Ur. 236 Abonnemtitts-Bedingungen: Abonnements-PrsiZ pränumerando: lvterteljährb 3,30 Mb, monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«» Nummer mit illustrirter Sonntags» Beilage„Die Neu« Welt" 10 Pfg. Pofl- Abonnement: Z,Z0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1397 unter Hr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Dir Insrrtwns- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel, seile oder deren Raum 40 Pfg., für PereinS- und Versa, nmlungS-Anzeige», sowie ArbeitSmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis l Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition Ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis o Uhr vormittags geösfnet. Erscheint täglich allster Montag«. Devliner Volksbl�kk. Fernsprecher: Amt I, Hr. 1893. Telegramm-Adresse: «KofialdemoKrai Verlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen V�rtei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Weuly-Straße 2. Sonnabend» den 9. Oktober 1897. Spedition: SW. 19, Uettty-Stnche 3. VolikifiHe Nebevssr�k. B e r l i». 8. Oktober.*) Zur Marinefrage. Eine hiesige Korrespondenz, die amt- liche Berührungen hat, schreibt; „Die Regiermig legt zuverlässigem Vernehmen nach ganz be- sonderen Werth darauf, den nach ihrer Ansicht für die Wehrkraft zur See und für den Schutz der überseeisÄien Interessen ersorder» liehen Ausbau der Flotle auf eine für längere Zeil fest- gelegte gesetzliche Grundlage zu steUen, damit die Flotle zu ihrem inneren Ausbau Ruhe hat und die Reichsregierung der Nolhivendigkeit enthoben ist, i n jedem Jahre mit dem 3i e i ch s t a g um die E i n z e l- F o r d e r u n g e n zu f e i l s ck) e n und der Reichstags-Mehrheit von Fall zu Fall Konzessionen machen zu müssen. Bon diesem Staudpunkt aus hat das Staatsministerium in seiner Mitlivochs-Sitzung. die unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe und in Anwesenheit des Staatssekretärs Tirpitz statlsand, die Marinevorlage behandelt und die preußischen Stimmen des Buudesralhs im zustimmenden Sinne inflruirt. Die Vorlage enthält, wie schon bekannt, einen Jnstandhaltungs- und F l o t t e>i v e r ni e h r it n g s- P l n n für d i e nächsten sieben Jahre, der einen K o st e n a u f w a n d von rund 4 10 Millionen Mark(einschließlich der Artillerie- und Torpedo-Ariuirung, also 50— 60 Mill. jährlich) beansprucht. Es sollen nur Schlachtschiffe nach dem„besten Typ", der sich auf grund der Erfahrungen im japauisch-chinesischen Kriege heraus- gebildet hat, erbaut werden, mit allen den Eigenschaften, die sich in einem Panzerschiffe I. Klasse(Typ„Kaiser Friedrich" und „Kaiser Wilhelm IL") vereinigen. Dadurch findet auch eine wohlthätige Vereinfachung der Schiffstypen statt. Diese Panzer» schiffe werden ein Deplacement von II— 12 000 Tonnen haben, also noch hinter den Panzern I. Klasse anderer Marinen mit 14— IS 0(0 Tonnen zurückbleiben." Diese Mitthciliingen scheinen durchaus auf Richtigkeit Anspruch machen zu dürfen. Das vielfach abgeleugnete M a r i n e- S e p t e n n a t wird wirklich auf der Bildfläche er- scheinen. Die Volksvertretung soll auf Vorrath bewillige», während natürlich die Regierungen in wenigen Jahren neue Forderungen stellen können. Wenn die Regierung eine Festle�nng auf sieben Jahre vom Reichstage verlangt, so provozirt sie gewaltsam den Zusammenstoß mit ihm und verschlechtert.die Aussichten ihrer eigenen Pläne ganz bedeutend.— Freisinnige Znkunftsftaats-Schmerzen. Die„Vossische Zeitung" zerbricht sich in einem Leitartikel den Kopf darüber, wie man es im„Znkunftsstaat" anfangen werde, um„dem Flügelschlag einer freien Seele Raum zu gewähren." Es seien dann doch alle Arbeitsmittel verstaatlicht, auch die Drucker- pressen; wer etwas gedruckt haben wolle, müsse es also dem Staate vorlegen, und dieser„Staat" werde natürlich nur das drucken und veröffentlichen laffen, was ihm passe. Dadurch würde natürlich jede geistige Freiheit crlödtet. Dann heißt es weiter: „Gesetzt, man stellte einige Drnckerpresien auf, die jedermann zugänglich sind, wie daS Wasser auS der Quelle, so müßten diese wahllos alles drucken, was ihnen zugesühit würde, und das wäre kaum minder schrecklich, als wenn nichts gedruckt würde. Und wer sollte diese Pressen bedienen, wer ihnen die Lettern liefern? Der Staat hat ja jedem die Arbeit vorgeschrieben, die er zum allgemeincii Wohl zu liesern hat. Kurzum, es bleibt dabei, daß iin'sozialdeniokratischcii Staate nur gedruckt wird, ivaS der Staat selbst drucken läßt." Wir müssen leider darauf verzichten, der besorgten Tante ans dieses schwierige Gebiet zu folgen. Wir Sozialdemokraten sind zwar dafür verschrieen, Utopisten und Zukunftsstaats- Propheten zu sein; aber so kühn, wie die„Vossische Zeitung" sind wir doch nicht, die schon heute vorauszusagen weiß, wie die Menschen des Zuknnftsstaats die Vervielfältigung ihrer literarischen Erzengnisse regeln werden. Wir haben auch leider nicht Zeit, über diese sicherlich sehr interessanten Probleme so eifrig nachzudenke». Der „Gcgenwartsstaat" sorgt eben dafür, daß wir unsere ganze That- kraft der praktischen Gegenwartspolitik widmen müssen. Wir beschränken uns deswegen schlecht und recht darauf, auf die Ueberführung der Produktionsmittel in den Besitz der Gesammt- heit hinzuwirken, damit die Volksmasse nicht mehr für eine wucherische Kapitalistenklasse, sondern nur für sich selbst zu arbeiten braucht. Wir hoffen jedoch, daß die Zukiinfts- staats-Menschen sich dankbar der„Vossischen Zeitung", Jahr- gang 1897, Nr. 470, erinnern und Einrichtungen treffen werden, ihre geistige Freiheit zu sichern. Wir hoffen dies nni so bestimmter, als ja wohl der von der„Vossischen Zeitung" so gefürchtete„Staat" der Zukunft eben ans der VolkSgcsammtheit bestehen und daß es keine über dieser schwebende tyrannisirende Macht geben wird. Wir denken, unter solchen Umständen werden die Zukuiiftsstaats-Menschen wohl ihre Einrichtungen so treffen und auch treffen können, wie es für sie am vortheilhaftesten ist.— Tentsches Reich. — Der Bundesrath hat, wie wir schon mittheilten, gestern seine Sitzungen wieder aufgeiioiiimen. Er hat nach der „Berk. Corr." einem Ausschnßantrage, betr. A u s n a h in en vo m Verbote der Sonn tagsarbeit im Gewerbebetriebe die Zustimmung crlheilt. Den zuständigen Ausschüssen überwiesen wurden ein Älnlrag Badens, betr. Abänderung der Bestimmungen über die Eaininlung von Saatenstaiids- und vorläusigen Ernte- Nachrichten, ein Nachlragsantrag Preußens, betr. die Ans- ♦) Da der Um fang sicht groß geworden ist, sallen lassen. des Parteilagsberichtes wider alle Voraus- so müssen wir den heutigen Leitartikel aus- führung des Börsengesetzes vom 22 Juli 1396, das Abkommen zur Siegelung einiger Fragen des interiiationaleli Privatrechts vom 14. November 1896, der Entwurf einer Verordnung über die Ausführung der am 9. September 1886 zu Bern abgeschlosseiien Uebereinkunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst, der Eytwurs eines Gesetzes für Elsaß-Loth ringen wegen Abänderung des Sparkassen-Gesetzes vom 14. Juli 139S und die allgemein« Rechnung über den Landeshansbalt von Elsaß- Lothringen für das Etats- jähr 1893/94. Die Reichstaqsbeschlüsse zu Petitionen, betr. A»- rech niing von M i l i t ä r d i e n st z e i t auf das Besoldungs» Dienstalter und zu einer Petition wegen Bekämpfung des Mädchenhandels, wurden dem Reichskanzler überwiese». Bon der Uebersicht der Ergebnisse des Hceresergänzungs» Geschäfts sür das Jahr 1896 und der Vorlage betr. die Thronfolge im Fürsten- lhum Lippe wurde Kenntniß genommen. Endlich wurde die Wahl eines steUvertreleiiden Mitgliedes im Börsenausschusse angenommen und über mehrere Eingaben Beschluß gefaßt.— — Mit dem Hamburger Parteitag beschäftigen sich viele Zeitungen, und manche können nicht den Abschluß des Partei- tags erwarten, um ihre Verleumdungen an den Mann zu bringen. Wir werden hierauf nach Beendigung der Hamburger Verhandlungen zurückkommen. Erwähnt sei nur beute schon, daß dasjenige Blatt, welches bei Besprechung des Parteitages sich die aller- schäbigsten Anzapsuiigen der Sozialdemokratie leistet, das Organ des Herrn Eugen Richter ist.— — Sozialdemokratische Reichstags- Slbgeord- n e l e werden jetzt häufig vor die Gerichte gezogen wegen mündlicher oder schriftlicher Aeiißerungen, die sie während der letzten Session des Reichstages begingen; besonders infolge der Gerichts» ferien baben sich diese Prozesse so lange hinausgezogen. Schon hat das Reichsgericht kürzlich die Revision unseres Parteigenossen Reichstags-Abgeordneten H o r n verworfen und dieser muß wegen Eabrikanlenbeleidigniig ans zehn Monate ins Gefängniß gehen. eute hat sich das Reichsgericht mit zwei Strafsachen gegen Genossen Stadthagen beschäftigt. Hierüber erhalten wir folgendes Privat- Telegramm: „Leipzig. 8. Oktober. Das Nrtheil gegen Stadlhagen, welches auf einen Monat Gefängniß wegen Beleidigung Magdeburger Richter und des Bürgenneisleis von Siaßfurt erkannt datle, wurde aufgehoben und an das Landgericht II Berlin zurückverwiesen. Die Slufhebiing erfolgte wegen inkorrekter Behandlniig des von dem Angeklagten gegen die Richter angebrachten Ablehnnngsgesnchs. In der Strafsache wegen Beleidigung aller Richter, Beamten, Offiziere, in der auf ein Jahr G e s ä n g n i ß erkannt ivar, soll das Nrtheil am itz. Oktober verkündet werden." Am 12. Oktober wird, wie schon initgelheilt, auch der L i e b k n e ch t'sche Maje st ätSbeleidigungs- Prozeß ver- handelt werden.— — Wenn die Militär-Strafprozeß- Reform durch den Widersland Bayerns nicht vorwärts kommt, so soll das bayerische Zentrum im Landtag die bayerische Regierung und den Prinzregenten drängen, von ihrem Widerstände abzustehen — also sagt heut übereinstimmend die„Post" und die„Naitib. Korresp." Diese Aufforderung an das bayerische Zentrum ist gewiß nicht ganz unberechtigt und es würde nichts schaden, wenn diese Frage recht bald in der bayerischen Kammer angeschnitten würde. Aber Vorsicht ist hier sehr von Nöthen. Ehe die Bayern nicht volle Gewißheit habe», daß die Reform auch so gestaltet werden soll, ivie sie allgemein gefordert wird, werden sie sich hüten, dazu beizutragen, daß nach Aufgabe ihres Reservalrcchts auch das bayerische Militärstraf- verfahren bei der Einführung eines Reichsrcchis auf diesem Gebiete etwaige Verschlechlerungen erfahre. Eine solche Gefahr ist gewiß vorhanden. Darum sind die Ralhschläge der„Post" und„Nall. Korresp." wohl zu überlege».— — Die„Hamburger Nachrichten" ziehen die Fühl- hörner etwas ein. Sie bemerken wohl selbst, welchen Eindruck ihr ewiges Hinweisen auf den Konflikt machen muß. Jetzt wollen sie nichts gesagt habe», sie erklären:„Das sozialdemokratische Gerede vom Staatsstreich und Slraßcnkampf ist nichts weiter als eine bewußte Fälschung der Situation..." Li leoist-s. nega, wenn d» es gelhan hast, so leugne es ab; erst vor einigen Tage» schrieb das Hamburger Blatt, der Ausbruch von Straßenlämpfeu wäre„nicht ganz unerwünscht". War das nicht deutlich genug? Und überdies fordern die„Hamburger Nachrichten" auch heut wieder„Erlaß eines iieuen Spezialgesetzes" gegen die Sozialdemokratie und„Beseiti- g u n g der geheimen A b st i in in u n g bei der Reichs» t a g s w a h l". Meinen die„Hamburger Nachrichten", daß solche Absichten in Deutschland durchführbar seien ohne„Staatsstreich?"— — Die Handhabung d e S Strafvollzuges hat zu vielen Beschiverden Veranlassung gegeben. Die„Sächsische Arbeiter- Zeitung" ist in der Lage, die einschläglichen Bestinimungen für Sachsen niitzutheileii. Der K 2000 der sächsischen Justiz-Ordnung befaßt sich mit den Vorschriften, die für de» Transport von Personen, „sie mögen verhaflet. vorgeführt oder von einem Gefängnisse nach dem anderen übergeführt werden", gelten. Da heißt es in Absatz S: Fluchtversuchen und Durchstechereien ist mit allen Mitteln ent- gegenzutreten. Im Nolhfall(!) ist der Gefangene zu fesseln, namentlich a) wenn er eines schweren Verbrechens beschuldigt oder zu Todesstrafe. Zuchthaus oder längerer Gefängnißhaft ver- urlheilt ist, d) wenn er früher schon sich als gcwallthätig gezeigt oder einen Fluchtversuch uiilernonnne» hat, oder doch dazu geneigt erscheint, c) wenn der Trausport während der Dunkelheit ausgeführt werden muß. Die Fesselung soll thunlichst»»auffällig sein. Ob eine Hand- fessel genüge oder ob festeres Schließzeng nnznwendeii sei, ist nach der Person des Gefangenen(Körperkraft, Gefährlichkeit) zu bemcssen. Widerspricht der Gefangen« der Fesselung oder der Art der an- gelegten Fesseln, so ist, weiin es, angeht, die Entschließung der austraggevenden Stelle einzuholen. Gebrechlich«, schwache, hochbetagte und andere Gefangenen, bei denen ein erfolgreicher Fluchtversuch ausgeschlossen erscheint, werden nur unter ganz besonderen Umständen gefesselt. Die Flucht kann auch durch andere geeignete Mittel, z. B. durch Abnahme der Hosenträger erschwert werde». Diese Bestiinmungeii zeigen deutlich, daß das gegen den Redakteur Schulze von der„Sächsischen Arbeiter-Ztg." angewendete Verfahren, von dem wir vor einigen Wochen Mittheilung machten, nicht unbedingt erforderlich war. Man hatte Schulze, obwohl die oben angegebenen Bedingungen ans ihn nicht anwendbar erscheinen, nicht nur mit einer Handsessel, sondern auch mit einer Fessel um den Leib herum gefesselt. Aber abgesehen von der Anwendung in diesem Einzelfalle müssen diese Bestimmungen überhaupt als viel zu rigoros und der willkürlichen Behandlung Thür und Thor öffnend— was soll bedeuten:„zu einem Fluchtversuch geneigt"? und was ist„längere Gesängnißstrafe"— angesehen werden. Ins- besondere ist durchaus dagegen zu protestire», daß Personen, welche wegen politischer oder Prcßvergeben angeklagt, verhaftet oder ver- urlheilt sind, solchen harten Bestimmungiii in gleicher Weise unter- ivorfen werden wie alle übrigen Strafgefangeneii. Die Keuntnißnahme der in Sachsen beslehendcn Strafvollzug?- Vorschriften bestärkt das Verlangen nach einer reichsgesetz- l i ch e n Regelung d e s S t r a f v o l l z n g e s im Sinne einer modernen Kriminalistik.— r—Als Krüppel entlassen. Der Reservist Franz Dor- nieden ans Rengelrode bei Heiligenstadt ist jetzt als der letzte der bei Gerolstein verunglückten Mannschaften aus dem Garnisonlazareth in Trier ci.'tlasseii worden. Dem Bedaucrnswerlhen ist der rechts Fuß abgenommen und durch einen knustlichen ersetzt worden. Die dem Verunglückten zustehenden Entschädigungsansprüche sind eudgiltig noch nicht sestgestellt worden.— — Gegenüber der Erklärung des gemäß- regelten Ortsvorstehers Schultze behauptet der Belzigcr Landrath v. S t ü l p n a g e l in einer Zuschrift an die„Kreuz-Ztg.", es sei eine Unwahrheit in jener Erklärung enthalten gewesen, denn terr Schultze habe schriftlich und mündlich erklärt, er werde, falls m das Kündigungsrecht zustehe, der Frau Palm die Wohnung kündigen. Auch Berufung gegen das Erkenntniß des KreisausschnsseS sei nicht eingelegt worden.— Köln, 8. Oktober. In der gestrigen Stadtverordnelen- Sitzung wurde Oberbürgermeister Becker, dessen Amtsperiode mit dem 31. Mai 1893 ablänst, aus weitere 12 Jahre als Oberbürgermeister von Köln einstimmig wiedergewählt. Herr Becker war, wie man sich erinnern wird, vor einiger Zeit eines Falscheides bezichtigt worden, welche Angelegenheit viel Staub aufwirbelte und durch einen Vergleich zwischen Herrn Becker und dem Herrn, welcher ihn be- schuldigt hatte, ans der Welt geschafft wurde.— Das hiesige Landgericht hat ans grund der eingelegten Be« schwerde die öffentliche Klage gegen den Schutz- mann Kiefer angeordnet, der vor einigen Monaten ein un- bescholtenes Mädchen auf offener Straße verhaftete.— München, 7. Oktober.(Eig. Bei.) Bayerischer Landtag. Die Debatte über die Interpellation der Zenlrnmspartei betr. die großen Manöver wird fortgesetzt. V o l l»i a r rügt besonders das Eingreifen des Neichsbilndesfeldherrn, dessen plötzlicheit Entschlüsscii sich niemand zu widersetzen getraue. Die große Kavallerie-Attacke sei ein großer Fehler gewesen, die im Kriege gar nicht ausgeführt werden könnte. Die Söhne des Landes seien nicht dazu da,»m für derartige Liebhabereien und Schaustücke Dienste zu leisten. DaS Land fordere, daß jede Zumuthung und jede Ausdehnung der Macht von Berlin a»S entschieden zurückgewiesen werde. Einer solchen Macht, gegenüber, die den Bruderkrieg von 1866, an den die Manöver in so zarler Meise eriiinerlen, schon jahrelang vorher vorbereitet hatte, um die kleinen Staate» zu unterwerfen, mtffse man auf der Hut sein. Vielleicht werde es bald dahin komme», daß die relative Selbstäudia- keit der Bnudesstaaten noch das einzige Hinderniß einer Katastrophe im Reiche ist. Im Reichstag wäre die Möglichkeit gegeben, Anträge zu stellen, um den Militarismus einzudämmen und keine Partei wäre so dazu in der Lage, wie die der Interpellanten. Das Zentrum solle ein- mal hart werden,— die Gelder für solche große Manöver streichen und den Mililäretat verweigern. Dem Volke wäre es so recht, aber freilich da verschütte man's bei anderen Leuten. Möge es bald dahin kommen, daß das deutsche Volk hart wird! Der K r i e g s m i n i st e r bedauerte in feiner Polemik gegen Volmar, daß die Person des deutschen Kaisers in die Debatte ge- zogen wurde, wogegen Präsident v. Walter konstatirte, daß dies nicht geschehen sei, da er sonst die Glocke gerührt und eS verhindert hätte. Die sozialdemokratischen Abgeordneten brachten im Landtag einen Antrag ein auf direkte A b g e ordneten wähl und Be- rechnniig der ans die Wahlkreise treffenden Bevölkerungsziffern jeiveils nach der letzten Volkszählung.— England. London, 6. Oktober.(Bericht deS„W. T. B") N»Z Melbourne wird gemeldet, daß ein neues Gewehr, welche? Mr. Ashton, ei» Einwohner von Viktoria, konstruirt hat, Aufsehen erregende, erfolgreiche Versuche bestanden hat. Dieselben haben in Williamslown unter der Kontrolle der Regierung statlgefunden. DaS neue Gewehr wurde einem Vergleichsschießen mit Martini« Henry und Lee» Metford- Gewehren unterzogen und soll diese weit »bertroffeii habe», namentlich was Feuergeschwindigkeit und Treffer- Prozente anbelangt.— Türkei. Koustaiitinopel, 8. Oktober. In einer im vorgestrigen Minister- rathe beschlossenen Note der Pforte wird uuter Hinweis auf die Lage der krelensischcn Mohamedaner die baldigste Regelung der Kretafrage verlangt.— Ein eben erlassenes Jrade verfügt die Entsendung einer Kommission nach Kleinafien, welche für den Wiederaufbau der zerstörten armenischen Kirchen und Schulen z» sorgen hat. Als Mitglieder der Koinmisston fungiren vier Türken, ein gregorianischer Armenier, ein katholischer Armenier und ein Gnech«. Das Patriarchat zeigt sich durch den Erlaß dieses Jrades wenig befriedigt. In einem gestern abgehaltenen außer- ordentlichen Patriarchatsrathe wurde beschlossen, daranfachinzuwirken, daß der Koinmisston auch, wie bereits früher zugesagt, die Aufgabe der Linderung der allgemeiiien Nothlage erlheilt iverde. Ferner wurde beschlossen, die wiederholte Bitte nm Erlanbniß zur Eröffnung einer Subskription sür die nothleidenden Armenier im In- und Auslände zu erneuern.— Bewehr. in Punkt 4a ist die be- NsvkeikÄg Vev PoziÄlvrmoKrotischrn N�ekei Dontfchlattds. Forlsetziing aus der I. Beilage. Einger: Ich frage den Parteitag, ob er mit meinem Vor- schlage einverstanden ist, daß i» dieser Debatte jeder Redner nur einmal das Wort ergreifen darf.(Allseitige Zustimmung.) Ich konstatire das Einverstäudniß»ud schlage zweitens vor, daß wir die Debatte heute zu Ende fuhren. Wir würden dann ein« Stunde länger tagen, die Diskussion um K tlhr schließen, die beide» Referenten bitten, kurz zu sein und dann abstimmen. Zwei nament- liche Abstimmungen sind beantragt. I n g e r> Solingen: 60 Redner sind eingeschrieben. Mindestens die Hälfte davon käuen bloS wieder.(Heiterkeit und Unruhe.) Ich wünsche, daß wir heute Abend fertig werden. Bebel(zur Geschäftsordnung): Wir werde» gewiß alle mög> lichst bestrebt sein, die Debatte heule zu Ende zu führen. Aber wir dürfen uns im gegenwärtigen Stadium nicht auf eine bestimmte Stunde festlegen. Das können wir ja auch später in jedem Momente ihn».(Zustimmung.) Singe r läßt über feinen Vorschlag abstimmen, der in der Minorität bleibt und konstatirt, daß die Mehrheit nicht gewillt ist, die Debatte heute zu Ende zu führen. Im weiteren theill er dem Parteitag folgendes mit: Der Vorstand der czecho-flavischen Sozialdemokratie richtet an den Parteitag ein Schreiben, worin er sagt, daß er den Verhandlungen des Kongresses mit großen, Interesse folgt und hofft, daß sie der internationalen Sozialdemokratie von großem Nutze» sein werden. Dan» aber legt er gegen den Ausspruch Pfannkuch's: Es kann keine polnischen Genosse» innerhalb der deutschen Sozialdemokratie geben, entschiede» Protest ei». Singer: Ich hoffe, daß der Vorstand der czecho-slavischen Sozialdemokratie ans unsere» weiteren Verhandlungen bereits er- sehen baben wird, daß i» dieser Frage volle Klärung bereits erfolgt ist. Der beste Beweis für das Einverstäudniß aller liegt in der Zurückziehung des Antrages Berfus(Zustimmung). Geck- Offenburg: Durch eine unrichtige Wiedergabe meiner Slusführunge» über die Abgrenzung des Agitationsgebietes der badischen Parteipresse wnrde Genosse Drees dach aus Mannheim mit recht veranlaßt, i» Form einer Zuschrift zum Protokoll des Parteitages eine Richtigstellung zu gebe». Er rennt aber offene Thüren ein; ich habe nichts Gegentheiliges behauptet. Ich berufe mich dafür auf das offizielle Protokoll und verweise ans das Zeugniß des anwesenden Vertreters von Mannheim, Kramer, daß meine AnSführungen am Dienstag zu einer Rektifikation keinen Anlaß geben. Es ergeht die Einladung, heule oder morgen Mittag gemeinsam die Gräber von Geib und Uork zu besuchen. Schluß 1 Uhr. N a ch m i t t a g s- S i tz u n g. S>/« Uhr. Den Vorsitz führt Singer. Zur Resolution Bebel sind im Laufe der Debatte folgende An- '.rage eingelaufen: in Ziffer I stall der Schlußworte: „wo die Verhältnisse eine solche den Parteigenoffe» ermög- lichen" zu setzen: „wo die Verhältnisse eine solche den Parteigenossen rath- f a m erscheinen lasse n." Ziffer 2 ist in gleicher Weise zu ändern. Wilh. Hinter den Worten„Wahlen zum Landtag" einzuschalten: „und den Gemeinden." Ferner als Punkt b ist eiiiziifngen: „für die Beseitigung der Gesinde-Ordnung und aller Koalilionssreiheit der Arbeiter und Slaalsaiigestelllen schräiikeudeu Maßnahmen einzutreten." Der jetzige Punlt b wird dadurch Punkt c. m. Jobs. Heine. Beantrage, bei Punkt 2 der Bebel'schen Resolution hinter dem Worte Verhältnisse zu setzen: „Kompromisse mit anderen Parteien dürfen nicht ab- geschlossen werden." Alles nndcre noch Folgende zu streichen. ..... Mittag. Unterzeichneter stellt folgenden Antrag zur Resolution des Genossen Bebel: Wenn nicht der Beschluß gefaßt wird, daß der Kölner Beschluß bestehen bleibt, folgende Abänderiing der Resolution hinter dem Schlüsse unter Nr. 2„nach Maßgabe der lokalen Verhältnisse" ansdrücklich betont wird,„ohne jedes Kompromiß und Bnndniß mit gegnerischen Parteien." _ Ad. Baker- Streich. Die Diskussion wird wieder eröffnet. v. Elm: Auer hat uns erklärt, daß er an die Möglichkeit des Staatsstreichs glaube, und hält deshalb die Betheilignug an den �andtagswahlcn für»othwendig. NU» durch eine starke oppositionelle Mehrheit die Möglichkeit des Staatsstreichs zu verhindern. Ja, wen» diese Möglichkeit nur vorhanden wäre! Wir iverde» vielleicht ein Dntzend Freisinnige mehr in den Landtag hineinbringen können; ivas bedeutet das gegenüber den 90 Nalionnlliberalen, die immer unsichere Kantonisten sind. Von den Nationalliberalen geht ja daS Dränge» auf eine Beseitigung des allgemeine» gleichen Wahlrechts Im Reichstag hauptsächlich ans. Weshalb haben sie denn gegen die lex lllecke im Landlag gestiinmt?— doch mir deshalb, iveil sie sie noch nicht für eine ausreichende Handhabe für den Kampf mit dem Umsturz hielten. KoniMt die Regierung ihren Wünschen entgegen, dann werde» sie über de» Stock springen, wie so oft schon. N n s e r H a n p t k a in p f muß auf iv i r t h s ch a f t l i ch e m Gebiete liegen. Wir müssen die Gewerkschaften st ä r k c ii, mnsscu eine Organisation schaffen, so g e- w a l t i g wie in England. Freilich sagt man, für die gewerkschasiliche Bewegung ist eben ein freies Koaliiionsrecht nolh- wendig. Aber wenn die Arbeiter nur das Koalitionsrecht, das sie gcgeuivärtig haben, beiiützen. dann werden sie sehr bald volle Koalitionsfreiheit besitzen. Nicht im Landtage wird d e r Konflikt zu Ende gekämpft werden, sondern im deutschen Reichstage.(Sehr richtig.) Auer hat sich ja in der kurzen Zeil recht gut entwickelt! Ich bin nicht so eniwickeluiigSsähig. Ich sage: kein« eigenen W a h l m ä n n e r, keine eigenen Kandidaten, sondern nur«in(Eintreten für bestimmte Mindestforberniigen, aber nicht solche Mindestforderungen, die auf die erbärmliche Haltung der Freisiiiiiigen zugeschnitten sind, wie in der Bebel'schen Resolution. Ich fordere daS allgemeine gleiche Wahlrecht auch für die Gemeinde- wählen und das Koalilionsrecht auch für die ländlichen Arbeiler. Wie sind die Freisinnigen in der Frage der Gesinde-Ordnung nm» gefallen! Ich bin also für die Betheilignug an den Landtagswahlen einzig und allein ans Gründen der Agilatio», der Aufrüttelung der Boltsmassen. Das würde auch eine gute Vorbereitniig für die Reichstagswahlen fein. Für eine Politik der voll. ständigen H o f s Ii n n g s l o s i g k e i t aber wollen wir das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen.(Beifall.) M e tz N« r- Berlin: Wie weit die Ansichten auseinandergehen, hat die heutige Debatte gezeigt. Die H off n u n ge n auf den Erfolg theile ich nicht. Sollen wir den Kölner Beschluß nun aufheben? Er bindet den Genossen die Hände zu einer kräfligen Agitation. Aus seiner Aufhebung folgt aber noch nicht, daß wir in die preußischen Landtagswahlen eintreten. DaS müssen die eiuzeliien Kreise entscheiden. Ein dementsprechenver Beschluß sollte von diesem Parteitag gefaßt werden. In vielen Wahlkreisen ist man sich klar. daß ein Erfolg bei der Belheiliguiig nicht zu erzielen ist. Redner b e z w e i f«O, daß die F r« is i n n i g e» die V e r s p r e ch n n g e n halten werde», die wir ihnen abfordern sollen. Deshalb nur Aushebung des Kölner Beschlusses und Ueberlassung der Entscheidung, ob man sich an der Laudlagswahl betheilige» soll, den einzelnen Wahlkreisen. widerlegen, was gegen mich gesagt wird. Dem Genossen v. Elm möchte ich sagen, daß es vollkommen unmöglich ist, daß die preu ßischen Laiidlagswahlen vor den Reichstagswahlen stallstnden werden.(Sehr richtig!) Sodann empfehle ich Ihnen dringend den von Singer aufgestellte» Grundsatz zur Beachtung, dem einzigen, über den ich in dieser Frage mit ihm einer Meinung bi». diese Frage als eine Frage der deutschen Sozialdemokratie zu betrachten und den Parteitag endgiltig entscheiden zu lassen Erlauben Sie mir einige Worte zu meiner Resolution. Partei genossen, es geht nicht, daß wir den Kölner Beschluß einfach ans- heben. Wenn wir die traurigen Erscheinungen vermeiden wolle», die sich in Sachsen leider gezeigt haben, dann müssen wir d e n G e n o s s e n«ine f e st« R i ch t s ch n u r geben, wie die lllesolutio» es vorschlägt. Insbesondere ist es nicht damit abgethan, daß mau sagt, wo es wünschenswerth ist, in den Mabikampf ein- zutreten, möge man es thnii. Es handelt sich ja zunächst nur um einen Versuch, mißlingt er. so sind wir jederzeit in der Lage, wieder zurückzutreten. Aber jetzt einen Versuch zu machen, das halte ich unter den gegebenen Verhältnissen für absolut nolhwendig, insbesondere bilte ich auch diejenigen, welche glauben, daß sie Ziffer b meiner lliesoliilion ablehnen muffen, das übrige aber nicht, auch diesen Punkt aiiziiiiehinen, um die Kräfte znsaminenzuhalten. Wenn Sie das Kameel der Resolution nicht verschmähen, dann sollen Sie auch das kleine Mncklein verschlucken, das im Punkt d der Resolution enthalten ist. Liebknecht hat sich eine große Zahl starker Widersprüche zu schulden kommen lasse», es wird Sache Auer's sein, in seinem Schlußwort daS genügend ausziidecken, ich will nur ans einen Punkt hinweisen. Er sagt, es sei nicht wahr, daß sich die Verhällniffe in den letzten 5 Jahren so geändert haben. Ja, da muß ich doch daran hinweisen, daß Liebknecht in dieser Beziehung genau das Gegentheil von dem sagt, was der„Vorwärts" seit Jahren sagt. Der„Vorwärts" druckt die Sliiiimen der bürgerlichen Presse ab, die beweisen, daß in weiten Kreisen des Bnrgerthnms ein Umschwung in beziig auf die äußeren Verhältnisse eingetreten ist. Und wie wollte man es dann erklären, daß nicht nur ich. sondern eine ganze 3! e i h e von Genossen, die ans dem Kölner Parteitag meiner Ansicht waren, jetzt gleich mir anderer Meinung g e worden sind? Das ist doch kein Zufall, da müssen doch tiefere Gründe vorhanden sein, und sie sind in der That vorhanden für jeden, der objektiv die Verhältnisse betrachtet. Ist es nicht wahr, daß wir seit Jahren eine llieihe von Ereignissen gesehen haben. die daS Kopf schütteln aller denkenden Leute nicht nur im Inland«, sondern in allen Kiiltiiistaaten erregt habe»? Ist eS nicht wahr, daß es heute kein Land giebt. dessen innere politische Zustände so sehr der Gegenstand der allgemeinen Ansmerksamkeit und der Kritik geworden sind, wie Deutschland?(Sehr richtig!) Es ist wirklich kein Grund vorbanden, daraus stolz zu sein. Ich erinnere nur an die eigenlbünilichen Manövervorgänge bei der Umsturzvorlage, bei der Vereins- und Bersaminlnngsvorlage, ich erinnere vor allem an das freche, schamlose und empörende Auftrete» der Junker, die heute schon genug in Händen habe», aber noch immer mehr ei beuten und in noch immer höherem Maße auf Kosten des allgemeinen Bolkswohls sich Genüsse ver- schaffen ivolle».(Lebhafte Ziifliinmung.) Ich erinnere an die widerspruchsvolle Art. wie regiert wird. Niemand hat mehr vom Zickzackkurs gesprochen wie grade Freund Liebknecht, und dieser Kurs, der in den letzten Jahre» immer widerspruchsvoller gewoide» ist, hat ja gerade die Sliiniiiung erzeugt, die unS veranlaßt, in diesem Kampf znr Vernichtung des Jnnkerlhuuis in Preußen auch unser Thcil beizutragen. Es ist nicht die Lust, ein Mandat zu haben, oder elende Kompromißpolilik zu lreiben, es ist einfach die Lust am Kampfe, die K a m p f e s f r e u d i g k e i t. die uns dazu n ö t h i g t, es zum mindeste» einmal zu versuche».(Sehr richtig!> Dielen Versuch können ivir unter alle» Umständen ein mal riskire». Man hat taranf hingewiesen, daß ich mich in einen starken Widerspruch gesetzl habe zu meinen Aeußernngen in Köln. Ja, Genoffe», glaubt Ihr denn, dessen erinnere ich mich nicht mehr? Glaubt Ihr denn, ich selbst häite nicht, bevor ich meinen Arlikel in der„Neuen Zeit" schrieb, erst selbst noch einmal meine Kölner 3!ede durchgelesen? Das habe ich geiha», und weil ich das gethan habe und anderer Meinung geworden bin, habe ich mich in erster Linie für moralisch verpflichtet gehalten, dieser Wandlung der Ge siniiilng vor der ganzen Partei AuSdnick zu gebcn und das durch die Einbringung der Resolnlion zu doktimenliren Drei Jahrzehnte ist es die Taklik der Partei gewesen. Es war ganz seibstvei stündlich, daß wenn es galt, dieser in der Partei stark eingewurzelten Mcinniig Ansdnick zu geben, man dem auch einmal starke Ausdrücke gab,'Ausdrücke, die wie» an sich nachher lagt«, besser unterblieben wären. Aber sie sind ganz logischer Folge damals gemacht worden. Nachdem iinninchr Ereignisse»nd Ui» stände eingetreten sind, die einen Gesinnungswandel, eine veränderte Ansiassnng der Verhältnisse herbeigeführt haben — nicht 24 mal am Tage, wie Freund Liebknecht seine Taktik nnler Umsländc» zu ändern für seine Pstichl erklärte, aber im Laufe der Jahre einmal— da habe» wir imS verpflichtet gesuhlt, so zu Handel», ivie ivir gehandelt haben. Nun ist uns ja wieder der Kompromiß ins Angesicht ge- schleudert worden. Parlcigenosse». was ist denn ein Kompromiß? Ein Kompromiß ist eS nicht, wenn wir, ivie es hier geschehe» soll, oder wie es bei den Slichmnblcn zum Reichstag gescbieht, wo wir einen Mann mit unseren Gesinnungen»nd unseren Punzipicn nicht zur Mahl bringen könne», einen anderen wähle»; sondern ei» Kompromiß wäre dann da einzig und allein, ivemi dabei polilische Anschannngcn »nd Grundsätze preisgegeben werde»(Lebhafte Ziisliminnng) Wer muihet da? aber unseren Parleigeiioffcn zu? Wer glaubt denn, daß unsere Gegner uns das zniiliitbeii köiinlen? Nein, wir sagen: wir sind bereit, allüberall, wo iniserc Hilse Euch in dem Kamps« gegen die Reakiio» und das Jniikerthnm dienlich sein kann. Euch unsere K'äfie znr Verfügung zu stellen, weil wir leider nicht in der Lage sind, nnscre eigenen Kräfie, die wir weit besser, weil länglicher, weit znverlä'siger gebrauchen kömilen, selbst zn gebrauchen. Und wenn ivir auch diese große Hilfe geben— und es ist eine große Hilse, eine weit größere Hilfe, als die meisten heute sich einbilden— wenn wir mit der an uns gewobnleii Energie nnd Opferivilligkeit in den Wahl- kämpf eintreten, köniien wir auch nmgekehrt von Euch vec langen, daß Ihr iinbescbadet Eurer Grundsätze auch einem Mann ans unserer Milte Eine Stiniine gebt. Es ist ganz selbstverständlich, wenn«in solcher Vertrag offen vor der ganzen Welt abgeschlossen wird; und ich möchl« den Mann scheu, der das Prinzipien- verralh>» nennen wagte.(Lebhasler Beifall.) tlnd ich erinnere daran: es giebt ja innerhalb der gegnerischen Presse Etimmen. in der„Bceslauer Morgcn-Zeitniig", in der„Nation", die sagen: Das Verhalten der Sozialdemokraten ist ein durchaus elireniverlhes; und es wäre ein Unreetrt nnd eines liberalen Mannes unwürdig, wenn wir ihreZ Unterstützung obne jede Gegeiilcistnng aiinehmen wollten. Ich Halle es i» diesem Fall durchaus für keine Schande, nnd ich biite Sie dringend, lassen Sie sich durch alle der- artigen Einwände nicht irre mache». Wie wir 36 Jabre zu der Fahne der Sozialdemokratie gehalten haben, werden wir bis an unser Lebensende zu ihr hallen.(Stürmischer Beifall und Händellätschen.) E iv a l d-Verl in. der als nächster Redner ans der Rednerliste steht, ist nicht anwesend. H o f f m a n ii(zur Geschäflsordnnug): Ewald hat sich Mittags auf einige Siunden hingelegt. Er hat mit mir verabredet, daß, sollte er während seiner Abwesenheit herankommen, ich mit ihm tauschen sollte. Echoenlank Und Bebel haben auch mit anderen ge- tauscht. Vorsitzender Singer: Die letztere Tbailach« ist allerdings richtig. Aber es lag da ein« gleichzeilige Meldung bei'« Redner vor. Ich bezweifle ja nicht, daß Genosse Ewald seine Znstiminung gegeben hat. Aber mit iHiicksicht ans die den Parteien scbuidige Un> Parteilichkeit kann ich eine einseitige Meldung nicht entgegen nehme». (Zustimmung.) S ch r ö e r- Spandau: Sowohl der Referent, wie alle Anhänger der Belheiliguiig, die hier gesprochen, haben erklärt, daß von einem Bebel: Zehn Minuten sind eine kurze Zeit, das viele zu! Kompromiß nicht die Rede sein kann! Ist denn niG von unseren Grundanschaunngen bei der Resolution Bebel nichts geopfert? Von de» 15 Forderungen des zweilen Theils unseres Programms soll nur eine dem Kandidaten der bürgerlichen Parteien, für den wir stimmen, vorgelegt werden. Wo bleiben die vierzehn anderen? Sie sind fortgelassen, weil kein bürgerlicher Kandidat dafür zn haben wäre. Glauben Sie, daß diese praktische, diese staalsmäiinische Politik, wie sie sich auch in Schippel'S Rede ausgesprochen, die tansende von Hafenarbeitern z» begeistern vermag, deren Begeisterung wir gestern bei der Hafensahrt gesehen haben. Die Freisinnigen ein Bollwerk gegen die Reaktion? Nein, in dem Maße, alz die Entivickluug sorlschreitet, opfern sie ein FreiheitSrecht nach dein andern, um Schutz für die Ausbeutung zu erhalten. Und welche Entwicklung vollzieht sich in unserer eigencil Partei? Uiisere Forderungen sind nicht mehr SozialiSimis. Nur wählen, wählen und wieder wählen und Politik treiben, das wird jetzt gepredigt. Die wirth- schaftliche Entwickelung. nicht die großen staatS�. m ä n nische ii Reden haben uns die Massen zu- geführt. Wenn wir aber so fortfahren wollen, wie es jetzt geschieht, dann lasse» wir n u r d i e großen Phrasen von der einzig revoluti o n ären Partei und erklären, wir sind eine politische Partei wie alle anderen, vielleicht ein wenig radikaler, aber mehr nicht.(Sehr gut!) (Privatdepeschen des„Vor wärt s".) Dr. S ch o e n I a n k: Das Referat Aner's zeichnete sich viel weniger durch die Neuheit der Argumente aus, als durch die Art, wie er seine Argninenle begründete, wie er die Dinge bclenchlete. Ich muß sagen: vom ästhelischen Staiidpinikte ans war diese lltede äußerst eisreulich, sie war ein Meisterwerk der Rhetorik. Er hat die ganze Skala der Empfindungen und Gefühle auf nnd ab er- klingen lassen, er hat all« Sailen angeschlagen und wenn?Iner auch nicht der Rallensnnger von Hainelu ist. so ist er mindestens der giallenfäiiger von Hamburg.(Große Heiterkeit.) In seiner ehr- liehen und biederen Art hat imS Auer erzählt, wie er sei»« An- sichlen gründlich geändert hat. Zum Schluß gab er zn. daß der Valer seines Gedanken AronS ist Auer ist allo der Adopiivvater des Kindes von Leo AronS.(Heiierleit.) Aber mit diesem Kinde ist er nicht gerade sehr väterlich umgegangen; er hat gehandelt wie der Erzvater Abraham, der den Jsmaek und die Hagar in die Wüste getrieben, die Sarah aber behalie» hat. Er unterhielt uns über Vorgänge im Reich, über Kometen-Kurs, Zickzack-Kurs nnd dann wollte er aiif einmal den Eindruck bei uns erwecken, alS wenn wir dagegen Wandel schaffen könnien durch einen Einfluß auf die Landiagswahlen, stall durch Schaffung eines Reichiparlaments. das Zickzack- nnd Kometen Kurs zn verhindern im stand« ist. Gewiß ist es ganz schön, sich zu betheiligen, wenn man Erfolge haben kann. Aber Auer selbst glaubt za an solche nicht, er hat selbst erklärt im„Vorwärts" und in der Auseliiaudersetzniig, die in den„Eozialislischen Monatshesten" statt- gefnnden hat, als Parle! kömilen wir nicht einen einzigen Depntirien herauskriege»; denn was sür das sächsische Wahlrecht gilt, gilt für das weit plntokralische preußische noch mehr, für das Siistem der öffentlichen Wahlen, das sür Hnnderttanseiide ein ehrliches Bc- kennlniß unmöglich macht, das zchiitaüseiide von Beamten an der Wahl verhindert, viele taufende von Arbeitern in den großen Berg- werken n. s. m.. die schon bei den Reichstags- Wahlen von den Arbeilgebern in der brntalsten Meise terrorisirt werden. Wir scheiden also aus, wir sollen aber Vorspann leiste» sür die bürgerlichen Parteien, und Genoffen, was für Parteien! Genossen, ach, Auer sagt, für demokratische Männer. Doch wo sind solche? DieZeiti st vorüber, woeseinen radikalen d e i» o k c a t r s ch e n Liberalismus gab. Johann Jacoby, sagt Auer, nnd Guido Weiß! Heute beißen sie Pachnickc. Rickert, Richler nnd Barth.(Sehr richtig!) Und was ist der Liberalismus von heule? Er ist die konzentrirte Säure des Kapilalikmns, nnd da verlangt man von lins, daß wir sür diese Leute eintreten— nicht in den Slichivahlen, wie für den Reichstag, nein, gleich von vornherein, sür diese Leute, die ihre sozial- p o l i t i s ch e U n f ä h i g k e i l b e w i e s e n. h a b e>i. die G- g n e r jeder Sozialpolitik sind. Und dann behaupte ich. die G e- Nossen sind über das D r e i k l a s s e n- W a h l s h st e in nicht insormirt. sonst wäre die Stimmung gegen die V e t h e i l i g n n g eine allgemeine. Der Redner muß abbrechen, da seine Redezeit abgelansen ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hengs dach-Köln zur Geschästsordining: Es ist nur ans- gefallen, daß Schociilank und schon vorher Hoch abbrechen Iiinßle, obgleich noch einige Minuten au den zehn Minuten schlien. Ich habe genau nachgesehen. Vorsitzender Singer: Ich muß das Bnrean— nicht mich peisönlich— dem Redner gegenüber dagegen verwahren, daß es Pfirleiüchkeil wallen läßt. Außerdem muß ich sagen, daß die- jenigen, die mit etwas Aiismerksamkeit den Verhandliingeii folgen, kanni in der Lage sein werden, die Behauptung auszustellen, daß nicht mit gleichem Maße gemeffen wird. Hengsbach: Ich habe dem Bureau nicht Parteilichkeit vor- geworfen; ich konnte das umso weniger, als Schoenlank aus dem Staudpliukte des Vorsitzenden sieht. Robert Schmidt- Berlin: Wir sind gewohnt, ruhig die Aussichten abzuwägen, wenn unser« Partei eine neue polilische Aktion einleitet. Thun wir es auch hier. Die Anhänger der Wahl- belhciligting haben ihre Hoffnuiig, daß wir Mandate erringe» oder der Partei viel nützen werden, sehr heradgedrückt. Sie haben beute deshalb die ideelle Seile der Wahlbetheiligung in den Vordergrund geslclll, dazu gehört du Erweiterung unseres Kampfgebieies, wie es Genossin Zetkin genannt bat. Ich habe bisher das Gebiet unserer Agitation noch nie als zu klein empfnnde». Massenhaft bringt nns jeder Tag neue Mitiel sür die Agitation, da brauche» ivir nicht nach neuen Kampfgebieten zu spähe». Der Klaffenkantpf durchdringt bei nns die ganze Agilatio». Bei einer politischen Aktion ist es n o t h w e n d i g. daß der G l a u b e an ihren Nutzen v o r h a n d e n i st, an die Möglichkeit, ans eigener Kraft Vertreter in de» Landtag zn bringen. Es ist ja möglich, daß eine ferne Znkunit nns diese Möglichkeit gewährt. Augenblicklich ist sie nicht vorhanden. Es hat mich ja sehr sym- pathisch berührt, daß diesmal der größle Skeptiker in der Partei eine»?lppell au den Glanben gerichtet hat.(Heiterkeil.) Es giebt aber Tinge, die man nicht glauben kann. Diese Anssichts- losigkeil raubt der Vetheilignng daS begeisternde Moment. Wenn wirtlich ein Staatsstreich mit Hilfe des Landtages versucht werden soll, dann l ö n ii e n w i r e s n i ch t verhindern. Der Schwerpunkt wird aber dock immer im Reichstage liegen; er ist der einflußreichste Faktor, llteden wir nichl mit solcher Gleichgilligkeit von der Protest« bewegnug. Di« österreichischen Genossen haben ganz bedeutende Er- folge damit errungen und bei der Uiiisturzvorlage bat die Protest- üeivegniig im Lande manchem bürgerlichen Abgeordneten erst den Rücken steifen müsseii; also auch außerhalb des Parlaments bleibt uns ei» weites großes Kampsgebict. Zn den anderen Landlage» gelten andere Wahtsyslrnie, da können ivir ans eigner Kraft Ber- lreter durchbringen. Es war doch sehr bezeichnend, daß ein bayerischer Genosse, die doch in dem Rufe find, rechts zu stehen, sich mit aller Enlschiedenheit gegen jeden Kompromiß mit bürgerlichen Parteien erklärt hat. Wenn wir den geringsten Erfolg erzielen wollen, müssen wir einen Handel mit unseren Gegnern abschließen, die aber»ehmen zwar unser« Stimmen gern, stimme» aber nicht für uns. Wenn die Wahlen vorüber sind nnd nicht ein einziger Sozialdemotral gewählt ist, müssen wir nns sagen, es ist nichts er- reicht! Für eine aussichlslos« Aktion sollte man die Partei nicht begeistern. Das preußische Parlament ist und bleibt eine Stände- kammer der Besitzenden; das Proletariat kommt dort nicht zn Wort. (Sehr richtig!) S ch r a d er- Osnabrück: Es ist bezeichnend, daß die An- Hänger der Wahlbetheiligung in der Frage, wie wir nns betheiligen sollen, so weit auseinander- gehen. Für die Ansicht, von vornherein für die linksstehenden bürgerlichen Oppositionsparteien einzulreteii, scheint sich ja jetzt die Mehrheit der Befürworter der Betheiligung zn begeistern. Es ist in der Dedalte dns Wort gefallen, Mißkauen ist eine demokratische Tugend und kein anderer als Bebel hat gerade in Llöln darauf hin- geiviesc», wie sehr mir berechtigt sind, Mißtrauen gegen die Frei- sinnigen zu hege». In den damalige» Ausführungen hat Bebel die sog. Oppositionsparteien treffend gekennzeichnet. Ich bin heute noch der Meinung, würden Zentriim und Freisinnige die Mchrhekt im Land- tage habe», sie wurden bei einer Abstimmung darüber, ob das all- gemeine gleiche Wahlrecht eingeführt werden solle, sich der Ab- stimmung enlzieheii. um nur ja zu verhüten, daß eine solche Borlage Gesetz wird. Nach den bisherigen Erfahrungen haben wir keine Veranlassung, unS mit den bürgerlichen Parteien ei»zu lassen, wir würden doch nur getäuscht. St n ch auf einen V e r s n ch dürfen w i r uns nicht einlassen, sondern wir müsse» von vorn- h e r e in g eg e n d i e Betheiligung stimmen. K o l b e-Karlsruhe: Wir in Baden haben bei den gegenwärtigen Landtags wählen das, wovor Sie sich fürchten, bereits gelhan; wir sürchteten eigentlich, daß wir hier elend herunter- gerissen würden, denn rv i r haben schon Z? o m p r o in i s s e geschlossen, und ivir habe» auch schon da, rv o keine Aussicht für uns bestand, von vornherein für d i« F r e i s i u» i g e n und d a s Z e n t r u m g c st i m in t. D a L war»otbw endig, denn in Baden ist der Nationalliberalismus ebenso schlimi», wie in Preußen daS Junkcrthum. Brechen wir bei Zeiten die reaktionäre Macht und verhindern wir, daß den Ar- bcilcr» ihre lllcchte noch mehr verkümmert werde». E r st wenn wir die Macht der Junker und der National- liberalen gebrochen haben, haben ivir den Weg geebnet, a u f de in das Proletariat vorwärts m a r s ch i r e n k a» n.(Lebhafter Beifall.) Zur Geschäftsordnung fragt H o f f m a n n- B erlin IV an, wie es kommt, daß der Vorredner mit ein ein Delegirten aus Hannover in der Rednerliste gelauscht habe, ohne daß letzterer dem Bureau davon Millheilung gemacht habe. Singer: Es ist verständiger, solche Fragen privatim an das Viircau zu richten und nicht die Verhandlungen dadurch zu ver- längern. Im übrige» ist mir nichts davon bekannt. Sodann möchte ich»och darauf hinweise», daß uns einige Schivierigkeiten dadurch bereitet werden, daß etwa 12 bis IS Delegirle durch Versammlnngen deute Abend engagirt sind. Die Genofsr» könneir sich, wenn sie ihre Pflicht erfüllen sollen, nicht dazu entschließen, den Kongreß vorher zu verlassen. Ich schlage deshalb vor, heute die Diskussion zuEnde zu führen, aber d i e A b st i m in u n g erst inorgen s r ü h vorzunehinen. Dadurch werden wir allen Theilen gerecht. K a tz e n st e i n: Wir dürfen diesen Punkt auf keiue» Fall über das 5t»i« brechen. Singer: Ich habe mit keinem Worte verlangt, daß die Sache nicht zu Ende berathe» wird. Werde» ivir heute nicht fertig, so wird morgen weiter geredet, das ist doch selbstverständlich. Mit dem Vorschlage Singcr's, die Abstiiiunung auf alle Fälle erst morgen stattfinden zu lasten, erklärt sich der Parteitag einverstanden. S l o m k e- Bielefeld: Die Wahlenthaltung hat zur Folge gehabt, daß die Konservativen Mandate eroberten, die ihnen nicht zukommen. Sobald wir uns betheiligen, fliegen sie hinaus. Und das ist doch auch schon etwas werth. Wir sind des- halb für Betheiligung, aber nicht für eine t h e i l w e i s e. sondern für eine allgemeine, sei es auch nur aus Agitationsgründen. Nur gegen Punkt b der Bebel'schen Resolution bin ich. Ans einen Kuhhandel dürfen wir uns nicht einlassen. Wollen die Freisinnigen für uns stinunen, so mögen sie es thun, aber ohne daß wir einen Handel mit ihnen ab schließe». Wir sind für die Wahlbetheiligung, um den erzreaktionären Muckern den Boden abzu graben. Lange- Leipzig: Genosse Stolle hat unS Leipziger so hin gestellt, daß kein Hund in der Welt mehr ein Stück Brot von uns nehmen würde.(Oho!) Noch in keinem Parlament der Welt sind unsere Vertreter so behandelt worden, wie im sächsischen, zu keiner Kommisston wurden wir zugezogen; selbst Bebel hat in einer Volks Versammlung gerathen, wir sollten die Mandate niederlegen, denn die Politik der sächsischen Regierung sei eine solche, daß sie dem Hund den Schwanz stückweise abschneidet. Die Antwort werden wir der Regierung bei der nächsten Reichstagswahl geben. WaS ist denn feit Köln geschehe»? Die Vereins- gesetz- Vorlage giebt doch keine Veranlassung zir einer Aenderung der Taktik, denn die Nationalliberalen haben doch selbst er- klärt, für ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokrale» würden sie stimmen/ Erfolge können wir ja doch nicht erreichen. Das lehren die letzten Wahlen in Sachsen. Andererseits aber sind zahlreiche Maßregelung«» sicher; und was sind denn das für Freisinnige, denen wir zu», Siege verhelfen sollen? Von Agitation kann auch keine Rede sein, wohl aber werden unsere Kräfte zersplittert; das ist dasselbe, als wenn man jemandem ein Schwert in die Hand giebt und ihm sagt, er solle mit der Scheide zuhauen. Ich bin für Beibehaltung der Kölner Resolution. Ewald: Darüber, daß wir von den bürgerlichen Parteien nicht? zu erwarten haben und daß auf s i e k e i n V e r l a b i st, sind wir uns w 0 h l a l l e e i ni g. In de» Städten haben die Freisinnige» oder Nationalliberalen die Majorität, auf dem Lande würden sich k a n m Wähler und noch weniger Wahlmänner finden, die für u n s 0 f f e n ihre Stimmen abgeben. Wenn wir uns betheilige», so wird die Regierung ihre zahlreichen Arbeiter zur Wahlurne kommandiren. Die Leute, die zum theil zu uns gehören, würde» dann gegen uns stiminen. Wir würde» also einen Gewissenszwang ausüben. Dazu kommt, daß wir unsere eigenen Anhänger zum Schivanz der Freisinnigen oder des Zentrums degradiren würden. Wenn wir ein revolutionäres Bürgerlhum hätie». so ginge es noch. Hier aber sollen wir dieselbe» Freisinnigen unter- stütze», die sich nicht scheuen, bei Reichstags-Wahlen für Konser- vative zu stimnien. Wir sollte» die Betheilig»» g strikte ablehnen. E s geht ein Zug der Un- zu friede»heit durch die Partei,»nd dieser Zug wird noch vermehrt, wenn wir uns an den Landtags- Wahle» betheiligen und mit bürgerliche» Parteien p a k t i r e n. Frl. Baad e r-Berl!n: Weder Auer noch Bebel glauben, daß wir ans eigener Kraft Kandidale» durchbringen. Wir sind ja nicht gegen die Betheiligung an den Landtagswahlen überhaupt, sondern nur gegen die Betheiligung an den Wahle» in Preußen wegen des schlechten Wahlsystems. Die Wahlbelheilignng hat auch nicht den agitatorischen Werth, den ihr die Genossin Zetkin beilegt. Es ist ja garnicht möglich, die Massen an die Wahlurne z u bringe». Nur eine ganz geringe Zahl von Wählern der dritten Klasse ivird sich an der Wahl betheiligen können. Genossin Zeikin will die Wahle», in» Agitationsmiltel beiintzen; sie weiß aber selbst sehr wohl, daß wir das nngeheure Agitntioiismnierial. das wir heute schon haben, garnicht bewältige» können. Agitiren wir lieber für die Abschaffung dieses Wahl- sysiems! Wir haben keinen Grund, irns an den Wahlen zu be- lheilige» und den Kölner Beschluß anfziiheben. Bebel redet von einem Versuch. Aber wir haben keine Beranlassnng, Lufthiebe z» mache n. Jeder Hieb, den ivir austheilen, muß sitzen. Achte» ivir lieber mehr darauf, wie wichtige Vorlagen im prenßtschen Landtage zur Beralhung komnien! Uns Frauen bleibt ja auch kein Weg, als täglich darauf hinzuweisen� wie man il»s entrechtet,»nd ich meine, das ist auch eine Agitaiion. die die Köpfe revolutionirt. Die Vereinsgesetz-Vorlage ist nicht gefallen, weil sich eine Mehrheit im Abgeordnetenhanse fand, sondern weil das Proletariat dagegen Front machte. Lassen wir den Kölner Beschluß bestehe».(Beifall.) E i tz i n g e r- Näriiberg: Wäre in Köln jemand anfgeireten. der einen Kompromiß das Wort geredet hätte, so würde man ihn so abgekanzelt haben, daß er ein zweites Mal nicht wieder gekommen wäre. Ich halte die Wahl- betheiligung nicht für eine P r i n z> p i e n v e r l c tz n n g, ich keime den agilatorische» Werth der Betheiligung an den Landtags- ivahlen aus eigener Anschauung. Dort habe» wir ein anderes Feld denn dort ist das Bürgerlhum ebenso reaktionär wie in Preußen s dem und wählt ihn, nnd nachher kommt derselbe Freisinnige, ver- das Jmikerlhuin. Auch in Preußen wird es 0 h n e K 0 m- p r 0 m i s s e gehen. Ich bitte Sie deshalb, heben Sie de» Kölner Beschluß aus nnd betheiligen Sie sich an den Wahle» Probire» Sie die Sache, dann kommt auch der Appetit. M 0 l k e n b u h r- Hamburg: In großen Städten, wie Berlin »nd Breslau, wo schon seit Jahrzehnte» außer der freisinnigen keine Partei ernsthast in Frage kommt, richtet man selbstredend bei der Wahlagitation sein Augenmerk nur ans diese, nnd ihr Sündeii regist er ist so groß, daß dem ehrlichen Proletarier ein Ekel ans- steigen kau», wen« er denkt, er soll für sie stimmen. Anders liegt aber die Sache, wen» ivir die Freisinnigen mit den Konservative» und dem Jiinkerlhnm vergleichen. Wenn Liebknecht fragt was denn seit 1KS3 geschehe n ist, so darf i ch wohl darauf hinweisen, daß 1898 der Kurs Caprivi Marschall obenauf war und daß dieser heute dem des I n n k e r t h u m s g e ,v i ch e n ist. Die Junker. die in ihrer Bentcpolilik unendlich weit gehen, bereichern sich nicht allein aus eigener Kraft aus der Tasche des Volkes, auch das Schlotjiinkcrlhuiii bietet ihnen die Hand dazu,>»» gemeinsam mit den Krautjunkern den Raubzug an-zns,'ihren. Auch ans den preußischen Staatskassen werden den Jnnkeni erhebliche Zuwendilnge» gemacht, und wenn wir dieser Ausplünderung des arbeitenden Volke? durch den Staat entgegentrete» wolle», bann müssen wir eine Majorität im Landtage haben, die dagegen Front machen kann. Das hat bisher die freistnnige Partei»och iniiner gethan. Wenn wir für die Wahlbet Heiligung ein- treten, so geben ,v i r uns nicht d e r I l l u s i 0 n h i n daß ivir dadurch viel erreichen und daß die Frei- s i 11>1 i g e n für s 0 z i a l d e n, 0 k r a t i s ch e F 0 r d e r n n g e>1 eintreten. Aber das eine wissen wir, daß sie ihre Interessen verfolgen, die diametral entgegen gefetzt sind denen des Junkerthums, und sie bindern dieses an seiner Beutepolilik. Ich sage: gerade »nscre Agitation, gerade der Umschivnng. der sich in der Ansicht der Parle! über die Landtagsivahlen vollzogen, hat mit dazu bei' getragen, dem Liberalismus bei der lex Recke das Rückgrat z» steifen.(Sehr richtig!) In viele» Kressen sind jetzt die Freisinnigen auf die Hilfe der Nationalliberale» aiigeimese», wen» sie sich gegen die Jniiker behaupten wollen. Wenn wir nns an der Wahl be theilige», machen wir die Freisinnigen liberaler. Die Fragen, die den Landtag berühren, sind tief einschneidender Natur. Sie berühren. wie die Schulsrage, direkt unser Programm. Weshalb sprechen iv i r s 0 iv e» i g von der wichtigen S ch u l f r a g e? Weil nur die Fragen für nns in d e n V 0 r d e r g r u n d treten Ivo ivir in i t w i r k e n können. Neben der Schnlfrage steht die Agrarfrage, die Eisenbahnfrage, sie alle gehen den Landlag an. W i r schaffen nns also in d e r T h a t e in n e n e s A g i t a l i 0 n s selb, wenn wir uns an den Landlagswahlen betheiligen. Wir können den Massen im einzelnen z e i g e n. welch schmähliche Klassen Politik im Landtage getrieben wird. Wir bringen die Massen in Fluß nnd nmiomehr haben wir Aussicht, das Dreiklassen-Wahlsysteni abzuschaffen.(Bravo!) Frau Zieh- Hamburg: Für uns Hamburger ist die Frage als Parleigenossen brennend, obgleich wir selbst am Wahlkamps ja nicht theil, lehinen. Die B e t h e i l i g n n g a n den Landtags- w a h l e n halte ich für n ö t h i g, schon ans dem einzigen Grunde, n in die Reaktion abzuwehren Die Herren im Landtag haben sich nnler sich gefühlt und sich Über unsere Wahlenthalt 11 ng sehr gefreut. Ich akzeptire das Wort Schoenlank's, daß Auer der Raltenfänger von Hamburg ist. Ich hoffe, daß seine Rede dazu führen wird, daß die Betheiligung mit großer Mehrheit angenommen wird.(Beifall.) Die Wahlen werden durch die Klarheit, die sie den Massen Über den Charakter des elendesten aller Wahlsysteme bringen werden, ein gewaltiges Agitationsmittel sein. Gewiß sind die Ilnv stände erschwerend, aber seit wann sind wir Sozial' demokraten Erfolgsanbeler?(Beifall.) Wenn wir die Oppositions' Parteien imterslützen. ihnen unsere ganze Kraft zur Ver. sügung stelle», dann werden sie schon so viel politisches Anstands- gefühl haben, auch für die Wahl eines Sozialdeinokraien zu sorgen Die Hauptsache ist aber, daß wir ein mächtiges Agitationsmittel bekommen und der Reaklioii einen Riegel vorschieben werden.(Leb hafter Beifall und Händeklatschen.) Knappe- Steltin: Ich war schon vor vier Jahren für W a h l b e t h e i l i g» n g. Neber die Art derselben sind die Ansichtcii ja selbstverständlich verschieden. Daß die Gegner der Bo theiligung nicht verschiedener Ansicht sind, ist aber auch ganz erklär- lich, denn z n m N i ch t a r b e i t e n braucht m an nur einer Meinung zu sein. Ob wir den Nebermnth der Junker wirklich durch unsere Betheiligung werden brechen können, wird freilich erst erwiesen werden müssen; aber p r 0 b i r e n g e h t i in in e r ü b e r studiren. Die Vereinsvorlage ist mir deshalb im Abgeordneie» Hause abgelehnt worden, weil der linke Flügel der National liberalen stärker war als der rechte, der gerne dafür stimmen wollte nnd nnr durch den bindenden Fraklions beschluß daran verhindert wurde. Es muß also unsere Aufgabe sein, den linken Flügel in den Parteien zu verstärken. I» Berlin mag ja eine Wahlbelheilignng keinen Erfolg haben; aber anders ist es zum Beispiel in Pommern, zum Beispiel in der Nähe von Steltin; da ist es s e h r leicht möglich, statt zweier Konservativen zwei Freisinnige in den Landtag hineinzubringen. Die Wahlbetheiligung nach der Resolution Bebel soll ein Baustein sein für einen Damm gegen die Reaktion, den wir mit unseren eigenen Bausteinen nicht ausführen können weil wir sie nicht hinanslraiisportiren können. Wir wollen ja keine Berge damit versehen, wir sagen ja auch nicht: essoll proletarische Politik getrieben werden unter der Führung Eugen R i ch r e r's, s ondern wir b e 11 u tz e n diese Leute nur, um einen Schade», der uns droht, zu verhindern. Unterschieben Sie uns doch nicht Motive, die wir nicht haben; achten Sie doch unsere Ueberzeugung, wie wir die Ihre achten. Jedenfalls beschließen Sie die" Belheiligniig. (Beifall.) F a b e r- Frankfurt a. O.: Will man dafür sein, bann muß man wissen, wie eS gemacht werden soll. Mit den Wahlmänner- wähle» allein ist es nicht abgethan. Wir erzielen mit der Wahl zwischen zwei schlechien Parteien nur Korruption. Bei der Reichstagswahl haben wir den Freisinn bis ans ein kleines Häuf- lein vernichlet; und da sollen wir ihn bei der Landtagswahl stärken? Das bischen freies Bürgerlhiim, was noch übrig geblieben ist, bleibt auch nicht beim Freisinn; es kommt zu nns oder geht »ach rechis. Für die Aufhebung des Kölner Beschlusses würde ich eventuell stimmen können, für die Resolution in ihrem ganzen Umfange kann ich nicht stimmen. i n e V e r p f l i ch t u>1 g z u w ä h l c 11, kann ich nicht festsetzen. H 0 f f ni a„ n- Berlin: BiS ans Ulrich hat jeder Redner zu- gegeben, daß wir nns eigener Kraft keinen Kandidaten dnrchbringen können. 3 mal 2 sind ö, nnd davon sind 2 nnr unser. Sie können auch ebenso gut beschließen, einen Abgeordneten in den Mond zu schicken, er wird auch nicht hinanfkommen. Ganz besonders arivundert hat mich die Stellung des Abg. Bebel. Hier von der- selben Tribüne hat er vorher bei seinem Referat über die Reichstags- mahl gesagt: Die Nationalliberalcn warten nur auf ein Ausnahme- gesetz gegen die Sozialdemokratie; nnd jetzt verlangt er von uns. daß ivir diese Leute wählen!(Beifall) Vorher sagte er: Die Sozialdemokratie ist dem Bürgerlhum tief verhaßt, und diesem Bürgerlhum sollen wir jetzt znmiilhen, unsere Interessen zu vertreten! (Beifall) Ich hoffe, daß der Parteitag jeden Kompromiß ab- lehnen wird. Vorher haben Sie mit vollem Recht die Veröffent- lichnng der Liste der Vertraueiisinänner abgelehnt, um sie nicht in die Hände der Behörden zu geben, und nun wollen Sie durch die öffentlicbe Wabl die gesammten Sozialdemokraten in die Hände der Herrschenden geben!(Beifall.) Die Frcistmiigen müßten ja Narren sein, wenn sie nicht dieselben Kandidaten bei den Reichstagswahlen aufstellen wollten, wie bei den Landtagswahlen. Wenn nun solch' ein Freisinniger bei den Landtagswahlen das Blaue vom Himmel spricht wieder das Blaue vom Himmel herunter, und dann sollen ivir sagen: glaubt dem ja nicht, der hält nicht, war er verspricht! (Große Heiterkeit und Beifall.) Ich halle es für einen schweren Fehler von Schoenlank, daß er gegen die Wahlbetheiligung agitire; hätte er im Gegenlheil dafür agilirt, dann würde die Resolution Bebel jetzt einstimmig abgelehnt weiden(Heiterkeil); denn dann könnte nicht Stolle kommen und sagen!„Ja, wenn der Schoenlank nicht gewesen wäre...!" Auer und Bebel aber rufe ich zu: Führet uns nicht in Ver- suchung!(Große Heiterkeit und Beifall, Händeklatschen.) Ein Antrag auf Schluß der Diskussion wird von Patzer- Delmenhorst begründet, von Werner- Berlin bekämpsl und abgelehnt, weil daS Bureau zweifelhaft ist. Geyer- Leipzig: Das Ergeh u iß der sächsischen L a n d t a g s w a h l e n ist von den Gegnern der Belheiligniig hier benutzt worden, nm gegen die Betheiligung zu agitire», ich muß deshalb darauf erwidern: das Wahlrecht in Sachsen ist anders wie das preußische. Das gebe ich zu, aber gegen unsere Betheiligung an den sächsischen Wahlen sind bei uns dieselben Vorwürfe und Einwände geltend gemacht worden. So ist behauptet worden, wir würden inwt genug Wahlmänner finden. Das Gegeuthcil hat sich herausgestellt. Wir hallen geradezu Ueberflnß an Wahl- »1 ä n n'e r n. Es hat sich bestätigt, daß, wenn die Wähler Lffent- lich austreten sollen für die Sozialdemokratie, sie durchaus nicht so zaghast sind, wie ihnen nachgesagt wird.(Sehr richtig!) Dabei laufen doch die Wahlmänner viel mehr Gefahr, als die große Masse der Wähler bei öffentlichem Eintreten sär uns.(Sehr richtig.) Auch der zweite Einwand ist hinsällig, daß es uns nicht möglich sein würde, die Wähler an die Urne zu bringen. Es ist wahr, in einigen Kreisen haben unsere Wahler nicht so gestimmt, wie wir es erwartet haben, in anderen aber war die Betheiligung um so lebhafter. Und wenn wir zu klagen haben, so trägt die Schuld daran die Trennung der Partei durch Leipzig.(Sehrrichiig) Nur ein Drittel der Mandate wird in Sachsen jedes Mal erneuert. Wenn aber das ganze Land wählt, ist die Be- wegung ganz anders. Trotzdem hatte die Wahl bei uns dies« mal größere Bedculung als je zuvor. Da wird behauptet, die Kosten seien zu hoch gewesen, das Geld sei vergeudet worden, die Kosten sär Dresden seien böher gewesen als für die Reichstagswahl. Das ist alles unwahr!(Hört! hört!) Die Kosten— noch ist die Abrechnung gar nicht da— aber waren geringer, als wir er- wartet haben. So wird mit Argumenten verfahren, nm ihnen die Wahlbetheiligung mißliebig zu machen.(Bravo.) Ucber die Frage des Ersolgcs streiien wir nns in Sachsen noch. Für mich steht fest, daß die Partei Erfolge errungen hat, vor allem in agitatorischer Beziehung. Nene Genoffen sind durch die Be- theiligung gewonnen, die Organisation gesestigt worden, überall konnten wir die Hebung de-Jnleresscs an den Landesangclcgcnheiten konstatiren. Wenn wir keine Mandate errungen haben, so ist das weiter nicht venvnnderlich. Die Partei führte zum ersten Male nnler dem imien Wahlgesetz die Schlacht, wir müssen erst lernen, »nsern Kampf in die neuen Verhaliinsse hinüberznleiten. Für mich ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß wir auch in nicht allzu ferner Zeit das eine oder andere Mandat ans eigener Kraft in Sachsen erobern. Wären ivir nicht zu den Wahl e n gegangen, unsere Gegner hätten sich gefreut. Wenn die Sozialdemokratie in der Ecke steht, dann giebt es keinen Kampf. (Sehr richiig!) Wir hallen den moralischen Erfolg. Den preußischen Genossen darf die Entscheidung nicht allein überlassen bleiben. Wir alte sind an der Fraget n teressirt. Die stolze Verachtung der Dreiklassenwahl, die Noblesse der Enthaltsanikeit, führt zur Uuthäligkeit, das schädlichstes n r e i n e K a in p f p a r t e i. Nehmen Sie Bebel's Antrag an! Hüten Sie sich aber, dem Beispiel der Leipziger zu folgen. Wenn Sie wollen, daß die Partei Erfolge hat, dann müssen Sie einig sein!(Lebhaftes Bravo!) B r u h n S- Breslau verzichtet anfS Wort. W i n d h 0 f f- Düsseldorf: Der Zug nach links, den die An« Hänger der Belheiligniig bei den bürgerlichen Parteien entdecken. rührt von der Nähe der ReichstagS-Wahlen her. Unser Ziel war immer, eine große linksstehende und eine große rechtsstehende Partei zu bilden. Das geben wir jetzt auf, wenn wir nns betheiligen. Ein paar Freisinnige mehr können die Reaktion nicht hemmen. Ich ersuche Sie, die St es olu tion Bebel 11 i e d e r z n st i m in e n. Ein Schlnßantrng, den M ä l l e r- Dnrmstadt begründet. Mittag- Halle bekämpft, wird a 11 g e n 0 m m e n. Persönlich bemerkt Schoenlank: Ich muß im Nahmen einer persönlichen Bemerkung ans die unqualifizirbaren Aeußernngen von Stolle erividern.(Zuruf von Bebel.) Aber August. Sie sind doch auch oft genug das Karnickel gewesen.(Große Heiterkeit.) Die Behauptiing von Stolle ist durchaus unrichtig, die sächsischen Genossen, die sich für die Betheiligung entschieden haben, haben mit uns in Chemnitz ein von uns ehrlich gehaltenes Ab- komnien dahin getroffen, daß wir eine Art Urfehde schworen und den Geiiosseu, die für Betheiligung waren, nicht entgegentreten. Wir haben in der Presse peinlichst jede Diskussion vermieden. Wir haben... Singer unterbrechend: Ich muh darauf hinweisen, daß Schoenlank nicht daS Recht hat, das Beihalten der Parteigenossen Leipzigs zu erklären. Schoenlank: Es handelt sich nm meine Person. Ich habe dafür gesorgt, daß keine Diskussion aiigeschnilten wurde, ich habe nirgends agitirt, wie es vielleicht von anderer Seite geschehen sein könnte, ich habe strikte die geschworene Ursed« gehalten, ich habe meinen Einfluß ans die süchstscheu Genossen—(Glocke deS Präsi- deuten). Mein Gott, ich muß doch erwidern.(Heiterkeit.) Eing er: Ich bitte Sie, sich ans persönliche Erividerniigen zu beschränken. Schoenlank: Ich bin doch beschuldigt worden, auf meinen Vorschlag haben die sächsischen Genossen, die sich betheiligt haben— (Glocke des Präsidenten). Also mir war angeboten, hier das Kor- reserat zu übernehmen. Ich habe darauf verzichtet, weil ich glaubte, in der Diskussion vielleicht 2!» Minnlen reden zu können.(Ruf: Das können Sie nachholen!) Net» das will ich nicht. Redner verbreitet sich von nenem über die sächsischen Wahlen, wird aber wiederholt vom Präsidenle» unterbrochen. ch 0 e n l a n k fortfahrend: Ich habe meine Pflicht erfüllt, wie ich es für nölhig hielt, im Anflrage nnd im Einverständiiiß mit meinen Parteigenossen. Wenn Slolle also von Gemeinheiten und Hetzereien gesprochen hat...(Glocke deS Präsidenten.) Singer: Ich denke, wir machen der Szene jetzt ein Ende. Schoenlank: Ich wäre längst fertig, wenn Sie mich nicht immer unterbrechen würden. iuger: Ich frage den Parteitag, ob er wünscht, daß Schoen- lank in dieser Weise weiler redet.(Rufe: Nein, nein!) Ich denke, das dürfte genügen. Schoenlank verläßt unter großer Heiterkeit die Tribüne. Das Schlußwort hat iinnmehr Auer: Ich glaube, daß wir alle unter dem Eindrucke stehen, daß es langer Reden seitens der Schlnßredner nicht mehr bedarf. Zunächst will ich einige I r r l h ü m e r berichtigen. Liebknecht meinte, ich hätte ge- sagt. eS wäre plötzlich eine Erleuchtung über uns gekommen. So habe ich nicht gesagt, sondern: daß unsere negirende Haltung und die Bedentu»�, die der Landtag unter Umständen für uns haben kann, plötzlich eine Beleuchtung erhalten hat durch die lex Siecke und den Versuch, ReichSinaterien jetzt in dem Landing eines Einzelstaates M>M AuStrag zu bringen.(Sehr wahr!) Wir brauchten keine Er- leiichtnng; wir waren früher schon so gescheidt wie jetzt. Oertel hat mich auch mißverstanden; ich habe nicht einen Kompromiß verlangt, Bebel hat ja zur genüge über diese Sache gesprochen; auch Börner ans B e r l i n hat unrecht, wenn er der Redaktion des„Vorwärts" vorwirft, über die Reden der Freunde der Wahlbetheiligiing in den Berfanimlnngen, in denen die Wahl der Delegirten zum brandenbnrgischen Provinziallandtag vorgenonimen wurde, ausführlich, über die der Gegner kurz berichtet zii haben. Bebel hat meines Wissens überhaupt nicht eine einzige unserer ThätigkeU. In Bayern schließen wir keinen Koiiipromiß, s hernuterverspricht, dann sollen wir unseren Genosse» sagen: glaubt' Versammlung abgehalten, ei ist also auch nicht möglich gewesen, daß Reden von ihm bescmdnS bevorzugt worden seien, ich habe in der ganze» Zeit nur eine einzige Versammlung abgehalten, auch über sie ist sehr kurz berichtet worden. Und wenn er mir vorgehalten hat, ich Hütte auch durch Artikel im„Vorwärts" Einfloß zu üben gesucht, so lasse ich mir das Recht,»»eine Meinung mündlich oder schriftlich zu äußern, nicht bestreiten. In» übrigen habe ich nur einen einzigen Artikel für den„Vorivärts" geschrieben, und Bebel hat ineineS Wissens für den„Vorivärts" überhaupt keinen Artikel geschrieben, sondern es ist da nur sein Artikel ans der„Neuen Zeit" abgedruckt worden. Also auch der Borwurf gegen di Redaktion des„V o r>v ä r t s" trifft nicht zu. Singer meint, es habe sich nichts geändert, was uns ver anlassen könnte, die sozialdemokratische Armee der bürgen lichen Opposition zur Verfügung zu stellen; das»vollen»vir nicht. Wir wollen nur dasselbe,»vas»vir 1884 lhaten, als »vir aufforderten, für Virchmv, gegen Slöcker zu stimmen. Mandat lüsternheit wird uns vorgeworfen. Welches ist denn der entscheidende Grund für alle Gegner der Wahlbetheiliguug? Daß»vir doch keine Mandate bckoiume»»vürden. Also dieser Borivurf, wenn er für einen zutrifft— ich bestreite das für beide- so trifft er mehr sür die Gegner zu. Daun ist ein Ein »vand gemacht, der ja immer Eindruck macht, die Genossen verstehen die Taktik nicht, bei den Landtagsivahle» für und bei den Reichstagsivahlen gegen denselben Freisinnigen zu stiniinen. Ja. was niisere Genossen in dieser Beziehung verstehen und»vas man ihnen zunluthe» darf, dafür hat uns doch Liebknecht in seiner Peison ein geradezu glänzendes Beispiel gegeben. (Sehr gut!) Was hat er uns erzählt? Er ist als Gegner der Wahlbetheiligimg nach Sachsen gegangen und hat dort„aus Bos- heil"(Heiterkeit) für die Wahlbetheiligung agitirt! Das erzählt uns der alte erfahrene Taktiker mit der ganzen Offenheit seines Wesens »vohl»vissend, daß die Partei daran keinen Anstoß nehmen»vird Aber wenn man das th»t, und dann als Gegner der Wahl belhciligung im eigene» Blatt von einen» Resultat schreibt, das bnvundernSlverth ist, von einem Triumph der Arbeitcrsache und zu schreibe»,„ehrlos sei,»ver seine Pflicht nicht thut!" Wenn alle diese Widersprüche möglich sind, dann bin ich doch der Meinung daß der Umstand, daß»vir unter geivissc» Verhältnissen unser»» Ge> Nossen sagen: Parteigenosse»», Anhänger unserer Grundsähe,»vir sind unter der gegebenen Sachlage außer stände, ans eigener Kraft eine» Kandidaten durchzubringe»;»vir können aber verhindern, daß Slöcker siegt und können an seiner Stelle Virchoiv zum Abgeordneten »lache»— ich meine, diese Taktit ist doch viel klarer, als die, die ich Ihnen von den sächsischen Wahlen gekennzeichnet habe. Es ist gesagt:»v e l ch e n Eindruck»vird es mache»»,»venu es einmal heißt: dieser Schuft, dieser ehrlose Kerl!- »lud nachher»v ä h I e n»vir ihn— ja, ist es den»» o t h ,v endig, daß»vir im p o l itisch e n K a m p f zu derartige» Mitteln greifen? Wenn solche Praktiken hie und da noch üblich sein sollten, in solcher durchaus nnangemesseneu Weise de» Kampf zu fuhren, und sie auf diese Weise anfhören»vürden, so»väre das ein Erfolg, der immerhin auch etlvas»verlh»väre.(Lebhafter Beifall.) Liebknecht meinte,»veun schon ein Kompromiß, dann lieber mit den Konservative» als den Antisemiten, das dürfte Liebknecht denn doch sehr sch,ver»verde», den» mir sind zwar Anti- somiten bekannt, die nicht Konservative sind, aber es dürfte»venig Konservative gebe», die nicht Antisemiten sind(Heiterkeit)»nd den Ausspruch, daß die Liberale» gefährlicher sind als die Konservative», dürfte er bei näherer Ucberlegnng»vohl auch nicht ausrecht erhalten. (Sehr wahr!) Geiviß kann zu einem solche» Trugschluß kommen, »ver da meint, daß man von heute auf morgen in den Zilkunftsstaat hineinspringe,, kann. Aber»ver wie Liebknecht selbst der Meinung ist, daß die heutige Gesellschaft i» die sozialistische hineinwächst, der »vird auch nicht darüber im Zweifel sei» können, daß»vir nicht anders könne», als die bürgerliche Entivickelung bis zu ihrem Ende auszuleben, und deshalb ist es ganz u n s o z i a I d e in o k r a t i s ch gedacht, eine konservative Politik einer liberalen v o r z» z i e h e».(Lebhafter Beifall.) Von der Korruption»vill ich nicht spreche», das sind nur Schlagworte, die aus die Elite der deulschen Sozialdemokratie, die »vir hier doch repräsentiren. eine Wirkung nicht haben können. Politik von Engen Richter solle»»vir treiben! Nein, aber Taktik ist es. Benutzung auch nnserer Gegner, und wie richtig diese Taktik ist, dafür kann ich»vohl keinen bessere» Beweis anführen, als eine Aeußerung L i e b k n e ch t's ans den letzten Jahren sogar. I» der Vorrede zum Leipziger Hochverralhsprozcß, die im Marz 1894 ge- schrieben ist, kommt er auf die Entivicklinig unserer Partei zu spreche» und die Mittel, durch die unsere Erfolge vorbereitet»vorden sind. Es heißt da: „Solche Bündnisse und Verhältnisse sind in der praktische» Politik nnvermeidlich, und unter verständigen Menschen sind sie auch durchaus ehrlich, man geht zusammen, so lange es nützlich ist,»nd trennt sich, sobald die Bedingungen des Zusammengehens erfüllt oder nicht mehr vorhanden sind, natürlich darf man sich nicht übertölpeln lassen."(Heiterkeit.) ja gewiß, man darf sich nicht übertölpeln lassen. Wenn aber unsere Partei, als sie noch klein»nd»»erfahren war, sich unter der Führung von Bebel»nd Liebknecht sich nicht übertölpeln ließ, weshalb sollen wir jetzt, wo wir„och immer dieselben alten er- probte» Führer»nd außerdem junge Kräfte, die auch schon ibre Erfahruugc» haben, nicht das Vertrauen besitzen, daß wir auch dieSmal das richtige treffen? Der Kölner Beschluß, sagt Liebknecht, hat der Partei ge- nützt, ich muß ihm die Aufgabe zuschieben,»achkcr den Beweis dafür zu erbringen; bei der ersten Rede ist er ihn schuldig geblieben, bei aller Dialektik, über die er verfügt, dürste es ihn, verdammt schwer werden. (Heiterkeit.) Ich warne sie dringend, sich von den Sireuenstimmc», sie möchten diese Sache nicht als Reichs-, nicht als Partei- angelegenheit betrachten, sondern als spezifisch preußische, verlocken zu lassen. Am eindringlichsten kam dieser Rath von einem bayerischen Delegirten. Nu», daß nicht immer schlechtes aus Bayern kommt, dafür bin ich selbst das beste Beispiel(Große Heiterkeit). Wo aber gutes herkommen kann, kann auch schlimmes herkomme»(Heiterkeil) und ich glaube, da haben die Bayer n ihnen ein Ei ins Rest legen wollen, vo» welchem sie vielleicht selbst sich noch nicht klar geworden sind, was da für ein Küken herauskomme» wird. Nein, Parteigenossen, das wollen wir nicht, und ich gebe den Genossen de» dringendste» Rath, sich die Sache noch einmal zu überlegen. Nicht darum handelt es sich, den preußischen Parteigenossen nicht das zu gewähren, was ihnen gebührt, was den Sachse», Bayern u. f. w. zusteht; Wir wollen keine Parteigenossen erster und zweiter Klasse. W i r wollen aber nicht au sei na,, der gehen, wen,» die dringendste Nothivendigkeit dafür nicht vor- Händen ist(Lebhafter Beifall) und hier ist sie nicht vorbanden. Aber trotz alledem möchte ich sie warnen, diese schiefe Bahn zu be- treten. Sie haben es auch nicht»öthig! Denn ob wir hier alle zusammen oder ob die Preußen für sich allein beschließen, oder ob die Preuße» für sich allein abstimmen, die Erledi- aung der Einzelheiten wird doch Sache späterer preußischer Provinzial- Landtage und Wahlkreis- Zusammenkünfte bleiben müsse». Darüber ist kein Zweifel. Und vergesse» Sie nicht, was Preußen in Deutschland ist. Ich möchte Sie an das Wort Bis- marck's erinnern: der preußische Partikularismus ist der gefährlichste und schlimmste. Wenn in andere» kleineren Bundesstaaten sich derartige Souderbestrebnnge» geltend machen, so können wir die Achsel» darüber zucke», solange im übrigen großen Deutschland und vor allen, i» Preußen das Gefühl der gemeinsame» Sache nicht verloren geht. Aber wenn wir e r st in Preußen solche» Sonder- bestrebungen Platz gewähren, dann kommt es dahin, wovor Bebel in Erfurt warnte, dann zerfalle» w i r i n «ine bayerische, württembergische, badische und preußische Sozialdemokratie.(Sehr richtig!) Davor wolle» wir bewahrt bleiben. Weiter hat man es so hingestellt, als ob durch die Theiluahme au den Landtagswahlen die T h ä t i g k e i t für die Reichs- tags wählen beeinträchtigt wird. Dieser Einivand ist absolut falsch. Wo will jemand nachweisen, daß in Sachsen die Reichstags- Wahlkämpf« nicht mit ebenso großer Energie geführt werden, wie in Preußen? Auch hier trifft das Wort zu, daS eine thun »nd das andere nicht lasse». Der Genosse, der davon sprach, daß anf die Genoffen ein Zwang zur Betheiligung ausgeübt werden soll, hat die Verhandlungen nicht mit genügender Aufmerksamkeit verfolgt. Kein Mensch denkt daran. Die Wahlenthaltung kann man verlangen, aber die Betheiligung setzt Verhältniffe voraus, die stärker sind als der einzelne und deshalb kann von Wahlpflicht nicht die Rede sein. In der Resolution steht auch vom Wahlzwang »ichtS, es heißt da ausdrücklich, daß die Wahlbetheiligung da statt- finden soll, wo die Verhältnisse es gestatten. Da, wo für unsere Partei nichts herauskommt, wo wir unseren Zweck nicht erfüllen, >vo die Betheiligung nach jeder Richtung ausichtslos ist, kann sie jederzeit unterbleibe». Ueber die Resolution selbst kein Wort. Wenn ich zu mäkeln anfangen wollte, so ließe sich das eine oder andere daran aussetzen, aber heute, erfolgt ja nur die prinzipielle Entscheidung: Bleiben wir bei dein Kölner Beschluß oder hebe» wir ihn aus? Die einzelnen Vorschriften der Resolution können im Laufe der Zeit Aenderungen erfahren. Es soll nur die allgemeine Richtung bezeichnet werde», in der wir zu gehen haben. Die viel angefochtene Kompromißfrage brauchte vielleicht nicht darin zu stehe», sie steht aber einmal darin, und wenn wir diesen Punkt jetzt ablehnen, so würden wir damit indirekt ans sprechen, daß wir von den Gegnern unter keinen Umständen Gegew leistniigeu erwarte». Heute handelt es sich nur darum, daß die preußische Sozialdemolralie Anweisungen für die Wahl bekonimen soll und deshalb bitte ich Sie, den Kölner Beschluß aufzuheben und die B e b e l' s ch e R e s o l n t i o» schlankweg anzunehmen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Korreferent Liebknecht: Ich stimme mit Auer darin überein daß die Frag« nicht von de» preußischen Genossen allein, sondern vo» de», ganze» Parteitag entschieden werden muß. Wir sind nicht eine bayerische, preußische und sächsische Sozialdemokratie. sonder» die Sozialdemokratie Deutschlauds. Ich habe Auer insm fern niißverslandeu, als ich glaubte, er hätte von einer Erleuchtung gesprochen. Genosse Hoch meinte, ich hätte gesagt, daß wir durch die Betheiligung die Junker zu einen, Staatsstreich provo- zirten. Ich habe aber nur gesagt, daß wenn durch uns eine u» bequeme Majorität in den Landtag käme, das Junkerlhun, in seinen Staatsstreichgelüstcn noch bestärkt würde. Gegen de» Vorwurf, als hätte der„Vorwärts" die Gegner der Wahlbetheiligung in seinen Berichten bevorzugt, verwahre ich mich. Es ist nur cigenthümlich, daß im vorigen Jahre erklärt wurde, der„Vorivärts" müsse zu allen Fragen Stellung nehme», und daß uns jetzt der Vorwurf der Stellungnahme gemacht»vird, obgleich der„Vorwärts" sich gerade in dieser Frage ganz»entral verhalten hat. Auer ist über den Unterschied hinweggegange» zwischen eine», Erfolg aus eine», Bündniß mit andere» Parteien oder aus eigener Kraft. Darüber herrscht i» der ganzen Partei keine Meiirnngs- Verschiedenheit, daß wir da, wo wir aus eigener Kraft siegen können, sei der Erfolg auch»och so klein, in den Kampf eintreten niüffen. Auer hat eine Bemerkung von mir in eine wunderbare Beleuchtung gestellt. In Sachsen hatte unsere Partei 15 Sitze inne, die nicht ohne weiteres aufgegeben werde» konnten. Ii» erste» Moment vertrat ich die Anschauung, es sei das beste, die Mandate niederzulegen. Ich bin aber zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Wähler über die Mandate zu ver- iigen haben, und diese Erwägung hat auch in Sachsen platzgegriffen. Der sächsische Parteilag beschloß mit großcr Mehrheil die Be- lheiligiing, und ich hielt es für selbstverständlich, daß die Minder- heit sich fügte. Dann hätte viel besser der Beweis erbracht iverden können, wie völlig entrechtet wir sind„nd wie unmöglich es ist. auf grnnd jenes Gesetzes unsere Kandidaten durchzubringen. »nd dabei habe ich dann das vielbesprochene Wort gebraucht, daß ich»etenbei aus dem Gefühl einer gewissen Bosheit handelte; denn jemehr agitirt würde, desto mehr mußte der sür mich feststehende Mißerfolg zu tage treten. Wenn ich sagte, ehrlos wer jetzt nicht wählt, wo der Kampf entbrannt ist, so war mir das verteufelt ernst. Ich habe ja ausgeführt, daß es sür uns sich gar nicht darum handelte, Mandate zu eriverbe», sondern daß wir ähnlich wie der Züricher „Sozialdemokrat" 1687 nach den Faschingswahlc» schrieb, um aller Enlinulhignng die Spitze abzubrechen, zwar Mandate verloren haben, aber an Stimmeuzahl gewachsen sind. Dieser Zuwachs wiege weilaiis den Verlust der Mandate auf. Ich deutete gleich- zeitig einen Massenprotest an, aber was ist ans diesem Massenprotest geworden? Wir vaben noch nicht einmal in Tier dritten Klasse die Mehrheit der Mandate bekonimen. Es ist ja eine E i g e» t h li in l i ch k e i t des Dreiklasse»-Wahlsystems, daß infolge des schwerfälligen Apparats die Massen außerordentlich schwer zu begeistern sind. In S a ch s e» ist der Beweis dafür erbracht und in Preußen, wo die Wahl nicht geheim i st, k a» n von einer M a s s c n b e t h c i l i g u» g»och weniger die Rede sein. Die Genossin Zetkin bat hier mit einer Größe gerechnet, die nur in ihrer Phantasie besteht. Auer macht mir einen Vorivnrs daraus, daß ich gesagt habe, eine fortschrittliche Majorität sei viel gefährlicher, wie eine Junkermajorität. Ich begreise nicht, wie Auer in ei» sittliches Palhos gerathc» konnte bei einem Satz, der in anderer Form tausendmal ausgesprochen ist. Die Sozialdemokratie ist groß geivorden durch das Ungeschick ihrer Gegner. Und wäre in Deutschland ein liberales Reginieiit möglich, so würden die Sozial- demokraten nicht dieselben Fortschritte machen können. Daher hatte ich vollständig recht, daß die Junkerinajorität weit wenigcr gefährlich wäre. Nu» sagt Auer, ich hätte i» der Borrede zum Leipziger Hochverralhsprozeß selbst gesagt, man könne mit dem Gegner einen Kompromiß schließen, aber die Parteien, um die es sich damals handelte, waren Embryo- Parteien, die nicht » die Waagschale fielen; und andererseits spielte der ächsische Partikularismns mit, die Sachsen fühlten sich durch die preußische Wirthschaft bedrückt; sollte» wir den» das nicht benutzen, dann müßten wir ja Thoren sein Das wäre ei» Platonismns in der Politik, eine mönchshaftc Ent- 'ngnügstngend, über die unsere Partei doch wahrhaftig hinaus sei» otlte. Das wäre eine Dummheit- und nichts weiter.(Sehr richtig!) Wen» wir hier einen Kompromiß schließe», wie er vorgeschlagen ist, dann geben wir einen Theil unserer Grundsätze auf, inau mag es drehen und wende», wie man will. Wir stellen an die Unter- tützung, die wir gewähren. Bedingungen, die niit unserem Programm nicht voll in Harmonie stehe»,»»d das halte ich nicht sür richtig. Ja, das ist die Demoralisation der Truppe, nicht im moralische» Sinne des Wortes, aber sie wird verwirrt, die Kadres lösen sich und das bleibt bestehen. Wo sind die Vortheile. Man hat uns vorgerechnet — seineii eigenen Vorschlag scheint ja Auer ganz aufgegeben und sich anf Bebel zurückgezogen zu haben— daß sechs, siebe», im günstigsten Falle zehn Fortschrittler mehr gewählt werden. Was macht das ans? Ist das der starke Wall gegen die Reaktion? Bebel will die Entscheidung den einzelnen Wahlkreisen überlassen, ie solle» allein bestimmen. Wer aber wird darüber wache»? Sich, Genossen, in jedem Kreis wird man Aussichten entdecken. Die Genossen sind ja so optimistisch. das sehen wir bei jeder Reichstagswahl und der Vorstand wird überschüttet werden mit Anfrage», er wird gar nicht überblicken könne», was die Genosse» thun. Die Ueberwachung ist einfach nicht durchzuführen. Der Vorstand kann nicht die Kom- promisse verhüten, die der Partei zu». Schade» und zur Unehre gereichen(Sehr richtig!), und wäre auch seine Arbeitskraft zehnmal größer, als sie ist. So kau» ich mich„„ t e r keine» U in st ä n d e n für die Betheiligung der Partei an den Landtags wählen erklären. Auer hat eine Herausforderung an mich gerichtet, er hat den Beweis von mir gefordert, daß der Kölner Beschluß der Partei ge- n tz t. Nun, darauf ist die Antwort leicht. Der Kölner Beschuß ellt den Klassencharakter der Partei„»- weifelhaft fest. Er schließt den Kompromiß » s, er sagt, daß unsere Partei mit den andere» Parteien keine Gemeinschaft habe» kann»nd darf. Darin liegt sein außerordentlicher Werth in taktischer Beziehung, er ist der werthvollste, den die Partei jemals gefaßt hat», (Beifall.) ES fällt mir nicht ein, lange Reden zu halten. Die Dinge liegen klar, die Erfahrungen, die in anderen Einzelstaaten mit der Betheiligung an den LandtagSwahlen gemacht worden sind, beweisen nichts, denn dort find die Eiffolge der Partei ohne Kompromiß erzielt worden. Das Beispiel Sachsens zeigt, daß wir aus eigener Kraft Kandidaten in den Landtag nicht bringen können, daß ein Massenaufgebot anf grund des Dreiklassen-Wahlsystems nicht erreicht werden kann. Und weiter: selbst wenn 6, 7, 10 Oppositionelle mehr in den preußischen Land» tag kommen, wird damit der Reaktion ein Damm ent- gegengesetzt? Wahrhaftig nicht. Wird damit die Junkerherrschaft beseitigt? Wenn die Junker über Beschlüsse des Reichstags hiuwegschreiten, dann schreiten sie über Beschlüsse eines Dreiklasseuwahl-Parlamentes zehnmal leichter hinweg. Wir Gegner der Betheiligung sind alles weniger, als Gegner des politischen Kampfes, aber dieser politische Kampf»vird geradezu abgeschwächt durch die Betheiligung an den Land- t a g s w a h l e n.(Sehr richtig.) Wenn wir den Kampf durch passende Waffen ausfechten können, dann ist es unendlich besser. als sich in solchen Scheinkampf einzulassen, wo wir neben oder nach den, ursprünglichen Vorschlag Auer's gar hinter der Fortschritts- parte! einher marschiren. Genossen! Glauben Sie nicht, daß die Bourgeoisie heute das erreichen kann, wo die Sozialdemokratie so mächtig ist, was sie er- reichen konnte, als die Sozialdemokratie noch so schwach war. Ich will ein Wort wiederholen, das 1303 fiel: Die Fortschrittspartei wird im Kampf gegen Bismarck unterliegen, weil sie den Sozialismus und die Revolution mehr fürchtet, als das Jnnkerthnin und den Staatsstreich. Eine Partei, die bei der letzten Reichstagswahl aus eigener Kraft nicht i», stände war, e i„ Mandat zu erobern, sie ver- mag auch nicht, dem Junkerthum einenDamm entgegenzusetzen. Aus solchen, Holz ist sie nicht geschnitzt. Statt uns auf die Fortschritts- parte! zu verlassen, müsse» wir alles Vertrauen auf uns selbst setzen. Durch die Sozialdemokratie allein wird der Damm geschaffen, an dem die Macht der Reaktion zerschellen wird. Wir haben mächtige Faktoren, die für uns kämpfen. Die Bourgeoisie, der Freisinn muß gegen bestimmte absolutistische Neigungen Front machen. Darum brauchen wir nicht hinler ihr her zu marschiren und mit ihr Freund- schaften und Bündnisse abzuschließen. Die Genossin Zetkin hat in ihrer schlagfertigen, und ich möchte sagen, sogar schlagworl- fertigen lliede(Heilerkeit) damit geschlossen, wir wolle» beute wagen und morgen schlaaen. Das ist außerordentlich schön. Aber nicht die Fortschritller ermöglichen uns, das Junkerthu», zu schlagen. Ties- Kraft liegt allein im Proletariat. Die Kraft nebwe ich ihm, wenn ich der Partei den Klassencharakter nehme. Statt gekräftigt zu werden, wird das Proletariat entmannt. Und gerade damit wir schlagen können, lehnen Sie den Bebel'scheu Antrag ab und glauben Sie dem Bebel von Köln mehr als dem Bebel von Hamburg. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Singer: Die Abstimmung kann nach„nserem Beschluß erst morgen vorgenommen werden. Wir sind also am Ende. Auer zur Geschäftsordnung: So gut, wie wir den Beschluß vorher gefaßt haben, können wir ihn auch wieder um- stoßen! Singer: Ich bin allerdings der Meinung, daß wir da? den auf grund unseres Beschlusses abgereisten Delegirten schuldig sind. unser Wort zu hallen.(Zustimmung) Singer verliest ein Telegramm, wonach in Hagen, der Hochburg Eugen R ich ter's, die Arbeiter bei den Ge werbegerichts- Wahlen s ä in in t l i ch e Plätze der Arbeitnehmer erobert haben. Damit schließt die Sitzung gegen>/-S Uhr. Gemerkfchsfklirhes. ,• Zn dem nunmehr als beendigt anzusehend«« Aarmer- auöstaud nehmen verschiedene bürgerliche Blätter Stellung. Di« „Vossin" legt dem einen Referenten von gestern Abend, Li t sin, den Unsinn in den Mund, er habe gesagt, daß vor dem Gewerbegericht „in hundert, ja tausend Fällen" festgestellt worden sei, daß die Unter» nehmer schwarze Listen führen. Daß in einer mehrstündigen Ver» Handlung vor Gericht nicht hunderte, geschweige denn tausende von Fällen„sestgestellt" werden könnten, hat selbstverständlich Litsi» nicht behauptet; aber sicher ist, daß die Organisation hunderte von solchen Maßregelungen festzustellen in der Lage ist. Vor dem Gewerbegericht sind von Litfin nur einige Fälle zur Charakterisirung des Systems angeführt worden. Daß die„versuchte Feststellung" des einen Falles„vollständig mißglückt" sein soll,„wie anS dem amtlichen Stenogramm über die Verhandlungen vor dem Gewerbe« gerichl nachgewiesen werden kann", hat der alten Tante Voß wohl ein Unternehmer ins Ohr getuschelt. Denn, daß einer der Unter- nehiiier auf die Anklage» Lilfin's ausstand»nd— keig Engel ist so rein— behauptete, er wisse nichts von schwarzen Liften, ist doch kein Beweis. Der Melallindustriellen-Verband ist dafür bekannt, daß er das System der schwarzen Listen in der rigorosesten Weise handhabt und es wäre gut, wenn der Verband der Metallarbeiter einmal dies Material sammtlte und dem Publikuin zugänglich machen wollte. Den Streit, ob die Unternehmer vor dem Einigungsamte sich „protzenhast" benommen haben oder nicht, wollen wir mit der „Voisin" nicht weiter führen. Das ist eben Sache des subjekliveit Kiiipfindens. Die„Volks-Zeitung" und die„Frankfurter Zeitung" weisen beide darauf hin, daß, ivenn die Unternehmer mit den Vertretern der Arbeiterorganisationen in Verbindung treten würden, diese und so manche andere Differenz nicht zu solchen Dimensionen auswachseu würde. Das ist auch oft genug schon von uns betont worden und da die Unternehmer das stets ablehnen, trifft sie allerdings in letzter Linie die Schuld auch sür den Borsig'scheu Ausstand. » �» Bezüglich der gestrigen Abstimmung über die Einigungs- vorschlüge ist bis jetzt das Resultat aus 13 Gießereien bekannt, i», welchen am Montag 350 Former die Arbeit aufiiehmen werden. 56 Former bleiben somit noch ohne Beschäftigniig. Aus acht Gießereien fehlt das Resultat. Depeschen und lehte Dncheichken. Miilhaufei» i. E., 8. Oktober.(Privaldepesche des„Vorwärts".) Die Slrafkammer in Mülhausen verurtheilte de» Reichstags-?!!» geordneten B u e b wegen sieben Vergehen zu zehn Monalei, Gc- äugniß. Hamburg, 8. Oktober.(B. H) Auf Antrag des Danzlgcr Geiieralkoniinanbos ist seitens der hiesigen Staalsanivaltschaft gegen de» Redakteur des„Hamburger Generalanzeigers", Dr. Bruno Wagner, eine Uiitersuchung eingeleitet worden, und zivar wegen des'Abdrucks einer Depesche aus Danzig, in der es für sittlich berechtigt erklärt wurde, wenn Militärposten auf Personcn, die wegen geringfügiger Vergehen verhaftet worden sind und die Flucht ergreisen, nicht schießen. Tie Slrasverfolgiiug geschieht wegen Aufforderuiig des Militärs zum Ungehorsam gegen militärisch« Vorschriften. Der dolus eventualis»nd der ambulanje Gerichte- stand der Presse dürsten bei dieser Angelegenheit eine große Rolle pielen. Trieft, 8. Oktober. Bei Casteliiiiovo tvurde» zwei Männer und eine Frau erfroren nufgesiinden. Anf dem Monte maggiore und in der Umgebung von Görz herrscht starker Schlieeftiiri». Paris, 8. Okt.(W. T. B.) Bei der Berathung des HeereZ, Budgets verwarf die Budgel-Kommission— unter dem Vorbebatt, daß der Minister noch gebört werden solle— mit 10 gegen 3 Slimmcn die Vermehrung des Truppen-Koiiliugeuts. Loildo», 8. Oktober.(W. T. B.) Die Vereinigte Genossen- chaft der Maschineilbaner fordert in eincin heule erlassenen Manifcst alle Mitglieder der„Trade Unions" zu Geldimterstützuiigei» auf. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobry in Berlin. Für den Inserate, UheU verantwortlich:?h. Glocke i», Berlin. Druck und Verlag vo» Max Padiug in Berlin. HieuzucS Beilagc». ir. 236. 14. mm- 1?Fulllgt ßtKmmmmmmmmmmtmmmmmmmmmmammmmmmmmrnmnmmmmmmmmmmmm Pnvfi'ifna drv fozialdrmokvokiflhrn Puvtvi DoukfiHlnttds. Fünfter Vcrhailtrttlugvtag. Freitag, de» 8. Oktober.— B o r m i t t a g s-« i tz u« g. 9lli Uhr. Ten Vorsitz führt Singer. Verschiedene Begrüsinngsschreiben sind eingelanse». Von der Mannheimer Aküc«» Druckerei ist ein Schreiben, gc- �«ichnel August Dreedbach, eingegangen, in de»,«rsnchl wild, folgende Erklärung zur Kenntniß des Parteitags zu bringe»: „?!ach dein stenographischen Bericht des„Vonvrnts" über die Verhandlungen des Parteitages der deutschen Sozialdemokratie hat Genosse 91. Geck bei der Empfehlung der Verstaaliichnng feines„Volkssrenudes" den 9lilssprnch gelban: ..Die Mannheimer„Voltsstiniuie" ist nur ein Lokalblatt mit »»bedeutender 9lKon»entenzahl." Wir halten es für angezeigt, demgegenüber festzustellen, daß die„Bolksstimnie* eine» Abonnentcustand von öOOO Abonuenle» im badischen Unterlande hat. 9lußerdrm ist die„Volksftiinme" «in Tageblatt,»rähreud der«BolkSfreund' nur dreimal wöchentlich erscheint." Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält zu einer Erklärung das Wort G e r i s ch/ In der vorgestrigen Ve, Handlung hat, während ich wegen einer Sitznug der Mandalsprüsungs-Zlvmmissivu nicht an- wcsend war, Morawski nach dem Berichte des„Vorwärts" mir 'otgendc Worte in de» Mund gelegt, die ich bei einer Zitsainmeu- tauft uiii den polnische» Genossen gelha» habe» soll: „Tann seid Ihr keine Sozialdemokraten, wenn Ihr Pole» seid". 9l»s dem Zusaniinenhang gerissen ergiebl diese Aeußernng ein völlig falsches Bild meiner 9lnsicht. Es klingt so, als hätte ich de» polnischen Genosfen bestritten. Soziatdemokralen zn fein. Ich habe aber gesagt: „ifw»» Ihr statt die 91>beitrr znr Erkenntniß ihrer Klassen- läge za bringen, die polnische Frage in de» Vordergrund stellt, dann soid Ihr Polen und keine Sozialdemokraten."(Bravo!) Es loird in die Tagesordnung cingelreten. Die Delcairteii des vierten Berliner Wahlkreises theilen mit, daß 9lntrag 69 irrthnnilich an den Parteivorsland geschickt sei, n ähicnt» er nur eine Resolution der Parteiveisommliing vorstelle. Der Antrag mnß demnach als hinsällig und nicht gesullt delrachtel rv erden. Da-j Wort erhält nnnniehr Komeserent Liebknecht: Gciiossiiinen und Genosscn. Ich werde Mich btiiitthe», alles, was nicht adsolnt zur Sache gehört, bei seile zn lassen, damit wir womöglich heute noch mit dcr Diskussion zn Ende kommen können. Vor allen Dingen»verde ich mich nicht mit dein Charakter des D r e i k l a s s« n- W a h I s y st e in s beschäftige»; denn darüber sind wir alle einig und es wird webt einer vo» uns fein, der nicht uollständig aus dem Boden von Köln stellt. Di« Frage ist nicht die: sollen wir das Drcillusten-Wahsnslem brandmarken?— sondern: sollen wir, s.» lange es besteht, uns an dcr Wahl dctheiligen? I» einem Punkle stinnue ich mit Auer vollkonunen iibcrei»: D-iefe ganze Frage i st nicht ein« Frage des Prinzips, sondern der Taktik. Das habt Ihr, Genossen, vo» voruderei» all» anerkannt, und damit ist dieser ganze» Debatte jeder persönliche Charakter nnd jedes gehässige Moment genonimen ivorde». Ich steh« nicht an zn erkläre», daß die 9lrl nnd Weise. wie diese die Interesse»»»serer Partei so tief berährende Frage bc- handetl ist, geradezu mustergiltig gewesen ist. Wenn die Gegner sich schon gesreut habe», daß es zn heftigen 9Inseii!andersetzu»gen kouinie» werde, so wird diese Freude sich bald in Leid i>envandtlii. Denn wenn ich auch überzeugt bin. daß so mqncher mit dein Resultat, welches die Debatte haben wird, nicht ganz zufrieden sein wird, so steht daS eine doch vo» vornherein fest, wie auch immer die Enlscheiduiig ausfallen möge, die Disziplin in unserer Partei und das Vertraue» ist ein so großes, daß von einer Trennung der Partei, von einer Nichtbeiheiligniig an dcm, waS beschlossen ist, nicht die Rede sein lanw Wir habe» ja a» einem andere» Beispiel— ich muß das ja leider erwähnen»- in Sachsen gescheu, wie gesährlich es ist, wenn i» einer solchen Frage, wenn auch von einer noch so kleine» Minorität eine abweichende Taklik befolgt wird. Dessen sind wir olle sicher, und unsere Gcgner irerden o»s de» Deballe» «»sehe», daß, wenn auch unsere Mcinnnge» weit auseinandergehen, doch die Partei einig ist in dem Bestrebe», von welchem jeder von »ns ersullt ist, das z» U)»», was im Jnieresse der Partei liegt. Ich steh« nicht an, zn erklären, daß eine Debatte, wie st« bisher»der die Frage der Belheilignng an de» Landlagsivahlen gesühit ist, vo» keiner anderen Partei in so objektiver Weise Halle gesührt werden können. Und das erklärt sich daraus, daß unsere Partei, wenn das persönliche Moment hier»alurgeinäß auch vorhanden ist, es doch weit mehr als in jeder andere» Partei hinter dein allgemeinen Jntcr- «sie zu ncksteht. Bei n»s hat es stets geheißen: Erst lonunl die Sache und da»» die Person. Es ist nun in 5i ö l» vor vier Jahre» einstiinmig der Beschluß gefaßt worden, daß wir»ins»nter drm Dreiklnss«»-Wahls»zfte»> nicht an den Landlagswahle» i» Preuße» belheiligen können. Seitdem ist nun ei» Unischivmig i» einzelnen Kreisen der Partei eiiigelrrten, es ist das Wort gebraucht— wenn ich nicht irre, von Auer— die Erleuchtung ist über nianche bisher nicht erlenchtelr stopfe gekomuien. Jedenfalls ist das eine Frage, die Jahr« lang geniht hat nnd jetzt wieder im Vordergründe steht. Hat denn dieLage seit tk öl» sich geändert? Es wird das von de» Freunden der Wahlbelheiligung behanplel. Das leugne ich vollständig; die Lage hat sich im großen und ganzen absolul nicht geändert seit I88S. Jetzt sagt man zwar: In, das Jniikerlhuiii ist unendlich mächtig geworde», in der Kammer ist neulich blos mit einer Majorität von 8 Sliininen das lleine Sozialisten- geseh für Preußen zurückgeivicsen worden; das giedt zu denke». Ja, ist denn das elivn wahr, ist eiiva das Jiinkerlhum heute stärker, als es 1863 gkivefe» ist? Was ist denn Bismarck gewesen? Daß das Jliukerlhum jetzt immer im Vordergrund« steht, ist das etiva eine Erscheiiiiiiig, die sich ans Denlschland beschränkt? Das Junker- lhiii» ist ja etwas spezifisch preußisches, aber sehe» wir nicht, daß Überall da, wo der Klasseukauipf mächtig ist. das zur Kapitalisten- klaffe entn'ickclle Biirgcrlhnin die Sozialdcmokralie sürchlet? Blicke» wir doch zurück! Man sagt irrthümlicherwcise. daß das französische „Bourgeois" niit dein deutsche» Wort„Bürger" sich dcckl, aber das Bürgert hum ist in»»er dcinolralisch gewesen, dies Bürgerlhnin hat in England die Revolulion gemacht, es hat>» Frankreich die Vievolulion gen, acht und sich Vorlheile dem 9ldel und der Geistlichkeit gegenüber erkämpft. 9>ber der heutige Kapitalist»»?, weil er die llnterdrückuiig der 9lrbciterklasse zur Existenzbedingnng hat, i»»ß versuchen, auch diese 9irheilelllasse, die er ansbcnlet, zn niitcrdrncken, nnd von dem 9i»geiiblick an, Ivo die arbeilend« Klasse für sich die gleiche» Rechte fordert, muß der Kapitalismus reaktionär werde». Ich erinner« Sie nur a» die französische Revolution. lind was hat unser Bürger lhuni gelhan? 1848 war eS doch durch und durch dnnokrnlisch— es hat sich Bismarck in die 9Irme geworfen. Heule ist das Bürgerthui». soweit es lapilalistisch ist, der Hort der Reaktion; das liegt in den Verhältnisse» begründet und würde auch der Fall sei», wen» wir kein preußisches Junkerlhum hätten. Und ist den» der preußische Junker gesährltcher als der König Stuiinn? Bei der Riickstäiidigkeit unseres Bürgerthiims hat allerdings die Reaktion bei uns i» Denlschland«inen etwas plumperen Charakter angenommen als in andere» Ländern. aber im allgenieinen ist es dasselbe. Und glaubt Ihr, Genosse», wenn wir aus dem preußischen Landtag die Junker iitt„Wmiillli" entfernen könnten, wenn statt einer Mehrheit von 8 Stimmen, mit der die Ivx Recke verworfen wurde,«»>e starke Majorität ans oppositionelle» Elemente» hineingebracht würde, glaubt Ihr, daß das für das Jnnkerlbm» oder diejenlge», die jetzt i» Deutschland die reaktionäre 9l>bcit verrichten, ein Hinderniß wäre? Wo hat sich den» die Sitnalio» verändert? Etwa, daß die reaktionäre Arbeit jetzt in den Lnndlag verlegt wird? Hat nicht schon vorher immer die Regierung heute das Reich gegen die Einzelftaaten und morgen dic Einzclslaate» gegen daS Reich ausgespielt? Was würde denn eine oppofilioneile Mehrheit zu bedeuten habe»? Die Gefahr des JunkcrlhnniS liegt doch darin, daß es sich nbcrhanpt um den ganzen Parlamentarismns nicht beküminert; eS erkennt ihn nicht an, es will das adsolnle Regiment, will dein König und dem Kaiser das Äiccht gebe», über die Köpfe dcr Parlamenlsinehrheit hiniveg zn regieren. Das gefährliche bei uns in Denlschland ist, daß das parlamentarische Regiment nicht gesichert ist(Sehr wahr!), daß die Grenze zwischen der Macht der llicgierung lind des Reichstags nicht gezogen ist, daß der Reichstag bis zu einem gewissen Grade noch in der Lust steht. Der Staatsstreich droht uns. mit ihm müssen wir rechne». Und wie steht es mit dein Landtag? Das Wort vo» dcm elendesle» aller Wahlsysteme sprach Bismarck, weil es ihm zur Zeit des Verfassniigskanflikls eine radikale Mehrheit bracht«, deren Widerstand er nicht liderivinde» konnte; und hat er nicht trotzdem die Armeereorganisalion durchgesührt, hat er nicht trotzdem die Kriege begonnen? Und wenn wir beute eine radikale Majorität im 9ihgco>diielenhallse mit oder ohne»usere Hilfe hällc». mürde sich die Regierung etwa um sie knninicrn und ihre Beschlüsse?(Sehr richtig!) Wir haben es eben mit Gegnern zn lhiin, die de» Parlamenlarisnins nicht so ernst nehmen, wie wir. (Sehr gut!) Die politische Sitnatio» bat sich also nicht geändert, wohl aber Hot sich das Landtags- Wahlrecht verändert. Ist es aber besser geworden? Nein. Die Reform war eine Resort» nach»icknärts. Die Miqnei'sche Stcuergesetzgebnng hat den reallionären nnd plntokraltsche» Charakter des Wahlrechts nur verschärft. Wen» es also damals unmögllch mar, Verlrcler dcr Sozialdemokratie in de» Landlag zn bringe», so ist es jetzt doppell und drcisach unmöglich geworden. Daro» ist einsach nicht z» dcnke» und sollte»och jemand ziveisel», im», wir haben ja einen Versuch griimcht i» Sachsen. Tie Aendeinng des Wablrechls dorl gab der lächsischc» ilikgierung so sehr die SicheiHeit, daß kein Sozialdeniokrai mehr in den sächsischen Landtag gewählt werden löniie, daß sie ans eine Bestlinnrnng verzichtete, die im preußischen Landtags- Wahlgesetz enthalte» ist,»änilich auf die, da» die Wahlhaudsimg vfscntlich ist. In Preußen ist sie es. Dcr Wähler, dcr Arbeiter. mnß nicht»tir de» Ramc» des Knndidnle» nennen, den er als Wahlmann haben will, er»inst niit seinem 9lrbeilgebcr znsaninien wählen, alle drei Klassen»'ähleu ziisanime», er muß vor dem Unter- »ebiner Revue passiren. Unsere Genosse« wisse», wie nuangenebi» das ist, uuc viele unserer Wähler dadnich abgeschreckt werde». Tie sächsische Regierung, so aiißerortcnllich hnmau, wie sie ist. verzichtet anf diese Erschwenlnp, und wir haben in Sachsen die Probe ansS Exempel gemacht. Die sächsische» Genosse» hatten de» Beschluß gefaßt, nicht gegen die Wohlrechls- verschlcchlernng dadurch zu prolesliren, daß die Mandat« hingeworse» werden, sondei» den Versuch zu mache»,»nter der Herrschaft dieses Wahluchls sozialdcinokralische Abgeordnete in de» sächsischen Land- tag zu bringe». Ich selbst war ursprünglich der Meinung, daß es besser fei, durch WahleiilhalUing zu protestiren; als aber die sächsische Landes- Versammlung den entgegengesetzlc» Beschluß faßle, da hat mich, wie ich gestehen will, der Beschluß nach genauer Ucbrrlegnng sehr gc. freut; und zwar deshalb, weil ich mir sagte: fhätte»»ir nicht alle Kraft daran gesetzt, auch miler dem Echeinrccht Mandale zu«rober». dann hätte die sächsische Regierung ge- sagt: Ja. Ihr babt's ja nicht ei»i»al probirt.(Sehr richtig!) Ich habe mich selbst a» der letzt«» Wahlagitalion in Sachsen beiheiligt. habe all« meiiie Kraft in dieWagschanl« aeworsc». Ich gebe zu, daß ich einen Hinlergedaiile» dabei Halle. Mit einer gewisse» Bosheit sagte ich mir: Je giößer unsere 9Iiistreiiguiige» hier sind, ohi e daß ei» Resultat erzielt wird, desto schwerer wirkt die Argiiuientaüon gegen die Belheilignng au den preußischen Landtags- wähle».(Sehr richtig.) Ich bedaner», daß die Kraflanslrengung unserer sächsische» Genossen vo» der„Leipziger Volkszeilung" als untergeordnet bezeichnet worden ist.(Sehr richiig.) Gerade die Sondeipolilik dcr Leipziger Genossen hat es unmöglich gemacht, die 9lgi- lation inSachsen überall initgleichninßiger Eneigi« zu betreiben. Ich Hab« die Energie dir sächsischen Genossen bewundert und auch die Re- siiUnt«, die aus dem neuen, den, unbekannten Kampsbode» erreicht wurden. Freilich, i» der erste» und zweiten Wählerklnss« Hobe» wir sognt wie keine Wahlmänner durchgesetzt, unsere Mandale sind ver- loren gegangen, bis ans eins, das an einen» Faden hängt, in dem die Partei vkrinuthllch ei» Haar sindeu wird.(Sehr richtig.) Es ist nur z» haben durch einen Komprouiiß mit den 9lnt>semit«n. Und da sage ich: Wenn ich mich anf die Fallbrücke des Kvnipromisscs begebe, da»» lieber noch mit eine», ehr- lichcu Konservativen, als mit dieser Deniagogcnparlei, die heute so, niorgen so sagt, daS Volt aber unter olle» Umständen ver- ralhe»»vird.(Bravo!) Jeder, der daS preußische Wahlrecht stndirt. der die Ergebnisse der letzten sächsischen Laudtagsivahlen stndirt, sieht ein, daß wir aus eigener Kraft einen Kandidaten nicht wähle» können. Das wird jetzt auch zugegeben vo» de» ineiste», deshalb soll ein anderer Weg gegangen ivcrde». Zunächst einige Worte, die sich niit ineiner eigenen Person beschästige». In de» bürgerliche» Blättern wird mir eine de- sondere Verbissenheit gegen das Biirgerthnni, ein starres Festhalte» a» alten Vorstellungen vorgeworfen, ich weide als Doktrinär bezeichnet, der jeder praktischen Politik entgegenlrilt. Wenn ein Vorwurf jeniand gegenüber je»»berechtigt ivnr. so ist cs dieser. Ich bin sehr früh i» de» polnischen Kamps i» Tentschland«ingetrete». 9I»er hat mir eine Rede ans dem Jahre 1869 vorgehalten. Ich habe i»ich damals sehr geringschätzig über das allgenieiiie Stiniinrecht ausgesprochen, über das nUgcineine Stimmrecht ivohl verstanden nntcr dein 9lbsolniis»ms. Damals gab es noch de» Norddeutschen Bund, eine offenbar provisorische Schöplung. Das allgenieiiie Stimmrecht ist daninls überschätzt worden vo» viele». Ich habe mir die Motive Bismarcks für die Einführung des allgemeine» Stimmrechts klar gemacht. Diese Politik Bismarcks war ihm empsohlen von dem bekannten Geheinmrlh Wagener und halte zum Muster die Politik Napoleons III., der de» modernen zäsaristische» AbsolnliSnnis begründet hat. Die französische Bourgeoisie hatte»ach der Jiniischlocht das allgemeine Wahlrecht ansgchvbcu. Napoleon beseitigte diese Beslbrnnlungen wieder, aber er hat dafür gesorgt, daß daS aligenieine Wahlrecht nur ein Spielzeug i» de» Hände» des Volles wmde. In Frankeeich koiinte keine Wahl gegen den Willen der Regierung ausfalle». nur die offiziellen Kandidaten»vnrde» gewählt mit wenigen Ausnahmen, die die Liegierung selber zuließ. Tai ivar«in Wahlrecht, wie cs dein Fürsten Bismarck vorschwebte. Freilich, er hat sich geirrt. Aui dem Spielzeug ist«>»»« mächlige Waffe in de» Hänte» de? Proletariats geivorden; der Absolnlisnms bat in Deutschland niemals den lonzentrirten nnd cinhcilllche» Charakter gehabt,»vie in Frankreich. Ter Standpunkt also hat sich nicht verändert. Ich habe mich damals ge- irrt, ich bade mich in meinem Lebe» noch Hunderlmal geirrt, und ich halte jeden Menschen, der seine Jrrtbnmer nicht eingesteht und sich fortentwickelt, für minderiverthig. Was speziell die Frage der Taktik betrifft, so habe ich ja einmal das Wort gesprochen:»venu die Verhältnisse an einem Tag« sich 24 mal ändern, so ändere ich meine Taktik 24 mal«n Tage. Taklik ist eine Frage der Verhält- nisse, sie allein habe» zn entscheide». , ÄnilMnd, 9. Gltlebn 1897. Also ich soll hier von einem schroffen Haß gegen die Bour- gevisie erfüllt, ich ioll ei» Feind dcr bürgerliche» Freiheit sein. Nu». ich war ja damals thälig, als die Regiernnq den Versuche»»achte, de» Sozialismus vor den Karre» der Bisniarck- scheu Reaktion zu spannen: Wer ist es den», der damals in erster Linie diese Versucht bekämpft hat? Wer ist es denn, der von Schtveitzcr hundertmal beschuldigt worden ist. die Geschäfte der Bourgeoisie zu besorge»? Ich bin bei alle» Gelegenheilen für bürger- liche Freiheit eingetreten. Lese» sie doch einmal das Kommunistische Manifest; da heißt es: „lleberall, wo das Bürgerthum für demokratische Forderungen ei»triit, ist es im Interesse der Arbeiterpartei, die �Bourgeoisie zu u» tei stützen." Das ist allezeit die Taktik der Partei geivesen, ich habe sie besiiuvortet, nnd sie wird stets die Taktik der Partei bleiben. Also dies?!rg»mc»t läßt sich gegen mich nicht anivende». Es sind>>»»» zwei verschiedene Strömungen. Die eine» sage», »vir müssen niit der Fortschritts- oder einer andere» Opposilions- parte» ein Wahlbnndniß schließe». 9l>if diesen 9lnsdruck hat ma» wohl verzichtet; mit eiiiem Leichnam knnn ma» sich nicht verbinden,»ind bei uns i» Denlschland ist die Fortschritts- Partei ein Leichnam. Cs ist gesagt»vorde»,»vir sollen ihn zn»«»ein Lebe» galvaiiisirc», das Gleichgewicht wiederherstellen, das dadurch verschöbe» ist, daß die Sozialdeinokralie der Forlschrills- Partei ihre Landlagswähler nbgcnvmnien ha». Das ist ja aber doch ei» anßerordenllich großer Borlhcil für»ns gewesen! Tarin liegt doch, daß»vir allmälig die Fortschritlsparlei gleich allen andere» kapilalistischen Parteien liberivinde» werden. Nun sie wieder zurückgebe». das heißt dock» den Kampf, den wir geführt haben, für ihöricht zn cilären.(Sehr richtig!) Man spricht von einen» Kom- promiß. Ich bin gaviß lein Gcgner von Kompromissen. Bor 89 Jahren schon habe ich geschriebc», daß das ganze politische Lebe» eine Summe von Kompromissen ist zwischen verschiede»»»» Weltanschauungen, zwischrn verschiedene» Interesse». In dcr sranzösischei» llievolulion ist niemals tabula, rosa gunncht»vor den; das ist eine Anschauung, die blvs politische Kinder haben oder nliensalls»»sere Rcgierui'g und Polizei. Für die Politik spielt das Geseh voniParallelo- graniin der Kräfte ebenso gut»vie i» der physischen Welt seine Rolle. Das erkenne ich vollständig an, und»vcn» ich ans ciiin» Kompromiß mit einer anderen Partei irgend einen Bortheil sehen würde, so würde ich unbedingt zngreisen. 9llicr hat gestern gesagt,»vir sollten für solche Forlschritllcr eintrclcn wie Johaiin Jacoby und Guido Weiß. In.»vo sind solche Forlschrilller heute?(Sehr wahr!) Jacoby ist Sozinldcnioki at geivorden nnd Guido Weiß ist mit seine»» Herze» auch ans»»serer Seite. 9lhcr heilte isl die Fortschrittspartei eine Partei, die nicht demokratisch ist.»nd ich stehe nicht an, zu er- klären, daß ich eine Forlschrillsmajoriiät, erreicht durch»»sere Stiinme», für ei» gesährticheres llcbel hallen»vürde, als eine Jnnkeruiajorität im Lnndiaae, rind ich null Ihnen auch gleich sagen, warum! Die Junker- »mjoriiät erregt die Massen, treibt sie in unser Lager, nnd eine sorischrittliche Majorität würde anS»nfercin Lager gar manchen entsenieit. Je mehr der Kampf sich zuspitzt, desto größer ist unser Bortheil, eine 9lbschiväch>ing des 5tni»pscs wird auch eine Ab« fchwächnng der Gegensätze.(Schr richtig!) 9>ber wen» wir nun auch verinillelst eines KoniproinisseZ eine Majorität von Fortschrilllern,»leinelivegeii auch einige Sozial- deniokralen, i» de» Landtag briiigeii,»vclche Garnnlie baden wir denn gegen eine Aergeivalliguiig?— nicht die mindeste. Das llebel sitzt eben weil ticscr: durch Ansnutzniig des Treillassen-WahlsysteinS kennnen wir nicht über den Berg. Das Uebel sitzt tiefer; es liegt in der Unmöglichkeit für den Kapitalismus, anf friedlichem Wege, iinter der Herrschaft des allgemeinen Stimmrechts das S t a a t s r n d e r in der Hand zu behalten. Nehme» Sie das Wort Staats- streich nicht ieichlhi»! Nein, dcr Staatsstreich, er wird allinälig, ivcnn der Sazialisinns die Majorität im deutschen Volke gewinnen sollte,»nserei» Gegnern in dcr eine» oder anderen Form geradezu ausgezwungen. Tarin liegt die Gefahr.(Beiiall.) Mnß sich nicht— gerade wie sich Moltke sragle, als die französische Armee immer stärker»vnrde:»vollen»vir nicht angreife», ehe sie»ns angreifen?— muß»ichl da das Junkerlhil»», der KapitallsnniS, ier>» s sürchlet, sich dieselbe Frage vorlegen? Damit haben»vir zn rechnen nnd dagegen»st einc Majorität im Lavdlage gar kein Schuh. Und da»», was soll denn durch eine Majoriiat in» Landtage überhaupt erreicht werden? Sobald die Majoiilät dcr Regierung»»ibequrm»vird, so»vird sie beseitigt. Das 9lbgco>d»elenhg»s lau» cbenso»vre der Lieichslag in un- beschränkter Weise anfpelöst»Verden. DaS hat BlSinarck schon znr Zeil des gioßen Konstilis gelhan. Und»venu dann schließlich die bürgerliche» Elcinenle blos gestärkt sind durch die Sozialdcinolratie, wenn das Bürgcrlhni» blos durch sozialdemolralische Elimmen in den Landlag kommt, oder vielleicht a»S Gnade und Bainiherzigkeit noch einige Sozialdcmolrateii»nit hinein« ko»»me>» lasse»,»in deren Stimmen sich zn erkaufe«— ivns habc» wir denn damit' erlangt? Ist drn» dnS Bürgerlhnm eine größere Mackt geivordc»? Weiß die Rcgicrnng denn nicht ebenso gut wie heute, daß die Fortschritlsparlei nbgcivirlhschaslct bat?(Sehr richtig!) Es ist doch nicht blos das Dreiklassenwahl« System, was das vollständig« Abivirlhschaslen des bürgerlichen Libe» raliSinus verursacht hat, denn in den Reichstag sind ja kann» mehr Forlschrilller gewählt, als in den Landlag. Wenn das Bürgerthnm nicht gegen das Jnnlerlhnm vorgeht, dann isl absolut nichts erreicht, nnd wenn das Bürgerlhnm sich ermannt, wenn es so stimmt,»vie 1862, 63 und 64, ivci»,»virklich ein Wiederaufleben vorhanden ist. dann sage ich ja nicht. daß das ein großer Vor- ihcil ist, aber dann»vnrde eine solche Majorität der Regierung jedenfalls mehr imponiren als«ine Majorität, die durch unser« Hilsc erlangt ist; aber die Fortschrittspartei»vird nicht da- dnrcb lebeiissähig, daß»vir sie in den Lnndlag hineinbringen. ES soll ein K o»i p r o»I» i ß geschlossen»verde». Ich sagte ja schon, gegen das Wort Koinpromiß oder gegen diese» Begriff habe ich nichts ei»z»ive»dn», aber der Vorschlag, de» Bernstein m der„Neuen Zeit' gemacht hat, wie man ihn auch nennen will— ei» Handeln ist es und ei» Schacher» bleibls. und mögen Sie Sache»och so verklansnlire», es ivird nicht z» verineidei» se daß wenn wir anf ein Kompromiß eingehe», die schinai vollsten Händel staltstiiden(Sehr richtig!) Wir sprach gestern von Essen, llnter der Herrschaft des allgemeine» Elim». rechts haben dort die Genossen sich dafür geivinne» lasse», für eillt Kapilaliste» allerersten Ranges gegen eine» der Zeiilrnmsparlci an gehörige» Arbeiter zu stimmen. Ja, iven» dies am grünen Holz aeschie'ht, was wird da»» erst a», dürre» Holz des Dreiklasse» Wahlsysteins geschehe»?(Sehr gut!) Daiin»vird gesagt: Die Sozial demokrati« ist so klug, die läßt sich»ichl»»»garne». Ich wollte. daS wäre wahr, aber es ist wohl keiner hier, der das glaubt.(Sehr richtig!) Beispiele sind gehässig, aber ich könnte so manches Bei- spiel anführe»; das koininl vor von Seite» dcr beste» Parlcigcnoffen. Wo znui Beispiel der Kulturkampf zwischen Natioiialliberalen nnd «»tri»» tobt, da ist eine Jdekiiveuvurniig in den Kreisen dcr ciiossen voihanden. die sehr leicht auch zu einer Vcrwirrnng im Handel» und zu starker Kvrrnplion fuhren könnle. Ich wie? schon vorher anf Sachsen hi».»vo die Sozialdeuiokratcn eine» Handel mit den Anlifemite» versucht haben, dcr, wie ich höre, noch nicht voll- ständig abgebrochen ist. Ja, das»vird dann in»ncndlichcr Masse kom»neu,»nd es»vird schr schrver sei», keine Korruption einreißen zu lassen, die zu einer Tcmoralisaüo» führe» müßte. Wir sollen Kompromisse mache» mit den Freisinnige». Bei de» Landlagsivahlen wird dann»»»sere» Genossen gesagt: Für Engen Richier habt Ihr zu stimmen. Ihr habt zu sliimnc» für ParisinS und»vie sie alle heißen, diese sortschriltlichcn Größen. Run kommt der Schlachtruf znr R e i ch s t a g s»v a h I. Da heißt es: Rechts«in kehrt! Tic Schiach>ordnu»g ist geändert, jetzt Zeht eZ gegen dieselben Leute.(Sehr gut!) Wer Soldat geivesen ist, der weiß: eine Schlacht, innerhalb deren die Schlachtordnung geivechsell werden muß, ist stets eine verlorene. Unsere Genosse» wissen ja nicht mehr, wo hinaus, wenn sie einmal die Weisung be- kommen:„Nieder mit den Fortschrittlern!" und ein anderes Mal Hand in Hand iiiit ihnen gehen sollen. Auch die bestgeschnlte Armee hall das im Felde nicht aus, und unsere Partei würde schon durch eine derartige Politik zu leiden haben.(Sehr richtig!) Die Gefahren eines Kompromisses werden ja auch von vielen unserer Genossen, die für Betheiligung sind, eingesehen, und sie sind deshalb zu einen, anderen Vorschlage gekomme», der merkwürdigerweise von einem Genossen ausgeht, der ihn heute aufs heftigste bekämpfe» wird. Aber der Vorschlag ist von anderer Seite wieder anfgenommen. Wir sollen von vornherein unsere Wähler, soweit sie überhaupt an die Wahlurne treten können, beauftragen, für einen Fortschrittler oder den Angehörigen einer anderen Partei zu stimmen, der sich auf gewisse Forderungen verpflichtet, ähnlich wie es bei den Stichwahlen zum Reichstage der Fall ist. Aber bei den Stichwahlen zum Reichstage sind mir in unserem eigenen Hanse, da geben wir aus unseren eigenen Mitteln eine Unterstützung, hier aber haben wir zum Feind zu komme», hier haben wir ihn, die ganze Macht zu gebe», die wir ihm bei den Reichstagswahlen zu entziehen suchen. Das ist doch etwas ganz anderes. Und die Fortschrittspartei ist keineswegs im stände, in, Landtage das zu lhu», was wir von ihr erwarten müssen; sie ist schwach geworden durch die Ent- Wickelung des 5kapilalismus. Das liegt in der Natur der Ver- Hältnisse, und ich sehe hierin ja gerade einen»ngehenren Bor- theil für unsere Partei. Solle» wir den Sieg über die Fort- schrittspartei wieder aus der Hand geben? Ich sehe keinen Grund, daß wir das, was wir mühsam der Fortschrittspartei ab- genommen haben, ihr wieder zurückgeben sollen. Das wäre die Politik jenes Arztes, der Leuten bei Nacht mit Säbeln Wunden bei- brachte, damit er sie an, andern Tage wieder heilen konnte. Nein, das ist doch wahrhaftig keine Taktik, welche unserer Partei irgend- wie nützen kann. Gerade von solchen, welche in der schärfsten Weise belonen, daß die Partei ihren proletarischen Charakter behalten müsse, ist gesagt worden, wir müsse» uns an der Landtagswahl bei heiligen, denn dadurch stärken wir die Partei. Der proletarische Charakter der Partei soll dadurch ausrecht erhalten werden, daß wir mit Enge» Richter Hand in Hand gehen?(Sehr gut!) Ich glaube, wer das ge- schriebe» bat, bei dein haben die Finger»ich!! gewußt, was der Kopf dachte, oder der Kopf nicht bedacht, was die Finger schrieben. (Sehr gut!) Worin besteht die Stärke unserer Partei? Gerade in ihrem proletarischen Charakter, nicht im Sinne der schwieligen Faust, sondern in den, Sinne, daß wir erkannt haben, daß nur aus der unterdrückten Zlrbeiterklasse die Sozialdemokratie ihre Kraft ziehen kann. In diesem proletarischen Charakter liegt unsere ganze Kraft und wenn »lan nun fordert, wir sollen eine proletarische Politik schaffen— ja, wer das schreibt, der hat die Geschichte der Partei nicht gelesen. Iltis unseren Protokollen von Anfang an gehl hervor, wie alles ringt, eine wirkliche proletarische Politik herbeizuführen. Aber eine proletarische Politik i m V e r e i n mit Engen Richter, das ist etwas unmögliches. Nein, Genossen, das geht nicht. Dann noch eins. Ich habe in einer Berliner Versammlung, als man mir zurief, was soll denn ans demLandlage werden, geantwortet: er mag verfaulen! Daraus hat man den Schluß gezogen, ich wollte de» Rath geben, die Hände in den Schoß zu legen. Das ist doch mir mahrhastig niemals eingefallen. Kämpfen wir nicht beständig gegen die Reaktion, suchen wir nicht die bürgerliche Gesellichast, die»och eine kolossale Lebenskraft hat, zu vernichten? Das. was durch die Kompromißvorschläge erstrebt wird, ei» Schlag gegen die Reaktion, gegen das Junkerlhnin, gcgc» den Absolutismus— ja kämpfen wir denn nicht beständig diesen Kamps? Aber der S ch>v e r p n n k t unseres Kampfes muß i m Reichstage liege». Was bedeutet dem gegenüber an mora- l, schein Ansehen der preußische Landlag? Je schlechter er ist, desto mehr verliert er in der offenllicbcn Achtung. Deshalb be- kämpfen mir ja das Dreiklasscn-Wahlsristem, und wenn gestern Auer sagte, der Kölner Beschluß, gegen das Drciklasse»- Wahlsystem zu agitiren, sei nicht durchgeführt— ja. ich habe schon damals, bevor über die Resolution abgestimmt wurde, gesagt, von einer solchen Agitation kann nichts werden. denn wir müssen unsere Agitalio» hauptsächlich in die Thätigkeit vor den Reichstagswahlen verlegen, und dadurch sind die anderen Körperschasleu mehr in de» Hinter- grund lreie». Ich habe es schon bei anderer Gelegenheit ausgesprochen: Uns ist die D o p p e l a» f g a b e zugefallen, d a unser Bürger- t h u ni zu feige und schwach war, die bürgerliche Freiheit zu erkämpfen, neben dem sozialistischen Emanzipations- kämpf mich den Kamps zn führen für die bürger- liche Freiheit, das heißt wegzuräumen das, was in anderen Länder» das Bürgerlhum bereils, ehe das Proletariat kam, weg- geräumt hatte. Kampf unter allen Umständen, aber Kampf unter günstigen Bedingungen. Die Leute, die so außerordentlich klug sind, sagen, die beiden Gruppen der kapilalislischeu Gesellschaft liegen im Kampf mit einander, und das muß ausgenutzt werden; ich meine, die Grundbesitzer, die J»nk«r auf der einen, die Industriellen, die Handelsbourgeoisie ans der anderen Seite. Ja, das braucht mau uns doch jetzt nicht zu sagen. Bebel hat im Reichstage direkt ausgeführt, wenn die beiden sich streiten, so haben wir de» Vorlheil davon, und ihnen zugerufen: Ihr möchtet Frieden habe» gegen uns, aber Ihr könnt das nicht. Aber liegt denn darin eine Schwächung dieser Parteien? Be- trachten Sie doch die Bourgeoisie in England! Dort haben die beiden großen Parteien, die eigentliche Grnndbesitzerparlei und die des beweglichen Kapitals sich gegenseitig viel bekämpft, sie haben aber da, >vo es sich um das direkte Klassenintcresse handelte, Frieden gehalten. Je mehr der Kapitalismus sich entwickelt, desto mehr werden beide Theile der kapitalistischen Produktionsweise einander gleich werden in ihren Interessen, also auf diesen Zwiespalt z» zähle», wäre Thor- heit, und ihn zn bcnntzen, das braucht man uns jetzt nicht zu rathcn, das haben wir alle Zeil gethau. Ich muß also den Versuch, an den preußischen L a n d t a g s w a h l e n t h e i l z n n e h m e u, aus das ent- s ch i e d e n st e bekämpfen. W i r h a b e n b i s h e r u n s e r e n K l a s s e n st a n d p u n k t bewahrt, wir sind dabei vorzüg- lich gefahren, wir haben unserii Slolz darin gesehen, aegen alle übrigen Parteien den Kampf anfzunehmen, ir haben unsere Schlachten gewonnen, wir sind, ob- ieich alle Übrigen Parteien gegen unS einig waren, niemals .re geworden, den» wir kannten unseren Feind, wir wußten: wer icht für uns war, der war wider uns. Dort die kapitalistischen Jarteien und hier der Sozialismus! Kampf gegen alle kapitalistischen Parteien! Das war die einfache Losung, so lange die Partei besteht. Sollen wir Mefe nun auf einmal aufgeben um eines Vortheils willen, der d o ch g a r k e i n V o r t h e i l ist- denn die innere Einheitlichkeit der Partei, das geschlossene Gerichtetsein ans das eine Ziel— das alles fällt dann fort. Wir sollen uns eine Brücke bahnen zu den anderen Parteien, aber wir sind stärker allein ohne den Fortschritt, und ich glaube, diese Brücke ist eine Fallbrücke. Allein wird die Partei am glücklichsten sein. Erinnern Sie sich der Bibel- sabel vom Simson! Dieser Klassencharakter, dieses elementare K r a f t b e w u ß t s e i n der Partei, das ist ihre Stärke. Hüten wir uns vor de» Delilas des Liberalismus und des Opportunismus!(Beifall.) Ich bitte Sie, lassen Sie den Kölner Beschluß in allen seinen T h e i l e n bestehen.(Beifall.) Ich habe sehr genau in mancher schlaflosen Nacht mich mit dieser Frag« beschäftigt; es hat ja etwas Bestechendes, daß das Verbot aufgehoben werden soll, denn es soll ja ein gewisser Zwang damit ausgeübt sein. Nun, den Zwang will ich gern ertragen. Aber man sagt, wenn wir das Verbot aufheben, so darf ein gewissenhafter Sozialdemokrat in manchen Wahlkreisen, wo es nur von wenigen Stimmen abhängt, nicht den Ausschlag geben, trotz- dem es in seiner Macht liegt. Wir können de» Fortschrittler» vielleicht 8 bis 10 Abgeordnete durchdringen, aber Genossen, was bedeuten diese 8 oder 10 Stimmen mehr oder weniger? Ueber diese Mehr- heit wird die preußische Reaktion wahrhastig nicht st o l p e r n. Und auf der anderen Seile, ziehen Sie die Konsequenzen! Erstneulich hatten wir eine langeDebatle darüber, welche Kreise bei Reichstags-Stichwahlen für uns aussichtsvoll sind. Wir haben uns nicht einigen können. Und nun bedenken Sie, wenn die verschiedenen Parteien koinmen und sozialdemokratischen Stimmen- fang treiben zu können glauben, so ist das ein unendlich größeres Uebel als die acht Mann mehr oder weniger, die wir hineinbrächten in die Reihen der Fortschritts- partei. Die Fortschrittspartei wird dadurch nicht stärker, aber die deutsche Sozialdemokratie wird schwächer werden. Es heißt ja in dem Kölner Beschluß, wir enthalten uns blos so lange der Wahl, wie das Dreiklassen-Wahlsystei» in seiner jetzigen Gestalt besteht. Das ist doch kein Beschluß auf ewig. Die übrigen Theile der Resolution wird niemand heute für unrichtig erklären, sie enthalten die Kennzeichnung des Dreiklassen-Wahsystems, dessen kapitalistischer Charakter heute nach der Miquel'ichen Steuerreform noch weit deutlicher zu tage tritt als damals. Genosse»! Es giebt ein gutes altes Wort, das heißt: Urmei�iis obsta! Verwerfen Sie deshalb alle Anträge auf Abänderung des Kölner Beschlusses, der Beschluß hat der Partei genutzt, er wird ihr auch ferner nutzen. Nicht, daß ich hier wie Jeremias klagen will auf de» zukünftigen Trümmern der Partei— unsere Partei ist lebenskräfiig; sie kann auch mal einen verkehrten Beschluß verlragen, und das iveiß ich: wenn heute das beschlossen wird, was ich für verkehrt Halle, der nächste Parteitag wird es wieder aufheben. Ich glaube an die im- verwüstliche Lebenskraft, an den gesunden Verstand der Partei, der, wenn mal ein Fehler gemacht ist, ihn von selbst korrigiren wird. (Lebbaster Beifall und Händeklatschen.) S i n g e r schlägt mit Rücksicht darauf, daß sich 60 Redner zum Worte gemeldet habe», vor. der Parteitag möge das Bureau beauftragen, die Redezeit von zehn Minuten bei jedem Redner streng inne zu hallen. Gegen diesen Vorschlag erhebt sich kein Widerspruch. Singer: Das Bureau hat sich auch mit der Fiage befaßt, ob es nicht wünschenswerth sei, immer einen Redner für und einen gegen die Belheiligung sprechen zu lassen. Das wäre ja erwünscht, ist aber, da auf der Rednerliste nichts davon vermerkt ist, ob der betreffende für oder gegen ist. schwer durchführbar. Im übrigen glaube ich, die Genossen werden in dem Bestreben, trotz der Wichtigkeit dieser Frage darunter doch nicht alle übrigen Geschäfte des Parteitags leiden zu lassen, schließlich, wen» sie keine Gründe mehr vorzubringen haben, doch nicht auf der Worlmeldiing bestehen. Ich denke also, wir verfahren auch bei dieser Debatte nach unserer bisberigen Geschäftsordnung. W i n d h o f f- Düsseldorf: Es wäre doch gut, wenn ans den einzelnen Kreisen immer nur ein Redner dafür und einer dagegen spricht. Ans Berlin haben sich allein acht Redner zum Worte gemeldet. Singer: Ich bitte vor allen Dingen, daß wir unsere Zeit nicht mit Geschaflsoidnungs- Debatten verbringen, denn sonst kommen wir nicht weiier. Es liegt ja auch kein Grund vor, in dieser Frage anders zu verfahre», wie sonst.(Sehr richtig!) E in in c l- Saargeuiünd regt die Abhaltung einer Ab end- s i tz n n g an. Singer: Das können wir uns ja noch vorbehalten; wir ivollcn erst sehen, welchen Verlauf die Debatte nimmt. Nunilkehr wird in die Debatte eingetreten. Als erster Redner erhält das Wort Z u b e i l- Berlin: Ich kaun nicht benrlheilen, ob Auer durch seine meisterhafie Rede viele Delcgirte für seine Ansicht gewonnen bat. Vor vier Jahren hat Bebel in Köln eine ebenso glanzvolle Rede gegen die Betheiliguug gehalle» und heute liegt von ihm eine Resolution vor, die die gegyitheilige Ansicht vertritt. Blau sagt. die Taktik kann jederzeit geändert werden, ob das aber bei einer so grundlegenden Frage mögstch ist, das wird uns Bebel nachher beant- Worte» müssen. Vielleicht kommen wir noch dazu, daß uns ein Ge- nosse cmpsichlt, uns an den preußischen Kirchcnwahlen zn betheiligcn.(Heiterkeit.) Wird sind auf dem besten Wege dazu.(Lachen.) Wenn Auer gestern die Berliner Sladlverordnelcn- Wahle» zum Vergleich herangezogen bat, so niöge er dafür sorgen, daß das Wahlrecht zum Abgeordnetenhanse so geändert wird, daß die drille Abtbeiliing ihre Abgeordneten selbst wählen kann. Dann würde» wir uns jeden Augenblick bereit finden, mit aller ilrast trotz der öffentlichen Slininiabgabe uns zn beihciligen.(Sehr richtig!) Es ist sonderbar: von allen den hervorragenden Parteigenossen, die uns die Belheiligung an den Landtagswahlen empschlen, macht nicht einer einen Voischlag, der nicht dem des anderen gerade enlgegengefetzl iväre. Die Resolution Bebel muß für jeden Telegiilen iinannehmbar sein. Uns preußischen Genossen muß die e n d g i l t i g e Ent- scheidnng überlassen werden. Sollte die Resolution Bebel angenommen iverden, so würde ich sofort den Antrag stellen, daß alle Bundcästaatcn gehallen sein sollen, sich an die Vorschriften der Resolution zu halicn.(Sehr wahr!) Maßen wir Preußcn uns denn an, über die Beschlüsse der sächsischen Landes- Versammlungen unsererseits zu beschließen? Unser alter Soldat Liebknecht bat den Nagel aus den Kopf getroffen: ich möchte de» Genossen sehen, der agitatorisch lhälig sein soll und der Erfolge erringen will, mit dieser Resolulion bepackt!(Sehr wahr!) Haben wir nicht schon früher eine starke radikale Opposition im preußischen Landtag gebabt? Und was hat das Proletariat damals von ihr erhalten? Nicht das Schwarze unter dem Fingernagel! O e r t e I- Nürnberg: Wir Bayern wollen nur eine b e- rathende S lim ine hier znin Ausdruck bringen.(Bravo!) Liebknecht hat mich nicht überzeugt, noch weniger Zubeil. Ich sehe kein Ausgeben derPrinzipien.wenn die preußische Sozialdemokratie in einem Akt von Notbwehr ich an den Landtagswahlen betheiligt. Sonder- barcrweise wird immer von den Erfolgen gesprochen; ist nicket J o n st i m m e r als H a u p t w a f f e im sozialdemokralischen Kampfe die agitatorische Thätigkeit betont worden?(Sehr richtig!) Wir Bayern haben praktische Erfahrungen; wir wähle», wenn auch unter einem freiheillichcren Wahlgesetz wie in Preußen, aber es sind doch Klassenwahlen; und seit wir uns an diesen Wahlen betheiligen. ist unsere Agitation unzweiselhaft eine viel regere geworden. Ich bin aber gegen jeden Kompromiß. Die Gefahr, auf der schiese n Ebene herabzn gleiten, ist nicht abzu- weisen. Auer sagt: wir seien bescheidene Leute. Ja, aber schon etzt kommen zweifellos viel mehr Steginüllereien vor, als in der Oeffenllickckeit bekannt ist. Der Kompromiß führt nothwendigerweise zur politischen Demoralisation, das gilt aucki heute noch.(Beifall.) Der Hinweis auf die Stichwahlen ist nicht berechtigt. Wir haben bei den Stadlverordiietenwahlen fortwährend den Kamps gegen den Freisinn zu führen, da würde nothwendigerweise eine Ver- w i r r n n g die Folge sein, wenn wir den Freisinn bei den Landtags- wählen unterstützen.(Sehr wahr!) Ich meine, wir sollten allerdings in die Landtagswahlen eintreten, aber selb- .t ä n d i g, ohne Kompromiß. Was erreicht wird, wird ans eigener Kraft erreicht und was nicht erreicht wird, sollen wir -ahren lassen. Ans eigener Kraft ist stets die beste Politik.(Beifall.) B ö rn e r- Berlin: Auer sagte gestern, bis zu einem gewissen kle sind wir reaktionär, wenn wir uns an den preußischen Landtagswahlen nickt betheiligen. Dann müßten wir ja immer reaktionärer werden, je mehr wir an Zahl zunehinen. Das bat ja die Fortschrittsparlei immer gesagt; es ist aber nicht richtig. Auer hat sehr viel historisches Material beigebracht; wenn es uns in gleichem Maße zur Verfügung stände, könnten wir noch vielmehr historisches Material gegen die Betheiligung beschaffen. Redner beschwert sich über die Berichterstattung deS„Vorwärts" über die Versammlungen, in denen die Dele- girten zur Provinzial-Ko ufere uz gewählt wurden. Die Gegner der Bet Heiligung kamen ganz kurz weg, die Reden Auer's und Bebel's(A u e r: Ich habe in den Versammlungen gar nickt ge- prochen!)') wurden vier Spalte» lang wiedergegeben. Dadurch •) Und Bebel war zu jener Zeit i» der Schweiz! Red. d.„V.") wird aiy dieuoffen im Lande gewirkt. Was nutzt e?, daß wir zwölf For.�(itler mehr in den Landtag bringen. Die Re- gierung braiu.t den Nationalliberakdn nur ein freundlicheres Gesicht zu machen, und sie hat wieder eine reaktionäre Mehrheit. Den Massen ist nicht begreiflich zu machen, daß wir beule schreien: Hoch Munckel! und morgen: Nieder mitMnnckel!(Sehr gut.) Wir hallen einen besondere» preußischen Delegirlenlag für überflüssig, wir können die Sache sehr gut hier abmachen, wenn die anderen Delegirteu sich der Abstimmung enthalten. Wir iverden aber n a m e n tl i ch e Abstimmung beantragen, nm kontrolliren zn könne», ob die nichtpreußischen Delegirteu so viel Anstandsgefühl besitzen wie wir(Rufe: Oho!), sich in solchem Falle der Abstimmnng zn enthalten. Singer: Ich muß dem Redner sagen, daß er gar keinen Anlaß hat, irgend einem Delegirteu weniger An- standsgefühl zuzutrauen, als er selber besitzt. (Heiterkeit.) Börner: Es war nicht so gemeint. Stolle: Da ß der Ausfall der sächsischenLand- tagSwahlen beule sehr ernsthaft diskulirt werden wird, war vorausjuseheil. Ter Zweck der Veränderung unseres Wahlrechts war ein neues Ausnahmegesetz gegen d i e S o z i a l- demokratie: Die Ansregiing der M fse» zu verhindern und ziveitens die Sozialdemokratie aus dem Landtag auszumerzen. Ter erste Zivcck ist nicht erreicht worden; noch nie in als bei den Reichstags wähle n hat sick> der Blassen eine solche A ii f r e g ii ii g bemächtigt, wie diesmal bei den L a n d- t a g s w a h l e n. Eine wahre Wut h hat die Massen ergriffen, als sie sahen, wie die zwei Drittel das eine Drittel überstininilen. Die llieaktion hat sich da gründlich verrechnet. Von diesem Gesichtspunkte ans würde ich auch len preußi- scheu Genossen die Betheilig nng an den Wahlen empfehlen. Ihren ziveilen Zweck hat die Reaktion zum theil erreicht, wir haben eine Anzahl Mandate verloren. Das ist dadurch möglich geworden, daß ein Theil unserer Genossen uns den Arm gelähmt hat. Wären nicht die Leipziger abgeschwenkt, dann wären wir eine geschlossene siegreiche Phalanx gewesen wie seit 30 Jahren. Zuerst wurde in Leipzig ein Geschrei erhoben: Die Mandate niederlegen!! Als die Fiaktion dieser Forderung aus zwei Wahlkreisen nicht nachkam, da wurden uns gewiiiiisiichlige Absichten niitergescboben.. Das war geradezu eine gemeine Handlnngsivcise.(Hört! hört!) Und als wir auch diesem Druck der Gemeinheit»icht iiachkaii.ien. griff man zu noch anderen Mitteln und machle Karrikatnren ans uns. (Hört! hört!) SlllcS das hat uns nicht veranlaßt, von unserem demokratischen Etaiidpiinkl abzugehen; als dann die große Mehrheit der Genossen sich für die Wahlbetheilignng er- klärte, da inäre die Disziplin die Pflicht der Leipziger Genossen gewesen.(Sehr ivabr!) Stall dessen errichlcte mau in Leipzig eine Wahlrechts-Lig a. Mit Pauken und Trompeten wurde sie in die Welt gesetzt, lind was hatte man erreicht? Wo ist diese Wahlrecht-Liga mit S ch o e n l a n t an der Spitze geblieben? Es ging ihr wie den Blnuien ans dem Felde: wenn der Wind weht, sind sie nicht mehr da. Man bildete sich ein, man kommt in ein Lcrnd und will da regieren, da muß erst die Landtagssraklion beseitigt werden! 30 Jahre lang sind wir i» Sachsen in geschlossener Phnlanr in die Wahlen geganae», jetzt ist ein Flügel abkonimandirt worden. Wie soll eine Armee siegen, weiin ein Flügel sich nickt betheiligt? Dieses Abschlvenken enlimithigie auch viele andere, die sich ihrer Sulidaritüt erinnerten. Ick klage geradezu die Leipziger an, daß sie den Verlust mehrerer Wahlkreise verschuldet haben. Ich werde den Beweis dafür zifferninäßig liefern. Wir haben in maiicheii Kreisen die Wahlmänner der zweiten Klasse mit 7 oder 8 Stimmen verloren. Die Redezeit des Redners ist abgelaufen. Borsitzender Singer: Ter Redner hat, als er von den Leipziger Geiiossen sprach, den Ausdruck„Gemeinheil" gebraucht. Ich nehme an, daß er gemeint hat. daß wenn der Vorwurf des Klebens an den Mandaten wahr wäre, würde das eine Gemeinheit sein.(Heilerkeit.) Hat er aber gemeint, jener Vorwurf sei eine Gemeinheit, so würde ich baS zu rügen haben. Ich nehz.ie an, daß er das erstere geweint hat. Im Laufe der Diskussion gehen fortwährend Amende» in e ii t s zu der Resolution Bebel ein. Ich habe bisher nicht die Gepflogenheit gehabt, Amendements in Druck zu geben, werde aber bei der Wichtigkeit der Sache von dieser Gepflogenheit abweichen. Ich spreche aber die Bitte ans, die Aniendements noch im Laufe des Vormittags einznbriiigeii. Ulrich- Offenback: Wir Hessen haben ans der Landeskonferenz beschlossen, dainr zu streben, daß der Parteitag den Kölner Be- schkliß aufhebt und so die preußischen Genossen in die Lage versetzt iverden, selber zu entscheiden. Für den Punkt 1 der Bebel'sche» Resoliltion werden wir also stimmen. Nun zur Sache: Ich bebaute mit nieiiiem alten Lehrer und Freund Liebknecht nicht ü b e r e i n st i m in e n zu können. Ich verkenne die Schwierig- leiten der Dreiklassen-Wahl nicht, aber die Entwicklung geht dahin, daß immer weitere Theile des Mitlelstandes in unsere Kreise geralheii. Co werden wir im Laufe der Zeit die zweite Wählcrklasse gewinnen und so aus eigener Kraft siegen. Die Schwierigkeiten der öffentlichen Abstimmmig, und Wahl- männer zu finden, die nicht wortbrüchig sind, haben wir in H e s s e» überwunden. Als wir vor sechs Jahren in Offenbach clisetzten, konnten wir die nölhigen Wahliiiänner zuerst nicht finden. Es ge- lang schließlich, aber es waren Leute darunter, von denen wir nicht genau wußten, ob sie Sozialdemokraten waren. Von den 83 siel aber keiner um. Wir wollen unS an den preußischen Landtagsivahleu betheiligen doch nicht nur.der schönen Augen der Fortschrittler wegen- waS sind sie nns— sondern unserer selbst wegen. Die Situation hat sich seit 1803 verändert und sie wird sich noch mehr ändern, wenn die Masse bei den preußischen Wahlen gleichgiltig bleibt. Die Kraut- und Schloljnnker bereiten einen großen Fischzng vor. Betheiligen wir uns nicht an den Landlagsivahlen, dann macht man in den Einzellandtagen das, was im Reiche nicht geht. Auch die Lcindessragen sind von Wichtig« keil. Wenn es schwer wird, die große indolente Masse in Be- ivegnng zu setzen in großen politischen Fragen, so leicht ist es, sie in Bewegung zu setzen, wenn wir über Schulsragen, Chansseefrageii«. sprechen.(Bravo!) L e i d- Berlin: Das Opfer dürfen wir vo» unseren Genoffen »icht verlangen, einen ganzen Tag im Wahllokale zu bleiben. E i n e M a s s e n b e w e g n n g b r i n g e n iv i r d e s- halb nicht zn stände. Wenn selbst die eifrigsten Befürworter der Wahlbewegnng zugeben, baß ans eigener Kraft vo» uns keine Mandate erobert werden können, dann zieh-'N wir daraus die Folgerung, daß wir uns nickt bel heiligen dürfen. Die Voranssetzniig eines starken liberalen Bürgerthiims ist in Deutsch- land garnicht gegeben. Alle wahrhaft liberalen Elemeiile sind längs: zur Sozialdemokralie gekommen. Wie sehen den» die Freisinnigen als Beschützer der bürgerlichen Freiheit aus? Wäre es ihnen ernst mit diesem Schutze, dann hätten sie bei den Stichwahlen zun. Reichstag für nns stiniineii müssen.(Sehr richtig.) Dabei tinu sie in w i r t h s ch a f t l i ch e n Fragen die r e a k t i o n ä r st e N Gegner. Das Vereinsgesetz wäre zweifellos an.» genommen worden, wenn es sich ausschließlich gegen die Sozialdemokratie gerichtet hätte.(Sehr richtig?) Die Nationalliberalen fürchteten, daß auch sie getroffen werde» könnten, wenn der Wind einmal gegen sie ivehe. Hat doch Engen Richter selbst erklärt: Wenn die Regierung alle bürgerlichen Pactcirn sammeln wollte, dann sei er auch dabei. Diese Leute könne» Misere Interessen nicht wahriiehincn.(Sehr richtig.) I» der Parteipresse ist sogar gesagt worden: Es ist gleichgiliig, wie ein Arbeiterverlreter ins Parlament koinnit. Gegen solche Taliik, d i e d e ii K l a s s e n st a n d p u n k l verwischt, m ü s s e n w i r p rote stiren. Unsere Genossen sollen nicht durch solche Schmuggeleien, wie die Gegner, ins Parlament kommen. Zu-' dem erreichen wir nichts bei dein Sckacher. Der Preis i st z t h e» e r für solchen Erfolg. Wir dürfen nicht das Milredlik,' um jeden Preis als Ziel proklamiren.(Bravo!) Fra» Zetkin: Ich flehöre mit zu denen, die darnuf hin- eyirke ii möchten, daß sich unsere Partei ans die Ebene begiebt. die die schiefe genannt wird. Mir erscheint sie melmclir als ein ausgedehntes Blachfeld für den Klassenkampf(Rufe: Oha!), wo wir neue proletarische Massen in die' Gefechtslinie führen können. Wie lagen die Verhältnisse für uns in Köln? Wir haben die Frage so formulirt: Können wir uns mit Voriheil an den Landtags- wählen bctheiligen? Unter Vortheil verstanden wir die Eroberung der Mandate. Anders liegen die Dinge heule. W i r müssen uns diesmal b e t h e i l i g e n, um schwer« wiegende Nachtheile zu beseitigen(Sehr richtig!), die lief eingreifen in das alltägliche Leben einer großen Anzahl von Staatsbürgern. Wir sehen noch eine andere Erscheinung. I e mehr die Sozialdemokratie bei den Reichstagswahlen ans grnnd des allgemeinen gleichen direkten Wahlrechis vorwärts- schreitet von Sieg zu Sieg, je mehr ihr Einfluß steigt, nm so größer wird auch die N e i g u n g der G e g n e r, wichtige, entscheiden de Materien ans dem Reichstag abzu- schieben in die Einzellandtage(sehr richtig!), we.il dieselbe eine r e a k t i o n ä r e M a ch t sind, die zusammengesetzt ist durch Wahl- systeme, die den Schwerpunkt der Macht in tie Hände der Besitzenden lege». Aber ganz besonders gilt das von dem preußischen Landtag, der unter der Vorherrschast des Juukerlhums steht. Ich bin der Ansicht: Macht kann nur dttrch Macht bezwungen weiden.(Beifall.) Eine Macht aber, die dem Juukerlhuin enlgegentritt, die kann hcutzuiage nur dadurch geschaffen werden, daß das Proletariat kämpfend ans der Bühne erscheint. Und noch in anderer Beziehung bat sich die Situation geändert. Wir haben heute thatsächlich die Erscheinung, daß das Bürger- tbum demokratische Anwandlungen hat. Ich trete durchaus nicht � seiner Werthschätzung durch meinen Freund Bernstein bei; ich vergesse nicht, daß wir nicht eine Bourgeoisie baben, die eine gloriose Revolution durchgemacht hat, wie ihre französische, wie ihre englische Schivcster, sondern eine Bourgeoisie, die aus Furcht vor den erste» intensiven Zuckungen des Proletariats mit dem Jnnkcrthum paktirt hat, und ich vergesse nicht über der Opposition von heute den Berrath von gestern. Aber wenn ich auch nicht bereit bin, diese Opposition etwa einzuschätzen als den fonnendurch- glühten, lichldnrchflntheten Sommer, sondern vielmehr als den bleichen Altweibersoinmer, und der dauert nicht lauge— übersehe ich doch nicht, daß eine starke Opposition stallfindet in der Bourgeoisie, und daß wir beiwohnen einen Kampf zwischen befriedigten und unbefriedigten Appetiten. Und dieser Kamps wird gestärkt durch den Zickzack-Kurs, durch absolutistische Neigungen, die die Bourgeoisie nicht ertragen kann. Denn die Bourgeoisie— wenn wir absehen von Kapitalmagnalen wie Knipp nnd Stumm, die sich auch bei feudalen Zuständen wohl befinden und sich zu feudaler Beschränktheit znrnckeutwickelt haben— die Bourgeoisie braucht ein gewisses MindestiitaH v o n Freiheit, um ausbeuten zu können. Es ist Pflicht der Sozialdemokratie, dieses Mindestmaß von Freiheit mit erringen zu Helsen, nicht der Bourgeoisie zu Liebe, sondern im eigenen Klassen- intercsse(Beifall). Ich bin i'ibcrzettgt. daß diese Oppositious- anwandlnngen schwinde» werden in dem Maße als der Klassenkanipf sich zuspitzt. Aber wenn dem so ist, so sag« ich, eS ist eine Nolhwendigkeit, daß das Proletariat in den preußischen Landtagswablen aktiv auf die Bühne tritt nnd die Opposition stärkt, bis es schließlich die endgiltige Führung im Kampfe übernimmt. Denn vcrgleicben Sie doch die Haltung der bürgerlichen Opposition im preußischen Landtag und Reichstag; Sie werden finden, daß im Reichstag die bürger- liche Opposition, die dort mit der Abrechnung der Massen zu rechnen hat, eine weit schärfere ist. als im preußischen Landtag, wo die Herren hübsch unter sich bleiben. Es wird behauptet, daß wir nicht im stände sind, die Massen für diesen Kampf zu interessiren; man hat die Schwierigkeit der Betheilignng angeführt. Ja, Genossen, ich frage sie. w a n n i st denn je die Schwierigkeit ein Grund gewesen, um Sozialdemokraten vom Kampfe zurückzuhalten? (Lebhafter Beifall.) Haben uns die Schwierigkeiten in der Ge- werlschaftsbewegung abgeschreckt? Haben nicht unser« österreichischen Genossen, die unter ähnlichen Verhältnissen zu wählen habe», den Kampf aufgenommen? Wann, frage ich Sie weiter, habe» wir den Schwerpunkt unserer Betheilignng au den politische» Wahlen auf die Eroberung von Mandaien gelegt? Der Schwer- punkt liegt darin, durch die positive Wahlarbeit die Massen zu revolutioniren(Lebhafter Beifall), und dazu haben wir bei de» Landtagswahlen reichliche Gelegenheit bei einer Reihe von»»mittel- baren Lebensintercssen, an die die Verhandlungen im Reichstag nicht heranreichen. Von dem Augenblick an, wo wir uns an den Landtagswahlen betheiligen, gewinnt das ganze politische Leben Preußens eine ganz andere Perspektive, einen ganz anderen Hintergrund; es rückt ein in die Arena des Klassenkampfes, nnd ans diesem Grunde halte ich die Betheilignng an den Landtagsivahlen für noih- wendig. Und iveiter auch mit Rücksicht aus die Beseitigung des Dreiklassen-Wahlsystems. Kommen Sie nicht damit, wir werden dieses Wahlsystem vermittelst des Reichstages beseitigen. Ich bin Überzeugt, daß vielmehr die Tendenz der politischen Entwickelung Deutschlands den anderen Weg gehe» muß: Ersetzung des allgemeinen gleichen Wahlrechts im Reichstag durch das Klassen-Wahlsystem.(Leb- haste Zustimmung) Ülnßcrdcni ist die WaHIeutHaltnng die schwächlichste jeder Protestaktion.(Sehr richtig!) Wenn wir den Prolest bc- schließen. werden unsere Gegner sich inö Fäustchen lachen. Sie werden sagen, wir lassen euch sehr gern das billige Vergnügen, gegen uns zu proteslire», wir behalten die Atacht, euch zn diklircn. (Lebhafter Beifall.) Und Genossen, eine äußerliche Tenwustrations- Politik ist bei uns undurchführbar bei dem Charakter der Deutschen nnd unserer gesammten geschichtlichen Entwickelung. Das zeigt auch die Geschichte der Maifeier, nnd ich versichere Ihnen eins: Sie werden mich z» jeder Zeit bereit finden, meine Person einzusehen in dem Klassenkamps; ich möchte aber nicht die Ver- nntworiung übcrnehmen angesichts der gegenwärtigen hysterischen Nervosität der Herrschenden für eine solche rein äußerliche De- inonstrationspolitik. Der wichtigst« Protest bleibt die W a h l a k t i o n, die Wahlbeiheiligiing(Beifall); und wenn wir nicht Erfolge erringen in Gestalt von Mandaten, so bin ich über- zeugt, daß die Saat, die wir ausstreuen, üppig in die Halme schießt, daß wir sie einernten werden(Beifall); nnd auch, was Liebknecht ans Bosheit, aber mit seiner ganzen Opserfrendigkeit in Sachsen gesäet hat, er wird es bei den nächsten Reichstagswahle» für die Ernte reif finden.(Bei- fall.) Und wen» wir auch in Preußen diese Saat nnSstreueii, bin ich überzengt, heute wagen wir, über ein Weilchen schlagen wir! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Dr. A r o n s- Berlin: Der Umstand, daß zweifellos ein großer Theil»nsercr Wähler noch nicht idozialdeinokraten sind, ist meiner Ansicht»ach durchaus ausschlaggebend dafür, daß nur gezwungen sind, uns an der gegenwärtigen— ich spreche ausdrücklich von der gegenwärtigen— preußischen Landtagsivahl zu beiheiligen. Tenn wir haben alle gesehen, daß thatsächlich— Genossin Zetkin hat das ja in glänzender Weise ausgesührt— ein demokratischer Zug durch bie Oppositionsparteien geht. Und betrachten wir die preußischen Laiidlngswnhleu diesmal wieder von dem Slandpiinkle des reine» Protestes»nd reinen Gehen- und Geschehenlassens, da»» werden nur .folgendes erleben: die Liberalen werden sich als die cigeullichen Volks- und Freiheitsfrenude ausgebe», und von denjenigen Leulcn, die sich de- reils aus dem Wcge der Enlivickeliing zur Sozialdemokratie befinden, werden eine ganze Reihe von ihnen ins Schlepptau genommen werden.(Sehr richtig!) Und dann kommt die weitere Folge: Wenn die Leute sehen, sie haben die Volksrechte gewahrt, indem sie für die Liberalen gestimmt haben, werden sie auch bei den Reick,?- tags-Wahlcn sagen, diesmal köniien wir auch lieber für die Liberalen stimmen, als daß wir alle Fährlichkeiten auf uns nehmen, die dasEintreten für den Sozialdemokraten mit sich bringt. Es ist gesagt, wir dürsen unsere Taktik nicht a»f diese miiiderwerlhigen Eleiiiente ziischneiden. Das wollen wir auch nicht. Der richtige Sozial- demokrat weiß ja geua», was wir wollen, wenn wir einmal für einen bürgerlichen Kandidaten»intreten; für uns ist eS aber wichtig, die, die noch nicht durchgebildete Sozialdemokroleit find, festzuhalten, nicht um durch ihre Hilfe Mandate zu erringen, wohl, nm nicht ein Agitalionsmaterial an ihnen zu verlieren. Deshalb ist es noth- wendig, daß wir diesmal in die Wahl eintreten. Wir haben ihnen in den Versammlungen und Flugblättern gerade bei dieser Mahl den ganzen Sündeuzettel der Liberalen vorgetragen. Wir werden ihnen sogen können: Diese Leute, die wir auch heute zu wählen empfehlen, sie haben diese und jene Verbrechen auf ihrem Konto,«nd ich glaube, kein einziger tinscrer Agitatoren wird in der Versammlung in bezng hierauf in Verlegen- heit kommen. Es ist als eine große Schivierigkeil betont worden, daß Reichstag?- nnd Laudlagswahlen bald aus einander folgen. Ich möchte sagen: Das beliachte ich gerade als einen Voriheil; denn in dem Molueut, wo wir dcn Leuten sagen: hier bei den Laudlagswahlen müssen wir die Liberalen«»lerstützen, denn hier kommt es daraus nnd darauf an, aber nachher bei den Reichstagswahlen werden wir mit ihnen abrechnen, lassen wir über die wirkliche Sachlage keinen Zweifel. Wir haben nicht nöthig, das eine Mal in den Himmel zu heben und das andere Mal heriinterzurcißrn.(Sehr wahr!) Ich glaube, das ist überhaupt nicht die Art der Agitation, wie wir sie zn bc- treiben haben.(Lebhastcr Beifall.) Wir solle» eben nicht sagen: Herr Munckel, diese Lcnchlc!—»ind nachher: Mnnckel, dieser Schnsl! (Beifall), sondern: Herr Munckel als Liberaler will daZ, deshalb geben wir ibni nnscre Stimme; nachher bei der Reicbstngsivahl handelt es sich um ganz andere Ausgabe», da werden wir>h» bekämpfen. Und nun einige Worte über das„Wie" der Belheiligung. Ich flehe, wie Sie wisse», schon seit vier Jahren auf dem Boden: Wir müssen»ins an den Landlagswahlcn belheiligen im Interesse der Agilalrorr. Aber über das W> e habe ich hin nnd her geschwankt bis in die Ichte» Wochen, und ich weiß nicht, ob ich bis zn den Wahle» meine gegenwärtige Slnsicht nicht»och ändere. Des- halb wäre ich dafür, daß wir ims auf dem Parteitag au das Prinzipielle beschränken. Das hat auch eine» praktische» Werth: es ist mißlich, in eine Agitation mit gebundenen Hände» hineinzugehen.(Sehr richtig!) Je größer unsere illktions- sähigkeit bis zur» letzten Moinenl ist, desto besser sür»ns nnd desto gefährlicher für unsere Gegner. Deshalb würde ich es lieber scbe», wenn wir uns ans die Annahme der erster, beiden Absäße der Bebel'schen Resolulion beschrnnicn würde». Aber die Bebel'sche Resosutio» ist im großen ganzen so gefaßt, daß wir»ins doch bis zn gewisse» Grenze» elwas freier bewege» können, und»in die Einmüthigkeit nicht zu störcri, möchte ich bitte», sie anzrmehnren. Es ist hier vielfach von eirieirr Handel gesprochen worden. Nun. ich meine, auf einen Handel würde es gar nicht heraus- kommen. Wir würden in k e i n e V e r b a n d l rr» g e» mit de» Parteien einzutreten brauche», sondern einfach sagen: wir wählen bürgerliche Oppositioirslerrte, die in ganz bestimmte» Punkten in ihrem eigenen Klaffeninteresse gewisse Fordernngen vertreten müssen, die auch rvir sür wünschens- rvcrth halte». Ich erinnere an die Frage der Freizügigkeit, die jeder Jnbrislrietle vothrvendig haben rrniß, der Agrarier aber beseitigen will; ich erinnere an die Schul frage, wo es im Interesse der Judnslrie liegt, daß wenigstens ein gewisses Maß von Bilbnng auch der Arbeiter hat, de» sie ausbeutet, während der 'Agrarier das Jnteressc hat, daß die Schulzeit niöglichst kurz ist, erstnial, tamit er die Kinder länger ausbenlen kann, und dann rvcil er sicb sagt, wenn der Kerl etrvas gelernt hat. ist er nicht mehr derselbe. Wir können also, ohne erst zn verhandeln, einsacb sage»: Wir wählen oppositionelle Leute, wir haben bei den Wahlen garnichls mit ihnen zu lku». Aber auch wenn wir Wahlmänner aufstellen, wo wir das Zünglein an der Waage sind— ich nenne Königsberg, Breslau, Frankfurt.— wenn rvir an solcken Orlen er- klären: wählt ihr im ersten Mahlgang unseren Kandi- baten— denn in den rneisten Wahlkreisen Preußens wählen dieselben Wahlmänner zwei oder drei Abgeordnete— dann wählen wir im folgenden den Liberalen, so wäre das ein gangbarer Weg.(Lebhafter Beifall nnd Händeklatschen.) Singer- Berlin: Wen» bie von Ar o u s vorgetragenen Grund- sähe sür die Partei jemals maßgebend werden sollle», dann würde ma» viel besser thu», mit den Parteien, d i« A r o n s meint, ein g e>» e i» s a in e s P r o g r a m»r zu m a ch e» (Sehr gut!), nicht nur ein g e in e i»r s a>» e s Wahl- Programm, sondern auch ein gemeinsames K a m p f p r o g r a»r m. Davon kann natürlich nie- mals die Rede sein. Die AronS'ichen Ausführnnge» beweisen, wohin man kommt, wenn man als ein i tont prix(um jeden Preis) zn erreichendes Ziel die Belheiligung an den Landtagsivahlc» hinstellt. Slrons hat in dankcnswerlher Weise diejenigen, die noch zweifelhaft waren, bewogen sich ihre Schlnbabstimmiinfl reiflich zu überlegen.(Sehr richtig!) Mit Zubeil bin ich nicht darin einverstanden, daß die Eni- scheidung Sache der preußischen Delegirten sei. Die Frage steht doch nicht nur so, ob wir»ns beiheiligen sollen, soiidern wie rvir »ns belheiligen sollen,»nd an dem„Wie" bat die gesammte deutsche Partei eri, gleiches Interesse(Sehr richtig!) nnd sie muß daher das Recht der Entscheidung habe». In andern Lärrdern bestehen Wahlgesetze, die es»ns ermöglichen, ans eigener Kraft in den Landtag z» t o m r» e n.(Sehr rvabr!) Hier abcr soll das erste Mal der Bersnch gemacht werden, unter einem Wahlgesetz zn kämpscn»nd Erfolge z» erringe» mit Hilfe nndcicr Parteien, ohne deren Hilfe das nicht möglich ist. Das ist keine preußische Frage, sondern eine, über die die G e s a»> m t p a r t e i z n e n r s ch e i d e n hat. Nun hat Auer in durchaus objektiver Weise seine Nnschanimg vertreten, abcr das eine geht doch daraus hervor: er verspricht sich große politische Vortherle durch die Aushebung des Kölner Beschlusses nnd durch die Betheilignng. Nein, diese Erfolge sehe ich nicht. Was haben rvir ben» sür Hoffiinngcn zu setzen aick eine, sagen wir, etwas weniger regierungsjrenndliche Majorität rr» preußische» Landtage, Denn daß die Majorität auch im Ab- geordiiclcnhanse»immer regicrnngsfrcundlich sei» wird, lehren alle bisherige» Ersahrungc». Die Vorgänge in dcn iiOer Jahren sind kein Beweis sür das Gegentheil, denn damals bandelte es sich nicht n», de» rv i r l h j ch a f t l i ch e n Kampf, sondern rr»r de» Kamps unr polt tische Freiheit. H c n t e aber steht der rv i r l h s ch a f t l i ch e K a m p f wenn nicht höher, so doch mindestens eben so h o ch, rv i e der politische, nnd in diese», Kampf rvird sich im preußischen Ab« geordneterihairse nie eine Majorität finde», die a»ch nur anirähernd einigermaßen vernünftige Airfchaiiungen vertritt.(Sehr richtig!) Es ist eine Jllnsio», sich das Gegentheil einzureden. Und sitzt denn nicht rieben dem Abgcordiiclenhause das Hcrienhaus und die Regierung* (Sehr richtig.) Gewiß haben rvir auch vcbcn dcm Reichstage cinc» Bunbesralh, aber dort liegen die Bcrhällnisse doch ganz ander?. Man redet davon, daß es möglich sein wirb, brircb eine Be- lheiligung an den Landlagswahlcn de» Kampf gcgrn das Drei- llasscn-Wahlsystei» zu sährc», aber bei ruhiger und objektiver Uebcrlcgiirig muß ma» zn dcr Ansicht kommen, daß wir durch eine solche Altion die Dreiklnssenwahl niemals beseitigen werbe». Das ist nur möglich, wen» sich in» Reichslage cinc Majorität finbet, die die einzelnen Landlage zwingt, ihre Wahlgesetze z» ändern. Nu» hat namentlich die Gcriossi» Zetkin mit der gewohnten flammende» Begeisterung darauf hingewiesen, daß durch die Wahtberbeiligniig ein neues Kampfseld für»ns sicb eröffnet. Gründe dafür sind aber nicht angesnhrt. Wen» cs sich»nr darin» handeln würde, sich an eine durch anßerordcirtlich schöne Bilder geschmückt» illede zn begeistern, darin würde die Rede der Genossin Zeikin den gciviinschlen Erfolg haben, aber wir sind doch nicht Leute, die blos schöne Rede» halten, sondern die ruhig nnd klar überlegen, wa? zn thrn» ist. Das sagt jeder: davon ist kein« Rede, daß wir ans eigener Kraft eine» Kandidaten dnrchbekomme». Genossi» Zetkin sagt, wir belheiligen»nS flicht der Mandate, sonder» dcr Agrialion wegen. Ist das richtig, dann darf sie nicht sür die Resolulio» Bebel stimmen, denn darin werden Mandate verlangt, und daS ist auch der richtigere Standpunkt. Unsere Partei ist jetzt groß geling, sie braucht nicht ein neues Gebiet als Berbreitungsseld sür ihre Ideen, wir können über alle die einschlägigei, Fragen auch ver. handeln, ohne daß wirWahlversaminluirge» für den Landlag einberuse». Selbst also können wir nicht in den Landtag kommen, und deshalb sollen Kompromisse geschlossen werden. Da muß ich doch sage»: was Bebel in Köln ausgeführt hat, trifft heute„och z». Was hat sich denn geändert, daß das, was vor vier Jahren zur Demoralisation geführt hätte, heute als e r st r e b e n s rv e r t h bezeichnet wird? Es ist eine Reihe reaktionärer Gesctzesvorschläge geloniuren, aber es ist nichts eingetreten, was die Partei zwingen könnte, ihre Todfeinde z u u rr t e r st ü tz e n und ihr« Kräfte der Bourgeoisie zur Bersügnng zu stellen.(Lebhafter Beifall und Hänbellatscherr). Es ist U l o p i st e r e i, wenn man glaubt, daß Aeirderungen ein- getreten sind, und deshalb muß ich mich auf das bestimmteste gegen Kompromisse erkläre». Arons hat seinen sn'ihcren Vorschlag selbst zurückgezogen und kommt »un mit einem neue» Vorschlage. Aber sür diesen Handel mit den bürgerlichen Parteien d a n k e i ch. Die bürgerlicher» Oppositionsparteien müßten j a Narren und Esel sein, rv e n rr sie uns a u ch»»r r ein Mandat dafür geben, daß»vir in einen» anderen Wahlgange für sie st i m nr er». WaS sollen den» sozialdcmokralische Wadlmäniier, wenn sie gervählt sind, anderes mache», als gcge» die Reallion zu stimme»? Die bürgerliche Oppo- silioir hat das volle Recht, uns zu sage»: Ihr»rüßl»»» Euer selbst willen für uns stimmen, weil Ihr cs nicht zulassen dürst.daß dieReaklion gestärki wirb, gleichviel ob wir Euch nachher unsere Stirnme gebe» oder nicht. Es bleibt also sür mich beim Kölner Beschluß.(Stürmischer Beifall»nb Händeklalschen.) Dr. Q n ar ck- Franlsurt a. M.: Aus der Rede Singer'» ist mir so recht klar geworden, welches die Unklarheit ist, die uns noch trennt. Es dreht sich darr»», festznslellcn, ob die Be« t h c i l i g u» g a r» der, preußischen L a n d t a g S rv a h l e n ein Aufgebe» des Klassenkampfes bedeutet. Ist dies der Fall, so habe» wir uns fernznbalteii,»venu nicht, so besieht kein Grund,»ns nicht zn belheiligen. N rr» bedeutet in. E. v: e W a h l b e t h e i l i g rr» g sür uns sogar die E r ö f f n» n li des§k l a s s e n k a m p s e s ans einem neuen von uns noch nicht praktisch bearbeiteten Gebiete. Man darf«»r dcn Begriff des Klassenkampfes nicht so eng fassen, wie die Gegner der Belheiligung. I» dem politisch weit hinter allen westeuropäische» Kullnrstaaieir znrückgebliebencr, Preußen kämpft noch oas opposiiionclle Bürgerlhnm alS nicht herrschende Klasse gegen das herrschende, im rniitcralterlichen Feudalismus wurzelnde Jrirrkeribnm. Es kämpft rrcuerdings hefliger als je gegen diesen Feind, dcr auch uriser Klassenfeind ist. Die Neigung zriin Absolulismns und der Zickznclknrs haben Ikalsächlich auch das Bürgerthum in Preußen ausgerültelt. Unser W a h l m i ß e r f o l g in Wiesbaden ist zum theil auch darauf ziirückzusühreii, daß dcr Freisinn nicht ungeschickt mit diesem frischen Winde segelie. Diese frische Bewegung im Bürgerlhnm ist aber > evolutionär im Sinne des Kominirnistischen Manifests, sie richtet sich gegen Absoliitisinns und Fendalismiis, will das parla» mcnlariiche Regime einführen, nnd das ist in den zurück- neblicbencn preußischen Verhältnissen ei» Fortschritt. Wir»rrtcr* stützen diesen Kampf der Bourgeoisie gegen nrittelalterlich,! Staateformcn, wenn wir»ns an den Landiagsivahlen belheiligen. Ich denke, dir brauchte» uns gar nicht zu schämen, offen und nackt rn sagen: in der Hauptsache kommt unsere Wahlbetheiligiing ans eine Unrerstütznng des Ficisinns hirians; i» bezng auf eigene M a r»> bat« denke ich rrämlich ziemlich pessimistisch. Aber auch daS ist i» diesem Falle Pioletarierpolilik, Proletarierpolitil mit Engen Richter als Kanoneniulicr. Der», es ist za nicht richtig, daß wir kompromisseln, daß die Freisinnigen mit im? auch handelten oder wir mit ihnen. Engen Richter lädt uns nicht als sreundlichev Wirlh ein, wie cs das B>ld des„Kladderadatsch" darstellt, das eben in» Saale denimgeht. Umgekehrt: wir kommen zu dcn Frei sinnigen als»achdrängcnde Hilsstrnppe, die dem zöger»- den Vormarsch der bürgerlichen Opposition nicht immer sehr angeirehn» ist. Für die Ausführung der Betheiliguruz wäre mir der beiannle Ziner'schc Vorschlag als der liebste und nützlichste erschienen. Ich bedaure, daß ihn Auer nicht mehr energisch ausrecht erhält. Tan» giebt es auch keine Enttäuschnngen und Berwirrnngeri. Zur Landtagswahl schicken rvir die frei' sinnige Opposition hoffenttich verstärkt ooer wenigstens»m Rückgrat gestärkt vor, um n»s zn helfe», dem Junker- tbum i» Preußen die Herrschaft zu entreiße». Zu de» Reichstagswahlen stellen wir nnscre eigenen Kandidaten ans, damit sie als Abgeordnete die Truppe bilden,»velche später: auch de», bürgerlichen Regime noch die Herrschast entreißt. In diesem Verhalle» liegt nicht der mindeste Widerspruch. Im Gegen- theil: Wir setzen damit ans einer»»euen Gebiet an stelle der revoliilionnrcir Phrase die praktische, der. Umständen nngepaßie, und deshalb wirksaine revoluliouärt Thal!(Vereinzelter Widerspruch.) Hoch-Hanau: Für mich ist der Satz in 4b der Vebel'scher« Resotiitioir,„eveniuell sür criien sozialdemoiratischei» Kandidaten zu stimmen" ganz»»annehnibar. Ztzas heißt cveuliieU? Entmeder nichts oder es liegt darin ausgesprochen, daß»vir unS in einer» Handel cirilasscir. Das geht nicht. Der liberale Kleinbürger rvürde als Wahlnmn» gar nicht bie Konrage habe, öffenilich für eiircii Sozial, dcnrokraten z» stimrnen. Wen»»vir aber keiircn Kompromiß ichlicßer,, liegt gar kein Grund vor,»ns nicht an der Wahl zn belheiligen Wir.müsse» eingreifen nnd zwar mit Rücksicht aus«ufere Agitation, Die Proiestagitalion ist, wie die Erfahrung zeigt, gar nicht möglich. Wirkliche Agitation läßt sich nur bei Belheiligung erzielen. Die Frage, ob»vir ei» Mandat erobern, könne» wir getrost der Zulrinsl überlasse». S ch»> i t t- München: Nehmen Sie«nseren?l»trag 91 an. Es ist eiiischicden Sache dcr Genosse» des betreffenden Landes, darüber zn entscheide», ob sie sich belheiliger, solle» oder nicht. Bei den komplizirie» preubischcr, Verhältnisse» ist es den außer- preußische» Genossen unmöglich, sich ein klares Bild zu machen. Tie preußischen G e rr v s s e n müsse» e rr d g i l t i g aller», e»> l s ch e i d e n. Pens- Tessa»: Ich bedaure, daß die Airschaiinngerr der Ge« Hoffen in solcher Schars« zum Ausdruck komme». Vielleicht ist der Wunsch, in glänzenden Autiihesen zu spreche» die Ursache Be- sonders habe�ich mich gewundert, daß Singer mit solchem Aplomb aufgetreten ist. Wurden doch gegen die B e r l r rr e e Stadt- ver ordnet« n wähle» diesctben Gründe geltend gemacht, wie gegen die Belheiligung an den Landtagsivahlen. Ter Kölner Beschluß war verkehrt, denn cs ist nichts nach ihm geschehen. Wir müssen uns aber immer mehr um alle Beiliälliiissc kümmern. Nehme» Sie die Nesolnlion Bebel an. Es kommt daraus an, daß wir überhaupt etwas thii». Unsere Genossen setzen so oft ihre Existenz für n»S a»ss Spiel, da wird die ö f s e n t l i ch e S t i»> ,ri a d g a b c l e l n unüberwindliches H i i» d e r n i ß sein. Es lebt so viel Idealismus in der Partei. Wir könns» von nriserei» G e n o s s e rr v e r l a n g e», Farbe zu betenirea; sie sollen sich nicht schämen, Sozialdemokialen zu sei». Ti- Agilalio» sür die Landtagsivahlen wird vorläufig dcr größte Gerviiir» sür»ns sei»; später rvird cs anders kommen. Gegen Kompromisse rnöchte ich mich bei der bevorstehende» Wahl doch entscheiden Ob es späicr, wenn wir nrächliger sei» werde», nicht geschehen wird, bleibe dahingestellt. E m>n e l- SaarlouiS: Die Betheilignng an den pre n ßifche» Landtags wählen ist von alle» Seilen als Z rv e ck m ä ß i g kei t s fr a g e behandelt worden Das halte ich auch für richtig. Ei» einziger Eozialdemokrut im Landtage kann auf die Bergarbeiter, die Eisciibahii-AibeiUr viel mehr wirken, als alle sonstige Agilalroir. Schon dieser eine Um» stand veranlaßt mich,»vier allen Umstände» ob mit, ob vhue Kompromiß sür die Betheiligung einzutreten. Die kopssche» werdrir, Pub überhaupt keine Eozinldcmokcaten, sondern unklare Mit- laiiser, an denen»ns nichts liegen kann. Was gegen bleBctheilignng an den Landtags wähle» gesagt m11" mau auc� V e g e n die B e th e il i g n» g n"ar c � v'�lchstags wählen einwende n. Der einzige ernsthafte Einwand dagegen ist der Hinweis auf die Schnnerigkeiten, oder wir sind der Schwierigkeiten immer Herr geworden?(Beifall.) Meist-Köln: Ueber die Urheber der Frontveräudcrung in machen der Landtagswahle» konnte ich mir zuerst nicht klarwerden. cj., c ich. daß es Bebel war. Ich war cinigcrunaßen über- raicht, halte ich doch kurz zuvor eine Rede über die preusiischen Lmidtagswahlcn gehalten, zu der ich als Material Aebcl's �klegen die Belheilignng benutzt hatte.(Heilerkeit.) �iogen dle nichtpreuhischen Delegirten bei der Abstinunung wohl berücksichtigen, dnü das prenhische Dreillnsscn-Wahlsystein ganz ad» weicht von den Wahlrechten zn den übrigen Landtagen. Die Frage der Belheilignng an den preusiischen Landtagswnhlen»inh daher von einem ganz anderen Gesichlswinkel ans betrachtet werden. Vor allein müssen wir berücksichtigen, daß wir die Massen nicht zn dem Opfer der öffentlichen Stimmabgabe bringen werden.(Sehr richtig.) Ach bi" über mit dem Zliiftrage hierher geschickt worden, für die Anfhebniig des Kölner Bcschlnsses zu ftimnien. Wir haben imS den Grnnden nicht verschlossen, die»nsere Theoretiker dafür geltend g�ch'.baden. Es ist gut. daß die Bebel'fche Resolution de» Wahlkreisen die Entscheidung darüber girbt, ob eine Wahl belheilignng möglich ist. Slnch ihr letzter Absatz ist von wesentlicher Bedeutung. Er verhindert, daß man, wenn man sich ans die schics Ebene'.des Kompromisses begiebt. nicht gar zn fmilc Kompromiff abschließt. Die Reichs» und L a n d l n g s w a h l c n liegen diesmal sehr nahe bei einander. ES wird Sache der Kreise sei», darüber zn entscheide», ob Verwirrung entsteht, wen» man für die Freisinnigen eintritt. In meinein Wahlkreise Lennep- Rietlnian» haben die Freisinnigen beim letzte» Wahlkampfe Flngbäilcr verbreitet, die alles enlhalten. was das Schimpflexikv» der ödeste» Impotenz ans die Beine bringe» kann.(Heiterkeit.) Wird ans der Bebel'schc» Rcsolniio» Punkt 4b wcggelasscn, der de» Kuhhandel offc» zum Ausdruck bringt(Heilerkeil), so bin ich bereit, sür sie zn stimmen, wcil sie den einzclncn Kreisen die selbständige Ent scheidnng läßt,«iid die ist diesmal besonders nolhwendig.(Beifall) Die wrilerc Debatte wird ans die Nachmitlagssiynng vertagt. (Fortsetzung im Haupiblalt.) dort in den letzten Jahren Busch glänzende Geschäsle UoNales. Partoigeiioffen drö vierten Berliucr NcichStagS- Wahl- rrcifeS. Tnd- Osten! Die Sladlverordnetc»- Wahlen rucken mit jeder Woche näher heran. Ebenso haben wir»ns zu rüsten für die im nächste» Jahre ftallfiiidcndrn Reichstags- Wahle», um unseren Gegnern mit einer stntillche» Zahl Arrlrclcr des arbeitenden Volkes ans beiden Stellen anfwarlcn zn könne». Es ist deshalb dringend »ölhig, daß wir»ns für diese itämps« vorbereite». Wo ist aber der beste Ort dafür? Antwort: Das sind unsere Organisationen und als politische Organisation der Wahlvercin. Hier ist Gelegenheit zn dieser Pflichlcrsnllnng bei so äußerst geringen Opfern, daß es jedem möglich ist, de» belehrende» Vorträgen und Dislnssione» beizuwohnen. In verständlicher Weise werden die Verhällnissc der Arbeiter beleuchtet, wie sie sind und wie sie scin sollte». Ten schönen Versprechunge» unserer Gegner dürfe» wir nicht verlranen, denn dem Arbeiter Hilst niemand, er bat es selbst zn thnn. Drum tretet Mann sür Mau» i» unsere Organisationen ein und stärkt diese. Denn ge schloffen sind wir eine Macht, mit der unsere Gegner zn rechnen habe». Neunnfnahme» und Beiträge für de» Wahl- verein werden auf folgenden Zahlstellen cnlgegengenomincn: Erbe, Cnvrystr 23. Enz, Falckensteinstr. 7. T o l k s d o r f, Görlitzcrslr. 58. Dierberg, Forstersir. 17. Beyer, Wrangel- slraße 1LI. Gottsried Schulz, Admiralstr. 40-r. Meyer, Lübbenerstr. 30. Scidler, Raliborstr. l6. Brüden selb, Manteuffelstr. 69.(Solz. Grünauerstr. 3. Streit. Ranny» strafte 36. T h. Metzner, Oraniennr. 134, Carl Scholz, Wrangelstr. 27, und Bachnian», Eisenbahnstr. 3S. Außerdem nehincn Aufnahm«» und Beiträge entgegen: Fritz Thiel Zeilimgs-Spcdilion, Skalitzerstr. 3S, Schilling. Manteuffelstr. 33� und® es che, Cigarreuhnndlung. Wrangclstr. ö3, und in der am IL. Oktober stnllfindcndcn Bsrsammlung bei Brüter, Waldemar- straße 75. Die Partelgciiosstu und Griiossinnon des zweiten Wahl- kreises werde» aus die am Sonntag, den k». Okiober, bei Z u b e i l, Lindenstr. 106, stailfindende versaiunilung anfmerksaui geniacht, in der Genosse O. St a e d c r eine» Bortrag„Astronomische Streif- zage" halten wird. Um zahlreichen Besuch bittet Die B e r- t r a u e» s p e r s o». Statistisches aiiö dem städtischen NrbeltShanse in Rum- »lielSburg. Im Durchschnitt betrug im Berichtsjahre die Ausgabe für die Ernährung der Anstallsinsassen flir die Gesiindenkoft täglich rund LS'/z Pfennig, also ans den ikopf und das Jahr 104 M.. für die Krankenkost täglich 63�/« Pfennig oder jährlich 2-t9 M., und in, Gesammtdurchschnilt täglich 34>/z Pfennig oder jährlich 125 M. Iudcffc» gelten vorstehende Angaben»nr sür die Ernährimg. Tie gesammtcn Ausgaben für die ganze Anstalt— Arbcilshans und Hospital— einschließlich der Besoldniigen». s. w.— belaufe» sich ans 64l 080 M.(läglich für den Kopf Ivli/z Pf.), die Eiiinahmen der Anstalt ans dem Arbeitsbetriebe»nd andere», ans 162 000 M.(läglich Lb>/, Ps.). Die Aiifivendnngen für die Hospilalilen, welche alt nnv siech, zur Einnahme so gut wie nichts deilragen, waren I.I3 M. n»d 1,58 M. sür die Lazarcthverpflcg»»g täglich für den Kopf; für Korrigenden belrngen die Kosten der ge- saiiimten Verpstegnng und Beanfsichlignng unter Anrechnung des Arbeitsverdienstes, durch welche» nach§ 38 des GcsctzcS vom 8. März 1871 die Hnstloslen theilweise zu decken sind,„och täglich 52 Pf. ans den Kopf. Tic Potödamcr Brücke im städtischen Etat. Um einen Slisistand in der Bailausführniig der Potsdamer Brücke nicht ein- treten zu lassen, hat das Magistratskolteginm beschlosscn, da durch die beschleunigte Baulhätigleit die ans vorlänsig 300 900 M. sest- gestellte Banrate bereits aufgebraucht ist,»och 150 000 M. zn be- willigen»nd wird hierzu die Genehmigung der Eladlverordiielen- Versammlung nachsuchen. Dem von der Firma Siemens n. HalSke vorgelegten Projekte einer elektrischen Stadtbahn vom Polsvamer Platz bis zur Schillingsbrücke, welche unter der Vvß- und Mohrenstraß« bis zum Hausvogleiplatz als Untergrundbahn, von letzterem Punkte ab auf- steigend über den Spitlelmarkt und sodann an der Spree bis zur Schillingsbrücke als Hochbahn ausgeführt werden soll, wcrden nunmehr die znsiündigen Behörden insofern näher treten, als dieselben behufs Besprechung dieser Angelegenheit zu einer anberaumte» Kon- ferenz i» den Rärnnc» des Polizei Pcüsidinms aus Dienstag, 12. d.M. znsaminentrctcn werden. ZirkuS Bnsch ist am Donnerstag Abend eröffnet worden. Dies Ereigniß hatte Tauseude von Leuten nach der Mnsenmsinsel gelockt, wo so nahe bei einander vornehme und vulgäre Kunst ihre Pflege- stätie haben. Der bis aus den letzien Platz gejüllle Zirkus bewies auch diesmal wieder seine Anziehungskraft sür die große Masse; kein Maler, kein Schrislstellcr kann sich rühmen, daß er so leiden- schaftlich das große Publik»», zn interessiren vermag, wie die zwei- und vierbeinigen Künstler, die in dem kleine» Räume der Manege ihre mühselige Arbeit venichlen. Man muß es dem Direktor Bnsch lassen, daß er meisterhaft die Masse zn fesseln vcr- steht. Wie anders war die Zirknkknnst, als Direktor Renz in diesem Fache uubcstriltencr Gebieter war! In seinem Wallen lag eine ge- wisse zurückhallcnde Sicherheit; man bewunderte die schwierigen Leistungen der Menschen und Thier«, ohne daß man zu irgendwelcher Anfreguiig Gelegenheit hatte; was verrichtet wurde, wurde ruhig, solide verrichtet. Wohin solche Prinzipien in der Gegenwart führe», dal die, wen» auch nur für kurze Zeit erfolgte Sluflösnng des Renz'schen Unternehmens gezeigt. Es gab nichts für die Nerven i» der Karlstraße und daher war es gähnend leer, nährend der Zirkus machte. Die vorgestrige Erössnnngsvorstelknng bewics, daß der Direktor in der letzte» Zeit nicht müssig war. Ein nicht allein verschwenderisch sondern auch geschmackvoll ausgestaltelcS Ballet, von wohl über hnuderl Damen getanzt, leitete die Vorstellung ein. Dann erschien der Direktor aus dem Plan, eS vollzogen sich die üblichen lauten Bc- grüßnngen und sodann kamen die ebenfalls üblichen kolossalen Blumen- und Kranzspenden; die Reichshauptfladl läßt es sich nun einmal nicht nehmen, in so sinniger nnd zarlduslcndcrWcise über die ihr dargebrachten Herrlichkeilen zn quilliren. Und hierauf wickeile sich ein Programm ab, das, soweit der rein„eqneflrische- und der derbtomische Theil in belracht kommt, Bewunderung, in seinen forschen Bravour- nummern aber selbst in der doch ans Sensation gesahten Zuschauer- schafl zuweilen gelindes Grauen erweckte. Ging der wilde Husaren- ritt über lichlcrtoh brennende Zunder hinweg noch an. so rief ein Sensationsslück, das derReiter Corrndini vollsllhrte, Angst»nd Schrecken hervor. Stoß und Reiter ließen sich ans einem Trittbrett, das an Drahtseilen befestigt war, in die Höhe winden. Hoch oben brannte Herr Corrabini ein Fcneriverk ab, und»nn sollte es nach den, Programm„mit Windcsschnelle" wieder in die Tiefe gehen. Da wird das Pferd in, ruhig, es macht einen Fehltritt, und ans ein Haar stürzen Roß und Reiter snnszig Fuß tief in die Manege hin- ab. Zu», Glück war daS Thier mit dem einen Fuß im Drahtseil hängen und ans der Seile liegen geblieben, so daß unter ganzer Krafianstrengung des Reiters das Furchtbarste verhütet wurde. Das Publikum gab, nachdem der Augenblick entsetzlicher Angst vorüber war. laut sei» Mißfallen über das gefährliche Spiel zn erkennen Hoffentlich heißt es in bczug auf diese Niiminer: Einmal und nicht wieder. Bis zur Gefährdung von Menschenleben sollte die Sensations hascherei denn doch nicht gehen. „Monnmental"» so schreibt treffend die„Nordd. Nllg. Ztg." ist daS Lieblingsirort einiger Berliner Berichterstatter; jedes nur halbwegs imposante Bauwerk wird von ihnen mit diesem Prädikat ausgezeichnet, jüngst lasen wir auch von der Monumenlalilät eines in Formen und Gedanken rechl bescheidenen Bildwerks. Was kann nun noch monnmental genannt werden? sragien wir ui,?. Da lesen wir heute sogar in den Blätteru, daß aus dem städtischen Kunst sondS für den Berliner Stadlvciordiiclen-Vorstehcr eine„iiionuine» tnle Präsidentcnglocke" angeschafft worden sei. Die nach Prosessor Dr. Doeplers d. I. Entwürfe vom Hosgoldschmied Schaper ausl geführte Glocke ist— 50 Zenliuielcr hoch; bei dieser Dimension von„inoniiinental" zu sprechen, ist wohl der Gipfel monnuientalcn Unsiiins. Im Fall„Rothenburg" hat die Siaatsanwallschaft das frühere Testament des Bnters der Frau Rolhenburg, Renliers Steckher, welches bei dem hiesigen Amtsgericht deponirt mar. dort amtlich öffnen lassen. In diesem Testament war nämlich früher Frau Rolhenburg und ihre Tescendenz gleichsam zn Universal- erben eingesetzt, während sie in einem späteren, von ben Angehörige» veranlaßten Testament auf deren Betreiben fast völlig enterbt, dagegen das, mit diesen Angehörige» liirtc Frl. M. Reckhcr nunmehr zur Universalerbin des ganzen Vermögens ei» gesetzt wurde. Die llmstoßnng des früheren Testaments»nd die Enlerbnng der Fra» Siolhenburg geschah während ihrer Jnlerninnig in den hiesigen städtischen Anstalten. Di« amtlich« Eröffnung d«S fniheien Tcsiamenlcs hat nun ergebe», daß die. betreffenden Anträge der Frau Rothenburg in jeder Beziehung begründet sind, so daß man hoffen laiin. daß tinnmehr endlich durchgreifend« Klarheit in dieser merkivürdigen Angelegenheit amtlich geschafft wird! Zn dem Ncbcrfall auf den Schutzmann Schloch vom 58. Revier über de» wir kürzlich berichteten, wird milgetheilt, daß es gelungen ist, de» Verbrecher, der dem Beamten drei schwere Messerstiche ver- setzte, in dem LI Jahre alten Arbeiter Franz Caroiv. genannt Schier, icstiunehmc». Er wurde in einer in der Ceestrafte belegenen Kaschemme unler großen Schwierigkeiten festgenonnnen. Ein schwerer Unfall stieß gestern Nachmittag um 3 Udr einem Mälchewagen der Gesellschaft„Ideal" am Schönebcrgcr Ufer zu. Während er im scharfen Trabe dahin fuhr, verlor er plötzlich in der Nähe der Flotlwellstraße das linke Vorderrad, brach zusammen und stel n»i. Der Begleiter Wilhelm Wurzel sprang noch rechtzeitig ab, der Knlschcr Wilbrkin Felchow und eine Begleiterin Anna Häusler wurden ans da« Pflaster hinabgeschlendcrt und geriethen unter den um fallenden Wagen. Ter Kutscher zog sich erhebliche Berletznngen an de» Beinen und'an der linken Hand zn, das Mädchen klagte über Schmerzen in der Brust. Der Wagen war unbrauchbar geworden und mußte durch einen anderen ersetzt weiden. Proletariers Ende. Int Grunewald, auf dem Wege zwischen der Domäne Rnh'.eben»nd den Pichclsbcrgc», ist von Spaziergängern die Leiche eines Mannes, an einer Kiefer hängend, anfgcfnnden worden. Diese wenigen Zeile» bilden de» Schluß eines Lebens- romanS, der allen Geschichte, die doch eivig neu bleibt. Der also a»S dem Lebe» Geschiedene, welcher freiwillig dieser schönen Welt ade gesagt hat. ist der in Berlin in der Exerzierstraßc wohnhast gewesene Ernst H., 45 Jahre alt, seines Zeichens ein Bogclküstgbaner. Andanernde Bcschäflignngslosigkeit hat ihn das bitterste Elend durchmache» laffen. Und als nn» noch vor kurzem seine Frau starb, da stand er allein und verlassen in dieser Welt, da er Verwandte oder Freunde in der Nolh nicht besaß.— ein einsamer Man»! Da haben, wie ans einem hinler- lassencn Schreiben hervorgeht. Gram und Verzweiflung ihn gepackt, und mn allem seinem Jainmer und seinem Elende zu entgehen, hat er sich selber den Tod gegeben. In den Kleidern des Unglückliche» wurde noch ein— Slrasmandat über drei Tage Haft wegen Bettelns vorgefnnde»! Bon der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden ist die Leiche des 23 Jahr« alte» Zuschneiders Max Baier ans der Duncker- straße 73, der ain Montag Morgen imi 6 Uhr aus der Treppe zu einer Wohnung bewußtlos ausgefunde» wurde und am selben Tage miltags in seiner Wohnung starb. Baier, der eine Willive mit zwei Kindern hinterläßt, hatte sich schon zwei Tage unwohl gesuhlt. Einigen Berliner Nrbcltern, die sich vor kurzen, in Barten- lein, Ostpreußen, ans Montage befanden, ist dort schlimm inil- >cspiclt worden. Als sie am Sonntag ans einein Wirthshanse ans- brachen und nach Hanse ginge», ivnrden sie von einer Zlnzahl Strolche überfalle» und so übel zugerichtet, daß einer von ihnen, der in der Linien straße wohnbafte Monteur Bär, nach Berlin zurück- kehren»nd sich in ärztliche Behandlung begebe»»'ußte. Die Raus- bolde sollen ergriffen worden sein. I» nicht geringen Schrecken wurden gestern Abend gegen /, 11 llhr die Passagiere eines Omnibnffes der Linie Wöriherpiatz— Anhalter Bahnhof verseht. In der Nabe der Linienstraßc jagte ein« Droschke I. Klasse, in welcher fünf Znhäller saßen, in de» Omnibus hinein; auf dem Bock der Droschke saßen zwei der Rowdies, ivelche die Zügel führten und ivie toll ans das Pferd losschlugen, während der Droschkenknlscher im Fond des Wagens mit drei anderen Burschen aß. Bei dem Zusammenstoß jagte das Drofchkenpserd auf den Perron deS Omnibus, kam dann zn Fall, so daß weilerei Unheil vermieden wnrde. Wagen und Pferd umrde» stark beschädigt. Die Rowdies, welche nach diesem Unfall, unterstützt von einigen i» einer zweiten Droschke folgenden„Kollegen", Exzeffe verüble», wurden schließlich festgenonnnen und nach der Wache geschafft. AlS geistcSkraick wurde am gestrige» Tage der Bicrsahrer St. in die neue Charitee eingeliefert. Er war früher t» der Brauerei Hohen- Schönhausen angestellt»nd bis vor etwa zehn Wochen in einer Brauerei in Weißensee beschäftigt. Seines eigenartige» Wesens wegen wnrde er jedoch entlassen und»nn spielte er seinen früheren Unlernehiiier» allerhand toll« Streiche. Unter fingirteni Namen bestellt« er». a. bei der Brauerei Hohen- Schönhanse» telegraphisch mehrere Tonnen Bier, dann wieder kaufte er für die Brauerei Pferde». f. w. Seit ackt Tagen trieb sich der Geisteskranke i» der Umgebnng Berlins umher, verübt« allerhand Unfug»nd schlief Nachts aus de» Feldern. Ber- geblicb fahndeten die Behörden nach K., bis er gestern Morgen in Hohen-Schönhanse» ergriffen wnrde. Ter Bierfahrer verfiel sofort in Tobsucht und es innßte daher sein Transport nach der er- wähnten Anstalt mittels telephonifch rcqniürten Krankenwagen» stallfinden. Znsamincugebrochcn ist gestern Vormittag 11 Uhr ans dem Molkenmarkt der voll desetzte Omnibus Nr. 160 der„Allgemeinen Berliner Onmibns-Gescllschast"; das rechte Hinterrad ging vollständig aus dem Leim. Die Felge» erwiese» sich als angefault. Die Fahr- gast« erhielte» durch de» Kondukteur ihr Fahrgeld zurück. Ein junger Lebemann. Als vermißt ivnrde vor einigen Tagen der Sohn einer Gastwirthin ans der Gneisenanstraße, Oswin Wilmsen, gemeldet. Gestern fand man den Verschwundenen am Schiffbauer- dam»» als Leiche in der Spree. Der junge Mann m«r Obersekundaner der 6. Realschule. Mehr als seinen Schularbeiten aber widmet« er sich— Kneipereien in Wirthschasten init weiblicher Bedienung. In der letzten Zeit verlehrte er viel in einem Cass i» der Friedrichslraß«, wo er sich in ein« Kellnerin verliebte. Dem Mädchen erzählte er. daß er in einem Bankgeschäft angestellt sei. Seine Zeche Halle er stets bezahlt bis zum Sonntag vor acht Tagen. Damals reichte sei» Geld nicht und er ließ daher feine Uhr z»i» Pfände. Am Tage vorher hatte er i» der Schule wieder ein schlechtes Zengniß bekomme», auf das er nicht versitzt wurde. Cr Halle die Absicht geäußert, sich das Lebe» zn nehme». Nachdem er sich von einem Freunde 10 M. geborgt hatte, ivar� er abends weg- gegangen. Wo er sich die Nacht aufgehalten hat,� ist nicht bekannt; »ach Hanse kam er nicht wieder.?tm Sonntag folgte er der gc- »annten Kellnerin und nahm von ihr Abschied. Thränenden Auges erzählte er ihr, daß er, nachdem er seine„Millionen" durchgebracht, sein« Mnttcr mit wenigen lausend Mark zurücklassen müsse. Am solgeuden Tag« sah die Kellnerin ihren Anbeter noch auf der Weiden- dammer Brücke stehe», sprach ihn aber nicht a». Seitdem war der junge Mann verschwunden. Selbstmord bcgangr» hat der Feldwebel Arthur Krause von der oslasrikamjch«» Echutzlruppe, rer sich gestern Nachmittag am Karpsenleich im Treptower Park erschossen hat. Kraus«, der 30 Jahr« alt war und aus Danzig stammte, hatte Urlaub, weil er unler häufigen Fiebererscheinmigcn an der Lunge litt. Er wohnte hier seit einigen Woche» bei scincin Bruder. Am 1. Oktober meldete er sich bei de», Kommando der Schuylrnppe nach Tanzig ab. um dort feine Mutter zu besuche». Am Dienstag ließ er sich in Danzig von einem Stabsarzt unlersnche» und am Mittwoch kchrt« er nach Berlin zurück. Wie er hier erzählte, hat der Stabsarzt ihn» Vor- würfe gemacht, daß er bei seinem Zustande eine so weite Reise gemacht habe. Hiernach ist der Selbstmord wohl ans das lörperliche Leide» Krems«'» zurückzuführen. Tcr Vcrrin siir Kaninchcnzncht theilt»nS mit, daß ein „Kaninchen mit einem Rüffel, ivie ivtcher dem Elevhanlcn eigen ist", nebst anderen inlercssaulen Sache» am Sonnlag anläßlich des in der Alexanderstraße 30 von 12 bis 2 Uhr mittags stalksindenden Kaninchenmarktes zur Besichtigung ausgestellt sein wird. Zutritt ist für jedermann srei. Fcucrbcricht. Innerhalb der letzlen 24 Sinnde» hatte die Berliner Feuerwehr verhällnißmäßig Ruhe, da sie in dieser Zeit nur dreimal nlarmirl wurde. Donnerstag Abend gegen 3 Uhr war Chausseestr. 2 3 ein Schornsteinbrand zn löschen, was mittels eines Rohres geschah. Freilag Nachmittag kurz»ach 1 Uhr wurde die Wehr nach E>v i» e m ü n d e r st r. 110 gernscn, wo Möbel in einer Wohnstube in Brand geralhe» waren. Das Feuer wurde zwar bald beseitigt, halle aber doch nicht»mcrhcbtichcn Schaden angerichtet. Abends 7'/, llhr brach L e i p z i g e r st r. 51 in der im 3. Stock des QnergcbändeS befindliche» Pntzsedeni-Fabrit von Friedet »nd LopinSly Feuer aus, das jedenfalls auf Unvorstchligkeit zurück- zuführen ist. Obgleich Zug l7 schnell zur Stelle>var und Wasser gab, ging doch ei» großer Theil der im Korridor und in einem Lagerziuiuier ansgestapelten Federn in Flamme» ans. wobei auch das Haus beschädigt wnrde. Theater. Im Schiller-Theatcr wird heute Nachmittag da» Grillpärzerlche Lustspicl„Weh dem der lügt" alS F r e i- V o r st e U nn g gegeben, Wir werden ersticht, besonders darauf aufmerksam zn machen, dast über alle Plätze des Hause» bereits verfügt wurde. In der heutigen Abeiid-Borsleltmig wird Btumcnlhal's Schauspiel„Ein Tropfen Gift" wiederholt.— Die Direktion des L nisen- Th e a ters hat die Erst- aussühning von„Der große Wohlthäter" auf Montag den 11. d. M. verlegt, dafür getaugt am Sonnabend„Preciosa" zur Darstellung. Restanratenr Herr H. Finger. Reichenbergerstr. 103. sendet uns iienerdingg eine weitere Berichtigung,»nsere Notiz i» Nr. 156, „Eine nicht sehr rühmensiverlhe Position" betreffend. Herr Finger erklärt in seinem Schreiben, daß er bei jener Gelegenheit, da er sich eines Vergehens nicht bewußt(es handelte sich um daS Schließen der Thüren am Sonnlag)»nr deshalb aus seine Kollegen berufen habe, in» nicht nur seine eigene» Interessen, sondern die des Gast« wirihsgewcrbes überhaupt ivahrznnehme». Auch seien sämmtlich« in dieser Sache erlassene» Strasmandat« laut gerichtlicher Entscheidung z» unrecht erfolgt. Das letztere aber gerichtlich seststelleu z» lassen, seien die einzigen Beweggründe seines Vorgehens gewesen, er Hab« niemand in böser Absicht dciinnzir«» eventuell zu einem Slrasmandat verhelseu wolle».— Wir müsse» gestehen, daß im» auch diese Art, lediglich«iu Exempel zu staluiren, nicht sehr geschickt vorkonnnt. A«S de» Nachbsiorten. Steglitz»nd Friede»««. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die Vecsammlung des Arbeiterbilduugs- Vereins am Dienstag, den 12. d. M.. abends S'/a Uhr in Steglitz bei Schellhase, Ahorn- straße IS» statlsindet. Genosse Leimbach wird referireu. Ferner steht die Wahl eine» Schrislsührers auf der Tagesordnung. Um recht reg« Belheilignng ersucht der Vorstand. Herr Albert Schwarz, der nen« Oelonom der Viktoria- Säle zn Rixdorf, sendet»ns solgende Zuschrift: Ihre werlhe Zeitung bringt unter„Lokales" die Nachricht, daß die in viixdors gelegenen, seil dem 1. d. M. von mir bewirthschastete» Bitloria- Säle seitens der Lokalkomuiission von Rixdorf gesperrt sind. Ich halte dies« Sperre für vollständig nnberechligt, den» ich habe der Lokallonnnissiou gegenüber ansdincklich erklärt, daß ich die Säle zu alle» politische» und gewettschaftliche» Versammlungen gratis zur Verfügung stelle, und diese Erklärung halte ich auch heut«»och ausrecht. Wen» icti verlangt habe, daß bei Vergnügungen meine Musik beschäftigt werden muß, so überlasse ich es der Ocffenllichkeil, zn benrtheilen, ob dieses Verlangen berechtigt ist oder nicht. Ich habe eine Zivil- kapelle von ca. 60 Mann, für die ich Beschäftigung suche» muß, »nd hauptsächlich ans diesem Grund« die Oekonomie der Viktoria- Säle übernommen. Man ivird cS inir daher nicht verdenken, wenn ich das obige Verlangen gestellt habe, zumal meine Kapelle vielfach bei Arbeilerfesten gespielt hat. und ich bisher nicht gehört habe, daß ma» mit meiner Musik»»zufrieden war.— Herr Schwarz würde gut thnn, sich mit der Lokalkommissio» inRixdors wegen des strittige» Punktes zu einigen. Ein regelmäßiger ärztlicher Wachdienst soll in Rixdorf auf Anregung der dortigen Aerzlevereinigung eingerichtet werden. Da sich dort öfter«in Mangel an ärztlicher Hilfeleistung bemerkbar gemacht hat, so habe» sich setzt zwölf Rixdorfer Slerzte zusammen- gelhan, von denen täglich zwei verpflichtet sind, dein Publikum be- ständig zur Verfügung zu stehe». Ein« List« dieser Aerzte soll im Amtshause ausliegen. Dreißig Niischkagsänle» sollen demnächst in Rixdorf zur Aufstellnng gelangen. Die Gemeindevertretung bei OrteS hat in ihrer letzten Sitzung die Offerte einer Rixdorfer Firma angenommen. welche beansprucht, daß ihr diese Säulen ans 15 Jahre als Monopol übertragen werden. Nach Ablauf dieser Frist sollen sie dann in daS Eigenlhnm der Gemeinde übergehen. Wctter-Prognose für Sonnabend, den 0. Oktober kktzk»?. Elinas wärmer, vielfach heiter, zeitweise wollig, bei mäßigen üdwestlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e l l« r b n r e a n. Verantwortlicher Redakteur: Ananft Jacobey in Berlin. Für de» Jnseratenlheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. |Ir.236. Ii Zch'Mg. 2. KrilU Ks Jotmirls" Strlinft lollisliliitt. SmiISklI», 9. WM 1897, Bimt AiiSltcnid drv Vvrttnrv Eiscnfovmev nttd zu dem Eiuigttugsverfnhrc» vor dem Gewerbegericht »ahme» am Donnerstag zwei große öffentliche Metallarbeiter-Ver- saunnluiigcn Stellung. Die Versaniuilung i» Keller's Festsälen tagte unter dem Vorsitz von M a s s a t s ch. Referent ivar L i t f i n. Er sckzildert das Vcrfahreii vor dein Einigungsanit des Gewerliegerichts und legt dar, daß� sich durch die dort erfolgten Aussagen der Borstg'sche» Former über die Ursachen des Streikausbruchs diese doch nicht als lolch« erwiesen habe», um gut zur öffentlichen Parole für einen große» Ausstand gemacht werden zu können. Moralisch seien die betreffenden Kollegen aber vollständig gerechtfertigt; man müffe, um den Ausbruch des Streiks z» begreifen, die langjährige Verbitterung bedenke», die sich bei den Metallarbeitern gegen ihre Arbeitgeber angesammelt habe. Der Direktor Dorn habe vor Gericht erklärt,»och am Dienstag mit drei von ihm selbst ernannten Former» verhandeln zu ivollen. Diese sind jedoch, als sie erschienen, anfgefordcrt worden, am Mittwoch wiederzukommen; am Mittwoch wurde ihnen dann erklärt, die Firma wolle nicht in Verhandlungen über die einzelnen Punkte ein- treten, bevor nicht die Arbeit wieder aufgenommen sei; am Sonnabend wolle man ihnen Bescheid geben, wieviel Ardeiter wieder eingestellt werden können. Litfin hat sich, nm vor Aufnahme der Arbeit eine Verständigung bei Borsig herbeizuführen, Donnerstag Morgen zu Herr» Assessor v. Schulz begeben und diesen gebeten, im Interesse der Arbeiter bei Borsig zu intervenire». Dieser habe es abgelehnt, zu Borsig hinaus zu fahre», weil es als eine amtlich- tandlung erscheinen könne, zu der er nicht befugt sei. Herr von chnlz habe jedoch lelephvnffch bei der Firma angefragt, wie sie sich die weitere Regelung der Sache denke, und habe den Bescheid erhalten, daß sich die Finna genau an die vereinbarten Punkle zu halten gedenke und die während des Streiks ans der schlesischen Filiale nach Berlin beorderten Former in die Heimalh zurückschicke» und die allen Arbeiter»ach Bedarf wieder einftellen ivolle. Ter Redner geht dann ans die Situation ein, in der sich die Arbeiter d>m allen gegenüber befinde». Einen großen Theil der Schuld an dem Mißerfolg der Arbeiter trage es, daß sie nur zu einem Brnchtheil organisirt seien. Gerade solche Unorganisirle seien am leichtesten geneigt, die Kräfte des Gegners zu unterschätzen. In der Generalversammlung des Verbandes Berliner Melallindnslricller fei am Montag der Beschluß gefaßt worden, falls vor dem Einigungsanit kein Vergleich zu stände komme, die Werkstätlen zn schließen und sämmtliche 27 000 Berliner Metallarbeiter ans zusperren. Einen solchen Kampf sei die Metallarbeiter Organisation mit den gegenwärtigen Mitteln nicht in der Lage, siegreich durchzufechten. Dies sei eine Lehre für die Zuknnft; die Parole müsse lauten: Organisation und Ansammlung von Kapitalien. Man müsse sich wappnen, denn solche Vorkommnisse würden infolge des provozirenden Verhaltens der Unternehmer sicher wiederkehren. Bei der hentigen Lage der Ver bältniffe bleibe den Arbeitervertretern aber pflichtgemäß kein anderer Weg, als die Wiederaufnahme der Arbeit zn empschlen.— Die folgende(bereits in der Donnerstag-Nnimner des„Vorwärts" ab gedruckte) Resolution werde zur Annahme empfohlen: .Tie Versammlung erklärt sich mit der Thätigkeit der Arbeiter Vertreter vor dem Einiguugsaml einverstanden. Trotzdem die vor- geschlagenen Einigungsdedingungcn keineswegs geeignet sind, eine» dauernden Frieden im Gewerbe zu garantiren, beschließt die heulige Versammlung, den Ausstand der Former und Gießerei-Arbeiler sür beendet zu erklären." Falls diese Resolution angenomnre» werde, würde am Freitag durch eine Kominission in sämmtliche» Gießereien angefragt rverden, wieviel Arbeiter rvieder eingestellt rverden könne». Arn Montag werde dann die Arbeit jedenfalls wieder beginnen können. Man glaubt, daß die Arbeiter bald alle wieder eingestellt sein werde», rveil sehr viel Arbeit vorhanden ist.— Ueber verschiedene interne Fragen bezüglich des Slusbruchs von Streiks werde man später Ab rechnung halten; ähnliche Vorkommnisse, wie diesmal, müßten sür die Zuknnfc vermiede» werden. I» der Diskussion ist Quast sür die Annahme der Resolution; jedoch können seiner Meinung»ach über die Wiederaufnahme der Arbeit nur die Former allein beschließen, allgemeine Metall arbeiter-Versammlungen seien dazu nicht befugt.— Der Vorsitzende legt dar, daß die Metallarbeiter schon aus dem Grunde »utzuspreche» haben, weit von ihnen ja auch die Aufbringung der Mittel verlangt werde.— K l e i» s ch m i d t(streikender Former) Ein Evimiipliziig dev Sozial� demokvsitie. Hamburg, 7. Oktober 1897. Ein wonniger sonniger Oktober-Nachmittag; auf den geschäf tigen, von Fahrzeuge» aller Art wimmelnden Hamburger Hafen lacht der freundliche Sonnenschein nnd über die bewegien Wellen streicht ein frischer Rordivcstwind. An der St. Panli-Landungs- brückt liegt der kleine Danipser„Union", er harrt der Gäste, die einzeln nnd in Gruppe» langsam sich einfinden. Das leuchtende rothe Banner, das niit der goldenen Inschrift:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" vom Verdeck herabflatlert, »'eist ihnen den Weg: Hamburgs sozialdemolratische Arbeiterschaft hat das deutsch« Arbciter-Parlament zn einer Rundfahrt durch den Hafen gelade»! Um 2 Uhr setzt sich der Dampfer unter den Klängen der Marseillaise in Bewegung und hnnberle von Arbeiter» rufen ihnen vorn Ufer den Abschiedsgruß nach— Tnchenvehen, Hntcschwenke», brausende Hochrufe! Der vielarmige Hasen in seiner riesigen Ausdehnung, nnt seinen hunderte» und taufenden von Jollen, Kähne», Segelschiffen, Motor- und Dampfboote» in allen Formen und Größen ist eine einzige arbeilersüllle Werkstelle. Unwillkürlich schweife» die Gedanke» einige Monate zurück, als alle diese ungeheuren Hafenstraße» von schiverbeladene» Schiffen starrte» und in unheimlicher Rnhe stille lagen!! Ein großes Todtenfeld der Industrie! Hanibiirg's Hafenarbeiter läge» im Kriege mit dem brutalen U»ter»eh»ierlhu»i, daS die bescheidenen und allgemein als ebenso bescheiden wie gerecht anerkannten Forderungen der seit Jahren immer mehr nnd mehr gedrücklen Arbeilssklaven rundweg abgelehnt Halle, abgelehnt nicht etwa deshalb, ivcil die reichen Rheder diese Forderung nicht er- füllen konnten, sondern blos deshalb, weil die vom Unternehmer- hochinnlh erfüllten Millionäre sie nicht erfüllen>v o l l t e». Die reichste Unteriiehiiiergrnppe Deutschlands wollte die tüchtigste Arbeiterschaft Denlschlands dcrnüthigen, ihre Organisation, ihre Widerstandskraft, ihre politische Selbständigkeit brechen. Ein nronatelanges, heldenhaftes Ringen— die Allbezwinger Hunger nnd Elend kamen der Brutalität der Ansbeuter z» Hilfe, wehr- nnd waffenlos, auf Gnade nnd Ungnade mußten sich die Arbeiter ny geben und unter das kandinische Joch hindurch in die allen Kerker der Ausbeutung zurückkehren! Besiegt, aber nicht unterworfea l Heute zeigten Hamburgs Hafenarbeiter, wie ivenig sie unter» warfen, wie ehrenvoll ihre Nieverlage war! Und sie zeigten demon- strativer, unwiderleglicher Weise, daß die Besiegten von gestern die Sieger von heule, die Herrscher von morgen sind. Zu Hunderten lenkten die Eiverführer die schwerbeladenen Kähne durch die wogen- den Wellen in schwerer, harter Arbeit— nnd wo sie dem »nit den Delcgirtcn des Parteitags beladenen Dampfer be- ist für Annahme der Resolution. Die Borstg'sche» Former haben uns eine Schlappe veisetzt, die sie nicht verantworlen können. Sie hatten uns nicht vollständig über die Ursachen des Streiks, so wie sie vor dem Gewerbegerichle sestgestellt worden sind, unterrichtet.— R o h r l a ck verweist ans die englischen Maschinenbauer, die jetzt in der Lage seien, kraftvoll für den Achlstnndentag einzutreten, weil sie ei» Vierleljahrhnndert lang hohe Beiträge angesammelt haben. Das sei der Nntzen des Ausstandes, daß jetzt allgemein eingesehen werden müsse. daß man hinfort eine Mark zahlen müsse, Ivo bisher ein Groschen gezahlt worden sei. Man müsse die moralische Ohrfeige dieses„Ver- gleichs" einstecken mit dem Vorsatz, es in Znknnst besser zu machen. — K o h e n ist der Meinung, daß es nicht nur am mangelnden Gelde, sonder» vor allem am mangelnden Klassenbewnßlsein der Arbeiter liege, wenn sie keine Siege erfechten.— Litfin bestreitet, daß von einer moralischen Ohrfeige gesprochen werden könne. Der moralische Erfolg sei sicher auf feiten der Zlrbeiter, wenn auch nicht der materielle. Di« Herren Unternehmer würden viel darnin geben, wenn vor dem Gewerbegericht von unserer Seite manches ungesagt geblieben wäre. Den Anssührnngen von Quast gegenüber bemerke er, daß die Metallarbeiter in ihrer Gesammt- heil nicht nur deshalb milzurcden haben, weil sie die Mittel aufbringen müssen, sondern ans desivegen, weil mit jedem Tage der Daner des Ansstandes auch andere Metallarbeiter arbeits- los werden. Eine einzelne Branchengruppe dürfe nicht über die Existenz von vielen Tansenden entscheiden. Die obige Resolution wird darauf gegen eine schivnche Minorität angenommen und damit die Wiederansnahme der Slrbeit beschlossen. Im Kösliner Hos referirte N ä t h e r. Mit dem erste» und zweiten Punkt der Einigungsvorschläge könne man ohne weiteres einverslanden sein, denn es werde darin ein Znstand, der schon früher bestanden hat, aufs neue festgelegt, was immerhin einen Fortschritt gegenüber den augenblicklichen Verhältnissen bedeute. Punkt 8, der de» Streikenden die Wiedereinflellnng bei Bedarf zusichert und möglichst, bevor auswärtige Former angenonnne» werden, könne zn Bedenken keinen Anlaß geben. Da ein Theil der Ausständigen abgereist und Arbeit i» Berlin genug vorhanden sei, da andererseits die Unternehmer sich verpflichtet hätten, keinem Streikenden den Arbeitsschein auf drin Nachweis vorenthalte» zn lassen, so liege kein Grund zu der Befürchtung vor, daß ein Theil der Streikende» gemaßregelt werden solle. Wenn die Wieder« einstellnng von der Verpflichtung abhängig gemacht werde, daß die Arbeiter ihre nicht am Streik betheiligt gewesenen Kollege» weder beleidigen noch belästigen dürfen, so habe dieser Passus für die Unternehmer nur deshalb Bedeutung, weil 101?lr- beiter sich den Streikenden nicht angeschlossen hätten. Die„Vossische Zeitung" spreche jetzt wieder in einem Leitartikel davon, daß der Streik frivol vorn Zaune gebrochen fei, und gegen den Willen der betheiligten Arbeiter von deren Führern geschürt werde. Das sei durchaus unzutreffend. Tie Borsig'schen Atbeiler hätte» ja eine Ungeschicklichkeit begangen. Redner wolle deshalb keinen Stein aus sie werfen, denn selbstverständlich könne nicht jeder Arbeiter ein geschickter Taktiker sein. Dadurch. daß die Unternehmer wie innner, so auch in diesem Falle, den Vertretern der Arbeiterorganisation die Einmischung versagt haben, sei es den letzteren unmöglich gemacht worden, sich über die wahren Ursache» des Konflikts zu unterrichten und denselben beiznlegen. Die Schuld a» dein ülnsstand trügen also diejenigen, ivelche nur mit„ihren" Arbeitern verkehren wollen und die Vertreter der Organisation zurück- weisen. Die Vereinbarung der Borsig'schen Arbeiter mit der Firma sei bis jetzt noch nicht erfolgt. Direktor Dorn habe zwar einige Arbeiter empfangen, ohne ihnen indeß eine bindende Erklärung zu geben bezüglich der aufgestellten Forderungen. Da die Vertreter der Arbeiter vor dein Einigungsanit die Wiederansnahme der Arbeit ausdrücklich von der vorherigen Regelung der Differenzen mit der Firma Borsig abhängig machten, ohne diese Bedingung ins Einigungsprotokoll anfnehnien zu lassen, so hätte man wohl er- warten sollen, Di rcklor Dorn wäre so loyal gewesen, diese Regelung vor Ausnahme der Arbeit herbeizuführen. Der Vergleich vor dem Einigungsanit sei allerdings kein Sieg der Arbeiter, ebensowenig könne man aber von einer Niederlage rede». Ein Erfolg sei es immerhin, daß sich die Unternehmer veranlaßt sahen, mit den von den Arbeitern in Versammlungen gewählte» Vertreter» vor den» Gewerbcgericht zn verhandeln. Was dabei er- reicht ivorden sei, damit könne man unter den gegebenen Ver- hällnisscn znfriede» sein. Eine Fortsetzung des Kampfes sei nicht rathsam. Die Arbeiten, welche den Anlaß zum Streik bei Borsig gaben, seien längst fertig und somit die Ursache des Konflikts ans der Welt geschafft. Tie später und zwar nur sür die Borstg'sche Gießerei aufgestellten Forderungen gegneten, da legte» sie einen Augenblick das Ruder bei Seite nnd begrüßten mit Tücher- nnd Mntzeschwenken und sreudigem Zurufe die sreigewählten Vertreter des Arbeiter-Parlaments! Was sich wohl die Hamburger Unternehmer bei dieser Huldigung gedacht haben mögen! Wenige Monate vorher hatten sie auS ganz Deutschland die Arbeitslosen zusammengeholt,»in diejenigen niederzuwerfen, deren jahrelange, mühevolle, schlechtgelohntc und gefahrcnvolle Arbeit ihnen nngehenre Gewinne in den Schooß geworfen Halle! Leute, die in ihrem Lebe» nie ein Ruder in der Hand gehabt, nie ein Boot bestiegen hatte», wurden zn Arbeiten gezwungen, für ivelche ihnen all nnd jede Vorkcimtniß, jede Vorschnlung fehlte! Wohl nie zuvor hat schamlose Profitgier mit Menschenleben ein so gewissenloses Spiel getrieben wie hier im Hamburger Hafen zur Zeil des großen Ausstandes! Wie viele dieser Streikbrecher, wie viele dieser Aermsten haben in den Wellen ihr Grab gc »»den, wie viele haben mit zerschmetterten, zerbrochenen, ver- stünimelte» Gliedmaßen in die Krankenhäuser geschafft werden müssen aber der Profit, der Profit war gerettet! Und niemand hat gelesen, daß diese Geivissenlosigkeit der Unternehmer eine Sühne gesunden hätte! Zn Dutzenden wurden Arbeiter wochcn- nnd monatelang ins Gesängniß geworfen, wenn der gerechte Zorn über das Verhalten der Streikbrecher ihnen„Drohungen" oder Schimpfworle über die Lippen gejagt hatte! Heute haben die Arbeiter Hamburgs die Antwort darauf er- theilt. Zu einer Vergnügungsfahrt waren die Delegirten eingeladen, nnd ei» T r i n m p h z n g der Sozialdemokratie in diese Dampferfahrt geworden. Kein Mächtiger dieser Erde, nicht der Höchstgestellte wird je einen solchen jubelnden Empfang bereitet er- hallen. Von allen Schiffen, von allen Lagerhäusern, von allen Quais wurde der Dampfer mit brausendem Hipp, hipp, Hnrrah! empsangen. Fischer halten auf ihre Masten rascki rothe Taschentücher befestigt nnd grüßten so das leuchtende rothe Banner ans der„Union"! Ans den Rone», von den Masten, ans den Maschinenräumen jubelten Hunderte und Tansende ihren Will- kommengruß! Tnuseude von Arbeitern, die all' die unzähligen Schiffe ihrer kostbaren Lasten entsrachteten, legten plötzlich die Arbeil bei feite nnd zeugten in begeisterter Huldigung für ihre ozialdemokratische Gesinnung. Was kümmerte es sie, ob die ffapitäiie, die Beamten neben ihnen standen— da waren die Ver- echter ihrer Interessen, die Vorkämpfer ihrer Forderrnigen: sie lellten sich zusammen nnd schwenkten ihre Arbeiiswerkzeuge, ihre Mützen, ihre Taschentücher— der ganze, weile, wimmelnde Hasen ein einziger jubelnder Heerhanfen der Sozialdemokratie! Und in welch' naiver, herziger, rührender nnd begeisternder Art kam diese vom Singenblick geborene Huldigung zum Ausdruck! Da lag die große„Phönicia" vor Anker nnd ließ ihre Schiffswände frisch streichen! In wenigen Minuten halten die Maler mit rother Farbe die Worte an die Schiffswand gepinselt:„Sie leben hätten keine so große Bedeutung, daß sich um deretwcgen ein längerer Kampf lohne. Es sei zn bedenken, daß, wenn der Kampf fortgesetzt werde, sehr bald die Former in Leipzig, Chemnitz, Magdeburg und Hannover wegen Verweigerung der Berliner Arbeiten mit in den Ausstand getrieben werden. Einige Berliner Fabriken hätten schon jetzt wegen Maugels an Guß die Arbeitszeit der Metallarbeiter herabgesetzt. Für den Fall, daß die Einigung nicht angenommen werde, hätten die Unternehmer beschlossen, sämmtliche Verbands- Werkstätten zn schließen. Durch die Ausführung dieses Beschlusses würden 27 000 Arbeiter ans die Straße gesetzt. Um einen Kampf von so nngehenre» Dimensionen aufzunehmen, dazu sei die Organi- sation der Arbeiter denn doch noch nicht stark genug. Aus diesen Gründen könne den Arbeitern nur empfohlen werden, daß sie sich mit dem kleinen Erfolg, den sie jetzt zn verzeichnen haben, zufrieden geben und vor allem die Organisation stärken, um sür die Zukunft gerüstet zn sein.(Beifall.) H a r t i g erklärt sich mit den Einigungsvorschlägen ein- verstanden; er fordere aber diejenigen, welche dieselben mit Murre» enlgegengenonnnen haben, auf, sich zu äußern. Her bürg betont, daß vor Ausnahme der Arbeit die Regelung bei Borsig erfolgen müsse. Plath nnd Zernicke einpfählen in längeren AuS- führnngcn die Wiederaufnahme der Arbeit unter den vom Einiguugs- aint ausgestellten Bedingungen. Spieker mann führte aus, sein Herz sei zwar nicht für Annahme der Eiuigungsvorschläge, sein Verstand rathe ihm jedoch dazu. Kl ix will weder für, noch gegen die Resolution Rüther sprechen und es jedem überlassen, wie er sich dazu stellen wolle. Poullion bemerkte unter anderem. man solle nicht dem Beschluß: Verweigerung der Borsig'schen Arbeil in allen W-rlstäilen, die Schuld an der Ausdehnung des Streiks geben. Wäre dieser Beschluß nicht gesaßt ivorden, dann hätten wahrscheinlich die Fabrikanten alle Former solange ausgesperrt, bis die Borsig'schen Arbeiter wieder angefangen hätten. Stege- mann empfahl die Annahme der Resolution Nälher, während ein anderer Redner sein Bedenken gegen Punkt 3 der Einigungs- Vorschläge geltend machte. Müller sprach gleichfalls für Wiedenausnahme der Arbeit und betonte besonders, daß, entgegen den Behauptungen bürgerlicher Blätter, leiner der Streikenden abgesallen sei. Nach einem Schlußwort N ä t h e r'S wurde die von ihm eingebrachte, bereits in der gestrigen Nummer mitgctheilte Resolution gegen etwa 2V Stimmen angenommen. Den Streikenden wurde empfohlen, für jede Gießerei eine Kommission aus ihren Reihen zn wählen, die wegen Wiederansnahme der Arbeit mit den Unternehmern in Verbindung zn treten hat, so daß möglichst am Montag die Arbeit wieder beginnen kann. M linst und Misteuschsifk. —„Equality", der neue Roma» E d n a r d B el l a m y's, macht in Amerika ungeheueres Aussehen. Die erste, ungewöhnlich hoch bemessene Auflage war innerhalb dreier Tage vergriffen.- — llutcrsnchungcu im tiefe» Skagcrak. Ueber die Wirksam» keil der dänischen biologischen Station im vergangenen Sommer und insbesondere über die Untersuchungen im tiefen Skagerak veröffenl- licht der Vorsteher dieser Station Dr. phil. C. G. Petersen inleressanle Mittheilungen. Im nördlichen Jütland, dem Hauplplatz der Bullen- oder Scholleufischerei, herrscht all- gemein die Anschauung, daß. wenn die Goldbntten(plsuronoctes platessa) im Katlegat ansgesischt ivorden sind, aus den Tiefen des Skagcrak neuer Ersatz kommt. Diese Ausfassung ist, wie die Unter« snchungen dieses Sommers ergaben, verkehrt; im tiefen Skagerak kommt die Goldbutte gar nicht vor. Theils um dies festzustellen. lheils um zn untersuchen, welche Fischarlen im Skagerak leben, sind von Dampfschiffen ans Ticsfiichercien vorgenommen worden mit einem zu diesem Zwecke von Dr. Perlersen angefertigten Apparate, einer Kombination des hier gebräuchlichen Aalgarues und des neuen englischen Patents Trawl. Mit Hilfe dieses Geräthes wird fest- gestellt, das die Goldbutle im Skagerak liefer als 100—120 Meter nicht vorkommt und daß das Skagerak vo» einer besonderen Fisch- sauna bevölkert ist, deren Vertreter de» Fischern so gut wie nn- bekannt sind, denn in einer Tiefe von 350— böv Metern fischt man nicht, und nur selten werden Fische aus solchen Tiefen von Strömungen ans Land getrieben. Eine Anzahl von Zügen auf 350-550 Meter förderte eine Art langhalsige, mehrere Fuß lange Dorsche(macni ms) zu tage, ferner Schleienaale, kleine Rochen, Chimären, Goldlachs, andere merkwürdige Lachsarten, Seebarsche und verschiedene kleinere Fische, all« sehr selten in unseren Ge» wässern. Von anderen Seelhieren fand man eine Art großer«ß- barer Garnelen(Palaemon), die roth waren, ehe sie gekocht wurden. hummerähnliche Krebsthiere, Seesterne nnd Tiefwafferkorallen. Der Meeresboden bestand überall, wo gefischt wurde, aus braunem. weichem Schlamin, ohne Spnr von Pflanzenwuchs. Dr. Petersen ist hoch!" Dort hatten die Arbeiter schnell mit Kreide an eine Planke die Worte geschrieben:„Hoch die Sozialdemokratie!". hier wieder hatten die Arbeiter, welche ein Getreideschiff entleerten, aus ein Brett, das sie jubelnd den Delegirten entgegenhielten, den Schlachtruf geschrieben: Proletarier aller Länder ver» einigt Euch! So ging eS durch all' die dichtgefülltcn Wafferstraßen des Hafens entlang, eine volle Stunde laug! Und als der Dampfer de» Hafen verließ nnd die Elbe hinunter nach Blankenese steuerte, da wurde er von den Arbeitern Altonas, die in den am Fischmarkt, in den großartigen Mühlen, in den Kaffee-Schäl- und Sortir-Hänsern beschäftigt waren, mit gleicher Begeisterung, mit gleichen, Jubel begrüßt. Und angesichts einer solchen spontanen, übermüthig hervor» brechenden Temonstration gicbt es Thoren, ivelche glauben, einer solchen Arbeiterbevölkernng könne»>a» mit Gewaltmaßregeln bei- koiiniien! Vor wenige» Tagen noch wiederholte das Organ des alten Reichsnörglers im Sachsenwald die alte wahnwitzige, blut- gierige Forderung, die Unterdrückung der Sozialdemokratie als eine militärische Angelegenheit anzusehe», heute hat ihm die Slrbeiterschasl Hamburgs in stolzem Kraftbewnßlsei» ihre sieges« bewußte Verachtung über diesen schamlosen Aberwitz ausgedrückt. Und selbst dem bornirtesten und brutalsten Vertreter des deutschen Unteriichiner-Terrorismns. selbst einem Stumm müßte ei» Zweifel darüber ausgestiegen sein, ob seine Schimpf- nnd Drohrede», sein sinnloses WüiHe» nnd Tobe» gegen die Arbeiterklasse sürder noch ernst genoinme» werden müsse, wenn er diese Kundgebung hätte sehen können. Tie Drachensaat des Kapitalismus hat die Eisenmänner der Sozialdemokratie gezeitigt. Der begeisterte Empfang seitens der Hamburger Hafenarbeiter hatte die Herzen der Delegirten der deutschen Sozialdemokratie hoch geschwellt: der Tag wird in der Erinnerung n l l e r Theilnehmer bleiben als einer der schönsten nnd stolzesten ihres LebenS. Mögen Wetterwolken anfziehen, möge» Gefahren welche immer dräuen; die Arbeiter Deutschlands wisse» sich einig mit den Hamburger Ar- beitern, die i» so ruhmreicher Weise das Dichterivort ersüllt haben: Ihr hemmt uns, doch Ihr zwingt u»S nicht, Unser die Welt trotz alledem! *« Glänzend brach ab und zn der Mond durch die Wolken, als am Abend der Dampfer die Elbe heraus von Blankenese nach Hamburg zurückkehrte; die glänzende Kundgebung des Nachmittags trat den Delegirten von neuem vor Augen, als sie vom Dampfer durch die »leiischenerfüllten Straßen nach den riesigen Sagebiel'schc» Sälen und in das Kongreßlokal eilten, zum Kommers, de» die Hamburger Parteigenossen veranstaltet hatten nnd der wie die Demonstration des Nachmittags zu einer machtvollen glänzenden Deuionslration der Hamburger Sozialdemokratie sich gestaltete. der Uekerzeugung. dnh in dein hier ver»vni,dlen Apparat ein Gerälh gefunden»norden sei, daS von großer Bedeutung für künftige Tief »vasser-Unterfilchunge»»Verden»vird.— »» Herstellung t'oil Stnhlgnst niit hartcu und hiclche» Thrilcn. Durch Berivendnng der K lieh traft sind in der geiverblichcn Technik früher sehr umständliche Vorgänge außer- vrdenUich vereinfacht worden, wie z. B. das Entrahmen der Milch durch die Milchschleuder. Neuerdings hat nun P.£»>ih in Gelsen- kirchen die Fliehkraft zrir Herstellu>»g von Stahlguß mit harten und »veichen Theilen benutzt. Die Industrie verlangt oftmals von dem Techniker Eisentheile»nit harter Oberfläche und weicherem und elastischerem Kern. Bei Eisenrädern z. B. muß, um die schnelle Abnutzung des Spurkranzes zn verhindern, dieser hart sein, während das Nadgestell zivcckmäßiger ans iveicherem Stahl gefertigt »vird. Beide Stücke»vnrden getrennt gegossen, und der Spurkranz sonach heiß auf das Radgesiell ausgezogen. Diesen Vorgang hat nun P. Huth durch Anwendnng der Fliehkraft vereinfacht. Wird in die in Drehung versetzte Form eines Eisenbahnrades zuerst ein harter Stahl vergossen, so stellt sich dieser an dem Ninfmig der Form aitf,»veil er spezifisch schivcrer ist, nachher vergossener»veicher Stahl füllt die Form, und«na» erhält ein Rad, dcfleu Körper, aus »veichen» Stahl bestehend, ein hartes Band trägt. Die Abgrenzung beider Metalle ist deutlich erkennbar. Die Härle geht in der ganzen be- liebig zn»vählenden Stärke gleichmäßig durch. Besondere Vorlheile bietet der Schleuderguß dadurch, daß die Gußstücke dicht ausfallen und selbst dünne Maschinentheile scharf ausgegossen»verde», so baß auch Gegenstände mit harten Randzacken und-Zähnen,-Spitzen und .Schneiden herzustellen sind. Walzriuge von Mühlen lassen sich auf diese Weise mit harten Mahlfläche» bei sehr»veichen» Körper gießen, »vährend die Flächen, die bearbeitet»verde» müsse»', aus»veichen» Stahl bestehen können.— ,» vom Schöffengericht in Dresden zu einer Woche Ge- fäugniß vernriheilt worden. Derselbe war in der Fabrik von Maurer beschäfirgt, i» welcher es wegen der Maifeier zu einem Slreik tarn. Bergmann soll nun einen Streikbrecher von der Arbeilnahnre in der Fabrik dadurch abznhalie» versucht haben, daß er jeirem bedeutete, daß, wenn er rveiterarbeilen würde, er in der Z-rtung bekannt gemacht werde» würde. I» dieser Aeußerung er- blickte das Gericht eine„Bedrohung", welche mit einer Woche Ge. fängniß zn sühne» sei. Ein Jngcndcrzichcr. Der Mißhandlung im Amte »nd Ueberschreilung des ihm zustehenden ZüchtignngsrechlcZ in zivei Fällen angeklagt, halte sich der städtische Lehrer Wilhelm L a n g in a» n aus B i e s e n t h a l vor der Strafkammer Ebers- rvalde zu vsraiilivorUn. Ihm wurde zur Last gelegt, den Knaben Georg Meier ariS Biesen ihal be» den Ohren erfaßt, sie herum- gedreht, ihn daran i» die Höhe gezogen, den Kopf des Knabe» dann zivischeu seine Knien geklemmt, diesen sodann geduckt und mit einem Rohrstock schließlich verhauen zn haben. Die Beiveisnufimhme ergab als erwiesen die Thalsache, daß Langmann ain II. November 1895 de» Knaben derartig a» den Ohren gerissen, daß die hintere Haut des rechten Ohres durch einen langen Riß von» Kopfe gelreimt wurde, die Wunde heftig blnlete»nd aus der Ohröffming ergoß sich Blnt. Langmann sah sich genöihigt, den Verletzten durch zwei Mitschüler nach dem Brunn«» auf dein Echulhose geleiten»nd dort das Blnt abwaschen zu lassen. Jur No- vember des Jahres 1896 wurde derselbe Kncrve von demselben Lehrer in ähnlicher Weise mißhandelt. Einige Wochen»räch diesem Geschehnisse floß wieder Blnt ans dem Ohr des gemißhandelte» Knaben. Dieser fing an zu klagen über Schmerzen im Ohr und im Kopfe, und dann verschlimmerte sich sein Znstand derartig, daß er auf ärztliches Anralhe» in eine Berliner Klinik gebracht wurde. H er umrde eine Operation vorgenommen, doch starb der Knabe kurze Zeit darauf. Die Sektion der Leiche ergab als TodeSiirsache Eiterung im Ohr, welch- in das Gehirn getreten»var und von dort aus die Lunge ergriffen halte. DreseS Ohrenleiden soll nun schon vor den angeführten Mißhandlnnge» bestanden haben. Es»vnrden diese de», zufolge nicht als direkte Todesursache angesehen, diese den» Langmann»veiterhi» auch nicht zur Last gelegt. Wobl aber hielt der Staatsanwalt denselben der Ueberschreltnng des Züchtignugsrechtes in zwei Fälle» für schuldig u»v beantragte vier Monate Gefängniß. Der Gerichtshof erachtete den Lehrer Laugmau» nur in einem(dein von 1895) Falle für schuldig und verurlheilie de» moderneu Jugeilderzieher zu vier Wochen Gefängniß. Ein diebischer Polizist. Der Schntzniann Schmidt, welcher unter dem Verdachte, einem festgenommenen Taschendiebe 190 Mark gestohlen zu habe», vor längerer Zeit verhafiel und von» Anrle suspendirt»vorde»»var, ist nnnmehr»vege» dieses begangenen Dieb- stahls von der Slrafkannner in Mainz zu drei MomiU» Gefängniß verurtheilt worden._ Vevsnmmlunjgen. Der sozialdemokratische Wahlverci» fiir den fnnfte» Berliner SIrichötagö-Wahlkrciö hielt am Donnerstag bei Röllig, Rosenlhalerstraße, ferne ordentliche Generalversammlung ab, in der zunächst Genosse G r e in v e über Skolonmlpolilik referirte. Eine Diskussion über den beijnllig anfgeuommcne» Vortrag fand nicht statt. Die Abrechnung vom letzten Quartal ergab inkl. dem Bestand vom 1. Juli eine Einnahme von 419,79 M., eine Ausgabe voir 175,79 M. Mithin verbleibt ei» Bestand von 235 M. Die Milgliederzahl ist auch in diesem Quartal >»» mehr als 59 gestikgen. Die Abrechuung wurde seiiens der Re visoren als richtig besiäligt und dem Kassim einstimmig die Decharge eriheilt. Den Geschäftsbericht erstaileie der Genosse S a s s e n b a ch, der bei dieser Gelegenheit zu einer nachhaltigen Agitation für den Verein, zu einer regere» Betheiligung an den Versammlungen sowie an den geselligen Zusanrinenkünslen, die jeden Sonntag bei Röllig stailfinde», aufforderte und seur Bedauern aussprach, daß »och eine große Anzahl Geuoffe», die sogar bei den Stadtverordnete»- Wahlen sozialdemokraiisch gestimmt haben, leider den» Verein fernstehen. Die hierauf vorgenommenen New wähle» des Vorstandes ergaben folgendes Resnllat: 1. Vorsitzender S a s s e n b n ch, 2. Vorsitzender Dr. W e y l, 1. Kassirer Z e i s e, 2. Kassim Riedel, 1. Schriftführer Mager, 2. Schrislführer Pietzsch. Als Hilfsmänner wurden die Genoffen Schulz Klei», Zieseivitz»nd Bntziger gewähl. Die Wahl des Hilfsinannes für die zweite Abtheilnng wurde bis zur nächsteu Ver sannulurig zurückgestellt. Zu Revisimir wurden die Genossen Glöseukamp, Brand nnd Nelkowsky bestimmt. Be scblossen wurde noch, dem Neichslags-Abgeordneten Genossen Rod. Schmidt>99 Mark zur AgUatioir zu überiveise». Stach einer längere» resuliatloseu Diskussion über die Thäligkeit der einzelne» Abiheilungen erfolgte der Schluß der Versammlung. Nixdorf. In einer gut besuchle» Bersaiiilnlnng der Möbel- polrrer referirte am Montag Stramm über das Ttzenia: „Krilik des Spirilismus". Von de» eingeladenen Werklielle» waren leider mir die Kollegen von Willers erschienen. Zum Schluß»vnrden die Kollegen noch ersucht, sich wehr der politischen Organisalio» anzuschließen, sowie auch unser Kampsorgan, den„Vonvärls", mehr zn berücksichtigen. Nachdem der Vorsitzende noch auf die am 13. Ollober bei Keller, Koppenstraße 29, staitsindende General- Versammlung aufmerksain gemacht hatte, erfolgte Schluß der Ver samnrtnng. Charlottciibnrg. Am Millwoch, den 6. d. M.. fand hier im Lokal Bis»larckSI>öhe eine öffentliche Milgliederversa»»mlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für Teltow-Beeskow-Storkoiv-Char- loiienburg statt, in welcher der Genosse Richard C a l v e r- Charlotteirbnrg eine» mit reiche»» Beifall nufgenomurenen Vortrag über„die Flottenpläne" hielt nnd die Genossen an» Schlüsse zur regen Agitation für die kommenden Reichstngsivahle» anfeuerte. Zur Diskussion äußerte sich nur der Gcnosse G ö r k e in» Sinne dos Referenten. Es wurde sodau», beschlossen, in der zweiten Hälfte des Monats November das diesjährige Stislungsfest des Wahl Vereins slaltsiudeir zu lnsseu und dem Vorstande nnheiuigegeben, alle uölhigen Arrangeiuents hierzu zn treffe».— Betreffs der im No vember d. I. siallsindende» Stadtverorduetenwahle» giebl der Vor sitzende bekannt, daß eine Aeiideruiig dahin eingetrelen ist. daß die drille Abiheilung nicht nur 10, sonder» 11 Stadtverordnele zu wählen habe, darunter 4 Hausbesitzer» und wir daher ge zwuugen wären, der Oeffcnllichkert ein« neue Kandidaten litte vorzulegen. Sodann»vird der Versammlung milgetheill, daß der diesjäbrige Urania- Besuch einen Ueberschuß von 179 M. und das Commersest einen solchen von zirka 145 M. ge- bracht habe», welche uns zu alle» bevorstehenden Wahlen lehr zu statten kämen. Die Vereiiismitglieder werden vom Genossen B l e e ck U'iederholt darauf ansmerksa»» gemacht, ihre eveuluelleu Wobnungkänderungcn schleunigst dem Kassirer Genoffen Dörre mizlizeige», damit die Arbeit bei einer Flugblatlverbreitniig flott geleistet werden kann; auch wüuschr er seitens des Vorstandes in letzterer Hinsicht eine bezügliche Notiz im„Vor- wärts". Nachdem der Vorsitzende dem nachzirkommeu versprochen hat, nimmt er Veranlassung, ans die Flugblaltverbreiinng am kommenten Sonntag hinzuweife» nnd macht gleichzeitig bekannt, daß für den 6. nnd 7. Wahlbezirk an, Dienstag, den 12. d. Mls.,«ine Beziiks- Versammlung bei Bredloiv, Augsbnrgerstr. 78, stattfinden»vird. Er ersucht ni» rege Agitation hierzu nnd bofft, daß es uns möglich »verde» möchte, den 6. Bezirk den Freisinnige»» abzunehmen. Genosse Sieg er ist richlct noch an die Anivesende» den Appell, anch gegnerische Wählerr>ersai»n,li»iigen zu besuchen, damit»vir anch da »»»sereu Standpunkt klarlegen können. Cchönebcrg. Die am 4. Oktober stattgehabte Geiieralversamm- lnng des A r b e i t e r- B i l d ii n g s v e r e i» s beschäsligie sich mit der Neuivahl des gesamniten Vorstandes, Bericht des Vorsitzenden über im letzten Jahre angenommene Anträge, Bericht des Kassirers „nd des Viblioihekars.. Letztere wurden elnstiinmig enllniter. Ei» Anlrag, de»§ 7 des Stnluls dahin zn ändern, die Boriiandsivahlen halbjährlich vorzmiehen, wurde zur nächsien, am 13. Oktober statt- findenden Versammlung zurückgestellt. A> t>«tt-r S>l»»»o»s>t!»Ie. JnselNr. 10. v. z Tr. Ter Unterricht beginnt In SI a t t on a t ö kn n o n> t e(Grnnpbegitfte der Nallonalölonom!«: Tr. Tnnr. Schmid») ain Mittwoch, den IS. Oktader t in Seschichl« tTie oorgeschichtltche Zei« und die ersten geschtchnichcn Ucbcrltcfcrungc»: Dr. Georg Zevvter» ou> Tonncistag, den»«. Oltodert in G c t e t> e s l» n d e lAidcUSoertrag, die soiialrolitische Kcletzgebniig, Elrasrccht, gcivcrblichcs»onzesslorSivelcn. Ehrrech», Mietbßtechl, Elb- nnd Vorninitdtchasljrcchl, össeniltches»Irchl, Rechidanwali W o l fg an g H e i n«> ain Zfreilag, IS. Ott., adcnd«.!i-!jii»hr. Tic Bibliolhe» >sl»»n»s Uhr gcöslnet. Mitgliedsbeitrag monall. ns Pf.. Nursus<10 SIb?nve> i M. pro Fach. Theitnehmer»vcidcn aiisgcnoinnten in folg. Stelle»: Goitfr. Echnlz, «dmuatiir.«oo: VIiuI. vmntinflr. es: Schiller, vtotcnlhaternr. 07; Glcinerl, MülterUr. 7a; Paul Mülle, Manien sfclstr.>2»; H. Uönta«, Dteffenbochftr. 30. 8Ult äuschrtfie» fl> d nn be» Pochhendcn Paul M ü et e jr., SU. Man- tenfsetstr. ISS, Geldsendungen an den Kalgrer H. Köntg«, L. Dtcffenbachflr.»o, zu leuden. Ktiiiid der gesellige» Ardeileruerein»«?er>Iug»nd der Uingegcnd.»vor- ghender P. Wen», Tresdenerstr 107/m». All« gnschriflen, den VereUittalendir betreffend, sind an H B en d> r,«Ilerandrlnensiralie Ivo, zu richte». Arbeiter- Pa»chrrt'«»d Perlt»» und der Zlnigegend. ilenderungen tn> Verewstalender sind zu richte» an Hmnann Biaunfchwetg, Tretdener- strasie eo, s. Hof. Arl-eiter-Käsigerdnnd Verl!»««nd Nmgegind. vorsitiinder tttd. Nennian», ILrunnenhr. ldo ttille elenderitttgen!>»; llteretnet,»lender sind»II richte» a» grlcdrlch Uartuni, Mautenffelslr. ro. o. s Tr. Frriretlgtös'e veweinde. Sonntag, den 10. Oktober, vorintttaas 9 Uhr, Im groben Foslsaal der Berliner Nessou-ce, Koininandanienfir.«7, Berlainmlung. Freireltgiöse Borlefung. Nm II Uhr vormittag«, ebenbafelbst, Vortrag besHerr» Wilhelm Bölfche:„Der Bauin der Erkennlnib." Ue» on"»>l»o»vrr«i» Amor. Sonntag, den ro. Oktober, Scheringsir. ro: Sitzung e—s Uhr. Probe. Sheateroerrin Uhalia, Sonnabend Sitzung«nd Prob« Miftrtner Platz». Vermischtes vom Möge. — Der humoristische Schriflsteller Gustav Schumann („Bllemchen") in Leipzig ist gestorben.— — Nach einer Miliheilnug des Prof. Wilfartb-Bernbnrg soll z»lr Zeit in» Deutschen Reiche eine Menge Saccharin ver« braucht werden, die 899 909 Zentner» Zucker entspricht.—- — Nach einer Nachricht a»S L i p i n e(Ober-Schlesien) wurden auf der Aschenhalde der Malhilde-Ärnbe Westfeld zwei Männer t o d t vorgefunden. Die Armen hatten sür die Nacht einen Unterstand gesucht; sie find durch Kohleugase ums Leben ge- kommen.— -- vchiffS Unglück. Cuxhaven. 8. Oktober. Die Kopen- Hagener Bark„Waterqueen", von Rio de Janeiro nach Harn» bürg fahrend, wurde in der vergangenen Nacht unr 12V« Uhr bei dem ersten Elbfenerfchtffe von de»», wie es heißt, Königsberger Dampfer„Sparta" ü b er s e g e l t, sank in einer Minute »nd ist vollständig verloren. Der Kapitän D rey er und drei Mann werden vermißt; dieselben sind vermiiihlich ertrunken. Fünf Mann wurden gerettet und heule Vormittag 11 Uhr hin ge- landet.— — y. Ein kurio ser Handel wurde in Rod ding bei Hadersleben abgeschlossen: Eine Gig wurde sür 195 Paar Holz- schuhe verkauft. Die Holzschnbe wurden wieder mit 39 Mark Auf- schlag gegen ein Füllen vertauscht.— — Im Wiederaufnahme- Verfahren wurde vom Schwur- gerickl z» B o ch n m ei» Bauer freigesprochen, der 1895 ivegen Sittlichkeilsverbrechens zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war. Diese Strafe halle der Mann bis auf sechs Monate verbüßt.— — y. Bon einem Windmühlenflügel erschlagen wurde in Burgsdors(Hannover) das Töchterchen eines Mühlen- besitzers.— — Zwischen M ü n ch e n»nd Starnberg ist ein Rad» fahrer durch eine Wildsau verunglückt. Das Tirier rannte zwischen die beiden Räder der Maschine, warf den Radier auf einen Sleiuhansen»nd stürmte mit dem Niade aus dem Rücken in de» Wald hinein.— — Einer, der Wort hält. Ein Gaflivlrlh in B o» n- l a n d(Bayer»), der auf einem Auivesen eines Bauern in Hunds- feld eine größere Hi)po>hek stehen hatte und längere Zeit keine Zinsen erhielt,»»ußte vor dem Ankauf des Truppenübungsplatzes durch den Staat das Anivese» übernehme». Er ließ de» srüheren Besitzer als Pächter darauf und versprach»hm den Mehrerlös,»venu das Gut vom Staate gelaust»viirde. Ter Fall trat ein. Der Gaslivirlh zog von der Kaussumme sei» Gnlhnben, Kapital und Zinse», ab nnd händigte den Rest seinem gegebenen Worte gelreu seinem Schuldner ei». Der Rest betrug rund- 29 999 M.- — Ans dem Jahrmarkt in Lille ist ein Karonssel zu» s a m in e»i g e st ü r z t. Zwanzig Kinder»vnrden schiver verletzt.— — In I a l t a(Rußland) ist die Gasanstalt nieder- gebrannt. Die Stadt ist ohne jede Beleuchtung.— — Aus Halifax»vird gemeldet: Die britische Driganttne „St. Peter" berichtet, daß sie einen furchtbare» Orkan durchgemacht habe und daß gleichzeitig ei» eisernes Schiff mit vier Masten, das»valirscheinlich 59 Mann an Bord hatte,»nit der ganzen Mannschaft untergegangen s e i.— — Aus den letzten genauen Meldungen über daS Buschfeuer bei Ottawa(Kanada) erhellt, daß 399 Qnadralmeileu Boden verwüsiel, und 2099 Personen ihrer Wohnnuge» beraubt sind.— Achtung! Achtung! Töpfer! Arbeitslose Äollegen. die gewillt sind, au der Verbreitung eineS Flug- blattes mitzuwirken, werden gebeten, Montag früh ö Uhr bei Schiller, Nosenthalcrstraße 57, sich einzufinden. 194/5 Der Vertranensniann H. David, Warschauerstr. 7. Btrwid her Mchölim! wionta«. de» 11. d. Vi., abends 8»/- Uhr, Ätviiieinuudcrstraffe 4L t MM- Uevfammlnng. IPSI Tagesordnung: 1. Die Lage uud Knmpfcöweise der Arbeiter vor und nach dein Streik. Referent: Koll. Dilndel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Die Kollegen, welche zum Militär eingezogen werden, werden gebeten, fich bei H. Schulz, Memclcrstr. 09 a, zu melden.— Die Generalversammlung findet au» Moutag, den 18. d. M., abends Punkt 8 Uhr, bei Keller, K oppeuftr. 29, statt.__[148/13]_ Der Borftand. Steinarbeiter! So,»„eng. den 10. Ottov.. mittags 12 Uhr, im«iiglischen«arten. Alexanderstrasjo 27 et W OeffenMe Versammlung."MK Tages-Ordnuug: 1. Jahresbericht und Abrechnung. 2. Wahl der BerttanenSpersonen. 3. Verschiedenes.[297/19] Der Vertraaensinann. frörr- imi» GfllMmk-Wkltrr. Montag, den II. Oktober er., abends pnuktlich 8s� Uhr, im Lokale des Herrn Uoll, Adalbertstraffe 21: B ra nclieiÄ- V ersa iiinil n ie g, TageS-Ordnnng: I. Vortrag deS Kollegen Völker über:„Natur- und Kunstgemifi". 2. Die Urabsiiniiiillng. 3. BcrlchiedeneS. 28/9 Kollegen, agitirt sür diese Bersammlung."VlZ Dle Vertraiien»Iei,te. Achtung! Achtung! Montag, dcn II. Oktober er., abe«ds H Ilhr: 4 Mitgiieder-Versamiliingen der Orts-Kraukenlmjse der Tischler n. Piunoforte-Arbeiter Kerlins. des Kasjirers Sei»«»!:-(Westen): im Lokale deS Herm S»1>eil, Lindenstraße Nr. 199. D deS SasstrerS Urttim(Norde II): im Lokale„Kolbcrger Vi.)»11" Salon", Kolbergerstraße Nr. 23. des Kassirers Doert(Süd-Ost und Süden): im Lokal lvrjilt t„Süd- Ost". Waldcmarstraße Nr. 7o. II des Kassirers Schielte(Osten): im Lokale deS Herrn 4.>1jiis U Steche« t, Andreasstraße Nr. 21. TageS-Ordnung in allen 4 Verfammlimgen: Bericht und Stelluiignahine z» de» bevorstehenden Telegirten- »vahlen, Slnfstellung von Kandidaten. 399/3 Zahlreiches Erscheinen der Kassenmitglieder erforderlich. Der Vorstand. I. A.: D. KUnger. Achtnng! Ripdorf! Allitmig! Dienstag, den 12. Oktober, abends K'/z Uhr, in Hoffmann's Festsäle«, Bernsiraffe 151-152: Geueral-Versammluttg des WldemkrMell Vereins„Vorwärts". Tages-Ordnnng: 1. Bericht deS Kassirers. 2. Bericht des Vorstandes und deS Biblio- thekars. 3. Neuivahl des Vorstandes. 4. Vortrag: Ist Religion Privat- fache? Ref.: Genosse Adolf HolTmaiin. 5. Diskussion. 6. BereinS- angelegenheiten und Verschiedenes. 235/1 Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. k. SoMvein'8 �eglerseklössede», CBSH hinter der Verbindungsbahn. OäSMÜ Schöner Garten. Glas Bier 19 Ps. Große Weiße 29 Pf. Kaffeekochen & Liter 60 Pf. 29638* lt. Hohlwclu. Für dci» Inhalt der Inserate überniuinit die Redaktion dem Pnblikni» gegeilüber keinerlei VceaiitlnoelnnK. Theotev. Sonnabend, den 9. Oktober Opernhaus. Der Prophet. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Kiinig Lear An- fang 71/2 Uhr. Deutsches. Agnes Jordan. Anfang 71/3 Uhr. Berliner. König Heinrich. Anfang 7V- Uhr. Goethe. Ein Sommernachtstraum. Ansang 7l/j Uhr. Lessing. Sapho. Anfang 7l/z Uhr. Neues. Aschermittwoch. Vorher: Lleb' im Spiel. Anfang 7Vz Uhr. Residenz. Die Einberufung. An- fang 7Vz Uhr. Schiller. Ein Tropfen Gift. An- fang 8 Uhr. Nachm. Zl/z Uhr: Weh dem, der lugt. ltuter de» Linden. Pariser Leben. Anfang 7Vz Uhr. Lniscii. Preciofa. Ansang 8 Uhr. Thalia. Das Krokodil. Anfang 7V- Uhr. Ostend. Jiigeildbroimen. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7V- Uhr. Friedrich- WilhclinslädtischeS. DaS Zeiche» des Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Sllexandrrplah. DaS LiebeSdrama einer Sängerin. Ansang 8 Uhr. Reichshallen. Spezialitäten. An- fang 7Vz Uhr. Slpollo. Spezialitäten. Ans. 7-/, Uhr. Fccn-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptikttni. Indisches Dorf. Sich i ll e v- h e c» r (Wallncr-Theatcr). Sonnabend, nachmittags Zi/- Uhr: Frei- Vorstellung: Weh dem, der lügt. Abends'8 Uhr: Ei» Tropfen Gift. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zlin Tage des Gerichts. AbendS 8 Uhr: Bürgerlich und Ro- mailtisch. Montag, abends 8 Uhr: Die Krcnzcl- schrciber. Lnisen- Theater 84. Ncicheubergerstrasje 34. Abends 8 Uhr: Preciosa. Schauspiel inäAnfzügcnv.P. A. Wolfs. Musik von Carl Maria von Weber. Morgen, Sonntag, 10. Oktober, nach- mittags 3 Uhr: Volks-Vorstelliing zu halbe« Preisen unter Regie von skrilin!-, T'tirlr: tVlIliclrn Teil. AbendS 8 Uhr: Geschwister Fiebig. Billets ä, ev Pf. zu der Sonntag- Nachinittags- Vorstellung in den bc- kannten Verkaufsstellen. Ostend-Theater. Gr. Franlsnrtcrflr. lös. Dir. E-Wrih. Zum 23. Male: Jttgeildbrotittcu. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstestnng. SonntagNachmittag Volksvorstellung: Die Lieder des Milsiküilteil. Kenti'gl-Ilikgls!' Alte Jakobstr. 80. Direktion Ittolini'lk lsjclinltn. Sonnabend, den 9. Oktober 1897: £iuil Xhontati a. G. Zum 3ö. Male: Berliner Fahrten. BurleSle AnsstaltungSpoffe mit Gesang und Tanz in K Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik van Jnl. EinödShofer. Anfana V2« llhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrte». Gebritöei' HerrnfeltTsf I. Originul- Budapester Possen- u. Operetten- Theater in Kaufmann s Yartete erzielt nach wie vor täglich aiusvei-knnrtc Hilriscr mitdenSensations-Novitäton! Im Atelier und Ein Abend im Winterprtenf Stimmen d. Publikums und der Presse bestkti- gen die konkurrenzlose, einzig in ihrer Art dastehende Originalität und den herechtigten grossen Lach- und Kassenerfolg! Anfang V58 Uhr. Kassen- öffnung V27 Uhr. Vorzugskarten gelten. Vorverkauf I 11-5 Uhr. Maehr'sTheater Oranienstrassc 34. TaglichDie Orts Verwaltung. Apollo-Theater. Frirdrichstr. 318. Dir. 4. Glück. Miss Marie Halten, englisch- französische Sängerin. Ferner: Gölls Lea Rapoli. ip. Flap, Flop!! Große Pantomime, dargestellt von der d osepk Pkoitcs-Tronpc. Kasienerlistnnng Gh�llliv. Ans. U/, Tanbcnslrnsse 48— 4». Katurknndl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. InvRlideas>trusselVo.57,03: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagosanschläge! pas® Casttan's Fanopticnm. Fiiodrichstr. 165. Bäreufrelh die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden.Tahr- hundorls ist wieder da!!! |f pH f ItaiienischeKapeile "vU« dos Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Fassage-Panoptlcum. Letzte W o c h e I Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Monng Toon. W. Kcack's Theater IS ru n n u n- Ü» t r n k n o Kt. Täglich(außer Privatscstlich leiten): Tbenter- n. 8z>ezii»Iitüten- Verstellnng. Lustspiel in 1 Aufzuge von Putililz. Ein Wort zu rrtliter Zeit. Schwank in 1 Alt von Stand. Das gestörte Mittagesttil. Posse mit Gesang und Tanz von G. Friedrich. Jeden Sonntag. Dienstag n. Donnerstag»ach der Vorstellung: Tun k k fün zeli e n. Feen-Palast 33 BnrgMtr. 3». ZGrößt. Veranügnngslokal Berlins. Direktion: Wlnklev und Prßbel. Fidele Droschkenfahrt. ' Üiu SV. Uhr: Richard Winkler und Wilhelm Fröbel Ä in der Berliner Gesangs- Posse: M ivilbe Sache. Slenc Spezialitäten. SAufang T/s Uhr. Sonntags 6 Uhr« Eiltrce 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. g Volks- TSieater im Wclt-lCestunruut »7. D r c s d c n e r- S t r a st e 97. Me Rrezenburg. Bilder aus dem Berliner Volksleven von L. Elp. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- tags 7>/z Uhr.— Entree: Sonntags 30 Pfg., Wochentags 20 Pfg. Freie Wolksbühne. I. Abtheilung: Sonntag, 10. Oktober, nachm. 3 Uhr, "•» M II»?" III. ,, ,, 34.„ ,, 3„ Zur Aufführung gelangt im Friedrich- Wilhelm- stüdtischen Theater: iW~ IHe Hexe-UW Trauerspiel in 5 Aufzügen von Arthur Fitger unter Mitwirkung folgender Gäste: Thalea: Seraphine Hctuchy, Allmuth; Emma Thonret,[299/4 Xaver: Richard Oescr vom Deutschen Theater. Die erste mid zweite Abttieilinig ist gcsdilossen. Zur HI. AktheUnng können_ nur noch wonige Mitglieder aufgenommen werden. Für eine vierte Ahtheilung kann erst dann eine Vorstellung anangirt werden, wenn dieselbe mindestens Va gefüllt ist. Da am 12. Oktober der Termin abläuft, bis zu welch ein für eine IV. Ahtheilung im Eesslng-Theater Vorstellungen bestellt werden können, liegt es im Interesse des Vereins und aller Mitglieder, für die schleunigste Einrichtung der IV. Ahtheilung zu sorgen. Zu diesem Zweck liegen Aufnahme-Scheine in den Zahlstellen aus, in welchen sich diejenigen Freunde der Volksbühne, welche Mitglieder werden wollen mit ihren Familien, gegenvorläufi geHinterlegung desEintritts- geldes von 60 Pf. einzeichnen können. Am Hontag:, den 35. Oktober, iindet die Gcucral-TerHMiiimlung, am 37. November das Winterfest des Vereins mit künstlerischem Programm In der Brauerei Friedrichshain statt. Der Vorstand. I. A.: G. Winkle r. Louis Reller's Festsäle, Koppensir. 29. Sonntag, den 17. Oktober er., mittags 43 Uhr: Q.Novitäten-Matinee. 13 neue Chöre, auSaesührt von 13 Gesangvereinen: Gemischter Chor Liedertafel(Dirigent P. Kresse): Berliner Damen- Chor und Gemischter Chor Berlin-Stralau lDirigent O. Snchsdorf); Männerchöre Collegia, Borwärts> RnmmelSburg» Oranienburger Borftadk. Liedes-Ccho(Dirigent O. Avpelt): Zlllegro. Borax, Edel- weist, Solidarität lind Unverzagt(Dirigent R. Lange): unter gütiger Mitivirlung der Solokräfte: Fräulein Marie Schmidt(Sopran): Herr P. Lippert(Tenor): R. Kann(Baß): Frau Camilla Btobel(Sopran) und Herr R. Btobel(Tenor).— Jnstniinental-Borträge deS Neuen Berliner Konzert-Orchesters(Dirigent R. Tieg). Programm 35 Pf, im Vorverkauf 39 Pi.— Liederterte 19 Pf. Zentral-Verband der Zimmerer (Filiale Ciiarloltenbury). Sonnabend, den g. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale ßismarckehöhe, Wllmeredorlerstr. 39: V. Stiftungs-Fest. Vokal* und Instrnmcntal-Konzcrt unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Iflorgenroth". Komische Vorträge. Ueberraschungen.[255/4 05�- TAVÜ6 für Herren 50 Pf., für Damen 25 Pf."TSSfä Um zahlreiche Betheiligung ersucht Uns Coiniti;. Alcazar V ar i d t e- T h e a t e r I. Ranges. Dresdeneistraße 52/53(City-Passage) Annensl raste 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Vornehmster Familien- Aufenihalt. Heute: Novität! Novität! Die Rosen anS dem Süden. Grosse Andstaiinngspossc mit Gesang und Tanz in 1 Akt von 23. Gcrickc. Neu! Vorher� Neu! Tie sidelen Skatbrüder. Posse mit Gesang, tu 1 All von L. Elp. Aliftr. eineS durchweg neuen glänzenden Spezialitälcn-Pcrivnnls U„i,,,ig. Wochentags 8 Uhr. 2tUI»ll!I. Sonntags 7 Uhr. Entree:{« Pf.<8*2 Gutscheine haben an den Wochen- tagen zu allen Plätzen Giltigkcit. OlR'««« IlllSCll (ItabiiUor IJörse). Sonnabend, 9. Oktober, abds. U/zlthr: Parade-Oala-Abend. Das neue sensat. Programm. U. a. 12 migar. Fuchshengstc, neu dress. n. vorgef. v. Dir. Bnich. Die Dogcartfahrt, mit eigens dazu dress. Schnlpserde, ausgcf. v. Mmc. Maria DvrS. 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Anfang der Borstellnngcn: SonntagS 7i/z, Wochentags 8 Nbr IkeaterlierReieMaiien g Eeizi�iixei'sti'asse 77.» lZüL gi'08Le 8itö?i!tiiMLit Frogi'smm. HartlnHeatee, der aktuelle Huinorist. Serventintaiizeiide Hunde?(Effektvolle Novität.) Tnl» Vatta! Hei» neue Klnetograpli! Clara A n t o 11 i, Soubrette, f22 erstklassige Nummern. Anfang des Konzertes U/, Uhr, der Vorstellung 8 Uhr, ISM- Entree 50 Pf.-ME Im Partem-Ttlill: 2 Kapellen. Achtung! Neu eröffnet! Restilitrililt 11,10 Liermlag von 3134C* Paul Zimmermann, Marsilinsstr. 8, früh. Grüner Weg 19. Nonnenberg's Restaur., Treptow, Parkstrasse.. Jeden Sonntag t Frei< Konzert. Schöner Garten. Gr. Saal. Kaffeeküche. Unserem SangeSiruder 11206 Paul Tschachschall zu seiner heutigen Eheschließung die besten Wünsche bietet Gesangverein..Sllpenröslein". Allen lieben Verwandten und Be- kannten, insbesondere aber dem Herrn Chef und den Kollegen der Firma C. F. Stärke, sowie dem Metall- arbeiter-Verband für die innige Theil- nähme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Ernst Hippel meinen herzlichsten Dank. 1123b Ww. Helene Kippet. Ich mache Freunden und Kollegen bekannt, dab der auf Station Jungfern- Haide verunglückte Modelltischler BoltfiMSll Jepp Sonntag, den 10. d. M., nachmittags 2 Uhr, vom Krankenhaufe in Char- lottenburg, Kirchstrabc, nach Plöyensee beerdigt wird.[1121] P. Jepp. Ehrenerkliining. 11316 Ich nehme die Beleidigung gegen Herrn Bühne zurück und erkläre ihn als Ehrenmann. Fran Knst. Die Beleidigung gegen Frau Seyder bereue ich und nehme Ich zurück._ 111191_ Pnlist. Conoertliaus r.eipzigcrsti'.Vo�S. iw Täglich!-TSE Hoffmann's Quartett und Humoristen, sowie Gastspiel deS piston �Virtuosen Miiltcr-Upart. Ansang 8 Uhr. Loge und I. Rang Ballon 1 Mk., Spmsih 50 Psennig. Entree und II. Rang 30 Pf. Dr.Sjmmel Morilzi»latz, i.Hausv.Zlfchittger Tpezialarzt s.Hant n.Hariiteideii. 10-2. 5-7. 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