Nr. 341. Abonnements- Dedingnngen: Sbonnem«ntS- Preis pränumerando: «ierleljährl. SL0 monatl. l.IVMd, wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit tlluftrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZLO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- geitungs- Preisliste für 1897 unter Et. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gcltlihr deträgt für die sechSgespallene Kolonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg.. für Vereins- und BsrsanuulnnzS-Aiizsigen. sowie ArbeilSuiarlt 20 Pfg. Inserate für vie nächste Nummer müsse» bis t Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochenlage» bis 7 Uhr abends. an Sonn- und Festtagen biS o Uhr vormittags geössnet. Erscheint täglich auher Wonlag». Drvlinev VolksblÄkk. Fernsprecher: Eml I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: ,,S0li»lde>nol,r»t verlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19, Weuly-Slraße 2. Freitag, dea 15. Oktober 1897. ßLpediliott: 8V. 19, Wettty-Straße 3; An die Parteigenossen; Durch Beschluß des Parteitages in Hamburg ist als Sitz der Parteileituiig Berlin bestimmt ivordc». Damit hat die Thätigkeit des geschästsfuhrenden Ausschusses ihr Ende erreicht. Für das laufende Jahr sind die Unterzeichneten mit der Leitung der Partei- geschäfte betraut worden. Entsprechend den Bestimmungen des Organisationsstaluts hat sofort im Anschluß an die Wahl die Koustitnirnng der Parteileitung stattgefunden, bei welcher Eelegenheit nachstehende Beschlüsse gefaßt wurden: Die Adresse des Parteibnreaus ist von nun an: I. Auer, Berlin S�V.. Katzbachstr. 9. SKmmtliche für den Partcivorstand bestimmte Briefe nnd sonstige» Zusendungen sind nur an die vorstehende Adresse zu richten. Alle Geldsendnugen dagegen sind nur an den Parteikassirer A l b i n G e r i s ch, Berlin SW., Katzbachstr. 9, zu adressire». Beschwerden über den Parteivorstand oder dessen Geschäfts- sührung sind au Heinrich Meister, Hannover, Pferdeslr. 9, einzusenden. Parteigenossen! Nach den Bestimmungen des Z 4 deS Organi» salions-StatutS hat die Neuwahl der Vertrauenspersonen alljährlich im Anschluß an den Parteitag stattzufinden. Wir richten deshalb an Euch das Ersuchen, die Neuwahlen überall wo sie nothivendig sind, schleunigst vorzunehmen und von dem Ergebniß derselben unter genauer Zlngabe der Adresse des Gewählten dem Partcivorstand unter der oben angegebene» Adresse Mittheilung zu machen. Auch die Vertrauenspersonen jener Orte, welche im neuen Jahre die Parteigeschäfte wie bisher weiter besorgen, werden ersucht, davon dem Parleivorstand Mittheilung zu machen, damit das Adressenverzeichniß auf dem Laufenden gehalten werde» kann und Jrrthümer vermieden werden. Die Vertrauens- Personen werde» besonders daraus aufmerksam gemacht, daß es nicht genügt, wenn ihre Neuwahl in irgend einem Partei-Organ ver- ösfentlicht wird. Bei der große» Zahl unserer Preßorgaue ist es ausgeschlossen, daß seitens des Parteivorstandes eine so genaue kkonlrolle stattfindet, um jede Notiz über etwa erfolgte Wahl von Vertrauenspersone» feststellen zu können. Die Wahlen der Vertranenspersonen haben in össeutlichen Parteiversainmlunge» stattzufinden, zu denen jedermann Zutritt hat, der sich zu den sozialdemokratische» Grundsätzen bekennt. Wo solch« Versammlunge» nicht stattfinden können, sei es, weil die Genosse» kein Lokal bekommen, oder weil, wie in Mecklenburg, sozialdemokratische Versammlungen überhaupt nicht geduldet werde», da genügt es, wenn die Parteigenossen sich privatim verständigen. und eine» aus ihrer Milte als Vertrauensperson in Vorschlag bringe». Parteigenossen! In das begonnene Geschäftsjahr falle» die Reichstagswnhlen. Dieselben stellen die höchsten Anforderungen an die Gesammtpartei wie an jeden Parteigenossen. Die Parteileitung wird auch im neue» Jahre ihre Pflicht erfüllen, wir erivarlt», daß Eurerseits das gleiche geschieht. Vorwärts trotz alledem! Hoch die internationale Sozialdemokratie! Berlin, den IS. Oktober 1S97. Für die Parteileitung: Aug» st Bebel, Paul Singer, Vorsitzende. I. A n e r, W. P f a n n k u ch, Schriftführer. A l b i n G e r i s ch, Kassirer. Die poNkifchv Fttjtiz. Von einer politischen Polizei haben wir seit Jahr« zehnten gehört; und jeder gebildete Mensch auf der ganzen Erde weiß, daß der üble Rnf nnd Geruch, der dem an sich so nützlichen, ja nothwendigen Institut der Polizei anhaftet, einzig und allein daher rührt, daß die Polizei zu politischen Parteizwecken benutzt wird. Tie Tieiiste, welche die sogenannte„politische Polizei" der Ncaktien leistet, lassen die heilsame, ja geradezu unentbehrliche Thätigkeit der Wohlfahrt-- und Sicherheitspolizei ganz in den Hintergrund treten. Wie die Reaktion sich der Polizei bemächtigt hat, so sucht sie sich auch der Justiz zu bemächtigen. Polizei und Justiz sind die zirei Werkzeuge, auf welche sie hauptsächlich rechnet. Nur daß die Justiz, weil sie nicht einfache Verivaltnngssache ist, nicht so bequem sich am Schnürchen lenken läßt, wie die Polizei, welche der herrschenden Regierungspartei blinden, militärischen Gehorsam zu leisten hat. Jndeß auch die Justiz ist, trotz der stereotizp ans dem Papier verbürgten„Unabhängig- keit der Richter", dem Einfluß nnd Druck der herrschenden Parteien unterworfen, umsomehr, da man dieselben ja nicht verhindern kann, selbst in die Justiz einzudringen. Sogar in England, wo das germanische Volksrecht niemals ans der Justiz entfernt werden konnte, ist diese Unter- jochuug der Justiz während längerer Zeit dem Ahsolutismns gelungen. Man lese nur die Geschichte der S t e r n k a m m e r, jenes englischen Reichsgerichts, das durch seine Rechtsprechung den Haß gegen den Absolutismus dermaßen gesteigert hat, daß die blutige Katastrophe des Jahres 1648 unvermeidlich wurde. In Macaulay's„Geschichte Englands" findet sich das nähere über die Sternkammer, die im Interesse der Machthaber das Recht beugte nnd die Justiz zur Handlangerin fürstlicher Launell herabwürdigte. Ihr nnd ihren Richtern ist die Un- stcrblichkeit der Infamie zu theil geivorden. Auch n a ch der englischen Revolution hat der Absolutismus noch zu verschiedenen Malen die Justiz in England sich zu unterwerfen gesucht, jedoch stets nur mit kurz dauerndem Erfolg. Und mit gutem Grund betrachtet der Engländer die Justiz seines Landes heute als eins der Hauptbolliverke der Freiheit. In Deutschland, wo das selbständige Volksleben im Mittelalter crtödtct nnd das lebendige deutsche Volksrccht durch das todtc lateinische Schrciberrecht ersetzt ward, hatte die Justiz dem Absolutismus gegenüber weniger Widerstands- kraft als in England. Von Freiheitskämpfen, siegreich ansgefochten in Gerichtshöfen hat die deutsche Geschichte wenig zu melden. Desto mehr von Tcndcnzprozcsscn, in denen der Wille der Machthaber oberstes Gesetz war und das, was das Volk als Recht betrachtete, in sein Gegcnthcil verkehrt wurde. Von der Zeit der D e m a g o g e n p r o z e s s e an unter Metternich sehen wir, wie die Reaktion mehr und mehr danach trachtet, die Justiz in ihre m Sinuc umzugestalten, sie zu politischer Parteiarbeit heranzuziehen,— mit einem Wort: eine politische Justiz zu schaffen. Politik und Justiz siud aber einander entgegengesetzt wie Feuer und Wasser. Die Politik bedingt den Partcikampf, die Justiz heischt Partcilosigkeit. Die Politik sagt: wer nicht für nnch ist, ist ivider mich und mein Feind. Die Justiz sagt: Es gicbt keine Freunde und Feinde, es giebt nur ein Recht, nnd nur e i n Recht. Die Politik sagt: Wenn zw?i dasselbe thnn, ist es nicht dasselbe. Und die Justiz sagt:— Doch was hat denn Herr Schönstedt, der neueste preußische und Reichs- I u st i z minister voriges Jahr in dem Reichstag gesagt? „Wenn zwei dasselbe thnn, ist es nicht dasselbe." Die Justiz ist zur Politik gekommen, die Justiz ist politisch geworden. Der Jnstizminister hat durch dieses denkwürdige Wort bewußt oder unbewußt vor aller Welt die Thatsache zum Ausdruck gebracht, daß im neuesten deutschen Reich unter dem Zickzackkurs die Justiz sich nicht immer frei von den Einflüssen der Politik hält. Und daß dies wirklich der Fall, wer könnte angesichts der stets sich mehrenden politischen Prozesse und Vcrurtheilungcn politischer Gegner es bezweifeln? Was Metternich begann nnd Bismarck mit höchstem Eifer fortsetzte,— das ist heute ein vollendeter Bau: die p o l i- tische I u st i z, diese logische Ergänzung der politische» Polizei. Die politische Polizei und die politische Justiz sind die zwei Halsten der Zange, mit der jeder Gegner der Reaktion gefaßt werden kann. Wer von der Polizei nicht zu packen ist, verfällt ohne Gnade der Justiz; beide Hülsten der RcaklionSzauge arbeiten so gut zusammen, daß es schlechterdings kein Entkommen gicbt. Was die politische Polizei ist, das zeigt mis der unvergeßliche L e ck c r t- L ü tz o w- T a u s ch» P r o z e ß. Was die politische I n st i z ist, das zeigen uns die Prozesse Liebknecht und S t e n z c l. Im Prozeß Liebknecht ist festgestellt worden, daß in Deutsch- land ein jeder Wieusch der Wiajestätsdeleidigung schuldig ist, der eine kritische Bemerkung macht, die von irgend eiuem anderen Menschen aus den deutsche» Kaiser bezogen werden kann. Da nun ein jeder Mensch mit einiger Phantasie je de Acnßerung auf jeden und jedes beziehen kann, und da es kein Gebiet giebt, auf weich-m ein vielseitiger Monarch sich nicht äußert oder äußern kann. so ist durch das Urthcil des Reichsgerichts im Prozeß Liebknecht festgestellt, daß in Deutschland über jeder die innere Politik betreffenden kritischen Aeußernng da? Gnillotiuenmesser deS Majestätsbleidigungs- Paragraphen hängt. Ja noch mehr: auch über jeder anderen kritischen Bemerkung, die irgend ei» n i ch t politisches Gebiet, das der Monarch� öffentlich betritt, hängt das Gnillotiuenmesser der Majeslätsbelcidignng. Wir sagen: jeder! Der lHichtcr, dee mit Hilfe des äoluz eventualis jede den Machthaber» des Älu�eublicks nn- angenehme Aeußernng nach der gegen Liebknecht angewandten Schablone nicht spielend zur Majestätsbeleidigung stempeln kann, muß verteufelt stiesmütterlich von der Natur ans- gestattet sein. Also das Feld der i n n e r c n P o l i t i k wäre von der politischen Justiz der feindlichen Kritik glücklich verschlossen. Blieb das Feld der auswärtigen Politik. Woylan, auch hier hat die politische Justiz ihre Schuldig- keit gcthan. Am Vorabend des Schlußaktes im Prozeß Lieb- knecht füllte die politische Justiz in Hamburg die Lücke ans. Und zwar mit einer Schwungkraft, die offenbar berechnet ist, unserem„schivachnervigen Jahrhundert" zu impouiren. Nur daß die böse Sozialdemokratie so gute Nerven hat! A ch t Wi o n a t e G e s ä n g n i ß für Beleidigung des Königs von Belgien! Der M a j e st ä t s b e g r i f f ist erweitert und gewisser- maßen crportirt, intcrnationalisirt— er ist über die nationalen Grenzen hinaus ausgereckt und gilt nicht mehr blos für Teutschland, sondern für die ganze Welt— alle Monarchen der Welt sind unter den Schutz des deutschen MajestätSbeleidigungs-Para- g r a p h e n g e st e l l t. „Deutschland marschirt an der Spitze der Zivilisation" — des P r c ß k n e b e l s. Denn eine Knebelung der Presse, schlimmer alS unter, Metternich und Bismarck— ist die Anwendung des Majcstäts-l Paragraphen, wie im Prozeß Liebknecht und die Erweiterung des Majcstätsbegriffs, wie im Prozeß Etenzcl. Worüber kann man ohne Gefahr schwerer Verurtheilung da noch in Teutschland schreiben? Die ganze innere Politik verschlossen durch das Leipziger, die ganze äußere Politik verschlossen durch das Hamburger Nrthcil! Mag sein, daß König Leopold in den: Fall, der zu dem Prozeß Stcuzcl den Anlaß gab, nicht schuldig war, aber ist er nicht ein Monarch, dem derlei Geschäfte zuzutrauen sind? Hat er— gleich allen seinen Verwandten � nicht stets die Politik mit dem Geschäft zu vereinigen gewußt? Ist es nicht erwiesen, daß er bei der Gründung des Kougo-Staates mit großen Kapitalien iuteressirt war und kommerziell spckulirt hat? Hat ein Brüsseler Blatt, der„Peuple", nicht Briefe antographisch veröffentlicht, die über die höchst bedenk- liehen Ecschästsspekulationen des Königs der Belgier das hellste Licht verbreiteten? Und hat d e r K ö n i g es n i cht u n t e r- lassen, den„ P e u p l e" v o r d i e S ch r a n k c n d Gerichts z n laden? In Belgien herrscht eben Prrß- frciheit und das absolute Recht der Vertheidiguug. König Leopold mußte nach Deutschland flüchten, um Ankläger und Richter für seine beleidigte Majestät zu sinden. Ja, eine Majestät! König M i l a n von Serbien ist eine Majestät. König A l p h o n s von Spanien ist eine " r Nr'~"; öuigin Viktoria von England ist eine Majestät.' Zar Nikolaus II. von R u ß l a n d ist eine ....._ s" Könff Majestät. Majestät. Gut, wer in Zukunft die Bentclschneidereien und Orgien des dicken Milan kennzeichnet— acht Monate Gefängniß. Wer die Greuel von Montjnich brandmarkt— acht Monate Gefängniß. Wer die„russischen Greuel" in Polen, die Massen-Ver- schickungcn nach Sibirien, die Todthungerung hunderttausendcr oon Uutcrthnnen„Väterchens" nach Gebühr beurtheilt— acht Monate Gefängniß. Wer die englischen Greuel in Indien, die Pest und den Hungertyphus unter dem milden Szepter der„Kaiserin von Indien" an den Pranger stellt— acht Monate Gefängniß. Mit Hilse des clolas eventualis ist's kinderleicht, jede Kritik, auch die maßvollste und sachlichste, zu einer Majestäts' beleidiguug zu drehen-- und dann acht Monate Gefängniß! Vor der französischen Revolution rief Figaro anS:„Mit Ausnahme des Monarchen, des Hofes, des Adels, der Geist- lichkeit, der Politik und der Religion darf die Presse von allein frei sprechen." Die Presse war damals in Frankreich noch freier als heute i» Teutschland. Der Majcslätsbeleidignngs-Paragraph, die Jnternatioualisiruug des»ationalen Viaieflätsbegcisfs und der dolus eventualis haben der deutschen Presse auch nicht das kleinste iind vervorgcuste Eckchen gelassen, wo sie vor de,» Strafrichter sicher wäre. Und das deutsche Volk? Der deutsche Reichstag? Wie lange noch werden solche Zustände geduldet? Ist die politische Polizei schon schlimm, tausendmal schlimmer ist die politische Justiz. Dolilischv Nebovsrsszk» Berlin, 14. Oktober. Tie Militär-Strafprozcst-Rcform. Ans den Chaos unklarer nnd einander widersprechender Nachrichten über Stand und Aussichten der Nesorin des Wiilitär-Strasverfahrens hat sich jetzt endlich ein Bestimmtes, Greisbares yeransgebildet. Die allgemeine Mißstiiiimimg dnriiber, daß nicht einnial Auf- schl»ß gegeben wurde, wie iveit ovcr auch wie wenig weit denn eigentlich diese so wichtige Angelegenheit gediehen sei, und das allgemeine Verlangen nach endlicher Aufklärung hat nun zu einer Anskniiflsertheiliing seitens des bayerischen K r i e g s in i>ii st e r s, Herrn v. A s et), geführt. Allerdings, viel hat Herr v. Asch ans die im Finanz- ansschuß de« Landtages an ihn gerichteten Anfragen nicht ver- rathcn, ist doch den Mitgliedern des Bnndesraths die Geheim- Haltung der betreffenden Verhandlungen vorgeschrieben, sodaß der bayerische KricgSminister nur sehr allgemeine Angaben zu machen in der Lage war. Nachdem Herr v. Asch in einer Sitzung des FinanzansschusscS am Dienstag eine nähere Ans- knnftscrthcilnng gänzlich ubgelehnt hatte, gab er in der gestrigen Sitzung namens der bayerischen Regierung folgende Erklärung ab: Da der Entwurf der Militär-Strafprozeh Orduung misdnick- lich als„geheim" bezeichnet wurde, siud der baijerischen Regierung für ihre Mitiheiluiigc» über de» Gang und de» dcrutaligc» Stand der Augelegenheil sehr enge Grenze» gezogen. I» forineller Bc- ziehnng tan» nur»ütgetheilt werden, daß die bisherigen Aer- baiidlnnge» sich a u f A u s s ch» ß b e r a t h u n g e n b e s ch r ä n k r haben, welche noch nicht vollsländig zum Abschluß gediehen sind, nnd daß eine Beralhuug im Plenum des Bundesrath noch nicht st a t t g e s u ii d e» hat. Hinsichtlich der Gestaltung des Inhalts der Militär-Strafprozeß-Ordmiiig hat sich die bayerische Regierung im Laufe der Berathnngcn auf de» Boden des Land tags-'Abschicdes vorn 28. Mai>892 gestellt und demge»m& die in der bisherigen bayerischen Mililär-Gerichlsverfassung und Militär Straiprozcß-Ordunng enthaltenen Grundsätze, insbesondere jene über G e r i ch ts o r g a n i s a t i o n, die M ii«i d l i ch k e i t und Oeffentlichkeit des HaiiptverfahrenS, in so weit sich diese Grundsätze durch Er fahr u n g erprobt hatten, mit Nachdruck vertreten. Nicht minder ist die bayerische Regierung für Wahrung der bayerischen Neservatrechte in vollem Umfange eingetreten und wird dieS mit Festigkeit auch in den weiteren Stadien der Verhandlungen thuii. Eine Mittheiliing über das bei de» bisherigen Verhaudliiiigen Erreichte und über die noch in der Schwebe befindlichen Punkte vermag bei dein gegenwärtigen Stande der Sache nicht gemacht werden. Zu irgend einer Beunruhigung ist für Bayern kein Zlnlaß gegebe». Soll!« eine gemeinsame Militär�Strafprozeß-Ordnung für das Reich nicht zu stände koinmeii. verbleibt es in Bayern bei dem bestehenden Gesetze. Eine reichsgesetzliche Regelung kann aber ohnehin nicht stallfiaden, ohne daß die Volksvertretung im Reichs- tage gebührend zu Worte kommt." So wissen wir denn, daß die Berathnngen über die Neu- gestaltung des Militär-Strafprozesses bisher noch nicht über den Nlilitärischen Ausschuß des Bundesraths hinaus gediehen sind. Das Plenum hat sich noch gar nicht bannt beschäftigt. Im Ausschuß liegt die Sache fest, dort kann mau zu keinem Resultat gelangen. Die Gründe für diesen Stillstand der Berathnngen gehen ans dieser Antwort des Kriegsministers nicht mit völliger Klarheit hervor. Sehr bemerkenswerth ist ja die Betonung der bayerischen Neservatrechte, welche sich in der Hauptsache be- kanutlich auf den besonderen obersten Militärgerichtshof beziehen. A ber die Darlegung des Herrn v.Asch läßt keineswegs erkennen, ob die Grundsätze, welche Bayern bezüglich der Gerichlsorganisation, der Mündlichkeit und Oeffentlichkeit des Hanptversahreus im Bundesrathsausschnß vertreten hat, auf Widerspruch gestoßen sind oder nicht. Es ist nach wie vor ungewiß, ob nur die Behauptung der bayerischen Reservatrechte oder zugleich der Inhalt der Reform selbst der Anlaß zur Stockung der ganzen Frage gegeben hat. Wie dem aber auch sei: die Ausführungen des Kriegs- Ministers deuten wohl die Ursachen der heillosen Verschleppung dieser Angelegenheit an, aber sie entschuldigen die- selbe in keiner Weife. Die Frage, ob Bayern jenes behauptete Rcservatrecht wirklich zukommt, konnte seil Jahren entschieden werden; würde sie zu gunsten Bayerns entschieden oder gedächte man, auch wenn Bayern kein formelles Recht besitzt, ihm aus Nachgiebigkeit seine Sonderwünsche zu erfüllen, so wäre das Neben- einanderbcstehen von zwei obersten Gerichtshöfen ein unvcr- gleichlich geringerer Nachtheil gegenüber dem Nichtzustandekommen der Reform überhaupt. Die Darlegungen des bayerischen Kriegsininisters bestärken nur die Auffassung, daß gewisse Kreise das bayerische Reservat- recht als Deckmantel für ihre Absicht benutzen, die Reform womöglich ganz zu hintertreiben. Man weiß ja zur genüge, wie abhold man im kaiserlichen Militärkabinet einer Reform der Militär-Strafprozeß-Ordnung ist, wie sie der Reichskanzler versprochen hat. Aber dyna einiger hoher O füllnng einer tische Neservatrechte und Eigensinnigkeiten siziere dürfen nicht ans die Daner die Er- so dringlichen Reform hindern. Schlimm genug, daß sie so ungeheuerliche Verschleppungen ver- Ursachen konnten. Hoffentlich macht der Reichstag diesem Treiben endlich ein Ende. In den Schlußworten der Ans- snhrungen des bayerischen Kriegsininisters kommt ja dieser Wunsch zum Ausdruck. Thut es der Reichstag nicht, so wird es das Volk selbst thnn, wenn es bei der nächsten Wahl das Urtheil spricht über die Politik der letzten Jahre. Die Marinevorlagen»ud die Reichs-Postverwaltung. Mau erinnert sich, wie entschieden der alternde Staatssekretär v. Stephan jede Verbesserung und Verbilligung der Verkehrs- einrichlung mit dem Hinweise ans die Finanzlage des Reiches abwies. Nun aber, wo es anläßlich der bevorstehenden ersten Schritte zur Verivirklichnng der uferlosen Floiten- pläne Aufgabe aller der Regierung zur Verfügung stehenden Federn ist, die glänzende Finanzlage des Reiches und aller Einzelstaaten in bengalischer Beleuchtung zu zeigen, mußte man daran denken, daß seitens der oppositionellen Presse an die Forderungen aus den Kreisen des Volkes erinnert werden würde, die stets mit Rücksicht ans die Finanzlage abgelehnt wurden. Wir haben es an solchen Erinnerungen selbstverständ- lich niemals fehlen lassen. Um wenigstens einigen dieser Ein- würfe zu begegnen, soll einThcil der aiifdieReichsposl-Vcrwaltnng bezüglichen Wünsche erfüllt werden. Nach der.Köln. Ztg." stehen folgende Fragen bei der gegenwärtig tagenden Post- konferenz zur Berathnng: Ausdehnung des Meislgewichts der Briefe(ans 20 Gramm), Ermäßigung des Briefportos für den Nahverkehr und der Postanwcisungsgcbühr für kleinere Sen- düngen. Ucbcr die in Aussicht genommenen ermäßigten Sätze verlautet zwar noch nichts, es ist aber anzunehmen, daß sie ans die Hälfte des jetzigen Betrages, also auf ö Pf. für Briefe im Nahverkehr— worunter wohl hauptsächlich der Verkehr in Berlin zu verstehen ist— und aus 10 Ps. für Postanweisungen kleineren Betrages lauten sollen. Wenn geschäftige Federn nun die Verdienste deS Herrn Podbielski als Postresormator rühmen, so thnn sie dem Herrn General sehr schweres Unrecht. Erstens ist es nicht ein Zeichen für ein reformatorisches Talent, das was vielfach verlangt und als durchführbar nachgewiesen wurde, auszuführen, und dann haben der Kriegs- und Finanzminisler und die Staatssekretäre für die Marine und das Rcichsschatzamt weit mehr Ver- aulassung zu diesen kleinen Reformen gegeben, als der neue Herr der Posten. Blas der leichteren Dnrchführnng der Marinepläne wegen wird man das Meistgewicht der Briefe ändern und andere kleine Wütische des Handelstaudes er- füllen.— Tie dentsch-soziake Neso»«»Partei hat ihren Parteitag abgehalten, vieles und breites aber gar nichts tiefes wurde über die Arbeiterfrage gesprochen, deren Behandlung die meiste Zeit des Parteitages verschlang. Es wäre ungerecht von uns, wenn wir über die die Arbeiterfrage betreffenden Reden nicht unsere vollste Genngthuung aussprechen würden. Jeden, der für die Interessen des Proletariats den Anschluß des- selben an die Sozialdemokratie für das förderlichste hält, muß es nur angenehm berühren, wenn Parteien, die sich als.soziale" empfehlen, ihre Arbeiterfeindlichkeit so offen zeigen, wie die Leute um und hinter Zimmermann und Lieber- mann auf dem eben geschlossenen Parteitage, wie schön ist es bei der Agitation, in einem auch von den Antisemiten um- wordenen Kreise an das Wort des Herrn Aschendorff zu er- inner», daß das bischen, was Herr Raab als Arbeiterschutz- Programm gefordert hat, die Arbeitgeber entrechten würde,» wie schön ist es, daß der Abg. Lotze die Mittelstandspolitik als � die beste Arbeiterfrenndlichkeit bezeichnet. Wie wird es ans die Arbeiter bei den Wahlen»virken, wenn Uta» sie darauf aufmerksam macht, daß die sich ihnen anbiedernden Antisemiten aus ihrem Parteitage behaupten, daß die„Arbeiter in den großen Städten durchweg bester gestellt seien wie Arbeitgeber aus dem Mittelstande". Ja werden die Antisemiten antworten, das ist wohl alles gesagt worden, aber wir haben doch im Interesse der Arbeiter trotzalledem Beschlüsse gefaßt und stolz werden sie darauf hinweisen, daß sie die gesetzlich geschützte Durchführung der Koalition der Arbeiter gefordert haben. Was solche Beschlüsse werth sind, zeigt die Haltung der Antisemiten im Reichstage, wenn Arbeiterfragen ans der Tagesordnung stehen. Dann war Herr Dr. V i e l h a b e n, der Syndikus des Hamburger Arbeitgeber- Bundes, der Redner der Partei. Und was er sagte, hat stets das höchste Wohlgefallen des Königs Stumm von Saarabien gefunden. Man wird dann an jene Haltung an- läßlich der Besprechung der Interpellation Mamenffcl über die Bäckerei-Verordnung erinnern, wo der Herr ganz wie der Mailchestermann Eugen Richter die Aufhebung des § 120 s der Gewerbe-Orduung gefordert hat, durch den dem Bundesrathe einige wenige eng umgrenzte Rechte zum Schutze der Gesundheit, Sicherheit und Sittlichkeit der Arbeiter ein- geräumt werden. Wir würden dann auf die Leistungen des Ab- geordneten Vielhaben in der berühmten Debatte über die Werstanlagen, pardon über die berüchtigte Broschüre des Herrn Lorenzen hinweisen, auf die unerhörten Entstellungen über die Haltung der Arbeiter bei Streiks, die gesättigte Arbeiterfeindlichkeit, die er dabei zu rage brachte. Daß er sich selbst nicht scheute, zum Teniinzianten gegen Arbeiter zu werden. Die Reden auf dem antisemitischen Parteitage und die des Herrn Vielhaben im Reichstage sind die besten Waffen in unseren Händen, um die schönsten Agitationskniffe der Antisemiten bei den Arbeitern zu paralysiren.— TaS Urtheil gegen Ttenzel wird sogar von der national- liberalen Prasse getadelt. Tasselbe gründet sich juristisch auf den§ 103 des Reichs-Strafgesetzbnchs, der da lautet: Wer sich gegen den Landesherrn und die Re- g i e r n n g eines nicht zum Deiilschen Reich gehörenden Staates einer Beleidigung schuldig macht, wird mit Gesängiiiß von einer Woche bis z ii zwei Jahren oder mit Festungshaft von gleicher Daner bestraft, sofern in diesem Staat dem Deutschen Reich die Gegenseiligleit verbürgt ist. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag der auswärtigen Regierung ein. Die Zniücknahme des Antrages ist znlässtg." Daß mit diesem Paragraph die Presse für die Besprechung ausländischer Aiigclegenheiteu vollständig labm gelegt werden kann, namentlich wenn der deutsche Majestätsbegriff auf das Ausland übertragen wird, das bedarf keiner näheren Ans- einandcrsetziing. Ter„Hannoversche Courier" des Herrn von Bennigsen„kann nicht genug protestiren gegen jedes neue Unterfangen, die Urtheilsfreiheit der deutschen Presse auzufcchte»." Der zahnlose Löwe brüllt gut— bis zu der Konsequenz, die A u s in e r z u n g dieses durch und durch reaktionären Paragraphen zu fordern, versteigt sich der uatiotlai- liberale Heldenniuth natürlich nicht. Uebrigens wird von verschiedenen Blättern versichert, die deutsche Regierung habe die belgische im Fall Stenzel zur Stellung des Strafantragcs gedrängt, eine Mittheilmig, die bis jetzt nicht dementirt«vorden ist und— es auch nie werden wird.— Ei» deutscher Klassiker über Majestätsbeleidigungen. In seinem Slaatsroman„Der goldene Spiegel oder die Könige von Scheschian" änßert sich Christoph Martin W i e l a n d, der berühmte Verfasser des.Oberon", folgendermaßen überMajestäls- beleidigungen: „Josvnderheit schien das Verbrechen der beleidigten Majestät ein herrliches Mittel, sich der Guter der Groben uno Reiche» mit giucr Art zu bemächtigen. Die Rechtegelehrten von Scheschian (Leute, welche für einen leidlichen Preis alles, was der Hos gern sah, für recht eickannttn) erschöpilen daher alle ihre Scharsstimig- keit. die Theorie eines so erträglichen Verbrechens nus« seinstc anSzuarbeile»; sie fetzten alle seine Acsle und Zweige bis auf die feinsten Fäserchen sehr künstlich auseinander, und bewiesen zum Schi ecken der arme» Scheschianer, daß man zu ge- wissen Zeilen kaum ein Glied rühren, kaum Athein holen könnte, ohne sich dieses furchtbaren Lasters schuldig zu»lache«. Es koiiute mit einem bloßen Worte, mit einer Btiene, in Gedanken, ja sogar im Traume— es konnte an dein elendesteu Gemälde, das den König vorstellte, an einem Bedienten der königlichen Küche, au einem köiiigllchen tunde, an dem Napfe,>vo>i>i der König spuckte, begangen iverden. er behutsamste Ta�el der Maßiegel» dcS Hofes, der kleinste Senfzer, den das Miileiden mit sich selbst eimm Unrecht leidenden Ech-schiauer auspreßie, die leiseste Berufiiiig auf die Rechte der Menschheit war ein Alajestäisverbrcche». Zum Beweise, daß ingii deS Vergnügens zu st rasen nicht(alt werden könne, schien man nichts aiigelegeiieies zn bnde». als der Nation täglich nene Ge- legeuheiten zn gebe», sich strafbar zu machen; nnd niemand, ach niemand! liesTsich in den Sinn konune», da» das strafwürdigste, das ungeheuerste aller Verbrechen heil sei." die Beleidigung der ivlenjch- Deutsches Reich. — Ein Kronrath fand heute Vormittag unter Vorsitz des Kaisers im Neuen Pal».s statt. Es»ahmen die Mitglieder des preußische» StaalS iniirrsterinrns nnd die Slaalsiekrelär« der Reichs- äinler an der Berathnng theil. Ueber den Gcgennand der Berathnng ist»ichls brkannl geworden. Offenbar handelt es sich um die Ei». leitnng der parlainentarische» Session und die Feslstellmig der Regierungspolilik für die nächste Zeil.— — Unsere B e r» e r k n» g e n über die Erhöhung deS Z t i> s s» y e s d e r R e i ch s b a» k haben in der Press« viel Staub nnfgeivirbell. Einige mit der hohen Briiik befreundete eitrmgen machte» gegen unsere Ansicht, dnjz die Einschränkung des ankkredits durch das vläherrücken an die Zeit der Krisen verursacht sein dürfte, iheoretische Eimvenduiigen. Wir lassen deshalb das Urlheil des erfahrensten nnserer jüngeren Bankpolililer, des Münchener Piofefsois W Lötz, bier folgen: Einmal werden durch die Verlhenerring des Kredits, die in der Diskonto- Erhöhung liegt, diejenigen Kreditnehmer zur Zurückhaltung veranlaßt, die nicht uubedingl zu dem kritische» Zeitpunkt bereits Kusse bedürfe», also der in- ländifche Disko ntirungSan drang verringert. Die Wirkung, welche eine rechtzeitige Disko nt-ErhShn»g , veiter in Zeiten einer gesteigerten Spekulation und vor Krise» ausüben soll, aber nicht immer ans- geübt hat, ist Ernüchterung derjenigen, welche vorwiegend mit Kredit spekuliren.(Conrad«c. Handw. d. Slaatsw. S. 939.) Mehr haben wir auch nicht gesagt. Interessant ist, dab so ausgesprochene Organe des Großkapitalismus inil allem Eifer unsere Deutung der Erhöhnng der Banlrate aus der Welt lugen möchte. Wir fürchten, dab nur zu bald unsere Deutung dieses wirth- schaflliche» Vorganges sich als richtig ergeben wird. Wir sind weit näher dein Ende der Periode de? wiithschask- licke» Ausschiviliiges als die»leisten meinen. Der Krach konnnt plötzlich, aber es giebt Zeiche», die sein Herailkoninien ahneu lasse».— — Zum Prozeß Liebknecht bringt die„Norddeutsche Allgemeine Zeilnng" heute einen Leitartikel, der, inmitten albernen Geschivafels als einzigen Inhalt eine dicke Unwahrheit und einen plumpen Sophismus auslischt. Die dicke Unwahrheit: daß Professor Lißt das Breslauer Erkenntiiiß gegen Liebknecht nngefochte» habe, ehe er de» Wort- laut gekannt. Das Gegen theil ist selbsiverständlich wahr. Der p I n»» p e S o p h r s m» s: Liebknecht habe durch die Form, die er für die iiikriininirte Stelle gewählt, nicht eine Majestäts- beleidigung, sondern nur die B e st r a s u» g siir eine Majestäis- beleidigung vermeiden wollen. Welch haarsträubender Blödsinn! Sintemalen Majenälsbeleldigiingen in Deutschland bestraft werde», muß, iver Bestrafung vermeiden will, auch eine Masisims- beleidigung vermeide». Das sieht jedes Kind ei», aber der Gelehrte der„Vtoiddeiilscheir Allgeniejiien Zeitung", dessen J»ge»iii»i wir schon»lehrfach zu bewNliderii Gelegenheit hatten, hat sich so thilrin» hoch über den gesunden Meiifchenverstand erHobe», daü er nicht mehr in Gefahr schwebt, mit demselben in Berührung zu kommen.— — Die National-Sozialen und das sächsische B e r s a iii i» l ii ii g s-„R e ch t". Das hiesige Agrarierblait berichtet ans Leipzig: „Unter dem Vorsitze de? theologischei Professors G r e g o r y tagte hier eine uationatsoziale Bersammliliig. in der meist Nicht- sachsen gegen die sächsische Wahlrechtsan�ermig zu Felve zogen. Durch zwei Vorkonniiuisse war die Versammlung von besondere»» Jnierrsfe. Sekretär Wenck rieth seinen Parteigenossen, niemals natioualliberale oder konservative Abgeordnete zu unlerstützeii. Das ist nnzweifelhafl eine indirekte Niiterftütznng der Sozialdemokratie. Der vielgenannte Pastor a.D. Göhr« nannte die Wahlrechts- ändcrung eine Eulrechlnng, eine Thorheil, eine Uiistlttichieit, so daß ihm vom überwachenden Beamten das Wort entzogen werden mußte. Tab derartige Angriffe uiitcr dem Vorsitze eines theologischen Professor? der Lmides-Universilät stattfinde» lö»l>e», wird hier nicht verstände». Man er- wartet allgcinci», daß Professor Gregory dieselben Konsequenzen ziehen weine, rvie die Pastoren Naumann, Göhre und Kötzschke." Gewiß, in Leipzig nnd Sachse»„wird nur verstände»", wemr im Name» des Ehrrste»Ihu»rs die giäntichsten Uebelthaten am Volk begangen»verde». Und wenn ei» Theologieprosessor es wagt, gegen die Enirechluvg der Arbeiter zu wirke», so deliiinzirt»m» ihn als nnwiiri ig seines Amtes»iud die„Deutsche TageS-Zeiiliiig"»nacht sich zum Werkzeug der niedrigen Deuunziation.— — Vom„groben Unfug". Das klerikale„Negensb. Morgeiiblall" erhielt ei» Strnsmandat von 2S M. und das Amts- gericht hat das Mandat bestätigt, iveil das Blatt de» Fürsten Bismarck einen„allen Slänkerer" genannt hatte. Diese» Ans» driick hatte das Blatt in der Abivehr eines Artikels des Hamburger Organs des Fürsten Bismarck gebraucht, in dem gesagt war, daß die Beseitigung der Zenlriimsherrschnst die dringendste national« 'Aufgabe sei. In der Urlhe>lsbegr>l»d»iig de? Amlsgenchls heißt es, der Ausdruck„aller Slänkerer" sei geeignet, Bismarck zu beleidigen und ihn in der öffeutticheu Meinung verächtlich zu mache». Durch den Ausdruck habe sich eine große Anzahl Personen, ja jeder aus Bildung Anspruch»lachende Mensch in feinem Gefühl verletzt suhlen müssen. Vielleicht wird die Beriifniigsinstanz diese» er»e»teii Ver- tirch, Bisiuaick. Beleidigungen ohne Sirasaulrag als„groben Unfug" zu ahiideu, zunickmeisen.— —„Nationale Gesinnung." I» einer in T h o r n am 12. d. M. abgehalteneii Sitzung des Hanptvorstaudes des„Vereins zu* Förderung des D e u t s ch t h u nr s", an welcher zwölf Mitgliec« theiluahmen, wurde nach längerer Berathuiig der Aus- schlub des Oberlehrers Dr. Fricke in Dirschau auS dem Verein einstimmig beschlossen. Dr. Fricke hatte bei der letzten Lanbtags-Ersatzivahl in Berent-Dirschan-Pr. Stargard sich für den Kandidaten erklärt, der die Reck e'sche Vereinsgesetz- N o v e l l e n r e d e r st i in»l e n Helsen wollte, uud das war ein Pole, der da»» auch über den sreikouservative» Reckc-Gesctz- treiind siegte. Dr. Fricke hatte sein Verhallen i» eiriem längeren chreiben an den Hauplvorsiand durch Bezugnahme auf seine Stellung zu de» iunerpoliliscdeir Fragen zn rechtfertigen gesucht. Der Hailplvorstand vertrat indessen die Auffassung, daß das Ver- halten des Dr. Fricke mit den von den Mitgliedern des Vereins ühernommeneu nationalen Pflichten" unvereinbar sei. Die Diirchsührrrng des Recke-Gesetzes hätte das Denlschthum gewiß bedeutend gefördert.„Verein zur Förderung des Deutschthums" nennt man sich, Verein zur Förderung der schlimmsten Reaktion ist man. Wer linier DeutschthlG» elivas anders versteht, fliegt hinaus.— — D i e?l e r,> e k a in in e r von H e s s e»- N a s s a u hat in ihrer am letzten Dienilag hier abgehaltenen Sitzung den neuen Gesetzentivnrf über ärztliche Ehrengerichte für una»»eh>i>bar erklärt. — Unsere Brandenburger Parteigenossen wollen ihren liberale» Stadlväter» eine harte Probe auferlegen. Wie i» vielen anderen Siädlen ist auch dort die Unsitte im Schwünge» daß das Wahlrecht zur Sladtvertreiung abhängig ist von der Zahtung eines sogenannten Brirgergeldes. Diese Bestimmung der Slädte-Ordnung, die sich die libeiale Berivallung der Stadt Branden- bnrg bisher zu»ritze wachte, hatte wie überall den Erfolg, daß zahlreiche Arbeiter das Wahlrecht nichi ausüben konnten, da»ran diese Extraftener für das Wahlrecht nur ungern leistete. I» den letzten Jahicir ist nun in dem Wahlrecht eine recht stark« Ver- setiieb», ig zu guiisteu der beiden oberen Klassen eingetrelei,. Die erste?>blheil»ng zählte 1889 noch 286, d. i 9,3 pCt. aller Wähler; 1897 sank diese Zahl bereits ans 27. d. i. 0,8 pCt. Die zweite Ab- tbeilung.zeigte in demselben Zeitraum einen Rückgang von 850 ans 283 Wähler, oder von 29 pCt. ans 8 pCt. Demgegenüber ist seil 1889 die Zahl der Wähler dritter Adlheilmig von 1791 mi s 3240 gestiegen und belrägt gegenwältig 91,2 pCt. aller Wahlberechtigten. Wie wir bereits mitgetheilt haben, wollen nun unsere Partei- genoncn»im Ailshebung des Bäigergeldes petitionire» und daS Sladtveroidnele»- Kolleg»»» wird dadurch vor die unangeiiehine Frage gestellt, ob es die Ausdehiinng des Wahlrechts unter de»» Dreillassen-Wahlsystei» ablehnen will. Unsere Parleiaeuosse» haben keineswegs große Hoffnungen, daß die liberale» Stadlväler ihren» Wunsche entsprechen werden, aber solche kleine Prüfung voitssrennd- sicher Gesinnung ist für uns recht werlhvoU.— — Der a in b n l a n t e G e r i ch t s st a„ d fordert neue Opfer Die„Schauniburg.Lippe'sche Landeszeilung" in Bücke bnrg halte vor einiger Zeit eine Beilage mit einer Einpfehliing der Brann- s ch w e i g i s ch e n L a n d e s l o t t e r i e beigelegt. Von dieser Zeilnvgs- N»»n»er waren, wie der Berliner„Volks- Zeilung" geschrieben wird, natürlich auch einige Exemplare in das preußische Staatsgebiet gekommen, und der ver- aulwortliche Redakleur deshalb vom Amtsgericht Obern» tirchen zur Ve>a»iivortulig gezogen. Da der Vertrieb Brnitii- schweigischer Loose in Schaumburg-Lippe nicht verbolen ist, erfolgte Freisprechung. Bald darauf wurde der 3ietakte»r wegen desselben Vergehens vor demselben'Amtsgerichte abermals freigesprochen. Gegen das zweile freisprechende Urlheil erhob nun aber die Etaatsanwaltschaft Widerspruch lind vor dem Land- gericht wurde der Redakteur zn lv M. Geldstrafe nnd in die Kosten de? Verfahrens verurlheilt. Als„Ort des Gerichts- standes" wurde Odernkirchen angesehen, und i» Preuiw« ist bekanntlich die Verbreitung»nd Enrpiehlung anSwärliger Lollcrieir »»d ihrer Loose verbolen. Hiernach kann also jeder nicht-preußisch i Redakteur in Deutschland vor irgend ein beliebiges preußisches Gericht ziiirt werden. Also ei» badischer Rebakieirr in Konstanz muß es sich gefalle» lasse», in Meinel abgestraft zu werden, wciiir sein Blatt dort auch nur in einem Exemplar gelesen wird. Gegen daS Urtheil ist an die höhere Jiistanz appellirl worden.— Die Emser Depesche. Im letzten Artikel, welchen die „Eosmopolis" nus der Feder des Professors F.Max Müller bringt, heißt es S. 629, September-Hefl: 'Abelen, der während der Kriege Bismarck's rechte Hand gewesen, war dort(in einer Gesellschaft bei Kaiser Wilhelm I. in Eins) und ich erfuhr-von ihm, daß er das famose E in s e r Telegramm geschrieben, natürlich unter Inspiration und Billigung Bismarck's. Das ist jetzt bekannt und eine alte G e s ch i ch t e." Das„fainose Einser Telegranun" ist die berüchtigle Einser Depesche. Professor Max Müller war intim bekannt inil Bliiisen, Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich III. undjjso ziemlich der ganzen „hohen" Welt.— — Ueber die Verwendung von Soldaten als Landarbeiter wird den,„Brannschiveiger Volksfreund" ans H e l m st ä d t geschrieben: Auf der Domäne St. L u d g e r i (Anilniann Brandt) sind 20 Man» Soldaten(Infanterie) von Braunschweig angekommen, um 14 Tage in Akkord Rüben zu roden, nachdei» die Magdeburger(LSer) nach ihrer Garnjsonstadl zurück mußte». Es ist doch eine herrliche Sache: erst wendet man sich»ach Magdeburg, von dort senden sie einem 14 Tage lang die Soldaten, dann»ach Brannschweig, da desgleichen— und die S t e u e r z a h l e r können zusehen, wo sie Arbeit bekomme». Es möge» 6—7 Jahre der sein, da machte Brandt dasselbe Manöver, was die hiesigen'Arbeitslosen wurmte; daher setzie ei» gewisser Gereke eine Befchwerdeschrift auf, die er nach Berlin ans liriegsiliinisterium schickte. Ei» paar Tage darauf wurde et vor den hiesigen Bürgermeister geladen, der ihm Borwürfe machte, da er erst hätte zu ihm komme» solle», ehe er sich nach Berlin wandte. Andern Tags waren jedoch die Soldaten weg und die Bürger be- kamen die Arbeit. Die Soldaten bekoinme» für den Morgen zu roden 12 M. und freie Station, während hiesige Arbeiter 16 M be- kommen; dafür müssen sie sich ihr Werkzeug halten, sich beköstige», »lliethe, Kleidung ic. bezahlen. Hieraus ersieht man, schreibt der Gewährsmann des.Braunschweiger Volksfrennd". daß d i e zwei- j ä h r i g e D i e» st z- i l noch viel zu lang ist, sonst würde den Soldaten die Ausbildung nicht Zeit zum Znckerrübenroden lassen. — Der übersehene Untersuch ungsgefangene. Die„Frankfnrler Zeitung" schreibt: „Der bei der Etaatsanivaltschaft in D a r»» st a d t be- schäf'tigte Schreibgehilfe Nuß wurde am Montag wegen Unter- schlagniig von 9 Mark verhaftet. Bei dieser Gelegenheit stellie sich heraus, daß Nuß, um seine Unlerschlagung zu ver- heimliche», die Akten über«inen wegen Unterschlagung in Unlersnchnngshaft sitzenden Mann beseitigte, so daß da- durch das Hanptversahren gegen den Beschuldigten nicht ein- geleilet werden konnte und dieser nun schon seit sechs Monate» in Untersuchungshaft sitzt. Am Sonnabend wurde das Gericht auf den Untersiichnngsgefangene» aufmerksai» gemacht. Infolge dessen wurde die Unterschlagung des N. und die damit verbundene Beseilignng der Akten aufgedeckt. Die obere Gerichtsbehörde in Darmstadt hat eine strenge Untersuchung an- geordnet. Es handelt sich um einen jungen Mann, dem es zur Last gelegt wird, 400 M. unterschlagen zu habe», wahrend er behauptet, er habe das Geld verloren. Eine Boruntersnchung war nicht mehr uölhig, die Anklageschrift war schon gefertigt, und es Handelle sich nur noch um die Ueberweisung an das Schöffengericht. Wie konnte ein Mensch sechs Monate seiner Freiheit„in Unterslichungshast" beraubt werden, gegen den gar keine Uiitersnchiing mehr schivebte? Wie konnte der Beamte der Staatsanwaltschaft, der die Anklage gefertigt hatte, die Kontrolle über den Fall voll- ständig verliere»? Wie ist es möglich, daß der Erste Staats- anwält bei den in kurzen Fristen vorgeschriebenen Jnsp-klionen des ArresthauseS nicht auf die ungeheuerliche Thatsache dieser wider. rechtliche» Freiheitsberaubung stieß? Man darf wohl annehmen. daß auch daS hessische Justizministeriii», sich dies« Frage» vorlege» wird. Denn außer der Aktenbeseitignng durch Nuß muß noch irgend etivns nicht in Ordnung gewesen sein, da man sonst wohl früher ans den vergessenen Gefangene» aufmerksam geworden wäre." ' Uns scheint denn doch dieser Fall so haarsträubend, daß wir eine Darlegung der Behörde abwarten wollen, bevor wir uns weiter äußer».— Miinchc», 14. Oktober. Nach dreitägiger Debatte»ahm die Abgeordnetenkammer de« Antrag Sleininger a», wonach die Staatsregiernng bei dem B n n d e s r a t h erwirken soll. baß ausländisches Schlachtvieh an der Grenze mindestens einer zehntägigen veterinär-polizeilichen Beobachlnng und am Be- sliinmnngsort einer nochmaligen thierärziliche» Kontiolle unterzöge» werde» soll und ferner die Transporteure gründlich desinsizirl werden sollen. Außerdem wurde der Theil des Antrages Dr. Ratzinger's angenommen, nach ivelchem die Einsiihr bereits geschlachteten Viehes verboten werden soll. Alle weitergehenden Sin- träge wurde» abgelehnt.— Karlsruhe, 19. Oktober. Die Furcht vor jeder Sozialreform wird auch im badischen Ländchen zu einer die Tendenzen der herrschenden Klasse» charakterisirenden Erscheinung. Als un- längst die an den badische» Hochschulen angestellte» Pro- fessoren der Nationalökonomie, die mit voller Ueberzeugung ans dem Bode» der heutigen Wirthschaftsordum g stehende» Herkner. Fuchs. Schulze-Gäveruitz und Genosse» hier eine Art »ationalökonomischer Ferienkurse abhielten, waren viele junge Pastoren als eifrige Zuhörer anwesend. Das muß der obersten Kirchen- behörde des bei de» Philistern als liberal verschrieene» badische» Mnsterlandes ganz besonders gesährlich erschiene» sei». Flugs erließ sie eine» Erlaß, in dem sie die jüngeren„Diener des Wortes Gottes" mahnte, die sozialpolitischen Probleme vorsichtig zu behandeln und vor allem die Kanzel von solchen Erörterungen rein zu halte». Uns kau» es nur freuen, wenn die Diener der herrschenden Kewalieu eine so uugeheure Furcht vor jeder Bekanntsch st der Ihrige» mit de» sozialpolitischen Problemen unserer Tage haben. Wen» die Herren ahnte», wie sehr diese Aeußerunge» ihrer Angst für uns agitiren!— Oesterreich. Wien, 14. Oktober. Abgeordnetenhaus. Nachdem Viz?p>äsidei,t Ab.adamovicS die Anfrage» des Abgeorduelen Ruft wegen des Berichts der Quoten- Deputation. sowie wegen Vorlage des Wortlauts des gestern besprochene» lliegierungderlasses ablehnend beantwortet hatte, beantragten die Abgg. Rast und Hosmann-Welleuhos die Debatte über die Antwort, worüber zwei namentliche Abstimmungen stattfanden. Die Anträge der Abgeordnete» Nüst und HofiuauN'WelliNhos wurde» in namentlicher Abstimmung abgelehnt. Hierauf wurde» die Eingänge verlese», bei welche» abermals namentliche A b st i in in u» g e n vorgenomine» wurde».~ Tchwriz. «Per«, 12. Oktober.(Eig. Ber.) Die radikal-liberal-freisiunige Mehrheil der Bu»v«Sversauu»lii»g sährt fort, von ihrer Muht ausschließliche» und rücksichtslosen Gebrauch zu machen und damit einen Despolismus des Parteiregimenls ,» bestätige», der nicht viel schöner ist als der persönliche Despolieunis, den der russische Zar altei» ausübt. Wie vorige Woche in der Frage der Vnt>e>N"g der Wirlhschaslsveibäude im Berwallni'gsralh der Staatebahiie», so hat sie gestern bei der Schlußberathung der K r a n k e» v e r s i ch e r»» g ausschließlich und rücksichtslos gehandelt. Der vo» uns bereits früherbe- sprochene Antrag des sreisiunige» Baumeisters Burgi i» Bern, daß der Unternehmer inFällenvon üngerechlferligtemWegbleiben von der Arbeit dem Arbeiter die ganze Prämie in Abzug bringen darf, wurde mit 60 gegen 36 Stimine» im Nationalrath angenomuun. Mit dieler läppischen B>sli»»n»»g steht das schiveiierische Kranken- versicherungs-Gesetz selbst unter den bezügliche» Geselren i» Deutsch- land und Oeslerreich.„Gios, in kleinen Dingen�, bus ist das Pro- graun» der schweizeiische» Liberale», ivelche sich innuer mehr zur reinen und unverfälschten Partei desGKdsacks und des UnlernehmerlhulnS e»t- wickeln. Die schweizerische Arbiilerschaft darf sroh sein, daß diese Leute nicht das eidgenössische Fabrikgesetz zu macheu haben, denn es würde heute mehr Unternehmertrutz, als Arbeiterschutz werden. Eine weitere neue Bestimmung, die gestern noch ins Krankenversicherungs- Gesetz aufgenommen wurde, verpflichtet den Bund, den Kreis- Krankenkassen an die Mehrkosten der ärztlichen Behandlung in entlegenen Gebirgsgegenden angemessene Beiträge zu ent- richten. In der Schlußabstimniung wurde das Kranken- versicherungs- Gesetz mit 101 gegen 9 Stimmen angenommen. 9 Abgeordnete eutbielten sich der Abstimmung. Die 13 letztere» waren mit einer Ausnahuie lauter Ullramontane, die eine Aus- nähme machte unser Genosse W u l l s ch I e g e r. der vor der Ab- stimninng erklärte, sich der Stimmabgabe enthalten zu wollen, weil die Forberuugen der Arbeiter nicht genügend berücksichtigt worden sind. Diele Erklärung giebt eine Charakteristik des Nationalralhts als einer Unlernehmervertretung und ist eine Feststellung des Nieder- ganges des schweizerische» Parlainentarismiis. Da werden die demokralischen Posiulale: Volkswohl des Buudesralhes und Pro- portionalwahl des Nationalrathes zu immer dringendere» Forde- ruugen.— Bern, 14. Oktober. Der Nationalrath erklärte einstimmig den Antrag für erheblich,»ach welchem der Bundesrath unlerfnchen soll, welche Maßnalnue» zu treffen feie», um die Pflicht zur An- nähme der ausländischen u n t e r>v e r t h i g e n S i l b e r- Scheidemünzen zu beseitigen. Bundesralh Hanser hatte zu dem'Antrage die Erklärung abgegeben, daß, wenn die Anregung der Schweiz, das Kontingent der Silber- Scheidemünzen zu erhöhen, bei den übrigen Mitgliedern der lateinischen Münz- nnion relultatlos bleiben werde, der Bnndesrath werde unter- suche» niüssen, wie er den unerträglich werdenden Zuständen ein Ende machen könne. Das siebt ja ganz wie eine Drohung aus, den lateinischen (Doppelwährungs-) Mtinzbund zu vertnsse». Würde die Schweiz Er»» machen, so müßte Frankreich folgen und die goldarmen Länder Belgien und Italien blieben übrig. Die armen Bimetallislen!— Frankreich. Paris, 13. Oktober. Im G e m e in d e r at h wurde heule eine Tagesordnung angeuomnie», in welcher gegen den Seine- P r ä f e k t e n ein Tadel a» s g e s p o ch e» wird, weil derselbe sich geweigert hat, den Gcmemderalh zu einer Beralhung über die B r o l v e r t h e n e r n n g einzuberufen.— Paris, 13. Oktober. In der gestrigen Nachmittagssitzung der B» d g« l k o m»> i s s i o» trat der 5i r i e g s m i» i st e r lebhaft für die Ber Mehrung der E f s e k ti v b e st ä n d e der Armee ei», weiche die Kommission vor einigen Tage» verweigerl halte. Er erklärte, daß die Schnffnng der vierten Bataillone»n- möglich iverde, wenn die Zahl der jetzt unter de» Waffen bcsind- lichen Maimschasten nicht crböht wurde, denn man müßte sonst die Effektivbestände der Kompagnien verringern. Dies sei jedoch ge- fährlich für die Sicherheit des Landes zu einer Zeit, wo Deutsch- I a» d obne Unterlaß seine aktiven Koiilingeiite a» der Grenze ver- stärke. Die Relrutirnug des letzten Jahres habe gestaltet, 12 800 Soldaten mehr anszuhebc». Dies müsse man sich zu»iitze mache» und hoffen, daß dies« Vermehrnug andauere. Die Koni- missio»»ah m nach diesen Ans>.iiiaiirers>.tz>!»gen die verlangt« Erhöhung der Effektivbesläi'de im Prinzip an. Demgegenüber verpflichtete sich ver Kriegsminister, um Erspariiisse zu mache», bei de» Ariiicekorps-Koniniaudanten dahin zu wirken, daß einer giößereii Anzahl von Soldaten Ernte- und Weinlese-Uilanb bewilligt würde. Die hierdurch erzielte Ersparniß, die sich gewöunlich ans 8'/2 pCt. der Gesainnitsumure des Soldes stellt, würde sich dann auf 9,23 pCt. belaufen. Daraus ergäbe sich ein Gewinnst von netto 1848 000 Fr. General Billol erzielte überdies die Wiedereinstellung des Kredits von 1 100 000 Fr. für die Exerzierplätze, Schießstände, Neltbahne» zc. Für das Ariiicenrnseum wurden 20 000 Fr. beivilligt. Dafür erklärte sich der Minister mit einer Reduktion vo» 300 000 Fr. benn Arliltericwnterial n»d einer solchen von 400 000 Fr. beini Ge»ie»iaterial für ein- verstanden und akzeptirle die übrige» Verminderiiiigr». Die im ganzen erzielte Ersparniß belrägt 6'/z Millione», doch mußlen in anbelracht der Getreide- und Futterpreise die diesbezüglichen Kapitel auf 2t/z und 1 Million erhöht iverde», sodaß die definitive Er- s p a r ü i ß nur etwa 3 Millionen atiSmacht.— — Der grobe Wechsel i» der diplomatischen Vertretung der fianzösischr» Repiiblik hat nun siattgesniideii. Drei Botschafter und drei Gcsnudte sind ernaniit ivorde». Herr Lozö, der in Ütlgier die schmutzigen Geschäfte des Herr» Meline nicht verrichten wollte, ist ans dem Dienste entlassen ivorden. An steile des Herr» Lepine, der die von Lozö verschmähte Stelle des Generalgo»ver»c»rs vo» Algerien freudig akzeptirte, ist der bis- herige Chef der Pariser politischen Polizei. Blane, zum Polizei- präfeklen der Hauptstadt ernannt worden.— Belgien. — Die P a r l a m e n t s s e s s i o n war bei Beginn der Ferren nicht gesctilosse», sonder» nur vertagt worden, sovnß bei dem gestrige» Wiederzusammentritt ohne weitere Foriiialilätcn sofort zur Beralhung der vorliegenden Gesetze-cnlivürfe geschrille» iverden konnte. Wie bereits niitgetheill, stand der für die Arbeiterschaft höctist wictitige Gesetzentwurf, betreffend die Verleihung der Korporations rechte an die Berussvereine auf der Tagesordnung. Der llerikale Abgeordnete Begerem vertheidigte den Entwurf der Komuiissio», die den Negiernngsentwnrf in jeder Beziehnng verschlechtert hat.— Der sozialistische Abgeordnete für L tt t l i ch, Ge». F ü r» 6 in o» t, tritt für die Regierungsvorlage ein. Er verlangt, daß das Gesetz aueh allen den Vereinigungen und Gesell chasle» zu gute komme, die sich mit wissenschaftlichen, künstlerische», Humanitären ic. Zwecken befassen. Der Redner kündigt ferner die Einbringung eines Aniendeinenls zum Regieriiiigseiitii'iirf a», das die schwere Bestrafung(3 Monate bis zu 3 Jahren Ge- füi gniß) derjenigen Unternehmer vorsieht, welche durch Entlassnng. durci, Geschenke, Versprechungen oder DrobUnpen die Freiheit der Berlissvereine oder deren Mitglieder einschränken. Ueber de» Artikel 310 des Coclo penal, der unserm§ 133 der Gew.-Orb». entspricht, äußerte sich Fürnömont:„Der Arliket 310 enihäli eine große Heuchelei; er scheint für beide Theile(Aibcit- iiehmer und Arbeitgeber) gemacht; aber man hat ihn noch niemals anders anwenden s e b e», a l S zu Gunsten der Unter»eh>» er gegen die Arbeiter; nur dies« allein werde» gelroffe»!'— Der Redner kam biS zuin Schluß der Sitzung mit seinen AuSsührnitgen nicht zu Ende, er wird sie in der nächsten fortsetze».— England. London, 14. Oktober. Der Untcrstaatssekretär de? Krieges Brodrick führte i» einer Ltede, welche er in Gnildsord hielt, ans, die Friedensstärke des Heeres stehe in keinem Verhältniß zu dein große» Anwachsen des Reiches. Wegen der Anforderungen, welche die Kolonie» stellten, sei die Heemverwaltiliig nicht im stände, im M»>terla>'de eine angemessene Präsenzstärke zu erhalten; dieselbe betrage 36 000 Mann gegenüber 78 000 Mann in den Kolonien.— London, 14. Oktober. Wie die„Times" hört, ist von der Mehrheit der leitende» City-Männer ein Schreiben entivorfen worden, in welchem nachdrücklich Einspruch erhoben wird gegen jede B e iv e g n n g der N e g i e r u» g in der R i ch t ll n g ans den B i m e t a l l i s m u s hin. � Da die Regierung in ciiiige» Tage» den a>ner>kanischen Kvmmissämi Bescheid gebe» müsse, s-' leine Zeit zu verlieren.— Tnnemavk. H »- DaS v«m Folkething z u g e g a n g e ue D u d g e t ist wieder sehr wenig erfreulich. Während das im Mai vorgelegte provisonsch« Budget einen Uebeischuß von 2 Millionen Kronen hatte, biingt das jetzige nur 133 000 Kr. Ueberschuß. Bekanntlich soll der Uebeischuß für„soziale Reformen" verwandt werden. Na, die werden ja sehr üppig werden bei solchen Mitteln! Aber naliir- lich, das Budget fordert auch au Extra-Apauagen für ein paar Prinzen und Prinzessinnen 340 000 Kr.(mehr als das doppelte, als das, was für die sozialen Reformen bleibt). Und für das Militär werde» abermals 733 000 Kr. mehr verlangt(im ganzen 18 561 741 Kr.) Da aber in diesem Jahre die sonst üblichen Kasernen- bauten fortfallen, für die sonst stets eine halbe Million eingesetz, ist, beträgt der Mehrbedarf eigentlich 1 240 000 Kronen. Zur Er- Haltung der Festmige» iverden mich wieder 18 000 Kr. mehr ver. langt. Gnl bedacht ist aiißerdein i» dem Budget die 5iirche, so allein für Kirchenbauten in Kopenhagen 240 000 Kr. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das neue Budget zu einem Konflikte sührt. Die Militärfordernnge» werden ziemlich sicher nicht bewilligt werden. Es ist zweiselhast, ob die Regierung sich in diesem Falle sügeu wird.— — Ein A e n d e r u ii g s v o r s ch l a g z n m dänische» Verfassuiigsgesetz ist von der Linken(Resormpartei) beim Folkething eingereicht worden. Es ist derselbe, der schon im vorigen Jahre eingereicht war, damals aber nicht einmal bis zur zweiten Lesung km», da Reedtz-Thott, der damalige Minister, sich durchaus ablehnend verhielt und infolge dessen die Gemäßigteii sich von dem Antrag feriihielien. Man will nun versuchen, ob das neue Minister»»» H ö r n i n g sich wohlwollender verhalten wird. Uebrigens ist der Antrag in einer Beziehung etwas gemildert;„in besonders dringenden Fälleu" ist der Regierung das Recht zur Er- lassiiug eines provisorische» Gesetzes mit Giltigkeit bis zum Zu- saminentritt des nächste» Reichstages eingeräumt. Man denkt dabei an Sencheiigesahr oder dergleichen, aber iver sichert das Parlament und das Volk, daß die Regierung den Paragraphen benutzt, um gelegentlich unbequeme politische Agitationen zu unterdrücken?— S ch u l g e s e tz- E n t w u r s. Unter den»ciien dem dänischen Folteihing zugegangeneu Gesetzanlräge» befindet sich auch ein neues Schulgesetz. Dasselbe läuft in der Hauptsache auf eine Beschränkung des Bernsniigsrechtes der Gemeinde» i» bezug auf die Lehrkräfle hinans, während im Boijahre ein Antrag des Folkething diese Rechte im Gegentheil erweitern wollte; der Folkething ivollte schließ- lich zu gilnsteii sonstiger Resoriiien sich mit der Erhaltmig des heutigen Znstandes begnügen. Dieser ganze Antrag scheiterte im Landesthiiig, der die Rechte der Genieiiiden beschränken wollte. Wenn jetzt das Ministerium sich ebenfalls ans den Standpunkt des Landeslhing stellt, ist wenig Aussicht ans Annahme des Gesetzes.— Italien. Rom, 12. Oktober.(Eig. Ber.) Die Bewegung der italienischen Kauflente gegen die Erhöhung der E i ii k o in m e ii st c u e r. Alle 2 Jahre wird eine Revision der Ein» konimeiisteuersätze vorgenommen. In Wirklichkeit bedeutet das weiter nichts anderes, als eine Umgehung des Parlaments, das auf diese Weise nicht mehr zn entscheiden hat über die Höhe der Steuer- sätze. Es sind 133 Millionen Franken, die nach dem neue» Reglement ans den Stenc'zahler» heransgewirlhschaftet iverden sollen. Nainent» lich wird uinn die Rausniaunschaft und zwar in erster Linie die Kleiiikräniiner treffen. Diese Leute, die immer für die Regierung gewesen sind, die Republikaner und Sozialisten für Unmeiische» ansehen, ivollen »ichi begreifen, daß sie nun für die Politik, die sie guc heiße», auch zu zahlen haben. Je weniger sie das begreifen, desto rabiater ge- beiden sie sich; allerwärts sind Protenknndgebnngeii gegen die Neuerung im Gange. I» Rom ist die Erregung am größlen und hier kam es bei der von de» Kmiftenteii organisirte» Prolesiknnd- gebnlig zu den durch de» Telegraph schon bekannt gewordenen Vorgängen. Am Nachmittag des 12. d. M. versammelten sich gegen dreißig lausend Menschen auf dem Piazza di Capitol»nd bewegten sich von dort, die Deputirten, ivelche die Wünsche der Menge dem Minister überbringen sollten, an der Spitze, nach dem Palast des Ministerpräsidenten hin. Rudiiii erklärte der Koimiiissiou, daß das Projekt reiflich erwogen sei und daran sich nichts ändern ließe; und daß er eventuell stark genug sei, die Be- wegnng zn nnterdrücken. Während die Abgeordneten noch mit dem Minister unter- handelten, brach der T»>i»>ll los. Die Menge, provozirl durch die Angestellte» des Mlnisteriums und die Polisten, schrie:„Nieder mit den Stenern!"„Nieder mit dem Minister!", und ein Steinhagel fchlng gegen die Fenster. Einen Augenblick später erschienen die Truppen und gaben ohne weiteres Feuer ans die Menge ab; zwei blieben sofort todt aus dem Platze und eine Menge Personen wurden verivundet. Die Polizei eröffnete nun die Jagd auf die Sozialisten, eine große Anzahl wurde verhaftet, u. a. auch der Genosse Mangini, ein Angestellter des„Avant»". Um 6 Uhr war der Kampf vorüber, die Stadt machte den Eindruck eines Schlachtfeldes. Die Opposition gegen die Steuerpolitik der Regierung freilich ist damit nicht ans der Welt �schafft. Da öffentliche Zusammen- liiiifte, welches sich damit befass«i sollie», verboten sind, so wird in, geheimen um so mehr gegen die Regierung gearbeitet werden. Mittlerweile ist ein Dekret des römischen Präsekten er- schiene», der alle sozialistischen Verbindungen Roms für anfgelöst erklärt, obivohl die Sozialisten mit der ganzen Be» wegung nichts zn th»» habe». Diese haben vielmehr nur ausklärend gewirkt; sie haben die Ursache» der Geidnoth, in welche die Regie- rnng durch ihre Großniachtspolitik nothwendigerweise koinmen mußte, aufgedeckt— und das ist allerdings schließlich das gefährlichste. Denn hat das Volk erst dies erkannt, dann ist es init den, MililartsumS und der afrikanischen Abenlenrerpolitik vorbei.— Spanien. Madrid, 13. Oktober. Wie der„Jmparcial" meldet, wären Verhandlnngen eingeleitet, um die Unterwerfung der hauptsächlichsten Führer der'A n f st ä n d i s ch e n auf den Philippinen zu erlangen. Der„Jinpareial" fügt Hinz», wenn die Verbandlnnge» ein günstiges Eigebniß haben sollte», würde eine Verstärkung der Sireitkräste ans den Philippinen un» »öthiz sein.— Riissland. — Die Stellung der Juden. AttS Petersburg wird der„Int. Eon." geschrieben: Der Reichsrath hat einen von den Ministerie» des Innern und der Laiidivirlhscbafl ausgearbeiteten Gesetzentwurf gebilligt, wonach den Juden gestattet werden soll, in acht südlichen Gouvernements in den ländliche» Kreisen Grundstücke zu«riverben und ans denselben Landwirthschaft zu betreiben. Des- gleiäien enihält der Entwurf Bestiininuiigen, woiiach den Inden der Anfeiithalt in den Städten mit mehr als 20 000 Einwohnern unter wesentlich gemilderten Bedinguiigen gestallet werden kann. DaS Gesetz wird demnächst dem Zaren vorgelegt werden, worauf im Falle der kaiserlichen Znftiimnuiig eine endgiltige Fassung des Reichsrathes festzustellen ist.— Warschau, 10. Oktober.(Eig. Ber.) Am I. Oktober ist die Nr. 24 des in der geheiineu Warschaner Druckerei he, gestellten Partei-OrganS„R o d o b n i Ir"(„Der Arbeiter") erschiene». Die Nummer enthält nnter anderem eine lange S tr e i k ch r o» i k für die Sommermonate. Von Jnni bis in die letzte» Tag« des Sep- tembers dauerten die Streiks in den verschiedensten Industrie- zweigen— und besonders i» Warschau— umliiter- brocben fort. Benterkeiisiverth sind insbesondere: Massen- slreiks der Tischler(3000 Man»), der Schuhmacher(3000 Mann). der Eieinhaner, der Bäcker, der Weber(in Bialistok 2000 Mann), der Gerber(in Krynki, Grodno'er Gonveriieinent. 600 Mann), der Maurer(in Wilna) tt. s. ,v. u. s. w. Die Streiks Verliesen meistentheils siegreich und bezweckte» hauptsächlich eine Ver- kiirzung des Arbeitstages. Ein hoffnungsvoller Zug der diesjährigen Stieilbewegung ist die Annäherung der jungen Rekruten der sozia- linischen Beiveguiig— der„jüdischen" Arbeiter— an ihre„christ- lichen" Leidensgenossen, die bis jetzt allein die Last des revolutionären Kampfes auf ihre» Schultern tragen mußten. Der Leitartikel in Nr. 24 des„Robolnik" ist der Zaren- empfangs-Posse gewidmet und endigt mit den Worten:„Henle, wo unsere Ansbeuler den Zaren hochleben lasse», erschallt aus unserer Bntst der Ruf:„Es lebe Polen!"— denn für Polen kämpfen jetzt nur mir, und dieses Polen wird unser sein— das Polen der sieg. reichen Pcoletarter." Aus Wilna geht uns die Nachricht ztt, daß der in Warschau „geschulte" Gendarmerie-Riltmeister Wasilicsf auf seinem neuen Posten sofort eine wahre„viazzia" auf politische Verdächtige vorgenommen hat. In der Nacht vom l. m>f de» 2. Okiober sind in Wilna 200 Veihastnngen vorgenommen. E pur si muove(Und sie bewegt sich doch).— Türkei. -- Z n r armenischen Frage wird der„Intern. Corresp." «ns Ko»sta»li»opel geschrieben: Unter den hiesigen Ärmeniern, welche schon seit zwei Wochen de» Wiederansbrnch von Armenier- Berfol- gungen in Kleinasien als beslimmt voraus verkünden und sich des- halb in größter Erregung befinden, haben die neueste» Anordnungen des Sultans eine fast verzweisclle Stimmung hervorgerufen. Wüh- rend bisher bestimmt war, daß der Unlersnchnngsansschnß zur Feststellung der bei den letzte» Unruhen herbcigesührten Schäden neben sechs Christen nur vier Mnhamedaner zählen sollte, hat der Sultan jetzt befohlen, daß in tenr Ausschuß sechs Türke» und nur je ein Grieche, ein orthodoxer und ein katholischer Armenier entsendet werden sollen. Außerdem habe der Ausschuß vor allem die an den Moschee» und die an den mnharnedanischen Befitzthümer» verursachten Schäden festzustellen. Sodann wurde die Bitte des Patriarchen, für die nothlcidenden Armenier eine öffentliche Sammlung veranstalten zu dürfe», abgelehnt und dem Patriarchat auch die sonst alljährlich für die Armen der Gemeinde geivährte Unterstützung von 2000 Pfund intzogen. Desgleichen hat der Sultan dem Patriarchen bedeuten lasse», daß er eine iveilere Belästigung mit Bittschrifte» und Be- schtverde» unter den gcgenivürligcn Verhältnissen nicht wünsche.— Asie». — Die Ausdehnung der Handelsbeziehungen Japans. Einem der„Intern. Korr" aus Iiio de Janeiro zu- gehenden Bericht vom 8. Sept. enlnehinen wir, daß im August eine größere japanische Gesandtschaft in der Hauptstadt Brasiliens ein- traf und der Führer derselben als ständiger diploinalischer Vertreter täpans in Brasilien verbleibe» wird. Dein Vorsitzende» der dortigen andelskammer erklärte der letztere, daß Japan de» Wunsch hege, mit Brasilien in enge Handelsbeziehungen einzulrcten; es werde von dort besonders Kaffee beziehen und hoffe dalür in Brasilien seine Jirdustrie-Erzeugnisse absetzen zu können.— Inzwischen sind, wie eine in Japan erscheinende englische Zeitung berichtet, gleiche japanische Gffnndtschaften nach Chile und Peru abgegangen, wobei die Regierung des Mikado die offenkundige'Absicht verfolgt, durch möglichst enge Beziehungen zu de» südnmcrikanische» Staaten sich ein Gegengewicht gegen das Angreife» der Bereinigten Staaten von Nordamerika in den japanische» Jnteressenkreis zu schaffen.— Afrika. — Zur Lage in Marokko wird der„Int. Corr." aus Madrid gemeldet: Die Annahm«, daß der Sultan gar nicht daran denkt, einen Strafzug gegen die an der Seeränberei belheiligtcn Kabtzleiistäinme der Riffkuste zu unternehmen, bestätigt sich im vollen Maße. Abdul Aziz hat ein Heer von eiwa 33 000 Bewaffneten aufgebracht»nd ist mit diesem in das Gebiet der Messiwa-Slämme eingedrungen, welche seit mehreren Jahren die Zahlung des Tributs veriveigert halten. Seinen Halbbruder Muley Amin hat er zu gleichem Zwecke nach der Provinz Suz entsandt, Ivo jedoch dessen Erfolg ziemlich fraglich sei» dürfte.— Nach glaubhaften Berichten verfüge» die iltiffkabylen über 30 000 Kämpfer, welche sämmllich mit neue» Gewehreu bewaffnet sind, während die Armee dcS Sultans zum theil nur mit Lanzen, zum thcil mit alten Gewehren versehen ist.. Deshalb haben die Niffstämme einerseits keinen ernstlichen Angriff seitens des Sultans zu befürchten. und andererseits würden sie auch in der Lage sein, etwaigen gegen sie zu entsendenden europäischen Truppen einen ziemlich starken Widerstand entgegenzusetzen.— Amerika. HarriSburg(Pennsylvanien), 14. Oklober. Ter Gouverneur Hastings wurde von dem Staatssekretär Sherman benachrichtigt, der österreichisch-nugarische Gesandte habe dem Staatsdepartement gegenüber erklärt, daß bei dem Angriffe aus die Volksmenge in Lattimer während des Ausstandcs Rechte österreichischer Unterthanen verletzt worden seien. Sherman ersuchte den Gouverneur um Einsendung eines eingehenden Berichtes über die Vorgänge in Lattimer. Na vke i a iTzvichtett. Bei den Gcnieindewahle» in Böhme» erzielten unsere Ge- Nossen mehrere beachtensiverlhe Erfolge. So wurden in Schön- linde bis auf einen alle sozialdemokratischen Kandidaten in den dritlen Wahlkörper gewählt, und die Ersatzmänner sämmllich. Polizeiliches, Gerichtliches?c. Während der Vorbereitungen zur Reichstags-Ersntzwahl in Königsberg i. Pr. entstanden Streitigkeiten zwischen dem konservativen Redakteur B l ey und dem Universilätsprofessor Zorn, die zu scharfen Auseinandersetzungen führte». Ter Zwist wurde gütlich beigelegt und dann in der„Oslpr. Ztg." milgelheilt, daß dies „standesgemäß" geschehen sei. Die betreffende Erklärung war unter- zeichnet: Dr. Otto Gcrlach, Professor der Slaalsnsisscnschastcn und Premierlieutenant der Landwehr-Artillerie. Ueber diesen Znsatz machte sich die„ K ö n i g s b e r g c r V o l k s t r i b ü n e" lustig und Herr Gerlach wurde in Parallele mit einein„Theil der Ossiziere" gestellt, der in sehr wenig schmeichelhafter Weise gezeichnet wurde. Der KriegSministcr stellte infolge dessen Slrafanlrag wegen Velcidigung dcs Offizierkorps. Slni Montag hatte sich nun der verantwortliche Redakteur Genosse E r d in a n n vor dem Kvnigsbcrger Landgericht wegen Beleidigung des„gesaniinten" Osstzierkorps der preußischen Armee zu verantworten, obwohl i» dein inkriminirteu Artikel, wie schon e> wähnt, nur von„einein Theil" die Rede war. Der Staatsanwalt beantragte das horrende Strasinaü von ö Monate» Gefängniß. Ter Verlheidiger, llicchlS- anwalt H a a s e, machte z» guiisten des Angeklagten hauptsächlich die beim Wahlkampfe gewöhnliche Erregung geltend. Ter Gerichtshof folgte ihm hierin. Im ivcitercn ivnrde zwar anerkannt, daß eine Beleidigiiug des Osstzierkorps vorliege, iveil aber der inkciniinirtc Artikel nur beziveckle. den Professor Gcrlach zu treffe», so wurde von einer Freiheitsstrafe abgesehen und auf eine Geldstrafe von 300 M.«rkaiiiit. — Freigesprochen wurden in S l e l t i n eine Anzahl Partei- genossen, die»ach Zlnsicht dcs Aintsvorstehers Meier in Wolters- dorf durch öffentliche Berbreitmig dcs„V o l k s b o t e n" wider das Gesetz verstoße» haben sollten. — Wegen Beleidigung dcs Lehrcrstandes wnrde der verantwort- liche Redaktenr tcs„P o l k s d l a l t s s ä r Anhalt", Genosse Schmiitzler, vom Schöffengericht in Dessau zu 20 M. Geldstrafe verurtheilt. Gewcvkfilsznfkliches. Berlin»nd lknigebiing. Ikcbcr den Forincr-AnSstand bringt die neueste Nummer des „Gcivcrbegerichls" eine» von dem Fabrikanleu Herr» Weigert verfaßten Artikel, in dem es am Schlnss« heißt: „Leider mußte auch bei diesem Streik, wie in viele» früheren, die WahrnehiiNiiig gemacht werden, daß, solange als noch die streiten- den Parteien in der ersten Hitze dcs Kampfes sich befinden, dieselben einer von nentralcr Seite koi»i»c»de» Vcrinitlelimg schwer zngängig sind. Es scheint, als ob jede der streitende» Parteien die Befürchtung hegt, daß es als ei» Zeichen von Schiväche betrachtet werde» könnte, wen» die strittigen Puiikte der vornrtheilslosen Entscheidung des Einiglnigsaintes»ntcrbrcilet würden." „Niigemein hemmend für die Verhandlungen vor dem Einignnqs- ainte war der Umstand, daß soivohl die Vertreter der Arbeitgeber, als auch der Arbeitnehmer nur eine beschränkte Vollmacht besaßen und somit bindende Abiiiachnngen nicht treffen, sondern hierzu der besonderen Genchinignng ihrer Vollmachtgeber bedurften. Man sollte doch meinen, daß jemand, dem man das Vertrauen der Wahrnehmung seiner Interessen glaubt schenken z» dürfen, nicht ei» er Beschränkung in der Abgabe bindender Erklärungen unter- morsen sein sollte. Durch derartige Beschränkungen könne» in- folge der Abhängigkeit von Beschlüsse» einer außerhalb der Ver- Handlung stehende» Geiieralversaimiilitiig leicht Konsequenzen herbeigeführt werde», die die Vollmachtgeber weder geahnt»och gewünscht Veraiiiivortlicher Nkdakleur: Ängust Jacobe») in Berlin. Lür de» haben. Die Schwierigkeit mußte in Kauf genommen werden, da beide Parteien darauf bestanden. War es doch schon ein bedeutsamer Erfolg dcs Gewerbegerichls, daß diejenige Gruppe Berliner Groß- industrieller, die allen Arbeiterbestrebuiige» gegenüber ihr Recht als Herren ihrer Betriebe a»» schroffste» vcrlrat, sich zur Verhandlung vor dcm Gcwerbegericht entschloß. Prinzipiell wird solchen Be- schränkungen der Vollmacht entgegenzuwirken sein."i Ter Zentralvorstand dcö Bcrbandcö der deutschen Buch- drucker wird an die mn den Achistniidentag kämpfenden Masch inen- b a u e r Englands eine zweite Unterstühiingsrate im Betrage von 10 000 M. absenden, wenn die Gauvorstände, was selbst- verständlich nicht zu bezweifeln ist, ihre Znftiinmnng geben. Ferner hat der Berliner O r t s v e r e i n für deiiselbe» Zweck 3000 M. bewilligt, und die Verbandsmitgliedschaslen der übrigen Drnckorte werde» ebenfalls ihr mögliches thnn, um den englischen Arbeiter» zu helfen. Außerdem sollen in Berlin Sannnelliste» in Zirkulation gesetzt werden.— Der Beschluß des Vorstandes der Hirsch- D u u k e r'sche» G e w e r k v e r e i n e, deuMaschiiieubauern10000M. zu überweisen, ist durch Abstimmung der Mstglieder gut geheißen worden. Achtung, Parkcttbodeuleger! Den Kollegen zur Kemitiilß. daß seitens des Herrn Peter unsere Forderungen sämmllich beivilligt worden sind. Tie diesbezügliche Notiz in der Dienstagsnumnter des „Vorwärts" ist hiermit erledigt. Die Kommission. Spaudan. Der gestern von der Kommission der Korbmacher in Gcuieiuschast mit zwei Beauftragten des Gewerkschaftskarlclls zum iviederholte» Male niilernonmiene Versuch, mit der Firma Bärivalde eine Einigung herbeizusühre», scheiterte an der Siarr- köpsigkeit der Arbeitgeberin. Jusolge dessen wird über diese Werk- stelle die Sperre verhängt; ei» Viertel der Ausständigen ist bereits abgereist, zu unterstützen bleiben noch 27 Personen. Die hiesigen Zeitiinge» verbreiten recht lügenhaste Berichte, welche von interessirter Seite herrühren. Deutsches Reich. Unter sonderbam» ttiiiständcn wurde in Halle die Ver- saniiiililiig des Verbandes der Metallarbeiter aufoclöst. Im Laufe der Verhandlung nahm ein Redner das Wort, der in etivas erregter Weise schilderte, wie er angeblich ohne Grund eine ganze Nacht i» Polizeigewahrsam zubringen mußte. Mitten in der Darstellung des Erlebten erhielt der Redner eine sehr uiiliebsame Unlerbrcchnng, in- dem sich der überwachende Beamte erhob, die Versauimlnng auslöste und de» Redner verhaftete. Da ein ersichtlicher Grund für diese Maßnahinc» nicht vorlag, wird der Bevollmächtigte gegen die Aus- lösung Beschwerde einlegen. Anstand. Im Boriuagc sollen, wie der„Köln. Ztg." aus Brüssel gemetdel wird, von Anfang Angnst bis zum 20. Scplember de» Bergarbeitern Lohnerhöhungen»im durchschnittlich 10 pCt. bewilligt worden sei». Diese Mittheilung soll das Unberechtigte der neuer- licheu Forderiiugeu der Bergleute darlhun. Zun» Kampf der englische» Maschittcubaiicr. Die Kessel- bauer der Londoner Schiffe-llieparaliir-Werkställe», denen, wie mit- getheill, die seit 1802 eingeführte 3 stündige Arbeitszeit von de» Uuteriiehiner» wieder gekündigt worden ist, haben in einein stark besuchten Meeting dazu Stclluug geiiouiilie». Sie beschlossen, die Küudigmigssnst z» Ende zu arbeiten, dann die Werste» zu verlasse» und nicht eher ivieder Arbeit aufznnehmeii, als bis der Zlchlstundc»- tag ivieder eiugesührt ist. lieber 2000 Arbeiter koiiiuicn hier in Frage. K u i g h t, der Sekretär der Keffelinacher- Union, glaubt, daß die Differenzen speziell der!iesselbauer auf London beschränkt bleiben werden. Im Falle der Kesselbauer sei das Vorgehen der Unleniehmer ganz und gar»iiiveiständlich, denn die Kosten der Reparaturen'würden von den Schiffseignern gc- tragen; hier koniiue auch keine ausländische Konkurrenz in betracht, wie bei den neuen Säuffcn.— Knight wird sich mit dein Sekretär der Schiffsziiiiinerer-Uiiion und dein der Tischler-Union znsainnieii nach dem Handelsaiiit begeben. Tiefes soll ersucht werde», sich zu bemühen, eine Einigung m dem Konflikt der Schiffsreparalur-Arbeiter heibeizusühren.— Die Maschinenbauer von Victoria(Australien) bewilligten ihren englische» Verufsgeuossc» 1000 Lstr. Unterstützung. Im Bureau der Maschinenbauer lieien am Dienstag über 56 000 M. ein; die„Daily Chronicle" hat eine Subskription für die Ausständigen eröffnet. Unterdessen bleiben ans den Werften viele angefangene Schiffe unfertig liegen. In der Darrow'sche» Schiffswerft ist ein flachgehcudcs Kanoueiiboot, das für den Nil bestimmt ist. Aber es finden sich keine Maschiiieuarbeiler, die es zusainiuensctzen wollen. Es heißt, daß die Firma zwölf dculsche Maschiiieuarbeiler kommen läßt. Wie die„Times" aus Kairo vom gestrigen Tage melden, hat die Eisenbahn-Berwallniig vier englischen Firmen bekannt gegeben, daß, wenn sie nicht die Aufträge auf Lieferung von Maschiueu-Bestand- theileu, die wegen des Plaschiueubauer-Ausstaiide» nicht erledigt worden sind, sofort aussühre», die Aufträge zurückgezogen und die Maschiiicii-Bestaiidlheile ans dem Koutiiicnl gcknust weiden würden. Ein Arbcitcrkongrest, an dem die Unternehnier ihre helle Freude haben, ist am II. d.M. in London ziisaiiimengetrele»; es ist der der„freien Arbeiter". Es sind 100 Delegirle an- wcseud, die angeblich 182 000 Arbeiter vertrete». Diese Leute wollen Beschlüsse fassen über daS„friedliche Zusammengehen" von Unter- uehmerii und Arbeiter». In England giebt es etwa 14 Millionen Arbeiter; davon sind nur 1 023 000 in Trades-Unions organifirt; den„freien Arbeitern" sind im letzten Jahre etwa 20 000 neue Mit- glieder beigetreten. Diese gegen die Trades-Unions gerichtete Organisation wird selbstverständlich von den UnlernehmerN t»ich Zuwendung von Geldmilleln unterstützt, sie hat. wie die Trades-Unions, für ihre Mitglieder Pensions-, Krankenkassen:c. eriichlet. Der Präsident gab nach dem„Berl. Tagebl." folgende nalionalökoiioinische Weisheiten zum besten:„Seit dem Anskoniinen des Neli.Uuionisnins, der seit dein Dockstreit von 1380 dalirt, wo er unter der Führung von MaiinS, Titlet und Burns ausgeheckt wurde, Huben wir laiii'eud, meist unentfcbuldbare Sireiks gehabt, die von sozinlistisckicii Zlgitaloreii, von Männern in Szene gesetzt wurden, die hinsichtlich der ökonomischen Wahrheit koususe und exzentrische Ideen hatte», die da behaupteten, mit der Nationalökonomie sei es nus, und der sicherste Weg zum Wohlstaude und zum Glück sei der, de» solide» Grund und die Bürgschaft für alles das z» iguoriren, inas das Glück und das Wohlergehen der Mcnschhcil einschließt. Das Resultat hiervon war, daß nach approximativer Schätzung dein Lande zwei Milliarde» Alark in Löhnen und in Tisloziiuug dcs Handels verloren gegangen sind. Ist cs da nicbt an der Zeit, daß der Arbeiter selbst denkt»nd für sich selbst handelt, anstatt Agila- toicn dafür zu bczahlcn, daß sie ihn ans einen verhängniß- vollen und verderbliche» Weg leiten? Diese wohlbezahlteii und unverantwortlichen Redner haben dem Arbeiter erzählt, daß da? Kapital der natürliche Feind der Arbeit sei. Das ist eine schamlose ökonomische Lüge. Kapital und illrbcit sind einander im- entbehrlich, sie schwininieii mit einander und sinken mit einander." Zinn Schluß der ersten Sitzung nahmen die sonderbaren Hcilsgcii eine Resolution an, in der sie ihre Befriedigung aussprechen über den feste» Widerstand der Arbeitgeber gegen das übertiiebriic Per- laugen der sozialistischen(!?) Leiter der vereinigten Maschinenbauer- Gesellschaft nach einem achtstüiidigeii Zlrbeitslag, der, wenn er ge- währt würde, sie in ihren Bemühungen, erfolgreich mit dein Ans- lande zu konlurrirc», lahm legen würde. In Manchester ist dieser Tage das vereinigte Komitee, welches sü»f Arbeitgeber- Vereinigungen der Baninivolleiibianche vertritt, zilsamiiieiigctrcteu und hat beschlossen, baldinöglichsl die Arbeiter zur Theilnabnie an einer Besprechung aufzufordern, in der, wie es heißt, die Zustimniiiug zu einer füiifprozewigeu Lohuherabsetznug verlangt wcroeii soll. Bon den 33 Mill. Spindel», die in Manchester, Laucasbire, Jorkshire n. s. w. vorhanden sind, sind 4 Mill. bereits außer Thäligkcit gesetzt._ Sozinlos. ReichSkouiniissiou für SlrbcitSstatistik. Laut einer Mit- theilung des Vorsitzenden der Koniiiiissiou finden die im Februar scrateulhcil veraniworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von vertagten mündlichen Vernehmungen einer Anzahl von Meistern und Gesellen des Müllergewerb es in der zweiten Halste Oklober oder im November statt. Der„Verband deutscher Müller und ver- wändter Berussgenosseii" in Altenburg bemerkt dazu;„Die Vernehmungen erstrecken sich darauf, festzustellen, ob eine gesetzliche Rege- lung der Arbeitszeit im Müllergewerbe nothweiidig und möglich ist. Eine Anzahl unserer Zahlstellen hat die Aufforderiiiig erhallen, Ver- treter zu wählen." Die„Soziale Praxis" erinnert hierbei daran. daß die Erhebungen über die Zlrbeitsverhältnisje in der Müllerei bereits im Sommer 1893 begonnen haben! Heute schreiben wir 1897 und noch ist nicht abzusehen, wann der schmählichen Ansbentung der Mnhlenardeiter ein Riegel vorgeschoben wird. Ilm der Weiterverbreitnng der sogeiianntel» Wurm- krankhcit vorzilbeiigen, sind die Lmidrathsäimer der Bergbau- Distrikte Schlesiens angewiesen worden, den Polizeibehörden und Grilbenverwaltlingen sofort nnfziigeben, daß Gruben- arbeiter aus nngarifchen Gruben, insbesondere solche, die in den Gruben bei Schemnitz, Kremnitz, Reschitza, Anina oder Breimberg beschäftigt waren, bis auf weiteres z u r A r b c i t n i ch t a n g e n o in in e n werden dürfen und eventuell linier Beobachtung der erforderlichen Maßregeln über die Grenze ziirückzubriiigen sind. Etwa inzwischen migenoimneiie Arbeiter sind uilverzüglich dem zugehörigen Knappschaftslazarelh zu über- »veiscn, nachdem der zuständige Knappschajlsarzt und der Kreis- physikus einsprechend verständigt worden sind. Grubcnarbeiier ans anderen Grube» Oesterreich-Ungarns oder Italiens sind nicht eher zur Arbeit znzillassc», als bis durch den Medizinalbcamten bescheinigt ist, daß dieselben nicht mit der genannten Krankheit behaftet sind. Von Interesse wäre zu erfahren, ob im Gebiete des mächtigen r h e i n i s ch->v c st f ä l i f ch e n K o h l e n s y n d i- kats, wo ausländische Arbeiter, darunter ungarische, in großer Zahl eingestellt wurden, behördlich ebenfalls Vorsorge getroffen ist, mn der Weiterverbreitung der sehr gefährlichen und sehr ausleckenden Krankheit vorzubeugen. Verursacht wird die Krankheit, die ihren Hauplherd in Breuuberg bei Oedeubnrg in Ungarn hat u»d auch bei den am Bau des Golthardtunnels de- schästigten italienischen Arbeiter» soivie bei den Afrikanern aus der Transvaal- Ausstellung in Berlin beobachtet»vurde, durch eine» kleinen Eiiigeweideivurm, der hochgradige Blutarmuth hervorruft. Bor der ZliiStvanderiiiig nach den» siidbrasilianischen Staate Sao Paulo ist schon mehrfach gewarnt worden. Die im Verlag des lönigl. Slalislischen Bureaus Herausgegebeue Statistische Kor- respoudeuz liefert hierfür neues Material, indem sie aus den statistische» Auszeichuniigeii über die Bevölkerungsbewegung i» 73 Slädten Sao Paulo'? das solgeude millheilt: Im Jahre 1896 ist für 14 Städte eine Abnahme der Bevölkerung festgestellt, und in 39 ist die Zuiiahnie sehr gering. Unter den Todesursachen sind Tuberkulose, Typhus, gelbes Fieber und Malaria am verheerendsten ausgetreten. Sao Paulo, die Hauptstadt dcs Staates, hatte 130 000 Einwohner, von denen im Jahre 1896 6306, d. h. von 1000 Einwohnern 42 gestorben sind. Em« so ungünstige Sterblichkeit hat keine größere Stadt Deutschlands, wahrscheinlich auch nicht Europa's aufzuweisen. In der nächst größeren Stadt C a in p i n a s mit 33 921 Einwohnern liegen die Sterblichkeitsverhälluisse noch»ngünstiger. Tort sind in demselben Jahre 2734, d. h. 78 von 1000 Eiiiivohnern gestorben; die Zahl der Gestorbenen übertraf die Geborenen»in 635. AehuUch laut»» die Nachrichten aus de» anderen Slädten dieses Staates. Wie ivciiig Werth heutzutage anf ein Arbciterlcben gelegt wird, lehrt ein Unglücksfall in N ü r n b e r g. Es wird nus darüber mitgelheill: I» der Werderstraße am Neubau des Bau- ineisters Schreiber wollten drei Maurer am Dachgesims einen schweren Sandstein auf das Gemäuer schiebe». Durch den Druck bogen sich die dünne» Gerüststaugei, in entgegengesetzter Nich- lung, wodurch zwei Querträger aus der Mauer gerissen wurden, auf denen die Maurer stände». Alle drei Maurer stürzleu mit dem Stein drei Stockwerk lief auf die Straße. Einer war sofort todt, die übrige» zwei wurden schwer verletzt vom Platze geschafft. Die Schuld ist vor allem dem iiuveranlivortlicheii Leichtsinn zuzuschreiben, im zweckmäßiges Material zun, Gerüstbau zu verwende». Die Arbeiter Halle» vorher den Polier mehrsach erfolglos aufgesorderl, die Stangen besser besestigen zu lassen. Ter Polier ist verhaslet. Depesifjen und letzke Ltuchvichken. Wien, 14. Oklober.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Abg. Graf Dubsky führt Namens des verfassungslreueu Großgruud- besitzts aus. daß die Konserenz der Vertrauens», äuuer des Großgrundbesitzes vom II. Juli 1S37 sich mit den vo» der Regiernug nach dem Sessionsschluß gelroffeuen wenig glücklichen polizeilichen und administrativen Versügungen beschäftigt habe, welche surft die iwthweudige Beruhigiing zu erzielen. zur Ausbreitung der Bewcgiiiig in Deutsch- Böhme» beitrug. Er verurtheile das Verhalle» der Regierung i» dieser Sache. Die Partei des Redners schlägt daher eine inoiivirte Tagesordnung vor. Diese lautet: Indem das Abgeordnetenhaus das seitens der Regierung der der Herausgabe des Erlasses vom 2. Juni 1897 beobachtete Verhalten verurtheilt und demselben entschieden seine Mißbilligung ausspricht. geht dasselbe über die Anträge der Abgg. Hocheiiburger und Genossen, Wolfs und Genosse» ans Versetzung des Ministerpräsidenten in de» Auklagczustaud zur Tagesordnung über. Hiernach wurde die Verhandlung abgebrochen. Nächste Sitzung morgen. Wie», 14. Oktober.(W. T. B.) Ein gemischter Zug fuhr bei der Einfahrt in die Slalion Giußbach der Sinat?- Eiseubabn der starkem Nel el infolge Iliitauglicbwerdciis einer Distanz-Scheibe gegen eine Versuchs- Lokomotive. Die Lokomotive des Zuges wurde dabei ilnbedeulend beschädigt und zivei Reisende erlilleii leichte Konlnsionen. Paris,>4. Oktober.(W T. B.) Ter Untersiichuiigsausschuß der Tepntirtenkamincr in der Panamaangelegcnheil hat heute sei»« Arbeiten wieder aufaenommen. London, 14. Oklober.(W. T. V) Da? Kriegsgericht in Devonpoit hat den Kowinandaiiten dcs bei dem Zusammenslost»nl dein Torpedoboot-Zerstörer„Lynx" schiver beschädigien Torpeloboot- Zersiöms„Trasher", Travels, nachlässiger Schiffssütmiiig jür schuldig erkannt und>b» mit einem strengen Verweis» bestraft. Eambrai, 14. Oktober.(W. T. B.) In ter Zuckerfabrik in Escandoenvres in der Nähe von Cainbrai fand eine Kessel» Explosion statt, durch die zwei Arbeiter getödlet und 12 Arbeiter, darunter mehrere lebensgesährlich, veriviindel wurden. London, 14. Oklober.(W. T. B.) Als Ergebmß der henligcn Kouscrenz zivische» den Leitern der SchiffSreparatur- und Kessel- schmiede- Firmen Londons und ihren Arbeitern wurden die an- gedrodten Aussperrnngen zurückgezogen und cs wnrde ein Uebereiil- kouimen abgeschlosse». trotzdem die Arbeitgeber den Achlstuudeutag nicht zugestanden haben. Mailand, 14. Okiober.(B. H.) Die bedeutende Farverei vo» Vennti in Padua ist durch ein durch Beiiziiiexplosivir hervor- gerufenes Feuer zerstört worden. Zn'ei Arbeiter iimen daben bei dem Brande ihr Leben verloren, mehrere andere wurden schwer ver- wundet. Madrid, 14. Okiober.(W. T. B.) Fünftausend Man» Verstärkungen werden noch vor Ende dcs Monats nach K»!n abgehe», Sofia, 14. Oktober.(B. H.) Zu der Nachricht eines Budapefter Blattes, wonach nur 3. d. M. der montciicgrinifche Tbronprätendent Jwanovic in Sofia vor dem Hotel Odessa von süns Männern über- fallen worden sei, wird weiter' gemeldet, daß die fünj Attentäter, die verhastet worden waren, infolge der Jiilervenlio» des rusüsche» Generalkonsuls wieder in Freiheit gesetzt wtlrden. Jvanovic und einige seiner Freuirde, ivelche ihn verlheidigten, sind ziemlich schwer vermuiidet worden; erfterer nnißte ins Spital geschafft n erde»., viax Babing in Beilin. Hierzu 8 Beilage«» Iluierhaltuiigsblatt Pr. 241. 14. IchMg. 1. Keilllge Dov Fo�tttcvpkrcik. Der Formerstreik, der während mehrerer Woche» die Oessenllich- keit deschäftigte. ist beendet. Wesentlich materielle Vortheile hat der Streik de» RnSstnndige» nicht gebracht; die Koste» für Unter- slühungeil und dergleichen sind auch nicht so groß gewesen, um dein Streik etwa hierdurch eine besondere Bedenlung jtü verschaffen. Desto interessanter und typischer für die Anffassung sozialer Angelegenheiten in gewissen Kreisen unseres Volkes wäre» dafür allerlei Nebenerscheinnngen. die sich bei dein Streik gezeigt haben; desto wichtiger sind die Lehren, dre die Arbeiter auch aus diesem Ausstand wieder gewonnen habe». Eine dieser Lehren, eine geiverkschaflliche, sei vorweg genommen. Ter Streik war entstanden, iveil süns Former der Firma Vorsig mit ihrem Meister in Akkord-Differenzen geratben waren Es wurden Foriner-Bersannnlungen einberufen und der Streik beschlossen. Am 4. Oktober halte sich der Konflikt so weit zugespitzt, daß der Verband Berliiier Astetalliiidustrieller in seiner Generalversammlung beschloß, die gesmnmten 27 000 Berliner Metallarbeiter auszusperren. Dies Vorhaben wurde schließlich durch das besonnene Verhalten der Ar- beitervertrelcr vor dem Einigungsamte hintertrieben. Die Lehre, die ans diese» Vorkommnissen für die Zukunft zu ziehen sein wird, ist: daß die Entscheidung über große Streiks, die Tausende i» Mitleidenschastzichen, unbedingt nicht bei den interessirtcn einzelnen Branchen bleiben kann, sondern in die Hände der vcr- antwortlichen Leiter der Organisationen gelegt' werde» muß. Die Sache läßt sich ja so handhaben, daß die geringe Zahl der in Differenzen Verwickelte» auf ihren Antrag sofort als Gemäß- regelte unterstützt wird, worauf dann seitens der Organisation der Fall untersucht und die Chancen eines eventuellen Ausstandes er- ivogen ivcrdcn können. Streiks sollten eben nicht schon dann unter- »omnien werden, wenn die Arbeiter mit ihren Forderungen im Recht sind, sondern wenn der Kampf auch gleichzeitig Aussicht auf Erfolg bietet. Die Nolhwendigkeit solcher Geschäftsführung ist auch schon mehr- fach betont worden, zuletzt nach dein großen Hamburger Hasenarbeiter- Streik. Und speziell in der Metallarbeiter-Organisation soll diese Frage aus Slnlaß des jetzige» Formerausslandes ebenfalls deinnächst angeschnitten werden. Daß, ebenso wie die Arbeiter, auch die bürgerliche Welt— linier- nehmer und bürgerliche Presse— Lehren für ihr eigenes Verhalten aus diesem Streik ziehen werde, das glauben ivir nicht. Wenn es aber geschehen sollte, dann ivcrdcn es arbeiterfeindliche Lehren sein, Lehren, rvie man die Organisationen der Arbeiter zerschmellern, ivie man solche Arbeiter, die für sich, ihre Familie und ihre Klasse ein- getreten sind, kemizeichne», existenzlos machen und dem wirlhschajt- lichen Untergang überliesern kann. Der kleine Formerstrcik, namentlich die Verhandlungen vor dem Einignngsamt, haben zwar Erscheinungen genug hervorgebracht, die dem llnternehmerlhnm eine Revision seiner Auffassung von Ar- beiterangelegenheite» nahe lege» sollten. Aber wir hoffe» da auf nichts. Wie eindringlich auch die Arbeiter vor dem Einignngsamt den Unternehmern nahegelegt hatten, daß es uolhiveudig sei, wenn in Zukunft zwecklose wirthschaftliche Kämpf« vermiede» werden solllen, daß die Unternehmer, oder deren Organisationen mit den Arbeiter- organisationc» in eine geivisse Fühlung träten; daß durch VerHand- lungen zwischen den von beiden Seilen anerkannten Leuten oft der Kampf vermieden werden könne; daß, um die Verbitterung aus Seiten der Arbeiterschaft herabzustimmen, vor allem die Kennzeichnung und wirthschaftliche Aechtnng aushöre» müsse—: es war unserem Gefühl »ach in den Wind gesprochen. Einer der Unternehmervertreter, Herr Fabrikbesitzer F. Kühne, erklärte mit freier Stirn, von„schwarze» Listen" oder dem ähnliche» überhaupt nichts zu wisse»;— u»d doch ist die Maßregelung an- rüchiger'Arbeiter der ausgesprochene, slalutenmäßige Zweck des Verbandes Berliner Metall- Judnstricllcr!— Herr Kommerzieuralh Henneberg erklärte unentwegt, daß die Industriellen mit keinem Beauftragte» der Arbeiter, mit keiner Kommission oder dergleichen über die Angelegenheiten des Geiverbcs verHandel» wolle»; ja sogar vor dein Dewerbegericht, wo doch llnternehmer und Arbeiter gleichberechtigte Parteien sind, lehnte er es ab, dein Vertreter der Arbeiter direkt zu antworten.— Und der Vertreter der. Firma Borsig, alS er sich endlich nach langem Sperren bereit Halle finden lassen, über die eigentlichen streitigen Punkte mit de» Arbeiter» zu verhandeln, erklärte ans die Frage, ob es ihn» recht sei, wenn die Arbeiter zu diesem Zivwcck eine Kommission wählten: Rein, die Leute»verde ich bestimmen! Ich, der selbstherrliche Herr Betriebsdirektor, bestimme hierzu die Herren so und so und so. Mit welchem Recht abcr, Herr Betriebs- direltor? Mit dem Recht deS nnbelehrle» und unbelehrbaren Kapitalsvertrelers, der es sich„leisten" kann. Das Reckt ist aus feilen der Arbeiter, zu ihren Vertretern diejenigen zu wählen, die sie am geschicktesten für solche Verhandlungen halten.— So halten also bei de» Ilniernehmern die von den Arbeitern vorgebrachte» Argumente durchgeschlagen! Dann die bürgerliche Presse. Wir können und wolle» i» diesem kurzen Rückblick nicht alle die hinterlistigen Verleumdungen der Ar- bester und die talmndistischen Rechtferligungsversnche des llntcr- »ehmei vei Hallens an das schwarze Brclt der öffentlichen Verachtung nageln. Nur die gule Tanle Voß möchten wir uns noch einmal vornebme», die auch bei dieser Gelegenheit beweisen ivollle, daß sie den Ruf nicht umsonst genießt, hinsichtlich der ivirthsckafilichen Känipfe der'Arbeiter mit den lintcrnehmrrn zu den arbeilerseind- Ilchste» Blättern DettljchlandS zu gehören. Sie schrieb i» vergangener Woche: „Wenn die Arbeiter grnnd zur Erbilternng, wie das sozial- demokratische Blalt bchaliptet, haben sollen, dann könnte sich diese Etbillcrltiig gegen die Verführer richten, die mit dem Schlagwort »o» der„Arbeilersotidaritäl" fncdicrlige Arbeiter, die gar(eine Luit haben, ihre giilc» Siellc» nnszngebe»»nd sich i» Känipfe von»»geivissen, Ansgange zn stürzen, nölhigen, Weib nud Kind brotlos zu machen«nd sich von ctuer Kasse armselig unter- stützen zn lassen, während sie sich mit ihrer Hände Arbeit viel bester und reichlickcr ernähre» köiinien,.. Und den werden sic als ihren schliminste» Feind ansehen dürfen, der bei der ersten testen Meinungsverschiedenheil ihne» rälh, die„schneidige Waffe" der'Arbeiteisolidarität zu gebrauchen nnd den Allsstand n»> zudrehen oder auszuführen.... Scnjzend folgt die Masse de» redegewandten Führern." Das ist doch sckamles gelegen? Wo sind die Führer oder Der- sührer, die niil den Arbeitern also verfahren sind'{— Das gerade Eegentheil von dem da Behanplelen ist richtig. Die Drängenden sind die uiiinillelbar unter tcr Fuchtel des Unteriiedinerlhulns stehende» arbeitenden Massen; die„Führer" dagegen spielen nnr in allzu viele» Fällen die Rolle der slenernden, heniiiienden, zur Vor- sichl mahnenden Beschwichtigungskommissare, weil die wirlhschnft- lichen Zeitlänste für die Arbeiter eben nicht danach sind, große Kämpse mit Allssicht ans Erfolg führe» zu können. Und»vie unendlich naiv stelle» sich die Herren ans der Vossi- schen Jiiserateuplanlage, wen» sie schreiben: „Auch bei diesem Ausstand ist wiederholt die Rede davon gewesen, daß den Arbeitern daS KoalitionSrccht unverkümmert zustehen müsse. Aber von ivem ist es bestritten worden?,.. Wen» es jetzt heißt, aufgeschoben sei nicht ausgehoben, so werde» die Arbeitgeber darum sicherlich keine schwarze» Listen anlege», sondern ihre» Schlitz in ihrer Einigkeit und in einem guten Ge- wissen suche»." Bo» wem„schwarze Listen" über mißliebige Arbeiter ans- gegangen sind? Von wem das Koalilionsrecht der Arbeiter nach Kräften hintertrieben wird? Liebe Tante, das ist vom Verband Ks Amilrls" öktilim P Berliner Metall-Industrieller seit Jahren geschehe», und geschieht von diesem nnd zahlreiche» ähnlicke Ziele verfolgenden Unlernehmer- organisationen noch heule, täglich und ftnndlick! Im§ 1 der linter dein 26. Februar 1837 revidirten Statuten eben des„Verbandes� Berliner Metallindnstriellen", der seine Vertreter in Sachen des Falles Borsig vor das Einignngsamt delegirt hatte, heißt es: Tcr Verband hat den Zweck,„g»»einsame Maßregeln durch- zuführen, falls in einem der vereinigten Betriebe die Arbeitnehmer versncke» sollten. Lohnerhöhungen ooer sonstige Forderunge» im Wege der Zlrbeilscinstellnng, Sperre, Verrnfserklärnng oder ans ähnliche Weise zu erzwingen." Und im tz 14 heißt es: „Liegt der Fall des§ 1� vor(der eben zitirle), so ist der betreffende Unternehmer verpflichtet, ungesäumt dem Vorsitzenden der Vertraneiiskominission Anzeige zu»lachen nnd deinselbe» gleich- zeitig ci» N a m e» s v e r z c i ck n i ß der betreffenden'Arbeil- nehnicr initzntheile»... Das Namensverzeichniß hat er(der Vorsitzende) sofort der Arbeitsnachiveisstelle mit der Aufgabe zn- zuserligen, die darin bezeichneten Arbeiter von der Znweisniig an Arbeitgeber anszuschließen." Noch deutlicher, wie im Statut, ist man in vertraulichen Mit- lheiluiigen, Zirkiilaren u. dergl. In eliiei» Zirkular vom Septeinber 1836 schreibt Herr Kowmerzienralh Fntz Kühiiemann unter Himveis darauf, daß damals einige hundert ivlelallarbeiter ausständig tvaren, daß fcrncr die Schlosser nnd Maschinenbauer in diese Beivegniig zur Erlangung des Nennflundenlages und einer Lohnerhöhung ein- gclreten waren: „Der Verband sieht eine feiner Hanplanfgaben in der euer- gischen Bekämpfnng solcher Beivegungen sowie der«»berechtig len Forderungen von seile» der Arbeiter, z. B. Freigabe des 1. Mai als Arbcilcrfeiertag, Einführung des Achlsttindeiilages. Abschaffung dcr Akkordarbeit, prinzipiclle Lohnerhöhung». f. w." Davon heißt es in demselben Zirkular von dem ArbcitZuachweis des Verbandes: „Die Nachweisstelle hat außerdem die Ni'kgabe, d"rch ent- sprcchcitdo fortgesetzte Kontrolle der Arbeitsuchenden die Werkstätken vor Einstellung von schlechten E l e>» e n l e», 'Agitatoren, Zlibeilsschenen, Renilcnle», Trunkenbolde» IC. zn bewahren." Unter Hunderten ähnlicher Zei>'''isse mid Beweise greifen wir noch eine Stelle ans eiitem Brief der Aklicngeselllchasl vormals L. Schivarzkopff heraus, die vnterm S. September 1897 an einen durch schwarze Liste gckennzcichnelcn, erfolglos von WeikftäUe zn Werkstälte irrenden Arbeiler schrieb: „Auf Ihr werlbeS Schreiben vom gestrige» Tage ersuchen wir zunächst, niis schrisllich die Erklärung abgebe» zit wolle», daß Sie sich bei Wiederciustellitng i» diese zn dein Verband der Berliner Maschineusabrike» gehörige Wcrlstälie zukünftig aller sozialdemo- kralischen Agilationen, Sammlnnge» für Slreikzivecke oder Auf- hetznng zu Streiks und Ben»r»higl>»g dcr'Arbeiter enthalten wollen, wie daß Sie sozialdcmokraliscken Verbänden, welche diese Zwecke verfolgen, nicht angehöre»." Wie gesagt, ans die älteren ähnlichen Dok»»ic»le, wie solche namentlich in der ISSl erschienenen Broschüre„Ein Komplolt gegen die deutsche Arbeiterklaffe" aufgchäust sind, und i» denen nach- gewiesen war, daß der Verband nicht nnr die obigen Zwecke ver- folgt, sonder» daß er seinerzeit der Berliner Schutzmainischast ein Geschenk von 3000 M. für die starke Jnansprnchnahme am I. Mai gemacht Hai. daß er mit den königlichen Eisenbahndireklionen seine schwarzen Listen ansgelanschl hat, und ähnliches woll-n wir heule garnichl eingehen.— Wir glauben, die hier dargebotenen Proben werden genüge», um die von Untcriiebmerthnm»nd bürgerlicher Presse gemeinsam geüble Heuchelei»ach Gebühr zn brandmarken. Es ist nicht nur ein öffentliches Gcheiinniß, es in eine notorische Thatsache. daß in keinen, Erwerbsziveig» mehr als gerade in der Eisenindnstriedasorgnnistttelknlernehnierlhuni dicArbeiter mit eiserner Faust daniederhält, das Erstai ke» der Älrbeilerorganisation, die AuS- übniig des Koalitionsrechis nach Kräften»nlerdrückl und diejenigen'Ar- beiter, die sich durch Berlrelnng ihrer Klasseninteressen die Ungnade der Unternehmer zugezogen haben, umlhschafüich zu verfehmeu nnd zu vernichten sucht. DaS geschieht nicht nnr a» der Saar, sondern ebenso an der Spree. Ueder diese Thatsache» Hilst alle Heuchelei nicht hinweg.— mag sie sich vor den Schranken des EitiigniigsamteS i» die Toga des grundehrlichcn, aller Niedertracht weltenfernen Biedermanns kleiden, oder in den Spalten der bürgerlichen Zeitungen als die erkünstelte Nnivetät einer alten im stillen den Verdienst berechnende» Proslituirlcii erscheinen. WaS die Arbeiter von der fürsorglichen Gesinnung der Unter- nehmer nnd der ans Kosten der Unternehmer hergestellle» „öffentlichen Meinung" zu erwarten haben, das wissen sie aller- dings schon la>ige, an er es hat sich ihnen hier wieder einnial mit ivünschensivcrther Denilickkeil gezeigt. N i ch l s haben die Arbeiter von dcr bürgerlicke» Welt zu erwarten, außer dem, inaS sie sich selbst nehmen nnd e> kämpfen. Tie Arbeiter sind verlasse», vcr- ralhen und verkailst, wenn sie sich nicht selbst zn Helsen ver- stehen!-- Wiommunales» Ctadtvcrordneten-Pcrsai» inlnng. O e f f e n t l i ch e Sitzung vom D o n n e r st a g, 14. O k t o b e r, nachmittags l> U h r. Ans der Tagesordnung stehen zunächst»och die kehle» f ü n s Antrage B o r g u, a n n. deren Aeralhnng in der letzten Sitzung am 30. September aiif vierzehn Tage vertagt wurde. Diese Zlntiäge betreffen das Gebiet des S ck n l w e s e n s im weitesten Sinne Sie fordern die statistische Fest- siellnng der Zahl der Kinder, welche ohne Frühstück in die Ecknlc kommen, die'Anstellnng von Schulärzten, das Verbot gewerblicher Beschäslignng von Echnlkmdern vor Beginn der Scknle, ein Otts- stalnl znin obligatorischen Besuch der Fortbildniigsschnle für männ- liche Arbeiter ilnter>8 Jahren und Herabsetzung dcr Maximal- Schillerzahl in den Gemeinde-Schiilklaffen. Stadtv. P r e» ß beantragt, die Debatte über die sämmtlichen fünf Anträge zn verbinde». Stadtv. Singer bezweifelt, daß eine derartige Verbindung zur Vereinfachung dcr Verhandlung»nd zur größeren Klarstellung führen würde. Auch seien die Materien der einzelnen Anträge mit einander nicht so eng verwandt,»in eine gemeinsame Besprechung zn erlragen. Redner ist für AblehiNnig des Gcschäflsordnnngs- Antrages. Siadtv. Stadthagen hält denselben auch nicht für ganz geschästsordnungsinäßig. Mehrere der Slnträge führten in ihrer Konsegueitz zn einer Geldausivendnng nnd müßte» daher in einen Ausschuß veriviesen iverden. Sollte über alle Anträge zusammen gencraliter verhandelt werden, so würden vier Stunden zur Be- gründung derselben für ihn nicht ausreichen.(Heiterkeit.) Stadtv. Preuß: Es ist hier nnr auf eine sachliche Be- schkemugnng abgesehen. Zur Verminderung der geschäflsordnnngs- mäßigen Schwierigkeilen beantragen wir die Verweisling sämmtlicher Anträge an einen'Ausschuß. Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s erklärt eS für nicht angängig, beim Widerspruch der Antragsteller gegen den Antrag ans gemein- same Beraihung überhaupt abzustimmen.(Zustimmniig.) Es wird also über die Anträge getrennt diikutirl. Der erste Antrag ersucht den Magistrat: Die Schntdepntation zu beaustragen, Erhebungen darüber anznflellen, ob und wie viel Schüler der G e> n, e i n d e s ch u l e n diese ohne Frühstück besuchen, und der Versammlung die Ergebnisse dieser Erhebungen mit- zntheilen. 4 Fmtag. 15. MIM 1897. Stadtv. Stadthagen: Uiitersuchtingen, wie wir sie hier be- antragen, habe» in andere» deutschen Siädlen bereits stattgefunde». Wir wollen auch für Berlin eine statistische Unlerlage haben, um dann ans Mittel zn sinnen, ivie dem Mißstands abzuhelfen sein möchte. Es gicbt i» Berlin tanseiide von Kindern, welche durch die häuslichen Verhällnisse gezivuiigeii sind, ohne Frühstück die Schule zn besuchen und auch dort nichlL erhallen. Die Privativohlthäligkeit hat sich in einigen Sladtgegendcn der Sache angenomiiieii; so be- steht ein derartiger Verein in dcr Polsdniner Vorstadt. Aber damit wird dem Uebel nicht gesteuert; nnd vor allem kommt es darauf an, wie es in den ärmeren nnd ärmsten Vierteln aussieht. Ich hoffe auf einstinimige Annahme unseres Antrages. Sladlschnlralh Bertram: Man kann dem hnmanilären Werke der Frühstücksvertheilting in verschiedenen Formen gerecht werden. Ein Wohlthäter, der bei Lebzeiten nicht genannt sein ivollte, Herr Levy, hat dafür einen Fonds gestiftet, der jetzt 27 000 M. beträgt. Auf andere Weise, durch die Gründung von Vereinen, hat sich Frau 'Agnes Blnmenfeld auf diesem Gebiete große Verdienste erworben. Ans diese»! Wege sind im vorigen Jahre etira 8400 M. aufgebracht und verwendet worden. Das hervorgetretene Bedürfniß ist durch private Ermittelung bisher stets gedeckt worden. Der vorgeschlagene neue Weg läßt keine» Vorlheil erkeniie»; durch die Kenntniß der bloßen Zahl wird der Hnnger der Kinder nicht gestillt. Man kann doch nicht an jedes beliebige Kind jede beliebige Frage nach den ivirthschast- lichen Verhältnissen richten; man darf nicht so in die Familien- Verhältnisse eingreifen.(Unruhe.) Der Antrag iväre in der Aus- führnng in der That ein Ansang zui» Kommnnismns. Dem Werke wird es viel dienlicher sei», wenn mo» die Privatwohlthätlgkcit ruhig gewähren läßt»nd nicht bei den Privatwohlthälern die Meinung eriveckt, baß sie sich zurückziehe» sollen, weil die Gemeinde da ist, um für das Bedürfniß ailszntommeii. Nehmen Sie daher von dieser Statistik Abstand, bewillige» Sie lieber als Stadlverordiieie die Silbvenlion, welche»öthig ist, »M das angefangene Werk rüstig fortzusetzen. Siadtv. P a n l: Ein Nolhstand iiniß i» gewissem Umfange zn- gegeben werden; hat doch die Sladt bereils 3000 M. zur Unter- stützung des erwähnten Vereins in de» Etat gestellt. In den' Sommermonaten ist das Bedürfniß geringer. Es hat sich ferner herausgestellt, daß ein großer Theil der Kinder, welche ohne Frühstück in die Schule kommen, vor Beginn der Schule anderweit beschäftigt ivarcn.(Hört, hört!) Ich würde die Feststelliing des ivirk- lichen Bedürfnisses für einen Forlschrilt erachten, damit untersucht werden kann, ob etwa eine Verfehlung der Eltern vorliegt, oder die Stadt den schöne» Kranz der Wohlfahrtseinrichlnnge» erweitern muß Ueberweiscn Sie den Antrag einem Allsschuß! Stadtv. Dr. Schwalbe sucht dagegen auszuführen, daß die Befragung dcr Kinder keine zuverlässigen'Resultate liefern kann. Sladlv. Stadlhagen: Einen Widerspruch gegen unsere» so bescheidenen Antrag habe ich selbst seitens des Magistrates nicht für möglich gehalten, nachdem in denischen Städte» schon solche Auf- »ahmen staiigrfnnden nnd zn Maßnahme» geführt habe». Sollte wirklich die Statistik elivas schlimmer aussehen, als ich selbst fürchle, so ist es iminer noch verzeihlicher, ein Kind mehr zn speisen, als ein bedürfliges hungern zn lassen.(Sehr wahr!) Selbst dcr gegenivärlige preußische Kult»s>nintster hat dieses Bedürfnis! anerkannt. Ihre Pflicht ist es, als Magistrat der Stadt (Große Unruhe) für alles zu sorgen, was die Zivecke der Schule nnd der Schnlerziehniig zn fördern geeignet ist. Sollle es Eltern geben, die, obivohl sie die Milte! habe», ihre Kinder ohne Frühstück in die Schule schicken, so haben wir doch Zivangsmiltel dagegen. Lassen Sie sich nicht von einer ganz«»bei echtigten Furcht vor den An- fangen des Kommnntsnins leiten! Es handelt sich hier einfach um eine Aufgabe dcr Schule, um eine Erscheiming, die sich aus der Schulpflicht ohne weiteres ergicbt. Wollen Sie denn das Odium ans Bcrltn ivälzen, daß es die Pflicht vergessen hat, für einen guten, gedeihlichen Schnlnnterricht zn sorgen? Sladlschnlralh Bertram: Die Mahnung zur Pflichterfülliliig hat mich kalt gelassen, weil ich in diesem Falle zuerst und laiige, ehe hier in der Versaimiilimg davon die Rede war, es veranlaßt liabe, an bcsliinuiten Slcllen das Frühstück zn vertheilen. (Bravo!) Warn», wir der gesorderten Slatisiik entgegentreten? Wenn Sie ein wciyg nachdenken, wie eine solche Statistik entsteht, so werden Sic sich überzeugen, daß sie niimöglirh ist.(Lachen.) Die Zahl der betreffenden Kinder tsl ja nach Umständen a» den ver- schiede»?» Tageil ganz verschieden. Die Zahlen, welche die einzelnen Rektoren für die einzelnen Schüler angeben, haben wir hier, ivir können sie aber ans diesem G, linde nicht brauchen. Mein Knlknlator bat die Zahl ans 466!) berechnet. Giebt es einmal ein schönes Frühstück, so werde» alle Kinder i» dcr Klasse erklären, sie hällcn nicht gefrühstückt.(Heiterkeit.) Man nenne nur doch die anderen Städte!(Sladlv. S t a d t h a g e»: Hanau, Leipzig, Dresden, Fraiiksurt!) Ja, aber wer bürgt für die Sicherheit der Aufnahmen? Diesen Grundfehler können Sie nicht beseitigen. Die hmigrigeu Kinder, die wir sehe», werde» wir auch immer mit Frühstück versorgen können.(Beifall.) Stadtv. B a u m g a r t e n: Die Herren Antragsteller legen es sonst darauf an, die armen Kinder nnkenntlich zn machen, darum verlangen sie nncnlgcllliche Bücher-Liefernng; hier machen sie es um- gekehrt, hier wolle» sie die arme» Kinder ganz besonders ans den übrigen herausheben.(Sehr gut!) So wie die Slaiistik erhoben ist, wird es heiße»: alle Kinder inüssen das Frühstück frei geliefert erhallen! Man lrcle nicht ans diese Brücke, von der wir nicht wissen, wohin sie führt. Es ist schon erwähnt, daß vielfach die Kinder vor der Schule gewerblich beschäftigt waren. Das sind viel- lach die Kinder armer Willive», die diese Groschen gern mitnehmen. Die Thätigleit dieser Kinder dehnt sich oft so auS, daß es wohl vorkommen mag, daß vergessen wird, daß die Kinder Frühstück ein- stecken.(Heiterleit und Znruse.) Sladlv. Singer: An der Richtigkeit dcr Ansführnngen Stadt- Hagens hat der Sladlschnlralh kein Jota geändert. Seine Ent- gegnung hat wohl ans uns alle einen gequälte» Eindruck gemacht, er hat mit allerlei Gründen um die Sache hernmgeredel. Taugt die bisherige Stalistik nichis, so hindert ihn doch nichts, eine bessere zn mache». Solche Slatislit müßte natürlich zu verschiedenen Zeilen und a» verschiedenen Tagen ansgenvmmen werde». Die Zahl 4663 scheint der Schnlralh für enorm hoch zn hallen; nach den Ausführungen des Sladlvcrordiielen Pank dürsten es aber wenigstens 12 000 sei». Wenn Sie diese Dinge aus die Privalivohlthätigkeit verweisen, so verfahren Sie doch mit allen städtischen Echulleistnnge» ebenso! Hier das Gespenst des Aom» muuiSmuS heraufzubeschwören. ist der Stadt Berlin unwürdig. Sehr befremdet hat mich, daß Herr Baumgarlc» meinte, es liege an der Faulheit und Bequemlichkeit der MiiUer, wenn die Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen.(Stürmischer Widerspruch; Rufe: Das hat er nicht gesagt!) Wie falsch diese Meinung ist. ergicbt sich ja aus Ihrem jetzige» Widerspruch. Jene Frauen, die erst aufstehe», wenn der Zlrbciter schon sei» halbes Tagewerk hinter sich hat, rekrntireii sich nicht aus de»'Arbeiterkreisen. Wir würden es allerdings auch für kein Unglück halten, wenn, wie in Frankreich. Schnlkantinen eingerichtet würden, in denen säinintliche Kinder ge- speist werde».(Lachen.) Durch Ihren Widerspruch gegen den An- trag lassen Sie es zu, daß tmiseude von Schullindern in Berlin ver- kommen. Damit schließt die Debatte. In persönlicher Bemerkung be» streitet Stadtv. B a u m g a r t e», alle armen Frauen als faul be- zeichnet z» habe»; solche Herzlosigkeit habe ihm serngelegen. Der Antrag Paul und der Antrag Borgmann selbst werden abgelehnt. Ferner wird von den Stadtvv. B o r g m a n n nnd Genossen „zwecks einer geordneten ärztlichen Untersuchung»nd Ueberivachung des BesundheitsznstandeZ der städtischen Schiller" die Anstellung von Schulärzten nnd die Einstellung der hierfür nnd zur AuSbilVung der Celirer in der Hygiene erforderlichen Mittel in den Etat für 1893/39 gefordert. Stadtv Dr. Z n d e k: Seit 1899 nlS unser?liitrng wegen der Schulärzte einfach abgelehnt wurde, hat in den letzten sieben Zahre» diese Frage so an Bedeutung gewönne», daß wir eine einfache Abweisung nicht mehr erwarte». Der Hanpteiuwaud ist im», er»och die angebliche Untergrabung der Autorität des Lehrers durch einen Schularzt. Diese Befürchtung ist aber eine eingebildete. Der deutsche Lehrertag von 1888 hat die Anstellung vou Äerzte» gefordert, ebenso der Berliner Lehrerverein. Dazu sind in neuester Zeit eine Reihe anderer gleich gewichtiger Zeugnisse gekoininen, so die Resolution des deutschen Aerztetagcs in Eisenach. Andere Koinmuuen sind inzwischen zur Verwirllichnug der Forderung geschritten. Warum bleibt Berlin zurück? Nach einer weitverbreiteten Meinung, weil diese Anträge von Sozialdemokraten ausgehen. Ich persönlich sehe den Grund darin, weit unser leitender Pädagoge einfach„nein!" sagt und in der Sache nicht mit sich reden läßt. Er erklärt die Gcsnndheitsverhältnisse der Schulen und der Schüler für ausgezeichnet. und meint, die Antragsteller wüßten nicht, was sie wollten. Wie es mit der angeblichen Vorzüglichkeit der Gcsundhcitsverhältnisse in de» Schulen steht, dafür braucht dlos auf die neuen Untersilchungen der Lnslverhälluisse hingewiesen zu werde», die zum theil von dm Lehrern selbst vorgenommen sind. Aber der Schulralh sagt. sie sind ausgezeichnet, und er kann das sagen, denn es ist kein Schularzt da, der das Gcgeutheil sagt Die elenden Lnstverbältnisse können nicht besser werden, wenn nicht durch regelmäßige Untersuchungen durch die Schulärzte Wandel geschaffen wird. Eine Ausnahme machen nur die sehr wenige» Gebäude allerjüngsten Datums, Ein Elend sind auch die heutigen Schulbänke, welche den Kindern die Augen verderben, die Wirbelsäule verkrüUimen und den Brustkasten eindrücken müssen. Ebenso steht es mit der täglichen Schul- reiniguug, welche schon 1892 vom Stadlschulralh versprochen, aber bis heute nicht eingeführt ist.(Vorsteher Laugerhans ersucht de» Redner wiederholt, nicht so sehr ins Einzelne einzugehen). Die für einige Schulen in Moabit versuchsweise eingeführte drei- malige Reinigung in der Woche sollte im Gegenthcil nach einiger Zeit durch eine zweimalige ersetzt werde»! Gegen die Brause- bäder dieselbe Feindseligkeit. Da fehlt doch also jeder Sinn für Hygiene. Die Krankheit der Uebertragung von Läusen durch die Schulkinder gehört ebenfalls in dieses Kapitel. 41 bis 55 pCt. aller Schulmädchen, die der als Forscher anerkannte illrzt Dr. Neumann untersucht hat, waren mit Läusen behastet. Nur schul- ärztliche Ueberwachung kann hier Besserung ermöglichen. Alle an- steckenden Kinderkrankheiten können ebenso nur durch schulärztliche Ueberwachung eingeschränkt werden. Am ersten Tage seiner amtliche» Thätigkeit mußte der Schularzt in New-Iork von 4999 ihm vor- geführte» Kindern 149 als mit ansteckende» Krankheiten behaftet nach Hause schicken! Nur der Schularzt kann erkennen, ob das Kind körperlich oder geistig schon siir den Unterricht reif ist oder noch zurückgestellt werden muß.(Borsteher Dr. Langerhans hält diese Aussührunge» nicht mehr für ganz zur Sache gehörig.) Auch die Hygiene des Uiilcrrichls selbst hat der Schularzt Hand in Hand mit dem Lehrer wahrznuchme». Die Frage der Ueberbnrdnng, der Einrichtung des Stundenplans u. s. w.— alle diese Fragen werden erst dann eine befriedigende Lösung finden. Stadtv. Sanitätsrath Rüge: Die Aerzte sind einig in der Meinung, daß die Anstellung von Äerzte» nothwcndig und dringend erforderlich ist. Im einzelnen treten freilich Schwierigkeiten berpor, besonders in der Art der Kompetenzvertheiluug zwischen den Aerzte», den Lehrern und de» Schultechnikern. Die'Arbeit, welche dem Schularzt aufgebürdet werden müßte, ist so groß, daß wir mit einem allein nicht auskommen würde», sondern derselben eine ganze Anzahl, und zwar auskömmlich besoldet, nöthig haben würden. Ich de- antrage die Ueberweisung des Antrages an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Stadtschulrath Bertram: Wir haben uns schon 1834 in Hannover mit Autoritäten sehr ausführlich über Schul- ärzte unterhalten; original ist also dieser Antrag nicht. Eine feste Theorie der Schulbänke existirt noch heute nicht; wir suchen noch immer das beste System. Jedenfalls sitzen die Zöglinge auch in dem jetzigen System, welches etwa 29 Jahre alt ist, gut. Die tägliche Reinigung wird wohl mal kommen(Heiterkeit); mir kann mau daraus, daß sie noch nicht da ist, keinen Vorwurf machen. Die Behauptung des Herrn Neumann von der ungemeinen Verbreitung des Ungeziefers habe» wir seitens der Schuldeputation prüfen lasse»; die Armenärzte sind ersucht worden, ein halbes Jahr lang die Schulkinder, die ihnen vorkommen, auch daraufhin zu untersuchen. Herr Zadel hätte vielleicht eine Statistik verlangt.(Heiterkeit.) In 49 Medizinalbezirken ist überhaupt nichts gesunden wmde», nur in zwei bis drei sehr ungünstig gelegenen Mediziualbezirken haben sich 39 pCt. gezeigt. nicht 55. Mau kann also nicht die Klage erheben, daß unsere Schule» vom Ungeziefer zu leiden hätte», auch die Zahl der ansteckenden Krankhecksfälle ist bei weitem geringer, als behauptet worden. Wenn der Schul- arzt alles machen soll, wo bleiben dann die praktischen iAerzte? Wir treten»ur dem Anspruch entgegen, daß der Arzt allein das kompe- teute Urlheil haben soll.— Eine besondere Nolhwendigkeit für Aus- schußberalhung liegt nicht vor, da der Gesundheitszustand der Kinder sich zusehends verbessert. Stadtrath Straßmann: Die Schularztirage ist noch nicht abschließend geordnet. Auch die Meinungen darüber, ivelche Krank- heilen durch die Schule begünstigt werden, sind noch getheilt. Die Kurzsichligkcit wurde lange der Schule zugeschrieben; jetzt ist es er- wiesen, daß sie wesentlich durch die häusliche Arbeil und deren unzweckmäßige Absolvirung herbeigeführt wird. AehnlicheS gilt von der Wirbelsäulen- Verkrümmung und vom Nasenbluten. Ganz abgesehen von der finanzielle» Be- lastung und von der Answahl der passenden Persönlichkeiten trete» zwei Hauptschwierigkeiten hervor. Die eine ist die Einmischung des Schularztes in die Familie», der Eingriff in das elterliche Bestimmungsrecht. Die Eltern schicken ihre Kinder in die Schule. um sie dort unterrichten zu lassen, nicht aber, um sie vo» Aerzte», die nicht ihre Vertrauensärzte sind, nutersuchen z» lasse».(Zwischen- ruf: Das Recht auf Krankheit in der Familie!) Die zweite Schmie- rigkeit ist die bantechnische. Bei dieser Sachlage ist eine zwingende Nothwendigkeit für das Eingehen auf eine so alles umwälzende Institution nicht gegeben. Stadtv. Gerstenberg stellt sich den Antragstellern als Päda- gogen und als Gegner der Schulärzte vor. Für Ansschußberalhung tritt aber auch er ein. Damit schließt die Debatte. Im Schlußwort koustatirt Stadtv. Zadel, daß sich jetzt ein direkter Widerspruch gegen die Ein- richtung als solche nicht mehr ergeben hat, während mehrere der Sache freundliche Stimmen sich haben vernehmen lassen. Schularzt und Lehrer, dieser natürlich hygienisch ausgebildet, müssen Hand in Hand arbeiten, dann fallen alle Konflikte fort. Die Statistik des Dr. Neilmaim hat viel höheren Werth, als die der Aerzte, die für diese Untersuchung gelegentlich herangezogen werden. Der Antrag ivird einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. Die folgenden Anträge sollen nach einem Antrag Meyer auf die nächste Sitzung vertagt und am Schluß derselben verhandell werden. Stadtv. Singer widerspricht dem letztere» Theil deS An- träges; enliveder, mau nimmt die Anträge ernst und dail» verlegt man die Verhandlung nicht in ein so spätes Stadium, oder man sagt frei heraus, daß man sie nicht ernst nehmen will! Stadtv. Meyer: Die Anträge nehmen uns alle Zeit für unsere übrigen»olhwendigen Arbeiten für die Magistratevorlage» fort. Fast muß es den Zuhörern scheiiien, als hatte» wir hier eine» Parteilag, den» drei Stunde» lang haben die Herren ihre Rede» ausgesponnen. Die Anträge habe» gar keine Eile; im übrige» sind wir de» Antragstellern i» jeder Weise elltgegengekol»ll>e». Auch die Antrage des Herrn Singer ivegea der Arbeiiseinstellung auf der Gas- ai'stalt in der Fichlestraße bitte ich abzusetzen. Stadtv. Singer proteftirt gegen die Zensur, welche der Vor- redner a» der Länge der Reden der Antragsteller geübt hat. Nach Herrn Meyer würde man blos die Magistratsanträge erledigen, wenn man Initiativanträge an den Schluß der Tagesordnung sitzt, macht ma» eine geordnete Diskussion unmöglich. Die Getchäfls- ordnung gebe doch den Anträgen die Prioritäl. Warum kann man denn nicht zwei Sitzungen in einer Woche abhalten? Warum mußten denn die Mitglieder durchaus schon um'/l9 Uhr in de» Keller gehen? (Grobe Heiterkeit.) Vorsteher Langerhans bestätigt, daß die Anträge nach ihrer Priorität auf die Tagesordliung gesetzt werden müssen, lvähreud Sladlv. Meyer dabei bleibt, daß sein Antrag geschäslsordnuugs- mäßig zulässig ist. Die Absetzung wird beschlossen, der zweite Theil des Antrages Meyer abgelehnt. Die als dringend und uuabweislich erkannte Nolhwendigkeit der Verbreiterung der L a n d s b e r g e r st r a ß e vom Alexanderplatz bis zur Lietzmanustraße soll nach einer Bor- läge des Magistrats auf 16 Meter und zwar durch Festsetzung einer n eilen allmälig bei der Gelegenheit von Neubauten durchzuführenden Fluchtlinie auf der Südseite erfolge». Der nieder- gesetzte Ausschuß bat die Vorlage abgelehnt und schlägt vor, den Magistrat zu ersuchen, ein neues Projekt auszuarbeilen, welches eine Verbreiterung ans 18 Meter vorsieht und in 19 Jahren zur Durch- sührung gelangt. Der Ansschußantrag wird angenommen. Ein'Antrag der Hladlvv. Dinse, Cassel u. Gen. geht dahin: Den Magistrat zu ersuchen, eine ärztliche Unter- s u ch u u g aller im städtischen D i e n st e An- z ii st e l l e ii d e n schon vor deren Eintritt in den Dienst stallfinden zu lassen. Antragsteller Stadtv. Dinse führt einige Fälle an, in welchen der Mangel der vorgängigen llickersilchnug zu großen Ilnzuträglich- feiten für die im städtischen Dienst definitiv Anzustellenden geiührl hat. und erwähnt, daß der Magistrat schon jetzt vielfach so verfahre. Mit der vorgängigen Untersuchung würde man den größten Theil dieser uiiliebsameu Fälle ausscheiden. Nachdem sich der Obeibürgermeister Zelle der Znslimniuiig der Antragsteller vergewissert hat, daß die zweite definitive ärztliche Uutersuchuiig nicht ansgeschlossen sein soll, bekämpfen die Sladtvv. Sachs und Meyer übercinstiliimend den Antrag als zu weitgehend, insofern als er sich etwa auch auf alle städtischen Arbeiter beziehen solle, und als überflüssig. Stadtv. K a l i s ch euipfiehlt kurz den Antrag. Die Antragsteller ändern den Antrag dahin, daß nur von „fest" Anzustellenden die Rede fein soll. Auch in dieser Fassung sagt der Antrag indessen dem Stadtv. Schwalbe noch nicht zu; er will das bisherige Verhältniß be- stehen lassen. Der'Antrag wird abgelehnt. Heber die Leistung der Kosten für den Transport gemcingefähr- sicher hilfsbedürftiger Geiste-krauker nach den Irrenanstalten haben sich Differenzen zwischen der Stadt und der Polizeiverwaltung er- geben, welche zu Verhandlungen und zu einem Vertrage geführt haben, wonach die Stadt die größere, die Polizei die kleinere Hälfte der Kosten tragen soll. Stadtv. Stadt Hägen befürwortet, die Vorlage einem Aus- schusse zu überweisen, da die Stadt zur Uebernahme der ihr hier an- gesonneneu Leistungen keineswegs verpflichtet sei, sondern nach Lage der Gesetzgebung bis zu einem gewissen Grade auch die Polizei- verivaltuug, speziell die Charitce, in dieser Hinsicht bestimmte Ver- pflichtungen hätten. Unter Ablehnung des Antrages Stadthagen ertheilt die Ver- sainmlung dem Vertrage ihre Genehmigung. Eine Vorlage betr. den Umbau der Oranienbrücke fordert Stadtv. Weber in einem auch von 5 sozialdemokratischen Mitgliedern unterstützten Antrag. Der Antrag wird vom Stadtv. E d mit der effektiven Nothlage an dieser so frequeuten Verkehrsstelle mit einem täglichen Wagenverkehr von 11999 Fuhrwerken begründet. Die secklichen Lausbrückeii seien nicht eickserick geeignet, den hervorgetretenen Unzu- träglichkciten zu begegnen. Stadtv. G o l d s ch m i d t bittet, auch den baldigen Umbau der Adalberlbrücke ins Auge zu fassen. Stadtv. Dinse wünscht, daß der neue Stadtrath für den Tiefbau baldmöglichst einen Generalplan für die uothwendigen Brückenbaulen und Straßeueriveilernugen vorlege. Stadtv. Meyer widerspricht diesem Verlangen und beantragt Ausschußberalhiing des Antrages. Es wird nach letzterem Antrage beschloffen. Die regelmäßigen E r g ä n z u u g s w a h l e N zur Versamm- lung sollen am 8., 9. und 19. November stattfinden. I» der dritten Abiheilung haben sich die Wählerzahlen so er- höht, daß die Wahlbezirke sämmtlich in Uuternbtheilungen zerlegt werden müssen. Für den 49. Bezirk(Moabit) sind nicht weniger als 19 solcher Abtheilungen in Aussicht genommen; 2 Bezirke sollen in je 5, 5 i» je 3, 6 in je 2 Uickerabtheilungen zerfallen. Ter 49. Bezirk hat 25 537, der 3 nur 4174 Wähler. J» der I. Abtheiluug befinden sich 1261, in der II. 8999, in der III. 293 685 Wahler, wovon diesmal 131 839 nicht zur Wahl aufgerufen sind. Die betreffende Vorlage geht an einen Ausschuß. Schluß>/ilO Uhr._ Vokales. Ntbcitcr-BildnngSschule. Wir machen die Parteigenossinneu und Genossen nochmals auf den heute Abend in der Juselstr. 19, II beginnenden Kursus in Nechtskunde(Vortragender Rechtsanwalt Wolsg. Heine) aufmerkiam und bitten um zahlreiche Betheili- gniig. Mouatsbeilrag 25 Pf., Unlerrichisgeld(19 Abende) l M. Ter Vorstand. Ei» nciicS Recht, ciu Recht auf Hnuger n»d ein Recht auf Krankheit der Schultiuder schienen in der letzten Stadtverordneten- Sitzung die Vertreter des Magistrats zu befürworte». „Laßt sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind"— das war das nicht ausgesprochene, aber unbewußte Leitmotiv im ersten Theil der letzten Stadtverordneten» Versamiulung für die „Freisinnigen" des Rothen Hauses, geleitet vom Scliul„ralh" Bertram. Lediglich eine Erhebung, o b und wieviel Schüler ohne Frühstück die Geiiieindeschule besuchen, verlangten unsere Genossen. „Nichts da. Wir können, wir dürfen, wir wollen keine Zahlen habe». Die Freiheit der Familie könnte gefährdet werden. Die Privalwohlthäligkeit reicht aus. Lehnt ab, sonst kommt auf grund der Zahl,»— der Kommunismus." Der freisinnige Stadlverordnete Dr. Paul legte als Mitglied eines private» Schul- kinder-Speisevereius angeblich aus seiner Erfahrung heraus dar, daß selbst im reichen Westen in acht Schulen 459 Kinder auf Frühstück durch den Verein angewiesen sind. Danach würden also in den 213 Schulen der Stadt weit über IS 000 Kinder ohne Frühstück in die Schule gehen! Vergeblich legte Stadlhagen dar. daß die Empsäiiglichkeil der Kinder für Unterricht nicht vorhanden sein könne, und daß die körperliche Entwickelimg der hungernden Kinder Schaden leiden müsse, daß die AUgemeiuheit, die die Schulpflicht auerkennt, auch die Pflicht hat, wenigstens zu untersuche», ob die Voraussetzungen für einen gedeihlichen Unterricht vorhanden seien. Vergeblich legte er und Singer der sreisiiiiiigeu Mehrheit die Thorheit ihrer Furcht vor dem Koni- muiiiSmils klar. Der Antrag wurde abgelehnt. Durch diesen Beschluß hat die freisinnige Mehrheit einen so hohen Grad von Kulturfeindlichkeit, Inhumanität und Mangel an Gemeiufinn be- thäligt, wie er selbst bei den reaktionärsten Ostelbiern selten au- zutreffen ist. Und die Ostelbier heucheln wenigstens nicht, kultur- fortschrittlich oder hilman sein zu wollen. Die freisinnige Mehrheit will die Roth nicht festgestellt wissen. Sie gleicht jenem Thoren, der da glaubte, die Sonne dadurch beseitige» zu löiiiie», daß er seine Fensterscheiben mit Papier beklebte. Mehr Glück hatte der ferner von unseren Genossen wiederholt gestellte Antrag auf Einstellung von Schulärzten. Der Antrag wurde einem'Ausschuß.zur Vorberathung überwiesen, obwohl auch hier vom Magistralstische aus Bekämpfung eintrat und gar Eingriffe in das Recht der Familie(auf Krankheit ihrer Kinder?) i» den schwärzesten Farben als Schreckgespenst den Stadlvätern vorgemalt wurden. Daß unserenGenosseu auch auf dcmSchulgebiei solch reaktionärer Widerstand seitens der freisinnigen Mehrheit der Stadtverordneleu- Versamnilnng und gar vou der Schülvcrivaltüug geleistet werden würde, hätte» wir für kaum möglich geHallen. Geizen die Herren vom „Freisinn" nach der Ehre, das geistige Brod der Kinder Berlins schlechter zu gestalten, als es den Kindern des Junkerparadieses dar- gereicht wird? Fürwahr, ciu wunderlich„liberaler" Ehrgeiz. Strciszilgc cincs Arbeitslose». Soldatenleben— ei, das muß lustig sei»! heißt es in einem dekanicken Liede. Hiicke>her zeigt der Verfasser allerdings in laliniger Ironie, wie äußerst lustig es ist, dein Vaterlaude z>vei Jahre dienen zu können. Den Anfang dieses lustigen Lebens kann man in diesen Tagen auf der Straße beobachten. Früh schon durchziehen kleinere nud größere Trupps junger Leute die Straßen, die von den Bahnhöfen nach den Kasernen in Nordivest führen. Noch blicken die künftigen Vaterlands- vertheidiger mit frohem Muth und erstaunt um sich; viele von ihnen sehen zum ersten Mal das hastige, verwirrende Getriebe der Groß- stadt. Einzelne nur blicken nbernächtigt und blaß geradeaus oder starren auf den Boden; gleichmülhig trotten sie in der Schaar mir, die von niedrere» Uuterofsiziren und Gefreiten, die zur Feier des Tages weiße Haiidschnhe tragen, wie von treuen Hirten behütet wird. Anderen, die ihren Filzhut kcck ins Genick geschoben haben, sieht man jenen Nebermulh aus den Augen leuchten. der ein wenig an Verzweifluug grenzt. Noch kann man erkeunen, was die Herren Rekruten als„schäbige Zivilisten" vorstellten. Da geht der ungelenke Vanersfohn mit einer Kiste nnter dem Arm neben dem leichlschreiteuden Arbeiter, der einen schiverc» Koffer an der Hand trägt. Zivischen einem Trupp von Landarbeitern, die in einem bunten Tuch ihre ganzen Habseligkeiten schleppen, geht ein gewitzt blickender Kaufmann, der in seinem hellen Mantel und steifen, breitkrempigen Filzhut aufsällt zwischen den knochigen Gestalten in knappen Röcken. Sein elegantes, mit Metall beschlagenes Köfferchc» schwingt er bald von der einen zur aiidereu Schulter, während er leise mit einem hageren, aus- gehungerteii Menschen plaudert, der, die Hände in den Taschen der schäbige» Hose, unbeschwert von jedem Eigenlhui». mit dem gleich. gilligen Frohsinn deS Tippelbruders dahinmarschirt.... Endlich sind sie auf dem Kaserneuhos einem Regiment zngctheilt. Gegen Mittag verlassen sie ihn in großen Zügen. Das lange Stehen und lauge Hungern hat sie stumpf und matt gemacht. Blangefroren im naßkalten Herbstwind, trocken sie mechanisch nach dem Gebäude, wo man ihnen die noch sehlende Volkserziehnng augedeiheu lassen wird. Das, was sie uocki äußerlich zu gewöhnlichen Sterblichen machte— der ordinäre Zivilrock— ziehe» sie auch bald aus— ihre Kleider werden auf der Kammer verpackt. Da wandert auch recht oft der ganze innere Mensch mit. In der nach Kommißbrot und Putzzeug duftenden An- stall zur Brauchbarmachung des gemeinen Zivilisten ist kein Raum für andere Empfindungen wie jene, die dem Militarismus dienen. Ha, welche Lust Soldat zu sein! Kleinkriimer im Kampfe gegen die Ivirthschaftliche Eni- Wickelung. In der letzten Versammluiig des Vereins Berliner Kolonialwaareuhändler wurde beschlossen, mit Rücksicht aus das ständige Ueberhandnehmen der Konsum- nud Beamlen-Vereine, sowie der großen Waaren-Bazare, bei dem Magistrat dahin vorstellig zu werden, daß sich die Behörde entschließen möge, bei derartigen Unleriiehmungen und Etablissements eine Umsatzsteuer von 2 pCt. zu erheben. Begründet wird dies Gesuch, dem sich auch noch viele andere industrielle Vereine anschließen wollen, mit der unsinnigen Behauptung, daß durch solche Bazare niemandem ein besonderer viutzen entstehe. Dann wird richtig gesagt, daß durch die Bazare zc. hunderte von Kleinhändlern auf das empfindlichste ge- schädigt, in ihrer Existenz bedroht und in ihrer Sleuerkräfligkeit heruntergesetzt werden. Ebenso würde» in ganzen Straßenzügeu die Griindstücke eutwerlhet, da in der Umgegend solcher Unternehmer Läden»ur schwer und zu heruickergesetzlcn Preisen zu vermiethen seien. I» richtiger Erkeiintuiß der traurigen Lage der Kleinhändler sei seitens der sächsischen Regierung eine derartige Umsatzsteuer bereits eingeführt worden. Was die Kleinkrämer zur Darstellung ihrer zum theil gewiß verzweifelten Lage anführen, trifft alles zu, aber aus dieser fatalen Lage können sie durch keine reaktionären Gewallmaßregeln errettet werden. Gegen den Gesetzentwurf über die Ncgeliing der Arbeits zeit der HaudelSniigestelltc» macht sich, wie die„Voss. Ztg." meldet, in kaufmäiliiischen Kreisen ein starker Widersland geltend. Sobald die Einzelheiten des Eutwurss bekannt geworden sein werden. soll durch eine Massenpetition der kausmänuischen Arbeitgeber-Vereine dagegen Stellung genoinmeii werden. Es ist ja weltbekannt und durch dutzeude Ausstände, in Ivelche die Aibeiter hineingetrieben wurden, erwiesen, daß einer gewissen lliileruehuierkatcgorie jede Ver- befferuiig der Lage ihrer Ausgebeuteten ein Greuel ist. Wie sollte es in diesem Falle anders sein? Es kennzeichnet gerade die Ver- bohrlheit und Feindschaft des Unternehmerlhums gegen alle den Ansg> beuteten zu gute kvinmenden Kultursoiifchritte, daß es sich grundsätzlich gegen den Gesctzcniwnrs lehrt, bevor es noch dessen Bestimmuugeii im einzelnen kennt. Ter Magistrat hat die Uebertragung der der Firma Siemens U. Halske ans dem Vertrag über die elektrische Hochbahn zusteveuden Rechte auf die neugebildete Gesellschaft für eleltrische Hochbahn und Untergrundbahn in Berlin genehmigt. Eine Statistik der Berliner Spczialitätcnlokakc ergicbt »ach der„Nordd. Allg. Ztg." das Vorhandensein vou 74 Etablissements der verschiedensten Kategorien, in welchen regelmäßig Artisten ihre Künste zum besten gebe». An der Spitze stehen 9 große Spezialitäten- Theater, darunter Wintergarten, Apollo- Theater, Reichshallen- Theater, Kaufiuann's Barels, Feeupalast u. s. w. Ihnen folgen 28 eigentliche Ciiaickanls, unter diesen 12 Lokale, die ans den Besuch von sogen. Familieiipiiblikum refleklircn. während in 16 Bedienung vo» zarter Hand eingesührt ist. In 7 Chäntants ist der Besuch von Damen sogar aiischeineud recht uuerwüuschl, da ma» ihn, während Herren freien Eintritt haben. durch Erhebung eines Eintrittsgeldes von 59 Pf. bis zu 1 M. seruzuhallei, sucht. Außer- dem existireil 21 Sommer-Elablisseiuents, in denen nur einen Theil des Jahres über gespielt wird. 8 Konzertlokale mit Gesang, sowie 8 Ballfäle, in welchen Ballets zur Ausführung gelangen, vcrvoll» ständigen diese Liste- Das mctcorologische Institut, welches in diesen Tagen sein 39jähriges Jubiläum feiern soll, verdankt seine Enistehniig einer An- reguug Alexander v. H u m b o I d t' s. Das Justckur wurde nrner Einfügung in das k. statistische Bureau durch Kabiuetsordre vom 17. Oktober 1347 desinitiv genehmigt. Ter erste Leiter war W. Mahl m a n u. der schon im Jahre>848 auf einer im Interesse des Instituts unternomnienen Dienstreise plötzlich starb. An seine Stelle trat im Januar 1849 H. W. Dove, der das Jnstilut bis zu seinem 1379 erfolgten Tode geleitet hat. lluter seiner Leitung erweiterte sich das preußische Bevbachtuugssystcm zu einem norddeulschen. Mit Dove's Tod trat ein Jnleriimstiknm ein, welches im Ansauge vou Pcos. Dr. A r n d und»ach dessen im Jahre 1862 erfolgtem Tode von Dr. Hellt» an» bis zur Neiigeitaltniig des Instituts geführt wurden. Iii dieser Zeit erfolgte der Anschluß an die Vereinbarungeu der internationalen Meteorologenkongresse, die Einführung einer dementsprecheiideu neuen Form der Publikalioiien, soivie die Schaffung vo» Statioue» III. Ordnung »»d vou Regenstatione». Das Justitick bildete bis zum 31. März 1336 eine eigene wisseuschastliche Abtheiluug des Stalistischeu Bureaus, mit dem es räumlich niid administrativ verbniiden war. Als Professor v. Bezold am 1. Oktober 1885 die Direktion übernahm, begann die Diirchsiihriiiig eines vo» diesem ausgearbeiteten Reorgauisativnsplanes» Die Verbindnug des Instituts mit dem Statistischen Bureau luuvbe voNstäudia gelöst und dasselbe vom 1. April 1886 an als selbständige AnstaU dem Kultusministerium unterstellt. Es siedelte alsdann in die Räume der ehemaligen Bau- Akademie, am Schiukelplatz 6. über. Wie mau berühmt gemacht wird. In nicht gerade sehr geschmackvoller Weise macht die„Dicektion des Sütik-Verlagcs" für ihren Redakteur Reklame. Sie nnnoucirt nämlich auf dem Um- schlage des lctzlcn Heftes der Kritik" Tr Richard Wrcde- Postkarten, welche das photolppische Bild des Heransgebers der Zeit- schrisr euthallen. Plumper treibt man die Ncllame in Amerika auch nicht. Zur Verhütung von NngliilkSfällcn beim Eniportragen von Mauersteinen m die oberen Slockiverke von Reubairte» bedient man sich, wie geschrieben wird, seit einiger Zeil bei einzelnen im Bau begriffeneu Häusern eines sehr praktischen Transport- mittels. Bekanntlich ivar es bis fehl bei den Sleinträger» allgemein üblich, die Steine in Mulden, die vollgcpackl über zwei Zentner wiegen, die Leiler» hinauf in die oberen Etagen zn tragen. Da diese schweren Mulde» auf der linke» Schüller getragen werden und somit die eine Seite des Körpers übermäßig belastet ist, auch die Träger sich nur mit der rechte» Hand an dem Leiler- bolm sesthaltcn nnd stützen können, so entstehen dadurch) leicht Uiifäsie. wie denn erst kürzlich ein Sleinträger durch einen Fehltritt in die Tiefe gestürzt nnd schwer verletzt worden ist. Ilin solche Unfälle zn verbäten, hat man jetzt eiserne Kasten genan nach Art der hölzerucn Behälter kon- strnirt, in denen die ikohleithändler die Preßkohlen in die Wohnungen bringen. Diese an der Vorocrscite osfeneu Kasten, in d'ncn die Mauersteine fiaffelsörmig übereinander liegen nnd sich durch ihre eigene Schwere halten, wcrdcn mit ledernen Tragbändcrn airf den R ü ck e» geschnallt, so daß dem Sleinträger beide Hände zum vollen tiSe brauch srctblcibeu nnd der Körper gleichmäßig belastet ist. Außer- dein ist auf diese Weise der Trausport der Steine viel weniger an- strcngcnd, so daß man wohl bald diese Tragekaslen auf allen Neu- hauten einführen wird, vorausgesetzt natürlich, daß die neue Ein- richlung den Prosit der Unternehmer nicht schmälert. Vcrliucr Fuhrwesen. Am I. Januar 1897 waren im Velriebc 6221 Droschken erster iilasse, davon 3519 Anzeigerdroschken. 2239 Droschke» zrveitcr Klasse, 161 Gcpäckdroschkc». 450 Omnibusse, 297 Thorwage» und 1551 Pferdebahrnvage», znsainmen 9972 ösfenlliche Fuhrwerke, für die 23 577 Pferde erforderlich waren. Bei den polizeilichen Milchpriifuugcu wurden im Laufe des vorigen Jahres in Berlin 2470 Liter als zu leicht wiegend vcr- nichtet und es wurde in 780 Fällen gegen die Händler Anzeige erstattet. Deutsche Erzieherinnen werden im„Ncichs-Nuzeiger" ersucht, bei Annahme von Stellungen in Spanien sehr vorsichtig zu Werke zn gehe». Es cnrpsiehlt sich dringend, das Dicnstverhällniß durch eine» schriftlicher, Vertrag zn regeln. Das-spanische Gcsctz behandelt nämlich selbst solche Erzieheriiirie», die das Lehrerinnen-Exarnen be- standen habe», als Tienstbote»; sie lönne» daher, wenn nichts auderes ausdrücklich vereinbart ist, am letzte» Tage der verabredeten Dienstzeit ohne weiteres entlassen rverden. Anch in»rancher anderen Hinsicht sind Erzicherinnen in Spanien fast rechtlos. Tie Malcrschnle für Dekorations-, Holz- und Marmornralcrei, welche von der B e r e i» i g>l n g d e r M a l e r und L a ck i r e r Berlins ins Leben gerufen worden ist, beginnt den Unterricht für das Winter-Halbjabr 1897/98(XV. Semester) am Sonnlag, den 17. Oktober, in der Aula der 193/195. Gcmeindeschule, Manteitffel- straße 7. Der Unterricht findet statt: Sonntags, vormittags von 3— 12 Uhr, Montags, Mittwochs nnd Donnerstags, abends von 7—9 Uhr. Anmeldungen daselbst bei der Fachschnlkommissio». Die Ausstellting der Schülerarbeiten findet nach Schluß der Schule statt. Im Auftrage der Fachschulkominissio»: R. G r a m e» z, Koltbuser Damm 20. Im ZirkuS Busch hat der Reitkünsiler Herr Corradini dem am Eröffnttugsabeird erschienene» Publikm» bekanntlich die SensationS- nuruurer des„Ballonpferdes" in einer Weise vorgeführt, die Angst und Schrecke» erregte. Das Thier, mit welchem Herr Corradini sich in die Höhe ziehen ließ, verlor die Halluna, und auf ein Haar wären, wie der Anschein lehrte, Roß und Reiter in die Manege oder gar ins Publikum hineingestürzt. Seit diesem Abend ist das »ervenerschütternde Schaustück nicht wieder aufgeführt worden; aber den Gewinn, den die Zuschauer vom Ausfallen der Nummer halte», glaubte der Künstler auf sei» Verlustkonto setzen zn müssen; und so ließ es ihm denn keine Ruhe, ein Mittel zu suchen, durch welches wieder Vertrauen in seine„Attraktion" gebracht werde» könnte Bevor der Künstler abermals mit seiner Spezialität an die Oeffent- lichkeit trat, lud er einen kleineren Pcrsonenkreis zn einer A,t PrivalvorsteNung ein, in der er auseinandersetzen ließ, daß Aorrichtnngen nnd ein Tric, der Künstlergeheimniß bleiben müsse, die Sache nunmehr ganz ungefährlich machten. I» der That glückte die Vorführung denn auch vollkommen; das Pferd stand unter der Gondel wie aus Marmor gegossen und siegesbewußt landete Herr Corradini wieder in der Manege. Soweit mag di.e Sache ja ihre Richtigkeit haben. Daß aber das Publikum sich nuu- mehr i» Ruhe an der Sensalionsnuinmer weiden wird, möchte» wir denn doch nicht als ganz sicher hinstellen. Ein gefährlich scheinender Vorgang bleibt das Ganze inuncrhln, imd jeder Zuschauer wird sich frage», ob denn zu all der minder aufregenden Augenweide, die im Zirkus Busch geboten wird, gerade eine solche Prozedur als Drauf- gäbe nolhwendig ist, und ob der Künstler, der seine Fertigkeit in verschiedenen anderen Stücke» vollauf bekundet, den» absolut mit einer Leistung glänzen muß, die auf daS öffentliche Empfinden wahrlich nicht am vorlhcilhastesten einwirkt. Auf der Mnscumsinscl habe» die Abbrucharbcitc« bei de» alten Banlichkeite» begonnen, um Platz zn schaffen für die geplanten Museumsbanten. Zunächst sällt das de» älteren Berlinern wohl- bekannte, an der Canlianbrücke gelegene„Mehlhaus", dessen Dach nnd oberes Stockiverk bereits abgerissen worden sind. Bis in die siebziger Jahre hinen war das Mehlhaus bei dein zahlungsfähigen Berliner Bnrgerlhnm ei» gesuchtes Festlokal, wo besonders zahllose Hochzeiten gefeiert worden sind. Im Kellergeschoß des Hauses befand sich an der Wasserseite außerdem eine der ältesten Schiffer- kneipen Berlin?, die ihrer versteckte» Lage wegen nur de» Ein- geweihten bekannt war. Gleich dem Meklhause verschwindet auch der umfangreiche, in rolhen Backsteine» ausgeführte vierstöckige Lagerspeicher des allen Packhofes. Eine von verschiedeucn Blättern gebrachte Meldung, wonach beabsichtigt werde, die königliche Bibliothek nach Char- lollenburg zn verlegen, wird von den„Berl. Pol. Nachr." für eine Ersilidung erklärt. Ein schivcrcr Baniinfall hat sich auf dem Neubau des Jsrael'schen Geschäftshauses i» der Spandanerstraße ereignet. Dort- selbst war der 47 Jahre alte Arbeiter Johann Barwitz. Wiesen- straße 25, Hof 2 Treppen an der Winde beschäftigt, mit welcher die fchweren Elsentheile in die oberen Stockwerke hinaufgewunden werde». Mitten in der Arbeit sauste die Winde plötzlich zurnck und Barwitz wurde von dem zurückschnellende» Windenarm derartig ge- waltsam am Kopse getroffen, daß er, ans einer tiefen Wunde blutend, bewußtlos zusammenbrach. Nur mit Mühe wurde der Ver- letzte ins Bewußtsein zurückgebracht. Nachdem ihm auf der nächsten Unfallstation die erste Hilfe zn theil geivorven war. mußte er, da er auch über heftige Brustschmerzen klagte, in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. In eine große Gefahr gerietst am Donnerstag Morgen ein Kutscher des Fuhrnnternehmers Luckmanu ans der Siemensstr. 12. Der Mann halte ans dem Hofe der Arlilleriekaserne an der Scharn- Horststraße Strohsäcke geladen. Plötzlich gingen die Pferde durch. Als sie einen Laternenpfahl umrannten, wurden sie noch wilder und jagten zum Haupltbor hinaus. Hier prallte der Wagen so heftig gegen einen vier Meter hohen Thorpfeiler an, daß dieser mit dem Gitterlhor umfiel. Der Kutscher, der von» Wage» absprang, wurde zwar noch von einigen Steinen getroffen, kam aber ohne erhebliche Verletzungen davon. Die Pferde wurden in der Scharnhorststraße zum Stehen gebracht. Strasictisporrniig. Der Weinbergsweg vom Rosenthaler Thor bis zur Fehrbellinerslraße ausschließlich des Krcnzdammes wird wegen Umpflasteruug bis auf weiteres für Fuhrwerke»nd Reiter gesperrt. Fcuerbcricht. Donnerstag früh 2'/z Uhr brannte V o p p- st r a ß e 5 eine Trechslereiwcrkstalt aus, ivobei auch das HauS stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein ötohr mußte längere Zeit Wasser geben. Mittags 12 Uhr wnrde Z»g8 nach dem Maybach- User gerufen, um ei» Pferd sammt dem Wagen ans dem Kanal herauszubesördern. Beides gelang»ach angestrengter Arbeit. Nach- mittags 4 Uhr erfolgte ein Alarm nach A l e x a n d r i n e n st r. 110, wo beim Ableuchten der defekt gewordenen Gasleitung ausströmendes Gas sich entzündet hatte. Gegen 6 Uhr brach Markgrasen- st r a ß e 27 im Puhladen von Fräulein Schneider ei» Laden- brand aus. der biunen kurzer Zeit den größten Theil der dort ans- gespeicherten Hüte und Puharnkcl zerstörte. Zug 17 konnte die Flammen»lil einem Rohre zwar bald ersticke», doch halte die Schanldccke bereits stark gelitten Der Schaden ist bedeutend. Das Feuer entstand beim Anzünden des Gase?. Tic Tircktiou tder ProjeliiouS-Buriräge über Kunst und Kultur (Dr. Koppen nnd Dr. Stödtncr) altes Urania- Theater, Jnvalidenstraße, thcilt uns als weiteres Programm für Oktober mit: Sonntag, den 17.: Arnold Böclliu szu Ehren des 70. Geburtstages, Herr Franz H. Meißner). Mittwoch, den 20.: Venedig und seine Knnstschntzc. Sonntag, den 24.: Venedig nnd seine Sinistfchätze. Mittwoch, den 27.: Arnold Böckli». Sonntag, de» 31.: Venedig und seine Kunstschätzc. Theater. Die Altistin Frau Schnmann-Heiiick vom Hamburger Stadt- theater ist für die Berliner tviiiglichc Oper verpflichtet worden und wird wohl schau im uächslcn Jahre in den Verband der löniglichc» Oper trcleu.— Josef K a i n z tritt nach seiner Rülkkchr aus Wien am Soimabrud und Sonntag im Deutschen Theater wieder auf. Am Soiiiiabend spielt er zusammen mit Agnes Sorma und Hermann Müller in der „V e r s n n l c» e n G l o ck e", am Sonntag Nachmittag gicbt er den ,.F a u st".— Im S ch i l l e r- T h e a t e r ist Sonntag Nachmittag 3 Uhr als zweite Vorstellung im Schiller-ZvlluS„Kabale und Bebe". Iii der Abend- Vorstellung lommt AiizeiigrubevS BauerukuiiiSdie„DieKreuzelichreiber" zur Ausiührnng. Das neue Schauspiel von Neuling„DaS Stärkere" wird heute zili» ersten Male wiederholt.— Im Ostend-Theater liegen die Hauptrollen in der iilorgeu zum ersten Male tu Szene gehenden Novität von C. Matthias„Die Geistcrglocke" in Händen der Damen Weich Lid, Bergmann, Grigo, der Herren Wach, JürgaS, Altfchüler, Dill, Felfch, Vvllner, Pauli und Klinder. 3s»s deil??ckck)l>ckrorttn. Tic Partrigenosscit von Steglitz nnd Frlrdciinn werden auf die am Sonntag Nachmittag 2>/z Uhr im Schellhale'ichcn Lokal in Sieglitz stallsinbeude Pnrlcivcrsainmlurg aiifmerksani gemacht. Die Tagesordnung ist: 1. Bericht vom Parteilag in Hamburg. 2. Diskussion. 3. Bericht der Verlrmieuslcnle»ud Neuwahl derselben. 4. Bericht der Lokalkommission und Neuwahl. Es ist Pflicht der Genossen»»d Genossinnen, in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. Der V e r t r a u e n s m a n». Britz. Den Genossen zur Nachricht, daß am Sonntag Nach. inittag 2 Uhr eine VolkSversäinmliing stallfindet. Es ist Pfl cht eines jeden Geuoffe», anwesend zu sein. Alles nähere bringt die Annonce in der Freitagsnummer. Der Verlranensmann. Weil im prcnfiischcn Saiidiage, der Jnteresseiivcrtretiliig des Kapitalismus und dcS Jnnkerlhums, die Frage des Vorort- Verkehrs von den jetzigen Abgeordneten nicht genügend zur Sprache gebracht worden ist, will eine Interessengruppe zur nächsten Wahl ganz neue Kandidaten ausstellen. Wie berichlet wird, stehen die in betracht kommenden Leute auf dem mmüsanle» Siandpiinkle, daß die polilische Anschauung der„Vororlkandidalen" vollständig Nebensache sei, und daher iväre in Aussicht genommen, für den Kreis Niederbarnim de» bekannten Zoiientarifmann Dr. Eduard Engel aufzustellen, wogegen für den Kreis Teltow der Kreistags- 'Abgeordnete Gustav Müller- Seböneberg zum Landlags- Kandidaten erhoben werden soll. Besondere Bedeutung mögen diese Kandidalnren für die nächsten Landlagswahle» nicht haben, aber sie zeigen doch, wie»olhivciidig es ist, daß die Sozialdemokratie den Kirchlhnrms- Politikern politische Schnliing beibringe. Die Charlottenburger Stadtvcrordnetcil-Bcrs,"nuilung hat gestern a») den Antrag des Sladtverordnclen Gleim desckrlosscn, den Magistrat zn ersuchen, er möge den Abschluß des Vertrages mit der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn über die neuen Linien beschleunigen nnd, falls der Verlrag nicbt bis zum 30. nällisle» Monats zn stände kommt, sofort eine anderweitige Ver- gebung der Linie» einleiten. Ancb Siadisyndikus Schulze erklärte, daß der Magistrat nicht länger zusehe» werde.— Ein Gesuch de? Komilee's zur Errichtung eines Denk- als für die März- gefallenen hat die Charlolienbnrger Stadtverordnclen-Ver- sanimlnng dein Magistrat überwiesen. An stelle von Stadtrath Samter in Charlotlenbiirg, welcher bekanntlich die Wiederwahl als stellvertretender Vorsitzender des Geiverbcgerichtes im Jnterrsse eines gedeihlichen Zusammenwirkens nach den bekannten Vorgängen abgelehnt hat, wurde gestern von der dortigen Sladlverordiiclen-Versaninilung Siadtralh Horn gewählt. Jntcrcssantc Enniimiugcu an dr» JnlinSth«'», in Spandau frischt der„A»z. s. d. Havelland" auf. Das Blatt schreibt: Die Frage nach dein Aller des Jnliiisthurnis ist»och immer nicht gelöst irorde» und ebenlo»»bekannt ist, wer den Tbinin erbaut hat nnd wie er zn seinem Namen gekommen. Die Sage führt ihn aus Julius Cäsar oder C». Domilins AbenobarbuS zurück. Die ziiin Bau verwandten Steine stimmen in der Größe vollständig mit denen der alten Sladlmaucr überei». Man könnte daraus schließen, daß der JnliiiSthurm zugleich mit der Siadtmaner, also i»n das Jahr 1320, enlstanden sei. Ii» übrigen macht er ganz den Eindruck eines Baniverks ans der Zeil Karls IV. Um 1400 soll der Ausdruck „einen mit dem JiilinS strafen" bereits sehr gebräuchlich geivese» sein. Vicllcicht hat der Thurm später davon seinen Namen erhalten. Besonders zur Zeil der Qnihow's ist das Aurgverließ adligen und nichtadligen Wegelagerer» oft ein unbcqueiner?Iiif> enthalt gewesen. Auch Dietrich v. Quitzow bat eine vierzehntägige Hast darin abgebüßt. In einer Fehde, die er im Jahre 1402 gegen de» Bischof Johann von Lebns führte, ivurde er von de» Spandaner Bürgern am 10. November in der Nähe von Tremmen angegriffen. §» einem heißen Gefecht wurde er besiegt und gefangen ge»o»ii»e» in Triumphe führten ihn die Epaiidaiicr als Gefangenen mit sich in die Stadt. Allgemeiner Jubel empfing die heimkehrenden Krieger, großes Lob ward ihrer Heldenlhat gespendet. Alles war auf den Beinen,»m den verhaßten Raubritter zum Schloß zu geleiten, wo er im Verließ des Jiiliiislhurmes gefangen gehalten wurde. Dl», 25. November kam Markgras Jobst nach Spandau, um mit Dietrich v. Quitzow zu unterhandeln. Gegen ein Lösegeld von 1000 Schock böhmischer Groschen wurde er sofort ans der Hast entlassen. Wenn die Nanbrilter auch noch ebenso verbaßt sind im Volke wie früher, so sperrt man sie doch nicht mehr ins Gesängniß. Viel häufiger wird diese Unannehmlichkeit ihren Gegnern zu theil. Schwer verletzt wnrde bei einem Scheunenbrande in Spandau der Feuerwehrmann Merten. Ein brennender Balken, der ziisainmeiidrach, traf den Unglücklichen. Er wurde in boffiiuugs- losem Zustande in ei» Krankenhans gebracht. Der Wekrinanil Schuster kam bei dem Unglück mit leichtere» Verletzungen davon. Soziale Vechtspflege. N„S dem Charlottenburger Krankcnhaiise. Der Arbeiter Bordinsly erlitt am 27. März 1696 im Betriebe seines Unternebmers eine Kopsverletzuiig. Am 1. April wurde er ans Veranlassung des bc- handelnden Arztes wegen äelirinm trswsns nach Charlottenbiirg ins städtische Krankenhaus gebracht. Schon am 3. April starb er. Seine Wiltive beanspruchte demnächst eine Unfallreute, die Berufs- genossenschaft wies sie jedochmit der Begründung ab, daß B. am Delirium nnd nicht an den Folgen des Unfalls zn gründe gegangen sei. Die Wiltwe legte Berufung ei» und machte geltend, der Unfall trage doch die Schuld an ihres Mannes Ableben, auch sei ihr Mann im Krankenhaufe grob mißhandelt worden. Die Mißhandlung ivurde l h a t s ä ch l i ch erwiese». Der Zeuge Retlig bekuiidele folgeu- des: Er habe gesehen, ivie der Wäiler Schlag den im Bett liegen- den B.»ichrmalS mit einer leeren Bierflasche vor den Kops gestoßen habe. Schlag habe die Slöße mit den Worten begleitet: Hund verfluchter, wenn ich nicht wüßie, daß ich dann ins Zuchthaus käme, würde ich Dich auf der Stelle er- iv ü r g c». B. sci darauf aus dem Bell gespriingen und habe nach seine» Sachen gesaßt. Da habe ihn Schlag gepackt, ihn mit den Füßen vor de» Unterleib g e l r e l e u und mit der Faust in die Seite gestoßen, und ihn wieder anss Bett geworseu. Tan» habe er B. ei» Handtuch um den Hals gelegt»nd es so zu- gezogen, daß B. ganz blau im Gesicht gnvorben sei. mit de» Füße» gcstrauipell und um sich geschlagen habe. Am nächste» Morgen sei B. todt gewesen.— Ter Veisloibene wurde obduzirt. Als Tode?- Ursache stellte» die Aerzlc Delirium fest. Das Schiedsgericht forderte vom Prosessor Mendel ei» Obergulachlen ei». Mendel kam z» dem Schluß, die Disposition zum Deliriiini sei unzweifelhaft schon vor dem Unfall vorhanden gewescii, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sei aber anziinehiiicii, daß der Unfall das bcreils i» der Eiilwickeluiig begriffene Deliriiini zum beschleunigten Ablauf gebracht habe. Die gerichllichcn Obdnzeiiten hätten ja auch angeiiominen, daß die Vcrlrtziiiigen, die BordiuSky durch den Wärter erlitlen habe, seine» Too beschleunigt hätte», wen» auch das Teliriui» die Ursache gewesen sei. Das Schiedsgericht wies dennoch die Bernfuiig ab; es hielt den Nachweis des ursächlichen Znsauunenhanges zwischen Unfall u»d Tod nicht für erbracht. Das Reichs- Vcrsichcr»»gsa»>t war aber anderer Mcinnng ii»d verurt heilte die Vernfsgenosscu- schast. Ein Reiilcnniispruch hänge nicht davon ab, daß sich der Unsall als die alleinige oder überwiegende Ursache der Krankheit oder drs Todes rarstelle. Es geniige, daß der Unsall einen ins G e iv i cki t f a l l e n d e n E i n s l n ß aus den i!l>i s- b r n ch d e r K r a ii l h e i t oder d e» E i» t r i t t d e S T o d c S ausübe, wie es hier nach dcm Gniachleu der Fall geiresen sci. Wie inil dem rohe» Bursche» von Wärter veisahrcii worden ist, wissen wir nicht. Schincichelkas! ist der Vorgang für die siädlische Kr>«ike»h.'usver>val»i»g in Charloilenburg gerade nicht. Wcgen Ncbcrt» ct»»K der BiindcSralhS- Verordnung für die Konfeklionöiudustrie wiiri e. wie wir seiiierjeil berichlele», dir Inhaber eines 2 aiiicuinänlcl- Geschästs in Mühlhause» i. Thür, zn 10 Bt. Geldstrafe verurlheilt. Die Berufung gegen dieses Urlheil lmlic den Erfolg, daß die Slraflainnier in Eisnrl den Inhaber des Geschäfls freisprach. Es wurde von ihm geltend gemacht, daß sci» Geschästsbetrich kein fabrikinäßiger(im Großen), sonder» nur ein handiverksniähiger sei. Er lasse nur für Privallnndschasl ans Bestellung, nicht auf Vorrath arbeiien und habe an den, sraglichen Tage»cnn iveibliche»nd zwei männliche Arbeiter beichäiligt. Demgegenüber machte die An- llage gellend, daß P. in cinein Inserat des Mühlhauser'Adreßbuchs sein Geschäft selbst als Da»icn»iä»t>l-Fabrik bezeichnet habe. Der Berlheidiger wies daraus hin, daß eine derartige Bezeichnniig in einer zur Reklame dienenden Annonce nicht maßgebend sein könne. Der Gerichtshof schloß sich de» Anssnhruiigen dcS Bcriheidigcrs an, hob das Urlheil erster Instanz aus nnd erkannte, wie schon hervor» gehoben, auf kostenlose Freisprechung. Die unklaren Besii»»»u»gt'.> der BiindeSralhs-Verordniuig lasse» sich nach Beliebe» auslegen. Die Arbeiter, weiche geschlitzt werden sollten, werde» wohl fast immer den Kürzeren dabei ziehen. Gr v!«stts-Seikttttg. Von der Tapferkeit»nd Zucht fromnicr Vaierlandö- vcrltzeidizcr. Ei» blnligcr Znsamincnstoft zivischen Zivil l»id Militär innd gestern ein gcrichilicheS Nachspiel vor der 129. Ab- lheilung des AniiSgerichis I, vor welcher sich der Arbeiter Karl Albrecht rvege» Körperverletzung initleis gesähriichc» Werkzeugs zu v rantworten Halle. In der Nacht zum 3. Mai d. I. kehrte der Angl klagte von einem'Ausflug»ach Treptow zurück; in seiner Bc- gleitiiiig befanden sich II. a. seine Frau und zwei junge Mädchen seiner Vcrwaiidischasl. Unterwegs begegnete die Gesellschaft drei Unierofstzierei» des Eisenbahn-Reginienls, welche anscheinend recht stark angetrnnkcn waren. Die Unterossizicre belästigten zunächst die Frau des Angeklagte», welche sie mit den Worten zurückwies: „Unsere Männer sitio auch Soidalcn gewesen, aber so ctivas haben sie sich nicht erlaubt." Die Unterosfiziece wandten sich darauf von der Frau ab und belästigicn»»»mehr die beiden jungen Mädchen mii«»siuüche»'Anträgen. Der Angellagle, welcher inzwischen voran- gegangen war, kehrte darani zurück und stellie in ruhiger Weise den Unterosstzier QuaUnor, weicher sich am meisten hervorgeiha» hatte. zur stiede. Es eiitwickell« sich ein Woriwechsel, der zahlreiche Zu- Hörer herheilockte, und Quaitnor zog blank. Er erhielt darauf einen Stockhieb vo» hinten, daß er lauinelie, nnd schlug nunmehr mit dem biankcn Seilcngewchr auf die Menge ei». Dabei erhielt der Angeklagie, weicher jenen ersten Schlag nicht geführt halte, einen Säbelhieb über de» Kops, daß er zn Boden siel. Die Wunde war bis ans den Knochen gegangen. Vis der Angeklagte wieder aiissprang. führte Uulcrosfizier Quatlnor nach ihm einen zweiten Hieb, den jener mit dem 'Arme aiisfiiig. Einci» drillen Hiebe kam er mit einem Stock- schlage zuvor. Skuiiniehr traten die anderen Personen dazwischen nnd cniwanden dem eine» das blanke Eeileiigewehr, dem andere» den Slock, dessen Krücke abgebrochen war. Der Angeklagie hat sich infolge seiner Verletzung acht Tage lang ärztlich behandeln lasse» müssen. Uiilerossizicr QnaUiior ist inzivischc» durch das Mililär- gerichl zu 6 Woche» Gesängniß verurlheilt worden, wobei sein Bc» nehmen als ganz unpassend bezeichnet wurde. Was den Angeklagten 'Albrccht anbelriffl, so führte der Slaalsnnwall ans, daß dieser sich i» Nolhwchr befunden habe; wenn er sie überschrill, so habe er eS nur i» Bestiirzung und Schrecken gethan; des bald beanlragte der Siaalsanivalt die Freisprechung und der Gerichtshof erkannte nach dcm Antrage. TaS Hoch anf die Sozialdemokratie muß für die Staat?» anwälle immer»och tapser HerHaile», um de» groben Unsiigs- paragraphen in Mitleidfiischaft zn ziehe». Früher war für diese Bcaintenkategorie»nr die revolutionäre Sozialdemokratie ein mit dem berühmten§ 360 zn sühnendes Delikt; nunmehr aber ist ihr schon die hochlebende Sozialdemolratie an sich ein Wesen, das beunruhigt. Auch ei» Fortschritt i» der staatsanwalt- lichen Welianschanung Am Montag dieser Woche mußte sich unser Parteigenosse F. M a s u ch aus Cchöneberg vor dem Schössengerichl in Zossen verantworten. Unser Genosse Halle am II. Juli d. I. in Cummersdorf eine Versammlung zu leiten; er schloß dieselbe ordniingsgemäß mit einem Hoch anf unsere Kiillurbewegniig. Die Folge war eine Anklage; in der Verhandlung am Montag wollte der Staatsanwalt das Hoch mit nicht weniger als hundert Mark bestrast wissen. Der Genchishas sällie nicht allein ein freisprechendes Urtheil, sondern legte anch die persönlichen Unkosten, die unserem Parteigenossen erwachsen waren, der Staatskasse auf. Das Hoch aus die Sozialdemokratie sei in einer Versammlung ausgebracht worden, welche in einem ge- schlösse»«» Raum abgehalten worden ist. Wer aber in eine sozialdemokratische Versan»»l»ng dieser Art gehe, könne sich denn doch nicht gut durch ein solches Hoch beunruhigt fühlen, weil er wissen müsse, daß er derartiges in dem in betracht kommenden Falle zn gewärtigen habe. Bon» Rixdorfer Mikchhandcl. Eine» verunglückte» Streifzug gegen die Milchplantschem hat die Rixdorfer Orts-Polizeibehörd« am 29. April d. I. unternommen. Ein Gendarm»Hißte vo» den Milchhändlern Proben von Milch entnehmen, zn seiner Unterstützung wurde ihm nach Berliner Muster eine Polizeivigilantin mitgegeben. Diese kanste die Milch und überbrachte dieselbe dem Gendarmen, der die Probe mit Nummer nnd Namen versah. Der Gerichlschemiker Dr. Bein hat in fast sämmtlichen Fällen koiisiatirt, daß die Proben aus einer Zusainmeiisetzung von Vvllmich n»d Magermilch bestanden. Die nächste Folge war. daß gegen eine große Anzahl von Milch- Händlern Anklagen»veg«n Vergehens gegen das Nahrungsmittel« Milchgeschäft des evtlftrlen nberein- vo» der ärmeren sei, daß dreierlei „Heilbniilch" n»d Beschnsfeulieit. i» Geselz erHobe» und dnh die Nngeklnglcu mit wenigen illiisimhme» nuch zu Geldslrnfcn vernrllieili wurden. Die Vcrurlheilleu legten durch den Slindikns des Bereins Berliner Milchhändler, Rechl?- anwnlt Dr. Flntn», Berufung ei»»ud heule kamen die erste» beiden dieser Berufungen vor der vierten Strafkammer am Land- gcricht II zur Verhandlung. Nninitlelbar hinter einander wurde gegen den Milchhändler Eduard Kauert und de» Schlosser Baltz aus Nixdorf verhandelt. Das letzleren versieht dessen Frau. Beide stimmend, daß es in den hauptsächlich Bevölkerung bewohnten Orlsgegendc» lisauce Milch geführt iviid, nämlich„Vollmilch". „Magermilch". Erstere besindel sich in der__________________ welcher sie von der Kuh kommt, letztere ist entrahmt und die Halb' milch wird ans Vollmilch und Magermilch jnsammciigcsUllk. Per- Imigcii nun die Käufer eine bestimmte Sorte von Milch, so werden sie demgemäß bedient, wird aber nur sclilcchlhin„Milch" verlangt, so wird nur Halbmilch verabfolgt, denn die Leule zahlen für das Lilcr nur lö Ps. und in Nixdorf wisse jedesKind, daß rcineAollmilch mehr als IL Ps loste. Es würde nun Sache des geladene» Sachverständigen Dr. Bei» gcivese» sein, de» Begriff„Milch" zu erklären, daz« kam es aber nicht, weil die Zengenvernedmung schon vorher ein ganz über- raschcndes stiesultat zu tage förderte. Tie Angcllaglcn behanplelen nämlich, daß nicht sie selbst, sondern ihre Frauen die Milchprobe verlaust hätten. Ja diesem Falle hätte» die Ehefrane» angeklagt werden müsse». Frau Hesse, die Polizeivigilantin, vermochte sich aber mir der Geschäfte zu erinnern, in denen sie Milch geholt, nickt aber der Person, ob Mann ob Frau, die ihr in jedem Falle die Milch verkauft hatte. Der Zeugin wurde nun zwar gernlhen, in Znkitnsl etivas vorsichtiger zn Merke zu gehen, die Aiigeklaglen wurden dagegen unter Älnfcrlegnng der Kosten ans die Staatskasse sreigcsprockcn. Damit ist das Sebicksal aller noch schwebenden Prozesse dieser Art im voraus entschieden. In der Strafsache gegen den Schnfistelser Panl Blninen- reich, der verschiedene Maßnahmen bei der Begründung des Theaters „Pll-Berlin" der richtcrliche» Prüfung unterwerfen soll, ist nunmehr ein Termin zur Hauptperhandlung auf den 5. November anberaumt worden. Bus der ziemlich groben Zahl der ursprünglich erhobeneu Beschuldigungen hat der Slaalsanivalt unir drei zu'llnklagepunkleu verdicktet, einer derselben ist von der das Verfahren eröffnenden Strafkammer noch ausgeschieden worden, so daß nur zwei'Anklage- punkte zur Verhandlung gestellt werben.— Nechtsauwalt Dr. L ö iv e n st c i» als Perlheidiger des Angeklagten bat dem ziem- lich umfangreichen Belaslungsbeweise des Siaalsanwalts ein ebenso umfangieicheS Entlastungsmaterial gegenüber gestellt, so daß die Verhandlung einen ganzen Tag in Anspruch nehmen wird. lluschnldig zn lbi Monaten Zuchthaus verurtheilt. Der Kutscher H. ivurde Anfang Juli d. I. vom Hamburger Landgericht wegen Verleitung zum Meineid zu IS Monaten Zuchthaus«er- urtheilt. Verwandle besorglcn ihm nach seiner Berurtheilnug einen Auwalt. Ter legte Revision ein, und nachdem das Reichsgericht das Urlheil ausgehoben halte, wurde der Kutscher in der erneuten Verhandlung vor dem Landgericht Hamburg dieser Tage kostenlos freigesprochen. Der Mann hat vier Monate in Uuterfuchungshasl zubringen müssen. Ter Zollanfsrhrr Hiurichö wurde gestern vom Schivurgerichl in Hamburg wegen Ansliilung zum Meineide zu S Jahren ZnchlhanS und 5 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Er halte ei» armes Dienst- mädchen, das von ihm Mutter war, durch ein Heiralhsversprccken bestimmt, in einer Jnjurienklage, die er gegen einen Droguisteu angestrengt batte, einen Meineid zn leiste». Stachher hielt er sei» Versprechen nicht, daS zn halten er übrigens eingestandenermaßen von vornherein nicht die Absicht hatte. Das unglückliche Mädchen, das sich in der Hoffnung, seinem Kinde«inen Vater zu geben, de? mit so schwerer Strafe bedrohten Verbreche»? des Meineides schuldig gemacht hat, wurde zn der niedrigsten zulässigen Strafe von einem Jahr Zuchthaus verurtheilt. DaS Feilhalten von Stoff«, Hieb- nnd Schnffwaffen, welche in Stöcken oder in Wöhren oder in ähnlicher Weise verborgen sind, wird nach ß 367 des Strafgesetzbuchs bestrast, wenn es ans- drücklich verboten ist. Gegen ei» solches, durch eine Regiernngs- Verordnung erlassenes Verbot sollte ein Händler dadurch verstoßen haben, daß er Etocksiintc» in einer Zeitung annoncirt halte. Er wurde verurtheilt. In seiner Revision machte er geltend, Stock- flintc» gehörten nach ihrer ganzen Einrichlmig und äußeren Er- scheiinmg nicht zn den Waffen, die im Sinne des§ 367 tes Straf- gcsetzbnchs verborgen sind. Das Kaunnergericht wies indessen die Revision als unbegründet zurück. VovftxttnulunZen. Zlrbciter BildniigSschiile. Der Mittwoch Abend in der Insel- slraße 10 begonnene Unterricht in Nationalökonomie(Grundbegriffe der Nationalökonomie, Vortragender: Dr. C o n r a d S ck m i d t) war von nahezu 266 Theilnehincrn besucht. Ein erfreuliches Zeichen des nufslrcbcndeii Geistes in der Berliner Slrbeilerschast. Mögen die anderen beiden Kurse(Geschichte und Rechtslunde) sich derselben regen Betheilignng erfreuen. Nachstehende Ntchtigstellnng geht nnS von Herrn Dr. Wey! zn: Bezugnehmend auf den Bericht vom S. September der Nr. 216 über eine öffentliche Versammlung der Schneider bitte ich Sie,»ach- träglich feststellen z» wollen, daß dieser Bericht, insoweit ich den Voi stand der Orts-Krankenkaffe der Schneider zc. der Bestcchlickkeil geziehen haben soll, den thnlsächlichen Vorgängen in jener Aer- saunnlung nicht entspricht. Dr. Weyl. prakt. Arzt. Vm'flmstc» der KedaKkion. Mir INNcn, bei lebet yliisroqe eine Oblftve tzmel Buchstaben oder eine gaht) a»»naebe>>, unter der die Antwort erlheiU werden soll. Tic snrislische SPrecksiuube findet Montag» Dienstag und S o»» a b e n d von 7 bis 8V2>lhr statt. Nr. i>i). Dr. Conrad Schmidt, Charlottcnburg, Am Lützow S, wird Ihren Wnn'ch ersülien können. P. G-, Köpenick. 1. Ja. 2. Ja.— P. M. Ist die betressende in Berlin nnte-slübiiiigSberechtigt, so führt vielleicht ein an den Magistrat gc- richtetes Genich zn»i Ziele. Sonst ist auch»ns lein Weg bekannt.— ZK. Zwei Streitende. Es ist»»möglich, in dem giahnien einer Brief- sasten-Äniwort die Organisation, Bcsngnissc, Pstichtr», Stellung nnd Werthung der Botschafter, Gesandten, Koiisnln, Vizekonsnln u. s. w. zn geben. Liegt Ihne» an einer Orieniining,>0 sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechslnnde var.— ilÄ. K. 77. 1. Die bedülsc» einer schriftlichen Piazeßvostmacht scitenö Ihrer Frau. Fornnilare hier- für erhaltm Sie in der Buchhandlniig Vorwärts. Die einzelnen Termine rnsen keine besonderen.gasten hervor.— P. V. Nein. — M. H. Nein.— Wcsloiisky. Ohne gcnanerc Darlegung dcS Micths- Vertrages— auch der»istndlich geschlossene ist ein Vertrag— nicht zn be- antworten.— S. Sl. 23. 1. Im aNgeineiiieii 5 Jahre. 2. In der Praxis pflegen 10— InM. nionatlich als Alini eilte bis zum zurückgelegten 0. Lebensjahre, 12— IN Zlt. für die Zeit vom 6. bis II. Jahre alS angeniesten erachtet z» werden.— R. Kleinmichel. Der Ehemann inub zahlen.— E. B. IKK. Sie inüsien Ihre Geburtsurkunde, die Sterbcnrknnde Ihrer ersten Frau nnd fcnicr cincii AiiSciinindersetziiiigsschetN seitens des Gerichts vorweiken. Um diese» zu erhalte», theilen Sie dem Auitsgcricht mit, daß Sie zu heiratben beabsichtigen imd deSwegeii AuSeiiianderseyung niit Ihren niiuderjahrigen Kindern beanlragen. Sie können auch einen Anscinailderfctzmlgspflcgcr in den Antrag vorich.'azcn.— Thnmringe», Baden. Briefliche Antwort erlhcilcn wir nicht. Zuständig ist daS Gcwcrbcgcricht und, wo solches nicht besteht, das Amtsgericht am Wohnort des untenichiners. Zn verlangen hat der Arbeiter die Relic Entschädigung nur, wenn die Eistallung versprochen war. Ist die KündlgniigSsrist nicht eingehalten, so laim Schadenersatz bcansvincht werden. — Deutsches Berbandsmitglied. I. Sic sind trotz drS ErwähiiteN Jnnggefell. 2. TaS dürfen Sic.—.sä. K. IKI. Ja. in den früheren Stand müssen Sie das beireffendc setzen.— Triebe. Derartige Eingaben sind an den Magistrat, StistnngSdepiitalion, zn richten.— Wasserfoll- A. H.<»7. Neil».— E. H. IKK. Die Wartezeit sür Wiliwc» oder gc- schicdciic Flauen beträgt lö Monate. Dicpensatign von dieser Wartezeit kann vom Amtsgericht erthcilt iverdrn. ES ist raihsam, dem DiSpensations- gesnch ein Hebammen- oder ein ärztliches Attest bcizusiigcn.— 303. Sprechen Sic in der juristischen Sprechstunde vor.— 31. V. In 2 Jahren nach Ablauf des JahrcS, in dem die Waaicnsoidcning ciitstandcn oder anerlanut ist, tritt Beriähnmg ein, saNS eS sich nicht»m Waaren handelt, die zum Gewerbebetrieb cntnoininelt sind. Ist letzteres der Fall, so verjährt die Forderung erst in SO Jahren.— F. D. 1. Ter Antrag muß an das Amts- gcricht gerichtet werden. 2. Ein Formnlar genügt in diesem Falle.— I. Z. 2ß. Lchrvcrtrnge sind stcinpclsrei.— G. M. II. I. Leider nein. 2. Rein. Der Beamle war nach der herrschenden Acchtsprechnng im Ziccht. — IKK B. Ihre Frau nnd das ihr nachiveislich gehörige Eigcnthiinl (Grundstück nnd Mobiliar) hastet nicht sür Ihre Schulden.— Tch. 1. Ja. 2. Am Sonntag darf nur mit gerichtlicher Gcnchinigung gcpsändet werden. Welche Sachen nneutbchrlich und daher»»pfändbar sind, steht nicht auS- drücklich im Gesetz. Hierüber entscheidet in erster Reihe der Psiilldnngs- bcamtc und auf Beschwerde hin daS Amtsgericht. 3. WaS i» der Absicht geickicht, die Befriedigung deS Gläubigers zn vcreiieln, ist strafbar»»d un- giltig. 4. Ja.— W. G. 111. In Ihrem Fall ist zur Vcrchclichnng bei- zubringen: Die GcbnrtSnrliinde der Brantleutc, die Glerbeurkmiden von deren Eltern, die Genrhintgiing des VorimmdeS nnd Vorn»i»dschaftSgc»ichls bezüglich dcS Bräutigams.— W. R. 1K8. 1. Ja. 2. Bei der Staats- anwaltschaft dcS Landgerichts Berlin II, Rathenowcrflr. 80. 3. Sic kämen mit einer Klage auf Schadcncrsav nicht durch, weil die rückständige Mictbc ausgerechnet werden köliiite. 4. Wegen der rückständigen Micthe könne» Sie noch verklagt werden.— Bö. L. 1032. I. Ja, aber solch' Verkauf ist seitens der Gläubiger anfechtbar. 2. Ja. 3. 5 Jahre nach Austritt— 31. B., Rixdorf. 1. Sic müssen im Beschwerdewege eine Entscheid»»« des Gerichts darüber einholen, ob das eine oder andere Spind als unentbehrlich zu erachten ist. 2. und 3. Ja.— M. E. M. Mit Ablauf dieses Jahres. Zvlllernngsiil'cpsilsit vom 14. Oktober 181)7. Wetter-Prognose für Freitag, den IS. Oktober 181)7. Etivas wärmer, zunächst ziemlich heiter, bei mäßigen bis frischen südlichen Winden, nachher znuehniende Bewölkung und Regen. Arbeitgeber, Arbeilnchmcr, j als Beisitzer, In Sachen beiresseud de» Formerstreik wird in Gcniäßheit dcS§ 60 des Gesetzes, betreffend die Gewerbegerichte vom 29. Juli 1800, nnd§ 75 deö Ortöstatuis sür die Stadt Berlin, betreffend das Gewerbegericht zu Berlin v a ül �'zs�'euck hierdurch öffentlich bekannt gemacht, daß in der Sitzung des sowohl van den an dem Streik bethclligtcn Arbeitgebern als auch Arbeitnehmer» als EintgiingSamt angcrnscncn GcwerbegerichtS vom 5. Oktober 1807, an welcher lhcilgcnommcn haben: I. MagistratS-Assessor v. Schulz als Vvrsttzendcr, 2. Fabrikant Weigert, I 3. Ingenieur Bernhard,/ 4. Farmer K ü r st e 11,, 5. Schlosser Pctzolo,} nachdem durch die Verhandlung vor demselben thatsächlich festgestellt worden ist, 1. daß der Anspruch der Arbeitnehmer, den streitigen Doppel- zyliiider imd die Gleitbahn zn dem von den Arbeiinehmern ge- sortierten Preise n 11 r in der Borsigfchcn Gießerei fertig zu stellen, ebenso imberechtigt war wie die auf die Ablehnung dieses Anspruches gegründete Wetgernng der Farmer der übrigen Gießereien des Verbandes Berliner Melalliiidnstricllcr, Borsigfchc Arbeiten anzusertigen, II. daß die Fordernngen, welche seitens der ArbcUnclnner fünf Tage nach Ausbrach des Streiks gestellt wurden, mit dem Streit selbst in lcinem Znsammenhange stehen, auch nicht, soweit sie setzt zur Annahme gelangen, nachstehender Vergleich gelchiossen worden ist: 1. Die Akkordlöhne sür die anzufertigenden Arbeiten sind zwiststen den zur NilSsiihniilg bestimmten Formern»nd de» Meister» bezm. Gteßerei- Vorstehcrn, welche den Arbeitgeber vertreten, zn vereinbaren. 2. Der Guß, welcher nachweislich ohne Verschulden des Formers zu Ausschuß wird, soll bezahlt werden. In Streitfällen sollen betheiligte Former gutachtlich gehört werden. 3. Die Arbeitgeber werden die am Streik belbclllgtcn Former und Gießerei-Arbeitcr nach Bedarf wieder einstelle», möglichst bevor auswärtige Former zur Beschäflignng aiigenoinine» werde». Es wird keinem der am gegenwärngeii Streik bethelltgten Arbeitnehmer, sosem er die Verpsitchtimg überninimt, seine Mitarbeiter, welche ioährend dcS Streiks gearbeitet habe», diescrhalb iveder durch Worte noch That, innerhalb oder außerhalb der Werkstättc zn beleidigen oder zu belästigen, von dem Arbeitsnachweis des Verbandes Berliner Metall- Industrieller der Arbeitsschein vorenthalten werden. kgez.) R. Henneberg. Kühne. O. K>1 a» ß. Dorn. H.Zern icke. L. M ü l I e r. August P l a t b. Paul L i t s l». A�>v i n tl ö r st e n. t». P e tz 0 l d. E. B e r n h a r d. O. W e i g e r t. v. S ch n l z. vsiktseder üol�srdkiler-VerlisuÄ. Heute, Freitag, abends Uhr, bei Colin, Beuthslr. 20, 21:[300/10 Sitzung der Orts Verwaltung. Aiitmig! Maurer. AA»ng! Ztiltrill-Vtrlrnild hklitslsier Maitret lßiliale Berlin!!.> tdoiuiküx, äon 17. OKtoIior. vormittags Illlr: �Milglieiitr-Btchiiiiillilitgtil. Für VVoxton, tziitckon und 8clii)n«dcrjx im KUnlgahor, Bülolvstraste 37. Für Oston und SUd-Oaten in Brüder*« L-okal, Waldemar- straste 75. Für IVedding«. Vörden und Ornnlcnbnrccr Toratadl im Wcelillns-Peirk, OOiii llerstraste 178. Für Dluablt im Lokal»es Herrn Mctvea, Stromstraffc Nr. 28. TagcS-Ordmmg in allen 4 Versammlungen: Tie Bedeutung des MmnuallohuS und der Muxnual-Nrkieitszcit, im besvudereu die Schädlich- keit der Akkordurbcit in unserem Beruf. Alle Berliner Maurer sind hierzu eingeladen."9� Den VerbandSulitgliedein machen wir cS ganz bcsvliderö zur Anfgabe. recht rege für guten Bestich dieser Berfammlniigen zit willen. 137/18 Mit lostegialem Gruß: Die Lokalvertvaltniig. I. A.: W. F r i h s ch, Barbaroffastr. 70. Neue kreie Volksbühne. Die ursprünglich ziim 10. Oktober angesetzt gewesene Bereins> Bor- stellnng findet nnnmehr bestimmt Sonntag, den 17. OKtbr.» nachm. präx. Ä'j» Ahr statt. Zur Aufführung kommt indcß: 152,3 Der G'wissettswnrm. Bauemkomödic mit Gesang in 3 Akten von L. Anzengmber. Regie: ciÜlllilUZ �1 Die ausgegebenen BerechtianligSkarten behalten Giltlgkeit. W> Karlen zur Ertra-Borstclliiug im I»LSSing»1'tlVSlve am 24. Oktober, nachmittags 2Vi Uhr:}yHeiinath((niid mit Sonntag im Theater sowie in den Zahlstellen zn haben. DtevenerAl-Versümmlung findet Mittw-ch.»e» 2K. Oktober, abends 8Vz Ilhr, in den„ArnilnhuIIcn" statt. Rene Mitglieder werden in allen Zahlstellen anfgenommcn. Sonnabend, de» 1«. Okiober, abends 8>/- Nhr, Mcichiorsir. 15: Oeuer al- V er«au»i»»1 u ux. T.-O.: 1. Abrechinnig vom III. Vierteljahr 1807. 2. Bericht bei. Bibliothek- Komniisfion und Vercinsangclegcnheiten. ■HBBESS Mitgliedsbuch legitimirt. sanHB Das diesjährige StlftUItgS-FeSt findet«n 23. Oktober in den 3l»drea«. Festsälen. AndreaSstt. 21, statt. BifletS sind beim Voistand und in der Versammlung zu haben. 1SS/S Fachverein der Mltsikittstrttmettten- Arbeiter. Vonaabend, den IN. Oktober, abend» 8'/. L'hr, Im Lokal de» Herrn llolfcr, Oranlcntttr. 51: General-Bcrsammliing. TageS-Ordnung: 1. Abrechnmig vom in. Quartal. 2. Bericht der AgiiationSkommisfion. 3. Verschiedenes. 143/10 Kkie Vtttmigmtg drrDmlliiWlägtt Berlins und Umgegend. .Sonntag, den 17. Oktober 1807, im Dokal de» Herrn Brinke, birenadlcr»traH8e 33: ®cucval-)DcrrV mif CH.« m* tklot. ftlln Hierzu lade ich sänimtltche Handwerker mit ihren Familien, sowie alle Freunde und Bekannten ganz ergebenst ein. ES wird sehr aeniüthlich werden. H. Hank«. Achtung, Schöueberg. B, den 17. Oktober, nuelimtttaB» l'/a HI Obst, Cirnnewnldstrasse HO: Mitglieder-UersammUma des Berbandes der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Teutschlands(Zahlstelle Schöueberg). TancS-Ordnuilg: 1. Vortrag deS Herrn Br. Sflndck. 2. DiSIuffion. 3. VerbandS- angelegenheitc». 4. Abrechnung vom 3. Quartal. 6. Verschiedenes. Es ist Pst ich t eines jeden Mitgliedes, pünktlich zu erscheinen, da die Versammlung pimlt IV, Uhr eröffnet wird. 20/13 Ple Ortsverwnltn njf. Samariter-+ Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen« Montag, den 18. Oktober, abends 8>,) Uhr, im Lokal des Herr» IVcnmann, Bninneiistraste 150: Eröftnlig der eijtcn Lehrstunde der Nord-Uliale. Ztortrag des Herr» Pr. Cricdebors; über:„ütiiatoinie und Physiologie«(Bau und Lebenöthätiglcit deö menschlichen Körpers). Aus- uahme neuer Thetlnehmer. Herren sowie Damen haben alö Gäste Zutritt. Up- Am Sonntag, den 24. Oktober, abends 7 Ilhr, bct Cohn, Beuth- Straße 20: Großer Erpcrimental-Vorttag über„Tclegraphie ohne Draht", gehalten von Fr. Clause n. Iö5/0 Stach dem Vortrag: GemüthlicheS Beisammensein._ AllgkMtilie lUllllllfll- iinö 51tr!ikliassk i>rr MktaMrlikitkr »»»>».".n■!| im■Ii■■HU MI IUI....................... Lli lUUI JJ—miL— 3uu Nefovm de-s Llnfallvcvfichcvun�s-Gcfctzes. � Zahlreich find die Klage» der durch Betriebsuusälle um ihre Gesundheit gekoiumenen Arbeiter darüber, daß sie erst nach einem langwierige», koniplizirteii und mit persönlichen Opfern verbundene» Aerfahre» die Jieute zugesprochen bekomiue». Die Redaktionell der Arbeiterzeitungen wissen ein Lied davon zu erzählen, den» kaum ein Tag vergeht, wo sie nicht von Arbeitern, die um ihre Reute kämpfen inüssen, ausgesucht werden. Die durch nnd durch bureankratisch ver- »valleten Bernssgenossenschaften wollen nnn partout keine Verkürzung der Karenzzeit eingeführt»vissen,»vähreud die A e r z t e, die von der Sache doch auch etwas verstehe», auf die Vereinfachimg des Verfahrens drängen. Jetzt wird ein neues gewichtiges ärztliches Uriheil über die Dringlichkeit der Abkürzung des Verfahrens bc- kannl. Es gehl von t er B e r l i n e r medizinischen Fakultät aus nnd hat die Professoren Joll») und v. Lehden zu Ur» hebern. Die Berliner medizinisch« Fakultät gab 1891 auf Antrag des Reichsverstchernngs Amtes ein Gutachten über eine als„traumalische Neurose" bezeichnete Erkrankung eines Arbeiters ab. der in» Jahre 1887 auf den» Grundstück Rosenlhalersiraße 14 in Berlin einen Uu- fall dadurch erlttten hat, daß ihm, als er in der eine» Meter ti-sen Bau- grübe arbeitete, der Laugbam» eines umfallenden beladencn Schub- karrcns gegen die rechte Gesichlshälfte schlug, was»lach einigen Tagen die Zirbcilsuusähigkeit des Slrbeilers zur Folge hatte. Er erhielt vom 29. Juli 1889 leine Rente »»ehr, da er vom Gewerksarzl für»viederhergcslellt und eriverbs- fähig erklärt ivorde»»var. Der Arbeiter focht diesen Entscheid an. weil er noch gänzlich crwerb-unsähig sei, die Berussgeuosscn- schast blieb aber trotz eines zu gunsten des Arbeiters sprechenden Attestes des Oberarztes der Nervcnstnlion an der Charilec bei ihrer gegenlheiligen Meinung; schließlich ersuchte das Reichsvasichermigs- amt die medizinische Fakultät der Berliner Universität um ein Ober» gutachten, und ans grund dessen erhielt der verunglückte Arbeiter durch Entscheid vom 13. September 1891 endlich die volle Rente im Betrag« von 512 Mark, die später, vom 9. April 1894 ab, auf grund übereinstimmender ärztlicher Gutachten ans 25 pCt. herabgesetzt wurde,»veiche Rente der Albcitcr noch jetzt bezieht. Diesem Obergulachle», das jetzt in den Amtlichen Nachrichten des Neichs-Versicherungsamls veröffentlicht wird, ist ein von» Monat Jnl» dieses Jahres dalirtcr Nachtrag beigefügt, der für die Roth- ivendigkeit der Abkürzung des Verfahrens bei der Rentenfeststellung geradezu klassisch Zengniß ablegt. Die betreffenden Stellen des Nachtrags, die keines Kommentare bedürfen, laute»»vie iolgt: „Ein Punkt, der in den Erörterungen der letzten Jahre mehr als früher in den Vordergrund getreten ist, ist der. daß bei vielen der durch Unfälle herbeigeführte» Nervenkrankheiten eine gewissermaßen äußerliche Komplikalion den ungünstigen Verlauf de- dingt, nämlich der Kamps um die Rente n n d die von ihm unzertrennliche psychische A f f c k t i o n(seelische Aufregung) des um seine Entschädigung kämpfenden Verletzten. Von den verschiedenen Monienlen. die diesen Kampf für viele der an ihn» Betheiligtcu verhängnißvoll»»'erden lassen,»vollen»vir nur zivei hervorhebe», nämlich: 1. Die Schwierigkeit, i» Fällen, in denen lediglich die s>»bjektiveii Angabe» des Geschädigten über eine»nehr oder»vcniger starke Bc- Hinderung der Arbcilssähigleit vorliegen,«ine bestimmte Entscheidung z>» treffen, nnd die durch diese Schivierigkeil bedingte Divergcnz (Vcischiedenheil) der Gutachten und Verzögerung der end- g i l I i g e n Festsetzung der Reute. 2. Di« irrige Vorstellung vieler der durch Unfälle zu Schaden Gekommenen, daß die Rente nicht eine lediglich der Arbeits- behindernng entsprechende Entschädigung, sondern vielmehr eine Art Schinerzensgeld darstelle, daS der Schwere des erlittenen Unfalles, unabhängig von etiva eingetretenen Folgen, entsprechen»lüsse. Durch die von dem ersteren Moniente unzertrennliche Hinaus- schiebung der endgiltigen Entscheidungen und durch die i» dein letzteren Momente liegende Verkehrtheit der Auffassung wird unvermeidlich eine n a ch t h e i l i g e Wirkung auf de» G e i st e s z u st a» d der Verletzte»» aus- geübt. Diese kann in einzelnen Fällen Anlaß zu eigentlicher Geistesstörung»verde», in der Mehrzahl der Fälle spricht sie sich in der eigenthümlichen Verbitterung und Willenlosigkeit der Ver- letzten ans, die schließlich»nr noch in einen» Punkte Energie ent- »vickel», nämlich in dem leidenschaftlich geführten Kampf«»» die Rente. Dieses psychische Moment ist denn auch dasjenige,»velches in erster Linie eine» geivissen einheitlichen Zug i» die sonst so vielfach verschiedenen Krankheilsbilder bringt. Schließlich könne» wir nicht umhin, auch an dieser Stelle aus einen Umstand hinzuweisen, durch den die Echivierigkeiten der Entscheidung und damit ihre Verzögerung in vielen Fälle» bedingt»vird. Es ist dies die» n v o l l st ä» d i g e F e st st e l l u n g der ersten und direkten U» f a l l s o I g e n. Eine Revision der bestehenden Bestiiunlungen in dem Sinne, daß diese Folge» jedesmal möglichst bald ärztlich sestgestelll»verde»»»nüssen, und daß die zuerst behandelnden Aerzte jcdesinal frühzeitig zu einem Bericht aufzufordern sind,»vnrde häufig die Sachlage klären nnd damit eine sichere Begniachltlng und rasche Entscheidung erinöglichc». Damit »väre wenigstens in einer Anzahl der Fälle den vorher envähnle» nachthciligen Folgen verzögerter Entscheidung vorgebeugt worden." Vevsammkungen. Ter sozialdemokratische Wahlvcrci» für de» zweiten Gerliuer Reichstags Wahlkreis hielt am 13. Oktober im großen Saale von Habels Brauere» seine Generalversammlung ab. Vor Ei»- tritt in die Verhandlungen ehrten die Anivesende» das Andenken des kürzlich verstorbenen Genossen Hermann Schneider in der üblichen Weise. Schüler erstaltete dann den Kassenbericht für die beide» letzten Quartale. Einschließlich des Bestandes vom April betrage» die Einnahine» 982.33 M., ausgegeben wurden 575.81 M., somit verblieben 497,22 M. Dazu koninien die Ueberschüsse von der Ostermatinee und von der Lassalleseier, so daß die Schlußabrechnung eine» Bestand von 894,72 Mark crgiebl.. Die Zahl der Mitglieder stieg in den» halben Jahre von 943 auf 1983. Die Versammlung crtheille den» Kassirer Tccharge und beschloß, dem Vertreter des Kreises, Genosse» Richard Fischer, 899 Mark zur Agitation zu über- »veisen. Weiler»vnrde der Vorstand ermächtigt, sich in Zukunft die Restanten näher anzusehen und ganz besonders lässige eventuell aus der Mitgliederliste zu streichen. Der Vorsitzende, Ge- noffe Woldersky, berichtete darauf über die Thätigkeit des Vorstandes. Er beklagte, daß der Besuch der Vereinsversammlungen geivöhnlich nicht der großen Mitgliederzahl entspreche. Die Sache Ewald kontra Rosenstock sei dadurch erledigt worden, daß Roseustock »vege» fahrlässige» UmgchenS mit seiner Korrespondenz eine Rüge erhallen habe. Man beschloß, daß von jetzt ab die Versammlungen auf jeden Fall pünktlich um 3'/, Uhr zu eröffnen seien. Die Neu- wähl der Vorstandes ergab folgendes Resultat: Lankow, 1. Vor- sitzender, Köhler, 2. Vorsitzeuder; Schüler, 1. Kasprer, Ohne- sorge, 2. Kassirer; H o f f in a n n. 1. Schriftführer, Lange, 2. Schriftführer; G I a s h a g e n. Beisitzer. Zu llievisoren»virrde» geivählt Wille, S asse und Lutz. Ein Antrag, den Vorstand zu beanf- tragen, sofort mit den Vorbereitungen für die nächsten Reichstagslvahlen zu beginne», führte zu einer sehr lebhafte» und ansgedehnte» Debatte über die Frage, ob es angebracht sei. die Leitung der Wahlagitation voriviegend den» Verein zu überlassen. Der Autrag»vnrde schließlich abgelehnt und darauf die Versammlung mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie geschlossen. Eine öffentliche Versaiiiuilniig der Zimmerer, die sehr stark besucht»var, tagte am Mittwoch bei Cohn, Beulhstraße. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte» die Versammelte» das Ableben ziveier Kameraden i» der übliche» Weise. Hierauf erstattele T h. Fischer den Bericht der Lohnkommissio». Aus demselben»var zu entnehme», daß die Ziuuuerer in de» letzte» beide» Jahren durch die Lohn- beivcguuge» ganz ansehnliche Erfolge erzielt haben. Nicht»ur ist die vordem zehnstündige Arbeitszeit auf eine neunstündige reduzirt »vorden, und der Neunslundentag kann für das Baugeiverbc allgemein als gesichert bezeichnet werde», sondern es ist auch die Sonntags- nnd Ueberstinideuarbeit zun» großen Theil beseitigt. Al!ch in beziig auf die Löhne ist ein giinstiges Resultat zu verzeichnen. Die Belheiliguug an der dies- jährigen Lohnbewegiiiig für eine» Stiiudenlohn von 89 Pf., die»vohl in der Hauptsache durch die Lohnbeivegung der Maurer,»velche eben- falls diesen Stnudeulohu forderten, veranlaßt wurde,»var wieder eine sehr große nnd lebhafte. Aus allen Plätzen, aiisgeuomine» einzelne von Jnnnngsmeisteru,»vurde die Forderung gestellt und in vielen Fälle» sofort bewilligt. Eine ziemliche Ausdehnung er- langten nach Beendigung der allgemeinen Bewegung die ver- schiede»«» Platzsperren, die aber allerdings nicht den erwarteten Erfolg zeitigten und resnltatlos endigten. Dies ist theilweise darauf zurückzuführen, daß die Arbeitslosigkeit im Steigen begriffen und sich dadurch der Kamps schwieriger gestaltete, theilweise aber wurde von einem Theil der Kameraden eine gewisse Lauheit beobachtet nnd den Uulernchmer» nicht der genügende Widerstand nnd die nolhwendig« Energie entgegen gesetzt. Wen» also durch die Platzsperren nicht besonders viel erzielt wurde, so ist doch trotzdem keineswegs in irgend einer Weise ein giückgaug zu verzeichnen, es steht vielmehr fest, daß mindestens zwei Drittel der Zimmerer zu den neuen Bedingungen arbeiten. Das Resultat der am 2. und 3. Sepieinber vorgeiiounnciien Platz- und Bau- koutrolle, wonach von 4312 in Berlin nnd Umgegend arbciieuden Ziinmcrern 2393 bei 326 Unternehmern 69 Pf. Elundeiilotni nnd 1414 bei 96 Uulcruehuicru 55 bis 69 Pf. Stundenlohn erhielten, hat sich bis jetzt im wesentlichen nicht verändert und ist jedenfalls nicht iiiigiiniiiger für die Arbeiter geworben. Der äieduer vcrbreilcte sich hierauf in längeren Ausführungen über den von der Innung«ingerichlelen Arbeitsnachweis, der trotz seines kurzen Bestehens schon eine gewisse„Berühmtheit" erlangt hat und der, wie es scheint, immer noch recht schlcchle Geschäfte mach». In neuester Zeit ist es nicht mehr uolhivendig. daß die Arbeiter, iim auf einen Platz eingestellt zu werde», sich einen Schein vom Arbeitsnachweis besorgen, sondern es genügt schon, daß der Unternehmer dem Nach- weis anzeigt, daß er diesen oder jene» Arbeiter eingestellt hat. Dec Redner, der im weiteren die von der Lohnkommission gestellte Re- solution erläutert und um Annahme derselben ersucht, sordcrl die Versämmellen auf, wie bisher eiiininlhig z»sainine»zustehei> und darauf zu achte», daß jeder seine Schuldigkeit lhnt, damit der Stmidenlohii von 69 Pf. allgemein zur Durchführung ge- langt. In der von der Lohnkommissio» nntcrbreileien Resolution wird darauf hingewiesen, daß der Miniiiialstundenlvhn von 69 Ps. in der dicsjährigen Lohnbewegnng nicht überall durchgeführt woidcii ist, daß aber durch die vorgeschritlene Jahreszeit, die natnrgeinäß eine größere Arbeitslosigkeit mit sich bringt, der offensive Kampf sehr er- schivert wird und sich demzufolge eine Aciiberung in der bisherige» Taklik uolhivendig inncht. Es wird darin jedem Kainerade» zur Pflicht genincht, den Slnndcnloh» von 69 Ps. hochzuhalten. Wer jkdoch gezwungen ist, durch die Roth Arbeit unter 69 Pf. anzn- nehm''»(ans Plätzen, wo dieser Stnndenlohil bezahlt wird, darf dies nicht geschehe»), ist verpflichict, die Konnnission davon in Kennlniß z» setzen. Solllen die Unternchiner, welche bisher 69 Pf. Slnndenlohn gezahlt haben, es versuchen, den Loh» zu rc- dnzire», so ist die Kounmssw» sofort z» bcnachrichligeu und hal dieselbe Schritte zu unternehmen, um dies zu verhindern. Wenn die Berhaiidliiiige» erfolglos verlausen, so ist die Arbeit nieder- zulege» und der betreffende Platz zu sperren. Der Beilrag zum Agilations-»ud Unterstühiingssoiids beträgt von Montag, den 13. Oktober ab 29 Pf. pro Woche. Zur Dnrchfiihruiig einer gntcu Kontrolle sollen die Klcbekartcu bis zum 15. November der Lohn- kommisston zur Abstempelung vorgelegt werde». Außerdem soll jeder Arbeilswechsel in der Arbeitsberechlignngskarte und in den Bücher» der Koiiniiission vermerkt werden. Die Ärbcilsloseu sind streng ver- pflichtet, wöchentlich einmal in den letzten drei Tagen der Woche die Karten nbstenipcl» z» lasse». Ferner soll der Arbeilsi'.achweis der Innung, iveil für die Bestrebungen der Arbeiter schädlich, nach ivie vor auf das strengste gcmiedm werden. In der Diskussion, in der über die Thätigkeit der Lohnkommissio» von keiner Seile Ei»- Wendlingen gemacht wurden, spiachen sich mehrere Redner gegen die Herabsetzung der Beiträge und gegen den Passus ans, in welchem die Annahnie von Arbeil ans Plätzen. wo der St»nde»lohn von 69 Pf. nicht gezahlt wird, gestattet sein soll. Schließlich wurde» aber die einzelneil Vorschläge nnd da»» die Resolnlion im ganze» mit großer Majorität angenonimen. Den Kassenbericht, der de» Versamnilungsbesilcher» spezialisirt nnd i» Broschürenform ei»- gchändigt wurde, erstattete G. Hof s. Danach betrugen die Ein- nähme» vom 25. Jn»i bis 39. Seplbr. 1397 inkl. Bestand vom 24. Juni in der Höhe von 5377.49 M. iiisgesauunt 31 346.84 M. Tie Ausgaben, darnnlcr für Streikmilerstlitziliig 16 863,59 M. Gciiiaßregelteil-Uttterstütznng 3987,75 M., insgesammt 28 139.35 M. Mithin verblieb am 39. Sepleiubcr ei» Bestand von 3157,49 M. Die Abrechnung wurde von de» öievisorcn P. S ch ä f f e r nnd t. Lehmann als richtig bestätigt nnd dem Kassirer Hoff die echarge ertheilt, außerdem ivnrde demselben von der Aersnnnnlnng eine Extramilerstütziiiig vo» 59 M. zugesprochen. Nachdem ein Antrag, die Neuivahl der Lohiikonunission von der Tagesordnung adzilsetzeii. vnnrit die alte noch die Eiiiignngkversuche der beiden hier am Orte bestehenden Organisalione» znin Abschluß bringen kann, abgelehnt ivorden war, wurde T h. Fischer einstiinmig wieder zum BertrauenSmaun geivählt uiid M e y l e r als Kassirer besliinmt. Ferner wurden in die Lohiiloniimssion Hube, Knopp. W i e g- in a n n nnd llt e psch lä g er geivählt und hieraus die Versammlung mit einem Hoch nuf die ilirbeiterbewegung geschlossen. Eine öffentliche Pcrsaninilung der Rabitz-Pntjcr, die am 13. Oktober im Lokale von Hoffmairii, Alcxaiiderstr. 27 c, ragte, hob d i e B a u s p e r r e n bei d e r F i r m a K» a» e r u» d b e i der Firma S l i v e auf. Nach de» Darlegungen N i e k e' s hat Herr Kiiauer die Lohnforderung von 65 Pf. beivilligl nnd seine alten Arbeiter wieder eingestellt. Anders liege» die Verhällnisse bei Slive. Dieser Firma sei eS geglückt, einige für diese Arbeit geeignele Arbeitskräsle z» erhallen, von denen einige für 45 Pf. arbeilen. Nach ihm. Nieke, zugegaugeneir Mitlheilniigen zöge es Herr Stive jedoch vor, seine alten Leute wieder einzuslelleii und ihnen 65 Ps. z» zahlen; dieselbe» seien aber schon auderiveilig i» Slrbeit getreten. Nach Lage der Verhällnisse bei Stive sei hier die Sperre zivecklos, deshalb ebenfalls auszuheben. Im allgemeine» würden jetzt, mit ganz verschwindend kleine» Ausnahmen, überall 65 Pfennige, ja sogar 79 Pfennige Slnndeiilohii gezahlt. Eine Anzahl Firmeninhabcr hätten sich ohne weiteres dazu bereit erklärt. Nu» gelte es aber. das Errungene energisch festznhalte» auch in einer weniger günstigen Konjunktur. Ten Kollegen sei dringend anzn- rathe», durch frenndliches Betragen jene noch rückständigen Elemente, die sich bisher unsolidarisch gezeigt, für die Organisation suchen zu gewinnen. In anbelracht, daß bereits amMontagdieletzlenausständigen Kollegen in Arbeit getreten, sei die Beitragsieistnng von 1,59 M.pro Woche für den Strelknuterstützungs-Foiids wieder auf den alten Satz vo» 25 Pf. wöchentlich herabzusetzen. Die Versanimlung beschloß dem- gemäß, verpflichtete aber die mit dein 1,59 M. Betrage noch Rück- ständigen, dieser ihrer Beitragkpflicht nachznkoiinnen; gleichfalls erging an alle, die mit dem 25 Ps.-Beitrag in Rückstand gerathe», die Aufforderung, sich sehr bald auch dieser Pflicht zu entledigen. In der regen Diskussion wurde vorgeschlagen, nun an die Be- seiligung anderer Mißstände im Gewerbe zu gehen. Vor alle» Dingen müsse darnach gestrebt werden» das illklordsystem abzuschaffen, um bei Uebernahine vo» Akkordarbeiten das übliche Unterbieten zu beseitige». Des iveiiere» sei der Modus abzuschaffen, »ntcr dem Vorgeben, die Arbeit sei nicht zufriedenstellend und müsse nachgebessert werden, den iilrbeitsloh» in»« zu beHallen. Ferner seien für die Nabitzputzer, wo solche in größerer Anzahl längere Zeit auf demselhe» Barr arbeilen, Baubude» zu errichten,«nr den vielen Entiveiidiiiige» au Bekleidnngsslncken vorznbengen. Bezüglich der Ueberslnndenarbeit wurde vielfach Klage geführt. Gleichsalls wnrde lrs»cht, außerhalb unter allen Umständen die neunstündige Arbeitszeit inne zrr hallen, nicht aber, wie es vorgekommen, durch über- lange Arbeitszeit zu suchen, den Lohnansfall ivelt z» machen. Eine Parteivcrsainmlung für Schönrbcrg tagte am Milt, woch in der Schloßbranerei. Der Vertranensinaun R a u e erstattete seinen Bericht über das abgelanseiic Geschäftsjahr. Er hat 1331.39 M. eiligen online», 1929,75 M. ansgegeben, also einen Ueberschnß von 394,55 M. erzielt. Nachdem auch die weibliche Vertrallensperson, Frau Feilsch, über ihre Thätigkeit berichtet hatte, wurden beide enllastel und Fischer als Verlrauensnia»», M a s u ch als dessen Stellvertreter gewählt. Von der Wahl einer weiblichen Verlrauensperson nahm man Abstand. Als Re- visoren iviirdcn Alb. Gabriel, R au e und B a g a n z bestimmt. Ans dem hierauf gegebenen Bericht der Lokalkoinmisston nnd der sich daran aiischließende» Debatte ging hervor, daß die Inhaber der größeren Schöncberger Lokale sich nicht bereit finden lassen, ihre Säle zu Arbeilerversamiiiliingeii herzugeben, und zwar nicht deshalb, weil die Herren persönlich der Sozialdemokratie feindlich gesinnt sind, sondern lediglich aus Zlngst vor der Polizeibehörde, von der sie eine Herabsetzung der Polizeistunde nnd Entziehung der Tanzerlanbniß befürchte». Andererseits wurde auch hervorgehoben, daß die Lokal« sperre wenig nutze, da die gesperrten Lokale zu Vergnügungs« zwecken von Arbeitern, nnd zivar nicht»nr von Indifferente», zahl- reich besucht werde». Die neilgewählte Lokalkominissio» setzt sich zu» sammen ans den Genosse»: F e u s ch, K ü t e r, P e t e r s o n. Der Geschäftsbericht der Parteispedition, den Bäumler erstattete, kon- stalirt, daß die Spedition einen befriedigenden Fortgang nimmt. Im letzten Vierteljahr wnrde ei» Ueberschuß von 26,75 M. erzielt, der Kassenbestaud beträgt 151.59 M. Hieraus begann die Debatte über den Hamburger Parteitag. Der Referent Zubeil war wegtu Krankheit nicht anivesend. Meiling ist der Ansicht, daß die Be- grüiidnng, die Bebel gegen den Antrag, den Parteitag zu Weih» i, achten abzuhalten, vorbrachte, nicht zutreffend sei. Die WcihnachtS- zeit fei für die Arbeiter die passendste. Dadurch, daß die Resolution Bebel bclreffs der Landlngsivahl nur in ihrem erste» Theil au- genommen wnrde, seien die Gegner der Wahlbelheilig»i>g gut weg» geloiumen. Redner ist persönlich der Meinung, daß der Kreis Teltow- Bceskow. der sich gegen die Wablbelheiligung erklärt hat, auch, da ja die Euischeidunz den einzelnen Kreise» nberlasse» ist, nicht in die Landtagswahl eintrete» wird. Schippe! habe auf dem Parteitag gesagt: Die Soldaten sind einmal da,»u» müssen wir ihnen auch die besten Waffe» bewilligen. Auer habe, wen» auch mit anderen Worle», sich aus denselben Slandpnnkt gestellt, auch Bebel und Liebknecht hätten dein nicht ividersproche». Damit Schippel nicht glaube, es hällc» nur einige Delegirte gegen seine Haltung ge- sproche», so solle die Gelegenheit benutzt werde», auch seitens der Pärleigenosse» energisch Aerivahrung einzulegen gegen die Schippel'sche Logik. Nach dieser Logik würden ja die Sozialdemokraten verpflichtet sei», nicht nur neue Waffen zu bewillige», sondern sick auch um Erfindung besserer Waffen zu bemühe».„Wollen Sie denn die Soldaten mit Stöcken aiisrüsien?" So habe Auer gesagt. Nim, iven» das geschähe— meint Redner— lönnlen die Soldale» nicht zum Schutz des Geld- sackes gebraucht werde». Unsere Parteigenossen müßten wieder zu der alle» Taklik zurückkehren, daß sie im llleichstage und auch in anderen Körperschasle» nicht sitze», um zu parlamentiren, sondern daß wir uns nur ans agitatorische» Rückstchteii an den Wahle» be- lheüige». Klei» stimmt dem Vorredner bezüglich der Verlegung de? Parteitages z». Ueber Schippel's Aeußernng wolle er schweigen, denn wenn er seine Meinung darüber sage» wollte, dann würde er zu weit gehe». Was die Landtagsivahle» angehe, so verlang« die Disziplin, daß der Beschluß des Parteitages auch befolgt werde. Sollte sich der Kreis für die Wahlbetheilignug entscheide», so sei es natürlich Pflicht aller Parteigenossen, mit allen Kräften dafür ein- zulrete».'Ans den künstigen Parteitag müßten aber andere Leute konimen; solche, die Gedanke» habe», wen» sie auch nicht reden können. Gabriel bemerkt, was Schippel persönlich über die Beivillignng der Kanone» sagte, sei weniger von Bedentnng, als der Unistand, daß niisere Parteigenossen doch gegen die Forderung gestimnit hätte». Meiling's Vorwürfe seien nicht begrimdct Die Belheiliguug an den Landlagswahlen, verde die Nampseslnst der Genossen anfeuern. auch im Kreise Telloiv- Beeskoiv lömie es vielleicht gelingen, durch Eingreifen der Sozialdeniokratc» de» Konservative» zu Falle zu bringen.— Damit war die Debatte beendet. Mit einer Alls- sordernng Anschluß a» die politische Organisation und zur rege» Beiheiligiing an den bevorstehenden Stadlverordncten-Wahli» schloß die Versammlnng. A»I>ri>»r-KIId»»a«sI». Jnselflr. 10, v.-Tr.'.Miitwoch: Nattonal- Ökonomie lSriindbegrlsf« der Nalionalokonomie: Dr.Srecht, Erb. und Vormundschasisrecht, ösfeniltche» Blecht: RcchiSamvail W 0 l s g a n g Hein e). Die Blbliothet ist vo» a-u Uhr geöffnet. AstigstedSdeiirag monatl. 20 Pf.. Kursus<10 Abende)> M. pro(fach. Dbcilnehmer werden aufgenommen i» der Echule und In folg. Stelle»: Eotifr.Tchufz, Admiraistr.«es:»!«»>, Larnimftr. e»: Schiller, Blvlenihalerstr. 07! Eleiuerr, Sllüllerstr. 7»! Paul Mülle, Planteuffelstr. ms: H. König«, Dieffenbachstr.»». Alle Znfchrifle» find o» de» voisthenden Paul Mücke jr., 80. Man- lenffelstr. Iis, Eeldjendungeu a» den Kafstrer H. König», 8. Dieffenbachstr..�, zu lende»._ »in»d der v-lestige» Ztedeiterdireln« Kerllna>»>d der zlmg-gen». vor- sthcudcr P G- n I, DrcSdcnerflr. 107/108. Alle Zufchrifle», den AercinSkalender deircffcnd. find a»(i. B e n d l x, Rlkrandrinenfirabe 100, zu richte». Arbritcr- Nnuchrrdund Kcrlino«nd der zinigrg«nd. Aendcrungen tm VerctnSfalcnder find zu richten an Hermann Brau» schweig, Dresdener» firaße 80, s. Hof. Ardeiier-Känoerl'»»» Bern»»»»d Umgegend, vorsthender Ad. Bleumann, vrunncnstr. iOO. Ave Aendcrunge» ti»! Bereinskalender sind zu richle» an »riebrich K o r t» in. Manteuflelstr. 60. v. 2 Dr. ÄUgcincine Kaoiie»-»»d Hterbelcail» der Metallardetter(9- H. e». Hamburg.) Fltale«erlin«.) Mitaliedcrverfammluna am Sonnabend, den 16. Cttober, abends 8K Uhr, bei Frih Wille. A»dr-aSstrah° i!«. -iatnriiciiverei» l. Heute abend 8h lihr im Saale der Arminhallen, Kam- manbanlenflr. eo: Oeffeniltcher Voclrag über: Die EiNwickclung der TuggestionS- lehre",»ieferenl Herr St. Gerling. tfet lincr K,»,>lt«»-zt»»er>i>iti»»0«. und Kegrabniliverei» siir Kranen »nd vlödchr». Heule, abends 7-6 Uhr, bei Mehrwald, Alle Jakobftr. Ii«-O0, Zahlabcnd. Dafeibst werde» auch jederzeit neue Milglicder aufgenomMen. Kerllner Ardettervertreter- Uerel» lagt leben Dienstag nach dem ersten im Mona! bei Bnilc, Erenadierflr.«s, abends 8)j Uhr. Unenigelllicher Slalh wird erlheill: Im Zlorde» Kerlina: Für Unfall-, JnvalidUSiS- und AlterS-verstcherung, abends von 7-s Uhr: Sl. D a e h» e. Demminerstr. 66, v. s Dr.». G n I h« t l, Wiese,. Nr. so», vo» 8-. 0 Uhr abend«. F. Ptefchel, Garlenstr. 06, o. 2 Dr. E. S>»> a» o w» k i, Earienstr. 78, Portaini,» Dr. W. T t n h l m a n n, Oderberger- ftraßc 37,« Dr., vo» 6-9 Uhr adcndS. Bi. D a nun, Hufstienstr«, vo» 8-0 Uhr abendsfA. Botgi, Wiefenfir.«1-42. E. Warnst,«olbergerstr. 7, von6-7Uhr abends.— Nur für JnvaiidUäiS- nnd AlterSverstcherung: F. Blume, Slrciihcrstr. 08. P. B! c i IN a II», Bellermannstr. 8«. g. Dr a p p, Schulstr. 0», von 7-8 Uhr abend«. Ii» Ziord-«st»»: Nur für Jnvglidilül»- und AlterSverstcherung W. Mohs, Schönhauser Allee os. Im hlsten: Nur für JnvalidUäiS- und AlterSverstcherung:«.Bade» Sr. Franksurterstr. 3«. v.« Dr. Im Klid-«stell: yür Unfall-, JnvaliditSIS- und AtterSvirstchernng: S ch a l t h o f f, Michaelkirchstr. 18. Im Klidr»! ßiir Unfall-, Znvastdliäl»- nnd AlierSverstchernng: F. S t a g« l- mater, Srlinmstraße 30.— Nur für JnvaUdlläli- und SUlerSverstcherung. P. Keller, Rtrdorf, Panlerstr. 68, Hof part. fit, Süd Nieste»: BUit für Unfallversicherung: s. Hänel. SolmSstr.«« m zlord-N'eftr»: Slur für»»fallverstcherung: J.Krause. WUSnacker flraße I9. M. Elephan, Leffwgstr. 3«. Zeiltrn»,,: Nur für Unfallvcrstcherung: s. L Ö f l l i r,«losterstr. 91, ei sämmilichen voraenannten Personen, det denen hier keine Sxrechzett an- gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7—9 Uhr. Für bcu Inhalt der Jiiscratc itbernimiiit die Redaktion de», Pnblitni» gcgcniibcr keinerlei Acraiitlvortnng. Theokev. Freitag, den 15. Oktober. CpernhanS. Götterdäminerung. Anfang 6V, Uhr. Schauspielhans. Waidwund. Der zerbrochene Krug. Ans. 7�- Uhr. Deutsches. Mutter Erde. Ansang 7»/, Uhr. Berliner. Faust. Anfang!? Uhr. Goethe. Tyrannen des Glücks. An- fang 7l/z Uhr. Lrssiug. La Doulourcuse. Anfang m?V- Uhr. Neues. Aschermittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Anfang?>/, Uhr. Residenz. Die Einbernsnng. An- fang 7»/, Uhr. Schiller. Das Stärkere. Anfang 8 Uhr. Unter den Linden. Pariser Leben. Anfann?>/? Uhr. Luisen. Wilhelm Test. Auf. S Uhr. Thalia. Geschlossen. Ostend. Jngendbronncn. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang ?>/. Uhr. Friedrich. WIlhclnisliidlIscheS. Das Zeichen des Kreuzes. Ansang 8 Uhr. lillcxandcrplah. DaS LicbcSdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Rcichöhallcn. Spezialitäten. An- fang 3 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. Fccn-Palaft. Spezialitäten. Passage< Panopttknin. Indisches Dorf. Schillvv-Thentvr (Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Das Stärkere. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ei» Tropfen Gift. Sonntag, nachm. 3 Uhr: 2. Bor- stellnng im Schiller- Zyklus. Kabale und Liebe. Abends 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Euiseil� Theater 34. Neichcnbergcrslrasje 34. Abends 8 Uhr: Willieiiit Teil. Schauspiel in 5 Ankzltgcn von Fr. v. Schiller. Morgen, Sonnabend: Bon Stufe zu Stufe. Sonntag, nachinittags 3 Uhr: VolkS-Vorstellung unter Regie von lknllu» TMvk: (Zit halben Preisen.) Kabale«ud Liebe. Bon Fr. v. Schiller. BiNets ä 60 Pf. zu der Sonntag- NachmittagS-Volls-Vorstellung in den bekannten Verkaufsstellen. Thalia- Theater. Heute, Freitag, geschlossen wegen Generalprobe. Sonnabend, den 16. Oktober 18S7. Zun» 1. Male: Nöte!-roku-voku. (I.'l1lldsrgg du Toliu-Bubu.) Tandeville in 3 Akten von Maurice Ordonneau. Deutsch von Viktor Lsom Mustk von Viktor Roger. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Central-Theater Alle Jakobstr. 30. Direktion Iticlmnl ftichnltz. Freitag, den 15. Oktober 1897; £i)iU Thomas a. G. Zum 42 Male: Nenlinen k'sketen. Burleske AuSstattungSposse»ill Gesang und Tanz in 6 Bilden: von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jnl. Einodshoser. Ansang Uhr. Morgen und die iolgcnden Tage: Berliner Fahrte». KeMiei' Herrnfehrs I. Original- Bndapester Possen- n. Operetten- Theater in Kaufmann's VariötS. Die Welt geht nnter. Eine Partie Kiabrias. Eupus A WOrthcim. Oppenheim In der EnKlochhOhle. OcfHlMehte Jangen. Der Eicrhiindlcr. In flagranti. Endlich allein! Diese mit so grossem Beifall aufgenommenen Herm- fold'sohen„Original-Stücke" werden bei weitem übertroffen von den gegenwärtigen Saison-Schlagern Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. Um den grossen Andrang an der Abendkasse zu vermeiden, findet von vorm. 11 bis nachm. 5 Uhr Blllet- Vorverkanf ohne Aufgeld im Theater- Bureau statt. Vorzugskarten gelten. Anfang'/jS Uhr.- Kasseneröffnung Vi? I7hr. rama Tnubciistrassc 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt SOPf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Tnvnl idenstrasse Sio. 57/0%: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. 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Ansang der Vorstellungen: Sonntags 7:/,, Wochentags 8 Uhr. W. Koack's Tliealer IC, II» Ii c II 8 t r«!S» o 19 Täglich(auhcr Privatscstlichlcilcn): TTicatcr- a. ftiiicsr.ialitiUcii- Vorstcllung. Vetdekuven Lustspiel in 1 Auszüge von Pnttlitz. Ein Wort p rechttr Zeit. Schwank i» 1 Alt von Staad. Das Borte MittageM. Posse mit Gelang und Tanz von G.Friedrich. Jede» Sonntag. Dienstag U.Donnerstag nacki der Burstellung: TaiiKkriiniscIicii. Volks- The a 1 er im W c 1 1- K e m tau ra n l 97. TresdenerSIrasse 97. Ue Nttzenliurg. Bilder aus dem Berliner Boilsleben von L E l u. Ansang: Sonntags 6 Uhr. Wochen- tags'Vz Uhr— Entree: Sonntags 40 Psg. WockientagS 20 Pfg. Feen-Balast LS Uargxtr. LS. Gröht Bergnliguiigslokal Berlins Direktion: �Viakicr and Friibcl. Fidele Drofchkenfahrt. Um 8V, Uhr: kticIiardV/iniller und Viilbelm Fröbel in der Berliner GefangS- Posse: 'Neivilde Sache. Nene Spezialitäten. Anfang 7»/z Uhr. Sonntags 6 Uhr.L Entree 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. /Mvazap VariÄts- Theater I Ranges. DreSdenerstrahe 52/53(Eity-Paifage) Annen strahe 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Heute zum letzten Male: Tie Rosen ans dem Süden. Grobe AnsstattungSposse mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gericke. Vorher: Die fidelen Skatbrüder oder: Wer giebt. Schwank mit Gesang von Leop. Ely. Auftreten sämmtl. Ännst-Spezialttäte». Utlkilltll' Wochentags 8 Uhr. Ailllllllj. Sonntags«Vz Uhr. jWi Hatrcc 39 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. llolitoliboi' �ktililal'boitoi'-Vöi'bäNli ___(Verwaltungsstelle Berlin)._ Sonnabend, den 16. Oktober, in der Brauerei FriedriclisliaiD(früher Ups), am Königsthor: Vokal- u. Instrumental-Konzert anSgessthrt von ZlvTlbernrsinnsikern nnter Leitrmg des Herrn HVaidciuar Gnttninnn, sowie dem lierllncr Itliinnerqiiartctt„Harnionle". 161/7 Nach dem Konzert: Gposser Ball. Herren, welche an demselben theilliehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang pnnkt Uhr. Billets 25 Pf. Alles Nähere besagt daS Programm, welches beim Eintritt zur Ausgabe gelangt. Billets sind in ollen Zahlstellen, bei den Kassirern, sowie im Verbands-Bureau zu haben. ÜV- R» der Kasse wird kein Bittet perkanft.'WQ Die Vertrauensleute müssen bis Mittwoch, den 13. Oktober, mit den Kafstrern ab- gerechnet haben, andernfalls gelten die in ihren Händen besindlickim Karten als verkaust und sind demgemäß zu bezahlen. vio Ortsverwaltung. Concertliaus vi rcipv.isci'titr.Xo.dS. SV Täglich:-Tns Hoffmann's Duartetl und Humoristen. Heute Anfang 8 Uhr. I. Rang u. Loge 1 M., Sperrsitz 50 Pf. Entree und II. Rang 30 Pf. Apollo-Theater. Friedrlchflr. 218. Dir.d. Cllflck. IDriia Ivoseliel. Mr. Brown. Miss iVlarie Haiton, nnierikauische Operetten-Diva. Mr. Rodo Leo Rapoll. Dagmar Hansen. Neun Heinzelmännchen. Flip, Flap, Flop!! Grobe Pantomime, ausgeführt von der Ji>*cph Plioitcn-Tronpc. Minctoi�rapli etc. etc. etc. Kassenerbssng. 6'/; Ul>r. Auf. 7'/; Uhr. Maehr'sTheater Ormi iousfrassc 21. SWF CägUd{ Theater- n. Mpc/.ialltiitcn- Vovstcliii ng. Xo v i tilt en-S'rog ramm. 3JeK! Eugen Hosee. Keul Der beste Mimiker der Jetztzeit. In Vorbereitung: Wer ist der Vater! Ausstattiings-BurleSle. Anfang: Wockientags 8 Uhr. _ Sonntags 6 Uhr. Vicloria-Brauerei. Littzowstr. 111/112 (nahe Potsdamer Platz). Heilte, sowie jeden Freitag u. Montag: Eleliiner Sänger (Mrpsel, Pielro. Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Ansang präzise 8 Uhr. Tntree 39 Ps. Vorverkauf 49 Pf. (Siehe Plakate.) OÄR'CKRS Busch (Kahniiof Illlrsc). Freitag, den 15. Oktober, Abends 71/2 Uhr: Humoristisclier Abend. Sämmtliche TlownS in ihren besten Nummern. Zum 1. Male: Der Clown Hr. Boguslato als Duellant. Zum 1. Male: Schneider Fips, kam. Szene der Gebr. Priee. Sign. Magriui als Sprinelown. Elefant 11. Pferd, Original-Dressur d. Sign. Corradini. Zum 1. Male: Der Tigerhengst„Harlekin", in eigen- artiger Weise dressirt u. vorgef. von Herrn Pank. 10 trakehner Rapp- Hengste, in neuem Genre dress. n. vorgef. vom Dir. Busch. Auftr. des Schillreit. Hrn. Foottit-Burghardt. Morgen: Neues Programm. YheMerlterHeichshsiien Dcipzlserstrasse 77. HIiss Salambo und Clara A nto ni die gefeierten Schönheiten und erste Speiislitaten. Ansang des Konzerts?>/- Uhr, der Borst. 8 Uhr. Entree oO Pf. Morgen, Sonnabend: Ida* groMse Programm u. cinmaliges Gastspiel der !. originsi-Sulinpesie Qrpheum-GeLeiizchali Im Parterre Saal L Kapellen. mr Tie weltbekannte'WM Bettfedern-Fabrik G»statiLustig.Berlili8.,Prlii,en. stratze t«, ecrjendet gegen Nachnadme garaiit.neae tteltsedeen d. Psd. öi> Pf.. «inesische Halbdanne» d.Psd.M.l.2S. deljere salddnnne» d. Psd. M. 1,76, »oeiiigllite Daunen d Psd. M. 2.SS. «.» Poll diese» Donnen genügen 3 dtSt Psund ptm groste» vberdett. Perp-ckung frei. Preiil. u. Vreden grolil. Viele Snerkeanungtichr. 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Die tiefbctrübte Wittwe Elisabeth Jepp nebst Kind. Broehhaus', Meyer's Lexikon, Brehm'S Thierleben, Klassiker, Weltgeschichten und andere Werke seder Wissenschast beleiht und taust Anti- quariat Kochstrabe 56._ 2/2 ZigllrmgeWst ÄfÄ stehend, ist sofort billig zu verkaufen Krautstr. 1. 12306 ÄtiTTl Achtung! irtilf»! villi!(Kein Laden.)'?nit: Weiche Herrenhnte von 1,50 an, Kinderhüte nnd Mühen zu den billigsten Preisen. Frlta Wclth, Nixdorf, Hobrechtstr. 78 pari., 12256* am Hermannplatz. Joliannlslieerwein 1llO Literwelnelns 10 Pf. Eugen Neumann& Co., Obst- und Beerenweinkeltorei. Damit ein geehrtes Publikum sich von der Güte und Vorzüg- liohkeit unserer Fruchtweine überzeugen kann, haben wir einen Ausschank errichtet und zwar Kommandantenstr. 67. ÜP Qimmpl Moritzplatz, Ul. ullllilliui i.Haits V.Asch inger Lpezialarzt f. Haut».Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Irauenkrankhetten: vr. med. Svlmpvr, homöop. Arzt, Schänebergcr User 25. Spr. 9—1, 4—7. Balm-'flfpUcp. Kilnstl. 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Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.