Ur. 352 Kbolmtment«.Kedwgungen: SbonneminIS-Preis pränumerando: BierteljShrl. SL0 Mr., monatl. I.WMl., wöchentlich 28 PIg. frei in! Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustririer Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zettungs- Pr-islist- für 1897 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich nutzer woniag». 14. Jahrs. Die Inftrtions Gebühr betrögt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und«erfammlungS-Anzelgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für dte nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werde». Die Erpedition ist an Wocheutagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Nevlinev VolksblÄtk. Arriisprrchrr: Nmk l, Nr. 1S0S. Telegramm-Adresse: «Pozinldrmokrnk Vrrliu". Dentrawrgan der sozialdemokratisctsen Partei Deutschlands. N-d»titI«»! SV. IS. Ztaills-zitmü- 2. Donnerstag, den 28. Oktoder Spedition: SW. 19, Neuly-Siraße 3; Die deutsihen Genkerdegeri�hte. Das„Gesetz betreffend die Gewerbegerichie" ist datirt vom 23. Juli 1890. Nach Zivlanf einer solchen Reihe von Jahre» lohnt es sich wohl schon, einen Nitckblick auf die bisherige Enlivickelung dieser für dentsche Berhältniffe neuen Einrichtung zu werfe». Das Gesetz entstammt der Zeit sozialpolitischer Slnwandlnngen im Anfang der neunziger Jahre und wurde vor allem erlassen, um den Arbeiter» in ihre» gewerblichen Slreitigleiten mit den Unternehmern eine schnelle»nd billige Justiz zu verschaffen. Die Arbeiter haben denn auch, was ihnen in dem Gesetz ge- boten wurde, gern akzeptirt. Irgend welche Verbesserungen der sozialen Lage der Arbeiter wurden durch das Gesetz natürlich nicht geschaffen, dafür aber kleine Erleichternngen im gewerblichen Leben; so haben sich denn die Arbeiter von vornherein an den Wahlen zu den Gewerbegerichten und an den praktischen Arbeiten derselben betheiligt. Dies ist geschehe», obgleich dem Gesetz noch so niancherlei Mängel anhaften. So sind eS beispielsweise entschiedene Fehler, daß die Einrichtung von Gewerbegerichten nicht obligatorisch gemacht, sondern in das Beliebe» der einzelnen Genieiiide» gestellt wordenist; ferner, daß landwirthschaftliche Arbeiter, Dienst- boten, Kaitflenle in Handelsgeschäften, bei Jnnungsmeister» be- schäftigte Gesellen, Werkmeister mit höherem Gehalt als 2000 M. der Rechtsprechung der Gewerbegerichle nicht unterliege». Andererseils ist freilich auch anzuerkennen, daß durch das Ge- aierbegerichtS-Gesetz gewisse liberale Prinzipien zum ersten Mal bei uns zum Dnrchbrnch kamen: so die Betheiligung von Arbeitern an der Ne6,tsprechui>g. so ferner die Besoldung der von den Unlernehincrn und dcil Arbeitern gewählten„Beisitzer". Bisher galt eS nicht als anständig, für die AiiSübltng von Ehrenämtern Bezahlung zn nehmen; wobei jedoch nicht bedacht wurde, daß es von der Gesammtheit nlindefteiis ebenso unanständig ist, die Verrichtung nothweudiger gesellschaftlicher Funktionen umsonst z» verlangen. Nach alledem kann mail sagen, daß das Gewerbegerichls-Gesetz in vielen Punkte» der Reform und Erweiterung bedarf, daß es aber doch einen richtigen Grundgedanken enthält und daß die Ar- beiter alle» Anlaß haben, sich an der Weiterentwickelung und Ausgestaltung der ganze» Einrichtung mit Interesse zu belheiligen. Was nun die Einrichtung von Gewerbegerichten betrifft, so haben sich die anfangs gehegten Befürchtungen, daß die keineswegs immer arbeitcrfreundlichen Kommunalbchörden die Errichtung von Geiverbegerichte« hintertreibe» werden, nur im beschränkten Umfange bestätigt. Es existiren hente im Deutschen Reiche 284 Geiverbegerichte, von denen allerdings so manches erst nach langem Sträuben»nd Sperre» der Sladtbehörden und der bürger- lichen Majoritäten der Stadtverordnetenversaininlunge» zu stände gekommen ist. Immerhin ist jetzt von den 28 deutschen Großstädten mit je über l 00 000 Einwohnern keine mehr ohne Gewerbegencht, und von de» Gemeinden mit 50—100 000 Einwohnern entbehren nur noch D a r m st n d t(83 108 Einwohner) und R i x d o r s bei Berlin(53 915 Einwohner) eine solche Einrichtung. Die Städte vo» 25 bis 30 000 Einwohner, die bisher noch kein Gewerbegencht errichtet haben— trotzdem bei solcher Einwohnerzahl doch unbedingt das Bedürfniß für die Einrichtung vorhanden ist— seien hier nameiit- lich ausgesührt. Es sind Tilsit, Guben, Lichtenberg, Neii-Weißeii- see. Stralsund, Stargard, KönigSHKtle. Witten, Hamm, Allendorf, Borbeck. Oberhaitse», Rheydt. Meiderich, Nenß; und in den außer- preußischen deutschen Staaten: Licgensbnrg, Bayreuth, Freiberg i. S., Rostock, Schwerin, Altenburg, Bernburg und Kolmar. Wollte nian die Forderung ausstellen, daß wenigstens die Gemeinde» mit über 10 000 Einwohnern ein Gewerbegericht habe» sollten, dann müßte die Zahl dieser Gerichte auf etwas über 400 steige», da wir nach der letzten Vollszählung so viel Gemeinden von über 10 000 Ei» wohner» halten. lim den llinsang, in dem die Gewerbegerichle beiintzt wurden, darzulegen, geben ivir nachstehend eine Zusammenflellung derjenige» Geiverbegerichte, die im Jahre 1896 über 300 anhängig gemachte Sache» zu erledigen halten. Gerichte: Köln..... Frankfurt a. M. Düsseldorf... ilönigsberg i. Pr. Elberfeld.., Stuttgart... Haniiover.., Breslau.,, Chemnitz... Plauen i. V.., Magdeburg.. Barmen... Charlolteubnrg. Karlsruhe,,, Offeubach.., Bremen.... Man sieht ans dieser zum theil starken Benutzung, daß in einer großen Zahl deutscher Städte die Rechtsprechung in gewerblichen Streiligkcilcn durch Geiverbegerichle bereits zu einer volkSlhümlichen. nicht mehr zu entbehrenden Einrichtung gcivorden ist. Sehr interessant ist auch ein Ueberblick über die Art der Magen, mit denen sich die Geiverbegerichte zu befasse» hatten und die Art der Erledigung. Im Denlschen Reich wurden im Jahre 1333 Magen anhängig gemacht von Arbeitern gegen Unternehmer 33 482; von Unternehmern gegen Arbeiter 5176. Auf 12 Magen von Arbeitern gegen Unter- uehmer kam also immer erst eine von Unternehmern gegen Arbeiter gerichtete Klage, was nicht zn verwundern ist, da ja in de»»leisten Fällen die Unternehmer mit ihre» etwaigen Beschwerden nicht erst an das Gericht zu gehen brauchen, sondern sich durch Lohn- cinbchaltnng einfach bezahlt machen können. Bon der Gesammt- zahl der Klage» halten öl pCt. einen Streitiverlh bis zu 20 M.. 34V8 pCt. der Klagen betrafen Objekte von 20—50 M.. bei 10 pCi. handelte eS sich um Beträge bis 100 M. und nur 4'/, pCt der Klagen betrafen Höhere Objekte. Da einer der Hauptgründe bei Einführung des Gesetzes der war, de» Arbeitern schnelle Justiz zu verschaffe», so ist besonders wichtig die Zeitdauer, die die einzelnen Sacke» bis zu ihrer Er- ledigung brauchte». Die Sache stellt sich nun folgendermaßen. Bon de» Prozesse» des Jahres 1633 wurden erledigt: in weniger als 1 Woche. 34 098--- 53.9 pCt. i» weniger als 2 Wochen. 15 237— 25,5„ in 2 Wochen und mehr. 10 543— 17,8„ Diese für das ganze Reich geltenden Durchschnittszahlen kann man in der Thal als günstig bezeichnen; leider weichen aber einzelne Städte recht sehr von diesen Durchschnittszahlen ab. und stellen- tvcise scheint sich auch bei den Gewerbegerichtc» eine recht sanm selige Behandlung der anhängig gemachten Klagen einzubürgern Besonders atlfsällig ist dieser Mißstand i» Berlin, wo von den 12 638 Klagen nur 2331 gleich 18t/spCt. in der ersten Woche erledigt wurden. Andere Städte stehen dagegen zum theil wesentlich günstiger Wir reprodnziren hier die Zahlen für sechs Städte: Dauer der Erledigung: weniger als weniger als mehr als 1 Woche 2 Wochen 2 Woche» Berlin... 2331 13.5 pCt. 3675 52.8 pCt. 3632 23,7 pCt. Dresden... 3729 96.7, 109 2,8„ 21 0,5 Leipzig... 2591 90,8„ 148 5,2„ 115 4,0 Hamburg.,. 1809 67,8„ 598 22,4„ 262 9,8 München... 755 38,5„ 703 85,9„ 502 25,6 Frankfurt a. M. 1113 71,0„ 346 22,0„ 110 7,0 Man sieht, Berlin steht von diesen größten Gewerbegerichten am allcrungünstigsten da; und man sollte meinen, was bei den doch ebenfalls sehr großen Gerichte» in Dresden und Leipzig möglich war, das müßt« sich in der SIeickshauptstadt anch verwirklichen lassen. Wenn es etwa an fehlerhaften Einricktnngcn liegt, dann müßten diese eben entsprechend ausgebaut iverden. Dresden, das bis auf einen ganz geringe» Liest sänuntliche Sachen noch innerhalb der ersten Woche erledigt, kann hier wirklich als Vorbild dienen. Die Art der Erledigung gestaltete sich bei der Gesammlheit der Gerichte in der Hauptsache folgendermaßen. Durch Vergleich wurden erledigt 30 733 anhängige Sachen, gleich 451/i pCt.; durch Zurücknahme der Klage, Nichrerscheinci, und dergleichen wurde» 16 057 gleich 23,8 pCt. erledigt; Versäuinnißtlriheile erginge» in 5207 Fälle» gleich 7.7 pCt, und eigentliche Endurtheile wurde» 14 231 gleich 21,2 pCt. gefällt. Bei den Geiverbegerichte» ist also das Zustandekommen eines Vergleiches die Regel und wirkliche llrthcile dcs Gerichts unr die Ausnahme. Bei den„ordentliche»" Gerichten ist dies umgekehrt. Daß die Urtheile und Vergleiche der Geiverbegerichte in der Sache so ziemlich immer das richtige treffen, geht daraus hervor, daß vo» de» zusaiumen 2943 Fällen, in denc» es sich um Streit- objekte über 100 Mark handelte, nur 272 Berufttiigen a» die höheren Gerichte erfolgten. Auf die Benutzung der Geiverbegerichte als Einigniigsamt sind wir schon in der Sonnlagsnuiinner eiugegaugeu. Heute möchte» wir uns noch mit der Frage beschästige», ob sich die Herauziehuug der iKrbeiter zur Nechlsprcchnng bewährt hat, ob die Arbeiter gerecht urtheile» und sich nicht vo» clivaigcn Sympathie» und'Antipathie» zu llr- theilen hinreiße» lassen, die in den gesetzlichen Bestimmungkn keine llnterlagc finden. Diese Frage, ob sich die Arbciterrichter beiväbrt habe», muß nun unbedingt bejaht werden. Alle kompcte-cke» Leute sind darin einig, daß die Zlrbeiter bei ihren Urtheile» sich peinlichst der aller gröstesten Objektivität befleißigen. An ycdässige» Gegenstimmen aus Unternehmerkreisen hat cs freilich nicht gefehlt. Schon bald»ach Einfühlung dcs Gesetzes hatte der damalige Vorsitzende des Slultgarlcr Gerichts, Lauten- schlager, gegen die Ansicht zu kämpfen, daß die sozialdemokratischen Arbeiterbeisitzer— sei cs recht, sei es unrecht— für den fftrbeiler und gegen den Unternehmer stimmten. Ilud der Vorsitzende dcs Frankfurter Gerichts sagte zu dieser Meinltugsäußerung: „Im übrigen will ich mich noch ausdrücklich dem anschließe» was Herr Lauienschlager über die in der Regel durchaus u» parteiische und eiuwandssrcie Thätigkeit der sozialdemokratischen Beisitzer sagt. Ich beklage es lebhaft, daß die Arbeiterführer die politische Parteizugehörigkeit als Bedingung der Aufnahme in die Wahlvorschläge zum Gewerbegericht ausstelle».... Für die Reckt- sprechung dagegen habe ich btsher— wobei ich bemerke, daß im hiesigen Gericht anch als Arbeitgeber lediglich Sozialdcmokralen gewählt sind— noch keineilei Nachtheil wahrgenvunnen; sie ist, insbesondere, was das Enlgegenkommeu gegen die Arbeitnehmer angeht, nicht laxer, sonder» eher strenger geworden." Anch Herr Dr. I. I a st r o iv, einer der beste» Kenner dieser Materie, begründet in der schon in der Sonntagnuuiiner zitirten 'Arbeit über„Die Erfahrungen i» den deuischen Gewerbegerichie»" ausführlich die Ansicht, daß sich die Unparleilichkeit der Arbeiter glänzend bewährt habe. Nur ganz gelegentlich seien solche, dem Gesetz nicht entsprechende, ans politischen Sympathien erklärliche Urtheile vorgekommen. Tann begründet der Autor aber eine Ansicht, die ivir nicht unwidersprochen lassen könne». Er erzählt, in welcher Form die GewerbegerichtS-Vorsitzeude» solche Urtheile abznsassen pflegen, bei denen sie vo» de» Beisitzern überstimmt ivorden sind und die sie für Fehlnilheile im obigen Et»»e hallen. Sie leiten mit einein„Zwar" ihren eigenen Gedankengang ein und legen die Rechtslage so dar, wie sie ihnen erscheint; dann breche» sie kurz ab nnd schließen:«Trotzdem hat die Mehrheit dcs Gcwerbegerichls so und so erkannt." Für solche Erkenntnisse habe sich der Fachansdrnck „Zwar-Erkenntnist'e" eingebürgert. Höchstenfalls solle» sich die Bor- sitzenden berbeilasse», neben ihrem eigenen Gedankengang auch de» der Mehrheit des Gewcrbegerichts darzulegen. Herr Dr. Jaflrow hält dieses Verfahre» für korrekt. Er schreibt: „Daß die Gewerbcgerichts-Vorsitzenden sich nicht dazu her- geben, für rechtswidrige Beschlüsse in» Wege von Tüfteleien eine scheinbare Begründung herzustellen, sonder» daß sie ein solches Erkennlniß als das hinstellen, was es ist, ein Machtspruch stall eines Rechtsspruchs; daß sie den Machtspruch i» seiner ganzen abschreckenden Nacktheit erscheinen lasse», das ist nicht ei» Unrecht, sondern geradezu ein Verdienst. Hiermit eben wird bewirkt, daß die Beisitzer in sich gehen und ein andermal gerechter urtheile»." Wir halte» das da Geschilderte für einen groben Mißbrauch nnd für eine Ueberhebung seitens des Vorsitzenden. Er ist iveder der Schulmeister, noch der Vorgesetzte der Beisitzer. Wen» es ihm thatsächlich gelingt, einen erzieherischen Einfluß auf diese im Sinne der Ausbildung zum sorinal juristische» Denke» auszuüben, so mag es gut sei». Rechtlich ist er ein Gleicher unter Gleichen,»nd seine Stimme gilt nicht mehr, als die jedes Beisitzers, �iir das bei den Abstimnuinge» in de» Geiverbegerichts- Kollegien einzuhaliende Verfahren gelte» die ZZ 134 bis 200 des Gcrichtsverfassungs-Gcsetzes. Der Vorsitzende eines Laiengerichts mag als der juristisch Gebildete seine» Liichterkollege», den Beisitzern, in schwierigen Fälle» Nechts- bclehruitg«itheile»; aber diese Velehriuigcn haben»ur den Charakter von Liathschläge». Es könnte nicht geduldet werden, wenn die Vorsitzenden ihre Befngniß zur Abfassung der Urlheile dazu mißbrauchen würden, die gefällte» Urlheile gleich- sam zu krilisiren. Ebenso gut, wie die Beisitzer kann sich ja auch der Vorsitzende in der Beurlheilung der Rechtslage irren. Wie entschieden worden ist, so gilt es. Der Vorsitzende hat im schriftliche» Urtheil lediglich diejenigen Gründe anzugeben, die für die Entscheidung wirklich maßgebend waren. Den» der§ 49 deS Gewerbe- gerichis-Gesetzes schreibt unter Ziffer 3 vor: „Ans dem Urtheil müsse» ersichtlich sein: das Sach- nnd Streitverdältniß in gedrängter Darstellung nebst den wesent« lichen E» t s ch e i d u n g s g r ü n d e n." Der Vorsitzende hat also kein R-cht, seine persönliche An- ficht darzulege». Vo»„Tüfteleien" zur Auffindung scheinbarer Gründe ivird ja»ieinals die Rede sei» können, da die Beisitzer für ihre Abslinnnnna doch immer Gründe anznfnhren haben iverden. Diese für die Mehrheit maßgebenden Gründe hat der Vorsitzende im Urtheil wiederzugeben,— aber leine„Zwar-Urtheile" zn ver- fassen._ DalMfche Mebovfichk. Berlin, 27. Oktober. Heute fanden in Bade» die Laildtagswahlen statt. Ans Karlsruhe wird uns dcpeschirt, daß die Natioualliberaleu dort eine völlige Niederlage erlitten haben. Die drei Wahlkreise von Karlsruhe wurden von der Opposition erobert. Z w e i S i tz e fielen an die S o z i a l d e m o k r a t i e, einer an die Demokraten. Damit dürfte die Sprengung der nationalliberaleit Kammer- Mehrheit als vollendet angesehen iverden. Die Bahn für eine freiheitlichere Politik in Baden ist eröffnet. Es liegen noch folgende Depeschen vor: In O f f e n ö u r g- Stadt erhielt die Sozialdemokratie 17 Wahl- Männer, die Freisinnigen 31. Aber der Sieg der Freisinnigen hing an einein Haar, denn unsere Partei erhielt 457 Urwählerstiminc» und »nr 2 Stimme» retlele» den Freisinnigen das Mandat. In Frei bürg i. B. siegte das Zentrum mit bedeutender- Mehrheit. lieber den Stand der Militär-Strafprozest-Reform haben die jüngsten Verhandlungen in der bayerischeu Kammer� doch einiges Licht verbreitet. Die bayerische Regierung hat sich zwar die größte Mühe gegeben, das Geheimniß, in welches diese Angelegenheit von den maßgebenden Stetten gewiß nicht ohne bc- stiinmte Absichten gehüllt wird, zu bewahren. Aber die dringende Nachfrage aus der Niitte der Kammer, die cm Widerhall des Unwillens im Volke über die ungeheuerliche Verschleppung dieicr Frage find, haben doch wenigstens einige Aufklärung herausgelockt. Ter Kriegsminister v. Asch hat wiederholt sich dahin er- klärt, daß die bayerische Negierung die Ailsrechtcrhaltung des obersten Militärgcrichlshofes für Bayern als ein unanfechtbares Rcservatrccht in Anspruch nehme. Ter Minister hat ferner erklärt, daß die Regierung ein Aufgebe» dieses Reservat- rechtes ohne Zustimmung des Landtages für nicht an» gängig halte. Alle diese Dinge waren aber den preußischen RegienmgS- stellen natürlich scholl längst bekannt. Wenn die Offiziösen trotzdem das bayerische Rcservatrccht als Grund für die Nicht« ersüllniig d�r versprochenen Reform vorzuschieben suchen, so war das, wie längst durchschaut wurde und nun anch durch die Tarlegunge» des Herrn v. Asch sich bestätigt findet, unr ein häßlicher Versuch, die Schuld von den Feinden der Reform in Norddeutschland fortznlenken und auf Bayern abzulenken. Unser Parteigenosse V o l l in a r hat dieses Manöver in der bayrischen Kammer anfgcwiese», er hat diese Vorwürfe gegen Berlin erhoben, ohne daß der Kriegsmiüister sich i» der Lage sah, wie es im Falle der Unrichtigkeit derartiger Andeutungen sicherlich geschehen wäre und geschehen mußte,„Berlin" in Schutz zu nehmen. Es steht niithin fest, woran wir nie gezweifelt haben, daß die HinanSzögcrniig der Reform dcs Militär-GerichtsvcrfahrcnS lediglich durch den Widerstand einflußreicher Stellen in Berlin verursacht wird. Wieder tauchen die Gerüchte auf, daß die Tage deS Reichskanzlers Hohenlohe, welcher die Reform versprochen hat, gezählt seien. Und als Nachfolger wird wieder jener Graf W a l d e r s e e genannt, der als„starker Mann" an- gekündigt wird, der also auch den Muth. haben soll, in der Frage der Militär-Strafprozeß-Neform dem Willen des Volkes und des Reichstages zn trotzen. Wir werden ja sehen, ob diese Gerüchte sich bewahrheiten. Jedenfalls ist ans eine baldige Ersttllung der Reform dcs Mililär-Gerichtsverfahrcns kaum zn rechnen. Der Reichstag möge sein Verhalten hiernach einrichten! Jedenfalls wird das deutsche Volk die gehörige Lehre ans diesen Geschehnissen zu ziehen wissen!— Ter indische Krieg— denn ein richtiger Krieg ist es— macht den Engländern, welche nicht Jingoes, das heißt Chauvinisten sind(imb diese sind doch nur eine winzige Minder- deit) sehr ernsthafte Sorgen, denen das konservative Wochen- Matt:„Saturday Review* beredten Ausdruck giebt.„Britische Truppen, die fern von der Heimath kämpfen, so schreibt das Blatt, sind stets von der ansmcrksainstcn Sympathie ihrer Lands- leute begleitet. Aber die jetzt in Indien kämpfenden werden auch nicht von mehr begleitet. Nationaler Enthusiasmns ist nicht vorhanden. Das Gefühl herrscht vor, daß unsere Truppen einer Sache, die mindestens zweifelhaft ist, geopfert werden. Sie stehen überdies einem Feind gegenüber, der ihnen an Zahl nicht gewachsen ist, und in Bewaffnung und allem, was zur Kriegsührnng gehört, nicht entfernt an sie heranreicht. Sie sind von ihrer Regierung mit der Aufgabe betraut worden, der Freiheit von Bergvölkern ein Ende zu machen, die seit un- vordenklichen Zeiten das Erbtheil der Unabhängigkeit haben. Nur bcwnndernswerther Mnth besähigt diese Stämme, solch erdrückender Uebermacht Widerstand zu leisten; und wenn wir auch ohne Zweifel ans dem Kampf siegreich hervorgehen werden, so wird der Sieg doch unsere Lorbeeren kaum vermehren.* Die„Saturday Review* weist dann unter Bezugnahme auf den großen anglo- indischen Staatsmann Lord Lawrence darauf hin, daß es eine politische Thorheit ist, jene Bcrgstämme unterjochen zu wollen. Das Unglück sei, daß in der indischen Regierung das militärische Element, das immer an Eroberungen denke, so stark vertreten sei. Die„Saturday Review* hat gewiß recht mit der Der- urtheilnng dieses Krieges. Weit klüger wäre es gewesen, wie die besten Kenner Indiens es forderten und noch immer � fordern: die nordwestlichen Grenzvölker unabhängig zu lassen und durch Verträge an England zu knüpfe», als sie er- drücken oder gar ausrotten zu wollen. Bessere Wächter gegen Rußland gäbe es nicht und jetzt macht man sie gewaltsam zum Vortrab einer/ russischen Jnvasionsarmee. Der Kampf selbst ist sehr blutig und wird voranZsichtlich noch lange danern. Und die Kosten deS Krieges, die schon jetzt auf 21/» Millionen Pfund Sterl., das heißt 50 Millionen Mark! veranschlagt sind, werden so an« schwellen, daß die ohnehin erschütterten indischen Finanzen vollends zerrüttet werde».— »« Deutsches Reich. — Ein Reichsam l für Prodnktionsstatistik. Wie die Berliner„Bolks-Zeitnng" ans bester Quell« erfahre» haben will, wicd seitens der Reichsrenierung beabsichligl,«in ReichSaiut für Produktionsstatistit zu schaffen. Es sollen all« Zweig« der nationalen Produktion ständig untersncht und die Ergebnisse verösfentlicht werde». Augenscheinlich hängt dieses Jnformations» bedürsniß der Regierung mit den» Wunsche zusammen, bei Ablauf der Handelsverträge besser alS es vordem vielfach geschehen ist, mit Material ausgerüstet z» sei». Es scheint, daß auch ein Zusammen» arbeiten dieses neu zu schaffende» Zentralamtes für Produklions- statistik mit dem zur Mitarbeit berufe»«» Bunde der Industrielle» und Handeltreibenden Deutschlands sowie den landwirlhschafllichen Organisationen geplant ist. Dainit im Zusammenhang steht die Slbsicht, an der Berliner Universität eine neue Professur für EtatistU zu errichte». Die nächsten Tage werden, wie das Blatt behauptet. Sicheres über diesen Plan bringen. Wir haben selbstverständlich gegen eine solch« Zentralstelle, wenn sie vornrtheilSlos das Material sammelt und ehrlich zusammenstellt, nichts einzuwenden. Freilich darf die Besürchlung nicht unterdrückt werde», daß das neue statistische Amt dem jeweiligen wlrthschasls« politischen Kurse entsprechend seine Publikationen einzurichten haben »vird. Wenig wahrscheinlich erscheint eS 11118, daß man ein„Reichs- amt", also eine Einrichtung vom Range des Reichsschatz- amles und ReichsoostanileS zn schaffen gedenkt, dafür könnte doch höchstens die Person des in Aussicht genommenen Leiters des neuen Amtes des Slrajjburger Honorariu für Statistik Dr. v. Mayr sprechen, der i» den 80 er Jahre» wegen seines Eisers für den BiSmarcki- scheu Plan, ein Tabalmonopvl einznsühren, zum Unterstaalsselretär für Elsaß. Lothringen avanzirte. Herrn v. Mayr's Leistungen als wissenschaftlicher Statistiker schätzen wir hoch, dagegen erscheint uns sein finanzpolitisches Vorleben als keine Empiehlnng für die ihm in verschiedenen Zeitungen schon übertragene Stellung alS Chef deS „Reichsamtes für ProduktionSstatistiken.* — U in die B e r w e 11 d u n g von EpiritnS zu Koch-, H e i z n 11 g s«, Putz- und B e l e u ch t 11 11 g s z w« ck e 11 lhnnlichst zu fördern, hat der BniideLrath am 21. Oktober beschlossen, die Brennfteuer-Vergütiing für den mit dem allgemeiiien Dtiialurirungs- mittel denatnrirten Branntwein, welche bisher 1,50 M. für das Hekloliler reinen Alkohols belrug, vom 1. November ab auf2.S0M. zu erhöhe». Für ausgeführten und zur Essigbereitimg verwendeten Branntwein bleibt die Vergütung von 6 M. sür da? Hekloliler reinen Alkohols uuverändeit.— — Wieder ein ZengnißzwangSverfahren gegen die Presse! 31 in 20. d. M. mittags wurde der verantwortliche Redaklenr der in Magdeburg erscheinenden antisemilischen„Sachsen- schau" Karl Faßhauer in einer Ilntersnchmigssache„wider Unbekannt" zum dritten Male vor den Unlcrsuchiingsrichtcr zitirt und aus seine wiederholte Weigerung, den Stamen des Gewährsmannes für einen Artikel der„Sachsenschau". Lehrerverhällnisse in Magdeburg betreffend, zn nennen, in Haft genommen. In dem vor- liegenden Falle sind etwa 7 3lrtitel der„Sachsenschau* als an- gebliche Beleidigungen der Schulverwaltinig Magdeburgs und speziell des StndtschnlralhS Plate» angesehen worden. Nnftatt aber eine 3tnklagc gegen den verantwortlichen Redakteur anzn- strengen, wurden die Redakteure Kreutz und Faßhhaner als Zeugen geladen, um den Lehrer namhast zu machen, der die Unter- lagen zn den Artikeln der„Sachsenschau* gegeben haben soll. Die thatsächlichen Angaben der beiden von einem Lehrer gelieferten 3lrlikel sind allgemein bekannt und verletzen kein Dienst- g e h e i»1 11 i ß. Zunächst wurde gegen die beiden Zeugen auf ihre Weigerung, den Namen zu nennen, ein Etrafbesehl von je 300 Mark erlasse», der ans dagegen erhobene Beschwerde auf SO M. für jeden Zeugen ermäßigt wurde. Ein zweiter Straf- beseht in gleicher Höhe ist, wie die„D. Tagesztg." hört, auch schon wieder gegen beide Z-nge» erlassen worden. Außerdem ist jetzt. wie gesagt, das ZeiignißzivangS-Verfahreii gegen de» verantwort» licheu Redakteur der„Sachsenschau" eingeleitet und die Haft an- geordnet worden. Wenn man bedenkt, daß beide Redakteur« sich er- boten, den Wahrheilsbeweis für die erhobenen Bchauptuiigeu durch hiesige Lehrer zn erbringen waS zwar streng geiiomme» mit diesem Verfahre» nichts zn lhilii hat—, wird man doch über das scharfe Vorgehen der kgl. Staalsanwaltschast im vorliegende» Falle«rstannt sein. Auch dieser Fall zeigt, zn welchen Folgen für die Press« die Zeiignijjpflicht der Redakteure sühren kan».-- — Behandln>1 g der Schriftsteller im Ge- f ä n g n i ß. AnS Breslau wird berichtet: Nach dreimonatlicher Haft, die er wegen Presivergehens zu verbüßen halte, ist der Redakteur der„Volkswachl", Ernst Zahn, jetzt aus dem Gefängniß entlassen worden. Zahn, der in Wohlan seine Strafe abzusitzen hatte, mußte im Gefängniß Handarbeit verrichten, nämlich Rohrstühle flechte». DaS tägliche Arbeitspensum war vier Stück. Ennl Nenkirch, gleichfalls Redakteur der„Volkswacht". hatte seiner Zeit 7 Monate hindurch Stühle flechlen muffen. Trotz aller Proteste i». der Press« wird also ein solckzeS Verfahre» gegen Redakteure iveiter beliebt. Bei dieser Gelegenheit sei einer Petition erwähnt, welche der Borst and des Verbandes deutscher Jourii»listen- und Schrift st eller-Vereine nach dem Beschluß des letzte» Leipziger Schrislstellerlages jetzt dem Reichstag übergiebt. Die Petition weist auf die bei uns übliche 3Irt des Strafvollzuges gegen Joiirnalisten und Schriststeller hin und führt weiter sol- gendes ans: „Auch bei loyalster Beobachtung der bestehenden allgemeine» Vorschriften, legt die Gefäiignibstrast gebildeten Personen, die ihrer gesamniten Lebensführung nach durchschnittlich doch wohl an ein mittleres Maß von geistigen und körperlichen Bedürfnissen gewöhnt find, eine ungleich härtere Pein auf, als der großen Mehrzahl der Etrasgefangeneii, die in Kleidung, Nahrung. Wohnraum und Slrbeitslyäiigkeit nicht ans eine wesentlich tiefere Stufe herabgesetzt werden. Die Thatsach«, daß die meisten daS Gefängniß mehr oder minder körperlich gebrochen ver- lassen, macht die Gleichheit des Slrasvollznges in der Wirkung zur beklageuswerthe» Ungleichheit. In dem häusia erbittertei! MeinnngZ- streit, den die bei der Press» betheiligten Personen über Politik, Religion und gesellschaftliche Jnstitntionen zn führen habe», sind bei der Host der heuligen Redakiionsarbeit Versehe», uomenllich formeller Art, die nicht ans«in doloses Vergehe» znrückznfahren sind, kaum vermeidlich, selbst wenn die Betheiligle» nicht von einem lebhaften Temperainent oder nervöser Ueberanstrengnng beeilt- flnßl werden. Das ehrliche Bewußtsein, berechtigte Interessen zn vertreten, wird de» wegen politischer und literarischer Preßvergehen zn Gesängnißstrafen Verurtheilte» auch von der öffentliche» Meinung nicht genommen, die eher geneigt ist, sie als Märtyrer ihrer Gesinnungsjestigkeit zu betrachte». Die Gesängnißstrase wegen solcher Preßvergehe» hindert nicht die Wicderaufnohnie in die beste Gesell- schast, die Wahl zur Vertretung nolitischer und konununaler Körperschaften, die Verleihung von Ehrenämterii n. s. w. Wen» schon in den 3l»sliescrunasverträg«» ein« mildere Beurtheilnng pvlilischcr Verbreche» zu tag« tritt, so erheische» die durch die Press« begangene» Vergehen politischer Nainr«m so eher eine andere Benrlheilmig, als sie nur den Meinungskampf einer Jnstitntioii bilden, die daS von allen Sländen nnb Parteien als»othwendig empfnndene Bedürsniß entschiedener Stellniignahme, wenn erforderlich kräftiger Abwehr gegensätzlicher Ansprüche und ?Iiischailii»ge» befriedigt. Tie im Deutscheii Reiche noch herrschende Ungleichheit der Strafvollziehung giebt zwar in einzelnen Staate» die Möglichkeil einer hnmaneren Behandlung von Gefangene» an? besserer Lebens- stellnng. gewährt aber de» ivegen politischer und literarischer Preß- vergehen Vernrtheiltcii keine» gesetzlichen 3lnspriich ans eine solch« Vergniistigiing. Die deutschen Journalisten- und Echrislfleller- vereine glaube» verlunge» zn dürfen, daß eine den moderne» Ver- hällnissen und Anschauungen Rechnung tragende Gesetzgebung nicht nur de» bisherigen territorialen Ungleichheiten ein Ende macht, sondern auch grundsätzliche Bestimmungen trifft über de» Transport zum Sesängniß, die Verbiißmig der Strafe i» nbgelrennten Räume», die Benutzung eigener Kleider, über Selbstbeköstigung, dem Bildungsstande angemessene Beschäflignng und dergleichen, eventuell grundsätzlich die Feslnngshaft sür solche Fäll« vorschreibt» wo il sich um Vergehe» nicht gemeinen Charakters handelt. Dies» Fälle ans- zuscheide». kann»nr Sache des Richters sein, dein ja auch die Zn- erkennung mildernder Umstände bei der Älbwägung des Slrasmapes obliegt. 3lns allen diesen Gründen gestatten wir imS, an den deutschen Reichstag die Bitte zu richten: Der Hohe Reichstag wall« dahin wirken, daß baldmöglichst «in für das ganze Deutsche Reich geltendes Etrafvollzugsgesetz er- lassen werde, wonach bei politischen»»d literarische» Preßvergehen im Falle einer Freiheitsstrafe nur ans Festungshaft«rkanut oder zum mindesten eine besondere?Irt der Slrafverbühnng sür solche Gefangene vorgesehen wird, deren Slrasthat als nicht au? ge- meiner Gesinnung bervorgegangen anerkannt ist, und die Eni- fcheidung darüber nicht der Polizei und den Gesäugnißbeamten überlassen bleibt, vielmehr dem Richter dt« Psticht auferlegt wird, die SlrasverbnßungSart im Urlheil selber anzuordnen.* Der Eventualvorscblag der Petition erscheint sehr bedenklich Wen» man es den Richter» überlassen würde, in jedem Falle zu entscheiden, ob«ine polilisd)« Etraslhat und„gemeine Gesinnung" hervorgegangen sei oder nicht, so dürsten daraus ähnlich schlimme Zustände erwachse» wie sie heut bestehen. Giebt es doch beispiels- weise genug ordnnngsparleiliche Richter, welch« die sozial- demokratische Gesinnung an sich„an» gemeiner Gesinining" ansehe». Es war wirtlich nicht nöthig, daß der Leipziger Schriftftellerlag selbst derartige Einschränkungen seiner auf gründliche Besserung des Strafvollzuges gerichtete» Slbstcht in die Petition hineiiigeflochten hat. Wenn die Schriftsteller selbst so versnhren, waS soll da von der Regierung und den derartigen Reformen wenig geneigte» Partei«» erwartet werden!— — Der Gebranch der polnischen Sprache in Ver- s a in m l u n g e n i st kein Grund zur 3l» s l ö s n n g— so hat daS Ober-Verwallungsgcricht entschieden. DaS Gericht hat also den Standpunkt, den es schon im Jahre 1876 festgelegt hat, bei- behalte». Das Gericht hat vor de» Hetzereien der übereifrige» Polen-„Gern>anisirer" ebenso wenig, wie vor den Wünsche» der RegierungSorgane kapilnlirt, welche die Auslösung polnischer Bei- sannnlnngen mit Fleiß und heißem Bemühen sich angelegen sein ließe». Die Entscheidung de? Ober-Verwallnngsgerichts ist erfreulich. In den jetzigen renklionären Zeitlänftcii konnte es nicht völlig ausgeschlossen erscheine», daß das Gericht ein anii- polnisches Ur- theil fälle» würde. Und in der Urtheilsbegründnng finden sich Dar« legnngei., die zeigen, wie daS Gericht immerhin von dem Geiste der einseitigen polenseindlichnr Bestrebungen nicht völlig frei geblieben ist. Das Urlheil hebt nämlich, wie die„Nationallib. Korresp.* mit- theilt, hervor, daß aus der Zulässigkeil deS Gebrauchs fremder Sprachen in gewissen Gegenden besondere Schwierigkeiten in bezug ans die Ueberwachnng«»istehen,»nd daß die gesetzlichen Bestimmungen in dieser Hinsicht, besonders angesichts der sich innner iveiter anSbreilenden. großpolnische» 3lgilatio»»»znlänglich sei» möge». 3lder, so heißt es dann weiter, wenn sich auch die thatsächlichen Verhällniffe nach der früheren Entscheidnng d«S Ober-Verwaltungsgerichls in verschiedenen Richtnngen geändert haben, so kann sich darlim doch nicht«ine andere Auslegung der vielleicht unzureichenden, geltende» Gesetz« rechtfertigen. Nach alledem habe, so gefährlich die polnische 3lgitation und so an- erkennenswerlh deren Bekäiiivfimg auch sein möge, da? Berbot der polnischen Sprache bei der Versammlung in Wieschowa in Wider- spruch mit dem geltenden Rechte gestanden. Mit diesem Urtheil ist nunmehr den SlnflösiingSpraktiken der Behörden in den polnische» Bezirken«in Riegel vorgeschoben. Wenn der preußische Staat es für erforderlich hält, die polnischen Ver- fanimlungen mit UeberivachniigSbeamten zu beschicken, so mag er sich der Sprache deS Landes kundig« Beamte heranziehe»; darauf hat die polnische Bevölkerung Preußens ohne Zweifel Anspruch. Gescheidter iväre es freilich, das Spür- und Kontrollfystem Überhaupt ein- zuschränkc», denn dies wäre das beste Mittel, die Gemülher in Polnisch-Prenße» wieder ein wenig zn versöhnen. Derartige versöhnlich« Maßregeln sind freilich von den „Hekatisten" nicht zu erwarten. Schon ziehen jauch die OrdniingZ. dtätter aus dem Urtheil des Ober» Berwaltiingsgerichts den Schluß, daß die Beschaffung polnisch sprechender Beamte» nicht genügen werde, sondern daß der Staat an andere Mittel denken müsse, um„der großpolnischen Agitation ein Paroli zu bieten". Wir zweisel» kaum daran, daß man alles mögliche anführen wird, ilin die polnische Bevölkerung in möglichst ungünstiger Elim- mung gegen das Reich und Preußen zu erhalle».— D i e parlamentarischen Mandat« uiiseres ver- storbenen Genossen Grillen berger sollen in der erste» Dezember- woche ne» besetzt werden und zwar am 2. Dezember daS Reichstags' mandat und am 6. Dezember daS Landtagsmandat.— — Die Kandidatur Herbert Bismarck's.dievon den Konservativen in D r e S d« n- Allstadt für die nächste Reichstags- wähl in Aussicht genomine» war, scheint nach den lieuefteii Nach- richten so gut wie beschlossen« Sache zu sein. Herbert Bismarck soll seine Zustimmung nur von einigen Fornialitäu», die sich ans den IL. hannoverschen Wahlkreis, in dem er, wie mit- gelheiit wurde, auch als Nenommirkandidat aufgestellt ist, bc- ziehe», abhängig gemacht habe». Offenbar rechnet man mit einer Doppclivahl. Die Dresdener 3l n t i s e m i t e>1. deren Führer Herr Zimmermann, jetziger Vertreter des Kreises, ist, sind natürlich wülhend über diesen Tric der Konservative». Rommen st« doch da» durch in eine sehr unangenehme verzwickte Lage. Dem, gegen den Sohn des über alle Grenzen speziell von Herrn Zimmermann und seinem sächsischen Anhang verhimm-lle» Hansmeiers kann mau doch nicht gut zu Felde ziehe». Die„Wacht" wußte zwar schon ganz schüchtern auf den Unterschied zwischen Sohn und Vater ausmerksam zu machen. Dieser resignirte Schmerzeusschrei wird natürlich 1111- gehört verhallen. Für unsere Geuosfe» ist die Sache ei» ergötzliches Schauspiel.— — Politik in Kriegervereinen. Wir hatten mit- getheilt, daß die Kriegervereine zur 3lgitaiion für die Flottensorde- rnnge» benutzt werden. Hierzu wird jetzt aus Nordhauseu mit- getheilt: „Dem Ersuchen des Vorsitzenden des Kreis- KriegerverbandeZ an die hiesigen Kriegervereine, zu Marin«- Erweiterungszwecken v M. zu fpeuden, entsprachen auch«ine Anzahl derselben. Auch der Vorsitzende des Veteranenvereins glaubte sich dieser „patriolifchen Pflicht* nicht entziehe» zu können und sandte auch den gewünschten Betrag ein, den er aber vernünstigerweise seinem eigene» Poriemonnaie entnahm»nd dies in einer VereinZsitzung sehr richtig damit moUvirte, daß er diese 3l n g e I e g e n- beit als eine politische betrachtet habe, mit der sich der Verein nicht beschäitigen konnte. Daß es aber viele solche opferwillige Vereinsleiler geben sollte, wagt wohl niemand zu be- Haupte».* Tie Behörden aber lassen die flatuten- und vereinSgesctzwidrige politische Bclheiliguug der Kriegervereiiie ruhig geschehe». Sie babe» offenbar ganz eigenartige Auffassungen über das, was„Politik" de- deutet.— — Eine bös« Niederlag« haben sich die Agrarier in Halle geholt, von wo eine Depesche meldet: I» der Beleidigungsklage v. Mendel- SteinfelS gegen den Vorstand der hiesigen Börsenkommission»nd Widerklage desselben gegen v. Mendel-Sleiiifels lautet das Urlheil: Die Beklaglen sowie der Privallläger werden von der Anllage freigesprochen. Die Koste» deS Verfahrens werde» dem Privallläger anserlrgt. Herr Landes-Oekonomierath Ritter und Edler Mendel v. Stein- felS hat im preußische» 3Ibgeord»«l«nha»se die allerschärssten Angriff« gegen die Halle'sche Börsenkommission vorgebracht, die in zahleichen Sitzungen Reichstag.'Abgeordnetenhans und Herrenhaus beschäsligten. Hoffentlich ist dies« Slngelegenheit nun sür die Oeffent- lichkeil erledigt. Bo» Anfang a» halte man den Eindruck, daß die Slngriff, der Agrarier nicht gut begründet waren.— — Daß d i e v a n d>v i r t h sch a f t S k a in m« r n. durch Gesetz errichtete und durch Zwangsbeiträgr unterhaltene Korporationiii, nicht viel anderes als Organisatioiieii der 3lgrarier werde» dürften, haben wir gleich bei ihrer Schaffung vorausgesehen. Diese Anschauung wird bestätigt durch die jetzt bekaunt werdende Thatsache. daß die schlesisch« Landwirthschaftskannner dem Bimetnllistenbunde in Rücksicht auf seine mißliche finanzielle Lage eine größere Subvention bewilligt hat. Man siebt hieraus, daß der EtaalSkommtffar de» Agrariern keine Furcht einzuflößen braucht. Wen» eine ZwangSorganisation der Arbeiter, z. B.«ine Orls-Krantenlaffe. ähnlich handeln würde, brauchte man a»f das Eingreife» der Ltaalsautorität nicht lang« zu warten. �Zweierlei Recht!— — �D i« böse» Professoren. Der„praktische Landwirth* Herr Schütze im Westpreußische» wendet sich im, Reichsbote' gegen Professor L ö n i» g wegen seiner Befürwortuna der KoalittonS- freiheit sür ländliche Arbeiter. Der Praktikus liest dem Theoretikus also den Text: „Unsere Leuti bangen sich überhaupt noch nicht nach einem vereinigmigSrecht, sie wissen nicht einmal, was das ist. Dies« Sehn- sucht wird erst lomnien, wenn die Pionier« der Sozialdemokratie ihre Fühlhörner auch bei unS aus dem Land« ausgestreckt haben. DaS ist Gott sei Dank»och nicht der Fall. Dieser Fall wird aber eintrete», wen» die Herren Professoren sich fortwährend mit der ländliche»'Arbeilersrage beschästige», von der sie durchaus garnichts verstehen, und Reden halte». welch« die 3lrbeitir auch nicht verstehen, sondern die nur böse? Blut machen." Die Herren Professoren möge» also in sich gehen und die ländliche Arbeilersrage den Gutsbesitzer» überlasse», die am besten wissen. waS«ihren Leuten* taugt.— Eaiigerhaiiseii, 24. Ottober. Bezüglich der durch die Presse gehenden und auch von unS gebrachten Mittheilung, daß die hiesig« Kreissynode auS Anlaß des Falles K ö tz f ch k 1»inen Antrag angenonimen habe, wonach künftig den Geistlichen, die auS irgend welchen Gründe» auS dem Ami« scheiden, daS Wohne» in ihrem bisherigen WirknngSkreiS vecbolen werden solle, erfährt die„Sangerhäuser Zeitung" von authentischer Seit«: „Die Nachricht ist alsolut falsch. Di« Synode hat sich mit Kötzschke nur in dem Synodalbericht ihres Borsitzenden befaßt. Der Beschluß der KreiSsynod« hat mit dem Fall Kötzschke absolut nichts z» thnn; er geht dahin, daß während des Disziplinarverfahrens resp. der Snspensio» eines Kirchenbeamten diesem irgendwie der 3lnf«»thalt in der bisherigen Gemeinde für die Zeit des Verfahrens untersagt werden könne, um Beunruhigung der Gemeinde während der meist sehr langen Verhandlunge» zn entgehen. Ursache zu der Verhandlung, die schon mehreremal die Kreissynode und auch die Provinzialsynode beschästigl«, gab der Fall einei Disziplinar- Verfahrens in Botha und Lengeseld.*-- — U e b e r den übersehenen Unters uchnngS» g efan.g en en in Mainz veröffentlicht jetzt die..Darmstädter Ztg.* eine offizielle Darlegung. Das Blatt bestätigt in. seinen 3l»s- führnnge». lediglich dasjenige, was über dsese 3lngelegenbeit bereits veröffentlicht wurde, kommt aber zu der Ansichtz daß nach de» von der 'Aussi»isbehörd« veranlaßte» Grinittelungen sich, ergeben habe, daß der„höchst bedauerliche Fall lediglich aus das verbrecherische Thun des Gehilsen.Nuß zurückzuführen sei, andere Beamten aber kein Bor« wurs träfe.*... Es. bleibt auch nach diesem offiziösen Entschuldigungsversuch un« verständlich,.wie die Gefäugnißbehörde den Mann 6 Monate lang in Untersuchung halte» konnle, ohne die Uriregtlmäßigkeit dieser Sliigelegenheit zu demerke».—.... — Der höfische Krach, der sich-zwischen Darmstadt und Karlsruhe entladen hat, giebt noch immer zn allerlei Mnthmaßungen und Gerüchten Slulaß. Am meisten Wahrscheinlichkeit scheine» die Millheilni�en zu haben, welche der Wiener Berichlerstatter deS „Daily-Telegr."' zu mache» weiß. Danach-„nehme der Zar Partei für die-Familie seiner Gemahlin bezüglich der seit geraumer Zeit sehr gespaniiten Beziehungen zwischen den Höfen von Karlsruh« und Darmstadt. Ueberdies sei der Zar verstimmt, daß der Grohherzog, seitdem- das sranzösch-russische Bnndniß eine un« bezweifelte Thalsache geworden war, a l l e r u s s i s ch« n Groß- sürstin. die Baden besuchten, ignorirte." Der Grobherzog von Baden ist Patriot ersten RangeS und mag da« fraiizösisch-rnsstsch« Bündniß sehr bedanern. Daß er in seinem Groll die in Hoftreisen üblichen Formen der Etiqnett« bei seile setzt, mag wunder nehme». Man ist eS doch geivöhnl, daß Potentaten »»d Fürsten, so stark««erstimmiingen auch zwischen ihnen bestehen und so bald eine schroffe Gegnerschaft bevorsteht, sich vor den Augen der Leute begrüßen, bekomplimenliren, umarmen und küsse»; daß der badische Großherzog dies« Eilte nicht mehr mitmache» will» ist recht auffallend. Miincheu» 26. Okt.(ffiig. Ber.) Bayerischer Landtag- In der heutige» Sitzung sprach V 0 l l»1 a r in der Generaldiskussion zum M i l t t ä r e t a t. Er beanstandete die große Ylerschweiidnng hinsichtlich der Schassung von Einekuren in höheren Kommando-. sowie in Adjiitmitiir. und RepräsentalionS- Offiziersstelle». Dafür könnte» die Mittel für bessere Verpflegung, sowie Einsühnmg einer wnrmen SIbeudkost ptroonntn werden. Eoldatenmißhandlungen kommen, wie dieiLerichtsverhandliingen des letzte» Jnhres zeigten, wenn a»ch in verminderter'Anzahl, leider iniiner noch vor. selbst seitens der Offiziere. Auch die neue Beschwerde-Ordnung leide noch an dem Mangel, dnfi ste für den Soldaten die Gefahr einer Strafe niit sich bringt, wenn er nicht den oft sehr schwierigen Beweis für feine Beschiverde vollauf erbringen kann. Redner wandte sich dann gegen Dr. Schädler, der sich auch hener wieder für Einführung der Prügelstrafe unter gewisse» Voraussetzungen ausgesprochen hatte. Weiter trat er für Aufhebung der bisher üblichen Qualifikationsnoten in den Entlassungß- und Führungszeugnissen ein, die häufig wahren Urinsbriefen gleichkämen. Ferner tadelt« er die wider- rechtliche Käser nirung von Reservisten nach den Manövern behufs Abbüßung von Arrestftrafen, bis die überfüllten iilrrestlokale frei würden. Sodann kam Vollmar auf die M i l» t ä r- Strafprozeß- Reform zu sprechen und führte aus: Bayern ist durch seine» Militär-Strasprozeß. der ungleich besser ist als der preußische, in der Lage, dafür zu sorgen, daß wir von der Stufe, die wir erreicht haben, nicht wieder zurückgehe», sondern mindeslens das beHallen, was wir haben, deshalb hat Bayern auch die Pflicht, seinen ganzen Einfluß dahin geltend zu»lachen, daß der Widerstand Preußens gegen ein« zeitgemäße Neugestaltung des Militär-StrafprozesseS besiegt werde und daß die Wohllhaten unseres Mililär-vtrasprozesses auch auf das übrige Reich ausgedehnt werden. Die neueste Wendung in dieser Sache scheint aber zu beiveisen, daß die ganze Frage e i n g e s a r g t ist. Diese neue Wendung sind die Angriffe der prenßischen Offiziöse» aus Bayern, als ob die bayerische Forderung des obersten Gerichtshofes das Hinderniß wäre. Das soll nur den Rückzug maskire». Gegenüber dem einzig gefährliche» PartikularismuS— dem altpreußijchen— mnß Bayern sein Reservatrechl auf das entschiedenste verlheidige», ganz abgesebe» davon, daß unser bayerischer oberster Gerichtshof ganz andere Garantien biete als ei» obersler Gerichtshof aus solchen Richtern, die unter dem preußischen Militär-Strasprozeß groß geworden sind, zumal wenn dieser Gerichtshof seine» Sitz in Berlin erhält. Bleibe» wir fest gegen die g r o ß t h» e r i s ch« M a j o r i s i r u n g, die seitens der norddeutschen Offiziösen versucht wird. In der Erklärung des Kriegs, niu isters im Finanzausschuß hätten wir vieles klarer und offener gewünscht. Die Geheimhaltung darf doch nicht zu weil gehe»; in Berlin ist man jedenfalls nicht so zartfühlend und benutzt die Offiziösen. Sage man uns doch offen, ob die Grundsätze des bayerischen Versahrens voll gewahrt find, oder ob die ganze Sache aussichtslos ist. Das ganze Haus, das ganze Bayer» ist in der Wahrung der bayerischen Rechte in bezug aus die Militär- Straf. prozeß-Reform einig. Hierauf erividerte der K r i e g S m i n i st e r Frhr. v. 51 f ch: Der Abg. Dr. Orterer hat die Erklärung, die ich»amenS deS Ge« sammtministeriluns abgegeben habe, interpretirt. Seine Interpretation trifft insofern zu, als die Aufrechter Haltung eines obersten Militär-GerichtShofeß als ein anf Ver- trag begründetes Reservatrecht erscheint.(Bravo! rechts), und als bezüglich der Behandlung der Reservqtrechte die Auffassung, welche der Finanzminister im Jahre I8S7 in diesem Hause zum Slnsdruck gebracht hat, auch jetzt noch zene der Regierung ist. (Bravo! rechts.) — Chronik der MajefiStsbeleidigungs-Prozesse. DaS Breslauer Landgericht hat schon wieder— tnnerhalb einer Woche ist es das dritte Mal— über eine Majtstäls„beleidigttng- verhandelt. Di» Wäscherin Amalta Wünsche soll den Kaiser beleidigt haben; das Urtheil lautet« auf drei Monat« Ge- s ä» a n i ß. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffeut» lichkeit statt.— Oesterreich. Wien, 27 Oktober. Abgeordnetenhaus. Der Finanz- minister übermittelt«inen Gesetzentwurs betreffend die Regelung der Bezüge der aktiven StaatSdiener in der Kategorie der Diener- schaft. Die Sitzung beginnt mit namentlichen Abstimmungen; um 12 Uhr so Minuten findet die vierte namentliche Abstimmung statt.— Lemberg, 27. Oktober..Kurjer LwowSkt". der sich auf die unterrichtete» Kreist des PolenklubS beruft, bringt über die inner- politisch« Situation«in düsteres Bild. I» diesen Kreisen find» man die Lage äußerst verzweifelt und behaupte man, daß es nur drei Wege gäbe zur Verbesserung derselben, nämlich Auflöfting des Ab- SeordnetenhauseS, Sistirung der Verfassung oder Rttcklritt des trafen Badeni. Da nun der überwiegende Theil dcZ Polenklubs sich au? mancherlei Gründen weder mit der Auslösung des ReichSraths noch mit der Sistirung der Verfassung befreunden könne, bleibe nichts anderes übrig, als die Demission Badeni's. Der Polenklub «olle unter keinen Umständen sein Schicksal mit demjenige» Badeni's verknüpseu.— Ungarn. vndapest, 25. Oktober. Ein Mnsterabgeordneter. Zum heutigen Hosdiner waren abermals mehrere Parlamentarier verschiedener Parteistellung gelade». Nach demselben hielt der Kaiser längere Zeit Cercl«. Während dieser Zeit nahm der Monarch wiederholt Gelegenheit, seine Besriedigniig darüber auszusprechen, daß dt» Verhandlungen deS Reichstages einen so raschen und glatte» Verlauf nehmen. 5llS der Kaiser dieselbe Bemerkung auch gegenüber dem Schriftsteller und ReichStagi-Abgeordnetei» Koloman v. Miksath wiederholte, sagte dieser nach der„R. Fr. Pr.":„DaS ist da» Per- d i e n st E nr er M a j e st S t! Es wird auch in Zukunft so gehe», denn eZ i st sehr schiver, irgend eine Kritik zu üben!" Der Kaiser wehrte lächelnd ab, während Herr v. Miksnth fortfuhr:„Ich bin gerade im Begnffe ei» neues Tagblatt zu gründen. Wir werden aber in Verlegenheit sein, woran wir scharfe Kritik üben sollen." Warum dieser würdige Volksvertreter nicht die Abschaffung des Parlaments und die Rückkehr zum SlbsoluliSmuS fordert, ist uns unerfindltch.— Bekgien. lvriissel, 27. Oktober. Tie sozialdemokratische Fraktion der Kammer hat eine Jnterpellalio» eingebracht betreffs des B«, leidig» ngspcozesses deS Königs gegen de» Redakteur des„Hauiburger Echo".— Italien. — Diäten für Abgeordnete. Aus Rom wird gemeldet. daß bald nach der Wiedereröffnung der Kannner von Abgeordnelen verschiedener Parteien ei» Stntrag ans Zahlung von Dinie» an die Abgeordneten eingebracht werden wird. Der Aiilrag hat Aussicht, angenommen zu werden, da ihm auch der Ministerpräsident sympathisch gegenüderstehl; derselbe soll erklärt habe», daß die Re- gierrnig in die Debatte nicht eingreife», sondern sich bedinginigslos dem Beschlttss« der Kammermihrheit fügen werde. Wir haben alle» Grund zur Vermnlhung, daß Herr Rndini alles daran setze» wird, den Antrag im Pallamtiite zu Fall zu bringe». Spailieu. Madrid. 27. Oktober. I» Regierliiigskreisen wird die Situation zwischen Spanien und Amerika als eine höchst ernste angesehen. Das Gerücht, daß die Regierung die Vermitielung der Vereinigten Staaten in der Kubnsrage angenvnunen habe, wird als ersundeu be- zeichnet.— Der„Frankf. Ztg.« wird telegraphirt: Der heutige Minister. raih wird sich ausschließlich mit der Erörterung der finanziellen Lage befassen. Tlus Kuba iverden 800 Millionen Pesetas gestundet. Die verfügbaren Bestände für dt« la»!e»d«n Auslagen betragen 150 Millionen, für die Philippinen ist nichts vorhanden. Der Ministerraih wird demnächst Mittel zur Beschaffung von Fond? ins Aug« fassen. � Auch Herr E a g a st a wird seine Anarchisten nicht loS, wie die folgende Meldung der„Köln. Ztg." aus der franzbstschen Hafenstadt Dünkirchen zeigt: Der hier«ingetroffene Dampfer„Eolonia" hatte drei spanische Anarchisten namens Manuel Barrera, Rarciso Puigdt und Josö Beneto an Bord, die hier landen wollten. Sluf höheren Befehl wurden sie auf dem Schiff« znrückbehallen,«m in Havre auS- geschifft und vo» dort nach der spanische» Grenze befördert zu »Verden. Dies« drei Männer sind unzweifelhaft unschuldig selbst vom Standpunkte der spanischen sogenannten Justiz, denn sonst hätte man sie schwer für ihre Ansichten oder Thaten büßen lassen. Wo wird die traurige Odyssee dieser schwer gequälte» Männer enden? Etwa im Fort Monijnich oder ans einer der Fieberinseln deS spanische» Kolonialreichs?— Türkei. Konstantlnopcs, 27. Oktober.(B. H.) An den Gouverneur von Kreta, Djevad Pascha, ist die Instruktion«rgaiigi», mit den Führer» der lrelenstscbeu Nationalverlammlnng in Verbindung zu treten, um auf diese Weise zu einer Verständigung mit den Rebellen zu gelangen und die Vermittelung der Mächt« illusorisch zu machen.— Die„Times" melden aus Konstantinopel vom gestrigen Datum: In de» heutige» Friedensverhandlungen wurde die Schwierigkeit wegen der Entschädigung von Privatpersonen beigelegt. Somit sind nunmehr von de» 18 Artikeln des türkischen VerlragSentwursS S erledigt. Wie der„Standard" aus Konstantinopel vom 25. d. meldet, ist ein Jrade erlasse» worden, welches die Einberufung von 50 pCt. der Rebifs in der Provinz 5Ileppo und deren Zusammenziehung in Stärke von ungefähr 25 000 Mann befiehlt.— Kanea, 26. Oktober. Die heute zusammentretende kretische Nationalversammlung wird, zuverlässigen Nachrichten zufolge, so- gleich eine Denkschrift ausarbeiten, in welcher erklärt wird, daß das kretische Volt, die Fürsorg« der Mächte für Kreta an- erkennend und voll Dankbarkeit fär dieses Wohlwollen, bereit ist, sich ihrer hohen Entscheidung zur Regelung seines Geschickes zu unterwerfen. Indessen glaub« die Versammlung ansspreckien zu müssen, daß jede RegierungSform, welche die 5l ufrechterhaltung der türkischen Garnisonen nicht ausschließe, die'Autonomie illusorisch mache, neue Unruhen für die Kreter und eine falsche Rechnung für die Mächte bedeuten würde; sie glaub« daher, mit aller den Mächte» schuldige» Ehrerbietung a»f der Nothwendigkett der Verwirklichung der so viele Male von den Zldmirale» dem kretischen Volke gegebenen feierliche» Versprechungen beharren zu müssen.— Llsie». eimla, 26. Oktober. Die Begleitmannschaft einer Fonragier- Abtheilung hatte gestern in der Nähe deS LagerS Karappa«inen hefligen Zusammenstoß mit dem Feind« und erlitt, während die Älbtheilnng stch zurückzog, einige Verluste. Di« gesannnten Verluste des gestrigen TageS während deS Zusammenstoßes und während des vom Feinde gegen da? Lager gerichteten Feuers sind solgende: Ein englischer Soldat todt. 14 verwundet. 16 Sepoys verwundet, eine Abiheilung von 7 Sepoys getüdtet und verstümmelt. � Der PartcitagSbrschlnß iiber die Bcthriligniig an den prenßischen Landtagswahlen wird von«inigen Parteiblältcr» noch lebhaft erörtert. Das„Hamburger Echo" tritt unserer in der Nummer deS„Vorwärts" vom lv. Oktober niedergelegten Slnffaffmig, daß die Singer'sche Interpretation de? Beschlusses bindende Kraft habe, vor- »ehmlich mit der Bemerkniig«ntgege», die Jnterprelalio» wäre so unerwartet und überraschend erfolgt, daß es begreistich sei, weShalb aus der Milte des Parteitages nicht daS Verlangen»ach einer Abstimmung über die Bedeutung bei gefaßten Beschlusses laut wurde. Aus diesem Umstand« aber könne unmöglich Einmnthigkeit des Parteitages gefolgert«erden. Denn das stehe doch fest, daß die große Mehrzahl derjenigen, die für die Be- theiligung stimmten, weit davon entfernt gewesen wäre, dabei an einen Zwang zur Sliisstellung eigener Wahlmänner zu denken. Inzwischen hat«ine Parteiversammlung in Bielefeld aus Antrag des Genosse» Hofs mann beschloffen, bei der Provinzial- konferenz i» Rehme zu beantragen,„daß die Parteigenosse» des öst- liche» MestsaleuS sich an den nächsten Wahlen zum pienßischen Landtag gemäß dem Beschlnffe des Hamburger Paiteilage« überall zu betheiligen haben, und zwar da, wo es möglich ist. durch Stuf- stelllliig eigener sozialdemokratischer Wahlmänner, wo aber nicht, durch Unterstützung der Wahlmänner derjenige» linksstehenden bürgerlichen Partei, deren Kandidat stch ans die in 4a. der ursprüng- Itchen Bebel'schen Resolution enthaltenen Mindestjordernngen ve'r- pflichtet. Dieser Beschluß dehält Giltigkeit bis zum nächste» Partei- lag der deutschen Sozialdemokratie." Diesem Beschluß tritt in der Bielefelder„Bolkiwacht"«in Genosse j. B. in einem Artikel ent- gegen, worin er u.a. sag«:„Ich meine, soll das Wort Parleidiszipltn nicht blos ein leere? Wort bleibe», dann hat die Konferenz diesen ?intrag abzulehnen." Darauf«rividert Genosse C. H. in der„Bolks- wachl" n. a.:„Wir beanspruchen für uns das Recht, die Hamburger Resoliitio» so anszulegen, wie wir es allein für zulässig und ver- »mistig halten, daß wir uns»ämlich nach Möglichkeil an de» Wahle» z» belheiligc» habe», jeder Kompromiß aber ausgeschlossen ist. Die» drückt dentltch der Antrag Bielefeld aus." Dagegen beschloß in dem benachbarten Herford«ine Parteiversammlnng,„nach de» Be- schlüsse» des(Hamburger) Parteitags zu handeln, daß speziell bei den Landtagswahlen die sozialdemokralische Partei nur selbsläiidig vorziigehen habe." Zu der Ansichi des Genossen Auer, die in der Nummer des „Vom'ärts" vom 24. Ollober veröffenllicht ist, meint die„Freie Presse" in Elberfeld:„Sliich wir haben uns schon dahin- gehend ausgesprochen, daß mit dem vorliegenden Beschluß in der Sliislegung, die er laut ErklSriing des Genosse» Singer vom Parteitag erfahren hat. sehr wenig anzufnnge» ist. aber wir sind im Gegensatz zum Genossen 5luer der Meinung, daß diese Anslegnng richtig ist, und auch Bebel hat sich ans dem Parleitag sofort dieser Ailfjassiing angeschlossen. Sie spricht ja gegen seine Resolution, aber der Beschluß war nun einmal da. Nach dem vom Parteitag angenominenen Tdcil der Bebel'schen Resolution könnte man ja allerdings zu der Auf- faffung kommen, daß es zulässig ist. bei de» Urivahle» für Kandi- dale» der bürgerlichen Opposition zu stimmen, wenn unsere Partei nicht eigen« Wahlmänner ausstellt. Denn«i»«» Kompromiß würde eine solch« Wahlbeiheiligung sicherlich nicht bedeuten, da zu einem Koinproiniß zwei gehören. Aber der angenommene Antrag Mittag besagl nicht allein, daß keine Kompromisse abgeschlossen werden dürfen, sondern er verlangt ausdrücklich dir Elreichimg des Tdeiles der Bebel'schen Resolution, welcher«S zuließ, daß bei nicht ftlbständigem Einlrelen in die Wahl unsere Genossen für die Wahlmänner- Kandidaten der bürgerlichen Opposition stimmen tonnten und welcher dafür bestimmt« Grund- sähe fenlegte. Denn da» ,st doch sicher: treten wir für bürgerliche Kandidaten«in, so müssen sich diese ans bestimmte Minimalfordermigen verpflichten. Das alle? ist gestrichen worden und, so meinen wir. kann dem Beschluß eine andere Deutung nicht gegeben werden, als der Genosse Einger glaubte, namens des Parteitages thu» zu können. Bezüglich der PreiSsrage. welche Genosse Äluer stellt, meinen wir. daß eS doch nicht gerade schwer fällt, hierauf«in« zutreffend« Antwort zu gebe». ES ist in der ganzen Diskussion immer darauf hingewiesen worden, daß die Wähler«S nicht verstehen würden, bei der Land- tagSwahl aufgefordert zu werden, für den Freisinn zu stimmen.» und bei der Reichstagswahl denselben Freisinn auf das entschiedenste zu bekämpfen Man mag darüber denken, wie man will, aber sicher ist dieser Einwand nicht grundlos, wenn«S sich um die Masse der Wähler handelt. Bei den Wahlmännern ist dies« Befürchtung aber a»S leicht erNärliwen Gründen ausgeschloffen." Und die. Volksmacht" in Breslau erklärt, daß A u e r' S Auschaunng ganz ihrer früher geäußerten Slnsicht ent- spreche, soweit ste sich auf die Un Haltbarkeit der von Sliier angegriffenen Auslegung des BeschluffeS beziehe. Dann sagt die„Volkswacht":„Darin aber können wir leider nicht einig gehen mit dem Genosseu Auer, daß der Parteitag jenen U n- sinn— es giebt kein mildere» Wort dafür»»gar nicht de- schlösse» resp. jene vom„vorwärts" vertheidigt« unsinnige Auslegung gar nicht vorgenommen habe. Mag die große Mehrheil der Delegirten auch jetzt begreifen, daß ein arger Fehler gemacht worden ist— auch das ausfällige Schiveige» eines großen Theiles der Parteipresse ist wohl dahin zu beulen— so i st doch der Fehler gemacht und lhatsächlich besteht der Beschluß resp. die ihm vom Parteitag selbst zu theil gewordene Interpretation voNkoinmen zu recht; er hat. wie der„Vonvärts" zutreffend erklärt, bindende Kraft für die Partei!" „Die„Volkswacht" fragt dann. waS nun zu th»n sei, um„diesen Fehler" wieder gut zu mache». Um diese Frage komme man nicht mit dem Tröste hermn, daß die Landlagswahlen vielleicht erst nach dem nächsten Parteitage vorzunehme» seien. Was solle geschehen, um die in dieser Frage herrschende Unklarheit zu beseitigen? Die Redaktion des„Vorwärts" kann nur erklären, daß sie auf ihrem in der Nummer vom IS. Oktober präzisirten Staudpunkte be« harren muß, wonach die auf dem Parteitage vo» Singer unter Z u- ftimmung des Parteitages und mit spezieller Billigung Bebel'?, des A n t r a g st e l l e r s, gegebene Jnter- pretalio» des Beschlusses bindende Kraft bat, was die Breslauer„Volks- ivachl" sowohl wie die Elberfeld«„Freie Presse" ja zugiebl. Wir meinen übrigens, daß die Charaklerisirnng von Parleitagsbeschlüffen in der Art, wie es die Breslauer„VolkSwacht" thnt, nicht gehörig ist. Wenn die„Volkswacht" fragt, wie der„Fehler" gut zu machen sei. so meinen wir, daß nur«in»euer Parleitag die gewünschte Remednr schaffen könnte, und daran denkt doch wohl kein Partei- genösse. Sicher ist jedoch, daß sich die Gegner der Wahl- betheiligung nur dann an den preußischen Landtagswahle» energisch beiheiligen werde», wenn die Betheiligung so, wie sie jetzt be- schlösse» ist, also nur durch Ausstellung sozialdemokratischer Wahl- Männer vor stch geht. Soll also eine allgemeine Betheiligniig erreicht werden, nämlich in de» Kreise», wo unser« Partei überhaupt Einfluß hat, so ist das zur Zeit»ur möglich aus primd des Hamburger Beschlusses in seiner von Singer festgestellten Bedeuiung, denn dadnrch ist ein Weg geschaffen, den auch die bisherigen Gegner der Wahlbeiheiligung zu gehe» gewillt sind. In Brandenburg stellte eine Volksversammlung nach dem Referat des Genossen Bogtherr anS Berlin die Genossen . Neildeck, Th. Hulh, F. Schnelle, O. Sidow, . Suhle und C. Thiele einstimmig als Kandidaten zu den Stadlverordneten- Wahlen aus. AuS Chemnitz wird un» geschrieben: 5l>n Dienstag 5lbi»d wurde im hiesigen Elystnin eine vom Geiveikschaftsiartell einberufene öffentliche Versammlung abgehalten, wo Reichstags- Abgeordneter Bebel über das Thema sprach: Die Slrbeiterschntz- Gesetzgebung n»d der internationale 5Irbeiterschntz-Kongreb in Zürich. Der große Versammlnngssaal war bereits um 1lt 7 Uhr überfüllt und mußte» Tausend« umkehren. Ist die in dieser Versammlung herrschende Begeisterung ein Zeichen für die Stimmung der sächsische» Ardeiter überhaupt, dann dürfte» die nächsten Reichstags- wählen großartig ausfallen. Wie gewönlich war eine halbe Kom- pagnie Gendarmen ansgebote», weiche die von niemand gestörte Ordnung ausrecht erhalle» sollten. Polizeiliches. Gerichtliches ec. — Der verantivortliche Redakteur der„KönigSberger V o l k s t r i b ü n e", Genosse E r d m a n n in K ö n i gs b« r g i. Pr.. wurde wegen Beleidigung der Obersöistcr zu 14 Tagen Gesängniß vernrlheilt. Der Strafanlrag war vom Minister gestellt. — Ans Z a d r z« i» Oberschlesien berichtet dir Breslaner „Volkswacht": Ei» Schneidermeister von hier, der der sozial- demokratischen Gesinnung verdächtig ist, ließ bei seiner Wohnung sein« Firma anbringen. Der Maler, der das besorgte, verzierte die Anfangsbuchstabe» des Namens dieses Schneidermeisters u. a. mit einige» rothen Linien. Hierin sah der Zabrzer Slmtsvorfteher Naivrath eine unerlaubte A e u h e r u n g der sozial» demokratischen Gesinnung deS Jirmeninhaber» und verlangte die E n t i e r n n n g jener rothen Strichelchenl— Kominenlar überflüssig! — Wege» angeblicher„Verleumdung" der ungarischen Regierung durch einen Artikel in der Budapest er„Vollsslimine" wurde der Parteigenosse Jakob Israel vom dortigen Schwurgericht zu 6 Monaten Gesängniß und 50 Gulden Geldstrase vernrtheilt. Ge werk fchafkliches. Berlin und llniqcbnng. Rchtnng- Former und BcrufSgcnofseu Teutschlands! Kollege» Z RochmalS sind wir gejtvunge», uns an Euch zu wenden, den Zuzug von Formern und Kernmawern nach Berlin fernzuhalte». da»och annäkernd 50 Kollegen arbeitslos sind. Leider haben nach Beendigung des Streiks eine Slnzahl zugereister Kollegen Slrbeit an- aenominen und so den»och Slusgejperrlen de» Eintritt in die Fnbriten verhindert. Wir appellire» deshalb an das Solidariläls- gesnhl unserer Berufsgenossen, u»S nicht am hiesigen Orte den Kamps durch Zuzug z» erschwere». Ardttlersrenudliche Blätter werden um Abdruck gebeten. L. Müller, Vertrauensmann der Berliner Former. CIne neue Gewerkschaft der Buchdrucker, Gchriftgiesier und verwandter BerufSgenoffen ist vo» einer'Anzahl Leipziger Bachdruckern, du der Opposition angehören, gegründet worden und eS wird nunmehr i» der„Buchdrucker Wacht", dem Organ der Tansgemeinschafls-Gegiier, in einem Aufruf zni» Beitritt in die Organisation ansgesorvert. Unlerzeichnel ist der Aufruf von einem Zentralkomitee, dem angehören: Otto Pollen der alS Bor» fitzender, Robert Opitz als Kasstr«, Karl Eulenfeld, Richard Jllge und Sl l f r e d K» n a t h als Beisitzer. Das Eintrittsgeld ist ans eine Mark bemessen und der wöchentliche Beitrag beträgt 1,20 M. Sinsang nächste» JahreS ist ein Kongreß geplant; bis zu dieser Zeit wird daS genannte Zentralkomitee die Leitung überuehtnen. Die Gründtiug ein« neue» Gewerkschaft ist so ziemlich das Ungeschickleste, was die Opposition begehen konnte und ste dürfte sich sehr irren, wenn sie glaubt, daß nun die gesamuit« Opposition den Uebertntt zum neuen Verband vollziehen wird. Solch alte,- gut fundirte Organisation«» wie der Buchdruckerverband üben eine sehr starke Anziehungskraft auf ihre Mitglied« anS, die im besonderen durch das weit verzweigt« Unter- stützungSivesen stark gefördert wird. Vom Standpunkt der Gctverkschastsbewegniig ist die Gründung zu verurtheilen, iveil durch solch« Sonderbestrebnngen die Organisation der Jlrbeiler an Ansehen und Einfluß einbüßt. Die'Aklioiisfähigkeit der Gewerl- schaft wird gelähmt und niemand empfindet mehr Freude darüber! alS die Unternehmer, sür die jede Zersplitterung eine Machtstärknng bedeutet. Wo sollen wir aber in der Gewerkschaftsbewegung hin» kommen, wenn bei Differenzen die Minorität einfach zur Gründung vo» Gegenorganisationen übergeht? Das kann unmöglich im Interesse der Älrbciterbeivegung liegen. Die Demokratie, von der die Leitung der neuen Gewmschaft angeblich so lebhaft durchdrungen ist, fordert die Anerkennung der Beschlüsse, die von der Majorität gesaßt sind; ohne diesen Grundsatz ist ei» gemeinsames Znsammenarbeiten inner» halb keiner Vereinigung möglich. Die Opposition mußte den Weg gehen, den der„Vorivärts" wiederHoll empsohlen hat, in fach» licherjftorm ihre Ansichten innerhalb der Organisation z» ver- treten. Wir können nicht umhin, diese neue Gründling aus daS tiesste zu bedauern. Wie uns mitgetheilt wird, haben eine Anzahl Berliner Buch» druck«, die der Opposition angehören, sich einstimmig gegen die Gründung der neuen Organisation erklärt. Dagegen werden sie »ach wie vor innerhalb deS Verbandes gegen die Tarifgeuieinschast ganz energisch Front machen. Ein Urtheil über die Gewerkschaftsbewegung. In unsere« Parteipreffe sowie auch in bürgerlichen Zeilnngen wird in den lebten Tagen vielfach ein« Kritik der GewerkschastSbeivegung wiedergegeben, die wohl so viel Beachtung findet, weil sie von unserem Partei» genosseu S e g i tz ausgegangen ist. Es handelt stch um«inen Ans- gug auS einer Rede, die S e g i tz auf der Konferenz der Metall- arbeiter in Nürnberg hielt und in der er folgendes Urtheil fällt: „Die Versammlungen bewegen sich meistens nickt auf der Höhe der Zeit. Mag ein Agitator vom Norden oder Süden kommen, man hört immer dieselbe Rede. Hat man einen gewerkschaftlichen Agitator rede» gehört, so hat man sie alle in ganz Deutschland gehört. Die Rede besteht in einer wüsten Schimpferei über den Üuternehmer, berechnet ans de» Machlkihel der Zlrbeiter, wo- durch bei diesen falsche Ideen hervorgerufen werden. Anstatt die Arbeiter zu erziehen, werden ihnen häufig Ver- sprechunge» gemacht, durch die sie sich später getäuscht fühle». Es ist wohl ein hartes Rrtheil, aber es inuß einmal gesagt werde». Mittel für zweckmäßige Älgitatio» giebt es genug, die Agitatoren brauchen sich nur damit zu befassen. Die letzte Bcrusszählung bietet schätzbares Material. Ferner kann gesprochen werden über Ausgestaltung der Sozialgesetze, Arbeiierschutz, Koalitionsfreiheit, Normal-iilrbeitstag, ausländische Geiverkvercinsbewegung, Haudels- und Zollgesetzgebung». f. w. Kein Zlgitator darf i» einer Ver- sammlmig auftreten, ohne sich erst über die örtlichen Verhältnisse unterrichtet zu habe». Ich verkenne die gesetzlichen Hiuder- uisse nicht, die entstehen können, sobald wir die angeregten Fragen erörtern. Die Auflösung der hiesigen Filiale des Schneider- Verbandes ist noch i» Erinnerung, dieses Risiko zu übernehmen, können wir nicht umhin, denn die gewerkschaftliche Bewegung ist am Versumpfen und wen» das so fort geht, ivird in den nächsten Jahren noch eine bedeutende Verschliinmerung eintrete». Die Vereinsversammlungen dürfe» sich allerdings nicht mit de» erwähnten Fragen befassen, sondern es muß in öffentlichen Versamm- lungen geschehen. Auf alle Gefahr hin muß die Agitation in diese Bahnen gelenkt werden. Kommt dicserhalb der Staatsanwalt hinter die Gewerkschaften und werden sie aufgelöst, so wird ein Sturm der Entrüstung durchs ganze Land gehe», zumal eine Gesellschaft von Männern, die de» Arbeitern entschieden feindlich gegenüberstehen, sich erst kürzlich in Köln für die Koalitionsfreiheit der Arbeiter aus- gesprochen hat." Von unserem Korrespondenten ist uns seinerzeit gleichfalls dieser Auszug ans der Rede des Genossen S e g i tz zugegangen, aber wir müssen gestehe», die Rede schien mehr der Ausdruck einer momen- tauen Verstimmung, als daß ihr eine größere Bedeutung beizulegen wäre. Deshalb unterließe»»vir die Veröffentlichung und kommen wir nur darauf zurück, weil bürgerliche Blätter glaube», eine stille Freude an diesem Urtheil haben zu könne». Genosse S e g i tz sieht in seiner Benrtheilung der Gewerkschasts- bcwcguug zu schwarz. Weder erscheint uns gegenwärtig, daß die Gewerkschaftsbewegung in dem Stadium der Versumpfung nah ist, »och ist die Generalistrung, als ob alle Geiverkschaftsreduer Wieder- käuer wären, ivelche nur auf den Machlkitzel der Arbeiter speknliren, richtig. Wir haben in der Gewerkschaslsbewegung sehr viel tüchtige Leute, für die dieses Urtheil entschieden nicht zutrifft, und wenn hier und da Minderwerlhiges geboten wird, was garnicht bestritte» werden soll, so theilt die Gewerkschaft diese Schwäche» mit allen andere» Beivegungen des politischen und wirlhschaftlichen Lebens. Die Anregungen für die Vorlragsthematas sind ganz beachtenswerth, aber sie wiederholen nur das, was heute schon von einem Redner, der einigermaßen seiner Anfgabe gewachsen ist, befolgt wird. Schließlich wollen wir doch nicht selbst unsere Bewegung herabsetzen, überlasse» wir das ruhig anderen Leuten. Die Kritik ist jederzeit angebracht, aber es empfiehlt sich, gewisse Grenzen innc zu halten und nicht Einzelvorkommnisse als maßgebend für die Eesammtheit hinzustellen. TcutschcS Reich. Wegen Lohndifferenzeil ist in der Tischlerei von Friedl in H ö ch st ein Streik ausgebrochen. In der Blechwaaren-Fabrik, Verzinkerei und Lackirerei in Wermelskirchen sind 30 Arbeiter wegen ihrer Zugehörigkeit zum Metallarbeiter-Verband ausgesperrt. Achtung» Metallarbeiter! Die Situation der Streikende» der Nähmaschinen- und Fahrradfabrik von B. Stöwer A.-G. ist un- verändert. Die Direktion beharrt ans ihrem ablehnenden Stand- punkte, troßdem die Streikenden in einen Abzug von 10—15 pCt. gewilligt haben. Es wird deshalb gebeten, nach ivie vor den Zuzug von Metallarbeitern aller Berufe nach Slcllin streng fernzuhalten. Die Töpfer in Magdeburg haben beschlossen, vom 28. d. M. ab nur auf Bauten zu arbeiten, die verglaste Fenster und Thüren aufweisen. Wie in der letzten Versammlung mitgethcilt werden konnte, hat nunmehr auch die letzte Firma de» Tarif anerkannt und ist somit der Tarif allgemein eingeführt. Ein Ttrafmandat von 15 Mark haben die Vorstands- mitglieder des Verbandes deutscher Hafenarbeiter in Magdeburg erhalten. Sie sollen versäumt haben, der Polizei die Statuten der Schiffer-Sektion einzureichen, was als ein Verstoß gegen das Vereinsgesetz angesehen wird. Nun ist es aber Thatsache, daß die Schiffer-Sektion zum Verbände deutscher Hafenarbeiter gehört und daß sie somit keine besondere» Statuten nöthig haben. Deshalb reichte der Sektions- Vorstand nur ein Mitgliederverzeichniß ein. Gegen die Strafverfügnngcn erhoben sie Widerspruch. Das Schöffengericht ließ jedoch die Strasverfüguugen als zu recht bestehen. Die Stcttincr Bauarbeiter haben beschlossen, eine Erhöhung deS Lohnes zu beanspruchen. Der Preis für das Tragen der Sleiue zum Bau der Kellerei soll der bisherige bleiben; vom Erdgeschoß an soll indessen für je 1000 Steine eine Erhöhung des Trägcrlohnes um dl) Pf. verlangt werden. Es werden für das Erdgeschoß pro 1000 Steins 2,50 M. verlangt. Die Arbeiter sind der Meinung, daß sie die Forderung ohne Streik durchsetzen können. Wie nachträglich gemeldet wird, ist aus 15 Bauten die Forderung der Arbeiter bewilligt, während aus de» übrigen die Arbeit ruht. Nebcr die Frage, ob das Bcrtvcigcru der Arbeit am 1. Mai alS Kontraktbrnch aufzufassen sei, hat das Landgericht zu Halle eine Entscheidung gefällt, die für weitere Kreise nicht ohne Interesse ist. Die dortige Tischlerinuung halte beschloffen, wer von den Geselle» bezw. Arbeiter» am 1. Mai feiere, ohne vom Meister zuvor die Genehmigung dazu eingeholt zu haben, sei sofort ent- lassen, da ein Kontraktbruch vorliege. Die Zahl der Feiernden war am letzten I. Mai nicht gering und so kam es beim Hallcschen Jnnungs- Schiedsgericht zu einer ganzen Reihe von Klagen, die sämmtlich mir Abweisung der Klagen der Llrbeitnehnier endeten. Das Schiedsgericht erkannte serner zu recht, daß der auf diese Art und Weise geschädigle Meister de- rechtigt sei, von dem Vertragsbrüchigen Arbeiter einen Wochenloh» als Entschädigung zu verlangen. Zwei Tischlergesellen eines Meisters, der so verfuhr, gaben sich mit diesem Erkeuntniß nicht zufrieden und riefe» die Entscheidung des Landgerichts an. Das- selbe erblickte in dem Feiern des einen TageS keine» Kontraktbruch, sondern nur eine Aussetzung der Arbeit und verurtheille den betr. Meister zur Zurückerstattung des innebehaltenen Lohnes von je 13,20 M. für 6 Tage Arbeitszeit. Tie Getverbegerichtswahlc» i» Hcilbro»» habe» für die Arbeiter einen überaus günstigen Verlauf genommen. Die Liste der Gewerkschaften in der Klasse der Arbeitnehmer erlangte 950 Stimmen, während die Gewerkvereine und evangelisch- katholischen Ver- einigungen 450 Stimmen erhielten. Auch bei der Wahl der Arbeit- geberbeisitzer haben unsere Genossen einen großartigen Ersolg erzielt, ihr Vorschlag blieb mit nur 2 Stimmen in der Minderheit. Die Gegner erhielten 37, wir 35 Stimmen. Bei der Geucralkommissio» der Gewerkschaften Deutsch- landö sind von den einzelne» Gewerkschasle» bis jetzt 12 918,90 M. Nnlerstützungsgelder für die streikenden englischen Maschinenbauer eingegangen. Streik in der Jntcfabrik in Schiffbck. Zwischen den Ar- beitern und Arbeiterinueu der Jutesabrik in Schiffbek und der Direktion sind Differenzen ausgebrochen. Etiva 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen haben die Arbeit niedergelegt. Den noch Arbeitenden ist heute von der Direktion gekündigt worden. Jeder Zuzug von Arbeitskräften ist streng fernzuhalten. Verantwortlicher Ncdakteur: Anglist Jacobey in Berti«, gut den Ii Wie uns durch ein Telegramm mitgetheilt wird, wurde gestern der Arbeiterausschuß vorstellig und bewilligte die Direktion eine Lohnerhöhung von 6 pCt. Die Arbeiter hatten den Lohnsatz ge- fordert, der im letzten Sommer üblich war. und 10 pCt. höher stand als der gegenwärtige. Einen Beschluß über dieses Anerbieten haben die Arbeiter noch nicht gefaßt. Ausland. Zum Kampf der englischen Maschinenbauer. Dem Streik- Komitee sind in den letzten Tagen ganz erkleckliche Summen zur Verfügung gestellt worden. Die englischen Lokomotivführer habe» außer dem regelmäßigen»vöchentlichen Beitrage ein Darlehen von 160 000 M. gegeben, das die Maschinenbauer so lange zinsfrei behalten solle», als sie es nöthig haben. Die Bergarbeiter senden nach wie vor ihre wöchentliche Rate von 150 Lstr-(3000 M. ein. Von den französischen Spitzenwebern liefen 500 Franken ein; von Ben Tillet, der gegenwärtig in Australien sich aufhält, lief ei» Telegramm ein, in welchem er mitlheilt, daß größere Summen unterwegs seien. Noch immer unentschieden ist die Frage, ob die Parteien in die vom Handelsamt vorgeschlagenen Unterhandlungen eintreten werden. Die Einigungsvorschläge werden in einer Zuschrift Sidney Webb's au die„Daily Chronicle" einer eingehenden Kritik unterzogen. Er behandelt dort namentlich, wie weit nach seiner Meinung die„berechtigte Einmischung" der Gewerkschaften in den Gang der Geschäfte erstrecke» dürfe. Die Unternehmer hätten unzweifelhaft das Recht, zu bestimmen, welches Material, welche Maschinen sie anschaffen wollten. Wohl aber müßten die Arbeiter das Recht haben, mit zu bestimmen, unter welchen Bedingungen sie dieses Material verarbeiten oder an den Maschinen beschäftigt werden. Die Art des Materials, der Maschine», die Temperatur in den Werkstätten könne uttter Umstände» die Gesundheit der Arbeiter wesentlich beeinträch- tigen und sie hätten somit ein Siecht, hier mitbestimmend einzu- greifen. Von unserem Londoner Mitarbeiter erhalten wir noch sol- gende Miltheilungen: Immer mehr radikale Politiker greifen für die Unterstützung der Maschinenbauer in die Tasche. Ein Blatt meldet heute da! Gerücht, daß der reiche Besitzer der großen Thames Jronworks, Mr. Hills, der schon seit Jahren den Achtstundentag in seinem Betrieb ein- geführt hat, dem Verein der Maschinenbauer ein zinsfreies Darlehen von einer Viertelmillion Pfund Sterling zur Verfügung gestellt haben soll, damit der Streik fortgesetzt werden könne. Das dürfte aber wohl eine Ente sein. Lehnt aber der Fabrikantenbund die Konferenz ab, dann sind neben andern Beiträgen auch größere Darlehen aus bürger- lichen Kreisen den Maschinenbauern sicher. Schon ist ein Mr. Cobde» Sanderson, der Mann einer Tochter Richard Cobden's, mit einem zinsfreien Darlehen, dessen RückzahlungsmodnS er völlig in das Belieben der Gewerkschaft gestellt hat, vorangegangen. Der in Manchester domizilirte englische Typographenbund hat am Freitag die Gewährung eines Darlehens von 5000 Lstr.(100 000 M.) beschlossen, und Mawdsley schreibt heute in Reynolds„News paper"— mit bezug auf die Meldung, daß der Vorstand der Maschinenbauer schon vor einiger Zeit sich" bereit erklärt habe, den Streik in London seinerseits aufzuheben, sobald die Unternehmer zn einer Konferenz die Hand böten. die Unternehmer aber dies abgelehnt hätten— daß, wenn dieS sich als wahr erweise, die Maschinenbauer a»f Unterstützungen rechnen könnten, die sie i» die Lage versetzen würden, die Unternehmer zum Eingehen auf den Vorschlag zu zwingen. Bisher haben sich nämlich gerade einige der größten englischen Gewerkschaften den Maschinenbauern gegenüber ausfallend ablehnend verhalte», wie es scheint, weil sie mit der Führung vcs Kampfes nickt ganz einverstanden waren. AuS London bringt das„Wolsj'sche Telegraphen-Bureau" folgende Depesche: Der hier zusammengetretene ausführende Rath der Vereinigung der Maschinenbauer berieth über die Antwort an das Handelsamt. Die Antwort wurde nicht veröffentlicht; eS verlautet jedoch, daß die Arbeiter geneigt sind, ihre Forderung betreffend den Achtstundentag znrückzuzieben. Ein weiteres Telegramm a»S Glasgow meldet, daß die Maschinen- bauer sich entschlossen haben. ihre Forderung, betreffend die ivöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden zurückzuziehen. Eine Be- sprechnng mit den Arbeitsgebern wird wahrscheinlich binnen einer Woche stattsinden. Bevor genaueres über die Beschlüsse der Arbeiterorganisation be- kannt wird, enthalten wir uns der Benrtheilung über die Tragweite dieser neueste» Vorgänge. Auch der Unternehmerverband soll, wie aus England telegraphirt wird, unter gewissen noch nicht veröffent- lichten Bedingungen die Vernnttelung des HandelSamtS angenommen haben. Selbst wenn die Verhandlungen in diese» Tage» beginnen sollten, so darf doch nicht auf das Ende dieser großen Bewegung jetzt schon gerechnet werden. In der Bethälignng der internationalen Soli- darilät dürfen die deutschen Arbeiter jetzt am allerwenigsten erlahme».— Gevidjks�Seiknnig. Eiu kleiner medizinischer Kougrcst tagte gestern in einem Saale des hiesigen Schöffengerichts. Nicht nur der für die Zeugen und Sachverständigen bestimmte Raum ivar dicht gesülll von Autoritäten und anderen Vertretern der medizinischen Wissenschaft, sondern auch der Zuhörerraum ivar voriviegend von Aerzte» besetzt. Unter den geladenen Sachverständigen befanden sich Geh. Rath Professor Dr. v. Bergmann, Geh. Sanitälsrath Prof. Dr. Hahn, der Heransgeber der„Berliner Klinischen Wochen- schrift, Prof. Dr. P o s n e r, Pros. Dr. D ü h r s s e», Geh San.-Rath Dr. F l a r o>v, Prof. Dr. Wolfs u. v. a. Dieses hervorragende Interesse der medizinischen Kreise«vnrde durch eine Privaillage bezw. Widerklage erregt, die den Privatdozenten Dr. med. vi i tz e und den Privaldozenlen Dr. L. Casper als Gegner vor das Foruu, deS Schöffengerichts führte. Ter nun schon mehrere Jahre zurückliegende Ursprung de? Streites ist in Vorgängen innerhalb der hiesige»«nedizinischen Gesellschaft zu suchen. In einer Ver- sammlung dieser Gesellschaft vcmonstrirte Dr. Casper einen Apparat, der eine bei der Kalheterisirnng der Harnleiter bis dahin noch hindernd sich zeigende Unvollkoinnienheit zu beseitigen bestimmt ist und deshalb einen«vichtige» Forlschritt auf dem Gebiete der Her- stellung chinlrgischer Instrumente und ihrer erfolgreichen Amvendung in derPraxis darstellt. Dr. Ritze behauptet nun, daß er selbst diePrioritäl sür diesenFortschritt für sich inAuspruch nehmen müsse, da er ein derartiges Harnleiter-Cystoskov schon 2 Jahre früher hergestellt, in seine» ärztlichen Kursen verschiedenen Aerztcn vorgeführt, auch in« diagnostischen Lexikon davon Miltheilung gemacht, schließlich aber auch den Apparat selbst Herrn Dr. Casper gezeigt habe, als ihn« dieser eineS Tages eine» längeren Besuch gemacht habe, un« seine»«««««« Jnstru- nientr kennen zu lerne». Dazu konnne, daß der von dem Mechaniker Hartivig angesertigle Apparat schon auf den Chirurgen- Kongresse» von Rom und Berlin ausgestellt geivesen sei. Dr. CaSper behauptet dagegen, daß sei» Gegner zu Unrecht die Priorität für sich in Anspruch nehme. WaZ dieser alS neue Erfindung hinstelle, sei im Prinzip schon lange vor ihn« von anderen Forschern bekannt gegeben«vorden, er habe bis dahin diese Erfindung auch noch nicht z«« Nutz und Frommen der Wissenschaft pnblizirt gehabt. Dr. Casper bestritt ferner, daß ihn» bei dem qu. Besuch elivas anderes gezeigt «vorden sei, als das„Operatio»S"-Cystoskop, und behauptete unter Berufung auf de» Mechaniker Hirschman»*— der dies gestern auch bestätigte daß er i» Ge«»ei»schaft mit diesen« ohne Kenntniß von der Nitze'schen Kon- truktio» deS Katheters durch selbständige Versuche und medizinische, soivie technische Erivägungen schließlich zn der Fori» des von ihm hergestellten Katheters gekominen sei, dessen Prinzip übrigens keinesivegs«nit den« des Nitze'schen übereinstimme. Ueber diese Streitfrage äußerten sich alsdani« die Parteien in der medizinischen Gesellschaft. Dann folgten Erörlerunge» und Enviderungen im„Zentralblalt für Chirurgie", und dieser Kampf schloß mit einem von Dr. Ritze veröffentlichten „Letzten Wort an Dr. Casper" ab, i» ivelchem er diesen geivisser- «»aßen der unbefugten Ausbeulung seines geistige» Eigenthums be- eratentheil veranNvortttch: Th, Glocke in Berlin. Druck und Verlag von schuldigte. DieS hat den Anlaß zur Privatklage gegeben, während eine Aeußerung in der medizinischen Gesellschaft den Ausgangspunkt der Widerklage bildet. Die vom Amtsgerichtsrath Haack geleiteten Erörterungen vor Gericht hatten einen voriviegend«viffenschaft- lichen Charakter und nahmen einen solchen Umfang an. daß sie an, Freitag fortgesetzt«verde«« müssen. Die sich betämpsende» Ztnschauungen«vnrde» von Dr. Ritze und seinen« Vertreter Rechts« anivalt Lobe, soivie auf der anderen Seite von Dr. Casper und dessen Vertretern, Justizralh Kleinholz und Rechtsanivalt Behrendt, i»il großen» Nachdruck zur Geltung gebracht. Die gestrige Verhandlung zog sich bis zmn Abend hin. Wir«verde» über den Ausgang des Prozesses«»seren Lesern Mittheilung machen. Tie„pflichtvergessene" Bahnwärterin. Die herrlichen jsu- stände im Reiche des Herr» Thiele» kennzeichnet auch eine Ver- Handlung, welche dieser Tage vor der Slraskainmer in Kreuz- b n r g(Oberschlesien) geführt«vurde. Die aus der Anklagebank er- scheinende Frau D., die den Posten einer Bahiuvärlerin in Polanoivitz bekleidete, hatte am 5. Mai d. I. die von ihr zu bedienende Barriere nicht rechtzeitig geschlossen, so daß«in Fuhriverk von dem gerade an- kommenden Zuge überfahren und demolirt«vnrde. Glücklicherweise kainen dabei nur einige Echiveine»ins Leben. Frau D. hob zu ihrer Entschuldigung die große Schivierigkeil ihres Dienstes hervor. Ihr Mann sei Bahnivärler und habe die Strecke zu beaufsichtigen, «vähreud sie das Schließen der Barrieren auf der Kreuzung der Chanssee und der Bahnstrecke z«« besorgen halte. Bei 18 Zügen täglich mußte sie die zivei etiva 500 Meter von der Wohnung entferulen Barrieren einzeln herablaffen und aufmachen, außerdeu» ihren Haushalt besorgen und ihre kleinen Kinder«varte». So sei es gekommen, daß sie an dem Unglückslage nicht rechtzeitig die Barriere geschlossen habe. Im Lauf« der Verhandlung stellte es sich noch heraus, daß der betreffende Zug. «vie die Angeklagte behauptete, thalsächlich einige Minuten früher die Kreuzungsstelle passirte, als er fahrplanmäßig sollte,«veshalb Frau D. fr e i g e sp r o ch e n«vurde. Die eulstandene» Kosten hat ihr jedoch das Gericht nicht zugesprochen. Es muß noch erivähut «verde», daß die arme Frau für ihren geiviß arbeitsreichen Dienst täglich— sage und schreibe— sechzig Pfennige Lohn er- hielt. Die Bahnverivaltung n«ag sich ihrer unheilvollen Sparsamkeit beimißt geworden sein, denn nach dem Unglück(cS soll schon daS vierte fein) ist jetzt auf den« fragliche» Posten ein ständiger Bahn- «värter stationirt._ Sozwlrs. Ter Nllgenieiue Mufikcrvcrbaud hat,«vie die„Köln. Ztg." mittheilt, den Beschluß gefaßt, eine Eingabe an den Reichskanzler zu richte» in Sache» der V e r si ch e r u n g s p sl i ch t der Musiker, die in der Praxis noch jeder einheitlichen Regelung entbehrt. Zur Unterstützung dieses Vorgehens soll durch eingehende Echebnngea festgestellt«verde», i»«velche» Fällen bisher die Musiker der Alters- und JnvalidilätS- Versicherungspflicht unterivorse»»vorden sind und «vie»veit sich die Befreiung hiervon durch sogenannte„Kunstscheine" erstreckt hat. Im bayerische»« Bcrkehrödicnfte soll das«veibliche Geschlecht künftig ausgedehntere Berivendnng finden als bisher. Die Zahl der im Telegraph«««die»ste thätigen Fra«««» soll bedeutend ver- «nehrt werden; für den Dienst an den P o sl s ch a l t e r n,«vo jetzt die Postiverthzeiche» durch Beamte verkauft«verde»,«vill man ver- suchsiveise«veibliche Hilfskräfte annehmen und bei den Staats- bahnen«vird erivogen, ob nicht an de» Fahrkartenschalter» zunächst zun, Verkauf der Vorortsbillets Frauen angestellt«verde» sollen. Die Berivendnng voi« Frauen im Manipulationsdienst der Güter- stationen ist schon früher erivoge»«vorden. Die„Münchener Post" meint zu dieser Nachricht: Nach den Erfahrungen, die die Verkehrsverivaltuug mit der Nustellung von Telephonistinnen gemacht hat,«veiß die Verkehrsverivaltuug, daß die Frauen, besonders«venu sie auf gute Empfehlungen hin angestellt «verde««, ä u ß e r st z u f r i e d e n sind, a>lch«veiin ste der n i e d r i g st e n Gehaltskategorie zugelheilt«verde««. Für solche Proleklionskiuder, »nd die meiste» sind es, ist der Gehalt nur ein«rivünschter Neben« verdienst, während der männliche Beamte von feineu« Gehalte den Unterhalt auch noch für sein« Familie zu bestreite» hat. Die Gefahr also, daß auch hier die Frau als Lohndrückerin anstritt, ist bedenklich genug, um de» Gegenstand bei der betreffende» Etats- beralhung iin Landtage in der geeigneten Weise z» erörtern. Dir Chcmnitzcr Arbeiter petitioniren beim Rath der Stadt um Errichtung eineS! o in«n u n a l e n A r b e i t s n a ch w e i s e S. Depesrszen und letzte LlttchviiHken. Maunheii», 27. Oktober.(Privatdepesche deS„Bonvärtß"). Bei der heutige«« Laiidtagswahl wurden gewählt 310 sozialdenio- kratische, 47 denrolralische, 85»alionalliberale Wahlmänner. Für die sozialdemokratische Partei«vurde» 6000 Stimmen abgegeben. Glänzender Sieg. Altona a. E., 27. Oktober.(Privatdepesche deS„Vorivärt?) Der englische Dampfer„North Thy»" hat 9 Schiffbrüchige, die von einem brennenden»orivegischen Dampfer auf hoher Nordsee durch ein Rellnngsbool geborgen«vurde», in Hainburg gelandet. Elberfeld, 27. Oktober.(Privatdepesche des„Vorivärts.") Die Etrafkanuner verurlheilte den Herausgeber unseres hiesigen Partei- organs„Freie Presse", Genosse Grimpe,«vege» Beleidigung deS Bürgermeisters vo» viemscheid zu drei Monaten und«vegen Be- lcidignng eines Staatsanivalts zn zivei Monaten. Beide Urtheil« «verde» zu einer Tesammlstrafe von vier Monaten zusaiiimeugezogen. Außerdem«vnrde auf Publikation des Urtheils in sieben Zeitungen und auf die üblichen Nebenstrafe» erkannt. Frankfurt a. M., 27. Oktober.(B. H.) Ter„Franks. Ztg." «vird ans Andernach gemeldet: Der bekannle Gasthof„Zur Glocke" ist heute Vormittag eingestürzt. Der Hauptträger des g.oßei« Saales war infolge vo» Gasreparaturen gewiche» und stürzle durch die Decke deS Erdgeschosses, die oberen Etagen mit sich uädizieheud. Es ist niemand verunglückt. Wien, 27. Oktober.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Nach 13 namentlichen Abstiinuningen,«velche von II Uhr vormittags bis 5 Uhr nachinittags dauerte», beantragt Abg. Jmvorski, daß von morgen an täglich Abendsitzungen staltstnden, nusschließltch zur Bc- ralhung der Ausgleich-Provisoriiun-Voilage. Di« Abgg. Funke Und Kaiser erkläre» den Antrag als geschäslsorduungsividrig. Nach heftiger Kontroverse schlägt der Vizepräsident vor, es möge morgen zunächst in der Tagessitzuug die Ministeranklage und»ach Unterbrechnng Abends das Ausgleich- Provisorium verhandelt «verde».(Lärm links.) Nach«veiteren heslige» jtonlroverse» beau- tragt Dr. Lueger getrennte Abstimiuung über den Vorschlag des Bizepräfldenlen. Das Haus nimmt den eisten Theil des Vorschlages des Vizepräsidenten in einfacher Tagesordnung mit großer Ma- joritäl an. Ter ziveite Theil«vurde sodann in nameutlicher Abstimmung mit 184 gegen 30 Stinunen ebenfalls angenoninien»»achdein die gesauinile Linke den Saal verlassen hatte. Sodann«vnrde der An- trag JaivvrSki, über das Ausgleichsprovisoriuu« in tägliche» Abend- sitznngen zn verhandeln, angenouuueii. Die»ächste Sitzung findet morge» Mittag statt. Prag, 27. Oktober.(B. H.)„Narodni Lisiy" verzeichnen folgende Belgrader Sensatiousuachricht: König Milan sei ohne Vorivissen des Königs Alexander beim Metropoliten Michael er- schienen, um eine definitive Scheidung vo» Natalie zu verlangen. «veil er sich behnss Erhallimg der Dynastie«nieder verhcirathcu «volle. König Alexander sei Iranl und«vurde sich ins Ausland be« geben,«vo er medizinische Autoritäten i» der Nähe habe; er»vnrde de» KönigSlitel beibchalleu,«nährend Milan unter dem Tilel„König« Vater" i» Belgrad regiere. Die Angeleg-icheit sei zwischen Diila» »»d dem Metropolilen noch i» der Cchivebe. Sofia, 27. Oktober. Di« Sobranje ist heute mit einer Thron» rede eröffnet worden. Dieselbe betont die Forlschritte des Landes «vähreud der letzten zehn Jahre und die allseitig günstige«, Be» zichmigei, zu Rußland. Mar Babing in Berlin. Hicrz» l Beilage«« Nuterhaltnugsblatt. Nr- 252. 14. ZchMg. Der dritte Vo»tgrrtz der GaitwLrthssvhilfett DeukMztnnds fetzte nm Mittwoch Morgen seine Bernthunge» fort. Zunächst Kniidelt eS sich noch nm die Berathnng der Statuten des Verbandes. Unter anderem wnrde beschlossen, als Sitz der Verbandsleitnng Berlin zu wählen. Ebenso soll der Erscheinungsort des Fach- blattes Berlin bleiben. Eine längere Diskussion rief die Frage bervor. ob auch die eigentliche» Hilfsarbeiter der Gastwirthschafte» mit zum Verbände herangezogen werde» sollen. Schließlich einigte man sich ans folgende Resolution: „Die Destisiationsgehilfen, Bierzapfer, Hausdiener in Gast- wirthschaften können dem Verbände beitreten, doch sind sie, wen» möglich, als Sektion zu organisiren." Das Statut des neugegründeten„Verbandes der Gastwirths- gehilsen Deutschlands" kommt noch in der Vormitlngssitznng zu stände. Der Verband soll zum l. Januar 1893 ins Leben treten. Ueber die Stellungnahme zu de» G a st w i r t h e- I n» u» g e n referirl der Redakteur des Fachorgans Z e i s k e. Er plädirt im wesentlichen dafür, daß die Gehilsen von den ihnen durch die neuere Gesetzgebung gewährten Rechte» Gebrauch mache» und überall, wo Gastivirths- Innungen besteben, sich an den Wahlen zu den Gehilfenvcrtrelunge» derselben betheiligen sollen. Dadurch könne» die Gehilfe» einen, wenn auch nur bescheidenen Einfluß a»f die Jnmingseinrichtnngen, wie Herbergswese», Arbeitsnachweis, Fach- schulen, Schiedsgerichte, das Lehrlingswese» K., gewinnen. Eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution wird angenommen. Zum theil ebenfalls noch in der Vormittagssitznng wird die Frage erledigt, wie sich die Organisation zu solche» Personen stelle» s oll, die den Kell n erber n f nur als Nebenbeschäftigung ausüben. Der Referent Clans ans Leipzig ist der Meinung, daß diese sogen.„Ueberlänfer" nicht in de» Verband aufgenommen werden dürfen. Nach einer sehr ausgedehnten Debatte, an der sich mit größeren Reden besonders die Dclegirten Sellmer-Hamburg, Pötzsch- Berlin, Flöhlich-Hamburg, Gertz-Hambnrg, Ströhlinger und Zeiske ans Berlin, sorvie der Vertreter der Generalkommission Legien be- tbeilige», einigt man sich in der Frage auf die folgende Reso- l u t> o n: „Der Kongreß sieht darin, daß Arbeiter anderer Berufe nach Beendigung ihrer Tagesarbeit oder an Sonntagen als Ansbilss- ftVniei thätig sind, eine Schädigung der Interessen der Gastwirths- gehilsen, da diese Arbeiter ungünstig auf die Lohn- und Arbeits- dedingnngen einwirken. Da eine Beseitigung oder Einschränkung dieses Uebelstandes aber nicht dadurch herbeigeführt werden kann, daß diese Arbeiter ohne Kontrolle sich selbst über- lasse» bleibe», so beschließt der Kongreß, daß die Ans- »ahme solcher Personen in den„Verband deutscher Gastwirths- gehilsen" erfolge» kann, wenn dieselben der Organisation ihres Berufes angehören nnd hier ihre Pflicht erfüllen, lieber die Aufnahmeberechtignng entscheidet die in Frage kommende Lokal- Verwaltung endgiltig. Der Kongreß erklärt ausdrücklich, daß mit diesem Beschluß nicht anerkannt werde» solle, daß diese Doppel- beschäftig»»« berechtigt sei. I» Erwägung, daß diese Arbeiter im allgemeinen infolge des doppellen Erwerbes nnd infolge ihrer Ueberanstrengniig den Lohndriichnngsvcrsnchen den geringsten Widerstand entgegensetzen nnd sich dementsprechend nicht nur im Gastwirths- Gewerbe. sondern auch in ihrem sonstige» Berns« als Lohndrücker erweisen; in fernerer Erwägung, daß alle Gewerkschaften ans eine Verkürzung der Arbeitszeit hinwirke», diese Doppelbeschäftigung aber eine ungebührliche Verlängerung der'Arbeitszeit bedeutet: richtet der Kongreß an alle gewerkschaftlichen Organisationen die dringende Anffordernng, bei ihren Bernssangehörige» dahin zu wirke», daß sie diese ihre Arbeilsgeuossen im Gastwirthsgewerbe schwer schädigende Nebenbeschäftigung unterlassen. H. P ö tz s ch. R. Ströhlinger.» Am späte» Nachinittag kam der Kongreß»och zur Behandlung der Frage, welche Form der Arbeitsvermittlung für die Gastivirthsgehilfen die geeignetste sei. Reserenten sind Kapphengst und Z i I l m a n». beide ans Hamburg. Sie legen beide dem Kon- greß Resolutionen über diese Frage vor, ebenso hat auch Pötzsch eine ausführliche Resolution vorgelegt, ivelch' letzterer bis Schluß der Sitzung noch eine größere Rede über die Arbeitsvermittelnng im Gastwirthschaftsgewerbe hält. Zu einem Beschluß über diese Frage kommt es heute noch nicht. VerkehrSangelegeuheiten. Die Snbkonnnission der Verkehrs Depntalion beschäftigte sich gester» nnler Borsitz des Bürgermeisters Kirschner mit dem Antrag« der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske wegen Erlheilung der vorläufigen grundsätzlichen Zustinlinung zu der EriveiterungSlinie Pols- da in er Platz— Epittelmarkt— Jannowitz-Brncke— Köpenicker Brücke. Die Kominissio» hat beschlossen, diese Zustimmung noch nicht zu ertheilen, vielmehr zunächst mit der Ge- sellschaft in Verbindung zu treten über die Grundbedingungen eines Vertrages.— Das von uns bereits mitgetheilte Ersuchen des Polizeipräsidenten an den Magistrat, der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske schon vor Abschluß der V e r t r a g S v e r h a n d l u n g e n die äustimmnng zur Anlage der elektrischen Bahn e s u n d b r u u n e n— O r a n i e n b n r g e r st r a ß e zu ertheilen, bildete in der heutigen Sitzung der Subkommission der Verkehrs- deputation gleichfalls einen Gegenstand der Beralhungen. Es wurde beschloffen, die Zustimmung biS zum Abschluß der Vertrags« Verhandlungen auszusetzen. Der von uns mitgetheilte Plan zur AuSg'e staltung deS Berlin erStraße»bahn netzes wnrde von der Snbkommission im wesentlichen nach den Vorschlägen des Baurathi Krause an- genommen. Dieser Plan soll nunmehr in der nächsten Sitzung der Verkehrs-Deputation vorgebracht werden. Ju der»uter Vorsitz des EtadlsyndiknS Weife abgehaltenen Sitzung der Hochban-Depntation wurden von größeren Projekten die Entwürfe zu den G e m e i n d e- D o p p e I s ch u l e n in der Gloganerstraße, in der Wilmsstraße und in der Oderbergerstraß« vorgelegt und genehmigt. Stadt- baurath Hoffmann theilte bei dieser Gelegenheit niit, daß er die Projette zur Handiverkerschnle am Stralauer Platz und zu der Gemeinde-Doppelschule an der Ehristianiaftraße noch vor Weihnachten vorlegen werde. I» der am Sonnabend stattfindenden Sitzung des Nenner« Ausschusses zur Unterstützung der durch Unwetter Geschädigten Deutschlands wird über die in der Hanpt-Sliftungskasse befindlichen Summe» für die Ueberschwemmten einschließlich des ResteS»er Millionenspende der Stadt Berlin, von welcher bereits 100 000 M. vor etwa s e ch s W o ch e n an die Hanpt-Stistnngskaffe über- wiesen worden waren, worüber wir zur Zeit berichteten, Bestimmung getroffen werden._ Lokttles. Tie'dnrch die Anträge der sozialdemokratischen Etadtverord- neten in' Fluß gekommene Echularztfrage wurde Dienstag Abend in einer Versammlung der Vereinigung für Schulhygiene eingehend erörtert. Dem Vortrage des LehrerS S n ck lagen folgende Leitsätze zu gründe: l. Für die hygienisch« Beaussichtigung der Schul» linder, sowie für die Vornahme hygienischer Untersuchungen, soweit es die Zwecke der Schule erfordern, ist der Lehrer durch eine auf den Eeminarien zu empfangende Ausbildung zu befähigen. 2. In Ks JjtlDirls" allen Schnlklaffen sind vom Lehrer G-s undheitslisten anzulege». 3. Kinder, an denen Fehler festgestellt werden, sind dem Schularzt vorzuführen. 4. Der Schularzt nnrd für einen größeren Bezirk angestellt und ist ein beamteter Arzt. In der lebhaften Debatte zeigte sich, daß viele Lehrer die Eingliederung des Arztes in den Schulorganismns mit Mißtrauen betrachten. Wiederholt wurde der thörichten Befürchtung Ausdruck gegeben, daß der Schularzt möglicherweise seinen Einfluß in einer Weise geltend mache» könnte, der die Selbständigkeit des Lehrers untergrabe und zu allerhand MißHelligkeiten führe. Es ist uns nicht ersichtlich, wie das Wirken des Schularztes zu Miß- Helligkeiten führen kann. Irgend ei» Konflikt könnte nur entstehen, wenn der Jlrzt sich aus hygienischen Gründen als Feind der Prügel- Pädagogik beihätigte. Und das wäre wahrlich kein Unglück. Denkmal für die Märzgefallenen. Die Stadtverordneten Ladewig und Genosse» habe» i» der Stadtverordneten-Versaminlung folgenden dringlichen Antrag eingebracht:„Die Stadtverordneten- Versammlung wolle beschließen, de» Magistrat z» ersuchen, mit ihr in gemischter Deputation über die Errichtung eines Denkmals für die am 18. März 1843 Gefallenen zu berathen. Mit scincm au auswärtige Koinmnnallicrwaltnuge» ge- richteten Gesuch um Bewilligung eines Beitrages für das Denkmal, welches den Märzgefalleue» hier errichtet werde» soll, ist das bürgerliche Denkmal-Komitee überall abgewiesen worden. Ju diesen Tagen kam die Angelegenheit in den Gemeindevertretungen von U l m und Halle zur Verhandlung. In Ulm sprach nur ein Demokrat für die Denkmalsspende, wäbrend ein Wortführer der frei- sinnige» Etadtverordnetcnmehrheit in Halle sich um die Bewilligung mit der Phrase herumdrückte, daß man sich nicht in eine» partei- politischen Streit einmischen solle. Der sozialdemokratische Stadl- verordnete Albrecht erklärte darauf, daß er die ablehnende Stellung gegenüber dem Gesuch durchaus erivartet habe, denn das heutige Bürgerlhum habe keine Mittel für solche Zwecke übrig, da es nicht revolutionär wie das von 1343, sondern byzantinisch und servil sei Nur die beiden sozialdemokratischen Stadtverordneten stimmten darauf sür die Bewilligung eines Beitrages. Echt freisinnig. Während unsere Genossen durch ein am Montag verbreitetes Flugblatt jeden Wähler dcr an den bevor- stehenden Stadtverordnelen-Wahlen thcilnehmenden Bezirke zum Besuch nuscrer öffeuttichcu Komiunnalwähler-Versammlungen ein- luden, in denen jedem Theilnehmer, ob Gegner oder Genosse, sreieste Aussprache gewährt wurde, versendet das liberale Wahtkomitee sür die Sladtverordneten-Wahlen an die bessersiluirten Wahlberechtigten Packelfahrt- Einladungskarten zu einer„Versammlung der liberalen G e m e i u d e- W ä h l e r". Abgesehen davon, daß in der angegebenen Tagesordnung dcr Punkt„Diskussion" feblt, es also vermieden werden soll, daß de» an- gekündigten Rede»„freisinniger" Stadtverordneter entgegengesetzte Meinungen zum Ausdruck kommen, trägt die Einladungskarte noch solgeudcn fettgedruckten und unterstrichenen Vermerk:„Diese Karte dient a l s L e g i l i m a t i o n und wird am Ein- gang des Lokals abgenomme n." Also erst forgsältige Zluslesc unter den Wahlberechtigten, dann strenge Kontrolle beim Eintritt und schließlich noch der Maulkorb für die Versammlungslheiluehmer. Da muß ja alles klappen! Tie Frage, ob eine aiischeiilcnd geistig gesunde Person widerrechtlich in eine Irrenanstalt gesperrt worden ist, be- schästigt zur Zeit die in belracht kommende» Faktoren der hiesigen Justizbehörden. Es bandelt sich um eine Dame, welche vor einigen Wochen von ihrem Manne nach einer sehr bekannten Privat-Jrren- austalt geschafft wurde und dort bis aus den heutigen Tag zurück- behalten wird. Der Fall hat die Beachtung weiterer Kreise erweckt durch ei» Schreiben folgenden Inhalts, welches die Jnternirte heimlich an eine Nachbarin gerichlelet hat. Ter Brief hat solgenden Wortlaut: „Geehrte Frau... Verzeihung, daß ich Sie heute wiederum belästige. Einem glücklichen Zufall verdanke ich heute die Absendung dieser Zeilen Wie Sie ja wissen, bin ich seit 6 Wochen in der Privat-Jrrenaustalt von.... Man hat mir gesagt, daß ich, trotzdem ich Gott sei Dank bei vollem Verstände, hier ans Beseht meines Mannes ein- gesperrt und nur dann aus diesem Elend erlöst iverde, wenn der Mann mich abholt. Ich habe so gefleht, mich meinen Mann sprechen zu lassen, da sagte man mir. er ließe nichts von sich hören. Briese werden auf dem Komptoir gelesen nnd zurückbehalten. Ich habe drei Briese an Sie ub< geschickt nnd von Ihnen keine Antwort, auch von dort anS dem Hause nicht. Ich sitze hier hinler Eisengittern und komme nur in den AnstaltSgarlen mit den Kranken. Schreiben Sie mir doch, was ans meinen Sachen, Wohnung nnd meinen armen Thieren geworden. Alle bekommen hier durch Besuch Nachricht von den Ihrigen, nur ich nicht. Ich würde Ihnen von ganzem Herzen dankbar sein, denken Sie, was ich hier leide. Ter Freiheit beraubt, und meine ganzen Er- sparniffe und alle meine Arbeit ist nun hin und umsonst gewesen! ... Ich danke dem Schicksal, daß es mir den Verstand läßt." Es sind, wie schon bemerkt worden ist, entsprechende Schritte eingeleitet, um gerichtliche Aufklärung in der Sache zu schaffen. öffentlich ist das Resultat der Uulersuchnng derart. daß das ubliium keine Ursache hat, neues Mißtrauen in unsere Jrreurechts- pflege zn setzen. Tie Gesellschaft für den Van von Nntergrnndbahnen hat der städtischen Verkehrs- Deputation die Mittheilung zugehen lassen, daß die im Monat September wieder aufgenommenen Arbeiten an dem S p r e e t u n n e l z w i s ch e» S t r a l a u und Treptow bisher in durchaus befriedigender Weis« verlaufen seien und daß die glückliche Vollendung dieses Bauwerks und die Herstellung der sich an den Spreetunnel anschließende» Straßen- bahn nach dem Schlesischen Bahnhofe im Laufe des kommen- den JahreS mit Sicherheit zu erwarten sei. Um jedoch diese Bahnanlage einigermaßen«rtragssähig zu machen, sei eine Verlängerung derselben nach beiden Richtungen hin — nach dem Innern der Stadl zu einerseits nnd von Treptow über Nieder-Schönweide nach Johannisthal bezw. über Ober-Schönweide nach Schönweide andererseits— erwünscht. Die Gesellschaft hat daher die Verkehrsdepntation ersucht, ihren früheren dahiuzielende» Anträgen baldigst Folge zu geben. Finanziell sei das ganze Unter- nehmen gesichert. Tie Aktiengesellschaft Siemens n. HalSke hat jetzt dem Magistrat den Plan für die elektrische Hochbahn auf dem Schlesischen Thorplatz zur Genehmigung unterßreitet. Eine sehr zweckmäßige Ncncrung» welche die Arbeit der Hausdiener sowohl wie die der Postbeamten in den Abendstunden wesentlich erleichtern würde, wird hiesigen Blättern zufolge von der Ober-Postdirektion geplant. Es handelt sich um eine Maßnahme gegen den Andrang, der am Schluß der Schalterstuude allabendlich bei den Packet-Annahmestellen stattfindet. Da es nicht zu erreichen ist, daß die Geschäfte. außer wenigen Welthäusern. auch während deS Tages ihre Packet« zur Auflieferung bringen, so will die Ober- Postdirektion jeden Abend gegen 7 Uhr die Fahrpo st»Sendungen selbst durch Wagen der ReichSpost bei denjenigen Korrespondenten ab- holen lassen, welche regelmäßig eine größere Zahl von Sendungen zur Aufgabe bringen. Die Geschäfte würden die Sen- düngen abwiegen, mit den postalischen Anfgabezetteln versehen, welche ihnen von der Postverwaktung geliefert würden, sie sortiren sowie ein Packet-Annahme-Buch führen, kurz daS selbst ausführen, was bisher von dem Annahme-Postamt bewirkt wird, so daß die Packet« von dm Geschäften unmittelbar auf die Bahnhöfe überführt werden könnten. Die Absender hätten somit die Gewähr, daß ihre Sendungen noch an demselben Abend an ihren Bestimmungsort ab» > Doiuinßlig. 28. ilitolift 1897, gehen. In Aussicht genommen sind nur Packet« bis zum Gewicht von S Kilo. Auch soll eine geringe Gebühr erhoben werden. Die beiheiligten Inhaber im Bestenbezirk des Briefpostamtes erhielten gestern eine dahingehende amtliche Anfrage. Auch beabsichtigt der Ober-Postdirektor die Ansicht der Inhaber dcr zustimmend sich äußernden Firmen in einer Besprechung zu hören. Dcr Kneifer! Die Frage, ob das Tragen eines Kneifers unter Umständen als Ungebührlichkeit anzusehen sei, hat, wie die„V. Z." erzählt, in der letzten Zeit die obersten Postbehörden beschäftigt. Anlaß dazu gab folgender Vorgang. Der Vorsteher eines hiesigen Bahn- Postamts hat die Gewohnheit, diejenigen der ihm unterstellte» Beamten, die den Dienst in dem die Eiseubahnzüge begleitenden Postwagen versehen, die sogenannten„Fahrer", nach Beendigung jeder Reise in seinem Amtszimmer antreten und sich über die Erledigung des Dienstes während der Fahrt Bericht erstatten zu lassen. Zu einem dieser Vorträge erschien einer dcr Beamten mit kneiferbewafsuctem Gesicht. Der Vorsteher fand, daß es dem Beamten nicht gezieme, den Kneifer auch dann zu tragen, wenn er, wie in dem in Rede stehenden Falle, vor seinem Vorgesetzten erscheine, um ihm eine amtliche Meldung zu erstatten. Demgemäß forderte der Vorsteher den Beamten auf, den Kneifer abzunehmen. Dessen weigerte sich aber dcr Beamte, indem er darauf verwies, daß er kurzsichtig sei, den Kneifer ständig trage nnd ihn nicht entbehren könne. Dieses Verhalten bestimmte den Vorsteher, de» Beamten wegen Ungebühr in eine Geldstrafe von 3 M. zu nehmen. Der Beamte legte dagegen Beschwerde an die hiesige Ober- Post« direktion ein; nachdem alle Instanzen zu seinen Ungunsten e»t« schieden hatte», griff der Beamte zu dem letzten ihm zustehenden Rechtsmittel: er wandte sich mit einer neuen Beschwerde unmittelbar an das.Reichspostamt. Das letzlere vermochte in dem Verhalten deS Beamten dem Vorsteher gegenüber eine Ungebührlichkeit nicht zu entdecken. Der Beschwerde wurde deshalb statt- gegeben oder mit anderen Morien, die über den Beamten ver- hängte Ordnungsstrafe von 3 M. wurde aufgehoben. lieber die Urania in dcr Taubcustrastc bringt da?„Verlin-r Tageblatt" die folgende aufsehenerregende Nachricht: DaS Grund- stück Taubenstraße 43 und 49, ein Prachtbau, den dcr Ban- meister Wallhcr Hentschel sür die Urania- Gescllschast gebaut hat, stand heute zur Versteigerung; die besonders schweren Bedingungen, unter denen dcr Baumeister seine Bau- gelber ausnehmen mußte, haben ihn in den Konkurs ge« führt und daS Grundstück zur Zwangsversteigerung gebracht. Der Nutzuugswerth beträgt 33 300 M. Das Mindestgebot wurde auf 303 300 M. festgestellt; nnd für daS Meistgebol von 000 009 M wnrde die Handelsgesellschaft Architekten Lachmann u. Zauber zu Berlin Ersteherin des Grundstücks. Die Aktiengesellschaft Urania hatte ein Gebot von 380 000 M. abgegeben. Der HypolhekenanSfall beträgt etwa 99 000 M.- Nach diesem'Ausfall steht dahin, ob das Hans seinem bisherigen Zweck wird erhallen bleiben oder nicht. Eine größere Verkehrsstockung trat am Mittwoch Vor- mittag gegen 10 Uhr auf dem Nordring ein. Bei Einfahrt deS um O.b» auf Stativ» Gesundbrunnen fälligen Nordriugzuges Nr. 1304 platzte au derj Zugmaschine Nr. 1390 ein Siederohr, wodurch die Maschine unbrauchbar ivurde. Da die Reservemafchine erst von Station Westend herbeigeholt werden mußte, entstand eine Verspätung von 44 Minuten. Auch der in entgegengesetzter Richtung fahrende Personenzug Nr. 1309 erlitt eine Verspätung von 7 Minuten. da er infolge von Rangirmanöveru, die wegen Fort« schaffung dcr defekten Maschine erforderlich wurden, keine Einfahrt in die Station erhielt. Es fragt sich bei derartigen Unfällen immer wieder, weshalb die Bahuvecwallung nicht auf jeder größeren Station Reservemaschiueu bereit hält, damit solche im Bedarfsfalle nicht erst von weit hergeholl zn werden brauchen. Die großen Verspätungen bei irgend einem Maschiucndesekl sind gerade im Stadt« Ringbahn« verkehr, wo es dem Einzelnen aus Minuten ankommt, doppelt empfindlich. Tie ttrbcrgabc deS Treptower ParkcS durch den Arbeits» ausschuß der Berliner Gewerbe- Ausstellung 1890 an die städtische Garlenbau-Deputalion ist nunmehr zum größten Theile erfolgt nnd nur noch einige kleine Plätze, welche noch nicht regulirt resp. ge- säubert, sind noch an die Stadt Berlin abzutreten. Von den Baulich- keilen, welche nicht erhallen bleiben sollen, steht nur noch ei» Theil der bisherigen Feuerwache, welcher jetzt als Schuppen sür die Wächter dient, sowie ein Gipsbogen eine» Bauwerks von dem ehemaligen Bauhof, dessen Weiternbriß infolge eines Prozesses zwischen Ruß« steller und ArbeilSausschuß bis auf weiteres inhibirt ist. Die Regit- lirung hat auch wahrlich lange genug gedauert. Deoschkeuverkehr«nter den Linden. Das Polizeipräsidium giebt bekannt: Durch das Befahren dcr Südseile der Straße Unter den Linden, zwischen der Wilhelmstraße und dcm Denkmal Friedrich des Großen, einschließlich des Lastweges, sowie der Friedrichstraße, zwischen der Weidendammerbrücke und der Behrenslraße, durch un« besetzte Droschken wird zu gewissen Tageszeile» und bei besonderen Anlässen nicht nur der Wagenverkehr außerordentlich erschwert, sondern es werden auch i» naturgemäßer Folge hiervon die Fuß- gänger beim Ueberschreiten der Kreuzungspuukt« in hohem Maße gesährdct. Um diesen llebelstand nach Möglichkeit zu beseitigen, sind die Anssichlsbeamten mit Anweisung versehen worden, gegebencnsalls und gestützt aus den§ 117 des Straßenpolizei-Regle- ments vom 7. April 1807 die unbesetzten Droschken von der Südseite der Straße U.uter den Linden, zwischen der Wilhelmstraße nnd dem Denkmal Friedrich des Großen, nach der Nordseite derselben, sowie der Friedrichstraße, zwischen der Weidendammer Brücke und der Behrenstraße, nach den Seitenstraßen derselben zu weisen. Dies wird mit dem Bemerke» zur öffentliche» Kenntniß gebracht, daß die be« treffenden Droschkenführer bei Vermeidung ihrer Bestrafung aufgrund des§ 118 des Straßenpolizei- Reglements den Aufforderungen der Aussichtsbeamten unweigerlich Folge zu leisten haben. Ilm Anlegung einer Haltestelle an der Horkstraße hatte der Grundbesitzervcrcin„Westen" bei der Bahnstation dcr Stadt- nnd Ringbahn petitionirt. Die Bahndirektion hat ablehnend mit der Be« gründung geantwortet, daß sie zur Zeit ein Bedürfniß hierfür nicht anerkennen könne. Ei» einheitliches Glockenzeichen für Radfahrer soll der „Deutschen Tages-Zeitung" zufolge möglichst schon im nächste» Jahre eingeführt werden. Man hat die Wahrnehmung gemacht, daß viele Radfahrer zum Sigualgeben die sonderbarsten Mittel anwenden. Sie pfeifen, rufen, schlagen mit einem Schlüssel gegen die Lenkstange, und kürzlich vernahm man sogar eine unaufhörlich bimmelnd« mächtige Kuhglocke. Auch die von den Fahrradfabriken hergestellten Glocken sind oft recht unpraktisch und ebenso verschiedenartig im Ton wie in der Konstruktion. Die einzelnen Radsahrer-Vereine wollen sich»un, dem genannten Blatt zufolge, sür einheitliche Signale ins Mittel legen, ehe noch die Polizei Ursache zum Einschreiten findet. DaS Opfer eines IknfallS ist gestern Nachmittag in der Person des 40 Jahre alten Arbeiters Gustav Fleischer anS der Gartenstraße 40a auf dem Friedhofe der St. Golgatha-Gemeinde an der Barfnsstraße beerdigt worden. Fleischer, der für ein Mörtel» geschäft arbeitete, verunglückte auf einem Neubau in der Jagow- straße dadurch, daß ihm aus der Höhe des zweiten Stockwerks ein Mauerstein auf den Kopf fiel und den Schädel zerschmetterte, so daß das Gehirn verletzt wnrde. Der Verunglückte hinterläßt eine Wiltw« mit fünf unmündigen Kinder» in bedrängter Lage. Der Unfall wird wohl noch ein Nachspiel vor Gericht hahen, da er aus einer Fahrlässigkeit hervorgegangen zu sein scheint. Achtung, Maurer. Am Freitag, den 22. Oktober, verunglückt« durch Absturz auf dem Bau Scharrnstraße, Charlottenbnrg, dcr Maurer Pank Großer. Der Unfall hatte den Tod des braven Genossen zur Folg«. Di« Beerdigung wird am Freitag, den 29. Oktober, S'/s Uhr nachmittags, vom stcidlischrn Kranbenhause in Eharlott,»burg aus erfolgen. Di« Mitglieder des ijentralverbandeS der Maurer werden gebeten, sich um 2Va Uhr im Lokal von L eh d er, Bismarck- st r a ß« 74, einzufinden. Echo» tvlcdcr ist eine Lotterieziesinng fiir nngiltig erkltirt worden. Diesmal betrifft die von dem Minister des Innern an- geordnete Maßregel die Gikliher Lotterie, bei welcher infolge»n- genügenden Absatzes der Loose eigemnfichtig«ine erhebliche Siednllion der Gewinne vorgenonnnen worden ist. Di« neue Ziehung am 29. Oktober soll»ach dem ursprünglichen Plane stattfinden. NahrniigSsorge» scheine» den 40 Jahren alten Schiteidermeister Hermann Liepe ans der Deinminerstr. LS ins Wasser getrieben zn dabe».� Der Mann betrieb mit zivei bis drei Madchen eine Werk- statt für Damenkonfektion. Sei» Geschäft ging jedoch so schlecht, daß er vor etwa 14 Tagen die Mädchen entlassen mußt«. Dazu tarn noch, daß die beiden jüngsten Kinder im Slller von 5 Jahren und I Jahr— es sind außerdem noch zwei im Aller von 14 und 11 Jahre» vorhanden— an den Masern erkrankten. Die SIoth kehrte ein und Aussicht ans Besserung war nicht vorhanden. Bor 14 Tagen ging Liepe von Hanfe weg und kam nicht wieder. I» alle» Krankenhäusern suchte man ihn umsonst. Gestern landete man seine Leiche an dem Grundstück Schiffbanerdamm SS aus der Spree. Auf Pcrnulflssiing der Berliner StaalSanwallschafl ist der „Frankfurter Zeitung" zufolge der Kaufmann Gustav Löb i» Kreuznach verhaftet worden, der unter dem Verdachte steht, zu einen» betrügerischen Bankrott in Berlin Beihilfe geleistet zu haben. Todt alifgcfnndcn wurde vorgestern Morgen der Slu- diosus der Philologie Karl v. Aniswald in seiner Wohnung in der MUtelslraße 44, die er erst vor wenigen Tagen bezogen hatte. Der junge Mann, der noch nicht 20 Jahre zählte, war in hohem Grade nervenkrank. Man weiß noch nicht, ob er eines natürliche» Todes gestorben ist. F-c»crbcrick»t. Dienstag Abend 7 tthr erfolgte Alarm nach ""fl�rftraße 1, wo die Balleulage Feuer gefangen hatte«nd vollständig aufgerissen werden mußte. DtejFlaunnen wurden erst nach längerem Wasfergebe» gelöscht. Kurz»ach 8 Uhr war O r a n i e n- burger st rast« B eine brennende Petroleumlampe umgefallen und halte verschiedene Gegenstände entzündet. Die Feuersgesahr wurde jedoch schnell beseitigt. Eine Stunde später drohte Kastanien- 9l l l e e Nr. 69 eine Petroleumlampe zn explodiren, doch wurde die Explosion durch eine» requirirten Feuermann verhindert. Mitlivoch Nachmittag S�/a Uhr wurde die Wehr »ach W i l h e l m st r a ß e 70» gerufen, wo Bodenkammern und Dachkonstruklion des„Ncichshoses" in Flammen standen. Der Hotel- gaste in den oberen Stockwerken bemächtigte sich eine große Ans» regung. Da der Brandheerd auf der Grenz« mehrerer Feuerwachen lag und von vier verschiedenen Stellen aus Alarmirungen erfolgten. war bald ein großes Löschansgebot, darunter auch die Dampfspritze von Zug 10 und eine mechanische Leiter zur Stelle. ES traten jedoch nur zwei Cchlauchleitunge» in Thäligkeit, die den Brand nach I nständiger Arbeit löschten. Der angerichtet« Schaden ist beträcht- ltch, da fast der gesammte Dachstnhl neu aufgeführt werden muß. Eine jener gefährlichen Frauen, welche Kindern, di« von ihren Eltern zum Einkansen ausgeschickt werde», Geld oder Werth- gegenstände abschwindeln, ist von einem Beamten des 90. Polizei- rcviers dabei ertappt worden, alS si« der acht Jahre alten Else W., die«in Damenjacket forttrug, in der Wollinerstraße nach üblichem Branche den Auftrag gab, einen Brief zn besorgen. Di« Frau, der bereits 20 Fälle von derartigen Eigenthnmevergehen nachgewiesen sind, wäre auch diesmal mit dem von ihr in„Verwahrung" ge- »omnienen Gegenstand entkommen, wenn sie nicht von dem Kriminal- schntzmailn Jenlsch beobachtet und ergriffen worden wäre. Die Diebin wurde in Untcrsnchnngshaft abgeführt. Zn der am Sonntag gebrachten Mitlheilung über den Zu- sammenstoß eines Wagens der Dampfbahn mit zwei Arbeitswagen erhallen wir von dem Führer deS ZugeS. dem Maschinisten Franz Holzgräber, eine Zuschrift, wonach der Petrolcninwagen, mit dem er kollidirte, vorschrisiswidrig aus der linken Seile der Straße ihm ent- gegen gefahren ist. Als der vordere Wagen der Dampfbahn nahe n» das Gcfäbrt herangekommen war. sei plötzlich ein Kohlenwagen im Galopp hinter dem Pelroleinnwagen herumgefahren, um dem Dampswagen noch den Weg abzuschneiden. Ter Maschinist stopple, konnte aber den Zug nicht mehr zum Stehen bringen, so daß ein« Kolliston uiiverineidlich war. Der Pelroleninwagen habe übrigens i» der Dunkelheit auch kein Licht geführt. Im Feenpalast wird jetzt«ine Posse von Leopold Handlung und seines heftige» Schlagens wegen allgemein eine kaum glaubliche Furcht hatte». Schon mehrfach haben infolge solcher BehandliingSwels» der Kinder die Elleni sowohl bei dem Lehrer selbst wie bei seinem vorgesetzien Relior Piepke über Mißhandlnug«», die häufig blnlige SIrieme» hiiilerließc», Beschwerde geführt. ES wurde ihnen dann aber steiS die Antwort zn iheil, daß„Tiockschläge ininier Striemen hinterließen". Am Montag voriger Woche nun glaubte der Lehrer Richard Ursache zu habe», den lljährigen Knaben Rudolf Fischer, ein anständige«, ruhiges Kind und, wie allgemehi versichert wird, auch«in folgsamer»nd sehr fleißiger Schüler. züchligen zn müssen. Er ergriff den Knaben, der wohl etwas Wider- stand leisten mochte, an den Schultern und. warf thn rückwärts über den Tisch. Trotz des BcrzivetflnngSschreies des gemtfthandelten Kindes, welches mit dem Rückgrat über die scharfe Tisch- kante gefallen war, schlug der Lehrer dasselbe noch wiederholt mit dem Lincal und stauchte es nach erfolgter Znchttgiing a» den Schultern noch mehrmals auf d i e B n n k nieder. Trotz seiner furchtbaren Schmerzen wagte der geängsligte Knabe aus Furcht vor weiteren Mißhandlungen nicht, zu Hause etwas zu sagen. Es stellten stch jedoch bald Erbrechen und heftige Magenbeschwerden«in. und in den Fieberphaiitasien, tn welche da« Kind nun verstel, zeigte dasselbe»in« entsetzlich« Angst vor der Brutalität seines Lehrer». Ter Arzt, vr. mock. Herzfeld, der von den Eltern sofort hiiizngezogen iviird», stellt« nach«rsolgler eingehender Untersuchung«in Attest an?, in welchem er ausdrücklich betonte, daß das von ihm behandelte Kind fingerdick«, b l u t u n t e r l a u f e» e Striemen, Magenbeschwerden und Er- brechen„infolge von Mißhandlung" habt. Nach einem mehrtägige», über alle Beschreibung schmeizensvollen Krankenlager starb gester» der Knabe, und der Arzt stellte einen Todtenschein anS, In welchem als Todesursache„Baiichfellenizündung infolge innerer Verletzung durch Mißhandlung" angegeben war. Jetzt erst hielt es anch der Rektor für gerathen, die Angelegenheit näher zu untersuchen. Er vernahm zwölf Mitschüler des»lißhandellen Knaben z» Protokoll und machte daraushin bei der vorgesetzten Schulbehörde Anzeige von dem Vorfall. worauf der Lehrer sofort von seinem Amte snspendirt wurde. Die Leiche des Knabe» wurde von der Staats- anwaltschast beschlagnahmt»nd durch die Polizei nach der Schöne- berger Leichenhalle geschafft, wo heute dir Obduktion stallstnden soll. Bis jetzt ist nur von unserer Seile mit aller Energie gegen die Prügelpädagogik a»fgelreten worden, während dieser Schandfleck am deutschen Schill, vesen von staatscrhallende» Blättern zärtlich bc- chönigt worden Ist. ES scheint erst z» solchen unerhörten Vor- alle», wie dem iniigelheille», kommen zn müssen, bevor ein Mandel n den staalserhaltende» Anschannugen platzgreist. Oder sollen auch olche Scheußlichkeiten noch gutgeheißen werde»? Fiir die eisten Schöncbcrgcr Stadtverordiictenwahle» werden jetzt ans Bestimmung dcs Iiegierniigspräsideilten zu Potsdam von den, Schöneberger Ort?vo»stcher di« Wahltage betannlgegeben. Dieselben sind für die III. Ablheilung(9000 Wähler) ans den 10. November, für die II.?lb>heili»ig(800 Wähler) auf den II. und für die 1. Ablheilnng(130 Wähler) aus den 12. November festgesetzt worden. AnS Pankow schreibt man uns: Am Sonntag früh 5 Uhr stieß hier ei» Güterzug mit einem anderen zusammen. Wenn auch Menschenleben nicht zu beklagen sind, so ist doch ein ziemlich de« deutender Materialschaden entstanden. DaS Unglück wurde dadurch verursacht, daß man das Einfahrtssignal zu früh abgab; dem Lokomotivführer soll keine Schuld treffen. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß derartige Vorgänge sich wiederhole», da der hiesige Bahnhof, der unter großen Kosten erbaut wurde, stch als zu klein und»inziveckinäßig erwiesen hat. Bemerkt sei noch. daß die in Pankow stationirten Beamten vielfach über zu lange Arbeitszeil zu klagen haben; der zwölsstündige Arbeitstag wird a» dem Wcchseltage zuweilen ans 13 Stunden erhöht, und auch der»ornial« Zwölistnndentag soll sehr oft überschritten werden. Bemerkt sei noch, daß kürzlich von der Direktion ein Schreiben zur Kennt- »iß gebracht wurde, wort» Hilfsbeamte, welcke an einem Unglück schuld haben, Entlassung ans der Slclle angedroht ist, während festangestellt« Beamte, ivenn ihr Vergehen nicht derart ist, daß ste sofort entlasse» und bestraft werden, den Schaden ersehen sollen. Vor kurzem hieß eS, daß die achiflündige Schicht eingeführt werden solle, doch ist ma» angenscheiitlich von dieser Absicht zurückgekommen. Warum wohl im Zeichen der Massen-tlnglücksfäll«? Von der Liebe zum Soldatcnstaiide. Ans Furcht vor dem Mililärdienst hat sich«in dienstpflichtiger Rekrut, der zum 1. Oktober >» et» hiesiges Garderegiment tingesteUI werden sollte, bis jetzt ver- borgen gehalten. Er wurde von dem Bezirkstomniando III Berlin schon scil längerer Zeit gefucht, und vorgestern Mittag gelang es endlich der Schöneberger Polizei, den Flüchliing i» der Goltzstraße, wo er sich bei Verwandten versteckt hielt, ansstndig zu machen. Er wurde sofort vcrhajtet und dem genannten Bezirkslommando zu- geführt. Tic Falschmliiizeret scheint in de» westlichen Vororten gegenwärtig wieder zn blühen. Nachdem seil einiger Zeit namentlich das Knrsiren falscher Zweiinarlsiücke beobachtet worden ist. tauchen jetzt in großer Menge falsche Einmarkstücke i», Verkehr ans. So ist besonders tn letzler Zeil ans dein Schöneberger Wocheuinarlt tn der Winterfeld- slraße eine große Anzahl solcher Falschnück« angehalten worden, ohne daß e? gelang, einen Verdächtige» sestznnchme». Soziale Vvchtspflege. Ein Rechtsstreit gegen die Firma Rössemann»nd Kühne- Ilianil beschäftigte am 20. Oktober die Kammer V deS Gewerbe- g e r i ch t s. I» der Zeit, als der Streik bei Borsig zur Folge hatte, daß andere Firmen vom Ringe dcr Metallmdusiriellen Borsig'sch« Arbeit Übernahme», weigerten sich u. a. auch die Former B., P. und Sch. mit ihrer Arbeitgederin, der Firma Rössemann u. Kühneinann, neue Akkordverträge abznschließe». Tie begonnenen Akkordarbeiten wollte» sie jedoch vollenden. An einem Donnerstage mußte» ste indessen ans technischen Gründen die Arbeit unlerbrechen. Sie entfernten sich mittags, da ihnen der Werkmeister erklärt hatte, eS könne erst am Sonnabend gegossen werden. Am Sonnabend erschienen ste wieder in dcr Fabrik, ivnrden jetzt aber nicht mehr zur Arbeil zugelassen. Ihre übrigen Kollege» halten bereiiS am Donnerstag die Arbeit niedergelegt. Die drei verklagten nunmehr die Firma, di« Ihnen die »»vollendete Arbeit nnr mit dem ortsübliche» Taaeloh» bezahlt Halle. Sch. einigte stch mit der Beklagten. P. und B. verlrat der Genosse Litst» vor dem Gewerbegericht. Er machl« geltend, es fände hier nicht die Bestimmung der Fnbrikordnung Anwendung, wonach durch Verschulden der Ardciler unvollendet gebliebene Arbeit nur nach dem orlsübliche», von den Krankenkassen sesigestellien, Tagelohn zn berechne» sei. Denn das Verschulden liege hier ans s eilen der Firma, vertreten durch ihren Werkmeister; hätte» doch die Kläger die angefangene Arbeit fertig machen wollen. Ans die Älrbeit, deren Ferligstellung der Werkmeister für den Sonnabend in Aussicht gestellt habe, sei aber auch di« Bestimmung der Arbciißordnnng nicht an- zuwenden, die besage, daß ohne Verschulde» der Arbeiter unfertig geblieben« Akkordarbeit nach demDnrchschnillsverdienst der betreffenden bezahlt werde. Das schuldhast« Verhalten des Werkmeister« Schoppan gebe den Klägern das Recht, den vollen Akkordpreis der sragltche» Arbeit zu verlange», natürlich abzüglich des TheilS, der auf den ans dem Rechtsstreit ausgeschiedenen Kollegen Sch. komm». Die Kläger berechnen demgemäß ihre Forderung auf an> nähernd 40 M.— Herr Knhnemann jr., der dl, Beklagten vertrat, wandle gegen die Forderung der Kläger«in, sie hätten sich dadurch inS Unrecht geseht, daß si« an jenen, Donnerstag« die Fabrik vir- ließen»nd nicht die ihnen zur Berfiignng stehende Arbeit für Borstg übernahmen. Der Herr Doetvr juris gab uinumwunden zu, daß er die Arbeiter habe veranlasse» wollen, zn sagen, f i c wollten nicht weiter arbeiten. Er habe dem Vorwurfe vor« beugen wollen, daß die Firma die Leute wcgen der Weigerung, Borsig'sch« Arbeit zu machen, entlassen hält«. Im Weg« der Wider« klage beanspruchte er jetzt für die Firuia 74 M. at« Ersatz für Ausschuß. Lilftn benntraglr, diese Forderung als»»z n l ä f s i g ab- zuweisen. Sie stamme auS einem ganz anderen Arbeit»- ve r h ä l t n bß. wie dem der Kläger, nämlich au» der geil vor dem ersten Streik bei Rössemann n. Knhneinaiin, der Anfang August beendet worden wäre. Si» könne deshalb nicht gegen de» Anspruch der Kläger kompcnstrt werden. Das Gericht erklärte aber eine solche Kompensalion für angebracht und verband die Berhand- lnng beider Klage». Nach mehrstündiger Verhandlung wurde da»»«in Theilnriheil gefällt. Di« beklagte Firma wurde verurtheilt, den Klägern di« angefangeneArbeit»ach ihrem Durchschnttlsverdi«ntt zu bezahle» und nicht nach dem ortsübliche» Tngelohne. Assessor Hellwig führt« be- gründend auS: Die Kläger seien nicht schuld daran, daß st« dl« 'Arbelt nicht terttg mache» konnten. Trotz ihrer Wetaernng, neu« Arbeite» zn beginnen, sei Ihr Verlangen,»ach anderthalb Tagen dl, angefangene Arbeit ferllg zu»lachen, doch berechltgt aewtkcn. Aber ihr Anspruch ans den vollen Akiordpretl» sei unbegründet, Die Arbeitsordnung fei ausschlaggebend, und di« bestimme, daß ohne Verschulden der Arbeiter unfertig gebliebene Slrbelt nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst berechnet werde.— Wegen der Gegenforderung sollt« Oberlehrer» Hermann Nanndorsf a»S Zorgan vor dem Schöffengericht in Halle a. S. zur Sprache. Der Angeklagt« ist im Februar d. I. wegen einer in einem Restaurant geihanen Aeußerung von fünf Referendaren des Landgericht« Torgau auf tiunnne Säbel gefordert worden und lehnte die Herausforderniig ab nitt dem verständigen Bemerken:„Die Herren mögen sich lieber a»f eine» gewissen KörpertheU setzen und etwas lernen". Die fünf Referendare ivnrden wegen Heransforderuiig z» je drei Tagen Festimgshaft verurtheilt; sie fühlten stch aber durch die Aeußerung beleidigt. Das Landgericht Torgau hatte sich zur Abiirtheilnng der Sache für besangen erklärt, weshalb die Angelegenheit dem Halleschen Landgericht überwiesen wurde. Das Ergebniß war, daß der Obeilehrer Naiindorss gestern wegen Beleidigung der Referendare zu B0 Mark Geldstrase«vent. fünf Tagen Gesängniß veruilheilt wurde. Versammlungen. Tie Freie Volksbühne hielt ihre Generalversammlung am Montag tn Keller's Feslsälen ab. Der Vorsitzende Dr. Conrad Schmidt hielt ein einleitendes Referat über die geschäftliche Thäligkeit des VereinsvorslandeS und Ausschusses. Er schilderte den Gang der Berhandlniigen mit den im Lause deS vergangenen Quartals in Frag« gekommenen Theater-Direktionen des Goethe-, Lesstng-, Friedrich- Wilhelmstädlischen, Ostend- TheaterS und deS Herrn Türk. Der hierauf vom Kasstrer deS Vereins abgegebene Kassenbericht für daS verflossene Quartal ergab«inen belrSchtlichen Anfschwung der Bereiusfinanzen infolge der Meldungen neuer Mit- glieder und zwar für die erste Abtheilung 281, für die zweite 423, für die dritte B7S und für di« viert« 200, tn Siiiiima 1485. Aer- eiimahml wurden vom 20. Juni 1397 bis 23. Oktober 1897 8185,22 Märt, verausgabt 4544,75 M.(inkl. Svmmersest), so daß ein Bestand von 1020,47 M. verblieb. Da die Vorstellungen für Dezember, Januar, März und«v Mai sämmtlich im Lrsstng-Thcaler stattfinden und die Vorstellungen im Friedrich-Wilhelmstädltschen Theater durch Heranziehung tüchtiger Gäüe den Ausgabe-Eial auch serner bedeutend delaste», sei es nöthig. den Verein finanziell möglichst zu kräftigen durch ttranziehung neuer Mitglieder. Nach dieser Richtung hin müsse jeder reund der Volksbühne seine ganze Kraft einsetzen, wenn die Leitung de» Bereins die gesteckten hohen Ziel« erreichen soll. NamenS der Revisoren gab T e i ch in a n n die Erklärung ab, die Bücher, Belege Und Bestände bei der Revision in bester Ordnung besunden zn habe», anch die Gesammlverwallung sei statutengemäß durchgeführt ivorden und beantragt er. dein Kasstrer Decharge zn ertheilen. Dies geschieht »instimmig. Eine sachliche Debatte entsteht über die Art der in Zukunft anSznwählenden Stücke, woran sich Schmidt, D u p o n t, MaaS betheiligen. Letzterer wünscht besonders, daß auch der heiteren Komödie mehr Rechnung getragen werde! Er empfiehlt ferner, Dichler-Abende nach dein Muster der von der Arbeiter-BildnngS- schicke veranstalteten für die Mitglieder zn arrangiren und wird dem Vorstand diese Frag« zur Erwägung überwiesen. Eine abfällig« Krilik wird an den Nestauralioiiiverhältnissen de« Friedrich- Wilhelmstädlischen Theater» geführt und stelll« die Vers.imncknng. falls durch Eingreiicn deS Vorstandes kein« Remednr zn schassen sei. eine wirksame Selbsthilfe in Aussicht. Schließlich wird noch be- sonder« ans das am 27. November in dcr Branerei Friedrichshain statifittdeude Winlerscst des V-reinS hingewiesen, bei welche», den Miigliedern für«in Einlritlsgeld von 80 Pf. ein reichhaltiges Pro- gramm geboten wird. Ter Zentralverband»er Glaser» Zahlstelle Berlin, hielt am IV. d M. bei SIrainm, Rillersiraße. sein« Mltgtiedeivcrsammlnng ad. Der erst« Punkt der Tagckordnima: Geschäftsbericht des früberen Vorsitzenden, konnte wegen Abwesenheit dcs letzteren nicht erledigt werden. Im weiteren wurde der Antrag des Kollegen .Jahn zum nächstjährigen verbandstag, betreffend gleichmäßige Re- gelang der Arbeilsloseiinnterstützinig. nach längerer Deballe ange- nommen. Der Antrag, de» Zentralvorstand zu ersuchen, so schnell wie möglich Schritt« zn thn» zur Unterstühnng der um den Acht- stundentng käinpsende« Maschinenbuiier in England, wird ange» nommen. Di» Versammlniig beschließt, daß der Uebrrschnß von unserem vergnügen dem Vertrauensmann zu überweisen ist. In daS Vergnüg, ingskoinitee wurden die Kollegen Starke. Berg n er» Harscht und Freude nberg gewählt. Dcr Rrbritcr-BildniigSvercin fiir FriedrichSfclde hielt am 17. Oktober seine Generalversammlung ab. Klingner hielt einen Vortrag über Astronomie. Der Kassenbericht vom letzten Qmuinl ergab«in« Einnahm« von 33,84 M. und eilte Ausgabe von 14,77 ivt. Dem Kasstrer wurde Decharg,«rtheilt. I» der Vorstandswahl wurden K a u l znm Vorsitzenden. K l ä h n e znm Schrififührer und Töpp er znm Kassirer gewählt. Di« Wahl deS Bibliothekars fiel auf Emil Schön selber, die der Revlsorei. aus H a r l m u n n, Hentschel und Pinseler. Ein Antr»g, wonach die Ver- sammtiingen im Winter mir monatlich einmal abgehalten werde» solle», wurde angenommen. ]Uk)Hn-fU»tine«ru senden. z'erbnnd dentrcher Aarble,'«. Frifenr»„nd perrNrleenmnchergehtlsen. veuie»ldend lo�Uhr bei Schiller. Rosenthalerstr. 57, Bersamiulung.«olleaen alz Gäste willkommen. Kerliner Nn»»rI>eIIv«rel>» n. Heute«bend«!l Uhr im Saal, de»«erein« junger Kansteute. Beulhstr. 20, Bortrag des Herrn I.«roll über den hygienischen Werth de« RadsahrenS. SpvVlszfKAl. Tie Medaklion stellt die venuyung dei Eprechsaal«. soweit der kllaum dafllr »u degeben ist, dem Publikum zur Besprechung von«ngeiegendeite» allgemeinen Interesse««ur Verfügung: sie verwahrt sich aber gleich, eütg dagegen, mit dein Inhalt desselben tdenlifijirr zu werden. In Nr. 247 ist in dein Bericht des drilte» Berliner NetchStststZ- Wahlkreises von der Lokalkonunission erivühnt, daß die Geiverkschafl der Lackirer in Lokalen ihre Bergniignnge» abhalte, die nicht auf der Lokallifte stehe». Wir haben dem gegenilber zu bemerke», daß die Gelverkschaft der Lackirer»och nie BergNÄgnngen in Lokalen abgehalten hat, die der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehen, ein derartiger Vorwurf daher ungerechtsertigt ist. Der Vorstand der Filiale IV.(Lackirer) der Vereinigung der Maler, Lackirer zc. Deiltschlands. I. 91.: H e i» r. R a u t e n h a u S, Moritzstr. 23, Briefkasten der Redaktion. Wir tllttn, bei feder Ilnfrag« eine Shiffre lzivel Buchstabe» oder eine gahlj »»»»geben,»»(et der dl« flimnott erlbellt werden toll. Die juristische St'rcchstuudc siudct Montag, Dienstag n»d Sounabeud Slbcnd von k bis 8 Ilhr statt. Ein alter Ttrasfenabouiient. Dr. Wilhelm Lauser bei der»Norbd. Allg. Ztg.", W. KronSbein bei der..Post". M. T.%. Lotteriekostcltenre können wir nicht nachweisen. M. B. SV. Kommen Sie, bitte, Sonnabend nach 1 Uhr auf die Redaktion. Abonnent Ihehoe. l.»nd 2. Nein.— N. O. 34. 1. Nein. 2. Ja. S. Ja. 4. Es steht Ihnen srei, die Strafanzeige auf grund des K 10 Pr.-E>., der§§ 186, 187»nd des§ 253 Str.-G.-B.(Erpressung) zu erstatten. Inden wird ein Vorgehen aus§ 253 an der Annahm« des guten Glaubens des Betreffenden scheitem.-«.«. 100. Nein.-«.«1. 1. Nein. 2. Dir linterschrlft wäre ungiltia, oder ei läge strafbare Urkundenfälschung vor.— W. 18. UnS nicht bekannt.— Nrist K. Nein.— Bauarbeiter. Hält der Arbeitgeber die OuittungSkarte zurück, so ist der Arbeiter nach§ 108 Absatz 3 berechtigt, von der Polizeibehörde zu verlangen, daß die Quitlnngskarte dein Arbeitgeber abgenommen und dem Arbeiter auS- gehändigt werde. Ueberdies kann Bestrafung des Arbeitgebers(Geldstrafe bis 300 M. oder Haft bis zu 6 Wochen) verlangt weiden. Ein Anspruch auf Schadenersatz ist für den Fall der Unterlassnng des Anrufens der Polizei kaum durchführbar. Zuständig ist das Gewerbcgcricht, erklärt sich dies durch Urtheil für mizliständig, das Aintsgericht(vergl. Arbeiterrecht S. 138, 130). -»tndolf 100. Nein.- 91. W. Ja.- A. A. Zur Wähldarlett alS Reichstags- Abgeordneter gehört die Zmücklegimg des 25. Lebensjahres.— Roscher. Da Sie Ihr Eingebrachtes nicht hatten auf das Grundstück ein- tragen lassen, so laßt sich Ihrerseits gegen den Ausfall bei der Zwangs- verstelgcrnng nichts inachen.— G. Jnngke Äv. Wenn Ihr Vertrag nicht das Gcgencheil besagt, konneil Sie auf Aufhebung des Vertrages und Schadenersatz klagen.— Wiirst. Schriftliche Anwort ertheilen wir nicht. l. Der Name des Inhabers inub beigefügt werden. 2. Ja. 3. Die Sendungen würden nicht anZgebäiidigt werden. 4. Ja.-» llS. Sch. Der Vater soll seinen Anspruch auf Ilnsallrcnte schleunigst anmelden. Das Vcr> fahren in Unfallsacheil finden Sie Seite 128 ,md 282 des ArbeiterrcchtS.— 444 P. 1. Ja. 2. Uns ist losch Buch nicht bekannt.- A. B. 100. Die Kasse kann mit AnSstcht aus Erfolg klage».— E. B. 10. 1. In 3V Jahren. 2. Ja, aber nur mit den in die Wohnung eingebrachten Sachen. 3. Ja.— 22. Sprechen Sie in der juristischen Sprechstunde mit den bezüglichen Papieren vor.—?). B. Am 31. Dezember dieses Jahres.— Z. W. Ja. — 1000, alter Zlbaiiiient. Ja.— Eschwege. 1. Nein. Sie scheinen sich aber in dem Jrrthulu zu befinden, daß der Klebemarlen- Betrag nach 5 Jahren zurückzuzahlen ist. Das ist irrig. Rückzahlung der Hälfte der 235 KlebcMarke» findet nur in drei Fällen statt(an Frauen nach ihrer Heirath, an die Wittwe der unter 15 Jahre alten Kinder, und a» vaterlose Kinder). 2. Das hängt voiu Inhalt des Statuts ab.— W. W., Rix- darf. Unter Überreichung des Attestes und unter Darlegung des Sachverhalts ist entweder schristlich oder zu Protokoll des Gerichtsschreibers des Landgerichts Berlin II tHallesches Ufer 20/21) der Antrag auf Bewilligung des ArmenrechtS zivecks Erlangung der Alimente(etwa die Hälfte des Lohnes) zu stellen,— R. T. Sie sind nach Ihrer Darlegung Preuße.— Ostbahnhof. Es läßt sich da jetzt nichts mehr machen: e» liegt Verjährung vor.— E. H». 1. Diese Verpflichtung hat der Ar- veitcr nicht. 2. So viel, als Vorschuß gezahlt ist.— O. Nein. - N. S. 1«. 1. und 2.: Nein. 8. Ja.- G. Gehlsdorf. Das hängt von der Landesgesetzgebiiiig ab. Wenden Sie sich an die»lecklenbnrgische „Volkszeitung" m Rostock.— R. K. Ein Jahr; doch besteht hierüber Streit,— Sch. 1. Wenn Sie Ihre Forderung einen anderen ccdiren wollen, so muß diese Cesston schristlich erfolgen. Sie müsse» ferner vor der erfolgten Cesston Ihren Schuldner in Kemitiiiß setze». Die Höhe des Cesstonsstcnipcls richtet sich nach der Höhe des Objekts. 2. Die Gerichts- kosten verjähren in 4 Jahren nach Ablauf des Jahres, in welchem die letzte Psändung erfolgte. Der Fiskus kann die Pfändung innerhalb dieser Zeit mehrfach wiederholen oder zum Offcnbarmigseid lade» lassen. 3. Nein. -«. 100. Erforderlich ist zu Ihrer Heirath- 1. Ihr« und Ihrer Braut Geburtszeugnisse. 2. Sinwillizung Ihres BaterS und falls Ihre Braut da» 24. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, auch Einwilligung ihres Baters. 3. Heiraths- und Sterbeurkunde betressend den ersten Ehemann Ihrer Braut. 4. Falls Ihre Braut Kinder hat: AnsciiiandersetziingSschetN des Amtsgerichts. - W. B., Lchöneberg. Wenden Sie sich zunächst an das Vormund- schastsgericht. Eventuell müssen Sie auf Herausgabe beim Landgericht klagen.— R. G. 38. 1. Keiner. 2. Nein.- Stammtisch Stiiwe. i. KcinS von beiden. 2. Ja.- W. L. 1032. 1. In doppelter Höhe seiner Zeichnnitg ja. 2. Da ist keine Frist. Ist die Umschreibung in der Absicht geschehen, Gläubigern die Sachen zu entziehen, so ist die Um- schreibung anfechtbar.- H. G. 1. Sie sind im Jrrthum. In der Novelle zum Jnvaliditätsgesetz war eine fünfte Stufe vorgesehen. Diese Novelle ist aber im Reichstag unerledigt geblieben. 2. Stein.— F. F. Die veraus- tagten Beiträge müssen Sie nach der an sich giltigen Bestimmung des Lehr- Vertrags erstatten.— Wiffel. Ohne Einsicht in das Material ist ein Urtheil über die Möglichleit einer Berössentlichung nicht abzugeben. Der Einsendung des Malcrials steht diesseits uichls entgegen.— W. B., Lands- bergerplav. Die Unterbringung scheint aus Veranlassung des Vormund- schasis-Gerichts oder der Armenlommissio» erfolgt zu sein. In beiden Fällen«st Beschwerde zulässig.- X. 9). Z. Sie sind im Unrecht. — A. W. 203. Die Verjährung tritt erst mit Ablauf dieses JahreS ein. WltlmiiißSlibevslcht 00111 27. Oktober 1807. €( n I i 0 11 e 11. i G C 8 1 5 y o ®.i 3» ö'S £ G> II C 3 •e c ja p .. ST •er !C' S« eiIS Wetter H»S « IC�, LZ!' H •eta a o C in Swinemüud« Hamburg. Verliu.. Wiesbaden. Vi ü»che», Wien... Haparanda. Pilersbnra. C ork... Abecdee»., Paris.., 778 777 778 774 775 776 768 771 765 771 772 SSW OSO SO O O N NW SO ©30 NO 2 3 3 1 1 2 0 6 2 1 bedeckt Nebel bedeckt wolkenlos Nebel bedeckt heiter bed.ckt bedeckt bedeckt Nebel 0 2 0 4 -0 5 4 2 13 9 2 Wcttcr-Prognofe für Dounerstag, dr» 28. Oktober 1807. N.ichls etwas kälter, am Tage wärmer, vielfach heiter, zeit« weise wollig, bei schwachen südöftiiche» Winde», keine oder unerheb« iiche Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a u. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion den, Public»», gegenüber keinerlei Ncrantwortnng. Mhr«ter. Donnerstag, den 28. Oktoder. Opernhaus. Der Prophet. Anfang 7V, Uhr. SchanspiclhaiiS. Helgas Hochzeit. Anfang 7>/, Uhr. DeutschcS. Agnes Jordan. Anfang 7V, Uhr. Berliner. Mein Leopold. Anfang 7V, Uhr. Goethe. Tyrannen des GlückS. Anfang 7V, Uhr. Lessing. HanS Huckebein. Anfang 7'/, Uhr. BeneS. Aschermittwoch. Vorher: Lied' im Spiel. Anfang?>/, Uhr. Residenz. Odette. Anfang 7� Uhr. Schiller. Kyritz- Pyritz. Anfang 8 Uhr. Itnter den Linden. Pgriser Leben. Anfang 7i/, Uhr. Luisen. Der große Wohlthäter. Anfang 8 Uhr. Thalia. Tohu-Bobu.«nf. 7'/, Uhr. Ostend. Dt« Geisterglocke. Ansang 8 Uhr. Eeutral. Berliner Fahrten. Anfang 7'/, Uhr. Friedrich. Mllhclnistädtischc«. Das Zeichen beS Kreuzes. Anfang 8 Uhr. Rlexanderplatz. Im Sumpf. Auf. 8 Uhr. Reichdhallcn. Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. Slmertean. Berlin, wie'S näht und trennt. Ansang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. Feen. Palast. Spezialitäten. Passage- PanoptiCnm. Indisches Torf. Uns»»« T«ul,(m«,ti-e»«av 48— 40. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theator. InTalldenstrnaac Xo 57/62: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die TngesanscMage! Passage-Panoplicum. Letzte Woohei Indisches Dorf mit dem bedeutendsten Fuss- bali- KUnstler der Welt Honng Toon. Thalia- Theater. Donnerstag, den 28. Oktober 1807: Zum 13. Male: Hötel Tohu-Bohu. (L'Auberge du Tohu-Bohu.) VaudeviNe Iii 8 Akte» von Maurice Ordoimean. Deutsch von Viktor Leon. Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstellung� Schillert lzeater (Wallnrr-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Atzrist- Pyriü. Freitag, abend« 8 Uhr: Ayrih-Pyrist I-lliseu- IdeAter 34. Sicichcnbcrgcrstraste 34. AbendS 8 Uhr: Sek gliche Whithiiter. Woltsftück mit Gesang in 6 Bildern von H. Willen. Musik von R. Bial. Morgen Freitag: Maria Stuart. Ein Trauerspiel von Fr. v. Schiller. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elettr. Bahn: Dönhoffplatz— Reichen- bergerstraß« tn IV Mtnute». Central-Iheater Alte Jakobstr. 30. Direktton lllchard Sclialte. Donnerstag, den 28. Oktober 1897; Emil Thomas a. G. Zum 55. Male: BaHinen Fahrten. BurleSk« AiisstattungSposse mit Gesang und Tanz in 0 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jnl. Etnödshofer. Ansang'/-» Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrte»._ ■■ Castan's■■ Fanopticnm. Friedrichstr. 165. Bilremvelb die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder daüt Upil I Italienische Kapolle HC III des Maestro Liberti, 5 Herron, 2 Damen. Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. J. Oliiok. Erna Koschel. Mr. Brown. Miss Marie Halten. Mr. Rapoli. Dagmar Hansen. Neun Heinzeimännclien. kasscmnüssnimg 61/, Uhr. Anfang 7'/, Uhr. Montag, den I. November 1897: 1VIv«Iera>»rti>eten «los/, Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. 89" Entree 50 Pf.'VC |Im Rcichshnilcn-Tnnnel Freitag, den 29. Oktober: BilitUr- tpfraf- Konv.ert Kapelle des 2. Garde-Reg. W. Hoack's Thealer B r 11 11 n e n• 8 t r a s s e 10. Heute, Donnerstag, 28. Oktober: Tochter der Hölle. Lustspiel tn 5 Auszüge» von Kneiscl. Nach der Vorstellung tanzkrünzchrn. Freitas��ochter�� Xt Bni-gstr. XX. Dir.: Wlnklcr 4k ErObel. Nur noch ,, Um bis Sonntaa: 8V1 Uhr: fiiich. Winkler uWilh.Fröbel in der urkom. GesangSposse 'NeivildeZche.?Z 'Dazu dnS erfolgreiche brillante Oktbr.-Riesen-Programm. Fidele I Miniatur- Droschkenfahrt I Circus Nclly! IL f. W. U. f. 10. Anfang 7v, Uhr. Sonntags 6 Uktv.l Entrce 30 Pf. bis 1 M. 60 Pf.| In Vorbercitmig: Nie Kallet-Ratten. Khanc.rt" Sanssouci Kottbnser Strasse Ne. 4 a. Dir. H. Pierr«. Artistischer veiter Jos. Slschinger. Stüriniscki. Erfolg, stiiestger Beifall. 8purtnittdel. Neu! Guste auf Posten. Neu! Vorzügliche neue Spezialitäten. Anfang des KonzertS: Wochent. 7 Ubr, Sonntag» 5 Uhr. Anfang ver VorsteNung: Wochent. 8 Uhu Sonntags 6 Uhr. Wochentags 30 Pf. 1!» Ii lt. Sonntag» 50 Pf. Wochent. Passe-partouts giltig. Diese VorsieNiingc» finde» jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag statt. ZUCSUSP VariStä- Theater I. Banges. 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Das Verhalten einzelner Unternehmer betreffs des Lohnes, und wie wurde bieseS von der Kollegen- schast zurückgewiesen� 2 Diskussion, 3, Gewerkichastliches, Laut Versannnlungsbeschluh werden die Versammlungen von letzt ab punkt 8 Uhr eröffnet, und ersuchen wir die Kollegen, pünktlich und zahlreich zu erscheinen, 296/13 Die sohnkommisston. VildniiBverm Sonnabend, den 30. Oltober 1897. Zllexanderstr. S?«- Sttfkuiigs-Isest bestehend auS Vokal- und Instrumental- Konzert unter gütiger Mitwirkung Festrede, gehalten von vi', Joel, und Ball. des Gesangvereins„Nord"._ ■BBSn Anfang 8 Uhr. Billets für Damen 39 Ps.. sür Herren 50 Pf, inkl. Tanz find bei allen Borstands- und Komiteemitgliedern zu haben. Die Mitglieder und Freunde des Vereins find hierdurch freundlichst eingeladen,_ 57/12 3 Männer-Vorträge' über:»Geschlechts> Kraiikhetten«. vorgetragen an anatom. Lichtbildern mii der Entstehung, Verhütung und Heilung vom pr, Naturheilk tirnndmann heute. Donnerstag, Moabiter- Aktienbrauerci, Thurmstrafie L5 und Freitag, den L9. Oktober. AndreaSftr. ZI, abends 8'/- Nhr. 1— Eintritt 20 Pfennige, Der Vorstand deS Körper- und Naturheilvereins, Nlexanderstr, 8, Knaden-tomiue. Knaben-Paletots, Einzelne Hosen für das Alter von 2 bis 18 Jahren, nur eigener Fabrik, empfiehli in gröstter Auswahl zu den billigsten Preisen Kni'l Hnstädt, Berlin 0.,g|- Koppensti'.oOpt. 2 Minuten* vSchlesischen Bahnhos Möbel in sedem Stil und leder Holzart, äusterst billig, auch aus Theilzahlnug, Gr, Lager gebrauchter und verliebe» gewesener Möbel. s322�l.' Schüheustt*. 3. Vorthellhafteste Bezugsqncllc. Uhren- und Goldwaaren-Fabrik Beste fabrlkate. Silber- und Alfenidevaaren-Lager von Reinhold Wankel, Brunnenstr. 163, zwischen Anklamer- nnd Invaliden• Strasse. Brillanten und Farbsteine. Ringe, Armbänder. Brosche, Ohrringe. Ketten in Gold(nach Gewicht ßolddouble u. Silber. Grdsste Answahl. Billigste Preise. 2974L» Achtung, Charlottenbnrg! Freitag, den 89. Oktober ct., abends 8 Uhr, WnWe WrtckkchmmlNg in»Btsmarckshöhe«, Wtlmersdorterstrahe Str. 39. Tages-Ordnung: 1, Bericht vom Parteitag, Referent: Unheil. 2. Diskussion, Z, Bericht des Vertrauensmannes und Neuwahl deflelben. 4, Bericht der Lokalkommission und Neuwahl derselben, Um zahlreichen Besuch bittet 295/29 Oer Vertranensmann. Altzkung! Achtung! Verein der Former. Am Sonntag, den lt. November, mittags 18 Uhr. findet im „Feenpalast- die diessährige 1514b Crosse Wohlthätigkeits-Matinee zur Weihnachts-Unterstützung sür alle invaliden Kollegen sowie sür die Kinder verstorbener Mitglieder statt, Die Mitglieder werden gebeten, am Sonntag, den 31, o Mts,, vor- mittags von 19—12 Uhr, die Billets, welche Sie abzusetzen gedenken, im VereinSIokal, Hirtenstr, 21 in Empfang zu nehmen Her Vorstand. Kallers Festsäle Koppenstrasse 89, Freitag, den 80. Oktober 1807: Grosses voiksthümliches Extra-Konzert der Mitglieder des Mcyder-Orchesters(59 Künstler) unter Leitung des Piston-Virtuvsen Herrn Frlts Werner, ■HB Gutree 50 Pf.. 30 Pf. W»BW 15025 Diese KonzeNe finden jeden Dienstag und Freitag statt, Cohn'* Festsäle Beuthstrasse 20. Meine eleganten nen renovlrten Festsäle mit Bühne,-bis 1000 Personen fassend, sind noch an einigen Sonnabenden und Sonntagen zu vergeben._ 3248L* Konzesfionirte Kur-„»d Bade- Anstalt*'■ fSSÄ'" 20 Spezialität: patent. Hetfitrolteiiluft IBnB (Kastenbäder lind Inhalatorium) 131/2- Wannenbäder, sämmtliche Wafferanwendnugen(Kneipp lche Güffe), Strenge Kuren nach ärztlicher Vorschrift bei Gicht, Rheumatismus. Fettleibig- lcit, Nerven-, Unterleibs-, Haut-Leiden, Aerztl � HjpSCtlfeid Sprechstunden: tägl 6-8 ab. Sonntag, Oberleitung Montag, Donnerstag auch 11— 12 vm Möbel d. Kollormonn, ans Acne Jnkobstr. 80. 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Rur die Oeroimu über«10 Stark sind den detreffendeo Sinmmern in Parenthese beigeiözt. sOhne»«währ,) 74 104 30 97 304 405 747 63 947 1195 637 44 611 34 797 908 8001 165 99 248 487 515 17 645 703 58 92 816 54 3215 29 41(300) 98» 5001 311 61 93 514 21 47 60 94 4106 245 498 614 43 915 6024 120 94 296 334 42 15001 456 580 80 885 983(300)«026 70 366 554 681 705 819 7031 121 390(500) 423 766 8156 244 324 459 64 87[30001 674(3000) 800 59 998»097 285 95 438 42(3001 536(1500! 740 10099 102 53 89 319 80 94 408 27 68 608 600 754 941 11104 70 645 754[16001 99 845 54 l«096 295 305 88[500; 452 56 503 1500) 62 736 960, 3107 647 729 77 90(1500) 814 44 923 1 4016 180 271 81 305 440 57 515 68 673 885 928 84 1 5194 356 756 87 960, 0034 176 312 47 411 46 823 1 7136 396 502 1500) 831 ,8064 419 78 92 542 55 733 80 816 53»500) 992 ,9041 253 58 859 68 416 587 691 787 819 94 951 5« »0043 76» 500) 270 327 424 635 938 47 79 2,018 230 98 406 699 615 789 816 41 928 40 74«2004 31 103 94 229 51 57 333 43 58 667 857 908 86«8183(300) 337 67 436 685 713 890(500)»4024 52 180 531«5272 362 «6097 104(500) 82 357 404 532 604 775 935 40(3000) 27068 94 181 86 224 424 506 5411500) 78 95 770 87 994 28031 57 403 7 636 662 720 64 74 632 60 20190 203 601 720 47 :«>109 303 40 52 75 97 477 92 657 818 81 933 3,303 [300) 43 432 639 91 749 87 95 82035 50 68(500) 214 20 88 322 56 489 597 626 82 85 720 862 73 33019 50 97 319 86 91 522 81 666 964 34202 36 38 368 82 421 PCO) 89 528 639»500) 773 35002 98 124 71 351(300) 56 615 56 761 99 801 68 76 950»0015 15001 46 18 52 69 142 70 339 569 699 765 333 37214 351 500 663 90 794 667 88282 857 951 77 30102 26 277 382 403 90 551 13000) 664 69 859 97 40005 9 13 30 228(500) 77[3001 451 709 940[30001 54 4,272 308 818 54 78[1500] 42036 ISO 301 453 549 651 88 43072 107 80 87 254 391 416 44 521 69 707 823 905 19 44072 143 221 319 70 457 665 814 65[1500) 956 45079 102[500) 73 495 716 925 65 4 0015 ,62 218 98 337 548 63 617 787 854 65 79[200) 938 15O0J 47223 422 29 631 725 73 48149 207 547 627 62 88 983 40138 44 211 55 58 679 80 895» 5001 50152 65(3001 224 45 516 661 63 745 840 51 920 63 5,010 16 87 120 41 93 366 520 797 52035 144 247 322 426 76 962 53027 82 185 203»5001 48 324 75 98 420 571 667 733 84006 40 314 410 71»500) 07 500(500) 72 87 665 710 1500! 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Druck und Berwg von Max Vadi«« in Berlin.