Einzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang Die Freiheit erscheint täglich morgens und nachmittags. Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus und durch die Poft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Bostbezug nehmen ( ämtliche Poftanftalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saars und Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens und Luremburg M. 23.-, für das übrige Ausland M. 30.Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße& Donnerstag, 24. November 1921 Nummer 549 Abend- Ausgabe Die zehngefpaltene Nonpareillezetle ober deren Raum koftet 6,- M. einschließlich Inferatenftener. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-M., jedes weitere Laufende Anzeigen laut Tarif. Wort 1,50 m. einschließlich Inferatensteuer. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 M. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort Anzeigen: das fettgebruckte Wort 1,50 m.. redes weitere Wort 1,-. Fernsprecher: Bentrum 152 30-152 39 Freiheit Berliner Organ Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Krife der Widergutmachung Vorschläge der englischen Industrie London, 23. November. Ji einer Denkschrift des Sonderausschusses des Bundes der britischen Industrien" heißt es über die Behandlung der Frage der deutschen Reparationen, daß der Reparationsplan in seiner gegenwärtigen Gestalt undurchführbar sei, und dah jeder Versuch, ihn mit Gewalt durchzuführen, zum Zusammenbruch Deutschlands führen müsse. Auf die jetzige Weise merbe schwierig sein, irgendeine Entschädigung von Deutschland zu ers langen. es Wir sind der Ansicht, heißt es in der Denkschrift weiter, daß die Eintreibung dieser Reparationen die Industrie Großbritanniens ernstlich erschüttern würde, sofern nicht besondere Maßnahmen getroffen werden, um die Form der Zah. Tungen zu regeln. Wir stimmen darin vollkommen überein, daß Deutschland bis zum äußersten Maße seiner Fähig= Teit zahlen soll. Wir sind jedoch der Ansicht, daß, um unserer Indus stric den geringst möglichen Schaden zuzufügen, die alliierten Regierungen neue Vereinbarungen suchen sollten, die Bes dingungen in verschiedenen Richtungen abzuändern, und wenn möglich, sogar bereit sein sollten, unter Berücksichtigung der Ans nahme dieser Abänderungen durch Deutschland die Last zu ers leichtern, die Deutschland auferlegt wurde. Jm gegenwärtigen Augenblid wird die gesamte wirtschaftliche Zukunft der Welt übers schattet von der riesigen Last der Schuld, die während des Krieges and der Nachkriegsperiode zwischen den großen Nationen eins gegangen wurde, und es ist unmöglich zu erwarten, daß der internationale Handel in die Bahnen wie vor dem Kriege zurücktehren wird, oder daß neue Beziehungen auf einer dauernden Grundlage erreicht werden können, bevor die Methoden, durch die diese Schuld liquidiert werden soll, nicht auf einer vernünftigen Grundlage geregelt werden. Am Schluß der Denkschrift heißt es: Wir haben es nicht für notwendig gehalten, in dieser Dentschrift die eingehende Auss arbeitung der Vorschläge zu bezeichnen, die wir unterbreiten. Wir glauben jedoch, daß diese Borschläge vollkommen burchführ. bar find, und daß nur auf dieser Grundlage eine für das Land befriedigende Lösung gefunden werden kann. Wir fordern daher bie britische Regierung dringend auf, unsere Vorschläge in ernste and dringende Erwägung zu ziehen. Die Argumente, die die Vertreter der englischen Industrien gegen die jetzige Form der Wiedergutmachungszahlungen vorbringen, berühren sich mit jenen, die die englische Arbeiterpartei schon im Frühjahr dieses Jahres in einer ausführlichen Denkschrift dargelegt hat. Die englische Arbeiterpartei wies darauf hin, daß die Verwirklichung der auf der Londoner Konferenz beschlossenen Wiedergutmachung nicht nur den Ruin der deutschen Arbeiterklasse, sondern auch eine furchtbare Schädigung des englischen WirtschaftsTebens nach sich ziehen müsse, unter der vor allen Dingen die englische Arbeiterklasse leiden würde. Nächtlicher Spuf im Preußenhaus Sigung bis 6 Uhr morgens Der Preußische Landtag hat in einer achtzehnstündigen Sigung, die heute morgen gegen 6 Uhr zu Ende ging, die GeSchäftsordnung durchgepeitscht und damit gewissermaßen einen Reford an parlamentarischer Ueberstundenarbeit aufgestellt. Die Dauer der Sitzung stand im umgekehrten Verhältnis zur Leistung. Neben vereinzelten Geschäftsordnungsdebatten wurde die ganze Sigung von 6 Uhr abends ab mit namentlichen Abstimmungent über die einzelnen Paragraphen ausgefüllt. Die Einförmigteit dieser nutzbringenden Beschäftigung wurde nur durch heitere Zwischenfälle unterbrochen, für die die Kommunisten in einem sehr reichlichen Maße zu sorgen wußten. Das Trillerpfeifen. tonzert und die Stintbomben als Hilfsmittel der par lamentarischen Obstruktion wurden von uns bereits erwähnt. Schließlich jahen die Opponenten ein, daß die Einheitsfront der Reaktionäre nicht zu sprengen war, fie übergossen sie daher, der Gesamtsituation durchaus entsprechend, mit Spott und Hohn. Das ganze Legilon an Schimpfworten wurde zum Vortrag gebracht. Schuft! Trottel! Verbrecher! Spitzbuben! bas waren ungefähr die mildesten Ausdrücke, die gebraucht wurden. Es er wies sich bei dieser Gelegenheit, daß auch die Rechtssozialisten und ihre Bundesbrüder durchaus teine Waisentnaben sind. Sie haben auf ihren Sprachregistern ebenfalls eine ganze Reihe von Tönen, die mindestens ebenso lieblich flingen, wie diejenigen, die von Zeit zu Zeit von den Kommunisten angestimmt wurden. Don Die Haupttätigkeit der Abgeordneten spielte sich während dieser, durch geistigen Tiefstand gekennzeichneten und somit immerhin denswürdigen Sitzung, in den Restaurationsräumen ab, bie die Mehrzahl der Abgeordneten infolge der 67 fachen Abstimmung 67 mal verließ und wieder betrat. Sobald das Gloden zeichen eine neue Abstimmung anfündigte, marschierten die Voltspertreter im Gänsemarsch nach dem Sigungssoal und kehrten bann fdmellstens wieder nach jener Stätte zurüd, die für manchen der Abgeordneten mehr innehmlichkeiten zu bieten schien, als der Die Vertreter der englischen Industrie haben sich recht spät zu der Erkenntnis bekannt, die schon zu Beginn des Jahres Gemeingut der englischen Arbeiterklasse war. Der forts gesetzte Rüdgang des Handels, der Stillstand in der Industrie, die Arbeitslosigkeit usw. haben schließlich auch dem englischen Kapital die Erkenntnis eingebläut, daß der internationale Kapitalismus sich durch seinen Wiederguts machungsplan in unlösbare Widersprüche verwickelt hat. Die englischen Industriellen glauben, daß nun durch eine Aenderung der Formen der Wiedergutmachung diese Widersprüche aus der Welt geschafft werden können. Andererseits glauben die Wortführer des deutschen Industrie und Banffapitals, daß sie durch die Sabotage der Wiedergutmachungen und durch einen eventu ellen Banfrott Deutschlands den gordischen Knoten mit einem Schlage zerhauen fönnten. Beide Auffassungen find irrig, beide entspringen den eigennützigen Profitinteressen der Kapitalistentlassen der einzelnen Länder. Einen Ausweg aus der Weltfrise der Reparationen haben lediglich die sozialistischen Parteien und die Gewerk schaften in ihren Amsterdamer Beschlüssen gewiesen. Alles andere, was von den Interessenten des Kapitals gefordert wird, ist entweder, wie bei den Vorschlägen der englis schen Industrie, Halbheit und Stüdwerk, oder, wie bei dem bösartigen, teuflischen Treiben der deutschen Industriefönige, Vorarbeit für eine neue Katastrophe, für den völligen 3usammenbruch. Der Wiederaufbau im Gommegebiet Abstimmung über Zulassung deutscher Arbeiter EE. Paris, 23. November. Loucheur empfing heute morgen eine Abordnung des Attionstomitees für die zerstörten Gebiete, die von dem Abgeord neten für das Departement Pas de Calais, Basly, und dem Generalsekretär dieses Komitees, Douceba me, vorgestellt wur den. Man sprach über den Aufbau der 11 Dörfer unter Heran ziehung deutscher Arbeitskräfte, und der Minister teilte mit, daß deren Zulassung von der Abstimmung der Bewohner des Ges bietes von Chaulnes abhänge, die darüber Klarheit verschaffen soll, ob die Geschädigten mit der Verwendung deutscher Arbeiter im allgemeinen und mit den weiteren Bedingungen einverstanden find, die mit der Durchführung dieses Planes verknüpft sind. Nach dem von der französischen Gewertschaftskommission mitgeteilten vorläufigen Ergebnissen dieser Absicht scheint die Mehrzahl der Bewohner der 11 Dörfer im Gebiet von Chaulnes mit der Berwendung deutscher Arbeiter einverstanden zu sein. Riftritt der ungarischen Regierung. Im Verlaufe der gestrigen Sigung der ungarischen Nationalversammlung beantragte Mi nisterpräsident Graf Bethlen die Vertagung des Hauses, da die Regierung zurüdgetreten fei. Sitzungssaal, in dem der politische Marasmus das Oberwasser betommen hatte. Daß der ganze, teilweise tief beschämende Vorgang einer parlamentarischen Handlung letzten Endes doch eine Machtprobe war, bewies die Fraktionsdisziplin, die ber realtionäre Blod seinen Mitgliedern auferlegt hatte. Das Haus war bei jeder Abstimmung und auch am Schlußße der Sitzungen so start besetzt, wie es nur bei den allerwichtigsten Ereignissen der Fall zu sein pflegt. Niemand durfte sich dem Abstimmungszwang, den die Fraktionen ausgesprochen hatten, entziehen und so gelang es denn, alle Paragraphen in der vorgeschlagenen Fassung anzuneh men und schließlich dem ganzen Entwurf der neuen Geschäftsordnung eine starte Mehrheit von Heilmann bis Gräfe zu verschaffen. Als es furz vor Schluß der Sigung noch einmal zu einer Ges Ichäftsordnungsdebatte über die heutige Tagesordnung fam, zeigte es sich von neuem, daß gerade diejenigen Herren, die am lautesten den Ruf nach„ parlamentarischer Ordnung" ausstoßen, die Würde des Hauses am stärksten verlegen, und insbesondere dadurch gerade den Kommunisten jene Waffe in die Hand drücken, die von ihnen so oft wider Gebühr gebraucht wird. Der rechtssozialistische Abgeordnete Franz Krüger richtete in einer Polemit gegen den tommunistischen Abgeordneten Dr. Meyer heftige Borwürfe gegen die Kommunistische Partei, und zwar Vorwürfe so allgemeiner Natur, daß den Kommunisten unbedingt die Möglichkeit zu einer Erwiderung gegeben werden mußte. Verabredungsgemäß war aber schon vor der Rede Krügers ein Schlußantrag eingebracht worden, über den der Präsident Leinert, nachdem Krüger geschlossen hatte, abstimmen ließ, und der natürlich auch die gewollte riesige Mehrheit fand. Die Kommunisten, deren Empörung in diesem Falle durchaus echt war, gebärdeten sich nach diesem heimtüdischen Streich wie Wilde, Krüger und die Seinen aber zogen mit der Miene des Biedermanns fröhlich lächelnd ab, während die Saustnechte der Fraktionen in den Wandelgängen des Hauses den lezten Rest ihrer Lungenkraft zu einem neuen Schimpftonzert verdichteten, um dann bei Tagesgrauen in die frische Morgenluft zu treten und Erholung zu schöpfen nach dieser an Strapazen aller Art so reich gefegneten Sigung. Die Einheitsfront Von Eugen Prager Es gibt feinen Arbeiter, der nicht wüßte, daß das Prole tariat nur dann der Gefahr völliger Verelendung entgehen bann, wenn es sich zu gemeinsamer Tat zusammenschließt. Die Einigkeit des Proletariats ist die Borbedingung für jeden Erfolg; und es ist nur ein Beweis für die Kläglichkeit unserer politischen Zustände, daß man diese Binsenweisheit immer aufs neue wiederholen muß. Wie kann aber die Einheitsfront hergestellt werden? Durch den Kampf um solche Ziele, die allen Arbeitern gemeinsam Find und durch den entschlossenen Willen der ganzen Arbeiter schaft, diesen Kampf in voller proletarischer Disziplin, also unter Ausschaltung aller egoistischer Wünsche, bis zum Ende durchzuführen. Die Spitzenverbände der Arbeiter und der Angestellten haben in ihren Forderungen zur Steuerfrage ein solches der ganzen Arbeiterklasse gemeinsames Ziel aufges stellt. Und indem die Unabhängige Sozialdemokratie zur gleichen Zeit die anderen Arbeiterparteien und die Gewerk schaften zu Verhandlungen über eine gemeinsame Aktion zur Bekämpfung des Elends in der Arbeiterklasse einlud, waren die Voraussetzungen für die Bildung einer Einheitsfront der Arbeiterklasse geschaffen. In diese Situation knallte die Parole der Kommunistischen Partei für eine Aktion zugunsten der politischen Gefangenen. Die Unabhängige Sozialdemokratie, die nicht erst auf den Hungerstreik in Lichtenburg gewartet hat, sondern sich unausgeseht der politischen Gefangenen annahm, war sofort zur tatkräftigen Unterstügung der Forderung be reit, die Amnestierung der politischen Gefangenen durchzus setzen, nicht nur derer, die in preußischen, sondern auch in bayrischen Gefängnissen schmachten. Es war aber von vorn herein klar, daß ein Erfolg nur erzielt werden konnte, wenn das gesamte Proletariat sich für die Forderung einsetzte. Was haben die Kommunisten nun getan, um bei dieser Gelegenheit die Einheitsfront herzustellen? Von ihrer Seite wurde von Anfang an mit dem Generalstreit gespielt; wer an der Durchführbarkeit in der augenblicklichen Situation und für diesen besonderen 3wed zu zweifeln wagte, der war gleich in üblicher Weise als Verräter ges brandmarkt". Daß die rechtssozialistische Partei in Bausch und Bogen in die Verdammnis flog, fann man begreifen; thre Haltung in dieser Frage ist auch von uns scharf tritis siert worden. Aber auch die Unabhängige Sozialdemokratie fand feine Gnade vor den Augen der fommunistischen Wortführer. Von der Genossin 3 ie z wurde berichtet, daß sie dem Minister„ inbrünstig angefleht" habe, der Berliner Parteis leitung der U. S. P. D. würde zum Vorwurf gemacht, sie ziehe ,, das Wohlwollen der S. P. D.- Führer der Einheit der Arbeiter" vor, in Versammlungen ließ man„ Vertreter der U. S. P." aufmarschieren, die sich mit der Haltung unserer Parteileitung angeblich nicht einverstanden erklärten, und ähnlicher Vorbereitungen mehr wurden für die Bildung der Einheitsfront getroffen. In Berlin arbeitete man immerhin noch mit Sammetpfötchen; um so deutlicher wurde man aber in ber Provinz. So schrieb der„ Rote Courier" in Leipzig in seiner Ausgabe vom Montag, den 21. November: „ Aus dem Aufstieg des Proletariats, das weiß die L. B., können die Führet der U. S. P. D. feinen Vorteil mehr ziehen; wenn das Broletariat niedergeschlagen wird, stehen ihre Chancen günstiger. Und so ist es der L. V.( Leipziger Bolkszeitung") sehr lieb, wenn an Stelle der Massenaktion eine staatlich organisierte Kommu niftenha tritt. Die U. G. P. D.- Führer möchten sich gern wieder als Hänen des Schlachtfeldes betätigen. Sie stehen lüftern bes reit, ihre Krallen in die dann wunden Flanten der Kommunisti schen Partei zu schlagen. Das sind die Gründe, die die L. V. veranlassen, zu versuchen, die K. P. D. in den Augen der Massen zu tompromittieren, die sich anbahnende Bewegung als Kommunistenputsch hinzustellen. Wahrlich, ihr U. S. P. D.- Arbeiter, es ist ein effes Geschmeiß, das ihr euch zu Führern auserforen habt! Würgt es euch nicht im Halse, wenn ihr das„ Organ für die Interessen des gesamten werttätigen Volfes" left? Steigt euch nicht die Schamröte in die Wargen ob der Zustände in eurer Partei, wenn ihr lest von dem waderen Kampf der oppositionellen Genossen in der S. P. D." Die Einheitsfront soll also nach dem uralten Rezept her gestellt werden, daß man die Führer vor den Bauch stoßen müsse, um die Massen zu gewinnen. 3u gleicher Zeit würde die Einheitsfront nach der anderen Seite verlängert, nämlich nach dem Sumpf der Indifferenten hin. Die„ Rote Fahne" drudte in ihrer Dienstagabenbausgabe ohne jeben Kommentar das Folgende ab: Die Kollegen der Firma H. Gallo verurteilen in allerschärfter Weise die Maßnahmen der Regierung gegen die politischen Ges fangenen und fordern die drei sozialistischen Parteien auf, profes tarische Solidarität zu üben und zur Unterstügung in eine ge meinsame Attion zu treten. ( 9 Unterschriften von unorganisierten Kollegen.) Es gab eine Zeit in der Geschichte der deutschen Arbeit flasse, in der der, unorganisierte Kollege" als ein Schähn für den Kampf des Proletariats angesehen wurde. war jene Zeit, wo jeber halbwegs zum Klassenbewa erwachte Arbeiter erkannt hatte, daß die kapitalistische Wirt- Ichaftsordnung sich nur so lange halten könne, als die Indifferenten, die Lauen, die Schwankenden den Organisatio ncn der Arbeiter fernbleiben. Man erinnere sich nur daran, welche Erbitterung es jedesmal auslöste, wenn die organi- sierten Arbeiter schwere und opferreiche Kämpfe durchgeführt hatten und �hinterher die„unorganisierten Kollegen" kamen, um die Früchte des Erfolges mit zu genießen. Jetzt aber druckt das Zentralorgan der Kommunistischen Parrei ohne Bemerkung die Aufforderung der unorganisierten Kollegen an die drei sozialistischen Parteien ab.„proletarische Soli- darität" m üben, eine Solidarität also, von der sie selbst nichts wissen wollenl In der gestrigen Versammlung der Delegationen au» dem Reiche und eines Teiles der Berliner Betriebsräte haben die Vertreter unserer Partei, die Eenoffen Rosenfeld und Henke ausdrücklich erklärt, dag die Unabhängige So- zialdemokratie alles tun werde, um die Einheitsfront des Proletariats herbeizuführen, und daß wir bereit seien, jeden Parteistreit in dem Kampfs um gemeinsame Ziele zu be- graben. Das ist der Standpunkt, den unsere Partei von jeher vertreten hat,' alle unsere Handlungen waren darauf eingestellt, nicht unser besonderes Parteiintereste zu fördern, sondern den Jnteresten der ganzen Arbeiterklaste zu dienen. So haben wir, um nur zwei Beispiele aus der jüngsten Zeit zu nennen, es abgelehnt, mit der zweiten Internationale, allein zu verhandeln, sondern verlangt, daß auch die Mos- kauer Internationale dazu eingeladen werde, eine Einheit-- front des Proletariats der ganzen Welt zu bilden. Und als in der gestrigen Sitzung der Spitzenkörperschaften die Verhandlung mit dem Vertretern der Kommunistischen Partei abgelehnt wurden, hat Genoste Ledebour, wie die„Rote Fahne" mitteilt, im Namen der Zentralleitung der U. E. P. D. ein Schreiben an die Zentrale der K. P. D. gerichtet, worin zu einer neuen Besprechung zwischen den Leitungen der U. S. P. D. und der K. P. D. eingeladen wird. Wenn wir auch zugunsten der Einheitsfront den alten Parteistreit begraben wollen, so darf uns das doch nicht daran hindern, unsere künftigen Kanrpfesgenosten ein wenig näher anzusehen. Was hat die Kommunistische Partei bis- her getan, um die Einheitsfront zu fördern? Ein Jahr gerade ist es her, daß sie die Unabhängige Sozialdemokratie gespalten hat. Wir haben seitdem Zeit genug gehabt, um die Folgen dieses Vorganges für die deutsche Arbeitebklaste zu er- kennen. Die Kommunistische Partei hat dann die Spaltung auf die Eewerkschaftsbewegurrg zu übertragen gesucht, und es hat harter Arbeit bedurft, um zu verhindern, daß auch noch dieses Unheil über die deutsche Arbeiterschaft güracht wurde. Die Kommunistische Partei hat wiederholt an ge- meinischaftlichen Aktionen teilgenommen; uns ist aber kein Fall bekannt, in dem sie sich an die gemeinsam gefaßten Be- schliiste bis zum Ende der Bewegung gehalten hätte. Im Gegenteil, es ist oft genug vorgekommen, daß sie ihre Kon- trochenten, mögen es nun die Gewerkschaften oder die beiden sozialistischen Parteien gewesen sein, mit den gröbsten Schrmpfworten belegte, wenn sie das ausführten, was die kommunistischen Vertreter selbst mit beschlosten hatten. Man mag sagen, daß das Sünden der Vergangenheit feien. Welche Richtlinien hat sich die Kommunistische Partei aber für ihre zukünftige Arbeit gegeben? In einem Briefe vom 7. November unterwies Karl Rädel den Zentral- ausschuß der Kommunistischen Partei, wie er arbeiten müste, um„neue Masten von Anhängern" zu erobern. Auch die A.E. P.D. sei. so schwindelte er. dazu bereit, mit Zentrum und Demokraten eine Koalition zu bilden. Man solle zwar die Einheitsfront des Proletariats fordern, aber niemals vergessen, was die Kommunisten von den„Hilferdingen" uns -„Dittmännern" von„Leoi",„Rosenfeld u. To." trenne und solle auch niemalsden Kampf gegendiedei- den sozialistischen Parteien vergessen! Der Zentralausschuß beschloß denn auch, daß man sich für die Bildung einer sozialistischen Regierung einsetzen wolle. aber nur zu dem Zwecke, um sie möglichst schnell wieder zu beseitigen. So sehen wir noch bei jedem Beschluß der Kommunistischen Partei, daß bei ihm parieiveieran Skizze von Margaret« Behrendt. Auf meinem Erholungsurlaub lernte ich ihn kennen. Ein kleines Dörflein war es. Bei einer Lehmswitwe aß ich zu Mittag, denn Eafthäufer gab es glücklicherweife nicht in diesem stillen Winkel. Nach dem Essen faltete ich arglos meine Partei- zeitung, die mir der Postbot« gebracht hatte, auseinander. Die Lehrerswitw« hakt« sich mit einer Häkelarbeit ans Fenster in einen großen Rohrsessel gesetzt, aus dessen Kissen, weiße, gehäkelte Deckchen lagen, die sie jetzt sorgsam abgenommen hatte. Ich fuhr erschreckt aus.„Jessas, Maria und Joseph", tönte es aus der Ecke. Zu der Mitte der Etube. aus weißem hingc streuten Sand« lag das abgerollte Häkelgarn. Am Fenster, einer Irren ähnlich, bokreuztgt« sich die Lehrersfrau.—„So eine sind Sie?" rief sie entsetzt.„Iessas, steh mir bei. verlassen Sie mein Haus, gehen Sie zum alten Müller, hecken und brüten Sie mit dem zu- fammen Spitzbübereien aus." Wo der alt« Müller wohnte. konnte ich nicht mehr erfahren, die Lehrerswitw« sprach kein Wort mehr. Die Magd kam und brachte mir meinen Koffer, und ich mußte das Haus verlassen. Ich konnte erst gar nicht begreifen, was in die Frau gefahren war. Als ich fah. daß auch die Magd mir auswich, ahnte ich. in welchem Nsst ich mich befand. Der alte Müller war ein Genosse. der sich herzlich freute, mich aufzunehmen.„Warum nennt man Sie denn Müllen. Sie heißen doch Lehmann?"„Ja. liebe Genossin, das ist ein Kapitel. Ich Hab« hier ausgchalten, dreißig Jahr« lang. Alles, was Sie rings im Umkreise an Gesinnungsfreunden finden, es ist mein Werk. Es ist nicht viel, aber bedenkt, daß ich in einer schwarzen Gegend sitze. Wenn dann so ein Wahl- redner kommt und mich fragt, ob das Bäckcrdutzend die ganze Organisation ist, Genossin, dann kränkt man mich persönlich. Was habe ich ausgehalten, was erduldet. Ich war Müller, aber da ich beim Mahlen des Kornes nicht ihr �Sater unser" betete, da sorgt:» sie dafür, daß ich eines Tages ohne Arbeit war. Mein« Mühle mußte ich verkaufen. Trotzdem ich lange mit bitterer Rot zu kämpfen hatte, ich hielt aus. Mir wurde mancher Schabernack gespielt. Ich wich nicht. Als ich einmal den Lehrer angreifen mußte, der die Kinder je nach Belieben kommen ließ, da hatte man mich einmal halb erschlagen. Schlagt zu. rief ich ihnen entg gen. ihr könnt mich töten, ober ihr tötet nicht den Sozialis- urus, wofür ich lebe." �Ich war ergriffen und nahm mir vor. diesem alten Parteiveteran | Denkmai zu setzen, was ich nun heute erfüll«. We tief b«, nt mar ich, als ich von anderen Genoffen hörte, welch harten pf er persöaUch«it der Reaktio» g» ttopfe» hatte. Wie oft nicht das Eesamtinteresse des Proletariats, sondern das agitatorische Bedürfnis der eigenen Partei in den Vorder- grund geschoben wird. Die Unabhängige Sozialdemokratie wird es an nichts fehlen lasten, um die Wiederherstellung der Einheitsfront zu fördern. Aber wir haben aus den bitteren Erfahrungen der letzten Jahre genug gelernt, um auf der Hut zu fein, daß der spontane Drang der Masten zur Einigung nicht von Leuten ausgenutzt wird, die die Kulisse der„Einheitsfront" und die Gutmütigkeit des Proletariats für enge Partei- zwecke auszuschalten suchen. Die Verhandlungen der GpitzenkKrpsrschafien Eine Aussprache über Teuerungs- und Steuerfragen fand am Mittwoch vormittag statt zwischen Vertretern des Allgemeinen Deutschen Eewerkjchaftsbundes, der AfA, der S. P. D. und der U. S. P. D. Die Aussprache trug einen rein informatori- f ch e n Charakter. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Es wurde auch von keiner Seite die Absicht ausgesprochen, einen Bericht über diese Besprechung in die Oeffentlichkeit zu bringen. Um völlig überflüssige gegenseitige Mißverständnisse zu vermeiden, hätte darüber jedenfalls eins Verständigung erzielt werden müssen. Die Vertreter der U. S. P. D. nahmen deshalb Abstand davon, ihrer- feits einen Bericht zu ocröffentlickien. Umsomehr waren sie über- rascht, im gestrigen Abendblatt des„V o r w ä r t s" unter der Ueberschrift„Richtlinien sozialistischer PolitU" eine Darstellung des ersten Teils jener Sitzung zu'lesen, die in der Hauptsach« eine tendenziös entstellte Darstellung der einleitenden Ausein- andersetzung über Zusammenberufung und Zusammensetzung jener Konferenz gibt. Eine Richtigstellung wird dadurch unvermeidlich. Aus dem Zentralkomitee der U. S. P. wird uns dazu geschrieben: „Der ,.Vorwärts"-Bericht sucht den Anschein zu erwecken, als ob die Vertreter der S. P. D. und des Allgemeinen Gewerkschafts- bundes in der Sitzung selbst völlig überrascht worden seien mit der Aufforderung der U. S. P.-V?rtretcr, auch den Vertretern der K. P. D. Zutritt zu der Besprechung zu gewähren. Den:geg-:nübsr ist folgendes festzustellen: Zunächst war vam Zentralkomitee der U. S. P. eine gleichlautende Einladcmg ergangen an den A. D. E. B.. die AfA, die S. P. D und die K. P. D„ am Dienstag, den» 22. November, im Reichstag zur Besprechung eot. gemeinsamer Aktionen wegen der Teuerungs- und Steuerfragen zusammenzu- treten. Der Genossin Zieh war darauf mündlich durch den Vor- sitzenden der S. P. D., H e r m a n n M ü l l e r, mitgeteilt worden. der Gewerkschaftsbund fei am Dienstag durch eine Besprechung mit dem Reichskanzler abgehalten, habe aber sowieso die Absicht gehabt, seinerseits zum folgenden Tage die beiden sozialdemo- kratischen Parteien zu dem gleichen Zwecke einzuladen. Unter diesen Umständen gab Genossin Zietz ihre Zustiinmung, daß die Einladung zu der Sitzung zu Mittwoch vom A. D. E. B. aus- gehen solle. Das wurde dem A. D. E. B. in folgender Form mit- geteilt: „Wir bitten Sie daher dringlich, die Sitzung für den Mitt- woch möglich machen zu wollen und der AfA, der S. P. D.. der K. P. D. und uns schnellstens Nachricht geben zu wollen." Außerdem wurde das allen zum Dienstag eingeladenen Körper- schaffen, auch der K. P. D., mitgeteilt im folgenden Rundschreiben: „Werte Genossen! Auf unser Schreiben vom 18. November 21 hat uns Genosse Müller von der S. P. D. mündlich mitgeteilt, die von uns gewünscht« Sitzung könne nicht am Drensteg, den 22. des Monats, stattfinden, wsil der A. D. G. B. an diesem Tage zu einer Besprechung bei dem Reichskanzler eingeladen sei. Der Ä. D. G. B. habe die Absicht, die sozialistischen Parteien am nächsten Tage, also am Mittwoch, einzuladen. Wir haben in diesem Sinne auch an den A. D. G, V. geschrieben, uns schleunigst mitzuteilen, wann und wo am Mittwoch die Sitzung stattfinden kann. Ailf eine von dort erfolgte Einladung wird dann die Besprechung stattfinden." Heber alle diese Dinge war also sowohl der A. D. E. B. wie die S. P. D. vor Beginn der gestrigen Sitzung vollkommen unterrichtet. Zum Ueberfluß war alles das, nachdem den Vertretern der K. P. D. der Zutritt zu der Sitzung verweigert war, in einer Eefchäftsordirungsdedatte unter Beteiligung der beiden S. P. D.-Vertreter, Hermann Müller und Adolf Braun, ausführlich klargestellt worden. Es ist deshalb leider die Schluß- glauben wir, schon Unaussprechliches geleistet zu haben, wenn wir Abend für Abend für die Partei tätig sind. Wieder und wieder kam der„alte Müller" auf die Zerrissenheit der Arbeiter- bewegung zu sprechen.„Einmal da hatte ich es auch über", fuhr er fort.„Alles— bis über den Kopf hinaus, als man mir, als ich der Partei die Treue wahrte,„Arbeiterv.'rräter, Du gehörst an den nächsten Baum", in die Ohren schrie. Das ist nun schon vergessen, mir hat es in jener Nacht bald das Leben gekostet. Es war im November. Nach der weit entfernten Versammlung mußte ich doch wieder zurück in mein Dorf. Sonst bringt die kühle Nacht einen klaren Kopf, ich aber war seelisch zerschlagen. Der Nebel näßte durch die Kleider, ich empfand ein Frösteln, das ich sonst nicht kannte. Mehrere Male stolperte ich über Saum- wurzeln. Das machte mich noch unsicherer. Schrie ein Kauz, so hörte ich deutlich:„Arbeiterverräter". Ich, ein Verräter, ich, der ich mein Leb:» für die Sache gelebt habe. Als ich in der Nähe des Dorfes war, hatte ich den Gedanken, du machst Schluß— du bist zu alt, zu alt für die jungen Hitzköpfe. In einem Haufe des Dorfes war Leben. Als der Hund an- schlug, kam ans dem Stalle ein« Frau die mich bat, einmal nach der Kuh zu sehen, das Kalb kam so schwer. Ich kam auf andere Gedanken. Mir wurde wieder bewußt, daß unsere Sache nie untergehen kann. Wenn man auch einmal müde wird. Lebe» heißt Kampf. Ich habe es oft erlebt, trüg und müde sah mein Bursche aus und doch, einmal erlebte ich es an jedem Genossen einmal, da lohte es in ihm, die heilige Flamme des Sozialismus, ein« magische Gewalt ausströmend, die nie mehr erlöschen kann. Selbst der Tod ist machtlos. Gerade durch den Tod eines Kämpfers, ich habe es oft erfahren, wurden die Lauen heiß, und hitzige Kämpfer noch trotziger."— Das und vieles mehr sagt« mir täglich einer der Unseren, einer, von nie- mandem außer seiner engen Umgebung G tannter. Einer, dessen tiefe Weisheit und Erkenntnis alle Gefahren für die Bewegung überwand. Einer, fern in einem kleinen Dörflein, dessen Rame unbekannt ist. Und doch, wie viele von diesem Menschenschlag weilen unter uns. Ueber Anthroposophie und Wissenschaft sprach in der Phikhar- monie am 19. November Rudolf Steiner. Es läßt sich aus seinen Borträgen schwer jagen, ob Rudolf Steiner ein„Prophet" ist. der das religiöse Moment erfassen und neu zu gestalte» ver- sucht, oder ob er der Begründer einer neuen Wirtschafts- und Gefellfchaftsauffassung fein will. Beides scheint bei ihm ver- Hunden, manchmal etwas zu stark und zu willkürlich. Unter Anthroposophie versteht«r die Erkenntnis von dem inneren Wesen des Menschen, und der Vortrag beschäftigt« sich damit, die Mög- lichreit einer solchen Erkenntnis aufzuzeigen, zu der die offizielle Schulroissenschast noch aicht gediehen ist. Er»iL dabei streng folgern ng unvermeidlich, daß die Darstellung des„Vorwärts" wider besseres Wissen die Tatsachen entstellt. Auf den sachlichen Inhalt der Verhandlungen einzngehcn, haben wir auch jetzt keinen Anlaß. Wir wollen nur noch bemerken, daß wir trotz solcher üblen Erfahrungen unsererseits uns andauernd bemühen werden, eine Verständigung zwischen allen proletarischen Organisationen herbeizuführen. Werden von irgendeiner Seite gemeinsame Besprechungen vereitelt, so werden wir durch Einzel- beratungen mit den verschiedenen Organisationen den Zweck zu erreichen suchen. Wir haben uns deshalb sofort mit der Zentral- lcitung der K. P. D. gleichfalls über eine Aussprache wegen der Teuerungs- und Steuerfragen verständigt." Die vsrhinderte Kundgebung Zu der Notiz der„Roten Fahne" mit dem Titel„Eine vev- hinderte Kundgebung" vom Mittwoch, den 23. Nov. mber, stellen. wir folgendes fest: Bei den Verhandlungen über die zu unternehmende Aktion waren sich die Vertreter der K. P. D. und U. S. P. darüber einig, daß nur ein geschlossene» Vorgehen aller drei sozialistischen Parteien die gewünschte Wlrknng haben könnte, und eine Zer- splitterung der Arbeiterschaft aus alle Falle vermieden weiden müßt«. Deshalb sollte mit der S. P. D. in Verbindung getre.ffn w�den. Nichtig ist, daß die S.?. D. es abgelehnt hat, mit der K. P. D. und Ü. S. P, gemeinsam in Verhandlungen über ein« Protestaktion der Berliner Betrieb« einzutreten. Wenn nun die„Rai« Fahne" schreibt, Jbk U. S. P.-Leitung von Berlin hat wiederum das Wohlwollen der S. P. D.-Führei der Einheit der Arbeiter vorgezogen", so bedeutet dies eine Ler- drchung der Tatfachen. Wenn man vorher derselben Meinung war wie die ll. S. P., daß nur eine geschlossene Aktion eine Wirkung haben könnt«, warum mach: man jetzt aus dieser Ausfassung der U. S. P. einen Vorwurf? Die K. P. D. muß doch aus der Verhandlung klar erkannt haben, daß die U. S. P. n i ch t aus Rücksicht aus das Wohlwollen der S. P. D-Führer, sondern gerade aus Rücksicht auf die Einheit der Arbeiter ein« Teilaktioa zweier Partelen abgelehnt hat. Di:„Rote Fahne" scheint aber der Ansicht zu sein, daß man die„gemainsaene Kampffront" am besten durch demagogische Be- kämvsuwg der U. S. P. herstellen kann. Daß ein U. 6. P-Ge- nosse, der seine Informationen lediglich aus einer öffentlichen Vechammlung der K. P. D. bezogen Hot, bei dieser Methode\iä) ein falsches Bild vom wahren Sachverhalt machen mußte, ist wohl selbstverständlich. Die„Rote Fahne" täte daher gut, wenn sie in Wahrheit die Einigkeit der Arbeiterschaft fördern will, sich in ihren Berichten über Verhandlungen der Leitung etwas mehr an die Wckhrhsit zu halten. Die Eeschästsleitung be» Bezirksverianbe» Berlin-Brandenbllrg U. S. P. D. Geheimbünde in Berlin Auf Anordnung der badischen Landespolizei find rn B e r« l i n mehrere Mitglieder einer rechtsstehenden Geheimorgani» saiion verhaftet worden. Tie Namen werden von den Be- Hörden sorgfältig verschwiegen, es steht aber fest, daß die Perhasteten dem sattsam bekannten Nationalverband deutscher Offiziere angehören. Wir haben schon wiederholt auf die Tätigkeit dieses Verbandes hingewiesen und behauptet, daß er mit den Münchener Geheimvrganisa- tionen die engsten Beziehungen unterhält und ihre Bestre- Hungen mit Rat und Tat gefördert hat. Bisher find aber gegen ihn keinerlei Maßnahmen ergriffen worden, es muß erst die badische Landespolizei kommen und die preußische Polizei mit der Nase darauf stoßen, daß unter ihren Augen die Eeheimorganrsationen der Rechtsparteien ungestört weiter wuchern und daß ihnen überhaupt in Preußen keiner- lei Schwierigkeiten gemacht werden, trotz der Enthüllungen. die über den gefährlichen Umfang ihrer Tätigkeit aus Anlaß der Ermordung Erzbergers vor der breitesten Oeffentlichkeit gemacht worden find. Wann endlich werden in Preußen die reaktionären Geheim- organisatwnen ausgehoben, warum werden die Namen der Verhafteten sorgfältig geheim gehalten? wissenschaftlich o-rfahren und lehnt jede Mystik ab, läßt fie aber doch durch eine Hintertür wieder herein. Denn das, was er sagte. bewegt« sich so sehr im Kreise von Andeutungen, Empfindungen und Behauptungen, so daß die Beweisführung völlig unter den Tisch fiel und ebenso an den bloßen Glauben appelliert wurde, wie bei irgendeiner metaphysischen Religion. Einen Nichtgläubigen wird er kaum bekehrt haben; das ist für ihn allerdings auch nicht notwendig. Was er in zwei Stunden ausführte, hätte ebenso gut in einem Satze geschehen können, der heißt: Es ist möglich, innerliche Erkenntnis zu erwerben, von der sich unsere Schulweis- heit noch nichts träumen läßt. Mindestens ebenso sehr wie der Vortrag selbst muß den auf- merksamen Beobachter der Kreis der Menschen interessieren, der ihn besucht. Was sich hier sammelte, ist zum Teil die Dekadenee einer übersättigten bürgerlichen Säsicht, die solche Dinge als Nervenkitzel, als Sensation betrachtet und zu ihnen kommt wie zu einem Box- oder Ringkampf, zum anderen Teil die Sehnsucht entwurzelter Menschen, die, enttäuscht und angewidert von dem, was sie früher bürgerliche Ideale hießen, einen neuen Weg suchen. Einen merkwürdigen Kontrast zu den als ideal bezeichneten Be- strebungen bildet die äußere Form der Steinerschen Gemeinschaft Sollte nicht die von ihm geschaffene Firma ,£>et kommende Tag. Aktiengesellschaft(!) zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte" ein Ausdruck der„Mechanisierung des Geistes" sein, den diese Aktiengesellschaft bekämpfen will? Or. H. Arbeitoschnle oder Spiel'chule. Unter diesem Titel zeigt« der Schöneberger Lohrer Jost vor kurzem die Ergebnisse seiner Ver- suchsschularb ff, die darauf hinzielt, neben der Arbeit vorfallen! das dvamaffsche Spielen und damit das Leben und die Freud« im Unterricht heiniisch zu mc che». Einstimmig ermuntert« ihn die proletarische Elternschaft zur.Fortsetzung lsiner Bestrebungen, das Kind durch eigenes Ausübe« M einem jehendigen Verhältnis zur Kunst, befoichers zur dramatischen zu bringen. Nunm hr fall wieder Freunden solcher Gedanken Gelegenheit gegeben werden, selbst zu beobachten und nachzuprüfen.� Am 26. und 27. November, abends 7 Uhr, werden 13- bis Ibjährig« Volksschüler in der Eomeniusschule zu Schönebevg folgend« Märchenlspiel« zeigen:„Gevatter Tod".„Neues Spiel vom Doktvi Faust",„Drosselbart" und..Rumpelst ilzchen". Karten zu 1,51 und 2 M. an der Abendkasse(Frankostr. 10). Kortner lieft. In seinem Arbeitszimmer rennt Aortner hin und her. Er ist giftig. Mit geballter Faust murmelt er eine» Fluch.— Plötzlich erhellt sich teuflisch fern bleiches Gesicht. Ei hat's. Und am Sonntag darauf prangt in der Zeitung die Ankündo guna eines Vortragsabends: Plato, Nieische Goethe. Es zog. Di« Menge strömt. Am Eingang leuchtet ein weiße» Plakat: Plato. Nietsche, Goethe.— Fast noch auf der Straße werden die Billetts kontrolliert uns ungültig gemacht. Man ist verwundert. Ein Programm(mv gegen passende» Papiergeld!) erhält man«ff Müh«. Und N Arbeitertämpfe in Georgien Von georgischen Genossen wird uns geschrieben: Die brutalen Maßnahmen der russischen Offupationsbehörden mb die verzweifelte Notlage der Bevölkerung haben in der Arjeiterschaft Georgiens eine ungeheure Erbitterung hervorgerufen. Mitte Oftober beschlossen die Arbeiter, eine spezielle Delegation m das Tifliser Revolutionskomitee" zu entfenden. Von der Delegation wurde eine Denkschrift ausgearbeitet, die von 5132 Arbeitern unterzeichnet wurde. Angesichts des Terrorsystems, das peziell gegen die Jozialdemokratische Arbeiterschaft gerichtet ist tine beträchtliche Zahl. Die Denkschrift schloß mit folgenden For erungen: 1. Serstellung der Unabhängigkeit der georgischen Resublit; 2. Abberufung der russischen Truppen aus Georgien; 1. Herstellung der unterdrüdten bürgerlichen Freiheiten; 4. Be freiung der politischen Inhaftierten; 5. Besserung der Berpflegungs- und Wohnungsverhältnisse. Am 24. Oktober begab sich die Delegation, die aus neun Arbeitern bestand, zum Vorsitzenden des Revolutionskomitees Mdivani, um ihm die Dentschrift zu überreichen. Moivani Heß die Delegation drei Stunden lang warten, um ihr schließlich zu erklären, daß er sie am nächsten Tage empfangen würde. Beim Berlassen des Balastes wurde die Delegation von Agenten der Außerordentlichen Kommission verhaftet und in den Kellerräumen eingesperrt. Mehrere Tage lang fonnte man in der Stadt über das Geschick der Delegation nichts erfahren, und der Arbeiterschaft bemächtigte sich eine starke Unruhe. Am 29. Oftober ließ Mdivani in der kommunistischen Presse erklären, daß ihm von einer Arbeiterdelegation nidis befannt sei: weder sei sie bei ihm gewesen, noch habe er sie verhaften lassen! Gleichzeitig brachte Die Lommunistische Presse mehrere Artikel von Schmähungen und Drohungen gegen die Arbeiterschaft. Am 31. Oftober wurden die Mitglieder der Delegation aus den Kellerräumen des Palasts des Revolutionskomitees nach dem tactischen Gefängnis transportiert. Darauf legte die gesamte Arbeiterschaft von Tiflis am 1. November die Arbeit nieder. Spontan wurden Massenversammlungen abgehalten. In den Einvernehmen zu gelangen, zumal der englische Ministerpräsident ein neues Angebot gemacht haben soll, das angeblich Aussicht auf eine Einigung biete. In der Zwischenzeit dauern die Unruhen schwerster Art in Irland an. Gestern wurde in Belfast eine Bombe gegen eine Straßenbahn geschleudert, wodurch drei Bersonen getötet und 16 verlegt wurden. Eine andere Bombe, die mitten in eine Gruppe von Orangiften und Arbeitern fiel, verlegte ebenfalls 16 Personen. Gestern begannen wieder in verschiedenen Stadtteilen die Schießereien. Im Doderviertel mußte die Arbeit eins gestellt werden. Im Laufe des geftrigen Tages wurden in Belfast drei Personen getötet und 13 verwundet, von denen bereits zwei ihren Verlegungen erlegen find. Im Gefängnis von Galway legten die Gefangenen Feuer und entwichen, von Gendarmen ver folgt. Es entspann sich eine regelrechte Schlacht, bei der fünf Gendarmen verwundet wurden. Erst dann gelang es der Polizei, der Ausbrecher wieder habhaft zu werden. In der letzten Nacht entwichen aus dem Gefängnis von Kilkenn durch einen Tunnel 14 Gefangene, von denen einige zu lebenslänglicher Haft vererteilt worden waren. Die belgischen Wahlen Brüssel, 23. November. Die nene Kammer wird sich endgültig wie folgt zusammenfezen: zweiundachtzig Katholiken, sechsundsechzig Sozialisten, breiunddreißig Liberale, vier Mitglieder der Frontpartei und ein Vertreter der Partei der Kriegsteilnehmer. Brüssel, 23. November.( Agence Belge.) Bei den Wahlen zu ben geseggebenden Körperschaften gewannen die Katholiken acht Size; die Sozialisten verloren vier Size. Der Besihstand der Liberalen blieb unverändert. Die Partei der ehemaligen Kriegsteilnehmer, die Frontpartei, die Mittelstandspartei und die Partei der nationalen Wiedergeburt verloren je einen Sig. Bon den der Neuwahl unterliegenden 93 Sigen im Senat erhalten die Katholiken 42, die Sozialisten 33 und die Liberalen 18. Eisenbahnwertstätten allein tagte eine stürmische Versammlung Gegen die Auslieferung der spanischen von 10 000 Arbeitern. Die Außerordentliche Kommission war machtlos und mußte die schärfsten Protestresolutionen, die in den Versammlungen gefaßt wurden, ruhig hinnehmen. Während des Generalstreits gelang es der sozialdemokratischen Partei, die heute eine illegale Organisation ist, Flugblätter herzustellen und sie in Massen in der Stadt zu verbreiten. Am 3. November schlossen sich den Streifenden 2000 Studenten ber Tifliser Universität an. Die Außerordentliche Kommission ließ alsdann mehrere Tausend Streifende verhaften. Die tommunistische Presse forderte den Abtransport der Verhafteten nach Rußland, was für diese den sichevn Hungertob bedeuten würde. Mitte November war das Revolutionstomitee noch nicht Herr ber Lage geworden. Die Verhaftungen dauerten fort. Die Arbeiterschaft hält an ihren Forderungen fest. Und wenn es ihr jetzt nicht gelingen sollte, den Kampf fiegreich zu Ende zu führen, So hat sie doch die Gewißheit, daß die Stunde ihrer Erlösung vom Bolschewistischen Joch nicht mehr fern ist. Neue Verhandlungen mit den Jren Schwere Unruhen in Irland EE. London, 24. November. Gestern fanden neue Verhandlungen mit den Jrländern statt. Lloyd George war anwesend, begleitet von Lord Birkenhead und Chamberlain. Bon irischer Seite nahmen daran teil Michael Collins, Barton, die Griffith und Duffan. Man erfährt, daß die jüngsten Ereignisse, in einem Resumé bargelegt, Gegenstand der Debatte waren. Es wurde die Möglichkeit ins Auge gefaßt, die Verhandlungen wieder anzufnüpfen, doch wird dies von dem Ver lauf der Besprechung, die heute oder morgen zwischen Lloyd George und James Craig stattfinden wird, abhängen. Während der Besprechung zwischen Lloyd George und den Jrländern erschien der Sekretär des Kabinetts von Ulster in der Downingstreet, um Lloyd George eine Mitteilung zu machen. In einem Interview erklärte ersterer, daß weder er noch seine Kollegen eine Verbinbung mit den Sinfeinern wünschten. Die Schwierigkeiten, die fich einer Lösung des Konflikts entgegenstellen, sind noch lange nicht überwunden. Doch glaubt man, daß es Lloyd George ge Iingen werde, mit James Craig heute oder morgen zu einem ftehta, 3erschmetterung!: Kant, Beethoven, Bismard, Schopenhauer, Apokalypse. D. Trug! D. Täuschung! Heuchelet! Aber merkwürdig! Laut der Entrüstung. Das Publikum ift brav. Des Künstlers Jünger vergehen in Anbetung. Er tommt und macht sich breit und seht sich behäbig, als wollte er fagen:„ Run werd' ichs euch mal geben!" Und er legt los: Kant sticht, Beethoven bohrt, Bismard hämmert und SchopenHauert. Brave, Kortner! Und dann Johannes hat die Vision des jüngsten Gerichts. Johannes? Das Licht blendet. Der Blid tränt. Bodshörner wachsen dem Lesenden aus seinen Geheimratswinkeln. Der Teufel lieft Bibel. Franz Moor stottert schreiend seinen graufigen Traum. Aaaaaaamen!" Ein Maiglöckchenstielchen ist der Lohn von zarter Badfischhand. Wie geschmackvoll! Bravo, Kortner! Aber- Blato? Rietsche? Goethe?. Darf Plato? Rietsche? Goethe?. Darf man euch so mißbrauchen? Friz Jacoby. Franz Konrad Soefert zeigte sich im Roswithalaal als ein begabter Rezitator, wenngleich seine Technik noch weiterer Durchbildung bedarf. Das müde Raffinement der französischen Lyrit, die er las, tommt seiner Veranlagung offenbar entgegen. Aber warum gibt er in seinem Programm so dumme OberlehrerBemerkungen wieder, und warum nennt er die Werte der vor legten Generation ,, neue" Dichtungen? H. E. K. Der Nobelpreis für Anatole France. Le Petit Parisien" erzählte aus Anlaß der Kandidatur von Anatole France für den Nobelpreis folgende Kindheitsanekdote: Sicherlich kam dem trefflichen Meister die ferne 3eit in Erinnerung, da man ihm beim Abitur, durchgeworfen" hatte. Denn burdgeworfen" ward er. Schon damals! Rull in Geographie. Er erwischte eine Er erzählt fürs Leben gern diese Anetoote. Papa Hase wars, der ihn prüfte. Dieser gelehrte Deutsche wat unter dem Kaiserreich zum Professor am Collège de France er nant worden. Kleiner Freund, fagte er dem jungen Anatole mit ausgesprochener deutscher Gemütlichkeit, Sie sind mir sehr gut empfoh fen. Ich will Sie ajo etwas Leichtes fragen. Also nicht wahr, bie Seine ergießt sich in den Aermeltanal? Jawohl, mein Serr, erwiderte der Kandidat mit einem reizenden Lächeln. Gut. sehr gut.. Und die Loire, die mündet in den atlantiIchen Ozean, nicht wahr? Gewiß, mein Herr. Bortrefflich. Sie geben ja prächtige Antworten. Nun, und die Rhone ergießt sich doch in den Michigan- See, nicht wahr? Jamohl. mein Herr, sagte Anatole, immer noch lächelnb. - Gi, ei- also die Rhone ergießt sich in den Michigan- See, brummte Bapa Safe. Mein fleiner Freund, Sie sind ein Ef 1. Ele Eefommen eine extrafeine Ni!" Cine internationale Kunstausstellung in Paris. Die Inter nationale Kunstausstellung, die man vor dem Kriege für das Bahr 1916 piante, foll unn im Sommer 1922 verwirklicht werden, Syndikalisten Paris, 23. November. Nach einer Meldung aus Barcelona richtet das Komitee der Nationalen Arbeitertonföderation Spaniens an das Proletariat der ganzen Welt einen Aufruf, in dem es gegen die Verhaftung spanischer Syndikalisten in Berlin und Paris und ihre drohende Auslieferung an die spanische Regierung Protest erhebt. Der Aufruf betont, daß das Schicksal der Ausgelieferten ber sichere Tod sei. Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie ( 3.) Wien, 24. November. Morgen tritt in Wien der Parteitag der Sozialdemokratischen Bartei Deutsch- Desterreichs zusammen. Auf der Tagesordnung stehen u. a.„ Die Weltlage des Sozialismus und unsere nächsten Aufgaben“,„ Die wirtschaftliche Lage und die Finanzpolitik der Republik“ und„ Die internationale Arbeitsgemeinschaft sozialisti fcher Parteien". In ihrem Leitartikel, ben sie der vor dem Parteitag zusammen tretenden Reichsfrauenkonferenz widmet, teilt die Arbeiterzei tung" mit, daß die Zahl der weiblichen Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei von Baum 10 000 vor dem Kriege auf 118 902 in diesem Jahre gestiegen fei. Die Zahl der männlichen Mitglieder im vergangenen Jahre habe sich um 43 Prozent, die der weiblichen Mitglieder um 55 Prozent vermehrt. Aus irischen Gefängnissen. Wie aus Dublin gemeldet wird, unternahmen im Gefängnis von Galleway 40 politische Gefangene einen Ausbruchsversuch, nachdem sie zuvor einen Brand angelegt hatten. Bei dem entstandenen Kampfe wurden 5 Ge= fangene und 5 Wärter verwundet. Ferner wird gemeldet, daß 45 politische Gefangene aus dem Gefängnis Altenny durch einen von ihnen gegrabenen unterirdischen Gang ausgebrochen find. Mie Bariser Blätter melden, wird die Ausstellung im Grand Balais stattfinden. Eine retrospettive" Abteilung, die die her. vorragendsten Werke der in den letzten 25 Jahren gestorbenen französischen Meister enthält, wird einen Hauptangiehungspuntt bilden, denn man wird hier die schönsten Arbeiten jener Künstler. generation vereinigt finden, die von Carrière bis zu Degas und Renoir, von Buvis de Chavannes bis zu Gauguin reicht. Der übrige Teil des Grand Palais soll zur Hälfte den Franzosen, zur anderen Hälfte den Fremden eingeräumt werden, und zwar follen von teinem Künstler mehr als zwei Werte vertreten sein. Das Komitee, an dessen Spize der Generalinspektor der schönen Künste in Frankreich, Armand Dayot steht, wird die verschiedenen französischen und ausländischen Künstlergenossenschaften zur Be teiligung einladen, wobei teine Schule und fein Stil ausgeschlossen werden soll, um einen möglichst vollkommenen und unparteiijchen Ueberblid über das Kunstschaffen der Gegenwart zu gewähren. Soffentlich wird auch Deutschland eingeladen. Tages- Notizen Beranstaltungen ber u. 5. B. D. Diftritt Spandan. Sonnabend, 7% Uhr, im Wolffichen Saale in Staaten, Ernster unb heiterer Abend", bestehend in Gesangsvorträgen des Buchdruder- Gesangvereins I y po graphia", Rezitationen von Otto Wilte und Tranie Neumann vom Sprechchor, Gitarrevorträgen des Kammermuffers Alfred Borpahl. Festrebe: Gen. Otto Meter. Karten 2,90 M. Abfahrt vom Bahnhof West 7,31 Uhr. Die Franz- Dieberich- Gebächtnisfeier der BoIfsbühne am Montag, 7% Uhr. im Rathaussaal bringt die„ Worpsweder Stimmungen" Dieberichs in der Kompofition von Paul Scheinpflug. Mitwirkende: Jda Sarth zur Rieben, Alfred Wittenberg, Emmy Gerloff. Borogti, 3os. Luitpold Stern( Gedächtnisworte) und Ernst Friedrich. Karten 3 M. Künstlerhilfe 1. b. Sungernden in Rugland. Sonntag, 11% Uhr, im Staatlichen Schauspielhaus Dostojewsti Feier unter Mitwirkung Don Tilla Durieux, Frig Kortner, Wassily Katialow, sowie das Bala. Iatta Orchefter Romanoff. Vortrag: Stephan 3 weig. Theater. Die Große Boltsoper eröffnet Mittwoch, 7% Uhr, bas Große Saus bes Schloßparttheaters Steglig mit einer Aufführung von Roffinis„ Barbier von Sevilla". Das Neue Voltstheater bereitet Kleists Jerbrochenen Krug" und Molieres Gezierte" vor. Ortsausschuh für Jugendpflege in Neuföln. Sonntag, vormittags 11 Uhr, in ber Neuen Welt, Musikalische eierstunde der Jugend mit beftem Programm. Werte von Mozart, Haydn, Schubert, Weber, Johann Strauß. Mitwirkende find erste Berliner Lonfünftler u. a. Alexander tiraner ( Staatsoper). Karten: Jugendliche bis 20 Jahre 1,50 M., Erwachsene 2,50 M. Weber Shakespeare und fein Wert spricht Julius Bab auf Einladung der Boltsbühne ab Sonntag in einem auf vier bende berechneten Spfius im Gym nafium zum Grauen Klofter. Starten für alle Vorträge 6 M. in der Geschäftsstelle der Bollsbühne, ben Tiekschen Theaterfallen usw.. Bir bie Aunftfreiheit. Heute, 8 Uhr, im Sigungsfaal bes Serrenhauses, Brotestversammlung bes Schutzverbandes Deutscher Schrifts teller. Die Vertretungen bildender und barstellender Künstler mit ihren Borständen und Mitgliedschaften werden teilnehmen. Es fprechen u. a. Refermann, Breuer, Alce, Reichsfunstpart Rebslob, Oberregierungsrat Tr. Bulde, Obecnerwaltungsgerichtsrat Dr. Lindenau, Wolfgang Seine, Projelior Holer. Lopis Corinth, Eugen Spiro, Bazon zu Butlig für den Deutschen Bühnenverein und Emil Lind für die Bühnengenossenschaft. Eintritt frei. Dentsche Friedensgefelhaft. Freitag, 7 Uhr, spricht S. v. Gerla über Bazilismus und Relozialpolitit im Bürgerfaale bas Berliner Rathauses. Bluf. Das Konzert bes Franen Terseits led, Sain, Belper) mit Dem Biebermann- Iris am Sonnabenb im Blüthnerfsal mirb on ete pateras Datum axlest Tragische Szene Graufeuchter Novemberhimmel über der Stadt. Es ist Mittags. zeit. Die Satten und Behäbigen finden ihren Tisch reichlich gedeckt. Die armen Teufel sehnen sich nach einem Stüd Brot. Durch die Fensterscheiben lodt es: Weißbrot. Blütenweiße Schrippen. Brot, Brot, Brot. Die Behäbigen fauen mit schmahendem Be hagen in gut gewärmten Räumen ihr Mittagsessen. Die armen Teufel frieren und stieren den Bäderladen an. Da plöglich, wie eine Eingebung die Ladenscheibe flirrt! Hände greifen-Brot! Brot!!... Jm nächsten Augenblid ist die Auslage leer. Ein fetter Bürger, mit fanftem Bauchansah, wendet sich an einen Arbeiter:„ Dies Bad! Räuber! Plünderer! Ganz anders sollte man mit der Bande aufräumen!" Der Arbeiter entgegnet:„ Den Leuten geht es schlecht. Sie haben Hunger. Wer hilft ihnen? Eigentlich müßte ich mit dabei fein." In meional an Der Bürger verzieht sein Gesicht:„ Sie? Sie find ja gut ges tleidet. Was haben Sie mit dem Pad zu tun?" Der Arbeiter reißt sein Halstuch ab, öffnet rasch den Ueberzieher: sehe ich aus!" Unter der dürftigen Weste fein Hemb, die Hosen zerschliffen und zerfranst. So sehe ich aus", wieberholt er bitter; eigentlich müßte ich auch mit dabei sein. Es sind meine Leidensgefährten!", Der Bürger schweigt betroffen bis ihm das Sezannahen der Schupo seine Sprache wiedergibt. ,, Schlagt hinein in die Bande! Den Kolben auf die Schädel! Kugeln in den Bauch! Die verfluchten Schweine! Plündern wollen sie, plündern...!" Die Schupo wirft die armen Teufel in die Lastautos, so daß sie topfüber in den Wagen fallen, und bindet sie. Der fette Bürger hegt weiter. Da wendet sich der Arbeiter an ben nächsten Polizisten und for= dert ihn auf, den honetten Bürger zu verhaften. „ Warum?" „ Wegen Aufreizung zum Mord!" Nichts dergleichen geschieht. Das Lastauto mit den armen Teufeln. bie nun ihr Stüdchen Brot so bitter bezahlen müssen, rollt ab. Die Menge zerstreut sich. Auch der fette Bürger entfernt sich. Und belfert noch immer: ,, Totschlagen sollte man sie, die verfluchten Hunde!" Bruno Schönlank Neuer Eleftrizitätsstreif Zu unseren heute morgen ausführlich gebrachten Mitteilungen über die Differenzen der Angestellten der Städtischen Werke und dem Magistrat ist mitzuteilen, daß in dieser Angelegenheit die Berhandlungen fortdauern. Die Direktion der Werte hofft, daß es gelingt, ben Streit zu vermeiden. Der Magi strat trat heute vormittag noch einmal zusammen, um Beratungen zu pflegen, deren Ergebnisse bis zum Redaktionsschluß uns noch nicht vorlagen. Eine frivole Räumungsflage Wegen eines Rüdstandes von 10 ẞfg. Man schreibt uns: Der Hauswirt Balch, Lippehner Str. 19, hat es fertig gebracht, die Räumungstlage gegen einen Mieter anzuftrengen, und zwar wegen einer Forderung" von 10( in Worten: zehn) Pfennigen! Das Mieteinigungsamt wies natürlich die Klage ab und erließ folgenbes Urteil: ,, Der Mieter hat nach eigenen Angaben bes Ver walters feine Miete voll bezahlt, bis auf einen Rest von 0,10 M. Die Kündigung zum 1. November wird nicht zugefaffen." Es ist bedauerlich, daß den Mieteinigungsämtern feine gesetz lichen Bestimmungen zur Seite stehen, die es ermöglichen, für berartige Belästigungen öffentlicher Einrichtungen eine besondere Strafe festzulegen. Leider fonnte baher der famose Hauswirt nur zu den Kosten des Verfahrens verurteilt werben. Man wird sich den Namen dieses Biebermannes merken müssen. Die elettrische Stadtbahn Die Vorarbeiten für die Elektrisierung der Stadt. und Vorortbahnen find so weit gebiehen, daß an die Ausführung der Arbeiten auf den einzelnen Streden gebecht werben fann. Da die Strede Berlin- Oranienburg zwischen Frohnau und Oranienburg zunächst viergleifig ausgebaut werden soll, tann die Einführung des elettrischen Betriebes zunächst nuz bis Hermsdorf erfolgen. Der Rest der Strede wird dann später mit der elektrischen Stredenausrüstung versehen. Die vor einiger Zeit eingerichtete Bauabteilung hat bereits ihre Arbeit aufgenommen und die ersten Ausschreibungen für die Beschaffung der elektrischen Einrichtung vorgenommen. Auf dem vor dem Empfangsgebäude des Bahnhofs Gesundbrunnen liegenden freien Platz wird jetzt eine besondere Barade errichtet, die die Bureaus der Bauabteilung aufnehmen soll. Die zunächst in Angriff zu nehmende Arbeit wird der Umbau der früheren Fettgasanstalt sein, die seit 1915 außer Betrieb ist. Diese Gasanstalt, die in der Gabelung der beiden Bahnen an besonders günstiger Stelle liegt. soll in ein Kraftwert mit Umfor mern und Schaltanlagen umgemenbelt werden, das beide Streden mit Strom versorgt. Somit sind die Arbeiten an der Elektrisierung der Berliner Eisenbahnstreden in ein neues Stadium getreten. Telephonsförung Wir teilten bereits im geftrigen Abendblatt mit, daß sämtliche Leitungen mit der Freiheit" durch einen Defekt gestört sind. Diese Unterbrechung des telephonischen Anschlusses dauert auch heute noch an, und wir bitten unsere Genossen, davon Kenntnis zu nehmen. Mieterschuh und Mieteinigungsämter Reichsjustizministerium und Reichsarbeitsministerium haben den gesetzgebenden Körperschaften den Entwurf eines Ges leges über Mietershus unb teteinigungs. ämter zugehen lassen, aus dem wir zunächst einige der wichtigs sten Bestimmungen, die eine grundlegende Aenderung des bisherigen Zustandes bedeuten, wiebergeben. Das Kündigungsrecht des Bermieters Joll aufgehoben und auf den Weg ber gerichtlichen Aufhebungsflage" verwiesen werden; dem Mieter fann nur gefünbigt werden, wenn er bie Saus bewohner erheblich belästigt, bie Miete nicht bezahlt oder wenn der Vermietet ein so dringendes Interesse an den Mieträumen hat, daß deren Borenthaltung eine schmere Un billigteit für den Vermieter darftellen mürbe; in legterem Falle soll der Vermieter die Umzugsfesten ersehen. Die Aufe hebung von Untermietperhältnissen i erleichtert; s genügt, daß der Bermieter begrünbetes Intereffe an bez iebet erlangung z. B. des möblierten 3immers bai Der Ejus des Mieters vor 3wangsvollstredung ist in bem Entwurf o geregelt, baß diefe nur bann möglich ist, wenn ana gemessener Ersagraum gesichert ist. Die Entscheidung hierüber bleibt bom Mietetuigungssus norbehalten. Diese Bestimmungen sollen fich nicht nur auf Wohnräume, Jon dern auch auf gewerbliche und Geschäftsräume be ziehen, jedoch nicht auf Neubauten. Gewerkschaftliches Dem Mitteilungsblatt der Internationalen TransportarbeiterFöderation in Amsterdam entnehmen wir: Weiter bringt der Entwurf neue Vorschriften über die Einrichtung und das Geschäftsgebaren der Mieteinigungsämter. Wichtig ist, daß deren Entscheidung nicht mehr endgültig sein sollen, sondern durch Anrufung einer Beschwerdeinstanz Die bolschewistische Diktatur und die Gewerkschaften revidiert werden fönnen, falls gesehliche Vorschriften unrichtig angewandt sind. Die Tätigkeit als Beschwerdestelle soll durch die Landesbehörden einem Gericht übertragen werden. Die Beifizer des Mieteinigungsamtes müssen selbst Mieter under mieter sein. Zur Vereinfachung des Verfahrens tönnen Vorverhandlungen stattfinden. Die unabhängige und unparteiische Ausübung des Amtes der Vorsitzenden und Beisiger muß gesichert sein. Der Entwurf bildet die Ergänzung des 3. 3t. dem Reichstag vorliegenden Reichsmietengesetzes. Fürsorgestellen für Kriegsbeschädigte Die Hauptfürsorgestelle der Stadt Berlin für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene teilt mit: Bom 17. November d. J. find die Bureaus der Hauptfürsorgestelle der Stadt Berlin wie folgt untergebracht: Poststraße 5: Sauptfürsorgestelle( einschließlich Ueberleitungsstelle), Kriegsbeschädigtenfürsorge des 6. Verwaltungsbezirks. Moltenmarkt 9-10: Rapitalabfindungsabteilung der Kriegsbeschädigtenfürsorge. Gefangenenfürsorge( einschließlich Hilfs- und ( Landeshilfsausimuß). Burgstr. 8: Vermittlungsstelle für Schwerbeschädigte. In den Gebäuden Poststr. 6 und 13 befinden sich teine Bureaus der Hauptfürsorgestelle mehr. Die Bureaus der Hauptfürsorgestelle sind durch Fernsprecher wie folgt zu erreichen: Hauptabteilung: 3entrum 1636-38, Magistrat 733. Finanzabteilung: Zentrum 1636-38, Magistrat 733. Kriegsbeschädigtenfürsorge: 3entrum 1636-38, Magistrat 733. Kriegshinterbliebenenfürsorge: Magistrat 707. Kriegsbeschädigtenfürsorge des 6. Verwaltungsbezirks: Zentrum 1636-38. Kapitalabfindungsabteilung und Gefangenenfürsorge: MagiStrat Berlin 444. Vermittlungsstelle für Schwerbeschädigte: Zentrum 9103-9104. Die Fürsorgestellen für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene in Alt- Berlin für die Verwaltungsbezirke 1-5 haben ihre Aufgaben in vollem Umfange übernommen, für den 6. Verwal tungsbezirk z. 3t. nur bezüglich der Hinterbliebenenfürsorge. Die Diensträume der Fürsorgestellen befinden sich 1. Verwaltungsbezirk Berlin- Mitte: An der Stralauer Brücke 6; 2. Verwaltungsbezirk Tiergarten: Alt- Moabit 98-103; 3. Verwaltungsbezirk Wedding: Orthstr. 10, Ede SchönstedtStraße 1; 4. Verwaltungsbezirk Prenzlauer Berg: Schönhauser Allee Nr. 10-11; 5. Verwaltungsbezirk Friedrichshain: Edertstr. 12, Kriegsbeschädigtenfürsorge und Hauptabteilung. Frankfurter Allee Nr. 37. Kriegshinterbliebenen- Fürsorge; 6. Verwaltungsbezirt Kreuzberg: Friedrichstr. 16, Kriegss hinterbliebenenfürsorge, Boststr. 5 Kriegsbeschädigten- Fürforge und Sauptabteilung. Alle Anträge usw. Kriegsbeschädigter und Hinterbliebener AltBerlins sind fünftig an die örtlich zuständigen, vorstehend ge nannten Stellen zu richten. Angestelltenversicherung. Durch die im Reichstag angenommene Novelle zum Angestelltenversicherungsgesetz ist angeordnet worden, nachzuprüfen, ob bei denjenigen Bersicherten, die sich durch eine Lebensversicherung von der eigenen Beitragsleistung befreit haben, bie Höhe der an die Versicherungsgesellschaft geleisteten Beiträge dem Pflichtbeitrag bei der Angestelltenversicherung entspricht. Wo dies nicht der Fall ist, ist ein Erhöhungsantrag bis zum 31. Dezember 1921 zulässig. Die Volfsfürsorge( gewerbschaftlichgenossenschaftliche Versicherungs- Aktiengesellschaft) fordert daher die bei ihr versicherten Angestellten auf, fich sofort entweder mit bem bekannten Kassierer oder mit der Rechnungsstelle 1, Berlin SO 16, Engelufer 28, part., Fernspr. Morikplay 2977, in Ber bindung zu setzen, damit sie nicht in die Gefahr tommen, dop= pelte Beiträge leisten zu müssen. Sonorarstreit zwischen Aerzten und Krankenkassen. Das am 31. Oftober tagende Schiedsamt im Reichsarbeitsministerium hat den Krankenkassen trotz der noch laufenden Verträge mit den Aerzten Honorarerhöhungen bis zu 100 Prozent durch Schiedsipruch auferlegt. Der Beirat des Hauptverbandes deutscher Ortsfranbentassen hat daher beschlossen diesen Schiedsspruch abzulehnen, wenn nicht auf die schwer gefährdeten Finanzen der Krantentassen durch eine Aenderung des Schiedsspruchs gebührend Rück ficht genommen wird. Erneute Verhandlungen sind beim Reichsarbeitsministerium beantragt worden. Hoffentlich gelingt es, den Konflikt in einer Weise beizulegen, daß es nicht wieder, wie im vorigen Jahre, zu schweren Erschütterungen der ärztlichen Versorgung der Kaffenmitglieder tommt. Sprachschule für Proletarier. Am 1. Dezember beginnen neue Anfängerfurje in Englisch und Französisch( Abendunterricht) für Genossen und Genoffinnen ohne Bortenntniffe. Anmeldungen am Mittwoch, den 23. November, von 5-8 Uhr abends und Sonntag, den 27. November, von 10-12 Uhr vors mittags, in der Gemeindeschule Gipsstraße 23a,( Nähe Rosenthaler Straße). Einladung attr prbentlichen Ausschußigung der Allgemeinen Ortskrankenkasse Miederbarnim am Sonnabend, den 3. Dezember 1921 um 3 Uhr nachm., im Kreishaufe in Berlin, Friedrich- Karls Ufer 5, Kreisausschußßigungsfaal. Tagesordnung: 1. Menderung der§§ 20, 30 a und 31 a der Sagung. 2. Feftfegung des Boranfchlages für das Jahr 1922. des Rechnungsausschusses für bie 3. Wahl Brüfung der Jahresrechnung für das Jahr 1921. 4. Berschiedenes. Die Herren Ausschußmitglieder werden zur Teil nahme an dieser Sigung ergebenft eingeladen. Berlin, den 22. 9ovember 1921. Allgemeine Ortskrankenkaffe Miederbarnim Meubecker, Borsigender. Teilzahlung Rauchtabak Grammophone fund 18 Mark Lauten Mandolinen 20 M. Holländer. Schwarz.Krausen 22 m. Gitarren Bortoriko. 23 m. Schmidt God has. 27.9. • Gr.Hamburger Petersburger Str. 231. Hunde 1. 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Die Gefängnisse sind dermaßen überfüllt, daß man, um die Sozia listen und Gewerkschaftsleute unterbringen zu tönnen, nach und nach die meisten strafrechtlich Berurteilten auf dem Amnestie wege freiließ. Die Zahl der Verhafteten in Tiflis beläuft sich auf 1500, in ganz Georgien auf, zirka 5000." Auf die Frage, wie es mit den Gewerkschaften stehe, erwiderte er:„ Wenn sie sich nicht für die bolschewistische Herrschaft erflären, werden Sie ebenso behandelt. Im übrigen wurde die gewerkschaftliche Freiheit völlig unterbrädt. Das neue Regime begnügt sich nicht damit, die Führer der Arbeiter= organisationen zu verhaften, man unterdrückt auch die frei gewählten Vorstände und erseht sie durch ein eigenmächtig ernanntes gewerkschaftliches Bureau. Das Vermögen und die Gebäude der Organisationen werden von den Beamten der boljchewistischen Regierung verwaltet. Die be deutendste Organisation in Georgien ist die der Eisenbahner. Unter dem zaristischen Regime führte sie eine„ illegale" Existenz und spielte dann im Verlaufe der Revolution eine hervorragende Rolle. Nach der Besetzung durch die Bolschewisten wurde die Eisenbahnergewerkschaft als„ verdächtig" und und kleins bürgerlich" betrachtet und erhielt den Befehl, eine neue Wahl des Zentralausschusses vorzunehmen. Bei der Neuwahl wurde der alte Stab jedoch wiedergewählt, worauf die Regierung den ganzen Zentralausschuß verhaften ließ und ein von ihm ernanntes Bureau einseite! Tableau! Wirtschaftspolitische Forderungen Für Amnestie gegen Verelendung. Eine Versammlung der Gemertschaftsfunktionäre der Firma Mir und Genest, bestehend aus Anhängern aller drei sozialistischen Parteien, forderte im Namen der Menschlichkeit sofortige Saftentlassung der Lichtenburger politischen Gefangenen. Dieselben Forderungen stellte die Belegschaft der Rota- Werke, in der alle drei politischen Parteien vertreten sind, und verlangte vom A. D. G. B., Afa und den drei politischen Parteien, für die Freilajfung der politischen Gefangenen alle notwendigen Schritte zu unternehmen. Gine Betriebsversammlung bes Messingwertes Reinidendorf be schloß lehthin, sich die 10 Forderungen des A. D. G. B. zu eigen zu machen und sich restlos, dem Rufe des A. D. G. B. folgend, zur Berfügung zu stellen. Es wird erwartet, daß diese Programmpunkte ihre Realisierung finden. Die Versammlung der Funftionäre ber Settion V der Metallindustrie beschäftigte sich in ihrer VersammLung am Sonntag mit Lohnforderungen. Angenommen wurde ein Antrag, der eine Rohnerhöhung von 6.50 M. fordert. Abge. lehnt wurde dagegen ein Antrag. Industrieverbände zu gründen. Zum Schluß wurde das Berhalten des Justiz ministers in der Frage der politischen Gefangenen verurteilt und das Material der Verwaltung überwiesen. 13. Berbandstag der Dachdeder ( Schluß) Ueber den Reichstarif sprach Verbandsvorsitzender Thomas. In zweitägigen Verhandlungen wurde die Tattit des Borstandes in lebhaftem Für und Wider besprochen und ein Programm für die fünftige Tarifpolitit aufgestellt, in dem die Ferien, Rege lung der Lehrlingsfrage und die Stellung zum§ 4 des Tarifs eine besondere Rolle spielen. Der nächste Puntt der Tagesordnung betraf den Baugewertsbund. Der Referent Görniz- Berlin schilderte die vielfachen Bes mühungen des Vorstandes der Dachdecker, um in dieser Frage vors anzukommen. Es müsse alles getan werden, um die Errichtung des Bundes durchzusehen; lediglich eine Verschmelzung mit dem Bauarbeiterverband sei abzulehnen. Nach einer längeren Aussprache wurde die sofortige Verschmelzung mit den Bauarbeitern mit 21 gegen 13 Stimmen abgelehnt und einstimmig eine Ents Schließung angenommen, in der der Verbandstag bedauert, daß der Baugewerksbund bis heute noch nicht zustande gekommen ist. Der Zentralvorstand wurde erneut beauftragt, mit aller Kraft für die Schaffung des Baugewertbundes einzutreten. Der Verbandstag erwartet, daß der nächste Gewerkschaftstongreß diefe Frage endgültig zur Lösung bringt. Falls eine Entscheidung nicht zustande kommt, hat der Borstand mittels Urabstimmung die Verschmelzung zu Deranlassen. Ueber die Sozialisierung des Baugewerbes gab Schmidt- Frantfurt a. M. einen Bericht. Nach gründlicher Beratung wurde bes fchloffen, 100 000 M. aus zentralen Verbandsmitteln dem Verband Demnächst erscheint der USPD TaschenKalender 1922 Aus dem Inhalt: Aufgaben der Betriebsvertretungen Lohnsteuer, Abzug vom ArbeitsJohn Hilfe bei Unglüdsfällen Einnahme und Ausgabetabellen Statistit der Reichstagswahlen Reichhaltiges Adressen Material Tarife Interessante Notizen u. a. * = Gutes reibfähiges Papier Halbieten gebunden 5.- Mark Buchhandig. ,, Freiheit" Berlin C2/ Breite Straße 8-9 Annahme in allen Speditionen bes Berlages- Geschäftsstelle Berlin T2 Breite Straße 8-9 Berkäufe Sozialer Baubetriebe zur Verfügung zu stellen, ferner Taufend 5 Prozent der zentralen Einnahmen. Berschiedene statutarische Bestimmungen wurden geändert, die Einsegung eines Beirats abgelehnt. Zu den vorhandenen nier wurden noch zwei weitere Gauleiter angestellt, die schon in Siffss Stellung tätig waren. # Die Wiederwahl des Zentralvorstandes erfolgte einstimmig; Ausschußvoritender wurde Lüd- Berlin. Zum nächsten Gewetts schaftstongreß wurde der Zentralvorsitzende Thomas Frankfurt a. Main delegiert. Zur Gehaltsfrage beschloß der Verbandstag eine neue Stala, die sich den Dachdeckerlohn ais Grundlage nimmt. Der nächste Verbandstag findet Pfingsten 1924 statt. Riftenmacher! Alle Kistenmacher, die nach wie vor Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes bleiben wollen, haben in der am Sonne abend, den 26. d. M., abends 6 Uhr, Arbeitslosenjaal, Runges Straße 30, stattfindenden Kistenmacherversammlung, einberufen von der Ortsverwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes, zweds Registrierung der Mitgliedschaft zu erscheinen. Wir machen bie Kollegen der Kistenbrande in legter Stunde darauf aufmerfam, baß nach§ 94 des Verbandsstatuts jedes Mitglied feine Rechte einbüßt, wenn es acht Wochen mit seinen Beiträgen im Rüdstande ist, ohne Stundung nachgesucht zu haben. Kollegen, laßt euch von den Quertreibern nicht einschüchtern und erscheint in dieser Versammlung. Verbandsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Generalversammlung der Brauereis und Mühlenarbeiter. In der stattgefundenen Generalversammlung gab Sodapp den Ges Schäfts- und Kaffenbericht für das dritte Quartal 1921, das int Zeichen der Lohnbewegung für alle in Betracht tommenden Bes rufsgruppen stand. Verursacht durch die miserable wirtschaftliche Lage, ist auch vorläufig noch tein Ende der Lohnbewegungen zu erwarten. In allen Gruppen sind schon wieder Neuforderungen an die in Frage kommenden Unternehmungen gestellt worden. Aus dem Kassenbericht ist u. a. zu erwähnen. daß das Lokals tassen vermögen zur Zeit 107 912 Marf beträgt. Der Mits gliederbestand beläuft sich auf 5946; davon 313 weibliche. Auch hier ist eine 3unahme der Mitglieder zu verzeichnen. Auf Antrag der Revisoren wurde der Verwaltung Entlastung erteilt. Gegen etwa 25 Stimmen wurde eine Erhöhung der Beis träge beschlossen. Sinzu kommt dann noch ein Zuschlag von 1, Marf für die Lofaltasse. Entsprechend den Beiträgen sind auch die Streifunterstügungssäge erhöht worden, desgleichen die Bezüge für Frauen und Kinder. Aus der Lokaltasse soll außer den angeführten Sägen bei Streits pro Tag noch ertra 2,- Mark gewährt werden. Die Erhebung der Extrabeiträge für die ers werbslosen Mitglieder wurde einstimmig angenommen. Elektro- Einzelhandel. Der Tarifvertrag für die faufmännischen Angestellten im Einzelhandel Groß- Berlin vom 1. Mai 1921 ist nachträglich vom Reichsarbeitsministerium auch für den Elettro Einzelhandel für allgemeinverbindlich erklärt worden. Die in Geschäften des Verbandes der Beleuchtungsgeschäfte bzw. im Elettro- Einzelhandel tätigen faufmännischen Angestellten, die die tariflichen Gehaltsläge nicht erhalten haben, fönnen jetzt noch ihre Ansprüche geltend machen. Nähere Ausfunft, auch über die Sonstigen Tarifrechte aus dem genannten Vertrage erteilt der 3entralverband der Angestellten, Fachgruppe Einzel Handel, Seftion Spezialgeschäfte. Ueber einen Tarifvertrag für die Jehtzeit schweben augenblicklich Verhandlungen, über beren Berlauf in Kürze berichtet wird. Maschinisten und Heizer. Generalversammlung der Geschäftsstelle Groß- Berlin am Dienstag, den 29. November, abends 6 Uhr, bet Böker, Weberstraße 17. Tagesordnung: 1. Kassenbericht, 2. Beitragserhöhung, 3. Berschiedenes. Es ist Pflicht jedes dienstfreien Kollegen, zu erscheinen. U.S. P. D. Kupferschmiede. Heute, abends 7 Uhr, Versamm lung im Gewertschaftshaus, Gaal 2. Parteiveranstaltungen 19. Berwaltungsbezirt. Die Orte, die noch feine Flugblätter abgeholt haben, erhalten dieselben sofort Spedition Spiekermann, Bankow. Freitag, 25. November 5. un 6. Diftritt. Abends 7 Uhr Sigung ber Rommunalen Rommission bet Laufh, Wiclefs, Ede Bredowtrage. Tagesordnungn: Vortrag des Genossen&. Zimmermann über seine Tätigkeit als Stadtrat des Bezirks Tiergarten. Sonnabend, 26. November 15. Berwaltungsbezirt. Die Abteilungstaffiezer rechnen nachmittags 4-7 The beim Genossen Beffen ab. Noch ausstehende Sammellisten find unbedingt mit a zuliefern. 19. Berwaltungsbezirt Barlow. Abends 7 Uhr Bezittsgeneralversammlung in ber Schulaula Grunowstraße. Zur Teilnahme verpflichtet sind die Mitglieder ber Bezirksleitung, die Abteilungsleiter und die Delegierten. Auf je 20 Mitglieber ein Delegierter. Das Mandat muß vom Abteilungsleiter unterschrieben und mit Ortsstempel versehen sein. 19. Berwaltungsbezirt Bantom. Abends 6 Uhr Sigung der Bezirkslettung is ber Schulaula Grunowftrahe. Pünktliches Erscheinen ist unbedingt notwendig. Niederbarnim- Nord( Arbeitsgebiet Oranienburg). bends 7 hr wichtige Ron ferenz in Oranienburg bei Seeger, Mühlenstraße. Außer der Distriktsleitung mus jeber Ort an ber Nordbahn but mindestens einen Delegierten vertreten sein. Vereinsfalender Freitag, 25. November Zentralverband der Angestellten. Bangeschäfte. Abends 7 Uhr Funktionär Bersammlung im Lehrervereinshaus, Aleranberitz. 40-41. Export. Abends 7½ Uhr Mitgliederversammlung im Schultheiß, Neue Jakobfir. 24-23. Berantwortlich für Balitif und Feullieten: es tebimas Berlin- Frie benau; für Rommunalpolitik, Lofales und Gewerkichaftliches:. Rubner Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriner. Charlottenburg. Verlagsgenossenschaft Freiheit", e 6. m. b. 5., Bezlin. Drud der Berliner Truderei 6. m. 6. S.. Berlin T 2 Breite Strake 8-9. 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