Einzelpreis 30 Pig. 4. Jahrgang here be it cridheim täglich) morgens und nachmittags. Sonntags und ontags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus . 18.- für den Monat Desember, im varaus zahlbar. Für Boftbegug nehmen ( ämtliche Poftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Seutichland, Sangig, bes Caer und Memelgebiet is wie die früheren deutschen Gebiete Bolens unb Quremburg. 29. für bas übrige Ausland M. 36.Medaktion, Expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 83 Montag, 5. Dezember 1921 Nummer 567 Abend- Ausgabe Die gehngespaltene Ronpareillegeile aber deren Raum hoftet 6,-. ettichließlich Inferatensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,-m. ebes weitere Laufende Anzeigen laut Tarif. Wort 1,50 m. einschließlich Jnferatenftener. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Zeile. ellen- Gefuche in Wort- Anzeigens das fettgedruckte Wort 1,50.. ebes weitere Wort 1.-M. Fernsprecher: Bentrum 152 30-152 39 greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Affäre Niederschönenfeld 3rreführung der öffentlichen Meinung| Behandlung von Gefangenen schwieg sich der RegierungsMus München wird uns geschrieben: Im Verfassungsausschuß des bayerischen Landtags tamen am 3. Dezember die Verhältnisse in Niederschönenfeld zur Sprache. Was dort vor sich gegangen war, war rechtswidrig. Ein Mißbrauch der Gewalt. Das ist seit zwei Jahren nichts Neues und würde wenig Eindrud machen. Aber es ist diesmal mehr. Es ist ein ausgesuchtes System Don Quälereien und Rohheiten, begangen an wehrlosen Gefangenen und vor allem da, wo sonst selbst der Kapitalverbrecher wieder unter rein menschlichen Gesichtspunkten be trachtet wird, wurde nicht haltgemacht, franten Menschen. Die Vorwürfe, die aus der Festung Niederschönenfeld erhoben und von dem eben von dort entlaffenen Landtagsabgeordneten Nietisch( U.S. P.) in feiner Denkschrift bestätigt werden, gipfeln in der unglaub lichen Tatsache, daß nicht nur der für Festungsgefangene gültige Strafvollzug, der der einer Ehrenhaft ist, umgefälscht worden ist in die benfbar unwürdigste Behandlung, sondern, baß auch Kranken gegenüber eine Behandlung erfolgte, die fe aufs schwerste an Leib und Gesundheit schädigte. vor dem Durch die Dentschrift Nietisch's werden die Einzelheiten ans Licht gezerrt. Die Deffentlichkeit wird aufmerksam, ist ungläubig, aber mißtrauisch. Sie will wissen, ob diese Unglaublichkeiten nicht doch wahr sind. Der Reichstagsausschuß beschließt einen Besuch in Niederschönenfeld. Die oberste Instanz des Reiches, der Reichsjustizminister Radbruch, der ein gutes Herz" hat, will heißen, fein hartgefottener Streber wilhelminischer Schule ist, sucht nach Abhilfe. Denn er weiß, daß Nietisch's Darstellung richtig ist. Den bayerischen Gewalthabern droht eine schwere Bloßstellung. Nicht gulegt vor ihren eigenen Anhängern. Denn solche Ausschrei vertreter aus. Und dieses Schweigen ist Schuldbe. fenntnis! Nun fommt aber bas Unerhörteste. Die plumpen Verdäch tigungen und Verleumbungen gegen die Gefangenen sollen auf Beschluß der Landtagsmehrheit in einer Denkschrift zusammengefaßt und der Presse zugänglich gemacht werden! Das heißt, der bayrische Landtag hat seine Regierung beauftragt, einen großzügigen Verleumdungfeldzug gegen die politischen Gefangenen ins Werf zu jezen, der die öffentliche Meinung irreführen und die Brutalitäten der Volla zugsorgane in Niederschönenfeld gegen die Gefangenen verschleiern soll! Der Regierungsvertreter hat im Verfassungsausschuß des bayrischen Landtags erklärt, er hätte feine Ursache, sich gegen eine Besichtigung der Festung Niederschönenfeld durch einen Untersuchungsausschuß des bayrischen Landtags zu wenden. Aber in einer solchen Untersuchung müßte ein Mißtrauen(!) gegen die bayrische Justiz und ihren Strafvollzug erblidt werden und deshalb fönne er sich nicht für den Untersuchungsausschuß aussprechen. Die millfährige Landtagsmehrheit beschloß dann auch die Ablehnung der Amnestieanträge, Uebergang zur Tagesord nung über die vorliegenden Eingaben der Festungsgefangenen und Ablehnung eines bayrischen Unterfuchungsausschusses! Dagegen beschloß sie, daß die Regierung die aben geschilderte Jrreführung der öffentlichen Meinung ins Wert sehen soll. Wer wagt jetzt noch an dem guten Gewissen der bayrischen Regierung zu zweifeln? tungen finden keinen Boden im Rechtsempfinden des Volkes. Eine Rede des Reichskanzlers Das hat sich deutlich gezeigt in der außerordentlichen Erregung der Bevölkerung über ein Rohheitsverbrechen, dem ein junges Menschenleben durch fortgesetzte Mißhandlung aum Opfer fiel. Es droht der bayerischen Ruhe- und Ord nungsregierung" auch die weitere Diskreditierung vor der öffentlichen Meinung außerhalb der weißblauen Grenzpfähle, wo ihr Kredit an sich bereits bescheiden genug ist. Sie scheut nicht zu Unrecht das volle Licht der Wahrheit, und fucht nun durch ein uraltes Rezept, sich aus der Sache zu ziehen: Sie leugnet alles ab! Im Verfassungsausschuß des bayerischen Landtags übte die Regierung bei Behandlung der Niederschönenfelder Frage wieder die gleiche üble Methode. Sie leugnete alle Brutalitäten ab und überschüttete die Gefangenen mit Verleumdungen. Während des Kapp- Putsches bestand von gewiffer Seite die Absicht, die politischen Gefange nen in Niederschönenfeld zu ermorben! Der frühere Justizminister Müller- Meiningen hat selbst bestätigt, daß er die Gefangenen damals vor den Mordab ichten schützen mußte! Die bayerische Regierung drehte aber bm Verfassungsausschuß den Spieß fühn um und behauptete einfach, daß die Gefangenen Moropläne gegen die Aufleher und die Festungsverwaltung hätten. Um diese Behauptung glaubhaft erscheinen zu lassen, legt der Regierungsvertreter ein Batet Gegenstände auf den Tisch, die den Gefangenen abgenommen worden sind und die er als„ Iot. Ich läger" bezeichnet. In dem Patet befanden sich zwei Gisenplatten, wovon eine an ein Holzstückchen mit Bindfaden befestigt ist. Die Eisenteile stammen von Bettstellen aus der Feftung. Weiter liegt in dem Patet eine alte unbrauchbare Stridleiter, die monatelang unbeachtet und unverwendet im Feftungshof in einer Ede lag, ein geflochtenes Drahtstüd, das man im Bett des Festungsgefangenen Hagemeister gefunden haben will und eine sehr primitive Holzfeule. Die Mit diesen Mordwerkzeugen" hat man im Landtag die Abgeordneten gruselig gemacht und die nötige Stimmung für bie spätere Ablehnung des Untersuchungsausschusses geSchaffen. Hagemeister wurde schon einmal von einem Aufleher ohne Anlaß mit dem Revolver bedroht. Es würde also begreiflich erscheinen, wenn er, um sich bei fünftigen Ueberfallen verteididen zu können, sich vorsieht. Solzleule war für eine Theateraufführung angefertigt und verwendet worden und wurde jetzt vom Regierungsvertreter in ein Morbwerkzeug" umgelogen. Zugleich mit der Keule haiten die Gefangenen zum gleichen harmlosen 3wed ein Solzschwert angefertigt. Dieses noch viel gefährlichere Mordinstrument wagte die Regierung den Landtagsabgeord Reten nicht vorzulegen. Dagegen wurde ein Ausbruchsplan der Gefangenen verlesen bas Produkt der durch die HaftPinchose überreizten Phantasie eines Gefangenen, den man o zur Renninis brachte, als sei er in den legten Wochen erst entworfen worden. Abg. Niefish( US), ber selbst wei Jahre Festung hinter sich hat, wies aber nach, daß die Befreiungsplan währenb bes Rapp- utsches entstanden bar, also gu einer Zeit, da die Gefangenen ihre Ermordung befürchten mußten.( Diefe Furcht lebt hente noch in ihuen fort.) Auf que fontraten Fragen über Einzelfälle brutaler ,, Deutlich sichtbare Opfer des Besitzes" Auf einem Empfangsabend des Vereins Berliner Presse, ber am Sonntag im Reichstag stattfand, hielt der Reichs= tanzler Dr. Wirth eine politische Rede, die sich mit der augenblidlichen politischen Lage beschäftigte. Er meinte zuerst, daß der Kampf in der Presse nicht in widers licher und roher Form ausgefochten werden solle und beklagte dann, daß sich das fünstlerische geistige Deutschland wieder ganz von der Politit zurückgezogen habe. Es brohe eine Ueberwucherung der rein wirtschaftlichen Interessen, wenn nicht diese Kreise der Politit wieder zugeführt werden. Das Deutsche Reich habe die Zusammenfassung aller produttiven Kräfte zu seiner Rettung notwendig, aber es sei unverkennbar die Tendenz zu bemerken, diese Zusammenfassung abseits vom Staat zu vollziehen, selbst auf die Gefahr hin, den Staat dabei ausborren zu lassen. Die Aufgabe, die die Regierung sich zunächst gesteckt habe, laute: Wie tommen wir über den Winter hinweg? Sie können mir vorhalten: Das ist aber nicht die Politit, bie wir erstrebt hatten, die Politit auf lange Sicht. Diese Politit auf lange Sicht ist nicht allein von uns abhängig, sie ist abhängig von der gesamten Weltlage und von jener Erfenntnis internationaler Art, daß mit politischem Drud, daß mit einem, dem anderen folgenden Ultimatum, daß mit Sanktionen die Weltwirtschaft nicht saniert werden dann. Die Politik, die ich zunächst die innere nenne, die nicht eingestellt ist auf die Entwicklung von Jahren, fann auch nicht etwa gelöst werden durch einen sich immer wiederholenden Personenwechsel, fie tann auch nicht gelöst werden ebenso wie die große auswärtige Politit durch das Tidtad über die Taktik der Koalitionsbildung. Rein, das Sinwegtommen über den Winter wie über die großen außenpolitischen Bro: bleme erfordert eine verantwortungsbewußte Mitarbeit aller Schichten unseres Boltes, und wenn der Tag da ist, wo große Entscheidungen reifen, wo man sich entschließen muß, diesen oder jenen Weg zu gehen, ist es die Aufgabe gerade der deutschen Bresse, allen politischen Faktoren und insbesondere den politischen Barteien in unserem Baterlande beizubringen, daß das Seitwärts- in- die- Büsche- schlagen teine Politit bedeutet. Wollen wir auswärtige Politit machen, wollen wir insbesondere das größte aller Probleme, bas Reparationsproblem, das tein deutsches Problem allein ist, sondern ein Weltwirtschaftsproblem, den Völkern näher bringen und Leistungen auf allen Gebieten vollbringen, so müssen wir in Deutschland jeden politischen Wirrwarr zu einer Unmöglichkeit machen. Der Reichstanzler erklärte weiter, daß die Regierung in der Richhung marschiere, die sie seit dem 10. Mai eingeschlagen habe. Er fragte, wie sich eine Regierung der Michterfüllung, der Nicht leitung, des reinen Brotestes in ber Welt bewegen solle, damit schließlich die Einheit Deutschlands nicht in Gefahr tomme. Die Richschnur seiner Politit sei, die Einheit des Baterlandes und die Einheit seiner Wirtschaftsführung hinüberzuretten in eine Atmosphäre, wo nicht mehr der Gedante reiner politischer Auswirkung des Sieges, des Saffes und der Zerstörung maßgebend ist, sondern we ber politische Saß wie ein Nebel am Morgen zerSteben ist durch die aufgehende Conne, we die Menschen fich zur Beratung über die großen wirtschaftlichen Probleme und über bie Kulturprobleme der Welt Rich wieber en bem Ronferenstisch versammeln werben. Diesem 3tele habe die Politit feines Ra Finetts gedient, ab es fel a entennen, baß die Erörterung großer Probleme im Sange fei. Seit 20bfichs habe ble Stogieanng eine von weiten Kreisen verlangte Polemit zurückgestellt. Die Regierung habe den Weg ehrlicher aufrichtiger Berständigung nicht erst seit gestern betreten, sie habe ihn in den lezten Tagen wieder betreten, sie sei willens auch heute noch, die schweren uns auferlegten Verpflichtungen zu erfüllen. Die Regierung hat am 10. Mai bei der Annahme des Ultimatums die weltwirtschaft lichen Folgerungen der Annahme des Ultimatums denen zu geschoben, die uns dazu g zwungen haben. Hat jemand in der Welt geglaubt, daß man ein Bolt wie das beutsche mit seinen 60 Millionen Menschen isoliert herausheben fönnte aus den vor dem Weltkriege so tief wirtschaftlich und finanziell verflochtenen Nationen, und daß man dieses isolierte Bolt dann auspressen tönne wie eine Zitrone auf Grund des Friedensvertrages? das Der Reichstanzler führte weiter aus: Wir wollen aufrichtig und ehrlich den Gedanken der Bereitwilligkeit, auch in Deutschland Substanz zur Verfügung zu stellen, soweit ein Kredit auf der Grundlage dieser Substanz möglich und seine Abdeckung übers haupt ökonomisch durchführbar ist, in den nächsten Tagen ver folgen. Aber die Entscheidung, ob es Geldgeber auf der Welt gibt, die bereit sind, in den großen Topf der Reparationen ist ein Topf ohne Boden ihr Geld hineinzustecken, die Ento scheidung darüber liegt nicht bei der deutschen Regierung, auch nicht allein bei der deutschen Industrie und Bantwelt, sondern bei den Geldgebern, die nicht in Deutschland ihren Wohnsiz haben. Wir müssen deshalb mit Geduld der Entwicklung der kommenden Woche entgegen hen Jst es nicht möglich, in alle Kreise den Gee banten hinauszutragen, daß gerade jetzt eine gewisse Zurückhal tung nötig wäre? Ob der Erfolg, ob die Möglichkeit für uns ge geben ist, über den Januar und Februar hinwegzukommen, das ist noch nicht das einzige Entscheidende für uns, sondern daß übers all, wo man die Wirtschaft zum Gegenstand des Nachdenkens macht, das Ausscheiden Osteuropas mit seinen unzähligen Menschenmassen, das Niederbrechen des wirtschaftlichen Lebens in den österreichisch- ungarischen Successionsstaaten und der Zer fall des wirtschaftlichen Lebens und insbesondere die wachsende Kaufunkraft der 60 Millionen Deutschen als eine Weltgefahr ers fannt Coird. Diese Erkenntnis und die Notwendigkeit daraus politische Folgerungen zu ziehen, auch wenn sie mit den harten Buchstaben des Versailler Friedens nicht übereinstimmen sollten, bie Notwendigkeit, die Völker einander wieder näher zu bringen, ist im Laufe des Sommers und gerade jetzt gewachsen. Jezt ist es unsere Aufgabe, die wirtschaftlichen Probleme fern von jeder Bolemit der leitenden Staatsmänner in ihrer wirklich großen Tragweite nun endlich zum Ausdruck tommen zu lassen. Der Reichstanzler schloß mit der Aufforderung, die größte poli tische Tatfraft an die baldigste Verabschiedung der Steuergeset entwürfe zu fegen. Gewiß würden dabei auch Kompromisse not wendig sein Er jei sich llar. daß ohne deutlich sichtbare Opfer des Belizes eine innerpolitische Klärung und die Verabschiedung Dieser Gesetze ein Ding der Unmöglichkeit sein werde. Schießen Sie von rechts und links, aber ein Ziel sollte jeder im Auge be halten, daß nicht das Zufallbringen diefer Steuergesetze dem bents schen Volle nügen tann, sondern der feste tlare Wille, unser inneres Budget, soweit es den ordentlichen Haushalt und ben Haushalt der Betriebsverwaltungen umfaßt, in ein solches Gleich gewicht zu bringen, daß niemand in der Welt an unserem guten ernsten Willen und unserer Energie, Ordnung zu schaffen, zweifeln tann." Was ber Reichsfanzler in seiner gestrigen Rede ausgeführt hat, das unterscheidet sich nicht sehr von dem, was wir so oft schon aus seinem Munde gehört haben. Es sind die Bekenntnisse eines demokratischen Politifers, der an den harten Tat sachen vorübergehen und durch Kompromisse alle Kon flifte lösen möchte. Worauf es aber jetzt antommt, und worauf die gesamte werftätige Bevölkerung wartet, das ist, daß die besitzenden Klassen nicht allein durch schöne Worte an ihre Pflichten erinnert werben, sondern, daß sie mit rauher Hand angepadt werden; und gerade das hat man aus der Rede des Kanzlers nicht vernommen. Zwar sprach er ein mal von der Substanz; aber sie soll nicht durch die Ers fassung der Sachwerte dem Reiche zur Verfügung stehen, son dern lediglich die Grundlage für eine private Krebitaftion des Kapitals bilden. Auch darüber hat der Kanzler nichts gesagt, daß endlich von den besitzenden Kreisen die Steuern rüdsichtslos eingetrieben werden sollen, mit denen sie schon seit Jahren im Rückstande sind. Was jetzt in den Steuerausschüssen geschieht, das ist keine Förderung der Bestrebungen, den Staatshaushalt wieder in Ordnung zu brin gen; man erfennt mit jedem Tage deutlicher, wie die bürger lichen Parteien auch dort nur darauf finnen, die besitzenden Kreise von der Steuerleistung möglichst zu entlasten. Wenn der Reichskanzler bei dieser Politik des Zögerns und des Ermahnens bleibt, so wird seine Regierung auch fünftig von Krise zu Krise taumeln. Was jetzt nottut, das ist eine wirklich aftive Politit. Die Unabhängige Sozialdemokratie mit ihrem Steuerprogramm und die Gewerkschaf ten mit ihren zehn Forderungen haben den Weg gewiesen, der jetzt begangen werden muß. Entschließt sich die Regierung nicht endlich dazu, diese Forderungen zu den ihrigen zu machen, so wird die Gebulb der arbeitenden Beifferung bald ihr Ende erreichen! Die Devisenture Die beutsche Start amb am Sonnab ne abend in New York auf 8,46, was einer Parität vex 217 für ben Dollar entspricht An der heutigen Börje letzte ber Rurs emsa auf dieser Höhe ein, se Rieg benn aber bis Mittag auf 228. Auch die enbaren an anbion Devijen gingen ekane in bie Siga Heil, Sieg und blutige Rache! Deutschnationale Stoßtrupps Das rechtssozialistische Parteiblatt in Stettin bringt eine Mitteilung über eine rechts stehende Geheimorganisa= tion, deren Führer Herr Bähride, bezahlter Parteisekretär der Deutschnationalen, ist. Dieser Herr hat einen sogenannten Bersammlungsschuh( V. S. II.) aufgestellt, dessen Mitglie= der mit Sandwaffen versehen sind. Zu den Getreuen des Herrn Bähride gehört auch der Bäcker und Händler Johannes Eggert, der unter diesem Namen der kommunistischen Partei angehört, während er unter dem Namen Lettow für die Deutschnationalen arbeitet. Ueber die Tätigkeit dieser deutschnationalen Prügelgarde gibfolgendes Schreiben Auskunft: B. S. II. Befehl. Stettin, den 1. November 1921. Freitag abend sollen wir unsere Schlipse bekommen. Dazu ist in der Führerbesprechung gestern folgendes besprochen worden: Lettow, Schultz, Borke, Hans Bod find um 7 Uhr Arndtstraße, Ede Schallehnstraße, bewaffnet, Kulianzug. Jeber hat mindestens 2 Meter starken Bindfaden in der Tasche. Ich werde mit der Uhr in der Hand an der Ede stehen und euch einteilen. Erkennungswort: August. Wer sein Batet bekommen hat, geht die Schallehnstr. entlang zur Haltestelle der Linie 3. Jeder wird unter demselben Stichwort 2 Mann zivilmäßig angezogen als Begleiter haben. Wer von euch namentlich Genannten merkt, daß er verfolgt wird, fährt turzerhand zum Polizeipräsibium und gibt sein Batet in der Wache ab mit dem Bedeuten, daß morgen früh von mir Aufklärung usw. erfolgen wird und daß die Schlipse aus der Zentrale der Kampfgruppe bet A stammen. Alles andere überlaßt mir bann. Wer hier nicht namentlich genannt ist, hat um 7 Uhr an der bezeichneten Stelle zu sein( Arndtstraße, Ede Schallehnstraße). Folgende 5 Leute: Podlasly. Heinz Bock, Hardt, Sonntag und Blohm find bereits um 6.15 Uhr an der bezeichneten Stelle. Die ganze Sache ist äußerst gefahrvoll und fritisch und Fehlen ist Feigheit, und es werden gegen benjenigen die nötigen Maßnahmen unternommen werden. Dieses Rundschreiben ist als Befehl aufzufassen. Es hat jedermann zur Stelle zu sein. Jaeds hat sich vertreten zu lassen, der Ausfall an Ar beitsverdienst wird ihm ersetzt. Wer sonst irgend wie beruflich versagt ist, hat sich frei zu machen, eventuell noch fo frühzeitig anzutlingeln, daß ich ihn freimachen kann. Lohnausfälle werden vergütet. Heil und Sieg und blutige Rache! gez. Bähride. ( Handschriftliche Notiz: Sonntag, 15. November, freihalten, VS. wird eingesetzt.) Unter„ Schlipse" find Waffen zu verstehen, die nebst Munition aus der Reichswehrtaserne an die B. S. II abgeliefert werden sollten. Ein weiteres Schreiben Bährides vom 7. Novem= ber 1921 gibt Amweisungen zu Gewalttätigkeiten in einer Verfammlung. Es heißt barin: Falls irgendwelche Freunde" von uns da sein sollten, gibt es blaue Augen, und die Kameraden der Gruppe 2 werden die Herrschaften sehr höflich hinauskomplimentieren." Zu einer Kunze- Versammlung( Knippel- Kunze) sollen die HerrIchaften wiederum geschlossen im ,, Kuli- Anzug" anrüden. Nachdem Bähride von der inzwischen erfolgten Verhaftung bes Spigels geftom- Eggert Kenntnis erhalten hat, schreibt er: 匀 Die Situation ist außerordentlich ernst, da L. im Besize des gesamten politischen Materials ist. Falls jemand von Euch Lettow begegnen sollte, schleift 3hr ihn, ob tot oder lebendig. zu mir. Aus dem Kerl mache ich Sadepeter. Alleräußerste Vorsicht ist am Blake, und es muß unbedingt versucht werden, das Material, bas L. noch im Besize hat, auch von der Partei in unsere Hände zu bekommen... Un bedingte Verschwiegen= heit nach außen hin und gegen jeden unseres V. S. II ist Pflicht eines jeben." Die preußische Regierung behauptet, mit aller Strenge gegen die rechtsstehenden Geheimorganisationen vorgehen zu wollen. So lange aber diese Organisationen noch von der Reichswehr mit Am Rande des Odenwaldes Heidelberg, Ende November. Das fahle Licht eines Novembersonntags bedeckt Heidelberg, die Stadt am Nedar. Eine unendliche Stimmungslosigkeit mit Schatten des Unfrohen und Tatenlosen breitet sich über das Straßenbild. Noch nie sah ich die angeschwärmte und besungene Musenstadt in einer so stillen Langeweile. Keine aufmunternde Laubbuntheit hat der heurige Herbst den Wäldern, Anlagen und Gärten hier geschenkt. Unter der ungewöhnlichen Oftoberwärme blieb das Laub lange grün und frisch, das jetzt die überfallende Kälte farblos ins Sterben schidt. Zusammengeschrumpft, dürr hängen die Blätter am nadten Geäft wie frierende Vögel auf dunklen Zweigen. Unter den Sonntagsgängern ist ein guter Teil Landbevölkerung, die am Ruhetag städtische Freuden tosten will. Die fleinen netten Kaffeestuben und Konditoreien sind rasch überSüllt. Sonntagszüge am frühen Nachmittage bringen Karlsruher, Darmstädter, Mannheimer und Pfälzer. Man will die vorteil haften Sonntagsfahrkarten vor ihrer neuen Preiserhöhung ausuzen Sommersmüde, starf vergilbt, steht ber Bergwald, dessen Ausläufe fich bis ans Straßennek herabsenten. Ohne Rahmen, auf herbstlicher Kahlheit steht das Schloß und gibt doch ein liebes Bild, fo eigen schön jetzt in der leisen Wehmut eines grauen Tages, Den Seidelbergern schlägt das Herz in Unruhe und Beorgnis wegen dieses treuen Landschaftsbildes, wegen seiner anzen Lieblichteit. Will doch hier am Fuße des Ruinenschlosses bie Technik mit ehrbaren Traditionen ringen. Geplant ist die Anlage eines gewaltigen Kanalgebietes an dieser Stelle. Sinqus über die still besäumten Nedarufer will das technische Riesenwert wachsen mit Wehren, Turbinenhäusern, Schleusen, Staustufen und die fleine friedliche Welt jäh aus ihrer Lieblichkeit zerren. Entschieden ist noch nicht alles. Doch die Sorge der Naturfreunde um diese Ausführung wurzelt tief; ihre Vorstellungen malen trübe Bilder aus Schneidend streicht der Wind über den Nedar. Schon Schnee Scheinen die Wolfen in ihren weißgrauen Ballen zu bergen. Flach diegen die Ufer. Die grauen Felsenblöde grinsen wie Riesenfragen über Spiegel und Ufergebüsch. Kein Boot, fein Leben trägt der Fluß. Die Stadt liegt hinter uns. Ein légter Gruß des Ruinenschlosses. Wir gehen tiefer in die Herbheit des Serbstes hinein. Beiden Ufern zu neigen fich die Bergwälder, ein wenig feelenlos, ohne Geheimnis und Verheißung bauen sie sich vor und um uns auf. Da liegt der fleine Bahnhof von 3iegelhausen- Schlierbach, ein wenig oberhalb des Flußufers. Die hellen Säuserrüden unter roten Dachhauben rüden aus dem Sintergrunde des Bergwäldchens. Man scheint in Schlierbach, das ein heiteres Frembendorf ist, manche neue Seimstätte gebaut qu haben, jebe ein Stüd Traulichkeit hineingelegt in einen Parabieswinkel. Uferbrüben zeigt fich bas ziegelrote Ziegelhausen, liegt langgestredt am Redar, drüdt und klebt sich, wie wenn die Welt ihm teinen Plaz mehr gönne, an den waldigen Bergrüder. Cine feste, noch neue Steinbrüde in schier mittelalterlicher Treue Spannt sich über den falten Fluß. Rechts am Brüdentopfe ist eine Seimstättensiedelung im Wachsen begriffen. Je ein weißgetünchtes Doppelhaus mit grünen Läben und Gartenstüden liegt in be Waffen versehen werden können, so lange geht es ihnen trogen| Die Kosten der Entente Kommissionen geblicher Verbote und dergleichen nicht schlecht. Schlecht würde es nur den Arbeitern gehen, wenn sie es wagen würden, eine Schuttruppe gegen die deutschnationalen Terrorbanden zu bilden. Es lebe der König! Geßler und sein Möhl 33 Der Münchener Kreiswehrkommandant General von Möhl hatte das Begräbnis von Ludwig Wittelsbach. der offenbar nur gestorben war, um den bayrischen Royalisten Gelegenheit zu einer fönigstreuen Demonstration zu geben, zum Anlaß genommen, um ,, Seiner Königlichen Hoheit", dem Rupprecht, zum Tode Seiner Majestät des Königs" zu fondolieren, und er hatte diese wichtige Tatsache in einem Tagesbefehl den ihm unterstellten Truppen mitgeteilt. Man sollte glauben, daß der Reichswehrminister Geßler nach dieser letzten Leistung seinem untergebenen Borgesetzten endlich zur Kenntnis bringt, daß der Möhl seine Schuldigkeit diese irrtümliche Auffassung seiner Pflichten zu berichtigen, getan habe und gehen fönne. Herr Geßler hat sich beeilt, indem er zur allgemeinen Kenntnis bringt, daß er mit dem Tagesbefehl des Möhl zufrieden ist. Gleiche Brüder gleiches Hakenkreuz! Die Forderungen der Beamten Im Laufe der vergangenen Woche hat der Deutsche Be= amtenbund als Spizenorganisation der Beamtenvereinigungen Verhandlungen mit den Spisenorganisationen ber Gewerkschaften geführt, um seine Forderung einer neuer lichen Erhöhung der Beamtengehälter mit größerem Nachdruck vertreten zu können. Die Beratungen find dadurch zu einem gewissen Abschluß gelangt, daß man sich auf eine gemeinsame Eingabe an die Reichsregierung einigte, die unterzeichnet ist vom Deutschen Beamtenbund, dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Deutschen Gewerkschaftsbund( Chriftliche Gewerkschaften) und dem Deutschen Gewerkschaftsring( Sirschs Dundersche Vereine). Diese gemeinsame Eingabe gibt folgenden Forderungen Ausdrud: 1. Aenderung der Grundgehälter im Sinne einer Berringerung der Abstände insgesamt, sowie zwischen den einzelnen Be soldungsgruppen. 2. Aenderung der Höhe des Teuerungszuschlages, stärkere Anpassung des Einkommens an die Teuerung, um damit der Notlage der unteren und mittleren Einkommengruppen gerecht zu werden. Außerdem wird eine Verbesserung der Einkommensverhältnisse der Diätarbeamten, der Beamten im Vorbereitungsdienst, der im Vertragsverhältnis stehenden Beamten, sowie der Pensionäre ge= fordert. Für die Arbeiter und Angestellten find entSprechende Forderungen erhoben worden. Zur Durchführung einer der Reichsregelung entsprechenden Erhöhung der Bezüge der Beamten, Angestellten und Arbeiter in den Ländern, Gemeinden und Gemeindeverbänden wird die Bereitstellung von Reichsmitteln für Länder und Ge meinden verlangt. Die Neuregelung soll mit Wirkung vom 1. Ottober 1921 erfolgen. In den Kreisen der Beamten schätzt man die Mehrbelastung, die dem Reichshaushaltsetat durch diese neuerliche Gehaltserhöhung erwachsen würde, auf weitere 5 milliarden Mart. Man erwartet, daß die Verhandlungen mit der Reichsregierung schon in dieser Woche beginnen werden. Die mit dem Beamten ausschuß des Reichstages geführten Verhandlungen find ergebnislos geblieben. Deutsche Arbeiter für den Wiederaufbau. In Peronne wurde am Sonntag unter dem Vorsitz des Präfetten Morain in Anwesenheit des Senators Gouge und des Abgeordneten Gonet eine Versammlung abgehalten, die die Vereinigung ber ehemaligen Fronttämpfer einberufen hatte. 800 Personen waren anwesend, die fich einstimmig gegen die Beschäftigung deutscher Arbeiter aussprachen. Die Abstimmung in ben 11 Dör fern, bie für den Wiederaufbau burch Deutschland bestimmt finb, ergab, daß sich 51 Prozent gegen die Deutschen aus: gesprochen haben. Bon 306 Familien, die befragt wurden, haben 149 dafür gestimmt und 157 dagegen. neidenswerter Behaglichkeit am Ufersaum. Naturschönheit und Friedlichkeit umhüten es. An diesem falten Novemberjonntag zeigt das bekannte Waschdorf die Spuren seiner Bestimmung nicht, während sonst auf grünen Recarrändern die Wäsche trodnet und das Linnen bleicht. Das halbe Dorf nährt sich vom Waschen und Bügeln, und nicht allein die Hausfrauen von Seidelberg dürfen sich der rüstigen Arbeit der Ziegelhauser Wäscherinnen erfreuen, es sind auch die Mannheimer und Ludwigshafener Haushaltungen, die von ihnen versorgt werden. Wie eine schmale Zeile windet sich die Dorfstraße durch den ausgedehnten Ort. Wenige echt bäuerliche Gehöfte tennt das große, hübsch gebettete Dorf, und seine Bewohner müssen vielfach die ländlichen Erzeugnisse aus der Stadt herbeischaffen. Das heitere Neftchen am Nedar ist zeitweilig Heimat gewesen für manchen Weltreisenden, für manchen geistig schaffenden Großen, auch für manchen Stillen. An einem schlicht frohen Landhause ziehe ich die Torschelle und habe Muße, Bilder zu erträumen, die sich aus der Gegenwart hart herausschieben. Durch dieses Gartentor find fie gelommen, Berühmte und Unberühmte, Träumer, Dichter. Der berühmte Mann, der hier am Schreibtisch schaffend faß, ist lange fortgezogen aus der Neckarstille. Zwischen den lichten Partbäumen meloen fich plötzlich Stimmen. Dort unten am Flusse befindet sich die Familie auf einer verzweifelten Gänserichjagd. Der schnatternde Ausreißer, des Alleinseins müde, hat ein Recarbad genommen, ift auf die Schlierbacher Seite hinübergeschwommen, wo ihn eine Schar flügelschlagender, watschelnder Gänsedamen beglüdt in ihre Mitte nimmt und seiner neuen Heimat entführt. Stille schleicht über die Ufer, bis der Bahnzug auf der Schlierbacher Seite rasselt und pfeift und seine menschengefüllten Abteile an Den Saum des Odenwaldes trägt. R. Kaulig Rieded Proletarische Feierstunden. Auch am legten Sonntag ver liefen die„ Proletarischen Proletarischen Feierstunden" wieber sehr eindrucksvoll. Das kleine Blasorchester unter Heinz Thiessen, der gemischte Chor unter Scherchens LeiDor allem Der tung und Sprechhot, geführt DOK brachten durch ihre paufenlos aneinanderge & lorath, brachten durch reihten, fünstlerisch auf beträchtlicher Höhe stehenden Darbietingen den Gedanken der Feierstunden zu geschlossener, sich bis aum Schlusse steigernde Wirkung. Die turze Ansprache des G nossen Breitscheid faßte Sinn und Ziel der vorgetragenen Dichtungen in flaren, politisch gerichteten Worten zusammen, und die gemein fam gelungene 3nternationale bildete den richtigen, uns alle vereinenden Abschluß. Die Kritit mag vor diesen Feierstunben, die teine einem fritifchen Publikum dargebotenen fünstlerischen Darbietungen sein wollen, sondern wirkliche, in Gesinnungsgemeinschaft verlebte Feierstunden, die Kritik mag hier verstummen. Nur vor zwei noch nicht Wirklichkeit gewordenen, aber in ber Ferne drohenden Gefahren möchte ich schon heute warnen: Das Theater ist eine schöne, aber verführerische und gefährliche Sache; leicht wird auf der Bühne die Gefte zur leeren Geste, das Pathos zum hohlen Pathos, das Wort zum hohlen Wort, bei dem man sich nichts mehr dentt. Noch ist es nicht so nur von weitem droht biese Gefahr. Und zweitens: bas an sich sehr richtige Bemühen, diese Gefahr. dem Programm der Feierstunden einen einheitlich streng geschlosse Nach einer Meldung des M. T. B., deren Inhalt offenbar auf amilichem Material beruht, betragen die Ausgaben für die in ganz Deutschland tätigen interalliierten Rommissionen für den Monat Oktober insgesamt 23 457 641.63 Mart. Sie ver teilen sich u. a. pie folgt: Berlin 1250 330,50 M., Breslau 248 341,75 M., Kassel 111 645 M., Roblenz 121 960.75 M., Dresden 204 546,61 M., Düsseldorf 209 588 M., Riel 157 627,33 M., Kiel 401 003 99 Mart, Stettin 215 543,60 m., Stuttgart 245 148,20 0, fleinere Städte 291 905.99 M. Es fehlen noch die Zusammen= tellungen für Königsberg i. Pr. und für Bremen. Die übrigen Kosten umfassen erstens: Kosten für Unterbringung der Offiziere, Kosten für Unterbringung von Mannschaften, Kosten für Insbandlegung von Kraftwagen, Kosten für Geschäftszimmer, Kosten für das deutsche Personal, Kosten allgemein sächlicher Natur, Kosten für Heizung und Beleuchtung. Kosten für Sanitäre 3wede und Kosten anderer Art, die unter den vorstehenden nicht unterzubringen sind Die Kosten für die Gehälter der Mitglieder der Kontrolltommission sind in der obigen Aufstellung nicht inbegriffen. Das Dreiländerabkommen Vor der Aufhebung des englisch- japanischen Vertrags London, 5. Dezember. Mornigpost" berichtet aus Washington, Präsident Harding habe sich bereit erklärt, dem amerikanischen Senat ein Dreiländerablommen zwischen Amerita, England und Japan zu unterbreiten. England und Amerika hätten bereits die Hauptpunkte des Abkommens angenommen Japans Zustimmung dazu werde im Laufe der Woche entgegengesehen. Der Vertrag sehe die Beibehaltung des status quo im Stillen Ozean und die friedliche Regelung fünftiger Meinungsverschiedenheiten zwischen den drei Mächten vor. Außerdem verbürge der Vertrag die volle Unabhängigkeit Chinas. Durch dieses Abkommen werde der bes tehende englisch- japanische Vertrag aufgehoben, vorausgesetzt natürlich, daß der vorgeschlagene Bertrag von dem amerikanischen Senat angenommen werde. Ablehnung der englischen Vorschläge Die Krisis der englisch- irischen Frage EE. London ,. 5. Dezember. Die englisch- irische Krise scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Lloyd George hat seinen Landaufenthalt in Ch quers unterbrochen unb ist plöhlich nach London zurüdgekehrt, wohin auch die Vertreter der Sinnfeinez Samstag nacht gekommen waren, nachdem sie mit De Valera beraten hatten. Diese Beratungen führten zur Ablehnung der englischen Vorschläge. Am Nachmittag fand gestern in der Downingstreet eine 1½ftündige Beratung mit den Sinnfeinervertretern statt. Der vorherrschende Einbrud ist ungünstig. Keinesfalls wird den Delegierten Uters, wie diese wünschten, bis morgen ein Entscheid der englischen Regierung zugehen. Man erörtert bereits die Frage, ob die Verhandlungen nun endgültig als abgebrochen betrachtet werden, sollen, oder aber, ob man ein neues Angebot werde machen tönnen, das den Widerstand Ulsters zu brechen imftande sei. Aus der italienischen Kammer Rom, 3. Dezember Kurz nach Eröffnung der Kammerfihung erschien heute in dei Rammer der tommunistische Abgeordnete Misiano, dessen Vers urteilung zu 10 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust wegen Fahnens flucht im Kriege türzlich vom Militärgericht in Palermo be stätigt worden war. Um gegen die Anwesenheit dieses Abgeord neten zu protestieren, verließen viele fajzistische und andere Abgeordnete, darunter Giolitti, den Saal. Einige Abgeord nete riefen Mifiano folle gehen, andere sagten, er tönne bleiben, bis seine Wahl durch Gegenwahl annulliert sei. Schließlich wurde, da das Haus nicht beschlußfähig war. die Sigung aufgehoben. Inzwischen wurde, da man außerhalb des Montecitorio Rundgebungen befürchtete, Polizei in Bereitschaft gehalten. Misiano verließ das Gebäude unter polizeilichem Schuh nen Charakter zu geben, darf nicht zur Eintönigkeit führen. Wir dürfen buntere, herzhaft fröhliche Töne nicht aus unseren Feier Stunden fernhalten. Nicht nur die Trauer und befinnende Gintehr - auch die Freude und die Fröhlichkeit, ja gerade fie, erheben das Serz. Auch sie gehören in proletarische Feierstunden. H. S. Rindervorstellung ber Bollsbühne. Wer sich mal einen vers gnügten Nachmittag machen mill, der gehe nicht ins Kino, sondern in eine Nachmittags- Kindervorstellung der Bolts. bühne am Bülowplay! Man spielt die Gänsemagd, ein Märchen in vier Bildern von Rarl v. Feiner. Das Stüdlein ist eben nicht fabelhaft. Ich kann mir vorstellen, baß man ein altes Volfsmärchen ein wenig märchenhafter auf die Bühne bringt. Immerhin ging der Zauber des alten Märchens auch für den durch„ Bildung" und Kritit verdorbenen alten, erwachsenen Menschen nicht ganz verloren. Die Kinder aber jubelten. Und ihret nicht des Stüdes wegen, ginge ich gern noch mal wi der hin. Herr im Simmel, wie sind wir bummen erwachsenen Menschen blasiert, verwöhnt und verdorben! Und wie beneidenswert hemmungslos tönnen Kinder sich freuen! Während des Spiels halten sie den Atem an, nur ein verhaltenes Ah!", wenn die Sternlein am Himm: 1 aufglühen aber am Atischluß, da rauscht ein Beifallsflatschen und ein aufgeregtes Gemurmel durch den großen, ernsten Raum ber Volfsbühne“, wie die Schauspieler es ficher noch nie gehört haben, so oft sie vor dem würdevollen Abendpublikum, vor uns feierlichen Erwachsenen spielten. Und fie g ben sich alle Mühe, bie Schauspieler, diesen Beifall auch wirklich zu verdienen. Sie find nur halt, wie eben alle Eze wachsenen, auch schon ein wenig verdorben und würdevoll ge worden; es wird ihnen schwer, den rechten findlichen Ton zu treffen. Erhard Siebel( dem Kindchen) und Heins Silpert( dem alten König) gelingt es am besten. Auch die fehr hübschen Bühnenbilder von Hans Strohbach tun ihr Teil zu dem Erfolg. Die Kinder jubeln wie soll ich da kritisieren? Nur eins: es heißt nicht Falláda, sondern Fallada. ,, Oh Fallaba, daß du hangest!" das fommt in einem ber schönsten Geschichte der deutschen Sprache vor. Es ist von Heinrich Heine und hat den überirdisch h rrlichen Rehrreim: „ Sonne, du lagenbe Flamme!" Und noch eins: es gab be im Zuschauerraum gewig hundert leere Bläge. Weshalb? Kann man auf diese leeren Bläge nicht die Kinber der arbeitslosen Genossen einladen, deren Eltern tein Geld zu einem Billett haben? Das wäre schöner, als sie leer zu lassen. Hans Siemien Gin Rinbertid im Großen Schauspielhaus. Von Mitgliedern des Deutschen Theaters with Mittwoch, nachm. 3 Uhr, Brinseffin Sulewind, ein Weihnachtsmärchen sen rik Peter Buch, Mufit von Fris Müllet rem zum erstenmal gegeben. Die Aufführung findet zugunsten der Kinder Weihnachtsbefcherung und bes Schauspieler- ltersheims in Weimar tatt und ve spricht das Beste. Barträge. Gesellschaft fülr Seruatreform. Mittwoch, 8 Uhr, Cafe Tiergarte hof. Charlottenburg, Perliner Str. 1, Dr. Ruri&. Friedlänber über Snitte Weiblichen Geiletstrieb und Geguelreform. wach, 48 Uhr, im Rheingold 5. Walter über bas Iregife in des Egipens des Meniden als Sefes des Weltalls. Generalversammlung Berlin- Brandenburg Stellungnahme zum Parteitag Gestern morgen um 10 Uhr eröffnete Genosse Koch im großen Saale der Bötzow- Brauerei die Generalversammlung des Bezirksverbandes Berlin- Brandenburg der U. S. P. D. Auf ber Tagesordnung stand die Stellungnahme zum Parteitag und zu den von den einzelnen Distrikten gestellten Anträgen. Genosse Koch schlug zunächst vor, eine Kommission zu bilden, die bie verschiedenen zu gleichen Punkten gestellten Anträge der Diftrifte in einheitliche Anträge zusammenarbeiten solle. Dem Borschlag wurde entsprochen. Darauf nahm Genosse Krille als Referent bas Wort. Er begann mit einem furzen geschichtlichen Ueberblid über die Parteitage von Gotha, Berlin, Leipzig und Halle. Mit scharfen Worten tennzeichnete er die ungeheuere Schädigung, die die Spal tung in Salle der Partei zugefügt habe, und er betonte, daß es außerordentlich erfreulich sei, wenn man jegt jagen könne, der Bolfchemismus ist von uns nicht nur geistig, sondern auch organisatorisch überwunden worden. Wenn wir auch zahlenmäßig noch nicht wieder die große Partei sind, die wir vor Salle waren, so sei doch, wie die Organisation selbst, auch das Bertrauen in die U. S. P. D. bei den Massen im stetigen Wachsen begriffen. Genosse Krille behandelte dann die einzelnen Buntte ber Tagesordnung des Parteitages. 3u Bunft 3- Bericht der Reichstagsfrattion empfehle er den Antrag des 11. Distriktes zur Annahme, der der Reichstagsfrattion in jeder Beziehung das Vertrauen ausspricht. Die Steffung der Reichstagsfraktion zu den Regierungsbildungen, zum Londoner Ultimatum und die Unterstügung der Regierung Wirth in besonderen außenpolitischen Fragen sei durchaus zu billigen. Zu dem Bericht der Programmtommission sei zu bemerten, daß die Partei sich in Leipzig tein neues Programm geben wolle, sondern, daß es sich lediglich darum handele, die Brogrammfragen zu erörtern. Aus der Tatsache, daß von der Tätigkeit der Programmfommission noch nichts veröffentlicht sei, dürfe nicht etwa geschlossen werden, daß der Parteitag überrumpelt werden solle. Es lönne sich höchstens um geringfügige Aenderungen des Leipziger Attions: programmes handeln, das Genosse Krille als eine mit geringen Ausnahmen noch immer gültige, wertvolle Unterlage für die Agitation bezeichnet. Er erwarte vom Leipziger Parteitag ein flares Betenntnis zur Dittatur des Prole= tariats, deren Formen natürlich nicht vorher festgelegt werden tönnen. In diesem Zusammenhange wies Genosse Krille aber darauf hin, daß seit dem 9. November eine gewaltige Berschiebung der Kräfte stattgefunden habe, die in der Tattit der Partei und der Anwendung der Kampfmittel ihren Ausdrud finden müsse. In der Frage der Einstellung gegenüber den beiden anderen Arbeiterparteien betonte Genosse Krille, daß wir sowohl gegenüber der Kompromißpolitik der S. P. D. mie ber putschistischen Bolitit der K. B. D. nach wie vor auf dem Boden bes& laffentampfes stehen. Es werde sich in Leipzig auch feine Unterstützung zur Koalitionspolitit finden. Man müsse der Auffassung, daß die Partei auf den Weg der S. P. D. abgedrängt werden solle, entgegentreten, denn das würde die Selbstaufgabe ber Partei bebeuten und bem gesamten Proletariat feine lette Stüße im Klassenkampf rauben. Eingehend be Schäftigte fich Genosse Krille mit den Folgen ber rechtssozialistischen Koalitionspolitit und legte ihre Ergebnislosigkeit auf auf verschiebenen Reichswehr, Vempaltung. Justiz, Sicherung der Republi unb auswärtiger Politif bar. Dann ging et noch turz auf die Finanz- und Steuerpolitik und die Frage ber Internationale ein. Er schloß mit der Erwartung, daß bez Leipziger Parteitag durch fruchtbare Erörterung aller lebensmichtigen Fragen der Partei zu einem bedeutungsvollen Mart Bein in der Geschichte der U. 6. P. werden möge.( Lebhafter Beifall.) Gebieten: is erfter Distuffionsredner nahm Genosse Rüter das Wort. Gr empfahl den Antrag von Lichtenberg- Land auf Serausgabe einer Wochenzeitung für die Provinzen. Dann polemisierte er gegen den Leitartikel ber Freiheit vom Sonntagmorgen und bezeichnete ihn als ein Schuldbekenntnis der eigenen Fehler. Genoffin Zieh bemerkte zunächst ebenfalls, baß der Leipziger Barteitag, nicht bie Aufgabe habe, der Partei ein neues Programm zu geben. Es würden nur Entwürfe zur Diskussion geftelt werden. In Erörterung der grundsätzlichen Fragen betonte Genossin Zieh, daß im 3entralfomitee eine völlige Einmütigteit barüber bestände, unter feinen Umständen in eine Roalitionsregierung mit Bürgerlichen einzutreten. Diese unsere grundsägliche Auffassung sei burch bie praftischen Ergebnisse der Politik ber 5. B. D. hundertfältig bestätigt worden. Genosin 3ieg be chäftigte sich mit dem Verhalten des Justizministers Rabbruch und des Rechtssozialisten Hermann Müller, das geradezu un erhört gewesen sei. Gegenüber dem Beispiel der Arbeit der terreichischen Genossen in der Koalitionsregierung, die tatsächlich ganz außerordentliches erreicht haben, sei zu be benten, daß die Macht der Arbeiter in Desterreich nach der Revolution wesentlich größer gewesen sei als in Deutschland. Jetzt bagegen lehne man es auch in Desterreich ab, wieder in die Roalitionsregierung einzutreten. Nach einigen Bemertungen über das Berhalten der Reichstagsfraktion in der Frage der Regierungsbildung und Unterstügung des Kabinetts Wirth wandte ich Genojsin Zieß gegen den bereits erwähnten Artikel ber Freiheit", dem sie in dieser Fassung nicht zustimmen tönne. Genoffin Bieg wandte sich dann unserer Stellung den Kommunisten gegenüber zu und forderte von den Genossen in den Betrieben, ich auch nicht zum Kleinsten Teile den kommunistischen Einflüfte rungen hinzugeben. Genoffin Seger sprach gegen einen Antrag des 11. Diftritis, im Organisationsentwurf den Baijus zu streichen, der den Frauen eine ihrer Zahl entsprechende Bertretung in allen Körperschaften zubilligt und begründete die geforderte Ablehnung eingehend. Inzwischen hatte die Kommission ihre Arbeit vollenbet und lieg durch den Genossen Koch Bericht erstatten. Alle Anträge ur Roalitionspolitik und Haltung der Reichstagsfraktion wurden in eine Resolution zusammengefaßt, bie wir am Schlusse des Berichts wiedergeben. Dann wurde die politische Debatte weiter geführt. Genosse Brendel wandte sich ebenfalls gegen den Artitel der Freiheit" und einige Fehler in ber Berichterstattung über gemerschaftliche Fragen. Er befürwortete lebhaft die Annahme der Anträge zur Altoholfrage. Genosse Tehmann stellte den Antrag an den Parteitag. Esperanto als Rongreffprache einzuführen. Genosse Laulant wünschte, bak das Attionsprogramm wörtlich bestehen bleiben soll. Auch die Frage des Ratesystem s müsse meiser so behandelt werden wie im Attionsprogramm, eine Kenderung unseres Standpunttes würde uns in der Agitation schaden. Genoffe Lautant wandte sich eben falls gegen die Saliung der Freiheit". Genosse Altberg wies darauf hin, daß alle Redner zur Frage der Koalitionspolitik gesprochen hätten, obwohl doch kein Mensch in der U.S. B.D. an den Eintritt in eine Koalitionsregierung bente, und die Frage für uns gar nicht attue II sei, Inzwischen wurde burch einen Geschäftsordnungsantrag die Rebezeit auf 10 Minuien beschränkt. Genoffe Schiemann polemisierte gegen die Genoffin Ziek und Berurteilte bie Stimmungsmache gegen die Freiheit". Sich dem tritisierten Leitartitel zuwendend, wies er barauf hin, daß es heute sehr schlecht um die Sozialdemokratie Stünbe, wenn nicht auch Bebel auf dem Gothaer Einigungsparteitag 1875 die Auffassung vertreten hätte, daß jebe Cinigung ein Nachgeben von beiden Seiten erfordert Er forderte, daß alle politischen Entscheidungen immer nach den tatsächlichen Sträfteverhältnissen ber Arbeiter Ilajie getroff n würden. Er wandte sich außerordentlich beim Sungerſtreit nicht genügend vertreten habe. Die Veröffentlichung des Materials im Vorwärts" sei lediglich erfolgt, um bi beginnende Einheit der Arbeiterklasse zu stören. Was Eberlein gctan habe, sei ein Kinderspiel gegen das, was die S. P. D. im Jahre 1919 getan hat! Er verlange von der Freiheit" ein häufigeres Eingehen auf die Angriffe des Borwärts" gegen führende Genossen Genosse Dr. Herg ist durchaus für eine fachliche Diskussion über die Saltung der Freiheit". Er fordere aber, daß man flat unt deutlich sage, ob man der Redaktion das Vertrauen entziehen wolle Die Redaktion der Freiheit" tönne nur jolange auf ihrem Bosten ausharren, als sie vom Vertrauen ber Berliner Parteigenoffen getragen sei. Er mies auf Meinungsäußerungen von Parteiförperschaften im Reiche hin, die in dem Verhältnis zu den Kommunisten dieselbe Stellung einnehmen wie bie Freiheit. Bei dem fritisierten Leitartikel habe es sich nur barum gehandelt, den gegenseitigen guten Willen zur Verständigung zu fördern und die großen Linien hervorzuheben, nach denen die Politik der gesamten Arbeiterllasse geführt werden müsse. Sierauf nahm Genosse Lebebour als Vertreter des Zentralfomitees das Wort und sprach den vom Genossen Herz mitgeteilten Meinungsäußerungen der Parteigenossen im Reiche die ihnen beigelegte Bedeutung ab. Er betonte, daß die Kommunisten Klassentämpfer feien, die früher Seite an Seite mit uns gefämpft hätten und hoffentlich in Zukunft wieder mit uns fämpfen werden. Er wandte sich ebenfalls gegen die Haltung der Freiheit" im allgemeinen und wies in längeren Ausführungen auf das Ergebnis einer gemeinsamen Besprechung von Redaktion, Pressetommiffion und Parteivorstand hin. Damn sprach noch Genosse Vahle und warnte vor der Annahme der Kommissionsresolution, die ein Kompromiß darstelle. Ein Vertagungsantrag murbe abgelehnt, dagegen ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. In einer persön lichen Bemerkung fagte Genoffin Zieh, baß fie lediglich an einem Puntte des Freiheit"-Artikels Anstoß genommen habe. Eine Stimmungsmache gegen die Freiheit liege ihr Döllig fern. Runmehr begann die Abstimmung über die vorliegenden Ans träge. Gegen vier Stimmen wurde die von der Kommission vorgeschlagene Resolution angenommen. Sie hat folgenden Wortlaut: „ Die Generalversammlung des Bezirksverbandes BerlinBrandenburg ersucht den Parteitag, der Reichstagsfraktion und Parteileitung sein Bertrauen auszusprechen. Die Stellungnahme der Partei betreffs Roalitionsregierung, Wiederguts machung usw. entspricht der Auffassung des Parteitages. Der Parteitag betennt sich erneut zur Diriatur des Proleta riats und zum Klajsentam pf als einzige Möglichkeit zur Befreiung der Arbeiterklasse. Daraus folgt, daß die bisherige Saltung zur Frage der Regierungsbildung und Steuergesetz gebung beibehalten werden muß. Die U. S. P. fann nur dann zeitweise eine Regierung unterstühen, wenn dadurch Schaben für bie Arbeiterklasse abgewendet wird und diese Regierung tatjächlich eintritt für 1. Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt und Sicherung der auswärtigen Zahlungsverpflichtungen durch auss reichende Heranziehung des Besiges, insbesondere auf dem Wege ber Erfassung ber Goldwerte. 2. Wirtjame Maßnahmen zum Schuße der Republik und zur Bekämpfung der monarchistischen Realtion, namentlich grundlegende Justizreform durch Uebertragung der Rechts prechung in Straffachen auf Geschworenengerichte; Wahl der Geschworenen durch das allgemeine, gleiche, ge heime und direkte Wahlrecht nach dem Grundsatz der Vers hältnismahl; gejegliche Maßnahmen, die bie Entfernung von Beamten, im öffentlichen Dienst Angestellten und Angehörigen der Wehr macht aus dem Staatsdienst ermöglichen, die monarchistische Auffassung öffentlich vertreten oder in oder bei Ausübung ihres Amtes befunden. 3. Fortführung der Sozialpolitif. 4. Sozialisierung des Bergbaues. 5. Eine auswärtige Bolitit der Berständigung und bes Wiederaufbaues, aufrichtiges Streben, die Verpflichtungen bes Ultimatums zu erfüllen. Umorganisation der Vertretung der Republit im Auslande im Sinne einer Annäherung an das Proletariat aller Länder; alles zum Schuh ber bedrohten Republik. Sollte eine politische Situation eintreten, die Ber= änderung der Stellungnahme erfordern fönnte, mus burch den Parteivorstand eine zu diesem Zwed gewählte Reichs: tonferenz einberufen werden. Der Beschluß diejer Konferenz ift bis zum nächsten Parteitag bindend." Angenommen wurde ein Antrag an den Parteitag, die Genossen in den geseggebenden Körperschaften zu verpflichten, auf die Einführung des 1. Mai und 9, November als gefegliche Feiertage hinzuwirken. Die von der Kommis fien über die Gemertschaftsfrage zusammengefaßten Anträge murden in der vorgeschlagenen Faffung angenommen, ebenso die in einem Antrag zusammengefaßten Anträge, auf ein Verbot jeglicher Verwendung notwendiger Lebensmittel zur Serstellung licher Verwendung notwendiger Lebensmittel zur Serstellung altoholischer Getränke hinzuwirken. Abgelehnt wurde der Antrag des 11. Diftritts auf Streichung des Frauen- Passus im Or ganisationsstatut. Genosse Herbst begründete bann bie Notwendigkeit einer neuen Beitragserhöhung, über die auf Vorschlag des Genojien Koch Urabstimmung in den Distrikten beschlossen wurde. Mit einigen anfeuernden Worten faßte Genosse Roch das Ers gebnis der Generalversammlung zusammen und sprach die Ers martung an den Leipziger Parteitag aus, daß die gründliche Dis fussion aller das tiefste Interesse der Partei berührenden Fragen zur restlosen Klärung führen möge und schloß die Generalversammlung. Die neue Reparationspolitik Interalliierte Erörterungen notwendig London, 4. Dezember. Dem Daily Telegraph" zufolge tann der in der Aufstellung bes Planes für eine neue Reparationspolitif einge tretene Stillstand nicht überwunden werden, bevor das Reparationsproblem einschließlich des interalliierten Abkommens vom 13. August und des Wiesbadener Abkommens vom Obersten Kat oder wenigstens von einem Ausschuß der alliierten Finanzminister erörtert worden sei. Die Times" berichtet, ber Finanzausschuß des britischen Kabinetts werde in dieser Woche seine Beratungen über die ihm vom Schazamt unterbreiteten, die deutschen Reparationen betreffenden Borschläge, wieder aufnehmen. Ein Beschluß in dieser Frage werde erst gegen Ende der Woche erwartet. Das vorgeschlagene Moratorium für Deutschland sei, wie angenommen werde, die Lösung, bie pon seiten der Minister am meisten bes günstigt werde. Die Frage sei jeboch schwierig und werde wohl nicht ohne Beratungen zwischen den alliierten Regierungen geregelt werden. Bevor das Kabinett einen Beschluß fasse, werde die Ansicht der Reparationstommission eingeholt werden müssen. Die Stimmung in England London, 5. Dezember. Der diplomatische Berichterstatter bes Observer" teilt mit, Bradbury und der italienische Vertreter in der Reparations. tommiion feisn jür ein Moratorium, die Vertreter Frankreichs und Belgiens feien jedoch dagegen, Mian sei beim britischen Schahzamt der Ansicht, daß während der nächsten 10 oder 15 Jahre wenig Aussicht auf irgendwelche Zahlungen Deutschlands nach em Reparationsplan bestche. Das Wiesbadener Ablommen vürde daher die einzige Art der Bezahlung während der nächsten 15 Jahre darstellen und deshalb ausschließlich Frankreich zugute ommen. In einem Leitartikel verwirkt„ Observer" den Plan eines Mora riums oder einer Anleihe an Deutschland und schreibt. De zitische Politit müsse mit aller Macht und Entschlußlrafi die Serablegung der Gesamtsumme der Deutschland auferlegten Ras Die ationen und der jährlichen Raten zu erreichen suchen ründliche Revision der deutschen Reparationen ei für Hanbel and Gewerbe Englands eine Frage von Leben und Tod. Wenn Die Entente dem im Wege stehen sollte, so müsse Rie geopfert werben. Die Entente dürfe nicht dazu dienen, daß sich Frank reich und England gegenseitig und gemeinsam mit Deutschland ins Verderben hineinreißen. England tönne nicht auf Amerila varten und auch nicht auf die Zustimmung Frankreichs. Wenn es feinen anderen Weg gebe, so müsse England zu einer unmittel baren getrennten Verhandlung mit Deutschland tommen. Man habe bereits zu lange damit gewartet. Eine Hand wäscht die andere Standalöse 3ustände bei der Ortstranten tasse Steglit Am heutigen Montag finden die Arbeitgeberwahlen in der Allgemeinen Ortstrantentasse für Berlin- Steglit statt. Die vereinigten bürgerlichen Arbeitgeber, in treuer Obhut des famosen„ Sandwerkervereins", glauben, die Vertretung im Ausschuß und Vorstand der Kasse in Erbpacht zu haben. Es ist Zeit, daß mit den alten Verhältnissen gebrochen wird. Es darf nicht mehr sein, daß das Vorstandsmitglied Malermeister Linke die Töpferarbeiten an Herrn Töpfermeister Pflanz und Herr Töpfermeister Pflanz dafür wieder die Malerarbeiten an den Malermeister Linie vergibt und beide zusammen die Maurerarbeiten an den Dritten im Bunde, den Maurermeister Schulze. So wurde es z. B. im Falle des Schwefelbabs Langensalza gemacht. Die Arbeitnehmerschaft ist nicht mehr gewillt. Vorstandsmitglieder zu besolden, die dauernd Privatgeschäfte auf Kosten der Krankenbasse machen. Während des Krieges war übrigens das erwähnte Genesungs heim Langensalza ein Samsterneft für die Arbeitgeber. Einige Arbeitgeber des Vorstandes hatten sogar ein eigenes Konto beim Verwalter des Bades für die Hamsterei. Erst auf Im Drängen der Arbeitnehmer wurde dieses Konto abgesetzt. Ausschuß trieben diese Brüder dafür eine traurige Rolle. So lehnten sie bie Zentralisation im 12. Begirt( Gr. Lichterfelde, Steglitz) ab, nur um ihre Kirchturmspolitit weitertreiben zu können. Deshalb wählen heute alle, die dieses schäbliche Treiben nicht mehr mitmachen wollen, Lite II, welche bafür eintritt. daß bessere Verhältnisse in der Stegliger Ortstrantentasse eintreten! Mord in Siemensstadt Ein geheimnisvoller Leichenfund In einem ber Neubauten, die von der Firma Siemens und Halste in der Siedlung in Siemensstadt am Rohrdamm errichtet werden, wurde am Sonntag nachmittag die Leiche eines etwa sechzigjährigen Mannes im Keller aufgefunden. Dem Toten fehl ten die Beinkleider und Unterbeinkleider, die über einen Belten des Breiterbelages gehängt waren. Der Befund ließ auf en Verbrechen schließen. Es wurde beshalb die Morblommission bez Berliner Kriminalpolizei benachrichtigt. Die Beamten stellten fest, daß die Leiche bes etwa 60jährigen Mannes von frember Hand in den Keller geschafft sein muß. Die Füße waren nur mit Schnürschuhen bekleidet, deren Bänder lose herabhingen. Die Hosenträger des Mannes waren in einer festen Schlinge um den linten Fuß gezogen und offensichtlich bazu ver wandt worden, die Leiche in den Keller hinabzulassen. Ein Strumpf stedte in der Hose, die mit der Unterhose zugleich ausgezogen worden war. Der andere Strumpf wurde in der Jacketttasche bei der Leiche gefunden. Der Tote trug saubere Unterwäsche; bas fast neue Mafohemb stammt von der Firma Schüß, Berlin. Der Hals zeigte starte Strangulationsmale. Neben der Leiche lag ein schwarzer, eingebrüdter Sut, der die Fabritfirma P. Zehme München trägt. Legitimationspapiere wurden nicht vorgefunden, bagegen eine Brieftasche mit 51 9. und einem Rezept, das füi ist nicht ausgeschrieben, sondern nur durch einen Schnörkel ausge " Herrn N. Hillgruber" ausgestellt ist. Der Name des Arztes drüft. Ein goldener Trauring des Toten weist die Gravierung 2. 3. 27. 11. 06 auf. Bolles, weißes Haar und weißer Schnurr vollständiges Gebiz find besondere Kennzeichen des Ermordeten. bart mit herunterhängenben Spigen sowie ein auffallend gutes un Das Haus, in dent die Leiche gefunden wurde, liegt etwa 150 Meter vom Rohrdamm ab schon im Walde in der Jungfernheide, nicht weit vom Ranal. Es muß angenommen werden. daß die Leiche aus dem Malb in diefes Saus geschleppt worden ist. Bis Sonnabend nachmittag 3 Uhr sind die Arbeiter auf den Neubauten ber Siedlung beschäftigt gewefen. Von da an wird die Siedlung durch zwei Wächter bewacht, die nichts Verdächtiges bemerkt haben. Die Polizei steht hier vor einem Rätsel. Es war sehr schwierig, am geftrigen Sonntag noch genauere Nachforschungen an Ort und Stelle vorzunehmen, weil die Beamten erst nach Eintritt der Duntelheit in Siemensstadt anfamen. Großfeuer in der Ackerstraße Ein Brand, bei bem ein älteres Mädchen, A. Moris, die in einer Steinbruderei tätig war, vollständig ver= brannte, beschäftigte heute vormittag die Berliner Feuermehr in der Aderstraße 2 längere Zeit. Es stand neben dem Straßenbahnhof ein niedriger Seitenflügel auf dem Sofe in Flammen. Diese hatten reichliche Nahrung gefunden. Di: in Mitleidenschaft gezogenen Familien tonnten sich, unterstützt von der Feuerwehr, retten, mit zwei Schlauchleitungen gelang es der Wehr, den Brand auf den Seitenflügel zu beschränken. Ueber die Entstehung des Brandes, der natürlich große Erregung verursacht hat und zu Menschenansammlungen führte, wird uns noch mitgeteilt, daß die verbrannte Arbeiterin Moriz am Montag früh von einem Vergnügen bezecht nach Hause gelommen sein soll. Sie hat sich dann ins Bett gelegt. eine Petroleum= Iampe angezündet und 3igaretten geraucht, wobei die Betten in Brand gerieten und die Morig verbrannte, noch bevor Silfe zur Stelle mar. Nur verkohlte Reste wurden noch vorge= funden. Bolizei war nicht zur Stelle. Schwerer Autounfall. Am Sonntag nachmittag hat sich auf der Heerstraße ein Autounfall ereignet, bei dem vier Personen schwere Berlegungen erlitten. Gegen 7 Uhr fuhr ein Kraftwagen mit voller Geschwindigkeit gegen einen Baum. Infolge des heftinen Anpralls wurden die drei Insassen und der Chauffeur aus dem Auto herausgeschleudert Spaziergänger nahmen sich der Vr unglüdten an und benachrichtigten das Rettungsamt, das einen Krantenwagen mit Arzt nach der Unfefteff entfandie Berletzten sind das Ehepaar Sohlfeld und die Schreiterin 3ech aus der Leibnizstraße 33, sowie ber Chauffeur Masche aus ber Frithestraße. Es ist noch nicht festgestellt wie der Unfall gefchehen fonnte. In der Straße Siegmundhof, am Bahnhof Tiergarten, fuhr in der Nacht zum Sonntag ein Droschtenauto in einen auf der Straße zu Bauzweden aujgeschütteren Sandhaufen und überschlug fish. Der Infaffe wurde verlegt, fonnte sich aber felbft nach feiner Wohnung begeben. Der Chauffeur fam merkwürdigerweise ohne Schaden davon. Der Unfall wurde dadurch herbeigeführt, daß bei dem Sandhaufen die vorgeschriebene Warnungslaterne fehlte. Die Not der Lungenfranken Bom Berband der Lungenkranken wird uns geschrieben: Der Tuberkulose, eine der verbreitetsten Boltsleuchen, wird von. den Gemeinden in sehr vielen Fällen nicht die genügende Beachtung geschenkt. Der jezigen Not des Boltes und der mangelhaften Ernährung, ebenso dem Mangel an gefunden Wohnungen ist es zu verdanken, daß die Tuberkulose in erschreckender Weise sich ausbreitet. Es ift wissenschaftlich festgestellt, daß 97 Prozent der Großstadtbewohner auf Tuberkulineinsprigungen reagieren. Dieses allein müßte schon genügen, daß der Betämpfung der Tuberkulose von Seiten der Gemeinden ein ganz besonderes Interesse entgegens gebracht wird. Aber was wird getan? Ueber den vom Verband der Lungenund Tuberkulose- Erkrankten Deutschlands, Ortsgruppe Berlin, ge tellten Antrag an den Magistrat Berlin: Für Lungentrante billige Milch und zum Winter Kohlen zu liefern" geht man ein fach zur Tagesordnung über, indem der Leiter des Berliner Gesundheitswesens folgenden Bescheid gibt:„ Die Rationierung der Lebensmittel ist aufgehoben. Es fann daher dem gestellten Antrage nicht entsprochen werden." Bei der heutigen Teuerung ber Lebenshaltung ist es den Lungenkranken unmöglich gemacht, fich Milch zu taufen. Derjenige, welcher 3. B. Krankengeld, Erwerbslosenunterstützung oder monatliche Rente in Höhe von 90 bis 120 m. erhält, fann sich nicht mal bie notwendigsten Mittel faufen. Aehnlich liegen die Verhältnisse beim Wohnungswesen. Auch hier weist man Lungenkranke zurück oder gibt ihnen auf gestellte Anträge feinen Bescheid. So schickt man z. B. eine im dritten Stadium der Tuberkulose ertranfte 55jährige Frau von Gemeinde zu Gemeinde, überall Abweisung. ihres Anirages auf Zuweisung einer Wohnung. Wir richten daher folgende öffentliche Forderung an den Magistrat von Berlin: 1. Für Lungentrante sofort billige Milch und Kohlen zu liefern. Für Erwerbslose, Krankengeld- und Rentenempfänger un enigeltlich gegen Ausgabe besonderer Scheine. 2. Die Sozialisierung des gesamten Wohnungswesens und Schaffung von gefunden Wohnungen. 3. Im Intereffe der Bekämpfung der Tuberkulose müssen vom Reichs- und Landtag, ebenso vom Magistrat Berlin, Mittel bewilligt werden, damit auch wirkliche Hilfe geleistet werden fann. Darum, Lungenfvante:„ Erwacht!" Denkt an Eure Familie und Kinder, welche unsere Zukunft find; schließt Euch zusammen und helft mit, uns Lungentranten eine bessere Zukunft zu schaffen. Auch an die sozialistischen Vertreter des Reichs- und Landtages Jowie der Stadtverordnetenversammlung richten wir die bringende Bitte, uns in dem Kampf gegen die Tuberkulose zu unterstützen. Alle Anfragen sind an den Verband der Lungen und Tuberkulose Ertrantten Deutschlands, Berlin NW. 87, Wiclefftraße 36( Borsigender: Paul Hennig) oder an Reinhold Gossow, Berlin N. 65, Guineastraße 38( 1. Vor Figender der Ortsgruppe Berlin), zu richten. Bei Folgen bes Altohols. Am Sonntag früh wurde die 15jährige Hedwig M. vor dem Hause Siegfriedftr. 22, einige Häuser von ihrer Wohnung entfernt, in finnlos betrunkenem Zustande auf gefunden und von Polizeibeamten nach der Rettungsstelle ge bracht. Hier stellte der Arzt eine schwere Altoholvergiftung fest. Das Mädchen wurde dem Urbantrantenhause überwiesen. einem Streit, der Sonnabend nach Schluß eines Cafés in ber Banfstraße entstand, wurden zwei Polizeibeamte von dem Händler Georg Schwarz aus der Kösliner Straße 5 angegriffen. In ber Notwehr griff einer der Beamten zur Waffe und gab auf Schwarz einen Schuß ab, der diesen am Kopfe traf Schwarz fant hver Berletzt zu Boden. Er wurde nach der Rettungsstelle in der Lindower Straße gebracht, wo er balb nach der Einlieferung tarb. 20. Bezirt, Bolfsbildungsamt. Sente 7% Uhr Kurfus, Klasse in der I. Schule, Linbauer Straße., Friedrichshagen. Am Dienstag abend 7 Uhr findet in Schrö bers Festfälen eine Mitgliederversammlung des Konsumvereins ftatt. Mitgliedstarte legitimiert. Vollzähliges Erscheinen aller U.S. B.- Genossenschafter ist im Interesse der Sache dringend ero forderlich. Boraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Diens tag. Etwas gelinbe, überwiegend bewölft, bei mäßigen füdöſtlichen bis füblichen Winden. Keine erheblichen Sieberschläge. Gewerkschaftliches Direttoriale Ufancen Eine eigenartige Auffassung über Pflichten gegenüber bem Betriebsrat und dessen Pflichten und Rechte scheint ein Herr Plaga, Alexandrinenstr. 107, zu haben. Im genannten Betriebe des Herrn Blaga sind zwei Betriebsräte beschäftigt, die zugleich die Interessen des in der Nähe liegenden Schwesterbetriebes zu vertreten haben. 3weds einer Information ließ die Beschwerdetelle des Schlichtungsausschusses Deutscher Metallarbeiter Verband, Linienstraße 83/85, Fid mit genannter Firma verbinden, um auf diesem Wege einem rat fuchenden Arbeiter dieses Betriebes zu helfen. Der Herr Direktor Plaga hat jedenfalls die Anweifung gegeben, alle Gespräche mit dem Betriebsrat von außen durch eine kontrolle gehen zu lassen. Kurzum, anstatt des Betriebsrates meldete fich Herr Plaga und wünschte zu wissen, aus welchem Grunde wir den Be triebsrat sprechen wollten. Auf unsere Antwort nur geschäftlich" erflärte Herr Plaga, wenn wir für den ihm aus dem Gespräch entstandenen Schaden von 3000 Mart auftommen( wir wußten noch nicht, daß die Arbeiter dieses Betriebes ein derartiges Einkommen haben), würde er das Gespräch weitergeben! Unser Hinweis auf das Betriebsrätegelet blieb erfolglos, da der mit ben Gesetzen des Anstandes mohl vertraute Herr Direktor einfach den Hörer anhängte. Weitere zwei sachliche Versuche, den Herrn zu überzeugen, wurden in gleicher Weise durch Anhängen des Hörers erledigt. Allerdings scheint dieser liebenswürdige Ver treter des Unternehmertums in seinem Betrieb noch trasfere Um gangsformen an den Tag zu legen. Das Betriebsrätegesetz eristiert für ihn überhaupt nicht. Und bei Verhandlungen mit Arbeitern Joll er nach uns übermittelten Angaben in seiner überzeugenden" Art zu Tätlichkeiten übergehen. Ein wirklich würdiger Vertreter der vornovemberlichen Periode! Dieser famose Gentleman bedarf dringend einer Unterweisung im Sinne nigges und der Renntnis der neueren sozialen Gejezgebung. Wir hoffen, dieser unser zarte Wint genügt, um diesen Herrn zu veranlassen, schnell und gründlich dieses Manto zu beseitigen. Oder hoffen wir umSonit? Buchdrucker In den Bezirksversammlungen am heutigen Montag sollen die Wahlen der Generalversammlungsdelegierten für das Jahr 1922 vorgenommen werden. Der hohen Bedeutung dieser Wahl bewußt, hat die S. B. D. mit gütiger Unterstützung der ihr nahe stehenden Borstandsmitglieder schon bei der Aufstellung der Kandidaten den ganzen Organisationsapparat in ihren Dienst gestellt und baburch unfern Kampf auf das äußerste erschwert. Die Entscheidung fällt aber am Tage der Wahl. Und da ist es notwendig, bem großen Teil allzu säumiger Kollegen und Parteis genossen zu bedeuten, daß es dies ma I mehr denn je ihre Pflicht ist, sich voll und ganz in ben Dienst unserer Sache zu stellen. Was ber S. P. D. durch die Benutzung des Organisationsapparates zugute tommi, müssen wir durch doppelten Eifer in ber Agitation zu ersetzen suchen. Gomit fällt auf jeben einzelnen ein Stüd der Berantwortung für den Ausgang dieser Wahl. Möge fich dieser Verantwortung jeber bewußt sein und danach handeln, dann können wir der diesmaligen Delegiertenwahl mit aller Zuversicht entgegensehen. Der Attions- Ausschuß der Opposition. Telephonverbindung mit dem Gewerkschaftshaus Bitte ausschneiden! Ab 1. Dezember 1921 find die Telephonanschlüsse der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend, des Arbeiterfefre tariats, der Freigewerfichaftlichen Betriebs= räte 3entrale, der Berwaltung des Gewerkschaftshauses( Sassenbach), der Herberge, bes Verbandes der Asphalteure, des Verbandes ber Böttcher, des Verbandes ber Fabrilaibeitet, bes Berbanbes ber Friseure, des Verbandes der Glaser, des Verbandes der Hutmacher, des Verbandes der Lithographen und Steinbruder, des Berbandes der Steinarbeiter, der Defonomie des Gewerkschaftshauses und der Expedition des Ernste Mahnung an die Deutschen Hausfrauen! Die Frau als Hausärztin! Korrespondenzblattes auf einer Telephonsentrale vereinigt und find sämtliche vorgenannten Stellen unter den Nummern: Moriz play 2297, 3733, 4907, 6189, 8641, 11443, 12888, 15441 unb 16290 zu erreichen. Auf Anruf melbet fich die 3 entrale des Gewertschaftshauses und stellt die gewünschte Verbindung her. Die Gewerkschaftspresse wird gebeten, entsprechende Notizen in ihren Blättern aufzu nehmen. Berbindlich erflärte Tarifverträge. Durch Berordnung bes Reichsarbeitsministeriums, Geschäftszeichen VI D. 545/29 ist der Tarifvertrag für die Damenmasche, Schürzen, Untere rod und Kinderkleider Branche mit Wirkung vom 1. August 1921 für allgemein verbindlich erklärt worden. Wir bitten die Kollegen, sich über das ihnen zustehende Gehalt zu ins formieren. Das Reichsarbeitsministerium hat am 30. September 1921 das am 1. August 1921 abgeschlossene Nachtragsabkommen zum Tarifvertrag für die Tappisserie Branche mit Wire fung vom 1. August 1921 für allgemein verbindlich erklärt. Es ist Aufgabe aller in der Tappisserie- Branche beschäftigten Angestellten, sich von der Richtigkeit ihrer Entlohnung zu überzeugen. Tarifverträge sind in unseren Verbandsbureaus. Belle- Alliance Straße 7-10 und Kommandantenstraße 63-64, erhältlich. Fabrifbesegungen in Düsseldorf. Wir berichteten bereits über ben Abbruch des großen Sireits in der Metallindustrie in Düssel dorf. Nach verschiedenen uns vorliegenden Meldungen beschlossen bie Syndikalisten, die Arbeitsaufnahme zu verweigern unt die Weiterführung des Streifs zu propagieren. Im Verlaufe dieser Attion bam es zu sorübergehenden Beiehungen in den Werten der Düsseldorfer Drahtindustrie. Auch sollen einige Schädigungen der Werlsanlagen vorgefommen sein. Die Werte wurden aber bald wieder befreit. Zu einem schnell gebildeten Selbstschutz sollen die Werke auch Polizeischuk erhalten haben. Metallarbeiter, geht nicht nach Finn'and. In Finnland drohen die Unternehmer sämtliche Betriebe der Metallindustrie durc eine große Aussperrung lahmzulegen. Die angedrohten Lohnherabjegungen fonnten bisher verhindert werden. Durch die Aussperrung will man bie finnländischen Arbeiter aufe Anie zwingen. Die Unternehmer vereichen nebenbei. auslän dische Arbeitskräfte heranzuziehen. Die finnischen Unternehmer wollen ihren Profit steigern indem sie die Löhne der Arbeiter brüden; fein ausländischer Arbeiter darf fish bazu hergeben, daß fie diese Absicht durchführen fönnen. Parteiveranstaltungen 2. Diftriff. Rämpferin" it abzuholen bei Rud, Shönholzer Sir, 15. Dienstag, 6. Dezember 12. ab 13. Diftrift. Alie Senoffinnen und Genoffen werden bringend ersucht, sur öffentlichen Bersammlung in der Schulaula Greifenhagener Str. 20 3 erscheinen. Mittwoch, 7. Dezember 10. Diftrift, 1. Abteilung. Abends 7 Uhr Versammlung, Siller- Engeum, Ge fangsiaal, Böttgerstr. 16. Bertrag: Matz und seine Lehre. Ref.: Gen. Mennite. Bereinsfalender Dienstag, 6. Dezember Fr. Schwimmer Charlottenburg. Abends 7% Uhr Monatssitzung bei Bohne, Saloßftr. 45. Um zahlreisjes und pünktliches Erscheinen bittet ber Vorstand. Zentralverband der Fleischer. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung i Boeters Festfalen, Weberstr. 17. Mittwoch, 7. Dezember Sentralverband ber Fleisher. Abends 7 Uhr Bezirksversammlung. Schöneberg: Atazienstr, 19, bei Laberius. Charlottenburg: Schillerstr. 82, bei Krautftrunt Deutscher Wertmeister- Berband. Wertmeister ber Rahmen, Bilbers, unk Spiegelindustrie. Abends 7 Uhr Bersammlung, Brandenburg, Stralauer Str. S Erimeinen ringib ecferte It. Deutscher Sutarbeiter- Berbanb. Ram. 5% Uhr im Gemerfchaftshaus( Saal 9) Berjemmlung der Befriebsräte eller Branchen. Das Erscheinen ist bringens erforderlich. -Angeftelte ber Metalinbuftrie. Abends 7 Uhr finber zwei Bersammlunges ber gesamten Angestellten der Berliner Metallindustrie tatt, und war im Schult help- Musigant, Hafenheibe 29-31( Wintergarten), und Deutschen Sof, Ludauei Straße 15( großer Saal). Rebner: Paul Rothe und Frik Schmidt. Tages ordnung: Die Situation in ber Metallindustrie. Berband der Sattler and Tapezierez. Abends 7 Uhr Bersammlung aler Tapezierer bei Boefer, Weberstr. 17. Settion der Kriegsgefangenen bes Jnt. Buxbes b. Kriegsspfer, 14. Bes waltungsbezirk. Abends 7 Uhr Ditgliederversammlung im Lotal von Benthin, Bobbin, Ede Reuterstraße. De wichtige Tagesordnung bis zum 10. Dezember vorliegt, ist bas Erscheinen sämtlicher Mitglieder bringend notwendig. Internationaler Bund Steglih- griebenau. Abends 3 Uhr Versammlung bel Shellhale, Ahszustr. 15a. Berlin- Frie Rubuer, 2ubwij Berantwortli für Bolitif und Feuilleton: Res Ciebie bexau; für Rommunalpolitik, Lstales und Gewerkschaftliches: Berlin für den 3rjeratenteil und geschäftliche Mitteilungen Romertner. Charlottenburg. Verlagsgenoffenichaft Freiheit e 6. m 6. S., Berlin.- Drud ber Berliner Truderet 6. m. 6. S. Berlin& 2 Breite Strake 8-9. Die ungeheureMervenanspannung des Welt krieges und feiner Folgen kann ohne Schadex nur gut gemacht werben, wenn die Gefundheitspflege sur höchsten Aufgabe der Frauen gemacht wird. Aber die Unwiffheit unter den Frauen auf dem Gebiete der Gefundheitspflege und Seilkunde ist gerabegu beängstigend. Es gibt keine Statistik barüber, wie siele Frauen an Rrankheiten fterben, die fie aus Shawgefühl var ber Behandlung bes Argtes verheimlichten, wie siele unter dem Drucke dieses unwirbigen Zustandes leiben und wie viele bei rechtzeitiger Aufklärung gerettet würden. Treten nicht die meisten Bräute leidrunig in die Che shue jebe Kenntnis der Bflichten gegex fich felbft und ihre künftige Familie, von den Eltern über die wichtigsten Aufgaben des Ehelebens total im Dunkeln gelaffen? Ju beixem Haushalte sollte baher bas berühmte große Brachtwerk von Frau Dr. med. Anna Fischer- Dückelmann fehlen. Cingehenb behandelt Kab: aftekende Krankheiten- Afterjucken- Ausbleiben ber extruation Kusflug Befruchtung Blutungen Bestimmung des Gefchlechts Behandlung ber Brüfte Cholera Dammris Diphtherte. Fieber Fehlgeburt Frühgeburt Geburtshilfe Gallex tetne Gelenkehenmattomus Gefchlechtsleben und Geschlechtskrankheiten Gicht Grippe Hämorrhoiden Krebs Ribbettfieber fämtt. Leber und Lungenkrankheiten Tuberkulsfe Langlebigkeit Leistenbruch Meferx Boden Scharlach Schwangerschaft Schönheitspflege Ratfeläge für Bräute und junge Ehefrauen Waffenfucht Beißer Flus Wochenbett Bedfeljare Behukrankheiten Unfere tlkräuter. akutex urb ronischen Krankheiten, fowie erste Sie bei Unglücksfällen. Behandelt find auch bie i gräglichen Hautkrankheiten wete: freffexbe Flechte waffende Flechte Lippenflechte Gürtelrafe unb 6krsfulofe Boftiched onto Nr. 28 524 Berlin NW 7 Eix ärztliches Rechfchlagewerk ber GefundheitspKege und Heilkunde wit befexderer Berlicksichtigung der Frauen und Kinderkrankheiten, Geburtshilfe und Rixberpflege und der Rechbehandlung Kriegsverlegter. 1036 Seiten mit, ca. 500 Abbildungen, 43 Ruuftbeilagen und einem Mobell- Album Manx und Weib. Die Heilkunde enthält zuerst bie Beschreibung der Krankheiten, daux thre Behandlung. Großer Prachtband m. 150 mit Zahlungserleichterung sex monatlich nur 15 M. Shuppenflechte Die Lieferung des Werkes erfolgt sixe Anzahlung.( Siehe Bestellschein). Buchhandlung A. M. Feller, Hermsdorf bei Berlin, eißbachstraße 2. Theater u.Bergnügungen Zheater t. B Bolksbühne Königgräger Str.: 7 Uhr: Kapitän Brassbounds Bekehrung Röpenicker Str. 68. 7 Uhr: Bebe Beisheit hat einen Haken Romödienhaus: Die Fahrt Uhr: ins Blaue Neues Bolkstheater 7: Rofe Bernd. Staatstheater. Opernhaus 7%, Uhr: Tosca Schauspielhaus 71, Uhr: Beer Gynt Dir.: Mar Reinhardt Dentiches Theater Blakaer, Richard, Engl, Theater am Nollendorfplat 7 Ubr Die Ehe im Kreise Trianon- Theater 7 Uhr: Rummere did um Amelie Eugen Burg, Olga Limburg Kendenz- Theater 7 21hr: Bröckl, Heinz Stieba, Das weite Land Erakt Dernburg) Berliner Theater: Abenbs 7.30 Uhr: Kleines Theater Theater a.KotibuserTor Sel.: 1, 16077 Tägl. 7. u. ankaufsstelle Die Zahneinkaufsstelle Metall: Osten, am Bahnhof CharUnterSophieStg. wad. 82.Grüner Weg lottenburg, Eine- Sänger zahlt Tagespreise für ruthsan- Honz Kupfer, Messing, Borerken Blei, Zink- etc. Bax 11-11%, u. 4-6 Residenz- Kasino Blumenstraße 10 Das Paradies der Witwenbälle Rur Ruubiange Altmetalle kauft zu hohen Breifen Gehlhaar, SO, Waldemarstraße 61. grundbahn Charlotte- Platz, art turlich kauft Platin sowie alte Gebisse zum Engros- Preise. Fritschestr. 41 v. 1. Telef. Wilh. 4445. Jacqueline Circus Freiheit- Abonnenten ( Die wacht) 71, br: Louis Ferdinand Prinzessin CarelaTeetle, RosaBertous Prinz von Preußen Kammerspiele U.: Der Hühnerhof Cala 81 Apollotheater 8 Großes Schauspielhaus Frigi Malfarya. G. tungomponiken Rariftrage 7 Götz von Berlichingen Ralph Arth. Roberts, Säglich 7.30 Uhr Depi Bampa, Serb. Riper Wallner- Theater Komische Oper Tanzgräfin 7, allabendlich 7, Walhalla- Theater Die große Ausftattungs Operetten Revue 4,3 Ubr Jung muß man fetu Der Herr der Welt • Casino Theater Theater des ustens Der Weg zum Glad. Mit vollen Segeln Sonntag 3, 212: Dazu: Martins Abenteuer Das Mädchen von Bicense! Friedrichstraße, 218 Unter veesbalicher Paul Lincke FRAU LUNA Ausstattungssperette RILTE Behrenstraße od. 74 Whe: een einds Spicipian Busch Tel. 7, Stg. auch SU. 3 Namen! Paula Busch Haas- Heye Paul A. Kirstein bedeuten ein Programm Neue Dezemb.- Sewsat. Berekf. Werth. u. 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