Nr. 247. Abomttmenls-DedtiMNgxn: Abonnements- Preis pränumerando! vterteljährl. 3,Z0 M!., monatl. 1,10 Mt, wöchentlich 28 Pfg. frei ins©au«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirler Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: g,zo Mark pro Quartal, Eingetragen In der Post- ZeitungS- Preisliste für 1307 unter Dr. 74S7. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat, 14. Jahrg. Die Insertiotts-Velililfr beträgt für die s-chSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und AerfammlungS-Anzetgen, sowie ArbeilSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS t Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentage» bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittags geöffnet. Srscheink täglich ausser Woniag«. Devlinev Volksbl�kk. Fernsprecher: Sink I, Dr. ISOS. Telegramm-Adresse: „S»l>»Idem»strat Berlin". Dmtmwrglm der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. ZiednIUicm: SW. 19, ZSeuly-Straße S. Freitag, den 32. Oktober 189�. ßLpedltion: 8V. 19. Menty-Straße 3� Avvztlitke Shvensevichke. Der den Aerztekammern zur Begutachtung vorgelegte Ge setzentwurf„betreffend die ärztlichen Ehrengerichte, das Um- lagerecht und die Kassen der Aerztekammern" bildet ein neues Blatt in dem Ruhmeskranze, welchen die gesetzgeberischen Leistungen der preußischen Regierung verdienen. Der Entivurf zeigt klar und deutlich, welches geringe Maß von Achtung die Regierung den von ihr selbst geschaffenen ärztlichen Standes Vertretungen entgegenbringt, wie sie deren Wünsche un- berücksichtigt läßt, soweit dieselben geeignet erscheinen, die Unabhängigkeit des Standes gegenüber der Regierung zu schützen. Schon einmal hat das Ministerium den Aerztekammern einen vollständig ausgearbeiteten Gesetzentwurf betreffend die ärztlichen Ehrengerichte vorgelegt, und die Aerztekammern so� wohl, wie der aus ihnen gebildete Kammerausschuß haben Ve* besserungsvorschläge dazu gemacht. Aber alle diese Vorschläge läßt der neue Entwurf unbeachtet. Dabei hatten die lamm- frommen ärztlichen Vertretungskörper, welchen von ihren „Herren Chefs", den Oberpräsidenten, bis dahin stets die besteil Zeugnisse über ihr Wohlverhalten ausgestellt waren, keineswegs übertriebene Forderungen aufgestellt. Die geäußerten Wünsche beschränkten sich im wesentlichen darauf, daß alle Aerzte gleich- mäßig denselben Gerichten unterstellt würden, daß nur dieThätig- keit im Berufe selbst der Rechtsprechung der Ehrengerichte unter liegen sollte, und daß freigeivählte Aerzte, nicht von der Re- gierung ernannte Beamte, in diesen rein ärztlichen Fragen Recht zu sprechen hätten. Es war nur eine Forderung der Billigkeit, daß alle Aerzte gleichmäßig den Ehrengcrichteil unterstellt würden, wenn man überhaupt daran ging, die private Thätigkeit des Aerztes zwangsweise einer solchen Gerichtsbarkeit zu unterwerfen. Die beamteten Aerzte Kreisphysici u. s. w.— und die Militärärzte, soweit sie Privatpraxis treiben, auszunehmen, dazu lag keine Vcr- anlassung vor? diese sind ohnehin schon— wenigstens in den kleinen Städten— gegenüber ihren bürgerlichen Kollegen vermöge ihrer Titel und der Bevorzugung, welche ihnen seitens der Behörden zu theil wird, im Vortheil. Trotz dem bestimmt auch der neue Entwurf(Z 2) wieder, daß 1. für die beamteten Aerzte, 2. die Militär- und Marine- ärzte, 3. die Militär- und Mariueärzte des Beuilanbteiistandcs während ihrer Einberufung die Ehrengerichte nicht zuständig sein sollen; die genannten Aerzte sollen dafür bei den Wahlen für das Ehrengericht weder wahlberechtigt noch wähl- bar sein. Durch diese letzte Bestimmung glaubte man den Aerzten ein Entgegenkommen zu beweisen, daß sie veranlassen würde, von ihrer berechtigten Forderung Abstand zu nehmen. Es scheint jedoch nicht, als ob die Aerzte auf diesen Leim gehen werden. So lange die beamteten und Militär- ärzte an den Wahlen zur Aerztckammer thcilnehmen,— und in den dünner bevölkerten Provinzen machen die Physici that- sächlich diese Wahlen— beeinflussen sie die Znsammensetzung der von den Kammern zu wählenden Ehrengerichte, gleichviel ob sie bei der Wahl selbst stimmberechtigt sind oder nicht. Schon für das Ehrengericht der ersten Instanz ist also die Bestimmung bedeutungslos. Die zweite Instanz bildet der Ehrengcrichtshof, welcher aus 3 gewählten Mitgliedern des Aerztekammer-Ansschnsses, 3 vom Könige ernannten Aerzten und dem Vorsitzenden der Medizinalabiheilung des Kultusministeriums besteht. Im Entwurf findet sich keine Bcstinimung, daß die 6 ärztlichen Mitglieder des Ehrcngerichtshofes beamtete oder Militärärzte nicht sein dürfen; und es ist sogar in hohem Maße wahrscheinlich, daß vom Könige, d. h. von der Regierung beamtete Aerzte entsendet werden. Die Aerzte werden daher damit rechnen müssen, daß über ihr Verhalten in letzter Instanz ein Verwaltungsbeamter und 3—6 beamtete Aerzte, welche selbst der Ehrengerichtsbarkeit nicht unterliegen, zu richten haben werden. Ter Entwurf hält ferner im§ 13 daran fest, daß auch das Verhalten des Arztes außerhalb seines Berufes zum Gegen- stände eines ehrengerichtlichen Verfahrens gemacht werden kann. Wohin diese Bestimmnug zielt, wird ans der Vor- geschichte des Entwurfs verständlich. Bereits im Jahre 1892 wurde den Aerztekammern die Frage vorgelegt, ob eine Er- Weiterung ihrer disziplinaren Befugnisse wünschenswerth sei oder nicht. Die Aerztekammern bejahten— zum theil im ausgesprochenen Gegensätze zu den Wünschen ihrer Wähler— diese Frage, stellten aber als Bedingung die Einbeziehung der beamteten und Militärärzte. Diese Forderung veranlaßte die Regierung, zunächst von weiteren Schritten Abstand zu nehnien, und man hörte eine ganze Zeit lang nichts von diesen Plänen. Erst durch eine Eingabe, welche der Vorstand des deutschen Aerztcvereins-Bnndcs an die Regierung richtete, wurde die Frage wieder aufgerührt; in dieser Ein- gäbe wurde für die Rothwendigkeit erweiterter Disziplinar- befnguiffe die unzweifelhaft richtige Thatsache ins Feld geführt, daß das Gift der Sozialdemokratie auch s ch o n b e i d e n A e r z t e n einzudringen beginne. Das gewünschte„Gesetz gegen die gemeingefährlichen Be- strebmigen der sozialdemokratischen Aerzte" stellt der vorliegende Entwurf dar, und, damit diese seine Bestimmung erfüllt werde, unterstellt Z 13 auch das Verhalten außerhalb des Bernfes der Ehrengerichtsbarkeit. Der Fall Stadthagcn und der Fall Arons lassen ahnen, was die sozialdemokratischen Aerzte zu gewärtigen haben, wenn der Entwurf zum Gesetz erhoben wird. Auch in anderen, weniger bedeutungsvollen Punkten sind die Wunsche der Aerztekammern unberücksichtigt geblieben. Schon in dem Ehrengerichte der ersten Instanz soll ein richter- licher Beamter Sitz und Stimme haben, während z. B. die entsprechenden sächsischen Gerichte nur ans Aerzten bestehen. Dieses richterliche Mitglied soll in der Regel die Vorunter- suchnng leiten, während für die ordentlichen Gerichte die Straf- prozeß-Ordnung vorschreibt, daß der Untersuchungsrichter im Sprnchgericht nicht sitzen darf. In beiden Instanzen kann die Verurtheilnng mit einfacher Mehrheit erfolgen, während die Strafprozeß- Ordnung für den Schuldigspruch Zwcidrittel- Mehrheit vorschreibt. Wie bei der Novelle zur Strafprozeß- Ordnung hält im übrigen die Negierung auch daran fest, daß dem Vertreter der Anklage— welcher in diesen Fällen ein Beauftragter des Oberpräsidcnten ist— ebenfalls die Berufung an den Ehrengerichtshof zustehen soll. Falls also z. B. gegen einen sozialdemokratischen Arzt wegen seiner politischen Thätig- keit Anklage erhoben wird, nützt es dem Angeklagten nichts, wenn in der ersten Instanz die Erwählten der Aerzte- schaft ihn freisprechen. Der Beauftragte des Oberpräsidenten kann ja Berufung an den Ehreugerichtshof einlegen, und in diesem stehen den drei gewählten Vertretern der Aerzteschaft vier Vertrauensmänner der Regierung gegenüber. Man kann danach das Urthcil über den Gesetzentwurf folgendermaßen zusammenfassen: Ter Entwurf bietet den Aerzten das nicht, was die Anhänger einer erweiterten Disziplinargerichtsbarkeit der Aerztekammern von einem solchen erhofft haben. Man hatte erwartet, eine schneidige Waffe zu erhalten, mit welcher man mit Sicherheit den unlauteren Wettbewerb jeder Art— unkollegiales Verhalten in der Privatpraxis, Unterbietung bei Kranken- kassen u. s. w.— beseitigen könne. Diese Waffe bietet der Entwurf sicher nicht. Denn wer bürgt dafür, daß die Ver- trauensmänner der Regierung ein verurthcilendcs Erkenntniß bestätigen, welches in erster Instanz wegen einer solchen Unter- bietung gefällt wurde? War es doch ein preußischer Minister, der den Krankenkassen für die Anstellung von Aerzten das Submissionswcsen empfahl, das auf anderen Gebieten so Herr- lichc Blüthen hervorgebracht hat. Die Vortheile, welche der Entwurf den A e r z t e n'zu bieten scheint, sind mindestens zweifelhaft. Unzweifelhaft dagegen wird hier die Grundlage geschaffen, ans welcher fußend die Regierung versuchen kann und voraussichtlich versuchen w i r d, sich auf politischem Gebiete den Acrztcstand ebenso unter- than zu machen, wie es die anderen studirten Stände zum größten Theilc bereits sind. Fraglich erscheint, ob dieser Versuch gelingen wird, ob vor allem die weitere Ausbreitung sozialdemokratischer Ideen unter den Aerzten aufgehalten wird.' Die Nichtachtung der ärztlichen Wünsche, welche der Entwurf bekundet, bat in hohem Maße die Unzufriedenheit und Erbitterung der Aerzte hervorgerufen, und die Handhabung des neuen Gesetzes würde kaum derartig sein, daß sie andere, friedlichere Gefühle auskommen läßt. So wird der Boden aufs beste vorbereitet, um die Saat sozialistischer Ideen aufznnchmen. Und so stark ans den ersten Blick die Machtmittel erscheinen, welche der Gesetzentwurf der Regierung verschaffen soll, reichen sie doch nicht dazu aus, den sozialistischen Aerzten die Bcthätignng ihrer politischen Ge- sinnung unmöglich zumachen. Dem Arzt kann die Approbation nicht entzogen werden, solange nicht durch Reichsgcsetz die Gewerbe- Ordnung in diesem Sinne geändert ist. Ja, noch mehr: solange durch die Eewerbe-Ordnung die Ausübung der Heilknnst freigegeben ist, steht auch den preußischen Aerzten im schlimmsten Falle noch ein Weg offen, auf welchem sie sich allen Scherereien und Plackereien der Ehrengerichte entziehen können: der Verzicht ans die durch die Approbation er- worbenen„Rechte" und Titel, welche zur weiteren Ansübnng des ärztlichen Bernfes nicht erforderlich sind. Das kann ja wohl als ausgeschlossen gelten, daß der Reichstag einer Gewerbe-Ordnungs-Novelle seine Zustimmung erthcilt, welche die Entziehung der Approbation als Disziplinarstrafe ein- führt oder die Knrierfrcihcit beschränkt. Die Disziplinarmittcl, welche gegenüber den preußischen Aerzten zur Anwendung gelangen können, sind daher immerhin nur beschränkte, und vor allem wird dcm aus politischen Gründen gcmaßrcgeltcn Arzte als letzter Ans- weg die Möglichkeit bleiben, unter öffentlicher Darlegung seiner Gründe seinen Berns als„Kurpfuscher" fortzusetzen. Darum werden zwar die sozialistischen Aerzte den„Gesetz- entwurf betreffend die ärztlichen Ehrengerichte" nicht minder energisch bekämpfen, als ihre Kollegen, die bürgerlichen Parteien angehören. Wird aber der Gesetzentwurf— wie kaum anders zu erwarten ist— trotzdem Gesetz, so können unsere Genossen, wie einst unsere Vertreter im Reichstage, den Vätern dieses „ärztlichen Sozialistengesetzes" die Worte zurufen:«Wir pfeifen aus Euer Gesetz."_ polikische Mebevstchk. Berlin, 21. Oktober. — D a s P r o v i s o r i u m im auswärtigen Amte ist min zu Ende. Wie die„Norddenlsche Allgemeine Zeitung" meldet, ist die Ernemmng des früheren Botschafters in Rom und bisherigen stcllvcrirctenden Leiters des auswärtigen Amtes, v. Bülow, zum Staatssekretär desselben gestern vollzogen worden.— — Die Drucklegung der einzelnen Etats- entwürfe für 1838/99 hat, ivie die„Post" vernimmt, bereits begonnen. Dem Bnndesrath dürsten einige Spezialelats bereits in der Plenarsitzung der nächsten Woche vorgelegt werden können; man hofft, den ganzen Etat für das nächste Jahr bis Mitte November im Druck ferligznstellen.— — Der Bundesrath ertheilte heute dcm mündlichen Ans- schußbericht über den Nachtragsantrag Preußens, betreffend die Ausführung deZ Börsengesetzes vom 22. Juni 1896 die Zu- stimmuug.— — Kaufmännisch« Schiedsgerichte. Der Minister für Handel und Gewerbe hat die Aeltesten um ein Gutachten ersucht über die zweckmäßigste Art der Organisation besonderer„kauf- männischer Schiedsgerichte, welche nach Analogie der Gewerbe- gerichte Streitigkeiten zwischen kausmännischen Angestellten und ihren Prinzipalen in rascher und billiger Prozeß- führnng zu entscheiden haben würden. Gemäß einein eingeholten Gntachlen der Sachverständigen-Kommission für gewerbliche An- gelegenheiten beschlossen die Aeltesten für den Fall, daß die Ein- führnng solcher Gerichte von den gesetzgebenden Faklore» beschlossen iverden sollte, deren Angliederung an die Amtsgerichte zu empsehlen. Bei Anlehnung an die Amtsgerichte wären die Sprnchkollcgien zu bilden ans dem Amtsrichter als Borsitzenden und je einem Vertreter der Albeitgeber und der Arbeitnehmer als Beisitzer». Die Liste der Arbcitgcbcr-.Beisitzer sei von dcm zur Vertretung des Handelsstandes berufenen Organ(Handelskammer, kansmännischer Korporation), oder, wo ei» solches fehle, durch Wahlen der Arbeitgeber, die Liste der Arbeitnehmer-Beisitzer durch Wahlen der Arbeitnehmer auf- zustellen. Bei Stieilobjekten von geeigneter Werthhöhe müsse eine Berufung von dem Schiedsgericht an die ordentlichen Gerichte zu- lässig sei».— — lieber die Koalitionsfreiheit beginnt der frühere Vorsitzende der Neichskommissio» für Arbeiterstalistik, Dr. v. Notlen- bürg, eine Abhandlung in Nr. 3 der„Sozialen Praxis" zu ver- ösfenllichcn. Wir entnehmen derselben heute die solgenden, für die Ansfassung des Autors charakteristischen Stellen: „... Sobald Vereine oder Versammlungen in das Gebiet der allgemeinen Sozialpolitik übergreisen, unterstchen sie den Landes- gesehen und werden also von ihre» Vorschriften über Slnzeige, Polizei- lichc Ueberwachnng u. s. w. l etroffe». Damit ist das Recht, sich zur Förderung w i r I h s ch a f t l i ch e r Zwecke zu ver- einigen, in einer Weise begrenzt, die die Möglichkeit einer Frultifizirung dieses Licchtes wesentlich einschränkt. Denn nicht selten wird die Erwägung der allgemeinen wirlhschafllichen und sozialen Verhältnisse die nolhwendige Voranssetznng für die Be- nrlheilung eines konkreten Falles und solgeweise auch die Voraus- setzung dafür bilden, daß in dem konkreten Falle eine zweckdienliche Entschließung gefaßt werden könne. Von einer Mehrheit der Theoretiker, aber auch von einer erheblichen Zahl praktischer Politiker wird daher eine Abänderung des bestehenden Rechtszustandes in der Richtung verlangt, daß die bisherigen Beschränkungen des Koalitions- rechtes auf wirthschaftlichem Gebiete beseitigt werden. Dieses Ver- langen entspricht der Gerechtigkeit!"... .. Es läßt sich, glaube ich, nachweisen, daß auch Erwägunge» politischer ttlililät eine gesetzliche Anerkennung der Koalitionsfreiheit erfordern...." „... Die Bedenken, die sich ans diesen Erivägnngen ergeben, fallen um so schwerer ins Gewicht, als der Arbeitnehmer durch den Verkauf seiner'Arbeitskraft in ein Abhängigkeitsverhält- niß gerälb, wie sie kein zweites w i r t h s ch a f t l i ch e s V e r t r a g S v e r h ä l t n i ß mit sich bringt. Er ist gebunden au die Arbeitsstätte, die der Arbeitgeber ihm anweist, an die Arbeits- zeit, die ihm vorgeschrieben wird, und damit ist für ihn das Recht der freien Selbstbestimmung über sein leibliches und moralisches Leben in vielfachen Beziehungen eng eingegrenzt... „... Eine pragmatische Auffassung der Geschichte würde noth- wendig zu dem Schlüsse gelangen, daß das moderne Rechtsbewußt- sein an die legislatorische Behandlung des Verhältnisses zwischen dem Arbeilgeber und dem Arbeitnehmer weitergehende Forderungen stellt als die der Gleichheit vor dem Gesetze. Diesem Rechtsbewußt- sein entspricht nur eine solche Rechtsordnung, die dem wirlhschaftlich schwächeren Theile der Gesellschaft bei dem Mitbeiverb um die Bedingungen des Lebens Hilfe gewährt." „... Bezüglich des hier interessirenden Problems ist nun die Entwickelnng unseres Rccht-bewußtseins bis zur Aufstellung eine? solchen Prinzips vorgeschritten, und dieses geht dahin, daß die stlcchtsordnnng gebunden ist, die Ungleichheit, in der sich der Arbeit- nehmer beim Verdingen seiner Arbeitskraft gegenüber dem Arbeitgeber befindet, in der Weise abzuschwächen, daß sie die Freiheit der Koalitionen zur Förderung wirlhschasllicher Interessen an- erkennt...." „... Die harten Thatsachen haben den Beweis geliefert, daß die Vertreter des bedingungslosen Wettbewerbes wohl die Kunst ge- lehrt haben, wie eine Nation ihre Produklionskrast steigern, nicht aber die, wie sie stark und glücklich werden könne..." — Zum Urtbeil gegen Liebknecht wird nnS noch geschrieben: Dies Urthcil enthält ja manche Ausstellung, die besonders für den unbefangenen gesunden Menschenverstand schwer oder vielmehr gar nicht zu begreifen ist: aber man darf nicht glauben, daß der höchste deutsche Gerichtshof in seinem Urthcil nur nnbe- greiflicheS zu tage gefördert hat. Vielmehr ist in seinen Urtheilen oft mancher lehrreiche Rechtsgrnndsatz nnd manche strafrechtliche Desinition enthalten, die der Beachtung werth sind. Auch ans dem Urlheil gegen Liebknecht möchten wir einen Sah herausheben und der aufmerksamen Beachtung unserer Slrnfrichlcr empfehlen. Bevor das Erkenntniß dazu übergeht, daß Liebknecht zwar kein absichtliches, aber doch vorsätzliches Handeln vorzmverfen sei, führt es folgende Desinition der Beleidigung an: „Die Beleidigung ist die vorsätzliche Kund- gebung derMißachtung; sie setzt voraus, objektiv, d a ß d.i e A e n ß e r u n g z u r K e n n t n i ß d e s B e l e i d i g t e n kommt in dem Sinne, in dem sie fällt. Das eben ist der Erfolg des Handelns, des Zlus- spreche>i s der Beleidigung, und insofern ist die Majestätsbeleidigung auch als Ersolgsdelikt a n z n s e h e n." Wo also dieser Erfolg nicht eingetreten ist, wo die Majestät von der mißachtenden Knndgebnng keine Kenntttiß erhalten hat, liegt das Vergehen der Majestätsbeleidigung gar nicht vor, ivenigstens, wenn man diese vernünftige Definition des Reichsgerichts gellen läßt. Freilich sind dann hunderte von Verurlheilnngen, wenn ein Nngetrnnkener ein» verletzende Slenßerung machte, wenn i» vertrautem Kreise ein freies Wort siel, zu Un> recht erfolgt; denn man wird nicht behaupten wollen, daß die Majestät von allen diesen Aens.erungen Kenntniß erhalten had In Uebereinstimmung mit dieser Anschauung spreche»>vir a»6, nicht von einer Beleidigung Gottes, sondern von einer Lästerung Gottes, obivohl man bei der göttlichen Allwissenheit hier weit eher eine Kenntnißnahme der verletzenden Aeußernng voraussetzen dürfte; da sie sich aber nicht feststellen läßt, so ist es ganz richtig, den Begriff der Beleidigung hier nicht anzuwenden. Wir wollen hoffen. daß diese Definition deS Reichsgerichts Anerkennung findet und daß eine Majestätsbcleidiguiig in Zukunft nie für erwiesen angenommen wird, wenn der Nachweis der Kenutuiß- nähme der angeblich verletzenden Kundgebung seitens der Majestät nicht gefiihrt worden ist.— — Zur Naturgeschichte des Amtsgeheimnisses. Liebknecht stellte, nach Bestätigung des ihn verurtheilenden Erkennt- »isses in dem bekannten Majestätsbeleidigungs-Prozeß, bei der Breslauer Staatsanwaltschaft den Antrag, die Strafvollstreckung in Plötzensee statt i» Breslau statlfinde» zu lassen, also«ine rein private Angelegenheit, die nur Lwbkuechl und die Breslauer Staats- anwaltschast angeht. Die Sache steht aber heute in Breslauer Zeitungen. Liebknecht hat nichts veröffentlicht. Die Notiz rührt also von anderer Seite her. Wer mag sie verübt haben und wie ist der Reporter zur Kenntniß derselben gelangt?— — Die Synoden u n d Konsistorien gegen die national- sozialen Pastoren. Ans S a n g e r h a u s e n wird der„Volls-Zeitimg" gemeidet, daß die Kreissynode sich mit dein Fall K ö tz s ch k e befaßte. Die Synode nahm aus Anlaß dieses Falles einen Antrag an, wonach künstig den Geistlichen, die aus irgend rvelchen Gründen ans dem Amt scheide», das Wohnen in ihrem bisherigen Wir kungsort verboten werde. Wie eine solche Maßregel durchgeführt iverden solle, so lauge das Gesetz über die Freizügigkeit herrscht, ist uns nicht recht klar. Im Falle des Pastor Schall-Bahrdorf hat man bekanntlich das eul- gegengesetzle, die Juternirung gefordert. Der»ational-soziale Pastor Gros auS Gartenrod ist vom Wie?» badener Konsistorium„im Interesse des Dienstes" nach Höchstenbach im Oberwesterwald versetzt worden. Bor längerer Zeil hatte das Konsistorium die Erwartung ausgesprochen, daß er fich der politische» Agitation enthalten werde.— — D i e Lehren der großen Manöver. Bei den deutsche» sogenaiiiiten Kaisermanövern kam es, wie männiglich be- kannt, wiederholt vor, daß Trnppeninassen Märsche und Angriffe «nachten, die im Ernstfall—»ach Meinung der fähigsten Mililärs— jedem betheiligten Soldaten das Lebe» gekostet hätten. Aehnliches wird jetzt ans Frankreich bezüglich eines.großen Manövers" be, Paris gemeldet, Ivo die Truppen„in die unmöglichsten Silualione» geriethen". So blamabel dieS für die Militärs von Fach ist. so bat es doch vom politischen und menschlichen Standpunkt etwas Tröstliches. Die„großen Manöver" haben gelehrt, daß nnserc Militärs mit de» Riesenarmeen und den unabsehbar weiltragenden Schußwaffen der Gegenwart noch nichts anzufangen wissen. Und hierin liegt einstweilen eine gewisse Bürgschaft des Friedens— bis die Völker so vernünftig sind, eine bessere zu schaffe».— — Die Altersgrenze der S t r a f m ü n d i g k e i t. Alis Veranlassung des Justizministers hat Knllusininifter Dr. Bosse der wissenschaftlichen Deputation für das M« d i. z i n a l w e s e n die Frage vorgelegt, ob eine Erhöhung der EtrafmündigkeitS» Altersgrenze von 12 auf 1s Jahre vom medizinischen Standpunkte aus als wünschenswerlh erscheint. Die Deputation, deren Vorsitzender Geheimralh v. Bartsch ist. wird sich daher in einer der nächsten Sitzungen mit dieser Frage beschäftigen. Die wissenschastliche Deputation hat übrigens bereits einmal die Frage erörtert, von welcher Altersgrenze ab eine strafrechtliche ver- folgung zulässig sei. Es war das vor dem am St. Mar 1870 erfolgten Zustandekommen des preußischen Strafgesetzbuches, das am I. Januar 1871 in kraft trat und ei» Jahr später als Reichs- Strafgesetzbuch anerkannt wurde. Auf das damals von der Deputation abgegebene Gutachten hin wurde die StrafmündigkeitS- Altersgrenze auf 12 Jahre festgesetzt. Doch spricht manche Er- schkinung dafür, daß man heule geneigt ist, diese Strasmündigkeils- Altersgrenze zu erhöhe».— — Um den kleinen Herbert Bis n>arck— klein Nicht an Körperlänge— streiten sich die Konservativen in ver- schiede»«» Wahlkreisen. Kürzlich wurde mitgetheill, das Söhnlein Bismarck's sei von agrarischer Seite im 18. hannoverschen Kreise aufgestellt worden. Jetzt wird behauptet, in Dresden Halle man an dem früher schon geäußerten Wunsche fest, Herbert Bismarck für diese Stadt und durch Herberl Bismarck den Dresdener Wahlkreis zu behaupte». Man denkt, die Wähler iverden ans den„großen Namen" hereinfallen, denn die Person Herberl's ist geiviß nicht daran schuld, daß man sich um diese Kandidatur so vielseitig bemüht.— — Die Familie der Puttkamer gilt seit langem in den nicht konservative» Kreisen als Inbegriff alles junkerlich. reaktionären Wesens. Jetzt ereignet es sich, daß auch die Ko». servaliven selbst nichts mehr von den Putlkamer's ivissen niöge». rc, Kalle lind Zicglcr. Der neueste Versuch de? Herrn Eugen Richter und ähnlicher Kumpane, das Andenke» Lassalle'S auf die Autorität Ziegler's hin zu vernnglimpfe», ist im, Vorwärts" bereits gebührend gekennzeichnet worden. Ich habe in Ziegler's letzte» Lebensjahren oft mit ihm verkehrt und kann nur bestätigen, was im„Vorwärts" schon gesagt tvurde, daß Ziegler stets in der freundschaftlichsten und fachlichsten Weise von Lassalle zu sprechen pflegte. Der Brief Ziegler's, am dem Herr Engen Richter herumreitet, ist entweder eine plumpe Fälschung, oder er wirft einen Schatten nicht aus Lasjalle, sonder» auf Ziegler. Ziegler war keiner Heuchelei fähig. aber er war wie ein sehr geistreicher, so auch ein sehr impulsiver Meusch. der sich leicht von den Empfindungen deS SlugenblickS fortreißen ließ. In feinen letzten Lebensjahren war seine Slininumg sehr verbittert. Einerseits hatte er nur die kräftigsten Flüche übrig für die Thatsache, daß solche Elemente, ivie Herr Enge» Richter, in der Fortschrittspartei empor. kamen; er sagte voraus,»vas zivei Jahrzehnte so herrlich erfüllet habe», daß dies bornirte Manchesterlhum die bürgerliche Opposition i» Grund und Bode» ruiniren Ivürde. Andererseils war er in bürgerlichen Anschauungen alt und grau geivorden und konnte sich kein rechtes Herz mehr fasse» zu der prole- tarischen Klassenbewegung. So räsonnirle er denn auch wohl einmal über alle Welt; es war nicht immer eine tragische Form, in welcher er über sein in gennssem Sinne tragisches Schicksal klagte. Als seine Wiltwe mir gleich nach seinem Tode seine» literarischen Nachlaß übergab, mit dem Wunsche, ihn beranszngebe», glaubte ich ihr in Ziegler's Interesse von der Veröffentlichung mancher Schriftstücke abrathen zu sollen, in denen er seine«» Groll über eine Well, die er nicht mehr verstand, einen nicht immer gerechte» oder doch sehr mibverständlichen Ausdruck gegebe» hatte. Möglich also, daß Ziegler auch über Lassalle einmal ungerecht geurtheill hat. Möglich,«venu auch nicht ivahrscheiulich. Denn gerade über Lassalle hat Ziegler so oft mit herzlicher Freundschaft gesprochen, daß diejenigen, die ihn jetzt gegen Lassalle ausspiele» «vollen, von Ziegler's wahrer Gesinnung etwa so viel verstehen, ivie Herr Enge» Richter vom Sozialismus. Es sei gestattet, dafür einige urkundliche Beiveise zu erbringen, die, auch abgesehen von dem äußeren Anlaß dieser Zeilen, für die Leser des.Vorwärts" von einigem Jntereffe sein iverden. Lassalle hielt mit recht große Stücke auf Ziegler's Organ, sationS- talent und holte deshalb Ziegler's Rath ei», als er den Allgemeinen Deutschen ArbeUerverein zu gründen beabsichtigte. Ziegler entwarf Im ReichstagS-Wahlkreise Kolberg-Köslin wurde beabsichtigt, den dortige» L a» d r a t h v. P n t t k a in e r als Kandidaten auf- zustellen und der Herr Landrath hat seit einiger Zeit fleißig in den Versammlungen des Bundes der Landivirthe gc- sproche» und für seine Kandidatur agilirt. Aber es kam anders, als er und seine ihm ergebene Gesinnungsgenossen erhoffte». Man hat sich geweigert, diese Kandidatur anzuerkenne» und hat einen Zimmer- meister, Herrn F i r z l a s f, aufgestellt. Die„Zig. f. Pommern" sagt hierüber n. a.: „Wie wir heute mittheilen können, ist nämlich die Kandidatur Firzlaff nicht bloS von dem konservativen Verein in Köslin, sondern schon vorher in einer in Kolberg abgehaltenen Versanimlnng ländlicher und städtischer Vertrauensmänner der konservative» Partei in Anregung gebracht und von diesen beschlossen worden. Der Vorsitzende in dieser Versammlung hatte alS geeignete» Kau- didaten de» Landralh des Kolberg-KöSliner Kreises v. Puttkamer in Vorschlag gebracht, ein bürgerliches, städtisches Mitglied ivar dem aber mit großer Entschiedenheit entgegen- getreten, da die Slnsstellnng deS Landralhs v. Putlkamer, der sich weder in städtischen noch in bäuerlichen Kreisen übermäßiger Sympathien erfreue, nicht geeignet sei, der konservativen Partei den verlorenen Wahlkreis«vieder zu ge- «Vinnen. Er brachte statt dessen Herr» Firzlaff in Degoiv in Bor- schlag, und dieser vereinigte auch in der Kolberger Versammlung die entschiedene Mehrheit der Ethnine» auf sich, während der Landrath v. Putlkamer in der Mi>«derheit blieb. Das letzlere ist um so bezeichnender, als die Kandidatur des Landralhs v. Pult- kainer durch die von letzterem im Bunde der Landivirthe wiederholt gchalleue» Agilatiousreden offenbar von langer Hand vorbereitet ivar." Die Landräthe und Bnrrankraten werden also selbst von ihre» Allergetreuesteu abgeschüttelt. Mau llehl ein, daß man mit solchen Kandidaturen. dene«> der Geist der Reaktion gar zu deutlich auf die Stirn geschrieben steht, nichts mehr ansaugen kann, man will e- nun mit der Aufstellung von„Mittelstandsmänner»" versuchen.— — Soldaten als Arbeiter. Wie die„Frank.-Münstcrb. Ztg." mitlheilt, hat sich die Direktion der F r a» k e n st« i n e r Zuckerfabrik an de» Kommandeur des 83. R e g i- «n e» t s in G l a tz gewandt, um Soldaten als Arbeiter zu erhalten. Begründet wurde das Gesuch mit dem Hin- «veis, daß eS der Direktion infolge des Mangels an Ar- beitern unmöglich sei. die zum Betriebe der Fabrik er- forderlichen Arbeitskräfte aufzutreiben. DaS Gesuch hat Erfolg gehabt. Am Sonntag sind 40 Soldaten zur Arbeit in der Fabrik in Frankenstein e,»getroffen und in einem Gasthaus ein- logirt«vordcn. Diese Nachricht klingt kann, glaublich. Dabei ist nicht einmal gesagt, ivarum es den Herren Fabrikanten nicht möglich geivescn sein soll, Arbeiter zu erhalten; bei leidlicher Bezahlung sind auch i» Schlesien»och Arbeiter zu finden. Es ist duräians»othivendig, daß von amtlicher Seite Ausklärung über diese Angelegenheit gegebe»»vird.— — Ein„sozialistisches N r i e g« r v e r e i n s b l a t t"? Die„Hamburger Nachrichten" schreibe»: „Im April d. I.«vaudte sich der nominell 700 Mitglieder umfassende„Militär-, Invaliden-, Veteranen- und M i l i t ä r a n»v ä r t e r- V e r« i n von Berlin und Um- g e g e n d" durch eine Eingabe seines Borsttzende» Bredoiv a» de» Fürsten Bismarck mit der Bitte, das Ehrenpräsidiuin des Vereins anznuehlnen. Der Fürst antivörtele darauf,„daß«in« solch« Stellung ihm mit seiner Eigenschaft als Privat- «nanu nickt im richtigen VerhäUiiiff« zu sieheu schein«, daß er dem Vereine aber gern als Ehrenmitglied angehöre» würde". Auf ein ziveites Schreiben des Vereinsvorsitzenden Bredow, in«vclchein dieser meldete, daß die Annahme der Ehrenniitgliedschafl von der Vereinsvcrsamtulnng mit Jubel beglüßt sei. und in welchen, er die Bill« iviederdvlt«, doch a«>ch das Ehrenpräsidium z» über- nehincu, erfolgte ein Dank bei Fürst«», aber bejügltch des letzte» Punktes nochmals eine ablehnende Antwort. Neuerdings ist von zuständiger Seit«»nitgetheilt worden, daß die von Bredoiv geleitet« Zeilschrift „Neveille, Zeitung der Militärinvaliden DenIschkandS, amt- liches Organ des Verbandes der Militär-, Kriegs- und Friedens- Invaliden, Veteranen-»nd Militärainvärler Deutschlands, amt- liches Organ der königlichen Wafferdau-Aeamlc» deS Deutschen Reiches" unter seinem unverfänglichen Titel aufhetzende sozialistische Tendenzen verfolgt und deshalb in der g a u z e» A r in e« v e r b o t e u i st; serner, daß Spaltungen im Vereine selbst stattgefunden habe», auf deren Eiuzelheiteii wir hier nicht eingehen wolle». Fürst Bismarck hat ans dies« von maßgebender Seite erfolgten Benackrichtigiuigen dem Vereine miltheilcn lassen, daß er die Wahl zum Ehreninilgliede als nicht gillig ansehe." Wir haben hier und da einen Blick in die„Neveille" gethan und habe» gesunden, daß diese! Blatt in resoluter Art die arg ver- nachlässigten Interesse» der Militär- Invaliden zu vertreten bemüht «var, daß eS aber durchaus auf dem sogenaiinUii„patriotischen Boden" steht. Andernfalls würden die Vertreter des Blattes sich wohl tamii an Bismarck mit der Bitte, er solle Ehreiimilglied und Ebrcnpiäsideiit sein, gewendet, und die Nachricht, Bismarck wolle zuerst den Plan einer großen Arbeiter-Versicherungsgesellschaft und schrieb darüber u. a. am 22. Februar 1883 an Lassalle:„Der Vor- sitzende muß ein Kopf und eine Arbeitskraft ersten Ranges sein____ Ich selbst würde bei meinem Alter dazu nicht mehr aus« reichen.... Ich kenne für diese Stellung nur einen einzigen Menschen, und daS sind Sie mit Ihrer U» eigen nützigkeit, Ihrem warme» Herzen für die Arbeiter und allem, ivaS Sie sonst auszeichiiel. Ick weiß wohl, daß Sie stets frei sein wollen, aber Sie bringen so viele Opfer, daß Sie der Aufgabe Ihres Lebeiis, dem Interesse der Arbeiter, auch das größte und schmerzlichste Opfer bringen imiffeii." Das war noch vor dein Erscheinen des offenen Antwortschreibens. Einen Monat nach dessen Erscheinen, als Lassalle täglich von den größten Beschimpsungen der sorlschrittlichen Presse bombardirl wurde, schenkle ihm ZUgler zum Geburtslage, am 11. April, einen Pokal liiU folgender Sonette: Mein tapfrer Fechter! Deiner Seele Glnlhen Bist Du bemüht, zu werfen in die Massen, Der Freiheil Funke will nicht zündend fassen Und nirgends will eS schänmend übeiflntheq, Dn brennst mit Nesseln, streichst sie mit Ruthen, Der Deiiiokralen blasse Hiiitersasse», Sie, selbstziifrieden, reiben ganz gelassen Die rothe Stelle, ohne sich zu sputen. ES weckten Marcus ManliuS die Gänse. Den Feind zu werfen von dem Kaviloie. So fühlte damals noch das Vieh für Ehre. Jetzt brechen leitartikelnd Schreiberhäns», Daß sich die Nieute keine Wunden hole, Den Freiheit Keilern feige die Gewehre. Und als Lassalle gestorben war, schrieb Ziegler an seinen Jugend- sreund Ritter:„Ich schreibe unter dem erschülternde» Eindruck von Lassalle'S Tode. Ha! Diese Millelmäßigen jubeln, diese Juliane. die er gegeißelt; die Myrniidonen tanzen auf dem Grabe deS Achilles. ... Es ist uns. er ist lodt.-r war eine Bibliothek, Anreger. T'.öster. es ist aus. Mich hat kein Mensch so geliebt, wie dieser Er war ein bildschöner, genialer, feuriger Meusch niit tausend Fehlern, ja Lastern, aber er war ein ganzer Mensch." Und ähnlich zur selben Zeit an Rüge: Ich mag nicht seben, wie die Myrniidonen ans dem Grabe des Achilles tanzen. Die Leute haben nun Ruhe vor diesem rücksichtslosen Menschen; es wird heute Jubel sein und manches Seidel fröhlich geleert werden in diesem ichalierUche» Gesöff, das ich für ein Uebel und Unglück hatte." Ehrenmitglied spielen, mit Jubel aufgenommen haben. Jedenfalls sind das Vlait»ud die hinter ihm stehende Richtung weit von jederlei„sozialistischen Tendenzen" entfernt. Charakteristisch ist aber, daß ein Blatt sofort in diesen Ruf gebracht wird, sobald es nur sich energisch der berechligten Beschwerden der Invaliden an- »mimt. Diese Art der Behandlung wird jedenfalls nicht dazu beitragen, die bisher durchaus„palriolischeu" Herren der„Neveille" von der Sozialdemokratie zu enlserueu!— — Gegen den ge maßregelten Ortsvorsteher S ch u l tz e in Nahmitz gehen die Berwallungsbehörden mit weilereil Verfolguiigsniaßregel» vor. Ech. ist aus dem K r i e g e r v e r e i n ausgeschlossen worden, dem er im Jahre 1331 als bereits seit zwölf Jahre» im Amte besindlichen Orlsvorsieher infolge einer au ihn gelaugten behördlichen Aufforderung beigetreten war. Gegen Ende September d. I. richtete der Landrath v. Stülpnagel ein Schreiben an den Lehiiiner Anilsvorsteher Forstmeister v. Döhu, das die Anfforderiing enthielt, den Zlusschliiß Schnltze's aus dem Nahmitzer Kriegervereiii herbeiznführeii. Der Anilsvorsteher ließ hierauf den Vorsitzenden des Kriegervereins kommen und lheilte ihm mit, daß Schultz« aus dem Verein heraus müsse, indem er hinzufügte, daß es sich wahrscheinlich um die Sache mit der Palm handle. Der Vorstand des Kriegervereins gab dieser Aufforderung znnächst keine Folge, erhielt jedoch vor einigen Tagen durch den stellverlretendeii Amtsvorsteher des Bezirk- Herrn Engel in Jeserich eine Verjüanng de- B e z i r k s- K o m m n n d o s zu Potsdam, worin es hieß:„Wenn der frühere Gemeinde-Vorsteher Schnitze noch dem Kriegerverein angehört, so ist derselbe daraus sofort zu entferne n." Zugleich wurde dem Krieger- vereinsvorslmide bedeutet, daß unverzüglich der erfolgte Ausschluß Schnltze's dem BezirlSkommaiido anzuzeigen sei. Demenlsprcchend wurde verfahren und an Schnitze folgendes Schreiben gerichtet: „Nahmitz, de» 17. 10. 97. A» den Zicgeleibesiher Herrn F. Schultz«. Auf Befehl höherer Behöideu sind Sie jetzt anS dem Kriegerverein«»tseriit. Der Borsland." Wir meinen, Herr Schultze wird sich lc'cht darüber trösten, daß er einem Verein nicht mehr angehöre» so.l. der in solcher Weise nach der Pfeife der Behörde tanzen muß.— — Der Militärgeistliche und die K a i s« rs gebnrtS- t a g S f e i e r u. Aus Marien w erder wird geschrieben: Das K r i e g s m i N i st e r i u m hat dem Pfarrer Stessen die Scel- sorge für die katholischen Mannschaften der hiesigen Garnison e n t« zöge» und sie einem Geistlichen in Grandeuz n beitragen. Die Ver- anlafsnng dazu war folgendes: Beim letzte» Kaiser-gebniistage halber Pfarrer Stesse» im FeslgolleSdiensl für die kalhotijcheii Mannfchaflen des Geburtstages des Kaisers nicht Erwähnung g e I h a n. Als darüber Beschwerde beim Kommando erhoben wurde, äußerte der Pfarrer, wenn Kaiser» Gebnrlsiag wirklich ein hoher Festlag sei, düife derselbe nicht mit Trintgelagen und Tanz seinen Ab- schlug finden. Dies gab dem KriegSmuiister Anlaß zur obigen Maßregel. Wenn ein Geistlicher in ernster Weise die Vorschriften seines Klaubens vertritt, so kann es leicht geschehen, daß er i»it den heutigen militärischen Einrichtungen in Gegensatz gcräth und ab« geschoben wird.— - Schoos's Ehre ist gerettet. Bekanntlich hatte seinerzeit die Fraktion der Nationalliberalen im preiißlschen Land- tage beschlossen, gegen die Umsturzvorlage nach de» Beschlüssen deS Herrenhauses zu stiinmen und in der ualionalliberalen Presse waren dann die iialionailiberalen Abgeordneten als ehrlos bezeichnet, die trotz dieses Beschtuffes für die VereinSgesetznovelle stimmten. AIS bald darauf der uationallibeial« Laudlags-Abgeordnet« Schoos in seinen Wahlkreis Resolutionen zn guusten der Annahme des Vereiusgesetzes in der Fassung des Herrenhauses entseudele, erschien im„Protetarier aus dem Eulengebirge" ein Artikel, t» ivelcheui Schoos als der eril« der„Ehrlosen" bezeichnet wurde. Auf dem jetzt in Teutschland gebräuchlichen Wege erhielt Schoos Kciintuiß von dem Artikel und stellte Strafantrag. Im öffentlichen Interesse erhob bald die Staatsaiiivallfchaft die Aullage gegen den Redakteur des genannten Blattes, Geuoffen F e l d m a n n in L a u g e u b i e l a u. Letzterer mußle sich dann am 20. Oktober cr. vor dem Schöffen- gerichl in Reicheiibach in Schlesien vei antworten. Der AintSanwalt beantragte ohne jede Begiündniig 100 M. Geldstrafe. Der Angeklagte nahm für sich Wahrung berechtigter Interessen in Anspruch, denn er sei Vorsitzender eines 380 Mitglieder starken Wahlvereiiis und dieser wäre im Falle der Annahme des Vereinsgesetzes uiizwciselhaft dem- selben zum Opfer gefallen. Durch Echooi's Austrete» hätte er als Glaalsbürger geschädigt werde» können, deshalb habe er wohl ein Recht gehabt, sich anfS schärfste gegen Schoos zu wenden. Der Fall liege ähnlich, wie der eines konservaliveu Redakteurs im Löivenberger Kreise. Dieser Redakteur habe, ohne daß er es beweisen konnte, dem damaligen ReichSlagskaiididalen Kopsch vorgeworse», daß er durch Epeiiduiig von Freibier die Wahl beeinflußt habe. Dieser R-dakleur sei freigesprochen worden, weil er als Konservativer das Interesse seiner Partei gewahrt habe. Dieser Urlheilegrund sei auch für den vorliegenden Fall maßgebend, iveshalb er seine Freisprechung und die Erstaltung der ihm erwachsenen uothivendige» Auslagen de- autrage. Das Gericht«rkaiiute auf SO M. Geldstrafe. Der Aiigeklagt- habe, Es mag genug sein an diesen Zitaten, obgleich sie sich vermehren ließen. Nur noch ein Wort über den staunensiveithe» Mnth, womit sich Herr Eugen Richter aus Ziegler zn berufen wagt. Mag immer- hin beinahe ein Menschenaller darüber verflossen sein, so gehört doch eine edle Eulsagung dazu, die klaischeude Ohrfeige zu vergessen, die er im Herbste 1370 von Ziegler erhielt. Im Januar 1370 halle Johann Jacoby, damals Abgeordneter des zweiten Berliner Landlags-Wahlkreises, seine 9!ede über die Ziele der Arbeiter" beivegnng gehalten. worin das berühmle Wort vorkam. „Die Giüiidung dcs kleinsten Arbeitervereins wird für den künftigen Rulliirhistoriker von größerem Werlhe sein als der Schlachttag von Sadowa." Für diesen Frevel sollte Jacoby abgesägt werden, und bei den Nenivahlen im November>870 wnrden Ziegler und Herr Eugen Richter als fortschrittliche Gegenkandidaten von den beuuinhigleii Geldsäcke» voigeschlagen. Ziegler wies die schäbige Rolle mit de» stolzen Worten zurück-„Ich würde anmaßend und nicht ehrenhaft handeln, wenn ick an einer Stelle Deputirter werden sollte, wo dieser groß« Bürger zurückgewiesen ist... Ein,» größeien Sieg hat bi, Reaktion nie gefeiert, als die Entfernung Jacoby'S, und diesen Sieg hat ihr unsere Partei in den Echotz geworfen. Daran mag ich keinen Tdeil haben." Herr Enge» Richter war weniger Heitel und spielte„sturmerprobt und unenlwegt", wie Er mir sein kann, de» Hausknecht des Kapitalismus. Als Erkorener der geänst igten Profttwuth biß er den alten Demokraten Jacoby aus dem preußischen Landtage. Seine Ansichten von politischer Ehre hallen init Zieglei's Ans» fassnng dieses delikaten Pnnkles nichts gemein, aber auch wirklich garnichts. Deshalb sollte er den braven Ziegler in seinem Grabe nicht weiter bennruhigen. Es könnte ihm schliimn bekommen, wenn der sehr cholerische'Alle wirklich erwachte. Läse Ziegler die n«n« lichen Leilarlikel der„Freisinnigen Z-itiiiig". worin der freisinnig Verrath bei den Stichwahlen von 1837 und 1333 beschönigt und de freisinnige Verrath für die Slichivahlen von 1833 vorbrieilo wurde, er würde wiederholen, was er am IL Apiil an Lassatt schrieb: ES weckten Mareils ManliuS die Gänse, Ten Feind zu weisen von dem Kapilole.' So fühlte damals noch da- Vieh sür Ehre. Heut brechen leitartikelnd Schreiberbänse, Daß sich die Meute keine Mni'ben bot«, Der Freiheit Keltern feige die Geivehce. __ F Mehring. so heisit es in den UrtheilSgriwden. den Landtag?- Abgeordneten' Schoos„ehvlos" geiia»»r, und dies sci ziveifelios eine Beleidigung. Vinci) den Reichsgerichlseutscheidungen käme Wahrung berechligter Interessen nicht i» Frage, ivenn es sich um Dinge handele, die gegen das Recht oder die guten Sitten seien. Gegen die guten Sitten sei es geivese», dasi der Angeklagte den Sck)oof„ehrlos" nannte. Nicht in belracht komme, dag dieser Vorwurf schon vorher in einem nationalliberalen Blatte gestanden habe. Ob der Verein, dessen Vor- sihender der Zlngeklagte sei, aufgelöst worden wäre, sei fraglich ge- wesen und außerdem hätte der Angeklagte kein persönliches Interesse gewahrt, denn er wäre persönlich durch die Auflösung nicht ge- troffen worden. Strafverschärfend wurden die Vorstrafen des An- geklagten in belracht gezogen, während strasmildernd wirkte, daß Revaktenre jc. die Wort« gegeneinander nicht ans die Goldwaage zu legen pflegen.— —„Patriotischer" U e b e r s ch w a n g. Im„Leipziger Tageblatt ist heute in einer Dresdener Korrespondenz zu lesen: „Heute sind wieder Tansende zur Fahne einberufen nnd ans allen Eisenbahnlinien, selbst auf denen der entlegensten Thäler unseres Erzgebirges herrschte heute ein Leben, wie es nur an solchen Tagen zu beobachten ist. Ter Schmerz der Trennung von Haus nnd Hof, von Vater und Mutter erstickt in der Freude, fortan seinem Kaiser und König zu diene n." Wie nur der Korrespondent diese neue Art von Ersticken vor Freude festgestellt haben mag? Er glaubt natürlich selbst nicht, ivas er sagt._ Der heutige Militärdienst isls wahrhastig nicht danach, daß die jungen Rekruten besonders freudig in den bunten stiock schlupfen. Selbst das erhabene Bewußtsein, dein Kaiser und König zu dienen, wird daran nicht viel ändern, nnd dann hätte sich der Korrespondenl erinnern solle», daß selbst in den entlegensten Thälern des Erzgebirges die Sozialdemokratie den jungen Leuten in den Köpfen steckt. Also solche wüsten Uebertreibnngen sollte man sich in Dresden und Leipzig denn doch sparen, das wirkt nur komisch.— München, 21. Oktober. In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten stand ein Antrag R a tz j n g e r zur Berathung, welcher zwecks Verbesserung der Lage der Landwirlhschaft unter anderem die sofortige Auf- Hebung der gemischten Transilkäger, die Beseitigung der Zolllredite, die sofortige Kündigung des Meistbegünsligungs-Vertrages mit Nord- Amerika fordert und ferner verlangt, daß bei dem Abschlüsse neuer Handelsverträge die Getreide- und Holz- Zölle erhöht werden. Doktor Natzinger begründet diesen Antrag in längerer Rede. Abg. Pichler(Ztr.) begründet einige Abändernngsanträge, welche die erwähnten Haiiplfordernngen jedoch festhalten. Abg. Diehl(liberal) und Beckh(kons.) treten gleichfalls für die Forderungen ein. Nur der Abg. Wolfram(lib.) trat im Interesse von Handel und Industrie den Forderungen entgegen. Finanzmiuisler v. Riedel erklärt, die bayerische Regierung werde im Bundesrath für den Antrag Ratzinger bezüglich der Aushebung der Transilläger und Beseitigung der Zoll- kredile eintreten.(Beifall.) Minister Frhr. v. C r a i l s h e i in bespricht die handelspolitischen Beziehungen zu Nordamerika und betont, man dürfe seine Entschlüsse in dieser Beziehung nur nach gründ- licher Erwägung aller Verhältnisse fasse». Die landwirthschafl- lichen Interessen an dem Vertrage mit Nordamerika seien nicht so groß wie vielfach behauptet wurde. Was gegenüber Nordamerika zu geschehen habe, werde in Berlin gründlich erwogen. Es sei möglich, daß eS zur Kündigung des Meistbegünstigungs-Vertrages komme. ElwaS Bestimmtes könne er aber heule nicht sagen. Bayern sollt« sich in dieser Frage nicht in die erste Linie stellen. Wir dürfen daS Bertrauen zu der ReichSregierung aussprechen, daß es ihr ge- Itiigen wird, daS Richtige zu treffen. Der Minister bat schließlich, der Landtag wolle nicht durch Annahme der diesbezüglichen Theile des Antrages Ratzinger der Regierung eine fest» Richtschnur vor- schreiben.— AnS Landau an der Isar wird der„Frkf. Ztg." gemeldet: Bei der Heuligen Landtags. Ersatzwahl erhielt der Bauernbundführer Wieland 64 und der bisherige Abg. Söldner 67 Stimmen. Der Bauernbund hat also glänzend über das Zentrum gesiegt. Ein neuer schwerer Schlag für das Zentruni und eine kraftige Mahnung zu einer volksthümlichen Politik für Regierung, Geist- lichkeit und ZentrumSparlei!— — Landtagswahl-Vorbereit nn gen in Baden. Die Kandidatenansstelliing kann nunmehr als abgeschlossen gelten. Die Sozialdemokraten bewerben sich nm neun Bezirke. Die Nationalliberalen haben außer in den 16 Wahlkreisen, die bisher schon ihnen gehörten, in acht weiteren Kandidaten anfgestellt. Das Zentrum gedenkt außer seinen 12 Wahlkreisen sich noch um fünf zu bewerben. Die Demokraten haben außer in ihrem Bezirke Offenburg-Stadt nur in Kailsruhe, Dnrlach und Mannheim Ka». didaten ausgestellt. Die Freisinnigen haben vier Kandidaturen in Aussicht genommen. Die Antisemiten haben in den beiden Heidel- berger Bezirken eigene Kandidaten ausgestellt. Die sreisinnige Volks- Partei beschloß ans einstimmig gestellten Antrag des Vorstandes, bei den Karlsruher Landtagsivahlen für die Kandidaten der deutschen Vollspartei und der Sozialdemokratie einzutreten.— �Chronik der MajestätSbeleidigungS-Prozesse. Wegen Majestätsbeleidignng verhandelte unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit die Strafkammer in B r a n d e n b n r g a. H. gegen einen Insassen des dortigen Zuchthauses. Ter Mann hat schon 16, meist sehr schwere Vorstrafen erlitten, seit 1658 bat er sich fast nnunter. brochen im Gefängniß oder Zuchthaus befnnden. Der Angeklagte macht den Eindruck eines vollständigen Idioten. Die Majesiäts- beleidigung hat er im Zuchthaus durch unqualifizirte Redensarten, die er beim Kartoffelschälen ansstieß, sich zu schulden kommen lassen. Denunzirt haben ihn seine Mitgefangenen. Der Staatsanwalt be- antragte wegen der Schwere der Bdeivignng eine Gefängnißstrafe von einem Jahr. In anbetracht des niedrigen Bildnng-nivean's des Angeklagten erkannte der Gerichtshof aus vier Monate Gefängniß. Oesterreich-Ungar». Wien, 20. Oktober. Der slavisch-christlich'-nationale Verband beschloß, in der ersten Lesung für die Annahme des Zlnsgleichs- Provisoriums sowie für die bedingte Ueberweisnng des Dipanli'sche» Antrages auf Aufhebung der Sprachenverordnnngen und Erlaß eines Sprachengesttzes an einen besonderen Ausschuß zu stimmen.- Wie«, 21. Oktober. Abgeordn eleu Haus. Auch die heutige Sitzung begann mit einer Reihe namentlicher Ab- st i m m n« g c u.— Wie», 2l. Oktober. DaS Herrenhaus nahm dai lieber- «inkoinmeu zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien betreffend die wechselseitige unentgeltliche Unterstützung mittel- loser Kranken an.— -r Das AuSgleichsprovisorium wurde vom un- garischen Abgeordnetenhaus unverändert aiigeiwmnieii. Sehr be- achtenswerth für die Enlivickelung der Veihältuisse in Oesterreich sind die folgenden Auisührniigen des nugarischen Miiiisterpräfidenlen Baron Bansfy:„Ich beeile mich zu erklären, daß die Regierniig und die Geseggebniig in einer jeden Zweifel ansschliebenden Weise der Ansicht sind, daß, da in betreff der g e IN e i n s a IN« n 9l n g e l e g e ii h e i t e ii eine U e b e r e i n k u n f t zwischen den beiden Parlamenten geschlossen werden »inß, nach dem Gesetze vom Jahre 1867 diese Ueber- einkiinft nicht anders als im Wege eines Ausgleiches zu stände kommen kann, den beide Parlamente nach den im Gesetze vom Jahre 1867 niedergelegten Modalitäten schließen. Ties schließt saus, daß man zu irgend einer anderen Hilssquelle seine Zuflucht nehmen kann. Ich erachte mich nicht für berechtigt, mich eine Kritik des s 14 des österreichischen Gesetzes vom 21. De- zember 1867(NolhverordniingSrecht des österreichischen Ministeriums während des Nichttagens des Parlaments) einzulassen. Ich glaube, dieses Hans ist nicht der Ort, wo man sich darüber äußern soll. Doch kann ich das Haus darüber be- ruhigen, daß, wie immer sich die Verhältnisse gestalten mögen, »veiche Hindernisse auch iin versassungsmäßigeu Leben Oesterreichs eintreten mögen, die R e g i« r u n g«S im Hinblick auf daS Gesetz von 1867 für ausgeschlossen erachtet, daß der Aus- gleich oderirgend eine auf die gern einsamen Au- gelegenheiten bezügliche Uebereinkunst auf grund des oben zitirten österreichischen Gesetzes- Paragraphen zu stände kommen könne. Meiner An- ficht nach ist der in der Boilage benutzte Ausdruck klar genug, um keinen Zweifel auskomme» zu lassen. Ich glaube, die Folgen werden es beweisen, daß die Regierung es für ihre Pflicht angesehe» hat, über diese Fragen mit Wahrung der Interessen des Landes zu verhandeln nnd, wie ich glaube, nicht ohne Ersolg."— Schweiz. Bern, Milte Okiober.(Eig. Ber.) Die Bundes-V er- s a m in lung ist nach vierwöchiger Daner geschloffen und wird erst im Dezember wieder znsammentreien. Bier außerordentlich wichtige Geschäste wurden behautelt und zum theil erledigt: Die Elsenbahnverstaatlichung, die Kranken- und Unfallversicherung, die Miinzfrage und die Jnlerpellation unseres Genossen Wullschleger über schlechte Behandlung von Soldaten durch die Offiziere. Die Eisenbahnverstaatlichungs-Vorlage war in der Sommersession vom Ständeralh behandelt, in der jetzt abgeschlossenen Herbstsession behandelte sie der Nalionalrath, der erst verschiedene nicht nnbedenieude Abändernngen daran vornehmen wollte, zum Schlüsse jedoch das Gefetz in einer Form erledigte, die wenig Differenzen mit dein Ständeralh ergab. Es sind also die 5 Kreis- direklionen mit den Kreisveiwaltuugsrälhen geblieben, die ihre Sitze in St. Galleu, Zürich. Basel, Lnzeni und Lausanne erhallen, während die Generaldireklion nach Bern kommt; geblieben ist der Verwallungsralh von 55 Mitgliedern, von denen je 25 der Bundes- rath nnd die Kantone sowie 5 die Kreisverwoliungsrälhe wählen und wovon nur 9 der Bnndesversaminlung angehören dürfen. Be der Wahl soll der Bnndesroth sowchl die verschiedenen Landesi aegenden wie die verschiedenen Jnleressengrnppeu berücksichligen. Neu- hinein kam in das Gesetz die A-st-ininnng, daß die Bundes- versainmlnng mit Ausschluß der VolkSabsliminung die Nebenbahnen iriverben kann, die etwa 60 Millionen Franken kosten werden, wogegen die ultramontan«» Föderalislen anS fcemokvntischeii Giünden heilig opponirlen, während die liberalen Welschen für daS Gesetz stimmten. Schon in der nächste» Zeit wird voraussichtlich die R e s e r e u d i> in s k a in p a g N e für Gewinnung der nolhivendigen 80 000 Unterschriften beginnen, um das Gesetz zur Volksabsliuimung zu bringen, vor der jedenfalls die heftigsten Kämpfe slaUfiiiden werden. Die Sozialdemokraten stimmen für d a e Gesetz, lrotzdem ihre billigen Wünsche niedergeircten wurden. Die Kranken- und Unfallversicherung ist vom Nalionalrath erledigt worden in der berdls besprochenen, die Arbeiter wenig befriedigenden Weise. Man ist ziiletzl noch den Unleinehmein eiilgegengekiimmni mit der Annahme des Antrages Bürgt, wonach der Unlernehmcr dem Arbeiter bei uneiilschnldigiein Wegbleiben von der Aibeit die ganze Versicherungsprämie abziehen darf, eine läppische Bestimniung. die ein blutiger Hohn auf die Sozialpolilik eines deinokralischen Staates ist; mau hat ferner dn Unlernehmern die Konzesston gemacht, daß sie sich für ihi» Person edensnlls bei der Uniallversicherung versichern dürfe»- dagegen ist sowohl der Antrag Wullschleger, stall 60 pCt. des Tagelohnes als Unlerstütziing auszuzahlen, als auch der Antrag Vogelsanger, den BundeSbeitrag von'/» auf>/« zu erhöhen, abgelehnt worden; und als dies zum Schlüsse unser Genosse Wullschleger konstalirle und erklärte, daß er sich der Abstimmung enthallen wolle, da fiel noch ein radikaler Führer mit dem protzigen, rücksichtslosen Tone über ihn her, der die ganze radikale Partei so mivorthdlbast auszeichnet DaS VersicheiungSamt sowohl wie daS BnndeS> VersicherungSgerlch' erhalten ihren Sitz in Luzern. Nun liegen die Bersicherungsgcfetz- beim Ständeralh, dessen Kommission sie erst im Januar beratheu wird, so daß sie im günstigsten Falle in der Frühjahrssesston 1898 vor das Plenum des SländenilheS kommen. Geht alles glatl ab. so können vielleicht beide Versicherungen mit dem 1. Januar 1899 in kraft treten. Die Interpellation unseres Genossen Wull- schleger über die unwürdige Behandlung von W e h r>» än n er» lenkte die Aufmerkfanikeit des ganzen Landes ans sich und in der Presse wurde darüber außergewöhnlich ausführ, lich berichtet. Genosse Wullschleger brachte in seiner ruhigen Art eine ganze Reibe von Beschimpsungen, sonstiger nmvürdigen Be- dandlüiig und Ueberanstrengniig der Soldaten durch Borgesetzte z»i Sprache und belegte das Borgebrachle mit zahlreichen ihm zin gegangen Briese». Ebenso ruhig»nd ausführlich, in wohlthiieiidein Gegensatz zu pienßischen Kriegsminlstern, antwortete Bnndesralb Müller, der Chef des Mililärdepartcinents. Er suchte weder die Thaisachen zu bestreiten ober zu beschönigen oder abzuschwächen. noch die Ossiziere als Engel und die Eoldalen als wilde Bestien hinzustellen, die in der Kaserne erst gezähmt und er- zogen weiden wüßten. Bundesrald Müller wies vielmehr nach, daß das Militärdepartement durch Tienstbefehle die Offiziere zu gnler Behandliiiig der Maunschast angewiesen und die seblbaren Offiziere strenge bestrast habe; zwei fehlbare Jiislruklions- Osfizieie seien so strenge best rast worden, daß sie ihr Lebtag daran denken werden. Von der Forderung ans Mannesziicht und Disziplin, schloß der Redner, werde daS Mililai» departemenl nicht ablassen Wir wollen Disziplin nickt nur nach oben, sonder» auch nach unten— was selbstverständlich ist. OhneZweisel wird diese Debatte im Nalionalrath ans die pesainmte wehrpflichtige Mann- schasl im ganzen Lande den besten Eindruck machen und bei den schneidigen Oifizieren«ine nachhaltige Wirkung im Sinne bei B-sserung zur Folge haben. Damit hat der Sozialdemokrat Wull- schleger dem Lande einen Dienst erweisen. Gestern brachte Wullschleger, welcher der einzige Sozial- demokral in der Y-undesversammlung ist und dort sehr umsichtig nnd rührig arbeitet, eine Motion ein auf Errichtung von Schiedsgerichten zur Erledigung von Konflikten zwischen Beamte». A n g« st e l 1 t e n und Arbeitern der B n n d e s- V e r w a l> n n g. in denen sowohl die Verwallung wie das Personal eine felbstgewählte Vertrelung haben sollen. Die Motion kam nicht mehr zur Behandlung und wird erst in der Tezembersession an die llleihe kommen. Sie wird der radikalen Mehi heil wieder Gelegenheit geben, ihre Feindschaft gegen die Arbeiter zu belhäligen. Umso eher wird der letzte Proletarier in das sozialdemokralische Lager gelrieben werden. Frankreich. Paris, Iv. Oktober.(Eig. Ber.) Die Eröffnung der Herbstsession erfolgt unter anscheiueiid günstigen Bedinguiigen fär das Ministerium Meli»«. Im Innern ist der Bund der VourgeoiSrepublikaiier mit den Nlerikal-Monarchisten, dir Existenz- bedingniig des Minifleriiiins, unerschülterlicher denn je. Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik haben die Kronsiadter Allianz- Trinksprüche die Regierung mit einem patriotischen Heitigen- schej» ningebe», der ihr einen Angenblick sogar den Gedanken der Kammeraifflösniig einflößte. Nur ganz vereinzelt sind die oppositionellen Stimmen, dt« dueu Ministerwechsel vor den Frühjahrs- wählen erhoffen. Am meisten sind an einem Ministerwechsel die Radikalen interessirt, und zwar unter dem Gesichlspnnkie der Wahle». Der ossiziklle Wahldruck, die bereits offen hervortrelende Parteinahme der Regierung für die..ralliirteii" Feinde der Republik kann de» iltadj- kaleu sehr gefährlich werden, namentlich in den ländlichen Wahl- kreise», wo die große Masse von jeher sich zum augenblicklich Stärkeren zu schlagen pflegt. Die bürgerliche Opposition wird daher trotz alledem auch in der neuen Session de» Stniz des Kabinels herbei- zuführen suchen. Abgesehen von Jnterpellaliouen. wird sich dazu reichlich Gelegenheit bieten bei der Berutbung deS Budgets für 1898. Der StenerausfaN von 25 Millionen Franks infolge der Herabsetzung der sinaUichen Grundsteuer soll»och erst gedeckt werden — ans welche Weis«, darüber hat sich die Regierung während der dreimonatlichen Ferien noch nicht schlüssig gemacht, da ihre besten Freunde gegen die ursprünglich geplante Mehrbelastung der Werth- papiere energisch protestirt haben. Auch die Floltenfrage wird eine Attacke seitens der Radikale» bringen. Ter ehemalige radikale Marineminisier Lockroy hat bereits eine Jntcrpellalion über den Stand der Marine, das heißt über die bekauiile Mist- wirthschast der Niarineverwaltnng eingebracht. Die Interpellation >ll bei der Berathung der Kredite sür die neuen Flottenbauten mit verhandelt werden. Aon sozialistischer Seite ist namentlich die Interpellation G ö r a u l t- R i ch a r d s über die A u s r e ch t e r h a l l u n g der Getreidezölle trotz der Broltheuerung z» erwähnen, die aber selbstverständlich bei der überwiegenden schutzzöllnerischen Majoiität derKaimiier dein Ministerium ganz niigesährlich ist. Der ozialistischen Partei kann es übrigens nur von größtem Nutzen sein, wenn Vieline biS zu den Wahlen am Ruder bleibt. Die sozialistische Wählerschaft ist vor dem Druck der Präfekten immun, während andererseits die offene klerikal- und geldsackfreundliche Realtionspolitik, wie Millerand heule in einem Zeitnngsarlikel treffend ausführt, die entschiedeneren Elemente der radikalen Wählerschaft immer mehr in das Lager der sozialistischen Opposition treibt. Der Pariser Gemeinderath hat dem Seine-Präfekten ein zweites Tadelsvolum erlheilt, weil er dem von der Gewerkschaft der kominuiialen Arbeiter zum Toulouser Gewerkschaftskongreß ent- sandten Delegüten den Urlaub verweigert hatte.— Paris, 21. Oktober. Die Berichterstatter haben der Kammer- Koniiiiissioii de» Etat für 1393 vorgelegt. Die Einnahmen belaufen sich im Voranschlage ans 3 418 780 000 Fr. Den Fehlbetrag von 31 000 000 Fr. beantragt die Regierung durch Einsiihrnng einer Steuer auf französische, aus de» Inhaber lautende Werthpapiere. sowie ans ansläudische, an der französischen Börse gehandelte Werth- papiere zu decken. Die radilole und die sozialistische Gruppe der Kammer haben gestern beschloffen. eine Juteipellalion über die kürzlich in Algerien vorgekommenen Unruheii einzubringen. Belgien. — Die Debatte über das Gesetz betr. die Ber« leih n u g der Korporationsrechte an d i e Berufs- vereine wurde am Dienstag in der Kammer fortgesetzt. Herr Woeste, der Führer der Klerikalen, hielt eine mehrstündige Rede und suchte eine kleine„Zukiinftsstaatsdebatle"«iuziileileu, indem er die„Utopien" der Sozialisten bekämpfte. Um die soziale Frage, deren Existenz er zugiebt, zu lösen, dürfe man nicht blos vom ivirlbschaftlichen Etaiu pimkle ausgehen, wie die Sozialisten, sondern die sozialen Probleme könnten nur durch Gerechtigkeit, Barmherzig- keil nnd durchdieReligiouihrerLösuug entgegengesührt werden. Manchmal ruhten die sozialen Fragen; wenn sie reis seien, würden sie, getragen von dem Geist des Ctiristenlhums, wieder aufgenommen. Die Klerikalen ivollleu der Arbeiterklasse die nöthige Freiheit gewähren, um ihr Loos verbessern zu könne», aber die Freiheit des Jiidividiinius müsse gewahrt bleiben. Diese wollten die Sozialisten -usheben, in ihrem Staate gebe es keine Initiative, keinen Fort« «chrill mehr. Im ganzen sprach sich der Redner für das Gesetz aus. Wenn gesagt werde, das Gesetz sei nicht nölhig in einem Staate von so freier Verfassung, wie Belgien, so nnsivorl« er, daß die meisten Bernfsvereine nur bestünden, weil das Gesetz tolerant gebandhabt werde, sie könnten jedoch kraft des Gesetzes fast alle unterdrückt werden. Bon der Bestimmung, daß die Syndikate Handelsgeschäfte treiben dürste», will er nichts wissen. Den s 810 des Code penal(identisch mit unserm§ 153 d. G-O.) will er aufrecht erhalten wissen; die„Freiheit der Arbeit" müsse ge- sichert bleiben.—. Die Vertreter sämmtl ich er Brüsseler G-werk« i ch a f t e u waren am letzten Sonntag im„Maison du Penple -ereint, um zu dem Gesetzentivurs Stellung zu nehmen. Eine Denk« chrift, die sämmlliche» Abgeordnete» überreicht werden soll, war von dem Syndikat der Buchdrucker vorgeschlagen und ist von der Versammlung akzeptirt worden. In der Denlschrift wird verlangt die Ztreichnng des§ 5 de? Entwurfs, der den Vereinen die Pflicht ans« erlegt, ihre Mitgliederlisten zu veröffentlichen; dadurch würden Maß- legelungen geradezu provozirt. Ferner fordern die Gewerkschasts« vertreler Beseitigung des tz 310; dieser bedeute ein Ausnahmegesetz iege» die Arbeiter, denn gegen die Unternehmer werde er nie an- gewandt.— Spanien. Madrid.(Int. Korre.p.) Der Kampf auf den Philippinen. Man schreivt uns aus Madrid: Die Re« ziernng räumt bereite ein, daß die Lage der Spanier auf den Philippinen eine sehr bedenkliche geworden ist. Während der letzten Woche ist es in der Provinz P an gasin an an drei Stellen zu ernsten Kämpfen gekommen, in denen nach den amtlichen Tele- grammeu zwar die Spanier Sieger geblieben sind, aber doch nicht unbedeutende Verluste erlitten habe». Die Thalsache jedenfalls ist, -aß A g u i n a l d o. der Führer des Ausftandes, dessen Truppen- macht zu Ansang Mai dieses Jahres bei Beginn der Regenzeit voll- ständig aufgerieben schien, wieder über so bedeutende Streitkräfte »ersügt, daß er an drei Stellen zum Angriff gegen die Spanier vor- leben konnte. Es wird sogar als festgestellt bezeichnet, daß Agninaldo von Nordamerika ans eine Schiffsladung mit Waffen, 8000 Gewehie nnd anderthalb Millionen Palronen erhallen habe, iodaß er jetzt seine Truppen ans 15 000 ergänze» konnte.-- Rußland. Petersburg, 20. Oktober. Eine außerordentliche russische Gesandtschaft nach A b e s f y n i e n hat gestern unter Leitung W l a s s o w' s die llieise via Odessa angetreten. Wie die Blätter melden, gehören der Gesandlschafl außer Wlassow ein Oberst des Generalstabes, drei Garde- Lieutenants und zwei Aerzte an. Di« Daner der Reise ist ans etwa sieben Monate veranschlagt. Rußland will seine guten Bezieduugen zu Menelik immer enger knüpfe», um auch in Afrika«in Gegengewicht gegen England zu haben.— Griechenland, Athen, 16. Oktober. Die Verluste deS griechischen Heeres. Seitens des Kriegeniinisteriuins wurde die amtliche Verlustliste des lhessalischeu Feldznges veröffentlicht, welche kaum die Hälfte derjenigen Zahlen aufweist, die früher seitens der Heeiesleitnng als die nngefähren Verluste des griechischen Heeres angegeben wurden. Allerdings steht noch der Bericht über die Ber- lnsle in Epirus und auf der Flotte aus, wozu noch einige Verluste des griechischen Besatzungskorps aus Kreta hinzuzurechnen sind; jedoch kann schon jetzt der G e s a m m t v e r l n st an Tobten und Verwundeten mit ziemlicher Sicherheit aus 2500 Mann angegeben werden. Asien. --- Vom indischen Kriegsschauplatz« kommt die Meldung, daß ein ernstes Gefecht staltgefunden hat. Das „Bureau Reister" berichtet:„Nachdem die Akridis und Orakzais ihre Stellung bei Pargai, die Höhen oberhalb Chngru- Kotal, von denen sie Montag vertrieben worden waren, in großer Stärke wieder desetzt hallen, wurden sie Mittwoch von General Kenipslar'e Brigade mit drei Vatlerien angegriffen. Di- Stellung war außerordentlich stark, da die Si'itze rings von abschüssige» Felsen umgeben ist. Drei Stunden behnupielsn die Bergstä»»»» trotz des mörderischen Geschützfeusrs ihre Positionen: erst als die Truppen— Hochländer und Ghnrkas — unter unsäglichen Schwierigkeiten die Hohen stürmten und zum Bajonnetangriss übergingen, wobei es ,a heißem Handgemenge kam. wandten sich die Bergstämme zum Rückzüge. Sie halten große Ber- lnsle erlitten, nicht geringer dürfte» die der Briten sein, da die An- stürinenden im Gelände keine Deckung fanden und in ein vernichten- de? Kreuzfeuer genommen wurden. Von den Gordon-Hochländern ist angeblich die Hälfte gefallen. Die Engländer haben diesen Sieg also mit sehr großen Opfern erkaufen muffen. Doch ist ziveifelhasl, ob die Früchte des Sieges den Opfer entsprechen werden. Tie Bergstämme dürsten die Fortsetzung des Kampses»och keineswegs ausgeben.— Afrika. AnS TnniS. Am 19. d. M.. abends, kam eS im Juden- viertel von Tunis zu heftigen Ruhestörungen, die über vier Stunden dauerten. Sin Rabbiner, nginenS Habib, war gestorben«nd die Juden widersetzten sich der Fortschassung der L.iche durch die Beerdiguugsgesellschnft und wollten sie nach allein, tunesischem Ritus begrabe» wissen. Die Polizei schritt ein, die Leiche wurde schließlich von de» Angestellten der Begräbnißgcscllschaft nach dem israelitischen Friedhof überführt. Auf dem Rückwege jedoch wurde die Polizei mit Steine» geworfen, die aus de» Häusern der Juden kamen und von letzteren mit Gejohle und Drohungen empfangen, so daß sie von neuem einschritt und eine Anzahl Vcr- Haftungen vornahm. Eine Untersuchung dieser Vorfälle ist ein- geleitet.— Nnicrika. Washington, 21. Oktober. In ihrer Antwort auf die von den amerikanischen Kommissaren unterbreiteten Vorschläge erklärte die e n g l i s ch e R e g i e r u n g, s i e könne g e g e inv ä r t i g n i ch t d i e i n d i s ch e n Münzen für die S i l d e r p r ä g u n g iv i e d e r eröffnen. Sie bedauere, den Vorschlägen nicht beitreten zu können, da England dasselbe Interesse wie Frankreich und die Vereinigten Staaten daran habe, daß ein dauerndes Werthverhältniß zwischen Gold und Silber festgesetzt werde. Unter diesen Umständen glaube die englische Regierung nicht, daß der Zusammentritt einer i» t e r- nationale» Konferenz w ü» s ch e n s w e r t h fei; sie sei jedoch bereit, andere von den Vereinigten Staaten ausgehende zweck- mäßige Anregungen in Erivägung zu ziehen. Diese Höflichkeit wird die amerikanischen Bimetallisten ebenso wenig befriedigen wie die kontinentalen.— Ans Ottawa wird gemeldet, daß in der Wohnung deZ Präsidenten plötzlich ein Mann erschienen und Revolverschüsse abgab. Ein zufällig anwesender Geheimralh wurde schwer verletzt. Der Attentäter ist verhastet.—_ GetVeMprtzsftliches. Berlin»nd ttmgcbnng. Achtnng, Mnsikinstrnmenten-Arbciter! Kaum sind wir in die für unsere Brauche bessere Geschäftsperiode eingetreten, kaum sind einige Bestellungen eingelaufen, als auch schon die Unternehmer mit dem Verlangen an uns herantreten, Ueberstunden zu machen Kollegen! Handelt wie im Jahre ISSS, da noch mehr Aufträge vor lagen und Ihr doch die Ueberstunden verweigert habt. Unterlaßt auch, von Werkstatt zu Werkstatt zu lause» und Eure Arbeitskraft anzubieten, sondern haltet Euch an den Arbeitsnachweis der Holz- a r b e i t e r, Anneustr. 39, der auch der unsere ist. D i e K o m u> i s s i o n der M u s i k i n st r u m e n t e n- A r b e i t e r im Holzar beiter-Verband. iDentscheS Reich. Die Buchbinderei» Arbeiter Dresdens haben beschlossen, tu eine Lohnbewegung einzutreten und den Unternehmer» folgende Forderungen zu unterbreiten: I. Zehnstündige Arbeitszeit. 2. Acht zehn Mark Minimallohn und Bezahlung der gesetzlichen Feierlage. 3. Für ungeübte Arbeiterinnen 7 M., für geübte 10 M. Wocheuloh». 4. Prozentzuschlag für Ueberstunden. „Geist, komm' mit, sonst gicbt es Dresche!" Mit diesen Worten hatte am II. März dieses Jahres der Grubenarbeiter Andrzejewski gelegentlich einer Arbeitsniederlegung einen„iürbeitsl willigen" angeredet. Der Staatsanwalt erblickte darin ein Ver- gehen gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung und erhob Anklage; das Schöffengericht in Delitzsch aber sprach den SIngeklagtcn frei, da es nicht annahm, daß eine Drohung im Sinne des 153 der Gewerbe-Ordnung vorliege. Hiergegen hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt unb bekundete der Zeuge Geist, dem diese Anrede gegolten halte, daß er sich mit dem Angeklagten gut verstanden habe; um was es sich bei der Arbeitsniederlegung handelte, habe er nicht gewußt, desgleichen auch nicht, was der Angeklagte mit den Worten:„Geist, komm mit, sonst giebt es Dresche!" habe sagen wollen. Nach diesen Bekundungen kann von einer Drohung gar keine Rede sein. Der Arbeiter Geist war auch trotz der Aeußerung seines polnischen Kameraden zur Arbeit gegangen. Der Staats- amvalt nahm die Berufung zurück, und es blieb somit bei der Frei- sprechung des Angeklagten. Lohnrednktiou in der Textilindustrie. Die Arbeiter der Firma Löblich n. Josephsohn in Gera sind, wie es in anderen Fabriken jetzt auch der Fall ist, durch Beschränkung auf einen Webstuhl in ihrem Einkommen bedeutend geschmälert. Zugleich konnten sie aber die Beobachtung mache», daß eine ganze Sinzahl von Ketten versandt wurden, um in einer auswärtigen Lohnweberei verwebt zu werden. Die Arbeiter faßten deshalb den Entschluß, bei dem Chef wegen Benachtheiligung vorstellig zu werden und erzielte» auch eine Unterredung. DaS Resultat ist nun freilich gleich Null, wie das so in der Regel zu gehen pflegt. Es wurde den Leuten gesagt, das Verhältniß mit der auswärtige» Weberei beruhe auf kontraktlichen Abschlüssen, lasse sich also hinsichtlich der gegenwärtig diesbezüglich vorliegenden Arbeiten nicht ändern, bei neuen Ordres aber sollten die Wünsche der Arbeiter Berücksichtigung finden unter der Bedingung, daß sie in eine Lohnrednktiou willigen würden, welche den auswärts zu zahlenden geringeren Löhne» entspreche. Das ist eine herrliche Perspektive für die Arbeiterfamilien, besonders auch angesichts des Winters. Es wird ihrer gar viele geben, welche den geringeren Lohn der völligen Wehrlosigkeit gegen Hunger und Elend vorziehen. Nach Miinchc» ist der Zuzug von V r i l l e n s ch l e i f e r n fernzuhalten, da in der optischen Anstalt von Roden stock Differenzen ausgebrochen sind. Ausland. Ein vstorrcichisch-iittganschcr Bäckertag wird am 1. und 2. Januar in Wien abgehauen werden. Die Tagesordnung enthält nntcr anderem Arbeitszeit, Sonntagsruhe, Lehrlingswesen, Gewerbe- inspeklion. Die Bewegung fiit die Abschaffung der Nachtarbeit in den Bäckereien, so schreibt man der„Frkf. Ztg." aus Amsterdam, beginnt in Holland immer weitere Kreise zu interefsiren. In Amster- dam hat sich soeben ans den angesehensten Bürgerkrcisen ein Damen- komilee gebildet, um seinerseits die Gesellen bei ihren Bemühungen zu unterstützen. Die Bäckergesellen im Haag beschlossen in einer allgemeinen Versammlung, vom 17. Januar 1398 an alle Nacht- arbeit einzustellen. Ter belgische Bergarbeiter-Kongrcß in Lütt ich hatte den 1. November als den Termin bestimmt, bis zu dem die geforderte Lohnerhöhung bewilligt sein soll. Im Lütlicher Bezirk sind aber schon eine Anzahl Belegschaften, denen abschlägiger Bescheid �ge- worden war, in den Ausstand getreten. Bürgerlichen Blättern zu- folge soll auch in Nord-Frankreich unter de» Bergleuten„große Streiklust" bestehen. In Spanien, so schreibt man nuS auS Madrid, geht die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter in erfreulicher Weise vorwärts. In der Hauptstadt haben die Etuckaleure, die schon seil längerer Zeil organisirt sind, bereits einig« Vortheile errungen. Sie haben die Akkordarbeit abgeschafft, die Arbeitszeit von 10 auf LVe Stunden herabgesetzt und haben ferner auch eine Lohnerhöhung von täglich 50 Pf. durchgesetzt.— Die Steinmetzen von Madrid beabsichtige» ebenfalls gegen das Akkordsystem anzukämpfen und für den Achtstundentag einzutreten. Sie haben den Meistern schon das Zugeständniß abgetrotzt, daß diese nur noch Organisirte einstellen.— In Eorunna streiken etwa 100 Steinmetzen um eine Lohnerhöhung von 50 Centimes.— Ein Kampf größeren Umfanges, der schon feit Monaten währt, wird in M a u r e s a zwischen den Inhabern einer großen Weberei und etwa 1500 Webern ansgefochte». Diese sollten anstatt 2 Webstühle deren 4 bedienen, ohne Lohnausbesscrnng zu erhalten. Die Weber verdienten zwischen 8 und 10 Franken pro Woche. Die Streikenden sind leider nicht organisirt, aber sie werden von anderen Arbeiter- organisationen unterstützt. Trotz der mancherlei Echeerereien, die hnen von den Behörden bereitet werden, führen sich die Aus- ständischen musterhaft. Zum Kampf der«iglischen Maschincitbancr. Die L o n- d o n e r Maschinensabrikantcn haben am Dienstag unter dem Vorsitz des Herrn Siemens beschlossen, auf ihrem ablehnenden Stand- punkte zu verharren. Sie werden keine Verkürzung der Arbeitszeit zubilligen, noch wolle» sie die„Einmischung" der Trades-UuionS in die Leitung der Geschäfte dulden—„absolute Freiheit der Unter nehmer"; sie weisen auch jeden Versuch auf Verständigung von dritter Seite nach wie vor zurück.— Die Fonds der Arbeiter werden jetzt in jeder Woche um 5000 Lstrl.(100000 M.) durch regelmäßige Beiträge anderer Gewerkschasten gestärkt. Die einmaligen Zuschüsse sind auch nicht unerheblich; der„Daily Chronicle" vom Mittwoch zählt alle diejenigen deutschen Gewerkschaften auf, welche Gelder ein gesandt haben. Auch von Dänemark, Holland, Oesterreich, Amerika, Australien laufen Gelder ein oder sind als unterwegs gemeldet. Die französischen Former, welche für ihre Berliner Kollegen Sammlungen eröffnet halten, setzen diese nun fort und wollen die gesammelten Gelder dann den englischen Maschinenbauern überweisen. Mttkernrszntev�Vevbiinde. AuS dem westfälischen Kohlenrevier. Wie berichtet wird. soll die Firma Thyssen n. Ko. im Kreise Recklinghausen in den Ge- mcinden Gladbeck, Rentfort und Bottrop zirka 3000 Morgen (750 Hektar) Land angekauft haben, um neue Schächte anzulegen Der Kohlenreichthnm soll in dieser Gegend sehr bedeutend sein. Der Bahnanschluß ist mit dem Sammclbahnhos Osterfeld leicht herzu- stellen. Auch von anderen Bcrgwerksgesellschasten sind bereits ver- schiedene Bauernhöfe angekauft worden. Verbände im Eisen-»lud Stahlgewcrbe. Die günstige Geschäflskonjuuktur, die sich seit langem in der Eisenindustrie bemerkbar macht, hat das unternehmungslustige Kapital recht lebhaft zu neuen Gründungen angeregt und die Leistungsfähigkeit der größeren Werke so bedeutend gesteigert, daß allem Anschein nach trotz des steigenden Mehrbedarfes eine Sättigung, wenn nicht lieber- füllung des Marktes eingetreten ist. In letzter Zeit wird vielfach von fachmännischer Seite über einen Rückgang der Preise geklagt. Die kleinen Werke sollen anch nicht selten unter den vom Syndikat festgesetzten Preisen verkaufen, ohne daß dieser Desorganisation Ein- halt geboten werden konnte. Hinzu kommt, daß die Werke großen Absatz bei Zwischenhändlern gesunden haben, die in dem Glauben, die Preissteigerung halte an, bedeutende Lieserungen mit den Werken abschlössen. Nunmehr drücken diese vorhandenen Vor- räthe auf den Markt und die Händler schlagen zu niederen Preisen los. Immerhin läßt sich aber aus dieser Erscheinung nicht mit Sicherheit auf einen Rückgang der Eisenindustrie schließen, vielmehr ist mit recht darauf hingewiesen worden, daß die erhöhten Bedürsnisse der Eisenbahnen-- es find bereits nicht unbedenlende Austräge im Lokomotivenbau vergebe»— serner die sehr gesteigerte Belriebslhätigkeit der Werften und Maschinenbauanstaltc» sowie die rege Bauthätigkeit dazu beilragen werden, eventuell den Ausfall auf anderen Gebieten wieder wctt zu machen. Um aber gegen ernstere Gefahren gerüstet zu sein, wird jetzt in der Presse, die der Entwickeluug des Karlellwescns ihre Auf- merksamkeil und Unterstützung angcdeihen läßt, rege für einen engeren Zusammenschluß der Interessenten Propaganda gemacht. Es wird als Beispiel das rheinisch-wesisälische Kohlensyndikat lobend hervor- gehoben, das, ein Muster der Unternehmer Organisation, auch gegen wirthschaftliche Schläge der schwersten Art gerüstet dasteht. Nicht minder ist man bestrebt, den Ucberflnß an Fabrikaten nach dem Auslände abzuleiten. Zu dem Zweck wollen die Interessenten der Werke, die Rohstoffe und Halbfabrikate verarbeiten, Ausfuhr- vergütigungen beanspruchen— eine Vergünstigung, die bereits mehr- fach solchen Industriezweigen gewährt wurde. Gegenwärtig fehlt noch in einzelnen Spczialberufen die Karlellirung. Hierzu gehören die nicht unbedeutenden Werke der Feinblech- und Stabeiseubranche. Es wird also in nächster Zeit der Versuch gemacht werden, diese Berufe der Eisen- Industrie gleichfalls zu Verbänden zusammen- zuschweißen, wie überhaupt der Kartellverbindung ein festeres Ge- füge zu geben, um gegen wirthschaftliche Nachtheile geschützt zu sein. Dieser weitere AuSbau der Kartellbildung, der auch im Interesse der Syndikate für Oioh- und Brennmaterial liegt, wird von diesen reichlich Unterstützung erfahren und beabsichtigt man, die außerhalb der Kartellbildung stehenden Unternehmungen von den günstigen Lieferungsbedingungen auszuschließen. Erncncrnng dcS österreichischen SchienenkartellS. Das Kartell der österreichischen Schienenwalzwerke, ivelchcs mit dem Ende des Jahres abläuft, wurde auf fünf Jahre, somit bis zum Schlüsse des Jahres 1902 verlängert. Dem Kartell gehören die folgenden Schienenwalzwerke an: Prager Eisenindustrie-Gcsellschaft, Ternitzer Walzwerk der Firma Schüller n. Ko.. Teschener Kameralverwaltuug des Erzherzogs Friedrich, Walzwerk der Wilkowitzer Eisenwerks- Gesellschaft und das Grazer Schienenwalzwerk der Südbahn. Die Schienenproduktion der Werke betrug im letzten Jahre, wenn man von dem fast ausschließlich für den eigenen Bedarf der Südbahn bestimmten Erzeugungsquanlum des Grazer Walzwerks absieht, rund 670 000 dz. Wie milgelheilt wird, hat das Eisenbahn-Ministerium mit dem Kartell eine» Licserungsvertrag für Schienen auf 5 Jahre abgeschlossen, in dem eine Preiserhöhung ausbeduugen ist. Tie österreichischen Jute-Industriellen haben sich zu einem Prciskartell vereinigt, dessen Tauer vorläufig nur bis Ende Oktober reicht. Der Vereinbarung haben sich sämmtliche Fabriken bis auf zwei oder drei kleinere angeschlossen. Die Grundlage bilden die Preise der letzten Monate, die als Minimalpreise sixirt wurden, »ulcr welchen kein Karlelltheilnehmer verkaufen darf. Das Ueberein- kommen bestand eigentlich schon seit dem Monat Juli, wurde aber vielfach nicht inne gehalten, nunmehr sollen aber bindende Vcr- pflichtnngen eingegangen fein. Die Vereinigung will anch dahin wirken, daß die Zwischenhändler an einer Minimalgrenze der Preise festhalten. Zn dem Zweck sollen künftig nur Maaren an diese ab- gegeben werden, wenn sie den anserlegten Bedingungen des Kartells nachkommen._ Soziales. Wegen angeblichen AebeitermangelS wollen viele Vertreter oberfchtesischer Gruben- und Hüttenwerke eine Konferenz abhalten, um eine Petition an die Minister der Land- ivirthschaft und des Innern abzusenden, worin diese um Zu- lassung österreichischer Arbeiter ersucht werden sollen. Bekanntlich ist die Zulassung österreichischer Arbeiter in Ober- schlesicn kürzlich beschränkt worden, nni der Verbreitung der sehr ansteckenden und sehr gefährlichen Wurmkranlheit vorzubeugen. Arbeiter, die auS Gegenden stammen, wo die Wurm- krankheit heimisch ist, sollen nicht über die Grenze ge- lassen werden. Da die Bcrgarbeiler-Löhn« in Oberschlesien schlechter sind als irgendwo sonst in Deutschland, wäre es nur natür- lich, wenn die Grubenbesitzer wirklich über Ardeitermangel, d. h. über Mangel an einheimischen Arbeitern zu klagen hätten. Das ist aber gar nicht der Fall. Nach einem Schreiben zu schließen, das uns aus R u d a in Oberschlesien zuging, werden die österreichischen Arbeiter vor allem deshalb eingestellt, weil sie noch billiger sind als die s ch l e s i s ch e n. In dem Schreiben beißt es über die Arbeitsverhältnisse in de» Steinkohlen-Bergwerkcn Wolfgang und Br andenburg, die dem Grafen Ballestrem gehören sollen:„Wir sind hier genug Bergleute und verdienen gerade so viel, daß wir leben können, aber da läßt der Generaldirekior Pieler alle Jahre noch eine große Menge Arbeiter ans Galizien kommen, d i e drücken uns den Lohn herunter, und dabei ver- Unglücken die Fremden sehr viel, weil sie nichts vom Bergwerk verstehen. Nun ist seit Wochen auch noch große Theuerung. Der Zentner Brot ist um 60 Pf. theurer, das Pfund Fleisch ist von 40 auf 70 Pf. gestiegen, Kartoffeln und Kraut sind auch sehr theuer und man kann kaum noch lebe». In Russisch- Polen gicbt es billiges Brot und Mehl und Fleisch, die dort wissen vor vielen Schweinen nicht wohin damit, aber da darf keiner ein Schwein über die Grenze bringen, weil dort eine Seuche herrschen soll. Wir haben aber mehr kranke Thiere als die in Polen." In dem Schreiben wird noch Klage über die Behandlung der Arbeiter auf Graf Schaffgott'schen Werken geführt, insbesondere darüber, daß die Leiter der Zechen gewöhnlich den Beschwerden über die unleren Vorgesetzten keinen Glauben schenklen. Jedenfalls sieht so viel fest: Wenn die oberschlesischen Gruben- und Hüttenbesitzcr ihre Belegschaften auch nur um ein weniges von den Vortheilen der guten Geschäflsperiode prositiren ließen, und wenn sie anstatt den Arbeiter nach der bekannten Herrenmoral zu behandeln, in ihm den Miterzeuger ihres Reichlhums achten lernen wollten, so würden sie einheimische SIrbeiter in Ueberzahl finden und die Knliurznstände Oberschlesiens würden gar bald ihren jetzigen üblen Ruf verlieren. Hartherzigkeit gegenüber den Agrariern ist das letzte, was inan preußischen M i n i st e r n nachsagen kann. Die„Kreuz- Zeitung" meldet:„Der Minister des Innern hat auf Anregung des osipreußischen landwirlhschastlichen Zentralvereins eine Aende- rnng in den Bestimmungen über den aus der Sl r b e i t der Strafgefangenen erwachsenden Gewinn eintreten lassen. � Er hat bestimmt, daß der sonst mit 40 Pf. für den Tag und Kopf be- rechnete Arbeitslohn für die zur Saalreiniguug verwendeten älteren und schwächeren Gefangenen auf die Hälfte herabgesetzt werde. Der Zentralverein hatte gewünscht, daß auf Gewinn aus der Arbeit von Gefangenen überhaupt Verzicht geleistet würde." Dieselben Leute, die Himmel und Hölle in Bewegung sehen, nm den Preis der landwirlhschaftlichen Produkte hinaufzuschrauben und dadurch ihren Prosit zn vergrößern, wollen andererseils nicht einmal den geringen Betrag bezahlen, den der Staat für die Be- schästigung der Gefangenen verlangt. Eine noble Gesellschaft! Man müßte wahrlich auch in den Kreisen der Regierung endlich begreifen, daß es die Grundbesitzer des Ostens selber sind, die das Land entvölkern. Leute, denen selbst die Gefangencnarbeit noch zn theuer ist, werden selbstverständlich nicht den kleinen Finger rühren. um die Lage ihrer freien Arbeiter zu verbessern, und die notorisch höchst elende Lage des Landarbeiters; diese ist die Hauplursache dcS Zuges nach der Stadt, worüber die Herren Grundbesitzer insbesondere des Ostens so beweglich jammern. Ter österreichische Fnhrwcrkertag und die Arbeitcr-Mai- feler. Auf dem von den beide» Genossenschaften der Wiener Fiaker- und Einfpännergewerbe Anfang Oktober in Wien veranstalteten österreichischen Fuhrwerker- und Fnhrwerksinteressenten-Tag besprach der Vorsteher der Plattirer- Geuossenschast, Kutschera, de» großen Schaden, den viele Gewerbe zu erleiden hätten, seitdem die Prater- fahrt am 1. Mai durch die Arbeiter- Maiseier verdrängt worden sei. Jeden Wiener berühre es schmerzlich, daß diese schöne alt.> hergebrachte Sitte nicht mehr bestehe. Die Maifeier der Arbeiter stehe im Widerspruch mit dem Wiener„Volksgeiste". Die Arbeiter sollten ihre Demonstrationen anderwärts veranstalten und den Prater unbehelligt lassen. Beschlossen wurde, das Oberhofmeisteramt, die Stntthalterei und die Polizei zn ersuchen, sie möchten Versammlungen und Ansannnlungen demonstrativer Natur am 1. Mai im Prater nicht mehr gestatten. Der Gemeinderath soll angegangen werden, dieses famose Gesuch, das den„dummen Kerl von Wien" so recht charaktcrisirt, zu unterstütze». Weiter wurde beschlossen, da? adlige Kasino, den Jockeyklub, den Trabrennverein, sowie die Fürstin Pauline Metternich um gütige Iluterstützung für die Wiederbelebung der Wiener Pratersahrt am 1. Mai zn bitten. AnS Paris wird gemeldet, daß letzten Sonnabend Fräulein Chauvin, die den juristischen Doktorgrad erworben hat, beim Oberstaatsanwalt das Gesuch um Ausübung der Advokatur eingereicht, das der Pariser Advokat Louis Frank befürwortet. Der Oberstaatsanwalt antwortete der Bittstellerin, daß er es prüfen werde, und erklärte Herrn Frank, daß er es nicht ab- weise, sich jedoch mangels genauer Vorschriften über seine Besugniffe in diesem besonderen Falle erst hei dem ersten Präsidenten P-rivier näher insormiren müsse, bevor er eine definitive Ant» wort ertheilen könne. Staatliche Koch- und Nähschulen in Belgien. Der Sekretär im englischen Unterrichtkministerium Sa dl er, der im Auftrage seiner Regierung sämmtliche Länder Europa'S bereiste und soeben eine vergleichende Uebersicht über daS gefammte Schulwesen Europa'S veröffentlicht hat, bezeichnet die weiblichen Haushaltungsschulen in Belgien alS die auf diesem Gebiete vollkommensten Lehranstalten. Diese sind aus öffentlichen Mitteln besonders in all den Städten errichtet worden, die eine stärkere Arbeiterbevölkerung besitzen, da die Töchter der Arbeiterfamilien gewöhnlich die wenigste Gelegenheit haben, in den häuslichen Verrichtungen die erforderliche Uebung zn erhallen. In den öffentlichen Kochschulcn lernen sie nun, ein reich« halliges Mittagessen im Preise von l'/e Frauken(1,20 Mark) für sechs Personen herzustellen, und zwar unter Verwendung aller in den einzelnen Jahreszeiten vorhandenen Nahrungsmittel. Herr Sadler hebt hervor, daß dieses Unterrichtssystem, das sich sehr vorlheilhast von dem meist nur für hoch- bemittelte Haushaltungen berechneten Kochschulwesen anderer Länder unterscheide, einen ganz bedeutenden Einfluß auf die wirthschaftliche Lage der arbeilenden Klassen ausübe, da es die künstigen Haus- srauen daran gewöhne, eine feststehende AuSgabenrechnung zur Grundlage des Hanshaltes zu machen.— Ein gleich praktisches Ziel verfolgen die N ä h s ch u l e n, wo von allen feineren Handarbeiten abgesehen wird und die Mädchen darin unterrichtet werden, wie si« sich auf die billigste Weise die nothwendige Leibwäsche und die ein- fache Haus- und Strnßenkleidung anfertigen können. Vepeschett und letzte Mercheichken« München, 21. Oktober. zW. T. B.) Im Finanzausschuß er- klärte auf verschiedene Anfragen der Staasminister Frhr. v. Crails- heiin, daß das Bestndcn des Königs Otto im wesentlichen nn- verändert geblieben sei, ferner daß der Prinzregent eine Aendernng der Regentschaft nicht wünsche und an dem gegenwärtigen Ver- bältniß nichts geändert sehen wolle. Auf eine weitere Anfrage Dr. Ratzinger's, wie sich der Minister zu der Frage einer Vcr- snffuiigs-Aenderung während der Negentschast stelle, erwiderte Staats- minister von Crailsheim, daß er die Möglichkeit einer VerfassungS- Aenderung nur für besondere dringliche Fälle, welche sorgfältig zu prüfen seien, anerkenne. Wie», 21.-Oktober.(W. T. B.) Abgeorduetenhans. Nach einer Reihe von namentlicher Abstiuimungeu ging das Hans zur Tagesordnung über, d. h. zur Verhanglung der Minister- anklagen wegen der Vorgänge in Eger. Abg. Türk polcmisirt in längerer Rede gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Herold. Redner bespricht kurz die Vorgänge in Eger und behauptet, daß wenigstens hundert Verlctzuiigen stattsandcu. Er erklärt, daß die deutsche» Minoritäten in den czechischen Gemeinden keinen genügenden Schutz haben und bringt einen Fall vor, wo ein Deutscher geiödlet wurde.(Rufe rechts: Es war ein gewöhnlicher Raufhand.l.) Redner schließt. die Deutsche» werden allen Anfeindungen ziim Trotz nicht wanken.(Lebhafter Beifall, Hündeklatschen links.) Tie Verhandlung wird hierauf abgebrochen. Nächste Sitzung morgen. Paris, 2l. Oktober.(B. H.) Das Dorf Ctnocux wurde von einer furchtbaren Fcuersbrnnst heimgesucht. Fünfzehn Häuser mit großen Erntevvrräthen und Viehbeständen wurden ein Raub der Flammen. Manila, 21. Oktober. Ter furchtbare Zyklon, begleitet von einer berghohen Sturzwelle, welcher, wie berichtet, die zu den Philippinen gehörigen Inseln Leyte und Samar vcr- wüstete, hat am 12. d. M. gewüthct. Die auf der Ostseile der Jnfel Leyte gelegenen Orlschasle» Carigarn und Burugo sind voll- ständig zerstört, dagegen hat die Stadt Leyte dank ihrer günstigen Lage verhällntßmäßig wenig gelitten. Eine riesenhafte Wasserwoge stürzte über das Land und ließ viele Dörfer verschwinden. In der Stadt Tacloban sind mehrere tausend Eingeborene umgekominen. Der Zyklon berührte auch die benachbarte Insel Samar; man wciß noch nicht, welchen Schaden er dort niirichicle. Die östlichen Küst-n haben besonders schwer zelitten. Viele Ortschaften, deren Wohnungin aus Bambusrohr und Flcchlimk bestanden, sind fast gänzlich zerstört. Die Stadt Tacloban bildet einen Trümmerbnnfen. lieber 400 Leichen wurden bereits auS dem Schutt und Schlamm gefördert. Jnsgesammt dürften über 3000 Menschen, sännnllich Eingeborene, umgekommen sein. Ter angerichtete Schaden ist enorm. Weittrz Einzelheiten fehlen noch. Verantwortlicher Nedaktcur: Angnst Jacobey i» Berlin. Für den Jnscratentheil veraniwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu tt Beilagen u ttnterhalliingsblatt. it.247. a nifjttj. l. Ktilllge '"... X■ P—gggggBBBBBHgBi Pst ei-N�ttzvittzten« Der Tod Grilleubcrger'ö hat überall in Deutschland unter den Genossen tiefe Beivegung hervorgerufen. Alle Blätler unserer Partei widmen dem Verstorbenen Nachrufe, in denen die große Sympathie zum Ausdruck kommt, die Grillenberger's kraftvolle Art in Norddentschland nicht minder als im Süden genoß,?ln der Nord- und Ostsee wie an der Donau, an der Oder wie am Rhein überall beklagt man den Tod des glänzenden Redners, des ans- gezeichneten Kenners der Arbeiterverhällnisse. des während seiner langjährige» Thätigkeit in Sturm und Nöthen aller Art immer treu erfundenen Parteigenossen, und selbst die Gegner erkennen an, daß mit Grillcnberger eine bedeutende politische Persönlichkeit und ein trefflicher Mensch dahingegangen ist, Die, M ü n ch e u e r Allgemeine Z e i t u n g", eins der sozialistenfeindlichsten Blätter, das sowohl mit der bayerischen Regie- rnng wie»lit dem Fürsten Bismarck Beziehungen unterhält, schrieb: „'Auch der entschiedenste politische Gegner wird anerkennen, init rvelch' lniablässigem Streben und eisernem Fleiße Grillcnberger sich seine Bildung erworben hat, wobei er nur durch seine Befähigung unterstützt wurde. Die Kunde seines raschen Hinscheidens wird allgemeine Theilnahme erwecken," Das„B a yeris che Vaterland" sagte:„Durchaus Autodidakt, wurdc Grillenberger einer der ersten Redner nnd Parlamentarier Dentfch- lands, der erste unserer Kammer. Für seine Partei ist sei» Tod der schwerste Verlust, der nicht leicht zu ersetzen ist. Grillenberger war ein hochachtbarer Charakter von ungeheuerer Arbeitskraft nnd eiserner Energie, dabei der beste liebenswürdigste Mensch im persönliche» Umgang. Möge er in Frieden ruhen!" Auch die gegnerische Presse außerhalb Bayerns, insbesondere die preußische, widmet unserem Genossen ehrenvolle Nachrufe. Ueber die letzten Stunden Grillenberger's berichtet die„Münchener Post":„Er war am Montag Abend von Nürnberg >vieder in München eingetroffen und befand sich Dienstag Vormittag noch völlig wohl. Während seiner ausgezeichneten Rede zur Be- gründnng des Wahlrcchts-Zlntrages verspürte er auch nicht das ge- ringste Univohlsein nnd auch nachher verfolgte er die Rede» aus dem andcrsparteklichen Lager z» dem Gegenstand mit unverminderter Aufmerksamkeit. Nach Schluß derVerhandiunge» beim Herausgehe» aus demLandtagsgebäude klagteerplötzlichden ihnbegleitenbenFreunden ein Gefühl von Mattigkeit und Angst. Er selbst aber beachtete diese Symptome nicht weiter und begab sich mit seinen Begleiter» sesteu Schrittes zu de» Pschorrbräuhallcn, wo er wie geivöhnlich sein Mittagbrot einnehmen wollte. Während des Essens klagte Grillen- berger von nenem über ein ihn überkommendes Angstgefühl; nur ist. sagte er, als ob mir ein Stück der Zunge lahm, verde. Erst aus längeres Zureden seiner Freunde entschloß er sich, den in der Eisen- mannstr. 3 wohnenden Arzt Dr. Bauscr aufzusuchen. Auf dem Wege schivankle er bereits, so daß ihn seine Begleiter ballen mußten, »lud inr Flur des Hauses verließe» ihn die Kräfte so weit, daß ihn die Begleiter in sitzender Stellung auf eine gerade im Hausflur stehende Holzkiste niederlassen mußten. Der'Arzt war nicht zu Hause, unterdessen hatte aber Herr Aster von den Pschorr- Bränhallen zwei am Ende ihrer Studien stehende Mediziner gebeten, sich des Kranken anzunehmen. Die beiden Herren bemühten sich in anerkennenswerther Weise eifrig um unfern Freund; sie ließe» Eis herbeischaffen und machten Eisnmschläge, bis der Arzt kam. Auch die Einwohner des betreffenden Hauses bezeugte» menschensreundlichc Theilnahme durch Herbeischaffen von Kissen und Tücher». Der Arzt konstatirte ein« Gehirnblutung und verfügte im Einverständuiß mit den anwesenden Freunden Grillenberger's dessen Ueberführung i» das Krankenhaus. Diese wurde durch den herbeigerufene» Wage» der Sanitätskolonue besorgt. Während der ärztlichen Bemühungen um ihn im Hausflur des Winterhalter'schen Hauses war Grillen- berger»och bei völliger Besinnung, er antwortete auf einige Fragen des Arztes selbst. Bei der Anknusl im Krankenhanse war aber der Kranke schon beinahe bcwußilos. Die Blutung schien zuzunehmen nnd trotz der ausopfernde» Bemühungen der Anstaltsärzie starb Grillenberger um 6'/e Uhr abends, ohne noch einmal das Bewußt- sein znrückerlangt zu haben." I» Dessau wurde am Donnerstag zn Ehren Grillenberger's eine Volksversammlung abgehalten. Reichstags-�lbgeordneler Pens hielt die Gedächtnißrcde. In Leipzig sandte eine Volksversammlung eine Depesche an Grillenberger's Familie ab, worin derselben die tiefste Theilnahme der Genossen ausgedrückt ist. Das Agitalionskoniitee für den 12. und 13. sächsischen Reichslags-Wahlkreis und die Ziedakliou der „Leipz. Volksztg." spendete» prachtvolle Kränze. Ans de», Kreise der sozialdemokratischen Frauen wird uns geschrieben: „Dem Gedcnkblatt für den so früh nnd so schnell uns durch den Tod entrissenen Genossen Grillenberger bitten auch wir Frauen etwas bcisnge» zn dürfen. Grillenberger stand de» Anfängen der proletarischen Frauen- bewegnng mit großer Skeptik gegenüber; ja nicht selten ließ er seine» humorvolle» Spott an de» Agilatoriunen aus, weil er nicht überzeugt war, daß eS den Franc» ernst sei mit der Theilnahme an der harten und schweren Kainpfcsarbeil für endliche Befreiung des Proletariats. Das, was er von den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen wußte, hatte ihn zu der Anschauung gebracht, daß auch einzelne unter de» Proletarierinnen Herrschergclüste gegenüber den Männern haben, denen sie gern einmal in der Oefsentlichkeit Ausdruck gebe» wollten. Nachdem er aber Gelegenheit gehabt hatte, mehrere der bc- kannten Genossinnen kennen zu lernen nnd zu beobachten, daß diese gleich ihm nnd den bewährten Genosse» vor keiner Schwierigkeit im Kampfe init den herrschende» Gewalten, sowie den bürgerlichen Vornrtheilen, zurückschreckte», da gab er rück- haltlos und offen zu, daß er nun einsehe, im Jrrthnm gewesen zn sein mit seiner Gegnerschaft gegenüber der Francnemanzipatio»; er sei nun bereit, der gewonnene» Ueberzeugnng auch jederzeit Ausdruck zn geben in Wort und Schrift. Und er hat ehrlich Worl gehalten! Im Parlament wie in der Vollsversammlnng ist er dann stets für volle Gleichberechtigung auch der Frauen ein- getreten. Er stand hierin in ersrenlichem Gegensatze zu vielen anderen. Ganz besonders werlhvoll war die Geivinnung Grillenberger's, des populären Volksvertreters, für n»s, da seit Jahren in Bayer» keine proletarische Frauenversammlnng abgehalten werde» darf nnd demnach die dortige proletarische Frauenbewegung gänzlich ans die Azsitalio» der Männer angewiesen ist. Offen nnd ehrlich, wie er uns seinen Jrrthnm bekannte, hat er treu sein uns gegebenes Wort bis an seinem Ende gehalten. Dankerfüllten Herzens werden auch die Proletarierinnen des Freundes und Genossen stets gedenken." In dein märkischen Wahlkreise West-Prignitz, wo am 29. Oktober für den zum Staalssckrelär des Reichspofiamls er- nannten Herrn v. P o d b i e l s k i eine Nachwahl zum Reichstage vorzunehmen ist, wobei unserem Kandidaten Heinrich Hin tze in Tnngerinünde der konservative Herr v. S a l d e r n- P l a t l e n- b n r g gegenübersteht, wird mit Hochdruck gearbeitet,»in nnsere Partei nicht zu Worte kommen zn lassen. Die „Brandenburger Zeitung" berichtete darüber: Während die übrigen Parteien im Kreise Versammlungen abhalten, kann unser Kandidat in keinem Orte sprechen, weil kein Rann, dazu hergegeben wird. Der Kreis- Vertrauensmann hat mehrere Versuche unter- »oniinen, Versammlungen unter freiem Himniel abzuhalte». Nachdem mit Mühe geeignete Grundstücke aufgetrieben waren, verbot die Polizei die Abhaltung der Versammlungen. In Perleberg hielt es die Poliwiverwaltnng nicht einmal der Mühe wcrth, die Gründe für das Verbot anzugeben. In Wilsnnck wurde als Grund für das te Jonätts" Verbot eine möglicherweise eintretende Störung der öffentlichen Ordnung angegeben. So sieht es mit der Versammlungsfreiheit ans. Herr v. Saldern-Plattenbnrg bedauerte aber in einer seiner Versammlungen, daß das Versammlungsrecht nicht noch mehr ein- geschränkt wurde, damit der Mißbrauch mit diesem Recht nicht»och weiter getrieben werden könnte. Wenn henle eine Aenderung des Vereins- und Versammlungsrechts vorgenommen wird, hat es so zu geschehen, daß die Behörden nicht mehr die Macht haben, dieses wichtigste Recht jür einen großen Theil des Volkes geradezu auf- zuheben. Im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben ist die Zahl der bei de» Reichstags wählen sür sozialdemokratische Kandidaten abgegebenen Stimmen nach Angabe der„Münchner Post" seil 1871 ivie folgt gewachsen. ES wurden Stimmen abgegeben im Jahre 1871! 302, 1874! 1609, 1877: 1563. 1878: 1421, 1881: KSS. 1884: 1941, 1887: 3605, 1890; 6878, 1893: 10302. Das Z e n l r u m dagegen, das im Jahre 1387 noch 80813 Stimmen bekam, ging zurück bis auf 60 953 Sliinmen im Jahre 1393, und die N a t i o n a I l i b e r a 1 e n. die im Jahre 1337 ans ihre Kandidaten 83 410 Sliminen vereinigten, sanken 1890 aus 32 252 Stimme» und im Jahre 1393 brachten sie gar nur 15 795 Stilnme» zusammen. NommunAtes» Stadtvcrordueten-Verfainmlnng. Oesfentliche Sitzung vom D o n n e r st a g, 21. Oktober, nachmittags 5 Uhr. In den Ausschuß zur Vorberathung des Antrages betreffend die Anstellung von Schulärzten sind anch die Stadtvv. Dr. Zadel nnd Stadthage n deputirt; außerdem gehören n. a. die Stadtvv. Michetet, Gerstenberg, Schwalbe, Rnge, Kreitling an. Im Ausschuß zur Berathnng des Antrags wegen event. Umbaues der Oranien- brücke wird die Fraktion der sozialdemokratischen Stadtverordneten durch Bruns vertreten. Von den neun Anträgen Borginann nnd Genossen sind die letzten drei, die sich nebst zwei bereits in voriger Sitzung ver- handelten ans die Echulverhällnisse beziehe», noch nicht zur Beralhung gelangt. Gemäß dem ersten derselbe» soll die Versammlung den Magistrat ersuchen, das Polizeipräsidium um den Erlaß einer Polizei- Verordnung anzugchen, durch welche gewerbliche Beschäsli- gnngen von Schulkinder» vor Beginn der Schulzeit, insbesondere das Slustragen von Milch, Backwaaren und Zeitungen verboten werden. Stadtv. B o r g in a n n: Unser Antrag will einen Znstand beseitigen, welcher sür tausende von Volksschulkindern eine große körperliche und geistige Gefahr bedeutet. Daß wir gerade in diesem Punkte die Polizei z» Hilfe rufen, liegt daran, daß wir als Gemeinde keinerlei Exekutive besitzen, sondern der Polizei- Präsident die Macht in Händen hat; wir müssen ihn also benutze». wir mögen ihn lieben oder nicht. Eine Reihe von Negierungs- Präsidenten, wie derjenige von Potsdam sür Spandau, haben der- artige Verordnungen bereits erlassen. Bedauerlich ist es, daß gerade in Berlin noch nirgends ein Anfang gemacht worden ist. um zunächst einmal in der Sache klar zu sehen; zede statistische Aufnahme fehlt Ans grnnd von Statistiken ans anderen Städte» kann man aber die Zahl der Schulkinder beiderlei Geschlechts, die hier in betracht kommen, ans 25 000 mindestens schätzen. I» Hannover sind es 12, in Charlottenbnrg etwa 9 pCt. aller Schulkinder; es möchte» also 10 pCt. für Berlin anzunehme» sein. Ich persönlich halte diese An- nähme noch für viel zu niedrig.(Zwischenruf des Stadlverordneten Preuß.) Wenn Herr Preuß das bezweiselt. so muß ich ihn darauf verweisen, daß ich unter den, Volke lebe und weiß, wie es lebt, während Sie das nicht wissen können, weil Sie gar nicht so früh ausstehen.(Heiterkeit nnd Astderspruch.) Irre ich mich, so werden Sie ja auch von der Dringlichkeit unseres An- träges überzeugt sein. Die Lehrer erheben immer und immer wieder ihren Nothfchrci über diese schlimmen, die Kinder namentlich im Winter aufs ärgste benachlheiligenden Zustände. Daß diese tnusendc nnd nbertansende von Kinder» einen starke» Prozenlsatz zu den jugendlichen Verbrechern liefern, ist schon»cnlich von Sladthagen statistisch nachgewiesen.(Zimschenruf:„Vorwärts"!) Der„Vorn'ärts" wird nicht von Kinder» ansgetragc», fouder» von Erwachsenen, von Frauen, wenigstens soweit d>e Parteispeditionen in betracht kommen nnd, das können die großen anderen Zeitungen auch, diese Aus- bentnng der kleinen Kinder wäre also sehr leicht zn beseitige». Der Regierungspräsident von Bromberg hat die Schanslellnngen von Kindern verboten. I» Reinickendorf ist das Befchästigen von Kindern unter acht Jahre» vor 7 Uhr morgens nnd mit Kegel- aussetzen verboten. Was dort möglich ist, muß anch i» Berlin möglich sein. Gehen wir ähnlich vor, so werden wir zur Hebung der Volksschule wesentlich beitrage»; das Kind wird nicht mehr i» der Schule schlafen und schließlich verkommen, sondern von dem Unterricht diejenigen Früchte davon tragen, die es davon trage» soll. Stadtv. Preuß: Ich habe mich nur über die besondere statistische Methode de? Antragstellers gewundert. In der Sache selbst stehe ich ihm sehr nahe. Der Antrag bat, wie alle Anträge, die von dort herkommen, seine starke Seile in der Kritik. seine schwache Seite in dem vorgeschlagene» Abhilscmiltel. So wünscheniwerlh der Zweck, so fragwürdig der angeregte Weg. Wir nnsererseils habe» die Polizei nicht geliebt nnd nicht gehaßt, jedenfalls ivolle» wir ihre Befugnisse nicht ins Endlose ausdehnen. Der Begriff der gewerblichen Beschäftigungen ist in dem Antrag nicht klar umschrieben; ohne weiteres lassen sich die Schutz- bcslimmungen für die geiverblichen Arbeiter nicht ans die Kinder ausdehnen. Ob eine Polizeiverordnnng zivcckmäßig ist. bleibt eine offene Frage; deshalb beantrage ich Ansschußberathnng und zwar durch denselben Ausschuß, der soeben sür die Schulärzte ein- gesetzt ist. Stadlschnlrath Bertram: Der Uebelstand, den wir alle be- klagen, ist sehr alte» Datums. Schon 1839 ist geklagt worden, daß fechsjährige Kinder in Fabriken arbeilen. Seit 1856 ist die Bc- schästignng von Kindern unter 12 Jahren in Fabriken untersagt. Man hat sich damit abgefnnden und Fabrikschnle», Abendschulen, Sonntagsschulen eingerichtet. Seit dem 1. Juli 1891 dürfen Kinder unter 13 Jahren nicht in Fabriken beschäftigt werden. Alle diese Einschränkungen sind durch Gesetz vorgeschriebe» worden, nicht durch Polizeiverordnnng. Natürlich suchen die Kinder, die i» Fabriken nicht mehr arbeiten dürfe», Arbeit in der Weise, wie sie hier bemängelt wird. Ist es möglich, unter den obwaltenden Unistände» diese Kinderarbeit ganz zu beseitigen? Un- bestritten existircn eine gute Zahl Familie», die an der Grenze stehen, sich mit den Kindern redlich erhalten zu können, aber nur dann, wenn eine gewisse Theilnahme an der Arbeit durch die Kinder geleistet wird. Ginge der Vorschlag durch, das AnStrage» von Milch, Backwaaren, Zeilnngenszu verbieten, dann würden andere Forme» von Arbeit auftreten, vielleicht in noch ungünstigerer Weife; die Kinder müßten dann vielleicht in der Konfektion arbeiten, in »„gesünderen Räumen»nd viel länger. Die Frage ist also sehr schwierig. Praktisch suchen sowohl die Waisenräthe. wie die neuen Arniinämler dein Uebelstand beiznkomme». Polizeiverordnungen kann ich nicht empfehlen. Stadtv. Schwalbe hält eS für nothwendig, die wirkliche Lage der Dinge von Stadt wegen festzustellen, da jedenfalls auch in den heutigen Anführnngen des Antragstellers Uebertreibungen unterlaufen sein dürsten. Allerdings weichen die Prozentzahlen aus den einzelnen Orten außerordentlich von einander ab. Wenn man auf dem Standpunkt steht, daß die Eltern die Hilfe ihrer 12, 13 Jahre alten Kinder— die jüngeren kommen viel weniger in be- tracht(Widerspruch)— zur Bestreitung der Existenz in Anspruch nehmen müssen, dann werden die hohen Zahlen verschwinden� Zur Fttltllg, 33. Oktober 1897. Beschaffung eines solchen statistischen Materials müssen wir aber kommen und dazu bedarf es der Ansschußberalhung. Stadtv. Bergemann: Ich bitte den Antrag pure abzulehnen; ein Verbot würde eine Anzahl der ärmsten Familien dieses Ver" dienstes berauben. Die Noih derselben kann eine unverschuldete, aber auch eine verschuldete sein. Damit schließt die Diskussion. Im Schlußwort führt Stadtv. Stadt Hagen dem letzten Redner zu Gemülhe, daß sich ans der letzten Bernfszählung die erschreck- liche Thatsache ergeben hat, daß es nicht weniger als 214 000 S ch u l linder giebt.die nn Hauplberns eiwerbs lhä i ig sind. Das sind nicht immer die Aermften,»och dieienige», deren Ellcr» ihre Roth verschuldet habe». wofür übrigens doch das Kind nichts kann, den» die im Nebenberus solche Dienstleistniigen besorgen, sind besonders gezählt. Der Gesauimlvorsland des dentschen Lehrervereins hat das Thema der Schädigung der Schuljugend durch gewerbliche Beschäftigunge» zur Bearbeilttiig sür die Jahre 1896—93 gestellt. Die daraufhin staltgehabie» Erhebungen haben die allerlraurigsten Zahlen er- gebe». Die Statistik sür die Vororte Berlins, welche blos 7— 9 pCt. anführt, ist nicht zuverlässig, iveil die landwirth- schastliche Arbeit nicht berücksichtigt ist; wir haben aber Zahlen von 32 pCt. wie in Altenburg, ja 40 pCt. wie in Schmölln. Ans allen Statistiken ergiebt sich das eine, daß die vor- geschritlene» Schüler die sind, welche keine Nebenarbeit haben. Im Ausschüsse wird sich darlegen lasse», daß die Stadt Berlin so be- rechtigl ivie verpflichtet ist. hier zunächst ans dem Wege der Polizei- Verordnung vorzugehen In Hamburg sind enlsprechende Polizei- Verordnungen aus grund der 120c und 120e der Gewerbe-Ordnung erlassen worden; die gesetzliche Handhabe liegt daher in diesen Gesetze*- stellen»nd in dem Polizeigesetz von 1350. Thalsächlich ist bis jetzt blos die Kinderarbeit i» de» Fabriken verboten; aber dieselbe Gewerbe- Ordnung läßt dem Bundcsralh, der Polizei nnd der Gemeinde daS Recht weitergehender Beschränkungen. Die Gemetude hat ihr be« fonderes Recht dazu, noch auf grund der Schulpflicht, wie das Oberverwallniigsgericht entschieden hat. Gegen de» bestehenden Mißstand ist gerade die Berliner Arbeiterschaft eingeschritten, indei» sie sür den„Vorwärts" eine besondere Parleispedilion ein- gerichtet hat, um eben der Kinderausbcutuug aus diesem Gebiete ein Ende zu machen. Daß die armen Familien geschädigt werden, braucht Herr Bergemann nicht zu fürchlen, es handelt sich hier anch nicht um Kommunismus. Der Verdienst des einzelne» Kinde» varnrt zwischen 3 und 6 M. pro Monat! Der Antrag geht an den Schnlarzt-Ausschnß. I», achten der Anträge Borgmann wird an den Magistrat das Ersuche» gestellt: rii Geuiäßheit deS§ 120 Absatz 3 der Gewerbe-Ordnung de» Entwurf eines O r l s st a t u t s vorzulege», durch welches de» männlichen Arbeitern unter 13 Jahren die Verpflichtung zum Besuch einer Fort- b i l d u» g s s ch u l e auferlegt wird. Stadtv. Brnns: Die Rothwendigkeit des obligatorischen Fortbildttilgs-Schnlunlerrichts ist schon vielfach, auch von de» Ber- lretern der Hirsch-Dnncker'schen Richtung betont ivorden. Die Gesell- fchast zur Verbreitung von Volksbildung ist für diese Forderung eingetreten, desgleichen hat sich die überwiegende Mehrheit der Kom-' missio» sür das technische Unterrichtsivesen in demselben Sinne aus- gesprochen; in der Minderheit befanden sich freilich unser Herr Sladlschulrath Bertram und unser Vorsteher LaiigerhanS. Von ihnen und ihren Gesinnuiigsgenossen wird auf die große» Forlschritte der freien Forlbildnngsschule hingewiesen. Gewiß ist ein Aufschwung vorhanden, aber er kouunl de» technischen Fächern z» gute, und diese Entwicklnng auf Kosten der allgemeinen Bildung halten wir nicht für richtig. Dem Fortbildungs-Schuliinterricht muß ein weiterer Rahme» gegeben iverdc», und das ist nur bei obligatorischem Besuch möglich. Die meisten Kinder von 14 Jahren sind»och nicht durchdrungen von der Nothwendigkeit ihrer Weiterbildung; sie müssen in die Fori- bildungsschule hineingezogen werden. Umsomehr ist hier der Zwang nothivendig, weil ja eine Menge von Kindern schon während der Schnlzeil gewerblich beschäsligt wurden und nicht einmal den Anforderungen der Schule gerecht werden konnte». Was gegen den Zwaug in dieser Beziehung angeführt wird, ließe sich ebenso gegen den Schulzwang überhaupt geltend mache». Wo die obligatorische Fortbildungsschule eingeführt ist, wie in de» füddeulsche» Slaalen, herrscht nur eine Slimine darüber, daß sie sich bewährt hat. Auch i» einer Reihe preußischer Städte ist sie mit demselben glänzende» Erfolge eingeführt. Ueber die Kosten würde man sich im Ansschuß verständigen könne», jedenfalls darf eine Stadt wie Berlin nicht des Kosteiipunktes wegen einen solchen Antrag ablehnen. Die Mehrzahl dieser Versainmlnng sollte doch auch das Argument der Freunde dieser Einrichtnng. daß dadurch der Sozialdemokratie der Boden entzogen>vird, sich zn eigen mache». Stadtv. Schwalbe: Wir habe» schon 1390 einen solchen An- trag gehabt nnd ih» damals direkt abgelehnt, weil uns das damals beigebrachte Malertal zur sofortigen Ablehnung ausreichend schien. Seitdem mögen iuiinerhi» manche Verschiebungen«ingetreten sein, ivelche wohl in einei» Zlusschuß noch einmal geprüft werden könnten. Ich empfehle deshalb Ausschnßberathnng. Stadlschiilralh Bertram weist auf die beständige Zunahme der Frequenz der Forlbildungsschnlen hin. Es sei unrichtig, daß das rein Technische bevorzugt werde; die Zahl der Kurse'für Deutsch, Rechnen, Geometrie u. s. w. beweise das Gegenlheil. In den Fach- schulen stehe selbstverständlich das Technische obenan. Für den Zwang zlli» Besuche der Fortbildnngsschule» in Berlin sei auch heute keine Nothwendigkeit vorhanden; der in Berlin eingeschlagene Weg führe weiter als polizeilicher Zivang. Andere Städte mögen darin andere Wege gehen, sollen aber auch Berlin bei dem seinigen lassen. Damit schließt die Diskussion. Die Antragsteller verzichten auf das Wort. Anch dieser Antrag geht an den für die Schularztfrage eingesetzten AnSschnß.f Der letzte Antrag endlich fordert die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Berathnng 1. darüber, welche Einrichtungen zu treffen sind, um die B e« s e i t i g u n g der fliegenden Klassen und eine Herabsetzung der M a x i nr a l- S ch ü 1 e r z a h l für die e i n z e l n e n K l a s s e n der Gemeindeschulen zu ermög- lichen, 2. über Einführung deS achtklafsigen Gemeindeschul« f Y st e m s, 3. darüber, ob zn gunsten einer gedeihlicheren Ausbildung der geistig zurückgebliebenen Schulkinder Hilfs- oder Sonderklassen oder andere Einrichtungen zu treffen sind. Stadtv. Singer: Ich bitte Sie, diesen Antrag ohne Aus- schußberathiing anzunehmen, weil er ei» organisatorischer von weit- tragender Bedeutung ist. Ich zweifle nicht, daß der Magistrat sich zn dem Verlangen der Versainmlung zustimuiend verhallen ivird. Die in dem Antrag angeregten Frage» sind doch gewiß nicht dazu angelhan, Zwiespalt zivischen Magistrat nnd Versammlung hervor- zurufen. Aus prinzipiellen Gründen nicht, höchstens ans finanziellen läßt sich diesem Antrag entgegentreten. Aber Finanzfragen dürfen: nicht nusschlaggebend sein; für den Kopf deS Gemeindeschülers giebt! ja die Stadt nur 59, für den Kopf des höheren Schülers aber. 129 M. jährlich ans. Daß fliegende Klassen ein Uebelstand sind, habe» oft genug anch die Magistratsvertreter zugegeben. Daß die Maximalzahl von 69 herabgesetzt werden muß, liegt ans der Hand p kein Arzt ivird es mit seinem Gewisse» vercintgon können, eine' solche Maximalzahl ferner zuzulassen. Die Einführung des acht- klassigen Schulsystems müssen wir leider immer noch fordern, während: eine ganze Anzahl von deutschen, viel weniger finanzkräftigen ©labten es bereits eingeführt haben. Schon 1SS3 hat der hiesige Nekiore»» Verein»üt 131 gegen 15 Stimmen dieses System entgegen der Meinung des Sladlschulraths Bertram für »olhivendig erklärt. An eine Reform unseres Bolksschul- mesens muß herangegangen werden; die Resultate des jetzigen Systems sind keine besonders erfreulichen, die Leistungen der vierzehnjährigen Knaben und Mädchen in bezug ans Grammatik, Stil und Orthographie sind vielfach mangelhast. Wir wünschen schließlich Hilfsschule» oder besondere Klassen für die zurückgebliebenen, schwächeren Kinder. Alle diese Fragen müssen studirt werden, es muß das Material dafür herbeigeschafft werden, aber sie sind auch Werth, studirt und erörtert zu werden. Lassen Sie ihnen daher eine eingehende Berathung in gemischter Deputation zu theil werden! Kennen wir erst die ganze Misere auf diesem Gebiete, so wird auch die Zlbhilse möglich sei». � Bürgermeister K i r s ch n e r: Ich bin persönlich der Meinung, daß diese Fragen der Erörterung sehr iverlh sind, ich bin mir aber auch der Schwierigkeit bewußt, ob die vorgeschlagene Instanz zur Verhandlung dieser Frage geeignet ist. Geeigneter erscheint mir die Schuldeputatio». Dort sitzen die praktischen Männer des Schulwesens, neben den Schulrälhen auch die Schulinspektoren»lit beratheuder Stimme. Ich würde es geradezu für ein Mißtrauensvotum für die Echuldeputation ansehe», wenn ihr die Prüfung dieser Frage entzogen werden sollte; sie ist auch schon mit fast alle» diese» Fragen befaßt. Zur Herabsehung der Frequenz braucht man keine gemischte Deputation; sind die Mittel da, dann werden eben die uölhige» Schulhüuser gebaut werde». Aber die Verminderung einer jede» Klasse um nur einen Scküler erfordert 70 neue Klassen ü 50 Schüler mit 70 Lehrern. Es wird sich also blos fragen, wie weit der Kammerer dem nachkommen kann. Als Schul- system haben wir nicht mehr das secheklassige, sondern das siebenklassige, indem die erste Klasse in zwei Konten getheilt worden ist. Diese Einrichtung ist allerdings als eine Art Provisorium be- trachtet worden; aber jede weitere Prüfung wird zuerst Sache der Schuldepntation sein, welche auch mit der'Frage der Fürsorge für schwachsinnige Kinder eben jetzt sich beschäftigt. Bisher haben wir Hilfsschule» nicht eingerichtet, sondern den Privatunterricht vor- gezogen. Es ist ein Unglück für ein minder begabtes Kind, aus der Schule für die normalen Altersgenossen heraus- gerissen und durch die Ueberweisung in die Hilfsschule stigmatisirt zu werde». Aber nach anderer Richtung kann die Einrichtung vielleicht praktisch werde». Jedenfalls würde die von der Schuldeputation schon begonnene Arbeit auf allen diesen Gebieten nur gestört werden, wenn jetzt eine andere Deputation eingesetzt würde.(Beifall.) Sladlv. Weber sucht auszuführen, daß man 51 Doppelschulen für 43 Millionen bauen müßte, wenn die Maximalzahl aus 40 herabgesetzt werden soll. Dazu kämen die dauernden Ausgaben Niit 5 Millionen allein für Lehrergehälter.(Bewegung.) Sladtv. Meyer beantragt: In Erwägung, daß nach den Er- klärungen des Bürgermeisters die Schnldeputation mit der Prüfung der einschlagenden Fragen beschäftigt ist, geht die Versammlung zur Tagesordnung über. Stadlv. Singer: Herr Weber hat seine Finanzkunst an der unrechten Stelle bewiesen. Niemand von uns hat die Herab- setzung auf 40 beantragt, wenn diese glich unser Ideal ist; dafür sind ivir doch viel zu praktische Leute(Heiterkeit), und als solche sollte auch er uns schon kennen. Der Bürgermeister hat die Wichtigkeit der von uns angeregten Fragen anerkannt; aber was aus den Erwägungen in der Schuldeputation herauskommen würde, sieht man doch an dem Beispiel, welches Herr Weber uns eben gegeben hat. Die Schuldeputatio» hat sich auch in gewissen Au- fchauungen festgerannt. Wir haben der Schuldeputatio» keinen Auftrag zu geben, auch gehören diese Fragen nicht vor eine reine Verivaltiingsdeputation. Wir haben in der Schuldeputatio» für unsere Gruppe trotz jahrelangen Kampfes keinen Platz erlangen können, wir könne» also dort unsere Anträge nicht vertreten, sie ist für uns kein Forum. Wir erfahren auch nicht, was dort passirt; sie tagt hinter verschlossenen Thüre»; wir stehen mit ihr i» keiner geschäftlichen Beziehung. Von Mißtrauen gegen die Schul- deputation kann nicht die Rede sein. Die bloße Versicherung des Bürgermeisters, daß die Schuldeputation sich mit diesen Fragen be- schästigt, wovon man bisher nichts gehört hat, genügt schon für eine» Kollegen, zur Tagesordnung über unsere» Antrag über- zugehen! Bleiben Sie nicht ans halbem Wege stehen, und werfen Sie der Sache nicht, nach dem schönen Anlauf, den Sie genommen hat, wieder einen Knüppel zwischen die Beine! Stadlschnlrath Bertram: I» der ersten Sitzung im Januar haben Sie es ja in der Gewalt, die Zusammensetzung der Schul- deputation zu ändern. Die pädagogischen Fragen könne» wir nicht nach Majorität entscheiden, sondern wir entscheide» sie nach inneren Gründen. Deshalb bindet uns auch nicht die Majorität des giektorenvereins. Stadtv. Meyer: Meine Freunde haben stets die Wichtigkeit der angeregten Fragen anerkannt und waren geneigt, auf den Autrag einzugehen. Aber da wir heute die ganz neue Thatsache hören, daß die Fragen bei der Schuldeputatio» i» Fluß sind, so scheint es mir unmöglich, heute schon einen Beschluß zu fassen, ehe wir wissen, was jene beschlossen hat.(Zuruf: Kriegen wir ja nicht zu erfahren!) Daß die Schuldeputatio» sich fest gerannt habe, ist ein ganz subjektives Urlheil. Daß eine Gruppe dort nicht vertreten ist, ist ei» zufälliger Uebelstand, der ja geändert werden kann. Bei der EtatS- berathung können wir ja nach dem Stand der Dinge de» Magistrat befragen. Nehmen Sie deshalb meine motivirte Tagesordnung an. Bürgermeister Kirsch»er: Ich wiederhole, daß wir mit der erste» Frage fortdauernd, mit der letzten augenblicklich speziell be- faßt sind. Mit sder mittleren Frage sind wir augenblicklich nicht befaßt. Sladtv. Singer meint, Herr Meyer könnte ja den Antrag dahin amendiren, daß der Antrag der Schuldeputatio» zur Be- rathung überwiesen werde» soll. Stadtv. Meyer giebt den Antragstellern anHeim, diesen Antrag selbst zu stellen, woraus Stadtv. Singer dem unter der Heiterkeit der Versammlung nachkommt. Zu gunsten dieses Antrages zieht Stadtv. Meyer seinen Antrag zurück, worauf, nachdem die Antragsteller auf das Schlußwort ver- zichtet haben, der Antrag Singer a n g e n o m m e» wird. Nach demselben soll der Versammlung über die Ergebnisse der Berathung auch Bericht erstattet werden. Am 7. September ist von den Stadtv. Singer und Genossen folgende Anfrage gestellt worden: I. Ist dein Magistrat bekannt, daß der bei dem GaS- anstaltsbau in der Fichtestraße beschäftigten Unter- n e h m e r f i r m a Lautenburg's Nachfolger wegen eines bei derselben eingetretenen A r b e i t e r a u s st a n d e s eine B e r- l ä n g e r u n g der B a n f r i st gewährt worden ist? II. Ob, wenn dies der Fall, der Magistrat geneigt ist. Vorschriften zu erlassen, wodurch die Wiederholung solcher Vorkommnisse ausgeschlossen wird? Stadtv. Bruns: Der Unternehmer soll den Arbeitern ausdrück- lich erklärt haben, daß er ihnen nicht entgegenkommen würde, da der Bau nicht eilig sei und eine Konventionalstrafe ihm nicht auserlegt werden würde. Stadtrath N a m s l a u: Es handelt sich hier um BauauS- führungen im Tagelohn; es konnte also eine Verlängerung der Fristen garnicht in Frage kommen. Auf Nummer 2 der Anfrage er- widerte ich, daß der Magistrat sich theoretisch damit nicht beschäftigt hat. Solche Fragen sind von Fall zu Fall zu beurtheilen und zu entscheiden. Damit ist die Anfrage erledigt. Die Stadtvv. Schwalbe. Dinse, Spinola u. Gen. haben am O.September er. eine Anfrage eingebracht, durch die der Magistrat um schleunige Auskunft über die Lage der An- gelegenheit betr. die Aus s ch m ü ck u n g der neuen Brücke in der Potsdamer st raße ersucht wird. Die Beantwortung der Aufrage stand schon auf der Tagesordnung der vorigen Sitzung; der Gegenstand wurde aber auf Anregung der Jnter- xellanten abgesetzt. Stadtv. Schwalbe: Namentlich die Statue Röntgens begegne Bedenke». Stadtbaurath Krause führt auS, daß an die Bewilligung der Mittel für die Ausschmückung der Brücke die Versammlung keine Bedingung geknüpft habe und deshalb nicht gefragt worden sei. Inzwischen hätten die Künstler ihre Aufträge und theiliveise auch bereits Zahlung erhalten. Angesichts dieser Sachlage lasse sich an der Angelegenheit kaum noch etwas ändern. In der aiischließenden Besprechung wird von den Stadtvv. Hugo Sachs, Schwalbe und Cassel übereinstimmend Beschwerde dagegen erhoben, daß die Versammlung bei seile gesetzt worden sei und auch im Magistrat nur ein damals sehr mächtiger Herr und außerdem eine noch nicht einmal zuständige Kommission die Eni- scheidung gegeben hätten. Die seil mehr als einem halben Jahre der Ausschnßberathung unterliegende Angelegenheit der Abänderung des zwischen der Straße 1 und der Ringbahn, sowie des zwischen der Schön- haus er Allee und der Straße S belegenen Theils des Bebauungsplans Abtheilmig XI soll nunmehr gemäß dem einstimmig nach vielfachen Berhandliiiige» mit dcn Interessenten gefaßten Beschlüsse deS Ausschusses dahin erledigt werden, daß längs der Ringbahn von Schönhauser Allee bis Straße 9 eine neue Straße 12ii angelegt wird, bis zu welcher die Straßen 13, 14 und 15 über die Straße 12 hinaus verlängert werden, die Breite der Straßen 13, 14 und 15 auf 19 Meter, die der Straße 9 aus 23 Meter verringert wird, wobei jedoch auf eine eventuelle Neberführung der Ringbahn Rück- ficht zu nehmen ist, der Platz H eingeht und zwischen den Straßen II, 12, 14 und 15 der Platz HI angelegt wird. Das zur Frei- legung der Straße» und des Platzes erforderliche Land haben die Interessenten unentgeltlich herzugeben, die betr. Straßen zu reguliren und zu pflastern, auch die Plauirungsarbeit für den Platz zu übernehmen und letztere sowie die Negulirung und Pflasterung der Straßen 11 und 12 binnen drei Jahre» nach endgilttger Feststellung der Fluchtlinien zu bewirken. Außerdem soll der Magistrat hierbei um die Vorlegung eines Bebauungsplaues für den nördlich der verlängerten Christianiastraße gelegeneu Theil des Weichbildes von Berlin ersucht werden. In der vorigen Sitzung würde die Angelegenheit behuis nochmaliger Ausschußberaihung abgesetzt. Mit einer nebeusächlichen Modifikation werden heute die Ausschußaiiträge a» g e n o m m e n. Ten Ankauf einer G r u n d st ü ck s s l ä ch e an der Straß- m a n n st r a ß e zu Schulzwecken zum Preise von 224 230 M., 30 M. pro Quadratmeter, hat der niedergesetzte Ausschuß unter der Be- dingung genehmigt, daß der Magistrat um schleunige Vorlage einer Bebauungsskizze und um die gleichzeitige Inangriffnahme des Baues der Gemeiude-Doppelschule und der in Aussicht genommene» Foribildnngs- oder Handwerkerschnle ersucht wird. Unter Streichung des letzten Punktes werden die Ausschuß- antrüge angenommen. Für M i e t h u n g von Echulränmen für das Etats- jähr 1893/99 sollen der Schuldeputation 142 000 Mail zur Verfügung gestellt werden. Im lanfenden Etat sind dasür nur 90 000 Mark vorgesehen; die Mehrforderung erklärt sich aus dem eingetretene» Stillstand in der Erbauung neuer Schul- Häuser und aus der Nothwendigkeil, besonders im Norden neue Schulen einzurichten. Die Versammluiig beschließt nach dem Magistratsantrage. Die übrigen Gegenstände sind von untergeordnetem Interesse. Um 9 Uhr wird dre Beschlußunfähigleit der Bersammlung konstatirt. •• Nm Mittwoch hat die vom Magistrat eingesetzte Kvmmissio» die Räume in dem Sparkassengebände in der Zimmerstraße be- stchtigt, um festzustelle», ob dieselben zur Aufnahme der Magistrats- bibliothek geeignet seien. Nachdem sich hierfür ein günstiges Resultat ergeben hat, werden nunmehr Maßnahmen erwogen, wie die erforderlichen Einrichtungen zur Unterbringung dir Bibliothek daselbst in die Wege zu leiten seien. Nach Uebersiedelung der Bibliothek in ihr neues Heim, wird im Rathhause selbst eine reich- haltige Handbibliothek zurückbleiben. I» der Sitzung der städtischen Baudeputation Abtheilung I legte der Stadtbanralh Hoffmann den Entwurf zur Volks-Bade- anstalt in der Dennewitzstraße, den Entwurf zur Volks-Badeanstalt in der Bärwaldstraße und den Entwurf zur Bolks-Badeanstalt in der Oderbergerstraße vor. Die Entwürfe wurden von der Deputation angenommen._ Vokttles. Achtung, zweiter LJahlkreiS! Parteigenossen und-Ge- iiossinneu, welche gewillt sind, sich an der am Sonntag stattfindenden Flugblatt- Vertheilung zu den Stadtverordneten- Wahlen zu be- theiligeu, werden ersucht, sich früh 7>/e Uhr in folgenden Lokalen einzufinden: Für den 8. Bezirk bei H. W e r n e r, Bülowstr. 59; Fall er, Pallasstr. 16. Für den 10. Bezirk bei Kitzing, Belle- Allianceftr. 74; L ü d k e. Zossenerftr. 10. Der Bertraneitsmann. Achtung, zweiter Wahlkreis! In der am Sonntag Abend bei Zitbeil, Lindenstraße 106, stattfindenden Bersammlung wird Ge- nosse Dr. Weyl über:„Berufskrankheiten und ihre sozialpolitische Bedeutung" sprechen. Nach dem Vortrage: Gemüthliches Bei- sammensei». Die Vertraue nsperson. Wahlverei» deS«. RcichötagS- Wahlkreises. Den Mit- gliedern hierdurch zur Keuntniß, daß die Protokolle des Hamburger Parteitages vom Verein angeschafft worden sind»>td an den nächsten Zahlabeitden das Exemplar für 10 Pf. zur Verlheilung gelangen. Der Vor st and. Die Freie Volksbühne veranstaltet am Sonntag, nach- mittags 3 Uhr, für die III. Abtheilmig die Vorstellung von A. Fitger's„Hexe" mit einem Gastspiel von Frl. Seraphine D e l s ch y als T h a l e a; A l m u t y Frl. T h o u r e t und Xaver Herr O e s e r vom Deutschen Theater. Die Vorstellung der IV. Abtheilmig findet am Sonntag, den 3t. Oktober, nachmittags 3 Uhr, statt. Die Mitglieder werden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß d i e d r e i e r st e» A b t h e i l u n g e n geschlossen sind und Meldungen nur noch für die IV. A b t h e i l n n g in allen Zahlstellen anzubringen sind.(Siehe heutige Annonce.) Zu der am Montag stattfindenden General- Versammlung bittet der Vorstand die Mitglieder, vollzählig zu erscheinen. Dieselbe wird in Keller's Fe st säten, Koppenstr. 29, abgehalten. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Die fortgesetzten Enthüllnngen von HohenzoNern- Denk- mälern— eine Arbeit, in der auch in Berlin und seineu Vororten daS menschenmöglichste geleistet wird— haben zum wesentlichen den Ziveck, im Volke die immer mehr schwindende monarchische und patriotische Gesiunmig zu erhallen. Diese forcirten Bemühungen scheinen aber das Schicksal aller anderen Anstrengungen zur Kon- servirung patriotischer Hochgefühle zu theileu; sie erregen selbst bei den Jnleressenten der Heuligen Staatsordnung Betlemmmigen. Jüngst ist in Wiesbaden ein Denkmal für den Kaiser Friedrich ein- geweiht worden, und diese Feier zum Andenken an einen Mann, der in weiteste» Schichten als der sympathischste der Hohenzollern betrachtet wird, giebt einem so ordnungslrenen Blatt, wie der „Köln. Ztg." Material zu folgender Betrachtung: „Die Denkmal-Errichtungeu und Feste der Denkmal-Enthüllungen häufen sich besonders seit dem Tode der Kaiser Wilhelm und Friedrich in einer Weise, die oft lebhafte und ernste Betrachtungen in unseren politischen Parteien hervorruft. Politische Kannegießer haben schon den schlechten Witz wiederholt, daß wir am Ende unseres Jahrhunderts nicht nur im Zeiche» des Verkehrs, sondern auch im Zeiche» der Enthüllungen lebte»; seien keine politischen auf der Tagesordnung, so werde wenigstens ein Denkmal enthüllt; enthüllt werde aber immer. Soviel ist zweifellos, daß das Interesse an Denkmal-Festen in der Allgemeinheit sehr abnimmt, ja allmälig in den Kreise», die außerhalb der Peripherie des Deukmal-Ortes ihr Dasein fristen, verfchivindet." Neulich ging durch hiesige Blätter eine Lokalitachricht, wonach kommunale Vereine in der Lonisenstadt gleichsalls ein hübsches Denkmal für Kaiser Friedrich errichten wollten. Was sagen diese Denkmalsförderer zu dem scharfen Spotte des nationalliberale» Blattes? Im Zeichen der zahlreichen Eiseiibahii-Ungli'icköfällc macht stch eine von der Eileubahndirektioii Berlin erlassene Dieustverord- nnng witnderhübfch: Ihr wesentlicher Inhalt ist:.. Trotz dieses Hiniveises haben wir die Beobachtung machen müssen, daß»och viel- fach vorschristsividrige Dienstkleidungsstücke getragen werden und zwar auch, wie nnerwarleler Weise hat festgestellt werden müssen, von Dienststellen-Borstehern selbst, denen die Ueberwachung unserer Anordnung zur besonderen Pflicht gemacht war. Zum Beispiel ist bemerkt ivorden, daß Stationsvorsteher erster Klasse einen Stern aus den Achselstücken, ans den Schultern sog. Possanten, statt der Wappenknöpfe glatte Knöpfe tragen, daß Bahnmeister die Gold- stickerei des Kragens oben mit einer Ritndschmtr eingefaßt haben, Zugführer statt der vorschrislsmäßigen Goldtresse eilte Goldstickerei, Slattous-Portiers Sammelaufschläge(!), Sainmetkragen und-Reisen an der Mütze tragen:c. Fortan sollen daher Znividerhandluiigen gegen die maßgebenden Dtenstbekleidniigs-Borschriften in geeigneter Weise geahndet und die genaue Beobachtung der Borschrislen sort- gesetzt überwacht werden." Wäre es nicht zeitgemäße-., fortgesetzt an eine Nebenvachiing von Leben und Gesundheit der Eisenbahnpassagiere und Bahub-.amleii zu denken? Ter tviithcnde Has?, mit dem unsere Gegiwr von der schiieidigeu ftmtiettr uns begeifern, raubt den braven Kämpen oft das letzte iltestcheu taktischer Ueberlegnng. Steht da in dent Organ „für deutsche Arbeil in Stadt und Land", in der„Deutsche» Tages- zeU'mig" folgendes zu lesen: „Ein„ S tad l v a te r". Der Berliner Stadtverordnete Bernhard Bruns, der bekannte Sozialisleusührer, der wegen B e t t e l n s u n d L a n d st r e i ch e n s und Vergehens gegen die öffent- liche Ordnung vorbestraft ist, ist vom Eberswalder Schöffengericht wegen öffentlicher Beleidigung zu 50 M. Geldstrafe oder 10 Tagen Gefäugmß verurlheill worden." Die„Deutsche Tageszeituttg" giebt vor, nicht allein die Juter- essen der Landivirlhschaft zu vertreten, sondern sich auch des Mittel- uandes, der Handwerker, anzunehmen, imd sie mag in der That auch in diesen Kreisen Leser habe». Nun wird kaum ein von der Pike auf gedienter Handwerksmeister aufzutreiben sein, der nicht gleich dem Tischler Bruns der Nolh gehorchend ans der Walze tapser gefochteit hat und mancher derselben wird vielleicht auch dasür, gleich Bruns,„wegen Bettelns und Landstreichens" bestraft worden sein. Es wird ferner keinen Meister geben, und sei er später noch so hoch gestiegen, der sich solcher Be- strafung schämte. Was iverden diese Handwerker zu den Mit« lhetlnugen ihres Organs sagen, die doch offeusichllich keinen anderen Zweck baben sollen, als unseren Parteigenossen Bruns in den Augen der O-ffeullichkeil als einen Bagabunde», einen herabgekommenen Menschen zu charalterisiren. Tie Eröffnung einer zweite» städtische» Lesehalle war für den Oktober dieses Jahres in dem Lehrertvohugebäude der Gemeinde« doppelschule in der Raveitestraße geplant, und im städtischen Haushaltsplan waren die Mittel hierfür bereits vorgesehen. Nunmehr hat sich aber der„Boss. Ztg." zufolge herausgestellt, daß die Summe erst zum 1. April nächsten Jahres zur Benutzung verfügbar sein werde. Die Eröffnung der Lesehalle hat daher hinausgeschoben iverden müssen. Auch die in den Lehrerwohngebäude» der Gemeindc- schnlen in der Wilmsstraße und in der Dunckerstraße vorgesehenen Lesehallen werden nicht so bald, srühestens iui Jahre 1399 eingerichtet werden können.(Der Bau des Lehrerwohiigebändes in der Wilmsstraße wird voraussichtlich erst im Frühjahr 1893 beginnen, und der Bau des Lehrer-Wohngebäudes in der Dunckerstraße wird zur Zeit erst geplant. Tie schönen Erfolge, die die Lesehalle in der Mohrenstraße aufzuweisen hat, geben die Geivähr, daß auch unsere lüustigen Lesehallen lebhaften Zuspruch haben werden. 91m 19. Oktober ist es ein Jahr geworden, daß die Lesehalle in der Mohrenstraße in Betrieb ist. In dieser Zeit(an 12 Tagen war sie geschlossen) sind Lesehalle und Bolksbiblioihek von 47 717 Personeil besucht worden, 40926 männlichen und 9791 iveiblichen Personen. Im Durchschnitt kommen ans den Tag 135 Besucher. Nach Hause verliehen rvnrden 44 574 Bände, im Durehschnilt täglich 126 Bände. Die Benutzung von Lesehalle und BolksbibUolhek würde eine weit lebhaftere sein, wenn die Rättme größer wären und mehr Licht böten. Kaiser Wilhelm II. Von einem Theilnehmer am„Kaiser- diner" im Ge->eral-Kom>itandogebäude in Magdeburg bringt das „Leipz. Tagebl." folgende Details:„Jedesmal wenn der Kaiser sein Glas leerte, mußten die Tischgenossen vorschrislsmäßig auch das ihre leereu, itud das geschab sehr oft. Da das Zeremoniell ver- langt, daß niemand mehr sitzen bleib!, sobald der Kaiser die Tasel aushebt, mußte sich jeder sehr zuhalten. Nach dem Esse» wurden sehr große Zigarren hermiigereichl. die der Erzähler erst in 1>/, Stunden zu Ende rauchen konnte; der Kaiser war damit in 26 Minuten fertig. Es geht bei Se. Majestät eben alles sehr rasch und präzis vor sieh." Ei» MusikeranSstand ist dem„Berk. Tgbl." zufolge in der Kapelle des Konzerlduektors M e y d e r(früher im Konzerlhaus) a»s- gebroche». Meyder halte für Mittwoch Abend im Luisenhof in der Dresdenerflraße ein Konzert angesagt, nuißle es aber aasfallen lassen, ivcil die Differenzen, die schon seit einiger Zeil zwischen ihm itnd seinen Musikern bestanden hatten, zn einein völligen Bruche gesührl haben. Die Nlitglieder der Kapelle haben sich geweigert, unter ibm zu spielen, und so werden die noch aussteheudeu Konzerte verimilh- lich ausfallen. Die Besucher sollen das Eintrittsgeld zurückerhalten. Herr Meyder ist in Musikerkreise» bekannt als schneiviger und ansbettlungsliistiger Mann. Seine Kontrakte wimmeln an Slras- bestimmungen. Ter Direktor deS Biologischen Instituts am Müggelsee» Professor Frankel, ist, dein„Bert. Tagebl." zufolge, infolge Mies Unfalles gesteni früh gestorben. Der schon bejahrte Gelehrte gedeih am vorgestrigen Abend bei einem Spaziergange, den et unter- nominell halte, infolge des Herrichende» Nebels plötzlich in den Müggelsee, ans dein er sich jedoch nach einiger Zeit wieder heraus- zuarbeiten vermochte. Herr Professor Fränkel wollte sich nun nach Hause begeben, brach jedoch ans dem Wege dorthin bewußtlos zu» sammen und wurde von einigen Beamten der städtischen Wasserwerke im bewußtlose» Zustande aufgefunden. Die Beamten brachten dcn hilflosen Herrn nach dem Verwaltungsgebäude der Werke und requirirten schlennigst ärztliche Hilfe ans Friedrichshageu. Obwohl zwei Aerzle sich um den Erkrankten mit großer Hingebung de- mühte», vermochten sie ibn dennoch nicht am Leben zu erhalten. Professor Fränkel starb vielmehr, wie gesagt, am gestrigen Morgen. Im Verein Berliner Presse bat der bisherige Vorsitzende t ermann Suderman» sei» Amt uiedergelegt; an seiner Stelle wurde rnst Wichcrt zum ersten Vorsitzenden gewählt. In der Zentral-Markthnllc wurden im Laufe des vorigen Jahres in 240 Fällen 3663 Kilogramm Fleisch, in 590 Fälle» 11045 Kilogramm Wildpret und Geflügel, und in 325 Fällen 14 254 Kilogramm Fische beschlagnahmt, da die Maaren als ver- dorben zur menschlichen Nahrmtg nicht geeignet befunden wurden oder mit dein Stempel einer städtischen Unlersuchungsstalion nicht versehen waren. Für die Anstellung einer städtische» Acrztin hat sich eine Versammlung des neuen Volksschullehreriunen-Vereins ausgesprochen. Berliner Bauthätigkcit. Von der Banabtheilung des königl. Polizeipräsidiums sind im Jahre 1896 folgende Gebäude genehmigt worden: 782 Vordergebäude, 524 Qnergebände, 860 Seitengebäude, 67 Fabrikgebäude, 1 Kirche, 2 Schulhäufer, 2 Zirkus bezw. Theater- Cebmibe, 4 Kasernen mib 1857 kleine Bauten und Veränderung?- bauten.— Genehmigungen zn Lagerplätzen für Holz u. s. n>. sind 52 crtheilt worden. Außerdem sind ohne förmlichen Banschein KOOS Bauten geringfügiger Art genehmigt worden. Verlängert wurde die Giltigkeitsdauer von 148 Bauscheinen. Tie Militärspiclcrci hat m nenerer Zeit auch die Jugend an- gestcclt und zwar namentlich die vornehmere. Von gedienten Oisizicre sind sogenannte Jngendwehren gebildet worden, welche de- zwecken, die Knaben durch Exerzitien und Instruktionen zeitig auf die Militärjahre vorzubereiten. Beschränkten diese Uebnngen sich nur aus körperliche Ausbildung, so könnte sich trotz des Flilterpntzes, »nit dem sie ausgestattet sind, über ihre Berechtigung und Nützlichkeit reden lassen. Thalsächlich scheint die Spielerei jedoch in einer Weise betrieben zu werde», die auf das Gemüth und den Lerneifer der Kinder einen recht unheilvollen Einfluß ausübt. I» der„Breslancr Morgen-Ztg." giebt die Znschrist eines Lehrers über die Wirkung der Spielerei folgende Auskunft: Seit einigen Tagen bemerkte ich an einem meiner Schüler (ziveite Volksschulklasse) eine grenzenlose Zerfahrenheit in den Unterrichtsstunden; auch die Anfertigung der häuslichen Arbeilen ließ zu wünschen übrig. Heute, Montag, meldete sich derselbe Schüler»»wohl— und ich erfuhr, daß er gestern von 1—3 Uhr nachmittags mit der„Jugendwehr", deren Mitglied er seit wenigen Tagen ist, einen Marsch über Kleinbnrg nach Klctteudorf ausgeführt, dort„Feinde" gespielt und Inchlig erhitzt drei Schnitt Bier getrunken habe. Auf iveitcres Befragen gab er an, daß sich schon viele Schulkinder bei der Jugendivehr be- fände», nnd ein solch' junger Baterlandsverlheidiger geiler» sogar sechs Schnitt Bier nnd ein Glas Milch gezwungen hätte. Im übrigen berichtete er sehr redselig, daß es ihm bei der Jngendwehr aus- gezeichnet gefalle. Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonnabend nnd manchmal auch Mittwoch von 7—10 Uhr nbends gehe er nach der Elfer-Kaserne. Ein Herr Lieutenant X. lasse sie dort sechle», reiten, singen, turnen und diktire ihnen auch etwas über„die Pferde". 12 Pferde hätten die Herren Ossiziere schon zur Verfügung gestellt: eS würden aber bald noch mehr kommen. Am allerincislcn aber freue er sich auf die SonnlagSuiärfche. Es wird ja kaum daran zn denke» sein, daß die Behörde gegen so bedenkliche Dinge einschreitet. Desto mehr sollten aber die Eller» den„Jngendwehren" gegenüber ihrer, erzieherischen Pflicht ein- gedenk sei». I» der Roßschlächterei wurden im Jahr 1806 zur Unter» snchnng 7601 Pferde nnd 5 Esel vorgestellt. Hiervon wurden als zur menschlichen Nahrung nicht geeignet in, lebenden Ziislanv 169 Stück und»ach der Schlachtung 55 Stück zurückgewiesen, so daß das Fleisch vow 7382 Pferden als geeignet zur Nahrung für Menschen und Thiere in den Verkehr gelangle. Zur Fütterung der Maubthiere des Zoologischen Gartens, der Hunde im Spitale der Tkierärztliche» Hochschule und in den Etablissements deS deutschen Thierschntzvereins fand das Fleisch von etwa 532 der in der Roß- schlächterei geschlachteten Pferde Verwendung, so daß das Fleisch von etiva 6850 Pferden von den Roßschlächtern in ihre» Läden feil- geboten bezw. zn Fleisch- und Wurstwaaren verarbeitet worden ist. Wie gefährlich es ist, ivenn man dem rüden Gesindel, das die S ch l o ß w a ch e begleitet, in die Quere kommt, lehrt ein von der„Mark. Volks-Ztg." mitgetheiller Fall. Das Blatt schreibt: „Beim Ausziehen der Schloßwache trug sich Mittwoch Mittag vor dem Konunnndauturgebäude ein bedauerlicher Unfall zu. Vor der Musik her niarschirle, wie gewöhnlich, eine ganze Horde Basser- lnann'scher Gestalten, die einen etwa achtjährige» Knabe», welcher mitten ans dem Trotloir stehen geblieben war, überrannten nnd . erbarmungslos traten und stießen, bis es schließlich einem kräftigen Arbeiter gelang, das Kind aufzuheben nnd vor iveiteren Br schädigungen zu bewahren. Unter Pfeifen nnd Joblen zerstreute sich gleich darauf bei dem Dazwischenkommen von Schutzleuten die buntscheckige Eskorte der Wache. Der aus mehreren Wunden am Kopfe blutende Knabe ivurde einem Heilgehilfen zugeführt." Tausend Mark Belohnung setzt der Untersuchungsrichter am Landgericht I auf die Ergreifung des flüchtigen Mörders G o en czi aus. Wenn man bedenkt, daß seit der Ermordung der Gips-Schulzen nnd ihrer Tochter zehn Wochen verflossen sind, so wird der Splendi- dität des Gerichts keine allzu große Wirkung prophezeit werde» könne». Tie Untersnchnng gegen den Gefangenenaufseher Korth vom Plötzenseer Gefäagniß, der vor einigen Wochen wegen Durch- stechercien in Haft genommen war, scheint sehr große Dimensionen anzunehmen. Bisher sind schon 32 Personen vernommen und die Vernehmungen werde» immer noch fortgesetzt. Im Besitz einer FrancuSpcrso», welche gewerbsmäßig kleine Kinder auf der Straße um Bekleidungsstücke bestiehlt, sind derartige Bekleidungsstücke in großer Anzahl vorgefunden worden. Etwaige Eigeuthümcr werden ersucht, sich zwecks Rekognilio» dieser Sachen in de» Vormittagsstunden ans dem Polizeipräsidium, Zinnner 36, einzufinden. Tnrch eine» Sprung a»S dem Fenster hat sich am Mittwoch Abend um 5 Uhr der Rekrut Birkholz von der 7. Kompagnie de? Kaiser Alexander-Regiments zu tödten versucht. Birkholz, der ans Brandenburg stammt und erst seit dem 15. d. M. dient, befand sich mit seine» Kameraden in der JnstruktionSstunde in einer im dritte» Stock der Kaserne gelegene» Stube, deren Fenster nach der Hirten- straße hinausgehen, und hatte seinen Sitz an einem Fenster, daS geöffnet war. Er erhob sich plötzlich und sprang zum Fenster hinaus, bevor ihn seine Kameraden oder der Jnstrnklions- Unterossizicr daran hindern konnten. Mit gebrochenen Beinen blieb der jnnge Mann auf dem Pflaster liegen, bis ihn Mannschaften des Regiments in die Kaserne trugen, von wo aus er dann mit einem Tragkorb in das Garnison- lazareth I in der Scharnhorststraße gebracht wurde. Die V r- anlassung zu. dem Selbstmordversuche ist»och nicht recht klargestellt. Birkholz selbst hat angegeben, der Jnstruklions-Unterosfizier habe ihm seine Bitte, austreten zu dürfen, abgeschlagen. Darüber habe ihn eine innere Wnlh so stark gepackt, daß er nicht weiter habe lebe» wollen. Ob das richtig ist, entzieht sich nnserer Keuntniß. Hilflos anfgcfnnden ivurde am Donnerstag Vormittag um v'/e Uhr ei» Madchen a» einem entlegenen Orte der Marktballe 6. Jnvalidenstraße. Man glaubte zunächst, daß die Kranke, die mit einein Kopp'schen Wagen»ach der Charitee gebracht wurde, sich ver- giftet habe) es stellte sich jedoch heraus, daß sie an Krämpfen litt. Ihre Persönlichkeit konnte»och nicht festgestellt werden. Arbeltcrrisiko. Beim Abladen von Mörtel wurde der Kutscher Gustav Fleischer vor dem Neubau Jagoivslr. II von einem herab- fallende» Mauersteine getroffen nnd am Kopfe so schtver verletzt, daß er am folgenden Tage im Krankenhause Moabit starb. TaS Bcllc-Zllliaiice-Theatcr hat wieder einen neuen Direktor. Herr Georg Dröscher. bisher Oberregisseur am Berliner Theater, hat mit den Besitzern des Hauses einen Vertrag abgeschlossen. Herr Tröscher wird, vorausgesetzt, daß rechtzeitig die nachgesuchte behörd- liche Genehinigung erfolgt, das Belle-Ahtance-Thealer bereits am 10. November eröffnen. Als Eröffnungsvorstellnng ist eine szenische Wiedergabe von Schiller'?„Glocke" mit lebende» Bilder»(Musik von Lindpainlner) und„Wallensteins Lager" in Aussicht genommen. Acncrbericht. Mittwoch Abend?>/, Uhr war W e b e r st r. 23 ein Schornsleinbrand entstanden. Eine Stunde später erfolgten kurz hintereinander zwei Alarmirungen nach I unk erst r. 20. J» dem eine» Falle waren infolge einer Explosion der Petroleumlampe Gar- dinen nnd Kleidungsstücke in Brand gerathen, nnd im zweiten Falle hatte die Dachschalung Feuer gefangen. Donnerstag früb II Ubr wurde die Wehr nach Urban st r. 165/166 gerufen, wo Fußboden und Balken- läge eiiierHolzbnde brannten. Bald darauf erfolgte ein großerDachstuhl- brand L i e g n i tz e r st r. 17, der beim Eintreffe» der Lischzüge schon bedeutende Ausdehnung genommen hatte, so daß zwei Rohre lange Zeil Wasser gebe» mußten. Das Hans wurde stark oeschndigt, auch haben mehrere kleine Miether bedeutende Verluste erlitten, die nur zum tbeil durch Versicherung gedeckt sind. Nachmittags 3 Uhr war T e l t o w e r st r. 27 noch ein Gardinenbrand in einer Wohnstube abzulöschen. Theater. Im Schiller-Tbeater ist heute die erste Aufführung von„Kyritz-Pyritz", Poffe mit Gesang in 5 Akten von H. Willen und O. Justinus, Musik von G. Michaelis. Sonntag nachmittag 3 Uhr wird Grillparzer'S Lustspiel„Weh dem, der lügt", abends 8 Uhr„Ein Tropfen Gift", Schauspiel von Blumenthal gegeben.— Wegen Erkrankung des Frl. Senden hat im L u i s e n- T h e a t e r eine Repertoir-Aendening statt- finden mtissen. Am Sonnabend geht nochmals„Wilhelm Tell", am Sonntag Nachmittag zum ersten Male„Marie Stuart" mit Frl. Charlotte Scßler in der Titelrolle und Frau Dr. Cala als Elisabeth in Szene; abends„Der große Wohlthätcr" zum ersten Male mit Frl. Anna Neiueiken. Aus de» Nachbar ortcu. Tic Berliner Jntc-Splnncrei und-Weberei i» Stralau sührt in ihrem Jahresberichte darüber Klage, daß sie»u noch viel verstärkterem Maße als im Vorjahre mit der Kalamität ungcschulter, unzureichender und zu oft wechselnder Arbeitskräfte zn kämpfen halte. Um die Leistungsfähigkeit des Unlernehmens zu erhöhen nnd dem seit Jahren bestehenden Mangel an geschulten Arbeitern i» Siralau abzuhelfen, habe die Gesellschaft mit einer befreundeten Fabrik in Verbindung treten miisjen, welche durch mehrfache Lieferungen den zeitweiligen Mangel an Webwaaren ausgeglichen habe. Der leitende Direktor der Stralauer Fabrik habe sich, um jenes Etablissement mit dem Werke in näherer Fühlung zu erhalten, an jenem Unternehmen belheiligt mit der Maßgabe, daß ihm die Oberleitung des Werkes zustehe.— Wenn die Berliner Jute- Spinnerei und-Weberei über den seit Jahren bestehende» Mangel an geschulten Älrbeitern und über zu häufigen Wechsel der Arbeitskräfte z» klagen hat, so giebt daS entschieden ,n denken. ..Ülrbeilsn'illige" Arbeiter und Arbeiterinnen giebi es in Hülle und Fülle, und wen» der Fabrik es doch nicht gelingen Ivill, einen festen Stamm von Arbeitern sich zu schasse», dieselbe vielmehr innner mehr einem Taubenschlage gleicht, so läßt das tief blicken. Die Ursache deS beregten Uebclslandes kann man sich ungefähr denke», wenn man hört, daß es dem leitenden Direktor trotz alter Kalamitäten und un» geschulte» Kräfte»och möglich gewesen ist. einen Reingewinn von 225 609 M. herausznwirthschasten nnd de» Aktionäre» 7 pCl. Divi- dende--- 175 000 M. in den Schooß zu schütten. Wenn der leitende Direktor auch die Oberleitung des besreundcten Werkes übernomnie» hat, so mögen vielleicht anch dort die hier beklagten Kalamitäten nicht ausbleiben und ein Arbeitermangel sich einsteUen. Ju FricdrichShagc» findet am Sonnabend, den 23. Ok- tobcr, abends S1/* Uhr, eine Partei-Versammlung im Saale des Herr» Max Lerche, Rundtheil, statt, mit der Tages- ordnnng: I. Bericht über den Hamburger Parteitag. 2. Diskussion. 3. Bericht des Berlranensmanncs. 4. Wahl des Vertrauensmannes. der Revisoren und der Lokalkommissio». Die Parteigenossen werde» ersucht, in der Versammlung zahlreich zu erscheinen. Der Ver- t r a u e» s ni a n n. Charlotlcubnrger„Nothlcidcndc". Ein ungeheuerliches An- sinnen— so schreivt die„Chart. Bürgerztg."— wird von dem Auisichlsralh des„Theaters des Westens in Liquidation" an die Stadl Charlottenbnrg gestellt. Derselbe fordert vom dortigen .Magistrat nicht mehr nnd nicht weniger als eine alsbaldige Sub- veiitionirung der Gesellschaft— nicht des derzeitigen Pächters, wie ausdrücklich betont sei— in Höhe von sage und schreibe 600 000 M. ES wird versucht, im Magistratskolleginm es durchzusetzen, daß die Stadt 600000 M. als Korrelalhypothek auf das Unternehmen sich eintragen läßt, welches bereits mit einer Hypothek der Bayerischen Vcieinsbank in Höhe von 3 600 000 M. belastet ist. Da die Stadt nicht so viel Geldmillel flüssig hat nnd da der Betrag anch nicht aus den vorhandenen'Anleiheniiitclii entnomnien werden kann und darf, so soll eine großartige Schiebniig vorgenominen werde», und zivar in der Form, daß die Siadl sich aus der städtischen Sparkasse die geforderten 600 000 Dt. entleiht, nm sie dann wieder an das Theater als Hypothek weiterzugeben.— Der Älnssichtsralh scheint von den preußischen Junkern viel gelernt zn haben. I» Spandau stellten die Ordnnngsparieie» in einer Wähler- versninmlniig, zn ivelcher man nnr diejenigen Wähler der drillen Abtheilnng eingeladen halte, welche nicht gewillt waren, sozial- demokratische Stadtverordnete zu wählen, vier Kandidaten für die bevorfiehenden Stadtverordneten- Wahlen ans. In beweglichen Mörlen bat einer der Redner die Vorgescklagenen. »n Falle ihrer Wahl ja nicht uinzufallen und mit den Soziaidemo- kraten zu gehen.(!)_ Geviöjks�Äelkunlg. Prozeß Sternberg. Am gestrigen elste» VerhandlnngStage des Prozesses Slernberg begannen, nachdem alle Faklore» ans weiter« Beiveisanjnahme verzichlel halten, die Plaidoyers. Zuerst nimmt daS Wort Staalsanivalt Dr. Eger, der noch einmal ausführlich die durch die Beiveisaufnahine erbrachte» Thatsachen durchgeht. Er richtet sein besonderes Angenmerk auf die Slellnng. die Slernberg im Kreise der AkliengescUschaflcn, die er ins Leben rief, einnahm. Die Siern- berg'schen Akliengcsellschaften seien eigenartige Gebilde geivest», sie waren in Wahrheit gar keine?lkiie»gcsellschaftc», die Vorstände waren leine Vorstände, die Aufsichlerälbe waren kein« solche. Stern- berg habe sich willkürlich über die gcsetzlichen Formen biniveggcsetzt, er habe gegen die Bestinimnngen gefehlt, welche der Gesetzgeber zum Schutze der Aktiengesellschaften gegebe» hat. er Hab« nur seine eigenen Interessen verfolgt und die eigentlicheii Ausgaben der Aktiengesellschaften vernachlässigt. Die Vertretungen in seinen Akliengesellschaslen seien nnselbständig gewesen, nnd so vermochte er, eine Willtürherrschast auszuüben und die Minoritäten zu knebeln. Der Siaalsanivalt bc. trachte! dann eingehend die Thätigkeit Sternberg'S in der Vereins- dank, der Weimarischen Bank nnd der Dentsche» Baiigesellichafl und sucht die Fäden zu verfolgen, die von der Weiinarische» Bank zurück zur Vereinsbank nnd vorwärts zur Bangesellschail führen. Schon der Gründniigsakt der Vereinsbank müsse in gewissem Sinne als ein Mißbrauch der gesetzlichen Besliininungen erscheinen: Stern- berg habe Leute mit hochklingendein Namen und in ehrenvoller Stellung, die aber vom Bankivesen keine Ahnung hatten, nm sich gesammelt und die Bereinsbank ins Leben ge- rufen, deren Emissionen in der Bankwelt in schlechtem Rufe standen. Sternberg habe durch seine Transaktionen, die stets ihm persönlich zn gute kamen, sich gegen§ 249 des Handelsgesetzbuchs vergangen. Die übrigen Angeklagten seien anders zn benrlheilen, als Sternberg, sie Kaben sich ivohl nur aus Charakterschwäche von Slernberg ins Schlepptau nehmen lassen. Wenn sie sich auch wohl nicht ganz klar waren Über die wahre Geschäfislage der Bereinsbank, so häile» sie sich doch nnler allen Umständen sagen müssen, daß ein Rückkauf eigener Aktiva zn einem Kurse Über pari«in Unding sei. Deshalb müsse auch ihre Verurlheilung erfolgen. Eine Verjährung der Slrasthaten liege nicht vor, die Verjährung sei viel- mehr unterbrochen. außerdem bab« man es hier mit einem forigesctzlen Delikt zn thnn. Sollt« aber wirklich eine Verjährung eingetreten sein, so seien doch jedenfalls diejenigeu Straf, lhaten nicht verjährt und es könne dann nnr die Aendernng ein- lrele». daß Luppe und Weber sich nicht gegen§ 249, sondern gegen § 249b(Verschleierung der Bilanzen), Sternberg aber wegen An- stiflung verurlheilt werden müßte. Er beantrage gegen Stern- berg drei Jahre Gefängniß und 40 000 M. Geldstrafe eventuell»och zwei Jahre Gefängniß, gegen Luppe und Weber je drei Monate, gegen Müller und Schede! je einen Monat Gefängniß. Rechtsanwalt Justizralh Munckel führt mit juristisch scharfer Logik aus. daß Freisprechmig der Angeklagten erfolgen müsse. Anch er wünsche, daß der Gerichtshof die Berjährungsfrage nicht zum Ansgangspnnkle seines Urtheils nehme, sondern ans lhat- sächliche» und rechtlichen Gründen freispreche. Zweifelhaft sei es ja gar nicht, daß Verjährung vorliege nnd der Versuch deS Slaals- anwalts, sie hinweg zn dednziren, sei mißlungen und decke sich nicht mit der Strafprozeßordnung. Der Staatsanwalt sagt: Die Sternberg'schen Aktiengesellschasten seien eigentlich keine gewesen, ebenso wenig wie AnfsichtZrälhe und Direktoren solche gewesen seien. War wirklich Sternberg selbst die Gesellschaft. wo bleibt da die Anklage? Sich selbst zu schädigen, ist doch noch erlaubt! Sternberg hat die Motive seiivS Thun und Handelns sehr genau und scharf klargelegt, und dem Staatsanwalt ist es nicht gelungen, ihm an einer einzigen Stelle die kleinste Unwahrheit nachzuweisen. Sternberg ist ein intelligenter, kluger nnd energischer Mann. Der Siaatsanivalt nennt dies„Herrsch- sucht", aber wer herrschsüchtig ist, ist doch noch nicht strafbar. Er vor- folgte seine Vortheile energisch— welcher Kaufinann thut dies nicht? Und wenn Sachverständige kommen und die Ansicht des A»- geklagten über die leichtere Verkänflichkeit eines belasteten Hauses als richtig bestätigen, so kommt der Staatsanwalt nnd spricht von „unsinnig". Das kann an deinjenigen liegen, den man nicht begreift, aber anch an deinjeiiige», der nicht begreifen kann. Nachdem der zivcite Verlheidiger, Rechtsanwalt Dr. Staub ebenfalls für Freisprechung plaidirt halte, wurde die Verhandlung ans Freitag 9 Uhr vertagt. Ei» Polizcioffizicr und sechs Schutzleute waren, wie unseren Lesern noch erinnerlich sein wirb, am 5. Juli d. Js. in Moabit erschienen, nm vor dem Schöffengericht zn bezeugen, daß der Schank- wirlh Meyer aus der Reinickcndorfnstraße 57 b durch Nicht- schließen seines Ladcneingangcs während der Kirchenslunden eine S o n n t a g S e n t h e i l i g n n g begangen Habs. Der Angeklagte ivurde damals in diesen mit erstaunlicher Zähigkeit gegen ihn ge« sühlten Aiillagen zum f Ü n f z e h n t e n Male freigesprochen. Wer da glaubte, daß mit der damaligen Niederlage der Polizei die Versolgiiiige» des SchankwirthS Meyer ihr Ende erreicht habe» würden, irrte sich. Die SlaniSamvallschaft legte gegen das frei- sprechende Urtheil der ersten Instanz Berufung ein und somit kam das angebliche Vergehen gegen die V e r f r o m in n n g s v e r o r d- n n n g am Mittwoch vor der S t r a s k a in m e r zur Abnrtheilung. Auch diesmal waren wieder die siebe» Polizeibeamte» erschienen, während der Jnknlpat de» Direktor der Pichelsdorser Brauerei und drei Bierfahrer als Zeugen geladen hatte, und anch diesmal halte die von neuem erwiesene Thalsache, daß im Lokal des Angellagten bei weitem mehr Bier vcrschänkt wird als Branntwein, das so oft erzielte Resnliat der kostenlosen Freisprechung zur Folge. Einen etwas drainatischen Verlans nahm die vorgestrige Vcr- handliing durch das Benchiiicn des als Hauptzeugen erschienene» Polizei-Lienlenan ls v. P r i t t>v i tz- G a f s r o n. Aus die Frage. ob er Einsicht in die Biichsührniig des Angellagten genoinmen habe, erklärte der Herr, daß er von Buchführung nicht viel verstehe, doch bleibe er bei seiner belastenden Annahme, daß in dem Lokal vcr- rnsene Personen beiderlei Geschlechts verlcbrlen; obgleich er wegen dieser Aeußernng schon einmal vom Angeklagten verklagt worden sei, müsse er doch seine Bebauptnug aufrecht«ehalten. Auf die be- gütigcnde Anfrage des V o r s i tz e n d e n, ob nicht auch anständige Arbeiter bei Meyer verkehrten, antwortete der Lieutenant, daß ausschließlich die geschilderte Mcnschenklasse sich in der Schaiikwirthschaft aushalle. Als der Angeklagte die P r o t o k o l l i r ii n g dieser Aussage beantragte, wurde der Polizeilieiilenant dermaßen erregt, daß der Vorsitzende Ver- anlassnng nehmen mußte, den Zeugen energisch zur Ruhe zu ermahnen; und als ferner der Angeklagte die Richtig- keit ver Aussagen des Offiziers bestritt, verbat sich der Lieutenant, irgciidwclcheu Zweifel in seine beeidigten Aussagen zn setzen. Diese Aenßerung trug dem Zeugen die vom Vorsitzenden gegebene Belehrung ein, daß der Angeklagte durchaus loirekt verfahren sei, nnd daß ndeidics die Polizcigcwalt iin Gcrichlssaale nicht vom Polizeilientenant, sondern von ihm, dem Vorsitzenden, anZ- geübt werde! Bemerkt sei noch, daß am selben Tage vor der gleichen Straf- kamnier anch der Schankwirlh Schmidt aus der Lonisenstr. 5 von dem gleichen Vergehen gegen die Berfronuniuigs- Verordnung frei- gesprochen wurde. Wäre es nach diesem für die Polizei so unglücklich verlansene» Kampfe nun nicht endlich angebracht, daß die Sicherheitsbeamten, die bisherin so beträchllicher Anzahl zum Schutze der SonnlagS- Heiligung aufgebote» wiirden. sich von einer derartigen«»frilchtbarcn Arbeit verschnanslen und ibre Talente dann mehr für die iinmer »och nicht erfolgte Entdeckung des Buben ausivendeten, der in jener Gegend den Pfandleiher Z e i d l e r ermordet hat? Die OrtS- und fficUieitö- Kraukcukasscn werden gerichls« notorisch durch die gesetzliche Bestiiiiiiimig schwer geschädigt, daß der Arbeilgeber verpflichlel ist, seinen Arbeitern die Kasjenbeilräge am Loh» zu kürzen und dies« an die Kasse abznsühre». Di« Abzüge criolgcn prompt, die Abführung oft sehr spärlich oder gar- nicht. Namentlich ist dies aus dein Bamnarkle der Fall, wo sich die katilinarischen Existenzen unter den Unter- »ehinern und banauSsührenden Handwerkern die Hände zn reichen scheinen, wenn es gilt, fremde Gelder in die eigene Tasche fließen zu lasse». Ein klaisisches Beispiel dafür lieferten die Töpfer« meifter Ludwig König und Otto Schmidt, welche sich gestern wegen Vergehens gegen daS Krankenkassen-Versichernngs- geictz vor der zweiten Slrafkainmer am Landgericht II zu ver« antwortrn hatte». Die beiden Angeklagte», die beide nichts besessen hallen, als ne ihr Bei mögen zukaininenwarfen und sich assoziirtcn, haben in der Zeit von» 7. Okiober bis zuni I. Dezember vor. Js. die Oese» in einem Neubau ans Charlotienbnrgcr Gebiet gesetzt, hatten es aber iiiiterlnssen. die Beiträge zur Krankenkasse abzuführen. Di« Charlottenburger Ortskasse hat 52 M zn fordern, die von der- selben beantragte Zivangsvollstreckuiig ist jedoch srnchtlos ans- gefallen. DaS Verfahren gegen die'Angeklagten hat sich sehr in die Läng« gezogen, weil die Angeklagten die gewagtesten Ans- flüchte machien. Schinidl wollte gar nicht Konipngnon, sonder» nur Beanslragter des König gewesen sein. Beide Angeklagte be- slrillen aber übereinstilumend, daß die von der Anklage nach de» Angaben der Kaffenverwalimig anfgesührlen Gesellen mit Ausnahm» von zweien bei ihnen gcarbeiiet halten. Als aber in der gestrige» Verhandlung beim Zengeiiallfrns 15 Zeugen erschienen, da änderlen beide ihre Taktik. Schmidt gab z», Kompagnon gewesen zn sein und er so wie auch Köllig erkannte a», daß die anfgernfeiien Arbeiter bei ihnen beschästigt gewesen waren nnd daß sie denselben die Kassenbeiträge abgezogen hülle». Nur behaupleleii sie zu ihrer E»lsch»ldig>ing. dnß sie der Kassenverwallung zur Deckung ihrer Forderung eine Banrat« cedirt hällen, die aber nicht angenonimen worden sei. Der darüber vcr» noininene Vorsteher dcr Kasse erklärte, daß es die Verwaltung in jedem Falle ablehnen müsse, sich ans die fast»»snahmslos zweiselhaslen Zessions- gcschäfte der Banilnleriiehnicr und Bauhandwerker«inzulasse». In- folge des Zugeständnisses der Augeklagten konnten 14 Zeugen ohne Vernehmung entlassen werden. DaS Urthal lanlete ans je dreißig Mark Geldstrafe. Wegen thätlicher Beleidigung der Bnchhalteri» Katharina B. halte sich dcr Kaufmann Rudolf R o s e n b e r g ans Charlottenbnrg vor dem dortigen Schöffengericht z» »erantworten. Er hatte dcr Zeugin K. einen Kuß gegeben und sie „Pultchen" genannt. Der Vertreter der Aullagebehörde beantragte eine Gefängnißstrafe von drei Monaten. DaS Gericht schloß sich aber den Aussührmigen deS VerlheidigerS an nnd erkannte auf F r t i s p r e ch n n g. Agrarier und Börse. A»S Halle wird unS vom Miltwoch berichtet: In heutiger Schöffengerichls-Sitziuig kam die Beleidigungs- klnge deS Herrn v. Mqndel-Sleinscls, Landes-Oekonomieralh und Mitglied des preußischen Al'geordnelenhauscs, gegen den Sekretär der Handelskammer Dr. Vermont und noch zwei Börsemnitglieder» zur Verhandlung. Herr v. Mendel sollte im Dezember vorige» Jahres in einer in Halle abgehaltenen Bauern- Versammlung der hiesigen Börse falsche Preis- Notirnngen vorgeivorfen haben, welcher Vorwurf von der hiesigen Börsenkommission öffentlich alS«ine dreiste Enlstellung der Wahrheit bezeichnet wurde. Durch v. Mendel wurde darauf den Börsen- Mitgliedern öffentlich durch die Presse falsche und böswillige Unter- schiebnng vorgeworfen und es klagen deshalb auch Börsemnitglieder gegen v. Mendel wegen Beleidigung. Die interessante Verhandlung gestaltete sich sehr umfangreich. DaS Urlheil wurde aber ausgesetzt und soll erst am 27. Oktober früh 9 Uhr verkündet werden. Durch die jämmerliche Akiistik deS SchwnrgerichtSsaalcS ist an? dem„Lackirer" Engen Sieg, der dieser Tage von der An- klage, seine Techter ans dem Fenster gestürzt zu Huden, freigesprochen wurde, ei»„Tnpezircr" gemorde». Zur Bermeitung von Personal- Verwechselungen sei dies nachträglich richtig gestellt. Vcrichtignngc». Genosse Ad. Hossmann ersucht uns folgendes zu berichtigen: In dem Bericht über die Partciversammlung dcS ersten Wahl- kreijes findet sich eine Redewendung des Genosse» Timm:„Er habe das Empfinden, daß die Kritik des Genossen Hoffmann über die Buch- Handlung Vorwärts und dcstc» Leiter nicht ganz frei von Geschnflsneid gewesen sei. In den letzte» Tagen find es Kolporteure von Hossmann, die für ihn und gegen die Buchhandlung Vorwärts Steklnng nehmen!" Gegen de» Vorwurf des Geschäfts- Neides mich denjenigen gegenüber zu valheidigen, die mich kennen, halte ich für überfliisig; alle andere» verweise ich auf meine Rede» laut Partcitag-Protokoll. Unrichtig ist die Behauptung mit bezug auf„die Kolporteure von H o f s m a u n", und zwar einfach darum, weil ich keine Kolporteure habe. Nur ein selbst- ständiger Kolporteur, der eine» Theil seines Bedarfs durch niich bezieht, hat trotz meines Nbralhens in dieser Angelegenheit das Wort ergriffen, weil er auch sur sich das Recht der Meinungsäußerung in Anspruch nahm. Damit fällt die Behauptung des Genosse» Timm in sich selbst zusammen." Genosse K ö r st e» ersucht uns mitznthelle», er habe nicht ge- sagt, daß die Hamburger Beschlüsse schlecht seien. Er habe gesagt, durch den Antrag Mittag sei der Beschluß ein halber, mit einer Protestbewegung erreichen ivir dasselbe und sparen unser Geld; eine Landtagswahl Bcihcilignng gehe nur mit Kompromiß und darum sei er dagegen. Mit dr», Achtstundentag der englischc« Maschinenbauer beschastigte» sich am Mittwoch zwei gut besuchte Mclallarbeiler-Ver- sammlungen. I m K ö s l i n e r Hof referirte N ä t h e r. Er gab eine ein- gehende Darstellung der Ursachen und les seitherige» Verlanss des Ricscnkampfes in England und betonte am Schlüsse seines beifällig aufgenommene» Referats, daß es selbstverständliche Pflicht verdeutschen Metallarbeiter sei, ihre Kollegen jenseits des Kanals nach Kräfte» z» »ntcrstütze». Der Kampf drehe sich jetzt nicht mehr»in die Erringung des Achtstundentages, sonder»»in das Recht der Arbeiterorganisation'. Der Sieg der englische» Maschinenbauer werde auch den deutschen Kollegen zu gute kommen, und hätten diese also das Ihrige dazu beizutragen, daß der große Kampf in England mit einer» Siege der Arbeiter ende. Wenn auch die Geldunlerstützung, die die Berliner Metallarbeiter de» englischen Kollegen gewähren können, im Vcr- hältuiß zu den ungeheuren Summen, welche der Kampf erfordere, nur eine geringe sei, so dürfe doch der moralische Werth, den auch die kleinste Unlerstntznng habe, nicht verkannt werden. Der Redner schlug daher vor, den englische» Maschinenbauer» ans dem öffentlichen Fond der Berliner Metallarbeiter zunächst einen ein- »raligen Beilrag von öOtXI M., und ferner einen laufenden Beitrag von 1(100 M. für jede Woche zu bewilligen. Ein deutscher Arbeiter, der fünf Jahre in dem englischen Werke bei der Firma Siemens in Stellung war, jetzt auch zu de» Streikende» gehört und sich zur Zeil hier aufhält, befürwortete ebenfalls de» von Näther gestellten An- trag, der ohne weitere Debatte einstimmig angenommen wurde. Weiter verpflichten sich die Metallarbeiter, daß jeder pro Woche wenigstens 50 Pf. zun, Streikfond z» zahlen hat. Mit einem be- geisternden Hoch auf die Bewegung der englischen Maschinenbauer und die intcrualionale Solidarität der Arbeiter schloß die Vcr- sammlttiig. I n der Versammlung im K o» z e r t h a n Z Saus- sonci, die sehr gut besucht war, schilderte Königs aus London die Situation des lliiesenkampfcs der englischen Maschinenbauer um den Achtstundentag. Der Rebuer, der zunächst auf die srühere» Kämpfe, wovon der lctzte 18 Monate dauerte, ans eigenen Mitteln geführt wurde und mit einem vollständigeu Siege der Arbeiter endigte, hinwies, beleuchtete i» kurzen Züge» die Ursachen und die eigenartigen Bcgieitcrschcinuuge» diefes Riesenkampscs zwischen Arbeit und Kapital. Es erübrigt sich, die Ausführungen des ReduerS, die sich mit den ausführlichen Berichten des„Vorwärlö" dcckcn, wieder- zugeben und es bedarf nur des Hinweifcs, daß auch in bezug ans den Charakter des Kampfes und der Tendenz desselben von dem Redner dieselben Anschauungen vertrete» wurde». Zur Machlsrage ist durch den denlschen Reservelieutenant Siemens, der an der Spitze des koalirten Großnnternehmerthumi Englands steht, dieser Kamps um den Achtstundentag gcrvorden. In Betrieben, wo seit Jahren zur beiderseitigen Zufriedenheit der Achtslnudenlag ciugcsührt worden war, soll»»»mehr 9 Stunde» gearbeitet werden, und bc- dingungslose Wiederaufnahme der Arbeit ivird von den Ausständigen gefordert. Die Mitlheilung des Redners, daß kein einziger Ver- rälher biS jetzt zu verzeichnen ist, und die Ausführungen über die geradezu bcwunderusrvürdige Einmüihigkcit und Solidarität der Arbeiter wurden von de» Versammellc» mit lautem Bravo be- gleitet. Die»och in Arbeit stehenden Mitglieder leisten wöchentlich eine» Extrnbcilrng von 5— KM. zur U»le>flütz»ng der Ausständige». Die Arbeitseiustellnugen erfolgten überall eiuinülhig. Nachdem der lltedner»och den Dank für die Haltung der Arbeiterpresse und der Arbeiterschaft Deutschlands selbst übermittelt hatte, ersuchte er, den kämpfenden Arbeiter» Englands und damit dem Achtstundentag zum Siege zu verhelfen und auch für materielle llnlerstühung Sorge zu trage».(Lebhafter Beifall.) In einer längere» Reibe ergänzte P. L i t f i n die Ausführungen des Referenten und rvics nach, daß eine etwaige Niederlage der englische» Arbeiter auch die deutschen Metallarbeiter auf eine geraume Zeit hinaus machtlos mache» würde. Mit warmen Worten trat der Redner für die größt- möglichste Unterstützung der englischen!iollcgcn ein, wobei er auf die Opsermüthigkcit derselbe» hinwies.und zur Bcthätigung der intcruntionnlcn Solidarität nach jeder Liichlnug hin aufforderte. Insbesondere soll auch alles versucht werden, den Zuzug von deutschen Kollegen nach England fernzn- halten. Bedauerlicher Weise haben sich schon mehrere Arbeiter durch alle möglichen Versprechungen verleiten lassen und sind dadurch den englischen Kollegen uuuölhige iloslen verursacht worden. An der weiteren Diskussion betheiligten sich K ö r st e n, Schlegel und Rohrlack, die ebenfalls die Bedeutung dieses!tampses für die Arbeiter aller Länder in ihren Aussührungcn in eingehender Weife würdigten und für die ausgiebigste Unterstützung an die Vcrsamm- lnng appellirten. Hierauf gelangte die Licsolulion, wonach als erste Rate aus dem öffcnllichen Fonds 5000 M. und in jeder weiteren Woche 1000 M. nach Engtand abgeführt werden sollen, ein- stimmig zur Annahme. Das Resultat dieser Abstimmung wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall anfgcuommen. In einer öffentlichen Versanimlnng der Töpfer, die am ZO. Oktober bei Buske stattfand, hielt Dr. Friedeberg einen mit lebhaftem Beifall aufgenommene» Vortrag über die hygienischen Zu- stände im Töpfergcwcrbe, unter besonderer Hervorhebung der Schäden, welche das Arbeiten bei offenem Koaksseuer und unverglasten Fenstern mit sich bringt. Alsdann er- stattete der Vertrauensmann seinen Bericht. Einschließlich eines übernommenen Bestandes van 1865,20 M.»und 44,50 M. Zlusgabe hatte derselbe einen Kassenbestand von 1505,65 M. Hierunter befinden sich jedoch 1000 M., Ivelche die srühere Geschästskommission der Ber- liner Töpfer den Berliner Zimmerer» anläßlich des Streiks derselben geliehe» hat, ohne dazu die Zustimmung der Gewerkschnfl eingeholt zu haben: die Zimmerer verweigern jedoch die lltückzahlnug so lange, als bis die Geschästskonnnission der Töpfer an die Geschäfts- tonunission der Zimmerer die Summe von 1000 M. zurück- gezahlt hat, rvelche erstere von letzlerer zur Unterstützung des Bres- lauer Töpserslreiks geliehen hat. Es entspinnt sich hierüber eine sehr erregte und ausgedehnte Debatte, in welcher die Mitglieder der Geschäftskonmrission von einer ganzen Anzahl von Rednern wieder- holt und scharf angegriffen werden. Dandert vertheidigt die Maßnahmen der Kommission, indem derselbe betont, daß die- selbe auch früher niemals bei etwaigen Anleihen vorher in die Oeffenllichkeit getreten sei. Sollte dieser Grundsatz proklamirt werden, so gingen wohl die meisten Streiks verloren, ehe das dazu »ölhige Geld herbeigeschafft werden könnte. Außerdem hätten die Berliner Töpfer zu der Zeit doch nicht daran denken können, das Geld für eigene Slreikzwecke verwenden zu können. Und da die Zimmerer den Töpfern gegenüber stets die größte Koulanz bewiesen hätten, so sei es Pflicht der letzleren gewesen, zu helfen. H. Wolfs (ebenfalls Mitglied der Kommission) giebt die Erklärung ab, daß die Kommisston und diejenigen, die heut noch auf dem Boden der- selben stehen, sich verpflichten, das Geld wieder herbeizuschaffen. 500 Mark seien bereits vorhanden. Es gelangt ein Autrag zur An- »ahme, ivonnch die Geschäftskommissiou in der nächsten öffent- liche» Versammlung bestimmt zu erklären hat, bis zu welchem Zeitpunkt sie das Geld abzutragen gedenkt. Ein ebenso lebhafter Meinungsanstausch knüpft sich an den Bericht der Liquidationskommission, welchen Hagen erstattet. Eudgiltige Klarheit kann hierüber nicht geschaffen werden, so daß die Vcr- sammlung die Einsetzung eines Schiedgerichls beschließt. Bczüg- lich der Fenstersrage beschließt die Versammlung, daß zur Durch- sührung derselben kein offizieller Streik proklamirt werden soll. Dagegen ist auf jedem Bau ein Vertrancnsman» zu wählen, welcher dem Nntcrnehmcr die bezüglichen Forderungen zu unterbreiten und wöchentlich öffentlich dem Vertrauensmann Bericht zu erstatte» hat. Etwaige Gcmaßregelte sollen unterstützt werden; die Höhe der Unterstützung wird in den Vertrauensmänner-Sitzungen festgestellt. Dcutscher Holzarboiter-Verband. Eine gut besuchte Branchen- Versammlung der P a r k e t t b o d e n l e g e r fand am Montag bei Zubeil statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung gab Nerre de» Bericht der Werkstatt-Kontrollkommission. Es haben im letzten Jahre 10 Branchen-Vcrsammlungen und eine öffentliche Versamm- hing. sowie eine Flugblattvertheilnng stattgefunden, Kommissions- sitznngcn fanden 12 statt. Im allgemeinen sei der Besuch der Kouimissionssitznngen ein besserer gewesen als der Brrsanimlungs- besuch. Redner verbreitet sich dann über die weiteren Aussichten betreffend die Ausrcchlerhnltung des 1896 er Lohnlarifs und kommt zu der Ucberzengnng, daß, wenn alle Kollegen ihre Schuldigkeit weiter thu», aber auch nur dann. Lohnabzüge nicht zu be- fürchten seien. In die Komniission wurde» alsdann Becker. R e y» e und T e ß n o w gewählt. Weiter wurde beschlossen, der Ortsverivallnng 50 M. für die englischen Maschinenbauer zu überweisen. Da in einzelnen Firmen die Kollegen ihrer Beitragspflicht lässig nachkommen, wurde ein Antrag angenommen, welcher jeden Vertraue»?»»«»» verpflichtet, die Kollegen seiner Firma mindesteus aller 14 Tage einmal zusammenzurufen. Ter Fachvercin der Musikinstrnnirntcu-Arbcitcr hielt am 16. Oktober bei Hclfer, Orauienstr. 51, eine Generalversammlung ab, in ivelcher derKassirer Henscl die Abrechnung vom 3. Quartal 1897 verlas. Dieselbe ergab folgendes Resultat: Die Einnahme betrug 840,55 M., der eine Ausgabe von 259,20 M. gegenübersteht; mithin verbleibt mit Hinzurechnung des Bestandes vom 2. Quartal und des Streikfonds ein Gcsammtvermögen von 2266,46 M. Nach- dem die Revisoren den Kasscuberichl für richtig erklärt hatte», macht Schulz der Versammlung die Mitlheilung, daß er sei» Amt als Rc- visor nicht iveiter belleiden könne und auch aus dem Verein scheiden müsse. An seiner Stelle wird als Revisor Hermann Wiuklcr gewählt. Hierauf wird über die Thätigkeit der Agitalionskommission berichtet. Es sind im letzten Jahre im ganzen 84 Wcrkstalt-Versannnlunge» abgehalten worden; wenn der Erfolg der Erivarlnnge» nicht immer entsprochen habe, so läge�dies zum großen Theile an den Kollegen selbst, die sich lieber Abzüge je. gefallen lassen, als daß sie bei ein- tretenden Differenzen der Kommission Mitlheilung machten. Auf Antrag wird dieselbe verstärkt und besteht von nun an aus: Böttcher, Blossics, Gerlach. Gerudt. Darmstedt, Kcrliug, Kleiulein, Mühlbeck, Urlaub und WilrnS. Tic Holz- und Bretkertragcr hiellen am 17. Oktober Ver- sammlung. Dem Bericht des Kas'sirers zufolge hatte der Verein im III. Qnaital eine Einnahme von 116,50 M., dazu kommt ein Be- stand von 595.72 M., die Ausgabe betrug 119.40 M. Die Ver- saininluugen solle» auch im Winterhalbjahr des Sonulags abgehalten werden. TaS Nizdorfcr GetverkschaftSkartell beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 15. d. M. mit der Besprechung von Mißständen in den hiesigen Bäckereien. Es wurde berichtet, daß in de» meisten Bäckereien die Kloscts in den Backstuben liegen. Auch seien die für dieses Ge- werbe so wichtigen Waschcinrichlnugcn ganz inangeldast. Spucknäpfe wäre» überhaupt nicht vorhanden. Ta in den Backstube» keine Stühle aufgestellt sind, müßten die Arbeiter sich entweder auf die Mchl- säcke oder ans den Backtrog setzen. Die Schlafränme der Gesellen wären Menschen unwürdige zu nennen. Die Jlrbeitszeil der hiesigen Bäckerei- Arbeiter beträgt, trotz des gesctzlich sestgcsehten Maximalarbcilstnges 14—16 Stunden. Das Geivcrkschastskartcll hat in Erfahrung gebracht, baß vor einigcrZcit in einein Artikel, an das hiesige Tageblatt, die Mißstände hinsichtlich der Arbeitszeit in den Bäckereibelriebe» der Oeffenllichkeit übergeben werden solllen, daß aber diese Zeitung, welche leider»och von vielen Arbeitern unter- stützt wird, diesen'Artikel nicht nnsgeuommen habe. Von de» in Ripdorf beschäftigte» 300 Bäckerci-Arbeitern sind nur 30 ocganisirt. Es wurde beschlossen, daß sich das Kartell mit dieser Angelegenheit »och weiter beschäftigen soll. In dieser Sitzung fehlten die Ver- treler der bairgc, verblichen Hilscarbciter, Möbclpolirer, Schuhmacher und Satiler. Spauda». Wegen der Maßregelung de? Bevollmächtigten de? Holzarbeiler-Verlandcs halten am Dienstag 13 Tischler der Firma F. O. Reinecke die Arbeit niedergelegt. I» der am Mittwoch statt- gehabten Holzarbeiter-Versannutung unterzog Tromplcr die Lohn- irnd ArbeitsverHättinffe bei jener Firma und namentlich die viele Ueberstirndenarbeit einer Kritik und Ihcille mit, daß N. entlassen worden sei, als gerade den Firmeninhnbern Forderunge»»nterbreitet werden sollten. Der anwesende Unlernehnrer Neinecke erklärte, er babe geglaubt, seine» Lentcu durch Zuweisung von Ueberstunden- arbeit einen Gefallen zu thnn, den N. habe er nicht gemäß- regelt, es müsse ihm doch überlassen bleiben, auch einmal andere Gesichter um sich zu habe», er müsse auf die Eni- lassung des N. bestehen, wolle aber die Ueberstunden abschaffen. Nachdem auf seine Wicdcrcinstellnng bei der Firma Verzicht geleistet, wurde eine Resolution angenommen, wonach i» der Enilaffrrng N.'S eine Maßregelung erblickt und ihm pekuniäre Unterstützung gleich den übrige» Tischlern, welche die Arbeit niedergelegt haben und nicht wieder eingestellt werden sollten. zugesichert wird. «!t>l-»»0«cch»I». Jnsclür. 10, v.-Tr. MtUinoch: N»t>onal- ökoncintc(Ervndbegrtstc der rNarloratösonomlc: Tr. llonr. Lchinidi). Touncrstaq:® e l ch i ch re ilie vorgeschtchrliche gelt und die erste» flefchlchlliche» Ueberlieferungen: Dr. Georg Zcpvler). Areilag: Set e v c» t u n d e ENdcNSvcrtrag. die sozlalpotiitsche Gcfcvgcbung. Etrafrcch!, gew-rdltch-S Non- HstonSwelrn, Eherecht, MlcthSrecht. ffivd- und BormundschaftSrccht, ölleniltchez Recht: RechiSanwoll Wollgang Heine). Die Bibliothek ist von»—9 Uhr geöllnet. BütgliedSbcUrag inonatl. 25 Pst. flnrl»« no Abende)> M. pro Aach. Theilnehmer weiden a»lge»o>n»>en in der Schule und in lolg. Stelle»: Dotlfr. Schulz, Admirnlstr.50.— Alle Aendcrnngen tm Beretnökalendcr stnd zu richten an Fried. Korlum, Planteullelstr. 5», v. i Dr. Freitag. Nebungsftunde abends 9— II Uhr. Aufnahme von Mitgliedern.>l o llegia. Adaldertstr. 31 bei Roll.—»ailer' scher M ä» n e r ch o r. Schwedterstr. de, Wernau.— ?! ord, Brunncnstr. iso 6. Ad. Reuniann.— Unverzagt I, Melchiorstr. 15 bei Slehinann.— Treu und Ein i gte> t, Rixdorf, Bergstr. Zt bei Wnylcr.— B n ch d i» d e r- 5! ä n ner ch o r,»vvnillcrsir.«s de, Schöning.— Pereinte Sa»geSb rüder Moabit«. Pulttivstr. w bei I Psarr.-- Wettentut, Rolenthalerstrahe 67 bei Schiller.— M a i g l ö et ch o u, Lindowerstrahe se bei Sach«.— Gemütblichleit(Putzer), Seqdelstr. 30 bei»rüger.— Froh- Hoffnung(West), PallaSftrahe Nr. 16 bei A. Faller.-r Morgen rolh II, Lhailottenbnrg, Aisina relstrahe 75 bei Kraule.— Tnpographia, Beuthstrabe 20 bei Tohn.— Georgtna, Sörtltzer- strahe 52 bei Bogel.— Freundschaft, Brunnenstr. 150, Schul»'« Bier- hau«.— Vorwärts Iii, Friedrtchsfelde, Lichtenberg«? Prinzen-Allee».— R h e i n g 0 l d, Weinstr. 11 bei Feindt.—«losen thaler Vorstadt, Nfedomstr. 33 bei Olböter.— M e 1 0 d i a, Rixdorf, Bergstr. 152 bei Thomas. — Jri«, Nauntinstrabe 8» bei Slreit.— Brandenburger Männer- Gesa ngverein, Branbenbuig a. H., Bergsir. v. Mengeil'« Boltsgarten.— L t b e r t«, Wrangelstr.»t bei Redanz.— Brüderschast tHanZdiener), Alle Jakodstr. 5t/S5 bei C. Laniprecht.— Freie Liedertafei. Strausderger- strabe Z bei Wwe. Röll.— Rordwacht, Ehausseestrahe 72 bei Meißner.— Sängerlrei«(Neu-Welbensee). LanghanZstr.38 beiNendenberger.— gj est l l ig« keil. Hennigsdorf, Böhmert's Easlhaus.— Eintracht III, Eberswalde. Eisen- hahnstraste»8 bei Hagewald.— Shrene, Rosenthalerstr.!>7 bei Schiller.— Bülkersrühling(Siuckaleuce), Oranienstr J09 bei Greiser.— Neu« Zeil, Rantuilerstr. 28(Cctc Swtneniünderstr.) bei Schmidt.— Licderlranz, Brandenburg a. H., B-rgsir. 6(Mengerl'« BolkSgarten).— Freihetlsgtorteu, Wörlherslr. 89 bei rBuchholz.—«ltngmüller'scher Männerchor, Weibcnsce, Friedlichst. bei Leuchtenberger.— Treher'scher Gelang- verein, Weidenwcz 22 bei FialkowSli,.— Echo III, Zehlendors, Machnower- strabe 5 bei Tohrman». KarthauS'fcher Gesangverein, Landsberger Allee 158 bei Güdel.- Stchentranz II, Buttinannstr. 17 bei Paul Anders.— Bruderherz, Bernauerstr. 13 bei Laulsch. Arbeiter- Pancherbund Serli»«»»>d der Ziingegeud. Aenderungen im Bercinskalender stnd zu richten an Hermann Braunschweig, Dresdenerstr. 80, i. Host Freitag. Südost. Wienerfir.es bei Feiste. Kund der grieUige» Arbeitervereine Aerli»» und jimgegend. Vorsitzender P. Gent, Dresdenerstr. 107/108. Aenderungen den VereinSlalender belreffcnd sind zu richten a» H. Bendix, Alexandrinenstr. 100. Freitag: Slal- liub Einigkeit, Wollinerstr. 48 bei ZugowSki. vesnng-, Sur»- und gesellige Vereine. Freitag. Alhlelenverein Ee I f e n f e s>, Krauistr. 8 bei Böllcher.— Tanzlehrerverein Solidarität. nsetslr. 10 bei Stabernack.— Musttveretn Tusch, Nebungsstunde jeden Freitag, Pereinssitzung jeden Dienstag nach dem>. Langestr. 108 bei Nebelin.— Nanchttuv Ohne Zwang, Weinstr. 28 bei Spät.— Turnverein G e s u njd dr u n n e n. ?>bcndS von 8ü— top Uhr: l. Männerabthcilung Pantstr. g— Id.— Turnverein Osten. Blumcnstrabe 8Sa, 8�—10 Uhr(Lehrlingsabthettung).— Zilherklud Frohsinn, Grüneriveg 2S bei Zinnnermann. Arbeiter-Ttunerbimd. Freitag: Turnverein Fichte, Berlin. Abend» von 8— 10 Uhr; 2. Männer- Ablheilung Skalitzerstraße 55-58.«. Männer- abthetlung Stephanslrabe 3. 8. Männerablheilung Ackerstraß« 87. 8. Männer- adtbetlung Slallschreiberstraße 84. l. Lehrlingsablheiiung Friedenstrabe 37. 3. LehrlingSabthcilung Bocckhflrabe 21. l. Tamenablheitung Mariannen- User 1 a.— A r b e i I e-Turnverein(A d I e r§ h 0 f) von 8Zs— top Uhr abends in Köpenick, Rubowei str. bei Ccheer.— F r e t e T u r n e r s ch a f t, R i x d 0 r s Britz, 3. Schüler Abtb. von 8is-S!i, s. Männer- und LehrlingS-Adth. von 8,';— wic Uhr abends bei Hossmann, Bergstr. 151/152. Arbriter-Stenograplienverei»„Stolze", Ltndenftr. 106 Im Restaurant Fritz Zubeil. NebungSstunde 8— lt Uhr abends. UmerrichlsstüNbe jederzeit. Gäste erwünscht. Kcrliner Kraiisteii-Zlnterstnsoing«. nnd Segräbnifjoeretn für Frauen n»d Mädchen. Heute, abends 7—9 Uhr, bei Piehrwald, Alt« Jakodstr. 54—55, Zahlavcnd. Daseivst werden auch jederzeit neue Mitglieder aufgenommen. Zr>iiral-£ira»l>»»-»nd Kterbekage der dentiche» zriageilbauer(S. H.) Filiale Moabit. Eonniag, den 24. Ollober, vormtttagS 10 Uhr, Versamm- iung im Restaurant Karl Trendel, Jagowsir. 18. Aranl>«»-N»t»ra>>i>»»ga-»»d ezegräbniljkalr« der Kchmied» und ver» wandler Gewerbe Teutschlands. Filiale Berlin 3. Sonnlag, den 24. d. M., vor- miliags sjf Uhr, Mitglicderversammlung bei Lorenz, Boltastr. 43. Ecke Verlängerte Strelttzerftraße. Zither Klub Frohst»». Am Sonnabend, den 23. Ollober: Konzert in Cohn'» Festsälen(gr. Saal). Beulhstr. 20. Körper-»nd ziaturheilvereln. Heule, Freitag, abends 3\ Uhr, Admiral- sirabe iso: Lichlbttder-Vortrag über„Ein Blick in da« Innere de« Menschen spez. Lunge» und BerdanungSstörungen" von Herrn Nalurheillündigen Grund» mann._ Berliner Arbeiterxertreter- Uereln tagt seden Dienstag nach dem ersten im Monat bei VuSle. Erciiadierstr. 38, abends S)s Uhr. UnentgelUicher Rath wird erlheilt: Am Zlorden Krrli»»: Für Unfall-, JnvaltditälS- und AlterS-Verstcherung, abend« vo» 7—9 Uhr! A. D a e h n e, Temminerstr.«e, v. 3 Tr. K. G u l h e i t, Wiesenstr. 2sa, von 8- s Uhr abends. F. Pieschel. Gartenstr. 88, v. 2 Dr. S. Stmanowski, Gartenstr. 78, Porlatja, 2 Tr. 5t. S l u h l m a 11 n, Oderberger» strabe37, 4 Tr., von 8-9 Uhr abend«. N.Tamm, Hussitenstr 8, von 8—9 Uhr abends A. V° l g l, Wiesenstr. 41-42. E. Warnst,»oldergerstr. 7, von8-7Uhr abends.'— Nur sjir JnvaltdiiäiS- und AllerSverstcherung: F. Vlume, Elrelitzerstr. 58. P. N e i m a u n. Vellerinannstr. 83. F. Tra pp, Schutstr. 59, von 7—8 Uhr abends. An, Ztord vsten: Nur sür gnvaUdUätS-«nd AllerSverstcherung W. Mohs, Schönhauser Allee 82. Zur Oiste»: Nur sür Jnvaltdtläls- und AlterSverstcherung: s. Bader Gr. Franklurterstr. 34, v. 4 Dr. Am Süd-Vste»! Für Unsall-, Snvaltdiläts- und Alteriverstcherung: S ch a I t h 0 s s. 5!ichaelli>chstr. 18. Ii» Siidl»: Jnr Uiifall-, JnvalidUälS- und AllerSverstcherung: F. S l ü g e l- in a i e r, Grimmstraße 3».— Nur sür Jnvalldtläts- und AllerSverstcherung. P. Keller, Nixdors, Panierstr. 88, Hos part. ZI« Süd M-estr»: Nur sür Uniastversicherung! E. Hä n e l, Tolmssir.«4 Km zi-rd-Uiesten: Nur sür Unsallversicherung: I. Krause, WilSnackcr strasie 19. R. S l e p h a n, Lessingstr. 34. Im Zrnir:.»!: Rur sür Uusallversicherung: E. L ö ssler, Ktosterstr. 91, Bei saminilicheu voracnannlen Personen, bei denen hlu leine Sprechzeit an» gegeheii, ist dtcjelbe Wochemag» von 7—9 Uhr. Eiitgelanfcne Druckschriften. Von der„li«»ei> Zeit"(Stuttgart, I. H. W. Dtetz' Verlag)(st foeden da» 4. Heil des is. Jahrgangs erschienen. Ans dem Inhalt heben wir hervor: Die Spuren schrecken.— Der Hamburger Parleilag. Von A. Bebet.— Dt« vlonomischen Grundlagen der Mnlteiherrlchasl.«an Heinrich Eunow.— Die Ausladen der Gcwerlschaslstarlelle. Bon Br. Poersch.— Noiizen: Aus den Ergebnissen der litzten bayerischen Vollszählnng. Die obertchlesische Kohlen» prodnklion. Staauiche Förderung de» Kleingewerbes in Oesterreich.— Feuiliclon i Ter gelbe Domino. Roman von Marcel Prevvst.(Fortsetzung.) Briefkasten der Redaktion. Wir bllten, bei jeder Anfrage eine Shistre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben,»liier der die Antwort erthettt werden soll. Tie juristischc Sprcchstnnde findet Montag, Dienstag und G 0 11»>1 b c 11 d Po» 0 bis 8 Ilhr statt. W. E. Von Ansang November ab München, Nympkeiiburgerstr. 43. Wir würden Ihnen übrigens von dieser Sache abrathcn; in jeder Universität�- Angenttinit erhalten Sic inindestens gleich guten Rath. Z., Brandenburg. Uns ist über diese Methode nichts bekannt. Gin Aboniiciit. Eine solche gnsammensteNnng existtrt unseres Wissen? nicht. Wir haben auch niemals eine solche verössentlicht. H. B. 70. In Oesterreich genügt die Erllärmig vor dem Gemeindeonitc. Versuchen Sic, vb Ihre Erklärung von einem vsterrelchisch-ungari- scheu Konsulate in der Schweiz angenommen wird. TS. Z. 100. Wir entsinnen uiiS nicht, in unsercin Blatte eine der» artige Mitlheilung gebracht zn haben. Sie inNssen uns genau die Nummer bezeichnen, in der von dem Falle Notiz genommen sein soll. Z�rühcrc Soldaten. Stach den neueren Bcstiininnngen über daS Be- schwcrdcrccht der Soldaten hat sich der Soldat mit sciiicr Beschwerde dtrelt an den Kompagnicsnhier zu wenden. Malmö. Wir rathcn Ihnen, sich mit Ihrer Anfrage, unter Benifnng ans uns, an die Rcdattivn des„Lübecker Vollsboten" in Lübeck, Johannis- straße 50, nnd des„Hamburger Echo" in Hamburg, Gr. Thealerstraße 44, zu wenden. Wir tönnen das von Ihnen Gewünschte hier nicht seststclten. Zwei Wettende. Liebkiiecbt hat nur im k 0 n st i l n i r e n d e n Reickisiaq des Norddeutschen Bundes Herzen, ist bewußte oder unbewußte Mitschuldige all dieser Infamien, die die bürgerlichen Hallunke» fertig bringen, wenn es gilt, reich zu werden. Der Deputirte Gavotti, ein regiernngstrenes Mitglied des Parlaments, war vor wenigen Jahren ein mittelloser Man». Heule ist er mehrfacher Millionär, und er ist es geworden durch seinen organisirtc» Handel mit weißen Sklaven, die er durch seine Agenten unter falschen Vorspiegelungen von der Feldarbeit lockte, um sie an die brasilianische Küste anderen nicht menschlicheren Spelulanten auszuliefern. Man sagt, der Sklavenhandel sei abgeschafft. In Italien sicher- lich nickt, denn da findet ein Parlamentsmitglied nicht allein die Möglichkeit ihn fortzuführen und sich von den Gerichten freisprechen zn lassen, sondern erhält auch Konzessionen von der Regierung. Und Gavotti ist es, der auch diese Unglücklichen zusammengetrieben hat. Er erhält von Brasilien für jedes Stück menschlicher Waare, das er ausführt, eine bestimmte Summe, er hat auch diesmal de» Verlrag mit dem Rheder geschlossen, der natürlich an dem ver- einbarten Preis nicht den genügenden Verdienst fand sund noch am einzelnen Passagier den Profit machen wollte, der den Zweck dieser elenden Spekulationen bildet. Wird etwa die Regierung elrvas thun? Es fällt ihr nicht im Traume ein! Man wird eine der üblichen Erhebungen anstelle», aber Gavotti und die anderen Sklavenhändler werden ihr Geschäft fortführe», ohne sich um die Gesetze oder die Sanitäts- und Zins- wanderungs-Reglements zu kümmern. Gewiß ist einein Premier- minister ein gutgesinnter Abgeordneter mehr werth, als eine Dampfer- ladung armen Volkes. Die Verantwortlichen entschlüpfen, dessen kann man gewiß sei», und nach 14 Tagen ist ilver dem.Andrange der Geschäfte alles vergessen. So ist es in unserem schönen Lande üblich, wo die Bourgeoisie zu gemein ist, das Volk zu arm und unwissend, die Sozialisten zu verfolgt und schwach an Zahl sind, um de» Infamien einen Damm zu setzen. Bis heute 2 Uhr nachmittags ist kein Todesfall zu verzeichnen. Die Analyse hat das Vorhandensei» fauliger organischer Substanzen (?tomairiö) und anderer alkalordcr Zersetznngsprodukte nachgewiesen, ans deren G�nnß die schweren Vergiftnngserscheinnngen zurnckzu- sühren sind. Den Auswanderer» ist in Verwesung über« gegangenes Schweinefleisch und andere ver- darben e Speise vorgesetzt worden.— Es werden heute schon Versuche gemacht, den Vorsall zu vertuschen und die Berichte als übertrieben hinzustellen. G. L. Für de» Inhalt der Inserate übernii« int die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Beranlivortung. Freitag, den 22. Oktober. Opernhaus. Der Evangelinian.— Phantasien im Bremer Raths- lcller. Anfang T'/j Uhr. Gchanspiellians. Minna von Bam- Helm. Anfang 7V- Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Ansang 7�/. Uhr. Berliner. Faust, 2. Theil. Anfang 7V- Uhr. Goethe. Hasemann's Töchter. An- fang 71/2 Uhr. Lessing. Sodomö Ende. Anfang 71/2 Uhr. Nene». Aschermittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Anfang T/. Uhr. Residenz. Die Einberufung. An- sang?'/-"hr- Schillcr. Shjtih- Pyritz. Anfang v Uhr. Niitcr de» Linde». Madame Favart. Anfang 7i/, Uhr.' Luisen. Kabale und Liebe. Anfang 8 Uhr. Thalia. Hotel Tohu-Bohu. Anfang 71/2 Uhr. Ostend. Die Geisterglocke. Anfang 8 Uhr. Central. Berlwer Fahrten. Anfang 7-/, Uhr. Friedrich- Wilhclmftädiische». Das Zeichen deS Kreuzes. Ansang 8 Uhr. Ulexanderplah. DaS LiebeSdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. ReichshaNen. Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. Feen, Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptiknm. Indische? Dorf. S,szillev-Tlze«tvv (Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Kyrih.Pyriü. Sonnabend, abends 8 Uhr: Kyrih> Pyriif. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Weh dem, der lügt. Abends 8 Uhr: Ein Tropfen Gift. I-lliseu-VIiester 34. Rcichenbergerstrasle 34. Abends 8 Uhr: Kabale und Liebe. Ein bürgerliches Trauerspiel von Fr. v. Schiller. Morgen, Sonnabend: Wimelrn Teil. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Bolkö-Borslellnng unter Regie von •Inliu»« TUrk: Maria Stuart. BilletS k 60 Pf. zu der Sonntag- Nachmittags- Vorstellung in den de- kannten Verkaufsstellen. Ostead-Theater. Gr. Frankfnrt-rslr.132. Dir. E.Weif,. Novität! Novität! Die Geisteralocke. Drama In 4 Akten von C. Matthias. Musik von C. Schüler. Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Marlitt-Zpklus. Am Altar. Thalia- Theater. Freitag, den 22. Oktober�18S7. Zum 7. Male: Hotel ToEiu-Bohu. {L'Auberge dn Toha-Bohu.) Vandcvill« in 3 Akten von Maurice Ordonneau. Deutsch von Viktor Leon. Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Koniei'IIikuis Sanssouci, Kollbnserslr. 4a. Dir. H. Picrry. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Stürmtscher Erfolg. Riesiger Beifall. Sportmädel. Neu! Guste auf Posten. Neu! Vorzügliche neue Spezialitäten. lii Mann starkes Orchester. Ans. d. Konz. Woche 7 Uhr. Vorst. 8 Uhr Sonnt, ö Uhr. do. 8 Uhr Entree: Woche 30 Pf., Sonntag öv Pf. Woche?asso-pnrtoutz giltig. Diese Vorstellungen finden jeden Sonntag. Dienstag u. Donnerstag statt. Hesms Tntibcnstrassc 48—40. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theator. Invalldcnatrasse Xo. 57, 6%: Täglich.(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Passage-Panopticum. Nur noch kurze Zeit! Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Hoong Totm. Castan's Fanopticnm Friedrichstr. 165. Bärenweib die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Ilpii I Italienische Kapelle "CU. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Central-Iheater Alte Jakobstr. 30. Direktion Klcliard Schnitz. Freitag, den 21. Oktober 1897; Emil Thomms a. G. Zinn 40. Male: Berliner Fahrten. BnrleSke AusstattungSposse mttGesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund»nd Wilhelm Mannstnd t. Musik von Jnl. Einödshofrr. Anfang V28 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Vietorto-Branere!. Lützowsir. 111/112 (nahe Potsdamer Platz). Henke, sowie jeden Freitag». Montag: Stettlner Sänger (Mcysel, Plctro, Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Neues Programm. Ii Ansang präzise 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. (Siehe Plakate.) Sonnabend, den 83. Oktbr.: Soiree in Küpcnlck ..KI ein's llötel". Concerthaus IieIpzlger8tP.3ro.48. S&T Täglich:-9m Hoffniann's Quartett und Humorisfen. u. a.:„Charivarl." Sensationelle Novitäten von ZI iiiler Eipart. Anfang: Sonntag 7 Uhr. Woche 8 Uhr. An Soiinabenden werden die Äe- sanunträunie des Eoncerthauses zu Festlichkeiten vergeben. Apollo-riieAter. Friedrichstr.»18. Dir.S.«liielr. 53rna Koscliel. Mr. Brown. Miss Marie Haiton, amerikanische Operetten-Diva. Mr. Bodo Leo flapoii. Dagmar Hansen. Neun Heinzelmännchen. Flip, Flap, Flop!! Große Pantomime, ausgeführt von bev Joseph Pholtcs-Tronpe. Kineto�raph cic. ctr. cto« lkasseverbssng. 6V2 Uhr. Auf. 7»/, Uhr Gebrüder Herrnfeld's I. Original- Bndapester Possen- u. Operetten- Theater Kaufmann's Variötö. Täglich Lachstürme über Ein Abend im Wintergarten « Im Atelier. Ferner das hervorragende Spezialitäten- Ensemble. Anfang'/jS Uhr. Kasseneröftnung �7 Uhr. Vorzugskarten gelten. Vorverkauf von 11—5 Uhr. Montag, den 25. Oktbr. 1897: Orosse Jubllilnnis- und Fest- Vorstellung anlässlich der 30. Aufführung von Ein Abend Im Wintergarten n. Im Atelier. Maehr's Theater Orantenstrasse L4. iST" Anglich Theater- n. Npezialitüten- Vorstellnng. Rot! tliten-Programm. U. a: Oeta Waldan, lt. a.: bildschöne Kostüm- Soubrette. Fingen Rosüe, der beste Mimiker. Neu! Neu! Wer ist der Vater? BurleSke mit Gesang u. Tanz. Vom Virens. Schwank. Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Feen-Palast SS Iturgstr. SS. VergnügiingSlokal Berlins. Direktion: Wlnklcr und Frttbel. Fidcle Droschkenfahrt. Um SV, Uhr: Riebard Winkler und Wilhelm Fröbel in der Berliner Gesangs- Posse: A wilde Sildie. Neue Spezialitäten. !-> Anfang 7-/2 Uhr. Sonntags 8 Uhr I Entree 30 Pf. bis I M. 50 Ps. Volfes- Theater Im Welt-Restanrunt 07. Dresdener- Strafte 97. Die Reemburg. Bilder ans dem Berliner Volksleben von L. E I y. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- tagS 71/2 Uhr.— Entree: Sonntags 40 Pfg., Wochentags 20 Pfg. Freie Ifolksbühne. Montag, den 85. Oktober 1807, abends 8Vj Uhr, in Keller's Festsälen, Koppenstr. 29: General-V er Sammlung. Tagesordnung: Geschäftsbericht, Kassenbericht, Verschiedenes. Oer Zutritt znr Genernlversamin- lung Ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Die Vorstellung für die III. Ahtheilung findet Sonntag, den 24. Oktober, die für die IV. Abtheilung ara 31. Oktober, nachmittags 3 Uhr statt. Zur Aufführung gelangt: I>te Hexe Trauerspiel in 5 Aufzügen von Arthur Fitger, Die erste, zweite u. dritte Abtheilinigsiudgesehlossen. Die überaus günstige Aufnahme der letzten Aufführung steigerte den Andrang zu den Abtheilungen derart, dass dor Vorstand besohloss, für die 4. Abth. nm 31. Oktober eine Vorstellung zu arrangiren. Die Mitglieder weiden daher gebeten, schleunigst für die rechtzeitige Füllung dieser Abtheilung Sorge zu tragen. Mitglieder zur 4. Abtbeil ung können In allen Kuhlstellen nufgeitommcn Verden. Ist die 4. Abtheilung bis 25. Oktober gefüllt, kann auch bei der Olrektion des vessing- Theaters ein vierter Spiel- Sonntag im Dezember bestellt werden. Sonnabend, den 87. Kovember, findet in der Brauerei Friedrichshain das'Winterfest statt. Entree 30 Pf. Tanz 50 Pf. Der Vorstand. I. A.: G."Winkl er. SConkors-Aiisverkani elkgailttt Derren-Gardkrobtdtt Braunspan'311"" Konkursmasse Die VorrätHe, bestehend ans Pellerinen-Mänteln, PaletotS, Joppen, Jaqnet- und Rock-Anzügen und Knaben-Anzügen, einzelnen Hosen u. Westen, werden in dem bisherigen Geschästslokal: /z, Wochentags 8 Ubr. Alcazar Variätö- Theater I. Banges. Dresdenerstraße 52/53(Eity-Passage) Annenstraßc 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Vornehmster Fomilien- Aufeiithalt. Neu! Novität! Neu! Per Hcrzverfllhrer. Große Ansstattnngs-Operette in 1 Akt von Leop. Ely. Mustk von Holländer. Vorher � Tante Mollig. Posse in 1 Akt. Auftreten säuuutl. Kniist-Spezialitäte». Allkstllst' Wochentags 8 Uhr. /llisnitlj. Sonntags K>/2 Uhr. Mx- Fntree»«» PO— Reservirtcr Platz 50 Pf. W. Noack's Theater P r n n n c n- S t r a s s o 10, Tochter der.Hölle. Lustspiel in 5 Aufzügen von Kneisel. Sonnabend: Wegen Privat- Festlichkeit P" keine Vorstellniig.-TMS fiReiehshallen-Theater. TiClpzigerstrasse 77. Die gröftte Sensation dieser I Saison! Das Wunder?? Das flammende Räthsel? ist ün de slfeclc! ferner das auf der Hohe der Zeit stehende Programm mit 84 Novitäten-Nnmmer». Ansang des Konzerts 7t/z Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. DWk- Entrce 50 Pf. Im Parterre-Saal: Sonnabend, den 23. Oktober: Groftcr ffdeler Abend mit humoristischem Konzert, Stangeiiklettcrn und Gratis- üj_ Präseiitvertheiking. Neue Welt< S. Hasenhaide 108. Inhaber 91. Fröhlich. 1 Jeden Sonntag: Spezialitäten- Borstellung und Ball. I Empfehle meine beide» Säle(mit l I Theaterbühne) zu Wtnterfestlich- 1 I ketten jeder Art. Einige Sonn- 1 abends sind noch frei. Bestellungen 1 I für Sommerfeste werden schon l I jetzt entgegengenommen. 3217L»> BzisvIr (Bahnhof BUrsc). Freitag, den 22. Oktober, Abends 7Vj Uhr: Parade-Festvorstelliing. Dir. Busch als Schnlretter a. dem Trakehncr Hengst Thncydides. Die vorzüglichsten Freiheitsdressuren des Dir. Busch. Eine Tanzstiinde. gr. Quadrille, ger. in histor. Kostümen. Elefant u. Pferd, Original-Dreffur d. Sign. Eorradini. Ziethen ans dem Busch, ein Husarenstückchen. Di« Elite- Akrobaten Frdres Bor- ghettl. Anstr. der excentr.-musikal. tflowns Gebr. Priee. Bor einem Ecntcnnium, gr. Divertissement. Morgen: Parade-Gala-Abend. Sonntag: 2 Vorstellungen. 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Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Cinberufer. Zimmererl Sonntag, den 24. Oktober 1897, nachmittags 1 Uhr: Oeff entliche Versammlung der organisirten Bimmctct* Berlins und Umgegend in C o h n's Fcstsäleu, Bcnthftraße Nr. 20—22. TageS-Ordnunz:' 1. Die Vortheile einer einheitlichen Organisation im allgemeinen und bei Lohndelvegiingen im besonderen. Referent� Her»«»»» Kiikv-Charlottciibnrg. 2. Diskulsion. Zu dieser Bersammluiig sind säuimtliche organisirten Zinimerer beider Nichtungen eingeladen. Da der Saal um b Uhr geräumt sein muß, wird die Versammlung piinltlich eröffnet. I>ic I.ohnkommlnafon. Verlag von M. Lrnff. NünIen. Sammlung ykskllschastgniissrilsiliafllichrr Aussäht. Soeben erschienen! Zweiter Neudruck!"fetl I« ßmligefillm eiills ilrmeil Kmlders. Von Milhclm Wriiliiil. Mit einem Borwort von Stmrd Fichi = Elegant anSgeftattet 137®. brofchirt 80 Pfg.- Ter zweite Nendruck dieses eigenartigsten WerkeS deS ersten deutsche» Kommunisten untcrscheidet sich vom ersten durch Beifügung deS ansführlichen und sehr interessanten historisch-biographischen Vorworte?, sowie durch elegantere AnSstaltnng in Druck und Papier, ohne daß dadurch der Preis erhöht wurde. Nein, im Gegentkz/Il».«er dl» LntwUke. lung anfrrer ptuicl kennen lernen rvill, der darf e» nicht unterlassen, di» einzige lvir vertreten in Theorie und Taktik heute einen von Weitling durchaus ab« weichenden Standpunkt, aber damit ist nicht gesagt, daß seine Schriften werth« !o», ihr Studium Zeitoerschwendung ist. W>W> nnztge nun einem größeren Leserkreise zug.tng« liche Schrift zu lesen.(.Vorwält».') Au bczichen durch alle Bnchhandlnngcn und Kolporteure. Der Katalog über die bi? jetzt erschienenen Bände der Gamm- lung wird auf Wunsch gratis und sranco übcrsandt. latrannttm�fllitina steitag, �.Lktober und solgtndeTiigc, vonn.ll-l, NW. 1�8, werden wir für fremde Nechuung PlÜlftllsst. 13 Zieh. Harmonikas, Violinen, Violinbogen, Violinkasten, flöten, PiccoloS, Okarinas, Mandolineii.Gnitarren, Zithern, MundharinonikaS tc. rc., sümintlich frische neue Winter. waare, öffentlich ineistbictend versteigern. Seltene Gelegenheit slir Händler und Private. 3387S« !r und Pi Wölfl & Waelller, Auktionatoren, Steglitzerstr. 82. LZ g5£�a4 fff e- .5;— B 5? s � - S s s ■j S i«2Z et;= t iiiäfii« uz*§31*5 ä P'S—— e£ 2gsäil� ■~ ti8'=a i UM g?=€ 1--esssssS Jolmisbeerwein 'jio Litei'Welngl«« 10 Pf. Eugen Neumann L Co., Obst- und Bseranweinkeltcroi. Damit ein geehrtes Publikum sich von der Güte und Vorzüglichkeit unserer Fruchtweine überzeugen kann, haben wir einen Ausschank ernehtot und zwar Konimandanlenslr. 67. ophastoffe mich N«" N C jf C"Mii in Nips, Damast,«repe, Phantasie, töobcliii und Plüsch spottbillig: 2llä2t!« ' I'l'«>I>v» l'>>-ri»Ic«>! hnillkl'ssgltd"llen Qnaliläten LlllllUllvNc z» gab rilp reisen. M\ Lesüure, Charlottenbnrg, Sprcestr. 24, sind getragene Stiefel billig zu haben. veulsoder llohardeiter-VerdallS. Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, bei Ookn, Beuthstr. 20/21: s200/18 Orr OrtsverweUiuiK. Achtini«! Textilarbeiter. Mtuwi (Filiale I Berlin.) Sonnabend, den LS. Oktober, abends S Uhr, im Lokale des Herrn SViike, Andreasstraste SO: VersammBung."Wß T ag e s- O rd n u n g r 197/15 1. Vortrag. Referent: Stadtv. Fritie SViilee. 2. Diskussion. 3. Kaffenbericht. 4. Bericht des Bibliothekars und Neuwahl deffelben. 5. Abrechnung vom Stiftungsfest. 8. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Gcmnthliches Beisammensein mit Tanz. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Her Vorstand. Achtung! Bauarbeiter. Achtung! Sonntag, den Sd. Oktober, mittags 13 Uhr, in Feuerstein s Festsnlcn(oberer Saals. Alte Jakobstraste Nr. 73: Große öffentliche Verfammlung der Dan-. Erd- und gewerblicheil Dilfsarbeiter Berlins»nd Umgegend. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission über die Mibstände auf Bauten. 2. Diskussion. 3. Vcrschienenes. 30/19 Um rege Bcthciligung ersucht Iber Vertranensmann. VtMilil örr Sattler imö Tapezirer. Sonnabend, den 2S. Oktober, abendS bj'/z Uhr, In» Fn�Ii-üelien«nrten,.Aiexander-Sitrasise IVo. 97 ei Tersamuiluug."WD Tages-Ordnung: 1. Vortrag über: Planmähige Agitation. Referent: Kollege Blnin. 2. Abrechnung von: 3. Quartal. 3. Gewcrkschastliches. 4. Verschiedenes. Wegen der reichhaltigen Tagesordnung wird die Versalninlung pünktlich eröffnet._[158/3] Die Ortsverwaltung. Achtung, Schäfte-Arbeiter und Arbeiterinnen! Sonniag, den 24. Oktober, vormittags 11 Uhr, findet eine 1.188/18 Oeffentliche Versammlung in Cotm"» Fcstsitlen, Beuthstr. 20, statt. Referent: Genosse Kotzkc. Mral-WaakWffedttKulhdmder (VertvaltungSstelle Berlin). Wlontag, den 23. Ottober, abends SV- Uhr: lBau|i'l>VVr»sanHNHBung in Cohn'« Featsülen, Bcnthstraste 21. Tagesordnung: 1. Kassen- und Kontrollbericht. 2. Vortrag des Herrn Dr. med. Silber- stein über Haut- und GcschlechtSkranlhciten. 3. Verschiedenes. 28/13___ Die Ortsverwaltung. taMmMrr. MMrUrrinnrn. Tirnstag, den 26. Oktober, abends S'/i Uhr: Große öffentliche Versammlung bei Kleft, Weberstraste Nr. 17. Tages-Ordnung: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Isna� Auer über: Die politische Lage«nd die Steuerpläne der Regierung. Rechnungs- lcgung der Kommission und Bericht des Delegirten zur Gewerkschastskommission. 188/2 Die Kominissio» der Dabakarbeiter. !!»>»»»WWWW»W»I>........-— 1 1 1— J»* Montag Aelitnng:, Scliöneberff! , den 25. Oktober 1897, abendS 8 Uhr, im grasten „Tchlostbrauerei-, Hanptstr. 112—114; V ersammlung. Saal der Tages-Ordnung l. Vortrall ilts Htvril ReichstliB-Abgeoriiilettil A. Bebel. 2. Diskussion. 3. Nominirung der Kandidaten zur Stndtverordlieten- wohl« 205/18 Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. Das sozialdemokratische Wahlkoinitce. Silmariter-«f» Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. St nntag. den 24. Oktober, abends 7 Uhr, in Colin"!* Fcgtsillcn, BentinslruMHC\'o. 20, 1 Treppe: Großer Experirnentat-Bortrag über Ttltgrlijihic ohne Draht, aehalttil von Er. Ciansen. Nach dem Vortrag: ClemlitiiUeiieN Belwumiiicnnein. Um recht regen Besuch wird gebeien. zMO" Die nächste Lchrstundc der Z e n t r a l e des S a in a r i t e r- K u r 1 u S(Fortsetzung über Anatomie und Phusiologie) findet am Montag, den 23. Oktober, abends 9 Uhr, in Cohn'S Festsälen statt. Herren und Damen sind wtlltommen. 155/10 Iber Vorvtand. Heute Freitag, abends 8'j, Uhr, Admiralstr. 18c, Märkischer Hof: OeffeutlicherBortrag über: An in 0iiS Zniitre hts Mtnsljjt» spez. Lunge»-»nd BerdaiiuiigSleide». dcmonstrirt un gr. Lichtbiloem von Herrn Raturhcill. Grn ndniann. Mäitner und Frauen willkouiuion. Eintritt 20 Pf. Körper- und Natiirheilvercin, Alexanderstr. S. WNeIteIeL°nIis!t8Nhl.SinN.!imK't.! ' u(früher Rosenthalerstr. 13) liefert bürgerliche WohnungS- Einrichwngen schon von 150 M. an. Canlante ZahlnngSVedingünge», Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel. Eigene Tapezier- und Dekorationö-Merlstalt. Transport durch eigene Gespanne, auch nach anherhalb. Roch immer plagt Dich der Katarrh? Lutsch' doch Kaschol und sei kein Narr l. Geschäft; Oräfe- Strasse No. 21. PT" Neu eröffnet! Ksufhetus G e b v. rensev K4 WSienerslrasse 64 (Sontcrrnin und t , Parterre Etage. Ecke Lausitzcrstrassc,( 1> Grosaes Sortlinenta-Gcachtlft aller Bedarfsartikel. U Spezlal-Abtliellnng für Herren- n. 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Wahl eines Bei- tragfammlers. 4. Wahl des Ver- trauensarztes. 181/15 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. _ Die Ortsverwaltnng. Hentacher Melallarbeiler-yerbanl (Verwaltungsstelle Berlin.) Todes �Ktnzcinv. Am 19. Oktober starb unser�Mit- glied, der Gürtler sldl/ll ködert kodenstew. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 23. Oktober, nachuiitlagS 2V2 Uhr, von der LcichenhaNe des EharlottenburgerKirchhofs zu Westend, Fürstenbrunner Weg. aus statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht __ Die Ortsverwaltnng. Achtung! Achtung! Allen Kollegen und Bekannten zur gesl. Nachricht, datz ich meine Restauration „Zur Metallarbeiter-Börse" von Danzigerstr. 93 nach Friedrichs- berg, Mainzerstr. 21(nahe der Frankfurter Allee) verlegt habe. Zahlstelle des Deutschen Metall- arbeitcr-Vcrbandcs. 338bL» Achtungsvoll W. Hansen. Fohrriider StetS grobes Lager crstklaff. Fabri- katc zu billigsten Kaffaprcisen aus 1'kvU-sk�ung zu d. loulantest. Zahlungsbedingungen. 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