Ar. 349. Kboimemt«ts• Kedtngungen:' Abonnements- Pret» pränumerando: BterteljShrl. 3,30 Mr.,«onatl. 1,10 Ml., möchentltch 28 Psg. frei In» Hau». Einzelne Nummer 5 Psg. Tonntagi- Nummer mit illustrtrter Sonntag»» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- Preisliste für 1SS7 unter Br. 7487. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Erschelnl täglich außer«onlag». Vevliner Volksblakk. 14. Jahrg. Die Insrrtwns- Gebühr betrügt lür die sechSgelpaltene»olonel- teile oder deren Raum iO Pfg., für Verein»- und VersammIungS-Anzetgen, sowie ArbetlSmarN 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag» in der Srpedilion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bt« o Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher:«ml I, Sr. ISVS. Telegramm-Adresse: „»oxialdemostral Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 8V. 19. Meuly-Straße 2. Sonntag» den 34. OKtoder 1897. Kirpedltion: SW. 19, ZSettty-Straße 3; Von dev„entscheidenden Stelle** liest man seit Monaten Tag für Tag in den Leitungen der verschiedenen mit dem Zickzack- Kurs und Zickzack- Chaos unzufriedenen bürgerlichen Parteien. Da lesen wir von den schönsten Plänen, mit denen Minister und Reichskanzler schwanger gehen,— Pläne, dir aber regelmäßig an der„entscheidenden Stelle" Schiffbruch erleiden. An dieser„entscheidenden Stelle", wo alle schönen Regierungspläne scheitern, wo das vom Volke Gewünschte in das Gegentheil sich verwandeln soll, herrscht, wie eilt Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" jüngst schrieb, eine so überwältigende Dialektik, daß kein Staatsmann, imd habe er noch so festen Vorsatz und Willen, dagegen auskommen könne. „Dialektik!" O heiliger Hegel! Daß solche Geschmacklosigkeiten in ernsthaften deutschen Blättern, ja sogar in Blättern, die ans ihre demokratische Gesinmlngstüchtigkeit stolz sind, Aufnahme finden können, das ist auch ein Zeichen der Zeit, und zwar ein sehr trauriges. Was es mit der„Dialektik" an der„entscheidenden Stelle" ans sich hat, das lehren uns die sehr zahlreichen Reden, die an„ent- scheidender Stelle" gehalten werden, und in denen alles Mögliche ist, nur keine Dialektik. Oder was versteht besagtes Blatt denn überhaupt unter„Dialektik"? Mit„Dialektik" hat unser politisches Elend— leider! hätten wir fast gesagt— gar nichts zu thun. Und wozu dann diese ganze verschleierte und ver- schlciernde Ausdrucksweise?„Entscheidende Stelle"! Jedermann weiß, wer und was gemeint ist: der jetzige König von Preußen, der auch Kaiser von Deutschland ist. So lange Fürst Bismarck am Ruder war, wußte man, wer und wo die Regierung war; und ob man ihr Feind oder Freund war, man wußte, an wen man sich zu halten hatte. Wie aber heute? W e r ist die Regierung? W o ist die Regierung? Vom jetzigen König von Preußen, der auch Kaiser von Deutschland ist, verkündete einst Fürst Bismarck,„daß er sein eigner Reichskanzler sein werde." Das Programm ist verwirklicht. Wer das Amt hat ohne den Titel, hat mehr Macht, als wer den Titel hat ohne das Amt; und wenn Kaiser und Kanzler in Meinungsverschiedenheit oder in Konflikt kommen, ist jener natürlich die„entscheidende Stelle". Das ist so klar, daß jedes Kind es einsieht. Allein unsere Presse hat nicht den Muth, das Klare klar anszu- sprechen. Sie geht wie die Katze um den heißen Brei herum, schreibt tausende geheimnißvolle Leitartikel und Entrefilets über das, was sich niit Händen greifen läßt, und verdunkelt durch ihre angeblichen Aufklärungsversuche das sonnenhaft Helle. Oder kann es Helleres geben, als die Thatsache, daß der jetzige König von Preußen, der auch Kaiser von Deutschland ist, der Prophezeiung des Fürsten Bismarck gemäß handelt? Die ganze Welt weiß es— die deutsche Presse wagt nicht, es zu sagen. Das ist schmachvoll. Gut— daß am Ende deS neunzehnten Jahrhunderts in Deutschland noch so rückständige Verfassnngs-Zustäude bestehen können, wie sie in der chronischen Kanzler- und RegiernngS- krise sich offenbaren, das gereicht uns wahrhaftig nicht zur Ehre. Wir haben jedoch die Entschuldigung, daß frühere Geschlechter für diese Rückständigkeit unserer politischen Entivickelnng verantwortlich sind. Nicht zu entschuldigen aber ist es, und ganz ans- schließlich unsere Schuld, daß wir Versteckens spielen mit unserer politischen Rückständigkeit, daß wir uns weigern, die Quelle des Uebels zu sehen, und, indem wir„die ent» scheidende Stelle" außer uns verlegen, feig-satalistisch in daS K i s m e t politischer Unmündigkeit uns fügen. Die„entscheidende Stelle"? Entscheidende Stelle? Gicbt es denn kein deutsches Volk? Besitzt dieses deutsche Volk nicht die S o u v e r ä n i t ä t, das heißt das Recht und die Macht der S e l b st b e st i m m u ng, das Recht und die Macht, über sein Schicksal zu entscheiden? Bildet die V o l k s so u v e rä n i t ä t, die in dem all- gemeinen Wahlrecht sich ausdrückt und bethätigt, nicht die Grundlage der d e u t s ch e n R e i ch s v e r s a s s u n g? Kein Zweifel, es g i e b t eine„entscheidende Stelle" in Deutschland— eine„entscheidende Stelle", die über Ministern und Regierungen und sogar über den preußischen Junkern steht: und das ist das deutsche Volk. Wird unsere zickzackknrs-gegnerische Presse sich endlich er- mannen und die„entscheidende Stelle" da suchen, wo sie ist? Und die„entscheidende Stelle" selbst— wann wird sie zum Bewußtsein ihrer Würde erwachen und ihrer Macht? Wann wird sie handeln? An Gelegenheit fehlt es nicht. Jeder Tag bietet Gelegenheiten. Und die große Gelegenheit: die allgemeinen Wahlen sind vor der Thür. In einem halben, spätestens dreiviertel Jahren hat das souveräne deutsche Volk als die endgiltig„entscheidende Stelle" zu Gericht zn sitzen über Regierungen und Neben- regiernngen, über Zickzackkurs und Jnnkerwirthschaft, über Militarismus und Aiarinismns, über groben Unfng-Unfug und Majestätsbeleidigungs- Prozesse. Und da gilt es dann urchtlos denen das Urtheil zu sprechen, welche in Deutschland Zustände geschaffen haben, die mit unserer Ehre als Nation nicht verträglich sind und unsere Existenz als Nation be- drohen. Das souveräne deutsche Volk kann nickt dulden, daß es von einer winzigen Sippe rückständiger Kraut- und p«ofit- gieriger Schlotjunker entmündigt wird— allen anderen Völkern zum Gespött; es hat unerbittlich ins Gericht zu gehen mit seinen Unterdrückern, und ihnen die Möglichkeit der An- stiftung weiteren Unheils auf immer zu nehmen. In der Hand des deutschen Volkes ist es am großen Gerichts- und' Schlachttag der nächsten Reichstagswahl, mit wuchtigem Streich seine Feinde zu zerschmettern, und für die Zukunft keinen Zweifel mehr zu lassen, w o in Deutschland die„ e n t s ch e i d e n d e S t e l l e" ist— die in letzter In- stanz und unwiderrusbar entscheidende Stelle. Die Uandkagsttttthlsn. Der Wahlkamps ist auf der ganzen Linie entbrannt und hat bald seinen Höhepunkt überschritte». Wenn diese Zeilen erscheinen, trennen uns nur noch wenige Tage oder Stunden von de», Ent- schcidungslrefse» a» der Urne. Neberall ertönen die beiden Kampf- rnse: Hie Nationalliberalismns— hie Opposttio»! Ten Fernstehenden mag vielleicht die außerordentliche Einfachheit dieser beide» Wahlparolen auf den ersten Augenblick verblüffen und zu falschen Schlüsse» verleite», lchteres besonders in der Benrlheilnng der Taktik, welche die sozialdemokratische Partei im diesjährige» Wahlkampf einschlägt. Die ganze innerpolilische Situation und die auS derselben rcsnltirenden Konsequenzen werde» jedoch gleich verständlicher, wenn man bedenkt, daß der National- liberalisnins für den badischen Landtag, wutadis rmuanclis natürlich, das gleiche ist, was das Junkerthum für den preußischen Landtag. Und wie die Beivegung imter den preußischen Genossen für die Betheilignng an den Land- tagswahle» in erster Reihe ans dem dringenden Bedürfniß entstanden ist, die Macht des JunkerlhnmS im preußischen Landtag gebrochen zu sehe», ebenso ist die Taktik, d� h. das Znsammengehen mit der bürgerlichen Opposition, der Sozialdemokratie Badens durch die Ein- ficht diktirt worden, daß der Sturz der nationalliberalen Kammer- Mehrheit eine dringende politische Nolhwendigkeit geworden ist. Indessen hat natürlich die Ausgabe der Wahlparole:„Nieder mit dem Nationalliberalismns" selbstverständlich nicht verhindert, daß unsere Partei da, wo sie sich entweder stark genug fühlt, um allein z» siegen, oder da, wo nicht ein nationalliberaler Kandidat der Hauptgegner ist, keine Kompromisse mit der bürgerliche» Oppo- silio» einging. Ersterer Fall triff, i» Mannheim zn, letzterer in Offenburg. In Karlsruhe und Pforzheim, wo keine der Opposition?- Parteien für sich allein den Sieg erringen könnte, kämpft die Sozial- deinokralie Schulter an Schulter mit der freisinnigen Demokratie und in Ueberlingen sogar zusammen mit de», Zentrum. Die Taktik richtet sich in jedem Wahlbezirk nach den jeweiligen örtliche» Ber> Hältnissen, wobei allerdings überall das leitende Prinzip der Kampf gegen den Nalionalliberalismus Ist. Da haben wir also bereits die verschiedenen Kompromisse, deren zersetzende und demoralisirende Wirkung die Mehrheit des Hamburger Parteitags so sehr befürchtet bat, und Baden, das bisher so oft das „Probirländchen" für deutsche Regierungsexperimente war, ist es jetzt auch einmal für die sozialdemokratische Partei Deutschlands. Bis jetzt hat man nur allgemein konstaliren köniien, daß bei aller Einigkeit zwischen den Parteien der bürgerlichen Opposition und der Sozialdemokralie über das gei»eiiisan> an- znstrcbende Ziel unsere Parleigeuoffe» nirgends verfehlt habe», die prinzipiell trennende» Momente im Wahlkampf hervorzuheben. So weil also ein Urtheil jetzt schon möglich ist, dürste die Besorguiß vor dem Krebsübel der Korruption sür die sozialdemokratische Partei Badens eine grundlose sein. Eine andere Frage ist es, wie sich diese Taktik de? gelrennt Marschirens und vereint Schlagens durch ihren Erfolg bewähren wird. Darüber werden die nächsten Tage Ausschluß gebe». Der Kamps gegen den Nationalliberalismus ist in Baden schon so alt, wie der Nativ»allibcraIisn,uS selbst. Allein erst im Jahre 1891 wurde der eiste zielbewußte Versuch zur Sprengung dieses Geldsackklüngels in der Kammer gemacht. I» diesem Jahre trat auch die sozialdemokratische Partei zum ersten Male in die Wahl- beivegung ei», und zivar gleich mit Erfolg. Seit 1391 hat Mann- heim zwei sozialdemokratische Vertreter im Landlag. Damals wie heute waren der direkte Anlaß zu den Sprengungsversuchen die ver- rälherischen Prakliken der liberalen Kammermehrheit in der Wahl- rechtsfrage; dieses Jahr kam noch dazu die erbärmliche Haltung der nationalliberalen Partei in der Frage der preußischen Vereinsgesctz- Novelle und die traurige Handhabung des badischen Vereins- und Versammlungsgesetzes durch das von den Karyaniden der national- liberalen Kamme- fraklion getragene Ministerium Eiscnlohr, dessen Präsident sich während Oer letzlen Legislaturperiode nicht gescheut hat, verschiedentlich Andenlungen darüber zn machen, daß er den Versuch macheu werde, das badische Verein?- und Versammlungsgesetz nach preußischem Musler umzumodeln. Es tritt eben in Baden die gleiche Erscheinung wie in den übrigen Einzelländern zn tage, daß die Reaklioii in den Landlagen das durchzudrücken sucht, was im Reichstage nicht durchgedrückt werden kann.» Da unter der skandalösen Handhabung des Verein?- und Ver- sammlungsrecht? und unter der Beschränkung der wenigen Volkssreiheiten durch den Eisenlohr'schen Beamtenapparat fast nu> die Sozialdemo- kratie zu leide» hatte, so hätte sich die bürgerliche Opposilio» wegen dieser Eisenlohriade» allein nicht zn dem entschlossenen Wider- stände aufgeschwungen. Ter Entrüstungssturm. der durch das ganze badische Volk geht, wurde erst geweckt durch die schamlose Haltung der Kammermehrheit in der Wahlrechtsfrage. Bei diesem dunkelste» Blatt in der Geschichte des badischen Nationaliberalismus müssen wir etwas länger verweilen. Die Haltung der badische» Nationalliberalen in dieser Frage ist ebenso lehrreich als typisch sür die Beurtheilung der Zuverlässig- keit der Nationalliberalen überhaupt, und der Zynismus, wit welchem die Herren der Partei Drehscheibe ihre verschiedenen Wandlungen und Schwenkungen begründet, giebt der brutalen Offenheit der Junker im preußischen Landtag nichts nach. Herr Landesgerichts-Direktor Fieser, der Führer der Nationalliberalen, begründete z. B. gelegent- lich einer Besprechung der Wahlrechtsfrage in einer Versammlung de» Widerstand seiner Partei gegen die Einführung des reinen direkten Wahlrechts mit dem klassischen Geständniß, bei direkten Wahlen ohne K a n t e l e n„würde die Kammer fast nur aus Ultramontanen und Sozialdemokraten zusammengesetzt sein." Noch drastischer war die Begründung,„man könne doch den Nationalliberalen nicht zumuthen, den Ast abzusägen, ans dem sie sitzen".— Mit jener Unverfrorenheit, mit welcher alle untergehenden Parteien auf ihr ersessenes angebliches Recht pochen, deduzirt der badische Nationalliberalismns die aus seiner Situation für jeden Staatsbürger erwachsende patriotische Pflicht, die nur auf dem Boden des indirekte» Wahlrechts künstlich erzeugte nationalliberale Mehrheit der Kammer des Lande? zn erhalten, jenes Landes, daS mit seinem nur noch mit blutiger Ironie zitirlen Beinamens deS „liberalen MusterstaateS" bald nur noch neben Sachsen ehrenvoll ge- nannt werden kann. Mit jenen„K a u t e l e n verhält eS sich aber folgendermaßen: AlS die Nationalliberalen sahen, wie sie sich mit ihrem allz» brutale» Austreten gegen da? direkte unverfälschte Wahlrecht bei der nicht zum Beamten- und Geldsackllüngel gehörenden Wählerschaft um allen politischen Kredit bringen würden, kamen sie in den Wahlen der letzten Jahre und auch dieses Mal mit dem Versprechen eines„an- gemessen gestalteten direkte» Wahlrechts"— wie der für national- liberale Verschwommenheit undflluehrlichkeit charakteristische Ausdruck lautet. In welcher Weise sich die Nationalliberalen die„angemessene Gestaltung" des direkten Wahlrechts denke», darüber giebt ihr im Jahre 1896 in der Kammer eingebrachter Gesetzesvorschlag genügenden Aufschluß. Nach diesem Vorschlag sollen nämlich außer den 6Z direkt gewählten Abgeordnelen 15 indirekt, nämlich nach dem für Gemeindewahle» geltenden Modus gewählte Vertreter der Städte im„Karlsruher Rondel"— wie man den Landing nennt, Sitz und Stimme haben. Jener sür Genieiudewahlen geltende Modus ist aber das Zeusnssystem, da? den Nationalliberalen fast ausnahmslos zum Siege verhelfen würde. Mit den Pflastern dieses Klnfsenwahlgesetzes, wie es plutokratischer nicht gedacht werden kann, will also die Kammermajorität die Wunden heilen, die ihr das direkte Wahlrecht schlagen würde.— Allerdings ist bei der be- kannten Treulosigkeit der nationalliberalen Partei nicht einmal da? sicher, daß ihre Fraktion durch Wiedereinbringung auch nur eines solchen Vorschlages wie 1896 ihr Versprechen eines„angemessen ge- stalteten Wahlrecht?" halten wird. Denn im Grunde ist ihnen auch das direkte Wahlrecht mit Kaulelen in der Seele verhaßt, und diesen Ge- sühle» hat jüngst ei» enfant terrible der Partei, der„Adelsheimer Bote" in de» gewählten Worten Ausdruck gegeben, die National- liberalen wollten da? direkte Wahlrecht nicht, weil das Volk nicht reif genug sei.„weil es noch zu viel« Halbsimpel. Ganzsimpel, Faulenzer, Tagediebe und Schnapslumpen" gäbe. Dieses edle Be- keuntniß einer nationalliberale» Zeilnngsseele ist natürlich zum bleibenden Ruhme der nationalliberale» Partei in der ganzen Oppositionspresse fettgedruckt erschienen. Wie liegt nun aber die Situation zahlenmäßig betrachtet? Von den 82 noch besetzten Mandaten haben die Nationalliberalen 15, da? Zentrum 9, die Freisiun-Demokraten 3, die Sozialdemokraten 2 und die Konservativen 8. Von den 3t vakant werdenden Mandaten—(die Hälfte deS Landtags wird nämlich alle 2 Jahre neugewählt)— entfallen auf die Nationalliberalen 16, auf das Zentrum 12, außerdem treten»och aus: Ein Demokrat, ein Konservativer und ein Wilder(der frühere „Sozialist" Strgmüller). Die bisher innegehabte» 31 Mandate gaben den National« liberalen zusammen mit den Stimmen der Konservative» die knappe Mehrheit, mit welcher die Fraktion Drehscheibe seit 1891, wo fls von der souveräne» Höhe ihrer Majoritätsherrlichkeit herabgestürzt worden war, die Opposition zum schweren Schaden de:: inner- politischen Entwickelung des Landes terrorisirte. Ans dem Spiel stehen nun für die Nationalliberalen 6 städtische und 4 ländliche Wahlbezirke. Die Möglichkeit der end» giltigc» Zertrümmerung der bisherige» LandtagSmajorität liegt aber in erster Reihe in de» städtischen Wahlbezirken Mannheim, Heidelberg, Pforzheim, mit je einem Mandat und Karlsruhe mit drei Maudaten. In 4 dieser städtische» Bezirken, nämlich in Mannheim, Pforzheim und Karlsruhe(2 Bezirke) sind sozialdemokratische Kan- didale» die Hauptgegner der Nationalliberalen. Der Sozialdemokralie fällt also in allererster Reihe die ehrenvolle Mission zu, das badische Volk von dein Alp der nationalliberalen Kamniermajorität zn be- freien. Sicher erscheint unser Sieg allerdings nur in Mnnil- heim. Außer Karlsruhe und Pforzheim-Stadt, welche ziemliche Chancen haben, kommen als Wahlbezirke, in welchen unsere Partei schöne Fortschritte z» verzeichnen haben wird, wohl noch Pforzheim- Land und Offenburg- Stadt in bclracht. Dort ist ei» Natiounlliberaler, hier ei» Demokrat uiifcr Gegner. Im günstigsten Falle werden die Nationalliberale» zivei bis drei, im ungünstigsten Falle acht bis zehn Mandate verlieren. So etwa liegt die Silualio». Der 27. Oktober, der Tag der llrwahlen, wird in allgemeinen Umrissen schon erkennen lassen, ob das, was der Opposition im Jahre 1893 und 1895 nicht gelang, ihr dieses Mal, wo die Sozialdemokraten als Verbündete der bürger- lichen Oppositionsparteien im Wahlkampf stehen, gelingen wird, nämlich den durch den Eisenlohr'schen Beamtenapparat nur noch zu einem Scheinleben galvnuisirten Leichnam der nationalliberalen Landlags-Majorität endgiltig dem politischen Grab zu übergeben. politische Mebevstcht. Berlin, 23. Oktober. Crljöhung der Getreidezölle! Kündigung des Handels» Vertrages mit den Vereinigten Staaten, dazu noch ein paar kleinere Verschärfungen und Zuspitzungen des bestehenden Schutzzoll-Systems: die Aufhebung der gemischten Transitlager, die Beseitigung der Zollkredile— das alles verlangte in einem Athein am Donnerstag ein Antrag Ratzinger in der b a y e r i- schen Kammer. Und nicht nur die Bauernbündler, sondern die Mehrheit der Abgeordneten billigten diese Forderungen. Ja, noch mehr, die Regicrungsvcrtrcter überboten sich in Ver- beugungen vor den Wortführern der agrarischen Reaktion. Der Finanzniinister v. Riedel erklärte, Bayern werde im Bundesrathc sür die kleinen Mittel eintreten. Das mag noch angehen, da die Haltung der meisten anderen Bundesstaaten eine gleiche ist. Der Minister» Präsident v. Crailsheim hob jedoch mit geflissentlicher Betonung hervor, daß Bayern„schon bei der Vorberathnng der jetzt bestehenden Handelsverträge für höhere G e t r e i d e z ö l l e eingetreten sei'. Die Kündigung des Meistbcgnnstignngsvcrtvnges mit den Vereinigten Staaten woüte er nnr„vorsichtig" behandelt wissen: in dieser Be- Ziehung sagte er: biuf seine Entschlüsse nur nach gründlicher Erwägung öUcv Verhältnisse fassen. Eine einseitige Standpunktnahttle würde verschiedeneJnteressen ernstlich gefährden, und eine einseitige Stellung- nahine wäre es, wenn man diese Angelegenheit nur vom Gesichts» Vuime des tnnöiulvlhfchaftlichcn Interesses ans betrachten woüte� Die gesaminte Zerealieneinfnhr aus Amerika beträgt nur I2l/2pCt. der Gesammteinsuhr. Hieraus ergiebt sich, daß wir zwar die Ein- fuhr vom Standpunkt der Volkseruährung auS entbehren tönuen, baß aber auch der Ausschluß dieser Einfuhr auS Deutschland der i.audwirthschaft eine wirksame Förderung nicht zu theil werden ließe, den» die Lücke würde durch die vermehrte Zufuhr aus anderen Lander» sofort wieder gedeckt werde». Die bayerische Regierimg steht der Sache nicht gleichgiltig gegenüber, kann aber Stellung nehmen, wenn das genannte einschlägige Material vollständig vorliegt und gründlich erivogen»st. Daß es ,»r K u n d i g» n g des Meiftbegünstignngsvertrages kommt, i st m ö g- l»ch; diese wird um f o n> e h r E r f o l g habe», wenn es ge- a n d e r e S t a a t e n, die gleich Deutschland i» Mitleiden» fchaft. gezogen sind, zu gleichem Schritt zu bewege»." Wir wollen nur ans die bisher unbekannte, vom bayerischen Ministerpräsidenten angedeutete Zhatsache hin- weisen, daß man sich bemüht, ein gemeinsames Vorgehen verschiedener Staaten gegen die— vermeintlichen oder wirklichen— Uebergriffe und Rück- sichtslosigkeitcn der amerikanischen Zollpolitik zn schaffen. Frankreich scheidet auS dieser Berechnung wohl ans, weil es bereits Nnterhandlungcn mit der Washingtoner Regierung be- gönnen hat— Unterhandlungen, auf deren Erfolg man gespannt sein kann, weil Fra»kreich an eine dauernde Herab- letzung seines enormen Brotzolles nicht denkt und bei seiner agrarischen Bewegung nicht durchführen kann. Die Versuche werden wahrscheinlich innerhalb des Dreibundes unternommen, der ja bereits 1892 eine gewisse Fühnnig in der internationalen Handelspolitik ergreifen zu wollen schien. Bei der verschiedenen Stärke der agrarzöllnerischcn Tendenzen, und bei dem verschiedenen Exportbcdürfniß in diesen Staaten stehen wir der Ankündigung des Herrn v. Crailsheim skeptisch gegen- über. Auf jeden Fall jedoch ist es gut, daß die bauern- bündlerischen Kerntruppen wie die klerikalen Angstpolitiker Iznr rechten Zeit bekundet haben, wohinaus ihr Weg geht. Abermalige Erhöhung der Gctrcidezölle, womöglich unter Abweisung jeder vertragsmäßigen Bindung! Der In- dnstrie dürfte wohl vor einer solchen Bundesgenosscuschaft grauen! Jndeß heute noch zieht sie sich durch ihre Nachgiebig- reit ihre Feinde immer größer. Nur die Arbeiter führen deil Kampf gegen die Getreidezölle und iv e r d e il ihn besonders bei den n ä ch st e n Wahlen auszu fechte>l haben! Das Ende des BimetallisiiinS. Unsere Auffassung über den gegenwärtige» Stand der Währungsfrage, die wir im Leitartikel unserer letzten Nninmer dargelegt haben, findet ihre Bestätigung in de», heute telegraphisch ans London übermittelten AiiSzuge aus dem heute als Parlameutsdrucksache veröffentlichte» Schriftwechsel ütei den Verlauf der Verhandlunge» mit dem aiuerikauischen Senalor Wolcott über die Silberfrage. Diesen Berhaudlnugen wohnte Baron Courcel, der Londoner Botschafter der sranzösischen Republik bei, da zwischen dem amerikanischen Delegirie» und den französischen StaalSmänner» ein vollständiges vorlänstgi-s Einverständuiß erzielt war. Baron Courcel erklärte, er habe die Weisung erhalten, darauf hinzuwirken, daß alle handeltreibenden Länder ihre Münzen für die freie Eilberprägnng mit dem Werthverhäliniß von 1: iSi/e wieder- eröffnen. Des weitere» schlug Courcel vor. England solle jährlich eine bestimmte Menge Silbermetall, etwa für 10 Millionen Pjniib Sterling, eine Reihe von Jahren hindurch ankaufe». Der Schatz- kaiizler erklärte, das ganze 5t ab inet sei geschlossen gegen die O e s f n n n g der englische» Münzen für u»- beschrankte S i l b e r p r tt g n n g. Die Korrespondenz giebt so- dann eine lange Depesche der indischen Regierung wieder, worin diese die Ablehnung der amerikanischen Vorschläge empsiehlt. Die englische tliegierimg glaubte sich verpflichlei. diesem Standpunkte beizutreten. Hiermit endigten die Verhand- lnngen. Die amerikanischen Kommissare hätten b e- absichtigt, nach Deutschland zu gehen, aber an- gesichts des ablehnenden Bescheides Englands hätten sie ihren Plan aufgegeben. Dieses Eiiigeständniß des völligen Mißerfolges der amerikanischen Mission mußte in den Vereinigten Staaten liefen Eindruck machen und die republikanische Partei in ihren Absichte», zur reinen Gold- Währung überzugehen, bestärken.— *** Deutsches Reich. — D i e MelchSkommission für Arbeiter st ati st ik soll zum Abschluß der Enquete über die Verhältniffe im Müller- gewerb« in der nächsten Zeit»ach langer Pause wieder zusammen- treten. Die schriftliche Enquete, deren Resultate gedrnckl vorliegen, soll durch eine mündliche Vernehmung von Unternehnieni und Arbeiten! auS dem Müllergeiverbe ergänzt werden.— — Ans dem Etat des R e i ch s am t s deS Innern. Da? laufende Jahr iveist zum ersten Mal im Etat des Reichsamts deS Innern eine» Beitrag auf, der zur Unterstützung der all- gemeinen Interessen von Handel und Geiverbe besttnimt ist. Diese Mtilel habe», nach einer Mittheiluiig der „Nordd. Allg. Ztg.". trotz ihrer Beschränktheit die Förderung einer Reihe wichtiger Unternehmungen möglich gemacht. Im Vorder- gründe steht für dieses Jahr die Entsendung geiverb licher Sachverständiger nach O st a s i e n, die durch Beiträge des Reiches, Preußens, Sachsens und zahlreicher in- dustrieller Bereine, Handetskainnierii u. s. w. zn stände gebracht ist. Sie geht ihrem Ende enlgegen und das Ergebniß wird, nach den schon jetzt vorliegende» Berichte» zn urlheilen, den Erwartungen entsprechen. Daneben hat der Staatssekretär des Innern sich in der Lage gesehen, mehreren Fachschule», deren Wirkungskreis sich über das gleich erstreckt, sowie der Zentralstelle der Arbeiter- wohlsahrts» Einrichtungen Beihilfen zuzuwende», und vor kurzem ist vom Grafen Posadowsky der neuerdings gegründete» dentschen Versuchsanstalt für Lederindustrie zu Freiberg i. E. eine Unterstützung gewährt worden. J» dieser Anstalt sollen namentlich auch nnisassende Untersuchungen über die Verwendbarkeit der ver- fchiedenen Gerbmaterialie» und Gerbprozesse veranstaltet werden, »ine Wirksamkeit, welche für die inländische Produktion wesentliche Bedeutung erlange» kann, auch für die Fußbekleidung des HeereS von Wichtigkeit ist.— — Eine handelspolitische Z« n t r a l st e l l« ist, wie wir schon berichtet haben, von einer größeren Anzahl industrieller Ber- bände in Berti» gebildet worden, um bei der Vorbereitung derbem- nächst abzuschließenden Handelsverträge mitzuwirken. Die Organi- fatio» will»ainentlich Einfluß aus die Regier»»« zu gewinnen suchen,»in bei den Verhandlunge» über die Gestaltnug der Handelsverträge die Interessen der eiiizeliien Branchen ver- treten zu können. Schon jetzt stnd die Vorarbeiten für den neuen Deutsch- Englischen Handelsvertrag in dir Wege geleitet. Der im nächsten Jahre � zn wählende Reichstag muß serner die Umgestaltnug der Handelsverträge mit Rußland und Oesterreich vornehnien. Dadurch aber werden wieder die deutsche» Beziehunge» zu alle» Länder» berührt, zu welchen wir im Berbällniß der Meistbegünstigmig stehen. Meistbegünstigungs- Verlräge bestehe», abgesehen von Oesterreich mid Rußland, zwischen dem Deutschen Reiche einerseits und andererseits Argentinien. Belgien, Ehile, Costarica, Dänemark, der Dominikanischen Republik, Ecuador, Egypten, Frankreich, einschließlich der Kolonien und auswärtigen Besitzungen, Griechenland, Guatemala, den Hawaiischen Insel», Honduras, Italien, Kolumbien, Liberia, Madagaskar, Marokko, Mexiko, den Niederlanden einschließlich der Kolonien und aus- ivärtigen Besitznnge», Paraguay, Persien, Rumänien, Salvador, Schweden und Norwegen, der Schweiz, Serbien, Transvaal, der Türkei (auch Bulgarien und Oftrniiielien), Uruguay und Sansibar. Da schließ- lich auch unsere handelspolitischen Beziehimge» zu de» Vereinigten Staaten von Nordamerika einer Neuregelung bedürfen, so sieht in der Thal der gesaminte deutsche Ausfuhrhandel einer Umgestaltung seiner Verhällnifse entgegen. Das Programm für die Arbeiten der Handels- poliiifche» Zentralstelle lautet folgenderliiaßeii: 1. Vorarbeit für Echaffnng eines autonomen Zolltarif?, ins- besondere für zeit- uud sachgemäße Ausgestaltung deS amtlichen Waarenverzeichnisses zum Zolltarif; 2. Zweckeiltsprccheude Bearbeitung der Ausfuhr- und Einfuhr- Slatlstik; Unlersuchnng der Entwickelungsfähigkeit der Ans- fuhr; Verfolgung der Einfuhr a» den Ort des Konsums inid Prüfung der Möglichkeit des Ersatzes durch snländische Erzeugung; 3. Aufmachung eines vollständigen ProduklionskatasterS, welches nicht nur eine Uebersicht über die gefammle wirthschaftliche Krnst des Landes, sondern auch eine genau« Prüfung der hinter jeder einzelne» Zollposition stehenden wirthschaftliche» Polenz gewährleistet; 4. Erforschung und Fesistellnng der Produktion und der Prodiiktionsbedingungen des Auslandes; ö. Attmälige Einrichtung einer Auslunslsstelle über Handels-«»d zollpolitische, über zolltechnische und ähnliche Berhältiiisse für den Dienst der gesainmten Produktion.— — Gegen die Einfuhr amerikanischer Fahrräder. Nach dein„Berliner Tageblatt" soll im Verordnungswege der Fahrradzoll auf 40—50 pCt. erhöht werden. Solche Maßregeln im Verordmingswege sind überaus bedenklich, sie beweisen die Nichtigkeit der vom Bundesiaihslisch stets energiscii bekämpfte» Forderung einer»»parteiischen Stelle zur Appellation gegen Entscheidungen der Zollbehörden.— — Die Aufhebung des Börse»gesetzes beantragt i» einer Eingabe an den Reichskanzler die Handelskammer i» Bromberg. Der Schluß der Begründnng dieses Antrages lautet: „... Ergiebt sich daraus eigentlich für keine» Jnteressenlen ein irgendwie sichtbarer Bortheil. vielmehr für alle die größere Möglichkeit von Verlusten, so tritt ferner der Umstand hinzu, daß sich die Interessenten mangels des Terminhaiidels auch nicht die Konjunklnren des Weltmarktes nutzbar machen können. Hierdurch hat, obschon es leicht erklärlich bestritten zn werde» pflegt, gerade die Landwirtbschaft zur Zeit den größten Nachldeil. Sachkundige Berechnungen haben nachgewiesen, daß seil Anshebnng des börien- mäßigen Terminhandels die Jnlandpreise für Getreide der Lage des Weltinaiktes nicht mehr entsprechend gefolgt sind,»nd dem- nach die Landwirthe bei der eingclreleiien Preissteigeinng' nicht diejenige» Preise erhalten, die sie»ach Lage des Weltmarktes eigentlich beanspruchen könnten.— — Nachwahl zum A b g e o r d n« t e n h a u s e. In das Herrenhaus ist in,vlge Präsentatio» des Verbandes des allen und befestigten Grundbesiins im Landschasisbczirk Barnim der Rittergutsbesitzer Freiherr von Eckardtstein aus Prötzel beruse» worden. Derselbe war bisher als Vertreter des vierten Wahlbezirks Potsdam (Nieder-»nd Oberbarnim) Mitglied des Hauses der Abgeordneten, so daß durch diese Berusung eine Neuwahl zum Abgeordnetenhanse ersorderlich wird.— — Zum Prozeß gegen Liebknecht fühlt sich die „Kreuz-Zeilnng" gedrängt, einen agathmigon Versuch der Ver- iheidignng des Uitheils zn machen, da sie sieht,«in wie allgemeiner Unwille— bei Juristen wie Laien— sich gegen eine derailige lliecht- sprechung erhoben hat. Es erübrigt sich nach unseren iimsassenden frühere» Darlegungen, ans die juristischen Verdrehnngsversnche des Blattes nochmals des nähere» einziigehen. Wir wolle» nur au einem Beispiel zeige», in welch verlegener Weise das sromme Organ seine Polemik sichrt. Es sagt: „Sticht minder würde der„Vorwärts" besser daran thnn, den Worilanl der Urlheilsgründe erster und zweiler Instanz gegen Liebknecht abzndrncke», als unter der Flagge des Hallenser Resorm- Professors v. Liszt diese» Enlscheidungeii die wissenschastliche Ver- liefung mit dein Bedauern, daß dabei leine Name» vo» ivissenschasl- lichem Klange Gevatter gestanden hätte», abzusprechen. Ader es paßt so besser i» den Kran,, die ii»beq»c»ie Eiuscheidniig mit allgemeinen Redensarten z» zersetzen, statt dem Leserkreise zu ermöglichen, selbst die Sonde der Kritik anzulege»." Thalsächlich hat der„Vorwärts" die Urtheile beider Instanzen so zum Abdruck gebracht, wie es die Verhältnisse erinöglichle». Das Urlheil des Landgerichts ivnrde dein Worilant nach avgedruckt und noch außerdem i» einer besonderen Broschüre— edensalts iin Wort- laut— dein Publikum zugänglich gemacht. Das Urtheil des Reichsgerichts ivnrde in ausführlicher, sachgrlreuer Form wiedergegeben, wie es besser und getreuer von keiner Seite wiedergegeben ivurde und wiedergegeben werden konnte; im Wortlaute liegt dies Urtheil bekaniiltich»och nicht vor. Vielleicht dürfle» wir mit viel mehr Recht die Frage a» die „Kre»z-Zeit»iig" richten, warum sie nicht das bedeutsame Liszt'sche Gntachle» ihrem Leserkreise zugängig macht und warum sie nicbt selbst de» Wortlaut des Urtheits abdruckt, statt dasselbe uiil„all- gemeine» Redensarten" zu beschönige»?!— — Zur Reforni der Militär-Strafprozeß-Ord- n u n g will ei» Berichterstatter zuverlässig erfahre» habe», daß nicht nur vo» preußischer militärischer Seite, sondern auch von der Re> giernng eines anderen Bundesstaates starke Bedenken gegen die Oeffentlichkeit des Verfahrens geltend gemacht worden stnd.— — Herr Brefeld, der Ha»delsim»ister, hat eine Reife durch das rheiiiisch-westfälische Jndlistriegebiet gemacht»»d sich in Dorluiuiid sehr beiriedigt über die Eindrücke ausgesprochen, die er gewonnen hat. Wir wisse» nicht, wie weit der Herr Minister sich befleißigt hat, die Arbeilerzustände jener Bcziike gründlich kenne» zu lerne». Häite er diese Zustände recht gruudlich i» Angenschei» ge- »o»»ne», so dürfte sich wohl kaum eine so sehr starke„Befriedigung" in ihm entwickelt habe». Aber besonders hat dein Minister, nach einem Bericht der„Köln. Ztg.", die Maschluendau-Schnle, die er kenne» gelernt, gefalle».„Erwies." so sagt das zitirle Blatt,„darauf hin, überall, wo unsere deutsche Jugend sich herandränge,»in ihre Kräfte einzustellen in de» großen Wetlkampf der Kulturstaalen, da müßten ihr die Stätte und die Mittel geböte» werden, sich wehr- fähig zu mache», sich auszubilde», die Kenntnisse und die Fähigkeilen sich aiizneignen, die hentzntage die Waffen ll»d die Rüstung bilde» für den Kampf um da? Dasein. Für alle Ziveige der geiverblichen Arbeit müsse in diese» Echnlen die große Armee gebildet tind ge- schult werden, mit der wir die friedlichen Schlachten der Zukunft schlagen wollen, die den Platz erober» und vertheidigen sollen, der in dem großen Weltverkehr unS gebührt." Schön so, Herr Handelsminister. Aber soll eS mit Verbesserung des technische» Schutivesens allein gethan sei»? Wen» die deutsche Industrie die„friedlichen Schlachten der Zukunft' glücklich bestehe» soll, bedarf es nicht vor allem einer gesunde» und arbeitS- kräftigen Arbeiterklasse? Diese aber wieder zu schaffe», oder die Reste von frischer Kraft, die noch vorhanden stnd, zu erhalten »nd zn vermehren, läßt stch Herr Brefeld diese wichtigste Vor- bediiigiing einer gedeihliche» Zukunft angelegen sein? Eingerostet ist die Eozialreform, still steht die Arbeiterschlitz. Gesetzgebung. Kein tauch soziale» GeisteS entströmt auS den Amtsstuben, in denen Herr refeld haust. Aber das hindert nicht, daß der Herr Handels- minister sehr„befriedigt" ist! — Ueber Herrn v. Bülow, den neuen Staatssekretär des Auswärtige», schreibt die„Korrespondenz für Zentruiiisblätter": „Bon Herrn v. Büloiv sogt man, er wäre lieber in Ron, geblieben. Wir fürchten, er wird sich noch öfter dahin zurücksehnen. Gut« Freunde von der Feder haben ihn voreilig als ein Universal-Genie gepriesen, seine Klugheit, Gewandtheit und Beredsamkeit, seine Energie und Gott weiß was»och alles sollen geradezu phänonienal sein. Im Interesse des Herrn v. Bülow hätte»mn diese Reklame besser »nterlaffen, denn wer zn große Erivartunge» erregt hat, enttäuscht nnr zu leicht. Vor altem im Reichstage ist man nach jeder Richtung stark abgebrüht uud läßt sich nicht so leicht imponiren. Bewährt sich Herr v. Bülow, so soll es uns aufrichtig freuen. Daß die Welt sich während seines Provisoriums erneuert habe, wird man freilich kaum finde». I» St. Petersburg und Pest, wo er doch dabeiwar mit seinem Rothe, ist sogar verschiedenes vor« gekommen, das auch ebenso gut hätte unter« bleiben können, ohne daß das Deutsch« Reich Schaden davon gehabt hätte. Die Besseriing unseres Verhältnisses zu Rußland wird Herr v. Bülow kaum auf seine Rechnung schreiben wollen; die ivar längst vorbereitet." — Die„W e l t am M o n t a g" richtet in feierlicher Form eine „öffentliche Herallsforderung" an nns. Unser am 14. d. M. über die preußische Gewerbestatistik veröffentlichter Artikel hat es ihr an- gethan. Sie findet das, was in dem Artikel gesagt ist, alles ganz ont und richtig; aber aus der benuhlen preußischen Geiverbestatistlk könne auch anßerdein eine Vernichtung des„M a r x i s m u s" herausgelesen oder herausgerechnet werden, und das habe der„Bor- wärts" niitcrlaffeii. Die„Welt am Montag" schreibt: „Wir stehen der Sozialdemokratie als politischer Partei näher als irgend einer andere». Dies Blatt hat, so lange es besteht, im Kampfe für die Freiheit»»d das Menschenrecht der Arbeiterklasse Schulter an Schulter mit ihr gestaiideii. Nichts scheidet uns noch von ihr, als der marxistische Jrrthnm. Wird unser« ganze Haltung es wenigstens verdient haben, daß ihre theorelischen Führer nns Antwort geben»nd uns widerlegen, wenn sie können? Heraus mit Eurem Flederwisch!" Wir könne» auf diesen feierlicheil Ton leider nicht eingehen, da wir»ns leiner Wafsenbrüderschast mit der„Welt am Montag" be- wüßt sind. Was de»„»larxistischen Jrrthnm" selbst anbetrifft, so halten wir in dem Zlrtikel über die Gewerbestatistik erwähnt, daß sich die preußische Bepölkerung i» zwanzig Jahren um 24 pCt. ver- mehrt habe, die im Gewerbe lhätige» Personell dagegen um 62 pCt., und wir sagten, daß die EutimckelnngPrellßei'S zn eine», Industrie- staat qroße Fortschritte gemacht habe. Hier liegt aber eben der sür'chterliche„marxistische Jrrthnm". Man sehe hier doch klar, daß die Industrie— weit e»tser»l von der Schaffung einer Arbeit«lose»-Reservear»iee— im Gegentheil viele tausende von Menschen i» sich a»fgci>o»»»eii habe. Ter Marxismus wolle„allein aus der isolirt betrachtete» Jndiistriebeivegung das Etend der sozialen Frage erklären". Woher stau»»- die iiberschlissige Bevölkeruiig und die Arbeitslosen Reservearmee, deren Vorhandensein nicht geleugnet wird, aber i» Wirklichkeit? „Ans einer Bevölkernngsschicht, weMie für die»larxistische Theorie nicht exislirt, aus der läudliche» Bevölleniiig, und zwar aus derjenigen der Großgutsbezirks". Nu». Herr Dr. Franz Oppenheimer soll sich nur beruhigen. Ganz so kindisch ist ja Karl Marx nicht gewesen, um z» bellreiten. daß in industriell ausblühenden Ländern die industuellc Bevölkerung mächst. Bewiese» hat er dagegen, daß die Zahl der iildustriell be- schcistigie» Persone» nicht i» demselben Verhältniß wächst, wie die Ansammlung der Kapitalien vor sich geht. Die Eutdecknng aber, daß die durch den kapitalistischen Betrieb der Laiidwillhschuft sreigesctzlen ländlichen Arbeiter den industriellen Arbeits, na, kt überschwenn»«», die ist schon sehr alt. Auch Marx scheint die Sache gekannt zn haben; de»» unter den Ursachen für die Bildung einer relativen Uebervöikerung führt er ausdrücklich de« kapitalistische» Betrieb der Laudwirthschaft a». Und nun»och eine Biite an Herrn Dr. Oppenheimer. Wir wolle» ja keineswegs so unbescheiden sein, zu verlange», daß er die Bücher und Systeme, die er krilisirt, vorher lesen solle. Aber die Bitte, sich wenigstens daS Juhaltsverzeichniß solcher Bücher anzn« sehen, die wird nieinand unbillig finde» können. Halte er auch nur dieses nicht übertrieben wissenschaiiliche Verfahren bei dem„Kapital" von Marx angeivandt, dann würde er bemerkt haben, daß daS 23. und 24. Kapitel fast ausschließlich von de» Dingen Handel», die ni'ch Herrn Dr. Oppenbeimer„für die marxistische Theorie nicht rxistii en". Speziell empsehlen wir ihm zum Nachlesen die§z 3 und 4 des 23. und den§ 5 des 24. Kapitels.— Sollte ihm das zu mühsam sein, dann nimmt er vielleicht das Buch„Kart Marx' ökonomisch« Lehren", gemeinverständlich dargestellt und erläutert von Karl Kaulsky, zur Hand. Er wird da Seite 227 lesen: „Eine weitere mächiige Ursache des raschen AnschwellenS der Arbeiterarmee tritt i» Wi'ksanikeit, sobald die kapitalistische Pro« dnklkousweise sich der Landwirtbschaft bemächtigt. Hier bewirkt die Ziinahiiie der Produktivität von vornherein nicht blos eine ver« hälliiißinäßige. sondern auch eine absolute Abiiahme der Zahl der beschästigten Arbeiter.... Tie so überzählig gemachten ziehen i» die liidustrielleii Bezirke. soweit sie nicht ganz ausivaiidern, und vermehren dort die Arbeiterarmee, die sich dem Kapital an- bietet." Wenn nian„marxistische Jrrthümer" entdecken will, dann darf man sich die Welt eben nicht gelegentlich a», Montag ansehen. sondern man muß alle sechs Wochentag« sehr fleißig sein,— und auch dann wird man es in dieser mühsamen Kunst nicht weil bringen.— — Die Arbeitsordnung deS Kaisers. Ei» hiesige? Blatt tbeilt die Reihenfolge der Vorträge mit, welche der Kaiser sich allwöcheiillich und regelmäßig erstallen läßt. Der Kaiser läßt sich in folgendem Turnus Vorträge halten: „Montags des Chefs des Geheime» ZivilkabinetS und danach die M a r i» e v o r t r ä g e; Dienstags vom Chef des MilitärkabinetS; Mittwochs von, Chef des Geheimen ZivilkabinetS; Donnerstags von, K r i e g s m i n i st e r und vom Chef des Militär kabinels; Freitags finde» geivöhnlich keine Empfänge statt; Se. Majestät arbeilet an diesem Tage fast iinunlerbrochei, allein; Soniiabends Vortrag des Chefs des Generalstabs der Armee und des Chefs des MilitärkabinetS." Die militärische n Dinge kommen, wie man sieht, beim Kaiser nicht zn kurz. Ans sechs militärische Berichte lomine,, zwei über zivile Angelegenheiten. Das entspricht auch ungefähr der all« gemeinen Würdigung, welche beiden Gebiete» im öffentliche» Leben entgegengevracht wird.— — Der Bund der Landwirthe für Sachsen hat in Dresden getagt»»d«in« lliesoliilion angenommen, deren Zweck ist, die politische» Parteien, welche den Bündler» nahe stehen, in das bündlerische Joch zu spannen. Diese Parteien werden ans- gefordert, all« trennende» politische» Prograinnipunkt« bei Seite zu setzen illld die nächsten ReichStagswahIe» unter der Parole zu schlagen:„Znsammenschlnß aller produktiven Staude z»r Ver- tretnng ihrer Jntereffen unter Wiederherstellung ans« reichender Fürsorge für die Landivirthschaft durch die Gesetzgeb»»g." WaS die Herren Bündler unter der„ausreichendei, Fürsorge für die Landivirthschaft" verstehen, weiß man hinlänglich: Antrag Kauitz, höhere Gelreidezölle jc. Wie iveit es denen um Plötz und Hahn gelinge» wird, die politischen Parteien in ihr Schleppiau zu nehme», steht dahin. Im industriellen Sachsen kann das Bündlerprogramm unmöglich große Werbekrast habe». Das„Leipziger Tageblatt", welches für das sächsische Ordiiiingskartell fchivärmt, bedankt sich schon jetzt für den Bilnd mit den Bündlern, spricht es doch dieser Tage vo» der„brutalen Nichtachtung fremder LebenSinteressen bei der BundeSlettung".— — Zu den großen Uebelständen im preußischen Eisenbahnwesen gesellt stch jetzt auch ein anßerordenilicher W a g e n m a» g e l. Eo wird aus Essen genieldel: Wegen Wagenmangels mußte heute Vormittag auf einer großen Anzahl Z e ch e» g e f e i er t werden. Aus demselben Grunde köiiiien nur drei Viertel des VersandtS bewirkt werden. Aus Fachkreisen wird versichert, daß bei fernerer Slndaner deS WagenmangelZ in der In- duftrie großer Kohlemnangel im Winter eintreten werde. — Aerztliche Ehrengerichte. Die„Verl, klim W o ch e n s 61 r i f t" räih der Regierung angesichts der ablehnenden Haltung eines großen Theiles der Aerzteschaft, den Entwurf nicht au den Landtag zu bringen. Sie schreibt:„Wenn gesagt worden ist, die Regierung werde, falls die Mehrheit der Stommeln sich gegen den Entwurf ausspricht, ihn leichten Herzens ganz fallen lassen, so würden auch wir hierin, wie die Dmge augenblicklich liegen, der„ilebel größtes" nicht erblicken. Im Verlauf der Berathungen bat sich herausgestellt, daß trotz de? gewiß aus allen Seilen vor- handinen Wnnscdes, etwas Förderliches zu schaffen, tiefgreifende Differenzen bestehen, nicht in bezug auf Einzelheilen, sondern auf prinzipielle Dinge. Bei dieser Sachlage bleibt eben nur nochmalige Vertagung des ganzen Projektes übrig. Die meisten Aerzte werden auch eine Andauer des gegenwärtigen Zustandes für erwünschter halte» als gefährliche Neuerungen, nur.damit etwas ge- schaffen werde"." — Ein kleine? Geheimniß plaudert„Tante Voß" heute aus. Sie erzählt von den Briefeil der Vertrauten Ludwig II., die wir gestern zitirten, und führt die Feindseligkeit des Bayernkönigs gegen Preußen auf seine Geistesgestörtheit zurück. Die„Tante" kramt bei der Gelegenheit in ihren Erinnerungen und sie hat allerlei erlebt, die brave. Sie erzählt, daß, als sie etiva ein Jahr vor der Thronenthebung König Ludivigs einige Mittheilnuge» über seinen Zustand veröffentlichte, der damalige Chef der politische» Polizei im Vusivärtigeii Amt auf der Redaktion erschien und ihr für den Fall irgend einer weiteren Andeutung, daß Köllig Ludwig geisteskrank sei, »lit straigerichtlichein Einschreiten drohte." Wie liebevoll zeigte sich doch schon Anno dazumal die Polizei der Tante Voß. Sie warnte erst, ehe sie daS Strafgericht heraufbeschwor. sie machte erst aufmerksam, daß so etivas nicht gesagt werden dürfe. Und die Tante vergalt natürlich Liebe»>ii Gegenliebe und ließ es nicht aus den Zorn der Polizei und das Strafgericht an- kommen. Ja, sie verschwieg sogar die sonderbare, ans Russische ge- mahnende Polizeipraxis der Verwarnung, und erst nach langen Jahren, wo es ganz und gar nicht mehr gefährlich ist, plaudert sie ihr Polizei-lslbenteuer aus. Wie ist es doch löblich, so vertraulich mit dem Chef der politischen Polizei zu verkehren und zugleich so kühn das Banner des Liberalismus gegen die Polizeiniacht zu schlvingen....— — Duellfexe. Au? W ü r z b u r g wird geschrieben: Das Militär-Bezirksgericht verurtheilte Lieutenant Merkel vom l. Jäger- bataillo» und den Portepöefähnrich Mustiere vom 4. Feldartillerie- Regiment wegen Zweikampfes mit geschliffenen Säbeln, wobei Muftiere leicht am Kopse verwundet wurde, zu je drei Monaten Festung.— Aus Bonn wird berichtet: Die hiesige Strafkammer verurtheilte beute zwei Studente» wegen einer S ch l ä g e r m e n s u r, bei der nur ganz geringe Berletzmige» vorkamen, zu je vier Monaten Festung. Diese Schläger- menfur war schon früher in der rheinischen Presse viel besprochen worden, da bei derselben Damen als Zuschauerinnen zugegen ge- wesen sind. Wie sich anS den Gerichtsverhandlungen ergab, waren diese Dame» nur zufällig an den Ort der Mensur, die im Freien stattfand, gekommen.— — Wieder ein» Duellanten-Begnadigung Dr. med, B i ß und Referendar Dr. Z i e m ß e n aus Flensburg, die wegen Zweikampfes zu mehrmonatlicher Festungshaft verurtheilt waren, sind jetzt, zwei Monate vor Ablauf ihrer Strafe, begnadigt und wieder in ihr» Heimath entlaffen worden. Dr. Biß war in Magdeburg, Dr. Ziemßen in Wesel internirt.— UuS Oberschlesien, 22. Oktober.(Eig. Ber.) Schutz vor Schutzleuten thut besonders in Oberschlesien dringend»oih, wo zwar die Polizei schon längst den Beinamen„heilig" führt, trotzdem aber Beamte hat, deren Thun und Treiben mit sencm Worte rein aar nicht» zu schaffen hat. Allein im Jndustriebezirk sind vor wenigen Wochen zwei Fälle vorgekommen, daß Polizeibeamte vor Bericht wegen Körperverletzung zu mehreren Monaten Ge» f» n g n i ß verurtheilt werde» mußten. ES waren das Polizei- beamte, denen vor Gericht nachgewiesen wurde, daß sie fünf u n d sechsmal wegen Betrugs und schwerer Körper- Verletzung vorbestraft waren! In Königshülte mußte erst vor wenig Tagen«in allerdings nur probeweise eingestellter Polizei- sergeant entlassen werden, weil er eines Diebstahls vecdächlig ivar, und vor einigen Wochen berichtete die„Königsbütter Zeitung" über die Mißhandlung eines Mannes durch zwei Polizisten, die geradezu un- glaublich klang, bis jetzt aber noch nicht dementirt ist. In diesen Tagen ist wiederum ein wiederholt vor- bestrafte und trotzdem in Domb bei Kaltowitz als Amtssergeant Angestellter, Dürrschlag mit Namen, gleich in zwei Fälle» wegen öffentlicher Beleidigung und Körperverletzung und wegen ruhestörenden Lärms und Sachbeschädigung bestrast worden. Die Beiveisaufnahme er- gab, daß Dürrschlag nicht nur in diese» Fällen, sonder» wiederholt sich Uebergriffe in seinem Amte hat zu schulden kommen lassen und über- Haupt ein arg gewaltthätiger Mann ist. Der Amtsvorsteher Stempel- mann au» Domb bezeichnete seine» Amtssergeauten als eine» „tüchtigen, pflichttreuen Beamten", der allerdings dem Trünke er- geben und in der Trunkenheit unzurechnungsiahig wäre(!). Für da? eine Vergehen wurde Dürrschlag zu sechs Monaten G e. f ä n g n i ß, für das andere zu 50 Mark Geld st rase eventuell 14 Tagen Haft verurtheilt. Stuttgart, 22. Oktober.(Eig. Ber.) Di« L a n d t a g» w a h l für de» vom Reallehrer zum Rektor avanzirten volksparteilichen Landtags-Abgeordneten Har tränst ist auf den 19. November anberaumt worden. Für die Volkspartei wird H a r t r a n f t wieder kandidiren, für die Konservative», ein Privatier Schäfer, und unsere Wetterfahnen, die Nationalen habe» noch keine» gefunden, der den Durchfall riskiren will. Für die Sozialdeinokralie kandidirl voraussichtlich Genosse Karl Sperka. Der Landtag wird am 23. November zusammentreten.— — Ehronik der MajestätSbeleidigungS-Prozesse. In Frankenthal in der Pfalz wurde wegen Majestälsbeleidignng der Tagelöhner Georg Weber aus Gerolsheim bei Frankenthal zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Weber hat im b e t r u n k e n e n Zustand auf den geisteskranken König von Bayern geschimpft.— Oesterreich. Wien, 23 Oktober. Die Biälter veröffentlichen folgendes Eom- muniqns, welches dem„Vaterland" zufolge aus de» Kreisen des verfassungstreuen Großgrundbesitzes komiut:„Der Abgeordnete Baron D i p a u l i ist durch Vermittelung des ver. fassungstreue» Großgrundbesitzes an die O b st r u k t i o n i p a r t e i e n herangetreten, um unmittelbar nach den Ministeranklagen eine Ver- Handlung seines Sprachenantrages zu ermöglichen. Auf gruud dieser Anregung habe» Verhandlungen staltgefunden, welche gleichzeitig die Behandlung der übrige» Spracheiianlräge zum Gegenstände hatten. Nachdem jedoch von feiten einzelner Majoritätsparteien, wie Tipanli heute mittheilt, diese Frage mit dem Ausgleichsprovisorium in Ver- bindnng gebracht wurde, haben die Verhandlungen zu keinem E r g e V n i ß geführt. Spanien. — Spanien und dieVereintgten Staaten. Die Antwort auf die Note des amerikanische» Gesandle» Woodford wird die Ersetzung deS Generals Weyler durch Marschall Blanco a»S politischen Rücksichten begründen und den Beschluß dar- legen, in Kuba eine Autonomie einzuführen, zugleich aber auch«ine Beschwerde gegen die Vereinigten Staaten wegen der Freibeuter-Expeditionen enthalten. Die Antwort wurde von, Ministerralhe einstimmig gebilligt. Der Kolonial- minister Morel verlas den Entwurf einer Amnestie für die politisch Verurtheilte» in Kuba und Puerto Rico, welche» der Mmisterralh gleichfalls genelrnügte. Folgende Aeußernngen der Madrider Preffe über die Antwort auf die amerikanische Note liegen bisher vor: Der„Jmparcial" bespricht den energischen Ton der Antwort- »ote sehr beifällig. Der„Liberal" räth zur Mäßigung, aber auch zur Festigkeit in der Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staate» und fordert die Veröffentlichung der Note Woodsords und ihrer Beantwortung. Einer Depesche'de? �New Hörker Herald" aus Washington zu- folge soll die Regierung entschloffe» fern, Spanien deutlich zu verstehen zu gebe», dajj es keinen Grund habe, sich über die 2lrt der Ausführung der Neuträliiätsgesetze seitens der Vereinigten Staate» zu beklagen. In New« Jork verlautet/ daß der Schooner„Silver- heels", welcher in der vorigen Woche New- Jork verließ, am 29. d. M. in der Höhe der Florida Keys de» Dampfer„Dauntleß" antraf, welcher von Savannah wiederum mit einem Freibeuterzuge, dessen Führer Juan Castillo sein soll, abgegangen ist. Der Schooner soll der„Dauntleß" Waffen Und Munitiou überbracht haben.— — Die karlistis.che Agitation nimmt lebhaften Fort- gang. Auch die Mahnungen.des Papstes an die G e i st l i ch k e i t, treu zur bestehenden Mouarchie zu halten, haben garnichls gefruchtet. Ter niedere Klerus, der großen Einfluß auf die Massen des Volkes bat, wirkt eifrig im karlistischcn Sinne. Die karlistische Partei hat in de» letzten zwei Jahren, wie die„Vossische Ztg." schreibt, ihre aus einen neuen Bürgerkrieg berechnete militärische Gliederung durch- geführt, ihr Anhang in allen, zumal de» baskischen Provinzen, ist in Heerhaufen unter längst bestimmten Befehlshabern eingelheilt, jeder weiß, was er. sobald die.Losung„Zu den Waffen!" ergeht, zu thu», welchen Posten er einznnebmeu, welchem Führer sich anzuschließen hat. Geivehre, Säbel und Patronen sind reichlich vorhanden, Arsenale und Zeughäuser sind die zahlreiche», über das ganze Land verstreuten K I ö st'e r, au vielen Orten.findeu kriegsmäßige Ucbnnge» der waffenfähigen Parteigänger statt, zu denen selbst die halbwüchsige Jugend herangezogen wird. DiedumpieGährung.die i»dervon?lbgaben und Blutsteuer» schier erdrückte» Bevölkerung seit langem herrscht, hat den karlistische» Werbern den Boden bestens bereitet, die Thorheit oder Gewissenlosigkeit der früheren konservativen Regierung gerade in den gefährlichsten Provinzen zahlreiche Häupter der karlistische» Beivegung in einflußreiche Stellen gebracht, die sie zur Vorbereitung der Massen für eine allgemeine Erhebung ausnutzen. Verschiedene Anzeichen deute» darauf hin, daß die Berufung eines liberalen Ministeriums die Unternehmungslust der Karlislenführer aufs höchste gesteigert hat, und daß die Umgebung des„Königs" Don Carlos mit allen Mitteln der Ueberredung ans ihn einwirkt, ihn zu bestimme», daS Zeichen zum Losbruch zu ertheilen. Die Schwächung der spanischen Armee durch die kolonialen Feldzüge läßt allerdings die Aussichten auf das Ge- linge» einer Karlistenerhebnng jetzt besser erscheinen denn je seit dem Ende des vorigen Bürgerkrieges. Um die Karlisten einzuschüchtern, läßt die Heeresleitung soeben in de» Stammprovinzen des Karlismns große Truppenübungen vornehmen, bei denen insbesondere der Gebirgskrieg geübt wird. Es ist leider wahrscheinlich, daß ans diesem Spiel bald blutiger Ernst werde» wird.— Türkei. — Die Rollen verlauscht— so könnte man die Tragikomödie nennen, die sich jetzt um Kreta ab'pielt. Vor zwei Jahren war diese Insel die blühendste des Mitteüneercs. Chustc» und Mudamedancr prügelten sich zwar oft und mitunter ivurde auch einer todtgcschlageu, aber das kommt auch in den allerchrisilichsten Ländern unter allerchrisilichsten Christen vor. und der Wohlstand des Bevölkerung wuchs. Da hatte Kreta das Unglück, von der europäischen Diplomatie bemelkt und in ärztliche Behandlung ge »ommen z» werden. England und Rußland welleiferte» in dem edle» Bemühen, die Insel der Türkei zu entreißen. Das geschah den» auch, und sie wurde unter den Schutz des„einige» Europa" gestellt, damit türkische Mißwirlhschaft nicht wieder eingeführt werden könne. Der Schlitz des einigen Europa war so wirtsam, daß tausende griechischer Freischärler und Soldaten in den Häsen der Insel landeten und in das Innere einbrachen, während die türkischen Truppen in den Hafeuplätzen festgehalten wurden. Der griechisch- türkische Krieg. de» die europäische Diplomatie kunstvoll in Szene setzte, zog die griechischen Soldaten, die noch einige Manneszucht gewahrt halten, von der Insel, und die Marodeure und Räuber waren nun unbestrittene Herren. Der gieichthum der Insel hatte in Oelbänmen besta»iel>. Wohlan, alle Oelbäume sind umgehauen oder verbraunt— ein Verlust. der erst in 49 Jadren,— denn so lange braucht der Oelbaum, um volle Tragkraft zu haben,— wieder ersetzt sein kann. Nach den letzten englischen Meldungen beläufl sich der Schaden blos an Oelbäumen aus 2 Millionen Pfund Sterling, oder 49 Millionen Mark. Das Elend der muhamedanischeu Bevölkerung,— etwa 299 999 Seele»,— die ihr ganzes EigentHnm verloren hat. ist unbeschreiblich, und die christliche Bevölkerung— etwa 399 999— ist ebenfalls dem äußerste» Elend preisgegeben. Das ist die Frucht von 7 Monaten Musterregierung durch das einige Europa. Sonst bat es für die christliche Zivilisation nichts gelhan. Keine Versuche zur Anbahnung befferer Zustände. Kein Schritt zur Verwirklichung der feierlich versprochenen „Autonomie". Und der Sultan, dem bis vor 7 Monaten in Dutzenden von Noten die türkische Mißwirthschaft vor- geworfen, richtet seit dem Friedensschluß mit Griechenland Woche für Woche dringende Noten an seine christlichen Mahner von damals, sie möchten doch den Greueln ein Ende mache», die das einige Europa verschuldet hat.— Koustantinopel, 23. Oktober. Bei den definitiven Friedens- Verhandlungen legten die türkischen Bevollmächtigten einen auf gruud des Präliminar- Friedens ausgearbeiteten Vertragscntivurf in 18 Artikel» vor, von denen 8 bereits genehmigt sind. Infolge der unbestimmten Fassung deS Artikels 3 des Präliminar- Vertrages hinsichtlich der Verhandlnnge» wegen der Konsularkonvention ans getretene Schwierigkeilen lassen eine Berufung an den Schiedsspruch der Vertreter der Mächte in Konstantinopel wahrscheinlich er- scheinen.— — Als Gouverneur von Kreta soll jetzt der luxem- burgische Oberst Schoeler in'Aussicht genommen sein. Aus London wird berichtet, daß die englische Regierung im Ein» vcrständniß mit den übrigen Mächten die Ernennung defselben ge- nehmigt habe. Bestätigung bleibt abzuwarten. Asien. — Li-Hung-Tschang hat nunmehr als Ergebnist seiner Europareise dem Kaiser von China seine Rcformpläne unterbreitet. Die Eingabe, welche sich auf die auswärtige Politik Chinas bezieht, enthält in der Hauptsache Vorschläge beireffend das chinesische teer und die Kriegsmarine; sie umfaßt ö7 Paragraphen. Was hin« gegenwärtig am»othivendigste» hat, so heißt es in dem Memorandum, ist ein» gute Kriegsflotte und geschützt« Häfen für dieselbe. Das ist das erste, wofür man Geld anwenden sollte und zwar würde hierbei das Ausland allein in betracht kommen. Später kann man daran gehen, i» China selbst Schiffe zu bauen. Sodann wird die Anlage geschützter Kriegshäfen mit Depots empfohlen. Li-Hung-Tschang schlägt vor. eine Marineverwallung nach dem Muster des englischen„Board of Admirallv" ins Leben zu rufen, die unter Leitung eines enro- päische» Organisators stehe. Bei der Reorganisation von Heer und Marin», und namentlich der letztere», muß sofort eine gewisse Basis, auf der iveiter zu bauen ist, geschaffen werden— ist es durchaus rathsam, die ausländische Industrie zu Hilfe zu ziehen. Ich würde daher beantragen, sofort Offerlen von leistungsfähige» und modernen Echiffsbauanstalten und Geschützgießereien und Mitnilions- fabriken einznnolen. Diese Entwürfe wären genau zu prüfen, und bevor die Kontrakte vergeben werden, sollte die Re- gierung darauf bestehen, daß je ein chinesischer Gießer, Kesselschmied oder Schiffsbauer den Fortschritt der Arbeite» im Ausland persönlich verfolgen und selbst mitarbeite» darf. Diese Leute bätten dann den Kern einer gute» Handwerkerklaffe abzugebcu, die später in China selbst heranzubilden wäre. Schließlich hätte China für Heer und Marine 9— 8 tüchtige europäische Ossiziere als Reorganisatoren heranzuziehsn, denen die Oberleitung unbedingt an- vertraut werden darf. Dieselben würden ihrerseits einen Stab der besten in- und ausländischen Jnstruktoren zusammenzustellen haben. Bemerlenswerth bei Li-Hung-Tscha»g's Eingabe ist der Umstand, daß er bei Ausarbeitung derselbe» den englischen, in chinesischen Diensten stehenden Kommodore Lang heranzog. Schon aus der ganzen Fasfung dieses vom Tsung-li-Iamen gutgeheißenen Memorials, das vor kurzem dem Kaiser von China unterbreitet wurde, ist, wie die„Frankfurter Zeitung" mit recht bemerkt, deutlich zu ersehe», daß England den Vogel abgeschossen hat. Be- weise hierfür liegen bereits heute vor; die Inanspruchnahme der englischen Bank i» Hongkong seitens der chinesische» Regierung mit eineur Darlehen von 16 Millionen Pfund, wofür die Zolleiunahmen verpfändet sind, und der Bau mehrerer Eifenbahnlinieu mit.britischem Kapital. Mau sieht, wie falsch die deutsche Diplomatie berathe» war, als sie am Ende des chiuesisch-japanesischen Krieges zu gunsten Chinas mit Rußland und Fraukreich Arm in Arm intervenirte. Der Verlust der Sympathie» Japans und kein Gewinn in China war das damals schon von uns vorausgesagte Resultat.— Kharrapa(indische Grenze). 22. Oktober. Die Truppen- abtheitung uuter General Lockhart ist im Khauki-Thale angekommen. Die Bergkämme sind vom Feinde besetzt, der bei Nacht ein ver- nichteudes Feuer gegen das Lager unterhält. Die Mannschaften des teindeS sind offenbar eiuexerzirte und von alte» Sepoys angeführte eilte.— Afrika. Kairo, 22. Oklober. Die gestrig« Meldung deS„Popolo Romano", daß die Bedingungen der Wiederabtretung Kassala's an Egypten zwischen Italien und Egypten vereinbart feien, ist unrichtig. Die Einzelheiten sind noch nicht festgestellt; es sei niemals die Rede gewesen, indische Truppen nach Kassala zu sende», welche die dortige Garnifo» bilden sollen. Danrit bleibt jedoch die Thatsache, daß Kassala sehr bald an England übergehen wird, bestehen. Ueber Bedeutung und Geschichte Kassala's theilt der„Egypt. Courier" einiges mit, was bei dieser Gelegenheit interessiren dürfte: Kassala war unler egyptischer Herrschaft Hauptstadt der Provinz Taka. Es war der wichtigste Handelsplatz zivischen dem Nil und Abcssynien, besaß eine Garnison von 1299 Man» und 8999 Ein- wohuer. Unter der Mahdisteuherrschaft ist die Stadt außerordentlich zurückgegangen und war, als st« die Italiener im Jahre 1394 er- oberie», nur noch ein Schatten von dem, was sie einst ge>vesen. Durch die Abmachungen, tvelch« England mit Italien im Jahre 1891 schloß, gestaltete England Italien, Kassala zu besetze», unler der ausdrückliche» Bedingung indessen, daß, sobald Egypten im stände sein werde, den Ort selbst in Besitz zu nehmen, er an seinen frühere» Herrn zurückzugeben sei. Die Eroberung des außer jeder Verbindung mit dem übrigen italienischen Kolonialbesitz liegende» Kassala war ein Fehler geivesen und die Ausrechterhaltmig dieses vorgeschobenen Postens geschah unter Mühen und Schwierig- leiten, für die ei» Aequivaleut nicht vorhanden ivar. Daher ist der Wunsch Italiens, sich möglichst bald dieses Besitzes zu entledigen, nur natürlich. England hat versucht, die Stadt so lauge als möglich den Italienern zu belassen, um sich fo Mühe und Kosten zu sparen. Italien drängt nun aber auf Erfüllung der Abmachungen.— Priitoria, 22. Oktober. Ter Volksraad nahm den Bericht der Judustrie-Konunissio» unverändert au. Die bisherigen Einsuhrzölle aus Lebensmittel bleiben bestehe», mit AuSnahm« desjenigen aus Zucker.—_ Tie Asche unseres Parteigenossen SiriNenberger wird von Gotha nach Nürnberg gebracht und dort feierlich beigesetzt. Heute Vormittag hallen die Parteigenossen Nürn« b e r g s in de» Zeutralsälen«ine Gedächt nißfeier ab. Die österreichische Parteivertretung und der Verband der sozialdemokratischen Reichsralhs-'Abgeordneten haben den bayerischen Genossen ihr Beileid über den Tod Grillcnberger's ausgedrückt und einen Kranz an seiner Bahre niederlegen lassen. AlS RoichStagSrandidat für den bayerischen Wahlkreis A n s b a ch- S ch w a b a ch wurde von der Kreiskonferenz zu Eibach einstimmig der Parteigenosse W. R o ß k o p s aus Nürnberg ausgestellt. Tic Bielefelder„VolkStvacht" veröffentlicht eine von ihr er- beten« Meiuungsäußerung des Parteigenoffen Auer über die Frage, wie der vom Hamburger Parteitag gefaßte Be- fchlnß über die Betheiligung an den preußischen L a n d t a g s w a h l e n zu verstehen sei. Auer schickt voran, daß es sich um seine private Ansicht handle und er nicht wisse, ob diese auch von anderen Mitgliedern der Parteileitung getheilt werde oder nicht, und sagt dann: „Ich bin der Meinung, daß diejenigen Genossen, welche den Hamburger Beschluß(Aulrag Mittag) dahin auffassen, daß unsere Genossen sich nur durch Ansstellung eigener Wahlmänner an der Wahl belheiligen dürfen und es ihnen untersagt sei, da, wo die RnfNeUung eigener Wahlmänner niimöglich ist, von vornherein sür Wahlmänner linksstehender Parteien zu stinimen, den Beschluß ganz falsch auslegen. Gewiß hat der Antrag bereits in Hamburg auf dem Parteitag eine solche Zluslegnug gefunden, aber es ist derselben auch sofort von einem Delegirtcn midersprochen worden, der selbst für den Antrag Mittag gefliiiiiiil hat. Die von dem Vorsitzenden. Genosse» Singer, konstatirle Einstimmigkeit konnte sich also nur daraus beziehen, daß mit der Ablehnung der Bebel'scheti Vorschläge und der Annahme des Antrages Mitlag jeder Kompromiß mit gegnerischen Parteien ausgeschlossen sei. Daß es verboten sein sollte, da„wo die Verhältniffe die Auf» stellung eigener Wahlmänner nicht gestatten", von vornherein sür Wahlmänner linksstehender Parteien zu stimmen, das ist eine Aus- legung, die allen Thatsache» ins Gesicht schlägt. Warum hat denn der Parteitag mit Dreiviertel-Mehrheit den Kölner Beschluß ausgehoben, ivenn nicht aus der ErkenntnißZ, daß unsere negative Stellung zum Dreiklasseii-Wahlsystem im Schluß« ergeb>i iß auf eine Unterstützung d«r Reaktion, d e s A g r a r- und S ch l o l j u u k e r t h n»i S hinausläuft! Und derselbe Parteitag, der mit so erdrückender Mehrheit daS Hinderiiiß, das uns im Kampfe gegen Junker und Junkergenossen im Wege stand, beseitigte, er soll zugleich die indirekte Unlerstiitzuitg der Reaktion wieder angeordnet haben, da, wo unsere Parteigenossen st cd durch die Ungunst der Verhältnisse geuöthigt sehen, mit einem öffenilichen Bekeiuckniß zurück zu hallen? Daß die Majorität des Parteitags diese Zlbsicht hatt«, mag gkaiibeii wer will, ich bin vom Gegentheil überzeugt. Es wäre auch schade um jedeS in der Sache geschriebene und gesprochene Wort und um die Zeit, welche wir in Hamburg der Erledigiiiig der Angelegenheit widmeten, wenn damit nichts weiter erreicht werden sollte, als daß in ein paar Wahlbezirken einige sozialdemokratische Wahlmäniier in der dritten Wählerklasse gewählt werden. UebrigenS eine Preisfrage: Warum darf ein sozialdemo- k r a t i s ch e r W a h l m a n n einen linksstehenden Kandidaten zum Abgeordneten wählen, und warum darf ein sozialdemo- kratischer Urwähler, dem ein Parteigenosse zur Wahl nicht zur Verfügung steht. einen ltiiksstehenden W a h l m a n n nicht wählen? U. A. w. g." In einer Pnrtcidcrsawmknng in Esse» wurde, wie wir der Rheimsch-Westsäl. Arb.-Ztg."«iilnehmen, bei der Diskussion über den Hamburger Parteitag von dem Genossen Germer eine Resolution eingebracht, worin gegen Bebel'S bekannt» Aenßeriing über die Unterstützung der Wahl Krnpp's durch die Sozialdemokratie Essens proUstirt und behauptet wird, die nächste Reichstagswahl werde zeigen, daß man den sür die Verhältnisse Essens einzig richtigen Weg eingeschlagen habe. Die„Rhci».-West- sälische Arb.-Ztg.", der über die Annahme oder Ablehnung dieser Resolution nichts mitgetheilt wurde, wendet sich schon mit genNgendit: Schärfe gegen die darin niedergelegten Nnsichten. sodaß sich ein Ein- gehen darauf unsererseits erübrigt. Ii» weiteren Berlaufe der Bcr- fauimluug brachte Genosse H u e eine Resolution ein, worin der Fraktiou wegen ihres Verhaltens in der Frage der Kanonen- beivilligung„schärfste Mißbifligung" ausgedrückt und von ihr er- wartet wird,„daß unsere Vertreter im Parlament nicht wieder abweichen werden von unserem alten bewährte» Grundsatz:„diesem System keinen Mann und keinen Groschen". Ta die„Rheinisch. Westfäl. Arb.-Ztg" das unberechtigte dieser Resolution, die von der Versammlung einstimmig angenommen wurde, ebenfalls genügend »us Helle rückte— bekanntlich haben unsere Vertreter im Parlament me Gelder für die Kanonen verweigert— so können wir uns auch hinsichtlich dieser Resolution inil der Registrirung bescheiden. Rur einer Aenßerung Hue's sei unsererseits näher getreten. Er sagte: Es sei dem„Vorwärts" im Laufe dieses Frühjahres eiue Zusendung gemacht worden, worin behauptet war, daß auf der Krupp- scheu Fabrik schon seit vorigem Winter Kanonen für den preußische» Skcurt angefertigt würden. Der„Vorwärts" habe die Sache lodt- geschwiegen. Dazu haben wir nur zu bemerken: Wir haben den Abdruck der Znsendung aus zwingenden Gründe» unterlassen müsse». Der diesjährige oberrheiuischc Proviuzial-Partcitag wird Sonntag, de» 12. Dezember, von vormittags 11 Uhr an in R e» iv i e d im Arbeiterkasino. Kirchstr. 5, abgehalten. DaS„Leipziger Tageblatt" meint in einer Besprechung unserer letzten Berliner P a r t e i v e r s a in m l u» g e», der Hamburger Parteitag habe in der Hochburg der Sozialdemokratie ein„Chaos" angerichtet. Gedruckt ist„Choas", was ja ein Druck- fehler sein kann. Mit den Sprachkcnntnissen der Gelehrten des Moniteurs an der Pleiße scheint es aber überhaupt nicht glänzend zu stehen, denn wenn Versammlungen, wie die unserer Berliner Parteigenosse» unzweifelhaft zu erkennen geben, daß sie die Be- schlüsse des Parteitages durchführen werden, obwohl man mit ihnen nicht allonthalben einverstanden sei, so ist dieser Beweis inusterhastcr Disziplin doch das gerade Gegcntheil des Begriffs Chaos. Der Verband der sozialistischen Gciiicinderäthc Frankreichs halt seinen fünften Jahreskongreß vom LI. Oktober bis 2. November i» D i j o» ab. Die Tagesordnung weist folgende Punkte aus: Die Arbeitsbedingungen in den kommunalen Werlstätten und in den von der Kommnirr an Unternehmer vergebenen Arbeile»; Abschaffung der Verzehrungsstenern und der Naturalleistungen;. konnnunnles Referendum; Alters- und gnvaliden- Versorgung durch die Genicinde; Nutzen der rganisation von koininnualen Verbänden in den einzelnen .Departements; Mittel und Taktik der Durchführung des sozinlisti- sche» Koinnnlnalprograiinns(es handelt sich>»» eine» Vorschlag, jeweilig»inen bestimmte» Programmpunkt von sä»,u>tlichen sozia- listischen Geineinderälhe» Frankreichs zu gleicher Zeit votircn zu lassen, um so de» Widerstand der Regierung zu brechen); schließliche Gründung eines„Jnterkommunalen Bulletins", eines Zenlralorgaus der sozialistischen Gerneinderäthe. GemevstsiszttftliiTzes. Vcrli» und Umgcbnug. Die Tabakarbciter und-Arbeiterin»«» Berlins»ud Jim- gegeud werden auf die am nächsten Dienstag, den 26. Oktober er., abends gi/e Uhr. bei Niest, Weberstraße 17, stattfindende große öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht. Reichs- t a g s- A b g e o r d n e t e r Auer hat zu derselben einen Vortrag zugesagt. Die Kommission. Die Charlottcnbnrgcr GcwcrkschaftS- Koinuiission beschloß in ihrer letzten Sitzung, den englischen Maschinenbaueur 50 M. zu bewilligen. Außerdem sollen am 24. d. M. vormittags bei Leder, Bismarck- und Rückertftraßen-Ecke, Sammellisten verausgabt werden. Deutsches Reich. F« Hamburg stehen 345 K o r b III a ch e r g e s e l l e n im Aus- stand. Der Streik ist dadurch entstanden, daß die beide» Firmen Henning-Ahrens und Gebr. Schräder die Löhne für Kugclkörbe von b M. auf 4,50 M. herabgesetzt haben. Beschlossen wird, in allen anderen Firmen auch andere Arbeit anzufertigen, die oben genannte» Firmen aber zu sperre». Uebcr die Kosten dcö Bremer Textilarbeiter- AnSstaudcS legt das Komitee in der„Bremer Bürger- Zeitung" folgende Ab- rechnung: Die Einnahmen betrugen 34 090,83 M.. die Ausgaben 34078,50 M.; von den Ausgaben entfalle» 32 154,50 M. ans Streikunterstützung. Der Zentralverbaud der Maurer Deutschlands hat auf feinem letzten Berbandsiag beschlossen, während dreier Monate des Winters keine Mitgliederbeiträge zu erheben. Damit soll,>v>e es in der jetzt vom Vorsitzenden erlassenen Bekanntmachung heißt,»er- mieden werden, daß so viele Mitglieder wegen Nichlzahlen der Bei- träge gestrichen werde» müssen. Die Abschaffung der Nachtarbeit ist das Ziel, das die Stuttgarter Bäckergehilfe» jetzt zunächst erreichen wollen. Am Donnerstag Nachmittag fand eine überaus zahlreich besuchte B ä ck e r g e b i l f e n- V e r s a m m l n n g statt, in welcher der Redakteur der„Tagwacht", H i l d e n b r a» d, über dieses Thema referirte. Anschließend an die Verhandlunge» des inter- nationalen Arbeiterschuy-flongresses in Zürich wies der Redner nach, daß für die Aufrcchterhallung der Nachtarbeit weder technische noch wirthschaftliche Gründe gellend gemacht werden können, daß die Arbeit bei Nacht für die Gehilfen gesundheitliche und gesellschaftliche und für die Meister finanzielle und persön- liche Nachtheile bringt. Auf dem Zentral- Verbandstag der Bäckerinnnng„Konkordia" in Breslau 1896 hat schon die Bäckeriunuug Berlin den Autrag gestellt, eine Petition zu beschließen, in welcher die Regierung ersucht werde» soll, gesetzlich die Nacht- arbeit zu verbieten, und i» der„Allg. Bücker- und Konditoren-Zig." ist schon von Meistern aus den verschiedensten Orten die Abschaffung der Nachtarbeit befürwortet ivorden. Es liege deshalb gar kein Grund für die Gehilfen vor, die Ursache ihrer elenden Lage, die sie gegenüber allen andere» Menschen zu einem Ausnahmezustand drängt, und das ist die Nachtarbeit, nicht energisch zu beiämpfen. Die Versammlung stimmte begeistert den Ausführungen zu und beschloß einstimmig, der Nachtarbeit den Krieg zu erklären. Der Vorstand des Fachvereins ivurde beauftragt, inbälde eine öffentliche Versamm- lung einzuberufen und dazu die Meister einzuladen. Dort solle» dann weitere Schritte beschlossen werden. Ausland. Ter Bnchbinderstreik iu Bcr» dauert fort; die Unternehmer behaupte», wegen der ausländischen Konkurrenz keine Zugeständnisse machen zu können; außerdem seien sie gebunden durch die Satzungen des Meisterverbandes, wonach sie bei einer Konventioual- strafe von 5000 Frauken verpflichtet sind, leine Verkürzung der Arbeitszeit eintrete» zu lasse». Die Unternehmer hoffen, Arbeiter von Deutschland zu bekommen; die Streikende» erwarten jedoch, daß die deutscheu Kollegen ihnen nicht in den Rücken fallen werden. Ferner bitten sie diese um nraterielle Unterstützung. Gelder sind zu richten an Emil Gründer, Bern, V o l k s h a u s. Zuzug von Buchbindern, Lederarbeitern jc. ist fernzuhalten. Für die Stadl Bern besteht«ine Streilverordnnug, die nach der Meinung der Arbeiter aber nur gegen sie in Anwendung kommt. In einer vom Arbeitersekretär Wassilieff einberufenen Versammlung wurde daher beschlossen, eine Protestbewegung gegen diese Verordnung ins Leben zu rufen. Die Euttvickekung der dänische» Gewerkschafte« in dem Zeitram» von 1894 biö 1896. 1894 1896 Es gab an Gewerkschaftsverbänden 23 40 Diese Verbände zerfielen i» Lokalvereine... 426 802 Außerdem gab es noch einzelne Lokalvereine. 45 �53 Die vereinigten Vereine hatten Mitglieder,. 25 576 54 757 Die Einzelvereine hatten Mitglieder,,,, 2 265 8 620 Wesnmmtzahl der Mitglieder....... 27 841 63 377 Die JahreSeiukünfle betrugen., in Kronen 317 372,14 711 063,61 Die JahreSausgabea......„ 261 862,97 586 669,83 Zahl der Lokalvereine und der Mitglieder der einzelnen Verbände im Jahre 1SS6: -vervanvr Verband der Arbeitslente, i r»?-"V 96 19 395 Bäcker-Verband.........,,, 30 900 Klempuer-Vcrbaud(, 23 750 Vuchbiuder-Verband.,,....... 11 789 Former-Verband.....*..... 36 982 Glasarbeiter-Verband 4 190 Schueidcr-Verband........., 60 2 200 Schmiede- und Maschinenarbeiler-Verbaud.. 53 4 657 Textilarbeiter-Verband......... 12 1 200 Zimmerer-Verband.......... 61 8 298 Wageubauer-Verband......... 14 230 Weißgerbrr Verband.......... unbekannt Drechsler-Verband. 11 205 Vcrgolder-Vcrband.......... 2 44 Lithographen-Verband......... unbekannt Lohgerber-Verband.......... 6 165 Malcr-Verband 28 1 500 Maurer-Verband........... 67 4296 Müller-Verband........... 13 860 Verband der Papiersabrikarbeiter..... 7 561 Sägearbeiter- und Maschiuentischlcr- Verband. 9 517 Sattler- und Tnpezirer-Vcrbnnd...... 30 450 Schnhinacher-Vcrband 49 2 000 Schlächlereiarbciter-Verband....... 28 610 Tischler-Verband.......•••• 45 3 422 Tiluslbolcu-Vcrband.......... unbekannt Tabnknrbeiler-Vcrband......... 81 2 461 Bnchdrncker-Verband.......... 45 1 475 Schisioziminercr-Verband........ 4 350 Tie drei Verbände, von denen genaue Zahlen nicht vorliegen. hatten nach einer Schätzung zusammen 12 Lolalvereine und 1000 Mit- glicder. Ter Lnzeiner Ma«rev-N»Ssta»d soll, wie der„Franks. Ztg." ans Zürich gemeldet wird, beendet sein. Die Arbeiter hätten keine» Erfolg gehabt. Zum Kampf der cnglischc» Maschiiiciibaner. Der soeben ciugciroffene„Daily Chrouicle" veröffentlicht tas Schreiben des HmidelSamles, das an die Leiter des Unleruehmer- und des Zlrbeiter- Verbandes abgegangen war und in welchem das Amt neuerdings den Versuch macht, eine Konferenz zu stände zu bringen. Das Handels- amt schlägt folgende Einiguugsbedingunge» vor: I. Der lluterucluner-Verbaud, indem er sich jeder Ei»- mischniig iu die rechtmäßigen Handlunge» der Trabes Ilnious erklärt es, keine Einmischung in die Leitung der Geschäfte zu dulden. Tie Trabes Unions ihrerseits erkläre», ihr Koalilious- recht voll und ganz aufrecht zu erhalle», aber keinerlei Ein- Mischung iu die Leitung der Geschäfte z» versuche». 2. Das Verlangen der Trabes Unions ans Einführung des Acht- stuudcniags, welches au die Londoner Unleruehmer gestellt worden war, ohne vorherige Verhandlungen, ist zurückgezogen. 3. Eine Konferenz zwischen Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter hat sofort zusammen zu treten, um die Frage der Arbeits- zeit zu regeln. 4. Die Konferenz soll vorbereitet werden durch die beiderseitige» Vorsitzenden oder anderen von beide» Parteien gewühlleu Personen. Durch die Fassung des letzteren Pnnkles soll den Unternehmern «nlgege»gekommen werde», die bekanntlich erklärt halten, jede Ein- mischnng von dritter Seite ablehnen zu wolle». Ter englische ArbcitSmarkt hat»ach den Meldungen, die das Arbeitsamt(Labour Departement) in der„Lnbour Gazette" veröffentlicht, im Monat September gegenüber dem Monat August einen kleine» Rückgang anfznweise». Das gilt besonders von den Gruppen, die direkt oder indirekt mit von, Mafchine»bauer-Aus- stände berührt werden. Auch die Baumwollen-Jndustrie liegt darnieder, dagegen ist die Kohlenprodnktio» eine lebhaslcrc gewesen. Bei den»achsolgcnde» Zahlen sind die direkt a» de». Ausstand der Maschinenbauer betheiliglen Personen nicht mitgerechnet. Die Zahl der Arbeitslose» betrug bei den 1 13 Ge- werkschaslcn, welche für den Monat September Berichte an das Arbeitsamt einsandten, und die über eine Milgliederzahl von 462 292 verfügen, 20 228 oder 4,38 pCt. gegen 3,55 im Monat August und gegen 3,6 pCt. im September 1896. Nene Konflikte zwischen Kapital»nd Arbeit wurden ge- meldet 49. bei denen 9067 Personen betheiligl waren. Gegen 66 Kouflikle mit 15 303 im Monat August. 12 der Differenzen be- trafen das Baugewerbe, 10 die Bergban-Jndustrie, II die Metall-, Schiffs-»nd Maschinenbaugewerbe(nicht gerechnet die mit dem großen Kampf im Maschinenbaugewerbe zusammenhängenden), 8 die Texlck- und 8 verschiedene Industrie». Von den 70 neuen»nd alte» Kouflikle» mit 12 968 Personen, welche im Monat September als beigelegt gemeldet worden sind, endele» 2t mit 2756 Personen zu giinstcn der Arbeiter. 26 mil 4836 Arbeitern erfolgreich sür die Unternehmer, während 23 mil 5376 Arbeitern durch Vergleich zu Ende kamen. An de» Veränderungen der Lohnhöhe waren im September 36 200 Arbeiter belheiligt; für 12 700 trat eine E r- höhuug.sür 23 500 eine H e r a b s e tz n» g ei». Die hauplsäch- fichste Verkürzung erliltcn 20 000 Metallarbeiter. Tie internationale statistische Bereinigung für Rüben- zncker-Jndustrie sehätzi die europäische Rübenzucker- Erzeugung(einschließlich des Melassezuckers) in der Betriebs- Periode 1897/93 wie folgt: D e n l s ch l a» d 1 790 000 Tonne» gegen I 821 000 Tonnen in, Jahre 1896; O e st e r r e t ch> U n g a r n 822 000 Tonne» gegen 927 000 Tonnen im Jahre 1896; Frankreich 751000 Tonne» gegen 703 400 Tonnen im Jahre 1896. Die Erzeugung in Rußland dürfte etwa 772 000 Tonnen betrage», die von Belgien und Holland 344 000 Tonnen. Soziales. Die Fünfer- Kommiifion der Koufektionsschncider und -Näherinnen Teutschlands giebt gegenwärtig Frageboge» heraus zu dem Zweck, die Wirkung der erlassenen Bundesraths. Verordnung festzustellen. Die Fragen be- ziehe» stch auf alle Bestimiminge» der Verordnung. Das eingesandte Material soll zur Begründung der weiteren Forderungen an die Gesetzgebung dienen. Wegen Einsührnng von EinignngSämter« hat der Aus- schuß des Zentral- Verbandes der evangelischen Arbeitervereine eine Petition an den Reichstag gerichtet, in der es heißt, derselbe wolle die Reichsregiernng um baldige Bor- legung eines Gesetzentwurfs betreffend allgemeine obligatorische Ein- sührung von Einigungsmnlern und Schiedsgerichten ersuche». In der Begründung wird gesagt:„Der Mangel bei den bis- herigen Einrichtungen ist. daß dieselben meistens in einem zu späte» Stadium in Funktio» treten,«nd daß die Belheiligten nicht ge- zivuiige» sind, ans Unterhandlungen sich einzulassen. Wir verlangen dar,»» für die von uns gewünschte» Eiuignngsäinter die staatliche Vollmacht, beide Parteien zum Erscheinen und zur Aussprache zu zwinge». Mau kann unmöglich die Frage, ob in gewirb- lichen Streitigkeiten verhandelt werden soll oder nicht, dem Belieben einzelner überlassen, ohne dadurch die gesammte Volks- wirthschaft anfs schwerste zu schädigen/ Der Staat muß das Recht zum Eingreise» besitze», wo unter Umständen Tausend« seiner Bürger gegen einander streiten und nngezählte Millionen von Kapitalien auf de», Spiele stehen. Häite man die beide» Theile erst zur Aussprache bewogen, so lehrt die Erfahrung, daß dann der zweite Schritt bis zur Verständigung in den meisten Fällen der leichlere ist. Die Vor- anssetzung dafür ist freilich, daß die vorhandene Instanz das Ver- traue» beider Theile genießt." Im grosien Stadtrath bon Bern(der Stadtverordneten» Versammlung; der kleine Stadtrath ist unser Magistrat) beantragte Dr. W a s s i l i e f f die Untersuchung der Arbeitsverhäll« n i s s e d e r d e in F a b r i k g e s e tz nicht u n t e r st e l l t e n A r-- b e i t e r i» n e n. GeridjkS�Äeikimg. Wege» ihrrS„bescholtenen Lebenswandels" wurde der Hebamme H. vom zuständigen Bezirksausschuß der Prüjungs- schein eiilzogen. Sie legte darauf beim Ober-Verwaltungs- g e r i ch t Bernfnng ein. Der Thaibestand, der dem Gericht berichtet wurde, ist folgender: Lange vor der Ertheilung des PrüsniigsscheinS gebar die Frau zweimal außerehelich. Der Valer des einen Kindes heirathete sie später. Im anderen Falle war sie das Opfer eines blnlschäiiderischen Verbrechens ge- worden. Bald nach der Hochzeit wurde die Frau von ihrem Manne verlassen, der sich seitdem, wie es in den Akten heißt, in der Welt ninherlreibt. Seit elf Jahren lebt Frau H. alleine. Inzwischen erhielt die Frau den Prüfniigsscheiu. Vor einigen Jahren ging sie nun ein Verlöbniß mit der Absicht ein, sich wieder zu verheirathen. Ter Scheidungsprozeß gegen ihren ersten Mann schwebte zur Zeit noch. Sowie die Scheidung vollzogen war, heirathete sie den neuen Bräutigam. Vorher hatte das Verhällniß indessen schon Folgen. Diese Schicksale der Bs- klagten sind der Polizei ihres Wohnortes erst im vorigen Jahre bekannt geworden. Ter dritte Senat des Ober- Verivallungsgerichts war der Msiming, daß unter den obwaltenden Umständen davon abgesehen werden könne, der Frau den Prüflingsschein zu entzieheii. Er hob deshalb die Enlscheidniig des Bezirksansschusses wieder auf und erklärte die Beklagte für jähig, weiter als Hebamme zu suugiren. Tic Rohheite» prügelnder Polizisten werden neuerdingZ auch in der bürgerlichen Rechtsprechung in einer Weise gewürdigt, die dein Rechisbewußlsein des Volkes und dein Verlange» der Bürger nach Sicherung der Person«inigerniaße» e»tg.>geiikon»»t. An? Elberfeld ivird über eine» derartigen Prozeß solgendes berichiri: Tie„Schneidigkeit" eines Bariner Polizisten, erschien heute in einer Ve> Handlung vor der Strafkammer ivieder einmal in einem eigenthümlichen Lichte. Ter Schntzina»» Heinrich Hölscher schritt gegen drei junge Leute ein, die, aus einer Kneiperei kommend, sich auf der Siraße etwas laut benahmen. Einer davon war belniiiken, und diesen wollte er mit nach der Wachlstnbe nehniiii. Die beiden andere» verpflichteleii stch, ih» nach Hause zu bringen, und ersuchte» den Schutzmaun. ihne» de» Man» zu überlaffe». Ter Schutz, im»» zog aber sofort blank und schlug mit der flachen Klinge auf sie ein; einen warf er auch zu Bode» und trat ihn mit Füßen. Die Strasiaiinner verurlheille den schneidigen Beamte» zu sechs Monaten Gefängniß. Sie führte iu dem Urlheile aus, der Auge- klagte habe die Leute„ i ch t wie Menschen, sondern wie V i e h b e h a„ d e t t. Es sei bei Abmessung der Strafe weitgehend berücksichtigt, daß die Polizeibeamleu alkoholisch aiigeheiterten Leuten gegenüber oft einen schweren Sland hätle», aber es komme dein An sehen der Polizei, die nicht das öffentliche Vertrau«,, verliere» dürfe, zu gute, weiiii diejenigen Polizisten, die sich selbst Ans« schreitnuge» erlaubt«,, schwer bestrast würden. Die Cisenbahii-Tparpolitik vor Gericht. Einen Beilrag zu de», Thema der Eisenbahii-Uufälle lieferie eine Verhandlung vor der M a i n z e r Straskaminer. Der Gefährdung eines Eisenbahn- zugeö wäre» augellagt der Loloniotivführer Jakob Martter und der Hilfsrangirer Valentin Schwarz. Ersterer führte im Novbr. v. I. einen Personenzug, während Schwarz sich auf einem Rangirzuge befand. A» einer Weiche stieße» die Züge zusan,,»«,,. wodurch ein bedeniender Sachschaden entstand. Den Angeklagten wurde vom Gericht eiue gelinde Genugthuung bereitet. Es wurde, wie die „Boss. Ztg." schreibt, zeuge, leidlich nachgewiesen, daß die Rangirer von der Eisenbahn-Berwaltung trotz wiederholter Vor» st e l l n n g e„ niemals Laternen erhalten konnten. Erst„ach de», Unfall wurde es anders. Der Lolomolivführer konnte das Warniliigszeichen nicht sehen, weil Wagen davor standen. Der Slnatsanwall beantragte selbst die Freisprechung der Ange» klagten, die auch ersolgte.j_ Depeschen und letzte Dnchvichten. Kiel, 23. Ollober.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Der gestern Abend ans der öffentlichen Versammlung Hera»? verhaftete Genosse Königs ans London hat heute Morgen von der könig- lichen Regierung i» Schleswig sein« Answeisnng ans Preuße» er- hallen. Vom Arrestlolal, wo er die Nacht hatte zubringen»lüffen, wurde Königs in der angenehmen Gesellschaft eines Geheiuipolizisten zum Vormiilags-Schnellziig nach de», Bahnhof gebracht»nd nach Hamburg abgeschoben. Ins Nebenloupee stieg ei» auswärtiger Ge- heimpolijist, der verninthlich i» Hamburg de» Genossen in Empfang nehme,, und seine Ausweisung aus Hamburg veranlass«, wird. Frankfurt a. 9)2., 23. Oktober.(B. H.) Aus Slraßbnrg i. E. wird der„Franks. Ztg." gemeldet: In Kaysersberg brach m der Baumwollspinnerei von Chavelier ei» Schadenfeuer aus, welches das Innere des fünfstöckige,, Fabrikgebäudes vollständig einäscherte. Der Schaden dürste sich auf 500 000 Mark beziffern. Mainz, 23. Oktober.(B. H.) I» der Konservenfabrik zu Mombach ist gester» ei» sogenanntes Kochfaß explodirl. Einem Ar» beiler wurde die Gehirnschale zertrümmert; er war sofort todt. Paris, 23. Ollober.(W. T. B.) Deputirtenkaininer. Das Haus ist sehr stark besetzt. Görault. Richard(Sozialist) brachte eine Jnterpellatio» ein über die hohen Brotpreise, und be- hanpiete, das Steigen die Preise sei ei» Manöver schamloser Spekulanten und nur ein Nutzen sür die Großgrundbesitzer. Der Juterpellant wünscht z» wissen, ob die Regierung beabsichtige, den Eiiigangszoll sür Gelreide herabzusetzen; das Ministerium sei ei» Ministerin,» der Hungersnoth.(Heftiger Widersprach.) De Follevrlle verlangt, man sölle die Geireioezollerlräge dazu verwenden, die Wirknuge» der gegenwärtigen Knsis abzinvenden, die Regierung müsse sofortige Maßregel» gegen die Spekulante» ergreise».(Beisall äiis der äußersten Linke,,) Ministerpräsident Rtsline erwiderte auf die Interpellation Göranlt- Richard'?, er habe die Eingangszölle für Getreide nicht herab- gesetzt, weil der Brotpreis dies uichi rech, fertige. Die Herabsetzung der Getreidezölle, die in, Jahre 1891 versucht wurde, habe eine» im» heilvollen Erfolg gehabt. Das ausländische Gelreide häite den sranzösischen Markt überschwemmt, ohne jedoch � ein Herab» sinke» der Brotpreise herbeizilführen; man dürfe deshalb an die bestehenden Zölle»ichi rühren. Die französische Re- gieriing habe den Mißbrauch der Spekulation soviel wie möglich unterdrückt; die Hansse sei durch die Nachrichten aus Paris»»v durch die sozialistische Kampagne hervorgerufen.(Zwischenrufe auf der äußersten Linken) G r a» x sprach Meli»« Dank ans für die Erklärung, die der Landwirlhschast und dem loyalen Handel das Berlranen wiedergeben werde. V i g e r spricht sich gegen ein« Hcrabsetzung der Gctreidezölle ans, die allein den Amerikanern zu Gute kommen würde, dem, diese würde» alsbald de» Preis des Getreides erhöhe». J a urös will die Hallnng der Sozialisten rechtfertige», das Haus beschließt aber mit 252 gegen 192 Stimmen, die Debaile z» schließe». Msliue erklärt sich mit einer Tagesordnung Graux einverstanden, welche die Erklärungen der Stegiernng billigt »nd von den Erklärnnge» des Ministerpräsidenten, betreffend die niierlaiibten Geschäftspraktiken All nimmt. Diese Tagesordnung wird soda»,, mit 393 gegen 76 Stimme» angenomine», woraus die Sitzung geschlossen wird. Konstantinopcl, 23. Oktober.(B. H) Eine in energischem Tone gehauene Erklärung des osstziösen Blattes„Sabah" besagt, wenn die jüngste Zirknlariiote der Pforte an die Mächte iviederup» keine» Erfolg habe, werde die Türkei die Lösung der Kretasrage selbst i» die Hand»ehnie». Max Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilagen„ tlntrrhnllnngSblatt. Verantwortlicher Sledakinir: August Jacobey in Berlin. Für de» Jnjeraleniheil verantwortlich!»h. Glocke ü> Berlin. Dnick und Verlag von st. 249. i4. mm. i. Ktiltze des„Wmilrts" Kerlilttt Ncksbllltt. S-�S.24.MMW7. UoKttles. � Inr Lo7alliste. In Weißensee sind die Lokale Kaiser Wilhelm und Dewein's Gesellschaftshans für n»s zn Aersaininlungen zn haben, desgleichen ist in Spandau das Lokal von Wehe. Pichelsdorserstr. 33. zu Versammlungen;c. frei. Die Lolalkoinrnissio». Barteigcnvsscn deS zlvcite» Bcrliuer Reichstags-Wahl- krciscö! Die in» nächste» Jahre slallfiudende» 9!eichslagsirahlen vuttcii mit jeder Woche näher Hera». Wir haben uns schon jetzt zu rüsten, damit»vir unseren Gegnern niit einer stattliche» StMnmenzahl aufwarten können. Es ist deshalb dringend»ölhig. dag»vir»ins zu den Wahlen vorbereiten. Wo geschieht dies an» beste»? Die einzige Antivvrl»vird sein. in unserer Organisation, dein Wahlverein. Daher versänine niemand, sich den» Wahlverein anzlischließen; tretet Mann für Mann in die Organisation ein und erscheint vollzählig in de» Versaniinlniigen. Neu-Zlufnahinen stnden statt »lud Beiträge für den Wahlvcrein»verde» in folgende» Zahlstellen entgegengenomnien: Karl S ch o n h e i>n. Gräfestr. 8; Paul M>i l l e r, Gräfestr. 31; Ferdinand E»v a l d. Schönlcin- straße 6; Julius Rannranu, Bliicherstraße 4L; E. Linde»»an». Moritzstraße 9; Hans Saß, Markarafcn- straße 102; Fritz Zu beil. Lindenstr. 108; Karl Lndtke. Zossenerstr. 10; W i l h e l n» Grube. Mariendorserstr. 8; F r a»» z Kitzing, Belle-Alliancestr. 74; Heinrich Schröder, Kreuz- berg straße 15; H e r in a n n Werner. Biiloivstr. 89; Otto Autrick, Steininetzstr. 60; 91 n g. F a l l e r. Pallasstr. 16. Ten Mitgliedern des Wahlvereins zur Kenntniß, daß die Protokolle des Hamburger Parteitages von, Verein angeschafft worden»ind vom Montag Zlbend ab i» den obengenannten Zahl- stellen für den fällig iverdendcn November-Beitrag abzuholen sind. Gleichzeitig die Mittheilung, daß am Mittwoch, den 17. November sBußtag),«ine Herrenpartie nach Pichelsberge(„Zum alten Frenud") stallftndet,»vozii zahlreiche Betheiligmig erivünscht ist. Der Vorstand. Tie Partcigciiosscn dcS vierten Wahlkreises(Siidost) »Verden ersucht, sich zur F l n g b l a t l v e r t h e i l n n g heute (Sonntag) Morgen 8 Nhr an folgende» Stelle» einzufinden: Erbe, Cnvrpstr. 25; Ba»)cr, Wranaelstr. 131; Tolksdorf, Görlitzersir. 38; Tritkelrvitz, Falkensteinstr. 7; Bieberstein, Lausitzer Platz ILa; Götz, Grüuauerstr. 3; Seidler, Siatiborstr. 16; Streit, Naniiyustr. 86. ?lrbcitcr-Bild»ugsschule. Die Parteigenossinnen und Gc- Nossen»verde» auf de» heute Slbcnd 7 Uhr in Eohn's Festsäle»», Benthstr. 20(neuer Eingang Nr. 19), staltsindendc» Vortrag des Schriftstellers Genosse» W. B ö l s ch e ans Fricdrichshage» über „Darivinismns»nd Sozialisinns" ausmerkfai» gemacht. U>n zahl- reichen Bestlch bittet Der V o r st a n d. Freie Volksbühne. Heute nachmittags 3 Uhr findet im Friedrich-Wilhelnistädtischen Theater für die III. Zlbtheilung die: dritte Aufführung der„Hexe", von A. Fitger, Tranerspiel i» 8 Akten, unter Mitivirkung folgender Gaste statt: Thalca; S« r a p h i n e D e t s ch y; A l in n t h: E in n» a T h o u r e t Taver: Richard Oeser von» Deutschen Theater. Die Vorstellung für die IV. Abtheilnng ist ans den 31. Oktober festgesetzt. Die G e n e r a l v e r s a m in l n n g findet a in 28. O k t o b e r. 8»/s Uhr, in K e l l e r' s F e st s ä l e n statt. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Strcifzüge cincS Arbeitslose». Der Kahnbrand am Alcxander-Ufer, durch den der Knabe Seliger»i»s Lebe» gekommen ist, hat das Leben der Kinder des Großstadtprolrtariats in greller Deutlichkeit gezeigt. Mit Schaudern»verde» die Gehrinnäthe und Genußbürger, die das Alexander- lind Kronprinzen- User i» der Nähe des imposautci» Reichstags- Gebäudes bewohne», in ihren eleganten Wohnungen gelesen haben, daß dicht vor ihren Fenstern viele Obdachlose, die Hefe der Großstadt, sich einen Unterschlupf für die kalten Nachtstunden suchen. Der Tod des Knaben Seliger giebl auch»vieder Gelegen- heil, über die Ausnutzung der Kinder sich zu entrüsten,»venu auch in diesem Falle feststeht, daß die Eltern nicht Schuld sind an der Verivahrlosnng des Knaben. Immerhin könnte den Eltern der Vorwurf gemacht»verde», daß sie den Knaben nicht genügend vor seinen Verführern und Ausbeutern geschützt haben. Doch forsch« »nan einmal die Arbeiterkinder aus,»varuin die Eltern sich so»venig »in ihre Erziehung kümmern; die Antivort»vird in den incisten Fällen lauten:„Vater is'» janzen Tag uff Arbeet»»»» Mutter näht". Da sitzen z. B. spät abends in den Straßen, die die Hanptadern der verschiedenen Stadttheile sind, auf Heu Steiiistnse» eines Ladens zivei Kinder aneinandergedrängt. Aus den» hellerlenchtcten Lokal nebenan kommt eine heitere Gesellschaft. Man hüllt sich dicht in die Tücher und Mäntel ein: die jungen Mädchen erblicken die Kinder und voll Mitleid schenke»» sie ihnen ein kleines Gelbstück und raisonniren über deren Elter». Hätten die jungen Mädchen nachge- forscht, so hätte» sie vielleicht erfahre», daß die beiden Kinder ihrer Waschfrau gehören, die von den» kargen Lohn nicht die viele» hilugrigen Mäuler ihrer Familie stopfe» kann. Ei», zweites Bild: Bei Fabrikant B. ist man dahinter ge- kommen, daß die Frühstücksbrölchen von einem Schulknaben ge- bracht»verde»,, der vo» früh 8 Uhr a» durch die Straße» hastet. Ter Herr Fabrikant kann sich nicht genug über die Rabe»- eltern wundern— gleich darauf berichtet er vo» der Begehrlichkeit der Arbeiter, die eine Lohnerhöhung forder»,»veil sie bei den» Steigen der Lebensmittelpreise nicht mehr ihre Familie ernähren könnten.„Die Arbeiter verdienen doch»vohl genug!" meint die Tochter, während sie an einer»varmen Mütze häkelt, die vielleicht später ein Sohn jenes Arbeiters erhält, der sich inzivischen schon »nehrnials eikältet hat, weil ihm sciu Vater keine Mütze kaufen konnte.— Solche Wohlthäterei giebt es noch vielfach. Da marschirt ein Zug Knaben in schivarzen Hüten und Mänlelkragen durch die Straße»; es sind die Slöcker'sche» Eingknaben. Besteht zivlsch«» dem Knaben Seliger und diesen frommen Singvögeln ein so großer Unterschied? Wenn die Singknaben auch nicht ver »vahrlosen, so müssen sie doch auch für andere arbeiten. Man muß es nur verstehe», jedem Ding den richtige» Mantel uniznhängen, da- mit nicht jeder ans den ersten Blick das»vahre Wese» der Sache steht. Man»vird jetzt»vieder auf die jugendliche» Straßenhändler streng Obacht geben. Das mitleidige Herz»»»serer Großstadl-Bour- geoisie wird sich bei WohlthäligkeilZbällen zeigen— i,»d wird sich »vnnder», daß trotzdem nicht»veniger Kinder auf der Straße ver- »vahrlosen. Alle, die mit offenen Auge» durch die Großstadt wandern, »verde» wissen, daß die bürgerliche Gesellschaft»nsähig ist, solche Abgründe z» beseitigen— mag sie auch»och so krampshaste An- strenguiige» machen, ihre Wohllhätigkeit zu organisiren. Mit dem Wohlthnn schafft man auch noch keil» Unrecht aus der Welt. Tie„Schrippe,, kirche", die der Verein„Die n st an Arbeitslosen" im Winter, vom Septeniber bis in den April, jeden Sonntag früh im Vercinshause der St. Michaclsgeineinschaf! und im Stadtmissionshause abhält, ist in» Winter 1896/97(in Klan,»lern die Zahlen für 1898/96) nach den, jetzt veröffentlichten Jahresberichte an 32(32) Sonn lagen von ziisaniiiien 17 663(14 836) »»ännlichen»»eist obdachlose», Personen besucht worden. Die Be- »virlhniig des Besuches mit Kaffee n„d Schrippe»», an die sich eine An- dacht als obligatorische Zugabe anschließt, hat pro Kopf ll�/w(12�/»o) Pfennig Kosten verursacht. Der Bericht hebt hervor, daß ein so reger Besuch»och nie zu verzeichnen»var, und spicicht die Ueberzengung aus, daß die Andacht«»»„von reichem Segen begleitet" geivesen feie». Auf die nach jeder Andacht an die Gäste gerichtete Auf- forderung, daß alle, die„ein ernstes Leben beginnen"»vollten, sich»neiden möchten, traten jedoch nur 611 Personen vor, von denen überdies nrch«in gut Theil,»vie der Bericht sagt, vnr Nebenabsichten hatte. Di«„ I n g e» d h i l f e" des Vereins, die als Ergänzung der„Schrippenkirche" dienen soll, ist von 1674(1766) verschiedene», Personen, auch von solchen, die nicht in der.Schrippenkirche" geivesen»varen, in Anspruch genommen »vorden. Die Ermittelunge» über Alter, Berus, Heimath u. s.iv. der Hilfesuchende», die dabei vorgenmnnien»verde» konnten, sind als Beitrag zur Charakterisirnug der Berliner Obdachlosen, ob- gleich sie nur einen kleinen Theil der Obdachlosen Berlins betreffe», doch von einen» geivisscn Interesse. Es sind voriviegend junge Leute, die zur„Echrippenkirche" und ziir„Jngendhilse" kommen. Von 1621, bei denen im Winter 1896/97 das Aller ermittelt wurde, waren alt: 14-16 Jahre 88, 17-20 Jahre 823, 21—30 Jahre 866. 31 bis 40 Jahre 223, 41—80 Jahre 161, über 80 Jahre 93. Die Heimath gaben 1623 an; davon»varen 1576 ans Denlschland, vo» diesen 1387 ans Preuße», davon»nieder 269 ans Berlin, 286 ans Provinz Brandenburg(ohne Berlin). Bon 1637, über deren Berns etivas zn erinilteln»var, bezeichneten sich als Arbeiter 499, Arbeitsbnrsche» l09, Knechte n»d ilntscher 82, als Handiverker 846(z. B. Bäcker und Kondiiorcn 67, Schlosser und Maschinenbauer 63, Maler und Lackirer 43, Schneider 39, Tischler 38, Schnh,»acher 32, Maurer und Zimmerer 30, Sattler und Tapezirer 30, Gärtner 30 je. jc), als Kaufleute 84, Tiener und Hansdiener 78, Kellner 44, Schreiber 4l je. Die Hilse- leistnng sollte nach der Absicht, von der man bei Begründniig der „Jttgendbilfe" ausging,»arnentlich in Beschaffung von Arbeit be- stehen. Sic hat sich aber vo» Anfang a» nieist ans vorübergehende Verpflegung und Obdach, Geivährnng von Kleidern, Auslegung vo» Reisegeld, Beschaffung vo» Papieren, Verbindung niit de», Angehörigen >». f., v. beschränkt. Stellnnge» wurden im Jahre 1896/97 iiur 116 Mal verinittelt(26 in Berlin. 90 auslvärts). Außerdem wurde» 46 Personen an Verinittlnngskomloire gnviese»», 44 in die Arbeiterkolonie gesteckt, 2 in die Lehre gebracht. Man kann den»miiider- liehen Heiligen der„Schrippenkirche" natürlich keinen Vorivurf daraus »lachen, da» auch sie für ihre Echiitzlinge die Arbeitsgelegenheit nicht ans dein Boden slanipfen können. Lächeln»»iß man aber über die kindliche Unbefangenheit, mit der sie zur Einschränkung der Ülrbeits- losigkeit beitragen zn können meinen, indenr sie gerade diejenigen Zu- stände, die ihnen immer neue Echaaren von Arbeitslosen znsühre» »»üssen,— die kapitalistische Gesellsebastsordinnig nämlich— als notlnveiidig und von Gott geivollt hinstelle» und mit allen Mitteln zu schütze»» und zu stützen suchen. Tic Sliitiscmitcn»nd der Znknnftöstnat. Weil es gerade Sonntag ist,»oollen»vir»nlereii Lesern einmal einen appetitliche» Echniorbralen ans der antisemitischen Parteikiiche vorsetzen. In der „Staalsbürger-Zeitnng"»vird der verruchte Kricgsplan, nach»vekchem die Sozialdeinokraten das Heiligste,»vas der Denlsche kennt, nämlich die Stellung der Fran zn erschüttern trachtet, klipp und klar ans Tageslicht geschafft. Ans Betreiben der Inden natürlich soll vo» t>er lliotle ein G:ä»elzi>stand geschaffen iverdci», der in den» genannten Blatt»vie folgt beschriebe»»vird: „Vater, Mutter, Man», Iran und Kind sind Eicscheinnngen, die in der inen schliche» Gesellschaft nur durch die Ehe dauernd erhalten »Verden können. Die Sozialdcniokiaten aber verlangen die Ans- Hebung der Ehe. An ihre Stelle soll die freie Liebe trete»; das heißt: die Menschen sollen zufaimrientonune»»nd auseinander- gehen,»vie es ih>:en beliebt. Die Kinder, die sie zeuge»,»verde» i» stnallichen Anstalten gleichmäßig erzogen. Niemand»vird dann »»isscn,»ver sein Vater und»ver seine Mutter»var. Niemand in dieser„freien" Gesellschaft»vird fernerhin»vissen, wen er zni»— Bruder und>r>en er zur Schwester hat. Die unansbleiblichc Folge »vird sein, daß an stelle einer planvoll und gewissenhast gehüteten Familienzucht und Familienehre uubeivlißte Unzucht und Blut- schände tritt." Eine Partei, die solche Schandthaten anrichten»vill,»inß, wie ein jeder billig denkende Me. sch einsehen wird, ansgerotlet»verde» bis ans den letzten Slninps. Aber siehe! Die Antisemiten üben eine nnbegreitliche Langinnth. sie ähneln an chnstlichei» Sinn fast den» edlen Pater ans Schiller's„Räubern". Wie dieser sämnitlicheu Neunundsiebenzig einen Generalpardo» ankündete, und es»rar, sv>veit der Hauptmann in betracht kam, bei dem Rade beivenden lassen ivollte, so bietet die„Staalsbürger-Zeitnng" der ganze» Sozialdemokratie Verzeihung an, falls ihr die Inden »iberantivortet»Verden. Vorab verlangt sie ausdrücklich unsere Partei- genösse» Singer, Sckoenlank, Goldstein. Gradnaner, Wurm, Stadl- dag«», Arons»nd Jakob Bamberger ausgeliefert, um diese Kerls unter der einleuchtende» Begründung, daß„die Te»ltsche>i Prügel verdiente»,»vein, sie ihren»»ühsam ausgebauten Staat von einge- »vandcrten Asiaten rninirei» ließen", mit Schimpf über die Grenze zu jagen. Wo so riesenhafte Verbreche»,»vie sie i» dem in der„Staatsb.-Ztg." abgedruckten Artikel beschrieben stehen, eine derart gelinde Sühne finde» sollen, ließe sich über Zlnslieiernng der Opfer reden, vorausgesetzt, daß die Urleulschen»och ferner an der Gestaltung der Zustände im Deutschen iiieich« ein Interesse haben. W>«»vir nämlich der„Staatsbürger- Zeitung"»errathen »vollen, sollen noch vor Errichtung des ZukunftSftaaies Anstalten ge- troffen»verde»,»>»>» den Antisemiten von der strikten Observanz in einem nördlich von Berlin gelegene» Dorfe«ine so sichere Zuflnchls- stäUe zu verschaffe», daß sie soivohl vor den zukünstige»»vie de» gegenmärtige» Greuel» vo» Sozialdemokratie und Jndenthnm nach jeder Richtung hin geborgen sind. TaS„H»rr>»h, hurrah, hnrrah!" spielt bekanntlich in dem Dentsätland der nu unterbrochenen Feslgepränge eine ganz beirächt- liche Rolle. Ueber die eigentliche Bedeutung dieses niodernsten Kosewortes giebt die„Berliner Ztg." eine etivas verblüffende Auskunft. Das Blatt veröffentlicht folgende Zuschrift: Ueber die Bedenliiug des Wortes„Hurrah" hat erst kürzlich der preußische Generalmajor Wille i» einen»„Bor 30 Jahren" betitelte» Buche, das Erinuernuge» a» de» Feldzug von 1864 enthält, interessante Ansklärungen ge- geben.— Nach diesen ist„Hurrah" der Imperativ des türkischen Wortes„Uranak", das„tödlen" heißt. Hurrah heißt demnach„tödtet sie!" Die in Paradeformation anfgestellte» Janitscharenkorps stießen,»venn der Feldherr ihre Reihen abgaloppirte, diesen Lins aus,»>» damit gleichsam ihre Schlachtlust, ihr Mordverlange,» z»»», Ausdruck zu bringen. Von den Türken übernahuie» zunächst die Russen diesen Ruf und in den Befreiungskriegen ging er in die »vesteuropäischeii Heere über. Wie stninvidrig es also ist. einen Trinkspruch, der ans das Wohl einer Persönlichkeit ausgebracht»vird, ,»it„Hurrah" zu endigen, geht aus obiger Erklärung hervor. Hurrah ist demnach das gerade Gegentheil von„Hoch!" Dieses heißt„erlebe", jenes„schlagt ihn todl!" Auch eine Entdeckung. Die„Milnchener Mg. Ztg." hat herausbekonnnen, daß tu den Zeilen, die»vir bisher an der Lügen- broschiire des Korbmachers Fischer verschiveiidet habe», die Angst hervorblicke,„die Broschüre könnte doch»veitere» Kreisen der Arbeiter- schaft bekannt»verde», als es den Interessen der rolhen Jvter- »alionale entspricht". Vielleicht erinnert das Blatt, das diesen Nnstin, schreibt, sich daran, daß die Reden von so»vuchlige» Staatsstütze» »vie S t u n> in und P n t t k a»,» e r von»»L als ausgezeichnetes Agitationsmillel in zehntansenden Exemplaren verbreitet»vorden sind. Da»nnh sich denn die Furcht vor de» paar Berlennidungen des Stuinm'schen Schützlings Fischer komisch ausnehmen. Vielleicht verbreiten»vir den Inhalt der Lügenbroschüre aber dennoch,»venu Herr v. Stumm»»»»« später den Gefalle» thnt, sie in eine Reichstags- rede ii»izlimüi»ze»». Bis jetzt»st die Geschichte uns noch zu„n- bedeutend. Mit dem Ncnva« de» ersten chemischen Instituts der Universität Berlii» ans dem alten Friedhose der Charitee in der Hessischenstr. 1—4 ist heute begonnen»vorden, indem die Erdarbeiten und die Ausführung des Bankctlmaueriverks in Angriff genommen »vorden sind. Von den» 16 000 Quadratmeter großen Grundstück »vird nur etwa die Hälfte für das Institut vcrivandt»verde», und zivar der südliche Theil, der an das Grundstück des Waschhauses der Charitee sich anschließt,»vährend der Rest für ei» anderes Universtlätsinstilut frei bleiben soll. Der Bau steht unter der Leitung des Regierungs-BanmeisterS Gnth. Eine Anzahl Stadtbahnziige«erden gegenwärtig Versuchs- iveise mit A c e t»i l e ,» b e l e n ch t u n g ausgerüstet. Dieses Licht, welches den Vortheil der Sparsamkeit beim Brennen mit einer größeren Lichteniivickelung in de» Koupee's verbindet, soll, falls die Probe günstig verläuft, in den» g e s a n» in t e n Vororts- und Stadtbahn betriebe spätesleits im nächsten Jahre eingeführt »verde»». Eine genaue Zählung der Fahrgäste in drei gleichen Zeit- abständen»vird von der preußischen Slaatsbahn-Verivallilng im Laufe dieses Winters auf allen ihr unterstehende» Eisenbahnliniei» vor- genommen»verde». Begonnen»vorden ist damit bereits am 13., 14. und 18. d. M. Die zweite Zählung soll dann an» 18., 16. und 17. Dezember d. I. und die i£-chl»ßzähl»»g am 16., 17. und 18. Februar 1898 erfolgen. Die Zähliuigen soll das Dienstpersonal der Züge vornehme», und dasselbe hat dazu die Aniveisung erhalten, so sorgfältig wie möglich zn verfahren, damit über den Personen- verkehr der preußische» Staatsbahne» ei» genauer statistischer Ueber« blick geivonnen»vird. Prligclpädagogik. Ein schlimmer Fall von Mißhandlung einer Geineindeschülerin»vird in folgendem ärztlichen Attest dar- gelegt:„Der Handelsmann Herr Emil R. erbat am heutigen Tage (19. Oktober) ein ärztliches Attest für seine Tochter Magdalene. am 13. Februar 1889 geboren. Herr Richter giebt an. daß seine Tochter durch ihre Lehrerin stark gezüchtigt sei. Die Untersuchung hat er- geben,»vas folgt: Die linke Hand zeigt, vom Danmevgelenke be» ginnend, sich fortsetzend bis zivischen die Gelenke des Zeige- und dritten Fingers, über diese hinweg bis zum ersten Gelenke des drille» Fingers, einen langen, bläulichen Stricinen. Die Untersuchung der »echten Hand ergab zunächst eine Blutblase unter den» Nagel des kleinen Fingers; das Nagelglied»var sichtbar gesch, vollen. Die Nagelgiiede des dritte»»»nd vierte» Fingers»varen mit schivarzeni, englischem Pflaster beklebt. Lüftete man dasselbe, so entdeckte nia», daß die Oberhaut verletzt»var und leicht blntete; auch diese Stellen. wie die Spitzen der Finger, speziell nach der Außenseite,»varen roth geschivolle». Obiges bescheinige ich ans grnnd der Unlersnchnng und der Wahrheit gemäß." Folgt die Unterschrift des Arztes. Dieses Attest läßt erkennen, daß die Mißhandelte, eine Schülerin der 171. Genieindescbnlc, mit einen, Rohrstock auf die Hände ge- schlagen»vorden ist. Diese Bestrasnng hielt die Lehrerin an« geblich für angebracht,»veil das Kind ei» Tintefaß»»»»gestoßen hatte. Die Schnldepnlalio» sollte doch»nit Energie dafür sorgen, daß Peinigungen der geschilderte» Art i» den städtischen Schule» endlich einmal anshören. Wie die Prügelpädagogik an sich schon kein Mitiel ist,»»in ihre Objekte zur Gesittung zi» erziehen, so muß L« in Fällen»vie den» geschilderten geradezu verrohend ans die Kinder wirken— vo» der Wiiknng ans die Ausübende» ganz zu geschivcigen. Tie Firma Ticmenö n. HalSke macht an der Spree in Spandau,»vo sie»cne große Fabrikbauten errichten»vill, fortgesetzt »veitere Laiida»»känfe. In dieser Woche erstand sie in öffentlicher Versteigerung in Spandau ein domänensiskalisches Wiesengelände sür 48 000 M. Billiger BahnhofS-Kaffee. Ein Ministerialerlaß fordert die Eisenbahn-Direklionen ans, die Bahnhoss-Wirthe ihres Bezirks zu veranlaffen, in den Warteräin»«»» der drillen und vierten Wageue klaff« neben den» Kaffee zn höhere»» Preise noch einen billigeren Kaffee zu führen, von den» eine große Tasse mit Milch und Zucker» »»ich» mehr als 10 Ps. koste» darf.„Die Juspektions-»nd Stations« vorstände." so schließt der Erlaß,„haben die Durchführung dieser Anordnung z»» übenvachen, auch daraus zn halte», daß das billigere Getränk ebenfalls stets in guter Beschaffenheit und ausreichender Menge, insbesondere zn de» Frühzügen. vorrälhig gehalten ,vird." JnS Aiisland geflüchtet ist der Kaufmann Karl Skarbina. zuletzt in Berlin»vohnhasl. der als Mitglied des Aufsichtsratbs einer Berliner Genossenschaftsbank, die jämmerlich verkracht ist, vor einiger Zeil häufiger ge>>a»»t wurde. Fencrbcricht. Freitag Abend Uhr erfolgte Alarm nach deri Alto» n e r st r a ß e 14. Dort»var in einer Badestnbe aus dem desekle» Rohre des Bade-Osens Gas ausgeströmt und hatte sich! nnter starker Detonation an einer Lampe entzündet. Bald standen! Gardinen und Möbel in Flammen und auch das die Lampe tragende Dicnstniädchei»»vnrd« erheblich verbrannt. Die schnell eintreffend» Wehr löschte das Feuer in kurzer Zeit.— Kurz nach 8 Uhr»var Strauß berger straße 38 ein kleiner Gardinenbraud zu be- seitigcn.— Sonnabend früh 3 Uhr brannten W i I h e l in st r. 129 verschiedene Lattenverschläge, auch»mirde das Hans erheblich be- schädigt.— Uin lO'/e Uhr vormittags wurde die Wehr nach der� Kleinen K i rch g a s s e 8 gexiifei», wo eine Partie Holzivolle in Flammen aufging.— Nachmittags 8>/s Uhr erfolgte eine Alarinirung! nach Nene G r ü n st r a ß e 14; hier»var durch Kurzschluß der elektrische»» Leitung Feuer«»»sgebrochen, das aber noch rechtzeitig gedämpft»verde» konnte. Jung verdorben. Ruf frischer That ertappt und sestgenoiinne», wurden vorgestern Abend um 9'/« Uhr i» der Anhaltstr. 18 ei» Dieb und sein Hehler. Der Dieb namens Rendel ist ein 14jähnger Bursche, dessen Mutter die HallSreinignng auf de», genannten� Grundstück versieht, und dessen Vater eine mehrjährige Freiheit?» strafe»vegen Einbruchsdickstahls verbüßt. Der junge Rendel bestabl» mehrmals den Keller der Wcinhandlnng von Mertens, Anhaltstr. 18.' z» dem er Zutritt hatte, da seine Mutter die säinnitlichen Schlüssel! des Hauses besaß. Gestern Abend>vi»rde er von Polizeibeamten� die sich in de»» Keller hatte» einschließen lassen, sannnt seinen« Hehler, dem 46jährigeil Kaufina»»» Richter aus der Stromstraße 23, verhastet. Bon einem schwcrenMöbcltvagcn überfahren»vnrdc vorgestern Nachmittag ein siebenjähriger Knabe Wolter ai» der Ecke der Ebar» lottcn- und Mohrenstraße. Der Kleine ivollte niit eiiien» neunjährigen Bruder in der Richtung von Norde»,»ach Süden den Fahrdamm der Mohrenstraße überschreiten, alS gerade ei» herrschaftlicher Wagen dahergerast tan». Bei dem ängstlichen Bemühen, diesen» auszuweichen, gerieth er»nter einen Möbelivage», den er nicht gesehen hatte. Ein Hinterrad ging ihn» über daS rechte Bein, das einen schivere» Bruch! erlitt. Man brachte den Vernnglücklen zunächst in die benachbarte Destillation von Schulze und von hier führte ihn der Arbeiter Hennig ans dem Nebenhause niit einer Droschke der Nnfallstatio» I. i» der Wilhelmstraß« zn. Die Verletzungen«riviesen sich als so schiver, daß mm, den Vernnglückten nach Anlegung eines Verbandes in ein Krankenhans bringen»nnßle. Vcrniiftt»vird seit Montag der 48 jährige Friseur Georg Kichn. dessen Geschästslokal Polsdamerstr. 4 belege» ist, und der bisher in Gr.-Lichterfelde, Polsdaincr Chanssee Nr. 84 ivohnte. Er ist an» genannte» Tage nachmittags ll'/s Uhr vo» Lichterfelde nach Zehlen, dorf gefahren und seitdem spurlos verschwnnden. Ein Grund sür sein Verschivinden ist nicht erfindlich. Die sich in größler Aus- regung und Sorge befindende Familie hat alles anfgeivendet.»»», etivas über den Verbleib des Verinißteu zu erfahren, jedoch bisher ohne Erfolg. Die Direktion der Projektlons-Borträge über Kunst und Kiiltnr (Dr. Köppen und Dr. Stödtner) theil: uns»nit, daß im alten Nranm« Theater, Jnvalidenstraße, heute Abend 8 Uhr, der angekündigte Vortrag „Arnold B o e ckl i»»" von Franz Herrn. Meißner(gespr. von Herr»» Otsried von Hanstein) zum ersten Male wiederholt wird. . I« der Urania In der Taubenstraße wird von morgen ad das wissenschaftliche Ausstattungsstück„Der Kamps um den Nordpool" gegeben.— In der Urania in der Jnvalidenstraße wird am Sonntag(Heute) nachmittags B Uhr Herr Dr. Schwahn über„Bilder aus dem Himmelsraume" sprechen und nach dem Vortrage mit den Zuhörern die Sternwarte besuchen, um Erklärungeil abzugeben, event. bei ilareiu Wetter Objekte zu zeigen.— Am Montag Abend spricht Herr G. Witt über die„Sonne", am Dienstag Herr Prnsessor Dr. Müller über„Leben und Liebe", am Donnerstag Herr Dr. Spieß über„Chemische Wirkungen des elektrischen Stromes", am Freitag Herr Dr. Spieß über„Telegraphie ohne Draht" und am Sonnabend Herr Dr. G. Naß über„Moderne Küche". Im Berliner Aquarium ist das hinterste der großen Meerwasservecken im voeren Grottengang, welches bisher Seerosen der Nordfee beherbergte, zu einem Süßwafserbassin umgewandelt und zum Ausenthalt sür zwei außer- gewöhnlich starke Rtescu-Salamander aus Japan, deren Länge einen Meter übersteigt und deren Alter Jahrzehnte umfaßt, hergerichtet worden. Nur in einer derartigen geräumigen, mit passendem Hintergrund ausgestatteten Be- hausung können diese vierbeinigen Geschöpfe, die in ihrem ungeschlachte», dusterfarbigen Aeußeren dem Beschauer wie vorfinthfluthliche Wesen erscheinen, zur Geltung kommen und beobachtet werden. Zirknö Busch. Der Nadfahrsport beherrscht alle Melt. Dieser Gesu inack-richtung Rechnung tragend, wird auch der ZirkuS Busch der„Radelet" fortan ei» besonderes Jnleresse widmen. Direktor Busch hat zwei amerikanische Meisierschaftsradler, die Brolhers Batta, engagirt, welche am Montag ihr Debüt geben werden, und zwar als echte Ln äe siecIe-BizykUsle», an dem Plafond des Zirkus, die Räder nach der Decke, die ftopse nach unten. Bisher sind sie erst in Paris anfgelrelen. TltiS de» Nachbarorte«. Arbeiter SchöncbergS! Nochmals sei darauf aufmerksam gemacht, daß am Montag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr, im großen Saale der Schloßbranerei, Hauptstr. 112—114, eine öffentliche Volksversammlung statlsindet, in der die Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl»ominirt werde» sollen. Reichstags Abgeordneter August Bebel hat das Referat übernommen. Zahlreiches Erscheinen erivartel Das sozialde in akratische Wahlkomitee. Die Parteigenosse» von Weisicnsee, Wilhelmöberg nnd Hohcu-Schöuha usen werden aus die am Dienstag, de» 26. Ottober. im Lokale Alvrechi's Hof, Parkstr. 13, statlfiudeude Partei Versammlung ganz besonders aufmerksam gemacht.(Siehe heutige Annonce im„Vorwärts".) Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es zu erscheinen. Der V e r t r a u e» s m a»». Ein Neberfall ereignete sich gestern Abend i» der zehnten Stund« im Hause Wilmersdorfeistr. IIS. Ein anständig gekleideter Mann begehrle in der zwei Treppen im Vorderhanse belegenen Wohnung Einlaß. Als ihm die Thür geöffnet wurde, schlug der Fremde ohne weiteres auf den vor ihm stehenden Inhaber de> Wohnung ein. Blnlnberströmt brach derselbe zusammen, laut um Hilfe rufend. Der Thäler flüchtete, wurde aber ans der Straße ergriffen. Die Verhaftung eiueS„schweren Jungen" ans Berlin, des schon lauge steckbrieflich gesuchte» Handelsmannes Julius Kuckuck, ist in Brandenburg a./H. unter eigeuthümlichen Ilmständen erfolgt. Der daselbst in der Nähe des Bahnhofes postirle Krlininalschntzmaun Döring bemerkte gegen I1>/2 Uhr nachts eine elegant gekleidete Dame, die sich in auffälliger Weise aus der Straße bewegte. Sie wurde zur Wache gebracht und entpuppte sich hier als ein Mann. Der etwa 22 Jahre alte Verbrecher ivurde mit Hilse einer Photographie des Verbrecheralbums festgestellt und in sicheres Gewahrsam gebracht. Die Untersuchung in Sachen der vielen Tachstuhlbräudc tu Charlotteuburg, welche auf Brandstiftung zurückgefilhrt werde», scheint, einem hiesigen Blatte zufolge, neuerdings Fortschritte gemacht zu haben. Mau hat eine» junge» Bursche» aus einem Dachboden in der Sophie-Chnrlottenstraße festgenommen, der dort ersichlUch im Begriff ivar, ein Feuer anzulegen. Ueberhanpt solle» die Brand- stister durchweg halbivüchsige Jungen gewesen sein; es haben nach dieser Richtung unter Schulkindern bereits Vernehmungen statt. gefunden. Von einem Schwungrad zerrissen wurde der 22 jährige Monteur Albert Roßt auf dem Kabelwerke der Eleklrizitätsiverke in Rixoorf. Roß! war auf einem hohe» Bock am Ftaschenzng be- fchäftigt, als plötzlich der Bock umfiel. Roßt fiel so unglücklich in das im volle» Gange befindliche Schivungrad, daß er iörmlich zer- rissen und fein Kopf vollständig zermalmt ivurde. Der Tod trat sofort ein. Die Leiche wurde laut„Rixd. Ztg." von der Polizei be- schlagnahmt. Durch einen Wagen der Tampfbahn ist Freitag, abends S'/s Uhr, an der Kreuzung der Wieland- nnd Friedenauerstraße in Schöneberg ein neues Unheil angerichtet worden. Ein Dampsbnhn- Wagen rannte an der dezeichneten Stelle in sausender Fahrt von hinten in einen schtverbeladenen Kohlenwagen der bekannten Firma F. Schmidt, Urbanstraße, hinein und zwar mit solcher Gewalt, daß der Kohlenwagen gegen einen auf der Dammseite fahrenden, der Firma Slargard gehörigen Petroleumwagen geschlendert wurde. Die Heftigkeit des Anpralls war so groß, daß beide Kutscher der angerannten Geschäftsivagcn in weitem Bogen vom Bock auf die Straße flogen und schwere Verletzungen davontrugen. Sie ivurde» von dem Sanitätsrath Dr. Cohn mit Nolhverbänden versehen und auf seine Anordnung mittels Krankenwagens nach dem Elisabeth. Krankenhause geschafft. Die beiden Lastwagen jedoch waren voll- ständig zertrümmert, und es dauerte über vier Stunden, bis die Aufräuniungsarbeiten soweit gefördert waren, daß wenigstens nicht mehr ein Verkehrshinderniß bestand. Mheakev. Wochen-Spielvlan der hiesige« Theater. Opernhaus. Sonn- tag, 24:„Margarethe". Faust: Herr Ernst Kraus, als Gast. Anfang 7 Uhr. Montag. 25.; Zum 1. Mal:„A Lasso Porto".„Die Jahren- zciien«. Dienstag, 26.:„Der Freischütz". Max: Herr Ernst Kraus, als Gast Mittwoch, 27.:„Haschisch".„A Lasso Porto". Donnerstag, 28.: „Der Prophet". Anfang 7 Uhr. Freitag, 2g.: A Lasso Porto".„Die Jahreszeiten". Sonnabend, 30.:„Die Meislcrstnger von Nürnberg". Hans Sachs: Herr Franz Schwarz, grobherzoglicher Kammersänger, Ritter v. Stolzing: Herr Ernst Kraus, als Gäste. Ansang M/z Uhr Sonntag, 31.;„A Lasso Porto".„Die Puppenfee". Montag, 1. November:„Lohen- grin". Lohengrin: Herr Ernst Kraus, als Gast. Anfang 7 Uhr.— Schauspielhaus. Sonntag, 24. Oktober:„Hclga's Hochzeit". Montag, 25.:„Hamlet, Prinz von Dänemark". Dienstag, 26:„Hclga's Hochzeit". Mittwoch, 27.:„Die Jungfrau von Orleans". Donnerstag, 28.:„Helgas Hochzeit". Freitag, 29.:„Die Nibelungen". I. Abend:„Der gehörnte Siegfried".„Siegfried s Tod". Sonnabend, 30.:„Die Nibelungen". 2. Abend: „Kriemhild's Rache". Sonntag, 31.:„Helgas Hochzeit". Montag, 1. Nov.: „Biel Lärm um Nichts".— In, Neuen kgl. Operntheater(Kroll). Sonntag, 24.:„Die Quitzow's". Sonntag, 31.:„Die Journalisten".— Das Deutsche Theater weist für diese Woche folgenden Spielplan aus: Heute Abend und am Tonnerstag:„Agnes Jordan", am Montag: „Hamlet", am Dienstag:„Mutter Erde", am Mittwoch und Freitag:„Die versunkene Glocke"; am Sonnabend geht Ludwig Fnlda's neuestes Lustspiel „Jugendfreunde" zum ersten Mal in Szene und wird am nächstfolgenden Sonntag Abend wiederholt. Als Nachmittags-Vorstellung werden heute „Die Räuber", am nächstfolgenden Sollntag„Morituri" aufgeführt.— Der Wochen-Spielplan des Berliner Theaters wird wiederum von „Faust, II. Theil" beherrscht, welcher außer heute noch am Dienstag, Mitt- woch und Sonnabend gegeben wird. Am Donnerstag stndet die erste Auf- sührmig von„Mein Leopold" statt. Das gleiche Stück wird am Freitag (8. Abonneinents-Vorstellung) und nächsten Sonntag Abend wiederholt. von Wildenbruch's Drama„König Heinrich" gelangt am Montag zur Auf- führung, und„Renaissance" ist für beide Sonntage als Nachmittags-Vor- stellnng zu ermäßigten Preisen angesetzt.— Im Goethe- Theater bringt der Spielplan der neuen Woche am Dienstag die Erst-Aufführnng des „Salon- Tyrolers" von Moser. Dasselbe Stück wird am Freitag(im Abonnement) sowie am nächsten Sonntag wieberholt. Das Volksstück „Hasemann's Töchter" von Ad. LArronge wird heute, am Montag (im Abonnement), Mittwoch und Sonnabend gegeben. Das Lustspiel „Thrannen des Glücks" von Zobeltitz ist für Donnerstag angesetzt. Nachmittags- Vorsiellnngen zu' halben Preisen stnden statt: heute „Kabale und Liebe", nächsten Sonntag„Im Dienst der Pflicht". — Im Schillcr-Theater tomntt heute Nachmittag Grillparzer's Lust- spiel„Weh' dem. der lügt" zur Aufführung; in der Abend-Vorstellung geht .Ei» Trossen Gift" in Szene. Wiederholungen von Reuling's neuem Schau- spiel„Das Stärkere" find für Mittwoch und Sonnabend in AuSficht genommen. Am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag wird„Kyritz-Pyritz" gegeben. Für den 10. November ist„Wallenftein's Tod" in Borbereitung.— Im Bürgersaale des Rathhauses findet heute ein„Franz Schubert-Abend" statt.— Im Lessing-Theater wird der Spielplan der Woche fast ausschließlich durch den Schwant„Hans Huckebein" beherrscht. Die Novität wird heute, am Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend und am nächsten Sonntag Abend gegeben, während am Dienstag Hermann Bahr's vicrattige Komödie„Das Tschaperl" wiederholt wird. Als Nachmittags- Borstellung zu ermäßigten Preisen gelangt heute„Heimath", am nächsten Sonntag „Nathan der Weise" zur Aufführung.— Das Theater Unter den Linden bringt als fünfte Operette im Offenbach- Cyclus am Sonnabend, den 30. d. Mts.,„Die Großherzogin von Gerolstein" zur Aufführung.— Das Repertoire für daS Zacconi-Gastspiel im Neuen T h e a t e r ist wie folgt festgefetzt. Der Künstler tritt zuerst als Oswald in„Gespenster" auf, und spielt dann Rovettas Disonesti(die Unehrlichen) zusammen mit BraccoS Einakter„Pietro Caruso", hierauf am Sonntag:„König Lear", Montag:„Disonesti" und„Pietro Caruso", Dienstag: Hauptmann's„Ein- same Menschen", Mittwoch:„Lear", Freitag:„Kean", Sonnabend: Giacometti's Drama„La morte civile", Sonntag:„Kean" und Montag gelangt das Repertoirestück des Neuen Theaters„Aschenuittwoch" zur Aus- sührung, es wird Donnerstag und Sonntag Nachmittag wiederholt, aber zu vollen Preisen, da unmittelbar nach dem Gastspiel der Schwank der Herren Fischer und Sanio wieder auf das Repertoire gesetzt wird.— Der Wochcnspiclplan des Luisen-Theaters ist wie folgt festgesetzt: Montag:„Maria Stuart", Dienstag:„Der große Wohlthäter", Mittwoch: „Die Räuber", Donnetfiag:„Der große Wohlthäter", Freitag:„Maria Stuart", Soiinabend:„Der grobe Wohlthäter", Sonntag Nachmittag: „Maria Stuart", abends:„Der große Wohlthäter".— Im Fcenpalast wird die„Wilde Sache" auch in dieser Woche ständig gespielt.— Die heute Nachmittag im O st c n d- T h e a t e r zu halben Prellen stattfindende Volks- Vorstellung„Am Altar" beginnt um 3 Uhr; die Abendvorstellung„Die Geisterglocke" um 7i/, Uhr._ Gerichts"Bs ikuns. Gefärbte Wnrft vor dem Kammergcricht. Der Fleischer Lchröder ivar von, Landgericht I zu einer Geiostrafe verurlheflt worden, weil seine Verkänserin gefärbte Wurst verkaust hatte. Die Wurst hatte ein weiblicher Vigilant im Auftrage des Berliner Polizeipräsidiums gekauft und Dr. Bischoff hatte festgestellt, daß sie ziemlich stark gesärbi war. Das Landgericht»ahm an, das Farben sei geeignet, den Schein einer besseren Beschaffenheit der Wurst nnd die Vorstellung eines höheren Genusses zu erwecke». Das Fäiben berühre auch das Wesen der Wurst, über die das Pnblitum getäuscht werde» solle. Es sei auch gerichtsnotorisch, daß im reellen Verkehr das Färben sür übeistüssig erachtet werde. Wen» nun der Angeklagt« amti ans einein Plakat angezeigt hätte, daß die Wurst gesäi bt sei, so habe das Plakat doch nicht bei der fraglichen Wurst gehangen, so daß es von der Käuferin nicht beachtet wurde. Auch sei die Zeugin nicht ausdrücklich auf den gefärbte» Zustand der Wnrft hiugeiviesen worden. Der Angeklagte legte Revision ein und machte vor allem geltend, der Borderrichier habe den Begriff der Fälschung durchaus verkannt. Das Färben der Willst mit uiischädlicben Mitteln— und solche seien nur verwandt worden— könne unmögl>ck als Fälschung iaes Nahrungsmittel angesehen werde». Der Slrassenat des K a m in e r g e r i ch t s wies jedoch die Revision zurück. Der Begriff oer Fälschung sei nicht verkannt worden. Der Farbstoff gehöre wchl zu de» normalen Bestaudtheilen der Wurst. Seine Verweuvung bezwecke, der Warst die rolhe Farbe zu erhallen und etwaige Mängel zu verdecke». Die Wurst gewinne den Anschein eines höhere» Werlhcs. Die Unschädlichkeit der vcrivandten Stoff« schließe nicht die Anwendung des Z 10 des Nahrnugsmiitel-Gesetzes aus. Ii» übrigen genügten die Feslstellil> gen des Vorderrichiers, die das Fehle» einer Jiisormaliou der Zeugin betreffen, um die Bestrajung zu rechtiertigeu. Ter Zeuge Schweitzer. Wc n Vergebens gegen die Zz 153, l52 der Iieichc-Geweroe-Ordnniig u �dealkonknrrenz mit Bedrodung hatte das hiesige Srbbffengerichl I seinerzeit den Arbeiter Johann Diener zu einem Monat,»nd den Dreher Hermann Schmidt zu einerWocheGefängniß verurtheilt. Die Angeklagten legten Berufung ein. infolge deren die Angelegenheit gestern»ach wiederholter Vertagung vor der sechsten Straskainmer des Landgerichts I endlich ihr Ende erreichte. Infolge Lobudifferenzen— einige Kategorien der Arbeite- verlangten eine andere Art der Löhnung— war in der Fabrik von Ziminermann u. Buchlod in der Uferstraße im Anfang dieses Jahres ei» iheilweiser Streit ansgebrochen, welchem sich auch die beiden An- geklagte» anschloffen. Der Schlosser Karl Wilhelm Robert Schtv eitz er hatte in einer Bersammlnng bei Keller in der Koppenstraße i» sehr energischer Weise für den Sireik gesprochen und die Kollege» ermahnt, ja recht tap>er nnszuhalten, indem er unter anderem »leinte, oie da hingehen ivürden zur'Arbeit, seien Lampen. Trotz dieser ftilmiiianlen Rede, die wegen ihres allzu scharfen Charaktere in der Versammlung allgemeiiics Kopfschüttein erregte— der Redner hatte auch namentlich den ehemaligen Minister von Eulenburg in beleidigender Weise angegriffen— fing Schweitzer selbst wieder in der Zimmermann und B n ch l o h' s ch e n Fabrik z» arbeilen a». Das erbitterte die Ansständigen natürlich gegen ihn. Nach Schwcitzer's Be- tilndnnge» sollen ibin nun am 2. Februar V.J., nachmittags 4'/« Uhr. als er sich von der Arbeit zur Nachhausefahrt»ach dein Bahn- bos Gesundbrunnen begab, die beiden Angeklagten, welche zu den Slreikpone» gehörten, nachgegangen sein. Kurz vor dem Bahnhofe sollen ihn die beiden Angeklagte» angerufen und zunächst Diener, wobei er drohend die Hand erhob, geäußert haben:„Warle, verst. A. S, Dir schlage» wir die Knochen doch noch kapnr, wenn Du weiter arbeitest." Schmidt soll ihm dann bis in die Bahnhofs- halle nachgegangen sei», eine äbnliche drohende Aeußerung wie Diener gemacht und dabei eine» Tomschläger von Hippolit Meblcs drohend erhoben haben. Während Schiveitzer die nngevlichen Vorgänge in sehr dramalischcr und aufgeregter Weise schilderte, beldeuerlcn die Angeklagten ruhig ihre Unschuld und erklärle» Schweitzer'- Deklamationen sür Unsinn. Sie hätten allerdings mit Schweitzer sprechen tvollen, um ihn zu fragen, ob er schon vergessen, ivas er in der Versammlung geiagi hatte; er habe ihnen aber nicht Stand gehalten, sondern sei enttvischt. Dabei habe Schweitzer mit seinem Stock herningesiichtelt. Die übrigen Zeugen konnten etwas Belastendes nicht bekunden, nur der Fabrik- desitzer Zimmermann, welcher zum„Schlitz" seine Arbeiter zu begleiten pflegte, hat gesehen, daß Schmidt den Schweitzer fest« zuhalten versuchte. Der Bertheidiger, N.< A. Heine m a u n. griff die Glanbwürdigkeil des Zeugen Schiveitzer an und stiitzle sich namentlich ans folgendes: Unter feinem Eide hatte Schweitzer im Anfang der Verhandlung b e st r l i i e n, daß er in jener Ver- samiitlmig bei Keller als Redner mid für den Streik eingetreten sei; ferner hatte Schiveitzer unter s e i n e i» E i d e bestritten, daß er gegen den Minister v. Enlenbnrg beleidigende Ausfälle gemacht habeec.; durch dasZeugnißdesVorsitzeuden desMelallarbeilerverbandes, welcher an Geiichtsslelle anwesend sei, werde aber bennesen werden, daß Schweitzer thalsächlich jene Rede gehalten und jene beleidigende Aeußerungen gcthan habe. Ter Vo>sitze»de des Metallarbeiter-Verbandes wurde denn auch vernommen und bestätigte die Behauptungen der Bertheidigluig in vollein Umfange. Schwcltzer sei gegen de» Minister von Enlenbnrg so beleidigend geworden, daß der über- wachende Polizei-Lieutenanl mit Anflösnng der Versammlung drohte, »nd habe sür die Weiterführung des Streiks in einer der- artig scharfen Weise gesprochen, daß alle Anwesende» die lieber- zeugung hatte», Schweitzer sei euiiveber nicht zurechnungsfähig oder ei» Agent provocateur. Auch diejenigen Zeugen, welche Schweitzer längere Zeit persönlich kennen, schildern ihn auf Befragen des Vorsitzenden als sehr aufgeregten Mensche», der bald so, bald so rede, sodab seine Bekannten der Meinung seien, er„habe einen Vogel". Schweitzer ist übrigens a»s der Fabrik von Zimmer- manu». Bnchloh entlassen worden, weil er einen Meister mit dem Hammer bedroht hat. Er gab schließlich zu, in der Versainmlmig bei Keller geredet zu haben, will sich aber auf die Beleidigungen gegen den Minister v. Enlenburg nicht besinnen können u. s. w. Während der Staateanivalt die Veriverfung der Berufung beantragte, erkannte der Gerichtshof nach dem An- trage des Verlheidigers auf kostenlose Freisprechung. Schweitzer's Aussage genüge nicht, um«ine Feststellung im Sinne der Anklage zu treffen. ES sei möglich, daß die Angeklagten dem Schweitzer Vorstellungen machten, die sich in seiner Phantasie in Drohmigett umwandelten. Ein Rechtsstreit der Steinfeher-Jnnnng zu Berlin und der G e s e I l e n s ch a s t hat dem Reichsgericht Veraulaffimg zu inter- essanlen Ausführungen über die Entwickelung des Gesellenwesens in Deutschland gegeben. Aus dem umfangreichen Erkenntmß deZ Reichsgerichts, welches in der„Jur. Wochschr." veröffentlicht wird, ist zu ersehe», daß die Jnnmig wegen Herausgabe verschiedener Sachen geklagt hatte, die von der Gesellenschaft erworben und bis zum 8. Oktober 1393 besessen worden sind. Die Innung halle behauptet, daß die Gesellenschaft unselbständig in der Innung ent« halten sei nnd die Sachen sür die Innung erivorben habe. Das Landgericht hatte diese Behauptung für nnrichtig erklärt. Sowohl nach den alten und neuen Statuten der Innung, als nach den verschiedenen in betracht kommenden Gewerbe- Ordnungen könnten nur selbständige Gewerbetreibende Mitglieder der Innung sein, die Gesellen hätten blos in bestimmten, sür gemeinsam erklärte Angelegenheiten Rechte und Pflichten, und dazu gehörten nicht die Bermögensangelegenheiten der I n» u n g; aber ebenso wenig seien die Vermögensangelegeiiheiten oer Gesellenschaft zu Jnuungsaiigelegenheiten erklärt worden. Die beschränkte Theilnahme der Gesellen an der Innung, ihre beschränkte Mitgliedschaft schließe nicht auZ, daß sie für ihre besonderen Angelegenheiten einen selbsländigen Verein bildele». und in der That habe ein solcher von Alters her unter de» Steinsetzergesellen in Berlin bestanden; seit Menschengedenken habe es hier eine Verbrüderung der Gesellen, ohne obrigkeitliche Aussicht, gegeben. Zu solchen Sonderangelegen- heile» der Gesellen gehöre nun auch der Erwerb von Sache», die zum ausschließlichen Gebrauche der Gesellen bestimmt seien, wie die? in dem Rechtsstreite der Fall sei. Das Eigenthuin daran pehöre nach§ 17 Theil II Titel 6 Allgem. Landrechts oen Mitgliedern der Gesellenschaft und nicht der Jnnmig. — Das Reichsgericht hat einen entgegengesetzten Standpunkt eingenommen und sagt in seinen sehr gelehrte» Ausführungen: Ueber de» Erwerb der Sachen ist garnichls Näheres bekannt. Die Innung behauptet, sie seien von der Jnnungsgesellenschafl erworben, die Gesellen dagegen behaupten: von der Gesellenbrnderscdast, die zum theil ans anderett Personen bestanden, als die JnnungSgesellen« schast und auch Nicht- Jiinnug-gesellen als Mitglieder gehabt habe. Die entscheidende Frage ist die: ob die� JnnungSgesellen,>ve»n dies« die streitigen Sachen erworben haben, de» Erwerb nicht für die Jnnnngsgesellenschast, sondern für einen besonderen, nicht mit der Jnuung zusammenhängenden Verein gemacht habe». So lange diese Frage nicht ans bestiinmten Gründen bejaht werden kann, wird mir der Jnnungsges-llenschast als solcher der Erwerb beizu- messen sei», und da»nzweiselhast die Innung ein Interesse daran hat, daß ihr eine leislungssähige Gesellenschast erhalten bleibt. wozu auch gehört, daß de» Jnnungsgeselle» nicht der von ihnen gemachte Erwerb wieder entzogen wird, so muß angenommen werden, daß dieser Erwerb zwar nicht eine» Etgenlhumserwerb sür Innung, aber doch ein zwischen Meislern und Gesellen gemeinschastltches Verhältniß und damit eine I n u u n g s- A n g e l e g e n h e i t be> gründete, zu deren Wahrung nach außen hin der Jnnungs» Vorstand berechtigt ist. Eine recht nnaugcnrhme Ueverraschnug ist dem früheren Direktor des Belle'Allimice-Theaters. Charles Maurice, der jetzt i» Hamburg ausäsfig ist und dort ein kleines Agenturgeschäft betreibt, in Toiiueistag im Kriminalgerichts-Gebäude bereitet worden. Herr M. war als Zeuge in einer vor der 4. Strafkanimer fchivebende» Slrassache vorgeladen worden und aus diesem Grunde ms H.imbnrg hierher gekommen. AlS er zur Kaff« ging. um sich seine Zeugengsbühren zu holen. wurde er uif Anordnung der StaalsanwaUschast verhaftet und dem Unter« snchmigsgefänguiß überwiesen. Es handelt sich um ein gegen ihn eingeleileteS Strafverfahren wegen mehrerer Fälle des Betruges, die ans dem Gel iele der Kaittioiisbestellung liege». Die Verhaftung ist ivegen Fluchtverdachts erfolgt. Sein Bertheidiger Rechtsanwalt Morris hat sofort alle Hesel in Bewegung gesetzt, um die Frei« lnflnng des Verhaftelen zu bewirken. Die Geschichte einer Mißhandlung im Eiseubahuwage» kam am 19. d. ä'l. vor dem SHöffeugericht zu Oranieuburg zur Sprache. D:r Restmirauur Teichmann befand sich eines Tages mit dem ihm bekannten Herr Braumeister Fiedler und Brauerei- Direktor A r e n d in dem Eisenbahn- Koupee eines von Oranienburg nach Berlin fahrenden Vorortzuges. Die Unierhalluag drehte sich um Brauerei-Angelegenheiie»; als die Debatte aber ans den Bierboykott kam, wurde der Branereidirektor so erregt, daß er dem Gastwirlh auf die Hand schlug. Fiedler aber trat seinem Gegner Teichuia»» ans die Füße. Letzterer fühlte sich derartig bedrängt, daß er die Nothbremse zog. Di« Personen wurden sislirt und die Folge war die erwähnte Gerichtsverhandlung, welche oamit endete, daß Fiedler zu 20 M. Geldstrafe vernrlheill wurde, während das Gericht gegen Arend und Teichinanu ans Freisprechung erkannte. Spvrch.jiftas. Ut Medattton NeNI die Benupun» dci Sprechtaatl. soweit der«dum daflr III begeben ift, dem U'ubUlum zur Betpreckniug oo»«lngelegenbetten allgemetnen Jnleresse« zur Leriugung: sie verwahrl sich aber gleichzettlg dagegen, mit dem Inhalt desselben ibenlifizire zu werben Parteigenossen! Nicht mu mich ans die maßlosen An« zapsuugen des Genosse» Paul Böhm in der Ura»ia-Vcrsa»n»Iu»g am verstossene» Dienstag zu verlheidigen— denn dieses soll und innß an anderer Stelle geschehen— sondern um de» Genossen und im besonderen meinen speziellen Kollegen Rechnung zu tragen, erkläre ich: Alles vom Genossen Böhm Behauptete ist nichts weniger alS wahr. Ich wäre selbstverständlich i» der betreffende» Versammlung erschienen, wenn mich nicht schon wochenlange Krankheit an Hause— mit vorgeschriebener Ausgehzell— festhielte. Franz Schulz. Buchdrucker. roitlmiiiftSIIbkrfichi vom 83. Oktober 1H07. Wctter-Proguose für Sonntag, den 84. Oktober 1*07. Ziemlich kühl, vorwiegend neblig oder ivotkig bei schwache» östlichen Winde»; keine erheblichen Niederschläge. Briefkasten der Redaktion. Die slirisiischc Tprcchstnnde findet am heutige« Ab««» von 71/, bis S'/j Uhr abends, in der nächsten BSoche am Montag. Dienstag und Toiiiiabeud von ti bis 8 tlhr statt. K. O. 100. Ein tüchtiger Vogelzüchter dürfte Auskilnft geben können. H. Soyka. Berichte über Krankentassell-Bersaminluiigen aufziinehmen, ist uns bei dem beschränkten Raum unmöglich. Jentzsch. Die preilhischen Minister haben höheren Rang und höheres Gehalt als die meisten Staatssekretäre des Reichs, doch haben einzelne StaatSselretS« des Reichs auch dem preußischen Staatsministerium angehört, so in letzter Zeit v. Bötticher, v. Marschall, oder den Rang eines Staats- Ministers verliehen erhalten, so v. Stephan. Maidach. Nein.— G. W., Rixdorf. I. Nein. 2. Falls das Kind in öffentlicher Urkunde anerkannt war oder das Anerkennwiß durch Urtheil erstritten war, ist es zu erbberechtigt, wenn der Bater kinderlos und ohne Testament gestorben ist.— W. K. 18. An den Vorabenden der Festtage und am Sonnabend ist die Beschäftigung von Fabrikarbeiterinnen nach ör/, Uhr nachmittags verboten. Ob eine Fabrik vorliegt, ist von Fall zu Fall zu entscheiden.— H. M. 3. 1. Nein. 2. Nein. 3. Soweit Anzüge und dergleichen nicht unentbehrlich sind, sind sie pfändbar. 4. Der Vertrag ist vor dem Amtsgericht zu schließen; die Kosten richten sich nach dem Werth des Objekts.— L. F. 13. Ja.— Springer 97. Sie können mit Aus- stcht auf Erfolg klagen. Die einzelnen Bestimmungen des Gesetzes an- zuführen ist nicht angängig.— I.®., London.'Leider nein.— G.®. 41. Sie müßten mit Ihrer Klage abgewiesen werden: zum Spiel gegebene Darlehnc sind nicht einklagbar.— L. S. IVS. Verklagen Sie den Haus- cigenthümer beim Amtsgericht.— M. W., Charlottenburg. Nein. — K. K. SOV. Die Prämie ist mit recht verweigert.- Junkermann. Der Verein ist im Recht.— Jüngling. Ja; der Anspruch aus Gehalt besteht. — F. K. 199. Sie könnten auf dem Amtsgericht durch Anerkennungs- und Sochenkungsvertrag Ihrer Frau Sachen als deren Eigenthum anerkennen und die anderen ihr schenken. Boraussetzung ist, daß keine Schulden Ihrer- seits bestehen. Bevor Sie die Schenkung vornehmen, wollen Sie über- legen, ob diese wirklich Ihrer Absicht entspricht: baben Sie geschenkt, so gehören Ihnen auch Ihrer Frau gegenüber die Sachen nicht mehr.— Wildschütz 194. Ein solches Gesetz besteht nicht. Wohl ist aber die Frage, ob die Jagd auf wilde Kaninchen frei ist, wiederholt für die Mark Branden- dura von den Gerichten verneint und deShali der Frettchen-Liebhaber de- straft.— L. C. S4. 1. Ja. 2. Sie können einen Eid darüber zuschieben. 3. Ja, er kann aber seine Gegcnrechnung für die GeschäftSbcsorgung u. s. w. ausstellen.-- S8. 1. Nach 2 Jahren ununterstiitzten Ausenthalts. 2. Nein. - A. 34. 1. Nachdem Sie unter kurzer Fristbestimmung den Wirth von Ihrer Absicht in Kennlniß gesetzt haben, ja. 2. Sie thun besser, die dann verauslagten Kosten, salls der Wirth sie sich nicht von dem Mielhszins ab- ziehen lasten will, einzuklagen. 3. Nichts: die Wittwe und deren Kinder erben. — H.®. 100. Für Krankengeld dürfen nur zwei Raten(die aus die beiden letzten Lohnzahlungsperioden entsallendcn) vom Lohn abgezogen werden.— F. B. Das Charlottenburger Gcwerbegericht ist zuständig.— Ella 13. Ohne mündliche genauere Darlegung nicht zu beantworten. — Ag. E. Sic sind nicht strasbar- auch das Teuselchcn äolu, eventualis wird Ihrem Gegner nichts helfen.—®. Vogel. Ja. Achtung! 2. Wahlkreis. Achtung! Sonntag. 34.Oktober, abends S'/, Uhr, bei Znhell, Lindenftr. 106: WW"' Versammlung."WW Tages-Ordnung: Vortrag bei Genoffen vv. Weyl über: Berufskrankheiten im Interesse sozialpolitischer Bedeutung für das Proletariat. Nach dem Vortrage: GemüthlicheS Beisammensein und Tanz. DWT" Eintritt 10 Pf."WF Um zahlreichen Besuch bittet 211/20 Die Bertrauenspersoin BildWOereill Sonntag, den 34. Oktober, abendS 6'/, Uhr, Alexanderftr. 37 v» pgr* Tersammliing."WU Vortrag des Herrn WaldeK Hanasse über: Der Nutzen der Gottlosigkeit,— Diskussion.— Darauf: Geselliges Beisammei'feln «nd Tanz.— Gäste sind willkommen.— Entree 10 Pf.— Garderobe 10 Pf. Die Mitglieder und Freunde deS Vereins werden hierdurch zu dem am Sonnabend, den 30. Oktober, in demselben Lokale stattfindenden UM" Stittungsfest"WZ freundlichst eingeladen. Dasselbe wird begangen durch Volral- and Instrumental-Konzer« unter gütiger Mitwirkung deS Gesangvereins „Zfoed"(Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes), fTestvcde und Ball. BilletS, für Herren 50 Pf., für Damen 30 Pf., sind bei fämmtlichen Vor- stands- und Komiteemitgliedern zu haben. 37/11 TllbllIiiirl!kltkr.Tabiikllr>lktttnnne«. Dienstag, den 36. Oktober, abends 8V2 Uhr: Grosse öffentliche Versammlung bei Kleft, Weberstraffe Nr. 17. TageS-Ordnung: Vortrag deS Reichstags- Abgeordneten Jgnnx Aner über:»Die politische Lage und die Steuerplänc der Regierung". Rechnungs- legung der Kommission und Bericht des Delegirten zur Gewerkschaftskommission. 186/2]_ Die Kommission der Tabakarbeiter. Mittwoch Achtung, Putzerl woch. 37. Oktober, abeichs 6 Uhr. in Cohn'. Fest-Sälen, groffer Saal, Beuth-Straffe 31: Gr. öffentliche Versammlung der Nutzer Berlins«nd Nmgegend. TageS-Ordnung: Kassen- Abrechnung. Bestimmung der Versammlung über Höhe und Dauer der weiteren Beitrags- Zahlungen, desgleichen Beschlußfassung, inwieweit sich die Befugnisse deS Vertrauensmannes gestalten sollen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 296/12_ Der Vertrau ensmann. er! Hontaj:, den 25. d. H., abends SV:{ihr, belWllke, Andreasstrasse 30: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom Stiftungsfest und vom 3. Quartal. 2. Neuwahl der auSgeloostcn Vorstandsmitglieder. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 296/16_ I. A.: Frans Scholz, Schwedterstr. 47. Achtung! Achtnng! WrikgewerWe HilMeiter 11. Arbeiterinnell Berlins. Mittwoch, den 37. Oktober 1897, abends 8 Uhr, MM" im Kolberger Salon. Kolbergerstr. 33:"W Große öffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Adolf Hoffmann über:„Wirthschaftliche Umwälzungen". 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Delegirten zur Allgem. Orts-Kranlenkasse durch die Gewerkschaft. 4. Verschiedenes. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist cS Pflicht aller Fabrik-HilfS- arbeiter und Arbeiterinnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ins- besondere werden die Kasscnmitglieder der Allg. Orts-Krankenkasse zu dieser Versanimlung eingeladen. 114/16 Der Einberufer: Emil Schumann, Kolvergerstr. 23. Berein deutsch. Schuhmacher. Hontag, den 35. Oktober, abends 8 Uhr: Kombinirte Mitglieder- Versammlung im„Englische» Garten«, Alexenderstr. 37 c. Tagesordnung: 1. Abrechnung des VergnügungSkomitceS. 2. Stellungnahme zur Ver- koofung der Uranla-Billets. 3. Antrag auf Gewährung von Lokal-Unter- stiitzung an die Zugereisten. 4. Verschiedenes. 266/7 Die Bevollmächtigten. Btrbililil der Tapezirer M veno. Berchgelloneil 177/18 Deutschlands. Mitglieder-Versammlungen. 1. Vortrag. Filiale Süd: Ciljjlo llnrH* Montag, den 35. Oktober, abends S'/i Uhr: rllftlC IlUlU. bei Nttlllg, Rosenthalerstraße 12. Tages-Ordnung: 2. Diskussion. 3. Vereins-Angelegenheiten. M i t t w 0 ch, den 37. Oktober, abends 8V, Uhr. bei Kubeil, Lindenstraße 106. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Dr. Bernstein über„Die Grundzüge deS Sozialismus." 2. Diskussion. 3. Beretns-Ange'eacnheiten. IM" Gilste wlllkouuucn."MG Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Ortsvervraltnngen. NB. Zur Versamniliing im Süden sind die Kollegen von Bodenhelm, Unter den Linden 16, besonders eingeladen. Grosser öffentlicher Vortrag fürDamenn. Herren im Heilverein Kube. Dienstag, 26, Oktober, abends SV- Uhr, in Berlin Zt., Norddeutsche Brauerei, Chaussee-Straffe 58, spricht Frl. M. Kube, Naturheilkundige, über gf Rleenmatismus nnd Gielit. Entstehung und Heilung nach der Naturheilkunde. Fort mit der Schulinedizin bei der Behandlung dieser Krankheiten! Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 1444b Zentralverein der Bildhaner. Dienstag, den 2«. d., ab. SV-Uhr, Köpuickerstr.LS: gMT Versammlung."NW TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Holzbildhauer- Abend:„Die tteberarbeit der Kollegen bei Niegclniann".— Bekanntgabe des Resultats der letzten Statistik. 3. Verschiedenes. 39/9 Zu dieser Versammlung sind die Kollegen obiger Werkstatt brieflich ein- geladen. Der Vorstand. «nener»I- V er sammln ng IM" am Mittwoch, de» 37. Oktober, abendS KV« Uhr, in den Andreas Festsälen, Andreasstraffe 81. Tages-Ordnung: Kassenbericht vom 3. Quartal. Bericht deS Vorstandes und der Bezirks- leiter. Bericht des Arbeitsvcrmittlers und der Werlstatt Kontrollkomnnssion. Wahl eines Schriftführers. Anträge, Verbandsangelegenheilen. Ohne Mitgliedsbuch keinen Eintritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 300/20 Die Ortsverwaltung. Weissensse. Dienstag, den 36. Oktober 1897, abendS 8Vz Uhr,-MW im„Albrcchtshof-, Parkstr. 13: Ks. öffent. Parteiversammliing. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl des VertrauensuianneS. Wahl der Revisoren. Bericht der Lokolkommission nnd Neuwahl derselben. Bericht der Zeitnngs- kommtssion. Verschiedenes. 1464b Der wichtigen Tagesordnung wegen ist eS Pflicht, daß jeder erscheint. Der Vertrauensmann. �rkerter-Bälelungs» Verein für Friedricksberg. Dienstag, den 86. Oktober 1897, abendS 8V, Uhr, bel Gnrsch, Frankfurter Allee Nr. 174: Getiernl- Versammlung. Tages-Ordnung: 14/12 Vortrag deS Genossen J. Sassenbach:„Die Verfassung des Deutschen Reichs." Der Vorstand. AAung! Korbmacher. Achtung! Montag, den 85. Oktover, abends 6 Uhr. in den„Arminhallrn-, Kommandantenstraffe 30: OeMtliitze Kordmacher-Hktsammimig. TageS-Ordnung: 1. Der Lohnabzug in wer Kugelkorbranche. 2. Verschiedenes. ES ist Pflicht eineü jede» Kollegen, in dieser Versammlung zu eischelnen. 283/16 Der Klnberufer. Verband deutscher Gold- u. Silber-Arbeiter und verw. Berufsgen.(Zahlstelle Berits). Dienstag» den 2«. Oktober er., abends 8'/- llhr, im Lokale Dresdenerstr. 45: Lenersi»Versemmiisng. TageS-Ordnung: 72/19 1. Vortrag. 2. Bericht des Vorstände« und Kassenbericht. 3. Wahl deS Vorstandes. 4. Verschiedenes.— Aufnahme neuer Mitglieder. Die Kollegen werden eriucht, der wichtigen Tagesordnung wegen zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. Die OrtSvrrwaltung. _ Achtnng! Achtung!'913 Allgem. Orts-Krankenkasse gewerbi. Arbeiter und Arbeitentttten. Berlin. Hlttwoch, den 37. Oktober, abends 8 Uhr» bei Rens, IVntinj n- Strasse Xo. 37: Große Mitglieder- lUtfointtilnng. T a g e S- O r d u u n g: 267/19 1. Unsere bevorstehenden Delegirtenwahle». 2. Verschiedenes. NB. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Die Dreizehner-Kominission. I. A.: W. K u n a t h, Fcldzeugmeisterstr. 4. Achtung! Achtung! Geiverlislliaste». Vereine etc. Das Lokal von Xlelt, Wrberstraffe. ist nach wie vor für urganistrte Musiker gesperrt. EveiitueNe Miisikbeftellungcn der Vereine für dieses Lokal werben durch unscrn Arbeitsnachweis erledigt. 60/6 Außerdem machen wir daraus ausmerkjain, daß verschiedentlich Wirthe voriviegelten, die Mitgliedar ihrer.yauSkapelle stnd organistrle Zivil-Beruis- mustker; genaue AuSkuust darüber gicbr unser Arbeitsnachweis.— Für dieses Vierteljahr haben unsere Mitgliedskarten die weiffe Farbe. I. A.: Alb. Hoch, 1. Vorsitzender. Achtung k MllSik Achtung! zu alle» Privat- und Vercins-Festlichkeiten vom Klavier bis zum größte» Orchester. Prompte Ausführung. Bestellungen werden täglich mündlich von 10»/,— 1 Uhr, sowie schriftlich und per Telephon entgegengenoinuicil: Restaurant Schiller, Rosenthalerstr. 57. Telephon Amt II1 1396. t'reiv Vereinigung der Zivil-Berufsmusikcr Berlins u. ürag. Winterpaletots, spottbillig. Pfandleihe, Neanderstr. v. 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Wernau, Sih«edttrstr. 23j2i. f enfel, znvllliheilßr. 1. äger, kartenstr. 13. Brauerei Moabit, Thllr«?r. 13. TageS-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Swdtverordneten-Wnhlcn. 2. Disknsston. 3. Vor- schlage event. Aufstellung von Kandidaten. Referenten: Stadtverordnete Lorgwsllu, Bnm», Gleshoit, Jacobey, Glelnert, Singer, Stadtbagen, Gottfr. Schulz, Vogtherr, Wernau, Wilke, Zadek; Znbeil. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Ginberafer. e CJ ez> -L e II »«■ .Unentbehrlich für jeden Arbeiter! Das beste Rcchtsbach für den Arbelterl In 2. verdeffcrtcr Auflage elegant gebunden vor: (1«. vis ZV. Tausend!) liegt Rechte«nd Pflichten des Arbeiters in Teutschland auS dein gelverblichen Arbeitsverträge der Unfall-. Kraulen-, JuvaliditätS- und Altcrs-Verfichemng. Mit Beispielen n»d Formularen für Klagen. Antrage, Beschwerde». Berufungen u. f. w. Erläutert von Arthur Stndthnncn, früherem Rechtsanwalt, Mitglied dcS deutschen Reichstags. Verlag von H anS Vaake, Berlin 3. 14. Nahezu unentbehrlich ist dieses Buch für jeden, der die wenigen Rechte, die der Arbeiter hat, und feine vielen Pflichten kennen lernen will— höchst ivilltomuien jedem, der selbständig klagen will— nothwendtg sür jeden, der durch Kenntnis! der Gesetze sich vor Schaden und Kosten hüten will. Unentbehrlich ist das Buch für jeden, der Klagen, Anträge, Beschwerden u. f. w. in gewerblichen Angelegenheiten oder in Unfall- oder in Kranlcninchcn oder in der Alters- und Jnvaliditäts-Bcrsichcrung selbst anfertigen und so große Kosten sparen will. Das Buch enthält eine große Reihe von Beisvielen, Forum- laren zu Klagen, Anträgen, Berufmigen und Beschwerden m ge- werblichen Streitigkeiten, in Unfall-, m JnvaliditätS-, in Alters- Berstcherungssachen, in JnterventionS- und in BeletdignngS- klage». Durch diese Beispiele wirb ein jeder in den Stand gesetzt, auch seine schriftlichen Eingaben, Klagen, Beschwerden u. s. w. selbst abzufassen und dadurch viel Geld zu sparen. Um auch dem weniger bemittelten Arbeiter die Anschaffung dieses werthvollen Baches«täglich zu machen, liefere ich auch gegen bequeme Theilzahlungen(bü Pf. pro Woche) und bitte um Bestellung auf untenstehendem Zettel. Hochachtungsvoll: A. Lndwlg. Hier ausschneiden! s U G S e ts S« w 2« sr *% ?# « I a- 3 s- » D I§ a"g �& er cn II Ä er t* Ii» �« §» ?*** 3 f* n o � JS ca g 'i a* & # S5 S§ ?* Ä S sr er 2 a � 3 G c- O oeßt G "S 2 jS iß« p � ß" ■2® I 3 3 S «o k ■S o ■e » r> 3 Ortskrankenkaffe der Mechaniker. Optiker«. verwandten Gewerbe. Ord. Gcncrnlvcrsammlnng fämmtljcher Vertreter am Montag, den 1. November, abends präz. 8 Uhr, in d. Anninhallen, Kammandantcnstr. 20. Tages-Orduung: In getrennter Wahlversamml.t I. Für die Vertreter der Arbeit- geber: Wahl von 2 Mitgliedern zum Vorstand. II. Für die Vertreter der Arbeitnehmer: Wahl von 3 Mitgliedern zum Vorstand. I» gemrinschaftl. Bersammlung: 1. Wahl dcs Ansschuffcs zurPrüsnug der Jahresrcchnung pro 1VS7. 2. Be- richt der in Sachen contra. Liittig gc- wählten Kontmtffion. 3. Bericht des Vorstandes über den Antrag Herbst. 4. Verschiedenes. 1408b Berlin, 23. Oktober 1807. Der Borstand. E. Schlenker, Vors. Ztutral-Kriinktii- u. Sterbe- kaßtb.TilbakarbejterDeiltsihl. Berlin I. Donnerstag, 28. Oktober, abends 8�/, Uhr, bei Wilke, Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. Abrechnung pro 1890/97. 2. Wahl deS Vorstandes und der Revisoren. 3. Wahl der Krankcnkontrolleure und verschiedene Angelegenheiten.[189/6 Die örtliche Berwaltnng Orts-5krauke,tkasse der Schneider, Schneideriiineil ilnd verivaudteil Cmerbe -n Berlin. Die Vertreter der OrtS-Kranken- kasse d. Schneider. Schneiderinnen unv verwandten Gewerbe werden zu der am Montag, den 1. Nov., abends 8 Uhr, im Neuen Klub- Hanse. Kommandantenstrabe 72, statt- findenden 1340b ordentlichen Veverslverssmmlllvg hierdurch eingeladen. Tagesordnung: In getrennter Wahlverfammllmg Neuwahl von 3 Vorstandsmitgliedern und 1 Stellvertreter derselben aus den Reihen der Arbeitgehcr. Nut 8«/, Uhr beginnt der Wahlatt und werden die Thüren von da ab geschloffen. Um 9 Uhr in getrennter Wahl- versnmntlung Neinvahl von 0 Vor- standsmitgliedern und 2 S tellvertretern derselben aus den Reihen der Kasten- Mitglieder. Um 9»/, Uhr beginnt der Wahlatt und werden die Thuren von da ab gcschlostcn, Um 10 Uhr: Gemelnschnftl. Generalvcrsonimlnnc. Tagesordnung: 1. Wahl eines AusschuffcS von sechs Personen zur Vorprüfung der Jahreö- rechnung(zwei Arbeitgebern und vier Kassenmitgliedem). 2. Ueberschrtibcn der Konto- Bücher(Entschädigung) 3. Verschiedenes. Der Vorstand: I. A.:«arl Stock, Vorsitzender, Wollinerstr. 30. Ernst Schröter, Schrtstführer, Bellealliancestr. 7la._ Achtung! Achtung! Haal gratis! Mehrere Sonnabende d. I., 30. Okt., 20. u. 27. Nov., 4., 11. u. 18. Dez. zu Versammlungen u. dergl. den geehrten Genoflen zur Verfügung. Onslno, Ackerstr. 144. BSicczorek.[14166 Den Kameradin E. P. und F. K, zum Montag, den 26. Okt., ein drei- uial donnerndes Lebehoch! Na, Fritze, Du ahnst et nich! 1460b Die gegen Frau Hedwig Kranz, Rügenerstt. 16, ausgesprochene Be- leidigung nehme ich hiermit reu- müthig zurück, bitte sie dteserhalb um Verzeihung und erkläre sie sür eine ehrcnwerthe Frau. E. W. 1443b Achtung, Bereine! Sonnabend, der 20., und Sonntag, der 21. November, sind noch uneut- eltlich zu vergeben. �ereinshaus„Süd-Ost", Waldemarstraße 76. l'l'VIII'ilirin reelle Dukaten, gell«lUllligv stemp 980 2 Dukat. 22,60 M. IV, Dukat. 17, 60 M. Ji vollen- gold gestemp. 900. 7 Gramm 20,50 M. 51/« Gramm 15,50' M. Alle anderen Goldsachen ebenso reell.[2724b Hugo I.einche,Attgnftstr.v1pt. nahe d. Oranienburgerstr. Gegr. 1840. M M-Eübali Grötzte Auswahl! � Allerbilligste Preise!"MlZ ine helle Sumatras o. 1,60 M. an. Obersortierungen 2— 2,60 M. Borzüg- liche blattige Javas von 80 Pf. an. Brasils von 85 Pf. Prima Carmen. arvßblatttg, schöner Brand, 1,05 M. Paraguay, augenblicklich billigste«. beste Einlage, blattig u. sehr schön im Geschmack, 80 Pf. 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Fran Emma, geb. Fettke. Berlin, den 23. Oktbr. 1897. Die Beerdigung findet am Montag, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause, Sakzwedelerstr. 15 nuS statt._ 1446h M-Tumereik„Uchte". Todes-Anzeige. Am 21. Oktober starb am Scharlach- fteber im Krankenhause Bethanien, im Alter von 19 Jahren, unser Turn- genosse, der Stetallschtetser 1409b Bant Langfeld. Ehre seinem Andenken! Dle Beerdigung findet Sonntag, den 24. Ottober, nachmittags 2 Uhr, von Bethanien aus nach dem EmmauS, Kirchhof tu Britz statt. Um zahlreiche Belhetlizimg ersucht Bie II. Bttnncr-Abthellnng des Turnverein„Fichte". Frdl. Schläfst. W. Meyer, RüderS- dorserstr. 17, 4 Tr._ 1266b Möbl. Zimmer(9 M.) f. 2 H. z. v Cordt, Blumenstr. 63k v. III. I4l4b Freundl. möbl. Zimmer für 2 anst. Herren Fürstenwalderstr. 15, IL r. Schlasst. f. Herrn b. ttnderl. Leuten Straßburgersrr. 12, Hof I b. Schulze. Frdl. Schläfst, f. 2 Hrn. zu venu. Ownienstr. 24, v. b. Seidel. 1410b Best. Schlasst. f. T. od.? 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Der Genosse Königs aus London, der ungehindert in Berlin und anderen Städten hat sprechen können, ist in Kiel aus der Versammlung heraus verhaftet worden in dem- selben Augenblick, als er zu seinem Referat das Wort nehmen wollte. Im Amtsbereich des Oberpräsidente» v. Köller ist nun dieses nicht wunderbar, und es ist anzunehmen, daß auf seine Anordnung dieses Vorgehen veranlaßt wurde. Schon bei der Anmeldung der Ver- sammlung, in der die beiden Genossen Königs und Kreye aus London über den Achtstundenkampf i» England referiren sollten, hatte der Einberufer Schwierigkeiten. Zuerst wurde ihm die Mit- theilung, daß bevor nicht mit dem Polizeimeister Rücksprache ge- nommen sei. die Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung nicht gegeben werden könne. Anderen Tages wurde dieselbe dann sofort erstattet. Heute Vormittag erkundigte sich die Polizei aus der Volkszeitiing»ach den Engländern, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Daun muß die Polizei wohl beabsichtigt haben, beim Eintritt in das Versammlungslokal die beiden gefährlichen Menschen zu ver- haften. Da dieselben jedoch allein und nicht in Begleitung bekannter Parteigenossen erschienen, wurde auch dieses zu Wasser. Aber in dem Augenblick, als Königs die Tribüne beschreiten wollte, stellte sich ihm der Kriminalkommissar vor und bat ihn in den Neben» räum zu kommen, und von da aus erfolgte die Verhaftung. Unter diesen Umständen zog es der Genosse Kreye vor, sich nicht in die Finger der Polizei zu begeben und entging derselbe der Verhaftung. Mit vor Freude klopsendem Herzen konnte er aus der Mitte der Versammlung heraus die stürmischen Protest- rufe der V-rsammelten, die die Verhaftung begleiteten, be- obachlen und Zeuge der glühenden Sympathiekundgebungen der Kieler Arbeilerschaft für ihre kämpfeuden englischen Arbeitsbrüder sei». Das Referat hielt nunmehr Genosse Wissell, der in großen Zügen ein Bild des großen Kampfes ent- rollte und unbarmherzig, wie die weiteren Redner Ströbel und Brekour, das Verhalten der städtischen Polizei einer Kritik unterzog. Die Versammlung endigte durch die'Annahme ziveier Resolutionen, die sich zu gunsten der Streikenden aussprachen und das Verhalten der Polizei entrüstet verurtheilten; dieselben fanden einstimmig Annahme. Vermulhlich wird nun, weil„lästig gefallen", Genosse Königs per Schub nach England gebracht. Er hat einen schönen Begriff von der deutschen Gastfreundschast erhalten. Ihren BefäKigungsnachiveis hat die Kieler Polizei in gewiß glänzender Weise erbracht; sie stellt sich der Bremer und Hamburger Polizei, die vor Jahresfrist Tom Mann auswiesen, ebenbürtig zur Seite. In letzterem Punkte dürfte unser Korrespondent irren. Königs ist Deutscher, der seit einigen Jahren in England arbeitet und seine denlsche Staatsangehörigkeit noch besitzt. Von einem„9lbschub nach England" kann also keine Rede sein. Die Polizei hat hier wieder mal im„Uebe reifer" gehandet. Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. Sottntag, den 31. Oktober, vormittags präzise«0 Ilhr, im Nebeusaale der _„Brauerei Friedrichshain": BW zök u sM, uMtzu n g. Tagesordnung: 1. Aufnahme von Vereinen 2 Arrangement zum Stiftungsfest. Z. Verschiedenes Sämmtliche Vereine niüsten vertreten lein. DereinZ-Buubes-Mttgliedskarte legitimirt PrW U W: Beginn der Uebttttgsstttttde. Folgende Lieder werden geübt: 1.„Mahnruf" 2„BimdeSlied". 3„Saat und Ernte". 4..Drei Ehren- grüße".— Die Vereine sind verpflichtet, vollzählig und pünltlich zu erschiinen. Bimdes-MitgliedSkarte legitimirt. 17/12 I>ei- Vovstnnck NB. Ausgabe von Noten und Entgegenuahm« von Beiträgen findet vor und nach der Auslchiißfltzung statt. Vereine resp deren Mitglieder, welche noch nicht im Besitz der Broschüre.Arbeiter-Sesang- Vereiue und d°tz.B�Scheu sind können sich behuss Entgegennahme schriftlich oder persönlich an Otto -Geschäft. Wrangelstr 11, wenden deren Bedeutun >ta»clie, Zsiggrren-s D O Restaurant lt. Augustin, Jeden Tonntag: IsUtttilieNkUNZ. Vereinszimmer noch mehrere Tage frei. 1403b Arbeiter-Bildimgsschnle. Sonntag;, den 84. Oktober 1897, abends 7 Uhr, in Cohn'« Festaftlen, Benthstr. SO: Vortrag vom Genossen V. Bölsche Ober: Darvinismus und Sozialismus. Nachdem: Oemüthllches BeUammenaein nnd Tanz Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Mitglieder und Gäste sind höflichst eingeladen. Um zahlreichen Besuch bittet 6/11_ Per Torstand. tedlMii! Mendelssohn-Feier i£!üM.! zur Erinnerung an den 80. Sterbetag Felix Mendelssohn-Barlholdy am Sonntag, 7. Nov.,„Elysinm", Landsberger Allee 40|41 ausgeführt vom Berl. Pamenchor„Harmonie" und beut Hftnner-Ciesang- vercin„Rothe IVclkc II"(M. d. A-S.-B) Dirigent: Herr A. 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Zur Aufführung gelangt: »ie Hexe Trauerspiel in 6 Aufzügen von A r t h u F~F i t g e r, Die erste, zweite n. dritte Abtlieilnng sindgeschlossen, Die überaus günstige Aufnahme der letzten Aufführung steigerte den Andrang zu den Abtheilungen derart, dass der Vorstand beschloss, lür die 4. Abth. am 31. Oktober eine Vorstellung an avrangiren. Die Mitglieder werden daher gebeten, schleunigst für die rechtzeitige Ettllnng dieser Abthellung 8orgc an tragen. Mitglieder zur 4. Abtheilung können in allen ZuTilstellen aufgenommen werden. Ist die 4. Abtheilung bis 25. Oktober gefüllt, kann auch bei der Direktion des I.cssing-Theaters ein vierter Spiel• Sonntag Im Dezember bestelle werden. Sonnabend, den 87. IVoveniber, findet in der Brauerei Friedrichshain das Winterfest statt. Entree 30 Pf. Tanz 50 Pf. Per Vorstand. I A.; G. W i n k 1 e r. Steppdecken- Fabrik Berlin C„ Walistr. 78. Vorzflgl. Handarbeit, staunend billig. Alte Decken werde» aufgearbcliei. Tcppiche 3242L" m. 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Montag: König Heinrich. Goethe. Haseinann's Töchter. An- fang 7Vz Uhr. Nachm. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Hasemann's. Töchter. Lessing. Hans Huckebein. Anfang 7,/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Heimath. Montag: HanS Huckebein. ReneS. Aschermittwoch. Vorher: Lieb im Spiel. Anfang?,/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Aschcnnittwoch. Borher: Lieb' im Spiel. Residenz. Odette. Anfang 71/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller. Ein Tropfen Gift. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Web' dem der lügt. Montag: Kyritz- Pyritz. Unter de» Linden. Madame Favart. Anfang 7l/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Boccaccio. Montag: Madame Favart. Luisen. Der große Wohlthäter. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. ' Montag: Dieselbe Vorstellung. Shalia. Hotel Tohu-Bohu. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Hänsel und Gretel. Montag: Hotel Tohu-Bohu. Ostend. Die Geisterglocke. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Am Altar. Montag: Die Geisterglocke. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WilhelmstädtischeS. Das Zeichen des Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Rlexanderplah. Das Liebesdrama einer Sängerin. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Der Frosch- tönig. Montag: DaS Liebesdrama einer Sängerin. Reichshallen. Spezialitäten. An- fang 7 Uhr. American. Berlin, wie's näht und trennt. Anfang?,/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans.?,/, Uhr. Fcen-Palast. Spezialitäten. Passage< Panoptikum. Indisches Dorf. Setn Waldau, U. a.: bildschöne Kostüm- Soubrette. Enjjea Hose«, der beste Minnker. »ölil Wer ist der Wer? Neu! Burleske mit Gesaug und Tanz. Neu! Die xweiteFrnu. Neui Bolköstück. Ankglid' Wochentags 8 Uhr. 4tI!fIII!>f» Sonntags G Uhr. Preise wie gewöhnlich. �eiebsimiieu-IbekUei'.! Lioinzigerstrasse 77. Heute Sonntag: [Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7 Uhr. Die grUsste Sensation der Saison. Das Wunder? Ißas flammende Rathsei? j ist tili de siecle. Ferner das anf der Höhe 1 j iler Zeitstehende Programm| Jmit 24 Nummern. 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Ein unverantwortlicher Leichtsinn ist eS wenn Jemandem die Gelegenheit geboten wird, die verlorene Gesundheit wieder zu gewinnen oder einen geschwächten Körper zu kräftigen, und er eine solche Gelegenheit uubemcht vorübergehen läßt. Es ist die liebe Nachlässigkeit, das Allbeliebte:„Das können wir ja morgen thun", welches die nieisten Menschen ins Verderben stürzt oder an den Rand deS Grabes führt. So ging es auch kürzlich einem reichen Kaufherrn in der Friedrich- strasjc: Ueberanstrengnng in feiner geschäftlichen Thätigkcit, eine au- fänglich leichte Erkältung, beim Verlasicu deS Theaters an einem regnerischen Abend zugezogen, wurden die Ursachen eines ernsten Nervenleidens und furchtbaren Rheumatismus. Anfänglich.that er nichts dagegen;„es wird schon von selbst besser werden", das war das trügerische Hoffnungsbild, welches vor seinen Augen gaukelte. Aber es wurde nicht besser, sondern täglich schlechter. Nervöses Kopfteifeen, das ihn zur Arbeit unfähig machte, schmerzvolles Gliederreißen, daß in Lähmung ausartete, machten thn zum Schatten seines ftühercu Ichs. Er konsultirte berühmte Aerzte, besuchte alle möglichen Bäder, trank die verschiedenartigsten Sprndelprodukte, hinreichend, um ein Kriegs- gcschwader flott zu machen, doch nichts schlug an. Er fühlte sich dem Tode nahe! Da las er zufälligerweise in einer Tages-Zeitung von Münsel's Lohtanninbädern und den zauberhaften Kuren, welche durch dieselben erzielt werden. Sein Entschluß war gefaßt, und noch in vorgerückter Abendstunde fuhr er nach der Wallstraße 70, um sein erstes Bad zu nehmen; und siehe da, nach Verlauf einer Woche war er wieder der rüstige Mann im Geschäft, der gemüthliche Familienvater und der liebenswürdige Gesellschafter wie ehemals. 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Müsse 197. Kgl.Pmch Lotterie. Ziehnng vom 23. Oilober Ivb?, nnchmlllng.'. Nur die Gewinne über«,« Mar! sind den belrrsscndeu Nommern i» Parenlhese beigefügt. 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Mi.. 24 zu 16 ODO M.. 43 zu 10 000 Mi.. 87 zn 6000 Sil.. 1284 tu 3000 Mt. 1377 zu 1600 Sit. 1613 4» 600 Sit Aufmerksam Ufea! Größte Schuhtvaarcil-Falirik Berlins � Grösjtcs Äg« i>tt beste» Zldlibmaare» ber Welt«-.d«-»-. � Behördlich swi- durch gerichtliche«nd außergerichtlich: sachderMudige aunranut billigste Bezugsquelle. E»ra«tie sür beste HMurldt iniiil GurlUtticscheiiie sstr»ste i»c!»e Tchiihivliare», für auswärtige Käufer genügt die enchsangeue Nechiuing. Von den» Anspruch ans Entschädigung bei unangeinessciicr Halt- barkeit uieiner Schrchwaareu bitte den ausgiebigsten Ge- brauch zu mache». Rcelamationcn werden nur im .Hauptgeschäft An der Tpandauer BriiiVe 8»o» 8— l'/a Mittags erledigt. LM Bei ctivaigcr Unzufriedenheit ist weiter kein Wort zu verlieren«öthig. sondern nur Vorlegung der Einsendung des Reclaniatiousschcines.— Jede Rcclaination ist nur will- kommen und wird über Erwarten des Käufers zur größten Zu- friedenheit erledigt.— Die mit einem � bezeichneten Artikel sind theils mit Factiszuthaten i»» der Einlage hergestellt, da sie.sonst ihren Zweck— sehr leicht zu sein— nickt erfüllen. Die Anschauung, daß eine Spaneinlage bei Arbeiterschuhwaaren zwischen Sohle und Brandsohle eine minderwerthige sei, ist eine irrige.— Die Spaneinlage ist um mehr als das Dreifache thcurer als das Lcder, welches man hierfür zu verwenden pflegt.— Spaneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in sanitärer Hinsicht niehr zu empfehlen als Leder. Versastldvedingnttgen: Gegen Nachnahme oder Porto trägt der Besteller. des Betrages,! Bon 15 Mk. an versende franco auf vorherige Einsendung ■U meine Kosten, wenn Käufer sich auf diese Zeitung bezieht.— Nichtconvenirendes bitte nur im Originalzustand zurückzusenden, und empfängt der Besteller alödann sofort sein Geld znrück.— DaS Maß bitte durch Versenken eines genau paffenden Stabes in den getragenen Stiefel festzustellen und in Ccntimctern anzugeben, und ob Spann hoch oder niedrig. Kür Tchnhwaaren mit Gummisohlen, obgleich zu den besten] Fabrikaten gehörend, übernehme keine Garantie. Damen-Fttßbekleidtttta. Blelinn»I>«B>t«lkel* in reicher Farbeiiwahl.»>it gestreiftem Futtter. rothein Hackenstück und Filzsoble, allerliebste Ausführung....35 Pf. Obprlllzpni.tolTcl ni. Filz u. Ledersohle 70 Pf. VUlscblMuitoffcI mit durchgenähter Lederkohle». Absapsteck. in verschiedenen Farben.. 00 Pf. PoniBK-rMPk« FlUaclipantoffel mit brauner ■ starker Filzsohle.... Mk. l—. D.rseth* mit Iveibcr Sohle... Ms. 1,50. Filz. u. 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Bnffniauu, Veteranenstr. 14. Berantwortsicher Redaftenr: Angnst Aarobest in Berlin. Für den Fiiseratentbeil nerantn'artljck,: ikb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 8t. 249, 14. 3. Jtiliwf im„Nmilrls" Kklimr MMM.-MI» n.«wtt m. Gemevbrgrrichke ciIjss Einig un gsäinkov. J" dem Geivevbegerichts- Gesetz vom Lg. Juli ISSo ist die Möglichkeit vorgesehen, bei gewerbliche» Streiligkeiten die Gewerbe- gericht« alS Eiiiignngskimicr airrnfen zu können. Da derartige durch LieichSgesetz organisirte Einignngsämler für Deutschland etwas absolut SlencS waren— während nainenllich England ähnliche Einrichtungen seit langem besitzt— so bliebe» diese Bestii». inungen über die Einigungsäuiler in den ersten Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes so ziemlich unbekannt, und erst seit dem Jahre IS94 sind in Dentschland Einigungsäinter der Gewerbcgerichte in stärkerem Masse angerufen ivordc». Seitdem ist die Benuynng ständig gewachsen, wenn auch bis jetzt noch keine allzugroßen Resultate erzielt ivorden sind. Für das Jahr 18S6 liegt eine i-tatislik über die Einigungsäinter der Ge- iverbegerichte vor, ans der wir die Hauptzahlcn iviedcrgeben wollen, Jnsgesainmt bestände» 234 Gewerbegerichtc; die Thätigkeit als EinigliugSaint stellte sich folgendermaßen: Ersolgls erzielte abgegebene Anrnfungen Vereiubarlingcn' Schiedssprüche Preußen.... 24 12 9 Sachsen.... 2 1— Württemberg.. 3— 1 Baden..... ö 1 2 Hessen..... 2 1 1 Sachsen-Weimar.1 1— Sachs-Kobg,-Gotha 11— Hamburg.... 1—— Lübeck..... 1— 1 Bremen,.., 2 1— 4 6 1 11. 42 IS 14 Wenn man die Zahl der erfolgten Anrufungen mit der Zahl der überhaupt vorgekommenen Streiks zusaunneuhält, so zeigt sich, daß die Einigstngsämler biZ jetzt nur in äußerst seltenen Fällen an- gerufen iverde». Nach der Berechnung der Geueralkouinnssion der Gewerkschaften Detilschsands fanden im Jahre 1836 in Denlschkanb 433 Streiks statt, Anrufungen der Einiglingsämter sind 42 erfolgt: auf je It) Streiks enlsicl also noch nicht eilte Anrufung. Und von den 42 Anrusuiigcn führten nur 13 vor dem Amt zu einer Einigung, In 14 Fällen wnrden Schiedssprüche gefällt. Der Geschäftsgang der Einigungsäinter ist bekanntlich gesetzlich so geregelt, daß das Amt de» Streitfall erst aufzuklären und dem- nächst EinignngSvcrsiiche zu macheu hat. Mißlingen diese, daun ist ox officio ein„Schiedsspruch" zu fälle». I» dsn Motiven zum Gewerbegerichts- Gesetz hieß es zu diesem Punkte: „Das iiiorallfche Gewicht, weiches einem solche» Echicds- s milch beiwohnt, wird um so größer sem, je sorgfälliger und objektiver das Eiuigungsamt bei der FeflueUuug der Thatsachen und bei den Eiuigungsverhandllmgtu vorgegangen ist; und die Hoffinnig ist nicht ansgeschlossen, daß— namentlich ine»» die neu« EinnchUing erst länger in Wirksamkeit gewesen ist— in nicht seltenen Fällen beide Theile sich schließlich dem SchiedS- spruche unlerwerfen werden." Dies« Voraussicht hat sich nun vorlänsig nur in äußerst schwachem Maße bestätigt. Bon den 14 abgegebenen Schiedssprüchen tvurde» abgelehnt von de» Unternehmern.. von den Arbeitern.,, von beiden Parteien.., zusammen also ES bleiben mithin nur drei Fälle übrig, in denen sich beide Parteien de» Schiedssprüchen der Einignngsämter unterworfen haben. Dazu kommen aiim.noch 23, Fälle anßeranitlicher Vermiltelnngs- thätigkeit der Vorsitzenden, von denen vier erfolgreich waren. SUUZ in allem wurden alio Erfolge erzielt durch Aereinbarnnge»...... 19 durch Unterwerfungen...... 8 durch außerauttliche Thätigkeit... 4 zusammen.. 25 Auf 488 Streiks 25 einignngsmnllichc Beilegungen, das ist kein sehr glänzendes Resultat,— womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß die Bemühungen, die zur Erledigung von 25 Streiks geführt habe», zwecklos gewesen wären. Was speziell die einigungsamlliche Thätigkeit de? Berliner Gewerbegerichts betrifft, so erfolgten hier im Jahre 1896 zusammen 11 Anrufungen, von denen 6 zu Vergleichen und 5 zu Schiedssprüche» führten. Die Schiedssprüche blieben jedoch sämmilich ohne den ge- tvünschlc» Erfolg, indem die Unterwerfung viermal von den Arbeitern und einmal von de» Unternehmer» abgelehnt wurde. Daß hier in Berlin wie auch im ganzen Reich die SchiedS- sprüche hänsiger durch Slrdeilcr als durch Unteniebmer abgelehnt worden sind, kann einigermaße» verwundern. Die Geneigtheit der Arbeiter zu Berhandlungen und zur Einigung, wen» c8 sich irgend mit der Ehre verträgt, ist über jeden Ziveisel erhaben. Im letzten Berwattnngs. Bericht des Berliner Gewerbegerichts heißt es z, B,:„Dazu kam noch, daß. während die Arbeiter in allen Fällen sofort geneigt ivaren, einer Anfforderitng des EinigungsamteS zu Verhandlungen Folge zu leisten, bei de» Arbeitgeber» lheilweife Mißtrauen gegen das Gewerbe- gericht, sowie Unkenntniß der Aufgabe» des Einigungsainlcs sich zeigte."— Wenn trotzdem die ineiste» Ablehnilngen der Schieds-, spräche nachher von den Arbeiter» ausgingen, dann kann man sich das nur so erkläre», daß die Schiedssprüche für die Arbeiter eben unannehmbar wäre», daß mit Hilfe der enlscheidenden Etimme des Vorsitzenden SchtcdSsprnche zu stände gekommen waren, die den Unternehmern absolut Recht und den Arbeitern absolut Unrecht gaben. Daß in den Geiverbegcrichien unter Umständen Elimimiiig vorhanden ist.denUnlernehmersorderniigen allzmveit nachzugeben, haben wir ja kürzlich bei den Einigungsverhaiidlungeu in Sachen veS Ber» liner Formerstreiks gesehen, Aber auch noch ein anderer Umstand kann zur Erklärung der sonderbaren Erscheinung beiliagen. Es ist eine noch nnentschicdene Frage, ob die Einigitiigsvorschläge und die eventnellen Schiedssprüche eine der Gerechligkeil und Billigkeit enlsprechende Regelung anstreben solle», oder ob sie sich darauf zu beschränke» haben, mit genauer Berücksichtigung der aus Seileu der Parteien vorhaudeuen Macht- Verhältnisse gewissermaßen auszurechue», zu welchem Ende der Streik, wenn man ihn ruhig anskobe» ließe, führen muß. Es scheinl sich nun.als Regel herauszubildeu. daß das auf diesem Wege zu stände gekomme»,: Resultat den wesentlichen Jubalt der Schieds- spräche bildet. So heißt es in dem erwähnte» Berliner Berwallungs- bericht: „Für die Frage, wa? beim Bergleichsvorschlag, beim Schieds- � svruch als Richtschnur dienen soll, ist eS noch kann» möglich. Grundsätze aufzustellen, Aber allgemein bezeichnet ist die Auf- gäbe: sofortige Hirflelluiig des Znstandes, der andernfalls eist nach lange» Kämpfen mit schweren beiderseitigen Opfer» erreicht worden ,väre," Daß bei solcher Methode die Schiedssprüche häufig zu Ungunsten der Arbeiter anssalien müssen, ist klar. Klar ist aber auch, daß sie dann nicht ilmner den gewünschte» Eisoig haben iverden. Uns scheint, daß die Einignngsämter bei ihren Bemühungen doch auch das Prinzip der Gerechtigkeit und Billigkeit nicht allzuweit anZ dem Auge verliere» solllcii, Verssmmlungen. Der Zweigbcrein Berlin des Verbandes deutscher Barbier-, Friseur-«nd Perriickenmachcr-Grhilfe» hielt am 14. d. M. seine Sitzung ab.(Bereits in einen, Theile der gestrigen 'Auflage erschienen. Red.) Der Kassenbericht wurde vom Kasfirer gegebe», von den Revisoren bestätigt und dem Kassirer von der Versammlung Decharge erlhcikt. Dem folgten die Verhandlungen über„Arbeitsnachweis". Es wurde beschlossen: Der Zweigverei» wählt einen eigene» Kandidaten nicht; unter der Bedingung, daß der von der„Freien Bereinigung selbständiger Barbiere zc." aufgestellte Kandidat, Schrolle, beibehalten ivird.—,Slni Schluß wurde» die Mitglieder seitens der Zcilungskominission aufgefordert, unter den»ichlorganisirten Kollegen, nachdem dieselben Nr. 1 des„Friseur- Gehilfen" zugeschickt erhielte», für die weiteste Verbreitung dieser Zeitung zu sorge». Nächste Versammlnug. den 23. d. M-, abeudS 10'/- Uhr, bei Schiller, Rosenihalerstr. 57. Eine Gcnovalvcrsammlinig der Kupferschmiede tagt« am 16. d. Ätls. bei Feind, viach erfolgtem Kassenbericht und Decharge- ertbeilung wurden Statulenäilderuiiaen zur nächstjährigen General- Versammlung berathen. Die Kommission empfiehlt, die UnlerslützuiigS- sähe für OriS- und Rcise-Nnlerstütznng auf gleiche Höhe zu bringen, und zivnr sollen 4 Pf. pro Kilometer Jieise-Unterstntzung(gegen- ivärlig 2 Pf) ausbezahlt iverden; höchstens jedoch 25 Kilometer pro Tag, Ferner sollen iin Streiksalle den Ausstäudigen 60 pCt. des Btiiiimallohnes als Nntersintzung ausgesetzt iverden. Sodann soll die Slerbekasse obligatorisch eingcsührl werden. Nach Annahme sämnitlicher Anträge wurde über die-Unterstützung der englischen Maschinenbauer verhandelt und wurde der Zeulratvorstand ermächtigt, 1000 M. nach London zu sende», während die Berliner Kollegen pro Woche 25 Pf. steliern»volle». Tic Filiale llBcrlindcS ZciitralverbandcS dcntschrrManm hielt an» Sonnlng, den 17, d, M,, vier Mitgliederversni»»»tm»ge» ab mit der einheitlichen Tagesordnung:„Die Bedeutung von Minimalloh», Maximal-Arbeitszeil»nid die Schädlichkeit der Akkord- arbeit." Iin KönigShof" referirte der Kollege S i l b e r s ch in i d l vor einer gut besuchten Versammlung. In betreff des Minimal- lohncs sührie Redner ans, daß unsere Unlerliehmer allerorts die größte» Gegner der Forderung des Minimallohnes seien, Sie ivollen den Normallohn, weil sie trotz Beivillignng eines solchen, der Mehrzahl der Kollege» den Lohn ans das denkbar niedrigst« Niveau herabdrücken können. Die Arbeiter verlangen jedoch Minimal- lohn. ES soll der Mindestlohn festgesetzt resp. erhöht»verde» darunter soll niemand entlohnt werden. Es soll damit erreicht iverden, daß sieh die Lebenslage der Arbeiter im ganzen hebt. Der besser enllohnie Arbeiter hat ei» Interesse daran, auch den Lohn des ininderiverlhigen Arbeiters z» hebe». Sein eigener ErhallungS- trieb gebietet ihm dieses. Eine Forderung an Staat und Komm»»« soll es sein, bei Vergebung der Arbeit in Sirbinission den Minimal- lohn den Arbeitern zu garantiren. Hauptsächlich seien wir deshalb zcniralisirr, um de» Lohn in ganze» große» Gebieten z» hebe», de» Mindestlohn in die Höhe zu lieibcn, erst dann sind»vir im stände, eine ieste und iininer steigende Grenze für die Enilohiinng der Arbeiter nach unten zu erringen und somit unsere wirthschastliche- Lage verbessern zu können. Die zrveite Forderung, Verkürzung und Festsetzung der Maximalarbeitszeit sei dringend nothwendig, da in dir Folge der wachsenden Großproduktion und die sie begleitende Ver- besserung der technischen Hilsslräfle, die llieservearmee immer größer wird. Der Arbeiter soll nicht»ach Wrllkiir ausgebeutet»verde». Es muß deshalb das Maß einer gewissen Anzahl der ArbillSstiiiide» sestgelcgt»verde»», welches»inr in» Nolhfall beschriUc» wird, weiter verlangen wir»och, daß der Arbeiter mehr Zeil zur Bildung und Pflege der Gesundheit erhalten soll. nlS eS bisher der Fall war, Di« Uiifallgesahr wird durch die Verlürzung der Arbeitszeit bederrlend verringert. Ein Mißstand unser«? Berufes ist die Akkordarbeit, die- selbe hemmt und durchbricht die SoUdarilät. ist ein Fingerzeig für die Nnternehmer, die Arbeitsleislniig der Kollegen zu erhöhe», erzieht die Kollegen zur Pfuscharbeit, vergrößert die Arbeilslofigleit und verhindert unS. die Nonjnnklure» zur Erringnng besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen auszunutzen. Au der TiS- kiissio» belhciligteii sich B a g a n z und H a n i s ch im Sinne des Reserente»». I»» Gewerkschaftlichen wurde daraus aufinerksam gcmachl, daß etwaige Beschwerden i» betreff der Ver- breilnng des„Grundstein" an E. Lehmann und A. Masse iv zu richten sind. I m Lokal S t r 0 m st r, 23 referirte F r i tz s ch vor ebenfalls gilt besuchter Versammlung, In der Disknssto» sprachen Raab« und Schulz. Letzterer bespiach die Schädlichket de« Zahlmarlen- SlistcniS und forderte die Kollegen auf, diesem Nebel ans den Bmiten zu slenerir. Ein Antrag, dem in der Heilanstalt de- findlichen MUglicde Haß 30 2)1. zu bewilligen, wurde dem Vorstand überwiesen. Die Versainmlnng im„Weddingpark" war»mr mäßig besucht und referirte hier der Genosse T i»1 m. W 0 r m und Hanke bcivegleir sich in der Diskussion in den TluSsührnngen de» Referenten. M n et forderte die Kollegen auf, die Arbeiterliteralnr mehr zn lese» und sich den bestehende» Arbeitervereinen mehr an- zuschließe». Im Lokal„ V r ll d e r'. W a ld e n» a r str. 75, sprach F a b e r über dasselbe Thema. Tie Aersnnnnlung»var gut besucht. Sin der Diskussion belhei'.tgten sich Gröppler, Hoff mann»>nd L e.on Hardt. Es wurde zu größerer'Agitation für de» Zentral- verband deutscher Maurer ansgefordert, erst wenn wir stramm organisirt seien, sei eS möglich, da» Errmigen» für die Dauer fest- zuHallen Der Verband der(Lravc>»re, Zisclenro ,e.» Filiale Berlin, hielt am lS. d, Mls. ihre vierleljährlich« Gcneral- versaminlung ab. AuS der Ersatzwahl zum zweite» Schriftführer ging Si i ch» 0 iv hervor. AlSdanu erstattete der Vorsitzende den Rechenschaftsbericht, wonach in der Zeit vom 1. Juli bis 30. Sept fünf Versainmlungen stattgefnnden habe»,»vährcnd drei Vertrauens- mänuer- Sitzungen sich mit Werkstattaugelegenheiten zu beschäftigen hatten. Di« Mitgliederzahl der hiesige» Zahlstelle ist ,iuf 317 ge« stiegen. Der vom Kassirer erstattete Berich» ergab eine Gesanunt« einnähme von 1077, Sl M,, dem gegenüber eine ÄluSgabe von 829,71 M sieht, nillhl» zitin künftigen Vierteljahr ein Bestand von 248,20 M. verbleibt. Auf Slntrag der Revisoren ivird der Kassirer entlastet. Die Bibliothek»vurde 53 Mal in Anspruch genommen. Die Einnahme» der Bibliothek betrugen 21,95 M,, die Ausgaben 12,20 M. Der Vorstand»vurde ersucht, die Bibliotbci durch Neu- anschassnng von Werken zu«riveiler». Zur besseren Versendung der Fnchzeitiing wurden dieVertrauenSleute aufgefordert, von jeder Aende- rnng in» Arbeilsverhällniß dein Expedtcnlen der Fnchzeitung, soivie dein Obmann umgehend Miilheilung zu machen.— Die seilens des Vor» standeS gestellten Anträge zur Ergänzung der Geschäftsordnung er- hielte», die Zustiuiuiuug ber Versammlung. Unter Verschiedenem ivurde» die Schwarzdruck-Graveure aus die neuge�ründet» Firma Hammer u, Bohenl, Louisenufer 8. ausinerksam gemacht, die sich durch niedrige Bezahlnng anszeichnet. Di« in Holzbearbeitniigs-Fabrike» und auf Holzpliitzcu beschäftigten Arbeiter hielten am 19. d. M. ihre regelmäßige Milgliederversaimnlung ab. Zum 1. Punkt der Tagesordnung ver- la« der Kassirer den Kassenbericht von» ö, Quartal soivie die 21b- vechninig vom Stifliingsfest, Darauf theilte der Voisitzende ans«inen» Schreiben des Hauptvorslandes mit, daß sich in Farge bei Vegesack eine Filiale unseres Verbandes gegründet hat,»uns i»il Beifall anf- genonimen»vurde. Zum Ersatz eines ArbeitSnachiveiS-MiigtiedeS »vurde B ü t 0>v gnvählt. Der Arbeitsnachweis der Filiale II be- findet sich Ewinemünderstr. 96 bei Bachgänger. Zahlstellei ebendaselbst. Zahlstelle II Mullerstr, 7a bei G l e i ,1 e r t; die Beiträge »verde» jeden Sonnabend von 8—10 Uhr entgegen genommen. Die Freie Bcreinianug selbständiger Barbiere, Friseure tc. hielt am 19, Oktober d, I. ihre Generalversammlung in» Englischen Garten, Sllexaiiderstraße 27o, ab. Es wurde beschlossen, den ArbeitsnachiveiS mit den Gehilfen zusammen i» dem Restaurant von Schiller(früher Babiel), Rosenthalerstraße 57, zu errichten. Derselbe findet an Sonnabenden von vormittag? 8—10 Uhr, an allen anderen Wochenlage» von 3—5 Uhr nachmittags stall. 'Als Arbeilsnachiveis- Vorsteher»vurde Schrolle gewählt. Einen Stellvertreter iverden die Gehilfen ans ihrer Organisation ecueilne». De» Vereinskassenberichl erstattete Kuschke, den Krankenkassen- lind Slerbekassenbericht gab Kappe. Beiden Kassirer» ivurde Decharge ertheilt. Weiler wurde beschlossen, die Fachschule an» 1, November er, z» eröffnen. Der Unterricht wird von Ä 0 r g e s, Kolbergerstr. 12, und R i e s e b e ck. Petersburgerstr. 91 erlheilt. Die Gewerbe-Depiilalion des hiesigen Magistrats hatte einen Fragebogen mit den» Ersuchen gesaiidt, denselben auszufüllen. W e i s f l u k, Kuschke und Kappe»vurdei» beauftragt, der Gewerbe-Deputation de» Fragebogen ausgesnllt zuzusenden, um derselben ein Bild der traurige» Geschäflsverhältnisse zu gebe», Anfgeno»»»«» wurde Paul Schulz, Schöneberg; ausgeschlossen Böhl», Danzigerstraße, und Hanke, Schöneberg. Schilneberg. I» der Versammlung des Arbeiter- Bildungsvereins, welche am Montag, den 18. d. M. bei E, Obst, Grüne, valdftr. 110, statifand, hielt Dr, Borchert einen äußerst interessanten und lehrreichen Vortrag über:„Die Ent- Wickelung der Fernrohre", welchen er durch verschiedene Zeichnungen näher erläuterte. Die nächst« Versaminlung findet»vege» der Stadl- verordnelenwahlen erst am 22. November statt. Pankow. Nin Dienstag, den 19. Oktober, fand hier eine ösfent« liche sozialdemokralische Versammlung stalt,»velche den Bericht über de» Hamburger Parteitag enigegeiiiiahi» und die nöthige» Wahlen zur Ergänzung und Erneuerung der Organisation vornahm.— Krause erstattete de» Bericht über den Parteitag. F r e i>v a l d berichtet über seine Thätigkeit als Veriranensperson, wobei er hervorhebt, daß eine Anzahl hiesiger'Arbeiter sich jetzt,»achden» st« sich»unnöglich gemacht, darin gefallen, ourch die verwerflichsten Mittel, Verleumdungen u. f. w. ihm und der politische» Organisalio» Hindernisse zu be- reiten. Er fordert alle diejenigen, welche als Parlelgenossen betrachtet z» iverden verlangen, ans, ihre Pflicht zu thu», indem sie der politi- scbe» Organisation beiirete»»nid unsere Presse unterstützen. Die Einnahmen des verflosseiici» Jahres beliefen sich auf 290,41 M,, die Ausgaben aus 233,86 M., so daß am 1. Oktober 1897 ein Bestand von 56,53 M. bleibt. Dem Vertrauens- ninnn ivird ans Älnlrag des Revisors Schocke! die Entlnstung eilheilt.— Zum Vertrauensmann für das nächste Jahr wurde F r e i w a l d einslinimig»viedergeivählt. Zn Revisoren wurde» gewühlt Schocket, Pröbrock und E h l e r t. Nach einen» Berich» der L 0 k a l k 0 11» n» i s s i 0 n(Berichlerstattcr Krause) ivurde» in dieselbe gewählt Geppert und E h l e r t- Pankow und E 11 t e r l i 11 g- Slieder- Schönhausen. Da eS inzwischen 11 Uhr 1 Polizeistunde) geworden war, schloß die Versammlung, ohne in eine Besprechung des Berichts von» Parteitag eingehen zu können. I» der Wrnerafpersammlnng dcS Arbeitcr-BildnugS- vcrcinö von Jvliaunlsthal, Nieder-Bchöiieiveidc las St eicher einen Vortrag Lnssalle's„lieber Versassnngsivesk»»", gehalten im Jahre 1863, vor. Dem Bericht des Vorstandes ist folgendes zu entnehmen: Es fanden im Quartal 13 Versammluiigen statt. In 6 Versainmlnngen wnrden Vorträge gehalten, in de» übrigen wurde vorgelesen. Der Verein zäblt am Schluß des Quartals 44 Mitglieder, Der Kassirer hatte eine Einnahme von 129,50 M. und eine Aus- gab« von 65,95 M. Gewählt wurde» für das nächst« Quartal: als Vorsitzender A. Bau 1» n»», als Kassirer S ch ö» i ck e, als Schrift- iiihrer H ü n 0 l d, als Bibliothekar M ü l l e r. Zu Revisoren»vurde» Weber, I 0 h» und Krüger gewählt.' kete»»i»d TI«l!nt>>I>I>ii>«. Polnischer Dlstllitrtlub JaroSlaw D 0 in d r 0 w» s>, I» Lt irb o rf Nigi jeden Eonnlaa nach dem iti. de« Ptonat« iiachniirlag« ö Uhr de» Prebler, Ztelhennroße es. Montag! Morgen räitre, abend?» Uhr. de» Trittelwttz, Fallensleinsirabe 7.— Soztaldeinotraitscher Lese- und DiSkultrllub für den Siadtvizirt 17«: Aersaiiinilung jeden», und i Montaa»III Monat, abendet 8 Uhr, bei vrichniann',■ffliibenertivoge 12». Leopold I a l 0 b y, MarttiSNr. 1« bei Zippt« liitngang tSrüner Weg) jeden Montaa nach dem». und ii>, im Monat.—?1 0 rdla 11 1 e, Wtejensir.-7 bei Bolz.— Reimer,.Sericht- flraße ,9 bit Seidel. Z,l>,it,r-Kii»a»»-d«»>l> Krrtln«»»d der zlingeaend, l. vorslhender Ild, Neu manu, Brunnenstiabe ibo.«lte Aeiiderungn» tm Veretn«kalender find zn richten an ftuedrich tio.lum, Mantensselstr. 60, v, 9 Tr. Montaa. ntei d5 s—n,»lebnnasiinnde und Zlujnahme neuer Mitglieder.— D or f- (llättleln, Peintch-W!l>ner?dors, Berltnersir,«o Kttngenbera'« Voltsgaelen.— giitnnft Elegli«, Äljorustr. 10.— B 0 r w ä r l s IX. Tharlouenburg, BINmerSdorserstr. 89,„Biemarclhöhe".— Harmonie Weinflr,»>, Meiiaurai» steind.— Tonbliilhe. Oppelneriir,»9 de» Hgudler.— Süd- Ob, Iluvrubrabe 98 bei W, Eibl,— L> e d e«sr e ih ei r II, Strausiderg, Wllbelmliraße be! Ptagnu«,- streua»1(gem, sChor),»Irbaiistr. u» de» Wime.— Apollo, Eharlottendurg, Krummestraße 83 de» Mittler.-- Soltdarttät, Schnhenbr, 2». Mielhte'« Rellauraiit.— WaloeSlust, SörltherslraSe«i der Zugmanlei.— Felsen dnrg. Btumenstrabe 88 bei Schee, de,— Mirdorjer L ledert vanz, NIrdorf, Prinz HandjeriM. SS/S» bei Maresch.— Ei n Ig teil III, Netntelendorf. Etchbornstr, 89 bei Metnhardt.— Sud- Web, Stmeonfir, iZ d, Fllct.-- verltne r Damenchor Harmonl«, Mojenihalerbrate s. bei Schiller.— Rull», Friedenau, Handjerystraße«9 t« Hohenzollern. Trept ow tu Treptow, Baunijchnlenweg 82 bei Lange. Arbeiter-Pnuchcrbund Merlin» und der zlingeaend. Stenderungen Im vereinslalender sind zu richten an Hermann Braunjchivelg, Dresdenerstr. 80. 2,HoI.— ttloutag, adeirc? von 9—>1 Uhr: iilub-Abend und Aujnahme neuer Mtlglieder. - Mepttaner, Elbingerstr,»s bei DameS.— Vritderlichleit, Pücllerstr.«9 bei Schuhmacher, Abguß II, Weberstr. 10 bei Schutze,— Freniidschast» V 0 1 in a r l«. Shorinerstr.»« de» Ovo Lehmann.— Dornröschen, Fenn» grab« s bei»Inger. tiniib der get«UI«en Arbelterverein, Sertill»»lud der klmaegeud. Poribiender P. L! e n I. Dreidenerbr, 107c». Aenderungen den vereinSIalender beliebend Nnd«a richten an H. Bendlr, Alerandrtnenllraße tv«. Konutag. Foniilieiiverein Heltlont», Frantjurlerslr. 7» bei Scholz. «retana-, Tur»-«»d cieseltta» perein«. Konntaa: Prtvat-Theatervereln CreSeendo, nachmtitag«» Uhr, Ltntenflr, 78. Sesetiige Zusainmenlunst,— DrauuUilcher ittub Lt-deSglrtch, nachm. 8 Uhr, Sremmenerstr. r.— Ber- gniigungSverei» Jngweld«, nachmtitag« 8 Uhr, Duncterbr.»0 bei Schulz.— Theaiervercin Borwärl«, nachm.« Uhr. Gr, Frantsurlerstr.«2 bei Jona».— Prtvallhealerderein Schiller, nachmtitag» 8 Uhr, Wrldenowbr. 0 bei Sarbriel.— lttoutag- B e r l t n e r D am e n ch 0 r tm Holet„Zenlralhalle",»ln der Stadt- bahn eo. I Tr,. Etf« der Rochbrahe.— VergnugungSveretn B a va rta, Duiuler» straße»0 bei Schulz.— Mauchlliid Portortlo, Brilomjtr. t8. Ardelter-Turnerbund. Konntag! Turnveretn Ficht«, Lichtenberg. Jeden Sonntag von 9 Uhr an voltSihiimltche« Turnen, Wetfienseeer Weg det Asche. Montag! 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Ot- »ober, abends elf Uhr, in Sohn« Festsale», Bealhstr. 80: Vortrag de« Herrn Dr. Frtedeberg über: Anatomie und Physiologie det menschltche»»örper». perel» deutscher Kchnlimachrr, Montag, den 2°. Oktober, abend» 8»ihr, Nombintrie Versammlung tm Englischen Garten, Alerand, rstr. 270.(Siehe Inserat.) Skeatervereln ,.Uata-®»to" Heute Abend s»ihr tm Restaurant Jona«, Gr Franksurtersir.«2: Sthung. Nachdem gesellige« Betfainmenfein. ;rlla»m«ln« Familteu-Kterlieirass». Heut Zahltag!«Sersir. Ii« bei DIcti und Oranienftr. 28» be» Bulow, Zeutrat-Aranken-„»d Kterdokass« der Kchuhmacher und verwaiidten Beruligenofsett Deuischland«,(E. H. ei Hamburg) Oertitche«erwaltiingSstelle Berlin. Montag, den 2«, Oktober 1897, adens« 8ll Uhr. im Lokal« von«big»».«0.,. Alte Jatobftr. SS, Mttglteder-Lersauimluiig. Herren- und Knaben- Garderobe LiMmsrtg eingetragen unter dieser Schntzmarke Zeichenrolle Ko. S3887 des Kaiserlichen Patentamtes. 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Verantwortlicher Nedakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnseralenthcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hr. 249. 14. ZchrgW.|t Zoililag, 24. Nklodtt 1897. Soziale Mechlspflcge. Unregelmäßige Soh»zal,l«»g berechtigt zum sofortige» Verlasse» der Arbeit. Die Näherin B. verlangte vom Schneider- weister Dahn» 3(1 M. riickständigen Lohn. Vor der Kannner I des Geiverbegerichts»nachte der Beklagte gegen die Forderung geltend, Klägerin habe, ohne vorher zu kündigen, ihre Stellung ausgegeben und er sei deshalb berechtigt, sich an dein Gelde schadlos zu halte». Zum ziveilen Terpii» erschieir er»seht. Der Gerichtshof glaubte darum der Klägerin ihre Behauplttug, daß sie den verdienten Loh» zuleht iunner sehr �nrregelinäßig erhallen habe, und verurllieilte den Echueidermrister zur Herausgabe der ganzen Summe. Erfolge die Entlohnung nicht in' d'er'ansb'edimgeiien Weise, das heißt nicht an» ausdrürklich ausbedungenen oder stillschivcigend anerkannte» Löhnungstage. dann berechtige das' den Arbeiter zun» Verlassen der Arbeil vor dein Ablauf der vertragsmäßigen Zeit. Ei» Maler(Tpczialist) halte es übernommen, einen Hans- siur zu malen. Vor dem Beginn der eigentlichen Arbelt betrachtete er»nit seinen» Arbeitgeber mehrere Flure,»in» sich über den Siil einig zu»verde». Für de» darauf verivandle» Tag lehnte der Meister jede Bezahlung ab. Das(Seiverbegericht, Kammer III, vernrthetlle ihn jedoch, auch für diese Zeit den Lohn zu zahlen, der für die Tagesarbeit eines Spezialisten angemessen ist. Die fragliche Vor- arbeil sei der eigentlichen Arbeit gleich zn achten. Grobe Velcidignng deS Stellvertreters des Arbeitgebers ist nach der Geiverbe-Ordnung ein Grund zur sosortigen Enllassung. Hierauf berief sich ein Fabrikant gegenüber der Lobnentsckädigungs- klage einer Kleberin. Sie soll seinem Vertreter, dem Zuschneider P., durch die Worte, sie lasse sich nicht von all und jeden» Lumpen elivas sagen, grob beleidigt haben. Nu» stellte die Kaininer II des Geiverbe- g e r i ch t s fest, daß der Zuschneider der Klägerin nicht als Stell- Vertreter vorgestelll»vorde» ist und daß vor jener Acnßerung der Klägerin mehrere Personen aus sie»vegen ihres Zuspäl- kon», nens eingeredet hatten. Beklagter»vurde vernrtheilt. der Dame eine Entschädigung für vierzehn Tage zu zahlen. Der Vorsitzende Dr. Gerlh führte zur Begründung aus, der Zuschneider könne nicht nIS Vertreter des Beklagten angesehen»verde», da er a l s solcher der Klägerin nicht v o r g e st e l l t»vorde» sei. Im übrige» sei hier.>vo sich an den» Streit mehrere Personen betheiligt hätte» und eine bestimmte Person nicht genannt»vorde» sei, gar nicht zu er- kennen, ob gerade Zuschneider P. gemeint»var. Entlassung tvcgcu Vcrwrigming einer Iluterschrift. Der Arbeiter L.»vurde nach scchstägiger Beschäftigung vom Fabrikanten Krampe aufgefordert, sich durch seine Unterschrist'mit dem'Afisschlnß der Kündigung einverstanden zn erklären. Er lehnte das ab,»vorauf er entlassen»vnrde. Seiner Klage auf eine Entschädsgisng wegen nnbcrechtigter Enllassnng gab die Kammer IV des Geiverbegerichts statt. Das Arbeitsvcrhältniß sei schon perfekt ge,vesen, als Beklagter »nit seinen» Verlangen an den Kläger herantrat. Tie Weigerung des Klägers begründe deshalb nicht seine sofortige Enllassung.'- TaS Reichs VcrsichrriingSamt gegen Doktor VlasinS. Die Baugeiverks-Benissgenosseiischasl setzte die Unfallreiite des Ziibnterdr? Neuinanu nm 15»Ct. herab, indem sie sich ans ein Gutachten des bekannte» Dr. Blasius stützte,»vonach eine»vesenlliche Besserung im Befinden der verletzten Finger Neumaun's eingetreten sei. Ncninann legte Berufung ein und hatte damit Erfolg. Das Schiedsgericht be- sichtigle seine Finger»ind kam z» der Meinung, es liege krine»vesenlliche Besserung vor. die den ungünstigen Bescheid der Bernfsgenossenschasl rechtfertigen könnte. Die Bernfsgenossenschaft»vandte sich nunmehr an das Nkichö'Versichmlngsamr»nd verlangte die Wiederherstellung ihres vom Schiedsgericht nitfgehobencn Bescheides. Sie beries sich besonders auf das Gutachten des Dr. Blasius. Das Reichsversichernngsnint »vies aber ihren Nelurs zurück. Die Annahme des Schiedsgerichts stehe alleidings im Widerspruch»nit den» Gutachten des Dr. Blasius. Daraus folge jedoch noch nicht die Unrichtigkeit der schiedsgericht- lichen Feststellungen. Diese seiet» vielmehr zutreffend. Dr. Blasius behaitple zivar die vollständige Schlnßsähigkeit des Mittel- und Ningflngers; indessen sei aus der Feststellung desselben Dr. Blasins, »vonach Mittel- und Ringsinger in» zweiten Gliede steif»väre», zu folger», daß die Schlußsähigkeit der Finger thalfächlich nicht voll- ständig sein könne. Auch habe das Schiedsgericht bei der Besicht!- gnng der Hand gesunden, daß die Spitze des Zeigefingers noch nicht mit fester Halit bedeckt sei. Somit sei«ine»vcsentliche Besserung nicht anzniiehmen. Entlassuustcu können wieder zuriilkgeiionluiru melden. Immer noch ist in weilen Arbeuerkreijen die Meinung verbreitet, daß eine ohne Beachtung der Kündigungsfrist und ohne gesetzlichen Grund ersojgte Enllassung auch dann ehien Enlschädignngsnnsprnch begründe, wen» sie alsbald zurückgenommen werde. Ans vielen Pro- zessen vor den» Gnverbcgericht geht dies hervor. Typisch für den Stand- punkt ter betr. Kläger ist der ncnlich vor der Kammer VI gefallene Aus- spruch: ,.Wk»n ich einiiial entlassen bin, brauche ich nicht»vieder anzufangen und kann ich die Entschädigung verlange». Diese Ansicht ist durchaus falsch. Das Gericht nimmt an, Entschädignngs- Forderungen»vürden nur begründet durch Zusügung eines Schadens, »voran der Geschädigte schuldlos sei. Es liege nun In der Macht eineS Arbeiters, der nach seiner Entlassung zum Weilerarbeilen a»fge?o»dert wurde, sich vor den» Schaden zu be- »vahren. Gehe er daranf nicht ein, dann konnne der Schaden a>lf seine Rech»ll>»Q. Der Ersatzanspruch an den Arbeitgeber sei unter solchen Umständen unberechtigt. Wichtig für Bauarbeiter. Di» Ziinmerer Sch. und K. hatten den Ziiumerineister Metze beim Ge Werbegericht verklagt und beantragt, ihn zu je 5.6(1 M. Entschädigung zu verurlheilen. Sie »nachten geltend, Metze habe sie noch Schöneberg bestellt und sie dann nicht beschäftigt. Beklagter wandle dagegen ein, die Kläger seien nicht pünktlich»>»» 7 Uhr zur Arbeit erschienen und hüllen deshalb sofort entlassen werden können. UebrigenS sei die Kündigung ausgeschlossen»vorde». Im Lauft der BcrHandlnng»vurde feslgestcllt, daß die Kläger am Sonnabend— Montag»vnrde» sie entlasse»— für de» Beklagten in Friedrichsberg gearbeitet hatten»ind sich abends ans der Holzmarktstraße in Berti» ihren Loh» holen»nnßten. Sie hatten nun das schivere Werkzeug nicht »nit nach Berlin gebracht, sonder» eS am Monlag früh 7 Uhr in FriedrichSberg abgeholt und»varen von dort damit gleich nach Schöneberg gefahren. Der Beklagte vertrat de» Standpllnkl, sie hüllen ai» Sonnabend das Werkzeug mUbringen und damit am Montag pnnkl 7 Uhr ans der Schöneberger Arbeitsstelle sein müssen. Die Kammer III verurt heilte den Betlagte», unter folgender Begründung:«Es lönne nicht vcrla>»gt»verde«, daß die Seiitc nm Sonnabend das schwere Geschirr erst nach der Holzn»a»klstrahe ,md bann nach Hanse mitschleppten. Ihr Berhallc» sei durchaus gerechlferligt. Und was de» Kündignng?- ansschliiß angehe, so gelle ein Arbeilsverhälliiiß nach Z 905 I II Allg. Landrecht in Z>»>ciselssällen für nicht länger alS eine». Tag geschlossen, also auch nicht ans lürzere Zeit. Da die Kläger z.lin Monlag bestellt»varen, müsse ihnen der Tag vergütet werden. A ARENHAUS I Geschäft: Berlin NW., Wilsnackerstrasse 23. Sortimentshaus I. Ranges. Wogen ganz bcilentcnilcr Tergrossevnng nnncrer CteacliäftsrUnme —— WilHiinokcrstrnsse 23■ nnd Hlnznnahme der Etagen haben wir die Preise unseres Waarcnlagers ganz bedeutend lierabgesetzt. S. BRAUN& Co. n. Geschäft: Cöpenick, Grünstrasse No. 29. neu eröffnet Sortiments-Geschäft Kurz-, Weiss-, Wollwaaren, Manufaktur-, Leinen- und Baumwollwaaren. JjpST' Sdiniutllche Artikel für Modistinnen nnd Sclmelderinneu, sowie siiinnitllche Ucdarfsurtikcl.-W>N 3401S* Billigste, aber feste Preise! Streng reelle Bedienung t Gegen Grkältulig. Gicht und Rhrumatioiiins. I.oli-Tnnnin-, Helsstroekenlnft- nnd Bampfkastenblidcr mit Verpacknug, Massage.[299UIi* Rittei*-Bad| Bad Frankfurt� 18 Rittcrstr. 18(Ecke Prinzenstr.) 136 Gr. 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Das„Gesetz wider den unlauteren Wettbewerb- hat in dieser Hinsicht wenig geändert, denn in allen Stadtgegenden, besonders aber im Süd, Osten, liest man nach wie vor derartige Anlündigiingen, die schon jahrelang vor sich gehen und so lange andauern, als— Pardon— die Dummen nicht alle werden. Leute, die auf derartige schwindelhafte An- preisuugeu hineinfallen, machen nach sehr kurzer Zeit die trübe Erfahrung, daff sie die anö verlegener und Nauifchwaare bestehenden Gegen- stände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Kaufpreis weit über ihren wirklichen Werth bezahlt haben. Wer sich daher vor Schade» bewahren will und auf wirklich reelle Bedienung Anspruch macht, meide solche Geschäfte und besorge seine Einkäufe nur bei soliden Firmen, denn die Preise sind angesichts deS heutigen, oft fast schmutzig zu nennenden Konknrrenzkampfes im eigenen Interesse aufs billigste gestellt. Gestützt auf den langjährigen guten Ruf meines Hauses,— eine Folge der gewissenhaften Bedienung meiner weitverbreiteten Kundschaft— darf auch ich getrost mein Geschäft zu den bcstrenommirtesten der Herren- und Knaben-Garderoben- . Branche am hiesigen Platze zählen. Die Besichtigung meines reichsortirten L agers in fertigen A n zügen, Paletots, M ä it t e l n tc. ist auch Nichtkänferu gern gestattet und besonders jetzt nach Eingang der Neuheiten für die W i n t e r s a i s o n sehr zu empfehlen. Einige der recht geschmackvollen tWuster sind in meinen 5 großen Schaufenstern ausgestellt. Die Preise sind streng fest, an jedem Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt und in anbetrachl der vorzüglichen Qualität der Stoffe und besseren Ausführung billiger als wie sie die sogenannten Reklamegeschäste zu bieten im stände sind. 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