Einzelpreis 3.- Mk. -Freitag, Freifag, den 14. Juli 19 Die& et bett erscheint täglich einmal als tergenausgabe Montage als Abenbausgabe mit ben Unterhaltungsbeilagen Freis Belt, Frauen- Weit" und Der Jugend- Genosse". Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für den Monat Juli 48,-., am voraus zahlbar. Bestellungen nehmen sämtliche Bostanstalten ent gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, bas Saare Bub Memelgebiet fowie bie früheren deutschen Gebiete Bolens und Luxemburg 88- M., für das übrige Ausland 116, M. Beel. x. Expeb. Berlin RB. 40, Rronprinsenufer 27 L. Zel Moabit 2021. 5. Jahrg. Nummer 270 Die zehngefbaltene Ronpareillezeile oder beren Raum loftet 20einfoließlich Inferatensteuer. Aleine Anzeigen: Das fettgebrudte Borf 3,-., jebes weitere Bort 2, M. einschließlich Inferaten teuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 12. netto pro Beile. Stellen- Gestiche in Bort- Anzeigen: bas fer gebrudte Wort 2. m., iebes weitere Wort 1,50 M. Redaktion: Fernsprecher Mpl. 4167, 4391, u. 159 97. Berlin SW. 68, Ritterstr. 75, III. greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Antwort der Reparationskommission ( E. E.) Paris, 13. Juli Die Reparationskommission übermittelte der deutschen Regierung folgende Note: Die Reparationskommission hat die Ehre, der Kriegslaftenkommiffion den Empfang des Memorandums vom 12. Juli au bestätigen und behält sich vor, dieses mit der ganzen Aufmerksamkeit zu prüfen, die der Ernst der darin geschilderten Lage erfordert. Doch ist sie überzeugt, daß die für Reparationen erhaltenen Zahlungen nur eine und nicht die weientlichte Ursache der gegen: märtigen Martentwertung darstellen. und daß man endgültig den festen Zustand nur durch Verwirk lichung von Finanzreformen schaffen könnte, wic fie feit langem von der Reparationskommission gefordert| wurden. Solange der Bericht des Garantiekomitees über die Durchführungen dieser Maßnahmen der Reparationss tommiffion nicht zugegangen sein wird, kann diese keine Ents scheidung treffen. Angesichts der Dringlichkeit des Problems glaubt fie aber eine Entscheidung fällen und diese der deutschen Regierung noch vor dem 15. August be= fanntgeben zu sollen. Was die am 15. Fuli fälligen Zahlungen be= trifft, so erhält die Kriegslaftenfommission auf das Schreiben vom 11. Juli Nachricht, daß die Höhe dieser Zahlun= gen unter Berücksichtigung gewißer Deutschland gutges schriebener Kredite fich auf 32 107 297 Goldmark und 70 Pfennige beziffert. Dieser Rest, von dem die deutsche Re gierung erklärt, ihn der Reparationskommission zur Ber: fügung zu halten, muß am 15. Juli bezahlt werden. gez. Dubois. Bradbury. Hic Rhodus, hic salta! Das Verhalten der bürgerlichen Linksparteien seit dem Rathenaumord erinnert lebhaft an das Grab Langtons in der Kirche zu Ganterbury. Genau wie dieses halb in der Kirche, halb außerhalb der Kirchenmauern liegt, so stehen Demokraten und Zentrum zu einer Hälfte bei der Republik aur andern jedoch bei der Monarchie. Das bezeugt am besten ihr ewiges Techtelmechtel mit den ausgesprochenen Monarchisten in der Deutschen und der Deutschnationalen Bolkspartei. Es geht ihnen wie allen Kleinbürgern: wenn es gilt mannhafte Entschlüsse in kritischen Situationen zu faffen, dann fallen sie zurück in alte Fehler. Sie versuchen au vermitteln und zu fleistern, verpassen so immer die besten Gelegenheiten und sind dann am Ende froh, wenna Iles beim alten bleibt. Wie freudig begrüßten besonders die demokratischen Blätter in den letzten Tagen die scheinbare Ruhe nach dem Sturm und freuten sich ihres schwächlichen Daseins mit dem Rufe: Die Krise überwunden, es bleibt beim alten! In diese fleinbürgerliche Selbstgefällig feit hat nunmehr der Beschluß der SPD. im Anschluß an die erneuten Verhandlungen mit den Gewerkschaften und unferer Partei wie ein Blizz hineingeleuchtet. Die Arise steht erneut vor Zentrum und Demo. traten und fordert gebieterisch flare Ent. fcheidungen. Von diesem Gebot vermögen auch alle. Manöver nicht abzulenken und wenn tausendmal die bürgerlichen Blätter DoIt einem ,, unparlamenttarischen Eingriff der Gewerkschaftlichen Nebenregierung fafeln. Die Gewerkschaften vertreten über 8 Millionen sozialistischer Arbeiter und es ist ihre Pflicht, mit den politischen Parteien ihrer Gewerkschaftsmitglieder bie notwendigen Maßnahmen zu besprechen, die im Intereffe der Millionen Arbeiter und Angestellten liegen. Täuschen wir uns nicht, die Arbeiterklasse hat der faulen Kompromisse genug. Sie verlangt diesmal ganze Arbeit. Und sie verlangt durch ihre politischen und gewerkschaftlichen Organisationsvertreter vor allem von Zentrum und den Demokraten Klarheit. Entweder mit der Republik oder gegen sie; der dritte Weg einer unklaren und verfänglichen Mittellinie ist endgültig ungangbar. Wie sehr dieses Gefühl in den Arbeiterkreisen von politisch einsichtigen Leuten verstanden und gewürdigt wird, das zeigt selbst die Redaktion ber demokratischen Berliner Volkszeitung", dic gefrern schrieb: Man muß gestehen, daß die Verschlechterungen des Schutzgesetzes das Mindestmaß des notwendigen Schuzes nicht mehr gewährleisten. Wir verstehen nicht, wie bie beiden bürgerlichen Koalitionsparteien in dieser fundas mentalen republikanischen Frage fich von den monarchis ftischen Parteien in eine Art Bürgerblod hineinmanöves rieren lassen tönnen. Im sozialdemokratischen Lager mehren fich Stimmen der Unzufriedenheit mit den bisherigen höchst unzulänglichen Lösungsversuchen der Krise. So schreibt der„ Vorwärts": Die große Bewegung, die heute durch die Massen der republifanisch gesinnten Bevölkerung geht, wird sich nicht damit beruhigen lassen, daß alles beim alten bleibt." Denn wenn solche Erfahrungen ohne Frucht, solche Anstrengungen ohne Wirkung blieben, dann müßte die Stimmung der Maffen in ein gefährliches Schwanken zwischen Resignation und Verzweiflung geraten, und die schlimmsten Folgen wären zu befürchten." Weiter noch geht die sozialdemokratische Boltsstimme" in Frankfurt a. M., die heftig die heftig die endlich Klarheit schaffende Erklärung der SPD. von vorgestern an= greift, indem sie schreibt: Ja warum hat denn die Fraktion diesen Antrag nicht fchon lange gestellt? Warum denn dieses allzulange Herumgehen um den heißen Brei?... Wir verlangen im Namen der Millionen, die zweimal die Schwurhände zum Firmament aufhoben, um die freie Republik zu schützen, daß umgehend der„ formelle Antrag" gestellt und von ihm das Verbleiben in der Regierung so wie der Bestand des Reichstages abhängig gemacht wird." Bei der Reichstagsfraktion der SPD. ist nach dem Vorwärts" aus Frankfurt ein Telegramm gleichen Inhalts vom Ortsverein Großfrankfurt eingelaufen. Ein ähnlicher Beschluß ist auch von dem Magdeburger Bezirk eingelaufen. Und sogar die andere Hochburg des rechten Flügels der SPD., der Bezirk Hannover, begehrt gegen ein neues Versanden der bisherigen Aktion entschieden auf. Nehmen wir zu diesen gewichtigen Stimmen noch die Erklärung des sächsischen Landesparteitages gegen den Görlizer Beschluß, so dürfte jedem klar sein, wie das Barometer steht. Um so merkwürdiger berührt es, daß leider noch sehr einflußreiche Personen wie Heinrich, Cunow usw. fich dafür einsehen, daß alles beim alten" bleibt. Selbst die offiziöse Parteiforrespondenz der SPD. verbreitete noch am 12. Juli(!!) folgende Nachricht: ,, Am Montag abend beschäftigte sich die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei mit der politischen Lage, Der Flügel, der den Wiederaufbau Deutschlands nur auf dem Boden der republikanischen Verfassung für möglich hält, hat starken Zuzug gewonnen. Bemerkenswert ist, daß Stinnes eine sehr entschiedene Rede gegen die monar chistische Agitation und für die republikanische Verfassung gehalten hat. Man darf diese Tatsachen als Zeichen der Stimmung dieser Tage notieren, ohne ihre Bedeutung an überschäßen. Die Deutsche Volkspartei hat durch Taten zu beweisen, ob man ihren Erklärungen Wert beimessen fann". Die rechtssozialistische Frankfurter Volksstimme" weiß den Sinn dieser Meldung ganz richtig zu deuten. In diesem Wortlaut", so schreibt sie ,,, macht sich schon wieder jene gefährliche Kompromißgeneigtheit, iene ents fegliche Gegeneinander Ansipieltaktit der letzten Jahre breit, wie sie in der jeßigen Zeit numöglich sein müßte. Wir tennene Stinnes und finden nur bemerkenswert, daß seine jefuitenschlane Mache so dünn auf das Fener der Massen zur Beruhigung gegossen werden soll. SVD.! Millionen schwieliger Fäufte haben sich dir zweis mal entgegengeftredt, schlag in sie ein und die Maffen sind mit dir! Die Einigung des Proletariats, das Schicksal der Republik und das Wohl der deutschen Proletarier, beiner Wähler, steht auf dem Spiel! Keine Stunde dark verloren gehen“. Diese unzweideutigen Aeußerungen bewiesen flar und scharf, was die Stunde geschlagen hat. Diesmal wollen die Arbeiter ihre Forderungen zum Schuße der Republik beachtet wissen. und mehr noch: Sie wollen die Gewähr, durch eine wirklich rpublikanische Regierung ihre Forderungen durchgeführt zu sehen. Alles hängt von den Demokraten und Zentrümlern ab. An ihnen liegt es, die deutsche Republit, für die auch sie mit den Lippen find, jest auch mit dem Arm zu schützen. Jeder Tag des Zauderns und Ausweichens vor dem Willen der Arbeiterklasse verschärft die Situation. Die Arbeiterschaft wird stark genug sein, allen Hindernissen zum Trot, sich durchzusetzen und sie wird die Republik schüßen und ausbauen zusetzen und sie wird die Republik schüßen und ausbauen gegen alle Widerstände, von welcher Seite fie auch kommen mögen. Ob dann selbst eine Reichstagsauflösung noch eine Lösung bedeutet, das ist sehr zu bezweifeln. Denn das Barometer steht auf Sturm. Mögen die bürgerlichen Linksparteien diese Sturmzeichen verstehen und nicht wieder, wie so oft in ihrer fläglichen Geschichte, mit verbundenen Augen durch die Welt rennen, Farbe bekennen! : Die bürgerlichen Mittelparteien gebärden sich fehr überrascht durch die feste Haltung der beiden sozia listischen Parteien und der Gewerkschaften in der Frage des Schutzgesetzes, der Reichstagsauflösung und, der Regierungsumbildung. Dabei ist sowohl dem Zentrum wie den Demokraten von vornherein fein Zweifel dar über gelassen worden, daß diesmal nicht wieder wie beim Erzberger- Mord alles beim alten bleiben" könne. Sie hatten geglaubt, die Koalitionserweiterung nach links mit der Forderung der Koalitionserweiterung nach rechts erledigen zu können. Nun sie sehen, daß dieser Gegenzug ohne Wirkung ist, Iamentieren sie über, de n unerträglichen Drud außerparlamentarischer Faktoren ait f den Reichstag". Das richtet sich gegen die Gewertschaften, die als„ Nebenregierung" hingestellt werden. Daß auf den Gewerkschaften das ganze wirtschaftliche Leben des Reiches beruht, fümmert Zentrum und Demokraten dabei nicht. Für fie ist es Pflicht der Gewerkschaften, die Arbeiter zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens anzuhalten, Sobald aber die Gewerkschaften fordern, daß die, elementarste politische Bedingung dafür - eine republikanisch- demokratische Politik- erfüllt werde, denunziert man diese Forderung als unbefugie Einmischung". Wir kennen das ja schon vom KappPutsch her. Als die Kapp- Lüttwizz die ganze Res gierungsherrlichkeit der vertrauensduseligen Demo fraten und Zentrümler jäh gefährdeten, da ermöglich ten die Gewerkschaften ihnen durch den General streit das Weiterregieren. Hinterher hieß es dann:„ Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr fann gehen." Es setzte das Gerede von der„ Nebent regierung" der Gewerkschaften ein, und von den achb Punkten, zu deren Einhaltung sich die durch die Ge werkschaften gerettete Reichsregierung beim Kappa Putsch verpflichtet hatte, wurde keine einzige erfüllt. Jetzt wieder dieselbe Erscheinung. Ohne den gewaltigen Aufmarsch des in Web Gewerkschaften organisierten sozialistischen Profe tariats nach dem Mord an Rathenau hätte die militaristisch- monarchistische Reaktion wiederum die ganze Koalitionsregierung zum Teufel gejagt. Der Reichskanzler Dr. Wirth appellierte unter dem ersten Eindruck des Mordes vor allem an die Arbeiterschaft, zum Schuße der Republik auf den Plan zu treten. Die braven Demokraten und Zentrümler ließen auch diesmal wieder sich ihre Regierungssize gern durch das von den Gewerkschaften aufgerufene Proletariat sichern. Jetzt halten sie die Gefahr für beseitigt und daher geht wieder die Heße gegen die Gewerkschaften los. Aber die Herrschaften täuschen sich, damit jezt politische Geschäfte machen zut fönnen. Die beiden sozialistischen Parteien gehen völlig fonform mit den Gewerkschaften und deren Forderungen sind auch die der sozialistischen Parteien, die nicht außenstehende Faktoren" find. Zentrum und Demokraten mögen also die Gewerkschaften aus der Schußlinie lassen und sich an die beiden sozia list ischen Parteien halten. Die Geschlossenheit der sozialistischen Parteien und Fraktionen hat bei den bürgerlichen Mittelparteien die Neigung ges stärkt, nach rechts Anlehnung zu suchen. Zentrum und Demokraten wollen die Koalitionserweiterung nach links nur gleichzeitig mit der nach rechts. Zu nächst aber wollen sie, daß der Reichspräsident Ebert und der Reichskanzler Dr, Wirth sich zu der Sachlage äußern. Das sollen die Demokraten Petersen und Haas dem Reichskanzler erklärt haben. Offenbar hoffen die Mittelparteien, daß Ebert, wie so oft schon, Ihm foll vermittelnd eingreifen werde. vorgestern abend vom Reichskanzler telegraphisch über die feste Haltung der sozialistischen Parteien naci Freudenstadt Mitteilung gemacht worden sein. Gleichzeitig soll der Reichskanzler ihn gebeten haben, na ch Berlin zurückzukehren. Er wird Sonnabend früh in Berlin erwartet. Nach der Boff. 3bg" soll der Reichskanzler Dr. Wirth sich mit der Absicht tragen, wenn keine vorherige Verständigung der Parteien über die Regierungsumbildung zustande kommt, wieder ebenso zu verfahren wie im Herbst vorigen Jahres, als er ohne formelle Parteifoalition mit dem kabinett der Persönlichkeiten" vor den Reichstag trat. Demnach würde Dr. Wirth auch jest wieder nach erfolgter Zustimmung des Reichspräsidenten das Kabinett umbilden und ergänzen unter Hinzuziehung einiger Unabhängiger als Minister und vor den Reichstag hintreten mit der Forderung eines Vertrauensvotums für das neue Kabinett. Zen= trum und Demokraten dürften sich aber auch gegen ein solches Vorgehen ablehnend verhalten.. Dann bliebe nur noch die Reichstagsauflösung Aus der Dunkelfammer der Reaktion und die Ausschreibung von Neuwahlen als Lösung Arbeitsgemeinschaft zwischen zwischen deutschen und russischen Monarchisten der Krise. Das scheint uns überhaupt der einzige Weg, den noch gangbar ist, zu sein. " Der„ Invalidenverein“/„ Herzlichen Glückwunsch" Vor der Reichstagsauflösung scheinen die bürgerlichen Parteien große Angst zu haben. ischen Monarchisten hinüberlaufen, ist in unserer Presse Daß von den deutschen Monarchisten Fäden zu den rusSie suchen besonders außenpolitische Gefahren bei wiederholt hervorgehoben worden. Auf diese Tatsache hat einer Auflösung an die Wand zu malen. Das Ausfürzlich auch Karl Radek in der Roten Fahne" hingewiesen wärtige Amt- bekanntlich eine Brutstätte der und bestimmte Angaben hierfür gemacht. Nun veröffentlicht Monarchisten soll bei den deutschen Botschaftern im der Soz. Parl. Dienst" einen Brief, der die enge Verbindung Auslande angefragt haben, wie dort eine Auflösung zwischen deutschen und russischen Monarchisten ganz offenwirken werde. Die Antworten sollen dahin lauten, daß fundig macht. Der Brief ist vom 22. August 1921 datiert und im Auslande das Vertrauen in die Regierungs- Hauptmann Biehn, damals Berlin W. 30, Berchtesgadener von dem früheren Führer eines Baltikumkorps, dem autorität bei einer Auflösung start erschüttert wird. Straße 38 wohnhast, abgesandt. Gerichtet ist er gleichzeitig Das ist bestellte Arbeit. Das Ausland wird es an den Feldwebelleutnant Franzen bei der Staatsanim Gegenteil als Beweis für die Stärke einen waltschaft Bonn und an einen ebenfalls in Bonn wohnhaften republikanischen Regierung ansehen, wenn diese ener- Dr. Straf. gisch und entschlossen das Volk aufruft, mit dem ganzen monarchistischen Spukein Ende zu machen und eine sichere republikanische Parlaments mehrheit zu wählen. Deshalb ist die Auflösung eine Notwendigkeit, außenpolitisch wie innenpolitisch. Die Parteien, müssen endlich einmal Farbe bekennen: Hic Monarchie!" oder„ Hie Republik!" Regierungskrise in Braunschweig Die Flucht vom Ministersessel. In der Donnerstag- Sigung des Braunschweigischen Randtags wurde das Mißtrauensvotum behandelt, das die Unabhängig- Sozialdemokratische Landtagsfraktion gegen den Minister Kaefer( Deutsche Volkspartei) wegen seiner innigen Verbindung mit der Organisation„ Stahlheim" eingebracht hatte. Der Redner unserer Fraktion kennzeichnet zunächst die Politik der Deutschen Volkspartei, die ebenso wie die der Deutschnationalen zu der Vergiftung der politischen Atmosphäre geführt und zulegt im Rathenau= Mord ihren Ausdruck gefunden hat, und befaßte sich dann mit dem Minister Kaefer persönlich, der Mitglied der be= fannten reaktionären Organisation Stahlhelm ist. Auläßlich dieser Sachlage sei es ein Unsinn, von einer Regierung, der ein Kaefer angehöre, ernstliche Maßnahmen zum Schuße der Republik oder gegen die Organisation Stahlhelm au erwarten. Mit den üblichen Redensarten versuchte der Sprecher der Deutschen Volkspartei die Schuld von seiner Partei im allgemeinen und von Kaefer im besonderen abzuwälzen; Raefer habe niemals den Versuch gemacht, eine Regierungsmaßnahme au durchkreuzen. In ähnlichem Sinne- mie fönnte es auch anders sein! sprach sich der demokratische Minister Rönneburg aus. Schließlich ergriff Minister Raefer selbst das Wort, um zu erflären, daß er, um dem Landtag seine Abstimmung zu bewahren, im Einverständnis mit seiner Fraktion freiwillig sein Amt niederlege. fügte bei, daß die Deutsche Volkspartei und die ihr anges schloffenen wirtschaftlichen Bereinigungen aus der Regierungskoalition ausscheiden. Die Unabhängigen zogen daraufhin ihren Mißtrauensantrag zurück und der Präsident schloß die Sizung. Er Damit dürfte indessen die Angelegenheit Raefer feines. wegs erledigt sein, denn das Ausscheiden der Deutschen Volkspartei aus der Regierung bedeutet zugleich den Znsammenbruch der erst kürzlich zustandegekommenen Regierungskoalition zwischen Rechtssozialisten, Demokraten und Deutscher Bolkspartei. Es hat sich damit herausgestellt, daß die neue Koalition noch viel weniger tragfähig war, als die frühere rein sozialistische Regierung. Was geht in Bayern vor? Aufsehen erregende Mitteilungen über die Pläne der Bayerischen Boltspartei gehen der" Dena" aus München zu. Hiernach sollen die beiden Führer der Bayerischen Boltspartei, Geheimrat Held und Dr. Heim, die sich in den letten Tagen absichtlich von jeder nach außen in Erscheinung tretenden parlamen tarischen Tätigkeit zurüdgezogen haben, mit dem ehemaligen Kron prinzen Rupprecht einen sehr regen und direkten Verkehr unterhalten. Zweifellos deuten die Konferenzen auf die Beteiligung der Bayerischen Volkspartei an der monarchistischen Bewegung in Bayern hin. Jm Zusammenhang damit verdient ein Vorgang Beachtung, der sich vor einigen Wochen in Konstanz abgespielt hat. Dort hatten führende füddeutsche Politiker eine strengbertrau. liche Konferenz, an welcher auch Reichstanzler Dr. Birth teil nahm, der zu jener Zeit in Konstanz weilte. Herr Wirth richtete an den Abgeordneten Stang der Bayerischen Volkspartei die Frage, flipp und klar zu erffären, ob seine Partei für bie Monarchie oder die Republik fei. Stang antwortete, die Frage fei so delifater Natur, daß er darauf nicht ohne weiteres antworten könne, sondern sich erst einmal mit seinen Fraktionsgenossen befprechen müsse. Daraufhin zogen sich die Bayerischen Boltsparteiler zu einer separaten Beratung zurüd. Nach der Rüdfehr er flärte Stang namens der Vertreter der Bayerischen Boltspartei, dic Frage des Kanglers könne ohne vorherige Fühlungnahme mit ber Wählerschaft nicht beantwortet werden. Die Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei verließen darauf die Konferenz. War schon hieraus zu erkennen, daß die Bayerische Bolts. partei im Berein mit der Mittelpartei die eigentliche Trägerin der monarchistischen Bewegung ist, so gewinnt die Haltung dieser Partei noch an Bedeutung durch die weitere Tata sache, daß erst vor wenigen Tagen hervorragende& ührer der Bayerischen Inbustrie und Wirtschaft in München eine Konferenz abhielten, auf der ganz ernsthaft die wirt schaftlichen Maßnahmen erwogen wurden für den Fall, daß es schon in nächster Zeit zu einer 20slösung Bayerns vom Reiche Tomme. Neues Hehblatt- Verbot Rönigsberg, 13. Juli. Auf Grund der Verordnung sum Schuße der Republik hat der Oberpräsident der Provins Ostpreußen die Bartensteiner Zeitung auf die Dauer von drei Wochen verboten. Zunächst nimmt der Briefschreiber auf verschiedene frühere schriftliche Mitteilungen Bezug, die absichtlich in ausgefnobelter und rätselhafter Form" gehalten waren, um fie vor der französischen Sensur zu sichern. Da dieses Schreiben aber durch einen persönlichen Boten überbracht werde, fönne er ungeschminkt" seine Gedanken niederlegen. In der Tat entwickelt dann Plehn ohne Umschreibung seine Pläne und diese sind auch für uns cines näheren Einblicks wert genug. Es gelte, so betont Plehn, fich für die kommende politische Umwälzung bereit zuhalten. Eine Seitangabe hierfür jei natürlich nicht möglich. Wertvoll und auffallend ist dann folgendes Geständnis: m wesentlichen gelten die Säße über meine politischen Ansichten auch heute eben noch wie 1919, als ich mich noch bei Niederkämpfung der Revolution im Januar und März in Berlin betätigte." Hier haben wir eine glänzende Bestätigung für unsere Behauptung, daß die damaligen blutigen Kämpfe der Militaristen nicht dem Bolschewismus, sondern der Republik Auliffe aufgezogen wurde, um dahinter um so gesicherter galten, und daß der Bolichemismus nur als die Republik ermeucheln zu können. So sahen die Getreuen" eines Noste in Wirklichkeit aus! Bon Noskes Garden führt also eine gerade Linie zur Orgesch und den heutigen reaktionären Umftursorganisationen hinüber. Wer dies bezweifelt, wird durch den weiteren Inhalt des Schreibens belehrt: Im allgemeinen," so fährt Plehn fort, halte ich mich an die Kreise des Grafen Reventlow, meine Bestrebungen sollen nicht ein Ronkurrenzarbeiten mit der Orgesch oder ähnlichen Verbänden sein, sondern diese Arbeiten unters tüßen. Wenn ich meinerseits zum Werben von Mannschaften aufrufe, so glaube ich, daß ich einmal der Sache diene, indem ich mit meinen Bekanntenkreisen in Verbindung stehe... Das Werben der Orgesch und ähnlicher Verbände dient ja dazu. die nationalen Boltsmaffen für irgend welche nationalen Rämpfe bereitzuhalten. Ich selbst habe folgendes Auge: Ich haite vorläufia einen Kampf Deutschlands gegen einen äußeren Feind, su dem mahl. in. jedem Valle Frankreich Hinzutreten würde, nicht für durchführbar, so lange Deutsch land allein ist. Ich glaube vielmehr, daß ein solcher Kampf erit möglich ist, wenn in Rußland wieder geordnete Verhältnisse eingekehrt sind, d. h. wenn dort nicht etwa die sozialistischen Kreise- diefe find franzosenfreundlichzur Herrschaft gelangt find. Mit diesen monarchistisch gea finuten russischen Kreisen stehe ich in engster Berbindung. ch glaube, daß es für unsere Seimat von besonderem Bora teil wäre, wenn wir mit allen Mitteln eine Zusammenarbeit mit diesen monarchistischen zufiichen Kreisen versuchen und fie in jeder Form unterstützen und ihnen helfen, in Rußland wieder zur Macht zu gelangen. Dieselben Bestrebungen verfolgen meine politischen Freunde. Ich habe mich mit einem der russischen Führer, dem Fürsten Awaloff- Bermondt, in engste Verbindung gesezt, der schon im Baltikum mit uns Deutschen zusammen gefämpft hat, siehe Eiserne Division, Major Bischof, Graf von der Golg. Unsere Soffnung ist nun, daß wir gelegentlich mit militärischer Silfe dicie Leute in Rußland zur Serrschaft bringen werden. Ob und wann das sein wird, können wir nicht sagen, doch glaubt man, daß die Möglichkeit besteht, daß die Zeit für ein aftives Eingreifen in Rußland nicht mehr allzu fern ist. Für diesen Fall nun will ich den Fürsten Awaloff- Bermondt zunächst, wenn ein anderer russischer Führer bestimmt werden sollte, dann diesen aktiv militärisch unterit is en, vorausgesest, daß dann noch ähnliche politische Voraussetzungen bestehen wie heute und eine solche Verwen dung meiner eigenen Person, besonders aber der meiner Kameraden, im nationalen Interesse liegt und von meinen Parteigenoffen gebilligt wird. Das ist der Grund, warum ich für meine Person eine Sonderwerbung vornehme und von den Geworbenen verlange, daß sie sich mit einem Kampfe im Nordosten Deutschlands bereit erklären. Sollten anderweitige politische Verhältnisse es nötig erscheinen lassen, so ist es selbstverständlich, daß ich von diesem Spezialzwed abjehe und mich dem allgemeinen Interesse unterordnen werde..." „ Meine augenblickliche Tätigkeit neben der politisch- mili= tärischen ist diese, ich bin von Herrn Oberst v. Diebitsch Verlorene Spuren Die scheinbar sichere Spur nach den Mördern Rathenaus ist verloren gegangen. Während es gestern noch hieß. bas die beiden verfplaten Rathenaumörder Stern undischer sich in der Richtung nach Genthin davongemacht hätten und dort gesehen worden leien. laffen die Feststellungen der Polizei iene Annahme als irria erscheinen. Die Fahndungen nach der anderen Richtung, nach der Züneburger Heide au, haben ebenso wenig bisher zu einem Ergebnis geführt. Singegen verdienen die Angaben eines Scharfwirted in einem fleinen Ort bei Debisfelde Beachtung, wonach die lüchtigen bei diefem in der Nacht zum Mittwoch geichlafen haben. Sowohl der Wirt als auch seine Angehörigen und fein Berional erkannten in ihnen gezeigten Photographien von Kern und Fischer die Gäfte wieder, die bei ihnen überunchtet batten und fich am folgenden Tage nach Thale im Hars wandten. Nach einer Bekanntmachung des Regierungspräsidenten in Magdebura follen sich die beiden ilüchtigen Mörder in Anhalt aushalten. Die Anhaltliche Sicherheitspolizei hat sofort umfassende Maßnahmen getroffen, um das Land abzusperren. in Rönigsberg mit der Organisation einer Sammlung und mit der Propaganda für die Kriegsbeschädigtenwerf stätten beauftragt worden. Diese Tätigkeit ist absolut parteilos und lediglich eine Wohltätigkeitsangelegenheit. Die Erlaubnis dazu habe ich von den zuständigen Behörden, ala da sind: Polizei, Arbeitsministerium und Wohlfahrts ministerium. 3um Zeichen dafür, daß auch hochstehende Pera sönlichkeiten sich damit beschäftigen, lege ich eine Abschrift von Gutachten solcher Persönlichkeiten bei. Zur Erklärung lege ich noch eine Denkschrift bei, ebenfalls einige Aufrufe, wie wir sie hier verwenden. Es wäre nun zweckmäßig, wenn Sie offiziell die Werbung von Mannschaften un ter dem Deckmantel vornähmen, nennen wir des wegen zweckmäßig das ganze Invalidenverein. Wenn dabei zufällig auch für die Sammlung der KriegsbeschädigtenwerkStätten ein Nußen abfällt, so ist das durchaus kein Schaden, sondern durchaus zu begrüßen. Das soll aber nicht die Hauptsache sein, sondern mir ist für Sie die Werbung die Hauptsache." Ausführlich bespricht Plehn dann die Art der Wer* bung. Es seien hierfür zunächst Vertrauensleute von ,, a ba soluter Zuverlässigkeit und mit nationalem Charakter" zu wählen. Jeder habe zirka 100 Leute zu Semmeln, die dann einen Zug bilden. Unsichere Kantonisten feien wegzulassen. Allwöchentlich sei dem Schreiber über den Stand der Werbungen zu berichten, und zwar in folgender harmloser Form: Herr... hat gesammelt Mart 12, Herr... hat gesammelt Mark 36. Die Markzahlen würden die Mannschaften bedeuten. Da mit wäre die unauffällige Benachrichtigung gewährleistet, Jeder Uneingeweihte würde an die Sammlung glauben. Plehn sprichi dann die Hoffnung aus. daß die meisten 216er als Vertrauensleute zu gebrauchen sein werden. Er bestätigt damit also auch einmal mehr, daß die Regimentstage nicht der Pflege der Kameradschaftlichkeit" dienen, wie dies immer angegeben wird, sondern daß ihr einziger Zwed die Sammlung der Reaktion ist. „ Ich denke", so heißt es wörtlich weiter, wir müßten auf diese Weise eine ftattliche Wehrmacht zusammenkriegen. Die Anschriften der einzelnen Vertrauensleute müssen mir augeschickt werden; ob der Aufruf zur Tat jest bald oder erst in einem Jahre erfolgen wird, können wir vorläufig nicht irgendwie vorher sagen. Der Aufruf geschieht meinerfeits 1. in vorbereitender Form durch das Stichwort: Serzlichen Glückwunsch" im geschlossenen Brief: Dies bedeutet, daß wahrscheinlich innerhalb der nächsten Tage der Aufruf erfolgen wird. Im Anschluß daran wird durch Boten die nähere Weilung über Zusammentritt nsw., Marsch zeit mitgeteilt werden. Die einzelnen geworbenen Mannschaften brauchen keine Borbereitungen zu treffen, sie sollen nur lediglich bereit sein, wenn es zum Aufruf kommt, mitzumachen, weiter nichts. Wenn jemand Ausrüstung oder Waffen mitzubringen in der Lage ist, so ist das natürlich erwünscht, doch glaube ich, daß dazu die wenigsten in der Lage sein werden. Ueber die weiteren Vorgänge nach dem Zusammentritt möchte ich mich vorläufig nicht aussprechen, zumal etwa getroffene Vorbereitungen zu leicht wieder umgestoßen werden können. Bei der Vornahme der Werbung bitte ich. folgende Bunkte besonders au beachten: Größte Vorsicht bei Auswahl der Leute, jeden nur einzeln und unter vier Augen nornehmen, damit einem etwaigen Spikel gegenüber abgelengnet werden kann, möglichst gar keine Einzelheiten über politische Dinge, es genügt, wenn die Lente erfahren, daß sie lediglich für nationale Rwede Ber: wendung finden sollen, und daß sie auch zum Kampfe außer halb der östlichen Grenzen Deutschlands bereit sein müssen. Den angeworbenen Mannschaften darf außer ihrem Vertrauensmann keine Persönlichkeit und kein Führer bekannt sein, lediglich die Bertrauensleute tönnen etwas näher eingeweiht werden. Denten Sie alle stets, daß Unvorsichtigkeit viel mehr Schaden anrichtet, als wochenlange Arbeit Nuben bringt. Um Ihnen einen Ueberblick zu geben über das, was ich für den Anfana Ihrer Arbeit für richtig halten würde, möchte ich Ihnen sagen, daß Sie zunächst einmal vielleicht 30 bis 40 Vertrauensleute aufstellen, von dem Standpunkte ausgehend, daß drei Bertranensleute glet 3 3üge, eine Kompagnie, bil. den, demnach 12. Bertrauensleute gleich 4 pmpagnien, ein Bataillon, bilden, würde ich diese Bahl vorschlagen, und haben sie so ein Regiment bei 36 Bertranensleuten, falls jeder Vertrauensmann 100 Mann wirbt. Vorläufig achen Sie nicht über die Zahl von 36 Vertrauensleuten hinaus. Selbstverständlich fann dies nicht in Bonn allein geschehen, sondern Sie werden die ganzen alten 216er, soweit fie Ihnen bekannt sind, auch außerhalb Bonns heranziehen müssen. Ein weiterer Kommentar zu diesem Brief erübrigt sich. Er bezeuat die raftloje Tätigkeit der Reaktion und erweist vor allem auch die harmlose Einfañuna ihrer Aftionen als Heuchelei. Wieder andere Meldung deuten darauf hin, daß die beiden Gesuchten in den letzten Tagen in Lauenburg waren. Auch zwischen Saae now und Schwerin sollen fie gefchen worden sein. Andererseits hat man in Grimma in Sachfen zwei Männer festgenommen, die nach der Beschreibung zu schließen als die Gesuchten in Frage kommen fönnten. Eine weitere Meldung aus Weimar befaat, daß zwischen diefer Stadt und Avolda awei Männer in der Gerberge über nachteten, auf die die Beschreibung paßt. In Berlin bzw Rummelsburg wurden gleichfalle mehrere Perionen als mutmaßliche Täter festgenommen, aber es ergab sich bei den Berhafteten, daß es nicht die Gesuchten waren. Racheopfer. Am 12, d. Wis. wurde der Chefredakteut Marchlewski der Zeitung Kurjer Posnansti in der Redak tion von einem Mann erschossen, der vor einigen Tagen fängnis verurteilt worden war. Der Täter ist festgenommen. wegen Verleumdung dieses Blattes zu brei Monaten Ge einer Meldung der Daily Mail" bei Saargemünd eine Sechszia bewaffnete deutsche Schmuggler griffen nach Poststation an. Zwei französische Zollbeamte wurden schwer verletzt, zehn Schmuggler wurden gefangengenommen. Deutscher Reichstag Sitzung vom Donnerstag, dem 18. Juli Präsident Löbe eröffnet die Sigung 2 Uhr 20 Minuten. Die deutschnationale Interpellation über die Straßendemonstrationen und Stillegung der Verkehrsmittel im Reich am 4. Juli 1922 wird, wie ein Regierungsvertreter erklärte, in der geschäftsordnungsmäßia vorgeschriebenen Frist beantwortet werden. Der Geseßentwurf der Koalitionsparteien über Aende: rungen der Reichsversicherungsordnung wird nach furzer Debatte, an der sich für die USP. Genosse Karsten beteiligt, nach Ablehnung eines Antrags der beiden sozialdemokratischen Parteien, der den Arbeitern ein Mitbestimmungsrecht sichern will, in allen drei Lesungen angenommen. Der Gesezentwurf über die Ermächtigung zu vorübers gehenden Zollerhöhungen wird ohne längere Debatte in zweiter und dritter Lesung angenommen. Ohne Debatte wird ferner angenommen der Gefek entwurf über den Uebergang der Staatseisenbahnen auf das Reich. Der Reichsrat hat gegen Beschlüsse des Reichstags zum Reichshaushaltsplan für 1922 Einspruch erhoben. Gemäß den Wünschen des Reichsrats wird auf die Erhöhun gen der Mittel für die Zentrale für Heimatdienst und die Förderung des Nachrichtenwesens im Inland verzichtet. Zweite Beratung des Gesekes über Straffreiheit für politische Straftaten. Abg. Schmidt- Meißen( SPD.): Eine großzügige Amnestie märe der Weg. Personen, die vom rechten Wege der Republit abgewichen sind, auf diesen zurückzubringen. Die Regierungsvorlage stellt jedoch eine großzügige Amnestie nicht dar. Wir verlangen ihr Ergänzuna in verschiedenen Rich tungen. Ausdehnung auf alle politischen Straf= taten, die Rückwirkung auf alle bis zum November 1918 begangenen politischen Straftaten. Die Fälle der Münchener Rätezeit müffen einbezogen werden. Wir fordern, daß auch die im Zusammenhang mit dem Eisenbahnerstreik begangenen Straftaten durch dieses Gesetz amnestiert werden. Wir rufen Gröner zu: Schluß mit der Nachepolitik! Justizminister Radbruch: Die Amnestie erstreckt sich nicht über das Jahr 1921 hinaus. Aus politischen Gründen ist fie beschränkt worden auf die Rechtsprechung der Ausnahmegerichte und des Reichsgerichts. Durch diese Amnestie er= halten einige Hundert Leute die Freiheit, Verfahren, die vom März 1921 immer noch beim Reichsgericht anhängig sind, werden niedergeschlagen. Berkehrsminister Gröner: Ich will geru Milde walten laffen.( Widerspruch links.) Anträge auf serwere Disziplinierungen liegen nicht mehr vor. Ich will alles tun, um Be ruhigung in die Beamtenschaft hineinzutragen. Ich kann mich jedoch mit einer Einbeziehung der Eisenbahner in dieses Amnestiegefeß nicht einverstanden erflären. Abg. Leuthenßer( D. Bp.): Wir verstehen nicht, mit welcher Begründung man einen Zusammenhang zwischen dem Schutz der Republik und dem Eisenbahnerstreif konstru= ieren will. Wir können der Vorlage auf keinen Fall zustimmen. Abg. Barth( Din.): Der Erlaß einer einseitigen Amnestic ist der Ausdruck der Verachtung des Rechts. Einseitige Amnestien müssen verwirrend wirken. Der Antrag der beiden sozialdemokratischen Parteien, eine allgemeine Straffreiheit für die zweds Abwehr monarchistischer Bestrebungen oder im Zusammenhang mit Rundgebungen für die republifanische Staatsform begangene Straftaten bedeutet eine ungeheure Provokation aller rechtlich denkenden Menschen. ( Entrüstung lints.) Abg. Schücking( Dem.) tritt für die Annahme der Regierungsvorlage ein, wendet sich jedoch auf das energischite gegen jede weitere Ausdehnung einer Amnestie. Die Meilensteine der Amnestie dürfen nicht zu Meilensteinen der Anarchie werden. Abg. Rosenfeld( usp.): Meine Freunde vertreten nach wie vor die Forderung nach einer umfassenden politischen Amnestie, die sich auf Bayern und auf die Eisenbahner erstreckt. Wir verstehen nicht, wie von Zentrums- und demokratischen Bertretern in der heutigen Zeit erklärt werden kann, durch nichts werde die Rechtssicherheit so sehr gefährdet, als durch eine fortgesette Amnestie. Umgekehrt: Nichts taun in höherem Maße eine Rechtssicherheit bringen in einem Staat der Klaffenjuftis, als eine Amnestie. ( Sehr wahr, sehr gut! Links.) Der Demofrat und Pazifift Schücking vertrat die Forderung: Schluß mit den Amnestien". Amnestien bedenten doch Friedensaktionen. Diese Forderung Schüdings läßt die Demokraten und die Pazifisten in febr merkwürdigem Licht erscheinen.( Sehr quil bei den USB.) Leutheußer wagte es, davon zu sprechen, daß die verflüchtigten Rechtsbegriffe wieder gestärkt werden müßten, wo deffen Partei das wahre Recht mißachtet und durchaus nicht anerkennt. Er hat sich jetzt ganz entschieden gegen eine Amnestie gewandt, Er hat sich jetzt ganz entschieden während im August 1920 die Bolksparteiler für die Kappisten eine Amnestie gegeben haben. Daraus muß man den Schluß ziehen, daß es sich damals un thnen naheftehende Personen handelte.( Sehr wahr! bei den Arbeiterparteien.) Der Vertreter der deutschnationalen Partet erklärte, daß in bezug auf die Amnestie bei den Arbeitern die Auffassung vertreten wäre: Plündert nur drauf los, nachher kommt für euch ja doch die Amnestie!( Pfui, Tints.) Das sagt der Vertreter einer Partei, die den Mördern so nahesteht wie keine andere. Die Notwendigkeit einer umfassenden politischen Amnestie ergibt sich aus der Tatsache, daß jezt noch Personen megen im Januar und März 1919 begangener Straftaten ver folgt werden,( Bört! Hört! links.) Ein besonderer Streit punkt ist die Frage der bayerischen Amnestie. Mit Gnadenerweisen ist gegenüber den bayerischen Gefans genen nichts getan, fie haben Anspruch auf Recht. Ich wiederhole: es ist eine Kulturschande schlimmster Art, wie Bayern seine politischen Gefangenen behan delt.( Sehr wahr! links.) Hat denn Bayern ein besonderes Brivileg, Rachejuftis au üben, hat es ein besonderes Privileg auf inhumane Behandlung derer, die dem bayerischen Strafvollzug ausgefezt sind!( Sehr gut! links.) Bayern sollte also anfangen, etwas Humanität zu lernen. Bir aber wollen uns nicht auf die banersche Humanität verlassen. Wir haben einen Antrag gestellt, der bie bayerischen politischen Gefaus genen ohne weiteres ber jegt zu beschließenden Amnestie unterstellt. Bir fordern die Amnestierung der Eisenbahner. Bir kennen das Wohlwollen des Herrn Gröner und wissen, daß er noch immer zu dem Wort steht: Ein Sunds fott, ber ftreift! Solange er dieses Wort hier nicht feterlichst zurückgenommen haben wird, solange fönnen wir feinen Worten tein Vertrauen entgegenbringen.( Sehr wahr! Iints.) Eine Amnestie gefährdet nicht die Autorität des Staates, die Regierung erwirbt sich vielmehr durch sie erst das Vertrauen der Bevölkerung. Herr Gröner, Sie gehen einen gefährlichen Weg, wenn Sie die Regierung von dem Erlasse einer Amnestierung abbalten wollen,( Beifall.) Besser wie durch ein Gesetz wird die Republik durch eine Amnestie für die Eisenbahner geschüßt. Hier wurde ausgeführt, daß die freien Gewerkschaften sich nicht auf den Standpunkt der streifenden Eisenbahner stellten. Wie weit das richtig ist, lase ich dahingestellt. Aber gerade die Tatsache, daß alle gewerffchaftlichen Organisationen jetzt die Forderung der Amnestierung der Eisenbahner erheben, müßte deren Notwendigkeit beweisen.( Beifall links.) Schücking hat sich gegen eine Amnestierung der Eisenbahner mit der sogenannten Begründung dagegen gewehrt, daß die außerparlamenta= rische Organisationen versuchten, in dieser Frage einen Druck auf die Regierung auszuüben. Ist das die Antwort der Demokraten auf die Forderungen der gewerkschaftlichen Organisationen zum Schutz der Republit? Sie sollen Sie in diesen Organisationen vertretene Energie nicht unterschätzen. Das Recht und die Macht der Gewerkschaften ist mit feinem Buchstaben in der Verfassung verankert, ihre Macht ruht in ihren eigenen Organisationen. Schutzes der Republik und auch in der Gestaltung der AmDie Arbeiterschaft wird sich durchsetzen in der Frage des nestie. Sie mögen die Forderungen noch ein paar Tage aufhalten, auf die Dauer können Sie sich ihnen nicht wider= sehen.( Lebhafter Beifall links.) Abg. Leicht( B. Bp.) wendet sich gegen das Amnestiegesez. Die Drohungen mit der Macht der Arbeiter machen auf uns feinen Eindruck. Nach einer Rede des Abg. Höllein( KPD.) und nach persönlichen Bemerkungen werden in der Abstimmung alle von den Sozialisten und Kommunisten eingebrachten Verbes= serungsanträge abgelehnt. Es bleibt bei der unzurei chenden Regierungsvorlage. Das Arbeitsnachweisgesez wurde in dritter Lesung nach einer Rede des Genossen Brandes mit einigen Verbesserungsanträgen angenommen. Nächste Sizung: Freitag 28 Uhr. Tagesordnung: Kleine Borlagen, Disziplinargesez für Wehrmacht. Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Notlage der Presse.- Schluß 7 Uhr. Aus dem Reichstagsbericht vom Mittwoch, den 12. d. Mts., tragen wir noch folgendes nach: Beim§ 8, der das Recht zu Verboten von bestimmten Bereinigungen und Rundgebungen den Ländern überträgt, begründet der Abg. Bogel( Soz.) einen Antrag ber beiden sozialdemokratischen Parteien, nach dem für solche Maßnahmen auch der Reichsminister des Innern zuständig sein soll. Die bayerische Regierung ist drauf und dran, den Mordgesellen wieder von nenem das Rückgrat zu steifen. Der Abänderungsantrag der beiden soz. Parteien wird abgelehnt, der§ 8 in der Ausschußfassung angenommen. Der§ 8 a, nach dem im Falle der Auflösung eines Vereins dessen Vermögen zugunsten des Reichs beschlagnahmt werden fann, wird nach Ablehnung der kommunistischen Anträge an= genommen. Der§ 9, der die Veranstalter oder Redner von verbotenen Versammlungen und Aufzügen bestrafen will, wird mit einer Abänderung der Demokraten angenommen. Der& 10, wonach Druckschriften verboten oder beschlagnahmt werden können, wenn sie gegen das Gefeß verstoßen, wird nach Ablehnung der Abänderungsanträge angenommen. Der§ 11, der die Dauer eines solchen Verbotes bestimmt, Deutschen Volkspartei, der verlangt, daß nach Auffindet in der Ausschußfassung Annahme. Ein Antrag der hebung eines solchen Verbotes den Geschädigten ein Schadensersatzanspruch gegen den zuständigen Landesfiskus piele 3eitungen durch Berbote ungerecht zusteht, wird von dem Abg. Krämer( DV.), der im Kriege fertigt geschädigt hat, begründet. Minister Köfter wendet sich gegen den Antraa, weil nach dessen Annahme fein Beamter aus Furcht, dem Fistus einen großen Schaden zuzufügen, es wagen würde, Druckschriften zu beschlagnahmen oder zu verbieten. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Bayerischen, der Deutschen und der Deutschnationalen Volkspartei abgelehnt. § 12, der die Strafen für Zuwiderhandlungen gegen§§ 10 und 11 festlegt, wird angenommen. Der§ 13 ist durch den Ausschuß gestrichen worden. Beim§ 14, der den Aufenthalt durch ihr Verhalten das Wohl der Republik gefährden, auf von Mitgliedern ehemals landesherrlicher Familien, die bestimmte Landesteile Deutschlands beschränken will, begründet Frau Abg. Pfülf( Soz.) den Antrag der beiden sozialdemokratischen Parteien, wonach Mitglieder früherer landesherrlicher Familien, die ihren dauernden Aufenthalt im Ausland haben, nur mit Erlaubnis der Reichsregierung das deutsche Reichsgebiet betreten dürfen und auch ausgewiesen Mittwoch( USP): Sie find wieder frech geworden. werden können.( Zuruf Schiele( Din.): Blödsinn! Ordnungsrufe.) Für die Dauer von 25 Jahren nach Inkrafttreten der Reichsverfassung können Mitglieder der im November 1918 entthronten landesherrlichen Familien nicht als Reichspräsident, Staatspräsidenten, als Mitglieder der Reichsregierung oder einer Landesregierung gewählt oder bestellt werden. Für die gleiche Bettdauer find Mitglieder genannter Familien von der Einstellung in die Reichswehr ausgeschlossen. Abg. Kahl( DBp.) macht unter großer Heiterfeit seine Ausführungen als verfassungsmäßiger Republikaner". Es handelt sich um die Möglichkeit der Rückkehr des Kron= prinzen. Es wäre eine unmenschliche Grausamkeit, wenn ihm durch Gesezesvorschriften die Möglichkeit überhaupt genom men würde, in seine Heimat zurückzukehren, um seine Söhne zu erziehen,( Bebhafte Unruhe). Abg. Koenen( KPD.): Es war eine unmenichliche Graufamfeit des Kronprinzen. Menschen gegen Vater und Mutter aufzuheben. Er hat Abertausende in den Krieg geschickt. Minister Röster: Der§ 14 it weder von Angst noch von Mache diktiert. Diese Frage ist von außen- und innenpoliti icher Bedeutung. Nach dent, was in den letzten drei Jahren geschehen ist, müssen wir damit rechnen, daß die Herren aus den ehemaligen landesherrlichen Familien nicht die Verant wortlichkeit befigen, es zu unterlaffen, das deutsche Volk zu beunruhigen( Entrüstung rechts). Die von der Deutschen Volkspartei beantragte Streichung des§ 14 wird abgelehnt. rungsanträge Der§ 14 wird nach Ablehnung der sozialistischen Abändein der Ausschußfaliung ange= nommen. Die Schlußbeſtimmungen, die noch einige Festießungen über Strafmaßnahmen enthalten, werden unter Ablehnung aller Abänderungen angenommen. feftiest, werden die Anträge der Rechten, diese Dauer qu Bei§ 17, der die Dauer des Geießes auf fünf Jahre amei oder drei Jahre herabzulesen, abgelehnt, und die Ausschußfaiiuna angenommen. Hiermit ist die zweite Beratung und dadurch auch der von den Unabhängigen eingebrachte Gefeßentwurf zum Schuß der Republik erledigt. Die Abstimmuna über den Gejebentwurf aur Regelung von Angelegenheiten der sozialen Versicherung und des Arbeitsrechts bei der Durchführung des Friedensvertrages wird bei guter Beiehung des Hauses noch einmal wiederholt, da das Gesetz einen verfassungsändernden Charakter haben tönnte und somit einer 3weidrittelmehrheit bei Zweidrittelanwesenheit der Reichstagsmitglieder bedarf. Das Gesez wird von einer solchen Mehrheit angenommen. Auflösung der Stahlhelm- Organisation Der Preußische Minister des Innern hat folgende Vers fügung erlassen: Nachdem der Oberpräsident von Sachsen unterm 2 Juli 1922 die Bundesleitung, die Gauleitung sowie die Orts gruppen in der Provinz Sachsen der Organisation Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten" aufgelöst hat, löse ich auf Grund der§§ 1 und 3 der Verordnung zum Schuße der Republik vont 26. Juni 1922( RGBI. 1 S. 521) sämtliche weiteren Gauleitungen, Orts- und Bezirksgruppen dieser Vereinigung hiermit auf. gez. Severing. Bisher sind demnach für das preußische Staatsgebiet die folgenden Organisationen aufgelöst worden: Verband nationalgesinnter Soldaten, Bund der Aufrechten, Deutschvölkischer Schuß- und Tru bund, Der Stahlhelm. Major Henning„ einfach unerfräglich" Im Preußischen Landtage wurde unlängst gegen den deuschnationalen Reichstagsabgeordneten Henning zu dem schon bekannten Material noch neues vorgebracht, wonach dieser Major dringend der Mörderbeihilfe verdächtig ist. Prompt erklärte er wie es bei Deutschnationalen üblich ist daß alle Veröffentlichungen unwahr seien. Das war am 7. Juli! Bereits am 4. Juli aber, also vor der Bez kanntgabe des die Anklage noch verschärfenden Materials, hatte der Geschäftsleitung des Landesverbandes der deutschnationalen Volkspartei für Weser- Ems folgende Ent schließung angenommen: Die Unterzeichneten erwarten von der Parteileitung, daß sie die Angelegenheit des Majors Sennina nicht auf die lange Bank schieben läßt, sondern im Sinne einer rein: lichen Scheidung umgehend erledigt. Sie müssen die Weiterführung ihrer Aemter innerhalb des Landesverbandes Weser- Ems. de m Wahlkreis des Abeordneten Henning, von der Erfüllung: obiger Forderung abhängig machen. Die Entwicklung. die der Abgeordnete Henning genommen hat, ist für die Weiters arbeit der Deutschnationalen Volkspartei innerhalb unies res Bezirkes einfach unerträglich. gez. Buff, Vorsitzender des Landesvereins Bremen. gea. Bortfeld, Vorsitzender des Landesvereins Oldenburg. Demnach scheint also die Leitung des deutschnationalen Wahlkreisverbandes, dem Henning sein Mandat verdankt, doch mehr zu wissen, als daß alles unwahr" sei. Mert würdig ist überdies, daß die Osnabrücker Blätter die Entschließung erst am 9. Juli veröffentlichten. Wie dem auch sei, was für vernünftige Leute und solche mit politischem Reinlichkeitsgefühl einfach unerträglich" ist, das ist für die Deutschnationale Partei wie man aus ihrer ganzen Haltung zu ihrem deutschvölkischen Mörderflügel entnehmen fann gerade erträglich. Es wird daber den einsichtigen Elementen nichts anderes übrig bleiben, als die notwendigen Konsequenzen au aieben. Erhöhung der Personenfahrpreise Am 1. Oftober dieses Jahre. werden die Personen 4 tarife der Eisenbahn um etwa 50 Prozent erhöht werden. Die neuen Einheitssäße für den ilometer werden betragen: in der IV. Klaffe 45 Pf., in der III. Klasse 67% P., in der II. Klaffe 112% Pf., in der I. Straffe 2022 Pf Eine ähnliche Erhöhung erfahren die SchnellzugZuschläge. Auch der Gepädtarif wird zum ersten Oftober 1922 erhöht werden, und zwar ist ein Frachtsat von 10 Pf. für 1 Kilogramm pro Kilometer in Aussicht ge= nommen. Verständigung im Bergbau Effen, 12. Juli. Die Verhandlungen über die Streitfragen im Manteltarif des Nuhrkohlenbergbaus, die am 11. Juli im Gebäude des Bechenverbandes Essen unter Zeitung des Reichsarbeitsministeriums begonnen haben, haben heute zu einer vollen Verständigung geführt. Die getroffenen Ver einbarungen bedürfen noch der endgültigen Zustimmung der beiderseitigen Bebände, die bis zu Sonnabend, den 15. d. Mts. zu erwarten ist. Die neuen Buchdruckerlöhne Nach einer Meldung aus Leipzig hat der Ausschuß des Tarif amtes ber Buchbruder dem Vorschlag auf eine außer tarifliche Lohnerhöhung zugestimmt. Die Gehilfen über 24 Jahre erhalten ab 10. Juli 1922 eine 3uIage bis zu 300 Mart pro Woche, gestaffelt nach Lohnklassen und gültig bis 1. August 1922, bon da ab eine gulage von wöchentlich 350 Mart. Der Tarif selbst, der bis Ende dieses Jahres gilt, wird von den Lohnzuschlägen nicht berührt. Der Staatskommissar für öffentliche Sicherheit, Weißmanu, bezeichnet die von der Dena" gebrachte Meldung, wonach er an Killinger während seiner Untersuchungshaft 300 000,- f. ausgezahlt habe, als nach jeder Richtung unwahr. Lebensmittel für Deutschland.„ Neuyork Times" meldet aus Chicago: Edward Morris, der Präsident ter MorrisTransport Gesellschaft, hat die Verschiffung von über zehn Millionen Pfund Nahrungsmitteln nach Deutschland im Werte von ein dreiviertel Millionen Dollars genehmigt. Die erste Sendung von 55 Eisenbahnwagen geht am Sonnabend ab. Moschee eingestürzt. Reuter" meldet aus Kairo: Durch den Einsturz des Daches einer Moschee wurden heute 14 Perfonen getötet und 12 schwer verwundet. Bom Hunger in Rußland. Nach einer Mitteilung des Internationalen Hilfstomitees für das hungernde Rußland litten am 1. Junt in der Krim 370 000 Menschen, darunter 185 000 Kinder, Sunger. Infolge der Sterblichkeit, aber auch infolge der lofalen Hilfsorganisation verringerte fich diese Zahl gegen den 1. Juli auf etwa 160 000 Menschen, darunter 100 000 Sinder. Die Sterblichkeit beträgt in gewissen Gegenden der Krim 50 Prozent. In vielen Dörfern ist die ganze Bevölkerung dem Hungertode erlegen. hüfuerangan Hornhaut, Schwielen u.Warzen beseitigt schnell, sicher u.schmerzlas Kulikol In Apotheken u.besseren Drogerien erhältlich! Gegen Fußschweiß und Wundlaufen Kukirol= Fußbad! MARK Zu jeder Zeit gut und billig Galamander Theateru.Vergnügungen Bollsbühne Rotter- Bühnen 7, Uhr Täglich& Uhr: Robert. Bertram Residenz- Theater Eine Frau Menes Volkstheater ohne Bedeutung Köpenicker Straße 68 7, Uhr: Die erste Gelge 7 Trianon- Theater Moral v. Lu w. 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Die Fortsetzung der .eneral- Versammlung findet am Montag den 17. Juli 1922, abends 6 Uhr der echte Kapitan- Kautabakim Großen Saal des Gewerkschaftshauses, Zetteleinlage( Rollen, Schleifen, Stangen, Twist. Verk ufsstellen durch GarlBöcker, Brin., Lichtenberger Str.22( Kgst.3861) Berlin SO.16, Engel- Ufer 15, statt. Der Aufsichtsrat: i. V I. A. Oskar Witzke. Für 75 Mark wöchentl. erhalten Sie bei klein Anzahlung einz. MöbeliederArt sowie Teppiche, car dinen, Bettdecken, Bettwäsche für wöchentlich 25 Mark Zorndorfer Str. 54 Barthel. der Zarifausschußßigung Deutscher Transportarbeiter Verband, bezirksverwaltung Zu dieser Versammlung haben außer den Delegierten und den übrigen Teilnehmern nach§ 4 bes Statuts die Bertrauensieute und Heim d. Berliner Arbeiterschaft Druderei affierer Zutritt. Borstandsmitglieder Freitag „ Gewerkschaftshaus" 7 Uhr bei Henning Sitzung. Der Gauvorstand.: Engel- Ufer 25 muß es sich zur Pf.icht machen. 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Mai 1922 mitgeteilt wurde, finden die Wahlen der Delegierten zum Verbandstage am 16 Juli 19 2, Unsere Kleidungsstücke zeichnen sich durch unerreichte Formenschönheit, tadellosen Sitz und mäßige Preise aus. Kaufen Sie jetzt, da eine solche vorteilhafte Gelegenheit sobald nicht wiederkehrt! Keine Lombardware. Des großen Andranges wegen empfiehlt es sich, uns möglichst in den Vormittagsstunden zu besuchen. Leihhaus Brunnenstraße 5 direkt am Rosenthaler Platz. Bitte genau auf Firma und Hausnummer zu achten. Möbel gegen bar und auf Tellzahlung Wohnzimmer, Schlafzimmer, Speisezimmer, Polsterware, einzelne Möbel farbige Küchen Grebler Weinbergsweg 4 Von 8-7- Uhr geöffnet Teilzahlung! in der Zeit von 9 Uhr vorm itags bis 3 ihr nachmittage statt. 3ur Stimmabgabe Garderobe find bie nachstehend verzeichneten 49 Wahllokale eingerichtet worden. 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Unter ben gewählten Delegierten bez Settion I unb VII mu dh fe ein weibliches Mitglied und unter der Sektion VI ein im Beamtenverhältnis stehendes Mitglied befinden. Bei der Wahl ist vorstehende Mandatsverteilung zu beachten. Als gewählt gelten diejenigen Randidaten, welche in ihrer Sektion die relativ höchste Stimmen sahl erhalten haben, Stichwohl findet nicht katt, Die Bezirksverwaltung 3..: Rarl& Iose Kochstraße. Werbt für unser Blatt! Möbelfabrik Rob. Seelisch Berlin 0 112, Rigaer Str. 71-73 a, 5 Min. vom Bhf. Frankfurter Allee empfiehlt zu bekannt billig. Preisen bei solider Ausführ. Gegründet 1876 Komplette Schlafzimmer Speisezimmer Herrenzimmer einfachen und besseren Genres Küchen farbig und naturglasiert in allen Preislagen Gekaufte Möbel können beliebige Zeit kostenl. lagern 6 Jr. 270 Ausschneiden! Beilage zur Freiheit" Drei Fragen für Mieter Aufheben! Paragraph sagt zunächst allgemein, daß man Das Reichsmieten gesez ist am 1. Juli invierteljährlich, am Quartalsbeginn( spätestens Kraft getreten. Fast alle Vermieter haben ihren Mietern schriftlich erkläri, daß nunmehr die gesetzliche Miete gelten solle. Folgende drei ragen treten dabei zunächst in den Vorder= grund: 1. Was ist die gesetzliche Miete? 2. Wie hoch ist die geseßliche Miete? 3. Wann tritt die gesetzliche Miete in Kraft? Zur ersten Frage: Die Friedens miete vont 1. Juli 1914 ist die Grundlage der gesetzlichen Miete. Von der Friedensmiete werden zunächst abgezo gen: alle Beträge für Betriebs- und Instandsetzungskosten sowie für Sammelheizung oder Warmwasserversorgung. Was nachbleibt, ist die Grund miete, die Verzinsung des ursprünglichen Bau* apitals. Auf diese Grundmiete wird nun ein Teil der vorher abgezogenen Kosten aufs neue aufgeschlagen, aber in der Höhe der heute it blichen Be träge. Durch sie soll dem Vermieter ermöglicht werden, das Haus vor dem Verfall zu be= wahren. Er darf deshalb auf die Grundmiete nen aufschlagen: 1. die Steigerung der Hypotheken- Verzinsung und Neu- Belastung seit 1914; 2. die Betriebskosten( Steuern für das Haus, öffentliche Abgaben, Versicherungsgebühren, Verwaltungskosten usw.) und 3. die Kosten für laut fende Instandsezungs Arbeiten. Diese drei Zuschläge und die Grundmiete ergeben zusammen die gesetzliche Miete. Die Kosten für Warmwasserversorgung, Sammelheizung usw. hat der Mieter künftig neben der Miete zu tragen. Zur zweiten Frage: Die Höhe der Abzüge von der Friedensmiete und der Zuschläge zur Grundmiete kennt in Berlin augenblicklich noch kein Mensch. Sie werden einheitlich von der obersten Landesbehörde oder auf deren Anordnung von der Gemeindebehörde gesetzt, und zwar für die Abz it ge in Prozenten der Friedens miete, für die Zu= schläge in Prozenten der Grundmiete. Dem Berliner Wohnungsamt ist für GroßBerlin diese Festsetzung übertragen. Es hat aber die Prozentjäße für Abzüge und Zuschläge noch nicht veröffentlicht, so daß zurzeit in Berlin noch fein Mensch weiß, wie hoch für ihn die gesetzliche Miete sein wird. am 3. Werktage) zum Quartalsschluß fündigen muß. Dann folgen Einschränkungen für Monate, Wochen und Tage. Maßgebend ist dabei. für welchen dieser Zeiträume, die Miete bemessen ist". Bei„ Bemessung" nach Monaten muß am 15. des Monats zum Monatsschluß, bei Bemessung" nach Wochen am 1. Werktage zum Wochenschluß, bei„ Bemessung" nach Tagen an jedem Tage für den folgenden Tag gekündigt werden. Je kürzer also die Kündigungsfrist ist, je früher muß der Mieter statt der bisherigen die gesetzliche Miete" zahlen. Man sehe sich seinen Mietvertrag genau an. Aber nicht nur die dort festgesetzte Kündigungsfrist, sondern vor allem die meistens am Kopfe der Mietverträge gleich nach den Personalien des Vermieters und des Mieters folgenden Angaben über die Mietdauer und den Mietbetrag, also darüber, für welchen Zeitraum die Miete bemessen" ist. Steht z. B. am Kopfe des Mietvertrages, daß auf ein Jahr für eine jährliche Miete von 1000 Mark" gemietet ist, so tritt die gesetzliche Miete" erst am 1. Oktober in Kraft, denn die Miete war mit 1000 Warf für ein Jahr, bemessen". Dabei ist es gleichgültig, ob außerdem im Vertrage oder durch mündliche Vereinbarung vierteljährliche oder monatliche oder gar wöchentliche Miete 3 ahlung vereinbart ist. Nicht auf die Zahlungszeiten kommt es an, sondern auf die Bemessungszeiten. = 1 Die Hausbesigervereine versuchen, statt der„ Bemessungs"-Zeiten die Zahlungs" Wiete nach einer Jahres dauer bemessen" iſt, Zeiten zu jezen. In den vielen Fällen, in denen die aber in Monat 3 raten gezahlt wird, fordern die Hausbesitzer die höhere gesetzliche Miete" schon vom 1. August ab. Das widerspricht dem Gesez. Erst vom 1. Oktober ab muß in diesen Fällen die gesetzliche Miete" gezahlt werden. Wer aus Unkenntnis fich bereits mit der Zahlung zum 1. Auguſt einverstanden erklärt hat, widerrufe schriftlich seine Zustim mung und rufe eventuell das MieteinigungsSteht aber am Kopfe des Mietvertrages z. B., daß auf einen Monat für eine monat: liche Wiete von 100 Mart" gemietet ist, so muß auch vom 1. August ab die gesetzliche Miete gezahlt werden. Jeder Mieter sehe also genan nach, für wel= chen Zeitraum seine Miete„ bemessen“ ift. Der Vollständigkeit halber sei noch der§ 565 des BürgerFreitag, 14. Juli 1922 Der Straus Vom Schlesischen Bahnhof für Pfennige in faft einstündiger Fahrt nach Staatsbahnhof Strausberg und von da für zivo Nickel mit der Kleinbahn über die Haltestellen Landhaus, Schlagmühle und Hegermühle bis zur Stadt Strausberg... das war einmal. Selbst dieser sagenhaft billige Fahrpreis tam in schönen Friedens Mehr als einen zeiten föpfereichen Familien reichlich hoch vor. Heute beFünfziger legte man für die Landpartic ungern an.. rappst du für die gleiche Strecke 6. und 5 Papiermark, genau so viel auch für dein Hundert, das sich im Wald austollen soll. So tommmt dein vierbeiniger Hausfreund, wenn es ans Zahlen geht, ungewollt zu Menschenrechten. Er wird höher eingeschäßt als ein Kind, was bei rund 150 000 Hundeseelen in Berlin für die Verkehrsinstitute eine ergiebige Geldquelle ist. Gönne also wenigstens vom Staatsbahnhof ab dir und deinem Köterchen lieber das gesunde Laufen. Mit dem kürzlich geschilderten Annatal bist du nun schon vertraut. Von Schlagmühle führen drei schöne, aber verschieben lange Wege zur Stadt. Der fürzeste liegt in der Mitte, geht links am böllig verschilften, fast unnahbaren Herrensee vorbei nach der in einem Reffel gelegenen Hegermühle, von da auf schmaler Kirschenallee schuurgerade nach Strausberg hinein( 1Stunde). Der zweite Weg umgeht nach rechts( erst am Fließ entlang, nicht auf der Straße nach Garzau) den Herrensee neben dem Dickmantelforst bis zu einer Wiesenbrücke, die in 10 Minuten ebenfalls nach Hegermühle leitet. Die dritte Tour läuft von Schlagmühle oder Hegenmühle links ab zur Chaussee über das Waldivirihaus Wolfstal und hat den Vorzug, auf die südliche Hälfte des Straussees mit seiner hervorragend schönen Seepromenade zu stoßen( 1% Stunde). Es ist eins der eigenartigsten märkischen Städttein, dieses Strausberg. Nicht so reiglos und rückständig wie das zwei Stun den entfernie Aderspießernest Alt- Landsberg, an dessen unverbesserlichen Hurrapatrioten der Haby- Wilhelm seine findliche Freude haben würde. Zwar auch, wie alle solche Landstädtchen, mit Hafenfreuzzuchthammeln durchsetzt, in seinem Gesellschaftsleben noch am Klimbim des Alten flebend, aber doch schon etwas geläutert. Schon die Häuser zeigen, wie hier auf engem Raume das Bermodernde mit dem Neuen ringt. Halbberfallene Festungsmauern, ein Waldturm, in dessen verwitterten Resten sich eine Herberge zur Heimat niebergelassen hat, die Hauptkirche mit dem schwarzberräucherten, abgeftumpften Holzturm, frummen Gäßchen, mitten dazwischen des in sechs Stockwerken ansteigende weißgetünchte maffige Arbeitshaus mit seinen durch Geburts-, Erziehungs- und Staatsschäden unter die Lebensräder geratenen Korrektionssträflingen, ein vorsintflut liches Rathaus, dann wieder ganz moderne Amtsgebäude, Billen, Pensionate, alles das erscheint, wenn man mit der elektrischen Fähre für eine halbe Mart den Seestrand gegenüber erreicht hat. wie inneinandergeschachtelt. Häuser und Wasser sind förmlich eins. So mag das sagenhafte Vineta ausgesehen haben. Herrlich ist bei flarem Wetter auch die Aussicht über den Gee nach dem gar nicht so weiten Blumental und auf den Schwarzen Berg mit dem rotbedachten Wilfendorfer Lugturm. Schiver trennt sich das Auge bon so viel Schönheit. Wenn's mur nicht heiter gar so teuer wäre, das Naturkneipen! Vater, Mutter und das liebe Hundert haben den Eisenschienen 66 Mark geopfert, und die KaffeeIn Hamburg sind 40 Prozent Abzug von der Friedensmiete und 500 Prozent Zuschlag zur Grundmiete festgesetzt. Bei 1000 Wit. Friedensmiete beträgt lichen Geſetzbuchs im Wortlaut angefügt; er lautet famme macht den Bläuling voll. dort also der Abzug 400 Mt., die Grundmiete 600 it. Dazu 500 Prozent Zuschlag, macht 3600 Mark gesezliche Miete. Die Friedens miete ist also von 1000 auf 3600 tarf erhöht, das heißt mehr als verdreifacht worden. Diese Hamburger Zahlen geben einen gewissen Anhalt für Berlin. In Hamburg herrscht große Erregung über die starke Mietserhöhung. Zur dritten Frage: Nach§ 1 des neuen Reichsmietengesezes ist die gesetzliche Miete von dem ersten Termin ab zu zahlen, für den die Kündigung nach§ 565 des Bürgerlichen Gesetzbuch zulässig sein würde." Dieser Unter fremden Menschen Von Marim Gorki. Esta autorisierte lleberfekung von Auguft Schola. isches Copyright 1918 by 1stein& Co., Berlin. ( 108. Forijegung.) Und auch alle die andern Gäste sind mäuschenstill, als ob sie auf etwas längst Bergessenes lauschten, das ihrem Herzen einst teuer war. Hatte Kleschtschow sein Lied beendet, so nahm er bescheiden auf seinem Stuhle Plaz; der Wirt brachte ihm ein Glas Branntwein und sagte mit zufriedenem Lächeln: Schön war's, gewiß aber eigentlich singst du nicht, sondern erzählst mehr. Doch ein Meister bist du, das muß dir der Neid lassen..." aus, Kleschtschow trant langsam sein Glas räusperte sich leicht und erwiderte leise: " Singen fann jeder, der ein bißchen Stimme hat; aber die Seele des Liedes zu offenbaren das ist nur mir gegeben!" " Na, brüste dich nur nicht zu sehr, mein Lieber!" Wer etwas hat, womit er sich brüsten kann, der soll sich nur immer brüsten!" meinte der Sänger leise, doch seiner selbst gewiß. " Du sprichst recht überheblich, Kleschtschow," versetzte der Wirt gereizt. ,, Ueber meine Seele hinweg heb' ich mich nicht...," gab ihm der Sattler zur Antwort. ,, Was versteht ihr Würmer, ihr faulen Schimmelpilze von dem Gesange dieses unscheinbaren Engels!" brüllte der finstere Sftavensänger aus seiner Ecc. Er war stets anderer Meinung als die übrige Gesellschaft, stritt sich mit allen herum und sagte allen die größten Grobheiten, wofür er jeden Sonntag von den andern Sängern oder sonstigen Gästen ganz gehörig verprügelt wurde. Der Schankwirt konnte den Sattler, so sehr er auch feine Stimme schäßte, im Grunde genommen nicht leiden und suchte ihm allerhand Possen zu spielen. Er redete der Lyssucha zu, dem kleinen Sänger den Kopf zu verdrehen: ift „ Bei Grundstücken wie bei allen Mieträumen die Kündigung nur für den Schluß eines Ka= Lendervierteljahres zulässig; sie hat spätestens am dritten Werktage des Vierteljahres zu erfolgen. Ift der Mietzins nach Monaten bemessen, so ist die Kündigung nur für den Schluß eines Kalendermonats zulässig; sie hat spätestens am 15. des Monats zu erfolgen. Ist der Mietzins nach Wochen bemessen, so ist die Kündigung nur für den Schluß einer Kalenderwoche zulässig; sie hat spätestens am ersten Werktage der Woche zu erfolgen. Jit der Mietzins nach Tagen bemessen, so ist die Kündigung. an jedem Tage für den folgenden Tag zulässig.". Es heißt also stets: Ist der Mietzins bemessen", nicht: Wird der Mietzins bezahlt", wie die Hausbesizer den Paragraphen auslegen möchten. „ Das gäbe einen Heidenspaß, so zuzusehen, wie er verliebt um dich herumscharwenzelt! Ganz gehörig müßtest du ihm einheizen was für Lieder würde er da singen!" Ein Idyll aus dem Berliner Polizei- Präsidium Die Republik bezahlt alles Den Monarchisten in den einzelnen Dienststellen der Behörden soll, so wird erzählt, nun auf die Finger geklopft werden. Alle Gesetze zum Schuße der Republik sind für die Raße, wenn nicht eine gründliche Reinigung und zwar mit eisernem Beien bei den Behörden durchgeführt wird. Wie unglaublich dreist diese Monarchisten- die es aber mit ihrer monarchistischen Ehre vereinbaren können, sich von der Republik bezahlen zu lassen- gearbeitet haben und noch arbeiten, beweist folgende Tatsache: Ort: Berliner Polizeipräsidium. Polizeirat Rögler von der Abteilung Schußpolizei, früher Zahl Siehe da, ich bin meines Gottes unbestechlicher Diener und klage euch an wie der Prophet Jesaias! Wehe dir, du Stadt Ariel, in der Dirnen und Gauner und Uebeltäter jeglicher Art im Pfuhl ihrer Miffetaten leben! Wehe den beflügelten Schiffen, die se viel sündiges Volt über das Erdenrund dahintragen! O, ihr Säufer und Fresser, ihr Auswurf dieser Welt, die Erde wird ihren Schoß vor euch verschließen." Die große, wohlbeleibte Schöne ließ sich jedoch auf den Vorschlag nicht ein fie meinte, sie sei nicht jung genug für solche Dinge. Auch die Versuche des Wirts, Kleschtschow betrunken zu machen, mißlangen jedesmaler sang seine zwei, drei Lieder, trank für jedes Lied sein Gläschen, umwickelte dann sorgfältig seinen Hals mit einem roten Schal, den eine Freundin ihm gestrickt hatte, zog die Müze in die Augen und ging. zitterten, was dem Publikum ausnehmend gut gefiel. Defters veranstaltete der Schenkwirt ein Wettsingen, bei dem neben Kleschtschow noch andere Sänger fich vernehmen ließen, doch erinnere ich mich nicht eines einzigen, der den Sattler übertroffen hätte. Ich beneidete diesen Menschen um sein Talent, das ihm eine solche Macht über die Gemüter gab. Er schätzte selbst seine Kunst sehr hoch ein, benahm sich, wenn er nicht jang, ziemlich aufgeblasen, antwortete faum, wenn man eine Frage an ihn richtete, und war mir eigentlich wenig sympathisch. Als ich mich einmal neben ihn setzte und ihn irgend etwas fragte, fuhr er, ohne mich anzusehen, unwirsch heraus: ,, Mach, daß du fortkommst, Bengel!" Weit besser gefiel mir als Mensch der Ottavenfänger Mitropolsfij: er fam in die Schenke, ging schwerfällig, als ob er eine große Last trige, in seinen Winkel, schob sich mit einem Fußtritt den Stuhl zurecht und nahm Plaz. Die Ellbogen auf den Tisch stützend, legte er den großen, zottigen Kopf in die flachen Hände, trant schweigend zwei, drei Gläschen und räusperte sich laut. Alles fuhr zusammen und wandte sich nach ihm um. Das Kinn auf die Hand gestützt, saß er da und sah die Gäste herausfordernd an. „ Was glotzt ihr?" fuhr er plötzlich heraus.„ Was gibt es zu sehen?" „ Einen Waldteufel, was sonst?" antwortete man ihm. Es gab Abende, an denen er schweigend trank und nach Hause ging, ohne auch nur ein Wort gesprochen zu haben. Mehrmals jedoch hörte ich, wie er im Prophetentone Loswetterte: Er schüttelte sein ungekämmtes Haar, das gleich einer Mähne das gedunsene, dunkle Gesicht umwallte. Seine Stimme dröhnte, daß die Fensterscheiben er,, Brüllt nicht schlecht, der zottige Köter!" hieß es, was ein Lob für den. Propheten sein sollte. Mit Mitropolskij Bekanntschaft zu machen, war nicht schwer: man brauchte ihm nur zu sagen, daß man ihn freihalten wolle. Er bestellte dann eine Flasche Branntwein und eine Portion Rindsleber mit rotem Pfeffer- sein Lieblingsgericht, das in Mund und Gedärm wie höllisches Feuer brannte. Als ich ihn fragte, was für Bücher ich nach seiner Meinung lesen solle, fuhr er wild heraus: ,, Warum willst du lesen?" Dann aber, als er mich durch seine Antwort erschreckt sah, fügte er sanfter hinzu: Hast du den Prediger Salomonis gelesen?" " Ja." Den lies nur immer wieder, Weiter nichts. Dori ist alle Weisheit der Welt enthalten, nur ein Quadrat ochse begreift sie nicht. Das heißt, im Grunde genom men begreift sie kein Mensch... Wer bist du eigent. lich? Singst du?" " Nein." Warum nicht? Singen muß man, es ist die abgefchmackteste Beschäftigung, die es gibt." Vom Nachbartische fragte ihn jemand: ,, Singst du denn auch selbst?" Wie käme ich dazu? Ich bin doch ein Tagedieb! So, fo..." So, so...! Das ist alles, was du aus deinem dum, men Schädel herausholen kannst! Und es wird auc nie mehr herauszuholen sein. Amen!" ( Fortfepimo folgt.) meifter im 4. Garde- Regt. 3. S., ift Schahmeister des ehemaligen Offizierkorps dieser Truppe. Der Geldschrank dieses Vereins steht im Arbeitszimmer des Herrn Polizeirats im Polizeipräsidium. Im November vorigen Jahres wurde der Unterwachtmeister Mühlfriedel für eine Woche dienstlich zu dem Polizeirat fommandiert, um die Buchführung des Offiziervereins aufs Laufende zu bringen! Später erhielt der Oberwachtmeister Langit ein ein Kommando zit Näßler. Langsteins Arbeit bestand in der Hauptsache in der Bearbeitung der Vereinsangelegenheiten des privaten Monarchisten- Klubs. Als dieser Oberwachtmeister mit den Arbeiten nicht mehr fertig wurde und sich Unstimmigkeiten ergaben, wurde der Polizeiobersekretär Wilfe von Polizeirat Räßler während der Dienststunden damit beauftragt, die Buchführung der Bücher des Offiziervereins in Ordnung zu bringen! Notwendig ist eine fofortige eidliche Bernehmung der Beteiligten und gründliche Revifion des Schrankes. Im übrigen muß Herr Polizeirat Räßler entlastet werden und awar io, daß er in Ruhe die Geschäfte seines Vereins erIedigen kann. Oder erwartet man von solchen Leuten, daß fie die Republik schüben? Ist Herr Räßler würdig, weiterhin Polizeibeamter zu sein, nachdem er vier Beamte, die von der Republik besoldet werden, in der Dienstzeit mit Arbeiten für einen monarchistischen Offizier- Verein beschäf tigt bat? Wahrlich, ein Idyll, wie es sich die kühnste Phantasie nicht beffer ausmalen bann! Frau Juftitia macht Ferien Am 15. d. Mts. beginnen die Gerichtsferien, die am 15. September endigen. Während ihrer Dauer ist der Birtungsfreis für Frau Justitia nicht unerheblich eingeschränkt. Auf diejenigen Rechtsangelegenheiten, welche ihrer Natur nach eine schleunige Erledigung erheischen, find die Gerichtsferien ohne Einfluß. Diese sogenannten Feriensachen", zu deren Erledigung bei den Landgerichten Sesondere Ferienkammern gebildet werden, umfassen: die Straffachen, die Arrestsachen und die einstweilige Verfügung betreffenden Sachen, Meß- und Marktsachen, Mietsstreitigteiten, Wechielsachen und Bausachen. Das Gericht kann auch andere Sachen, soweit sie besonderer Beschleunigung bedürfen. als Feriensachen bezeichnen. Den Gerichten bleibt also auch während der Ferien hiernach ein immerhin noch ansehnlicher Geschäftskreis erhalten. In allen anderen, nicht zu den Ferienjachen gehörigen Rechtsstreitigkeiten werden während der Ferien weder Termine abgehalten, noch Entscheidungen erlaffen. Am Landgericht I find 8 Straffammern gebildet, die abwechselnd Montags, Mittwochs, Freitags, bzw. Dienstags, Donnerstags und Sonnabends tagen. 25jähriges Parteijnbilänm. Die vierte Abteilung des Distrits Charlottenburg spricht ihrem Genossen Albert Hart fiel, Friedbergstraße 12, der am 4. Juli auf fünfundzwanzig Jahre Parteizugehörigkeit zurückbliden fonnte, ihre herzlichsten Glückwünsche aus und hofft, ihn, der während einer ganzen Zeit den Ortsverein Charlottenburg als Mitglied und langjähriger Funktionär angehörte, noch lange Jahre in alter Frische in ihrer Mitte zu sehen. vera Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinterbliebenen Bezirk V Süd- West ftaltet am Freitag, dem 14. Juli d. J., abends 7% Uhr in den Vittoria- Sälen, Belle Alliancestr. 22, eine Schwerkriegsbeschädigtenversammlung, in der Vorträge über die Ausführungsbestimmungen zu§§ 7( Rörpereriabitüde) und 33 ( Beamtenschein) gehalten werden. Außerdem wird das neue federnde Germania- Kunstbeia vom Erfinder vorgeführt. Da dieses Kunstbein in Kriegsbeschädigten- Kreisen noch garnicht bekannt ist und die neue Art der Federung eine Erleichterung des Gehens mit sich bingt, ist allen Kriegsbeschädigten und sonstigen Interessenten der Besuch der Versammlung zu empfehlen. Im Anschluß daran wird ein Vertreter der Runit- Arm- Gesellschaft den Kresse- Runstarm im Gebrauch zeigen. Aufklärung eines Ranbmordes nach drei Jahren. Ein Raubmord, der vor drei Jahren an der 62 Jahre alten Handelsfrau Bebera Glas in der Fehrbelliner Straße 17 verübt wurde, ist jest endlich aufgeklärt. 3wei der Täter figen hinter Schloß und Riegel, der dritte ist noch flüchtig, aber befannt. Strandkonzert im Freibad Müggelfee. Sonntag, den 16. a. M., findet im Familienbade des Freibades Müggelsee ein großes Strandkonzert statt. Der aus diesem Konzert erzielte Ueberschuß soll zu gemeinnützigen Zwecken, insbesondere zur Verbesserung der Badeeinrichtungen, Verwendung finden. Bir tönnen den Besuch dieses Konzerts bestens empfehlen. Das Bad ist auf herrlichen Waldwegen vom Bahnhof Friedrichshagen und Rahnsdorf bequem zu erreichen. Gewerkschaftliches Transportarbeiter! Zur Verbandsdelegiertenwahl Die Wahl der Delegierten zum Verbandstag findet am 16. Juni in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags statt. Zur Stimmabgabe find 49 Wahllofale in Berlin eingerichtet worden, die umseitig im Inserat ersehen werden können. Ebenso find die näheren Wahlbestimmungen aus demselben ersichtlich. Die Stimmzettel enthalten 64 Kandidaten. Davon find aber 32 zu streichen. Als gewählt gelten diejenigen Randidaten, welche in ihrer Sektion die relativ höchste Stimmenzahl erhalten. Eine Stichwahl findet nicht statt. Unsere Genossen werden nicht umhin können, eine kräftige Wahlpropaganda zu treiben, um für eine geschlossene Wahlbeteiligung zu sorgen. Metallarbeiter! Am 15., 16. und 17. Juli findet die Wahl zum Bevollmächtigten statt. Alle Gewerkschafter Amsterdamer Richtung geben ihre Stimme ab für Ziska Buchbinder! An alle noch in Arbeit stehenden Kollegen und Kolleginnen! In äußerst schweren wirtschaftlichen Kämpfen befindet sich unsere Organisation. Die Unternehmer verweigern jede Teuerungszulage für den Monat Juli mit dem Hinweis, daß reichsstatistisch eine Teuerung noch nicht festgestellt sei, während doch zweifellos cine beispielloje Verteuerung und damit eine Verelendung der Arbeiterschaft eingetreten ist. Zudem versuchen die Unternehmer, eine Verlängerung der Arbeitszeit unseren Kolleginnen und Kollegen aufzuzwingen. In einem geschlossenen Abwehrkampf steht unsere Mitgliedschaft den Unternehmern im ganzen Reiche gegenüber. Zur Finanzierung dieser Streifs und als Vorsorge für noch weiter sich entwickelnde Kämpfe hat der Verbandsvorstand von der 29. Woche ab einen Extra- Beitrag in der Höhe eines doppelten Wochenbeitrages ausgeschrieben. Es find also vom Sonnabend, dem 15. Juli, ab, und zwar für die 29. Woche bis auf weiteres zwei Wochenbeiträge in allen Klassen zu leisten. Der von der Ortsverwaltung ausgeschriebene Extra Beitrag in Höhe von Mt. 20,- für Männliche, Mt. 10,-für Weibliche, Mt. 5.- für Jugendliche fällt infolge= dessen weg, und erwarten wir von unseren Mitgliedern die restlose Zahlung des vom Verbandsvorstand andgeschriebenen Extrabeitrages. Stärkung der Zentralfasse und Durchhaltung der Kämpfe, nicht nur für Berlin, sondern im ganzen Reiche! ist uns zur Pflicht geworden und hat jedes Mitglied zu seinem Teil dazu beizutragen. Die Vertrauensleute und Einkassierer sind für die Aufflärung der Mitglieder und die regelmäßige Ablieferung der Beiträge verpflichtet. Hoch die Solidarität! Die Ortsverwaltung. * Betriebsräte und Bertrauensleute der reinen Buchbinde reien, Briefumschlag- und Geschäftsbuchbetriebe! Am Freitag, den 14. Juli, vorm. 10 Uhr, in den Oranien- Festsälen, Naunynstraße 27, wichtige Sikung. Das Erscheinen aller ist unbedingte Pflicht! Kontobucharbeiter! Am Freitag, den 14. Juli, mittags 1 Uhr in den Oranien- Festsälen, Naunynstraße 27, für alle im Streit befindlichen Kolleginnen und Kollegen wichtige Versammlung. Streiffarte legitimiert! Betriebsräte und Vertrauensleute der Buchdruckereien! Freitag, den 14. Juli, nachm. 4½ Uhr in den Oranien- Festsälen, Naunynstraße 27, wichtige Versammlung. Tages ordnung: Bericht von den Lohnverhandlungen mit den Buchdruckereibesikern. Das Erscheinen aller ist unbea dingte Pflicht! Die Streifenden aus den Briefumschlag- und Papierauss stattungsbetrieben erhalten am Sonnabend früh in ihrem Stempellokalen nähere Nachricht über die für Montag, an gesezte Versammlung. Zur Lohnbewegung der Gemeindearbeiter Dem Magistrat sind am gestrigen Tage durch den Gemeindearbeiter- Verband die Anträge des Lohnbartells für die Gemeindebetriebe überreicht worden. Die Anträge fordern auf die z. 3t. bestehenden Stundenlöhne der Voll arbeiter ab 1. Juli 1922 eine Erhöhung von 12. Dis Löhne der Vollarbeiterinnen sollen 80 Prozent der Johnjätze der Vollarbeiter betragen. Die Löhne der Jugendlichen und Mindererwerbsfähigen werden prozentual abe gestuft. Außerdem wird gefordert: Die Schwerarbeiterzulage und die Zulage für die Arbeiter technischer Betriebe und Abteilungen, die bisher 10 Pf. proi Stunde betrug, auf 1 M. pro Stunde zu erhöhen. Die Löhne der Vollarbeiter betrugen nach dem bisher geltenden 11. Lohntarif: Ungelernte Arbeiter Grundlohn 20,95 M., nach 1 Jahr 21,45 M.; angelernte Arbeiter Grund John 21,55 m, nach 1 Jhar 22,05 M.; gelernte Arbeiter Grundlohn 22,60 m., nach 1 Jahr 23,10 M. Kampf der Feilenarbeiter Die Feilenarbeiter Groß- Berlins stehen seit de 26. Juni 1922 im Streit, um bessere Lohnbedingungen an erringen. Der angerufene Schlichtungsausschuß fällte is Anbetracht, daß die Akkord- Stundenverdienste der Feilens arbeiter ohne irgend welche sozialen Zulagen ca. 16 bis 24 M. betrugen, einen Spruch, wonach vom 1. Juni 15 Prozent und ab 26. Juni 45 Prozent zu den Mailöhnen gezahlt werden sollen. Dieser Spruch wurde von den Arbeitern ange uommen, die Unternehmer des Deutschen Feilenbundes Der Deutsche Metallarbeiter- Vere aber lehnten ihn, ab. band, Verwaltungsstelle Berlin, hat die Verbindlichkeits erklärung des Spruches beim Demobilmachungsfommissar beantragt. Da die Feilenbundunternehmer von ihren Kollegen des Reiches finanzielle und materielle Unterstüßung erhalten, erfuchen wir die Feilenarbeiter Deutschlands, darauf au achten, daß fertige Feilen zur Niederringung der ftreifenden Berliner Feilenarbeiter nicht nach Berlin gesandt werden dürfen. Desgleichen ersuchen wir um die moralische und finan zielle Unterstützung der gesamten Berliner Metallarbeiter, um den uns aufgedrungenen Kampf mit Erfolg führen z fönnen. Branche der Feilenarbeiter Groß- Berlins. Drohender Streik bei der Omnibusgesellschaff Für das technische Personal obiger Gesellschaft reichte ber Deutsche Metallarbeiterverband Forderungen in der Höhe von 6 M. Zulage ein. Bei einer Verhandlung mit der Direftion Die Arbeiter bewilligte man ganze 2.75 M. die Stunde. Lehnten dieses Angebot ab und riefen den Schlichtungsaus schuß ant. Die Firma zog nun das erste Angebot wieder zurück, Nuw wurde ein Spruch gefällt gegen die Stimmen der Arbeite: nehmer, der den Arbeitern 3 M. bis 3,25 M. pro Stunde brachte, ferner eine Erhöhung der Kinderzulage um 0,28 MA und 1 M. für die Ehefrau. In einer Versammlung wurde nach eingehender Debatte und geheimer Abstimmung dieser sogenannte Schiedsspruch abgelehnt, der in feiner Weise den heutigen Verhältnissen Rechnung trägt. Bevor vom lebten gewerkschaftlichen Mittel Gebrauch ge macht wird, soll noch versucht werden, in neuerlichen Unter Zum Sport nur Bären Stiefel Der Stiefel für schwere Beanspruchung. 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Bren- Hannover den Bericht des Vorstandes und ergänzte diesen. Der Jette Verbandstag gab dem Vorstand Richtlinien und Ausgaben für seine Tätigkeit. In diesem Rahmen hat sich dar Vorstand bei seiner Arbeit gehalten. Es ist der Versuch ge macht worden, uns aus dem Rahmen der Verbandstagbeschlüsse herauszubringen, dem find wir jedoch nicht gefolgt. Wir fonnten es nicht, einmal weil dies gegen unsere Aufträge gegangen wäre, zum anderen, weil für eine Reihe Dinge und Ziele, die wir mit allen Mitteln durchseben sollen, die wirtschaftlichen Vorausießungen fehlten. Als der Gewerfschaftsbund die 10 Punkte bezüglich der Arbeitslosigkeit aufstellte, wurden wir von linksstehenden Kollegen aufgefordert, au frisch- fröhlichem Kampfe zu blasen. Das konnten wir nicht, weil die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse für einen Kampf nicht günstig waren. Bei unseren Kämpfen entscheidet die Wirtschaftslage und die organisatorischen Machtverhältnisse. Im Februar d. J. lagen die Dinge nicht so, daß wir dem Bundesvorstand empfehlen konnten, einen derartigen Kampf aufzunehmen, noch konnten wir ihn mit unseren Verbandsorganen entfesseln. Es wäre um Sein oder Nichtsein nnserer Organisation gegangen. Es wird gesagt, wir seien teine Klassenfämpfer, wir wüßten nichts von der Lage der Arbeiterschaft. Ich gebe zu, das Endziel des Klassenkampfes, die Verwirklichung des sozialistischen Gesellschaftsprinzips, durchzuführen, geht über die Kräfte einer Gewerkschaft hinaus. Aber jede Gewerkschaft verrichtet Arbeit auf dem Wege zu diesem Ziel. Unsere ganze Tätigkeit ist Klassen= fampf. Allerdings, ein Teil unserer Kollegen faßt den Klassenkampf so auf, daß sie es unter der Würde einer Dr ganisation halten, wenn sie sich mit den Unternehmern an einen Tisch jetzt, um über Lohnfragen zu verhandeln. Das soll eine Aufgabe des Klassenfampfes sein! Demgegenüber betrachte man unsere Lohnbewegung. Wir haben 1921 20 Millionen und im ersten Halbjahr 1922 bereits 30 Millionen Mark für Streifs und Aussperrungen ausgegeben. Unsere Organisation hat ihren Klassenkampfcharakter gewahrt. In den letzten 2% Jahren, bis Ende März d. J., haben wir durch unsere Lohnbewegungen für unsere Kollegen eine Rohnerhöhung um sast 8% Milliarden erreicht. Zum Schlusse seiner Ausführungen ging der Redner auf die zum Verbandsbericht vorliegenden Anträge ein und betonte, dem Vorstand seien in seiner Tätigkeit Grenzen gezogen; er könne nicht ins Blaue hinein wirtschaften, sondern müsse bei allen seinen Handlungen der vollen Verantwortung bewußt sein( 3ustimung). Den Kaiienbericht erstattete Haupttaisierer NößIer Hannover, der dann die wichtigsten Zahlen des Kassenabschlusses erläuterte. Es jei notwendig, Mittel und Wege zu suchen, um die Verbandsfinanzen zu stärken. Wenn die Lohnfämpfe in ihrem feitherigen Umfange geführt werden sollten, dann müßte der Verbandstag eine Eräftige Finanzreform beschließen. Der Kassenbestand von 40 Millionen Marf sei zu gering, er müsse bedeutend erhöht werden, wenn man für alle Kämpfe gerüstet sein wolle. Den Ausschußbericht gab Bruhn 8- Hamburg. Es feien verhältnismäßig wenig Beschwerden in der GeschäftsHERMANN periode eingegangen. Gegen die Beschlüsse des Ausschusses wurde nur ein Protest beim Beirat erhoben und dieser hat der Ausschußentscheidung zugestimmt. Redner bean= tragt, dem Gesamtvorstand Entlastuna zu erteilen. Für die Redaktion des Verbandsorgans berichtete Redakteur Prü II- Hannover. Die Auflage des Verbandsorgans betrug Ende 1921 710000 Exemplare. Zu diesem Bericht liegen mehrere Anträge vor, die mit der Haltung des Verbandsorgans gegen die Kommunisten nicht einverstanden sind und verlangen, daß Angriffe gegen eine volitische Arbeiterpartei unterbleiben. Prüll erklärte, daß er die Redaktion in Uebereinstimmung mit der Verbandsleitung geführt und dabei das Gesamtinteresse der Mitgliederschaft im Auge gehabt habe. Nicht gegen die poli= tische Partei der Kommunisten habe sich die Schreibweise des Proletariers" gerichtet, sondern gegen das gewerkschaftsschädigende Treiben der kommunistischen Parteiinstanzen und gegen diejenigen Mitglieder, die glaubten, die Organisation zum politischen Tummelplay zu machen. An die Berichte schloß sich eine ausgedehnte Diskussion, über die wir zusammenfassend berichten. Die Lohnbewegungen im Gastwirtsgewerbe beendet. Der nach dem Scheitern der direkten Verhandlungen gefällte Schiedsspruch sieht nun Lohnerhöhungen von 20 Prozent ab 16. Juni, 30 Prozent ab 1. Juli und 35 Prosent ab 1. August vor. Zahlenmäßig gestalten sich nach dem Spruch die Löhne der wichtigsten Gruppen wie folgt: Ungelernte Arbeiter in der höchsten Klasse 850 M. im Juli und 900 M. ab 1. August. Weibliche ungelernte Arbeiterinnen 585 M. bis 610 M. im Juli bzw. 605 bis 635 M. im Auguft. Die Durchschnittslöhne der Köche betragen im Juli 1015 M. im August 1055 M. bei freier Kost. Bei den letzteren sind die Löhne in den Bierrestaurants, Saal- und Gartengeschäften um 100 M. niedriger. Die Löhne der Kellner( Garantielöhne) betragen 2600 M. bzw. 3000 9. im Monat. Für die Musiker gelten prozentual dieselben Zuschläge. Die jetzigen Löhne sollen bis 16. August voraussichtlich Geltung haben. Die Gruppe der Musiker hat bereits vor einigen Tagen dem Schiedsspruch zugestimmt. Die Handwerker sowohl als die kaufmännischen Angestellten sind ebenfalls durch Verhandlungen zwischen den Parteien zu einem Abkommen gelangt. Beendigung des Streifs im Kurz-, Galanterie: und Spielwaren- Großhandel. Auf Grund der einmütig erfolgten Arbeitsniederlegung in den Betrieben obenbezeichneter Branche ist es am 12. Juli 1922 vor dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin zu einer Einigung in der strittigen Lohnfrage für die Monate Juni und Juli 1922 gekommen. Die neuen Verträge sind ab 13. Juli 1922 in Büro des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes, Engelufer 24-25, 3immer 31, zu haben. Buchdrucker!„ Die Opposition" Nr. 7 ist erschienen. Die Ausgabe erfolgt heut abend ab 4 Uhr im Restaurant Baum, Stallschreiberstr. 47. Alle Verbindungsleute werden gebeten, die Exemplare dort in Empfang zu nehmen. Transportarbeiter. Jugendsektion Berlin. Die Partieteilnehmer der Wanderung am Sonntag, dem 16. Juli d. I. Groß- Besten- Päßer Vordersee üben ihr Wahlrecht aum Berbandstag in Königswusterhausen aus. Verbandsbuch reip. Mitgliedsbarte ist mitzubringen. Schwarzkopf- Arbeiter, Scheringstraße. Freitag früh 7 Uhr im Betrieb. Parteiveranstaltungen Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Hente abend 7 Uhr Zentralvorstandssigung, Breite Str. 35 Freitag, den 14. Juli. 5. Berwaltungsbezirt. Männer- Chor USP. lebungsstunde in Schmidts Gesellschaftshaus. genoffen unbedingt notwendig. Bünktlich 8 1hr wichtige Erscheinen aller Sanges 8. Distrikt, 1. Abteilung. Sibung abends 7 Uhr bei Barleben. 2. 264 teilung. Sigung abends 6 Uhr bei Erdmann. 9. Distrikt, 2. Abteilung. Stomminale Stommiffion. Sigung abends 7 Uh bei Beder, Seeftr. 114. Alle ehrenamtlich tätigen Genossen werden ge beten, pünktlich alt erscheinen. Bortrag des Genoffen Blaschzit über Armenwesen. Lichtenberg Stadt und Land. Sigung der Bildungs- und Bibliothek fommission abends 7½ Uhr bei Ceiple, Kronprinzenstr. 47. Alle Abteilungen und Ortsgruppen müssen vertreten sein. Sonnabend, den 15. Juli. 5. Verwaltungsbezirk. Männer- Chor us. Treffpunkt aller Sangese genossen 5 1hr Mentes Bollsgarten Räderstraße( Sommerfest, 17. Distrift). 18. Diftrift( Kreuzberg). Jeden Mittwoch und Sonnabend von 2½- 6 Uhr Ferienspiele für tinder Ererzierplatz Hasenheide. Treffpunkt der Kinder 1½ 1hr Hochbahnhof Prinzenstraße. Rahnsdorf, Wilhelmshagen und Gessenwinkel, Abends 8 Uhr Mitglieber versammlung bei Rebizli, Fürstenwalder Straße. Vortrag über die politische Lage. Vereinskalender Freitag, den 14. Juli. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Mitgliederversammlung der Ortsverwaltung, Norden III. Abends 7% Uhr im Sagenbed", Ede Müller und Geestraße. bends ( Bezirk Groß- Berlin). Deutscher Transportarbeiter- Verband 7 Uh, im Gewerkschaftshaus, Engel- lifer 24/25, Eaal I, allgemeine Ber sammlung. Gruppe: Fouragekutscher. Bericht der Lohntommiffion von ben legt stattgefundenen Lohnverhandlungen. Handelshilfsarbeiter und arbeiterinnen aus allen Betrieben der Damen wäsche, Schürzen, Unterrod Branche. Abends 5 Uhr, bei Witte, Pofffir. 29, Gruppenbersammlung. " 1 Sonnabend, den 15. Juli. Volkskunstverlag Das Bild", eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, Berlin- Mariendorf, Surfürstenstr. 19. Nachmittags 2% Ubr Generalversammlung der Genossenschaft im Graphischen Bereinshaus, Alexandrinenftr. 44. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes und Auffichtsrates. 2. Borlegung der Bilanz. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Fabrikarbeiterverband, Funktionäre der Blumen- und Federnindustrie. Nachmittags 2 Uhr, im Saal 5 des Gewerkschaftshauses, Konferens aller Funktionäre.. Bericht von den Lohnverhandlungen. Rein Betrieb darf feblen. Jugendbewegung Soz.- Prol. Jugend, Gruppe Süden. 14. 7. Freitag. 74 Uhr Mitgliede versammlung, Schule, Wafferthorstr. 31, 3immer 18. 16. 7. Gonning. 5% Uhr, Stettiner Fernbahnhof, Wanderung nach Biesenthal- Bulow- See. 19. 7. Mittwoch. Spielabend, Zempelhofer Feld, 7 Uhr Treffpunkt. Geschäftliche Mitteilungen Der Jubentur- Ansverkauf der Firma Franz Borowicz, Metallwareninduſtrie, Waldemarsiraße 27, der vom 12. bis 22. Juli stattfindet bietet in einer groß angelegten Musterschau außerordentlich preiswerte Angebote in Alpaka und Alpafafilberbesteden. Die Firma, die infolge ihrer außer ordentlichen Preiswürdigung bei guter Qualitätsware erst fürzlich auf der Hotel und Gastwirtsmesse in Schwerin mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet worben ist, bietet diesmal unter Berfidsichtigung der angeführten Berhältnisse tatsächlich ihrer Kundschaft große Borteile. Wir verweisen auf das Inferat der Firma in der heutigen Ausgabe. Nach außerhalb erfolgt der Berland der großen illustrierten Preisliste gegen Einsendung von 5 Mart. Hühneraugen sind eine Wonne wenn man sie losgeworben ist. Einen wichtigen Fingerzeig, wie das zu machen ist, gibt die Anzeige über das bewährte, ärztlich bestens empfohlene Kulirol, die in unserer heutigen Nummer erscheint. Das verspätete Erscheinen der lekien Nummer der Freiheit" ist daran! zurüdzuführen, daß ein Teil des technischen Tersonals von der Streif beilegung bezw. von der sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit nicht recht zeitig benachrichtigt werden Tonnte. Druckerei der Freiheit"( Gehring& Reimers G. m. 5.$.) Berantwortlich für die Redaktion Emi! Rauch, Berlin; für bes Inferatenteil und geschäftliche Witteilungen: Ludwig Romeriner Berlin.- Berlags- Genossenschaft Freiheit", e. 6. m. b. 5., Berlin. Drud bon Gehring& Reimers, G. m. v.., Berlin SW. 69. 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