Einzelpreis 50 Pfg. • 4. Jahrgang Sonntag, 30. Oktober 1921 Nummer 509 • Sonntags- Ausgabe Die Freibeit erscheint täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus und durch die Poft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen fämtliche Poftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens und Luremburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.-. Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C 2, Breite Straße 8-9 Die neungespaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 6,- M. einschließlich Inferatenfteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das jettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: 3entrum 152 30-152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der Kappisten- Skandal Schiele aus der Haft entlaffen- Erhardt verhöhnt die Justiz Am Donnerstag stand Termin zur Verhandlung gegen die Kappisten Jagow, Schiele und Wangenheim an. In letter Stunde wurde er aufgehoben, und man hörte als Grund für die Vertagung, daß die anderen Angeklagten Bauer, Ehrhardt, Pabst und Schnitzler neuerbings um freies Geleit gebeten hätten, und daß es also zwedmäßig fei, gegen alle gemeinsam zu verhandeln. Es wäre bann sozusagen ein Aufwaschen. Die Enwartung, es werde nun endlich einmal Ernst gegen die nationalistischen Putschisten gemacht, oder besser gesagt, es werbe wenigstens so getan, als ob, war aufs neue betrogen. Aber mit dieser Enttäuschung ist es noch nicht genug. Die vier, auf die das Gericht angeblich warten wollte, denken gar nicht daran, zu kommen, und davon war das Reichsgericht vor dem angesetzten Verhandlungstermin bereits unterrichtet. Amtlich wird nämlich mitgeteilt, daß das Reichsgericht den am 17. Oktober gefaßten Beschluß, den Oberst Bauer, den Korvettenfapitän Ehrhardt, den Major Bapst und den Schriftsteller Schnitzler mit der Unterfuchungshaft zu verschonen, am 24. Oktober, d. h. also drei Tage vor dem Termin, zurüd genommen habe, da die Beschuldigten, der ihnen auferlegten Verpflich tung, fich ungefäumt dem Untersuchungsrichter in Leipzig zu stellen, nicht entsprochen hätten. Alo: auf das freundlich zugesagte Erscheinen der sted Brieflich Berfolgten kann nicht gerechnet werden, und trotzdem vertagt man den Prozeß gegen die, die man hat oder haben glaubt. Doch es kommt noch schöner. Herr Ehrhardt bezeichnet in einem Schreiben, das wir als Dokument unferer Zeit an anderer Stelle wörtlich zum Abbrud bringen, die Nachricht, daß er sich gegen freies Geleit dem Leipziger Gericht stellen wolle, als falsch. Er habe nur im Jahre 1920 durch seinen Anwalt beim Reichsgericht an fragen lassen, ob gegen Zusicherung freien Hin und Rüdgeleites feine Vernehmung erwünscht sei. Die Antwort habe ablehnend gelautet, und die Angelegenheit fei damit für ihn erledigt gewesen. Die amtliche Darstellung spricht von einem Dom 14. Oftober d. J. datierten Antrag des Verteidigers der. Beschuldigten. Es wäre also möglich, daß dieser ohne Auftrag seiner Klienten oder wenigstens ohne Auftrag des Ehrhardt gehandelt hätte; aber an der Hauptsache wird dadurch nichts geändert: Die vier, die ihre schäzbare Kraft einstweilen den reaktionären Bewegungen in Ungarn und Tirol zur Verfügung stellen, lassen sich weder durch Bußfertigkeit noch durch die Zusicherung freien Geleits zum Erscheinen vor Gericht bestimmen. Und nun wird der Gipfel erflommen. Da die vier nicht zur Stelle sind, und da man ohne sie nicht verhandeln will, läßt man auch die anderen laufen. Wie aus Leipzig gemeldet wird, ist Dr. Schiele gegen eine Raution von 100 000 Mart( Papiermark natürlich) aus der Haft entlassen worden. Herr v. Jagow soll ohnehin flüchtig sein. Ob Herr v. Wangenheim„ greifbar" ist, steht nicht fest, und furz und gut: die Kappisten befinden sich einmal wieder allesamt außerhalb jeder Gefahr. Kein Wort ist scharf genug, um diesen unerhörten Justizskandal zu brandmarken, der die deutsche Republik und ihre Rechtspflege zum Gespött der ganzen Welt machen muß. Sollen denn wirklich die Hochverräter von 1920 mit dem Staat und seinen Organen Schindluder treiben dürfen, während über die Butschisten von 1921 die furchtbarsten Strafen verhängt worden sind, und während gerade in diesen Tagen vor dem Untersuchungsausschuß bekannt geworden ist, wie die Lynchiustiz der Schuhpolizei, dem ordentlichen Richter vorgreifend, unter den mitteldeutschen Arbeitern barbarisch gewütet hat? Wir haben einen neuen Justizminister, den Rechtssozialisten Rabbruch. Als Abgeordneter hat er zu verschiedenen Malen scharfe Worte gegen das deutsche Rechtswesen gefunden. Er erhält jezt sehr schnell die Gelegenheit, zu beweisen, daß seine Handlungen als Minister mit den Reden, die er als Abgeordneter gehalten hat, in Einklang stehen. Soffentlich macht er von ihr Gebrauch. Erhardts Brief Er hat folgenden Wortlaut: Die durch die Presse gegangene Nachricht, daß ich mich gegen freies Geleit und Anweisung eines unter Polizeiaufsicht stehenden Aufenthaltsortes dem Reichsgericht in Leipzig zu stellen gedente, it falsch. Ich habe im Jahre 1920 den genauen Termin weiß ich nicht mehr durch meinen Rechtsanwalt Dr. Grünspach- Berlin in Leipzig anfragen lassen, ob gegen Zusicherung freien Hin und Mudgeleites meine dortige Bernehmung erwünscht sei. Die Ant. wort war ablehnend und die Angelegenheit für mich damit er ledigt. Ich habe seither in feiner Form mehr einen Schritt in gleicher Richtung unternommen. Die Gründe, aus denen jezt plöglich auf meine längst veraltete und überholte Anfrage zurüdgegriffen wird, sind mir nicht bekannt. Sie können höchstens in dem Wunsche erblickt werden, für die Vertagung des Jagow Prozesses 1 zu schaffen. einen unverfänglichen Vorwand Nach der Ermordung Erzbergers ist nun der Stedbrief gegen mich vom Oberreichsanwalt erneuert worden, vermutlich, weil man mich irgendwie mit dieser Sache in Berbindung wähnte. Außerdem hat sich gleichzeitig die Reichsregierung"- nicht der Oberreichsanwalt gemüßigt gesehen, auf die Ergreifung der Kapp- Leute eine Geldprämie auszusetzen. Die Reichsregierung stellt mich damit also auf eine Stufe mit Raubmördern, Bant räubern und anderen Verbrechern und ich ziehe daraus den Schluß, daß fie mich, falls ich mich stellte, in gleicher Weise behandeln würde. Schon allein mit Rüdsicht auf diese ungeheuerliche Aussetzung eines Kopfpreises bente ich nicht daran, mich zu stellen, und werde mich jedem Versuche, meiner auf andere Weise habhaft zu werden, mit den mir zu Gebote stehenden Mitteln widersehen. Hinzu kommt, daß auch das gebrochene Amnestieversprechen des Herrn Reichsjuftizministers Schiffer, durch das die Beendigung des Kapp- Unternehmens ertauft wurde, sowie die parteiischen, mit zweierlei Maß messenden Urteilssprüche des nach den Kapptagen eingesetzten Untersuchungsausschusses, der meine Bernehmung turzerhand ablehnte, nicht dazu beitragen tönnen, mich an eine für mich bestehende Rechtssicherheit glauben zu lassen. Bezeichnend und bitter für mich ist es übrigens in diesem Zusammenhange, daß zwar Maximilian Harden, der für mich ficherlich ebenso wenig Sympathie empfindet, wie ich für ihn, öffentlich gleiches Recht für die Kapp- Leute verlangt hat, daß aber im nationalen Lager fast niemand für uns eintritt, trotz aller unableugbaren Erfolge des Kapp- Unternehmens, wie z. B. Neuwahlen, bürgerliche Reichsregierung, rechtzeitige Vernichtung der roten Armee im Ruhrgebiet, Beseitigung der Regierung Hoffmann in Bayern usw. Während fommunistische und unabhängige Verbrecher vom Schlage eines Hölz stets sofort die geschlossene Vertretung aller Linksparteien und ihrer Presse hinter sich haben, läßt man uns Borkämpfer des nationalen Gedankens schwächlich im Stich. Und dennoch zweifle ich nicht daran, daß auch wir eines Tages wieder gebraucht werden nicht als Vorfämpfer des Kapitalis mus, wie der Vorwärts" uns gern bezeichnet. Auch der deutsche Philifter und der Arbeiter werden allmählich einsehen, wohin uns die Erfüllungstaftit, die Protefte, Appelle an das Weltgewissen und gar an das internationale Proletariat geführt haben und noch führen werden. Sie werden erkennen, welcher Betrug von einem Teil der Bolts ,, führer" mit ihren nie erfüllten Versprechungen geübt worden ist, und daß diejenigen Recht hatten, die schon vor zwei Jahren ein entschiedenes Nein!" gefordert haben. Vorbedingung für einen Wandel zum Besten sind natürlich ein ein heitlicher, fefter nationaler Wille im Volke, die Ueberbrüdung aller einen Ausgleich ermöglichenden Gegenfäße, Opfer der Be fizenden und legten Endes eine von dem Parteiunwesen unab hängige, nationale Regierung. Nie wäre uns Oberschleften vers loren gegangen, " hätte die Regierung es auf das Aeußerste ankommen lassen! Nehmen wir uns ein Beispiel an der Türkei, an Ungarn, an Irland, ja an Polen, wo sich überall zeigt, was der nationale Wille eines Volkes vermag, und wie machtlos die Entente gegen sie ist. Durch unsere ewige Nachgiebigkeit gehen wir mit Sicherheit zugrunde, während wir bei entschlossenem Widerstand und sei er auch nur passiver Natur vorübergehend zwar harte Zeiten erleben, uns als Nation aber behaupten, durchsetzen und von den Erpressungen der Entente frei machen würden. Die nationale Ehre im Munde führen, fie aber mit Füßen treten lassen: das ermuntert und berechtigt die Entente zu der uns zuteil werdenden erniedrigenden Behandlung!" Bis zu einem gewissen Grade..." Der Lotal- Anzeiger", das Blatt der Geistesarmen der Reichshauptstadt, knüpft an den Ehrhardt- Brief eine Rechtfertigung der„ Vorfämpfer des nationalen Gedankens", die zu Unrecht von Herrn Ehrhardt angegriffen worden seien.„ Herr Ehrhardt sollte nicht vergessen, schreibt das Blatt daß auch den in Deutschland fortwirkenden Borkämpfern des nationalen Gedankens von den heutigen Machthabern Sch wierigteiten in den Weg gelegt werden, die, da sie sich mit Gesetzestraft zu umfleiden verstanden, bis zu einem gewissen Grade wenigstens relpettiert werden müssen." Diese Unverschämtheit ist ein würdiges Gegenstück zu dem pressfatorischen Schreiben des Oberputschisten Ehrhardt. Beide Rundgebungen zeigen, daß es höchste Zeit ist, mit diesem Gesindel, das sich aus der Verhöhnung der Republik einen Sport macht, gründ lich aufzuräumen. Siehe auch 2. Geite. Berliner Lohnfämpfe Seit vier Wochen stehen die Berliner Gasthaus. angestellten im Streit. Wir wissen, worum es fich handelt: um den Fortbestand oder die Vernichtung der Organisation. Um nichts Geringeres! Bor Zeiten waren die Kellner und Kellnerinnen, die die entscheidende Gruppe der Gastwirtschaftsangestellten bilden und dem gesamten Beruf auch nach außen das Gepräge geben, auf das Trinkgeld als einzige Ein= tommensqu.e Ile angewiesen. Ihr Arbeitsverhältnis, das sie mit dem Wirtschaftsbefizer eingingen, war fein Lohnverhältnis der üblichen Art. Sie durften im Lokal des Besizers die Gäste bedienen, und sie hatten diese Pflicht promptest zu erfüllen. Ansprüche an Lohn hatten fie dem Befizer gegenüber nicht. Die Kellner und Kellnerinnen hatten somit auch tein gemeinsames Interesse untereinander, das fie dem Unternehmer gegenüber vereint hätten vertreten fönnen. Sie fanden daher auch kein Solidaritätsverhältnis zueinander, das sie zu planmäßigem follettiven Handeln verbunden hätte. Dafür suchte jeder eins zelme Kellner ein möglichst günstiges Verhältnis zu jedem einzelnen Gast herzustellen, um für sich ein gutes Trint geld, für den Unternehmer den Absah der Waren zu erzielen. So ging der Kellner mit jedem Gast ein neues Arbeitsverhältnis ein, wobei er indes auf seinen daraus zu gewinnenden Lohn feinen Einfluß hatte. Denn der Lohn bestand im Trinkgeld, dessen Höhe vom Gast bestimmt und als milde Gabe dargebracht wurde. Auch das erstickte jedes Solidaritätsbewußtsein im Keim. Ein gemeins sames Interesse des ganzen Bedienungspersonals eines Betriebes gegenüber einem Unternehmer existierte nicht, denn jeder Angestellte hatte seinen besonderen ,, Arbeitgeber", den Gast, und zwar jeden Augenblid einen anderen, In der gleichen Lage befand sich fast das gesamte Haus personal aller Hotels. Das waren die Gründe, weshalb wir vor dem Kriege die Gastwirtsangestellten zu den un organisierten Grups pen der Arbeitertlaffe rechneten. Eine freigewerkschaftliche Organisation dieser Kategorie bestand zwar, aber sie war flein und ohne Einfluß und wurde befehdet von zahlreichen „ Harmonievereinen". Wie es auch nicht anders sein konnte, denn wo konnte blöder Harmonieglaube wohl besseren Boden finden, als in den hier geschilderten Zuständen. Die Novemberwelle, die unsere Gewerkschaften so mächtig förderte, hat auch eine große Organisation des Gasthauspersonals entstehen lassen. Sie entwidelte eine große Lebendigkeit und richtete ihre Tatkraft sofort auf die Abschaffung des Trinkgeldsystems, das nicht nur unittlich und entwürdigend, sondern auch ein System grenzenloser Ausbeutung der Arbeitskraft ist, wie wir noch zeigen werden. Die Bemühungen der jungen Organisation waren nicht ohne Erfolg. Es wurden feste Löhne eingeführt. Aber in vielen Fällen wandelte sich das bisherige Trinkgeld um in einen meist auf 10 Prozent berechneten Zuschlag zur Zeche, auf den das Bedienungspersonal einen Anfpruch hatte. Das geschah ganz allmählich und ohne Aufsehen. Es blieb also beim Trinkgeld, und dieses neue Trinkgeldsystem drohte noch schlimmere Zustände heraufzubeschwören als das frühere. Darum mußte die Gewerkschaft der Gasthausangestellten einen neuen Vorstoß zur Durchführung der festen Entlohnung machen. Sie stellten diese Forderung bei Ablauf des Tarifs, die Unters nehmer aber antworteten mit der Gegenforderung: allgemeine Durchführung des 3uschlages. Sie stellten 10 Prozent in Aussicht. Daraus ist der gegenwärtige Kampf entstanden. Die Unternehmer wollen feinen Arbeitsvertrag des Gesamtpersonals mit den gesamten Unternehmern, fein gegen feitiges Kollektivverhältnis, ja sie wollen nicht einmal ein geordnetes Lohnverhältnis des Angestellten mit dem Unternehmer, sondern sie wollen das forrumpierende Trinkgeldverhältnis des Angestellten mit dem Gast. Das einzige, zu dem sie sich bequemen möchten, ist die von Unternehmern und Arbeitern gemeinsam geübte Festsetzung der Höhe des Trinigelbes und seine zwangsweise Einforderung. Der Tarif also, den sie schließen möchten, soll ein Bündnis zwischen Unternehmern und Arbeitern zur gemeinsamen Ausbeutung des Gastes sein. Die Folgen dieses Systems haben wir schon einmal angedeutet. Es würde sich bald herausstellen, daß die Angestellten tein Interesse mehr an einer geregelten Arbeitszeit von achtstündiger Dauer hätten. Sie würden ihren Vorteil wieder nur in einem guten Verhältnis zum Gast suchen, von dessen Zeche ihr Einkommen abhängt, und ein für Gast und Kellner gleich unangenehmer Animierbetrieb mürbe allgemein einsetzen. Das Unternehmertum würde es burch beständiges Antreiben dahin bringen. Alle Bande der Solidarität, die der Kampf um den festen Lohn inzwischen geknüpft hat, würden wieder gelodert werden. Zu alledem fäme für die Unternehmer die Möglichkeit, den Prozentanteil allmählich herunterzusehen, ihnen die Einnahmen des Personals zu hoch steigen sollten. wenn Dieses System rereinigt also in sich alle Nücken und Tüden aller auf raffinierte Ausbeutung berechneten Lohnsysteme, vom Affordlohn bis zur Gewinnbeteiligung. Und die Gastwirtsangestellten sollen zurückgestoßen werden in den Zustand der Unorganisierbarkeit. Gegenseitiger Neid, nicht gemeinsames Interesse soll sie beseelen. Darum mehren sie sich mit so großer Erbitterung gegen dieses Anfinnen der Besizer. Šie stehen einem Unternehmertum gegenüber, das rüdsichtslos alle Mittel und Gepflogenheiten moderner und vernünftiger Lohnpolitik ablehnt und jeder Verhandlung ausweicht. Diese Haltung der Gastwirte ist der Grund, weshalb dieser Kampf so schroffe und standalöse Formen angenommen hat. Und darum muz die gesamte Arbeiterschaft hinter den Angestellten steien und sie mit allen Mitteln in ihrem Kampfe stärken. Die oben dargestellten Gefahren für die Gestaltung des Arbeitsverhältnisses im Gastwirtsgewerbe sind aber vor allem auch darum so groß, weil dem Kreise der Gasthausangestellten fortgesetzt neue, fremde Arbeitskräfte aus anderen Berufen und aus den Kreisen der Arbeitslosen zuströmen. Darunter befinden sich noch immer zahlreiche unorganisierte und unkontrollierbare Elemente, die sich nicht in den Rahmen des gemeinsamen Handelns der Organisationsmitglieder einfügen. Wenn auch der Zustand der Unorganisierbarkeit in Tezter Zeit nahezu überwunden werden konnte, so wird das Wirken der Organisation doch immer wieder durch diesen 3ustrom gestört. Die Gesamtheit aber hat ein Interesse daran, daß die Gasthausbesitzer zur Ordnung gebracht werden. Gelingt das der organisierten Selbsthilfe der Angestellten allein nicht, dann muß die Staatshilfe die Mittel des neuen Arbeitsvertragsrechts einsehen, und das Mindeste, was zu fordern wäre, ist die ungesäumte Verbindlichteitserfä= rung eines etwa zustandegekommenen Tarifes, falls die Organisation sie beantragen sollte. Während wir hier den mehr oder minder chaotischen Kampf in einem Gewerbe erleben, in dem sich die Unternehmer noch gegen jeden Umgang mit Arbeiterorganisationen Sträuben, haben wir eben den Abschluß einer Bewegung im Ber= liner Buchdrudgewerbe registrieren fönnen. Im Gegensatz zum Gastwirtsgewerbe gelten in. Der graphischen Industrie längst moderne tarifvertragliche Gepflogenheiten als maßgebende Umgangsformen zwischen organifierten Unternehmern und Gehilfen, und die Berliner Buchbruder sind wiederum im Gegensatz zu der jüngeren Kämpferschar der Gasthausangestellten eine alte ge= schulte Gewerffchaftstruppe. Dennoch nimmt auch in diesem Kessel das Brodeln und 3ischen fein Ende, und es ist sehr wahrscheinlich, daß bie eben abgeschlossene Bewegung nicht die letzte dieser Art gewesen ist. Darum ge= bührt auch dieser Bewegung noch ein nachträgliches Wort. Die Zeitungsherren und mit ihnen alle organi Fierten Buchdrudunternehmer machten den wie erinnerlich ist in den Kampf gedrängten Buchdruckern bei Mosse den Vorwurf des Tarifbruchs und rüsteten zur Aussperrung. In schönen Erklärungen gaben fie an, sie seien bereit gewesen, sich für den Tarifgedanken in die Katastrophe zu stürzen. Nur darum! In Wirklichkeit aber ist es so, daß die Buchdruckereibesitzer Jeit Jahren bei allen zentralen Verhandlungen nahe baran waren, die breißig Jahre bestehende Tarifgemeinschaft in die Brüche gehen zu lassen, weil ihnen die Lohn= forderungen der Gehilfen zu hoch waren. Und die Drganisation der Buchdruder war es, die ihre Forderungen immer und immer wieder mäßigte, weil fie- nach unserer Meinung und Kenntnis der Dinge mit Recht den Tarif nicht preisgeben wollte. Durch alle Jahresberichte der zentralen Tarifinftang jeit 1918 geht die Klage, daß die Tarifgemeinschaft vor lauter Lohnstreitigkeiten nie dazu fam, sich der tariflichen Regelung anderer Angelegenheiten prinzipiellerundrechtlicher Natur zuzuwenden. Es ist aber anzunehmen, daß die Gebulb der Ge= hilfen einmalein Ende hat, wenn das UnternehmerDer jüngste Kampf tunn seine Haltung beibehält. war ein Zeichen dafür, daß der Geduldsfaden be Darum muß reits sehr schabhafte Stellen aufweist. entgegen den so human flingenden Versicherungen der Buchbrucerunternehmer einmal deutlich gesagt werden, daß gerade sie es sind, die wohl mit ihrem sozialen Verständnis prunten, die es aber bisher unterlassen haben, in ihrer Lohnpolitik den Zeitumständen gebührende Rechnung zu tragen. Will man den Gehilfen das Vergnügen an ihrer Tarifgemeinschaft nicht vollends verefeln, dann muß sich das ändern. Wehe dem von den Unternehmern so heiß geliebten Tarifgedanken, wenn es sich erweisen sollte, baß er in dieser jegt geübten Brazis ein Hindernis für eine anständige Entlohnung ist. Dazu darf der Tarif von den Unternehmern nicht mißbraucht werden. Noch deutlicher wird der Unterschied, der in jeder Beziehung zwischen Lohnbewegungen in Produktionszweigen mit eingelebtem Tarifwesen und alten Gewerkschaften und anderen Gewerben mit jüngeren Organisationen besteht, wenn wir zum Vergleich mit dem mutigen Ringen der Gasthausangestellten auch den jüngsten wochenlangen und erfolgreichen Streit der Berliner Solzarbeiter noch einmal er wähnen. Hier ging der Streit nicht einmal um den Lohn, wie bei den Buchbrucern, sondern, wie wir in einem befonderen Artikel schon dargelegt haben, um grundsätz= liche und Rechtsforderungen. 3wischen dem Ziel der Gastwirtsangestellten und dem erkämpften Recht der Holzarbeiter liegt eine weite Spannung, die nahezu getreu den geschichtlichen Werdegang der deutschen Gewert schaftsbewegung wiederspiegelt. Unendlich verschieden sind bie Umstände, unter denen Gasthausangestellte, Buchdrucker und Holzarbeiter ihren Kampf führen. Und an diesem Bei spiel der drei zeitlich so nahe beisammen liegenden Kämpfe zeigt sich, wie endlos verschieden die Bedingun gen gewerkschaftlicher Lohnbewegungen überhaupt sind, wie irrfinnig gewisse Personen sind, die immer wieder die Verbindung" der einzelnen Lohntämpfe zu einem großen, von vielen Köchen verborbenen Brei fordern. Dennoch ist der Kampf der Arbeiterflasse ein einziger großer Kampf. Jeder Einzelerfolg, den eine Gruppe erringt, fördert alle anderen Kategorien. Dennoch ist solidarisches Verhalten aller Arbeiter in besonders schweren Kämpfen einzelner Berufe wohl am Blake. So wird die praktische Solidarität gegenüber den Gasthausangestellten von den Transportarbeitern bereits ges übt, und andere Gewerkschaften haben fie angefündigt. Aber bie Verfoppelung getrennter Bewegungen ist damit nicht zu pergleichen. Bor allem aber ist in der Tat der Kampf der Gasthausangestellten unser Kampf, der Rampf der Arbeiter. klasse. Vom ersten Koch des ersten Hotels bis zum letzten Küchenmädchen stehen sie mutig zusammen ein seltenes Bild von Einmütigkeit. Die gesamte Arbeiter schaft hat die Pflicht, ihnen mit allen itteln beizustehen. Die Politik der Demokraten Die demokratische Frankfurter Zeitung" übt in einer rückschauenden Betrachtung über die Regierungskrise noch einmal scharfe Kritik an der Haltung der demokratischen Fraktion: ,, Die ganze Sinnlosigkeit der letzten Kabinettstrise die, durch die Demokraten und durch einen Teil des Zentrums erzwungen, sediglich die Wirkung gehabt hat, daß sie drei Wochen lang die Bevölkerung von der Beschäftigung mit den wirklich drängenden Broblemen unserer Lage und die Regierung von der intensiven Arbeit an diesen abzog fonnte nicht deutlicher illustriert wer= Geändert hat sich lediglich eines: die Demokratische Partei ist aus der Regierungstoaliiton ausgeschieden, sie ist auch in dem Kabinett nicht mehr vertreten. Sie hat sich selbst ausge schaltet, dant einer Fraktionsführung, wie sie unglüdseliger nicht gedacht werden fonnte, im legten, das darf nicht unausgesprochen bleiben, bestimmt durch eine die Deutschdemokratische Reichstagsfrattion seit langem be herrrschende unglüdjelige Reigung zur Liierung mit der Volkspartei, die die Politik der Fraktion in diefen ganzen Wochen in einem Grade beeinflußte, daß sie den Rüdweg zu einer eigenen Politik auch dann nicht mehr fand, als durch die Volkspartei selbst schon jede Möglichkeit der großen Koalition beseitigt war. Die unglüdselige Neigung zur Liierung mit der Volkspartei" fand bekanntlich eine besonders starte Förderung bei dem Berliner demokratischen Organ, dem Berliner Tageblatt". Fast sieht es nun so aus, als ob auch dort ein nachträgliches Verständnis für die Torheit dieser Politit aufzudämmern beginne. Zum mindesten fühlt man sich etwas betrogen. Das„ B. T." erinnert an die indiskrete Bemerkung der Deutschen Tageszeitung", wonach die Volkspartei während der ganzen Krise in engem 3usammenwirten mit den Deutsch nationalen gestanden habe, und fügt bedauernd hinzu, es scheine, daß gegenwärtig der volksparteiliche Flügel, der sich gegen die Bezeichnung als Rechtspartei sträubte, immer mehr zurüdgedrängt werde, und daß man sich wieder den Wohnungsverhältnissen nähere, die im Wahlkampf des vorigen Jahres Herr Hergt dahin präzisiert habe, daß man in verschiedenen Zimmern desselben Hauses einträchtig nebeneinander wohne. Ein wenig Scharfblid würde genügt haben, um diese Gestaltung der Wohnungsverhältnisse schon früher zu erfennen. Abet wir sind auch weit davon entfernt, anzunehmen, daß die Demokraten in 3ukunft auf die Anbahnung eines intimen Verhältnisses zur Volkspartei verzichten, weil diese die Hausgenoffin der Deutschnationalen ist. 26 Fragen an die Regierung Zum Kappiffen- Standal | sein, wenn sie sich als neuntes bis zwölftes Schuljahr auf die achtstufige Volksschule aufbaute und so allen Volksschülern die Möglichkeit heherer Allgemeinbildung ermöglichte. Sie müsse die volle Gleichberechtigung mit den anderen höheren Schulen haben, und sei nicht nur in 50 fleineren Städten, sondern überall und gerade in den Großstädten einzurichten. Die Lehrer. bildung betrachten wir unter dem Gesichtspunkt der Gleich wertigkeit aller schulunterrichtlichen Tätigkeit. Sie müsse deshalb den einheitlichen Lehrerstand bringen. Jm weiteren beschäftigte sich Genosse Holz mit den Eltern. beiräten, der follegialen Schulleitung, den Lehrerräten, den Versuchsschulen und wandte sich zum Schluß gegen die nationalistische Erziehung. Neue Stinnespläne Ein privatkapitalistisches Transport- und Verkehrsmonopol? Einflußreiche fapitalistische Kreise entfalten eine fieberhafte Tätigkeit, um die Unternehmungen des Reiches, des Staates und der Gemeinden unter ihre Gewalt zu bringen. Welchen Absichten das dienen soll, haben wir fürzlich bei den Bestrebungen auf Ueberführung der Eisenbahnen in die Hände Privater dargelegt. Aus einem Artikel des Abgeordneten Su é im ,, Vorwärts" erfährt man, daß jezt auch der Plan besteht, die Direktion über die sehr umfangreichen Duisburg- Ruhrorter Hafenanlagen- staatlicher und städtischer Besitz!- einem privattapitalis st is chen Konsortium zu übertragen. der Hué richtet deshalb an die Regierungen des Reiches und des preußischen Staates einige verfängliche Fragen. Er fragt, ob den Regierungen bekannt sei, daß die gesamten Anlagen auf zunächst dreißig Jahre einer i Safenbetriebsgesellschaft m. b. H." übertragen werden sollen und daß der größte Teil des Gesellschaftskapitals von den drei großen Organisationen rheinisch- westfälischen Bergwerfs= besizer und der mit ihnen vielfach durch Personalunion oder andere engste Interessengemeinschaft verbundene ,, Duisburger Reedergenossenschaft" gekennzeichnet werden solle. Hué fragt ferner, ob der Regierung bekannt sei, daß seit mindestens Anfang August dieses Jahres der Entwurf des Gesellschaftsvertrages fertiggestellt ist, der eine fehr sorgfältige Vorbereitung des Projektes erkennen lasse. Alles werde aber ausdrücklich als„ ver= traulich" bezeichnet. Von Interesse ist ferner die Mitteilung Hués, daß er vor einigen Monaten auf seine Anfrage von dem zuständigen preußischen Handelsminister( das ist der„ Demokrat" Fischbeck! Red.), ob er von diesem Projekte etwas wisse, eine verneinende Antwort erhalten habe. Hué fügt hinzu: Jetzt aber fenne ich dokumentarische Beweise für die Realität des Projektes, und zwar derartige, die gar feinen Zweifel über den Ernst der Sachlage zulassen. Schon während des Sommers dieses Jahres ist der ganze Plan von den Eingeweihten so ausgearbeitet worden, daß er nur noch der Unterschrift" bedarf! Gehört die Reichs- und die preußische Staatsregierung zu ben Eingeweihten?" Ueber die Bedeutung der zu verschachernden Anlagen Genosse Rosenfeld hat an die Reichsregierung 26 Fra- fagt Sué: gen gerichtet: Am 27. Oktober 1921, vormittags 9 Uhr, sollte endlich vor dem Reichsgericht der Hauptverhandlungstermin in der Straffache gegen die Kappisten Jagow, Wangenheim und Schiele wegen des vor nunmehr 1½ Jahren begangenen Hochverrats stattfinden. Der Termin ist aber wieder aufgehoben worden. Ich frage: 1. Auf wessen Antrag? 2. Wie war der Antrag begründet? 3. Wer hat die Aufhebung des Termins angeordnet? 4. Aus welchen Gründen? 5. Unter welchem Vorwand? 6. Hat der Oberreichsanwalt der Aufhebung zugestimmt? 7. Hat der Oberreichsanwalt nach Instruktionen des Reichsjustizministers gehandelt? 8. Hat der Reichsjustizminister angeordnet, daß alle Maßnahmen der Oberreichsanwaltschaft in den Prozessen gegen die Kappisten seiner Zustimmung bedürfen? 9. Oder hat der Reichsjustizminister der Oberreichsanwaltschaft in den Prozessen gegen die Kappisten und in der Frage der Aufhebung des am 27. d. Mts. anstehenden Termins völlig freie Hand gelassen? 10. Wird ein neuer Termin gegen Jagow, Wangenheim und Schiele anberaumt werden? 11. Wann? 12. Wird der neue Termin alsdann wieder aufgehoben werden? 13. Welche Beamten sind dafür verantwortlich, daß die Verschleppungsmanöver der Jagow, Wangenheim und Schiele Erfolg hatten und der Hauptverhandlungstermin aufgehoben wurde? 14. Welche Maßnahmen gedenkt die Reichsregierung zu ergreifen, um diese Be amten zur Verantwortung zu ziehen? 15. Aus welchem Grunde ist nach Anberaumung des Termins gegen Jagow und Genossen auf denselben Tag und auf dieselbe Stunde vor demselben Gericht auch ein Termin gegen den Kommunisten Ewert anbe raumt worden? 16. War beabsichtigt, die Sache gegen Ewert so lange verhandeln zu lassen, bis für die Verhandlung des Prozelfes Jagow und Genossen teine Zeit blieb? 17. Wie äußert sich über die letzte Frage der Oberreichsanwalt und wie der Vorfitzende des Gerichtshofes? 18. Haben die Kappisten Bauer, Ehrhardt, Pabst und Schniker freies Geleit beantragt? 19. Wann? 20. Mit welcher Begründung? 21. Weiß die Reichsregierung, wo diese vier Kappisten sich befinden? 22. Ist ihnen freies Geleit gewährt und sind die Haftbefehle aufgehoben worden? 23. Wann? 24. Unter welchen Bedingungen? 25. Weiß die Reichsregie rung, daß sämtliche Richter des Reichsgerichts, die zur Ents Scheibung der gegen die Kappisten schwebenden Hochverratsprozesse berufen sind, deutschnationaler Gesinnung fino? 26. Wie gedenkt die Reichsregierung dafür zu sorgen, daß die Hochverratsprozesse gegen die Kappisten endlich durchgeführt werden? Arbeiter, Angestellte und Beamte! Parteigenoffen und Genoffinnen! Die beiden sozialistischen Parteien und die Gewerkschaftskommission haben beschlossen, am 9. November, dem Jahrestag der Revolution, durch machtvolle Demonstrationen ihren Willen zur Fortführung der Revolution zu bekennen. Zu diesem Zwede schließen die Betriebe um 2 Uhr mittags und marschieren geschlossen zu den Plätzen, die noch später, aber rechtzeitig bekanntgegeben werden. Die weiteren Bekanntmachungen, die auf die Demonstrationen Bezug haben, werden in den Sonntagsausgaben von ,, Vorwärts" und" Freiheit" am 6. November erscheinen, die wir zu beachten bitten. Bezirksverband Berline Brandenburg ber U. 6. P.D. H. Müller. Bezirksverband Berlin ber S. 3. D. A. Häusler. Der Ausschuß der Gewerkschaftstommission Berlins und Umgegend Sabath. = Die Duisburg- Rahrorter Anlagen sind die bedeutendsten dents schen und europäischen Binnenhäfen. Der Güterumschlag ist ein gewaltiger. Wer über diese Säfen verfügt, hat den Schlüsselpuntt der wichtigsten mitteleuropäischen Binnenwasserstraßen in Befiz. Seine Bedeutung steigt noch gewaltig, wenn die direkte Wasserstraßenverbindung Rhein Donau= Schwarzes Meer fertiggestellt ist. Die pachtweise Uebertragung der Duis burg- Ruhrorter Häfen an eine privattapitalistische Verwaltung soll zunächst auf 30 Jahre geschehen! Dadurch würde faktisch ein privatlapitalistisches Transport- und Verkehrsmonopol von uns geheurer Tragweite geschaffen! Schon seit vielen Jahren flagen die rheinischen Kleinschiffer über die zunehmende Beherrschung der Rheinschiffahrt durch Großreedereien, die im intimiten Zu sammenhang mit der rheinisch- westfälischen Schwerindustrie stehen. Um die Monopolisierung des Schleppdienstes auf dem Rhein- Herne- Kanal durch großkapitalistische Unternehmer zu ver hindern, ist dort gesetzlich das ft aatliche Schleppmonopol eingeführt worden. Für dessen Beibehaltung und Ausdehnung auf weitere fünftliche Wasserstraßen ist die tonservative Lands tagsfrattion mit uns gegenüber den immer wiederholten Angriffen der rheinisch- westfälischen Großindustrievertreter auf das taatliche Monopol eingetreten. Wer diese Vorgänge fennt, weiß, daß die Ueberlieferung der Direktion über die Duisburg- Ruhrorter Hafenanlagen auch der Anfang vom Ende des staatlichen Schleppmonopols sein wird. Die faktische Herrschaft über die mit der Aufwendung von vielen Hunderten Millionen Mart von den Steuergeldern des Volfes hergestellten Kanäle und über die auch sehr tostspieligen Rhein- und Ruhrhäfen wäre damit einer verhältnismäßig fleinen Zahl riesenkapitalistischer Unternehmertonzerne übertragen. Daß dies auch von tiefgrei fendem Einfluß auf unsere Eisenbahnen sein würde, versteht fich ohne weiteres. Die Tarife für die Benutzung der Hafen anlagen, der Anschlußgleise, Kräne, Kipper usw. sollen von der projektierten privatkapitalistischen Säfenbetriebsgesellschaft„ feftgelegt" werden! Das alte Regime hat durch die staatliche Häfenverwaltung und das staatliche Schleppmonopol die Aufrichtung eines privattapis talistischen Monopols wenigstens in diesem Schlüsselpunkt unseres Binnenmasserverkehrs verhindert. Sollen in dem republikanischen Preußen und Deutschland die privattapitalistischen Monopolisten ihr Ziel erreichen? Men bleibe uns vor allen Dingen mit Bes schwichtigungserklärungen vom Leibe! Auf die gestellten Ans fragen müffen flare unzweideutige Antworten gegeben werden Das ist auch unsere Meinung. Ein Befehrter Der Reichstagsabgeordnete und Oberbürgermeister von Zittau in Sachsen, Dr. Kulz, der sich den Demokraten zurechnet, gehörte mit zu den eifrigsten unter denen, die die 3wangswirts schaft auf allen Gebieten möglichst schnell und restlos zu befeitigen trachten. Das Bemühen hat zum größten Teil Erfolg gehabt. Nun ist es interessant, was berichtet wird: In der Zittauer Stadtverordnetenversammlung äußerte Bürgermeister 3 wingenberger, von dem sächsischen Landesfulturrat sei ein Richtpreis von 45 M. festgelegt worden, aber in der weiten Umgebung von Zittau seinen teine Kartoffeln für diesen Preis zu bekommen. Ohne jede Begründung würden 50 Prozent Aufschlag genommen. Wenn die Landwirtschaft die Bevölkerung Hunger leiden lasse, so werde die Stadtverwaltung auch feinen Schritt tun, um die Ereignisse aufzuhalten, die die notwendige Folge davon find. Oberbürgermeister Dr. Kilz bewendigerweise zur Wiederherstellung der Zwangswirtschaft. Er mertte: Wenn die Entwidlung so weiterginge, führe te not sei für deren Aufhebung eingetreten, weil er angenommen habe, daß die Landwirte vernünftig sein würden. Er habe sich offens bar geirrt und habe nichts gegen die Wiedereinführung einzus wenden. 600 Mart für ein Zwanzigmartstid. Der Antauf von Gold für das Reich durch die Reichsbant und Post erfolgt in der Woche vom 31. Oktober bis 6. November d. 3. unverändert wie in der Borwoche zum Preise von 600 Mart für ein Zwanzig martitüd, 300 Mart für ein Zehnmarkstüd. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt Internationaler Jugendtag der sozialistischen Proletarierjugend Heute, Sonntag, vormittag 10 Uhr, in den Musiker- Sälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 31 Kein Jungproletarier darf fehlen! machen. Er sagt nicht, was er tun will, um die Arbeiter, die Belgrad ist dort aus Bukarest bis heute früh noch keine endgültige Antwort im Laufe des heutigen Tages. Die Antwort auf die Rechtsverwahrung durch, wirtschaftlichen Niedergang, Arbeitslosigkeit und Hunger" Zustimmung zum Ultimatum eingetroffen. Man erwartet die Paris, 29. Oktober. Die Botschaftertonferenz hat auf die Note des deut schen Botschafters Dr. Maner über die Teilung Oberschlesiens geantwortet: Die Alliierten betrachten den deutschen Protest gegen die Entscheidung über die Teilung Oberschlesiens als null und nichtig und nehmen Kenntnis von der Bereitwilligfeit Deutschlands, diese Entscheidung auszuführen. Dazu bemerkt W. T. B.: Die vorstehende Havasnachricht gibt vermutlich den Inhalt der zu erwartenden Note richtig wieder, wobei dahingestellt bleiben muß, ob diese den Protest der deutschen Regierung in so schroffer Form zurüdweist, wie Havas behauptet. Wie dem aber auch sei, es wird dadurch, daß die Entente erklärt, die Rechtsverwahrung nicht anzunehmen, die Rechtsverwahrung nicht aus der Welt geschafft und ihr nichts von ihrer historischen Bedeutung genommen. Im übrigen stellt die Entente nach der Savasmeldung die Tatsache fest, daß wir uns der Entscheidung fügen. Daß Deutschland die Entscheidung angenommen habe, wird auch von der Entente nicht behauptet. Hoffentlich sind damit nun die juristischen Erörterungen abgeschlossen, die genau wie die Rechtsverwahrung selbst nur ,, historische Bedeutung" besigen. Ob wir nun die Entscheidung angenommen oder uns ihr nur gefügt haben, ist weniger wichtig, als daß Deutschland eine vernünftige Politik treibt. Die verschiedenen Kommissionen für Oberschlesien Da in der Oeffentlichkeit immer noch Unklarheiten über die auf Grund des Genfer Entscheides einzusetzenden verschiedenen Kommissionen bestehen, sei hier noch einmal festgestellt: Es sind zu ernennen: 1. Die Kommiffion zur Führung der Verhandlungen über die Wirtschaftsbestimmungen der Genfer Entscheidung und zur Verhandlung über den Minoritätenvertrag. Für diese Verhandlungskommission sind von deutscher Seite als Hauptkommiffare ernannt: Reichsminister a. D. Dr. Schiffer und Staatssekretär Dr. Lewald. Die Ernennung der Unterkommissare steht noch aus, dürfte aber sehr bald erfolgen. 2. Die gemischte Kommission für Oberschlesien, bestehend aus zwei Deutschen und zwei Polen, die jeweils gebürtige OberSchlester sein müssen, und dem Präsidenten neutraler Nationalität, der vom Völkerbunde zu ernennen ist. Die deutsche Delegation für diese Kommission dürfte spätestens am Montag ernannt werden. Es werden hierfür nach halbamtlicher Mitteilung in Vorschlag gebracht die Herren Geheimer Bergrat Bunzel und der Beuthener Bürgermeister Dr. Stephan, letterer von preußischer Seite. 3. Das Schiedsgericht zur Schlichtung privater Streitigkeiten, das auch mit einem deutschen Richter zu besehen ist. Die hierfür in Frage tommende Persönlichkeit ist noch nicht bekannt. 4. Die Grenzfestjehungskommission, der als deutscher Hauptvertreter Herr D. Treutler und als Unterkommissar Graf Podewils angehören werden. Beide haben sich schon mehrfach in deutsch- polnischen Grenzfestsetzungsfragen als Unterhändler praktisch betätigt. DA. Oppeln, 29. Oftober. Für den deutschen Teil Oberschlesiens wird fliz bie Uebergangszeit der Rückführung in den preußischen Staats- und Deutschen Reichsverband ein Staatstommissar ernannt werden. In Aussicht genommen ist dafür der ehemalige Landrat des Kreises Tarnowiz, Brauweiler. Amnestie für Polnisch- Oberschlesien DA. Warschau, 29. Oktober. Die polnische Regierung hat für den an Polen fallenden Teil oes oberschlesischen Gebiets eine allgemeine Amnestie vorbereitet, die alle bisher ungefühnten Straftaten von Angehörigen der beis den Nationen umfaßt, auch mit wenigen Ausnahmen die nichtpolitischen Vorgehen. Kahr Nr. 2 Drahtmeldung unseres Korrespondenten München, 29. Oftober. Auf dem Landesparteitag der Bayerischen Voltspartei entwidelte der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld sein Programm. Seine Rede unterschied sich wenig von seiner etwas zurückhaltenden Programmrede im Landtag. Insbesondere erklärte er, daß sich seine Politit in feiner Weise von dem Kurs der Regierung Kahr unterscheide. Er legte ein Bekenntnis zum Föderalismus ab. Während er über die Rechtsputschisten nichts anderes zu sagen wußte, als daß die Butschgerüchte aus Berliner Nachrichtenfabriken stammen, ers flärte er, daß ein allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang, Arbeitslosigkeit und Hunger die Aufrechterhaltung der Ordnung erschwere. Man mülle gegen alle Eventualitäten gewappnet und gewillt sein, die unruhigen Elemente niederzuhalten. Ueber die Behandlung der politischen Gefangenen, die er Ruhe störer" nannte, erklärte er, daß hier die Interessen bes bayerischen Staates allein entscheiden müßten. Man merkte deutlich die Spike gegen eventuell beabsichtigte Schritte des fozialistischen Reichsjustizministers, der sich sehr scharf gegen die fandalösen Zustände im bayerischen Strafvollzug ausgesprochen hat. Lerchenfeld erklärte, daß hinsichtlich der Behandlung der Ruhestörer" eine falsche Sumanität nicht am Plage war. Er ist der Ansicht, daß man nicht in den Fehler verfallen dürfe, einfach aus gutem Herzen die Leute herauszulassen, die in den Festungen und Gefängnissen nichts anderes tun, als die Rache und den Sturz der Gesellschaft vorzubereiten. Die Grundsäge der Menschlichkeit vom rechtlichen Standpunkte aus dem Gegner gegenüber müßten natürlich gewahrt bleiben. Es werde Sache der Regierung sein, zwischen der nötigen Strenge und den Forde rungen von Recht und Menschlichkeit die richtige Linie zu finden. Die tatsächlichen Vorkommnisse seit dem Regierungsantritt des Grafen Lerchenfeld haben zur Genüge bewiesen, daß von einer Aenderung des bisherigen Regimes in Bayern feine Rede sein fonnte. War man zuerst geneigt, dies auf den Widerstand der reaktionären, monarchistischen Beamtenschaft zurückzuführen und dem Grafen Lerchenfeld etwas Zeit zur Anbahnung eines neuen Kurses zu lassen, so hat jetzt Lerchenfeld selbst mit erfrischender Deutlichkeit ausgesprochen, daß von einer Aenderung des Systems feine Rede sein tann. Er hat sich voll und ganz zu Kahr befannt. Sowohl im ausgesprochenen bayerischen Bartikularismus als auch in der einseitigen Kampfstellung gegen links. Die genau belegten Angaben über die nationalistischen Mörderorganisationen, die in der„ Münchener Post" erschienen sind, bezeichnet er als Berliner Machwerte. Er bedt also ebenso wie Kahr die Mordbanden. Dafür versäumt er nicht, um auch hierin seine gesinnungstreue Gemeinschaft mit Kahr zu befunden, nach links scharf zu. beunruhigt sind, zu beruhigen, obwohl das heute die erste Aufgabe eines verantwortlichen Staatsmannes ist. Graf Lerchenfeld denkt allein daran, wie man die unruhigen Elemente niederhalten kann. Und zum Ueberfluß rechtfertigt er die standalöse Behandlung der bayerischen Festungsgefangenen, die nachgerade zu einem europäischen Standal geworden ist. Wir wissen also, woran wir mit Herrn v. Lerchenfeld sind. Seine Gesinnungs- und Tatgemeinschaft mit Kahr, sein Ableugnen der rechtsputschistischen Gefahr und seine Stellung gegen links nötigen der Arbeiterschaft den schärfsten Kampf gegen diesen Kahr Nr. 2. auf. Eine Erklärung der jugoslawischen Regierung J. Wien, 29. Oktober. Die„ Südslawische Korrespondenz" verbreitet eine Meldung der offiziellen Nachrichtenagentur aus Belgrad, in der es heißt: Das Ultimatum der Kleinen Entente an die ungarische Regierung hat infolge der Verzögerung der rumänischen Antwortnote und der Notwendigkeit eines Gedankenaustausches zwischen den Kabinetten von Belgrad und Prag eine Verschiebung erfahren. Die jugoslawische Regierung sieht sich dadurch keineswegs zu einer Wenderung ihres Standpunktes veran= Iaßt. Eine Rundgebung der bayerischen Rechtssozialisten fat. Die militärischen Vorbereitungen nehmen nach wie vor Die sozialdemokratische Partei Münchens, die sozialdemokratische Landtagsfraktion und die Landeszentrale der genannten Partei veröffentlichen eine Rundgebung anläßlich des Anschlages auf den Abgeordneten Auer. Dieser Anschlag wird auf die gegen Gesetz und Ordnung verstoßende, fanatisch betriebene Voltsverhehung gewisser Kreise zurückgeführt, und die organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten werden zum ernsten Kampfe gegen die unhaltbaren Zustände aufgefordert. Die Kundgebung schließt: Nieder mit den Urhebern und Anhängern der Meuchelmordpolitik! Hoch die Republik! Hoch die Demokratie! Der Stand der Mark An der Börse veränderten sich gestern die Kurse für fremde Devisen nicht wesentlich. Der Dollar wurde mit 177,57 notiert, holländische Gulden mit 6033,95, Schweizer Franken mit 3246,75. Trotzdem war nach Effetten weiterhin stürmische Nachfrage, so daß erhebliche Kurssteigerungen eintraten. Auch an der Warenbörse waren neue Preissteigerungen zu verzeichnen. Weizen, für den pro 50 Kilo am Freitag 303 bis 309 Mart bezahlt wurden, stieg auf 312 bis 315 Mart. Weizenmehl wurde am Freitag mit 380 bis 410, gestern mit 395 bis 420 Mart pro 50 Kilo notiert. Auch die Viehpreise sind in der vergangenen Woche gestiegen, trotzdem der Viehauftrieb zum Teil größer war als in den vorhergehenden Wochen. Jm allgemeinen wurden Rinder um 25 bis 75 M., Kälher um 50 bis 100 M., Schafe um 25 his 150 M. und Schweine um 25 bis 150 M. für je 100 Pfund Lebendgewicht teurer. Das Elend der Schule Gewesene Minister tönnen amtierenden Ministern unbequem werden wenn die Gewesenen nicht Konrad Hänisch heißen. Wie harmlos fie dann sind, das zeigte sich in der Sitzung des Hauptausschusses des Landtages am Freitag. Zur Beratung stand der Haushaltsplan des Ministeriums für Wissen schaft, Kunst und Boltsbildung. Es war ein hübsches Schauspiel, zu Jehen, wie Haenisch und sein Nachfolger Becker die Klingen freuzben. Haenisch war bisher außerordentlich rücksichtsvoll behandelt worden, sowohl vom Minister als auch von den Vertretern ber bürgerlichen Parteien. Dadurch ließ er sich nicht abhalten, mit großer Schärfe gegen die vom jetzigen Minister betriebene Personalpolitit vorzugehen und ihr bewußt reaktionären Charakter vorzuwerfen. Minister Becker aber leistete sich den nicht üblen Scherz und erflärte, er treibe grundsätzlich die Politit der großen Koalition, die eine Zurücsehung sozialistis scher Beamten ausschließe. Da hatte Herr Haenisch die Bescherung der großen Koalition". Was von den beiden Streitenden zu halten ist, wies unser Genosse Holtz nach. Er führte aus: Haenisch trieb als Minister bürgerliche Reformpolitit, den bürgerlichen Charakter des Schulwesens ließ er unangetaftet. Sozialistisch vermochte er in sachlicher Beziehung nichts zu beeinflussen. Das ließen die bürgerlichen Koalitionsparteien nicht zu. Nur die Grundschule wurde geschaffen. Diese Reform wird überschätzt. Sie ließ im Grunde alles beim alten und hat keine Hebung der Bildung des Proletariats gebracht. Der Klassen charakter unseres Schulwesens ist noch in vollem Umfange vorhanden. Dem sozialistischen Gedanken suchte Haenisch durch seine Personalpolitik zu dienen, doch ließ er dabei die nötige Entschiedenheit vermissen. Die Grundschule geht den bürgerlichen gabungsklassen vernichten. Der neue Minister hat leider Politikern schon zu weit. Sie wollen sie durch sogenannte Be zu erkennen gegeben, daß er ihnen dabei helfen werde. Er müsse heute Antwort geben auf die Frage, wie es mit der bisherigen Serta der höheren Knabenschule, der siebenten Klasse der Lyzeen, der sechsten Klasse der Mittelschule werde. Sie seien auf alle Fälle in die Grundschule einzubeziehen. Die höheren Knabenschulen würden demnach achtjährig, die Lyzeen sechsjährig, die Mittelschulen fünfjährig. Die Mittelschulen müßten schon jetzt abgebaut werden, sie hätten keinerlei Daseinsberechtigung mehr. Ebenso sei das Mittelschullehrereramen sofort zu beseitigen. Für die Aufbauschule würden wir auf alle Fälle Das Ultimatum der Kleinen Entente Graz, 29. Ottober. Wie die„ Grazer Tagespost" aus Laibach meldet, ist der Entwurf zum Ultimatum aus Prag in Belgrab eingetroffen. haltes, des Ultimatums mit der serbischen Regierung einvers Die Prager Regierung soll im allgemeinen bezüglich des Instanden sein, doch verlautet, daß sie besondere Bedingungen aufs grundsätzliche Erklärungen bezüglich der Absehung Karls abgeben, stelle, und zwar 1. die Nationalversammlung in Budapest müsse 2. unbedingte Durchführung des Vertrages von Trianon, 3. Nichtanerkennung irgendeiner Vereinbarung, 4. Schadenersazleistung gegenüber der Tschechoslowakei und Jugoslawien bezüglich der Mobilisierungstoften, 5. als Kompensation werden der Tschecho Slowakei die Bergwerke an der Grenze und Jugoslawien die Kohlenbergwerte in Fünftirchen übergeben, 6. vollständige Ents waffnung Ungarns unter Aufsicht einer besonderen Kommiffion, die von der Kleinen Entente gebildet werden soll, 7. alle Führer der farlistischen Bewegung, die tschechoslowakische oder jugoslawische Staatsbürger find, sollen der Kleinen Entente übers geben werden, 8. Antwort Ungarns binnen 48 Stunden. Für den Fall der Annahme des Ultimatums ist Abfajiung eines Protokolls, für den Fall der Nichtannahme so= fortige militärische Attion von seiten der Kleinen Entente vorgesehen. Nach einer Meldung desselben Blattes aus ihren Forigang. In einigen Berliner Blättern find Nachrichten veröffentlicht, die von einem scharfen Gegensatz zwischen der Großen und Kleinen Entente in der ungarischen Frage sprechen. Diese Nachrichten sind außerordentlich übertrieben und tendenziös gefärbt. Tatsache ist lediglich, daß die italienische Regierung, aus Rivalität gegen Jugoslavien, dem gemeinsamen Vorgehen der Kleinen Entente gegen Horthy- Ungarn Hindernisse in den Weg legt. Dieser Haltung Italiens ist es vor allen Dingen zuzuschreiben, daß der diplomatische Schritt gegen Ungarn eine Verzögerung erfahren hat. Die italienische Regierung hat sich durch dieses Vorgehen als Schildhalterin Horthys erwiesen, der auf die Uneinigkeit zwischen der Großen und Kleinen Entente spekuliert, um auf diese Weise sein Galgenregiment aufrecht zu erhalten. Es ist höchste Zeit, daß das italienische Proletariat dieses schmähliche Spiel seiner Regierung durchkreuzt und von seinen Machtmitteln Gebrauch macht, um der italienischen Diplomatie ihre konterrevolutionären Extratouren abzugewöhnen. Lenins neue Bekenntniffe Mostau, 23. Oktober. Ueber die Richtlinien der neuen Wirtschaftspolitik SowjetRußlands hielt Lenin, nachdem er in einer Ansprache dargelegt hatte, daß die Anwendung des reinen Kommunismus ein Chaos in Stadt und Land hervorgebracht habe und daß eine Aenderung der Methoden notwendig sei, auf einer Besprechung der bolschewistischen Propagandachefs eine längere Rede, in der er u. a. ausführte:„ Sowjet- Rußland ist in erster Linie ein Bauernland und seine Wirtschaft muß sich deshalb nach den Bauern richten. Man kann aber die Bauern nur zur Mitarbeit bringen, wenn man ihre persönliche Initiative antegt. Bisher war es uns nicht gelungen, das Privatinteresse der Bauern in genügendem Umfange zu berücksichtigen. Mit der Aufhebung der Gesetze über die Lebensmittelabgaben, deren Berwandlung in eine geringe Lebensmittelsteuer und der Zulassung, des Einzelhandels mit allen Wirtschaftsprodukten haben wir den ersten Schritt dazu getan. Wenn man einwendet, die Kons zeffionen, die wir dem ausländischen Kapital gemacht haben, brächten den Kapitalismus nach Rußland zurück, so hat das seine Richtigkeit, aber die Rückkehr des Kapis talismus liegt auf der Linie unserer neuen Wirtschaftspolitit, wie das ja auch unser jetziges Vers. halten gegenüber der Bauernschaft beweist. Es ist ein Jertum gewesen, fuhr Lenin fort wenn man glaubte, auf einen fommunistischen Befehl hin würde von selbst produziert und verteilt werden. Die Kapitalisten werden auferstehen und dann wird auch wieder das Proletariat auferstehen. Die Kapitalisten werden neben uns sein, sie werden aus uns 100 Prozent unserer Arbeit herausschlagen und sich be reichern. Aber die Frage wird sein, wer sich schneller organis fieren kann, das Poletariat oder das Kapital, ob die Staatsgewalt sich durchsetzt oder die kapitalistischen Kräfte. Wir glauben, daß ein Sieg des Kapitals nicht zu befürchten ist eben weil wir uns jetzt auf das Bauerntum stützen, das ja legten Endes dem Proletariat angehört(?). Der Zustand, der sich nun entwickeln wird, ist notwendig, weil wir erst lernen müssen, zu wirtschaften, was wir bisher nicht konnten. Last die Kapitalisten sich bereichern, ihr lernt inzwischen wirtschaften und dann werdet ihr die kommunistische Republit begründen!" Nach der Julirevolution 1830 gab der Bürgerfönig Louis Philipp die Parole an die Bourgeoisie aus:„ Bereichert euch!" Seinen Spuren folgt Lenin, indem er der Sowjetbourgeoisie und dem ausländischen Kapital denselben Weg öffnet. So sieht der„ Sieg" des kommunistischen Prinzips und der kommunistischen Taktik in der Wirklichkeit aus. Kleine Nachrichten Neue Zeitungsverbote. Der Stuttgarter Kommunist" und bie mit ihm verbundenen Blätter wurden vom Ministerium des Innern wegen Verstoßes gegen die Verordnung des Reichsprästdenten auf acht Tage verboten. Die Feier des 9. November. Das braunschweigische Staatsministerium beabsichtigt, dem Landtag eine Vorlage zugehen zu lassen, wonach der 9. November durch Gesetz zum allgemeinen Feiertag erklärt werden soll. Der neue deutsche Gesandte in Prag, Dr. Koch, überreichte am Sonnabend in feierlicher Audienz dem Präsidenten der tschechoflowakischen Republit sein Beglaubigungsschreiben. In der gegenseitigen Ansprachen wurde besonders die Wichtigkeit der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern hervorgehoben. Ein Druckfehler hat sich bei unseren Bemerkungen im Abendblatt über die Rede Dr. Wirths eingeschlichen. In dem Satz über die Zusammenarbeit von Besitz und Kapital muß es nicht heißen: daß sie den Intereffen der minderbemittelten Bevölkerung ent spricht, sondern widerspricht. Thre Marke?? CANDE wenn Sie Kenner und Feinschmecker sind! UllsteinSchnittmuster in allen 4 Geschäften a.Wertheim Photographisch. 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Oktober 1921, abends 8 Uhr Unterwelt des Seelenlebens Begleitvertrag: Dr. med. L. Paneth Karten für beide Veranstaltungen bei Bote& Bock, Warenhaus Wertheim, Musikhaus E. Bading. Neukölln, Bergstraße 43 und an der Abendkasse Nr. 509 Gegen den Nationalismus! Von Artur Crispien Raum ist eine Regierungsfrise beendet, so bereitet sich brohend eine neue vor. Alle diese einzelnen Regierungstrisen sind nur Episoden der großen latenten Krise, die wir in Deutschland seit dem Ausbruch der Revolution haben, seit jenem Tag, wo der offene Kampf zwischen dem Proletariat und den kapitalistischen Klassen losbrach. Der Kampf um die Macht, das ist die Grundursache der Regierungskrisen. Ihr Ende wird zusammenfallen mit der Entscheidung über die Macht. In dem fapitalistisch hoch entwickelten Deutschland ist das Proletariat ökonomisch und politisch ein derart starter Fattor, daß sich ihm gegenüber feine tapitalistische Regierung behaupten fann. Mehr: das Proletariat tönnte jeden Tag die Macht ergreifen und festhalten, wenn es geschlossen und zielbewußt wäre. Diese unvermeidliche Vorbedingung muß fich das Proletariat nicht zuletzt auch durch eigene bittere Erfahrungen erst noch schaffen. Das kann durch besondere politische Ereignisse rascher geschehen, als mancher annehmen mag. Aber nicht nur eine rein tapitalistische Regierung ist in Deutschland für die Dauer nicht mehr möglich, sondern auch eine kapitalistisch- sozialistische Regierung muß in einiger Zeit immer wieder scheitern, und zwar an dem unmöglichen Versuch, die Klassengegensäge im deutschen Klassenstaat auszugleichen. Die fapitalistischen Vorfämpfer haben auch diesmal nicht um Oberschlesien gerungen; sie stießen gegen den Sozialismus vor. Die Entscheidung über Oberschlesien, die in die bereits afut gewordene Regierungskrise hineinplatte, war den Reaktionären gerade gut genug, ihren Vorstoß durch nationalistische Stimmungsmache moralisch zu stärken. Die führenden Kapitalisten sind infolge des internationalen Charakters des Kapitals international orientiert. Der Rationalismus wird den Massen vorgespielt, um sie für private Profitinteressen gegen ausländische kapitalistische Konfurrenten mobil zu machen. Die deutschen Kapitalisten und Großgrundbesitzer lassen die Hungerpeitsche nicht weniger erbarmungslos auf ihre ärmeren Vaterlandsgenossen niedersausen, als irgendein Entente- Imperialist während der schlimmsten Kriegsjahre. Vaterlandstreue um Vaterlandstreue jagen die Kapitalisten und Großgrundbesitzer Da geben sie den Proletariern weder ausreichende Löhne, noch genug Brot, Kartoffeln und Milch. Um so bedauerlicher ist es, daß immer noch große Teile der Arbeiter nationalistisch befangen find. Als internationaler Sozialist muß man z. B. den„ Protest gegen die Vergewalti gung Oberschlesiens", den der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine freie Angestelltenbund, der Deut sche Gewerkschaftsbund, der Deutsche Gewerkschaftsring und Der Deusche Beamtenbund veröffentlichten, entschieden ablehnen. Wenn rechtssozialistische und fleinbürgerlich- demokratische Führer der genannten Organisationen sich anmaßen, im Namen von 13 Millionen deutscher Arbeiter, also aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, nationalistische Kundgebungen herauszubringen, dann müssen wir gewerkschaftlich organisierten unabhängigen Sozialdemokraten öffentlich er flären, daß sie das nicht in unserem Namen getan und daß sie auch gar fein Recht dazu haben, die gewerkschaftlich organifierten Arbeiter in eine Front mit Nationalisten einzureihen. Selbstverständlich haben die Gewerkschaften das Recht und die Pflicht, fich auch politisch zu betätigen. Das muß aber nach vorheriger Verständigung mit den politischen Parteien geschehen, wenn die Gewerkschaften im Namen aller ihrer politisch verschiedenen Parteien angehörigen Mitglieder Sprechen wollen. Auch in der rechtssozialistischen Partei tommt der Nationa Tismus immer wieder zum Ausdrud. So, als die oberschlesischen Rechtssozialisten forderten, daß die Rechtssozialisten ihre Regierungsämter hinschmeißen müßten wegen der für Deutschland ungünstigen Entscheidung über Oberschlesien, ganz im Sinne der genialen Politik der Demokraten. Brauchen wir uns aber über Mitglieder der rechtssozialistischen Partei zu wundern, wo doch ihr Vorsitzender Hermann Müller im Reichstag ausführte: Wenn uns jemand den Vorwurf nationaler Unzuverlässigkeit machen will, so können wir darüber mit Verachtung hinweggehen. In den sieben schweren 1. Beilage zur„ Freiheit" Sonntag, 30. Oktober 1921 Jahren, die Deutschland hinter sich hat, hat unsere Partei den| Ostseeprovinzen und der südlich davon liegenden Gebesten Beweis geliefert, daß sie sich an nationaler Zuverlässig= feit von feiner anderen Partei übertreffen läßt." Das sagt ein Mann, der Mitglied der sogenannten 2. Internationale ist! Bei solchen Gelegenheiten tut sich stets erneut die tiefe Kluft auf, die revolutionäre Sozialisten von den RechtsSozialisten trennt. Es ist wahr, leider wahr, daß sich die Rechtssozialisten seit dem 4. August 1914 in ihrer nationalen Zuverlässigkeit von keiner anderen Partei haben übertreffen lassen. Wieviel besser stünde es mit der proletarischen Bewegung, wenn die Rechtssozialisten danach gestrebt hätten, sich von keiner anderen Partei in ihrer sozialistischen internatio= nalen Zuverlässigkeit übertreffen zu lassen. Es entspricht durchaus der nationalen Gesinnung, sich über Vergewaltigung, Rechtsbruch und Verlegung des Völkerrechts regelmäßig dann zu entrüsten, wenn man nicht selbst vergewaltigen und Recht brechen konnte, weil man nicht die Macht dazu hatte. Die deutschen Nationalisten, von Wilhelm II. bis zu Scheidemann, begannen ihren Krieg mit der Vergewaltigung Belgiens und wollten ihn beendigen mit der Vergewaltigung aller besiegten Völker. Wer das gebilligt und mitgemacht hat, sollte flüglich schweigen und nicht Taten anderer als Verbrechen auslegen, die man als höchste, durch Not geheiligte Menschenpflichten preist, wenn man sie selbst verübt hat. Nur wer, wie wir, auch in den schweren Kriegsjahren seine Pflicht als internationaler Sozialist erfüllte, darf seine Stimme gegen jede imperialistische Gewaltpolitik erheben, von welcher Seite immer sie geübt werde. Proletarier müssen sich gegen die nationalistische Seuche immun machen. Sonst werden sie nie rechte Kämpfer um die Befreiung der Menschheit vom Kapitalismus werden. Die Nationalisten aller Schattierungen haben die Entscheidung über Oberschlesien zum Anlaß einer neuen nationalistischen Heze mißbraucht. Schauen wir uns die Nationalisten näher an, zu Nutz und Frommen derjenigen Proletarier, die leicht Stimmungen erliegen. Das kapitalistische Deutschland und das kapitalistische England standen seit Jahrzehnten in einem Konkurrenztamps, in dem mit allen Mitteln um die Vorherrschaft auf dem Weltmarft gerungen wurde. Die deutschen Imperialisten schlugen los, als sie sich ihren Konkurrenten militärisch überlegen glaubten. Das Kriegsziel der deutschen Imperialisten haben folgende Organisationen der deutschen Regierung, am 20. Mai 1915, schriftlich mitgeteilt: Bund der Landwirte, Deutscher Bauernbund, Vorort der christlichen deutschen Bauernvereine, Zentralverband deutscher Industrieller, Bund der Industriellen, Reichsdeutscher Mittelstandsverband. In ihrer Eingabe an die deutsche Regierung forderten die genannten Organisationen, daß diesem Krieg ein ehrenvoller Frieden folgen müsse, der den gebrachten Opfern entSpricht". Die Kriegsbeute sollte für absehbare Zeit durch ,, eine starte wirtschaftliche und militärische Schwächung unserer Gegner" gesichert werden. Die deutschen Kriegstreiber wollten neben einer„ ausreichenden Kriegsentschädigung" nur noch ein Kolonialreich, das den vielseitigen wirtschaftlichen Interessen Deutschlands voll genügt" und „ eine Sicherung und Verbesserung der europäischen Daseinsgrundlage des Deutschen Reichs". Zur Verbesserung... der europäischen Daseinsgrundlage des Deutschen Reichs" sollten anneftiert werden: Belgien, das an Belgien grenzende französische Küstengebiet ,, bis etwa zur Somme" mit dem„, wirtschaftlich und strategisch" nötigen Hinterland", die Erzgebiete von Brien", die uns bedrohenden Festungsstellungen, insbesondere von Verdun und Belfort und den dazwischen liegenden westlichen Abfall der Vogesen". Ferner heißt es in der Eingabe:„ Mit dem Erwerb der Maaslinie und der französischen Kanalfüste wäre außer dem erwähnten Erzgebiete von Brien auch der Besitz der Kohlengebiete bes Departements du Nord und des Pas de Calais gegeben." Diese bescheidenen ,, Verbesserungen der europäischen Daseinsgrundlage des Deutschen Reichs" im Westen sollten ihre entsprechende Ergänzung im Osten finden:„ Für den Osten muß zunächst maßgebend sein, daß der im Westen zu erwartende große industrielle Machtzuwachs ein Gegengewicht durch ein gleichwertiges im Osten zu erwerbendes Landwirtschaftsgebiet finden muß". Zu dem Zweck sollte eine erhebliche Erweiterung der Reichs- und preußischen Grenzen gegen Osten durch Angliederung mindestens von Teilen der biete" erfolgen. Ostpreußen, Westpreußen, Posen und Schlesien dürfen nicht die gefährdeten Außenmarken bleiben, die sie jetzt sind" und verlangen ,, eine bessere Sicherung ihrer Grenzen durch die Vorlagerung weiter Landstriche". Die deutschen Siegerfrieben" im Osten, BrestLitowst und Butarest, wurden denn auch Beweise dafür, wie blutig ernst es den deutschen Eroberern mit der Verwirtlichung ihres Kriegsziels war. Die beiden östlichen Siegerfrieden sollten die europäische Daseinsgrundlage des Deutschen Reichs" allein im Osten um ein Einflußgebiet von über einer Million Quadratkilometern mit 50 Millionen Einwohnern ,, verbessern". Hierzu würden noch gegen 470 000 Quadratkilometer mit 13 Millionen Einwohnern in Kautasien und Rumänien mit 138 000 Quadratkilometer und 7,5 Millionen Einwohnern gekommen sein, wenn alle Blütenträume deutscher Imperialisten reif geworden wären. Die deutschen Kapitalisten und Großgrundbesitzer fonnten ihre Kriegsziele nicht verwirklichen, weil Brest- Litowst und Bukarest im Osten, nicht durch ein Sedan im Westen ergänzt wurden, sondern weil der gesamte Krieg für Deutschland in Versailles endete. Es sind also dieselben Kriegszetteler, dieselben Annettionisten, dieselben Kriegs- Durchhalter bis zum Zusammen bruch, dieselben Nationalisten, die sich jetzt sittlich und moralisch über die Entente- Imperialisten entrüsten, weil diese ihnen das zufügen, was sie jenen zugedacht hatten. Proletarier haben nicht die Aufgabe, in diesen nationalistischen Streitigkeiten Partei zu ergreifen und die Sache dieser oder jener Nationalisten zu ihrer eigenen zu machen, fie haben sich über die nationalen Schranken hinweg zu einer großen proletarischen Partei aller Länder zusammenzuschließen gegen die Nationalisten aller Länder. Das bedingt zunächst die Geschlossenheit des Proletariats in den einzelnen Ländern. Und zwar die Geschlossenheit auf dem Boden des revolutionären Klassentampfes. In Deutschland wird die Geschlossenheit des Proletariats durch die rechtssozialistische Burgfriedens- und Koalitionspolitik verhindert. Daran liegt es, daß das deutsche Prole tariat bisher nicht die Macht ergreifen und behaupten fonnte. Daran liegt es, daß der Nationalismus bis heute noch das Denten vieler Arbeiter vergiftet, daran liegt es, daß jede fapitalistisch- rechtssozialistische Regierungsfrise mit der Bildung einer neuen fapitalistisch- rechtssozialistischen Koalitionsregierung einen scheinbaren Abschluß findet. Aus der Partei Eine Propagandaschrift für unsere Jugend Die Einigkeit, mit der das Bürgertum an der Erfassung bretter Schichten der Jugendlichen arbeitet, muß der sozialistischen Arbeiterbewegung ein Anporn sein, das Heer der organisierten Arbeiterjugend beständig zu vergrößern, um recht viele Arbeiter jungen und mädchen zu Mitstreitern für den Sozialsmus zu gewinnen. Dieser Werbearbeit unter den Jugendlichen dient eine neuerings in der Jugendschriftensammlung„ Proletarische Jugend" herausgegebene Schrift von Hans Hadmad: Eine Einfüh rung in die sozialistische Gedankenwelt". " Die Broschüre( Einzelpreis 2,50 M.) ist durch Organisationen ju Vorzugspreisen direkt vom Verlag Freiheit", Berlin C. 2, Breite Straße 8/9, zu beziehen. Mögen die Jugendorganisationen für weite Verbreitung der Schrift sorgen! Aus der Internationale Beigelegter Streit in der schweizerischen Partei In der schweizerischen sozialistischen Partei war vor turzem efne Krise ausgebrochen, die vorübergehend zum Rücktritt bes Ge nossen Grimm aus der Parteileitung geführt hat. Den Anlaß hierzu gab die von der Parteileitung hinausgezögerte Ausfüh rung eines auf dem legten Parteitag gefaßten Entschlusses, wonach der Nationalrat Ryser entweder aufgefordert werden sollte, sein Mandat niederzulegen oder von seinem Posten im Internationalen Arbeitsamt zurückzutreten. Dieser Konflikt ist nun durch eine Entschließung beigelegt worden, welche besagt, daß Ryser sein Mandat im Nationalrat bis zu dessen Ablauf am Ende dieses Jahres beibehalten und auf eine weitere Kandidatur verzichten wird. 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B. in der Nationalversammlung, da hatten die Sozialdemokraten freiwillig zugunsten des Zentrums verzichtet, weil sonst gleichzeitig Ministerpräsident und Präsident der Nationalversammlung der gleichen Partei angehört hätten. Mit dem Grundsay, daß für die Wahl des Stadtverordnetenvorstehers die Fraktionsstärke maßgebend sein soll, wollen die Bürgerlichen jetzt aber brechen. Nach ihren Absichten soll die Wahl als eine„ Frage des Vertrauens in eine bestimmte Persönlichkeit" verhandelt werden. Das wollen sie, weil es ihre Absicht ist, daß bei der Wahl des neuen Stadtverordnetenvorstehers auch die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen mit ihrem Rud nach rechts und ihrer bürgerlichen Mehrheit zum Ausdrud tommen muß." Demnach scheint es, als ob die bürgerlichen Parteien gleich in der ersten Sigung der Stadtverordnetenversammlung von ihrer schwachen Mehrheit rücksichtslos Gebrauch machen wollen, natürlich unter Verletzung überall anerkannter demokratischer Grundsätze. Voraussetzung dafür ist allerdings die Zustimmung der Demokraten. Nach ihrer jämmerlichen Haltung in der früheren Stadtverordnetenversammlung und ihrer Haltung bei der jetzigen Regierungsbildung, wird man auch mit dieser Möglichkeit rechnen müssen. Gegen nichtgewerkschaftliche Erwerbslosenräte Der Magistrat teilt mit: Das wilde Treiben gewisser Gruppen, das zur vorübergehenden Schließung von Fach- und Bezirksamtsnachweisen geführt hat, veranlaßten die Deputation für Arbeit und Gewerbe sowie den Magistrat, zu den folgenden Maßnahmen der Erwerbslosenfürsorge Stellung zu nehmen: 1. Die Stempel des sogenannten Attionsausschusses der Erwerbslosen werden zweds Auszahlung der Erwerbslosenunterstützung nicht anerkannt. Someit Zahlung auf Grund dieses Stempels erfolgt ist, ist sie wieder in Abzug zu bringen. 2. Soweit für Sonnabend, den 29. Oktober, ein ordnungsmäßiger Stempel der Arbeitsnachweise fehlt, ist Erwerbslosenunterstützung zu zahlen mit der Maßgabe, daß der ordnungsgemäße Stempel im Laufe der kommenden Woche nachgebracht wird. Wird der Stempel nicht nachgeholt, so ist die für Diese Tage gezahlte Erwerbslosenunterstügung wieder in Abzug zu bringen. 3. Der Arbeitsnachweis Wusterhausener Straße sowie die Arbeitsnachweise der einzelnen Verwaltungsbezirke, soweit sie am Freitag und Sonnabend geschlossen waren, werden Montag, den 31. Oktober, wieder geöffnet sein. Die notwendigen Schutzmaßnahmen sind durchgeführt. Der Magistrat heißt diese Maßnahmen gut und glaubt, daß auf Grund derselben Ruhe einkehren wird. Neue Erhöhung der Kohlenpreise Das Kohlenamt teilt mit: Infolge der ab 1. November in Kraft tretenden 30prozentigen Erhöhung der Bahnfrachten ist eine entsprechende Erhöhung der Kleinverkaufspreise für Briketts notwendig geworden. Die Preise betragen demnach ab 2. November für Küchen- und Ofenbrand ab Lager 18,65 M., frei Keller 19,65 M.; für Kleingewerbe, Zentralheizungsanlagen usw. bei fuhrenweiser Lieferung ab Lager 18,65 M., frei Keller 19,60 M. Diese neue Preiserhöhung scheint wie jede andere den Händlern ganz unberechtigterweise einen Extraverdienst zuzuweisen. Durch bie Erhöhung werden nicht nur die mit erhöhter Bahnfracht nobelasteten Kohlen verteuert, sondern auch die noch auf Lager befindlichen. Dadurch erweist sich das Zurückhalten der Kohlen durch die Händler stets als ein lohnendes Geschäft. Betroffen von der Verteuerung werden aber dadurch besonders die Bevölkerungskreise, die nicht in der Lage find, Kohlen auf Vorrat zu faufen. Es muß möglich sein, bis zu einem bestimmten Abschnitt der Kohlenkarte den alten Preis festzusetzen. Die Gültigkeit der Schulratswahlen In einem Teil der Berliner Presse ist berichtet worden, daß der Oberpräsident die Wahl der Schulräte für die Boltsschulen und die höheren Lehranstalten der Stadt Berlin, Nydahl und Dr. Helmke, bestätigt habe, daß aber die Bestätigung der Studienrätin Dr. Anna Siemsen als Schulrat für die. Berliner Berufsschulen noch nicht erfolgt sei. Diese Meldung beruht auf einem Irrtum. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, bedarf es für die Besetzung dieser Stellen feiner Bestätigung durch den Oberpräsidenten als staatliche Aufsichtsbehörde. Eine Millionenanleihe Berlins Der Berliner Magistrat teilt mit: Die Stadtgemeinde Berlin beabsichtigt, die Genehmigung einer neuen Anleihe in Höhe von 560 Millionen Marf nachzusuchen, die, abgesehen von 30 Millionen Mark, für das alte Berlin den in den früheren Vororten während der Kriegs und in der Nachkriegszeit entstandenen Anleihebedarf zusammenfaßt. Der Anleihebedarf verteilt sich auf die großen Werke( Gas, Wasser, Elektrizität, Kanalisation, Güter) mit 73 Millionen, die Nordsüdbahn( Neuköllner Strecke) 60 Millionen, Wohnungs- und nen, Park- und Friedhofsanlagen 30 Millionen, Kriegsausgaben 81 Millionen Mart. Der Rest verteilt sich auf die verschiedensten Zwecke. Aus der Notstandsaktion vom Herbst 1920 sind in der Anleihe 73 Millionen Mark enthalten. Die Begebung soll so wohl durch Ausgabe von Inhaberpapieren als auch Der durch Aufnahme von festen Darlehen erfolgen. Zinssah soll noch nicht festgelegt werden; soweit feste Darlehen in Betracht kommen, soll bis zu fünf Prozent gegangen wer= den. Die Anleiheaufwendungen sind fast restlos bereits durch schwebende Schulden gedeckt. Die neue Anleihe ver= mehrt daher den Schuldenstand nicht; sie be= deutet einen Schritt zur Umwandlung der schwebenden Schulden in feste Schulden. Arbeiter Bildungsschule USP. Montag abend finden in der Breite Straße folgende Kurse statt: Das Schulprogramm der U. S. P.: 1. Die Bedeutung der Schule einst und jezt, ihr geschichtliches Werden und die verschiedenen Formen. 2. Die Stellung der verschiedenen Klassen zur Schule. 3. Das Bildungs- und Erziehungsproblem vom Standpunkte des Sozialismus. 4. Schultämpfe der Gegenwart und ihre Ziele: a) Gesinnungs- und weltliche Schule; b) Klassenund Gemeinschaftsschule; c) Erziehung in Schule und Haus; d) Lern- und Arbeitsschule. Zum Besuch dieses Kurses fordern wir sämtliche Genossen und Genossinnen auf. Vortragender: Dr. Kurt Löwenstein. Beginn: abends 7 Uhr. Schulfragen der Gegenwart: 1. Die Grundschule und ihre Möglichkeiten zur Entwicklung der Einheitsschule. 2. Der Reichsschulgesetzentwurf.( 3u Art. 146a.) 3. Die Hamburger Gemeinschaftsschulen, Paulsens Schulprogramm und der Schulfampf in Berlin.- 4. Die Lernmittel- und die Schulgeldfrage. 5. Die Elternbeiräte, ihre gesehlichen Grundlagen und ihre Be deutung. 6. Schulreformerische Möglichkeiten. Der Kursus ist vor allem bestimmt für die Genossen und Genossinnen, die in der städtischen Verwaltung als Stadtverordnete, Stadträte, Bürgerdeputierte usw., sowie als Elternbeiräte durch das Vertrauen der Elternschaft berufen sind, in den Schulgemeinden praktisch tätig zu sein. Vortragender: Dr. Kurt Löwenstein. Beginn: abends 9 Uhr. Beide Kurse finden in der Arbeiter- Bildungsschule, Breite Straße 8-9( nicht in der Steinstraße) statt. Dritter Vortragsabend über„ Das Wesen der Volkswirtschaft“. Vortragender: Rudolf Schwarzkopf. Traurige Folge eines Fehlurteils Vor dem Landgericht II stand vor einiger Zeit die Hausdame Anna M. unter der Anklage des schweren Diebstahls. Sie hatte mehrere Monaet hindurch bei einem unverheirateten Manne, der von einer Frau eine aus sechs Zimmern bestehende möblierte Wohnung gemietet hatte, die Wirtschaft geführt, diese Stellung aber aufgegeben, als der Herr in mißliche finanzielle Verhältnisse geriet. Die Wirtschaft führten dann eine andere Wirtschafterin und schließlich zwei Schwestern des Mieters. Als dieser die Wohnung aufgab und die Vermieterin diese abnahm, stellte sie fest, daß das verschlossene Büffett durch einen falschen Schlüssel vorübergehend geöffnet sein mußte, und daß von dem dort aufbewahrten Silbergeschirr verschiedene Stücke im Werte von 30 000 bis 40 000 Mart fehlten. Der Verdacht der Täterschaft wurde auf die M. gelenkt und durch mehrere Zeugenaussagen verstärkt, doch handelte es sich in der Hauptsache um Indizien. Die Angetlagte bestritt jede Schuld und verwies auf die verschiedensten Möglichkeiten der Täterschaft, sei es der späteren Wirtschafte= rinnen, sei es der Herren, die der Junggeselle öfter zum Besuch empfing. Rechtsanwalt Dr. S. Eisenstaedt hatte zur Entkräftung der Indizien mehrere Beweisanträge gestellt und das Gericht dringend gebeten, insbesondere zwei von ihm benannte Zeuginnen zu vernehmen, die die Unschuld der Angeklagten würden beweisen tönnen. Der Verteidiger betonte, daß es doch bei einem Indizienbeweise unmöglich darauf ankommen könnte, wenn eine Urteils fällung auf furze Zeit, bis nach Erschöpfung alles angebotenen Beweismaterials, sich verzögere. Das Gericht lehnte jedoch die Beweisanträge ab, da es aus den Aussagen der vernommenen Zeugen die volle Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten gewann. Diese wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Das vom Verteidiger angerufene Reichsgericht hat die Ablehnung zweier weiterer Zeugen für ungeseglich erklärt, das Urteil nebst den ihm zugrunde liegenden Feststellungen aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückverwiesen. Nun stand die abermalige Verhandlung vor der Straffammer bevor sie ist aber dadurch hinfällig geworden, daß sich die Angeklagte aus Verzweiflung über ihr Schicksal in den Fluten des Wannsees erträntte. Ein mildes Urteil Durch das unglaublich leichtsinnige Umgehen mit seinem Dienstgewehr ist der Unterfeldwebel der Reichswehr Schneider zum Urheber eines Unglücksfalles geworden, durch welchen ein blühendes Menschenleben vernichtet wurde. Der tiefbedauerliche Vorfall hatte gestern ein Nachspiel vor der 3. Straffammer des Landgerichts III. Wegen fahrlässiger Tötung war der 16jährige Schmiedelehrling Daste angeflagt. Der jugendliche Angeklagte hatte am 18. Mai d. J. auf der Chaussee in der Nähe von Dallgow den Unterfeldwebel Schneider getroffen, der sich auf einem Dienstwege als vorliegend angenommen und den Angeklagten Daste freigesprochen. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein mit Der Begründung, daß das Verschulden des Angeklagten darin liege, daß er überhaupt die Waffe in die Hand genommen und auf einen Menschen angelegt hatte. Die Straftammer folgte dieser Ansicht und verurteilte D. zu zwei Monaten Gefängnis, be willigte ihm aber eine Bewährungsfrist von drei Jahren. Ein großer Taschendiebstahl an einer Sängerin beschäftigt die Kriminalpolizei. Am vergangenen Sonnabend, den 22. d. M., besuchte die Sängerin Charlotte Wander die Staatsoper. Am Schalter der Staatsoper entdeckte sie, daß ihr die Handtasche ge= öffnet und daraus ein kleines braunes Lederetui mit Halsschmuc im Werte von 600 000 Mart gestohlen war. Die Bestohlene erließ ein Zeitungsinserat, in dem sie für die Wiederbeschaffung des Schmuckes eine Belohnung von 10 000 Mart ausbot. Am vergangenen Mittwoch erschien nun in ihrer Abwesenheit ein Mann in der Uniform eines Wachtmeisters der Schutzpolizei, der sich ihrer Gesellschafterin gegenüber Oberwachtmeister Meinide nannte. Er berichtete, daß ein englischer Offizier den Schmuck auf dem Wittenbergplaz gefunden und an ihn abgegeben habe. Er habe den Fund seiner vorgesetzten Dienststelle abgeliefert, und dort fönne ihn die Bestohlene in Empfang nehmen. Als Ausweis überreichte er ein Papier, auf dem Oberwachtmeister Krause als Vorsteher dem Oberwachtmeister Meinide bescheinigte, daß er das Etui mit Inhalt abgeliefert habe. Auf diesen Schein, der auch gestempelt war, schrieb nun Meinide, daß seine Vorzeigerin berechtigt sei, den Fund abzuholen. Als das geschehen sollte, ergab sich, daß alles Schwindel war. Bei der Dienststelle gibt es weder einen Oberwachtmeister Meinide noch Krause. Der Schmud war nicht vorhanden, die Unterschrift und der Stempel auf dem Schein gefälscht. Der Stempel, wie der Schein ihn trug, ist veraltet und nicht mehr im Gebrauch. Der Schwindler hat ohne Zweifel damit gerechnet, daß er die Bestohlene selbst zu Hause treffen und von ihr sofort eine Belohnung erhalten werde. Beide Beine abgefahren. Als gestern abend gegen 8% Uhr der Kölner D- Zug Nr. 7 den Bahnhof Friedrichstraße in der Richtung Alexanderplatz verlassen hatte, fand man auf den Schienen eine Frau auf, der beide Beine abgefahren waren. Man schaffte sie nach der Klinik in der Ziegelstraße, wo aber bald nach der Aufnahme der Tod infolge von Verblutung eintrat. Nach vorgefunde nen Papieren scheint die Tote identisch zu sein mit einer Frau Martha Cirozti aus Klein- Boschpohl bei Neuenburg in Pommern. Ob sie aus dem Zuge gestürzt und einem Ueberfall zum Opfer gefallen ist oder Selbstmord begangen hat, bedarf noch der Aufflärung. Eine nachträgliche Verbesserung erfährt noch der Winterfahrplan der Vorortstrede Görlitzer Bahnhof- Königswusterhausen, die bereits von morgen( Montag) im Werktagsfahrplan zur Durchführung kommen soll. Vom Montag, den 31. d. M., ab wird zur besseren Bedienung des Arbeiter und Berufsverkehrs zwischen Königswusterhausen und Berlin ein neues Zugpaar in den frühen Morgenstunden eingelegt. Der eine der beiden neuen Züge wird vom Görliger Bahnhof um 5 Uhr 10 Min. früh ab= fahren und trifft in Königswusterhausen um 6 Uhr morgens ein, während der Gegenzug von Königswusterhausen um 6 Uhr 29 Min. morgens abfährt und um 7 Uhr 20 Min. in Berlin, Görliger Bahnhof, eintrifft. Da die Notwendigkeit für diese Züge sich für jeden unbefangenen Beobachter des Verkehrs von selbst ergab, ist es unbegrefilich, daß man diese erst ausfallen ließ. Bei den leitenden Beamten des Görlizer Bahnhofs scheint allerdings für den Berufsverkehr keinerlei Verständnis zu bestehen. Denn über teine Strede werden soviel Klagen geführt wie über die Görliger. Brottarten. In der Woche vom 31. Oktober bis 6. November 1921 darf Brot und Mehl nur auf die Brotkarte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwort„ Hermann Tiek, Wohlfeile Woche" tragen. Der Volks- Feuerbestattungsverein Groß- Berlin( Versicherunass verein auf Gegenseitigkeit) hat in dem letzten Jahr einen gewal tigen Zustrom an neuen Mitgliedern zu verzeichnen. Neben der Propagierung der Feuerbestattung liegt sein Hauptzwed darin, seinen verstorbenen Mitgliedern eine nach jeder Richtung hin pietätvolle to stenlose Bestattung zu gewähren. Die Monatsbeiträge bewegen sich in mäßigen Grenzen. Es kann daher nur jedem Anhänger der Feuerbestattung empfohlen werden, diesem Verein beizutreten, wodurch auch das Privatbestattungswesen immer mehr ausgeschaltet und einer Gemeinwirtschaft auf diesem Gebiet planmäßig zugestrebt wird. Kurse für Stotterer. Der Verein für Sprachpflege Demosthenes veranstaltet ab 1. November unentgeltliche Unterrichtsabende für Stotternde. Die Abende finden regelmäßig jeden Dienstag abends 8 Uhr in der Friedrich Werderschen Oberrealschule, Niederwallstraße 12, statt. An dem Verhaeren- Abend der Voltsbühne E. V. am Montag im Rathaussaal, wird anstelle der erkrankten Frau Lichten stein, Gerhard Fride vom Schloß- Theater, Verhaerensche Gedichte sprechen. Kinderschutzkommission Groß- Berlin. Alle neugewählten Bezirksobmänninnen der 20 Verwaltungsbezirke und die Stellvertreterinnen wollen, sofern es noch nicht geschehen ist, zwecks wichtiger Mitteilungen ihre Adresse schnellstens der 3entral. stelle, Breite Str. 8-9, einsenden. befand und feinen Karabiner bei fich führte. Als er etwas mit Gardinen- Aussteuer- Woche seinem Krimstecher beobachten wollte, legte er die Waffe neben sich in den Chausseegraben, duldete es aber, daß der Angeklagte den Karabiner aufnahm und damit herumhantierte. Er schritt auch nicht ein, als der junge Bursche die Waffe auf seinen Lehrkollegen Wilhelm Biehl anlegte. Jm nächsten Moment trachte ein Schuß und Piel sant zu Tode getroffen zu Boden. Das Schöffengericht hatte lediglich eine Fahrlässigkeit auf seiten des Zeugen Schneider Riesige Vorräte Das am Bahnhof Allee, Hochb. am Bahnhof Jannowisbr. im Gardinenhaus Zimet Schönhaufer Untergrundb. Infelbrücke Köpenicker Str. 102 und Wichertstr.6 Nordring Es gelangen zum Verkauf: Künstlergardinen von 98.- an, Stores von 55.- an. Küchengardinen von 67.50 an, Bettdecken Zweibettig von 125.- an, Teppiche, Diwandecken etc. sehr preiswert. alte Abschlüsse Geheimnis unserer Billigkeit! Damen Halbschuhe braun und schwarz, zum Schnüren oder mit Spange, zum Teil echt Chevrean. Ausser- 12850 gewöhnlich billig.... Damen- Schnürstiefel echt Boxkalf und Rindbox, mit und ohne Lackkappe. Aeusserst preiswert.. 135⁰⁰ Damen- Schnürstiefel prima Rindbox, Derbyschnitt, halbhoher Absatz, gute Verarbeitung........ 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Sämtliche Versammlungen beschlossen einstimmig folgende Entschließung: „ Die Versammelten geloben, nach Kenntnisnahme der Sachlage, unerschütterlich im Kampfe auszuharren und diesen so lange durchzuführen, bis das brutale Unternehmertum gezwungen ist, dem Willen der Ausgesperrten und Streifenden Rechnung zu tragen." Daß diese Entschließung fein leeres Lippenbekenntnis werden wird, das haben die Gastwirtsangestellten in ihrem jezigen Kampfe schon bewiesen. Je hartnäckiger und brutaler die Unternehmer handeln, um so mehr wird sich der Widerstand und die 3ähigkeit der Arbeitnehmer verstärken. Trotz gelben Streitbrechergesindels und dessen grünen Ehrenfompagnien, genannt Schutzpolizei. Trotz alledem! Wie wir furz vor Redaktionsschluß erfahren, finden heute nachmittags um 3 Uhr im Oberversicherungsamt in Charlottenburg Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien statt. Bormittags um 11 Uhr tagen im 300 die Unternehmer, um über ihre Stellungnahme zum erweiterten Vorschlag des Assessors Körner zu beratschlagen. Montag werden wir über das Ergebnis der heutigen Verhandlungen berichten können. Erneute Streifgefahr in der Berliner Holzindustrie Der AfA- Bund teilt mit: Seit faft einem Jahre besteht für die in der Holzindustrie tätigen aufmännischen und technischen Angestellten und Werkmeister feinerlei tarifliche Regelung. Nachdem nun der Kampf der Arbeiterschaft innerhalb der Berliner Holzindustrie bezüglich ihrer Entlohnung beendigt worden ist, hielt es auch die Angestelltenschaft in dieser Industrie für angebracht, nun endlich wieder den Versuch zu unternehmen, zu einer generellen Tarifregelung zu tommen. Wir wandten uns dieserhalb mit einem Schreiben vom 19. d. M. an sämtliche zuständigen Arbeitgeberverbände der verarbeitenden Holzindustrie, insbe Sandere aber an die Vereinigten Arbeitgeberverbände der Berliner Holzinduftrie", und ersuchten, uns umgehend einen Termin anzugeben, an dem über den Abschluß eines Tarifvertrages ver handelt werden könne. 2. Beilage zur„ Freiheit" Bis heute( 29. Oftober 1921) hat sich aber die zuständige Orga nisation in Stillschweigen gehüllt. Da sich bereits eine große Unruhe unter der Angestelltenschaft bemerkbar gemacht hat, haben wir heute nochmals Veranlassung genommen, die„ Vereinigten Arbeitgeberverbände für die Berliner Holzindustrie" auf den Ernst der Situation hinzuweisen und nochmals um umgehende Bekanntgabe eines Verhandlungstermins ersucht. Wir haben gleichzeitig darauf hingewiesen, daß, wenn abermals von der zuständigen Arbeitgeberspikenorganisation Stillschweigen die Antwort sein sollte, die Angestelltenschaft dann den Arbeitgebern die entsprechende Antivort erteilen würde. Die Verantwortung für alle entstehenden Konsequenzen hat das Arbeitgebertum selbst zu tragen. Sonntag, 30. Oktober 1921 Generalversammlung der Buchbinder. In der am Donnerstag stattgefundenen Generalversammlung der Berliner Buchbinder ers stattete Kaspar einen turzen Geschäftsbericht und der Kassierer den Kassenbericht. Dem Vorstande wurde Ent lastung etteilt. Im Interesse tommender Kämpfe ist es unbedingt erforderlich, daß die Lokalbeiträge erhöht werden. Den Kassierer beauftragte die Generalversammlung eine entsprechende Vorlage mit den dazu notwendigen Unterlagen auszuarbeiten. Eine tom binierte Vertrauensleute- Versammlung am 8. November soll sich mit dieser Vorlage befassen. Endgültiger Beschluß über die Beitragserhöhung soll durch Urabstimmung am 26. Nopember gefaßt werden. Der Beschluß einer früheren Generalversammlung, wonach 50 Prozent des Ueberstundenverdienstes abzuführen sind, wurde Lohnbewegung in den Köpenicker Dampfwäschereien aufgehoben, dagegen jedoch beschlossen, daß alle Ueberstunden In einer gut besuchten Versammlung nahmen die in den Cöpenicker Wäschereien beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter Stellung zu dem neuen Berliner Lohntarif. Kollege Glas teilte mit, daß der Spruch des Schlichtungsausschusses, welcher die Wäschereien Cöpenids verpflichtet, die für Berlin in Frage fommenden Lohnsäge minus 8 Prozent zu zahlen, nur von drei Firmen anerkannt wurde. Alle andern hätten den Spruch abgelehnt. Keyser vom Transportarbeiter- Verband erstattete dann eingehend Bericht über die mit dem WäschereiVerband geführten Berhandlungen und über das Resultat der Bewegung. In der sich anschließenden, lebhaften Diskussion lehnten es sämtliche Redner ab, unter den Berliner Lohnsägen zu arbeiten. Nachdem Mülle als Vertreter des Heizer- und Maschinisten- Verbandes noch auf die teuren Lebensverhältnisse in Copenid hingewiesen hatte, gelangte eine Resolution zur Annahme, welche die beteiligten Organisationen beauftragte, mit den Arbeitgebern in Verbindung zu treten und die Anerkennung der Berliner Lohnsäge zu fordern. Die Antwort müsse bis spätestens 1. November 1921 im Besitze der Organisationen sein. Die Arbeitnehmer verpflichten sich, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für ihre Forderung einzutreten. Zu Punkt Branchenangelegenheiten schilderte Kenser, oft unterbrochen durch die Entrüstungsrufe der Kollegen, das Verhalten der Lokalbefizer und der Polizei im Lohnkampfe der Gasts wirtsangestellten. Die Hotelbefizer, welche zum Teil eigene Wäschereien besitzen, versuchten die Berliner Dampfwäschereien zur Anfertigung von Streitarbeit zu gewinnen. Nachdem dies an der Wachsamkeit und dem Solidaritätsgefühl der Kollegen gescheitert sei, versucht man es in Cöpenick. In den folgenden Debatte erklärten die in Frage kommenden Kollegen unter feinen Umständen Streitarbeit zu verrichten. Einen gleichen Entschluß faßten die anwesenden Kollegen sämtlicher Betriebe. Verhandlungen in der Berliner Metallindustrie Die mit dem Verband Berliner Metallindustrieller einerseits und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband resp. Metallkartell andererseits auf Grund des Tarifvertrages für die Berliner Metallindustrie geführten Verhandlungen von 5. Mai 1921 find am Sonnabend, den 29. Oktober, zum Abschluß gelangt. Das Metallfartell hat seine Zustimmung zu den vereinbarten Sägen gegeben. Die Veröffentlichung des Abkommens erfolgt, sobald die beiderseitigen Verhandlungskommissionen redaktionell alles geregelt haben. Der Bericht über die stattgefundenen Verhandlungen wird in den am Mittwoch, den 2. November, stattfindenden Vertrauensmänner- Konferenzen gegeben. Zu diesen VertrauensmännerKonferenzen haben die Betriebsräte und die Delegierten der Generalversammlung dieses Mal Zutritt. der Zustimmung der Ortsverwaltung bedürfen. Einer Anzahl kleiner Anträge der Ortsverwaltung erteilte die Versammlung ihre Zustimmung. Die Generalversammlung der Heizer und Maschinisten. Generalversammlung der Berliner Heizer und Maschinisten be schäftigte sich einleitend mit der Mitteilung Reinefelds, daß zwei Mitglieder der engeren Ortsverwaltung wegen Krankheit bzw. auswärtiger Tätigkeit ihre Aemter niedergelegt hätten. Einem Antrage, daß die Neuzuwählenden fünf Jahre gewert schaftlich und drei Jahre politisch organisiert sein müssen, wurde zugestimmt. Gewählt wurden Siering und Fleischmann. Durch Beschluß werden aus Mitteln der Ortsverwaltung an die bodenständige Heizer- und Maschinistenschule 3000 M. über wiesen; an die Opfer Oppaus und die Hungernden in Rußland werden je 1000 M. abgeführt. Eine lange Aussprache zeitigte ein Antrag, der von Verbands angestellten, die ehrenamtlich in Kommune, Staat oder Reich tätig sind, die Abführung der Diäten usw. an den Verband fordert. Der Antrag wurde abgelehnt. Genosse Sieg le referierte über die 3entralisation der Gewerkschaftsbibliotheten. Nach eingehender Schilde rung des Planes dieses großzügigen Kulturwertes forderte er im Interesse der Schulung und Weiterbildung der organisierten Arbeiterschaft die umgehende Durchführung dieser Bibliotheks zusammenlegung. Mit einer Sympathieerklärung an die fämpfenden Gastwirts angestellten und der Forderung, daß jeder Heizer und Maschinist bei eventl. Maßnahmen gegen die starrköpfigen Unternehmer jeinen Mann zu stellen habe, schloß Reinefeld die Versammlung. Graphisches Gewerbe. Die Kollegen der Buchdruckermaschinen Reparatur- Werkstätten sind am 28. d. M. in Streit getreten. Wir ersuchen die Betriebsräte und Funktionäre der Buch druckereien darauf zu achten, daß alle Monteure( auch auswärtige, sowie alle Hilfkräfte, falls sie irgendwelche Reparaturen oder NeuMontagen ausführen), mit einer von der Streifleitung ausge stellten Ausweistarte versehen sein müssen. Die Streifleitung befindet sich Dresdener Gesellschaftshaus, Dresdener Str. 116. Graphische Hilfsarbeiter Groß- Berlins! Sigung des Aktionss Ausschusses und sämtlicher Funktionäre der Richtung Amsterdam am Dienstag, den 1. November, nachmittags 6 Uhr, in Lotal Kannenberg u. Wegner, Alte Jakobstr. 64. Tagesordnung wird in der Sigung bekanntgegeben. Pflicht aller Funktionäre ist es zu erscheinen, da wichtige An gelegenheiten besprochen werden. Parteibuch und Funktionärausa weis legitimiert. Der Aktionsausschuß. Buchbinder. Industriebranche. Montag, am 10 Uhr vors mittags, Versammlung im Gewerkschaftshaus im großen Saal R Tanz Tee, Theater A sind Kleider, wie die hier abgebildeten, außerordentlich passend. Und die gewaltige Auswahl, die Sie an modernen, entzückenden Klei dern aller Art bei uns finden, bietet Ihnen Gewähr dafür, daß Sie hier genau genau das Kleid finden, das sich Ihrer Individualität am besten anschmiegt. C& A Königstraße 33 Am Bahnhof Alexanderplatz Chausseestr. 113 Beim Stettiner Bahhof... Duftiges Taffetkleid mit entzückender Bogenumrandung an Ärmel und Saum. Sehr flotten und breilen Schärpengurt mit modern. Fransenverzierung kostet 575.Elegantes Samikleid mit modern verlängerter Taille und am Hals und Ärmel durch farbige Stickerel anmutig verziert kostet 450. Nochmals: Hyänen der Wohltätigkeit oder Hinter den Kulissen des Invalidendants Die Hänen berichtigen. Vor einiger Zeit vergleiche Nr. 491 der Freiheit" vom 20. Oftober unterbreiteten wir der Deffentlichkeit die wejentlichen Stellen eines Artikels, den der Reichsbund", das Organ der Kriegsbeschädigten und Invaliden, gewissen Vorgängen hinter den Kulissen des Invalidendants gewidmet hatte. Der Reichsbund" hatte den betreffenden Artikel in seiner Ausgabe vom 1. Oktober 1921 veröffentlicht. Er enthielt die denkbar schwersten Anschuldigungen gegen eine ganze Reihe von Stellen und Persönlichkeiten, von denen keine einzige auch nur den leisesten Versuch machte, sie zu widerlegen oder auch bloß abzuschwächen. Im Augenblic, da wir uns entschlossen, der Angelegenheit im Interesse der unglücklichen Opfer des Krieges, die -- die Angaben des Reichsbundes" als wahr unterstellt- in unverantwortlicher Weise in ihren Rechten geschmälert worden maren, und dies noch dazu von einer Stelle wie dem Invalidendant, der sich immer als Stab und Hort der Invaliden aufzuspielen wußte im Augenblid, da wir dieser Angelegenheit die stärkere Resonanz der Freiheit" verliehen, ohne uns im übrigen mit der Darstellung des Reichsbundes zu identifizieren, war jedenfalls von feinem der Beteiligten eine Berichtigung oder sonst etwas dergleichen beim„ Reichsbund" eingelaufen. Nach den Gebräuchen des öffentlichen Lebens gelten Anschuldigungen des Kalibers, um das es sich hier handelt, als wahr, wenn sie nicht umgehend berichtigt werden. Wir stellen hiermit fest, daß dies nicht geschehen ist, und daß wir daher vollauf berechtigt waren, diesen Anschuldigungen Glauben zu schenken. Es ist selbstverständlich nicht unsere Pflicht, Berichtigungen aufzunehmen, die den Anforderungen des Preßgesezes nicht entsprechen. Es ist ebensowenig unsere Pflicht, Berichtigungen aufzunehmen, die uns nichts angehen, sondern allenfalls die Quelle, aus der wir geschöpft haben. Und es ist noch viel weniger unsere Pflicht, Berichtigungen aufzunehmen, die in fast allen Punkten und ausnahmslos in allen wichtigen Buntten auf eine glatte Bestätigung des zu berichtigenden Tatbestandes hinauslaufen. Um zu zeigen, in welchem unglaublichen Umfang das letztere auf die uns zugegangene Literatur zutrifft, wiederholen wir zu= nächst furz, was der Reichsbund" behauptet hat, soweit wir davon Gebrauch gemacht haben: 1. Jm Jahre 1911( versehentlich ist 1907 gedrukt worden) hat die Aktiengesellschaft 5 a asenstein u. Vogler sich mit 520 000 M. am Annoncengeschäft der Invaliden= dant G. m. b. S. beteiligt, so zwar, daß Haasenstein u. Vogler 70 Prozent, der Invalidendant aber nur 30 Prozent des Reingewinns erhalten sollte. 2. In den ersten Vertragsjahren wurde mit Unterbilanz gearbeitet. Zu Kriegsbeginn mußte daher das Kapital von Haasenstein u. Vogler als verloren gelten. 3. Dank dem Umstand, daß die Reichsbank der InvalidendantGesellschaft den Löwenanteil der Kriegsanleihe= Inserate überwies, besserte sich die Situation. So wurde 1916/17 ein Gewinn von 543 105 M. erzielt. Von den Generalen Recke und Behn, die jährlich 4000 m. als Gehälter bejogen, erhielt Rede eine Provision von 81 150 M.; Haasenstein u. Vogler liquidierten 25 575 M. als„ Regie: spelen". Von dem verbleibenden Reingewinn erhielt bie Firma 286 441 M., der Invalidendant dagegen nur 122 760 M. 4. Einige Tausendmarkscheine wurden Herren von der Reichsbant und vom Generalfommando des 3. Armeekorps überwiesen. 5. 1917/18 stieg der Reingewinn auf 1054 166 M. Nach Abzug Haasenstein u. Vogelscher Regie spesen", diesmal Tim Betrage von 54 166 M., wurden an die Firma 632 500 1. als Reingewinn ausgeschüttet. Der Invalidendant erhielt demgegenüber bloß 292 500 M. An das Personal wurden 25 000 m. verteilt. Die Generale erhielten Tantiemen von 25 000 M. Der General Behn bezog diesen Betrag neben feinen Bezügen als reattivierter Offizier. f Und nun vergleiche man hiermit, was die Firma Haasenstein u. Vogler und der Invalidendant als Berichtigung auszugeben wagen: 1. Es hätte überhaupt kein Abkommen mit der Invalidendant- G. m. b. 5. bestanden, sondern nur mit dem Invalidendant. Gemeint war in der Darstellung des Reichsbundes selbstver= ständlich das Richtige, denn die Invalidendant G. m. b. 5. ist erst nach der Revolution gegründet worden. Daß es nicht auf den zugegebenerweise ungenauen WortIaut, sondern auf die Richtigkeit oder Unrichtigkeit des Ginnes antommt, scheinen die Herrschaften nicht zu wissen. Deshalb bestreiten sie auch mit Nachdruck, daß es sich nicht um eine Beteiligung, sondern man höre und staune um eine Interessengemeinschaft Diese Interessengemeinschaft bestand aber in der Uebernahme der gesamten Unkosten, ging also noch viel weiter als eine limitierte Beteiligung! Den Werteilungsschlüssel 70: 30 durch philologische Märchen zu vertuschen, ging offenbar selbst über die Kraft dieser Meisterberichtiger. Er wird glatt zugegeben. gehandelt habe. 2. Bis 1914 sagt H. u. B. haben wir rund 600 000 Mart zugesetzt. Bis 1914 sagt der Invalidendant hat 5. u. V. 500 000 Mart zugesetzt. Die Wahrheit liegt also offenbar in der Gegend der Summe von 520 000 Mart, die der Reichsbund" als Beteiligungskapital von S. u. V. bezeichnet hat. Dieses Kapital war 1914 verloren. Daran ist nicht zu tippen. Nichtsdestoweniger erkühnt sich H. u. V. zu behaupten, es wäre unrichtig, daß das Kapital der Firma 1914 als verloren gelten mußte. Das Aktien kapital gewiß nicht, holder Schäfer! Aber das perbutterte Kapital! Das Beteiligungsfapital! Oder-um in eurem Jargon zu reden das„ In= teressengemeinschaftstapita!!" 3. Die Stimme der Wahrheit singt ein schmelzendes Solo: Herr Rede sei nie General gewesen. An Gehalt und Tantieme hätte er nur erhalten, was andere Angestellte seines Ranges zu erhalten pflegten. Also doch wohl die 4000 Märfer plus dem Provisionchen von 81 150 mmchen nicht? Oder vielleicht noch mehr? Oder weniger? Kein Wort davon! Also auch dieser Punkt hat seine Richtigkeit.( Man bedenke: eine Riefenprovision auf Kosten der Invaliden, derselben Invaliden, als deren Wohltäter man auftritt!) Wir müssen gestehen, der Umstand, daß Herr Recte es auf der militärischen Hühnerleiter nicht bis zum General gebracht hat, genügt noch lange nicht, um ihn uns sympathischer zu machen. 4. Der General Behn tein Recke, sondern jeder Zoll ein echter General will während seines Seeres= dienstes weder Gehalt noch Tantieme bezogen haben.( Erster Satz.) Nach dem Ableben des Vorstandsmitgliedes Gablenz hat er allerdings für die Uebernahme von dessen Tätigkeit monatlich 500 Mart erhalten.( 3weiter Satz.) Wie sagt doch der Berliner so schön?„ Nachtigall, idk hör dir loofen!" 500 Mart im Monat find unseres Wissens nicht weniger als 4000 Mart im Jahr, sondern mehr. Und soviel mir weiter wissen, war 1917 noch Krieg. Was die Tantieme pon 25 000 Mart betrifft, so hat der Herr General nie, nie, nie eine solche erhalten. Jtem: er hatte einen Vertrag, der ihm für seine„ beaufsichtigende Tätigkeit" eine Provision Don 5 Prozent zubilligte. Der Vertrag datierte aus dem Jahre 1911. Edelmütig, wie er 1911 nicht gewesen war, verzichtete General Behn zu einem späteren Zeitpunkt wann, sagt er nicht ,, auf den weitaus größten Teil seiner vertragsmäßigen Ansprüche und begnügte sich mit einer einmaligen Summe von 25 000 Mart." Da legst dich nieder und stehst nicht mehr auf! Sind das nicht bei Heller und Pfennig die 25 000 Mart Tantieme aus dem Jahre 1917/18? Beim Zeus, sie sind es! Und mußten dieje 25 000 Mart die bewohltateten Invaliden bezahlen oder nicht? Beim grimmen Ares, fie mußien! male Recht stets respektiert, um dem sachlich- menschlichen desto besser sein Schnippchen schlagen zu können. Und damit sind wir bei dem Kern der Ungelegenheit. Juristisch war vielleicht alles in Ordnung. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß unter dem Dedmantel des Invalidendants, also unter der Maste der Wohltätigkeit die Firma Haasenstein a. Vogler private Bereicherungszwede verfolgt hat; daß dies mit Wissen und Billigung der zur Leitung des Invalidendants berufenen Persönlichkeiten erfolgt ist; daß der Gewinnanteil der genannten Firma mehr als doppelt so groß war als der dem offiziell vertretenen Wohlfahrtszwed zufließende Anteil; daß die Spesen, die hierbei gemacht wurden, nicht mit der erforderlichen Sorgfalt auf das geringst möglige Maß herabgedrückt wurden; daß insbesondere die Zuwendungen an den Generai Behn für eine Tätigkeit, die, wie faum eine zweite, die Wer= pflichtung zu ehrenamtlicher Wahrnehmung, namentlich für einen hohen Offizier, in sich trug, vom Standpunkt einer höheren Moral nicht zu rechtfertigen sind. Demgegenüber spielt es eine ganz unbedeutende Rolle, daß der Anteil des Invalidendants später heraufgesetzt wurde, als Haasenstein u. Vogler schon Hundert tausende verschluckt hatten. Auch ob Bestechungen vorgekommen sind oder nicht, tritt daneben in den Hintergrund. Im Wege von Berichtigungen läßt sich dergleichen jedenfalls nicht flären. Auch nicht damit, daß man breitspurig era flärt, es handle sich bei der ganzen Angelegenheit nur um eine Denunziation seitens eines pflichtvergessenen Beamten, den man entlassen mußte. Auch nicht damit, daß man weiter ertlärt, die aufsichtsführenden Behörden( ließ: Reichsausschuß für Kriegsbeschädigte und Ministerium der Inneren) hätten in der Geschäftsführung des Invalidendants nichts Inforrettes gefunden. Wir haben fein Vertrauen zu solchen Kammerspielen unter Ausschluß der Oeffentlichteit. Der„ Reichsbund" hat euch beleidigt, ihr Herren! flagt ihr nicht? Warum Süll dich Kriegsopfer sind bestohlen worden, Staatsanwalt! in deine Zoga! Wenn je ein Fall, so schreit dieser nach restloser Klärung in vollster Deffentlichkeit. Das Gericht ist der Ort, der allein hierfür in Frage tommt. Selbstverständlich wird es nicht nur die Vergangenheit zu prüfen haben, sondern auch die Gegenwart, insbesondere das Verhältnis, das zwischen dem Invalidendant und der Invalidendant- G. m. b. 5. besteht, sowie die Verhältnisse, die dort und hier im Innenbetrieb herrschen. Bis dahin, Euer Liebden! Das Reichsbant- Direttorium, das wir im obigen Zusammenhang nicht nennen wollten, weshalb wir es an dieser Stelle nachholen, sendet uns eine Berichtigung des Inhalts, baß. Beamte oder Angestellte der Reichsbant niemals Vergütungen seitens des Invalidendants erhalten haben. Wir nehmen dies zur Kenntnis, bezweifeln aber, daß das Reichsbankdirektorium über die Machtmittel verfügt, die notwendig sind, um Licht in solche Affären zu bringen. Außerdem besteht die Möglichkeit, daß die Vergütungen von Saasenstein u. Vogler gewährt worden sind. Auch hier hätte das Gericht zu sprechen. Der Reichsbund vers fügt zweifellos über Material, das zum mindesten ernsthafte Beachtung und öffentliche Nachprüfung verdient. Z ähne 4 u. 7 Mk. mit Friedenskautsdruk 5. Haasenstein u. Vogler hat nie etwas verschleiert, die Firma tft nie erloschen. Nun, das Anzeigengeschäft der Firma, um das allein es sich dem Reichsbund" gehandelt hat, ist erloschen, bzw. in der Ala aufgegangen, und torreft geführte Bücher beweisen nicht allzu viel. Es gibt Ehrenmänner genug, mit denen tein anständiger Mensch etwas zu tun haben will, die aber samt und sonders eine peinlich forrette Buchführung aufzuweisen haben. Sie repräsentieren den Typus des legitimen Berbrechers, dem fein Gesetz etwas anhaben kann, weil er das jor- Zahn- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. Persil das selbst Preis das Paket M. 4.5 Jahre schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen D. 30 Mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. 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