kinzelpreis 40 Pfg.• 4. Jahrgang Freitag» 4. November 1921 Nummer 517' Morgen-Nusgabe ,Freikuit� erscheint täglich morgens und nachmittag». Sonntags und Rontags nur einmal. Der Bezugspreis betragt bei freier Zustellung ins Haus nd durch die Post bezogen M. 12.—, im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen imtlichc Postanstalten Bestellungen entgegen. Ilmer Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar- und Wemelgeb,et sowie die früheren deutschen i-ebiete Polens und Luxemburg M. 23.—, für das übrige Ausland M. 30.—* S-daktto», Expedition«nd Berlog: Berlin EL, Breite Straße L-v Die neunoespaltene Nonparetllezeil, oder deren Aaum mostet ernichltestlrch Inseratensteuer. Kleine Anzeigen Das ettgedrucüte Wort W.. edes wettere Won l»50 ZI?, einschltestlich Inseralensteuer. Laufende Anzergen lam Tarn. Familien-Anze,gen und Stellen-Gesuche 3,75 91?. netto pro Ö«n«m®es«4« w Wort-Anzelgenl das lett gedruckte Wort l.30 Ä?.. zedes wertere Wort l. ZU. Fernsprecher: Zentrum 152 30— 152 39 $eifiner-Orffan bn Vnofifiäufffffen sopnlömofratip S>eittßf)[anöä Die Ztegierungskrise in Preußen Erklärung der Ltnabhängigen Landtagsfraktion Die Fraktion der U. S. P. D. des preußischen Landtags hat zur Regierungskrise in Preußen Stellung genommen und erklärt: Die bisherigen Regierungen und der Landtag haben sich als unfähig erwiesen, die politischen, sozialen und kultu- rollen Probleme der Nachkriegszeit im Sinne einer den Interessen der erwerbstätigen Bevölkerung entsprechenden Politik zu lösen. Während Regierung und Landtag auf ihrem eigentlichen Arbeitsgebiete vollständig versagten. haben sie einer einheitlichen Reichspolitik erschwerend im Wege gestanden und sie wiederholt zu durchkreuzen versucht. Dabei traten die reaktionären Tendenzen des alten preußischen Obrigkeits- und Polizeistaates auf allen Gebieten der Verwaltung immer stärker in den Vordergrund. Eine grundlegende Aenderung ist erst dann zu erwarten. wenn die deutsche Einheitsrepublik geschaffen ist, die Regierungen der Einzelländer verschwunden sind und das Reich, gegliedert in Verwaltungsbezirke nach wirtschaftlich- geographischen Gesichtspunkten, unter Wahrung der vollen Selbstverwaltung, einheitlich geleitet wird. Die Bildung einer rein sozialistischen Regie- r u n g ist dase.tvst angegebenen Betrag an die Steuerkasie abzuliefern. Wenn d,e Steuerbehörde allein die dadurch entstehenden Arbeiten nicht bewältigen kann, gibt es die Möglichkeit, die Banken und andere Einrichtungen zu Hilfe zu nehmen Andererseits ergibt sich auch die Möglichkeit, auf diesem Wege der Gefahr der uneintreibbar- Icit entgegenzuwirken, indem man den. der die von ihm selbst ver- anlaaten Beträge nicht abliefert, mit grötzeren Verzugs- zlnsen belegt, vielleicht 10, 15, 20 Prozent. Ich halte eine solche Matznahme um so notwendiger als ja gegenüber den Lohn» und Gehaltsempfängern mit grötzter Rücksichtslosigkeit vorgegan- gen wurde. Den Lohn- und Gehaltsempfängern wurden 10 Prozent ihres Lohnes schon vor dem Bezug genommen, während den ßrotzen Zensiten alle Vorteile der Geldentwertung zugeschoben sind. Wir verlangen auherdem. datz den Lohn- und Gehalts- empfängern in allerkürzester Zeit dee zuviel abgenommen« Betrag zurückgezahlt wird. Für sie werden die Nachteile der Verzögerung der Mck- Zahlung durch die Geldentwertung immer größer. Nehmen wir V- jemaud hat im vergangenen Jahre 500 M. zuviel gezahlt, fo *'*oas mindestens das Dovpelt« von dem, was 500 M. heute be- "nun. Wenn jetzt also 500 M- zuviel abgezogener Loh« oder Gehalt wieder zurückgezahlt werden, fo ist das nur die Hälfte des wirklich einbehaltenen Wertes. Je länger mit der Rückzahlung gezögert wird, desto grötzer wird die Differenz zwischen zuviel Ein- oehaltencm und Zurückgezahltem. Wir behalten uns Anträge zur Sicherstellung dieser Ansprüche vor. Haben wir die Schwierig- keiten erkannt, die den Lohn- und Gehaltsempfängern entstanden sind, fo haben wir auch die V e r p f l i ch t u n g. sie zu beheben. (Beifall bei den XL S.) Abg. Helfferich(Dtn.): 95 Prozent der Bevölkerung wisien gar nicht, datz noch grotze Nachzahlungen zu leisten sind. Wenn sie erst davon erfahren, werden ihnen die Augen übergehen. Auch wir bedauern, datz die Veranlagungen so verzögert werden. Die Tatsache, datz den Lohn- und Gehaltsempfängern die Steuer ein- behalten, die Veranlagung der grohen Einkommen aber verzögert wird, ist weidlich agitatorisch ausgenutzt worden. Aber die Alis- spräche hat ergeben, datz diese Seite des Hauses(zeigt mit dem Finger auf die Rechte), gegen die sich die Vorwürfe richten, nicht eine Spur von Einflutz auf die Verzögerung hat nehmen können. (Gelächter links.) Redner polemisiert gegen den Genosicn Hertz. Die Anregung zum Einspruch gegen die Veranlagung habe er falsch verstanden. Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Zapf wendet sich gegen den Vorschlag Hertz, die Steuer sofort nach der Selbstein- schützung einzutreiben. Sobald die Veranlagung von 1020 abgeschlossen. sind alle Schwierigkeiten, die hier zur Klage führten. behoben. Abg. Simon-Schwaben(S. P. D.): Wir stimmen dem Antrage Gothein sowohl wie dem Antrag Agnes und Genossen zu. Die Ursache der Erschwerung liegt nicht nur in der Umgestaltung der Verwaltung, sondern auch an der Sabotage der Zahlungsfähigen. Auch wir stimmen der lleberweisung der Anträge an den 11. Aus- schütz zu. Abg. Vecker-Hessen(D. Vp.): Bei der Beschluhfassung über den Antrag Agnes und Genossen auf Erhöhung ver Bö fensteuer herrschte eine solche Einmütigkeit hier im Haufe, daß man schon von einer Koalition von Helfferich bis zu den Kommuni st en sprechen kann. Auch wir bedauern autzerordent- lich die Verzögerung der Erhebung der Einkommensteuer. Wir stimmen dem Antrag auf Ueberweifung an den Steuerausschütz zu. Darauf wird der Antrag auf lleberweisung der Anträge Gothein und Agnes und Genosien an den 11. Ausschuß einstimmig an- genommen. Eine Interpellation Müller- Franken(�S. P.D.) ist einge- gangen betreffend Ententematznahmen zur Einstellung der Deut- scheu Werke. Nächste Sitzung: Freitag, 1 Uhr. Tagesordnung: Anfragen. Interpellation Müller-Franken, erste Beratung aller Steuer- gefetzentwllrfe. (Stolz weht die Flagge fchwarz-weiß-rot Der„Fahnenraub" von Dahme Vor dem Schwurgericht in Potsdam begann gestern vormittag 0 Uhr der Prozetz gegen zwölfArbeiter aus Dahme, denen die Anklage Landfriedensbruch vorwirft. Für den Pro- zetz. zu dem nahezu 50 Zeugen geladen sind, sind zwei Tage vor- gesehen. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Heller. Di« Anklag« wird von dem Staatsanwaltschaftsrat Junge vertreten. Als Verteidiger fungieren die Rechtsanwälte Dr. Siegfried Weinberg und O b e r n i cke r au» Berlin und S a m u l o n aus Potsdam. Angeklagt sind die Arbeiter Otto Friese, Karl Friese, Fritz Friese, Göritz. Schumann, Lorenz, Flemming, Peisker. Wilknitz. Liesche, Leh- mann. Zacke und Rosenberg. Bei der Auslosung der Geschworenen fällt es auf, datz der Anklagevertreter Junge gerade die Geschworenen ablehnt, die der Arbeiter» ichaft angehören, wie den Maurer Bergemann. Dem Prozetz liegt folgender Vorfall zugrunde: Am 10. April 1921 feierte der dcutfchvölkischc Iugendbund in Dahme sein Stiftungsfest, in dessen Verlauf ein Demovstrationszug mit schwarz-weiß-rotcr Fahne veranstaltet wurde. Unter Führung der Angeklagten soll sich die Arbeiterschaft dem Demonstrationszug gewaltsam entgegengesetzt haben. Hierbei ist die Fahne heruntergerissen und die Fahnstange zerbrochen worden. Im Juni dieses Jahres hat j bereits ein Termin vor der Strafkammer Potsdam stattgefunden. I Diese erklärte steh für unzuständig und verwies die Sache an das I Schwurgericht. Die Äng«klagten verneinen im wesentlichen die ihnen zur Last gelegten Straftaten. Der Angeklagte Peisker, Vorsitzen- der des Gewertschaftskartells. gibt an. in einer Gewerkschaft»- Versammlung am fraglichen Tage vor unbesonnenen Handlungesi bei der bevorstehenden Provokation gewarnt zu haben. Das bestätigen die in der Versammlung anwesend gewesenen An- geklagten. Angeklagter Fritz Friese spricht von einem IX n- bekannten. der die Menge aufreizt« und dann verschwand.. Datz ein« Gegendemonstration geplant gewesen sei. bestreiten alle Angeklagten. Angeklagter Peisker betont die verschärften politischen Gegensätze, die seit dem Kapp-Putsch in Dahme beständen. Verteidiger Rechtsanwalt Weinberg weist auf da» Lock- fpitzelunwefen bei ähnlichen Veranstaltungen hin. Es fei deshalb nicht ausgeschlossen, datz der mehrfach genannte Unbe- kannte ein solches Subsekt fei. In der Zeugenvernehmung wurde zunächst Polizeiwacht» meister Miemdorf vernommen. Er sagt aus, von einem Fremden einen Pfiff auf den Finger gehört zu haben und die Worte„Die Fahne mutz herunter!" Der Zeuge bestätigt, datz einige Angeklagte beruhigend auf die Menge eingewirkt hätten. So hätte der Angeklagte Liesche gesagt:„Geschlagen wird nicht, nur die Fahne mutz herunter!" Die Frage des Der- teidigers Rechtsanwalts Obernicker, ob Zeuge einen Auftrag vom Bürgermeister gehabt habe. Ordnung zu schaffen, verneint dieser. Rechtsanwalt Dr. Weinberg fragt, was wohl früher getan worden wäre, wenn mit roten Fahnen durch den Ort gezogen worden wäre. Der Zeuge antwortet, mit roten Fahnen stiFrüher in Dahme nie(!) ein Umzug veranstaltet worden. Als zweiter Zeuge wird Polizeiwachtmeister Kam- mer aufgerufen, der im wesentlichen dieselben Aussagen macht. Er behauptet, der Angeklagte Fritz Friese habe die Fahne mit einem Krückstock heruntergezogen. Er belastet weiter den Ange- klagten Rosenberg. Daraufhin macht Rechtsanwalt Dr. Wein- berg darauf aufmerksam, datz Rosenberg gar nicht dabei Seewesen sei. Angeklagter Rosenberg erklärt, der Zeuge handele aus Gehässigkeit. Der Zeug« Kreisarzt Dr. Geitzler ist mit der deutfchvöl�i- fchen Jugend aus Herzberge in Dahme gewesen. Er habe gehört. datz Liesche gerufen habe, die Fahne müsse herunter. Rechts- anwalt Dr. Weinberg hält dem Zeugen vor, datz man nach 14 Monaten doch nicht fremde Menschen so bestimmt wieder- erkenne. Auf die Frage, ob der deutschvölkisch« Iugendbund aus dem Boden der Verfassung stünde, antwortet der Zeuge mit einem lauten Ja(!). Räch der Mittagspause beantragt Dr. Weinberg vi« Ladung -wn drei weiteren Entlastungszeugen. Im Verlaufe der weiteren Verhandlung werden einige Mitglieder des deutfchvölkischen Iugendbundes vernommen, die sich durch das Tragen von Hakenkreuzen äußerlich schon kenntlich gemacht hrben. Der Zeuge Dr, Kettler will zu dem Polizeiwachtmvister gesagt haben:„W a p u m ziehen Sie nicht blank und hauen Gegen 7 Uhr beginnt die Vernehmnng der E n t l a st u n g s- zeugen. Zum ersten Mal wird hierbei die religiöse E i d e s f o r m e l a b a e l e h n t. Zeuge L a n g n c r hat keinen der Angeklagten bei dem Kampf um die Fahne gesehen. Der Angeklagte Zacke habe den Vorfall selbst verurteilt. Angeklagter Peisker bemerkt, datz er sich während de« Vorganges mit zwei anderen Dahmer Vurgern unterhalten habe. Die Verhandlung wird darauf auf Freitag vormittag vertagt. Neichswirischaftsrai In der zweiten Lesung der Vermögens st euervorlagen wiederholt Dr. G rüg er lGenosserfchaftsvertreter) den in d.r ersten Lesung abgelehnten Antrag, datz selbstgezeichnete Kriegs- anleihen von der Steuerbehörde in Zahlung genommen werden sollen.— Tornow(Vorsitzeni)« des Holaarbciterv rbandes) stimmt den Vorlagen zu, will damit aber nicht die Vermögens» steuer als ausreichend anerkennen. Der so erweitert« Antrag wird angenommen.— Den Vermögenssteuer- und Znwachssteuervor- lagen wird zugestimmt. Die Abstimmung über die Abgabe vom Vermögenszuwachs aus der Nachkriegszeit mit den Aenderungen des Reichsrats ergibt im Hammelsvrung Annahme der Vorlage mit 94 gegen 82 Stimmen. Die meisten Arbeitnehmer stimmten dagegen.— Es folgt die Beratung einer Entschließung über schleunigste Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Preistreibereien und gegen die überhandnehmenden Verkäufe an das Ausland. vöstlein(Zentralverband deutscher Konsumvereine) begründet die Entschlietzung: Di« Entwertung unserer Valuta rechtfertigt in viel n Fällen durchaus nicht die eingeiretcne Preiserhöhung für Jnlandsprodukt«. Insbesondere wird mit den Kartoffeln offen- sichtlich Wucher getrieben. valtrusch(Ehristliche Gewerkschaften) tritt für energisch« An- wendung der gesetzlichen Bestimmungen gegen den Wucher ein: Die scharfe Waffe, die den Gerichten in die Hand gegeben ist. wird nur dann richtig angewandt weiden können, wenn der Begriff des Wuchers einwandfrei festgestellt ist. Die Zustände sind schlimmer als unter der Zwangswirtschaft. Landwirtschaftsminister a. D. v. Schorlemer-Liefer: An der freissteigerung der Lebensmittel ist der Landwirtschaft nicht die chuld beizumessen. Di« wichtigsten Ursachen sind die grotze Dürre und die Mihernten. Frau Mühsam(Hausfrauenverein): Man hat zu lange gezögert und gewartet. Ernährungvministerium und Reichsverkehrs- Ministerium haben sich nicht über die Wagengcstelluna miteinander ins Einvernehmen gefetzt. Obwohl Äilchnot besteht, gibt es in jeder Berliner Konditorei Schlagsahne. Chefredakteur Bernhard teilt mit, datz der Dollarkurs während der Debatte bereits auf 209 gestiegen ist. Räch Annahme der Entschlietzung Dästlein, tritt der Reichs- wirtfchaftsrat in eine allgemeine Aussprache über den Ausschutz- berlcht zu der Entfchliejmng Wifsell und Gen. über die Besteue- rung der Gold- und Sachwerte ein. Berichterstatter Rechtsanwalt Hachenburg: Die Forderung auf FeranZiehung der Goldwerte zu Neparationsleistunaen ist ein rreführendesSchlagwort. Es mutz verhinoert werden. datz die Entente selbst Hand an unsere Sachwerte legt. Nächst« Sitzung Freitag 1014 Uhr. Aussprache über die Be- steuerung der Gold- und Sachwerte, Anfrage Werke". wegen der„Deutschen 9« Rechtsanwalt Obernick hält dem Zeugen nsr. datz er doch schon einmal eine Anklag« gegen Zack« erhoben habe dl« aber in sich zusammengebrochen sei. Weiter sei er in einer Beleidig'-ng»- klage freigesprochen worden unter Begugnahm« auf den K ol. Hierzu erklärt der Zeuge, er habe an dem fvaglichen Tage hohes Fieber(1) gehabt, deshalb fe-i vi« Anklage niedergeschlagen worden. Die Besteuerung des Börsenverkehrs Die Besteuerung des Börsenverkehrs beschäftigt« gestern den Steuerausschutz des Reichstages. Bereits in der zweiten Sep- tembeihälfte hatte die Unabhängige Sozialdemokratie einen entsprechenden Gesetzentwurf eingereicht. Seine Beratung wurde aber trotz der übergroßen Dringlichkeit der Regelung der Sache bislang verzögert. Gestern bcfchlotz der Ausschutz an Stelle des Entwurf, der Unabhängigen Fraktion, dessen Beratung und Verabschiedung mehrerd Tage in Anspruch genommen hätte, ein Notgesetz zu schaffen, durch da» die Sätze des bisherigen Reichsstempelgesetzes wesentlich erhöht und die Besteuerung auch auf den Devisenverkehr ausgedehnt wird. Der Versuch einiger bürgerlicher Parteien, die Sätze, bis zu denen die Negierung die Besteuerung des Börsenverkehrs vorzunehmen berechtigt fein soll, herabzudrllcken, mitzlang, Zum Schluß fand eine Aussprache über die Frage statt, ob die 15 Steueroorlaoen einem oder mehreren Aueschüssen über- wiesen werden sollen. Di« Unabhängige Fraktion ver- trat den Standpunkt, datz die Steucrvorlagen van e i n b e i t- l i ch e n Gesichtspunkten aus betrachtet werdcn mutzten. Die Be- ratung müsse deshalb einem Ausschutz obliegen, der Unteraus- schüss« einzusetzen habe. Die endgültige Beschlutzfassung soll Be- ratungen der Fraktionen und des Acltestenausschusscs über- lassen werde«. Eine �ichiigstellung Genosse Ledebour schreibt uns: Ueber die Verhandlungen des Parteikongresses der französischen Sozialisten in Paris und insbesondere über mein« dortig« Ausführungen sind, wie ich nach meiner Rück- kehr gelesen habe, durch bürgerliche Telegraphenagenturen irrig« Bericht« verbreitet worden. Ich halt« es für notwendig, sofort wenigsten» der auch in unser« Presse übergegangenen Behauptung entgegenzutreten, auf«in« Anlrag« Renaudels hin hätte ich er- widert,„datz die Unabhängigen zu allen Opfern bereit seien, um die Einigkeit mit den Mehr» heitvfozialisten herbeizuführen". Ich befchränk« mich hier auf vi« Erklärung, datz ick solch un- sinniges Zeug nicht gesagt habe. Eine eingehend« Darstellung meiner Beteiligung an den wichtigen Verhandlungen und Be- schlllssen über den Weg zur Einigung des Weltvroletartats beballe ich mir vor. Kleine Nachrichien verbot einer kommunistischen Zeitung. Wegen eines Artikels „Die Stinnesierung der Eisenbahnen beginnt!" wurde„Der Kom- munist" bis zum 0. November verboten.— Die Ausnahmeverord- nung gegen die Monarchisten wird langsam zu einer Ausnahme- Verordnung gegen die Arbeiter, und jetzt wird sogar noch die Hei- ligkeit des Herrn Stinnes durch sie beschirmt. Bevorzugt« veförderung von Zeitungodruckpapier. Der Reichs« oerkehrsminister hat vor einigen Tagen angeordnet, datz Wagen für Zeitungsbruckpapier in den nächsten zwei Wochen mit Vorrang vor allen anderen Gütern zu stellen sind. Es soll dafür gesorgt werden, daß die Wagen pünktlich bi» zum Empfangsort durch- geführt werden. Da» Bandenwesen in Overfchkcsien. In der Räbe von M y s l o- w i tz entspann sich zwischen Polizei und Banditen ein Feuer- gefecht. Fünf Personen wurden dabei verletzt. Drei Eisenbahner wurden nach Polen entführt, einer von ihnm starb infolge von Mihhandlungen. von zwei verhafteten und schwerverletzten Van- diten wurde einer als«in vielfacher Raubmörder festgestellt. Sturmschäden in Skandinavien.' Ein furchtbarer Sturm hat in ganz Schweden schwer« Schäden angerichtet. In Helsingborg wurden die neuen Hafenanlaaen teilweife zerstört. In Rorrbottcn hat man seit Menschengedenken nicht einen solchen Schneesturm erlebt. Bei Malmbergei liegt 8 Meter tiefer Schnee. Für die«brr'chl«fischen Kcmmisfionen sollen nach einer aMnöfen Mitteilung auch Arbeitcrvertreter hinzugeiogen werden. Als Ver- tvcter de« vu»wär:igen Amt» wird Grcf von Schulenburg tätig sein. Di« frisch« Frag«. De, Premierminister von Ulster. Grafg. hat die Einladung de» Kadinett» über die irisch« Frage zu ver- handeln, angenommen: er wird am Sonnabend in London er- wartet. �TWer m) VeWiWgeii Volksbühne 7V. Ufir: Hör Bauer als HIMr Neues Bolkslkieater ASpen�cKe? Prr.«8. Luir Sie WMke Slaatstheater. r*verTiVan« 12U.: Slnfonlo-mittaoikoii«, TV, U.: Ii. Sln'on!e->Konzert Sebavsp�elbav» T�/�DIsBefotialte Phanfaai« direkt.:!Max Neinhmedt JeiiWs Theater Vi, Uhr: Kaan KatWersviele S Uhr:®»t HUHnerhof Grones Stapieta Knrlftro�e 7 /2 Uhr: Die Hiäubtt Theater I. d Königgraher©fr.; All-brndli» 7.30 Uhr: Manon Lescaut (Drska, Janssen, Niemann, Dildt, Brandt» Picha» RehKoyf. v. Twardowski, Appel», Klupp, KomödienhauS: Täglich Dieitakrtj 7.30 Uhr: In, BBaiie I Erik« Qlfißner, Riohard, Engl.! Vaaperm&nn, Oernburg, Stleda Vallnkr-AeM Täglich 7. 30 Übt: Nixchen KmWSper I ?>/, allabrndlich 7'!, Die große AvsstattuW- Opereffen-Zlevue Dechmd»« VMM- Theater « Uhr: Hie GleMW Coneville Theater des Öftens 7-/. Uhr: Fidele Vrüder mm grofie Schlüpfer- Woche Die großen frühzeitigen Einkäufe in erstklassigen Stoffen sind jetzt selbst verarbeitet und bieten an: Kreuzfüchse Silber-, Zobel-, Alaskafüchse, Wölfe seltene Prachtexemplare Sealmäntel, Sport- und Gehpelze Konkurrenzlos billig!! Brunnenstraße 5 direkt am Rosenlhaier Tor u D t a g e I Serie 1 1 Allerneueste Modelle Flausch und Homespun 700, 600» Serie Iii Aus prima Flausch erstklassige Maßarbeit 1000, 900 Serie III: Nur erstkl. Maßstoffe» heute Wert bis 2000, 1400, 1300, Sehl SAIflpfer nnd Raglans SdilDpfer und Raglans Sdilfipfer und Raglans PaietOtS Marengo, auf Seiden-SaüneUa.»«, SOO, 7 CO, 500 Anzfige..............-oo.»°o. 400 An7ÜnD Er««** fßr Maß» aus•rttkiaasloen, z. T. engl. 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Wo- Wer Der leg zum GW 6tg. 3'/, Uhr: paniofselhelb JFahrgeläUVergUtung Keine Versatzware fli. ßpolioitieaierei. rrledrlchttraße 218 Unter persönlicher Zottung des Komponisten Paul Lincke FRAU LUNA Ausstattungsoperette Berliner Theater: Täglich 7.3e Uhr: tyrinz&ffin QMu Mi Rloffan) Ralph Brfljnr«ioberts, PepiZaWa.Herb.Ki?er Tizeum~ a MatoM Die Ehe im Kreise vmanoi»-TnaaTsn Täglich 8 Uhr: SNeln freund Tedde Sonntag 4 U.: KlelnePrr:fe Dez D i a b RESIDENZ-THSÄteR Sonntag, 4 U.: sflctnr Pt Sväicn fiumbrcäH KLEIHES THEATER t/jS Uhr: liarola Xotttt m Frl. Josatte— ntelnt Frau Sonntag, 4 U.: ftlrinr Pr. Safanoeaa Sohn Theater a. Koitbus.Tor Sri. t Mol. 13077 THnl. 7'l Uhr u. Ctg. nachm. 3 lt. Elite Sauger Sonnabend 3 �,UH? KfnbcrsOÄätch.e Vorstellung; M- Mümling nnter Menschenfressern. Halbe Preise Vorverkauf 11-1% uud 4-8 Circus BSJSSll TghV�t.Stg.artch 3U. Wiederum «aht der Sonntag! Nach. 3 U. 1 Kind frei| Vorvks. 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Pistoriusstr. 17, I Tr.. die Wo dl von 6 den Arbeit- nehmern angehörigen Vor- standsmitgliedern nebst 12 Srellvett rel ern und dieWahl von 3 den Arbeifaebern an» gehörigen Vorstandsmit- gliedern nebst 6 Stellver- tretern staftfirden wird. Die Wahlen der Arbeit- nehmer und der Arbeit- geber geschehen in gttrenn- ter Wahlhandlung und werden bei den Arbeifneh- mern von den Vertretern der Versicherten im Aus- schuß, bei den Arbeitgebern von den Vertretern der Arbeitgeber im Ausschuß vorgenommen. Es wählen die Arbeit- nehmer in der Zeit von 4 bis S Uhr und die Arbeitgeber von 7— S Uhr abends. Wir lad« n zu diesen Wahl- terminen die Vertreter im Ausschuß ein und fordern die beiden Gruppen von Vettretern hiermii aus» jede für sich uns schriftliche Wahl- vorschlage einzureichen, in- dem wir darauf aufmerksam machen, daß der Wahlvor- schlag nicht mehr als die vorgenannte Anzahl von Beweibe,n�Arbeitnehmerl2. Ardeitgeber S) denennen darf. Jeder Wahlvorschlag muß von 3 Ausschußmitgliedern (bei den Ardettnehmern von 3Arbeitnehmervertretern.ber den Ardeitgebettt von 3 Ar« beitgeberrertretern) unter- zeichnet sei»»nd e» muß in jedem Wahlvorfchlag außerdem ein Dtttreter des Wahlvorschlags und ttn Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner ersichtlich gemacht werden» In den Wahlvorfchläpen find die einzelnen Bewerber unter fortlaufender Nummer aufzulühttn, welche die Reihenfolge ihrer Denen- nung auedrückt, und nach Zu- und Vornamen, Beruf und Wohnung zu bezeichnen. M,t den Wadlvorfchlägen der Arbritnehm ervertreter ist ferner von jedem Be- werbe? eine Erklärung da- rüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl deren ist. Die Wahlvorschlage müssttr bis spätestens Sonnabend. den 17. Dezember 1921, beim Kassenvorstand eingereicht sein, um zugelassen zu weiden. An die zugelasie- nen Wablvorschläfle ist die Stimmabgabe bei der Wahl gebunden, dieWahl anderer Kandidaten ist ungültig. Die zugelassenen Wahl- vorschlage können von den Ausschußmitgliedern in un- screm Kassenbureau, hier. Pistoriusstr.1 7, während der Dienststunden von 8-1 Uhr vormitt. eingesehen werden. Derlin-Weistensee. den 2. November 1921. Der Borstand. G r a e v e, Vorsitzender. Parzellen kauft wegen drinzenden Nedarf zu den höchsten Tageskursen MWschlnelze Nlmsanmskrlitt 12 W:s; Man beseitigen iy Schwaben Flöhe Holzwurm w /-Stünde z&äott* ffnb jufritpcsgfftent. Utbrt»ra Ctiolp»erb. Zit ffeunrn. Verlangen Sie nur EckoldaU�AU' Zn haben i» de» Drofzerien: BerNn N: Wmann, Invalidenstr. 33; Hnwdoldt- Deog.» Vr»R»enstr 99; H. Knappe» Reinickendorfer Gl».&; Straff, Rei»icken-- dorfer Str. 119; H. Lanae«tttttneustr. 157; S. Lnstiq, SchötchauierAlleeL«; Stessder-zdroaerie, Ercrzirrstt.?Z; H. Schweitzer» DranienburgerSu w; NW: Ql.Ctbevt, Waldenserstr. 18; Drogerhano Moabit, W. A. Born. Aft-Aloabit4S. gegenöb. Zinzeudorfstt.; S; E. Fe Neu- «ann» Stralaucr Slraßo 2h; Prager, Neue Promenade 2 sNähe Bahnhof Börse); O: Vndreao-Drog.» Kleine Nnbreasftr. 12; Oitoeken-Dros� Petersburger Straße 83. am Ba'te»,f«tz; Hukertns- Drogerie, Eberfystraße 48; Ptrtfch, Grüneberger Gtraße 7; S: S. Lehrke» Ke'rbuie? � arnr» 81,82; NO; 0). Berger, Brückenstr 12; Eerrtral-Droaerie«. Santtlltsbazar, des kitdoftous» DreeSener Straße II; Drosensta»» 41. Gurast'a» Graef.ftr. 21; E. Werger. Liü4.enstr. 12; BW: S. W. Weirbch, Blücherstr. 1; Sharlotter» Burg: Stephans DrQA.» Wilmer�do.ier Saraße 1ü5; Liai,tvnberT: F. H�'r.r«ch, Frankfurter Allee 237; Steui-sVn: Zenirakl-Dr0t;er1?» V'ddirchraße*&; Pankow. Br ne Straße 40; Schölt« ber�: Dro�A-nhans Oswald. AkAGiet»> strsffr t r Gräfte fit mt» B-n»fl»r.erre ., Cadiner Straße 11 Tour: Liebig st raste— RigaerStraßc , Spedition Jordan Dresdener Straße 24 Tour: Köpenicker- und MlchaeMrchstrast« Spedition W« tz k i Choriner Straße 68 Tour: FehrbellinerStr.— AnklarnerTtr,— Drunncustr. Spedition Krüger Rnpfer.Nk88jng.. Neukölln, EmserStratze32 Llki. Zink ntc.!« __; Spedition Greulich Marienfelde, Kirchstr. 27 Spedition ReisewiK Netsite Kupfer, Notgust» Blei. Messing, Zink, Zinn und Lagermetall» Queck- «Uder Tagespreise Zuckermann, Slsa sser Str.v, vorn llTr. > Norden 4661.-. Osten, Grüner Weg 80 zahlt Tagespreise für Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin Todes-Knzefgen Den Kollegen zur Nachrichl, daß jolgende MV- gl eder gestoi den sind: Der Schlosser »fsn kfsuks am 1. November 1921. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. No- oember, nacbm'lians 3'/, Uhr. von der �.'eichenball des Stevhankirchhojes, Prinzenallee, aus statt. Der Drücke? kicksrd Weiße am 1. November 1921. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 5. November 1921. nachmittags 4 Uhr, im Krema- toiium Daumschulenweg, statt. Ehre ihrem Bndenke»! Nege Beteiligung ermattet Die Ortsverwaltung. Ansteckende, Rnerträglich juoksnljg Hairt- .usschiäa- m. miifing. B'äs» ... U>W),enperfli Rasbotferfft.26 tir verschwinden w wenigen tagcr Imrd. Reichel'» »k. 1I.0C. j Ott» Cleichd, Berlin 40.> SO. Essenvahnstraße§.! T-Sw' ifM.«stp«ch». NkiiiWr WMlilöM-Perbmd BewalÄgsslelle Berliii 9154, Liiiienstrche 83=85 GeslbliMeii von vorm. 9!>dr bis valbm. i übt Jelcvlion:«ml Norden 185. 1239, 1987, 9714 GmMll-WmsemlWkil für Die VkftiebslKke(Melkmille) bei MMuWne. /Rrtltltio IV(Untergr. 8 u. 9) Gelb-«. Edel» V/iulZpl, be«retallindvsfrie. Freitag, d.4.Novb., n achmittogs 4 Uhr. Neue Philharmonie, Köpenicker Str. 96—97. W lUntergr. 10 bis 13) Waffen». „ Drahtfabrikcn, Emaillierwerke, Eisenkonstruktionen u. Schlosse» reien. Freitag, den 4. Novb. adds. 6 Uhr, Schulaula Koppenplag 12. V Elektroindustrie. Monton. de« n f 7. November, abends e Uhr, SophkenioZe Sophienstr. 17-18. VI Feinmechanik. Dienstag, d. 8. No» * T1 oember, nicht am Mittwoch, nachm. b Uhr in der Echuloula, Koppeuplotz12. VU Bau- n. Kleingewerbe. Dienstag» m•U den 8. November, abends t' Uhr. Per» dandsbaus, Linienstr. 83-85, Arbeits- nachweissaal. Tagesordnung in allen Versammlungen: AvMittig von Kandiülüm?.m DetrietsrSte- Kongkeh des DeuWknMelMerbeitervttbimdcs in Leipzig ain s. Dezember MI Samtliche Betriebsräte fAbeiterräte) müsse« zu dieser Versammlung bestimmt erscheinen. Die Ortsverwaltung. lI!III!IiIIIIIIIIiI»IIlII»IIIII»II»iIII»iiII!»»I!IlI!IIII»!Il!Iii!iI!I!IIi Der Zusammenbruch der Kricgspolitid und die Novemberrevolution Preis 1.— Mark Die deutsche Brbelterrcvolution Preis 1.50 Mark Die Munchener Tragödie Pms 2.— Mark Die Wahrheit über die Berliner Straßen' käwpfe Preis I.— Mark Eichhorn über die Ianuarereignisie Preis 3.— Ma:I> Die Kriegsschuld der Rechtssozialisten Bon Heinrich Strödel Preis 2.— Mark Der moralische Zusammenbruch der e, �5- D. Preis—.75 3Kgi9 Abrechnung mit den Rechtssozialisten Von Arthur Cr i spien Preis 1.— Mark Die Revolution Pr>is 12.— Mark Der Mord an Liebknecht und Luxemburg Preis 6.- Mark Ledebour vor den(geschworenen Pre s 1.20 üllaik Der Prozest Ledebour Vollständige Ausgabe Geb. 26.— Mark Haases Anklagerede in der Rational« veriammlung in Weimar Preis—.75 Mark Reichstagsrcden gegen die. deutsche Kriegspolitik Von Hugo Haafe Preis L.— Mark Wie der Weltkrieg entstand Bon Karl Kaut�ky Preis 10.— Mark gu bezichen durch die Vuchßczndlunfl»Freiheit� Berlin E 2 Breite Ttr. S-0 'Usch h> alle« S�Uolcn ter»Ircid.it» SCV, --- ffSf!'m-S O.ch nach tnsinlrto-- / Nr. 517 Freitag, 4. November 1921 Eine neue Blamage des Michswehrminisiers Offiziere Zm August vorigen Jahres brachten wir ein Feuilleton un- seres Mitarbeiters Tucholski unter der Stichmarke„Offiziere". In diesem Artikel zeichnete unser Mitarbeiter treffend die Men- talität der Offiziere der kaiferlichen Armee und die Gefährlich- keit dieser Elemente, wenn sie noch imstande sind, eine gewisse Wirkung aus ihre Umgebung auszustrahlen. Tucholski wies weiter darauf hin, wie gefährlich diese Kaste werden kann, wenn sie ihre morschen Standesvorurteile in der jetzigen Zeit, die doch ein gewisser neuer Geist durchweht, durchsetzen will. Die Sehnsucht der kaiserlichen Offiziere fatzte damals unser Mit- arbeiter in folgenden Sätzen zusammen:„Wieder Geltung haben! Wieder an der Spitze von Truppen reiten! Einmal noch das blitzende Monokel vor der Front leuchten lassen! Menschen an- brüllen! Kasinostumpfstnn und Kasinoprösterchen! In grotesk aufgeplusterten Reithosen eine Jungfrau schneller zu dem zu machen, wozu Gott sie bestimmt hat! Einmal noch! Ein einziges Mal!" Sein Urteil über das deutsche Offizierkorps im Kriege fahte Tucholski �am Schlüsse seines Artikels mit folgenden Worten zu- sammen:„Das deutsche Offizierkorps hat im Kriege nicht feine Pflicht erfüllt. Das deutsche Offizierkorps setzt sich aus kultor- feindlichen Schädlingen zusammen, die um ihres Postens willen bereit sind, jede Desperadopolitik mitzumachen. Der Geist des deutschen Lffizierkorps taugt nichts. Ein ständig wachsender Teil der Station lehnt diesen Ungeist und seine Träger ab. Wir brauchen sie nicht mehr. Beleidigungsklagen ändern an diesem Urteil nichts." Und schon kam eine Beleidigungsklage. Irgendeine untergeord- nete Instanz im Reichswehrministerium stellte am 23. September 1920 Strafantrag gegen unseren Mitarbeiter, weil er in dem oben zitierten Werturteil über die kaiserlichen Offiziere, die republikanischen Offiziere beleidigt habe. Und die Staats- anwaltschaft in unserer jungen Republik, in der so viele Mörder herumlaufen, ohne dag ihnen ein Haar gekrümmt wird, hat nichts anderes zu tun, als einen Journalisten, der nur das geschrieben hat, was tatsächlich der Fall ist, in Moabit vor die Schranken der Dame Justitia zu fordern. In der Woche nach der Ermordung Erzbergers fand bereits ein Termin statt. Die damalige Verhandlung wurde, wie wir berich- teten, vertagt, weil festgestellt werden sollte, ob dem Reichswehr- i minister überhaupt bekannt sei, daß ein Herr„F e l d m a n n i. V. Reichswehrminister" Strafantrag gegen den Schriftsteller Tucholsky gestellt hat. Inzwischen wurde dem Gericht mitgeteilt, dasi Herr Feldmann in der damaligen Zeit den Reichswehrminister, der sich auf Urlaub befand, vertreten habe. Am gestrigen Donnerstag fand ein« erneut« Verhandlung vor der 11. Strafkammer des Landgerichts I gegen Tucholsky statt. Anklagevertreter war der Staatsanwalt E erlach, die Vertei- digung des Angeklagten lag in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Oskar Cohn und Dr. N ü b e l l. Nach Verlesung des Artikels wies Tucholsky darauf hin, dah der Artikel sich nicht gegen die Offiziere der Reichswehr, sondern gegen die Offiziere der kaiserlichen Armee richtet. Er habe nie ein Blatt vor den Mund genommen, und wenn er den Reichswehrosfizieren etwas zu sagen hätte, dann würde dies in voller Klarheit geschehen. Der Anklagevertreter Staatsanwalt Ger lach führte aus, dah der Artikel in seinen neun ersten Absätzen ganz klar von den � Offizieren der kaiserlichen Armee spreche. Der letzte Absatz jedoch beweise, das; er die Herren treffen wolle, die jetzt der republika- Nischen Reichswehr angehören. Denn wenn man über die alte Armee ein Urteil fälle, dann werden natürlich die Herren, die ! heut« in der Reichswehr Dienst tun, damit getroffen. Er bean- tragte die gesetzliche Höchststrafe von 609 Mark und die Ver- öffentlichung des Urteils in der„Freiheit" und dem„Militär- Verordnungsblatt" auf Kosten des Angeklagten. Der Verteidiger Rechtsanwalt Nübell vertrat die Ansicht, daß jeder das Recht habe, seine Meinung offen und klar zum Ausdruck zu bringen. Ein eigentliches Offizierkorps im Sinne des kaiserlichen Heeres bestehe bei der Reichswehr nicht. Der Artikel spreche lediglich von den Offizieren, die der alten Armee angehört haben und enthält keinen Vorwurf gegen die Offiziere 1 der Reichswehr. Der Angeklagte fei übrigens nicht der Mann, der sich fürchten würde, es offen zuzugeben, dah er auch die Reichs- wehroffiziere gemeint habe. Der Verteidiger verlangte die F r e i- I p r e ch u n g des Angeklagten auf Kosten der Staatskasse. Genosse Dr. Oskar Cohn behandelte die Anklage von der staatsrechtlichen Seite. Der Anklageantrag, der einen höchst poli« tischen Akt darstelle, sei nicht von dem Reichswehrminister unter- schrieben und in seiner politischen Verantwortlichkeit könne sich der Reichswehrministcr nicht vertreten lassen. Nachdem Genosse Dr. Cohn in eingehender Weise nachgewiesen hatte, dah der Ar- tikel sich mit keiner Zeile gegen die Reichswehroffiziere richte, be- antragte auch er die Freisprechung des Angeklagten. Unser angeklagter Mitarbeiter wies in seinem Schluhworte die juristische Haltlosigkeit dieser Beleidigungsklage nach und betonte nochmals, dah er sich lediglich mit dem Offizierkorps der alten kaiserlichen Armee besaht habe. Der Reichswehrminister sei nicht legitimiert, Strafantrag wegen Beleidigung von Individuen zu stellen, die ihm als republikanischen Reichswehrminister doch gar nichts angingen. Treffend skizzierte er die Mentalität des Offizierkorps der früheren Armee und zitierte dabei den Aus- spruch eines Stabsarztes, dah erst die Offiziere kämen, dann die Pferd«, dann die Latrinen und zuletzt die Mannschaften. Der Zweck des Strafantrages sei, dah die Reichswehroffiziere eine Lokalnotiz in allen Zeitungen benötigen, in der berichtet wird, dah ein„Verleumder" des Offizierkorps bestraft worden sei. Die Antragsteller nähmen an, dah aus i h r K o m m a n d o der Ge- richtshof nun prompt funktionieren wird. Zum Schluh forderte Tucholski, daß das Gericht über den Rechtsfall urteil«, aber nicht über fein« Gesinnung.» Zur Fällung seines Urteils benötigte das Gericht eine etwa drei- stündige Beratung. In eingehender Weise versuchte der Vorsitzende nachzuweisen, dah es sich bei der Stellung des Strafantrages nicht um einen politischen Akt des Reichswehrministers gehandelt habe. Sein Vertreter sei also zur Stellung des Strafantrages befugt gewesen. Das Gericht kam zu der Feststellung, dah der Artikel sich zweifelsfrei bis auf den letzten Absatz mit den Offizieren der kaiserlichen Armee befasse. Unwiderlegt habe der Angeklagte be- hauptet, dah er auch in dem letzten Absatz das frühere Offiziers- korps gemeint habe. Das Gericht habe nicht zu prüfen, inwieweit der Artikel überhaupt beleidigende Sätze enthalte, es habe nur zu prüfen, ob in Bezug auf den Beruf der Angehörigen der jetzigen Wehrmacht in dem Artikel Beleidigungen zu erblicken seien. Diese Frage müsse wegen Mangels ausreichender Beweise verneint werden. Das Urteil lautete dementsprechend auf Frei» spruch. Di« Kosten trägt die Staatskasse. Ein städtischer Millionen-Kredit Der Magistrat hat durch ein« Stadtverordneten-Varlag« di« Bewilligung eines Kredits von 4 991 909 M. für den U m- u n d Erweiterungsbau des Krankenhauses Spandau beantragt. Am 7. August 1919 hatte die Stadtverordneten-Ver- sammlung Spandau 5 Millionen bewilligt. Im Haushalt für 1921 war bereits 1 Million bereitgestellt. Der Antrag des Bezirksamts Spandau lautet« auf 15 Mllionen Mark. Oer 9. November in Verlin Stillegung der städtischen Betriebe Di« beiden sozialistischen Parteien haben im Verein mit der Gewerkschaftskommission vereinbart, den 9. November durch eine gemeinsame Demonstration, zu der'die Arbeiter um 2 Uhr die Betriebe verlassen, zu feiern. Eine Funktionärversammlung der städtischen Betrieb« Berlins hat dagegen beschlossen, auf vielfach« Anträge aus den Reihen der städtischen Arbeiterschaft den ganzen Tag die Arbeit einzustellen. Der Gesamtbetriebsrat hat dies« Arbeitsruhe so organisiert, dah die Gas-, Wasser- und Elektrizi- tätswerke durch einen Dienst, ähnlich des Sonntagsdienstes, soweit aufrechterhalten werden, um keinen Schaden zu erleiden, ebenso werden die Krankenhäuser und ähnliche Anstalten versorgt werden. Dagegen wird di« Straßenbahn am u. November nicht oerkehren. Dieser Beschluß der Arbeiterschaft der städtischen Betriebe wurde der Gewerkschaftskommission zugeleitet mit dem Wunsche, dah diese ihren oben wiedergegebenen Beschluß ändern möge. Es hat dar» über noch einmal gestern nachmittag eine Auseinandersetzung statt» gefunden, in der sich aber, wie uns mitgeteilt wurde, di« Gewerk- fchaftskommisston e n t s ch l o s s e n. hat, bei der Durchführung des einheitlichen Beschlusses der gesamten Berliner Arbeiterschaftim Interesse einer einheitlichen Demonstration zu bleiben. Lohnkämpfe und Maschinengewehre Ein Idyll aus dem Jahre 1919 Aus der Zeit der Lohnkämpfe der Versicherungsbeamten im Jahre 1919 stammt eine umfangreiche Anklage wegen Land» � � rcxnonftanh einer zweitägigen begann. Die von Staatsanwalt Dr. B u r m u l v u vertretene Anklage richtet sich gegen 11 Personen, sämtlich Versicherungs- beamte der„V i k t o r i a". Der erste Angeklagte, Versicherungs- angestellter Wilhelm Handschke, soll als Rädelsführer tätig gewesen sein. Die Verteidigung der Angeklagten führten die Rechtsanwälte Dr. Kor ach, Dr. Ball. Dr. Richter und Dr. Züllichauer. Bald nach der Revolution hatten die 4999 Angestellten der .,Viktoria"-Versicherungs-A.-E. in der Lindenstrahe sich einen aus 15 Personen bestehenden Betriebsrat gewählt, dem mehrere Angestellte als Vertrauensleute des„Zentralverbandes der A n g e st e l l t e n" zur Seite standen. Die Versicherung?» gesellschaftcn ihrerseits schlössen sich zu einem„Arbeitgeber- verband Deutscher Unternehmungen" zusammen, der mit dem„Z. d. A." für das Jahr 1919 einen Tarifver- trag abgeschlossen hatte, der aber zum 1. Januar 1929 seitens Angestellten gekündigt worden war. Ende November fand �" nj-iAernnfor-ns der Nersicherungs- der dann in Oer einzige Weg Roman von Paul Reboux Uebersetzt von Rudels Fürst. lü. Fetttnang) Copyright 1921 bq Erethlei» Ii Ce. S.». t. Jj., Ltiptzig. Wiattm!" schreit ein Krankenwärter. ...f}?"rtou erscheint. Er ist im Umhang und bewegt schwer» samg seine Füh« in den Leinenschuhen. Ein Kriegskreuz am verblichenen Skinde hängt auf seiner Brust. Matou ist Land- slurmer, von haus aus zweifellos ein Bauer, wie seine der» ven Hände ver raten, die halb geschlossen sind, als wollte man v t �nes Spatens entwinden. Er hat schon wei- hes paar, dah ihm ein ehrwürdiges Ansehen gibt. Aber das Gesicht scheint grausam-phantastisch verzerrt, wie in einem burlesken Spiegel. Eins feiner Augen ist leer unter dem hochgewolbten~ib. Das andere ist auf die Mitte der Wange herabgerutscht. Auf dag gespaltene Kinn senkt sich die Nase wie ein Schnabel. Eins der Ohren ist verschwunden und wird durch sine Naht ersetzt. R6oI, keichenblah,«ist nun Zeuge eines Krankenverhörs, ! wick?l i Sauvargue seine ganze Liebenswürdigkeit »Nun. mein alter Matou?" Ein Murmeln kommt aus diesem Munde, der kein Mund mehr ist.' bessert?" verwünschten Schmerzen sind doch etwas ge- Der Mann schüttelt den Kopf. Es folgen ärztliche Vorschriften, die der Wärter aufschroibt. i..Der nächste!" ' r. �et nächsie ist ein Gespenst. Keine Nase: zwei rote Löcher statt der Nüstern. Keine Lippen: ungleiche Zähne, die in ' von Metallfäden zusammengehaltenen Zahnfleisch staaen. Die Wangen sind von tiefen Narben tvichterförmig : durchzogen und erzeugen den Eindruck von Trümmerstätten. i Ader der Körper ist ganz kräftig geblieben. Zweifellos war i das einmal ein hübscher Mann. Er ist verheiratet und trägt �«men Trauring. � vteumiy, ..Es geht doch leidlich. Freunden? Diesmal find Zahnfleischhalter in Ordnung? Gut, der nächste.' ....--> dorne "-Qödinot!" ruft der Wärter., ll«j*�vt ist zierlich, fast elegant unter der zerschlissenen loi m. Seine haare sind sorgfam geteilt, üppig glänzend> und etwas gelockt. Die Stirn ist glatt und rein, seine großen blauen Augen sind sanft. Er mag den Frauen gut gefallen. Aber der ganze linke Teil seines Mundes fehlt. Man steht seine Zunge inmitten eines roten Schlundes. Auf der rech- ten Seite ist der Ansatz eines Kinnbackens mit einigen Zäh- nen. den gesunden Zähnen eines kräftigen Burschen, übrig geblieben. „Nun, Badinot? Ziebt es immer noch an dieser Stalle?" In der Mitta des Loches bewegt sich die Zunge. „Noch immer, Herr Stabsarzt." „Sehen Sie mal. heute ist schönes Wetter. Ich hoffe. Sie haben nicht mehr Ihre schwarzen Gedanken?" Badinot schweigt, seine Lider zucken. Seine Stirn runzelt sich. Schließlich antwortet er gefügig: „Nein, Herr Stabsarzt." Als er abtritt, wird RSal von einer Aufregung erfaßt, di« ihn physisch leiden macht: die Nägel drücken sich ihm in die Handfläche, die Füße erlahmen ihm. Auf seinem eigenen Antlitz fühlt er die Wundmale dieser Märtyrer. Sein Herz klopft heftig. Gott, wie gräßlich ist das... Er muß immer an das Grausame denken, das in diesen Resten von Schönheit liegt. Die Geschmeidigkeit, die Eleganz, die immer noch in seinem Gang lag, das Gleichmatz feiner Formen, all die Eigenschaften, auf die der Unglückselige gewiß einst sehr stolz war— welch herzzerreißende Erinnerungen cm eine unwie- derbringliche Vergangenheit! Er ist jung, er möchte seine Kraft fühlen, er ist in dem Altar, m dem uns Hoffnung winkt. Und er muß leben, denn er ist nun einmal mit diesem zertrümmerten Gesicht, dieser Schreckensmaske, am Leben ge- blieben... Als der Krankenwärter Bichard aufruft, wendet stch Dok- tor Sauvargue an R6al: „Der hat uns Mühe gemacht, aber wir haben ihn doch aus der Affäre gezogen!" Bichard erscheint. Das ist ein Mensch oder eigentlich der Körper eines Menschen, bedeckt mit einem leuchtenden, röt- lichen Aussatz, aus dem Röhren herausvaaen. Das einzige. was in dieser Fleisckmasse an ein menschliches Gestcht er» innert, ist ein ausgehöhltes Auge, ein Blick, dem das empor- gezerrte Lid einen Ausdruck der Bestürzung gibt. Doktor Sauvargue fragt diesen Kranken nicht, denn der hat den Gebrauch der Sprache verloren: er kann sich nur durch Kopfnicken verständigen. Manchmal macht er eine An- strengung, um etwas zu sagen. Dann kommt etwas Feuch. tigkeit durch die Röhre, die man ihm ins Gesicht gesetzt hat stellten gelunoigi worvrn u>m..-----------, ......... Magdeburg eine Reichskonferenz der Versicherungs- beamten statt, auf welcher die Grundlagen für einen neuen Tarifvertrag festgelegt wurden. Andererseits hatte der Arbeit- geberoerband Bergtungen über die zu erwartenden Lohnkampfe gepflogen und hierbei war auch nach der Darstellung der Arbeitgeber!— davon gesprochen worden, wie man die Ar» beitswilligen schützen könne bzw. ob man sich nicht mit der Leitung der Sicherheitswehr in Verbindung setzen müsse. lleber diese Beratungen wurde ein vertrauliches Rund- schreiben an sämtliche Mitglieder versandt, welches auch i n die Hände der Ange st eilten kam und in einer Versamm- lung des Angestelltenverbandes große Erregung hervorrief. In diese Eewitterstimmung platzte die Nachricht, dah in den Kellerräumen der„Viktoria" Maschinen- g e w e h r e versteckt seien, welche angeblich gegen die Streikenden verwendet werden sollten. Tatsächlich be- fanden stch auch in dem Keller des„Viktoria"-Eebäud«s, in welchem der Hausmeister Steinmann eine Werkstatt hatte, 12 Gewehr« sowie zwei schwere und drei leichte Maschinengewehre. Diese Waffen waren von dem Bezirksführer der damals noch existierenden Einwohnerwehr, einem Zahnarzt, in dem Keller untergebracht worden, angeblich zum Schutze des Ge» bäudes gegen„Spartakisten. Während der Betriebsrat mit der Direktion der„Viktoria" über die Entfernung der Maschinengewehre gütlich verhandeln wollte, drang der An- geklagte Handschke mit den übrigen Mitangeklagten in den Keller ein. Die Waffen wurden auf den Hos geschafft und dort zerschlagen. Die Anklag« erblickt hierin die Tatbestandsmerkmale des Land» ftiedensbruchs. Die Angeklagten bestreiten dies und behaupten, daß durch das Zerschlagen der Waffen in jener politisch erregten Zeit grohesUnyell verhütet worden fei. lleber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Wir sind gespannt darauf, ob und in welcher Weise die Vor- aeschichte der Maschinengewehre im Hause der„Viktoria" durch ihn geklärt werden wird. Bis dahin enthalten wir uns jedes Kommentars. Da« Bureau des Stadtausschussrs, Abteilung l, wird am 19. No» vember nach W a i f« n st r. 27 I verlegt. Vom 19. bis 12. No- vember 1921 bleibt das Bureau des Umzuges wegen geschloffen. Di« Hauptfürsorgestelle der Stadt Berlin für die Kriegsbeschä- digten und Kriegshinterbliebenen teilt mit: Nach dem Erlasse des Reichsarbeitsministeriuws vom 24. September 1921 erhu-r jede Kriegerwitwe zu ihrer Rente einen Teuerungszuschlag von 25 Mark monatlich ohne Antrag durch die Rentenzahl- und die den Mund ersetzen soll, ein flüssiger Schleim, den Bi» chard mit dem Tafchentuch entfernen muß. Als er hinausgebracht war, fragte RSal: „Za, wie lebt er denn?" „Man ernährt ihn mit der Sonde." „Was für sin Mensch war er?" Unwillkürlich sucht er aus der Vergangenheit einen Standpunkt zu diesem noch leben- den und gegenwärtigen Fall zu finden. Er faßt seine Frage bestimmter. „Wie alt ist er? Was hatte er für einen Beruf?" „Er ist einunddreißig Jahre und war Verkäufer in einem großen Warenhause." Der Aufmarsch der Krüppel geht weiter. Einige scheinen völlig verblödet, noch nicht aufgewacht von dem Entsetzen, das dem Blitzschlag gefolgt war. Andere zeigen auf dem Rest ihres Gesichtes einen Rest von Ausdruck. Räal, von einem unaufhörlichen Angstgefühl gewürgt, sieht einen nach dem anderen kommen und gehen, Gesichter, wie vom Nachtmahr erzeugt, bedrängen ihn. Ach. diese ver, zerrte Lippe, die eine beständige Grimasse festhält! Ach. diese Nase, normal in ihrem Beginn, die jäh aufhört und zwei Löcher wie in einem Totenkopf zeigt. Und dieser klar« und lebhaste Blick in einem Haufen finnigen Fleisches! Er bringt sich die Kriegsbilder wieder in Erinnerung. Bei ihm wie bei vielen Leuten hatten die Sorgen um die Teue- rung, die Steuern, die politischen Debatten, die tägliche Verpflegung allgemach die Erinnerung an die Toten ver- drängt. Er sieht aufs neue das Gras am Rande des Schützengra« bens, die verwüsteten Steppen der Champagne, die zeftetz- ten Bäume, die versengten Wälder, das alles unkenntlich durch einen unbeschreiblichen Schlamm. Er hört die Schrap- nells gleich wilden Katzen miauen, gleich todbringenden Si» renen heulen. Er sieht die Schlltzengräsen. wo man. be- fta-cdig versumpft und wie mit Leim bestrichen, watet, di« Knie vom Umhang umschlottekr. steif vom Kota bis zu den Rockschößen. Er denkt an die Sommerhitze, welche die Ver- wesung förderte und die Leichen zum Plätzen brachte. Er beschwört die Komposthaufen herauf, wimmelnd von llnge» jtefer, die jene Hohlen füllten, in denen menschliche Wesen schlafen mußten. Er fühlt wieder die Verblödung, di« einen erfaßt hatte, als man nichts mehr hoffte, als davonzukom- men und dann doch wieder den Tod erseHnte, der allem ein rasches Ende bereiten sollte. Und die Leichen, all die Lei» chen richten sich vor ihm aus._ �(Fortsetzung folgt.) stelle des Postamts. Außerdem erhalten Witwen, welche erwerbs- unfähig(§ 37, RVE.) find und nicht im Erwerbsleben stehen, auf Antrag eine besondere Beihilfe von monatlich 15 Mark. Der Antrag ist bei der zuständigen Bezirksstelle der Kriegshinter- bliebenenfursorge zu stellen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Kriegerwitwen über die Möglichkeit des Erhalts dieser be- sonderen Zuschüsse nicht unterrichtet find, worauf hingewiesen wird. Die Bekanntmachungen an den Anschlagsäulen geben dar- über Aufstlilug, wo die Zahlung dieses Teuerungszuschusses bean- tragt werden muh und welche Schriftstücke bei der Antragstellung vorzulegen sind. Oos Schiffsunglück auf dem Wannsee Mindestens 19 Todesopfer An der Unglücks st elle bei Havelhorn wurden gestern »ormittag die Borbereitungsarbeitvn zur Hebung Des Dampfers„Storkow" fortgesetzt. Diese Vorarbeiten, die i,cn schwierigsten Teil der Hebung darstellen, werden Voraussicht- lich noch heute andauern. Erst dann wird die Hebung selbst in Angriff genommen werden können. In mühseliger Arbeit mutz von dem Taucher der täglich tiefer in den Schlick sinkende Schiffsrumpf mit Ketten unterfangen werden. Zunächst ist es dem Taucher Pollack gelungen, das Heck des„Storkow', wo die Berschlickung verhältnismätzig gering ist, mit einer Leine zu unterfangen, mit deren Hilfe die erste Kette angebracht werden soll. Im ganzen werden sechs Ketten nötig sein, um den „Storkow" zu beben, der dann zwischen zwei grossen Prähmen nach der Potsogfner Werft der Stern-Eesellichaft geschleppt werden soll. Die ununterbrochenen Nachforschungen des Reichswasser- schutzes ond der mit der Absuchung der Ufer betrauten Schutz- Polizeikommandos nach treidenden oder angeschwemmt t en Leichen sind bis zur Stunde erfolglos geblieben. Von sachverständiger Seite wird damit gerechnet, datz sie Leichen der noch oermitzten neun Passagiere des„Storkow" erst am sechsten oder siebenten Tage nach dem Unglück, also am Sonn- abend oder Sonntag, wieder an die Oberfläche kommen werden. Nach den Feststellungen der Kriminalpolizei haben sich etwa 5l> bis 60 Personen a n Bord befunden. Die Zahl der Geretteten beläuft sich nach den bisherigen Feststellungen auf 36, dazu kommen die fünf bereits als Leichen geborgenen und chie noch oermitzten neun Personen. Falls es nicht Gerettete gibt, die sich nicht gemeldet haben, was unwahrscheinlich ist, so be- trägt die Zahl der Todesopfer nach der Schätzung der Kriminalpolizei mindestens neunzehn. Seitens des Neichswasscrschuhcs Potsoam, der für die Havel- cwässer bis zum Wannsce zuständig ist, ist letzt eine Unter- uckung zur Klärung der schutztechnischen Fragen eingeleitet worden. f! Oer Automobilverkehr in Berlin Ungeheure Steigerung Dieser Tage fand eine Zählung des Fuhrwerkverkehrs an elf Hauptounkten Eharlottenburgs statt, die im Vergleich zum Vor- jähr die ungeheure Steigerung des Fuhrwerk- Verkehrs von 29 278 auf 48 106, also von 164 Prozent ergab. Hierbei ging der Verkehr der Pferdelastfuhrwerkc von 2656 im Vorjahre um rund 6 Prozent zurück, während die Zahl der leich- ten Fuhrwerke in diesem Jahre 12 351 betrug, das ist 14 Prozent mehr als im Vorjahre, und der Automobilverkehr mit 33 264 Wagen eine Steigerung von über 10 4 Prozent aufwies. Der Rückgang des Lastfuhrwerkverkehrs lätzt sich wohl auch hauptsächlich darauf zurückführen, datz der Lastautomobil- verkehr immer mehr in Aufnahm« gekommen ist. Die Lastauto- mobile sind unter den Automobilen mitgezählt. Den grötzten An- teil am Verkehr hatte der Kurfürstcndamm fzwischen Kurfürsten- stratze und Gedächtniskirche) mit 9873 Fuhrwerken insgesamt, darunter 7825 Automobilen. Darauf folgte der Kurfürstendamm lzwischen Leibnitz- und Eiesebrechtstrahe) mit 5400 und 5023, die Berliner Sttatze(zwischen Stadtbahn und Charlottenburger Brücke) mit 5798 und 3757, die Taucntziensttatze(zwischen Mar- burger Stratze und Eedächtniskirchc) mit 5427 und 3727, die Nettelbeckstratze(zwischen Kleist- und Kurfürstenstratze) mit 5397 und 4206 und die Bismarckstratze(zwischen Knie und Neue Grolmannstratze) mit 5368 und 3750 Fuhrwerken. In zweiter Linie kamen dann die Joachimsthaler Stratze(zwischen Horden- berg- und Kantstratze) mit 2794 Fuhrwerken, hierunter 1919 Automobilen, die Schlotzbrückc mit 2303 und 941, die Berliner Stratze(vor dem Rathaus) mit 1755 und 905, die Wilmersdorfer Stratze(zwischen Kantstratze und Stuttgarter Platz) mit 1633 und 985 und schlietzlich die Sophic-Charlotten-Stratze(nördlich der Spandaucr Strasse) mit 1353 und 226 Fuhrwerken. Der anteilige Verkehr erhöhte sich insgesamt besonders am Kurfllrstendamm (zwischen Kurfürstensttatze und der Eedächtniskirche), in der Berliner Stratze(zwischen Stadtbahn und Charlottenburger Brücke). in der Nettelbeckstratze und in der Bismarckstratze. während die Zahl der Fuhrwerke in der Joachimsthaler Stratze. in der Sophie- Charlotten-Sttatze und in der Berliner Stratze(vor dem Rat- Hause) verhältnismätzig zurückging. An Automobilverkehr baben prozentual gewonnen die Bismarckstratze und die Joachimsthaler Stratze. in geringem Maße auch die Nettelbeckstratze, die Wilmers- dorfer Stratze und die Schlotzbrücke, während wiederum die Sophie-Charlotten-Stratze und auch die Berliner Sttatze(vor dem Rathaus) einen Rückgang aufwies. Eine netie Weihnachtsbescherung Man schreibt uns: Am Weihnachtsabend 1920 entstand am Enkeplatz um die wenigen, noch vorhandenen Bäume ein großes Gedränge von Kauflustigen. Es dauerte nicht lange, so kam ein Polizeiaufgebot, das die harmlose Menge wie eine Rotte > Verbrecher auseinandertrieb. Besonders tat sich ein blutjunger Grüner hervor, der rücksichtslos auf einen in der Menge eingekeil- ten Mann e i n h i e b und wie ein Vieh aus der Menge her- ausdrosch. Ich war darüber empört und wandte mich an einen Polizeileutnant, erhielt aber die kurze Antwort:„Tut mir leid, ich kann auch nicht überall sein!" Als der Mißhandelte auf di. Wache gebracht wurde, folgte ich ihm unaufgefordert und verlangte dort als Augenzeuge Aufnahme eines P r o t o- k o l l s und Uebergabe meiner Personalien an den Sistierten. Der Wachthabende'weigerte sich, ein Zeugen- Protokoll aufzunehmen und meine Personalien festzu- stellen. Erst nach energischem Vorhalt bequemte er sich dazu, meinen Namen auf ein Stück Papier zu notieren. Ein Protokoll nahm er nicht auf. Ein halbes Jahr später erhielt ich eine Stra� anzeig« wegen Aufreizung zum Wider st and gegen die Staatsgewalt und versuchter Gefangenen- befreiung. Als Zeuge fungiert derselbe Wachtmeister, dessen Roheit seinerzeit so empörend an den Tag getreten war. Der Fall ist um so ungeheuerlicher, weil sich bereits im Vorverfahren ein Teil der Anklage als Lüge erwiesen hat, und die Staatsanwalt- schaft diesen Teil der Anklage bereits fallen lassen mutzte. Die Anklage wegen versuchter Eefangenenbefreiung wird aber auf- rcchterhalten, obwohl ich in weiter Entfernung von dem Sistier- ten stand, selbst nie sistiert wurde und freiwillig auf der Wache als Zeus.« erschien. Wer damals am Enkeplatz die fraglichen Szenen miterlebt hat, hat die Pflicht, sis, sofort als Zeuge zu melden. Der Termin fistdet am 9. November statt. Meldungen nehmen die Rechtsanwälte Amend und Sieger, Schützenstratze 29/30, entgegen. Kampfentschlossenheit Zum Streik im Gastwirtsgewerbe Wir berichteten gestern an der Spitze unseres Blattes, daß d.ie organisierte Berliner Arbeiterschaft den brutalen Machtstandpunkt der Unternehmer im Eastwirtsgewerbe satt hat, datz sie sich mit den Streikenden und Ausgesperrten solidarisch erklärte und hereit ist, sollten alle Verhandlungsversuche scheitern, in den General- streik zu treten. Wir waren selbst Zeuge der Kampfent- schlossenheit der Vertreter aller Berliner Gewerkschaften auf der vorgeftrigen Plenarversammlung und können konstatieren, datz selbst die bedächtigsten und taktisch klügsten Berliner Gewerkschaft?- führer ihre persönliche Zustimmung und die namens ihrer Organi- sation zum Eeneralstteik gaben. Es war ein erhebendes Zeichen einheitlichen Möllens, das festgestellt werden mutz. Die Arbeiter- schaft ist gewillt, eine gemeinsame Front zu bilden, und den Unter- nehmern ein„Bis hierher und nicht weiter" zuzurufen. Der Berliner Jnseratenplantage„B(elüge) Zteitig) am Mittag" blieb es u. a. vorbehalten, zu weissagen, datz die Berliner Arbeiter- schaft„nicht sehr viel Sympathien für die streikenden Kellner" habe. Wir können diesem sogenannten Organ, dessen„Text" nur ein nicht zu vermeidendes Uebel ist, erklären, datz„die verantwortlichen Leiter der Gewerkschaften" es sich sehr wohl überlegt haben, was sie taten und sich nicht ankränkeln ließen von den„radikalen Uebertreibungen der Streikführcr". Die„B. Z." belastet sich mit sehr überflüssigen und gegenstands- losen Schwätzereien und scheint über den Ernst der Lage sich mit Mätzchen hinwegsetzen zu wollen. Bestimmend dafür dürfte wohl die Tatsache sein, datz das Blatt glaubt, die Unternehmer hätten wirklich schon alle Machtmittel in der Hand. Herr Generaldirektor L i p s ch ü tz von der Hotel-Betriebs-Aktiengesellschaft soll, wie mit- geteilt wurde, der Schupo für ihre Hilfe bereits VA Millionen Mark gespendet haben. Lipschütz und die Seinen brüsten sich da- mit, datz die Regierung hinter ihnen stehe. Wir haben die feste Gewißheit, datz das vereinigte Unternehmertum mit ihrer ganzen abhängigen Lügenfront sich stark verrechnen wird. llebcr den Stand der Angelegenheit erfahren wir folgendes: Das Verkehrsamt der Stadt Berlin ist im Interesse der Bürgerschaft wegen Beilegung der Differenzen im Gastwirts- gewerbe beim Reichsarbeitsministerium vorstellig geworden. Stadt- baurat Adler hat persönlich mit Minister Brauns konferiert. Auch von anderen Stellen wurde ein Eingreifen gefordert. Es finden nunmehr heute nachmittag entsprechende Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium statt. Unsere Genossen in der Gewcrkschaftskommission erhoffen auch eine Aenderung der Lage durch ein Eingreifen des Reichsarbeitsmini st ers, der durch das Mittel der Ver- bindlichkeitserklärung eines Schiedsspruches den Streitfall klären könnte, auch wenn das Urteil eines Schiedsgerichtes zugunsten der Arbeitnehmer ausfallen sollte. Bisher konnte man jedoch den ernstlichen Willen, eine Entscheidung herbeizuführen, weder beim Demobilmachungskommissar, noch beim Reichs- arbeitsminister feststellen. Schlagen alle Mittel fehl, dann wird der Generalstreikbeschlutz durchgeführt, mit dem gestern abend viele Gewerkschaften sich beschäftigten. Kurz vor Redaktionsschluß erfahren wir: Nachdem die Be- mühungen des Demobilmachungskommiffars. eine Einigung zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Gastwirts- gewerbe herbeizuführen, gescheitert sind, hat sich der Reichs- arbeitsmini st er entschlossen, die Parteien nochmals zu einer gemeinsamen Aussprache im kleinen Kreise einzuladen, um neue Verständigungsmöglichkeiten zu erörtern. Die Vcrhand- lungen sind auf Freitag, den 4. November 1921, nachmittags 4 Uhr, im Reichsarbeitsministerium angesetzt worden. Der gefährliche Fahrdamm in der Friedrichstratze. In den hölzernen Belag der Baugrube der Untergrundbahn in der Friedrichstratze, zwischen Koch- und Bcsselstratze. brach heut« morgen ein Postpaketwagen ein. Die Feuerwehr muhte zu seiner Hebung zur Hilfe gerufen werden, die auch nach Entladung der Pakete gelang. positive Gewerkschaftsarbeit Zur 3. Tagung des Verbandsbeirats des Fabrikarbeiterverbandes. Der Verbandsbeirat des Fabrikarbciterverbandes, der am 24. und 25. Oktober in Hannover zu seiner 3. Tagung zusammen- getreten war, beschäftigte sich eingehend mit der Lage der Organi- sation. Den Verhandlungen lag folgende Tagesordnung zugrunde: Berich: des Vorstandes: Lohnbewegungen und die zukünftige Taktik: Erhöhungen der Unterstützungen, besonders für Streik und Maßregelungen und Erhöhung der Beiträge: der Gesetzentwurf über die Arbeitszeit der gewerblichen Arveiter: Antrage zuni. Gehaltsregulotiv: Umänderung der Untcrftützungskasse und all- gemeine Verbandsangeleaenheiten. Ein gedruckter Bericht des Vorstandes lag vor, der die von dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Fabrikarbeiter- verband getroffenen Matznahmen zur Bekämpfung der Teuerung und Arbeitslosigkeit schilderte. Die Vor- gänge in Höchst und in den Leunawerken, die den Fabrikarbeiter- verband als Tarifkontrahenten des Reichsrahmcnvertrages für die chemische Industrie sehr nahe berühren, erfahren darin eine kriti- sche Beleuchtung. Die Oppauer Explosion ist ebenfalls in den Kreis der Betrachtungen einbezogen. Der mündliche Bettcht, der von Brey, dem Vorsitzenden des Verbandes, gegeben wurde, brachte eine wirkungsvolle Ergänzung. An den Bericht des Vorstandes schloß sich das Referat Erotzmanns, des Sekretärs für Tarifwcfen und Lohnbewegungen, an. Trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist der FabritavbeiterverbanÄ imstande gewesen, einen Ausgleich für die Teuerung durch entsprechend«. Lohn- echöhungen zu schaffen. Dort, wo es Rot tat, hat der Verband den Kampf nicht gescheut. Der Fabrikarbettcrverband hat im laufenden Jahre bis zu Anfang Oktober über 13 Millionen Mark Streik- und Matzregelungsunterftutzung gezahlt, davon 5 X- Million im dritten Quartal. Rodner wandte sich energisch gegen die wilden Streiks, die stets mit Niederlagen für die Arbeiterschaft enden. Nicht selten kommen diese Bewegungen den Unternehmern sehr gelegen. Es gereicht der Arbeiterschaft nicht zur Ehre, in die von den Unternehmern gestellten Fallen blind hineinzutappen. Der Streik darf nur als letztes Mittel und nur zur Durchführung gewerkschaftlicher Forderungen angewandt werden. Im Anschluß an den ersten und zweiten Punkt der Tagesord- nung faßte der Verbandsbeirat eine Reihe wichttger Beschlüsse. Er genehmigle die Erhöhung des Verbandsanteils am Stamm- kapital des„Bundes sozialer Baubetriebe" von 600 000 M. aus 1 Million M. Das Institut für Gewerbe- h y�I i« n e in Frankfurt a. M., für das der Vorstand im laufen- den Jahre eine Unterstützung von tOOOO M. bewilligt hat, soll eine lährliche Beihilfe erhalten. Ein Antrag auf Einberufung einer Konferenz für die ch.'mische Industrie wurde dem Vorstände zur Erledigung überwiesen. Ferner beschloß der Beirat, ein Mit- teiluusblatt für die Verbandssunktionär? herauszugeben. Tobifch-Saarbrückeii hob die Gefahren hervor, die der Gewerk- schaftsbewegung des Zaar.staates durch die allgemeine Einführung der Frankenwährung drohen. Zur Neuregelung der Beitrags- und Unterstützungssätze hat der Beirat eine Kommission eingesetzt. Reimann-Berlin berichtete über das Ergebnis der Kam- mifsionsberatung. Ihre Vorschläge wurden fast einstimmig angenommen. Die Sätze für Erwerbslosenunterstützuna. Umzugs- und Sterbegeld werden um 50 Prozent erhöht. Die erhöhten Unterstützungssätze treten gleichfalls am 1. Januar in Kraft. An dem Gosetzenmvuri über die Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter, über den Haupt, Branchcnleitcr für die chemische Industrie, refe- ricrte, wurde scharfe Kritik geübt. Bejouders geben hierzu die 6 und 20 Anlaß. Die beabsichtig!« gesetzliche Elnfuyrung der 56-Stundenwoche in dur kontinuierlichen Betrieben fand scharfen Widerspruch. Die Vorfchläge der Gebaltskommission zan- den A n n a h m e. Die Sätze der Unfallunterstützungskape wurden verdoppelt, der Satzungsentwurf für die weitere Ausgestaltung der Kasse fand eben?alls die Zustimmung des Beirats. Die end- gültige Beschlutzfassung wurde dem Verbandstage über- lassen der vom 2. bis 8. Juli 1922 in Frankfurt a. Main statt- finden soll. Beim Punkt„Allgemeine Verbandsangelegenheiten' forderte Brey die örtlichen Verwaltungsstellen auf, sich an den örtlichen Gründungen des„Bundes fozialer Baubetriebe" durch Kapital und Mitarbeit zu b e t e i l i g e n. Der Eesamteindruck, den die Tagung auf alle Teilnehmer hinterließ, war ein recht erfreulicher. Trotz der politischen Mei- nungsverschicdenheiten war jeder gchtlich bestrebt, positive gewerkschaftliche Arbeit zu leisten. Scharfmacher im Fleischergewerbe Getreu dem Beschlutz, den Castwirtsgehilfen in ihrem Kampfe volle Solidarität zu zeigen, waren die Fleischcrgesellen und Verkäuferinnen der Firma P. K i p p, K o p p e n st r a tz e 7 9. ge- zwangen, die Arbeit einzustellen. Die dort Beschäftigten waren bereit, weiterzuarbeiten, wenn die Firma die Lieferung an die bestreikten Hotels und Gastwirtschaften e i n st e l l en würde. Die Firma war jedoch nicht geneigt, und geschlossen traten die Beschäftigten am 2. November in den Streik. Am 3. November morgens war dem Inhaber des Betriebes der Kamm so geschwollen, datz er folgendes Ultimatum stellte: Aufnahme der Arbeit in einer halben Stunde, sonst Entlassung. Die Firma behält sich vor, wer wieder eingestellt wird. Arbeits- willige dürfen an der Arbeit nicht gehindert werden, die im Streik Beharrenden werden strafrechtlich verfolgt. Trotz dieses morali- schen Druckmittels wurde die Aufnahme der Arbeit abgelehnt. Die Arbeiterschaft, die zum großen Teile zur Kundschaft des Herrn Kipp gebört hat. wird wissen, wie sie sich in Zukunft zu verhalten hat. Auch der Akagistrat mag sich überlegen, ob er solchen Geistern lange die Belieferung städtffcher Anstalten überläßt und die An- läge in seinen eigenen Schlächtereien zum Teil ungenutzt lätzt. Die Presse der Fleischermeister faselt von Unmut der Fleischer- gesellen, an der Bewegung sich zu beteiligen. Den Berichterstat- lern dieser Zeitungen sowie den Führern der Herren Fleischer- meister mag es zur Beruhigung dienen, daß der Kampfesmut in den Reihen der Fleischergesellcn und Verkäuferinnen derart ist. datz sie fest entschlossen find, den entbrannten Kampf zum sieg- reichen Ende zu führen. Sie sind gewitz, datz die ganze Arbeiter- schaft diesem Kampfe das größte Interesse entgegenbringt und weitgehendste Solidarität üben wird. Wahlergebnis zur Oriskrankenkasse Die am 29. Oktober 1921 stattgcfundene Wahl zum Ausschutz der Allgemeinen Ortskrankenkasse hat folgendes Resultat ge- zeitigt: Liste I der Freien Gewerkschaften.. 41 894--- 53 Vertreter Liste II der Christlich-Nationalcn. 4 cc6 6 Liste III der Hirsch-Duncker.... 854— 1 Zusammen 47 434— 60 Vertreter Ungültig waren 32 Stimmen, leere Kuverts 9. Demnach ist ein überwältigender Sieg auf unserer Seite zu buchen. Zentraloerband der Angestellten. Autzerordentliche Sitzung der Ortsverwaltung am Freitag abend 7 Uhr im Ortsbureau. Tages- ordnung: Stellungnahme zum Eeneralstteik. Rohrer. Die über die Rohrdeckcn-Firmen Stahl, Schröder und Krumreq verhängte Sperre wird hiermit o u f g e h o b e N. Deutscher Bauarbeitcr-Verband, Zweigverein Berlin. S0 16 Engelufer 15. Fernspr. Amt Moritzpl. Nr. 4093. Der Vorstand.' I. A.: Mücke. Metallarbeiter. Freitag, 7 Uhr, Versammlung sämtlicher Funk- tionäre des Metallarbeiterverbandes im Arbeitsnachweis Linien« stratze 83/85. Tagesordnung: Stellungnahme zum Generalstreik. Metallarbeiter. Hauptgruppe IV. Untergruppe 8— 9. Heute nachmittag 5 Uhr Versammlung der Betriebsräte(Arbeiterräte) in der Neuen Philharmonie, Köpenickcr Stratze. Hauptgruppe IV. Untergruppe 10—13. Heute abend 6 Uhr Aula Koppcnplatz. Buchdrucker! Die„Opposition" Nr. 11 erscheint heute und ist von 4 Uhr nachmittags ab bei Baum, Stallschrciberstt. 47, abzuholen. Arbeitersport Freie Turnerschaft Cchon.eberg«Verlin. Sonntag: Fuftballwettspiel Schöneberg gegen Brandenburg in Neu-Lichtenberg.— Sonntag: werätewetturnen der Kinder ,(Oberstufe) in Smönebcrg. Turnhalle. Vclzige? strafte. 9 Uhr norm. Neuartige Seaelflugversuche auf dem Tempelhofer Feld. Ter Berliner Modell- : und Segelflug-Berein veranstaltet am 13., 20. und 27. November, vormittag» 10 Uhr. aus dem Tempelhofer Felde bei der Parcdcpapvel Versuchsfluge mit neuen ! Segelflugmodellen. Tie Modell- werden aus einer Höhe von mla 200 Meter I gestartet. Der Bau eines Schulflugzeuges in der Vercinswerkstatt ist in Angriff genommen, auf dem dann vraktifcher Fluqunterricht erteilt wird. Interessenten erfahren Näheres bei der Geschäftsstelle: Paul S ch l a t. Berlin N. ö8. Pappel« | Allee 15. j Arbeiter-Nadfohrerbund �Solidarität*. Ortsgruppe Spandau. Sonnabend. abend? 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Schüstenhaus. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Turn- und Sportverein„Fichte". Sonntag, den 6. November. Wetturnen der Knaben und Mädchen des� Vereins in der Turnhalle Vormann- und Steinftratze von 2— 6 Khr nachm. Gäste willkommen. parteiveranstaltungen IS. SerieelhiBHübejirt. Die zum�Zreitaa angesetzte Sitzung der Distriktaleitunz findet erst am Sonnabend im Ratbaus, Zimmer 17, statt. Die neuen Bezirks- »erordneten werden gebeten, zu erscheinen. Distrikt Riederbarnim-Rord. Die Distriktskonferenz am 6. November sollt wegen der Konferenz in der Arbeiter-Bildunzsschule aus. Sie jindet am 20. Rovem- ber statt. Freitag. 4. November tz.««rwaltungsbezirk lWilmersdorf, Schmargendori, Srunewaldl. Liend» 7Vi Ilhr Vorstands, und Junktionarsitzuug bei Kulte. Wilmersdors, Lauenburgee Straße 22. b.. Distrikt tWedding). Zlbends 7 Uhr öffentliche Volksversammlung. Aula Waldcnjerstraße 20. Die Reaktion in der Schulocrweltuug. Ref.: Eenoffe Ostrowski. Daran anschließend Versammlung der sreien Schulgemcinde Tier» garten. Kenossen und Eenoiünnen, erscheint in Massen. 7. Distrikt lWeddingi, 2. Abteilung. Abends 7H Uhr täunktionärsttzung bei Kunze, Acherstr.«g. Bericht von der Vorstandssitzung und Abteilungsangelegen- heilen. l!. Distrikt. Abend, 7 Uhr engere Vorstandsfitzung bei Hossmann, Lhchener Straße 8. Schöneierg-Frieden-U. Abends zrc, Uhr Handzettel abholen bei Palm, Roßbach-, Tike Cberuslerstraße. Reiniikendors-West. Abend, tz Uhr Sitzung der Frauen- und Kinderschutz- kommisstan im Volkshaus. Sonnabend, 5. November 5. Distrikt. Abend» 7>u Uhr Vorstandsfitzung bei Kaiser, Gotzkowskustr. 24. 18. Distrikt lk?e». Abends 7 Uhr Funltionörlonseren, bei Schweikardt. Alte?akol>str. 24. Sämtliche Kommisfionsmitglieder müssen anwesend sein. 12. Distrilt 2. Abteilung sKrru.chcrgs. Abends 7 Uhr Sitzung der Bezirks- führer nebst Stellvertreter bei Redlich, Eneisenaustr. t4. Sonntag, 6. November z. Distrikt fw-dding). Kindergruppe. Tour nuch Bernau— Hellsee. Treff- puuit 7Zb Uhr an der neuen Nazarelhkirche. Eemahlener Kaffee, und 1,80 8*. Fahrgeld mitbringen. VereinSkalender Sonnabend, 5. November Deutscher Transporiartriter-Berband. Distrikt Köpenick»nd Umgegend. Abend» 7 Uhr bei Siipockohl, Cöpenick, Schönlinder Str. b allgemeine Versammluntz des Distrikts,.wichtige Tagesordnung. Keiner darf fehlen. �u�"le°hiei?ra"e'""'�°�' 7'�Ichäftsssitzung. Rathaus, Zimmer«8- �ranwortttch�fü-� Politik und Feuilleton:_C e» L t e b l ch ü -------—---------------------- Berlin-Fri»- den»»: für Kommunaloolitii."oialeo und Gen-eriichgftUchss: 9. R u d n-«. Berlin: für den Inseratenteil und gelchältliche Mitteilungen: Ludwig Komerlner, Charloltenburg.— Verlagsgenosseuschast„Freiheit", e. ltz. 1 b. K.. Berlin.- Druck der Berliner Druckerei(ü. m. b. H.. Berlin£. Breit« Straße 8-9,