messenhausers etabliertes System anstrebte, und zu diesem Zwed erging eine Unzahl von Verordnungen, die bald grausam, bald lächerlich, immer quälend waren. Der„ Untertan" war alsbald von einem Neg polizeilicher Verfügungen umstridt, so daß er jede Bewegungsfreiheit gründlich verlor. So gründlich, daß er, wenn irgendwelche Gründe ihn z. B. nach Hütteldorf riefen, einem Dorf, das damals zu Wien in einem Verhältnis stand wie etwa heute Grunewald zu Berlin, bei der Polizeidirektion um einen Passierschien bitten mußte, den Stand, Reiseziel und Zweck. Jowie genaue Angabe der Zeitdauer enthielt und den natürlich nur ein„ Unverdächtiger" bekam. Für weitere Reisen war ein Reisepaß nötig, den man einem Anrüchigen", der faum einen Bassierschein betam, schon gar nicht ausfolgte, und das Ansuchen um einen solchen wurde gar oft zum Ausgangspunkt einer polizeilichen Untersuchung, die schließlich die Vernichtung der bürgerlichen Existenz nach sich zog. Den in Wien ankommenden Reisenden ging es beim geringsten Verdacht nicht besser. Fürs erste mußten die Züge weit außerhalb der Bahnhöfe halten, jedes Abteil ward von einem Polizeisoldaten mit scharf geladenem Gewehr und aufgepflanztem Bajonett bejezt, der die Bässe absammelte, worauf erst der Zug einfahren konnte. Nach 24 Stunden hatte der Fremde sich auf der Polizei zu melden, und wehe, wenn etwa sein„ Meldegettel" später als er eintraf. Ob ein Durchreisender infolge des erzwungenen, mindestens vierundzwanzigstündigen Aufenthaltes an seinen Interessen geschädigt war, ob er die Mittel dazu besaß, war der Polizei gleichgültig. Wohl aber genügte ein einfacher Formfehler in den Reisedokumenten, um die Weiterreise zu ver hindern und den Reisenden, per Schub" in die Heimatgemeinde zurüdzubringen, wenn er nicht wochenlang im Bolizeigefängnis zu tüdbehalten wurde. Die Stüße Franz Josefs war natürlich die Gendarmerie. Brächtig nach russischem Muster uniformiert, Iuguriös unterge= bracht und gut bezahlt, stand sie unter dem Kommando des be rüchtigten Met. Kempen von Fichtenstamm und beherrschte worden. Kleine Nachrichten Sturmschaden in der Nordsee. Wie aus Curhaven gemeldet wird, haben die letzten Stürme dort furchtbare Verwüstungen angerichtet. Auf dem Lotsendampfer„ Garpfanger" erfolgte eine starte Explosion. Der Dampfer wurde schwer beschädigt und ein Matrose verletzt. Zwei Wilhelmshavener Leichter wurden an der Wesermündung aus dem Schleppzug gerissen. Verschiedene Dampfer haben ihre Anker verloren. Die Höhe des angerichteten Schadens läßt sich noch nicht übersehen, geht aber zweifelsohne in die Millionen. Monarchistentrach in Leipzig. Anläßlich eines Vortrages, den General v. d. Goly Montag abend im Zentral- Theater in Leipzig hielt, kam es zu großen Demonstrationen der Arbeiterschaft. Unter Abfingung der Internationale versuchte die Menge in das Versammlungslotal einzubringen, wurde aber von der Schuhmannschaft daran verhindert. Als gegen Schluß des Vortrages von einem Besucher einige abfällige Zwischenrufe gemacht wurden, fam es im Saal zu einem Handgemenge, so daß der Saal von der Bolizei geräumt werden mußte. Die Konferenz der baltischen Sozialisten. Die Konferenz der baltischen Sozialisten, an der Vertreter aus Estland, Lettland, Litauen und Finnland teilnahmen, faßte eine Resolution, in der es u., a. heißt: Die Konferenz begrüßt die politische, wirtschaftliche und tulturelle Zusammenarbeit der baltischen Staaten vom Standpunkt des Klasseninteresses des Proletariats. Die Politik der Randstaaten darf nicht auf der Linie einer Schwächung Sowjetrußlands liegen, sondern auf der Linie der Verständigung. Die Konferenz weist jede Politif, die sich gegen Sowjetrußland wendet, entschieden zurück, tritt für gute nachbarliche Beziehungen zu Rußland ein und erklärt sich gegen den Eintritt der baltischen Staaten in die Militärunion mit Polen. Frankreichs Schulden. Die französische Schulb beläuft sich auf 264 Milliarden. Davon entfallen 229 Milliarden auf inländische nicht nur die Städte, sondern auch das flache Land. Auch das elendeste Dorf hatte seine Gendarmeriefaserne. Mit heute fast unglaublichen Vorteilen ausgestattet, war die Gendarmerie der Knebel, der jede Regung des öffentlichen Lebens erstidie and dieses selbst nach der Schablone regulierte. Gegen Denunziationen, die immer durch das„ Amtsgeheimnis" gedeckt waren, gab es teinen Gegenbeweis. Dabei war der Gendarm beständig im ,, Dienste", so daß es feinen Privatverkehr mit ihm gab und selbst im vertrautesten Freundeskreise vorkommende Meinungsverschiedenheiten dem Gendarmen gegenüber als„ Beleidigung eines Wachpostens" strafbar waren. Er hatte das Recht, überall einzutreten, fein Stand, Rang oder Geschlecht hinderten seine Amtierung. Er rapporterte alles, was er hörte, ob es nun Zivil, Militär oder seine eigenen Standesgenossen betraf. Natürlich floh ihn alles wie die Pest. Bezeichnend ist, daß ein solcher Genbarm einmal in Wien auf offener Straße einen Infanterieleutnant, der sich seinen Anordnungen nicht fügte, ohrfeigte, worauf er allerdings von diesem erstochen wurde, was einen erbitterten Kampf der Gendarmerie und Militärgewaltigen hinter den Kulissen zur Folge hatte. In der Nacht überzog außer all dem noch ein dichtes Netz von Militärpatrouillen bie in der„ inneren Stadt" allein 200 Gassen und Straßen, so daß es unmöglich war zu passieren, ohne ihnen in die Hände zu laufen. Um aber das Bild zu vervollständigen, seien noch die polizeilichen Toiletteregeln erwähnt. Bor 1848 waren Schnurrbärte eine Seltenheit gewesen, während der Revolution ein ungehemmter Bartwuchs aber Mode geworden, wie auch der Zylinder durch den weichen„ Kalabreser" ersetzt worden war. Nach Windischgräs' Einzug hatte sich jedoch die Szene wie mit einem Zauberschlag verändert. Alle maltontenten" Moden verschwanden, und sowie sich nachher noch im Gewühl der Großstadt ein weicher Hut zu zeigen wagte, ein Mann mit staatsgefährlicher Frisur oder gar eine Dame, an deren Kleid irgendwelche mißliebigen Farben zu sehen waren, so stürzten sich die algegenwärtigen Militärpolizisten und Gendarmen wie Aasgeier auf sie. Wer den ,, revolutionären Haarwuchs" hatte, wurde vom Polizisten sofort in die nächste Barbierstube geführt und gezwungen, sich auf eigene Kosten nach Art„ Gutgesinnter" herzurichten. Toilettefehler aber wurden nur auf auf dem Polizeitommissariat mit Geld- oder Arreststrafen forrigiert. Dieser Kleine Auszug aus der Fülle fulturhistorischen Materials von damals mag für diesmal genügen, er sollte nur eine kleine Probe für die Leistungen einer Reaktion sein, die feine EntwidIung fennt und ewig dieselbe Bleibt. Regliatoren. Er* Friebris fprit Sennerstag, 7% Uhr, in bez Arbeiter Kunst- Ausstellung Novellen und Welfserzählungen von Islstsi. Un foftenbeitrag 1 M. Les Menter spricht Freitag, 8 Uhr( Meistersaal), Dichtungen von Hendell, Nietzsche, Strindberg, Wedekind, Werfel, Wildgans u. die Rede Robespierres aus Dantons Tod" von Büchner. und 35 Milliarden auf ausländische Schulden. Von den auss ländischen Schulben fommen 13%, Milliarden auf Großbritannien und 15% Milliarden auf die Bereinigten Staaten. Frankreich hat für 14 Milliarden Forderungen an das Ausland, so daß die Nettoschuld 250 Milliarden beträgt. Eine Haremsinspektion. Der vom Wölferbund ernannte Ins Spektor der Harems ist in Konstantinopel eingetroffen und wird dem Völkerbunde über die Behandlung der Frauen in den Harems Bericht erstatten. Die türkische Presse veröffentlicht diese Nach richt mit ironischen Kommentaren. Der neue Vertreter Sowjetrußlands. Der neue Vertreter Sowjetrußlands in Deutschland, Nitolai Nitolajewitsch Krestinski, ist am Montag in Berlin eingetroffen. Kleine Parabel Es war einmal ein Mann, der verrichtete schwere Arbeit für einen anderen Mann, der dadurch reich wurde. Der Mann, der die Arbeit tat, wurde aber immer ärmer dabei; denn es herrschte eine furchtbare Teuerung. Eines Tages bat er den Reichen um höheren Lohn. Der Reiche fagte:„ Ich bin nicht verpflichtet, dich besser zu ents Tohnen; denn ich gebe dir bei Heller und Pfennig, was zwischen der Gilde der Reichen und der Gilde der Armen vereinbart ist." Da wandte sich der Arme und ging wieder an seine Arbeit; denn er fürchtete, der Reiche würde ihn sonst davonjagen, und er müßte vollends verhungern. Später taten sich viele Arme zusammen und schufen vielerlei Nützliches, ohne daß ein Müßiggänger danon Gewinn hatte. Vielmehr tam die Frucht ihrer Arbeit ihnen selbst zugute und ihren Frauen und Kindern und ihren Freunden, so daß die schwere Arbeit ihnen leicht ward und mit Freude ihre Herzen erfüllte, die früher getrauert hatten. Denn der heilige Atem der Gerechtigkeit wehte sie an und vers flärte ihre Mühe. Der Reiche aber mußte den Armen ziehen lassen, der für ihn gearbeitet hatte; denn er wollte es nicht länger tun. Und die Brüderschaft der Armen nahm ihn auf. Die Brüderschaft aber gab jedem Bruder das Doppelte von dem, was die Gilde der Reichen gab. Doch der Arme, der eben noch für den Reichen gearbeitet hatte, war es nicht zufrieden. Nach wenigen Tagen sagte er:„ Gebt mir das Dreifache, das Doppelte ist nicht genug!" Da erröteten die Brüder um ihres Bruders willen und sprachen: ,, Wir arbeiten nicht um des Lohnes willen, sondern um der Ges rechtigkeit willen. Drum, wenn selbst weniger auf uns fäme, als die Gilde der Reichen gibt, so wären wir dennoch froh um der Gerechtigkeit willen. Aber siehe, es fommt das Doppelte auf uns. Keiner hat weniger, feiner mehr! Was die Brüderschaft be Schließt, ist Gesetz." Doch er sagte wieder:„ Das Doppelte ist nicht genug, ich will das Dreifache!" Und noch einmal:„ Das Dreifache!" Da stießen ihn die Brüder aus ihrem Kreis, und er ging hin zu dem Reichen, von dem er gekommen war, und verrichtete schwere Arbeit für ihn wie zuvor. Und der Lohn, den er erhielt, war der Lohn, der zwischen den Gilden der Armen und der Reichen vereinbart war, und es war ein sehr geringer Lohn, und die Teuerung ward größer und größer. Und während der Reiche immer reicher wurde, wurde der Arme immer ärmer. Die Brüderschaft aber gedieh in Gerechtigkeit, und weil sie gedieh, erhielt jeder Bruder das Fünfsache des Lohnes der Gilden. DII Da erkannte der Arme, der für den Reichen arbeitete, daß er gemein wie ein Schwein und dumm wie ein Esel gewesen war. 1 drodam Eine notwendige Notverordnung Eine bemerkenswerte Notverordnung des Finanzamtes hängt, wie uns ein Lefer mitteilt, in seinem Betriebe aus. Sie hat folgenden Wortlaut: Notverordnung des Finanzamtes vom 31. September 1921. Alle vom Lohnsteuergesez betroffenen Arbeiter und Anges stellten, die die eidesstattliche Versicherung abgeben können, daß fie oder einer ihrer Familienangehörigen unterernährt oder nicht mit genügenden warmen Kleidern, Schuhzeug oder Heiz stoffen für den kommenden Winter versehen sind, werden hiermit aufgefordert, sich unter Borlegung ihrer Steuerfarte bei dem zuständigen Finanzamt bis zum 31. Oftober d. J. zu melden. Dort wird ihren von der bisher gezahlten Steuerfumme soviel zurüdgezahlt, als zur dauernden Beseitigung der Unterernährung und ihrer Folgen, sowie zur sofortigen Anschaffung obenbezeichneter Gegenstände benötigt wird. Berlin, den 15. Oftober 1921. gez. i. B. Dr. Jebicke. D. 2. 20. 10. 21. Man muß zugeben, daß diese Notverordnung wirklich sehr notwendig gewesen ist. Der soziale Geist, von dem sie erfüllt ist, sticht wohltuend von den sonstigen Praktiken unserer Steuergewaltigen ab. Nur eine Kleinigkeit gibt zu denken Anlaß: diese vorbild liche Verordnung ist nämlich nie erlassen worden! Errichtung von Stadtarzistellen Vom Nachrichtenamt des Magistrats Berlin wird geschrieben: Laut der Sagung der Deputation für das Gesundheitswesen haben die Bezirksämter der Berwaltungsbezirte, in denen nicht ein mit der Leitung des Gesundheitswesens beauftragter Arzt besofdetes Mitglied des Bezirksamtes ist, be soldete haupf= amtliche Bezirksärzte zur Bearbeitung der Angelegenheiten des Gesundheitswesens zu bestellen. Der Magistrat hat demgemäß beschlossen, in den Bezirken Berlin- Mitte, Tiergarten, Weboing. Brenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Spandau, Wilmersdorf, Steglit, Tempelhof, Treptow, Köpenid, Lichten berg, Weißensee, Pankow, Reinidendorf Stadtarzt stellen zu errichten. In den Bezirken Charlottenburg. Schöneberg und Neukölln liegt die Leitung des Gesundheitswesens des Bezirkes bereits in den Händen eines ärztlichen Mitgliedes des Bezirksa amts. In dem Bezirk Zehlendorf wird die Stelle eines Stadtarztes zur Zeit noch nicht für erforderlich gehalten. Ausübung Don Privatpragis foll nicht gestattet sein. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung eine entsprechende Vorlage eingereicht und in dieser auch die Gehalts und Bestellungsver hältnisse der Stadtärzte festgelegt. Ein Boffsparf in der Schönholzer Heide Der städtische Partausschuß hat, wie wir erfahren, in seiner gestrigen Sigung dem Entwurf für einen Volkspart in der Schönholzer Heibe nach den Plänen des städtischen Gartendirektors Brodersen zugestimmt. Der Boltspart foll sich längs der Banke hinziehen, über die mehrere fleine Brüden die Berbindung mit dem gegenüberliegenden Bürgerpart herstellen. Am Ostende an der Bahnhofstraße ist eine Boltswiese, am Westende an der Bante ein Planschbecken und ein Spielplatz für die Kinder vorgesehen. Ebenso stimmte der Bartausschuß einem geänderten Entwurf für die Ausgestaltung des Kleinen Tiergartens zwischen Ottostraße und Thusneldaallee in Moabit zu. Gegen die ursprüngliche Absicht, fast den ganzen Teil dieses Barts zu einem Sportplas umzugestalten, bem der größte Teil der vorhandenen Bäume hätte weichen müssen, hat sich in Moabit lebhafter Widerspruch geltend gemacht. Der Bartausschuß stellte sich gleichfalls auf den Standpunkt, daß auch den Erwachsenen, insbesondere den alten Leuten, die Erholungsmöglichkeiten gewahrt werden sollen, und genehmigte den neuen Entwurf des Gartendirektors Brodersen, wonach nur in der Mitte dieses Teils des Kleinen Tiergartens ein Kinderspielplak angelegt und die dort vorhandenen Bäume geschont werden sollen. Dagegen lehnte der Parkausschuß die von einem Reklameunternehmen beantragte Vermietung der Baumschutzgitter in den Straßen zu Reklamezwecken ab, weil die mit der Anpflanzung der Bäume erreichte Verschönerung des Straßenbildes durch die Reklameflächen der Schutzgitter völlig in ihr Gegenteil verkehrt werden würde. Die Vermehrung der Brotmenge Zu dem Beschluß der städtischen Ernährungsdeputation, wonach mit Rücksicht auf die Kartoffelknappheit die wöchentliche Brotmenge von 1900 auf 2050 Gramm erhöht werden soll, erfahren wir noch, daß damit auch eine Erhöhung des Brotpreises von 7,15 auf 7,65 Mart verbunden sein soll. Im übrigen ist infolge der Freigabe eines Teils der Mehlerzeugung der Verbrauch an rationiertem Brotmehl von Woche zu Woche zurüdgegangen, und zwar von 25 000 auf 20 000 Zentner Martenmehl wöchentlich. Infolgedessen tann Berlin zur Linderung der Kartoffelknappheit über größere Mehlmengen verfügen. r= Die Arbeitslosigkeit im September Ende September wurden in Groß- Berlin, wie der Magistrat auf Grund einer alle 20 Verwaltungsbezirke umfassenden statistischen Erhebung bekanntgibt, insgesamt rund 92500 werbslose( davon rund 71 000 männliche und 21 500 weibliche) unterstützt. Der Abgang an Erwerbslosen betrug im Laufe des Monats September rund 32 000( davon 22 000 männ liche und 10 000 weibliche), der 3ugang rund 16 200( davon 12 700 männliche und 3500 weibliche). Es schieden aus: infolge Arbeitsaufnahme Arbeitsverweigerung Fernbleibens von den Geschäftsstellen " " 9 Ablebens دو カラ " " Verheiratung Abwanderung Sonstiger Gründe 23 171 84 2447 36 78 157 5 950 Bon den 92 500 Erwerbslosen waren rund 31 300 organisiert. Die Zahl der Zuschlagsberechtigten betrug rund 85 078. Seit Oftober 1920 und länger waren Ende September noch 7367 männliche und 2600 weibliche Personen erwerbslos. Berlin ohne Autodroschten. Die Berliner Kraftdroschtenbesitzer Tassen seit heute frh ihre Wagen nicht fahren. Von ganz geringen Ausnahmen abgesehen, sieht man nirgends eine Autodroschte. Die Droschtenbesitzer wollen mit diesem Streit eine mindestens zehnfache Erhöhung der Tage erzwingen. Bad im Frad. Der Genosse Wilhelm Bölde, ein Bruder bes im Kriege gefallenen bekannten Fliegers dieses Namens, legt Wert auf die Feststellung, daß er mit dem in unserer gestrigen Notiz unter vorstehender Spigmarfe genannten Waldemar Bölde nicht identisch ist. Der letztere hat sich zu Unrecht als Bruder des gefallenen Fliegers ausgegeben. Soziale Einfüchenwirtschaft eine Zeitforderung. Diesem Thema gilt eine Kundgebung, zu der der Verein für gemeinnügige Eintüchenwirtschaft, der Deutsche Verein für Wohnungsreform und die Deutsche Gartenstadtgesellschaft einladen. Redner find: Minna Cauer, Marie Juchacz, M. d. R. und Robert Adolph. Die Verfammlung findet am Donnerstag, 27. Ottober, 7% Uhr abends, im Bürgersaal des Berliner Rathauses, statt. Bolkshochschule Groß- Berlin. Am Mittwoch, den 26. Dttober, beginnen folgende Kurse und Arbeitsgemeinschaften: Dessoir und Mo11: Der Oftultismus der Gegenwart, AulaSondheimer: gebäude der Universität, Hörsaal 3, 7 Uhr. Die Romantit der Musik, Tempelhof, Realgymnasium, KaiserinAugufta- Straße, 7 Uhr. Ladewig: Arbeitstreise der Bilbungspflege, ebenda, 7 Uhr. Tillich: Der philosophische Gehalt der politischen Richtungen, Steglitz, Gymnasium Heesestraße, 6 Uhr. Hörerfarten in den bekannten Verkaufsstellen und an den Lehrstätten. Die Jugendbühne Neukölln, die am Mittwoch und Sonnabend jeder Woche, nachmittags 3 Úhr, im städtischen Lichtspielhaus in der Bergstraße 147 in Neukölln Aufführungen veranstalten jou, wird am Mittwoch, den 26. Oktober d. J., durch eine besondere Feier eröffnet. Die Jugendbühne macht es sich zur Aufgabe, alle Teile ihres Programms von Schülern und Schülerinnen ausführen zu lassen. Zutritt haben Schüler und Schülerinnen sämtlicher Schulen und deren Eltern; der Eintrittspreis beträgt für Schüler 50 Pfg., für Erwachsene 1 M. Eintrittstarten sind im Zimmer 278 des Neuköllner Jugendamtes, Rathaus, 2 Tr., und an der Tagestasse zu haben. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Donnerstag. Etwas wärmer, bei ziemlich frischen und westlichen Winden und wieder zeitweiser Bewölkung. Nachts Regen. 26BD. 2. Distrikt. Allen Genoffen zur Nachricht, daß unser Genoffe Wilhelm Krämer Brunnenstraße 185, verstorben ist. Die Einäfcherung findet Donnerstag, mittags 12 Uhr, im Kremas torium, Gerichtstraße, ftatt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Berband der graphischen Hilfsarbeiter und- arbeiterinnen- Orisverwaltung Berlin Achtung! Achtung! Mittwoch, den 26. Oktober 1921, abends 5%, Uhr Versammlung der Buchdruck- Funktionäre bei Henning, Alexandrinenftr. 44. Tagesordnung: Bericht von den Berliner Berhandlungen Bollzähliges Erscheinen erwartet Der Ortsvorstand Gustav Grohmann Wäsches of Botenfrauen im Leihhaus Moritzp!. 58a verk. faunend bill. Hemden 26, Beinkleider23, Bettbes züge85, große Teppiche 495, Künstl.- Gardin.68, Stepp u. Dimandecken, Daunens better. Nur Gelegenheitss käufe.ReineLombardware GoldSilberPlatinkauft Silber- Zentrale Gotzkowsky- Straße 13 Landparzellen in Beefen, dicht am See, 10 min. v. Bhf., R. v. 25 M. an, bei kleiner Anzahlung verkauft W. Rofchahty, Berlin C, 54, Rofenthaler Straße 39. Nord. 5002. 9.4. Sonna tags jederzeit im Restaus rant Schulz, direkt am Bhf. Königswusterhaus. sofort gesucht Hauptexpedition C. 2, Breite Straße 8-9 Spedition Wengels D., Cadiner Straße 11 Tour: Liebigstraße Rigaer Straße Spedition Kolbe NO. 18, Gewerkschaftliches Arbeiter! Angestellte! Beamte! Immer wieder macht man die Erfahrung, daß Eltern zulassen, daß ihre Kinder sich in gelben, wirtschaftsfriedlichen Verbänden organisieren, während die Eltern selbst Sozialisten und Proletarier sind. Besonders trifft dies für den kaufmännische n Beruf zu. Hier muß man feststellen, daß eine große Untenntnis über die freigewertschaftliche Organisation der kaufmännischen Angestellten bei den Eltern herrscht. Eltern! Wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Kinder unter bür= gerlichen Einfluß kommen und die Macht der Gegner stärken, so müßt Ihr Euch darum fümmern, ob Eure Kinder richtig orga= nisiert sind. Die freie Gewerkschaft der taufmännischen Angestellten ist allein der Zentralverband der Angestellten. Eure Kinder dürfen niemals im Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verband, Verband weiblicher Handels und Bureauangestellten( zusammengefaßt im Gesamtverband Deutscher Angestellten- Gewerkschaften) oder im Gewerkschaftsbund der Angestellten,( Verein der Deutschen Kaufleute, Kaufmännischer Berein von 1858, Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipsig) organisiert sein. Sorgt dafür, daß Eure Söhne und Töchter, die den faufmännischen Beruf erwählt haben, der freigemertschaftlichen Organisation der kaufmännischen Angestellten, dem Zentralverband der Angestellten, angehören. Auskunft, Rat und Silfe in allen Fragen des faufmännischen Berufs erhaltet Ihr fost en= Ios beim Jugendsekretariat dieses Verbandes, Belle- AllianceStraße 7-10. Internationale Arbeitskonferenz Durch die im nächsten Monat in Genf stattfindende Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz wird die Deffentlichkeit wieder auf eine einheitliche Regelung des Arbeiterschutzes aufmerksam ge: macht. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Tagung wird die Rege: lung eines internationalen Arbeiterschutzes im Malergewerbe bilden, soweit es sich um die Verwendung von Bleiweiß zu Innenund Außenanstrichen handelt. Die bestehende Bundesratsverordnung vom 25. Juni 1906 sieht zwar einen gewissen Schutz der Arbeiter bei Bleiweißverarbeitung vor, ist aber so gut wie unwirt. sam, weil auf die Durchführung wenig oder gar fein Wert gelegt wird. Erst das Eingreifen der Gewerbe- Inspektionen bewirkt oft eine befriedigende Lösung im einzelnen Falle. Dabei wird ganz aus dem Auge gelassen, daß auch die bleiarmen Farben und Sonstigen Ersatzprodukte und vor allem das trodene Schleifen alter Bleianstriche außerordentlich schädigend auf den Gesundheitszustand des Arbeiters einwirfen. Wir haben bereits in der Sonntagnummer im gewerkschaftlichen Teil auf die Bemühungen des Malerverbandes hinge= wiesen, das vom Verband veröffentlichte Material besprochen und die Hoffnung ausgedrüdt, daß es nun endlich gelingen dürfte, ein internationales Berbot der Bleiweißverarbeitung im Malergewerbe herbeizuführen. Rußland: und Georgienhilfe! Bei der Gewerkschaftstommission Berlins und Umgegend gingen ferner folgende Beiträge ein: Verband der Brauereiarbeiter auf Riften 6700 Dt. Verband der Gärtner 1000 Mart. Gewerkschaftskartell Bernau brei Lijten 419,30 M. Berband der SteinLeger Groß Berlin 300 M. Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berfin 8973 2. Verband der Asphalteure auf Listen 667,50 M. Deutscher Metallarbeiter- Berband auf Liften 150 000 M. Ortstartell der„ Af" auf Listen a Ronto 85 000 M. Be triebsrat des Deutschen Opernhauses 675 m. Deutscher Tabatarbeiter- Betband a Konto 2500 M. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter auf Listen, 5. Rate 28 216,85 007. Verband der Lederarbeiter 35 M. ,, Vorwärts"-Rebattion 265 27. Verband der Maler und Ladierer auf Listen 2425,50 907. Glasarbeiter 2 auf Liften 1401,50 M. Deutscher Buchbinder- Berband, Zahlstelle Berlin 15 000 7. Verband der Kürschner auf Listen 4251 M. Max Grigoleit 30 t. Verband der Mufiter von Massentonzert 15 000 M. Berband der Mufiter auf Listen 1451 M. Deutscher Bauarbeiter- Verband auf Listen 5500 D1. Verband der Glaser auf Listen 527 M. Beilschmidt 10 M. Betriebsausschuß der Reichsbruckerei 459 D. Liste 11 590-91 vom Hauptvorstand des Deutschen Transportarbeiter Verbandes 1400 M. Verband der Kupferschmiede a Kontio 2500 201. Berband der Schuh macher 5000 m. Heinrich Rabien 100 t. Verein der Buchdrufer 10 000 21. Verband der Hotel, Restaurant 1. Café- Angestellten auf Listen 1367. Kollegen der„ Adrema" Maschinenfabrit in Moabit 1810,50.. C. 31 500 m. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter auf Listen, 6. Rate 13 077,90 m. Berband der Porzellanarbeiter auf Listen 1678 M. Verband der Lithographen und Steindruder auf Liften 6284,65. Verband der Sattler und Tapezierer auf Listen 12 367,90 Mt. Deutscher Transportarbeiter- Berbarb a Ronto 21 000 M. Berband der Zimmerer 1900 m. Deutscher Bekleidungsarbeiter- Verband a Rento 8000 207, In Summa 412 802,60 1. Bereits quittiert 1 091 919,65. Gesamtsumme I 504 722,25 20. Die Sammellisten Nr. 63, 140, 530, 1560, 2666, 3722, 4207, 4212, 4610, 4612, 4802, 4904, 5209, 5219, 5674, 5829, 8009, 8542 bis 8547, 9493, 9499, 9505, 9918, 9994, 13 030, 14 093 und 14 500 sind verloren gegangen; wir bitten diese anzuhalten und im Bureau der Gewertschaftskommission, Engelufer 24-25, 1 Treppe, Zimmer 12-13, abzugeben. Gelder durch die Post sind an die Adresse Hans Vieweger, Berlin SO 16, Engelufer 24-25, zu richten. Annahme in allen Speditionen des Berlages Geschäftsstelle Berlin C2 Breite Straße 8-9 Berkäufe Central- Leihhaus, Jäcerftraße 71, Ecke Raros nierstraße, täglicher Bers kauf von hocheleganter An zügen, Cutaways, Sms kings und Frackanzügen von 150 Mark an. Schlüps fer, Raglans zu fpottbilli gen Breifen. Reine Lom bardware. Bettwäsche billig! Deckbettbezug 59.-, Rissen 20.-, Laken 31.- Inletts 102.-. Nur so large Vors rat. Handtücher, Wäsche ftoffe, Fabrikpreise. Große Auswahl. Fahrtvergütung. Bettwäschefabria kammerstraße 1, Wilhelmftr. Geöffnet bis 7. Staunenerregend! Rot filchfe 60.-, Kreuzfüchse Weberstraße 25.fchauer Str. 7. Spedition Döring Steinmetzstraße 23 Spedition Fritz Gliesche Pankftr. 60 Spedition Reisewitz Lichtenberg, Tasdorferstr. 25 Tour: Röderstraße. PuttEcke Die norwegischen Gewerkschaften in Jahre 1920 Wie das vom Norwegischen Gewerkschaftsbund( Arbeidernes Faglige Landsorganisation i Norge) herausgegebene Mitteilungsblatt( Nr. 7-8) berichtet, betrug die Gesamtmitgliederzahl der ans geschlossenen Verbände am Ende des vorigen Jahres 142 642 in 35 Verbänden und 4 Einzelvereinen. Am Ende des Jahres 1919 betrug die Mitgliederzahl 143 926 in 33 Verbänden und 5 Einzels vereinen. Die Anzahl der örtlichen Abteilungen( Verwaltungss stellen) betrug 1851( 1919: 1772). Die Zahl der Verbände und der örtlichen Abteilungen ist also gestiegen. die der Mitglieder jedoch zurückgegangen. Es famen 1098 2ohnbewegungen mit 149 058 Beteiligten vor. Die Zahl der laufenden Berträge betrug 934 mit 140 690 Beteiligten. Zur Arbeitseinstellung fam es in 383 Fällen. Beteiligt waren 31 831. Nach der Durchführung des Achtstundentages gibt es nur noch wenig Arbeiter, die länger als acht Stunden arbeiten. Ebenso sind die Ferien allgemein durchgeführt. 1920 wurden für 133 514 Beteiligte durchweg zwei Wochen Ferien durchgesetzt. Einige Gruppen haben auch schon längere Ferien, dagegen gibt es noch andere, die sich mit 7 Tagen begnügen müssen. Die Gewerkschaftsblätter erschienen in einer Gesamt auflage von 152 242 Abdrucken. Streit der Angestellten in der Textilindustrie? Auf einer Funktionärversammlung der AFA in der Textilindustrie am Montag, den 24. Ottober, in den Sophien- Sälen gab Rheinsa berg, Deutscher Wertmeister- Verband. und Silbermann, AfA, das Ergebnis der Urabstimmung über den Schiedsspruch bekannt. Infolge der Kürze der Zeit und technischer Schwierig feiten, hat die Abstimmung erst in einem Teil der Betriebe stattgefunden. Die Stimmung der Angestellten ist äußerst gea reizt, und nach dem bisherigen Ergebnis ist durchaus mit einem Rampf zu rechnen. Die Funktionäre müssen sofort, soweit es noch nicht geschehen, die Abstimmung vornehmen und das Ers gebnis an das AfA- Ortskartell, Belle- Alliance- Str. 10, einsenden. Unterstügungskommission. Auf die Anfragen verschiedener Betriebe hin, sowie die Abweisung verschiedener Unterstützungsberechtigter durch die alte Unterstützungsfommission fordern wir die Kollegen der einzelnen Betriebe dringend auf, die noch vorhandenen Sammelgelder für die Inhaftierten an Richard Serbst, Bezirksverband der U. S. P. D., Berlin C2, Breite Straße 8/9, abzuführen. Die Revisoren: Ortmann, Schifora, Reintnech t. U. S. P.- Klempner. Mittwoch, den 26. Oftober, abends 6 Uhr, 3um Schultheiß", Neue Jakobstr. 25, Branchenversammlung der Neuwahl der Branchen. Klempner. Tagesordnung: tommission. Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es, dort zu erscheinen und die Kollegen zu wählen, die auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale stehen. Der Fraktionsvorstand. Parteiveranstaltungen Mittwoch, 26. Oftober. 16. Berwaltungsbezirt( Copenid, Friedrichshagen, Rahnsdorf, Grünau, Bohns dorf). Abends 7 Uhr äußerst wichtige Sigung der gesamten Elternbeiräte in ber Dorotheenschule zu Copenid. 20. Berwaltungsbezirt. Abends 7 Uhr wichtige Sigung der Frauenarbeitss und Kinderschutzfommission im Rathaus, Reinidendorf, Hauptstraße. 17. Diftritt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich zur Einäscherung der Genoffin Barenthin nachmittags 14 Uhr am Baltenplatz. Donnerstag, 27. Oftober 19. Berwaltungsbezirt. Abends 7 Uhr Sigung der Bildungstommission und fämtlicher U. S. P. D.- Elternbeiräte bei Huber, Damerow, Ede Mendelstraße. Berwaltungsbezist Brenzlauer Berg. Abends 7 Uhr Jugendfommissionstigung bei Mielle, Lychener Str. 2. Reinidendorf- Oft. Abends 7½ Uhr Frauenlejeabend im Seebab, Residenzstr. 49. Lichtenberg, 6. Biertel. Abends 7 Uhr Funktionärstzung bei Haß, Möllen dorfstraße 106. Bereinskalender Deatscher Arbeiter Sängerbund, Gen Berlin. Wegen der Differenzen im Gasts wirtsgewerbe findet der für den 26. Oftober angejezte Sängerfommers in Brauerei Friedrichshain nicht statt. Mittwoch, 26. Oftober Zentralverband der Angestellten. Brauerbeibetriebe. Abends 7 Uhr öffent liche Versammlung in der Neuen Philharmonie, Cöpenider Str. 9. Deutscher Transportarbeiter- Berband. Chemische Branche. Abends 7 Uhr Branchenversammlung aller Untergruppen im Dresdener Kasino, Dresdener Str. 96 Donnerstag, 27. Oftober 3. Berwaltungsbezirt( Webbing). Abends 7 Uhr bei Kerfin, Banfftr. 60, 3 sammenkunft sämtlicher Lehrer der drei soz. Frattionen und derjenigen Lehrer, die mit uns sympathiseren und im 3. Berwaltungsbezirt wohnen. Alle Elterna beiratsmitglieder werden aufgefordert, die in Frage fommenden Lehrer auf meitiam zu machen. Arbeiterftenographen- Berein Arends". Abends 7% Uhr Anfängerturfus in New fölln, Bobbinstr. 53( 2. Gemeindeschule). Gebühren mit Lehrmitteln 20 M. Verantwortlich für Bolitit und Feuilleton: Les Liebichü. Berlin- Frie denau; für Kommunalpolitif, Loiales und Gewerkschaftliches: B. Rudner, Berlin; für den Injeratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriner, Charlottenburg. Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6. m. 6. S., Berlin. Drud der Berliner Druderei G. m. b. S., Berlin C. 2, Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen Tegel, Kreuzfüchse! 100.-! Straßenorgel, faft neu, Zobelfächfe! Blauflichfe! verkauft Jafter, Silberfüct se! Seltene Geschlieperftr. 3. legenheiten! Senfationss Sommerpreise! Anzüge! Hofen! Uhren! Goldmaren! Spettpreise!( Reine Berfayzs ware.) Fahrtvergütung! Bfandleibhaus Schönhanser Bee 115( Ringbahnhof Hochbahnhof. Leibhaus Friedrichs ftraße 2( Hallesches Tor) verkauft fpottbillig Ulster, Baletots, Schlüpfer.Jackett angige aus erftklaffigen abstoffen in prima Bers käufe arbeitung. Gelegenheitss in Kreuzfächsex, Silberffichfer, Alaskas füfen, Opoffumkragen und Wölfen. Keine Lombard mare. Möbel Küchen, moderne, mit 1. 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