Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erschein täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus und durch die Post bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Postbezug nehmen sämtliche Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luremburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße& 9 Donnerstag, 10. November 1921 Nummer 527 Abend- Ausgabe Die neungespaltene Nonpareillezetle oder beren Raum koftet 6, M. etnichließlich Inseratenfteuer. Kleine Anzeigen: Das rettgedruckte Wort 2, M., edes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: 3entrum 152 30-152 39 greibeif Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Aufgaben der Reparationskommission Die„ Garantien" für Frankreich Die Reparationstommission ist in Berlin eingetroffen. An ihre Anwesenheit in Deutschland wird von einer Reihe von Blättern die Hoffnung geknüpft, daß sie sich von der Leistungsunmöglichkeit Deutschlands überzeugen und billigere Bedingungen für die Erfüllung des Londoner Ultimatums vereinbaren werde. Diese Hoffnung fann schon jetzt als eine J11u= sion bezeichnet werden. Die Wiedergutmachungstommission, die ihren Hauptsiz in Paris hat, nach ihrem Belieben aber auch an anderen Orten zusammentreten kann, soll über die Ausführung des Friedensvertrages wachen und ,, von Zeit zu Zeit die Hilfsmittel und die Leistungsfähigkeit Deutschlands prüfen". Sie hat die weitestgehende Vollmacht zur Ueberwachung und Vollstreckung im Betrage der Wiebergutmachung; sie soll alle Beschwerden prüfen und der deutschen Regierung angemessene Gelegenheit geben, gehört zu werden; sie fann auch selbständige Entscheidungen fällen. Wenn aber Deutschland mit der Erfüllung irgendeiner Verpflichtung im Rüdstand bleiben sollte, so hat die Kommission diese Versäumnis sofort den alliierten Mächten mitzuteilen und gleichzeitig die zu ergreifenben Maßnahmen vorzuschlagen. Schon daraus ist ersichtlich, daß die Reparationskommission in allen wichtigen Fragen, die die Erfüllung des Friedensvertrages oder der sonstigen Vereinbarun gen entscheidend beeinflussen könnte, den endgültigen Spruch den Alliierten selbst überlassen muß. Die Kommission ist durch keine Gesetzgebung für ihre Arbeiten gebunden; sie soll sich leiten lassen von der Gerechtigkeit, der Billigkeit und von Treu und Glauben". Da aber in der Hauptjache die Vertreter der großen Ententestaaten an den Beratungen ber Kommission teilnehmen, so ist ohne weiteres tlar, daß sie nichts anderes tun werden, als was den Interessen ihrer Regierungen entspricht. Wir wissen, daß die schönen Worte, in die ie Aufgabe der Kommission gekleidet ist, lediglich eine andere Formel für imperialistisches Machtstreben darstellt, und daß nicht sie Gerechtigkeit, sondern die Gewalt noch immer die Stunde egiert. Die Reparationstommission wird also die Verhältnisse n Deutschland prüfen und nur, wenn die Interessen des Ententeapitalismus dabei besser fahren sollten, so tönnten gewissen Ereichterungen Veränderungen in der Ausführung der Wiedergutnachung zugestanden werden. Ob es jetzt schon soweit ist, fann nan aber sehr bezweifeln; die Alliierten wissen so gut wie wir, aß die besitzenden Klassen noch nicht im entferntesten ach dem Maße ihrer Leistungsfähigkeit zu den Lasten des Reichs erangezogen worden sind; ihnen ist auch nicht unbekannt, daß er tatastrophale Marksturz in der Lage der deutschen Wirtschaft, o schlecht sie auch sein mag, nicht ihre volle Begründung findet, ondern daß er durch das egoistische Treiben gewisser tapitalisticher Kreise wesentlich verstärkt wurde. Nun wird in einem Pariser Blatte behauptet, daß in gewissen nglischen Finanzkreisen in Berlin, denen der englische Botchafter Lord d'Abernon nicht sernsteht, ein Projekt der eutschen Regierung für die Reparationszahlungen erwogen perde. Es würde sich darum handeln, Deutschland gegen gewisse Sarantien ein wirkliches Moratorium auf mehrere Sahre zu gewähren, während der Deutschland keine Reparations ahlungen zu leisten hätte. Es ist anzunehmen, daß es sich bei ieser Meldung nur um einen Versuchsballon handelt. Der Rearationstommission wird von französischer Seite von vornherein le Aufgabe zugewiesen, sich nicht auf finanzwirtschaftliche Erwägungen einzulassen, sondern allein nach machtpolitischen Grundjäßen zu handeln. In der Pariser Presse wird schon gesagt, daß die Verwirklichung dieses Projekts den Verzicht Frankreichs auf alle Entschädigungen bedeuten würde, darunter hätten die militärischen Siege Frankreichs zu leiden, und das müsse politische folgen haben. Frankreich brauche aber Garantien". Die eutsche Regierung behaupte zwar, daß sie solche nicht geben könne, seil z. B. die Wälder nicht Eigentum des Reiches, sondern der änder seien. Frankreich könne sich aber auf solche Unterschiede icht einlassen, sonst hätte der französische Steuerzahler die Lasten es Sieges und des Wiederaufbaus zu tragen. " Auf dieselbe Tonart waren die Ausführungen des Berichterstat ers des Finanzausschusses de Lastenries in der gestrigen Sigung der französischen Kammer. Er sagte, daß der Sturz der eutschen Mark zwar den geldlichen, aber nicht den wirtschaftlichen Bankrott herbeiführen würde, weil Deutschland seine gesamte wirtchaftliche Ausrüstung bewahre. Durch den Sturz der Mark werde er Mittelstand in Deutschland grausam in Mitleidenschaft ( ezogen, und dieser zeige die Tendenz, sich aus der Verzweiflung er extremen Linten oder Rechten anzuschließen. In Deutschland ebe es nur einen Teil der Bevölkerung, der die Schulden Deutschands begleichen könne. Aber die Alldeutschen unternähmen les, was sie tönnten, um die Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands unmöglich zu machen. Frankreich habe durch das Ibkommen von Wiesbaden zur Erleichterung der geldichen Lage Deutschlands beigetragen. Die Ursache des Marturzes sei die Unordnung der deutschen Finanzen; ie Zahl der Beamten sei beträchtlich erhöht worden, namentlich m ehemalige Offiziere unterzubringen. Die Garantietommission ie jetzt die Kontrolle der Steuereinnahmen und bes gesamten Devisenhandels in Deutschland sichertellen. Für den nächsten Berfallstag müsse Deutschland im Auslande die Kredite erlangen, die es nötig habe. Englago und Amerita schwämmen im Golde, litten aber unter Arbeitslosigkeit. Entweder Deutschland oder Frankreich bezahle. Einen Mittelweg gebe es nicht. Diese Es ist nicht sicher, daß die Auffassungen der anderen Alliierten mit den französischen Forderungen übereinstimmen. Das„ Journal" beilt mit, daß die Reise der Reparationstommission nach Berlin gegen den Willen des französischen Vertre= ters unternommen worden sei. Dieser habe von seiner Regie rung, als er nachgeben mußte, den Auftrag bekommen, sich auf bes stimmte Untersuchungen zu beschränken und sich davon zu überzeugen, ob das Reich die vom Garantiekomitee vorgeschlagenen Maßnahmen für die fünftigen Zahlungen ergriffen habe. Maßnahmen bestünden in einer scharfen Verminderung der Ausgaben, namentlich in einer Reorganisation der Eisenbahnen und der Post, die immer Defizite aufweis sen. Ferner soll tontrolliert werden, ob Deutschland auch Maßnahmen getroffen hat, um die Eintreibung der Steuern zu sichern. Bei der Gewährung von Zahlungsaufschüben würde Frankreich nicht mitmachen. Diese Haltung sei begründet, weil Deutschland nichts getan habe, sein Wort zu halten. Theoretisch habe Deutschland durch das Wiesbadener Abkommen guten Willen bekundet, doch habe es noch nicht die notwendigen Steuern eingeführt. Der deutsche Bantrott tönne Frankreich leine Furcht einflößen, denn Frankreichs Pfänder bleiben immer bestehen, man müsse sich nur ihrer bemächtigen. Doch Frankreich tönne ja allein handeln, wenn die Einstimmigkeit in der Kommission nicht erzielt würde. Wie man sieht, hat also die von den Rechtsparteien betriebene Katastrophenpolitit bereits ihren Widerhall in den nationalistischen Kreifen Frankreichs gefunden. Es wäre nun töricht, darauf zu hoffen, daß die Wiedergutmachungsfommission Deutschland bestimmte Erleichterungen gewähren würde, bevor nicht alle Möglichkeiten zum Wiederaufbau der Staatswirtschaft und zur Erfüllung der Reparationen erschöpft sind. Deshalb muß jetzt um so energischer die Heranziehung des Besitzes zu ben Lasten des Reichs erfolgen und um so schneller muß die Er= fassung der Sachwerte durchgeführt werden. Eine neue Note an Ungarn Budapest, 10. November. Am 5. November, nachmittags, überreichten die Budapester Bertreter der Entente- Hauptmächte im Auftrage des Pariser Botschafterrates der ungarischen Regierung eine Note, in der mitgeteilt wurde, daß der auf die Absehung der Habsburger Dynastie bezügliche ungarische Gesezentwurf zu Mißverständnissen Anlaßgeben und unter solchen Umständen eine Abrüstung der fleinen Entente nicht erwartet werden könne. Gleichzeitig wies die Note auf die Notwendigkeit hin, daß die Entscheidung der Nationalversammlung vollständig präzise sein müsse und feine Möglichkeit zu der Vermutung bieten dürfe, daß sich Ungarn der Gültigkeit der vollständig flaren Entscheidung der Großmächte vom 4. Februar 1920 und vom 2. April 1921 zu entziehen beabsichtige, welche alle Habsburger von dem Rechte, den ungarischen Thron zu besteigen, ausgeschlossen hat. Die ungarische Regierung hat diese Ermahnung des Pariser Botschafterrates noch am selben Tage in einer Rote beantwortet und darauf hingewiesen, daß sich der ungarischen Regierung im Rahmen des Paragraphen 3 des von der ungarischen Nationalversammlung in zweiter Lesung angenommenen Gesetzes die Mög lichkeit biete, dem jetzt zum Ausdrud gebrachten Wunsche der Großmächte Genüge zu leisten, sich zu fügen und ohne Zustimmung der in der Botschaftertonferenz vertretenen Mächte in der Frage der Königswahl teine Verfügungen zu treffen. Schwankungen am Devisenmarkt An der heutigen Börse sette der Kurs für den Dollar mit 248 ein, er befestigte sich aber wieder, gegen Mittag stand er bereits auf 270. Da aber von New York ein Markkurs von 0,40 ge= meldet wird, was einer Parität für den Dollar mit 240 entspricht, so erkennt man deutlich den Versuch der deutschen Spekulation, die ausländischen Devisen tünstlich in die Höhe zu treiben. Das Anziehen der Mark London, 10. November. Laut Daily Chronicle" ist das starte Anziehen der Mark an der gestrigen Börse in der Hauptsache auf große Antäufe von seiten Südamerikas zurückzuführen, das beträchtliche Handelsbeziehungen mit Deutschland unterhält. Die Entwicklung der Devisenfurfe 1921 8. Jan 27. Jan. 1. April 1. Juli 1.0ft. 8. Nov. 9. Nov. Holland.2307.70 1855.- 2162.- 2468.- 3910.- 10850. Schweiz. 1123.80 877.50 1085.- 1262.50 21372 Paris. London Italien New York 432.25 400.50 435. 601.- 871.260,32 213. 245.50 279.50 454.253.25 210. 256.50 366.50 495.74.30 55.25 62.50 74.25 123.25 9400.5670. 5075. 2250.- 2000 1215, 1065.1278.- 1048.305. 305.- 247.Die sozialistische Regierung in Thüringen Aus Thüringen wird uns geschrieben: Unter dem schärfsten Protest der bürgerlichen Parteien ist die sozialistische Regierung in Thüringen gebildet worden; im Kampf gegen die Einheitsfront der Bourgeoisie hat das sozialistische Kabinett seine Arbeit begonnen. Das Wort von der„ einen reaktionären Masse" ist in Thüringen und überall da, wo Sozialisten die Regierungss gewalt in den Händen haben, Wirklichkeit geworden. In allen ihren Maßnahmen begegnet die thüringische Regierung der unversöhnlichen Gegnerschaft des Bürgertums, von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen. Am schärfsten hat der Kampf von Anfang an eingesezt um das neugeschaffene Kultusministerium. Selbsts verständlich nur aus dem Grunde, weil ein Unabhängiger Sozialdemokrat, der Genosse Greil, ehemals Volksschuls lehrer und zuletzt Bezirksschulrat in Gera, ein anerkannt bahnbrechender Pädagoge, der das Vertrauen der gesamten fortschrittlichen Lehrerschaft genießt, zum Kultusminister ges wählt wurde. Das brachte das Bürgertum in Harnisch. Im Thüringer Landtag war es besonders der demokratische Pros fessor Rosenthal- Jena, der den Kampf gegen den Kultusminister führte. Das höhere Schulwesen, namentlich die Universität Jena, werde in Gefahr tommen, wenn ein Volks= Schullehrer das gesamte Unterrichtswesen verantwortlich zu leiten habe. Man fennt die lieblichen Argumente der Berliner Reaktion aus dem langen und zähen Kampf um den Stadtschulrat. Jmmer, menn bie Bourgeoisie ein Privilegium preisgeben soll, greift sie zu dem schäbigen Mittel schamloser Heuchelei. In Thüringen ging sie soweit, Greil mit Goethe zu vergleichen, wobei ste natürlich vergaß, zu erwähnen, welche Männer zwischen Goethe und Greil als Kultusminister in Weimar amtierten. Bor Greil war es z. B. der Demokrat Paulßen, ein vertrockneter, bezopfter Verwaltungsbureaukrat, der in einer schwachen Stunde eingestand, daß er von Kultusangelegenheiten teine Ahnung habe. Tatsächlich ist während seiner Ministerschaft in Schul- und Erziehungsfragen nicht ein Finger gerührt worden. Das hindert aber die Demokraten nicht, mit der Reaktion in der Verunglimpfung und Verleumdung des Sozialistischen Kultusministers zu wetteifern. Sie bekämpfen Greil aus wohlverstandenem Klasseninteresse und Standesdünkel; sie wissen, daß ihnen ein energischer und zielklarer sozialistischer Schulmann gegenübersteht, der entschlossen ist, mit der Einheitsschule ernst zu machen. Nichts ist den bürgerlichen Parteien so zuwider, als die Durchführung der absoluten Gleichberechtigung in der Schule. Besiz und Bildung sind ihnen noch immer identisch, und in der Vers teidigung der kapitalistischen Klassenschule gegen die plan. mäßige sozialistische Schulreform finden wir die„ Demos fraten" an der Seite der reaktionären Parteien. Selbstverständlich wird die sozialistische Schulreform nicht an der Spitze des Gebäudes, sondern an den Fundamenten, d. h. mit der Volksschule, beginnen. Mit dem aus dem bürgerlichen Klasseninteresse herausgeborenen Bildungsideal der Heranzüchtung einer fleinen intellektuellen Oberschicht, wird gebrochen werden müssen. Die der Gesells schaft gestellten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufs gaben verlangen eine Vertiefung der Bildung im allgemeinen. Volksschule und Volfsbildung müssen neue Mittel und Kräfte zugeführt werden, sie müssen umgeformt und mit neuem Geiste erfüllt werden. Das ist angesichts der Widerstände, namentlich aus der reaktionären Schulbureaukratie heraus, freilich eine Riefenaufgabe, die in einem Zuge nicht zu lösen ist. Aber daß dies das Grundproblem der nächsten sozialistischen Schularbeit ist, liegt auf der Hand, und es muß unter allen Umständen in Angriff genommen werden. Eine wesentliche Umgestaltung der thüringischen Schulgesetzgebung, Soweit das im Rahmen der Reichsverfassung möglich ist, dürfte deshalb nicht mehr lange auf sich warten lassen. Daß dabei die höheren Schulen und die Universität in Jena in ihrem tatsächlichen Bestande nicht angetastet werden, bedarf besonderer Betonung nicht. In dem früheren Landtage haben die sozialistischen Parteien und ganz besonders die Unabhängige Sozialdemokratie nicht einen Augenblid gezögert, der Jenenser Universität alle zu ihrer Weiterführung und Verbesserung notwendigen Mittel zuzuführen. In dieser Hinsicht kann das Bürgertum den sozialistischen Parteien nichts vormachen. Darum geht es im Grunde genommen auch gar nicht. In Wirklichkeit handelt es sich um folgendes: Der Plan der Einheitsschule, der in seiner letzten Auss wirkung auch die Universitäten aus Brutstätten bornierten Kastengeistes und politischen Meuchelmordes in mahre Torschungs- und Bildungsstätten verwandelt, soll zuschanden gemacht werden! Da will das Bürgertum beizeiten vorbauen; es will die Dinge überhaupt nicht erst in Fluß und zur Ent widlung fommen lassen. Und was liegt da näher, als den Kopf der sozialistischen Echulpolitik, den sorialistischen Kul tusminister, zu treffen! Das ist der wahre Sinn der Schula fämpfe in Thüringen, die ja erst in ihren Anfängen stehen. „ Umstürzler“,„ Schulanarchie",„ Kulturkampf in Thüs ringen", so hallt es durch einen großen Teil des bürgerlichen Blätterwaldes. Die sozialistische Regierung hat den Mut bes 19 feffen, das Reformationsfest, ein altes Requifit der früheren Staatskirche, als gesetzlichen Feiertag aufzuheben und an dessen Stelle den 9. November als geset lichen Feiertag einzuführen. Das hat die Reaktion, cle frömmelnden Demagogen und Pfaffen aus Rand und Band gebracht. Stürme und Stürmchen wurden entfacht, die Regierung mit Protesten belagert. Schließlich wurde den frommen Gemütern unter der Lehrerschaft zugestanden, daß die Feier des Reformationsfestes frei sei. Das haben die fanatischen Schulbureaukraten zu wüster Demagogie benut. Aufgehezte Kinder wurden zu Demonstrationen mißbraucht und in die Kirchen getrieben. Man sieht, die geringste Toleranz und Nachgiebigkeit gegenüber dieser Reaktion führt zu empfindlichen Rückschlägen. Wer aber Schulanarchie und Kulturkampf heraufbeschwört, das hat die Reaktion durch den Mißbrauch des Reformationsfestes gezeigt. Und wiederum ist es die ,, demokratische" Presse bis zum„ Berliner Tageblatt", die über diese Vorgänge ganz im Sinne der reaktionären Drahtzieher berichtet. Uns überrascht das keineswegs, wir vermerken es nur. Die legte Zeit hat der Beispiele zu viele gebracht, daß das Bürgertum in Erziehungsfragen, von menigen weiterblidenden Eingängern abgesehen, eine einheitlich reaktionäre Auffassung verficht; das gemeinsame materielle Klasseninteresse bedingt auch im wesentlichen gemeinfame Bildungsgrundsäge. Die hier behandelten ersten Kämpfe um die Schul- und Erziehungsfragen find nur ein Beispiel, welchen wohlorganisierten, rücksichtslosen Widerstand die bürgerlichen Parteien jeder Maßnahme der sozialistischen Regierung entgegensehen. Die eigentlichen Auseinandersetzungen stehen aber noch aus: der feste Griff in die reaktionären Bureaukratennester, die soziali stische Organisation der Verwaltung und aller wichtigen Regterungsorgane. Und doch ist um diese ungemein schwierige und komplizierte Maßregel nicht herumzukommen, wenn anders die sozialistische Regierung sich nicht selbst zu völliger Ohnmacht und Unfruchtbarkeit verurteilen will. Aber die Schwierigkeit der Aufgabe entspricht durchaus ihrer Größe und ihrem Wert. Trotz vieler Mängel und Unvollkommenheiten sind diese Positionen von nicht zu unterschätzender Bes deutung für den Sozialismus. Der 9. November ist nur in Braunschweig, Thüringen und Sachsen, den Ländern mit sozialistischen Regierungen, gesetzlicher Feiertag, und Enthüllungen, wie die Lipinskis, über die Organisation der Gegenrevolution sind nur möglich durch einen sozialistischen Regierungsapparat. Bolschewistische Amnestie" Die Rote Fahne" gab gestern eine Meldung wieder, wonach die für die Soldaten der antibolschemistischen Armeen erlassene Amnestie sich auch auf die wegen gemeiner und politischer Verbrechen zu Gefängnisstrafen in Sowjetrußland Berurteilten erstreckt. Das kommunistische Organ fnüpfte daran eine Berherrlichung der Sowjetregierung, die ihren schlimmsten Feinden Straffreiheit gewähre, während in Deutschland Tausende tapferer Klassentämpfer hinter den Zuchthausgittern schmachten. 99 Ganz abgesehen davon, daß es für die fommunistische Sowjetregierung feine besondere Ehre ist, wenn zwischen ihr und der von bürgerlichem Klassengeist erfüllten Regierung in Deutschland eine Parallele gezogen wird, ist die Berherr lichung der angeblichen Toleranz der Sowjetregierung eine widerliche politische Seuchelei. Die Rote Jahne" muß wissen, daß die meisten der in den russischen Gefängnissen schmachtenden politischen Gefangenen nicht auf Grund von Gerichtsurteilen, sondern auf Grund der Verfügungen der„ Außerordentlichen Kommissionen" eingeferfert find. Tausende von Proletariern, darunter zahlreiche Genoffen, die seit Jahrzehnten in der revolutionären Bewegung stehen, schmachten noch heute, ebenso wie unter dem Zarismus, auf Grund willkürlicher administrativer Bestimmungen in den Kerkern. Auf sie erstreckt sich auch die am 7. November erlassene Amnestie nicht. merden nach wie vor von der Sowjetregierung als schlimmste Feinde betrachtet, schlimmer als die Weißgardisten, schlimmer als die Spekulanten, Diebe und kommunistische Sowjet Eine Erinnerung an Kurt Eisner Bon O. Etnet Sic Es war in den ersten Wochen des Jahres 1919. Jch tam aus Wien, wo ich seit dem 8. November gewesen war, und unterbrach meine Rückfahrt nach Berlin, wie ich es immer hielt, in dem fleinen bayrischen Städten Marktremig. Jm Bahnhofshotel, dem Stammlokal der Industriellen, war die Erregung groß. Es sollten zwei Wahlversammlungen stattfinden, in der einen sollte der Ministerpräsident Kurt Eisner selbst, in der anderen MüllerMeiningen reten. Aber nur der elegant uniformierte Müller war mit seinem„ Adjutanten" in einem wunderbaren Auto gekommen. Es war in der damaligen Zeit des fast erstorbenen Berkehrs eine blendende Auffahrt gewesen und man hatte ihm devolest in dem geheizten Traft des Hauses die besten Zimmer zur Verfügung gestellt. ,, Kurt Eisner soll auch fommen", flüsterte mir der Wirt ins Ohr. Seit zwei Tagen läßt er uns schon warten. Aber passen Sie mal auf, der tommt nicht, neben dem Müller fann der sich doch nicht hören lassen." Am nächsten Morgen betritt bann so gegen 10 Uhr ein Stubengelehrter die Gaststube, im Schlapphut, mit mirrem, grauem Haar einem Iangen, rötlich grauen Spigbart mit engen, fleinen Bewegungen, die Aftentasche unterm Arm. Kein Mensch beachtet ihn. Er ist nachts gekommen und er hätte im ungeheizten Zimmer übernachten müssen, wenn nicht einer seiner Begleiter ein bittendes Wort für den älteren Herrn" eingelegt hätte. Um elf Uhr steht dieser Stubengelehrte dann an dem geöffneten fleinen Fenster des Rathauserfers und spricht zu einer Menge, die geduldig seit Stunden unter freiem Himmel auf ihn wartet, weil der größte Saal der Stadt sie nicht fassen kann. Trotz des weiten Platzes quillt sie auch jetzt noch aus allen Fenstern bis zu den Mansarden- und Bodenluten hinauf. Schräg unter dem schiefvorstel, enden Erker ist eine Steinplatte eingelaffen mit der Jahreszahl 1642 und dem in bunten Lettern gemalten Spruch: Ach Gott, gieb Fried, welcher ernehrt, Undt steur dem Krieg, der alles verzehrt. Zerbrich die Schwertt, Spieß, Bogen vndt Pfeil, Gieb ung hie Frieb, dort Ewigs Henl. Darunter reden sich, Zeugen für die noch immer lebendig Wahrheit bes ersten Sages, die ausgemergelien Köpfe der Industrie arbeiter und Arbeiterinnen, untermischt mit Coldatengesichtern unb einigen parteifremb Elementen. Es ftab auffallend viele Berliner da, Leute, die den legten Zug von Berlin erwischt haben, beamten, die wegen Unterschlagungen, Bestechungen usw. in 1 die Gefängnisse gesteckt wurden. Wenn das kommunistische Zentralorgan nur eine Spur von Ehrgefühl hätte, würde es nicht gewagt haben, die Sowjetregierung den in Deutschland Herrschenden als glorreiches Vorbild vor Augen zu führen. Wir sind gewiß dafür, mit aller Energie dafür zu kämpfen, daß die politischen Gefange nen, die in den Gefängnissen und Zuchthäusern Deutsch ands schmachten, endlich befreit werden und unsere Genossen in den Parlamenten versäumen keine Gelegenheit, um mit allem Nachdruck für die von unserer Partei geforderte politische Amnestie einzutreten. Aber die Kommunisten sollten in dieser Frage recht vorsichtig sein. Sie sind es, die durch ihre blöde Butschtattif die moralische Verantwortung für Hun derte eingeferferter Proletarier tragen; sie sind es, die durch die feige Kneiferei ihres früheren Vorsitzenden Brandler die Lage der politischen Gefangenen verschlechtern, und sie sind es, die durch die Berherrlichung der Sowjeiregierung die durch ihre Praxis den Sozialismus kompromittiert, den Kampf um die politische Amnestie in Deutschland nur schweren. Zweierlei Recht er= Der für Zeitungsverbote zuständige Beschwerdeausschuß des Reichsrats hat die Beschwerden des Verlags des„ Kommunist" in Stuttgart. der„ Roten Fahne" in Mannheim sowie des„ Kommunist" in Frankfurt a. M. wegen Verbots durch das Württembergische Ministerium des Innern verworfen. Da gegen wurde den Beschwerden des Verlags der Mitteldeutschen Presse" und„ Staßfurter Tageblatt", der„ Deutschsozialen Arbeiterzeitung" in Staßfurt sowie der„ Deutschen Ginheitsfront" in Magdeburg wegen Berbots durch den Regierungspräsidenten in Magdeburg und die Polizeiverwaltung in Staßfurt stattgegeben und diese Zeitungsverbote aufgehoben. Gute Zeiten für Hochverräter Ganz wie in Deutschland UK. Budapest, 8. November. Die Führer und Teilnehmer des lehten Karl- Putsches werden ausnahmslos straffrei ausgehen. Nachdem Stephan Friedrich bereits wenige Tage nach dem Zusammenbruch des Pute shes auf freien Fuß gesezt wurde, ist nunmehr auch Graf An brassy unter dem Borwand, er habe zur Zeit der Ankunft Karls nur zufällig" in Dedenburg geweilt, enthaftet worden. Dieser Vorwand ist um so lächerlicher, als bekanntlich An brassy Außenminister im„ Königlichen Kabinett" Ra. toplati gewesen ist. Man merkt deutlich, daß einflußreiche Kreise am Werte sind, um eine Bestrafung der Legitimisten zu verhindern. Tatsächlich wird im Justizministerium bereits ein mnestie entwurf ausgearbeitet, der allen Zeilneh. mern des Ratl Putsches Straffreiheit gewähren foll. Die übrigen politischen Verbrecher werden von dieser Am nestie nicht betroffen, die Verurteilten aus der Zeit der Res volution und der Nätediktatur bleiben also weiterhin in Saft. Generalstreit in Rom Rom, 10. November. Gestern früh fam es bei der Ankunft der Züge, welche die Teilnehmer zu der anläßlich des Faszistenkongresses stattfindenden Demonstration der Faszisten in die Stadt brachten, zu ernsten 3usammenstößen zwischen Eisenbahnern und Falzisten. Indem sie sich durch den Pfiff einer Lokomotive beleidigt erflärten, griffen Faszisten den Lokomotivführer und seine Begleiter an, wobei der erstere schwer verwundet wurde und furz darauf im Spital starb. Die proletarische Verteidigungstommission trat sofort mit den Vertretern der Arbeitsfammer, der Sozialistisch n und der Kommunistischen Partet sowie der Geschäftsleitung in Verbindung, die gemeinsam den General: Streit beschlossen, der schon um Mitternacht begann. Die Straßenbahner und die Angestellten der Vorortbahnen waren schon vorher wegen faszistischer Provokationen in den Streit ge= treten. während draußen schon um den Anhalter Bahnhof gekämpft wurde und die nicht weiterfönnen. Kurt Eisner fängt an.„ Vollsgen--" Er frächst. Nochmals:„ Boltsgeno-" Er frächzt hoffnungslos. Aber dann fährt er diesen Scherben von einer Stimme mit ungeheurer Energie an und entschuldigt sich zuerst bei den Marktredwitzern. Gewiß, sie hätten zwei Tage umsonst gewartet, aber das Auto wollte nicht und tags vorher hätte er schon in dret Bersammlungen reden müssen. Die Marktredwiter müßten schon Geduld haben. Frü here Ministerpräsidenten seien darin ja pünktlicher und zuverlässiger gewesen, die seien überhaupt nicht in Wolfsversammlungen gegangen. Dann wird er ernsthaft. Die Revolution sei der einzige Weg gewesen, den Krieg zu beenden.„ Lüge!" ruft einer aus der Menge. Und während die Marktredwiger drastisch gegen den 3wischenrufer werden, sagt Kurt Eisner: Früher hätte er einem Ministerpräsidenten nicht entgegenzutreten gewagt, laßt den Menschen auf sich beruhen." Dann erzählt er, wie es zur Revolution fam: Die nationale Verteidigung hätte die Tiroler Flante Bayerns en: blößt, die Gefahr war unvermeidlich, daß nach dem österreichischen Zusammenbruch die Jtaliener das Land überschwemmt hätten. Da famen die niederbayerischen Bauernführer am 7. November nach Münch n, und mit ihnen gemeinsam machte man die geistig längst vorbereitet gewesene Revolution, eine Revolution, die von München aus dem ganzen deutschen Volk die Freiheit gegeben habe. Dann nimmt er sich Müller- Meiningen vor. Er zerreißt ihn in fleine, erbarmungswürdig lächerliche Fezen.„ Pimperl Wia, tig" nannten ihn Eingeweihte. Noch im März 1918 sei er so dumm gewesen, nicht zu merten, wie es stand. Da habe er noch eine Schrift veröffentlicht: es gäbe jetzt feinen Verständigungsfrieden mehr, jetzt gäbe es nur noch einen Eroberungsfrieden. Und als ein neuerlicher Zwischenruf Berlin für alle Eroberungsgelüfte verantwortlich machen weil, fährt er den Unglücklichen an: Es sei niemand so einfältig und so unwissend, daß er nicht von ihm belehrt erden fönne, und so wolle er den Herrn in Näästenliebe aufffären. Was er jetzt sagen werde, habe er noch nicht veröffentlicht, aber da er angegriffen würde, sage er es trobem hier. Graf Hertling habe es in einem streng vertraulichen Aft niedergelegt, und nur Angst gehabt, die Sache fönne bekannt werden. Am 15. August 1914 habe der preußische Gesandte in einer Audienz Ludwig III. für die Tapferkeit der bayerischen Truppen gedankt. Und was sagte Ludwig III darauf?„ So geht's nicht mehr wie 1870. Jest müsse Bayern auch etwas haben." Elfaz müsse bayerisch werden, usw. usw und in einer späteren Unterredung mit Erzberger wollte sich Ludwig III. auch noch auf Kosten Badens und Blirttembergs obrunben. Ric fei ein Bolt so rerraten worben, wie das arme, gebulbige benijdje Bolt.. Die demaskierten Bürgerlichen Ein reaktionärer Vorstoß in Sachsen Die deutsch nationale Fraktion des fächsischen Lands tags hat folgenden Antrag eing.bracht: ,, Der Landtag wolle beschließen: Die Minister Lipinski unb Fleißner haben nicht das Vertrauen der sächsischen Volisvertreter." Dieser interessante Antrag. der unsern Genossen zur Ehre ge reicht, wird voraussichtlich zusammen beraten werden mit Ertlärungen, die in der Dienstagstzung des Landtages von deat Deutschnationalen und und Deutschen Bolksparteilern abgegeben wurden. Die Rechtsparteien wie die Bürgerlichen insgesamt, sind außerordentlich erbittert über die Enthüllungen Lipinskis in bezug auf die Orgeschumtriebe. Bom Tage der Enthüllungen an inzenierten sie eine lebhafte Pressekampagne zu dem Zwede, wenigstens die öffentliche Meinung irrezuführen. Es liegt abe: derartig belastendes. Konkretes Beweismaterial vor, duß die zahl= reichen Berichtigungen" nur die Verlegenheit der Bürgerlichen unterstreichen. Auch war in der Dienstagsihung des sächsischen Landtags erklärt wurde. trup den Stempel der unwahr= haftigkeit und der Stimmungsmache auf der Stirn. Die Bürgerlichen beschwerten sich darüber, daß durch die Veröffentlichung des Materials in ein schwebendes Untersuchungsverfahren eingegriffen würde und daß die verbreiteten Tat fachen und Nachrichten, selbst, wenn sie richtig wären, im Inter esse des Reichs geheim gehalten werden müßten. Es fönnte den Herrschaften so passen, wenn die Bertreter des Proletariats über ihre hochperräterishen Umtriebe auch noch schüßend die Hände halten würden; sie verwechseln, wenn sie von Schäden Sprechen, Ursache und Wirkung. Es kommt darauf an, die tontertepolutionäre Sumpfpflanze auszurotten. Genosse Lipinski hielt denn auch seine Ertlärungen vollinhaltlich aufrecht und fonnte hinzufügen, er habe erst dieser Tage mit den höchsten Reichsstellen verhandelt und sein Vorgehen jei gebilligt worden. Auf demselben Niveau wie die Erklärungen der Bürgerlichen zu den Orgeschumtrieben, standen bürgerliche Versuche, dem Genollen Fleißner aus Versammlungsäußerungen einen Strid zu drehen Mit Recht hatte er in einer Versammlung darauf hingewiesen, daß in der geschichtlichen Entwicklung die Anwendung von Gewalt eine feststehende Tatsache sei. Nur Leute, denen das ABC der gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze abgeht, fönnen leugnen, daß Verfassungen teinen Ewigkeitswert haben. Es bleibt deshalb natürlich eine billige bürgerliche Agitationsphrase, daß ein Minister, der dieser Selbstverständlichkeit Ausdrud gibt, als Minister nicht geeignet sei. Genosse Fleißner schloß denn auch Jeine Rede, in der er die rechte Seite des Hauses vorzüglich glos fierte, mit der Bemerkung, daß er von dem nichts zurückzunehmen habe, was er als Versammlungsredner ausgeführt hat. Bemerkenswert aus der Landtagssigung war noch die Behand lung der Frage der Arbeitsruhe am 9. November. Die Bürgerlichen benutzten die Gelegenheit zu einem neuen Vorstoß gegen Revolution und Republit. Der deutschnationale Redner verstieg fich sogar zu der Behauptung: Selbst der schwachsinnigste Monarch unter dem absolutesten System hätte nicht soviel Unheil angerichtet wie Hoffmann und Erzberger. Seine Rede bezeichnete selbst der Präsident als„ höchste Provokation". Es tam zu stürmischen Ezenen. Schließlich wurde gegen die Stimmen der Bürgerlichen der Antrag angenommen, die Regierung zu ersuchen, baldigst ein Gesetz vorzulegen, das den 1 Mai und den 9. November zu geseglichen Feiertagen erflärt. Bei der Behandlung eines Antrages, bie fächsische Regierung zu ermächtigen, den sächsischen Beamten die Beträge zu bewilligen, die das Reich den Reichsbeamten zuweisen wird, erklärte unser Genosse Liebmann daß wir die Regelung des Reiches nicht anerfennen fönnen, weil sie den höheren Beamten hohe Bezüge untez Zurüegung der unteren Beamten ungerechtfertigt gewährt. Ein Antrag, die Vorschüsse zu gewähren, jedoch für die höheren Beamten nicht in der vom Reich vorgesehenen Höhe, wurde abgelehnt. Die bürgerlichen Parteien versuchten, die Debatte als bequemes Agitationsmittel gegenüber der Beamtenschaft angesichts ber nächsten Sonntag stattfindenden Stadtverordnetenwahlen auszunügen. Dies ist ihnen vorbeigelungen. Sangerstreit in Italien. Im Gefängnis von Bari find 40 Teit Mai verhaftete Sozialisten zum Protest gegen den weiteren Auf Schub ihres Prozesses um 6 Monate in den Hungerstreit getreten. Jetzt kommt Feuer und Schwung in die trante, tronisch überLegene Stimme. Mit schürfenden Armbewegungen richtet er einen Appell an das souveräne Volf, verw ist es auf sein Recht, auf Wohlstand und Glüd und schließt mit den Worten:„ Lebt!! Rettet Euch!! Helft der Freiheit!!" Was dann noch an Gegenzednern in dem schmalen Fenstern erscheint, den Industriellen, der den Achtstundentag für Deutschlands Ruin erklärt und den Feldgrauen, tut er mit einem Echlag seiner treffsicher schlagenden Antwort leicht ab. Unsere Rache heißt nicht zerstören, auch nicht Verbrechen begehen oder schädigen. Wir rächen uns, indem wir sie nicht mehr regieren lassen. Betrug ist keine Arbeit. sondern ist Vernichtung und Husraubung der Arbeit." Dann fährt das feldgraue Auto vor, und umbrängt von der Menge, verläßt Kurt Eisner die fleine Stadt. Sie hat wohl heute schon vergessen, daß einmal einer auf Stunden da war, um ihr politisches Leben zu geben. Später, nicht viel fräter, wurde der Mörder dieses Mannes als cine Art Nationalheiliger gefeiert, und sein Bild tursierte auf den Geldscheinen des Landes. Auch dieses ist ein Beweis, daß es nationales Schamgefühl nicht gibt. Gök von Berlichingen Großes Schauspielhaus Denten wir heute an Goethes, Göt", fo liegt uns immer der Bergleich mit einem anderen Drama aus den Bauernkriegen nahe: der Vergleich mit Hauptmanns Florian Geyer". Und er liegt diesmal um so näher, als erst vor einigen Monaten das Hauptmannsche Revolutionsdrama über diefelbe Bühne gegangen ift, auf der wir heute den„ Göz" sehen. Eins wird bei diesent Bergleich sofort deutlich: Hauptmann ist uns näher. Goethe gehört trog seiner überragenden Größe einer Zeit an, aus der wir, oder besser, aus der unsere Zeit herausgewachsen ist. Ein historisches Stück( und Göz" wie Gener" find historisch) ist nicht jo ausschlieblich von der dichterischen Kraft Kraft und Bhantahe feines Gaörfers abhängig wie manch andere Dichtung, es ftüst fich, mufich ftügen auf historische Quellen und Forschungen: ber Autor ist gleichsam abhängig von dem Stand der jeweiligen Geschichtsforschung. Und in der Tat ist Hauptmanns Gener gerade um joviel reicher und stärker an historischer Einfühlung und Darstellung, wie die Geschichtsforschung( trok aller Mängel) seit Goethes Zeit an Tiefe und Wahrheit zugenommen hat wir wissen heute, daß wirtschaftliche Gründe die rolitischen Ereignisse bedingen daß die Verhältniße Stärter fino als die Bersonen, und das nicht einzelne Menfchen( and nicht die o genannten Selben") die Gnim: dfung und die Art ihrer Zeit bestimmen, sondern daß umgefahrt ble Zeitperhältnisse es find, bie die Entwidlang des einzelnen Menschen bestimmen. Die Paarung Stinnes- Scheidemann ,, Wir haben keine Sehnsucht Stinnessozialisten zu werden" Der leiseste Verfuch muß den Nachweis führen, daß Sozialdemokraten und Deutsche Volkspartei nicht von einen Wagen zu spannen find. Abg. Siering am 22. 4. 21 im Landtag. Nur wenige rechtssozialistische Organe bringen den Mut auf, den Beschluß ihrer preußischen Landtagsfraktion zu tritifieren und richtig zu fennzeichnen. Zu diesen wenigen Blättern gehört die Frankfurter Bolksstimme", die unter ber richtigen Schlagzeile„ Die Paarung von Sozialbemokratie und Realtion" den Batt mit Stinnes scharf angreift und unter anderm schreibt: Las sich unsere Ueberschrist, Von Leidig bis Leinert" wie ein pbantastischer Wih, so nimmt sich das Stichwort„ Von Severing bis Richter" wie eine possierliche Grotesfe aus, wie eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann, der Gespenster jah, nachdem er zu Berlin in Luther und Wegners Weinstube eine Nacht durchgezecht hatte" ,, Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen will, mag statt der Parteien, mit denen er sich einläßt, die einzelnen Personen, mit denen er fich fcaliert, auf Herz und Nieren prüfen. Von den beiden Bolfsparteilern, die in das neue Ministerium Aufnahme fanden, steht jedenfalls fest, daß es selbst in der Bolts: partei niemand geben kann, der sie an reaktionärer Gesinnung übertrumpft. Bezüglich des Herrn v. Richter haben wir dafür das fachverständige Urteil der Genossen Severing und Braun. Auf Antrag des Genossen Severing hat nämlich das frühere Ministerium Braun Herrn v. Richter, der damals Oberpräsident von Hannover war, wegen seiner Sabotage der Republik und der Demokratie entlassen. Unterrichtsminister wurde nicht der urSprünglich vorgesehene Herr v. Campe, der sich tatsächlich dagegen erklärt hatte, in der Praxis irgend etwas gegen die republikanische Staatsform und die bestehende Verfassung zu unternehmen sondern der berüchtigte Gymnasialdirektor Boelig. Noch im Jannur d. J. bekannte sich dieser Herr auf dem preußischen Parteitag der Deutschen Volkspartei für die Monarchie und für das am 9. November 1918 beseitigte Regiment. Und jetzt wird der deutsche gemäß den Bedingungen von Görlig mit unsern Genoffen an der Demokratisierung der Verwaltung" arbeiten. Auch an der Demokratisierung der Schulverwaltung? Es ist zum Schreien." Und die rechtssozialistische„ Chemnizer Boltsstim me" faßt ihr Urteil über die preußische Regierungstoalition wie folgt zusammen: „ Aufs schärfste ist der Eintritt unserer Genossen in die preußische Regierung zu mißbilligen und zu bedauern. Das Experiment, das nun einmal angefangen ist, muß trotz allem, was dagegen spricht, u Ende geführt werden. Es wird ein baldiges Ende mit Shreden nehmen. Dann aber müssen die Parteigenoffen im ganzen Reich unweigerlich fordern, daß nun ein Ende gemacht wird mit diejer Taktik und daß endlich die Blidrichtung einer Reihe von Genojien vom Starren nach rechts endlich nach links gedreht wird. Wird sich, wie die Deutsche Volfspartei triumphiert, der Erfolg nicht auf Preußen beschränken, sondern auch auf das Reich aus wirben, so haben unsere preußischen Genossen die Pflicht, aus der Katastrophe wenigstens zu lernen, und es muß das getan werden, was ohne diefes topflose Nachlaufen hinter der Stinnespartei wohl hätte vermieden werden tönnen. Auch im Reiche muß unsere Partei sich zum Austritt aus einer nach rechts erweiterten Regierung entschließen, um sie durch schärfte Opposition Ju Fall zu bringen und den Weg für sozialistische Politik frei zumachen." Das sind scharfe Worte, die aber die Situation durchaus richtig charakterisieren. Tragikomisch muß die jetzige Haltung ber Rechtssozialisten wirken, wenn wir an das zurüddenken, was von ihnen bei der Bildung des Kabinetts Stegerwald gegen die Deutsche Boltspartei gesagt wurde, die die stärkste Stüte jenes Rabinetts war. Am 22. April 1921 erklärte der Abgeordnete Giering bei der BeSprechung über die Erklärung des neuen Ministerpräsidenten, daß seine Partei die Mehrheitsverhältnisse zwar jederzeit berücksichtigen werde und gegebenenfalls auch ein Zusammens gehen mit der Deutschen Volkspartei nicht ablehne, wenn die Umstände es erheischen. Auf einen Zuruf der Unabhängigen, daß das ein Abweichen von den bisherigen Grundsätzen sei, erwiderte Siering, die Vorauslegung eines 3usammengehens mit der Deutschen Volkspartei sei selbstverständlich, daß sich diese auf den Boden der Republik Stelle. Das jei nicht der Fall, die Partei bekenne sich grundfäglich zur Monarchie, sie predige sogar den Revanche Das wuste Hauptmann, ein Kind unserer historisch besser geSchulten Zeit, oder er hatte es im Gefühl, als er seinen Florian Geyer" auf, und so gab er uns nicht nur ein dramatisches Einzelschifal, sondern die Tragödie eines ganzen Volkes, einer ganzen Epoche. Goethes„ Göh" bleibt ein Eingeschicfal, mag der historische Sintergrund auch noch so lebendig wirken. Und noch etwas hat der„ Geyer" vorm Göz" voraus, was nun aber seine Ursache nicht mehr in dem Unterschied der Zeit und der Geschichtsforschung, sondern in der Persönlichkeit und ber besonderen dramatischen Begabung Hauptmanns hat. Co gut wie im Florian„ Geyer" fordert die dramatische Entwic lung auch im„ Göz" einen tragischen Abschluß. Goethe macht sich hier, wo es durchaus nötig wäre, nicht von seinem historischen Vorbild frei, er läßt den Göz eines natürlichen, bürgerlich- friedlichen Todes sterben, wie es in Wirklichkeit ge= schah. Aber so fehlt dem Drama zum Schluß die Steigerung, die Handlung geht auf Nebenpersonen( Weislingen und Adelheid) über, und der zusammenfassende Abschluß fehlt. Dies SchauIpiel" hätte eine Tragödie werden müffen; so ist es wirklich nur: ein Schauspiel. Immerhin: eines von Goethe, d. h. mit wunderpollen tellen und der herrlichen Figur des Göz. Er ist in der Aufführung des Großen Schauspielhauses noch mehr der Haupt- und Mittelpunkt, als man es sonst gewohnt ist. Eugen Klöpfer gibt ihn als einen guten, gütigen, guts mütigen Riesen, in dessen frohes, freundliches Gesicht rür immer dann, wenn er die Untreue und Falschheit der Menschen wieder mal erfährt, ein tiefer, schmerzlicher Leidenszug fich eingräbt. Er gibt diesen wundervollen, treuen Menschen, sowie er ist, so daß man ihn lieb gewinnen muß. Von ihm und nur von ihm gingen alle starten und schönen Eindrücke dieses Abends aus. Man möchte ihm irgendwie Dant dafür sagen. Gut waren auch die vier Getreuen um ihn( Dieterle, Kühne, Hans Brauseweiter und Leonie Duval); als ob etwas von seiner Art auf te übergeströmt wäre. Alles andere war Theater gutes. Hermine und fein sehr Körner als Adelheid trophale Enttäuschung. Ihre Dämonie stammt aus Kyrik an eine fataber Knatter oder von Münchener Atelierfejten, aber nicht aus cinem heißen Blut. Sie gab fast allen Szenen, in denen sie mittat, etwas peinlich Gewöhnliches. Absichtlich? Schlimm! Unabsichtlich? Rom schlimmer! Regie: Karlheinz Martin. Da ich nicht den Einbrud habe, als hätte er der Leiftung Klöpfers vie! Binzugefügt, so bleibt nicht gerade viel Rühmenswertes, was man auf sein Konto jeten fönnte. Abgesehen von der Ratsherrnszene, waren die großen, die Massenszenen nur ziemlich steif und leer. Und dann muß man doch mal endlich eine Frage stellen: Wann will man denn eigentlich mit diefen efelhaften, stilisierten De= forationen Schluß machen?( Naive Gemüter nennent fie expressionistisch. Diesmal sind sie von Harold Bengen.) Hat man denn überhaupt feinen Sinn dafür, wie bumm, wie albern, wie stillos es ist, Leute, die ganz untiliflert, ganz naturalistisch reben und sich bewegen, die ganz unstilisierte, historia eate Rostüme anhaben, zwischen streng ftilisierten, aus Döllig anderer Zeit und anderem Geiz entstandenen Deforationen herumlaufen au laffen? Will man durchaus oinen nenen, firengen Stil ber frieg und deshalb stehe feine Partet ein mitig auf dem unerträgliche Zustände Standpunkt, daß ein Zusammengehen mit der Volkspartei unmöglich sei. Für uns," so führte Herr Stering aus, ist in der nachrevolutio= nären Zeit eine Regierung nur dann erträglich, wenn sie auf dem Boben der Republik und der Demokratie mil beiden Beinen teht, nicht bloß mit einem Lippenbetenninis, sondern mit vollem Herzen. Und weil wir weiter wissen, daß gerade die Partei des Serrn Stinnes jeder Sozialisierung feinblich gegenübersteht und felbst gegen die bisherigen bescheidensten Anfänge den heftigsten Widerstand geleistet hat, erscheint es uns unmöglich, einen jelen Schritt vor dem arbeitenden Bolte zu verantworten. Wir haben teine Neigung und feine Sehnsucht befundet, Etinnessozialisten zu werden. Die Bergarbeiter, som it sie unserer Partei angehören, haben diesen Gedanken ein mütig abgelehnt und erklärt, daß er für sie ganz abwegig sei Der leiseste Berjuch muß den Rachweis erbringen, daß Sozialdemokraten und Deutsche Boltspartei nicht vor einen Wagen zu spannen sind." Herr Siering berief sich weiter darauf, daß gerade diese arbeiterfeindliche und monarchistische Deutsche Bol'spartei im Kabinett Stegerwald der treibende Faftor sei und daß gerade deshalb die rechtssozialistische Partei gegen dieses Kabinett, d'a s den Stempeldes Wortbruchs und ber täglichen Umfälle auf der Stirn trage, den schärfsten Kampf proflamieren müsse. Die Behauptung des Woribruches rief lebhafte Empörung in den Kreisen des Zentrums hervor. Der Abgeordnete Herold versuchte mit tränenerstidter Stimme diesen Vorwurf zurückzuweisen. Bei allen Versuchen der Rechtssozialisten, wieder in die Regierung hineinzukommen, wurde ihnen von bürgerlicher Seite entgegengehalten, daß Erwägungen darüber erst dann stattfinden könnten, wenn Siering seine Vorwürfe zurückgenommen hätte. Die Rechtssozialisten und auch Herr Siering erflärten wiederholt, daß sie an einen Widerruf gar nicht dächten, was gesagt worden sei, entspreche den Tatsachen. Nun hat Herr Siering nicht nur tniefällig Abbitte geleistet, er ist auch mit in das neue Ministerium aufgenommen worden und glaubt, zusammen mit der Partei, bie er vor wenigen Monaten als antirepublikanisch, monarchistisch und arbeiterfeindlich bezeichnet hatte, Politit im Sinne der Arbeiterklasse machen zu fönnen. Die Arbeiter müssen dieses Spiel durchschauen, je rascher, desto besser, sie müssen dafür sorgen, daß die Zeit der faulen Kompromisse aufhört, wenn ihnen nicht Stinnes und Genossen das Fell über die Ohren ziehen sollen. Reichskabinett und Devisenverkehr Zustimmung zum Gesezentwurf des Wirtschaftsministers Wie verlautet, hat das Reichstabinett in seiner gestrigen Sigung dem vom Reichswirtschaftsministerium eingebrachten Ge= segentwurf über den Verkehr mit Devisen, fremden Geldsorten und Banknoten seine Zustimmung erteilt. Der wesentlichste Inhalt des Gesetzentwurfes ist folgender: ,, 1. Der Handel mit Devijen, fremden Gelbsorten und Banknoten soll von nun ab an die Banten gebunden sein. Also nur durch die Vermittlung von Banten und Banfiers tönnen in Zukunft Devisen- und ähnliche Geschäfte abgeschlossen werden. 2. Die Banten sind verpflichtet, von jebem, der mit ihnen ein Devisen- oder ähnliches Geschäft eingehen will, eine genügende Legitimation zu verlangen. 3. Die Banten sind verpflichtet, über jedes abgeschlossene Devisen oder ähnliche Geschäft nach Höhe, Kurs usw. einen Schlußschein aaszustellen. Dieser Schlußschein muß von den Banten dem betreffenden Finanzamt desjenigen, der ein Devisengeschäft eingegangen ist, überwiesen werden. Die Finanzamter nehmen dann ihrerseits die überwiesenen Schlußscheine zu den Steueratten.". Der Gesezentwurf wird binnen furzem dem Reichstat und dem Reichstag zugehen. Die deutsche Sozialdemokratische Partei in der Tschechoslowakei beruft zum 11. Dezember ihren Parteitag nach Tetschen ein. Der Bericht des Parteivorstantes wird von Genossen Kar! Cermat eraufbau der Internationale halten. stattet. Außerdem wird Cermat das Referat über den WiederDeforationen bitte sehr, dann muß aber doch selbstverständlich der ganze Stil des Theaters, der der Kostüme sowohl, wie der der Schauspieler, ihre Sprache, ihre Bewegungen, alles muß dann diesen neuen, strengen Stil tragen. Dies Durcheinander von Ganz- und Halbnaturalismus und strenger Stilific rung, das ist genau so blödsinnig wie eine Figur von Dürer und eine von Liebermann in einer Landschaft von Feininger! Der reine, flare Unsinn ist es. Und die häklichste Stil und Geschmadlosigkeit dazu. Ein jammervolles Zeichen für die künst lerische Verwirrung und Verwahrlosung unserer Zeit und unserer Theaterleute. Hans Siemsen Herrmann Bahr:„ Konzert"( Stegliger Schloßpart. theater). Das prächtige Lustspiel wurde alles in allem vorzüglich wiedergegeben. Der erste Att, in dem der Meister" sich nervös, wie nun einmal ein berühmter Pianist sein muß, zu einem zweitägigen Konzertausflug, in Wahrheit zu einem Abstecher mit einer jungverheirateten Frau in einer unweit gelegenen Hütte vorbereitet, wurde lebendig hingestellt. Ebenso der zweite Att, besonders burch das originelle Ehepaar Bollinger( von Hugo Keßler und Gertrud Loewe ausgezeichnet gespielt), das für den Meister eine Hütte stets bereit hält. Reben vielen anderen Sträften fie! ganz besonders Richard Róvy auf, der den betrogenen Ehemann Dr. Franz Jura. eine der neftesten Figuren der neueren Luftspiel Literatur, gab und das tiefe, tluge Naturburschentum dieses Menschen glaubhaft verkörperte. Auch die geduldige, tief- zärtliche Pianistengattin der Eleonore Ehn muß gerühmt werden. Die Regie war gut, im letzten Att, der auch dichterisch den anderen Aften nachsteht, schleppend. A. N. Die neue Nummer der Freien Welt" die der Freiheit" morgen früh beiliegen wird, bringt zahlreiche politisch und menschlich gleich wertvolle unbekannte Briefe unseres ermordeten Führers Hugo Saase, dessen Todestag sich eben jährie. Die Nummer enthält ferner: 5. Faltenfeld: Nietzsche. F. M. Dostojewski: Reisebilder. Alfred Brust: Kapellen gespräch. Kopernikulus: Bom Waffet. Tages- Notizen Beranstaltung bes Arbeiter- Wanderbandes„ Mafurfreunde". Sonntag, 5% Uhr, Deutscher Hof, Ludenwalder Eft. 15 Rezitation: eo Mentes, Frauen. terseit: 0. led, M. Hahn, G. Peipet. Klavier: I h. 1 ed. Karten 3 M. Abendtaffe. Zolitel Feier der Boltstunst" am Sonntag, 4 Uhr, im Beethoven- Saal. Bor frag: Mar Sehbort. Rezitation: Ludwig Sartan. Tschaikowskye Trio: Ernö Balogh( Klavier), 3vor Karman( Violine), Sela Itan ( Cello). Digterabende. Ludwig Harbi fpricht in der Berliner Secession Sonn abend: Heine, 3. B. Hebel, Daubet, Bang, Franz Kafta, Clandins: Sonntag: Heitere Royllen, Würchen und Groteslen. Georg Kaifer liest Monidg. 8 Uhr, Marmorsaal, aus eigenen Werfen. Borträge. Am Freitag, 7 Uhr, beginnt Prof. 92icolat einen auf sier Abenbe betegneten 3nflus: Die Wettzeuge ber Tiere unb Men. Len". Jebesma! freie Aussprache. Freitag. 6% Uhr, Sprit in Englien Seminar, Dorotheenitz. 6, Frau Jones über Moderne englische Dichtung feif 1880". Weitere Vorträge auf englisch jeben Freitag Johannes Belber pricht Freitag im Weteriaal über Subs Gaflex und fägst doze bas Forellenquintett und andere Werte Schuberts. wox. auf dem Lebensmittelmarft Im Laufe der letzten Tage haben sich die Dinge auf dem Les bensmittelmarkt derartig zugespitzt, daß man nachgeradezu von einer Ratastrophe sprechen muß. Das wichtigste Voltsnahrungsmittel. die Kartoffel, ist faft nirgends zu haben, und dasselbe gilt von Sülsenfrüchten, Fett und Schmal, die nur noch zu unerschwinglichen Preisen abgegeben werden. Auch 3uder ist nur zu Phantasies preisen erhältlich, die natürlich weit über dem festgesezten Höchstpreise liegen. Es ist kein Wunder, daß sich angesichts dieser Berhältnisse der Bevölkerung eine tiefgehende Beunruhigung bemächtigt hat. Die armen Frauen, die stundenlang von Geschäft zu Geschäft pilgern müssen, fehen begreiflicherweise die Dinge womöglich noch schwärzer, els sie ohnehin schon find. Abet datauf tommt es nicht an. Entscheibend ist die Tatsache, daß Gegenstände von abe soluter Lebensnotwendigteit teils überhaupt nicht, teils nur unter den größten Schwierigkeiten erhältlich sind. Schon tauchen da und dort im Straßenbild Lebensmittel= polonaisen auf, wie während des Krieges. Es ist einfach ein Stanbal! Und dieser Standal ist die unmittelbare Folge der gepriesenen freien Wirtschaft, vor der wir immer und immer wieder gewarnt haben, die aber, weil sie den Produzenten und Händlern große Gewinne versprach, nicht schnell genug wiederhergestellt werden konnte. Es ist klar, daß etwas geschehen muß, und zwar sofort und nichts Halbes! Die Not der minderbemittelten Bevölkerung ist bereits so groß, daß ihre Fortdauer, geschweige ihre Verschärfung gleichbedeutend mit Bernichtung ist. Wir stehen schon auf der Stufe Deutsch österreichs und nähern uns mit Riesenschritten der Stufe Rußlands. Dabei steht der Winter vor der Tür. Es ist Pflicht der zuständigen Stellen, die Lebensmittelversorgung Berfins in genügendem Umfang und zu erträglichen Bedingungen sicherzustellen Bedingungen sicherzustellen So wie bisher geht es einfach nicht weiter. Entweder oder! Versagt der Apparat des Staates, so wird die Verzweiflung handeln! „ Der Kaiser fehrt zurück!" Die„ Rote Fahne" fühlt wieder einmal das dringende Bedürfnis, zu zeigen, daß ihr die Methoden der Schmuskonkurrenz in Radie falismus geläufiger sind als das ABC des Sozialismus. Unsere gestrige Satire, die der Arbeiterschaft zeigen sollte, was zu erwar ten ist, wenn die Dinge sich so weiter entwideln sollten wie bisher, bezeichnet sie als schlechten Scherz, der die Arbeiter ein lullen soll. Was soll man dazu sagen? Unser Zukunftsbild hat die Wiederherstellung der Kaiserei auf das Jahr 1931 battert. Wenn die Arbeiterschaft so verblendet sein sollte, den Parolen der„ Roten Fahne" zu folgen, dann wird, was wir warnend im Spiegel ber Satire gezeigt haben, schon viel früher blutiger Ernst sein. Glücklicherweise fommt die Arbeiterschaft aber allmählich dahinter, daß Wilhelm der Herzog samt den Seinen mit nicht geringerer Borsicht zu genießen ist als Wilhelm ber Deserteur! Gin mysteriöser Leichenfund Eine reichlich mysteriöse Angelegenheit wird uns aus dem Dorfe Glaso to bei Mahlow in der Mart mitgeteilt. In der dortigen Wohnung des beamteten Lehrers K. wurde gestern früh ein junges Mädchen tot aufgefunden, das am Sonnabend beim Verlassen seiner Arbeitsstätte in Berlin geäußert hatte, daß es, wenn es am Montag nicht wiederkomme, eine Leiche sei. Der Inhaber der Wohnung, Lehrer K., war beim Eintreffen der Ber liner Mordtommission weder im Orte, noch bei seinen in Steglig wohnenden Eltern aufzufinden. Erst im Laufe des gestrigen Abends gelang es, ihn zu verhaften. Er gab an, daß das Mädchen an Herzkrämpfen gelitten und gelegentlich eines schweren Anfalles in feiner Wohnung verschieden sei. Jeden falls habe erste bei der Heimtehrin seinem Bette liegenb tot aufgefunden. Wiederbelebungsversuche seien ohne Erfolg geblieben. Die Angaben des Lehrers, der vorläufig wieder auf freien Fuß gelegt wurde, werden augenblidl y von Kriminalfommissar Trettin nachgeprüft Endgültigen Aufschluß über die Angelegenheit, die im Hinblick auf die Begleitumstände recht mysteriösen Charakter trägt, dürfte die Obduktion, die heute durch den zuständigen Gerichtsarzt vorgenommen wird, ergeben. Mord und Selbstmord Jm Hause Malplaquetstraße 7 wurden gestern in ihrer im Quergebäude gelegenen Wohnung der 31 Jahre alte Arbeiter Franz Willmann und dessen Geliebte, die ebenfalls 31 Jahre alte Frau Lina John, die seit längerer Zeit mit Willmann zusam menwohnte, erschossen aufgefunden. Nachbarn hatten mehrere Schüsse aus der Wohnung des Arbeiters gehört, fanden jedoch die Wohnung verschlossen. Man mußte daher die Tür gewaltsam aufbrechen. Frau John hatte zwei Schüsse im Kopf, Willmann einen Kopfschuß. Ohne Zweifel hatte demnach der Mann die Frou erschossen und dann Selbstmord verübt. Das Motiv der Tat ist vorläufig noch unbekannt. Frau John lebte von ihrem Manne getrennt und hatte ein Kind aus ihrer Ehe bei sich, das aber während der Tat nicht in der Wohnung anwesend war. Die beiden Leichen wurden von der Polizei beschlagnahmt und ins Leichenschauhaus gebracht. Die polizeilichen Ermittlungen über die Gründe sind im Gange. Die Stadtbahn wieder geheizt! Zum ersten Male feit dem Kriege sind die Vorort, Stadt und Ringbahnzüge wieder geheizt! Angesichts der Tatsache, daß für die Durchprüfung der einzelnen Wagen in bezug auf die Heizung besondere Kohl nmengen nicht zur Verfügung standen, fonnte allerdings ein tadelloses Arbeiten der Seizungen nicht in jedem Falle erreicht werden. Es ist aber gelungen, sämtliche Züge, die im Berliner Ortsvertehr Verwendung finden, mit den erforderlichen Heizfuppelungen zu versehen, die schon im Laufe des Sommers bereitgestellt waren. In Anbetracht der wieder einsetzenden kälteren Witterung ist die geheizte Stadtbahn eine Annehmlichkeit, die doppelt wohltuend wirkt, Beilegung des Straßenbahnerteilstreifs. Der Ausstand der Straßenbahner auf den vier Bahnhöfen im Norden und Nordosten Berlins wurde gestern nachmittag beigelegt. Anfangs einigte man sich, daß der entlassene Fahrer, durch den der Teilstreit hervorge rufen wurde, so lange von Dienst suspendiert bleibt, bis der Schlichtungsausschuß über die Rechtmäßigkeit der Entfaffung entschieden hat. Die Vertreter der Angestellten waren hiermit ein verstanden, forderten aber die Bezahlung des Streiftages. Diese Forderung wurde von der Direktion abgelehnt. Die Verhandlun gen wurden dann im Rathause unter Vorsiz des Oberbürger meisters Boek jortgesetzt und haben schließlich dazu geführt, daß die Funktionäre die vom Oberbürgermeister gemachten Vorschläge zur Beilegung des Konflikts guthießen. Eine Bezahlung des Streiftages erfolgt nicht. Die Funktionäre begaben sich soort nach den in Frage tommenden Bahnhöfen. um den Ausständigen die Jofortige Aufnahme der Arbeit zu empfehlen. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgegend am Freitag Troden uno überwiegend heitez, zeitweise etwas neblig oci obs lichen bis füdöstlichen Winden. Temperatur um ben Gefries punti schwankenb. Bum Arbeitslosenstreit" Eine Vollversammlung der freigewerkschaftlichen Arbeitslosenbertreter, die am 2. 11. tagte, nahm zu den Vorgängen in den Arbeitsnachweisen Stellung. Zunächst wurde begrüßt, daß, nachbem die Erwerbslosenfürsorge auf die einzelnen Berwaltungsbezirte übergegangen ist, die Gewertschaftskommission schon ale Schritte zur Besetzung der Fürsorgeausschüsse eingeleitet hat. Es wurden Kollegen vorgeschlagen, die mit der Materie durchaus vertraut sind, die somit die Gewähr bieten, die Interessen der Erwerbslosen auch wirksam vertreten zu können. Der von der Fichtmann- Gruppe aus Anlaß der Arbeitslosenzählung inszenierte Arbeitslosenstreit" wurde dann eingehend behandelt. Mit dem Referenten, dem Kollegen Siegle, stimm= ten alle Distussionsredner in der Beurteilung dieses finnlosen Manovers, dessen Leidtragende die von diesem politischen Harle fin verhetten Arbeitslosen wieder selbst sind, überein. Wer längere Zeit Gelegenheit hat, die Vorgänge innerhalb der Arbeitslofenbewegung zu beobachten, muß zu der Annahme gelangen, daß die Fichtmannleute bezahlte Unternehmer pigel sind. Nur so ist ihr unheilvolles Wirken verständlich, das zulegt dahin führte, in den Arbeitsnachweisen wüste Tumultszenen aufzuführen, eine Arbeitsvermittlung unmöglich zu machen und später noch die Parole auszugeben, vermittelte Arbeit abzulehnen. Den Arbeitsnachweis halten sie für den Betrieb der Arbeitslosen, von dem das revolutionäre Handeln" seinen Ausgang nehmen soll zum„ rücksichtslosen Kampf um die 3ertrümmerung der Gewerkschaften"; dann erst glaubt wohl Fichtmann an die Durchführung der aufgestellten Forderungen. Das ist ein geradezu verwerflichunsinniges Beginnen, bei dem die Unternehmer sich ins Fäustchen lachen. Jahrelang hat die Arbeiterschaft erbitterte Kämpfe um den paritätischen Arbeitsnachweis geführt, und sie bemühen sich, den Arbeitsnachweis den freien Gewerkschaften zu erhalten und ihren Einfluß zu stärken. Nun wollen diese Fichtmannjünger durch ihr Tun es möglich machen, daß durch Hinterwege willige und lohnbrüderische Leute in die Betriebe tommen. Es ist zu bedauern, daß sich noch immer Arbeitslose Finden, die solchen Schädlingen nachlaufen. " Weiter beweisen die Vorgänge erneut, wohin es führt, wenn die Bertretung der Arbeitslosen durch politische Räte er= folgt. Mit der entseglichen Not der Arbeitslojen darf kein politiher Schacher getrieben werden. Für die Parolen Attionsausschüsse" und andererseits Politische Erwerbslosenräte" ringen K. A. P. D. und K. P. D. um die Siegespalme. Das Arbeitslosenproblem ist in erster Linie ein Wirtschaftsproblem. Als solches wird es von den Gewerkschaften angepact, deren vornehmste und zwingendste Aufgabe es sein wird, die Arbeitslofen in den Produktionsprozeß einzugliedern. Dessen sollen sich auch die kommunistischen Gewerkschaftler bewußt sein. Sie müßten den Mut aufbringen, auch einmal Parteiparolen zu miß= achten, wenn es im Interesse der Gewerkschaftsbewegung liegt. Es ist ein unehrliches Treiben, sich mit gegenseitigen revolutionären" Forderungen zu überbieten, von deren Unrealijierbarkeit man von vornherein überzeugt ist. Sagte doch selbst ber Kommunist Christ, daß die Forderungen des Reichsausschusses unerfüllbar find. Sind die Gewerkschaften unermüdlich für Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten tätig, so vergessen sie auch nicht, die Nöte der Arbeitslosen gemeinsam mit den sozialistiichen Parteien zu lindern. Für die so aufgestellten Forderungen werden die Verbände fich dann aber auch mit ihrer ganzen wirtschaftlichen Macht einsetzen. Der A. D. G. B. hat am 13. Oftober Schritte zu einer Erhöhung der Unterstützungssäge eingeleitet. Die Berliner Gewerkschaftstommission wird auch bei den Behörden mit allem Nachdruck daran arbeiten, daß die Unterstützungsjäße der gegenwärtigen Teuerung Rechnung iragen. In der Verurteilung unrealisierbarer Forderungen waren sich auch diejenigen freigewerkschaftlichen Arbeitslojenvertreter, die politisch zur K. P. D. gehören, einig. Es tam zum Ausdruck, daß es richtiger ist, die ganze Macht der wirtschaftlichen Organisationen hinter realisierbaren Forderungen zu stellen, als burch unverantwortliche Forderungen die Arbeitslosen aufzupeitschen, denn hier wird das Problem ein psychologisches. Das Nichterfüllen unmöglicher Forderungen schafft Verbitterung, die dann legten Endes zum Kampf von Proletariern gegen Proletarier führt, wie die Vorgänge jetzt und im Sommer vor dem Gewerkschaftshaus beweisen. Die freigewerkschaftlichen Arbeitslosenvertreter empfangen von teiner politischen Partei Parolen und wirken im Interesse aller Arbeitslosen, auch der unorganisierten. In steigendem Maße erwerben sie sich täglich Vertrauen. Go ist im Monat Oktober in 1387 Fällen Auskunft erteilt worden, 443 Schriftsäße sind angefertigt, 508 Beschwerden und Recherchen sind erledigt worden und in 394 Verhandlungen sind die Interessen der Arbeitslojen meiter vertreten worden, alles Beweise, daß die Interessen aller Arbeitslosen nach Lage der Dinge und Möglichkeiten nach jeder Richtung hin wahrgenommen werden, so daß die Arbeitslosen es nicht nötig haben, sich von politischen Freibeutern in die Jrre führen zu lassen. Reaktionäre Unternehmer Wir brachten legthin erst eine Notiz über das reaktionäre Berhalten der Unternehmer anläßlich des 9. Novembers. Biele Firmen ließen es sich nicht nehmen, das Verlangen ihrer Angetellten nach Freigabe ab 2 Uhr, um sich an den Demonstrationen u beteiligen, mit der Drohung zu beantworten, daß dies gegen has Arbeitsverhältnis verstoße und die Angestelltenschaft alle casequenzen, d. h. den Hinauswurf, zu tragen haben. Rauchtabak Pfund 18 Mark Holländer 20 M. Schwarz. Krausen 22 M. 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Darauf wurde mit folgendem Wisch reagiert: An unsere Angestellten! Den von unserm Betriebsrat gestellten Antrag, unsere Bureaus um 2 Uhr zu schließen, haben wir ablehnen müssen; diejenigen Angestellten, die den Betrieb vorzeitig verlassen sollten, verstoßen gegen die ihnen vertraglich obliegenden Pflichten und haben entsprechende Kürzung des Gehaltes zu erwarten. Es wird zunächst an den Angestellten liegen, mit Nachdrud für ihre Forderungen einzutreten und zu gleicher Zeit Erziehungsarbeit denjenigen Unternehmern angedeihen zu lassen, die an den Erlasse verschwinden. Rottoller leiden. Dann werden solch provozierende hochlöbliche USP- Eisenbahner Heute abend 7 Uhr findet in der„ Neuen Philharmonie", Köpe nider Straße 97, eine Konferenz aller im D. E. V. organisierten U. S. P.- Eisenbahner statt. Delegierte sind hierzu besonders eingeladen. Parteis und Gewerkschaftsbuch legitimieren. Werbeausschuß der U. S. P.- Eisenbahner. Zum Streit der Blinden Die Blindenvertretung der Berliner Blindenwerkstätte ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Wir sind nicht gezwungen worden, in den Streit zu treten, sondern die Einstellung der Arbeit geschah, weil wir mit den Bestimmungen und Ausführungen des Schwerbeschädigtengesetzes nicht genügend vertraut waren. Nach Aufklärung dieses Umstandes ist der Streit durch die Vermittlung des Vereins blinder Industriearbeiter" in fürzester Zeit zur Zufriedenheit der Blinden beigelegt worden. Die Bezahlung in der Berliner Blindenwerkstätte findet nach dem Tarif des Holz= arbeiterverbandes und freier Vereinbarung der Blinden statt, und es sei noch bemerkt, daß hier ein einheitlicher Tarif herrscht, d. h. die Frauen erhalten Männerföhne bezahlt. Hierzu tommt nach eine größere Umsagprämie der Verkaufsleitung Potsdamer Straße 99 als weiterer Lohn zur Auszahlung. Durch die„ Berliner Blindenwerkstätte" ist das Problem der freien Blindenarbeit gelöst, und die Blinden empfinden es als ihre größte Errungenschaft, daß sie von den Blinden= anstalten und Blinden- Wohlfahrtseinrichtungen erlöst sind. Wir Blinden legen großen Wert darauf, daß die Deffentlichkeit durch Kauf der in dieser Werkstatt verfertigten Fabrifate unsere Existenz unterstützt und uns die Möglichkeit erhalten bleibt, im freien Arbeitsverhältnis auf gewerblicher Basis unser Brot auch fernerhin verdienen zu können. Rußland und Georgienhilfe Bei der Gewerkschaftskommission Berlin und Umgegend gingen ferner folgende Beiträge ein: Deutscher Holzarbeiter- Verband a Ronto 17 000 m. Unterfommission Ertner auf Liften 1068. Verband der Tabalarbeiter a Konto 1500. Verband der Fabritarbeiter a Ronto 15 000 M. Deutscher Eisenbahner- Verband auf Listen 477,50 M. Tischlerei A. Bünger 35 M. Kegelflub Lustige Brüder" 275 M. Berein der Berliner Buchdruder a Konto 10 000 m. Verband der Fleischer a Konto 2000 M. Bezirksverband der U. S. P. D. auf Listen 5455 M. Unbe fannt 5 M. Ortsgruppe Driesen 26. Frl. Degelow 50 M. Genosse Jaser ( Eisenbahner- Verband) 152 M. Genosse Werner 50 M. Genosse Ingber 130 M. Genosse Köhler 16 M. Genosse Wilhelm Spaet 10 M. Verband der Friseure 136 M. Kollegen der Firma Bischofswerder 30 m. Berband der graphischen Hilfsarbeiter auf Listen 898,45 M. Berband der Glasarbeiter 2 auf Listen 529 M. Verband der Schuhmacher a Ronto 8000 M. Pächter- Verein Wilhelmshöhe 2" 375 M. Volfsbildungsamt- Reinidendorf 104 02. 6. Müller, Lindenstraße 2957,20 Mart. Freie Schwimmer" burch E. Schuch 100 M. Verband der Tabatarbeiter 1500 0. Berband der Zimmerer 900 902. Woche. Unselbständige Arbeiter erhalten 10 Mart Stundenlohn. Ueberstunden usw. sind besonders geregelt. Die Lohnfestsetzungen gelten bis zum 31. Dezember 1921. Ueber die Aenderung des Rahmenvertrages sollen die Parteien zunächst selbst verhandeln. Mit diesem Schiedsspruch beschäftigte sich eine am 6 November cr. stattgefundene, start besuchte Bersammlung der Arbeitneh mer, in welcher John über die Verhandlungen berichtete und die Annahme des Schiedsspruches empfahl. In der sehr leb haften Diskussion tam zum Ausdruck daß die im Schiedsspruch gewährten Lohnerhöhungen teinen Ausgleich für die eingetretene Teuerung bieten, daher auch nicht befriedigen. Mit schwacher Majorität jedoch gelangte derfelbe zur Annahme, und da auch die Arbeitgeber dem Schiedsspruch zugestimmt haben, hat dieser Geltung erlangt. Diejenigen Betriebe, wo die Unters nehmer sich weigern, die erhöhten Löhne zu zahlen, sind der Branchenleitung sofort mitzuteilen, damit die nötigen Schritte unternommen werden können. Die Verhandlungen über den Rahmenvertrag finden in den nächsten Tagen statt. An die Funktionäre des Zentralverbandes der Angestellten in den Betrieben und Verwaltungen der Stadtgemeinde Berlin. Die vorgestern tagende Vollversammlung der Betriebsräte hat den Beschluß gefaßt, vom Magistrat bis zum 10. d. Mts. 12 Uhr mita tags eine Erklärung zu verlangen, ob er bereit ist die geforderte Wirtschaftsbeihilfe in Höhe von 1000 M. zu zahlen oder nicht. Lehnt der Magistrat die Zahlung ab, so soll in den Streif getreten werden. Der Zentralverband der Angestellten hat bei dem Zustandekommen dieser Beschlüsse nicht mitgewirkt und fordert seine Funktionäre auf, nur den Weisungen der Organisation Folge zu leisten. Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin. Siemens Konzern. Freitag nachmittag 4% Uhr im Restaurent ,, Stadtpark", Jungfernherde. Versammlung aller freigewerkschaftlichen Funktionäre des Siemens- Konzerns. Parteiveranstaltungen Berwaltungsbezirt Wedding, 8. Tistritt. Die Parteigenossen werden erneut auf das Bestehen der Sozialistischen Preletorterjugend hingewiesen. Pflicht aller Parteigenossen ist es, die Jugend in ihrem schweren Kampfe ausreichend zu unters ftügen. Schift eure schulentlassenen Kinder zu den Veranstaltungen der E. P. 3.! Zusammenkunft Dienstags und Freitags, von 7-10 Uhr, im Kinderhort, 3immer Nr. 7., part., Echule Müller, Ede Triftstraße. Brig. Eintrittskarten zu den Proletarischen Feierstunden sind in der Spedition von Mittag, Chauffeestr. 82, erhältlich. Freitag, 11. November 15. Berwaltungsbezirt. 7 Uhr, Niederschöneweide, Berliner Str. 26, Sigung sämtlicher Funktionäre, insbesondere Kommunale Kommission, Bezirksverordnete und Stadträte. 15. Berwaltungsbezirt, Abteilung Baumschulenweg. Die Genossen und Ges noffinnen werden gebeten, abends 6 Uhr im Lokal Aug. Krause, Kiefholz, Ede Marienthaler Straße, zu erscheinen zweds einer Arbeit im Interesse der welt lichen Schule. 12. Diftritt. Abends 7 Uhr Frauenabend, Aula Senefelber Str. 6. Steglig. Abends 8 Uhr Sigung der Agitationstommission bei Rangt. Tages ordnung: Landagitation. Lichtenberg Stadt und Land. Abends 7 Uhr Sigung der Bildungskommission bei Seidle, Kronprinzenstr. 47. Spandan. Abends 8 Uhr beginnt in der Knaben- Mittelschule, Joachimsplak, bie Vortragsreihe des Gencsen Dr. Herg über Verfassungs- und Verwaltungs organisation des Reiches, Preußens und der Gemeinden. Die neue Städteordnung findet entsprechende Würdigung. Reinidendorf- West. Abends 7% Uhr Generalversammlung im Volkshaus. Sonnabend, 12. November 8. Diftrift. Sämtliche Elternbeiräte. Abends 6 Uhr Vollfizung bei Stein, Banfftr. 80. Daselbst Ausgabe der Handzettel. Die Obleute werden ersucht, ein Adressenverzeichnis der zu ihrem Elternbeirat gehörigen Mitglieder mitzubringen. 12. Diftrift. Abends 8% Uhr Leseübungsstunde bei Kimpel, Junkerstr. 83. Brig. Abends 7 Uhr bei Meier, Chauffeeftr. 69-70, Jubiläumsfeier für unsere Parteiveteranen. Konzert, Rezitationen und Tanz. Eintritt frei. Alpenberge. Abends 8 Uhr Zahlabend beim Genossen Jorisch, Alpenschlößchen. Sonntag, 13. November. 19. Verwaltungsbezirt. Nachm. 4% Uhr Frauenleseabend, Heinersdorf. Reft. Stud, Rothenbachstr. 54. Referent: Genosse Bensch. Zum Schluß Familienzusam mensein. Kinderspiele vorgesehen. Jugendliche S. P. 3. find eingeladen. Die Genossen aus Pantow, Niederschönhausen, Buchholz, Buch, Karow, werden be stimmt erwartet. Deutscher Metallarbeiter- Berband Kartell a Konto 150 000 0 Stüppers& Greppoch durch W. Richter 2009. Bernau i. M. auf Listen 475 M. Deutscher Bauarbeiter Verband a Konto 5850 W. Verband der Tertilarbeiter auf Listen 3167,10 M. Verband der Dachbeder 473,50 Mart. Sammlung Pfarrer Bleier in der Vereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden 1920 M. Berband der Maler auf Listen 1787,50 20. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter auf Listen 7. Rate 16 691,35. Verband der Asphalteure auf Liften 515,10 M. Berband der Sattler und Tapezierer auf Listen 7780,50 M. Deutscher Transportarbeiter- Verband a Konto 32 900 m. Jn Summa 290 540,20 M. Bereits quittiert 1 504 722,25 M. Gesamtsumme 1 795 262,45 M. Die Sammellisten 63, 140, 469, 530, 1560, 2666, 3722, 4207, 4212, 4610, 4802, 4904, 5209, 5219, 5674, 5829, 8009, 8542 bis 8547, 9493, 9499, 9505, 9918, 9994, 14 093, 14 264 und 14 500 sind verloren gegangen; wir bitten diese anzuhalten und im Bureau der Gewerkschaftskommission, Engelufer 24/25, 3immer 12/13, abzu geben. Gelder durch die Post sind an die Adresse Hans Vieweger, Berlin GO 16, Engelufer 24-25, zu richten. Neuregelung der Löhne im Fuhrgewerbe. Nachdem der zwis schen dem Arbeitgeberverband für das Transportgewerbe und der Fuhrherren- Innung zu Berlin sowie dem Deutschen Transportarbeiter Verband bestehende Tarifver trag vom Verband zum 31. Oftober gefündigt worden war, fand über die gestellten Forderungen vor dem Schlichtungsausschuß am 1. November cr. eine Verhandlung statt, die mit einem Schiedsspruch endete. Danach erhalten ab 1. November Arbeiterinnen 290 Mart, minder leistungsfähige und kriegsbeschädigte im Leichtfuhrwert Beschäftigte 355 Mart, jugendliche Kutscher 270 Mart, Leichtfuhrwertstutscher 400 Mart und Schwerfuhrwertstutscher, Stalleute, Arbeiter und Wächter 425 Mark die Annahme in allen Spebitionen des Berlages- Geschäftsstelle Berlin C2 Breite Straße 8-9 Verkäufe Bereinsfalender Donnerstag, 10. November Bortefeuiller, Täschner und Koffermacher. Abends 7 Uhr Branchenversammlung bei Boeker, Weberstr. 17. Bortrag und Stellung zu den Verhandlungen am 12. November in Berlin. Freitag, 11. November Zentralverband der Angestellten. Damenwäsche. Abends 5½ Uhr Mitgliedet. Gemeindes versammlung in der Neuen Philharmonie, Cöpenider Str. 96-97. behörden. Abends 7 Uhr Funktionärversammlung im Rosenthaler Hof Rosen thaler Str. 11-12. Textil, Baumwoll, Leinen-, Kleiderstoff- Großhandel, Samt und Seide. Abends 7 Uhr Funktionärversammlung in den Sophiensälen, Sophienftr. 17-18. Zeitungsgewerbe. Abends 72 Uhr Mitgliederversammlung in Haverlands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35. Sonnabend, 12. November. Möbeltransport und Klavierträgerbrandje. Abends 7 Uhr Funktionärversamms lung im Lotal von Fenfara, Melchiorstr. 15. Sonntag, 13. November. Reichsburb ber Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen, Bezirk 4( Süden). Nachm. 6% Uhr Heiterer Vortragsabend im Festsaal des Friedrich- Realgymnafiums. Mittenwalder Str. 37( Nähe Marheineteplag). stimmt erwartet. Männerchor Olympia. 6 Uhr abends in der Brauerei Königstadt großes Konzert. Steiner- Rotstein- Quartett sowie Chöre von Echubert, Marschner, Mendelsohns Bartholdy, Schumann und Weber. Eintritt 4 M. Saalöffnung Uhr. Berantwortlich für Bolitif und Feuilleton: Leo Liebsch i Berlin- Frie benau; für Kommunalpolitit, Lofales und Gewerkschaftliches: B Rudner, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Witteilungen: Ludwig Romeriner. Charlottenburg. Verlagsgenoffenschaft Freiheit", e. 6. m. b. S., Berlin.- Drud der Berliner Druderei 6 m b. 5. Berlin C 2, Breite Straße 8-9 Kleine Anzeigen Kreuzfüchfe, Alaskas Herrenhüte 68.50. fichfe, Skunkskragen, Mufs Troß Preissteigerung ver fen. Sämtliche Belzarten, kauft neueste Formen, befte Hälfte herabgefette, spotts Qualitäten für obigenSports fpilligeSommerpreise.Reine preis Hutformenvertrieb A. Lombardware. Leihhaus Bernstein, Cöpenickerftr. 76, Arenzflichfe! 100. Rofenthaler Tor, Linien- Eingang Brückenftr. 1. Zobelfüchse! Blaufichfe! ftraße 2034, Ecke Rosens Silberfüchfe! Seltene Gethaler Straße. legenheiten! Sensationss Anzüge! Sommerpreise! Anzüge, Gummimäntel, Hofen! Uhren! Goldwaren! Hofen, Cutaways, Gehrock Spottpreise!( Keine Bersag- anzüge, Ulfter, Baletots, ware.) Fahrtvergütung! Raglans ftaunend billig, Pfandleibhaus Schönhauser Friedensstoffe. Reine Loms Allee 115( Ringbahnhof- bardware. Leibhaus Rofen thaler Tor, Linienftr.203-204 Hochbahnhof). Ecke Rosenthaler Straße. Sthunenerregend! 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