• Einzelpreis 40 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint täglich morgens und nachmittags, Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zuftellung ins Haus und durch die Boft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Poftbezug nehmen fämtliche Poftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen file Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Geblete Bolens und Luxemburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 89 Dienstag, 15. November 1921 Nummer 534 Morgen- Ausgabe Die neungefpaltene Nonpareillezetle oder deren Raum koftet 6,- M. einschließlich Suferatenfteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jedes weitere Wort 1,50 m. einschließlich Inferatensteuer. Laufende Anzeigen lant Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort Anzeigen: bas ettgedruckte Wort 1,50.. jebes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Der Kampf um die Deutschen Werfe Die Arbeiter bei Nollet Berlin, 14. Rovember. Die Bertreter des Gesamtbetriebsrates des Wertes Spandau ber Deutschen Werke A.-G. unter Führung des Vorsitzenden Lück haben heute im Auftrage der deutschen Arbeiterschaft mit General Nollet verhandelt. Bei der Besprechung war auch General Bingham zugegen. In der mehrstündigen Besprechung begründete der Borsigende des Gesamtbetriebsrats die Forderungen der Arbeitnehmer, die auf Zurüdziehung der seit September 1921 gegen die Deutsche Werke A.-G. erlassenen Noten abzielten. Die Vertreter der Arbeitnehmerschaft ließen feinen Zweifel darüber, daß fie auf Erfüllung ihrer Forderungen bestehen würden. General Rollet versprach, die von den Arbeitnehmervertretern gegen die Ententemaßnahmen vorgebrachten Gründe der Botschafterkonferenz zu übermitteln, da er diese Gründe für Aufhebung der Noten durchaus würdige. Die Arbeitnehmer haben ihre weitere Haltung davon abhängig gemacht, ob die alsbaldige Rüdnahme der Noten durch die Botschafterkonferenz erfolgt. Die Note der deutschen Regierung in der Angelegenheit Der Deutschen Werke ist gestern dem General Nollet überreicht worden. Beratungen des Reichskabinetts Berlin, 14. November. Das Reichstabinett, das heute nachmittag zu einer Sigung zusammentrat, behandelte die schwebenden Fragen der Reparationsverhandlungen und der Kreditaktion der Industrie; an den Beratungen nahmen außer den Ministern die Staatssekretäre der verhandelnden Ressorts teil. Die Beratungen des Kabinetts werden morgen nachmittag fortgesetzt. Ueber die Besprechung mit der Reparationsfommission gehen in der Bresse die ver. fchiedensten Gerüchte um. Hierzu wird festgestellt, daß alle Mits teilungen über die Verhandlungen auf Kombinationen beruhen, die geeignet sind, die öffentliche Meinung zu verwirren. Solange bie Verhandlungen dauern, tönnen amtliche Erklärungen barüber aus Gründen des Staatsinteresses nicht erfolgen. Alsbald nach Mbschluß der Beratungen wird ihr Ergebnis bekanntgegeben werden. Gegebenenfalls wird die Regierung im Reichstag Mitteilung machen. Gegen die Finanzmißwirtschaft Am zweiten Tage der Konferenz der Ortsaus schüsse des Allgemeinen Deutschen Gewerk Ichaftsbundes und des Allgemeinen freien Angestelltenbundes der Provinz Branden burg, am Sonntag, den 13. November 1921, wurde nach einem Referat des Genossen Dr. Breitscheid und eingehender Diskussion folgende Resolution angenommen: Eine neue Teuerungswelle, an Höhe und Wucht alle früheren übertreffend, ist über die deutsche Wirtschaft herein gebrochen. Gleichzeitig sieht sich die deutsche Regierung einem Defizit gegenüber, das mit den Mittein der bisherigen Steuerpolitit nicht gebedt werden kann. Die Teuerung trifft mit voller Schärfe die Arbeitnehmerschaft, während die Broduzenten und Händler die Preise der Geldentwertung anpassen fönnen. Die gemeinsame Ursache der Teuerung und des Finanzelends ist die bisherige Finanzwirtschaft. Lohn- und Gehaltssteuern und die Steuern des Massentonjums find fast die einzigen Einnahme quellen des Reiches, während der Besiz, insbesondere an gewerblichen und landwirtschaftlichen Sachgütern unangetastet geblieben ist. Was dem Reiche an Steuern fehlt, muß die Notenpresse decken. Die Folgen sind Vermehrung der Geldzeichen, Sinten des Geldwertes, Zerstörung der deutschen Valuta mit allen ihren spekulativen Begleiterscheinungen. wendungen für ausländische Rohstoffe und Lebensmittel und zur So steigen die AufBeschaffung der Devisen zur Erfüllung des Friedensvertrages ins Unermeßliche. Selfen kann nur die Herstellung des Gleichgewichts im deutschen Staatshaushalt. Dies ist mit den Mitteln der bisherigen Steuerpolitit nicht möglich. Nur ein Rüdgriff auf die teuerlich bisher verschont gebliebenen Sach werte in Handel, Industrie und Landwirtschaft fichert das Gleichgewicht zwischen Staatsausgaben und einnahmen und die Möglichkeit, ohne Benugung der Notenpresse die nächsten Reparationszahlungen zu leiften, Daneben bleibt die selbstverständliche Pflicht bestehen, durch eine Reihe von Rotmaßnahmen, wie beschleunigte Einhebung des Reichsnotopfers, unverzügliche Einziehung der bereits ausgeschriebenen Steuern, Erfassung der Auslandsdevisen und Erhöhung der Ausfuhrabgaben alle erreichbaren Mittel flüssig zu machen. Dieser Notwendigkeit einer großzügigen steuerlichen Erfassung der Sachwerte gegenüber stellt sich das Kreditangebot der deutschen Industrie als ein schamloser Versuch dar, nicht dem Reiche die Sachwerte bes Privatbapitals, sondern bem Brivattapital die Sachwerte bes Reiches auszuliefern. Zugleich harakterisiert sich dieses Kreditangebot als ein Versuch, die abfolute Herrschgewalt des Großfapitals über den Staat auf: zurichten. Die am 12. unb 13. November 1921 im Gemerschaftshaus zu Berlin versammelten Vertreter der Ortsausschüsse des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen freien Angestelltenbundes der Provinz Brandenburg erbliden in der Zumutung des Reichsverbandes der deutschen Industrie an die Gewerkschaften, ihnen bei diesem wirtschaftlichen und politischen Raubzug behilflich zu sein, eine freche Verhöhnung der frei gewerkschaftlichen Arbeitnehmerschaft. Entschlüsse tun not! Man Warum die Reparationstommission eigentlich nach Berlin gekommen ist, läßt sich schwer verstehen. hat den Eindruck, daß die Erhebungen, die sie hier veranstal tete, sich ebensogut in Paris hätten machen lassen. Ihre Reise ermedte nur allerhand Illusionen, denen jetzt wieder eine um so tiefere Enttäuschung folgen wird. Wer die jüngsten Finanzdebatten in der französischen Kammer verfolgte und insbesondere die Rede des Berichterstatters der Budgetfommission, des Herrn de Lastentie, las, mußte freilich erkennen, daß es unsinnig sei, irgendwelche Soffnungen auf die Kommission zu setzen, aber da man so gern glaubt was man wünscht, wurde doch von einer zu er= wartenden Revision des Ultimatums gefabelt, und die BeSie richten an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und den Allgemeinen freien Angestelltenbund die Aufforderung, bei der Regierung den Versuchen der Schwerindustrie mit allen thnen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten. Sie müssen die Deffentlichteit und insbesondere die gesamte Arbeitnehmerschaft aufrufen, den Verderb der deutschen Wirtschaft und der deutschen Arbeitnehmerschaft aufzuhalten und dafür zu sorgen, daß das Kapital als der Rugnießer des Krieges wie des Nachscheideneren träumten wenigstens von einer Art Moratofriegselends endlich in solchem Ausmaße durch die Erfassung der Sachwerte herangezogen wird, wie es zur Herstellung unferer finanziellen Gesundung not wendig ist. Die Beamten gegen das Großfapital Berlin, 14. November. Der Deutsche Beamtenbund teilt mit: Der Deutsche Beamtenbund hat sich mit den Forderungen des Reichsverbandes der deutschen Industrie beschäftigt und wehrt sich mit aller Entschiedenheit gegen den Versuch, die Not des Reiches auszunußen, um die Reichseisenbahnen und die übrigen Reichsbetriebe, den wertvollsten Besitz des deutschen Volkes, in die Privathand zu bringen. Die Kreditaktion, die ursprünglich als eine patriotische Großtat ausgegeben wurde, soll nunmehr zur Stärkung einseitiger politischer Macht benutzt werden. Die Sanierung der Eisenbahnen, die nötig ist, tann ohne Auslieferung der Reichseisenbahnen in die Hand des privaten Großfapitals bei Durchführung gesunder wirtschaftlicher Grundsätze erreicht werden. Mit der Eisenbahnbeamtenschaft sind auch alle anderen im Deutschen Beamtenbund organisierten Beamten darüber einig, daß dieser Selbstsüchtige, mit dem Allgemeinwohl unvereinbare Versuch der Industrie mit allen Mitteln abgewehrt werden muß. Die Reife Lerchenfelds Drahtmeldung unseres Korrespondenten München, 14. November. Nach der Rückkehr des bayerischen Ministerpräsidenten Lerchenfeld von Berlin bringen bie Münchener Blätter nichtssagende Berichte über den 3wed der Reise. Es seien hauptsächlich nur Ernährungsfragen besprochen worden. Mit dem Reichsjustizminister habe Lerchenfeld über die Aufhebung der baye rischen Sondergerichte gesprochen, die Frage sei aber Gerichtsverfassungsgesetz, die in furzer Zeit zu erwarten fei. zurüdgestellt worden bis zur Entscheidung über die Novelle zum Bon amtlicher Seite wird mit aller Entschiedenheit bestritten, daß Fragen, die die bayerische Reichswehr und die Kundgebung des Extronprinzen Rupprecht anläßlich der Beisetzung des ehemaligen bayerischen Königs oder die Haltung der bayerischen Regierung zu dieser Kundgebung betreffen, erörtert worden sei. Alle dahingehenden Nachrichten wären Erfindung. Wir wollen uns an dem großen Rätselraten über den 3wed ber Berliner Reise nicht beteiligen. Daß es sich aber nicht nur um Ernährungsfragen, sondern auch um wichtige politische Fragen bei den Berliner Besprechungen gehandelt hat, geht schon daraus hervor, daß der Ministerpräsident, nachdem er heute hat, morgen den Koalitionsparteien Bericht geben wird, und daß im Ministerrat Bericht über die Berliner Besprechung erstattet am Mittwoch anstelle der vorgesehenen Finanzdebatte eine große politische Aussprache im bayerischen Landtag stattfinden wird. Wir haben begründete Ursache anzunehmen, daß die Berliner Besprechungen nicht ganz so harmlos waren, wie sie von der Presse und von bayerischen amtlichen Stellen dargestellt werden. Die Mörder von Gareis festgestellt Aus Wien tam nor futzem bie aufsehenerregende Melbung, daß der Mörder Erzbergers, Tillessen, von einem anderen Reichsbeutschen ermordet und in der Nähe von Granz aufgefunden worden sei. Jest ist festgestellt, daß der Ermordete nicht Tillessen ist, sondern Hans Schweighardt aus Alt- Dachau ( Bayern) und der Täter Hermann Berchthold, Gohn eines Münchener Rechtsanwalts. Aus Wien wird nun weiter gemeldet, daß Berchthold von der Staatsanwaltschaft München wegen Morbes, Schweighardt wegen Mitt äterschaft verfolgt wurde. Sandelt es sich hier um ben Schweighardt, ber im Herbst vorigen Jahres an der Ermordung des Dienstmädchens Sandmaier im Forstenvieber Part bei München beteiligt war und das man burch die Feme" ber Münchener Putschisten zum Tobe verurteilt hatte, weil es Waffenlager der Einwohnerwehr verraten haben soll? Oder ist es sein Bruder, der im Verdacht steht, an der Ermordung des U.S. P.- Abgeordneten Gareis beteiligt gewesen zu fein? Warum schweigt die Münchener Polizei? In Wien weiß man, warum Schweighardt und Berchthold, die beibe bem Freikorps Oberland angehören, von der Polizei gesucht wurden. In München darf man es nicht wissen. rium, einer Hinausschiebung der nächsten Zahlungstermine. Das alles ist nun zu Wasser geworden. Die Ver treter der Entente bestehen unerbittlich auf ihrem Schein: Deutschland muß zahlen, und zwar in den vorgeschriebenen Fristen. Das sollte, wie es heißt, der Regierung zuerst in feierlicher Form durch eine Note fundgetan werden, später beschloß die Kommission, dem Reichskanzler diese Ers öfnung mündlich zu machen. Auch die Vermutungen über eine Meinungsverschiedenheit zwischen den englischen und französischen Mitgliedern sind falsch. Die Gläubiger sind einig, und so kommt Deutschland nicht um die Notwendigkeit herum, zunächst am 15. Januar 1922 fünfhundert Millionen Goldmart an die Alliierten abzuführen. In der Pariser Presse wird behaup tet, der schamlose Erpressungsversuch der Industrie habe die auseinanderstrebenden Teile der Kommission wieder zu einer festen Front zusammengefügt. Ob das zutrifft, läßt fich nicht nachprüfen. Soviel aber steht fest, daß das Kreditangebot mit seinen Bedingungen, die die amtliche französische Depeschenagentur skandalös" nennt, die Stellungs nahme der Reparationsfommission nicht in günstigem Sinne beeinflußt hat. Bon seiten der Entente ist also nichts zu erwarten, und bie Regierung befindet sich in einer Situation, in der schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Bis zur Stunde hat fie den großkapitalistischen Kreditbietern noch feine Antwort erteilt, aber es darf wohl als sicher gelten, daß sie die freundliche Offerte dieser politischen Wegelagerer ablehnen wird. Selbst wenn sie sich nicht von Anfang an über diese Selbstverständlichkeit im flaren gewesen wäre, müßte sie der Widerhall, den die Forderungen des Reichsver bands der Industrie in der Deffentlichkeit erwedt haben, zu einem entschlossenen Nein bestimmen. Nicht nur die sozialistischen Parteien und die freien Ges wertschaften protestieren, die Beamten schließen sich an, und bis weit in die Reihen des Bürgertums hat die Aktion der Stinnes und Genossen Widerspruch hervorgerufen. Auf dem demokratischen Parteitag zu Bremen schlugen mehrere Redner recht scharfe Töne über die Ausbeutung der Notlage der deutschen Republik an, und nicht einmal Herr Strese mann hat es in seinen legten Versammlungen gewagt, dem Vorgehen der Leute, die ihm doch sonst so nahe stehen, zuzuStimmen. Er ist flug genug, zu erkennen, daß sie ihre Ab fichten gar zu offen enthüllt haben. Die Brutalität des Auftretens der Industriellen verbietet es der Deutschen Volks partei, die doch auch der Wählerstimmen nicht entraten fann, vor aller Welt den Standpunkt ihrer Geldgeber zu ver treten. die Regierung bereit wäre, neue Verhandlungen Run besteht aber noch eine Gefahr und das ist die, daß mit den Eigentümern des großen Geldsads anzufnüpfen. vielleicht begnügen sie sich mit irgend einem anderen GegenDie Eisenbahnen sollen ihnen nicht ausgeliefert werden, wert oder einem anderen Zugeständnis. Darüber müßte geredet werden. Wir warnen aufs dringendste vor der Betretung dieses Weges. Es würde unnüze Zeit vertan, und die Regies rung würde bei den fapitalistischen Herrenmenschen nur den Eindruck der Schwäche erweden. Deren ganze Rechnung gründet sich auf die Ueberzeugung, daß das Kabinett nicht bie Kraft und den Mut besige, ihnen zu trogen, und jedes Zeichen von Nachgiebigkeit wird ihnen den Rücken steifen. Die Regierung muß endlich zu erkennen geben, daß sie die ,, Opferwilligkeit" des Stinnestonzerns durchschaut hat, daß sie weiß, wie es ihm nicht um die Rettung des Staates, sondern um seine Beherrschung zu tun ist. Der Reichsver band fucht nur nach Vorwänden, um sich jeder Leistung zu entziehen. Das begann schon bei der Eröffnung seiner Münchener Tagung, als sein Vorsitzender Dr. Gorge stolz verkündete, er habe dem amerikanischen Finanzmann Banderlip erklärt, daß man auf amerikanische Kredite verzichte, wenn die Intelligenz der Ver einigten Staaten nicht aufhöre, an das„ Märchen" von ist mit allerlei taktischen Wendungen die ganzen Monate der deutschen Kriegsschuld zu glauben, und dieses Manöver hindurch fortgeführt worden. Es ist hohe Zeit, dem Treiben ein Ende zu machen, und bas fann nur geschehen, wenn das Stabinett die Ber handlungen abbricht und mit selbständigen Vorschlägen zur Sebung der Finanznot hervortritt. Die nächste Sihung des Reichstags findet am Donnerstag| statt, und der Reichskanzler müßte die Gelegenheit benutzen, um vor dem Plenum oder zum mindesten vor dem Steuers ausschuß nicht nur über das Ergebnis der in den letzten Tagen gepflogenen Besprechungen zu berichten, sondern gleichzeitig auch die Maßregeln anzukündigen, die er nach dem Scheitern der Kreditaktion zu ergreifen gedenkt. Daß diese nur in der Erfassung der Goldwerte bestehen fönnen, sollte weder Herrn Wirth noch sonst jemandem zweifelhaft sein. Der Anschlag des Privatkapitals auf die Sachwerte des Reichs ist nur mit dem Vorstoß des Reichs gegen die Sachwerte des Privatkapitals zu beantworten. Etwas anderes gibt es nicht. Hat die Regierung noch Bedenken wegen der politischen Konstellation und der Haltung der Parteien? Wir halten fie für unangebracht. Heute, nachdem sich das wahre Gesicht der Industrie so deutlich enthüllt hat, ist der Widerstand gegen rüdsichtsloses Zugreifen leichter zu brechen als vordem, und frisches Wagen bedeutet schon den halben Erfolg. Sollte sich aber wirklich in diesem Reichstag Stinnes als der stärkere erweisen, sollte er gar Verbündete an den aufs neue mit Stegerwalds Führung beglückten christlichen Ge= wertschaftern finden, dann muß der Kampf auf ein anderes Gebiet getragen werden. Dann soll die Regierung das Volk befragen. Unter allen Umständen darf sie darüber nicht im Zweifel sein, daß das sozialistische Proletariat nicht nur die Weberantwortung der Eisenbahnen an das Privatkapital mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern, sondern auch alles tun wird, um die Leistungsfähigen zur Uebernahme der Lasten zu zwingen, die durch ihre Schuld der deutschen Republik auferlegt sind. Deutsche Milliardenguthaben im Ausland Die„ Chicago Tribune" vom 6. November veröffentlicht folgendes beachtenswerte Telegramm aus dem Haag vom 5. November: ,, Die Berichte über die angeblichen finanziellen Schwierigkeiten Deutschlands nimmt man hier steptisch auf. Man weist darauf hin, daß Deutschland von dem in Holland eröffneten Exporttredit von 200 Millionen Gulden bisher nur 40 Millionen in Anspruch genommen habe, wogegen ein holländischer Konzern fürzlich von dem Berliner Banthans Mendelssohn einen Kre dit von einer Million Gulden erhielt. Die geringe Inanspruchnahme des holländischen 200- Millionen- Krebits wird darauf zurückgeführt, daß die deutschen Bantiers sich in einer ftarten finanziellen Position befinden und bei der Finanzierung von Exporten den Vorrang haben. Sie ver meiden dadurch auch die Regierungstontrolle über ihre Transaktionen. Aus Exportab schlüssen wurden enorme Beträge in holländi scher Währung auf deutsche Guthaben bei holländischen Banten eingezahlt, ohne daß ste abgehoben werden." Diese Mitteilungen erscheinen durchaus zutreffend. Sie be tätigen die von uns wiederholt aufgestellte Behauptung, daß der Export für die deutschen Kapitalisten ein beliebtes Mittel der Kapitalflucht ist. Bedenkt man, daß es einer einzigen deutschen Bank eine Leichtigkeit war, einem ausländischen Unternehmen einen Kredit von einer Million Gulden, das sind hundert Millionen Mart, in Holland zu eröffnen, so fann man sich einen *** Begriff von den allein nach Holland verbrachten deutschen Werten machen. Eine Regierung gegen die Arbeiter Eine festgeschlossene Abwehrfront" in Preußen Die Deutschnationalen haben gegen das Kabinett Braun ein Mißtrauensvotum eingebracht, das mit der Behauptung begründet wird, das Kabinett entspreche in seiner Zusammenlegung ben nationalen Interessen des Landes nicht und gefährde den staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau Preußens. Die Deutsche Volfspartei, bie es mit den Deutschnationalen nicht verderben will, ist bemüht, dieses Miß trauen zu beseitigen. In der Nationalliberalen Korrefponbenz, dem offiziösen Bressedienst der Volkspartei, wird den Deutschnationalen eindringlich ins Gewissen geredet, der neuen preußischen Regierung doch keine Schwierigkeiten zu machen. Sie entspreche durchaus ben nationalen Interessen des Landes. Dann heißt es weiter: ,, Die jetzt gebildete Koalition ist zum mindesten der Versuch, ben innerpolitischen Kampf in Preußen auszuschalten und bie Borauslegung für eine praktische und fruchtbare Regierungspolitit zu schaffen. Eben deshalb wird sie von der äußersten Lins ten angegriffen, denn sie jetzt den unterirdischen Wählereien ber Rommunisten und Unabhängigen eine fest geschlossene, von Arbei tern witgebildete Abwehrfront entgegen. Uns dünft, daß eine folche Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der inneren Ruhe und Ordnung und zur Abwehr aller Wühler und UnTubestifter einzig und allein ben nationalen Interessen bes Bandes entspricht, felbst wenn sie oom Standpuntt einer ausge prochenen Rechtspolitik aus, nicht die Erfüllung aller Wünsche bebeubet." Aus diesen Auslaffungen geht flar hervor, daß die neue preußische Regierung eine charfe Kampfstellung gegen die Arbeiter einnehmen wird. Was die unterirdischen Wühlereien" anlangt, so ist damit natürlich nichts weiter gemeint als der energische Kampf, den unsere Partei gegen die Machenschaften der Industrie und der SteuerDieser Kampf soll brüdebergerei. untere bunden werden, benn die Beutemacher um Stinnes brauchen Ruhe und Ordnung", um ungestört verdienen zu fönnen. Für die Rechtssozialisten aber ist es schimpflich, daß fie fich in eine derartige Abwehrfront" einreihen ließen. Stinnes triumphiert! In dem Augenblic, wo ber ein heitliche Kampf aller Arbeiter gegen die Front der Ausbeuter das bringendste Gebot der Stunde ist, vertieft bie rechtssozialistische Partei die Spaltung der Arbeiterbewegung und fettet einen Teil der Arbeiter an eine Regierung, deren Aufgabe es ist, die tapitalistische Ordnung" bes Herrn Stinnes zu sichern. Flachsmann hängt Kaiserbilder auf Der neue preußische Kultusminister, die Zierde bes Kabinetts ber großen Koalition, Herr Dr. Boeliz, ist nicht nur theore tisch ein Anhänger ber ,, Kaiferibee", er weiß fie auch, wenn es not wendig ist, praktisch anzuwenden. Ihm hat es, feiner Grundanschauang entsprechend, tief geschmerzt, als infolge einer Verordung Saenischs die Kaiserbilder aus ben Schulen entfernt wurden und die veralteten Lehrbücher nicht mehr verwendet werden durf en. Mis Saenisch nach ben preußischen Landtagswahlen zurüde Betreteit war, hatte Seer Boeft wichts Giligeres zu tun, als eigenmätig die quordnung zu treffen, baß in der Schule, beren Direttor er ist, die Kaiserbilder, wieder aufgehängt und bie Lehrbücher mit den Hohenzollernbildern und beu lügnerischen Berherrlichungen der Monarchie wieder eingeführt wurden. Im Sauptausschuß des Preußischen Landtages hat Herr Boelitz sein eigenmächtiges Vorgehen als große Tat gefeiert und sie ge= wissermaßen als vorbildlich für jeden deutschen Lehrer hinges stellt. Seine Parteifreunde, die immer behaupten, daß die Gesege beachtet werden müßten, stimmten ihm begeistert zu. Und dieser Mann ist jetzt preußischer Kultusminister, feine Partei stellt die stärkste Stüße des Kabinetts Braun bar. Arme deutsche Jugend! Das Programm des Herrn Boelih Unterrichtsdebatte im Hauptausschuß des Landtags Der neue preußische Kultusminister Dr. Boelizz stellte sich bei der Beratung des Kultusetats am Montag zum ersten Male dem Hauptausschuß des Landtages vor. Er entwidelte in einer Rede sein Programm, das bereits die Widersprüche aufzeigte, in denen sich das neue Kabinett der großen Koalition" bewegt. Vieles, was Dr. Boelig sagte, war dunkel und nach jeder Seite hin deutungsfähig. Er betrachtete sich, so sagte er, nicht als Parteiminister, sondern als Roalitionsminister. Der leitende Gedante in den Schulen müsse der Staatsgebante sein. Dem Geschichtsunterricht werbe er deshalb besondere Beachtung schenken. Wir brauchten Tatsachenmaterial und Quellenbücher. Für ein monarchistisches Lesebuch habe er sich nie eingesetzt. Der religiöse Gedanke müsse sich wieder Geltung verschaffen. Wir müßten zurüd zu jener alt= preußischen Rultur, bie Selbstzucht und freudige Hingabe an den Staat bedeutete. Wenn Herr Dr. Boelig behauptet, er habe sich nie für mon archistische Lesebücher eingesetzt, so hat er damit eine Unwahrheit gefagt. Seine Botsdamer Rede, bie er nicht wegleugnen tann, gipfelte in der Berherrlichung der Monarchie und in der tiefen Entrüftung darüber, daß aus den Schulen und aus den Schul büchern die Kaiserbilber entfernt werden sollten. Es mag Herrn Boelig gewiß peinlich sein, an diese Tatsache er innert zu werden, aber als Kultusminister hat er sich damit unmöglich gemacht, und Ableugnungsverfuche fönnten ihn für das Amt des Unterrichtsministers nur noch ungeeigneter machen. Genosse Holz griff denn auch in der Debatte Herrn Boelitz Jcharf an. Er wies besonders auf den Umstand hin, daß diesem reaktionären Minister auch noch der frühere Minister Be der als Staatssekretär zur Seite gestellt worden fei. Damit habe ministerpräsident Braun, der diese Ernennung gutgeheißen habe, die oppositionelle Saltung seiner Partei gegen Beders Ministertätigfeit desavouiert. Herr Dr. Boelig sei eingefleischter Monarchist. Als solcher würde er dem Mißbrauch der Schule und dem antirepublikanischen Geist auf den höheren Schulen nicht entgegentreten, er würde diesen Treibereien vielmehr, getreu seiner monarchistischen Ueberzeugung, Vorschub leisten. Genosse Holz fündigte dem neuen Kultusminister und seinen Maßnahmen den allerschärfsten Kampf an. Wem nützt die Koalition? Die freche Provokation Hermes Ein Vorfall der letzten Reichstagsfitzung vom vergangenen Freitag gibt eine treffende Illustration ber verhängnisvollen Folgen der Koalitionspolitit für bie Arbeiterschaft und verdient daher besonders festgehalten zu werden. Auf der Tagesordnung standen zwei Jnterpellationen. Die eine von den Deutschnationalen eingebrachte forderte die Aufhebung der Zwangswirtschaft auf allen Gebieten, während die andere Interpellation von den Rechtssozialisten Maßnahmen gegen Teuerung und Wucher forberte. Die zwingende Rotwendigkeit folcher Maßnahmen wurde auch durch unsere Genossin Wurm in längeren Ausführungen, bie eine Rette von erschütternben Tatsachen enthielten, bargetan. Wie aber äußerte sich die Regierung zu dieser von einer an der Regierung beteiligten Partei eingereichten Interpellation? Als Regierungsvertreter rechtfertigte Hermes zunächst die Aufhebung ber Zwangswirtschaft und erklärte, daß diese nur einem hochgeschmellten Rationalgefühl entsprungen sei, aber mit dessen Abschwellen notwendigerweise auch hätte zusammenbrechen müssen. Diefe Begründung wurde von den Rechtsparteien mit wieberholtem„ Sehr richtig!" unterstrichen, wie überhaupt bie gange Ministerrebe den fortgesetzten Beifall ber äußersten Rechten bes Hauses auslöfte. Solte also Hermes bie gewagtesten Gegengrünbe gegen die Rückkehr der Zwangsbewirtschaftung und gegen beren Erhalt in bem noch bestehenden Umfang heran, so verfuhr er umgekehrt mit der rechtssozialistischen Interpellation. 3war vermieb er es ab Fichtlich, auch nur mit einem Wort auf bie Ausführungen bes rechtssozialistischen Interpellanten Rzäßig einzugehen, aber um lo burschitofer wanbte er sich gegen unsere Rebnerin. Er scheute Rich nicht, deren Darlegungen als„ Schlagworte" und leere Phrasen" zu bezeichnen. Diese Frechheit löfte bei ben brei Arbeiterparteien einen Sturm ber Entrüstung aus, bei dem es aber unmöglich bleiben kann. Denn wenn die Ausführungen der Genossin Wurm Schlagworte und leere Phrasen waren, dann waren bies bie Ausführungen des Rechtssozialisten Kräßig nicht weniger, ba unsere Genossin Wurm das von diesem entworfene Bilb über bis Berelenbung des Voltes nur ergänzte. Wir verzeichnen also die Tatsache, daß eine Regierung, zu welcher die Rechtssozialisten vier Minister stellen, die von biefer selben Partei erhobenen Anklagen als Schlagworte" unb leere Bhrafen" abtut. Das ist die erste sichtbare„ Mehrung des fazialdemokratischen Einfluffes", welchen sich ber Vorwärts" von der neuen Regierung turz nach ihrer Bildung versprochen hat! Die Rede Hermes hat also flargestellt, daß die Regierung entschlossen ist, alle Forbes zungen selbst der rechtssozialistischen Partei hinsichtlich ber Ernährungspolitik zu mißachten und ben Weg weiterzugehen, ben die deutschnationalen Agrarier von ihr fordern. Was werben bie Rechtssozialisten tun? Wollen fie diese freche Herausforderung eines Ministers ruhig hin nehmen? Es ist klar, baß in diesem Falle die rechtssozialistische Reichstagsfraktion auf jede Vertretung der proletarischen Inter effen verzichtet, weil jebe von ben Arbeiterinteressen bebingte Forderung die Koalition ins Wanten bringen fönnte. Generalfeldmarschall Ludwig Genosse Künstler hatte im Reichstag die Anfrage eingebracht, ob die Regierung es billige, baß der republikanische Wehr minister Geßler den Befehl erteilt habe, eine Ehrentompagnie der Reichswehr zur Beerdigung des verstorbenen Lubwig Wittelsbach abzutommandieren. Am Freitag hat im Aufireg ber Reichs. regierung Major von Schleicher folgende Antwort erteilt Dec Röntg Lubmig von Bansen hand in der alten mee In bem Range eines Generalelomarkhalls. The biefem Grunde wurden bem verftarbenen Anig und Generalfeldmarschall bie üblichen militärischen Ehrenbezeugungen erwiesen." Auf die Frage des Genossen Künstler, ob die Reichsregierung den Befehl Geßlers beden will, wurde keine Antwort erteilt. Ebenso schwieg sich die Regierung darüber aus, welche Maßnahmen fie gegen einen Minister zu ergreifen gedenkt, der ganz offen als Werkzeug seiner Offiziere Teile der republikanischen Wehrmacht zu einer monarchistischen Demonstration abfommandiert. Halten Herr Wirth und seine rechtssozialistischen Kollegen die Antwort des Majors für ausreichend und mit den Interessen der Republik vereinbar? Billigen sie es, daß ehe malige Fürsten, deren Machthunger Millionen von Menschen geopfert wurden, die durch ihre verbrecherische Politit Deutschland in den Abgrund gestürzt haben, mit mittelalterlichem Bomp zu Grabe getragen werden und daß bei diesem die Republik verhöhnenden Rummel republikanische Truppen mitwirken? Die Washingtoner Konferenz Bor wichtigen Entscheidungen EE. Washington, 14. November. Sier glaubt man, baß morgen ein entscheibender Tag in dett Beratungen ber Washingtoner Konferenz sein werde. Man era wartet nunmehr die Stellungnahme Englands und Japans, obgleich zur Stunbe noch nicht sicher ist, ob die japanische und die englische Regierung bis bahin schon genaue Weisungen für das Berhalten ihrer Delegationen gegenüber den Vorschlägen des Staatsfefretärs Hughes gegeben haben werden. Heute hat sich tie erste Kommission für die Beratungen der Seerüstungen aus den Führern ber einzelnen Delegationen auf der Washingtoner Konferens gebildet. Sie prüfte das Programm des Staatsfefretärs und berichtete über das einzuschlagende Verfahren bei der Behandlung ber Abrüstungsfragen. In gleicher Weise wird heute nachmittag in der Frage des Fernen Oftens vorgegangen werden. In dieser zweiten Sigung werben auch die Vertreter Belgiens, Chinas, der Niederlande und Portugals zugegen sein. Die von beiben Kommissionen beschlossenen Maßnahmen sollen bann in ber morgigen Bollfigung bestätigt werden. England stimmt zu Washington, 14. November. Offiziell wird angekündigt, daß in der morgigen Sigung der Konferenz Balfour eine Rede halten wird, in der er im Prine zip den amerikanischen Vorschlag, betreffend die Begrenzung der Rüstungen zur See, annehmen wird. Die Stellung Japans Paris, 14. November. Der Sonderberichterstatter des New York Herald" in Washing ton, Louis Seibold, teilte seinem Blatte unter anderem mit, non englischer Seite sei die Anregung gekommen, die maritimen Fragen einige Tage lang zurückzustellen, namentlich wenn Japan ein wenig mehr Zeit zum Studium des Hughesschen Planes und zur Formulierung von Gegenvorschlägen zu haben wünsche. Bon der Haltung der japanischen Delegation fagt Seibold, die Sachverständigen ließen durchbliden, daß ihre Gegenvorschläge bedeutend von denen des Staatssekretärs Hughes ab wichen. Admiral Rato habe als Sprecher der Japaner die Vor schläge von Hughes als sehr bestimmt und sehr logisch begrüßt, fich aber beeilt, zu erklären, daß nach dem vorläufigen Eindrud nicht auf die Politik der japanischen Regierung geschloffen werden dürfe. Der Korrespondent weist auf die Angelegenheit des japanischen Oppositionsführers im Parlament Moschizuti hin, der sich nicht als Mitglied der Delegation, sondern als Beobachter im Auftrage seiner Partei in Washington aufhalte, ein Umstand, der bie Uneinigkeit zwischen den politischen Parteien Japans ins rechte Licht rüde. Moschizuki habe erklärt, Japan tönne die Vorschläge von Hughes nicht annehmen, wenn nicht gleichzeitig die Befestigungen im Stillen Ozean aufgegeben werden. Nach Anficht vieler amerikanischer Marineoffiziere, fährt Seibold fort, würde aber die Aufgabe der Befestigungen unter Umständen dev Berlust der pazifischen Befihunnen der Vereinigten Staaten De deuten. Unter den japanischen Zeitungstorrespondenten hat Geibold als vorherrschende Meinung festgestellt, daß Japan möglicherweise die Annahme der Hughesschen Vorschläge von einer Berständigung über die Beseitigung der Befestigun gen im Stillen Ozean abhängig machen werde. Die Be festigungen im Stillen Ozean, namentlich auf Manila und Hono Tulu, feien aber, wie der Korrespondent hinzufügt, Landbefestigungen, die als solche bei der Einschränkung der Landrüstungen zur Sprache Tommen müßten. Die deutsche Mart- Ratastrophe und Washington DA. Paris, 14. November. „ Chicago Tribune" meldet: Führende amerikanische Finanz leute haben an den Senat unb bie Regierung eine Eingabe gerichtet, in der angesichts des rapiden Sturzes ber deutschen Mart das Ersuchen gestellt wird, auf der Washingtoner Kon ferens bie Finanzfrage bzw. die Konsolidierung der Marf währung zur sofortigen Beratung zu stellen. Explosionskatastrophe in Wiesbaden Wiesbaden, 14. November. In der Delfabrit& auth in Dohheim ist heute mittag ein Benzintant, der im Keller untergebracht war, explodiert. Das vierstödige Gebäude stürzte in sich zusammen und begrub fünf oder Jets Arbeiter unter seinen Trümmern. In der gegenüber liegenden Fabrit wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert und durch Glassplitter etwa 100 Arbeiterinnen zum Zeil erheblich verlegt. Auch am Gebäude und den Mas fchinen wurde schwerer Schaben angerichtet. Die Delvorräte der Fauthschen Fabrit gerieten in Brand. Das Feuer wütete abends noch fort. Kleine Nachrichten Seine Königliche Hoheit sind uns unbekannt. Potsdamer Rechtsanwälte senden uns im Auftrag Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Eitel Friedrich" unter Berufung auf§ 11 des Breßgefeges eine Berichtigung zu der von uns aus der Welt am Montag übernommenen Notiz:„ Ein Hinterfronttämpfer", bie sich mit dem Verhalten Eitel Friedrichs von Hohenzollern während der Sommeschlacht beschäftigt. Wir sind nicht in der Lage, dieser Aufforderung nachzukommen, da es unseres Wissens eine Königliche Hoheit Prinz Eitel Friedrich" nicht gibt. Stinnes frigt Mulle. Wie wir hören, sollen Berhandlungen barüber im Gange fein, bie Mulleblätter in den Befit des Herrn Stinnes zu bringen. Stinnes hat einen guten Magen. Betljura völlig geschlagen. Nach Meldungen der Warschauer Bresse aus Kowno wurden die Betljurabanden jenseits des 3bruc von russischer Kavallerie entscheidend geschlagen und abgedrängt. Ein großer Teil der Betljura- Soldaten ist über die polnische Grenze geflüchtet. Die Zeitungen betrachten das Petljura- Unternehmen cis endgültig liquidiert. Die Roften ber thechischen Mobiltheeung. In der Freitagu bes Bubgetaus dulles ertzte der chechische Finanzminister to wal ble in ber Deffeninge verbreiteten werbungen über b scolten der Webquealing jeten betrieben. Vom ersten Mobi fierungstage an bis zum 10. November felen für die Mobilisierung $ 25 Millionen Kronen ausgegeben worden. Eine Schande Von 2. Martow In einer Bolemit gegen die Freiheit" anläßlich der jüngst von der Sowjetregierung erlassenen Amnestie wagt es die Rote Fahne", von der schändlichen Demagogie" und den bewußten Unwahrheiten" des unabhängigen Organs zu [ prechen, nur weil die Freiheit" festgstellt hatte, daß auch nach Erlaß dieser Amnestie Tausende russischer Sozialisten in den Gefängnissen zurückgeblieben sind, in die sie bloß deshalb gesperrt wurden, weil sie den Bolschewismus mit geisti. gen Waffen bekämpft haben. wäre für die„ Rote Fahne" besser gewesen, die Frage gar nicht zu stellen, wer in dieser Angelegenheit eine ,, unehr: liche" und schändliche" Rolle gespielt hat. 39 Die Tatsache selbst, die in der Freiheit" festgestellt wurde, fann auch von der Roten Fahne" nicht bestritten werden. Sie sucht deshalb die Sowjetregierung mit albernen und falschen Argumenten zu verteidigen. Falsch ist es, wenn sie behauptet, daß unter den auf administrativem Wege Eingeferferten sich mehr Bürgerliche als Sozialisten befinden. Das Gegenteil ist richtig. Schon längst sind die meisten Bürgerlichen aus Rußland emigriert, und nur hin und wieder vermag die bolschemistische Polizei einige Dutzend wirklicher oder angeblicher Verschwörer" unter den ehemaligen Offizieren, bürgerlichen Intellek tuellen, Priestern usw. zu entdecken. Als im Sommer dieses Jahres der englische Offizier Kelpatrit, der ein Jahr lang in ben russischen Gefängnissen weilte, nach Westeuropa tam, er flärte er in seiner Schilderung des russischen Gefängnis, lebens: Spricht man jekt von politischen Gefangenen in Rußland, so spricht man von Sozialisten, denn Bürgerliche befinden sich unter den Gefangenen in verschwindender Minderheit." Diese Tatsache fann weder durch talmudistische Spitfindigkeiten noch durch grobe Polemiten der Kommu nisten aus der Welt geschafft werden. Hält die„ Rote Fahne" eine solche Behandlung tausender Sozialisten und Syndikalisten für richtig? Ja oder nein? Will sie bestreiten, daß die meisten dieser Sozialisten nur deshalb eingeferfert worden sind, weil sie bei den Sowjetwahlen sich als antikommunistische Kandidaten zur sozial, • demokratischen oder zur sozialrevolutionären Partei bekann ten; oder weil sie sich als Führer der lokalen Gewerkschaften in Opposition zur Zentralgewalt stellten; oder endlich, weil Fie eine Mitgliedstarte einer der erwähnten Parteien besaßen, ohne sonst eine attive Parteitätigkeit zu entfalten? Mindestens Dreiviertel der nach tausenden zählenben politischen Gefangenen sind nur wegen ihrer Parteizugehörigkeit in die Kerker gesperrt. bezieht sich namentlich auf sämtliche eingeferberte Sozial bemokraten, auf die übergroße Mehrheit der rechten Sozialrevolutionäre und auf einen beträchtlichen Teil der AnarchoSyndikalisten und linken Sozialrevolutionäre. Nur von einem sehr fleinen Teil der politischen Verbrecher" fann man behaupten, daß sie wegen Beteiligung an einer bestimm ten„ Attion" gegen die Sowjetregierung verhaftet worden find. Das Aber, sagt die, Rote Fahne", die Sowjetregierung habe u wiederholten Malen ihre Bereitschaft erklärt, alle Jn: haftierten frei zu lassen." Die Erfüllung dieser Zusage hänge ausschließlich von den Verhafteten ab. Erklären sie sich be reit, mit ihren Anschlägen auf die Sowjetmacht aufzuhören, bann sind sie eher heute als morgen frei." Es trifft zu, daß die bolschewistischen Behörden jedem verhafteten Sozialisten die Freilassung versprechen, wenn er sich schriftlich verpflichtet, a us feiner Partei auszu treten und auf jede politische Tätigkeit zu verzichten. Man sieht, aus welchem Stoffe die eigenartigen Revolutionäre in der Roten Fahne" gemacht sind, menn man liest, daß sie solche Pressionsmittel gegenüber Sozialistischen Gegnern als die natürlichste Sache von der Welt betrachten. Von den Freunden und Berehrern des großen Revolutionärs Brandler fann man schließlich nichts anderes erwarten: die politische Selbstbastrierung ist für diese Leute eine ganz ehrenhafte Attion, wenn man auf diese Weise seine werte Person zu sichern vermag. Aber die russischen Sozialisten, die in den russischen Gefängnissen Ichmachten, find zu„ opportunistisch", um an einer solchen Sandlungsweise Geschmack zu finden. Sie, die sich jahr zehntelang niemals vor den zarischen Schergen gebeugt haben, verwerfen mit falter Verachtung diese Anerbietungen der Sowjetregierung. Sowohl die alten Proletarier, wie die Jünglinge aus unserer Jugendorganisation, die in unerhörtester Weise in den Zuchthäusern von Orel, Jaroßlaw, Wladimir, Rjasan u. a. gequält werden, die von Typhusepedemien, Tuberkulose und Storbut bedroht sind und die buchstäblich hungern, weigern sich in entschiedenster Weise, eine solche entehrende Verpflichtung zu unterschreiben. Und nun richte ich an die Helden der Roten Fahne die direkte Frage: solidarisieren sich die deutschen Kommunisten mit einer solchen Erpressungsmethode ihrer russischen Gesinnungsge= nossen? Ja oder nein? Es ist für mich nicht leicht, über die Schande der terroristifchen Behandlung der Sozialisten im, fommunistischen" Rußland zu sprechen. Aber dürfen wir, fönnen wir schweigen, wir, deren Freunde und Brüder in den verpesteten, falten Rasematten Sowjetrußlands unter einer unmenschlichen Behandlung eines langsamen Todes sterben? Dürfen wir Schweigen, wenn Leute, deren subjektive Ehrlichkeit ich nicht in Zweifel ziehen will, in der europäischen Arbeiterpresse zu behaupten wagen, daß die Sowjetregierung ihre politischen Gegner großmütig" behandele! Sehr zutreffend hat der französische Genosse André Pierre im, Populaire" vom 31. Oftober geschrieben: ลบ Man muß stets aufs neue wiederholen: die tommunistischen Parteien, die sich mit einer Regierung solidarisieren, welche Taufende von Sozialisten quält und einfertert, werden dadurch Mitschuldigen an den Verbrechen der Bourgeoisie; denn weil sie es nicht wagen, von der russischen Regierung die Befreiung ihrer Opfer zu fordern, vermögen sie nicht bei den rumänischen, jugoNavischen und anderen Machthabern die Freilassung der Kommunisten dieser Länder durchzusetzen." Ich weiß sehr wohl, daß die Leute der„ Roten Fahne" nicht die geistige Unabhängigkeit besitzen, um in der Dritten Internationale darauf hinzuweisen, daß die bolfchewistische Regierung durch ihr hartnädiges Festhalten an ihren terro pitischen Methoden der gesamten, jegt in die Defenfive go brängten europäischen Arbeiterklasse unermeßligen haben zufügt. Aber wenn sie diefe Courage nicht be fiten, so fonen sie wenigstens fchweigen, statt über die Großmütigkeit" der Herren aus den„ Außerordentlichen Kom miffionen" Lobgefänge anzustimmen. Für das freie selbständige Unternehmertum Stinnes fauft alles Eine neue Propaganda- und Korruptionszentrale Jedermann erinnert sich der Geheimzirkulare der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, die unser Mannheimer Parteiorgan„ Tribüne" veröffentlichen konnte. Wir haben seinerzeit aus diesen Zirkularen mitgeteilt, daß die Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände ihre Mitglieder und Mitgliedervereine zur Beisteuer einer Ertra beihilfe zweds Einrichtung eines besonderen Propa gandafonds aufgefordert hat. Aus der ängstlichen Geheimhaltung der Aktion zogen wir unsere Schlüsse auf die Schmuzigkeit der Mittel, mit denen die in Aussicht genommene Propaganda betrieben werden soll. Jetzt wird bekannt, daß sich eine Propagandazentrale für den ,, Arbeit gebergedanken", um das in den oben erwähnten Zirkularen gebrauchte Wort zu wiederholen, bereits aufgetan hat. Der 3entralverband der Angestellten sendet uns folgende Zuschrift: Soeben gelangen wir in den Besitz eines Sch norrbriefes, den eine Propagandaftelle zur Erhaltung des freien selbständigen Unternehmertums" gez. Henry Seifert, Hamburg, SchanzenStraße 7 am 22. September 1921 an eine große Masse von Firmen versandt hat. Aus dem Schreiben und den Richtlinien teilen wir folgendes mit: Arbeitsmethode der Werbestelle. Aufklärung durch den Schriftenvertrieb an Angestellte und durch Auslage in Gastwirtschaften, Cafés usw., durch Werbebilder an Angestellte und Arbeiter, durch Vorträge( siehe Sonderdruck), durch das Kino( auch Haus- und Wanderkino), durch die rationelle Verbreitung eingekleideter Unternehmerzeitungen und Zeit: schriften. Richtlinien. 1. Rationelle, planmäßige Verbreitung von eingekleideten Unters nehmerblättern. Die Blätter werden nicht nur an Unternehmer gesandt, sondern dienen auch zur Auslage in Restaurants, Cafés, Hotels, Lesehallen usw. als Gegengewicht gegen bie vielen ausliegenden sozialistischen Schriften, Aufklärungsschriften an Angestellte und Arbeiter mit der Aufforderung, zum Abonnement vom neutralen Berlag und Besuch derjenigen Bersonen, die bereits in ihre Privatwohnung die Brobenummern geschickt bekommen haben, um sie durch persönliche Unterhaltung zum Abonnement zu bewegen. 2. Außer diesen Flugschriften kommen als Werbemittel zur VerSendung: Eine Wochenschrift„ Die soziale Frage", eine Halbmonatsschrift„ Die Brüde". und eine Monatsschrift Hamburger Allerlei"( in Vorberei fung). Ferner Auffäße aus der Wochenschrift für Erziehung ,,, Der Aufbau". Diese Zeitschrift ist besonders wichtig, weil die Schullehrer, die noch nicht sozialistisch gesonnen sind, gestärkt werden müssen durch rationelle Propaganda; denn die Lehrer haben nicht nur in ihrer Eigenschaft als Schulmeister große Bedeutung, sondern durch die piele freie 3eit über die sie verfügen, die diese Herren und Damen in Vereinen und Verbänden als Geschäftsführer usw. tätig sind. 3. Dauernde Fühlungnahme mit der Zeitschrift„ Der leitende Angestellte", Organ der Bereinigung der leitenden Angestellten. Sierdurch ist dafür Gewähr gegeben, daß eine Brücke geschlagen den Angestellten sind die gegebenen Vermittler zwischen Arbeitwird zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Gerade die leitengebern und Arbeitnehmern. Angaben der führenden Köpfe der Angestellten und Arbeiter erbeten. 4. Gründung einer 3eitschrift für die Neudeutschen ( Wandervögel). Dieser Zeitschrift wird ein längerer Anhang aus der Sozialen Frage" in jeder Nummer beigegeben. 5. An solche Personen, welche durch Anfragen, Abonnement usw. zu erkennen geben, daß ein besonderes Interesse vorhanden ist, werden Extraschriften" versandt, nicht ganz tostenlos, sondern unter besonderen Gründen und Hinweisen. 6. Romanvertrieb. Der Vertrieb von sogenannten Unternehmerromanen ist bisher ganz dem Zufall überlassen Die Deutschen Werfe Eine Erklärung Malzahns Der Kommunist Malzahn bittet uns um die Aufnahme einer Erklärung, wonach seine Aeußerung im Reichstag über die Herstellung Dont Waffen in den Betrieben der Deutschen Werte vom Zentralbetriesrat der Deutschen Werte in Spandau mißdeutet worden ist. Er habe nicht positiv behauptet, daß in den Spandauer Werken Kriegsmaterial angefertigt würde. Aus dem Stenogramm seiner Rebe zitiert er folgende Ausführungen: ,, Nach den Bestimmungen der interallierten Militärtommisfion soll in Erfurt und in Haselhorst am 1. April 1922 die Settellung von Jagd- und Sportwaffen eingestellt werden. Die interaliierte Kommission gab in ihrer Begründung folgendes an( was uns hier nicht mitgeteilt worden ist). Sie will festgestellt haben, daß neben der Herstellung von Revolvern in Erfurt auch Maschinengewehre und Maschinengewehrteile angefertigt worden sind. Wir haben weiter Zuschriften von den Arbeitern bei den Firmen Suhl, Erfurt, Magdeburg und Fürth bekommen, daß Millionen von Gewehrpatronen angefertigt werden sollt n. Die Arbeiter haben uns gefragt, was sie dagegen für Schritte unternehmen sollten. Ich stelle weiter fest, daß auf dem letzten Verbandstag der Metallarbeiter in Jena aus den verschiedensten Orien die An= träge tamen und auch angenommen wurden, daß der Hauptvorstand mit Hilfe der organisatorischen Machtmittel gegen die Herstellung von Waffen und Munition mit allen Maßnahmen einschreiten sollte. Wir haben den berechtigten Argwohn, anzunehmen, daß aus ben Fabritaten dieser Betriebe die Orgesch- und Einwohnerwehren mit Material und Muntion versorgt werden. Wie uns mitgeteilt, ist heute der Betriebsrat der Spandauer Werte nach Erfurt gefahren, um an Ort und Stelle die Dinge nachzuprüfen." Malzahn fügt in feiner Erklärung hinzu:„ Aus diesen meinen Ausführungen nach dem Stenogramm geht also deutlich hervor, daß ich in obiger Sache nicht von den Spandauer Werken gesprochen habe. Malzahn nimmt an, daß bie Mitglieder des Zentralbetriebsrats die Opfer einer falschen Berichterstattung geworden sind. Sobald das Stenogramm ber Rede gebrudt vorliegt, wird er es dem Zentralbetriebsrat übermitteln. Es wäre gut, wenn sich die Betriebsräte der von Malzahn erwähnten Betriebe der Deutschen Werke im Reiche dazu äußern würden. Protest gegen die Darstellung Malzahns Erfurt, 14. November. Die Gesamtbelegschaft bee Deutschen Werte A- 6. Mer? Et. furt protestiert in einer Entschließung gegen die Grilärungen des Reichstagsabgeordneten Malsa bn in der Reidsingsfihung vom 10. Stovember b. 3. Es fet unwahr, daß im Wer Erfurt jest oder nach Ausbruch der Revolution jemals Maschinen. gewehre angefertigt worden seien. Unwahr sei es auch, daß gewesen. Die von uns ausgewählten Romane werden von uns ganz planmäßig verbreitet durch voltstümliche Biblio. thefen, nicht durch Versand an die Angestellten direkt. Ueber die Einzelheiten dieses Spezialbetriebes geben wir nur unseren bisherigen Förderern in einem eingeschriebenen Brief Auskunft. 7. Werbebilder werden in solchen Fällen verschickt, wo anzue nehmen ist, daß Schriften teine Beachtung finden. -8. Vorträge. Beranstaltungen von Vorträgen durch politische oder gar parteipolitische Vereine ist meistens ein Drehen im Kreise. Es kommen gewöhnlich nur die Freunde und Anhänger derselben und doch will man ja eigentlich durch die Vorträge gerade die Gleichgültigen und bisherigen Gegner überzeugen. Deswegen werden Vorträge veranstaltet in Form von Unteri haltungsabenden, durch Verbindung von Ernstem und Seiterem. Das Neue unserer Werbearbeit liegt nur darin, in dem ersten Teil anstatt dramatische Vorträge, ernste Lieder usw., einen Projavortrag über die sozialen Fragen der Zeit, natürlich unter volkstümlichen Titel, zu bringen, der zweite Teil unseres Programms: Humoristisches. Die Werbestelle veranstaltet nicht nut Borträge, sondern Dor allem hilft fie berufsmäßigen, bekannten ersten Künstlern im ganzen Reiche bei der Zusammenstellung der Programme und der Ueberwindung der Schwierigkeiten aller Art, die sich den Veranstaltungen von Vorträgen und Herstellung von Drucksachen entgegenstellen. 9. Kino. Gewinnung von Einfluß auf die Herstellung und ben Vertrieb der Filme, sowie Sicherstellung der Aufführungen folcher Filme, die zu obigem Programm passen. 3wed der Propaganda ist, den Glauben an die Unfehlbarkeit der sozialistischen Theorien zu zer tören. Einst war es der Reichsverband zur Bea tämpfung der Sozialdemokratie, der im Auftrage und mit dem Gelde der Großindustrie das Gewerbe der Lüge in großem Umfange betrieb. Jezt hat dieselbe Sache einen anderen Namen. Auch diese neue Zentrale zur Korrumpierung der öffentlichen Meinung hat in erster Linie den Zweck, den Glauben an die Unfehlbarfeit der sozialistischen Theorien" und den Gedanken der Soli darität in den Köpfen der Angestellten, Arbeiter und Be amten zu vernichten. In Gastwirtschaften und Cafés, bei Vorträgen und im Kino, im Buchhandel und beim Einkauf von Zeitungen und Zeitschriften überall soll den Arbeitern die verkappte Propaganda der Werbestelle zur Erhaltung des freien selbständigen Unternehmertums entgegentreten. Die Großindustrie, von Herrn Stinnes geführt, reißt eine büra gerliche 3eitung nach der anderen hinab in den Strudel der bezahlten Gesinnungslosigkeit. Hunderttausende von Lefern aus der Arbeiterschaft und aus den Kreifen der Angestellten und Beamten wissen nicht, daß sie eine im Sinne des Unternehmertums zurechtgea machte Leftüre täglich zweimal vorgeseht befommen. Dieser Korrumpierung der Presse sollen nun tausend an dere Mittel der Lüge, Berleumdung und Verdrehung, denn darauf läuft es immer wieder hinaus, hinzugefügt werden, um die Ideen der Gewerkschaftsbewegung und des Sozialismus zu beschmutzen. Auch die Schule und die Lehrer, die Kunst und die Künstler sollen getauft werden. In erster Linie gibt es für die Arbeiter, Angestellten und Beamten dagegen nur ein Mittel: Sinaus mit der bürgerlichen Zeitungsschundliteratur aus den Wohnungen und Familien! Wer diese Maßnahmen des organisierten Unternehmertums durchschaut, der hat die Pflicht, ständig für die Presse der Arbeiterschaft zu werben. Hier fehlen die gewaltigen Mittel an Geld, die der forrumpierten bürgerlichen Preffe vom organisierten Unternehmertum mit vollen Händen zur Verfügung gestellt werden. Dafür müssen hier die größeren Mittel an Tattraft und Ueberzeugungstreue aufgeboten werden, damit nicht das schmutzige Papiergeld des Unternehmertums über Gesinnung und Anstand zu triumphieren vermag. in derselben Zeit überhaupt eine Patrone hergestellt worden sei. Am Schlusse der Entschließung heißt es: Der Gesamtbetriebsrat bittet den Reichstag, den Abgeordneten Malzahn zu veranlassen, feine unwahren Behauptungen zu widerrufen. Bom demokratischen Parteitag Flaggenfrage und Schulgesetzentwurf Einen erheblichen Teil seiner Zeit opferte gestern der demofratische Parteitag der Flaggenfrage. Der rechie Flügel ber Partei unter Führung des Ministers a. D. Koch will seine Ge finnungsverwandtschaft mit der Deutschen Volkspartei dadurch zum Ausdrud bringen, daß er die Wiedereinsehung der schwarz- weißroten Farben in ihr früheres, wilhelminisches Recht fordert. Man soll dem Volte seine alten Symbole lassen und erst später, wenn die Erfolge der Republik da seien, dte schwarz- rot- goldene Flagge hilsen, meinte Herr Roch. Diese Auffassung stieß auf der. lebhaften Widerspruch der Mehrheit des Parteitages, und ein Redner machte den Führern den Vorwurf, daß sie aus den bise herigen Verhandlungen nichts gelernt hätten. Schließlich einigte man sich wiederum auf einen Kompromiß, wonach die agitatorische Ausnutzung der Flaggenfrage verurteilt und davor gewarnt wird, durch Forisegung unfruchtbaren Streitens die Geschlossenheit der verfassungstreuen Parteien zu gefährden. 3 Darauf hielt das Mitglied des Reichswirtschaftsrats Sere mann Reutlingen einen Vortrag über ein demokratisches Mittelstandsprogramm. Er wünschte die Anerkennung bes Handwerks als eines in fich geschlossenen Berufsstandes. Eine organisierte Vertragswirtschaft von Berufsgruppe zu Berufsgruppe müsse an die Stelle des seitherigen börigkeitsverhältnisses bes Handwerks gegenüber dem Großkapital treten. In der Sozialpolitik verlange das Handwert Festhaltung an der bewährten Meisterlehre. Das Arbeitszeitgefes dürfe den Achtstundentag nicht schematisch auf das Handwerk anwenden, denn was für die Großindustrie richtig sei, sei falsch für das Handwert. Bei der Schlichtungsordnung und dem Arbeitsnachweisgefes müsse der Grundjak gelten, daß die Sandwerkslehre eine Erziehungssache und der Lehrling fein gewerblicher Arbeiter sei. Das bedeutet seviel, daß nach dem Wunsche dieses Demokraten die ungünstigen Arbeitsverhältnisse im Handwert und insbesondere die Ausnügung der Lehrlinge auch fünftig aufrechterhalten werden sollen. Der Parteitag beschäftigte sich dann weiter mit Schul und Erziehungsfragen, über die Frau Dr. Bäumer. 2nrealdirektor Wolff( Berlin). Professor Göz( Leipzig) und Tems( Berlin) referierten. An dem Reichsschulgefehentwurf wurde lebhafte Kritik geübt, weil er durch ihn seiner Stellung der Schule gegenüber enthoben und das Wesen der Schule burch die Bekenntnisse und die bekenntnisfreie Gemeinschaft bestimmt werde. Die Schule mülle eine organische Einheit sein. Sie müsse im Geifte des deutschen Boltstumes arbeiten. Durch den Entwurf werde die Schule in unzählige Befenntniße serfpfittert. Serr Rach meinte, brb ber Gelegentu- i susitaanebend beeinflukt werben fet bur bie Saltung ber Sozialdemokratie und namentlich bes Sentrums Gerfennt an. daß das Gefen außerordentliche Bedenten ausbien miiffe, ein befferer Entwurf tonne aber nicht erreicht werden, so angemiesen fet lange man in einer Regierung auf die Mitarbeit bes Zentrums Arbeitersport Arbeiter- Wandbund Naturfreunde". Wanderungen am 16. Novem Bet. Eichwalde, Spreewiesen, Hangelsberg. Tr. 6,30 Uhr vorm. Görliger Bahnhof. Strausberg, Böksee, Fängersee, Jhlandsee. Abf. 6,30 Uhr vorm. Bahnhof Bellevue. Hoppegarten, Alt- Landsberg. Abf. 7 Uhr vorm. Bahnhof Neukölln. Kinderwanderung. Besichtigung des Verkehrs- Museum. Ir. 9 Uhr Nettelbedplat oder 9 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Berliner Arbeiter hachflub, Gruppe 7, umfassend die Abt. Charlottenburg und Wilmersdorf, fährt am Bußtag nach Spandau, um mit dem bortigen Bruderverein einen Wettkampf auszutragen. Für Simultanspiel und andere Abwechslung wird gesorgt. Treffpunkt 2 Uhr Bahnhof Charlottenburg. Spiellokal Jugendheim", Neuendorfer Straße( früher Altes Schüzenhaus). Freunde und Gönner find herzlich willkommen. Turnverein Oberspree"-Oberschöneweibe feiert am Bußtag, Mittwoch, ben 16. November, abends 6 Uhr, seinen 3. Elternabend seiner Schüler- und Schülerin- Abteilung im Reft. Blumengarten( Inh. Görtig, Ostendstraße). Jugendliche und Schüler. Am Bußtag, den 16. November, findet im Jugend heim, Neukölln, Münchener Str. 52, mittags 1 Uhr, eine Schachveranstaltung tatt. Bortrag, Simultanspiel, Wettkampf Neukölln- Norden. Teilnahme und Eintritt frei. Parteiveranstaltungen Die proletarische Erziehungsarbeit in Wien Rinbershugtommission Groß- Berlin. Seute, Dienstag, den 15. November, abends 7 Uhr, findet in der Stadthalle im Neuen Rathaus in Berlin, Stralauer Straße 15-22, eine öffentliche Boltsversammlung von ber Bereinigung der proles tarischen Kindergärten statt. Kein Mitglied der Kinderschuhkommission darf fehlen. Berwaltungsbezir! Webbing, 8. Distritt. Alle Parteigenossen, bie rednerisch tätig und fähig sind, werden ersucht, ihre Adressen umgehend bis spätestens ben 20. November Sem Distriktsvorstand, a. 5. bes Genossen Erich Tschierschwig, R. 39, Sellerstr. 15a, mitzuteilen. Referentinnenturfus der Genolfin Geger, hente, Dienstag, pünktlig 7 Uhr, Arbeiter- Bildungsschule. Uhr, Schöneberg- Friedenau. Zu der am Freitag, den 18. November, abends 7 tattfindenden Mitgliederversammlung im Wilhelmshof", Ebersstr. 80, laben die Bezirtsführer ein. Die Bibliothel ber Arbeloungsschule ist geöffnet Dienstag, Donnerstag und Freitag, abends von 26 bis 26 Uhr. Sie steht allen Genossen und Ge noffinnen sowie den Mitgliedern der Sozialistischen Proletarierjugend gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches unentgeltlich zur Verfügung. Dienstag, 15. November 1. Berwaltungsbezirt( Berlin- Mitte), 1., 2., 3. Diftritt. Praffer, Michaelfirchstr. 29, Sigung ber Bildungskommission. Abends 7 Uhr bei 1. Distrift. Abends 7% Uhr Sigung der Bildungskommission bei Gen. Jordan, Dresdener Str. 24. Berlin- Mitte, 1., 2. und 3. Diftritt. Abends 7 Uhr Vortrag über Lebens reform und Sozialismus in der Schule Ruppiner Str. 48. 5., 6. Diftrift. Elternbeiräte und Erfagleute. Abends 7 Uhr wichtige Sigung bei Schulz, Oldenburger Str. 19. 9. Diftritt. Die für Mittwo angesezte Funktionärhigung findet heute abend 7 Uhr im Lokal von Kroll, Utrechter, Ede Hennigsdorfer Straße, statt. Mittwoch, 16. November 5. Berwaltungsbezirt, 17. Diftritt. Vorm. 10 Uhr bei Drelse, Schreinerstr. 18, Vollversammlung ber Kommunalen Kommission. Alle Genossen, die in der Kom mune tätig find, müssen erscheinen. 5. Berwaltungsbezirt, 15., 16., 17. Diftritt. Alle Sänger treffen fich vorm. 9½ Uhr in den Prachtfälen des Oftens. Die Ge 9. Berwaltungsbezirt( Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald). noffen nehmen um 10 Uhr vorm. an ber öffentlichen Versammlung im LehrerDereinshaus am Alexanderplat teil. Tagesordnung: Koalitionspolitit, Teuerung und Steuern. 12. Berwaltungsbezirt( Steglik. Lantwis, Lichterfelbe). Borm. 10 Uhr im Rathaus Steglig Vollversammlung der Kommunalen Kommission der Stadt und Bezirksverordneten sowie aller Genossen und Genossinnen, die in der Kommu nalen Kommission tätig sein wollen, sowie der Vertreter der Elternbeiräte, der tommunalex Betriebsräte und der Bürgerdeputierten. Tagesordnung: Wahl des Ausschusses, Stellungnahme zu fommunalen Fragen. Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. 19. Verwaltungsbezirt, Abtellung Bankow. Die Genossen nehmen an der Bezfammlung in der Brauerei Königstadt teil. 8. Diftritt( Berlin- Mitte). Die Karten zu ben Proletarischen Feierstunden am 20. November müssen bis Donnerstag, den 17. November, beim Raffierer Dams abgerechnet sein, da fie sonst als verkauft gelten und bezahlt werden müssen. 8. Diritt. Borm. 10 Uhr Diftrittsvorstandsßigung bei Barleben, Burgsbarf traße 13. 12. Diftrift, 1. Abteilung. Borm. 10 Uhr Mitgliederversammlung bei Klug, Danziger Str. 71. Die Versammlung findet tros der öffentlichen Versamm lungen statt. 15. Diftrift. Abends 7 Uhr Vorstands yung bei Gallas, Barnimftr. 20. Berschläge der Delegierten zum Parteitag, fomie Anträge find mitzubringen. Dess gleichen bie Mitgliedsbücher der Gewerkschaften. Donnerstag, 17. November 10. Diftritt, 3. Abteilung. Abends 7 Uhr Abteilungsversammlung, Shulaula Chriftianiaftr. 6. Die Bezirksführer werden ersucht, zu dieser Versammlung die Mitglieder einzuladen, 17. Diftrift. Abends 7 Uhr Borstandsligung und Abrechnung bei Drelse, Schreinerstr. 18. Abteilungsfasfierer pünktlich erscheinen. Bereinsfalender Mittwoch, 16. November Rinovorführer. Die nächste Vorführerversammlung findet nicht am Mittwoch, ben 16. November( Bußtag), sondern am 23. November in Schirms Lokal, CharLottenftr. 7, statt. Soz. Proletarierjugend Tempelhof.Marienborf. Der Besuch der Gruppe Brik fault aus, dafür Wanderung nach den Kaltbergen. Treffpunti 6 Uhr Bahnhof Tempelhof. Bei Schneewetter Rodelschlitten mitbringen. Donnerstag, 17. Rovember Arbeiter- Samariter- Rolonne Berlin E. B., Abteilung Beißenfee. Abenbs 7 Uhr, Schule Röhlkestraße, Extravortrag über Tuberkulose. Eintritt für jebermann frei. Verantwortlich für Bolitik und Feuilleton: Les Liebiga. Berlin- Frie Denan; für Kommunalpolitif, Cotales und Gemerfichaftliches: B. Rudner, Berlin; für den Injeratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Rometinet, Charlottenburg. Verlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6. m. b. H., Berlin. Drud der Berliner Druderei 6. m. b. S., Berlin C. 2 Breite Straße 8-9. KON CINON Theater und Bergnügunger MASAB CAIDS Seats CLASS Bolksbühne| Wallner- Theater 71, Uhr: Der Bauer als Millionär Renes Bolkstheeter Rövenicker Str. 68 Täglich 7.30 Uhr Nixchen Komische Oper 71, allabendlich 7% ur Rofe Bern Die große Ausitathings Staatstheater. Opernhaus 7, hr: Madame Butter Ey Qazipielhaus in Whz: Dihello .: Mag Reinhardt Operetten- Revue Der Herr der Welt Theater Dentides Theater am Nollendorfplat 7%, br: Louis Ferdinand Brinz von Preußen Kammerspiele 8 Uhr: Der Hühnerhof Großes Schauspielhaus Karlstraße 7. 3g v. Berlichingen Theater t. D. 7 Ubri Die Ehe im Kreise TRIANON- THEATER Täglich 1,8 Uhr: Mein Freund Zebby Sonntag 4 U.: Kleine Breife Königgräßer Str.: Die große Leidenschaft 7.30: Manon Lescaut Oreka, Janssen, Riemann) t.: Manon Lescaut So.: Manon Lescaut Freitag: Bum 1. Male: Hidalla ( Der Zwergriefe) Don Frank Wedekind ( Barten, Charl. Schulz, Riemann) Komödienhaus: 7.30 Uhr: RESIDENZ- THEATER 18 ur: Der König in Paris Stg. 3, Uhr: Kleine Br. Euchen Humbrecht KLEINES THEATER 18 Uhr: Carola Toelle in Fri. Josette- meine Frau Sonntag, 4 U.: Kleine Be. Der Dieb Walhalla- Theater 1,8 Uhr: Die Fahrt Jung muß man sein ins Blaue Theater des Oftens ( Gakurr, Richard, Engl, Brück!, Stieba) Bußt.: Satans Maske Mit dem Feuer spielen Berliner Theater: Abends 7.30 Uhr: Prinseffin Olala Frißi Maffary a. 6. Ralph Arthur Roberts, Pepi Bampa, Herb. Riper 7 Uhr: Fidele Brüder 7. Casino- Theater 74% Der Weg zum Glüd Stg. 3, Ubr: Pantoffelhelb 8 Apollotheater 8L Friedrichstraße 218 Unter persönlicher Leitung des Romponisten Paul Lincke FRAU LUNA Ausstattungsoperette Stürmischer Erfolg Ist es noch möglich Tun Sie uns den Gefallen, diese Frage gerecht zu entscheiden, und Sie werden den kleinen Preisaufschlag für die gufe MASSARY- Zigarette máßig und begründet finden. MASSARY- CLASSE 508 Triumph- Palast Direktion Felix Bab Oranienstr.53-54( Moritzplatz) Varieté grössten Stils Täglich: Sensations- Programm! Anfang Sonnt. 6 Uhr, Wochentags 7, Uhr Theater a. Kottbus. Tor Tel.: pl. 16077 Taal. 7 Uhr. Stg. 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Nachtrag zur Tagesordnung: 5a) Anderung§§ 53 unb 54 der Sagung. Neukölln, Den 14. November 1921 Der Kaffenvorstand Heefe, Borsigender Geld balsam", b." auch in für jede Wertsache. Höchste hartnäckigften Fällen Ankaufspreise für Pfand bewährt ift. Mk. 19.50. fcheine, Brillanten, Golds Otto Reichel gegenstände, Teppiche, Bücher usw. Wolff, Frieds Berlin 46, S0, Gifenbahnstr. 4 richftr. 41, Ill. Ecke Kochftr. Der kleine Jung muß man sein Botenfrauen Samariter Operette in 3 Akten v. Leo Lelpziger u. Erloh Urban Musik von Jean Gilbert Elso Bötticher a. G. Grete Sellin Maria Grimm Einödshofer Sophie Kaniss Martha Winter Alfred Läufner a. G. Theo Lucas a. G. Harry Collin Karl Neisser Hans H. Zerlett Inhaber dieses an der Kasse( nur an der Abendkasse) 50 Prozent Ermäßigung für 1-4 Personen gültig. Schlager auf Schlager Dient zur sofort gesucht selbsthilfe Spedition Rigerow Lübecker Str. 16 Tour: Wilsnader Str.- Kirchstr.- Hanfaviertel Spedition Krüger Neukölln, Emser Straße 32 Epedition Greulich bei leichteren Kranks heiten und gibt Berhaltungsmaßregeln bis zum Erscheinen bes Arztes bei fchweren Krankheiten. Mit Anhang Anleitung zur Errichtung einer Hausapotheke Preis 1.50 Mart Bu beziehen burch Buchhandla. Freibelt Berlin C2, Breite Str.8-9 Marienfelde, Berliner Straße 143 fomie durch alle Spedi tionen der Freiheit Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todes- Anzeigen Den Kollegen zur Nachricht, daß folgende i glieder gestorben sind: Der Arbeiter Bruno Domdel am 8. b. Mts. Die Einäscherung findet am Dienstag, ben 15. Ms. pember, vormittags 10%, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, ſtart. Der Mechaniker Berthold Lampe am 11. d. mts. Die Einäscherung findet am Donnerstag, ben 17. Rovember, vorm. 10, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, ftatt. Chre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nadm. 4 Uhr Telephon: Umt Norden 185, 1239, 1987, 9714 Am Mittwoch, ben 16. November 1921, verte 9 Uhr, bei Wollschläger, Abalbertstraße 21 Branchenversammlung der Drahtarbeiter Groß- Berlins Tagesordnung: 1. Bericht von den Berhandlungen über die Teuerungs sufchläge. 2. Stellungnahme zur Ründigung des Lohrabkommens 3. Berschiebenes. Am Donnerstag, ben 17. 9ovember 1921, abends 5 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45 Branchen- Bersammlung der Goldarbeiter Tagesordnung: Musfprache über die Lohnverhandlungen. Um Donnerstag, den 17. Sovember 1921, abends 6 Uhr, in Schulz Feftsälen, Am Rönigs graben 2 Bertrauensmännerfonferenz der Branche der Walzwerks, Bleis, Drahtkabel- und Papiers rohrarbeiter sowie-arbeiterinnen Tagesordnung: Bericht, Branchenangelegenheiten und Berschiebenes. Die Ortsverwaltung. Berein der Berliner Buchdruder und Schriftgleber Donnnerstag, den 17. November, nachmittags 5 Uhr: General- Versammlung im kleinen Saale der„ Neuen Welt", Hasenheide 108-114 Tagesordnung: Die bevorstehende Tarif- Ausschußsitzung. Zu dieser Bersammlung fino außer den Delegierten die Bertrauensleute un Druckereikaffierer geladen.. Ohne Legitimation kein Zutritt! Der Gauvorstand. Die Hausdruckereien der dem Verbande der Metallindustriellen and gefchloffenen Metallbetriebe: AEG Luisenstraße, Brunnenstraße 107, Ackerstraße 71-76; Siemens, Stemensstadt( Berwaltungsgebäude), Akkumulatorenfabrik, Martenstraße 11: Borfis, Tegel( Betriebsgebäude) find für Gehilfen und Buchdruckereihilfsarbeiter gesperrt. handelnde ziehen den Ausschlug aus der Organisation nach fich. Möbel kaufen Sie nirgends so billig und gut wie bei Neugebauer Charlottenburg, Wilmersdorfer Str.12$ 1, E.Schillerstr. Kein Laden Massini, 3nwiders Gloth. Parzellen in Heiligensee bei Tegel. Breiswert, feh gut. 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Auf ein paar temperamentvolle Artikel von Dr. Lesser hatte in einem ausführlichen Artikel der be fannte Wissenschaftler Prof. Dr. Blashto geantwortet. In überzeugender Ehrlichkeit hatte er alles Für und Wider abgewogen und war auf Grund seiner reichen Erfahrungen zu dem Erg.bnis gelangt, baß auch ohne unser 3utun ber Organismus über sehr wirksame Mittel zur Bers nichtung des syphilitischen Giftes verfüge, daß aber in anderen Fällen die natürlichen Seilträfte nicht ausreichen. Der Artikel ist vor vier Wochen erschienen unb hat in Menztetreifen Aussehen erregt. Aber noch ist zur Erörterung bes Problems vor Fachleuten, vor Wissenschaftlern feine Gelegenheit gewesen da zerren die Naturheilkundigen bie Frage vor bas große Publikum, reißen, was für ihre Auffassung spricht, aus bem Zusammenhang und sagen bem Laien: Das alles gibt Blaschko, bie berühmte Autorität, zu, er weiß gar nicht, wie nahe er dem Naturheilverfahren schon ist. Das Hauptreferat an jenem Abenb telt Dr. Winf. Er ging davon aus, daß sich in der Schulmedizin eine neue Auffassung in der Behandlung der Syphilis Bahn breche, gab eine vorzügliche Darstellung über das Einbringen des syphilitischen Giftes in den Körper, las bruchstückweise Abschnitte aus Blaschtos und Lessers Artikeln vor und fam zur völligen Verwerfung des Quecksilbers und des Salvarsans. Winschs Darstellung ist im ganzen eine ruhige und fachliche, man hat auch als Gegner den Einbrud, mit diefem Mann lohnt sich eine fruchtbringende Distusion. Um so mehr sollte er sich aber nor Entgleisungen hüten, wie bez Behauptung, es fei erwiesen, bas bei Naturvöltern Gehirnermeidung unb Riden= martsschwindsucht als Nachfranheiten ber Syphilis seltener als bei den Kulturnölfern mit ihrer Quedfitberbehandlung seien, und Blaschto habe sich hierzu nicht geäußert. Blaschto hat sich dazu geäußert und nachgewiefen, daß die be treffende Statistik falsch und unbrauchbar it. In demagogischer Weise sprach der Naturheilarzt und Naturärzten angeführten Veröffentlichungen berühmter Profefforen über Todesfälle in ihrer Bragis sind ein Beweis dafür. Einstweilen fei das große Publitum jedoch vor trititloser Anerkennung des Naturheilver= fahrens in der Behandlung der Syphilis gewarnt. Erfreulich ist, daß auch die Anhänger der Naturheilkunde die Notwendigkeit eines Gesezes zur Befämpfung ber Geschlechtstrantheiten anerkennen. Wenn sie dabei den hen Entwurf vorziehen, so stehen sie mit vielen Aerzten und Gesezentwurf von Dr. Käte Schirmacher dem Blaschio= Bolitifern im gleichen Lager. Es handelt sich dabei um die beller bewähren wird. Das Referat Shitzmeisters über technische Frage, welcher Gesezentwurf sich in der Praxis diese Frage war gut. Wenn er allerdings den Entwurf nur mit völliger Kurierfreiheit annehmen will und dabei alle Naturheilkundigen zur Behandlung zugelassen sehen will, wird er auf Widerstand stoßen. Aerzte, die sich zur Naturheilkunde befennen, wären auf Grund ihrer Approbation an sich schon zugelassen; aber jedem Nichtapprobierten, dem die Kenntnisse der menschlichen Anatomie und Psychologie, wie die Beschäftigung mit der Pathologie und Klinit der Krankheiten fehlen, und der lediglich aus der größeren oder fleineren Tiefe feines Gemüts sein Wissen schöpft, gleichzustellen mit einem Manne wie Dr. Winsch, der auf Grund wissenschaftlicher Beobachtungen in der Naturheilkunde die Wahrheit gefunden zu haben glaubt, erscheint doch nicht richtig. Die Volfsgesundheit ist uns zu heilig, als daß wir in einem Gesetz jedem, der zum Heilen gerade 2ust hat, aber feine genügende Ausbildung besitzt, die gleichen Rechte und Pflichten wie den Aerzten geben. Der Ansturm auf die Waren in Berlin Zu unserem Artifel unter vorstehendem Titel teilt uns ber Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser mit, daß nicht nur Mengen abgibt, sondern daß dies wohl bei der Mehrzahl aller die Konsumgenossenschaft gewisse Artifel jetzt nur in beschränkten in Betracht kommenden Geschäfte, insbesondere aber bei den Warenhäusern Wertheim, Tich und Jandorf", gleichfalls so gehalten wird. Wir nehmen dies zur Kenntnis, müssen aber fonftatieren, baß zur Zeit, als unser Artikel geschrieben wurde, von einer so vernünftigen Haltung der Geschäfte, abgesehen von den geringen Ausnahmen, die mit genannt haben, nichts zu bes merten wat. Im übrigen gibt der Verband der Warenhäuser in seiner Zuschrift an uns. Dem Befremden darüber Ausbrud, daß wir Firmen, die in der Freiheit" inserieren, im rebaftionellen Teil angreifen. Wir verstehen diese Somöopath( wie nereinigt er pas?) Dt. 2eme Kennzeiche Oeffentliche Boltsversammlungen nend für seine Art, zu reden, war, daß er eben noch von den Salvarsaneinsprigungen und im gleichen Atemzuge von Einspritzungen sprach, die sich jeder auf der Rettungs= wage nach einem Geschlechtsverkehr mit einer unbekannten Ber fon machen lassen tann. Will er beim Publifum den Eindruc erweden, auf der Rettungsmache würden vorbeugende Salparjaneinsprigungen gemacht? Er weiß doch sehr genau, daß dort nur eine Desinfettion( Reinigung) vor genommen wird; dafür sollten doch auch Anhänger der Natur heilfunde zu haben sein. Den Naturheilärzten erwiderte ausgezeichnet ein praftlicher Arzt, es sei eine Binfenwahrheit, daß die Natur heilt und daß der Arzt nur ein fleiner Helfer ift. Vielleicht hat die Schulmedizin" auch in der Syphilis frage etwas von den Raturheilkundigen zu lernen. Noch ist aber die Frage zur Erörterung vor dem großen Publi tum nicht reif. Die so arg verlästerte Schulmedizin hat dankbar das Gute an Priesnih' Lehren anerkannt, fie wird auch hier nicht ruhen, bis sie das Wahre gefunden zu haben glaubt. Sie forscht unermüdlich und mit rüdsichtsloser Ehrlichkeit gegen eigene Fehler. Gerade Blaschtas Artikel, gerade die von den ( 18. Fortfchung) Der einzige Weg Roman von Paul Reboug Uebersetzt son Nub If& ürk Copyright 1921 by Grethlein& Co. 6. m. 5., Leipzig. Während sie die vergilbten Batebe öffneten, fühlten se beide eine Aufregung. Ach, der Matin", der" Figaro", das " Journal" aus den ersten Augusttagen! Die Ueberschriften in ungeheuren Buchstaben: Deutschland erflärt Frankreich den Krieg! England mobilisiert! Welches Hin und Her von Hengsten bedeuteten diese rohen Säge in ihrer furchtbaren Unsicherheit! Bald waren sie mitten in einem Stoß Zeitungen, beren Druderschwärze verblaßt, beren Papier brüchig geworden war. Réal las rasch. Yvonne schrieb nach seiner Anfage. Wenn er aufhörte, las fie für ihn und gab ihm im Fluge die wich tigsten Stellen an. Warum lachen Sie?" fragte Réal, ber sie heimlich mit feinen Bliden verfolgte. Sören Sie. Im, Echo de Paris' vom 26. Auguft 1914 berbündete Moriz Barrès: Die Dampfwalze bewegt sich gegen das ungeschütte Deutschland." Ach, ich fann mit Aehnlichem dienen. Sier biefes schöne Wort von Hanotaur vom 30. August:, Warten wir vierzehn Tage, und die russischen Heere stehen vor den Toren BerTins'. Diese Nachforschungen wurden bald zum Sport. Joonne entdeckte zwei Prophezeihungen Clémenceaus: Die unein nehmbare Festung Antwerpen fann für unbestimmte Beit Widerstand leisten." Und:„ Brüssel, biese prächtige Mause falle". Réal antworte mit einem Trommelfeuer von Bro phezeihungen aus dem Jahre 1915. Moriz Barrès fündigte es am 1. Januar im„ Echo de Paris" als Siegesjahr an und wurde von den Generalen Cherfils, Duchesne und Burlinden in den großen Journalen unterstügt; lekterer hoffte, mit Silfe der Dampfwalze ben Krieg in vier Monaten zu be enden. am Mittwoch( Bußtag), den 16. November, vorm. 10 Uhr in folgenden Bokalen: Lehrervereinshaus,( Gr. Saal) Meganberplat Kliems Festfäle, Safenheide 18-15 Brachtsäle des Dftens, Frankfurter Mee 48 Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10 Bharus- Säle, Müllerstraße 142 Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftraße 24 Zagesordnung: Roalitionspolitik Zeuerung und neue Steuern Referenten: Reichstagsabgeordnete Dr. Rudolf Breitscheib, Artur Grispien, Frans Rünstler, Dr. Julius Moses, Dr. Kurt Rosenfeld, Buise 8ies Genoffinnen und Genossen: Diese Versamm lungen müssen durch ihren Massenbesuch eine scharfe Absage des Berliner Proletariats gegenüber ber Politik der G. P. D. zum Ausdruck bringen Dienstag, 15. November 1921 geschäftstüchtige Logif vollkommen, bebauern aber feststellen zu müssen, daß wir uns ihr nicht beugen können. Der redaktionelle Teil der Freiheit" nimmt grundsäglich feine Notiz Dom Inseratenteil. Das mag bei den Blättern, die dem Verband der Warenhäuser näher stehen als die„ Freiheit", anders Jein. Wir verspüren aber feinerlei Neigung, es ihnen gleichzutun, da wir über Käuflichkeit und Korruption bestimmte Ansichten haben, die auch der befremdete Warenhäuser verband nicht erschüttern wird. Wer wird Siedlungsdirektor? Die Rechtssozialisten vor dem UmfaII? Seit Anfang dieses Jahres beschäftigt die städtischen Körpers schaften Berlins die Wahl eines Siedlungsdirektors. Es wäre falsch, wollte man annehmen, daß diese Frage lediglich eine Personenftage fet. Sie ist im Gegenteil stets eine eminent fachliche Frage gewesen, bie von entscheidenber Bedeutung ift, ob und unter welchen Bedingungen Berlin endlich zu einer Neubautätigkeit fommen soll. An die Spitze des Gied lungswesens gehört deshalb, mie der von den sozialistischen Parteien gemeinsam vertretene Antrag betonte, den die Stadtverordnetenversammlung im Mai annahm, ein Bolfswirt mit gründlichen Kenntnissen der Technik und des Wirtschaftslebens, nicht aber ein weltfrember Künstler. Diese Anschauung ist, wie wir fürzlich durch das Zitat aus der Bollischen Zeitung" nachwiesen, auch die Anschauung berjenigen Demofraten, die eingesehen haben, daß Berlin nicht mehr länger mit der Jnangriffnahme der Neubautätigkeit marten darf. Die Neubautätigkeit aber hängt zum wesentlichen Teil von ber Persönlichkeit ab, bie an die Spitze des Stedlungswefens berufen wird. Es gilt zunächst die organisatorischen Borausa fegungen für sie zu schaffen, dann aber auch die große Aufgabe zu lösen, mit den geringen Mitteln eine möglichst große 3ahl von Wohnungen zu erbauen. Rationellste Bauweise, Ausschaltung. jebes Zwischengewinns find deshalb unerläßliche Bedingungen für das Gelingen dieser Aufgabe. Diese Bedrohung ber Pripatinteressen der Bauunternehmer hat alle interessierten Kreise in Bewegung gesetzt. Sie lassen alle Minen springen, um den von der Siedlungsdeputation in Ausstat genommenen Kandidaten, Dr. Ing. Gutkind, zu Fall zu bringen. Daß sie dabei auch die Silfe der Bautünstler im Magistrat gefunden haben, nimmt nicht wunder. Diese Herren find ohne jedes Berständnis für das wirtschaftliche Problem der Neubautätigkeit. Erstaunlich aber ist, daß sich auch die Kreise im Magistrat im Schlepptau dieser Herren befinden, von denen man annehmen sollte, daß sie alles tun würden, um die Neubautätigkeit zu fördern. Aeußerten wir lehthin die Bermutung, daß lediglich die Techs nifer und die Baufünstler im Magistrat die Wahl Dr. Gutkinds zu vereiteln gedenken, so steht heute außer Frage, daß die rechtsa fozialistischen Mitglieder des Magistrats ihnen dabei mit Cifer hilfreiche Handlangerdienste leisten. Obwohl die Gewerkschaftstommission und die Afa in monatelangen Berhandlungen den in Magistratsmitgliedern den Ernst der Lage im Wohnungswesen auseinandergejezt haben und ihnen nachwiesen, daß eine Besserung nur durch die Wahl eines auf dem Boden der Gemeinwirtschaft stehenden Volkswirts zu erzielen sei, was von thnen anerkannt wurde, beteiligen sie sich jetzt an der Verhinderung der Wahl Dr. Gutkinds. Statt dessen sind Kandidaten ausersehen, die schärfte Gegner der Gemeinwirtschaft find, im Steblungswesen völlig unerfahren und somit nicht die geringste Gewähr bieten, daß wirklich eine Neubautätigkeit vors genommen wird. Dieses Verhalten ist umso unbegreiflicher, als die rechtssozialistische Stadtverordnetenfrattion die Richtlinien über das Wohnungswesen mit vertreten hat, die seinerzeit zwischen den Gewerkschaften und den sozialistischen Parteien vereinbart worden sind. Ihre Vertreter haben auch in der Zwischenzeit mehrfach erklärt, daß die Notwendigkeit, einen Gemeinwirtfchaftler an die Spitze des Siedlungswesens zu berufen, auch von ihnen anerkannt werde. Trotzdem wollen die Rechtssozialisten im Magistrat entgegengesett handeln. Wir wollen trog alledem die Hoffnung noch nicht aufgeben, daß fich die rechtssozialistischen Magistratsmitglieder noch in letzter u. 6. p. D., Beşirfsverband Berlin- Brandenburg . G. p. D., Bezirksverband Berlin- Brandenburg Stunde diese Entscheidung überlegen. Da die Sozialisten in Mauer. Erst beluftigten sie diese Irrtümer, dann tamen ihnen Zweifel. Hatten sich diese Leute so schwer geirrt oder batten sie, um die Stimmung zu heben, patriotische Lügen nicht gefcheut? War es Dummheit oder bewußter Betrug? In den furchtbaren Stunden, in denen diese Sätze zu Papier gebracht wurden, fonnte niemand ihre Glaubwürdigkeit nach prüfen. Aber heute? Empfand man nicht Scham, daß der artiges einmal gebrudt worden war? Bielleicht mußte es fein", meinte Dvonne.„ Auch der Ralfer fündigte ben Einzug feiner Truppen in Paris an. Seine Offiziere fälschten die Entfernungen. In verschiede nen Unterredungen prophezeite auch er das baldige siegreiche Ende." ,, Woraus sich ergibt, daß beide Bölfer von ihren Führern zum besten gehalten worden find. Sätten sie beide die Wahr beibe Beere zu beiden Seiten der Schüßengräben in Aufruhr heit gefannt, sie wäre ihnen so entfehlich erschienen, daß sie beibe Seere zu beiden Seiten der Schüßengräben in Aufruhr gebracht hätte. Aber warten Sie! Wenn Ihnen dergleichen gebracht hätte. Aber warten Sie! Wenn Ihnen dergleichen Spaß macht, fann ich Ihnen ein recht scherzhaftes fleines Seft zeigen." Er nahm aus einer Mappe eine Nummer der Zeitschrift Monde illuftré" vom 21. August 1915, woselbst man fah, mie der Kaiser vor einer begeisterten, Menge eine Rede hält. Tarunter standen diese Worte:" Sit es nicht wirklich herz zerreißend, zu sehen, mit welch fannibalischer Wut sich unsere Feinde über diefen abscheulichen Vorgang freuen?" Welchen Vorgang?" " Die Torpebierung der Lufitania'." Und er las weiter: Da habt ihr die grausamen Teutonen, wie sie an dem Abend, an dem die Nachricht tam, vor dem kaiserlichen Palast in ihr Triumphgeheul ausbrechen." Nun und?" fragte Yvonne. Nun und es ist der Abbrud eines Lichtbildes, das in den deutschen Zeitungen am 31. Juli 1914 erschienen war und die Menge barstellt, bie barhäuptig dem Kaiser zujubelte, als er bie heilige Einigkeit in den berühmten Worten verkündete: Jch fenne teine Barteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche'." Sie mar empört: Aber Yvonne gab sich noch nicht geschlagen. Sie grub den Matin vom 9. April 1915 aus, in bem ber gelehrte Bolts franzöfifche Zeitung hat gewagt...? wirt Edmund Théry auf Grund wissenschaftlicher Unter juchungen zu dem Ergebnis fam, Desterreich werbe vor dem 15. Juni um Gnade bitten. Aehnlich oratelte General Cher „ Solcher Schwindel follte verboten werben. Wie? Cine Cr aber lächelte: 3 fo Ihnen das la neu? Ein Rebatteur bringt ein Bib, bas fich leicht vervielfältigen läßt, ein anderer Rebatteur pfuscht den Text und lidt bas Ganze in den Satz Wer sollte widersprechen? Die Boches? Gibt's nicht. Also nichts zu befürchten. Aber beruhigen Sie sich. Die deutschen Blätter haben es nicht besser gemacht, und die russischen erst." Er zeigte eine Nummer des, Wesmir", in der drei deutsche Leutnants abgebildet waren, die Metallvasen in den Händen halten. Der russische Text war handschriftlich übersetzt:„ Eine Gruppe Plünderer aus dem deutschen Heere, die Hände voll von geraubtem Gute." ,, Und das ist in Wahrheit..." ,, Auf der Rückseite ist der Ursprung vermerkt. Das Bild ist am 9. Junt 1914 im, Berliner Lofalanzeiger' erschienen. Es zeigt die Sieger des legten Hürdenrennens im Grunewald mit ihren Preisen..." Réal lachte: Im Kriege glaubte man eben alles. Damals war Klugheitsdämmerung. Hier sehen Sie ein paar Schüler, die ein Wägelchen mit sich ziehen, auf dem in deutscher Sprache zu lesen ist: Seid wohltätig, beteiligt euch an der Wollwoche'. Die Pariser haben sich vom Miroir' chne weiteres einreden lassen, daß diese Anaben mit dem Abtransport gestohlener Teppiche beauftragt find. Sie haben auch geglaubt, daß diese alten Ansichtskarten Sie sehen, Odessa 1905- die aus der Zeit der Pogrome stammen, Abbildungen aus dem Weltkrieg find. Und der brave Miroir' hat darüber geschrieben: ErAbbildungen wurden in Lobz nach dem Rüdzug des Feindes läuterungen zu solchen Vorkommnissen sind überflüssig. Die aufgenommen. Die Vorfämpfer der Kultur haben den Polen eine ausreichende Vorstellung non der deutschen Herrschaft gegeben." Nun, Serr Journalist", spöttelte Vvonne ,, die Zeitungen führten sich ja recht brav auf. Sie führten sich auf wie alle Welt in jener Zeit. Die Menge, bie Presse, die Regierung, die Polizei- alles hatte den Kopf verloren. Das Schönste war dies: als die große. Kanone Paris beschoß, murben gegen zweihundert Personen, die auf den Straßen die Behauptung gewagt hatten, das Stimmung zur Wache gebracht." feten teine Fliegerbomben, wegen Erzeugung schlechter Yvonne war durch so viel menschliche Schwäche gerührt, und fie lächelte, wobei sich in ihren Wangen zwei allerliebste Grübchen seigten. Dann wurde sie wieder ernst. Tus nichts. Man muß gerecht sein. All diefe Menschen ben, ben Sieg zu erwarten. Das dürfen wie nicht vergeffen." haben uns tros ihrer Jrrtümer bie moralische Kraft gege Cortfegung folgt.) 467 Magistrat die Mehrheit haben, fo, fönnte die Wahl Dr. Gutinds nur mit Hilfe der Rechtssozialisten verhindert werden. seschieht das aber, dann wird auch die rechtssozialistische Par ei die Folgen dieser von vielen ihrer Anhänger niẞbilligten Handlungsweise tragen müssen. Ein Selbstporträt Der Leutnant mit dem Bubengesicht Der verantwortliche Redakteur des Wulle- Blattes, im Hauptberuf ehemaliger Leutnant, hat folgendes poetische Felbstporträt geschaffen: Mit jungen siebzehn Jahren 3og ich freiwillig in den Krieg Mit heißen siebzehn Jahren Stürmt' ich den ersten Sieg! Mit achtzehn alt in der Order st ht: Da wurd' ich Leutnant Seiner Majestät! Vor Jubel war mir das Herz so weit! Das war meine stolzeste Zeit! Es rasselte schleppend mein Degen Ich liebte Seft und liebte TanzMein Bubengesicht blikte verwegen Und meiner Stiefel Lack und Glanz! Und Einglasblik und Sporengeflirr, Die machten den Mädels die Herzchen so wirr Sie liebten gar sehr den Leutnantsschneid! Das war meine stolzeste Zeit! Das ist der Typus des preußischen Leutnants, ben uns nach Bismard teine Nation nachmacht! Es sind alle Tugenden aufgezählt, die diese Bürschchen befähigten, das Schidjal ganzer Kompagnien verheirateter Landsturmleute in ihren Bubenhänden zu halten. Welcher ernsthafte M nsch will sich noch einmal unter die Herrschaft dieser eingebildeten Schürzenjäger begeben? Konsumgenoffenfchaftliche Kartoffelversorgung In der„ Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" vom 12. Nopember werden zum Beweise dessen, daß es sehr wohl möglich ist, bei verständigem Zusammenarbeiten mit den Produzentenvers bänden eine geregelte Versorgung der Städte zu erreichen, und dafür, daß sich wahnsinnige Preistreibereien am besten vereiteln lassen, wenn die Verbraucher sich organisieren und dann ruhig Blut bewahren, einige Bors gänge aus der Hamburger Genossenschaft Produk: tion" veröffentlicht, die zu Nutz und Frommen aller Verbraucher auch hier mitgeteilt sein mögen: Die Konsumgenossenschaft Produktion", Hamburg. hat die Versorgung ihres weitausgedehnten Tätigkeitsgbiets mit Kartoffeln für den Winter in ganz umfangs reicher Weise in die Hand genommen. Durch rechtszeitigen Abschluß von Verträgen mit landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden der Ueberschußgebiete sicherte Sie sich gewaltige Mengen Kartoffeln und sorgte auch nach Mög lichkeit für rasche Zufuhr. Um der minderbemittelten Bevölke rung die Einnahme von Winterkartoffeln zu erleichtern, schritt sie zum sogenannten Schutenverkauf( aus Kähnen an Wasserlöschplätzen) in allen Stadtteilen, wo solcher möglich war. Gie bot Kartoffeln zu 60 bis 65 M. an, mußte aber erleben, daß die Verbraucher sie figen ließen, offenbar in der Erwartung, die Ware werde noch billiger werden. Als dann die Stimmung plöglich umschlug, riß man sich um die Ware, so daß die Geschäftsleitung Borsichtsmaßregeln treffen mußte, um zu verhindern, daß Kleinhändler und zu denen gesellen sich leider auch Verbraucher, selbst organisierte mit ihrer billigen Ware Privat geschäfte machen könnten. Grfreulicherweise ist die Produktion" dant ihren vorsorglichen Maßnahmen in der Lage, den Groß- Hamburger Kartoffelmarktpreis wesentlich zu beeinflussen. Bisher schloß fie für den Schutenverlauf 500 Waggon( 100 000 3entner) ab, wovon 300 Waggon ( 60 000 3entner) bereits erledigt sind. In den Warenabgabetellen gelangten bisher 10 000 3entner im Kleinverkauf zur Ver teilung, und in der Hauslieferung sind 8000 3entner teils bereits abgefahren, teils geschieht dies in nächster Zeit. Als Reserve für Notfälle ist die Einlagerung weiterer 25 000 Zentner vorgesehen, von denen 18 000 3entner bereits eingefellert sind. Das sind gewaltige Mengen, die ohne Preisüberbietung getauft sind und ohne Preiswucher abgegeben werden, während en Teil der Kartoffelgroßhändler bereits auf das unter den obwaltenden Verhältnissen undankbare Geschäft verzichtet hat, nach Hamburg zu liefern. 3um völligen Verständnis fei noch bemerkt, daß in Hamburg, wie auch in anderen Industriegebieten Deutschlands, die Kartoffel preise natürlicherweise immer höher gewesen sind als in Kartoffelanbaugebieten, so daß der von der„ Produktion" in Anfaz gebrachte und von ihr bestimmte Preis sich in jedem Fall als günstig erweist. Bei der Jugend zu Gaste Die fozialistische Proletarierjugend sammelt fich wieder. Zu unserer Freude fönnen wir feststellen, daß die Organis fation der sozialistischen Proletarierjugend sich stetig festigt. Damit auch die Erwachsenen sich von der Güte der Bewegung überzeugen und mithelfen möchten, das war der Zweck einer geselligen Beranstaltung, die am Sonntag in der Aula des Schillerlyzeums in der Panstraße stattfand. Der Raum war bis auf den legten Platz gefüllt. Alt und Jung waren vereint. Bis auf die Mitwirkung dés Gesangvereins„ Harmonie" bestritten die jugendlichen Proletarier alles aus Eigenem: Vorträge von Freiligrath, Otto Erich Sartleben, Kar! Liebknecht wechselten ab mit Musikvorträgen und Bolfstänzen. Ein jugendlicher Schlosserlehrling erfreute die Zuhörer durch prächtige Violinsolos. Die Stimmung war eine gehobene. Freude und Stolz empfanden wir Aelteren ob des guten Geistes, der unter unserer Proletarierjugend herrschte. Wünschen wir unserer sozialistischen Jugend eine stetige und dauernde Aufwärtsentwidlung. Die Eltern der schulentlassenen Jugend können ba piel mithelfen. Wir brauchen unsere Jugend, um unsere Arbeit in unserem Sinne fortzuführen. Berlagsgenossenschaft Freiheit". Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die jest neugezeichneten Anteile im Hause der Verlagsgenossenschaft Freiheit", Berlin C. 2, Breite Straße 8/9, Zimmer 13, bis abends 6 Uhr, außer Sonnabends, abgerechnet werden können. Das Bezirksamt Berlin( Mitte) hat am 17. Oftober 1921 die Wohnungsämter 1a, Alexanderstr. 24, und 1b, Chausseestr. 131, übernommen. Das Bezirkssteueramt Copenid( XVI) hat seinen gesamten Betrich nach den Verwaltungsgebäude Bellevue, Copenid, Eingänge vom Grundstück Kaiser- Wilhelm- Straße 15 und Friedrichshagener Straße gegenüber der Pabstwerft, verlegt. Die HauptSteuertasse befindet sich vorerst noch im hiesigen Rathause, wird aber innerhalb turzer Zeit ebenfalls nach Bellevue umziehen. Eine Mahnung an die Hauswirte. Die Hauswirte und die Sausperwalter werden erneut daran erinnert, daß es ihre Pflicht ist, bei Schneefall die Bürgersteige zu säubern und mit Sand oder 9fche lo zu bestreven, daß ein Ausgleiten möglichst ausgeschlossen t. Diese Maßnohme wird dringend der Beachtung empfohlen, da fich jetzt täglich schwere Unfälle infolge Ausgleitens ereignen und die Berunglüdten eventuell Schadenersatzansprüche an die zur Eäuberung der Bürgersteige Verpflichteten stellen tönnen. Ueberfallen und vergewaltigt. In der vergangenen Nacht gegen 2% Uhr wurde die 20jährige Helene R. in der Luisenstraße in hilflosem Zustande aufgefunden. Nachdem sie sich etwas erholt hatte, gab sie an, von einem Manne, der angetrunken gewesen sei, überfallen und vergewaltigt worden zu sein. Um sie am Schreien zu hindern, hatte ihr der Unhold einen Schal so fest um den Hals geknüpft, daß sie fast erstidt wäre. Gewerkschaftliches Englisches Urteil über deutsche Arbeit losenpolitif Die Arbeitslosigkeit in England ist ein schwerwiegendes Problem, das zu lösen alle Kräfte im Lande sich bemühen. Die be= tannte englische Zeitschrift„ Nation" läßt diese Frage in Nr. 4 von zwei Verfassern behandeln, von denen der eine, J. A. H., erklärt, daß ein guter Frieden vor drei Jahren nicht diese entsetzlichen Folgen für England gehabt hätte. Die Regierung habe aber alle Warnungen in den Wind geschlagen, und es gilt allgemein die Anschauung, daß für die Arbeitslosigkeit nicht die Regierung verantwortlich gemacht werden kann. Diese sei eine interne Angelegenheit der Arbeiter und Unternehmer, und untereinander müßten diese zwei Parteien diese Frage lösen und sich selbst helfen. Der Verfasser kommt zum Schluß, daß die englische Regierung in dieser Frage nichts unternehme, im Gegensatz zu andern Ländern. In einem zweiten anhängenden Aufsatz von Feliz Morley, der eine Studienreise durch Deutschland absolvierte, wird das Thema, Was Deutschland tut" in dieser Frage, behandelt. Er führt aus, wie eine große militärische Anlage bei Magdeburg für soziale 3 wede verwandt, wie die Umfassungsmauern abgerissen und die Steine für öffentliche Arbeiten gebraucht wurden. Der gewonnene Plaz wurde in öffentliche Parks und Spielpläge umgewandelt. In den Räumen, in denen früher Soldaten und Offiziere ihr Handwerk betrieben, ist nun der Arbeitsnachweis untergebracht, der in wissenschaftlichsystematischer Weise das Arbeitslosenproblem zu bewältigen sucht. Der Verfasser erklärt, daß es geradezu beispiellos ist, was in Deutschland von der Zeit nach der Revolution bis jetzt in dieser Beziehung geleistet wurde. Fast über Nacht mußte abgerüstet werden, wir verloren die Kolonien und große Bestände an Rohmaterial, eine große Zahl von Deutschen aus den abgetretenen Gebieten flutete zurück, und trotzdem ist das Arbeitslosenproblem fast gelöst worden. Morley ist ganz erstaunt, daß die privaten Vermittlungsbureaus für Hauspersonal in vielen Städten Deutschlands verboten wurden und daß diese Tätigkeit von der Gemeinde ausgeübt wird. Jn Nürnberg sah er für diese Zwecke schöne, gepflegte Räume, die sogar mit Blumen geschmüdt waren, ebenso in anderen Städten. Dinge, die in England unbekannt sind. find. In noch größeres Erstaunen geriet der Verfasser, als er pernahm, daß den Arbeitslosen freie Fahrt zur vermittelten Arbeitsstätte gewährt wird und daß wir eigene Jugendabteilungen den Arbeitsnachweisen angliederten. Morley ist geradezu entzückt, was auf diesem Gebiet bei uns geleistet wird, hält Deutschland England als Spiegel vor und erklärt, daß er in weiteren Aufsätzen die interne Arbeit unserer Nachweise noch besprechen wird. Der englische Verfasser stützt sich bei seiner Arbeit ausschließlich auf offizielle deutsche, amtliche Zahlen und Angaben und eigene Beobachtungen und tommt natürlich in seinen Schlüssen zu einem Lob der deutschen Staatsbureaukratie! Das ist natürlich falsch und daneben ge= hauen. Unsere Gewerkschaften vor allem haben an diesen Erfolgen, die von Engländern bewundert werden, den größten Anteil. Ihrer unermüdlichen Arbeit in der Aufstellung von Vorschlägen und Forderungen, ihrer attiven Mitarbeit und ihrer Initiative verdanten wir es, daß die deutsche Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit vor noch grausigeren Zuständen bewahrt blieb. Jedes einzelne Verlangen für die Opfer unserer wahnsinnigen Gesellschaftsordnung mußte mühselig der bürgerlichen Gesellschaft abgerungen werden, und ziehen wir diese Tatsache in unsere Beurteilung ein, die der Verfasser sicher aus Untenntnis der Dinge außer acht ließ, so laufen seine letzteren Ausführungen auf eine große Anerkennung der geleisteten Arbeit seitens unserer Gewert schaften hinaus. So gesehen, haben diese Beiträge für uns eine große Bedeutung, und wir wünschten nur, die Gewerkschaften in England würden ebensoviel wirtschaftspolitische Einsicht wie unsere deutschen Gewerkschaften aufbringen und in ähnlicher Richtung arbeiten. Dann wären Erfolge auf diesem Gebiet auch auf englischer Seite zu buchen. Internationaler Gewerkschaftsbund In Genf fand am 22. und 23. Oftober eine Vorstandssitzung statt, in der sämtliche Mitglieder anwesend waren. Zum ersten Male nahmen der Vertreter Jtaliens im Vorstand, d'Ara= gona, und der Vertreter Spaniens, Caballero, ihre Size ein. Es wurde u. a. über die Hilfsaktion für die Hungernden Rußlands berichtet, über dessen einzelne Details wir in der Freiheit" schon Kenntnis gaben. An die Gesamtarbeiterschaft soll weiterhin der Appell gerichtet werden, die Samm lungen für Rußland fortzusehen. Das Bureau erstattete Bericht über die Sammlung für die Gewerkschaften in Ungarn. Das Ergebnis erlaubte es, daß monatlich 1000 holl. Gulden für ungarische Gewerkschaftsblätter geleistet werden konnten. Es lagen Gesuche der Gewerkschaften von Lettland und Jugoslawien vor, die um finanzielle Beihilfe ersuchten. Beiden soll Silfe gewährt werden. Der am 28. November d. J. in Ausficht genommene Internationale Gewerkschaftstongreß wird ver schoben und soll am 20. April 1922 in Rom stattfinden. Mitte November wird auf Einladung von Amsterdam eine internationale Konferenz der Bergleute, Transport und Metallarbeiter stattfinden, die sich mit der Frage der Abrüstung beschäftigen wird. Gen. Thomas( England) berichtet über seine Mission als Vertreter der englischen Gewerkschaften zum amerikanischen Gewertschaftstongreß. Er stieß drüben auf eine unglaubliche Vers tändnislosigkeit in internationalen Fragen. Das Bureau wurde ermächtigt, alle Maßnahmen zu treffen, um die amerikanischen Gewerkschafter zu veranlassen, ihre isolierte Haltung aufzugeben. Weitere Berichte lagen aus Spanien vor, wo die Reaktion schrankenlos wütet. Ueber die Haltung der Delegierten zu den Anträgen, die auf der Arbeitskonferenz behandelt werden sollen, werden besondere Konferenzen der Arbeitervertreter und der Experten beschließen. Zum Schluß wurde noch Kenntnis gegeben von der Behandlung der Kriegsbeschädigtenfrage durch das Internationale Arbeitsamt, und eine eigene Kommission wurde zu diesem Zweck eingesetzt. Gewerkschaftliche Jahrbücher Den Umfang und die Bedeutung unserer Gewerkschaften im wirtschaftspolitischen Leben veranschaulichen auch die Jahrbücher, die unsere Verbände jährlich herausgeben. Genügten ehemals bloße Kassenberichte und Mitteilungen über geführte Kämpfe, so sehen sich unsere Organisationen heute veranlaßt, ganze Werte vorzulegen, die nicht nur Aufschlüsse über interne Angelegeheiten des jeweiligen Verbandes geben, sondern zugleich als wiriju, afts= politische Nachschlagebücher gelten fönnen. Was hier gesagt wurde, trifft auch auf das eben erschienene Jahrbuch des Fa brit arbeiter Verbandes, das zum neunten Mal erscheint, zu Dem Bericht des Fabrikarbeiterverbandes tommt insofern eine größere Bedeutung zu, weil es sich hier um die gewerkschaftliche Erfassung von größtenteils un gelernten Arbeitern handelt, die an sich schwerer zu organisieren sind. Während z. B. in den englischen Ländern die Fachverbände( trade unions) nur gelernte Arbeiter aufnehmen und die ungelernten ihrem Schiajal überlassen, find wir in Deutschland guüdlicherweise weiter, und dem Fabritarbeiter- Merband fällt hier die Aufgabe zu, die Kaders dieser großen Massen sogenannter ungelernter Arbeitet zusammenzuschließen. Der Bericht selbst fängt in seinem politischen Teil mit dem Kapp Putsch an, berührt den Generalstret zur Abwehr desselben, leitet über zu wirtschaftlichen Fragen und bespricht die einzelnen Wirtschaftsgebiete im Verbandsgebiet Keine Gewerkschaft hat ihre Mitgliedschaft in so vielen Industrien zerstreut wie der Fabritarbeiter- Berband. Wir wollen hier nur einige wenige anführen die Berbardsangehörigen find tätig in der Blumens und Blätterindustrie der chemischen Industrie in Braunkohlens schwelereien, in der Kautschut- und Kaliind strie, in der ganzen Salinen- und Nah ungsmittelindustri u'm Daraus ist icon zu ersehen, daß es schwierig ist, die Mitgliedschaft beisammenzus halien, und es wird im verlagt erwähnt daß die Aufgave, die Fluktuation der Mitglieder zu parieren, der Verband noch zu Löfen hat. Der Verband zählte 1920 etwa 643 800 Mitglieder m:: 705 Zahlstellen und hatte eine Einnahme von 43568 727 Mart. Die Ausgaben betrugen 24 869 443 art To base alentand von 18 699 283 Mart verblieb Wir erfahren noch weitere inters essante Angaben über die Arbeitslosigkeit, die vielfachen unters stugungen, die der Verband gewährt über 3ellenbildungen und Lohnbewegungen, Unfälle im Verbandsbereich und über die res tätigten Latife. Auch die Unternehmerverbände in vier Ins dustrien erfahren eine Würdigung alles Dinge, die das Jahr buch zu einem wertvollen Dokument stempeln, das insbesondere von den Verbandsmitgliedern eifcig studiert und gewürdigt wer den sollte. Beamte! Cifenbahner! Arfeifer! Mittwoch, den 16 November vormittags 10 Uhr, im 3irfus Busch am Bahnhof Börse große öffentliche Protestiundgebung gegen die Privatisierung, der Reichs- und Staatsbetriebe Eisen bahner, erscheint in Massen! Deutscher Eisenbahner Verband, Ortsverwaltung Berlin. Unverantwortliche Treibereien Unter den Angestellten im Gastwirtsgewerbe werden Ein ladungen an die Arbeiter und Angestellten des gesamten Kar tells im Gastwirtsgewerbe" für eine große öffentliche Versamm lung verteilt, die den Eindrud erwecken, als wäre der Einberufer das Kartell. Wie uns mitgeteilt wird, ist das nicht der Fall, das Kartell hat von der geplanten Versammlung keine Kenntnis und hat nichts mit der Sache zu tun. Als Referent wird ein Mitglied des Zentralverbandes Schlör angegeben. Wir wissen zur Stunde nicht, wer hinter diesen Machinationen steht, gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, wenn wir sagen, daß es dieselben Elemente sind, die im Gasarbeiterstreit eine fo üble Rolle spielten, die wir bereits gekennzeichnet haben. Diesen elenden Treibereien unverantwortlicher tonfuset Elemente müßte nicht nur seitens der Gewerkschaften energis entgegengetreten werden, sondern die Arbeiterschaft in ihrer Masse müßte es endlich einsehen, daß sie sehr schlecht beraten ist, Leuten à la Fichtmann zu folgen und ihnen ihr Interessenvertretung anzuvertrauen. Politischen Frei beutern das Handwerk zu legen, müssen sich alle Gewerkschafter um ihrer sebst willen angelegen sein lassen. Zum Streif bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte Eine Riefenversammlung der Streifenden bei der Reichsversich rungsanstalt für Angestellte befaßte sich am Montag mit der Lag Referenten sowohl wie sämtliche Diskussionsredner knüpften an Wiederaufnahme der Arbeit die Bedingungen, daß 1. die Dut führung der Beschlüsse des Verwaltungs- und Gesamtdirektoriums vom 7./8. Juni d. J. garantiert werden, 2. daß Maßregelunge irgendwelcher Art aus Anlaß des Streits nicht erfolgen dürfe 3. daß das Arbeitsministerium eine bindende Erklärung darübe abgibt, was mit den Angestellten geschehen soll, die bei einer ent Personaleinschränkung zur Entlassung tommen. Bei sechs Stimm enthaltungen faßte die Bersammlung einen entsprechenden schluß. Die Spikenorganisationen, die Unterstützung zugefa haben, wurden von der Versammlung beauftragt, sofort mit de Arbeitsministerium Verhandlungen zu führen. 3u berichten noch, daß unter brausendem Beifall der Versammlung der G noffin 3ieg für ihre Rede im Reichstag über die Besoldung frage der Beamten, wärmsten Dank ausgesprochen wurd Diefe Rede wird von den interessierten Körperschaften in Dru gegeben werden und zur Verteilung gelangen. Metallarbeiterstreif in Düsseldorf Wie wir bereits berichtet haben, drohte in der Düsseldorf Hütten und Metallindustrie ein schwerer Kam auszubrechen. Inzwischen liegt diese gesamte Industrie berei still. Die Zahl der Streifenden beträgt ca. 50 000. Die Stre ursachen liegen in den schlechten Verdiensten. Verhandlung wurden schon vor 14 Tagen abgebrochen, weil die 3 geständnisse der Arbeitgeber die Arbeiterschaft nicht b friedigte. Ein gefällter Schiedsspruch, der eine kleine Ve dienstausbesserung vorsah, wurde am Mittwoch, den 8. 11, einer Urabstimmung abgelehnt. Am Freitag, den 10. d. traten nochmals die Funktionäre zusammen, um zu dieser stimmung Stellung zu nehmen. Mit überwältigender Majo tät wurde darauf beschlossen, am Montag die Arbeit nieder legen. Der Regierungspräsident hat beiden Parteien seine mittlung angeboten. Untere Beamte und Besoldungsordnung. Der Deuts Eisenbahner Verband teilt uns zu unserem in Nr. gebrachten Bericht mit:„ Die vom Deutschen Beamtenbund Berufene öffentliche Protesttundgebung der Besoldungsgrup I bis VIII fand nicht öffentlich, sondern nur als Mitglieder sammlung statt, in der man anders organisierte, d. h. 1 organisierte Beamte und deren Organisationsnertreter nicht Lic. Es fond eine starte Kontrolle der Mitgliedsbücher der Deutschen Beamtenbund angeschlossenen Organisationen statt. Das sind ja merkwürdige Wiethoden der dem Beamtenbund an hörigen Organisationen. Die Besoldungsordnung ist doch Brinatangelegenheit einer Organisation, sondern berührt d staatlichen Angestellten die wenn sie schon getrennt marichien boch gemeinsam fämpfen müssen. Mitstreiter aber zufchließen, wie in diesem Falle, ist ebenso untlug wie unfinn Zur Lohnbewegung in der Lederwarenbranche. In einer besuchten Verhmmlung der Portefeuiller, Taschnet Beil a Koffermacher in Boebers Festsälen, berichtete der Bev mächtigte Blume über das Ergebnis der örtlichen Lohnverha lungen. Der abgeschlossene Nachtrag des Reichstarifes ist übe Berli holt, und es wurden von dem Zentralvorstand für einen Zentraltarif Verhandlungen beantragt. Die Arbeitgeber verstanden sich zu einem 25prozentigen Zuschlag angesichts der guten Konjunktur im Gewerbe und der rafen Teuerung nicht empfohlen werden konnte. Die Versamm nahm einen Antrag an, der höhere Bezüge vorsicht und we Am Donnerstag. den 17. November, Hindet eine Vertrau boß Ueberstunden ab Montan nicht mehr gemacht werben bi männerfihung der Branche statt. Einladungen ergehen noch sch lich. Jeder Betrieb muß vertreten sein. Gewerkschafts- Unterkommission Neukölln Am Mittwoch, tag, den 16. November, vormittags 10 Uhr, findet bei Ka Erfstr. 8, eine wichtige Sigung statt. Sämtliche Delegierte m unbedingt erscheinen. Der Obmann. 201