Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus und durch die Poft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen fämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens und Luremburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 8-9 Freitag, 4. November 1921 Nummer 518 Abend- Ausgabe Die neungespaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 6,- m. einschließlich Inferatenfteuer. Kleine Angrigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Jnferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Zeile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1.-. Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 greibeit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der Raubzug gegen das Volk Der Kartoffelwucher steigt- Große Ausfuhr nach England Die Untätigkeit der Regierung in der Bekämpfung des Wuchers schreit zum Himmel. Nichts hat die Regierung bisher bewegen fönnen, mit ernsthafter Hand zuzugreifen, wo schamlose Gewinnsucht und Gewissenlosigkeit gegenüber den darbenden Massen sich vereinigen, um das Elend weiter zu steigern. Es ist deshalb tein Wunder, daß in dem Umfang, wie die Mart von Tag zu Tag an Wert abnimmt, die Preise ins Riesenhafte ſteigen. Verzweifelnd ringen die Festbefoldeten, die Rentenempfänger aller Art mit dem über sie hereinbrechenden Elend. Die Not steigt in einem Umfang, der die schlimmsten Zeiten des Krieges in den Schatten stellt. Verzweiflung bemächtigt sich großer Teile der Bevölkerung. Ihre Erbitterung wächst von Stunde, so daß niemand die Folgen hieraus voraussehen kann. Die Regierung scheint blind und taub zu sein. Sie steht die Erscheinungen nicht oder will sie nicht sehen, die eine Aenderung der bisherigen Wirtschaftspolitik unausweichlich machen. Sie begnügt sich mit Ermahnungen an die Wucherer und mit schönen Versicherungen an die notleidenden Verbraucher. Zu Taten will sie nicht übergehen. Stunde zu Das Verhalten des Ernährungsministeriums setzt aber allem die Krone auf. Von ihm, das in erster Linie berufen wäre, dem Wucher an Lebensmitteln Einhalt zu gebieten, ist bisher nicht das geringste geschehen. Seit Wochen gehen Mitteilungen durch die Presse, daß große Mengen von Kartoffeln ins Ausland abwandern. Das Ernährungsministerium aber bestritt die Richtigkeit dieser Meldungen. Es erklärte, es habe eine amtliche Rachprüfung stattgefunden. Sie habe ergeben, daß die Gerüchte über Ausfuhr von Kartoffeln über die Westgrenze unrichtig seien. Die Ausfuhr von Kartoffeln", so hieß es, ist im besetzten so= wohl wie im unbesetzten Gebiet nur mit einer besonderen Genehmigung gestattet. Diese Genehmigung wird von den deutschen Behörden grundsähl ich nicht erteilt. 3ur Ueberwachung der Ausfuhr sind durch das Ernährungsministerium seit längerer Zeit verstärkte Kontrollmaßnahmen angeordnet worden." Nun tommt aber die folgende Meldung aus England, die geeignet ist, die allergrößten Zweifel in die Angaben des Ernährungsministeriums zu setzen! " In einer Sigung der englischen Landwirtschaftskammer flagte Lord Bledisles über die große Einfuhr von deutschen Kartoffeln. Der Redner sagte, die Kartoffeln fämen anscheinend aus Holland, in Wirklichkeit aber seien es deutsche Kartoffeln, die auf diese Weise den Extra- Einfuhrzoll von 33% v. H. sparten. Die Aussichten für die englischen Kartoffelbauer würden im nächsten Jahre sehr schlecht sein, wenn diese Einfuhr nicht behindert werde. In einer Entschließung wurde die Regierung aufgefordert, der Angelegenheit ihre Aufmertsamkeit zu widmen." Die Entthronung der Habsburger Die Entthronung des früheren Königs Karl und des ganzen Haufes Habsburg scheint nun auf teinen Widerstand mehr zu stoßen. In der ungarischen Nationalversammlung ergab sich am gestrigen Donnerstag bei der Abstimmung über die Frage, ob der Gesetzentwurf zur Entthronung der Habsburger dringlich behandelt werden solle, daß die Anhänger der Thronentsegung über eine Mehrheit verfügen. 3war machten die Karlisten reichlich Lärm und Stephan Friedrich, der Pogromist, nannte die Regierung Bethlen ob ihrer Maßnahmen gegen die Teilnehmer am Butsch eine Sowjetregierung. Die Karlisten werden in der heutigen Sigung der Nationalversammlung eine von dem Grafen Apponyi vorbereitete Erklärung abgeben, in der gegen die auswärtige Einmischung protestiert und erklärt wird, daß das unter auswärtigem. Drud zustande gekommene Gesetz zwar Ge Segestraft habe, aber nichts an der gesetzlichen Gültigkeit des Königtums der Habsburger ändern könne. Die Haltung der. ungarischen Regierung hat die akute Kriegsgefahr beseitigt. Damit find natürlich noch längst nicht alle Konflikte aus der Welt geschafft, die das Abenteuer Karls zum offenen Ausbruch fommen ließ. In der Sigung des Budgetausschusses des tschechoslovakischen Parlaments sagte Ministerpräsident Benesch über die auswärtige Politit, daß in den Ichten Tagen ein volltommenes Einvernehmen zwischen den Alliierten und Alliierten und den Mitgliedern der Kleinen Entente zustande gekommen sei. Die Regie rung werde bei der weiteren Entwicklung des Konfliktes in friedlicher Weise vorgehen, indem sie überall, wo nötig, Beweisgründe und nicht die äußersten Mittel zur Geltung bringen werde. Die außerordentlichen Maßnahmen müßten noch furze Zeit andauern, damit alle Bedingungen angenommen und verwirklicht werden, um die Lage zu klären. Die Regierung fei jedoch entschlossen, teinen einzigen Tag die außerordentlichen Maßnahmen länger andauern zu lassen, als es unumgänglich nötig sei. Lassen diese Ausführungen erkennen, daß der Einspruch der Botschafterkonferenz auf die weitergehenden Forderungen der Kleinen Entente bei der tschechoslovakischen Regierung nicht ohne Erfolg gewesen ist, so scheint das in Belgrad nicht der Fall Auch im Reichswirtschaftsrat hat gestern der Vertreter der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine mit aller Bestimmtheit erklärt, daß von Hamburg aus mehrere Waggons Kartoffeln nach der belgischen Grenze verschoben worden sind. Man muß deshalb annehmen, daß die amtliche Erklärung des Ernährungsministeriums so' zu verstehen ist, daß nur ..grundsätzlich" die Ausfuhr nicht erteilt wird, daß sie aber tatsächlich, wenn die Schieber gerissen genug sind, um ihre Kartoffeln als Saatgut zu bezeichnen oder ähnliche Mätzchen zu machen, doch erteilt wird. Das aber wäre ein geradezu unerhörter Vorgang. Es ist deshalb von der Regierung zu verlangen, daß sie jede Genehmigung zur Ausfuhr von Lebensmitteln versagt und daß sie sofort einwandfrei die Gesamtmengen bekanntgibt, deren Ausfuhr bisher offiziell gestattet worden ist. Selbst der zahme ,, Der Deutsche" erklärt jetzt: ,, Sollte jedoch die Untersuchung- und eine solche ist auf bas bestimmteste zu fordern den englischen Bericht auch nur zum kleinen Teile bestätigen, so wäre das ein Zeichen davon, daß das Ernährungsministerium in seinem System der Erfassung der Kartoffeln von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist und daß die bisherigen Maßnahmen bei weitem nicht genügen, um die Versorgung Deutschlands sicherzustellen." Die sofortige Abkehr von dem System der freien Wirtschaft, durch das die Notlage so ungeheuer gesteigert worden ist, ist dess halb erforderlich. Biele derjenigen, die bisher für die freie Wirtschaft eingetreten sind, sind jetzt reumütig Befehrte. Sie haben erkannt, daß ihr Vertrauen in bas Verantwortungsgefühl der Erzeuger und Händler und ihr moralisch einwandfreies Handeln auf bas schwerste getäuscht worden ist. Diese Kreise kennen nur die Jagd nach Profit. Ihm muß jetzt endlich mit ben energischsten Mitteln Einhalt geboten werden. Wuchergesetzgebung und Wuchergerichte haben versagt. Die Maschen, durch die jetzt die Wucherer hindurchschlüpfen, müssen deshalb verstopft werben. Es muß aber auch eine rücksichtslose Erfassung der Waren erfolgen, damit der Wucher mit ihnen verhindert wird. Es bleibt deshalb kein anderer Weg übrig als der von der Unabhänigen Sozialdemotratie vorgeschlagene, der sowohl für Kartoffeln wie für Getreide die zwangsweise Bewirtschaftung wieder einführen bezw. verschärfen will. Das muß aber auch bei anderen Waren geschehen. Die Wirtschaftspolitik darf sich nicht mehr länger leiten lassen von dem Gesichtspunkt der Steigerung der Gewinne von Handel, Industrie und Landwirtschaft, sondern von der möglichst billigen und ausreichenden Versorgung der notleidenden Massen. zu sein. Wie die dortigen Blätter melden, beschloß der Kronrat, der unter Teilnahme des Königs und des Ministerpräsidenten Pasitsch tagte, trotz der Note der Großen Entente an den ursprünglichen Forderungen, also nicht nur an der Entthronung der Habsburger und der Durchführung des Vertrages von Trianon, sondern auch an der Forderung der Ersetzung der Mobilmachungskosten festzuhalten. Die Ereigniffe von Graslih In Graslih in Deutsch- Böhmen war es anläßlich der Mobilifierung zu ernsten Zwischenfällen gekommen, in deren Verlauf das Militär eingriff und 12 Personen getötet und mehrere verwundet wurden. Die Freiheit" berichtete seinerzeit darüber. Der tschechische Ministerpräsident sprach im Budgetausschuß über die Ereignisse in Graslig sein Bedauern aus. Er habe Beweise in Händen, daß die Truppen und die Behörden eine for= rette Haltung eingenommen und insbesondere das Militär feine Geduld erschöpft hätte, bevor es zu den Waffen griff. Es sei eine erfreuliche Erscheinung, daß die Vertreter der politischen Parteien in Graslih, als sie sahen, daß die Schranken des Gesetzes überschritten worden seien, alles getan hätten, um Schwierigkeiten vorzubeugen. Die Regierung werde in der Frage einer Entschädigung für die Hinterbliebenen und für die Verwundeten mit dem größten Wohlwollen vorgehen. Die Regierung fordere alle vernünftigen Elemente auf, dahin zu wirken, daß sich ähnliche Ereignisse nicht mehr wiederholen. Kommunistische Säuberung D. E. Helsingfors, 3. November. In Moskau hat der Ausschluß des Militärarztes Giljansti, des langjährigen nächsten Mitarbeiters und Vertrauten Troykis, aus der Partei großes Aufsehen erregt. Der Ausschluß erfolgte wegen Bureaukratismus und luxuriöser Lebenshaltung. Die Säuberungsaktion innerhalb der Russischen Kommunistischen Partei nähert sich ihrem Abschluß. Bisher sind nur Teilergebnisse über den Ausschluß aus der Partei bekanntgegeben worden. Gie lassen jedoch bereits darauf schließen, daß durchschnittlich etwa 25 bis 30 Prozent der Parteimitglieder ausgeschlossen sein werden. In seiner letzten Rede erklärte Lenin, er hoffe, man werde 100 000 Mitglieder aus der Partei ausschließen können. Landwirtschaftliche Zeitfragen Von Dr. Wilhelm Grumach II. Da man die Ausbildung nicht dem guten Willen der Landwirte überlassen tann, so gehe man so vor, wie in allen Berufen, von denen das Wohl der Gemeinschaft abhängt, für alle, die ein Landgut führen wollen, das nicht bloß ihren der Medizin, der Apothekerei, der Schule usw.: manführe eigenen Bedarf decken soll, einen geseglichen Bes fähigungsnachweis ein. Bei den kleineren wird eine Art Meisterprüfung genügen, wie sie für die technischen Beamten der Landwirtschaftskammern schon besteht, und unterstelle sie einer leichten Kontrolle durch die sofort zu schildernden Institute. Für die größeren Landwirte aber muß der Nachweis einer gründlichen praktischen und akas demischen Ausbildung verlangt werden, in der Form etwa der ärztlichen Staatsprüfung. Niemand dürfte in Zukunft ein Landgut in Bewirtschaftung nehmen, der nicht imstande ist, diesen Radyweis zu liefern. Ernst und wissenschaftlich dentende Landwirte werden die Berechtigung dieser Forderung anerkennen; das tut auch das Lehrbuch der Landwirtschaft von Krafft Bd. 4. Nur wird man von privatkapitalistischer Seite bas als einen Eingriff in die freie Verfügung über das Eigentum erklären, da dann eine Vererbung von Vater auf Sohn und ein Verkauf an besondere Eigenschaften des späteren Besizers gebunden wäre. Aber das ist nichts Neues. Ein Apotheker darf auch nur dann seine ihm frei gehörende Apotheke seinem Sohn vererben oder an einen andern verkaufen, wenn der Nadbefizer geprüfter Apotheker ist. Da nun aber von den gegenwärtigen Besitzern dieser Bes fähigungsnachweis nicht zu verlangen ist, sondern nur für die zukünftigen, so müßte man bis auf weiteres oder auch für die Zukunft ein prattisch wissenschaftliches Kontrollsystem einführen. Ich denke mir wissen. schaftliche Institute für je eine Anzahl vos Tuur = reisen, die durch wissenschaftlich und praktisch vorgebil dete Assistenten allmählich überall die chemischen, physika lischen, bakteriologischen Untersuchungen usw. auszuführen, Ratschläge über Kultur und Behandlung zu geben und die Ausführung zu kontrollieren, also den Landwirten wissens schaftlich zur Seite zu stehen hätten. Sie werden auch Don Otto Bauer empfohlen. Zwangsmaß nahmen wären bei gefliffentlichem Widerstande anzuwenden. Daß solche felmem Einrichtungen großen Widerstande begegnen würden, ersicht man aus der Tatsache, daß in der Tierzucht die Landwirte selbst solche Einrichtungen geschaffen haben, die Vieh. fontrollvereine. Die denselben gehörigen Institute lassen durch Assistenten chemische, bakteriologische, züchterische Kontrolle ausführen und Ratschläge erteilen über Fütterung, Zucht, Ausmerzung unnüßer Fresser usw. Im Jahre 1911 bestanden in Preußen 372 solcher Vereine. Die Erfolge sind glänzend. In einem ostpreußischen Verein betrug die durchSchnittliche Steigerung der Milchproduktion von 1906/07 bis 1910/11 pro Kuh und Jahr 1198 Kilogramm, also etwa 40 Prozent, die jährlichen Kosten pro Ruh 4 bis 4,50 M. Ja, der Meierhof Loga bei Leer hatte durch Hochzucht und Fütterungskontrolle einen Durchschnittsertrag von 6580 Liter pro Kuh und Jahr( Normalertrag 2500 bis 3000 Liter) und eine Kuh des Bestandes hatte den Weltrekord von 10 654 Liter mit 380 Kilogramm Butter. Die Landwirte tragen bei den Kontrollvereinen die Kosten felber und können sie tragen. Sie könnten auch wegen der höheren Erträge leicht die Kosten der vorgeschlagenen In stitute tragen. Eine weitere Möglichkeit, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, läge in der nahen Verbindung der Landwirtschaft mit der VerwertungsBrennerei, Stärtefabrikation, Müllerei, Konsernenfabrikation industrie für ihre Produkte, der Zuckerfabrikation, usw. Durch die speziellen Erfordernisse dieser Industrieen und ihren Einfluß auf die Kultur, andererseits durch die Verwertung der Rüdstände derselben in der Landwirtschaft wird die Produktion ungemein befruchtet. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, da ich das schon im„ Sozialist" ges tan habe, möchte nur anführen, daß Güter wie Hohenfelde und Wittmannshausen in Mecklenburg, Gut Kläden in Sachsen und andere nach Einführung der Zuderrübenkultur in furzem eine Steigerung des Körnerertrages um 15 bis 50 Prozent feststellen fonnten. ad Und noch aus einem zweiten nicht weniger wichtigen Grunde ist eine nahe Verbindung der Landwirtschaft mit der Verwertungsindustrie empfehlenswert. Sie ist das ein= zige, aber auch gründliche Mittel, das Uebel der Arbeiternot zu heilen. Die neuzeitliche Afers wirtschaft ist ein Saisonbetrieb, der ein halbes Jahr lang viel Saisonarbeit verlangt, fie im Winter aber arbeitslos auf die Straße Straße wirft. Es ist fin Wunder, das diese regelmäßige, saisonmäßige Arbeitslosig feit einen großen Teil der Landarbeiter vom Lande vers treibt; denjenigen Teil, der sich im Winter nicht ernähren tann. Das einzige Mittel dieses Uebel zu heilen, liegt in der Beschaffung von Winterarbeit. Dazu sind die Verwertungsbetriebe hervorragend geeignet. Sie sind gleichfalls entweder reine Saisonbetriebe oder fönnen wenigstens vorübergehend ihre Produktion einschränken. Ihre Saison beginnt naturgemäß, wenn die der Landwirtschaft endet, so baß die Arbeiter von der einen Sphäre in die andere übergehen können. Sie sind auch fast alle so mechanisiert, daß sie nur einen kleinen Stamm vorgebildeter Dauerarbeiter und eine große Menge ungelernter Saisonarbeiter brauchen, die von den vorgebildeten leicht angelernt werden können. Es ist wahrscheinlich, daß der Arbeiterbedarf beider Sphären sich decken wird. Nötig ist aber, daß die Verwertungsbetriebe auf dem Lande angesiedelt werden. Diese Jbeen erscheinen vielleicht abenteuerlich, aber die Möglichkeit ihrer Ausführung ist von ernsthaften Landwirten, denen sie vorgetragen wurden, anerkannt worden. Auch die Kosten der Ausführung dürften, wie schon oben bei einem Puntt betont wurde, nicht unerschwinglich sein. Jeden falls aber, das wird man nicht bestreiten, würde mit ihrer Ausführung eine neue, für die Allgemeinheit und für die Landwirte segensreiche Aera der Landwirtschaft beginnen. Die Unabhängige Sozialdemokratie als Partei des ökonomischen und fulturellen Fortschritts sollte diese Jdeen, die ich hiermit zur Distussion stelle, in Erwägung ziehen und, wenn sie dieselben als fruchtbar anerkennt, ihre Ausführung vertreten. Sie sind kurz wiederholt: 1. Anerkennung der Landwirtschaft als angewandte Naturwissenschaft a) durch Einführung eines gesetzlichen wissenschaftlichpraktischen Befähigungsnachweises für alle Landwirte in leitender oder sonst verantwortlicher Stellung, b) durch Schaffung wissenschaftlich- praktischer Kontrollund Beratungsinstitute mit amtlichem Charakter. 2. Nahe örtliche Verbindung der Landwirtschaft mit der Verwertungsindustrie a) zweds Steigerung der Produktion, 1) zweds Beseitigung des Arbeitermangels in der Landwirtschaft. Stinnes wirbt ,, Nur wer die Sehnsucht fennt, weiß, was ich leide"- denft Die Deutsche Allgemeine 3tg.", das Organ der Stinnes- Partei, und wirbt inbrünstig um den Beitritt der Sozialdemokratischen Partei zur großen Koalition" in Preußen. Nachdem sie die Stellung der Deutschen Volkspartei, des Zentrums und der Demokraten zur Frage der preußischen Regierungsbildung wiedergegeben, schreibt sie: ,, Somit haben von den in Frage kommenden vier Parteien brei der Verwirklichung des nunmehr lange genug erörterten Blanes der Koalition von der Volkspartei bis zur Mit fozialdemokratie in aller Deutlichkeit zugestimmt. Dana scheint die Aussicht nicht ganz unbegründet zu sein, daß denn auch die vierte Partei, die Sozialdemokratie, endlich der großen Koalition" in Breußen zustimmen muß, wenn sie nicht jebes Verantwortlichteitsgefühl vermissen lassen will und damit trotz des Beschlusses des Görliger Parteis tages ohne irgendwelchen ersichtlichen Grund Wege einschlägt, die angesichts der gegenwärtigen Lage tn Preußen große Teile der sozialdemokratischen Wählerschaft nicht begreifen werden." Die Gorge bes Stinnesorgans um die Durchführung des Görliger Parteitagsbeschlusses würde rührend wirken, wenn fie nicht einen gar zu fomischen Beigeschmack hätte. Um bie Stellung„ großer Teile der sozialdemokratischen Wähler schaft" braucht sich das volksparteiliche Organ nicht den Kopf zu zerbrechen. Die heftige Opposition gegen den Görlitzer Beschluß in den Reihen der sozialdemokratischen Partei zeigt vielmehr, daß der übergroße Teil der Partei, soweit er proletarisch zu denken und fühlen vermag, es nicht begreifen würde, wenn sich die führenden Kreise der Partei durch Bilbung der großen Koalition" mit der Stinnespartei verbrüdern würden. Arbeiter Büchertisch ( Erfheizt jeben zweiten Freitag) Ein Werk über China Eduard Ertes gehört zu den nicht sehr zahlreichen Männern der Völkerkunde, die Sitten und Denken eines Voltes aus dem materiellen Bestand der Kultur zu erklären suchen. Das tann nun wieberum nirgends so fruchtbringend sein, wie bei jenen fernen alten Kulturvölkern, deren Art uns bei oberflächlicher Betrach tung so seltsam und unverständlich, deren geistiger Befit uns aber zugleich so rätselhaft reich und hochentwidelt erscheint. Beides, Reichtum und Eigenart der geistigen Kultur wie Fremdartigkeit der Sitten, vermögen wir nur zu begreifen und zu würdigen, wenn mir ihre Ursachen erforschen, die Erfes in der materiellen Kultur und in den gesellschaftlichen Beziehungen und Vorstellungen des chinesischen Boltes findet. In seinem uns vorliegenden Buche China", Verlag F. A. Perthes in Gotha, stellt er seine Unterfuchungen mit äußerster Sorgfalt an, seine Beweise führt er mit Meisterschaft. Er zeigt eine seltene Begabung für das Auffinden und Aufhellen von Zusammenhängen und wendet diese Begabung mit glänzendem Geschick, aber zugleich mit strengem wissenschaftlichen Ernst an auf die Darstellung der Zusammenhänge zwischen Arbeit und Denten eines Boltes. Seine letzten Ergebnisse spitzen sich zu einigen Schlüssen zu, die er in folgenden Sägen niederlegt: ,, Einförmigkeit der Lebensführung erzeugt auf die Dauer Nüch ternheit des Denkens, und so ist des Nordchinesen Dent- und Glaubensform die reine verstandesmäßige, von transzendentem Beimert befreite Ethit des Konfuzianismus. Als volkstümlicher Ersatz hat sich dafür neben ihr der urzeitliche Aberglaube zu einem üppigen System ausgewachsen.... Im wesentlichen gelten diese Züge nun auch für Südchina, und doch tragen sie hier ein ganz anderes Geficht. Der Geist des Nordchinesentums ist hier nicht aus natürlichen Grundlagen erwachsen, sondern von außen hereingetragen. Wie im Norden die flache Ebene, so drückt hier ( im Süden) das romantische Gebirgsland der Bevölkerung den Stempel auf. Herrscht im Norden der Jntellekt vor, so im Süden bie Phantasie. Freilich eine Phantasie, die dem Temperament des Chinesen entspricht; wild und abenteuerlich, aber schemenhaft verschwommen und dabei seltsam schematisch.. Und auch im SüDen spürt man immer noch den engen Horizont der Löstäler, in benen die chinesische Kultur entstand; auch hier die Neigung zum Berflachen, zum Schematisieren, zur ewigen Wiederholung des felben Themas, bie selbst bie chinafische Boeie trag ihrer wundervollen Schönheit und Innigfeit auf die Dauer eintönig wirken Jägt. War der Norden allezeit die Heimat der großen StaatsEin unanständiges Manöver Als wir vor einigen Tagen an Hand der letzten Reden und Schriften Lenins den Bankerott der utopischen Wirtschaftspolitik der Kommunisten in Rußland feststellten, die dem russischen Proletariat nur Leiden und Enttäuschungen gebracht hat, drohte die„ Rote Fahne", daß sie wegen unserer„ vollkommen verständnislosen und verlogenen" Darstellung demnächst mit uns abrechnen würde. Wir haben bisher vergeblich auf diese Auseinandersehung gewartet, die pir im Interesse der Klärung der„ russischen Frage" begrüßen würden. Statt dessen zieht es das tommunistische Zentralorgan vor, den Streit auf ein anderes Gebiet zu übertragen und die Dinge so darzustellen, als ob unsere Feststellungen hinfichtlich der neuen Wirtschaftspolitik Lenins eine Ablehnung des in diesen Tagen gemeldeten Angebots der Sowjet- Regierung, die Vorkriegsschulden Rußlands an die Entente zu bezahlen, bedeute. Diese Darstellung der„ Roten Fahne" muß als ein im höchsten Grade verwerfliches, unanständiges Manöver bezeichnet werden, das am allerwenigsten der Sowjetregierung selbst Rugen bringen fann. Wenn die Redaktion der„ Roten Fahne" nicht die geistigen Fähigkeiten besitzt, eine grundsätzliche Auseinandersetzung über die bolschewistische Politit mit uns zu führen, so sollte sie wenigstens so viel politische Vernunft besitzen, um einzusehen, daß ihr täglich sich wiederholendes Geschrei, daß die u. S. P. und S. P. D. das Angebot der Sowjetregierung ablehne, den Verhandlungen der Sowjetregierung mit der Entente feineswegs förderlich ist. Ueber die Verlogenheit dieser Behauptung selbst Tohnt es sich wohl kaum, ein Wort zu verlieren. Wenn die ,, Rote Fahne" in ihrer heutigen Morgenausgabe erklärt, daß es in unmittelbarem Interesse der deutschen Arbeiterschaft liege, sich dafür einzusetzen, daß Friede mit Rußland geschlossen, die Handelsbeziehungen ausgebaut, alle Hilfe an Rußland gewährt werde usw., so rennt sie damit offene Türen ein. Die Unabhängige Sozialdemokratie ist für diese Forderungen seit jeher eingetreten und hat fein Mittel unversucht gelassen, um durch Unterstützung dieser Forderungen die revolutionäre Entwicklung in Rußland zu fördern. Sie ist gerade wegen dieser angeblich„ pazifistischen" Forderungen immer wieder von jenen tommunistischen Weltrevolutionsphantasten angegriffen und verleumdet worden, die nicht den Frie ben wollten, sondern den permanenten Krieg, und die dem deutschen Proletariat einzureden suchten, daß eine Verbrüderung mit der russischen Roten Armee ausreichen würde, um die Entscheidungsschlachten mit dem Entente- Jmperialismus am Rhein siegreich auszufechten. Jeht, nachdem die Phantastereien der deutschen Kommunisten ebenso flar zu Tage getreten sind, wie die wirklichkeitsfremden Spekulationen ihrer russischen Lehrmeister, machen sich die Kommunisten wie immer die Parolen und Forderungen der von ihnen bekämpften Unabhängigen zu eigen, um ihr verwirrendes zerstörendes Treiben in der Arbeiterschaft weiter fortzusetzen. Diese Spefulation wird aber an dem gefunden Sinn der Arbeiterschaft ebenso zerschellen, wie alle bisherigen Pläne der Kommunisten. lichen Gebrauchs geworden, dessen fortschreitende Verteuerung nicht stillschweigend hingenommen werden darf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund richtet deshalb an die für die Ernährung Deutschlands verantwortlichen Stellen das dringende Ersuchen, die Preisgestaltung für Margarine, mit den Selbstkosten be ginnend, insbesondere aber auch die nach unserer Auffassung preisteigernde Tätigkeit des Margarine= Verbandes in Berlin, einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Zu dieser Erhebung, die mit größter Beschleuni gung durchzuführen wäre, beantragen wir die Heranziehung sachverständiger Verbraucher und Vertreter der Gewerkschaften. Wenn eine der maßgeblichen Firmen des Konzerns, die A.-G. van den Berghs Margarinefabriken, die ihre Er zeugung in der Hauptsache in Deutschland unterbringt, im Gefchäftsjahre 1920 einen Reingewinn von 5,7 Millionen hollän dische Gulden erzielt hat, tanu nicht zugegeben werden, daß die Notwendigkeit derart gewaltsamer Preissteigerungen vors handen ist." Das ist das Spiel mit nertauschten Rollen. Der christliche Ernährungsminister Hermes fördert die Preissteigerung, der christliche Gewerkschaftsbund protestiert dagegen. So fann man sowohl die Bauern, als auch die Arbeiter einfangen. Das Verhalten des Ernährungsministers wird völlig klar, wenn man fich die Tatsache vergegenwärtigt, daß er auch jetzt noch, obwohl wir doch einen ungeheuren Mangel an Futtermitteln haben, die Ausfuhr von Delfuchen, einem der wertvollsten Futtermittel, in einem erheblichen Umfang gestattet. Damit sollte angeblich die weitere Steigerung des Margarinepreises verhindert werden. Daß das aber nur ein schlechter Vorwand ist, geht aus der neuerlichen starken Erhöhung der Margarinepreise deutlich hervor. Infolgedessen ist es unverantwortlich, sowohl vom Standpunkt der Versorgung der Landwirtschaft mit Futtermitteln als auch vom Standpunkt der Verbraucher von Margarine, daß diese Liebesgabe an die Margarineindustrie auch jetzt noch besteht. Genosse Her hat im Reichstage folgende Kleine Anfrage gestellt: In der Sigung des Reichstages vom 27. September hat der Reichsernährungsminister die Erteilung der Erlaub= nis zur Ausfuhr von Deltuchen damit gerechtfertigt, daß fie die Preisgestaltung für die Dele zur Margarine- und Speiseölversorgung der Bevölkerung günstig beeinflußt. Trotzdem ist in den letzten Tagen vom Margarine- Verband e. V., Berlin, eine erneute Erhöhung der Margarinepreise um 5,50 bis 7 Mart pro Pfund angefündigt worden. Steht die Regierung auch jetzt noch auf dem Standpunkt, daß die Ausfuhr von Delkuchen trotz der großen Futtermittelnot und trog der erheblichen Steigerung der Margarinepreise im Interesse der Allgemeinheit liegt? Was gedenkt sie gegen die gewaltige Steigerung der Margarinepreise zu tun? Der Dollar 224 Das wahnsinnige Treiben an der Börje nimmt seinen Forts Liebesgabe an die Margarineindustrie gang. Der Dollar, der gestern abend bis auf 215 zurüfgegangen Liebesgabe an die Die gewaltige Preissteigerung für Margarine Vor einigen Tagen hat der Margarine- Verband e. V. Berlin mitgeteilt, daß die Margarineindustrie infolge der fortschreitenden ftarten Entwertung der Mark eine Erhöhung der Preise um 5,50 bis 7 M. für das Pfund vornehmen müsse. Diese gewaltige Preissteigerung, die gine unerträgliche und ungerechtfertigte Belastung der Verbraucher darstellt und die eine Verteuerung der Margarine auf etwa das Dreifache gegenüber dem Stande in den ersten Monaten dieses Jahres darstellt, hat auch den christlichen Deutschen Gewerkschaftsbund" zu einem Protest an das Ernährungsministerium veranlaßt. In ihm heißt es: war, wurde heute vormittag mit 220 Mart bewertet, um dann bis auf 224 zu steigen. Veranlaßt wurde diese Steigerung einerseits durch einen weiteren starten Sturz des Markfurses in New York und andererseits durch größere Devisenanläufe der Industrie. 99 Mannesmann und die anderen". Der Vorsitzende des Aufsichts rats der Mannesmann Motorenwerke, Geh. Kommerzienrat Steinthal, teilt uns mit: Die Herren Gebrüder Mannesmann ( Reinhard und Max Mannesmann) sind nach erheblichen Streitig feiten mit der Attiengesellschaft, die damals Deutsch- Osterreichische Mannesmann- Röhrenwerke firmierte, im Jahre 1900 in Verfolg einer damals abgeschlossenen Vereinbarung endgültig aus der Gesellschaft ausgeschieden. Die Geschäfte der beiden Herren Mannesmann in Marotto waren Privatgeschäfte der Genannten, die Gesellschaft ist daran niemals dirett noch indirekt, weder mit Geld noch anderweitig beteiligt gewesen. Nachdem im Auguft zweimal ganz kurz hintereinander der Preis um je 2 m. erhöht wurde, zwingt die jetzt angekündigte, sehr erhebliche Verteuerung nachdrücklichst zu der Frage, ob es nötig ist, in diesem Ausmaße den Verbrauch zu belasten. Wir verneinen diese Notwendigkeit. Die in der Zeitungsnotiz gegebene Begründung fönnen wir als stichhaltig nicht anerbennen Angesichts der Butterpreise ist Margarine bis weit in die Kreise des Bürgertums hinein Gegenstand des täg- Geldstrafe von 500 Mart verurteilt. männer und Gelehrten und der Boden, auf dem die großartigen, aber trockenen Werte der Philologie und Geschichtsschreibung entstanden, so ist der Süden dafür das Land der Künstler und Dichter." Dem, der die Feinheit der Methode der materialistischen Geschichtsforschung nicht fennt oder sie in dem bornierten Glauben der Intellektuellen an die alleinige Urkraft des Geistes( ihres Geistes) verwirft, mögen diese Folgerungen roh erscheinen. Und uns selbst erscheint es roh, daß wir diese zu letter Einfachheit geführten Schlüsse isoliert zitieren, um die Art der Darstellung von Ertes über Wirkung und Gegen- und Wechselwirkung zu zeigen. Sie sind, wie gesagt, nur die äußersten Spitzen einer langen Reihe bündiger Schlüsse, die Stufe für Stufe vorwärts schreiten, und die konzentriertesten Ergebnisse sorgfältigster und feinster Untersuchungen, die wohl die vollkommenste Erkenntnis über dieses ferne fremde Volk darstellen. Chinesisches Wesen ist nur zu begreifen, wenn wir mit großem Blid die Eigenart der gesellschaftlichen Struktur und die granbiose, um 2000 vor unserer Zeitrechnung beginnende Geschichte dieses Boltes umfassen. Erkes gibt uns dazu die Möglichkeit. Wir empfehlen jedoch, sein fleines Bändchen„ Chinesen"( Nr. 30 der Zellenbücherei Dürr und Weber, Leipzig 1920, Preis 7,80 M.) Dorwegzunehmen. Es ist unseren Lesern schon bekannt durch den Abdruck eines Stüdes daraus in der„ Freiheit". Es führt in leichterer, aber doch gehaltvoller Weise in das eigenartige Gebiet ein und bereitet gut vor auf das wegen seiner tonzentrierten Darstellung und der umfassenden Fülle des Stoffes viel Aufmerkfamkeit erfordernde größere Wert. Ein neues Geschichtenbuch Hamburger Kinderaufsätze R. S. Die moderne Aufsahstunde ist eine Erzählstunde. Der neue Aufsazschüler ist ein Geschichtenerzähler, die Mitschüler find seine sich um ihn drängenden Zuhörer. Das neue Aufsazheft ist ein Tagebuch, in dem die Niederschläge des Kindererlebens aufbewahrt werden. Die trodenen Schulmeister des vorigen Jahr hunderts glaubten nicht an die prachtvolle Intensität des Kinderlebens. Der natürliche Erlebnisauffah macht das Erzählverhält nis der Spinnstube, die Runde unter der Dorflinde, den Erzähl= winkel der arabischen Was Märchenstube wieder lebendig. Wunder, daß wir, die Gegner der gegenwärtigen Schule, auf dieser Grundlage, die Erzähltabente unter den Kindern entdecken und entwideln tonnten. Was diese Naturtalente draußen erlebben, flutete herein in die Schule, und ihre Aufsäke als Er innerungsbilder wurden so unheimlich start, daß manche Bera treter des alten Sprachunterrichts an der Echtheit und Chrlichkeit des modernen Kinderauffages gezweifelt haben. Der Kinderauffay it dem literarischen Kunstpert innerWegen Verleumdung verurteilt. Der Hauptschriftleiter der ,, Münchener Neuesten Nachrichten", Dr. Gerlich, wurde wegen verleumderischer Beleidigung des früheren Botschafters in Washington, Grafen Bernstorff und anderer Personen zu einer und lich verwandt durch die beiden wichtigsten Gesetze aller Erzählfunft: Das, was das Kind im Erlebnis durch das Auge wahr nimmt, sind die Bewegungen, die für die Erzählung das Grundgewebe hergeben das, was es mit dem Ohr aufnimmt, find Rede und Gegenrede der auftretenden Personen, die im Aufsatz das bunte Muster auf jenem Hintergrunde bedeuten. Nicht zu reden von den weiteren Feinheiten des erzählenden Darstellens! Was die Stimme der Kinder dabei im Rezitieren der Aufsätze an Modulation Lebendigkeit, Innerlichkeit gewinnt, muß man erlebt haben! Die tommt Kinderstimme ganz natürlich aus ihrem Schulgeleier heraus zum Ausdrud: alle gleichgültig Dahinlebenden prechen anders als die schmerzvoll Bewegten, alle erzürnt Leidenschaftlichen anders als die oberflächlich Tändelnden; die Mutter mit ihrer Güte und ihrem geduldigen Mahnen, der Vater mit Seinem Spaß und turzen Drohen, die Geschwister in 3ant und Spiel alle Töne des frischen Lebens nimmt das Kinderohr bewußt auf und trägt diesen Stimmreichtum in die AuffazIesestunde. Die Fachleute haben sich lange gewundert, warum sie die Kinder nicht zu einem fließenden Sprechen bringen tonnten; heute wissen wir, daß erst das Erlebnis die Sprache verleiht und das Tiefste des Dentens erst mit dem Erleben hervorblühen tann. Vielleicht liegt darin eine der Hauptursachen für das bittere Gefühl der Jugend gegen die Pautschule, daß das Kind Tag um Tag genötigt werden mußte, zu verbergen, was ihm das Liebste war, seinen Alltag. Wir Lehrer, die wir in eine hohe national ausgeprägte Tradition getaucht waren, zwangen die Schüler, mit uns in den Höhen der Wissenschaften und Künste zu leben, und an diesem heißen Feuer unserer politischen und religiösen Ueberzeugungen mußte das blühende Kindererleben des Alltags verlengen. Warum haben wir sonst dem Disposi tionsauffat so wenig entloden fönnen? Warum stehen die Jugendämter und Berufsberatungsstellen vor einem Unlösbaren? Weil sie den Schlüssel für die Erlebniswelt des Kindes nicht haben. Da liegt die herrliche Bedeutung des modernen Kinderauffages, und wem täte sich in diesen Zusammenhängen der abgrundliefe Unterschied zwischen dem Themenaufsatz und dem wahlfreien natürlichen Auffah nicht kund? Das alte Aufsahheit war eine Zusammenstellung von Einzelthemen, die der Behrer irgendwo zufällig vom 3aune brach Das neue Auffahheft ist der Erlebnisschatz unserer Jugend, und darum besitzt es in seiner unmäßigen Fülle von Motiven eine literarische Kraft ohnegleichen. Aufaz um Auffaz führt eine der individuellen Kraft des einzelnen Kindes entsprechende Erzähltunst herauf. Die Erlebnisse auf dunkeln Böden, in unheimlichen Kellern, im heißen Spiel der Straße, in den Gefühlswellen von Freundschaft und Feindschaft, in der Zeitschwere der häuslichen Sorgen heben die Kraft, die horchende Klasse zum Zuhören zu reizen. Damit ziehen die Ambacht und die Gespanntheit unserer Runfttätten in bie Schule ein. Endlich! Die Spannung ift entbedt; der Sinne des Sprechens ist ba: die Wirkung. Die Rinder lanern auf den Ausgang; das Ende der angefangenen Ges Die Londoner Besprechungen Adler und Longuet über die Aussprache mit der Labour Party In einem längeren Artikel im Züricher„ Volksrecht" beschäftigt fich Genosse Friedrich Adler mit der in London zwischen dem Exekutivkomitee der Wiener Arbeitsgemeinschaft und der englischen Arbeiterpartei( Labour Party) stattgefundenen Aussprache. Adler verweist einleitend auf den von der Labour Party auf ihrem letzten Kongreß gefaßten Beschluß, der durchaus nicht den Tendenzen der Unabhängigen Arbeiterpartei( Independent Labour Party) entsprochen habe, da er ausdrücklich den Vorstand der Labour Party beauftragt habe, für die Sicherung und Stärtung der Zweiten Internationale, und die Aufrechterhaltung ihrer demokratischen Grundsäge zu sorgen" und darum eine Fühlungnahme zwischen der Zentrale und der Wiener Arbeitsgemeinschaft und dem Erefutivkomitee der zweiten Internationale" wünschte. In dieser Resolution hat die Wiener Arbeitsgemeinschaft eine Grundlage für Berhandlungen nicht erbliden fönnen. In ihrer in Frankfurt abgehaltenen Konferenz hat sie diese Unmöglichkeit betont, sich gleichzeitig aber der Labour Party gegenüber zu den von ihr an geregten informativen Besprechungen bereit erklärt. Es zeuge also, meint Genosse Adler, von einer Unkenntnis der Londoner Besprechungen, wenn in der Bresse von einem„ Scheitern der Einigungsverhandlungen" gesprochen werde. Die Wiener Arbeitsgemeinschaft habe von vornherein erklärt, daß nach ihrer Ansicht die Einberufung einer allgemeinen Konferenz in der allernächsten Zeit der Stärkung der internationalen Beziehungen nicht dienen könnte, daß sie vielmehr einem späteren Fortschritt zur internationalen Organisation hinderlich im Wege stehen würde. Einen Gewinn der Londoner Besprechungen erblickt indessen Adler in der Förderung der Einsicht in den zwischen der Arbeiterbewegung auf dem Kontinent und der Arbeiterbewegung in England bestehenden Abweichungen. Insbesondere müßte festgehalten werden, daß die Labour Party mit teiner Organisation des fontinentalen Proletariats vergleichbar sei, da sie das Ergebnis einer ganz anderen Entwicklung ist. Die Labour Party sei die Zusammenfassung von Gewerkschaften und sozialistischen Parteien und umschließe heute das gesamte englische Proletariat mit Ausnahme ber Kommunisten, die aber nur ein settenhaftes Dasein führen. Selbst diese hätten aber um Aufnahme in die Labour Party ge= beten, da man nur in deren Rahmen an die Arbeitermassen treten fönne. Die Kommunisten seien aber abgewiesen worden, da in ihnen feine Bereitschaft zur Unterwerfung unter das Organisationsstatut der Labour Party zu erkennen sei. Da nun die innerhalb der Labour Party organisierte Independent Labour Party der Wiener Arbeitsgemeinschaft angehöre, die Labour Party selbst aber der moralische Träger der Zweiten Internationale ge= worden sei, so vereinige also die Labour Party Mitglieder zweier verschiedener internationaler Organisationen, und der Gedanke des Exekutivkomitees der Labour Party hinsichtlich der neuen Regelung der internationalen Beziehungen sei daher nichts anberes als die einfache Uebertragung der englischen Verhältnisse auf das internationale Gebiet unter völliger Verkennung der andersläufigen Entwidlung bei den Arbeiterparteien des Kontinents. Auf diese Tatsache verweist auch Genosse Longuet in einem fürzlich im„ Populaire" erschienenen Artikel.„ Was wollte die Labour Party?" frägt Longuet und antwortet: ,, Sie wollte international verwirklichen, was sie in ihren nationalen Reihen, im Schoße dieser Arbeiterpartei erreicht hat, welche die Elemente der Zweiten Internationale, der Wiener Arbeitsgemeinschaft und selbst die in Gewerkschaften organifierten Kommunisten vereinigt." In der Tat erklären biese spezifisch englischen Verhältnisse das Unverständnis, das die Führer der Labour Party den Verhält nissen in den andern Ländern entgegenbringen und das sie darüber hinwegsehen läßt, daß die Frage des neuen internationalen Zusammenschlusses des Proletariats nicht eine Frage organisatorischer, sondern eminent politischer Art ist. Das hebt Genosse Adler in seinem Aufsaz denn auch sehr nachdrücklich hervor, und mit Recht unterstreicht er, was schon in dem Antwortschreiben der Wiener Arbeitsgemeinschaft an die Labour Party erklärt ist, daß die internationale Organisation nur das Ergebnis internationaler Aktionen sein tann. Die Notwendigkeiten des proletarischen Klassentampfes würden schließlich die gemeinsame Aktion auf internationaler Grundlage erzwingen. Der gemeinsame Aufruf, den die sozialistischen Parteien Mitteleuropas veröffentlicht haben, sei das beste Beispiel des Weges, auf dem die internationale Solidarität zunächst Ausdrud finden könne. In gemeinsamen Kämpfen", so schließt Genosse Adler ,,, werden die Mißverständnisse überwunden, wird Vertrauen gepflegt, Zielschichte wird ungeduldig erwarbet; die Neuglerde, der Auftakt zum literarischen Geschmad ist erwedt: die Phantasie steht auf und will hören von den Menschen, die etwas wagten, von den Kindern, die fich etwas zuschulden kommen ließen, von dem Wagehals auf dem Gise, dem der Tod drohte, von dem Dieb, dem das Gefängnis ficher war, von dem unbarmherzigen Kutscher, der seine Pferde peinigte, von den Brausewettern, die grundlos ihrer Wut Raum gaben, von den Buben, die einen andern beschummelten- tausend Geschichten stehen auf und füllen das Gedächtnis einer solchen Aufsaggemeinschaft. Es wird noch eine Weile dauern, bis alle Lehrer gewillt find, sich an diese neuen Vorstellungen vom Schulehalten zu gewöhnen. Roch verbreiten viele von ihnen Lügen und Verdächtigungen gegen den modernen Schulgebanten; aber aller Argwohn und aller Zorn werden schließlich einmal hinschmelzen vor der Sonne der neuen Zeit. Es erscheint in diesen Tagen im Verlag der Freiheit das erste Geschichtenbuch aus jenem Erlebnisschat unserer ehe maligen Hamburger Volksschülerinnen. Das Buch wendet sich an Kinder, Jugendliche und darüber hinaus an alle, die den Weg zu ihrem eigenen Stil suchen. Wir werden sehen, ob es diese Probe besteht. Wird es ein bezwingendes Buch sein, so wäre damit ein erster Anlauf genommen, wie die neue Schule im Deutschunterricht ihren tiefsten Sinn erschließen und den wertvollen Erlebnisschatz des Proletariats heben tönnte. Auf jeden Fall ist der Kinderaufsatz der Anfang, zu dem alle jene zurückkehren müssen, die schmerzlich den Weg zu ihrem eigenen niegefundenen Stil suchten. Adolf Jensen Baul Oestreich, Ilse Müller- Destreich und Franz Müller: Die freistudentische Produktionsgemeinschaft als Vorstufe der Einheitsschule. Verlag Gesellschaft und Erziehung, G. m. b. H., Berlin- Fichte G. Es ist kein leichtes Problem, dieses: wie dem unbemittelten proletarischen Studenten zu helfen ist. Eins ist jedoch flar: Nur ein physisch kräftiger und geistig reger proletarischer Nachwuchs, mit allen nötigen Fachkenntnissen ausgerüstet, iſt imstande, neues Leben der Schule, dem Justiz- und Verwaltungsapparat einzuhauchen. Was nuken die Begabtenschulen, wenn die wissenschaftliche Vervollkommnung der Begabten durch deren materielle Not in Frage gestellt wird. So erwächst dem demofratischen Staat um seiner selbst willen die Pflicht, weitsichtig und weitgehend die materiellen Sorgen der studierenden proletarischen Jugend zu übernehmen und den ersten Schritt für die zukünftige wahre Demokratisierung des Staatsapparates zu tun. Ohne diese Maßnahmen ist alles leeres Gerede. Könnten etwa nicht die Mittel dazu aufgebracht werden? Würde es schwer llen, einige von den unnük geworbenen Militärfasernen plan. su studentischen Gemeinschaftshäusern auszubauen, in denen geistige Arbeiter und Funktionäre der zukünftigen deutschen Dems tratie ein jorgenloses Heim haben tönnten und so den Söhnen bes begüterten deutschnationalen Bürgertums den Rang ablaufen würden2 Vielleicht müßte schon früher mit dieser Silfe angesetzt flarheit geschaffen und damit der Boden bereitet, auf dem aus der internationalen Aktion schließlich auch die internationale Organisation wird erstehen können." Der Notstand der Arbeitsinvaliden Unter Ablehnung eines Gesezentwurfs des Reichsarbeitsministeriums stellte der Sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates folgende Richtlinien für eine Silfsaktion zugunsten der Rentenempfänger der Invalidenverficherung auf: 1. Bedürftigkeitsfrage: Infolge der Geldentwertung besteht allgemein für die Invalidenrentner die Notwendigkeit von Rentenzulagen. Die Einführung des Bedürftigkeitsbegriffs in die Sozialversicherung ist abzulehnen, da sie dieselbe aus einer Versicherungs- zu einer Fürsorgeeinrichtung machen würde. 2. Anrechnung anderweitiger Bezüge ist abzulehnen mit der Maßgabe, daß Bezüge aus öffentlichen Fürsorgeeinrichtungen insoweit angerechnet werden können, als sie 600 Mart übersteigen. 3. Die Gesamtkosten einschließlich der Verwaltungskosten sind vom Reiche zu übernehmen. Zur Deckung sind in erster Linie die Einnahmen aus der sozialen Ausführungsabgabe heranzuziehen. 4. Ausführungsorgane sind für die Festsetzung der Renten diejenigen Versicherungsträger, die die normalen Renten festlegen, für die Auszahlung diejenigen, die die normalen Renten auszahlen. Die Mitwirkung der Reichspost darf keine besonderen Kosten verursachen. 5. Für die Angestelltenversicherung gelten die gleichen Rentenzulagen, wie für die Invalidenversicherung. 6. Als Mindestsäge werden folgende Gesamtbezüge vorgeschlagen: 3000 M. für Invaliden- und Altersrentenempfänger ( Regierungsvorlage 2100 M.), 2100 M. für Witwen- und Witwenrentenempfänger( Regierungsvorlage 1500 M.), 1200 M. für Waisenrentenempfänger( Regierungsvorlage 800 M.). Bei weiterem Sinten der Kauftraft des Geldes sind diese Bezüge entsprechend zu erhöhen. Deutschnationale Ordnungswut Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Henning hat infolge des Streits der Gastwirtsgehilfen Ungelegenheiten beim Transport seines Handgepäcks gehabt. Das hat ihn so mit Zorn erfüllt, daß er die Reichsregierung mit einer fleinen Anfrage bombardierte. Schuld seien die Streitposten. Nur mit Hilfe der Polizei habe er die Rückreise in seinen Wahlbezirk anfreten fönnen. Was gedenkt die Reichsregierung zur schleunigen Beseitigung dieses Zustandes zu tun und wie war es möglich, daß von seiten der Reichsregierung nicht beizeiten Vorkehrungen gegen derartige Willfür getroffen wurden?" fragt er mit tiefster Empörung. Der Reichsminister des Innern, Gradnauer, antwortet:„ Die Reichsregierung hat lediglich darüber zu wachen, daß die ver= fassungsmäßigen Rechte gewahrt bleiben. Wenn in einem Einzelfalle aus Anlaß eines Streits Arbeitswillige belästigt werden, so tann daraus nicht ohne weiteres der Schluß gezogen werden, daß die zuständige Landsbehörde für den Schuß der verfassungsmäßigen Rechte nicht eintritt." Gradnauer verweist Henning an das Preußische Abgeordnetenhaus. So fann er also noch einmal seinen ganzen Vorrat an Entrüstung über streitende Gastwirtsgehilfen in einer kleinen Anfrage zur Entladung bringen. Die Abwehr gegen das deutsche Dumping. Die belgische Regierung beabsichtigt, die deutschen Erzeugnisse über den gewöhnlichen 3off hinaus mit einer Zusahabgabe bis zu 20 Prozent des Werbes zu belegen. Sie will damit den Folgen des Marksturzes für die belgische Wirtschaft begegnen. Es soll auch auf das System der Ursprungserzeugnisse zurüdgegriffen werden. Maßnahmen von dieser Art sind nicht geeignet, die Folgen der deutschen Geldentwertung für den Weltmarkt zu beseitigen. Erklärung In der Strafsache gegen den Redakteur Leo Liebschütz in BerlinSchöneberg wegen Beleidigung hat das Schöffengericht in BerlinMitte am 29. Dezember 1920 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Bergehens gegen§ 186 StGB. zu 500( Fünfhundert) Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfalle für je 5 M. zu einem Tage Gefängnis tostenpflichtig verurteilt. Der verfügende Teil des Urteils ist binnen Monatsfrist nach Rechtstraft einmal in der " Freiheit" in demselben Druck und demselben Teil wie der beleidigende Artikel vom 10. 6. 20 auf Kosten des Verurteilten zu veröffentlichen. werden: bei den Schülern der Begabtenschulen. Die Geschichte der russischen Universitäten mit ihren verschiedenen studentischen Hilfsorganisationen dürfte reichhaltiges Material für die Lösung der Frage bieten. Im Jdeengang der Einheitsschule versucht das vorliegende Heftchen das Problem der Hilfe praktisch zu lösen. Studentische Produktionsgemeinschaften, in denen der Student( wie es heute schon viele tausende Studenten tun) einen Teil seiner Beit der physischen Arbeit widmet, sollen die Not mildern. Als Anregung zur Lösung der ganzen Frage, fann man den Vorschlag schon gelten lassen. Doch wäre es an der Zeit, die Frage der Studentennot im ganzen Umfange aufzurollen und sie einer Lösung näherzubringen. L. R. Kleine Chronif Im Verlag von Diez, Stuttgart, ist soeben in neuer Auflage die Geschichte der Erde von R. Bom me I i erschienen. 1. Band: Wie Bergund Talentstehen. Kurzer Abriß der dynamischen Geologie. Mit vielen Abbildungen. 127 Seiten Ottav. 2. Band; Die Weltalter. Kurze Charakteristik der geologischen Perioden und Formationen. Mit zwei farbigen Tafeln und vielen Abbildungen. 103 Seiten Oktav. 3. Band: Riesen und Drachender Borzeit. Mit zwei farbigen Tafeln und vielen Abbildungen. 100 Seiten Oftav. Jeder Band 8 Mark. Die drei Bändchen werden nur zusammen abgegeben. Diese reich illustrierten, gemeinverständlich abgefaßten Bändchen werden jedem Wißbegierigen, der Aufklärung über den Aufbau unseres Planeten, Verständnis für die Erdgewalten und einen Einblick in die riesenhafte und groteste Tierwelt vergangener Perioden fucht, in reichem Maße Belehrung bringen. Beachtenswerte Neuerscheinungen Dr. Mag Apel: Philosophisches Wörterbuch. Allgemeinverständliche Erläuterung der philosophischen Fachausdrücke. 69 Seiten. Volkshochschul- Verlog, Carlottenburg. Eb. Claparede: Die Schule nach Maß. 40 Seiten. Rotapfel, Berlag, Erlenbach- Zürich und Leipzig. Rudolf Euden: Der Sinn und Wert des Lebens. 24 M. 129 Seiten. Verlag von Quelle und Meyer, Leipzig. Eroten( Stulpturen und Märchen). 53 Abbildungen. Einleitung von Wilhelm Hausenstein. 76 Seiten Tert. Verlag Eugen Rentsch, Erlenbach- Zürich- München. Edmund Fischer und Architekt Kurt Bärbig: Die Sozialisierung des Bestattungswesens. Verlag v. Zahn und Jaensch, Dresden. Heft 16 der Veröffentlichungen der sächsischen Landesteile für Gemeinwirtschaft. 72 Seiten. 10 M. Hans Hugo Freund: Kapitalistische Kolonie oder Sozialistischer Wirtschaftsbund. 22 Seiten. Verlagsgenossenschaft Der Kampf", München. Dr. Julius Ernst Lips: Die internationale Studentenbewegung nach dem Kriege. 112 Seiten. Verlag Vivos Voco, Leipzig. Arno Rabel: Der Ton. Religiöses Gedichtwert. Mit einem Register ber philo fophischen Begriffe von Felig Stöffinger, 736 Seiten. 45 M. Insel Verlag. Leipzig. C. Pfändner: 100 Prozent bessere Versorgung ber Reichswehr. 44 Seiten. 8 D. Berlag des Reichsbundes der Kriegsbeschäbigten, Kriegsteilnehmer und Kriegs Hinterbliebenen, Berlin, Charles Richet: Der Mens i bumm! Gatirie Bider aus der Geschichte bec menschlichen Dummhelton. Ju beutscher Bearbeitung und mit Anwartungen ven Dr. Rudolf Berger, Berlin. Berleg Redes Waterland, E. Berger 1. Cs., Berlin. Frig Wartenweiler- Saffter: Von der dänischen Volkshochschule. Ein Erlebnis. 77 Seites Text Refaniel Berlag. Stlesha 3ri 0 Wucherfreiheit Die Ursachen der 3uderteuerung. Ueber die Ursachen des jetzigen Zuckermangels und der unsinnigen Verteuerung dieses wertvollen Nahrungsmittels machte gestern Bästlein vom Zentralverband der Konsumgenossenschaften im Reichswirtschaftsrat bemerkenswerte Mitteilungen. Das Zudersynditat, das jetzt nach Aufhebung der Zwangswirtschaft sozusagen die Zuderwirtschaft führt, hat nämlich tro guter Ernte nur ein Sechstel der diesjährigen Zuderjabritation zum Verkauf freigegeben, obwohl es vorher hieß, daß Zucker im Ueberfluß vorhanden sei. Die Folge davon war, daß der Handel schlecht, die Verbraucherorganisationen so gut wie gar nicht mit Zucker beliefert wurden. Wie immer, wenn die Ware knapp ist, erhöhen jetzt die Händler die Preise, während sich die Massen beeilten, Ware einzukaufen. So stiegen die Preise und so erklären sich auch die Unterschiede im Zuckerpreis in verschiedenen Gegenden. Mit Recht verlangte Bästlein nicht nur eine scharfe Handhabung der Wuchergeseze, sondern auch die Freigabe des doppelten 3uderquantums, nämlich eines Drittels der Ernte für den Handel. Wenn genug Angebot da ist, so müssen sich die Verkaufspreise mehr den Preisen anpassen, die das Syndikat nimmt und dann würde ein Preis von 5 M. je Pfund wahrschein= lich allgemein sein. Die Zwangswirtschaft für Zuder ist aufgehoben, der Handel hatte damit Gelegenheit zu beweisen, daß die Freigabe des Zuckerhandels tatsächlich wie stets behauptet wurde, eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit 3uder zu mäßigen Preisen gewährleistet. Das Gegenteil ist eingetreten; die aufgehobene staatliche Zwangswirtschaft ist durch das Zudersyndikat abgelöst worden. Die Freigabe ist zu einem neuen Wucher benutzt worden. Der Spekulation ist die gewünschte freie Bahn geschaffen worden. Die Leidtragenden sind wie immer die Verbraucher. Wenn nicht sofort ein allgemeines, streng durchgeführtes Ausfuhrverbot für Zuder erlassen wird, werden sich für die Verbraucher geradezu fatastrophale Wirkungen ergeben. Bezeichnend ist übrigens, daß in der Kakaoindustrie ähnliche Zustände herrschen. Obwohl die Fabriken sich hier mit Rohstoffen zu billigen Preisen eingedeckt hatten. Solange die Valuta gut stand, wurden hier die Preise bei der Valutaverschlechterung sofort erhöht, und zwar machte man gleich zwei Preise. Der eine entspricht einem Verkaufspreis von 28 M. je Pfund, nämlich für den aus alten Lieferungen hergestellten Kakao, der andere für den aus späteren Lieferungen bereiteten, ist 40 M. Da man natürlich dem Katao nicht anmerkt, ob er mit billiger oder teurer Valuta gekauft wurde, nähern sich die Preise dem höchsten Saz und die Verbraucher schauen zu. Während die Konsum= genossenschaften bei der Preistreiberei des Zuckers machtlos waren, weil sie keine Ware hatten, verkauften sie den Kakao aus alter Lieferung immer noch zu niedrigen Preisen. Das ist wieder einmal ein Beweis, daß der Verbraucher sich am besten steht, wenn er sich an die berufene Vertretung seiner Verbraucherinteressen hält und dem Konsumverein beitritt. Betrügerische Brotverteuerung. Auch die Bäder versuchen, die günstige Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen. Das erst unlängst perteuerte Martenbrot ist in seiner Qualität bedeutend verschlechtert worden und öfter ungenießbar. Auch das martenfreie Roggenbrot, das laut MagiStratsverordnung 1400 Gramm schwer sein und 7 M. tosten soll, wird von den Bädern bedeutend verkleinert, obwohl die Verordnung nicht aufgehoben ist. Das Gewicht des martenfreien Roggenbrotes schwankt jetzt zwischen 1000 und 1080 Gramm, tostet aber trotzdem 7 M. Die Bäder begründen ihr Vorgehen mit der Verteuerung des Mehls, wodurch fie sich veranlaßt sehen, das Gewicht des Brotes zu verringern, um die festgesetzten Brotpreise nicht zu überschreiten. Eine Verwarnung des Berliner Magistrats an die Bäder ist völlig ergebnislos geblieben. Sie glauben, daß sie bei der allgemeinen Boltsausjaugung unbedingt dabei sein müssen. Es ist nicht wahr, daß die Berringerung des Gewichtes eine Folge der neuen hohen Mehlpreise ist, sondern das Brot wird fast durchweg von Mehl hergestellt, das sie zu erheblich billigeren Preisen einges tauft haben. Die Bäder erzielen mit der ungesehlichen Brotver teuerung einen nicht unerheblichen Konjunkturgewinn. Dieses Treiben fann nicht scharf genug verurteilt werden. Der Magistrat muß Maßnahmen treffen, um solche Betrugsmanöver unmöglich zu machen. Er darf sich von den Bäckermeistern nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Da der späte Zusammentritt der neuen Stadtverordnetenversammlung eine Behandlung der Angelegenheit im Plenum bis dahin unmöglich macht, hat Genosse Dr. Her den Magistrat in einem Schreiben von den Vorkommnissen Mitteilung gemacht, und diesen aufgefordert, die Preisprüfungsstellen anzuweisen, die Namen derjenigen, die sich bei Abgabe von Gebäd, das nicht das vorgeschriebene Gewicht hat, strafbar gemacht haben, öffentlich bekanntzugeben. Wenn dadurch euch der Betrug nicht völlig unterbunden wird so tommen die Verbraucher doch damit in die Lage, sich selbst zu schützen. Personenstandsurfunden für Oberschlesier Alle Einwohner Groß- Berlins, die aus den jetzt polnisch wer denden Teilen Oberschlesiens stammen, werden gut daran tun, sich umgehend alle standesamtlichen bzw. firchlichen Urkunden ( Geburts-, Heirats, Sterbeurkunden, Taufscheine, Trauscheine usw.) zu beschaffen. Und zwar sollten sie sich nicht auf die Be schaffung der Urkunden beschränken, deren sie in allernächster Zeit bedürfen, sondern sie sollten sich alle im Laufe ihres und ihrer Kinder Leben möglicherweise einmal benötigten Urkunden von den zuständigen Standesämtern bzw. Pfarrämtern gegen Rach nahme der Kosten schicken lassen. Kinder werden groß und wollen heiraten; dazu müssen sie Geburtsurfunden vorlegen. Ehes leute wollen Eheverträge oder sonstige Verträge abschließen oder auch sich scheiden lassen; dazu bedürfen sie einer Heiratsurkunde. Um eine Erbschaft anzutreten, bedarf man nicht nur der Sterbeurkunde des Erblassers, sondern neben der eige nen Geburts- und evtl. Heiratsurkunde der Sterbeurtunden aller evtl. beim Tode des Erblassers bereits verstorbenen Miterben, d. h. aller der Personen, die Miterben wären, wenn sie beim Tode des Erblassers noch lebten. Für Namensberichtigungen ist die Vorlage des Taufscheines des Vaters meist unumgänglich nötig.. Bei dem Charitétrantenhause und den hiesigen Universitätstliniten betragen die Kur- und Verpflegungskosten in der dritten Klasse vom 1. November d. Js. ab für Erwachsene 25 Mark, für Kinder unter 14 Jahren 10 Mark täglich. Neben diesen Kurfostensägen fommen die Kosten für Salvarsanbehandlung, für Blutuntersuchung, Röntgenaufnahmen, durchleuchtungen und -bestrahlungen, sowie für ähnliche Sonderbehandlungen zur Erhebung. Bei Entbindungen ist außerdem ein besonderer Kostenbeitrag von 50 Mark zu zahlen. Dem„ Berliner Schubertchor" ist ein gemischter Kinderchor an gegliedert, dem Kinder im Alter von 7 Jahren bis über den Stimmwechsel hinaus angehören. Die Unterrichts- und Uebungsstunden finden ab 3. November 1921 jeden Donnerstag abends 6-7% Uhr, in der Aula der Werner- Siemens- Real- Schule Badstraße 22, statt. Schriftliche Anmeldungen find an O. Born schein, N 24, Linienstraße 154 a, zu richten. Arbeiter- Samariter- Kolonne. In der Streitsache des Arbeiters Sport- Kartells gegenüber der Arbeiter- Samariter- Kolonne hat sich der 3entralvorstand der U. S. P. D. des Bezirksverbandes Berlin Brandenburg dahin ausgesprochen, daß Die Arbeiter Samariter- Rolonne in ihrer bisherigen Form als die allein richtige Organisation anzuerkennen ist. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgegend am Sonne abend. Ziemlich trübe und etwas nebelig mit leichten Regenfällen und mäßigen südwestlichen bis westlichen Winden, Temperatur menig perändert Gewerkschaftliches „ Einheitsfront" der Kommunisten Uns wird geschrieben: Am 6. und 7. November findet in Magdeburg der erste Reichsbetriebsrätetongreß des Bergarbeiter= verbandes statt. Auf diesem Kongreß beabsichtigen die Kommunisten, gesondert vorzugehen. Ihre Zentrale„ Niedersachsen" in Hannover versendet ein Rundschreiben Nr. 20. Dort heißt es: ,, Wie werden wir zu einem Erfolge auf diesem Kongreß kommen? Erstens muß, um überhaupt an einen Erfolg zu glauben, versucht werden, die Einheitsfront der Bergarbeiter herzustellen." Diese Einheitsfront soll nun hergestellt werden, indem man am Tage vor dem Kongreßbeginn nach Magdeburg eine Sonderkonferenz der kommunistischen Betriebsräte einberuft. Welcher Art das Vorgehen der kommunistischen Fraktion auf dem Kongreß selbst sein soll, ergibt sich zur Genüge aus dem folgenden im Rundschreiben stehenden Sat: ,, Da aber in der Bergarbeiterschaft eine derartige Verärgerung wegen schlechter Lohnverhältnisse und verpfuschter Lohnbewegung vorhanden ist, dürfte bei geschicktem Arbeiten unsererseits dieser Betriebsrätekongreß denn doch etwas anders ausfallen, als sich die hohen theoretischen Tiere, die dort auftreten, vielleicht träumen lassen." Der Kampf soll also nicht gegen die herrschaftslüsternen Berggewaltigen, sondern gegen die gewerkschaftlichen Tiere" ge= führt werden. Das alte Lied, die Kommunisten propagieren wie immer den Kampf der Arbeiter untereinander. Mit einem ähnlichen Versuche scheiterten sie auf der Generalversammlung in Gießen kläglich, und noch kläglicher werden sie in Magdeburg abschneiden. Nur Esel oder Gelbe bekämpfen die eigene Klasse; der Kampf der im Verband der Bergarbeiter organisierten Bergarbeiter richtet sich gegen die Kapitalgewaltigen, und da liegt die Einheitsfront. Wer diese böswillig zersplittert, stellt sich von selbst außerhalb der Organisation. Wir haben dieser Schlußfolgerung nichts hinzuzufügen. Für die Kämpfenden im Gastwirtsgewerbe In der am 1. November im Lokale des Herrn Jakob tagenden Delegiertensitzung der Charlottenburger Gewerkschaftskommission berichtete Genosse Kolb über den gegenwärtigen Stand des Streits der Gastwirtsgehilfen. Das Verhalten der Arbeitgeber wurde gebrandmarkt, und von allen Rednern wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend zu den schärfsten gewerkschaftlichen Kampfmitteln greifen müsse. Sodann referierte der Genosse Flemming über den Entwurf eines Gesetzes für Arbeitslosenversicherung. Infolge vorgeschrittener Zeit wurde die Diskussion über den Entwurf bis zur nächsten Versammlung vertagt. Genosse Sommer berichtete noch über die Hilfsaktion der Quäfer und ersuchte die Gewerkschaftsvertreter, Listen von Bedürftigen an seine Adresse, FriedrichKarl- Play 9, sowie auch an den Obmann der Kommission, Genossen Otto Flemming, Pestalozzistraße 13, senden zu wollen. Gautag Brandenburg des Bundes der technischen Angestellten und Beamten Am 5. und 6. November findet in Cottbus, Hotel zum weißen Roß, der dritte ordentliche Gautag der vorgenannten Organisation statt. Vorgesehen ist neben den Geschäftsberichten eine grundsätzliche Aussprache über die Verfassungsfrage der Gewerkschaft. Der Reichstagsabgeordnete Aufhäuser wird hierzu ein besonderes Referat erstatten. Ferner ist eine Aussprache über die ,, Technische Nothilfe" vorgesehen, die gerade für die technischen Angestellten und Beamten der Betriebe von besonderer Bedeutung werden wird. Man wird mit Recht dieser Tagung die größte Beachtung schenken müssen, da der Bund der technischen Angestellten und Beamten die Einheitsorganisation für diese Berufsgruppe darstellt und der Gau Brandenburg allein den sechsten Teil sämtlicher Mitglieder umfaßt. Wie uns mitgeteilt wird, sind sämtliche in Frage kommenden Regierungsstellen eingeladen; desgleichen die befreundeten Gewerkhaften. Ueber den Verlauf der Tagung werden wir noch berichten. Zur Beachtung! Wir erhalten öfter Mitteilungen diverser Natur, die ganz allgemein gehalten und ohne nähere tonkrete Angaben sind. Irgendein Unternehmer z. B. wird kritisiert, ohne daß Name und Adresse des Betreffenden angegeben wird. Außerdem sind oft solche Zuschriften anonym gehalten. All solche Anschreiben sind vollkommen wertlos und können nicht gebracht werden. Die Namen der Einsender bleiben Redaktionsgeheimnis. Befürchtungen irgendwelcher Art tommen also nicht in Frage. Zuschriften, auch von Gewerkschaften, sind nur auf einer Seite des Manuskripts zu schreiben. Wenn diese Dinge allseitig beachtet werden, tritt eine wesentliche Erleichterung der Schriftleitung ein, die letzten Endes wieder der Sache zugute tommt. Jubiläum der Gemeindearbeiter. Wir besprachen fürzlich das 25jährige Jubiläum der Berliner Gemeindearbeiter und ihre Festschrift. Anschließend an die Reichs- und Staatsarbeiterkonferenz, die am 29. und 30. Oktober stattfand, wurde auch eine große Jubiläumsfeier letzten Sonnabend in der Brauerei Friedrichshain veranstaltet, die als fünstlerisch gelungen bezeichnet wird. Polenske hielt die Festrede und gedachte derjenigen Kollegen, die einen hervorragenden Anteil an dem Aufbau der Organisation hatten. Die eindrucksvolle Feier verlief harmonisch. Zur Generalversammlung der Eisenbahner. Durch die doppelseitige Beschreibung des eingesandten Manuskripts ist beim Eaz ein Teil des Berichts übersehen worden, den wir hiermit nachtragen: Der Kassierer, Kollege Paulid, besprach den gedruckt vorliegenden Kassenbericht. Namens der Revisoren wurde Entlastung beantragt. Zum Tätigkeitsbericht sprachen mehrere Diskussionsredner. Kollege Kelch( K. P. D.) hebt hervor, daß die Ortsverwaltung versucht hat, allen Richtungen gerecht zu werden. Auch für Aufklärung sei genügend geschehen; doch be dauerlich ist es, wenn man täglich beobachten muß, wie die Kollegen heute noch die bürgerliche Presse lesen. Er hofft, daß die Ortsverwaltung in Zukunft so wie bisher arbeitet. Auch Kollege Curras begrüßt, daß die Ortsverwaltung sich bemüht hat, für die Schulung und Bildung der Kollegen zu sorgen. Er hebt dabei die Tätigkeit des Kollegen W. Schulz in den Schlichtungsstellen und Tarifausschüssen lobend hervor. Generalversammlung der Schuhmacher. Die am 3. November in Bökers Festsälen stattgefundene Generalversammlung des Verbandes der Schuhmacher nahm den Geschäftsbericht vom 3. Quartal entgegen. Die Zahl der Mitglieder ist in erfreulicher Weise gestiegen, und die Kassenverhältnisse sind als gute zu bezeichnen. Die Sammlung für das hungernde Rußland hat bisher die Summe von 63 000 Mart ergeben. Die gestellten Lohnforderungen haben sich als zu niedrig erwiesen, und der Zentralvorstand hat zur Zeit Forderungen von 4 Mart pro Stunde Zulage gestellt. Auch für die weiblichen Arbeiterinnen müssen höhere Löhne verlangt werden, und die Differenz zwischen Entlohnung der weiblichen und männlichen Arbeiter soll möglichst verringert werden. Die Konjunktur in der Schuhindustrie ist gut, und einzelne Betriebe haben eigene Forderungen aufgestellt und teilweise Erfolg gehabt. Notwendig sei jedoch eine vorherige Verständigung der Ortsverwaltung. Das Gesamtinteresse. muß dem Einzelinteresse vorangehen. Die Branchenversammlungen müssen besser besucht werden, und besonders in der Hausschuhindustrie muß für die Organisation der Heimarbeiter ge sorgt werden. Hier werden zum Teil noch Stundenlöhne Don 1 Mart verdient. Ebenfalls hat die Lohnbewegung der Schoß- und Reparaturarbeiter durch die ungünstigen Organisationsverhältnisse den gewünschten Erfolg nicht gehabt. Die Zahl der Arbeitslosen betrug am 15. September 308. Ueberstunden dürfen nicht geleistet werden. Im Schlußwort forderte Hörz, daß auch die Heimarbeiter den Weg zur Organisation finden müssen und daß die Kämpfe nicht leichtsinnigerweise von einzelnen Betrieben geführt werden sollen, sondern, daß die gesamte Arbeiterschaft den Kampf geschlossen gegen den Kapitalismus aufnehmen muß. Einstimmig wurden den streitenden Gastwirtsgehilfen 4000 Mark zur UnterStügung und 3000 Mart für Herstellung des Schuhwerkes für die Rußlandhilfe bewilligt. Die Buchbinder zum Reichstarif. Am 2. November nahmen die Buchbinder in einer Versammlung zu dem neuen Lohntarif Stellung. Czerny gab den Bericht über die Lohnver= handlungen. Danach erhalten von der ersten vollen Lohnwoche im November ab die Gehilfen in den Spizenlöhnen 8,50 Mark, das bedeutet eine Erhöhung von 1,75 Mark, die Arbeiterinnen 4,95 Mark, d. h. eine Erhöhung von 1 Mart pro Stunde. Die Affordsätze erfahren eine Erhöhung von 90 quf 120 Prozent. Das Abkommen endet mit der ersten vollen Woche im Dezember und wird es nötig sein, geschlossen mit den verwandten graphischen Berufen für eine ausreichende Erhöhung der Löhne den Kampf aufzunehmen. In der Diskussion lentte Blecher besonders die Aufmerksamkeit auf die schlechte Entlohnung der Lehrlinge und forderte für diese und die Jugendlichen eine bessere Entlohnung. Im Schlußwort unterstrich Czerny diese Ausführungen und verlangte, daß sich die Erwachsenen besonders der Jugend in den Betrieben annehmen. Notwendig ist es, sich für die neuen Kämpfe zu rüsten, die wegen der täglich steigenden Teuerung unausbleiblich sind. Glaser. Beschluß der am 3. November 1921 tagenden Bertrauensmännerversammlung: Jedwede Ausführungen von Glaserarbeiten in bestreiften Betrieben des Gastwirtsgewerbes sind auf das strengste verboten. BeHöhensonnen- handBotenfrauen sofort gesucht Heinrich Heine Spedition Werner Greifswalder Straße 29 für Tour: Christburger Straße Spedition Wengels D., Cadiner Straße 11 Tour: Liebigstraße- Rigaer Straße Spedition Jordan Dresdener Straße 24 Tour: Köpenicker- und Michaelfirchstraße Spedition Wutki Choriner Straße 68 Tour: Fehrbelliner Str.- Antlamer Str.- Brunnenstr. Spedition Krüger Neukölln, Emser Straße 32 Spedition Greulich Marienfelde, Kirchstr. 27 Spedition Reisewitz Die soziale Weltrevolution enthält die berühmten prophetischen Ausblicke Dieser Band ist noch von der Erstausgabe der Vermischten Schriften von 1854 vorhanden und fann wegen der Pariser Briefe als eine besondere literarische Denkwürdigkeit angesehen werden! Preis 12.- Mart Leinenband 18.- Mart Buchhandlung Freiheit" 4 Lichtenberg, Tasdorferstr. 25 Berlin Breite Gir Tour: Röderstraße. Um die Deutschen Werke Zwei start besuchte Versammlungen der Spandauer Werke nahmen gestern abend Stellung zu den Maßnahmen der Entente. Den Referaten von Betriebsratsmitgliedern lag zugrunde, daß die jetzigen Maßnahmen der Entente unerfüllbar seien, es sind 37 Millionen Mart an Löhnen für Zerstörungsarbeiten ausgegeben, die besser für Notleidende und Erwerbslose hätten vers wendet werden können.( Ueber die Maßnahmen der Entente selbst, sowie auch den Aufbau der Deutschen Werke siehe„ Freiheit" Nr. 508 vom 29. Oftober.) Die deutsche Arbeiterschaft ist vom Friedenswillen beseelt und wird die Herstellung von Heeresmaterialien verweigern, sie will wieder aufbauen, man solle ihr aber die Möglichkeit dazu lassen. Einem französischen Oberst habe man gebeten, die Vertreter der Arbeiterschaft beim General Rollet zu melden. Sie werden ihm sagen, daß, wenn er seine Maßnahmen so weiter trifft, er damit nur einen Revanche= geist züchtet, sie wollen ihm aber auch weiter sagen, daß die Arbeiterschaft arbeiten will, um am Wiederaufbau mitzuhelfen, man muß ihr die Möglichkeit zum Arbeiten geben, er soll auch wissen, in welcher wirtschaftlichen Not die Arbeiterschaft sich befindet und daß sie Arbeit für Kultur- und Friedenszwede braucht. ( General Rollet soll bereits zugesagt haben, die Kommission zu empfangen.) Hinter diesen Maßnahmen steht das ausländische Kapital, dem sich zweifellos auch deutsches, dem die Werke ein Dorn im Auge find, anschließt. Für die Arbeiterschaft bleibt bestehen, daß sie Der Träger der Wiedergutmachung ist, wenn ihr dazu aber die Möglichkeit genommen wird, fann davon keine Rede sein. Fester Kultur und Zusammenschluß der Arebiterschaft ist notwendig. Friedensarbeit, Achtung und Mensehnliebe jei unsere Parole. In der Diskussion stimmten alle Redner, auch Brunner vom Hirschdunderschen Gewerkschaftsring, mit dem Referenten überein, indem sie noch Einzelheiten aus dem Werden der Werke und dem Bernichtungswillen der Entente mitteilten. Es wurde eine Resolution angenommen, die besagt: ,, Die Arbeiter und Angestellten erklären nachdrücklichst, daß feiner von ihnen je daran denkt, wieder Kriegsmaterial herzustellen zu helfen. Arbeiter und Angestellte halten sich für Derpflichtet, Selbstkontrolle in den Betrieben auszuüben, daß eine 5 rstellung von Kriegsmaterial in den Deutschen Werken un möglich ist. Deshalb sind die Befürchtungen der Entente unbegründet. Die Lahmlegung wichtiger Fabritationszweige und das Verbot, neuzeitliche technische Einrichtungen zu treffen, hat zur Folge, daß vicle tausende Arbeit r und Angestellte brotlos werden. Die Versammelten wollen, daß die einmal eingegangenen Friedensbedingungen erfüllt werden. Eie protestieren aber gegen die Maßnahmen, die jetzt das wirtschaftliche Leben der Deutschen Werte bedrohen. Deshalb beauftragen die Arbeiter und Angestellten ihre Vertreter, in Gemeinschaft mit der Generaldirektion und den Gewerkschaften alles zu tun, um die Entente zur Zurüdnahme ihrer Maß nahmen zu bewegen." In einer zweiten Bersammlung wurde beantragt, daß der Be triebsrat beauftragt wird, dafür Gorge zu tragen, daß der 9. November ein Feiertag ist. Dadurch soll der Entente noch deutlich gezeigt werden, daß die Arbeiterschaft endgültig mit dem alten Regime aufgeräumt hat und nur dem Frieden und dem Wiederaufbau dienen will. r Antrag wurde einstimmig an genommen und die Versammlung geschlossen. Parteiveranstaltungen Sonnabend, 5. November 13. Berwaltungsbezirt( Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade) Abends 7 Uhr Distriktsfunktionär- Sigung bei Streiter, Mariendorf, Chaussees Straße 27. 10. Dijtrift. 3. Abteilung. 7 Uhr Abteilungskonferenz bei Knapp, Grünthaler Straße 6. Lichtenberg- Stadt. 1. Viertel. Abends pünktlich 5% Uhr Funktionärsizung bek Dredmann, Gärtnerstr. 1. Sonntag, 6. November 19. Berwaltungsbezirt. Zur Landagitationstour nach Klosterfelde treffen sich die Pantower Genossen 7% Uhr am Rathaus, alle anderen 8 Uhr Bahnhof Rosenthal( Dorf). Lichtenberg- Strdt und Band. Der Kursus Wichtigkeit und Kunst des Sprechens", unter Leitung des Genossen Alfred Beierle, beginnt vorm. 10 Uhr im Jahn- Realgymnasium, Marktstraße. Anmeldungen Lönnen hier noch erfolgen. Nieder- Barnim- Nord, Arbeitsgebiet des 19. Verwaltungsbezirts( an der Liebene walder Bahn). Nach n. 3 Uhr in childow bei Kappler öffentliche Versammlung. Ref.: Genoffe Roplin. Nachm. 3½ Uhr in Klosterfelde bei Lehring öffent liche Versammlung. Ref.: Genosse Gütig. Der Zug geht von Rosenthal um 2 Uhr ab. Verantwortlich für Politif und Feuilleton: Leo Liebfcü. Berlin- Fries denau; für Komnalpolitit, Lofales und Gewertihaftliches: B. Rudner, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriner, Charlottenburg, Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. G. m. 6. H., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. 6. S., Berlin C. 2, Breite Straße 8-9. Diathermie, Licht-, Vierzellenbäder usw. gewähren größte Heil- Erfolge gegen Grippe und Erkältungen aller Art, rneumatische und nervöse Leiden, Schlaflosigkeit, Blutarmut und viele andere Krankheiten 15 Behandlungen von M. 80.- an.- Prospekte und Auskünfte kostenlos lung Haus Oranien on Aerzten, auch einer herztin una Regenter Leibad Oranienstr. 37 Annahme in allen Speditionen des Verlages- Geschäftsstelle Berlin C2 Breite Straße 8-9 Verkäufe Räderweidlich. Leiter wagen, Kastenwagen und alle Sorten Erfagräder. Kinderwagen, Puppens wagen. Weidlich, Brunnenftraße 96( Humboldt 874). Höhen- Sonnenbad Kleine Anzeigen Wölfe, Kreuze, Silber, Staunenerregend! Rote Alaskafüchse, Opoffumkrag. füchse 60.-, Streusfücfe felten schöne Eremplare, zu 75. Mark on! 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