Einzelpreis 40 Pfg. • 4. Jahrgang Ste zetbent erschein täglich morgens und nachmittags. Sonntags und Montags nur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freter Zustellung ins Haus 21. 18.- für den Monat Dezember, im voraus zahlbar. Für Bostbezug nehmen ämtliche Poftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Eaar und Memelgebiet iowie die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luremburg M. 29.- r das übrige Ausland M. 36.Medaktion, Expedition und Verlag: Berlin C2, Breite Straße& 0 Mittwoch, 28. Dezember 1921 Nummer 605 Abend- Ausgabe Die zehngespaltene Nonpareillegeile oder deren Raum koftet 6,- M. einschließlich Inferatensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., iebes weitere Wort 1,50 2. einschließlich Inferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,75 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50.. ebes weitere Wort 1.Fernsprecher: Zentrum 152 30-152 39 greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Schicksalsfragen von Washington U- Boot: und Schantung- Frage London, 28. Dezember. „ Daily Chronicle" berichtet ans Washington, die ganze Arbeit der Konferenz ruhe in Erwartung der Antwort Don Paris und Tokio über die U- Boot- bzw. Shantung- Frage. Diese beiden Länder hätten es in ihrer Macht, den großen Hardingschen Plan der Rüstungseinschränkungen zum Scheitern zu bringen. Wenn Frankreich oder Japan es auf die Spite treiben wollten, so würden diese Länder inter= nationale Folgen zu gewärtigen haben. Laut Daily Chronicle" wird in Washington überall erwartet, baß, wenn Frankreich die letzten Vorschläge des StaatsJetretärs Hughes ablehne, der Erfolg der Washingtoner Konferenz verstümmelt sei. Jeder frage sich, welches Handelsgeschäft Frankreich im Sinne habe. Allgemein herrsche die Ansicht, daß Frankreich eine Entschädigung für die Zurüdziehung seiner U- Boots- Forderung haben wolle. Erklärung der Reparationsfommission Donnerstag Empfang der deutschen Vertreter Paris, 28. Dezember. Die Reparationstommission veröffentlicht folgende Erklärung: Da die deutsche Regierung die Reparations Commission ersucht hat, ihre Vertreter zu empfangen, damit gewisse uitlärungen gegeben werden können, die sie zur Beant wortung des Briefes der Reparationskommission vom 16. Dezember nötig habe, hat die Reparationskommission beschlossen, diese Bertreter am Donnerstag, den 29. Dezember, um 3 Uhr nachmittags, zu empfangen. Die angeblichen Verfehlungen Deutschlands Paris, 28. Dezember( W. T. B.). Die Blätter teilen offenbar beeinflußt mit, daß die Reparationsfommission sich heute mit einer angeblichen Berfehlung Deutschlands in der Lieferung von Koks zu beschäftigen habe. Die regelmäßige Lieferung von 15 000 Tonnen pro Tag sei seit dem 15. Dezember auf 9-10 000 Tonnen zurüdgegangen. Die Mitteilung spricht von einer dritten Verfehlung Deutschlands, die hierdurch festgestellt werde. Die erste Berfehlung datiere vom Juni 1920 vor der Konferenz von Spaa, die zweite gehe auf den Monat März 1921 zurück, als die deutsche Regierung die erste Milliarde Goldmart, die auf Grund des Versailler Vertrages als Abschlagszahlung der Summe von 12 Milliarden verlangt wurde, nicht bezahlt habe. Das„ Echo de Paris" fügt der Nachricht hinzu: Es ist angebracht, am Vorabend der Konferenz von Cannes den schlechten Willen Deutschlands noch einmal feierlich festzustellen. Die Lage in Aegypten Granaten und Maschinengewehre für die Eingeborenen London, 28. Dezember. Reuter berichtet über die Lage in Aegypten: In Suez ist befanntgegeben worden, daß Flugzeuge auf Ansammlungen Rauchbomben werfen würden. Wenn die Leute sich dann nicht zerstreuten, würden die Flugzeuge Granaten abwerfen und mit Maschinengewehren feuern. Der Postdienst ist wegen der gegenwärtigen Lage auf Kairo beschränkt worden. Die„ Egyptan Gazette" und das Blatt„ Jstafle!" sind verboten worden. Der Unterrichtsminister hat alle Regierungsschulen geschlossen. Der Zerstörer der Putschtaktikantation an Däumig mit der Zustimmung von Levi erfolgt Hugo Eberlein ergreift das Wort Stolz wie ein Spanier erklärt er in einem Leitartikel der Roten Fahne", er habe bisher zu den Enthüllungen über die mitteldeutsche Aftion geschwiegen. Solche Dinge sind für aber nun sein Herrn Eberlein Belanglosigkeiten. Da man Schweigen als Schuldbekenntnis auslegen möchte, sehe er sich ge nötigt, fich zum Inhalt der veröffentlichten Protokolle zu äußern. Das tut er indes zunächst nicht. Er schreibt zunächst ein Banges und breites über die Bedeutung und das Wesen der illegalen Organisationen, der sogenannten M. P., in den verschiedenen proletarischen Parteien. Das ganze Geschreibe bes Eberlein hätte für uns teine Bedeutung, wenn er nicht auch auf die Rolle eingehen würde, die die M. P. in unserer Bars fet gespielt haben soll. Die Darstellung des Herrn Eberlein ist in der von ihm beliebten Form ein Märchen. Die Einrichtung der illegalen militärischen Organisation, behauptet er, sei in der U. S. P. D. offiziell anerkannt und mit Geldmitteln aus der Zentrale versorgt gewesen. In der Kommunistischen Partei dagegen habe man die illegale SoldatenSpielerei von vornherein betämpft und unterdrüdt. Dann muß die M. P. auch in der Kommunistischen Partei vorhanden gewesen sein, was Eberlein auch nicht bestreitet. Daraus ergibt sich aber, daß die illegale militärische Organisation in der U. S. P. D. etwa in der gleichen Lage sich befand, wie in der K. P. D., wenn die Darstellung Eberleins richtig ist. Das heißt, die M. P. tonnte auch innerhalb der U. S. P. D. nicht mit einem Schlage beseitigt werden, sie wurde aber gleichfalls nach und nach abgebaut, und die Partei hütete sich sehr davor, der M. P. maßgebenden Einfluß auf die Leitung der Partei einzuräumen. Der endgültige Bruch mit der illegalen Organisation geschah in jener Krise, die unsere Partei auf dem Parteitag in Halle und 3u jenen Bedingungen, die unsere bei der Spaltung erlebte. Partei schlucken sollte, um der Ehre der Mitgliedschaft in der Kommunistischen Internationale teilhaftig merden zu können, ge hörte auch die Bedingung, daß die Partei neben ihren illegale Verbindungen eigentlichen Organisationen unterhalte. Ja, Mostau forderte sogar, daß diese illegale Organilation den letzten und entscheidenden Einfluß auf die Taktik der Partei haben müsse. Diese Forderung gehörte zu denen, die von den Gegnern der Moskauer Bedingungen auf das heftigste be= fämpft wurden, weil ihre Durchführung die Partet auf die Bahn des Putschismus gedrängt hätte. Durch einen raditalen Schnitt trennte sich die U. S. B. D. von denjenigen ihrer Mitglieder, die solche Bedingungen annehmen wollten und eine solche Tattit für zwedmäßig hielten. Die Kommunistische Partei aber nahm das mals diese Anhänger des Butschismus mit offenen Armen auf. Darum mußte sich, fährt Eberlein in seinem Bericht fort, nach der Verschmelzung der linfen U. G. P. D. mit der K. P. D. diese von neuem mit der M. P. beschäftigen. Däumig gehörte zu den eifrigsten Verfechtern der M. P. und wurde mit ihrer Leitung betraut. Das hebt Eberlein hervor, um Däumig die ganze Schuld an dem Unglüd des Osterputsches, dieser letzten Aktion des durch die M. P. gezüchteten Putschismus, zuzuschieben. gibt aber zu, daß die Uebertragung der Leitung der illegalen ist, der doch damals der anerkannte Führer der alten und eigentlichen Kommunistischen Partei gewesen ist. Die Abneigung der Kommunisten gegen die illegale Organisation kann demnach doch nicht so ungewöhnlich groß gewesen sein, wie Eberlein behauptet. Auf jeden Fall hat es damals fein Mitglied der K. P. D. gewagt, irgendwie gegen die illegalen Organisationen aufzutreten. Däumig sei, erklärt Eberlein sodann, aus der Leitung der M. P. ausgetreten, nachdem in heftigen Auseinandersehungen in der Partei" die Gegner der M. P. über ihre Anhänger den Sieg daDongetragen haben. Mit Däumigs Posten wurde nun Eberlein betraut. Er schließt seinen ersten Artikel mit folgendem Sat: ,, Als ausgesprochener Gegner der M. P., um die M. P. zu ,, reorganisieren", das hieß praktisch, sie zu zerstören. Diese Funktion habe ich wenige Tage vor Beginn der Märzaktion übernommen." wwwww Hugo Eberlein hat also die Bomben legen, die Zündschnüre anbringen lassen und falten Blutes das Leben seiner Parteigenossen geopfert nur zu dem einen Zweck, die M. P. zu zerstören". Seine Funktion", die M. P. in dem von ihm umschriebenen Sinne zu reorganisieren", hat er anscheinend nicht nur wenige Tage vor der Märzaktion übernommen, sondern sie mit der Märzattion selbst begonnen. Durch einen verpfuschten Butsch, durch Bomben und Handgranaten wollte Eberlein also anscheinend die Unzwedmäßigkeit der illegalen Soldatenspielerei und des Putschismus mit einem einzigen Schlage nachweisen. Wir haben für eine solche Methode zwar immer noch kein Verständnis, aber wir sind dafür um so gespannter auf die Bekenntnisse dieser wahrhaft schönen Eeele, die in weiteren Artiteln folgen werden. Friesland, Braß und Malzahn gemaßregelt Die Sorge um die Lenitische Opposition zerstört den Leuten von der Kommunistischen Zentrale selbst die wohlverdiente Ruhe der Weihnachtstage. Nach einem Bericht der„ Roten Fahne" hat die Zentrale der K. P. D. in ihrer Sigung vom 27. Dezember Fries= 1 and seiner Funktion als Zentralmitglied und Braß und Malzahn ihrer Parteifunktionen bis zur Tagung des Zentralausschusses enthoben. Damit sind die drei zunächst zu Parteimitgliedern zweiten Grades degradiert worden, zu Parteimitgliedern, die nicht befähigt sind, Parteifunktionen zu befleiden. Den drei Gemaßregelten wird vorgeworfen, daß sie gemeinsam einen Aufruf an die Mitglieder der Partei erlassen haben, ,, der durch unbestimmte Verdächtigungen und Berleumdungen die Partei schädigt". Daß die Zentrale es nicht mehr wagt, auf Bergehen gegen die Parteidisziplin, wie sie sie versteht, einfach mit dem Ausschluß zu antworten, was früher in ähnlichen Fällen zweifellos sofort geschehen wäre, ist ein Zeichen dafür, daß sie fich[ ch wa ch fühlt. Sie scheint allmählich zu merken, daß nach allen Reinigungen" an ihrer Partei bald nichts mehr zu reinigen sein wird. Mehr und mehr bleibt übrig ein dürftiger und haltloser Parteisplitter, der nur noch die einzige Wirkung hat, als Hindernis der Zusammenfassung aller politischen Kräfte des Proletariats fortzubestehen. Beitragsvorschuß auf eine fünftige Arbeitslosenversicherung Von S. Aufhäuser II.*) Nach dem Entwurf über ein Rotgesetz zur Erhebung von Beiträgen zu einer fünftigen Arbeitslosenversicherung wären alle der Krankenversicherungspflicht unterstehenden Arbeiter und Angestellten, ausgenommen die landwirtschaftlichen und die im häuslichen Dienst tätigen Angestellten und Arbeiter, beitragspflichtig. Zu derselben Zeit, da die Regierung es immer noch unterläßt, die besigenden Kreise durch gesetzliche Maßnahmen auch nur zur Entrichtung ihrer seit ein und zwei Jahren fälligen Steuern zu zwingen, wagt man es, der ar beitenden Bevölkerung Vorschußbeiträge auf eine kommende Arbeitslosenversicherung abzuverlangen, über deren Aus gestaltung heute niemand Angaben machen kann. Es ist die übelste Methode einer Gesetzgebung- von Sozialpolitif kann dabei überhaupt nicht die Rede Tein, Beitragslasten zu einer Einrichtung festzulegen, deren Beschaffenheit dem Beitragszahler völlig unbekannt ist. Diese vorläufige Bei tragszahlung ist aber zugleich die prinzipielle Festlegung auf ein Versicherungssystem, dessen Einführung ein mehr als zweifelhaftes Experiment bedeuten würde. Es hat sich bes reits auf anderen Gebieten der Sozialversicherung, z. B. der Invalidenversicherung, gezeigt, daß die Ansammlung von Kapitalien bei der anhaltenden Geldentwertung völlig verfehlt ist, und es steht zu erwarten, daß bei der Re form der Reichsversicherungsordnung dieses überholte Ver ficherungsprinzip durch das staatliche Fürsorgeprinzip ganz oder teilweise ersetzt werden wird. Auf keinen Fall ist es angängig, inmitten dieser im Fluß befindlichen Reformbewegung der gesamten Sozialversiche rung nun auch noch einen weiteren Zweig der Versicherung nach dem alten, unhaltbar gewordenen System neu einzu führen. Abgesehen von den versicherungstechnischen Bedenken ist vom sozialen Standpunkt aus Einspruch zu erheben, daß durch ein Notgesetz in die gesamte Erwerbslosenfürsorge, die bisher aus Reichsmitteln bestritten worden war, eine grund fäßlich neuartige Lastenverteilung eingeschmuggelt werden soll. Denn wenn zunächst auch jeder Arbeiter und Angestellte wöchentlich nur eine Mark entrichten soll, so weiß doch jeder Kenner der Materie, daß dieser Betrag in fürzester Zeit um ein Vielfaches erhöht werden wird, um den Ausgleich herzu stellen. Die Arbeitnehmer sollen nur erst einmal grund fäglich die formale Drittelung der Lasten unter Reich, Arbeitgeber und Arbeitnehmer anerkennen; die nötige Bei tragserhöhung fommt dann ganz von selbst. Der Arbeitsminister hat bei seinem Einseifungsversuch auch feine Hemmungen gezeigt, gegen die Reichsverfassung zu handeln. Der Art. 163- der Verfassung besagt ausdrücklich: Jedem Deutschen soll die Möglichkeit gegeben werden, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unterhalt zu erwerben. Soweit ihm angemessene Arbeitsgelegenheit nicht nachgewiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhalt gesorgt. Das Nähere wird durch besondere Reichsgesetze bestimmt." Dieser Verfassungsbestimmung entsprach, wenn auch in unzulänglicher Weise, die bisherige Reichserwerbslosenfür forge. Wenn sich das Reich dieser Pflicht in Zukunft entledi gen will oder sie auch nur teilweise abwälzen will, dann hätte eine Aenderung der Verfassung vorauszugehen. Die Rück wärtsrevidierung der Verfassung durch ileine, äußerlich uns scheinbare Notgesetze ist ein Täuschungsmanöver. Die Arbeitslosen sind das Opfer der kapitalistischen Gewinnwirt. schaft, ihr Anspruch an die Gesellschaft auf Unterhaltspflicht fann nicht preisgegeben werden. Und es ist nicht wahr, wenn bei den Beratungen immer wieder davon gesprochen wird, daß die Arbeiterschaft dem Grundgedanken einer Arbeits. Tosen versicherung zustimme. Aber selbst die Anhänger einer Arbeitslosenversicherung dürften sich nicht dazu hergeben, einer vorläufigen Beitragszahlung zuzustimmen, bevor das Gesetz über die Versicherung selbst befannt ist. Gollen Arbeiter und Angestellte Beitragslasten übernehmen. ohne daß die heutigen Leistungen der Erwerbslosenunterstützung, verbessert werden? Ist man be reit, den im Notgejez enthaltenen Verzicht auf jede Selbstverwaltung zu schluden? Sobald eine gefegliche Arbeits Iosenversicherung fommt, bleibt auch die bureaukratische Reglementierung nicht aus. Die Beiträge sollen aber bezahlt werden ohne Rüdsicht darauf, welche Fallstride in dem kommenden Gesetz für den Unterstügungsempfänger gezogen werden. Die Regelung der Bezugsdauer, die vierwöchent liche Nachprüfung der Arbeitswilligkeit", die Behandlung ausgesperrter Arbeiter, die Unterstügung der Kurzarbeiter, die Organisationen der Meldewesens und viele weitere Einzelfragen sind sämtlich noch offen. Werden sie nach dem Willen der Unternehmervorschläge gelöst, so wird das kom mende Arbeitslosenversicherungsgesetz eine weitere Knebe lungsvorrichtung. Die Gestaltung des Arbeitsnachweis gesetzes zeigt wahrlich schon deutlich genug, in welcher Rich95 *) Siehe auch Freiheit" Nr. 604. tung fich fünftig die gefeßlich geregelte Arbeitsbeschaffung| nisstrafe unter einem Jahre verurteilt waren. Rechnet 1 bewegen wird. Ist es weiter ein Zufall, daß die Landwirtschaft von der Beitragspflicht ausgenommen ist und ebenso das Hauspersonal? Als es sich darum handelte, die reichen Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge locker zu machen, hat der Arbeitsminister die notleidende Landwirtschaft recht gut bedacht, Beiträge dagegen können die Herren Agrarier nicht bezahlen. Bei den Hausangestellten meinte einer der Regierungsvertreter etwas naiv, ,, daß die Haushaitun gen der Festbesoldeten eine weitere Belastung nicht mehr ers tragen fönnten. Also um der wenigen Festbejoldeten willen, die sich heute noch eine Hausangestellte leisten fönnen, befreit der Arbeitsminister auch alle übrigen kapitalistischen Haushaltungsvorstände von sozialen Lasten einfach rührend. Mit der Einziehung der Beiträge will das Reichsarbeitsministerium die Oristrantentassen betrauen. Er. freulicherweise hat jedoch der Hauptverband deutschen Ortsfrantentassen recht deutlich abgewinkt und dem Reichs arbeitsminister gegenüber seine schweren Bedenten gegen das Notgesetz mitgeteilt. Die Einwendungen des Ortstran tentassenverbandes und der entschiedene Protest des AfABundes( siehe Freiheit Nr. 602) werden indes nur Erfolg haben, wenn die organisierte Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit in eine energische Abwehrbewegung gegen den Plan des Reichsarbeitsministeriums eintritt. Es ist dabei feine Zeit zu verlieren. Wenn die Rotgesehmacher nicht gestört werden, so hoffen sie bereits mit Wirkung vom 1. Februar 1922 die ersten Beiträge für die spätere fagenhafte Arbeitslosenversicherung einfassieren zu fönnen. Die Arbeiterschaft hat jetzt die Wahl: Ents wederfämpfen und Rechte sichern oder: 3ah= Jen und Mund halten. Die Affion der Landwirtschaft Die sogenannte„ Siffsaktion" der deutschen Landwirtschaft macht von neuem von sich reden. Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft hat an den Reichsverband der deutschen Industrie ein Schreiben gerichtet, worin er die Mitwirtung und Unterstügung der Industrie bei der Aktion der Landwirtschaft fordert. Dieses Hilfsmert der Landwirtschaft soll, wie wir schon berichtet haben, bestehen in einer Vermehrung der landwirtschaftlichen Produktion. Diese Pläne seien nur durchführbar, heißt es in dem Schreiben, wenn die Industrie durch eine großzügige Bermehrung der Produktionsmittel der Landwirtschaft, insbesondere an Dünger, Kohlen, landwirtschaftlichen Maschinen, Textilwaren und einer großen Zahl anderer industrieller Erzeugnisse ihre Anstrengungen mit uns vereint und dadurch gleichzeitig die Stärtung des inländischen Marktes herbeiführt." Wir haben schon darauf hingewiesen daß eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produition wohl zu begrüßen wäre. Aber wir haben zunächst den Verdacht, daß diese mit großer Reflame angekündigte Attion nur ein Trid ist, damit die landwirtschaftlichen Kreise einen neuen Vorwand haben, um bei den gegenwärtigen Steuerdebatten die Befreiung der Landwirtschaft von den Steuerlasten vertreten zu können. Wir werden demnächst ausführlicher auf die ganze Angelegenheit ein pehen. Der Straferlaß für die Märzopfer Wie der Vorwärts" mitteilt, beträgt die Zahl der auf Wunsch des Reichspräsidenten vom Reichsjustizminister zu Weihnachten begnadigten Märzopfer 208. Es ist dabei zu bemerken, daß es sich hierbei vorläufig nur um eine Strafunterbrechung handelt, mit der Aussicht auf be ding ten Straferlaß nach Prüfung der einzelnen Urteile. Haftentlassen wurden auf telegraphische Anweisung des Reichsjustizministers solche Gefangene, die zu einer GefängLebergangserscheinungen Bon Abolf Allwohn Die geschichtliche Entwicklung geht ihren ehernen Gang. Der fühne Glaube oder auch die kühne wissenschaftliche Einsicht eines Marg und Engels, daß die Periode des Kapitalismus in bie des Sozialismus übergehen muß, diese fühne Voraussicht fönnte in unseren Tagen bei allen zu einer flaren Gewißheit und Leuchtenden Bestimmtheit tommen, wenn ja, wenn man die Zeichen der Zeit beachten wollte. Leider sind hier viele mit Blindheit geschlagen. Oder fie tragen Brillen, die von vielen Vorurteilen und vielen Privatinteressen völlig verfärbt sind. Die Vorzeichen des tommenden Sozialismus mehren sich für den, der sehen will und zu denken versteht. Gewiß herricht noch die Nacht, und ängstlichen, pessimistischen Gemütern Scheint fie immer schwärzer und fälter zu werden. Sie will und will nicht weichen, und so sind viele in Gefahr, des langen Wartens müde zu werden und sich in der Finsternis einzurichten, so gut es eben geht. Leider sind auch viele Arbeiter dieser Gefahr verfallen, und doch gilt es um jeden Preis, wachend anzufämpfen gegen die Schlaftrunkenheit und gegen das Beharrungsvermögen der schönen Träumer. Nut, wenn wir immer mehr Menschen wachrütteln und uns selbst vom beginnenden Er wachen immer hellsichtiger machen lassen, nur dann werden wir das Anbrechen des neuen Tages in Schönheit und Größe gestalten tönnen. Wir wollen einen Teil des beginnenden Erwachens verfolgen und uns davon mit den Kräften neuer Hoffnung durchdringen lassen. Wie schon gesagt, ist dies Erwachen allerdings noch sehr traumgehalten. Aber dem tiefer Blidenden zeigen sich doch die feimträftigen Anfagpunkte eines großen kommenden. Es handelt sich eben um Uebergangserscheinungen, die aber doch dem Sehenden sichere Vorzeichen des fommenden Sozialismus find. Daß es auf wirtschaftlichem Gebiete solche Uebergangserscheinungen gibt, ist dem Margiften ja nichts Neues, weiß er boch, daß die letzte Entwidlung des Kapitalismus, z. B. in der Konzentration des Kapitals und in dem Uebergang der Betriebe • aus Privatunternehmungen in unpersönliche Gesellschaftsunternehmungen, ungewollt dem Sozialismus vorarbeitet. Auch auf dem Gebiet der Politif lassen sich schwächliche Uebergangserscheinungen in der sozialen Gesetzgebung und in der immer mehr wachsenden Einsicht feststellen, daß sich gegen die Arbeiter, gegen die sozialistisch eingestellten Massen, nicht regieren läßt. Hinweisen fann man außerdem noch auf den Willen zur Wölfer persöhnung und auf die Friedensbewegung, die zu einem Teil schon erkannt hat, daß Imperialismus und Militarismus fich nur unter gleichzeitiger Bekämpfung des Kapitalismus wirtfam beseitigen lassen. Aber von diesen mehr zutage liegenden Erscheinungen soll hier nicht die Rede sein, sondern von BerSchiebungen und Vorwärtsentwidlungen auf den Gebieten ber Kunst, der Welt- und Lebensanschauung und der Religion. Daß die neue Kunst im Expressionismus immer mehr " man zu diesen Entlassungen die bereits vorher auf Grund ordnungsgemäßer Gnadengesuche erfolgten Freilassungen, dann übersteigt die Zahl der Begnadigten insgesamt 300. Wir erheben auch heute wieder die Forderung auf Straferlag für alle aus idealen Motiven begangenen politischen Vergehen. Die Wiedergutmachung der fürchterlichen Ausnahmejustiz gegen die Opfer des Märzputsches darf mit diesem ersten Schritt nicht beendet sein. Insbesondere darf nicht halt gemacht werden bei hohen Strafmaßen. Nicht immer ist das hohe Strafmaß der Schwere des Vergehens entsprechend gefällt worden. In vielen Fällen war einfach entscheidend, vor welchem Ausnahmegericht der Angeflagte stand und in welche besondere Umstände der Täter verwidelt war. Dann aber erlaubte es die geradezu automatisch arbeitende Verurteilungsmaschine der Ausnahmegerichte gar nicht, die einzelnen Fälle gründlich zu behandeln. Den Angeklagten wurden vielfach die Bemeismöglichkeiten ab= geschnitten, und die Urteile standen oft fest, ehe die Vers handlung begonnen hatte. Es ist also nur eine ernste Pflicht der deutschen Justiz, wenn diese schweren Berfehlungen, die das Mißtrauen zur Rechtsprechung ungeheuer vertieft haben, schnellstens wieder gutgemacht werden. 02 1191 Das Unglück von Mont Cenis Berstoß gegen die Bergpolizeiordnung durch die Wertsleitung Das schwere Unglück auf der Grube Mont Cenis, das vor einem halben Jahre zahlreiche Bergarbeiter dahingerafft hat, dürfte die Oeffentlichkeit von neuem ernsthaft beschäftigen. Bei der Untersuchung nach den Ursachen ist bisher nicht viel herausgefommen. Die Zechendirektion beschuldigte die Arbeiter, fie hätten die bergpolizeilichen Vorschriften nicht beachtet. Der Betriebsratsvorsitzende, der Unionist Tuczynski, hatte bisher gegenüber diesen Beschuldigungen seiner toten Kameraden geschwiegen. Plöglich erklärte er in einer Versammlung der Zeche Mont Cenis in Sodingen, er set über die Ursachen des großen un glüds sehr wohl im Bilde. Bisher hätte er geschmiegen und auch dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß gegenüber Angaben gemacht, die nicht richtig seien, aber er hätte niemand bes lasten wollen. Die Mörder feien noch auf Mont Cenis beschäftigt. Jetzt würde er nicht mehr schweigen, sondern die volle Wahrs heit sagen, weil die Zechenverwaltung Strafantrag gegen die " Rote Fahne" stellte. Der Bergarbeiter Verband ist den Dingen nachgegangen. Die Werksleitung hatte erklärt, daß die Explosion durch einen verbotswidrigen Sprengschuß eingetreten sei. Ste sei deshalb schuldlos. Bei der neuen Untersuchung durch den Bergarbeiter- Verband stellte sich jedoch heraus, daß dieser verbotswidrige Schuß durch den Schießhauer Pauli abgegeben worden ist. Dieser Pauli war ein Glowene, der kein Wort deutsch lesen konnte. Die Bergpolizei- Ordnung schreibt jedoch vor, daß Schießhauer der deutschen Schriftsprache kundig sein müssen. Die Bergarbeiter- Zeitung" stellt fest, daß die Beschäftigung Baulis nicht nur eine Begünstigung ber Explosionsursache durch die Werksleitung, sondern auch ein diretter Verstoß gegen die Bergpolizei- Ordnung gewesen ist. Sie wirft die Schuldfrage auf: Trägt der tote Pauli die Berantwortung für den verbotswidrigen Schuß oder diejenigen, welche Bauli verbots. widrig zum Schießhauer gemacht haben? Mit Bewunderung erfüllt uns zunächst jener revolutionäre" Unionist, der als Betriebsratsvorsitzender während der Unterfuchung über die wahren Ursachen des Unglüds geschwiegen hat, obwohl er sie genau fannte. Er nahm ruhig alle Beschuldigungen gegen seine gemordeten Kameraben hin und schonte die tapi talistischen Interessen und ihre Sachwalter, von denen er wußte ,. daß fie den Mord verschuldet haben. So haben wir uns immer einen Revolutionär" vorgestellt. Sodann erwarten wir, daß die Regierung ber Katastrophe auf Mont Cenis von neuem ihre Aufmerksamkeit zuwendet. Die Sozialistische Gesinnung zeigt, ist ja schon von Adolf Behne( Freie Welt" Nr. 23) eingehend dargelegt worden. Zum Aufhorchen und Aufmerten müßte uns vor allem die völlig revolutionäre Einstellung der neuen Kunst, dieser Kunst unserer Zeit, peranlassen. Die bürgerlichen Kritifer haben wirklich recht, wenn sie vom„ Bolschewismus in der Kunst" sprechen, denn das Zerstörende und Niederreißende, was sie mit diesem Schimpfwort belegen, ist in der Tat unverkennbar. Die alten Formen und die alten Inhalte sind in gleicher Weise zertrümmert. Bolschewismus, d. h. hier Abbau und Chaos, tann aber nur eine Uebergangserscheinung sein, denn ohne Aufbau und Anknüpfung ist für die Dauer fein Leben möglich. So erhebt sich im Expressionismus aus der Zertrümmerung der Form, aus dem blinden Wüten ber entfesselten Elemente die neue Formung, der Kosmos, d. h. die organische Ordnung in Harmonie mit dem Ganzen. Sowohl Chaos" wie„ Kosmos" haben ihren Ausgangspunkt in der sogialistischen Gesinnung, denn diese bedeutet einmal revolutionären Kampf und Vernichtung der alten Welt, dann aber mit aller Entschiedenheit Ordnung, allerdings nicht jene mechanische, auf 3wang und Willkür beruhende der absterbenden Gesellschaft, sondern jene organische, die erst die Schönheit des einzelnen in der lebendigen Beziehung zur ganzen Gemeinschaft ermöglicht. Auch die Gegen standslosigkeit des Uebergangsexpreffionismus und die neue ,, Gegenständlichkeit" der jüngsten Kunstentwidlung stehen in innigster Beziehung zur sozialistischen Gesinnung. Sozialismus bedeutet doch einerseits Aufhebung des Wertes und des Rechtes des Einzelmenschen( des Einzelgegenstandes in der Kunst) und Betonung der Masse und der Gemeinschaft, andererseits aber Ermöglichung eines wahren Menschentums aller, wobei natürlich der Unterschied zwischen diesem und der Persönlichkeitskultur des Kapitalismus wohl zu beachten ist. Die Individualität des tapitaliftischen Zeitalters ersteht auf einem Raub an Anderen und auf einer Rüdsichtslosigkeit gegenüber der Gesamtheit( daher sehen wir auf den Gemälden der alten Kunst jene talt und lieblos in die Landschaft hineingesetzten selbstbewußten und scharf abgegrenzten Gestalten), das Menschentum des sozialistischen Zeitalters dagegen ist eine Freiheit aller und eine freudige Brüderlichkeit mit der ganzen Welt, ja, mit dem All( daher die in inniger Verbindung mit der Umgebung stehenden und aus ihrer Tiefe, d. h. der Tiefe des Weltganzen, herauswachsenden Gestalten der neuesten Kunst). Alle diese inneren Beziehungen laffen uns im Expressionismus ein Unterpfand des Kommens des sozialistischen Zeitalters erbliden, wenn wir auch fonstatieren müssen, daß dies Unterpfand noch start belastet ist mit den Dekadenzstimmungen einer unter gehenden Welt. Es handelt sich eben um eine Uebergangserscheinung. So wie hier aus der Mitte der bürgerlichen Kultur heraus bem Streben nach sozialistischer Kultur ein Bundesgenosse erwachsen ist, und zwar infolge des tieferen inneren 3wanges der Entwid lung, so ist es in ähnlicher Weise auf dem Gebiet der bürgerlichen Welt- und Lebensanschauung mit der vorwärtsbringenden Jugendbewegung der Fall. Allerdings herrscht hier noch viel mehr altes, absterbendes und in Träumerei Zurüdgebliebenes fanft entschlafene Untersuchung muß von neuem aufgenom men werden. Der Bergarbeiter- Verband hat seine Schuldigkeit bereits getan, die Regierung hat die ihrige noch zu tun. Die oberschlesischen Berhandlungen DE. Warschau, 27. Dezember. Aus den Kreisen der polnischen Oberschlesien- Kommission wird ein vermutlich vom Kommiffionsvorsitzenden Olszowsti stammender Rückblick auf die bisherigen Ergebnisse der Obera. Schlesien- Verhandlungen der Presse zugänglich gemacht. In der Kohlenfrage herrsche volle Einigkeit; deutscherseits würden feine Garantien für ein bestimmtes Kontingent für Kohlen ge fordert. Auch in der Valutaftage si ein deutsches Ents gegenfommen zu verzeichnen ,, da das Gesek über die Kapitals. flucht für nach Polnisch- Oberschlesien ausgeführtes deutsches Geld gemilbert werden soll. Ueber das Berbleiben der Filialen der deutschen Reichsbank und der D- Banken dürfte Anfang Jas nuar entschieden werden. Keine Einigung tonnte noch über die Eisenerzmenge erzielt werden, welche aus Deutschland zu liefern sei. Aus dem Elektrizitätswert Oltazzewo soll eine Aftiengesellschaft mit polnischer Beteiligung geschaffen werden. Ueber die vorläufig unentschiedenen Eisenbahnfragen sollen die Verhandlungen morgen wieder aufgenommen werden; auch in der Kommiffion für Minderheitenschug stoden gegenwärtig die Verhandlungen. Die Frage der fünftigen gemischten Kommission stand noch nicht zur Verhandlung. Kleine Nachrichten Ruth Fischer aus der Saft entlassen. Wie die Rote Fahne" mitteilt, ist die Kommunistin Ruth Fischer gegen Raution aus der Haft entlassen worden unter der Bedingung, sich in einer bes timmten Wohnung aufzuhalten. Die Verhaftung erfolgte wegen Nichtbefolgung eines Ausweisungsbefehls. Eisenbahner- Teilstreits im Bezirk Elberfeld. Auf Stationen des Eisenbehndirettionsbezirts Elberfeld find gestern Teil austände von Eisenbahnern ausgebrochen. In Vohwinkel und auch in der Güterabfertigung Elberfeld Steinbed ist ein Teil der Arbeiter ausständig. B. I. S. und Auslandsdienst. Der vom Auswärtigen Ausschuß des Reichstages eingelegte Unterausschuß zur Untersuchung der Verträge der Continental Telegraphen- Compagnie ( W. T. B.) mit ausländischen Depeschenagenturen hat dem Aus schuß Bericht erstattet. Er teilt mit, daß er zu Ausstellungen feinen Anlaß gefunden hat. Nene Waffenfunde in den Rodstrohwerken. Wie die„ Dena erfährt, sind bei den Rodstrohwerten in Dresden- Heibenau neuerdings Waffenfunde gemacht worden. Es handelt sich nach ben bisherigen Nachrichten um etwa 180 sogenannier Rohlinge für Saubikmantelrohre, d. h. um Schmiedstücke ohne jegliche weitere Bearbeitung und um gegoffene Schmieditüde( Rohrgüsse ohne Züge). Die Funde sollen vollkommen verrostet ein und att ihrem Fundorte schon seit dem Kriege gelegen haben. Warum ist das Material, wenn es pertlos ist, nicht schon längst abgeliefert worden? Albanien geräumt. Das Londoner Auswärtige Amt teilt mit, daß die jugoslawischen Truppen Albanien geräumt haben. Der Rüdzug der jugoslawischen Truppen aus Albanien erfolgte auf Einspruch der Botschaftertonferenz. Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien. Die Grazer Tagespost" meldet aus. Welgrad: Der bisherige bulgarische Geschäftsträger Todorow wurde zum Gesandten ernannt. Damit find die diplomatischen Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien wieder hergestellt. Rüdgang der amerikanischen Geschäfte mit Europe. Wie ben Newport Herald" aus Washington gemeldet wird, ergibt bie Statistit über die elf ersten Monate des Jahres 1921, daß die Geschäfte mit Europa um 50 Prozent hinter denen des Jahres 1920 zurüd geblieben sind. Ein ungarischer Ueberfall auf tschechisches Gebiet. Narodni Listy" melden, daß in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch Don bewaffneten ungarischen Banden auf die Station Kaluha bei Kaschau ein Ueberfall verübt und die Betriebsbeamten er schossen wurden. als in der expressionistischen Kunst. Dennoch sind revolutionäre und sozialistische Anläge unverkennbat, was uns nicht weiter verwunderlich sein wird, wenn wir bebenken, daß die Jugendbewegung getade dem Rampf gegen die unterbrüdende Bürgerlichfeit ihr Dasein verdantt, wie man denn auch schon öfters von dem „ Klassentampf der Jugend" gesprochen hat. Unver fennbar ist vor allen Dingen das Abtun der bürgerlichen Formen in Lebenshaltung. Kleidung usw. Aber auch das Hinausiommen über die bürgerliche, unwahre Jdeologie( Erbauung romantischer. Luftschlösser) wird in der„ Entschiedenen Jugend" und in der neuorientierten Zeitschrift Freibeutsche Jugend" immer mehr zur Tatsache. So fönnen wir z. B. der programmatischen Stunt gebung des politischen Dezernates der E. J. D.( Entschiedene Jugend Deutschlands) in der Freideutschen Jugend", 1921, Seft 4, folgende Ausführungen entnehmen:„ Eine Befreiung der gesamten Jugend ist in diesem Staat, mit dieser Wirtschaft, diesen Schulen, diesen Kirchen, dieser Presse, dieser Moral unmöglich.... sondern erst in einer lassenlosen Gesellschaft. Wir betennen uns deshalb zum Kommunismus und sehen in der tommunistischen Wirtschaft die Grundform für das Zusammenleben der Menschen. die allein alle heute brachliegenden Kräfte lösen, alles verhüttete Leben erweden und die allein der Größe geistigen Seins in Wahrheit entsprechen wird. Denn, wie auch der quellende Strom des neuen Lebens sich schließlich offenbaren wird, eine Welt des Geistes wird endere Werte ertennen als eine Welt ber macht." Entsprechend dieser programmatischen Rundgebung, die wir hier nicht in vollem Umfang zitieren fönnen, hat die E. J. D. auch wirklich schon öfters in und mit dem Proletariat gefämpft, besonders hat sie sich im Ruhrgebiet an den Kämpfen, die sich an den Kapp. Butsch anschlossen, mit all ber Hingabe und der Aufopferungsfreudigkeit, wie sie der Jugend eigen sind, beteiligt, woraus zu ersehen ist, daß die idealistische Formulierung des tommunistischen Zieles tein Hindernis für eine traftvolle Tateinstellung gewesen ist.( Die E. J. D. ist inzwischen offiziell zum Kommunismus übergetreten. Die Red.) Auch auf dem Gebiete der Religion machen sich Berschiebungen und Umwälzungen bemertbar. Wenn hier von Religion die Rede ist, so sind damit nicht jene Ruinen der alten Reli gion gemeint, die sich zwar bis in unsere Gegenwart mühsam erhalten haben, in benen aber wahre Religiosität fast völlig aus. gestorben ist. Vielmehr handelt es sich bei der religiösen Welle, die mit dem Weltkrieg eingesetzt hat und in unserer Zeit immer Stärler wird, um eine neue Wertschägung des Irrationalen. bes mit der Bernunft nicht Faßbaren. Wir fönnen diese Vorliebe für das rein Gefühlsmäßige, das Uebervernünftige und Under nünftige, das Geheimnisvolle, aber auch das Schwärmerische, Etstatische und Mystische auf den verschiedensten Gebieten fonstatieren, z. B. im Expressionismus, im neuesten Drama ( Symboldrama), im Film, in der Verehrung der indischen Geisterwelt( Rabindranath Tagore), in der Sinneigung zu Theosophie, Ottultismus und Spiritismus, aber auch in der Sehnsucht zum Raturerleben, in den proletarischen Feiern und in den Arbeiterdemonstrationszügen. Ueberall handelt es Die Entente und Rußland , Französische und englische Dementis Die auch von uns gebrachte Meldung der Londoner Times", daß Briand und Lloyd George beschlossen hätten, die Vertreter der Sowjetregierung Tschitscherin und Litwin off zu einer Wirtschaftskonferenz nach London einzuladen, wird vom französischen auswärtigen Ami als falich erflärt. Niemals fei eine derartige Entscheidung getroffen worden. Dieses schnelle Dementi von französischer Seite mag formell zutreffen oder nicht. Tatsache ist, daß man in Frankreich die unter Clemenceau betriebene Politik des Stacheldrahtes gegen Rußland längst aufgegeben hat und daß Bemühungen um Abschluß eines Handelsvertrages im Gange find. Tatsache ist auch, daß der Gedante einer internationalen Konferenz, der anläßlich der letzten Londoner Besprechungen zwischen Lloyd George und Briand greifbare Gestalt gewonnen hat, Rußland in seine Kombinationen miteinbezieht, wie denn überhaupt das Problem des russischen Wiederaufbaues und Rußlands Wiedereinbeziehung in die Weltwirtschaft eine hervorragende Rolle in London Spielte und aller Voraussicht nach auch in Cannes spielen wird. Wir haben schon immer darauf hingewiesen, daß eine europäische Lösung ohne Rußland feine Lösung ist. Das ist inzwischen auch den Staatsmännern der Entente flar geworden. Und so fann man als ziemlich sicher behaupten, daß in den Beziehungen zwischen den Westmächten und Sowjetrußland ein entscheidender Wechsel bevorsteht. Auch die englische Presse dementiert die ,, Times"-Nachricht von einer bevorstehenden Zusammenkunft Tschitferins mit Briand und Lloyd Georae. Die ,, Times" schreibt indes: Die Regierung sei für die Einberufung einer europäischen Konferenz in den letzten Tagen des Februar, zu der auch die Vertreter Sowjetrußlands, Deutschlands, Ameritas und Japans eingeladen werden könnten. Bis dahin würden Tschitscherin und Litwinoff in London gewesen sein. Unter den Bedingungen für die Wiederherstellung des internationalen San dels mit Rußland führt„ Times" an: Anerkennung des Privateigentums, der früheren Schulden, des Rechtes privater Unternehmungen, das Vorhandensein von Gesezen zur Erzwingung der Einhaltung von Kontratten sowie Bilanz- und Währungsbedingungen, die den Zeitläuften angemessene Sicherheiten bieten. Ein internationales Zusammenarbeiten fönne am wirfjamften gestaltet werden durch Bildung einer europäischen Finanzkorpotation, an der sich alle führenden europäischen Staaten, vielleicht auch Amerifa und Japan, beteiligen. Eine solche Kor= poration fönnte, wenn nötig, turflerendes Geld ausgeben, die Bebingungen festlegen, unter denen sie bereit ist, die Industrie zu finanzieren und den Wiederaufbau der Eisenbahnen Europas in die Hand zu nehmen. Eine Reuter- Meldung aus Washington besagt ebenfalls, daß die vor kurzem vorgenommenen bzw. die bevorstehenden Aenderungen in der Politik der Sowjetregierung vielleicht die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Den Bereinigten Staaten herbeiführen fönnten. Die vor furzem non der amerikanischen Regierung aus gegebenen Berichte feien sehr optimistisch bezüglich der Politif, die von der Sowjetregierung eventuell befolgt werden würde. Alle diese Meldungen, die selbstverständlich noch mit manchen Vorbehalten zu versehen sind, weisen aber doch im Grunde auf den Umsch wung hin, der sich in der Saltung der Großmächte gegenüber Sowjetrußland vollzieht und zum Teil bereits vollzogen hat. fich um den Gegensatz zur nadten Brutalität des Krieges und zur Entfesselung aller rohen Gewalten in der fapitalistischen Gegenwart, weiter um den Gegensatz zur einseitigen Berstandestultur der jüngsten Bergangenheit. Gegenüber biejer nüchternen Kälte ber Wirklichkeit zieht sich ein Teil der Menschen in die geheimnisvollen stillen Tiefen der Seele zurüd, während der andere Teil die Ursprünglichkeit des über den bloßen Verstand hinausgehenden inneren Lebenstriebes, des Triebes zur Freude, Reinheit und zum Gefühlserleben betont. Innerhalb dieser neuen Wertschägung des Irrationalen wurde nun die außerordentlich revolutionäre Kraft der wahren Religion neu erkannt, und zwar von zwei Bewegungen, der Neuwert: bewegung mit der Zeitschrift„ Das Neue Werk" und den Christlich Revolutionären mit der Zeitschrift Die Weltwende" Belde Bewegungen fühlen sich in inniger Berbundenheit mit dem Urchristentum, und zwar besonders mit der umstürzenden Tendenz der Jesusworte, die man seither so oft unterschlagen hatte, den Worten gegen den Mammon, gegen die Reichen, gegen den Nationalismus und Imperialismus. Außer dem sind die beiden Bewegungen eingestellt auf den Kampf des Uráristentums für das fommende Bruderreich, das Reich Gottes auf Erden, diese Sehnsuchtsgröße, die in der Jdee des ZukunftsStaates in unserer Zeit wieder aufgetaucht ist. In ihrer religiösen Haltung, in ihrem Willen zur Kriegsdienstverweigerung, in ihrem Pazifismus, in ihrer Liebeseinstellung zu allen Menschen kann man in dieser Bewegung etwas wie deut= Ihes Quatertum ertennen, während ihr Kampf gegen den Rapitalismus fie an die Seite der religiösen Sozialisten stellt. Der Unterschied zwischen den beiden genannten Bewegungen be teht etwa darin, daß Reumert" größere Geschlossenheit und stärkere religiöse Fundierung, dafür ein gewisses Fernbleiben von bem Gebiet der Tagespolitit zeigt, während sich die Chriftlich. Revolutionären noch im Zustand der chaotischen Untlarheit befinden, weil sie sich stärker in die politischen und sozialen Fragen hineinstellen und in ihren Reihen Menschen aus allen Lagern bis zu den Kommunisten, Syndikalisten und Anarchisten vereinigen. Doch haben auch die letzteren eine gemeinsame Basis in der Arbeit für das tommende Bruderreich und in der Losung, die ihnen der Führer der Bewegung, Dr. Strundmann, auf der ersten christlich- revolutionären Tagung in Stuttgart zugerufen hat:„ Euer Führer sei: Jesus Christus, nicht der Jesus Der Staatskirche oder des Kirchenstaates, nein, der revolutionäre Jefus, der eigenhändig mit der Geißel die Schieber und Wucherer aus dem Tempel trieb." Gegenüber dieser religiös- revolutionären Gesinnung, die sich auch sonst in unserem Kulturkreis mannigfad zeigt, tönnen wir ruhig den Worten einer sozialistischen Zeitung Bustimmen: wir erleben das Schauspiel, daß der hriftliche, der religiöse Gebante auf dem Wege ist, zum besten Bundesgenossen ber sozialistischen Arbeiterschaft zu werden". Im ganzen mögen die Tieferblidenden aus all diesen teilweise erfreulichen und teilweise noch unerfreulichen Uebergangss erscheinungen feststellen, daß der Sozialismus marschiert, aller Reaktion, die vielleicht noch anwachsen wird, zum Trog. Gie mögen sich in ihrer Gewißheit, daß der Zukunftsstaat tommen Gine Rede Lenins 39 Ein Sonderberichterstatter des„ Observer" meldet aus Mostau vom 23. d. M.: Lenin hielt bei Eröffnung des neunten Sowjettongresses eine von den 2000 Delegierten begeistert aufgenommene Rede, in der er die internationale und die innere Lage der Sowjetrepublik darlegte. Lenin sprach nicht als Führer der fommunistischen Partei, sondern als Premierminister". Er griff mit bitterem Sarkasmus die Kommunisten wegen ihrer Anficht an, daß es noch möglich sei, das Wirtschaftsproblem durch die Methode des Bürgerkrieges und tommunistischer Abgeschlossenheit zu lösen. Er sagte weiter, Rußland sei arm, erschöpft und schwach. Es werde jedoch nicht dulden, daß seine Friedfertigkeit zum Zwede des Angriffs benutzt werde. Das sollten sich Finnland, Polen und Rumänien gesagt sein lassen. Großes Aufsehen erregte die Erklärung Lenins, daß die Regierung vor den Sowjets Tongrej trete mit dem endgültigen Ersuchen, die Befugnisse der außerordentlichen Kommission wirksam zu beschränken. Der urSprüngliche Zweck der außerordentlichen Kommission sei undereinbar mit der neuen Wirtschaftspolitik und müsse den neuen Zeiten und der neuen Politit angepaẞt werden. Laut Daily Telegraph" sind besondere Maßnahmen getroffen worden, um zu verhüten, daß irgendwelche Informationen über den neunten Sowjetkongreß durchsidern. Jedes Mitglied des Rongresses muß einen besonderen Ausweis besigen, und die Gefretäre und Stenographen werden einer strengen Kontrolle unterzogen. Auf dem Kongreß werde auch die Anerkennung der russischen Staatsschulden erörtert werden. Die britische Delegation in Moskau verfolge jedoch die Lage sehr genau und werde ausgiebig Bericht erstatten. Die Rote Armee R. P. Auf der letzten Konferenz der Vertreter der Kadetten und höheren Militärschulen in Mostau hat Ttott einen Bericht über die Lage der Roten Armee erstattet. In diesem Bericht pries er, wie üblich, die Tapferkeit und Tüchtigkeit der Roten Armee. Er erwähnte n. a., daß der Kriegsrevolutionäre Rat der Republik die größte Aufmerksamkeit auf den organisatorischen Ausbau lentt. Trogfi sagte, daß vor der Demobilmachung die Note Armee 5 300 000 Mann start war. Jeht ist nach Trogti bie Rote Armee auf 1% Minionen Mann herabgelegt. Somit wäre die Rote Armee Sowjetrußlands ihrer Zahl nach die größte Armee in der Welt. Erläuterungen zum Entwurf des Agrarprogramms Bon Karl Marchionini. IIL Mittel- und Kleinbetriebe. Nach der Betriebszählung vom Jahre 1897 gab es im deutschen Reiche 5 712 516 Betriebe unter 100 Seitar. Durch den Friedensvertrag hat sich die Zahl der Betriebe um 10,16 Prozent ver mindert. Es sind somit, wenn man den Berechnungen die Zahl von 1897 zugrunde legt, 5 106 989 Betriebe verblieben. Als Klein- und Mittelbetriebe fann man die Betriebe von 2 bis 100 Hektar Bodenfläche bezeichnen. Ratürlich ist das tein allgemein gültiges Schema, sondern nur ein ungefährer Maßstab. Nach den Berechnungen von Agrarwirtschaftlern fann eine Bodenfläche von 1000 Quadratmetern, wenn sie intensiv bewirtschaftet wird, einen Menschen, ernähren. Eine Familie von 5 Röpjen würde also schon von dem Ertrag eines halben Heftars( amei preußischen Morgen) leben können. Und Betriebe von einem Settar tönnten Ueberschüsse abmezfen. Auf diesem hohen Stand stehen wohl nur wenige Kleinbetriebe, von den Großbetrieben ganz abgesehen. Doch die sozialisierte Bedarfswirtschaft muß die Produktion auf diese Höhe bringen. Heute gibt es noch viele Wirtschaften über zwei Heftar, die nicht mehr produzieren, als ste selbst verbrauchen. Es gab nach der Betriebszählung von 1897: unter 5 Ar 438 181 Betriebe von 5 bis 20 824 049 821 830 646 955 647 454 insgesamt 3 378 509 Betriebe • 50 20 50 32 99 " 9 50 Ar bis unter 1 Heftar 66 1 Heftar bis unter 2 Heftar 99 " " wird, weil er fommen muß infolge des tiefen inneren Zwanges der Entwicklung, neubestärkt fühlen und in dem Hinweis auf diese Vorzeichen ein Mittel finden, Träumende und Schlafende aus ihrer Lethargie zu erweden, damit auch sie voller Freude die Morgenröte des neuen Tages erbliden und sich rüsten zur befreienden und aufbauenden Tat. w Zwei neue Operetten: Die Spigentönigin"( WallnerTheater) und Der Frauenräuber"( Friedr.- Wilhelmstädt. Theater). Ein Mastenfest in Brabant um 1825, bei welchem die am schönsten fostümierte Dame als Spikentönigin erklärt werden soll. Eine Berwechslung der Rostüme durch den verwirrten Spikenfabrikanten findet statt Die Spitzendame hat einen Wunsch frei und fleht für das verwirkte Beben ihres Mannes, eines napoleonisden Offiziers. Er ist gerettet, die Opern- Operette ebenfalls. Jm Libretto von Richard Bars und Ostar Felix sind die Plaudersachen und die Wige, trok alter Wortverdrehungen, das Beste. Der Komponist Walter W. Goege, der durch seine Operette Ihre Hoheit die Tänzerin sich einen Namen gemacht hat, gehört zu jenen modernen Musikern, die eine gute Oper hätten schreiben oder nicht schreiben tönnen, bie aber jebenfalls ihr Talent in leichteren und einträglicheren Dienst gestellt haben. Das rächt sich meistens, so auch hier, wo die Melodien ein Abbild der Inszenierung des zweiten Aties abgeben. Alle Stile find vertreten: im alten Aquariumteller Unter den Linden find Fenster aus der Agia Sofia in Konstantinopel eingelassen, und neben einem Brunnen unter Palmen stehen bunte Bänke vom Bayrischen Platz und die berühmte Recamier- Chaiselongue. In der Musik unterhalten fich Puccini, Lorging und Mozart ganz ge= mütlich miteinander, ab und zu tritt Wagner hinzu, der eine geist reiche Wendung aus Tannhäuser" oder aus Lohengrin" zum besten gibt. Das hübscheste sind ein Dudelsaclied, eine Gavotte und das Hauptcouplet des letzten Attes. Elisabeth Balzer Lichtenstein gab eine fesche, etwas pathetisch ausholende Florence. Hans Ritter fang und spielte ausgezeichnet als Spigentaufmann, und 2uist Tiersch, seine Bartnerin, war durch Verve, Humor und gute Tanztechnik die Hauptanziehungsfbaft des Abends. Anspruchsloser, oft langweiliger( z. B. im ganzen ersten Art), dennoch gescheuter, operettenhafter ist Kurt 3orlig, der dennoch gescheuter, Komponist des Frauenräubers". Seine Mujit, samt Libretto( von Friz Grünbaum und Herbert Steined), steigert sich nom zweiten Att an, daß es eine Freude ist. Der Frauenräuber ist ein amerikanisch- jüdischer Filmfrösus eine sehr bepincierte und geschmadlose Figur, der sich vierundzwanzig Frauen engagiert, fie in feinem Balais eingesperrt hält und sich nun als Frauenräuber von der Bolizei fuchen läßt. Da gibt es nun natürlich noch einen falschen Frauenräuber, der vom Tenor des Abends gespielt wird. Den gab Car! Grünwald, halb OperettenKortner und halb Kurfürstendamm- Gentleman, schauspieleris recht gut, gelanglich-? Dafür fang Cordy Millowitsch mit etwas schreiendem, aber umfangreichem Organ sehr hübsch. Ihre Kunst und ihre Art neben der außerordentlichen Komit Langendorffs und der ganz famosen Routine Ida Per= rys machten ben Abend zu einem der gelungendsten der Operet ten- Saison. Von den Couplets wird man Signora, Signora, wie steht das, Mit den Besetas, mit den Befetas?" bald überall hören. Zum Lobenswertesten der beiden Abende gehört die wundervolle Tanzregie Jan Trojanowstis. A. N. TH- 1 3 minionen Betriebe im jetzigen Deutschland werben es drei Weidionen sein, waren 58,6 Prozent aller Betriebe. Bei Dem heutigen Stand der Produktion fommen fie als Ueberschus betriebe nicht in Frage. Man braucht sie deshalb auch nicht zus nächst dem allgemeinen Wirtschaftsplan zu unterstellen. Wohl aber muß ihnen die Gesellschaft Beistand leisten, damit sie ihre Betriebe leistungsfähiger gestalten können und damit die soziale und wirtschaftliche Lage der Familien dieser Kleinstbetriebe ge hoben werden kann. Die 3 378 509 Betriebe unter 2 Settar hatten auch nur eine Bodenfläche von 1731 311 Settar. Es sind vor allem die Betriebe pon 2 bis 100 Hektar, die als Klein- und Mittelbetriebe dem Wirtschaftsplan zu unterstellen sind. Nach der Betriebszählung von 1897 gab es 2 323 907 folcher Betriebe, und sie hatten eine Bodenfläche von 23 048 545 Seftar. Im jegigen Deutschland werden diese bäuerlichen Betriebe einen Boden von 21 Millionen Heftar haben; die Inhaber dieser Mittel- und Aleinbetriebe sind im Besiz des größten Teils des Grund und Bodens. Sie verfügen somit über eine gewaltige wirtschaftliche Macht, und wer da glaubt, daß man einfach über ihre Köpfe hinweg die Sozialisierung ihrer Betriebe betretieren fönnte, der irrt. Heute will der größte Teil dieser Betriebsinhaber vom Sozialismus, insbesondere von der Sozialis fierung seiner Betriebe nichts wissen. Die wirtschaftlichen Ver hältnisse tönnen sich auch für die Betriebe verschlechtern, denn die Grundlage dieser Betriebe ist die Papiergeldwirtschaft, ein sehr wanfender Boden. Die Sozialisierung dieser Betriebe tommt aber noch nicht in Frage. Es fann auf dem Lande nur etappenweise sozialisiert werden. Erst tommen die Großbetriebe dran. Sind hier muster. gültige Wirtschaften gefdjaffen, ist der Aufbau der Betriebe tech nisch vollkommen, ist die Produktion bei Schonung der mensch lichen und tierischen Arbeitskräfte bedeutend gestiegen, dann haben die Inhaber der Mittelbetriebe den schönsten Anschauungsunter richt über moderne und rationelle Wirtschaftsweise, und sie werden dann dem Sozialismus und der Sozialisierung anders gegenüber: Stehen als heute, zumal bei Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Berhältnisse. Dann wird die Sozialisierung der Mittelbetriebe erfolgen fönnen unter Mitwirtung und Mitbestimmung der Be triebsinhaber. Dabei fönnen ihre persönlichen Interessen soweit gewahrt werden, wie das die allgemeinen Interessen zulassen. Die Mittel- und Kleinbetriebe aber müffen in einer sozialistis schen Bedarfswirtschaft dem allgemeinen Wirtschaftsplan unterftellt werden. Man darf nicht etwa an die große Zwangsjade denken, in die diese Betriebe heineingesteckt werden sollen, es soll auch nicht von einer hohen Behörde dekretiert werden, was dis Produzenten zu tun haben. Einmal mug nach dem allgemeinen Wirtschaftsplan die gesamte Bodenfläche, soweit sie tulturfähig ist, bearbeitet werden. Dann find gewisse Richtlinien für die Produktion zu beachten, was schon bie planmäßige Bewirtschaftung erfordert. Und dann sind die gesellschaftlichen notwendigen Bestimmungen über den Absah der Produktion einzuhalten. Doch darüber soll nicht über die Köpfe der Betriebsinhaber entschieden werden, sondern die Aufstellung des Wirtschaftsplanes, feine Durchführung fann nur geschehen unter ihrer Mitbestimmung, wozu sie sich eine Organisation auf der Grundlage des Rätesystems zu schaffen haben. Ihre Ver treter wirken in allen Wirtschaftskörpern mit. Natürlich müssen fie auch wiederum den produktiv Tätigen, die in ihrem Betriebe als Lohnarbeiter beschäftigt sind, Mitbestimmungsrecht gewähren auf Grund der Bestimmungen über die Betriebsräte. Ist eine Rüteorganisation der Betriebsinhaber vorhanden, so wird man sich über eine zweckmäßigere Bodeneinteilung und Bewirtschaftung verständigen. Die Bewirtschaftung der Forsten geschieht am besten auf größerer Grundlage. Das Recht der bäuerlichen Bevölkerung auf Entnahme von Ruhholz, Brennstoffen, Streu- und Futters mitteln usw. muß natürlich gesichert werden. Unter fremdem Willen? Lo Rittag vor Gericht Mit der vom ärztlichen und vom juristischen Standpunkt hoch wichtigen Frage, ob ein Hypnotiseur, der einen Menschen im hyps notifierten, also willensunfähigen und im Sinne des§ 51 nicht straf fähigen Zustand Straftaten begehen läßt, als Anstifter oder als Selbsttäter zu bestrafen ist, wird sich am 8. Februar t. J. die Straf fammer des Landgerichts III zu beschäftigen haben. Angeflagi wegen gemeinschaftlichen Diebstahls und Betruges ist der Vors tragsredner und Hypnotiseur Leopold Miecyslaw Kittan, geboren 1889 in Sambor bei Lemberg in Galizien, während sich der Kauf mann Jidor Krisch, der Teppichhändler Alfred Joseph, beide aus Wilmersdorf, und der Kaufmann Hermann Roth wegen Hehlerei zu verantworten haben. Der Angeklagte machte seinerzeit unter den Namen 20 Rittag durch seine vielfach an das Gebiet des Ueberfinnlichen grenzenden Experimente auf dem Gebiete des Hypnotismus und der Telepathie viel von fich reden. Wie die Anklage behauptet, soll er jedoch auch die in ihm stedenden geheimnisvollen Kräfte bazu mißbraucht haben, Frauen, auf die er einen besonders Starten fuggeftiven Einfluß auszuüben verstand, zu Straftaten anzuftiften. Kittay war u. a. von dem am Kurfürstendamm wohnt haften Kaufmann Balte gebeten worden, seine Frau, die an Morphinismus und Schlaflosigkeit litt, zu heilen. In Gegenwart des Mannes und anderer Zeugen versezte Rittan Frau Balte in einen tiefen hypnotischen Schlaf, in welchem sie auf Geheiß des K. allerlei tat, was fie nachher nicht wußte. Als nun B. verreiste, bemerkte das Dienstmädchen des V. am nächsten Morgen, daß sich Kittan im Badezimmer aufhielt und sein Jackett im Schlafzimmer. der Frau V. auf der Chaiselongue lag. Nach dem Frübitid fam der Angeklagte Joseph, den Kittay telephonisch angerufen hatte, um Teppiche zu taufen. Bald darauf erichienen auch Kris und Roth. Der Verkauf der Teppiche für 20 000 Mart und 10 000 bzw. 1500 Mart Provision an Kittag und Josenh fam in Gegenwart der Frau Balte zustande, welche bei dieser Gelegen. heit erklärte, daß sie jetzt verreifen müsse und nach ihrer Rückkehr die gesamte Wohnungseinrichtung verkaufen wolle. An demfelben Tage reiste Kittay mit Frau B. und deren Freundin, einer Frau von Krosigt, nach Schierte, wo er beide Frauen in Gegenwart ber Hotelgäste mehrmals hypsotisierte. Schließlich soll K. belde mit einigen hundert Mark im Balasthotel in Berlin haben siken lassen, obwohl er den gesamten Erlös aus dem Teppichvert auf bei sich hatte. folge der wiederholten hypnotischen Experimente, die Kittay mit Frau Balte behauptete nun in dem Borverfahren, daß sie inihr vorgenommen habe, völlig in seinen Bann geraten und ein willenloses Werkzeug in seinen Händen geworden sei. Sie wisse von dem Verkauf der Sachen nichts, tenne die Käufer nicht und habe auch die Erinnerung an die Bergänge während der Reise völlig verloren, da alles unter hypnotischem Einfluß des Kittay geschehen sei. Die Anklage und die Berteidigung nehmen allerdings diefem angeblichen Trancezustand gegenüber eine etwas skeptische Sal tung ein. Insbesondere behauptet die Bezteidigung, bak Frau B. hon mehrfach ohne jeden hypnotischen Einfluß ohne Wissen ihres Mannes heimlich) Sachen verkauft und versezt und schon einmal die gesamte Wohnungseinrichtung zum Kaufe ausgeboten habe. Schließlich werden bezüglich der moralischen Qualifät der Zeugin bestimmte Beweise angetreten, so daß die Angabe des Kittan, er habe geglaubt, daß Frau B. zum Verkauf der Eachen berechtigt sei, burchaus glaubhaft erfcheine. Die Verhandlung selbst wird sich voraussichtlich zu einem kleinent medizinischen Kongres gestalten, auf welchem Fragen aus dem Gebiete der Psychologie, des Hypnotismus und der Suggestionswirkungen erörtert werden müssen. Eine unerhörte Maßnahme Bon Einwohnern des Hauses Griebenowstraße 10-11 wurde un gestern abend mitgeteilt, daß das städtische Wasserwert diesem Grundstück die Wasserzufuhr abgeschnitten hat. Das ist geschehen, angeblich, weil von dem Hausverwalter trog wiedera holter Mahnungen die Rechnung nicht bezahlt worden sei. Wir nehmen an, daß in dem Augenblid, wo diese unerhörte Maßnahme durch diese Wiedergabe zur Kenntnis der Deffentlichfeit gelangt, wieder zurüdgenommen ein wird. Damit ist aber bie Sache nicht erledigt. Es bleibt die Frage, ob ein Mensch, der eine solche Maßnahme anordnet in einem Zeitpunkt, wo in Berlin in größerem Umfange Grippeertranfungen auftreten und das Wasser als erstes Mittel zur Hilfe, zur Erhaltung der Reinlichkeit das Lebensnotwendigste Mittel ist, ungestraft einen derartigen Anschlag auf die Gesundheit und das Leben einer ganzen Reihe von Familien verüben darf. Wir verlangen vom Magistrat, daß er den für diese Maßnahme verantwortlichen Beamten sofort zur Rechenschaft zieht und ber Deffentlichkeit durch das Nachrichtenamt von dem Ergebnis Jeines Einschreitens Mitteilung macht. Ein gutes Geschäft Die Stadt Berfin hat für ihre 20 Bezirke ein neues Notgeld herausgegeben, und zwar in besonderer Ausführung für jeden Bezirk einen Schein über 50 Pf., der auf der einen Seite den Berliner Bären, den Trockenstempel der Stadt und die Aufschrift mit Wertangabe, auf der anderen Seite eine Ansicht aus der Geschichte des betreffenden Bezirks darstellt. Die Scheine werden in der Hauptsache durch die Schaffner der Berliner Straßenbahn zur Ausgabe gebracht, und trotzdem bereits über zwei Millionen Stück dieser Scheine verausgabt worden sind, ist kaum einer von ihnen im Verfehr anzutreffen. Fast ausnahmslos scheinen also diese zwei Millionen Stück 50- Pfennig- Scheine der Stadt Berlin der Sammelwut der Einwohner zum Opfer gefallen zu fein. Die zur Ausgabe bestimmten 20 Millionen Notgeldscheine werden also zum größten Teile als Reingewinn für die Stadt Berlin zu buchen sein. Statt 4 Jahre Zuchthaus, Freisprechung Die Wohltat des aus einem einzigen Paragraphen bestehenden Reichsgesehes vom 10. Mai 1920, nach welchem das Wiederaufnahmeverfahren gegen Urteil der außerordentlichen Kriegsgerichte für zulässiig erklärt wird, wurde dem Schneidermeister Ernst Kunze zu teil. Dieser war während des Ausnahmezustandes im Frühjahr 1919 vom außerordentlichen Kriegsgericht wegen räuberischer Erpressung zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, obwohl der Verteidiger schon damals den Einwand erhoben hatte, K. sei geistestrant. Sofort nach Intrafttreten des erwähnten Gesetzes wurde von Rechtsanwalt Dr. Frey der Antrag gestellt, das Verfahren wieder aufzunehmen, da der im Zuchthause befindliche Angeklagte tatsächlich zur Zeit der Tat geistestrant gewesen sei. Die gerichtsärztliche Beobachtung des K. bestätigte die Richtig feit dieser Behauptung, und die nunmehr zuständige Straffammer des Landgerichts I ertannte unter Aufhebung des kriegsgerichtlichen Urteils auf Freisprechung. Neue Sübring- Züge. Zur besseren Bedienung des seit der letzten Straßenbahntariferhöhung besonders start angewachsenen Frühberufsverkehrs auf dem östlichen Südringe werden vom 2. Januar ab zwischen 6 und 7,30 vormittags sechs neue Züge eingelegt werden, die in Schöneberg und Hermannstraße beginnen und in Stralau- Rummelsburg an die bestehenden nach dem Nordring laufenden Züge anschließen. Mit den neuen Zügen werden die Zugabstände auf dem Streckenabschnitt Hermannstraße- StralauRummelsburg im Frühberufsverkehr im allgemeinen auf 5 Minuten verdichtet. Auf der Strecke Niederschöneweide- Johannisthal- Treptow fallen vom genannten Tage ab die um 6,07, 6,17, 6,27, 6,37, 6,47 von Niederschöneweide- Johannisthal abfahrenden Nordringzüge aus. Kleine Mitteilungen. Die Bollmilchtatten für ben Monat Februar 1922 werden in sämtlichen Groß- Berliner Verwaltungsbezirten in den nächsten Tagen ausgegeben, und zwar in Alt- Berlin für die Kinder im 1. und 2. Lebensjahre am 9., 10. und 11., für die Kinder im 3. und 4. Lebensjahre am 12., 13. und 14. Januar 1922 Den Haushaltungen, denen Karten für verschiedene Altersstufen zustehen, sind sämtliche Milchtarten an einem Tage zu verabfolgen. Ferner gelangen A- Karten( für werdende Mütter) zur Ausgabe. Die Inhaber von Milchfarten haben die Februar- Milchbarten bis zum 26. Januar einschließlich dem Milchhändler vorzulegen. Die Postverwaltung ist bekanntlich aufs allereifrigste bestrebt, den Verkehr einzuschränken. Sie wünscht" nicht, daß die Brieffästen mit Drucsachen gefüllt werden, weil sie dann öfters geTeert werden müßten. Drucksachen müssen auf den Bostämtern eingeliefert werden, damit sie dann gelegentlich expediert werden tönnen. Die Post ist aber auch sehr peinlich davon berührt, daß einzelne Verwaltungen ihre Briefe an andere sammeln und dann der Schnelligkeit wegen durch eigenen Boten besorgen lassen. So etwas ist unethört. Sie ersuchte daher die Polizei, dies festzustellen, die Aften einzusehen und darüber zu berichten. Abermals ein großer Fortschritt, von dem wir gebührend Kenntnis nehmen. Ueber andere nächstens. S Parteijubilar. Der Genosse Julius Steffen, LangenbeckStraße, gehört seit 25 Jahren der sozialistischen Organisation an. In der Parteiorganisation, in der Gewerkschaft sowie auch im Arbeiterfängerbund ist Steffen stets unermüdlich tätig gewesen. Wir wünschen ihm. daß er noch recht viele Jahre seine erfolgreiche Tätigteit für die Arbeiterbewegung fortsetzen fann. Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgegend am Donnerstag. Ein wenig fühler, zweitweise aufflarend, jedoch überwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und frischen westlichen Winden. Botenfrauen sofort gesucht Spedition Gliesche Pankstraße 60( Laden) Spedition Franke Genter Straße 34 Epedition Werner Greifswalder Straße 29 " Freiheit"-Ausgabestelle Charlbg., Wallstraße 4 Spedition Stimming de Gun be Manpassant Romane u. Novellen 1. Fräulein Fift 2. Schwestern Rons Doli 3. Miß Harriet 4. Das Haus 5. Mondschein 6. Herr Parent 7. Der Horla 8. Die Schnepfe 9. Der Liebling 10. in leben Menfche Gewerkschaftliches Angestelltenversicherungswahlen ,, Reißt dem Sozzen Afa Schwindel die Maste Dom Gesicht." In dieser geistreichen Weise schimpft Herr Hans Bechly, Vorfizender des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, in Nr. 43 der Deutschen Handelswacht" vom 6. Dezember 1921 über den Standpunkt des Afa- Bundes zur Sozialversicherung. Am Donnerstag, den 15. Dezember, haben die Dessauer Angestellten dem Herrn Bechly die gebührende Antwort auf diese Schimpffanonade erteilt. Der Gedag hatte zu einer öffentlichen VersammIung eingeladen; die Dessauer Angestellten waren dieser Einladung in Massen nachgekommen. Herr Alfred Diller vom D. H. B. Jprad) über die Wahlen zur Angestelltenversicherung. In der Aussprache legte Kollege Schröder( Berlin) den Standpunkt des Afa- Bundes ausführlich dar. Das Ergebnis dieser Versammlung war, daß mit überwältigender Mehrheit folgende Entschließung angenommen wurde: Die am Donnerstag, den 15. Dezember. 1921, im großen Saale des Kristallpalastes in Dessau tagende, vom„ Gedag" einbe rufene öffentliche Angest tenversammlung lehnt die Stellung nahme der im Hauptausschuß zur Herbeiführung der staatlichen Pensions- und Invalidenversicherung der Privatangestellten zusammengeschlossenen Verbände, die tostspielige und leistungsunfähige Angestelltenversicherung beizubehalten, ab. Der Standpunkt des Allgemeinen freien Angestelltenbundes wird als der allein im Interesse der Angestellten liegende anerkannt. Die Versammlung tritt für die Eingliederung der Angestelltenverficherung in die Invalidenversicherung ein, und zwar dergestalt, daß die jeweils besseren Bestimmungen der b.iden Versiche rungsgesehe beibehalten und erweitert werden. Die mißliche wirtschaftliche Lage der Angestellten gestattet diesen nicht, Beiträge an einen an sich überflüssigen, fostspieligen, besonderen Versicherungsapparat aufzubringen. Außerdem aber liegt die Vereinheitlichung schon um deswillen im Interesse der Angestellten, weil sich herausgestellt hat, daß eine endgültige Klärung der Frage, wer versicherungspflichtiger Angestellter oder verficherungspflichtiger Arbeiter ist, nicht herbeigeführt werden fann. Unsere Funktionäre wollen von diesem„ Erfolg" des Gedag Kenntnis nehmen und gleichzeitig dafür Sorge tragen, daß dem Hauptausschuß recht viele derartige Erfolge zuteil werden. Ein brutaler Lehrlingsschinder Ein Eldorado für Lehrlinge scheint die Bäckerei von Louis Belzig, Boyenstr. 11, zu sein. Der famose Lehrherr, der ein Lehrlingsschinder übelster Sorte zu sein scheint, fümmert sich nicht im geringsten um gesetzliche Bestimmungen. Morgens 4 Uhr muß der Lehrling in die Badstube, dann wird durchgearbeitet bis abends 6 oder 7 Uhr. Die Mutter des Lehrjungen verbot ihm die lange Arbeitszeit. Darauf arbeitet derselbe immer noch bis etwa 4 Uhr. Das sind fast 12 Stunden! Das Essen zum Frühstück besteht aus einem Baar befragten Margarinestuйen. Um das Mittagessen muß er betteln. Was dann der Meister mit seiner Familie übrig läßt, bekommt der Junge. Und das ist wenig genug. Weil der Lehrjunge nicht mehr bis in die Nacht hinein arbeitet, entzieht ihm der Meister das Essen. Ist seine Arbeitszeit vorbei, dann wird er aufgefordert, die Badstube zu verlassen, wird mit Schimpfworten, wie Lümmel, Laatsch, Schieber, Judenjunge belegt, woran sich auch die Tochter des Meisters hauptfächlich beteiligt. Mit dem Meister schläft der Junge in einem Zimmer. Er darf das Zimmer aber nicht eher betreten, als bis der Meister drin ist. Ausziehen muß er sich in der Badstube sehr appetitlich dann muß er, nur mit dem Hemd bekleidet, eine Treppe hoch nach dem Zimmer. Kleidung darf er nicht mit nach oben nehmen, das duldet die Meisterin nicht. Wir erwarten, daß sowohl der Verband sowie die Aufsichtsbehörden sofort nach dem Rechten sehen. Es scheint uns, daß diesem famosen Bäckermeister alle Voraussetzungen fehlen, um Lehrjungen auszubilden. Solchen Elementen muß dann einfach die Möglichkeit genommen werden, Schindluder mit jungen Menschen zu treiben. Es ist zu hoffen, daß diese Zeilen genügen, um diesen Meister zu veranlassen, sich zukünftig anständig seinem Lehrjungen gegenüber zu benehmen. Befreiung von der Angestelltenversicherung Durch die am 19. November 1921 verabschiedete Novelle zur Angestelltenversicherung ist den Angestellten eine Möglichkeit zur Befreiung von der eigenen Beitragsleistung gegeben. Befreien tönnen sich solche Angestellte, welche am 1. August 1921 durch Das Gesez vom 23. Juli 1921 versicherungspflichtig geworden sind oder, falls sie bereits früher schon versicherungspflichtig waren, wieder unter das Gesez fallen. Diejenigen Angestellten, die auf Grund einer Ersazlebensversicherung befreit waren, aber jegt weniger Beiträge zu diefer leisten, als sie gesetzliche Beiträge zur Angestelltenversicherung leisten müßten, werden wieder voll ver sicherungspflichtig, wenn sie nicht bis zum 31. Dezember 1921 nachversichern. Erfaglebensversicherungsanträge von Angestellten, die seit dem 1. August 1921 zu Beiträgen herangezogen werden, müssen nach dem neuen Gesetz bis zum 10. Juni 1921 gestellt gewesen sein. Wenn aber jemand bis zum 10. Juni 1921 zwar einen Antrag gestellt, die Prämie aber nicht hoch genug bemessen hatte, so tann er ebenfalls bis zum 31. Dezember 1921 eine Erhöhung beantragen und sich dann befreien lassen. Wenn der Antrag unterschrieben Annahme in allen Speditionen des Berlages- Geschäftsstelle Berlin C2 Breite Straße 8-9 Verkäufe Restehaus Belz, Kotts bufer Straße 5. Kamm garne, Gabardine, Tuche, Seiden, Futterstoffe. Stoffe für Herrens und und von der Versicherungsgesellschaft angenommen ist, muß bis zum 31. Januar 1922 bei der Reichsversicherungsanstalt die Bes freiung beantragt werden. Der Befreiungsantrag( nicht zu ver wechseln mit dem Versicherungsantrag) ist an die Ausgabestelle zu richten. Für gewerkschaftlich oder genossenschaftlich organisierte Ange stellte fommt als Versicherungsgesellschaft nur die Gewerkschaftlich genossenschaftliche Volksfürsorge in Betracht. Die Nachversicherungen können auch dann bei der Volksfürsorge genommen werden, wenn die früheren Anträge bei einer anderen Gesellschaft gestellt waren. Angestellte, für welche die Befreiungsvorschriften in Frage tommen, wenden sich sofort an die Rechnungsstelle 1 der Volksfürforge, Berlin SO 16, Engelufer 28 ptr.( Fernsprecher: Morizplat 29 97), deren Bureau an den nächsten Wochentagen bis 7 Uhr ge öffnet ist. Die Charlottenburger Gasarbeiter zum fommenden Mantels tari. Eine Betriebsversammlung der Charlottenburger Gasarbeiter nahm Kenntnis von den langen Verhandlungen, welche über den Manteltarif gepflegt werden, und legte sich einstimmig auf eine Resolution fest, in der vom Berband der Gemeindearbeiter und vom Lohniartell verlangt wird, die Verhandlungen mit dem Magistrat furz abzubrechen und den geltenden Manteltarif bestehen zu lassen, ansonsten mit allen Mitteln diese Forderungen in den ersten Tagen des Januar durch zudrücken seien. Dazu wäre rein sachlich zu bemerken, daß zu dieser Stellungnahme fein Anlaß vorliegt. Ein solch großes Vertragswerk fann nicht im Handumdrehen erledigt werden. Zudem bieten die laufenden Verhandlungen die Gewähr, daß eine Einigung möglich ist und die gewünschten Forderungen der Gasarbeiter Berücksichtigung finden werden. Zimmerer! Die Auszahlung der Streifunterstüzung für diese Woche erfolgt am Sonnabend, den 31. Dezember b. J. und Montag, den 2. Januar 1922, und zwar in folgender Reihenfolge: Nr: 1 bis 300 Sonnabend früh von 7-9 Uhr, Nr. 301 bis 600 von 9-11 Uhr und von Nr. 601 bis 900 pon 11-1 Uhr. Bon 1-3 Uhr erfolgt nur die Auszahlung der Arbeitslosen: und Krantenunterfügung. Wir bitten daher alle Arbeitslosen und Kranten dringend, sich nur in dieser Zeit ihre Unterstützung abzuholen, dann wieder von 3-5 Uhr Nr. 901 bis 1200. Am Montag, den 2. Januar, von 8-10 Uhr Nr. 1201 bis 1500, von 10-12 Uhr Nr. 1501 bis 1800, von 12-2 Uhr Nr. 1801 bis 2100 und von 2 Uhr ab der Rest. Maßgebend ist die auf der Streiffarte angegebene laufende Nummer. Wir bitten alle Kameraden, aena u nach diesen Angaben zu verfahren. Die Löhne in der englischen Metallindustrie sind im Laufe des Jahres 1921 um 155 Prozent herabgesetzt worden. Demgegenüber beträgt die Verbilligung der Kosten der Lebenshaltung seit Ende 1920 nur 60 Prozent. Parteiveranstaltungen Donnerstag, 29. Dezember Charlottenburg. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung im Sigungsfaal ber Bezirksverordneten im Rathaus Berliner Straße. Lichtenberg- Stadt und Land. Kommunale Kommission. Abends 6% Uhr Boll versammlung im Rathaus Zimmer 25. Vortrag über Volkshochschule. Freitag, 30. Dezember Vorträge für Schöffen und Geschworene. Der zweite Vortrag des Genossen Dr. Ropp, ber diesmal über Sittliteitsbeiitte spricht, findet abends 7 Uhr in der Arbeiter- Bildungsschule, Breite Straße, statt. 19. Distrikt( Kreuzberg). Abends 7 Uhr Vorstandssigung bei Krüger, Grimms Straße. Bereinsfalender Arbeiter- Stenographen Berein Stolze- Schrey". Neue Anfängerfurse beginnen: Bezirk Often: Montag, den 9. Januar, 8 Uhr, Straßmannstr. 6( Schule). Be girt Norden: Dienstag, den 10. Januar, 28 Uhr, Echulstr. 99( Schule). Bezitt Mariendorf: Donnerstag, den 12. Januar, 18 Uhr, Kaiserstraße( Gymnasium). Bezirk Moabit: Freitag, ben 18. Sanuar, 8 Uhr, Bremer Str. 13-17( Schule). 13esirt Neutöln: Freitag, den 13. Januar, 8 Uhr. Kaiser- Friedrich- Str. 209-210 ( Schule). Bezirk Lichtenberg: Montag, den 16. Januar, 18 Uhr, Scharnweber Straße 19( Schule). Das Unterrichtsgeld beträgt 25 M. für Erwachsene und 22. für Jugendliche unter 18 Jahren. Weitere Auskünfte erteilt Schriftgenoffe Loret, Berlin SD. 33, Görliger Str. 52. Mittwoch, 28. Dezember Betriebsrat der inneren Berwaltung der Bureauhilfsangestellten bes Magistrats Charlottenburg. Die für heute angesagte Bollversammlung fällt aus und findet erst nach Neujahr tatt. Donnerstag, 29. Dezember Verband Boltsgesundheit. Abends 8 Uhr Vortrag des Genossen Jädel in ber Oberrealschule Rieberwallstr. 12. Zentralverband der ingestellten. Butter. Abends 8 Uhr Mitgliederversamme Tung in den Oranien- Festjälen, Naunynstr. 29. Samts, Seide, Baumwoll, Leinens und Kleiderstoff- Großhandel. Abends 7½ Uhr Funktionär- Bersammlung im Schultheiß, Neue Jakobstr. 24-25. Int. Bund d. ft. Ortsgruppe Nordost. Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung im großen Saal der Brauerei Friedrichshain. Anfang 7 Uhr. Für Gäste Ein tritt 2 90?. Hennigsdorf. Freir. Gemeinde. Abends 7% Uhr, Drei Linden", öffentlicher Vortrag. Ref.: Dr. Christing über Bibeltunbe und Bibelfritit". Zutritt allen, auch Kindern über 10 Jahren gestattet. Nachdem Referat über Feuerbestattung Der Freidenter. Freitag, 30. Dezember Deutscher Wertmeister- Berband, Bez. 15, Fachgruppe Papier. Vereinsversammlung im Schultheiß, Neue Jatobftr. 24-25. Nachm. 5 Uhr Berband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter. Gruppe Gemeindearbeiter. Abends 6 Uhr im Rest. Elisabeth- Garten, bei Schulz, Berlin, Elisabethstr. 30( dicht am Lehrervereinshaus, durch die Alexanderpassage) Branchenversammlung für Groß Berlin. Wichtige Tagesordnung. Sonnabend, 31. Dezember Familienabenb Arbeiter- Rabfahrerbund Eolidarität", Ortsgruppe Neuföln. aller Arbeiter- Radfahrer Neuköllns im Reftautant Fiedler, Emser Str. 95. Verantwortlich für Politik und Feuilleton: Leo Liebfü, Berlin- Friedenau; für Kommunalpolitit, Lofales und Gewerkschaftliches: B. Rudner, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner, Berlin. Berlagsgenossenschaft Freiheit", e. 6. m. b. 5., Berlin, Drud der Berliner Druderei 6. m. 6. S., Berlin C. 2, Breite Straße 8-9. Kleine Anzeigen Möbel Mufikfreunde kaufen billight.( Reparaturen fachmännisch.) Lyra". Schwebter Str. 254. Räderweidlich. Leis Knabenanzüge, fertige terwagen, Raftenwager Bettwäsche billig. Noch Chaiselongues 100, Mäntel, Kostüme, Röcke und alle Sorten Erfah- Chaiselongucdedte 75, Reit billig einzukaufen räder. Rinderwagen, Metallbetten 160.- Rin Bettbezüge, Riffen, Laken, Buppenwagen. Weidlich, derdrahtbett. Handtücher, Damenhems Bettwäsche billigit. Brunnenstraße 96( Hum Auquititraße 32a. Dugb. ben, Beinkleider, Teppiche Diese Woche Räumungsboldt 874). Gardinen, Tischdecken, verkauf zur Jrventur. Teilzahlung. 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