Ur. 350. Avonnements■ Dedwgungrn: vbonnementZ- Preis pränumerando: vterteljäbrl. SM Ml., monall. 1,10 Ml., wöchenlltch LS Plg. frei in« Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1397 unter»r. 7 497. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonelzetie oder deren Raum so Psg., für Vereins- und VersammlungS-Anzetgen, sowie ArbeilSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden.« Tie Expedition ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abends, Mi Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormtltagS geössncl. Grfchelnl täglich«ufier»anlag». Devlinev Volksbl�kt. Fernsprecher: Sml I,»r. 1S06. Telegramm-Adresse: „«»lialdemastrat Vrrltn". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ziedaktion: 8V. 13. Meuly-Straße 2. Dienstag, den 36. Oktober t89'7. ßiepedltiott: SW. 19, Uettty-Straße 3. Die Getoerbe�AuNwhk im Deutsthen VeiNze. Einige Wochen früher als sonst, aber immerhin noch spät genug erschienen vor kurzem die„Amtlichen Mit- theilungen aus den Jahresberichten der Geiverbe-Aufsichtsbeamteit"' für 1896, zusammen- gestellt im Reichsamt des Innern ans den Einzelberichten, die in den 26 deutschen Vaterländern erstattet werden. Jahr für Jahr müssen wir nun, sowohl bei Besprechung der Einzelberichte wie der Reichsübersicht darauf hinweisen, daß die Gewerbe-Anfsicht in Deutschland schon aus dem Grunde unzureichend sein muß, weil viel zu wenig Beamte angestellt sind. Sehen wir zunächst einmal davon ab, ob die Beamten ihrer Aufgabe gewachsen sind und wie sie sich zur Arbeiter- schaft stellen— zunächst niüßte doch eine genügende A n z a h l von Beamten vorhanden sein, wenn die Gewerbe-Anfsicht und das Arbeiterschutz-Gesetz nicht nur ein leeres Schaustück sein soll. Während aber für den Militarismus Jahr für Jahr hllndcrte von Millionen geopfert werden, sind für solche Kultur- aufgaben wie der Arbeiterschutz nur ganz winzige Beträge übrig. Ja, um zu sparen, belastet man die Aufsichtsbcamten meist noch mit der K e s s e l r e v i s i o n, weil diese vom Unternehmer bezahlt wird, dadurch also Einnahmen geschaffen werden. Seit 1. April 1897 hat man in Preußen die Beamten von der Kesselprüfung der in l a n d w i r t h s ch a s t l i ch e n Betrieben benutzten Dampfkessel und der S ch i f f s k e s s e l wieder befreit und diese Prüfung den Ingenieuren des Verbandes der preußischen Dampskessel-Ucberwachnngsvereine übertragen. Warum geschieht dies nicht auch mit den g e w e r b- li ch e n Dampfkesseln? Daß der Staat zu den Ingenieuren jener Vereine volles Zutrauen besitzt, beweist er durch Ueber- Weisung der landwirthschaftlichen und Schiffskesscl. Warum überträgt er ihnen nicht die g e s a m m t e Kesselrcvision? Die Zlnfsichtsbeamtcn haben wiederholt geklagt, daß ihnen dieselbe hinvernd im Wege ist. Nachdem Herr von Böttichcr im Reichstage erklärte, er halte die von ihm eingeführte Neuerung für nützlich, verstniumten freilich die Klagen der preußischen Beamten fast gänzlich. Aber die Thatsache blieb bestehen und gab sich in den Resultaten der Revisionen kund. Dazu kommt dann noch eine außerordentliche Belastung der Beamten niit Bureau-Arbeiten, die stetig wachsen und, wie u. a. der Hamburger Bericht sagt,„die Rcvisionsthätigkcit mehr und in ehr einschränken". Die Folge ist, daß durch die Gewerbe-Anfsicht im Jahre 1896 von den 229 843 Anlagen, die im Deutsche» Reiche der Revision unterliegen, nur 71 107, das sind 31 Prozent, r e v i d i r t wurde n. Daß diese Ziffer bekannt wird, ist eine anerkennenswerthe Neuerung, die der Reichsbcricht bringt. Bisher hatten mir Sachsen, Baden, Bayern und Württemberg angegeben, wie viel Anlagen der Revision unterstehe»; Preußen verschwieg dies. Noch in dem diesjährigen preußischen Bericht fehlte diese Angabe. Jahr für Jahr wurde von nnscrer Seite in der Presse wie t»i Parlament diese Schweigsamkeit gegeißelt, die wie Furcht vor dem Bekanntwerden der kläglichen Verhältnisse aussah. Entlich hat der Reichsbericht mit dieser Geheimnißthnerei anfgeränml und nicht nur mitgetheilt, wie viel Anlagen re- vidirt wurde», sondern wie viel hätten revidirt werden müsseii! Das Resultat ist so kläglich, wie wir es vorausgesagt hatten. Dabei beträgt die Zahl der jetzt der Revision uiiterstchcndeii Anlagen nur ein Viertel von denen, die zu revidiren wären, wenn die Gewerbe-Novelle von 1891 voll in Kraft stände. Denn als 1892 in Preußen eine Neuregelung der Gewerbe-Anfsicht vorgenomnien wurde, machte die preußische Regierung in einer dem Abgeordnetenhause zugegangenen Denkschrift folgende Angaben: „Die Zahl der mit Hilfspersonal betriebenen Anlagen betrug in den Gcwerbszweigen, auf die sich d i e T h ä t i g k e i t der Gewerbe-Jnspektion erstrecken wird, nach der Aufnahme von 1882:451 453, die Zahl der darin be- schäfligten A rb e i t e r: 2 369 980. Darunter befanden sich Anlagen mit 1—5 Gehilfen: 403 137 mit 1 078 193 Arbeitern, Anlagen mit mehr als 5 Gehilsen: 43 316 mit 1 291 782 Arbeitern. Die Zahl der von staatlichen Revisoren und Beamten der Bauverivaltung zu revidirenden Dampfkessel beträgt nach der letzten Aufnahme rund 36 000.* Nach der jetzt gegebenen Uebersicht im Reichsbcricht waren 1896 in Preußen vorhanden 125 475 revisionspflichtige Anlagen mit 1,98 Millionen Arbeitern! Ueber 300 000 Anlagen sind also in Preußen noch nicht der Gewerbe- Aufsicht unterstellt, weil die Sozialreform inzwischcii eingefroren ist und die kaiserliche Verordnung noch nicht erschien, welche die Revision nach Z 154 der Gewerbe-Ordimiig erweitert. Trotzdem also dies bischen Arbeiterschutz von 1891 noch nicht einmal in vollem Umfange in kraft trat, sondern nur etwa zu einem Drittel, ist die Gewerbe-Anfsicht im Deutschen Reiche so«»genügend ni i t Beamten versehen, daß diese weniger a l s e i n Drittel i h r e r A u f g a b e erfüllen konnten! Die im Reichsbericht gegebene Tabelle ist noch unvoll- kommen; die Angaben sind nicht einheitlich erhoben und weisen Lücken auf— eine Folge der Neuheit dieser Uebersicht. Auch fehlt eine Berechnung, wie viel Prozent der vorhandenen Anlagen und Arbeiter in den einzelnen Bundesstaaten revidirt wurde». Nur durch diese Prözentberechnung ist ein Vergleich der Gewerbe-Anfsicht der einzelnen Staaten unter einander möglich. Wir haben diese fehlende Rechnung ausgeführt; sie ergiebt für die größeren Staaten folgendes: Revidirt wurden in Preußen 31 pCt. der revisionspflichtige» Anlagen und 71 pCt. der Arbeiter, in Bayern 18 pCt. der Anlagen und 44 pCt. der Arbeiter, in Sachsen 78 pCt. der Anlagen und 92 pCt. der Arbeiter, in Württemberg 55 pCt. der Anlagen und 72 pCt. der Arbeiter, in Baden 29 pCt. der Anlagen und 63 pCt. der Arbeiter, in Hessen 45 pCt. der Anlagen und 85 pCt. der Arbeiter. Am schlechtesten steht eS demnach in Bayern, aber, wir wollen dies hier gleich hervorheben, die bayerische Gewerbe- Aufsicht zeichnet sich, wie ihre Berichte zeigen, besonders vorder preußischen dadurch aus, daß sie w e"i t mehr sieht als diese und ein scharfes, gesundes Urtheil über die ob- waltenden Zustände fällt. Die bayerische Gewerbe-Jnspektion giebt auch für jeden Bezirk eine genaue Darlegung, wie sich die Inspektionen auf die einzelnen Betriebs arten vertheilen. Demnach wurden von je 100 der Aufsicht unterstellten Betrieben inspizirt: HnndiverkS. B-teiebe mit �nonre» be,nel>e über 5 Gehilse» 1894... 45.5 9,8 4l,1 1895... 42.3 1 1,7 34.3 1896... 40.7 11,7 32.7 Der bayerische Bericht bemerkt hierzu:„Nach dem letzten Jahrescrgcbnisse käme also durchschnittlich eine Fabrik alle 2Vz Jahre, ein Handwerksbetrieb alle 8— 9 Jahre, ein Betrieb mit über 5Ge- Hilfen alle 3 Jahre znr Besichtigung, un- gerechnet jene Betriebe, welche vorläufig in das Kataster überhaupt noch nicht anfgenoinmen worden sind. Trotz der von Jahr zu Jahr steigenden Zahl von Revisionen weist der Prozentsatz der inspizirten Fabriken und größeren Betriebe des Königreichs seit 1894 einen steten Rückgang auf, herrührend von dm auf die Kleinbetriebe des Handwerks entfallenden stärkeren Revisionsantheile." Als unsere Genossen im bayerischen Landtage eine Ver- Mehrung der Zahl der Beamten forderten, erklärte der M i ii i st e r v. Feilitzsch,„daß im großen und ganzen durchschnittlich in zwei Jahren jeder Fabrikbctrieb, auch die kleineren mit, inspizirt werden könne. Nun haben ihm die Beamten der Gewerbe-Anfsicht ziffernmäßig bewiesen, wie unrichtig seine Darstelliing war! Wie sich in Preußen die Bcfichtigniigen auf Groß lind Kleinbetriebe vertheilcn, wird nicht mitgetheilt; die preußischen Berichte zeichnen sich von jeher durch Schweigsamkeit gegenüber unangenehme» Thatsache» ans. Die Zahl der in den revidirten Anlagen beschäftigten Arbeiter verräth aber, was nicht ausdrücklich gesagt ist, nämlich, daß vorwiegend Groß betriebe und wenig Kleinbetriebe inspizirt wurden. Denn es befanden sich in Preußen in den 31 pCt. der revidirten Anlagen 71 pCt. der gesammten Arbeiter. Der kleinere Theil derselben(29 pCt.) war also in der Mehrzahl der nicht revidirten Betriebe(69 pCt.) beschäftigt, das heißt: in Klein- und Mittelbetrieben. Nun wird aber gerade in diesen der Arbeiterschutz am meisten und gröbsten vernach- lässigt, gerade hier wäre also eine wiederholte und scharfe Kontrolle am Platze. In der Praxis ist jedoch daS Gegentheil der Fall. Theils weil die Großbetriebe an bequem zu erreichenden Punkten liegen, theils weil der Wunsch vorhanden ist, recht viel Arbeiter in den Revisioiislisten führen zu können, besuchen dieAnfsichts- beamtcn zunächst die Großbetriebe.— Die Unzulänglichkeit der Aufsicht ist ganz nach dem Herzen der Untcrnchmer. Erst vor kurzem eiferte» die„Berliner Politischen Nachrichten" gegen eine Vermehrung der Beamten; sie sei unnöthig, denn—- die niederen Polizei behörden hülfen ihnen ja. Welch' negative» Standpunkt diese niederen Polizeibehörden bei der Gewerbe-Anfsicht einnehmen, beweisen wie jedes Jahr auch diesmal die Berichte der Aiifsichtsbeaiiiteii fast aus dem ganzen Reiche. Wir werden noch Gelegenheit nehmen, dies im einzelnen zu beweisen. Die Gewerbe-Anfsicht im Deutschen Reiche ist unzulänglch im höchsten Grade; eine Verdreifachung der jetzt vorhandenen Beamten wäre nicht genügend znr Erfüllung der großen wichtigen Aufgaben, die ihnen obliegen. So, wie die Zustände jetzt sind, sieht der Beamte nicht nur zu wenig Anlagen, sondern er hat auch nicht Zeit, sie gründlich genug zu revidiren. Welche Mängel der bestehenden Gewerbe-Anfsicht sonst noch anhaften, werden wir in einem späteren Artikel erörtern. politische Mebeefichk. Berlin. 25. Oktober. — Bei der Berathung d c Z Militäretats in der bayerischen Kammer brachte» hcut die Abgg. Dr. Schädler und Dr. Oerterer die Frage der Militär-Slrafprozcb- Ordnung wiederum znr Sprache und betonten, daß der ober st e Gerichtshof ein 9! eservajsre cht Bayerns sei. Neuerdings hat auch Professor v. S endl in München, einer der bedeutendsten Staatsrechtslehrer. ein ausführliches Gutachten über diese Frage abgegeben. Derselbe weist aufs klarste nach, daß »ach den bestehenden Verfassungsbestimmiingen das Reservatrecht Bayerns auf einen obersten Mililär-Gerichtshof ohne Eiinvilligimg dieses Bundesstaates nicht beseitigt werden könne. Wir haben das Bestehen dieses Reservatrechts be! unseren Dar« legmigen zur Frage der Militär-Strafprozeß-Reform stets in Rech- nimg gezogen, haben aber ininier auch betont, daß diese Frage«ine nebensächliche Frage sei, welche nicht znr Verdunkelung der Haupt- fache benutzt werden dürfe. Auch der nationallibcrale„Hannoversche Courier" bekennt sich zii«dieser Auffassimg und führt in dieser Hin- ficht recht treffend folgendes aus: „Durch das Anfiverfen der Frage des vernieiiitlicheii bayerischen Reservatrechls ist die Erörterung der Militär- Strafprozeß- Reform dermaßen verwirrt, daß die Hauptsache völlig in den Hinter- griind gedrängt worden ist. In der Hanplsache kommt es daraus an, ob der seit mindestens einem halben Jahre in den Bimdesralhsansschüsseii steckende Gesetzentwurf abgefaßt ist in Uebereinstimniung mit der vom Fürsten Hohenlohe am 18. Mai vorigen Jahres im Reichstag abgegebene» Erklärung, das heißt, ob derselbe den modernen Rechtsanschaunngeii Rechnung trägt? Ist dies der Fall? Niemand weiß es! Man streitet sich wegen des bayerischen Reservatrechts und des bayerischen obersten Gerichtshofs seit Woche» oder Monaten hin und her und übersieht ganz, daß dieser eine Punkt doch nur eine„große Nebensache" ist. Weit wichtiger wäre es, zu wissen, wie weil in d e r V o r l a g e die Ein- s ü h r n ii g der O e f f e n t l i ch k e i t und Mündlichkeit des H a np tverf ah rens in Aussicht gestellt und ob die Beseitigung des B e st ä t i g u n g s r e ch t s vorgesehen i st. Wenn der Gesetzentwurf in diesen drei Punkten den modernen Rcchtsanschaunnge» nicht entspreche» sollte, was schcert uns dann das angeblich bayerische Reservatrecht? Vor einigen Monaten ver- lautete mit großer Bestimmtheit, die Frage der Reform des Militär- Strafprozesses habe sich zu einein fast als persönlich zu bezeichnenden Konflikt zwischen dem Kaiser und dem Bimdesrath zugespitzt. Die Mehrheit des letzteren sei geneigt, das Vcstäiigungsrecht preis- zugeben; der Kaiser aber ivolle in diese Beeinlrächtignng seiner bisherigen Rechte als obersler Kriegsherr unter keine» Umständen willigen. Hiervon ist geworden, statt dessen beschäftigt der künstlich aufgebauschte» An Rescrvalrechts. Ein Gesetzenlwnrf aber, Bestälignngsrechis verfügt, hat weder es alsbald ganz stille sich die Presse mit des bayerischen der die Beibehaltung des in diesem noch in einem anderen Reichstage Aussicht, aiigenoimiieii zu werden. Man gebe uns also zunächst volle Klarheit über diese Seile der verwickeilen Angelegenheit und lasse uns mit dem bayerischen Reservatrecht bis dahin hübsch i» Ruhe. Die Osfiziösen der„Post" und der„Berliner Poliiischen Nachrichten" möge» sich die Finger wund schreiben; es wird ihnen doch niemals gelingen, den wirklichen Thalbestand zu verdiinkelii. Man glaubt vielfach, daß die zur Zeit maßgebenden mililärische» Kreise in Preußen überhaupt Gegner jeder Reform des Mililär-Slrafprozesses sind, und daß sie nur hieran für jetzt scheitert." — Die nationalliberale Partei hat schwere Ver« lnsie zu verzeichnen. Herr Miqnel hat, als er den Ministerfrnck anzog, seine Beziehungen mit der nationalliberalen Partei abgebrochen, Herr v. Bennigsen zieht sich, wie schon seit längerer Zeit bekannt, demnächst völlig ans dem politischen Lebe» zurück. Und noch ei» dritter von den Abgeordnelen der Partei, die ihr von Ansang an zngehörte», zieht sich, wie er in eincm Schreiben an seine Wähler in Duisburg niiUheklt, von der parlamentarischen Thätigkeit zurück, Herr Hammachcr. Als Jüngling mit lockigem Haar war er ivie Miqnel Komimmist. die vormärzliche Literatur der Borläufer miserer henligsn Partei enthält so manchen Beitrag aus seiner Feder. Nachher wurde er Gründer, Millionär, stimmie er für das Sozialistengesetz, auch war er pekuniär in hohem Maße a» der Eniwickelung unserer Kolonien interessirt. Das Abschivenkeii eines Theiles seiner Fraktion zum Bund ocr Laiidwirlhe bekämpfte er. Dem Reichslage, z« dessen fleißigsten Arbeilern er zählte, gehörte er mit Ansiiahine der Jahre 1373/75 während aller Legislalnrperioden an. Mitglied desAbgeordnelenhanses war er seit 1863. Hainniacher ist jetzt 74 Jahre alt. Bei der Haupt- wähl im Kreise Duisburg, den Herr Hainmacher vertritt, wurden l4 151 nalivnalliberale, 1659 freisinnige, 14 309 klerikale, 6121 sozial» dunokralische und 5952 aiiliseuiitische Stimmen abgegeben. In der nationalliberale» Partei hofft man kaum, diesen so schwer bedrohten Kreis weiter in Besitz z» erhalte».— — Herr Buchen berger und die schwebenden Agrarfragen. Der Präsident des bndifchcn FinanziniiiisterininS. Tr. Bnchenberger, der Verfasser der besten deutschen Darstellung d«r Agrarpolüik(in Wagner, Bücher, Buchenberger's Handbuch der politischen Oekonomie) läßt soeben eiü neues Buch:„Grnndzüge der deutsche» illgrarpolilik nnier besonderer Würdigung der kleineii und großen Mittel"(Verlag von Panl Parey in Berlin) erscheinen. Ans dem Vorwort dieses Buches enlnehme» wir, nach der„9iat.-Z>g.", die folgeiiden beachlensivertheu Stelle»: Die vorliegende Schrift soll gegenüber manchen irreleitenden AnSsührnngen den dreifachen Nachiveis führe»: einmal, daß an- gesichis einer unzweifelhaft gegebenen sehr schwierigen Lage des landwirihschasilichen Gewerbes die landivirlhschaitliche Staats- sürsorge z» keiner Zeit kräftiger und planmäßiger ihres Amtes ge< waltet hat, als in der Gegenwart; zum andern, daß die neuerdings so sehr verschmähten oder geringschätzig beurtheilten„kleinen Mittel" in ihrer Gesainmiheit eine große Heilkrafl in sich schließen und solche bewiese» habe»; zum dritten, daß»nndcstciis ein Theil jener Vorschläge auf wirlhschaflspolilischeni Gebiet, die man gemeinhin als„ g r o ß e M i t l e l" zu bezeichnen pflegt, eniiveder über- Haupt u n e r f ü l l b a r e Sl n s o r d e r n n g e n a n d i e S t a a t s- g e w a l( stellt oder, wenn erfüllbar, nur unter starker Schädigung der Interesse» anderer Bernsestände zu verwirklichen ist... Gegen die sleb-rschähiiiig sl aallicher Mnchlmillel in bezng auf nachHallig wirksame Lösung vcrwickcller wlrlhschafilicher Probleme kann nicht cnischieden genug Stellung ge- noimnen werden, da nichls so sehr wie der in der Gegenwart verbreitele, s st mystische Glaube an die Wiinderkraft des slnallichcn Gesetzgebnng-apparais geeignet ist, das Bertranen in die eigene Kraft zu erschüttern und den Genesuugsprozeß zu verlang- samen. Danach bedarf es kaum eines Hinweises, daß in dieser Schrift eine Nnzahl yernde in neuerer Zeit von agrnrischer Seite gestellter und mit besonderem Nachdruck vertretener ftjzrdexmigei» abgewiesen werden mußte. Abgelehnt wurde von dem Verfasser zwar nicht etwa eine protektionistische Wirlhschaftspolitik überhaupt, die, wie für die ivesteurvpäifchen Staaten, so auch für Deutschland ninthuiaßlich für längere Zeit schlechthin nicht zu entbehre» ist, wohl aber jede Art von Hochschutz, die auf eine st a a t l i ch e R e» t e n- G a r a n t>« hinauskäme; abgelehnt wurde mit aus diesen» Grunde der Antrag Kanitz, ivie jede Verstaatlichung des Getreide- Handels. Ablehnend steht die Schrift ferner den auf grund- sätzliche A e n d e r u n g u n f e r e r W ä h r u» g s e i n r i ch t u n g e n gerichtete» Bestrebungen gegenüber, da die für ein« solche Aendeumg lüi jetzt gellend gemachten Gründe als hinreichend stichhaltig und beiveiskraftig nicht erachtet»verde» könne». Dagegen»st betreffs der Getreide-Ter min Handelsfrage die Schrift zu einen» die beki»»nten N e i ch s l a g s b e s ch l ü s s e im>v e s e n t l i ch e u billigenden Ergebniß gelangt, ohne daß sie übrigens,»vi« kaum betont zu werden braucht, die ans unzureichender Kennlniß der Bor- gänge beruhende grimdsätzliche Bekämpfung des Getrcidedandels und der Produktenbörse» sich angeeignet hätte.... Die Wirkungen des Verbots des Getreideteminhaudels werden sich erst nach längerer Zeit feststellen lassen.« — Das neueste kleine Mittel liegt auf dem Gebiete der Eisenbahn-Tarifpolitik. Es soll lftnstig im Interesse der kleine» u>>d mittlere» Mühlen Mehl nicht ivie bisher zu gleichen Sätzen »vie Getreide, sondern zu höheren verfrachtet»verde». A»lch dieses kleine Mittel hat eine Verlheuernng der nöthigsle» Lebeue»llttet zur unausbleiblichen Folge.— �-�Der Deutsche LandwirthfchaftSrath hat für Den Wlrthschaftlichen Ausschuß, der zum Zivecke der Vorberertung und Begutachtung haudelspoliti. scher Maßnahmen gebildet»verde»» soll, aus Ersuchen des Reichskanzlers folgende Herren als Vertreter der Land- »virthschaft vorgeschlagen: Reichsrath Freiherr v. Soden- Fraunhosen(Bayern), Gras v. Kanih-Podaiige»(Ostpreußen). Dr. v. Freg«- Weltzien(Königreich Sachsen). Domänenrath Rettich- Rostock(Mecklenburg) und Oekonvmierath Wtiikeluiann- Köbbing (Westfale»). Man sieht, auch hier treten wieder«ir Vertreter de? Groß- «»ff"« d b e s i tz e s als Vertreter.der Landwirthschast� — Für die Herabsetzung einer indirekten S l e n e r tritt der Deutsche L a» d w i r l h s ch a f t s r a t h ein. Das»st gewiß merkwürdig, da diese Vertretung des Agrarierthnms sonst für nichts»veniger zu haben ist, als für Verrnindcruug riidirekter Stenern. Es handelt sich um die Zuckerst euer ■vj» einer Eingabe an den Reichskanzler sagte der Land »virthschaftsralh:„Das Gedeihen der Zuckerindustrie ist vor allein in einer Hebung des I» l a» d s- Z n ck e r- Verbrauchs zu suchen und dies- ist in erster Linie durch die Herabsetzung der Verbrauchssteuer anzustreben.« In der Begründung der Eingabe ist zur nähere» Erlänterung u. a. gesagt:„Eine Herabsetzung der ikonsumstener von'20 ans 15 Mark n r d e t ti i l o g r a in n» Zucker» n> ca. 15 P f g. v er- O« ml8*"' Ermäßigung auf 10 Mark sogar»m zirka �0 P s g.« Sllfo nicht damit der Konsninent de» Zucker billiger erhakte bezw. die jetzige nngehenere Verlheuernng des Zuckers vermindert »verde, neigt der Landivirthschaftsralh zur Herabsetzung dieser in- direkten Steuerlast, sondern lediglich»veil dies das einzige Mittel fei, den Zuckerindustriellcn größeren Absatz zu ermögliche». Es wäre auch»vunderbar,»veii» diese Herren ienialS Rücksicht auf das steuerzahlende Volk nehmen würden!— -- D a S nur.theoretische« Wohlwollen der R e g i e r n» g gegenüber„der Landivirthschack«»vird von der ..Dentschen TageSztg.« bellagt. Das.Bielefelder Programm« Hab- so schöne Versprechungen gemacht, aber bisher feie» Thal«»» noch nicht zu sehen. Selbst„die entschiedene Sicherung unserer Grenzen gegen Viehsenchen-Einschleppliug aus dem Anslande sei nicht durchgeführt »vorden. Und so»vendet sich das Agrarierblalt alsbald unmittelbar gegen den»eiien Staatssekretär des Auswärtige», Herrn v. Bülow; es scheine, als solle auch uiiter diesen» Nachfolger des Herrn ». Marschall der alte Geist der Handelsverlragspolitik fort- »virken.„W-iin das aber— so fährt die„D.T." fort— der Fall ist, dann soll das»ene Ministerium seine„Politik der Sammlung« nur getrost au den Nagel hängen. Teu»»venn man»veiler er- kennen müßte, daß das Staalsschiff zrvar eine neue Flagge— die des Bielefelder Programms— gehißt hat, daß aber in» Caprivi- Marschall'schen Sinne weiter lavirt»vird. dann»verde», die Mißtrauische» obeiianf kommen, die in der Nmbildniig des Ministeriunis nur eine Maßregel zu gnnslen»veitgehender Marine- forderiingen erblicken»vollen, die eine Diirchbrinzung dieser Forde- ruiigen, wenn nicht für den einzige», so doch wesentlichen Ziveck der „Politik der Sammlung« ansehen.« Zivar»vill das Bündlerorgan, wie es»veiter sagt, nicht zu diesen Diißtranischen zählen, aber seine Sprache ist deutlich genug. Wer nicht»ach der Flöte der agrarischen Ausbeuter tanzt, der»vird bekämpft. Dabei vergessen die Leute m» GvillenvvVsgvv's Vrflnkkung. Hoch über der Stadt Gotha, an der Langensalzaer Straße, in sonniger Höhe und rnhsamer Stille liegt der Friedhos mit dem Krematorinn». Herbststiminung; fallendes Laub und der Duft der Ber,vefu»g über Weg und Steg— trotz des sreuudlichen, friedliche»» Sonnenscheins, der durch die Nebelstreifeu dringt, die über den Höhen des Thüringer Waldes lagern. In der Ausbahrungshalle— ein schmuckloses, längliches Viereck, nur an der Hinterwand mit ei» paar frommen Bibelsprüchen geziert— sind geschäftige Hände thätig, mit immergrünem Lorbeer, Thuja n»d saftigen Blattpflanzen den Katafalk zu schmücken, auf den» in ivenigen SIniiden die köiperlichen Id.berreste des unvergeßlichen Freundes und Genossen de» Flammen übergebe» werden sollen. Seitdem in Gotha, dein christlichen Vorurlhell zum Trotz, der Leichenverbrennuugs-Ofen errichtet ist— Mille der fiebeuziger Jahre sind bereits 1883 Körper de» Flammen übergeben ivordr». Ii» Kolumbarium, der Urnenhalle, die zivische» der Leichenhalle ain süd- lichen und der Aufbahrnngshalle an» nördliche» End« des Gebäudes in Gestalt eines Säulen-llinndganges liegt, sind hunderte von Urnen und Vasen in allen mögliche» lnnsllerisch schöne» und«nschöiir» Formen mit de» Aschenreste» der Dahingegangene» beigesetzt. Niiser Genosse Grillenberger ist also der 188s. Ans allen Ländern und von jenseits des Weltmeeres hat der Wille der Sterbenden ihre Aschenreste»ach Gotha gebracht. Da steht die Urne des bekannte» Demokraten K o l b, der ein Menschenalter vor Grillenberger in» bayerischen Landtage so tapser gegen den Militarismus focht; dort zeigt uns die Inschrift die Asche deS alten ForlschriitlerS Moritz Wiggers(f- 18W), der mit seinein Bruder so viele Jahre unerschrocken gegen den»nittelallerlich» rohe» Feudalismus „Durchläuchtings« auftrat, in Wort und Schrift und auch noch im Reichstag. Hier rufen uns die Worte: Albert Dulk, ge- storben 29. Oktober 1384, die ehrivürdige Gestalt des ideale» Dichter? und Denkers vor Augen, der auf de», Kongreß in Gotha 1876 als Cannstalter Delegirter mit so beredten Worten für die Schaffung einer Arbeileruniversilät eingetreten war und der hier seine Grabschrist sich selber gewählt hatte: Der Phönix I ch stürzt sich in Feuerflammen, Dahin ihn Lieb' zu Mensch und Menschheit zieht s Sie schlagen lenchlend über ihm zusamlnen, Doch sie verzehren»ur.»vas selbstisch glüht. Und jeglichen Liebesopfers Brand Erschafft ihn» ei»»eu und ei» reiner Gewand. Verjüngt ihn zu allinenschlicherein Triebe. O. so erfaß mich ganz mit Deiner Kraft. Die aus dem kleinen Ich den Gott erschafft. Du Todesengel, süße heil'ge Liebe. Plötz nur, daß ein Ministerium, und»väre eZ noch so aufrichtig bemüht, den Agrariern»villfährig zu sein, doch nimmermehr sich in die einseitige Politik dieser Leute einspaniien lassen kann; ein Minister hat eben doch etwas audtr« Alijgabeu als ein agrarischer Interessen- Politiker.— — In» Reich S-Postamt versammelte der neue Poflherr au» Sonnabend auch eine Konsereuz der La»d>virthschaslskam»>er» und laiidwirthschasllichen Zeuiralvereiue. ES»vurde» dieselbe» Frage» behandelt wie auf der Konferenz der Handelskaunner» und kansmäniiischen.Korporationen: Erhöhung des einfache» Briesgewichls von lö Granu»» ans 20 Gramm, Ermäßigung des Briefportos für den Nahverkehr und der Gebühr für Postanweisuiigen über niedrige Beträge. Die Mitglieder äußert,,, außerden» Spezialivünsche, so ans Fortfall des Bestellgeldes auf dein Lande.-- — Unter Hinweis auf di» großen Ueber- s ch>v e m m u n g e n dieses Jahres ist jetzt den beiheillglen Aufsichtsbehörden eine Verfügung der Minister für Land- w i r t h s ch a s t tc.. der öffentlichen Arbeiten und des Innern zugegangen, i» welcher erklärt»vird, die letzten Ueber- fchweiiimiingen hätten gezeigt, daß der Freihaktnng des I>» u u d a t i o n s g« b i e t e s von A b j l u ß b i n d« r»» s s« n bisher nicht überall die erforderlich» Ansiuerksankeit geividmel ivorde» sei. Ter gegenwärtige Zeitpunkt müsse zur Beseitigung der vorhandene» Mißstände nach Kräften ausgenutzt werden.»- — Deutsch. niederländischer NilslieferungS- verlrag.?lm heutigen Tag« hat di« Ansivschselnng der Rati- filationsurknndcn zn lem drnisch- uiederläudischeu Ansliescrungs- verlrage vom 3l. Dezember 1896 und zu dem die Anslieserung zwischen den dentschen Schutzgebieten und den Niederlanden regelnden Verlrage vom 21. September d. I stattgesunden. Beide Verträge»verde» drei Monaie nach Answechselniig der Nalifikativnsuilnnde», also mit dem 23. Januar 1898 l» traft treti».— — I m p o r t i r t e Fahrräder sollen künftighin alS Fahrzeuge und nicht als Eise» und Stahl wie bisher n»i» blas 2 M. ver- zollt iverdeu. Das bcdenlel eine Erhöhung des Zolls»in das Zehnfache. Damit wird sreilich zum Schaden der Konsuiiienten einem Wniffche der dentschen Fahrradsabrikanlen Rechuung getragen. Begründet wurde dos Verlange» damit, daß in Amerila deutsche Fahrräder mit 50- 30 M. verzollt werde» müsse».— — Z u der Palm n icke ii er Ver« st es» angelegen- heil lheilt die„Ostpreuß. Ztg.« folgendes uiit, was sie als ihr vo» amtlicher Stelle gc>vo»dene AnskNifft bezeichnet;„Tie»ach Palm» »icke» ciitsandteii Kommissionen der belheiligle» Ministerien Hobe» nur vorbereitende Maßnahmen zn treffen. Slns keinen Fall denkt die Regie»»»ig daran, de» Vertrag mit Becker zu verlängern. Di« Staats- regiennig wollte die Beriisteingeivinining selbst in vie Hand nehnien »nd zn diesem Zivecke die Becker'schen Liegenschaften und Betriebe ««kaufe», der Plan scheiterte jedoch au der übertriebe»«» Forderung des bisherigen Besitzers. Zn einem Enteigiinngeverfahreu liegt«in gesetz- licher Grund nicht vor, eine gesetzgeberische'Aktion aber wäre an sich mißlich und außerdem zn zeilranbend. da die Verhältnisse ans eine Eiilscheiduiig drängen. Die. Regierung will mm folgende» Ausweg wählen: Das Becker'sche Unternehmen soll in eine Aktien- gesellschafl umgewandelt werden, an der sich der Staat als Aktionär betheiligen winde. Wenn auch Becker voranssichilich davon sich den größie» Theil der Aktien vorbehalten würde, wäre er doch an die Satzungen der Gesellschaft gebmideii, während derStaalda? Rechterhält, sich durch einen Koniiiiiffar in» Vorstande verürete» zu lasse». Der vom tzaiidelsmininer nach Ostpreuße» entsandt« Koniniiffar, Assessor vo» Bartsch, hat den'Auftrag, die Ausführung des Planes in die Wege z» leite». Sollie diese Uinbildung bis zum 1. Jatznar noch nicht erfolgt sei», so hat Becker sich bereit erklärt, den Betrieb noch einige Monate in bisheriger Weise weiter zu leite». Dem vielsach ge- äiißerten Wunsche, die Slaatsregierung möge daher die Genehmigiiiig des Landtage- einholen, glaubt diese grnndsätzlich nicht entsprechen zu kön»«». Was sind das sür inerkwüidlg« Grundsätze?— — Eine Revision der Bäckerei-Verordnnngist den klagende» Bäckermeister» i» Anssicbt gestellt ivorde», und diese thiin ihr möglichstes, lim den einzigen Schutz der Bäckerei- Arbeiter noch mehr z» verinindern.'Auch bei einer Audienz, welche der „ Z e n t r a l a« s s ch u ß der I n» u n g s v e r b ä»» v e Deutsch- l a u d s« beim Staatssekretär des I»»er», Graf v. Posadowsky hatte, suchte»m» de» Staatssekretär von der Veiderdlichkeit der Verordnung zu überzeugen. Da wurde» die alten Dinge vorgebracht; das gute Verhällniß zwischen Meister und Gesellen sei gesiörr, die meisten Bäckermeister erlitten schwere wirthschastliche Nach- theile u. s. w. Man wird ja sehen. wie weit dies« Ver- such« von Erfolg gekrönt sein werden. Di« Bäckerei-?l r b e i t« r werden sieb nach Kräften zn wehren suchen»nd das bischen, was sie mit Mühe und Nolh erreicht habe», mit Zähigkeit ver- »Heid igen. Auch ans Bayern wird berichtet, daß Erhebungen über die Wirkung der biiiideSräthlichen Verordnung angestellt werden. Die Behörden sind angewiesen worden, nach protokollarischer Ein- vernähme der Bäckermeister und Kondiloren, die Gebilfeii beschäftigen. Mittags um 12'/! Uhr tiaf aus München der Sarg Grillen- berger's ein; der Vorschrift gemäß war er die Nacht über in Lichten- fels stehen geblieben. Von München ans halte Genoffe Ehrhardt. der von Beginn der Katastrophe an bis zum letzten Augenblick a» der Seite Grillenberger's geblieben war. den tobte» Freund begleitet. Ein Berg vo» Blnineu lind Kränzen bedeckt« den Sarg, der wie in eiu rolhes Banner gehülli erschien von de» Hunderten von Bändern»nd Echleffei», aus denen i», leiichteiidei, Gold die In- schristen erglänzten, durchbrochen da und dort von den Silber- schrifle» aus den schwarze» Traue» schleifen. War doch fast keine Stadt in Bayer», die nicht an der Bahre des Dahingeschiedene» den Zoll ihrer Trauer und ihrer Dankbarkeit niedergelegt hatte. Und zn diesen himderle» von Kränzen, die mit dem Sarge ans München eintrafen, kamen nun noch in Gotha eine solche Füll«, daß es unmöglich ist, sie einzeln aufzuführen. Da ist uns Palmen, Lorbeer, weiße» Rosen. Georginen und Farre» ein prächtiger Kranz mit der Inschrift:„Parteileitung und Rrichstags-Fraktion der deutschen Sozial- demokratie ihrem unvergeßlichen Freund« und Kampfgenossen Karl Grillenberger. Der„Vor- w ä r t S«- B« r l i» sandte einen Kranz, der di« Inschrift trug. „Dein treueii, tapferen, unvergeßlichen Vorkämpfer des Prole- tariaiS in dankbarer Erinnerung.« Das Hamburger.Echo«: „Bist auch Du uns entrissen, uns bleibt. waS Dein Wirken geheiligt, die erlösende Wahrheit, deS MenschthiiinS ewiger Geist.« Die sozialdemokratischen Frauen Deutsch l andS? „Wir, Deines Geistes Erben. wir werden unentwegt wie Du kämpfen ,i»d fterbeii.« Die Berliner Genosse» und die Ge- uoffe» des Wahlkreises Teltow»Beeskow-Etorkow: WaS Du»nttcdnfst, eS wird am Leben bleibe», Was Du niilsälest, hoch und höher treiben, Weiin's jetzt auch rohe Füße niedertreleii. So laßt uns de»» am Grab mir also beten i Wir, die wir sind deS edlen Todten Erbe», Wir wolle» auch so unentwegt einst sterben. Der Arbeiter-Sängerbund Berlin'S, di« Elber- selber„Freie Presse«, die„Leipziger VolkSzeituiig«. Ferner die Genossen des nördlichen Belagern»gSgebieteS: Der Geist des MenschthuniS schwingt auS Deiner Asche sich siegend auf, ein Kind des Lichts.« Von den badischen, sächsischen, gothai- scheu Landtagisrakttonen, von zahlreichen dentschen Gewerk- fcdaslen und GeiverkschaflSverbänden, aus alle» Gegenden Deutschlands und von zahlreichen persönlichen Freunde» deS Verstorbenen kamen in prächtigen Kränzen Beweis« daiiir, wie schwer überall der Verlust Grillenberger's empfunden wird und wie lebendig überall in der Partei das Gefühl der Zuneigung»nd der Dankbarkeit schlägt für den lieben Genossen, für den unermüdlichen Agitator unserer Ideen? sowie der betreffenden Gehilfen, sich darüber zu äußern, ob nach« t heilige Wirkungen der Verordnung bei ihrer praktischen Dnrchjjehrmifl mit Sicherheit erke»»bar seien, worin die- selben bestehen und ob ilisbesoiidere Unistände zu tage getreien feie», welche die Klagen über eine»iffolge dieser Berordiiung angeblich eiiigelretene wirthschastliche Schädigung des Bäckergewerbes und das Schwin den des guten Ein ver- nth m e n s zwischen Meistern und Gesellen als begründet erscheinen lassen. Ferner soll darüber berichtet werden, od die Verordnung mit Nachdruck oder mit Nachsicht durchgeführt worden ist und ob im letztere» Falle grund zur Annahme vorliegt, daß bei 'Aliwendnng größerer Strenge die Klagen über nachtheilige Wir- kuiige» lebhafter hervorgetreten sein würden. — H e r r T h. B a r l h, der im Bordertreffen des freisinnigen Brnderkampses steht und Herrn Eugen Richter alS vornehnilichste Zielscheibe für seine in Gift geta�6)t«» Pfeile dient, hat«inen Erfolg zu verzeichnen: er ist nun als Kandidat beider freisinnigen Gruppen im Wahlkreise Rostock-Doberan aufgestellt. Wir hoffen von dem Elser unserer inecklenburgischen Genossen, daß der bisher konservativ vertreten« Wahlkreis nicht den Freisiiniige», sondern uns zufällt.•— — Die Freisinnige Bereinigung in Pommern hielt am Sonnabend zu E t o l p einen Parteitag ab. Zunächst be- schäfligte man sich mit der Reform der Militär-Prozeßorduung und den Handelsverträgen, sodann mit der Lag« der Landwirlhschajl »nd ihren» Verhällniß; mehrere Gutsbesitzer wandten sich gegen die kouservaliv-agrarische» Forderungen. Herr Rickert sprach über das Vereinsrecht lind die Flotteiffrage. Er wendete sich gegen das Septennat, erklärte sich aber zur Bermehrnng der Flotie gern bereit. Es folgte ein« geheim« B-jprechuiig über Wahlangelegen- heilen. — D i e n st ü b e r b n r d» n g bei der Bahn. Ein eigen- lhüinlicher Zwischeiisall, der sich dieser Tag« aus den» Haupt- bah» hose i» Dresden zugetragen haben soll, wird gegen- wärlig in den Kreisen der dortigen Slaalsbeaniten viel besprochen. Mit der Begründung, daß sie dienstlich überbürdet seien, weigerten sich mehrere Beamten des Zugperso- n a l S, den D i e» st a n,>i t r e t e»>. Di- Weigeruiig wurde von ihnen zu Protokoll erllärt. Von anderer Seite»vird hierzu gemeldet, di« belieffende» Beamten hätte» nur gebeten, vom Dienst entbunden zu werden. Eine Uulersuchung ist eingeleitet.— — Ehrpnik der Eisenbahn- Unfälle. AuS Miester- h o r st wird telegrophirt: Am Sonntag gegen 3 Ubr früh suhr auf Haltestelle Miesterhorsl infolge Nichlbeachtnng des Hallesignals Eil- güterzug 802 in den dort nberhoUe» und i» der Ausfahrt begriffenen Güterzug 823. Beide Geleise gesperrt. Eine Maschine, sieben O Wage» beschädigt. Menschen nicht verletzt, Betrieb durch Umsteigen ausrecht erhalte». Das„Dresdner Journal« meldet: von dem Personen- zug«, welcher fahrplaninäßig um 1 Uhr 37 Min., von Bodenbach kommend, i» Dresden einziilreffen hat, sind heute Mittag bei der Durchsahrt in Pirna die beide» letzten Wagen entgleist Ver» letzuiigen von Personen sind uichi voraekonimen. Infolge deS Unfalles ist das Geleise gesperrt; der Persoueiiverlehr muß durch Um« steigen aufrecht erhalten werden. -- Renkontre in der Kaserne. Ueber eine Säbelaffäre in der Kaserne wird aus F r a» k s u r t a. M. folgendes geineldet; Der 20 jährige Maschinentechniker Wilhelm Becker auS Höchst, der in der Kaserne der Gntleutstraße i» Frankfurt«inen»hin bekannten Rekruten besucht halt«, ivandt« sich, als er ans dem Rückwege von diesem Besuch« den Kasernenhof passtrte, an«inen dort stehenden Feldwebel mit der Frage, ob er«inen Begleiier biS vor daS Thor habe» müßte. In diesem Augenblick kam«in in der Nähe befindlicher Hauptmann heran, den der Techniker in freundlichein Tone mit:„Guten Tag, Herr Hauptmann!« begrüßte. Hieraus soll der Hauptmann barsch geantwortet haben:„Was wollen Sie, ich kenn« Sie ja gar nicht,« darauf der Zivilist angeblich erwidert«: „DaS ist doch Anstand, daß ichEie grübe!« Hierüber aufgebracht, zog der Hauptmann in Gegenwart mehrerer Soldaten feinen Säbel und versetzte damit dem jungen Manne mehrere Hiebe über den Kops, so daß Blut floß und der Zivilist außerdem eine Verletzung am linken Z e i g e s i n g e r und am Hand- t« l l« r davontrug. Hierauf ergriff der junge Mann die Flucht, worauf ihn der Hauptmann»och eine kurze Strecke verfolgte. Von anderer Seite wird hierzu gemeldet, daß der Hauptmann von dem Maschinentechniker sehr gereizt, beziehnngs- weise durch Ausholen feines Regenschirme» zum Schlage bedroht worden sein soll, bevor er von der Waffe Gebrauch macht«. Die bereits eingeleitet« Untersuchung dürste wohl bald den Vorfall in genügender Weise anfklären.- Pose», 23. Oktober.(„Berl. Tagebl.«) Nachdem die Staat?« anwaltschasl in Gnesen das Verfahren gegen den Probst Hechmann in Mieltschin wegen Majestälsbeleidigung, die er dadurch vegaugen Sab«» sollte, daß er bei eine», vom Bürgermeister unsgebrachten aiserhoch sitzen blieb, eingestellt hat, ist nninnehr von der hiesigen Staatiaiiwaltschaft gegen Hechina»» Anklage wegen öffentlicher Be« leibignng des Bürgermeisters, sowie des DistriklskommissarS erhoben Um 1 Uhr wurde der Sarg auS dem Bahnwcige» auf den Leichenwagen der Friedhofkverwaltimg gebahrt, die vo» den Eise« n a ch er Genosse» mitgebrachte Kapelle spielt« einen Traueriiiarsch und dann setzte sich der Zug in Bewegung. Zwei Schimmel zöge» den schwarz ansgeschlagenen, hoch mit Kränzen beladen«» Blumen wagen, hinter dein zwei Rappen den Sarg führte». Tahiiiter folgten die Nürnberger D-legirten: E i tz i» g e r, Oertel, W end tk er; ihnen gesellten sich persönliche Freimde und Depu» lattonen einzelner Fabriken aus Nürnberg, dann folgten die Genossen Bebel, Liebknecht, Singer als Vertreter der Reichstags« sraktioil und Parteileitnng. Genosse Enge» Ernst für die B e r« liner Parteigenoffen, K o p p- F r i e d r i ch s b e r g sür die Genossen de? Kreises N i e d e r- B a r n i m, M e i st e r für Hannover, Dnbber, Frohnie und S t n b b e für die Genossen im nördlichen Belagmiiigsgebiete. Zins A p osl d a waren die Genossen Baudert und Lenlert Delegirte, ansZ B r u u u s ch w e i g Ri'cke, Chemnitz Zeisig. D a r i» st a d t Abel, Dessau Pens, Erfurt sür die Gemerkschafien Fabrenkamp, für die Partei Reißhaus, sür persönliche Freund« Fenerlbal, ans Halle und dem Saalkreise die Genossen Ebeling und Fischer, ans Leipzig die Genossen Grenz und Sclioenlaiik(für die„Volks- zeilung"). Ans de» benachbarten Thüringer Städten(Eisenach, Koburg, Weimar jc.) waren die Vertrauensleute mit zahlreichen Ge- nossen herbeigeeilt, um den unS so plötzlich entrissenen Genosseii das letzte Geleit zu geben. I» weihevoller Still« bewegte sich der vielleicht 400 Theilnehmer stark« Zug. dein Hunderte und Aberhnnderte von Golhaer Einwohnern aus allen Straßen das Geleit gaben, voi» Bahnbose»ach den» ungefähr "Jt Stunde» enlferiite» Friedhos— denselben Weg entlang, ans dein vor 21 Jähren, am Goidaer Parteikongreß. Grillenberger im Soiinen- schein des jungen Glücks seine jugendliche Frau ans seiner ver- späteten Hochzeitsreise zn seinen Freunden geführt halle! Nun führken wir ilni lodt dahin z»r Bestattung— und im serncn Nnrn- berg saßen zur selben Stunde, gebrochen von diesem schiveren Schicksalsschlage, im verödeten Heim weinend Weib»nd Sohn»nd Tochter, denen mit ihrem so liebevollen Gatten und Baier altes Lebei'sglück dahin gegangen war! Den Billen der Nürnberger Genossen folgend waren sie von München nach Nürnberg zurück- gekehrt— sie hatte» ja deS Leids genug zu tragen, daß sie nicht auch noch diesen schwere» Gang zum zweiten Male schreiten mußten. » �» Ju der Leichenhalle deS Friedhofs wurde der Sarg aufgebahrt — erst eine Slnnde später ivar die Feuerbestatiuug angeordliet. 'Abermals ordnete sich dann der Zug, eine Golhaer Musikkapelle hatte vor der Halle Aufstellung genommen und unter ihren Trauer« klängen wurde der Sarg von acht Gotbaer Genosseii nach ver Ver- brel»i»»gshalle gelragen und dort immtten eines grünenden Waldes worden. Die Veleidigimg wird in einer Ertfiirmig gefunden. die HMmmn» nach jenem SJoifuU in einem hiesige» polnischen Blatte oerosfentlichle.— .... � Pastor Schall veröffentlicht von Bahrdorf aus eine Er- »UUiing, i» der es u. n. hcijjt:„?ln eine baldige Beendigung des gegen mich eing leileten Disziplmarversahrens ist noch gar nicht zu denken, bis beute ist eine Älnksageichrift noch nicht vorhanden in meinen Händen, um so mehr also ist eine baldige Beendigung meiner IiUerninlug unbedingt nothwendig. soll ich nicht vorher durch folcbe lvtittel kampsunfähig gemacht werden, und weil sie nolhivendig ist, zivrtsle ich nicht, ivird sie auch eintrete»."— Dresden, LS.'Oktober.(Eig. Ber.) Die General-Ber- s a m n> l u» g des konservativen Landesversins. weiche dieser Tage unter strengem Aurschluß ber Oeffentlichkeit hier stallfand, hat, wie das„Vale>la>>d" mittheilt, in bezug auf die lileichstagstvahlen, bez. die Agitation für dieselben, folgende Nesolntion gesasii: «Die eben beendigten Landtagswablen haben dt» N oth- w e n d i g t e i t der F e st h a l l u n g am kt a r l e l l evident er- wiesen. Es ist dringend zu wünschen, daß das Kartell auch bei den lnntligen Wahlen, insbesondere auch bei den bevorstehenden»ieichs- tngsivahle» in vollstem Maße erneut durchgeführt werde. In die bezüglichen Vorbereitungen für die tlleichstagsivnhleu ist mit thun- Uchsler Beschleunigung eiuzutret»»." Müssen die Herrschaften eine Angst baben! Und diese Angst ist nicht miberechligl Trotz Kartell werden die„Ordiiungsparteien", die Schöpser de- Dreiklnssen-WahishstemS. bei den Neichstagsivahlen bose heiuige;ad,ll bekommen.— — Wegen Haberfeldtreiben S wurden in München mehr als 400 Personen vernrlheill. Ende der letzten Woche standen wieder 42 Hadem vor Gericht, unter der Anklage, vor mebr als S Jahren zu Grnialing dem dortigen Wirthe und Pfarrer getrieben zn haben. Diesmal wurde» Strafe» von l— 3 Monaten ausgesprochen.— SdiUch dein..Gebirgsboten" erklärte der Justizininister zwei Jen lrniiisabgeordneleii eine generelle Begnadigung der Haberer für unzulässig, dagegen sei die Möglichkeit indivlvusller theilweiser Be- gnadigung der einfach bitheiligten und gut delenmundelen Bersührlen gegeben.— -Ein großer Krawall bei G elegenh elt einer antisemitischen Versammlung hat in W a ll d 0 r f in -Baden staltgefnnde». Es wird behanpler, die jüdischen Ein- wohner � de- Ortes hätten Zlrbeiler» Freibier gegeben. E- entstand eine Schlägerei; voer dieselbe angeiange», rit nicht sicher sestznstelleii, die beide» Parteien warfen einander die Schuld vor. Die Antisemiten flüchteten. Gegen die Theilnehiner des Krawalls soll Anklage wegen Landsriedensbruches erhoben werden. Bisher wurden acht christliche und vier jüdische Einwohner nach Mannheim in Uutersuchuugshaft gebracht. Daß Arbeiter sich zu solchem Mumpitz inißbranchen lasse», bedanern wir ans das leb- ha f teste. Auch unser Mannheimer Parteiorgan spricht sich in schärfster Weise gegen diese Vergewaltigung der Versammlungs- sreiheit aus.— Strastbnrg f. G., 22. Oktober.(Eig. Bericht.) Die hiesigen Polizeibehörden scheinen bei ihre» alten Praktiken hinsichUich der Handbabuug der Versanimlungs-Gesetzgebung gegenüber der Sozial- demokratie beharren zu wollen. Auf heute Abend war durch den Vertrauensmann eine öffentliche Parteiversammlung ei»- berufen worden, in welcher der Delegirte Böhl« Bericht über die Verhandlungen des Hamburger Parteitage» erstatten sollte. Außer. dem stand die Wahl eineS Delegirte» zu der demnächst slaltfindenden elfaß-lothringischen P r e ß k 0 n f e r« 1, z zur Tagesordnung. Soeben ist nun eine Verfügung des Bezirksprästdinms eingetroffen, nach welcher der geplanten Versammlung die nach Art. 1 des Gesetzes vom K. Jnni 1868 erforde'lich« polizeiliche Genehmigung versagt wurde. Wir sind also wieder einmal auf die Gastfreundschaft des badischen Nachbarlandes angewiesen, wenn wir nicht auf die Wahrnehmung der bescheidensten staatsbürgerlichen Nichte verzichten wollen. Die verbotene Versammlung findet nun nächsten Sonntag im badischen Dorfe Neumühl statt.— Auch die öffentlichen G e w« r k s ch a f t s- Versammlungen finde» bei uns«» Polizeibehörden keme Gnade. Am Sonntag Abend wollte Böhle in einer solche» über die Lage der in der Schnhinacherei beschäftig len Arbeiter nnd Arbeiterinnen spreche». Auch diese Versammlung ist heule durch den Bezirkspräsi- deuten verboten>voi»en. Mau sieht ans diesen beiden Bei- spielen auf's neue, daß das durch die Neichsverfassung garnntirle Versammlungsrecht für die Bewohner der Neichslande durch be- hvrdliche Mahnahmen nahezu illusorisch gemacht wird.— Einer Verordnung des kaiserlichen Stalthalters zu folge haben die Neuwahlen zun, L a n d e s a» S s ch n ß für Elsaß- Lothringen am 6. November stattzufinden. Tie Mahl der Wahlmänner soll a», 29. Oktober vorgenominen werden.— Durch Beschluß des Bezirkspräsideulen von Metz wurde der französische Staatsangehörige Taver Breton aus de», Gebiet der Reichslande ausgewiesen.— Veranlaßt durch die häufigen Ruhe- störungen, welche die mit klingendem Spiel von Nachtübungen zurückkehrende» Truppen in der Stadt zu verüben pflegen, hat der Gemeinderath der Riesengarnison Metz den vernünftigen Beschluß gefaßt, beim Gouverneur der Festung dahin vorstellig zu werden, von Ziergewächfen auf den Katafalk gehoben, vor dem sich ein Berg von Kränzen aushäufte. Ein wogendes Meer von Menschen erfüllte den Friedhof— gegen dooo hatten sich eingefniiden, um in theilnahms- voller Sympathie und lautloser Stille Spalier zu bilden vor demTrauer» gesolge, denn nur für»ngesähr 200 bot die Bestatlniigshalle Raum. Ein stimmnngsvolles Trauerlied, gesungen vom Gothaer Arbeiter- Gesangverein Frohsinn, erklang in der Halle. Dan» trat Ge- noffe Oertel an den Sarg und sprach im Namen der N ü r n- berger Genossen mit schmerzdurchbebler Stimme den Adschiedsgruß: Unaussprechlich schmerzlich nnd traurig ist die Veranlaffiing, die nns hier znsanimcngesührt. Keiner von unS hätte geglaubt. daß einer unserer Besten, daß unser Freund und Genosse Karl Grillenberger so rasch und so plötzlich aus unserer Milte gerissen würde. Entschwunden ist das Lebe», das so reich in ihm schlug. für immer dahin die köstliche Gabe der Rede, unwiderbringlich uns verloren sein Rath, sein scharfes Urtheil, verwaist stehe», wir hier und beklagen den Verlust des väterlichen Freundes, deS Mitarbeiters, des rasttos thätigen Partei- genossen. Die deutsche Sozialdemokratie hat eine» ihrer sähigste» Vertreter, die bayerische Sozialdemokratie und ganz besonders die sozialdemokratische Landlagsfraktion Bayerns hat ihren größte», mnstchtigsten Förderer, ihr Haupt verloren. Uns ist er unersetzlich, und wenn wir ein Spiegelbild der grenzenlosen Liebe nnd Verehrimg, der Achtung sehen wollen, deren sich der Verlebte erfreute, dann dürfen wir nur der ungeheueren Theil- nabine, des gewaltigen Schmerzes gedenken, den fein Ableben allüberall hervorgerufen hat. Die Zehntausende, die ib», i» München das Geleit gegeben, die zahllosen Veileidsbezengmigen, die eingetroffen, die heutige Tranerversainmlnng— alles giebt Zengniß. wie tief sein Hingang beklagt wird, wie man weiß, waZ wir verloren. Es möge das auch ein Trost für die schwergeprüsle Familie sein. So hat also der Tod dem Kämpfer für Befreiung dcS Proletariats ein Ziel gesetzt. Mitten in diese», Kampfe ist er gefallen, ein Held. Äln uns liegt es, das Erbe anzutreten, fort- znivirken, forlznkänipfen in seinen» Sinne. Ist auch der Körper todt, sein Geist wird fortleben, wird uns die Richtung weisen und unvergeßlich wird eingegraben sein in der Geschichte der Sozialdemokratie Dein Name: K a r l G r i l l e n b e r g e r! Du edler, bester Mensch, Du selbstlosester Freund,»im», hiermit meinen, unser» letzten Abschiedsgruß. Im Namen der Parteileitung und der Reichstags- f r a k t i 0 n widmele Genoffe Liebknecht den, Aufgebahrt»,, für die Gesaminiparlei ungefähr folgende» Nachruf: Wir sind hier versainmelt zur Erfüllung einer traurigen Pflicht. Wir sind eine kämpseude Partei und wir stehen an der Leiche eines daß die Truppen bei ihren Durchzügen durch die Stadt im Sommer nicht vor ö Uhr, im Winter nicht vor 7 Uht morgens die Musit spielen lasse» düisen. glnch hier in StiaßMirg wäre es sehr an- gebracht, gegen die gerügte Unsitte des Militärs energisch vor- zugehen.— — Chronik der MajestätsbeleidigungS-Prozesse. Au» Konstanz wird unter dem LI. d. M. der«Franks. Ztg." ge- schriebe»: Wie gut es wäre, wen», Anllagen wegen Majestäts- beleidignngen nur ans Antrag der„beleidigten" Personen erhoben werden könnten, zeigte heute wieder die Strastaimner-Verhand- lnng gegen den mehrmals bestraften Küfer Enge» Bär von Meersbnrg. Bär saß an» 26. August angetrunken mit Zechgeuossei,, die gleichfalls nicht mehr ganz nüchtern waren, in der„Geriiimiia" zu Meersbnrg und«politisirte" Als einer auS der Gesellschaft sagte, er sei 1843 und 1366 Soldat gewesen, machte Bär die Beiii«rkung:«So, damals als der Groß- Herzog das Land verkaufte." Wer 1343 regiert«, wußte Bär nicht, ebenso wenig, was damals in Deutschland vorging.„Ich war ja da noch gar nicht ans der Well," meint« er. Die Veschuldigmig will er in der Schiveiz gehört haben. Auch die Wirlhin hat die Aenßernng schon öfter gehört, ohne sich darüber besondere Gedanken gemacht zn haben. Der Gerichtshof sprach den Angek'agie» frei, weil nicht erwiesen sei. ob der regieiende Großherzog oder dessen verstorbener Vater, Leopold, gemeint war.-» CVstmclch. Wien, 25. Oktober.(Voss. Zlg) Wie verkantet, stellten i»S- beso dere die Slbgeordiicten des koiiservalive» GiobgmudbesitzeS die Bedingung, daß die erste Lesung des Dipanli'schen Sprachenantrages vom Aufgeben der Obstruktion durch die Linke gegenüber dem Ans- gleichsprovisorinm abhängig gemacht werden müsse. Dipauli will noch in dieser Woche neue Verhaiidluiigei, beginnen und die widerstrebenden Gruppen der Rechten für die bedingungslose Zustimmung zur ersten Lesung feines Antrages zwingen. Die Rechte beabsichtigt übrigens, die inass-nycepT-» nameiillichei, Abstimmungen beim Sitzungs beginn über die eiugetanfenen Petitionen dadurch zu verhindern, daß von der Mehrheit von Fall zu Fall beschlossen wird, sämmtliche von Ab- geordneten vorgelegte Petitionen seien dem stenographischen Protokolle beizudruckeu, infolge dessen die namentliche Sldstwiniuna über die Vehaiidlnng jeder einzelnen Petition entfiele. Damit wäre die Linke eines wirksamen ObstniktionsniiltelS, wodurch jedesmal der Bs- ginn der Verhandlungen d«S Abgeordnetenhauses viele Stunden hin- durch verzögert werde» konnte, beraubt.— Ungarn. lvndnpcst, 25. Oktober. Abgeordnetenhaus. Die Vor- lag« über das Budgetprovisorinm winde»»» allgemeine» und im einzeln«» angenommen. Der Ministerpräsident Baron Banffy erklärte, die Regierung könne das Budget nicht einbringen, bevor die B e i t r a g s t e i st u n g zu de» g« in e i n s a>1, e» Au- g e l e g e n h e i t e„ festgestellt sei. Der Ministerpräsident äußerte sich sodann über di« Verhältniff« in Oesterreich.— !>t e ch t s v e r h ä l t n i ß zwischen Arbeitgebern nnd l a n d w» r t h s ch a s t l i ch e u Arbeitern. Im Ackerbau- Miuisteri»», fand in den jüngsten Tagen eine Enquete statt, deren Gegenstand die Verhandlung deS Neferentcii-Entivnrfes eines Ge- setzes über die Regelung des Rechisverhältnisses zwischen den Arbeitgebern und den laiidwirthschaflliche» Arbeitern bildete. Die Enquete, in welcher Ackerbau-Minister Da>«.»y> den Vorsitz führt«, nah», die Vorlage im allgemeine» und in den Details ob»e wesentliche Aenderungen an. Da auch die hierzu mit Rücksicht ans spezielle nnd lokale Verhält- »isse aufgeforderten Körperschaften und Fachmänner den Entivurs billigten und für zweckeutsprechend erklärten, wird der Minister den Gesetzentwurf schon binnen kurzem de», Parlament vorlege». Arbeiter wurden in dieser durch die Erutestreiks der letzte» Jahr« veranlaßt«» Enqnet« nicht vernonime». Das Gesetz dürfte weniger den Schutz als die Knebelung der Landarbeiter bezwecken.— Schiveiz. lvern, 24. Oktober. Der Beginn einer Referendum?- beivegung gegen daS Eisen bahn- Rückkaufsgesetz wird von verschiedenen Seiten gemeldet. I» Lausanne bildete sich ein eigenes Komitee zur Veibreitung der Beivegung; das demo- kralische Wahlkomilee von Genf beschloß die Unlerstützniig der- selbe»; auch die Volksparlei des Kaulous Bern hat die Beivegung aufgenommtn.-- Araukreich. Pari». 24. Oktober. Fi»a»ziiüa>st«r Goch er») gab heute Vormittag i» der Bndgelkommission Erklärungen ab über das zivischen der Kommisston und der Regierung erzielte Einverftändniß hiusichllich der Mitlel, durch ivelche eine S l e it e r e r l e i ch t e r u» g im Betrage von 23 Millioue» erzielt werden könne. Das Ein- uersländniß bezieht sich ans folgende Punkte: Aufrechterhaltnng der Taxe auf fremde Werth«, Eihöhnng der Steuer für Ucberlragnng der auf Name» lautenden Werlhe von 0.50 Frank auf eine» Frank sowie Erhöhung de? Sleinpcls aus fremde Werlhe ebenfalls von 0.50 Frank auf«inen Frank. Cochery erklärl«, er glaube nicht, daß die auswärtigen Regierungen hiergegen Widerspruch erheben würden. Es Handell sich also im wesentliche» um eine stärkere Besteuerung ausländischer Börsenpapiere.— unseres besten Kämpfer?, den der Echlachlenlod weggerafft hat. So jäh weggerafft, daß wir kann, glauben können, daß er lobt ist. Und steht er nicht»och vor uns in der Fülle der Kraft, ei» Hüne an Gestalt, allen voran im Streit'{ Wie eine»lächlige Eiche, von einem Blitzstrahl getroffen, so ist er gefallen, unser Karl Grillen- berger. Wer er war. was er war—»vir alle wissen es Er war ein Stück der Partei. Seine Geschichte erzähle», heißt die Geschichte der Partei erzäble». Seit 25 Jahren fleht er im Kampf, immer im Vorkampf, Führer und Soldat, niemals hinter der Front. Ans der'Arbeiterklasse hervorgegangen, hatte er das Klaffenbeivußt- sein deS Proletariats, das ihn nie verlassen, in allen Jrrnisse» des politischen Kanipfes. In seine Jugend fällt daS politische Erwache» der deulfche» Arbeiterklasse, es begann der Einaiizipations- kanipf des Proletariats; er belrachlet« ihn hellen Auges, und seine Partei war genommen. Er bildete sich und trat ein in die kämpfende Armee.— Er hat gekämpft mit Schrift und Wort. als Agitator, als Organisator, alS Lehrer, als Führer! Das Bild der Kraft: Kuhn, witzig, voll Humor? und voll Leideiischast— das Ideal eines VolkSlribuns, eine? VolkSrednerS. Seine Rede war wie ein Gewitter! Erfrischend und leuchtend dem Freund. Und wie ein Gewitter ging sie aus die Gegner nieder l Und er ist nicht mehr! Er halte den schönen Soldatentod. Nicht den deS Soldaten, der aufs Schlachtfeld gezwungen wird und dem Moloch erliegt— nein, ans eigener Wahl ging«r in den Kampf, kennend die Gefahr, den Feind nicht zählend- ein Soldat der Pflicht. In- mitten de- KainpseS fiel er, kämpfend. Er schien sür die Eivigleit gebaut, und er ist noch nicht 50 Jahre alt geworde». Ja, der Dienst der Partei weist einen erschreckenden Verbranch von Kräfien und Lebe» auf. Ja, der Dienst der Freiheit ist ein barier Dienst. Werfen wir»nr einen Blick auf di« französische Revolution. Jngendliche Lockenköpfe sehen wir zu ansang ans- treten, und nach drei, vier Jahren sind sie grauhaarig, mit dem Aussehen von Greise», E i» Jahr zählte dort für zehn Jahre ruhigen LebenS! So auch in unserem Kampfe. Wenn mir zurückblicken in ber Geschichte unserer Partei, so sehen wir eine er- schreckend lange Linie von Leichensteinen. Ich will nur wenige nennen: Bracke. Geib. Marx, Kayser. Kräcker, R e i n d e r». Meist in der Blülhe der Jahre gingen sie hin. Jeden Tag lese» wir neue Name» von Opfer». alle jung, in den»Oer, SO«, 40er Jahren! Engels und Johann Philipp Becker, sie sind ziemlich die einzigen, die ein hohes Alter erreicht haben, fast alle anderen aber sind i» der Jugend gestorben. So rasch werden die Kräfte abgenutzt in diesem aufreibenden politischen Kampfe. Dieser Riese, noch nicht 50 Jahre alt. hätte noch Jahrzehnte gelebt, wenn er nicht in diesem Kampf« ausgerieben worden wäre.— PariS, 25. Oktober. Die Deputirienkammer zog einen Antraz Rozs's, nach welchem fingirte Geschäfte in landwirthschastlichen Pro- dullen bestrast werden sollen, in Erwägung. England. London, 24. Oktober. Die BimetnNistenliga hat an den Sch Lndwlgshafen, neben Grillenberger, LSwenftcin und Echerm der Verlreler Nnriibergs im bayerischen Landtage, sprach im Auftrag« der Laudtags-Fraktion dem Fraktions« genossen seinen liefempfundene» Scheidegruß: Es war eine der lranrigste» Pflichte», die mir während meiner 2Sjährigen Parteithä!igkeil übertragen wurde, als mich die bayerische Laudtags-Fraktion beauftragte, den vor uns liegenden Genosse» zu seiner letzte» Ruhestätte zn begleiten. Wer von Ihne» fühlt nicht das Entsetzliche, das wir in den letzienTagen durchgemacht: aniMorge» sehen wir den Freund»eben unssi» der Blüthe seiner Kraft sei» Bestes einsetzen für die Partei, und am Nachmittag ist er uns plötzlich, wie durch einen Blitzschlag, von der Seite gerissen. Und als ich ihm wenige Stunde» späler die Auge» zudrückte, da wußte ich, da empfanden wir, was uns nunmehr fehlt. Unser alter Freund Liebknecht hat eben die Hossnung ausgedruckt, daß wir die Lücke bald schließen werde», die der Tod uusercs Freundes gerissen hat: ich hege die Furcht, daß uns das in absehbarer Zeit leider nicht gelingen werde! Wer wie ich so lange mit ihm gearbeitet, wer wie ich gesehen, waS er geleistet, im Land tage, im Reichstage, allüberall im Land und imReich— der weiß.wie schwer ersetzbar unscr Grillenberger ist. Und der gestrige Trauerzug durch München hat uns gezeigt, daß sein Wirken kein fruchtloses war, hat unS die Liebe, die Sichtung gezeigt, die der Berstorbene überall genossen. Noch rührender,»och ergreifender war der Enipsang, de» unserem Trauer» wage» bei unserer Durchfahrt die Nürnberger Genossen bereiteten: auk Wegen und Stege» standen sie, rußgeschwärzt von der Arbeit, Genosse Singer schreibt ni>S: Die Frage der B e t h e i l i g» n g an den preuMschen Landtags wählen scheint nicht zur Ruhe kommen zu sollen. Nachdem der Parteitag in Hamburg über das„ob" und„wie" der Betheiligimg ent- schieden hat, beginnen die Fanatiker der Betheiligung ihre Un« zufriedenheit darüber zum Ausdruck zu bringen, dah der Parteitag nicht beschlossen hat, die bürgerliche Opposition bei den Wahlen durch Einrücken in ihre Reihen zu»nterslütze». Die „Bielefelder Bolksivacht", die„Rheinische Zeitung" und das „Hainburger Echo" plädircn mit grobem Eifer und heißem Bemühen dafür, daß das Verbot von Kompromissen und Bündnissen mit anderen Parteien nicht davon abhalten dürfe, bei den preußischen Landtagswnhle», ohne Aufstellung von eigene» sozialdemokratischen Wahlmanns- Kandidaten, sofort für die Wahl oppositionell-bürgerlicher Wahlmänner zu stimmen. Die„Bielefelder Volkswacht" hat den Genossen Auer um Auslegung des Hamburger Beschlusses gebeten und dieser hat ganz im Sinne des seine Hilfe heischenden Partei-Organs resolvirt. Mehrfach ist in diesen Meinungsäußerungen auf meine bei der Ab- stimmung über die bekannte Resolution Bebel gemachten Bemerkungen Bezug genommen, und diese Thatsache giebl inir wohl das Recht, einige kurze Bemerkungen zur Sache zu machen. Auf eine Erörterung der Frage, ob die Auslegung eines Partei- tags- Beschlusses durch den Vorsitzenden für die Partei bindend sei, lasse ich mich nicht ein, obgleich der Umstand, daß der Antragsteller ausdrücklich der Auffassung des Vorsitzenden beitrat und aus dem Parteitage hiergegen keinen Widerspruch laut wurde, gewiß zu der Auffassung berechtigt, daß der Parteitag der Ansicht des Vorsitzende» und des Älntragstellers— der gewöhnlich als der bernfenfte Interpret eines Antrages gilt— zugestimmt hat. Uebrigcns Handelle es sich in diesem Falle überhaupt nicht um eine Auslegung des Beschlusses durch den Vorsitzende», sondern um die Deklaration des Beschlusses, welche der Parteitag selbst auf Anfrage des Vorsitzenden vor- genommen hat. Diese Frage ist auch gegenüber dein klaren Wort- laut und dein noch klareren— durch die Diskussion gezeitigten— Sinn des Beschlusses ganz nebensächlich. Was bezweckt dasKonipromiß- bcz>v.Bü»d»ißverbot? Der Parteitag will, daß bei der Belheiligiing an de» preußischen Landtagsivahle» dersStandpilnkt des Klassenlainpfes nicht verivischt oder gar verlassen wird. Das braucht nicht zu geschehe», wenn die Partei nur sozial- demokratische Wahlmänner aufstellt, m u ß jedoch eintrete», wen» die Parteigenossen sofort für bürgerlich-oppositionelle Wahlmänner stiinlnen. Das ist ja eben der große Unterschied zwischen den beiden Richtungen; die Einen sage»: Auf jeden Fall wählen, und zivar, weil wir selbst keine Abgeordneten durchbringe» können, soll bürgerlich- oppositionell gewählt werden. Die Andern sage»: Soll ge- ivählt werde», glaubt man die Schwierigkeiten der öffent- lichen Stimmabgabe. des Zeitverlustes uny des Dreiklasse»- Wahlsystems überwinden zu können, dann darf der Klaffe»- standpunkt der Partei nicht preisgegeben werden, dann muß— soweit dies möglich ist— die Landtagswahl unter denselben Vorailssetzniigen und Bedingungen vorgenommen werden, wie die Reichstagsivahl. Das und nichts anderes kann der Sin» des Parteitags-Beschlnsses sein. Denn das Amendement Mittag verlangt nicht»nr das Verbot von Kompromisse», sondern lautet: Zu Punkt 2 der Resolution Bebel hinzu zusetzen:„Kompromisse». s. w. dürfen nicht abgeschlossen werden. Alles andere noch folgende soll gestrichen werde»." Dieses Amendement inklusive des letzen Satzes wurde mit erheblicher Majorität angenommen,»nd damit die Aktionsvorfchläge Bedel's abgelehnt und vollkommen reiner Tisch geschaffen. Ich wundere mich, daß jetzt überhaupt noch die- Frage des„Wie" diskntirt wird. ES giebt nach meiner Meinung jetzt gar keine andere Taktik, als die, welche die Partei bei den Reichstags-Wahlen einnimmt. Diese Taktik beantwortet zugleich auch die„Preisfrage" des Geiiossen Auer. Es wird gewählt, wo die Verhältnisse es ermögliche». Die Entscheidung darüber, in wie weit eine Betheiligung i» den einzelne» Wahlkreisen niöglich ist, treffe» die Parteigenossen der Wahlkreise nach Maßgabe der lokalen Verhältnisse. Da Kompromiffe»nd Bündnisse mit anderen Parteien nicht abgeschlossen werden dürfen, so müssen unsere Genossen, da wo sie sich betheiligen— entsprechend der Taktik bei der Reichstags- Wahl— eigene Wahlmänner» Kandidaie» aufstellen— kommt es hierdurch bei den Urwahlen zur Stichwahl zwischen bürger- lichen Parteien— dies die Antwort ans die„Preis- frage"— so stimmen unsere Genossen in der engeren Wahl für diejenige» Wahlmanns- Kandidaten, die sich ver- pflichtet habe», nur solche Männer zu Abgeordneten zu wähle», welche unsere für die Reichslags-Stichivahle» geltenden Bedingungen erfülle». Dies wäre der erste Theil desWahlgeschästs. I» dein Wahl- nianns-Körper würde es ebenso gehen. Zunächst eigene Abgeordneten- knudidalen, bei Stichwahlen die sozialdemokratischen Stimme» für die Kandidaten, die sich auf nnsere vom Parteitag festgesetzte» Be- dingungen verpflichte». Da nicht alle Punkte für den preußischen Landtag in Frage kommen, so würde» die niir den Reichstag berührenden Punkte ausscheiden könne». Ilm besten würde es übrigens tvohl sein. we»>i die Partei- leitnug diejenigen Bedingungen feststellte, unter denen bei Stichwahle» — gleichgiltig ob bei Wahlmänner- oder Abgeordnetenivahle»— zum preußischen Landtage sozialdemokratische Stimme» für gegnerische Parteien abgegeben werden dürfen. Auf diese Weise würde der Klassenstandpunkt unserer Partei ausrecht erhalten, der und über die harten, sorgendurchfurchten Gesichter flössen die Thränen der Trauer über ihren ihnen so früh entrissenen Freund, Genossen, Berather und Vorkämpfer! Theurer Frcnud, wir danke» Dir, Du warst unser Lehrer, unser Frennd, was wir thun könne», Dein Werl fortzusetzen, zu vollenden, das werden wir thu», das gelobe ich an Deinem Sarge! Für die Golhaer Genossen widmete Genosse Bock dem verstorbenen Freunde ein kurzes Eriniierungswort: Wenn das Wort, von de» Tobten nur Gutes zu reden, irgendivo angebracht, so hier bei diesem Todte», dessen Charakter, dessen treue Liebe und Hingebung für die Sache der Arbeiter ihm die Herze» des deutschen Proletariats erobert hat, deren große Trauer jetzt in so tiefer Klage Ausdruck findet. Auch ich gehörte zu seine» Freunde»! Wahrheitsliebe, rastloser Fleiß. Biederkeit, Jntclligcnz ohne jede Uebcrhebung. offene rücksichtslose Ans- spräche der gefundenen Wahrheit, oft vielleicht in harter Fori», immer in bestet Absicht— das ivar der Gnnidcharakter seines Wesens. Da waren natürlich auf seinem Pfade nicht blos Blumen gestreut; wie wir alle mußte auch er erfahren, daß nicht blos die natürliche» Gegner ihn befeindete», sondern daß auch verletzende Pfeile wider ihn abgesandt wurden aus den Reihen Derer, für deren Sache er sein Lebenlang eintrat. Aber der Glaube an die Zukiinst, a» die Erfüllung seines Ideals ließ ihn das ertrage». Und so stand er fest, bis der Tod seinem Wirke» ein Ziel setzte. So nehme» wir Gothaer Genossen den» heute von ihm Abschied,«vir werden das Üludenkeii dieses wackeren, kampserprobten Geiiossen in Ähre» halten, und solange sozialdemokratische Herzen schlagen, wird sein Namen im Gedächlniß des Volkes leben! Die Rede» waren verklungen, da begann leiS und harmonisch das weiche Lied zu erklingen: Ein Sohn des Volkes will ich sei»»nd bleiben! Und als der Refrain ertönte, da senkte sich der Sarg in die Gruft hinab und die Flammen zehrten aus. was sterblich war! Erschüttert und schweigend verließen wir die Halle, den Fried- hos. Milder Abendsonnenschein und weiche Herbstsliinmnng lagerten über den Thälern und Höhen des Thüringer LaiideS; in auigclösle» FreundeSgruppc» kehrten wir zur Stadt zurück, nur einen Gedanken erörternd:>vie lieb er uns gewesen, welch prächtiger Mensch, welch guter Kamerad, welcher Stolz für die Partei, die die Besten an sich zieht und sie so rasch verbraucht. Die Partei ist so schnell geivachsen, der Schnitter Tod halt unter den Beste» und Ersten grausame Ernte, es wird Zeit, daß die nachwachsende Jugend die Lücken füllt.» Agitation für unsere Ziele ein neueS Feld•eröffnet, und der Hamburger Beschluß ausgeführt werden könne». Wenn das dem Genossen Auer und der von ihm vertretene» Richtuug zu wenig ist, so � läßt sich eben, wenn wir bei den Landtagsivahlen nicht als Partei abdanken wollen, nicht mehr er- reichen. Daß bei der Betheiligung keine Wahlerfolge für unS heraus- springen können— diese Ansicht habe ich von Anfang an vertreten, aber das ist nicht die Schuld derer, die auch bei diesen Wahlen die Fahne der Partei nicht ziisannnengerollt lassen wollen, sondern die Schuld des W a h l s y st e m s, welches das arbeitende Volk aus- schließt von der selbständigen Wahlbetheiligung. Auer meint, wir unterstützen durch die oben erläuterte Betheiliguugsart indirekt die Reaktion sowie das Agrar- und Schlotjunkerthnm. Das ist nicht richtig. Entweder die Reaktion verfügt bei de» Urwahlen über die Mehrzahl der erschienenen Urwähler, dann ist's gleich, ivie unsere Genossen gestimmt haben. Oder wir bringen es zur Stichwahl, dann kau» die bürgerliche Opposition unter bestimmten Bedingungen auf die sozialdemokratische» Stimmen rechiie». Ebenso bei den Abgeordneleuwahlen, soweit sozialdemokratische Wahlmänner in belracht kommen. Zllso ich bleibe dabei: Will die Partei auch bei den Lantagsivahle» als die politische Organisation der Arbeiter- klaffe auftrete»— und ein anderes kann»nd wird die Sozial- deniokratie nicht wollen— dann dürfen wir nicht als Schutzlruppe» des Freisinus ins Feld rücken, sondern müssen unter unserer eigenen kämpf- und sturmerprobten Fahne in den Wahlkampf ziehen. I» der West- Prignitz verbreitete» Berliner»nd Wittenberger Parteigenossen am Sonntag 20 000 Flugblätter zur Reichslags-Nachivahl, die nächsten Freitag vor sich geht. Ueberall wurden, wie man n»s schreibt, unsere Genossen gut aufgenommen und nur eine Stimme herrschte unter de» Leuten: den Konservativen v. Saldern-Plallenburg nicht zu wähle», so daß nnsere Genossen es nicht für ausgeschlossen Halle», daß wir in die Stichwahl kommen. Leider ist es uns nicht gelungen, in dem Kreise(außer Wittenberge) einen Saal zu Versammlungen zu erhalten. Bei mehreren Wirlhen ist wohl der gut« Wille vorhanden, aber der Druck von Oben läßt die Aiisiührung nicht zu. De» gegnerische» Parteien wird nichts i» den Weg gelegt; sie habe» den Vortheil, überall Versainnilnnge» abhalten zu können, wo sie über die Sozialdemokratie herfalle», ohne daß unsere Genossen in der Lage sind, die Angriffe abzuwehren. Was die freisinnige Volks- partei betrifft, so übt diese in den Versammlnngen zweierlei Taktik. In der Städten hält sie sich unserer Partei gegenüber ziemlich reservirt, auf dem Lande dagegen bekäuipst sie uns in nichts weniger als nobler Weise. Die Freisinnigen hegen ivahrscheinlich schon die Hoffnung, mit den Konservativen in die Stichwahl zu koininen und dann mit Hilfe der Sozialdemokratie in den Reichstag einzuziehen. Eine am Sonnabend Abend in Wittenberge abgehaltene Versaniinlnng, wo Reichstags-Abgeordneler Stadthagen sprach, war von zirka 1000 Personen besucht, die den Worten des Referenten begeistert Beifall spendeten und für die Wahl unseres Kandidaten Hinze aus Tangermünde agitatorisch einzutreten und zu stimme» versprachen. Donnerstag Abend wird in einer Versammlung i» Wittenberge»och Reichslags-Abgeordneter Auer sprechen. Ans der Redaktion der„Brandenbiirger Zeitung" scheidet Ende dieser Woche der Parteigenosse Nosle aus,»in die Redaktion der dreimal wöchentlich erscheinende»..Königsberger Volks- t r i b ü>l e" zu übernehinen. Die„Brandenburger Zeitung" hebt hervor, daß ihr»lit Noske's Scheiden ei» tüchtiger Mitarbeiter und der Partei im Kreise und den Gewerkschaften ei» unermüdlicher 9lgitator verloren geht. Eine Partcivcrsanimlnng in Kassel stellte als Kandidaten für den Reichstag einstimmig den Genosse» Buchhändler F. Diedrich auf und betraute den Genossen G. Garbe wiederum mit dem Amte des Vertrauensmannes. Mit dem Ver- halte» deS Delegirten auf dem Hamburger Parteitage erklärte sich die Versaminlung einstimmig einverstanden. Eine Proviuzialkonfercnz für Hessen-Nassan, die erste, die dort abgeballen ivird, ist auf Sonntag, den 14. November, vor- millagS Vi 11 Uhr nach Gießen in das Lokal von Orb ig, Rittergasse, eiuberusen. Die vorläufige Tagesordnung lautet: I. Unsere Stellung zu den bevorstehenden Konimunalwahleu nach der neuen Stadt- und Landgeineinde-Ordnnng für Hessen-Nasjau, Referent Genosse Hoch aus Hanau; 2. unsere Tbeilnahine an de» preußischen Landtagsivahle», Referent Genosse Dr. Q» a r ck aus Frankfurt a. M.; 3. Organisation. Ans Leipzig. In zwei öffentlichen Versammlungen des Ver- eins sozialdeniokraiischer Frauen und Mädchen des 12. und 13. sächsischen llieichstags-WahlkreiseS— abgehalten am 19. Oktober im„Thüringer Hof", Volkniarsdorf,»nd am 20.Ottober im„Felsen- kelter" in Plagwitz— wurde folgende Resolution einstimniig an- genominen:„Die Versammlung bedauert, durch die gesetzlichen Be slinnnnngen und die reaktionären Zeitläufte gehindert zu sein, das über Liebknecht verhängte Urlheil nach Gebühr zu kennzeichnen. Sie spricht Genosse» Liebknecht und seiner Familie ihre Sympathie ans und versichert dc»> nnentivegten Vorkämpfer des Prolelariais, seinein Beispiel folgend, stets opferfreudig für die Ziele der Soziatdemokralie zu kämpfen." Polizeiliche?, Gerichtliche?«. — Damit der würdigen Feier bei der Bestattung Grillen- b e r g e r' s in G o t h a der Polizeistempel nicht sehte, hatte die Gothaische Polizei auch Stenographen in die Bestattungshalle die die Parteigenosse» in den Zentralsäleu ab Uebcr die Gedächtnißfeier, N>"> r» b e r g s am Sonntag Vormittag hielte», wird unS von dort initgetheilt: Schon in den frühesten Morgenstunden waren die Straßen»n- gewöhnlich belebt. Bereits 2Vi Stunde» vor dem Beginn der Feier hatte» sich Tausende in den Sälen eingefunden, um>/,9Uhr war kein Plätzchen mehr frei und über eine Stunde lang zogen schier endlose Massen aus allen Straßen»ach dem VerfanimlnngSIokal. Auf derBühne derselbe» prangte unter einem Baldachin aus rothem Stoff das Bildniß G rillen berger's, umgeben von Palmen und Lorbeerbäumen. Mit einem Tranerinarsch und dem Gesang des Liedes:„Zu des Fried- Hofs stillen Hallen" wurde die Feier eingeleitet, ivorauf Genosse Segitz die Gedächlnißrede hielt. Älm Schlüsse derselbe» sagte er: Grilleuberger hat ein Aller von nicht ganz 50 Jahre» erreicht, er selbst glaubte es auf 00 Jahre zu bringen. Hier zu sage», was uns Gcillenberger als Frennd, als Lehrer gewesen ist, dazu fehlen mir die Worte. Unersetzlich ist er allen. Grillenderger hat einen Tod gesunde», wie ihn schöner sich kein Streiter für des Volke? Sache wünschen kann. Er fiel mitten im Kampfe, auf dem Felde der Ehre. Ein herber Verlust für die Familie des Heiingegangenen, für seine Freunde, für die Parteigenosse» Bayerns, speziell für die Nürnberger Arbeiter. Die Nürnberger Genossen stehen jetzt vor einer schwere» Aufgabe. Der Mund, schweigt, der uns mit so herrlichen Worten für die Volkssache zu begeistern wußte, der klare Blick des immer kühn vorwärts streitende» Führers fehlt, der Arm ist erlahmt, der die scharfe Klinge gegen den Gegner führte. Mit doppeltem Eiser muß jetzt jeder Genosse und jede Genossi» für die Verivirklichnng der Grundsätze eintrete», die den Lebens- iiihalt des nun Entschlafenen bildeten. Jetzt können ivir auf niemanden verzichten; ivir habe» nicht nur zu vertheidige», was wir unter Gnlleiiberger'S Führung errungen haben, sonder» auch neue Erfolge müssen errungen werden. Vorwärts, immer vorwärts! war unseres Freundes Losung, wir wollen sie beibehalten; iu diesem Zeichen wollen wir weiterkämpfen. Tiesbcwegt hörte» die Massen die Gedächlnißrede an, kein Auge blieb trocken. Die Trauerfeier wurde mit dem Liede:„Ein Sohn des Volkes will ich sein»»d bleiben" geschlossen. Würdig und ohne jeden ZivischenfnU verlief die Kundgebung, wie sie so großartig Nürnberg noch nicht gesehen hat. Größte Entrüstung erregte eZ unter der trauernden Arbeiter- schast, daß der freisinnige Magistrat Nürnbergs zwei Beamte zur Ueberwachung der Feier gesandt hatte. gesandt, um die Abschiedsreden aufnehmen zu lassen. Und der Bürgermeister von Gotha soll schwere Sorge darum gelrage» haben, daß der Leichenzug nicht de» Charakter einer politischen Demo»- stration annehme. Eine Parteiversammlnng in Breslau beschloß nach dem Bericht des Parteitags-Delegirle» B r» h» s mit großer Mehrheit eine Resolution, worin sie sich mit den Beschlüssen des Hamburger Parteitages einverstanden erklärt, mit Ausnahuie des Beschlusses über die Betheiligung an den preußischen Landlagswahlen, der, in- soweit er Bündnisse mit anderen Parteien unbedingt verbiete und die Stimmenabgabe für freisinnige Wahlmänner i» jenen Wahl- kreisen untersage, wo unsere Partei sich nicht selbständig betheilsgen kann, inkonsequent und praktisch undurchführbar fei. GeutevJtschKftliilzez?. Berlin und ttingcbnug. Au die Gewerkschaften Berlins! In unserem Rechenschaslsberichl für die Zeit vom Januar bis Juli 1890 wird i» dem Bericht über den Streik in der Koii- fektionsindnstrie hervorgehoben, daß die von der lokalen Richtung für de» Konfektionsarbeiterstreik gesaimnelten Gelder nicht a» die Gewerlschasisko», Mission abgeliefert sind, trotzdem»och eine Anzahl Opfer der Beivegung zu unterstützen waren. Die Ver- wendnng dieser Gelder, hieß es dann weiter, entzieht sich daher unserer Kontrolle. Die Gewerkschaflskoinniissio». der Unparlei» lichkeit wegen mit der Abrechnimg betraut, hat von jener Richtung bis heute noch k e i n e Abrechnung über die damals gesaimnelten Gelder bekomine». In einer von Frau Gnbela, die damals zu den Führern jener Richtung gehörte, abgehaltenen Versammlung ist kürzlich beschlossen worden, Agilationsinarken einzuführen. Auf grnnd unserer Er- fahrungen und Beobachtungen von damals müssen wir die Arbeiter- schast Berlins»nd der Vororte vor derartige» unkontrollirbaren Sainuilnngen hiermit warne», da vielleicht sich dasselbe wiederholt bei Anlässen, wo Einzelpersonen Gelder sauuneln. Die Berliner G e iv e r k s ch a f t s- K o in m i s s i o n. Achtung, Möbclpolirer! I» der Werlstatt von Wenkel Nachfolger, B e s s e l st r. 14, wurde» 2 Kollegen gem-ßreg-lt. Wir bitten, diese Werkstatt bi» aus weiteres zu meiden. Die Fach» k o m m i s s i o». DrntschcS Reich. Achtung, Steinsetzer! Bei der Firma Müller u. Wagner in Görlitz ist infolge Lohndifferenzen ein Streik ausgebrochen. Zilzng ist seruznhallen. Ter Verbund reichötrener Bergarbeiter de? niederschlesischen Grnbenvereins hat, wie aus Waldenburg berichtet wird, be- schloffen, bei der Grubenverivaltiing um Lohnerhöhung einzulommen. Ausland. Znni Kampf der englischen Maschinenbauer. DaS Haupt- intereffe konzentrirt sich jetzt auf die Frage: Werden die Parteien die Vorschläge des Handelsamtes(iu uiiserer Sonntagsnnininer be- reits veröffentlicht) annehmen, bezw. werden sie sich wenigstens auf Unterhandlungen einlassen?" Wie„Daily Chronicle" uiiltheilt, haben die Komitee's beider Parteien bereits über die Einigunftspunkle berathen, halten das Resultat aber geheim. Ein«„Herold"-Dcpesche will wisse», daß Joh» Burns den Arbeitern geralhen hat, die vor- geschlagene Konferenz anzunehuien. Wie ganz anders die englische Geistlichkeit zu den wirthschaft- lichen Käinpfen Slelluiig nimmt und nehmen darf, ohne fürchte» zu müssen, gemaßrcgell zu werde», geht auS einem Schreiben heroor, welches„Daily Chronicle" von einem der bekanntesten Kanzel- redner Londons, dem Kanonikus Scott Holland erhielt und welches lautele:„Bitte, das Eiiigeschlossene an den Schatzmeister des GeiverkoereinS der Maschinenbauer abzusühreu. Ich kann natürlich kein Urtheil über die streitigen Punkte abgeben, aber meine Ueberzeugnug will ich nicht verhehlen, daß Geiverkvereine eine Lebenssrage für die Wohlfahrt der Arbeiter sind und daß Ver- »litteluiig seitens deS Staates moralisch obligatorisch ist. wenn ein industrieller Konflikt de» Umfang und den Ernst der jetzigen Arbeits- sperre erreicht hat." Ganz ähnlich schreibt Kanonikus Barnett, der gleichfalls Geld schickt:„Ich glaube, daß für das nationale Leben geicihrliche Kräfte zur Macht gelangen, sobald man die Gewerkvereine sich zu Tode blute» läßt." Genosse Liebknecht erhielt nachstehendes Schreiben: L o n d o n, 22. Oktober 1397. Geiwsse! Bitte übermitteln Sie durch den„Vorwärts" n»d andere Ihnen zur Verfügung stehende Organe unfern wärmsten Dank für die uns von den beut- schen Arbeitern i» unserem Kampf geleistete Hilfe. Die Saite der internationalen Zusammengehörigkeit ist berührt worden und die gemeinsame Sache wird, als Ergebuiß dieses Kampfes, gefördert werde». Deutschland ist n»s näher gebracht worden und die hochherzige Art, in welcher die Holzarbeiter, die Metallarbeiter, die Buchdrucker niid andere Arbeiter Deutschlands auf unfern Appell geantwortet haben, wird von den englische» Ar- beitern»ie vergesse» werden. Die Arbeitgeber haben, indem sie»ns zum Kampf zwange», mehr für den Fortschritt der Sache, an der wir betheiligt sind, gcthan, als wir während vieler Jahre ruhiger Arbeit hätten thun können. Ich hege die feste Ucbcr- ztugniig, daß, nach Beendigung dieses Kampfes, � die englischen und deutschen Arbeiter sich eng an einander geschlossen haben. Die an- gekündigten Beziehunge» inüssen aufrecht erhalten und die Arbeiter- beivegung in E n g l a n d n Ii d die i» D e Ii t s ch l a n d in«in nahes und dauerndes Bundesverhältniß gebracht iverden. Der Tod unseres Genosse» Grillenderger hat uns lief belrübt, und ivir spreche» seine» trauernden Hinterbliebenen unser tiefstes Beileid ans. Wir wissen, was er für die deutschen Arbeiter gewesen ist»»d wir hoffen, daß andere durch sein Beispiel angeregt iverde», so daß das Gute, was er that, nach ihm fortlebe. Den deutschen Metallarbeitern sowie auch allen anderen Genosse» und Freunden i» Deutschland übermittele ich hiermit die brüderlichen Grüße aller britischen Metall- arbeiter. Der Ihrige und der Sohn der Arbeit: G e o. N. Barnes. DieS der Brief. Er zeigt, wie dieser, von de» englischen linier- nehiuern frivol vom Zaun gebrochene Streit der Sache der Arbeiter »nd der Jnternationalilät mächtigen Vorschub leistet. Die wichtigste Stelle des Brieses sei im englischen Original hergesetzt: Tds convections konned rnust be inaintained and tbe movement in England and on the Continent brought into c 1 o s e and permanent alliance. Tie nngekuupjte» Beziehungen müssen aufrecht erhalten und die Arbeilerdeivcgnng in England»nd in Deiitschlaiid muß in ein enge» und dauerndes Bundes- v e r h ä l t ii i ß gebracht werde». Das Original sagt sogar noch mehr. Es spricht nicht blos von einem Bundesverhältniß, sondern direkt vo» einem Bund, einer Allianz(alliance). Das ist ein scknveriviegendcs Wort, das eine Epoche in der internationalen Arbeiterbeivegnng anzeigt. Ei» Bnnd der englischen Arbeiter mit den Arbeitern des Festlandes ist ein Ereigniß von iingleich höherer knüiireller und potnischer Bedeutung als der Drei- bnnd und der Ziveibniid unserer Zunststaalsinäiiner ziisammen- geuoniineu.— Depefiszen und lelzte Muchvichteu« Cherbourg, 25 Oltobcr.(W. T. B.) Mehrere Tonnen Puloer, iveldie in einem Schisse in der Nähe der großen Moole eingelagert waren, explodirte» heute Nachmittag umer heftigem Knall. Die Er« schiittermig ivlirde in der ganzen Stadl verspürt und erregte ei»« lebhasie Panik. Koustautiiiopel, 24, Okiober.(„Franks. Ztg.") I» Jatzina wurden durch de» türkischen GerichlShos von 15 griechischen Gcin- lidien fünf zum Tode und zehn zu zwanzigjähriger Zwangsurdsil wegen Hochverralhs verurtheilt. Der ökumenische Patriarch»ntex« »ahm wegen Milderung deS Urtheils beim Sulla» persönlich Schritte. Berantwortlicher Nedakleur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jiiserateiiihcil veraiiiwortlich: Th. Glocke iu Berlin. Druck und Verlag oo» Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage» Uuterhaltuugsblatt. Kr. 250. U. Ichrgang. Mommunceles. Vci der»ntcr der Verwaltung deZ Magistrais flehende» S t a d t h a u p t k a f s e, Einzielzmigsnbtheilnng. welcher hauplsächlich oic Einziehung, Annahme und Verrechnung von Erstattungen auf Unterstützung aller Olrt, auf Verpflegungs-, Kur- nnd BeerdignngS- koste» für die städlischen Krankenhäuser und Jrrenanslallen. für die Heiinstätteu für Genesende, für nicht städtische Heilanstalten u. s. w. obliegt, sind in dem Geschäftsjahre April 1896/97 au Soll- rcsteu aus dem Vorjahre übernommen 704 146,12 M. Im laufende» Geschäftsjahre sind neu zur Einziehung gestellt: 2 109 902,83 M., so daß im ganzen 2 814021,95 M. ein- zuziehen waren. Tavo» sind eingegangen nnd auf das Soll ver- rechnet 1 904 234,40 M..»iedergeschlage» 181 319.86 M. nnd als Liest auf die neue Rechnung übertragen 727 947,69 M. Außer obigen 1 904 284.40 M. sind noch baar eingezogen 8064,64 M., von welchen 29 998,87 M. zurückgezahlt nnd ferner in dem Depositenkonto der Stadt-Hanplkasse zur spätere» desinitiveu Bereinnahmung 20 062.77 Mark verblieben sind. Den Stadlsergeante» sind 197 722 Aufträge zur Einziehung übergeben; davon wurden 166 703 durch Zahlung von 299 742,31 M. erledigt. Durch die Post gingen 8211 Sendungen mit 412 474,12 M. ei». Direkt zur Kasse wurden 16117 Posten mit 1 200 232,07 M. gezahlt. In der gestrigen unter Vorsitz des Obcr-VürgermeisterS Zelle staltgehablen Sitzung der Deputation für Kmislzwecke wurde vom Baurnth Kyllmann die vom Hofgoldschmied H. Schaper angefertigte Präsidialglocke und die vom Hofgürller C. H. Preetz hergesteNle Schreibtischgarnitur, ivelche bei besonderen Gelcgcnherten zur Ver- wendung kommen soll, übergeben; Stadlbanrath Hoffmann legte so- dann die Entwürfe zum Brunnen für den L ü tz o w p l a tz »lud der Sl n s s ch m ü ck n n g des Einganges am Friedrichshain vor; die Entwürfe wurden von der Deputation genehmigt.— Lichldruckbildcr der St.- Gertrud- Gruppe, Ivelche die Getrandtcn-Brückc schmückt, sollen zur Ver- theilung an Mitglieder der städtischen Verwaltung gelangen.— Die von der städtischen Parkdeputation in Vorschlag gebrachte ander- weite Aufstellung der Hermen der F r e i h e i t s- sänge r im Viktoriapark erhielt die Billigung der Depntation für Kiinstzwecke.— Die aufgestellten Hilfsmodelle der Büsten der Freiheiissänger wurden dem Vorschlage des Bauraths Kyllmann entsprechend gutgeheißen.— An der m o n u m e n t a l e u Bank des Andreasplatzes wird nach Beschluß der Deputation, ab- weichend von ihrem Beschlüsse vom 26. Oktober 1896, ein vom Bildhauer Felderhoss entworfenes Reliefs-Medaillon der Berolina angebracht._ UoltAles� Parteigenossen dcS fünfte» ReichStagS-WahlkreiscS k Nach der durch de» berühmten Köller-Koup erfolgten Auflösung der alten Wahlverein« gründeten die Genossen im vorigen Jahre den „Sozialdemokratischen Verein für den fünften R e i ch s l n g s- W a h l k r e i s." Obwohl derselbe mit Schwierig- leite» aller Art zu kämpfen halte, gelang es ihm doch in der kurzen Zeit seines Bestehens, eine respektable Zahl unter seiner Fahne zu sammeln; allein viel bleibt noch zu thun übrig. Eine große An- zahl ist noch vorhanden, die es glaubt mit ihren Prinzipien als Sozialdemokraten vereinbaren zu können, u n o r g a n i s i r t z» bleiben. Diesen kann gegenwärtig nicht dringend genug geralhc» werden, ihrer Pflicht als Parteigenossen endlich gerecht zu werden. Es giebt nur ein Hüben und ein Drüben; das sollten die Genossen bedenken und ihre Handlungsweise danach einrichten. Reben der ernsten politischen Arbeit sucht der Verein aber auch dem Frosiun und der Pflege der Geselligkeit gerecht zu werden. Die zwanglosen Zusammenkünfte, die allsonnläglich bei R ö l l i g, Roseuthalerstr. 12, zu diesem Zwecke veranslallel werden, können als in jeder Beziehung wohlgelungen bezeichnet weiden.— Eine größere Festlichkeit hat der Verein für den 13. November er. vorbereitet; an diesem Tage feiert er in den Gesammträumen der Brauerei Friedrichshain(früher Lips) sein erstes Stiftungsfest. Die Genossen und Freunde des Kreises werden es sich gewiß nicht nehmen lassen, an dem Ehrenlage des Geburtstagskindes vollzählig zu erscheine».— Die Zahlstellen des Vereins, an denen jederzeit neue Mitglieder aufgenomme» werden, allwo auch Billets zum Stiftungsfest erhältlich sind, sind folgende: MertinS, Landwehrstr. 11, Richter. Reue Königstr. 90, W e n d l a n d t. Marienbnrgerstr. 32, K n ö tz s ch, Hirtenstr. 10, W i t t ch o w, Kleine Hamburgerstr. 27, Schmidt, Luisenstr. 2. Zur Statistik dcS Berliner SchnltvescnS. Nach dem jetzt erschienenen Schuldeputatious-Berichl für 1896/97 bestanden in Berlin Ende 1896(bezw. 1L92) iusgesamnit 376(330) Schulen mit 2193 (2032) Klassen und 237 373(233 319) Schülern und Schülerinnen. (Der Rückgang in der Zahl der Schulen erklärt sich aus dem Ein- gehen einiger kleiner Anstalten, unter Aufsicht von Kirchen oder Bereinen stehender Schulen und sogenannter Kontraktschulen.) Speziell Gemeindeschulen waren 212(211) vorhanden, mit 3647(3240) Klassen und 190 220(185 690) Schulkindern. Auf je 1 Gemeindeschnle kamen also durchschnittlich 17,2(16,8) Klassen und 397,4(880,0) Kinder, aus je 1 Klasse 22,2(22,2) Kinder. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß die a l l m ä l i g e Besserung, das heißt Herab Minderung der Durchschnittsfrequenz in den G e m e i n d e s ch u l e n, die sich vor mehreren Jahren anzubahnen begann, sich in der letzten Zeil wieder sehr verlangsamt hat. Die Zahl der Kinder pro Klasse ist allerdings weiter gefallt», aber die der Klaffen pro Schule und daher auch die Zahl der Kinder pro Schule ist wieder gestiegen. Auf jene Besserung hat der Stadtschulrath Bertram— in der'Ab- ficht, die berechtigte und von unseren Genossen in der Stadtverordneten- Versammlung oft erhobene Forderung einer raschere» nnd nach« drücklicheren Frequenzherabminderung zu widerlegen— in den letzten Jahren wiederholt hingewiesen. Die Besserung war aber nicht zurück- zuführen auf bestimmte Maßregeln, die etwa getroffen worden wären, um der gesundheitschädlichen und den Unterricht hemmenden Ueber- süllung der Gemeindeschnlen abzuhelfen. Sie ist vielmehr nur da- durch zu stände gekommen, daß die Zahl der schulpflichtigen Kinder sich SInfang der 90 er Jahre langsamer vermehrte, weil infolge niedriger Geburtenziffern der 80er Jahre verhältnißmäßig wenig sechsjährige eintraten und gleichzeitig infolge hoher Geburtenziffern der siebziger Jahre verhältnißmäßig viel 14jährige austraten. Diese Einflüsse machen sich nun nicht mehr so gellend, weil jetzt für die austretende» 14 jährigen bereits die sinkenden Geburtenziffern vom Anfang der 80er Jahre in belracht kommen. Die Zunahme der schulpflichtigen(6-14 Jahre alten) Kinder hat denn auch im Jahre 1396 schon wieder 4009 betragen, mehr als in irgend einem der 6 vorhergehenden Jahre. Eine weitere Steigerung der Zunahme ist für 1397 und 1898 z» erwarten. weil sür dies« Jahre auch noch die vorübergehende Zunahme der Geburtenziffer in den Jahren 1891 und 1892 inS Gewicht fällt. Die Verlangsamung, die in der Erbauung neuer Schulhäuser ein» getreten ist,— die Zahl der Berliner Gemeindeschulen war Ende der Jahre 1890-96: 132, 191. 196,201,206, 211, 212- dürfte sich daher bald recht fühlbar machen. TaS eudgiltige Ergcbnist der vom kausmännischen und ge- werblichen Hilfsvcrein für weibliche Angestellte z» Berlin in Gemein- schaff mit einer Reihe von Geschästsstrmen in der Reichshanptstadt veranstalteten Umfrage über de» A ch t u h r- L a d e n s ch l u ß ist nach einer uns vom Verein zugegangenen Mittheilung folgendes: Es haben 2004 Firmen die Anfrage beantwortet. Davon treten 1423 f ü r den Achtuhr- Ladenschluß ein, zum theil unter auSdrück- licher Fnrdernng gesetzgeberischen Vorgehens. 276 Firmen Ks Jiiniiiirtü" erklären sich gegen den Achtuhr- Schluß. Von letzteren wünschen aber 120 einen Ne,„„chr. Schluß; dazu gehören namentlich die Ko- lonialwaarenhändler. Am regsten betheiligt haben sich die Geschäfts- inhaber in den Arbeitervierteln nnd zwar vorwiegend z u gunsten des früheren einheitlichenLadenschlnsses. Nur bei den Zigarren- Händlern überwiegen die dem Achtuhr-Schluß gegnerisch gesinnten Antworten. Ausnahmen werden hauptsächlich gewünscht sür Lebens- mittel-Geschäfte bis 9 Uhr, und allgemein für Sonnabend bis 10 Uhr, serner für zwei Wochen vor Weihnachten. Das Material, das auch insofern sehr interessant ist, als namentlich kleine Geschäftsinhaber einen gesetzlichen früheren Ladenschluß wünschen, soll den geeigneten Stellen übcrmittclt werde». Das Ergebniß dieser interessanten Statistik ist so erfreulich und spricht so beredt sür die Nothwendigkcit und Volkslhümtichkeit des Achtubr-Ladenschlusses. daß von gewichtigen Bedenken der Handels- weit gegen die geplante Maßnahme im Ernst überhaupt nicht mehr die Rede sein sollte. An dem Zögern der Reichsregicrung, die von ihr selber entworfene Verordnung durchzuführen, wird man ermessen könne», wie weit diese Regierung heute im Banne derer liegt, die grundsätzlich jede Erleichterung der Lage der Ausgebeuteten als ein Gräuel verschreien. Hnrica, Hurra, hurra! Zu der im SonntagSblalt von uns wiedergegebeuen Deutung, des Wortes hurra(Jmperativ des russischen uranak: lödtet sie) wird uns geschrieben: Die aus den Eiinneiungen des preußischen Generalmajors Wille wiedergcgebene Ableilicng des Wortes hurra aus dem russischen„urannk" ist eine irrige. Hurra ist ein echt deutsches Wort. Es ist der Imperativ von hurren.„Hurren", einem onomatopoetischen(d. i. den Sinn des Wortes mit dem Ausdruck selbst wiedergebenden) deutschen Wort für: sich schnell bewegen. Beispielsweise findet sich hurren bereits im Jahre 1314 in Johann von Würzburgs Willehalm von Oestreich (es heißt dort:„ros und man die hurren", das ist Roß und Mann, die eilen). Hurra ist die von hurren abgeleitete befehlende Form: Eil Dich, auch ähnlich wie hurr lediglich zur Versinnbildlichnng des eiligen Lärmenden gebraucht. So B. im Mittelhochdeutschen bei den Minnesängern:„wS, wer fach in rechte gän? hurrS. wie er tobet so man in nicht her empseht." Derselbe Stamm findet sich im Englischen in durl�, Getümmel. hurry, eilig. Das Wort Hurra als AuSdruck der eilenden, geräusch- vollen Bewegung findet sich in der deutschen Literatur massenhaft seit Milte des vorigen Jahrhunderts, so bei Bürger: und Hurra, Hurra hopp, hopp, gings fort in sausendem Galopp, serner in „Hurra! die Tobte» reiten schnell", dann bei Sollau, Körner, in Hilbebrand's Volkslied u. s. w. Hurra heiß, überhaupt: schnell, spule Dich. Allerdings ein wunderlicher Zuruf bei gewissen Er- eignissen. Daß dieser Zuruf als Patriot, scher„Willkommensrns" eigenthümlich ist, beklagen die lonservaliveu„Grcnzbolen" in ihrer letzten Numiner. Die städtische Bandepntntion hat dem Hau?- und Grund- besitzerverein im Westen von Berlin auf sein Gesuch»in den Bau einer neuen Brücke über den Landwehr-Kanal im Zuge der Kölheuerstraße jetzt den Bescheid zugehen lassen, daß das Gesuch vom Magistrat abgelehnt worden sei, weil derselbe zur Zeit ein Bcdürsniß nicht anerkennen könne.— Ferner hat die Eisenbahn- Direktion Berlin dem genannten Verein aus seine Petition wegen Errichtung einer neuen Haltestelle der Anhalter B a h n n» der I o r k st r a ß e die Antwort erlheilt, daß die An- legung einer solchen Haltestelle zur Zeil nicht in Aussicht genommen werden könne. Der Kongreß fiir VolkSnntcrhaltnngs- Bestrcbnngen soll am 13. und 14. Noveinber im Biirgersaale des RalHHaujeS tage». Zu der Verhaftnng deö Thcaterdirektors Maurice erfahre» wir, daß die Festnahme aus grund einer Anzeige wegen Kautions- vergehens erfolgte.'Als die Verhältnisse des Belle-Alliauce-Theaters sich ungemein verschlechterten, suchte sich die Direktion dadurch Gelder zu verschaffen, daß sie kaulionssähige Kajsirer in größerer Zahl engagirte und die Kautionsbeträge sür geschäftliche Zwecke ver- wendete. In welcher Weise die Direktion damals arbeitete, beweist die Thalsache, daß sie bei den, Zusammenbruch des Unternehmens über sieben Kassirer verfügte. Soldatcu-Selbstniordc. In aller Stille wurde am Sonnlag Nachmittag um 4 Uhr auf de», Garnisonkirchhof I in der Müller- straße der Rekrut Liebchen von der 10. Kompagnie des Alexander- Regiments beerdigt, der seinem Leben selbst ein Ende gemacht hat. Der junge Mann, der anS Breslau stammle, trug seit seinem Ein- tritt au. Ib. d. M.«in niedergeschlagenes Wesen zur Schau.'Als am Donnerstag Abend»m 8>/, Uhr ern Barbier über den Hof der Kaserne am Kupsergraben ging, fand er ihn ,n einem Schuppen als Leiche an einem Nagel hängen. Wiederbelebungsversuche hatte» keinen Erfolg.— Ter Rekrut Birkholz von der 7. Kompagnie des- selben Regiments, der vor einigen Tagen während der Jnstruklions- stunde aus einem Fenster des drillen Stockes in die Hirtenstraße hinabsprang und sich beide Beine brach, ist noch am Leben und wird voraussichtlich durchkommen. Auf der Miliiärbah» ist am Sonnabend der Pionier Raddatt von der 3. Betriebskompagnie des Eiseubahu-Rrgiments Nr. 2 ver- „»glückt. Radball wollte bei einer Fahrübung vom Trittbrett des einen auf das eines anderen Wagens springen, sprang jedoch fehl und gerieth mit den, rechten Beine unter ein Wagenrad. Obwohl ans sein Hilfegeschrei der Zng sofort zum Stehen gebracht wurde. so war doch schon ein Rad über das Bein hinweggegangen und hatte es zermalmt. Der Verunglückte wurde in das Garnison- lazareth II zu Tempelhof gebracht. Straßcnspcrrnngeu. Die Spreestraße wird behufs Verlegung von Gasröhren bis auf weiteres sür Fuhrwerke nnd Reiter ge- sperrt, desgleichen die Piicklerstraße von der Wrangel- bis zur Köpenickerstraße vom 27. d. M. ab. „Ihr laßt den Arincn schuldig werden". Der Kaufmann Sch., welcher in einer Straße des äußerste» Norden sein„Heim" hat, ist schon lange Zeit stellungslos und mußte er daher mit seiner jungen Frau die schwere Roth de? Lebens in der rauhesten Form über sich ergehen lassen. Der Gerichtsvollzieher halte bereits das Wohnungsmobiliar versiegelt nnd die Roth war anss höchste ge- stiegen. Verzweifelt ging Ende voriger Woche die junge Frau in einen benachbarten Bäckerladen, um sür ihre letzten Pfennige einige Eemineln zu kaufen. Der Laden war momentan leer— und auf dem Ladenlisch lag eine Geldsumme i» großen Geldstücke» ans- gezählt. Bei diesem Anblicke konnte das arme Weib der Versuchung nicht widerstehen,— ein Griff— und sie hatte eines der Geldstücke an sich genommen— sie war zur Diebin geworden! Die Bäckerfrau hatte indessen den Vorgang bemerkt und ließ erbarmungslos das junge Weib nach der Polizei führen. Der Vorgang blieb natürlich nicht unbenierkt und so ging der Transport unter einer großen Eskorte getreuer Nachbarinnen und dergleichen vor sich. Nachdem aus der Polizei die Persönlichkeit der„Diebin" festgestellt worden ivar, wurde sie wieder entlassen. Schrecken, Scham, Furcht und Ver- zweislung stürmte» nun auf die Geächtete ein und drückti» ihr die Mordwaffe in die Hand. Mit durchschnittene» Pulsadern wurde sie in ihrer Wohnung aufgesnnden und, wenn auch noch lebend, so doch in schwerverletztem Zustande in ei» Krankeuhalls gebracht. Der Raubmörder Schuhmacher Josef Göuczi wird durch Bekanntmachung des Landgerichts I, Zivilkammer 19. zu einem an, 17. Dezember d. Js., vormittags 10 Uhr, vor dieser Kammer in Zimmer 139 stattfindende» Termin eingeladen. Es geschieht dies infolge einer Klage des Kaufmanns M. Schlesinger zu Berlin, welcher anS Schuhlieserungeu an Gönczi eine Forderung von 257,41 M. hat. Der Kläger ist mit seinem Anspruch durch Hinter- legung der Summe von 1770,30 M. bei der vereinigten Konststorial-, Militär« nnd Bau-Kommission, welche der Gerichtsvollzieher Kleist am 8. September er. bewirkt», gedeckt und soll Gönczi nur darei» Dltllstllg, 26. OKMtt 1897. willigen, daß von diesem Geld die Schnldfordernng ausgezahlt wird.— Da Gönczi möglicherweise nicht„freiwillig" erscheinen wird, so wird ihn wohl die Polizei zwangsweise vorführen müssen! Durch Ausgleiten anf einer Treppenstufe ist der 32 Jahre alte Schuhmacher Max Schmidt ans der Wilsnackerslr. 32 zu Tode gekommen. Ter Mann besuchte eine bekannte Familie, die im ersten Stock des Hauses Dennuinerstr. 12 wohnt, glitt, als er nach kurzer Zeit nach Hause gehe» wollte, auf der Messing kante einer Treppenstufe aus„ud stürzte in den Hausflur hinab. Im Kranke»-- Hanse Moabit, das er erst am anderen Tage aufsuchte, ist er an einem Schädelbruch und einer Verletzung des Gehirns gestorben. Arbcitcrrisiko. Von, Dache des Fabrikgebäudes Secstr. 21 ist am Montag Nachmittag 3 Uhr der 19 Jahre alte Klempner Her- mann N o a k derart unglücklich abgestürzt, daß er mit schweren äußeren und inneren Verletzungen in das Paul Gerhard-Slift gebracht werden mußte. Wie berichtet wird, ist das Unglück dadurch ver- schuldet worden, daß beim Besteigen der Dachsteigeleiter eine mürbe gewordene Sprosse»achgab. Ter Vernn glückte ist der Ernährer seiner alten Mutter gewesen. Ein ticrhccrcnder Brand wlllhete Sonntag Nachmittag 4>/e Uhr auf dem der Aktiengesellschaft„Vulkan" gehörende» Hänser- komplex zwischen Markus-, Kraut-, Blumenstraße und Grüner Weg. Diese vorwiegend mit Fabrikbetrieben besetzten Gebäude werden öster vom Feuer heimgesucht, sodaß der„Vulkan" der hiesigen Feuerwehr ei» alter Bekannter ist. Diesmal brannte Marknsstr. 13 ein großes Quergebäude, in dessen drei Stockwerken Tischlereien mit Dampfbetrieb eingerichtet sind. Der verursachte Schaden ist sehr bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt. Mehrere Stunden hatte die Wehr mit Aufräumungsardeiten zu thun. Gegen die weiblichen Spitzel, die sogenannten„Auf- känferinneu", beabsichtigen die durch deren Thäligkcit schwer ge- schädigten Drogen- und Nahrungsmittcl-tzändler gerichtliche Schritte einzuleiten. ES soll i» zahlreichen Fällen durch Zeugen nachzuweisen sein, daß die Äufkänserinne» nur durch ihre Ucberrcdungskiinste und durch falsche Angaben ihren Zweck erreichen. Vielfach solle» sie sogar direkt zu Zuwiderhandlungen gegen die gesetzlichen Be- stimmnngen provozirt haben. Die in die Falle gelockten Drogisten tc. «volle» nun gegen diese Art weiblicher Agents provocateurs wegen „Verleitung zur Uebertretung" Strafanzeige erstatten. Wenn sie sich auch dadurch selbst nicht von Strafe befreien, so dürfte, der„Verl. Zeitung" zufolge, wenn wiederholt Verurtheilnngen solcher Personen erfolge», mit dem System der Anskäuserinne» bald gänzlich gebrochen werden. I» bewußtlosem Zustaudc nnd an Händen und Füßen ge- sessel, wurde die>6 Jahre alte Tochter Setma des FleischhändlcrS Lichtcnthal in der elterliche» Wohnung Auguststr. 33 aufgefunden. Sie gab an, während der Abwesenheit der Eltern von einem jungen Manne, der»nler dem Vorgeben, ein Zimmer zu miethe», erschienen war, hinterrücks überfallen, zu Boden geworfen und an Händen und Füßen gefesselt worden zu sein. Hierbei habe sie das Bewußtsein verloren. Das Mädchen hat besonderen Schaden nicht genommen. Von dem Thäter, der es jedenfalls auf Diebstahl abgesehen hatte, fehlt bisher jede Spur. Er entfloh, als das gefesselte Mädchen laut den Namen ihrer Freundin rief, die über ihr wohnt. Fcuerbcricht. Sonntag Nachmittag 3 Uhr war Möckern.' st r a ß e 70 in, Keller ein Posten Papier in Brand gerathen, der durch die Wehr gelöscht werden mußte. Eine Stunde später erfolgte Alarm nach Marknsstr. 18. Hier stand eine im ziveiten Stock befindliche Tischlerei in Flammen, die erst»ach 1>/estündiger Lösch- arbeit mittels vier Schlauchleilungen gedämpft werde» konnten, nach- dem sie bereits das dritte Stockwerk und die Dachkonstruklion in Mitleidenschaft gezogen hatten. Das Hans ist stark beschädigt»nd der Verlust an Material bedeutend. Sonntag früh kurz nach 1 Uhr wurde die Wehr nochmals nach derselbe» Brandstelle gerufen, da Theile des Daches abermals in Brand gerathen waren, der jedoch mit Leichtigkeit beseitigt wurde. Kurz vorher erfolgte eine Alarmirnng »ach Linde» st r. 96, wo ein Regal mit Sattlerwaaren in Flammen stand. Im RcichShallcu-Thcatcr wird da? Publikum zur Zeit durch ein originelles JUnsionSstück überrascht. Mau umwickelt eine junge Dame mit Seidenpapier, legt das arme Mädchen auf einen Tisch und zündet dann das Papier an. Die Verbrennung erfolgt so gransam- gründlich, daß nichts als ein Skelett zurückbleibt. Nun werden die kümmerlichen Reste niitleidig verhüllt, und nach wenigen Augenblicken feiert das als flammendes Räthsel bezeichnete Opfc-c seine Anserstehung! Die Täuschung ist so gründlich, daß man selbst aus nächster Nähe nicht entdecken kann, waS es mit dem kleinen Scherze für eine Bewandtniß hat. Zins den übrigen Nummern dc-� vielseitigen Programms seien die Darbietnngeu der Gebrüder Apollo» erwähnt, sowie die lebenden Photographien, ohne die nun einmal ein modernes Spezialitäten-Theaier nicht zu denken ist. Orgeltpuzert. Belm Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, den 27. Oktober, Mittags 12 Uhr, Wirten mit Frau M. Keidel La Roche (Sopran), Frl. Elsa TyomaS(Bivlinc), Herr I. Keidel(Baß) und Herr R. Schwiesselmaim(Orgel). Der Eintritt ist frei. Theater. Ludwig Fulda'ö neuestes Werk„Jugendfreunde", das am Sonnabend im Deutschen Theater zur ersten Aufführung kommt, und daö nicht, wie von einigen Seiten mitgetheitt wurde, ein VerS- stück, sondern ein in der Gegenwart spielendes Luftspiel in Prosa ist, wird von den Damen Paula Eberty, Elise Lehmann, Gisela Schneider, Aniii« Trenner und den Herren Bruno Köhler, Hermann Rissen, Rudolf Biltncr, Oskar Sauer, Guido Thielscher dargestellt.— Da konkraktliche Ver- pstichMngen die Direktion des Ostend-Theaters zwingen, das von der Zensur verboten gewesene Stint„Klippen der Wcltsiadt" aufzuführen, so kann„Die Geistergloite" nur»och bis Sonnabend den Spielplan be- herrschen. SsttS de» Nnchbaroric». Die fvcisinnigc LehccrfroUndlichkcit giebt sich auch in unserer Nachbarstadl Köpenick beißend klar zu erkenne». In der letzten Stadiverordnetensitznng wurde ein von unseren Parteigenossen gestellter Antrag, der ein Grundgehalt von 1500 M. nnd 200 M. Altersznlage verlangte, abgelehnt, nachdem Stadlverordneter Hinze und' der Bürgermeister ihre Bedenke» kundgegeben halten. Aber auch die Regierungsvorschläg« riefen noch das Mißfallen des Herrn Bürgermeisters hervor, nnd die Mehrheit der Stadtverordneten er- klärte sich in seinem Sinne sowohl gegen den sozialdemokratischen Autrag als auch gegen die Antrage des Magistrats und der Etats- kommissiou. Schließlich fand ein freisinniger Autrag gegen neun Stimmen Annahme, nach welchem das Grundgehalt der sttektore» auf 1300 resp. 1400 M. und das der Lehrer auf 1200 M. mit 130 M. Altersznlage festgesetzt wurde! Ei» iicucS mächtiges Kohlenlager ist vor kurzem in dem Kreise Spremberg, südlich von Kottbus, entdeckt morde». Das neue Kohlenlager befindet sich in der Gemeinde Gobda an der Chaussee von Spremberg nach Seustenberg, und die dortigen bäuerlichen Be- sitzer haben jetzt ihre gesammte», nördlich von dieser Chaussee be- legeuen Grundstücke, die mehr als die Hälfte ihres BefltzthumS aus- macheu, an die Räschener Werke zu Groß Räschen verkaust. Die II. Uufallstation wurde am Sonntag in Charlotten» bürg, Marchstr. 22, eröffnet. Die schweben Bcschnldignugcu, welche der Redakteur Oswald Kn o rr in der Nummer vom 12. Oktober d.J. der von ihm heraus- gegebene»„Charlottenburger Nachrichten" gegen den gerichtlichen Physikns, Sanitatsrath Dr. Mitten zweig erHobe» hat, sollten gestern vor der vierten Strafkammer des Land- gericht» II auf ihre Wahrheit hin einer eingehende» ififimg unterworfen werden. Ms der. Vorsttzeude' ihm .rividerte, doji eine Frau L. die«Venfalls auf den Antrag des Angeklagcn geladen»Verden sollte, nicht aufzufinden sei, gab der Angeklagte dem Verdacht Ausdruck, daß sie ge- flisscntiich von der Gegenpartei verborgen gehalten werde, um nicht als Zeugin austreten zu können. Zu dieser Frau soll Dr. Miltcnzivcig in unlauteren Beziehungen gestanden haben. Der Angeklagte will dieselbe noch vor einigen Wochen ge- sprocheu haben. Der Gerichtshof beschloß, vorläufig in die Ver« Handlung einzutreten und den erste» Punkt der Anklage unter Mtsschluß der Oeffentlichkeit zn verHandel». Es stellte sich aber heraus, daß die Frau L. nicht zn entbehren war und nun beschloß der Gerichtshof, die Sache zu Verlagen und zun» nächsten Termine außer deu erschienenen Zeugen noch einige andere zu laden, welche der Angeklagte zum Antritt seines Wahrheitsbeweises siir ersorder- lich hielt. Fiir Gasitvirthe ist eine vom Kannnergericht gefällle Eni- scheidung von Wichtigkeit. Die Wirthin Wiltge»var beschuldigt, sich gegen den tj 865, 2 des Strafgesetzbuches vergangen zu habe», »vonach mit einer Geldstrafe bis zn 60 M. oder mit Hast bis zu 14 Tagen ein Wirlh bestraft»vird, der das Veriveilen seiner Gäste über die gebotene Polizeistunde hinaus duldet. Sie beantragte gerichtliche Entscheidung und machte geltend, es sei erst zivei Minuten nach 11 Uhr, Ivo die Polizeistunde begann, geivesen, als man den Gast in ihrem Lokale gesehen habe. Auch habe er nichts mehr ge- trunken. Das Schöffengericht sprach denn auch die Frau frei Das Landgericht vernrtheilte sie jedoch mit der Begründung, es sei eriviesen, daß der Gast noch zivei Minuten nach dem Eintritt der Polizeistunde im Lokal geiveilt habe, und das genüge, die Bestrafung zu rechlfertigen. Wenn der Gast um diese Zeit nichts mehr getrunken habe, so ändere das nichts daran, denn als Gast sei er in die Kneipe gekommen und diese Eigenschast habe er nicht verloren, so lange er sich dort aufgehalten habe, tltechtsamvalt Schöps legte beim Kammer- gericht die ßtevision ein und betonte, bei einem Längerveriveilen von 2 Minuten könne nicht von einer Ueberlretung des§ 365, 2 die Rede fein. Der Zeitraum genüge ja kaum, die Zeche zu berichtigen und sich den Ueberzieher anzuziehe». Das Kannnergericht bestätigte aber die Vorentscheidung als durchaus zutreffend.— Unsere Recht- sprechung macht sich eben immer beliebter. Die Gefährlichkeit der rothe» Fahue. Im Mengerl'schen Volksgarten zu Brandenburg fand am 18. März dieses Jahres eine sozialdemokratische Volksversammlung statt. Während derselbe» hing in dem Versammlungssaal eine rothe Fahue mit der Inschrift „F. Lassalle". Durch die Duldung der Fahne sollte Herr Meyer, der Inhaber des Lokals, eine Polizeiverordnung vom 15. Juni 1891 verletzt haben, die für den Bezirk der Stadt Brandenburg erlassen»vorden ist. Der 8 1 der Verordnung, die speziell gegen die Sozialdemo. k r a t i e gerichtet ist— oder auch gegen die rothe Farbe,»vie man's nimmt— bestimmt: Rothe Fahnen, deren Entfaltung als Demonstration gegen die bestehende Ordnung zu»vhkeii bestimmt oder geeignet ist, dürfe» im Polizeibezirk öffentlich sichtbar weder befestigt, noch geführt»verde». In dieselbe Strafe»vie der, der hiergegen verstößt, solle» nach dem§ 3 die Inhaber von öffentlichen Versammlungslokalen verfalle»», wenn sie es dulden, daß in ihren Räumen rothe Fahnen öffentlich angebracht»verden, die in der in»§ l gedachte»'Art zu»virken geeignet oder bestimmt sind. Meyer erhielt ein Strafmandat über 9 M. Ans seine» Einspruch sprach ihn das Schöffengericht frei. Es sührte unter anderem aus: Wenn auch die Polizeiverordunng ihrem ganze» Inhalte»ach nicht»mgiltig sei, so könne sie hier doch nicht an» geivendet»verde». Wäre die Fahne vom Lokal»ach der Straße zu ausgehängt»vorden, dann»vare M. strafbar. Jusofern aber die Verordnung die rolhen Fahnen innerhalb der Räume betreffe, sei sie nngiltig und nicht anzuivende». Die Versammlung sei zivar eine öffentliche gelvese», die rothe Fahne hätte jedoch hier unter deu gegebenen Verhältnissen nicht eine Beeinträchtigung der Interesse» der Sladtgemeinde oder ihrer An- gehörigen herbeiführen können.(Polizei-Verivaltllngsgesetz§ 3i.) Die Versammlung habe sozialdemokratischen Zwecke» gedient. Wenn nun in deu» Lokal ei» Symbol der Partei in Gestalt einer rothe» Fahne mit der Inschrift„Ferdinand Lassalle" entrollt»vurde, so verletze dieser Umstand ebenso»venig das Interesse der Gememde und ihrer Angehörigen, wie das Abhalten sozial- demokratischer Versammlungen»iberhaupt. Roch»veuiger »verde dadurch die Ordnung und Gesetzlichkeit in dieser Versa»»»»- luug selbst gefährdet, so daß auch nicht 8 6s des Gesetzes über die Polizeiverivaltnng angezogen»verde» könne. Di« Berufung der Staatsanivallschast»vurde»vesentlich ans den angesührten Gründe» vom Landgericht v e r ,v o r f e». Die Staatsanivallschast legte nun- mehr Revision ein. Inder gestrigenVerhandlung derRevisio» verlrat vor dem Strafsenat des KanunergerichtS der als großer Soztalistenseind bekannte R o n» e n die Oberstaatsanivaltschaft. Er betonte, es könne kein Unterschied gemacht»verde» zivischen der Straße und einein Lokal, zu dem jederinam» Zutritt habe.„Oeffentlich" bedeute soviel»vie: ein jeder offen stehende Ort. Und das öffentliche Interesse der Ge- meinde konune sicher hier in betracht. Rechtsanivalt W o l f s o h n nahm sich in beredten Worten der Sache des Angeklagte» an. Besonders hob er hervor, daß die Polizei über das Vereinsgcsetz nicht hinausgehen dürfe und daß jeder seine Meinung durch Wort und Schrist frei äußern dürfe. Des längeren that er dar, daß heute vom Gebrauch einer rothe» Fahne die öffentliche Ordnung und Sicherheit nicht im geringste» gefährdet sei. Die Revision der Siaatsamvaltschaft wurde v e r>v o r f e n. Das Gericht(heilte nicht die Ansicht des Herr» Nomen. Wein» 8 3 der Verordnung von 1891 die Inhaber von Schanklokalen»nit Strafe bedrohe, die es zuließe», daß in ihren Räumen rothe Fahne» öffentlich angebracht»vürden, dann sei dies durchaus rechtSgillig. Die Bestimmung sei aber so ausjulegei», daß die rothe» Fahnen öffentlich sichtbar angebracht sein»nüßte», ivenn die Duldung strafbar sein solle. Ein öffentliches Anbringen der Fahnen sei aber ein solches,»vaS die Fahnen sichtbar mache für jedermann außerhalb des LokalS. Das sei hier indessen nicht der Fall geivesen»>nd M. darum freizuspreche». Der gestörte Laudrath. In» KreiShauS zu P e r l e b e r g haust der Landrath v. I a g o>v. Univeit davon hat der Musikdirektor G e r l o f f auf seinem Grund und Boden einen Uebnngssaal. Älus Veranlassung des Herrn v. Jagow erließ nun im vorige» Jahre die Perleberger Polizeiverivaltung eine Verfügung,»vorin sie dem Musikmeister bei Strafe verbot, seine Musiker bei geöffneten Fenster» oder Thüren in dem Saale üben zu lassen. Die Uebungei» störte» die öffentliche Ruhe. Der Kreisausschnß»vies demnächst die Klage Gcrloff's gegen jene Anfügung durch einen söge- nannten Vorentscheid zurück, das heißt ohne vorherig« mündliche Verhandlung. Ter Bescheid trug nur die Unlerschrist des Land- ralhs von Jagoiv. Beim Bezirksausschuß, der z»veiten Instanz, hatte Gerloff jedoch Erfolg. Seiner Berufung»vurde statt- gegeben und die Verfügung ausgehoben. Zu den Ausgaben der Polizei gehöre es allerdings nach 8 lv E 17 deS Allgemein«» Landrechts, die erforderlichen Maßregeln zur Erhaltung der öffent- lichen Ruhe und Ordnung zn ergreife» und dafür zu sorge», daß die dem Publikum oder einzelnen Personen drohenden Gefahren abge« »vendet»vürden. Indessen sei doch nicht anzunehmen, daß das Publikum gegen jedes störende Geräusch geschützt werden müffe. Hier sei das Einschreiten der Polizei nicht nolhwendig gewesen. Die Polizeiverivaltung legte nunmehr Revision ein und machte geltend, der Bezirksausschuß hätte untersuchen müssen, ob nicht eliva die Musikaufführiingen und die Uebungei, geeigner»vären, die Gesundheit der Anwohner zu stören. Der Musikdirektor betont« demgegenüber, es nehme daran niemand Anstoß außer dein Landrath. Er allein empfinde die liebungen als ein« Belästigung. Und eine Schädigung der Gesundheit hätte» nicht die Amvohner zu befiirchtcn, sondern seine jungen Männer,»venn sie im Sommer bei geschleffenen Fenstern üben müßten. DaS O b e r- V e r w a l t u» g s g e r» ch t entschied darauf ebenfalls zu gunsten deS Herr» Gerloff. In Guben hat sich unsere Justiz dieser Tage»vieder»we, für unsere Rechtsverhältnisse recht bezeichnende Urtheile ge- leistet. Der technische Leiter der Plehnschen Papierfabrik rn Neubrück, Erhard Brunn er, halte durch Fahrlässigkeit den Tod eines Arbeiter? verschuldet. Der Getödtete»var ver- »mgliickt, als er die ohne diz vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen arbeitenden Maschinen in ungenügend beleuchtete» Räumen fchinieren mußte. Den Tod des Arbeiters hatte der Fabrikleiter mit einer ganzen Woche Gefängniß zu sühnen; voin Staatsanivalt»varen sechs Monat beantragt»vorden. Als strafmildernd»vnrde folgendes Sachverständigen- Urlheil in betracht gezogen: Die Hauptverant- »vortlichkeit für die Sicherheit des Betriebes habe der Angeklagte, doch sei es möglich, daß er infolge seiner lange» Beschästigniig im Fabrikbetriebe gegen das Bedürfniß der Sicherung der Maschinen abgestumpft sei. Richtiger»väre es geivesen, daß»vährend des Schmierens die Maschine außer Betrieb gesetzt»vurde, doch »väre dann eine starke Störung im Betriebe erfolgt. Bor demselben Gericht hatte sich ein vierzehnjähriges Kind zu verautivorten, das bei einem Bauern in Ullbersdors diente. Das Mätche»»var angeklagt, einer anderen Magd 1 Mark entivendel und durch Fahrlässigkeit den Brand des Bauernhofes ver- uriacht z» haben. Ter StaatSanivakt beantragte eine Gesammtstraf« von 1 Monat Geiängniß; die Bertheidignug erachtete die fahrlässige Brandstiftniig nicht für eriviesen. Der Gerichtshof»»kannte»vege» Diebstahls und vorsätzlicher Brandstisiung ans 1 Jahr und 1 Woche Gefängniß und beschloß auch die sofortige Verhastmig der Angeklagte». Vorsätzliche Brandstiftung»vurde angenommen,»veil die Angeklagte sich höchst ,v a h r s ch e i n l i ch an ihrer Dienst- Herrschaft, welche von den» von ihr ve> übten Diebstahle deren Mutter in eine»» Briefe Millheilnng gemacht hatte, durch Jnbraudsteckcn des HauseS habe räche»»vollen! VevfAMtttlttttüen. Tie polnischen Gozialdeniokraten hielten am Sonntag erne von über 800 Personen besuchte öffentliche Versammlung»m Englischen Barle» ab. M o r a»v k» berichtete über den Hamburger Parteitag. In der Diskussion unterzöge» einige Redner die Aus- führungen der Genoffen Pfannkuch und Dr. Winter ans den, Hain- burger Parteitage einer scharfen Kritik. Ei» Redner wollte sogar den beiden Genossen die Fähigkeit der Angehörigkeit zn der Sozialdemokratie absprechen. Die Genossen Versus, Mo- rawSki, Thiel und Frau Kubaczewska traten in längeren AnSführungen diesen Aenßerungen entgegen. B e r f u s führte ans: Da sämmtliche Redner den Genoffen Liebknecht für seine Rede in der Polenfrage ihre Anerkenunng aussprachen, da ferner aus Posen und Oberschlesie» viele Sympathieschreide» für den Genosse» Liebknecht eingelaufen seien, sehe er sich veranlaßt, den Versammelten folgende Resolution zn unterbreiten: „Die am 24. Oktober er. in Berlin im„Englischen Garten" ver- sammelte» polnischen Sozialdemokraten fühlen sich veranlaßt, dem Genoffen Liebknecht für seine ausgezeichnete Rede in der Polenfrag« ans dem Hamburger Parteitage ihren ausrichligsten Dank anszu- drücken und wünschen, daß ihm seine Kraft zum Wohle des iiiler- »ationale» Proletariats noch recht lange erhallen bleiben möge." Nachdem einige Redner den agitatorischen Werth der Lieb- knecht'schen Rede für die polnische Sozialdemokralie betont habe» und einige Richtsozialdemokralen sogar die Erllärung abgaben, daß sie jetzt die feste Ueberzeugung gewonnen haben, daß die polnischen Sozialdemokraten gleictiberechtigle Genosse» sind nnd von jetzt ab der Sozialdemokratie sich anschließen werde», wurde die Resolnlion einstimmig lmgenonime». Unter Hochs ans die internationale Sozialdemokratie nnd Ab- singung der polnische» Marseillaise zerstreuten sich die Versammelten. Um die Alibahiliiilg einer cinheitliche» Organisation der Zimincrcr handelte es sich in einer am Sonntag abgehattenen, sehr zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung organisirter Zimmerer. Der Referent K u b e trug in längerer Rede die Gründe vor, welche gegen die Zwiespältigkeit iiiid für die Einheitlichkeit der Organisation sprechen. Er wies darauf hin, daß, abgesehen von früheren Vor- tommiiisseli, namentlich die letzte Lohnbewegung gezeigt habe, daß die Einigung der beide» Zinnnererorganisalione,» durchaus noth- Ivendig sei. Die Einigniigsfrage, die bisher noch nicht gelöst werden konnte, müffe jetzt endlich ernsthaft erörtert weiden. Nicht auf die Form der Organisation komme es an, sondern der Geist, von dem sie beseelt sei, verbürge den Erfolg. Der Referent schlug eine Neso- lnlion vor, die den beiden am Orte bestehenden Organisationen der Zimmerer empfiehlt, sich zn vereinigen und die Vorstände derselben ausfordert, wegen dieser A»gelege»hei-t in Unierhandlnng zu treten. — Es entstand eine rege Debatte über die vorliegende Frage. Zn- nächst tratcii mehrer« Redner sür die Ewigung ei», auch die Form, in der eine solche zu vollziehen sei, wurde geslreist. K u m in e r hielt das Bestehe» einer geschloffen«» Organisation überhaupt nicht für erforderlich. Es könnten deshalb beide Organisationen aufgelöst werden, den» es genüge, wen» die Lohnkommisston, wie es während der Lobiibewegung geschieht, die Eaiuinlungen und die geiverkschast» liche Bewegung leitet. Dadurch iverd« an Berwaltungikosten ge- spart und auch der Streit um die Form der Einigung werde nmgange». Obst führte a»s, das Nebeneinaiiderbesuhe» beider Orgamsationei» habe den Berliner Zimmerern bis jetzt noch nicht geschadet. Wen» auf die Metallarbeiter hin- gewiesen iverde, so müffe er bemerken, daß denselben durch den uebertritt der Berliner Lokalorganisation zum Verband«ine groß« Zahl von Mitgliedern verloren gegangen sei. Das iverde auch den Zimmerern ebenso gehen, wenn man verlangei, sollte, daß die Mit- glieder der Lokalorganisation mit Mann nnd Maus in den Ber- band übertreten. Der Versuch einer Einigung sei zur Zeit, wo die Lohnbewegnng»och nicht abgeschlossen se». ei» gefährliches Experiment, wozu er nicht rathen könne. Nachdem W e»v e r s nnd K n ü p f e r die Einigung sehr warm besürwortet hatten, trat auch Fischer sür dieselbe ei», bemerkt« aber, daß die Eiuigungsforni nicht nach einer bestiminteii Schablone statlfinde» dürfe. Es»uiff« eben eine Form gefnuden werden, die den Mitgliedern beider Organisationen gerecht werde. Nur unter dieser VoranSsetzung könne die allseitig alS nothwendig anerkannte Einigung vollzogen werden, man solle die Vorstände beider Organisativne» deshalb aiifforder», Vorschläge zu machen, die beiden Richlnngen annehmbar erscheinen. Nach einem Schlußwort de? Referenten wurde deffen Resolution gegen 2 Stimmen angenommen. Eine öffcilttiche Bauarbriter-Versammluns, die am Sonntag in Feuerstein's oberem Saal tagte, ersrente sich enies so zahlreichen Besuches, ivie ihn, wie konstatirt wurde, die älteren Beruiskollege» seit 5 bis 6 Jahre» nicht mehr erlebt hätten. Eingangs ekrle» die Versammelten das Anvenkeu des so schnell verstorbenen Genosse» Grillenberger durch Erheben von den Plätzen. Zum I. Punkt de- richtete Gntsch, Mitglied der in einer öffentlichen Versamnilnng an» 12. September gewählten Kommissio» zur Feststellung der Miß- stände ans Bauten»»d der Lohn-»»id Arbeilsverbältnisse der dortselbst beschäftiglen Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter. Das Ergebniß der ans 434 Baute» vorgenommenen Köntrolle stellt sicti kiuz folgendermaßen: 22 Baulen hatte» keliie Bandnd«». auf 12 Bauten fehlte»(Heils das Dach, lheilS waren sie>» klein für die auf dem Bau Beschäftigten,»heil? lagen sie in uiunillelbarer Nähe der Ab- orte; mit Oese» waren keine versehen, ebenso fehlten allen Bau- bilden die Fußböden. Ans 25 Bauten feblten die Aborte gänzlich; Knßerst rwimitive Aborlslätten fanden sich ans 353 Baute» vor, während bei 137 theilS die Tomie»,. lheils daS Dach, theil» Desinfektion fehlte», theilS waren sie«»genügend für die auf dem Bau Beschäftigten, theils die Tonnen übirfüllt, theilS Dach nnd Wände deiekt, zum theil befanden sie sich direkt im Bai» oder dicht an der Baubude. Die Gesammtzahl der auf den 434 kontrollirten Bauten beschäftigten Bau-, Erb- nnd ge- werblichen Hilfsarbeiter, einschließlich der Reineinache-Frauei», de- inlg 4444; die Löhn« derselben stellten sich für Akkordarbeiter folgeiidermaße»: sür 1000 Steine mit dazu gehörigem Möriel wurde gezahlt auf 1 Bau 3.75 M., auf 2 Bauten 8,25 M. auf 66 Bauten 2,75 M., auf 20 Baulen 2,50 M., ans 1 Bau 2 M., und auf 8 Bauten 2,25 überall wurde 10 Stunden, auf den letzten 8 Bauten 10V» Stunden gearbeitet. Wochenlödn« käme» bei den Putzer-Trägern in betracht und wurden wöchentlich gezahlt an. 132 Personen je 33 M., an 5 Personen je 83 M., an 5 Personen je 30 M.. in allen Fälle» wurde hier 10 Stuydet» gearbeitet. Stundenlohn»vurde gezahlt: auf 9 Bauten 30 Pf., gearbeitet imrrde 10—11 Stunden, ans 25 Bauten 32'/s Pf., Arbeilszeit 10 Stunden. auf 239 Bauten 82�/,— 35 Pf., Arbeilszeit 10 Stunde», auf 49 Bauten 35— 40 Pf., Arbeitszeit 9—10 Slunden, auf 55 Bauten 37>/s Pf., Arbeitszeit 10 Slunden, auf 7 Baute» 45 Pf.. Arbeitszeit 9—10 Stniidei», auf 3 Bauten 50 Pf., Arbeitszeit 9 bis 10 Slunden, ans 1 Bau SS'ß Pf. und ans 1 Bau 60 Pf.. Arbeits- zeit bei beiden letzteren ebenfalls 10 Stunde». Die Erdarbeiter er- hielten 30 Pf. und arbeiteten 10—11 Stunde». Die bei der Patent- Wölbung beschästigten ülrbeiter erhielte» bei neunstündiger Arbeils- zeit 4 M. Tagelohi», die Rabitzpntzer 40 Pf. und die Reinmache- Frauen 20 Pf. Stundenlohn, beide Gruppen arbeitete» ebenfalls 9 Stunden. Die Stnaker erhicllen 4V Pf. Stundenlohn und arbeiteten 10 Slunden, die Töpfer-Träger arbeiteten 9 Stunde» und hatlen 50 Pf. Stundenlohn. An diesen Bericht, welchen» der Vortrage»och«ine ganze Reihe Einzelfälle hinzusügle, schloß sich eine recht rege Diskussion. Mit der Thätigkeil der Kommission und dem Resultat der Erhebungen waren die Redner durchweg zufrieden, nur wurde behauptet, daß die allererdärinlichste» Zustände, die in verschiedenen Hinsichte» vor- kommen, der Koimnission nicht zugänglich gewesen seien. Eine Resolution, welche besagt, daß das gewonnene Material de» sozial- demokratischen Vertretern in de» Parlamenten zur Benutzung bei geeigneter Zeit znznstcll«» sei. fand einstimmigt Annahme. Weiter beauftragie die Versammlung die Koniinission, gemeinsam mit dem Vertrauensmann das gesammelte Material zu einer Broschüre znsammenznslelle», um nicht nur die eigene» Bernfsgrnppen,. sondern die weitesten Kreise von de» Zuständen im Baugeiverbe in Kenntniß zn setzen. Zum Schluß wurde dann noch die Bausperre anf dem Bnu Kursürstendanuu besprochen, ivelche eine Anzahl Bauarbeiter in Aiitleidenschait gezogen hatte. Ten betroffenen »vnrde anheimgegeben, ihre Uuterstütznugsaufprüche beim Vertrauens- maini der Bauarbeiter geltend zn mache». Mit einem dreifache» Hoch anf die Bauarbciter-Bewegung schloß die imposante V«-- sauiinlung. Die Generalbersammliing de»«verbände» der Möbel» polirer fand am 18. d. M. bei Keller statt. N chdem daS'Andenken des verstorbenen Kollegen G. Gneist i» der üblichen Weise geehrt wurde, führte zum ersten Theil der Tagesordnung:„Bericht des Borslandes", Kollege Schulz aus: Der Verband habe auch i» diesem Quartal«in«» erheblichen Zmvach- vo» neuen MUgliedern zu verzeichnen. Zu bedaner» fei, daß einige Kollege» in London »vährend des dortigen Streiks Arbeit»ahmen und erst anf Betreiben der Londoner Gen-erkjchast nach Annahme des Reisegeldes rin Be- trage von 249 M. dieselbe ausgaben. Rechtsschutz haben zwei Kollegen erhalten, von denen ei» Fall zu gunsten des Kollegen erledigt ist,»vährend die andere Sache verloren ist. Es sind sodann de» englischen Maschinenbauern 300 M., dem Gesangverein der Möbel- polirer pro Monat 12 M. seitens des Vorstandes nbenviesen»vorden. Die Abrechnung vom Sommerseft ergab einen Ueberscknß von 40,43 M. Dem Kassenbericht ist zn entnehmen, daß die Einnahm« in diesem Quartal 1419,20 M. beträgt, die Ausgabe b!4,S0 M.. miihin der Bestand 904,70 M. ist, dazu der alle Be- stand von 2727,97 M., ist ein Kasfenbestand von Summa 3632,77 M. vorhanden. Dem Kassirer»vnrde Entlastung zn theil. Deu, Bericht der Fachkominission zufolge, ist der Arbeitsnachweis äußerst rege benutzt. Differeuzen der Kollegen mit ihre» Arbeit- gebern wurden größtentheils ans güliichc», Wege beigelegt. Die Kollegen H. Schulz zum I. Vorsitzenden und M. Gntschmidt zum Schristsührer»vürden einstiiluuig wiedergewählt. Der Kollege Faust mann»vurde als Bevollmächtigter der Filiale Norde» bestätigt. Der Antrag des Vorstandes, den« Gesangverein pro Monat 12 M. zu überiveise»,»vurde abgelehnt; desgleichen der Antrag Karpe be- treffend Einführung von Frageboge» in den Werkstäilen. Der Antrag des Vorstandes, in den Filialen Nord und Südost in den Versammlungslokalen Bibliotheken zu errichten und die Ausgabe der Bücher von jetzt ab in die Mouatsversammlungea zu verlegen, ivnrde angenomme»; desgleichen der Antrag Hänel, den englischen Maschinenbauer» noch 200 M. zu überweisen. Unter Verschiedenem ivaren die Versammelten der Ansicht, daß 15 Exemplare der„Einig- keil" zur Information des Vorstandes genügten, eine obligatorische Einführung dieses Organs»väre noch nicht angebracht; es erfolgt« hierauf Schluß der gut besuchten Versa, ninluug. Wcisscnsee. Am Dienstag, den 19. Oktober 1697, abend» 3'/, Uhr, lagt« hier eine gut besuchte Versa, nmlniig der Maurer. Zun» ersten Punkt der Tagesordnung verliest der Vertrauensina»« die Abrechnung vom III. Quartal: Kassenbestand 300,65 M., Ein- nah,»« 408,65 M., Summa 704,30 M.. Ausgabe 478,10 M. bleibt ein Knssendestand am 1. Oktober 1897 von 226,20 M. Tic Revi- sorc» bestätigle» die Richtigkeit der Abrechnung. Codann erläutert der Vertrauensmann die Kongreßbeschlüffe von Halberstadt 1897. Nach kurzer Debatte beschloß die Versn»»»lmi(j, sich dem Zentralverband der Maurer Deutschlands anzuschließen nnd VeibandS« iiuiUnal einzuführen. Zum 3. Punkt wurden als 3. Rate 150 M. dem ZentralstreikfondS der Maurer Deutschlands bewilligt. Im letzten Jahre sind im ganzen dvv M. an den EtreilfondS ab- geführt. Tie aZanarbeiter der Zahlstelle Rixdorf und SZrih hielten am 17. Oktober in, Lokal von Kart Krämer, Hernianustr. 199, ihre Generalversamuilung ab. Die Abrechnung vom III. Quartal ergab folgendes Resultat: Kassen bestand vom II. Quartal 9,66 M., Ein- »ah»i»e vom III. Quartal 109 M., Ausgabe vom III. Quartal 60,07 M., verbleibt somit«in Kaffenbestand von 58,59 M. Anner- dem weist die Kranzbüchs« einen Kaffenbestand von 48 M. ans. Dein Kassirer wurde Decharge ertheilt. Sodann wurde beschlossen, daß die Akkordarbeiler pro Woche 20 Pf., die Lohnarbeiter nnd Putz» träger 10 Ps. pro Woch« zni» Strecklonds zahlen sollen. Auf jedem Bau»vird jemand mit dem Einlassiren betraut. Köpcuir?. De« Sozialdemokratisch» Arbeiter« verein hielt am 13. d. MlS. seine Versammlung ab. Ans dem Bericht des Kasflrers ging hervor, daß ein Bestand von 33,30 M. vorhanden ist. Anf'Antrag der Revisoren wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Im Pnnlt 2 wurde vom Vorstand anfteregt, daß die Vertreter unserer Parier ersticht werden solle», der Bürgerrecht- gelds-Frag« näher zu trete» nnd event. in der Stadtverordnete»,- Bersanuniling einen Antrag ans Abschaffung des Bnrgerrechtgeides zn stellen. Unter Vereinsangelegeuheiten stellte Hoff«»» n de» Antrag, die Broschüre von Sladlrath Hugo Schüßier Hierselbst: „Tie Lösung der soziale» Frage" mit dem Motto:„Armuth ist nicht naturnolhwendig, sonder» Ivo Armuth ist, da ist nalurwidrige Volts- wirtbschaft" anzuschaffen und in der nächsten Versavimlnng. die am Montag nach den» 15. November stnltfindet, einen Vortrag darüber halte» zu lasse». Der Antrag wurde angenommen. „«»»tn»»", verein für vollzihumNche Wisfenschalt. Hente«den»» Uhr h-t Hertel,«runnensirobe I7S:«>«>!>,«. V-rlraz de« Herrn Mtchalfon über: Golde unb«chiller. 2»»lntsioN. Salle willtominc». «ieilver«»»»»be. Heine«ibend S!i Udr in ber NorddeiNsehen Brauerei, «Hauff, eftr. e».„Leffeml. Sorirag" über: tNheuniaiiimut und»tchl!«»istehung unb Heilung nach ber vialurdetimelhod». Briefkasten der Redaktion. Die lnrlfttsche Tprechstinide findet am heutigen Abend vo» 71/, btS 8l/} Uhr abends, in der nächsten Woche ai» Montag, Dienstag und Sonnabend vo» 6 VIS 8 Uhr statt. Z> Z- Z. 800. Unserer Meinung nach wäre es Portoverschwcnbung. Bei Ihrer festen Ueberzeugung bitten wir Sie aber, sich durch unser Abrathen in dem wetteren Verfolgen Ihrer Angelegenheit nicht abhalten zu lassen. I. St. in St. Sie meinen wohl die bei Wörlein u. K. in Nürnberg erschienene Broschüre„Kann Europa abrüsten". Alfred Miillcr. Der AnStrag der Angelegenheit dürste sich bester für einen geschlosiciien KreiS der Parteigenossen eignen, da im„Vorwärts" durch öffentliche Diskussion der Sache durchaus nicht gedient ist. Svcttcr-Prognose für Dienstag, drn 26. Oktober t8»7. Ziemlich kühl, zeilweise heiter, vielfach neblig bei schwachen östlichen Winden; keine wesentliche» Niederschläge. Berliner Welterb nrea«. 11 9Mliohe Kommunalwähler Versammlungen Dienstag, den 26. Oktober er.. abends 8'� Uhr: 3. Bezirk:„Klubhaus", Milstilstr. Ii). 8. 10. 12.] 14.) 19.) 21.) S5.) 26.) 28. 32. 34. 38. 40. rr r* rt ff ff Zielte, MiltwUtr. 13. Habel s Brauerei, VtrglNIlHr. 3?. „Urania", WröllMr. 3.1!). Brochuow�s Salos», TtbaKmstr. 33. Zlttdreas-Festsäle, Alldreasstr. LI. ff ff ff ff ff Paster, Neue Äöiiiflftr. 7. Wernau, TchMlerstr. L3Ll. f ensel, Zlivlilihenstr. 1. äger, tzartenstr. 13. Brauerei Moabit, Thill'IIlßr. 13. TageS-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordnetcn-Wnhlen. 2. Diskussion. 3. Vor- schlage event. Aufstellung von Kandidaten. Referenten: Stadtverordnete Borgmann, Bruns, Gleshoit, Jacobey, Glelnert, Singer, Stadtbagen, Gottfr. Schulz, Vogtherr, Wernau, Wilke, Zadek, Znbeil. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Gindernfer. lleulseli. lÄklallai'Izöilöi'-Vel'danll ( V«»»« vcrlln). Mittwoch, den»7. Oktober 1«S7. abends 8V, Uhr» Vezioks- für Süden und Sentrunr in den„Ariiiinhallen". Kommandantenstrasic Nr. 20. T a ae s- O r d n u n g: 1. Bortrag des Genossen>V»I«lvoIr ZInnn«»« über: AGlanben «nd Wissen." 2. Diskussion. 3. BerbandSangelegenheiten und Ber- schiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 161/16_ Die Ortsverwaltung. Metallarbeiter! Mittwoch, den 27. Oktober 1897. abends 8 Uhr s Große öffentliche Versammlung in der„Kronen-Braucrei". Sllt-Wkoabit Nr. 47-49. TageS-Ordnuna: Der Riesenkampf der englischen Maschinenbauer um den Sicht- stuudeutag. Referenten:?»»! Liitflu und der Kollege l4i-«Kpv aus London. 170/3 Kollegen! Agitirt für den zahlreichen Bestich dieser Versammlung! Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. _ Otto St a e t h et, N., Anklamerstr. 44._ ledluog! Buchbiii«ler. Ächtung! Mittwoch, de» 27. Oktober 1897. abendS 8 lihr: Grosse öffentliche Versammlung aller in Buchbindereien beschäft. Arbeiter uud Arbeiterinuell im grossen Saale der„Nrmiichallen«. Konimandantenstr. 20. Tagesordnung: 1. Unter welchen Berhältnisien arbeiten unsere Kollegen und Kolleginnen in den kleinen Werkftuben? Referent: IHl. H«»tII',i,»nn. Kollegen und Kolleginnen! In mehreren Delegirten-Sitzimgen wurden unglaubliche Werkstuben-VerhälNiisse an das Tageslicht gebracht. ES ist Pflicht aller in obiger Branche Beschäftigte», vollziibltg zu erscheinen. Namentlich ist es nothwendig, daß die Beschäftigten der Werkstuben von Ebeling. Engelmann. Beil, Biegajewskn, Jakob, Benstein, Löchner. Prüfer A Melzer. Trantmann, Ritter, Wilde. Wnttig u. f. w. erscheinen. 28/14 Der Einberufer. AilPrderiiilg. Der Schlosser Hermann Brctag, wohnhast zu Weihensee, wird hierdurch aufgefordert, scincil Berpflichtungeu im Arbeiter-Gcsaiigvcreln Freiheit III Weihensee sofort nachzukommen, widrigenfalls wir andere Schritte einleiten werden. 66/15 I. A.: Der Vorstand. Gesangverei« (gemischte» Chor) sucht noch einige Damen und Herren leocntuell Tcnäreä als Mitglieder. Näheres Alexander- strafte 27o bei Hoffmann(Englischer Garten, pari.) jeden Donnerstag von 9-11 Uhr._ 11726 TLnger gesucht Für einen alt. Männer-Gesangverei» im Bororte Lankwitz wird ein guter 1. Tenor und II. Kos« gesucht. Herren mit guter Stimme erhalten den Vorzug. Gefl. Off. u. Siil»»?«»' Groft-Lichtcrfelde, Postamt I. 1481b Grützwurst Jeden Donnerstag von 5 Uhr ab frisch zu haben, k Pfd. 40 Pf., in meine»! Hauptgeschäft Höchstestr. 21 nnd in meinem 2, Geschäft Landsbcrger- «trasie 39. Tclph.-Amt VII. Nr. t.äich 1480b Onrl liUnl«. 0e.ZImmeI,S!S. SPczialarzt f.. Haut«.Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Vei'kin liöi' lÄgsaikfliesenlegsi' Herllnn nnd Ilinzresend. Sonnabend, den 30. Oktober er., abends 8 Uhr. im Bereinslokal »Englischer Garten--. Alexanderstr. 27 o: AM Mitglieder-Bersamntlnng. Tagesordnung ivird in der Versammlung bekannt gemacht. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 268/3 Her Vorstand. JPF~ Die DerelnSversammlungen finden sonst jeden ersten Sonnabend im Monat im„Englischen Garten" statt. Achtung! Zimwerleule. Achtung! Mittwoch, den 27. Oktober 1897, abend» 8 Uhr: Bersammluitg der Platz- Depntirten im Lokal von Baske, Grenadierstr. 33. TageS»Ordnung: 1. Welche Wirkung hat der Beschluv der letzten öffentlichen Bersamm- luna auf unsere Bewegung ausgeübt? 2. Bericht der Depntirte« von den Zuständen auf den einzelnen Arbeitsstellei». 3. DiStussio» über die Ein- Wendungen gegen dt- Abrechnung. In dieser Versammlung uiuft von jeder Arbeitsstelle, gleichviel welcher Stundenloh» gezahlt wird, ein Bertreter anwesend sein. 278/9 Die Lohnkommtsfion. Salln�Ntrlior. Künstl. Zähne in tadelloser AuS- jühning v. 3M., Plomben v. 2M. an. Schmerzlos. Zahnziehen inllt. Cocain, Elorsthiil, Chlorosorm nnd Lachgas unier Leilung eines prall. Arztes. Bei Bestellung v. lünstl. Zahne» Zahn- ziehe», Zahnreinige»»msonst! Maien- zahliing gestattet, Woche I M.* Onokcl, Lailsttzer Platz 2, Elsaffcrstrabe 12, Sleglitzersirab« 71. xraneiihrauhdetten: Dr. med. scltainer, homUop. Arst, Schöneber>i-r Ufer 25. Spr. 9—1, 4—7. Äitiiistttdjc F. Steffens, Rosenthal-rstr. 61, 2 Tr. »j Theilzahlinig pr. Woche 1 M, LliksnMeemm 10 Pf. 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Wahl eines Schriftführers und eines Ausschubmitgliedcs. Anträge, Per- bandsangelegenheitcu. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Nm zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 300/20_ Die Ortsverwaltung. Stackarbeiterl In letzter Stund« hat der neue Wirth von den„Andreassälen"(früher I o 6 l), Andrcasstr. 21, unS feinen schon zugesprochenell Saal vcriveigert. Die Versaiilmtung findet nun am Dienstag Abend bei Keller, Koppenstr. 29, statt._ 175/13_ Ter Vorstand. Cohn'5 Festsäle Beuthstrasse 20. Meine eleganten neu renovtrten Festsäle mit Bühne, bis 1000 Personen fassend, sind noch an einigen Sonnabenden und Sonntagen zu vergeben._ 3248L* 13.(aUnzei. I.othrinciprstr R2 Spezialität: Porträts tiUimiuyeiMl. sozialistischer Führer, Lastalle, Marx w. in Cigarrenspitzeli, Pfeifen, Nadeln, Brachen,»iiöpfcll, Büsten, Bilden! u. dgl., sowie iedr Drcchslcnvaare u. Repar.(Man veri. Prciökiirant.) Toiliiabtiih: Reßer-Berkliils! 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Dienstag, abends 8 Uhr: Kyrih Pyrit?. Mittwoch, abends 8 Uhr: DaS Stärkere. Donnerstag, abends 8 Uhr: Khrit?- Pyrit?.__ Luisen-Theater 31. Reichenbergerstrafje 34. Abends 8 Uhr: Jer große Wohlthiiter. VvlkSstllck mit Gesang m 6 Bildern von H. Wille». Musik von R. Bial. Morgen Mittwoch: Dio NÄubov. Von Friedrich von Schiller. . Direkte Verbindung mit dem Theater: Elcktr. Bahn: Dönhoffsplntz-Reichcn- bergerstraße in lv Minute». Kenti'sI-IIikgtei' Alte Jakobftr. 30. Direktion Itieli»,»«! Schnitt. Dienstag, den 26. Oktober 1897; Knill Thoina» a. G. Zum bZ. Male: Berliner Fahrten. Burleske Ansstattnngspoffemit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Frenud und Wilhelm Mannstäd t. Musik vou Jul. Einödshofer. Aufaug 1/28 lthr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrte«. Thalitt- Theater. Dienstag, den 26. Oktober 1897: Zum 11. Male: Betel Tohu-Bohu. (L'Auberge du Tohn-Bohn.) Vaudcville in 3 Akten von Maurice Ordonneaii. Dentich von Viktor Leon. Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Ostend-Theater. Gr. Franksurlerflr.lllL. Dir.<5. Weif? Letite Woche: Die Geisterglocke. Drama in 4 Akten von C. Matthias. Musik von C. Schüler. Anfang 8 Uhr. V.«0Ae!l'8 liiestei' R n 11 11 c 11- 8 1 r a s k c 1«. Großer Beifall. Großer Beifall. Ein weißer Rabe oder: Der ehrliche Makler. Posse mit Gesang in 4 Alten von Leon Treptow. Nach der Vorstellung Xanzkränzcheu. �eielKdAjleii-'Itetei'.l | Kelpzigci-skrnsse 77. | IMe grösstc Sensation{ dieser Saison: Das W 11 n<1 e r? Das flaminende Räthsel?! ist lin de slfeclc. Ferner das anf der HUIic der Zelt stehende Programm mit 24 Novitäten- Nummern. Anfang des Konzerts V/z Uhr, J der Vorstellung 8 Uhr. Kntree SO Pf.-»E! Tm Parterre-Saal heute; j I Hilltür-.lohn- Konzert j Kaiser Franz-Kapelle, Anfang 8 Uhr. Entroe 20 Pf. Urania Tanbenstrassc-48—40. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vomrittags ah, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissensohaftl. Theater. 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Morgen: Neues Programm. Eine Ve.oeipedefahrt an der Cirensdecle. 3. Ziehiiiig d. t.Klüssk 197.M.Plciitz.Lotttrie. Uietuag voai LS. Oliebtr>»07, aoriaitlasZ. Rur die tiiewiiuic über Sit» Aiarl sind den deucjfliider kiummern in PaieiUbeie teigesügl. (Ohne Ecniahr.) 20 72 100 1500) 25 2113-2 34271 525 630746 854 1589 842«218[3001 87 483 50s 30 81 680 752[15001 847 005 9078 99 462 7 00 879 901 4057 108 212 327 409 894 902 KUO 80 309 558[500) 653(300)«062 103 83 88 231 [300] 416 511 778 92 811 930 56 72üS 339[300) 44 795 834 97 986 92[300] 8107 19 63 248 57 625 27 752 893 »082 93 142 220 417 55 054 CG 827[300! 934 45 10171 97 292 431 601 852 55 82 978 I 1046 649 738 12020(1500) 33 62 219 26 48 376 427 605 760 844 974 1.1204 602 6 12 14 89[1500] 783 883 928 14031 205 361 612 786 829 42 72 962 73 1 6002 19 68 104 50 421 43 587 826 81 982 10023 90 238 367 686 749 887 98 964 17021 219 365 435 46 553 71 790 923 75[300] 1SÜ32 34 217 620 810 36 92[300] 922 87 19128 212 47 322 418 68 685 770 979 92 -.20235 364 471 603 21100 338 608 890 95 937 91 32221 13000] 99 338 461 526 762 888 912[1500] 33020 76 105 345 48 93 517 75 729 825 46 900 44 88 34244 (500) 71 99 375 434[500! 714 961 68 35132 486 529 608 54 56 939 20161 400 567 702 830 663 37282 97 324 556 617 760 806 940 3H470 715 92[15C0I 975 85 *#034 72 156 67 250 342 477 80 615 761[1500) 84)126 29 60 223 328[300] 32 420 33 527 678 817 25 All 31231 439 847»55172 205 87 342 60 533 36 47 73 617 45 804 913 34[300) 53»8229 770 76 841096 124 276 505 7[5001 51 783 821[10(MIO) 74»5004 47 81 114 89 204 428 565 90 94 875 80 954 30118 52 222 312[3000] 551 86 634 37 773 837 905 40»7091 362 542 641 711 882 38656 74 613 938»»066 163 216 54 419[300] 624 795 891 93 940 41)002 43 144 269 368[30001 730 893 943 41046 77 355 456 813 13000) 58[1500) 916 42007 37[500! 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Concerthans fielpziscrstr.Mo.dS. NW- Täglich:-WK itoffmsnn's Quartett und Humoristen. u. a.:„Charivarl." Sensationelle Novitäten von Müller Idpart. Anfang: Sonntag 7 Uhr. Woche 8 Uhr. An Sonnabende» werden die Ge- samniträume des Concerthauses zu Festlichkeiten vergeben. Boitmisedes Braudaus Landsberger Allee. Heute, sowie jeden Dienstag: SMInei' Sänger (Meysel, Pictro, Britto», Stcidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Ansang 8 Uhr. Entrce SO Pf. Vorverkauf 4v Pf. (Siehe Plakate.) Keae» Programm t Feen-Palast LS Burgütr. SS. | Dir.: ItTinkler dt Fröbcl. Nur noch# Um Ibis Sonntag: 8>/z Uhr: | Rich. WinNer n. Wilh. Fröbel in der urkom. Gcsangsposie .ZS�'NeMeTache.� Dazu daS erfolgreiche brillante Ift!itI)r.-Iiiesell-?i'oxl'iimn> Fidele I Miiiiatnr- iDrofchkenfahrtl Circns u, f.>v. u. f. w. Anfang 7>/z Uhr. Sonntags mm-< Pf. bis 1 M.' Vorbereitung Enlrec 30 I» C Uhr 50 Pf. Betten Kallet Katten. Gardinen, Tifchdeiken ipottb. , Ncandcrstr. 6, Pfandleihe. 89473 Personen haben nach Ausweis der Kassenbücher in den bisherigen 50 Aufführungen der Zug- u. Kassenstücke Im Atelier« [Ein Abend im Wintergartenf das 1. Oripal-Budapester Possen- n. Operetten- Tlicatcr in Kaufmann's Variete besucht! Es repräsentirt dies einen AW— Erfolg, wie ihn trotz der unnachahmlichen Eigenart ilirer völlig individuellen Komik und ihrer notorischen Bo- liebthoit Bonat u. Anton Herrnfeld doch in allen ihren Stücken NW- bisher so gross noch nie gehabt. Ämerican-Theater. DreSdenerstr. 55. Dienstag, den 26. Ollober 1897: Kolossaler Erfolg! Stürmischer Beifall! Zum 46. Male: Berlin wie's näht und trennt. Volksstücl m. Gesang in 2 Abth. v. L. Elp. Mnsil von M. Schmidt. Der Traum von Bayrrnth. Parod. Traumbild. Hugo Schulz als Seemann. Wally Smollm, Erentriqne-Sonbrette. Emmy und Ernst Ncbcntisch als Zlllnnfts-C-hepaar. Paul Bcndix, Humorist. Ansang der Vorstellniige»: SonntagS 7l/z, Wochentags 8 Uhr. klaedr'sVkeaiör Branienstrasse glSF" Tlialilh Theater- n. Spczialittttcn- Yorstcllung. KovitUtcn-Programm. U. a.: Beta Waldau, U. a.: bildschöne Kostüm- Soubrette. Enge» Bosee, der beste Mimiker. üenl Wer ist der Wer? Neu! Burleske mit Gesang und Tanz. Ken! Die zweite Frau,««i! Volksstück. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. "Vail�s- Tl�ratrr Im Wclt-Restanrant 97. Dresden er-Strafte 97. Ue Reezendurg. Bilder ans dem Berliner Volksleben von L. E l y. Ansang: Soimtags 6 Uhr, Wochen- tags 7i/z Uhr.— Entrce: Sonntags 40 Pfg., Wochentags 20 Pfg. Khauesrt" Sanssouci Kottbnser Strohe Nr. 4 a. Dir. H. Pierry. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Stürmisch. Erfolg. Riesiger Beifall. 8portinüdcl. Neu! Gnste ans Posten. Neu! Vorzügliche neue Spezialitäten. Anfang des Konzerts: Wochent. 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Anfang der Vorstellung: Wochent. 8 Uhr, Sonntags 6 Uhr. föllilW Wochentags 30 Pf. vli>ll.t.. Sonntags 50 Pf. Wochekit. Passe-partouts giltig. Diese Vorstellungen finden jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag statt. Mcazar Variete- Theater X. Ranges. DreSdenerstrasie 52/53(Cith-Passage) Annen strasie 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Neu! Novität! Neu! Uber Herzverführer. Grosse Ansstatinngs-Operette in 1 Akt von Leop. Elp. Musik von Holländer. Vorher: Tante Mollig. Posse in 1 Akt. Austreten sämmti. Kunst-Spczialitäten. WltfdttA* Wochentags 8 U JMIHItlU Sonntags 6)/," Entree HO Pf. Rescrvirtcr Platz 50 Pf. i 8 Uhr. gi/, Uhr. IT.-*1 Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. J.©lüek. Erna Koschel. Mr. Brem Miss Marie Haiton. Mr. Rapoii. Dagmar Hansen. Neun Heinzelmännchen. Kassencrössnung Ö'/j Uhr., Anfang 7V2 Uhr. Montag, den X. November 1897: Wlederauftreten des OesangshumoristeB Robert Steidl und vollständig neues Programm. 3. Llthmifth. 4. Müsse 197. ttgl.Prentz.Lotterie. siieynnz»>>»> 25. Cflotcc 1SS7, nachmittag). Rur dtk Gewinne über*1« Marl sind den brneffeule# tüumwern in Parenthese beigesügt. 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Für den Jnlcralenlheil veiaunvörilich: Th. Gloike in Berlin. Druck und«erlag von Max«adina in Berlin.