Nr. 243 Abonnemtirts- Bedingungen: DbonnementS-Preti pränumerando: vierieljährl. 3,30 monall. 1,10 SBJt-, möchenllich 28 PIg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. EonnlagS- Nummer mit illnftriner EonmazZ- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quarial. Eingelragen in der Post-Zeilungz» Preisliste für 1897 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und ' Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Psg., für Vereins- und Versantmlungs-Anzeigen, sowie Arbeitsmarkt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS i Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Eonn- und Festtagen bis o Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich«usjer Montag». Vevltnev VolktSblAkk. Fernsprecher: Sinti, Nr. 1S0S. Telegramm-Adresse: „SoiialdenioKral verlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZteMtie»: SW. 19, Zleiith.Slroße 2. Kountagl, den 17. Oktoder 1897. S-pedttio»: SW. 19, Meuty-Ktrnße 3; Dev dolus eventualis. / Wir haben die Verurtheilung Liebkuecht'S und ihre politische Wirkung bereits gewürdigt. Heute wollen wir nur den Juristen zum Wort verstatten und prüfen, welche Berechtigung rein vom Standpunkt des geltenden Rechtes aus der Schuldspruch der Breslauer Strafkamnier und des Reichsgerichts hat, und welche Konsequenzen sich ans diesen Urthcilen für unsere Rechtsprechnilg nothwendig ergeben müssen. Wir sehen hierbei von allem Beiivcrk ab. Ter Kern pnnkt liegt in der Feststellung, daß den Hörern durch die Worte des Angeklagten sich die Vorstellung aufdrängen mußte, der Kaiser sei mit dem Vorwurf gemeint, daß der Augeklagte sich der Möglichkeit positiv bewußt gewesen sei, seine Aeußerung werde auf den Kaiser bezogen werden und daß er schließlich für den Fall des Eintritts dieses Erfolges denselben gewollt hat und mit ihm einverstanden gewesen ist.„Damit ist das festgestellt, was das Gesetz fordert, nämlich vorsätzliches Handel». Ob dieser Vorsatz Eventual-Dolns, indirekter Dolus oder sonstwie genannt wird, ist gleich, jedenfalls erfüllt dieses eventuelle Wollen des eingetretenen Erfolges den Begriff des Vorsatzes. Das Reichsgericht steht in dieser Beziehnug in Uebercinstilnnlnug nicht nur mit früheren Urtheilen, sondern auch mit der Wissenschaft." Schon diese letzten Worte dürften zu berechtigten Zweifeln Anlaß geben. Ter letzte d e u t s ch e I u r i st e n t a g hatte ans seine Tagesordunng die Frage gestellt:„Die Behaudlnug des dolus eventualis im Strafrecht und Strafprozeß" und mit der Abgabe eines Gutachtens den bekannten Lehrer des Straf rechts an der Universität in Halle, Professor v. Liszt, bo traut. Und zu welchem Resultat kommt dieser Gelehrte? Rachdciu er an der Hand der ersten juristischen Autoritäten nachgewiesen hat, daß die Wissenschast zu einer mit der Rechts sichcrheit durchaus vereinbaren Uebereinstimmnng über Begriff itnd Anwendung des dolus eventualis gelangt ist, geht er zu der Rechtsprechung des Reichsgerichts über und zeigt, in wie baitdgreiflichcm Widerspruch die einzelnen Urlheile des höchsten Gerichtshofes untereinander stehen und wie trotzdem bislang die in einem solchen Falle vom Gesetz ausdrücklich geforderte Plenarentscheidung nicht herbeigeführt ist, die, wie sie auch ausgefallen wäre, doch unserem Rcchtslcben die so schmerzlich entbehrte Sicherheit zurückgegeben hätte. Auch die Fälle Babing und Liebknecht werden von Liszt eingehend erörtert und dabei die Gründe der Breslaucr Straf kammcr mit folgenden Worten zurückgewiesen:„Mit dem gleichen Rechte könnte man fin Heinrich v. Treitschke's Urtheil über Friedrich Wilhelm IV. im 4. Bande seiner deutschen Geschichte eine Majeslätsbeleidignng erblicken. Und welcher Redner, welcher Schriftsteller wäre im stände, seine Worte so„eindeutig zu wählen, daß jedes Mißverstäudniß ans feiten einfältiger oder böswilliger Leser oder Hörer ausgeschlossen wäre. Aber man beachte es wohl: nicht der wissenschaftliche Begriff des dolus eventualis trägt die Schuld, wenn derartige Urtheile das R e cl> t s b e w n ß t s e i n des Volkes in seinen t i c f st e n T i e f e n e r r e g e n und erbittern: sondern eine Rechtsprechung, der die wissenschaftliche V e r t i c f n n g fehlt. Oder kann man auch nur einen Namen von wissenschaftlichem Klange nennen, der bei den Urtheilen gegen Badiug und Liebknecht zu Gevatter gestanden hätte'i" Man sieht also, daß es gründlich verfehlt ist, wenn das Reichsgericht sich für seine Auffassung vom dolus eventualis auf die hohe Autorität der Wissenschaft berufen zu können vermeint. Die Wissenschaft hat die grobe Verwechselung von Vorsatz und Fahrlässigkeit, die zahllosen Entscheidungen der Gegenwart nicht blas unterer, sondern auch höherer Gerichte in der praktisch so überaus wichtigen Frage des dolus eventualis zu gründe liegt, nicht mitgemacht, Liszt nennt diese Unklarheit über scharf zu trennende Fundamentalbcgriffe des Strafrechts„haltlose Willkür". Der dolus eventualis gehört zum alten Inventar der Etrafrechtswisienschast, es ist stets mit ihm gearbeitet, ohne daß irgend jemand daran Anstoß genommen hatte, so lange nur dieser Begriff richtig angewendet wurde. Der Laie erfuhr lauge Zeit von dem Stillleben des dolus eventualis nichts, dieser reihte sich in den Begriff des strafrechtlichen Vorsatzes ein, von dem er in der That nur eine besondere, für die Rechts« sichcrheit unbedenkliche Spielart bildet. Wegen Vorsatzes darf nur bestraft werden, wer einen bestimmten Erfolg voraus- gesehen und also gewollt hat. Nimmt der Thäter nicht an, daß der von ihm vorgestellte Erfolg eintreten werde, so liegt unter keinen Umständen Vorsatz vor und zwar weder direkter, noch eventueller. Das Eigcnthümliche des eventuellen Vorsatzes liegt nur darin, daß hier der Thäter nicht einen bestimmte n Erfolg voraussieht, sondern annimmt, daß der eine oder der andere von mchrcrcn bestimmten vorgestellten Erfolgen eintreten werde. Damit aber ist die ganze Besonder- b.cit erschöpft, welche nach der seststeheuden Lehre der Wissen- schast der dolus eventualis bietet. Er stellt keine Erweiterung, sondern nur die folgerichtige Anwendung des Vorsatzbegriffcs dar und hält mit diesem daran fest, daß, wo die Vorstellung von der Ursächlichkeit der Handlung fehlt, die Bestrafung ans- geschlossen ist. Niemand wird daran Anstoß nehmen, daß der vorsätz- lichcr Tödtung schuldig befunden wird, wer sich der Mög- lichkeit bewußt ist, daß durch seine Haltung auch Menschen gelödtet werden könnten, und mit diesem Erfolge, wenn er eintrat, einverstanden war. Denn auch dann hat er diesen von ihm als möglid vorausgesehenen Erfolg gewollt »nd nicht etwa vermeiden wollen. Hierin liegt der Unter- schied von der Fahrlässigkeit. Bedauerlicherweise aber haben die Gerichte diese Grenz- linie weit überschritten. Ans der thatsächlichen Voraussicht des Erfolges, die un- bedingt nach Vorstehendem zur Annahme des Vorsatzes noth- wendig erscheint, ist etwas ganz anderes geworden: Es genügt der Rechtsprechung vielfach schon, wenn der Thäter den Erfolg hätte voraussehen können und sollen, auch wenn er ihn thatsächlich nicht vorausgesehen hat. Das heißt mit anderen Worten: Die bisher scharf geschiedene Grenze zwischen Vorsatz und Fahr lässigkeit wird in gefährlicher Weise verwischt und der ge- ringsten Unvorsichtigkeit kann schwere Strafe folgen, und zwar bald diese, bald jene— je nach dem ganz unsicheren Kriterium des Erfolges. Die bloße Sorglosigkeit, die Gleichgiltigkeit in bezng ans den Erfolg reichen hin, um den Thäter der be- wußten und gewollten Herbeiführung dieses Erfolges für über- führt zu erachten.„Man schließt," sagt Liszt zutreffend in dem vorher erwähnten Gutachten,„der Angeklagte hat den Erfolg voraussehen müssen, folglich hat er ihn voraus gesehen und daher eventuell gewollt. Daß diese Schluß- folgernng durchaus schülerhaft ist, bedarf keines Nachweises." Und auch bei der Verurtheilung Liebknccht's spielt dieser Fehlschluß abermals wieder eine Rolle. Dem verurthcilendcn Erkcnntniß liegt ganz offenbar der Gedankengang zu gründe: Die inkriminirten Worte konnten bei den Hörern den Eindruck hervorrufen und haben ihn hervorgerufen, daß von dem Au- geklagten der Kaiser gemeint sei. Der Angeklagte mußte diesen Erfolg voraitssehcn, hat ihn mithin vorausgesehen und daher eventuell gewollt. In dieser Art der Feststellung des auch bei der Majestätsbeleidignng erforderlichen Bewußtseins des Thälers von dem ehrcnkränkenden Charakter der Kundgebung kehren alle die vorhin erörterten Fehler wieder. Auch werden diese um nichts dadurch gebessert, wenn die Gerichte den einzelnen Feststellungen die Bcgriffsmerkmale ans der richtigen De- finilion des dolus eventualis hinzufügen. Beide decken sich dann eben nicht, die Einzelscststellungcn und die Art, wie diese gesunden werden, bilden mit dem unter Zugrundelegung der zutreffenden Begriffsbcstimmnng des dolus eventualis gc- wonncncn Resultat einen unvereinbaren Gegensatz. Was hilft es, wenn die von der Wissenschaft aufgestellten und in den .richterlichen Urthcilen oft fast wörtlich wiederholten Grundsätze mißverstanden und falsch angewendet werden! Der Rechts- irrthnm bleibt derselbe. Die Gefahren, welche der Rechtsprechung durch die exorbitante Ausdehnung des Begriffes des eventuellen Vorsatzes oder besser durch die Verwechselung von Vorsatz und Fahrlässigkeit erwachsen, sind gar nicht hoch genug zu veranschlagett. Die Ausdehnung des „Groben Unsng-Paragraphcn", des Begriffs der Urkunde, der Anwendung des fj 153 der Gewerbe-Ordnung ans Drohungen des Arbeiters gegenüber dem Arbeit g e b c r zc. haben schon ruhige Männer, die an der Spitze der Strafrcchtswisscnschast stehen, den ernsten Vorwurf erheben lassen, der Grundpfeiler des Strafrcchls, der Satz: Keine Strafe ohne Gesetz, den § 2 des Strafgesetzbuches in Fcsthaltnng des von den Ver- fassungsnrknnden bereits ausgeprägten Gcdaitkens aufgestellt hat, sei erschüttert worden. Und ein hervorragender Politiker auf dem Gebiete der Gesängnißkunde klagt, daß, während der erste Grundsatz einer weisen Strasrechispflcgc sein sollte, die Leute lieber möglichst lange vom Gcsänguiß fernzuhalten, als sie für die allcrtrivialsten Rechtsverletzungen hineinzubringen, in Deutschland der umgekehrte Grundsatz zu gelten scheint: möglichst viele Leute ins Gesänguiß zu bringen und zwar möglichst oft, mit möglichst kurzen Strafen, damit sie sich au das Gcfängniß gewöhnen. Wie gering aber ist der Schaden, den die Uebcrtreibnng eines einzelnen Paragraphen des Strafgesetzbuchs anrichtet, im Vergleich mit der Thatsache, daß ein bei allen Delikten wiederkehrender Begriff, wie der des Vorsatzes, unsicher und schrankenlos wird. Die Rechlspsiege kommt damit in ein Labyrinth, aus dem nicht mehr herauszufinden ist. Der deutsche Jnristentag wird sich in seiner nächsten Versammlung mit dem Antrage zu befassen haben: „In anbelracht 1. der vielfach irrthümlichen?l»ive»dimg. welche der an sich itnentbehtliche Begriff des eventnelleit Vorsatzes in der deutschen Rechtsprechung gesunden hat; 2. des Widerspruches innerhalb der einschlagenden E»t- scheidungen deS Neichkgerichis: ist cine grundsätzliche Siellungnahme der vereinigten Etrafsenale des Reichsgerichts zu dieser Frage dringend zu wünschen." Aber auch Aufgabe des Reichstages wird eS sein, sobald sich eine geeignete Gelegenheit findet, die Be- Handlung des Eventnal-Dolns in unserer Rechtsprechung einer gründlichen Erörterung zu unterziehen, da die nicht absolute Anscinandcrhaltnng der einzelneu Schuldformcn, von Vorsatz und Fahrlässigkeit, die stärkste Garantie der Rechtsordnung beseitigt. politische Aeb erficht. Berlin. 16. Oktober. — Mit dem Prozeß Liebknecht beschäftigt sich jetzt auch die„Deulschc Volksiv. Korrefp.". Es liegt uns fern, auf die buben- haften Schiinpsworte dieses Organs zn erwidern. Wir wollen nur die spaßhafte Auffassung des Blattes über die Wirkungen dieses Prozesses unser» Lesern millheilen. Die„D.V. Korrefp." schreibt: „Man wird aber den höchsten Werth in diesem Falle wohl darauf zu legen habe», daß die Verurtheilung eines der ersten Häupter der internationalen sozialrevolutionäreii Bewegung er- folgt ist, daß also d e m bethörte n Anhange der falsche Glaube zerstört wird, die bürgerlich« Gesellschaft und sogar die Staatsorgane scheuten sich, an die„geheiligten Häupter" der sozialrevoltttionären Propheten die Hand zn legen. Ist es doch schon zu einem Sport der sozialdemolraiischeu Agitationsredner ge- worden, die Masse mit der Phrase zu harauguiren: Das sage ich, und daß es wahr ist. werdet ihr daran sehen, daß man nicht wagen wird, mich zur gerichtlichen Rechenschaft z» ziehen. Daß Liebknecht verurteilt ist, und weshalb er vier Monate Gr- sängniß ethiclt, wird der ganzen sozialdeinolralischen Gefolgschaft bekannt weiden. Obschou sich der„Vorwärts" bereits die unsäglichsleMühe gegeben hat, den Sachverhalt nach Kräften zn ver- dunkeln, so wird doch die Thatsache dieses rechtskräftig geivordenen llriheils nicht ohne Wirkung bleiben und so dem Irrglauben an dt» Unverlehlichkeit der„Großen" im sozialrevolutionäreii Lager einen argen Stoß versetzen." Wir haben uns so wenig die Absicht gegeben, den Thatbestand zu verdunkeln, daß wir vielmehr zur>v e i t e st e» Verbreitung des Wortlauts des Breslau er llrtheils nach Möglichkeit beigetragen haben. Recht lustig ist das Wort von dem „falschen Glauben der bethörten Menge"; die „D. V. Korresp." weiß wohl nichts davon, daß jeder Tag Vcrnrthcilunge» von sozialdeniokralischen„Propheten" bringt, so kaß, wenn die Verurtbeilunge» den„bethörten Anhang" von seiner Thorheit zu heile» geeignet wären, diese Heilung schon längst vollendet sein müßte und die Sozialdeinokratie schon alle ihre Anhänger verloren hätte. Mcrkwürdigeriveise sind aber die Wirknngc» der Verurtheilungen ganz andere als sie die„D. V.K." annimint. Im Volke greift die Einpsindung Platz, daß eine Sache, für die ihre Belenner so schwere Opfer zu ertragen gewillt sind, auch schon aus diesem Grunde eine Sache der Wahrheit nud Gerechtigkeit sei» müsse. Wenn die Urtheile der Gerichte gar in solch uiigehiiierei» Maße dem Rechtsbewußtsein des Volkes ins Gesicht schlage», wie es im Prozeß Liebknecht der Fall ist, so wird durch derartige Urtheile offenbar n u r Groll» n d E r b i t t e r u n g gesät,»nd wäre der„Glaube des bethörteu Anhangs" ei»„falscher Glaube", wie die„D V. K." meint, so würde dieser«falsche Glaube" nur bestärkt und die Zahl des„belhörlen Anhangs" nur vermehrt werde»! Wen» also die„D. V. K." gute politische Wirkungen von der Anwendung des dolus eventualis aus de» Führer der Partei, der seine Partei gegen scharfe Angriffe der Gegner in Schutz nehme» wollte, erivarlet, so soll uns das recht sein. Wir»»sererfeits sind auch mit de» Wirkungen dieses Prozesses ivie so vieler früherer der« artige» Aktionen der„Staatserhalter" zufrieden. Die Zukunft wird ja zeigen, wessen Erivartungen die berechtigten waren. Viel» leidtl schon nach Jahresfrist ivird die„D. V. K." erkennen, wie gröblich sie sich geirrt hat und wie iveit sich„der falsche Glaube" � wiederui» verbreitet hat!-- Wir ivollcn im Anschluß hieran noch einige besonders bemerkens« werlhe Reußcrnngen der Presse zilirc». Die„Kölnische Volkszeitung" schließt ihre Betrachtungen tvie folgt: „Wenn es iminer schwieriger gemacht wird, in der Presse und in Versanunlnngcn sich gegenüber Worten des Kaisers zu recht- fertigen, so wird schließlich nichts übrig bleiben, als in den Parla- Nieuten mit der Ue.bung zu breche», daß die Person des Trägers der Krone nicht in die Debattege» zogen>v i r d. Denn i r g e n d iv o muß doch ei» s r er c? Wort der Erividerung Rai»» haben. DaS einfache Jgnorircn von Kaifcrredcn, weil es sich nicht nm„Re- gierungsaktc" handele, wird aus die Dauer nicht angehe». Daß- man auch in de» Parlamenten die Redefreiheit nicht zu Beleidigungen mißbronchen dürste, versteht sich dabei von selbst." Selbst das»nlionaliiberale„Leipz. Tagebl." spricht sich in ähnlicher Weise ans: „Eine andere Frage ist es. ob d a S G e in e i» w o h l n i ch t schweren S ch a d e» leide» muß, wenn f ü r st l i ch e R e d e u die Widerspruch herausfordern, sich derart häufen, wie eZ- in»nfiren Tage» geschieht. Es ist schon gewiß nicht heilfam für das öffentliche Leben, wen» die Erörterung von Monarcheureden juristisch eutiveder schweigende Ergebenheit oder einen Grad von Selbstbeherrschung erfordert, den der Erörternde, weil Angegriffene, mit der Billigkeit kauni in Einklang bringen kann. Solche Selbstüberwindung hat sich eine Reihe von Berufs- klaffen und auch nicht geringe Anzahl von Privatpersonen cius- erltgen müssen. Indessen diese? Gefühl der rechtliche» Bcnach- theilignng von Grnppc»»nd Einzelnen ist noch das kleinere llebel Das ohne V o r>v i s s e» der verantwortlichen M i n i st c r erfolgende Eingreifen in staatliche Dinge, die ganz doch nur der Minister übersieht, kann aus die Dauer nicht ohne tiesfressenden Schaden für den Staat bleibe». Iii» nur ein Beispiel aus dem innere» Lebe» a»> zuführe»:«s erleidet keine» Zweifel, daß die monarchische Initiative dem höhere« Schulwesen P r e n b e n S nicht zuni Vortheil gereicht hat. Manche ihr entsprechende Reuerunge»»»ißten bereits wieder falle» gelassen werde». Daß andere nicht dem gleichen Schicksal verfalle» sind, gereicht der große» Mehrzayf d e r F a ch»i ä n» e r zum Bedauern... Weit bedenklicher aber als in innerstaatlichen Angclcgeiiheiteii sei ein persönliches Hervortrete» in der aaswärtigeu Politik ohne Deckuiig durch de» Minister. Die Trinlsprüche de? Kaisers in Petersburg und Pest reichten über den Rahiuen der vom Auswärligcu Simt verfolgten Politik hinaus. Werden die Behörden i»»»cr in der Lage sei», sich den Rahmen der kaiserlichen Kiind- gebnngc« anzupasse»?„Die Möglichkeiten einer von den vernnt» wörtliche» Elnalsmännern nicht gewollten plötzlichen«nd Ent- sckeidiiiigcn fordernden Verschiebung der politischen Sitnalion ist nicht ahzuweise» und bildet die Quelle tiefster Besorg»iß selbst in den Kreisen derjenigen Gebildeten, die durch ihren Bern� von einer grnndsätzlichen Abneigung gegen nicht lediglich diplomatische Ordnung europäischer Mihhelligkeiten geschützt sind."— — Der„Bund der Landwirthe" macht kräftig mobil gegen das konservative Parteiregimeiit. Eine Bertreterversammliiiig des„Bundes der Landwirthe" i» Hau» nover beschäftigte sich mit Vorbereitimge» für die nächste Reichs- tagswahl, besonders mit der Kaudidatensrage. In dein Beschluß, dcr dort gesaßt wurde, heißt es: �Es dürste daraus zu achte» sein, daß nur solche Männer als Kandidaten aufgestellt werden, die bei ihrem etivaigen Eintritt in eine der zur Zeit bestehenden Fraktionen des Reichstages durch ihre ganze Persönlichkeit und im besonderen durch Unbeugsamkeit des Charakters volle Sicherheit geben, daß sie auch gegenüber dem notorischen Einfluß der Fraktionsführer und etwaiger Geltendmachung der sogenannten Parteidisziplin ibre ivirthschaftlichen Ueberzeuguugen bei de» Abstimmungen des Reichstages unbedingt zum Ausdruck bringen werden. L» Riickstchl darauf, daß niit den wirlhschaslspolitische» 91»- ichauungen des Bundes der Landwirthe die derzeitige offizielle Wirthschaftspolitik der Neichsregierniig— so weit«ine solch« augenblicklich überhaupt erkennbar ist— anscheinend nicht übereinstimmt, so würde es sich zur Zeil in nuserer Provinz im allgemeinen wenig empfehlen, -ö e a in t e als Kandidaten aufzustellen, um sie nicht bei etwaiger Vertretung des Programms des Bundes der Landivirlhe »Nil der Regierung in Konflikte zu bringen." Ten Konservative» wird diese Sprache nicht Musik in de» Obren sein. Die Bnndlcr wollen sich nicht um konservative Partei- disziplin schcercn,, vollen keine Kandidaten haben, die Rücksicht auf die Regierungsanschauuugen nehmen oder als Beamte nehmen müsse», die Bündler wollen über der konservative» Partei stehen. Bilden sie sich doch'ein, die„Partei der Zukunft" zu sein, Der häusliche Zwist zwischen der konservativen Partei und den Büi.dlern bürste sich bis zn den Wahlen noch recht hübsch ans- wachsen.»> — Ueber„die Beleidigung fremder Fürsten" schreibt die„Vossische Zeitung": „Die Berurlhellnug eines Hamburger Redakteurs wegen Be- leidignug des Königs der Belgier hat i» weiten Kreisen 9lnssehen erregt, nicht nur wegen des Strafmaßes, in dem der Gerichtshof noch über den Antrag der Slaatsaiiivallschafl hinausging, sondern aua> gegen die Bernrtheilnng an sich, die ein grelles Licht ans jenen Rcchtsznstand wirst, de» man in Deulschland Preßfreiheit zu nennen übereingelommei! ist. Ein deutsches Blatt enthält allerlei Ausfälle gegen den belgischen König, die in heimischen und fremden Zeitungen vielfach erhoben ivorde» sind, ohne daß eine Anllage vder auch nur eine Berichtigung erfolgt«. In dein einen be- sonderen Falle glaubt sich die belgische Regierung genölhigt, Straf- antrag zu stellen. Und das Geeicht erkennt ans acht Monate Ge- fängniß. Wer silberne Löffel stiehlt oder gemeinen Betrug verübt, Hut einige'Aussicht, billiger davonzukommen. Dahlmann hat einmal gemeint, die Majestätsbeleidigung fei das Verbrechen der anständigen Leute, die keines anderen Acrgehens kiihig seien. Mindestens wird dieses Wort vo» der Beleidigung fremder Fürsten gelte». Wir möchten diejenige deutsche Zeitung sehen, die sich einer solchen Thal»och nie schnlvig»emachl hat. Blicke» wir i» die Vergangenheil zurück! ivie ist nicht Napoleon III. als eidbrüchiger Schurke nahezu zwei Jahrzehnte von denlschen Blätter» behandelt worden und gerade von denen, die sich besonderer Vaterlandsliebe rühmten! Wie hat man nicht die spanische Jsabella, als sie noch auf dem Throne saß, mit ihrem Marsori in Wort und Bild verspottet? Die Königin von England, die Groß- inuttcr unseres Kaisers, wird in gemessene» Zwischenräuineii von den Erbpächtern guter Gesinnung mit Koth beworfen- über den Battenbcrger und den Koburger habe» auch ossiziöse Zeitungen i» einem Tone geredet, baß die'Absicht der Beleidigung reichlich aus der Form hervorging; die einen haben in» vorigen Jahr de» Sultan als einen Wahnsinniaen hingestellt, die anderen den König von Griechenland als einen frivolen'Abenteurer. Wohin sollte es »uit der Freiheit der Meinungsäußerung kommen, ive»n wegen aller solcher Knndgebiingen ein hoch>iolhpei»ltches Verfahren cingeleitet «ud ans eüvelche Monat Gesängniß erkannt»verde» lünnte."— Allerlei M a r i» e. N e k l a m e. Tie„Verl. Pol. Nachr." theilen mit: Dem Beriiehme» nach hat sich das Reichs- M a r i n e- 9l m t an die H a n d e l s k a in m e r»»im Ueberlassnng ihrer Jahresberichte geivendet. Die Handelskammer»,»verde» die Berichte den» Amt«»vohl durchnieg über»»ittel», und so wird das letzlere in»och engere Beziehung zu den Handels-»lud Verkehrs- Verhältnissen kommen, als dies bisher schon der Fall>var." Die Herren von» Reichs-Marine-'Amt lasse» eS also auch an kleinen 9lnfmerrsau>keiteii gegenüber bei» kaufmännischen Pfeffer» sacke» nicht fehlen, u»>» Siiniulnng für ihre Pläne zn machen.— — Personalien. Der„Neichs-9l»zeiger" vceöffenllichl heute in seinem amtliche» Tdeile die Ernennung des Direktors Gäbet zum Präsidenten des Neictis-Versicherungsamts und des Geheimen Regierungsrathes, ständigen Mitgliedes des tlteichs-Versichmiiigsamis Dr. Sarrazin,»nler Beilegung des Ranges als Rath dritter Klasse, zum Direktor»nd Vorsitzende» der Adiheilung für Jnvalidi- täts- nnd Zlltersversichernng im Relchs-Versichernngsaint, serner die Ernennung des ordentlichen Professors an der Nniversilät Marburg, Geheime» Regierungsrathes Dr. Paaschs, zum elnlsinäßigen Professor an der Technischen Hochschnle zu Berti». Ueber die Berandernugei» in» Reichspostamte meldet eine parlamentarische Korrespondenz: „Dem bisherige», UnterstanISsekretär in, Neichspoftamt« Dr. Fischer ist sicherem Aernehme»»ach der„achgesiichte'Abschied bewilligt Ivorde», nachdem er bis znm 1. Januar li. I. eine» längeren Urlaub, den er in Italien verlebt, angetreten hat.'Als fein Nachfolger»vird in»naßgebenden postalische,» Kreisen nach»vie vor der bisherige Direktor Frilsch, welcher bis zum I. Januar n.J. den UnterslaalSsekretär provisorisch vertrill, angegeben. Auch das vom Direktor der ziveiten Abtheilmig Cchefsler eingereichte Abschiedsgesuch»vird ohne Ziveifcl genehmigt»verde». An seine Stelle dürfte Geh. Ober-Postralh Sydoiv,»velcher in Vertretung die Dlrektoriatgeschäsle versteht, treten. Damit dürften die Personal. Veränderungen in» Reichspostamt erledigt sein." Die„N.B. C." schreibt:„In dem Disziplinar-Ver- fahren gegen den K r i m»» a l k o m m i s s a r v. T a n s ch ist der Regiernngsrath beim PoHzeipräsidin», D i e I e r i ci zu»» Unler- snchnugSsührer ernannt worden. Nachdem der durch Krankheit be- dingte Urlaub des Kommissars v. Tausch beendet nnd der letztere nach Berlin zurückgekehrt ist, haben die Vernehmuiigen vor Herrn Dieteric» umunehr ihre»'Ansang genominen." Das Mitglied des Herrenhauses Alexander v. Dreßler, Riltergnlsbesitzer auf Wjlllischken, ist heule in Berlin gestorben. — Vermehrung der R e» ch s g'e r i ch t s> S« n a t«. Da sich der Umfang der Geschäfte dos Reichsgerichts mit dem Jnkrast- treten des gemeiusamen bürgerlichen Rechts bedeutend vermehren dürfte, so»vird den» Gedanken einer Vergrößerung des oberste» deutsche» Gerichtshofes durch Bildung iiener Senate schon bald näher getreten»verde»»nüssen. Während manche glauben, es dürfle» zivei neue Senate kaum genüge», um den» Mehr a» Geschäslstast gerecht zn»verden, hofft man in Siegierniigskreisen»»scheinend »och, mit der Hinznsügnng eines neue» Senats anslomm«»» zn könne».— — Die Novelle zun» Un sallverficherltiigs- Gefetz, die ii» der letzten Reichstags-Session unerledigt blieb. »vird trotz ihrer Harmlosigkeit von den Unternehmeeorganen»iiit einer geradezu»»verständlichen Schärfe bekämpft. Heule schreiben die„Berk. Pol. Nachr.: „Dem Vernehmen nach sind von verschiedenen Regierimgen bei den in betracht kommenden Geiverbetreibenden Erhebungen über die Frage veranstaltet»vorden. ob eine Revision der Unfallversicherungs- Gesetze für die nächste Zeil gcivünschl werde. Mn» wird»vohl»»cht fehlgehen, ivenii»na» diese Erhebungen init der Entscheidung der Zentrali,»stanze» über die Frage der Wiedereinbringnug der vom Reichstage nicht erledig»«, Novelle zn de» Aibeilerverstcherungs- Gesetzen in der»ächsten Tagung in Zusamnienhang bringt. Die allgemeine S t i m m u n g in der I>» d n st r i e»st gegen d> e b a l d i g e R e v» s ro>, des Unfallversicherungs-Gesctzes. und zwar schon deshalb, weil die letztere durchaus nicht n o t h>v e>, d i g i st." Solche Fragen»verde», nur von dem G'stchtspunkte an? be- trachtet, ob die„Industrie" und die Großunternehmer ein Interesse an der Aendernug der Gesetze haben. Die Arbeiter, die von diesen Gesetzen ganz anders betroffen werden als die„Industrie", sollen »vohl einfach schiveigen.— — Die.Bezugsvereiuignng der dentschenLan d» »v i r t h e" hat, nachdem»uinmehr seit den» Beilritt des Schlesischen nnd des Trierische» Banernvereins alle großen Einkaufsorganisatione» de», Siindikate angehöre», gestern hier eine» Zlusschuß vo» zehn Mitgliedern gebildet. Zum geschäitsleitendc» Vorsitzenden wurde der Geheime Regiernngsrath Haas- Offenbach vom„9lllgeineineii land- wirthschaftlichen Genossenichaflsverbande" gewählt. Ferner gehöre» dem Ausschüsse an das Mitglied des Reichstags Dr. Schnltz-Lnpitz von der„Landivirlhschasts-Gesellschaft", Dr. Rösick« vom„Bund der Lmidivirthe", Anwalt Rexerodl vom„Neuivieder Geiiossenschafts- verband", Landesökonoinierath Winckelmann vom„Westfälischen" und Landtags-Abgeorbneler Dasbach vom„Trtmschen Banernverein". Ueber die gemeinsamen Einkaufsbediiigungeu pro 1897/93 nnd evenlnclle Nepressivinaßregeln»vurde volle Uebereiilstimmiing erzielt. Man scheint da die bei der Anwendung durch Arbeiter so sehr getadelte Bo»)tollir>uig nicht verschmähen zn»volle».— — Die Frage der Regelung»»nd Erhöhung des D i e>» st e i i» k o m m« n s der Geistlichen beschäfligt die preußische Regierung. Dem„Hamb. Corr."»vird über den Stand dieser 91>igelegci>heit geschrieben:„Dem Vernehmen„ach wird jetzt erst das betreffende Kirchengesetz ausgearbeitet. Nach seiner Ans- stellnng»verde» die Verhandlnngen mit de» betheiligtei» Ministerien ans grund des vorliegenden Textes»vieder aufgenoinmcii, verden. Die Festsetzung de? Termins für die Einberufung der Generalsynode kam, nun aber»ich» länger hinausgeschoben»verde»». Wen» der Präsident des OberkirchenratheS in 14 Tagen hierher zurückkehrt,»vird jedenfalls seine Enlsche>dnng darüber sofort eingeholt. Unter diese» Umständen»st zn bcsnrchle», daß das wichtigste Gesetz beim Zusammen- tritt der Gi»erals»inode nicht sertig ist und in dieser Tagung viel- leicht gar nicht mehr a» sie gelange» kann. Darin läge eine große Benachlheilignng der betreffenden, denn die Generalsynode tagt nicht jährlich»vie der Landtag." Die Gehälter de» Beainten sind erhöht»vorde»», die Gehälter der Geistlichen sollen erhöht»verden. Von den Slaatsaibeilern, von den schwer belastete» Eiseubahn-Unterbeauilett spricht»lemaiid.— — Zur Bekämpfung der W e i>, f ä l s ch n n g e n hat daS preußische Ministerin»» angeordnet, daß eine möglichst scharfe Kontrolle der Weine,»an, entlich ans solchen Ge- schästen kommend, statlstnde» solle»,»velche zn Lchlenderpreisen ver- kaufen oder welche des'Ankaufs von Trestern, Rosinen und ähnliche»» Artikel» in größerer Menge mdnchiig erscheinen. In gleiche» Weise solle» alle Weinschänken. soivie die zur'Ausfuhr bcstimmlci» Weine beausstchtigt»verde». Durch die Polizei sollen zu diesem Zweck von Zeit zu Zeit Proben den genannten Slellen ei,l>io»»»>e»»verde», um dadurch festzn stelle», ob die Weine den gesetzlichen 9l»sorder»»ige» enlsprcchen oder nicht.— — Den Gesetzentwurf betr. die Ehrengerichts- b a r k e i t f ü r A e r z t e haben ferner der ärztliche Nor? klnb in Berlin, soivie der GeschäftSallsschuß der Berliner ärztlichen Standes- vereine abzulehnen beschlossen. — Der übersehene U n t e r s u ch n»» g S- G e f a n g e»,« in Mainz, uon den» kürzlich berichlct wilrd»,»st nun vor das Schöffe»- geeicht gebracht und abgeurtheilt ivorde». Ter„Franks. Z>g."»vird darüber berichtet: Im April d. I. wurde der seilher unbescholtene Tagelöhner Wolf unter dem Verdacht der Unterschlagung verhaiiet. Er»var bei der Mainzer Aklienbrmiem als Ausläufer beschäfligt nnd sollte Zahlungen begleichen,»vosnr ihm 40l) M eingehändigt»»'»irden. Er gab vor, daß er das Geld verloren habe und bei einer vorgenommenen Haussuchung»vurde» auch nnr 9 M. i» baarem Geld« vorgcsnnden. Der Hilfs- Gerichts- schreib«! Franz Nnß eignete sich diese». Betrag a» und ließ die'Allen v e r s ch>v» n d e n. Sechs Monate saß Wolf hieraus in U n t e r s n ch n»» g s h a s t, bis endlich, nachdem die Unredlichkeit des Nnß ans Tageslicht kam, auch der Jnhaftirt« wieder„entdeckt"»vurde. Ata» hat sich nnn beeilt, ihn vor seinen Richter zn slellen. Obwohl der Angcllagle sich eines guten Lenmunds erfreut und ein direkter Bciveis nicht erbracht »verde» konnte, beantragte der Aintsamt'alt eine Gesängnißstraft vo» fünf Monate» und l h e i l>»> e i s e'Anrechnung der sechsinonat- lichen UnlersnchnngShaft. Das Gericht veruriheiUe den Angeklagten Weis z>» drei Monat«», G es n» g»» si unter voller Au- r c ch>» u n g der erlittene» U n t e r s u ch u n g S h a s ls,»voraus er freigelassen»vurde, In juristischen Kreisen erregt auch dieses Urlbeil Besrcinden, und ein bekannt«! Rech'Sanwalt soll sich erbot«» haben, in der Bernsungslnstauz den Mols unentgeltlich zn verlrelen. Bor allem»väre es Pflicht des Staate?, den ohne seine Schuld so lange in Untersuchnugshafl gehalleneu Mann voll zu enl- schädigen, denn es kann nicht angehe», alle Schuld aus den Hilss- schreiber zu schieben.— — B ü r e a u k r a t i e u n d S o n n t a g s h« i l i g n n g. Die von den hiesigen Geschästsleiit«» energisch bekäinpst« Verordnung des Berliner Polizeipräsidinnis, die das Verhüllen der Schaufenster an Sonn- und Festtage» wahrend des ganze» Sonntags, nicht blos wie früher während der Kirchenstuiideit fordert, ist,»vie nunmehr bekannt»vird, die Anweudniig einer neuerdings für die ganze preußffche Monarchie eilasseneii Miiiislerialversügnng. Auch sie ist charakteristisch sür de» Geist, der unsere amtliche Sozialpolitik be- herrscht.-- — Begnadigt»vurde der Rechtsanivalt Steiner ans Waldenburg,»velcher»veaen Unterschlagung au- vertrauter Gelder zu einer Gesängnißstrase vernrlheilt war. Steiner ist sofort aus dem Schiveidnitzer Gerichtsgesängniß, wo er seine Strafe verbüßte, entlassen ivorde». — Irrt h n n» l i ch e r Weise bringt auch das„Hamb. Echo" die folgende Nachricht:„Die sozialdemolratische llieicheiagsfraltiv» wird, anläßlich der Verurtheilnng Liebknechts nnd unseres Kollegen Stenzel, sofort bei Beginn der Session den Antrag auf Aushebung der MajesiäiSbeleidigungs.Parngrapbea erneuern." Diese Nachricht kau» schon deshalb nicht richtig sein,»veil die sozialdemokratische Reichklagsfraktio» bisher»och gar nicht in der Lage»var, sich über diese Frage schlüssig zu machen. — Der 91 n trag der sozialdemokratischen Fraktion im bayerischen L a n d t a g e. der Regierung die Amnefiirung der Habercr zu empfehlen, ist dem Ministerinin höchst unbequem. Die»lt» zum ossiziöse» Orgq» der bayerischen Regierung herabgesunken«„Allgemeine Zeitung" nennt den Antrag das stärkste Stück, das flcb die Sozialdemokraten im monarchische» Staat« bisher geleistet. Das„höchste, schönste, freieste Recht der Krone" solle angetastet, ans den Träger des Begnadigungs>echtes ein Zivang ausgeübt»verden. Noch lebten»vir aber in einer Monarchie, in der ein solcher Versuch mit Entrüstung zurück- zniveise» sei. Der 9lntrag enthaUe auch einen'Angriff auf die Unab- hängiakeit der Gerichte, deren Unparteilichkeit»ngeziveifclt werde. Die„Allg. Zlg" verlangt kurze energische Abfertigniig des Antrages vom Ministertische»nd von den beiden großen Fraktionen, soivie Nichteiiigeben ans sachliche Erörterungen. Die„Franks. Zlg" konstalirt dem gegenüber, daß der 9lntrag unserer Parteigenosse» durchans innerhalb der Koiuptlenz der Volts- Vertretung bleibe, vo» einer ZiuangSanSübung gegen die Kro»» könne gar nicht die Rede fein. Die Nervosität des Ergnsses der „M. Allg. Ztg." erkläre sich lediglich aus dem Unbebagcn, mit de», geivisse Kreise einer Erörterung der Habererversolgnng entgegen- sehen. Das schließe»atnrlich nicht aus, daß die beiden„großen Parteien" den ihn«»«rlbeiUen Wink befolge», Wir ptande» vorerst nicht, daß das Zentrum es»vage» kam», die debattelose 9lblehnuug des Anlrages anzustreben. Doch»vie es auch komme» mag. ob die gerichtliche Versvlgnng der Haberer nnd die derselben vorangegangenen Vorfälle und die Bebandliing der Aerurtheillen in» Gefängnisse>»» Landtage besprochen wird oder ob die Verha>»dlu»ig des'Antrages verhindert wird, die Regierung nnd dii beide» großen Fraktion«» werden nur de» Schade» haben.— Dresden, 16. Oktober.(Elz. 93er.) Die sächsische Regierung, »velche den Schadenersatz gegenüber den Wasserkalamitäten, soivcit er Grundstücke und Gebäude anlangt, zn leisten hat,»vird, wie n»a>» jetzt erfährt, dabei in der Weise verfahren, daß den sehr Bedürftigen 7S pCt., den Bedürfligen 60 pCt. und den»veniger Bednrstigen 26 pCt. des taxirt en Schadens vergütet»verde» soll. Ein Osfiziosus nnternimmt es jetzt, die Regierung im„Dresdener 9l»»zeiger'— das r e g i e r>» n g s- amtliche„Journal" scheint man niit einer geivissen Absicht zu diesen Anslassniigen nicht benützt zu haben— für ihr Verhalten in der Wasserschäden« frage zn rechlserlige». Vor allem soll der Vorivurf der sozial- demokratischen Presse, daß das Hilssiverk zu langsam sunktionirt habe, znrückgeiviesen werde». Die Feststellung des Schadens und des Grades der Hilfsbedürfligkeit sei eine ungeheuere 9lrbeit geivese», die nicht rascher als in zehn Wochen erledigt werden konnte. Daß aber selbst in den „oberen" Kreisen einige Ziveifel an der Richtigkeit des Versahrens der Regiernng platzgreifen, beiveist folgende 9le»ßerung: „Ob die von der Regierung angenommenen Prozentsätze gerade das richtig« treffen, darüber läßt sich streiten, und das wird wohl auch im Landtage, der ja nu» schon in drei Wochen zusammentrilt, de» Gegenstand der Verhandlungen bilden." Vor dem Landtage— soll heißen vor der sozialdemokratischen Kritik iit demselben— scheint man doch einige Bange zuhaben. Wenn der Herr Osfiziosus serner die Regiernng deshalb in Schutz nimmt,»veil in einem gleichen Falle, der vor einigen Jahren die Lausitz betraf, i» derselben Weise»vie heut« per- fahren sei, nnter Zustimmung des Landtages, so verschivetgt er»inr dabei, daß es damals eben anch,»vir heute, die sozialdemokratische» Abgeordnete»»varen.»velche fär eine eiiergischers Hilf-leisiniig eintraten. Durch solche Spiegelfechlereici» sucht»na» aber daS Volk zn täuschen und„Stiuinning" zn machen. Die Amlsblällchen der Provinz»verde»» schon dazu noch das ihre beitragen.— Eine Anzahl einflußreicher Personen beschlossen»nter Vorsitz deS Oberbürgermeisters Benller, daß in» Jahre 1899 in Dresden eine große i» a t i o n a l e Ausstellung sür Kunst und K u» st g e»v e r b e slallsindc» soll. Strasburg i. E., Mitte Ollober.(Eig. 93«.) Nach den Be» stiniiuui gen des§ 48 unserer GeUteinde-Ordnnng vom 6. Juni 1396 sind die Sitzungen der W e m e i» d e rät h e sämmtlichcr reichZ- ländische»» Gemeindc» nichlösfeutliche, insofern»vcder das große Publikum noch die Vertreter der Presse Zutritl zu denselben haben Dieser Grundsatz der Nichtöffentlichkeit,»velcher aus der französischen Gemeindegesetzgebnng»iit hernbergenonime»»vorden ist, schließt jcvoch keinesivegs die Pflicht der tztmlSverschlviege» heit sür die Mitglieder des Genicinderaths in sich, so daß die öffentliche» Blätter durch Vermitteln»? von Angehörigen de« 5tollcgi»lnis jederzeit in der Lage sind, eingehende Berichte über die Sitzungen zn veröfsentliche». Dadurch»vird also das Prinzip der Geheimhaltung der Verhandlungen lhatsächlich durchbrochen; und es ist nicht abzusehen,»velche Gründe den Landes- anSschuß bei Beralhnng der in Frage stehenden Gesetzesvorlage be- stimmt haben, die vo» der großen Mehrheit der Bevölkerung gefordert« Oeffenllichkeit der Geineinderalhs-Sttznnge» zn beschließe», »vie sie auch sür die bürgerlichen Kollegien der übrige» Reichsgebiete besteht. Diese Etellnngnahine des LandeSausschnsses erscheint»»»»»so »veniger verständlich, als anch in ßlbdeulschland sür die Ge- meinde-Körperschaftc»» die gesetzliche Möglichkeit vorhanden ist. in Fällen,»vo die vorläufige Geheimhaltung bestimmter Aerhandlunge» geboten erscheint, die Oeffentlichkeit von den Be- rathunge» ausziischließe», und die Mitglieder zur 9I»itsverschiviegen- heit zn verpflichten. I» letzter Zeit sind von Seite», der Opposition i» mehrere» größeren Gemeinde» der Reichslande, so in Straß» bürg, M n l h a»» s«>» rc., mehrfach Vorstöße gegen die genannte reaklionär« Besliimmmg gemacht»vorde». natürlich ohne positiven Erfolg. In der Regel sind es nnr die Sozialisten, welche sich bedliignngslos sür die angestrebte Oeffenllichkeit der Gemeinderaths» Verhandlungen erkläre». Die Vertreter der bürgerlichen Parteien hängen ans Gründen verschiedenster 9lrl an den» 9Insschluß der Oeffentlichleit, nicht zum'»venigste» deshalb,»veil dnrch Beseitigung desselben in so manchen Fälle», die Skrupel» losigkeit grell beleuchtet lvürde, mit»velcher einzelne Ver- trcl'er der Bürgerschaft das Geivicht ihres Ehrenamtes zn gnnsten persönlichee Borlheile in die Wagschaale zu werse» ver- stehen.— Die Tagesblätler oppositioneller Richtung benutzen de» gegenivärtigen Dinge,»blick, nu» daran zu erinnern, daß es»» diesen Tagen genau 60 Jahre sind, seitde», für Berlin die Oeffentlichleit der Gemeinderalhs-Sitzlmgen genehmigt wurde. Dies geschah also noch in der vormärzlichen Zeit, ehe Preußen«in Parlanienl besaß und i»» die Reihe der konstitutionelle» Staate»«intrat. Elsaß-Loth- ringen hat nun schon seit zivei Jahrzehnten ein Parlament. 9lber dasselbe enthielt dem Lande die Oeffentlichleit der Geniemderaths- Sitzungen vor,»velche die absolute Monarchie in Preuße» schon vor elnem halbe» Jahrhundert zugestand. Dieser Vergleich zeigt, wie herrlich»veit»vir es in de» Reichslanden in der 9lera der Pntlkamerei und des Rotabelnthums gebracht haben.— — Chronik der M a j e st K t S b e l« i d i g u n g S- Prozesse. Die Slraskammer des Essener Landgerichts vernrtheilte den Sattler W. Waguer ans Ralingen»vcgen Majestälsbeleidignng zu 3 Monaten Gesängniß. Tie Beiveisaufnahme ergab, daß der Angeklagte sich kirchlich»vie patriotisch stets musterhaft betragen hat.— Oesterreich. Wien, 15. Oktober. In der heutigen 9l bendsitz ung des B u d g e t a»» s s ch» s s e s wnrden die den N o t h st a» d betreffenden Driuglichkeilsan träge, sowie die Regierungsvorlage be- rathen. Der Bndgetausschnß beschloß, einen Unterausschuß einznsetzeu, in»velche»» jedes Kronland vertreten ist. Hieraus kon- ftitnirte sich der Unterausschuß.— Schweiz. Zürich, Mitte Oktober.(Eig. Bcr) Seit Jahren steht die Frage der U u l e r st ü tz>» n g d e r V o l k s f ch>» l e durch den B n n o zur pffentlichen Disknssio,». und»amentljch ist es die Lehrerschaf:, »velche vonvärts drängt. Im Jahre 1806 arbeitete der damalme Blindesralh Schenk«ine» bezüglichen Gesctzentivurf ans, der die Summe von 1200 000 Fr. jährlicher Buudessubuention vorsah, allein bald danach starb Schenk und seine vom Btmdesiath beicits ge« liehmigte Vorlage ist seitdem unberührt gelassen»vorden. 9Iber o- wohl die Lehrer wie die kantonalen Erziehnngsdirekioren(Uii'er- richls»>l»isl«) lvaien seitdem nicht»»üßig. Letztere hielten bereits mehrere Konserenzeu ab, in denen festgestellt»vurhe, daß im Schulwesen»vellere Forlschritte»olhiveiidig»väre,», jedoch»liegen Mangel an Mitteln noch unterbleiben iiiußlen. Es kommen hierbei hauptsächlich i» betracht der Bau neuer Schul hänser, Errichtung neuer Lehrstelle» behufs Trennung zu großer Klasse»». Beschaffimg von PeiaiischaulichnngSmitleln, unentgeltliche'Abgabe vp» Schreibmaterialien»nd Lehrmitteln, Berabfolgnug von Slahrnng nnd Kleidung an bedürftige Kinder, B-rsorgititg nnd Erziehung schwachsinniger, gebrechlicher, gefährdeter oder vern ahrlvstcrKinder, Förderung des Fpribildungsschnlivesens. 9lusbildnna vo» Lehrern, Ansbefsernng ungenügender Lehreibesoldungen. Das ist ein ganzes Schul- Programm nnd sür fein« Förderung hat die Konferenz der Er- ziehungSdireltoren einen Gesetzentivnrf ausgearbeitet, der dem Bundesrath vorgelegt weiden soll. 9ln» 9. Oktober hielt der schweizerische Lehrerveret». dem vyii 10 274 Lehrern nnd Lehrerinnen 4623 als Mitglieder angehören, in Frauen- selb ein« Delegirtg»-Versammlung ab, in der die Frage der Bnndessubvention der Volksschule den Hauptgegenstand der Ver- handlnngen bildete. Dabei drehte sich die Diskussio» darum, ob für Erlangung der Subvention sofort die Initiative ergrissen, verden. oder ob dies s»iäter geschehe» soll. Beschlösse»»vurde sodann mit 45 gegen 21 Stil»»»«»», a» der Forderung der Ilnterstütznng der Volksschul« durch de» Bund sestziihalten, vor Einleitung»veitercr Schritte dasErgibnißderBerathniig der kantonalenErziehnngsdirektoren abzuwcnte»„nd sür de» Fall, daß dieselbe» resultatlos wären, oder daß die Bnndeebehörde» den Beschlnssen kein» Folge geben»vnrden. die Borbereitungen für dc>S Juitiativbegehren einzuleiten. Es sollen darüber erst die Lehrer in einer Urabstiununng sich aussprechen und ferner soll eine Versaininlung von Berlreter» der politischen und wirthschaftlichen Vereine einberufe» werden. Die Lehrerschaft hat in diesen» ihren» Bestreben alle fortschrittlich gesinnten»nd volks- srenndlichen Kreise, insbesondere auch die Arbeilerschast aus ihrer Seite. Araukreich. P-iriS, 1v Oktober.(Sig. Ber.j DaS U n t er n eh m ert hu n, yreij» inliuer offener als solches in den p o l i ti s ch e n Na»ups ein. Vor einiger Zeil tauchte der Plan einer aus Großindustrielle» und Großhändlern zusamineugesehlen Wahlorganisatioi» auf. Dan» tan, am bl. August, bei der Rnckkeh» Felix Fnure'S aus Pelers- biirg, die von» Pariser.Handel und Industrie" unter patrio- tiicher Flagge veranstallele Nnudaebung für daS großbürger- liche Dtinisteriu»» Meliue. Auf dem gestrigen Bankett i» der Handelsbörse trat der patriotische Vorivand ganz in de» Hintergrund. Ossiziell galt das Festessen ebenfalls der Etmmg Felix Faure's für die bereits sleben Wochen allen Zlllianz- Trinlsprnche von Kronstadt. Man war gezivungen, diesen Vorivand »bieder porznschntze»,»veil der Präsident der Republik der kon- slitnlionelleu Fikiion gemäß über den Parteien stehen soll. Aber die gehaltene» Tischreden verivandelten das ganze in eine offene Kundgebung für das Kabinet Meline. Der Vorsitzende des Pariser Handelsgerichts beglückwünschte im Namen von.Handel und Industrie" den Präsidenten und die anwesciiden Minister nicht nilr zun» Ad- schluß der franko- russische» illllianz, sondern a»lch zu der„neuen Acra des Vertrauens»nd der Tbäligkeit, die sich für uns eröffnet, dank der Politik und der langen Dauer" des reakliouären »abinels. Und Faure selber betonte»nit einen» Mindeslmaß von Vorsicht die„Verantivortlichkeite» des Landes" angesichts der Allianz, die eben nur„durch die grobe Weisheil und den politischen Geist" Oics: durch eine reaktionäre Politik in» Innern) unserer Ten. okralie" herbeigeführt»vorden sei. Wenige Tage vor den» Wiederznsa»imentrilt des Parlaments Vera» stallet, ist die großbürgerliche Knndgebniig nainenllich daraus berechnet, elmaige Oppositiousgelnste des linken Flügels der Re- Lteruiigsmehrheit zum Schweige» zu bringe». llu» den Schein zu»Vahren, hatte man auch einige radikale Notadilitüte». darunter die ehemaligen radikalen Minister Lockroy »ich Mesureur, zun» Festessen cingelade». Nim sind die gute» Leute höchlich entrüstet über den parteipolitischen Charakter der Kund- aeöung. Die großbürgerliche Einladniig abzulehneii. dazu halte der Miith dieser„regierungssähig" bleiben»vollenden Demokralen nicht ausgereicht. Die erste Sihinig der wieder zusammengetretenen parlamenta' rischeu P a n a u> a- U u t e r s u ch u» g s k o i» u» i s s i o n hat»nieder einmal Klage,» der einzelnen Berichterstatter gebracht über die Hindernisse, die von der Regierung der Nutersuchungsarbeit bereitet »verde». Der Minister des Aeußeren»veigerl sich, die Dokumente des gerichtlichen Panama- Liquidators Jiubert a»lszulief«r» ohne eine» ausdrücklichen Naminerdeschluß. Unter jenen Dokttinentei» befindet sich unter anderem Belastungs- »uaterial gegen C r i s p i; daher die Aufbeivahrniig derselbe» im Ministeriun» des Allslvärtigeu. Der Juslizniinister„kann" noch immer nicht die Briese des ehemaligen Staatsanivalts Q u« s» a y de Beaurepaire an den pananlistischen und panaiiiisten- relterischen Justizminister von dazuinal. Senator Th ev en e t, auffinden. Quesna») de Beaurepaire hat sich»Millich auf diese Briefe berufen, um seine eigene Pauainistenretterei zu rechtfertigen.— Wie verla»ltet, werde die Koniinission in den ersten Sitzungen der Session die Sache t» der Kammer zur Sprache bringen.— lvelgien. — JnderKammer kamen a», Donnerstag bei der Fortsetzung der Debatte über den Gesetzentwurf betreffend dl« Berlelhung der NorporationSrecht« an die BerufSvereine neben«iiiem bürgerlichen»viederum zwei sozialistische Abgeordnet« zu»» Wort. Genosse B erl i o z verbreitete sich über de» i»tellekt»lellen uud moralischen Werth der Arbeiterorganisationen. Bänder- velde hielt«ine groß angelegte, mehrstündige Rede. Die Regierung und die herrschenden Klasse» haben Furcht vor den Arbeiter- syttdikaltn. deshalb wollen sie ihnen die Rechte nicht einräume», die jede Aktiengesellschaft, jede Uuteriiehuiergruppe für sich habe. Für die Klöster und die Unternehmungen der Klerikale» ivürden diese gern die Korporationsrecht« in Anspruch nehmen,»venu sie dann nicht gleicherweise auch den Arbeitern zu gute käme».„Wir haben leine Furcht vor den Echöpsnngen der Klerikalen; gründen Sie so viel geistliche Anstalten, Wohlthätigkeitsaustalien u. f.»v..»vi« Sie wollen; geben Sie nur auch u»L die Freiheit,»us entfallen zu könne», und»vir»verde» mit Ihnen fertig." Der Redner trat dafür «in, daß auch den Beainten und den Bauen» dieselben Rechte ge- währt werden.— Die Debatten vom Freitag über daS gleich« Thema brachten nichts beinerkeusivertheS. Die Sozialisten kündigten eine Juler- pellatio» über die Ausiveifuag der Louise Michel an.— England. Berwilt(Northumberlaud), IS. Oktober. In der heute hier abgehaltene» Versammlung des Nord-Verbandes tonser- vativer Vereine gab Lord Londonderrq fein« De- Mission als Verbaudsvorsitzender, da er mit den» radikalen Einflüsse des Ministers Chamberlain aus die i» n« r e P o l i t i k des KabiuelS, namentlich in» Znsainmenhange »nit den» Slrbeiterentschädig»>ngs-Gesetze. nicht ein- verstanden sei. Die Versamiulnng gab ihrer Zustimuiung zu dem Standpilnkte Lord Londonderry's Ausdruck,»vorauf derselbe seine Demisfion zurückzog. Daimt ist der Anfang zur Zerbröckelnng der großen kon- fervaiiven Mehrheit, über die eiu englisches Ministerin«» in diesen, Jahrhundert versügt hat, gemacht. Freilich die Liberalen sind beule auch uneiniger denn je. Auch in dem Laude mit dein festeste» Parlamentarisniiis und mit de» ältesten Parteien läßt sich eben aus die Dauer eine Uinbilduug des Parteiweseus nicht nuigehen. Und »vie auderwärls so ist auch in Euglaud Ursache und Anstoß zu de» neuen Parteibildungen die durch die Verhältnisse erzivuugen« klare Stellung zu de» sozialen Problemen, zu den Forderungen der um ihre soziale Gleichstell», ig kämpsenden Arbeiterklasse.— — Zur Vertheidigung der Gold»vährilng. Eine von hervorragenden Kaufleutc» der City Londons u»terzei.t»>ete Denkschrift,»velche sich dringend für die Ausrechterhallung des Gold- Standards ausspricht, ist den» Lord-Schahkanzler überreicht»vorder». Auch kanadische Banken habe» ein ähulickies Meuioranvn,» über- saudt. in welchen, sie Einspruch dagegen erhebe», daß die Bank von England einen Theil ihrer Reserve in Silber hall«.— Tiineniark. — Die Humanität der Regierung. Der dänische Jlistizmiuister hat dein» dänischen Parlament«inen Aeuderuiigs- antrng des Gesetzes über Bußezahlunge» eingebracht, der die Be- stiinmuugei» über Gefäiignißabbüßung von Geldstrase» anders ordnen »vill. Früher kon»te— iveu» für die Geldstrase Gefängniß„nler 24 Tagen daraus stand, palt dessen eine zwei lägige strenge Kerkerhaft bei Waffer und Brot gewählt werden. Jetzt ist dies dahin geändert, daß nicht z>v e i Tage strengen Kerkers, sonder» vier Tage strengen Kerkers das Mindestmaß sind. Diese Bestimmung sieht harmlos ans. aber sie ist»vieder eine, die»nr die'AN erärmsten trifft. Denn»»ver anders wählt Geiäugnißhaft statt der Geldstrase als diejenige». d>, eben die Geldstrafe nicht bezahlen löuuen. Früher konnten dieselben«ine längere Gefäugnißslrase durch z>ve» Hungertage losiverden, jetzt aber sind es deren vier. Das ist schon schiverer zn erlrage»! Mit recht «riiliier»„Eozialoeiuocrateu" an eine» Fall; eine Frau halte in ihrer Wohnung gegen ein paar Hafenarbeiter den Ausduick.Schraubenbrecher" gebraucht. Dieselbe» zeigten die Frau an und si, wurde zu WZ Kronen Buße verurtheilt. Damalt konnte die Frau mil zwei Tage» strengen«erkers davontoninien.„ach den, neuen Gesetze nuijüe sie vier Tage sitzen. Ob das ein« kranke, abgearbeitete, alte Frau aushalten kö»»tt? SS geht aber nichts über die Menschenliebe der Staalsregierungen.— Norwege«. Chrlstiania, 16. Oktober. Bei de» Wahlmänner-Mahlen i» der Stadl Christiania siegle die Link« mit 8208 Stimme»; die Rechte erhielt 7985 Stimmen, aus die S o z i a l d e>» o l r a t e» entfielen 653 Stimme». Ueber die künstig« Taktik unserer Parteigenossen bei den noch ausstehende» Wahlen, die darüber zu«»»scheiden haben, ob die Linke die zur Verfassungsänderung«rsorderliche Ziveidrittelmehrheit erhält, »vird uns geschrieben: Angesichts der glänzenden Wahlresultat, der Linken in Norwegen wird die Sozialdemokralt« an einzelnen großen Plätzen»vnhrscheiulich von der Aufstellung von Kandidaten abstehen und die Linke»»»ter- stützen, um ihr»och wenigstens drei Eitze erobern zu helfe»,»veil dam, die Link« über die'/s-Majorität verfügt, die für Versaffuiigsändernugl»»olhwendig ist, so daß die Linke dann ihr Verspreche» der Eiusührung des allgemein«» Sliinmrechts einlösen kann. Di« Sozialdemokratie sagt sich, daß sie lieber für eine Legislaiurperiode zurücktritt, um bau» nach Einführung des all- gemeine» Stimmrechts um so energischer aufzutreten. Tie definitive Entscheidung über dies« Frag« steht in den nächsten Tagen bevor.— Jtali«». Noin, 15. Oktober. Bisher beträgt die Zahl der anläßlich der letzten Unruhen Verhafteten ungefähr 70; es sind zumeist Sozia- I» st, ii. Alle»verde»»vegen Riihestörnng und Ausruhr verfolgt. Die Regierung beschloß, wie der„Magdeb. Zlg." gemeldet»vird, strenge Maßregeln gegen die Geistlichkeit, die die Bewegung schürt. Die Regierung scheint alle ihr unbequemen Geister an? diese», Anlasse verfolge» zu wolle». Die Geistlichkeil und die Sozialisten zusainnienzukoppeln, das erinnert mehr an einen dnuinieu Spaß- inacher, als an«wen ernsthasteu Politiker, sür den Herr Rudiui doch gehalten»verde», möchte.— Spanien. Madrid, 13. Oktober.(Eig. Ber.) Die Sozialisten werden im gaii-eu Lande eine»nngische'Agitation entsalten z u gunsten der a l t g e in e i n e n Wehrpflicht, damit nicht»»ehr nur die Söhne der Armen nnter den Gräueln des Krieges zu leide» haben. Das letzte von den großen Antillen kommende Schiff mit kranken Soldaten hatte imlerwegs 64 Leichen in das Meer versenken»nüssen. Die Zahl der aus K>cha von» Feinde Geiödteien, Berschwnudeuen, dem Fieber und anderen Krautheilen Erlegenen schätzt man iusgesammt aus 70000. Uni das Organ der Sozialisten von Bilbao am Erscheine» zu velhiuderu, hat der dortige Präsekt die drei Redakteur« dieses Blattes in Hast nebnien lassen. Tie dortigen Parteigenosse» haben jedoch beschlossen, das Blall, das gegen, värtig 8000 Abountnte» hat, unter allen Urnsläudei» aufrecht zu erhallen.— Madrid, 16. Oktober. Der„Correo" bestätigt das Gerücht, daß ans den Philippinen Verhandlungen z»v» s ch« n den» General P r i«» o de R» v e r a und bei» Führer der A u f st ä n d i s ch e» Aguinaldo stattfinde». Letzlere verlangen eine weitgehende 3l n, n e st i« und S t r a s s r e i h e i t sür alle vergangen«» Ereignisse. Weit iveniger entgegenkornnteitd lautet die Antwort der k u b a n i s ch e it ill u f st ä n d i s ch« n aus das Äl u t o>» o m i e- Angebot der spanischen Negierung. Dieselbe liegt jetzt in» Wort- laut vor. Darin erklären die Generale der Anfständiscben Maruno Gomez«nd Garcia in Uebereinftintniung mit der„provisorische» Regierung der Republik Kuba", daß sie keine»vi« i in in e r geartete Autonomie seitens Spaniens annehmen, auch aus jede A m n e st i e verzichten und den Kampf bis zur vollständigen Uuabhäugigkeit von Spanien fortzusetzen e n t s ch I o i s e» s i» d.— Gin Anfrus der Philippinischen Insurgenten, unterzeichnet Emilio Aguinaldo und datirt aus dem J»>li d. I., ist uns zugeschickt »vorden. Er enthält das scknver« Sündenregister der spanischen Re- gimmg, hat aber, da Agiiinalho»nit dem neue» spanischen Ministert»», i» Verhaiidlunge» steh«, angeublicklich»nr»och ei» historisches Julerefse. Bemerkt sei blos»och, daß der'Aufruf ge- richtet ist: An meino Ratio» und an alle Freund« der Freiheit in der ganzen Welt.— Muffland. — Mit der V« r s ö h»»>» g der nicht durch Kammerherrnstelle» u. dergl. känfliche» Pole» scheint die iHegieuing keinen Ernst mache» zu ivollc», sonst liebe sie eS nicht zu, daß in Wilna die Spitzen der Behörde» der feie»Uche» Giuiidsteinlegnug in» ei» Denkmal beiwohne», das dem Henler von Polen. Grasen M u r a>v j e>v, er- richtet»vird!— Griechenland. — Unter den Friedensbeding, ingen wird in Athen neben der Kriegsentsckiädignng und Finanzkontrolle b-soiiders die „G r e nz> e g u l» r n n q" schiver einpfniiden. Diele Grenzregulirung giebt der Tl'i>kei zivar keine giößere Gebieisverrnehrung, aber das abzniretende Stück»st strategisch von höchster Wichtigkeit. Von fach- männischer Seile»vird hierüber folgendes beinerl»: Die durch den Friedensschluß von Konstantiiiopel festgesetzte neue Grenze S!o»d- Thessaliens, zu deren Bestimmung im Detail Kommissare der beireffenden Regierungen zur Zeit entsandt sind, besitzt, da es der Türkei nicht gelang, Thessalien oder»venigstens Nord- Thessalien in sie ei»z»schließe», einen atlsschlieälich strategilchen Charakter, und involvirt sür daS osmanilche Reich nnr einen ganz»inbedeuiendeii Gebiets- und Bevölkermtgsztiivachs. Das wichtigst« Kriterium der neuen Grenze besteht darin, daß sie de» scharfen Bogen des Ealamvria westlich Laiissa überschreitet, nnd damit dtuch Einschließung de« Ealantvria-Th>>es mit dein Paß von Kalaniaki, das wichtige, durch anhaliende blnlige Kämpfe bekannte Desilee von Reveni l» den nnbehinderten strategischen Besitz der Pforte bringt. Eine Wiederholung von Kämpsen, wie sie im griechisch• türkischen Kriege um die Zugänge Nord- Thessaliens siailmitden.»vird mit dem Besitz der Hanpteinfaltspforte« in diese Provinz, die des Reveni» und Kalaniaki» Paffes, künftig»»imöglich, die gesmnmte Vertheidigung der im übrigen Griechenland„och verbleibenden Salamvrialinie durchkrochen, und die defesligie Position von Larissa»»»gangen. Hiermit aber, sowie mit Einschließung der übrigen ivtchugen Pässe Nord« Thessaliens in dje neue Grenzlinie ist ganz Thessalien künftig dem sofortigen, nicht in e d r ernstlich zu hindernden Einmarsch eines türkischen Heeres ausgesetzt, daS Katmnvria- Becken fällt alsdann»nit einem Schlage den Türken in die Hände, und erst aus de» Höhe» der Karadagd-Ketle bei Bellestino,«rnanlly, Tekke und Orphano Sarykaya»st fortan«in erster ernsterer Widerstand der Griechen denkbar; es sei denn, dieselben gestalteten die aus den längsten ttämpse» bekannte starke Pofllion, Velestino-Veto, zu einer besesligien Flanlenstellung. Allein auch diese wnrde, falls den Türkei, die angestreble Reorgantjaliou ihrer Flvlt« gelingt, an Werth ver- Uereu.— — Ueber ble N o t h l a g e Otts Kreta wird der„Intern. Korresp." aus Athen berichtet: In den griechischen Regierungslreise» werden die Znstände aus Kreta alZ das stärkste Hindcrniß sür«ine Wiedergesundnug der Lag« in Griechenland selbst bezeichnet. Die in Griechenland befindlichen kretenstsche» Flüchilinge sind anSschliehlich frühere Bewohner der Kiiftcnstädte.»voselbst ihre Häuser vo» den Mnhamedanern besetzt sind. Im Laufe der letzten Wochen waren nun auf Betreiben der ariechlschen Regierung viele dieser Flucht- linge nach Kreta zurückgekehrt; doch konnte» st« dort trotz der Be- mühungen europäischer Konsuln nicht in den Besitz ihrer Häuser wiedergelange», sodaß sie nach Griechenland zurückfahren mußten. Allerdings verhehlt»na» hier nicht, daß auch die Lage der Btuhainevaner aus der Insel»in«»venig angenehme ist, da dies« ja in den Städten von jeder Znsuhr aus dem Laude abgeschnitleu und dort ihre Besitzungen in den Händen der Ausständtsche» sind. Die letzteren aber befinden sich sicherlich in einer noch viel schlimmeren Lage. Die Behauptung, die Christen hätten sich der gesammten Erntevorräthe aus den Ländereieu der Muhamedaiier bemächtigt, ist schon um desivillen eine ganz halllose,»veil der gesammte diesjährige Ernteertrag der Insel noch nicht den vierten Theil der unter uor- malen Berhältniffeu zu erzielenden Ernte betragen hat. Infolge des ziveijährige» Kampfes liegen augenblicklich fast zivei Drittel des Ackerlandes brach und der Vieh stand der Insel ist gänzlich vernichtet. In den» koininenden Winter »vird daher,»venu der gegenwnrtige Zustand der gegenseitigen Ab- sperrung anhält, im Inner» der Insel zweifelos eine Hungers- n o t h ausbreche», die sich übrigens schon jetzt ankündigt. Die Mohamedaner der Küstenstädte erhalten zum größten Theil täglich unentgeltlich Lebensuiitlel seitens der türkische» Behörden gclieserr, während die Christen in» Inner» kau»» noch Brot haben. Gerade diese Noch ist die Ursache der»euerdingS auftretenden Zivistigkeiten der Christen untereinander. Da mit dem Abzug der griechischen Truppen vo» Kreta auch die von Oberst Bassod eingesetzlen Verivaltungsbehörden aushörten, so ist es selbstverftändtich, daß ein so lauge andauernder Zustand der Anarchie jede gesetzliche Ordnung beseitigen mußte. Die selbstgeivählten Führer der Anisländischen besitzen naturgemäß nur eine Autorität in»uilltätischen Dingen, und der Vollziehuiigsansschuß der Nationalversammlung kann nicht über die ganze Insel hin«ine polilische Gewalt ausüben. Wen» daher die Mächte nicht bald die Einsetzung der versprochene» autonome» Verivallung auf Kreta»virklich durchsühre», so»st eine Beruhigltiig der öffentlichen Meinung in Griechenland»nmöglich, nnd die Regierung wird an die Jnangriffnahu,« der so nöthigen iiiiterei» Staatsrevrganisallou nicht herauschreite» können. Die„Kölnische Zeitung" meldet auS Kandia: Die Lage wird immer verivickelter, die herrschende Erregung»vird immer größer. 'Angesichts des»vachsendei» Elends sendet Starnbul die doppelte Quantität Getreide zur Vertheilung an die»olhleidenden Türken, die mit großer Sorge den» Winter entgegensehen. Auch die Auf- ständische» in» Inner» der Insel haben große Sorge; sie bereilei» «ine Denlschrifl an die Großmächte vor.»vort» sie erkläre», jeden Beschluß anzunehmen. Gerüchttveise verlautet von der Abtretung Kreta's an«ine der Großiuächle, die allen Sch»vi«rigleiU»l ausweiche» soll.— Afrika. — Ueber den englisch- französischen Konflikt ii» Hinleiland der Goldküste liegt folgende lelegraphische Nach- richl ans La g os vor:„Die britische» Sireiik'äfte, welche von hier nach dem Hinterland entsandt sind, haben versch»ebene Posten an der Nordivest-Grenze besetzt. Die Franzosen haben sich anscheinend nach Bnssa zurückgezogen."— Amerika. — Di« Vereinigte» Staaten befürchten. wie es scheint, einen H a n d st r c i ch I ap a» s gegen Hawaii. Die Washingtoner Regierung hat sich nämlich infolge der Nachrichte» über die Landung verkappter japanischer Truppen auf Hawaii ver- anlaßt gesehen, das Kanonenboot„Wheeling" sofort nach Honolulu zur Ilnterstütznng der im dortigen Hafen liegende» arnertlanischen Schiffe zn entsenden. Auch eine Reihe»veiterer Kriegsschiffe, Verden dereit gehalten, n», sofort»ach Hawaii zu dainpsen. Der Kampf in» die Vormacht in» Großen Ozean beginnt; Asien, Europa, Amerika sind daran bel heiligt.— — Kanada hat zollpolitisch einen großen Schritt zun,«»gm» Anschluß an das Mutterland gethan. S-it den» 29. Juni gilt in dieser»vichligste» ainerikanische» Kolonie Englands«in neuer Zoll- tarif, der von den englische» Waaren sür das Jahr 1893 bloS'/» und für 1899 und die folgenden Jahr« bloS noch 8/4 der aus grund des allgemeinen Zolltarifs zn zahlenden Sätze fordert. Dadurch er» hält England vor Deutschland, den Vereintglen Staaten und den sonst i» belracht komniendeu Einsuhrländern ciue» sehr große» Bor- sprnng.—_ Partcilitciaiur. Das Protokoll deS Hamburger Partei- tagcS gelangt an, Dienstag zur Ausgabe. Der Umsang»vird nm ca. ö Bogen stärker»verde» als der deS vorjährige» Protokolls, weil die sür die Parteigenosse» höchst wichtigen Debatten über die A e ti d e r tut g der bisherigen Taktik in der Frage der L a n d t a g s>v a h l- B e t h e» l i g u n g, die Dislnssionsn über die Reichstagswahlen, die M i l i ä r k r e d i t e»t. s. w. ausführlich wiedergegeben sind. Der Preis beträgt SS Pf. Die Buch- Handlung Vorwärts bittet Bestellungen möglichst umgehend an sie aufzugeben, damit bei der voraussichtlich großen Attflage die Versendung möglichst rasch in der Reihensolgeßdes Eingangs«rsolgen kann. In Magdeburg nahm am Donnerstag«ine Parteiuersammlung. die von etwa 2000 Personen besucht war, zur Frage derReichstags- l a n d i d a t u r endgiliig Stellung. Der jetzige Abgeorduele, Genosse Klees, der auch Äiitglicd des SladlverordnetenkvllcginuiS ist und der Partei während seiner langjährige» Thätigleit sehr beachlens- »verihe Dienste geleistet hat, erklärte infolge der von einem Theile der Parteigenosse:»»vider ihn gerichielc» persönlichen Angriffe, daß er niemals»vieder nieder zum Reichstage noch»nr Stadtverordneten- Versammlung kmididire»»verde. An seiner Stelle ivnrde Genosse P f a n n k u ch ans Hamburg als Kandidat sür den Reichsiag ans« gestellt. Anö Ungarn»vird becichtet, daß der Minister deS Innern allen angemeldeten sozialistischen Vereinen der Provinz die Genehmigung verweigert habe. Tie Parteigenosscu in Lausanne in der Schweiz haben zu de» in» November vorzunehmenden G e in e i»» d e>v a h I e» ein Programm anfgesteUi,»vom u. a. die Errichtung von Arbeiter« ivohnnngen uud die Bevorzugung der einheimischen Arbeiislräste bei der Ansfnhrnng vo» Geincindc-Arbeiten geiordect»vird. Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Der Parteigenosse M a n u i g e l i» Halle a. S., früherer verantwortlicher Redakteur des„ V o I k s b l a t t s sür Halle", hat an» 14. Ollober das Gefängniß verlassen, wo er sich seit 2. Januar befand. Er hat die Hast verhältntßntäßia gut über- stände». Leider muß er bald»vieder in de» Kerler»vanver»,»Uli die einjährige Gesäugnißstrafe zit verbüßen, die ihn»»vegen Beleidigung der Direktion der Aöiibcrger Mühle auserlegt»st. — Grobe» Unfug sollte Genosse Neukirch in Breslau als verantivortltcher Redakteur der„Volksivacht" dadurch verübt haben. daß er von einein Gerücht in WiisUgiersdorf Noiiz»ahm, wonach der dort am 25. Angnst beerdigte Spinnerei-Arbeilee Gebauer nicht tobt, sonder» nur scheintodt geivcsen sei. Von der Behörde war in dem Artikel verlangt»uorden. daß sie zur Beruhigung der Bevölke- rtmg die nöihige Ausklärnng gebe, besonders über die eigenlhüm- liche» Vorgänge bei der Beerdigung, die das Gerücht, G. sei schein- todt, veranlaßt«»». Das Schöffengericht erkannt« au» 16. Oktober auf Freisprechung; einmal, so hieß eS in der Begründung, fei die'Allgemeinheit durch den Artikel überhaupt nicht beunruhigt worden,»veiter könne auch der der Behörde geinachie Vorivurf. daß sie nicht für Ausklärnng sorgte, nicht als grober Unsng erachtet »verde»». — Die KreiShanpt in annschaft Dresden hat aber- mals entschieden, daß die Polizei kein Recht hat. den Schluß von V e r s a»» in l u n g e n ,, m 12 Uhr nachts zu ver- langen. In der betreffende» Beschweide hatten Parteigenossen aus der Stadt Diesden beantragt, die Kreishanptmannschaft möge die unteren Verwaltungsbehörden durch eine allgemeine Verordnung entsprechend inftrniren. Auf diesen Punkt ist den Beschwerdeführer» aber keine Antwort ertheilt»vorden. Durch ihr Schweigen will die Kreishanptmannschaft»vahrscheinlich ausdrücken, daß der Erl«ß einer allgemeinen Jnstrtiklio» an die unteren Behörden selbst» verständlich sei, nachdem immer und immer»vieder, gerade alZ ob es gar keine Kretshaitptmannschaft gäbe, den Arbeitern das Ver» sammlungSrecht in der in Red« stehenden Weise geschmälert»vird, äpstjfovcw im Momjife mit dov ZValzvhvik. S?ot einiger Zeit rjnltc» wir die£üge aus Nr. 74 der von den Herren Gacbei und v. Posadoiosly erslnuulichcrweise ewpfohlenen i>illle'schen Flngdlnlt-Fabrik niedriger gehängt, dag die Sozialdeino- krniie gegen die Wnchergesehe eingelrelen sei. Die Reoakiion des ..Reichsboleie", l>ekc»»»tlich geführt vo» einein evangelische« Pastor, entblödet sich nicht, nnler der Slichinarke:„Patriotische Flugblätter" >nil solgendcn Worlen als Zeuge sür den Hülle'schen Schwrudel ein- zutrete»: „Der„Vorwärts" entrüstet sich besonders über diejenige Stelle des Flngdlaltes des Baterlands- Vereins, welche de» Nachweis liefert, dag die extrem ivucherfeindliche Hallung der in Nede stehenden sozialdemokratischen SIgilatiousschrift dem thatsächliche» Verhallen der Partei lm öieichslage widerspricht, und leistet sich dabei die llnverfrorenheit, zu behaupten, die Sozial- demokraten seien stets gegen de» Wucher in jeder Form aufgetreten >wd hutteil auch für das Wuchergeseh vom 19. Juni 1693 gestimmt. Bestimme»!) für die prinzipielle Haltung der Eozialdeniokralie gegen- über dem Wucher, wie allen nhnltchen Auswüchsen des moderne» Wtrlhschastslebens ist jedenfalls von jeher die Aenhernng Bebel's aus dein Brüsseler Parteitage von 1891 gewesen. Man müsse die Wunden am Gescllschastskörper offen Halle». Demgemäß habe» die Sozialdemokralen gegen das Wuchergeseh vo» 1689 und gegen das Wuchergeseh vo» 1893 gestimmt. Die Abstin, mutig der Sozialdeinokraien bei Gelegenheit des Wucher- gesetzes vo» 1839 bleibt unbestritten, auch gegen das Wuchergeseh vom 19. Juni 1893 haben die Sozialdemokraten in zweiter Lesung bei der namentliche» Abstimmniig gestiiuint; bei der drille» Lesung fand eine nanienlliche Abstimmung nicht statt, so daß sich die Zlbstiunnnng der Sozialdemokrale» unserer Kenntuiß entzieht Aber in dem vo» den Mitgliedern der nationallibernleu Partei herausgegebeiicn„Politischen Handbuch sür nationalliberale Wähler" heißt es ans Seite 588 und 551, daß die Sozialdemokraten gegen beide Wuchergesehe gestlnimt haben. Das hindert freilich die „National- Zciluug" nicht, die Behaupluug des„Vorwärts" zu unleistühe», daß die Sozialdemokratie für das Wuchergesetz gestiuiml habe tind die Behauptuiig des Flugblattes des Baterlandsvereins als eine falsche hiuzustetten. Wir halten es für wichtig, die Behaitpluug i» dem Flugblatt des Vaterlands- Vereins, daß die Sozialdemokratie gegen alle Wuchergesetze gestimmt und sich stets als Freundin des Wuchers bewiesen habe, kurz und bündig der Behauptung des„Vorwärts" eiitgegenzusielleu, daß die Sozialdeinokralen sür das Wuchergeseh vom 19. Jnni 1893 gestiininl haben." Selbst in der niedrigsten Revolverpresse ist uns eine derartige llnverfrorenheit zu lügen und zum Läge» anfzusordern noch nicht aufgestoßen. Die Stellung der Sozialdemokratie ist selbstverständlich die, daß sie in schärfster Weise den Wucher und die Ansbeulnug i» jeder Form vcrurtheilt hat. Deiugciunß hat sie die Wuchergesctze zwar als durchaus unzulänglich bezeichne» müssen nberdeunoch für dieselbe» gestimmt. Ans den stenographischen Berichten rufen wir dem edlen Pastoren-Blatt folgende Vorgänge ins Gedächtniß. Zn dein durchaus uuzitläuglichen Wuchergeseh von 1839 nahm von sozial- demokratischer Seile nur der Abgeordnete Kayser das Wart Er erklärte in der Sitzung des Sieichstags vom 29. April 1889 wörtlich:! „Wenn ich zum Schluß komme, so gelange ich zn dem Resultat, daß, so sehr ich überzeugt bin, daß in der heutige» Gesellschast die Thätigkeit, die Nothlage des Nebeninenschen nusznbenteu, sonst ringsnm bestehen bleibt, ich doch trotz aller meiner Bedenken mich mit der Vorlage befreunde. Ich wiederhole, ich habe große Bedenke» gegen die Rechtsprechnng, weil der Richter das richtige Verständniß für das was Wucher ist, nicht hat. Aber trotz aller Bedenken erkläre ich, daß ich hier, wo mir die rohesle und abscheulichste Form der Ansbenlnng entgegentritt, zur Beseitigung dieser Form beitrage» zu wollen. Ich Halle das Gesetz sür ein solches, das den Aermercu vor dem Reiche» so viel als möglich schützen soll»ud welches eine Rücksichtnahme zn sei» scheint auf die öffeutliche Meinung, die wir in de» vergangenen Jahren durch unsere Agitation, indem wir ja fortivährend auf das Unrecht der Aus- beutung des nothleidenden Menschen aufmerksai» machten, hervor- gerufen haben. 2. Wir werden also für das Gesetz stimme»." Demgemäß stimmten die Sozialdemokrale» nicht gegen das Wuchergeseh vo» 1839, Herr Pastor Engel. Die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion zur Wnchergesctz- Novelle von 1893 kennzeichnete» im Plenum des Reichstags Frohme (stenographische Berichte S. 855, 1342). Knnert(stenogr. Berichte S. 2959) und Stndthage»(stenogr. Berichte S. 1842, 1846, 1941, 1943, 2953, 2965, 2969), in der Konunissio» Frohme und Stadl- Hage». Sje cillärlc», daß das Gesetz zur Bekänipsiing des Wuchers und der Niisbeuliing in jeder Form durch- aus nicht genüge und nicht genüge» könne, die heutige GciellschaslS- ordnnng sei nicht im stände, den Wucher zu beseitigen, da sie aus der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ausgebant ist. Wenn aber auch der Wucher erst aushören könne i» dcm Augenblick, wo die Ausbeutung durch Bergeseltschastung der Arbeitsmittel in sozial- demokralischem Sinne tinuiöglich wird, so könne doch auch inner- halb der heutigen Gesellschaftsordnung viel mehr zur Beseitigung des verderblichen, veriverslichcn und verächtlichen Wuchers geschehe», als der Gesetzentivurf vorschlage. Es sei möglich und ersorderlich, auch den nicht gewohnheilS- nud geiverbsniäßigen Wucher, auch den Arbeilsverlragsivncher, wie er sich in der Ausbeulilng des Arbeiters durch besonders niedrige Löhne, durch Koalitions- beschrünknnge» u. s. w. zeige, ferner den Mieths-, den Agenten« und Vermiltler-, den Grund- uiid Boden-, den Pfandleih-, den Zoll- nnd Steuerwucher zu treffe» und durch Richter, die ans dem Volk genommen lind durch dasselbe gewählt sind, den gegen die arbeitende ittasse gerichtete» Wucher zu Irrsse». Die sozialdeinolratischeu Abgeordnelc» slelltcn nach dieser Nichtung bin in der ttomniission und im Plenum Anträge. Wieivohl die »leiste» derselben abgelehnt wurde», stinimlen die Sozialdrinokrale» s ii r das Gesetz, das wenigstens den Anfang dazu machte, den Wucher als clwas Nnmoralisches zu keniizeichnen. Die Kühnheit des Paslorcn-Blalles, das Gegenthcil zn behanpleu. ist n»l so erstaun- licher, als seine Unwahrheit sich nicht nur durch die Reden unserer Abgeordneten und durch die ZritungSberichte über die Abstiminungen, sondern auch durch die Lieben anderer Slbgeoroueken und durch die stenographischen Berichte über die Abstiinmung nachweise» läßt. So äußerte sich Abgeordneter v. Buol- Berenberg aus eine Aeußerung des Abgeordnete» v. Bar, der gegen das Gesetz eintrat, dahin:„Der Herr Vorredner hat neu vor- gebracht, das»vir uns zu hüten hätten. Gesehe zn mache», die eine Verstärkung des sozialistischen Gedankens seien und daß uns schon der Umstand stutzig niacheil müßte, daß die Sozialdemokraten sich für diesen Gesetzentwurf so sehr inS Zeug rverfen. Ich muß gestehen, das schreckt mich nicht ab. Ich prüfe und entscheide objektiv.. indem ivir den berechtigten Kern der Sozialdeiiiotratie aus der Welt zu schaffen suchen und ihre Forderungen, soweit sie berechtigt sind, befriedigen, stützen nnd fördern wir nicht sonder» bekämpfen wir de» sozialistischen Gedanken am ivirksanine». Wenn der Herr Vorredner aber daran noch die Bemerkung geknüpft hat, man müßte noch einen Schritt weiter gehen nnd dem Antrag Stadthage» beistinimen, daß der Wucher durch Volksgerichte abgeuriheilt werde, so erkläre ich jetzt schon, daß ich auch ohne diese Bemerkniig aus diesen Punkt zu koniinen gedachte, und zwar zustimmend. Ich hätte garnichts dagegen, sondern i»r Gegenthcil, ich würde es sogar für zivecknräßig Halle»." Das steht auf Seite 1851 des stenographischei, Berichts. Lesen Sie nach, Herr Pastor Engel! Von den Ab- stiiiunuugen waren 2 in zweiler Lesung»amen»ich, nämlich die Ab- slillimuiig über den Haupiparagraphen des Gesetzes§ 392 e und über Artikel 4. Die Abstimmnug über Z 892 e befindet sich Seile 1997 der stciiographischen Berichte über die Sitzung vom 18. April 1393. S ä m»» t l i ch e sozialdemokratische Abgeordneten stimmten mit ja. Lesen Sie nach, Herr Pastor Engel. I» der Abstiiiiiniing über Artikel 4 stinimlen die Sozialdemokraten gegen Verantivortlicher Nedalteur: Zliigust Jacobeh in Berlin. Für den Ii Artikel 4. weil dessen Fassung unannehmbar war. DaS sahen die Aulragsteller selbst ein, darauf wurde zwischen zweiter und dritter Lesung eine andere Fassung sür Artikel 4 in einer freien, vo» allen Parteien besuchten Kommission vereinbart. Diese Fassung unter- schrieben auch die Sozialdemokraten und stimmten für dieselbe. Lesen Sie Nr. 19t der amtlichen, Ihnen ja zugängliche» Drucksachen des Reichstages nach, Herr Pastor Engel. Die akteinnäßige Dar- stellnng dieser jedem politisch reifen Menschen übrigens ivohlbekannten Thaisachen hielten wir nicht für über- flüssig. Es ist hin und wieder gut, die Wahrheitsliebe des Pastoren-Blattes in die gebührende Beleuchriing zu setzen. Ein englisches Wort sagt: ik a Iis could have chocked, bim than would have done it(wenn er an einer Lüge ersticken könnte, so müßte er jetzt erstickt sein). Der„Reichsbote" wird nicht a» seiner Lüge, auch nicht an der Sliiffordernng, seine Lüge zu verbreite», ersticken— es muß eben and, Pastoren-Biälter gebe», die ohne Lügen nid)l leben können. Unseres Mitleids ist er geiviß. Herzhaft gefreut hat uns, daß er seine Wiederholung und Eiupfehluiig der Hulle'sche» Zeilungsfabrik-Lügeii betitelt hat:„P a l r i o l i s ch e Flug- blältcr". Warm» nicht fromme Flugblätter? Gefuevkfchaftliches. Vcrlin»ud Umgebnng. Achtung, Metallarbeiter! Die fortgesetzten Streiks nnd Lohnbewegungen in der Metallindustrie erheisdien erhebliche Mittel zur Nnterstützlnig. In Berlin sind noch über 199 Former z» nnler- stütze»; seil 14 Tage» befinde» sich sänimliiche Arbeiter der Fahrrad- und Nähmaschineiisabrik vormals Stoewer in Stettin im Ausstand. ivelche sowohl die moralische als auch materielle Uiilerstützuug der Berliner Kollege» erwarten. Zn unterstütze» sind daselbst noch 586 Personen, darunter 361 Berheiralhcte mit 666 Kinder». Sodann aber sind wir es unseren im Kampf sür den Acht- stiiiidentag stehenden englischen Kollegen, 79 999 an der Zahl, schuldig, sie>md) besten Kräfte» zu»iiterstützen. In den nächsten Tagen werde» die Verlra»e»sle»te sich schlüssig werden, denseibe» ans den zur Versügnng stehenden Mitleiii einen größeren Betrag zu überweisen. Demgegenüber ist es die Pflicht der gesammten Kollegen, die Sammlungen zum„Agitatioiis- und Uiiterstühiliigsfonds der Berliner Melallarbeiler" iind> wie vor fortzusetzeu. Sammellisten und Marken sind bei ien bekannten Vertranensleiile» erhältlich. Ferner werden snnnniliche Kollegen der Bronceivaaren- und 5krone»bra»che vor Zuzug»ach Wien geivarnt, da dortselbst 699 Kollegen für den 9 Stundentag streike». Der Vertrauensmann der Berliner Metall- n r b e i t e r. Otto N a e t h e r, bl., Anklamerstr. 44. Die KannlisatiouSarbeitcr haben für den Heiilige» Sonntag abends 7 Uhr eine Aersammlimg nach dein Lokal von B» s k e, Grenadierstr. 83. einberufen. ES soll dort eine Aussprache über die Berufs Verhältnisse und deren eventuelle Verbesserung stattfinden. Unseres Wissens besieht sür diese Arbeilerkategorie bisher noch keine Organisation; hoffentlich wird dies vo» den betressende» als die erste Nothweiidigkeit empfiniden. Tie Korbmachcr in Spandim haben die Lohndifferenzen mit der Firiim B ä r wa l d e beigelegt. Zuzug ist jedoch n o ch f e r n z n h a l t e», da zur Zeit noch nicht abznsehni ist, ob die Einigung von Daner sein wird. Der V e r t r a n e» s in a» n. In Spandau bat sich vor kurzem eine Organisation der Barbier- und F r i s e u r g e h i l s e n gebildet. Diese hat sich dieser Tage an die dortigen Barbicrherre» mit der Anfrage ge- ivandt, ob dieselben geneigt sind, ihre Gesdiäste fortan um 9 Uhr abends zu schließe». Bis ans vier haben dies alle bejaht, so daß der Nennnhr-Ladenschlnß gesichert erscheint. Tontschcs Reich. Achtung, Steindrncker Wegen Lohndifferenzen stehen die englisdie» Kollegen in Ed i» bürg lind G l a s g o iv im Sireik. Die Fabrilanien drohen damit, daß sie fidz SIeindrncker vom Festland hole» iverde». Die englische» Kollegen ersilchen ihre deutsche» Berufsgenosse», vorläufig keine Slellnng nach England anznuehmen. Der A e r t r a u e s m a i> n. Für Korbmacher ist der Zuzug nach Hamburg feniznhakte», da Lohndifferenzen ansgebrockien. Tie Metalldriieker in der Pholographenapparat- Fabrik vo» Hiiitig und Sohn in Dresden legie» henke die Arbeil nieder, da man ihnen erheblid>e Lohnabzüge bis zn 25 pCt. mache» wollte. Die Metalldrücker wollen Znzng fernhalte»! Ein Ilriheil von prinzipieller Wichtigkeit fällte das München er Schöffengeridit. Der Vorsitzende des dorlige» Ge- werkschaflsvereins, Genosse Kratzsch, soivie Hafner Mai er nnd Schneider Was» er ivnrde» wegen Vergehens gegen tz 153 der Geiverbe-Ordiinng im Mandatsivege zu je 14 Tagen Gefängniß vcrnriheilt. Es wurde ihnen zur L->st gelegt, i» einer Versauimlnng durch Chrvcrlctznng die seinerzeit nichtftrcikenden Hafnergehilfen zur Theilnahmc an dein ansgebrochene» Hafneistreik z» veranlassen versucht zu haben. Gegen das Urtbcil hatte» die Angeklagten Beriisiiiig eingelegt. Licchtsanwalt L. Zöpsl wies in seinen» Plai- doyer daraus hin. daß vor allen Dingen der Anklage eine Unterlage, welche der 8 lö3 der Gewerbe- Ordnnng voraussetzt, nämlich die Tendenz, die Nichistrettende» zur Theilnahnie am Steeik veranlassen zn wollen, fehle. Die E h r v e r l c tz u n g allein ist»ach dem tz 153 nicht st r a f b a r. Nach dein Grundsätze in dubio pro reo muß vom Gericht jedes andere Motiv vorgekommener Ehrverletznnge» geglanbl werden, solange den, eingeklagten»id)t nachgewiese» iverden kann, daß die Tendenz des tz 153 sie leitete, insbesondere da Ehr- Verletzungen>» öffentlichen Aersaininliliigen das»ngeeignelste Mittel sein dürste», sogenannte Streikbrecher ninzllstinimen. Tdatsächlich erzielte die Verlheidigiing wiederholt Fre>spred>n»gen in Fälle», wo »od) gröbiidicre Ehrverletzungen»nd sogar Rörperverietzupgen Sircikender gegen Streikbrecher zur Verhandlung standen. Ein ge- »ngendes Aloliv, auf die Streikbrecher erbittert zn sein, war snr die Angeklagten vorhanden. Tie Nichtsireikenden habe» seinerzeit ihr Wort gegeben, im Streik anszuhalte». Bei der ersten besten Gelegenheit sielen sie um und kosteicn dadurch ihren streikenden Kollegen große Opfer an Zeit und Geld. Nichtsdestoweniger nahmen st« jetzt a» den schließlichei. Er- folge» des Lohnkampfes theil. Diese Erfolge zn erzielen ist nur dnich Solidarität möglich und nach dem Ehrenkodex der Arbeilcr der Mangel a» Solidarität ein Unrecht. Der Gerichtshof, ivclcher anfangs den Angeklagten wenig günstig gesinnt schien, entsprach dem Nnlrage des Berlheidigers n»v sprach die ÄngetlagU» unter Ueberbiirdung der Kosten aus die Staatskasse frei. SliiSlnud. Ter Lohnbewegung der Bergarbeiter WcstböhmenS haben sich nnniiiehr auch die de? Pik jener Kohlenbeckens angeschlossen. Wie die F a l k e ii a u e r, so fordern»»ch sie eine 15prozent>ge Lohnerhöhnng und strikte Durchführung der Zehnstiindenschidit. Zum Kampfe der englische» Maschinenbauer. Di« Kessel- macher der Londoner Echiffsreparatur-Werkstäiten haben in einem Donnerstag Nacht abgehaltenen Meeting daS Abkomuien, welches ain Tage vorher das Exekutivkomitee der Untonisten mit den Arbeitgebern der Schiffsreparatnr-Werkslälte» abgeschlossen halten, verworfen. Infolge dessen sind am nächsten Tage die Maschinenbauer »nd Kesselmacher verschiedener Londoner Firinen in de» Ansstand getreten. Chambcrlain bat ein Eiiimischen in den Streit in der Maschinenbau- Branche seinerseits abgelehnt, da eine»id)l unch- gesuchte Bcrniiltelnng nur schädlich wirken könne. Ter Kongreß der„freie,, Arbeiter" Englands beschloß in seiner letzten Sitzung»och. ans die Abä»der»»g der„»oi»plot"-8lkte vo» 1875 hinwirken zu wollen, weil eine seiner Bestimimmgen irr- Ihiimlich als eine Rechtsertigung der zivangsiveisen Abhaltung vo» der Arbeit ausgelegt iverde. Im Lnnse der Berathiing über diesen Punkt theille der Schriftführer mit, die Vereinigung habe die Polizei- lirtic» Oberbehörden der ivichiigsten Jiidustrieorte benachrichtigt, daß, falls die arbeitswilligen Nichtgewerkvereinler leinen genügenden Schutz seratcnlheil veraiilworltich: Tb. Glocke in Berti». Tnick und Vertag vo» fänden, die Vereinigung bewaffnete Männer hinsenden würde. Ferner wurde gefordert, die.sogenannte» Arbeiter", die sich als„Führer" aufspielen, seien für ihr Auftreten streng und persönlich veravtivorllid) zu machen, wenn sie sich in Streitigkeiten zwischen Unternebnier» und Arbeitern mischen; desgleiche» soll die Möglichkeit eröffnet iverden, gegen Geiverkvereine als Körperschafte» gerichtlich vorzn- gehen. Endlich wird verlangt, daß ein Vertreter des Grundsatzes der Arbeilsfreiheit dem Handelsamt beigegebe» iverde. Die Angabe, daß die Bereinigung 169 999 Mitglieder zähle, glaubt in Eng- ln»d kein Mensch, denn sie hat bis jetzt»och»ienials eine ösfenlliche Abrechnung gelegt._ Mukevttehnrev�VevbÄnve. Ter Ausschuß dcö Jnilnugspcrbandes deutscher Bau- acwcrkSuicistcr hat sich»nter Vorsitz des Landtags-Abgeordneten Fetisch mit der Bekänipfung der Ausstände im Baugewerbe be- schästigt. Es wurde beschlösse», ein« von» Berbaiids-Ehrenmilgliede, Kreisgerichtsrath Dr. Hilse, verfaßte Eingabe an das Reichs-Justiz- amt nnd die obersten Justizbehörden der deulsche» Bundesstaaten zu richten, welche zum Zwecke der Vermindernng und Ein- dänunnng von Streiks die sd>ärsere Handhabung der §§ 152 Iliid 153 der Gewerbe-Ordnnng enipsiehlt. Die Eingabe gipfelt in dem Antrage,„im Anssichtswege Aiiordiinngen zn treffen, durch welche die Verwalliings- nnd Polizeibehörde» anzewiesen werden, innerhalb der geschlid)eii Grenzen arbeitswilligen und fried- liebenden Arbeitern nachhaltigen Schutz gegen Vergeivaltigungen bind) rnhestörende, arbeitsscheue Personen zu verschaffen. Ferncr sollen die Anklagebehörden die Weisung erhalten, gegen alle die ruhige Arbeiter störenden oder answiegelnden Elemente, incbesviide>e gegen die sogenannten„Leiter der Streikbewegung", die Milglicdcr der Slreik-, Lohn- oder jkonlrollkonnnissionen, als Anstifler dazu, die öffentliche Anklage zn erheben. Somit genügt also der Bnngewerksinnung die gegenwärtige Ans- legiing der tztz 152 und 153 der Gewerbe-Ordiiung scileus der Ge- richte und Polizeibehörden noch nickit; für sie ist erst dann alle» An- sprüchen genügt, wenn sid> Polizei und Richter ganz i» dt» Dienste d r Niiternehnierinteressen stellen würden. Diese Art, die RücksichlSIosig- kcit so weit zu treiben, daß man de» schon ökonomisd) so abhängigen Arbeiter gänzlich ivehrlos de» Laune» und der Profilgier iwr Bauspekulanten überliefern will, kennzeichiiet am besten die Ge- sinnnng dieser Kreise. Es giebt kein Geschäft, in de», so wüste Spekulation geiriebe» wird, in dem so viele Ei»porkö»»nli>ige mit den rnssinirlesten Mitteln zn.angesehcnen" Gaunern geworden sind nnd sich die Halbwelt so zahlreich ihr Rendezvous giebt, als im Bangeiverbe. Und diesen Elementen, die jährlich die Arbeiter nni Tausende betrügen, indem sie den Arbeiter» ihren reckiimäßig verdienten Loh» nicht zahlen, die Krankenkasse nnd Ilnfallversichernngs-Genossenschaft«in Tausende prelle»,— diesen Jn- dnstrierittern der schlimmste» Art soll ein noch größerer Schutz gewährt werden gegen die bereditiglen Einsprüche und die Abwehr der Arbeiter. Wahrlich, nnscre Meinung über das heutige Rtgierungsstzste»« ist nicht allzu hod> gestinimt, aber daß man sich ganz i» den Dienst dieser Gesellschast stellel» könnte, hallen wir dodz für nahezu un- möglid). Ter Bcrei» der Miiuchcncr Schtveiucschlächter beschloß vom 1. November ab für Wurstwaaren eine Preiserhöhung von 29 pCt. eintreten zu lassen._ Arbeiter-Nisiko. Ans K a t t o w i tz in Oberschlesien wird telegraphirt, daß durch Einsturz einer B e r b i n d» n g s- >v and a»is dem N e» b n u deS Hanfes des Bankier S ch a l j ch a ein Arbeiter getödlet und sechs tödllich verletzt worden sind. Nebcr den Ei» flu st der Wohlhabenheit ans die Sterblich- kcit in Breslau veröffenilichte vor kurzem der Breslaner Statistiker N e e s e i» der„Zeitschrift sür Hygiene und Jnsektionskrankheiten" eine längere Arbeit. ZIls Kriteriu», der Wohlhabenheit wurde vi« Höhe der W o h n u n g s m i e t h e betrachtet, die von den ärztlichen Todteiibeschauern ans den Todtenbefiindszetteln»otirt wurde. Da dieS nicht allgeinern geschehe» könnt«, wurde» auch nicht alle Verstorbene» rubrizirt; von 9241 mußten 3619 gleich 39pCt. unberücksichtigt bleiben. Das Ergebniß der Berechnung ist nun folgendes: Es starben im Jahre 1896 vo» je 1999 Lebenden, die eine Wohnuiigsmielhe bis zu 399 Mark zahlte», 29,7, bei einer Wohnnngsmiethe von 391 bis 759 Mark 11,2, bei einet Mieihe von 751 bis 1599 Mark gar nur 6.5, im Durchschnitt 17.6 Personen. Ist schon nach diesen Zahle» die Sterblichkeit der arinen Breslauer Bevölkerung dreimal so groß wie die der reichen. so ist sie in Wahrheit doch noch größer, iveil die nicht mit ein- gertchnelen Verstorbenen(Dienstboten, Gewerbegehitfe», Spital- verstorbene w) wohl ausschließlich in die erste Mielhklasse gehören. Die größte Sterblidileits-Differenz wiesen natürlich die S ä» g l i n g e ans; mehr als die Halste der Lebendgeborenen starbeii bei der arinen Bcvölkerniig im Sänglingsalter, weniger als ein Sedzstel bei der reidjeu Bevölkernng. Rachtluhe für Nhcinschiffcr. Die..Volksstimme" in Frank- s»rt n. M. schreibt: Endlich, nach jahrelangen Anstreugnngcn »iifecer Genossen im hessisd)«» Landlage, scheint wenigstens in diesem Biliidesstaat etwas für die geplagten!)!hei»schifser gethan werden zu sollen. Das hessische Ministerium hat die Mainzer Handelskammer ersndit. sid, wegen Einführnng einer gesetzlichen Nadzlrnhe sür das Personal der Rheinfchisse mit den hiesigen Ver- lretern der Grvß-Sd>iss>ahrt in Verbindung zu setzen. DaS ist ja wenig genug; aber in Preußen ist nod) nicht einmal solch ei» kleiner Schritt zu verzeichnen. TejS Niederreiße» von Häuscrgruppcn» die ansschließlich oder voriviegend von Arbeitern bewohnt werden, wird in den Siädten Englands einem Gesetz zufolge nur dann gestattet, wenn mit dem Gesuch um Niederlegung von Häusern zugleid) ein Plan zur Errichlnng vo» E r s a tz h ä n i e r» vorgelegt ivorden ist. Während der letzte» zwei Jahre ist die Erlaiibniß z»»l Niederreißeu von 8596 Häuser» nur unter dieser Bedingung gestaltet worden. Depefrszen und letzte Ltochvhtzten. Budapest, 16. Oktober.(B. H.) Der Grundbesitzer Szilagy i» Nagyciiye erschlug nachts seinen 89jährigen Vater, weil dieser de» für ein verkanfie-Z Griindstück vereinnahinten Betrag nidst her- geben wollte. Beinelkeiisiverth ist, baß der Ermordete vor Jahren ebensalls seinen Baier nnd einen seiner Brüder ersdzlagen Halle, wofür er eine lange Kerkerstrafe abbüßen ninßle. Budapest, 16. Oktober.(W. T. B.) Der Finanzanssdi»b d>s Zlbgeordnelenhauses nahm die Gesetzentwürfe Über das Ausgleichs- provisoriilm, über das provisorische Budget»ud über die Verlange- riiiig des fiiianziellen Nebereinkoulmens mit Kroalien a». Basel, 16. Oktober. Namens der Bevölkerung Basels sandte ver R eg iern ng srat h n» Sl rii o ld Böckli» zn lesjcn beuligen, 79. Geburtslage ein G l n ck iv n n s d)> T e l e g r a m m uiiv wandelte den Namen der bisherigen Siindgauerslraße in Arnold Böcklinstraße»m. Zürich, 16. Oktober. Der Universitälsprofeffor nnd Direktor der staallicheii Irrenanstalt, Dr. Forrel, hat infolge vo» Angriffen seitens der Presse seine Aemler niedergelegt. Warscha«, 16. Oktober.(B. H.) Der wegen revolutionärer llinlricbe seit l'/e Jahren in der hiesigen Zitadelle i» Slrafhnsl be- findlidie österreichisdie Unlerthan JaroLlaiv Rozwoda ist sreigelafse», gleichzeitig aber ansgewiefen worden. London, 16. Okiober.(B. H.) Die heniigen Blätter verbreiten einen allgemeinen Aufrilf zur Errichiniig eines»»lernalionale» Wohllhäligkeitsbazars zur Unterstützung der oltoinanischen Ver- wnndete». 59 Pfd. Sterl. sind bereits gezeichnet. London, 16. Oktober.(W. T. B.) Wie verkantet, hat der Ministerraih die Frage der Wiedereröffnuiig der indische» Münzen sür die Silberprägnng berathe». Eine Entscheidung sei»od, nicht getroffen ivorden; aber die Angelegenheit werde in kurzer Zeil der Gegenstand weiterer Erörteriingeu zwischen dem Schatzkauzter uns den amerikanische» Eilber-Delegirten bilden. Max Babing in Berlin,»irrz» 3 Beilagen n llilicrhaltniigcblatt üf- 243. Ii. mm. KlliP i" ii ir 1 1............... Dev Alscnmnifleu-VottAvrV« Paris, A»sa»g Oktober. Vom 26. Srpkember bis S. Oktober tagte in Paris der sk>. Jahreöluilgrlst der„sozialisiisch- rcvolulioonren Arbeiterpartei" (Attriilaiüste»). Die uxgnvöhulich lauge Taguug erklärt sich daraus, daß die Tclegirten des aNemauislischc» Natioualkoiigresses— vielleicht mit«in paar Ausnahmen— gute Pariser sind, die zu« gleich im Besitz von Diaudateu einzelner provinzieller Organi- satiouc» sind. Der diesjährige Kongreß zeigte eine noch schwächere Vertretung als der vorjährige. Es waren vertreten IIV Organisationen(gegen- »Iber 127 im Vorjahre), darunter 66 gewerkschaftliche und blas 44 Partei Organisationen(gegenüber 55 Partei-Organisationen im Vorjahre), unter den letztere» IS fast sämnitlich»»bedeutende Gruppen ans der Provinz. Inwiefern die Gewerkschaften, die nur an den allgemeinen, nicht parteipolitischen Verhandlnngeu theil- nehmen, umitich auf allemanistischem Boden stehen, ergiebt sich aus folgendem offenherzigen Gestäuduiß des allemanlstischen Wochenblattes. Es heißt da über die gewerkschaftlichen Detegirten:„Das gemäßigte Element einiger Gewerkschaften sitzt Schnlter an Schulter mit organisalionsfreundlichen Anarchisten, und auch I n d i v i d n a- l i st e»(d. h. Anarchisten, die gegen jede Organisation sind) ver- thcidigc» mit Wärme und Uebcrzeugnng ihre Theorien..." Wie immer, stand an der Spitze der Tagesordnung der Generalstreik.'Ans dem Berichte des im Vorjahre gewählten Generalstrcik-Komitces gehl hervor, daß selbst der winzige Tbeil der französischen Arbeiter, der hinter den Alleinaniste» steht, dem Generalstreik gegenüber sich äußerst glcichgillig zeigt. Das Komitee ha! gar nichts genutzt. Dieselbe» Gewerkschaften, in deren Namen mau alljährlich de» fünfprozentigen Abzug von den gewöhnliche» Streik- »rntcrflutznngen siirdis„Genernlstrcikkasse" bcschließt.schicke» thatsächlich keinen Heller ein, auch diejcnijjeii Gewerkschasteu nicht, die wirklich eine generalstreikglnnbige Mehrheit ausweisen, so daß Allemane vor der Abstimmung über de» Generalstreik die Dclcgirten energisch um .Aufrichtigkeit" bat: lieber sollte» sie offen de» Generalstreik ver- »verseil, als sich shstematisch über die gefaßten Beschlüsse hinweg- zusetzen... Der sünsprozentige Abzug ist für Propagandazwecke bestimmt. Soweit sind nämlich die Allemanisten— mit wenige» Ausnahmen— schließlich zur Einsicht gekomme»,»m die Hoffnung auf die Ansammlung eines Fonds für das generalstreikeude Proletariat nufzugebe». Des»veiter?»»vnrde beschlossen, dein nengcwäblten Geueralstreik-Komitee»och diverse Subkomitce's in der Provinz zur Seile zu stellen: ein ivuiidersamer Glaube an die Koinilee-Spielerei! Bon der gleichen Wirksamkeit ist der Befchliiß, auch von der Presse, die «-lreikgelder sammelt, den fünfprozentigen Abzug zu verlangen. Schließlich soll jeder Kandidat für eine Wahlfunktion zur Propaganda für de» Generalstreik verpflichtet und im Weigernnassalle..schonungs- los bekäinpst" iverde». Dieser Beschluß kehrt stch. insoweit der allemanistische Einfluß reicht, direkt gegen alle sozialistische» Gegner des Generalstreiks. Der«rnzige praktische Punkt der allgemeine» Tagesordnung be- trifft die sozialpolitische Gesetzgebung. Man beschloß Ausdehnung der Geiverbegerichte auf all« Kategorien der Lohnarbeiter; Abschaffung des Koalitionsgesetzes von 18S4. d. h. volle Koalitions- sreiheit; strikte Anwendung des regelmäßig überschrittenen Dekrets der provisorischen Regierung von 1848 betr. das Verbot des Zwischen- unternehmerthums; Nnsallversicherung und Alterskasseu ausschließlich aus Kosten der Unternehmer; Erhöhung der Altersgrenze für die abrikarbeit von 13 beziv. 12 Jahren auf 16 Jahr« und strenge urchführung der Arbeiterschutzgesetze.— Aber der sektirerische Geist verballhornte auch diese an sich verstäirdigen Beschlüsse, indem den- selbe»» eine allgemeine Erklärung angehängt»vnrde,»vouach ans dem Bode» der bestehenden Gesellschaft keine Resormen zu giinsten des Proletariats zu erivarlen seie»... Ferner beschloß der Skoiigreß die Abschaffung der b e- stehenden gerichtlichen Organisation und ersetzte dieselbe durch eine demokratische und verallgenieinerte Organisation der Geschivorenengerichte. Zur Frage der„kapitalistischen Konzentration" »vnrde eine»vcitschiveifige Resolution augeuounnen,»vorin die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen aufgefordert»Verden, „schriltiveise und mit angestrengter Ülufinerksamkeil die verschiedenen Phase,» der Konzentration der Reichthümer in immer»veniger Händen zu verfolge»... Dies« beharrliche BeobachtnngSarbeil iann den» Proletariat zeigen oder ihn»»venigstenS das Vor- gefühl geben,... daß die Stunde gekommen ist, auf de» Kampfplatz zu treten, um mit der ganze» Macht seiner intelligenten Energie zun» Berschivinde» der letzten Spuren der uralten Barbarei beizutragen, damit die Menschheit, nachdem das Martyrologiuin des Proletariats«in Ende genomine» hat, die Morgenröthe der Solidarität zivischen allen denkenden Wesen an- brechen sehe,»velche alsdann durch die Gemeinsamkeit der Interessen und die gleiche Liebe zur Wahrheit»viederversöhnl sein»verde»»." Diese von Allemane verfaßte Resolution liefert beilgnfig ein Muster der Phraseologie des Führers der Fraktion. Die Frage der„Z u k u n s t s g e s e l l s ch a f t", die bereits nnznhlige Male a»fs gründlichste debaltirt»Vörden»var, ist durch Beschluß des vorjährigen Kongresses zu einem ständige» Thema aller allemanistischen Kongresse erhoben»vorde». Die betreffende Resolution konstatirt zunächst, daß man auf grund der iniiner mehr fortschreitende,> kapitalistischen Konzentration behaupte» könne,„ohne in eine Utopie zu verfalle», daß die Vergesellschafllichung allen ReichthumS und der Sieg des Kouimuuisinus das i»oth>vendige(tatals) Ergebniß der gegenwärtigen Gesellschaft ist." Andererseits aber seien die „Affoziatioue» der Arbeiter aller Kategorien, vereinigt an» folgenden Tage»ach der Revolution i» einer allgemeinen sozialen Assoziation. einzig berufen, die Arbeit, den A»lstausch, die Produktion und die Bertheilung der Produkte neu zu organisiren. Diese Aufgabe kann in keinen, Falle irgend»vclchen politische» Gelvaltcn anvertraut»verde»." Nichtsdestoweniger empsichtt der Kongreß allen Arbeiterorganisationen, und zivar in allen Ländern, ihre Zeit zu vergeuden mit dem„Studium der Orgauisaliou der ZnkunsS- gesellschast". Die parteipolitischen Fragen werden, wie immer in geschlossenen Sitzungen verhandelt. Nur die betreffendeu Beschlüsse sind in» osfizielleu Organ veröffentlicht. Der starre sektirerische Charakter der Richtung hat stand gehalten auch vor der von grund ans veränderte» politische», Siiuatio». Trotzdem»» den kommenden K a in»» e r>v a h l e>» die Reaktionäre alter Schattiriinge» zun» erste» Mal a>!f der ganzen Linie i» geschlossener Front kämpfen»verde»,. haben die Allemanisten ihre alte Wahllaklik beibehalten. Der Kongreß verwarf„jedes Bünduiß, jede Einigung oder Verständigung mit allen außerhalb der sozialistisch-revollltiouäre» Arbeiterpartei steheude» politische» Organisationen und Personen", das heißt, wohl- gciuerkt, auch mit alle» nicht zur Sekte gehörende» fozialisti- s ch e>» Orgauisatione». Und selbst»u den Slichivahleu, an denen der allemanistische Kandidat sich nicht betheiligt, soll das Wahl- komitee keinen der Kandidaten empfehle», und mag /»» proletarischer Sozialist im Kampfe gegen einen»vaschechten Bourgeois stehe»! Glücklicheriveise reicht der allemanistische Einfluß nicht über einige Wahlkreise vo» Paris und Umgebung hinaus. Eine Abiveichung von dem Dogma der„ s ch»v i e- l i g e n Faust" bedeutet der Beschluß, daß auch Nichl-Lohnarbeiter als Kandidaten aufgestellt werde» dürfen. Die Allemanisten haben endlich eingesehen, daß„der Fortschritt der sozialistisch-revolntioiiär«»» Ideen keineswcgs auf die Kreise des industriellen und ländliche» Proletariats beschränkt ist und daß man aller zur Partei kommende» Intelligenz und Energie bedarf, ohne Rücksicht ans die in der be- stehende» Ordnung»purzelnden Unterschiede in der sozialen Lage der Parlcianhänger." te Jonsiiriö" Krliim Schließlich sei erivnhnt die»vicder einmal formnlirte A n f- fafsnng von der Wahlaktion,»vonach diese vo» der Er- vbernng der politischen Macht„formell zu unterscheiden" ist, da„die beiden Dii»ge nicht nothivendig znsainmenhängen". Die Allemanisten ersetzen ja die Eroberung der poliiische» Macht in allen Formen durch den Generalstreik. Die Wahlnktioi» sei aber nützlich, INI» für das Parteiprogranin» Propaganda zn mache»»,»im in den gewKhlten Körperschnfte» eigene Partei- Vertreter zu haben,»velche dort die Grundsätze der Partei proklnniire» und die Arbeileriiiteressei» verlheidigen»nid außerdem i» der Provinz als Propagandisten»virken könne».... Es fragt sich nur, ob die Alleiiiaiiiftci» mit ihrem sektirerisch-feind- lichm Verhalten gegenüber den andere» sozialistischen Richtmige» auch nur ihre bisherigen, in der Kammer vo» fünf ans drei, im Pariser Gemeinderath vo» vier auf eine» znsannnengeschipvlzene» Vertreter behalten»verde».— Isuv die Opfev dev Vatttpfrophen sind NN? ferner die folgende» Beiträge zugegangen: Freunde, trotz alledem 10,—. Ueberschuß von» Gesangvmi» „Zaget nicht". Steglitz 5,45. Durch die Expedition der„Mauizer Votkszcilung", Mainz 12,86. Snmma 26,25. Bereits quillirt 3424,16 M. Gesammtsumme 3456,35. Weitere Beiträge nimmt unser« Expedition entgegen. Uolmles. Wm Dienstag finden für sämmlliche sechs Berliner Reichstags- Wahlkreise Versammlungen stall, in»velche», über die Verhandlungen deS Hamburger Parteitages Bericht erstaitet»vird. Auch sind in diesen Versaiiimlungen die V e r t r a u e n s p e r s o n e>,, soivie die Mitgleder zur Lokal- und P r e ß k o n» m i s s i o n nen zu»vählei». Jeder Parteigenosse, jede Geuossi»,»vird vo» der Wichtigkeit dieser Versammlungen überzeugt sein. Inden»»vir noch auf die näheren Angaben in» Jiiseratentheil vcriveisci», erivartc» »vir, daß überall siir regen Besuch dieser Versammlungen agilirt iverde. Die Bertrauenspersone». Freie VolkSbiihnc. Heute, de» 17. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, findet in» Friedrich-Wildelmslädtischeu Thealer iür die II. Ablheilnng die ziveit« Anfführinig der„Hexe", von A. Fitgcr, Trauerspiel in 5 Akte», unter Mitwirkung folgender Gaste statt: Th a lea: Serap h ine D etsch»); Almuth: Emma T h o n r e t; Xaver: VI i ch a r d O e s« r vom Deutschen Theater. Tie Vorstellung der III. Abtheilimg ist ans den 24. Oktober, die der IV. Slbtheilnug ans den Lt. Okiober festgesetzt. Die drei ersten A b t h e i l u» g»>» sind geschlossen und können Mitglieder ,» u r»och für die IV. A b< theilnng a n f g e n o in»» e n»verde». Die außerordentlich günstige Anfiiahwe des letzte» Stückes hat den Andrang derart gc- steigert, daß der Vorstand beschloß, eine Vorstellung für die IV. Abtheilniig z« a r r a» g i r e». Es ist daher eine Pflichi aller Mitglieder, für die schleunige Füllung der IV. Ablheilnng Sorge zu tragen. Die G e» e r a l p e r s a>»»» l»» g findet a»> 25. Oktober, 8>/s Uhr, in K e 1 1 e r' S F e st s ä l e n statt. Der Vorstand. I. A.: G. Winllcr. Tor Nutrag, beireffend die Anscrtignng vo» K n»» st>v e r k e» im Anstände, der kürzlich von nnserc» Parteigenossen in der Stadl- verordneten-BersaniinInng gestellt»vorde» ist, hat»veile Kreise ge- zogen. Vor einige» Tagen brachte» verschiedene bürgerliche Btäiicr ein« Nachricht,, vouach ein in Berlin nnsässiger italienischer Bild- haner, Herr Casal, drin Mitarbeiter der Mailänder Zeitung„Cemero della sora" allerhand Kiinstgeheimniffe ausgeplaudert hat, derc» Kern in kürze ist, daß die Berliner Bildhauer überhaupt gar nicht fähig sind, oidcnlliche Marniorarbeilei» z» liefer». Weiler theille der Herr mit, daß er verschiedene Statuen für die Siegesallee ans- zuführen erhalten habe. Warum Herr Casal diese Arbeiten erhalte», geht ans einer Mit- lheiluiig der„B i I d h a» e r- Z e i t»>» g" hervor, die sich des Falles gründlich annimint. Das Fachblalt schreibt: „Für jedeS einzelne der anSznführende» Denkmale in der Sieges- alle« halten hiesige deutsche Bildhauer 25 666 M. verlangt,»vo- für zn fertigen geivese»»väre», die Eiatne, zivei Büst»>(von bekannte» Zeitgenossen des betreffende» Herrschers aus dem Hoden- zollcrnhnnse) und eine mit Ornameiiteu versehene Bank. Herr Casal verpflichtete siel», all das für 17— 18 666 M. auszuführen. Also er blieb der Gepstogenheit seiner kapiialisti- scheu Landslenle in Italien treu und drückte i» ganz ungehöriger Weise auf die Preise." „Der„erste italienische Bildbanermeister Berkins",»»!e er sich i» bürgerliche» Blättern»ennen läßt, hat erst seil ca. 4 Jahren ein eigenes Atelier. Er beschäftigte mit Vorliebe italienische Kollege» bei einer durchschnittlich neiiiistündigen Arbeitszeit. Man deachte das ganz besonder?, da die Cteinbildhnucr Berlins im allgemeine» die 7>/zstni»dige Arbeitszeit eingesührt habe». Er bezahlte siir Punktiren 4,56, böchstcnS 5 M, während der Minininllohn für Steinbildhauer 6 M. ist. Einen heiNoscu Schrecken hatte er vor o r g a n i s i r t e» A r b e i t e r» und suchte seine Landslente, die bei ihm arbeitenden Gehilfen, vor jeder engere» Berührung mit jene» möglichst zu schütz«,»." „Was er über die Leistungssähigkeit der deutsche»» Steinbildhaner erzählt hat, ist e i t e l F l n n k e r c i. Es ist eilie Kühnheit sonder- gleiche», z» behaupten, daß die deutschen Sieiiibildhauer durchaus nichts von Marmor verstehen beziv. sich»»'cht an dieses Material geivöhiici» können, während doch die größte Anzahl der deutschen Kunstiverke in Marmor vo» Deuls6)eii gefertigt»vorde» ist. Nicht verkannt soll»verde»», daß die Italiener i» einer geradezu ver- bliifftiide» Art»nit den» Bohrer zu arbeite» verstehen,»vodurcb nur allein die Tiefen und die Durchführung i» den Details möglich »verde»», sodaß einen das Gefühl überkommt, sie zerbrechen dein» An- schauen. Eine derartige Behandlung hat aber mit Kunst nichts mehr zu thun, das ist Handiverk, rein technische Fertigkeit." So die„Bildhaucr-Zeilung", die an» Schluß ihrer Anssührunge» »och eine Erklärung italienischer Bildhauer veröffentlicht,' in der es heißt: „Beziignebineiid auf die Veröffentlichung der Mailänder Zeitung „Corrioro della sera" von» 3. d. M. unter den» Titel„11 dono doli' Imperatore"(Das Geschenk des Kaisers),»vorin der Bildhauer Casal in Charloltenbnrg bei Berlin die Pflichir», ganz auöer acht läßt, die ihm die deutsche Gastfreundschaft auserlege», sostre. und »vorin er die deutsche», Marmoibildhauer und Steinmeben in ihrer Gcsammtheit in einer böchft„npaffcndeii Wei,e an- greift, indem er behauptet, daß sie die Marinortechnit nicht beherrschen und in diesen» Material nichts leiste» können, pr ote stiren die in Berlin beschäftigten italienischen Bildhauer und Eteininetzen energisch gegen die vo» Herrn Casal den» Korrespondenten der.vorrioro doli» sera" gemachten Behauptungen. Sie zollen den deutschen Kollegen die höchste Achtung und verivahren sich entschieden dagegen, mit Herrn Casal einer Meinung zu sein." Wir sind gespannt, ob die bürgerliche» Blätter, die bei jedenr Anlaß der Sozialdemokratie gegenüber darauf poche», daß sie de» Patriotismus i» Erbpacht baben, jetzt anständig genug sein»Verden.»»» i» diese», Dilemma zivischen internationaler Profitivuth und natiouoler Kunst »veuigsteus vo» den ErklSrungen der von dem Italiener Casal au- gegriffenen Bildhauer Notiz zu nehinen. MMllü. Attiililiiz, 17. Odlulttt 1837. ■■mia.uMi.Mi im i«iii Für daS städtische Bibliothekslvcscn Berlins hat das Iah« 1836/67, über das jetzt der Bericht der Verivaltungskommission vor- liegt, einen bcmerkensivcrthen Aufs ch>v u n g gebracht. I» den 27 Bibliotheken»varen am 1. April 1367(beziv. 1596) 63 526 (95 768) Bände vorhanden. Verliehen»vurden in» Jahre 1866/6? (beziv. 1895/66) 543 586(462 748) Bände. 1866/67 wurde», 86 832 Bände mehr als 1665/66, 264 333 Bände mehr als 1896/91 verliehe». Der Bericht führt die Zunahme d e r B e» u tz u>» g, die namentlich im lctzle» Jahre sehr bedeutend»var, zurück auf die vor fünf Jahren bcgoniicnc, durch außerordentliche Beivillignng größerer Geldmittel ermöglichte Ausmerzimg unbrauchbarer Bücher, Nenansstattung der Bibliolheke» n»d Neudruck der Kataloge, ans die Erleichterung der Benutzung der Bibliotheken und die Berdilligung der Kataloge, auf das Offen hallen mehrerer Bibliotheken i» den Abendstunde»(dreimal in der Woche, in» ganzen sechs Siunden). Die absolut und relativ»veitaus stärlste Zunahme der Benutzung(von Ii 528 Bänden im Borjahre auf 32 665 in» Berichtsjahre, also um 21 677 gleich 183 pCt.) hatte die 1. Bibliothek(Mvhrenstraße). Hier sührt der Bericht die Steigerung der Vennhuiigsziffer auch ans die an» 16. Oktober 1836 erfolgte Eröffiinng der mit dieser Bibliothek ver- bundenen 1. Lesehalle zurück. Seitdem»vird die Bibliothek,»vie die Lesehalle, an allen Wochenlage» abends von 6—3 und a» Sonntage»» mittags vo» 11—2 offen gehalten. Bon den hier verliehenen 32 666 Bänden kamen auf die 164 Tage vom 19. Okiober 1866 liis 31. März 1367 allein 23 636, die von 6952 Männern und 2573 Frauen, zur samnicn 12 525 Personen(pro Tag dnrchschnilltich 76) ciitliehcu »vurden. Die Lesehalle wurde an 164 Tagen von 12 687 Männern und 762 Frauen, zusammen 12 873 Personen(pro Tag dnrchsdznitllich 78) besucht. Tie Lesehalle hat nur 42 Sitzplätze; sie ist in» Winter jede» Abend von Eröffnung bis Schluß voll besetzt geivese», und nach Angabe des Berichts haben viele hundert Personen»vegen Naunimangel abgciviesen»verde», miisseu. Ausfällig ist, daß das Iveibliche Geschlecht so spärlich nuter de» Besuchern vertreten Ivar, — eine Erscheinung, die übrigens auch i» der Lesehalle der„Deutschen Gesellschast für ethische Kultur" beobachtet»vorden ist. Der Bericht der Verivallu»gsko»»nissio>i erhofft eine noch größere Zu-- »ahme der B i b l i o l h e k s s r c q u e» z von»v e i t e r e n Wer« b c s s e r u n g c n, die in Aussicht genommen sind: von der Ein» sührni g des Abcndbclricbrs i» imiuer mehr Bibliothclci», von der Ausdehnung des Betriebes»nöglichst auf alle Tage der Woche, von der Eiridstniig anderer Lesehalle». Ohne cnlsprechcndc Erhöhung der E t a t s i» i t l e l sei die Ausdehnung des Betriebes aller- dings nicht möglich,„aber wir hoffen(sagt der Berichi)«ns das versiäiidiiißvolle und»vohlivollende Entgegenlowmen der Gemeinde- behürdcn." Man darf hier vielleicht den Wunsch hinzufügen, daß schließlich auch mit der oben erivä Hilten?lus- m e r z» n g der»» a ch Inhalt» n d Form»verthlyseiz Bücher>» u t h i g f o r t g e s a h r e>»»vird. DaS Bircher« »interinl der BollSbibliolhekcn hat sich gegen früher unleugbar ge» bessert, aber«S ist doch noch himmeliveit vo» dem entfernt,»vnS rn einer Sindt, in der die Mehrzahl der Bevölkerung auf dem Bode'» der moderne» Ül r b e i t c r b e>v e g u» g steht, von euicr ivirk- liehe,> Bolksbibliothkl verlangt»verde» muß. Daß die Bibliotheken endlich einmal auch in diese»» Sinne»cn ausgestattet»verde», daraus darf freilich vorläufig»»»»er noch nicht gerechnet»verde»». Eine solche Reso»»»» des städtische» Vollsbibliolhekeinvescns findet ipedcr beim Magistrat, noch bei der Mehrheit der Sladlverordiicten, noch anch bei de» meisten Mitgliedern der Bib!iothcksloin»iissi>0ii ei»„verstäudnißvolles lind»vohlivollendeS Entgegcnlonuueu". � VI» Main», der die Militarmlsthandlitiigen spaßig fluhet. ist der Heransgeber der„R e i ch s g e r> ch l s- K o r r e s p o n d c» z Herr Karl Lenste in Leipzig. Dieser ordliungStreue Bürger der großen Seestadt berichtete gestern über eine» traurigen Fall von Miliiärmißhandlung, von den»»vir unter der heutige»„Gerichis- zeiinng" entsprechend Notiz nehmen. Wenn unsere Leser den be- treffende» Bericht lesen, so»verde»» sie sinde», daß die Quälereien. die dem arme», Rekruten Lupinski von seinein Vorgesetzten bereitet ivorden sind, recht roher Art»varen; andernsalls»vären sie bei den derbe» Anschaunngeii, die in der Armee über Liekrnlenerzichung herrsche», ganz geiviß nicht i» der Weise,»vie geschehe», bestraft , vorde,». Der Herausgeber der„Reichsgerichts-Korrespondenz" nun bringt es seriig, a» den Mißhandlunge», eine— heitere Seite zn entdecken. Er leitet den Bericht mit einer Dar- stellnng der begniigeiiei» Rohhciisdelikie ein, die,»von»» nicht als Berherilichuiig, so doch zum miiidestei» als Eulschnldigniig der de- gangene»'Itbschculichkeitcn ansznsasse» sind. Mau lese die folgenden, »värilich a»>s der Korrespondenz abgedruckten Zeilen: „Lnpinski»vnrde cinmal, als er Slnbeiidienst hatte, von dein revidirendcn Gisreiten Gebhardt korrigirt, inden» ihm dieser»nit dein Besen ans Knie st u p s t e.(!) Derartige Zurechtweisungen »varen nun znar früher auch üblich, wurden aber nicht so sch m erzlich einpsund«»», wie von unserem papierne» Ge- schlechte, das in seiner hochgradige», Nervosität der- artige Erjieln»igcn>i»tet als. S o l d a t e» m i ß h a n d l n» g e n bezeichnet. Wenige Tage daraus halte Musketier Lnpinski beim Antreten seine» Helm uiilernehmeiid auf die eine Seite gesetzt. Das steht ma» bei der Infanterie nicht gern, deshalb trat der Rekruten- Unterosfizisr Sergeant Thiel an ihn heran und setzte ihin de» Helm gerade. Seit es Helme und Siekrnten-lliiterosfizicre in der deutschen Armee giebt,»verde» bekanntlich Helme derart ausgesetzt, daß sie erst ctivas vo» dem Haupte, daß sie bedecke» solle», emporgehoben und dann mit steigender Geschwindigkeit auf dasselbe n i- d e r g e d r ü ck l»verde». Anch an diesem s r o m»» e», durch das Aller geiveihten Branche»vird jetzt gerüttelt n»d es giebt Leute, die das Helmaussetzen anch sür ei»« Soldaten- »> i ß b a>» d l ui» g hatten." I» solchen rohen Witzeleien, deren sich das skrupelloseste Reptil schämen»vürde, ergeht sich der Bericht, veiter, so daß an» Ende eigentlich der Mißhandelte statt seiner Peiniger als der Schuldige erscheint. Eine derartige Slohheil ist eigentlich»och schlimmer ein- zuschätzen, als die vo» dem Vorgesetzie» des Soldaten begangenen Delikte, und zur Elrase grzicint es sich von Rechts»vege», daß der Herausgeber der„gicichsgerichls-Korrespondenz" einmal ganz gehörig »»it dem Besen„gestupst" würde. Im Reichs- ivrrsichcrungSamt werden jetzt infolge der Er- iiennniig des Direktors Gabel zun» Präsidenten verschiedene V e r- ä n d e r>r n g e n»vthmendig. Das Institut hatte unter Bödicker drei Ablheiliingcn. Geheimrath Dr. Sarrazin dirigirte die UnsaU- abtheilniig und»var darin,»vie nllgrniei»» anerkaiiiit»vird, in» durchaus nrbcilerfreiliidlichcn Sinne rhatig. Wie min jetzt verlautet, soll er Direktor der Allers- und I n v n l i d i t ä t? a b l h e i- l n n g»verde», der bisher Gabel vorstand. Das»väre in» Interesse der Arbeiter sehr zu b e d a n e r n, niandelle doch er von allen lltäthe» des!)ieichs-Be»sichcni»gsa»iUS am meisten in den Fnßtnpten des früheren Präsidenten Dr. Bödicker. Direktor PfarriuS vo» der Vor- ivalliingsabtheiluiig soll die Unfallablheilung in Zukunst»och mit dirigire». Ueber die Versetzimg des Herr» Sarrazin herrscht Zetzt schon in d c r u s S g e i, o s s e»> s ch a s l l i ch e n Kreise» große Freude. Die Loprakonfcrenz ist gestern geschlossen»vorden, nachdem folgende Ltesolnlion Annahme gesunden hatte: 1. In allen Ländern, in denen die Lepra herdipcise oder in größerer Verbreitung niiftriit, ist die Isolation das beste Mittel, um die Verbreiinng der Seuche zu verhindern. 2. Das System der obligatorischen Anineldnng, der Ueberivachung und der Isolation,»vie es in Norivcgen durchgeführt ist, ist allen Nationen mit antononien Gemeinden und hinlänglicher Zahl der Aerzte zu empfehlen. 3. Es muß de» gesetzlichen Vehörbcn »berlaffe»,»verde»», nach Anhörung der sanitären Autoritäten die näheren Vorschriften, die de» speziellen soziale» Berhällnissen au« gepaßt»verde» müssen, festzustellen. Politische Gcfaiiaene sn prenszischen Gefängnissen. Einer der tu» meisten in die Augen fallenden Flecken an dein so wie so nicht allzu verlockend ausschauenden Körper des preußische» Militär- und Polizeistaates bildet bekanntlich die Manier, in der mau in den Gefängnisse» mit chrenhnfleit Leuten umgehl, welche das Unglück baden, sich wegen Handlungen, die hierorts noch als politische Strafthalc» betrachtet werden, gegen die aber in Kulturstaaleu nicht der armseligste Schutzmann aus die Beine zu bringen ist, aus Monate und Jahre hinaus ihrer persönlichen Freiheit beraubt zu sehen. Am Ende des Jahrhunderts besteht in preußischen Gefäng- nissen noch der in Ländern mit moderner Kultur völlig unver» stäudliche Brauch, diese hochachtbaren Männer und Frauen so zu behandeln, wie Betrüger»nd Diebe auch behandelt iverden. Schon oft ist dieser Zustand von unseren Parteigenossen im Parlament und in der Presse durch Anführung tief- beschämender Thatsachen dargelegt und mit den schärfsten Worten gerügt worden, ohne daß irgend eine Abhilfe erfolgt wäre. Als der Abgeordnete Auer vor einigen Monaten im Reichstage auf die Be- Handlung politischer Gefangener zu sprechen kam und eine Reihe unwiderlegbarer Fälle der öffentlichen Benrthcilnng unterbreitete, wußte der Minister nichts zur Rechtfertigung vorzubringen, und er versuchte erfolglos, die Richtigkeit der Mittheiluugen in Zweifel zu stellen. Neuerdings sieht es so aus, als ob in der Behandlung politischer Gefangener noch eine Verschlimmerung eingetreten wäre. In den Gefängnissen nämlich, welche dem Justizministeriuin nuterstehe», kann de» Gefangenen in dem Falle, daß sie einen Unternehmer finden. Selb st beschäftig un g gewährt werde». In den dem Ministerium des Innern unterstellten Gefängnissen besteht diese Einrichtung überhaupt nicht, dort müssen Schriftsteller und Redakteure Wolle zupfen. Dem Wesen der ge- wählte» Selbstbeschäftigung nun wurde in de» Gefänguissen der erstgeuannteu Kategorie insoweit Rechnung getragen, als man von dem in betracht kommenden Gefangenen kein bestinnutes tägliches Zlrbeitsquanlnm forderte. Nunmehr ist aber versügt worden, daß ailch diese Gefangenen ihr„Pensum" zu absolviren haben, welches je»ach der Art der geistige» Beschäftigung festgesetzt wird. Diese neueste Leistung der preußischen Gefängnißbureaukratie führt nun zu wunderlichen Konsequenzen. Für das Pensum iverden den Gefangene» täglich zehn Pfennig gutgeschrieben, also sechzig Pfennig für die Woche. Die Hälfte dieser Summe, mithin 30 Pfennig, erhalten fie als sogenannte Zubuße, während die andere Hälfte für sie echt bureaukratisch aufgespart wird, damit sie am Tage der Entlassung nicht �mittellos" dastehen und vor„Rückfälligkeit" bewahrt werde». Nach der neuen Verordnung müsse» die Gefangenen auch noch von der Hälfte des ihnen zugewieseneu Verdienstes die Auslagen für Wäsche und für Jnstandhalten ihrer eigenen Kleidung bestreiten. Passirt nun einem solchen Gefangenen das Unglück, daß er, wenn auch ohne sein Wisse», seinen„Etat" überschreitet, d. h. mehr als die Hälfte seines Verdienstes verbraucht, dann wird er bestraft. Er erhält in diesem Falle für den ganzen folgenden Monat keine Zub-uße, mag er auch das volle oder gar das doppelte Pensul» liesern. Diese Verordnung wird mit aller Strenge durchgeführt, uiid es ist vorauszusehen, daß der politische Gefangene hinfort gar oft ans die Schmalzstulle, die trockene Schrippe oder die Zigarre, die er sich zuweilen leisten konnte, verzichte» und sich darin fügen muß, daß er mit»och ärgerer Schädigung au seiner Gesundheit, als früher, das Gefängniß verläßt. Das einzige, was sich gegen eine derartige Behandlung thun läßt, ist, daß mau fie öffentlich der Veurtheilnng der gesittete» Menschen preisgiebt. Ein Bravonrstiilklein dcS FiSkuS wird in folgendem be- rannt: Die für die Beamten des Strafgesängnisses P l ö tz e» s e e rrballten fiskalischen Wohnhäuser haben ans höhere Anordnung seit einigen Tage» die Treppenbeleuchtung e i u g e b ü ß t. Die Bewohner dieser Hänser, sämmtlich Aufseher und Oberausseher des genannten Gefäuguiffes, ivare» von der Direktion ausgcforderl rvordeu, jährlich G M. für die Treppenbelcuchliing zu zahlen; doch erhielt die hierzil in Umlauf gesetzte Liste nicht eine einzige Zustimmungserklärung. Daranshin wurden sämmtljche Gasarme auf den Fluren und Treppen abgenoiinneu, so daß mit Beginn der Dunkelheit in den von je sechs kinderreichen Familien bewohnten Häusern die Treppen in tiefe Finsteruiß gehüllt sind. Die Aufseher, die bei ihrem Gehalt vou »OG oder 1050 M. eine derartige nnsierordeutliche Gassteuer als ivenig gerechtfertigt ansehe», stützten sich in ihrem Widerstande ans die bei der Uebernahme einer solchen Dienstwohnung mit jedem Beamten aufzunehmende Miethsverhandlung und außerdenr ans das allgemeine Gesetz, wonach der H a u s e i g e n t h ü m e r für die Treppenbeleuchtung aufzukommen hat. Indem der Staat von den Inhabern dieser Wohnungen das ihnen gesetzlich zustehende Wohuungs- gcld einbehäll, zahlen die Beamten die volle Miethe, wofür nach ihrer Ansicht der Fiskus als Hauseigenlhümcr auch verpflichtet ist, die polizeilich gebotene Treppenbeleuchtung de» Mielhern zu liesern. Die Beamten wolle» nun ihren Anspruch auf dem Wege der Klage weiter verfolgen. Ter Winterfahrplan der grosic» Berliner Pferdebahn tritt am 21. d. M. in kraft und bringt in bezng aus Fahrpreise einige wesentliche Aenderungen. So wird aus der Linie Gcsnnd- brunnen— Kreuzberg die 20 Pf.-Theilstrecke bis Jerusalemer Kirche nach dem Halleschen Thor verlängert. Der Fahrpreis sür die Strecke Gesundbrunnen— Hacke'scher Markt ist aus 10 Pf. herabgesetzt. Fernere Ermäßigungen treten ein auf den Linien Waldstraße— Schlesischer Bahnhof, Hafenhaide— Ralhhaus, Gesundbrunnen— Kreuzberg vi-r Weddiug, Schönhauser Thor— Wilmersdorf, Behrenstraße— Treptow, Alexanderplatz— Lützvwplatz, Zoologischer Garten— Knstrinerplatz, Marheineckeplatz— Gesundbrllnncn und Wilmersdorf— Spiltelniarkl Die Linie Alexanderplatz— Lützowplatz wird bis zum Hansaplatz verlängert, der Fahrpreis der ganzen Strecke ist ans 20 Pf. sestgestellt. Bei Zugrundelegung der diesjährigen Wintersahrpreise ist im Durchschnitt eine Strecke von 3500 Metern sür je 10 Pfennig an- genommen. Ter Berliner Magistrat wird von der„Kreuz-Zeitung" wegen der Haltung gelobt, die er in der letzten Stadlverordnetensitzung den bekannten Anträgen unserer Parteigen offen gegenüber eingenommen hat. Wir habe» trotz aller Gegnerschaft Achtung genug vor dem Magistrat, un, ihm zu diesem gewiß nicht beabsichtigte» Erfolge unser tiefstes Beileid auszusprechen. Mit den Nenbanten der Hochschule» für die bildende» Kiiuste»nd für Musik scheint bald Ernst zu werden. Dem Pächter der sog. Westeisbahn, deren Gelände gegenwärtig als Sportplatz für Radfahrer und Law» Tennis dient, ist zum I. April 1808 gekündigt worden. Ans diesem ausgedehnten Grundstück unmittelbar am Bahnhof Zoologischer Garten sollen die neuen Bauten sür die räumlich zu vereinigenden Hochschule» errichtet iverden. Der neue Etat sür 1898/09 dürfte bereits Ausschluß über die beabsichtigte Ge- staltung der Sache geben. Kartcnbricfe. Das Amtsblatt des Reichspostamts veröffent- licht«ine Verfügung des Staatssekretärs des Reichspostamts, wonach vom l. November ab Karten briefe mit eingedrucktem Werthzeichen zu 10 Pfennig eingeführt und bei den VcrkehrSnustalten des Reichspostgebietes zum Nennwerlh verkaust iverden. Ans die Kartenbriefe finden die Vorschriften für Briese Anwendnng. Im Privativege hergestellte Kartenbriese sind zulässig. Ter Direktor der Berliner Packctfahrt-AkticngcseUschaft Major a. T. t». Liudhcini ist gestern Nachmittag infolge eines Jnfluenzarücksalls nach kurzem Krankfein gestorben. Er war ein ausgesprochener Feind der organisirten Arbeiterschaft und wegen seiner militärischen Schneidigkeit bei den Angestellten in hohem Grade unbeliebt. Nach dem Vorgänge der Magistrats-Hilfsarbeiter streben die i» städtischen Diensten stehenden Berliner Sa niläts- Thier- ä r z t e a», sich die Rechte der Kommunalbeamten im Sinne der preußischen Städte- Ordnung zu erwirke». Insbesondere gehen sie darauf aus, daß ihnen Unkündbarkeit ihrer Stellung und Pensions- berechtigung zugebilligt werde. In der„Verl. Thierärztl. Wochen- i schrift" wird zur Begründung der Forderung ausgeführt, daß die ' Thätigkeit der städtischen Sauiläts-Thierärzte„keine rein niechanische", wie die der Arbeiter ist, und daß die Fleischschau zu den sanitären »nd nicht zu den gewerblichen Einrichtungen zu zählen ist. Jetzt hat nur der Ober- Thierarzt Beamteneigenschaft. Die Thierärzte stehen mit der Stadtverwaltung im Vertragsverhältuiß.— Es ist eine echt freisinnige Anschauung, daß allenfalls nur die Angestellten, die im Dienste der Stadt„geistig" thätig sind, Pensionsberechtigung haben, während man alten Leuten, welche jahrzehntc- lang ihre K ö r p e r k r ä f t e der Stadt zur Verfügung gestellt haben, ohne Skrupel den Stuhl vor die Thür« setzen darf. Tie Wahl des Jskrant zum Pastor in der hiesigen Sophien- gemeinde, die immer noch nicht bestätigt worden ist, hat zivische» zwei einander würdigen Blättern einen argen Krakehl hervorgebracht. Die radau-antisemitische„Staatsbürger-Zeitung" und der fromm- blinzelnde„Reichsbole" liegen sich in den Haaren. Letzteres Blatt, als das schlauere, hat nämlich doch ein Haar in dem Zuwachs ge- fluiden, den die Antisemiten von der vernagelten Richtung dem Berliner Pastorenlhum zuführen wollen. Das erregt natürlich den Zorn der„Staatsbürger-Zeilmig", welche in der Sonnabendnnunner mit geradezu strafwürdiger Tolpatschigkeit alle amüsanten Helden- thaten des Jskraut der llieihe nach herzählt, um zu beweisen, daß sie trotz allem kein Aergeruiß erregt, sondern der Kirche genützt haben. Es kommt dem Organ der Radau-Antisemilen natürlich auch nicht aus ein bischen Lügen au. Einer der Vcrtheidignngssätze, die den Jskraut gewiß zu dem Ausruf veranlaßt haben:„Gott schütze mich vor meinen Freunden", lautet:„Seine soziale Thätigkeit vor- urlheilt die Behörde init Worten, wie sie zeitiveise fast täglich in sozialdemokratischen Blättern zu lesen sind; dabei hat der Kaiser ihn gerade nach dieser Richtung hin belobt" Wenn das etwa heißen soll, daß auch von sozialdemokratischer Seite gegen die Berliner Würdigkeit des Jskraitt geschrieben worden ist, so ist das eine grobe Unwahrheit. So wenig wir uns sür kirchliche Dinge interessiren, so erschien uns der Fall des Jskrant doch nuzieheud genug, um stets zu betonen, daß dieser Mann unbediiigt nach Berlin kommen muß. Zinn Fast Ziethen wird der„Berl. Ztg." geschrieben, daß neiterdiiigs seitens der Znchlhausverwaltung in Werden eine strengere Behandlung des Gefangenen'Albert Ziethen eingetreten ist. Die Gründe dafür sind verschiedener Natur. Ziethen halte vor längerer Zeit einen Aiifruf verfaßt, den er an seinen Britder absenden wollte. Dieser Aufruf sollte zur Gewinnung netter Zeugen in Elberfelder Blättern veröffentlicht iverden. Die Znchthausdirektion inhibirle den Brief jedoch und stellte Ziethen scharf zur lliede. Es wurde ihm bedeutet, daß er sich endlich doch be- ruhigen solle, er bewirke ja mit seinen fortgesetzten Bemühungen nur, daß ganze Stöße Akte» sich bei der Justizbehöide anhäuften(!!), die Zuchthausdireklion habe mit keinem Gefangeiien wieder gleiche Schcerereie» gehabt.(!) Weiter iviirde Ziethen auch nicht gestaltet, einen an ihn gerichteten dringenden Brief zu beant- worten. Auch das Gesuch seines hiesigen Bruders, dem Gefangenen eine Strafaussetzung zu beivilligen, ist, was allerdings vorauszusehen ivar, seitens der Staatsanwaltschaft verweigert worden. Es werden im Laufe des WinlerS eine Anzahl Bolksversaunnlungen in Berlin und in der Provinz sich mit der Sache beschäftigen. Wie wir e> fahren, soll die Publizirung eines Schriftstückes, das nicht für die Oeffcnllichkeit bestimmt war, den Vorwand zu der harten Maßregel gegen den unglücklichen Ziethen abgegeben haben. Vier Kinder in furchtbar verwahrlostem Zustande sind gestern dank dem energischen Eingreifen des Waisenrathes Herrn Richter anfgefnuben worden. Das in der Niiklanierftr. 6 wohnhafte Behreudt'sche Ehepaar hat seine vier Kinder im Aller vou 8, 7, 2>/z und l'/e Jahren in einem Ranm eingepfercht gehalten und in llnralh geradezu verkommen lassen. Der Waisenrath ließ die un- glückliche» Geschöpfs, die sich i» einem geradezu grauenhafte» Zu- stände befunden haben solle»,»ach deni Waisenhause in der Allen Jakobstraße bringe». Wie eS kam, daß die Eltern so arg ihre Er- ziehitiigspflicht vergaßen, wird nicht berichtet. Ei»»eneö Opfer des Tombanes. Vom Neuba» des Domes ist gestern aus einer Höhe von etwa 16 Meiern der'Arbeiter August R. abgestürzt. Der.Unglückliche, der beide Beine gebrochen hat, wurde mittelst Kopp'scheu Kraiikenwageus nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Eine Aufsehe» erregende Vcrhaftnitg hat am Freitag in der Hanuovers cd cnstraße slatlgesundi». Durw die Berliner Kriminal- Polizei wurde Frau P r e in i e r- L i e u t e» a» t v. R e ch b e r g unter der Bezichtigung der schweren Kuppelei verhastet.(Das Delikt der„schweren Knppelei" liegt nur vor, wenn die Opfer des Verbrechens der Familie im engsten Sinne angehören.) Die Beschuldigte hat sofort den Rechtsanivalt Werthaner mit der Berlretniig ihrer Rechte und Interessen beauftragt und dieser hat znnächst die'Ans- Hebung der Hast beantragt, da augeblich keinerlei Grund vorliege, welcher geeignet wäre, die Fortdauer der Hast zu rechtfertigen. Tie Saminelliste Nr. 132 vom Form erstreik, ist ver- loren gegangen. Es wird ersucht, dieselbe bei S t i l l e r. Koppe»- straße 59 v. I abzugeben. lieber daS seltsanic Verschwinde» von S7vv Mark ist der Kriminalpolizei folgend- Meldnng gemacht worden. Der Halts- Verwalter R., welcher Häuser für die Deutsche Bank venvaltet, halte am Donnerstag 2700 M. Mietheu eingezogen und steckte diese Summe in Banknoten in die Ueberztehertasche, um sie Tags darauf der Bank zu überbringen. Am Donnerstag Abend begab sich der Verivalter nach den Deutschen Konzerlhalleu an der Spandauer Brücke und hielt sich dort etwa eine Stunde auf. Beim Fortgehe» vergaß er jedoch den Ueberzicher ntitzunehmeu; nach seiner eigenen'Angabe besuchte Si. noch ein Lokal und fuhr mit der Pferdebahn bann nach seiner in Schöneberg belegenen Wohnung. wo er bei seiner Ankunft erst— den Ueberzieher vermißte.— Erst am Freitag Vormittag gegen halb II Uhr fuhr i>i. nach den Deutschen Konzert- Hallen zurück und erhielt den dort aufgefundenen Ueberzieher aus- gehändigt, das Geld jedoch fehlte! Statt des erwarteten Trinkgeldes wurde der Kellner, der das ikleidmigsstück am Abend vorher in Ans- beivahruug genoiumen, nach der Polizeiivache sisiirt. Doch hatte das eingehende Verhör ebenso wenig Erfolg, wie die in der Wohnung des Verdächtigen vorgenominene Haussuchung. Die Polizei steht nun der Anzeige des Verlierers des Geldes ziemlich skeptisch gegen- über, umsomehr, als der beschuldigte Kellner schon seit vielen Jahren in dem obenerwähnten Lokal angestellt ist und sich des besten Leumundes erfreut. Ein schweres Fahrstnhl-Ungliick ereignete sich gestern Mittag auf dem Grundstück Nene Königstraße 74. Dortselbst wird gegenwärtig ei» Hintergebäude zu Fabrikzweckeu errichtet, in welchem auch ein Fahrstuhl gebaut wird. Gesternt Nachmittag stand der Bauherr, Herr Wagenfabrikant Kliemt, mit dem Monteur P. und einem Arbeiter im Fahrstnhlschacht, während der unfertige Fahrstuhl selbst, der niit einem Boden noch nicht versehen, in der Höhe der ersten Etage au einer Kramme befestigt war. Die letztere brach plötzlich und der Fahrstuhl sauste in die Tiefe. Herr Kl. sowie der Arbeiter, die dicht am Etiigange standen, vermochten sich noch durch eine» Sprung ins Freie zu flüchten, während der 65jährige Monteur P. nur durch einen Schritt nach der Milte des Schachtes vor dem Er- schlageuwerdeu durch den Fahrsttthllrauz behütet wurde. Die zer- brochene schivere Kramme jedoch siel P. auf den Kopf; der Monteur erlitt hierdurch eine schwere Schädelivnude sowie eine Verletzung des Auges und mußte sofort nach dem Kranleuhattse im Friedrichshain gebracht werden. Groffstadt-Eleiib. Der 42 Jahre alle Tischler Julius Ihn wohnte mit seiner 35jährigen Mutter und seiner Frau seit zwei Jahren im Hause Gitschiuerstr. 73 im ersten Stock des Hofgebändes. Seine Frau war Hebamme und wurde vor l�-t Jahren wegen Verbrechens in ihrem Berufe zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt. Vor b/« Jahren erkrankte Ihn und war bis vor fünf Wochen im Krankenhause. Während dieser Zeit war seine alle Mutter ans Almosen und den geringen Betrag von Wascharbeiten augetvieseu, die sie trotz ihrer Jahre noch verrichtete. Da Ihn an der Schwind- sucht litt, so konnte er auch nach seiner Etttlaffttttg auS dem Kranken Hause nicht arbeiten, sollte vielmehr zunächst das Rekonvaleszenten- heim in Malchow misstichett. Gestern sollte er dort aufgeiioniineil werden. Da er aber gar kein Geld hatte und auch nichts geborgt bekommen konnte, so erhängte er sich vorgestern Abend an der Stubenthür. Durch Explosion einer Petroleniulanipe wurde Sounabeiid. abends 9 Uhr, das Dienstmädchen Ida B r ä u e r, Landsbergerstr. 9. schwer verletzt. Dieselbe mußte in ein Kraukenhaus gebracht werden! Fcncrbcricht. Freitag Abend 7 Uhr erfolgte blinder Lärm nach Boeckhstr. 25, wo sich Rauch im Schornstein versetzt hatte. Eine Stunde später war Sickingerstr. 24 ein Gardineubrand zu löschen, der nur geringen Schaden verursachte. Kurz nach 10 Uhr war S ch ü tz e n st r. 34 Petroleum im Hausflur in Brand gerathen, das aber noch rechtzeitig gelöscht werden konnte. Znr selben Zeit wurde die Wehr nach G e r t r a u d t e n st r. 21/22 alarmirt, ohne jedoch irgend welche Fetierspttren entdecken zu können. Sonnabend Mittag 12 Uhr ivar K u r f ü r st e n st r. 12 ein kleiner Schornstein- brand ausgebrochen, der aber ohne Hilfe der Wehr gedämpft wurde. Infolge niedergedrückten Rauches erfolgte um 2 Uhr nachmittags ein Alarm nach Große F r a n k s u r t e r st r. 39. Eine Stunde später war S ch u l z e u d o r f e r st r. 16 im Keller Petroleum in Brand geratheu, das noch rechtzeitig gelöscht werden konnte, bevor erheblicher Schaden verursacht wurde. Ans de« Nnchbnrorie«. Schöneberg. Wir machen die Mitglieder deS Arbeiter» Bilduiigsvereins nochmals auf die am Montag, den 13. d.M., stallfiiidende Vercinsversantmliing aufmerksam, wo Genoffe Dr. Bor- chardt eine» Vortrag über:„Die Entwickelttng der Fernrohre" halten wird. Den letzten Bericht der Generalversanunlnng ergänzen wir dahin, daß zum Vorsitzenden für das laufende Jahr der Genosse Bernhard Spittel, Erdmannslr. 6, H. r. II, gewählt worden ist. Ferner fordern ivir alle Parteigenossen von Schöneberg auf, dem Ülrbiiter-Bildungsverein, der die einzige politische Organisation am Orte ist, das größte Interesse zuzuwenden. Der Verein be- schästigt sich in seinen Versammlungen mit allen Vorkommnissen auf politischem, wie wirihschafllichem Gebiet und bietet seineu Mtb gliedern eine Reihe von Vorträgen populär- wissenschaftlichen Jnc Kalls. Die Versainmlititgeu finden regelmäßig Montags nach dem 1. n n d 15. jeden Monats bei O b st, Grunewald- slrnße 110, abends 3'/s Uhr, statt und haben Gäste Zutritt; eben- falls werden daselbst Neitantiielditngen entgegengenomnten. Die Parteigenossen von Pankolv-Niederschönhaiisen werden ersucht, sich an der am Dienstag bei Störr in Pankow, Mühlen« straße 25, stattfindenden Volksversainrnlung zahlreich zu belheiligeu. Auf der Tagcsorditung sieht: Bericht und Neuwahl des Vertrauens- mannes und Neuwahl der Lokallommisfion. Näheres im heutige» Juseratentheil. Der Vertrauensmann. Ter Gesangverein„Cnrilia" in Wilmersdorf feiert am 13. November im Vckioriagarleu sein Stiflungsfest; das Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung. Die uns bevorstehenden Wahlen machen es jedem klassenbetvnßteu AtbeUer zur Pflicht, nur >n den Lokale» zu verkehren, welche uns auch zu Verfaminlnngen offen stehen. Die Parteigenossen von Dentsch-Wilmersdorf werden demnach wissen, wie sie sich zu dem Bestreben, Billets in Arbeiter- kreisen zu verlreiben, zu verhaltet! habe». Die Lokalkommisston. I. A.: O. Nerre, Pjalzburgerstr. 67. Frtedrirhöbcrg. Die nächste Versammlung deS Arbeiter« BildungsvereinS findet erst Dienstag, den 26. d. M. statt. Tie Geiiiciudevertretiiitg im Vorort Britz hat vorgestern einstinunig beschlossen, bei den zuständigen Behördcit das Ausscheiden der Gemeinde ans dem Amtsbezirk Rixdors und Bildung eines eigenen Amtsbezirks zu beantragen. THettkev. Wochen> Spielplan der hiesigen Theater. Freie YolkS- b ü h n e. Heute, nachmittags 3 Uhr, im Fnedrich-Wilhelmstädtischen Theater: Für die II. AbtheiUrng: ,.D ie Hexe" von A. Fitger. Trauerspiel in 5 Aufzügen. Beginn der Vcrloosung der Plätze 2 Uhr. Die Rolle der ..Thalca" ist besetzt durch Frl. Serafine Detschy a. G.,„Aluiuth" Frl. Emma Thourct und„Xaver" Herr Oescr vom Deutsche» Theater als Gast.— Opernhaus. Sonntag, 17.;„Der Freischütz". Max: Herr Ernst KrauS a. G. Montag: 18.: 2. Sinfonie der königlichen Kapelle. Dienstag, 19.:„Die Airikanerin". Anfang 7 Uhr. Mittwach, 20.:„Lohcngrin". Lohengrin: Herr Ernst Kraus a. G. Anfang 7 Uhr. Donnerstag, 21.: „Häusel und Gretel".„Die Puppenfee". Freitag, 22:„Der Evangeli- mann".„Phantasie im Bremer NachSkeller". Anfang 7 Uhr. Sonn« atiend, 23.: Zum ersten Male:„A Basso Porto".„Die Jahreszeiten". Sonntag, 24.:„Margarethe". Faust: Herr Ernst KrauS alS Gast. Anfang 7 Uhr. Montag, 25:„A Basso Porto".„Die Jahreszeiten".— S ch a u f p i e I h a u S. Sonntag, 17. Ottober;„Der Verschwender". Valentin Herr Max Hofpauer, tgl. bayerischer Hofschauspielcr. a. G. Mon- tag. 18.: Geschlossen. Dienstag, 19.:„Waidwimd".„Eingeschlossen". Mitt- woch, 20.:„König Lear". Donnerstag, 21.:„Goldfische". Freitag, 22.-. „Minna von Barnhelm". Sonnabend. 23.: Zum ersten Mal:„Helga's Hochzeit". Sonntag, 24.:„Hclga'ö Hochzeit".'Montag, 25.:„Hamlet, Prinz von Dänemark.— Im Neuen l ö n i g l. O p c r n t h e a t e r (Kroll). Sonntag, 17.:„1812". Sonntag, 24.:„Die Ouitzows."— Der Spielplan des Deutschen Theaters weist für diese Woche svlgcnde Vorstellungen auf: Sonntag Abend„AgneS Jordan", Montag „Mutter Erde", Dienstag„Agnes Jordan", Mittwoch„Mutter Erde", Donnerstag„Agnes Jordan", Freitag„Die verstutlene Gtockc", Soitn- abend„Mutter Erde, nächstsolgenden Sonntag Abend„Agnes Jordan"; Nachmittags- Vorstellungen: diesen Sonntag„Faust" mit Joses Kautz in der Titelrolle, nächstsolgenden Sonntag „Die Räuber" mit Josef Kainz alS Franz Mohr.— Der Spielplan des Berliner Theaters für die nächste Woche steht unter dem Zeichen von Goethe.„Faust", der Tragödie II. Theil, welcher am Sonntag erstmalig in Scenc geht, wird am Montag, Mittwoch, Freitag (7. Abonnementsvorstelltmg), Sonnabend niid Sonntag wiederholt; der I. Theil kommt am Donnerstag zur Aufführung. Diesen Sonntag ist als Nachmittags- Vorstellung„Tante Jette" angesetzt. Im Rcsidenz-Theater findet die letzte Somitags-Aiiffnhrung von dem Schwank„Die Einbcrusung" statt. Nachmittags geht„Odette" zu halben Preisen mit Marie Frauendorfer mii» Theodor Brandt in den Hauptrollen in Szene.- Im Lessing- Theater gelangt der neue dreiattige Schwant„Hans Hnckebein" von Oskar Blunientyal und Gustav Kadelburg am Sonntag, am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, am Sonnabend und am nächsten Sonntag zur Auffuhrüng Hermann Vahrs' vicraktlge Komödie„Das Tschapcrl" wird bereits am Montag in den Spielplan wieder ausgenommen, während am Freitag Louise Dnmont ihre künstlerische Thätigkeit im Lessing-Theater in Hermann Sudermann's Schauspiet„Sobvms Ende" wieder oegittnen wird. Ais Nachmittagsvorstellung gelangt am heutigen Sonntag„Nathan der Weise", am nächsten Sonntag„Heimath" zur Aufführung.— Der Spielplan des Neuen Theaters für die kommende Woche wird anöschließ- lich von„Aschermittwoch" von Hans Fischer und Josef Jarno, vorher: „Lieb im Spiel" von Norbert Fakt, beherrscht. Am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, gelangt„Trilby" zu halben Preisen zur Aiissührung. Im Goethe-Theater verbleiben„Tyrannen des Glllcts" sür Sonntag, Montag, Mittwoch, Sonnabend im Wochenspielpian.„Ein Svmmernachts- träum" wird Donnerstag gegeben unv für Dienstag ist die erste Äufsührnng des Voiksftückes„Haseniann's Töchter" von Ad. L Arronge angesetzr, das gleiche Stück wird am Freitag cV1I. Abonnements-BorsteUung), sowie am Sonntag darauf wiederholt. Als Nachmittags- Vorstellnngen sind bestimmt ioorden: diesen Sonntag„Othello", nächsten Sonntag„Kabale und Liebe".- Im Theater Unter den Linden wird sür nächste Woche alS vierter Abend de» Offenbach- Zyklus„Madame Favart" vorbereitet.— Im Schiller-Theater findet«onntag Nachmittag als 2. Vorstellung im Schiller-Zhllus eine Ausführung von„Kabale und Liebe" statt, abends wird Anzengruber's Bauernloinödie„Die Kreuzelschreiber" gegeben. Wieder- holungcn des neuen Rculingschen Schauspiels„Das Siärtere" sind für Montag und Mittwoch angesetzt, Dienstag geht„Ein Tropfen Gift", Donnerstag„Madame Vonivard" in Szene. Für Freitag ist die erste Anfsührung von„Khritz- Pyritz", Posse mit Gesang in drei Alien von H. Willen und O. Justtnus, Musik von G. Michaelis in Aussicht genommen, Sonnabend wird diese VorsteNung wiederholt.— Der Wochem'ptelplan des Luisen-Theatcrs ist folgendermaßen fest- gesetzt: Montag, zum ersten Male wiederholt:„Kavale und Liebe"; Dienstag: „Der große Wohlthäter"; Mittwoch:„Die Räuber"; Domierstag:„Der große Wohlthäter"; Freitag:„Kabale und Liebe"; Sonnadcnd:„Der gioße Wohlthäter"; Sonntag Nachmittag, zum I.Male:„Maria Stuart"; abends: „Der große Wohlthäter".— Im Ostend-Theater gelangt beule Nach- mittag zu J)fiT6en Preisen:„Unsere ReichSpost" zur Ausführung; abendS •l't Uhr wird„Tic©eiftergiorfe" zum ersten Male wiederholt.— Im F e e n p a la st' wird zur Zeit die Berliner Posse von Ely„Eine wilde Sache" aufgeführt._ Soziale Neltzkspflege. ZluSsehen der Arbeit tind die KiiudiguugSfrist. Die Niiher�n Sch. verlangte von dein Schneidernieisler ttaroß eine Lohnenlschädigung und führte zur Begründung vor der Kammer I des Gerverbegerichts folgendes ans: Sie sei damit ein« verstanden gervese», einige Zeit auszusetzen. Nach ein paar Woche» habe sie dann niehrrnals vergeblich bei K. um Arbeit nachgefragt, stets sei sie vertröstet worden. Das letzte Mal habe der Beklagte geanlivorlet, sie könne noch wer weiß wie lange warten, che Arbeil vorhanden sei. Als sie ihn nun auf die Islägige Kündigungsfrist ver- wiesen habe, sei er grob geworden und hieraus hätle sie sich als entlassen betrachtet und sich Buch und Karte geben lassen. Der Beklagte de- houptele dagegen u. a., beim letzten Dtal der Klägerin gesagt zu haben, in drei bis vier Tagen werde er neue Aufträge erhallen. Der Ge- riciilshof verurlheilte de» Beklagten zur Zahlung von 33 M. und führte aus:„Selbst angenommen, die unbewiesene Behauptung des Beklagten wäre richtig, so hätte die Verurlheilung doch erfolgen müssen. Solange der Arbeiter mit dem Aussetzen einverstanden sei, könne er daraus keinen Anspruch herleiten. Jeden Augenblick sei er jedoch berechtigt, zu beanspruchen, daß er entweder für die Dauer der Kündigungssrist weiter beschäftigt werde oder, wenn dies abgelehnt werde, eine Entschädigung erhalte. Eine» solchen An- spruch habe Klägerin erhoben, als ihr das Aussetzen zu lange dauerte, und trotzdem habe Beklagter ihr keine Arbeit gegeben und sie auch nicht zu sich gebeten, als er Beschäftigung für sie Halle. Ihre Forderung sei deshalb berechtigt. 2>uch ein EntlassuugSgrund. Herr Gläser von der Firma Gläser u. Groß traf seinen Maschinisten K. eines Tages beim Bierlrinken an. Aergerlich darüber, daß sich der Arbeiter während der Arbeitszeit eine Erquickung gönnte, untersagte er es ihm, im Fabrikraum Bier zu trinken. St. antwortete hieraus, er sei doch nicht im Zuchthause. Nach einer halben Stunde war er seine Slellnug los. Er klagte gegen Gläser u. Groß beim Ge Werbegericht <">f eine Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassung. Herr Groß machte dagegen vor der Kammer V gellend. Kläger ser zu recht entlassen worden; mit der Aeußerung, er sei doch nicht im Zuchthause, habe er den§ 4 der Fabrikordnung verletzt. Ter Paragraph enthält die Bestimmung, den Anordnungen des Arbeitgebers und der Borgesetzten sei pünktlich und gewissenhast Folge zu leisten. Der Gerichtshof verurlheilte jedoch die Firma, dem Kläger 42 M. zu zahlen. Tie Arbeitsordnung verbiete das Bier- trinken in der Fabrik nicht, es sei deshalb darin keine grobe Pflicht- Verletzung zu sehn. Nu» sei ja die Aeußerung: Ich bin doch in keinem Zuchthause! allerdings eine Ungehörigkeit, indessen berechtige sie noch nicht zur sofortigen Entlassung. sie hätten nicht wegen Ehebruch? bestraft werden können, da die Ehe des| fällig diese Folge der Mißhandlung und fragt« de» Gequälten nach Gerichts-Äeikung. Ein Mufterpatriot ist der Gastwirth F. König aus der Schön- hauser Slllee. Er hatte sich gestern wegen Beleidigung seines Haus- wirths vor dem Schöffengericht zu verantivorte». König hatte alS„alter Soldat" am St. Sedantage in einer Brauerei in Wonne geschwelgt und kam in kriegerischer Stimmung vor sein Hans an. Dort sah er seinen Hauswirlh Greye vor der Thür stehen und zu Ehren des Tages Jlluminations-Streichhölzer verbrennen. Das ärgerte Herrn König. Sein Hauswirth war zwar lange Zeit sei» Freund und Duzbruder gewesen, er hatte sich diese Ehre aber durch zwei gewichtige Umstände verscherzt: zunächst hatte er dem An- geklagten das Lokal aufgekündigt und dann hatte er— wenigstens behauptet es der Angeklagte— in einer feierlichen Stunde versprochen,„keine Sozialdemokraten" und„keine Juden" in sein Haus zu nehmen und diesem Ver- sprechen soll er uutreu geworden sein. Kurzum: der patriotische Sinn des Herrn König machte einige Kapriolen, alS er den HauSwirlh sah, und er goß über denselben eine ganz- Fluth von patriotischen Schimpfereien.„Er solle nur nicht denken, daß er ei» Patriot sei. wenn er JNuminations- Streichhölzer anstecke, dazu gehöre doch mehr; er sei d e r ä r g st e Sozialdemokrat:c.:c." Daran reihte sich dann eine Fülle schwer beleidigender Ausdrucke, die Herr Greye nicht ans sich sitzen lassen mochte. Er erstattete die Strafanzeige gegen König. Der Gerichtshof erkannte auf S0 M. Geldstrase. Eine knifflige Rechtsfrage wurde in einem Strafverfahren wegen Ehebruchs in der NevisionSinstanz anfgeivorfen. Ein Künstler im Reiche der Musik war zu einer Sängerin in nähere Beziehungen getreten. Die Folgen waren ein Ehescheidnngsprozeß und ei» Strafverfahren wegen Ehebruchs. Der Künstler winde von seiner Frau gerichtlich geschieden, und zwar auf grund des Z 673 II. 1 des Allgemeinen Landrechts, wonach die Ehe getrennt werden kann, wenn ein Umgang erfolgt sei, der die dringende Bermuthung einer Beiletznng der ehelichen Treue begründe. Später wurden die beiden Verliebten zu Gefängnißstrafe» verurthcilt. Das Uriheil wurde ans den Z 172 des Strafgesetzbuches gestützt, der auf Ehe- brach Strafe setzt. In ihrer Revision»lachten die Angeklagten nun geltend, Mannes ja nicht wegen Ehebruchs schlechthin aus grund de? ß 670 II, 1 des Allgemeinen Landrechis geschieden worden sei, sondern auf grund des oben zitirlen§ 673 II. I. Der Strafsenat des Kaminergerichts wies aber in seiner letzten Sitzung die Revision als unbegründet zurück. Der Umstand, daß die Trennung der Ehe ans grund des§ 673 erfolgte, stehe der Verurlheilung wegen Ehebruchs nicht entgegen. Allerdings sei erforderlich, daß die Strafkammer nicht nur eine dringende Vermuthnng des Ehebruchs feststelle, sondern die wirkliche Begehung eines solchen. Sei das Urlheil ans dem Scheidungsprozeß von der Strafkammer berücksichtigt worden, dann komme es an ans die Uebereinstimmung des unerlaubten Umganges im Sinne des S 673 mit dem von der Strafkammer ermittelten Ehebruch. Beide Voranssetzungen seien aber hier erfüllt. Ein Pnttkamcr in der Klcmine. Gegen den Landrath von P u l t k a m e r in Ohlau(Schlesien) eröffnete das zuständige Amtsgericht das Hauplverfahreu, weil er hinreichend verdächtig sei, den Gutsbesitzer Birnde grob beleidigt zu haben. Der Sach- verhalt war kurz folgender: Der Landrath hatte angeordnet, daß in Sitzmannsdorf ein Mühlgraben am 29. und 39. Juni v. I. geräumt werde. Die Räiimungsarbeiten wurden jedoch erst am!. Juli unter Aufsicht des Orlsvorstehers Birude begonnen. Pultkamer erschien deshalb im Orte und machte Birnde darüber in Gegenwart ver- schiedener Leute Vorhallungen. Wie Birude in seiner Privatklage gegen ihn behauptet, hat ihn der Herr Landrath dabei mit den Worten angefahren: Stecken Sie die Nase ins Buch, so einen dummen Schulzen kann ich nicht gebrauchen. Auch rielh Puttkanier ihm, die Neuwahl zum Schulzen nicht anzunehmen; er würde dafür sorgen, daß er nicht wieder bestätigt werde. Die giegiening erhob zu gunsten des Piiltkamer den Konflikt. Sie stützte sich ans seine Angaben und führte unter anderem ans, der Orlsvorsteher habe seine Pflichten ver- nachlässigt«nd sei ihnen infolge geringer Geistesgaben thatsächlich nicht gewachsen. Der Landrath als die zuständige Aufsichtsbehörde habe seine Widerhaarigkeil und sein Unverstäudniß rügen dürfen. Es könne nicht davon die Rede sein, daß der Landrath seine Befugnisse Über Ireten hake. Die gebrauchte Form sei nicht nnangeinessen. Pultkamer habe in dem„deutlichen Tone" gesprochen, mit dem der V o r g e s e tz t e eine grobe Ungehörigkeit seines Unter- g e b e n e n rügt. Auch habe v. P. nur gesagt, w i n ii B. so dumm sei, dann könne er ihn nicht als Schulzen gebrauchen, und nicht: einen solchen dummen Schulzen:c Die Aeußerung über die Neuwahl sei ledige lich ein wohlwollender Rath gewesen. DerKonflikibeschäsligle am 15. Oktober den ersten Senat des O b e r- V e r w a I t u n g s gerichts. In einem Schristsatz bestritt der Piivatkläger Birude die von der Regierung übernommenen Angaben deS Landraths und machte geltend, v. Putlkammer habe sün final den Vorwurf der Dummheit derart wiederholt, daß Leute über eine Entferiinng von 59 bis 69 Schritt die Worte gehört hätten. Birude wurde in der öffentlichen Verhandluiig durch den Juslizrath Albert Träger vertreten. Dieser hob hervor, daß die von der Regierung vertretene Anschaining geradezu b edenklich sei. Wollte man das Betragen des Landralhs gnl- heißen, so würbe das mehr als alles andere geeignet sein, die Auto- rität der Behörden zu erschüttern. Schäl« man den Kern ans der Phrase von dem„deutlichen Tone" heraus, dann bleibe nur übrig, daß der Landralh tüchtig geschrieen habe. Das Ober- Verwallungsgericht erklärte gleich säminlliche» gntachttich gehörten Justizbehörden den Konflikt siir unbegründet. Dem Fortgange des Beleidigungsprozesses gegen den Edlen v. Piitttamer steht jetzt also nichts mehr im Wege. Ans den Gründen des Urlheils ist hervorzuheben: Die Landräthe seien ans grund des§ 139 der Landgemeinde-Ordiinng berechtigt, den Ortsvorslehcrn Vorhaltungen zu machen und pflichtwidriaes Verhallen derselben zu rügen. Auch habe es hier an einem Anlasse dazu»ach der pflichlmäßigc» Ueberzeugung des Landraths nicht gesehlt. Allein der 'Angeklagte von Pultkamer sei denn doch über die Grenzen des den Anssichisbchördeu zustehenden Rechts hinaiisgegangen; selbst dann wäre er es, wenn mau feine'Angaben dem Uitbeil zu gründe legte. Auch die Worte:„Wenn Sie zu dumm sind," eiiitnelien einen Zweifel an der Intelligenz des Birnde. Er hätte diesen der Pflichlvergessenheit oder Nachlässigkeit zeihen, nicht aber ans einen Mangel an Geistesgaben dindenten dürfen. Und in dem Ratbe, die neue Wahl zum O> lsschnlzen nicht auzunehm«», sei mit Rücksicht aus die begleitenden Umstände ebenfalls eine Amts- übertrelnng zu sehen. Ein Bild bvl» Kascrucuhofc. Der Hanptmann a. D Otto S t u b e n r a u ch wurde am 2l. Mai 1397 von der Straskammer beim Amtsgericht N e i d e n b u r g wegen Vergehens gegen die 8 113 und 147 des Militär- Straigesetzdnches zu 6 Wochen Gefängniß und zu 3 Tagen Hast verinlheilt, das heißt, die eine Strafe, weil er ein Vergehen seiner Untergebenen zu getinde, die andere Strafe, weil er sie damit zugleich zu hart bestraft habe. Unter ihm diente der Musketier LnpinSki. der von seilen seiner nächsten Vor gesetzten mehrfache Mißhandlungen ansznsiehe» hatte. Einmal„stupste' ihn der Gefreite Gebhard beim Stiibendieiist mit einem Besen schmerz Haft an das Knie; ein andermal setzte ihm der ssiekrnlen Unieroffizier Sergeant Thiel den Helm mit solcher Vehemenz aus den Kvpi, daß dem Unglücklichen vorSchmerz die Thränen in die Auge» Iraten. Ter mit der Rekriitenanibildung betraute Osfisier, Lienleiiant Livonins, sah zn- zusammentreten, schilderte fort, er wolle die Sache hängen; den Sergeant die Rekruten abnahm und zndiktirte, während er de» der Ursache seines KummerS. Der Rekrut theilte pflichtgemäß mit. was in seinem Falle zu melden war; der Lieutenant machte dein Hauptmann Stubenrauch davon Mittheilung, und dieser tröstete ihn auch darüber; bat ihn auch noch, nichts davon nach 'ans« zu schreiben, während er ihm die Bestrafung der eiden, die ihn gequält hätten, zusagte. Der Hauptmann hielt denn auch Wort: er ließ die Unteroffiziere ihnen die Vorgänge und fuhr dann nicht erst an die große Glocke Thiel strafte er damit, daß er ihm vier Wochen Kaserne narre st Gefreite» Gebhardt den Weihnachtsnrlaub entzog. Nun trat ein auf- fälliger Fall ein, der Musketier Lupinski eulfernte sich von seinem Triippentheile und meldete sich dann beim Regimente zu Deutsch- Eylau. wo er erzählte, wie es ihm gegangen sei. Das Regiment leitete eine Untersuchung ein, auf grund deren gegen den Sergeant und den Gefreiten mit A r r e st st r a f e n vorgegangen würde; gegen Hauptmann S t u b e n r a n ch wurde seilens der Militärbehörde kein Strafverfahren ein- geleitet, da er schon seinen Abschied genommen hatte. Wohl aber ging das Zivilgericht gegen ihn vor, da nach der Ver- ordnnng vom Jahre 1899 die verabschiedeten Ossiziere nicht mehr dem Mililär- Strafverfahren unterstehen. I» dem Verhalte» des Aiigeklagleu wurde einerseits eine Unterdrückung der Meldung erblickt. die nach § 113 mit Arrest oder Gefängiiiß zu bestrafen ist; andererseits wurde ans grnnd der Bestimmung, daß dem Hanplinann nur das Recht zusteht, als Disziplinarstrafe höchstens acht Tage Kaserneiiarrest zu verhängen, ein Ueberschreiten der ihm zuüeheiiden Sirasbesngniß angenommen, die nach§ 147 mit drei Tagen Hast gesühnt wurde. Die königl. Slaalsanwalischast legte im Interesse des An- geklagten gegen das Uriheil Revision ein und rügte zur Rechtfertigung derselben Verletznug des§ 232 Str.-Pr.-O., welcher bestiimut, daß ein Angeklagter vom persönlichen Erscheinen in der Hauptverhandlniig eiilbunde» werde» kau», wenn er nicht mehr als sechs Wochen Gesängniß zu erwarleu hat. Im vorliegenden Falle war nun der Angeklagte vom Erscheinen entbiinden und erhielt gleichwohl mehr als sechs Wochen. Es wurde als eine prinzipielle Frage bezeichnet, ob bei Realkonknrienz das Gericht den vom Er- scheinen in der Hauptverhandlniig Entbuiideneii bestrafen kann, wenn die Einzelstrafen ziisammeiigenoninien mehr als sechs Wochen betrage». Außerdem sei die Miiideststrafe irrthiimlich mit 6 Wochen angenommen, während doch die niedrigste Gefängnißstrafe nur 1 Tag betrage. Der Reicbsanwalt hielt die Slevision für»nbegründet und meinte, nur die EiiizelstrafediirseiiachZ232$t.-P.-O nichlüberüWochen betragen. Nach dem Mililär-Strafgesetzbuch sind Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen mit Arrest überöWochen aber niii Gefängniß odcrFestiiiigabziiinacheii. Wird also Gefängniß vei hängt, so ist»lindestens ans 6 Wochen und einen Tag zu erkennen. Das Reichsgcrichl hob jedoch das Urtheil auf lind verwies die Sache zur iiochmaligeii Verhandlung an die Voriiistanz zurück. Die wegen der Höhe des Slrasniaßes ein- gelegte Revision ist unbegründet, da schon zu giiiisten des Ängeklagten ans einen Tag zu wenig erkannt ist, aber die Rüge wegen Verletzung des Z 232 St. P-O. greift durch. Sobald eine Freiheilsstrase über 6 Wochen als Ergebniß der Haiiptverhaiidluiig zu erwarten ist, muß der Angektagie gegenwärtig sein; ob es sich dabei nur um eine oder um mehrere Thateu handelt, ist gleich- g'klig._ Briefkasten der Expedition. H. B. Tie Tomieistags-Zeitiiiig erhallen Sie Freitag früh. Kock. Berlin. Wir bitten um Angabe Ihrer Wohnung, wir werden Ihnen dann die gewünschten Zeitungen ziiscnden. WIllei niigslibcrsicht vom 16. Oktober IRfl7. llvettcr-Proguose für Sonntag, de» 17. Oktober IkM>7. Vorwiegend heiter und am Tage marin bei mäßigen südlichen Winden, keine oder unerhebliche Niederschläge. B e r l i n e r W e t i e r b u r e a n. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser innigst geliebter Vater, der Tischler und Pianoforte-Arbciter I»«"»!! im 61. Lebensjahre nach längerer Krankheit am Freitag, den 15. Oktober. sauft entschlafen ist l286b Die trauernden Hiutcrblicbcuen. Tie Beerdigung findet am Montag, den 18. d. M., nachm. 4 Uhr, vom Trauerhausc, Naunynstr 87. aus statt. Todes- Anzeige. �iitriil-Krilllkeil-«. Sterhe- kilsie der Tischler ti.s. w. (Verwaltnng Berlin H.) Am Donnerstag, den 14. Oktober, verschied unser Mitglied slg/18 AdoBf Schüler im Alter von 4Z Jahren am Herz- schlag. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Oktober, nachmittags 2'/, Uhr. vom Trailerhause Schlefische- straße 38 aus statt. Um rege Betheiligung ersucht Die Lrtoucrwaltung. Allen Freuiidcu und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau Anna Krüger geb. Weidner, am Donnerstag, den 14. Oktober plötzlich verstorben ist. Tie Beerdigung findet heute Nach- mittag 4 Uhr in Wilhelmsberg statt. 1280bj Ter trauernde Gatte: Fritz Kriifjor, Möbelpolier. Ten Mitgliedern des Verbandes aller im Handels- und Transport- gewerbe beschäftigtenHilfsarbeitern die traurige Nachricht, daß unser Mitglied Iilldvig Eichen plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Oktober, nachmittags 2 Uhr, von der Leichen- häkle des St. Georgenkirchhofcs in Weißensee statt. 287/8 Ter Borstaud. Ain 16. d. M starb hier, nach l7jährigei» Auseiithalt in BnenoS-Ayres. nach kurzem, schwerem Leide» unser lieber Bruder, Schivager.und Onkel, der Tischler nte]*H»aiKih Kreusclmer im 44. Lebensjahre. 13006 Die Beerdigung findet am MitNvoch den 29. September, nachmittags 4 Uhr, vom Kranlcnhaus Am Urban nach dem St. EmiiiauS-Kirchhose statt. Bie Hinterbliebenen. Metollarbeiter-Verbanl (Verwallungsstelle Berlin.) Todes �KUizeigr. Am 14. Oktober 1897 starb unser Mitglied, der Schlosser Paul Berff. Rhre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet am Soiinlag, den 17. Oktober, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Pücklerftr. 3, ans nach dem Emiiians-Kirchhose in Britz statt. Um rege Betheiligung ersucht _ Die OrtSverwaltung. Danksagung. Hiermit sagen wir den Kollegen der E irina Görs u. Kallmann, sowie dem olzarbeiier- Verbände und alle» Freundeli, Bekannte» und Verwandten siir die herzliche Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS, unseres guten Vaters Alwin Menzel den innigsten Tank. I2ö5b Tie tiestrauernden Hinterbliebene». Tie Beleidigungen gegen Herr» Grimm iiehme ich hiermit zurück und erkläre denselben für einen acht- b arcn Mann. Il24()bj Knie. 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Herrn Adnlbertstr. 35, v. 4 Tr. l. Gr. möbl. Ziiiimer, 2 H. ä 9 M., Wiv. Koschnta, Gneisenaustr. 20, Qgb. Schlasstelle, Nostizstr. 17, H. I, rechts. f ödl. Schläfst."!. 2 Herren, ä9M., Mitiknwnlderstr. 15, v. 4Tr. links. Schlasstelle bei Noack, Mantcuffcl- straße 60, I. Ausg. 2 Tr. 1297b Schlafstelle für Herrn, sep. Eing., Mantenfselstr. 47, v. 1 Tr. liuls. 11294b Schlafstelle, Waßiilannstr. 35, Wwe. Gosiniack._ 1288b Schläfst, sür 2 Herren z. verm. bei Träger, Wäldeiiiarstr. 70, v. 3Tr. sI292b ' Schlasstelle sür Herrn, Elisabeth- Ufer 30, Eisielski._ 12916 Frdl. Schlafstelle f. Herrn bei Frau Lchinai»i,Oppeli>erstr.4,v.4 Tr. s1295b Anst. Schlafs!, venu. W rüste, Rheins- bergerstr. 31, v. III._ 12896 Genosse findet anst. möbl. Schlasst. b. Görsdors, Rnvpinerstr. 27, v. II. Schläfst., 1 od.2H.La»dsbergerstr.97 bei Dobert, H. p. l. 1267b Schläfst, f. 2 H. Kottbuserdaniin 4, Querg. r. 1 Tr. l., Ww. Brast. Möbl. Schlasst., Flureingang. m. Kaffee l IM. Admiralstr. 26, 2 Tr., Ww. Becker. Sdflasst. möbl., sep. Eing, Rittcrstr. 105, 4 Tr. r. s. 2 H. 1268b Schöne Schlasst. ist zu vermiethen Fürstenstr. 16, H. 4Tr. Ww.Weglewskl. Möbl. Schlasst. sür Hrn. zu verm. Annenstr. 38, r. 4 Tr., Ww. Graba». Frdl. Schlasst. s. Hrn. Alte Jakob- straße 17, H. l Tr., b. Tliorisscn. sl260b Schlafst.6M.Pallisadenstr. 57, Sch»»- geschäft. 12616 2 j. Hrn. finden gute Wohming gleich oder z. 1. Nov. Flirstenberger. strahe 15, v. 2 Tr. r. 12646 Frdl. Schläfst. W. Meyer, Rüders- dorferstr. 17,» Tr. 12666 Sechs""WG Partei Vcrsanmilnngeu DiknAg. Den 19. Oktober, abends 8'� Uhr in folgenden Lokalen: 1. Wahlkreis: Kommandautenstraße Nr. 20. A. Wahlkreis: BeHinee* Bock- Bi*auerei| Tempelhofer Berg. 3. Wahlkreis: Brochnow's Salon, Sebastianstraße Nr. 39. 4. Wahlkreis: Urania, Wrangelstraße 9-10. 5. Mahlkreis: Schweizer Garten, Am Königsthor. 6. Wahlkreis: Etösliner Hof, Köslinerstraße. Tages-Ordnung: Gericht«»d Neuwahl der Rertrauenspersoncn. Mahl vo» Mitglieder» zur Lokal- und Pvehkommissio». Kevichtevjiatwng der Delegirte» vom Parteitage. Diskvssto».-is/n Die Deekeetuettspeerottett._ Jeilischer SAeider- u. Slneikriniiea�erliöaii. Im Monrag, den 18. Oktober, abends 8V- Uhr: grossen Saale der„A rinin-Malle n": VW" Versammlung.'Wä Tages-Ordnung: Die�K«stnlt«NS der Jnnungs-Organisatio« nach der neuen Gewerbe- Ordnung. -AbgeolAeter Robert Schmidt. 2. Stückarbeit in der SMuKranche, Lohndrückerei und anderes in der Maaß- und Militärbranche und unsere Stellungnahme jjierju. 3. Neuwahl der Ortsverwaltung. 162/1« Besonders eingeladen sind die Kollegen von H. Hosfmann, J.Baum, Westend-Clothiug. Kern u. Tschirps, BersandhauS Gcrinania, H. Gerson, D. Herz und der Militärfinna Winter. _ Um zahlreiches Erscheinen ersuchen__ Die Kcvollmachtlstcn. Zentralverem der Bildhauer. Verwaltungsstelle Berlin. Dienstag, den 19. d. M.. abends SVj I hr, KSpnickerstr. 62 Grneonl�VevtÄnttnlung. Tagesordnung; 1. Geschäftliches. 2. Bierteljahresbericht. 3. Wahl eines Schriftführers. 4. Berschicdencs. 39/7 Der Vorstand. Berbattd der Graveare, Ciselenre ze. Filiale Berlin. Dienstag, den 19. Oktober, abends 8V»>lhr, Oranlcnstrahe Nr. 31: MM" Geueral-Bersammlnng."WU Tagesord n u n g: 1. Geschäftliches. 2. Vicrteljahrcöbrrichte. 3. Erledigung von Anträgen behufs Abänderung der Geschäftsordnung. 4. Berschiedencs. Der wichtigen Tagesordnung wegen erwartet zahlreiches Erscheinen 296/10 Der Vorstand. A eil t un g! Bixdorf! Dienstag, den 19. d. Ölt., abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Kumnier, Berlinerstr. 53: Gonrrsd�Dertnminlunq des Holzorbeiter-Berbändes (Filiale Bixdorf) Tag es-Orb nn ng: 1. Vortrag de» Genosse» Frit, Hanse» über: DaS moderne Innung»- wesen. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 3. Quartal. 4. Verbands- angclegenheitrn und Verschiedenes. Mitglieder werden aufgenommen. Mitgliedsbuch legitiniirt. Wegen der wichtigen Tagesordnung ersucht imi regen Besuch 300/U___ Die Ortsverwaltnng. Zentral-Krankm- 11. Sterlie- Söfc dtr Dachdecker Teutschlands:„Finigleelt." (Eingeschriebene Hilfskasie Nro. 69.) Sitz Berlin. Am Sonntag. de» 17. Oktober, nachmittags 2 Uhr, im Lolalc: IVelnstr. 11, V ersamudung. Tagesordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Verschiedenes in Kassenangelezenhcitcn u. Aerztcsrage. 54/11 O. Barenthin, Vorsitzender. Verbaltdd.NorbMtlcher Berlins». ttingegcud. Montag, d. 18. Oktober er., abends«>/- Uhr, SW Oroniciistr. öl, Mgj Kjtgliehtt-VtrsMmlllllg. Tagesordnung: 1. Abrechlinng vom 3, Quartal 1897. 2. Die Lohnver- bältuisse ind.Kngcllorbbranche. 3. Ber- schieden es. 283/14 Um zahlreichen Besuch bittet Der Borstand. H. Zimmermann, llliriiincher n. Juwelier, »O«. OrnnIeii-8tr.£06. Regulatenre, 14 Tage gehend u. schlagend, in Nussb. JI. 13,50, Reparaturen anüh renn. Geldsachen billigst unter Garantie. MllllMmll„Mehr Licht" Sonntag, de» 17. Oktober, nachmittags Präzise 2 Uhr: Bestich des Miiseniiig für Bölkerkiliide ���Ara�EZ'"'� Tresspunlt vor dem Museum. Herr Dr. Jol'l hat die Führung zugesagt. A''xanderstraike'L7e: � V S il III 1H 1 U II g. Vortrag des Herrn Dr. JoKl über:„Die Stellung der Menschen im Thicrreiche i"— Diskussion.— Gäste sind stets wikllomiiien. Entrec 10 Pf.— Garderobe 10 Pf. 57/10 FtcKtang! Achtung! Allgemeine Orts Krankenkasse gewerbl. Arbeiter nnd Arbeiterinnen, Berlin. gM- Mittwoch, den SO. Oktober 1897, abends 8«Hr.'T&Q im„Kolbcrger Salon", Kolbcrgerstr. 23: Mitglieder-A er samml nng. T a g e S- O r d n n n g: 1. Unsere bevorstehenden Delegirlenwahlen. 2. Verschiedenes. 267/16 KL. Der Wichtigkeit der Tagesordnung Salber ist es Pflicht eineS jeden Mitgliedes zu erscheinen. Die Dreizchner-Koinmissioii. I. A.: IV. JKunath, Feldzengmeisterstr. 4. Verein deutscher Schuhmacher. Olli VersamiMluiigen Moutag, ben IS. Oktober er., nbciibs S �tthr. Zahlstelle 1 bei Feind, Weinstratzell: Vortrag b. Koll Langow. Zahlstelle 11 bei Lange, Dragonerstr. 15: Bortrag dcö Genossen A. Hosfmann über: Moderne Ehe». Zahlstelle lll bei RUIIer, JohaiiniSstr. 20. Sonntag, den 17. d. Mts.: Gemüthlichcs Beisammensein bei «Zolin, Bcnthstratzc 20. Anfang abends 7 Uhr. Zahlstelle IV bei Roll, Adalbcristr. 21: Vortrag. 286/6 Zahlstelle V(Schäftebr.) b. Schiller, Rosenthalerstr. 57. Vortr. Zahlstelle Frledrlebsberg bei Fnebs, Frmikfurter Allee 49 Zahlstelle Schön eborg bei Obst, Grunewaldstr. 110. In sämintlichcn Versaiumlungen findet die Abrechnung pro III. Quartal 1897 statt. Um zahlreichen Besuch biiien Die Bevollmächtigten. Achwng. kllÄiTäkiMbiiMäctlKk.-ich.»»». Montag, de» 18. Oktober, abends 8 Uhr,_ DM- in den„Arniln-Hnllen", Kommandantenstrafte 20: TiS Grosse öifentlicfie Versammlung aller in der Bilberrahiiieii-Jiibuftrie beschäftigten Arbeiter mib Arbeiteriuneii. Tages-Ordnung: 1233b 1. Vortrag dcS Gen. Th. Mehner über:„Der Werth der Organisation". 2. Die Einführung der ArbeitSloseil-Unterstützuug. DaS Erscheinen aller ist unbedingt erforderlich. Der Einbernfer. Zrcie VertiiliginlS der Zivil-Bmissiinisllln Berlins nnd Umgegend. Ordentliche Mitgliederversammlung Dienstag, den 19. Oktober, vorm. 11 Uhr. beiBnske, Grcnadierstr. 33. TageS-Ordnnng: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Kassenbericht für daS 3. Quartal. 2. Bericht und Neuwahl des Arbeitönachweis-Vorstehers. 4. Vereins-An- gelegenheitcn und BerschiedeiieS. Mitgliedsbuch und Karte legitiniirt. Um pitultlicheS Erscheinen ersucht t>0/5 Der Vorstand. Aciituns! Karton-Branche! Achtung!. _Sonntag, den 17. Oktober 1897, abends 6 Uhr� Grosse Bersammlttng aller in der Kilrioil-VraZiiht btsUft. ArSeittr n. ArMimiulm Berlins im„Englischen Hof'4, Vcue Koss-Str. 8. Tag es-Ordnung: 1. Vortrag: Die Freiheit der Kunst. Referent wird in der Ber- sammlmig bekannt gemacht.' 2. Verschiedenes. 28/11 Nachdem: Gemnthliches Beisammensein, verbunden mit Tanz. Eintritt 10 Pf. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vertranensmanu. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. iMoabit). ürs-irliS-Arrsammiinig am Montag, den 18. d. M., abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herr» Fischer, Bensiclstrasje Nr. 9. TageS-Ordnnng! I. Vortrag. 2. Diskiifsio». 3. Vcibaiidsangclegenhcit. Hierzu werden die Kollegen ganz besonders eingeladen. Montag, den 17. Oktober er., abends 8Vz Uhr, bei JZubcIl, Lindenftr. 10U- Branchen-Mersammlung der Parketb od en l eger. TageSordliiilig: Bericht der Werlstait-Kontrolllommission und Er- gänzungswahl zn derselben: Verschiedenes. 300/13 Die KoiiiuussionSmitglicdcr werden ersucht, um 8 Uhr zu erscheinen. Achtung! Achtung! Verbund der in Noltbearbeltungs-ZsUbriken u.unfDoliplüben befch. Arbeiter DenWiunds. (Filiale Berlin II Norden.) Dienftiig, den 19. Oktober, abendS 8>/,«Hr. Bergstraste Nr. IS: Berbands-Bersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal und vom Stiftungsfest. 2. Gewerkschaftliches. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versauimlung sind die Arbeiter der Werkstelle von Ochr. Schaar, Chausieestr. 39, eingeladen.— Die Mitglieder werden an ihre Pflichten erinnert. 294/4 Der Vorstand. Zentralverhand der Konditoren ti. verw. Bernfsgcn.(Ritgllcdschaft Berlin). Sonntag, den 17. Oktober, abends ö1- Uhr, im Lokal des Herrn Staber, lack, Juselstr. 10: Vortrag des Genossen Ad. Hoflmami: Glaube nnd Verunuft. Nachdem: GeuiiithlicheS Beisammeiisrln nnt Tanz. Gäste willkoiiiinen._[51/4]__ Per Vorstand. Den Mitgliedern der iiigem. Sterbekasse für Männer und Frauen, ehemals: Sterbekasse der Maschmenban-Arbeiter, jetzt Krausnickstraste 19, geben wir bekannt, datz laut Statut vom 1. Oktober er. die Beiträge durch Boten abgeholt werden. Uni nun die Kassengeschäfte zu erleichtern, bitten wir, möglichst das Zahlen im Kassenlokal zn meiden. Der Vorstand. Aligemtiuer Arbeiter- u. Arbeiterinneu-Vtrein Berlins nnd Umgegend. Am Montag, den 18. Oktober, abends 8V» Uhr, Jnselstraste 10; General-Bersammlung. TageS-vrdlinng: I. Kassenbericht vom 3. Quartal. 2. Antrag betr. Aenderung des Z 3 niiseres Statuts und die obligatorische Einfsthning der Zeitung„Die Einigkeit". 3. Vereinssachen.— Wir ersuchen dringend sämintliche Mit- glieder, zu dieser wichtigen Sache in der Versauimlung zu erscheinen. Mit- gliedSbuch legitiniirt. Mitglieder, welche noch über 3 Monate mit Beiträgen restiren, werden ans ihre Lerpstichtungen aufmerksam gemacht. 18/16___ Der Borstand. Achtung! Stlickateure. Achtung! Montag, den 18. Oktober, abends Präzise 8 Uhr, im Lokale des Herrn Bnshe, Grenabierftrasze 33. TageS-Ordnuiig: 1. Borlrag des Genossen Rlllarg über:„DaS Unfallgesetz." 2. Ab- rechnuiig voni 1. Quartal. 3. Wahl der Arbeitsnachioeis.Kommission und des Vergnügiiiigs-KomiteeS. 270/12 Jedes Mitglied ist verpflichtet, zn erscheinen. Der Borstand. »»»«» BBl Auf Thcllzahlung! H Schlag-Negillat. 14 T. geh. 18 M.■ Siib. Herreii-Remvnt.-Uhrlö„■ Uhrmacher W LEHarloitenstraste Nr. IS., Kein Abzahliingsschwiudel." S i V»« m n s wbM Portiären, Gardinen, -AJtlvvu Läufer, Remontvinlhreii, Regulatoreii, Kleidnngsst., Operngl., Reisekoffer spottb. Pfandl. Neanderstr.«. Möbel-Einriehtung, nuhbaum, neue bestellte Arbeit, bill. verk. Admiralstr. 8, vorn I linkS. VerSkuniiziiRiKg des 2. Reichstugs-Wahlkreises a», Sonntag, den 17. Dhtober, abends O'/i Ihr, bei K n b o 1 1, Eindcnstr. IG«. Vortrag dcö Genossen 11. Grempe(Ingenieur) über i„Nene Er- pndnngen zur Berhiitniig von Eiseubnhiinnfältcu". Nachher: Gemiithliches Beisdiiiiiienseiu. 211/19_ Die Vcrtrouensperaon. Pankow. Nieder-Schönhansen. Dienstag, den 10. Oktober, abends 8V2 Uhr, im Lokale des Herr» Störr, Pankow, Mühlen straffe 24: Große öfffiiti. Volks-Versammliing. TageS-Ordnuug: 1. Bericht über den Hamburger Parteitag. 2. Bericht und Abrechlinng des BertraiienSmanncS. 3. Neuwahl deS VertraucilSmanncS. 4. Bericht nnd Neuwahl der Lokalkominission. Die Gen offen obiger Ortschaften werden ersucht, der wichtigen Tages- ordnung halber, zahlreich itiid pünktlich zu erscheinen. 224/4 Der Eluhemfer. Ackik«tt»i:"WSZ WM" Aiftfimal Konzerthaus Sanssouci, Kotthuserstrasse 4a. Sonntag, den 24. Oktober 1897: W ohlthätigkeits M atinee der beliebten Ilofrmann'schon Quartett-Shngcr und Ilninorlst n aus dem Konzerthaus Leipzigerstraffe �,8, Herren Hosfmann, Führmann, Wolfs, Walde, Horst, Fanther, Küster, Krämer in ihren Glanzinlmmern, arrangiick vom Btrbunli kt dtMe» Cold- itnh Silbtrarbtiter !»m besten hilfsbedürftiger Kollegen. Zum Schlich: Eiitgezogeu, oder: Reservisten- Freuden« Ensemble-Szeiie von Wilhelm Wolfs. - Ausaiig präzise 12 Uhr.———— Billets a 30 Pf. sind bei F i r Ii i r a n z. Markusstr. 51; H o l t k a m p, Prinzcsstnncnstr. 4; Loh s e, yxaiiienstr. 62; W e inst ö tt e r, Chorincr- siratzc 63: Becker, Dresdeiierstr. 18; und Feiste l, Waldemarstratze 17. sowie beim gcsamnlte» Vorstande und an der Kasse zu haben. 72/17 Klüdsl verliehe» gewesene nnd neue, siannend billig, Thcilzahlnng gestattet. Beamten ohne Anzahlniig. 2917L» Nene Königstr. 59 ]l Gneisenaustr. 15. Paletot- 1 Stoffe, Kammgarn-, Cheviots I ilicstc, spottbillig! im Tnchlager Hoher Steinweg 1 bei Engel._ MeitömM. ?U>ührIae Ageiitc» für Feucr-Ver- sichcrnng werden sur Berlin und Vororte stets gesucht. Es wird aicher- gewöhnst hohe Enverbsprov. gewährt. Offerten sub„Nebenverdienst" nn daS Postamt 44 postlagernd Damenwäsche- Näherinnen, ge- übte, 12—14 Mark Wochcnlohn, ver- langt Maybach-User 3, IV. l. 125Lb Zuschneider auf Kragen, Oberhemden, Blouscn- henidcn suchen Braft& Jacobl, Marienburgerstr. 9. Tischler a. g. Möbel u. Zeichnung v. Werner, Lnngestr. 91. igögb Geldschrankschloffer sofort gesnchst (Berliner Bauart.) Pant Wester. mann Nach f.. Geldschraukiabrik, Magdeburg. Gr. Marktftr. 13. Oberznschneider auf Kragen lind Manschetten, welcher lauMhAge Erfahrung besitzt, wolle Off, unter G. Z. Postamt 25. Selbst. Schilderanmachcr w. verst b. Cvrdeö u. Dvorak, Köpnickcrstr. 58. Farbigiiiacher v.Oranicustr. tI9. s127vl> Mamsells ans wattirtc Radinäntel verlangt, Grüner Weg 21. 1281V Versilberer ». Farbigmacher verlangt A. Giipfert. ÄstarkuSstr. 44 II. 1282d M«sells llufKriinmttkrllgtll in und ausser dem Hause vcrl. s12!>8b Borchardt, Alexandcrstr. 23, 4 Tr. Barockralimcu- Vergoldcr w. vcrl. Kottbuser Ufer 32. 1272b Tülljt. Jilstrmiltllttmiisitiec' wird gesucht. Vcrheiratheter bcvorzuot. Reise vierter Klaffe wird vcrgiitigt. A. B. Karwath, Breslau, _ Gr. Feidstratzc Nr. 30. Der Äesammtanflage«»screr heutige« Nummer liegt ein Pro» spekt ber Firma B. Kcichelt, Berlin SO., Eisenbahnstr. 4, bei. Veraniivorllicher Redakteur: Angnst Jarobrl) i» Berlin. Für den Juseralentheil veranlivortlich: Th.«Slocke in Berlin. Drnct und Verlag von Mar vgding in Berlin. Hr. 243. Ii. ks„Kmiirls" Kttlim öolfeliliitt. Soniltliij, 17. Okjobtt 1897. Mit der Hermiziehiiiig der Nrlieiter zu der Nechtsprechnng in de» rlugele�eiihcileu der deutschen?trbeiterveisicheru»�s-Gesetze und Mit ihrer gleichberechtigten Theilimhme an der Rechlsprechnng der Gewerbegerichte ivurde i» Deutschland zum ersten Male das Prinzip durchbrochen, daß nur Sliigehorige der„höheren Stünde" in der- artige Ehrenämter berufen werden könne». Es wurde damit gleichzeitig zu einem kleinen Theil die alle Forderung erfiilll. dah nicht allein die Nechtsprechnng der gelehrten Fachplstiz zu gunsle» der Laiengcrichte eingcschrault. sondern daß auch die Rechtsprechung in die Hände solcher Leute gelegt werden müsse, die das Wohl und Wehe des Rechlsuchendeu gleichsam am eigene» Leibe mit- empfiiideii können. Ueberraschen kann es natürlich nicht, daß die. wenn auch nur in bcschrünklcm Umfange erkolgten Zngcslündnisse an dies Prinzip— insondcrhelt. weil es sich um Zugeständnisse an die Arbeiterklasse Handell— gar vielen Leute» ein Dorn im Auge sind und daß sie alles ostenlaliv hervorkehren, was eventuell als Mißstand der unter Theilnahme von Arbeitern vollzogenen Rechtsprechung erscheineii konnte.— So wird seit Jahr und Tag behanpiel. daß die in Gewerbegerichte» und dergleichen rechlsprechenden Arbeiter sich bei der Ncchtsfindniig mehr von ihren politischen Sympathien als von dem Buchstaben des Gesetzes leite» lasse». Daß ähnliche Urlheile vielleicht in ganz vereinzelten Füllen voikomme», mag möglich sein. Es fragt sich nur. ob diese Vor- kommiiisse überhaupt eine spezifische Erscheinung solcher Gerichte sind, in deren RichlcrkvUegiuin Arbeiter sitzen. In einer längeren Ab- bandluug, die Dr. I. I a st r o w in den„Jahrbüchern für Nalivnalökouomie lind Statistik" über die E r f a h r u» g en in den deutschen Gewerbegerichlen veiöffentlicht. kommt er auch auf dies Gebiet zu sprechen und verneint, auf vieles Beweismaterial gestützt, ganz entschieden die Frage, ob die'Arbeiter entgegen den Geutzespuragraphe» absichtlich zu gunsten ihrer Klassengeiiossc» urtheilcn. Er ist der Meinung, daß die g e l e h r t e» G e r i ch t e in iveit stürkercm Maße als die Laiengerichte mit Theilnahme von Arbeiter» ihre Rechlsprechnngsbcsuguisse zur V e r s e ch t n» g ihrer politischen Ansichten und znr Stärkung der Machtsphäre der herrschenden Klasse» mißbrauche». Herr D r. I a st r o w schreibt: „Wenn man die heutig« Judikatur in Strafsachen, insbesondere auch die Judikatur des Reichsgerichts, in welchem iveder'Arbeiter noch überhaupt Laien sitzen, nach den psychologischen Elementen analysirt, welche für die Urlheilsbildung maßgebend gewesen sind. so bleibt nach Ausscheidung aller juristischen Ausdrucksweisen ein .�ar nicht geringer Bodensatz rein politischer Vorstellungen übrig, welche im wesentlichen auf die Ueberzeugung von der Nolhweudig- keit größerer Krafttülle der Regierungsorgane hinauslaufen. Die Slrasjndikatur des Reichsgerichts ist beherrscht von dem Gedanken, daß die Einengungen der neueren Strasgesctzgebung verwerflich. daß es nothivendig sei, die Staatsgeivalt durch eine weitere Ans- dehnung des Slrasrechts zu schützen, und das Reichsgericht hat seine Vorläufer und Nebenläuser an anderen ebenfalls rein juristisch besetzte» Gerichten.. In dem preußische» Strafgesetzbuch von I8L1 war dem Staatsoberhaupt gegenüber jede„E h r f u r ch t s v e r l e tz u n g" strafbar. Das heulige Strafgesetzbuch hat dies abgeschafft und die Slrafbarkeit uuehrerbietiger Aeuherungen über das Staatsober- Haupt ganz ausschließlich aus beleidigende Aeußerungcn ein- geengt. Trotzdem wird heute auch die bloße Ehrsurchlsverletznug wiederum bestraft, indem man sie thatsächlich unter de» Begriff der Majestülsbeleidiguiig bringt. Um die Freiheit der Kritik zu schützen, hat das Strafgesetz- buch angeordnet, daß Aeußerungen zur Wahrnehmung berechtigter Interessen niemals als Beleidigung bestraft werden können(es sei denn, daß aus der F o r m der Aeußerung die Beleidigung hervorgehe). Das Gesetz hat hier dem Richter die möglichst iveite Interpretation znr Pflicht gemack>t, indem es mit einer, in der Gesetzessprache nicht häufigen Ausdrucksweise hinzufügte, daß auch „ähnliche" Fälle genau ebenso zu behandeln seien. Trotzdem wird die Kritik wieder strafgesährlich gemacht, indem die Wahr- nehmung berechtigter Interessen bestritten wird, Ivo sie vor- Händen ist, und über den Zusatz„ähnliche Fülle" ganz geschwiegen wird. Es ist juristisch feststehend, daß, wo das Gesetz nichts anderes vo> schreibt, zur Slrasbarkeit der strafbare Vorsatz, der„DoluS", erforderlich sei. Trotzdem hat das Reichsgericht entschieden, es könne auch gestraft werden, wo dieser Vorsatz nicht vorhanden sei, aber konstruirt werden könne; was diese Judikatur in ihrem greu» lichcn Latein einen„dolus eventualis" nennt. Wie weit die Strafbarkeit des bloßen Versuchs gehen soll, ist 6- lege ferenda streitig. Ob man einen Menschen, der mit uu- geladenem Gewehr schießen wollte, der in der Abenddämmerung. in der Meinung seinen Feind vor sich zu habe», auf einen Baum- stamm anlegte sc., wegen versuchten Mordes bestrafen soll, ist unter den Juristen von jeher kontrovers gewesen. Das Straf- gesetzbuch hat die Kontroverse wenigstens insoweit entschieden, daß Handlungen vorliegen müssen, welche den Anfang der„A u s- s ü h r u n g" des Verbrechens enthalten. Es hat damit erklärt, daß solche Handlungen, welche gar nicht einmal den Ansang einer Ausführung enthalten, nidit genügen, um eine Verurtheiluvg wegen Versuchs zu begründen. Trotzdem hat das Reichsgericht entschieden, daß auch in solchen Fällen Verurtheilungen wegen Versuchs eintreten könne». Ein verführtes Mädchen wendet sich verzweifelt an einen Arzt mit der Bitte um ein Mittel zur Kinder- abtreibung. Ter Arzt, auf ihren seelisd>eii Zustand Rücksidil nehmend und um sie zunächst für den Augenblick zu beruhigen, versdireibt ihr.A�ua destillatg, und sie nimmt es ein. Nach- träglich stellt sich heraus, daß das Mädchen gar nicht einmal schwanger gewesen ist. Handlungen, welche einen Anfang der A u s f ü h r u n g eines Verbrechens i arstellen, liegen nidit vor. Trotzdem wird das Mädchen wegen Versuchs der Kinderabtreibung verurtheilt. Juristisch steht der Satz„nulla poena sine lege"(keine Strafe ohne Gesetz) vollkommen sest. Trotzdem hat die herrschende Judikatur auch gestraft, wo eine Handlung im Gesetz nidst mit Strafe bedroht ist, indem sie dies unter„groben Unfug" bradzte. Es ging dies soweit, daß selbst dem preußische» Jiistizminister angst und bange wurde, und er in einer eigenen Zirkularverfügiing seine Staatsanwälte darauf aufmerksam machte, daß doch der Grobe Unfug-Paragraph nicht dazu gebraucht werden dürfe, um jede Handlung, die man vom Slrasgesetzbuch übergangen glaube, strafbar z» machen. Die. Kreirnng neuer Delikte nimmt übrigens trotz jener Minislerialversügiiug ihren ruhigen Forlgang. Durch die 152 und 153 der Gewerbeordnung sind alle älteren Strafgesetze gegen Arbeiterkoalitionen abgeschafft und bei Ausbreitung der Koalition nur 4 Mittel für strafbar erklärt: körperlicher Zwang, Drohung, Ehrverletzung. Verrusserklärung. Trotzdem hat gerade gegenwärtig (Juli 1897) das Landgericht Liegnitz das bloße Ausstellen eines Streikpostens für strafbar erklärt, weil es groben Unsug darstelle. Um einen Schutz gegen ungerechtfertigte Verfolgung seitens der Staalsanwaltschast zu gewähren, sdireibt die Strafprozeß- ordnung vor, daß die Anklage allein kein genügender Grund sei, um ein Hauplverfahren zu eröffnen, daß vielmehr das Gericht die Ergebnisse des vorbereitende» Verfahrens selbst prüfen müsse, und das Haiiptverfahren nur da»» eröffne» dürfe, wenn nach Ueber- zeugung des Gerichts der Angesdiuldigte in der That hinreichend verdädilig ersdieine. Trotz des klaren Wortlautes dieses Gesetzes wird dennoch(von ganz seltene» Ausnahme» abgesehen) das Hauplverfahren blos daraufhin eröffnet, daß die Staatsanwalt- schaft eine Anklage eingereidst hat, und dieser Mißbrauch ist eben- falls amtlich in einer Ministerialverfügung konstatirt. Hängt eine ausgedehnte Handhabung der Strafjnstiz ganz direkt mit den allgemeinen politisd>en Anschanuiigell über straffes oder loses Regiment zirsammen, so fehlt es übrigens innerhalb des Zivilprozesscs nicht ganz a» sold>en Versuchunge», und auch hier sind die Gerichte dieser Versuchung erlegen. Der Eisenbahnfiskns hat Eisenbahubillets mit dem Vermerk„giltig für alle Züge" ver- kauft und trotzdeur bei Einführung der sogenannten D-Züge die Giltigkeit der Billets nidil anerkennen wollen, wen»»ra» nicht noch dem Tarif entsprechend eine Platzgebühr hinzuzahlte. Wenn es hier Gerichte gegeben hat, die sid) ans Seile des Eisenbahnsiskns stellte», so ist dies psychologisdi gar nicht anders zu erklären, als daß die allgemeine Anschauung, die Staatsverwaltung könne in ihrem Recht, Anordnungen zu treffen, mit einem geivöhnlidze» Privaten nicht auf eine Stufe gestellt werden, hier mitgewirkt hat. Und doch ist es juristisd) ganz zweifellos, daß der Eisenbahn- Zsiskus i» diesem Falle nidit anders stand, als wie der Besitzer eines Omnibus, der Billets verkauft, wenn eS aber zur Beinrtznng kommt, noch eine Platzgebühr erheben wollte, weil für de» 3>llhr- Wagen eS in seinem Tarif so stehe. Eine ganze Blüthcnlese von derartigen Urtheilen zeigt die Handhabung der Stempel- gesetze. Für die Beurlheiluug der Frage, die uns hier beschäftigt, macht es ferner keinen Untersdned, ob die jurisdiklionellcn Be- fugnisse sich in de» Händen von Juristen oder von juristisch ge- bildete» Berwaltnngsbeamten befinden. Die Ministerialbeamten, welche dem Zollsiskus dadurch eine höhere Einnahme verschaffen wollten, daß sie von einer Sendung Sardinen behaupteten, es seien„Blechwaaren in Verbindung mit Fischen", sowie der Minister, welcher eine Nachwahl sechs Monate lang nn- ausgeschrieben ließ und dann behauptete, er befinde sich durchaus nid,t im Widerspruch zum Wahlreglement, welches eben leine be- stimmte Frist nenne, sondern nur verlange, jdaß die Behörde „sofort" eine neue Wahl veranlasse, sie und viele andere, die so der Versuchung erlegen sind, dem zu Liebe, was sie politisd, für wünschenswerth oder nothweudig halten, sich über das Gesetz Hinwegznsetzen, sie sind allcsanimt weder Arbeiter»och überhaupt Laien, sondern sludirle Juristen gewesen." Vevloittttttsuttgen. Eine öffentliche Vcvsammlnng der in HolzbcavbcitnngS- Fabriken und auf Holzplätzrn beschäftigten Arbeiter, die am 14. Oktober im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c, tagte, nahm Stellung zur Delegirtenwahl zur allgemeinen Orls-Krankenkasse, indem sie 15 gewerkschaftlich Organisirte, in der betreffenden Kasse Versicherungspflichtige, als Kandidaten nominirte. Verpflicbtet wurden dieselben, für freie Aerztewahl einzulreteu, soweit dieses ohne die Existenz der Kasse zu gefährden nur irgend geschehen könne. Eingangs fanden in einer ausgedehnten Diskussion einige von den Kassen-Aorstandsmilgliedern Härtel und S o y k a vorgebrachte Beschwerden gegen Zimpel und Rasch(ehemalige Dclegirte der be- treffenden Kasse) ihre Erledigung. Sodann wurden Wieland, Sauerzaps und Rumpf zu Revisoren für den Ver- trauensinann Piehl ernannt. Einstimmig besdfloß man danach, den nur den Achtstundentag kämpfenden englischen Masdiinen- bauern 200 M. zu senden. Zum Schluß erfolgte Beantwortung der aufgeworfenen Frage, ob die Berufsgenosseuschast bercd>ligt sei, einen Verletzten reklamiren zu können, aud) ohne Willen des Vorstandes der Krankenkasse, dahin, daß die Bernfsgenossenschast wohl beredstigt dazu sei, und zwar reklamirt sie den Verletzten vom dritten Tage des erlittenen llufalls an resp. inhibirt bei der Krankenkasse die Auszahlniig des Krankengeldes. Eine HSiidlerberfaminlniig. die am Freitag im„Englischen Garten" tagte, beschäftigte sich mit der Bespred,ung von Mißständen hygienisdzer Natur, die angeblich in der Zenlral-Marllhalle herrschen und darin bestehen, daß die Großhändler verdorbenes Obst in den Gängen der Halle hinsdmtten, wo es dann von armen Leuten auf- gesucht und verzehrt wird. Es müßten Einrichtungen getroffen werden, die eine gänzliche Veseitigung verdorbener Maaren erniög- lichen. Ferner wurde die zur Zeit bestehende Institution von Sad)- verständigen zur Begutachtung der von Kleiiihändlern eiugekauslcn Maaren krilisirl und als Beispiel der Unzulänglidzkeit dieser Ein- richlung folgender Fall berichtet: Ein Kleinhändler hatte in der Zenlral-BtarklhaUe drei Zentner Pflaumen als tadellose Waare eingekauft. Zlls er dieselben in Rixdors verkaufen wollte, wurde er durch Gendarmen sistirt und der Polizeiarzt erklärt« die Pflaumen als gesnndheitssdiädlidi, falls sie im rohen Zustande genossen würden. Ter Großhändler, von dem die Pflaumen gekaust waren, nahm die- selben jedoch nidit wieder zurück, weil die Sachverständigen der Markthalle trotz des ihnen vorgelegten ZlttesteS des Rixdorfer Polizei- arztes die Pflaume» für verkaufsfähige Primawaare erklärten.'Als der Händler nun zum zweiten Mal versuchte, seine Waare in Rix- dors abzusetzen, wurde sie durch die Polizei koufiszirt und für 30 Pf. an einen Mann verkaust, der dieselbe zum Einkod>en verwenden wollte. Die Händler fordern Anstellung von Sadivcrständigen, die zur Begnt- achtnng der Maaren in gesundheitlicher Beziehung geeigneter sind, wie die Großhändler, welche gegenwärtig als Sadiverstündige fungire», eventuell eine aus Groß- und Kleinhändlern bestehende Kommission. Rad, kurzer Diskussion wurde, eine im Sinne der vor- stehenden Ansfnhrungen gehaltene Resolution angenommen. Hierauf erstattete S ch n l z den Beridst der Agitationskommisston. Dieselbe hat sechs Versammlungen abgehalten, eine Einnahme von 100,40 M. und eine Ausgab- von 107.16 M. gehabt. Die neugewählt- 'Agitalionskoinmission besteht ans den Händlern Trnnsd) und G o t t f e Ist». Als Revisoren wurde» Nalhge, Luther und Leo bestimmt. Das Spandaner Gcwcvkschaftök.irtcN ernannte in seiner letzten Sitzung eine sünsgliedrige Kommission, weldze Material über die hiesigen Orls-Krankenkassen zwecks Betheilignug an den Delegirten- wähle» beschaffen soll. Rieger wurde beauftragt, bei dem Gewerbe-Jnspeklor anzufragen, ob derselbe geneigt ist, sich vor« kommenden falls mit dem Kartell in Verbindung zu setzen. Zu provisorisckien Revisoren wurden Trompler und Sckupan bestimmt. Ferner wurden H a r t m a n n, R i e g e r und Ratzte mit der Ausarbeitung einer neuen Geschäslsordnung beaustragt. Schließlich wurde davon Kenntuiß genommen, daß der Korbmackier- streik am Orte bereits beendet ist und daß sich drei weitere Gewerkschaften dem Kartell angeschlossen haben. Ohne Entschuldigung fehlten die Vertreter der Kutscher, Porzella» arbeiter und Tops er; entschuldigt war der Delegirte der T a b a k a r b e i t e r. Zlatnrheilver«!» ZIv. Montag, abends«ls Uhr, LandSbergerstr. 105: vor» trag des Herrn Nagler über: Was ist Süggestto»?„ «rsiUiir-r Kl»l> ziept, I». Neue äRohstraße S. Heute, SesellschaslSabend. Anfang s Uhr. � � K»»id der vekrlligen Arbitterv-r«!»» K«r>i»»«»d zlmoeeend. Tonntag, de» 17. Oltober, nachinitiags t Uhr, In de» Nrnünhatlen,«ommandanten- strohe 20: Weneralversoinminng. Noch der Versaininlnng: Deselltgei Zusannnenscln. Soiuariter-Vnrf»» snr �rhriter- ,„>d Arbeiter!»»«». Moniag, den 19. Cttobcv, abend? ii% Uhr, bei Herrn Neumann, Brunnenstr. ,90: Vortrag de» Herr» Dr. Friedeberg über: Zwecl und Ziele des Sainartler-KurfuS. Gerelliger ziere!» Krliotrop. Heute, snachmiltagS Uhr, IM Meslanran» MöwcS, Aoecthstr. 8: Sihung. �_, Arbeiter ejitdungovere!»»«i, Zlchö»«b«rg und ztingegend. Moiitog, den IS. Oktober, abend« Sic Uhr, bei Obst, Srnnewllldstr. HO. Bortrag des Wen. Dr. Bo>ck>ardl nbcr: Die Enuvictlnng der Fernrohre. Zentral Kraul,«»-«»d Ktrrbebast« d«r d«»tsch»» ztlag»nba««r(2. H. 8. Sitz Tolya.) Berlin Bezirt i.«ersaimnliing am Mittwoch, 20 Oktober, abends s Uhr, bei Scheerr, Blumenstr. SS. Z«»tral»«rl>a»d der Konditor«». cMttgliedfchaft Berlin.) Heute, abends cx Uhr, dei Siabernail. Jnsetstrabe 10. Vortrag über: Claude und Bernunst. Referent Genosse Adolf Hoffmann.— StaSidcm: WefelligeS Beisainni-nf-in. zirr-i» d-ntrch-r schnhniachrr. Montag, de» I». Olloder, abend« uxilbr: Zahlstelle 1 bei Feind, W-tnstr. II. Zahlstelle II d-i Lange, Dragoncrstr. 18. Zahl- stelle Itt bei Müller, JohanniSstr. 20. Zahlsielle IV vct Roll, Adalberlstrab.- LI. Zahlstelle V hei Schiller, Ros-nlhal-rstr. 87. Zahistelle Friedrichs- bcrg bei Fuchs, Franlfurier Allee«s. Zahlstelle Schöncdcrg bei Obst, Crilliiwald» stratze!io. Kildnngover»!»..Mehr xicht". Heute Nachmittag: Besuch des Museum» für Bollertunde unter Führung KS Herrn Dr. Joel. Teftpunll vor dem Museum, Prinz Albrccht- und«ontggröyerstraHe-Sckc. Abends°'z Uhr.»leranderftr...ro: Berfammlung. Bortrag über: Die Etellung de» Menschen tili Dhierretche. Resercnt Dr. Joel___. zirioat-Theatrr-Blrsrlllchast„«rilia». Montag, den>8. Ottober, abend» 9 Uhr: Sitzung und Probe im Restaurant Nowact. Mrnieufsclstr. u. �esKssIv LeuthstTasss 20. Heine eleganten nen renovirtcn Festsäle mit Bühne, bis 1000 Personen fassend, sind noch an einigen Sonnabenden und Sonntagen su vergeben. 3248L* Etabliffement Süd-Ost. SillklMtiit.?5. Jeden Sonntag:»»II.— Anfang 5 Ilhr.— Ende 2 Uhr. Einige Sonnabende sind noch im Oktober und November zn vergeben. 29898* Hermann Brüder. Schmargendorf, TentG: freundlichst ein . Großer Ball mit Ueberraschuugs, Polonaise. In den - geheizten Winterrämnen Familien-Kaffcekoche». Es ladet in 29852" O. Fülisc. May Kliem's v Olks- Oarten III a A A 1 1 C Iii ö Hasoiihaidc 14-15.[1481C* In den Prachtsälen(Parquett und neu dckorirt. 1010 Personen fastend): Jeden Sonntag CirlHVAfsJSI* B Sl 1 1» Ende's Uhr.� Empfehle mein Lokal Vereinen und Gesellschaften. ES sind noch einige Sonnabende sowie der Todtensonntag zu vergeben. Max KHem. „Milrklsclier Hof-', SÄrÄiSS Spiegclsaal: Gr. Fes, ball. Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr. Gr. Horn- und Streichmusik. Beide Säle zu Hochzeiten, Bereinsfestlichfeiten u. Versammlungen z. verg. 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Montag: Tyrannen des Glücks. Lessiug. Hans Huckcbein. Ansang 7'/- Uhr. Nachni. 3 Uhr: Nathan der Weise. Montag: Das Tschaperl. Niencs. Aschermittwoch. Vorher: Lieb im Spiel./ Ansang 71/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: AschermitNvoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Nejidenz. Die Einberufung. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Odette. Montag: Die Einberufung. Schiller. Die Kreuzelschrciber. Au- fang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Das Stärkere. Hilter de» Linde». Pariser Leben. Anfang 7>/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Pariser Leben. Luise». Der grobe Wohlthäter An- sang 8 Uhr. Nachni. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Kabale und Liebe. Dhnlia. Hotel Tohu-Bohu. Anfang 7 V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ostend. Die Geistergiocke. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Unsere Ncichspost. Montag: Die Geisterglocko. Central. Berliner Fahrten. Ansang 7>/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WilhelinslndlischeS. Das Zeichen des Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. llllexanderplah. DaS Licbesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Gr. Kindcr-Doppel- Vorstelinng: Rothläppchen. Der Nattcnfäimer von Hameln. Montag: Das LiebeSdrama einer Sängerin. Reichshallcn. Spezialitäten. Anfang 6V2 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptiknin. Indisches Dorf. (Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: 2. Vor- stellung im Schiller- Zyklus. Ztabale und Liebe Abends » Uhr: Die lstrenzelschreiber. Montag, abends 8 Uhr: Das Stärkere. Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Tropfe» Gift LV Zum 1. Male: Kabale und Lieb Luisen-Theater 34. Meichenbergerstralie 31. Nachm. 3 Uhr: Volks- Vorstellung zu halben Preisen unter Regie von Juli»« Türk: Zum 1. � Ein bürgerliches Trauerspiel vo» Fr v. Schiller. Abends 8 Uhr: Der große WoHlMter. Bolksflück mit Gesang in v Bildern von H. Wille». Musik von R. Bial. Ntontag, zum 2. Male zu kleine» Preisen: Kabale und Liebe. Billcts ä vv Pf. zu der Sonntag- Nachmittags- Bolls- Borstelluug von „Kabale und Liebe" in den belannten Berkausöstellen. Centpal-Tlieater Alte Jalobstr. 30. Direktion Kicliar«!(Schnitz. Sonntag, den 17. Oktober 1897: Eniii TiioiiinN a. G. Zum 44. Male: venünei' fsknten. Btirlesle Ausstattungsposse mit Gesaug »nd Tanz in S Bildern von Julius Freund nnd Wilhelm Manustäd t. Musik von Jul. EinbdShoser. Anfang V28 Uhr. Morgen und die solgcndeu Tage: Berliner Fahrten._____ Alcazar Variöte- Theator I. Banges. DreSdencrstratze 62/53(City-Passage) Annenstrahe 42/43. Direltion Richard W i n k I e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Neu! Novität! Neu! Her IIcrzvciTührer. Große Ausstattnugö-Operette i» 1 Alt von Leop. Elh. Musik vo» Holländer. Vorher: Trrnte lffoIUi?. Posse in.1 Akt. Aufhelen sämmtl. Kunst-Spezialitätcn. Allk仫. Wochentags 8 Uhr ii lllSllg» Sonntags'»/-' ~ En« r er 80 ff. picservirter Platz 50 Pf. Urania TuDbcnsU-aasc 48—10. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Ein tritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. In validenstrasse Xo. 57/62: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheros die Tagesanschläga! Urania. Theater(Jnvalidenstr. 57) Dir.: Dr. liöppen u. Dr. Stoedtner. S°nnt. Apnold Böcklin. 8 uhr. Vortrag ni. z. Th. farbig. Lichtbildern. Serlliiei' AquailM Unter den Uindcn 68a, Eingang' Scluidoivstr. 14. Heute Sonntag Eintpittsiipeis 50 Pf."WU Reichhaltigste Sammlung der Welt an lebenden Seethieren, Passage-Panoptjcum. Nur noch kurze Zeit! Imlisclies Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Honnj) Tooa. Castan's Fanopticnin. Fricdrichsti'. 165. Bären weib die grössto Sehenswürdigkeit dos ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Uon f Italien! sehe Kapelle HCU. des Maestro Liborti, 5 Herren, 2 Damen. Thalia- Theater. Sonntag, den 17. Oktober 1897. Zum 2. Male: ffofsl Tohu-Bohu. (L'Auberfle du Tohn-Boln.) Vaudevillc in 3 Akte» von Maurice Ordonncaii. Deutsch von Viktor Leon. Musik von Viktor Stöger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Oftend-Theater. Gr. Franksurlcrslr. 132. Dir. E. Weist. Nachmittags 3 Uhr. Halbe Preise. Zum 110. Male: Ultsere Ncichspost. Abends V/, Uhr: Zum 2. Male: Die Geisterglocke. Drama in 4 Akten von E. Matthias. Im Tunnel von v Uhr an: Q«rolssea Frei-Konzert. B Die Soirilen der Stettiner Singer (Riehsel, Pielro, Britto», Steidl, Krone. Stähl, Schneider und Schräder.) finden statt: Jeden Montag nnd Freitag: Vletom-Sranerei. Jeden Dienstag: SödMlsedesßrauiiauL ttlpollo-Theater. Friedrichstr.Ll«. Dir.S. CtlHck. Brna Kosehel. Mr. Bronn. Miss Mapie Halten, amerikanische Operetten- Diva. Mr. Rodo Leo Rapoli. Dagmar Hansen. Neun Heinzelmännchen. Flip, Flap, Flop!! Grosse Pantomime, ausgeführt vo» det-doneph Phoiten-Tronpe. Kinetograpli ctc. etc. etc. Kassciierössug.IS Uhr> Auf.?'/« Uhr Gebrüder Herrnfeld's 1. Original Bwclapesfer Possen- n. Operetten- Theater Kaufmanns Variete hat e. X. den grUssten und stärksten Besuch seit seinem Bestehen. llubesclircibl. Lachstüme Uber Ein Abend imWintepgapten und Im Atelier. lüebertr. alles Dagewesene Um den grossen Andrang an der Abendkasse zu vermeiden, findet von vorm. 11 bis nachm. 5 Uhr llillet- Vorverkauf ohne Aufgel«! im Theater-Bureau statt. Vorsugskarten gelten. Anfang l/-ß Uhr. Kassenerftniiung Uhr. Actien-Brauerei Friedriclisliain. Heute 8 o ii n tag: Reaimts.-Mustk deS 4. Garde-Regiments zu Fuss in Uniform. Ansang 5>/2 Uhr. Enirce 20 Pfennig. K.B. Diese Konzerte fi n den seden Sanntag u. Mitfivoch statt. Feen-Palast SJt Burgstr. SÄ. iGrösst. Verguiignngslolal Berlins.! Direktion: Winkler und ErUbcI. Fidele Droschkenfahrt. Um 8«/, Uhr: Hichardvnniller und Wilhelm Fpöbel tu der Berlsticr AesangS- Posse: 'Ne tvildt m. P Neue Spezialitäten. lAnfang 7-/2 Uhr. Sonntags 6 Uhr * Entree 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. 1 I�nlb�Pbea�� im WcU-Ilestnuraut 97. DreSdciier-Strastc 97. pe ReeMnrg. Bilder aus dem Berliner Volksleben vo» L. Elp. Anfang: SvnntagS N Uhr, Wochen- tags 7>/z Uhr.— Entree: Sonntags 40 Pfg., Wochentags 20 Psg. Vi. Noack'8 Ihealer B r u n n e n» 8 t r u n s e 16. Giu weihev Nabe oder: Der ehrliche Makler. Posse mit Gesang i» 4 Alten von Leon Treptow. _ Nach der Vorstellung: SV* Xaiir.ki-jin/.chcii."TSJP/ Montag: Tochter der Hölle. Lustspiel in 5 Aufzügen vmi Kneisel. KoilLKlthAUL l.eIp?.igerstr.lVo.l8. NV" Täglich:-»G Hottniann's Unartett »Nd Humoristen. U.„Chnrirarl." Sensationell« Novitäten von ülttller l.ipart. Anfang: Sonntag 7 Uhr. Woche 8 Uhr. A» Sonnabenden werden die Ge- samnilränuie des Eoncerthanses zu Festltchketten vergeben._ Maehr'sTiieater Ornnlcnstritssc lS4 Bar- Cnniich wa Theater- u. SiiicElulitUten- Vorstollung. Xovltiiten-Prugrnnini. U. a: Beta Waldau, lt. a.: bildschöne Kostüm- Soubrette. Eugen Itosde, der beste Mlmikcr. Stcn! Neu! Wer ist der Vater? Burleske mit Gesang u. Tanz. V«» in C 1 r c n s. Schwank. Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags l> Uhr. P reise ivie getvöhnlich._ American-Theater. Dresdencrstr. 55. Srnnabend, den 10 Oktober 1897: Kolossaler Erfolg l Stürm. Bclsall! Berlin wie'S näht und trennt. Vollsstlick m. Gesang in 2 Abth. v. L. Ely. Mnsit von M. Schmidt. Ter Traum von Bayreuth. Parod. Traumbild. Hugo Schulz als Seemann. BZallh Sinoltin, Exentrisne-Souvrett«. tkinmy und Ernst Rebentisch als Zulnnfls-Ehcpaar. Paul Bendix. Humorist. Ansang der Vorstellungen: Sonntags 71/2, Wochentags 8 Uhr. Fahrrad tlleiner Saal und Vereinszimmer Montag und Mitfivoch zu vergeben; auch sind mehrere Sonnabende frei zn Festlichlcite». 1243b Nebelin. Langestr. 108. I�alspsoliulls der Plllalen Berlins(IV* Semester) Mlokal: Manleuffelslr. 7,«em-�Mö.. Beginn des Unterrichts: Seuutag, 17. vktuher, morgens 8 Uhr. Sehlnst des Semesters: Ende März 1898. Anmeldungen bis 15. Oktober in den Filialen, vom 17. Oktober ab nur im Schullokal. Die Schnlkoininission. 125 20, Freie Volksbühne. II. Abtheilucg: Sonntag, 17 Oktober, nachm. 3 Uhr, III.......« 3„ JL•• 7, OJ-o„ H" J) Es gelangt zur Anffühnrng: iar Dl« Hexe-9S Trauerspiel in 5 Aufzügen von Arthur Fitger Die erste, zweite u. dritte Abtlieilimg sind geschlossen. Die überaus günstige Aufnahme der letzten Aufführung steigerte den Andrang zu den Abtheilungen derart, dass der Vorstand beschloss, für die 4. Abth. um 31. Oktober eine Vorstellung zn arrangiren. Die Mitlgieder werden daher gebeten, Bchleunlgst für die rechtzeitige Füllung diener Abtheilung Sorge zu tragen. Mitglieder zur 4. Abtheilung küimen in allen Kahltitcllen aufgciioininen werden. Ist die 4. Abtheilung bis 25. Oktober gefülkt, kann auch bei de«* Direktion«les I.CBsing-Theatcrs ein vierter 8picl- 8ouutng im Dezember bestellt werden. Montag, den$5. Oktober 1897, abend* S'/a Uhr, in Keller'» Eestsälen, Koppenstr. 29: Oeiieral-Versanuulmig. Tagesordnung: Geschäftsbericht, Kassenbericht, Verschiedenes. Der Zutritt zur Gcncralver»niiim- lung ist nnr gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Sonnabend, den 27. Kovcmber, findet in der Brauerei Friednchshain das Wiutcrfc»t statt. Eutree 30 Pf. Tanz 50 Pf. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler, Berlin-Rixdorf, Kirchhofstr. 16, II. W Mälickel c J'id°»str. 3513«, ♦Vv*(iil» der Stralancrstraste) LbfilL» cinpstehlt fein Weis», n. Bairiseli-Bierlokai nebst gr. Vereins zimmern s. 20—80 Pers. nriihsiiicts,. Mittags->! Abcndtisch z. solid. Prell Theslei'lierHeieh8hAl!ell I.clpzigerutrusMe 77 Nsvitiitm-Prsgrsli!»!! 'Jtgr Miss Irl».-TDBR OcMchwlster Gabriel», j Apoltons-Gciettschast, Natta- Gesellschast, Novello-Gesellsch., Rruter, Solo, Miss Sust, Solo, Äasikh, Serpent., Baoly-Ges. Vie ii Zterilt HoiiHtoiis. Ansang deS Konzens 6 Uhr, der Vorstellung V»7 Uhr. Im Parterrc-Saal: Dtenstag, d. 19. d.M.; lohn Konzert, Kapelle deS Kaiser-'I Franz- Garde- Grenadirr-Regts. P Heute: Doppel-Konzert. Anfang 0 Uhr. Cli'cus Busch (Bahnhof Bürsc). 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Hegel halte, hierin ei» Vertreter moderner Denkart, die ganze Welt i» Flusse der Entwickelung angeschaut, und die Grundlinien dieser Entwickelung im Sinne seiner Philosophie idealistisch-gcwaltsa»!, aber zugleich mit glänzendem Scharfblick zurechlkonstruirt. Jedoch seitdem der Eutwickeluugsgedanke überall in die besonderen Wiffeiischasten siegreich eingedrungen ist, haben diese da? Erbe der philosophischen Konstruktionen angetreten. Die Helligkeit realen Wissens verschenchl das unbestimmt« Dnnkel, in dem die wunderlichen, wem, mich die Wahrheit ticssinnig vorahnenden Träume der Philosophie allein gedeihen konnten. So sehr i» mancher Beziehung eine solche Ausfassung der Hegel'schen Philosophie, die übermülhig die ganze Welt aus logischen Schemen zu erzeugen vorgab, im Stechte ist, so scheint sie uns darin irrig, daß sie Hegel schlechthin alS den höchsten Siepräsciitanie» dcS philosophischen Geistes ausfaßt. Die ideologische Fori», welche in Hegel's Händen die Philosophie annimmt, koniiiil dieser nicht iiothiveudig zu. Philosophie kann ebenso ivohl nüchterne Wissenschast als melaphystsche Dichlnng sein. Wenn man dem Begriffe der Melaphysik nicht die willkürliche Be- dentung, wie es Hegel lhut, beilegt, daß sie daS Jesthallen an de» starren und unvermitlellen Begriffsnnierschieden des Verstandes bc- zeichne, sondern wen» man nnler Metaphysik die Lehre von dem, was hinter der Natur, jenseits aller Erfahrmig liegt, dann ist Hegel selbst, der so ettergisch gegen die Metaphysik zu Felde zu ziehe» scheint, selbst der allergrößte Metaphysiker. Aber wie viele Philo- sophe» auch eine wisseiischasllich gar nicht mehr kontrollirbare Meta- Physik getrieben, so ist darmn»och lange nicht alle Philosophie schiechlhin Melhaphysik, schwürinende, den Bode» wissenschasllicher Forsch'nng verlierende Verstandesdichiung. Und diejenige Philosophie, die sich von solchen Schwärmereien fern hält und klar begrenzte Probleme, die außerhalb des Gebietes der speziellen Wissenschasien liegen, durch scharf eiudringende, verstandesiliäßige Zergliederung zu lösen sucht, wird durch die Forlschrilie drs wissenschasllichen Geistes nicht ausgelöst, vielmehr gefördert und gestärkt in ihrer Posilio». Ma»>vud immer wieder zu ihr zuriickkehreu. Der größte Vertreter dieser wisseuschasliiche» Philosophie ist, wir kommeu damit z» unserem Aiisgaugspuukle zurück, ist Immanuel Kaut. Seine„kritische" Philosophie ist im bcivußlcii Gegensätze zur Melaphysik eutstnndc». Eben darum nennt er sie kritisch, weit sie die Grundlagen, auf denen die inetaphysifchen Philosophen ihre stolzen Gebäude aufgeführt hatte», untersuche» soll. Die Tragbalken aller dieser Gebäude koiiutcn schließlich, wen» sie überhaupt existirte», nur in der menschliche» Vernunft vorhanden sein. Denn nicht a»S der Erfahrnug, sondern aus gewissen über alle Er- sahrung hinausgehende» Vernnnftschlüssen waren, angeblich wenigstens, jene metaphysische» Systeme herausgezogen worden. Sollte der Boden, ans dem die Metaphysik zu stehe» behauptete, untersucht werde», so niußie die Nutersuchung ans die Grenzen und die Bedüigunge» des inenschlichen Versiaudes und seiner Abstraktions- sähigkcil gerichtet sei». Die Unlersuchiiiig mußte, wie es bei der Kant'schen Philosophie der Fall ivar, ansmündeu in eine„Kritik" der„reinen", d. h. für sich detrachtetc» Vernunft. Damit ivar der philosophische» Forschung eine begrenzte und in wissenschaftlicher Weise lösbare Aufgabe gestellt, eine Aufgabe, die ihr weder von den Nalurivissenschaflen, noch von den geschichllichen Wissenschaften abgeiiommen werden konnte. N»d diese Aufgabe, das Wesen und die Trngkrafl deS Verstandes sestzusiellen, war selbstverständlich nicht zu lösen, ohne daß die ganze Orgauisaliou des menschlichen Geistes, so weil dieselbe zu der Erzeugung von Erkenntiiisse» zusammenwirkt, lief- eindruigeuder Durchforschung nnlerworsen wurde. Die Kritik der reinen Verminst nmßle zu einer Kritik der elementare» Kräfte, die das menschliche Erkennlnißvermögeu in sich schließt, sich aus- wachsen. Daß die menschliche Vernunft, wenn sie die Schranken der ge- gebenen Erfahrungsivelt überspringt, ebenso wenig etwas aus sich herausdringen kau», wie eine klappernd beivegte Mühle, in die k-in Kor» zu», Mahle» geschnltct wurde, das hat sich der gesunde Menscheuversiand, ivie dnnkel immer seine Begriffe waren, natürlich längst vor Kant gesagt. Alte die schönen a»S der sogmaiulteu„Vernunft" heraugehollen Schlüsse, durch welche das„Dasein Goilcs". die„Unsterblichleit der Seele" und ähnliche spiritualistische Glaubenssätze„beivieseu" werden sollte», halte» von je nur in dem enge» Kreise spiiitiflrendcr Schuliveisheit Kurs. Der Volksglaube baute sich nicht auf Haarspallereien der Logik, so»der» aus der Ueberlieferung und Dogmen auf, die von vorneherci» gar nicht den Slnspruch erhoben, sich der Vernunft plausibel zu machen, geschweige ihrem Schoo ße zu enlspringen. Der Kirche galt denn auch von je die Vernunft als eine gefährliche Gesellin, deren Bemühnngen, auch wo sie scheinbar den Geist des Glaubens imlerstützen, mit änfierster Vorsicht zu betrachten waren; sie fürchtete daS was ui derVernuufl verborgen schlummerte, die revoliilioiinre Macht des respektlosen, keine Glaubensantorilät verschonende» Ziveifcls. In dcr That, die„Beweise für das Dasein Gollcs" waren sehr miz»- verlässige Hilfskräste. Sie hallen, trotz heißesten Vemühcns, das Tranmreich des Jenseits nur durch so dünne Zwirnsfäden an die gegebene Welt der Wirklichkeit zu knüpfen vermocht, daß die Vernunst. sich von der Kirche emanzipirend, dieses ihr eigenes Sp>nneiige>vebe mit wenigen Griffen forlfegen konnle. Wäre es iinr darauf aiigekommen, die Haltlosigkeit jener Metaphysik zn wirksamer Slnschaunng zu bringe», so hätte es dazu keiner weit- ausholenden Kritik bedurst. Hinne, der große englische Skeptiker, und andere hallen hier bereits reinen Tisch gemacht. Nicht darin, daß sie die Haltlosigkeit dcr Metaphysik, sondern in der eigen- lhüinlichen Weise, in der sie diese Haltlosigkeit nachivies, darin, daß sie diese» Nachweis ans die liesste Zergliederung dcr menschlichen Erkeimtniß gründe!?, eine Zergliederung, die ihren vollen Werth auch dann behält, wenn dcr eigenlliche Gegenstand der Polemik, die alle Metaphysik, längst das Zeilliche gesegnet hat, liegt die Bcdenlnng der Kanl'schen Kritik. Die Erkemilnißlheorie, von welcher aus Kant die Tänschnngen jeder Philosophie, welche die Grenzen der Erfahrung durch reine Begriffe nielaphysisch überfliegen ivill. anfdcckl. tragt selbst ein durchaus„phänomeiialisüsches" Gepräge, das heißt die Well, wie wir sie sehen und erfahren, gilt ihm als bloße Erscheinungswelt. Daß die Töne, die unser Obr hör!, die Farben, welche»nser Auge steht, kurz unsere sinnlichen Eindrücke und Empsuidmigcn kein eigentliches Gegenbild in der äußern räumlich körperlichen Welt haben, sondern durch materielle Prozesse, die a» sich weder farbig nach- tönend sind, in uns als bloße„snbjekiive" Eindrücke hervorgerufen irerden, das ivar der englischen Erfahrnngsphilosophie lange vor Kant bereits ein ganz geläufiger Gedanke. H»me war »och weiter gegangen, er halle nachweisen wollen, daß auch der Begriff von Ursache und Wirkung, den mir überall unserer Anffassuirg dcr Sinncnwelt zu gründe legen, eine blos snbjeklive Geltimg besitzt, ohne daß ihm in der Slußenivell etivas Nealcs entspräche. WaS mir wahrnehme», ist immer nur die Aufeinanderfolge sinnlicher Eindrücke. Aber diese Aufeinanderfolge wird von uns durch den Begriff von Ursache und Wirkung, mit welcher alle Wissenschasten, Mathemaiit und reine Logik ans- genommen, rechnen, umgedeutet. Sobald wir beobachten, eine Wahrnehmung folge sehr häufig, unserer Erfahrung nach„immer", ans eine andere, bezeichne» wir die Aufeinanderfolge als eine„nolh- wendige", nach dem Verhältniß von Ursache und Wirkung unlöslich in sich verknüpfte. Das ist ein Fortgehe» über das in der mnnitlel- baren Wahrnehmung Gegebene hinaiiS, ein in dcr Art und Weise unseres Verstandes begründetes Fortgehen, von dem wir nicht missen könne», ob ihm in der Außenwelt etivas Reales entspricht. Die Frage lag nahe, ob wir von dieser Außernvelt, ivelche gewiffermaßen erst durch unsere siiiuliche» Eindrücke bevölkert und durch den Begriff von Ursache und Wirkung uns verständlich gemacht wird, Überaupt ein unmittelbares Wissen haben, ob nicht auch die allgemeinste Vorstellung von der in Raum und Zeit bewegten Körperwelt subjektiven Charakter trägt. Freilich die be- ivegte, wirkende Materie gilt der natürlichen, ebenso wie der nainr- wissenschaftlichen Anschannng als Grundlage, ans welcher alles U-brige, alles Orgauisirte, Lebendige, die ganze Menschheit hervor- wächst. Ein Verstand, der nm objektiven, von meiischlicher Anschannng ganz unabhängigen Bestände der materiellen Weil selbst zu ziveifeln beginnt, verliert ja den festen Boden unter seinen Füßen. Aber da Kaut auch hier zum Ziveifeln Gründe, zwingende Gründe zn haben glaubte, schreckt er vor diesem letzle» Schritte nicht zurück. Raum und Zeit, Materie und die Begriffe, durch welche wir die Welt eiilziffern, sind für ihn etivas, das nnr im menschlichen Bor» stellen und Deulc» existirt; und als der Urschooß, aus ivelchem dieses die Welt der Erscheinungen selbst erzeugende Empsinden, Vorstellen und Denken hervorquillt, gilt ihm das Unerkennbare, das „Ding an sich". Der tiefste Gmnd alles Seienden ist etwas II»-. begreifliches, alles Geschehene, das wir»ur äußerlich durch die Naturgesetze uns verständlich mache», ist, weil aus dem Uubegreif- lichen fließend, sortgesetzles Wunder. Die Bodenlosigkeit dieses Gedankens war es, die für die Fickte, Schelling und Hegel die Vor- bedingirngen einer neuen Art der Melaphysik, unendlich tiefer und geistvoller, aber noch lustiger und wesenloser als die alle, erschuf. Der leere Abgrund, den die Kanlische Philosophie— sei es mit Recht oder Unrecht— vor dem widerstrebenden Denken eröffne� ist aber nur ihr negalives Resultat, daS wahrhaft Fruchtbare liegt in dem posiliven Theil der Arbeil, der genialen Nnlersuchmig über die Zusammensetzung und das Zusaminenspiel»nscrer seelisch- geistigen Organisation, durch welche die Erscheinungswelt zu stände kommt. Eben darum haben seine Allsführungeu auch für den, dcr von dem natürlich gegebenen nialerialiftischen Standpunkt nicht abiveichen ivill, höchste Bedenlnng. Der Untersuchung uiiferer geistigcn Organi- satio» ist der Materialist, der an die objektive, d. h. ohne Beziehung zum menschlichen Geist„an sich" bestehende» Körperwelt als tragender und zeugender Grundlage des Lebensprozesscs festhält, ebensowenig wie der Idealist enthoben. Denn wenn auch Raum, Zeit und tkmpenvcll„an sich" bestehen, so ist damit noch in keiner Weise erklärt, wie wir zur Vorstellung derselben kommen, wie dies„an sich" in ei»„für uns" verwandelt wird. Man muß da schließlich auch wieder auf den dunkeln Begriff seelischer Kräfte und Vermöge», mit ivelchem Kant arbeitet, zurück- gehen, nur daß vom»laterialistischeu Standpunkte ans diese Vorftclluiigskräile als Produkt erscheineu, welches die materielle a» sich bestehende Aiißemveli in und mit dem leiblichen Organismus ans sich erzeugt, als Produkt, dessen Aeußerungeu daher in letzter Juslanz ausschließlich durch malericllo. in den Nervenbewegnngeu des Körpers mündende Vorgänge, geregelt werde». Sofern aber auch diese, vou jeder Mystik soiveii inie möglich entsernte Auffassung mit seelische» Krästen, die, wenngleich materiell erzeugt, so doch ein alle» körperlichen Kräfte» gegenüber spezifisch Verschiedenes sind, rechnen »»iß, enlsleht mich für sie die Frage, irelches denn die Elemente sind, aus denen da?, was wir als Vorstelluiigsvermögen des Mensche» bezeichne», sich zusammensetzt, und w i e diese Elemente(erzengt und angeregt durch malerielle Vorgänge) zusammenwirken, nun Vorstellmigeii ans sich zu erzeugen. Das aber, die Aiisdeckuiig der Struktur»nseres Vorstellungsvermögeus, ist die eigenlliche Aufgabe, die die Kritik der reinen Verminst sich gestellt hat. eine Aufgabe, die niemals weder vor noch»ach Kant mit gleich bewniidermigsivürdigem Scharfsinn i» Angriff genommen ist. Wie ivenig n»ch die Kant'sche Analyse Anspruch erheben kann, irgendwie eine befriedigende, Widerspruchs- sreie, endgiltige Lösung dieses vielleicht schwierigste» Problemcs, das wissenschastticher Forschung überhaupt noch erreichbar ist, dar- zustelleu. so gewiß ist, daß jeder Versuch tieferen Eindringens i» den geheimnißvollen Schacht des Inneren, an dem von Kant Ge- leisleie» nicht vorbei kann, daß. er durch diesen Gedankenbail, ivie vieles auch von Grund aus niiigestaltet werden mag, hindurch muß. Ohne solche Abrechnung kein Fortschritt in der Erkemitmßtheorie. die mit der Logik zusamme» den eigentlichen Gegenstand wissen- schafiiichcr Philosophie bildet. Ein Zurückgehen ans Kant ist darum noch kein Nückivärlsschreiten im reaktioyären Sinne. Sehr verschiedene Gedankenfädeii sind im System der Kaili'schen Philosophie zur Einheil zusnumiengeschlmigen, und ive»» von einem Zurückgehen ans Kant geredet wird, so fragt cs sich naiiirlich, an ivelche» dieser Fäden dabei gedacht wird. Elwas anderes ist seine Erkenntnißiheorie, etivas anderes seine Moralphilosophie, die ans de» uiigeheuerlichcn Versuch hinauslänft, ein rei» logisches Aer- bällniß z»n> Prinzip des Sittlichen zn machen. Die Frage, ob Grundsätze des Handelns logisch widerspruchslos, ohne sich auf- zuhebcn, verallgcmeiurrt werden können, soll über ihre Siltlich- lichkeit, die damit von jeder Rücksicht aus das Fühle», Begehren und die realen Zivecke des Lebens losgelöst märe, entscheiden! Und die Moralphilofphie, die ans bloßen Begriffsverhältnissen, also aus reiner Vernunft, eivig gillige Gesehe des Handelns ableiten ivill, wird dann zurBasis eii>eZVer»u»ftglanbe»z au Gott, Freiheit und Unsterblich- keil, der au die Stelle der alle» metaphysische» Gespinnst« trete» soll. feo sremdarlig uns diese Partien heute aumnthen, so sehr haben sie, weil aus dein rationalijiischcn Geiste der Ansklärung tinmillelbar hermtSgeboreu, gerade ans das Kant'sche Zeitaller gewirkt. So wenig sie iiiis überzeugen, so bedeutsame Dokumente historischer Geistesentivickelung sind sie. Zinn Schluß sei hier nur noch mit einem Worte auf eine Neine, 17 Jahre vor der Kritik der reinen Vernunst erschienene Abband- lniig mit dein schwcrsällige» Titel:„Versuch, die negative» Größen i» die Weltweisheit einzuführen', hingewiese». Hier sind die Gruiidznge von dem, was später Marx als malerialistische der Hegel'schen Dialeklik gegenüberstellte, bereits in meisterhafter Weise entwickelt. Der Unterschied zwischen dem logischen Widerspruche und dem reale» Gegensätze widerstreitender und einander aushebender Kräsle, ein Unlerschied, auf dessen künstlicher Verdimkelmig die Hegel'sche Dialekiik ivesentlich beruht, ist nirgends anderswo so klar als hier,«in halbes Jährhundert vor dem Auslrete» Hegel's, erörtert worden. C. S. Sehr gcgrttnilet 1878. 2998L* Rcichenbct'gerslrat«»«! 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