Einzelpreis 30 Pfg. . 4. Jahrgang Sie retbeit erscheint täglich morgens und nachmittags. Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Buftellung ins Hans und durch die Poft bezogen M. 12.-, im voraus zahlbar. Für Bostbezug nehmen ämtliche Toftanstalten Festellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Teutichland, Sangg, das Eaar- und Memelgebiet iowie die früheren deutschen Gebiete Tolens unb Quremburg M. 23.- für das übrige Ausland M. 30.Redaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße 89 Dienstag, 29. November 1921 Nummer 557 Abend- Ausgabe Die gebngeipaltene Nonpareillegeile ober deren Raum koftet 6,-, einschließlich Snferatenfteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-M., redes weitere Wort 1,50 D. einschließlich Inferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarti. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefnhe 3,75 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 Freiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Streif in den Elektrizitätswerken Der Streitbeschluß Gestern abenb tagte in ber Neuen Philharmonie" eine Ver Sammlung aller Angestellten der städtischen Elektrizitätswerte. Schmidt vom 3. d. A. fündigte an, daß sofort in den Streit ein getreten werden müsse. Obwohl die Angestellten wiederholt alle Verhandlungsmöglichkeiten benutzt und auch dem Magistrat weit gehende Vermittlungsvorschläge gemacht haben, beharrte dieser auf seinem Standpunkt und ließ durch seine ganze Haltung erfennen, daß er es auf eine Machtprobe antommen lassen wollte. Das Ergebnis der Urabstimmung der Angestellten habe eine Mehrheit'für den Streit ergeben. Was diejenigen Angestellten betrifft, die erflärt haben, in das Beamtenverhält nis einzutreten, so sei die Vereinbarung getroffen worden, von diesen Angestellten den Eintritt in ben Solidaritätsstreit zu ermarten. Es ergab sich in dieser Versammlung ein Unterschieb in der Be urteilung der Situation zwischen den Vertretern der kaufmännischen Angestellten und denjenigen der technischen Angestellten. Wie aus unserem nachfolgenden Bericht über die augenblickliche Lage in dem Elettrizitätswert zu ersehen ist, hat diese Meinungs verschiebenheit glüdlicherweise nicht zu schädigenden Folgen für bie Bewegung selbst geführt. Die augenblickliche Lage Bon 2 Uhr ab liegt die Straßenbahn still! Heute vormittag fand eine Beratung ber technischen Angestellten in der Philharmonie" statt. Es ergab sich, daß heute morgen bie faufmännischen Angestellten in den städtischen Elektrizitätswerten nicht zur Arbeit erschienen sind, und baß von den technischen Angestellten die Bureautechniter ebens falls bereits in den Streit getreten sind. Die übrigen Technifer nehmen in einer Versammlung Stellung, die bei. RedaktionsSchluß noch andauert. Es fam aber bereits zum Ausdrud, daß die Organisation ber Techniter für restlose Durchführung einer umfassenden Streitbewegung sorgen wird. Wenn die Maschinentechnifer, Wertmeister usw. die Arbeit noch nicht niedergelegt haben, so hat das seine Ursache in einer Vereinbarung, daß die technischen Angestellten einige Stunden vor Ausbruch des Streifs die Straßenbahn und andete betroffene Betriebe benachrichtigen Die Finanzlage Deutschlands Der französische Finanzsachverständige Sendoug, der besonders bei der Brüsseler Finangtonferenz hervorgetreten ist und als finanzieller Berater der französischen Regierung gilt, hat sich im„ Exchange Telegraph" über die Finanzlage Deutschlands folgendermaßen ausgesprochen: Die Lage Deutschlands ist klar. Deutschland hat die Durch führung des Londoner Ultimatums versprochen, hat aber gleichzeitig erklärt, baß dieses Ultimatum undurchführbar sei. Finanziell betrachtet, ist das wahr. Es gibt in der ganzen Welt 40 Milliarden Gold, und infolgedessen ist es unmöglich, 132 Mil liarden Goldmart zu finden, um die Reparationen zu bezahlen. Vom wirtschaftlichen Standpuntt aus aber ist es eine andere Sache. Es handelt sich für Deutschland barum, eine Berwirrung in der öffentlichen Meinung zwischen der finanziellen Unmöglichkeit und der wirtschaftlichen Möglichkeit hervorzurufen. Deutschland hat ein einfaches Mittel gefunden, seine Zahlungs. unfähigkeit zu dokumentieren, indem es den deutschen Martt versperrte und jedes Eintaufen im Auslande unmöglich machte. Allmählich hat Deutschland die Mart so entwertet, baß. jebe Einkaufsmöglichkeit in Amerita, England und Frankreich unmöglich erscheint. Die schnelle Entwertung des Papiergeldes hat es ein bisher nicht beobachtetes Phänomen festzustellen: Das ents wertete Bapiergeld behält im Innern des Landes eine höhere Rauftraft als im Auslande, daß die für das tägliche Leben notwendigen Dinge im allgemeinen in Deutschland billiger sind als überall sonst, wo die Industrie zu niedrigen Preisen produ ziert hat also die deutschen Produzenten sehr begünstigt. Die Baisse wurde verursacht erstens durch die große Noten inflation, und zwei tens burch eine fortgesette Kapitalflucht ins Ausland. Nicht einen Augenblid hat sich die deutsche Regierung bemüht, dem Kurssturz der Mart Einhalt zu tun. Schon in Brüssel erflärten die deutschen Sachverständigen, daß die deutsche Mart im nächsten Jahr den Wert der österreichischen Krone erreicht haben werde. Deutschlands Haushalt verlangt zu schwere dirette Steuern, die dazu noch schlecht eingetrieben werden. Was die indiretten Steuern anbetrifft, so weiß jedermann, daß diese von der deutschen Regierung, die auf ihre Bolkstümlichkeit Wert legt, vernachlässigt werden. Deutschland hat seine Eisenbahnen und seine Handelsmarine wiederaufgebaut. Es hat die Zinsen seiner Anleihen bezahlt und die fortgesetten Forderungen aller politischen Parteien nach fortgelegter Ausgabe von Banknoten zufriedengestellt. Unter diesen Bedingungen mußte die deutsche Mart immer mehr fallen. Das Reich hat niemals den Kauf fremder Devisen durch seine Staatss angehörigen unter Kontrolle gestellt und hat die Fabrikanten niemals veranlagt, ihren Befig an ausländischen Devisen nach Deutschland zu schaffen. Die fremden Banken sind mit deut em Kapital in Franten, Lire, Pfund Sterling und Dollars überfüllt. Ihr Wert beträgt zur Zeit 75 Milliarden Papiermüssen. Verhandlungen mit dem Magistrat sind noch nicht begonnen worden. Auch auf dem Osthafen sind die kaufmännischen Angestellten in den Streif getreten, dagegen werden die Angestellten von den Gaswerken nicht von dem Konflikt berührt. Es ist selbstverständlich, daß die städtischen Arbeiter in den Elektrizitätswerken es ablehnen werden, etwa die Arbeit der Streifenden Angestellten zu verrichten. Da anzunehmen ist, daß schon in den Mittagsstunden die Streitbewegung den vollen Umfang erreicht haben wird, so wird in den ersten Nachmittagss stunden die Stromversorgung in Berlin eingestellt sein, so daß etwa von 2 Uhr ab der Straßenbahnverkehr ruhen dürfte. Das Schiedsgericht über die Arbeiterforderungen Am heutigen Vormittag ist in den Räumen des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin das Schiedsgericht zusammenge treten, das über die Forderungen der städtischen Arbeiter entscheiden soll. Der Magistrat hat nach voraufgegangenen Verhandlungen zwischen einer Tariftommission und dem Magistrat die Forderungen der Arbeiter in ihrer vollen Höhe abgelehnt. Die heutigen Verhandlungen werden von Ge heimrat Delius vom Reichswirtschaftsministerium geleitet. Als Beisiger sind gewählt: Assessor Körner vom Demobilmachungsamt und Postdirektor Böttger. Vom Magistrat waren delegiert Kämmerer Karding, Stadtrat Poetsch und Stadtobersekretär Laurisch. Für die laufmännischen Angestellten waren ẞosener, für das Lohnkartell Böhmer vom Transportarbeiter- Verband und Dettmer pom Gemeinde- und Staatsarbeiter- Verband gewählt. Als Vertreter der Arbeitnehmer erläuterte Polenste vom Gemeinde- und Staatsarbeiter- Verband noch einmal ausführlich den Entwurf des 8. Lohntarifes, der angesichts der fortschreitenden Teuerung den Arbeitern taum das Existenzminimum bringe. Die Verhandlungen dauern fort. Wenn der Schiedsspruch nicht günstig für die Arbeiterschaft lauten oder der Magistrat sich einem den Arbeitern günstigen Schiedsspruch nicht unterwerfen würde, so ist auch ein Streit der städtischen Arbeiterschaft sicher, so daß wir vor einer ganz allgemeinen Streit bewegung stehen. Schuld trägt der Magistrat, denn bei aller Anerkennung der finanziellen Not Berlins tann fein Mensch verlangen, daß die Arbeiter bei ihren minimalen Löhnen etwa die Geldgeber der Stadt sein sollen. mart. Einzelne Ausländer, Freunde, Alliierte und Neutrale, etflären, daß Deutschland die Reparationszahlungen unterbrechen sollte, worauf die Mark wieder steigen würde. Dann tönnte man mit Deutschland Geschäfte machen. Einzelne Alliierte behaupten sogar, daß man dann mit Deutschland bessere Gewinne erzielen fönnte, wenn man mit ihm Handel triebe, als wenn man von ihm die Reparationszahlungen verlange. Eine endgültige Lösung fann nur dadurch gefunden werden, daß ein voll tommenes Einvernehmen und der feste Wille unter den Alliierten besteht, Deutschland zu Finanzreformen zu zwingen und zu veranlassen, daß es seine fremden Devisen heimschafft. Das ist aber Sache des Garantiefomitees, das die Artikel 241 bis 248 des Friedensvertrages durchzuführen hat. Wenn die ausländischen Regierungen Deutschland helfen wollen, um die ins Ausland verbrachten Vermögen kontrols lieren zu fönnen, würden wir das begrüßen. Falsch ist die Ansicht, daß die indirekten Steuern nicht bereits außerordentlich hoch wären. In der Tat ist der Verbrauch der Massentonfumartitel sehr starf zurüdgegangen und zwar auch der der nötigsten Nahrungsmittel, z. B. des Fleisches. Jrrig ist auch die Ansicht, daß Deutschland den Einkauf im Ausland unmöglich macht. So weit es sich nicht einfach um Valutawirkungen handelt, ist vielmehr die Luxuseinfuhr aus dem Auslande noch immer bedeutend. Wichtig ist aber die Erklärung Seydour', die Entente müsse Deutschland zur Finanzreform zwingen. Sie zeigt, was bevorsteht, wenn wir nicht endlich freiwillig unsere Finanzen in Ordnung bringen.. Nansen in Sowjetrußland Int. Moskau, 29. November. Nansen wurde bei seiner Ankunft auf russischem Boden von Vertretern der Sowjet- Regierung empfangen. Er erklärte, daß alle westlichen Staaten zur Hilfeleistung für die Hungernden herangezogen werden müßten, was er auch durchzusehen hoffe. Er teilte mit, daß die holländischen Gewerkschaften 300 000 Gulden für das Hungergebiet aufgebracht hätten. Nansen will während feines Aufenthaltes in Mostau von der Sowjet- Regierung die Erlaubnis erwirken, die nach Konstantinopel geflüchteten Russen und die sich noch in Frankreich befindlichen 5000 russischen Soldaten nach Sowjetrußland zurückführen zu dürfen. Entwaffnungskommission der fleinen Entente. In der Frage ber Entwaffnung Ungarns hat die kleine Entente eine Sonderfommission gebildet, die parallel der Ententekommission die Entwaffnung Ungarns überwachen soll. Diese Maßnahme soll verhindern, daß der kleinen Entente in der Frage der Entwaff nung Sand in die Augen gestreut wird. Steigende Gefahr Immer wieder ist hier mit dem größten Nachdrud gefor bert worden, daß die Regierung diesmal nicht wieder die tostbarste Zeit verstreichen läßt, bis es zu spät wird. Seit der Annahme des Ultimatums haben wir gedrängt und gedrängt, damit die notwendigen Finanzmaßnahmen er griffen werden. Wir haben immer wieder diese Maßnahmen im einzelnen aufgezeigt, wir haben ein Provisorium gefordert beschleunigte Einziehung des Notopfers, der Einkommen und Umsatzsteuern, die Erhöhung der Exports abgaben, ein Kapitalverkehrssteuergesez um das innere Defizit zunächst zu decken und der Vermehrung des Notenumlaufs Einhalt zu tun. Wir haben die sofortige Erfas= sung der Sachwerte gefordert, damit die Regierung in der Lage sei, über Unterlagen für den auswärtigen Kredit zu verfügen. So gerüstet, wäre es möglich, die bevorstehenden Zahlungen am 15. Jánuar zu leisten und die Zeit für die große Finanzreform zu. gewinnen. Richts davon ist geschehen. Im Steuerausschuß ist der Blod der Steuerscheuen an der Arbeit und lehnt die Forde rungen, die die gesamte Arbeiterschaft vertritt, ruhig ab, während die Regierung sich in Schweigen hüllt. Gleichzeitig hat die Industrie oder wenigstens ihr maßgebender Teil die Not des Reiches ausgenugt, um unerfüllbare Be dingungen an die sogenannte Kreditattion zu knüpfen, die deutlich zeigen, daß es diesen Herren nur darauf ankam, die Erfassung der Sachwerte zu sabotieren und ihre Steuerfreiheit zu behaupten. Unterdessen verrinnen fostbare Tage. Aber die Regierung gelangt zu feiner Entscheidung, verhandelt noch immer mit der Industrie, und die Gefahr wird immer größer, daß der Berfallstermin heranrüdt, ohne daß irgendein Plan vor handen ist, um die fällige Zahlung zu leisten. Wie in Ver sailles, in Brüssel, in Spaa und London merden wir am 15. Januar dastehen, ohne zu wissen, was zu tun ist, und ein neues Dittat der Gegner entgegennehmen müssen. Soll es wirklich so weitergehen? Auch der„ Vorwärts" stellt jetzt diese Frage. Sieben Wochen vor dem Verfalls termin fennt noch teine gesetzgebende Körperschaft den amtlichen Entwurf eines Gesetzes, das die nächste Reparations zahlung aufbringt. Indessen macht die Teuerung rasende Fortschritte und der Reichsverband der Industrie fordert die Uebergabe der Betriebe des Reiches an das Großtapital. Dann fährt das Blatt fort: Die Regierung aber verhandelt, in Berlin, vermutlich auch anderwärts, aber sie tut nights, was ben Reichsetat auf die Kraftanstrengung vorbereitet. Je näher der 15. Januar, ohne daß die steuerliche Aufbringung der Gold beträge erfolgt ist, um so bedingungsloser wird das Bolt an die Industrietapitäne ausgeliefert.. Das Ultimatum, das Herr Stinnes am 13. oder 14. Januar präsentieren tann und wahrscheinlich auch wird, läßt dann nur noch eine Wahl: annehmen oder die Gewaltmaßnahmen der Entente über uns tommen lassen. Das letztere aber wäre der Banterott der Erfüllungspolitik, das erstere der vernichtende Schlag gegen den Sozialismus. beiden wirkt die Regierung der Erfüllung" mit, wenn sie nicht schleunigst die Erfassung der Sachwerte heraus bringt und mit den schärfsten Mitteln die Sicherstellung der Be träge betreibt. Die Frist läuft ab. Die Regierung zaudert. Wir müssen von unseran Genossen, die an ihr teilnehmen und die bisher in unserem Sinne gewirft haben, verlangen, daß sie diese Konfequens zen im Auge behalten. Dann gibt es nur eine Mög lichkeit, die heißt: Vorbeugen! Die Industrie hat ihr Wort gebrochen, wenn sie nicht wagt, jetzt schon mit Garantien vor die Oeffentlichkeit zu treten. Ihr Kreditangebot war das Danaergeschent, als das wir es vom ersten Tage an kennzeichnes ten. Jetzt gilt es, die Reichsfinanzen unabhängig von den Launen und windigen Zusagen der Industrietapitäne zu machen. Noch ist es Zeit. In zwei Wochen wird es zu spät sein. Wir warnen." Der„ Vorwärts" fordert also bie rechtssozialistischen Minister im Kabinett auf, endlich eine flare Entscheidung der Regierung herbeiguführen. Auch wir meinen, daß die bisherige Direktionslosigkeit der Regierung unmöglich fortdauern fann. Herr Wirth hat bei der Uebernahme der Regierung erklärt, daß sein Kabinett sich nicht mehr in jene völlige Abhängigkeit von den Fraktionsführern begeben werde, wie die vorhergehenden. Es werde die Notwendigkeiten der Politik rücksichtslos vor dem Parlament darlegen und sie durchzusetzen versuchen. Die Pers teien müßten dann die volle Verantwortung vor dem Lande für ihre Zustimmung oder Ablehnung übernehmen. In Wirklichkeit aber läßt das Kabinett in der entscheidenden Frage jebe Stellungnahme vermissen. Unausgesetzt wird hinter verschlossenen Türen verhandelt, obwohl längst klar ist, daß nur entscheidendes Handeln uns vorwärts bringen bann. Herr Wirth hat unlängst erklärt. er werde dem Pars lament in furzer Zeit die nötigen Mitteilungen machen. Aber die Zeit vergeht und die Regierung schweigt. So steuern wir mit vollen Segeln in neue Krisen unserer inneren und auswärtigen Politik hinein. Deshalb kann die Unents schlossenheit und Untätigkeit nicht fortdauern. Auch wir meinen, daß endlich Klarheit geschaffen Verden, daß die lfte- >' ieruna endlich vor dem Reichstag lagen maß, welche Politik üe ein'chlagen will. Wenn die Pfeä« an dem Wagen un- jerer Politik dem Abgrund zueilen, darf man die Zügel nicht länger am Boden schleif«n lasten. Oer Gchlefische Adler Das ist kein Witz, sondern ein neuer Orden. Das.Lam- äurger Echo" veröffentlicht folgendes Vesitzzeugnis: Dem Poli�iwachtmeifter Herrn Bruno L..... 3. Hundertschaft. Schutzpolizei Soest, ist am 15. April 1821 das Cchlefifche Bewährungsabzvichen(Schlesifcher Adlers, 2. Stufe, verliehen morden. gez. Tremitzer, Generalmajor und Kommandeur der 2. Kav.-Divifion.. Stempel: 2. Ea ode-Kavalle rie-Diviston. Wer hat diesen BlSdfinn. der die deutsche Republik st» der ganzen Welt zum Kinderspott machen mutz, ausgedacht? Wie kommt ein Generalmajor der Reichswehr dazu. Orden an Schützpolizisten ?u verleihen? Roch dazu an einen Polizisten, der balv nach dieser Ehrung entlasten. werden mutzte, weil er einen Kraftwagen mit Waffen beschlagnahmt hat. Das w-urde ihm als „politische Betätigung" ausgelegt. Wenn nun die Beschlagnahme van Waffon als E n t l a sj u ng sg rii nd gilt, wofür hat der Mann dann seinen Orden belommen? Etwa für die Beihilfe beim � �Vaffenschmuggel? Das würde gut m diesem Irrsinn passen. Gtennes in Ltniform Hauptmann Stennes, der bisherig« Führer der Hundertschaft z. b. B. ist bekanntlich unter dem Verdacht eines Verbrechens bis zur Einleitung eines Strafverfahrens vom Dienst fus- p e» d i e r t worden. Trotzdem trägt Herr Stennes weiter Uni- form. Er ist also in der Lage, jedem Schutzpolizisten Befehl« zu erteilen. Es ist nicht ganz klar, ob die geltenden Bestimmungen ihn zum Tragen der Uniform berechtigen. In jedem Falle mutz diese Tatsache überaus bedenklich erscheinen, zumal zum„Dienst- anzug" nach den geltenden Bestimmungen auch die Schutzwaffe und das Seitengewehr gehört. Nimmt man dazu noch den Heineschen Schietzerlatz, der ja ebenfalls noch in Kraft ist, dann ergeben sich allerlei bedenkliche Konsequenzen, denen vorzubeugen Herr Severing alle Pflicht hätte. Heimschaffung deuischer Kn'egerleichen Gegen die Heimschaffung deutscher Kriegerleichen aus dem Aus- lande bestehen keine Bedenken mebr. Für die Rückführung und, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, folgende Be- dingungen maßgebend: Die gesamten Kosten sind von den Angehörigen zu tragen. Die Identität mutz einwandfrei feststehen. Di« Genehmigung zur Ueberführung erteilt das Zentralnochweiseamt. durch dessen Vermittlung die Zustimmung des Fremdstaates eingeholt wird. Die Anträge sind daher an das Zentralnachweiseamt für Krieger- uerluste und Kriegergräber in Spandau, Schmidr-Knobels- dorferstratze, zu richten. Bei der Ueberführung müssen die gesetz- lichen Vorschriften beachtet werden. Dies bezieht sich auch auf die Ecsetzvorschriften der Länder, aus denen die Leichen ausgeführt und durch die sie defördert werden. Für Fehler bei der Grabangabe haftet das Reich nicht. Angehörige, die Krieger- leichen aus dem Auslande überführen, verpflichten sich zur In- standhaltung der neuen Gräber in Deutschland. Für die Gräber- listen müssen die Angehörigen«dem Zentralnachweiseamt mit- teilen, wo die Leiche ausgegraben und wohin sie umgebettet iparden ist Die Abfindung der Thüringer Fürsten In Weimar sindlürzlich, wie auch die„Freiheit" berichtete, die Abfindungsverträge mit dem ehemaligen Grotzherzog ge- nehmiat worden. Es dürfte nicht uninteressant fein festzustellen, wie sich mit den übrigen Thüringer Fürsten die Abfindung bisher vollzog. Altend ifrg erhält das Kammcrvermögcn als Eigen- tum und überläht dem herzoglichen Haus das Schloß �Fröhlich« Wiederkunft" mit Umgebung und rund 165 Hektar Wald vom Forstrevier Hummelsheim als Eigentum, räumt dem herzoglichen Haus ein Wohnungsrecht im Prinzenpalais zu Altcnbura sowie die unentgeltliche Benutzung einer Theaterloge ein und zahlt dem Herzog zehn Millionen Mark Abfindung. Ferner Oer Film am Dienstag Filmschau ! In der vorigen Woche konnte man im �r Theaterjzene reiht sich an die andere. Kein Mensch benimmt sich natürlich, allen sieht man sofort an, daß sie Schauspieler sind und keine natürlichen Menschen, und der gut« Klöpfe» leistet das ülnmöglichste an sentimentalem Augenverdrehen und Theater- g-bärden, die ein einfacher Fischer nie im Leben machen würde. Wäre nicht das schöne, lebendige Wasser, das in diesem Film genau so„natürlich" dahinfließt und ans Ufer platscht, wie in der Natur, so wäre im ganzen Film nicht ein« natürliche und also auch nicht eine gute Szene.— Der amerikanische Film hat vielleicht längst nicht so viel Mühe gekostet, wie der deutsch«, aber er ist Harm« loser ünd natürlicher und deshalb viel, viel besser. In dieser Woche sieht man im selben Kino ein Sckauspiel, das womöglich noch gekünstelter ist als der»Totenklaus. und sicher «erden noch zwei Millionen Mark für eine Wohlfahrtsstiftung gewährt. und den gesamten Hofbeamten werden außerdem ihre Rechte auf Pension usw. gesichert. den ehemaligen Staaten Echwarzbnrg- Rudolstadt und Sonderhausen wurden die Verhältnisse ähnlich wie in Altenburg geregelt: in Altenburg kommen nur größere Beträge in Frage wie bei den Schwarzburgorn. In R e u tz hat der Fürst für sich und seine Familie von seinem aus 68 Millionen Mark ge- schätzten Ecsamtbentz etwa die Hälfte, bestehend in Kammer- gütern, Forsten usw. abgetreten. Das fürstliche Haus Reutz hat aber noch derartig wertvolle Liegenschaften im Besitz, daß die Ver- mögensdifferenz des fürstlichen Hauses bald wieder durch die noch -vorhandenen großen Forsten ausgeglichen sein wird, da dies« große Gewinne bringen. In M e i n l n g e n ist das mit dem herzog- lichen Hause getroffene Abkommen vertraulich behandelt worden, so daß es nicht zur öffentlichen Kenntnis kam. Im ehemaligen Herzogtum Gotha ist die Auseinandersetzung noch nicht«folgt. französische Kritik an Vriand Paris, 28. November. Das„Journal des Debats" schreibt, es habe sich bemüht, den Ministerpräsidenten B r i a n d davon abzuhalten, nach den Vereinigten Staaten zu reisen, um eine Rolle auf einem Terrain zu spielen, das von Abgründen durchzogen fei. Es habe verschlossenen Ohren gepredigt. Briand habe es vorgezogen, nach Washington zu reisen, nachdem er gewissermaßen als Vorwort zu seiner großen Rede vor der Washingtoner Konferenz nach Angora ein Telegramm gesandt habe, in dem er die Ratifi- zieruna de» französlsch-türkischen Abkommens anzeigte. Jetzt sei man in der Lage, diesen glücklichen Einfluß des türkifch-französischen Abkommens und die Wirlunge« der Rede-Diplomatie zu würdigen. Das Blatt hofft, daß die Er- fahrung der französischen Staatsmänner vom schlechten Wege ab- lenken werde, und daß sie nunmehr zu Methoden zurückkehren, die durch glücklichere Präzedenzfälle geheiligt seien. Sie müßten in bestimmter Form den Meinungsaustausch mit London auf- nehmen. Das„Journal des Debats" führt aus. es sei vorzu- ziehen, daß an der Spitze der Regierung ein tätiger und schweigsamer Zilann stehe, der die gemeinsamen An- gclegenheiten zur allgemeinen Befriedigung regele. Der Platz tiir Artisten sei die Theaterbühne. Staatsmänner aber, die damit beaustragt seien, die auswärtigen Geschäfte zu führen, müßten in ihrem Arbeitszimmer arbeite» und mühten die Er» fahrungen und die Talente ihrer Mitarbeit« bestens nutzbar machen. Dos Blatt hält es für notwendig, daß Briand nach seiner Rückkehr vor den Kammern eine öffentliche Erklärung ab- f:be. Es wolle die Aufgabe der Regierung nicht erschweren. ndern nur den Ministerpräsidenten auffordern, den besten utzen aus den Ereignissen im nationalen Interesse zu ziehen. Das Pariser Kabinett möge mit dem von Lonbon eine allgemeine Prüfung der Orientfrage vornehmen, denn die Lage sei verworren. Gewisse Fehler seien nicht wieder gutzumachen. Jedoch sei es noch Zeit, Ordnung in die Dinge zu bringen. Um es zu erreichen, müsse man die Fragen der Eigenliebe beiseite lassen und nur an das allgemeine Wohl denken. Harding über die Einladung Oeuischlands E. E. Paris. 29. November. Die Nachricht, daß Prästdent Harding Deutschland«inst- weilen nicht ei NM laden beabstchtige, wild in einer Depesche des „Matnl"v«rtreters aus Wafhinaton bestätigt die auf«iner Unterredung beiuht, die er mit dem Präsidenten hatte und worin letzterer erklärte, daß man m den jeweiligen Beratungen nur die jenigen Möchte hevanzieche. die davon intereisiert feien. Eo wäre es lächerlich, zu den Beratungen über die Abrüstung die Schweiz, die Tschechoslowakei oder Bolivien heranzuziehen, oder zu den Fragen des fernen Ostens Schweden, Ungarn oder Columbien. Jet»« Tagung solle sich nicht darauf einlassen,, die künftigen Probleme der Menschheit zu lösen, sondern einfach die nnmittelbar bestehenden Schwierigkeiten zu studieren. Heute sind die dringlichsten Fragen der äußerst« Orient und der Wett- lauf um die Rüstungen zur See. Morgen wild es ohne Zweifel die finanzielle und die wirtschaftliche Lage sein, über. morgen der Aufbau Rußlands. Diesen Gedanken hatte Präsident Hardina Ende Letzter Woche auch einem japanischen Journalisten gegenüber ausgesprochen und hatte hinzugefügt: Wenn der Versuch, den wir jetzt machen, ge- lingt— warum sollte er flicht erneuert werden? Warum sollten Konftrenzen dieser Art nicht oeriodisch sein und etwa all- jährlich einmal stattfinden? Einer der Zuhörer stellte sodann die Frage: Würde man zu diesen periodischen Versammlungen Deutsch- »and bttusen? Der Präsident, der dies« Frage nicht erwartet mit noch mehr Mühe und Arbeit hergestellt. Es heiht„Die Jagd nach Wahrheit" von Julius Sternheim mit Erika Glaßner und Fritz Kastner. fRegie: Karl Grüne.) Um den(keineswegs richtigen) Satz:„Der Selbsterhaltungstrieb ist stärker als jede Leidenschaft, auch stärker als die Liebe", zu be- weisen, stellt man den Traum eines jungen Mädchens dar. Das könnte natürlich sowohl grotesk, wir alltäglich, romanhaft, idyllisch, verzerrt oder realistisch gemacht werden. Aber man macht von allem ein bißchen: mal verzerrt, mal realistisch, mal grotesk, mal alltäglich. Infolgedessen kommt nichts zur Wirkung, nicht» wirkt überzeugend, nichts traumhaft— sondern alles nur sehr unwahr- scheinlich und überflüssig. Rur«in paar Iagdaufnahmen, Reitet und Hunde in Feld und Wald, sind schön, wie alles, was natürlich ist. Kastner hol keine Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Hans Siems«« * „Wir'n vieles vor den Äugen abgospoimen. so daß die ÄRengc staunend gaffen kann, so habt ihr in der Breite gleich gewonnen, ihr seid ein vielgeliebter Mann!" Diösen Wink gibt der Theater- dtrektor aus dem„Faust" dem Bühnendlcht r, aber-Goeche ist damit nicht eiiwerstanden. Und wir stnd's erst recht nicht, denn wir Zeitgenossen haben inzwischen im Film das geeignete Objekt gefunden, bei dem wir diesen Worten Geltung verschaffen möchten. Leider bohergigt der Film den wohlgem inten Rat nur höchst selten! Einer der seltenen Fälle ist„Die Abenteurerin von Monte Carlo"(ll. T. Kurfüqtenidaimm), deren ersten Teil wir zu sehen bekamen. Sie fordert den Vergleich mit dem „Mann ohne Namen" nicht nur durch die widerliche Vorreklame, die sie ihm nachmacht. Heraus: vor der Ausführung alarmierte man die Oesfentlichkeit durch Aussetzung einer Belohnung für Ergreifung eines Täters, Der„Täter ist in, beiden Filmen der Haupicheld, der durch die halbe Erdkugel verfolgt wird, bis sich zum Schluß herausstellt, daß er eigentlich �ar fein„Tät:r" ist. Da wir nun an der Verfolgung durch all die schönen Erdstriche teilnehmen, sammeln wir Eindruck«, die uns eben nur der Film vermitteln kann, wenn wir selbst uns solch« Reisen nicht leisten können. Es mutz zugegeben werden, daß bisher kaum ein anderer Film— auch nicht d r„Mann ohne Namen"— von seiner Auslandsreis« eine so blühende Auslese heimgobracht hat wie dieser. Vieles wird vor den A u g e n abgesponnen, und wir gaffen staunend ans Monte Carlo, die Meerenge von Gibraltar, den Karnevalszug an der Riviera. Weil aber MaroSo, Spanien und andere Länder wundervolle Bilder abgaben, darum ist Frau Ellen Richter noch lange kein« Künstlerin, selbst wenn sie noch so viel Geld für die Herstellung de» Film« hergibt und sich zu dessen„Diva" macht! EhrgslZ einer Filmfabrikantin und Kön- nen sind nämlich zwei nicht zu verwechselnde Dinge, und man ist noch lange nicht begabt, auch wenn man die Begabung hat, aus ein:r der schönsten Filmrollen nichts HerausjuHolen. Kein Wunder, daß dies: Dame von Anton Pointner, dam vor- folgten Helden und Karl H u s z a r. in der Maske des Schahs von Belüdschsstan, in den Hintergrund gespielt«vird, wo sie hinhatte und sich nur in allgemeine Redensarten ausgesprochen hatte, schien überrascht zu sein und antwortete nach kurzem Zögern aus- weichend, man würde Deutschland berufen, wenn«? notwendig wäre. Der„Matin"veitreter iftz uberzeugt, daß, wenn man im nächsten Frühjahr«ine große internatio- nale Finanzkonferenz nach Washington oder Parrs be- rufen wurde, Deutschland von dieser schwerlich ausgeschlossen wer- den könnte, weil es eine der am meisten interessterten aJtachte sein werde. Wenn in zwei Jahren eine große internationale Kome» renz stattfinden sollte, um Rußland wiederaufzubauen, müßte man dazu Deutschland, Rumänien. Polen, Litauen und alle Lander be- rufen, die Rußlands Nachbarn oder Gläubiger sind. Jedenfalls ist augenblicklich von einer Hinzuziehung Deutschlands zur gegen- wältigen Konferenz keine Red«. Vikior Adlers Briefe Genosse Friedrich Adler schreibt uns: In einer Zeit höchster politischer Erregung starb mein Vater, und drei Jahre seit seinem Tode waren erfüllt von einer beinahe ununterbrochenen Reihe höchst kritischer politischer Situationen. Der Moment relativer Ruhe, der die Herausgabe seiner Rede« und Schriften sowie seines Nachlasses ermöglichen würde, ist auch heute noch nicht gekommen. Aber die_ Vorarbeiten müssen in Angriff genommen weiden, denn die Gefahr wird immer größer, daß manches für die Geschichte des Werdens der Arbeiterbewegung in Oesterreich überaus wertvolle Material dauernd verloren geht. Daher richle ick im Einvernehmen mit dem Parteivorstand der österreichischen Sozialdemokratie an alle Freunde. Genossen� und Bekannten meines Vater die dringende Bitte, mir sein« Briefe zur Verfügung zu stellen. Jenen, die die Original« der Brief« int Besitz zu halten wünschen, wäre ich dankbar, wenn sie mir die Originale süt kurze Zeit leihweise überlassen würden, damit eine genaue Abschrift hergestellt werden kann. Viele der Briese enthalten so viel Persönliches, daß sie zur Veröffentlichung nicht geeignet sind. Trotzdem wäre es ein großer Verlust, wenn sie nicht gemeinsam mit dem übrigen Nachlaß auf- L bewah-t werden könnten. Es wird selbstverständlich nichts ohne i die Zustimmung des Adressaten veröfsentlicht werden. Wer aber| Briese besitzt, von denen er wünscht, daß sie auf ein: gewisse Reih« I von Iahren hinaus überhaupt niemandem zur Kenntnis kommen, I bitte ich, sich mit mir besonders in Verbindung zu setzen, damit j «ine sichere Aufbewahrung unter Siegel für die gewünscht« Zelt j ermöglicht we-be. Alle Parteiblätter des In- und Auslande» bitte ich. diese« Aufruf Raum zu gewähren. Friedrich Adler. Wien fa, Blümelgass« 1, im November 192L Kleine Nachrichten Verbot zweier kommunistischer Blätter. Wie die P. P. R. höreit, hat der preußische Minister des Innern, Severing, das in Berlin erscheinend« Organ der K. A. P. D.. die„Koirnnu triftische Arbeiterzeitung". für die Dauer einer Woche, und die Wochenschrift„Der Kampfruf" für zwei Wochen, das heißt für die Zeit vom 27. November bis zum 18. Dezember einschließlich, verboten. Anlaß zu i dem Verbot der beiden kommunistischen Organe ist ein„Aufruf an die Proletarier". Außerdem soll nach§ 130 des Reichsstrafgesetz- buches die gerichtliche Strafverfolgung in die Weg« geleitet wer- den, da durch vi« beanstandeten Zeitungsaufrufe in einer den( öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen de» Bevölkerung zu Eewcklttärigkeiten gegeneinander öffentlich auf» gereizt weröen.— Das klingt beinah« so. als ob die selige Zeit des Herrn Puttkamer wiederkehren sollt«. Lord d'Abernon in London. Nach«iner Havasmeldung ans London ist Lord d'Abernon. der britische Botschafter in Der« lin. in London angekommen. Dentsch-dänische Hilfe für Oppau. Das Douksch danssche Kv» mitee zur Hilfeleistung für die Opfer des Oppauer Unglücks über» wies dem Reichshilfsausschuß für Oppau durch den deutschen G«» sandten in Kopenhagen einen weiteren Betrag von SSY 810,18 M. Das Gesamtergebnis der bisher in Dänemark eingekommene« Spenden hat hiermit Sie Summe von 865 818,18 M. erreicht. Zugzusammenstoß in Belaitn. Nach Meldungen aus Brüssel hat ein Zusammenstoß zwischen zwei Personenzügen der Strecke Brüssel— Antwerpen auf der Etat ion Düffel zwischen Mecheln und Antwerpen stattgefunden. Fünf Personen wurde« getötet, 28 verwundet. Die Einwohnerzahl Polens. Die jüngste Volkszählung ft« Polen hat ergeben, daß die polnische Republik 28 948888 Einwohner zählt. In dieser Zahl find indessen die Ange» hörigen der Armee nicht mit inbegriffen. gehört. Die Regie Adolf Gärtners hchtcht die„Seit« fationsprobe" in Ehren. Richard Hutter berief die Pnesse ins Efplanade und' sagte ihr viel Schm.ichelhaftes. Eo emdeckt« er z. daß die Press« sich für jeden einsetze, der neu« Wege betyete. Mit dieser Entdeckung dürft« er alleidings einen neuen Weg betreten haben., aber auch für seine„Zau beipupp»" sich eiizzuf tzen. die er- als etwas„Neues und Sensationelles" bezeichnet, liegt kein An-? laß vor. Auf der Leinwand läuft jemand, horcht auf. kehrt dann um und holt einen Stuhl. Diese Szene wird so zur Settsation' umgekrempelt: Ein leibhaftiger Mensch stellt sich vor die Lein»> wand und ruft dem auf der Lennwand laufenden zu»„Jimmy"— f worauf dieser aufhorcht, als täte«r's nur auf den Anruf hin— „holen Sie einen Stuhl"— worauf Jimmy umkehrt und einen Srichl bringt. So geht's weiter in v rschiedenen Variationen. und das nennt sich dann �Zereinigung von Film und Kabarett".- Schlagsahne schmeckt gut und Hering schmeckt gut. wie gut muß. erst Hering mit Schlagsahn« sein! Dosio Koffler Dostojewsli-Feier im Staatstheater(Künstlerhilfe für dieHungsrnden Rußlands). Stefan Zw e i g sprach. soviel sich Eindringliches und Wichtiges in zwanzig Mivuteu sagen läßt, über die Bedeutung Dostojewskis. Doitojewskis Einzig-' artigkeit besteht darin, daz er durch feine Gestalten und Lehren dl° i Ehrfurcht vor dem Leiden den Menschen einorägt. Nicht wie feine! großen Vorgänger, etwa Dickens, Hugo und Zola, pbilantropisch| oder agitatorisch, sondern religiös, und ganz in der heiligen Sache stehend. Der Weiseste sei zugleich der leidvollst«, weil er alle» tn allen Zeiten schau« und unsäglich mitempfinde.— So ka»n und so maß man wohl Dostolewski ausdeuten, aber wie verzwickt alle Meinung über eine außerordentliche Leistung ist, das fühlt« man bald darauf, als man in Kortners unaufdringlicher Wieder? gab« Aljoschas Abschied vom Starez aus den„Brüder Karnmasoff" miterlebte. Da horte man als letzte riesste Weisheit der weitaus weisesten Gestalt Dostojewskis, eben des Starez„wer die Men* schen liebt, muß auch ihre Freude lieben". Denkt man nun daratz, daß Aljoscha, da er in« geräuschvolle Leben tritt, in banger, seliger Stünde die Erde, umfaßt ipld sie. inbrunstig heulend, vor Freude, nicht vor Jammer, küßt, da begreift man, wie schwer die Weisheit selber ist und wie selig selbst der Schmerz ist. wenn er vom weisen Menschen gelitten wird.— Tilla Durieux sprach ei»(siediäft ..Dostojewski", von Stefan Zweig zum 188. Gebrutstage gedichtet. das den Höhepliinikt leider ubeqchrvitet«nd durch Reflexion die Gestaltung der berühmten Begnadigung de» Dichter« in letzter- furchtbanster Toldesminute beeinträchtigt. Run aber folgten zw«' unvergeßlich« Dinge: Wassily Katschalo« vom Künstftr', theater Stanislawstis(Moskau), als Rezitator und..Ei ochnom•, vom Romano-ficheti Balalaikaorchefier gespielt. Katschalow fswa« russisch, lebendig, und momentan wie auf der Bühne, dennao' keusch und herrlich wie ein« auferstandene Gogolfigur: menschl«� kinDlich, jede HandbowcHung«in ganzer reflektierender und leüW' schaftlicher Russe, fast ein Voll. Ünd wie wurde da« alltt» Schluß machen! Die K.P. D. über die Märzputsch- Berichte Die Zentrale der K. P. D. arbeitet mit fieberhafter Anstrengung, am ben auftlärenden Eindrud, den die Veröffentlichungen der Dokumente über das Treiben ber von Eberlein geführten Provofateure beim Märzputih auf die Arbeiterschaft gemacht haben, zu Derwischen. Sie veröffentlicht in der„ Roben Fahne" eine lange Grtlärung und zugleich einen Leitartikel von Hörnle, der die Wendungen der Erklärung fast mörtlich wiederholt. Sie fünbigt eine Versammlung an, in der heute abend Herr Gberlein ,, die Wahrheit über die Vorgänge in Mitteldeutschland" perbreiten wird. Und bendrein bekommen die Leser des fommunistischen Blattes noch eine Erklärung von Eberlein selbst vorgelegt. 9 Soweit sich die Erklärung der Zentrale non neuem bemüht, ben Snhalt der veröffentlichten Berichte als unwahr hinzustellen, ist sie belanglos. Nicht nur in ihrem Inhalt, sondern wegen ihrer Her Zunft, denn sie ist eben eine Erklärung dieser Zentrale, die das Broletariat beständig in der schamlosesten Weise belogen hat und beren Aeußerungen feinen Glauben verdienen. Die Erklärung ist ohne Wert, weil die gegenwärtigen Führer der K. B. D. nie für ihre Taten einzutreten pflegen und darum auch in diesem Falle die Zuflucht bei der Ableugnung der Wahrheit suchen. Dafür nur ein Beispiel. Die Erklärung behauptet: 3. Es steht durch die Erklärung Severings im„ Edardt" wie durch die Aussagen im Untersuchungs- Ausschuß des Preußischen Landtages dokumentarisch fest, daß die Märzlämpfe durch eine planmäge Provokation Severings ausgelöst worden sind. Wir haben teine sonderlichen Empathien für die Schupoleute, bie fich im März in Mitteldeutschland hervorgetan haben, aber dennoch darf nicht verdunkelt werden, daß es die kommunisten unter Eberleins Oberbefehl waren, die alle Mittel recht fanden, um die Polizeimannschaften zu Taten zu reizen, die hinterher als Provokation durch die Polizei hätten ausgelegt merden tönnen. Und Serr Eberlein geriet in heftigen Zorn, wenn die Zündschnur nicht funktionierte und die Schupo trog allem ruhig blieb. Die übrigen Teile der Erklärung aber lassen erkennen, daß die mürdige Parteizentrale auch diesmal wieder die Verant wortung für ihre Sanblungen abwälzen wird. Die Zentrale erflärt: 4. Die Zentrale ber St. B. D. hat mit vollkommener Offenheit festgestellt und stellt fest, daß in biefem aufgebrungenen Abwehr tampi vereinzelt Auffassungen zutage getreten find, die glaubten, die Kampfftimmung der Arbeiterschaft durch inbioibuellem Lettors oder barch Sabotage- tie heben zu tönnen. Ite Sie stelli fest, daß bie 3enirale falche Auffassungen, soweit Sie ihr während der Attion bekannt geworben find, streng von sich gewiesen und, wo sie tonute, verhindert hat. Sie stellt fest, daß Die Partei unmittelbar nach der März Attion in zwei Zentral ausichuhigungen derartige Afic individuellen Terrors grund füglich als untommunistisch und der Arbeiterbewegung schädlich rerworfen hat. Ao nur vereinzelt" find Aufforderungen zutage getreten, bie bez Mtion durch Terror und Sabotage- Atte auf die Beine helfen mollten nur vereinzelt, aber dennoch zugleich in Mittelbeutschland, Hamburg, Berlin, Stettin, Breslau. Und die Zentrale hat solches Beginnen, streng non fidh gewiesen" und nerhindert, wo sie nur tonnte. Dennoch agierte Eberlein in Salle als Vertreter ber Zentrale. Das ermedt den Anschein, als wollte die Sentrale erflären, sie jet zicht einverstanben mit ben Handlungen bezleins und nicht für sie nerantwortlich. GberJein gehöre zu den Vereinzelten". Und dieser tritt nun mutig vor die Front und ruft: # 3ch erkläre, daß ich mich einem öffentlichen Gerichtsverfahren nicht entziehen merbe, obgleich ich einem bürgerlichen Klajengericht die Fähigkeit abspreche, über revolutionäre Klaffentämpfer Richter zu fein." Das Männlein nimmt also alles auf sich. Um teine andere Bermutung auftommen zu lassen, die nach dem landesüblichen Ber halten fommunistischer Führer nicht unberechtigt märe, erklärt er, ez merde sich dem Gerichtsverfahren nicht entziehen. Es wäre in der Tat höchste Zeit, daß sich dieser Mann zu seinen SandIungen bekennt. Denn das charakteristische Kennzeichen seines Verhaltens ist es ja, daß Eberlein erst jetzt in diesem Zusammenhange schönste russische Boltslieb vorgetragen! Musikalisch vollkommen bis zum tleinsten Klang, und am Schluffe, wie eine Erscheinung, anendlich verträumt, voller Sehnsucht nach„ Matuschta Rafia", ⚫ nach Mütterchen Rußland". Arno Nadel Melos Rammermust. Mit vorbildlicher Konsequenz hält die Melos Gemeinschaft an der Durchführung ihres fünstlerischen und funft- jaziologischen Programms fest, über das anläßlich des ersten Abends hier ein paar Worte gesagt worden sind. Als Borstoß gegen bas verderbliche Treiben gewisser Konzertdirettionen, als Beispiel, mie es anders und besser zu machen ist, tann dies Unternehmen nicht hoch genug bewertet werden. Der britte Abend brachte als eingige Programmnummer bas 1920- geschriebene Streichquartett bes Stalieners Francesco Malipiero zur deutschen Urauf führung. Das Wert enttäuscht in ganzen jebenfalls ben beutschen Sörer, dem Kammermusit eine Welt tieffter, innigfter Gefühls. auseinandersehung zu sein pflegt, durch eine gewisse Ausdruds armust, burch einen Mangel an innerer Wärme, ohne boch band einen Ueberfluß an italienischer Riangfreubigbeit zu entfchäbigen. Gleich das sprobe, ein menig frodene, von der ersten Bioline allein gebrachte erste Thema init feinen nain aus dem Zusamment lang Icerer Saiten gebildeten Quintenfolgen ist für Malipieros Art, wie fie in dieser Arbeit jutage lift, lenazcihnend. Dies Thema bas im Laufe bes lofe und ungezwungen Eomponierten Wertes mehrmals wiederkehri, ohne eigentlich in unserem Sinne„ berarbeitet" zu werden, gibt den Grundton und entfesselt im weis teren Verlauf eine Orgie von leeren Quinten in allen erdent Tiden Kombinationen, wobei ein sehr lebendiges im Grunde doch brigens auch ein sehr entwidelles sagtechnisches Geschid fich als bemerkenswerte Gigenschaften des Komponisten offenbaren. flüchtig angedeutete Tanzrhythmen; manches wieber flingt cher neubeutsch als nenitalienisch, manches, so eine dunfelschmermütige Epilobe. als mar's aber von unserem Heinz Tiessen Diese Mufit, ohne fortschrittlich bis in die Region der Bartot und Schönberg zu fein, ist großstädtisch- modern in threm Tempo, ihrem bunten Bechtel, ihrer Sourzweiligkeit, ihrer ungeduldigen Nervosität. Es war jebenfalls lohnend, sich das Wert zweimal hintereinander anzuhören, zumal ble Ausführung but bas Lambinon Quartett mieber ausgezeichnet war, wie man es von diesen Rünlern gewohnt ist Alaus Bringsheim Lansburys Gefängnisaufenthalt. Durch den unglüdlichen eng lifchen Dichter Ostar Wilde, ben die engstirnige englische Gesell haft feiner Neigungen wegen ins Buchthaus warf, find uns die Berhältnisse in englischen Gefängnissen bekannt geworben. Besser heint es inzwischen nicht geworden zu fein. George Lansburn, eines der Magistratsmitglieder der Londoner Arbeitervorstadt Boplar, weigerte fich vor einigen Wochen, gewilje Steuern rigoros einzuziehen. Flugs verhaftete ihr bie englische Regierung mit feinen Mitarbeitern und warf ihn ins Gefängnis, aus dem er nach gernumer Reit entlassen wurde. Lansbury vers öffentlicht nun im Daily Herald" feine Eindrüde und schildert bte entjeglichen Zustände englischer Gefängnisse. mit dem Märzputsch genannt wird, während zur Zeit des Kampfes Selber, der zahlreiche Arbeiter nuglos geopfert und ins Unglück gestoßen hat, niemand mußte, daß er der von der Zentrale beauftragte Führer der Bewegung war. Während die Arbeiter fämpften und starben, wirtte er im Dunklen Das aber ist die Tattit, die aus dem Denten der Zentrale und aus dem Wesen der Kommunistischen Bartei in ihrer gegenwärtigen Berfassung entspringt. Eberlein ist tein Vereinzelter", fondern das bewährte Mitglied und ausführende Organ einer gewissenlosen Clique von politischen Hysterifern, deren Bolitik der Arbeiterschaft je länger je mehr zum Berderben gereichen muß. Darum heißt es jetzt: Schluß machen mit dieser Gesellschaft und ihren Methoden. Darum ist fein gemeinsames Handeln mit ihnen möglich. Und darum gibt es auch auf die Einladung zur heutigen Versammlung nur eine Antwort: Zu Hause bleiben und die Schädlinge unter sich lassen. Die Reform der Reichseisenbahnen Nachrichten aus Parlamentstreifen zufolge Joll im Reichsver tehrsministerium nunmehr der Referentenentwurf zur Reform der Reichseisenbahn fertiggestellt sein. Der Grundgedante Dieses Entwurfs ist, wie wir bereits mitteilten, die Loslösung des Bertehrsministeriums aus dem allgemeinen Etat zum 3mede der Bildung eines mirtidaftlich selbständigen Unters nehmens. Weiter beabsichtigt man mit dem Entwurf bie Angliederung eines Generalrates an das Direttorium. In diesem Generalrat follen sowohl bie Reichsregierung, der Reichstag, die Eisenbahnbeamtenschaft wie die Wirtschaft nertreten sein. Dieses Gremium würde also ein Eilenbahnparlament bilden. Die Abstimmung in Dedenburg Wie aus Wien gemeldet wird, hat die deutsch- österreichische Bundesregierung das Benediger Protokoll, betreff.nd Behandlung der westungarischen Frage, im Nationalrat mit dem Ersuchen um schleunige Beschlußfassung eingebracht. Es handelt sich hierbei um die Abmachungen, die. über das strits tige Debenburger Gebiet seinerzeit in Benedig getroffen wurden. Der deutschösterreichische Nationalrat hat bis jetzt bie Ratifizierung des Wtommens verweigert, bis die ordnungs gemäße Inbefignahme Westungarns durch Deutschösterreich und die verlangte Baltsabstimmung im Debenburger Gebiet gewähr Teistet sei. Der erste Buntt ist erfüllt. Die deutschösterreichischen Bundestruppen haben das bisher von den ungarischen Banden festgehaltene Gebiet ohne Zwischenfall besetzt. Anders steht es mit dem Abstimmungsgebiet. Sier hat sich noch einmal der ge jammte ungarische Widerstand tonzentriert. Das Gebiet wimmelt non regulärem und irregulärem ungarischen Militär und es wird ein unerträglicher Terror auf die Benölferung ausgeübt. Einen charakteristischen Zwischenfall meldet " Intel.“:„ Der österreichische Abstimmungstommi. sar, bet sich auf einer Reise durch das Abstimmungsgebiet bes fand, wurde durch ungarische Banden verhaftet und bei ihm eine Sousfuchung vorgenommen, wobei eine Anzahl Dokumente beschlagnahmt wurden. Das Wiener Auswärtige Amt hat megen dieses Zwischenfalles bei der ungarischen Regierung Borstellung erhoben. Man fürchtet, daß im Falle eines ungünstigen Ab. Stimmungsergebnisjes gewaltsames Borgehen der Ungarn wahr scheinlich ist.“ Angesichts dieser Berhältnisse und angesichts biefer Tatsache, Daß die Botschaftertonferenz bis jegt noch teine ernstlichen Maßnahmen getroffen hat, eine unbeeinflußte Abstimmung fidher au stellen, ist es wenig wahrscheinlich, baß der Wiener Nationalrat das Ablommen von Benebig ratifizieren wird. Deutsche Arbeiter zum Wiederaufbau verlangt. Wie die Agen tur Havas mitteilt, haben die geschädigten Bewohner einiger französischer Gemeinden am Chemin des Dames in einer Versammlung von 325 Köpfen am 27. November eine Tagesord! nung angenommen, in der auf den hilflosen Zustand der Ortschaften hingewiesen, die Verwendung deutscher Mates rialien und Arbeiter als unerläßlich bezeichnet und vom Ministerium für die befreiten Gebiete die Beranstaltung einer Abstimmung verlangt wird. Theoretisch wäre für den Häftling aesorat, in Wirtlichkeit aber vertommt der Gefängnisinfaffe. Das Essen ist voll Schmutz und ungenießbar und wird oft weggeworfen. Täglich fommt der Schweinezüchter, der diesen Fraß in großen Majjen tauft. Nur wer schon halbverhungert sei, ist imstande, das Gefängnisessen zu genießen". Lansbury wandte sich an den Gefängnisarzt, dem er erflärte, das Effen sei ungenießbar. Der famole Dottor fand aber das Essen porschriftsmäßig. Lansbury schreibt, daß er sich nach helfen konnte durch Selbstbetöftigung und durch sein moralisches Gewicht, bas er in die Mapschale warf und bas ihm teilweise half. Der gewöhn liche Delinquent leide aber entfehlich, und Schuld an diesen Brus talitäten trägt nicht nur die bürgerliche Gesellschaft, die den Armen schuldig werden und ihn dann der Pein überläßt, sondern auch das ganze System, das in englischen Gefängnissen geübt wird. Und wie es in deutschen Gefängnissen aussieht, wissen wir fa. B. R. Tages- Notizen Beranffeltung bez freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale. Die Hörer bet Surfe D30, D 89a, GD 27a, 92 17, Arbeitsmislenschaftliche Besprechungen ver anftalien Sonnabend, 7% Uht, im Cazilieninzeum, Berlin- Lichtenberg, Rathaus Straße, einen tunabenb. Orgelspiel: Fran Stahlberg. Sologefang: Fran v. Arnim. Rezitationen: Emil Stühne. Chorgefang: Meinetescher Sängerchor. Am Fillget:. Stenzel. Ansprachen: D. Ritsa. Sörernertreter; rig Fride, Better ber Räteschule. Razten 2,50 M. in Bureau der Freigemerffhaftlichen Betriebsrätezentrale. Boltsbildungsamt Reuton. We 1. Dezember eröffnet has im Vorjahre is Beliebt geworbene Diegele Marionettentheater fein biesjähriges Gastspiel. Die Gröffnungsvorstellung findet Donnerstag, 3% Uhr, in der Aula des Lyzeums, Rentöln, Berliner Str. 10, tatt. Ratten für Rinber 1 M., für Erwachsene 1,50 27. Um 2. Diterabenb, Gonntag, 7% Uhr, wirb Sans 5yen mit einer Auswahl aus eigenen Werten zu Gehör tommen ( Bobbinftr. 94-38). Ratten 3,10 M.( Saal) und 1,10 M.( Balton). Beranstaltungen bes 13. Berwaltungsbezirks( Tempelhof, Marienborf, Mariena felbe, Lichtenrabe). Der rühmlicht bekannte Bildungsausschuß Marienborf ist in bie Bildungskommission U. S. P. D. fit ben 18. Berwaltungsbezirk aufgegangen und bleje neue Kommiffion veranstaltet Sonnabend, 7 Uht, im eftfaal bes Gyms naftums, Marienborf, Raiserftt. 21, einen Leonid Andrejew- Abenb. Ifreb Beierle( pricht bie Gefigte von den lieben Gehentten". Orgelspiel( Johann Georg Rohrbach) wird die Erzählung umrahmen. Karten 2 M. Arbeitstole, urzarbeiter und Jugenbgezellen der S. B. J. geben freien Gintritt. Männerchor Fichte- Georginia 1875. Sauntog, 5 hr, Alte Garnisonfirche, erstes Wintertonzert unter feinem neuen Chormeister Dr. Ernk JotL Jet Trianontheater i bas franzöfifche Lustspiel Rimmere big xn melie in ben Spielplan aufgenommen worden. Es hat auch diesmal ge wirkt, obwohl die Darstellung mit ber berühmten bes Refibenztheaters nicht mette elfern tonnie Die Ausstellung Bud and BID in Runstgewerbemufeam it bis Sonntag. & Dezember, einschließlich verlängert marber. Craft Friebrid fpzicht lyrische Dichtungen, Sass& antara fingt Inrifche Lieber, Donnerstag, 7% Uhr, in der Arbeiter- Run- Husstellung. Betersburger Straße 38. In der Deutschen Frlebensgefelhaft fpright Freitag, 7 Uhr, im Bürgerfaal bes Berliner Rathauses Dr. Razi Sifter iber Gize Rulist abie tale, Ganz wie bei uns Der gute alte Ben Atiba, ber, wenn er nicht ohnehin schon ges storben wäre, längst totzitiert sein müßte, so bekanntlich gesagt haben, daß alles schon dagewesen ist. Die Gelehrten streiten, ob er tatsächlich diesen geistreichen Ausspruch getan hat oder ob es sich nicht vielmehr nur um eine böswillige Erfindung des Dichters Guzzlow handelt. Wie dem auch sei, ich meinerseits behaupte, daß dieses brauchbare Sprichwort viel zu eng gefaß ist. Natürlich ist alles schon bas gemelen, ja noch mehr: es ist noch da. Und zwar auf einmal Wahrscheinlich gibt es irgendwelche drahtlose Gefühlstelegraphie, burch die es zustande kommt. Wir haben da Schieber, die Revolutionen, die Kriegsbegeiste tung und eine Masse anderer Moden nicht allein erlebt, auch in Paris tragen die Damen ähnliche Hüte, auch in London gibt es Schieber, und in Rußland soll es ebenfalls eine Revolution ge geben haben. Wir haben mit Gruseln von unserm Großmann gelesen, ber sa viele Frauen geliebt und gemordet hat, und gleichzeitig ent rüsten sich die Pariser über ihren Landru. Die Zeitungen bringen seit Monaten über diesen Selden und feinen gepflegten Bollbart Spaltenlange Berichte, und das Journal hat die Memoiren einer seiner 283 Geliebten vers öffentlicht. Er soll elf Personen ermordet haben, und der Prozes ist eine Theatervorstellung, zu der sogar eine Prinzessin von Griechenland erschienen ist. find nicht alle Menschen S. E. R Landru, Großmann, Paris, BerlinBrüber? Jugendpflegewoche in Neukölln Für die vom 12. bis 19. Dezember erstmalig veranstaltete Jugenbpflegewoche hat das Bezittsjugendamt ein umfangreiches Brogramm aufgestellt, in welchem die Behandlung aller im Bordergrunde des Interesses stehenden Fragen neuzeitlicher Jugendpflege durch erste Fachautoritäten vorgesehen ist. Es werden u. a. sprechen: Profe Widenhagen vom Provinzial Schultollegium über Jugendpflege und Sport", Professor Kesten berg vom Ministerium für Kunst und Voltsbildung über Ju gendpflege und Kunst", ferner Landgerichtsdirektor Dr. SeIIwig über„ Einfluß der Schundliteratur auf die Kriminalität der Jugendlichen". Der Dezernent des Neuköllner Jugendamts, Stadt rat Schneider, wird gleichfalls in einem Sondervortrag über die praktisch erprobten behördlichen Maßnahmen zur geistigen und törperlichen Ertüchtigung der Jugend und die dabei gemachten Erfahrungen berichten. Reben den genannten Vorträgen foll den Teilnehmern Gelegenheit geboten werden, die Fortschritte auf dem Gebiete der bildlichen Belehrung und bildenden Unters haltung unserer Jugend durch Vorführungen und Aufführungen im Städtischen Lichtspielhaus sowie in verschiedenen Aulen aus eigener Anschauung fennenzulernen. Der Nachmittag bes 15. De zember wird die Besucher in einer Festvorstellung im Deutschen Opernhaus, Charlottenburg, vereinen. Im übrigen wird das Bes zirtsjugendamt für regelmäßige Führungen sowohl durch die Auss Stellung als auch durch die städtischen Kinderpflege- und Jugendezime Sorge.tragen. Den Abschluß der Jugendpflegewoche bilbet eine Rund gebung der Jugend gegen die Schundliteratur. auf dem Tempelhofer Felde, woselbst 30 000 Sundbücher ben Flammen übergeben werden. Karten, die zur Teilnahme an sämtlichen Veranstaltungen be rechtigen, werden zum Preise von 50 M. ausgegeben. Inter effenten werden gebeten, diese Karten bis spätestens 5. Dezember beim Bezirksjugendamt Neukölln, Rathaus, u entnehmen. Bet Einsendung des Betrages erfolgt umgehende Zusendung durch die Post. Auswärtigen Teilnehmern fann bei rechtzeitiger Anmeldung Brivatquartier zum Preise von durchschnittlich 10 M. pro Tag nachgewiesen werden. Gedenfet der Obdachlosen! Naftaltes Wetter, zauhe Winde haben die sonnigen Serbe tage verscheucht, ein jeder geht tros feiner wärmenden Kleidungs Stilde schneller als sonst durch die Straßen aber nach dent Städtischen Obdach an der Fröbelstraße wanten zermürbte, zerlumpte Gestalten. feber schüzenden Hülle beraubt, piele baz füßig und warten dicht gedrängt am Eingange darauf, daß das Tor zu ihrem Asyl sich auftut, täglich weit über 2000 Menschen und müssen im Morgengrauen des anderen Tages wieder auf die Straße hinaus, nicht wissend, ob sich für sie eine milde Sand öffnen, ob von einem Mittagstisch ein färglicher Reft für ste abfallen wird. Ein Tag wie der andere: ruhelos, arbeitslos, obdachlos, frierend! Geht sie euch an, wie fie, in sich zu sammengetauert, dahinschleichen in endlos langem Zuge, und ihr werdet denten, wie fönnte man helfen? Sucht nach in euren. Schränken, die ihr noch habt, ob nicht irgendwo vergessene Sachen hängen, die ihr selbst nicht mehr tragen tönnt, nach denen sich aber begehrlich Taufende von Händen ausstreden, spendet sie den Ob dachlosen! In wenigen Wochen tönen die Weihnachtsgloden, helft den Wermsten der Armen, bedt auch ihnen den Weihnachts tisch! Die fleinste Gabe ist willkommen, jedes Stüd ist ein Pflaster auf eine Wunde, und der Wunden sind so viele! Der Oberinspektor des Städtischen Obdachs, Berlin NO 55, Fröbelstraße 15, nimmt freundliche Spenden entgegen, auf vor herige Mitteilung werden sie auch abgeholt. Wann ist die Feuerbestattung zuläffig? Zur Behebung von 3weifeln und um bem Bublifum bet Stellung von Anträgen auf Erteilung der Erlaubnis zur Ein äscherung von Leichen unnötige Wege zu ersparen, meist der Polizeipräsident darauf hin, daß die mündliche Erklärung des Verstorbenen hinsichtlich des Wunsches der Feuerbestattung seiner Leiche(§ 9 3iffer 2 des Gefeßes betr. die Feuerbestattung vom 14. 9. 1911) nur rechtsgültig ist, wenn sie ber Verstorbene bei Lebzeiten selbst vor einer Person, die zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigt ist, abgegeben hat und von biefer, als in ihrer Gegenwart abgegeben, beurtundet ist. Nicht rechtsgültig find dagegen eidesstattliche Bersicherungen vont anderen Personen, daß der Verstorbene bei Lebzeiten ihnen gegene über den Wunsch der Feuerbestattung seiner Leiche geäußert hat, auch wenn diese Versicherungen von einer zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigten Person, als in ihrer Gegenmart abgegeben, beurfundet sind. Das Reichsschulgesetz naht! Die Schulfragen find zum Teil schon in der Verfassung des deutschen Reiches geregelt. Es bebar aber noch eines besonderen Gesezes, welches die näheren Ause führungsbestimmungen festlegt. Dieses Gefeß steht im Reichstag por der Beratung. Es droht, reaktionär zu merden. Eltern beiräte, nehmt überall Stellung hierzu und versucht mit aller Macht, das Schlimmste abzuwehren. Im 5. Verwaltungsbezirl Spricht am Mittwoch, ben 30. November, abends 7 Uhr, Lehrer Ostar Hübner in der Aula Petersburger Str. 4 nor den Eltern beiräten der U. G. B., S. P. D. und K. P. D., über:„ Das tom mende Reichsschulgey". Erscheinen aller Elternbeiräte Lehres und Interessenten ist Parteipflicht. Die Auszahlung der Teuerungszuschüsse an Schmerkriegsbe Schädigte und erwerbsunfähige Witmen pp. für Dezember 1921, findet im Bezirk Treptom in der Zeit pom 30. November bis 3. Dezember 1921 statt. Die Fürsorgeftelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshintere bliebene des Bezirksamtes Prenzlauer Berg hat für die Striegss hinterbliebenen folgende regelmäßige Sprechstunden eingerichtet: Jeden Montag, Dienstag, Mittwoch und Sonnabend von 9-12 Uhr; Freitag nachmittag von 4-6 Uhr. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Mitte woch. Vielfach nebelig, sonst troden und zeitweise heiter bei größtenteils swachen östlichen Winden, nachts und morgens ziemlich starker Frost. Mittags Temperatur um Null. Gewerkschaftliches Metallarbeiter zum Lohntarif Eine von zirka 3000 Funktionären der dem Berliner Metallfariell angeschlossenen Organisationen besuchte Versammlung in der Brauerei Friedrichshain, die Montag abends stattfand, beschäftigte sich mit der Frage der Kündigung des Tarifvertrages. 3ista als Referent führt aus, daß nach Abschluß der letzten Lohnrege lung, noch nicht abzusehn war, wie sich in nächster Zeit die wirtschaftlichen Verhältnisse gestalten würden. Kaum Jei die Rege lung erfolgt, als eine neue sprunghafte Teuerungswelle einseite. Die einzelnen Organisationen hätten sofort Vorschläge gemacht, Lohnerhöhungen in der Höhe von 5 bis 5,50 Mart pro Stunde zu fardern. Da aber die Entwidlung gar nicht abzusehen sei, ist die Frage aufgetaucht, ob man sich auch ferner noch tariflich binden wolle. 3ista macht aufmerksam, daß viele Gewerkschaften vor dem Kriege bereits gut durchgebildete Tarifverträge hatten. Für die Metallindustrie, insbesondere die Betriebe, die dem Verband Berliner Metallindustrieller angeschlossen sind, war es nicht möglich, da der B. B. M. J. darin eine Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation sah, die die Unternehmerorganisationen grundsäglich ablehnten. Nach der Revolution mußte man diesen Standpuntt aufgeben. Es war durch den tollettiven Arbeitsvertrag möglich, die Lohnverhältnisse der Wies tallarbeiter einigermaßen zu stabilisieren und die Spannung zwis schen den einzelnen Berufsgruppen wesentlich zu verringern. Der Arbeitsvertrag sei das Mittel, die Arbeiter vor den großen Schäden einer niedergehenden Konjunktur zu schützen. Die Me tallarbeiter, ebenso auch die anderen Organisationen, ständen auf dem Standpunkte, daß bei den jetzigen wirtschaftlichen Verhält niffen eine tariflose Zeit ein Verhängnis sei. Der Tarif bietet die Möglichkeit, auch außertarifliche Zulagen zu erreichen. In der nun folgenden Distussion erklärt Müller, Transportarbeiterverband, daß die 3er plitterung der Arbeiterschaft Schuld davan fei, daß die Unternehmer jetzt so frech find. Wir dürfen aber den Tarif nicht fallen lassen, besonders die ungelernten Arbeiter wären die Leibtragenden eines tariflojen Zustandes. Dannenberger, Metallarbeiterverband, spricht fich ebenfalls für den Tarifvertrag aus. Aber man müßte der Frage der gleitenden Lohnstala nähertreten. Fromte vom Transportarbeiterverband geißelt den beispiellosen Starrsinn der Metallindustriellen und betont die Notmendigkeit, auch den letzten Arbeiter der Gewerkschaft zuzuführen. Rebner sowie weitere Vertreter verschiebener Verbände stellen sich ebenfalls auf den Boden des Tarifvertrages. 3ista bespricht im Schlußwort noch einmal die Möglichkeiten eines gemeinsamen Vorgehens zur Sebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter. Die Frage der gleitenden Lohnstala fet sehr vorsichtig zu behandeln, da sie automatisch alles selbst tätig regele. Das bedeute aber ein vollständiges Einschläfern der Arbeiter. Zista weist hin auf die Verhältnisse im Saargebiet. Das Fazit der Versammlung sei, daß fich fast alle. Kollegen auf den Boden des Tarifvertrages stellen. Weiter macht 3ista den Borschlag, die Forderungen, die höher als 5,50 M. feien. der Verhandlungsfommision des Metallbartells zu überweisen. dort werde man dieselben berüdsichtigen. Gegen vereinzelte Stimmen. wird beschlossen, den Tarif zum 1. Januar 1922 zu erneuern. Ebenfalls wird beschlossen, dem Metallartell die Vorschläge der einzelnen Organisationen zweds Durchberatung und Auswertung au überweisen. • Bor Gintritt in bie Tagesordnung wird noch bekanntgegeben, baß die im letzten Bericht genannten Former der Firma Hartung, Wiclefstraße, teine Eisen, sondern Gipsformer find. Feftgestellt wurde, daß dieselben politisch nicht organisiert find. Kommunistische Berdrehungen Der Verbandsgauleiter Görres vom Zentralverband der Hotel, Restaurants und Café- Angestellten sendet uns aus Wiesbaden eine Zuschrift, in der er sich gegen die blödsinnigen Bemerkungen der Roten Fahne" wendet, die in Nr. 536 von ihm berichtet, er hätte anläßlich des Streits im Gastwirtsgewerbe Behaup tungen aufgestellt, die ihm ganz fern liegen und die eine nadte Berdrehung der Tatsachen" find. Bei den gewaltigen Leistungen an Berbächtigungen und lügnerischen Berdrehungen, die sich bas benannte Blatt täglich leistet, erübrigt es sich, auf jebe Lüge einzugehen und diese zu berichtigen. Bom Arbeitsmarkt Wie das Landesarbeitsamt Berlin über die Arbeitsmarktlage in der Zeit vom 20. bis 26. November mitteilt, ist die günstige Arbeitsmarktlage für Groß- Berlin auch für die Berichtswoche zu verzeichnen. Der rege Geschäftsverkehr sowie der Ausverkauf aller Waren hält in unverminderter Form weiter an. Die Nach= frage nach Arbeitsträften war im Bergleich zur Vorwoche gesteigert. So waren z. B. am 12. 11. 73 129 Personen gegenüber 70 309 am 19. 11 erwerbslos gemeldet. Bon den 70 309 Erwerbslosen entfallen 53 920 auf männliche Arbeitnehmer; während der Rest 16 389 weibliche Personen sind. Auch für ältere angelernte Arbeitnehmer fann eine leichte Besserung der ArbeitsAchtung! Verband der Graphischen Hilfsarb. u. Arbeiterinnen GoldSilber- 5 Platinkauft Mittwoch, ben 30. November, nachm. 5 Uhr Gotzkowskys Versammlung der Buchdruck- Funktionäre in der Bauberflöte", Rommandanten" firaße 72, Ece Beuthstraße. Tagesordnung: Bericht von den Verhandlungen des Tarifausschusses. Die Wichtigkeit der Tagesordnung er forbert bas Erscheinen aller Bertrauenéleute Der Ortsvorstand: Otto Gloth. Botenfrauen Straße 13. Der kleine Samariter dient zur Selbsthilfe bei leichteren ranks heiten und gibt Berhaltungsmaßregeln bis zum Erscheinen des Arztes bit schweren Krankheiten. Mit Anhang Anleitg zur Errichtung einer Hausa, otheke sofort gesucht reis 1.50 Mart Epedition Gliesche Bankstraße 60( Laden) Bu beziehen durch Buchhandl. Freiheit Bin, C2, Breite Str. 8-9 iow. durch alle Spedis tionen der Freiheit marktlage festgestellt werden. Besonders wurden Arbeitskräfte für Erd- und Bauarbeiten und auch in der Chemischen Industrie und Lebensmittelbranche verlangt. Jugendliche Arbeitskräfte werden nach wie vor rege angefordert, jedoch tann der Bedarf nur zum Teil gedeckt werden. Der Eingang von offenen Stellen für Techniker in der Industrie und im Baufach war in der Berichtswoche gut. Die Zahl der Arbeitsuchenden hat sich verringert. Die Arbeitsmartilage für das Krantenpflege-, Massage: und Badepersonal hat sich verSchlechtert. Ein Prügelheld Ein prügelnder Obermeister ist Herr Loch au von der Jnnung der Konditoren. Wurde doch von ihm in Gemeinschaft mit seiner Frau und seinem Sohne ein Küchenmädchen derartig verprügelt, daß dabei bald der Ladentisch umtippte und die Schupo eingreifen mußte. Das Benehmen des Herrn Lochau scheint auch auf seine Gäste abzufärben. Ein Regierungsrat brachte es fertig, als das Mädchen wegen der rohen Behandlung in Schreiträmpfe fiel, zu fagen: Gießt der Kanaille einen Eimer Wasser über den Balg." Herr Lochau ist absolut Herrscher in seinem Betrieb. Beim Engagement muß sich das Personal verpflichten. daß es nicht der freien gewerkschaftlichen Organisation beitritt. Dafür protegiert er besto eifriger den Gewerkverein der Bäder und Konditoren. Hat er doch jetzt erklärt:„ Präsent erhält nur, wer dem Gewerkverein angehört." Ein Mann, der so wenig in die heutige Zeit paßt, ist der geeignete Mann als„ Obermeister der Konditoreninnung. Dieser Herr Lochau, eine eble Stüße des alten Regimes, nennt fich auch heute noch stolz Königl. Hoflieferant" und sieht sich nicht veranlaßt, seine antiquierten Schilder verschwinden zu lassen. Daß ein Regierungsrat einen solch rowdyhaften Kaschemmenton an den Tag legt, ist ein Beweis für das tiefe Niveau, wohin jene Kreise gelangt sind. Wir hoffen, diesen Regierungsrat noch ermitteln zu tönnen, um ihn einer weiteren Deffentlichkeit vorzustellen. Arbeitslosenversammlung des Krankenpflegepersonals. Mit den Verhältnissen des arbeitslosen Pflegepersonals beschäftigte sich eine gutbesuchte Versammlung der Erwerbslosen des Berufes. Ein Mitglied der Zentrale der gewerkschaftlichen Erwerbslosenvertretung referierte über die Beschwerden aus den Kreisen der arbeitslosen Pfleger. Wenn schon im allgemeinen die Lage der Arbeitslojen an sich als ungünstig zu bezeichnen ist, so trifft dies im besonderen für die im Pflegeberufe Tätigen zu. Während es im Sommer noch möglich ist, aushilfsweise bei Urlaubsvertretungen usw. Belcäftigung zu erhalten, so ist dies im Winter fast gar nicht möglich. Hinzu kommt, daß in diesem Berufe häufig selbständige Existenzen Nebenarbeiten verrichten. Ein Standesverein gibt noch Listen an die Behörden usw. heraus, empfiehlt seine Mitglieder und benützt den städtischen Telephonapparat zur Ber mittlung von Nebenarbeit, eine Tatsache, die in der betreffenden Versammlung Entrüstung hervorrief. Auf der anderen Seite be zahlt die Stadt Berlin an erwerbslose Pfleger monatelang Erwerbslosenunterstützung. Die Betriebsräte der städtischen Anstalten haben stritte darauf zu achten, daß nur Pflegepersonal vom Nachweis der Stadt Berlin zur Einstellung gelangt. Gewarnt wurde weiter, nicht den sogenannten Ausbildungsinstituten auf den Leim zu gehen. Einmütigkeit herrschte darüber, daß nur durch eine starte gewertschaftliche Organis fation alle Verschlechterungen, die geplant find, und alle Auswüchse im Berufe erfolgreich bekämpft werden können. Musiker und Kinos. In einer von der Drisverwaltung Berlin des Deutschen Musiterverbandes einberufenen VerJammlung der Ensemblemusiker, erstattete Kollege Siement Bericht über die Lohnbewegung im Kinogewerbe. Die Kinobesitzer verhalten sich nach wie vor ablehnend, ben mit dem Wirtschaftsbund deutscher Filmtheater abgeschlossenen Tarifvertrag anzuerkennen, drogbem die Geschäfte glänzend gehen. Wochenlöhne von 300-350 M. find immer noch die Regel. Gegen die Einführung sozialer Bedingungen, wie Sommerurlaub, Krantheitsparagraph usw., sträuben sich die Mitglieder des LichtbildTheaterbesitzer- Bereins mit allen Mitteln, und haben die Parole ausgegeben, unter feinen Umständen mit dem Mufiter verband zu verhandeln, um sich selbst ein gelbes Organisationchen zu züchten. Die Arbeiterschaft sollte sich diese Arbeiterfeindschaft gelegentlich merken. Die Musiker beschlossen, nochmals den Schlichtungsausschuß anzurufen, um auf diesem Wege zum Tarifvertrag zu gelangen. Sollten die Arbeitgeber fich auch dann wieder ablehnend verhalten und ihre berühmte Berschleppungstaftit verfolgen, müßten wir versuchen, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln zum Ziele zu gelangen. - Sperre! Wegen Tarifdifferenzen find folgende Kino- Theater gesperrt:„ Kurfürst- Theater", Tempelhof, Dorfstr. 21; Schwarzer Adler" und„ Bittoria- Theater", Frankfurter Allee. Außerdem die Theater der Schauburg 6. m. b. 5.( Rudolf& Co.), Frankenburg", Frankfurter Str. 74;„ Saalburg", Schöneberg, Sauptstraße.Wir ersuchen die Arbeiter und Parteigenossen, diese Kino- Theater zu meiden und bitten um tätige Mithilfe. Der Schiedsspruch für die Hamburger Werften. Der am 28. November, unter Vorsiz des Medizinalrates Kaufmann, gefällte Schiedspruch für die Hamburger Seeschiffswerften, wurde bei der Urabstimmung am Sonntag angenommen. Die ArbeitgeberOrganisationen haben den Schiedsspruch ebenfalls anges Annahme in allen Speditionen bes Berlages- Geschäftsstelle Berlin C2 Breite Straße 8-9 Berkäufe mare. nommen, so daß die neuen Löhne am 1. Dezember in Geltung treten. Drohende Wirtschaftstämpfe in Bosen. Der polnische Gewert schaftsverband der Bezirke Bromberg, Thorn und Gnesen hat eine allgemine Lohnerhöhung von 50 Prozent für alle Arbeitertategorien verlangt Die Arbeitgeber- Organisation lehnte jegliche Lohnerhöhung a b. Die Einigungskommission, der die Angelegenheit zur Prüfung unterbreitet wurde, bewilligte eine Lohnerhöhung von 25 Prozent. Die Fabritanten lehnten auch diesen Vorschlag ab. Der polnische Gewerkschaftsverband drohte mit einem allgemeinen Streit. Die Unternehmer droh ten mit einer Gesamtaussperrung. Parteiveranstaltungen Eintrittstarten u 12. Berwaltungsbezirt( Steglit, Lankwitz, Lichterfelbe). Proletarischen Feierstunde zum 4. Dezember find bis Donnerstag im Konsum, Albrechtstraße und Lichterfelder Straße, und beim Gen. Fritsch, Fregestr. 39c, zu haben. 19. Berwaltungsbezir!( Bantow). Die Gruppenführer vom 1., 5., 7., 8. unb 17. Diftrift haben fofort bie Flugblätter aus der Spedition abzuholen. 9. Diftritt. Zur Weihnachtsbescherung der Kinder arbeitsloser Genoffen werden bie Genossen, welche zur Zeit arbeitslos find, gebeten, ihre Adresse gegen Aus weis an den Genossen Kroll, Utrechter Str. 21, bis zum Sonnabend, den 10. De zember, abzugeben. Genoffinnen und Genossen! Verfügt ihr über Spielzeug und Gebrauchsgegenstände, so liefert sie bei Kroll, Utrechter Str. 21, ab. 9. Diftritt. Die Abrechnung der Sammellisten zur Weihnachtsbescherung ber Rinder arbeitsloser Genossen hat bis zum Sonnabend, den 10. Dezember, bei Genossen Kroll, Utrechter Str. 21, zu erfolgen. 10. Diftritt. Einlaßtarten zur proletarischen Feierftunbe, am 4. Dezember find bei dem Abteilungstassierer und in der Freiheit- Filiale, Banfftr. 60( Laden), zu haben. 14. Diftritt. Billetts zu den Proletarischen Feierstunden im Schauspielhaus zum 4. Dezember find bei Binner, Tresdowitz. 36, zu haben. 15. Diftrift. Erwerbslose Genoifen, die für den Monat Dezember die Freiheit unentgeltlich haben wollen, melden sich bis zum 30. b. M. beim Genossen Gallas, Barnimtr. 20. Bereinigte Elternbeiräte der weltlichen Schulen Neuköllns. Elternbeiräte, ge wählte und nichtgewählte, speziell weibliche und erwerbeloje, bie gewillt no, ehrenamtlich bei Jugendveranstaltungen tätig zu sein, werden gebeten, fich fofort im Rathaus, 3immer 278, zu melden. Weißenfee. Poranzeige. Die Bildungskommission, die Frauenarbeitss unb Kinderschutzkommission, sowie unsere Prol. Jugend veranstalten gemeinsam am Dienstag, den 20. Dezember, abends 6 Uhr, in der Gemeindeturnhalle, Pistorius Straße, eine große Weihnachtsfeier nur für die Parteimitglieder und beren Rinder. Eintritt frei. Alle Kinder unter 14 Jahren sind umgehend den Gruppens führern zu melden. Dienstag, 29. November 15. Berwaltungsbezir!( Abt. Baumschulenweg). Figung bei Boges, Baumfahulenstraße. Abends 7 Uhr Funktionär Mittwoch, 30. November 10. Diftritt( Gesundbrunnen). 7 Uhr Vorstandsfizung bei Schurzmann, Stettines Straße 11. Wilmersdorf, Schmargendorf, Helenfee. Abends 7 Uhr Sigung der Bildungs Tommission( Weihnachtsfeier) bei Kestenberg, Joachim- Friedrich- Str. 33. Copenid. Abends 7 Uhr allgemeine Funktionärversammlung bei Hader, Bahn hofstr. 7. Alle Funktionäre müssen erscheinen! Spandex. 4. Gruppe. 7% Uhr wichtige Besprechung bei Scholz, Neuendorfer traße 47. Donnerstag, 1. Dezember 2. Berweltungsbezirt, 4. Distritt( Westen). Frauenversammlung bei Wiemers, Bülowftr. 58. 19. Berweltungsbezirt. Abends 8 Uhr wichtige Sigung ber Kinderschuh, und Frauenarbeitsfommission bei Bater, Pantom, Mühlenstr. 12. Jeber Dri mus vertreten sein, desgleichen die Bildungskommission. 17. Diftrift. Abends 7 Uhr Vorstandssigung bei Drelje, Schreinerftr. 18. Abrechnung ber Sammellisten zur Weihnachtsbescherung für die Kinder. Weißensee. Abends 8 Uhr Sigung der Arbeitsgemeinschaft bez Elternbeirate im Konferenzzimmer, Schulbous Wilhelmstraße. Bericht attung des Genoffen Seinl über die persönlichen Berhandlungen mit dem Kultusminifterium betreffs unferer weltlichen Schule. Freitag, 2. Dezember 8. Diftritt. Abends 7 Uhr außerordentliche Abteilungsfitung. 1. Abteilung bei Barleben, Burgsdorfftr. 13; 2. Abteilung bei Erdmann, Schönwalder Str. 25. Die Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung sind hierzu eingeladen. Bereinsfalender Sozialistische Breletarierjugend, Gruppe Norden. Dienstag in der Schule Wiesenstraße, Ede Grenzstraße, Zusammenkunft. Freitag Mitgliederversamm lung in der Schule Gotenburger Straße. Mittwoch, 30. November Deutscher Transportarbeiter- Berbanb. Gettion 2. Rohlenarbeiter unb futscher Abends 7 Uhr Vollversammlung im Schultheiß, Hafenheibe 22-51. Ditgliedebu legitimiert. Settion 2. Rollfutscher, Speditionsarbeiter usw. Abends 6½ ht Bollversammlung bei Boeler, Weberstr. 17. Tagesordnung: Ersakwahl der Branchenleitung. Branche 3b( Glas und Keramit). Abends 6 Uhr Gruppenver fammlung im Saal 10 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25. Unsere Lohn bewegung. Zentralverband der Angestellten. Hotel- Angestellte. Abenbs 7 Uhr Mit gliederversammlung in der Neuen Philharmonie, Köpenider Str. 96-37. Donnerstag, 1. Dezember AJA- Bund. Angestellte der Feinmehanit und Optil. Abends 7 Uhr findet im Luisen- Saal ber Saverlands Festfäle, Berlin, Neue Friedrichstr. 35, eine Ver fammlung fämtlicher Angestellten der Feinmechanit und Optit statt. Tagesord nung: Welchen prozentualen Zuschlag fordern wir für den Monat Dezember? Zentralmieterverband Groß- Berlin, Ortsgruppe Ligtenberg. Abends 7 Uhr in der Knabenmittelschule, Marktstraße, Generalversammlung. Deutscher Holzarbeiter- Berband. Stellmacher der Innungsbetriebe. Abends 7 Uhr überaus wichtige Bersammlung aller in den Jnnungsbetrieben beschäftigten Stellmacher im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11-12. Tagesordnung: Unsere Lohnbewegung. Int. Bunb ber Kriegsopfer, NW. 1. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung in Moabiter Gesellschaftshaus( Tunnel), Wiclefitz. 24. Freitag, 2. Dezember Deutscher Wertmeister.Berband, Bez.- Ber. 15, Fachgruppe Papier. Nach 5 Uhr Generalversammlung im Schultheiß, Neue Jakobjtr. 24-25, Deutscher Wertmeister- Berband. Wertmeister der Hut und Mühenbranche Abends 7 Uhr wichtige Fachgruppen- Versammlung im Schultheiß. Brüdenftr. 6b. Tagesordnung: Tarifvertrag. Bollzähliges Erscheinen notwendig. Berantwortlich für Bolitik und Feuilleton: Leo Liebschiz. Berlin- Frie benau; für Kommunalpolitik, Lokales und Gewerkschaftliches: B. Rudner, Berlin; für den Injeratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romerinez, Charlottenburg. Berlagsgenossenschaft Freiheit, e.. 6. m. b. S., Berlin. Drud der Berliner Druderet 6. m. b. S.. Berlin C.& Breite Strake 8-9. Kleine Anzeigen Möbel 22 Sofas. Ruhebetten, Einzelmöbel. Rerkau, Bes tersburger Straße 41. Rahlungserleichterung. Das Überschriftswort 2.-M., jedes weitere Wort im Tert 1.50 m. netto Stellengefuche: Überschriftswort 1.50, jed. weitere Wort i. Tegt 1.-M. Fahrräder Herrenrad, Damens rad kauft Streefe, Grüner Wea 18. Damenräder tauf Schellack, Leim kauft höchftzablend Krüger. Eli faberbitrabe 17. Werkzeuge u. Maschinen Schnell drehitahl, leinen kauft Straus bezaer Straße 44. Rugellager kau Kaufgesuche Fahrradgeſchäft ech 37 Anzilge, Gummis Bettwäsche billigft Spottbilliger Welbs Küchen, moderne, mit mäntel, Hofen, Cutaways, nur Qualitätsware. Decks nachtsverkauf! Golds u. ohne Anrichte, lackiert, Behrockanzüge, Ulfter, bettbezüge von 83-, warenwegner, Bots lafiert, roh, enorm preisw. Baletots, Raglans ftaus Laken 55.-, Jnletts140.- bamerftr. 43. Silber Riefenauswahl. Küchens Himmel, nend billig. 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