Einzelpreis 40 Pfg.• 4. Jahrgang Donnerstag, 22. Dezember 1921 Nummer 597- Abend-Ausgabe Die»Freiheit erscheint tSglich morgen« und nachmittags. Sonntags vnd mlomags nur einmal. Der Dezng»prei« betragt bei freier Zustellung in« Hau« J„*7" tür den Monat Dezember, im vorau« zahlbar. Für Postbezug nehmen wmUiche Postanstalte« Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, da« Saar» und Memelgediet sowie die früheren deutschen ffebltte Polen« und Luxemburg W. 29.—. für da» übrige Au,land W. Z6.—. «edattiun,«xpeditto» mmb VtrUgi Derli»«2, Vrette Struste S-o 9ie zehn gespaltene Nonpareillezeile oder deren Aaum dostet W. einschließlich 5mseratensteuer. Kleine Anzeigen: Da« fettgedruckte Wort M.. jede« weiter« Wort 1.50 M. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Famtlten-Anjeigen und Stellen-Gesuche 3,75 M. netto pro Zeile. 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Zu einem noch unbestimmten, ab.'r nicht allzu weit entfernten Zeitpunkt soll eine internatio- nale Wirtschaftskonferenz einberufen werden, die die Mittel ins Ange fassen soll, durch die das Wirtschaftsleben Mittel- eurapas, Rußlands einbegriffen, wiederaufgebaut werden kann »nd die die Bedingungen, wie dieser Aufbau erfolgen könnte, fest. legen soll. Oeutfchland soll 500 Millionen zahlen London, 21. Dezember. ,'�.imes" zufolge wird angenommen, daß die Sachverständigen empfohlen hätten. Deutschland einen Mindeftbetrag von 6 1!-r'i 1*1'"."J n Koldmark zzir B-gleichnng der Januar- °ukzu«leg-n. Di« Sachverständigen seien auch Lbere.ngekvmm-n. daß die E a r a n t i- k- m m s s i o n d i e n- t. IV"o. ollmachten haben soll, um die deutsche Aus. fuhr und die Ausgaben der deutschen Verwaltung zu beaufsichtigen. D»e englischen sachverständigen hätten jedoch den öorfchlaq der französischen Sachverständigen über die Einmischung der Alliierten in die deutsche Verwaltung nicht angenommen. Als Z e i t p u n k t für die Konferenz des Obersten Rates in Cannes werde der 3., 1. und 5. I a n« a r genannt..Times" zufolge liegen bisher keinerlei Mitteilungen über irgendwelche Zugeständnisse an Frankreich in der wichtigen Frage der Prioritäten vor. London, 22. Dezember. Havas meldet: Die Sachverständigen sollen sich geeinigt haben, den beiden Ministerpräsidcnten eine Empfehlung vorzulegen, die deutlich jeden Gedanken eines Moratoriums zurückweift. Die Ansicht Frankreichs soll demnach durchgedrungen sein. Deutschland würde sich in die Notwendigkeit versetzt sehen, eine Zahlung von S0g Millionen voldmark zu leisten, die von ihm an dem nächsten versalltagc gefordert werden kann. Dagegen würde der Betrag, der aus der Grundlage der 20prozentig«n Abgabe auf die deutsche Aussuhr berechnet wird, vorläufig beiseite gelassen werden, da er zum größten Teil bereits durch Sachlieferungen ausgeglichen ist. Bevor sie zu diesem Schluß komme, stelle die Empfehlung die Zahlungsfähigkeit Deutschlands fest, wobei sie sich auf die eingehend geprüfte Statistik berufe. Deutschland sei trotz aller Behauptungen Wirths in seiner Note an die Reparationskommission in der Lage, die Zahlung zu leisten. Vorgeschlagen würden hauptsächlich stärkere Ueberwachung der Statistik des deutschen Außenhandels und ausgedehntere Voll- machten des Earantieausschusses, jedoch ohne Einmischung in die inner« Verwaltung Deutschlands. Außerdem würde die belgische Priorität beibehalten und garantiert. Die Differenzen zwischen Engsand und Frankreich London. ZZ. Dezember. Zu der Beendigung der Konferenz zwischen Lloyd George und Briand durch die Einberufung des Obersten Rate» für die erste Januarwoche nach Cannes berichtet„Daily Chro- nicle". die französische Ansicht über die wirtschaftlich«« und politischen Probleme Europas sei von der br, tischen A n s i ch t s o o e r s ch i e d e n, daß die Gesamtfragen d u r ch d e n Ober st en Rat der Alliierten entschieden werden müßten. Di« Engländer hofften, daß aus die Konferenz de» Obersten Rate»«ine allgemeine internatronal« Konseren, folgen würde, an der Deutschland und Rußland teilnehmen würden. Laut„Daily Chronicle" ist Großbritannien bereit. Frankreich die wirksamsten Garantien für seine Sicherheit ,» geben. Dies« Garantie Groß- britanniens müsse auf einer allgemeinen europäischen B-re,n. barung beruhen. Der Standpunkt der sranzöstfchen Sachver- ständigen beweise leider, daß sie von dem Geiste Lloyd Georges noch weit entfernt feien. Wenn Lloyd Georges Politik in Cannes nicht angenommen werde, werde Europa noch tiefe« w da» Chaos versinken. EE. Paris, 22. Dezember. Der aestriae Tag der Londoner Besprechungen hat wenig be- friedigende Ergebnisse gezeitigt. Das„E ch o d e P a r i s' erklärt ausdrücklich, daß man überhaupt zu keinen Re ultaten g°langl seu Es fanden zwar zahlreich- Besprechungen statt doch se.en irgend. welche positiven Ergebnisse in den Fragen, deretwegen man eigent- ckich zusammengetreten war.»icht �itai�eg�ommen. Das einzig Greifbare, das aus den Besprechungen h� !bczÄglich der beiden nächsten von Deutschland zu zahlenden Raten. 15. Januar und 15. Februar. Man einigte sich darauf, daß Deutschland für dies« beiden Summen eine Gesamtsumme von 500 Millionen Goldmark zahlen müsse. Doch wurde kein Ent- scheid darüber gefaßt, ob Deutschland die restlichen 275 Gold- Millionen gestundet werden sollen oder ob es diese noch zu zahlen hätte. Irgendwelche bestimmten Entschlüsse über die Ausdehnung der Machtbefugnisse des Earantiekomitees kamen ebenfalls nicht zustande. Die„Daily Mail" erklärt ausdrücklich, daß sich Lloyd George dagegen ausgesprochen habe. Die französischen Morgen- blätter enthalten aber immer noch Andeutungen darüber, in welcher Weise sich die Ausdehnung dieser Machtbefugnisse voll- ziehen solle. Man würde der Kommission insofern das Recht geben, sich in die deutschen Verhältnisse einzumischen, als man ihr eine Kontrolle über die deutschen Ausgaben zugestehen würde. Vollkommen ungeklärt ist immer noch die Frage, in welcher Weise das Statut der Reichsbank abgeändert werden soll. Es scheint, daß man sich in London auf bestimmte Beschlüsse in dieser Hinsicht nicht einigen konnte. Im ganzen sind also die Ergebnisse der Londoner Besprechungen durchaus negativ, wenn man davon ab- sieht, daß Deutschland gezwungen werden soll, im Laufe des Januar und Februar 500 Millionen Eoldmark zu erlegen. Weitere Besprechungen, die gestern abend um Uhr zwischen Briand und Lloyd George stattfanden, brachten kein anderes Er- gebnis, als daß die beiden Ministerpräsidenten sich auf das bereits Bekanntgegebene einigten, nämlich Zusammenkunft der Außen- minister Englands. Frankreichs und Italiens in Paris und Tagung des Obersten Rates in Cannes. Da es unmöglich wäre, daß im Laufe des heutigen Vormittags noch irgendwelche weiter- gehenden Beschlüsse über den Wiederaufbau des europäischen Wirtschaftslebens gefaßt werden könnten, steht nunmehr der Ve- schluß des französischen Ministerpräsidenten Briand fest, um 2 Uhr nachmittags London zu verlassen. Mißstimmung unter den Alliierten Die Zusammenkunft Lloyd Georges mit Briand hat bei den übrigen Alliierten vielfach zu Unzufriedenheit und Beunruhigung Anlaß gegeben. Infolgedessen erschien gestern der italienische Botschafter Marquis di Martina bei Lloyd George und gab seiner Ueberaschung darüber Audruck, daß Italien zu diesen Besprechun- gen nicht hinzugezogen worden sei. Die Belgier sandten ihren Botschafter zwar nicht zu Lloyd George, wohl aber erschien am Abend Baron Moncheur bei Briand, der den belgischen Botschafter über den Ausgang der Besprechungen mit Lloyd George unter- richtete und ihm mitteilte, daß erst der Oberste Rat zusammen- treten und bindende Beschlüsse fassen solle. Die Befürchtungen der Belgier feien somit ungerechtfertigt. Im allgemeinen erklärt man die etwas kühle Atmosphäre, die in den letzten Tagen in London herrschte, mit den französischen Flottensordernngen vor der Washingtoner Konferenz. Gestern er- schien der amerikanische Botschafter in London, Harvey, bei Briand, dem er einen Brief des Präsidenten Harding übergab. Dieser dankt Briand dafür, daß er in der Frage der Hauptschiffseinheiten so rasch eine bindende Zusage Frankreichs erhalten habe und wünscht, daß sich Briand in der Frage der Unterseeboote ebenso nachgiebig zeigen möchte. Auch gestern mußte Briand wiederum die amerikanischen Iour- nalisten empfangen, über deren Haltung er sich einigermaßen miß- vergnügt zeigte. Er bat sie, sie möchten mit ihren Angriffen auf Staatsmänner aufhören, die vor die schwere Aufgabe gestellt seien, die nationale Sicherheit ihres Landes zu garantieren. Er fügte hinzu:„Die englischen Sachverständigen in Washington fordern die vollständige Aufgabe der Unterseeboote unter dem Borwand«, daß dies eine inhumane Waffe fei. Warum verlangen sie nicht auch die Aufgabe der Flugzeuge, der Minen und aller übrigen Schutzmittel?" Jedenfalls hat die Haltung Frankreichs in der Flottenfrage in England sehr verstimmt, und die Pressestimmen mehren sich, die von Angriffsabstchten Frankreichs auf England sprechen. Gowjetrußland und die Cnienie Paris, 21. Dezember. Laut„Chicago Tribüne" liegen in Paris zuverlässige Nach- richten vor. daß die russische Sowjetregierung vor dem 1. Februar eine verfassunggebende Versammlung einberufen werde, in der alle politischen Parteien»ertreten sein sollen. Die Einberufung werde von den Vereinigten Staaten und Frankreich als unbedingte Voraussetzung für die Anerkennung der Sowjet- regierung gefordert. Unmittelbar nach dem Zusammentritt der Versammlung würden die alliierten und assoziierten Mächte eine Konferenz zur Erörterung der formellen Friedensbedingungen der Sowjets abhalten. Führende Rollen bei der Beeinflussung der bolschewistischen Führer unter Einschluß Lenins im Sinne dieses Schrittes haben nach dem Blatt« Ministerpräsident Briand und Hoover gespielt. Aehnliche Nachrichten wie die obenstehende tauchen in letzter Zeit fortgesetzt in der europäischen Presse auf. Wir betrachten sie nicht als sehr glaubwürdig. Eher ist anzuneh- men, datz die führenden Entente-Regierungen auf diesem Wege die Bedingungen kundgeben, unter denen sie zu einer Anerkennung der Sowsetregierung bereit wären. Studenten Bon Dr. Julius Moses Durch Berfüguno des Rektors der Berliner Universität, Herrn Geheimrat Nernst, ist nunmehr die an der Universität bestehende Studentengruppe der K. P. D., weil sie angeblich die akademische Disziplin gefährdet, für die Dauer«ine» Jahres verboten worden. Also geschehen im Jahre 1921 im republikanischen Deutschland. Was vorangegangen, weist man nicht, insbesondere hat man niemals gehört, dast gerade die kommunistisch gesinnte Studentengruppe so frech und so provozierend sich benommen hat, wie es die sonstige Studen- tenschaft bei unzähligen Gelegenheiten als ihr unbestreit- bares Recht in Anspruch nahm, ohne dast dadurch die öffent- liche Ordnung und die akademische Disziplin gefährdet er» schien. Es fei nur daran erinnert, dast in den Tagen des Kapp-Putsches die Berliner Studentenschaft sich ganz osten- tativ den Hochverrätern zur Verfügung stellte, und all das unter den Augen und der wohlwollenden Protektion der akademischen Behörden, vertreten durch den damaligen Rek« tor der Universität, Geheimrat Meyer. Dast unter der deutschen und insbesondere der Berliner Studentenschaft der Geist der Republik, der Auflehnung gegen die alte Ordnung der Dinge, im besonderen etwa stark be- merkbar gemacht hätte, wird niemand behaupten können. Natürlich gibt es auch hier solche Elemente, aber weder zah- lenmähig noch einfluhmästig geben sie dem akademischen Bürgertum ihr Gepräge. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Unser« Reaktion kann mit unserer Studentenschaft vollauf zufrieden sein. Nahezu unumschränkt beherrscht sie die Uni, versitäten. Und wo sie Sukkurs gebraucht, nicht etwa geisti» gen. vielmehr die Kraft der Lungen und die Brachialgewalt der Fäuste, um etwa ihr nicht genehme Dozenten niederzu« trampeln oder Versammlungen zu sprengen oder mistliebigt Theaterstücke unmöglich zu machen, da steht unsere akade» mische Jugend immer in der vordersten Reih« der Streiter. ' Wenn man heute sich umsieht in den Kollegiensälen und Wandelhallen der Universität, da springt der Unterschied zwischen dem Einst und dem Jetzt dem Beobachter sehr bald in die Augen. Die Not der Zeit ist auch an unseren studie« renden Kreisen nicht ohne Wirkung vorübergegangen. Aus« gemergelte Jünglinge, aus deren dürftiger Kleidung, hohlen Augen und verkümmerten Gesichtern die Not der Zeit nur allzu sichtbar in die Erscheinung tritt, geben beredte Kunde von den veränderten Verhältnissen. Materieller und geistiger Druck, Not und Elend haben schon längst die Arbeiterschaft zur Erkenntnis ihrer Lage gebracht und dementsprechend ihr die wirtschaftliche und politiscke Richtung vorgeschrieben. Hier aber, wo es sich doch auch um Arbeiter, um geistig« Arbeiter handelt, die von der Not der Zeit vielleicht noch schlimmer berührt, noch rauher angefaßt werden, geht die geistige und politische Entwicklung einen ganz anderen Weg. führt nach rechts, auf die Seite der Reaktion. Keinen schlimmeren Feind hat die neue Zeit, hat die Republik, hat die Arbeiterschaft, als das Akademiker- tum von heute. Und dieser instinktive Haß pflegt sich in der Regel, wie wir es ja hundertfach gesehen haben, in einer Art und Form zu äußern, wie sie brutaler und gemeiner kaum gedacht werden kann. Je gebildeter der Mensch, um so abstoßender und widerwärtiger der Ausbruch des Hasses gegen alles, was seiner Mentalität zuwiderläuft. Jene Marburger Studenten, die. nachdem sie unschuldige Arbeiter nach vorangegangenen Mißhandlungen brutal ermordet haben, mit Sang und Klang und Gloria vom Kriegsschau- platz abzogen, sind im kleinen und einzelnen das typische Bild der heutigen Studentenschaft im großen und allgemeinen. Und noch eins gehört zum Bilde, zur Charakteristik de» Ganzen. Das ist der Antisemitismus, der nirgendwo so zärtlich gehegt und gepflegt wird, wie bei dem Akademiker- tum von heute. Wo der Zaun am niedrigsten ist, da sprin- gen die Hunde am leichtesten drüber hinweg, das ist ja eine bekannt« Tatsache. Es erübrigt sich wohl, im Einzelnen auf diese Dinge weiter einzugehen. Wo die geistige Befähigung fehlt, und in der Regel auch der gute Wille, die Dinge an der Wurzel anzufassen und in ihren inneren Triebkräften zu erkennen, da ist allezeit ein billiges und bequemes Schlag- wort bei der Harü). das auf die denkträgen Massen wirkt und die eigene Geistesarmut verbirgt, und das ist in diesem Falle der Antisemitismus. Mit unsäglichem Hochmut, der geradezu an Perachtung grenzt, mit Mut im Herzen und einem Haß. der lieber heute wie morgen alles hinwegfegen möchte, was im Flusse der Erscheinungen sich neugestaltet hat, blickt der Akademiker von heute auf die neue Zeit, blickt er insbesondere auf die Ar- beiterschaft, die ja für ihn die leibhastige Verkörperung be- deutet alles dessen, was ihm in ingrimmigster Seelentiefe hassenswert und verabfcheuungswürdig erscheint. Und mag ihm auch durch die Löcher des erbärmlichen Wamses der Wind sausen, mag ihm auch der Hunger in den Gedärmen wühlen, mag er auch in seiner ganzen Lebenshaltung hundertfach schlechter gestellt sein als mancher Arbeiter, er wird sich niemals soweit erniedrigen, zu denen herunterzu- steigen, zu denen er eigentlich gehört, er wird jeden G e- danken der Zugehörigkeit zum Proletariat mit verächtlichem Stolz von sich abweisen. Denn noch wie vor betrachtet sich der Akademiker als die Creme der Gesellschaft. Aber wo es eine Creme gibt, da gibt es auch eine Creme cjo la Crfeme. Das ist derjenige Teil der Studentenschaft, der etwas ganz besonderes zu fein bean- lprucht und diese seine höhere Stellung dadurch dokumen- tiert, daß er mit bunten Mützen und bunten Bändern und sonstigem Krimskrams herumläuft. Der Krieg und die Revolution und die allgemeine Notlage haben diesen Menschenschlag nicht ausgerottet. Im Gegenteil, er lebt noch und floriert sogar heute üppiger denn je. Zu den Mächten der Reaktion stellt dieser Teil des Akadcmikertums ein besonders starkes Kontingent, weniger der Zahl nach, als dem Geiste und dem Einflüsse nach. Noch immer kann man trotz der schlechten Zeiten diese Jünglinge mit dem ein- gefrorenen Dünkel in der ganzen Haltung, mit Beefsteak- gesichtern und den Vierbäuchen herumstolzieren sehen, noch immer wird in diesen Kreisen pro patria(fürs B a terland) gesoffen und gefochten. Sie sind seit dem Kriege um kein Haar anders geworden, noch immer verkörpern sie die Fleisch gewordene Vergangenheit. Und diese mit einer Arroganz sondergleichen auftretenden Akademiker, äußeres Eetue nur übertroffen wird von der Hohlheit der Geistesarmut im Innern, sie find die letzten entarteten Sprößlinge einer einst großen ganz anders gearteten Vergangenheit. Sie sind hervorgegangen aus der alten Burschenschaft, mit der sie allerdings' nichts mehr gemein haben als den Namen. Di« Burschenschaft von ehedem war im akademischen Leben die Verkörperung des Geistes der Wahrheit, des Rechtes und der Freiheit, sie konnre noch für Ideale erglühen, sie folgte darin nur dem großen Vorbild ihrer Lehrer. Nicht mit Unrecht witterte der alte Autorität?- und Polizeistaat in diesen jungen Leuten seine schlimmsten Feinde, und nicht ohne Grund heftete er an ihre Fersen die Verfolgung, die Aechtung, die Einkerkerung und den Tod. Dieser Geist der alten Burschenschaft ist nach wenigen Jahrzehnten verflogen, und nicht wenige von diesen Leuten, die im brausenden Schwang der Jugend den ganzen Apparat obrigkeitlicher Verfolgung kennengelernt, sind in ihrem späteren Leben höchst friedliche Staatsbürger und Säulen der Reaktion geworden, und es fand auf sie das Wort des Dichter» Anwendung: und LS des Gesetzes Wer dt« Regelung des Verkehrs mit Ge- treibe vom 21. Juni 1921 verlangt, während von der durch § 21 a. a O. eingeräumten Entcignungsbcsugnis nur in sehr ge- ringem Umfang Gebrauch gemacht wird. Infolge der starken Valutaverschlechterung und der Schwierigkeiten der Devisen- beschaffung bietet aber die Leistung des Eeldersatzes einen ge- nügenden Ausgleich für die Nichterfüllung des Liefersolls nicht mehr. Die Reichsgetreidestclle stellt daher gemäß§ 21 Satz 2 a. a. O. den Antrag, in jedem Falle bei nicht rechtzeitiger Lieferung Getreide und Erzeugnisse daraus bis zur Höhe der zu liefernden Meng« zu enteignen. Die Kommunalverbände werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie auf Grund dieses Antrages nunmehr zur Vornahme der Enteignung unbedingt v e r» pflichtet sind. Was die Reichsgetreidestelle jetzt anordnet,.das wäre schon vor Monaten notwendig gewesen. Denn obschon die Ablieferung des ersten Viertels der Umlage rechtzeitig er- folgt war, gab es eine große Zahl von Landwirten, die ihren Ablieferungsverpflichtunaen nicht nachgekommen waren. Ob die Anordnung der Enteignung jetzt noch helfen wird, ist sehr zweifelhaft. Die Schuld für die daraus entstehende Stockung in der Versorgung der Bevölkerung mit Brot. bzw.' die Schuld an der Mehrbelastung des Reichs durch die hohen Kosten der Einfuhr von Getreide, wird das Ernährungs- Ministerium nicht von sich abwälzen können. leiten. Wie furchtbar einseitig falsch der Staatsmann Noske gegen links eingestellt war, geht aus der grotesken Tatsach« hervor, daß auch die unabhängigen und kommunistischen Arbeiter, it Leib und Leben die Republik schützten und ver- Giaaismann Noske „Ich Hab' in meinen jungen Tagen Das schwarzrotgoldne Band getragen. Jetzt bin ich alt und stumpf geworden Und trage einen goldnen Orden." Seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich die ehedem so rabiate Durschenschaft, hat sich mehr oder weniger die gesamte Studentenschaft dem Staate der Reak- tion löblich unterworfen. Wie der Hund zu den Füßen [eines Herrn sich nicderkauert, so hat auch die Akademiker- chast gar bald erkannt, daß an der w o h l g e f ü l l t e n Krippe der staatlichen Versorgung ein behaglicheres Haufen ist als draußen in Sturm und Wetter einer freien Geistesrepublik. Und dieser Geist ist bis heute geblieben. Dieselben jungen Leute, die auf den heutigen Staat mit Wut und Haß Hinblicken, nehmen keinen Anstoß, wenn die Zeit gekommen ist, von eben demselben Staate sich füttern zu lassen. Aus Kindern werden Leute, aus Jünglingen Beamte, die im Namen eben dieses Staates Urteile fällen werden über verführte Arbeiter, die die Armen ins Zuchthaus bringen, freisprechende, anerkennende, lobhudelnde Urteile über die- tenigen aber, die der Republik ans Leben wollen. Und die Republik ist weitherzig genug, ihre Hasser zu mästen. Die Geireidsablieferung stockt Das Direktorium der Reichsgetreidestelle hat folgendes Rundschreiben an die Kommunalverbände erlassen: Aknn auch die Kommunalverbände fast durchweg ihrer Der- pflichtung zur Lieferung des ersten Viertels der Umlage nachgekommen sind, so hat doch innerhalb der Kommunalverbände eine recht beträchtlich« Anzahl von Erzeugern ihr Liefersoll nicht rechtzeitig erfüllt. Von diesen Erzeugern ist oder wird zur Zeit Leistung des Goldersatzes nach Maßgabe der§§ 17 Wir haben bereits gelegentlich der Zeugenaussage des ehe- maligen Rcichswehrministers Noske vor dem Reichsgericht in Leipzig d i e Auffassung korrigiert, wonach Ncskes Handlungsweise vor dem Kapp-Putsch sich als wesentlich gerechtfertigt heraus- gestellt habe. Alles, was die Kapp-Putschisten getan haben und wie sie es getan haben, mindert nicht die große Schuld Naskes, in dessen nächster Umgebung die Putschfäden gesponnen wurden, während er sich der Putschisten sicher wähnte und mit hochfahrender Geste jeden daraufzielenden Hinweis ablehnte. In einem längeren Artikel kommt nun die rechtssozialistische „Chemnitzer Volksstimme" zur selben Charakteristik Noskes, die um so interessanter und wertvoller ist, als sie aus einem Kreis stammt, in dem Noske jahrzehntelang wirkte. Man verfügt also in Chemnitz über Sachkunde, was das Thema Noske anbetrifft. Es heißt in diesem Artikel, der die„Helden von Döberitz" derb charakterisiert und dann auf die Rolle Noskes zu sprechen kommt: Der frühere Reichswehrminister Genosie Noske, den einige Blätter durch den Verlauf des Leipziger Prozesses als rehabilitiert betrachten möchten, ist gerade durch das unsäglich klein« Format der Angeklagten unseres Erachtens noch stärker belallet. Der erste Reichswehrminister der deutschen Republik, in dessen Hand die große Aufgabe lag, in der Reichswehr ein republikanisches Machtinstrument zu schaffen, mußte mit Leuten von soviel Naivität und Beschränktheit fertig werden oder aber -- er besaß selbst nicht das Erdßcnformat eines Staatsmannes der Revolution. Aus seiner Zeugenaussage gewinnt ein Wort, das von bürger- lichen und sozialistischen Blättern von allen Seiten gedreht und beleuchtet worden ist, besondere Bedeutung:„Den Rebellen gehört die Kugel— schonungslos die Kugel!" Wenn man dieses Wort seines schillernden Pathos entkleidet, dann bleibt nur noch ein Bodensatz von einseitiger Gut- Gläubigkeit, Naivität und alles überwuchernder Selbst- Überschätzung, die jede Warnung in den Wind blies und nur da» für wahr hielt, was die eigenen Augen schaue« konnten. Um so interessanter war die Feststellung des Gerichtes, daß der Rebell — in diesem Falle Kapp— dann kein Rebell mehr ist, wenn er den Sieg in seinen Häuden trägt. Dann waren wir es nämlich, die Arbeiter, ihre Funktionäre und Führer, die vor den deutschen Gerichten gestanden hätten und als„Rebellen" die Kugel verdienten. In Zeiten gewaltigster Umwälzungen, wenn eine bisher nieder- gehaltene Klasse zur Macht kommt oder doch wenigstens ent- scheidend an der Macht teilnimmt, ist es höchste Pflicht des von seiner Klasse dazu beauftragten Regierungsmannes, mit zäher Energie die Machtmittel Stück um Srück in die Hände der Re- gierung zu bringen. Gewiß ist für Noske die große Entschuldigung vorhanden, die aus den Worten der„Vossischen Zeitung" hervor- geht, daß Lüttwitz erst seit den Kommunistenaufständcn zu dieser Massen damals mit hinderten, daß Noske heute mit dem schwersten Vorwurf der Ge- schichte belastet durchs Leben gehen müßte, wenn die Konterrevo» lution siegreich geblieben wäre. Vor unferm geistigen Auge ersteht ein Bild, das ebenfalls einer Verhandlung glich: im Fraktionssaale des Reichstags stand noch kurze Zeit vor dem Kapp-Putsch der Genosse als Ankläger, und angeklagt, im parteigenössischen Sinne natürlich, waren die oppositionellen Parteiredakteure, die es gewagt hatten, an der Zuverlässigkeit der Lüttwitz-Garde zu zweifeln. Eine Stunde lang polemisierte Noske gegen die Parteiblätter— eine halbe Stunde lang las er allein aus Artikeln der Chemnitzer „Volksstimme" vor—, die Geschichte aber hat gelehrt, wer Recht behalten sollt« Wenn der Leipziger Prozeß, dessen am Mittwoch herauskommen« des Urteil für die Gesamtbetrachtung nur noch untergeordnete Ve- deutung besitzt, für uns eine große Lehre zeitigt, so die. daß wir den ganzen Staatsbau in Verwaltung und Heer von Grund auf umstellen müssen. Dazu aber gehören Männer, die sich nicht in die Hände von 17jShrigcn Kadetten— wie Noske i« Leipzig den General von Lüttwitz nannte— begeben, sondern die mit Härte und Entschlossenheit das Ziel der Sicherung der Re» publik verfolgen. Diesen Ausführungen ist kaum etwas hinzuzufügen, es sei denn die Hoffnung, daß es den Leuten in der„Chemnitzer Volks- stimme" gelingen möge, dafür zu sorgen, daß diejenigen ihrer Parteigenossen, die zu Ministern bestimmt werden, ihre Tätigkeit auch in dem Sinne einer grundlegenden Umgestaltung von Ver- waltung und Heer ausüben. überragenden Machtstellung gekommen sei. Aber ebenso muß fest- gestellt werden, daß dies« Ausstände von links weit genug zurück- tage», um die Reorganisation der Reichswehr in die Wege zu Oie Echwurzeugen Ein Verlegenheilsmanöver der K. P. D. Nachdem die„Rote Fahne" drei Tage lang zu den V«röff«nt- lichungen aus der Broschüre Rosa Luxemburgs in allen Tonarten geschwiegen hat, veröffentlicht sie nun«ine von A. W a r s k i und Klara Zetkin unterzeichnete Erklärung, in der es heißt, daß Rosa Luxemburg zwar im Sommer 1918«inen tri- tischen Standpunkt zum Bolschewismus einnahm, daß sie aber später ihre frühere Einstellung zur Konstituante, Demokratie, Eowjetsystem, Terror wesentlich geändert habe. Ist es schon ein Zeichen tödlicher Verlegenheit der Kommunistl- schcn Partei und ihres Zentralorgans, daß ste statt einer fach» lichen Ctellungnaihm« zu der Schrift Rosa Luxemburgs zwei Schwurzeugen, barunter einen in Deutschland völlig unbekannte« polnischen Kommunisten., aufmarschieren lassen, so ist das. was diese Zeugen sagen, so belanglos, daß sich die Kommunistische Partei durch die Veröffentlichung dieser Erklärung nur der Lächer- lithkeit preisgibt. Was sagen dies« Schwurzeugen im Prozeß eontrs Luxemburg aus? Daß die Angeklagte zwar im Sommer 1918 einen ketzerischen Standpunkt einnahm, daß sie aber nach ihrer Befreiung aus der Schutzhaft ihren Standpunkt wesentlich gs- ändert habe. Danach müßt« also die Gründerin der Kommunisti- schen Partei, deren Namen noch heute an der Spitze der„Rote« Jahne" stecht, geistig so unselbständig und schwankend gewesen sein, daß sie heute das verbrannt«, was sie gestern an- gebetet hatte, und daß sie im Nooember-Dezember 1918 in de« wichtigsten Fragen der sozialen Revolution einen Standpunkt ein- nahm, der dem vom September 1918 diametral entgegengesetzt war. Aber da» ist schießlich«ine Sache, die die Kommunisten unter sich auszumachen haben. Wenn die kommunistischen Arbeitel es dulden, daß zwet Leute, die sich schützend vor die Eberlein-Zentral« stellen, Rosa Luxemburg als ein schwankendes Rohr hinstellen, s» machen sie sich mitschuldig an der politischenLeichenschän» d u n g, die an ihrer toten Führerin begangen wird. Wichtiger aber ist das folgend«: Die„Rote Fahne" veröffentlicht zwar die Er- klärung der beiden Schwurzeugen, sie wagt es aber nicht, auch nur eine Zeile aus der Schrift Rosa Luxemburgs ihren Lesern zur Kenntnis zu bringen. Sie glaubt mit dieser Totschweigetaktik am leichtesten aus der unangenehmen Affäre herauszukommen. Sie bestätigt damit aber nur, daß ste und ihre ganze Partei geistig vollkommen unfähig sind, jene vernichtende Kritik zu ent- kräften, die Rosa Luxemburg an den theoretischen Grundlagen und an der Praxis des Bolschewismus geübt hat. Ein schlimmeres Eingeständnis des B a n k r o t t s als dieses kann es gar nicht geben. T I n d u d fl a Alte und neue freunde EinFührerdurchdiesozialiftifcheLiteratur Trotz der immer höher werdenden Bücherpreise ist das Interesse der Arbeiterschaft für literarische Erzeugnisse erfreulicherweise im Wachsen begriffen. Immer mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, paß man sich das geistige Rüstzeug für die bevorstehenden wirt- schaftlichcn und politischen Kämpfe nicht allein aus Agitation?- proschüren und Zeitungsartikeln beschaffen kann, sondern daß man zu diesem Zweck fleißig und systematisch arbeiten muß, um aus der umfangreichen sozialistischen'Literatur sich die nötigen Kenntnisse zu holen. Angesichts des Wirrwarrs auf dem Büchermarkt ist es jedoch nicht leicht, sich in dieser Literatur zurechtzufinden. Zahlreiche ältere Schriften, aus denen ganze Generationen der Arbeiterschaft ihre Kenntnisse geschöpft, sind vergriffen oder nur schwer erhältlich. Viele andere werden wenig beachtet, weil sie als von den Ereig- nissen überholt angesehen werden. Die von den kommunistischen Verlagen zu billigen Preisen verbreitete Literatur, deren meiste Erzeugnisse Makulatur find, hat mit dazu beigetragen, die Leser- schaff zu verwirren und ihre Aufmerksamkeit von der wirklich (juten sozialistischen Literatur abzulenken. Unter diesen Umständen dürfte es sich rechtfertigen, daß hier der Dersuch gemacht wird, der Arlreiterschaft einen kleinen Führer durch die sozialistische Literatur in die Hand zu geben. �Di« nach- stehenden Ausführungen machen keinen Anspruch auf Vollständig- *it: sie sollen lediglich dazu dienen, das Augenmerk der Arbeiter- teser auf die wichtigsten Erscheinungen der älteren und neuen sozialistischen Literatur zu lenken. Als beste Einführung in die Gedankenwelt des Sozialismus ist nach wie vor die kleine Schrift von FriedrichEngels:.Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie der Wissenschaft" zu nennen, die die wichtigsten Abschnitte aus dem grundlegenden Werk von Engels„Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissen- schaff" enthält. Für denselben Zweck sind auch die folgenden Bio- graphien von Marx geeignet: KarlKauteky:„Die historische Leistung von Marx" und M. V e e r:„Karl Marx, Sein Leben und feine Lchre"(Berlin 1921), die in knappen Zügen die Umrisse des gewaltigen Lebenswerkes von Marx zeichnen. Ein umfassenderes Bild von dem Leben und Wirke« der beiden Schöpfer des wissenschaftlichen Sozialismus gewinnt man aus den Schriften von M a x A d l e r.„Marx als Denker" und„Engels als Denker", sowie aus den grundlegenden bisgraphischen Arbeiten von Franz Me h r i n g..Karl Marx, die Geschichte seines Lebens" und von Dr. Gustav Mayer„Friedrich Engels, eine Bio- graphie". Für ein gründliches Eindringen in den Stoff sind ferner der von Mehring herausgegebene.Literarische Nachlaß von Marx, Engels und Lassalle", sowie der in vier Bänden erschienene Brief- Wechsel zwischen Marx und Engels, die Briefe an Sorge und die von Njafanof in zwei Bänden herausgegebenen„Gesammelten Schriften" von Marx und Engels unerläßlich. Eine Reihe kleinerer Schriften unterrichtet die Leser über die philosophischen Probleme des Marxismus. In erster Linie sind hier zu nennen: Friedrich Engels:„Ludwig Feuerbach", K a r l M a r x �„Das Elend der Philosophie", KarlKautsky: „Ethik und materialistische Geschichtsauffassung", Plechanow: „Beiträge zur Geschichte des Materialismus" und„Die Grund- Probleme des Marxismus". Als gute zusammenfassende Dar- stcllung sind ferner zu nennen: A. Braunthal:„Karl Marx als Geschichtsphilosoph" und L. B o u d i n:„Das theoretische System von Karl Marx". Als Einführung in das Studium der marxistischen Oekonomie ist neben den beiden kleinen Schriften von Marx:„Lohnarbeit und Kapital" und.Lohn, Preis und Profit", vor allem die Schrift von KarlKautsky:„Karl Marx' ökonomische Lehren" zu empfehlen. Für ein gründlicheres Studium kommen in Be- tracht: Karl Marx:„Zur Kritik der politischen Oekonomie" und„Das Kapital"(3 Bände, von denen der erste Band in einer von Karl Kautsky besorgten Volksausgabe erschienen ist) und die ebenfalls von Kautsky aus dem Nachlaß von Marx heraus- gegebenen„Theorien über den Mehrwert". Als sinngemäße Er- gänzung des„Kapital" ist zu nennen R. H i l f e r d i n g:„Das Finanzkapital". Als Lehrbuch, insbesondere für die Jugend, ist besonders zu empfehlen Gustav Eckstein:„Kapitalismus und Sozialismus", das in gemeinverständlicher Form die wichtigsten ökonomischen Fragen behandelt. Die Probleme der Soziologie finden in der sozialistischen Literatur in immer größerem Maße Beachtung. Von den älteren Schriften ist vor allem zu nennen: Friedrich Engels:„Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates", eine Schrift, die in Morgans„Urgesellschaft" eine glänzende Bestätigung gefunden hat. Verschiedene Fragen der Soziologie wxrden beleuchtet in Kautsky?„Ursprung des Christentums" und„Vermehrung und Entwicklung in Natur und Gesellschaft". Auch Bebels„Frau und der Sozialismus", noch immer eine der glänzendsten Propagandaschriften des Sozialismus. behandelt in einer Reihe von Abschnitten in populärer Form die wichtigsten Probleme der Soziologie. Dem marxistischen Stand- puart kommt der bürgerliche Soziologe Dr. Müller-Lyer sehr nahe, der in einer Reihe von Schriften:„Der Sinn des Lebens und der Wissenschaft",„Phasen der Kultur",„Phasen der Liebe". „Die Familie" usw. den—leider uiroollendet gebliebenen— Versuch unternahm, ein dem jetzigen Stand der Wissenschaft ent- sprechendes System der Soziologie zu Ichaffen. Ueber die Geschichte des Sozialismus und der sozialen Bewe- gung liegen eine Reihe älterer und neuer Schriften vor, von dvnea zu nennen sind: Karl Kautsly:„Vorläufer des neueren So- zialismus", 4 Bände(von denen die beiden letzten kürzlich in neuer Bearbeitung erschienen sind) und M. B e e r„Allgemeine Eesckichte des Sozialismus und der sozialen Kämpfe", von der soeben der dritte Band erschienen ist. lieber die Geschichte des deutschen Sozia- lismus unterrichtet Franz Mehrings vierbändige„Geschichte der deutschen Sozialdemokratie". Di« Entwicklung des englische« Sozialismus findet in M. B e c r' s„Geschichte des Sozialismus in England"(die vor kurzem durch feine klein« Schrift„Der britische Soffalismus der Gegenwart" ergänzt wurde) eine gute Darstellung, während der französische Sozialismus durch Paul Louis„Geschichte des Sozialismus in Frankreich" und seine von Gustav Eckstein mit einer großen Vorrede versehenen„Ge- schichte der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich" ziemlich um- fassend geschildert wird. Den russischen Soffalismus der Grgen- wart charakterisiert sehr gut Otto Bauers„Bolschewismus oder Sozialdemokratie", das neben dem Bolschewismus auch eine gute Darstellung des englischen Eildensozialismus gibt. v 5 <5 d d S «i ei h ff ff «• v Eine Anzahl kleinerer Schriften von Marx und Engels führt m die Geschichte der politischen Revolutionen im letzten Jahr- hundert ein. Hier sind vor allem zu nennen: Karl Marx: „Die Klassenkämpfe in Frankreich"(zu der Friedrich Engels eine außerordentlich bedeutungsvolle Einleitung geschrieben hat), ferner„Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte",„Revo- lution und Konterrevolution in Deutschland" und„Der Bürger» krieg in Frankreich". Karl Kautsky gibt in seiner Schrift „Die Klassengegensätze im Zeitalter der französischen Revolution" ein« Musterleistung der Anwendung der materialistischen Ge- schichtsausfassung auf die Geschichtsschreibung. Wertvoll für da» Studium der Geschichte der französischen Revolution ist ferner: Heinrich Cunow:„Die Parteien der großen französische« Revolution und ihr« Presse" Und Peter Krapotkin:„Di« französische Revolution 1789 bis 1793". Zur Klärung der ver» schiedenen Fragen der russischen Revolution sind Kautskys: „Demokratie oder Diktatur",„Terrorismus und Komniunismus" sowie sein« jüngst erschienene Schrift„Von der Deinokratie zu» Staatssklaverei" sehr wichtig. sc c K L L id b g L Ii S> 9 n d c d Das Problem der sozialen Revolution wird in sehr interessante» Weise beleuchtet in den bereits 1992 erschienenen kleinen Schriften von Kautsky:„Die soziale Revolution" und„Am Tage nach der soffalen Revolution". Hieran knüpft die in den letzten Jahre« erschienene reichhaltige Literatur über die Sozialisserungsfrag: an, von der genannt feien: Otto Bauer:„Der Weg zum Soffa- lismus", R. Hilferding:„Die Sozialisierung und die Macht- Verhältnisse her Klassen". E. 33 a l l o d:„Der Ztckunftsstaat" und Heinrich Ströbel:..Die Sozialisierung, ihre Wege und' Voraussetzungen". A. Stein � fl fC c se L P A b h' hi U {u B Die Hoffnungen der Oberlehrer Ein Berlmer Oberlehrer schreibt uns: Die meisten Oberlehrer Kehen politisch weit rechts. Man kann sagen, daß mindestens drei Viertel von ihnen sich zu den Anschauungen der Deutschen Volkspartei oder der Deutschnationalen Volkspartei bekennen. Aber in bezug auf reaktionäre Gesinnung gibt es auch für sie einen Grad, der nicht erreicht werden darf. Der Berliner Ober- schulratSachse.der Erzieher der Söhne des letzten deutschen Kaisers, hat aber gerade diese Grenze überschritten. So haben seine Akten, die er in einer Klasse vor einiger Zeit hat liegen lassen, den Philologen-Verein veranlaßt, beim Ministerium seine Versetzung aus Berlin zu beantragen. Der Verein ging da- von aus, daß«in Schulrat. der über Lehrer in seinen Akten. jwenn er sie auch als Privatnotizen bezeichnet, in einer Form Urteilt, die ein Lehrer nicht einmal für die Zeugnisie der jüngsten Schüler gewählt haben würde, und die Akten dann in der Klasse läßt, so daß die Schüler sie losen können, in Berlin eine Unmög- lichkeit ist. 1 Vom Ministerium wurde den Vertretern des Philologen- Vereins aber erklärt, dir Versetzung kost« Geld und sei deshalb nicht möglich: man wolle aber dem Herrn Oberschulrat das Dezernat für die Schulen des betreffenden Vorortes abneh- men. So ist denn Herr Sachse in Berlin geblieben: er hat die Aufficht über 28 Schulen und über mehrer« hundert Lehrer. Aber vielleicht fühlt der neue Kultusminister ein menschliches Rühren mit den ihm politisch so nahestehenden Berliner Oberlehrern. Als es sich darum handelte, dem früheren deutschen Kaiser Hunderte von Millionen nach Holland nachzusenden, war von Finanznot kein« Rede. Wenn aber der Schulrat aus Verlin ent- fernt werden soll, der im Provinzialschulkollegium unter den veaktionären Mitgliedern das reaktionärste ist, fehlt es an einigen tausend Mark. f Am besten wäre es. wenn Herr Sachse freiwillig den Staub pon seinen Mßen schüttelte und sich seinem früheren Beruf wieder zuwenden würde. Denn wie der Weltkrieg bewiesen hat, ist die fir-ziehung seiner Zöglinge, der Prinzen, noch lange nicht vollen- chet. Bei den Prinzen findet er auch unzweifelhaft umfangreiches Material zu: Vervollständigung seiner berühmten Geheim- akten. Hoffentlich erfüllt der neu« Kultusminister den Ver- Ziner Oberlehrern ihren Wunsch. Oder sollen sie etwa, sobald sie ihr« neue Teuerungszulage erhalten, ein« Sammlung veranstal- ten, um die Kosten für die Versetzung Sachses aufzubringen? deutschnationalen Landwirte des Kreises, sich konsequent weigern, das Umlagegetreide abzuliefern, so daß der Kreisausschuß schärfste Maßregeln beschließen mußte? Charakteristisch für diesen Landrat ist, daß er jetzt unserem Parteiblatt die amtlichen Bekanntmachungen entzogen hat unter Berufung auf eine kritische Betrachtung zum Prozeß gegen die Buchbolzmörder, die angeblich eine„Verächtlichmachung der Staats- und Reichsregierung" enthält. Dieser Landrat und dieser Staatsanwalt sind vertraute Ge- stalten aus dem kaiserlichen Deutschland, nur daß sie heute an- erkannte Stützen der Republik sind. Und sie wahren getreulich die Autorität gegen sozialistische Preßsünder. Die beleidigten Ausnahmerichier Durch eine Notiz in unserem in Langesalza erscheinenden Parteiblatt über das Wüten der Ausnahmegerichte fühlten sich die Hallescheu Richter beleidigt und stellten Strafantrag. Vor der Straikammer in Mühihausen war der Verantwortliche der Lai'.gcnsalzacr„Volkszeitung". Genosse R i c o l a u s. dieserhalb angeklagt und wurde zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Die inter- «ssantcsre Figur in diesem Prozeß war unstreitig der Staats- «nwalischaftsrat S ch r ö d t e r aus Erfurt, der schon wiederholt hei Prozessen gegen Arbeiter eine wenig rühmliche Rolle gespielt hat. Der Herr beantragte drei Monate Gefängnis mit der Be- grllndung, eine Geldstrazs treffe nicht den Angeklagten, sondern werde„von anderen Herrschaften" bezahlt! Mit Recht wies Ge- Voss« Roscnfeld als Verteidiger darauf hin, daß eine solche Be- gründung zwar in früheren Zeiten des öfteren zu hören gewesen sei, ihm nach dem November 1318 aber erstmalig begegne. Die weiteren Ausfühningen des Verteidigers mästen auf diesen Staatsanwalt wohl die Wirkung eines kalten Eturzbachcs aps- geübt haben, denn er verzichtete auf jede Entgegnung. Eine andere erwähnenswerte Person, die allerdings im Ge- richtchaal nicht erschien,»st der deutschnalionale Landrat des D.1? v Langensalza, der den Anstoß zur Erhebung der Anklage gav durch ein Schreiben an die Staatoanwaltschast. in dem sich folgende bemerkenswerte, die„Voltszeitung" betreffende Stelle befindet: „Die von diesem Blatt verübte systematische Beschimpfung und Herabsetzung der deutschen Rechtspflege und des deutschen Richter- standes ist geeignet, die in Langensalza auch ohnedies gesunkene .Autorität des Staates und seiner Organe zu stören, wenn ihr nicht entschieden begegnet wird." Die..gesunkene Autorität des Staates" in Langensalza findet dieser Landrat wahrscheinlich in der Tatsache, daß dort eine ASP-Mchrbeit im Rathauie sitzt und zwar*ur Zeit allein, weil die bürgerlichen Stadtverordneten sämtlich ihre Mandate nieder- gelegt haben. Oder erblickt der Herr das Sinken der Staats- äutoritäl etwa in dem Umstand, daß seine Getreuen, die stramm Hotz aus de? KAP. ausgetreten In einem Brief an die Reichstaasfraktion der K. P. D. schreibt Max Hölz: „Ich habe durch ein Schreiben an den Genossen Emil Schubert, Charlottenburg, Talvinstraße 3, Vorsitzenden der Kommunistischen Arbeiterpartei. Ortsgruppe Charlottenburg, am 24. Ro- vember 1321 meine Berbinoung mit der K. A. P. D. gelöst. Der Reichsausschuß der K. A. P. D. hat kein Recht, weiterhin mit meinem Leichnam Reklame zu machen und sogar aus meinem Kadaver noch allen möglichen Vorteil herauszuschinden... Iustizrat Dr. Broh hat mir bisher in allen Dingen mit Rat und Tat kräftig zur Seite gestanden. Daß er bei seinem letzten Hiersein vollkommen versagte, liegt wohl an seiner politischen Einstellung, die ihm nicht erlaubte, mit Euch konform zu gehen. Mir erscheint es jedoch ganz verfehlt, in der gegenwärtigen und kommenden Zeit, wo die Gegensätze Kapital und Arbeit mit einer Schärfe aufeinanderstoßen wie wohl nie zuvor, stch aus- schließlich über taktische Fragen zu streiten. Ich glaube vielmehr, die Taktik in den kommenden Kämpfen wird der Arbeiterklasse von ihren Gegnern aufgezwungen werden, ob � sie will oder nicht, sie wird müssen." Max Hölz will also fürderhin mit den Eberlein-Kom- munisten„konform gehen". Er wird als„Führer" der K. P. D. leider nicht aktiv werden, aber seine Liebe für diese Partei ist immerhin kennzeichnend für diese. Nur darum ist der Vorgang interessant, denn mit Hölz„über taktische Fragen zu streiten", ist auch unsere Absicht nicht. Kleine Nachrichten Sozialistische Wahlerfolge in Belgien.„Lc Peuple" meldet, daß nach der Erringung weiterer zwei Mandate die sozialistische Parlamentsfraktion aus 68 Mitgliedern bestehen werde. Die zwei neuen Mandate beweisen, daß entgegen den Behaup- tungen der Katholiken, die sozialistische Arbeiterpartei immer stärker werde. Sozialdemokratischer Einigungskongreh in Iugostawicn. Die Vereinigte Sozialistische Partei Jugoslawiens hat einen Aus- schuß zur Vorbereitung eines gemeinsamen Sozialistischen Kon- gresses gewählt. Der Vorsitzende dieses Ausschusses ist der Uni- oersitätsprofessor Koschanin. In den Ausschuß wurden unter anderen gewählt: Laptschevitsch, Topalowitsch und K o r a p. Wiederausnahme des Prozesses gegen Sacco und Banzetti. Nach Meldungen aus Newyork wird der. Prozeß gegen die zum Tode verurteilten italienischen Syndikalisten Sacco und Banzetti nach den Wcihnachtstagen wieder aufgenommen werden. Gegen die Vollstreckung des Urteils haben bekanntlich eine große Anzahl von Arbeiterorganisationen Amerikas und des Auslandes schärfsten Protest erhoben. Von der Verteidigung war. gegen die Richter der formelle Vorwurf erhoben worden, daß sie parteiisch geurteilt halten und daß die Anklagebehörde das Todesurteil durch unlauter« Mittel her.beigeführt habe. Blutig« Zusammenstöße in Aegypten. In Alexandria. Kairo und Panks ist es zu blutigen Kämpfen zwischen Rationalisten und englischen Trupp«» gekomm«».— Die Sozialistische Partei Aegyptens veranstaltete am letzten Sonntaq im ganzen Lande Domonftrationen gegen die englische Herrschaft. Die in den Versammlungen angetionirneneil Resolutionen erklären, daß die ägyptischen Arbeiter»n ihrem Kampfe gegen den eng- lischen Imperialismus die Unterstützung des internationalen Proletariats erhoffen. Freilassung karlistiicher Aufrührer. Der Präsident der Aus- nahmescktion des Etaatsgerichtshofes hat gegen die wegen Teil- nawnc an dem Karlistenputsch Angeklagten. Graf Andrassy. Boro- vickeny und Lorenz das Verfahren eingestellt und ihre Freilassung verfugt. Dagegen wird der Haftbefehl gegen die übrigen An- geklagten aufrechterhalten. Ein Wallenstem-Roman Ich lese seit Wochen an einem Roman„Wallcnstcin" von Alfred Döblin<2 Bände. S. Fischer. Verlag. Berlin). Und ich habe ihn noch immer nicht zu End« gelesen. Es ist eines jener(äußerlich wie mnerlich) großen Bücher, w den LZer ganz in ein fremdes Leben hineinziehen, die man nur dann ohne Unterbrechung und auf einmal lesen kann, wenn man Ruhe und Zeit hat. ein ganzes fremdes Leben mitzuerleben. eine ganz« fremd« W-lt mitzudurchwandern. wenn man die Ruhe eines Krankenlagers, einer Gefängniszelle oder f�J�ent- Halles daran zu setzen hat. Im(betriebe d-- Erohstadtlebens in der Arbeit eines ums Brot kämpfenden Daseins, dem man immer nur einzelne Stunden der Ruhe abgewinnen kann, fehlt einem Zeit und Konzentration, die nötig find, sich in ein Buch von so gewaltiger Konzeption zu vertiefen. Döblin erzählt nicht etwa brav und wohl geordnet d,e Geschichte Wallensteins am Schnürchen der Jahreszahlen herunter. Ehe man sich's versteht, ist man mitten drm m drnß'giahr'gen Krieg und ein volles Durcheinander von Menschen. Ereignissen Landschaften dreht sich einem vorüber. Menschen, Ereignisse Landschaften sind manchmal sehr sorgfältig und histonfch getreu der Geschichte entnommen, manchmal ganz einfach der Phantaste des Dichters entsprungen. Ereignisse, die in der Geschichte einc große Bedeutung einnehmen. Aschen beinah»«�nsachl ch vorüber, ganz persönliche unhistoriiche oder geschichtlich bedeutungslose Erlebnisse, werden unter der Hand des Dichters � wichtigen zu Angelpunkten des Romans. Wissen und Pbantast« sch.lnen gleich unerschöpflich. Und der Leser, umhergewirbelt v-n den nicht endenwollenden Bildern dieses Buches, steht da w.- ancr der das volle Chaos des dreißigjährigen Krieges mcht durch dre ordnend- Brill« der G-jchichte. sondern durch d,e verwirrenden Eindrücke eigenen unmittelbaren Miterlebens steht. Dem einfachen Bürger und Bauer jener Z«.t mußten die kleinen Ereignisse, die er selber sah»'» miterlebte r.�ngroß m Vordergrund« stehen und die politrsch und geschichtlich wirklich wichtigen Ereignisse konnten sich, l« nach seiner Einsicht, nur a g- ,sam im dunklen Sintergrund entw.rrem So geht-auch �m Leser von Döblins Wallenstein. Er steht, als Miterlebender, plötzlich mittendrin, in einer fremden, tollen, chaotischen A..ltz und nur ganz langsam, je nach seiner Einsicht, entwirrt sich ,hm ä sr? � weitet den Blick und macht reif.-°*e Ich habe es. wie gesagt, noch nicht zu Ende gelesen und will und kann es deshalb noch nicht kritisch betrachten. Aber ich mochte vor Weihnachten alle die darauf hinweisen, die Zeit und Ruh« haben oder sie einmal zu finden hoffen, solche Bücher zu leien— und das Geld, sie sich oder anderen zu kaufen. Hans E i e ms en Musikeropfertag. Während die Anforderungen, welche von feiten der Schaffenden an die künstlerische Leistungsfähigkeit der aus- übenden Musiker gestellt werden sich fortwährend steigern, ist die Mustkerausbildung sowohl der Zahl wie der Qualität nach im s"Ü\ U1tC!; f�uffe der durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse immer mehr zurückgegangen. Hier Ab- e,nc Engend« Notwendigkeit, soll die ernste Mustkpflege nicht schweren Schaden nehmen. Der Deutsche Musiker- ~ n0,rCn Einvernehmen mit den zustandigen Behörde»— an die Umgestaltung seines Nachwuchs- �fens welche durch Gründung von Orchesterschulen in Anlehnung bestehende öffentliche Musikunterrichtsanstalten sowie durch Umbildung des Mustklehrwesens bei den Stadlkapellen zu einem ichulmaßigen Unterrichtsbetrieb bewirkt werden soll. Derartige Anstalten sind naturgemäß ohne Beihilfen nicht lebensfähig. �' b�trachtlicherZuschüss«. Bei der gegenwärtigen a-us öffentliche» Mitteln nicht verfügbar: w �n» B»t=S;t�anb l'a�r Ön 1)58 Opferwilligkeit der deutschen Mustkerschaft appellieren, die ihr Können in den Dienit der Sache stellen wird. In der zweiten Hälfte des Jamiar sollen m allen deutschen Städten Musikeropfertage abgehalten denen von den ortsansässigen Musikern musikalische Darbietungen veranstaltet werden, deren Uebersäffisse einem besonderen Fonds zufließen, aus welchem die Mittel für die Er- Haltung der gedachten Anstalten sowie zur Gewährung von Aus- bildungsbeihilfen für begabte unbemittelte junge Musiker ent- nommen werden solle». Der Verband rechnet angesichts der kul- turellen Bedeutung fernes Unternehmens auf starkes Interesse und warm« Unterstützung seitens der Oeffentlichkeit. Washingtoner Abrüstungswitz. Die amerikanischen Blätter kolportieren ein Scherzwort des Führers der japanischen Delega- tlon, des Prinzen-utfugawa. Ein Zeitungsrorrespondent froote ihn:„Sagen«ie, Prinz, kommt Ihnen das Gebaren unserer amerikanischen Reporter nicht ein wenig seltsam vor?"„In der Tat." antwortete Tokugawa.„Zum Beispiel, da wurde bei der Eröffnung der Konferenz ein Gebet gesprochen. Dieses Gebet wurde schon im voraus fein säuberlich gedruckt an die Reporter ausgegeben. Es erreichte Ihre Zeitungen also schneller als den lieben Gott." Tages-Noffzen ypielxlonZildenn-B iti SleiUntt ÄEnfilcnfKaltt». Sttfol« erfimrtun» Ut (Setmaneaa gelangt heute(Eennetsion) unl» inorgen(Nreitag) im iScaf« tn der KSniggräßer Straß- lichechoio,„C n fe I f3 a n t a" mit Frau tt« i»»« r. T I ch e ch o w a in der weiblichen Hauptrolle zur Auguhrung. Die neue Vefoldungsunordnung Die Lage der unteren Beamten Von Franz Nirfstahl Di« nachstehenden Ausführungen sind uns fchon vor einiger Zeit zugegangen. Da sie ihre Bedeutung nicht mir nicht eingebüßt haben, sondern im Gegenicil gegenwärtig aktuell sind, geben wir die Darlegungen des Verfassers, der städtischer Beamter ist, im Auszug- wieder. Gegenwärtig bekommt tu« gesamte Beamtenschaft den Segen der neuen Bosoldungsordnung praktisch in Papierfetzen, die mit netten und auch mit weniger netten Ornamenten geschmückt ssild, in die Hand gedrückt. Hungernde, in der Kleidung abgerissene Kinder und schon ewig darbende Frauen der unteren Beamtenschichten erwarten genau so sehnsüchtig die Auszahlung der geringen Aufbesserung wie die verelendeten Angehörigen der Arbeitnehmer aus den freien Be- rufen. Die Auszahlung erfolgt— und die Hoffnung, sich für den Winter das Notwendigste einkaufen zu können, ist wieder einmal betrogen. Wie geradezu brutal kurzsichtig und ohne die geringste Berücksichtigung für die wirtschaftlich schwachen Schichten der Beamtenschaft die neue Besoldungsordnung zusammengeschachert worden ist, wird der leidtragend« Teil erst beim Empfang der Unterschiedsbeträge richtig erkennen. Groß-Berlin hat den jetzigen Eruppenplan nach Möglichkeit der staatlichen Besoldungsordnung anzugliedem versucht._ Der städtische Beamtenbesoldungsplan beginnt mit der Gruppe V und endet mit der oberen Sondergruppe. Die gewaltigen Unterschiede zwischen den unteren und den oberen Gruppen gehen aus der nach- stehenden Zusammenstellung klar hervor. Durch diese Unterschiede wird die moralische Haltlosigkeit der neuen Besoldungsordnung einwandfrei bewiesen. Ein im Aiffangsgehalt stehender Angehöriger der Gruppe V, der kinderlos verheiratet ist, erhält für Oktober bis Dezember 1321 als Aufbesserung sage und schreibe 233 M. nachgezahlt! Hat er eine achtjährige Dienstzeit aufzuweisen, dann bekommt er 530,80 M.! Nach löjähriger Dienstzeit erhält er 804,50 M.! Bon diesen Riesensummen werden natürlich 10 Prozent Steuern ab- gezogen, der dann verbleibende Rest soll zwei erwachsenen Per- sonen über die immer stärker anschwellende Teuerungswelle hin- weghelsen. Wie konnten die Vertreter der Beamtenverbänide einer derartig unsozialen Regelung ihre Zustimmung geben? Wußte denn kein Mensch, daß gerade in den untersten Gruppen der Beamten das Elend zu Haufe ist? Dies« Beamten werden ja geradezu zu den Doppelexistenzen gedrängt. Ihre Ehefrauen müssen, ob sie wollen oder nicht wollen, das Heer der Heimarbeitertmien für elende Löhne vermehren. Was nützen die zahllosen Verfügungen, daß jede Nebenbeschäftigung verboten ist. wenn man dem Ernährer der Familie nicht die zum Leben notwendigen Existenz- mittel gewährt! Daß man in maßgebenden Kreisen derartige Gesichtspunkte für höhere Beamtenkategorien wohl in Betracht zu ziehen versteht. wird durch die Aufbesserung der oberen Beamtengehäl- ter bewiesen. Erhält ein Empfänger, aus der Gruppe V im Anfangsgehalt 233 M. Nachzahlung, so beträgt diese für einen Empfänger der oberen Sondergruppe 3518,50 M., also mithin 9225,50 M. mehr als in Gruppe V, 32.5 mal soviel! Nach acht Dienstjahren bekommt der Empfänger der Gruppe V 530,50 M. Nachzahlung, der aus der oberen Sondergruppe 14 337,50 M.!, also 13 807 M. mehr als in Gruppe V. 26.8 mal soviel! An dieser, jedem sozialen Empfinden geradezu Hohn sprechen- den Härte ändert auch die Besteuerung nichts Wesentliches, da zu- nächst allen Geldempfängern gleichmäßig 10 Prozent abgezogen werden. In der neuen Besoldungsordnung ist für die wirtschaftlich Schwachen kein Funken von Menschenliebe enthalten, sondern kurzsichtigste mathematische Rechenkunst beherrscht die Situation. So sehr uns unser Gemeinst»» zwingt, für rücksichtslose Sparsam- keit auf den Gebieten einzutreten, wo diese am Platze ist, so grund- falsch ist die hier bewiesen« Sparsamkeit. Sie mutz mit Natur- Notwendigkeit all« Menschen, die für ihr« geleistet« Arbeit nur hungern und frieren dürfen, auf den Weg des Verbrechens führen, wenn ihnen täglich von neuem bewiesen wird, daß Schieber und Wucherer auf Kosten der Arbeitnehmer aller Berufe ein Drohnen- leben führen dürfen. Oer Wucher mit Weihnachtsbäumen ?n mehreren Stadtteilen Berlins ist es auch gestern zu ünderungen von Weihnachtsbäumen gekommen. Der Grund hierzu ist in den teilweise ganz unverständlich hohen Preisen zu suchen, die die Händler an vielen Stellen berlanaen. Wenn zum Beispiel, wie es gestern am Winterfeldtplatz der Fall war, ein Mann, der sonst mit Kartoffeln handelt, seine Bäume stündlich im Preise herauf- und in der Qualität herabsetzt, darf er sich bei der heute leicht erregbaren Stimmung der Berliner Bevölkerung nicht wundern, wenn ihm seine Bäume nachher „zwangsläufig enteignet" werden. Dieser Händler bot einen Meter„hohe, schrumpligeDingerchen mit 40 Mark (vierzig Mark) an und verlangte für eine etwas besser ge- wachsen« Fichte LberhundertMark. Es ist haarsträubender Wucher, der hier getrieben wird. Vor acht Tagen noch bekam man schöne Christoäume für zehn bis zwanzig Mark, heute machen die Händler ihre Preise ganz nach dem Stadtteil, in dem sie ihre Ware feilbieten. Im Osten und Norden sind sie halbwegs billig, im Westen aber, wo sie auf den Geldbeutel und die Anständigkeit der Bewohner rechnen, fordern sie oft enorme Summen. � So zu lesen in der ehrbaren„Deutschen Allgem. Ztg.", die sonst wirklich nicht gerade viel Verständnis und Nachsicht für Plünderer auf- dringt. Man ermesse daran, wie gerade der Wucher mit Weih- nachtsbäumen ist. Im übrigen ist es nicht richtig, daß er im Osten und Norden wesentlich geringer ist als in anderen Stadt- teilen. Es ist gestern vom Polizeipräsidium angeordnet worden, daß die S ch u p o bei festgestelltem Baumwucher eingreifen und die Bäume an Ort und Stellezu angemessenen Preisen ver- kaufen soll«— ein« ebenso vernünftige wie notwendige Meß- nahm«, die leider bloß aufdem Papier steht. Der Raubmordverfuch in der Uhlandstraße ist jetzt aufgeklärt. Der unmittelbar nach der Tat verhaftete Drogist D i e r l e i n hatte zunächst behauptet, lediglich durch ein Versehen sei der Juwelier B o n i e z durch seine Mauserpistole verwundet worden. Run hat er gestanden, gemeinsam mit dem Erwerbslosen Schulz aus der Meinickestraße 3 den festen Plan gehabt zu haben, Boniez zu ermorden und dessen Juwelierladen nach der Tat auszurauben. Roch im Laufe des Abends gelang es, den Mittäter zu ermitteln und festzunehmen. Unter der Last des Beweismaterials blieb auch Schulz nichts anderes übrig, als ein umfassendes Geständis abzulegen. Das Befinden des fchwerver- letzten Juweliers Boniez, der sich noch im Privatkrankenhaus Wil- mersdorf befindet, ist zwar noch außerordentlich ernst, doch dürft« er mit dem Leben davonkommen. Der SanitStsfchrank auf der Straße. Am Alexanderplatz ist feit einigen Tagen ein neuer Sanitätskasten versuchsweise auf- gestellt worden. Der Konstrukteur. Kapitän Ci-dtke. hat ihn als Schrank ausgeführt. An der Türseite befindet stch ein Griff hinter einer kleinen Glasplatte. Ereignei sich min ein Unfall, so wird— genau wie bei den Feueralarmapparaten— die Glasscheibe eingeschlagen und der Handgriff gezogen. Sofort öffnen sich die beiden Schranktüren nach rechts und links, ein kleiner Tisch fällt herunter und hält die Türen offen, während im Innern gs- i ------------------.---- I--- � brauchsfertig eine herausnehmbare Tragbahre sowie zwei Sani- tätstästen mit der nötigen Einrichtung zum Anlegen von Notver- banden bereit liegen. Der Sanitätsschrank hat sich in mehreren Fällen chon vorteilhaft bewährr, so zum Beispiel während der letzten Elatteis-Tage, an denen verunglückte Passanten durch ihn die erste Hilfe erlangen konnten. Es ist beabsichtigt, derartige Kälten auch an anderen verkehrsreichen Punkten der Stadt aufzu- stellen. Die Benutzung ist unentgeltlich. Eine zeitgemäße Gründung Die Eroß-Berliner Wohnungsuchenden haben sich zu einem Verband zusammengeschlossen. Derselbe hielt kürzlich in den Kammersälen, Teltower Straße, seine erste Versammlung ab. Rechtsanwalt Dr. K. Löwenthal referierte als Hauptredner des Abends eingehend über die Aufgaben und Ziele des Ver- bände s und betont« besonders, daß der Verband eine gerechte und fachgemäße Verteilung der vorhandenen Wohnungen anstrebe; seine Ziele seien, dem Wohnungswucher und der heimlichen Vermittlung von Wohnungen entgegenzu- treten. Im Rahmen der bestehenden Gesetze soll jeder bei der Zu- Weisung einer Wohnung nach feinen Bedüfniss>en, nicht aber nach seinen Geldmitteln Berücksichtigung finden. Der Ver- band sucht durch Zusammenschluß aller Interessenten der Forde- rung des einzelnen größere Geltung zu verschaffen. In der an- schließenden Diskusston wurde allseitig die Lebensnotwendigkeit des Verbandes anerkannt. In der Geschäitsstelle des Verbandes, Berlin, Tempelhofer Ufer 12(Verbandsleiter Otto Dubro), werden den Mitgliedern unentgeltlich Rat und Rechtsbelehrung er- teilt; auch erfolgt dort die Ausnahme neuer Mitglieder. Ausgabe einer kleineren Brotkarte. Der Berliner Magistrat beabsichtigt, in den nächsten Wochen die bisherigen 246 Brot- kommissionen zu zentralisieren. Es sollen demnächst im alten Berlin nur etwa zwölf Vrotkommissionen unter- halten werden. Die bisherige Brotkarte soll aus Sparsam- keitsgründen um ein Drittel ihres bisherigen Umfanges ver- k l e i n e r t werden. Die Normaluhr im Haufe. Die Stadt Charlottenburg besitzt eine eigene mit der Sternwarte verbundene, elektrisch betriebene llhrenanlage. an die jedes Grundstück gegen eine lausende Gebühr von nur 60 Mark jährlich für eine Uhr angeschlossen werden kann. Das Bezirksamt liefert die Uhr und übernimmt deren Instand- Haltung und dauernden Betrieb. An einmaligen Kosten entstehen den Mietern der Uhren lediglich die Ausgaben für die Herstellung �der Leitung im Innern der Gebäude, d. h. vom Schaltbrett bis zur einzelnen Uhr. Jene nähere schriftliche oder mündliche Aus- kunft erteilt das Bezirksamt Charlottenburg, Stelle XIV A, Amt Lützow 7-8, woselbst auch die Bedingungen über die Vermie- tung der Uhren. Gebührenordnung und die sonstigen diesbezüg- jlichen Druckschriften erhältlich sind. Gegen mangelhaste Reinigung der Schulräume. Die Eltern- lchaft der 26. Gemeindeschule erhebt schärfsten Einspruch gegen den Beschluß des Magistrats, die Schulen nur dreimal wöchentlich reinigen zu lassen, während die Dienstzimmer der städtischen Beamten täglich gereinigt werden. Sie verlangt vom Oberstadtschulrat, nochmals im Magistrat mit allem Nachdruck daraus hinzuwirken, daß die im Interesse des Gesundheits- »uftandes der Kinder jetzt doppelt notwendige tägliche Reinigung durchgeführt wird.. Das Schicksal des vornstedter Feldes. Nach Beendigung des Krieges wurde bekanntlich der große Exerzierplatz auf dem Born- pedter Felde von der Militärverwaltung zu Nutzzwecken ver- pachtet. Vor kurzer Zeit kündigte plötzlich die Reichswehr allen Pächtern zum 1. April 1!>?2 mit der Begründung, daß der Platz wieder für große Truppenübungen gebraucht werde. Proteste und sine, an die Regierung gerichtete Resolution der Pächter führten {u dem Ergebnis, daß das bisherige Pachtland zum größten Teil m die Pächter verkauft werden soll. Voraussichtliches Wetter für Verlin und Umgebung am Freitag. Mild und zeitweise heiter, bei ziemlich lebhaften südlichen Winden. Neichskonferenz der Maschinisten und Heizer Die Reichssektion der Eroßschiffswerften, die dem Zentral- verband der Maschini st en und Heizer angehört, berief zum Sonntag, den 11. Dezember, in Hamburg die Z. Reichs- tonferenz ein, die unter dem Vorsitz von Schlichting-Berlin tagte. S ch r o d i n g e r, der Reichssekrionsleiter, gab einen tieffchürfen- den Bericht und besprach die Arbeitslosenfrage und die Handelspolitik. Erstere werde in den Entente-Ländern immer größer, die wieder eine Krisis im Weltschiffbau im Ee- folge hat. Weit eiter gab der Referent interessante Aufschlüsse über die Eni- Wicklung und den gegenwärtigen Stand des Schiffbaues der Welt, und den von Deutschland.— Auch im Schiffbau zieht eine Be- sorgnis erregende Krisis heran. Ueber die wirtschaftliche Lage der Werften ist zu sagen, daß die deutschen Weiften nicht schlecht im letzten Wirtschaftsjahr abgeschlossen haben. Der Prosperität der Werften stand der Kampf der Unternehmer gegen ihre eigene Arbeiterschaft gegenüber. Die Norddeutsche Gruppe des Eesamtvcrbandes Deutscher Metallindustrieller ist dafür be- kannt, daß sie scharfmacherischen Tendenzen Rechnung trägt. Zum Schluß bespricht der Referent die Tarifpolitik, die Bewe- gung'M der letzten Zeit auf den deutschen Seeschiffswerften und erklärt, daß die Zusammenarbeit der Reichssektion mit den einzelnen Werftarten eine gute sei und wertvolle praktische Ar- beit geleistet wurde. Die Diskussion brachte zutage, daß die Unternehmer noch ebenso reaktiv, rär wie ehemals sind und darauf ausgehen, die sozialpolitischen Errungenschaften zu beeinträchtigen. Ueber die Tätigkeit der Organisation in der Außenhan- delsstelle für Schiffe referierte ebenfalls Schrodinger. Er wies auf die Wichtigkeit dieser Arbeit hin und machte einzelne wirtschaftspolitische Vorschläge. Die Arbeiterschaft müsse auch versuchen, in allen zuständigen Aemtern Sitz und Stimme zu erlangen. Schrodinger wurde als Reichssektionsleiter wiedergewählt. V o l l a r i u s- Hamburg wurde in den Verbandsbeirat gewählt. In einer einstimmig angenommenen Resolution wird die Zen- tralleitung beauftragt,„mit allem Nachdruck dafür ein- zutreten, daß die 16 Forderungen auf dem schnell st en Wege restlos durchgeführt werden." Gegen die Schließung der Deutschen Werke wird protestiert und zum Schluß heißt es:„Wenn die Reparationskommissim, von Deutschland erfüllt werden sollen, müssen wir darauf bestehen, unseren gerechten Forderungen Nachdruck zu geben, um der Ver- elendung des Proletariats Einhalt zu gebieten und Arbeiterent« lassungen zu vermeiden."— Forderungen der polizeibeamien Der Verband preußischer Polizeibeamten hatte am 21. 12. zu einer gemeinsamen Versammlung alle Beamtengattungen nach der Schultheiß-Brauerei geladen. Rusch vom Reichsoerband Ham- bürg behandelte die Organisationssrage. In ausführlicher Weise schilderte er die Entwicklung der Beamtengewerkschaften, die die- selben Kinderkrankheiten aller Organisationen. Zersplitterung und Erenzstreitigkeiten, durchzumachen hatte. Eine Verständigung aller Palizeibeamtenorganisationen ist zur Durchsetzung ihrer gemeinsamen Forderungen notwendig. Ueber das Beamtenrätegesetz referierte Dr. Franke und wandte sich scharf gegen die Absicht der Reichsregierung, die Beamtenräte aller Rechte vorzuenthalten. Völlig unannehmbar war der bayerische Entwurf der Schaffung von Beamtenkam- mern. Die Verhandlungen vor dem 28. Ausschuß haben inzwi- schen stattgefunden, und es besteht die feste Absicht, die Polizei- b e a m t e n von der Beamtenrälevertretung auszuschließen. A ß m u s berichtete über die Verhandlungen über die G e- h a l t s a u f b e s s e r u n g e n. Die Spannung zwischen den unteren und oberen Beamten ist vergrößert, von sozialer Regelung ist nichts zu verspüren. Die Antwort der Regierung stützt sich auf bi« schlechte Lage des Reiches. Doch die Lage der unteren Beamten ist unhaltbar, und es ist zu begrüßen, daß die Verhandlungen erneut aufgenommen werden und hoffentlich Er- folg für die Beamten haben werden. Schräder, Preuß. Pol.-Beamten-Verband Berlin, wandte sich in der Diskussion gegen den Reichsverband, der mit Hilfe der Behörden arbeitet und gegen die reaktionären Bestrebun- gen innerhalb der Polizei, die darauf hinzielen, das Regime Wilhelms einzuführen. Die Polizcibeamten wollen nicht mehr Objekt, sondern Subjekt sein, eine Demokratisierung der Polizei muß eintreten und der Preuß. Polizei-Beamten-Verband wird fest für diese Ziele und für die Freiheit der Polizeibca-mten eintreten. Eine Entschließung fand Annahme, die wegen der dringenden Aufgaben, die Einheit aller PolizSibeamten fordert und die Verbände ersucht, sofort in Einigungsoerhandlungen zu treten. Einem anderen Antrag wurde ebenfalls zugestimmt, der sich gegen jede Sonder st ellung der Polizeibeamtcn bei dem Beamtenrätegesetz wendet. Zur Lohubewsgung im Tiefbaugewerbe Nach dem Schiedsspruch des Bezirkslohnamtes vom 14. Dezember 1921 erhöhen sich die Löhne der im Tiefbaugewerbe beschäftigten Gruppen ab 20. Dezember 1321 wie folgt: Tiefbauarbeiter über 18 Jahre 10.85 Mark, ständige Platzarbeitcr 10.25 Mark, Maschi- nisten Klasse II 11,75 Mark, Maschinisten Klasse III 11,35 Mark, Vorarbeiter 11.35 Mark, Schlosser, Sä, miede, Monteure 11,75 M., Einsteifer und Rohrleger 11,45 Mark, Hilfsmonteurs. Hilfsschlosser, Berstricker, Bergießer und Muffenmacher 11,— Mark. Tiefbau- arbeiter unter 18 Jahren 3,45 Mark. Frauen 3,05 Mark, Hilfs- arbeiter für Maurer 11,15 Mark. Bauwächter pro Woche 450 Mark, Ersatzwächter pro Stunde 3,45 Mark. Ab 20. Januar erhöhen sich die vorgenannten Löhne um 0,50 M. pro Stunde. Die Wächter erhalten eine Zulage von 25 Mark pro Woche. Sollten sich einzelne Unternehmer weigern, oben- genannte Löhne zu zahlen, so ist sofort die Sektions- leitung zu benachrichtigen. Forderungen der Schulreinigungsfrauen. Wir berichteten be- reits von einem Teilstreik der Schulreinigungsfraucn, deren Forderungen gegenüber der Magistrat sich taub stellt. Diese Berufsschicht will unter dem Tarif stehen und für ihre schwere und ungesunde Arbeit ausreichend bezahlt werden. Der Magistrat bot erst 3 M., dann 4 M. pro Stunde, ein Angebot, das ab- gelehnt wurde. Am Montag tagte in der Stadthalle eine Versammlung, in der ausgesprochen wurde, daß Sonder- vertrüge nicht mehr abgeschlossen werden dürfen, daß die Ver- tretung dieser Berufsschicht die Organisation, der Gemeinde- a r b c i t e r- V e r b a n d. ist, und falls der Magistrat weiter halsstarrig bleibt, die Frauen alle gewerkschaftlichen Mittel zur Anwendung bringen werden. Die drei Arbeiterparteien wurden noch aufgefordert, sich für die Schul- reinigungsfrauen einzusetzen. parteiveranstaltungen Donnerstag, 22. Dezember IS. Berwalt«»s»bezikt(Tempelhof. Mariendorf. Marienfelde. Lichtenrade). Abends �8 llhr Weihnachtsfeier für alle 4 Orte in der Aula des Gymnasiums, Mariendorf. Kaiserftr. 21. Orgelspiel und /gemeinsamer Gesang leiten die Feier ein. Des weiteren folgen Festrede, Gesang, Konzert. Märchen. Der Eintritts« rreis beträgt 2.50 M.»Arbeitslose Genossen und die Iugendgenossen der S. P. Z. haben freien Eintritt. Freitag, 23. Dezember S. ver«alt»iia»i«,lik, 17, Dist-ilt. Abende 7 Uhr zveihncchtefeier der Eoz. Proletnrierjugend im Jugendheim, Erohe Frankfurter Str. IS. Die Distrikts- leitung bittet die keenolsinnen und Eenoslcn, daran teilzunehmen. II. Diitritt(TelundbrunneuZ. Die Einehen Borstandemilgliedei, welche die Auszahlung der Spenden für die Arbeitslosen übernommen haben, treffen sich abends pünktlich 7 Uhr zu einer kurzen Besprechung bei Schurzmann. Eleltiner Strohe lt.«inderadrehen mitbringen, gleichzeitig«ontroakart-nempsang. verantwortlich für Politik und Feuilleion: Leo Lieb chüh, Berlin-Friedenou', für Kommunalpolitik, Lokales und Ecwerkichaftliches: B. R u d- e r. Berlins für den Insrratentiil und geschäftliche Mitteilungen� Ludwig Komeriner. Berlin.— Berlagsgenosfenschast„Freiheit", e.(s. m. b. H. Berlin.— Druck der Berliner Druckere.i(5. rn. b. H.. Berlin C. 2. B:«ii« Straße 8-9. Das schönste Weihnachtsgeschenk ist ein Kreuzfuchs, ein Zobelfuchs oder ein Silberfuchs zum Engrospreis von 475 bis 700 Mk. Pelzhaus Jfigermann sÄ?rB'mE��Ä"nnen- OUM-Gold(900 m 333— 585 gest. Jede GrGße am Lager. Garantieschein für gesetzlichen Goldgehalt Nicht die Reklame der Name bürgt für Oaalität and Preidwürdigkeit Spezlalhaus fugenloser Trauringe kMckMß.M/.KMMW.IZ. Ankaul von Gold-, Silbar., Platin-Bruch. Soeben erschienen! USPD Taschen-' Kalender 1922 Tu? Bern I n h o I l: Aufgaben der BetriebSvertretunzen Lolmsteuer, Abzug vom Arbeits- lohn/ Hilfe bei Unglücksfällen Einnahme- und Ausgabelabellen Slatistit der Reichstagswahlen Reichhaltiges Adressen- Material Tarife/ Interessante Notizen u. a. *- Gutes schreibfahiae« Papier Halb'e'nen gebunden 5.»» HHark Zu b«z ehen durch die Freiholl- u.peditlonan und icucntianüiuno Ji eitiPir- Benin C2 Rauchtabak Pfund 18 Mark Holländer... 20 M. «chwar,,. 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