Ar. 251 Adomttments-Kedingungen: AbonntininlS-Pret» pränumerando: Bierteljährl. 3L0 Md. monatd 1,10®J1., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Stummer mit tlluftrtrter Sonntags- B-tlag-„Dt- Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Sibonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für lSS7 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrig« Ausland 8 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertions-Webülfr beträgt für die fechSgefpallene Kolonel» zetle oder deren Raum 40 Pfg., für «erelnZ- und VerfanimlungS-Anzeigen, sowie ArbetlSmarkl 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer nillfsen bls 4 Uhr nachmittags in der Sipediiion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen btS o Uhr vormillagZ g-offnet. Erscheint täglich allster«antag». Vevlinev Volksblskk. Fernsprecher!»ml I, Er. 1508. Delegramm-Adresfe: «SozisIdemoKrat Srrlin". Zentvalorgcm der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ftedaklion: 8V. 19, W-uly-Slraße 2. Mittwoch, den AT'. Oktober 1807. Spedition: SW. 19, Mettty-Straße 3. Die Mivvetr in Oesteveeichl. Die parlcuneiitarische Krise in Oesterreich hat eine weitere Verschärfung erfahren. Das anständigste, konzilianteste und bei der Opposition nicht einflußlose Mitglied des Präsidiums des Abgcordnetenhanses, der deutsche Klerikale Dr. Kathrein hat heute sein Amt als erster Präsident nieder- gelegt. Die Majoritätspartcien hatten ihm Znmnthnngen zur Unterdrückung der Obstruktion gemacht, die er nicht erfüllen konnte. Seine Ablehnung dieser Vorschläge und sein kluges Vorgehen der Opposition gegenüber hatte seine Stellung bei den Majoritätsparteien untergraben, so daß er weichen mußte. Sein Nachfolger ans dem Präsidenten- stuhle soll ein anderer deutscher Klerikaler, Herr Ebenhoch werden, der bei allen liberalen Deutschen, den Sozial- demokraten und allen anderen Vcrtheidigern des freien Volksschnlwesens als unermüdlicher Verfechter der Klerika- lisirnng der Schule aufs ärgste verhaßt ist. Man muß sich nun ans Brntalisirung der Opposition und auf Ver- schärfnua der Obstruktion gefaßt machen. Sicherlich wird jetzt der sozialdemokratische Antrag, den Grafen Badem wegen Erlaß der Nothvcrordnung über die Zucker- steuerprämien in Anklagczustand zu versetzen, die geschäfts- ordnungsmäßige Unterstützung finden. Uebrigeus ist nachträg- lich noch ein gleicher Antrag von der deutschen Fortschritts- Partei gestellt worden. Diese Anträge auf Versetzung des Ministeriums in Anklageznstand sind weit bcdenlungsvollcr als die bisher schon erledigten, handelt es sich doch dabei, fesizu- stellen, ob in Oesterreich auch ohne Parlament regiert werden kann, ob der Wunsch des Grafen Badem in Erfüllung gehen wird, den Ausgleich mit Ungarn außerparlamentarisch zu ver- längern. So ist man in Oesterreich nun beim entscheidenden Punkte angelangt. Wird die Mamelukenmehrheit des Grasen Badem so weit in ihrer politischen Verblendung gehen, auch hier die zum Schutze des Parlamentarismus zusammeu- stehende Minderheit niederznstimme», dann hat Graf Badem in Oesterreich wenigstens das Feld für seine weitere verfassnngs- widrige Politik offen. Aber neue Schwierigkeiten erwachsen dem österreichischen Ministerpräsidenten durch die Haltung der ungarischen Nc- giernng und der ungarischen Parlamentsmehrheit. Der Ausgleich mit Ungarn ist eben eine recht komplizirte Gcsetzesarbcit. Es ist dazu nothivendig, daß sich die beiden Häuser des österreichischen Reichsrathcs und die beiden Kammern des ungarischen Reichstages, sowie die beiden Re- gierungen und der beiden Ländern gemeinsame Monarch sich zu einhelliger Bcschlußsassnng zusammenfinden. Die ordnungsgemäße parlamentarische Erledigung dieser hoch wichtigen Gesetzesarbeit liegt den Ungarn sehr am Herzen. Wohl wünschen sie vor allem eine möglichst niedrige Belastung ihrer Reichshälfte und deshalb muß damit gerechnet werden, daß Graf Badem die mit Geld stets käuflichen Magyaren zuletzt noch zur Anerkennung seiner gesetzwidrigen Politik in Oesterreich zwingt. Aber die herrschenden Parteien in Ungarn haben auch sehr gewichtige Gründe, den Präcedcnzfall einer antiparlamentarischen, mit der von dem Monarchen an- erkannten Verfassung im Widerspruche stehenden Regierung zu verhindern. Die in Oesterreich über die Staatskrippe allein verfügenden sogenannten Liberalen wissen ganz wohl, daß in der Umgebung der Krone unermüdlich gegen ihre Partei gearbeitet wird, seitdem die dem Klerus verhaßten kircheupolitischen Gesetze in krast sind, arbeitet„hohe" Geistlichkeit und„hoher" Adel mit allen öffentlichen und geheimen Mitteln gegen die liberale Regierung und Bureaukratie. Daß die dabei auf die Sympathien des streng- Königs von Ungarn" rechnen den ungarischen Ministerien sucht man in Ungarn einen Staatsstreich und jede Vergewaltigung des österreichischen Parlamentarismus nach Kräften zu verhindern. Man weiß nur zu gut, daß an ein absolutistisch regiertes Eis- lcithanien nicht ein liberal, sondern nur ein von Pfaffen und dem klerikalen Adel regiertes Ungarn grenzen kann. Dann ist es aber aus mit der den Liberalen zu gute kommenden Korruption, dann setzen sich andere an die Futter- plätze und deshalb hat die liberale Parlamentsmehrheit Ungarns alle Veranlassung, Graf Badeni's dunkle Wege zu kreuzen. An Deutlichkeit hat e? Graf Banffy, der ungarische Ministerpräsident, in der gestrigen Sitzung des ungarischen Ab- geordnetcnhauscs nicht fehlen laffen. Er sagte: ,... Die ans diesem Verbände sich ergebenden und im 1867« Ausgleich bezeichneten gemeinsamen Angelegenheiten müssen daher, was für eine Aendernng auch immer eintrete, unter den versassungsmäßigen Verhätinifsen der ans grund der Pragmatischen Sanktion mit uns in einem unlöslichen Verbände stehenden Länder den Gegenstand unserer Fürsorge bilden. Und weil wir dieses Bundesverhältniß nicht tmigireu wollen. erachten wir eS nicht für v o r t h e i I h a f l, daß sich dort die zerfahrenen Verhältnisse in dieser Richtung noch weiter entwickeln.(Zustimmung rechts.) Es ist im Gegeiitheil unser Wunsch und unser Sireben, daß auch in Oe st erreich das ver- sassu n gs mäßige Leben fortdauere und sich ungestört weiter ent wickele(Z istünmnng rechts), und daß wir mit einem unter versassnngsiuäßigen Verhältmssen lebenden und wirkenden Oesterreich den Ausgleich auch definitiv, jetzt aber einstweilen provisorisch, zu stände bringen. Wir wünsche» es als ausgeschlossen zu betrachten, Herrschaften katholischen„apostolischen dürfen, weiß man in nur zu gut. Deshalb daß man in Oesterreich anders als Verfassung?- mäßig regieren müsse; wenn aber die Verhältnisse sich dennoch so gestalten sollten, was Gott verhüten möge, so wird in einem solchen Falle die Negierung es nicht verabsäumen, ihre Pflicht zu erfüllen, die Angelegenheilen vorzubereiten und Ungarns Interessen zu wahre» unter Berück- sichligung der im Gesetz übernommenen Verpflichtungen und ge- sicherten Rechte. Die Drohung, daß Ungarn im Falle parlamentsloscr Zu- stände allein die gemeinsamen Angelegenheiten ordnen werde, hat in Oesterreich die schwerste Beunruhigung hervor- gerufen. Im Abgeordneteuhause intcrpellirten die Christlich- Sozialen unter Führung Lueger's den Ministerpräsidenten Grafen Badem wegen der gestrigen Rede des ungarischen Minister- Präsidenten Banffy, ans welcher geschlossen werden könne, daß die ungarische Regierung eventuell willens sei, einseitig die Beziehungen zwischen Oesterreich und Ungarn zu regeln. Bei der weittragenden Bedeutung dieser Erklärung wünschten die Interpellanten zu wissen, welche Maßnahmen die Regierung zu treffen gedenke, wenn das Ansglcichs- provisorium im verfassungsmäßigen Wege nicht zur Erledigung gelangen sollte. Die Majoritätsparteien mochten nun mit aller Gewalt das Ausglcichsprovisorinm zur parlamentarischen Erledigung bringen, die Minorität weiß aber, daß dann Graf Badem völlig freie Hand hat und dann alle Mittel der Obstruktion versagen würden. Graf Badem würde mit dem Ausgleichs- gesctze in der Tasche einfach das Abgeordnetenhaus vertagen und nach freier Schlachzizenart ohne jede Kontrolle Oesterreich regieren. Deshalb fordert die Opposition vor der Berathnng des Ausgleichsgesetzcs die Erledigung des Dipanli'schen Sprachen- antragcs und die Aushebung der ungesetzlich erlassenen Sprachen- Verordnungen. Dies sind unversöhnliche Gegensätze. Es giebt niemand, der vorauszusagen vermag, wie der gordische Knoten gelöst werden kann. Eins ist sicher, daß Gras Badem kein Alexander der Große ist, der diesen gordischen Knoten zerhauen kann. Graf Badem ist ein schlauer Geschäftspolitiker, aber kein großer Staatsmann, er weiß wohl selbst nicht den Ansivcg ans der schwierigen Lage, die sein politisches Ungeschick gc- schaffen hat._ politische Tl et' erficht» Berlin, 26. Oktober. Von der„entscheidenden Stelle." Unsere Ausführungen vom vorigen Sonntag haben natürlich denen mißfallen, die ein Interesse haben an der Erhaltung der Zustände, gegen die nnscr Artikel gerichtet war. Es giebt aber gewisse Dinge, über die man am besten schweigt, wenn man nicht die Macht hat, den Gegner anit brutaler Gewalt zu erdrücken. Das haben die Blätter vom Kaliber der„Norddeutschen Allgcni. Zeitung", der„Post" n. s. w. vergessen, die der„Konservativen Korre- spondcnz" eine angebliche„Widerlegung" unseres Artikels ent- nehmen. Die Intelligenz des„Widerlcgcrs" erhellt ans der Thalsache, daß sein Hanptargninent die Behauptung ist, es gebe kein souveränes Volk. Denn das Volk sei ans ver- schiedcncn Klassen zusammengesetzt, und da von diesen keine über die andere„entscheiden" könne, so sei der Monarch, der ü b e r den Klassenunterschieden stehe, die einzig denkbare„ent- scheidende Stelle". Wir danken dem Artikelschreiber der„Kons. Korresp.", der diese Stilübnng verbrochen hat, für sein nniftürzlerisches Zu- gcstäiidniß, daß im Staat„Klassenunterschiede"� obwalten, ans welchen Unterschieden sich ja mit zwingender Logik der Klassenkampf ergiebt. Auf die Frage, was und wo denn daS souveräne Volk sei, wollen wir ihm kurz antworten: das deutsche Volk, welches das allgemeine Stimm- recht besitzt, ist ein souveränes Volk und es übt seine Souveränität direkt ans durch die Wahl der Volks- Vertretung, also des Reichstags, und indirekt durch die von ihm gewählte Volksvertretung, also den Reichstag. Das ist so einfach und klar, daß die Verdunkelungsmanöver der reaktionären Blätter nur Heiterkeit erregen können. Wie jämmerlich muß es um eine Sache bestellt sein, deren Vertreter so thun— wie der Artikelschrciber es thnt—, als hätten wir mit der„entscheidenden Stelle" den sozialdemokrati- scheu Parteitag gemeint! Und was will das Wort von dem Monarchen, der„über den Partei-Unterschieden" steht? Wenn ein solcher Monarch vorhanden, und wenn er möglich wäre, dann hätten wir unseren Artikel nicht zu schreiben brauchen. Was wir dort ausgesprochen haben, das sind nicht sozialdemokratische Partei- gedanken— das sind Gedanken, welche in den weitesten Volkskreisen herrschen und in l a n d e s-, ja weit- kundigen Verhältnissen ihre Wurzel haben. Diese Verhältniffe, die von Tag zu Tag sich mehr zuspitzen, führen uns, wenn das so fortdauert, unvermeidlich zu sehr bedenklichen Zuständen. Abhilfe kann blos geschaffen werden durch die endgiltig„entscheidende Stelle": das souveräne Volk.- «• ft TenischeS Reick,. — Dem Bundesratb sollen dem Vernehmen nach im Laufe dieser Woche bereits einige Spezialetats für 1898/93 zu- gehen, so daß die Ausschüsse des BnndesrathS. die, wie alljährlich um diese Zeit, neu gebildet sind, in die Berathnng eintreten tömiein Die Dritckleginiz des Reichshanshalls-Etats für 1898/99 soll, wie es heißt, so gefördert werden, daß er dein Bnndesrath bis Mitte nächsten Monats vollständig vorliegt.— — Große Aufregung spiegelt sich seit einigen Tagen in den Spalten der patriotischen Presse. ES muß etwas Gewaltiges pqssirt sein. Da reist Zar Nikolaus in Denlschland hentin und befindet sich gerade in Darmstadt. Des badischen Nachbarstaates Großherzog will mit feiner Gemahlin den Zaren be- suchen, aber ans die Ankündigung seines BesncheS wird er- widert, der Zar habe über seine Zeit verfügt ttnd lönne die Herrschaften nicht empfangen. Diese Absage wird alSbnld im Karlsruher Regierungsblatt bekannt gegeben, ein Zeichen, daß die Sache sehr verschnnpst hat. Großer Sturm in der denlschen Presse. Ei» Anndcs- iärst beleidigt, der beliebte Großhcrzog, der so schone slaalSerhalleude Reden zu reden pflegt, von dem fremden Herrscher brnSkirt. Großer Streit über das Warum. Steckt„hohe Politik" dahinter? Ist es bloS eine„Familienangelegenheit"? Ist cS schließlich nur ein Mißverständnis!? Es gehört schon die ganze unaussprechliche Bedienienhafügkeit dazu, die sich bei uns PartikiilariSmus nennt, um solche Gering- sügigkeiien in den„höheren Regionen" zu Slaatsaltionen anfz»- banschen.— — E i» Pendant zur„ A u S in i e t h n n g der Sozial- demokratie" hat, wie wir schon kurz iiiitiheilleu, der Magistrat von Schleswig gestellt. Dort Halle das Mitglied der sozialdemokratischen Parle!, Otto W n st r e ck ans Flensburg, um Erlheilung einer Schankkonzession für daS Elabliffement Bellevue nachgesucht. Derselbe wurde abschlägig be- schieden und erhob Klage im Verwaltnngsstrcitverfahren. Der Magistrat von Schleswig Hai als erste Instanz diese Klage a l s n n b e- g r ü n d« t zurückgewiesen. Die Gründe dieser Abweisung, die iinS ans Schleswig berichtet werden, sind ganz besonderer Art und verdienen ausführlich bekannt gegeben zu werden. Die Begründung sagt: „... Der Kläger hat ferner erklärt, der Führer der sozial- demokralischen Partei in Flensburg zu sein. Demgegenüber ist jeder Zweifel darüber ausgeschlossen, daß der Kläger die für den Ankauf deS GeweseS Bellevue und die Anzahlung erforderlichen Summen, da er selbst kein Vermögen besitzt, von seinen Parteigenossen erhalten wird. Der Kläger über- nimmt damit die Verpflichtung. nach wie vor im Interesse seiner Parteigenossen lhäi'ig zu sein inid� da? von ihm zu erwerbende Etablissenient als Miltelpunkl für die B-ftrebungen der Sozialdeinokralie in der Sladt Schleswig diene» zn lassen. Die hiesigen Sozialdemokraten sind schon seit Jahre» vergeblich bemüht gewesen, ein für sie geeignetes VereinSIokal zn gewinnen. Diese Absicht wird und soll dadurch erreicht werden, daß der Kläger daS Etablissement kauft. Dasselbe würde in Znknnfl sowohl für die hiesige Sozial- demokralie, als auch für die von auswärts her hier im gleichen Sinne zn betreibende Agitation als Zentralisalionspnnki dienen, der Partei einen SUitzpnnlt gewähren und eine Forderung der Be- strebnngen dieser Partei in ZluSstcht stellen. Bellevue würde hier- durch endlich der Beuiitziing durch alle übrigen Gesellschafisklassen völlig entzogen werden. Die Stadloerlrelmig muß jedoch eine Pflicht darin erblicken, einer SluSdchnnng der Anhängerschaft der Eozialdeinokraiie, deren Endziel im Uinslnrz der bestehenden Staats- und Gesellschaflsordnung ist, eine Forderung der Jnter- esse» und Zwecke dieser Partei, gegebenen Falles nach Kräften zn verhindern." Diese AnklegilngSkunst der Väier der Siadt Schleswig steht einzig da, und sie wird den Beifall habe» des Herrn v. Köller, der als Oberpräsident jetzt Über die Provinz SchleSwig-Holsiein waltet. Allerdings ist weder in der Geiverbe-Ordnniig noch in einem anderen Gesetzbuche des Landes irgend eine Befliininmig vorhanden. welche einer Behörde die Berechlignng gäbe, eine Schankkonzession zn verweigern, weil der Nachsuchende in seinem Lokal die Sozialdcmo- kraien auszunehmen bereit ist. Wie der Schleswig« Magistrat sein Verfahren mit den bestehenden und auch ihn bindenden Gesetzen ver- einigen will, ist daher nicht zu erkennen. Sicherlich wird auch die höhere Instanz zur Enlscheidiing veranlaßt werden. Schon bisher hat iiiau viele Mühe aufgewendet,»in sozialdemokralischeii Personen die Erlangung von Sehank- bercchlignngen zu erschweren. ES fragt sich, ob es gelingen wird, die Nichierlheilmig von Schankkonzessionen a u S politischen G r ü»den zur Regel zn erheben. Noch sind wir nicht so weit. Und so leicht wird daS nicht gelingen! Wir werden Gelegenheit nchinen, auf diese wichtige Angelegen- hell wieder zurückzilkoimnen.— — Wozu die Junker gut sind, sagt imS die„Krenz- Zellnna" in ihrer vorgestrigen Niiminer. Da lesen wir im Leitartikel („Die innere Politik der Woche"): „Wer sind denn die Leute gewesen, die unter Führimg der Hohen zollern Deutschland, seit den Tagen des Großen Kur- sürsten von Slnfe zu Stufe fortschreitend, trotz manchen jähen Wechsels des Glücks und mancher Sliederlage, politisch»nd niili- tärisch groß gemacht, wie wir es heule sehen? Sind es nicht meist preußische Junker, denen sich auch einige nichlvreiißische. wie z. B. Stein und M o l t k e zugesellen? Wer für die Be- denliing dieser geschichtlich feslsiehenden Thalsache keinen Sinn und kein Verständniß hat, mit dem wollen wir um so weniger streiten, je öfter man miS genülhigt hat, auf Dinge znrückzukoinme», die von unserem Siandpnnkle in gewisser Weise an Seldstlob z!) mahnen(?). „Ein trauriges Zeichen für den mangelnden Naiionalsinn vieler Deutschen und die niedrige Denkart weiter Kreise aber müssen wir eS nennen, daß ein S l a n d, dessen Mit- g l i e d e r s i ck> in alter und neuer Zeit in großer Zahl weltgeschichtliche Berdienste n n- v e rg l e i ch l i ch e r Art erworben haben, lediglich zur Zielscheibe der gehässigsten Angriffe dient, und alle Welt kein anderes Ziel zn haben scheint, als sich ans seiikr Haut„Riemen zn schneiden". Die von den Liberalen viel bewunderten Engländer t h n n das u i ch t. Trotz aller Fehler und Schwächen ihrer Aristokratie hallen sie nn ihr fest, und wissen ihre großen polilischen Leistungen gebührend zu schätzen. Wer aber kann sich bei einiger Keiintniß der menschlichen Dinge darüber täuschen, daß der Rubin»»d die Große Englands nach außen hiermit steht und fällt. Jeder Stand bat t e i ii e besondere Aufgab« im Leben. Der Aristokratie ist von jeher die politische und militärische Führung zugefallen. Selbst eine so demokraiisch-uivellireude Zeir, ivie die unsere, muß sich das thatsächlich noch gesalleu lassen. Die übrigen Stände uui» Berufskiasseu habe» eben andere Aufgaben zu er- füllen, die sie vollauf in Anspruch nehmen. und ihrer ganzen Eigenart mehr entspreche». Geschäftsleute können keine diplomatischen B e r h a» d l n n g e n führen. Gelehrte k e i n e H e e r e und Flotten. Nur bei u»S will man das nicht gelten lassen. Da wird fortwährend ans das emsigste nachgerechnet, wie das Zahlenverhältntß i»> Heer und in der Verwaltung sei, ob der Adel da nicht unverhällniß- mäßig stark vertreten sei u. s. w. Das ist so rechte Philisterart, die keinem andere» etwas gönnt." Das preußische Jnnkertbnm unter Führung der Hohenzollern! Aber iveiß der Nachfolger Hammerstein's denn nicht, daß die Herren Junker einen Hohenzollern, der ihren Unfug nicht dnldcte, auf- hänge» wollten? Und daß die Hohenzollern, um überhaupt regieren zu können, die Raubschlösser der Herren Junker erst zu- saimnenschießen mußten? Und die„weltgeschichtlichen Verdienste" der Herren Junker? Wir geivöhnliche» Menschenkinder kennen überhaupt keine» Junker, der„weltgeschichtliche Verdienste" gehabt hätte. Freilich, wenn man Stein und Moltke z» den Junkern rechnet, dan» kann ihnen schließlich auch Humboldt und Goethe annektirt werden. Dem englische» Adel vergleicht die„Nreiiz« Zeitung" das preußische Jnnkcrlhni»! O heilige Einfalt. Wir Nicht-Jnnker habe» schon in der Quarta gelernt, daß der englische Adel durch und durch bürgerlich ist. Daß es seit Jahrhunderten in England gar keine alten Adclsgeschleck)lcr mehr giebt, weil die„Gemeinen" dnrch gründ» liche Ausrottung dafür gesorgt habe», daß England nicht unter den „weltgeschichtlichen Verdiensten" dieser Sippe ebenso zu leiden hat, wie Prenßen-Deutschland. Rührend bescheiden ist. wie die„Kren,- Zeitung" das Monopol der Politik(des' Reglerens) und der militärischen Führung für die Junker in Anspruch nimmt. DaS deutsche Volk ist den Herren Junkern gut genug, ihnen alljährlich ein paar hundert Millionen an Liebesgabe» ec. zu zahlen, aber nicht gut genug, sich selbst z» regieren. Nun, dafür danken ivir. Die Herren Junker möge» sehen, wie sie durchkomme». Am besten krage» sie ihre„iveltgeschichtlichen Verdienste" nach Kamerun, wo sie weniger schaden können, als in P u t t k am« r u n. Freilich, ehe sie answanderii, müßte» die Herren etwas lernen. Und das thnn sie nicht. Deshalb werde» wir sie wohl noch«ine Zeit lang behalte», bis dem deutschen Michel einmal der Geduldsfaden reißt. — Der ni ehrfach erivähnt« Kompetenzkonflikt zivischcii dem Oberlaiidesgerichle Halle und einer Militärbehörde in Metz hat nunmehr seine Lösung gefunden. Die Militär- behörde. die sich bisher weigerte, die vom Oberlandesqerichte zwecks Erzwingung einer Handlung ausgesprochene Verurlheilung des Premierlientcnants v. Pnttkamer zu einer Haflstrafe von vier Woche» zu vollstrecken, erkennt jetzt, nach der„Köln. Volksztg.". ihre gesetzliche Verpflichtung dazu an. v. Pnltkamcr hat dement- sprechend den Befehl erhalten, die erkannte Hast in Magdeburg zu verbüßen. Merkwürdig bleibt doch diese Affäre, wenn sie auch so sehr ver- fpätct und nachdem sie in der Presse das größte Aussehen erregte, ihre Lösung gefunden hat. Die Absicht des Zivilgerichts, dnrch die Hast des Herrn v. Pnttkanier dessen geschiedene Frau in den Besitz der ihr gerichtlich zugesprochenen vom Galten verweigerten Kinder zu bringen, dürfte, wie wir fürchten, dnrch die Verzögerung der Vollstreckung der Haft durch die Militärbehörden vereitelt sein. Ein merkivürdiges Beispiel für die Folge» des doppelten Straf- Verfahrens in einem Lande, in dem nach einein Ausspruche des Kaisers„Ein Gott, Ein Volk, Ei» Recht" gelten soll.— — Maschinengewehre. In Anknüpfung a» die That- fache, daß bei den letzten Manövern des 7. französischen Armeekorps Schnellfenergeschütze mit Gewehrkalibern in Verwendung gekommen sind, behandelt die„Köln. Ztg." die Entnäckelnug und Bedentniig dieser vielgenaniilen und vo» manche» Seiten als„ZnknnflSgeschütz" bezeichneten furchtbaren Waffe. Geschütze dieser Art sind im Tschitral-Feldznge der Engländer gebraucht worden und konnne» auch im jetzigen Krieg an der nordivestliche» Grenze Indiens zur Ver- Wendung; desgleichen sind auf deutsche» Kriegsschiffen, sowie bei der Infanterie u»d Kavallerie in England selbst derartige Kousirnklione» in Gebranch. Abgesehen von älteren Typs ist die Konstruktion Maxim's die bekannteste und folgenreichste. Der ßiiickstoß der zuerst entzündeten Patrone wird zum Ansivcrfe» der beschossene» Hülse, Einsühren einer neuen Patrone und zum Abfeuern benutzt;«in ein- facher Mechanismus erlaubt die Feuergeschwindigkeit je»ach den Gefechtsverhältnisse» zu bestimmen und nach Bedarf auf«ZOO Schuß in der Minute zu steigern. Das Feuer wird in un« geschwächter Geschwindigkeit fortgesetzt, so lange»och Patronen da sind. Die Patronen befinden sich in Hülsen ans einem Lade- streifen und ist eS nur»ölhig, wenn daS Feuer forlgesetzt werden soll, einen neue» Ladestreisen a» den im Gebranch befind- liche» zu befestigen. Die Echußleisiung entspricht der Wirkung eines gleichkalibrigcn JnfanteriegewehrS, doch fallen alle Fehler, die durch den Schützen beim Abkommen gemacht werde», fort, da da? Geschütz sich auf einem feste» Dreifuß befindet. Für das ll wm-Kalibcr wiegt der Dreifuß L3,S, das Rohr mit Verschluß und Wasser- ummanlelnng 2ö leg. sodaß n u r z w« i M a n n z u m T r a n s- port des Geschützes erforderlich sind. Wie sich aus der oben gegebenen Charakteristik des Maximgewehrs ergiebt, verhält sich die alte Milraillense, wie sie die Franzosen 70|1871 benutzten, zu einem modernen Maschinengewehr etwa wie das alle Feuersteinschloßgewehr zmn deutsche» Magazingewehr. Die neuen klcinkalibrigen Schnellfenergeschühe, Maschineugeivebre, oder wie wir sie sonst nenne» wollen, wollen nicht mit dem Geschütz wetteifern, sie wollen in erster Linie nur alS schnellseuernde Infanteriewaffen ans festem Stativ betrachtet sein. Das Fehlen einer Raucherscheinnng, die geringe Fenerhöhe vo» nur einem Meter und eine Etreuvorrichtung für eine größere inagerechte Ans- breilnng der Schüsse begünstigen die Einführimg. Die Furcht vor nutzloser MnnktionSvergcndung dürfte nach den mit Mehrlader» ge- machte» Erfahrungen unberechtigt sein. Die Bedeutung für die Taktik der Truppen charakterisirt der militärisch« Mit- arbeiler der„Köln. Ztg." solgendermaßc»: „Iii der Vertheidigniig geben diese Geivehre die Möglichkeit, die Feuerkraft bis ans das denkbar höchste Maß zu steigern,»nd da auch i» der Vcrtheidigung die Entscheidung nur im Augriff liegt, so gewähren Maschinengewehre die Möglichkeit, a» Stärke der Be- satznng zu spare», dafür aber die zur Führung des entscheidenden Angriffs bestimmte Hauptreserve stärker zu bemessen. Vor allem wird aber die Kavallerie bei Einführung von Maschinengewehren eine wesentliche Erhöhung ihrer G e f e ch t s k r a s t erblicken müssen; die große Fencrkraft dieser Waffen geivährt die Möglichkeit, die Zaht der zum Fußgcsecht zu verwendenden Reiter zu vermindern, somit eine größere Zahl Säbel im Saitel verfügbar zu behalten. Ein einiger- niaßen ernsteres Fnßgesecht fordert erhebliche Einbuße an Mann- schaste», da mm für jeden außer Gefecht gesetzten Mann noch ein ziveiter ansfällt, der das Pferd des Verwundeten oder Erschossenen nachführt, so schwächt jedes Fnßgcfecbt in empsindtichster Weise die Kavallerie und begründet dieser Nachtheil aurti hinreichend die Abneigung der Kavallerie. zum Gefecht abzusitzen. Erhöhung der Fenerlrast, Erleichterimg der Führung des Feucrkampfes, Möglich- keil mit Feuer gegen anreitende Kavallerie zn wirken, sind die am meisten in die Augen fallenden Vorlheile, welche dnrch AnsstaUnnfl der Kavallerie mit Maschinengewehren— etwa zwei für jedes Regiment— sich ergeben. Sehen wir von der Schweiz ab, so sind zur Zeit Maschiiynizeschntze nur in England eingesübrt. Jede Jnfauleriebrigade imd jedes Kavallerie-Regiment verfügt über eine Revolvergeschütz-Abtheilnug von zwei Geschütze». Die Berichte lauten durchiveg anerkennend und dürste eine vorurtheilssreie Be- schäsilgimg mit dieser Frage ziveifelsobne am Platze sein." So bringt fast jeder Tag„neue Fortschritte" in der Technik der Kriege!, lstrnmente. Es sind siirivahr edle Aufgaben, cui denen der Erfindergeist der Menschen seine Kräste mißt!— l — Di« feindlichen Brüder. Die„Kons. K o r r e s p." I klagt darüber, daß die Leitung des Bundes der Landwirthe »nd die Bnudespresse nichts lhu». um in der West-Priegnitz der Bekämpfung des konservativen Kandidaten dnrch die A u t i- semite» EinHall zu thnn. In anbetracht des diSziplinloseu Ver- Haltens der antisemitischen Bundesmitglieder müsi«„bei der Envartung verharrt werde», daß man im Bmide der Landwirthe ebenso wie in der konservativen Partei die Antisemiten überall da, wo sie anstanchen, grundsätzlich und von vornherein als Gegner betrachte» müsse. Die „Korrespondenz des Bnndes der Landwirthe" prolestirl« zwar gegen diese Forderung und begründet dies durch den Hillweis ans de» parteilose» Charakter des Bnndts. Mit dieser Sache aber hat die „Parteilosigkeit" nichts zu tlnnr; denn, indem die Bundcslettniig dem fiimmenzersplitlernde» Treiben der antisemittsche» VimdeS- Mitglieder mlt verschränkte» Armen zusieht, handelt sie eben nicht parteilos, sondern parteiisch gegen den konservativen Kandidalen."— — Aus Thtelin'S Riich. Uns wird geschrieben i Möglichst wenig Anlgaben»nd möglichst viel Einnahmen— das ist die Losung. An allem wird gespart— an Menschen, an Wagen, an Konifort. Wie die Leute sitzen, ob sie Platz habe»— das ist gleichgillig. Wen» nur Geld etnkoinmt. Ans allein wird Geld geschlagen, llnd die Erfindung der Bahnsteigkarten und der Platzkarten, die vom Publikum verwünscht werden, gilt als genial« Leisiimg. Die Platzkarten für die D-Züge sind, nachdem der gesunde Menschenverstand und daS Reclils- gesühl des VotkeS sich dagegen aufgelehnt, mit Hilfe der findigen Justiz glücklich unter den Schutz des Besitzes gestellt worden. Und das arme Publikum, das de» Zoins evenUmlis verschluckt hat. muß„es eben leiden", wie da? arme Niöslein roth. Ja, wen» man für seine 2 M. Plahgeld»och wenigstens Platz, Biqnemlichkeit und schnelle Fahrt bekäme!?iber der daS glaubt, ist in den meisten Fälle» betrogen. Schreiber dieses fuhr vor einigen Tage»— mittags 1,40 mit einem D-Zng über Halle»ach Gotha. Die 2 M. wurden pünktlich erhoben, allein an Vlatz»nd Bequemlichkeit war nicht zu denken! Wir waren wie die Heringe aneinander gequetscht. Mindestens ein Wage» zu wenig Aber Wagen kosten Geld! Doch die Fahrt ivar schnell und so ertrug man eS. Schlimmer erging es uns, als wir mit dem D-Zng, der abend? 7 Uhr 4 M. von Gotha abfährt— Verzeihung: ab- lahre» soll!— nach Berlin zurückkehre» ivolllen. Erstens kam der D-Zng IS Minuten zu spät. Und nun erst diese Entlänschnng ans der Fahrt! Tie 2 Mark wurde» natürlich prompt abgefordert und abgeno»»»«». Älber Schnellzug! E x t r a schneller Schnell» z u g! Kein Gedanke. An jeder Station angehalten. Gut ein Dutzend Mal bis Berlin? Und welche Gemiilhtichkeit in der Fort- bewegung! SIls wir endlich in Berti» antamtn, hatten wir glücklich eine halb« Stunde Verspätung. Zum Trost sagte man imS: Wir seien»och gut gefahren. Und das soll D-Zng sein! Und dafür 2 ivtark extra! In, gewöhnlichen Geschäststeben würde man sagen: das ist nicht reell! — Ans den„Ferienkolonien berichtet die„Manu- heinier Volksstimme": Ein Nulerosfizier der 6. Komnagnie des III. Regiincnis hatte während des Manövers in einem Quartier in Bäht eine» Soldaten durchprügeln lassen. Ei» dortiger Bürger brachte die Mißhandlung zur lünzeige, die de» Erfolg hatte, daß der Unterosstzier zu 3 Wochen Gefängniß»nd von de» Soldaten, welche den Befehl ausgeführt hatten, zwei je S n»d einer 7 Tage Arrest erhielten. Im Vertzältniß zur Bestrafung der Untergebenen, die nur dem Befehle gefolgt waren, ist die Bestrasung d«S rohe» Borgesetzte» ein« recht geringfügige.— — Duell und öffentliche Meinung. Wege» Zwei- kampfS wurden der Eecondelientenant Robert Merkt vom ersten bayerischen Jägerbataillon i» Straubing und der Porlepeefähnrich Alfred Mustier vom 4. Feld.Arlillerie-Negimeiit in Augcbnrg von, Militär- Bezirksgericht Wnrzburg zu je drei Monaten FeilnngShaft verur, heilt. Der Zweikampf war am 1S� Februar in Fmlh ansgesocbten worden, wobei der Geforderte, Mnstter. leicht am Kopfe verwundet wurde. Von Interesse ist ei» Passus in einem Schreiben des KricgS- ministerinms an da? Generalkommando des II. Armeekorps in Würzbnrg. der in der Verhandlung zur Berlefnng kam. Er lautete: „daß(das Kriegsministerium) in Rücksicht auf d i e K a in in e r- v e r h a ii d l n n g e» gegen alle ihm zur Kenntniß kommenden Duelle vorgehen müsse", wesbald das Generalkommand« ersucht wurde,«gegen Merll und Mustier Straseinschreiliing zu veranlassen". Man sieht, die Kritik in der Oessentlichkeit und in den Parka- menten ist nicht nutzlos. Also nur fleißig gegen derartige Mißstände weiter ankämpfen!— — Freisinnige Wahltaktik. A»S Dresden wird uns geschrieben: Den vertrau enSlenten der frei- sinnigen Volkspartei ist jetzt«in 16 Seiten»in- fassendes Zirkular, dessen Inhalt ausdrücklich geheim gehalten werden soll. zugestellt worden. Dfts Schrislstäck hat weder Titel»och Unterschrisl»nd geht offenbar vo» Berlin ans. Es werden darin in IV Abschnitten gute Lehren gegeben, ivie die Freisinnigen bei den kommenden 3i e i ch s t a g S w a l> l e u ihre Agitation, Taktik:c. einrichten wollen oder sollen. Man erfährt da, auf welche Art nach dieser Richtung diese„Volks- männer" verfahren wolle». Hier nur einige Proben davon. So heißt eS z. B. in dezng aus das Verhalten des Kandidaten:„Es ist nicht Anigabe des Kandidaten, seinen Gegenkandidaten persönlich auziiguiseii. Dies muß, soweit es n ö t h i g ist, von den Rednern zur Unter st ützung des Kandidaten geschehe n." Dann heißt eS weiter:«... Der Kandidat darf sich während der Wahlbcwegung in politischen Dingen schriftlich iveder öffentlich noch piivatim äußern, ohne vorder ige Gntheißuiig d e S Wortlauts seitens deS Wahl» toinitee's". Ein Wahlaufruf soll sofort nach Aus- schrcibmig der Wahl überall erfolgen. Sogenannte Wahl- z e i t n n g« n soll man beraiisgebtn» in welchen durch kurze Artikel aus die jeweiligen lokalen Verbältniffe beziig zu iichmeii ist. Polemiken will man t h n n l i ch st v e r m e i d e n. Bei der Anfcrtigniig von Stimmzetteln soll, wenn eine Einigung mit anderen in Frage kommenden Parteien nicht möglich ist, solgendermaßen verfahren werden:„Ist es nicht möglich, ganz gleichmäßige Stimm- zeltet herzilstelleii, so empfiehlt eS sich, die eigenen Stimmzettel in ver- schiebencr Foim, verschiedener Farbe und Größe herzustellen, auch cmpfiehll es sich dann, die Siiminzcttel nicht allzukleiii herzustellen, damit man sie event. denen der Gegner entsprechend beschneide» kann." Ein derartiges Ausknnfisinittcl dürste sich auch für unsere Parteigenossen empfehleii.— Bei den abzuhaltenden Versammlungen soll vo» voruberei» der Vorsitzende bestmiint sein. Derselbe hat sich vom Wirth das Hausrecht während der Tagung der Versammlung übertragen zu lassen. Von diesem soll dann event. ans grmid des§ 123 des Strafgesetzes Gebrauch gemacht werden. Außerdem sollen aber noch handfeste Ordner bestellt werden, ivelche dnrch besonder« Abzeichen kenntlich sein müssen. Sogar die Ersrischuug. ivelche dem Redner während des Voitrages geivährt und bereitgestellt wird, ist vorgeschriebe». Weiter geht's reglementiren doch bald nicht mehr! Die„Säumigen" sollen am Wahltage- nach konservativem M n st« r!— in der Droschke herangeholt werden. Viel Droschken werden die Freisinnigen, speziell hier in Sachsen. dazu freilich nicht brauchen. Ein geradezu erbärmliches Verhallen wird für die Stichwahlen vorgeschrieben. E- heißt wörtlich:„Im allgemeinen empfiehlt es sich nicht, in der Zeit zwischen der Hanplwahl und der Clichivabk viele Versanimluiigen abzuhalten, zumal solch« Versammlungen leicht zu Streitigkeiten Veranlassung geben können mit solchen Parteien, auf deren Unterst ü tz u ii g man bei derWahl angewiesen ist." Farbe bekennen im ofscneii ehrlichen Kampfe war von jeher nicht die starke Seite der freisinnigen Helden. Da hat man sich immer hübsch ge> drückt, wenn es irgend ging, wenn es galt, den Sozialdemokraten stand zu haltl». Dies« Drückebergerei wird auch jetzt wieder empfohlen. — Fürdie LandtagS-Nachwahk.diein R ürnberg dnrch das Ableben Grillenberger's nöthig geworden ist, sind bereits I die behördlichen Anordnungen getroffen werden. Wie die„Münch. Post" sagt, wird Genosse Segitz als Kandidat aufgestellt werden. Die Mitlheilniigen einiger Blätter, so der„Voss. Ztg.", bezüglich der Nachfolge Grillenberger's für die Reichstags-Kandivntur, sind als verfrüht zu bezeichnen. Miinche», 25. Oktober.(Eig. Ber.) Bayerischer Land« tag. In henligen Sitzung wurde mit derBerathung deS Militäretats begonnen. Ohne Debatte wurde zunächst ein Nachlragspoflnlat ans den Etat 1836/97 für die Herstellung von UnterknnstSräiimen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten be- willigt. Dir Mililärctat für 1337/98 bilanzirt niit 71 572 249 M., d. i. um 5 043 953 M. mehr als im Vorjahr. Diese Mehrung hat in der beabsichtigten Verbesserung der Artillerie und in der Erhöhung der OsstzicrSgchäller ihren Grund. Resereut Wagner sprach bezüglich der Mililär-Straspro-eß-Resorm die Erwartung anS, daß der jetzige Zustand nicht verschlechtert, sondern ein den Forderungen der Neuzeit enlsprechendes Strafverfahren eingeftthrl werde» möge. Namens der Zenlrnmspariei brachte Dr. Schädler eine Reihe von Wünschen und Beschwerden vor. Zur Frage der Militär-Strasprozeß-Nesorin erklärt er n. a.:„Wir hallen an unserem Reservatrecht sest und haben die Ueberzengung, daß wir uns gegen weitere Ziimuthungen wehren müssen. Für«ine solche Bnndesfreniidschast, d'e r ni a n z u in u t h e t, i ni m e r n u r O p s r r zu bringen, danken wir; denn wir wünschen nicht, daß die Hohenzollern- flagge, die aus der Burg zu Nürnberg weht, die bayerische Flagge vollständig verdecke, und wir wissen wohl, daß man auch in F r e n n d e s u in a r in u ii g erstickt werden kann. Wir möchten daher gern das Ungewöhnliche erleben, daß bayerische Minister von der Reichstagsbühne herab die bayerischen Sonderrechte vertreten." Der Kriegs minister v. Asch erwiderte ziemlich gereizt, daß die Verhanblniigen über die Mililär-Slrafprozeß-Ordiinug geheim geführt werde»; er lasse dahingestellt, ob der Zlbgeordnele Schädler sich ans dem richtigen Wege mit seiner Audentmig befinde, wo das Hinderniß liege, warum der Gesetzenlwurs noch nicht vor- gelegt wurde. Dr. O r t e r e r(Z.) forderte vom KriegSininister eine Eiklärnng, daß die bayerische Regierung nicht gewillt sei, ein Reservalrecht. auch nicht den obersten Gcrichtzhos, ohne Ziistininmiig des Landtags preiszugeben. Dann würben nach dieser Richtmig alle Bedenken schiviaden.— Ntünchcn, 26. Oktober.(Telegramm.) In der heuligen Sitzung der Kannner der Abgeordneten wurde die Beralhnng des Milrlär- etals fortgesetzt, wobei unter anderen Aüg. Voll mar(Soz.) eine längere Rede dielt, in welcher er in Uebereinstimmung mit den gestrigen Zcntrninsretncrn das bayerische Reservat- recht eines obersten Militär- Gerichtshofes vertheidigte. Der K r i e g s in i n i st e r' erklärte, daß die Interpretation. welcher man seiner im Finanz- Ausschüsse adgegetenen Erklärung gegeben babe, zutreffe insofern, als die baye- rische Regiemig Ausrechterhalten des o b e r st e u M i l i i ä r- G c r i ch I s h o s« L sür ein ans Ver lrag begründetes Reservatrecht ansieht.(Beifall.) Wer mitten in der Frage stehe, gewinne ein Urlheil darüber, wie nnzntreffend die Aus- lassungeir der Press« über den Stand der Militär- Strasprozeß-Reforin gröhtenlheilZ seien.— — Die Ratio ii alliberalen in Württemberg nahmen in einer Vertrauensmänner-Bersammlnng, die am Montag in Stuttgart stattfand, eine Resolution gegen die von der Re- gierimg vorgeschlagen« BerfassungSrevision an. Die Herren müsseir nämlich von dieser Berfassnugsäiiderung eine Schwächung ihrer Partei be'ürchlen, und daher ihre Opposition gegen etwas, was von der Negierniig ausgeht. Die Versammlung erklärte sich serner für das neue O r t s v o r st« b e r- G e s e tz, das anstelle der lebensjährigeir Amlsdaner der Orlövorsteher eine zehnjährige W rhlperiode einsetzen will, aber das ncne Gesetz soll keine rück« wirkende Kraft ans die im Amt befindlichen Ortsvorsteher haben. Den Beschluß der Beralhungen bildete ein- Besprechung über die bevorslelienden R-ichstagsivahleii und die dazu einzuleitende organisatorische Thäligkeil.— — Der„geistige" Kampf gegen die Sozial» demokratie. DaS„Mainzer Tagbl." schreibt:„Bei der letzten bessischen LandlagSwaht wurden von der soziatdemokratiichen Partei in Offenbach n. a. sechs Mitglieder der Schützengeseltschaft als Wahl» männer aufgestellt bczw. gewählt. Der Vorstand der Schätzen- gesellschast hat diese Mitglieder, worunter drei Wrrlhe, ausgeschlossen und eine Generalversaminlung hat die Ausschließung bestätigt. Die Ansgeschlosseuen wandle» sich beschiverdeführend a» das Landgericht, wurden aber abgewiesen. DaS Oderlande-sgericht, dessen Entscheidung angerufen wurde, schloß sich der Ansicht deS Landgerichts an»u» erkannte am 13. d. M. ftleichfaUs aus Abweisung der Klage.— Diese Heiden zetern über sozialdeinolratischen Terrorisinns und den sozialislischen Zwangsstaat.— — Koloniale?. Eine Expedition der osinsiikaiiischen Schutz» trnppe in daS Hinterland von Lindl und Mikiudani wurde im Juli d. I. von der 3. Kompagnie der Echutzlruppe nuter dem Be- fehl des PremlerlieukenantS Engelhardt untern omnien. Es handelte sich um den Schutz des Hinterlandes gegen die Einfälle der Wangoni. Am 12. und 13. Juli waren mehrere Wangoni-Hauptlinge im Lager der Kompagnie bei Songea zu», Echan« versammelt worden. AlS sich im Verlaus der Verhandlung erkeiinen ließ, daß ans gut» tichem Wege die Heransgabe der in den letzten Jahren geraubten Menschen»nd Güter nicht zu erreichen sei, wurde zur Verhaftung der Häuptlinge und ihrer bedenteiidsten Akidas geschritten. Einige versuchten die Flucht zu ergreifen und dabei wurden fünf gelödlec. Mehrere der Verhafteten wurden später gegen Erlegmrg eines Strafgeldes freigelassen. 150 KriegSsklaven wurden ausgeliefert; sie sollen in ihre» Heimalhsgebieleii wieder angesiedelt werden. Die Häuptlinge Chiknse, Fnse und Mgendera werden m Hasl gehalten, bis die gegen sie vorliegenden Klagen ans Herausgabe von Kriegssklave» erledigt und die ihnen auferlegten Strasen gezahlt sind. Insbesondere soll Mgendera nicht eher freigelassen werden, bis die Erbe» des beim lleberfall am Ligolonga getödlelen Llipinda aus Lirrdi voll entschädigt sind, damit die Händler an der Küste keine Verluste haben und kennen lernen. daß ihre Handelsunlernehinunge» im Innern unter dem Schutze deS Gonveriikinents stehen.— Oesterreich. Wien, 25. Oktober. Das Bureau deS AbgeordnetenhanseS ist heute n»t-r dem Borsitz deS Präsidenten Dr. Kathrein zusammen» getreten, um im Sinne der Geschäftsordnung eine Hansordnnng fest- zustellen; die Berathnng gelangte nicht zum Abschluß; sie wird dem« nächst zu Ende geführt werden. Ter schönste Entwurf zu einem Maulkorb-Gesetz nützt freilich nichts, so lange es Mittel der Obstruktion giebt, seine Be« rathnug zu verhindern.— Wien» 25. Oktober. Heute begann der erste öfter» r e i ch i s ch e R a i f f e i s e n t a g. Der Ack.rbanminister versickerte, er strebe a», der in Deutschland anerkannten Verbindung von Selbst» nnd Stulltshilfe auch in Oesterreich nach Möglich« feit Geltung z» verschaffen. Die Versammlnug nahm eine Resolution an. durch welche der Landesausschuß beauftragt wird, für Schaffung eines eigenen Ressorts für landwirthschaftliches Genossenschaftswesen im Ackerbanniinisterinm und sür Ernennung von Praktikern ans den Raiffeisen-Orgauisationen zu Bei- räthen vorzusorgeu.— Frankreich. ParlS, 24. Oktober.(Eig. Ber.) Die Interpellation über die Brotvertheuerung ist, wie zu erwarten war. resultntloS verlaufen. Tie schntzzöllnerische Kamnierinehrheit, die weit über die Grenzen der NegienmgSmehrheit hinansreicht, während letztere andererseits«ine Gruppe kapitatistiscker Freihändler enlhälr. hat den Brolverlheuerern ein Vertrauensvotum erlheilt mit 398 gegen 76 Stimme». Um der Masse Sand in die Augen zu streuen, wnrd« der Vertranensformel noch der Wunsch angehängt, die»un» erlaubten Spekulationen" verfolgt zu sehen. SIfcct auch der NgUalionZwerlh der Debatte für die Sozialisten iü elcich S!»ll. und zivar deehalb, n'eil die beiden sozialistischen Viedner, Gsrault- Richard und Clonis Hugnes, weit weniger gegen die Gclreidezölle als gegen die Gelreidespekulanlen Slnri» liefe». Göranlt-illichnrd erklärle sogar von vornherein, die Sozialisten Hütte» keine Veraulassting, i» dem häuslichen Streit zwischen schulnölluerischtn und feeidändlerisclien Zluebeutern Slellnng zunehme». Diele unter dem Gesichtspunkt der«nd giltigen Ziele de» Sozialismus gerechtfertigte Erklärung mnßt« in Anwendung auf den gegedene» lo lrelen Fall, wo es sich um daS unmittelbare Interesse der konsumireude» Masie handelt, die ganze Slrguiuentation des Redners lähmen. Einerseits suchte Gsrault- iliichnrd nachzuiveiscn— unter anderem an der Hand von Zn> fchristen ans bäuerliche» Kreisen—, daß die GetrerdezSlle und die BroltheUtrnng einzig die Grolzgrunddesilzer bereichert hätte»; andererseits aber forderte er in der von ihm gemeinsam mit Jaurss eingrbrachlen illesolnlion— nicht etwa die Aushebung oder auch nur Herabsetzung der Zölle, sondern die Einführung des staatlichen Getreidecinfubr-Moiiopols. Dieses Monopol soll»ach den Antragstellern„die Getreidespeknlation brechen und die Kon- snme.len gegen siklive Preissteigerungen schützen, ebenso wie die b a u e r l i ch e n P r o d u z e» l e n gegen übermäßig niedrige Preise". Tie sozialistische Kammersraklion zeigte sich übrigens getheilter Meinung«der die Frage. Jnles Gnesd« und Genosse» beantragten ihrerseits, die Ueberschüsse anS de» Gelreidezoll. Ein- nahmen(setbst nach Meline werden diese im laufenden Jahre infolge der gesteigerten Gelreide-Einsnhr 80 Millionen Franks de- tr agen, nach anderen Schähnirgen miirdestens 120 Millionen) für die Gründung eines Arbeitslosen-Fonds zu verwenden, welcher von den Gewerberäthe» zu verlheilcn wäre. Den konsequentesten Antrag stellten die blanquistischen Abgg Baillant und G-rrossen: sie verlangten schlechthin von der Negierring die Einbringung eirres dringlichen Errlivurles betreffend vollständige Abschaffung d c r G e t r e i d e z ö l I e. Was Meliue's Slnlwort betrifft, so war sie nur ein« Wieder- holrrug seirrer Erllärni gen zur Zeit der sozialistischen Agilatto» gegen die Brotthenenrng. Tie Getreidepreise wäre» gerade boch aerrrig, um der„Landrvirlhschast" einen einigermaßen erträglichen Gewirin ,n vcrscU..ffen.— trotzdem derselbe Meline 1394. zur Zeit der Erhöhung der Getreidezölle auf 7 Fr., eine» Preis von LS Fr. pro lOO Kilo Getreide als„lohueud" bezeichnet hatte, wahrend der gegenwärtige Preis noch immer ,»n 29 Fr.(auf der Pariser G.lreidebörse) schrnaukl. Der lkr»pellos« Minister half sich über diesen Widerspruch damit, daß er anstatt der Pariser Preise die letzten Rolirungen der Börse von Ronen anführte, welch' letzter« aber noch immer aus 26 Fr. 95 Centimes stehe». Ferner fügte der Brotverlhinerer den Hohn hinzu, daß die ärmere Bevölkerung nicht so stark a» billigem Brote intcressirt wäre, weil sie mehr als früher sich mit— Fleisch. Butter und Eier» ernähre.... Die stärkste» Ansprüche an die Rrivetät seiner Zuhörer machte Meline, indem er für die Brotthenerung» unglaublich, aber wahr— die sozialistische Agitation gegen die Brot- theuerung verantwortlich machte! Jndeß, das ist eine jener zahl. reichen Rcdeblüthen Meliue's, bei denen man sich fragen muß, ob man es noch mit einem zurechnuugsjähigen Mensche» zu thun hat.— PariS, 26. Oktober. Die Zollkommission berieth einen Antrag, nach welchem dir Zoll auf Butler und Margarine ab- geändert werden soll, und setzt« den Margartnezoll auf 3S Fr. im allgemeinen Tarif und auf LS Fr. im Mlnimaltarts fest, den Zoll auf Butter auf SO Fr. in dem allgemeine» Tarif und auf 20 Fr. im Minimaltarif. PariS, 26. Oktober. Di»„Agenre Havai" meldet,«1 bestätige sich, daß nach den letzten Nachrichten von der westasrikamsche» Küste ernst« Schwierigkeiten in Borg» und der Gegend von Niki als bevorstehend anzusehen feien, die ans die Handlungen der Niger- Company zurückgesührt werden müßten. Augesicht» dieser Lage habe die Senegal-Kolonie vorsichtshalber Berstärknngen nach Dahomey gesandt.— Spanien. Madrid, 26. Oktober. Die Antwort Spanien? auf die am 89.. v. M. überuritlelle Note des Gesandten Woodford wurde demselben gestern überreicht. Sie drückt das Bedauern der spanischen Regierung darüber an?, daß die kubanischen Aufständischen bei de» häusige» Freideuterzügen von feilen der Amerikaner lluterstüyuirg erhielten, und vertritt die Meinung, daß ohne dies« Hilfe der Aussland ans Kuba vielleicht schon beendigt wäre. Sodann äußert die spanische Arilwortnole die Hoffnniig, daß der kubanische Ausstand unter dem Einfluß der für die Jnstl einzuführende» Autonomie und infolge des Aufhörens der Unterstützung von amerikanischer Seile demnächst er- löschen werde. Die spanische Regiernug will Kuba«ine lokale Ber- wallring mit allgemeinem Stiuriiirecht für die Provinz-»nd Legielalnr. wählen einräumen. Das kubanisch« Parlament wird mrS zwei Kammern bestehen. Di« zu der» Parlament verantwortliche Regierung rverden fünf Minister bilde»,»nd an der Spitze de? Ministerralhs wird der Generalgouverneur stehen. Die spanirch« Regierung wird die Kon- trolle über die Arme«, die Marine, Polizei und auswärligen An« gelegenheiten führen. Der Gruudlon der Note soll sehr energisch fein. Der amerikanische Gesandt« beschränkte sich vorläufig darauf, den Empfang der Note anzuzeigen. Nach einer Depesche des„Jmparcial" a»S Washington wird in einer halbamilrchen Nole erklärt, wen» Spanien die Intervention der Vereinigte» Staaten in der kubanische» Frag« nicht annehme, würde der Präsident Mac Kinley genölhigl sein, energische Maß- regeln z» ergrerfen. Bor Jahrcssrist hätten diese Konzessionen noch ihre Wirkung ge- tha», jetzt dürste es damit zu spät sc»,. Stach einer in Madrid veröfsenilichten Drahtmeldnng ans Havana wurde eine im Weichbild« H a v a n a' s auf- getauchte Schaar Aufständischer vo» den spanischeii Truppen zirrückgeschlagen, wobei der Führer der Aufständischen fiel. Die Leiche desselben wurde nach Havana geschafft.— — Beendigung eineS Berichterstatter- Streik?. Dcr Etzstemwechsel auf Kuba, der durch die Abberufuira des Generals Wepler»nd durch die Ernennung deS Generals Ranröir Blanco znm Höchslkonmiandirendc» gekennzeichnet wurde, hat auch für die spanische liberale Presse eine gervrsse Bedenlung gehabt. Nachdem Weyler durch seine Depeschenzenfnr jede»»parteiische Berichlerstaltung vom Kriegsscharrplatze unmöglich gemacht bali«, de- schloffen die großen Madrider Blätter, wie.Jmparcial",.Heraldo" u. a., ihre eonderberichlerstatt-r vvn der Insel abzuberufen, so daß »ran sich in Epanie» über de» Gang der Ereignisse nur noch uns de» rosafarbenen osfizrösen Mclbriiigeir»nlerrrchle» konnte. Bon Blanco erhofft man eine wesentlich mildere Handhabung der Depeschenzensirr und vor aller» etrvas weniger Schönfärberei. Des- halb haben die liberalen Blätter de» Berichleriratler-ElreÜ für be- endigt erklärt und wieder ei» uanzes Heer von Korrespondenten nach Kuba geschickt.— Milftsaud. — Arbeitersch ii h- Gesetzgebung in Mußland. Tie soeben erlassene Regierungsverordnung betreffend die Fest- sehung der ZdberlSzeit in de» Fabriken trägt nur einen vor. lauf ig« n Charakter. Durch die Bestimmungen solle» zurrächst erst Ersahrungen über die Zulässigkeil einer Beschränkung der Arbeitszeit i» den einzelne» Jirdnstriezweigen gesammelt rverden. Tesliatb schrvauke» die Slundenzrfferii für die verschiedene» Gewerle sehr bedeutend, wobei noch besonders zwischen den jugendlichen und erwachsenen, sowie zwischen de» inäiiulichen„nd weiblichen Arbeitern wesentliche Nulerschiede gemacht werde». Im allgemeinen hält sich die Verordnung au folgende Grirudsätze: In de» Berg- und Hüttenwerke» soll die Frauenarbeit nur ausnahnisweis« gestaltet werden und nicht mehr als 1(1 Stunde» betragen; jugendliche Arbeiter solle» in denselben Betrieben ebenfalls nur 10 Stunde», und die erwachsene» männ- licheu Arbeiter nur 12 bis 13 Slundeir beschärligt werden. In Niechanischen Webereien wird die weibliche Arbeitszeit a»f IL, di« männliche auf 13 Stunden beschränkt, während in Maschinenfabriken die Slrbcilszeik je eine Stunde weniger betragen soll; in landwirth- schafllichen Fabriken(Brennereien und Zuckerfabriken) wird dagegen während der HauptbetnebszeU für rnäuirliche und» eibliche Ardeiler eine tägliche Arbeitszeit bis zu 14 Stunde» gestaltet. Serbien. — Da? neu« liberale Ministerium giebt da? denkbar traurigste Bild;„Verderbtheit und Gerviffenlostgkeit auf der einen, Einfalt und Unfähigkeit ans der anderen Seite", so wird es vo» dem Belgrader Korrespondenten der„Kölnischen Ztg." charakterisirt. Der Ministerpräsident Dr. Wlada» Gevrgewitsch gilt als der .unverfrorenste Mensch im ganze» Serbenthum". Er war früher Mrlan's Leibarzt und wurde allmälig so eine Art Mann für alleS. Er sorgte für Unterhaltungen, angenehme Gesellschaften, fesselnde Bekannt- schaflen. Natalie stand ihm dabei im Weg«. Deshalb wurde er ihr gcichivorener Feind. Dadurch war aber auch seine Slellnng bei Hof« unhaltbar. Nu» begann ib» Milan in der Politik zu ver- wenden. Er sandle ihn in die Skuptschina und in den Gemeinde- ralh. Ueberall war er sein Vertreter, sein Sprachrohr. Gleich Milan haßte er leidenschaftlich Frau Natalie und di« Radikalen. Als es die Scheidung durchzuführen galt, wurd« er Kultus- minister. Mit dem alten, halbverrückte» Metropoliten„Mrascha" — der jetzige lebte in freiwilliger Verbannung i» Rußland — warf er mit einem Stuck Cmrones und Gesetze über den Haufen. Die„allerergebenste Tochter der orthodoxe» Kirche" war gegen ihren Willen im Haridnindrehen geschieden. Als Milan die Flucht ergriff, empfaht er ihn Ristilsch. Der Alte macht« einen schüchtern«» Versuch, ihn in den radikalen Slantsralh hinein- zur ringe». Offenbar braucht««r ihn dort. Da erhoben sich aber die Radikale» wie»in Mann:„Wir wollen ihn nicht, wir brauche» ihn nicht!" hallt« es vo» allen Seite», und Beneniurnge» sielen, di« rna» nicht wiedergebe» kann. Später wurde er auf Mrlan's Dränge» von einer nichirabikalen Regierung zum Gesandten in Konftanlinopel ernannt. Tort hiiiterläßt er rrichl den besten Eindruck Jehl ist«r Ministerpräsident, es gilt, den Radikale» alte Schulde» heimznzahlen. Wieder einmal habe» sich Milan und er verbündet. Tie übrigen Kabinetsrniiglirder reihe» sich würdig an Das kann gut»verde».»- Türk«». — Zur armenischen Frage wird an» Konftanlinopel sieschriebcn: Nachdem die Beschrverde» des ormeuischen Palriarche» über die ungerechte Zirsainmensetzung der Uillelsuchrrngskommissione» belressend die den arurenischen Gcmcinde» Kleinasicus zngesügien Schndignngen unckr von mehreren Borschailern Unterftühnng gesunden halte», sah sich die Piorte veranlaßt, dem Patriarchat ei» nach ihrer Ansicht N'esentlichcS Zrigesläiidiiiß zn iriachen Tasjclbe b-steht darin, daß noch eine zweite Nu tersuch rings- Kvmnrissio» eingesetzt ward«, welche ausschließlich die Lage der arme- nischen Witlrvtir und W aserr z» prüfen hat. Dieser Ausschuß soll aus drei Türken und drei Armeniern bestehen. denen alS siebentes Mitglied»nd zugleich als Vorsitzender dcr Oberst- tvmmandirende der kurvischea Hamrdick- Negimentcr Derby Pascha beitrete» wird. Auf armenischer Seile ist»ran jedoch durch dieses Zngestäridniß sehr wenig befriedigt- drNn einerseits ist es ganz»n- denkbar, daß diese zweite Konrmilston neben bezrv. nach dcr erste» Kommission noch«lwaS ausrichtcn würde, und andererseits kann die Wahl des genannte» Vorsitzenden, der durch seine Tbeilnahmslosiglcil während dcr Armen iermirolgirngcn die Blnitbnlen osscnknndig be- gür.stigt hatte, doch wahrlich rrenig zur Beruhigung der Arinenier beUragen.— — 2118 Gouverneur für Kreta ist, wie schon mit- gelhcilt, der lnrcmbnrgilch, Ol erst Schäfer von den Mächte» aueersehen. Dieser ist I8S6 in Luxeinbarg geboren und girra vor zwanzig Jahre» nach den, Oririrt. Er geHörle u. a. zur Gcsandl- fchnsl Baker Pascha'S, die den Bcrichl über Refornre» in Armenie» »nd den anderen Provinzen Ktetiinsteirs erstattete, war dann Leiter der Slutrsklavcrei- Bewegung im Dienste Egypten? n»d Mit- glicd des Acneralstabs während deS Feldzuges Lord Wolseley's zur Entsctznng Gordon's. Er hat«ine Armenierin arrs angesebensler Familie Nnrnens Tadi.rn geheiraihet. Oberst Schäscr ist Inxenr- dnrgischer- Staatsangehöriger gebliebe»; er ist seit der Unter- drnckung des Sklaven Handel» in Egypten pensionirt und wohnt in Luxemburg. Wenig stin»>t sreilich zn dieser Gruennnng des Gouverneurs durch die Mächte das B e r h a l l e n der Pforte in dieser Frage. ifflie die„Nene Freie Presse" an? Konstanlinopcl»neidet, Hai die Pforte folgende Vorschläge zur Lösung'der krelensische» Frage gemacht: Vollständige Slnlononrie der Insel unier Svuveräneiät de? Sultans; Ernennung des Gcneralgouverneure, der tnrkr- Ich er U»tert hau, wenn auch christlicher Religio», sein soll, d rr r ch den Sultan; Garantie des LeberiS»nd Eigen- ihirrns der»inselmairischen Bervobner von Kreta; 2lnf recht- e r h a l t rr» g von türkische» Garnisonen und B e- lassung türkischer Kriegsschiffe an den Prrnklen der Insel, wo dies nolhrvendig ist; Ansübrrng aller?Ik>e der Verwaltung rriid Justiz im Namen des SrillanS, Zahlung eines feste» jährlichen Tribnrs an die Türkei; Betbehallung der türkischen Flagge für alle krelischen Handelsschiffe. lieber hanpt ist das Sluktreten der Pforte etwa? heranSford-rnd. So wird anS Konstantinopel telegraphirt: Er» Rundschreide» der Pforte an die Vertreter der Mächt« protelrirl gegen di« für morgen festgesetzt« Abirrlheiluug der weg«» dcr Voriälle in Zrkalaria angetlagteir Muselmanen durch eine Gerichtskonrnrission auf Kreta lind rvünscht, daß die 2lngeklaglen vor das Gericht von Üthodrrs verwiesen rverden mögen. Ein zweites Rirndschreiben der Pforte bcsprrä t die durch die irrternalionalen Zlnloritäten aus Kreta cr folgte Beschlagnahme von 10 000 Gras-Gewehren. welche vorn Prrüns nach Kreta eingeschrffl werden sottren,»nd stellt das Ver- iringen. daß dicseldeu der kaiserlich vltvmanischen Rcgrelung aus gcsolgl werden.— Mrke�ciifnnd. Slthcn, 23. Oktober. Tie Frage übcr die Heimkehr der flüchtigen Tbeffnlirr ist»nnmehr zwischen Edhei»- Pascha nild de» griechischer» Telegirlen dahin geregelt worden, daß zuerst die Be- wohner der von de» türkischen Truppe» besetzten Dörser, darauf die flüchtige» Bewohner der Städte zurückkehren sollen. Infolge der groben in Kreta herrschende» Erregung hat die Regiernng strenge Beseht« zur Berkinderung jeglicher Waffensendung oder 2ibrers« vo» Freiwilligen«riaffen.— Llfrika. — Die Anlage des britischen Telegraphen durch di« Längen« uSdeh» ung?l s r i k a'S nimmt kräftigen Fortgang. J»i April n. I. bei Blauiyre begonnen, war ste am 20. Juli d. I. schon am Südende deS Styaffasees angelornmen. den ste an einer» Punkte SS Meilen nördlich des ForlS Johnsto» er- reichte. 200 Tons Lettnngsmaterial, für eine Strecke von 150 Meile» ansreichend, trafen Ende Juli in Tschirrde ei», Piaterial für rveilere 4S0 Meilen mar unterwegs. Dies wird genügen bis zum Südende des Tariganyika. wo»nun spälestens im April n. I.»»zukourni«» hofft. Von dort soll die Linie längs des westlichen Seenfers und quer durch Uganda fortgesetzt, verde». Ihre fernere Tracirung hängt von dem Gange der britischen llnlernehinungen in den Ländern am Oberläufe des Nil»nd der Möglichkeit ab. Fühlung zwischen den britischen Machtsphären daselbst und in Uganda her- zustellen. GemevKpltzsfttiches. Berlin und ttmgebuug. An dt« Tapezirer Berlins! Kollege»! Nach der erfolgten Reorganisation in unserem Gerverb« tritt di« vlothwendigkeit gebieterischer den» je an uns heran, mit der Gleichgiltigkeil zu brechen. die der Organisation gegenüber in»»»serer Branche gang und gäbe ist. Die gewerkschaftlichen Kämpfe der letzte» Zeit nrüffen eldst dem Indifferentesten unter Euch die Nothwendigkeit der Ber- einigling klar gemacht haben. Wollt Ihr abwarle», bis daS Unter- »ehmerlhum, der Schwäche der Kollegen sicher, den Fuß immer f«st«r auf-Euren Nacken setzen wird? Oder wollt Ihr dem zuvor« kommen und Euch um das Banner der neugeschaffene» Organisation schaare», die uns helfen kann, in unserem Gewerbe bessere Zustände herzustellen? Die in der letzten Versammlung gewählte Slgitalions- kommissto» hat beschlossen, mit aller Kraft in die Agitation einzutreten sie fordert die Kollegen auf, i» allen Werkstätten Vertrauens- männer zu»vähle». Die Adressen derselben sind unverzüglich dem Obmann der Kommilsion, O.WelS, Greifswalderstr. 29, mitzutheilen. Die Slgitationskoinmission der Tapezirer Berlins. I. Zl.: O. Wels. Achtung, Schuhmacher! Bei der Firma Simon u. Co., mechanische Schuhfabrik, Neu« Kö»igstr.S9, haben sämmiliche Slrbeiter die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist sernzuhalte». Die Agitaiions« komnrlsstott. Tie Bäckermeister führen mit allen Mitteln den Kampf gegen den Maximal-Älrbeitstag. Vor kurzem hat die.Gerinania"-Jnnung beschlossen, alle Geselle», die„böswillig" ihre Slrbeitgeber wegen dcr Uebertretung des Maximal» Arbeitstages denunziren, von dem 'Arbeitsnachweis der Innung zurückzmveiseit»nd die Namen der- selbe» öffcntlich bekannt zn geben. Diese Kampfesweise zeigt so recht,»vie schwer es de» Sirbeitern gemacht wird, selbst so maßige Vorschriften, wie sie für den Bäckereibctrieb vor» ÄundeSralh vor« gesehen sind,«ine wirksame Durchführung zu sichern. Di« Rache der Unternehmer wendet sich gegen diejenigen, in deren Interesse die Jnnehalillng der Vorschriften liegt und die nicht selten gegen solche veraltete, üble Gewohnheiten und Mißstände des Berufs keine andere Hilfe habe» als die, die Behörde um Schutz anzugehen. Beanspruchen aber die Arbeiter, daß die Unternehmer ebenso peinlich die Gesetze achten, wie es von ihnen verlangt wird, dann werden sie von den Unternehiner-Organisationen ans die schwarze Liste gesetzt und büße» ihr Verlangen mit Arbeitslosigkeit. Auch ei» Zeichen unserer Zeit. Tie Korbmacher haben nach ihrem Beschluß in der Versamm- lring, die am Mv»t»g Abend statlfand, in fünf Werkstätten die 'Arbeit niedergelegt und beträgt die Zahl der Ausständigen ca. 120. In belracht kommt nur die Geschoßkorbbranche, für welche ein Tarif aufgestellt ist, der einen Tagclohn vo» 4,50 Mark verlangt, der bereits von einige» Firme» iiinegehalte» wird. Die Slrbeiter nallcn für heute srnh eine Besprechung geplant, die aber von der Polizei eine unliebsame Unterbrechung erfuhr, weil die Zusammen- kirnst nicht angemeldet war. Ter Zuzug ist fernzuhalten. Achtung, Stelnarbctter! Der Werkplatz Müller in der Gothenstraße in Hamburg ist gesperrt. Die Firma hatte drei Familienväter, rvelche für entsprechende Bezahlung ihrer'Arbeit eintraten, auf das Slraßenpflaster gesetzt. Die nach dort zureisenden Kollegen mögen den Platz streng»leiden.- Die Aktionäre der Oberkirchner Sandsteirrbrüche fürchten, daß die Dividende nicht so hoch anssällt, wenn die Organisaliorr der Steinarbeiter in den Brüttitri überhand nimmt. Tie Direktion der Gesellschaft läßt in den Beiricben durch Zlrrschlag folgende? bekannt machen: „T Heiligen Leute, welche bei n»s serner hier arbeiten wollen, müsse» sich in der anfgestellten Liste bis zum 1. November unter. schreiben, d aß sie dem denr scheu Steinarbcitcr-Verei» nicht mehr angehören wolle». 3Lsr dieses nicht bis zum 1. November unterschrieben hat. ivird mit 14 Tagen oeküudigt. O b e r n k i r ch n e r S a n d st e i n b r ü ch e. WaS glaubt im» die Gesellschaft mit diese», Gewaltakt fertig zu bringe»? Wo bleibt für die Arbeiter der§ 152 der Gewerbe« Ordnung, die Koalitionsfreiheil? Nur so weiter, ihr Herren, und eur« Nücksichtslosiglert wird sich bitter rächen. Sllso Sichtung, Stein arbeiter! Jeder fühle sich moralisch verpflichtet, den Zuzug von diesem „Eldorado" streng fernzuhalten. Die Geschäslsleituna der Stein arbeiter Deutschland?. I. A.: P. M i t s ch k e. Triltscheö Neich. DI« Handschuhmacher in Zeitz haben de» Erfolg zu ver« zeichnen. d»ß sämmtliche Fabrikanten, die vo» den Arbeitern auf« gestellten Forderungen, abgesehen von einigen nebensächlichen Punkten, »ervilligt haben. Damit ist der Sliisstaud verhindert»nd die Arbeiter dürfen dcr guten Organisation in ihrem Beruf de» ruhige» Slusgang der Lobubcrvcgung beimesse». Ii» ciuer allgcnicincn GclvcrkschaftSt'.ersaiiimkling in H a» n o v« r halte Orlo St ü t h e r- Berlin ein Referat über den 'Achlstrnrdenkampf der englischen Maschinenbauer übernommen. Redner bchnndelie im Lause des Vortrages auch die'Ausweisung des Genossen Königs aus Krei und gebraucht« die Wendung:„Die Polizei hätte kaum bessere Reklame für die englische» Maschinen« baner lrominclu können, als durch die Slusiveisung des Genosse» Königs ans London. Die preußische Polizei will sonst so schlan sein..." Weiter kam Redner nicht, denn der überwachende Beamte machte den Vorsitzende» daraus arifrnerksam, daß er die Ver- faniinlnng auilöse, wenn der Referent rveiler rede. Slirs Beschluß der außerurdeulliet, stark besuchte» Versammlung mußte der Referent Näther rvertcr reden, ivorauf die Versammlung aufgelöst wnrde, ohne daß uns ei» ersichtlicher Grrmd für diese Maßnahme vorlag. Ten» al'gtschobcnci» Engländer, der i» Kiel über den Slu?« stand der englische» Maschiueriarbeiter sprechen ivollte, ist eS, wie die„Schlesivrg.Holslein'rche Volkszeitimg"»nitlhetlt, gelnngen, den ih» begleilenden Gehetnipolizisieü a» der Nase hernmznführe» und in Hamburg spnrloS zu verschwinden. Die Hainburger Polizei, rvelche von Kiel aus uvistrt worden Ivnr, unseren Genoffen in Empfang zu nehmen, war begreiflicherweise sehr enttäuscht. Strich der Freund des Engländers ist in Sicherheit und spricht hiermit allen belheiliglen Kollegen und Genossen seinen wärmsten Dank aus für die Bemühungen, die sie sich scinelwegc» gemacht haben. Uebrigens war unsere Annahme, daß der Genosse Königs noch reichS- aiigehörig sei. irrthiimltch, dies traf nur für den Begleiter des Ge- »osse» Königs zu. Ein Etreikprozeh, i»»reichem eS sich hauptsächlich um angeb- liche Zuwider hairdluiige» gegen§ 153 der Geiverbc-Ordnrrng Handelle, kam am 22. Oktober vor dem Liegnitzer Landgericht zun» AuStrag. Bei Gelegenheit des W i r k e r st r e i k s i» Liegrritz sollen die An- geklagte», 12 a» der Zahl, mit den Streikbrechern scharf ins Gericht gegangen sein und ihren Abscheu vor dreserr Leute» ans alle mögliche Art und Weise manisestirt haben. Die Angeklagten bestritten ihr« Schuld und der Bertheidiger, Rechlsamvalt Freudenthal-Berli», be- antragt« Freisprechung. Der Gerichtshof verurlheille jedoch sechS vo» de» Angeklagten je»ach dem Grade ihrer Betheiligung an den „Ausschreitnngen" zn 30 M. Geldstrafe bis 5 Monate» Gesängniß. Bei den übrigen Singellagten trat Freisprechung ein. Zur» Streit dcr Korbmacher in Hnuiburg tmb Geesthacht. Während des jetzt acht Tage dauernden Streik? sind i» Harnbnrg von den 350 Streikende» 72 thells abgereist, theilS in andere Be« schäftigung getreten, so daß noch 278 z» unterstützen sind. Bon den 125 in Geesthacht Ausständigen sind noch 90 zu unterstützen; die übrige» habe» andere Arbeit angenomnieir. Sonst hat sich an dem Stande des Streiks nichts geändert. Zuzug ist streng fernziihalle». Anfrage» sind zu richten au E. Fraucke. Slreikkominissiou dcr Korb- uiacher, Hamburg, Lessiughalle, Gänsemarkt. Ariöland. U„S Lnzrrn wird der» Berner„Bund" gemeldet: Die schieds- richterlichen Berharrdlrmgen im M a u r e r a rr s st a n d e bliebe» ahne Ergebniß. Die Baumeister erklärte», mit den Ausständigen nicht weiter unlerhandel», dagegen im Frühjahre den neiieintrelende» Arbeitern gegenüber den gestellten Forderunge» thunlichst entspreche» zu wollen. Im Kampfe der englischen Maschinenbauer hat sich in den letzten Tagen wenig Neues ereignet, lieber die vorn Handelsamt gemachten Vorschläge hat sich auch letzt noch keine der beide» Parteien geäußert. Die Unternehmer werden>» de» nächste» Tagen in Manchester znsainnicnlrelen. um Beschluß zu fassen. Was die Maschinenbauer aulangt. so ist»ach John Burns Aeußerungen, die wir schon gestern erwähnten,»nd nach der Stimmung der Arbeiter überhaupt, wohl bestimmt anzuuehmei». daß diese zu Unter- Handlungen sich bereit erklären werden. suis Oolton wird der Gfjronicle" gemeldet, daß die dortigen Maschinen lmucr beschlossen haben. die Streik- untersttihnng, die bisher pro Man» und Woche IS Schilling betrug, aus 12 Schilling herabzusetzen, um die Fonds ivemger schnell zu erschöpfe». Der„Avmiti", das Zeuiralorgau der Sozialdemokratie Italiens hat uu» ebenfalls einen Vlusrus zu gunste» der streikenden Maschiueu- dauer erlassen. Die Zentralstelle für die Sammlungen, die unter den italienischen Arbeiter» eröffnet werde» sollen, ist das Komitee der italienischen Metallarbeiter zu M a t U n ö. Mf Kommmmlwähler-ULrsammlnttgen fanden gestern Abend für die Ig Bezirke stall, welche bei der bevor- stehenden Stadtverordnetentvahl jiir unsere Parteigenossen»i Frage kommen. In, Saale der Urania in der Mrangelstraße wurde die Ver- saminlung fnr den 13. und 14. Bezirk abgehalten. Der Referent Genosse Singer erstattete seine» Wählern den Rechenschasts- bencht über seine Thäligkeit als Stadtverordneter. Er sagte etwa folgendes: Als wir vor 14 Jahren zuerst tn die Stadlvertretnug eintraten, wurden wir zunächst mit Hohn und Spott von unseren Gegnern empfangen. Das ist jetzt anders geworden. Durch unsere Anträge haben wir die Stadtverordneten-Bersammlnng gezwungen, sich mit Dingen zu beschäftige», an die sie vordem nicht gedacht halte. Wir haben eS als unsere wesentliche Älnsgabe be- trachtet, die städtischen Angelegenheiten unter die kritische Lupe zu nehmen. Wenn es uns auch nicht gelungen ist, eigentlich sozialistische Einrichtungen z» schaffe», so könne» ivir doch sagen, daß wir auf dem Gebiete der Schule, der städtischen Arbeiter, der Vor- Wendung von Straße» und Plätze» im Dienste des Privatkapitals wesentliche Verbesserungen im Interesse der ärmere» Klasse durchsetzte». Unsere Hanptthätigkeit widmeten wir de» drei große» Gebieten: der Schule, der Armen- und Krankenpflege und den sozialpolitische» Einrichtungen, soweit sie die städtische Verwaltung betreffe». Wir sind bekanntlich— leider bis jetzt vergebens— für die»»entgeltliche Lieferung der Lehrmittel an alle Gemeindeschüler eingetreten. Wir wollen, daß der Unterricht der Kinder nicht beeinträchtigt werde dttrch die Armnih der Eller», die meht in der Lage sind, die Lehr« mittel zu kanfeu. Wir wolle» Schulärzte angestellt wisse», die Frequenz der Schnlklassen herabsetzen, die achlllnssige Volksschule einführen, für Minderbegabte Kinder einen ihnen angepaßte» be- sonderen Unterricht einrichte». Die Stellung all dieser Fordernugen wäre vor zehn Jahren noch unmöglich gewesen; daß ivir sie seht zur Berathuug stellen können, ist ein Zeichen dafür, daß als Folge unseres Auftretens auch durch die Stadtvcrtretung ein Hauch sozialen Geistes geht. Unser Verlangen, den Sehnlkindern das Frühstück zu liefer», wird von unfern freisinnige» Gegnern ans die Privalwohllhätigkeit venviesen, während unser Antrag, durch Polizeiverordnung die Besehäslignng der Kinder vor der Sekjttle zu verbiete», als ein Eingriff in die Heiligkeit der Familie bezeichnet wird. Wir haben ferner verlangt, die Kinderarbeit ans de» städlisehen Rieselfeldern solle aufhöre». Man hat uns gesagt, diese Arbeit sei gesund. Ei, warum sehicken denn unsere Gegner nicht ihre Kinder auf die Rieselfelder? Eine Schande ist es für die Stadt Berlin, daß sie in solcher Weise sich an der Ausbeutung der Schulkinder be- theiligt. Die wichtigste Ausgabe, welche ei» Geineiuivesen haben kann, den Kinder» ein zeitgemäßes Wissen ange- deihe» zu lassen, muß erweitert werden. Tie gegenwärtigen Leistungen unserer Gemeindeschnlen stehen nicht ans der Höhe der Zeit. Alles, was wir auf diesen Gebieten verlangen, sind durchaus keine sozialdemokratischen Forderungen, sie' lassen sich ohne Ausnahme auf dem Boden der heutigen Gesellschaft durch- führen. Daß aber diese Anträge gerade von de» Sozial- demokraten gestellt und vertreten werden, kommt daher, daß die Sozialdemokratie die einzige Partei ist, die ei» Herz und ein Ver- stäuduiß für die Bedürfnisse des Volkes hat. Aus dem Gebiete der städtischen Sozialpolitik verlange» wir, daß die Arbeiter der städtischen Verwaltung hinsichtlich des Lohnes, der Arbeitszeit, der Ausübung des Koalitionsreehts mindestens nicht schlechter gestellt sind, wie die Arbeiter der Privatindnstrie; auch wollen wir eine zweck- mäßige Fürsorge für die im Dienste der Stadt alt und arbeits- unfähig gewordenen Arbeiter. Redner geht weiter ans das Ver- hältniß der städtischen Verwaltung zu den Straßenbahnen ei» und hebt hervor, daß es auch hier gelungen sei, einige wesen lliehe Verbesserungen zn gunste» des Publikums und der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter dnrehzusetzeu. Bei Gelegenheit der Einsprüche gegen die Konnnunal-Wählerlisten habe sieh die liberale Stadtvertretnng reaktionärer gezeigt, wie das preußische Abgeordneten- Haus. Das Dreiklassen-Wahlsystm hindere uns ja, die Mehrheit zu bekommen, wenn aber jeder Parteigenosse seine Schuldigkeit Ihne, werde es möglich sein, nicht nur die bisherigen Mandate zu behalten, sonder» neue zn gewinnen, so daß mit der Zeit die gesammten Mandate der dritten Ablheilnng in unsere Hände kommen. Möge also jeder au seinem Theil dazn beitrage», daß der Wahltag ein Siegestag der Sozialdemokratie werde.(Großer Beifall.) Hierauf»ahnt Genosse S t a d I h a g e n, der Vertreter des 14. Kommuual-Wahlbezirks, das Wort. Er ging gleichfalls ans die wichtigsten Anträge, die in letzter Zctt der Stadtverordnete»- Versammlung vorgelegen haben, ein, und wies nach, daß die liberale Mehrheit bei den das Schnlivesen br- trefsendeu Anträgen einen geradezn reaktionären, kulturfeindlichen Standpunkt eingenommen habe, und daß es jetzt Aufgabe der Sozialdemokratie sei, die früher von liberaler Seile vertretenen Forderungen zu versechten. Eine wesentliche Ausgabe unserer Parteigenossen sei es, gerade bei den Wahlen daraus hinznwcise», wie verschieden das Angesicht der Freisinnigen sei, je nachdem ob sie die Mehrheit haben, wie im Rothen Hause, oder ob sie, wie im Reichs- und Landtage, in der Minderheit sind. So mühsam auch unsere Arbeit in der Stadtverlrelnng sei, sei sie doch nothivendig und ein Schritt zur Verwirklichung unserer weiteren Ziele. (Lebhafter Beifall.) In der Dtsknssio» appellirte Genosse M e tz n c r au diejenigen Parteigenosse», denen es möglich ist, in de» Schnl-, Armen-:c. Kommissionen sich zu bethätigen, nicht vor einer solchen Arbeit znrückzuschrccken, sondern auch in dieser Weise unsere Vertreter im Rothen Hanse zu unterstnhen. Scholz und G a d e- gast sprachen im Sinne der Referenten. Dann wurden die Genossen Singer für de» 13, Ciadthage» für de» 14. Bezirk wieder als Kandidaten einstimmig proklanurt. Zur Leitung der Sladlverordnelen-Wahle» wurde ein Komitee gewählt, bestehend ans den Genosse»: Schwarz, Gescbe, Menzel, V a b e r s ke, Scholz, Jöchel, Böhm, Weise und Lose. Die Versammlung de? 3. Bezirks fand im „Klubhaus", Kransenstr. kl), statt. Der Stadlverordnete Genosse Dnpoiit reserirte. Im dritte» Bezirk speziell gilt eS, die letzte Säule der antisemilischen Btirgerparlei, Herrn Pretzel, ans dem Felde zu schlagen. Nach kurzer Diskussion wurde als Kandidat für den Bezirk der Genosse Paul Singer aufgestellt. I u der V elr s a m in l u n g d e i Z ü h l k e, Dennewitzslr. 13, reserirte Genosse G i s h o i t, in seinen Aussühruiigen unter anderein die mißliche Lage der Pferdebahn« und Strabeiireinignngs-Arbeiter hervorhebend. Des längeren verweilte Redner beim Schnl- wesen, auf die gepflogenen Debatten im Rothe» Hause veriyeisend. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Als Kandidat für die bevorstehende Wahl im 8. Bezirk wurde einsliminig Genosse Antrick aufgestellt. Das Wahlkomitee bilden die Genossen Werner, K l e i u e r t und Bartsch. In Habel's Brauerei fand die Versaiiimliing für den 10. Wahlbezirk statt. Ter bisherige Vertreter desselben, Sladtv. Dr. Zadek, schilderte die Thäligkeit unserer Vertreter im Rothen Hause, hervorhebend, daß die streng manchesterlichen Ansichten, die unsere Genossen bei ihrem Einzüge daselbst fanden, sich denn doch geändert hättest, wen» es auch an recht unparlainen- tarischcn Auftritte» bei Erörtcruiig solcher Fragen nicht gefehlt hat, wie es namentlich die Behandlung der kürzlich von unserer Partei gestellten Anträge gezeigt hat. Tie Arbeiterklasse Verantwortlicher Nedattenr: August Jaoobey in Berlin. Berlins habe daher die hohe Pflicht, würdige Ver- treler in das Kommniie- Parlament zu entsenden, da dort An- träge von hoher sozialpolitischer Bedeutung der Erledigung hatten Da Dr. Zadel eine Wtederkandidatnr wegen der großen Arbeitslast, die auf ihm ruhe, ablehnt, wurde Karl Koblenzer einstimmig als Kandidat nonnirl. Nach einer kurzen Ansprache des neuen Kandidaten wurde ein Wahlkouiitee gewählt, bestehend ans! E ch ü l e r, D- h o w, Schräder, K i tz t n g, G'.esag, K r i y und 21 d t o m e i t. Hierauf sprach die Versawvilung dem Genossen Zadek den Dank aus für setue Thäligkeit in der Sladlvenreluug. Für den 19. und 31. Bezirk tagte die Versammlung in B r o ch n o w's Lokal und hallen die Genossen Gollirted Schulz und W> l k e das Referat übernommen Nach einer längeren Tis- kiissioi! wurde eine Resolution angenommen, m der sich die Versammlung nnl der Thäligkeit der sozialdemokrgt'.schen Stadtverordneten einverstanden erklärt Zu Kandidaten wurden von der Vcrsainmlilng für den 19. Bezirk Tischlei Rudolf Millarg und für den 21, Bezirk Paul Singer ausgestellt Zur Leitung der Wahl�o-iatioii wurde«in Komile« von 11 Personen gewählt. In den 21 n d r e a S> F e st s S l e n, wo die Versammlung für den 33. und 29. Bezirt tagle. war der Besuch ein äußerst reger. Sowohl die Referenlen Genossen Bruns und Wernau, so- wie die nachsolgeiideii Redner in der Diskussion ichilderten in eingehender Weise die reaktionäre Haltung der liberalen Stadt- Vertretung. Zu Kandldalen wurden d« bisherigen Vertreter wiederum aufgestellt. Gen. Wernau für den SS. und Gen Bruns für den LS Bezirk. In das Wahlkomitee für den LS. Bezirk wurden V l u m e K u n a t h. L ö s ch k e, G ü t l i n g und F a b e r, »nd slir den LS Bezirk Franke, Werner, Schöpke, Burchardt. Winkler, Joppich und W e g n e r gewählt. Im 38. K o m m>l n a l- W a h l b e z i r t reserirte Genosse Z u b e i l. Nach kurzer Diskussion, die sich hauptsächlich um Schul- fragen drehte, wurde Sladlverordneler BrnnS für diesen Bezirk als ikaudidat ausgestellt. Zur Durchführiiug der Wahl wurde«lue sünfgliedrige Kommission gewählt, der die Genoflen Butziger, Mertins, W i l h. Späth, Klein, Renk angehören. Die Versammlung für den 33. Bezirk im Lokal von W e r n a Ii war sehr gut besucht und hielt Genosse Jacob ey das cinleileiide Referat. 21» der Diskussion belheiliglen sich die Genossen Graßhold, Nenbert, Ehrlich, Schuhmacher und F l e cb ii e r. die ihr Einverständiiiß mit dem Resereiilen bekundeten. Hierauf wurde Genosse Joh. Timm als Kandidat proklamirt. Einen guten Besuch wies die Versammlung in Heusel'S Salon, Juvalidenstraße, auf. Das Referat hatte der bisherige Vertreter des 34. Bezirks, Genosse Bor gm an», übernoiiime», ber in treffender Weise eine eingehende Kritik an der städtischen Verivalluiig übte. In der Diskussion wurden an den Referenten einige Fragen gerichtet, die von diesem zur Zufriedenheit beantwortet wurden. Hierauf wurde von der Versammlung der Genosse Hut- macher Borgman» als Kandidat sür den 34. Bezirk uominirt. F ü r den 38. Bezirk fand die Versammliiiig bei Täger, Gartenslr. 13, statt. Genosse® lein et t hielt das einleitende Referat, in ivelcheni er unser kommunales Programm enlwickelle. Nach einer kurzen Disknssio» im znstimineudeii Sinne wurde Genosse Hilgcufcld für diesen Bezirk als Kandidat ausgestellt. Das Wahl- komitee bilden: Eugen Eni st, Habauz, Walter, Fahrow, B l o s f e l d. Im 40. Wahlbezirk reserirte Genosse' V o g t h e r r im Saale der Brauerei Moabit. In ca. l'/zstündigem Vortrag krilisule er in treffender Weise die Thätigkeit der freisiiinigeu Stadlväter, und schilderle die Schwierigkeiten unserer Genosse», im Rothen Hause die wirklichen liberalen kommunalen Forderungen gegen diese söge- iiannlen liberalen Männer gellend zu machen. Zur Diskussion nahm ei» Gegner, ei» städtischer Lehrer, das Wort und versuchte die Au?- führnngen Vogtherr's zu wiederlege». Der lebhaste Widerspruch, der ihm aus der Versammlung wiederholt zu theil wurde, mag ihn wohl belehrt habe». daß er mit seinen ßlnssührungeii ans dem Holzwege war. Der sehr stark besuchicn Versammlung wurde Rechlsanwalt Heine als Kandidat vorgeschlagen und nach einer kurzen, aber eindrucksvollen Ansprache desselben gegen vier Stimmen als Kandidat uominirt. Soziales. Tcm soeben erschiene»cn Jahresbericht des Allgemeine» Kindergärtnerinneii-BereinS ist zn entnehmen, daß die Ideen Fröbel's weit über Deutschlands Grenze hinaus Verbreitung ge- suiideii haben. So ist neuerdings in Neapel eine große Fröbel'sche Erziehungsanstalt entstanden, in 2l f r i k a und zwar in der Kap- st a d l bestehen Kindergärle», das goldene Land der Anhänger Fröbel's aber ist 2liiierika, wo das deutsche Wort Kindergarten längst ins Englisch anfgenomiiieii ist. 3l»S Miihlhanse» berichtet die thüringische„Tribüne" über die dort herrschende WohnuiigSnoth, daß die Stadtbehörde den Wohiinngsloseii jetzt Obdach in Räume» offerire, die seinerzeit von der Vau- und Eauitätspolizei als gesniidheilsschädlich hällen geschlossen werden müssen. Zur Sicherung der Ein- und NnSfahrt der Bergleute in den Schächlen hat die belgisch« Regierung eine Verordnung erlassen, worin bestimint wird, daß an der F o r d e mi a s ch i n e außer dem Maschinenmeister stets»och eine zweite Person, die mit der Technik der Maschine vollkommen vertraut ist, zugegen sein muß. Den 2l»lnß zu der Verordnung gab der Tod eines Maschinisten, der in dem 2l»genblick erfolgte, als sich in dem in Be» wegiing begriffenen Förderkorbe Bergleute befanden, die nun in der größten Lebensgefahr schwebten. Während das Fraiiciistndinm in Deulschland noch auf große Schwierigkeiten stößt, giebt«s in Amerika bereits gegen 400 weibliche 2ldvokaleii. Ti« Tcpositc» der britischen Geldinstitute, einschließlich der Bank von England, haben nach der nenesleii Slalislik die Höhe von 700 Millionen Psuiid erreicht, also zirka IS«/s Milliarden nach deutschem Gelde. lieber dir industrielle Vutwiökclnug RnfflandS sagt das österreichisch« Generalkonsulat in Moskau in seliicni ISSSer Jahresbericht: Der hohe Anfschwmig der rnssischen Industrie, wie er sich auf oer 2l»sslcll>ing in Nischny Nowgorod zeigte, hat sich unter einem konsequenten protekiiönistischeu Zollsysmn vollzogen, unter dessen Herrschaft den industriellen Gewerben i» alle» Stadien der Pro- diiltion, von der Hersiellnng des Rohstoffes und dessen Veiarbeilniig zu Halbfnbrilatcn aiigesangni bis zur Anferligiiiig der lheiierste» Gebrauchsartikel, ein mächtiger Ecdutz durch den Zolltarif gewährt war. Zluf die großen Errnngeuscbasien der seit zwanzig Jahren be- solgteii Wirlhschnslspolilik hinweisend, erklärt daher die llle« gierung ihre Entschlossenheit, auf dein bisherigen Wege des Protektioiiisinus mich ferner fortzufahren und etwaige Erinäbigililgeii einzelner Positionen des Zolltarifs mir in denjenigen Fällen eintreten zu lassen, wo der eine oder der ander« Industriezweig bereits geliiigcud«> stärkt ist, um den Wettbewerb mit dem Auslände ansiichinen zu können, zumal wenn die betreffenden auswärtigen Staaten dem culgegeii eine Herabsetzung ihrer Zölle ans die laiidwirthschasllichcii 2lnssllbrart>tel Rußlands ziigesleheii sollten. Daß Rußland im raschen Uebergange vom reinen A g r i k n l I n r z n st a n d und vom System d e r N a t u r a l. wirlhschast zur I n d u st r i« st u f e und Geldwirthschaft d e g r i f f e ii ist, zeigt wobl am deutlichsten der llmstand, daß seine uesannme Hervorbringiing an laiidwirlbschaftlicheii Erzeiignisien blos einen Jahreswerlh von nicht über l'/s Milliarden Rubel repräseiitirl, während die jährliche Produktion seiner Moutaii- und Fabrikindiislrie 2 Milliarden Rubel Übersteigt. Ueber die Fabriken Rußlands und deren Produktion hat das kaiserliche Finaiizniinisierium folgende Daten gegeben(der 2l n z a h l der Fabriken ist der Werth ihrer Produktion in tansenden von Rubel» in JUmnniern beigefügt): Faserstoffe 3051(19 045), Papier 436(26 095), Holzbearbeitung 1373(38 876), chemische Pro- dnkle 1214(40 045), Verarbeitliug lhieriscber Stoffe 4192(78 422), Keramik 2389(34 472), Metallurgie, Bergbau und Hüttenwesen nebst Zweigen 3301(344 127), Nährstoffe 13 343(502 859), divers« Betriebe 086(72 610). Das Königreich Polen hatte 2711 Fabriken j die Produktion betrug hier 229'/? Mill Rubel. Für industrielle Unternehmungen wird in R'.ißland die Form von 21 t t i e n g e s e!! s ch a s l e n imiiier beliebter So sind im Jahre 1893 die Statute» von 68 verschiedenen 2lkliengesellschafteii mit einem Grundkapita! von zusammen 64 Millionen Rubel bestäligl worden, 1694 wurden 67 Geiellschailen mit enicin Grund- kapilal von 95 Millionen Rubel, 1895 95 Gesellschasleu mit HO Millionen und endlich im vorigen Jahre 122 Gesellschasleu mit einem Grundkapital von zusainmen 176 Millionen Rubel errichtet. Das durchschnittliche GründungskapUal der einzelnen Unternehmungen betrug im Jahre 1693 940 000 Rubel. 1894 1 418 000 Sinbel,>395 I 157 000 Rubel und 1396 I 443 000 Rubel. Die größlen Kapitalien wurden der Monlaninduftrie und besonders der Eiseiiindiistrie und dem Maschiiienban zugewendet. Im vorige» Jahre wnrdeii beispiels- weise 35 neue Eiablissemenls dieser Art mit einem Grundkapital von 102 Millionen Rubel, also mit dnrchschniUlich etwas mehr als 3 Millionen Rubel gegründet_ Soziale Ne« einer als Garniso» zuriickbleibendc» Kompagnie nach der Grenze abgegangen. Kviistailtinopel, 26. Oktober.(B. H.) Ilm abermalige Rübe- störungen zu verhüten, hat die SHegierimg die strengste liebe» waamng aller ankoiiimeiiden Fremden und der hier weilenden verdächiigeu Ariiienier angeordnet. Simla, 26. Oktober.(W. T. B) Der Bizeköing empfing von dem Gouveriienr von Bengalen die telegraphische Meldung, daß ein schwerer Zyklon Ehittapong am Abend des 24. Ollober heiiiigesncht hat. Die Hülste der Hänser der Stadt find eingesinrzi, die Regieningsgebänd« sind jedoch iinversehrl geblieben. In der ganzen Umgegeiid sind die Straßen durch inngesaUene Bäume gesperrt. Drei Personeil sind uiiigekommeii. Der Schaden a» Privatbesitz ist be- trächtlich. Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u ItntrrhaltnngcK'Iatt. Qiit den Jnseraleutheil veraiitivoitlich: Dh, Glocke in Bciliii. Tincl und Vcilag von Nr. 251. 14. Mrgmg. 1. Jfjlljjjf zi)avkei-Llttltzvirszten. In Stralsund slellle eine Parleiversammlung nach«inem bei- fällig onfgeuoinnicne» Vortrage des Genossen Storch cmS Stettin einstimmig de» Vertrauensmann Albert G e n z e n. der gegenwärtig wegen N>chterbeleidigu»g eine nennmonatige Freiheitsstrafe im Stralsunder Gesängnig verbüßt, als 91 e i ch s t a g s> tt a n d t> baten für den Kreis Stralsund-Rngen-Franzbiirg auf. Wicdcrbctheilignng an den Komn>n«alwal>lc» beschloß eine Parteiversammlnng in K o l l b» s. weil, wie es in dem betreffenden Beschluß in a. heißt,„auch in den Gcmeindcvertreliingen sich immer- mehr das Bestreben bemerlbar macht, die Wenigerbemiltelten durch iininer höhere Stenern und Abgaben zu gnnslen der besttzenden Klassen zu belasten-, ferner, weil„die wesentlichen Rechte der Stadt- verivallung gegenwärtig niir von einer ganz geringen Zahl der Ein- wohner, einigen Großkapitalisten, Grosiindustrielleii und einige» dein sogenannte» Gclchrtenstande angchöhrigen Personen aiisgeübt werden-. Als Kandidaten sollen zunächst nur geeignete Personen Mit sozialdemokratischer Gesinnung aufgestellt werden; wen» das ans irgend welchen Gründen nickt angängig ist, soll für solche Kandidaten geslimint werden, die sich verpflichten, für Beseitigung aller indirclten städtische» Slenern, für möglichst niedrige Per- zinsilng der städtische» Anleihe», für Errichtung eines städtische» 9lrbeilsainleS mit unentgeltlichem Arbeitsnachiveis und noch für eine Reihe anderer Forderungen komninualer Ratnr einzutreten. In WaltcrSdorf bei Sora» sprach am Sonntag der Partei- genösse Otto Antrick ans Berlin unter Beifall über die politische und wirthschaftliche ilage nnd die nächsten Reichstagsivahlen. In der Diskussion ergriffen auch zwei Gegner das Wort. Der erste, der Sütlerguts-»nd Brennereibesitzer B e n tz 1 e r aus Lanbuitz, versuchte, im Gegensatz zu dem Referenten, den Nachweis zu führen, daß die 42'/, Millionen Liebesgabe» nickst dazu verwendet werde», dem Junker aus den Tasche» der Elenerznhler ei» Geschenk zumachen, sonder» diese Liebesgabe» hätten nnr den Ziveck, die kleine» Brennereien gegen die großen zu schützen. Zur Frage des allgemeinen geheime» und direkten Wahlrechts führte er ungefähr folgendes aus: Er sei auch für das allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht. aber— er, nässe doch sage», daß es für ihn, de» Herrn Guts- tind Brennereibesitzer, etwas Beschämendes habe, iven» bei der Reichstagswahl ein Arbeiter, der kannr richtig schreiben und lesen könne, ein socher dummer Arbeiter, de» er das ganze Jahr hindurchschleppen, ernähren müsse—, dasselbe Recht besitz« wie er. der gebildet« Großgrundbesitzer. Zum Schluß forderte der Herr den Refereuten ganz kategorisch auf. doch zu sage», wer»nd was er sei! ob er auch so schwer arbeite wie er, der Brennereibesitzer?— Sonst könne er überhaupt nicht mit ihm diskutiren. Der zweite Redner, Gulsbesitzer und RmtSvorsteher Lehmann auS Lanbuitz, versuchte die Fleischzöll«. überhaupt alle indirekten Sieuern zu vertheidigen. Er appellirte besonders an die Land- bewohner, sie möchten mir nicht ablassen von ihrem Palriolis- mus u. s. w.— vor allen Dingen solle man dem sozialdemokratisch«» Redner nicht glaube». Je höher die Fleischpreise, je mehr bekäme der Landarbeiter, der kleine Bauer für sei» Schivei» bezahlt. Beiden stiedner», die als eifrige Agitatoren des„Bundes der Landwirthe" bekannt sind, wurde von dem Referent«» im Schlußwort so heimgeleuchtet, daß sie sich wülhend in ihre draußen stehende» Equipagen ivarfen und unter dem Hohngelächter der Ber- sauunlungSbesucher davonjagten. Die Partrigcuoffcu 1« Mcuiel vertheillen auf vier Land. a g i t a l i o» Z t o» r e» große Mengen Flugblätter, die in deutscher und lithauischer Sprache abgefaßt waren. Einer der Genossen schreibt uns über die Tour, die er mitgemacht hat:.Ich habe aus dem Lande großes Elend vorgesunden. Die armen Leute wohnen in jämmerlichen, meist aus Lehm erbauten Hütten. Das Vieh wohnt besser. Man brachte uns große Sympathien entgegen." Die Parteigenossen in«armen erklärte» sich mit den Be- schlüsse» des Hamburger Parteitages im allgemeinen einverstanden und erwarten deren strikte Durchführung. Geuosse Fritz Salz- b e r g wurde einstiniulig wieder zum Vertrauensmann gewählt. Im Dorfe«cnuuugcn bei Sangerhausen beschloß der Ge» Uleinderath auf Antrag des Vertreters der Arbeiter, daß die Zahlung des jährliche» Zuschusses an die Kirchen- gemeinde, der 900 M. beträgt, vom 1. April nächsten Jahres au eingestellt werden soll. In der Kircheugemeinde hatle» sich, wie die„Thüringische Tribüne" hierzu miltheilt..einige nicht noble Er- eiguisse" abgespielt, die den Gemeinderath veraulaßle», den Antrag des Arbeitervertreters anzunehmen. Dcv Wahlverei» für Laugenbicsa» und Umgegend hatte im letzlen Berwallungsjahre eine Zunahme der Mitglieder von llld ans 800 zu verzeichnen. In Werdan i.®. sprach eine Volksversammlung dem Partei- genossen Liebknecht anläßlich seiner Verurlheilnug zu 4 Mvualen Gefängniß ihre Sympathie mit dem Wunsch« aus. daß er die Slrase wohl überstehen möge. ZilS VertrancuSpcrso» für den Bezirk Zwickau ist der Parteigenosse H. Schmidt iviedergewählt worden. Zur Nachwahl im wiirttembcrgischcn LaudtagS-WahlkreiS «öblingeu ist ijlrbeilcrsetrctär?> g st e r in Stuttgart als Kandidat unserer Partei ausgestellt. Der als Kandidat ausersehen geiveseue Genosse Pro ß aus Eßlingen hat aus Gesiiubheilsrücksichle» ab- lehucu müssen. Ter Sozialdemokratische lvcrrin in Ravensburg i» Würlteiuberg beschloß, beim G-iiieiuderalh zu petilioüireu m» Ein- sührnug der obligatorischen Bc»üh»»g der städtische» Leichenhalle und uni Uebernahme säniinllicher Bccrdigungstvsleu bei alle» Be- erdigunge» ans die Sladlkasse. Nnö Strasburg i. E. ivird uns geschrieben. Die Partei- versa in i» l u» g der hiesige» Genosse», deren Abhaltung vom Bezirksprästdium verboten worden war, wurde nnn am Sonntag Nachmittag im b a d r s ch e n Dorfe Neumühl abgehalten. Nach dem Bericht unseres Delegirte» B ö h l e über die Verhandlungen dcS Hamburger Parteitages wurde folgeude Resolution emstliiimig augeiiamine»:„Die Versamuilung erklärt sich mii der Maiidatserfülluug des Delegirte» Bühle e>»versta»de». Bc> dieser Gelegeuheit erhebt die Sozialdemokratie Straßburg's Einspruch gegen die vom Berichierstaller über die parlauunturische Thäiigkeit der sozialistischen llteichstagssraktio», Genossen Schrppel, auf dem Parteitag zum Ausdruck gebrachte Aufsassung, soiveit dieselbe eine Slbiveichuiig von dem bisherigen rein negativen Standpunki der Partei gegenüber der Bcivaffiiung von Heer und Marin« des heutigen, der Arbeiterklasse feindlich gegettüberstehenden Staates darstellt. Die Bersaiiimlung betont angesichts der sortivährende» An- griffe, Verdüchligunge» nnd Enlstelluiigen der bürgerlichen Presse aufs neue mit Nachdruck die unverbrüchliche Eolidarilüt des inler- nationalen Proletariats" Dodtculistc der Partei. In Bremen starb im Aller von SS Jahre» der Zigarre, larbeiler H e r m a Ii n LI o r d h o I d, der bereits dem Allgemeine» deutschen'Arbeiterverein als Mitglied angehörte nnd dem Sozialismus bis zum letzte» Alhenizuge treu gebliebe» ist. Polizeiliches, Gerichtliches IC. — Die sozialdemokratischen Frauen m Breslau sollen schon wieder das Verciusgesetz übertrele» haben, indem sie ihren eben erst geschlossenen Verein ganz öffentlich fortgesetzt hätten. Frau Geiser ist bereils vom Untersuchnngsrichler>-eriio»»iie>i morde». Ans der Vernehmung ergab sich, wie die„Volksmacht" iiiitthcilt, daß in der Wahl des BnreauS für die Liebkuechi-Ver- saminlu'ig im Tivoli, zu welcher Frau Geiser als Borsitzende und Ks Joniiirts" als Schrislfichrerin Frau S ch e f f l e r vorgeschlagen und gewählt wurden, diese verbotene Vereinsfortseyung gegeben sein soll, weil Frau Scheffler zu den R e v i s o r i n n e n gehört hat. die mit den beiden weiblichen VertrmienSpersonen den geschlossenen Verein ge- bildet haben solle». Selbstverständlich ist die Wahl der Frau Scheffler rein zufällig gewesen und sie genügt nach Ueberzeugung der.VollZwacht' absolut nicht, um eine Anklage und noch weniger «Ilit Verurtheilung ausreichend zu begründen. — Der Parteigenosse E. H u h n in Düsseldorf wurde im Juli d. I. ivege» Verlaufs einer verbotenen Auflag« des E o r v i n- scheu„P s a s s e» s p i e g e I s" vom dortigen Landgerichl zu drei Wochen Hast vcrurtheilt. Das Urthkil ist letzt vom Neichsgerichl verurtheilt worden. Man lann nur bedauern, daß wegen jenes lhalsüchlich werldlosin Buches Parteigenossen sich eiiier gerichtlichen Prozedur aussetzen. — Wege» Beleidigung deS NolarS B n ch a r tz ist Genosse H o f r i ch! e r in Köln als veraniwvrllicher Redakteur de: „Rheinischen Zeitung" seinerzeii zu einem Monat Gefängniß vernriheili worden, während der milai, geklagte Genosse Chesredakleur Dr. Eidmann sreigesprochen wurde Hofrichter leale gegen seine Veriirlheiluiig»nd der Slaalsaiiwall gegen die Freisprechniig Erd- mann's Reviston ein. Das Lleichsgerichl verwarf beide Revisionen. In Beziehnng aus Erdman» lag die Sache wie folgt: Erdmann hatte das mit der Post eingelaufene Mamiskripi des fraglichen Artikels seinem Miiredakleur tzofrichler nr.t der Bemerkung übergeben. ber Ausnahm« stehe mchlS im Wege. Die Anklagcbehörde ivollle nnn nichl nur Hosrichler, der als verantwortlicher Redakteur selbständig die Ausnahme angeordnet halte, zur Verantwortung ziehen, sonder» auch Dr Erdniami. da dieser durch das Hinüber. reichen und seine Bemerkung dem verantivortlichen Redakteur Beihilfe durch Rath»ndThat geleistet habe. Das Lanbgencht bat aber Dr. Erdmau» sreigesprochen, weil er keine» besliiiimlen Einfluß aus die Berössenllickung geübt habe und habe üben können. Das Reichs- gericht bestätigte das Eriemitmß. —.Grobe» Uns» g" soll Genoss« H. B e ck e r i» Saalfeld, Redakteur am dortigen„Volksblalt". einem ihm zugegang«»«» Straf- Mandate zusolge dadurch begangen haben, daß er während der Landtags-Wahlbeivegung in Bock»nd Teich(eineni Dorfe bei Gräfe»- lhal in Thüringen) am Sonnlag. de» 20. September,„Flngblätler ausreizenben Inhalts>» de» Wohnungen der dortigen Ortsnachbarn vcrlheilt hat" Dieses Verbreche» glaubt der Herr Amisanwalt ge- sühnt mit einer Geldstrafe von U) M. oder— Itt Tagen Haft! Da jedoch nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht ist, wird Berufung«ingelegt werden und dai, Gericht wird diesen grobe» Unsng«insach nicht a»erke»»e» können, wie es sa auch in dem analoge» Falle der Riidolstädler Parleigenossen vor vier Jahre» zu «»um srcisprechtiidcn Urlheil« kam. — Der Parleigenoffe E»gelbertP«rn«rstorfer. Mitglied der österreichischen Parleileiliing. war vor dem Bezirksgericht in Wie» der Beleidigung der Minister B a d e n i nnd G» t> e» b e r g angeklagt. Ter Richter beschloß aber, die Akien dem Landgertchl zu übcrsendc», weil das Vergehen der Aufreizung vorliege. Dev dritte MongreH dev Gatttuiethsgehilfe»; Deutsltzlttnds. Nachdem die aus dem Bode» der modernen Arbeilerbewegnng stehenden GaftwirlhSgehilfe» bereit? zweimal in Kongresse» ver- einigt waren. begann am Dienstag in Berlin im oberen Saal« des Fenersteinsschen Lokals der dritte Kongreß.— Ans der Tagesordnung stehei, an wichtigere» Punkten: die Organisationt- frage(Ucbergang zur Zentralisation), Slatnteiiberalhnng, die Formen der Arbeiisvermittelnng für GastwirlbSgehilfen, Arbtiierschntz-Gesetz- gebnng im GasiwirlhSgeiverbe, Stellnngnahnie zu de» Gnstwirthe- Jiinunge». die Prozeutarbeit, Slettung zu deujenige» Personen, die de» Kellnerberns als Nebenbeschäftignng ausübe», Slellniignahine zum„Allgemeinen Fachlongreß" ,c. Der Saal ist mit rolhen Fahnen nnd sozialdemokralischen Denk- sprüchen dekorirt. Himer dem Podium prangt ans rotbem Banner die Inschrift:„Proletarier aller Länder vereinigt Euch'" Daneben sieht ma» die Büsten von Marx»nd Lassall«.— Die Sitzungen be- ginne» vormittags lO>/, Uhr. Nach einer ivarine» Begrüßung durch P ö tz s ch wird das Bureau gewählt»nd z» Vorsitzende» Fröhlich. Hamburg und P ö tz s ch- Berlin bestimmt. Tai Andenken Karl Grillenberger's ehrt die Versammlung durch Erheben von den Plätze». Ebenso ivird beschlossen, den streikende» Maschinenbauer» i» Eugland 100 M. als Zeiche» der Sympatdie zu überweise». S l rö blj» ger berichtet daiiach für die Agitatious- und Preßkoninitlflon. Di« Abrechnung«» liege» de» Versammelten gedruckt vor. Die Preßkommissio» hat im abgelaufeiie» Geschäitsjahr 0249 M vereimiahml: die Agiiatioiisroiuinissiou hat seil l. Oktober lS9S bis 30. Ä-eptember JS'J? eingenomuien 3834 M Es habe» i» de» letzte» beide» Jahren über 100 V«rsa»»»l»»ge» zu gunsle» der Be- ivegmig slallgef»»dc». An Flugblälter» sind 25 000 verbreilcl morde». Die sinauziellen Verhällnilse deS„Gastmirthsgehitien" seien jetzt vollkommen konsolidirt. sobaß die Foriexisteuz außer Zweifel gestellt sei. Auch in wirlhschasilicher Beziehung seien schon Erfolge durch die Organisalio» erzielt worden: namentlich habe si>b die Behandlniig der Kellner durch die Uiiternehmer mehr- s ch gebessert. weil die Unteriiehuier die Alifbeckung der Mißsläiide>» der Oessenllichkeit fürchte». Imme, bin ent- sp-cche aber daS Resultat noch nicht der a sgeivandte» AgitationSarbeit. In der Diskussion wird fast allgemeiu Aefriedi- griiig mit dem Stande der O>ga»isation nnd der Halinng des �Gastwirihsgehilfe»" ausgedrückt. Es wird beschlösse», das Abonne- uienl desselben auf l.bO Vl. pro Bierirljahr herabzusetzen AuS viele» Orlen dcS In- und Auslandes sind uiilllerweilc Begrüßungs- lelegramni« eingelausen. Punkt 2 der Tagesordnung betrifft die Ueberführiing der KeNnerorganisation, die bisher a»S eiuzeluen Lokalvereinen bestand, i» die Zentralifalio». Fröhlich ans Hamburg eesecirt über diese» Gegenstand nnd empfiehlt den Uebergang zur Zeniralisation. Be- sonders iveist er ans die Nnlerslütznngs- und äbnliche Eiurichlunge» h>», die durch die Zenlralisatian möglich werde» und die geeignet seien, weitere Kreise in die Organisalio» htneluznziehen. Die Diskussion über diese» Puukl fliidet nach der MiltagSpausr statt, und es spreche» sich fast alle Redner iür die Zenlrali- salion ans. Auch der Vertreter der Ge»eralkouii»iisio» in Hamburg. Legten, spricht seine Freude aus. daß die GastwirlhS- gehilfen jetzt zur Zeutralisatioii übergehe» wollen. Nur warnt er davor, wen» ei geschieht, dann kei»« Spaltungen in den eigene» Reihe» euistehe» zu lassen. In»auieullicher Absti,»,»ling wird darauf elnstimmig gegen zwei St>»»»e»lhaltn»g«n beschlossen, eine» Zenlralvtrbaud zn begründen. Der Rest des Nachmittags wird daraus durch di«BeraIl»»ig der Staiuten des zu gründende»„Verbandes deutscher Gnstwirihsgehilsen" aus- gefüllt. Eine längere Debatte eutspinnl sich über die Frage, ob auch die Kellnerinnen im Verband zugelassen werde» sollen. Beschlossen wird, diese Möglichkeit offen zu halten, wem» man auch nicht hoffe» dürfe, daß sich viele Kellnerinnen anschließe» würden. Wichtig ist besonders auch der% 4 de» Siatnls, nach dem de» Mitgliedern Unterstützungen bei Maßregelungen. Reise»Unterstützung, Kranken- Unterstützung»nd Unterstützung in besonderen Nolhfällen zustehen soll Ebenso solle» die Hinter- bliebe»«» verstorbener Mitglieder Unterstützung erhalten. Das Beitrittsgeld soll 1 M., der wöchentliche Beitrag 80 Pf. betragen — Um 7 Uhr abends wird die Weiterberathnng des Slaluleii- Eiitwnrss a»f Mittwoch früh vertagt. Für den Abend istiß enlschied sich in seiner Mehrheit für den letzteren An» trag. Was sodann den Antrag ans Neubau einer Heilanstalt für Tuberkulöse beiderlei Geschlechis betrifft, so wurde leider mit großer Mehrheit beschloffen, der Versaimnlnng die Ablehnung dieses Antrages zn enipsehien. Der AuSschnst der Stadtverordneten- Veisaniinlung zur Vorbeiathnng ber MagistralSvorlage behnss A b ä u d e r u u g e n zu der Gehallsordnul, g für die Lehrpersone» in den Berliner Gemeindeschule» hat gestern unter Vorsitz des Vorstehers der Sladlverordnelen-Versainmlnng Dr. Langerhans nnd ,n Anwesenheit der ivlagistralskoniniissare Bürgermeister Kirschner und Stadlschulrnth Beriraui die erste Lesung beendet und bezüglich der F a ch l e h r e r i nn e n solgende Bestiiumuugen getroffen. Tie Fachlehrerinne» sind zu vierundzwanzig Stiliideii verpflichtet nnd können zeitweise zur Vertretung bis vier Stunde» herangezogen werden. Grundgehalt 900 Mark, Miethseiilschädigung 800 Mark, Allerszulagen: nach 8 Jahren 100 Mark, nach 6 Jahren 200 M.. nach 9 Jahren 300 M., nach 12 Jahren 400 M., nach lö Jahren 500 M. nach 18 Jahren 600 M.. »ach 21 Jahren 720 M. Zur Anrechnung komme» die Jahre, in welchen die Fachlchrerinnen an öffentlichen Schulen i» Deutsch« land mit mindestens 24 wöcheutlichen Stnnden beschäftigt sind. FachlehreriNiien, welche bereits im slädiische» Dienst stehen»nd vorausstchilich dauernd 24 Slmiden eriheile» werden, solle» zur endgiliigen AnsteNnng vorgeschlagen werden ohne Rücksicht auf das Lebensaller und auch mit n u r eine in Examen. Vo» einer Seile wurde beantragt: Die Mielhsenlschädiguiig in Höhe, wie für die verschiedene» Lehrer-Kalegorien festgestellt ist, wird»nr dann gezahlt, wenn der Einpsänger bezw die Empfängerin festen Wohnsitz i» Berlin hat. Ist letzteres nicht der Fall, so wiro mir der Betrag als MielhseulsckiädigtNig gezahlt, welcher von den be- treffenden Wohnortsgemeiiideii siir ihre eigenen Angestellie» gleicher Kategorie seslgeseyl ist; dieser Antrag wurde abgelehnt. Bis zur nächste» Sitznug soll eine Ziisammenslelliing der Beschlüsse erster Lesung, sowie eine Berechuung über den smmizielle» Effekt derselben angescrligl werden. Dokmlcs. Genosse Liebknecht hatte bei der SlaalSaiiwaltschaft l» Breslau den Antrag gestellt, seine Slrase nicht in Breslau, sondern in P I ö tz« Ii s e« verbüßen zn dürfe» Dieser Antrag ist genehmigt worden. Ein Termin siir den Anlritt der Strafe ist noch nicht fest« gesetzt. Die NnterrichlSerfolae der Berliner Genieindcschule» haben wir kürzlich durch Millheilinig einiger Zahle» über das Aller der Kinder der einzelne» Gemeindeschiilklassen zu belenchten versnchl. Eine» weiteren Beitrag zur Erörterung dieser wichtigen Frag« bringt der neneste Schnldep>llatioi>s»Bericht(für 1890/97), indem ei zn»> erste» Mal« die Zahl der nach V o l l e» d n n g der S ch u 1 p s 1 i ch t. also im Aller von uiindeslenS 14 Jahren enllassenen Kinder nach den Klassen aiigubi, auS denen sie ab» gingen Für das Jahr 1890 ergab sich solgendes. ES gingen ab ans Klasse; L II. III. IV. V. VI. überhaupt Knabe» 6429 2412 952 222 15 2 9032 Mädchen 6851 2335 1105 224 14— 9582 znsammeu 11283 4797 2057 446 29 2 18014 Das heißt: von 9032 beziv. 9582 abgegangenen Knaben und Mädchen balie» 1191 bezw. 1343(= 13,2 bezw. 14 pCl.) die Oberstufe nicht erreichen lönne», die nnter»ormalen Verhält- uissen schon nach vierjährigem Schulbesuche, also mit Vollendung des zednleu Lebeusjahres erreicht werden»iüßle. Dieses Resultat ist geradezu besckänuvd für die vielgepriesene Berliner Gemeindeschiile! Wir wiederhole», daß nach unserer lleberzcuginig hier weder«ine außerordcnlliche Faulheit oder Dlliiiuiheit der Berliner Gemeinde- schulkiuder, noch eine zu geringe Leistungsfähigkeit der Lehrkräfte als die Ursache eines solchen Mißerfolges anzusehe» ist. Dies« ist viel« mehr allein in de» Mängeln der äußere» und inneren Organisalio» der Gemeliideschiile» jii suche», die die Arbeit der Lehrer lind die Theilnahnie der Kinder am Nnlerrichl bceinträchligen müssen. Prrnstische Klassrnivahl'Gcrrchtigkctt. Eine vo» der„Frei- sinnige» Zeilnng- gelegeiillich der bevornehenveir Sladtverord» n e i e a w a h l e» veröffenllichte Sialistik bringt von»euem einen schlagenden Beweis dasür, daß die jüngste Sleuergeseygebiing das Gemeiudeivahlrecht immer mehr»och zu gunsten einiger weniger Reickeu und zum Nachlheil der mittleren und miteren Schichte» der Bevölkerung verschiebt. Auf die ne»» Sladtverordnele» 1. Ab- t h e i l u n a, welche gegenwärtig sich einer Nenwahl zu unterwerfen habe», enisielen 1 891 2235 eingeschriebene Wähler, wäh» re»d i» de» belrefsei.den Bezirke» gegenwärtig 1897 die Zahl der «iiigesckriebeue» Wähler nur 797 beträgt. Die Zahl der«»» geschriebene» Wähler der erste» Klasse hat sich also nahezu auf «in Drillet vermindm. In tiuzelnen Wahlkreisen ist die Ver- Minderung noch deträchllicher. Einzelne der jetzt ausscheidenden Sladtverordnele» erster Klasse sind erst»ach 1891 gewählt. Ii» ganzen kvnknrriren danach bei de» 14 ansscheidenden Stadtverordneien gegemvärlig litt) eingeschriebene Wähler, während bei der früheren Wahl derselbe» 2990 eiiigeschrieben waren. Die Slärkeverminderung de: Wähler erster Klasse hat aber keineswegs z» einer vermehriiiig der Wähler zw eiler Klasse geführt. Im Gegentheil! Auch i» der zweiten Klasse zeigt sich eine große Ver in in der»»g, lrotzdem die»»S der eisten Klasse aiisgeschiedenen Wähler durchweg der ziveiten Klasse zugeführt worden sind. Es haben sich jetzt sieben Stadtverordnete für die zweile Abtheilung einer Neuwahl zn unterziehen, welche I83l gewählt worden sind. I» den sieben Wahlbezirken waren 1391 in der zweiten Klasse 8809 Wähler eingetragen. Jetzt beträgt die«in» geschriebene Wählerzahl daselbst nur 4758. In der ziveiten Ab- theilung ist also die Wählerzahl aus die Hälft« herabgegangeiu In »•"jelnen Wahlbezirken beträgt der Rückgang noch mehr als die Hälfte. Ueberhmipt waren nu den früheren Wahlen der fetzt auzgeschiedenen Stadtverordnete» 14 903 berechtigt, während die Zahl der Berechtigten letzt auf 8991 zusaminengeschmolzen ist. In, ganzen betrug die ein- geschriebene Wäblerzahl bei den jetzt in der I.»ud II. Ablheilung Ausscheidenden 17 893, während jetzt nur 10 101 der Wahlberechtigten aufgerufen werden. Ganz anders natürlich in der III. Klasse. Hier hat eine Vermehrung der Wahlberechtigten Platz gegriffen nicht blos infolge der Versetzung der Wähler ans de>l oberen Klassen, �sondern anch infolge der Vermehrung der Bevölkerung. Es jsind 14 unter 42 Wahlbezirken der 3. Klaffe an den Neuwahlen be- theiligt. In denselben waren bei den früheren Wahlen der jetzt Ausscheidenden 97 338 Wahlberechtigte eingeschrieben, während zetzt 116 795 eingeladen werden. Die vorstehenden Zahlen beziehen sich nur auf diejenigen 14 unter 42 Bezirken der 3. Klaffe, in denen jetzt Neuwahlen stattfinde». Die städtische Verwaltung hat die Ge- saninitzahlcn der dritten Wählerklaffe» aus der Eintheilung von 1897 nicht veröffentlicht. Im Jahr- 1895 waren 239 973 Wahlberechtigte der 3. Klaffe vorhanden gegen 239 132 im Jahre 1391. Gegenwärtig dürften weit über 300 000 Wahlberechtigte der 3. Klaffe vorhanden sein, gegenüber 1110 Wählern der 1. Klasse und 8396 der 2. Klaffe. Die Wähler 1. und 2. Klasse zusammen wählen also doppelt soviel Stadtverorduete wie diejenigen der 3. Klasse, betragen aber noch nicht ein Dreißigstel der Zahl derselben. Im Jahre 1891, vor der Steuerreform, erreichten dagegen die Wähler 1. und 2. Klasse wenigstens ein Elfte! der Zahl der 3. Klasse(3. Klasse 239 139. 2. Klasse 18 030, 1. Klasse 3555). Es muß betont werde», daß die F r e i s i n n i g e n mit dem Klassenwahlrecht, diesem Gipfel der politischen Ungerechtigkeit, gerade in der Kommune völlig einverstanden sind, und ebenso wie die Kon- �servativen nichts ärger fürchte», als ein gleiches Wahlrecht in Gemeinde-Angelegenheiten. Jedermann, dem an der Beseitigung der bestehenden Ungerechtigkeit gelegen ist, handelt daher unklug, wenn er zur bevorstehenden Stadtverordnctenwahl einem freisinnigen Kan- didaten seine Stimme giebt. Z»r bevorstehenden Stadtverorductenwahl giebt die ultra- montane„Märk. Volks-Ztg." der katholische» Bevölkerung Berlins den dringenden Rath, beileibe nur keinem Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben. Die Mehrheit der katholisch getaufte» Arbeiter wird diesen Appell mit gebührender Heiterkeit aufnehmen. Sie wiffen, daß ein bürgerlicher Kandidat unfähig ist, ihre Interessen zu vertreten. t Die stttdentische Ehrengerichts- Bewegung der technischen ochschule zu Charlotteuhnrg ist in eine neue Phase eingetreten ekanntlich stellten sich Rektor»md Senat ursprünglich Der Bewegung direkt feindlich gegenüber und lösten am 6. November 1396 die gegründete akademische„Ehrengerichts-Bereinigung" ans. Die Folge war, daß im Juli 1397 eine neue studentische Vereinigung mit denselben Zielen ins Lebe» trat, die einen rein bürgerlichen Charakter insofern trug, als sie sich der akademischen Gerichtsbarkeit entzog und sich direkt der polizeiliche» Aufsicht unterstellte. Mit dem Rektorats- Wechsel scheint die Slellnug des akademische» Senats zur Duell- frage eine andere geworden zu sei», als früher. Auf direkte Veranlassung des jetzigen Rektors ist Montag Abend in einer im Logen- Restaurant stattgehabten Stndenten- Versammlung die bisherige Ehrengerichls-Vereinigung aufgelöst und eine zweite auf den gleichen Statuten basirende Vereinigung geschlossen, die wieder den rein studentischen Charakter trägt, bei der technischen Hochschule angemeldet wird und sich der akadeniischen Gerichtsbarkeit unterstellt. Der alte Vorstand wurde wiedergeivählt. Der jetzige Rektor soll einer Abordnung ausdrücklich erklärt habe», daß nach geschehener Nenanmeldung der Vereinigung an der technischen Hochschule der- selben seitens des Senats keinerlei Hindernisse mehr in den Weg gelegt werden. Die Gegner des Duells erblicke» in dem Entgegen- kommen des Rektors eine große Förderung ihrer Bestrebungen. Mit einer Kühnheit, wie sie nur den Knhneniännern eigen, ist bei Gelegenheit der Verhandlungen in Sachen des Former- ausstandes von Herr» Henneberg an amtlicher Stelle das Vorhanden- sein s ch w a rz e r L i st e n bestritten worden. Es war ein leichtes für uns, demgegenüber nachzuweisen, daß der Verband der Metall- industriellen eine seiner wesentlichsten Aufgabe» darin sieht, miß- liebige Arbeiter durch Berfehmung auszuhungern; diese Taktik ist dem Unternehmerihum in der Metallindustrie so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, daß selbst kleine Krauter das Beispiel des Groß- protzenthums nachäffen. Uns liegt ei» Brief vor, den ei» hiesiger Schlossermeister dieser Tage an einen anderen gerichtet hat. Das für die Kennzeich- uung unserer Zustände immerhin schätzbare Schreibe» lautet: Sie iverden hiermit ans den Schlossergesellen X., welcher bei Ihnen in Arbeit stehen soll, aufmerksam gemacht. Derselbe ist bisher aus allen größeren Werkstätte» wegeir Aufwiegelung entlassen worden und ist Vertrauensmann der sozialdemo- kratischen Partei. Ich bin fest überzeugt, daß Ihre Leute Schriften zu lesen(!) und Beiträge zu zahle» gezwungen sind, ohne zu wollen.(Folgt die Unterschrift.) Solche Uebergriffe des Unlernehmerthnms sollten die Arbeiter- schaft immer von neuem geinahnen, daß es eine Sache der persön- lichen Ehre ist, in fester und leistungsfähiger Organisation gegen die Unterdrücker gerüstet dazustehen. In die Liften deö ZeiitralvereiuS für Arbeitsnachweis haben sich in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 23 048 arbeits- lose Personen einschreiben lassen; hiervon wurden 17 951 Personen in Arbeit gebracht. Die Beschlußfassung über die Einrichtung eines Arbeitsnachweises für weibliche Dienstboten und sonstiges weibliches Hilfspersonal(Aufwartefrauen n. s. w.) wurde in der letzte» Sitzung des Vereins vertagt, ebenso die Beschlußfassung über ein aus Arbeit- gebern und Arbeitnehmern zu bildendes Kuratorium zur Mitwirkung bei der Verwaltung und Beaufsichtigung des Arbeitsnachweises. Beschloffen wurde, die Einrichtung eines Verbandes der allgemeine» Arbeitsnachweise im Königreich Preußen in die Wege zu leiten und zu diesem Zweck« eine Voranfrage an die in belrachl kommenden Städte zu erlassen. Die Kartenbriefe, die bekanntlich am 1. November im deutschen Reichspostgebiet und in Württemberg zur Einführung kommen, sind aus weißem Papier hergestellt. Auf der für die Aufschrift bestimmte» Seite tragen sie eine eingedruckte übliche Zehn-Psennig-Marke und in rother Inschrift die Worte:„Deutscher Reichspost-Karten-Bries". für die Adresse sind ähnlich wie bei den Postkarten vier rothe inien vorhanden. An den beide» Seitenflächen befinden sich gummirte Streifen zum Verschließen des Kartenbriefes, die so gut durchlöchert sind, daß sie sich leicht und sicher abtrennen lassen. Der Kartenbrief enthält vier beschreibbare Flächen, von denen jede den Raum einer Postkarle bietet. Er ist auch im Wellpost- verkehr verwendbar und trägt auf der Rückseite die Worte:„In denjenigen Verkehrsbeziehunge» zum Auslande, wo dasBriefporto 20Pf. beträgt, ist das Franko um 10 Pf. in Marken zu ergänzen." In Bayern, welches bekanntlich zur Illustration der deutschen Einheit ebenso wie Württemberg besondere Postmarken hat, ist eine Einführung der Kartenbriefe am 1. November nicht zu erwarten, da. wie die „Direktion der bayerischen Posten und Telegraphen" bekannt giebt, die Einrichtungen der dortigen Postdruckerei eine so rasche Herstellung nicht ermöglichen. Als Termi» der Einführung wird Mitte Novenrber oder Anfang Dezember angegeben. Eine Lehrerinncn-Versauimlung soll Ende Oktober oder An- fang November von Frl. Dr. Anita Augsvurg in Berlin einberufen werde». Auf derselben wird Frl. Marie Raschke die Nothwendigkeit der Einführung von Gesetzeskunde in Schulen und Foribildungs- schule» darlegen und Frl. Dr. Anita Augspurg über die Rechte der Lehrerinne» sprechen. Die Hcrbst-Kontroll-Versammluugen für die in Berlin(aus- schließlich der Vororte) wohnenden Reservisten der vier Berliner Bezirks-Koinmandos(Jahrgänge 1890 bis 1897) werden auf dem Hofe der neuen Landwebr-Dienftgebäude zu Schöneberg in der General Pape-Straße am Tempelhofer Felde stattfinden. Für de» Landwehrbezirk I Berlin(Provinzial- Infanterie mit den Namens- Anfangsbuchstaben A bis K) sind die Tage vom I. bis 6. November, sür den Bezirk II(Provinzial-Jnsanterie mit den Anfangsbuchstaben L bis Z) voni 8. biS 15. November, für den Bezirk III(Mannschaften der Garde) vom 15. bis 22. November und für den Bezirk IV (Provinzial-Jäger,-Feld- und-Fnß-Arlillerie,-Pioniere, Train und -Handwerker sowie der Marine) vom 23. bis 30. November bestimmt. Tie Nnfallstatio» Xlll wird in den nächste» Tagen in der Kronenstr. 56, dicht an der Friedrichstraße eröffnet werden. Die Unfallstation XIV wird zu gleicher Zeit in der Alexandrineustr. 31 in Betrieb gesetzt. Die letzterwähnte Station wird mit der Sanitäts- wache Nr. 3 in Verbindung gebracht. Zeitgeniäste Menschcnqnälerei. Nahezu sechzehn Stunden Dienst hintereinander haben die Schaffner der Omnibns-Gesellschaft „gieform", nämlich von 6>/« Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Da- für erhalten sie der„Berl. Ztg." zufolge 45 M. Monatsgehalt und müssen 30 M. Kaution stellen. Unfug. Von polizeilicher Seite wird mitgetheilt: Der angeb- liche Uebersall, der Montag Vormittag auf die 16 Jahre alte Selma Lichtenthal in deren elterlichen Wohnung, Zlnguststraße 16, verübt worden ist, hat sich, wie das Mädchen jetzt selbst zugicbt, als von ihm erfunden herausgestellt. Sie scheint damit bezweckt zu haben, ein Alleinbleiben in der Wohnung für die Zukunft zu vermeiden. Lcichenberanbung? Auf dem Wege nach seiner Wohnung verstarb am Freitag, wie bereits der Polizeibericht meldete, infolge Herzschlages der Maurerpolir Grefe, als er die Madaistraße passirle. Um den Todten, der später»ach der Leichenhalle gebracht wurde, sammelte sich sofort eine große Menschenmenge an. Nachdem der Verstorbene jetzt beerdigt, sind 5ileidungsstücke soivie die bei ihm vorgefundeneu Gegenstände den Angehörige» übergeben worden; letztere vermißten jedoch das Portemonnai, Schlüssel und Taschen- messer, welche Gegenstände wahrscheinlich von„hilfsbereiten" Per- sonen, die die Leiche umstanden, geraubt sein dürften. Als sich G. am Morgen aus seiner Wohnung entferiile, hatte er ca. 30 M. bei sich. Moderner Gnunerkuiff. Zu der Festnahme des Theater- direktors Maurice wird im Anschluß an unsere bisherigen Meldungen noch folgendes mitgetheilt: M. hat bei allen Verträgen mit seinem kautionshinterlegenden Personal sich das V e r f ü g n n g s- recht über die Kautionssumme vorbehalten und bei Abfassung der Kontrakte stets zu erkennen gegeben, daß er die Gelder zu ge- schästlichen Zwecken benutzen werde. In Fällen, in denen das zu engagirende Personal hiermit nicht einverstanden war, kam das Engagement überhaupt nicht zum Abschluß. Eine strafbare Handlung wird von der Behörde nur darin gefunden, daß, wie die Staats- anwallschaft meint, M. bei der Uebernahme der Kautionsbeträge gewußt haben muß, daß eine Rückzahlung der Gelder wohl kaum erfolgen könnte, und daß die Direktion dem kautionssähige» Personal, welches sie lediglich zu dem Zwecke der Geldausnutzung engagirte, nicht von der prekären Lage des Bellealliance- Theaters Kenntniß gegeben habe. Nur durch die Verheimlichung dieser That- fache sind die geschädigten Personen zu der Hergabe der Kautions- summe veranlaßt worden. In eine furchtbare Lage gerielh der Banunlernehmer S. ans Berlin, als er am Sonntag'Abend durch den Rüdersdorfer Wald dem Bahnhof Erkner zueilte. In der Nähe des Flankensees gerielh S. in der Dunkelheit in eine» Sumpf, aus welchem er sich nicht wieder zu befreien vermochte; vielmehr sank er bei der Bemühung, sich zu retten, immer tiefer. Die Hilferufe des geängstigte» Mannes wurden von Ausflüglern vernomine», denen es erst mit größler An- strengung gelang, den Bauunternehmer, der bis zur Brust im Sumpfe stak, zu befreien. Schwer verbrannt wurde vorgestern der Schlosser Gustav Welter, Hussiteuftraße 6 wohnhaft, in der mechanischen Werkstall des Ingenieurs de la Bari, Kastanien-Allee 10. Weller hatte sich sein Esse» warm gestellt und war in unmittelbarer Nähe der Feuer- stelle eingeschlafen. Ein Funken aus der Feuerung war den, Schlafende» auf die wollene Jacke gefallen und hatte die ganze Kleidung in Brand gesetzt. Als Wetter durch heftige Schmerzen ge- weckt wurde, war er vor Schreck rathloS, so daß geraume Zeit ver- ging, bevor ihm Hilfe kam. Mit schweren Brandwunden am Rücken und au den Armen wurde Wetter durch Schutzleute in ein Krauken- haus gebracht. Fenerbericht. Nach S t r a l a u e r st r. 48 wurde die Feuer« wehr Dienstag früh 12�/? Uhr gerufen. Hier waren in einer Federn- fabrik eine Partie Kartons mit Pntzsedern in Brand gerathen. Der- selbe wurde»ach kurzer Zeit gelöscht, doch hat er das Haus nicht unerheblich beschädigt. Zur gleichen Zeit erfolgte Alarm nach Calv in str. 21, wo ein Posamentirladen in Flammen stand. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich, doch durch Versicherung gedeckt. Mittags 11'/« Uhr war Pankstr. 14a auf der Straße durch einen unglückliche» Zufall eine Flasche inil GaSälher in Brand gerathen, wodurch eine große Ansammlung von Menschen entstand. Die schnell erscheinende Wehr beseitigte die Gefahr. Die Direktion der Projcktious Vorträgc über Kunst»nd Kultur (Dr. Klippen und Dr. Stöbtner) altes Urania-Thcater, Jnvalidcnstraße, thcilt uns mit, daß der so beifällig ausgenomincne Vortrag über „Arnold B o e ck l i»" von Franz Herrn. Meißner(gespr. von Herrn Otfried von Hanstein) heute Abend 8 Uhr zum letzten Male wleder- holt wird. Ss»S den Nachbarovtctt. A»S Nixdorf. Eine» Fluchtversuch»lachte am Dienstag ein Unlersuchnngs-Gefaugetter des hiesigen Slmtsgerichts. Der Handels- mann Paul Schönfisch aus Berlin befindet sich zur Zeil wegen Körperverletzung ec. hier in Untersuchungshast. Als er m» Dienstag dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde, ergriff er plötzlich die Flucht und gelangte auf die Straße, er wurde jedoch von einem Gerichtsbeamten verfolgt und auf dessen Zurufe in der Bergstraße von einem Passanten festgehalten. Letzterer erhielt hierbei von Schönfisch einen so wuchtigen Schlag ins Gesicht, daß ihm das Blut aus Mund und Nase schoß. Trotz heftigster Gegenwehr wurde Sch. doch überwunden und nach dem Gefängniß zurückgebracht.— Hier wurde gestern ein 72 jähriger Greis beim Bettel» abgefaßt und in Haft genommen. Auf der Polizei stellte es sich heraus, daß der Verhaftete ein ehe- maliger Hauptmann des ersten österreich-lliigarischen Jägerregiments namens Schenk war. Ein Eisenbahn- UnfaN hat sich am Montag Abend in der Nähe der Station Reinickeudorf der Berlin- Kremmencr Bahn er- eignet. Ein mit Steinen beladener Wagen befand sich auf dem Geleise, als von Berlin der fahrplanmäßige Personenzug einlies. Der Kutscher hatte zu spät das Herannahen des Zuges bemerkt und so fuhr der Train in das Fuhrwerk hinein, wobei das Gefährt zur Seite geschleudert und eins von den Pferden getödlet wurde. Per- fönen sind nicht zu schaden gekonimeu. Ei» Familiendrama. Weil sie die Schande nicht überleben wollte, hat sich gestern Nachmittag eine 22jährige junge Frau, die Gattin eine? Hansdieners B. in der Koburgstraße zu S ch ö» e b e r g. nach kaum ziveijähriger, glücklicher Ehe den Tod gegeben. B. war kürzlich abends aus dem Geschäft nach Hause gekomnien und halte in der Wohnung bei seiner Frau einen fremden Mann an- getroffen, von dem er glaubte, daß er zu jener in un- lauteren Beziehungen stehe. Er machte daher seiner Frau, ohne auf ihre Unschuldsbetheuerunge» zu achten, die schlimmsten Vorwürfe über ihr« vermeintliche Untreue»»d ging schließlich mit seinem 14 Monate alten Knaben zu seinem in Berlin ivohnenden Vater, die unglückliche Frau in größter Verzweiilung allein zurücklassend. Gestern Bormittag nun begab sich der Vater des Mannes zu der junge» Frau und inachte ihr ebenfalls«wegen ihrer Schlechtigkeiten" die heftigsten Vorwürfe, bei denen er sich in den gröbsten Beschimpfungen erging. Und am Abend nach 7 Uhr fand man darauf die junge Frau als Leiche vor. Sie hatte stch in ihrer Wohnung mittels euier Zuckerschnnr am Ofengesims erhängt. In einem Briefe an den Gatten hatte sie noch ihre Unfchnld beiheuert. Die ausgewiesene» Schulkinder. Am 1. November vorigen Jahres zog der Arbeiter Hoff nach Rnmmelsbnrg in das Hans Neue Prinz Alberlstr. 70. Hoff, der Dissident ist, schickte seine beiden Kinder im Alter von 10 und 7 Jahren in die etwa fünf Minuten von seiner Wohnung entfernte Gemeindeschule zu Rnmmelsbnrg. Unbehelligt besuchte» die Kinder diese Schule neu» Mouaie hindurch. Da erhielt Herr Hoff am 7. Juli die Ansforderling, monatlich 5 M. Schulgeld für jedes seiner Kinder z» entrichte». Begründet wurde diese Anffordernng mit der dem Vater knnd- gegebenen Entdeckung, daß das Hans, in welchem er wohne, noch ans Lichtenberger Grund und Bode» stehe, und die Ge- meinde mithin keinerlei Verpflichinng habe, die fremden Kinder umsonst zu nnterrichlen. Herr Hoff war sprachlos über diese Neuerung; und er weigerte sich, ein Schulgeld z» zahlen, das annähernd dem Betrage gleichkam, den man für den Besuch einer Realschule entrichten muß. Die Folge war, daß die beiden Schüler aus der Genieindeschule zu Nuuunelsburg ausgewiesen wurd�. Alle Beschwerden waren natürlich fruchtlos, und Hoff inuß ferne Kinder jetzt in eine Schule schicke»,. die fast eine Stunde von seiner Wohnung eulferut liegt. Ist es schon wunderlich, daß man neun Monate gebrauchte, um die Nichtzugehörigkeit der gemaßregelten Kinder zur Ruiunieliburger Schule zu entdecken, so muß die Höhe des verlangleu Schulgeldes doppelt in Erstaunen setzen! AnS Spandau. Mit den Vermcffungsarbeiten für die elektrische Bahn S p a» d a il— P o t s d a m ist bereits begonnen.— Der F e» e r w e h r in a n n Merten ist den schwerel: Verletzungen, welche er bei dein Schennenbrande in der Alten Berg- straße erhalten hatte, im Kraukenhause erlegen.— In der PolsDainer- straße ivurde am Sonnabend Abend ein»»bekannter Mann beim Ueberschreiten der Schienengeleise von einem Motorwagen gefaßt und eine Strecke weil»litgeschleift, ehe es dem Wagenführer gelang, den Wage» zum Stehen zu bringe», Eine Tnellflegclei kam gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts 1 zur Verha»Dlu»g. Der praktische Arzt Dr. Alexander S t e i u h o f f führte in diesem Frühjahre mit seinem Hausivirth eineu Zivilprozeß, in ivelchem der letztere vom Rechts- auwalt Max A r o u s o h u vertrete» wurde. In einem der Ter- uiine wurde dem Dr. Steinhoff ein Eid auferlegt, und als er sich zur Leistiilig desselben bereit erklärte, soll Rechtsanwalt Aronsohn in verimiildertem Tone gefragt haben:„Den Eid wollen Sie leisten?" Hierdurch fühlte Dr. Steinhoff sich beleidigt. Er forderte zunächst den Rechtsanwalt auf, ihm eine Ehren« erklärnng zu geben, und als hierauf eine Antwort nicht erfolgte, sandte er einen Karrellträger i» der Person des Redakteurs Carl Sohlich von de»„Akademischen Blättern" zu ihm. Dieser sollte de» Rechtsanwalt auf gezogene Pistolen forder». Da der letztere es ablehnte, in irgend einer Form Genugthnung zu gebe», sondern ein- fach bei der Erklärung beharrte, daß er sich Der fraglichen Aeußernng garuicht mehr entsinne und jedenfalls den Dr. Steinhoff nicht habe beleidigen wollen, so kam der Karlellträger gar nicht erst zur form- liche» lleberbringnng der Herausforderung. Die Anklagebehörde hielt aber dennoch die Bediiigungeu der Kartellträgerei! für erfüllt. Im Termine erklärten beide Angeschuldigten,� daß sie nicht anders hätte» handeln können, als sie gelhan. Der Slaaisanwalt bezeichnete die Handlungsweise der Angeklagten als\ frivol und sie sei um so schwerer zu beurtheilen, da Rechtsanwalt 'Aronsohn lediglich seine Beruf-pflichl ausgeübt habe. Es ginge im bürgerlichen Leben Doch nicht an, daß jemand seine» augebliche» Rechten durch Herausforderung zum Zweikampf Nachdruck gebe». könne. Er beantrage gegen Dr. Steinhoff zwei, gegen Sohlich eine Woche Festungshast. Der Gerichtshof verurtheilte Dr. Steinhoff nach dein Antrage des Staatsanwalts, den Angeschuldigten Sohlich zu drei Tagen Festungshast. I» der Urtheilsverkündung hob der Vorsitzende hervor, daß der Zeuge Aronsohn der Mehrzahl der Mitgiieder des Gerichtehofes als ein Anwalt bekannt sei, welcher sich auf ruhige und sachliche Ausführungen beschränke. Wege» Vergehens gegen K 153 der Gewerbe-Ordnung (Aufforderung zur Betheilignng an einein Streik unter Anwendung einer Drohung) war der Maurer Hermann Georg Zaggert vom Schöffengericht zu zwei Woche» Gefängniß verurlheilt ivorden. Der Zentralverein der Maurer Deutschlands ist eine Bereinigung zur Erlangung günstigerer Lohnbediiigungen im Baugewerbe. Jm� Sommer d. I. ivurde bekaniltlich auf dem Baumarkte eine Agitation zur Erhöhung des Siuudenlohns von 55 ans 60 Pf. entfallet und einzelne Bauten ivnrdcn von Beaustragten der Maurergesellen. beobachtet. Am 23. Juli vormittags bemerkt« der Leiter eines Neubaues der Straße 30, daß der Angeklagte dort auf- und abging., Er soll nun zwei Maurergesellen, die dort in Arbeil treten wollte», von dieser Absicht abgehalten, ihnen vorgehalten habe», daß der erhöhte StiinDenlohil dort gar nicht gezahlt werde und die Drohung hiuzugeiügt habe»:„Wenn Ihr nach dem Bau hingeht, so werdet ihr ans dem Verbände heransgeschmiffe»." Das Schöffengericht war der Ansicht, daß dies nicht nur eine Ehrverletzung, sonder» auch eine recdlswidrige Drohung darstelle»ud i» solchem Vorgehen eine große Gefahr für das Berufsleben liege. Deshalb erfolgte die Ver- »rtheilmig zu Gefäiignißnrase. In Der gestrigen Verhandlung vor der Berusttiigsiiistaiiz erklärte der eine der i» Frage stehenden Maurer- gesellen, daß er aus freiem Antriebe Die Arbeit nicht an- gefangen, rveil er gehört habe, daß nur ein Stundenlohn von 55 Pf. gezahlt rverde. Der zweite der Gesellen ist inzwischen»ach auswärts verzogen. Der Slaatsamvalt hält eine kommissarische Vernehmung dieics Zeugen für nothwendig, Rechtsanwalt Dr. Herzfeld hielt dagegen eine Freisprechung schon aus rechtlichen Gründen' für geboten, weil nach seiner Meinung die Thatbestandsmerkniale dcZ§ 153 nicht erfüllt iverden durch den Hinweis„event. aus dem Zentralverein hinansgeschmissen zu werden." Der Gerichtshof ent- schied stch jedoch für eine Verlagnng der Verhandlung, um den ziveiten Zeugen noch zu vernehme». Eine Anklage wegen Sachbeschädigung führte gestern den Handelsmann S p i l k e r vor die 2. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hatte bei dem Rentier Joseph eine Wohnung in»e, in welcher er eine Dirne nnangemelbet beberbergte. Der Haus- ivirth legte sich mehrere Nächte ans die Lauer, n»d als er genügende Anhaltspunkte hatte, erwirkte er die polizeiliche Ausweisung der un- bequemen Mitmietherin ans seinem Hanse.'Aus NieDerlrächtigkeit haben die beiden dann sowohl die Kanuner, als auch de» Hänge- boden in geradezu kannibalischer Weise verunreinigt. Ei» pestilenzialischer Geruch zog mehrere Tage durch das Hauö und belästigte die Miether derart, daß sie aus gcsundheit- lichen Gründen auf die Abstellung dieses UebelstaiideS drangen. Die mephilischen Dünste kamen offensichtlich ans der Wohnung des Angeklagten und als der Wirlh und die Portierfran die letztere betrate», prallten sie entsetzt zurück, den» es zeigte sich, daß die beide» freundlichen Miether de» Fußboden sowohl der Kammer als anch des Hängebodens als Rieselfelder benutzt und daselbst geradezu erstaunliche Mengen UnrathZ aufgeschichtet halten. Die sorgfältigste Karbolreinignng hat nicht vermocht, den Gestank ganz z» vertreibe», außerdem hat das empörende Vorgehen des Angeklagten umfangreichere Reparaturarbeiten»olhwendig gemacht. Der Gerichtshof verurtheilte de» Angeklagten zu einem Monat Gefängniß. Ein- gleiche Strafe ist schon früher über die Theilnehmeri» an dieser Sachbeschädigung verhängt worden. Weil sie ihr Kind nicht vcrhnnger» lassen wollte, hatte die eheverlasiene Frau R. aus Reinickendorf gegen das Eigenthum gefrevelt. Die Frau wurde aus dem Zentralgesängniß in KoltbnS der ziveiten Strafkammer am Landgericht II vorgeführt. Die Un» glückliche trug dem. Gericht einen für ihren Geinüihszustand wie für die göitliche Weltordnung bezeich»e»de Bitte vor. Sie hat noch 1b Monat« wegen Betruges zu verbüßen und ivurde gestern noch weiterer drei vollendeter und zweier versuchter Belriigsfälle schuldig erachtet. Der Slaatsnnwalt beantragte zwei Jahre Gefängniß; die Angeklagte bat aber, diese Strafe in eine Zuchthaus» strafe u in z u w a n d e l n. Sie wolle lieber d i« schiverere, aber kürzere Znchlhansstraf« er« d u l d e n, w e i l s i e d a» n e h e r»' i e d e r z» i h r e m K i n h g I o IN m e. Dicse Bitte verfehlte ihre Wirkung nicht, zumal die?ln- geklagte die ihr zur Last gelegten Betrügereien nur degangen halte. n m N a h r u n g s m i t t e l f n r ihr hungerndes Kind zu schaffe n. Die Zlngeklagle ivnrde nicht ins Zuchthaus geschickt, dagegen wurden die Znsatzstrafen für die einzelne» Fälle auf das deutbar niedrigste Mast, nämlich ans s ü n s Monate Ge» f ä n g n i ß znsauiliieugerechnet. Zur Bchcrzigniig für HanSwirthe nild Hausverwalter. Ein kleines Vermögen soll der Gärtner Hermann Frisch bezahlen, iveil er in seiner Eigenschaft als Hausverwalter eine grobe Fahr- lässigkcit begangen bat. Derselbe stand gestern vor der zweiten Straskmnnier am Landgericht II. Frisch ist Verwalter der Geheim. rath Willniann'schen Häuser i» der Friedcnancrstrasie zu Schönebcrg. In dieser Eigeuschast lieh er im November v. I. eine Hausthürschwelie erneuern, unterlich es aber, die Anrampnna alsbald zn bewirken, so dah die nene Schivelle, die hoher lag als die alte, gewissermaßen in der Lust schivcbte. Tic in demselben Hanse wohnende Frau des Musterzeichners Leopold stürzte am Abend des 14. November über die betreffende Schwelle, sie brach sich den rechten Ellenbogen und hat fünf Bionale zn ihrer Heilung gebraucht. Jetzt ist ihre Erwerbsfahigkcil bei schwerer Arbeit um 40 pCl.. bei leichter Arbeit i»n 20 pCt vermindert. Tie arme Frau wurde von dem Unglück um so schwerer betroffen, als ihr Mann sich in der Irrenanstalt Herzberge befand und ihr Kind schiverkrank darnicderlag. Da der Angeklagte die gefährdete Stelle mit keinerlei Sicherheilsvorkehrung umgeben, sogar nicht einmal beleuchtet hatte, wurde er wegen der fahrlässigen Körperverletzung zu bv M. Geldstrafe und zur Zahlung einer Buhe an die Verletzte in Höhe von 30V0 M. verurtheilt. Wegen Beleidigung dcS LlmtSvorstcherS Schuiock in Schöneberg Halle sich heute der lllcdaktenr des ,. Schöneberger Tage- blatt", B. Laver renz, vor der zweiten Straskammer am Land- gericht II. zn verantworten. Der Amlsvorsteher Schmock hat vor einiger Zeit dem„Schöncberger Tageblatt" die aulllichen Nachrichten entzogen, obwohl dasselbe die Aufnahme ohne Entgelt bewerkstelligte, dagegen wurde dem.Schöneberger Wochenblatle" der Charakter eines amtlichen Organs gegeben und diesem wurde aus der Genieinde- lasse Honorar gezahlt.„Das„Schöneberger Tageblatt" hat dieses Borkoininuiß in einem Leitartikel besprochen»nd hat in demselben behauptet, daß der Verleger und Redakteur des „Schöneberger Wochenblattes", der einstige Gerichtsvollzieher A. Rind- fleisch, ein unmoralischer Mensch sei, der sich noch in neuerer Zeil mehrfacher Unterschlagungen schuldig gemacht habe. Der Amts- Vorsteher habe das Vorleben des Rindfleisch gekannt, habe aber das Blatt desselben subvenlionirt wegen seines Verhältnisses zu der Schwiegermutter des Rindfleisch, der Wittwe des Vorbesitzers, und um diese nicht der Gemeindc-Unterstützung anheimsalleu zu lassen. In diesen Ausführungen erblickte Herr Schmock eine Beleidigung und stellte Strafantrag. Der Gerichtshof erkannte aus 300 Mark Geldstrafe. Zu sechs Wochen Gcfängniß ist der Fischhändler Max von Goronbzielski aus Charlottcnburg gestern von der 2. Slraskamnier am Landgericht II verurtheilt worden, weil er verdorbene Flundern verkauft hatte. Vom häusliche« Herd des Bürgermeisters. AnS Rade- Vormwald wird berichtet: Die Klage der Elise H a b e r e r gegen den abgesetzten und flüchtigen Bürgermeister H ü s a e n vor derElberselderStrafkaminer endete iinWiederaufnahine- Verfahren mit der völligen gerichtlichen Wiederherstellung des s. Z. zu unrecht so tief verletzten Mädchens. Hüsgen erhielt bekanntlich s. Z. Katzeiiinufiken, weil die Haberer erzählt hatte, sie sei von Hüsgen in der Nacht zum 7. Juni ISSS und 2V. August desselben Jahres mit nnsitUichen Anträgen in ihrem Schlafziniiner, in dein außer ihr noch die neunjährige Tochter Hüsgens schlief(und zwar mit der Elise Haberer m deniselben Bette) verfolgt worden. Der Landfriedensbriichsprozeß fand Ende Januar d. I. statt. Vorher hatte aber HüSgen schon,„empört über die Verleuindnngen" der Elise Haberer, gegou letztere Strafantrag gestellt, und am 26. November». I. wurde dies», nachdem Hüsgen mit dreister Stirn ge» schworen hatte, daß sich daS Mädchen alles auS den Fingern gesogen habe, wegen übler Nachrede zu 30 M. Geldbuße verurtheilt. Nun- mehr drehte aber der Vater der Haberer den Spieß um, indem er Hüsgen wegen thätlicher Beleidigung der Elise Haberer verllagte. DaS Lenneper Schöffengericht, daS damals sich mit der Angelegen- heit zu befassen hatte, verurtheilte Hüsgen zu drei Monat Gefäiigniß. DaS Urtheil, das in dieser Verhandlung verlesen wurde, sagte, HüSgen sei mit„erdrückender Wucht" überführt worden. Im übrigen ging daraus hervor, daß HüSgen allen seinen Dienstmädchen schon nachgestellt halte, wenn sie erst vier Tage im Dienst waren; daß er in gleicher Weis« seine jetzt verheirathete Nichte verfolgt hatte, daß seine Frau das geduldet und gutgeheißen hatte, daß seine erst neunjährige Tochter, im Urlheile„Visiten- Engel" genannt. Fremden gegenüber die Reinheit selbst gewesen, zu Hanse aber Kenntnisse von den tollsten Dingen gehabt habe: daß ein Dienstmädchen sogar gegen seine, des Bürgermeisters Nachstellungen, den Schutz der Polizei nachgesucht habe; daß Hüsgen Zeugen be rinflußl habe, daß er stets die schlüpfrigsten Sachen und Zoten erzählt und einmal ans einer Festlichkeit ein Lied vorgetragen habe. daS den Rückzug aller anwesenden Damen zur Folge gehabt hatte. Nachdem Hüsgen durch seine Flucht den Verdacht des Meineids nur noch bestärkt hatte, stellte die Haberer durch Rechtsanwall Niemeyer Antrag auf Wiederaufnahme deS Verfahrens, dem auch stattgegeben wurde. In der Berhandlnng nun sprach die Straf kammer die Elise Haberer, ohne Zeugen vernommen zu haben und ohne zur Beralhiing abzutreten, frei und übernahm nicht allein die Koste» der Verlheidigiing, sondern auch die der Elise Haberer erwachsenen sonstigen baaren Auslagen, dem Antrage ihres Ver theidigers entsprechend, ans die Staatskasse. Ans Zwickan wird unS vom 22. Oktober berichtet: Wegen Vergehens ans grnnd der Novelle zum Erwerbs-»nd Wirthschafls geuössenschafts-Gesetz voni 12. August 1896, Z 146a, wurden die Restauratenre der Wirthschasten in Grundstücken des Konsnnivercins zu Schedewitz, W e n d l e r und G e o r g i vom hiesigen Landgericht zu je 60 M. Geldstrafe verurtheilt. Die Angeklagten, welche mlch nach dein I. Juni d. I. noch an Nichtmitglieder des Vereins Gel tränke verabreichten, wurden zuerst vom Schöffengericht und auf er hobenen Einspruch seitens der Staalsanwaltschafl auch vom Land gericht freigesprochen; das Oberlandesgericht hob aber das freü sprechende Urlheil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück, das auf grund der Direktive, welche das Oderlandesgericht in längerer Begründung gegebe», nun zur Verurtheilniig gelangte. Nnd abermals polizistische Priigelhelde». Das Landgericht Danzig hat am 18. Mai die Schntzlenle Lehman n I. und Seele ivegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung im Amte zu 6 bczw. 4 Monaten und den Schutzmann Hilpert wegen Körperverletzung im Amt« in zwei Fällen zn 6 Monaten Gefäiigniß verurtheilt. Zwei Studenten der Rechtswissenschaft, Dr. G und M., welche von einem Familienansfluge in etwas animirter Stimiiiuiig zurückgekehrt waren, unlerhielle» sich abends in den Straßen von Danzig damit, daß sie die Firmenschilder ins Englische übersetzten. Die beiden erstgenannten Schutzleute, von denen einer auch etwas Englisch versteht, mischten sich in diese Unterhalluiig nnd kamen bald mit de» Studenten in Konflikt. Schließlich verhafteten sie, gereizt durch den Widerspruch, der ihnen zu lheil wurde, die beiden Studenten, obwohl sich diese hinreichend legiliinirten. Sie tranZ- portirten dann die Herren, die sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht hallen,'unter Mißhandlungen nach dem Arrest- lokale. Dort hat der drille Angeklagte den Studenten M. zweimal mißhandelt. Erst um 6 Ulir morgens erhielten die Gefangenen ihre Freiheil wieder. Das Gericht hat bei der Strafabmessnn g die groß« Rohheil berücksichtigt, welche alle drei Angeklagten an den Tag ge- legt haben.— Die Revision der drei Schutzleu le, welche be- hanpleleu, nur nach ihrer Jnftruktion gehandelt zu haben K., wurde gestern vom Reichsgericht verworfen. Ein Schwurgericht ohne Klassenhast. AnS Winterthur wird uns berichtet: Am Morgen des IS. August wurde in der großen Winlerlhurer Maschinenfabrik von Gebrüder Snkzer der Mitbesitzer Ziegler von dem Hobler Joses Jolido» aus Belsort(Frankreich) mit einem Gleichmaß in die rechte Brustseite gestochen, so daß er sofort in ärztliche Behandlung genommen werden mußte, während der Arbeiter verhaftet wurde. Der Fall wäre für phantasievoNe und von verzehrendem, lödtlichcm Hasse gegen die Sozialdemokratie erfüllte Leute sehr geeignet gewesen, an alle Gutgesinnten zu einer Hetze gegen die genarnite Partei zn appelliren, allein hier geschah nichts derartiges nnd nicht einmal das Leiborgan der Fabrikanten machte den Versuch, de» Vorgang gegen die sozialdeniokratische Arbeiterschaft zn fuiklifiziren. Diese Woche fand nun vor dem Schwurgericht in Winterthur die Verhandlung gegen den„Fabrikanten-Altentäter" statt. Da stellte sich heraus, daß der Jolidon«in sehr nüchterner nnd ordentlicher Arbeiter, sowie ein inuslerbaster Familienvater ist, der seine Arbeit in der Fabrik stets zur Zufriedenheit nnsfnhrte, dagegen von seinem vorgesetzten Nieisler Merz, einem Streber ersten Ranges, der ihn nicht leiden mochte, chikanirt, ungerecht gebüßt und bei den Fabrikanten wiederholt angeschwärzt wurde, so daß er von der Maschin« weggenommen und zum Handlanger degradirt werde» sollte. Diese Strafversehttiig wollte am er- wähnten Morgen der Fabrikant Ziegler vornehnirii, dessen Befehl Jolidon nicht sofort gehorchte und ivobei er einer üblen Gewohndeit gemäß mit den Fingern vor den Augen Ziegler's heruuigestiknlirte, wodurch sich dieser bedroht fühlt« und dem Arbeiter die Hand h e r u n t e r s ch l n g. Daraufhin passirte nun der Unsall, über dessen näheren Hergang aber weder Ziegler noch Jolidon etwa? sagen konnten; nach der Darstellnng des letzteren scheint Ziegler einen Angriff auf Jolidon, der das Gleichmaß in der Hand hielt, beabsichtigt und beim Avaiiziereii ans Jolidon sich das Instrument selbst in die Brust ge- stoßen zu haben. Diesen Eindruck hatten offenbar auch die Ge- schivorenen, denn sie sprachen Jolidon frei, worüber nun die kapitalistischen Kreise sehr entrüstet sind und auf die Geschworenen wie die Rohrspatzen schimpfen. Seine Mitarbeiter in der Snlzer'schen Fabrik hallen während der Untersuchnngshast Jolidon's znr Unter- stützmig seiner Familie 860 Fr. gesammelt. VevfÄtttnrlungen. Eine öffentliche Korbmachcr-Vcrsammlnng, die nnter starker Belheiligung am 26. Oktober in den Arminhall«» tagt», nahm Sleltung zu dem Lohnabzug in der Kngelkorbbranche. Hauptsächlich handelte es sich»M die Firma Schlesinger. Den dort beschäftigten Korbmachern wurde am letzten Sonnabend eine Lobnreduklion von 60 Pf. pro Korb angekündigt. Bezüglich einer Arbeilsniederlegnng in dieser Werkstatt ivnrde eine eingehende Debatte gepflogen und ans der Mitte der Bersammlnug eine Reihe von Anträgen«in- gebracht. Zwei Anträge verlangten Wiedcreroberung des ursprüng- lichen Lohnsatzes von 6 M., einer dieser Anträge schlug zur Er- langung desselben den Generalstreik vor; beide Anträge wurden abgelehnt. Ein dritter Antrag verlangte Festsetzung des Lohnsatzes von 4,80 M.. nm welchen Lohn die Spandauer Korbmacher 14 Tage gekämpst hatten; dieser Antrag wurde gegen eine erhebliche Minorität abgelehnt, nnd stimmte die Versainmlnng schließlich solgendein Antrage mit überwiegender Majorität zu:„Ter Lohnsatz von 4,60 M. ist als Mindestlvbn definitiv sesizusetzen, denjenigen Kollegen. die nnter 4,60 Bt. pro Korb erhalten, z. B. den Kollegen von Schmidt, Zimmer und Starke ist aufzugeben, sofort an die betreffenden Firinciiinhaber mit der Forderung von 4,60 M. heranzutreten; bei Nichtbetvilligung ist die Arbeit sofort nieder- zulegen. Eämmtliche Kollegen erklären, die Streikenden thalkrästia zu unterstützen und zu diesem Zivccke unverzüglich pro Woche 3 Nt. zu steuern! Eine Resolnlion, die besagt, daß in einer Branchen- Versammlung der Korbmacher, die dein Holzarbeiier-Berband an- gehören, ebenfalls Stellung znr Regelung der Lohnfrage genommen werden solle, wurde abgelehnt. Die anwesenden Spandauer Korb- macher bekundeten Unznfriedenheit mit dem Resultat der Abstimmung; aus der Milte der Versammlung wurde das Abslininiuiigs-Ergebnisi über den dritten Antrag angezweifelt, vom Bureau der Versainmlnng auS jedoch nochmals dessen Ablehnung konstatirt. Den Spandaner wie auch einem Theil der Berliner Korbmacher wurde ernstlich zum Vorwurf gemacht, daß sie sich dem in letzter Versammlung gefaßten Beschlnsse. pro Woche 1 M. znr Streikunterstützung zu steuern, nicht gefügt hätte». Die Zahl derjenigen Korbmacher, die gegenwartig nnter 4,60 M. arbeiten, wurde ans 130 geschätzt; 62 von diesen waren in der Bersaminliing anwesend, ihnen wurde anbei»! gegeben, anderen Tages sofort ihre Milkollegcn zu einer Werkstallsitzung znsamnieiizitderufen, den Unler- nehmeru die aufgestellte Forderung durch Vertrauenspersonell unter- breiten zn lassen und das Resnltat am Mittwoch Abend dem Ver- lrauensmann der Korbmacher Berlins mitzutbeilen. Anzutreffen fei derselbe bei Stramm, Ritterstr. 123. Dost rügte, daß die Korb- macher bei diesem Schritt es unterlassen haben, sich vorher mit dem Holzarbeiter-Vcrband in Verbindung zu setzen, dem ein großer Theil der durch den angenommeuen Beschluß ausständig werdenden Korb- macher angehören und niiibiii ein großer Theil der zu tragenden Unterstützung zufalle. Die Bersaminluiig verlief zum Schluß ziemlich unruhig. Der Zcutralvcrein der Bnrean-Aiiaestcflten DontschlandS hielt am 21. d. M. seine zwei!« Mounisversammlung ab. Vor Ein- tritt in die TageSordiinug ehrten die Anwesenden das Andenken an den verstorbenen Reichstags-Abgeordneten Grillenberger durch Erheben von den Plätzen. Kollege Eichelhardt dielt einen Vov trag über„Rudolf II. von Habsburg und seine Zeit", welcher bei- fällig aufgenommen wurde. Bei der Diskussion wieS Casper speziell a»f die verschiedene Art nnd Weise der Geschichtsschreibung bin. Unter Verschiedenem wurde ans die am 9. November er. statt- findende öffentliche Versammlung hingewieseu und um recht zahl- reiche Belheiligung ersucht. Tie Freie Vereinigung der Zivil-BernfSmnsikcr hielt am IS. Oktober ihre ordentliche Mitgliedervirsammlung ab. Der Kasse» bericht für das 3. Quartal ergab: Bestand vom 2. Quartal 339.6l M., Einnahme 484,86 M., AuSgabe 386,32 M. Bestand vom 3. Quartal 439,14 M. Dem Kassirer wurde Dccharge«rtheilt. Den Bericht deS Arbeitsnachweises gab Böhm. Nach demselben wurden 316 Kollegen bei 60 Miisikgeschäften beschäftigt. Schlechte Ausfübrnng der Musik- geschäfte einzelner Kollegen, wodurch Differenzen mit den Bestellern entstanden, wurden verschiedentlich energisch gerügt. Znni Arbeits- nachiveisvorsteher wurde Böhm wiedergewählt. Unter Verschiedenem wurden die Mitglieder vom Vorstände ersucht, die Lokale anzugeben, wo Hauskapellen der Freien Vereinigung spielen, damit dieselben von den GewerkschasUu und Verelnen mehr berücksichtigt werden können. Tie hiesige Verwaltungsstelle des ZentralvercinS der Bildhauer hielt am 19. d. M. ihre ordentliche Gciiccalversammlung ab. Beim ersten Punkt wurde«i allgemein unliebsam«mpfnndeii, daß die Redaktion des„Vorwärts" und die Preßkommission seiner- zeit dem Gesuch des Vereins, aus dem„Vorwärts" die Inserate der Arbeitgeber im Arbeitsmarkt zu«ulfern«n, nicht nachgekomnien war. Schließlich wurde beschloffen, die Angelegenheit nochmals der Preß- komnlissio» zu unterbreiten.— Hiernach folgen die Vierteljahrs- berichte der Zentral- und Lokalkaffe. Für erster« betrugen die Ein- nahmen 6193,13 M.; Ausgaben: für Unterstützungen». an Streikend« 361 M.. d. an Arbeitslos« 2183 M.. o. solche auf der Reise 194,60 Mark. ck. an Kranke 286 M„-- 3014 M. Für Rechtsschutz wurden 61,13 M,. sür Slelleiivermittluiig 135 M. verausgabt. An die Hauptkaffe gingen 1160 M.. insgesammt init zurückbehaltenem Be- stand von 667.04 M, nnd sonstigen Ausgaben— 6193,13 M. De» Einnahmen der Lokalkasse von 1780,04 M. stehen Ausgaben von 1333,32 M. gegenüber. Bestand 426,72 M. Nach Eutlastuiig des Kasstrers wird auf das am 6, November im Böhmischen Branhans stattfindende Herbstfest hingewiesen. Zum Schluß weist R. Meyer aus die am 2. Weihnachtsfeiertage statifindende öffentliche Wander- versainmlnng für Berlin, Provinzen Brandenburg, Pommern zc. hin. Adressen von Kollegen kleinerer Städte und Zu- s ch r i f t« n für obige V e r s a in m l u n g sind an R.Meyer. Schlesifchestraße 36, I.Eingang III. zu richten. Näheres siehe„Bildhauer-Zeitung". FriedrichShagen. Am Sonnabend, den 23. Oktober, fand in; Lerche's Bürgersälen eine Parteiversammlung statt. Bor Eintritt in die Tagesorduung ehrte die Versammlung das Andenken des so plötzlich dahingeschiedenen Genossen Grillenberger in üblicher Weise. Alsdann erstattet Genosse Freiwald den Bericht über den Hamburger Parteitag. Nach einer kurzen Einleitung ging der Redner zu einer ziemlich«ingehenden Berichterstattung der wichtigen Tages- ordnung des Parteitages über. Die Wiedergabe der Ausführungen des Redners. der sich namentlich gegen die Schippelschen Aenßerungen über die Forderung der neuen Kanone», sowie über die Belheiligung an den bevorstehende» preußischen Landtagswahlen anssührlich äußerte, erübrigt sich, da durch die Berichterslaltmig deS „Vorwärls" und das inzwischen erschienelie Protokoll die gefaßten Beschlüsse allgemein bekannt sind. In der Disknssioii nahm als erster Redner Genosse P a a tz das Wort. Derselbe glaubt, daß der Charakter des diesjährigen Parteitages ein besserer gewesen sei als bisher, indem sich die Mehrzahl der Parteigenossen von dein gewifferniaßen bevorimmdende» Einwirken unserer Hauptsührer freigemacht und die Beschlüsse mehr nach ihrer eigenen Ueberzeugung gefaßt hätten. Den Vorwurf, daß die Vertrauenslente zn viel Geld am Ort« behielten und z» wenig an die Parlcikasse abführten, hält der Redner für ungerechtferligt; eS ist ein gutes Recht der einzelne» Orte, sich so selbständig wie möglich in bezug a»f Geldaiigeleqenheiten z» machen, damit die Genossen nicht genöthigt seien, bei eintretendem Geldbedarf für Agitation je. sich a» die Hanplkasse zu wenden. Redner wendete sich dann gegen den Leiter der Vorivärts-Buchhandlnng und lrilisirl sein Benehme» gegen den Genossen Hoffmann. Im andern Falle könne man aber auch nicht umhin, das Verhalten des Genoffen Hofsmann auf daS entschiedenste zu verurtdeilen. Der Parteitag sei keine Theater- bühne, aus der die Delegirten ihre Flausen vortragen dürfen. Zum Fall Schippe! meint Redner, daß die Angelegenheit denn doch nicht so einfacher nnd unschuldiger Natur sei, wie sie von verschiedene» Seilen dargelegt wird. Die Bewilligung deS warmen Abend- broteS für die Soldaten habe mit derjenigen neuer Ka- nonen nichts zu thu», ein solcher Vergleich hinkt. WaS die Betheiligung an den Landtagswahlen betrifft, so steht den ein- zelnen Kreisen srci, ob sie sich an den Wahle» betheiligen wollen oder nicht; leider ist vom Genossen Bebel der Beschluß dahin ans- gelegt worden, daß die großen Städte verpflichtet wären, sich für Betheilignug zn erklären. An der weiteren Diskussion belheitigten sich noch die GenoffeiiHeyfelder und Sonnenbiirg. Dieselben äußern sich zum theil in ähnlichem Siiine wie Paatz. S o n n e n b u r g nimmt Fischer gegenüber den Angriffe» Paatz' in Schutz: derselbe thue doch auch seine Pflicht. Hierauf wurde eine Resoliilion angenommen, in welcher sich die Versaniniellen mit dem Verhalten der Delegirten des Nieder- Barnimer Kreises ans dem Hamburger Parteitag« einverstanden erklärt. Sodann gab der bisherig« VertranenSmanli den Jahresbericht. Derselbe ergiebt eine Einnahme von 620,70 M., der eine Ausgabe von 456,06 M. gegenübersteht. Durch unseren Vertrauensmann sind sür den hiesigen Ort fünf Volksversammlungen einbernfen worden, außerdem je eine in Neu- Rahnsdorf nnd Rüdersdorf. Ans Listen zum vorjährigen Parteitag wurden 93,76 M., für die Hamburger Hafenarbeiter 223,76 M. im hiesigen Orte gesammelt. Als Revisoren ivnhli« die Versammlung Barth. Heyfeldcr und 31 o s e. Da der bisherig« Vertrauens- inanii, Genosse Paatz, welcher daS Amt bereits zwei Jahre be- kleidete, eine Wiederwvhl ablehnte, wurde für das nächste Jahr Kja r l Grau zum VertraneiiSinann gewählt. Nach einem Bericht der Lokalkominisnon wurde die Ncuwabl vollzogen, die ans die Genossen Mertens, Hinze, Hübner siel.— Genoff« Schmidt ersucht die Anivesendeu, sich an den Sammlungen für die englischen Maschinenbancr zu betheiligen.— Genosse Barth richtete zum Schluß an die Parteigenossen einen warmen Appell, mit allen Kräfien dahin zn wirken, daß ein jeder sein Theil zur Aufbringung der bei den bevorstehenden Wahlen, insbesondere den öteichstagswahlen, erforderlichen Geldmittel beiträgt. Vmflmsten der Redakkwn. wir dl»««, del I-der slnpaee«Ine»hlflr« tzw«! BuchNab«» oder«ine gayl) oniniaebe»,»liier der die eimworl erihell! werde» toll. Tie juristische Sprechstunde findet Montag, Tienstag«nd Gonnabeud Zlbcud von 6 bis 8 Ilhr statt. L. R. 100. Da niiisseu Sic die Aufgeber und Bezahler de? Inserats fragen, sür uns lag lein Anlaß vor, die Ausuahnie des JuseratS abzulehnen. I» dem Bund der Lottcrle-Berclne können wir beim besten Witten keine gute Sache erblicken, solltcii sich Parteigenaflen zu solchem Mumpitz zu- sammeuftnde», sa kömieii wir das nur sehr bedauern. Sch. W. 97a. Wird gelegentlich verwendet werden. ES. E. Die städtische Fachschule sür Tischler, Krautstr. 49. WitternngSIlbrrslcki» vom 26. Oktober 1807. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 27. Oktober 1807. Ruhig und kühl, zeiliveise auskläreud, vorwiegend neblig, oh»« wesenlliche Niederschläge. Berliner Wetterb n renn. ArbeitMlirkt. Achtung! Achtung! Holzarbeiter! In der Möbetfabrik von LderKsi'lit.Michatlbrijlkel, Komptolr HolzmarNstr. 21, haben »6 Tischler, 6 Drechsler mid 26 Polircr Differenzen wegen die Arbeit nieder- z«z«j ist fmlzilhliltcn. Möbelpolirer! Bei Eberhard, Michael- brücke 1 und bei Wenkel Nachf., B e s s e l st r. 14, sind Differenzen ausgebrochen. Um Zuzug fernzuhalten, ersucht 1148/16 Die Fachkommission d.Berbandes. Farbigmacher verlangt E. Beer, Rixdorf, Prinz Handjerystraße 73. Tüchtige«erfilbcrer sucht Werk- meistcr, Brunncnstr. 194. 14756 1 Silberschleifer verlangt 14936 Welchhnrdt, Ritterstr. 73. Korbmachergesellen verlangt A. Malz n.Eo., Weinbergsweg 11 b. WerkxeasschloHscr, der längere Zeit auf Mechanttknöpfe gearbeitet hat, verlangt Paul Hltbner, MarkuSstr. 4 aus Mädchenmäntel und Jackets, im Haus«, Verl. Lambrecht, Rpkestr. 4, IV. Einsehr geübt Papier-Zuschneider aus KartonS bei hohem Lohn und dauernder Stelle verlangt. Offerten unter X.» nimmt die Exped. entgegen. Lehrmädchen aus Katton- Arbeit sucht Wichert, Gerichtstr. 20. s1487d Bllderrnhmenmacher w. verlangt Kottbuser Ufer 32. s1483b Baroquerahmen-Bergolder und Farbigmachcr w. Verl. Kottb.Ufer 32. Hahmenkrttprer sofort Verl. Wasserthorstr. 46. sI48Sb Tüchtiger Bilderglaser sofort Verl. Wasserthorstr. 46. s1486b lOanrerpoller, tüchtig und erfahren in Tiesfundiruug (Käftenfenlen) m. guten Empfehlungen, aber nur ein solcher, laiin sich melden bei R a m l a u, Bernburäerstr. 22» pari. rechtS(bis 19 u. ö—<). 1488d Wlilü! Maurer. Donnerstag, den Ä8. Oktober 1897, abends 8 Uhr, bei Cohn, Benthstratze ÄUjÄÄ: VetteMeKe Asurer-Verssmmlullg. Tages-Ordnung: 1. DaS Verhalten einzelner Unternehmer betreffs des Lohnes, und wie wurde dieses von der Kollegen- schaft zurückgewiesen. 2. DiSknision. 3. Gewerkschaftliches. Laut VersaminlniigSbcschlnh werden die Versanirnlimgen von jetzt ad Punkt 8 Uhr eröffnet, und ersuchen wir die Kollegen, pünktlich und zahlreich zu erscheine». 293/13 Die Lohnkommlsslo». Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Bcpltn.) eneral 1 ersaiiiniluiig SC* Heute, MZittwoch, den 27. Oktober, abends 8'/, Uhr. in den Andreas Festfälen, Zlndreasstrasie 2t. T a g e S- O r d n u» g: Kassenbericht vom 3. Quartal. Bericht des Vorstandes und der Bezirks- lcitcr. Bericht dcS MbeitSvermittlerS und der Werkstatt-Koutrolkkommisflon. Wahl eines Schriftführers und eines AnsschnfzmitgltedeS. Anträge, Ber- bandSaugelegenheitc». Ohne Ntitglirdsbnch kein eintritt. Um zahlreiches und piinltliches Erscheinen ersucht RXHün Dir Ortsverioaltuug. Donnerstag, den 28. Oktober t8i)7. abendS«>/- Uhr, in de» �»Slrininhalten«. Äoinmaudanienstr. Nr. 2t>: Brattchcnversammlttttg der Korbmacher. TageS-Ordnnng: t. Die Vertretung nnferer Branche im Holzarvelter-Berband und Wahl einer Kominiffion. 2. Die Abzüge in der Kugelkorb-Branche und nufere Stellungnahme hierzu. 3. Verschiedenes und Branchen-?!»- gelcgcnhciten. 288/1 Wür englische Maschincnbaner gingen ans dem Arbeits- Nachweis. Anncnstr. 39, folgende Zteträge ein: Möbelfabrik Kluge, Yruchlstr. 32 23,40. Parkettbodenbranche 50.—. Tischlerei'Arndt,'Adalbertgr. 82 2,30. Drechslerei Bredo, Schönhauser Allee 107«. b.vä. Tischlereien: Wusterbarth ». Sohn, Sllte Jakobsir. 132 10.-. I. C. Pfaff, Saal I, Zenghofstr. 3 18,70. Becker, Oranienstr. 189 9,85. Hinze, Schinkesir. 8/9 5,10. Nielsen, Wrangclstr. 107 2,50. Blilow, Grimmstr. 7 4,35. W. Gnrisch, Rüders- dorferstrahe 48 0,—. Unrau 4,90. Wegeleben, Andrcasstr. 32 3,50. Gebr. Schaar, Chansseestr. 39 12,45. Schubert, KastanUn-Allee 14 9,70. Stabero, Pankow, Kreutzstr. 8 2,10. Rah», durch Rasfeit, Bnmnenftr. 193 17,—. Knopffabrik Fischer, Kurstr. 38 4,30. Tischlereien: Hoob, Admiralstr. 13 11,25. Philipp, Köpnickerstr. 154!>. 4,85. Sawahlh, Belle-Alliancestr. 84 3,—. Wtcbr, Friedensir. 47 3,05.?lppclt, Reicheubergerstr. 103 10,85. Pianosortcfabrik Pfeifer, Waffergnsse4(1. Rate) 15,40. Pianosortcfabrik Hirschfeld, Eisenbahn- straffe 19(1. Rate) 17,40. Tischlereien: Simon, Skalitzerstr. 10 8,10. Pecge, Riidcrsdorferstr. 48 4,25. Noster, Alte Jakobstr. 134 4,30. Tbieinann, Mitten- waldcrstraffe 17 4,—. Wenier, Lanaostr. 91 5,90. Tefchinaun, Friedenstr. 47 3,—. Möbelfabrik Kümmel, Gr. Franksurterstr. 13(außer den Möbelpolircm) und Friichtstr. 37, 3. Saal 43,70. Tischlereien: ElSholz, Krantstr. 52 5,40. Voigt, Wcbcrstr. 3 5,—. Wetzer, DreSdenerstr. 2 8,25. Kurth, Neue Hochstraffe 7,30. Möbelkabrik Bach n. Kopitz, KönigSbergerstr. 30(außer 12 Mann Saal 1) 12,20. Tischlerei Jarksohn, Frnchtstraßc 25 4,50. Möbeltischlerei Gebr. Geisler nebst Budiker 10,90. Tischlereien: Werth, Gleditzfchstr. 23 3,30. Posttzki u. Wolf, Statisch reiberstr. 28 5,50. CoustoiS, Schwedterstr. 258 3,55, Drechslerei Marzahn, Bergmannstr.»1 4,70. Ueberschuff beim Skat bei Bertels, Urkvnaplatz 2,30. Tischlereien: Detert, Fruchtstr. 32 2,30. Krause u. Corilla u. Co., KönigSbergerstraffe 3,75. Bester, Friedenftraffe 33 4,—. Fcldmann n. Wegner, Bellealliauccstr. 84 10,90. Zöllner u. Plathcn, Königs- bergeistr. 23—27 25,90. Pianofortefabrik Wagner U. Co., Frankfurter Allee 47 19,40. Tischlerei Wohler u. Schwab, Gr. Fraiikfurterstr. 13 11,30. Einige Bautischler, Puttbuserstr. 19 3,90. Tischler und Maler, Flatow, Audreasslr. 21 3,85. Tischlereien: Schrcppe u Ritter, Admiralstr. 18c 6,75. Keiupau, Wrangclstr. 28 7,30. Saub ii. Franz, Feilnerstr. 2 5,60. Achtung! Klempner. Achtung! Donnerstag, den 28. Oktober 1897, abends 8>', Uhr i Versammlung"HW für hie Mitglieder der Lrtö-Krankenkiljse der Kleiner im Lokal von vaiin, BeulHstr. Rr. 20/21, 1 Dr. Tagesordnung: 1. Abrechnung über die zu den letzten Delegirtenwahlen gesammelten Gelder. 2. Ist die freie tzlrztwahl in den Krankenkassen durchführbar? Referent: Genosse Dt*. Heymann. 3. Dislusstou. 4. Stellungnahme zu den bevorstehenden Delegirtenwahlen, event. Ansstelluiig einer Kandidaten- liste. 5. Berschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Zahlreichen Besuch erwartet Die freiwillige örommisston. KB. Diejciligeii Kollegen, welche gewillt sind, sich als Kandidaten ans- stellen zu lassen, werden ersucht, ihr Krniikenkaffen-Bnch, oder wenigstens die Nummer desselben, soioie ihre Legitimatioil als organisirte Arbeiter mit- zubringen. 1482b WWWWSWMWWWIWWUWWWWWWIIIWWWMWW�! Dentsch. lVletallarheiter-Verhand kVei'n'altnn�antelle Neri In)... Donnerstag, den 28. Ottober IHÜ7, abendS 8 NHr i llfauriicuwcvrnmntlitua der Mechaniker, Uhrmacher und verw. Dernfsgen. im Lokale von Feucmtoln, Alte Jatobstr. 75. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Georg Wngner über:.Der tnter naiionale Arbeiterschutz-Longrcb in Zürich". 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Kollegen der Gasnieffer-Abtheilnng der«igllschen Gasanstalt find hierzu besonders eingeladen. 131/17_ Die OrtSverwaltung. Zentral-Verbaitd der Töpfer und Ziegler Detttfchlands (Filiale Berlin). Nachdem die Ueverführuiig der Bibliothek stattgefimden und eine genaue Sichtung der Bücher stattfinden muß, ersticht Unterzeichneter dtejenigen Kollegen, die noch im Best, von Büchern sind, fie bis zum Sonnabend, den 30. d. M. abzuliefern. 196/17 Die Ortsverwaltnng. I. A.: A. Thiele, Ttlfiterstr. 80. Ach"»-! Schuhmacher. Mittwoch, den 27. Oktober, abend* 8(Ihr, Im Lokal„KOnlgabnnk", Gr. Frankfarterntr. X«. 117: Grosse öffentliche M Schlchlttacher- Versammlung. TageSordniing: 1. Der Streik bei der Ringfirma Simon uiC o. 2. Dtskiission. 3. Berschiedenes. 188/17 Kollege», bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eZ Pflicht aller, zu erscheinen._ Im Auftrage der AgitattonS-Kommisfion. Tttglleb von 7 llhr morgens bis 6 Uhr abends: Verkittts frisch gek. jchiv. perls.«»d fiiia. Fleisches. Rtiidfl-isch.... pro Pfd. von 30 Pf an, Schiodiiesleisch..„40 Pf.[2905L* Verwaltung der Koclianstalt Städt. Sclilaclithof Orts Krankenkasse deS Töpfer-Gewerbes gn Berlin. Donnerstag, den 4. November 1897, abends 6 Uhr, im Lokale des Herrn R ö l l i g, Siosenthalerstr. 11/12: Vrdeilts.lSenerslversammlilng der Mitglieder (Arbeitgeber und Arbeitnehmer). T a g e s o r d n u n a: 1. Neil- bezw. Ersatzwahl derDelegirten (z 47 des Statuts, 21 Arbeitgeber. 38 Arbeitnehmer). 2. Antrage zur Generalversammlung. Donnerstag, den 4. November 1897, abends 8 Uhr, im Lokale des Herni ?! ö l l i g, Rofenthalerftr. 11/12: Ndentl.Ceiiernlversinuililinlg der Delegirte» (Arbeitgeber und Arbeitnehmer). T a g e S v r d ii n n g: 1. Neu- bezw. Ersatzwahl deS Vor- stnndeS(2 Arbeitgeber, 4 tzlrbeit- nehmer). 2. Wahl deS Ausschusses zur Prüfung der Rrchming pro 1897. 3. Beschlnßfassiuig über den Vertrag mit dem?>crein der sreigewählten Kassen-Aerzt« pro 1898. 4. Statiiteiiandcrnng(HA 1—38, spez. HA 2, 13. 14, 19, 27 und 28). 5. Bericht über den derzeitigen Stand der Zenti alisatio» der Orts-Kranleu- kaffen Berlins und der Vororte. 3. Antrüge von Mitgliedern. 201/5 Ter Borstand. ünterstötzungsverein d. Kupferschmiede Dtschlds. Filiale Berlin. Sanuabcnd, den 39. Oktober 1897 in Feind'* Salon, Wciiistr. 11: ausserordentliche Teron Die Versammlung begtimt Punkt 9 Uhr. 99/18 Her Vorstand. Dir Bekanntmachung der Stock- arbettcr tn Nr. 250 des„BoriolirtS" könnte den Anschein erwecken, als ob es meinerseits böse Absicht gewesen wäre, de» Herren uieinen Saal vorzu- enthalten. Dem ist nicht so, vielmehr muffte die für mich unangenehme Ab- sage erfolge», weil ich vorher am gc- nannten Tage nietncii Saal ander- wellig vergeben hatte, was leider durch einen Arrthui« in meinen Büchern nicht vermerkt war. Sobald ich den Jrrthnm bemerkt«, habe ich de» Herren vom Vorstand der Stockarbetter Mit- tbeilung gemacht»ud auch einen kleineren Saal angeboten. Sclbstver- ständlich stehen meine Säle zu Ber- fammlungen und Bergiiügiingcn den Arbeitern nach wie vor zur Verfügung. liarl Ktccbcrt, AiidreaS-Feftiäle, Andreasstr. 21. Tauzlehrervereiilsölidttität. Sihnttg seden Freitag bei Stabernack, Jnsclstr. 10. Bitte Bestellungen mir dorthin nnd an Unterzeichneten zu richten. 200/5 Hieb. Hartmann. Vorsitzender, __ Schönhauser Allee 33._ Srwidcrnng. Erkläre hierdurch, daff ich an den Verein Freiheit III keinerlei Verpfitchtmigeii habe und be- trachte die gestrige Aiifsordernna nur als einen Alt peribiilicher Gehässigleit. Hermann Bretag, Schlosser, Neu- Weiffensec, Krvnprinzenstrahc 2. Vereinszmmec z. vcrg. Sophienstr. 5, Jmmenborf. Jiih.: Nrnat Grllnder G7" Köpnickerstr., sie 199."MW ?srn!>prsclicr L.rnd VII 39. Taglich: Gro»»er Hall. EntrSe r Herren 50 Pf. Garderobe/ Damen 25 Pf. Achtung! 4 Säle zu Berfa, niiilung«» und BerrinS- Festlichkeiten. s3094L» Alersliderstr.Z7v(�»1. w Saal frei für Vereins- Festlichkeiten 3213L» Herg»tra**e 12. JohannlsbMmeln 'jio Üterwelngla* JQ Pf. Eugen Neumann d Co., Obst- und Beeronweinkolterei. Damit ein geehrtes Publikum sich von der Güte und Vorzüglichkeit unserer Fruchtweine überzeugen kann, haben wir einen Ausschank errichtet und zwar Kommandantenstr. 67. irbeiter-Bildungs-SehuIe! Der TTuterricht in der Recbtsknnde muss am 29. d. Mts. ausfallen, weil ich verhindert bin. 6/12 Wolfgang Heine, Bechtsanwalt, Herbstfest der Bildhauer Böhmisches Brauhaus, LaMeiM Allee 11-13, Sonttabcnd, den 0. November 1897. Anfang 8 Uhr. Eintrittspreis inkl. Tanz 9,59 M. WtiffitfmiildMt« Konzert: Nene Berliner Sinfouie-Kapelle.— Gesang: Doppelgiiartelt„Harmonie".— Solisten: Herr königl. Sänger Th. Schcer. Herr Knöpke, Cello. Herr Rhein, Piston. Eine tolle Zlorhk. KommcrSposse in 1 Alt von H. Dnpont. Mnslkalisch'hnmoristische Borträge von bekannten Kollegen. DM- Rauchen»erbeten."96 BilletS geben ab: O.Meyer, Engelufer 2b 4Tr.; Trantvetter, Kraut- straffe 28: Stötzcr, Jvfephstr. 10, 2 Tr., Noark, MnSknucrstr. 48, 2 Tr.; Prahm, LandSbergeiftr. 120; Restaurant Kappifch, Palliiadenftr. 77; Restaur. Patsch, Adalbertstr. 82; Restanr. Kemmerich, Nortstr. 32. Diese Annonce erscheint nur einmal. 39/10 Hl« Vergniignngskoniniisnion. Mliug! Rixhorf. Aditllllg! Mittwoch, den 27. Oktober, abends 8 Uhr. in Grübler'» !8nlon, Bergstraste Nr. 147: Oeffentliche sozialdemokratische Partei- Versammlung. TageS-Ordnnng: 1. Berichterstattung vom Parteitag. Referent Reichstag?- Abgeordneter Frlt« Zubell. 2. DiSluffiO». 3. Berichterstattung über die Paricifpedition. 4. Bericht und Neuwahl der Vertrauens- mliiiner, der ZeitnugSkammisflon und der Loknlkominission. Pflicht eineS jeden Parteigenossen ist es, pünltlich zu erscheinen. 205/19 Her Yertranensmann. Miibel»»d stolftttiuanttn Franz Tulzauer, ♦Vr V VVF xischlcruieister. Herlln SW., Bliicherstr. 14. 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Hanibnrger Parteitages hiernber zu einein vorlänfigcn Abschlich führten, nöthigen, ähnliche Borgänge in der Partei genau zu verfolgen. Im Großherzoglhnm Baden handelt es sich bei den bevor- stehenden Landtagsivahlen darum, die schon Jahrzehnte dauernde Herrschaft der Nationalliberalen zu brechen. Sozialdemolialie, Demokratie, Zenlrum»nd Freisiunige haben bisher den Ber- such gemacht, dies zu vollbringen, aber„och ist es ihnen nicht gelungen, denn das herrschende indirekte Wnblsiislem in Verbindung mit der Wahlkrciseinlheilung und dem Einfluß der Staalsbcamten verhinderle dieses. Jndeß haben sich die Verhältnisse so gestallet, daß die erwähnlen Oppositionsparlcien im gegenivärligcn Landtag fast die Hälfte der Kammer bildete». Eine Veränderung des Elimmen- verhälluisses in der Eeslalt, daß die Opposition noch 2 Mandate gewinnt, verwandelt die nationalliberal-Ionservalive Mehrheit in eine Minderheit, und ist diese beseitigt, so besteht die Hoffnung, daß alsdann auch das jetzige indirekte Wahlsysteni durch Einsiihrnng des allgeiiieinen gleiche», direkten Wahlrechts, für das die gesainiiite Opposition eintritt, ersetzt wird. Die Entscheidung über de» Sturz der bisherigen Mehrheit hängt in erster Linie vv» dem Wahlresullat i» der Landeshaupisladl, in Karlsruhe, ab, wo die Naiionalliberale» bisher eine sichere Mehr- heil gegenüber jeder aubcren Parle! hatlcn. Vereinigen sich dagegen die Opposilion-parreien. so ist es voraussichtlich um die National- liberalen geschehen, sie unterliegen. Um letzleres herbeizuführen, verhandelten schon seit längerer Zeit Eozialdeinolraleu. Deinokrale» und Freisinnige über ein Bnndniß ans der Basis, daß jede der genannte» Parteien einen Kandidalen aufstelle» solle, die alsdann die Anhänger aller drei Parleie» geuieiusam zu wählen hällc». Unser« Parleigenosse» er- klärten sich aber gegen einen solche» Vorschlag, iveil sie nach den Nationalliberale» die stärkste Partei bei den Landlagswahlc» sind; sie verlangten zwei von de» drei anfzuslellende» Kandidatcn, der dritte soll« der Volksparlei zufallen. Auf dieser Basis haben sich schließlich diese beiden Parteien geeinigt und sind geineinsam i» den Wahlkainpf eingetreten. Neuerdings haben sied aber die Frei- sinnigen dem Bündniß insofern angeschlossen, als sie einstimmig beschlossen, die sozialdemokratische» und vollsparteilichen Kandidalen zu unterstützen, um auf diese Weise die nalionailiberale Mehrheit zn stürzen. Die Gerechtigkeit gebietet, dieses Verhalten der Freisinnigen anzuerkennen. Wie das in Karlsruhe ebenfalls in betraflit kommende Zentrum stimmen wird, darüber ist offiziell nichts bekannt. Von seinem Ver- halte» hängt wahrscheinlich der Sieg der einen oder andern Seite ab. Seine Leiter, die„klug rvie die Schlangen" sind, habe» es bis- ber vermieden, offen Farbe zu bekennen; aber die Wahrscheinliebkeil besteht, daß die katholischen Wähler, vor die Wahl gestellt, einem knUlirkänipferischc», untcrdrückungssüchtigen Nationalliberale» oder einem ff-j-j- Sozialdemokraten die Stimme zn geben, sich für letzteres cnlscheide». Der Wahllag wird über diese Frage Klarheit bringe». Eine Niederlage der Nationalliberalen in der Hauptstadt des badisäien Landes wäre auch noch deshalb besonders zn wünschen, weil nächst dem Kaiser es am meisten der Großherzog von Baden ist, der bei jeder Gelegenheit seine Reden gegen unsere Partei richtet und zu ihrer Bekämpfung auffordert. I» dem Baden benachbarten Württemberg beschäftigt im Augenblick«ine ähnliche Frag« die Gemülher eines Theilcs unserer dortigen Genoffen. Es handelt sich um die bevorstehende Gemeinde- ralhswahl in Stuttgart. Auf dem Stuttgarter Rathhaus kommnndiren die natiouallibcralen konservativen Mucker, unter dem Namen deutsche Partei. Sozialdemokraten und Volks- Partei haben, jede Partei auf eigene Faust, bisher vergeblich Anstrengungen gemacht, daS Muckerreximent zn stürzen. Frühere Angebote der Volkspartei. mit unseren Parteigenoffen gemeinsame Sache ,nm Sturze der herrschenden Parier zu machen, wurde» von diesen abgewiesen. Allein die Ueberzeugung. daß auf absehbare Zeit keine der Oppositionsparteien stark genug ist, für sich allein mit dem Gegner fertig zu werde», hat schließlich einen Eiiininungs- Umschlag bei unseren Genoffen erzeugt, wie solgeude Verhandlung zeigt, die in der Parteiversammlung am 20. Ollober stattfand und über die unser Stuttgarter Parteiorgan„Schwäbische Tagivacht" berichtet. Genosse Kloß war Berichterstatter. Nachdem er auseinander- gesetzt, was für wichtige Aufgaben Arbeitervertreter im Sinitgarler Rathhaus zu erfülle» hätten, die aber durch das jetzt herrschende Regiment»uiiials erfüllt würden, fährt er nach dem Bericht der , Schwäbischen Tagwacht" also fort: „Die bisherigen Wahlergebnisse hätten aber gezeigt, daß die Sozialdemokratie in absehbarer Zeit kein« Aussicht habe, mit einem reinen Stimmzettel eine Vertretung zu erlangen. Ter agitatorische Gesichtspunkt komme bei der Gcmeiiideralhswahl nicht in betracht, es handle sich nur um die Frage, wolle man eine Vertretung er- langen oder nicht. Seitens der Volkspartei sei bereits das Anerbieten gemacht worden, mit uns einige Namen auszutauschen, es handle sich nur um zwei oder drei; jeder Partei bleibe freilich daS Recht vorbehalten, die Namen ihrer Austausch- sowie ihrer sonstigen Kandidalen selbständig zn bestimme». Von einem Kompromiß im landläufigen Sinne des Wortes könne bei einem solchen Namensauslausch nicht gesprochen werde», denn keine der bctheiligle» Parteien gebe irgend eine ihrer Forde- ruiige» auf. Man solle die Frage in Erwägung ziehe», ob man eine Vertretung haben wolle oder nicht; beantivorle man die Frage mit Ja, so sei der Namensauslausch mit der Volkspartei der einzig mögliche Weg. Auf einen geuieinsamen Zettel mit je S Name» wolle sich die Volkspartei nicht einlassen und es habe dieser Stand- punkt auch insofern etwas für sich, alS man mit getrennte» Partei- zetteln wenigstens die Stimme» der Parteien zählen könne. In eingehender sachlich geführter Debatte wurden sodann die berührten Gesichtspunkte noch des weiteren ausgesponnen. Einige Redner vertraien de» Standpunkt, wenn man mit der Volksparlei einmal ein Abkommen treffen wolle, so sei es doch richtiger, einen gemeinsamen Zettel, zu dem jede Partei die Hälfte der Namen stelle, auszustellen. Wenn man so gemeinsam die Mehrheit der Stimmen erlange, so sei doch wenigstens dem dentschpaileilich-konservativen Muckerregiment gleich eine stattliche Anzahl Sitze entrissen. Die Vlehrheit der Redner war dagegen der Älnsicht, daß ei» Zettel, auf dem nur einige Kandidaten ausgetauscht werden, mehr Aussicht habe, weil bei de» Gcmeindewahle» der Parteistandpunkl nicht so sehr hervorgekehrt werden könne, wie bei poliiischen Wahlen. Ans diesem Wege könne mit ziemlicher Sicherheit eine sozialdemokratische Vertretung ans dem stlathhanse erreicht werde». Werde dann künflig mit Ausdauer weiter gekämpft, so gelinge es auch in absehbarer Zeit, das Muckerreginient gänzlich z» bcsrUigen. In der Abstimmung wurde zunächst die Frage enlschiede», ob über- Haupt ein Abkommen mit der Vollsparlei getroffen werden solle. Mit übergroßer Mehrheit entschied sich die Versammlung dafür. Der Vorstand wurde sodann bennflragt, mit der Volkspaiici in Verbindung zu treten, um möglichst drei, mindestens aber zrvci Name» gegenseitig auszntauschen. Die Ernennung der Kandidaten erfolgt in der nächsten Parteiverfammlnug." Die Partei wsid mit Interesse der weiteren Entwickelung dieser Vorgänge entgegensehen. Versrnrnnluttürn. Tie Stadtberordiictoulvahlc» in Schvncbcrg wurden in einer am Montag in der Sehlosibrauerei abgehaltenen Versammlung besprochen. Das Referat hatte Genosse Bebel übernommen, und war der Besuch der Versammlung ein>» mein zahlreicher. Mehr als tausend Personen füllten den nicht sehr geräumige» Saal. Bebel schickte seinein Vortrage die Bemerkimg voraus, daß er erst kurze Zeit, von der noch ein belrächtlicher Theil ans Reisen entfalle, in Schöncberg Ivohne. Er habe daher noch keine Gelegenheit gehabt, sich über die lokalen Verhältnisse zn insoriniren und könne also auch nicht über die Schöinberger Geuiciude- Angelegenheiten im besonderen sprechen. Der Redner er- örterle dann in nahezu zweistündigem Vortrage unter lebhastcm Beifall seiner Zuhörer die Gründe, welche die Aibeiter veranlassen müssen, trotz der Sdiwierigkeiie» und der geringen Anssichten, welch? das Dreiklnssen-Wahlsyslem ihneii bietet, Vertreter aus ihren eigenen Reihen in die Sladlvcrordnctcn-Veisainmlung zu entsenden. Zwar sei den Besitzenden unter der Herrschaft des gegenwärtigen Wahl- Verfahrens in jedem Falle die Majorität gesichert. Die Vorschrift, daß auch von den in der dritte» Abtheilnng zn wählenden Vertretern die Hälfte Hausbesitzer sein müsse», und solch« sich natürlich unter den Schöueberger Ar- beilern nicht befinden, eröffne unsere» Parteigenosse» nur die Aus- ficht auf die Hälfte der Mandate der dritten Abtheilnng. Das dürfe aber die sozialistischen Arbeiter nicht hindern, init aller Kraft in den Wahlkainpf einzutreten, de»» die Angelegenheiten, welche der Gemeinde- Verwaltung unterstehen, berühren die Juter- essen der Gemeinde. Angehörigen viel näher und nnmiltel- barer, wie die Thnligkeit der gesetzgebenden Körperschaften. Wenn auch unser« Genossen i» der Stadtverlretung nicht viel durch- fetzen können, so könnte» sie doch durch fortgesetzte unerschrockene Kritik der gegnerischen Maßnahnien mancherlei Ucbeles verhindern. Der Redner beleuchtete eingehend die inaunigfacben Ausgaben, die der Gemeinde auf dem Gebiete der Wohlfahrtspolizei, der Hygiene, der Krankenpflege, des Scliulweseiis u. s. w. zufallen und wies nach, daß hier noch sehr viel z» giinste» der Besitzlosen zn verbessern sei, was sich durchführen lasse, ohne daß an de» Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft etwas geändert werde. Zum Schluß forderte er ans, daß jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch mache und nicht vor der öffentlichen Siiinmadgabe zurückscheue. I« zahlreicher die Belheilignug, desto weniger seien Maß- regelungen zn fürchten. Deshalb möge jeder sein« Schuldigkeit thim.— Da Gegner sich nicht zum Wort meldeten, nahm die Ver- saminlniig von einer iveileren Aussprache Abstand und beschloß, daß die sozialdemokratischen Wähler sich nur in denjenigen 8 Wahl« bezirken der dritte» Abtheilnng betheiligen, wo keine Hausbesitzer zn wählen sind. Auf Vorschlag des sozialdemokratischen Wahlkomitees wurden folgende Katididate» aufgestellt: Tischler Rane, Köster und H o f f m a n», Klempner M a s u ch, Schankivirlh O b st. Buch- drucker Schubert. Schlosser Meiling und Graveur Peterson. In der nächsten Woche sollen Bezirksversaminlungen abgehalten werden, i» denen die Kandidaten sich persönlich den Wählern ihres Bezirks vorstellen. Im Fachverein der Stellmacher wurde in der Versammlung vom 14. d. M. der Kassenbericht gegeben. Danach war im dritten Quartal eine Gesammteinnahme von S40,36 M. eine Ausgabe von III 86 M. zu verzeichnen, mithin verblieb ein Kassenbestand von 428,86 M. B l a u r o ck hielt ei» Referat über die Frage der Orga« nisalionssorm. fliedner trat für Lokalorganisation mit Vertrauens- männersystem ein. Tie folgende» Liedner krilisirten bald die eine, bald die andere Form der Organisation, doch neigte» die meisten in ihre» Ausführungen mehr dem Holzarbeiler-Verband zu. Von einem Beschluß hierüber wurde Abstand genommen und eine sünfgliedrige Kommission gewählt, die nun zu prüfe» hat, welche Zentralisirnngs- forin für die Stellmacher wohl am zweckmäßigsten wäre, und dies der nächsten Versammlung zu unterbreiten. Tor Verein Berliner Droschkeiikntscher nahm in seiner ordentlichen Mitgliederversammlung per drittes Vierteljahr den üblichen Geschäfts- und Kassenbericht entgegen, welcher zn Ve- anstandnng«» keine Veranlassung bot. Gelegentlich der Beschluß- fassnug über zu veranstaltende Wintervergnügungen kam es zu leb- hasten Debatte» in betreff der Lokalfrnge. Dem Vergnügnngs- ausschusse wurde zur Pflicht gemacht, kein gesperrtes Lokal zn mielheu, wie dies seitens des Vorstandes leider gelegentlich der im Sommer stattgehabte» Landpartie geschehen sei, indem dieser einem Veisammlungsbeschlusse entgegen das Lokal„Alle Fischerhütte" als Zielpunkt bestimmt Halle au stelle der Brauerei Pichelsdorf. Wen» letzteres Lokal zur Abballmig des Sängerfestes tauglich sei, müsse eS für den Verein doch sicher paffend erscheine». Bei Vergnügungen müsse unbedingt die Lokalliste berücksichtigt werden. Vom Vorstände wurde demgegenüber der Standpunkt vertrete», daß die Lokalliste in ihrer jetzigen Abfassung nuhaltbar und eine Zivickmühle hauptsächlich für die größeren Geiverkschasten sei. Wenn ma» den Arbeitern predige, sich zn organisiren und dann der Organisation als solcher Lokale verbiete, deren Besuch den einzelnen Arbeitern gestattet sei, so sc» dies ein unhaltbarer Widerspruch. In bezng auf die Stadt- lokale könne die Lokalliste zur Durchführung gebracht werden; anders verhalle es sich indessen mit den Lokalen in der Umgegend Berlins, von denen divers« für Versammlnngszwecke ganz und gar nicht in betracht kämen und doch gesperrt seien. Das sei eine verfehlte Taktik, die dringend der Abänderung bedürfe, wolle man nicht die großen Geiverkschaften wider deren Willen in steten Widerspruch mit der Lokallisie setzen, und soll nach dieser Richtung hin die erforder- liehe Anregung gegeben werde». Die Versammlung erörterte im weiteren Verlause der Verhandlungen noch etliche fachgeiverlliche Angelegenheiten. Seitens der Vertrauensleute werden den Aus- ständigen englische» Maschinenbanern S0M. aus öffentlichen Geldern überiviesen werden. Tentschcr Holzarbeiter- Verband. Die Ortsverwallung S ch ö n e b e r g tagte am 21. d. M. bei O b st. Nach einem Referar von O b st wird eine Resolution angenommen, in der sich die An- weseuden verpflichten, dem Holzarbeiter- Verbände beizntrelen. Die Mitgliederversammlungen finde» jeden Donnerstag nach dem ersten statt. Nixdorf. Am 19. Okiober tagte hier eine Generalversamm- liing des Deutschen Holzarbeiler-VerbandeS, insder Genosse Hansen einen beifällig aufgenommenen Vortrag über daS JnnnngSwesen hielt. In der Diskussion sprach V o l k in a n n im Sinne des Refe- reute». Der Kassirer erstattete de» Kassenbericht. Ans Antrag der Revisoren wird demselben Decharge ertheilt. Zum Punkt„Ver- schiedenes" wird ein Antrag Voltmann'S, eine Beschwerde au die Preßkoinmission zu richten ni betreff der eingesandten Berichte im„Vorwärts", angenommen. Zt» l>»IIrr-KII»»»0«ta»>I«. JnseUtr. lo, v. Z Tr. Mittwoch: N a i> o n a t- ötonomt-«SnmPbcflitffe der Nattonatötonomie: Tr. Conr. Schmidt). Tonnerstag: w efchickile iTte vorgeschichtliche Zeit und die ersten geschichtlichen Neberlieserniigen t Vr. iL e o r g Z e p p l e r). Die Bibltothet ist vo» s— o NI>r grössnei. MilglicdSdeilrng»lonall. rs Pf.. KursiiS(10 Abende) l M. pro Fach. Tivilnehmer weiden anfgeiiounnen i» der Schule»nd in solg. Steile»; Gollsr. Schulz, AdNltratstr. toa;»teul, Borutuislr.«9; Schiller, Noseniholersir. 67; öUclimt, Miillerstr. 7«: Pont M litte, Manlcusselstr. Iis: v. Nöuig«, Diessenbachstr. z». Aiie Zuschrisleu sind»» de» ikoi sistendc» Paul M u ct« jr., SO. Mau- leusselstr. U8, iSeldseuduuge» an de» ttasslrcr H. ltöntg«, L. Dlesseubachstr. so, i» leude». ftlientcr- nud i'ergulllluiioeucvfin Netgolauv. Heute Abend s Uhr Dckerstr. u»: Stvuug. randeiunnuschaft der Schleowlg-Notstetner»>, Kerlii«. Heute Abend Uhr:®r. Versammlung mit Frauen tn S. Feuerslelms Feststilen, Alte Jatob- strabe 76. Vortrag de» Herrn Tr. I. Steeubcrg. D!e neue Winter-Preisliste *ird kostenfrei zugesandt. Mittwoch, Donnerstag, Freitag Versand-Äbteilimg II er! In W. Leipzigersti*. III. Damenstrumpfe, schwarz, gestrickt■ reine Wolle 95 Pf. Kinderstrfimpfe, fiir ca. 1 8 3 4-5 5-6 6-7 7-8 8-10 10-n 12-14 Jahre 32 40 45 50 55 60 70"7a"80"05 Damen-RÖCke, gestrickt mit hellen Streifen 1,80 Uk. 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Ansang 77, Uhr. Berliner. Faust, 2. Schell. Anfang 77, Uhr. Goethe. Haseinann'S Töchter. An- fang 77, Uhr. Lefflug. HanS Huckebetn. Anfang 77, Uhr. Neues. Aschermittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Anfailg 77, Uhr. Nesideuz. Odette. Anfang 77, Uhr. Schiller. Das Stärkere. Anfang 8 Uhr. Unter de» Linde». Pariser Leben. Anfang 77, Uhr. Luise«. Maria Stuart. Anfang 8 Uhr. Thalia. Tohu-Bohu. Auf. 77, Uhr. Ostend. Die Eeisterglocke. Ansang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang P/- Uhr. Friedrich- WilheluistädilscheS. DaS Zeichen des Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Mlexandcrplatz. Im Sumpf. Auf. 8 Uhr. ReichShallen. Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. Nuieriean. Berlin, wie's näht und trennt. Anfang 8 Uhr. Npollo. Spezialitäten. Auf. 77, Uhr. Feen-Palaft. Spezialitäten. Passage> Panoptitnni. Indisches Dorf. Central-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Itichnrd feichnUs, Mittwoch, den 27, Oktober 1837: Emil Tlionins a. G. _Snm 54. Male: ßerEiner Fahrten. BurleSke AnöftattungSposse mit Gesang und Tanz in ö Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jnl. EinödShoser. Anfang 7-8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrte». Thalia- Theater. Mittwoch, den 27. Oktober. 1837: Znm 12. Male: Hotel Tohu-Bohu. (L'Anlicrge du Tohu-Bohu.) Vaudcville in 3 Akten von Maurice Ordonncau. Deutsch von Viktor Leon. Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. (Wallner-Thcater). Mittwoch, abends 8 Uhr: DaS Stärkere. Donnerstag, abends 8 Uhr: Kyrih- Phrih. Freitag, abends 3 Uhr: Kyrih-Pyrih. Lnisen- Theater 31, Reichenhergerstraste 31. Abends 8 Uhr: Maria Stuart. Ein Tranerspiel von Fr. v. Schiller. Morgen Donnerstag: Der große Wohlthiiter. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elektr. Bahn: Dönhoffplatz— Neichen- bergerstraßo in 10 Minuten. Ostettd-Thcater. Gr. Franlflirlc>str.I32. Dir. C. Kveih. Lebte Woche: Die Geisterglocke. Drama in 4 Akten von C. Matthias. Musik von C. Schiller. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Auf allgemeines Verlangen zum letzten Male: Zlm Altar. MM Personen haben nach Ausweis der Kassenbücher in den bisherigen SO Aufführungen der Zug- u. Kassen- stüoke Jm Atel! er» Ein Abend im Wintergarten das 1. Original-Budapester l'osscn- 11. Oficretten- Thcatcr in Kanfmann's Varize besucht! Es reprüsentirt dies einen Ilrfolg, wie ihn trotz der unnachahmlichen Eigenart ihrer völlig individuellen Komik und ihrer notorischen Beliebtheit Ilonat u. Anton Hci'rnfold doch in allen ihren Stücken MG?- bisher so gross noch nie gehabt. Urania Tanbenatraase 48—40. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Invnlidcnstrnaae Xo. 57/02: Täglich(ausser Sonntags und Mittwoohs) abds. 8 Uhr: Wissen- sohaftliche Vorträge. Näheres die Ta ttrauia-Thcater(Jnvalidcnstr. 67). Dir.: Dr. Koppen u. Dr. Stoedtner. Mittw.- Arnold Böcklin« uhr. Vortrag m. z. Th. färb. Lichtbildern. Vsstsu's Fanopticnm. Friedrichstr. 165. Bären welb die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! Upn| Italienische Kapelle ilCU. des Maestro Liberti, 5 Herren, 2 Damen. Passage-Paiioplicmn. Letzte W o c h e 1 Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fussball- Künstler der Welt Manag Toon. Concerthaus I.cipv.ig/crstr.lVo.lH. SS- Täglich:-TB(2 Hoffmann's Quartett und HumoFislen. u. a.:„Cliavivarl." Sensationelle Novitäten von IklltUer SApai-t. Anfang: Sonntag 7 Uhr. Woche 8 Uhr. An Soniiabendeu werden die Ge- sainnlträuine deS Cuncerthanses zu Fektlichkeito» vemeben. lkeiehshallell'Ihealer.k Fielpzlxvratreaae 77. Da» grösste Wnnder I des 10. Jahrhunderts! Das flammende Räthsel? Ferner grosser Erfolg der 3 frisres Anollons, \ Reuter, Nivello, Irland. L4 erstklassige 24 Spezialitäten. Anfang des Konzerts 77, Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. J gy Entree 50 Pf. Ilm Rclchshallcn-Tnnnel Donnerstag, 28. Oktober: | IHilitftr- Graf- Konzert Kapolle des 2. Gardo-Reg. Apollo-Theater. Friedrichsir. 818.£)it. J. Ulück. Erna Koschel. Mr. Brown. Miss Marie Haiton. Mr. Rapoli. Dagmar Hansen. Neun Heinzelniännchen. itaisencröfsiiiilig 67, Uhr., Ausaug 77, Uhr. Montag, beu 1. November 1897: \V icdcrauftrctcn des ticsangsliuinorlsten Robert Steidl und vollständig neues Programm. Biiscli (Kahnliul' Itörse). Mitttvoch. den 27. Oktober 1897, abends 77, Uhr: Grande Soiree equestre. 150 Pferde nach einander in der Manege. Hippolog.Monslre-Tableau, vorgefahrt vom Dir. Busch. 12 miß. FnchSheiigste niid 10 trakehner Rapp- hengste, dresstrt und vorgefahrt vovi Dir. Bnfch. Pferd nnd Elefant, Original-Drcsiur des Sign. Corra- diiii. POiirhlllQa ennestre, geritten von 20 Damen. Eine Tanzschule, grobe Qnadrille, geritten in Historischen ttostNuien. Die Marmor- Stahlen, dargestellt von Gebrüder Bcrngi-re.<>lehr. Ratta, eine VclocipcdcfaHrt an der Cirensdecke. Morgen: Neues Prograniiu. Eine Vclncivedekabrt an der leimiiSdecke. Avilas- VlAeatei' Ii»>tz'elt-Restanr»nt 97. D r e S d e n e r. S t r a h e 97. Sie Rttieilbllrg. Bilder aus dein Berliner Volksleben von L. E l y. Ansang: SonntagS S Uhr, Wochen- tags 77, Uhr.- Entree: Sonntags 40 Pfg., Wochentags 20 Psz. �i.�' Zsussouei Kotlbnscr Straffe Nr. la. Dir. H. Pierr». Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Sillrulisch. Erfolg, piicsiger Beifall. 8p«»rt>näJ 72 93 407 631 58 89 701*»053 244 451 eö 534 680 896 954 »4098 228 75 435 610 U5O0J«5222 116 17 508 948 76 93*0045 246 509 736 81 820 62 914*7025 115 43 312 425 783[300] 905*8338 57(1500) 150 607 606 749 7 0 869*0080 170 301 13 637 673 91 792[300] 605 97[300] !»>048 95 107 201 16 351 439 72 628[300) 68 058 113001 81 853 991(3001»1157 78 293 327 34 465 95 13000) 545 631 812 54 76 8*372 414 13 582 707 7 7 830 007 21 88054 174 402 98 623 89 86? 950 34005 12 ®2 100 6 35 78(500) 241 361 664 848 18000] 85053 56 381 72 397 11500) 408(1500) 73 577 607 764 845 943 88 :5«194 320 52 438 55 537 609 27 87168 99 869 416 517 76?[5000] 810 938 66 1500) 88035 71 74 107 16 410 540 18001 80 84 39179 231 357 470 522 837 40017 115 234 417 685 724 58 811 13 956 95 41006 SS 30[800) 80 369 405 UOOOOl 527 67 615 770 872 949 4*090 289 332 589 806 88 976 48133 96 278 410 89 790 863 998 05 44032 214 48 485 661 92 663 708 11500) 800 72 912 0 4 45160 243[5001 44 338 57 58 1600) 81 lill 750 806 66 957 87 4N019 83 86 108 13000) 64 209 1500) 16 414 16 664 018 38 726 66 11500) 826 80 980 1500) •47235 52 317 403 524 602 747 825 36 956 61 66(48066 214 64 300 12 39 615 56 702 87 868 11500) 987 40338 444 594 697 721[3000] 86 50017 156 239[1500] 376 628 81 775 88 856 80 911 43 51111 61 254 365 406 12 624 706 15 84 893 5*117 351 95 605 51 770 976 5:1110[1500] 37 290 307 46 410 507 11 86 691 811 54072 153 87 491 699[3001 6-8 783 93 902 55127 64 77 402 609 802 79 81 960 50207 824 36 400 23 56[3000) 76 552 78 801 948 57126 1-3 225[300) 76 308 575 773 97 5KU04 17 60 299 345 1300) 443 551 82 673 87 718 50157 269 442 44 515 98 601 15 51 797 812 27 63 919 39 00144 83 213 26 305 414 507 97 826 912«1061 199 280 555 625 827 33 960«*037 55 92 152 67 316 «30711 120 221) 55[300) 71 401 73 501 92)646 818«4003 163 86 429 670 66> 86 770 816 964 75 165316 llöOOJ 39 62 73 467 603 11 785 835 08126 727 67 840 945 1800) «»»664 788(3001 89 831«14129 60 216 624 96 798 «0113 37 271 401631 763[300) 889 »0252 313 520 85 96 680 885 936»1423 518 739 45 63 991 7*198 232 44 400 531 672 709 854 57»»130 228 330 565 702 827 91 960 91 74124 249 483 537 43 58(300) 612 958»5060 153 254 79 303 416 677 981 76166 290 429 517 602 61 729 39 823 955 64 3000) 77023 29 67 78 122 387 99 415[500] 615 43 88 600 75 1300] 759»H100 405 10 43 81 609 15 31 700»0034 13000) 138 230 305 441 537 742 803 73 982 43 ««034 60 157 79[3000] 338 562 83 670 98 719 57 86 838 995 81224 47 440 571 628 764 1300) 812 8*189 280 572 806 913 83160 377 94 96 856 912'■HIOOS 115 213[3000] 84[5001 368 523 609 14 774 825 940 41 «5129 348 493 8«204 6 9 15 360 441 81 600 616 99 744 825 85[300] 87072 356 563 761 820 13000] 976 88006[150(1] 49 271 96 346 67 II 500] 450 61 84 611 80231 74[ISOOO] 432 561 625 744 51 846 15llü«j 933 00133 58 59 66 227 372 93 511 780 827 1N1079 112 240 45 66 1500) 579 87 642[500] 83 728 976 0*184 326 426 78 515 758 1300) 849 62 011086 366 442 09 567 628 37[1500] 45 13000] 69 712 71[3000] 816 58 0-4076 296 [500] 305 93 610 59 95125 45 86 307 635 37 02 814 18 «0030 142 205 324 50 462 13000] 692 753 77 852 95 «»432 659 738 875 920 86 08217 80 76 77 518 40 850 «0000 143 51 94 244 543 652 94 799[300] 987 100054 295 637 834 40 71 925 1OI019 138[500] 373 [300] 471 542 73 88 627 878 83 970 10*058 US 424 536 Sl 600 783 96 862 1 0:1007(300) 64 193 258 386 412 40 11500) 71 574 782 808 38 39 104029 233 57 649 704 «95 940 105417 564 609 10 841 100016 195 344[6001 406 571 636 751 862 64 1300) 983[5001 107181 450 657 79 662 952 64 68 I'»8165 97 633 610 62( 30 861 in« 069 106-27 86 211 870 95 467 688[1600] 610 73 707[1600] 59 91 822 961 1 11)084 163 609 10 876 950 111050 232 854 452 «48 718 86 86 11*072 175 807 84 164 606 118176 [80001 258 90 373 64t 704 1 14350 69 87 617 802 ,4 27 76 1 15491 546 987 1 1(1016 220 899 443 66 87 530 635 755 942 1300] 96 117042 115 206 317 490(500) 544 1300] 056 759 1300] 90 836 82 953 1 1H064 195 452 58 548 619 749 78 802 922 99 110110 19 337 91 411[1500] 699 731 887 1*0030 90[500] 643 94 702 56 1*1081 112 473 94 545 627 1**082 697 785 l*;tni2 52 255 324 HO 786 69 989 1*4112 271 30O 4 530 95)1*5117 13-4)0] 28[3001 (1 340[500) 91 536 50 779 81 879 908 1*U4I4 300) 544 [300) 74 993 1*71-54 115 313[300] 509 91 612 40 716 98 823 97 1*8180 89 3(4) 9» 483 602 08 969 1*0037 71 97 117 19 2.-9 13)01 468 503 M 6-3 703 907 41 1»«266 373 486 679 711 1:11230 54 685 699 713 835 49 70 906 34 1:1*183 227 54 709 97 13:1006 56 116 98 321 451 524 29 718 895[30001 922[3000) 134042 89 295 316 20 78 423[3001 43 509 641 71 135187 95 225 340 421 627 95 804 62 1 30024 249 371 420 516 70 642 73 84 891 939 1:17028 46 97 1300) 172 259 86 329 670 391 96 1 38140 883 408 13(10) 757[15001 92 814 138139 214 381[300] 464 821 938 1-40145 75 296 313 476 639 141034 260 74 371 447 947 66 6? 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Für den Juserateutheil verantivortlich: Td. wlocke in BerUn. Druck und Verlag von Max>vgdlng in Berti».