Ur. S48. AboMements-Kedingungen:. «bonnement«• Prel» pränumerando: «ierteljährl. 8,30 Mb, tnonalL 1,10 Mb, ivöchentttch 28 Pfg. frei Ins Haus. Einzelne Nummer 8 Pfg. Sonnlagi» Nummer mit illustrtrier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 8,30 Mark pro Quartal. Eingetragen tn der Post- geiiungs- Preisliste für 1897 unter Dr. 7487. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland 8 Mark pro Monat. 14. Jahrg. fft Instrtions-Geltllhr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel» zetie oder deren Raum 40 Pfg., sür Vereins- und BersammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen MS 4 Uhr nachmittag» in der Srpedition abgegeben werde». Die Srpedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bi» o Uhr vormittag» geössnet. Erschein! käglich»utzer Wonkag», Devlinev VolksblAkk. Fernsprecher:»mt I, Dr. 1898. Delegramm-Adresse: ,.SoliaIdrmostr»t Srrlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. h, all- gemeine Sache einen Schade» erleiden könne. Deshalb auch hätten sich einige Zentrums- Abgeordnet- an den „Kalholik" gewandt mit der Bitte, in Gemeinschast mit ihnen zur Schlichtung der Streitigkeiten beizntragen. Die Redaktion des ge- nannten Blattes habe darauf, nachdem sie sich mit den Redaktionen der„Nowiny Raciborskie" und der„Gaz. Opolska" verständigt, die Erklärung abgegeben, daß, wenn beide Parteien sich auf den Stand- pnnkl der Gerechtigkeit stellen würde», ein Ausgleich zwischen iy.» selben als sicher bevorstehend bezeichnet werden könne. Als Ha/pt- fache müsse jedoch hierbei angesehen werden, daß die polnischen Abgeordneten Oberschlesiens in der Zeutrumsfraktion in öffentlichen Angelegenheiten mit ihren deutschen Kollege» gleichberechtigt seien; was dagegen die Wahlangelegeuheite» betreffe, so solle vor allem dem Volke, insbesondere dem polnische» Volke Gelegenheit geboten werden, sich über seine Wünsche zn äußern, wie ihm daS von Rechts wegen gebühre. Nachdem die hier angeführten Punkt« in der Vertrauensmänner-Versammlung Berücksichtigung gefunden, sei es denn auch möglich geworden,«ine völlige Verständigung herbei- zuführen."— — Einen Beitrag z u m Napitel Sparsainleit bei den preußischen Staats bahnen sendet man uns ans den, Eisenbahn-Direklionsbeznk Kassel:„Die Spmsainkeil bei der Eisenbahn hat in den letzte» Jahren einen erschreckenden Umfang angenoininen, worunter hanplsächlich die Unterbeainten und Arbeiter zu leide» hal�n. Hier im Direktionsbezirk Kassel sind in den letzte» drei Jahren über süufzeh» Stationen zweiter und dritter Klasse zu Haltestellen gemacht worden, zum Beispiel Liebenau, Weslbeim, Wennemen. Eiße». Beverungen, Fürsten- berg-Weser, Naensen rc. Schreiber dieser Zeilen war selbst längere Zeit aus der Haltestelle Beverungen und mnßten wir dort von früh bis in die Nacht arbeiten, um das vorgeschriebene Arbeitspensum zu be- wältigen. Als früher diese Haltestelle Station war, befanden sich dortselbst 1 Stationsansseher. I Assistent, 1 Stationsgehilfe. I Weichensteller, 2 Schnppenarbeilcr; jetzt sind dort I Haltestelleuanfseher, 1 Weichensteller, 1 Schuppenarbeiter. Die frühere» Herren bezogen 2100 M. Gehalt, die jetzigen Weichensteller I. Klasse je 1000 M. bis 1500 M., müssen aber mehr leisten, wie die Herren Vorsteher und Assistenten, weil das Personal verringert ist, die Zirbeit sich aber vermehrt hat. Früher wurden in Beverungen 7500 M. Ge- halt ausbezahlt, jetzt nur 3500 M., also 4000 M. weniger bei derselben Arbeitsleistung. Nun ist es mit den anderen zu Halle» stellen gemachte» Stationen genau so, so daß man nicht fehl geht. wenn � man die hierdurch erzielten Ersparnisse allein für den Direktionsbezirk Kassel jährlich auf 50 000 Mark berechnet. So und noch schlimmer mag es in sämmtlichen zwanzig preußische» DirektiouSbezirken ergehen. Die Haltestelle» sind Goldgruben des Staates. Wenn mau die vorgesetzte Direktion um Hilse angeht, so wird man kurz abgeiviese», oder es kommt ei» Dircktionsmitglied, welches eine oberflächliche Nevision vornimmt und findet, daß noch zu viel Leute da sind und mit Strafe droht, wenn man sich je wieder vermessen sollte, um Hilse zu schreiben. Daß nnler solchen Umstände» die Sicherheit des Betriebes leide» muß, ist klar. Der äußere Betriebsdienst wird ungenügend versehe». man stürzt im letzten Augenblick heraus, wenn der Zug in den Bahnhof«infährt, de» Kopf voll von zu erledigenden Berichleu und Versiigungeu."— — Stillschweigend ausgeschieden. Die„Konserv. Corr." schreibt: In der sozialdemokratischen Presse Sachsens wundert man sich darüber, daß die antisemitische Partei für die nächsten Reichstagswahlen von der Ausstellung deS Herrn Lieber-Meißen als Kandidaten Abstand genommen hat. Nach dein neueste» Fraktions- verzeichniß gehört Herr Lieber ebensowenig wie Herr Dr. Förster noch der Fraktion der nur noch zwölf Mitglieder zählenden„Reform- Partei" a». Herr Lieber ist demnach in aller Stille aus der Partei ausgetreten oder— ausgetreten worden. Es ist fraglich, ,vaS mehr Ehre ist, mit Herrn Zimmermann zusammen einer Fraktion anzugehören, oder von ihm und seines- gleichen ans der Partei ausgetreten z» werden.— Miinchcu, 22. Oktober. In der gestrigen Rede des Ministers Freiherr» von Crailsheim in der Ab- georduetenkammer ist der Passus über die Stellung der bayrische» Regierung zur Vorberathuug der neuen Handelsverträge richtig wie folgt zu lese»:„Auch die bayrische Regierung wird nicht ermangeln, ihre Stimme zu erheben, insoweit es sich um die Wahrung bayrischer Interessen handelt. Wir haben dies schon bei der Borberathung der jetzt bestehenden Handelsverträge gethan, indem wir insbesondere für höhere Getreide-Zollsätze eingetreten sind."— München, 22. Oktober. Die Kammer d e r A b g e o r d n e te n setzte die Beralhung der Anträge Rahinger und Pichler, welche von den Antragstellern in einen gemeinsamen Antrag zusammengezogen waren, fort. Nach längerer Debatte, in welcher lediglich die gestrigen Gesichtspunkte wiederholt wurden, wurde der Antrag auf Ausschuß- berathuug abgelehnt, der Aulrag selbst aber angenommen. — Ludwig II. von Bayern soll bekanntlich au? freien Stücken an der Errichtung des deutschen Kaiseribums mitgewirkt haben. Daß diese Auffassung eine BiSmarck'sche Legende ist, war längst bekannt, und jetzt werden einige Briese eines Vertrauten Ludwigs II. anS den 70er Fahren veröffentlicht, die recht köstlich das Berhältniß zu Preuße» illustriren und zugleich zeigen, wie die patriotische uild monarchische Verherrlichung in der Presse zu stände gebracht wurde. Wir entnehmen diesen Briefen folgende Zitate: „In letzterer Zeit haben Majestät öfters die Munchener Zeitungen, n. a. auch die„Neuesten Nachrichten",„Süddeutsche Presse":c. gelesen und gesunden, daß diese Blätter sich in e i st e n S »l i t dem deutschen Kaiser und Kronprinzen b e- schäftigen, in überschwänglicher lobhudelnder Weise über diese schreiben, während von&>! a j e st ä l nur vorübergehend oder arich gar nicht Erwähunug geschieht. Majestät nehmen nun fest an, daß die ZeitnngSredaktenre im preußische» Solde stehen, und daß eigens von der preußischen Regierung bezahlte Korrespondenten an- gestellt sind, die die Ausgabe haben, die Münchener Blätter mit solchen schädlichen Artikeln zu füllen. Majestät lassen nun an Herrn Hosrath die Frage stellen, ob es nicht möglich sei. mit Geldmitteln ans der k ö u i g l. K a b i n e l s k a s s e ebenfalls einige tau gliche Männer auznstellen. denen die Aufgabe würde, die Allerhöchste Person gebührend in der Presse zu vertreten, und zu machen. daß der N a i» e des Königs öfter und gut klingend von der Bevölkerung gelesen werde. Die Männer hätten ferner dafür zu sorgen, daß allenfalls von Majestät oder vom Kabinet ausgehende Artikel in bestimmte Blätter aufgenommen rvürden, und die schlechten p r e u ß i s ch e n T e n d e n z e n z n schwächen. Hierüber möchten Herr Hosralh sich aussprechen und recht bald antworten. Berg. 24. Juli 1S71.- „Auch Herrn Dr. Trost möchten Herr Hofralh mittheilen, daß Se. Majestät kein Vertrauen aus Herrn Staaltanwalt haben, und ihn anregen, daß Herr Dr. sorge und nnler das Publikum bringe, jedoch nicht dilrch die Zcilnngen, sondern mündlich, daß Seine Majestät unangenehm berühre, überhaupt sich nicht schicke, daß bei Festlichkeiten immer das erste Hoch ans S e. Majestät den König v o n P r e u ß e n und«in zweites e r st aus den eigenen Landesherr» ausgebracht werde. Herr Dr. Trost soll Sorge tragen, daß dieses endlich einmal abgeschafft werde, Herrn v. Ziegler aber in keiner Weise darüber sprechen." Aus Baden, 21. Oktober.(Eig. Ber.) Kommenden Mittwoch, den 27. Oktober, finden die E r g ä nz n n g s w a b l e n zur zweiten Kammer der badischen Land stände statt. Dieselben sind indirekte, insofern in jedem Bezirk zuerst«in Kol- legitim von Wahlmännern zu wähle» ist, das seinerseits dann den Abgeordnelen ernennt. Durch das Beispiel unserer Genossen sind die bürgerliche» Parteien gezwungen worden. bereits vor den Wahlmaiinerwahlen ihre für das Abgeordnelenmandat in Aussicht genommenen Kandidaten zu nominireu, sodah der Urwähler genau weiß, für welche Kandidaten er seine indirekte Wahlstimme abgiebt. Das Prinzip der Miitelbarleit unseres Landtags- Wahlsystems ist dadurch thatsächlich durchbrochen worden. In diesem Jahre kommen nun zllin ersten Mal die ans eine erhöhte Sicherheit des Wahlgehetumisses gerichteten neuen Bestiminungen des revidirten Wahlgesetzes zur Anwendung. Während bisher jeder Wähler seinen Stimmzettel, wie bei der Reichstagswahl, nach Belieben zusammen- gefaltet an der Urne abgab, muß jetzt jeder Wahlzettel, der giltig sein soll, in einem amtlich gestempelten K o u v e r t abgegeben werde», welches dem Wähler von der Wahlkommisston zur Ber- sügung gestellt wird. Der Wähler tritt an de» Tisch, an dem sich die Wahlkominission befindet, nennt seinen Namen und erhält dann, sofern er in die Wählerliste eingetragen ist,«in Wahlkonvert. Mit diesem tritt er in den I solirr au in, der im Wahllokal oder in unmittelbarer Verbindung mit demselben hergerichtet sein muß, nur vom Wahllokal anS betretbar und keinerlei Beobachtung von außen zugänglich sei» darf. In diesem Jsolirraum, in dem die ver» schiedenen Parteien eine Anzahl ihrer gedruckten Wahlvorschläge «iedergelegt haben, steckt der Wähler, völlig unbelästigt von irgend einem Aufpasser, seinen Wahlzettel, den er natürlich auch schon in der Tasche mitbringen kann, in das Konvert, tritt dann wieder hin- aus an die Wahlurne und übergiebt das Konvert v e r- schlösse» dem Borsitzenden der Kommission, der es in die Wahlurne legt. Ist nach Ablauf der Wahlzeit die Uebereinstimmiing der Zahl der Wähler, welche abgestimmt haben, mit derjenigen der in der Urne enthaltenen Konverls fest- gestellt, so werden letzter« einzeln geöffnet und die Zählung der Stimmen vorgenommen. Die einzelnen Parteien haben bereits damit begonnen, ihre Wähler mit den oben dargestellten Vorschriften eingehend bekannt zu machen, so daß zu hoffe» ist, daß die Schatten- feiten de? zweifellos etivaS komplizirten Verfahrens sich auf ein Minimum beschränken und die Wahlhandlung bereit? beim ersten praktischen Versuch sich glatt abwickeln wird.— Für die sozialdemokratische Partei kommen bei de» bevorstehenden Wahlen hauptsächlich eine Reihe städtischer Wahlkreise in betracht: das dritte Mandat von M a n n h e i in(die beiden übrigen befinden sich bereits seit 6 Jahren in unseren Händen), zwei Sitze in Karlsruhe, je einer in Pforzheim- Stadt und Offen- bürg-Stadt; ferner bieten günstig« Aussichten die Landkreise Heidelberg und Pforzheim. Nlit Ausnahme von Offen- bürg, wo unsere Partei gegen die Koalition der Ultramontanen, Freisinnigen und Demokraten kämpft, stehen wir überall gegen die Li a l i o n a l l i b« r a l e n, die bisher noch«ine Zivei-Angen» Majorität im Landtag hatte», und deren verderblichen Einfluß auf die Gestaltung der innerpolilischen Verhältnisse des Landes eS diesmal zu brechen gilt. Der Führer der dadischen Demokratie, Rechtsanwalt Mnfer, den feine Heimathstadt Offen bu»g feit einer Reihe von Jahren ins Parlament schickt, hat an? geschäftlichen»nd Gesundheitsrücksichten eine aber- malige Kandidatur abgelehnt. Unsererseits kandidiren die Genossen Kr a mm er(Mannheim), Adolf Geck(Karlsruhe, Phorzbeim, Ossenbiirg), S ch a i e r(Karlsruhe), D ö r n e r(Heidelberg-Land), Lander(Psorzheim-Land). In L ö r r a ch- Stadt, wo Steg- m ü l l e r unglücklichen Angedenkens auf eine Wiederkandidatur ver- zichtet, bewirbt sich unserseils Genosse Hang-Freiburg, der Vor- sitzende der Laudesorgauisatiou, um das Mandat. Eine ansehnliche Verstärkung unserer bisher nur aus den Genosse» D r e e s b a ch und Geiß(Mnuuheim) bestcheuden Lundlagssraltiou scheint außer allem Zweifel zu stehen.— — Chronik der MajestätSbeleidigungS- Prozesse. Folgende merkwürdige Meldung kommt aus T o r g a u: Daß ein Knabe wegen Kaiserbeleidigimg ans vier Monate ins Gefängniß wandern ninß, ist hier zur Thaifache geivorden. Der Korbinacherlehrling Karl Franke wurde zu vier Monaten Gesängniß verurlheitt, weil er in der Werkstatt seines Meisters seinem Mil- lehrling gegenüber sich abfällig über den Kaiser geäußert hatte. Wegen desselben Deliktes sollte sich der Kondilorgehilfe Hermann Hinte ans Dessau verantworten. Der Angeklagte ist zur Zeit in Li e b enwer d a in Strnfhast und soll sich zu seinen Mitgefangene» über den deutschen Kaiser ausgelassen haben. Behufs Ladung weitem Zeugen wurde die Verhandlung vertagt— In Breslau wurde am 21. Oktober der Kaufmann Gustav Uschknreit von der Anklage der Majeiiätsbcleidignng frei- gesprochen und sofort aus der UntersnchnnaShaft entlassen. In der Urtheilsbeariindung wurde gesagt: Der'Angeklagte hat zwar den fraglichen Ausdruck gebraucht, der ganz respektlos sei; immerhin aber habe die Beweisaufnahme nicht ergeben, daß der Beschuldigte den inkriminirlen Worten eine höhnische oder spöttisch« Beziehung gegeben habe. Deshalb sei darin eine Verletzung der Ehrfurcht gegen den Kaiser nicht gefunden worden und aus diesem Grunde habe ans Freisprechung erkannt werden müssen.— Oesterreich. Wien, 22 Oktober. Das Subkomitee d e S B n d g e t- ansschusscS nahm in seiner gestrigen Abendsitzung die Re. giernngsvorlage, betreffend die Ltothstandskredile mit der Erhöhung von S ans ca. S Millionen Gulden an, na< dein der Finanzminsster sich zur Erhöhung der Kredite um S55 000 Gulden bereit«rtärl halt«. Ungarn. Budapest, 22. Oktober. Das Abgeordnetenhaus hat in der Generaldebatte die Vorlage belicfsend die provisorische einjährige V e r l ä n g e r>> n g des finanziellen Uebereinkommeus mit Kroatien aiigenoinmen. Zwischen Kroalm, und Slavonien einerseits und Ungarn andererseits besteht ein ähnliches, an» Zeit abgeschlossenes staats- rechlliches Verhältniß ivie zwischen Oesterreich und Ungarn Und jetzt wird dieses Verhällniß ebenso wie zwischen den zwei Reichs- Hälften blos provisorisch verlängert. Kroatien und Slavonien habe» ein eigenes in Agram tagendes Parlament(Landtag), das in der inneren Verinnllnng, in Kultus und Unierrichl und in der Rechts- pflege durchaus selbständig ist. Gemeinsam zwischen Ungarn und Kroatien werde» die Handels- und Landwehr-(Honved-) und die Finauzangelegenheilen behandelt.— Budapest, 21. Oklober. Abgeordnetenhaus. Der Ackerbauminister Darauyi erklärte auf ein« Interpellation deS Slb- geordneten Simas, die Regierung habe bereits die Einstellung der S t e u» r e i n t r» i b n n g« n in den n o t h l e i d e n d e n Gegenden angeordnet; auch gebe sie den Roth- l e i d e n d e n A r b e i t. Die Antwort wurde vom Hause zur Kenntniß genommen.— T'chtoesz. Zilt ich, 19. Oktober.(Eig. Ber.) Di« Züricher Staatspolizei halle in letzter Zeit in Win urlhnr und Umgebung rührige Nach- forschuiigen über die Veihältniffe der italienischen Arbeitervereine gepflogen, wobei die Borstandsmiiglieder derselben in aufdringlichster Weise in ihren Wohnungen, ans ihren Llibeitsplätzen und selbst in den Wirlhschaflen, wo sie verkehren, belästigt wurden. Diese Nach- forschuiigen wurden aus Veranlassung des italienischen General» kousnlale in Zürich und inil Bewilligung der kantonalen Jnstiz- und Polizeidirektiou vorgenommen, angeblich zu dein Zwecke, eine Statistii für das Komilec der ilalienischcn Landesansstellnng I8S8 zu Turin über die verschiedenen italienischen Verein« in der Schweiz anszu- stellen. Die Arbeiter erblickten darin nur einen Vorwand für eine Aktion der politischen Polizei, weshalb Genosse Dr. Hnber von Winterthnr in der gestrigen KantonsralhS-Sitznng die Regierung um Auskunft über diese Vorgänge ersuchte. Er bezeichnete da? Vorgehen der Polizei als eine schwere Ueberschreitnng ihrer Befugnisse, gegen welche um der Konsequenzen willen mit aller Energie angekämpft werden inüffe. Regier ungS- ra th N ä g e l i bestätigte, daß die Nachforschungen auf Ersuchen deS italienischen Generalkonsuls stalifanden und daß es sich dabei um einen internationale» Dienst handle, welcher auch andern Ländern schon erwiesen ivurd«, so England und Oeslemich-Ungarn. Der beanftragle Polizist in Winterthnr sei allerdings in zudringlicher Weise vorgegangen und habe deshalb auch«inen Verweis erhallen. Bei dem Umstand«, daß im Kanton Zürich 86 000 Fremde sich auf- halten, worunter allein 15 000 Italiener, habe er dem Gesuche um so lieber enlsprochen, als mit der gepflogenen Nachforschung auch ein« 5kontrolle über die Anwesenheit von Ausländern ausgeübt werden könne— ein Gesiändniß, wonach also doch der Züricher Jnstiz- und Polizeiminister eine» polizeilichen Nebenzweck mit der an sich offenbar harmlose» Nachforschung verkm'ipste. Genosse F ä h n k> r i ch vernrtheilte diese polizeilichen Enqueten, die speziell im vorliegenden Falle eine Seite hat, die uns nicht gefällt. Er protcstirte dagegen, daß dieses System in der Schweiz weiter gepflegt weide, die Polizei soll nicht für derariiges verwendet werden. Die Italiener wissen nun, wie man in der Schweiz darüber denkt. Frankreich. Pari», 22. Oktober. I» der Kammer gelangte heut« der Gefetz- entwnrf betreffend die Bildung eines neuen ArmeckorpSbezirks in Frankreich zur Vertbeililiig. In der Begründung wird ausgeführt, der Effeltivbestand der im 6. Korpsbezirke vereinigten Truppen lege dem Kommando eine schwere Aufgabe auf, die zu erleichtern von Bedeutung sei, um das Funktioniren der verschiedenen Dienstziveige unter besseren Bedingungen zu sichern. Es sei vortheilhaft, das 6. Korps sogleich in zwei Theike zu zerlegen und die Zweitheilung könne schon heute ohne nennenswerthe Kosten durchgeführt werden.— Paris, 20. Oklober.(Eig. Bericht.) Der Bericht der außer» parlamentarischen Unlersuchnngskomniiisiou über die Konzessions- vertrüge in An na in und Tonkin ist soeben veröffentlicht worden. Die regierungsfreundliche Kominissioil hat konstatiren müssen, daß von den elf in betracht kommenden Verträgen sechs wegen schwerer„Unregelmäßigkeiten" wieder ausznheben sind. Die „Unregelmäßigkeiten" sind ebenso viele Mogeleien, begangen zum Nachtheil des Staates»nter dem wohlwollenden Auge verschiedener� opportunistischer Unterstaalssekretäre und Minister der Kolonien und nnter der direkten Theilnahme des ehemaligen Generalgonverneurs von Jiidm China, de Lanessau. LI in schwerste» ist kompromittirt der Aller- wellsschwindler, der algerische Abgeordnete Etienne in seiner Eigenschaft als ehemaliger Unterstaatssekrelär des Kolonialamtes. Unter Etienne kamen die zivei schamlosesten Schwindelverträge zu stände: 1389 die Eisenbahnkonzession von Thu-Lang-Phuong bis Lanson, die dem Staate höchstens 4 Millionen Franks kosten sollte, bisher aber bereits zirka 22 Millionen verschlungen hat, und 1390 die Verlängernng des tonkinesischen Opium- Monopols, die der französischen Protektorats-Regierung nnter anderem die kostspielige Last der Unterdrückung des Opium- Schmuggels aufgewälzt hat. Und wie kam der Opium- Vertrag zu stände? Durch die„mißbräuchliche Einmischung" eines Herrn Edwards, zur Zeit Direktor des de- kannten R e g i e ru n g s b l att e s„M a ti n", der seinen Einfluß bei den M i n i st e r n gegen 200 000 Franks an d i e O p i u m- G e s e l l s ch a f t verschachert hatte. So schwarz aus weiß im Kommissionsbericht zu lesen.... Nebenbei wird im Bericht der Präsident der Republik, Felix Faure, bloßgestellt. Als ehemaliger Unlerstaalssckreiär des Kolonialamles halte Fanre demselben einflußreichen Edwards die Erneuerung des Vertrags mit der Jndo-chinesischen Bank zusammen- »nogelu Helsen. Daß der bestochene Makler Edwards vor dem Strafrichter durch die„Verjährung" gesichert ist, versteht sich von selbst. Er bleibt sogar nach wie vor Lt i t t e r der„ E h r e y" l e g i o n. Die „Große Kanzlei" des Ordens hat ihm auf Beschwerde des Justiz- Ministers blos eine» Tadel(die„Zensur") ertheill. Tie verschiedenen Unterstaalssekreläre nnd Minister, die Hanplschuldigen, brauchen aber nicht erst die Verjährung, um straflos auszugehen. Und Herrn Felix Faure wird der neue Skandal ebenso wenig schade», ivie die vor acht Monaten ersolglen Enthüllungen über seine persönliche Bethei- lignng an den skandalösen Vorgängen der Kohlenlieseranlen für die Madagaskar-Expedition. In Sachen des G o l d m i n e n- S ch w i n d e l s von Watana in Siain hat die Regierung nun doch— infolge der Proteste der un- abhängigen Presse— eine gerichtliche Untersuchung angeordnet. Eine Untersuchnngsposs« mehr! Ter als Sozialist genähll« Abgeordnete von Reims, Mirman, wird in den nächsten Wahlen sich nicht mehr um das Mandat be- werben. Er molivirt in einem Zeitungsartikel diesen Entschluß damit, daß er die Vergeselljchafilichnng der Produktionsuiiilel nicht anerkennt. Mirman hatte im Juni!898 wegen dieser in iviillerand's Einignngsprograim» enlhnklei.eu Forderung AnScinandcrsetznngen innerhalb der sozialistischen Kammerfraktion veranlaßt, dre mit der Annahme des Programms endeten. Nun bricht er offen mit dem proletarischen Sozialismus und will den„sozialistischen Radikale»" von Reinis„aus besten Kräften" zu einem Wahlsieg verhelfen. S öffentlich erfolglos, denn wären die Radikalen in Reims die tnrkeren, hätte er nicht aus die Kandidatur zu verzichten ge- braucht.— — Die Einmischung d e S PapsteS in die inneren Verhältnisse der frauzöflscheit Republik ist«in Faktor, niit dem jede Regierung in Frankreich genau rechne» muß. DeShalb muß auch die neueste Aeußerung des päpstliche» HojblalteS registrirt werden. Der„Observatore Romano" veröffentlicht eine Auslassnng über die Haltung deS Heiligen Stuhles gegenüber Frankreich bei Ge- legeuheit der küufligeu Pnrlamenlswuhleii. Es heißt darin, laß es stclS darauf ankomme, daß sich alle französischen Katho- l i k e u auf verfassungsmäßigen Boden stellten, indem sie, ebenso wie dies der Heilige Stuhl thue, die Jnter- essen der Religio» nnd des Gemeinwohles über die sekundären Privatinteressen der verschiedenen Parteien stellten und keinen un- gehörige» Einfluß auf die politischen Augelegeuheiten ausübten. Ata» sieht, daß die katholische Kirche infolge ihrer ungeheuren Anpassungsfähigkeit sich mit der Republik vollkommen aussöhnen konnte, worüber die verschiedenen Präieudenteu um den französischen Thron, die sich ans das enge Bündniß von Thron und AUar in monarchischen Staaten berufen, sehr wenig erbaut sind. Für die ehrlichen Anhänger der republikanischen Slaalssom in Frankreich frägt es sich freilich, ob die Aussöhnung des Papstes mit der Republik nicht zu thcuer erkauft wird.— Dänemark. Kopenhagen, 19. Oktober.(Eig. Ber.) Fortsetzung der Budgetdebatte im F o l k e t h i n g. Es kamen, gemäß dem dänische» Brauch, die weiteren Minister zui» Wort. Der Marine- minister hielt sich sehr sachlich an die seinem Ressort gemachten Vorwürfe, ohne jedoch etivas Renueuswerthes gegen dieselben vorzu« dringen. Der Kultusminister suchte nachzmveise», daß für die geforderten Kirchen in Kopenhagen ein Bedürsniß vorläge. Am wichtigsten waren die Erklärungen des K r i e g s m i n i st e r s, der versicherte, daß er durchaus mit der Bewegung für eine N« n t r a l i s> r u n g Dänemarks sympathisire. Aber dennoch, meinte er. müsse man weilerrnsteu, um sich im Nolhfall vertheidigen zu können. Und dann entwickelte er mit einer erstaunlichen Offenheit den Plan, daß ganz Seeland befestigt werden müsse und daß die ge- forderte Küsteubatterie nur«in Anfang sei. Mit großem Pathos rief der Kriegsminister des kleinen Dänemark:„Wir müsse» so stark werden, laß der Feind sich selbst fragt: Lohnt es sich. sie anzugreifen? Wir müssen unsere Befestigungen so erweitern, daß wir Respekt einflößen »nd dadurch den Frieden sichern! Im übrigen erging er sich in einem Loblied« auf die Leistnngssähigkeit der dänischen Armee. Er stellte ferner eine Erhöhung des Mann- schastskontingentes von 480 Mann auf 600 Mann für jedes Regiment in Aussicht nnd schloß:„Die Annahme dieses Gesetzes wäre ein schöner'Abschluß des 19. Jahrhunderts! Sie würde im Heer einen endlosen Jubel hervorrufen!". ein Ausspruch, dessen Naivität denn auch die Heiterkeit des ganzen Parlaments hervorrief. worüber sich der Herr Minister sehr zu wundern schien, denn ihm war es natürlich heilig»« Begeisterung. In der iveiteren Beralhung nagelte B l u h m e, namens der Linken, die ungeheuerlichen Pläne des Kricgsministeriums fest. Erfragte, was daS heißen solle, daß der Minister seine Sympathie für die Neutralität ausdrückt, aber gleichzeitig wie ein Kriegswntherich rüsten will. Nur wenn wir unsere Friedensliebe beweisen, können wir ans Garautirnng der Neutralität rechnen. Spanien. Madrid, 22. Oktober. Der„Jmparcial" spricht die Hoffnung ans, daß die Antwort Sngasta's an den amerikanischen Gesandten Woodford eine energische sein werde. Das Blatt fordert den Ministerpräsidenten auf, das Verhalten Spaniens sowie der Ver- einigten Staaten in einer Denkschrift an die Mächte darzulegen, die eine große moralische Wirkung haben würde.— — Kubanisches. Die„Berk. Pol. Nachr." schreiben: Wenn man den amerikanischen Schilderungen kubanischer Zustände Glauben schenken darf, so wäre ein Ende des Llufstandes noch gar nicht ab- zusehen, und zwar aus dem einfachen Grunde nicht, weil die spanischen Militärs ein handgreifliches Juteresse au der Erhaltung einer Sitttation nehmen, die ihnen reichen materiellen Vortheil schafft. Die Offiziere beziehen, solange der Feldzug währt, doppelle Gagen und ebenso vollzieht sich da? Avancement in ungleich rascherem Tempo nlS zu Friedenszeiten. DaS wäre soweit nur in der Ordnung; schlimmer würde es sein, wenn die Behauptung eines amerikanischen Painphletiften der Wahrheit entsprechen sollte, daß «S initer dcn fpntnfcf-en OfpjicTen®trmc»te g!ebt, die zwar jederzeit bereit sind, si�r das ViiteUaad z» käuiple» und, weil» es sein muß. zu blute», aber»icht minder bereit, sich aus Koste» des Vaterlandes zu de- reicher». Ei» Lieutenant z. B. macht niit einer Streispatrouille von, sagen wir 20 Mann seinen allni orgendlichen Streifzug in die Um- gegend seines Standquartiers, und nachdem ein paar Hütten nieder- gebrannt,«in oder zwei„Parificos"— friedliche Landleute— er- schösse» sind, wird um die Mittagszeit heimwärts inarschirt, und der Lieutenant stellt seinem Koinpagnieches die Kosten für Ver- pflegung von ö0 Mann und für 3000„im Dienst verbrauchte Palrone»" in Rechnung. Der Hauptmann setzt seine Unterschrist unter das Allensliick und beide theilen sich in den Raub. Oder man läßt auch das Geld wohl dem Oberst zukommen, der die Herren dafür zur Beleihung mit dem Kreuze sür„Tapferkeit vor dem Feinde" in Vorschlag bringt. Aus Matanzas wird berichtet, daß daS einzige dort besiebende Inweliergeschäst seit Beginn des Aus- standes an die spanischen Offiziere mehr Edelsteine und goldene Uhren verkaust habe, als durch lange Jahre vorher an die doch sehr wohlsiluirte Kundschaft in Stadt und Land. Die normale Gage selbst der im Range höchst- stehenden Offiziere reiche kaum hin sür den Rothwei» zum täglichen Mitlagsmahle, jedenfalls nicht zu Champagner nnd Bril- lauten; die Annahme sei daher wohl nicht zu gewagt, daß das spanische Olsizierkorps mit dem Aussland» glänzende Geschäfte mache nnd kein Interesse daran habe, die Henne zu schlachten, die ihm die goldene» Eier lege. Aber auch an der Aufrichtigkeit der amerikanischen Sympathien mit Kuba greifen starke Zweifel Platz, wen» man erfährt, daß Spauie,. fast alles Material, dessen es zur Fortführung des kuba- nische» Feldzuges bedarf, aus den Vereinigle» Staate» bezieht, sodaß die dortige» Armeelieferanten ebenfalls vorzügliche Geschäfte macheu, und ein sehr wirksames Gegengewicht gegen die Hetzbestrebungen des amerikanischen Jingolhuins in die Wagschale werfen. Ter Krieg auf Kuba giebt so zahlreichen Geschäftsleute» jenseits des Atlantic Atbeit und Verdienst, daß, wenn es nach ihrem Wmische ginge, die Uaionsregierung. statt aus Kuba zu intervenire», lieber den Spanier» noch Geld zugeben sollte, damit der Feldzug ans Mangel an Mitteln nicht schließlich von selber einschläft.— — Herr W e y l e r gehört zu den seinem Vatcrlande so ge- fährlichen politische» Generalen. Deshalb fürchtet man ihn nnd beobachtet argwöhnisch alles, was er vor seiner Abreise von Havana thut nnd veranlaßt. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Neiv-Iork gemeldet: Das Organ des spanische» Generals Wcyler, „La Lucha", verlaugt die Kriegserklärung gegen die Bereinigte» Staate» von Nordamerika. Tie Kauflente von Havana arrangire» ein« große Abschiedsdemonstration sür Wepler. Amerika ist trotz der Drohungen Weyler's ruhig.— Nns;ln»d. St. Petersburg, 19. Oktober.(„Hamb. Corr.") Das Gesetz wegen der Arbeitsdauer in de» russischen Fabriken ist jetzt erschienen. Danach sollen alle Arbeitsstunden, welche über die normalen hinausgehen, als Ueberstunden gelten. Sie sind nur in dem Falle zulässig, wenn die Fabrilverwallung mit de» Arbeitern sich hierüber verständigt hat. Jede Arbeitsabmachung darf nur die- jenige» Ueberstunden verlangen, die für den technischen Betrieb der Fabrik unumgänglich nothwendig sind. Im ganzen darf die Zahl der Ueberstunden für die Fabrikarbeit die Zahl von 120 im Jahre nicht Überschreite». Diese Zahl schließt aber diejenigen Ueberstunden aus. die der Zlrbeitekontrakt als Bedingung enthält und diejenigen, ivelche zur Remontirung plötzlich defekt gewordener Kessel, Motore und der- gleichen mehr verwendet werden, und drittens diejenigen, die ein extraordinärer Fall, wie: Feuerschaden, Einsturz nnd dergleichen mehr zur Nothwendigkeit wachen kann. Alle Ueberstunden der Arbeitszeit, ob sie von einzelnen oder Gruppe» der Fabrikarbeiter ausgenutzt werde», müssen zur Kenntniß der Fabrikiuspektoren g«> langen, denen die Beurtheilung obliegt, inwiefern die Ueberstunden nothwendig bedingt sind oder nicht. Die Hauptverwaltung der Posten und Telegraphen beschloß, im nächsten Jahre t e l e p h o» i s ch e Verbindungen in allen den- jenigen Städle» Rußlands einzurichten, welche sich bereit erkläre». einen bestimmten Theil der Einrichtungskosten zu tragen.— Warschau, 17. Oktober.(Eig. Ber.) Der Streik in der„Huta Bankowa" ist beendet. Man hat die aus Schlesien herüber- gekommenen Arbeiter mit der Ausweisung bedroht und diese Drohung hat gewirkt. Am 2. Oktober nahmen diese Arbeiter die Arbeit wieder auf. An demselben Tage hat man über 30 Man» verhastet, Slm 4. Oktober kehrt« bereits ein beträchtlicher Theil der Arbeiter zur Arbeit zurück und am V. Oktober war der Ausstand vollständig beendigt. Aber es ist nur ein W a s s e n st i l l st a n d. Man hat zwar versprochen, die Statuten der Knappschaflsknssen- den Wünsche» der Arbeiter gemäß- abzuändern. Dabei aber will die Hüttcnverwaltung die alte Kasse und die jahrelang von den Arbeiter» mühsam ausgebrachten Gelder einfach„lonsieziren." Und zwar will man alle Rechte ocr Arbeiter schon des- wegen als verloren betrachten, weil man sie nach dem Ausstande zur Arbeit„neu angenommen" hat. Durch solchen Schwindel werden sich die Arbeiter»m ihr Geld nie bringen lassen. Wie heiß»och der Kamps bei der L i q u i d a l i o n der alten Kasten sein mag, haben doch die Streikenden im Hauptpunkt gesiegt. Aber wo nm» noch nicht streikte, da blühen die alte» Kassen weiter. Jedoch pflanzt sich die Agitation fort, und nm 7. Oktober wurde in de» von der diesjährigen Streikbewegung noch nicht bc< rührten Orte» eine Flugschrift des„Dombrowaer Arbeilerkomitees bei sozialistischen Partei Polens" verbreitet, in welcher die ganze Niedertracht dieser Kasteneinrichlung dargestellt wird nnd die Arbeiter zum Kampfe aufgefordert iverde». Wie diese Flugschrist treffend sagt, sind diese Kasten nichts weiter, als Hilfskassen sür die Kapitalisten, bezahlt vo» den Ar- beilern. Es genügt zu erwähne», daß die bei der SIrbeit Ver- nnglückten nur dann ein Recht auf daS Krankengeld aus der Kasse haben, wenn der Unglücksfall nicht aus eigener Schuld oder allzu großer Uuvorstchligkeit des Arbeiters erfolgt ist. Nim aber bei dieser Bedingung sind die Gruben- und Hüllenbesitzer selbst— laut dem Buchstaben der russischc» Gesetze- verpflichtet die Krauten aus eigener Tasche, nicht aus den Arbeitergrosche». während einiger Zeit zu unterstützen. Solchen Schivinbel giebt es da mehr, und jetzt, nachdem die Arbeiter des Dombrowaer Reviers erwacht sind, wird man solche unverschämte Betrügereien und Dieb- stähle nicht weiter treiben können.— — Ueber die letzten Massenverhaftungen in W e st< R u ß l a n d ivird uns geschrieben: Alle» Unterdrückungsmaßregeln der russischen Regierung zum Trotze beginnt die Arbeiterbewegung wenigstens in einzelnen Gegenden von Rußland immer festeren Boden zu gewinnen. Seil- dem in diesen Gegenden die Bewegung ans realem Boden fußt und von dem w i r t h s ch a f t l i ch e n Interesse der?irbeiterschaft, ans dessen Veriheidignng es wurzelt, aitsgcht, können Berhaslungen einzelner Personen, in welchem Maßstäbe ste auch vorgenommen werden mögen, der Bewegung keinen Abbruch mehr td»n. Die russische Regierimg scheint dies allerdings noch nicht eingesehen zu baben, denn ihre Versolgnngswulh steigert sich in demselben Maß. stabe, wie die Bewegung miler den Arbeitern an Bertiesiiiig und 'Ausbreitung gewinnt/ Zu de» streberischen Gendarlneue-Osfiziere», welche da wähnen, in der kürzesten Zeit der Arbeiterbewegung an dem O>ie ihrer Thäligkeit den Garaus niachen zu können, gehört ber Rill- mcister Wassiljciv i» Wilna. Als dieser vor einem Jabre sein Amt in dieser Stadt antrat, gab er das Gelöbnjß ab, die Ar- beilerbeivegung in Wilna in einem Jabre mit Stiel und Stumpf auszurotten. Er mußte es aber erlebe», daß. obivobl es weder ihm noch seinen Kollegen in anderen weftrnfsischen Städten an Ver- solgungseifer fehlte, die Bewegnng»m Besserung der wirlh« schastlichen Verhältnisse, welche früher nur eine» beschränkten Ar- bciterkrcis umfaßte, gerade in diesem Jahre in einein bedeutenden Theile Westrußlands, darunter auch in Wilna zu einer B e- ivegung der gesammten arbeitenden Masse ge- worden ist. Die Beivegung um die Verkürzung deS Arbeitstages auf die von einem alten biS vor kurzer Zeit verschollenen und un- beachlelen Gesetze für das Handwerk vorgeschriebene» Höhe von zehn Stunden erfaßte i» diesem Sonnner in W»strußla»d eine große Zahl der handwerksmäßigen Beiriebe(in einzelnen Städten, darunter auch in Wilna sämmtliche) und hat überall, wo sür diese Forderung eingetreten wurde, zur thalsächlichen Einführung des gesetzliche» Zehnstundentages geführt. Dieser Be- wegung, welche mit elementarer Macht die Masse ergriffen Halle, suchte der Rillmeisier W»ssilj«iv mit brutalen Gewallwaßregel» ent- gegenzulreten. Die Brutalität seines Vorgehens kennzeichnet sich zum Beispiel dadurch, daß er sämmtliche Schornsteinfeger der Stadt Wilna ins Gefängniß gesteckt hat. Gegenwärtig befinde» sich bereits mehr als 100 Arbeiter der verschiedensten Berufe in de» Gefäng- nissen von Wilna und jeden Tag werden neue Verhaftungen vor- genommen. Den Jnhaftirten, deren Familien der bittersten Roth ausgesetzt sind, wird der Aufenthalt im Gefängniß noch dadurch ver- bittert, daß in den Zellen, welche zwischen den Zellen der in Einzel- hast Befindlichen liegen, Gendarmen gesteckt werden und daß in den größere» sür mehrere Jnsaffen bestimmten Zellen des Bekini- scheu Gefängnisses zusammen mit den Jnhaftirten a n ch v erkl e i d« t e Gendarme» und Geheimpolizisten eingesperrt werden.— In der Hoffnung, der Arbeiter- beivegung in Wilna den Todesstoß zu versetzen, hat Wassiljew in der Lincht von» 1. ans den 2. Oktober 30 Hanssuchungen abhalte» und dabei auch einige der„Intelligenz" angehörende Personen ver- basten lassen, obwohl nicht daS geringste gesunden worden ist, was irgend jemand von denen, die vo» den HnnSsuchnngen heimgesucht wurde», hätte belasten können. Das vollständige Fiasko seines neuesten FeldzugeS sucht nun Wassiljew zu verdecken durch AuS- strenung eines kein wahres Wort enlhallenden Ge» lichtes. wonach er sozialistische Flugblätter und«ine augeblich zu ihrer Herstellung dieueude Schreibmaschine gesunde» und überhaupt das gesammte„Aufwiegleruest" ausgehoben habe. Weit entfernt, ans die Arbeiterschast entmuthigend zu wirke», sind seine Gen'allstrciche nur geeignet, bei ihr die ledbastesien Sympathien für die Opfer der behördlichen VersolgnngSwntd. wie auch einen Abscheu gegen das politische System, als besten Träger sich vor ihr ein Wassiljew repräsentirt, wachzurufen. Das gegenwärtig sür die russische Regierung gesädrlichste„Answieglernest" ist das in der brntalsten Weise sich in die wirihschaftlichen Kämpfe der Arbeiter eiumischcude und sie dadurch mit grobem Ersolge gegen den russischen Absolutismus ausreizeude russische GeudaunaiclorpS.— Griechenland. Sllhcn, 21. Oktober. Tie Türkei gestattet den thestnllschen FlüchUiuge» die Rückkehr durch die Pässe von Fnrka nnd Muzati loivie durch zwei andere Pässe in der Nähe vo» Trikdala nnd Almyro. Der griechische Kommissar Durntis bleibt bei Edhem Pascha. Die anderen beide» Kommissare sind nach Karpenision zurückgekeh.t, UNI die Rückkehr der Thessalier ins Werk zu leiten. Die Greuzkoinmijsion ist in Volo äuge komme».— Slfrika. — K a f s a l a' s N e b e r g a» g a n die EuglSuder. Wie der römische„Popolo Romano" meldet, bade» die Regierungen vo» Italien und Egypten die Bedingung«» und Modalitäten der Ueber- gäbe Kassala's miteinander vereinbart. Oberst Parsons ist am !5. d. M. in Kassala eingeirossc» und wird Anfang November nach Massauah zurückkehren. Sobald die egyptische Regierung de» Be- eicht des Oberst Parsons erhalte» haben ivird, werde» die Overa- tionen sür die Uebcrgabe der Gcbietstheil« beginnen, welche Italien .teivillt ist. an Egypten abznlreten. General Cancva erhielt den Be- fehl, die Erfüllung der Ausgabe des Oberst Parsons in jeder Weise z» erleichtern. Es ist noch nicht inlschiede». od englisch-cgyptische oder euglisch-indische Truppe» die Garnison Kassala's und der au- grenzende» Befestigungen ersetze» werden. Mit der Besitznahme Kassala's wird dl« Position Eugknnd- Egyptens gegenüber dem Mahdirciche außerordentlich velslärkl werden.-> Ssmerika. — V o m Goldlande in Kanada liegen an? Ottawa, der kanadischen Bundeshanplstadt, folgende Mrldungen vor: Ter Jugcuienr Br ent» ober, welcher in, Anitrage des Londoner Hauses Rothschild das Gebiet der Goldsuich« nm Fjouka» «sucht hat, erklärt, daß die Berichte über de» Goldreichth»,» des Landes nicht übertrieben seir». Indessen sei die Gewinnung des Goldes doch bedeutend s ch>v i e r i g e r, als nach de» bisherige» Darsteliunge» nngeuounne» werden konnte. In der kurzen Sommerzeit vo» dreieinhalb Monaten werde es niemandem gelingen. sich«in Vermögen zu erwerben, sonder» dazu würden zivei Sonuiier mit dem dazwischen liegenden lange» Winter er forderlich sein, weS- halb jeder Unternehmer größere B e l r i e d s m i t l e l. viele G e r ä t h> ch a f t e» n n d M o h n u n p S a u S r ü st u n g brauche. Um diese zu beschaffen, sei jedoch die vorherige Herstellung einer Eisenbahn nach dem A�nkonlande »ölt, ig. sodaß die wirkliche Erschließung der Goldschätze wohl erst mit dein Jabre l3SS beginnen könne.— Nach weiteren Meldungen ist der Eisenbnbnban nach dein Klondyk« bereit» gesichert,»nd zivar hat sich zu diesem Ziveck unter der Führung des bekannte» nvrd- .nuerikaujschen Millionärs und Mineubentzers P» II man»«ine Kescllschast mit einem Kapital von>00 Millionen Dollars gebildet, Ivelche während des WinterS das Material zum Bahuban beschaffen uud nach dem Hafenplatz Juueau beiördern lassen wird,»,» mit Beginn des Frühjahrs die Arbeit selbst in Angriff iiedinen zu können. Von alle» Tunneibaulen zur Ueber schreitnng des FelsengedirgeS soll hierbei abgesehen werden, man will über den Ehilkovlpnß«ine elektrische Schleisbah» legen, welche als ein besonderes Uniernehme» der Pnllmann Palace-Car-Kompany durchgeführt werde» soll. Inzwischen hat die kanadische Regierung die Fragen der Ver- waliung cndgiltig erledigt. Das bis jetzt als Nordwesl-Territoriui» bezeichnete Gebiet des Aoukon- und des Makenzie-StromeS war bisher ein Theil des Staates Kolumbia, während nunmehr sür den Nord« ivesten Kauada's ein eigener Staat mit einer besonderen Negierung gebildet ist. Zur Eiurichiung dieser Verwaltung, ist bereits vor einem Monat eine aus 200 Personen bestehende Expedition vo» Weuipeg aus quer durch das kanadische Eieppeulaud nach dem foukon abgegangen. Führer des Zuges sind der Minister des n n e r n sür Kanada, C h i s f o rd S e f t o n. und der Major Walsh alS vorläufiger Administrator deS Noukougebieles; außer- dem befinden sich in dem Zuge zahlreiche Ingenieure nnd Ver. Wallungsbeamte, sowie Kundert berilleue Polizisten. Der Zug soll nach dem anfgesleUleu Plaue Milte November in Daivso» Clty, dem Milielpunkt des GoldgebieleS, eintreffen.— Rio de Janeiro, 21. Oktober. Die P o l i z» i zerstreute mit Waffengewalt ein« Ansammlung von Leute», ivelche gegen den SchiedSgerichtZ-Bertrag über das streitige Gebiet von Amapa ein« K u n d g e b u» g veranstalteten. Die Ruhe ist wieder hergestellt.— �_____ Tie Tranrrbotschaft von Grillcnbergcr'ö Tod hat inNürn» berg und Umgebung die tiefste Beivegung hervorgeruien.„Kein Mensch." so schrieb die„Fr ä» k i s ch e Ta g e s p o st",„vermochte das Unglaubliche zu fasse». Die Familie hat den treubesorgie» Baler und zärtlichsten Gatien verloren. Die Parle! wehklagt, einen ihrer ersten Kämpen, einen der unermüdlichsten Agitatoren,«inen ihrer populärsten Redner nicht mehr in ihrer Milte zu sehen. Die Freund« misse» den selbstlos«», uneigennützigen Menschen, der stets bereit war, mit Hiis«, Rath»nd Thal bei der Hand zu sein. Seine Kollepe» in der Redaktion trauern lief um den so plötzlichen Hingang ihres Ckess, dessen ganze Lebensaufgabe der Partei und dem Nür»- berger Parleiblatl gewidmet gewesen ist. Sein» Frattionsgenosten im Landlag und im Reichstag werde» die Lücke schmerzlich empfinden, die in ihrer Mitte entstanden ist. Die Stadl Nürnberg hat«inen ihrer besten und ausopserungssähigsten Bürger verloren." Die b ü r g e r l i ch« P r e s s e N ü r n b e r g s, darunter auch der „Fränkische Kurier", mit dem Grillenberger die heftigsten Fehden zu jähren hatte, widmen dem Verstorbenen sympathische Nachruf«, die um so größere Bedeutung haben, als sie aus dem Munde lokaler Gegner kommen. Sehr bedauern die Parteigenossen Nürnbergs, daß die Aufbahrung der Leiche nicht dort erfolgen konnte. Grillenberger hat selbst bestimmt, daß er durch Feuer bestaltet werde» soll. Die Ansbahrung konnte nur in Münche» erfolgen, da der Sarg, ehe er zur Bahn kommt, der Borschrist gemäß hermetisch ver- schloffen, nnd der Eisenbahnwagen, worin er transportirt wird, mit einer Plombe versehen werden muß, die erst in Gotha gelöst werden darf. So blieb den M ü n ch e n e r Genossen die Ehre, die Trauer« feierlichteit zu veranstalten. Dieselbe ging am Freitag Nachmittag in der fünften Stunde auf dem südlichen Friedhofe vor sich. Nach Beendigung der Feier auf dem Friedhofe bewegte sich der Zug durch die Thalkirchenstraße, Schwanthaler- und Goethestraße bis zum Bahn« Hof, wo der Zug sich auflöste und nur Deputationen eintraten. Eine Privaldcpesche, datirt 3 Uhr 35 Minuten, meldet u»S: Die Ueberführung der Leiche Grillenberger's ist soeben unter un» geheuerer Betheiligung erfolgt. Die Haltung der Massen war tiefernst. Eine weitere Privatdepesche meldet nnS: Die Ueberführung der Leiche Grillenberger's vom Friedhofe zum Bahnhofe verlies unter zahlreichster Betheiligung und großem Menschenandrange überaus eindrucksvoll. Genosse Segitz aus Nürnberg hielt am Friedhofe ein« liesempsundene Gednchlnißrede. Ter Arbeiler-Sängerbund sang stimmungsvolle Grablieder. 200 Kränze wurden dem Leichenzuge vorangelragen. Im Zuge befanden sichzahlreicheLandtags-Abgeordnete, der Magistrat von Münche». Deputationen zahlreicher Münchener und answärliger Vereinigungen. Der Zug, den zwei Musikkorps begleilete», wird auf mindestens 5000 Personen geschätzt. Tie. Bestattung in Gotha erfolgt, wie schon mitgetheilt worden ist, Sonntag Nachmittag 3 Uhr. Die Parteileilung, die Fraktion, der„Vorwärts" und die Parteigenossen Berti»?, serner die Parteigenossen zahlreicher anderer Orte werden vertreten sein. Ans Paris empfingen wir noch folgende Depesche: Der hiesige deutsche sozialdemokratische Leseklub giebt seinem tiesen Schmerze über den Tod deS Genossen Grillenberger Ausdruck. I» LndwIgShafc» in der Rheinpfalz nahm eine Partei« versa»i m l u n g die im„Vorwärts" bereits mitgetheilt« S t u t t- garler Resolution an, worin es zum Schluß heißt:„Der Standpunkt, daß dem beuiigeii Staat sowohl wie dem in ihm Herr- schenden Militarismus jeder Beweis des Vertrauens und somit jeder Groschen und jeder Mann zu verweigern sei, soll nach wie vor der Slaudpuult der Partei bleibe»." Zu de» GciucindclathSwakilc» in Stuttgart wurde von einer dortige» ParleiverfamnUitng mit großer Mehrheit beschlossen, mit der A o l k s p a r t e> ein Abkommen dahin zu treffen, daß diese aus ihren Kandidatenzeliel die Namen von zwei oder drei Sozial- demokraien setzen soll, wofür unsere Genossen ebenso viele Namen von Volksparteilern auf ihre Liste nehmen wollen. Landtags- Abgeordneter Genosse Kloß Halle diesen Tausch mit der Be- gründung vorgeschlagen, die bisherigen Wahlergebnisse hätten ge« zeigt, daß unsere Partei in absehbarer Zeit keine'Aussicht habe, mit einem reine» Stimmzettel eine Vertretung im Gemeinderath zu er« länge», der doch Fragen von einschneidender praliischer Bedeutung zu erledigen habe. Polizeiliches. Gerichtliches ee. — Der verantworliklze Redakteur der„ScheSwig-Hol" st e i n' s ch e n Volkszeitung" in Kiel. Genosse Korn, hat am 22. Oktober eine zweimonatige Gesängnißstrase angetreten. — DaS Reichsgericht verwarf die Revision des Genossen Vahle, dem verantworilichen lliedaklcilr der Magdeburger , V o l l S st i m m e", der wegen Beleidigung der dortigen Polizei zu 100 Ä'I. Geldstrafe oder 10 Tagen Gesängniß verurtheilt ist. In dem Urlheil deS Reichsgerichts heißt es:„Der Angeklagte ist wegen öffentlicher Beieidigung auS ßsj 135, 200 deS SlrafgesetzbuchcS und � 20 des PreßgesctzeS verurtheilt, weil er in der iiikriminirten Kundgebung der Wahrheit zu- wider das Verhalten der Magdeburger Pollzeibeamten ge- legentlich einer am I. Mai abgehaltenen öffentlichen Aersainmlung den sozialdemokralischeii Theilnehiiiern derselben gegenüber in ehr- verletzender Weise als ein giivalUhäliges und bewußt rechtswidriges dargestellt nnd de» Beamten zugleich den bewußt ehrverletzenden Bonvnrs der höchsten Parteilichkeit gemacht hat. Der ausdrücklichen Feststellung der Wahrheiiswidrigkeit jener Darstellung gegenüber kann die gcgenlheilige Behaupinyg der Revision leine Beachtung finden. ii»d es kann danach der K lv2 des Strafgesetzbuchs überhaupt nicht in belrachl kommen. Die Ausschließung des ß 193 drs Strafgesetzbuchs wird ohne Rechtsirrthum durch die Feststellung gelrage», daß der Angeklagte irgend ivelche persönliche Interessen durch die Kundgebung nicht hat wabruehiucn wolle». sonder» daß es ihm lediglich„auf die Interessen der gesammleu Arbeiterpartei angekommen ist." Der selbst« giwahlle Beruf des Angeklagte, I als Stednklenr einer sozialbemokra- tischen Zeitung, die Tend-», des Blalles und seine Zugehörigkeit zu der sozialbemokralischen Parlei vermögen aber, wie das Reichsgericht in wiederholten Enlscheiditngeii anerkannt hat— vergl. Band 24 Nr. 168 u.»,. m.- noch nicht ohne weiteres die Berechtigung des Angeklagte» zn begründen, fremde Jntereste», vorliegendensalls der „gesaniinlen'Arbeiterpartei" unter Verletzung der Ehre anderer wahr- zunehmen." - Der Redakteur der Bielefelder„volkswacht". Genosse Karl Hofsmann, halle sich am Bahnhose bei dem Polizelkommisjar über«inen Auslans iiisorinireii wollen, der«ine Stunde vorher bei der Arretnr eines Maurergesellen dadurch ent» standen war, daß der Geselle angeblich auf Veranlassnng der Polizei von einem Maurermeister geschlagen worden war. Hoffmann soll sich bei der Befragung des Polizeikoiiiiuissars so laut geäußert haben, daß ebenfalls ei» Auflauf entstand. Er empfiug iiifolge dessen«in über 25 M. lautendes Strafmandat wegen„grobe» Unfugs." Das Schöffen» geruht, dessen E> lscherd Hoffmann anrief, erklärte ihn ebenfalls für schuldig und setzte die Strafe auf 20 M. scst. Ter Vorsitzende meinte, wenn auch nur z>v e i Menschen aus Neugierde herbeigeeilt wäre», dann hätte der Angeklagte durch sein Verhalten grobe» Unfug verübt. Hoffmann wird gegen dieses Urlheil Be» rnsling«iiitegen, denn wenn dasselbe Rechlslrast erhalte, dann sei man ja keinen Augenblick aus der Straß« sicher, groben Uusug zu verüben. — AuS Dresden wird»nS geschrieben: Bekanntlich hat jetzt zum zweiten Male die K r e i s h a u p t m a» n s ch a f t Dresden entschieden, daß V e r s am m ln n g en nicht nachts 12 Uhr beendet sein müssen, wie das bisher verlaugt wurde. Aus- griiomiiieii sind Soiiiiabende und Vorabende von gesetzlichen Fest- lagen. Die Entscheidung der Kreishauptiuanuschafi scheint aber nicht den Beifall der Behörden zu finden. Die„Leipziger Zeitung", daS amtliche Organ der sächsischen Regierung, machte- wenn auch indirekt— den Vorschlag, man solle mittels der Polizeistunde und zwar aufdem Wege der B e r o r d n»l n g eine Einschränkung der Versammlinigs- daner herbeizusührcu versuchen. Im ZusaiMnenhang damit'ieht wohl daS Vorgehen der Aintshauptmaiinschaft zn Dreöden-All'ladt, die jetzt bei den ihr ilirterstebenpcn Gemeindevorständen angefragt hat, wie diese sich zur Einführung der Polizeistunde stellen. Es liegt wenigstens kein Anlaß vor, diese Umfrage auf elwaS anderes als auf den fraglichen Gegenstand zurückzusühren. Man kann gespannt sein, was dabei herauskommen wird. Die Arbeiter werden sich natürlich gegen jeden Versuch, das bischen Vereins- und Versammlungsrecht noch mehr zu schmälern, eiiergisch wehren.— Das Verfahren mancher über- wachenden Beamten, den Refereiiteii in der uugercchlsertigsten Weise zu unterbrechen, over ihiy gar das Wort zu entziehen, das auch in schönsten Flor gekommen ist. hat jetzt auf eine Beschwerde hin zu einer 9iektifizirii»g des beireffenden Beamten geführt. Dem Brigadier Zengsang, einem sehr pflichteifrigen Beamten, ist eine Rüge erlheilt worden, weil er Genossen Fräßdorf in einer Versammlung in Nenßlitz vorigen Monat das Wort entzogen hatte. Ob eS helfen wird?— GemevksÄMftliitzes. Tie Berliner Mitgliedschaft des deutschen Holzarbeiter- Verbandes hal den englischen Maschinenbauern 2000 Mark überwiesen. Weitere Zuwendungen sollen folgen. Die Porzcllanarbciter Deutschlands werden darauf auf- nierksanr gemacht, daß das gesannnte Personal der Porzellansabrik in Aich bei Karlsbad durch die ununterbrochene Chikanirnng seitens des Direktors Wehinger zur Kündigung der Arbeil gezwungen 'worden ist. illrbeitsaugebote»ach Aich möge» unter keiner Bedingung angenommen werden. Ueber die Aicher Fabrik wurde die .Sperre verhängt, weshalb es Pflicht eines jeden Porzellanarbeilers ist, Zuzug dahin fernzuhalten. Mit einem Freisprach endete die Anklage, die gegen drei Hannonikaarbeiter in Magdeburg aus grund' des§ 153 der tAewerbe-Ordnnng erhoben worden war. Deutsches Reich. Zum Streik der Töpfer in Mcißen-Eölln(Osenfabrik Saxonia) ist»utzntheilen, dasi die Gcschäftsleitung jede VerHand- lung niit de» Streikenden ablehnt, sowie überhaupt niemand von den letzteren wieder einzustellen beabsichtigt. Der Versuch des Gemeindevorstehers von Cölln und des Vorstandes des Zentral- Verbandes der Töpfer, den Streik durch beiderseitige Unterhandlungen beizulegen, scheiterte an der Hartnäckigkeit des Direktors Hörnecke. Die Firma sucht, trotzdem sie Gerüchte verbreitet, die Osensabrikation überhaupt einstellen zu wollen, durch Inserate und Agenten Töpfer bei dauernder Beschäftigung nach Meißen zu locken.— Bon den 67 streikenden Arbeiter» sind bereits 33 andcriveitig unter- gebracht, so daß noch 34, darunter 25 Verheirathete. zu unterstützen sind. Eine stark besuchte Versammlung, die am lS. Oktober in Meißen stattfand, beschloß, de» Kamps weiter zu führen und nun- mehr nur in Unterhandlungen eintreten zu wollen, wen» die Firma sich hierzu selbst bereit erklärt. Die im Ausstand stehenden Töpfer erwarten, daß der Zuzug nach M e i ß e n- C ö l l n, ebenso nach Zehren bei Meißen, woselbst die Firma neuerdings zu sabriziren sucht, streng ferngehalten wird. Es ist alsdann nicht ausgeschlossen, daß die Geschäslsleitung gezwungen wird, ihre bisherige Kampfes- weise aufzugeben. ZlnSland. Der Streik der italienischen Maurer in Luzcrn, so berichten bürgerliche Blätter, ist bis jetzt ruhig verlaufen Das aufgebotene Militär hat das Kriegshandwerk mit dem Polizeidienst vertauscht. Die Verhandlungen der Ausständigen mit den Baumeistern sind völlig gescheitert. 247 Italiener wurden von den Baumeistern auf die„schwarze Liste" gesetzt, sind somit von den Bauplätzen der dem „Schweizerischen Banmeisterverband" angehörigen Meister ausgeschlossen. Ein Versuch, Tiroler Maurer herbeizuziehen, schlug fehl; die Angeworbenen kamen nicht. Voraussichtlich werden die Ausständigen durch den Streik nichts gewinne». Viele derselben sind bereits abgereist. Dem Kanton Luzern kostet die Sache wegen des Militäraufgebols täglich 700 Franken. Die schweizerischen Schncidcrgcscllen gedenken nächstes Frühjahr in einen allgemeinen Streik einzutreten. wenn bis dahin gewisse Tarisstreitigkeiten nicht beigelegt werden können. Mit dem Verbände der Arbeitgeber sind Unterhandlungen angeknüpft. Die Alarmnachrichtc» deutscher bürgerlicher Blätter, als ob von der sozialistischen Partei Belgiens unter allen Umständen auf einen Bergarbeiter-Streik hingearbeitet werde, der am l. Noveniber zum Ausbruch kommen soll, find zum theil direkt falsch, zum theil übertrieben. Ei» allgemeiner Ausstand ist für den F�ll der Ablehnung einer Lohnerhöhung wohl beschlossen, aber vom Berg- a r b e i t e r- V e r b a n d.'Aber auch dieser arbeitet nicht auf den Streik hin, sondern sucht ihn möglichst zu vermeiden. In einer Sitzung des Lütticher Verbandes wurde de» Delegirten anempfohlen. zunächst alle gangbaren Wege zu beschreiten, mit der Exekutive in Verbindung zu bleiben und nicht selbständig vorzugehen. Anö dem Kohlendistrikt von Leus wird gemeldet, daß das Referendum der Bergleute der Carvin-Gcfellschaft, die gegen die geringen Löhne protestiren, zu g n n st e n d e S A u s st a» d e s ausgefallen ist; 347 Stimmen erklärten sich für. 144 gegen den Streik. Trotz dieser Majorität zu gunstcn der ArbeitseinsteNnng hofft, man dank der Intervention des Deputirten Basly(soz.), bei dem Präsidenten des Berwaltungsraths der Gesellschaft ein Ein- vernehmen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern herbeizuführen. Z»m Kampf der englischen Maschincilbancr liegen heule folgende Nachrichten vor: Das Handelsamt richtete an die Sekretäre des Nrbeitgebcrbundes im Maschinenbangewerbe ein gleichlautendes Schreiben, das ans die beklagenswerthen Folgen, die aus einer Vcr- längernng des Gewerbestreites dem Lande wahrscheinlich erwachsen würden, hinweist und der Znstiinmung beider Parteien einen all- gemeinen Entwurf der Grundlagen für eine Konferenz unterbreitet, worin unter anderem die Zurückziehnng der Forderung des Achlstnndentages für die Duner der Konferenz enthalten ist. — Die Kesselbaner der Londoner Schiffsreparatur- Werkstätten streiken weiter, trotzdem sich die Gewerkschaftsleiter für Anfnahine der Arbeit erklärten. Dagegen wird aus West- Hartlcpool gemeldet, daß die dortigen Maschinenbauer eine namentliche Abstimniiing vornehmen wolle», ob die Arbeit wieder anfge- iiommen werden soll oder nicht. Tom Mann ist nach'Amerika ab- gereist, um dort Propaganda für die Ansständige» zu machen. Ter große Londoner Chokoladenfabrikant Cadbniy hat an John Bnrns geschrieben:„Arbeitskriege sind, wie solche zwischen Nationen, derer unwürdig, die sich Christen nennen. Zin vorliegenden Falle sind die Arbeitgeber mehr zu tadeln, weil sie eine schiedsgerichtliche Entscheidung ablehnen. Solange sie dabei beharren, werde ich dem Verein der Maschinenbaner wöchentlich 50 Lslr. schicken." Der Konsumverein von Crewe hat den Streikern 500 Lstr. versprochen. Eine Fülle anderer Zlrbeiter-Organisationen hat kleine Beträge gesandt. Eine Depesche ans Glasgow meldet, daß die dortigen Unternehmer erklärt haben, es sei keine Aussicht vorhanden, daß der Vorschlag des„Board of trade", eine Konserenz abzuhalten, angenommen werde. Eine Einmischnng sei überhaupt nicht nolhwendig._ Soziales. Ii, der Lnngcnhcilanstalt von Dr. Walker in G ö r b e r s- d o r f in Schlesien sollen, wie uns versichert wird, von den zur Unterhaltung der Patienten ausliegenden Tagesblättern u. a. die Berliner„Volkszeitung" abgeschafft worden sein, während stockreaktionäre Zeitungen beibehalten würden. Bekanntlich hat der neue Leiter des Reichs- Versicherungsamts, Herr Gäbel, in einem vertraulichen Schreiben die Vorstände der Berufs- genossenschaften und Versicherungsanstalten ersucht, darauf hin- znwirken, daß zum Zweck der Bekämpfung der Sozialdemokratie in den Heilanstalten die frömmelnden Schriften des christlichen Zeit- schristenvereins in Berlin ausgelegt werde» sollen. Eine Folge dieses für den neuen Kurs im Reichs-Versicherungsamt bezeichnenden Ersuchens scheint die von der Walker'schen Anstalt vorgenommene Neuerung im Zeitiittgsabonnement zu sein. Ist das zutreffend, so könnte man nur bedauern, daß eine Anstalt von dem wissen- schaftlichen Rufe der Görbersdorfer sich dazu hergiebt, derartige Bestrebungen zu unterstützen. Der Stadtrath von Leipzig hatte bei den Stadtverordneten beantragt, 500 M. zu den Kosten der F e i e r des 25 j ä h r i g e n Best ehe ns des Note nstechergehilfen- Verbau des zu bewilligen. Die Vorlage wurde einstimmig ab- gelehnt. Die„Leipziger Volkszeitung" sagt darüber:„Es ist ein Unikum, daß ein gewerkschaftlicher Arbeiterverein einen Bei- trag zu festlichen Veranstaltungen aus dem Säckel der Steuerzahler beansprucht. Bei der prinzipiell gegnerischen Haltung der sozial- demokratischen Stadtverordneten gegenüber Geldverwilligungen zu patriotischen wie privaten Festlichkeite i trat selbstverständlich keiner der Arbeitervertreter für die Rathsvorlage ein." Abgelehnt hat der Hamburger Senat das an ihn ge- richtete Gesuch des dortigen Vereins der Milchhändler, die Beschäflignng von Schulkindern zum Austragen von Milch in den Frühstnnden vor der Schule zu gestatten. VevreumnUmgett. In der Generalversammlung deS sozialdemokratischen Rgitationsvcreins für den Reichstags-WahlkretS Stralsund- Franzbnrg-Rügen gab der Vorsitzende Bericht über die Thätigkeit des Vereins. Es wurde an Material 25 Kilogramm gesammelt und dem dortigen Vertrauensmann überwiesen. Der Kassenbestand ergab eine Einnahme von 36,90 M. und eine Ausgabe von 3,61 M., dazu Bestand vom verflossenen Quarta! 47,10 M., verbleibt Bestand 60.39 M. Zum Vorsitzenden wurde S ch u l d t, zum Schriftführer 57 r u s ch w i y, als Revisor wurde K! ü b e r gewählt. Die Vereins- sitzungen finden im Winterhalbjahr jeden ersten Sonntag nach jedem 1 und 15. des Monats Jüdenstr. 36 bei Mörschel statt, in welchen Mitglieder aufgenommen werden. Die Maurer hielten am Donnerstag eine öffentliche Versamm- lung ab Vor Eintritt in die Tagesordunng ehrten die Theilnehmer das'Andenken des Genossen Grillenbcrger durch Erheben von den Sitzen. Dann berichtete das Lohnkommissions-Mitglied Metzke über die gegenwärtige Situation. Dieselbe sei zwar keine besonders gute, jedoch sei es gelungen, in mehreren Fällen den Versuchen der Unternehmer, den 60 Pfennig-Slnndenlohn herabzusetzen, mit Erfolg entgegenzutreten. Im allgemeinen gingen die Maurer, dem Rathe der Lohnkonimission zufolge, mit den Bansperren jetzt vorsichtiger vor, sodaß Sperren jetzt nur»och selten zu verzeichnen wären. Zur Zeit würden noch 51 Kollegen als Gemaßregelte niilerstützt. In der Diskussion wurde ein Fall besprochen, wo sich die Steinlräger eines Baues mit den Maurern, welche einen Konflikt mit dem Unter- nehmer hatten, solidarisch erklärten und sich weigerten, mit den streilbrcchenden Akkordmaurern znsammciizuarbeilen. Da die be- treffenden Steinträger für ihre Person keinen Anspruch aus die ihnen von den Maurern zugesagte Streikunterstützniig machen, so überivies die Versammlung dem Verband der Bauarbeiter die Summe von 100 M. Ferner wurde beschlossen. zwei Maurer. die auf einem Bau in llieinickendors(außerhalb des Streikgebiets) wegen Sammelns zum Streikfonds der Berliner Maurer gemaßregell worden sind, in der üblichen Weise zu nnterftiitzen. Hierauf wurde die in einer früheren Versammlung abgebrochene Debatte über die Abrechnung de? Kassirers der Lohnkommission sortgesetzt. Ans Beschluß jener Versammlung ist eine erneute Revision vorgenonimen worden. Ueber das Er- gebniß derselben berichtete der Revisor Worin: Die Ab- rechnung habe sich als eine durchaus ordnungsmäßige heraus- gestellt. Die Revisoren hätten nur einige Druckfehler und einige unwesentliche irrthümliche Eintragniigen festgestellt, und ein Defizit von 41 M. gefunden, was in anbetracht der großen Snnimen, die der Kassirer zu verwalten halte, ein sehr unbedentendes sei. Er beantrage, dem Kassirer Decharge zu erlheilen und das Defizit niederzuschlagen. Der Antrag wurde einstimmig angelioinmen. Zum Schluß entstand ans Anlaß eines bestimmten Falles eine lebhafte Debatte darüber, ob das Prinzip, mit solchen Maurern, die sich während des Streiks unsolidarisch verhalten haben. nicht znsammen zu arbeiten, unter allen Umständen durchgeführt werden solle. F r i t s ch warnte eindringlich vor einem allzu scharfen Vorgehen gegen ehemalige Streikbrecher. Die Folge davon würde eine schroffe Trennung zwischen zielbewußten und in- differenten Maurern sein, nnd die Möglichkeit, auf die letzteren ein- zuwirken, werde unter solchen Umständen sehr erschwert. Es fei nicht rathsam, wegen eines einzigen Indifferenten, der auf einem Bau unter zielbewußten Kollegen arbeite, einen Konflikt herbei- zuiühren, umsoweniger, da zahlreiche Unternehmer jetzt die Zeit für gekommen erachten, um Lohnkürzungen vorzunehmen. Diese Aus- sührnngen Fritsche's veranlaßten den Maurer Dalski zu dem An- trage, man möge die Lohnkommission aufheben. Der Antrag wurde in der Diskussion von allen Seiten als ganz unbegründet bezeichnet nnd einstimmig abgelehnt. Tentschcr Holzarbeiter- Verband. Eine gut besuchte Der- Iraueusmänner- Versammlung tagte am 20. Oktober bei Cohn, Benthstraße. Kollege Kniize rcserirle über die Aufnahme einer Statistik im Holzarbeitergewerbe. Er gab einen kurzen Ueberblick über die Betheiligung an der letzten von dem Verbände auf- genommenen Statistik Der Referent ging sodann auf den Werth einer Statistik für die Agitation ein und ersuchte die Anwesenden, in den Werkstellcn dafür zu sorgen, daß durch eine rege Betheiligung und durch korrekte Nnsfüllung der Fragebogen die diesjährige Statistik an Werth alle vorhergehenden übertreffe. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung schilderte Kollege Glocke in kurzen Zügen den Kamps der englischen Maschinenbauer um den Acht- stundentag. Redner weist nach, daß dieser Kampf zur Genüge zeige, daß die Bourgeoisie der ganzen Welt die gleiche sei, wenn es gelte, ihre ökonomische Machtposition gegenüber den Arbeitern zu behaupten. Dieser Kampf zwischen Kapital und Arbeit würde allem Anschein nach bis zur beiderseitigen Erschöpfung ausgetragen. Da es sich um eine Forderung handelt, welche die Arbeiter aller Nalioncn ans ihre Fahne schreibe», niiiffe den englischen Maschinenbauern als Vorkämpfer für diese Forderung auch die Unterstützung aller Arbeiter zu theil werden. Die Versammlung bewilligte als I.Rate 2000 M. Die anwesenden Vertrauensleute verpflichteten sich für Absatz der wöchentlichen Streikmarken zu sorgen nnd dafür zu wirken, daß für die Maschinenbauer in den Werkstätten gesammelt wird. Die gesammelten Gelder sollen ans dem Arbeitsnachweis abgeliefert und im„Vorwärts" quittirt werden. Kollege M a a ß be- richtete sodann über die im Monat Scptcmber-Oktober staltgesnndenen Werlstallstreiks und die Differenzen, unter denen der Streik bei E q n i y und bei E b e r h a r d t besonders hervorgehoben wurde. Eine öffcntlichcKorbinachcr-Bcrsamnilung, die am2l. Oktober bei Cohn tagte, beschäftigte sich mit dem Hamburger Streik. Dort sind jetzt über 400 Korbmacher ausständig, weil die Unternehmer versuchten, den Lohn herabzudrücken. Die Einigungsversuche scheiterten an der ablehnenden Hallnng der Unternehmer. Die Hamburger Firma Schräder soll nun der hiesigen Firma Rob. Schmidt die An- fcrtignng eines Postens Kugelkörbe übertragen haben; feststellen hat sich das jedoch nicht lassen. Rieth- Spandau erklärte hierzu, daß die Spandauer Gcschützgießerei der Hamburger Firma Schräder 6000 Körbe abgenommen und der Firma Schmidt- Berlin übertragen habe. Die bei dem Hamburger Ausstand in betracht kommenden drei Firmen hätten sich nach ihm bestimmt zugegangener Mittheilung darin geeinigt, sünfzigpfennigweise Abzüge zu machen, zu gleichem Vorgehen auch die Spandauer Fh»ia Krüger aufgefordert, hätten hier jedoch kein Entgegenkommen gefunden. Ermuntert zu ihren Llbzugsgelüslen seien die Hamburger Unternehmer nur dadurch, daß in Berlin Abzüge vorgekommen seien, und das sei einzig Schuld der Arbeiter. Die Unternehmer hätten bei Annahme der'Arbeit durchweg mit dem hohen Lohnsatz gerechnet, die jetzigen Abzüge fließen einzig als Mehr in ihre Tasche». Allem Anscheine nach seien die Aufträge noch nicht alle erledigt, es heiße jetzt Front machen gegen jegliche Lohnrednklion; wenn angängig, müsse versucht werden, den anfangs festgesetzten Lohn zurückzuerobern. Im weiteren Laufe der Diskussion wurde sowohl die Frage der Uttterstützung der Hamburger Kollegen, wie die der Gründung eines öffentlichen Streik- fonds eifrig ventilirt. Beschlossen wurde, sofort pro Mann und Woche 1 M. zum Streiksonds des Korbmacher-Verbaudes zu zahlen, um, wenn es noth thne, die Hamburger Kollegen finanziell unter- stützen zu können. Eine öffentliche Schuhmacher- Versammlung tagte am Donnerstag im Lokale„Königsbank", in der eingangs das Ableben des Genoffen Grillende rger durch Erheben von den Plätzen geehrt wurde. Alsdann erstatteten die Revisoren Bericht über die letzte Kassenlegung der Agitationskomniission, nach welcher einschließ- lich eines alten Bestandes von 1117,98 M. eine Einnahme von 2378,85 M. und eine Ausgabe von 2361,12 M. zu verzeichnen ist, so daß ein Bestand von 18,73 M. verblieb. Die Versammlung ertheilt dem Kassirer auf Antrag der Revisoren, die Bücher nnd Kasse in bester Ordnung befunden hatten. Decharge. Bemängelt wurde, daß noch zwei Fabriken mit ihren Beiträgen im Rnckstande find. Ueber den Streik bei der Firma Richter n. Co. wegen Lohiidifferenzen wurde berichtet, daß dieser nach kurzem Siingen zu gunsten der Arbeiter trotz dem Bestreben des Unternehmers, durch Inserate Streikbrecher zu erhalten, beendigt ist. was wohl vorzugsweise dem Umstände zuzu- schreiben sei, daß sämmt'.iche betheiligte Arbeiter organisirt waren und sich während des Streiks musterhast führten. Unter Verschiedenem wurde angeregt, den Modus des Sammelwesens für den Streikfonds dahin abzuändern, daß den Vertrauensleuten der einzelnen Betriebe ein gewisser Baarbeftand überlassen bleiben möge, worüber jedoch kein Beschluß gefaßt wurde. Anschließend an diese Debatte nimmt die Versammlung einen Antrag an. nach welchem die Entschädigung an die Bertrauensleiite für Sitzungen abgelehnt wird. Von der Firma Rosenthal (Schöneberg) wird berichtet, daß seitens der Geschäftsleitung den Arbeitern der Besuch der Schuhmacher-Versammlungen und das Ver- kehren im Obst' schen Lokale untersagt wurde; man gedenkt, in nächster Zeit die betreffenden Arbeiter energisch zum Anschluß an die Organisation aufzufordern. Fiir Johannisthal nnd Nicder-Schöncweide fand am 13 Okt. in der Borussia-Brauerei zu Nieder-Schöneweide eine ö f f e n t- l i ch e P a r t e i v e r s a m m I n g statt, in welcher zunächst der Ver- tranenSniann John seinen Jahresbericht erstattete. Er hatte eine Einnahme von 243,67 M und eine Ausgabe von 171,75 M, mithin bleibt ein Bestand von 76,92 M. Im Anschluß hieran richtete er einen Appell an diejenigen Genossen, welche zwar bei der Wahl unserem Kandidaten ihre Stimme geben, sich sonst aber das ganze Jahr nicht um die Bewegung kümmern, angesichts der bevorstehenden, für unsere weitere politische Entwickelnng so hoch bedeutsamen Reichslagswahlen sich unverzüglich dem hiesigen Arbeilerbildnngsverein anzuschließen. Besonders ermahn teer diejenigen, die immer noch gedanken- los genug sind, die gegnerische Presse mit ihrem Gelde zu unterstützen, das Schädliche ihres Verhaltens einzusehen und aus den„Vorwärts" zu abonniren. Auf Antrag des Revisors Schön icke wurde dem Vertrauensmann John von der Versammlung Decharge ertheilt und hierauf für das kommende Jahr wiedergewählt. In die Lokal- kommission werden John, Weber und 3! e i ch e r t, nnd zu Revisoren B a u m a n n, K r o h n e und Mann gewählt. Hieraus erstattete Eberhardt den Bericht über den Hambnrger Parteitag. Durch Beifall bekundete die Versammlung am Schlüsse seiner Ansführnngen ihr Einverständniß mit denselben. Da der Oekonom der Branrei, der sonst unbeschränkte Konzession hat, an den Tagen, an welchen er sein Lokal den Arbeitern zur Versammlung zur Verfügung stellt, auf Befehl des Herrn v. Oppen um 10 Uhr schließen muß, so konnte leider eine eingehende Diskussion nickjt mehr stattfinden und mußte deshalb die Versammlung nach einigen kurzen Ansführnngen geschlossen werden. I» Charlottenburg tagte am Dienstag, den 19. Oktober. eine öffentliche K o m m u n a l w ä h l e r- V e r s a in m l n n g. Stadtverordneter B a i e r hielt das mit großem Beifall entgegen- genommene Referat, lliedner führte aus. daß er nebst seinem Ge- nossen Wernicke oft schwere sZeite» durchzumachen hätte, und daß ihre Anträge infolge der Slarrköpfigkeit der Gegner in der Stadt- vcrordneten-Versammlung meist niederaestimmt werden. Redner be- leuchtete sodann noch die miserablen Löhne der städtischen Arbeiter. welche auch unseren Genossen Veranlassung gaben, in der Stadt- verordneten-VersammIung— natürlich ohne Erfolg— für Aufbesserung derselben einzutreten. Nur in der Gasanstalt wurden, aber auch nur einigen. Arbeitern Lohnzulagen bewilligt. Um mehr für die Arbeiterschaft erreichen zu können, fei es Pflicht der Parteigenossen. am 16. November bei der Wahl ihre Stimme dem sozialdemokrati- schen Kandidaten zu geben. Nachdem noch von mehreren Rednern die Parteigenossen ermahnt worden waren, recht rege für die Wahl zu agitiren, schloß die Versammlung mit einem Hoch ans die Sozial- demokratie. In Spandan fand am Donnerstag eine öffentliche Partei- Versammlnng statt. Genosse D u ck s ch widmete dem so früh dahin- geschiedenen Mitkämpfer, Genossen Grillen berger, einen kurzen Nachruf, die Versammelten ehrten den Tobten durch Erheben von de» Plätzen. Hierauf erstattete Genosse S ch r ö e r Bericht über den Hain- bnrger Parteitag, in dem er sich über die Schippel'sche Aeußerung und den Beschluß beireffend die Betheiligug an den Landtagswahlen ein- gehend verbreitete. Der Vertrauensmann Grieben erstattete als- dann den Kassenbericht für die Zeit vom 1. November 1896 bis 30. September 1897, in welchem Zeitraum eine Einnahme von 1425,56 M. und eine Ausgabe von 1328,66 M. zu verzeichnen war. Auf Antrag der Revisoren wurde Grieben Decharge ertheilt. Aus dem Bericht des Vertrauensmannes Pieper ging hervor, daß im letzten Jahre 9 Versammlungen, 2 Agitationstouren auf das Land nnd eine solche in Spandau selbst stattfand; die Presse werde leider noch immer wenig gelesen nnd die Parteispedition am Orte fresse die Ueberschusse der Buchhandlung auf. Bei den sich hierauf anschließenden Neuwahlen wurden ge- wählt: Als Vertrauensleute: Grieben und Pieper: in die L o k a l k o m m i f s i o n: G e n n e r i ch, L a n k a n t, Kehl nnd 31 e i n e r t; in die P r e ß k o m m i s s i o n: Grieben, Pieper, SchorieS, Laukant nnd D u ck f ch; zu Revisoren: Gennerich, Senftleben nnd 3i e i n e ck e. Alsdann wurden zu Kandidaten für die bevorstehenden Stadt- verordnetenwahlen die Genoffen Schröer, Grieben. Müller nnd Feuerheerd aufgestellt. Nachdem Genosse Schröer noch auf die Bedenlnng der uns bevorstehenden Wahlen hingewiesen und Ducksch ans die am Sonnlag, den 31. d. M.. stattfindende Flug- blativerlheilung aufmerksam gemacht, wurde die gut besuchte Ver- sammlnng mit einem brausenden Hoch geschlossen. Depeschen untr letzte Mncheichten. Kiel, 22. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Genosse Königs aus London, der in einer Versanimlnng über den Acht- stundenkampf sprechen sollte, wurde vom Koniiniffar verhaftet. Tie von 2000 Personen besuchte Versammlung fand trotzdem statt. Genosse Wissel hielt das 3!eferat. Lebhaste Diskussion. Sämmt- liche 3iedner fanden stürmischen Beifall. Protestresolution an- genommen. Wien, 22. Oktober. Das Abgeordiietenhanz verhandelte heule von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends über die zweite Minister- anklage wegen der Vorgänge in Eger. Obstruktionsversnche kamen heute nicht vor. Dienstag wird die Verhandlung fortgesetzt. Pari?, 22. Oktober.(W. T. B.) Heule früh gegen 6 Uhr wurde Ranch in den unteren Räninen der deutschen Bot- schaft bemerkt; es bräunten die Holzvorräthe im Keller. Die Feuerwehr, welche bald zur Stelle war, hatte das Feuer um S'/s Uhr bewältigt. Der ganze Holzvorrath ist verbrannt. Den ganzen Vor- mittag war eine beträchtliche Menschenmenge vor dem Boischnfis- gebäude angesammelt. Die E u t st e h u n g s u r s a ch c des Feuers ist noch unbekannt. Rom, 22. Oktober.(W. T B.) Starker ununterbrochener Regen hat in 3iimii>i, Ancona nnd Recanati erhebliche Uebeischwemmungen verursacht. In 3ii»iini sind die tiefer gelegenen Sladltheile und Ländereien der Umgegend übcrflnlhet. In Ancona wurden die Bahn- linien nach Bologna, 3ioin nnd Foggia durchbrochen und in den benach-' harten Ortschnfien hat dasHochioasser schweren Schaden nnd auch einige Verluste an Menschenleben zur Folge gehabt. In 3Iecanati stürzte ein Haus nnd ein Theil der Sladtmaucr ein. Tie Stadt nnd die Felder sind durch das Austreten der Flußläufe unter Masser gesetzt und die Verkehrsstraßen infolge von Danimrntfchnngen unterbrochen. Rom, 22. Oktober. In Scnigallia verursachten Ueberschwem- ninngen sehr schweren Schaden. Das Waffer führte Vieh und Gerälbe mit sich fort, durchbrach Dämme. Mauer», Straßen nnd Brücken. Die Haltung der Truppen in ihrem schwierigen 3iettttng?iveik ist bewundeniswürdig. In Niniiiii ist das Wetter besser geworden, das Steigen des Wassers hat sich zusehends verringert, die äußerste Gc- fahr ist abgewendet. Petersburg, 22. Oktober.(W. T. B.) Der ,.3IcgiernngSbole" veröffentlicht den Bericht der Konimission zur Feststellung der Persönlichkeiten der ans dem Chodinkafelde im Mai 1896 Vcr- niiglückten. Die Gesammtzahl derselben wird ans 1429 angegeben. An die Angehörigen der Vernngliickten wurde eine Unlerstütziing im Betrage von 390 000 3inbel verlheilt. Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilage» Verantwortlicher Redakteur: August Jarobrtz in Berlin. Für den Jnseratentheil verantworilich; Th. Glocke in Berlin. Druck und Nr. 248. 14. IchMH. 1. AMgt ..................................................... Mommuncrles. Anö der MagistratSsitzung am Freitag. Behufs Berathimg der ueuieinsauie» Maßnahme» zur Beschickung der Pariser W c I l a n s st e l l n n g 190(1 seitens der Städte wird demnächst unter dein Vorsitz des Oberbürgermeisters Zelle eine Kommissio» aus Vertretern deutscher Städte gebildet werden.— Wegen Ankaufs des alten Polizei-Präsidial- Gebäildes am Molkenmarkt seitens der Stadtgemeinde soll nach Beschluß des Magistrats- Kollegiums mit den Staatsbehörden in Verhaudlung getreten werden.— Nach einer Anffiellnng des Gaskuratorinms, welche in der gestrigen Sitzung de- Magistralskollcgiums zur Mitlheilung gelangte. sind von den gegenwärtig vorhandenen 22 096 Straßenlaterne» bereits 11 483 mit G a s g l ü h l i ch t versehen, es sind daher»och 40 523 Laternen damit einzurichten. Bei der Einrichtung mit Gas- glühlicht ist eine jährliche Ersparniß von 4 Millionen Kubikmetern Gas erzielt worden. Zur Einrichtung säniintlicher öffentlichen Straßenlaternen, mit Ausschluß derjenigen auf Schönebcrger Gebiet, werden rnnd 10 Millionen Kubikmeter Gas erforderlich sei», es würde demnach eine jährliche Ersparniß an Gas von 7 Millionen Kubikmetern eintreten. Das Magistralskollegium hat daher beschlossen, die Gasdeputation zu beauftragen, mit der Uniänderung der oben erwähnten Laternen, welche noch nicht mit Gasglühlicht versehen sind, schleunigst vorzugehe».— Der General- Kommissar der deutschen Ablheilung der Brüsseler W e l t- A u s st e l l n» g 1897, Geh. Kominerzien- rath M. Guenther, hat dem Magistrat die Mittheilung ge- macht, daß das Internationale Preisgericht der diesjährigen Weltausstellung in Brüssel ihm die„Goldene Medaille" verliehen habe. Das diesbezügliche durch die königl. belgische Regierung aus- gestellte Diplom werde dem Magistrat gegen Anfang des nächste» Jahres zugesandt werden. Die hiesige Stadtverwaltung halte Pläne und Photographien der städtischen Badeanstalten in Brüssel aus- gestellt.— Magistratsdiener B u n z e l hat bereits eine 80 jährige Dienst- zeit absolvirt und versieht bei der Stadtverordneten-Versammlung seit 34 Jahren seinen Dienst. Das Magistratskollegium hat hieraus Veranlassung genommen, z» beschließen, dem Beamten bei seinem dcreinstigen Ausscheiden aus dem Amte das volle Gehalt als Pension zu gewähren.— Der Magistrat hat der Aktiengesellschaft Berliner Elektrizität?- werke jetzt die Genehmigung zur Verlegung der für den eleltrischen Betrieb der beide» Linien der Großen Berliner Pferdc-Eiseubahn- Gesellschaft. Alexanderplatz— Schöneberg und Deuiminerstraße— Kreuz- berg erforderlichen Speisekabel erlheilt. Die Parteigenosse» im bierteu Wahlkreise(Osten) werden ausgesordert, sich an der F l u g b l a l t- V e r b r e i l u» g zu den Stadtverordnete«wählen, die am Sonntag Morgen er- folgt, rege zu betheilige». Die Verbreitung findet morgens 8 Uhr von folgenden Lokalen aus statt: für den 25. Wahlbezirk: Roggen- do.f, Poseuerstr. 5; Kurz, Mühlenstr. 8; Nitschke, Memelerstr. 35. Jnr de» 26. Wahlbezirk: Zabel, Frankfurter Allee 90; Frauke, Fuedrichsbergerstr. 11; Bogel, Elbingerstr. 9. Achtung, Parteigenossen! Au, Montag, den 1. November, findet im Lokale Sanssouci in der Kollbuserstr. 4a, eine Volks- v e r s a m m l u n g statt, in welcher Reichstags- Abgeordneter Paul Singer über die Frage:„Haben die Frauen ein Interesse an den Stadtverordneten-Wahlen?" eine» Vortrag halten wird. Die Partei- genossen werden schon jetzt aus diese Bersammlung hingewiessn. Die Vertraucnsperson. Gegen die Herabsciinug der Frequenz der Gemetndeschul- klaffen, die von den Arbeitervertreler» in der Stadtverordneten- Versammlung wiederholt gefordert worden ist, wird in der Stege! als wichtigstes und bei den Gegnern dieser Forderung ausschlag- gebendes Moment angeführt, daß die K o st e n zu bedeutend sein würde». Soll z. B. die Durchschnittssrequenz auch nur um ein einziges Kind pro Klasse herabgesetzt werden, so giebt das, sagt man, bei jetzt etwa 3700 Klasse» allein schon 3700 Kinder, für die neue Klassen und Schulen geschaffen und neue Lehrkräfte angestellt werden müssen. Stadtschulrath Bertram berechnete vor einigen Wochen in der Stadtverordneten-Versammlung bei einer solchen Frequenz. debatte die Zahl der Klassen, die bei Herabminderung»in nur je 1 Kind neu einzurichten seien, auf 740, wurde aber durch sofortige Erwiderung ans der Versammlung heraus darauf aufmerksam gemacht, daß er sich in der Eile verrechnet und eine Null zn viel angegeben hatte. Mit einem umfangreicheren Rechenexempel wartete in der letzten Stadlverordnelen-Sitzung Stadtverordneter Weber seine» erstaunten Zuhörern auf, um den die Herabsetzung der Maximal- frequenz fordernden Antrag Borgmann und Genossen als undurch- führbar darzuthun. Er meinte, bei Herabsetzung des Maximums auf 40 müßten, da das jetzige Maximum in der Oberstufe(Klasse 1 und 2) 50, in der Mittelstufe(Klasse 3 und 4) 60, in der Nnterstufe (Klasse 5 und 6) 69 sei, über 73 000 Kinder anderweitig»nter- gebracht werden, was 102 neue Schnlen(a 18 Klaffen zn je 40 Kindern) und aNein an Grundstücks- nud Baukosten über 43 Millionen erfordere. Natürlich stimmte auch dieses Exempel nicht. Herr Weber mußte darüber belehrt werden, daß er sich an unrechter Stelle als Finanzkünstler versucht habe, da ja der Antrag eine Herabsetzung auf 40, obwohl das dasJdeal sei, noch garnicht verlange. Das Rechenexempel des Herrn W. leidet aber»och an einem anderen Fehler. Er hat angenommen, daß bei Herabsetzung auf 40 jede Klasse der Oberstufe 10, jede der Mittelstufe 20, jede der Unterstufe 29 Kinder abgeben müsse. Nun hat ja aber— glücklicherweise— nicht jede Klasse die Maximal- sreqnenz. Die Zahl der überzähligen Kinder und dementsprechend die Koste» für neue Schulen dürften sich also selbst dann erheblich niedriger stellen, wenn wirklich gleich 40 als Maximum verlangt würde. Wie wenig Grund vorliegt, die Kosten für unerschwinglich zn halten, das beweist folgende Berechnung, die wir dem aufsehenerregenden Rechenexempel des Herrn W. entgegenstelle». Nach dem Stande von Anfang 1396 betrug die Durchschnittssrequenz in Ober-, Mittel- und Unterstufe bez. 43—44, 53—84 und rund 59, bei einem Maximum von 50, 60 und 69. Wird die Durchschnittssrequenz zunächst ans 40, 45 und 50 herabgedrückt, wobei es durch- aus angängig ist, als Maximum 50. 55 und 60 festzuhalten, so ist das schon ein bedeutender Fortschritt gegen heute. Dann sind aber, nach dem Stande von Anfang 1896, nnr sür 25 775 Kinder neiie Schulen zu schaffen. Rechnet man pro Schule 18 Klassen mit 810 Kindern, so giebt das 32 neue Schnlen mit etwa 13 Millionen Mark Grundstücks- und Baukosten. Nach dem Stande der nächsten Jahre würden sich die Zahlen natürlich etwas erhöhen. Es bedarf wohl kaum erst der Erwähnung, daß, da so viel Schule» nicht in einem Jahre errichtet werden könne», die Kosten sich auf eine Reihe von Jahren vertheilen würden, sodaß von Unerschwing- lichkeit keine Rede sein kann. Es schien am Donnerstag beinahe, als ob der Antrag unserer Genossen wieder nach dem bekannten und oft bewährte» Rezept:„Denn eben, wo der gute Wille fehlt, stellt sich zur rechten Zeit'ne Ausflucht ein", behandelt werden sollte. Es gelang jedoch, durchzusetzen, daß er der Schuldeputation überwiesen wurde, mit dem Auftrage, der Versammlung später darüber Bericht zu erstatten. Der deutsche Kaiser und der Held don Spenge wurden dieser Tage von dem antisemitischen Herr» Pretzel in einer Kirchen- Wählerversanimlung, die sich mit Jskraut befaßte, recht auffällig erwähnt. In einem Bericht, den die„Berl. Ztg." über diese Ver- samnilung bringt, heißt es u. a. in der Wiedergabe der Rede des Herrn Pretzel: „Es ist bedauerlich, daß das Konsistorium in seinem Erkenntniß sich hergiebt, sich direkt ans Zeitungsnrtheile zn berufen, wie zum Beispiel auf die„Neue Westsälische Volkszeilung", und daß das Konsistorium auf von Zeitungen erfundene Name» eingeht, wie zum Beispiel die„Schlacht bei Spenge". Nun folgen einige Nnssührnngen, die sich ans diese„Schlacht bei Spenge" beziehen, d. h. ans jene brutale Schlägerei zwischen sozialdemokratischen ZIrbeitern und einer vom Pastor Jskraut geführten, mit D r e s ch- flegeln und Heugabeln bewaffneten Schaar Spenge'jcher Bauern. Herr Pretzel sagte: Ich bin nun informirt, daß Se. Majestät der Kaiser das Verhalten Jskraut's in diesem Falle Spenge höchst anerkennend den, Regierungspräsidenten gegenüber besprochen hat, ja daß er sogar dem Re- giernngspräsidenten den ausdrücklichen Wunsch aus- gesprochen hat, dies Jskraut zu sagen!" Die„Berl. Ztg." ineint hierzu:„Auf die Autorität des Herrn Pretzel hin können wir allerdings nicht gut glauben, daß der Kaiser wirklich die ihm i» den Mund gelegten Aeußerunge» gethan hat." Wie dem auch sei, so fühlen wir uns doch verpflichtet, für weiteste Verbreitung der Aeußerungen des Herrn Pretzel zu sorge». Die Regierung hat es ja an der Hand, zu der Neuigkeit zu sage», was sie sür»ölhig hält. Kaiser Wilhelm>1- In Karlsruhe hielt der Kaiser am Donnerstag eine Siede zu Ehren seines Großvaters, den er als den „hohen in Gott Ruhenden" bezeichnete. In der Rede kommt eine Stelle vor, in der die B e r I i n e r A r b e i t e r erwähnt werden. Sie lautei: „In Berlin war es eine sehr hübsche Volkssitte, daß jeder Arbeiter, Bürger und Soldat, der an sei» Tagewerk schritt, wenn er an dem Fenster meines kaiserliche» Großvaters vorüberging und da meinen Großvater am Schreibtisch erblickte, hierin neuen M» t h zur Arbeit schöpfte und mit um so größerer Freude seinen Pflichten nachging." Es ifinde» sich in dem Blatte, das diese Rede bringt, keine näheren Mitlheilungen darüber, wie Wilhelm II. zu der Ueber- zeugung gekommen ist, daß eine solche„sehr hübsche Volkssitte" u. a. bei jedem Arbeiter, der unter bewandten Umstände» a» sein Tagewerk schritt, dereinst in unserer Stadt im Schwange war. Bnrcankratische Weisheit. I» einer kleine» Stadt in der Nähe von Berlin war ein Nestaurateur um Erweiterung seiner Konzession eingekommen. Darauf erhielt er von der Polizei- Verwaltung die Nachricht, daß dies Gesuch nur dann an den zn- ständigen Kreisausschuß weiterbefördert werden könnte, wen» ein F ü h r u n g s a tt e st eingereicht würde. Der Nestaurateur dachte sich zwar, daß die Polizei, als die einzige dazu kompetente Be- Hörde, sich sehr leicht ohne weiteres über seine Führung hätte äußern können, indessen thal er ein übriges, und olS er bald darauf sein Konzessionsgesnch von neuem direkt an den Kreisausschuß ein- reichen wollte, bat er vorher die Polizeiverwaltnng um das Führnngs- zeugniß. Diesmal schrieb ihm dicselbePolizeibehörde mit der Unterschrift desselben Beamten, der ihm kurz vorher die Nothwendigkeit des Führungsattestes mitgetheilt Halle, daß sie auf grund einer seil 5 Jahren ergangenen Ministerialverordnung überhaupt nicht zur Erthcilnng eines solchen Attestes befugt wäre, daß sie solches viel- mehr»nr ans Ersuchen einer Behörde erlheilen dürfte.— Da soll einem nun nicht der Verstand still stehen bleiben.— Auch ein Kampf zwischen Jnnkerthnm und Börse. Ein hiesiges Blatt, dessen zum Christenihum übergetretener„Cbes" in dem Sinfe steht, sich gern an aristokratische Kreise heranznschlängeln, weiß über einen Vorfall, der„in einem der hiesigen vornehmsten Klubs" passirt sein soll, folgendes zn berichten:„Zu den Mitgliedern gehört ein bekannter Ritlergutsbesitzer und Sportsman. Dieser Herr hat ans seiner Besitzung eine Tafel mit der Inschrift anbringe» lassen:„Hunden nud Juden i st der Eintritt bei Strafe verböte»." Als dies bekannt wurde, trat ein be- kanntcs jüngeres Mitglied unserer ältesten Hochfinanz aus dem Klub aus. Einer der angesehensten Berliner Bankdirektoren, welcher gleich- falls Mitglied des Klubs ist, richtete an den Vorstand ein Schreibe», worin er den Antrag stellte, daß von seilen des Direktoriums gegen den Rittergutsbesitzer eingeschritten werden möge. Der Vorstand antwortete, daß ein derartiger Schritt nicht innerhalb seiner Macht- besngniß liege, da der„Ort der That sich außerhalb Berlins befinde". Gleichzeitig wurde dem Antragsteller bedeutet, daß er, im Falle seines Austritts, jedenfalls»och den Jahresbeitrag auch pro 1893 zu erlegen habe. Wie wir hören, wird daraufhin der größte Theil der Mit- glieder seinen Austritt anmelden." Da hat der Juden- und Hundefeind etwas Nettes angerichtet. Wer wird jetzt den Edelsten und Besten Geld borgen? Ein Masscnspcisiuia mit Fische» wurde am Freitag Nach- mittag in der Nahrungsinittel-AussleUttng vorgenommen. Bekanntlich versucht man schon seil einigen Jahren, durch die Einführung von Seefischen die Volksernährung zn beeinflusse», und unterstützt zn diesem Zwecke die Bildung von Fischcrei-Gesellschasten, doch hat das alles noch nicht die zu wünschende» Erfolge erzielt; denn, wie jede Arbeiterfrau wissen wird, stellt sich ein Gericht Seefische kaum billiger wie die anderen Gerichte, die sie auf den Tisch bringt. Bisher ist höchstens durch den Seefisch eine Bereicherung der Speisen erzielt worden, oder vielmehr: Der Seefisch ist an die Stelle der Süßwasserfische getreten. Durch die Rallbfischerei, wie sie vielfach betrieben wurde, so z. B. von de» Holländern, durch die verschiedene Fischarten fast gänzlich ausgerottet worden sind, u. a. der Meifisch im Rhein und der Stör in der Elbe. und durch die störenden Flnßreguliritnge» und schädlicher Einflüsse der Ausbreitung der Industrie aus die Gewässer, sowie durch die Entwaldung großer Landstrecken, ist die Binnenfischerei zur Bedeutungslosigkeit in der Volkswirthschast herabgesunken. Dafür aber hebt sich die Hochseefischerei. Zu den vier- hundert Segelfahrzeugen der deutsche» Fischerflotte sind in den letzten Jahren über 80 Fischdampfer gekomme», die mit sogenannten Baumschleppnetze» Massenfang betreiben. Die Fische werden sofort an Bord ausgeweidet und in Eis verpackt. Man versucht so, de» Seefischhandel des Auslandes nach Deutschland lahm zu legen, durch den an 40—50 Millionen Mark jährlich nach Dänemark, Holland und anderen Staaten fließen. Das dürfte aber kann, gelingen, den» bei dieser Summe kommt nnr etwa ei» Zehntel für Fische in betracht, die auch im dentsche» Fischgebiet gefangen werden: an 40 Millionen Mark nämlich bezahlen wir an das Ausland für Heringe, deren Fang gewissermaßen ein Monopol desselben bildet. Durch zweck- entsprechende Vervollkommnung der Fischerschnlen, in denen die Fischer über die Lebensweise, Wanderungen und Laichzeit der Fische, sowie lohnende Fangweise unterrichtet werden, ferner durch Verbesserungen des Vertriebes des Fanges wird aber doch viel zu erzielen sein, um den unermeßlichen Reichthum des Meeres nutzbar zu machen. Die Speisung selbst verlief nicht ganz glatt. Frau Lina Morgen- stern hatte die Bereitung und Vertheilung der Speisen übernommen, die unter Schwierigkeiten vor sich ging. Fische dürften sich wegen ihrer umständlichen Zerlegung kaum für die Masseuernährung eignen. Sie würden sich auch zu iheuer stellen, wenn man nicht rationeller verfährt, wie bei der Speisung. Für 500 Mann waren nämlich 6 Zentner Fisch nöthig, die einen Werth von 160—130 Mark dar- stellen. Es kämen also ohne Znlhate» auf den Mann mehr wie 30 Pfennig. Die Fischhandlung E. Lindenbera, von der die Fische unentgeltlich geliefert wurden, hat also höchstwahrscheinlich den Soldaten nur einen Festtagsschmaus bereitet, wenn nicht die Militär- Verwaltung direkt mit Fischerei-Gesellschaften abschließt, die in neuester Zeit sich an Fabrikanten wenden, die große Posten Seefisch beziehen und sie für 14—16 Pfennige das Pfund an ihre Arbeiter abgeben. Auf diesem Wege kann der Seefisch volksthümlich werden, doch haben Zmebeud, 23.®litoIi« 1897. sich die Arbeiter vor einer Reueinführung des Trucksystems zu hüten! Tie Barbier-, Friseur- und Perrnckeumacher-Junnug theilt uns mit, daß die Meldung einer Zeitungskorrespondenz, wo- nach der auf 15 Pf. erhöhte Preis für Barbieren allgemein wieder nuf 10 Ps. zurückgegangen fei, durchaus nicht zutreffe. Eine große Anzahl Barbiere haben die Preiserhöhung durchgeführt und das Publikum erkenne deren Berechtigung an. Ter„Mnsikcrstrcik" in der Mcyder'sche» Kapelle gründet sich, wie das„Berl. Tagebl." weiter hört, unter anderem auf den Umstand, daß Herr Meyder seinen materiellen Verpflichtungen gegen die Orchesiec-Mitgliedcr nicht nachkam. Er vorenthielt ihnen am 16. d. M. die Gage und zahlte auch der Besitzerin des„Luisen- hoses" in der Dresdenerstraße die fällige Miethe nicht. Die Musiker sind also ganz nuverschuldet in eine sehr bedrängte Lage gerathcn. In Berücksichtigung dieses Umstandes hat ihnen die Besitzerin des genannten Konzertranmes den Saal für Sonnabend und Sonntag zur Versügung gestellt. Herr Meyder ist, wie verlautet, zu Schiff nach Kopenhagen. Ter Dentsche BolkShochschul- Verciu, Abtheilung Berlin, veranstaltet von Oktober ab in de» Aulen der Berliner Gemeinde- schulen abends S'/a Uhr pünktlich folgende unentgeltlichen Vortrags- kurse: 10 Vorträge über Physik mit Experimenten vom 9. Oktober ab jeden Sonnabend Gneisenaustr. 7(Oberlehrer Dr. Gleichen); 24 Vorträge über das Zeitalter der Revolution vom 12. Oktober ab jeden Dienstag und Donnerstag Hinter der Garnisonkirche 2 (Professor Dr. Wolsstieg); 6 Vorträge zur Einführung in die Philo- sophie vom 20. Oktober ab Dieffenbachstr. 60/61(Dr. Georg Rosen- thal); 6 Vorträge über Familienrecht vom 25. Oktober ab jeden Montag Genthinerstr. 4(Frau Sera Plölß); 3 Vorträge über Eni- Wickelung und Pflege des Kindes in den ersten Lebensjahren von, 25. Oktober ab jeden Montag Stallschreibcrstr. 54a(Dr. Michael Cohn); 14 Vorträge über Slrasrecht vom 27. Ollober ab jeden Mittwoch und Freitag Keibelstr. 31/32(Redakteur Dr. Wrede).— Der Zutritt zu diesen Vortragskursen, auch zu denen, die schon be« gönnen haben, steht jedem, Männern und Frauen, ohne weiteres frei. Vom nächsten Jahre an wird der Bolkshochschul-Verein außer Vorlragskurse» auch nnentgellliche Unterrichtskurse in Mathematik, fremden Sprachen, Stenographie ec. veranstalten. Neber die Einmischung der Polizei in eine Privat- Jnjnricnklagc berichtet das„Volt": In der Wohnung des Ches- Redakteurs des„Volk" erschien gestern ei» Schutzmann mit der mündlichen Bestellung. Herr v. Oertzen möge sich auf de», Polizei- bnreau in der Derfflingerslraße einfinden. Da die Drohung hinzu- gefügt war, es werde im Fall des Nichterscheinens eine Citation auf das Polizeipräsidium erfolge», so begab sich Herr v. Oertzen, um Zeilverluste zu vermeide», auf das Bureau. Hier stellte sich nun heraus, daß er in der beim königl. Anilsgericht anhängigen Privat« llagesache des Kommerzienraths Becker gegen die Redaltion des „Volk" vernommen werden sollte. Herr v. Oertzen erklärte zu den Akten, daß er jede Aussage zur Sache ablehne, da er gar nichr informirt sei, und bezog sich ans seine» Vertheidiger, der die(beiläufig sehr verwickelte) Sache bearbeitet habe. Merkwürdig muß es aber erscheinen,>vie»ud warum die Akten einer Privat-Jnjurien- klage vom königl. Amtsgericht auf das Polizeibnreau in der Derfflingerstraße komme» und inwiefern ei» Polizeiwachtmeister dazu kommt, in dieser Sache Feststellungen zu machen. Waschcinrichtnngcu sollen in Gemäßheit eines Erlasses des Ministers der öffentlichen Arbeiten»»»mehr auch in den durch- gehende» Wagen dritter Klasse für O-Züge angebracht werden. Die Einrichtungen werden nach Maßgabe der von der königl. Eisenbahn- Direktion Berlin dem Ministerium eingereichte» Zeichnungen und zwar bei Gelegenheit größerer Reparaturen an den in Frage kommenden Wagen driller Klasse ausgeführt werden. In dcr Herberge z»r Heimath in der Oranienstraße spielte sich gester»'Abend wieder eine jener Szenen ab, die sich so oft an dieser Stelle ereignen. Der 63 Jahre alle Kupferschmied Wilhelm Marowitz halte sei» Abendbrot auf dem Tische ausgebreitet und einige Gäste aufgefordert, mitzuspeisen. Dies ivar»ach Mittheilung eines Augenzengen dem Herbergsvater nicht recht und ohne weiteres wurde der alle Mann vor die Thür gesetzt. Nennt man das christlich? Einer Diebin, welche Nachts Schaukaste» mittels Nachschlüssels öffnete, sind eine große lederne Handtasche, eine Aktenmappe»nir 2 Schlössern, drei Portemoiniaies, eines in Brnstbeutelform, zwei Wandleller, auf jedem 1 Mönch und 2 Krieger(Zechgelage und Kartenspieler), eine Glasschale inil Ständer, ein Kasten aus Pappe mit verstellbare», Kalender, ein Thermometer mit Fliederblüthen eingefaßt, ei» kleines hölzernes regulatorförmigcs Uhrgehäuse, drei Bilder(Kai» und Abel, Haussegen, ei» Mann, welcher durch Ver- größerungsglaS eine Libelle betrachtet), 9 Korsetts, Haarbürste, Kleiderbürste, Seifendose, Glasbüchse mit Zahn- und Nagelbürste, aus einem Toilettennecessaire stammend, abgenommen worden. Die Eigenlhümcr wollen sich werktäglich vormittags zwischen 9 und 12 Uhr im Polizeipräsidium, Erdgeschoß, Zimmer 97, melden. Im Eisenbahnzngc erhängt hat sich gestern Abend der Diener Friedrich Wilhelm Berken aus dcr Ewineinüuderstr. 99. Als in Pankow Fahrgäste in de» Oranienburger Vorortzug einsteigen wollten, sahen sie in einem Abtheil 3. Klasse einen Mann an einer Schnur hängen. Eine Dame, die ihn zuerst bemerkte, schrie vor Schreck laut auf. Bahnhofsbeamte schnitte» de» Erhängten ab und versuchten vergeben?, ihn ins Leben znrückznrnfen. Bei eine». Brande um das Leben gekommen ist in London ein junger Berliner, der seit etwa drei Monaten dort ansässige 22jährige Handlungsgehilfe Berndt. Dcr junge Mann, welcher in einem größeren Manusaklnrivaaren-Geschäft der City in Stellung war, hatte in einem Vororte Londons ein Zimmer gemiethet. Ver« »»ithlich durch Unvorsichtigkeit des junge» Mannes entstand in der Nacht Feuer, welches erst ziemlich spät entdeckt wurde. AlS die Feuerwehr in das Zimmer drang, stand dcr ganz« Raum in Flammen; mit furchtbaren Brandivunden bedeckt, wurde Berndt ans dem brennenden Gebäude gebracht und nach einem Spital geschafft, wo er am Sonntag, wie den in Nixdorf wohnenden Verwandten des Berndt mitgetheilt wurde, unter entsetzlichen Schmerzen verstarb. Ein Kind verbrannt. Am 19. d. M. abends fiel dcr fünf« jährige Sohn des Pförtners des Jndustriegebäudes in der Komma»- daulenstraße, Wilhelm Kehr, in der Waschküche beim Spiele» in eine ans de», Fußboden stehende,»nit heiße», Wasser gefüllte Waschwanne und zog sich so schwere Brandwunde» am ganzen Körper zu, daß er am nächste» Tage nachmittags starb. Vermißt wird seit einige» Tagen die 17jährige Tochter Mar- garethe des Töpfermeisters Knoll aus der Brunnenstraße Nr. 121. Das Mädchen ging am Dienstag Vormittag um 9>/2 Uhr von Hanse weg, besuchte eines kranken Bruders wegen einen Arzt in der August- straße und ist seitdem nicht mehr gesehen worden. Selbstmorde. Infolge ehelichen Unfriedens versuchte nach« mittags die unverehelichte Schneider Panline P. in ihrer Wohnung in der Amalicnstraße ihrem Leben durch den Genuß von vergiftete», Weizen ein Ende zu machen. Sie wurde»och lebend in das Kranken- haus am Fricdrichshain gebracht.— Die sechzehnjährige Tochter eines in der Kurfürstenstraße wohnenden Briefträgers sprang aus einem Flurfe, ister im 4. Stock auf den Hof hinab, brach die Wirbel- säule und gab sofort ihren Geist auf. Vermuthlich hat Furcht vor Strafe das junge Mädchen in den Tod getrieben. Ein neuer Komet. Auf der Treptow-Slernwarte hat Herr Direktor Archenhold Mittwoch Abend den neu entdeckten Kometeir „Perrine" beobachtet, der i» Cassiopeia steht und sich»ach dem Sternbild Cepheus gegen den Nordpol hin bewegt. Man sieht in de», Kvmetenkopf mit dem Riesenfernrohr deutlich einen Kern, dessen' Helligleit gleich der eiueZ SterneZ 1l> G�öße zn sein scheint,«nd der von einer Gaehiille nmgeben ist. die sich 4— S Bogenseknnden weit erstreckt. Der gut ausgebildete Schweis läsit sich gegen zwei Aogeiuninuten iveit verfolgen und zeigt eine Helligkeit wie der Ring- nebel in der Leyer. Wegen der seltenen Erscheinung von 5io»ieten und deren nur kurzen Sichtbarkeitsdauer änderte sich die Beobach- tmigsordilung für das Liiesensernrohr dahin, daß in den nächsten Tagen von 2—4 Uhr die Sonne und sofort nach EouneiumUrgang bis Mitternacht der neue Komet beobachtet wird. Paul Pauli, der bekannte Schauspieler und dramatische Lehrer (ehemaliges Mitglied des Deutschen Theaters), welcher mit seiner ersten Schnleraufführnng von„Kabale und Liebe" eine» ansehnlichen Erfolg errang, veranstaltet wiederum an» Sonntag, de» 24. Oktober er.. im Bclle-AUiance-Theater eine Vorstellung zu kleinen Preisen und zwar gelangen zur Ausiührung„Die Geschwister",„Onkel Moses". in welchem Herr Pauli zum erste» Mal in Berlin den Moses Mendelsohn spielen wird; darauf folgt die drastische Posse„Monsieur Hercules". Fcnerbericht. Donnerstag Nbend 8s/4 Uhr war Große Franlfurterstr. 86 ein Gardinenbrand zu löschen. Freitag früh gegen 3 Uhr brannte W il h e l m st r. 413/113 in einer Druckerei ei» Arbeitstisch. Kurz»ach 3 Uhr vormittags halte» Pank- straße 45 Kleidungsstücke Feuer gefangen. In alle» Fällen war die Feuersgefahr bei Änknnst der Wehr bereits beseitigt. Um ö Uhr nachmittags erfolgte iltlarm nach C b a r l o t t e n st r a ß e 14, wo in der Bnchdrnckerei von Hayn's Erben infolge Kurzschlusses bei der elektrischen Leitung Funken auf leicht brennende Stoffe überflogen waren. 6>/e Uhr endlich wurde die Wehr»och nach S ch g„ I e i n st r a ß e 10 gerufen, wo ein Schornstein brannte. Die Feuermänner blieben zur Ve- obachtung des Feuers auf dem Brandherde zurück. Passage-Panoptikum. Die„Wiener Tanz- und Operettengcsellschaft", welche unter LeiNing des Wiener Musikdirektors Gothov Grüueke eine Tournee durch die europäischen Hauptstädte anzutreten gedenkt, ist vorn Direktor Neunrann fürs Passage-Panoptikrrm verpflichtet worden, wo sie vom 1. November ab im Thcatcrsaal austreten wird. Die Norstetlungen des indischen Dorfes erreichen aar 31. d. M. definitiv ihren Abschluß. Heute(Sonnabend) wird in der Urania in der Invaliden- straße der Grönlaudreisende Dr. Erich von Dnjgalski einen Vortrag über Grünland halten, der mit einer Reihe von Projektionsbildern nach eigenen Aufnahmen begleitet sein rvird. Dr. von Drygalski hat im Sommer 1831 und vom Frühjahr 1392 bis zum Herbst 1833 als Leiter der von der Berliner Gesellschaft für Erdkunde aus- gesandten Expedition an der Westküste Grönlands geweilt, um dort wissenschaftliche Untersuchungen über das Polareis, seine Bervegung, fein Verhällniß zum Meer und zum Lande sowie über seine Wirknnge» anzustellen. Theater. Im Schiller-Theater wird heute die GelangSposse „Ktiritz-Pyritz" zum ersten Male wiederholt.- Im Blirgersaale des Rath- Hauses findet Sormtag Abend ein„Franz Schubert-Abend" statt, rnrtcr Mit- Wirkung der Damen Frau Dr. Friedländer(Klavier), Fräulein Terves(Geige) und der Herren Julius Zamekoiv(Gesang) und Leo Schrattenholz(Cello). Den einleitenden Bortrag hält Herr Dr. Carl Krebs.— In der morgen im Ostenb-Theater zu halben Preisen in Szene gehenden Volksvorstellung „Am Altar" liegen die Hauptrollen in den Händen der Damen Bergmann, Schönberg, Pauly: der Herren Altschüler, Jürgas, Wach, Völkner. Felsch und Glaseniann.— Im American-Theater feiert Martin Bend ix, der„Nrkouiische", ani b. November daö Jnbiläuin seiner Löjährigen Biihlicuthatigkeit.— In Kauf m a n n' s V a r i ö t ö werden die Stücke„Ein Abend im Wintergarten" und«Im Atciier" am Montag zum 50. Male aufgeführt. Sstis de» Nachb.iioite». Tic Stadtberotdnctcn Wahlc» in Tchöncbcrg sollen vom 10. bis 12. Slvvembcr stallfinden. Der Wahlkamps tobt in schärfster Form. Besonders sind es zwei Parteien, die sogenannte„Bürger- Partei", mir dem bekannten C a r l i st e n- C r e m e r als Preß« chef an der Spitze und die sogenannte„Unabhängige Partei", Liberale aller SchaUirungen, vom Wnsscrstiester bis zum sanflcsteu 9tatio»alliberale>i, mit dem E i n g e in e i» d n n g s- M ü l l e r an der Töte, die alle» Austand bei Seite lassend, sich in einer Weise befehden, von der ivir Arbeiter sagen können:„Da sind wir doch bessere Menschen!" Weil man dem Crem er vorwirft, daß er, bei Bismarck zn Besuch, mit dem ihm angebotenen Nachthemd auch seine Ge- siniimig gewechselt, giebt er zurück, dnst er noch keinen Mauisestations- Eid geleistet; und wen» von„unabhängiger" Seite behanpiet wird, daß von einzelnen Mitgliedern der Bärgerparlei in ihrer Eigen- schafi als Gemeindeverordnete bei Griindstücksverkäusen Schie- b u n g e u gemacht seien, so verkündet dagegen der Kontrahent im amtlichen„Schöneberger Wockenblati", daß man im stände wäre, »mltcls einer patcnlirlen Polizcilampe das ganze freisinnige Gebäude zu beleuchte» und den Nachweis zn liefern, daß, die man sucht, hinter der eigenen Thür stecken. Wahrlich, ein Schauspiel für Göllcr! Während diese edlen Mannesseele» sich lediglich nnr die Personen- frage streiten— handelt es sich doch mn de» jetzigen Amtsvorsteher zu Schöneberg, der seitens der„Bürger-Partei" als tüchtiger Verwaltungsbeamter und Ausbund aller Tugenden, für den„Bürger- »reifter"-Posten in Aussicht genommen ist, von den„Unabhängige»" dagegen für„unfähig" erklärt wird, ein derartig entivickeltes Gemein- wesen zur Zufriedenheit aller zu leite»— lassen sie jedwede iliückücht ans das Gemeinwohl beiseite. Für sie ist nun einmal diePersoncn- frage die Hauptfrage, alle anderen für die Kommune in bctracki kommenden Fragen werden zurückgestellt, koinme» erst in ziveiler Linie. Wie anders dagegen die drille in betrachl kommende Partei am Orte, die sozialdemokratische! Mit ruhiger Ueberlegung. getragen von dem Geiste des Idealismus, der Disziplin und dem Bewußtsein sür eine gerechte und humane Sache zu kämpse», ist sie dabei, ihre bewährten Kampfgenossen zu sammeln, die indifferenten, vom Klassenbewußtsein noch nicht durchdrungene» Arbeiter und Mitbürger zu wecke», sie zu erziehen, sich ihre Menschenrechte zu erkämpfen, ihnen das Verständniß ihrer traurigen, abhängigen Lage selbst der Kommune gegenüber vor Augen zn führe». Und dieser Kampf wird mit blanken Waffen geführt. Allen persönliche» Hetzereien abhold, vertrauend auf ihre gute Sache, ist die sozialdemokratische Partei in Schöneberg ans ihre persönliche, mündliche und schriftlich« Agitation angewiesen. Sie führt eine» Klassen- und keinen Personen- kämpf. Für sie ist die Person nichts, die Sache alles! Deshalb, Ihr Arbeiter, Handwerker, kleine Geschäftsleute, heraus aus Eurem Gleichmuth, zeigt doch einmal den Gegnern, daß Ihr ge< rvillt seid. Eure eigenen Geschicke auch selbst zn lenken, daß Ihr ge- willt seid, Männer ins Siadiparlament zu entsenden, die das Interesse der Haupt- Steuerzahler, der kleinen armen Leute, ver- treten; wählt Leute dorthinein, die de» Muth der Ueberzeugung haben; die Euch nicht vor der Wahl das Blaue vom Himmel versprechen, und nach der Wahl noch auslachen! Arbeiter und Handwerker Schönebergs! Stehen rinS Sozialdemo- kraten Schönebergs auch nicht Gelder zur Verfügung gleich jenen anderen Parleien, die durch Einladungen, Zirkulären zc., versehe» mit den Namen eines engeren und eineS weiteren Ansschnffes(sind doch in einem der letzteren die Name» einer ganzen Weißbier- Brauerei, vom Chef bis zum Bierfahrer herab, verzeichnet) den Versuch ivage», bei Euch Stimmenfang zu treibe», so soll Euch doch Gelegenheit gegeben werden, die Forderungen der Sozialdeniokratie im Stadtparlamente im Interesse der Steuerzahler kennen zu lernen. Im Laufe der kommenden Woche werden eine Anzahl von B e z i r k s- V e r s a»r m l u» g e n von feiten der Sozialdeniokratie nbgehallen, zu denen schrifiliche Einladungen verschickt werden. Möge ein jeder dieser Einladung Folge leisten, um sich von der Richtigkeit unseres Programms zu überzeugen. Sollen sein« Gedanken vZe r w» r k l i ch t, seine Interessen vertreten. soll sein L o o s ein menschenwürdiges werden, dann hat er auch bei de» S)adtverordueten»vahlen einem Sozial- deniokraten seine Stimme zu geben. Ten Genossen von Steglitz n»d Friedenau»nr Kenntniß. daß am Sonnabend Abend bei Tücke in Steglitz. Albrechtstr. 125,«in von Mitglirder» des Arbeiter-Bilbungsvereins arrangirtes Familien- kränzchen stattfindet. Um rege Betheiligung wird gebeten. Der Lese- und Diskutirabend des genannten Vereins findet am Dienstag, den 26. d. M., abends 8V2 Uhr bei Weinert in Friedenau statt. FricdrichSbcrg. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß uiorgen Sonntag im Orte ein Flugblatt verbreitet wird. Treff- pnnlt morgens 7Vz Uhr bei Bernhardt Lange, Wartenbergstr. 67. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Die Verlrauensperson. Tie Rixdorfer Gcmeinde-Pertretnng beschäftigte sich in ihrer am Donnerstag Abend abgehaltenen Sitzung mit der dortigen „ K i r ch e n u 0 t h". Die evangelische Gemeinde will nämlich zur Befriedigung dieser„Kirchennoth" eine zweite Kirche bauen und verlangt zu diesem Zwecke von der politischen Gemeinde die Hergabe des Herrfiirth-Platzes, obwohl Rixdors durchaus nicht au Plätzen reich ist. Die zur Prüfung dieser Angelegenheit niedergesetzte Koni- misston empfahl, prinzipiell die Hergabe des Platzes zu genehmigen. Genosse 9i e tz e r a 11 trat entschieden gegen Hergabe dcs Platzes ein. Er und seine Parteigenossen seien der Ansicht, daß kirchliche Sekten für ihre Bedürfnisse aus eigenen Mitteln zu sorgen hätten. Wenn die politische Gemeinde in diesem Falle den Bauplatz unentgeltlich hergebe, setze sie sich der Gefahr aus, daß auch andere Kirchen- gemeinden mit ähnlichen Anliege» kommen. Wenn man den Platz bebauen wolle, so könne man ja die geplante LIealschnle ans dem- selben errichten. Genosse O st e r m a»» bestreitet, daß überhaupt ein Bedürfniß für eine zweite Kirche vorliege»nd beantragt Ab- lehnung des Kommissionsantrages auf Ueberlassung des Platzes. Gemeindevorsteher B 0 d d i u befürwortet die Ueberlassung des Platzes.— Gemeindevertreter Hesse ist prinzipiell gegen die Uebcr- lassnng des Platzes an die Kircbcngenmnde, da aber die Majoriläl dafür fein werde, wolle er wenigstens beantragen, daß im Vertrage vorgesehen wird, daß die gärtnerischen Anlagen des Platzes dem Publikum zugänglich gemacht werden müssen.— Bei der Abstimurung wird beschlossen, den Platz der Kirchengemeinde zu überlaffen, eben- falls wird der Autrag Hesse angenommen. Nns Rixdors. Eine» plötzlichen Tod fand der Arbeiter Liese- gang ans der Karlsgartenstraßc. Auf dem Heimweg begriffen, brach L. in der Herinannstraße plötzlich zusammen. Zlngenscheinlich halle ein Herzschlag seinem Leben ein jähes Ende gemacht. L. hiuterläßi seiner Frau zwei unverjorgte Kinder. Knnlk und AVisseufchufk. — Sudcrmanu's„Johannes" ist für da? H 0 f t h e a t e r in Stuttgart freigegeben worden. Wird daS Berliner Polizei- verbot nicht ausgehoben, so findet am Stuttgarter Theater die erste Ausführung statt.— — Fran Schnmann-Heink, die bekannte Altistin, die man so gern an das Berliner Opernhaus gezogen bäitc, bleibt in Hamburg. Sie hat dort nencidings einen Kontrakt abgeschlossen, der aus zehn Jahre lautet.— — Ein Stiick der Nonne Roswitha wird am 25. Oktober in Wien zn gnusteii des Vereins für erweilerte Frauenbildung zur Aufführung gebracht. Das Stück führt de» Titel„Fall und Buße Maria's, der Nichte des Einsiedlers Abraham." Roswitha lebte um das Jahr 350 im Kloster Gandersheim.— — Trci Nascusteine(Rliinolithen), aus operativem Wege aus den Nasen eines 47 jährige» Herrn und zweier Damen im Alter von 41 und 46 Jahren enlfernt, wurden am Mittwoch von einem Mitglied der Berliner Medizinischen Gesellschaft demonstrirt. Wie es fast immer bei derartigen Gebilde» der Fall ist, handelte es sich um eingedrungene Fremdkörper. NN» die sich die Nasensekretsalze an- sammeln und dann zu einem Nasenstei» eintrocknen. Ter Kern der Rhinolilhen entpuppt« sich bei dein Herrn als ein kleiner Schuh- knöpf, bei den Damen als kleiner Kieselstein. Diese Gegenstände können nicht anders alz in der Kindbert der betr. Personen in die Nase hineingelangt sein und haben somit an 35-40 Jahre in der Nase verweilt.—_ GevUszts-�eikung. Im Prozeß Sternberg nutz Genossen ist gestern Nachmittag 4'/, llhc»inier eingebender Begiündnng die Freisprechung s ä 1»«n l l i ch e r Angeklagten verkündet ivorden. Dainit Hai der große Bankprozeß sein Eade erreicht, der seit vier Jahren im- endlich viel Arbeiiskraft absorbirt, große Betriebe lahm gelegt lind etwa 100 000 M. Kosten verschlungen hat. Ein Berliner Schntzuian». Wegen wiederholter Miß- Handlung im'Amte und N ö l h i g» n g stand gestern der frühere Schutzmann Gebler vor der I. Straskannner des Landgerichts I. Der 28jährige Angeklagte, welcher 14 Monate im Dienste der Schntzmannschast sich befand, Halle am 3 Mai Posten ans dem Blücherplatz in der Zeil vou 1—4 Uhr nachmittags. An diesen» Tage fand die Einweihung der Garnisoukirchcn in der Hasenhaido in Gegenwart des Kaiserpaares stall. Die Truppen kamen zurück und ain Blncherplatz staule sich die u»- zählige Alenscheninenae. Am Blüci erplatz 1 befindet sich ein Speditionsgeschäft. Unglücklicherweise verlor ei» vor diesem Hanse siebender großer Wagen ei»!1!ad und lag nun fest. Als eine Anzahl vou Personen sich im» damit abinühle, den Wagen wieder flolt zu machen, trat der Angeklagte heran und forderte sie i» barsche in Tone z»in Weitergehen ans. Der in- zwischen verstorbene Arbeiter Tietze, der die'Arbeiten leitete, halt« einen'Arbeiter Tanowtki zur Hilfe angenonimen. Diese» packte der Angeklagte plötzlich beim Genick und warf ihn zu Bode 11. AlS sich Tanowski cihob, wurde er zum ziveiten Male gepackt und abermals zu Boden geworfen. Dann knebelte ihn der Angeklagte so stark, daß T. noch nach acht Tagen an de» Verlctzllngen krank darnieder lag, und sistirte ihn darauf zur Wache. Er soll auch de» ve-slorbenen Tietze an der Brust gepackt uno mit den Worten:„Scheren Sie sich von hier weg!" zurückgestoßen haben. Dann verlangle er, Tietze solle d c n W a g e n r» zwei Minuten wegschaffen lassen, „ s 0» st>v ü r d e e r die F« n e r>v e h r holen lasse n." Er soll auch de» Tietze wegzugeben genöthigt haben, indem er ihm drohte. „daß er ihm anderenfalls den Erbadel zerspalten würde". Unter de» Personen, die bei dem Wagen Hilfe leistete», befand sich auch ein gewisser Liichter. Ohne weiteres forderte er auch diesen ans, ihm zur Wache zu folge», weil er seinen Slnordniingeii nicht nachgekomme» sei. Bein» Transport zur Wache soll er den T. so stark a» dein Knebel gezerrt haben, daß der zweite beim Transport helfende Schntzman» auch immer mit hin- und hergerissen wurde. Am Tempelhoser User fließ er rh» gegen die Mauer des Rother« slists und schlug ihn wiederholt i» das Gesicht, so daß jein Kollege ihn mehrfach ermahnte, sich doch ruhiger zn verballe». Während dieses ganzen Vorfalles war das Publikum anfS höchste empört>i»d rief dem Angeklaglen höhnische und entrüstete Worte zu. Allseitig schrie i»a»:„Der Schutzmann»ui ß betrunken sei» oder er ist verrückt!". woraus die Antwort deS Angeklagte» erfolgte:„Verdammte Schweine, wenn Ihr nicht iveg geht, schlage ich Euch über den Schädel!" Einem Manne, der ihn davon verständigle, daß der TranSporlat noch cm Paar Stiefel aus dem Blücherplatze habe stehe» lassen, erklärte er ohne weiteres:„Schweigen Sie, oder ich schlag- Ihnen eins über den Schädel!" Als man ans dem Polizeiburean von dem Exzesse des Angeklagt«» hörte, schickte man ihn z» dem Polizeiarzt SanilälSrath Becker, der ihn sehr aufgeregt fand. Am andern Tage ist er dann wieder zu dem Sauilälsrath Becker ge- gekonnuen, da bei ihm die Influenza ausgebrochen war. Er war 4—5 Tange lang rcvierkranl und ist dann ans dem Polizeidienst entlassen worden. Ter Staatsanwalt Dr. Herhsch beantragte ein Jahr drei Monat« Gefängniß und Aberkennung der Befugniß zur Bekleidung öffentlicher Acmter auf die Dauer von siins Juhren.— Der Gerichtshof sprach de» Angeklagten von der Anklage der Nölhigimg frei, weil er das Moment der Widerrechtltchkeit veriieinte. Der Angeklagte hat sich nach der An- ficht des Gerichtshofes jedenfalls für berechligt gehalten, bei dem Trubel, der damals auf dem Blücherplatze herrscht«, in dieser energische» Weise seinen Niiordnnngen Ausdruck zu geben. Der Gerichtshof hielt zwei Mißhandlungen sür erwiesen, billigte ihm aber mildernde Umstände zu, weil sich der Angeklagte auf einem schwierige» Posten befunden habe, in der Menge Elemente gewesen feie», die ihn gereizt haben und er unter dem Einflnsse der Vor- boten der Influenza gestanden habe. Das Urtheil lautete daher nur aus drei Monate Gefängniß. EI» schweres Vergehen gegen das NahriingSinittcl-Gesch, welches bei seinem Bekanntwerde» Aufsehe» erregte, beschäfligie gestern die dritte Strafkammer des Landgerichs I unter dem Vorsitz des Landgerichtsraths Fritschen. Auf dem Viehhofe ist die Einrich- tiing getroffen, daß das schwach tuberkulöse und finnige Fleisch, ivelchcs von den Thierärzten verivorfen wurde, in einem Danipfapparat einer so hohen Siedehitze nnlerworfen wird, daß die gcsundheits- schädlichen Keime zerstört werde». Das so behandelte Fleisch wird nicht niehr als gesnndheiisschädlich angesehen, sondern für einen billigen Preis verkauft. Das Unternehme» liegt in den Händen des Biehkominissioiiärs, Stadtverordneten Talke. Die Anstalt zerfällt in zwei Theile, in den» einen wird das tuberkulöse, in dem anderen das finnige Fleisch gekocht, welches von den Thierärzten als zur Ver- ivendnng zulässig bezeichnet wurde. In der Anstalt waren n. a. der Schlächtergeselle Max Wolter»ind der Fleischverkäufer Paul T h i e l e- F i s ch e r augestellt. Sie sollen sich mm dahin schuldig gemacht haben, daß sie heimlich an Restauratenre, Budiker»lud auch an Privatpersonen nicht gekochtes, sondern auch rohes Fleisch abgegeben haben, ivelchcs als tuberkulös oder finnig der Gesiiudheil schädlich sein konnte. Einer dieser Abnehmer ist in der Person des'Restail- rntenrs August Otte erinittell worden, welcher in Plötzensee bei den Eisiverken sein Geschäft besitzt. Er soll Jahre lang forlgesetzt von den beiden erstgenannten das verbotene Fleisch gekauft haben und befand sich nun mit denselben auf der Anklagebank. Nachdem einige Zeugen vernommen worden waren, beschloß der Gerichishof, die Sache zn vertagen und acht neue Zeugen zu lade». Auch soll vom Polizeipräsidium eine Skizze des Kochhauses eingefordert werden. Wie sich ein Nntcriiehincr schadlos zn halten sucht, wenn er die Knrkostrn für einen in seinem Betriebe verunglückte» Arbeiter tragen soll, zeigt folgender Vorfall, der, obgleich er schon einige Monate zurückliegt, erst jetzt durch eine Verhandlung vor dem Zivil- gericht z» unserer Kenntniß gelangt. Der Hausdiener Lehmann ivar in dem bekannten Schnbivaarengeschäft von Tack u. Co. angestellt. Er verunglückte bei der Aibeit»nd mnßle längere Zeit im Krankenhanse zubringen. Während seiner Krankheit erhielt Lehmann von der Firma seinen Lohn, abzüglich des Krankengeldes ausbezahlt. Da er seine volle Enverbsfähigkeit nicht wieder erlangte und seine Stellung bei Tack u. Co. nicht iveiter versehen konnte, auch ans Unfallreiite keinen Anspruch halle, so lhat die Firma ein Übriges und veranstaltete uiiler ihren Be- kannte» und Geschäftsfrenuden eine Saunnlnng zn gnnste» Lehinann's. Es käme» ans diese Weise 476 M. ein, zu welcher Summe die Firma Tack n. Co. noch 100 M. aus eigenem hinznzlilegeir versprach. Ehe das Geld jedoch dem Vcnmglnckle» ausgehändigt werden konnte, forderte die Krankenkasse, ans deren Kosten Lehmann behandelt ivorden ivar, von der Firma Tack n. Co. die Riickerstailuiig der Kur- kosten, da Lehmann»ach Ansicht de? KraukenkassenvorstandeZ ein versicherungspflichtiger'Arbeiter im Sinne des NnfaUgesehes, aber trotzdem von der Firma nicht versichert war. Nun ging der WohlihätigkeilSsinn der Firma Tack». Co. in die Brüche. Sie zog nicht nur ihr Versprechen, der gesammelten Summe 100 M. beizufügen, zurück, sondern verweigerte auch dem Lehmann die von an» deren Leuten für ih» aufgebrachten 476 M, um sich für den Fall, daß sie zur Erstattung der Knrkoften vernriheilt würde, an dem Gelde schadlos zu Halle». Lehmann klagte ans Herausgabe der 476 M. und der ihm versprochenen 100 M. Sei es nun, daß der Firma inzwischen die Unrechlmäßigkeil ihres sonderbare» Verhallens zum Bewnblsei» gekommen war, oder mochte sie sicher sein, daß die Krankenkasse ihr gegenüber keine rechtlich begründeten Ansprüche habe, sie zahlte dem Verunglückten, ehe es zur gerichtliche» Enlscheidnng kam, die gesamineltc» 476 M. aus. sah aber von der Erfüllniig ihres Versprechens, ans eigenen Mitteln 100 Mark dazu- zulegen, ab. Die auf Zablmig der letzteren Summe gerichtete Klage, ivelche der Vorsitzende des Gerichts als aussichtslos bezeichnete, zog Lehman» zurück. Wie zwischen jungen Bengel« Priigelelen entstehen können, zeigte eine Verhandlung, welche gester» vor der dritten Straskainmer des Landgerichts I gegen den Slndcnlen der landwirthschaftlichen Hochschule Bodo T öd ler und den Studenten der Philosophie Hans v. Schweinitz stattfand, von denen der«rstere der Herausforderung zum Zweikampf«, der letzlere der Annahme dieser Forderung beschick- digt war. In einer Jnni-Nacht befanden sich dte Angeklaglen in einem Cass. Da sie nicht bekannt waren, saßen sie an gesonderleir Tischen. Tödter enlsernte sich zuerst. Als er an v. Schweinitz vor- über ging,»nachte dieser«ine scherzhaft« Bemerkung über die große G-wcihkrücke. mit der Töbler's Stock versehen war. Dies konnte sich der Eigenlhümer des Stocke? nicht gefallen lassen, er gab eine Erwiderung, deren Sinn und Wortlaut-c nicht mehr anztigebeu vermochte, die er aber wohl selbst für beleidigend hielt, denn er trat ans v. Schweinitz zu und forderte ihn ans, ihm nach einem Neben- rattni zn folgen. Hier erklärte Tödter seinem Gegner, daß er ihm „zur Versägmtg" stehe, wenn er sich verletzt>üh!e. v. Schweinitz fühlte sich sehr verletzt, eS wurden deshalb die Karten gewcchielt. Am folgenden Tage erschien bei v. Schweinitz ein„Karlellträger". welcher ihm eine Forderung ans Schläger überbrachte. Dcr Kampf sollte 22'/, Minuten oder bis zur Abfuhr dauern. Am Nach- mitlag« dcs 17. Juli sollte der„Ehrenhandel" im Buk'schen Restanrant in der Gartenstraße zum Austrag gebracht werden. Die Gegner standen sich bereits, mit den üblichen Bandagen versehen, kampsbereil gegenüber. Da erschien ein Schutzmann, der die Prügelei verhinderte. Die Polizei war durch ein anonyme- Schreiben von dein Vorfall verständigt ivorden. Da beide An- geklagten geständig waren, beantragte der Staatsamvalt gegen dieselben je eine Woche Festnngsyast. Das Gericht erkannte nnr auf je einen Tag Festungshaft. Am S. Mai b. I. wurde» die beiden früheren Kaffenbeamten der Georgenkirch-Gemeiude, Heinz« und L a t t e y, von dcr ersten Straikaininer des Landgericht? 1 wegen Unterschlagung zn 3 Monaten Gefängniß verurtbeill. Rechtsanwalt Dr. Schwindt legte gegen das Urtheil Revision beim»leichSgericht ei»,»nd letzteres hat jetzt das erste Erlenntniß aufgehoben und die Sache in die Vorinstanz jurückgewiesen. Ei» Strich durch die Berfronimnngöberordnnng. Ter Z II der für die Provinz Brandenburg erlassenen Oderpräsidial- Verordnung vom 5. Oklobcr 1696 bestimnit, daß Tanzmusil«», Bälle und ähnliche Lllstbarkeitel» in Gastwirlhschasten und sonstigen Vir- gnügnngslokalen, auch wenn sie in geschlossenen Gesellschaften stattfinden, an Sonn- und Festlagen vor 3 Uhr nachmittags nicht beginne» dürfen. Hiergegen sollte sich dcr Gastwirth W eigel in Rummelsburg vergangen haben. Zlm ersten Wcihnachlsfeiertage des vergangenen Jahres feierte in semei» Lokale ein Verein«inen KommerS, der verbunden war mit einer Theater- ansführung. Die Polizei halte dazu die Erlaubuiß gegeben, zugleich aber betont, daß nicht getanzt werden dürfe. Trotzdem wurde nach Mitternacht ein Tänzchen riskirt. Wcigel sollte nun dafür büßen, daß er dicS gednldel hatte. Schöffengericht und Landgericht sprachen ihn jedoch frei. Da es sich hier um eine geschlossene Gesellschaft gehandelt habe, hätte der Tanz nur verboten werden können. ivenn die äußere Hcilighallnng des zweiten Feiertages darunter gelitten hätte. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Die Staatsaitwallschaft legte Revision ein; der Ober- Staatsanwalt beantragte aber selber die Verwerfung dcr lllevlsion. Er machte folgende bemcrkenSiverthe AnSsührnngen: Allerdings bähe Weigel dem Wortlaute des z 11 der Verordnung entgegen gehandelt. Nach ihrem bestimmten Wortlaute könne aber jene Bestiinmiing nickt ausgelegt werden, denn dieser Wortlanl finde im Gesetz keine Sliitze. Die Grundlage der Oberpräsidial-Verordnung vom 5. Oktober 1836 bilde die bekannte Kabinetsordre von 1337, und diese beziehe sich nur aus die äußer« Heilighaltimg der Sonn« und Festtage. Der § 11 der Verordnimg vom B. Oktober 1896 könne olso auch nur da angewendet»erde», wo die äußer« Heiligdaktung des Feierlages gefährdet werde. Eine derartige Störung habe nun nach den Feststclinngen des Vorderrichters nicht stattgesunden, die Zdreisprechnng Weigel's sei somit gerechtfertigt. Der Strafsenat des Kammergerichts folgte diesen Tarlegungen und wies die Revision gester» zurück. Im Z tl der Odcrpräsidial-Verordnung könnte» nur solche Tanzlustbarkeite» gemeint sei», welche geeignet wären, durch das damit verbundeneGeräusch die Feiertags» ruhe nach außen zu störe». Diese Voraussetzung sehle in- dessen im vorliegende» Falle. Gegen die nicht approbirtcn Zahiitechiiikcr, die sich vielfach mit dein Titel amoricrm dentist schmücken, habe» die geprüften Zahnärzte das Polizeipräsidium mobil gemacht. Dem Zahnkünstler Teichmann wurde nnfgegeben, die Bezeichnung«rnsrican dentist aus seinen Schildern am Haus- und am Wodnungseingange zu beseitigen. Teichman» focht die Verfügung im Verwaltungs-Strcitverfahien an. Ter Bezirksausschiiß erkannte auch zu seine» gnnsten und führte ans, jene Bezeichnung lasse nicht den Jrrlhum aufkomme», Teichmann sei eine i» Deiilschland approbirte Btcdizinalperson. Der dritte Senat des Ober-Berwaltungsgerichls bestätigte in seiner letzten Sitzung diese Entscheidung. Der in NntersuchnngShaft genommene Schristslcllcr Paul Blumenreich, gegen den am 5. Novemder Termi» zur Haupt- Verhandlung aiisteht, soll morgen gegen Stellung einer kleinen Bürg- sd)aft aus der Haft entlassen werden. Am Vau des KrankenhanscS zn Spandau hatte» die Maurer beschlossen, vom Maurermeister H o s f m a n n eine Erhöhung des Stundenlohnes von 40 Pf. aus 45 Pf. zu fordern. Als der Maurer Lorenz sich unkollegialisch weigerte, auf einer an den Meisler ab- zusendenden Liste seinen Namen zu setzen, erhielt er von dem Maurer Birkholz eine Ohrfeige. Die Folge war eine Anklage wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewcrbe-Ordnung. In der gestrigen Gerichtsverhandlung vor der zweite» Slraskammer am Landgericht II fielen aus dem Munde des Staatsanwalts wieder die üblichen Worte von der böcbften Strafe. Der Gerichtshof er- kannte ans drei Monate Gesängniß! Verpetuttttrungen. Der Streik in der Möbelfabrik vo» Ebcrhardt, Michael- briilkc I, bcsdfäsligte eine außerordentlich stark besuchte Bersamm- lung der Holzarbeiter, die am Donnerstag bei Stecher, Slndreasstraße, tagte. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Versammelten das Andenken des verstorbenen Genossen Grille II berger durckf Erhebe» von den Plätzen. Nach dem hierauf erstatteten Bericht über die Ursachen der tNrbeilsiiiedcrlegung in der M ö b e l f a d r i k v o n Eberhardt, sind die Differenzen in der Haupisackie auf die vcr- fchicdencii Mißstände zurückzuführen, deren Abstellung die Arbeiter vergebens forderten und besonders aber ist es die Behandlungs- weise seitens des Weiksührers Ruft, welche die Ar- beiter � zu diesem Schritt veranlaßte. Hinzu kommt, daß Entlaffuugen von Personen stattgesunden haben, die für eine Verbesserung der Zustande eintraten und sich gegen vorzunehmende Lohnreduzirungeu wandten, worin die Arbeiter, wohl nicht zu im- recht, eine Maßregelung ihrer Kollegen erblickten. Wiederholl wurden die Arbeiter bei Herrn Eber Hardt vorstellig, um durch die Verhandlungen geordnete Zustände in der Fabrik herbeizuführen; die beauftragte Kommission soll jedoch, wie behauptet wird, von dem Fnbrikaiiteu in geradezu cynischer und höhnischer Weise de- handelt und mit ihren Forderungen abgewiesen worden sein. Welchen Begriff der Herr Fabrikant übrigens von den Rechten der Arbeiter hat, gehl daraus hervor, daß er, ivie angeführt wurde, meint«, die Arbeiter hätten ihre Wünsche in Form einer Bitte ihm zu unterbreiten; im weiteren gab er den Arbeitern anHeim. wenn sie nicht zusrieden wären, die Fabrik zu verlassen. Ties ist nun auch geschehen, einmüthig wurde von den in betracht kommenden Arbeitern, 65 T i f ch l e r u, fünf Drechslern und 25 M ö b e l p o l i e r e r n. die fast alle organisirl sind, die A r b e i l eingestellt. Die Forderungen, welche gestellt worden sind, sind so miiiimale, daß es«igezithümlich erscheint, diescrhalb eist eine Arbeilsuikderlegung eiutreleu zu lassen. Im wesenl- lichen wird nichts weiter gefordert, als die Wiederherstellung der Verhältnisse, welche durch die vorjährige allgemeine Lodusorderuug geschaffen wurden; Anerkenniing des Arbeitsausschusses bei vor- koniinendcn Differenzen, Eulschädigung der Wartezeit ans das Holz von der Maschine und gereckite Verlheiluug der Arbeit. Ferner wird gefordert, daß das Holz geschnitten und gehobelt an die Bank ge- bracht, damit den Arbeitern der oft sehr große Zeitverlust erspart wird und vor allem wird eine menschenwürdige Behandlung auch seitens des Werkführers Ruft verlaugt. In der Tiskussio» wurden von den verschiedenen Rednern eine Reihe von Mißstäiiden au- geführt, die aufaestellleu Forderungen eiiigeheud begründet und das Verhalten des Werkführers Ruft einer herben Kritik unterzogen. Von diesem wurde behauptet, daß er wiederholt niedrigere Pieise den Arbeitern geboten habe, als sie in der Fabrik üblich waren, um die Löhne eigen», ächtig herabzudrücken. Entschieden bestritten wurde,' daß ein DurchschiiiltSverdieust von 24 bis 33 Mark und tüchtige Arbeiter bis 45 Mark wöchentlich verdienen, wie in der Er- klärung des Herr» Ebcrhardt behauptet wird. Im Gegen- iheil sollen die Verhältiiisse auch in beziig aus die Löhne keine glänzenden sein und wird der häufige Wechsel in der Fabrik ebenfalls auf diesen Umstand zurückgeführt. Nachdem noch mehrere Redner ihr Einverstäudniß niit dem Vorgehen der Ausständigen zum Ausdruck gebracht und zum feste» Zusammen- hallen ausgesordert hallen, gclangle eine entsprechende Resolution einstimmig zur Annahme. In derselben erklärten sich die Vcr- samnieltcn mit den Streikenden solidarisch, die Arbeilsniederlegiiiig für berechtigt und erwarten, daß von keinem Kollegen die Arbeit eher wieder aufgeuommen wiid, bis der Fabrikant sich zur Ver- Handlung mil der Organisation bereit erklärt hat und dadurch die Differenzen beseitigt worden sind. Rae! dem noch bekannt gegeben worden war, daß am Montag in demselben Lokal die Dclcgirle»- wählen zur Orls-Krankeukasse statifiudeii. wozu eine rege Betheiligung gewünscht wurde, erfolgte der Schluß der Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die Arbeilerbewegung. Zzrb«it-r-Sä»oer>>»»d Krrlln«»»d htt ikinfffff-nv. vorsftziiiber!tb. Neumann, Biunvenfirabe 160. Alle Aende rungen tm v-reinskale»der sind zu richlen an Friedrich Kortum. Manleuffel strabe 60, v. e Tr. Kaiinnden», abends s— Ii Udr: UebunaZsiunde und«lusnahm« neuer WiilvUeder.— Lurania, Landsberger Zlllee 15« bei Goebel.— Sanges- Echo, Naungnsiraßi s, Nestauranl Scholz.— Immergrün, Tegel. Spandauer- sirahe 6 bei IS»ici liier.—(8 1 ü d zu, Badfir. l» bei Miß.— Hand in Hand II. Friedrich Karlstr. II bei Heinecke.— Vorwärts 7, Mumme!«- bürg. Ecke Eiöihe- und Kaulstraße bei Brewc«.— F r i Ich a u I I, Frtedrlchsderg, Mai lendergfir. e? bei Lange.- W e i si e Mo le II. Wechenlee, Strabburgerftr. 6» bei Sorrcr.— E i n I r a ch l Z. Teltow. Zehlendorferstr. 0 bei Dertz— S ä» g er l u lt, Luckenwatde, Beeliderstiabe St bei Otto Schulze.— Echo III, Langendamm, SUl-Ma>lgrafcnp>c«le bei wrasnlck.— Frohsinn l, Rummelsburg, Eioelhe- und tianv.raben-Ecke bei Brewei.— Gleichheit«, siremmen, Berlinerurahe, Gastbol zur Sladl Berlin.— Einigkeit r. LandSbergeistr. s bei Mademaun. «rbeiter-Gefangveretn Luckenwalde(gemifchlsr Chor), Luckenwalde, Busieiirakis 70 bei Bäcker. Ardritrr-zioucherbnnd Kerlln» und der pmgrgend. Zlenderungen tm Vereinskalender sind zu richlen an Hermann Braunschwetg, Trcsdener- straße 80, 7. Hof. Sonnobrnd� Unverzagt n. Zkoppenstr. 17 bei Wwe. Lehmann. — Angler I, Zimmerstrabe 56 bei Muppert.- Havana U., Mowawes-Meuen- dorf, Ltndenflr. si.— Glück Aus, MüderSdorf-KaUberge, Hetntdstr.«7 det Greve. - Suva, Brandenburgsir. 6« bei Pönitz.— Volldampf, Werder a. H., »uoelweg 68 bei Marlin.— Bürgerhetm, Friedrichsbrrg, Franffurler Ehauss-e60 beikkupser.— Unverzagt, Lebusersir. is bei Haupt.— Pappel. Buchbolzeriir. 6 bei Tahmke.— Frisch gewagt, Memelersir. si bei Häusler. b>»»d der geselligen Arbeiterverri«, Kerli»«»»d der zluigegend. Vorsihender: P. Gent, Tresbenersir. lo?/». Aenderungen den Vercinslaleuder betresfend sind zu richlen an H. Bendir, Alcrandrinenstr. 100. K»»«nb«»d. Thrater- und Vergnügungsveretn Hand in Hand, Georgenkirchstr. SS bei Spälh.— Thealer- und Bergnügungsverein Renaissance. Schl-fi�cheslr.»s bei Pauk».— Bergnügungsverein B e rgt b m e in II t ch l, Rügenerstr. 7S bei Hosimann. Arbeiter- T»r»«rb»nd. Konnabend! Turnverein Fichte, Berlin. abends von S bis 10 Uhr: l. Mai r.er.Ablheilung Friedensir. S7.— s. Männer- Ablhk. Bocckhslr. ii.— S. LehrltngS-Ablh. Skalißersir. 66— 6S.—«. Lehrlings- AblhI. Slcphai.ftrahe s.— Freie Turn er Ichast Johannisthal adeubS von s— 10 Uhr bei Herrn Senslleben. e-rlavg-, Turn» und grieliigr zierein«. Konnabend. Theaterverein Bohemia, Veterancnstrnbe 1« bei Schulz.— Bühneuverband R o r m n n ia, jede» Ichlen Sonnabend im Monat Gr. Franksurlersirabe Ii» bei Hohne.— VergnügungSverein Helgoland II., jeden Sonnabend nach dem l.>m Monat Lübbenerslr. 0 bei Lehmann.— Skalklub Fortuna, HuNensir. I bei jtrahai.— Rauchllnb T o rnr ö s ch en, Burgsdorsftr. It bei Herbner.— Thralerverein Si o r d si e r n, Tunckeistr.«0 bei En nlz.— Pr:val»Zh.aIergescll!chajl Alpen- rose, Bnbsir.»6— SS, Rcsiaurai l Marienbad.— Bereinigung der Turn- freunde, vo»«!! bis lofj Ubr abends, Temmtnersir. 6«— 67— Turnverein O si e n, Tuinhalle Binmensir«S«, von sj;— id Uhr abcniS Mattner-Ab!heil»»g.— Zilherklub Erika, Hessifche- und Hanuoverschesirabe- Ecke im Restaurant Müller.— Zhcalerverein Oihe llo I. Manien sfeistr.» bei Nownck.— Eka tlnb i H u r r a h. Liibbenerstr. 2S bei Schneider.— Thealeevereiu Thalia, Uuiiüuer- platz 9 bei Paule. Kildliilgavercin„ztlehr Licht'', Bibllothekfiunde von a bis lo Uhr abend», Mollen str. i« bei Gärlncr. vansit boroning Frtjt, bar Moäcaflen hver LörJag KI. 9, Kommen» diinlenstra.sse 72(N'eueh Khibiiaus»). Böhmisch-llowischer BUdungsverein H a w l I sch ek, Beuthstr.«l, Restaurant „Zur neuen Posi-, heule Abend s Uhr Mitgliederversainuilung. Zlentliiirr loiioldcluobratischrr Leie..Ivb in pari». Rue Dt. Honore Sie, Ease du Lion de Beison. Jeden Sonnäbend vfseuUiche Versammlung! reiche Bibliolhel, Zeiluuge». sranzosischer Unterricht. Loudo». Ter einzige hiesige sozialvemokratilche verein London», der alte, von kkarl Marr und Friedrich Engel«>s«« uiUvogriindele ff o in>i> u n i st i l ch e Arbeiter- Bild ungsve rein befindet sich nach wie vor e« Toileubai» Street, ToUenbain Eourt Rd. M. London. zierri» poen'ärt«. zohau»i»l>nry(Trau-vaalj. Beremslokal Progreß- Bterhalle, Co>»er of Marsh, li a»d Sumll Street. zaude.il,au»la>as»»er Kchleomlg. Hoistelner. Heut« abend»« Uhr, Herren-Znjammunst in G. Feuerstein'« F-flsälen. Stile Jakovstr. 7b. Zentral- Hrauken- und Kterbekastr der deutiche» LUagenbaner, Berlin. Bezirk S. Sonnabend, den 70. Oktober, abend» 8 Uhr, M liglieder-ver- lanimiung im Saal des Herrn Bergmaun, Pafewailerslr. 8. Ponrag dcS Herrn Tr Frtedebcrg. Kilduligovereln„Itlehr Licht". Sonntag, den Z». d. P!.. abends«!; Uhr. versanunlung lm Englischen Garten, Alcrauderstr. 77e. Vo lrag des Genosse» Waldeck-Pianasse über:„Ter Nutzen der WolUosigkeit!" Gäste willkommen. Lreirriigiöf« vrmeiild«. Gonntag, den 7t. OUoder. vormittag« a Uhr. tm groben Fcfisaal der Berliner Rcssomce. Ikommandanlenstr. 67: V.rlammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um>> Uhr vormitiogs ebendaselbst. Vortrag des Herrn Waideck.Manasse:„Hlmmelssehnfuchi und WirUichleil." Gäste willlommen. Vevmifcsjtvs vonr — Di« reine Poesie! Bei der Eulhüllung des Kaiser Friedrichs-Dcnkinal in Wiesbaden ßiell der Juiendaur drs völligen Hosihealers, Kauiuicrherr von Hülsen, die Festrede. Er sagte uuler aiideiiu: „Wohl h a r f t eS schon h«» r b st l i ch dort öden in den k i e f e r« u m r a u s ch t e n Höhen i» den fallenden Blättern..... ..... So durfte ir ziehen von Kampf zu Kampf, von Sieg zu Sieg, bis»m die F a h n e n b i l d e r blühend der junge Lorbeer sich rankte..... Der Engel d e s TodeS reitet durch die Zeit. Er rührt mit weicher Hand die f i l b e r n e n S t i r n e n von Deutschlands ersten Kaisern vom Zollernstanune... Unsterblich dauert fort in unseren Herzen die h e i l i g e Verehrung, die liesempfundene Dankbar« keit... Von dein Denkmal meint der Reoner, es sei„ge- kittet mit blutigem Schweiß" und von einem„erhabenen Haupte" spricht er, das„mit der Kaiserkrone die Krone d es Märtyrers g e b e n e d e i e t".— Herr Lanff paßt sehr gut nach Wiesbaden. Die„Jüngstdeutschen" sind todt, es leben die „Wiesbadener" mit dem Intendanten an der Spitze!— — In A l t h e i in i. V. hat es in jüngster Zeit öfter gebrannt. Als Thäter wurde, wie das„Bayer. Valerl." berichtet, der Hornist der Feuerwehr entdeckt, der anzündete, weil er sich so gern Alarm blasen hörte.— i — Im Schnblokal zn R e i ch e n b e r y i. B. befindet sich ein auS Löwen, Kreis Bricg stammender 32jüHnger Mann, der an der fixen Idee leidet, 40 Tage fasten zu müssen; Gott habe es ihm anbefohlen. Man fand ihn im Walde; 20 Tage hat er bereiti! nichts gegessen, nur Wasser trinkt er und mitunter etivas ivarmeu Kaffee.— — B i l l i g e B ü ch e r. Die P a r i s e r Verlagsbuchhandlung Payard Jröres veranstaltet jetzt billige Ausgaben lebender Auto reu. Das Hefl kostet 2 Sous(S Pf.). Ter Anfaug wurde mit den Werken Alphouse Dandct's gemacht. Die Lieserungeii gingen ab„wie srisd)« Seuimei". Aus Daudet ist jetzt Jules Claretri gefolgt.— — Einen e i g« n a r t i g e n S e l b st m o r d hat in P a r 1 3 der ehemalige Buchbaltcr Macien begangen. Er zündele in seinem Ziiiimer ans einem Kai»i»rost einige Holzscheite und Kohlen an liiib slreckte sich neben der prasseludeu Gluth auf dem Boden aus. Macien hat die Eindrücke seiner letzten Slunden zu Papier gebracht. Der Schlußsatz des Schrislstückes, das neben deiii theiliveise verkohlten Leichnam gefunden wurde, laulct:„Meine Schläfen klopfen immer schneller, ich sürdüe aber gleichwohl, daß mau mir Hilfe bringt, bevor ich noch erstickt bi». Doch nein, ick; werde früher sterbe», denn, wenn ich nicht ersiicke, so verbrenne ich. Ich fühle, wie mein linker Fuß und mein linker Arm schon vom Feuer geröstet werde». Mein.' Pulse schlagen immer schneller, ich sehe nicht mehr, ich..."— — Ter durch den W i r b e l st u r i» ans der Insel L e y t e (Philippimn) veiuisachte Schaden wird aus 7i/z Millionen Pesetas geschätzt.—_ Briefkasten der Redaktion. wir blUen, bei jeder«nsrage«lue Ehlsfre lzwel Vu-hsiab-n oder«ln« Zahl) anznoeben,»liier der dt« Aulworl«rlhitlt wcrdesi(oll. DI« jnrisiische Sprechstuiidc fintzet am heutigen Abend von TV, bis SV, llhr abends, in der iiächsleu TAoche am Montag, Dienstag und To»»a!>o»d von(> bis 8 Ilbr statt. C..f>„ Höchst a. M. Sie kommen drei Vierteljahre zu früh. Jetzt ist's noch nickt so ivett. Zwei Wettende. Bielefeld. Die frelrcliglöse Gemeinde zu Berlin hat über der Eingangsthür ihres BegräbuißplntzcS, Pappel-Asiee 15/17, noch� innen bereits 187.'! solgenden Spruch anbringe» lassen:„Schafft hier das' Leven gut und schön, lein Jenseits ist, lein Auserstch'ir". Dieser Spruch ist zwar nie eutscrnt, aber doch während dcS Sozialistengesetzes durch ein Brett verdeckt worden. Nach Anshebung dieses Gesetzes wurde das Brett wieder beseitigt. Wie uns scheint, haben hiernach beide Wetiende verloren und habe» die Slreiteiideli also doppelt gewonnen. R. d. 25. Wltleiungslil'cislcht vom 23. Oktober IH97. etujtmienv-vei ziemriey oimaieii iiimmocn iiiiu iui änderler Temveratnr; keine oder unerheblich« Ricderschläge. llelitscliki' �elgllgi'böitei'-Vlü'bsnll (Vei'vvsKunßsZsiells Lerlin). Lonnsbenll, eZen L. klovemken vn.i Grosses Vokal- und Instrumental- Konzert in Keller's Festsälen, Koppenstrasse Mo. 29 ausgeführt von Zivil-Berafsmusikem unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Kudolf Tletx sowie einer berühmten Gesangs-Kapelle. Nach dem Konzert: Orosser Ball. Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 50 Ff. nach. Anfang pnnkt O Uhr, BiUeta LS Pt. Alles nähere besagt das Programm, welches beim Eintritt zur Ausgabe gelangt. An der Kasse werden keine Billets verkauft. Billets sind bei den Eassirern, in den Zahlstollen sowie im Verbandsbureau zu haben. 161/13 Die OrtoTerwaltans. WM- Sänger die gewillt sind, an der Einübung und Aufführung eineS großen Chorwerkes von Bruck theilzunehinen, können sich zur Aufnahme melden bei folgenden Vereinen abends von S Uhr au: Dienstag:„Kreuzberger Harmonie", Admtralstr. 18«. Mittwoch:„Norddeutsche Schleife", Melchiorstr. IS. Donner st ag»„Sorgenfrei", Admiralstr. 18 o. Freitag:„Freie Liedertafel", Straustbergerstr. Z. 66/14 «in. in Ii p|[»MgI Emil Uadncr, Daubenstr. 10. Hinterpaletots, SSiÄ spottbillig. Pfandleihe, Neanderstr. 6. Wenn Husten Dich, Katarrh befällt: K a s ch o l ist's beste auf der Welt! Jeden Sonnabend Gänse- AuS- spielen bei VSlz. BreSlauerstraße 3. Fahrrad 70-et)ai,ffce- straße 77 I. Schlafstelle für Herrn Bei Wtttwe Gubc, Waldemarstr. 4._ 13636 Frdl. Schläfst, für 1 oder 2 Herren Forstcrstraße 40, v. 4 Tr. 13686 Ein Thetln. zum möbl. Zimmer ges. Köpentckeritraß« 170, 4 Tr. Neubauer. LlOOl�eil'jZSitSF? Dienstag, den 26. Oktober, abends 8 llhr, in den Andreas-Frstsäle» (früher.loLli. Anbreasstrasje 21: Gener Ql-DorsQNltttlung des Faclivereins der Stockaröeiter. Tagesordnung: I. Vortrag des Geiioffeii«111»,-«; über:„DaL Uufallperstcheiuugsgcsetz." 2. Dislnssia». 3.«affenbericht. 4. Neuwahl des Vorstandes, b. Werfstattangctegcuhciteu. 6. BerschiedcueS. 175,12 Um regen Besuch bittet Dei- Voratnnd. Verband der Möbelpolirer. Zl<>»t«g,«1«» LS. Dlrtokoi-, nikonel« SV- VIiv, Admiralstr. 18c: g�T VersammSumg,"MZ TagtS-vrdniing: 148/15 I. Kritik über Spiritismus. Referent: Kollege»ti-ninin. 2. DiS- kilfston. 3. Verschiedenes uiih Bericht über den Streik bei Eberhard. Die Kollegen vou Brandt, Dteffcubachstr. ZV, sind hiermit eingeladen. lltiir Vorutaiid. Zttltrlll-Krltttkeit- n. Sterbe- fülle der Tischler u. J.ui. (Verwaltung Berlin».) Mklieder-Mülmlttng am Wtontag, den LS. Oktober, abends 8'/, llhr, inr Lokal dcS Herrn Tolkadorf, Görlitzerstraßc 58. Tages-Ordnnng! 1, Abrechnung vom 3. Quartal 1897. 2. Aerztiichcr Vortrag. 8. Dtökusston. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind die Mitglieder der Frauen- Stelbekafsc freundlichst eingeladen. Mitgliedsbuch legitlmirt. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheine» ersucht 191/9 Tue OrtSverwaltung. Dillards. große Auswahl auch aufTheilzahl empf. die Billards. von Hermann Ott,»<&. Cie., SO. Oranienstr. 28(n. Adalbcrtstt.) Carl Be-cker igup Clcnreen.Clgurrctten u. Tabake'vfUi Liiidowerstr. 25 an der Müllerstr. Arbtitsiiiürlt Tüchtige lLürtlergejellen auf Neu- stlber oerlangt Wesnov, Neucn- burgerstraße 20,_ 13666 Gürtlcrlchrling verlangt Wegiicr. Nenenburgerstr. 20. 1367b Karbrnacherl Tüchtige Bambus- Arbeiter verlangt Bob. Qankan, Kleinbccrcnstr. 24._ 13576 N»dt»al!lsr zugleich Farbigmacher, 4.'llljllkvl4» verlangt ----- Mathieuftraße 14. 13506_ Lehnnädchen Verl. Gedr. Benjamin, Grüner Weg 118._ 13496 Geübte Bclegerinnen auf Goldlcisten sucht 4Verkn»el«ter, Brunnenstrafte 1V4. 1358b Mfunu. Biidhauer! Am Mittwoch, den 20. b. My ,1 abends 11 Uhr, verstarb nach langem, schwere» Leiden eines 1 unserer ältesten und treuesten I Mitglieder, der Bildhauer Otto Talke 1 im 43. Lebensjahre. Ein ehrenvolles Andenken be- wahrt ihm der stinuverein Berk. Bildhauer. Die Beerdigung ffndet am > Sonntag, de» 24. Oktober 1897, »achinittlig« V,2 Uhr, von der Leichenhalle des alte» Louisen- i Kirchhofes in der Bergmann- [ straße aus statt. Uni zahlreiche Belheiliaung bittet Ter Borstaiid. Allen Freunden und Bekannlen die traurige Mittheilung, daß unser lieber Sohn l'nul 1,1111 gfelttt nach kurzem, schwerem Leiden ver- starben ist.— Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle Bethanien aus nach dem Emmauskirchhof in Britz statt. Die trauernden Eltern: Wilh. Lang- fcldt»ebst Frau und Geschwistern. Bentaelier Metallarbeiter-Verband. (Verwaltungsstelle Berlin.) Todes- Anzeige. Am 2l. Oktober starb unser Vitt- glicd, dcrMctallschletser 161/12 Paul Langfeldt. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. Oktober, nachmittags 2 Uhr, von der LeichcnhaNc Bethanien aus nach dem Emmauskirchhof in Britz statt. Um rege Betheiligung ersucht Dir Ortsverwaltnug. Uhren m Gold-, Silber- und Alfenidewaaren zu d�«»VN««t. Oottschalk, Mnirchr. nahe dem , Kottbuser Thor. SiiV de» Inhalt der Inserate «verniinuit die Redaktion den, Piiblikiiin gegcniilicr keinerlei Aeraiitloortnng. !ii, s ilii|i||,| The�tev. Sonnabend, den 23, Oktober, Opernhaus. Mignon. Anfang 7V- Uhr. Schanspielhans. Helga's Hochzeit. Anfang VVj Uhr. Deutsches. Mutter Erde. Anfang ■U/- Uhr, Berliner. Faust, 2. Theil. Anfang ?>/- Uhr. Goethe. Tyrannen des Glücks. An- fang 77, Uhr. Lessiug. Hans Huckebcin. Anfang � 7V- Uhr, Neues. Aschermittwoch, Vorher: Lieb' im Spiel. Anfang 7»/. Uhr. Residenz. Odette, Anfang 7>/z Uhr, Schiller. Kyritz- Pyrih. Anfana 8 Uhr. Unter de» Linden. MadameFavart, Anfang 7l/z Uhr. Luisen. Wilhelm Tcll. Anfang 8 Uhr. Thalia. Hotel Tohu-Bohu. Anfang 7-/z Uhr. Ostend. Die Geisterglocke. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7-/- Uhr, Friedrich> WilhelmstiidiischrS. Das Zeichen des Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Der Frosch könig. Rlexanderplah. DaS Liebesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr, Reichshalle». Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. American. Berlin, wie's näht und trennt. Apollo. Spezialitäten. Auf. 71/2 Uhr. cen-Palast. Spezialitäten. affage< Panopliknm. Indisches Dorf. Urania Tanbenstrasse 48— 49. Naturkundl. Ausstollung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaft!. Theater. rnvalldcnstvasse Mo. 57/62: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheros die Tagesansohläi Passap-Panoplicum. Nur noch kurze Zeit I Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Monng Toon. Schillvv�Tlzeatvv (Wallncr-Thcatcr). Sonnabend, abends 8 Uhr: Kyrih Pyrih. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Weh dem der lügt. Abends 8 Uhr: Ein Tropfen Gift. Monitag, abends 8 Uhr: Kyrih- Pyrih. Lnisen- Theater 31. Reichenbergerstrahe 31. Abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller, Sonntag, nachm. 3 Uhr zu halbe» Preisen, zum 1. Male: Rttaris Stuart. Draucrspicl von Friedrich v. Schiller, Abends 8 Uhr: Der grohe Womhiter Billets h 60 Pf. zu der Sonntag Nachniittags- Borstellung kannten Verkaufsstellen. onntag in den ve- Osteitd-Theater. Gr. Frankfnrlerstr. 132. Dir. E. Weih Novität I Novität! Die Geisterglocke Drama in 4 Atten von C, Matthias. Musik von C. Schüler. Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, Bolkö- Vorstellung, halbe Preise: Am Altar Im Tunnel: Krei-Konzert, Thalia- Theater. Sonnabend, den 23. Oktober 1837: Zum 8. Male: Hotel Tohu-Bohu. (I/Auberge du Tohn-Bobn.) Vaudeville in 3 Akten von Maurice Ordonneau. Deutsch von Viktor Lson, Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Borstellnng. KoirceilltstiL Sanssouci, Kottbnserstr. la. Dir, v. Pierry. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Stürmischer Erfolg. Riesiger Beifall, Ssportmlulel. Neu! Guste auf Posten. Neu! Vorzügliche neue Spezialitäten. 1« Man» starkes Orchester. Ans, d, Konz, Woche 7 Uhr. Vorst. 8 Uhr Sonnt, b Uhr. do, 6 Uhr Entree: Woche 30 Pf,, Sonntag 50 Pf, Wochentags Passe-partouts giltig, Diese Vorstellungen finden jeden Sonntag, Dienstag u, Donnerstag statt, Vollts- Tlieater Int Welt-Reetanrant 67. Dresden er>StraftcS7. Die llmttidmg. Bilder aus dem Berliner Volksleben von L. E l y. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- tags 7>/z Uhr.— Eutree: Sonntags 40 Pfg,, Wochentags 20 Pfg. Mehr'sThester vranlenstras«« S4. i pezial Vorntellung. Movittttcn-Ppogranim. V. a.: Deta Waldau, U. n.; bildschöne Kostüm- Soubrette. Huxen der beste Mimiker, lieul Wer ist der Wer? M\ Burleske mit Gesang und Tanz. ««u! Die«weite Fra«.«««! VolkSstück. Ullküllg' Wochentags 3 Uhr. ZlUsllllg. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Oostou's Fanopticnm. Friodrichstr. 165. Bären weil> dio grössto Sehonswürdig- Uoit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! NPH f Itolienischo Kapelle IsCU. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Centrai-Theater Alle Jakobstr. 30. Direktion Itlchard Schnitz. Sonnabend, de» 23. Oktober 1897: Uuiil Thomas a, W. Zum 50, Male: BorBisier issohrteh. Bnrlesle Ausstaltnligspossc mit Gesang nnd Tanz in 6 Bilden» von Julius Freund und Wilhclul Mannstäd t, Musik vou Jlil, Einödshoser. Anfang 1/.ß Uhr. Morgen und die'folgenden Tage: Perliner Fahrte». I?eeih-Pstl»8t 22 Uufgstr. 22. ZGröht, VergnügunaSlokal Berlins,! Direktion: Wlnliler und Ifftihol. Fidele Droschkcnfahrt. 55 is Um 8V2 Uhr: Richard Winkler nnd Wilhelm Fröbel in der Berliner Gesangs- Posse; Die mittle Tche. Li Nene Spezialitäten. Anfang V/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr Eutree 30 Pf. bis 1 M. 50 Pf. Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. 4.«l«ch. Brn» Air. Bro�vn. Ali 88 larie Halten, aincrikanische Operetten-Diva. Mr. Bodo Leo Rapoli. Dagmar Hansen Neun Heinzelmännchen. Flip, Flap, Flop!! Grosie Pantomime, ausgeführt von der Joseph Phoites-Tronpe. Kiiietograpli Kasten crö sing. 6>/?M>r, Ausi U/- Uhr Ivehriider HerrnTeid' I. 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Jmti 1895; Gründe, welche die Neberlegenheit des landwirth- schaftlichcn Großbetriebes abschwiichen; der landwirthschaft- liche Kleinbetrieb und die Sozialdemokratie. Mit der Beriifszählnng vom 14. Juni 1895 war eine lniid- wirlhschastliche Betriedszählung verbunden, deren Hanplcrgebnisse i» dem letzlen vo» dem kaiserlichen Staliftische» Aint Herauegegebenen Vierleljabiesheft i» zusannnensnssender Daistellnng verarbeite! worden sind. Ebenso wie in der gewerblichen Bernsszählung sind weniger die»euc» Zahlen an sich, als ihre Vergleichuug mit de» Ergebnissen der vorlehlen allgemeinen VerufSzählung vom Jahre IL8S das sür die Beurtheilnng der volkswirthschafilichen Zustände Bedeutsame, weil sie uns Nufschluß giebt über die ökonomischen Tendenzen, die sich in dreizehnjährigem, von lebhaftester Bewegung ersnlltem Zeit- ranm geltend gemacht habe», und die aller Voraussicht nach auch die Zukunft, wenigstens die nächste Zukunft beherrschen werde». Diese Vergleichuug ergab, daß die Jndustriealisirnng der nalio- naleu Produktion und die K o n z e n t r a t i o n der Betriebe innerhalb der Industrie i» raschem Tempo zugenommen. Es ergab sich, daß die landwirihschaftlich thätige Bevölkerung gegenüber de» in Industrie und Handel Beschäftigten stark zurückgegangen ist und daß ebenso die Zahl der wirthschaftlich Selbständigen im Verhältnis zu de» Angestellte» in diesen Branchen eine rapive Verminderung aufweist. Dem entsprach der Rückgang des Handiverls. Während die ganze Handweikerbevölkerung, Selbständige und Angehörige zusammen- gerechnet, im Jahre 1832 noch auf ä�/e Millionen Köpfe zu veranschlagen ist, betrug sie, wie eine Verarbeitung der neuen Statistik nachweist, im Jahre 1895 nur noch etwa 4 Millionen, d. h. während sie damals de» zehnten, repräsentirte sie 13 Jahre später nur»och den dreizehnten Theil der Gesainmtbevölkernng in Deulschland. Die von dem Verein sür Sozialpolitik angeregten, viele Bände füllende» Untersuchungen über die Lage der verschiedenen Zweige des Hand- werks haben ein großes Viaterial. das in der Hauptsache eine lebendige Illustration dieses Niedergangsprozesses ist, zusammen» gestellt. Die lIewerbezählungs-Ergebnisse für Preußen, über die der .Vorwärts" neulich berichtete, weisen naturgemäß das gleiche Bild, vielleicht mit noch markantere» Zügen, auf. Daß die gewerblichen Zwergbetriebe, in denen der Inhaber ohne BeHilfen arbeitet, von 1382 bis 1895 um mehrere Prozent zurückgegangen, dagegen die mit Gehilfen arbeitenden Betriebe sich um 24Vz pCt. in Preußen ver- mehrt haben, besagt noch weniger als die andere Tbatiache. daß die Zahl der in solchen Betrieben beschäfliglen Personen sich NM 59 pCt., also doppelt so schnell wie die Anzahl der betreffenden Betriebe selbst, gehoben hat. Während in den 29 Jahren von 1375—1895 die preußisch« Gesammlbcvölkerung um 24 pCt., also um etwa ein Viertel, hat die gewerblich thätige»m 82 pCt.. also um bedeutend mehr als die Hälfte, zugenommen, das Schwer- gewicht der ökonomische» Struktur hat sich hier wie im Reiche von der Landwirthschaft zur Industrie verschoben. Es liegt auf der Hand, daß die Tendenz zur Konzentration der Betriebe, die in den allgemeine» Zahlen der Bernsszählung zum Ausdruck kommt, sich in den verschiedenen Gewerbezweigen nicht überall gleichermaßen hat geltend macheu können. In den all» gemeinen Zahlen drückt sich nur das Gesammlergebniß aus, zu dem weit voneinander abweichende Erscheinnngsreihen sich summirt habe». Eine Studie von Paul Voigt, die den Abschluß der von dem Verein sür Sozialpolitik augestellten Handwerks-Untersnchnngen bilde!, wirft helles Licht ans die Bedeutung dieser in den technischen und sonstigen Verhältnissen begründeten Abweichungen. ES giebt danach Gewerbe in Deutschland, die. wie die Spinner, seit 1882 mehr als die Hülste, dann Gruppen, die mehr als'/», andere, die mehr als Vio ihrer Selb- städigen eingebüßt haben, und hinwiederum andere, in denen sich die Zahl der Selbständigen entsprechend der Bevölkernngs- zunähme, oder noch schneller als diese, erhöht hat. Dazu gehören auch Gciverbe, die, wie Bäckerei und Fleischerei, in technischer Beziehung durchaus als für de» Großbetrieb geeignet er- scheine». Doch da? sind Ausnahmen. Die Hemmung, die auf gewisse» Gebieten gewerblicher Thäligkeit der Konzentration der Betriebe sich rutgegenstellen, können in keiner Weise über die auf Konzentration hinarbeitende Gesaiumllendeuz der industriellen Eutivickelung hinweg» täuschen, -- Wie steht es»u» in dieser Hinsicht init der Land- wirlhschaft? Trägt die Bewegung in dem Zeitraum von 1882 bis 1895 hier bereits dieselben Züge, die auf dem industriellen Ge- biete so klar hervortrete»? Das ist die erste Frage, auf welche die Ergebnisse der landnnrthschastlichen Belricbszählung Antwort crlheilen sollen. Wir lassen hier die wichtigsten Angaben folgen: Tie rein landwirthschafilich(d. h. als Acker, Wiese, bessere Weide, Hopfenland u. s. w.) benutzte Fläche umfaßte bei der 1395er Zäh- hingM'/eMillioneii Hektar. Die Zahl der laudinirthschaftlichen Betriebe war 5'/« Millionen Wahrend die landwirihschaftlich benutzte Fläche in de» dreizehn Jahren seit 1832 sich um ctiva 2 pCt., hat sich die Zahl der Betriebe nominell in einem mehr als doppelt so schnellen Maße, nämlich um mehr als 5 pCt. vermehrt. Eine Vermehrung, die allerdings zu einem Thcile, wie daS statistische Amt erklärt, au? größerer Genauigkeit der letzten Zählung herrühren»mg, aber zweifellos zum theil auch auf eine wirtliche, durch Parzellirung größerer Grundstücke hervorgerufene Erscheinung hinweist. Faßt man die Betriebe mit einer Fläche bis 2 Hektar(1 Hektar gleich etwa 4 preuß. Morgen) zu einer Gruppe als Parzellenbeiriebe. die vo» 2—5 Hektar als kleine, die von 5-29 Hektar als mittlere, die von 29—199 Hektar als größere bäuerliche Betriebe, und die von über 199 Hektar als Großbetriebe zusammen, so bietet sich folgendes Bild von der Verbreitung dieser Betriebsllassen: im Jahre 1395 im Jahre 1882 Zahl der Parzellenbeiriebe.. 3 235 189 3 961 831 „„ kleinen Bauerngüter. 1 916 239 961 497 „. mittleren Bauerngüter 998 791 926 603 „„ größeren Bauerngüter. 231 734 281 519 .,„ Großbeiriebe.... 25937 Parzellen..... Kleine Bauerngüter. Mittlere Bauerngüter Größere Bauerngüler Großbetriebe.... 24 991 Während also die Zahl der Großbetriebe und der größereu Bauerngüter fast unverändert geblieben, hat die der niittlere» Banerngüter»m 72 199, die der kleinen um 34 832, die der Parzellen (von denen übrigens ein sehr bedeutender Bruchtheil, mehr als 699 999, im Besitz industrieller Arbeiter ist) um 173 333 zugenommen. Ten A n t h e i l an der landwirihschaftlich benutzten Gesammt- fläche, den die verschiedene» Betnebsgrnppen einnähme», giebt die folgende Tabelle au: Zusammen Landwirihschaftlich benutzte Fläche i. I. 1895 Hektar 1 397 879 3 235 729 9 729 935 9 863 367 7 829 997 32 511 899 i.J. 1832 Hektar 1 825 938 3 199 293 9 153 393 9 993 179 7 786 263 31 863 972 Es entstelc» also von 199 Hektar landwirthschafilich benutzter Fläche auf die einzelnen Belriebsgrnppen im Jahre 1895 Hektar 1882 Hektar Es ist mithin der Antheil der kleinen und miltleren Bauern- gi'iter an der gesammtrn landwirlhschaflliche» Fläche gewachsen,(und zivar von 19 91 auf 19,11, sowie von 28,74 aus 29,99 pCt.). wie denn ja auch die Anzahl der Betriebe in diesen Gruppen zu- genomme» hat, wogegen der Antheil der großen Bauerngüter und Großbetriebe, deren Zahl annähernd nnvei ändert geblieben, sich um etwas vermindert hat. Die landwirthschaftlich bebaute Fläche der Parzellengülcr weist sogar, trotzdem die Anzabl der Parzellen- betriebe bcdcnlend geslugen. im Berhältniß zn der gesammlcn Land- wirlhscbaflsfläche eine» Rückgang auf. Ter bäuerliche Grundbesitz von 2 bis 29 Hektar hat also, gegenüber dem großbäuerlichen Be- triebe, dem Großbetriebe und den landwirthschusllicheu Parzellen an Bodenterrain gewonnen. Immerhin haben die eigentlichen Großbetriebe von 199 Hektar und dnuibcr. obwohl sie noch nicht>/s pCt. aller landwuihichnft- liche» Betriebe ausinachen, in Deulschland gegenwärlig annäkernd ein Viertel der landwirihschastlichen Fläche inne, zwei Fünftel etwa enlfallen ans den bäuerlichen Besitz von 2 bis 199 Hektar, z» dem nahezu 79 pCt. aller landivirlhsckafllicben Betriebe gehören, nur ei» Zivanzigstcl des Bodens ist unter Parzelle» zersplittert, während die Parzellenbelriebe— weitaus die zahlreichsten— 33 pCt. aller Betriebe ausmache». In de» verschiedenen Theile» Dcuischlands weise» die Veihälinißzahlen der verschiedenen Betriebs- gruppen»atmlich gieße Abweichungen auf. Tie Hochburg der Großbeiriebe sind die östliche» Piovinze»; während im Reich- dnrchschniit, wie gesagt, annähernd«in Viertel, 24.93 pCi. der Land- ivirlhsehasisfläche aus den Großbetrieb enifallen, bat er iu Ostpreußen 39,47, in Westpreußen 43.66, in Posen 52,19, i» Pommern 55,13, i» den beide» Mecklenburg sogar 69,63 pCi. der Gesammifläche inne. Der Großgrundbesitz in diesen sechs östlichen Provinzen versügt über nahezu drei Bicriheile der in ganz Deutschland überhanpi dem Großbetriebe angehörenden Fläche. Es folgen Anhalt mit 37,05, die Provinzen Biandenbnrg mit 35.91, Schlesien mit 33.86 und Sachse» mit 27,55 pCt. Großgrundbesitz. Der größere, miniere und kleine bäneeliche Betrieb ist über das ganze Reich hin a»sgedreilel, die Parzillen habe» ihren Hauptsitz in den südivesl-deuischen Staate» (Hessen. Baden, Elsaß-Loihringe», Württemberg und in den llihein- landen). Dem Besitzverhäliniß nach waren 49,63 pCt. aller Betriebe solche, die ausschließlich eigenes Land bewiithschnsiele», dene» 16,34 pCl. als ausschließliche Pachtbelriebe gegennbeistihe». Die Größe der gepachleteu Gesammifläche belief sich auf 12.38 pCt. im Jahre 1895 und hat gegenüber 1332 keine Vermehrung, vielmehr einen kleinen Rückgang erfahren. Soweit mau aus der Vertheilung des BobenS, als des wesent lichslei, Produklioiismillels der Landwirthschaft, aus die Art und Weise landivirlhschafllichen Betriebes schließen kann, zeigen die ökouo- inischeii Gesaiumiverhälinisse dieies PloduttionSziveiges in dem zwischen de» beide» Zählniige» liegende» Zeiiraume ein merkwürdiges Be- harr»»gsvcrinögeu. Und das, trotzdem infolge der auhallenden Depression der Geheibepreise die Zahl der Subhastatiouen und Aeikänfe, überhaupt das Tempo des Besihwechsels in de» ver- schiede»«» Giuppeu zweifellos ein sehr beschleunigtes war. Diese rasche Beivegung hat indeß das Berhältniß, nach dem die allgemeine» Besitzgruppeu au dem landwirthschasilicheu Boden parlizipire», und damit, wie mau annehme» kann, das Berhältniß der ver- schiede»«» Bctriebsarle» nur wenig verschöbe». Diejenigen Berände» rungen aber, die im Nahmen der slanslische» Untersuchung hervortreten, lassen von der großen in der industriellen Eiitwickelmig herrschenden Tendenz auf Konzentratio» der Betriebe nichts erkennen. Freilich has aiif die Großbelriebe entfallende Areal hat. absolut genounue». »m etwa 43>99 Hektar zugenommen, aber diese Vermehrung ist so wenig ausschlaggedend, daß sie sich in den Vcrhälinißzahlen, die die Vertheilung der landwirthschasllicheu Gesammifläche angeben, gar nicht ausdrückt. Im GegeiitHeil. der Antheil der Großbetriebe ist. wie die oben mitgetheilte Tabelle zeigt, noch»m«ine Kieinigkeit, von 24,43 ans 24,03 pCt. zurückgegangen, wogegen die llriiieii»nd mittleren Bauerngüter, die in der Lnndwirihschnft dasselbe darstellen wie in dem Gewerbe das selbstarbcitende Handwerk, iomohl was die Anzahl der Beiriebsiuhaber als auch was den Autheil a» der Ge- sainmlfläch« betrifft, eiue Steigerung ansiveise». Die fort- schreitende Trennung des Produzenten von seinem Produktions» mittel,»»d damit die forlschreitende Verwandlung ver Produktionsuiittel i» Kapital, in Mittel der Ausbentung. der Prozeß, de» der Rückgang der Selbständigen im Gewerbe so deutlich wideispiegelt, scheint also in dem Landwirlhschaflsbetriebe, trotzdem derselbe dem gleichen Sylleme freier Konkurrenz»»ter- worien ist. n»s innere, vorläufig wenigstens noch unüberwundene Hemmungen zu stoße». -- Die Waffe, mit der der Großbetrieb in dem Gewerbe vor- dringt, ist, wen» wir von seinen kaufmännischen Vorzügen abseben, die icchiiische Ueberlegenheit, die größere Prodnkiiviiät der mit Maschinerie und allen Hilfsmiileln ansgestatteien Arbeit. Die größere Pro- diiklivitäl der Arbeit senkt die Prodntlionskosien, n»d die Äer- Minderung der Prodiiktionskoste» gestattet eine Herabsctznug der Preise, mit der das unproduktiver inid darum theurcr arbeitende Handwerk nicht konknrrircn kann. Die größere technische Vollkonnnenheit erweist sich iu dem Konkurrenzkampf als die größere, den gegebenen Zkanips- bedingungen besser angepaßte ökonomische Macht. Nicht weniger wie in den Gewerben, hat in der Agrikultur, die seit den Zeiten der römische» Wellherischaft bis lies ins achtzehnte Jahrhundert hinein in ihren Arbeitsmethoden stationär geblieben war, die technische Wissenschaft in der neueren Zeil sich entwickelt: einerseils die Lebre von der chemisch-künsilichen Behandlung des Bodens durch Frnchlfolge und Dünger, andererseils die Konstrnktion vervoll- ro,n»!n«ter Werkzeuge und Maschinen(Säe-, Drill-, Mäh-, Dresch-, Würielmaschinen. Danipfpflüge u. a.>».). Aber der ökonomische Vorsprung, den die Aneignnng dieser ivissenschafilichen Errungenschaften dem landwirthschaftlichen Groß- betriebe dem Kleinbetrieb gegenüber geben konnte, hält keine» Vergleich anZ mit dem Vorsprung, den der wissenschaftlich- technisch ansgcrnstele Großbetrieb in entscheidende» Zweigen der gewerblichen Prvdnklion gewann. Den»«inerseits hatte der landivirihschafiliche Großbetrieb nicht wie die gewerbliche Kapital- macht ein thalsächliches Monopol für die Einführung der ver- besserten Mclhoden. Die rationelle Düngung z. B. ist dem mittleren und kleineren Betriebe annähernd wenigstens ebensowohl zugänz« lich, als dem landmirihsehafilichen Großbeiriebe, ebenso wie jener durch Assozialio» oder miethsweise sich die Benutzung wichtiger land- wirlhschastlicher Maschine» sichern' kann. Diese Art der Maschinen- Nutzung, welche die Maschine hindsvt,' ein ausschließliches Machtmittel in der Hand des Großbetriebes zum Niederkonknrrire» und zur ökonomischen Expropriation der kleinen Landivirthschastsbelriebe zu werden, hängt anss innigste damit zusammen, daß die Maschine in der Landwirthschaft überhaupt nicht kontinuirlich, sondern immer nur stoßweise, für gewisse, sich»nr in sehr langen Zivischenräumen wieder- holende Produktionsprozesse verwendet werde» kann. Dieser in der besonderen Natur landwirlhschaftlicher Produktion begründete Unterschied erscheint als das, was in letzter Linie die Maschine hindert, hier dieselbe revolutionirende Rolle wie in der Industrie zn spielen. Wäre hier volle Ansuntzung der Maschinerie in konti»uirlich fortlausender Produktion möglich, so würde wegen der gewaltigen dninit verbundenen Arbeiisersparniß das Vorbringen des maschinellen Großbelriebes in der Landwirihschaft mit gleicher Vehemenz wie in den technisch vorgeschrillenen Gewerbszweigen erfolge». Die länd- lichen Kleinbetriebe könnten sich so wenig, wie zum Beispiel die kleinen Wind- und Wassermühlen gegen die überlegene Konkurrenz der Dampfmühlen, auf die Dauer behaupten. Die Unmöglichkeit kontinuirlicher Maschinenausnutzung, wie sie einer- seilS de» Aorsprung des Maschineneigenthümers i» der Landwirth- schast mindert, bildet andererseits eine der Vorbedingungen, die auch dem Kleinbetriebe durch Assoziation und Mielhe eine zeit- iveilige Maschinenbenutzung gesiatien und seine Position dem Groß- betriebe gegenüber insofern festigen. Dazu kommt, wenigstens ans dem europäische» Kontinent, ali allgemeine der Einführung komplizirter Maschine» entgegenwirkende Bedingung, die außemdeuiliche Billigkeit lebendiger Meuschenarbeit. Denn je billiger die lebendige Arbeit, die durch Maschinerie erspart wild, ist, nm so billiger muß die Maschine selbst, oder um so größer imiß ihre Leistung sein, wenn die Maschinenarbeit nicht nur produktiver, sondern auch rentabler, d. h. erheblich billiger wie die durch sie ersetzte Menschenardeit sein soll. In den Vereinigten Staaten bei den hohe» Löhnen dominirt die Maschine auch in der Laiidwirlbschafl vollständig, während Deulschland entsprechend seilten erbärmlichen Landarbeiterlöhnen weit hinter dem dort er» reichten Maße zurückbleibt. Die Daie» der Söcr Zählung liegen allerdings noch nicht vor. aber im Jahre 1382 gab es überhaupt erst 391 999 Betriebe, die ihrer Angabe nach Maschine»(davon'/a einfache, nicht mit Daiiipf betriebene Dreschmaschine») benutzt hatte». Die Billigkeit der Menschenarbeit, als ein die Einsührung von Maschinerie erschwerendes Moment, wird im allgemeine» auch der Ausdehnung moderner Großbetriebe auf Koste» der kleinen Wirth- schaiten entgegenwirken»nd die Position der letzieren stärke». Was wir hier herausgegriffen, sind nur einige der Momente, welche die veihälinißinäßig große Widerstandsfähigkeit deS land- wirlhschastliche» Kleinbetriebes trotz freier Konkurrenz»nd hoher Ent- wickelungsstnfe der>ech»isch>agrarischenWiffenschafiverstäi>dlich»iach;n. Sehr ins Gewicht fällt z. B. auch, worauf Genosse David in seiner metbodischen und gründlichen Elörierung dieser Frage(Oekonomische Verschiedenheiten zwischen Landwirlhschast und Industrie.„Neue Zeil" Jahrgang 1694/95) init tliecht bedeuleiiden Nachdruck legt, daß die Vortheile der Selbstarbeit in dem landivirlhschastlichen Klei»- beiriebe viel schwerer, als in dem geiverblichen Kleinbetriebe wiegen, weil in der Landwirlhschast die Kontrolle der Leistungen und das Akkordsyllem bei weitem nicht in dem Maße, wie im Gewerbe zur Ansiachcliing der sreniden Arbeitskräfte verwendet werden kau». All' das und eine Steide anderer Verhältnisse verleihen dem land- wirthschafllichen Kleinbetrieb der selbslarbeitende» und einen be» deiiiende» Theil ihres Produktes selbst verzehrenden Bailernfamilie noch nicht de» Borsprniig vor dem Großbetriebe, der auch nach dem Uiiheil eines so nüchterne» Beobachters wie Buchenberger der Regel nach immer der überlegene Tbeil ist und bei ralioneller Leitnng im Durchschnilt gut das doppelte nnd bis viermal so viel Getreide wie der Kleinbetrieb auf dem Hektar erzengt. Wohl aber mindern sie die Wucht, mit der die Ueberlegenheit des Großbetriebes sich geltend machen kau». Eine starke Ansdebnnng der im Großbelrieb bebauten Flächen konnte übrigens während der letzten dreizehn Jahre schon wegen der andauernden Agrarkrisis nicht erwartet werden. So lange nicht die Bodenpreise dem niedrigen Getreidepreis enlsprechend hernnlergegange». fehlt auch die Aussicht auf Rentabilität land» wirtlischasiticher Kapiialanlageii nnd damit der Anreiz. der große Kupiinlniasse» diesem ProdnklionSzweige i» spekulativer � Absicht zlisührcii nnd so vielleicht ein rasches Vordringen der landwiiihschastlichcn Großbelriebssorm allen Hemmungen»um Trotz herbeiführe» könnte. -- Die Slaanation in dem Verhältnis! der verschiedenen Betriebs- forme» zn einander, ja das Vordringe» der mitllcren nnd kleinen Bauerngüler, welches der Vergleich der beiden denticheu Bemss- jählniigen erkennen läßt, beweist nichts weiter, als daß die Tendenz zur Akkniniilalion der Betriebe wie jede andere ökonomische Tendenz an Bedingnngen gebunden ist, die nicht überall und alle Zeit in gleichem Maße vorhanden. Wie jode andere Tendenz hat auch diese mit Hemmungen und Gegenkräste» zu ringen, durch die sie innerhalb gewisser Grenzen lheilweise anf- geboben werden kann. D>e Sozialdemokratie hat gar kein Interesse, diese Erscheinung, soser» sie nur in ihrer Begrenzlheit und Bedingt- heil richtig anfgesaßl wird, in Abrede zu stellen. Auch ohne die Zerreibung der bäuerlichen Velriebe bietet die land- wirlhichasiliche Struktur, so wie sie heute sich darstellt, der sozialistischen Propaganda durchaus günstige Angriffspunkte. Weilaus die Mehrzahl der landwirihschastlichen Benölkernng hat, iven» sie sich auch gegenwärlig»och darüber im Unklaren ist. anti» kapitalistische Jnlereffen, sie leidet, ebenso wie das Proletariat, vielleicht »och mehr, unter de» gegebenen Verhäliniffen, unb könnte sich vom ökonoinische» Jnleresseiislandpnnll der kämpfenden sozialistischen Vorhut ohne weiteres anschließen. Llicht nur gehören die Laiid- arbeiter, besonders aus dem vslelbischen Grundbesitz, dazu, sondern ebenso die ungeheuere Mehrheit der Parzellenbesitzer, die, wie wir sahen, allein 53 pCd aller landivirthschastliche» Betriebsinhaber stellt. Auch die Kleinbauern(weitere 16,29 pCt. der Ge- sannntzahl der Betriebsinhabcr) und ein sehr bedenlender Theil der Miitelbaner», deren Gnier 5 bis 29 Hektar nmfasse», haben, weil sie keine fremde» Arbeitskräste ausbeute», wohl aber durch kapitalistische Gläubiger»nddieSleiierndeskapilalistischenStaatesansgebentetiverden. in Wahrheit alles andere als arbeiierseindliche Unternehmerinleressen. Nur mangelnde Aufklärung und unklare Gefühle. nicht der so viel dauerhaftere Zwang des durch die ökonomische Lage selbst diktirlen Interesses, hält diese Schaar«» vo» unS fern. Daß der Sozialismus nicht daran denkt, ihnen, wenn er die Macht erhält, ihre Gütchen ge- wallsam fortzunehme», darüber können sie wohl init gutem Gewissen leicht beruhigt werde». Ganz davon abgesehen, daß sehr wahr- scheinlich dann die Konkurrenz der Großbeiriebe mächtig unter ihnen aiifgeränmt haben wird, stehen ja bereits heute die Dinge so, daß die verschwindende Zahl der Großbetriebe eine nm 9 pCt. größere Fläche als die Parzellenbeiriebe nnd kleineren Bauerngüter zusamme» umfaßt nnd dementsprechend nicht 9 pCt., sondern vielleicht 59—199 pCt. mehr Nahrungsstoff ans den Markt wirst. Kommt es also einmal zn», Expropriiren, so wird der Hebel sicher a» einer ganz andere» Stelle eingesetzt, als bei dem kleinen Banernlhui». Das weitere Schicksal desselben kann sich nur in friedlich ökonomischer Entwickelung ohne gewaltsames Eingreisen der Staats- geivalt entscheiden. C. 6. 9,F o r t ii n a" Htm«- n. Killlbtit-Cürdttoben-Gtslhiist des Nvrdtns 93 Kastauiett-Allee 93» Ecke der Oderbergerstraße, � empflchlt in großer MSwnhl B__ 1/U* W? 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Zichiing d. 4, Klasse 197. Kal.Preich. Lotterie. Airbnng vom 22. Okiober Ivo?,»nchmiNng?. Nur die Eemnuic über 310 üttoek sind den dclreheudeu Nummern in Poreulbeff beigelügt. 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Für den Juseralentheil vernntivortlich: Th.(Lloike in Berii». Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.