Einzelpreis 3.- Mk. Die Freiheit" erscheint täglich einmal als Morgenausgabe und Montags als Abendausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freic Welt", Frauen- Welt" und" Der Jugend- Genosse". Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für den Monai Juli 48,- M., im boraus zahlbar. Bestellungen nehmen sämtliche Poftanstalten entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saarund Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Polens und Luxemburg 88, M., für das übrige Ausland 116,-M. Berl. u. Exp. Berlin NW. 40, Kronprinzenufer 27 1. Tel. Moabit 2021. Sonnabend, den 15. Juli 1922 5. Jahrg, Nummer 271 Die zwölfgespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum loftet 25,-., einschließlich Inferatensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 4, M., fedes weitere Wort 3, M. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 16. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen; das fett gedruckte Wort 3, M., jedes weitere Wort 2,- M. Redaktion: Fernsprecher Mpl. 4167, 4391, u. 159 97. Berlin SW. 68, Ritterstr. 75, III. greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die Mörder Kamarilla Dreiundzwanzig Verhaftete als Täfer, Milwisser und Begünstiger des Attentats auf Rathenau In der Mordsache Rathenau fahndet nach einer amtlichen Mitteilung die Berliner Politische Polizei noch gegenwärtig nach den beiden Tätern, dem Jugenieur Fischer und dem Oberleutnant 3. See a. D. Erwin Kern, sowie ferner nach einem gewiffen Günther Brand, welcher der Teilnahme ander Mordtat insofern verdächtig ist, als er die Bereit: stellung des zur Mordtat benußten Kraftwagens vermittelt hat. Außer diesen noch flüchtigen Mitbeteiligten sind von der Abteilung Ia insgesamt 23 Personen festgenommen und wegen des Verdachtes der Täterschaft oder der Teil: nehmerschaft oder Mitwisserschaft oder der Begünstigung dem zuständigen Amtsgericht vorgeführt worden, nämlich: 1. Als Täter der Student, frühere Zeitfreiwillige in der Ehrhardt- Brigade und Mitglied der Organisation C Ernst Werner Teow aus Berlin, der bei Ausführung der Tat den Kraftwagen gelenkt hat. 2. Als Teilnehmer der Kaufmann, frühere Seekadett Christian Karl Jlsemann aus Schwerin, Angestellter des Deutschvöltischen Schuß- und Trusbundes, der die zur Mordtat benußte Maschinenpistole herge geben hat. 3. Als Teilnehmer der Fabrikant Johannes Küche n meister aus Freiberg in Sachsen, Mitglied des Deutsch= völkischen Schng: und Trußbundes, der den bei der Ermor dung benutzten Kraftwagen zur Verfügung gestellt hat. 4. Als Teilnehmer der Fabrikant Franz Küchenmeister aus Freiberg in Sachsen, Mitglied des Deutsch völkischen Schuß- und Truzbundes, aus dem gleichen Grunde wie zu 3. 5. Als Teilnehmer der Student Wilhelm Günther aus Berlin, Mitglied des Verbandes nationalgesinnter Soldaten, des Deutschen Bundes und des Bundes der Anfrechten, der bei den Vorbereitungen zur Mordtat, insbe fondere bei der Bereitstellung der Maschinenpistole, bei der Beschaffung einer Garage und bei der Beschaffung von Geld mitgewirkt hat. 6. Als Teilnehmer der Gymnasiast Hans Gerd Techow aus Berlin, früheres Mitglied der Organi= sation C und des Deutschvölkischen Schuß und Truzbundes, aus dem gleichen Grunde wie zu 5. 7. Als Teilnehmer der Student Gustav Steinbeck eus Dresden, früheres Mitglied der Brigade Ehr: hardt und des Verbandes nationalgesinnter Soldaten, der bei der Vermittlung des bei dem Morde benugten Kraftwagens mitgewirkt hat. 8. Als Teilnehmer der Handlungsgehilfe Rudolf Heinze aus Dresden, Mitglied des Verbandes nationalgesinnter Soldaten, des National: verbandes deutscher Offiziere und des Bundes der Frontsoldaten, aus dem gleichen Grunde wie zu 7. 9. Als Teilnehmer der Kaufmann Werner Voß aus Berlin, der die Vermittlung der zur Unterstellung des Araftwagens benutzten Garage besorgt hat. Sozialistische Arbeitsgemeinschaft im Reichstag Die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion und die Reichstagsfraktion der Unabhängigen Sozialdemo: bratie haben am Freitag abend nach Borbesprechungen der beiderseitigen Fraktionsvorstände in getrennten Sübungen den übereinstimmenden Beschluß gefaßt, sich zu einer Arbeitsgemeinschaft der Sozial= demokratischen Reichstagsfraktionen zusammenzufchließen. Der Beschluß wird im Laufe des heutigen Tages der Regierung und den Reichs: tagsparteien offiziell bekanntgegeben werden. Der Beschluß ist von größter Bedeutung, sowohl für die gegenwärtige politische Situation, wie für die fernere politische Stampfgemeinschaft des ganzen sozialistischen Proletariats. Faszisten- Mord ( EP.) Cremona, 14. Juli. Die Faizisten besetzten das Gebäude der Arbeitskammer von Gremona und itedten es ipäter in Brand. Auch versuchten sie mehrere Rommunisten zu verhaften. Militär mit Maschinengewehren ift eingerückt, in der Stadt herrscht vollkommene Unordnung. In Verbindung mit dieser Meldung aus Italien verdient eine Mitteilung der Dena Beachtung, wonach der deutschnationale Abgeordnete Reinh. Wulle, 10. Alz Begünstiger der Garageabesizer Richard Schitt aus Berlin. 11. Ats Begünstiger der Garagenbesizer Franz Distel aus Berlin, die beide nach der Tat Beweisstücke, nämlich die bei der Mordtat benutten Kleidungsstücke ver= nichtet haben. 12. Als Begünstiger der Schauspieler Waldemar Haugwitz aus Schweriu, Mitglied des Deutschvölki. schen Schuß- und Truzbundes, der zur Fortschaf: fung eines Roffers bei der Vorbereitung der Flucht mitges wirkt hat. 13. Als Begünstiger der Kaufmann Rudolf Otto aus Wismar, Oberleutnant a. D., der die Mörder nach der Tot durch Hergabe von Lebensmitteln unterstützt hat. 14. Als Begünstiger der Kaufmann Paul Büsch aus Lenzen, Mitglied des Deutschen Bundes, der die Mörs der nach der Tat beherbergt hat. 15. Als Mitwissender der Kapitänleutnant a. D. Karl des 3ilessen, Mitglied Neudeutschen Bundes. 16. Als Mitwissender der Kapitänleutnant a. D. Manfred von Killinger, Mitglied der Organisation G. 17. At Mitwissender der Bauptmann Walter Wede aus Berlin, Mitglied des Verbandes natio= nalgesinnter Soldaten. 18. Als Mitwissender der Korvettenkapitän a. D. Friedrich von Abendroth aus Dresden, früherer An= gehöriger der Brigade Ehrhardt, Mitglied der Organiz iation C und des Verbandes nationalgesinnter Soldaten. 19. Als Mit wisiender der Schüler Hans Stuben= rauch aus Berlin, Mitglied des Bundes der Aufrechten. 20. Als Mitwissender der Kaufmann Erich Bade aus Medlenburg, Gauleiter des Deutschvölkischen Schuß- und Truzbundes. 21. Als Mitwissender der Privatdetektiv Waldemar Nied rig aus Hamburg, Mitglied der Organisation E. 22. Als Mitwissender der frühere Seeoffizier Hartmut Plaas aus Hamburg, Mitglied der Organisation C und des Neudeutschen Bundes. 23. Als Mitwissender der Kaufmann Walter Richter aus Berlin- Tempelhof, Mitglied des Verbandes nationalgesianter Soldaten. Die zu 15 bis 23 Genannten haben sich dadurch strafbar gemacht, daß sie von dem Vorhaben des Mordes vor der Tat Kenntnis gehabt und es unterlassen haben, der Behörde An3eige zu erstatten. Die polizeilichen Ermittlungsvorgänge werden jetzt vor der Berliner Polizei der Anklagebehörde beim Staats: gerichtshof zugeleitet. Die Wiedereinführung der Militärgerichtsbarkeit Von Paul Lange Der Reichswehrminister Geßler hat dem Reichstage einen Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Militärgerichtsbarkeit( Reichstagsdrucksache 4443) zu gehen lassen, den er allerdings bescheiden Entwurf eines Disziplinargesetzes für die Wehrmacht" nennt. " Die disziplinarische Bestrafung der Reichswehrsoldaten durch ihre Offiziere ist jetzt nur insoweit möglich, als eine Strafe bis höchstens vier Wochen gelinden oder drei Wochen mittleren Arrestes ausgesprochen werden kann. Höhere Strafen können gegenwärtig Diesen Zuständen will Herr Geßler abhelfen. Er hat nur durch die bürgerlichen Gerichte verhängt werden. nämlich die edle Absicht, die ordentlichen Gerichte zu entlasten und die Reichswehrsoldaten vor gerichtlicher Bestrafung zu schützen. Zu diesem Zwecke will Herr Geßler Disziplinankammern, obere Disziplinarkammern und Wehrberufskammern schaffen. Diese Disziplinargerichte sollen Handlungen und unterlassungen bestrafen, die sich gegen die militärische Zucht und Ordnung richten, aber keinem Strafgesetz unterfallen. Ihre Zuständigkeit soll sich aber auch erstrecken auf diejenigen militärischen Straftaten, die nach§ 3 des Einführungsgesetzes zum Militärstrafgesetzbuch auch disziplinarisch geahndet werden können. Diese Disziplinargerichte sollen ferner einschreiten bei Handlungen und Unterlassungen, durch die sich ein Soldat der Achtung, die seine Berufsstellung erfordert, unwürdig erweist, auch wenn die Unwürdigkeitshandlungen schon vor dem Eintritt in die Wehrmacht begangen sind. Diese Disziplinargerichte sollen sich, wenn ein Offizier beschuldigt ist, lediglich aus Offizieren zusammensetzen, und zwar sollen die Beisiger immer dem Range des. betreffenden angeschuldigten Offiziers gleichkommen. Nur dann, wenn ein Soldat ange= schuldigt ist, darf in der Disziplinarkammer ein Beifizer ein Soldat sein, in der oberen Disziplinarkammer inüssen dann zwei Soldaten und in der oberen Wehrberufskammer vier Soldaten Beisiger sein, nebent einer entsprechenden Anzahl von Offizieren. Die Soldaten, die als Beisitzer zu den Disziplinargerichten hinzugezogen werden, können jedoch von den Offizieren ganz nach deren Belieben ausgewählt werden. Herr Geßler schreibt zwar in dem Gesetzentwurf vor, daß die Beisiger der Disziplinargerichte alljährlich ausgelost werden sollen, aber er will nicht nur zulassen, daß von der Reihenfolge, die sich aus der Liste der Ausgeloften ergibt, aus dringenden Gründen abgewichent werden kann, sondern er schreibt auch vor, daß nur diejenigen Soldaten als Beisitzer zu Gerichtssizungen hinzugezogen werden dürfen, die am Oric der Sigung dienstlich anwesend sind. Da also nicht vorgeschrieben wird, daß die der Reihenfolge nach in Betracht kommenden Beisitzer aus den Reihen der Soldaten zur Gerichtssigung vom Dienste beurlaubt werden müssen, hat es tatsächlich die Offiziersclique in der Hand, ihrerseits ganz nach Belieben denjenigen Beisitzer zu stellen, der aus den Reihen der Soldaten stammt. Und das wagt der Reichswehrminister mit Zustimmung des Reichsrates dem Reichstage der deutschen Republik vorzulegen. einer der wüsteten deutschnationalen Hezzapostel, eine reine deutschvölkische Partei mit ähnlichen Zielen wie die italienische Faszisten- Partei zu gründen sucht. Mussolini, der Führer der italienischen Faizisten, Allerdings entsteht die Frage, ob eine solche neue will zu diesem Zwecke demnächst nach Berlin kommen. Gründung in Deutschland nötig ist. Denn die Deutsch- haber soll über die Einleitung des Unwürdigkeitsverhaben bisher schon den politischen Word derart glänvölkischen und die reaktionären Geheimorganisationen zend organisiert, daß der neuen Partei auf diesem Gebiet nichts mehr zu tun übrig bleibt. Attentat auf Millerand EV. Varis, 14. Juli. Nach Beendiguna der aus Anlaz des Nationalfeites abgehaltenen Truppenschau von Longchamps wurde in der Nähe des Elysée- Valastes ein Attentat auf den Präsidenten der französischen Republik, Millerand. verübt. Der Urheber des Attentates ist der Sekretär der anarchistischen Jugend, namens Bouvet. Er gab 2 Schüsse auf den Wagen des Polizeipräsidenten ab, ohne ihn jedoch zu treffen. Er wurde sofort verhaftet. Vor dem Untersuchungsrichter erklärte er, es sei seine Absicht gewefen, einige Schüße in der Richtung des Wagens des Präsidenten der Republik abangeben, er habe jedoch niemand treffen wollon Die Aber es fommt noch schöner: Der höhere BefehlsBerufsstellung erfordert, unwürdig erweist( was auch fahrens entscheiden. Wer sich der Achtung, die feine durch Handlungen und Unterlassungen vor seinem Eintritt in die Wehrmacht geschehen sein kann), kann durch die Disziplinargerichte zur Entlassung aus der Wehrmacht verurteilt werden. Dies ist wohl der eigentliche Kern des Gesetzes. Hier zeigt sich, was diejenigen, die dem Reichswehrminister Geßler die Hand führen, eigentlich wollen. monarchistischen Offiziere haben es bisher schon verstanden, die Reichswehr von republikanischen Elemen ten möglichst frei zu halten. Sie verlangen nunmehr nach einer Handhabe, mit der sie einen Miẞliebigen ohne Grund, aber auf scheinbar legalem Wege, aus der Reichswehr wieder hinausbefördern können. Denn die frühere Zugehörigkeit zur SPD., zuv USPD. oder KPD., die für uns fein Grund zur Entlassung eines Reichswehrsoldaten sein könnte, wird sicher für die meisten Offiziere an sich ein hinreichender Grund sein, einen Reichswehrsoldaten als der Achtung für un würdig anzusehen, die seine Berufsstellung erfordert. Unwürdig ist für sie erst recht, wer Hindenburg und partei. Ludendorff nicht genügend verehrt usw. Dann werden| werkschaften und daher ihre Anbiederung an die Stinnesfie einen solchen Soldaten natürlich auch aus der Reichswehr hinausbefördern. Den Begriff der Unwürdigkeit werden die Herren Offiziere ganz nach ihren eigenen Anschauungen bilden. In der Begründung, die Herr Geßler dem Gesetzentwurfe beigibt, sagt er ausdrücklich, dieses Disziplinarverfahren solle nur im Frieden, nicht aber in Kriegszeiten gelten, weil nämlich im Kriege sowieso die eine schnellere Bestrafung militärischer Straftaten gewährleistende Militärgerichtsbarkeit Plat greife. Für den Frieden ist er mit der vorstehend geschilderten Disziplinargerichtsbarkeit" zufrieden, mit der die Herren Offiziere ja die Reinigung der Reichswehr ganz nach ihrem Belieben durchsetzen können, statt daß die Reichswehr von den monarchistischen Offizieren gesäubert wird. Wahrlich, da die republikanische Regierung selbst einen solchen Gesetzentwurf schmiedet, der geeignet ift, die Republik noch mehr zu untergraben, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Reaktion immer dreister wird. Helfferichs Bewunderer- ein Hochstapler Das Verhalten von 3entrum und Demokraten entspringt feinen anderen Motiven als der angst vor einer wirklichen demokratischen Republik. Und diese Angst treibt sie notwendigerweise in die Arme der Deutschen Volkspartei", über deren Charafter folgendes unterrichten möge: Nach der Berliner Volkszeitung" verbreitet die Deutsche Bolkspartei in Ostsachsen ein Rundschreiben, in dem es u. a. heißt: ,, Rathenau jei der Vorkämpfer der jüdischen Weltherr: schaft gewesen. Darum würden die Juden ihre gewaltige Bresse und Geldmacht uneingeschränkt in den Dienst des nun beginnenden großen Rachefeldzuges gegen alle Deutschgesinnten stellen. In den kommenden Wochen und Monaten werde ein ungeheurer Rathenau- Rummel die Tätigkeit der beiden Rechtsparteien lähmen. Der polnische Inde Lipinski ( der sächsische Minister des Innern), der dem Reichskanzler schon am 24. Juni den Erlaß der denkbar schärfsten Bestimmungen empfohlen habe, werde natürlich in den Kampf gegen die Rechtspresse alle anderen rötlich strahlenden Gipfel weit überragen. Es wachie nun wieder die Wahrschein lichkeit der Gefahr der Ausbreitung des Kommunismus und die Wiedereinlenkung in die Gleise der gewalttätigen Revolution in beträchtlichem Maße. Zur Durchführung des nächsten Wahlkampfes bedürfe der Wahlkreisverband Osts fachsen der Deutschen Volkspartei eines Kapitale von fünf bis sechs Millionen Mart." Und mit solchen Leuten wollen Zentrum und Demokraten die Republik schützen! Warum nicht gleich mit den Deutschvölkischen? Ein neues Attentat geplant? Nach einer Meldung aus Wittenberge verhaftete die Polizei dort einen Mann wegen seines verdächtigen Benehmens. Der Verhaftete gehört der Organisation C und der früheren Arbeitsgemeinschaft Roßbach an. In seinem Besitz hatte er eine Zündschnur und eine Menge Schwarzpulver. Nach dem bisherigen Ergebnis der polizeilichen Ermittelungen hat er mit der Ermordung Rathenaus nichts zu tun, wahrscheinlich aber ist, daß er ein neues Attentat geplant hat. Am Tage der Ermordung Rathenaus brachte be= tanntlich ein junger Mann in das Foyer des Reichstages einen großen Blumenstrauß, der Helfferich zugedacht war und die Widmung trug: Dem Retter der deutschen Ehre". Helfferich soll nämlich mit seiner wüsten Hezrede, die er, tagsvorher ghalten hat, die deutsche Ehre gerettet haben. Der Ueberbringer des Blumenstraußes wurde verhaftet. Es war ein gewisser Friß Werner Flesch. Als man sich näher mit seiner Persönlichkeit befaßte, stellte sich, wie jetzt be= kannt wird, heraus, daß der Bewunderer des Herrn Helffe rich ein abgefeimter Hochstapler ist. Flesch, der am 9. Oftober 1899 in Berlin geboren ist, war zunächst bei einer Bank angestellt, wurde aber wegen Veruntreuung entlassen. Da der Vater den Schaden deckte, erfolgte feine Anzeige. Flesch kam dann zum Militär. Nach dem Kriege machte er sich selbst zum Offizier und suchte Anschluß an rechtsstehende politische Organisationen. Weil er allerhand Streiche machte, schickte ihn sein Vater nach Brasilien, wo er bei einem deutschen Unternehmen Stellung fand. Auch in Brafifien spielte er sich als Marineoffizier auf, trat dem deutsch- Tassen werden, da sie sich über ihre persönlichkeit einwandfrei amerikanischen Kriegerbund bei und sand bei den sogenann ten besseren deutschen Kreisen, deren Affenliebe für die Exoffiziere hinreichend bekannt ist, Zutritt. Im Frühjahr dieses Jahres kehrte er dann nach Deutschland zurück. In Hamburg gelandet, gab er sich als einen Neffen des neugewählten brasilianischen Präsidenten aus, fnüpfte mit Hamburger Firmen„ Geschäftsverbindungen" an und wußte sich 50 000 Mark zu erschwindeln. Mit diesen 50 000 Wtart dampfte er nach Berlin ab und erzählte seinen Eltern, welch ein erfolge reicher Geschäftsmann er in Brasilien geworden sei. Sowohl mit militärischen, als auch mit rechtsgerichteten politischen Organisationen trat Flesch in nähere Beziehungen. Seinen Plänen, die er dabei vielleicht hegte, machte der dem Retter des Vaterlandes" zugedachte Blumenstrauß ein Ende. Ainda 06 G 1148 Die Angst vor der Republik Die bürgerliche Einheitsfront ist wieder einmal hingestellt. Von den Deutschnationalen bis zu den Demokraten wettert alles gegen die Gewerkschaften, die man als„ Nebenregierung" bezeichnet. Was stört es diese Parteien, wenn Stinnes als the Günstling nach London fährt und besondere in das Regierungswesen eingreifende Verhandlungen pflegt, wenn die bayerische Reichswehr direkt mit der franaösischen Regierung Noten wechselt oder bürgerliche Beamtea und andere wirtschaftliche Verbände auf die Regierung einen Druck auszuüben versuchen durch Erklärungen und Stampfanjagen gegen Regierunamaßnahmen. Alles das find offenDie Verfolgungen der Epuren der beiden Ministermörder Fischer und Kern haben auch gestern zu feinem Refultat geführt. Alle Personen, die als mutmaßliche Mörder in den letzten Tagen verhaftet worden sind, mußten freigeausweisen konnten und mit dem Morde nichts zu tun hatten. Aus dem Gebiet bei Gardelegen sind Fischer und Kern vermutlich entwichen. 1 Weismann und Killinger Bon einer über den oberschlesischen Selbstschus und die oberschlesischen Verhältnisse gut orientierten Sette wird der„ Dena" folgendes geschrieben:„ Der Staatskommissar Weismann hat es sich sehr leicht gemacht, die Behauptung zu dementieren, bie ber Abg. Liebknecht im preußischen Verfassungsausschuß hinsichtlich der Zahlung ven 800 000 Mart von Herrn Weismann an Killinger aufgestellt hat. Es ist richtig, daß Herr Weismann diese 300 000 W. nicht persönlich ausgezahlt hat, bielleicht auch richtig, daß er Herr Killinger persönlich nicht fennt. Dagegen scheint Herr Weismann übersehen zu haben, daß die Tatsache, daß Herrn Killinger 300 000 Mart gezahlt worden sind, für seine Dienste bei der Organi sation des oberschlesischen Selbstschutes, als er in Offenburg im Untersuchungsgefängnis saß, unbestritten ist. Weiter scheint Herr Weismann vergessen zu haben, daß im Offenburger Prozeß diese Tatsache gerichtsnotorisch festgestellt wurde, und zwar wurde durch Zeugenau fagen belegt, daß der schlesische Beauftragte des Staatsfommissars Weismann, dessen Rame ja Herrn Weismann ebenso bekannt ist wie mir, die Summe von 300 000 Mark an Herrn Killinger überwiesen hat. Die Mittel stammten aus dem Fonds, über den damals noch herr Weismann zu berfügen hatte." bar feine Nebenregierungen, ebensowenig, wie die großen Schnelle Durchführung Bank- und Industric- Konsortien, die in einschneidender Wetse fich längst als Nebenregierungen etabliert haben. Man dente hier etwa an die Kriegszeit. Aber die Gewerkschaften, die nach den eignen Urteilen einflußreicher bürgerlicher Politiker und Industrieller„ daß beutiche Wirtschaftsleben vor dem Chaos gerettet haben", und so oft die Republik mit dem fostbaren Blute ihrer Mitglieder verteidigten, der republika nischen Regierung überhaupt erst das Regieren ermöglichten, über sie fällt man jest her, als„ Nebenregierung". Und das traurigste dabei ist, daß Demokraten und Zentrum das in viel größerem Maße tun, als ihre monarchistischen Bundesgenossen von rechts. Das Berliner Sentrumsblatt, die„ Germania", scheint über die Forderungen der Gewerkschaften ganz aus dem Häuschen geraten zu sein. Sie veröffentlichte gestern einen im Tone sehr erregten Artikel: Bis hierher und nicht weiter!" Darin heißt es u. a.: „ Eine einseitige Frontverlängerung nach links müßte den sozialistischen Einfluß in einem Maße stärken, der in feinem Berhältnis stände au dem Kräfteverhältnis der Par teien aneinander." Darauf antwortet der Vorwärts" in aller Sachlichkeit und Ruhe zunächst, daß sich belbe sozialistischen Parteien auf einem gemeinsamen Boden gefunden haben, den sie nur noch gemeinsam behaupten oder gemeinsam verlassen tönnen." Denn wenn die Unabhängigen ihren grundsäglichen Widerstand gegen die Soalitionspolitit aufgeben, ist für die Sozials demokratic Soalitionspolitik gegen die Unabhängigen nicht mehr möglich." Weiter jagt der Vorwärts", daß das ganze Geschreibsel der„ Germania" gerade heraus gesagt, törichtes Gerede ist. Die beiden fozialdemokratischen Parteien verfügen insgesamt über 180 Size im Reichstag, Sentrum und Demokraten zusammen über 112... Wir glauben, auch in Sentrumsfreisen wird die Auffassung nicht allgemein geteilt werden, man könne zwar mit 109 Sozialdemokraten eine Koalition bilben, aber nicht mit 180. Wo ist denn eigentlich die Grenze, an der die Quantität in die Qualität umschlägt?" Damit hat der ,, Vorwärts" den Nagel auf den Kopf getroffen. Zentrum und Demokraten geht es weniger um eine wirklich tragfähige republikanische Regierung, als um ihre fapita listischen Interessen, die bei 109 Sozialbemotreten in der Regierung noch zu wahren sind, die aber bei einer Entwicklung nach links hinter die Interessen der republifanischen Bevölke rung gestellt werden müßten. Daher ihre Wut gegen die GeSchädigung für Deutschland hieraus entsteht, zeigt eine Mel dung, wonach die in Deutschland für die Mitglieder der Koms miffionen zu zahlenden Monatsgehälter wie folgt erhöht worden sind: Für den Vorsißenden 103 800, bisher 71 950 M.; für sonstige Generale 76 475( 53 025) M.; für Majore in besonderer W.; Stellung 54 625( 37 875).; für sonstige Majore 49 175 ( 34 100) M.; für Hauptleute, Leutnants und Unterleutnants 41 425( 32 000) M.; für Unteroffiziere 25 250( 17 500) M.; für Mannschaften 15 300( 10 600) M. Es hilft natürlich nichts, wenn die Regierung nur immer über die erdrückenden Lasten dieser Kommissionen klagt. Sie muß durchgreifen und den Beweis liefern, daß sie solche Waffenverstecke nicht duldet. Tas erhelscht eigentlich schon hr Eigeninteresse, denn diese geheimen KriegsmaterialienDepots richten sich nicht so sehr gegen die Entente als gegen die Republik selbst. Für die gemeinsame Front Sowohl aus Düsseldorf, als auch aus Groß- Thü ringen liegen uns Beschlüsse der gewerkschaftlichen und der politischen( sozialistischen) Organisationen vor, welche angesichts der politischen Lage im Reiche die gemeinsame Arbeit der Spizenorganisation und der drei sozialistischen Parteien fordern. In dem Düsseldorfer Beschluß, der vont Gewerkschaftskartell, der Betriebsrätezentrale, dem AfaBund, dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund und den Parteileitungen der USPD., SPD. und KPD. gefaßt wurde, heißt es, daß sich diese Korporationen verpflichten, im Sinne des Berliner Mindestprogramms der Spizenverbände weiterzuarbeiten. Zur Durchführung dieses Mindestprogramms ist die geschlossene Macht der Arbeiterklasse erforderlich. Und die Spitzenverbände werden ersucht, eine gemeinsame Plattform zu suchen. Abweichungen vom Programm der Spizenverbände sollen ohne vorherige Verstän digung unterlassen werden. Die Agitation in Presse, Verjammlungen und Flugblättern soll, wie die Polemik vom Geist des Vertrauens und Willens der Verständigung getragen sein. Eine Kontrollkommission wird gebildet, die aus je einem Vertreter der Parteisekretariate der USP., der SPD. und der KPD., den Redaktionen der am Orte erschei nenden Blätter dieser drei Parteien, des Gewerkschaftskaitells, der Betriebsrätezentrale, des Deutschen Metallarbeiterverbandes, des Alfa- Bundes und des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes besteht. Aufgabe dieser Kommisston ist es, alle geeigneten Maßnahmen zur Durchführung der Forderungen der Spigenkörperschaften zu ergreifen. Dem gleichen 3wede diente eine Konferenz, die die Ve: treter der Spigenverbände des ADGB. und der drei svzialistischen Parteien Groß- Thüringens abhielten. Auch hier wurde ein Beschluß gefaßt, daß die politische Lage im Reich und in den einzelnen Ländern in gemeinsamer Abeit der Spizenorganisationen nach wie vor zu einer dringenden Notwendigkeit macht. In einer Rundgebung an die gesamte Thüringer Arbeiterpresse wird ausgeführt, die Redaktionen mögen sich in ihren Auseinandersegungen von der Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes gegen die Reaftion leiten lassen. Ein Zuchthausurteil in München München, 14. Juli. Das Münchener Volksgericht verhan delte unter Ausschluß der Deffentlichkeit gegen 5 Personen, die wegen Spionage und Landesverrats angeklagt waren. Der Hauptschuldige, der 19jährige Daktylograph Pottier aus Lüttich, der von einem Spionagebüro beauftragt war, Material über Geheimorganisationen zu sammeln und die vaterländischen Vereinigungen zu überwachen, wurde zu schn Jahren Zuchthaus verurteilt. 3wei andere Angeklagte erhielten je 4 Jahre Zuchthaus, ein weiterer Angefiagter 3 Jahre Zuchthaus, während ein fünfter freigesprochen wurde. In der Urteilsbegründung wurde festgestellt, daß in Aachen ein fremdes Büro mit ausgezeichneter Spionageorganisation und einer Spionageschule besteht. Die hohe Strafe gegen Bottier erklärt sich aus dem heimbündler aufdecken wollte. Dadurch sieht sich die Reaktion in Bayern gefährdet, und eine solche Gefährdung der Reaktion muß natürlich gerächt werden. Englands Finanzlage bessert sich des preußischen Amnestiegesetzes Umstand, daß en die Treibereien der Münchener GeDas am 11. Juli vom Preußischen Landtag beschlossene Gesetz über Gewährung von Straffrelheit kann erst ver fündet werden, wenn feititeht, daß der Staatsrat feinen Einspruch erhebt. Um aber die ichleunigste Durchführung des Gesetzes nach seinem Inkrafttreten zu sichern, hat der preußliche Justisminister, wie den P. P. N. von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, schon jetzt durch Runsverfügung vom 18. Juli sämtliche Justisbehörden mit den erforderlichen vorläufigen Anweisungen versehen und insbesondere angeordnet, daß in den Strafiachen, die unter das Gesetz fallen, Vollstreckungsverhandlungen nicht mehr vorgenommen werden, und daß die Vollstreckuna von in der Verbüßung begriffenen Freiheitsstrafen, soweit sie zweifellos unter das Gefes fallen, unterbrochen wird. Es handelt sich um die Bestimmungen des Amnestiegesezes, wonach insbesondere Straffreiheit gewährt wird für Straftaten, die mit den politischen Unruhen im Frühjahr 1921 oder mit der Abwehr des Kapp- Butiches, sowie mit Stundgebungen für die republikanische Staatsform anläßlich der Ermordung Erzbergers zusammenhängen. Neuer Waffenfund in Bremen Dem türzlichen durch den Vorsitzenden unserer dortigen Fraktion veranlaßten Waffenfund ist jetzt wieder ein neuer gefolgt, zu dem die Initiative von dem Parteibüro der SPD. ausging, da die unterrichteten Polizeiorgane bei einer Anzeige in Bremen Maßregelungen zu erwarten haben. Es handelt sich hierbei um ein umfangreiches Depot von Ausrüstungsgegenständen, insbesondere Lederzeug und Munis tion, das von einer früher in Bremen garnisonierenden Reichswehrkompagnie angelegt worden ist. Wie unser dortiges Parteiorgan berichtet, sind Versuche im Gange, dieses Depot in ein ordentliches" Depot der Reichswehr umzufälschen, doch wird die Tatsache, daß es sich um ein geheimes Bersted in Bremen handelt, schon dadurch erhellt, daß das Material in einem privaten Lagerschuppen aufbewahrt wor den ist und nicht in der in nächster Nähe liegenden Kaserne. Außerdem hat sich der Inhaber des Lagers, der Spediteur Bollmann, schon dadurch verraten, daß er gegenüber ber bie Haussuchung vornehmenden Polizei erklärte, es fei gana in der Ordnung, daß Kriegsmaterial verstedt werde, damit das Ententegesindel es nicht friege". Diese sich sicher in ganz Deutschland befindlichen Waffen verstecke haben vor allem die gefährliche Wirkung, daß sie das Leben der Ententekommission verlängern. Welch materielle London, 14. Juli. Unterhaus. Bei der dritten Lesung der Finanzvorlage hielt der Schaßsekretär eine Rede, in der er ut. a. sagte, die Voranschläge hätten sich bisher als volltommen richtig erwiesen. Die Finanzlage des Landes habe sich ständig gebeffert, der englische Kredit stehe höher als vor drei Monaten, der Wert des Pfundes sei höher als aut irgendeiner Zeit feit 1914. Die große Veränderung, die im Deutschland eingetreten iei, verursache natürlich ernste Bejorgnis. Dieie Angelegenheit werde im Einverständnis mit den Alliierten baldigit behandelt werden. Ein weiterer Aufschub sei nicht möglich. Das Haus werde sicherlich bei der gegenwärtigen delikaten Lage darauf verzichten, irgendwelche besonderen Einzelheiten über das, was vorgehe, zit erhalten. Die Beziehungen Großbritanniens zu den Vereinigten Staaten und die Frage der englischen Schulden an Amerika beschäftigten die Regierung dauernd. Die Schulden in Amerika seien Ehrenschulden und würden unbedingt abgetragen werden. England sei heute in einer stärkeren Position als jemals feit dem Waffenstillstand. Zum Schlusse feiner Rebe jagte Sir Robert Horne, es sei kein Grund vorbanden, die gegenwärtige Lage verzweifelt anzusehen. Er glaube, es werde ein Weg gefunden werden, um die ernsten Gefahren auf finanziellem Gebiete zu vermeiden und in dieser Beziehung werde England eine aroße Rolle spielen fönnen.( Bört, hört!) Die Vorlage wurde darauf in dritter Lesung angenommen. Hierauf vertagte sich das Unterhans. Keine Besprechungen mit den Russen Haag, 14. Juli. Die zweite Unterkommission für die Schulden nahm heute unter dem Vorsiz von Alphand einstimmig einen bon Alphand unterstüßten Antrag eines englischen Vertreters an, der russischen Delegation mitzuteilen, daß man es nicht für nüßlich halte, bei der heutigen Lage der Haager Konferenz die Besprechungen mit der russischen Delegation fortzusehen. ( EP.) London, 14. Jult, Ein über Athen kommendes Tele. gramm aus. London meldet, daß ein türkisches Regiment auf dem Wege nach Angora gementert habe. Mehrere Offi atere jeten getötet worden. Weitere Truppen hätten sich den Meuterern angeschlossen. Deutscher Reichstag Sigung vom Freitag, den 14. Juli Präsident Löbe eröffnet die Sigung 3 1hr 15 Minuten. Bei der Beratung des Gefeßentwurfs über den Ausschluß eines Teiles des Kieler Hafens aus dem Zollgebiete führt Abg. Dißmann( USP.): aus: Die Vorlage soll der wirtschaftlichen Förderung Kiels dienen, und wir stimmen ihr zu. Es ist fein Zweifel, daß die außergewöhnlichen Verhältnisse, von denen Kiel durch den Ausgang des Beltkrieges betroffen worden ist, unbedingt Berücksichtigung verdienen. Das Wirtschaftsleben Stiels baut sich in der Hauptsache auf zwei Faktoren auf: auf dem Hafen und auf der Werstindustrie. tel als Kriegshafen ist mit Abschluß des Weltkrieges er= Iedigt. Darum trauern wir nicht. Im Gegenteil! Auch die Kriegsindustrie, auf der das Wirtschaftsleben Riels bis zum Abschluß des Weltkrieges mitbasierte, ist dahin. Der Umstellungsprozeß Riels hat sich vollzogen, und nach dem Umstellungsprozeß find nicht wesentlich weniger Arbeiter beschäftigt. Wenn aber zurzeit in Kiel noch auf den Werften Beschäftigung vorhanden ist, dann darf man sich nicht über die zu erwartende weitere Entwicklung täuschen. Die heutige Beschäftigung auf den Werften rührt neben den Reparaturen in der Hauptsache daher, daß der Rest an neuer Schiffstonnage fertiggestellt wird, entsprechend dem im Reedereiabfindungsgesetz vorge sehenen Wiederaufbau eines Drittels der deutschen Handelsflotte. Aber wir werden aller Wahrscheinlichkeit nach in absehbarer Zeit bei den Seeschiffswerften einer ernsten Katastrophe dadurch zutreiben, tehenden Machtmitteln des Staates. Durch den Widerstand Ein Aufruf für die Sozial- Revolutionäre der Bürgerlichen im Reichstag gegen irgendein Wuchers gesez werden ja die unsauberen Elemente geradezu zu Preistreibereien und Wucher aufgefordert.( Sehr wahr! links.) Die Preise steigen von Stunde zu Stunde, in jedem Geschäft sind sie anders. Ein rasches, energisches Eingreifen tnt dringend not. Wenn hier angeführt wurde, daß die Buchergerichte viele Fehlurteile gefällt hätten, so stelle ich Semgegenüber fest, daß sie in allzu vielen Fällen nicht zu gegriffen haben, wo es notwendig gewesen wäre. Nur die Kleinen hat man gehenft, die Großen hat man laufen lassen. Aber gerade diese Tatsache beweist die Notwendigkeit einer Verschärfung der Gesetzgebung. 27 324 Fälle sind im ganzen Reiche vor die Wuchergerichte gekommen. 3797 davon find freigesprochen worden, 8612 sind zu Geldstrafen bis zu 1000 Mart verurteilt worden, 3820 sind zu Geldstrafen bis zu 20 000 Mark verurteilt morden, 179 Personen sind mit Geldstrafen von 50 000 Marf und nur 24 find an Zuchthausstrafen verurteilt worden.( Sört! Hört! links.) Kein Mensch in Deutschland wird bestreiten könne, daß es hier mehr als 24 Bucherer gibt, die ins Zuchthaus gehören. Und angesichts solcher Zahlen wagt man es, sich darüber zu beschweren, daß von den Wuchergerichten zu rigoros vorgegangen sei. Die Parteien, die der Wuchergesetzgebung den schärfsten Widerstand entgegensetzen, die Parteien der Rechten sind es gerade, die draußen ihren Wählern, dem Wolfe erzählen wollen, die Wucher- und Schieberrepublik sei es, die uns ins Unglück stürze, sie hätte nicht den Mut, gegen diese Leute vorzugehen!( Sehr wahr! links.) Diese Parteien sind dafür verantwortlich, daß der Bucher blüht und das Volk ausgesaugt wird. Die Bürgerlichen haben sich gegen das Gesetz auch mit der Begründung gewehrt, es läge feine Notmarftiage vor. Wie sieht denn dann überhaupt eine Rotmarktlage aus, wenn wir heute keine haben?( Sehr wahr! links.) Nicht nur die Geldentwertung, sondern auch die Warenknappheit ist es, die uns die notwendigsten Lebensmittel verteuert. Wir Sozialisten wissen, daß wir hier nur ein Symptom beseitigen, nicht die Ursache der Krankheit. Die fann man mit Strafgefeßen nicht beseitigen. Und alle die, die gegen den Wucher ihre Stimme erheben, sie sollten uns helfen, die kapitalistische Wirtschaft zu beseitigen, dann gibt es keinen Wucher mehr!( Bravo bei den US.) Der Geschentwurf wird in zweiter Rejung angenommen. Nächste Sizung: Sonnabend 2 Uhr. Tagesord= nung: Kleine Vorlagen, Reichspolizeiamt und Landesfriminalpolizeibehörde, Pflichten der Beamten zum Schuß der Republik, Gefeßentwurf der Unabhängigen über Abänderung der Einkommensteuer, Erbschaftssteuergeseß, Zwangsanleihe. politischen Gefangenen daß bis Anfang nächsten Jahres vielleicht der vorhin erwähnte Neubau von Schiffen seine Erledigung gefunden hat und daß dann nicht nur für die Kieler Werftarbeiter, sondern für die deutschen Werftarbeiter die Frage entsteht, was aus ihrer Eristenz wird. Auf einen ernsten Faktor mache ich aufmerksam. Die heutige Beschäftigung ist in der Hauptsache nur der Scheinkonjunktur zuzuschreiben, und eine ernste Wirtschaftskrise, mit der wir rechnen müssen, wird auch die Beschäftigung auf den Werften in Kiel jehr start in nachteiligem Sinne beeinflussen. Ich möchte daber einer Zuschrift an den Reichstag aus Flensburg erwähnen, die sich mit dem vorliegenden Geseßentwurf beschäftigt und ernste Bedenten zum Ausdruck bringt auf Grund der Tatsache, daß man Flensburg vor der Abstimmung in Schleswig ein Freihafengebiet versprochen haben soll und außerdem Was wird mit den bayerischen ein größeres Terrain, um auf dem Industriegelände neue Industrien heranzuziehen. Die wirtschaftliche Notwendigkeit spricht auch bei Flensburg mit, und ich bedauere, daß das Projeft noch nicht verwirklicht ist. Man kann das eine tun und braucht das andere nicht zu lassen. Ich möchte an die Reichsregierung die Frage stellen, wie weit ist das Projekt von Flensburg, und wie lange ist das von Kiel bereits in der Bearbeitung: mich dünkt, daß auf rein wirtschaftlichem Ge biete die Reichsregierung mit einem Schnedentempo arbeitet, das in feiner Weise gerechtfertigt ist. Wir dürfen bei Wirtschaftsfragen die Dinge nicht fahraus, jahrein künstlich hinausschieben, sondern wirtschaftliche Notwendigkeiten sind ungejäumt und sofort in Angriff zu nehmen.( Sehr richtig bei den US. und D. V.) Ich möchte nicht nur an Hand der kommenden Kriese im Seeschiffsgewerbe, in der Werstindustrie auf Notwendigkeiten in Kiel und Flensburg hinweisen, sondern es steht auch im Zusammenhang mit der zu erwartenden allge meinen Wirtschaftskrise, von der Deutschland nicht verschont bleiben wird. Es müßte bei Wirtschaftskrisen viel intenfiver, viel planmäßiger und viel rascher von der Reichsregierung unter Unterstützung des Reichstags gearbeitet werden.( Sehr richtig! links, bei der D. V. und den Dem.). und nicht immer jahraus, jahrein in einer Verschleppungspolitik, bis wir nachher von der neuen Wirtschaftskrise überrannt werden, wo dann wieder der Notschrei losgeht, sondern wenn die Wirtschaft gefördert werden fann, wenn neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die deutsche Arbeiterklasse geschaffen werden fönnen, dann sollen wir unverzüglich zufassen und unsererseits als Reichstag jagen, daß hier nach allen Richtungen hin eine rasche Förderung am Plage ist.( Bravo! bet den us.). Die Reduer aller bürgerlichen Graftionen und der SPD. treten der Auffassung des Genossen Tißmann bei./ Das Gesez wird einstimmig angenommen. Der Reichsrat hat gegen die Beschlüsse des Reichstags, betreffend das Geses über Teuerungsmaßnahmen für Mili tärrentner Einspruch erhoben. In der nochmals vorgenom menen Abstimmung wird entsprechend dem Einspruch des Reichsrats beschlossen. Der von den Roalitionsparteien eingebrachte Gejegent wurf über den deutschen Nationalfeiertag( 11. August) wird obne Debatte dem Rechtsausichuß überwiesen. Der Gejez entwurf über Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Notlage der Presse wird dem Volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Bei der Beratung des Entwurfs eines Disziplinargefeges für die Wehrmacht sprechen sich die Abgg. Könia( SPD.) und Thomas( KPD.) gegen den Entwurf aus. Er wird dem Ausschuß für die Wilitärgerichtsbarkeit überwiesen. Bei der zweiten Beratung des Gefeßes betr. öffentliche Bekanntmachung von Verurteilungen wegen Preistreiberet, Schleichhandel usw. führt Abg. Kräßig( SPD.) aus: Der Bucher blüht wie nie zuvor. Man muß hoffen, daß das Zentrum und die bayerische Volkspartei an ihrer Haltung im Ausschuß festhalten und für das Gesetz frimmen, denn es muß einmal eine Warnung gegeben werden. Wir fordern, daß die Regierung erflärt, welche Maßnahmen sie gegen Kartelle und Syndikate zu unternehmen gedenkt, die ihre wirtichaftliche Macht au Preistretbereien mißbrauchen. Wir brauchen ein Geses zur Kontrolle des Geschäftsgebarens der Kartelle. Abg. Unterleitner( USP.): Wir lehnen die Verschlechterungsanträge der bürgerlichen Parteten ab. Es ist bezeichnend, daß gerade jezt sich in diejem Hause ein solcher Widerstand gegen die Wuthergesezgebung geltend macht, wo es eines energifchen Borgehens bedarf. Der heute vorliegende Gefeßentwurf ist schon an 21. Dezember vorigen Jahres im Plenum beraten worden. Er sollte rasch verabschiedet werden, um der Regierung ein Machtmittel zur Bekämpfung des Buchers in die Hand zu geben. Das Haus hat diesem Wunsche nicht entsprochen. Es ist unerhört, daß bie bürgerlichen Redner es wagen, gegen die Wuther= gefeßgebung mit den Gründen zu argumentieren, daß durch sie vielleicht hier und da ein Unschuldiger gestraft werden würde. Tausende und aber Tausende von groen Bucherern will man lieder laufen lassen!( Sehr wahr! links.) Die Wuchergesehgebung darf nicht abgebaut ober abgeschwächt werden, sondern verschärft und ausgebaut werden mit allen zur Verfügung Es war ganz natürlich, das in einem Augenblick, in dem die furchtbare Gefährdung der Republik ins öffentliche Bewußtsein trat und in dem als eigentliche Stüße der Repu blif sich fast ausschließlich die Arbeiterschaft erwies, sofort bie Absicht auftrat, eine Amnestie zu gewähren. Bei unserer monarchistisch eingcitellten, republiffeindlichen Rechtspflege wurden im Laufe der vergangenen Jahre zahlreiche Arbeiter wegen politischer Vergehen zu barbarischen Strafen verurteilt. In diesen Urteilen lebte sich mehr oder weniger bc= wußt ein unzweideutiges Rachebedürfnis des Richtertums aus, das sich mit der Umwälzung und ihren Ergebnissen nicht abfinden mag. Den Opfern dieser Klassenjuftis mußte feit zu Hilfe gefommen werden. Die Unterzeichneten richten, beunruhigt durch die Umstände, unter denen der Prozeß gegen die Sozialrevolutio= näre stattfindet und ein nicht wieder gut zu machendes Urteil befürchtend, im Namen der Menschlichkeit und des allgemei nen Friedens an die Sowjet- Regierung einen dringenden Ruf mit der Bitte, sich alles dessen enthalten zu wollen, was von der zivilisierten Welt als die Erfüllung eines Racheaftes aufgefaßt werden könnte. Die erste Liste ist unterschrieben von: A. Aulard, Profeffor an der Sorbonne; Paul Pain Ieve, Mitglied des Instituts A. Meillet, Professor am College de France, Gabriel Seaille, Professor an der Sorbonne; Emilie Boret, Akademie der Wissenschaften, R. Schneider, Professor an der Sorbonne, J. Alle mane, Xavier Leon, Henri Leon, Henri Hauser, Professor an der Sorbonne, Charles Gide, Emile Ter quen, J. Hadamar, Henri Levy- Brühl, P. AI. phandery, Jeanne P. Alphandery, 2. Levy. Brühl, Marcel Levy- Brühl, 2. Brunschwig, Professor an der Sorbonne, J. Brunsch vig, Victor Basch, Professor an der Sorbonne, Ch. Seignobes, Professor an der Sorbonne. Der bekannte englische Schriftsteller H. G. Well 3 hat den Aufruf auch unterzeichnet. Der österreichische Nationalrat hat gestern die Regie rungsvorlage, betreffend die Errichtung der österreichischen Notenbank in awetter Lesung angenommen. Mindereinnahmen an Stenern in Höhe von 829 Millionen Franken weisen die beiden ersten Monate 1922 gegenüber dem Voranschlag in Frankreich auf. Ein englischer Dampfer, der Kriegsmaterial an Bord hatte, wurde am Piräus von einem griechischen Kriegsschiff aufgebracht. Der Eisenbahnerstreif in Amerika. Reuter meldet aus Chicago, für den 17. Juli sei eine Streikorder ergangen, durch die 25 000 Eisenbahnarbeiter betroffen würden. Aus der Partei Der schon mehrmals genannte Schriftsteller und Redaks teur Erich Basch, eBrlin, Vogtstr. 42, ist nicht Mitglied der Unabhängigen Partei. Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Flucht der Arbeiter aus der USP. Unter diefer Ueberschrift brachten kommunistische Blätter vor wenigen Tagen eine Nachricht aus Neustadt in Thüringen, derzufolge 80 Mitglieder unserer dortigen Ortsgruppe zur KPD. übergetreten sein sollen. Welche Bewandnis es mit dieser Nachricht hat, ergibt sich aus der nachstehenden Zuschrift eines Vorstandsmitgliedes unserer Neustadter Ortsgruppe: In unserer Ortsgruppe, die aus 80 Mitgliedern be. steht, waren dret radikale Querulanten. Diese stellten vor einigen Tagen den Antrag, die Ortsgruppe solle auf Grund der von der USP. betriebenen Koalitionspolitik geschlossen zur PD. übertreten. Der Antrag wurde in der am Montag, den 3. Juli, von allen 80 Mitgliedern besuchten Generalversammlung der Ortsgruppe behandelt und nach reichlicher Aussprache gegen drei Stimmen abgelehnt. Den dret Antragstellern wurde darauf mit aller Deutlichkeit gezeigt, wo der Zimmermann das Loch für sie gelassen hat. Zum Schluß wollen wir noch mitteilen, daß die Ortsgruppe Neustadt in Thüringen im Laufe voriger Woche 11 neue Mitglieder gewonnen hat, also nach Abzug der drei Unentwegten, die als Mitglieder nicht mehr in Frage fommen, jetzt 88 Mitglieder zählt." Der große Erfolg" der KPD. war also wieder einmal bloße Dichtung. Als solche würden sich wohl auch die meisten anderen Meldungen über den Siegeslauf der KPD. ent* puppen, wenn man sich erst die Zeit nehmen wollte, ihnen nachzuspüren. Raum aber war die Frage der Amnestie aufgeworfen, als auch schon wieder der übliche Widerspruch aus Bayern laut wurde. Bayern ist wohl das einzige Land innerhalb Deutschlands, in dem noch volitlich Berurteilte aus dem Jahre 1919 die Gefängnisse füllen. Im August 1920 war eine allgemeine Amnestic geplant gewesen; fie fam nicht zur Durchführung, weil Bayern sich dagegen zur Wehr jeste. So wurde damals zwar der Hochperräter Traub begnadigt. die bayerischen Gefangenen indes blieben hinter Kerfergittern. Zweifellos schlug sene Teilamnestic allem Gerechtigkeitsempfinden ins Geficht. Sie brachte zweierlei Maß zur Anwendung und war lediglich ein Sugeständnis an den unerfättlichen Racheðurst bayerischer Reaktionäre, Der Reichstag hätte sich um so weniger mit dieser Tellamnestie begnügen dürfen als gerade Bayern ständig Gejez und Verfassung mit Füßen trat, in seinen Geheimorganisationen politische Worde vorbereitete. monarchistischen Hochverrätern Unterschlupf gewährte, feinen Behördenapparai dem reichszerstörerischen und verbrecherischen Treiben separatistischer Drahtzieher zur Verfügung stellte. Die politischen Gefangenen Bayerns blieben ihrem Echid jal überlassen, das um so bebauernswerter ist, als der Straffonferens unferer Königsberger Parteiorganisation nahm vollzug an ihnen vollkommen ungefeßlich ist. Sie werden gequält, gedemütigt. verleumdet; sie sind brutalster Willkür nationalistischer Machtphantasten vom Schlage des Augsburger Oberstaatsanwalts Kraus ausgefest. Während der Mörder Arco tagsüber auf einem Gute ein abwechselungsreiches und angenehmes Dasein führt, find die Niederschönens felder den entwürdigendsten Maßnahmen unterworfen. Es hat den Anschein, als ob die banerische Justizverwaltung die politischen Gefangenen planmäßig an Leib und Scele fchäbis gen wolle. Ihr schlechtes Gewissen befundete sich, ale fte fich weigerte, den Besuch des Reichstags in Niederschönenfeld zu zulassen. Es ist an der Zeit das Reichstag und Reichsregierung diesem himmelschretenden Unrecht ein Ende bereiten. Unangefochtener Freiheit würdiger als Stabr, Pöhner. Bittinger find Toller, Mubfam, Sartig und wie sie sonst heißen mögen die unglückseligen von Niederschönenfeld. Ein unerträglicher Zustand wäre es, die Niederschönenfelder abermals pretszugeben. Banern ist überall in der Cppo fition, wo Menschlichkeit und Gerechtigkeit um Anerkennung ringen. Sein Einspruch darf nicht mehr gehört werden; diefem Einspruch liegen nur gewalttätige, niedrige, gebäffige Motive zugrunde. But lange schon hat das Reich schwächlicherweise um Bayerns willen Unrecht gefchehen lassen; nun ist's genug. Den Opfern bayerischer Roheit und Rachfucht muß die Stunde der Befreiung schlagen. Auch Anatole France gegen die Moskauer Der Pariser„ Populaire" veröffentlicht folgenden von Anatole France au Magim Gorki gerichteten Brief: Ich bedauere, bie wichtige Angelegenheit, auf die Sie mich hinweisen, nicht hinreichend genug zu fennen und nicht in der Lage Gelvesen zu sein, die Debatten im Brozeß gegen die Sozialrebolu tionäre eingehend zu berfolgen. Gleich Ihnen glaube ich indeffen, daß die Beschulbigten zu ihrer Seit aufrichtig der Befreiung des russischen Boltes gebient haben. Wie Sie, glaube ich, daß ihre Berurteilung schwer auf dem Ges fchid der Sowjetrepublik laften würbe. Von ganzem Herzen, geschätzter Garfi, schließe ich mich dem von Ihnen an die Sowjetrepublik gerichteten Appell an, von welcher ein Mitglied, wie mit gefagt wird, als Staatsantvalt in bem Proze fungiert. Mit brüderlichem Gruß Anatole France. Die Königsberger Parteiorganisation zum Beschluß der Reichskonferenz Eine vor einigen Tagen stattgefundene Funktionärnach reger Aussprache folgende Resolution mit großer Mehrbeit an: „ Die Vertrauensmännerversammlung hält es für selbstverständlich, daß unsere Partei iede Regierung unterstüßt beim Schuß der deutschen Republik gegen monarchistische Anschläge. Den Eintritt in die Regierung hält sie zur Ers reichung dieses wecks für nüßlich aber nicht durchaus erforderlich und jedenfalls so lange für verwerflich. als feine Verständiguna über ein Regierungsprogramm geschaffen ist, das auch die Wirtschafts-, Steuer- und Sozialgesetzgebung int Sinne der sehn Forderungen des ADG8. und der Forde rungen unseres Leipziger Manifestes vom Januar d. Js. sicherstellt. Die Versammluna bestreitet die Entscheidung der Parteifonferenz für den Eintritt der tsp. in die Koalitionsregierung, die den Beschlüssen unseres lebten Parteitages widerspricht, tebe verbindliche Straft und fordert zur endaultlaen Entscheidung dieser Streitfrage die unverzügliche Einberufung eines außerordentlichen Parteitages. Warnung. Bon der Partetorganisation wird uns geschrieben: Aus verschiedenen Bezirken gehen uns Beschwerden zu, daß ein blinder Genosse Wilhelm Täschner mit einem etwa 12jährigen Jungen im Lande herumreist und von den Genoffen aus begreiflichen Gründen unterstützt wird. Täschner, der am 30. März 1862 geboren und im Besize eines von der Ortsgruppe Straubing( Bayern) ausge stellten Mitgliedsbuches ist, hat wiederholt týn unter. hugende Genossen geschädigt und einen ihm vermittelten Die Ortsgruppen werden por Täschner gewarnt. Posten anzutreten abgelehnt. Was koche ich morgen Ein Gaicht aus Teigwaren Rudel- Auflauf mit Fleischresten Dezu brauche ich:/ Pfo. Nudeln, 120 Gr. Sleichrefte oder Schinken, 2 tiez mit mild ver rührt, Sals, lagenweise in die form gelegt. 20 Minuten Bedzeit. Galat dazu. meines Lagers verkaufe ich zu spottbilligen Preisen Wegen Räumung braune Damenhalbschuhe Schuhfabrik Weinberger, Theatern.Vergnügungen Boltsbühne Rotter- Bühnen 3 Uhr nachmittags: Täglich& Uhr: Und ne Residenz- Theater täglich 71, Uhr: Eine Frau Robert u. Bertram ohne Bedeutung Neues Volkstheater 7 Trianon- Theater Moral Köpenicker Straße 68 v. Ludw. Thoma 71 Uhr. 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Deutscher Metallarbeiter Berband Berwaltungsstelle Berlin N 54 Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vormittags 9 bis nachm. 4 hr Telephon: Amt Norden 833, 834, 835, 836 Die Former der Danziger Werft ftehen seit 8 Tagen in einem Abwehrstreit wegen Differenzen und Maßregelungen von VertrauensLeuten. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Brunnenstr. 25. Deutscher Metallarbeiter- Berband Verwaltungsstelle Berlin N. 54, Linienftr. 83/85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Tel.: Amt Norden 833, 834, 835, 836. Achtung! Urabstimmung Achtung! Kolleginnen und Kollegen! Die Urabstimmung zur Wahl des Bevollmächtigten der Ver waltungsstelle Berlin findet am Sonnabend, den 15. Juli, nachm. 1-5 Uhr, Sonntag, den 16. Juli, vorm. 10-1 Uhr, Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin- Morden Montag, den 17. Juli, nachm. von 2-7 Uhr. Einladung zur ordentlichen Ausschuß zung am 22. Juli 1922, 4 Uhr nachmittags. im Kreishause in Berlin, Friedrich Karl- Ufer 5, Kreistagsfißungsfaal. Tagesordnung: Be1. Bahl des Borfizenden und rufung bon awei Beifizern( 1 ArBersichertenber. beitgeber und treter) fowie Ernennung Schriftführers. eines 2. Aenderung der§§ 20 und 111 ber Sabung. 3. Verschiedenes. Die werden Ausschußmitglieder / Herren Zeilnahme aur an diefer Sigung ergebenft eingeladen. Berlin, ben 14. Juli 1922. Neubeder, Vorfizender. in nachstehenden Lokalen statt: Norden: 1. Hab. Magftraße 12 ( Nur Sonnabend und Montag) Kalkberge: 55. Beefer, Reftaurant am Gee. Karlshorst: 2 Barleben, Billdenow, Ede Burgs- 56. Huth, Tres omallee 80. borfstraße. 3. Rupo, Malplaquet, Ede Geestraße. 4. Zimmer, Fehmarnstraße 6. Lichtenberg: 57. Seibte, Kronprinzenstraße 47. 5. roll, Utrechter Str. 21. Ede Hennigs- 58. Albrecht, Neue Bahnhof, Gde Bar dorfer Straße.( Nur Sonntag.) 6. Gliefde, Ropenhagener Straße 74. 7. Büttner, Schwedter Straße 23/24 & Fritsch, Drontheimer Straße 4 9. Knapp, Grünthaler Straße 6. 10. Rietschmann, Aderitraße 122 11. Ceuschner, Aderstraße 110. 12. Elgt, Gerichtstraße 74. 13. Stein, Pantstraße 80. 14. Dams, Schlegelstraße 9. Orfskrankenkasse für das Maurergewerbe 15. acager, Suffitenstraße 88. zu Berlin C 25, Hankestr. 4. Bekanntmachung! Das Versicherungsamt der Stadt Berlin bat folgende Mangebühr am 1. Juli 1922 genehmigt: a) für einen Betrag bis Bu 50 W. b) für einen Betrag bon über 50 m. bis zu 200 m. c) für einen Betrag bon über 200 M bis zu 500 m. d) für einen Betrag von über 500 m. bis au 1000 m. . 1,00 m. 2,00 17 3,00 4,00" 3,00 e) für jede weiteren an gefangenen 1000 m. mebr. Borstehende Mahngebühr wird mit Wirkung vom 11. Juli 1922 an er boben. Bu Zgb.-Nr. 4046 Berf. A. R. 22. Bogel, R. Freund, Borsigender. Schriftführer. Die natürlichste Blut- ullervennahrung ist Godesberger Stahl- Wein ADOCO Jn Apotheken! Prospekt gratis! 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Wiemer, Bülowstraße 58. Nordwesten: 39. Debtfchläger, Berlichingenstraße 5. 40. Sturz, Suttenstraße 9. 41. Baifer Gosfomstnfiraße 34. 2. Arfiger, Pulligstraße 10. Zentrum! 43. Summel, Sophienstraße 5. Adlershof: 4. Saul, Selbigstr., am Marktpl. Baumschulenweg: 45. Ebert, Baumschulenstaße 14, Ede Ernststraße. Charlottenburg: 46. Thunad, Wielandstraße 4. 47. Beter, Nehringstraße 23. 48. Raller, Osnabrüder Straße 27. 49. Nebel, Salzufer, Ede Englische Str. ( Rur Sonnabend und Montag.) Cöpenick: 50. Schulz, Bahnhofftraße 24 51. Auguffin, Rosenstraße Friedrichshagen: 52 Zinius, Friedrichstraße 121. Hennigsdorf: 53. Reftaurant Bfefferberg. ( Nur Sonnabend und Montag.) Hohenschönhausen: hagener Straße. 59. Zur Bartburg, Frankfurter Allee, a. Bahnh. Lichtenb. Friedrichsfelde 60. 3ue Ebeltanne, Herzbergstraße 23 Mariendorf: 61. Streifer, Chauffeestraße 27. Marienfelde: 62. Snaner, Großbeerenstraße ( Rur Sonnabend und Montag.) Neukölln: 63. Aaifer, Bobbinstraße 58. 64. Brabel, Brufendorfer, Ede Teupiger Straße. 65. 3beal- Bafino, Beichselstraße& 66. Biduld, Oterstraße 5. 67. Radheim, Berg-, Ede Lahnstraße 68. Cognac Quelle, Hermannstr. 150, am Bahnhof. Niederschöneweide: 69. Schöps, Grünauer Straße 8. Oberschöneweide: 70 Reftaurant Jmberg, Wilhelminenhof Straße 34 ( Stur Sonnabend und Montag). 71 Restaurant Offo Bamp, Wilhelminen hofftraße 43.( Nur Sonntag). Pankow: 72. Schmidt, Florastraße, Eing. Görschfte. Reinickendorf- Ost: 73. Roffath, Provinzstraße 61. Reinickendorf- West: 74. Jugendheim, Scharnweberstr. 108. 75. Buller, Eichbornstraße 49. 76. Webieng, Berliner Straße 111. Rosenthal: 77. Feind, Am Bahnhof. ( Rut Sonnabend n. Montag.) Schöneberg: 78. Schulz, Reichertstraße 3. ( Rur Gonnabend und Montag.) 72. Rofenthal, Ebersftraße 66. Seegefeld: 80. Hahmann, am Bahnübergang. ( Nur Sonnabend und Montag.) Siemensstadt: 81. Sundheim, Nonnendam- Affce 87. ( Nur Sonnabend und Montag.) Staaken: 82. Reftaurant Wolf. Spandau: 83. 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Man sah die Spuren der Kolbenschläge, Fußtritte und an= dérer schwerer Mißhandlungen durch weißgardistische, blutberauschte Menschen, ia, Menschen, denn es hieße die blut= gierigsten Raubtiere erniedrigen, wenn man mit ihren Namen diese Ordnungsbestien belegen wollte. unzählige Arbeiter wurden falten Blutes abgeschlachtet. Warum? Giner gab einem Reichswehrsoldaten kein Feuer, ein anderer hatte nicht gegrüßt usw. usw. Das Blut unzähliger Menschen schreit nach Rache. Die ,, republikanische" Justiz- sie macht sich fein Kopfzerbrechen über von Reichswehrsoldaten ermeucheite Arbeiter. Werden von diesen Mörbera doch einige gefaßt, dann werden sie freigesprochen, nachdem die Belastungszeugen für nicht einwandfrei oder unzurechnungsfähig erklärt sind. Wie es in solchen Ordnungshütern aussieht, das beweist folgendes Inserat aus der„ Dentichen Jägerzeitung" Nr. 29 vom Sonntag, den 9. Juli: Ehemaliger Kapitulant. Oberwachtmeister im aktiven Heere, auf Grund der Heeresverminderuna ausgeschieden, mit Zivilversorgungsschein, möchte zur Forst wieder zurück und sucht Stellung als Forst: und Jagdaufseher. Führte bei den großen Kämpfen der Revolution selbst Truppenteile, wie Berlin, Hamburg usw., später als Kriminalbeamter tätig gewesen. Zuverlässigkeit und Treue zugesichert. Wilddiebe werden wie Revolutionäre beseitigt. Es kommen nur solche Stellen in Frage, die wirklich etwas Dauerndes bieten, und wo es dem Herrn an altem, deutschen Charakter liegt. Nähere Ausfünft über Tätigkeit in der Forst nach Anfrage oder persönl. Vorstellung. Gefl. Angeb. unter Weidmannsdant" 12670 bef. die Gesch. d. D. Jäg.- 3tg., Neudamm. Ein Held, ein deutscher Held! Ein Mann mit dem alten, deutschen Charakter! Diese alten deutschen Charaktere ermordeten während des Krieges Wehrloje, peinigten Gefangene, vergewaltigten Frauen und requirierten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Während der Revolution waren fie deutsche Kulturkämpfer lies Räuber und Mörder und jeht will einer dieser edlen Sippe Wilddiebe abschießen nach alter deutscher Art- genau wie Revolutionäre! Deutsche Kultur alte, deutsche Artwer steht zurück, wenn es gilt, sie auszurotten? Die Mieterverbände gegen Stadtrat Brumby In Großberliner Mieterkreisen macht sich eine immer ftärkere Mißstimmung gegen den rechtssozialistischen Stadtrat Brumby in Berlin- Neukölln geltend. Brumby ist auf dem Gebiete des Wohnungsnotrechtes auch literarisch sehr umfangreich tätig. Er benutzt fast jede einschneidende Aenderung der Mietezahlungen zur Herausgabe einer Broschüre in Kommentarform und legt seine Ansichten auch in zahlreichen„ Vorwärts"- Artikeln nieder. Merkwürdigerweise Unter fremden Menschen Von Magim Gorki. Eingia eutorisierte llebersehung von August Schola. Amerikanisches Copyright 1918 bb uuftein& Co., Berlin. ( 109. Fortsetzung.) In diesem Tone unterhielt er sich mit allen Gästen, Ich machte den Versuch, mit ihm zu reden, wenn er nüchtern war, doch ließ er dann nur ein unartituliertes Brüllen hören, während die umnebelten Augen grämlich ins Leere starrten. Irgend jemand hatte mir erzählt, daß dieser unverbesserliche Trunkenbots auf der geistlichen Akademie in Kasan studiert habe und eigentlich längst Erzpriester sein müßte. Ich wollte das nicht glauben, als ich jedoch einmal im Gespräch den Bischof Chrysanthus erwähnte, den ich in der Schule kennengelernt hatte, wurde er plöglich lebhaft: Chrysanthus? Ah, den kenne ich! Mein Lehrer und Wohltäter war's. In Kajan, auf der Akademie erinnere mich. Chrysanthus heißt soviel wie goldne Blume", und ein goldener Mensch war er wirklich, dieser Chrysanthus..." Meine kurze Bekanntschaft mit Mitropolstij nahm ein seltsames Ende. An einem schönen Frühlingstage traf ich ihn im Freien vor der Stadt, in der Nähe des militärischen Uebungsfeldes einsam, aufgeschwollen, mit dem Stopfe wackelnd, schritt er wie ein Kamel daher. " Na, gehst du spazieren?" fragte er mit heiserer Stimme. Komm, wir wollen zusammen gehen. Ich muß auch spazierengehen, bin nämlich frank, mein Lieber.. H Wir gingen schweigend ein Stück nebeneinander her und sahen plöglich in einer Grube, die von einem Zeltbau herrührte, einen Menschen: er saß, zur Seite geneigt, da, sein aufgeknöpfter Paletot war an der Seite hochgeschoben und das Gesicht, als ob er sich schämte, vom Paletot verdeckt. „ Ein Betrunkener," meinte der Sänger, der stehengeblieben war. Unter der Hand des Dafizenden erblickten wir jedoch plötzlich in dem jungen Grase einen großen Revol Beilage zur„ Freiheit" sind aber diese Veröffentlichungen gewöhnlich weit mehr über den Reisten der Hausbesizer, als über den der Mietei geschlagen. Das Grundeigentum" schreibt in seiner Nr. 3 ( Januar 1922) über einen neuen Brumby" folgendes: Leider sind wir nicht in der Lage, dieses sehr wertvolle Buch noch in dieser Nummer eingehend zu besprechen. Jedenfalls ist dieses Werk für jeden Hausbesitzer sehr mertvoll, wir haben deshalb Veranlassung genommen, es in unserer Verkaufsstelle bereitzuhalten." So äußert sich die Hausbesizerpresse nur dann, wenn es ihren Interessen Schärfe, aber mit den Veröffentlichungen des sozialdemokra entspricht. Sonst bekämpft sie die Sozialdemokratie mit aller tischen Stadtrates Brumby ist sie außerordentlich zufrieden. Auch wir haben in den Veröffentlichungen Brumby's nicht allzu viel bemerkt, was für die Mieter günstig ist. Eine bewußte Unterstützung der Hausbesizer- Interessen dürfte aber doch wohl nicht vorliegen. Die Materie des Wohnungsnotrechtes ist so überaus schwierig, daß ein besonders geschärftes juristisches Denken dazu gehört, aus Verordnungen und Gesezen, die in ihrem nadten Wortlaut meist dehnbar wie Gummi sind, das für die Mieter günstige herauszukommentieren. An dieser Eigenschaft scheint es dem Stadtrat Brumby zu fehlen. Die bedrohte Volksbildung Berlin und seine Volkshochschule. Get ingerer Zeit bereits ist die Volkshochschule GroßBerlin götigt, einen harten Kampf zu führen, um sich gegenüber ewissen Strömungen zu behaupten, die darauf abzielen, se der Existenzgrundlage zu berauben, die ihr die Sadt Bert bisher gewährt hat. In diesem Kampfe ist die Volkshochschule Groß- Berlin vorläufig unterlegen. Mit der hierdurch geschaffenen Sachlage beschäftigte sich gestern abend eine überaus zahlreich besuchte Mitgliederversammlung unter Borsiz von Herrn Stadtrat Saffenbach. Einem autsfithrlichen Referat, das Professor Dr. Merz, der Direktor der Anstalt, erstattete, folgte eine eingehende Diskussion, an der sich neben Vertretern der Hörerschaft und der der VolksHochschule Groß- Berlin angeschlossenen Organisationen, die Serren Prof. Dr. Defsoir, Prof. Dr. Liebert, Bürgermeister Doflein, Magistratsrat Dr. Stolze und Dr. Paul Nathan beteiligten. Die eindrucksvolle Kundgebung endete mit der einstimmigen Annahme der nachstehenden Entschließung: „ Die Volkshochschule Groß- Berlin erfährt mit Bestürzung. daß ihr durch die Stadtverordnetenversammlung statt des erbetenen Betrages von nahezu einer Million Mark für 1922/23 nur 600 000 m., wie im Vorjahre, bewilligt wurden. Tiefeinschneidende Sparmaßnahmen: die Verminderung der Zahl der Lehrgänge um 40 Proz., der Verzicht auf alle nur irgend vermeidbaren Ausgaben und eine geplante Erhöhung der Hörgebühren genügen nicht, um die gewaltige Geldentwertung so weit auszugleichen, daß mit derselben Summe wie im Voriahre gewirtschaftet werden könnte. Die Volkshochschule Groß- Berlin, die trotz der Kürze ihres Bestehens bereits von mehr als 14 000 Hörern im Jahre besucht wird, hat in jeder erdenklichen Weise die maßgebenden Stellen zu unterrichten und durch schwerwiegende Gründe von der Notwendigkeit der Bewilligung des vollen erbetenen Betrages zu überzeugen versucht. Nach sorgfältigsten Berechnungen und Ueberlegungen sieht sie feine Mög lichkeit, ihre Arbeit fortzuführen, wenn es nicht gelingt, die Bewilligung des fehlenden Betrages von 350 000 M. doch noch zu erhalten. Noch weitere, als die dabei schon vorge= fehenen, schmerzlichst fühlbaren Einschränkungen würden das Internehmen der Lebensfähigkeit berauben und zu lang= famem Absterben verurteilen. Diesem unwürdigen Zustande müßte die Volkshochschule Groß- Berlin im Interesse ihres Ansehens und aller ernsten Volksbildungsarbeit es vorziehen, ihre Arbeit schon jest einzustellen. Die Volkshochschule Groß- Berlin hält es für ihre Pflicht, die Oeffentlichkeit davon in Kenntnis zu sehen, daß ihre Existenz unmittelbar aufs schwerste bedroht ist. Ihr Untergana würde bei dem hohen Ansehen, das die Volkshochschule Groß- Berlin als ein in ihrer Art vorbildliches Unternehmen in allen berufenen Kreisen des In- und Auslandes genießt, schädigen. die kulturpolitische Bedeutung der Stadt Berlin schwer ver und nicht weit von ihm eine Dienstmüze, neben der eine kaum halb ausgetrunkene Flasche Branntwein stand. Wir standen wohl eine Minute schweigend da, dann erklärte Mitropolskij, sich breit hinstellend: „ Er hat sich erschossen..." Ich hatte sogleich gesehen, daß der Mensch nicht betrunken, sondern tot war, doch war der Anblick für mich so unerwartet, daß ich es zuerst nicht glauben wollte. Ich erinnere mich, daß ich weder Furcht noch Mitleid empfand, als ich den unter dem Baletot hervorstarrenden großen, fahlen Schädel und das blau unterlaufene Ohr erblickte; es schien mir so unwahrscheinlich, daß der Mensch sich an einem so schönen, linden Frühlingstage getötet haben sollte. „ Ein älterer Mann," sprach der Oktavensänger und rieb sich die unrasierten Backen, als ob er fröre. Vielleicht ist ihm die Frau fortgelaufen, oder er hat fremde Gelder unterschlagen..." setzte sich selbst am Rande der Grube nieder. Als ich Er schickte mich zur Stadt, nach der Polizei, und mit dem Polizisten zurückkam, schwang er vergnügt die leere Branntweinflasche durch die Luft den Inhalt hatte er inzwischen ausgetrunken. laut und warf die Flasche zu Boden, daß sie in Scher" Das hier hat ihn zugrunde gerichtet!" brüllte er laut und warf die Flasche zu Boden, daß sie in Scherben ging. Der Polizist hatte beim Anblick der Leiche die Mütze abgenommen und sich zögernd bekreuzt. Wer bist du?" fragte er den Sänger. ,, Das geht dich einen Quark an..." Der Polizist befann sich einen Augenblick und fragte dann in höflicherem Tone: " Was fällt Ihnen einSie sind betrunken..." sagte Mitropolskij und schlug sich vor die Brust. " Ich bin schon seit zwanzig Jahren betrunken!" hier liegt ein Toter, und Ich zweifelte nicht, daß man ihn wegen des ausgetrunkenen Branntweins arretieren würde. Aus der Stadt tamen Leute herbei, der gestrenge Reviervorsteher fuhr in einer Droschte vor, stieg in die Grube, schlug den Paletot des Selbstmörders zurück und sah ihm ins Gesicht. Wer hat ihn zuerst erblickt?" fragte er. Sonnabend, 15. Juli 1922 Die Schattenseiten der Schulausflüge So wünschenswert und gesundheitsfördern die Schule ausflüge für unsere Jugend sind, so sehr bilden sie eine Ge« fahr für Wald und Feld und Flur durch die Zerstörungen an Baum und Strauch durch die Schulkinder. In früheren Seiten steckte sich der frohe Wanderer ein Reis an den Hut oder ein Sträußchen ins Knopfloch; heute tut man's nicht unter ganzen Zweigen oder umfangreichen Blumensträußen. Der dadurch in der Natur angerichtete Schaden läßt sich in seinem ganzen Umfange ermessen, wenn man bedenkt, daß jetzt zur Frühlingszeit tagtäglich tausende von Schulkindern ins Freie strömen und dort häufig ungehemmt ihren wilden, unverständigen Sammeltrieb huldigen; man beobachte, wie die Jugend beiderlei Geschlechts bei der Heimkehr oft ge radezu beladen ist mit Grün und Blumen. Hier erwäch in erster Linie den Lehrern und Eltern, mehr noch als es schon geschehen, die Pflicht, einerseits hemmend einzugreifen und den Sammeltrieb der Kinder in vernünftige Bahnen zu lenken, dann aber erzieherisch dahin zu wirken, daß is den Kinderseelen die Achtung vor der Natur, die Freude und der ästhetische Genuß an der unverdorbenen, unzerstörten Schönheit der heimatlichen Landschaft erweckt wird, daß die Jugend zur Rücksichtnahme auf ihre Mitmenschen erzogen wird, die gleichfalls wie sie, sich der Blumen auf der Wiese und der Blüten an Strauch und Baum erfreuen wollen. Auch die Elternbeiräte können in dieser Frage das ihrige tun in ihrem Aufgabenkreis, ebenso wie die Schule in dem ihrigen; jene durch Mahnrufe an die Eltern, diese durch Einwirkung und Belehrung im Unterricht( nicht bloß im Naturkundenunterricht, sondern bei jeder Gelegenheit, durch Anbringung passender Inschriften in Klassenzimmern und Fluren und dergleichen mehr. Daß gleichzeitig auch der Rampf gegen die scheußliche Unfitte, durch Papier- und Speiseabfälle, durch Konservenbüchsen und Flaschenscherben den grünen Wald, die blumengeschmückte Flur zur Kehricht stätte zu machen, geführt werden muß, ist selbstverständlich. Von allen, die dazu berufen sind, aber auch von allen Erwachsenen, denen die Erhaltung der Naturschönheiten am Herzen liegt, möge dauernd der Mahnruf an die Jugend ergehen: Achtet die Natur! Schont Wald und Wiese und Flur! Ein Volksparteiler als Vormund( Diktator) des Zentrums Am 29. Juni wurde in der Berliner Stadtverordneten versammlung über die Höhe des Schulgesetzes abgestimmt, das für die Volfsschüler der Ausländer und der nicht int Berlin einheimischen Eltern zu zahlen ist. Die drei sozialistischen Parteien beantragten die Wiederherstellung der Magistratsvorlage. Hiernach sollten von den dauernd in Berlin wohnenden Ausländern, da sie dieselbe Steuer wie die Berliner zahlen, nicht noch mehr Schulgeld als von den hier überhaupt keine Kommunalsteuer entrichtenden Auswärtigen erhoben werden. Die Mitglieder des Zentrums Hoben ebenfalls die Hände hoch. Da das Ergebnis der Abstimmung zweifelhaft war, wurde ausgezählt. Nun nahm der Oberrealschuldirektor Stadtv. Tropffe unter den Zentrumsstadtverordneten Platz und redete ihnen zu, mit der Reaktion zu stimmen. Unglaublicherweise gehorchten Siese, so daß der Antrag der Sozialisten mit 91 bürgerlichen Stimmen gegen 91 sozialistische abgelehnt wurde. Auf diesen ,, Erfolg" scheint Herr Tropffe stolz zu sein. Als am 3. Juli in der Stadtverordnetenversammlung von sozialistischer Seite beantragt wurde, der Berliner Volkshochschule nicht 600 000, sondern 1 Million Mark im Jahre zu bewilligen, und einige Zentrumsstadtverordnete die Hände hochhoben, unasteindliche Schuldirektor von fern und die ganze Zentrumsfraktion stimmte geschlossen gegen den Antrag. Dieser wurde somit abgelehnt. Hat der große Schulpolitiker, der vor dem November 1918 strammer Monarchist war, nach der Revolution in der republitanischen Deutschen Demokratischen Partei wirkte, nach Jch," antwortete Mitropolskij. Der Reviervorsteher warf einen Blick auf ihn und sagte in einem Tone, den nichts Gutes verhieß: A- ah! Freut mich sehr, mein Herr!" Ein gutes Dußend Zuschauer hatte sich um die Grube angesammelt, und irgend jemand rief: Ich kenne den Toten, es ist ein Beamter aus unsrer Straße!" Der Oftavenfänger stand schwankend, die Müze in der Hand, vor dem Reviervorsteher und redete, irgend etwas abstreitend, dumpf und unverständlich in ih hinein. Dann stieß ihn der Beamte vor die Brust, daß er taumelte und sich auf den Boden sezte. Der Polizist nahm gemächlich einen Strick aus der Tasche und fesselte damit die Hände des Sängers, die dieser ohne Widerspruch, als wenn er es schon gewöhnt wäre, auf den Rücken gelegt hatte. " Weg da, Bande!" schrie der Reviervorsteher grimmig auf die Zuschauer los. Noch ein zweiter Polizist, ein ganz altes Männchen mit roten Triefaugen und vor Müdigkeit offenstehendem Munde, kam herbeigetrippelt, faßte das Ende des Strickes, mit dem der Sänger gefeffelt war, und führte ihn still nach der Stadt ab. Ich verließ gleichfalls das Feld, mit einem Gefühl der Bedrücktheit." Wehe der Stadt Ariel!" flang in meinen Ohren das strafende Prophetenwort Mitropolffijs nach, der, wie ich bald darauf erfuhr, auf dem Etappenwege aus der Stadt abgeschoben wurde. Auch Kleschtschow verschwand aus meinem Gesichtsfreise er verheiratete fich gut und zog in eine be nachbarte Kleinstadt, wo er sich eine Sattlerwerkstatt einrichtete. Kurz vor seinem Weggange hatte ich meinen Prinzipal mit seiner Sangestunst bekannt gemacht. Ich hatte ihm so viel von dem Sattler er zählt, daß er eines Tages den Wunsch aussprach, sich ihn selbst anzuhören. Er traute meinem Urteil nicht recht, als wir jedoch in der Schenke beim Bier saßen und Kleschtschow sein erstes Lied gesungen hatte, meinte er: " Teufel noch eins, der fann was! Ganz heiß ist mir geworden..." ( Fortfehung folgt) Baum zwei Jahren zu der monarchistischen Deutschen Bolkspartei übertrat, die Absicht, jetzt wieder der republitanischen Zentrumspartei beizutreten? Jm republikanifchen Interesse wäre das zu bedauern. Oder ist Herr Tropffe deswegen auf Herabsehung der für die Bildung der Berliner Bevölkerunig auszugebenden Summe bedacht, damit den Schuldirektoren der Fernsprechanschluß und die Schreibhilfe bewilligt wird bzw. die Summe für Schreibgebühr erhöht wird? Denn auf diesem Steckenpferd reitet der„ unintereffierte" Stadtverordnete fortwährend herum. Willkürmaßnahmen im Bezirksamt Steglitz Nachdem der 6. Vergütungsteiltarif für die nichtstän digen Angestellten beim Magistrat zum Abschluß gebracht worden ist, hat der Magistrat durch eine längere Verfügung, die uns in Abschrift vorliegt, die einzelnen Dienststellen angewiesen, nunmehr die Verrechnung der Gehälter der Angestellten nach diesem Tarifvertrag umgehend vorzunehmen. Bei dieser Gelegenheit leistet sich das Bezirksamt Steglib, wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, die unerhörte Willkür, von jedem einzelnen Angestellten binnen 48 Stunden die genaue Angabe seiner Organisa= tionszugehörigkeit zu fordern. Wir ersuchen die Angestelltenschaft dringend, dieser Aufforderung unter feinen Umständen Folge zu leisten. An den Magistrat aber richten wir die Anfrage, was er gegen diefe Anmaßung des verantwortlichen Steglitzer Beamten zu tun gedenkt. Eine Fürsorge, die das Gegenteil bewirkt Fürsorgezöglinge sind zum Teil vor ihrer Einlieferung in Anstalten sowie nach Entweichungen längere Zeit in Polizeihaft mit älteren verbrecherischen Elementen zufammen verwahrt worden. Es wird dies darauf zurückge= führt, daß die Polizeibehörden nicht schnell genug arbeiten. Der Zweck der vorläufigen Unterbringung wird dadurch natürlich ganz vereitelt und in sein Gegenteil verkehrt. Die Minister für Volkswohlfahrt und des Innern lassen deshalb die Polizeibehörden darauf hinweisen, daß die ihnen obliegende vorläufige Unterbringung der Böglinge nicht in Gefängnissen vollstreckt werden darf. Soweit sonst Jugendliche in Polizeihaft genommen werden müssen, ist darauf Bedacht zu nehmen, daß sie auf alle Fälle von Erwachsenen und soweit als möglich auch von älteren verbrecherischen Jugendlichen ferngehalten werden. Dann soll der Vollzug von polizeilichen Haftstrafen möglichst an Jugendlichen dadurch eingeschränkt werden, daß ihnen Geldstrafen gestundet und Abzahlungen zugestanden werden. Ausschreitungen in der Trunkenheit. Zu unserm Bericht unter diesem Titel in Nr. 267 wird uns geschrieben: Die Zunahme öffentlich sinnfälliger Trunkenheit ist allerdings nicht zu verkennen. Sie ist aber nur zum kleinsten Teil auf eine Steigerung der Trunksucht an sich anzurechnen. Damit steht der hohe Preis geistiger Getränke in zu großem Widerspruch, der auch den Liebhaber zwingt, seine Gelüfte einzuschränken. Anders wird es, menn cine milde Hand die nötigen Gaben spendet. Nun finden wir in der Geschichte aller monarchistischen Gegenrevolutionen immer dieselbe Erscheinung, daß die Bertreter der Reaktion das Lumpenproletariat gegen die Demokratie aufbieten. Dieses aber gewinnt man am leichtesten durch schrankenlose Gewährung geistiger Getränke, nach deren Genuß auch allerlei Anregungen zu Plünderungen und Progromen auf fruchtbaren Boden fallen. Vielleicht gibt sich die Kriminalpolizei einmal die Mühe, den keineswegs harmlosen Fällen von Trunkenheitsausschreitungen in dieser Richtung etwas nachzugehen; auch der Besitz von Waffen in den Händen der Trunkenbolde gibt zu denken. Binder. Ueber einen alten Unfug mehren fich neuerdings, wie aus mehreren Beschwerden an uns hervorgeht, die Mitteilungen. Während in der Revolutionszeit und fura nach dieser alle möglichen Scheiben, Wände, Mauern usw. mit Plakaten aller Art beklebt wurden, werden jetzt die Firmenschilder zum Zettelankleben mit besonderer Vorliebe benuzt. So haben uns mehrere hiesige Firmen, unter an derem auch Massary, mitgeteilt, daß die von ihnen in zahlreichen Stadtteilen angebrachten Schilder andauernd mit Aufrufen und Plakaten aller Art beklebt werden, Ganz Zur Soziologie der Moral Bon Paul Krische. a) Der Ursprung der Moral. Bange Zeit hindurch hielt man daran fest, daß die Moral göttlichen Ursprungs iei. Viele Religions fyfteme vertreten die Begründung der Moral durch göttliches Gesetz( Die jüdischen 10 Gebote). Erst neuerdings ist erfannt worden, daß die Anfänge der Moral bis ins Tierreich hinabgehen. So betont schon Kautsky"), daß das Sittengefeß auf tierische Triebe zurückzuführen fei. Und A. Forel**) hebt hervor, daß sämtliche Eigenschaften der menschlichen Seele aus Eigenschaften der Seele höherer Tiere abgeleitet werden können. Diese Auffassung steht im Gegensas nicht nur zu der alten Borstellung vom göttlichen Ursprung des Sittlichen, sondern auch zu der Lehre Sants von der Moral. Nach Kant ist beim Sittengesetz der Grund der Berbindlichkeit nicht in der Natur des Menschen oder den Umständen in der Welt, darin er gesezt ist, zu suchen, sondern a priori ( von vornherein) lediglich in Begriffen der reinen Ver nunft." An anderer Stelle sagt er:„ Die Metaphysik der Sitten ist also unentbehrlich notwendig, nicht bloß aus einem Beweggrunde der Spekulation, um die Quelle der a priori in unserer Vernunft liegenden praktischen Grundsäge zu er forschen, sondern weil die Sitten selbst allerlei Verderbnis unterworfen bleiben, solange jener Zeitfaden und oberste Norm ihrer richtigen Beurteilung fehlt."***) Kant erkennt weder die Lebensverhältnisse, den Produktionsprozeß, noch die Natur, das Triebleben als maßgebend für die Entwicklung eines Sittengejeges an, dieses hat vicimehr von Anfang an einen gleichbleibenden Grundsay, den er folgendermaßen formuliert: Sandle so, daß du bie Menschheit sowohl in deiner Berson als in der Person jedes anderen jederzeit zugleich als 3wed, nicht bloß als Mittel braucheit." Später wählte er die Fassung: Sandle nach Marimen, Grundsägen, die sich selbst zugleich als allgemeine Natur gefebe aum Gegenstand haben fönnen. Sieben Jahre später gibt er in der Kritik der praktischen Vernunft folgende sasuna an:„ Handle so, daß die Marime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allge meinen Gesekgebung gelten fönnen." Die einfachste Faffung gab er 1797: Sandle nach einer Marime, die augleich als allgemeines Gefez gelten fann." *) Staugth: Ethik und materialistische Geschichtsauffaffung. Berlag Diez, Stuttgart 1919. **) A. Forel: Hirnanatomische Abhandlungen. München 1907. *** Kant: Vorwort zur Grundlegung ber Metaphyfit ber Sitten. besonders tut sich bei diesem Unfug der deutschnationale Mob besonders tut sich bei diesem Unfug der deutschnationale Mob| der andere Brieffaften weit vor der durch den Weiser an hervor, der offenbar mit der Begründung:„ Es seien Juden schilder!" fast alle Firmenanzeigen im Westen systematisch überklebt. Es scheint eine deutschnationale Mente unterwegs zu sein, die entweder Menschen, oder wenn das nicht glatt geht, wenigstens Sachen vernichtet. Die Polizei müßte auch darauf ihr Augenmerk lenken. Ein alter Veteran der Partei, der Droschkenkutscher Heinrich Lawrenz, ist dieser Tage zur legten Ruhe auf dem Friedhof in Friedrichsfelde geleitet worden. Noch im vorigen Jahre konnte er fein 25jähriges Parteijubiläum begehen. Genosse Lawrenz war ein rühriges Parteimitglied und immer bereit, soweit es ihm seine Zeit erlaubte, an allen Parteiarbeiten teilzunehmen. der großen Ferien eingestellt. Ihre Biederaufnahme er Die Quäferspeisung in Neukölln wird für die Dauer folgt für alle Speisungsberechtigten am 21. August d. Is. Das städtische Weltpanorama Neukölln bleibt für die Dauer der großen Ferien geschlossen. Die Wiedereröffnung findet am Sonntag, den 13. August d. J 3., unter Vorführung der Bilderreihe„ Eine Fahrt auf der Mittenwaldbahn" statt. Unentgeltliche Branfebäder für Neuköllner Gemeindeschüler. Für die Zeit der Sommerferien werden in den Schulbrausebädern des Neuköllner Stadtbades an den Vormittagen( 9-12 Uhr), außer Sonntags, unentgeltlich Brausebäder an Gemeindeschüler abgegeben. Badewäsche ist mitzubringen. Städt. Auskunft- und Beschwerdestelle in Neukölln. Die von der Bezirksversammlung Neukölln im alten Rathause, Berliner Straße 63/64, 2 Treppen, Zimmer 235, eingerichtete Beschwerdestelle ist an den Wochentagen von 8 Uhr vorm. bis 3 Uhr nachm.( Sonnabends bis 12 Uhr mittags) geöffnet. Die bisher an den Donnerstagsnachmittagen von 5-7 Uhr abgehaltene Sprechstunde fällt während der Monate Juli und August aus. Die erfte Lichtenrader Frühobstausstellung, Ziegen: und Schafschau am Sonntag, dem 16. Juli 1922, die mit Beerenobst aller Art, Kirschen und Frühgemüse sehr reichhaltig beschickt wird, aber auch eine staatliche Anzahl Meldungen von Siegen und Milchschafen aufweist, verspricht eine schöne Veranstaltung zu werden. Eine Reihe brauchbarer Gartengeräte wird im Betrieb vorgeführt werden. In einer Kosthalle werden Proben von Frischobst und frischer Ziegenmilch verabreicht werden. Veranstaltet wird die Ausstellung vom Verein für Kleintierzucht und Gartenbau in Lichtenrade, der fich aus Siedlern und Kleingärtnern zusammensetzt. Diese stellen nur selbstgebaute Erzeugnisse zur Schau. Der Hilferuf durch Fernsprecher hat sich als Abwehrmittel gegen das Verbrecherumwesen sehr gut bewährt und besteht jetzt für den gesamten Umfang des Ober- Postdirektionsbezirk Berlin, also für ganz Großberlin und bei den Fernsprech Vermittelungsanstalten in Großbeeren, Hoppegarten und Mühlenbeck. Man ruft in gewöhnlicher Weise das Amt und sagt, wenn die Beamtin sich meldet, lediglich das Wort Ueberfall" an. Die Beamtin verbindet darauf ohne wei teres mit der für das gefährdete Haus zuständige Schutzwache. Sobald diese antwortet, hat der Teilnehmer möglichst folgende Angaben zu machen: Straße, Hausnummer, Vorderoder Gartenhaus, Stockwert, Name des Teilnehmers, Amt und Nummer der Sprechstelle. Es ist dabei eine ruhige und deutliche Ansage anzuftreben; dann ist der Hörer wieder an zuhängen und möglichst in einem nach der Straße gelegenen Zimmer die Ankunft der Polizeibeamten abzuwarten. der Hilferufende durch besondere Umstände verhindert, eischöpfende Anfage zu machen, so muß er menigstens auf die erste Meldung des Amts hin der Beamtin das Wort„ leberfall" zugerufen haben. Die Schußpolizei wird dann allerdings mit unvermeidlicher Verzögerung bemüht sein, an der Hand der Wohnungsunterlagen des Amtes Hilfe zu bringen. Das Hineinrufen des Stichwortes in den Sprech trichter gleich nach Abnahme des Hörers, also ohne die Mel dung des Amts abzuwarten, ist, wie besonders hervorgehoben wird, völlig awecklos. Nebenanschlüsse können für Ueberfallmeldungen nur benutzt werden, wenn sie sich im Hause oder in nächster Nähe der Hauptstelle befinden. Absichtlich falsche oder fahrlässige Inanspruchnahme der Meldung„ Ueberfall" ist nach StrB.§ 360 als grober Unfug strafbar. Ist Die Briefkastennot. Jm Stadtinnern werden immer neue Klagen laut über die äußerst mangelhafte Leerung der Briefkästen. Wenn im Laufe des Tags der eine oder Eine ähnliche Stelluna nimmt neuerdings der Göttinger Philosoph Leonhard Nelson, der Schüler von Fichtes Anhänger Fries, mit seinem fogenannten Abwägungsgeset" ein: Handle nie so, daß du nicht auch in deine Handlungsweise einwilligen fönntest, wenn die Interessen der von thr Betroffenen auch die deinigen wären." Auch die Rich tung der phänomenologischen Philosophie rechnet mit einer in uns vorhandenen, dunklen, durch Ueberlegung auflösbaren Erkenntnis, die uns gebietet, die Selbstsucht, das IchInteresse, zu beschränken. Anders der soziologische Standpunkt, den wir in der Soziologie des Erkennens schon berührten. Hinsichtlich des Ursprungs von Sittlichkeit und Recht hat Franz Oppenheimer) neuerdings eine geistreiche Studie foziologischer Untersuchung gebracht. Er sieht die psychologische Wurzel von Sittlichkeit und Recht in dem Wir- Bewußtsein, das ich Gemeinschaft& trieb nenne, um das Naturtriebhafte mehr hervorzuheben. Er lebt im Reime schon in der Tierwelt im Verhalten der einsam lebenden Tiere zu denen der gleichen Art, ist bei den Herdentieren bereits sehr entwickelt und prägt sich besonders start im Mutterinstinkt, im Elterninstinkt, aus. Was die Mystiker den Seelengrund nennen, was Hegel den absoluten Geist genannt hat, das ist die ewige Gesellschaft und in weiterer Erstredung das ewige Leben felbst als Ganges, das ohne Anfang i und ohne Ende unser aller Bater, unser aller Gejebgeber, Rich ier und Helfer in aller Not. Und hier liegt auch schließlich die Wurzel afler bewußten Ethit." b) Soziologie der Moral. 1. Wildheit( Häger). Die ersten Sittengefeße und Moralbegriffe entstanden nach Cunow in der Kollektivwirtschaft der unfteten Jäger als Regeln bei der Verteilung der Jagdbente, welche die fräftigen Männer einer Sorde gemeinsam durch Umschleichen des Wildes und deffen Tötung mit Speer und Keule machen. Solche Verteilungsregeln fehen a. B. ein bestimmtes Stück des erlegten Tieres für den vor, der es auerit sah, ein anderes für den, der es verwundete, ein anderes für den, der Kinder und Frau oder Vater und Mutter hatte. Solche Regeln find aus der wirtschaftlichen Notwendig teit in ihren Formen, aus dem sozialen Justinkt, dem Gemeinschaftstrieb in ihrer inneren Richtung entftanden. Ist doch das Kollektivbewußtsein in den Horden der standen. Ist doch das Kollektivbewußtsein in den Horden der Naturmenschen ungemein ftart entwidelt. Aus ähnlichen Ursachen ergeben sich weitere Regeln der ArbeitsteiIung, beim Marsch, im Lager, daraus ebensordnun*) Franz Oppenheimer: Die psychologische Wurzel bon Sittlichkeit und Recht. Jena 1921. Guftab Fischer.. gekündigten Zeit geleert wird, so ist dies eine Erscheinung, über die zur Not noch hinweggesehen werden könnte. Zahl reiche Brieffäften des Stadtinnern, die an Stellen angebracht sind, wie in der Leipziger Straße, die zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens überhaupt nicht geleert werden, müßten, um dem Bedürfnis der Bevölkerung Rechnung zu tragen, mindestens noch einmal während der Nachtstunden geleert werden. Berzweiflungstat von Mutter und Tochter. Gestern vor mittag wurden in ihrer Wohnung im ersten Stodwerk des Gartenhauses Friedbergstraße 3 in Charlottenburg die 77 Jahre alte Witwe Marie von Tucholka und ihre 36 Jahre alte Tochter Elisabeth tot aufgefunden. Die Leichen waren bereits start in Verwesung übergegangen. Die beiden Damen hatten sich vergiftet. Vollständige Verelendung hat die beiden Unglücklichen in den Tod getrieben. In seiner Wohnung erhängt. Gestern nacht wurde der 33 Jahre alte Portier Fris G. in feiner Wohnung in der Brüderstraße erhängt aufgefunden. Der Tod war bereits eingetreten. Arbeitersport Arbeiter Nabfahrer- Bund Solidarität" Berlin. Louren für Gonntag, ben 16. Juli, 1. Abt. 15. Nachttour n Budow, Start 12 Uhr nachts. 16. Rabebrüd, Start 1 1hr Bülowstr. 56. 2. Abt. 15 und 16 nach dem Krügelfee. Start nachmittags 6 Uhr und früh 4 Uhr Blanufer 63.- 3. Abt. Rangs dorfer See, früh 5 Uhr, Laufizer Bla. 4. Abt. 15 nach die Dubzom, Start nachmitags 6 Uhr; 15 nach Zeupis, Start 12 Uhr nachts; 16 nach dem Croffienfee, Start 12 Uhr, Meberwiese. 5. Abt. Möllenfee, Start 5 Uhr früh: Seffenwinkel, Start 12 Uhr Arnswalber Bl.-6. Abt. Bühlsdorf. Start 6 und 10 Uhr Ropenhagener Str. 26. 7. Abt. 15, Abends 6% Uhr nach Gorinfee; 16 itach Lante, 6 Uhr früh Kolonieftr. 147. 10. Ast, Waldfeft in Hirschgarten( Keller), Start früh 8 Uhr, Commeniusplay. 12. Abt., Motorfahrer. Stienisfee, Start früh 6 Uhr Bahnhof Frant furter Allee, Ingenbauteilung: 15. nach dem Sebbinfee, Start 6 1hr abends Brandenburger Zor, Ortsgruppe Pankow. Gorienfee 7 un 12 Uhr, Mühlenftr. 12. Ortsgruppe Lichtenberg. Buch Start 1 Uhr Trabeplak. Ortsgruppe Tegel. Goriensee, Start morgens 6 Uhr, mittags 1 Uhr. Ortsgruppe Nenkölln, Stralau, Bezirksfeft, Start 12.30 Richardplas. Arbeiter- Wanderbund Naturfreunde". Wanderungen am 15./16. Juli Königswusterhausen, Bernsdorfer Lante, Abf. Sonnabend abend 6.30 Uhr Sörlizer Bahnhof. Leuenberg. Röthfee, Abf. Sonnabend abend 6.32 1hr Briesener Bahnsteig. Eriner, Strausberg, Abf. Sonntag früh 4.45 Uhr Bahnhof Alexanderplat. Königswusterhausen, Sieftfee, Abf. Sonnabend Rüdnik, abend 6.00 Uhr Bahnhof Weißenfee, 6.30 Uhr Görlizer Bahnhof. Plößensee, Abf. Sonnabend abend 8.30 Uhr, Sonntag früh 6.00 1hr Stettiner Jernbahnhof. Dubrow, Hölzerner See, Abf. Sonnabenb abend 5.00 Uhr Biefenthal, Budowfee, Abf. Sonnabend nachmittag Görlizer Bahnhof. 4.00 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Storloto, Dolgensee, Abf. Eonnabend abend 6.00 Uhr Bahnhof Neukölln. Sebdin, Seddinfee. Abf. Sonnabend abend 5.00 Uhr Bahnhof Treptow. Melchow, Samithfee, Abf. Sonnabend abend 6.00 Uhr Bahnhof Schmargendorf. Groß- Arens, Kloster Lehnin, Brandenburg, Abf. Sonnabend nachmittag 6.30 Uhr Bahnhof Steglik. 7.03 1hr Potsdam umsteigen. Arbeiter- Radfahrerverein Groß- Berlin. Früh 4 Uhr Neu- Ruppin. Nach mittags 1 Uhr Spandau, Stadtpark. Arbeiter- Wanderberein Berlin. Wanderfahrt am Sonntag. Badetour no Krumme Laake, Abfahrt 6.35 Uhr Schlef. Bahnhof. nach Rahnsdorf. Montag Borstands und Führersigung, abends 8 Uhr im Bereinslokal. Mittwoch, abends 8 Uhr, Generalversammlung bei Wollschläger, Adalbert straße 21. Turn- und Sportverein Fichte", Berlin. Bereinsturnen zum Bundesfeft, allgemeine Uebungsstunge, Alle Zeilnehmer, die an den erften lebungs stunden teilgenommen haben, werden wieder bestimmt erwartet am Montag, ben 17. Juli, in der Turnhalle, Gormannstraße, am Dienstag, den 18. Juli, in der Zurnhalle Prinzenstr. 70. Freie Schwimmer Neukölln. Nachmittag 3 Uhr in dem Sommerbab ant Brizer Osthafen Schwimmfeft. Zur Borführung gelangen neben Wafferball fpielen ein Dantenkunstschwimmreigen sowie Einzel- und Borgabeschwimmen auf ber 100- meter- Bahn, Außerdem Stoffelfchwimmen für Damen uns Herren, so daß intereffanter Sport erwartet werden fann. Straßenbahn bis Rubower Bride des Teltowfanals. Geschäftliche Mitteilungen Mütter, benkt an Eure Kinder! Bilegt sie besonders in inarmen Sommere fagen gut, ernährt fie atved mäßig. Gebt Säuglingen und heranwachfenbens Rindern Borath". Dann tönnt 3hr sagen:" Wir denken an unfere Kinder. Jeder fann bas tun, denn Poraths Kinder- und Krankens nahrung ist stets auberlaffig und billig. Zum Sport nur Bären- Stiefel Der Stiefel für schwere Beanspruchung. Hochschäftige Schnürstiefel bis zum Knie, wasserdichte Jagdstiefel, Bergsteiger, Tourenstiefel, Haferlschuhe in höchster Vollendung. Niederlagen in Krommhlbel( Riesengebg.), Oberhof( Thüringen). Schierke( Harz). Garmisch- Partenkirchen und anderen Städten. Erkenntlich durch Reklameschilder Bärenstiefel". Evtl. fordern Sie illustrierten Katalog direkt von Hans Bahr, Berlin, Spezialkaus für Sportstiefel Einzelverkauf Spittelmarkt 4-7, ( vor der Brücke). Engras/ Export/ Lager. gen, die später den fagenhaften Urahnen, den Gründern der Horde,( Totem) zugeschrieben wurden, und deren Innehals tung die ersten Moralgeie te bedeutete. 2. Barbarei( Aderban). Bei zunehmendem Ertrage von Jagd und Fischfang era möglichte sich die dauernde Niederlassung, die zum ersten An bau an der Küste, an offenen Uferstellen der Flüsse, an Feuer stellen führte. Neue Nußungsordnungen waren für diese ersten Formen der mit der Scholle verbundenen Kultur note wendig, die später zu Anban, noch später zu Eigentums rechten und damit zum Aufbau einer Moral führte, dic i erster Linie den Schuß des Eigentums vertritt. 3. Zivilisation( Stadtkultur). Dieser Schutz des Eigentums mußte mit dem Aufkommen der neuen Wirtschaftsform der Stadtkultur neue Formen an nehmen. Vergeblich wurde im Mittelalter in Anlehnung an àltbiblische Gebote das 3insverbot ausgesprochen, wie an Stelle der Naturalwirtschaft die Geldwirtschaft trat. geprägte Münzen zur Welteinheit wurden, in der alle Erzeugnisse ihren Wertstand ausgedrückt erhielten, sowie das arbeitende" Geld und neben ihm bei Zunahme des Handels Kreditbriefe. hinter denen das Geld als Bürgschaft stand, das Kreditinstem einführten, trat als führend im Moralsystem der Schutz des privaten Kapitals in den Vordergrund. In ihren Hauptzielen ist es ein System zum Schuß der jeweilig herrschenden Klasse und vornehmlich des privaten Kapitals der Angehörigen dieser Klasse. Dieses Moralfyftem mußte troß aller offiziellen Befentnisse zur Gemeinschaft. die in der Praris nur die Gemeinschaft der am privaten Ra pital Beteiligten umfaßte, au einer Aufpeitschung der Ich trieve führen, die neben den Gemeinschaftstrieben im Men schen vorhanden sind. Darin liegt die letzte Ursache der von allen starken Gemeinschaftsmenschen und Religionsgründern beklagten Selbstfucht der Zivilisation. 4. Sozialistische Epoche. Die sozialistische Epoche hat darum, wie auch A, Rollan tan bervorhebt, die Umformung der menschlicher Psycholo sie im Geist durch Anhäufung sympathischer Empfindungen, der Freiheit statt des Eigentums, der Kamerad schaft an Stelle der Ungleichheit und der Unterordnung durch auführen. Der gerechten Wirtschaftsordnung entspricht in der neue Moral der sozialistischen Epoche das Prinzip der kameradschaftlichen Solidarität an Stelle blinder phyfiologis scher Ursachen, und fo bilden Freiheit, Gleichheit, Aufrichtfeit, tameradschaftliche Solidarität die Grundpfeiler der sozialistis fden Moral Gewerkschaftliches Worum geht es? Zur Wahl der Bevollmächtigten im Deutschen Metallarbeiter- Berband. Mit der ihnen eigenen Beharrlichkeit propagieren die Kommunisten ihren neuen Mann Jakob Walcher ala zukünftigen Bevollmächtigten der Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Und im Borgefühl seines Sieges beruft derselbe in Nr. 307, R. F." anter Gewerkschaftliches eine Mitgliederversammluna des DMV. schon vor dem Sieg ein. Nach dieser gewerkschaftfichen Leistung finden wir in der„ Roten Fahne" vom 18. 7. 22 eine Notiz ,, Walcher oder Ziska", in der nach den üblichen Verdrehungen die Kommunisten folgendes eingestehen: Was wollen demgegenüber die Kommunisten? Gewis. auch wenn Walcher gewählt würde, könnte er die Sachlage nicht mit einem Schlag ändern, auch er und die hinter ihm stehenden Kollegen wären an die wirtschaft: lichen Geseke gebunden." nicht in die Hände Walchers Tegen. Wir dürfen mit den unter großen Mühen, unter Hilfe der Berliner Metallarbeiter aufgebrachten Mitteln nicht Schindluder spielen lassen. Die Vorgänge in Halle, die Ereignisse im BauarbeiterVerband müssen der Arbeiterschaft zeigen, wie es nicht gemacht werden soll. Genug des granjamen Spiels! Die Arbeiterschaft wird nicht aus ihrem Elend befreit, wenn sie auseinanderheit. Sondern wenn sie in machtvoller Reihe steht. Das gewährleistet die Amsterdamer Internationale. Wer nicht für Amsterdam wirbt und wirkt, fann nicht Führer einer Amsterdamer Gewerkschaft sein. Mit Mostaner Direktiven die Geschäfte einer Amsterdamer Organisation zu leiten, halten wir einen ehrlichen Menschen nicht für fähig. Darum müssen sich die Stimmen aller die Einheit er strebenden Metallarbeiter auf Ziska vereinigen! In letzter Stunde: Wählt 3iska Auszahlung der Streikunterstützung für Buchbinder Sämtliche Streifenden Mitglieder, welche Streifgeld zu erhalten haben, werden aufgefordert, am Sonnabend, den 15. Juli, von 8-12 1hr vormittags im Saal 3 des Gewerkschaftshanies, Engelufer 25, ihr Streifgeld abholen zu wollen. Die Ortsverwaltung. an athenant ins unermeßliche gestiegen sind. so daß die Arbeiter und Beamtenschaft fait vor der Verzweiflung stehe. Bei Verlesung eines Antwortschreibens vom Finanzministerium an die Spitenorganisationen auf Grund neuer Lohn- und Gehaltsforderungen brach unter den Bersammelten der Sturm der Entrüstung los, weil das Antwortschreiben eine Provokation der Arbeiter und Beamten in schnödester Form in sich birgt. In der Diskussion fam restlos von allen Rednern zum Ausdruck, daß die Notlage aller Lohn- und Gehaltsempfänger start in Erscheinung treke. Vom Hauptvorstand wurde gefordert, Abhilfe zu schaffen. Das anwesende Hauptvorstandsmitglied Bernhard gibt der Versammlung bekannt, daß der Hauptvorstand be= reits Schritte unternommen hat, um neue Forderungen an die Regierung zu stellen. Der Hauptvorstand ist sich der Notlage aller Lohn- und Gehaltsempfänger voll bewußt und wird im gegebenen Augenblick die Initiative ergreifen. Einstimmia wurde beschlossen, eine längere Ent. schließung, in der die gesamten Forderungen niedergelegt und begründet wurden, an das Reichsfinanz ministerium zu richten. Der 2. Punkt der Tagesordnung, Bericht über den 11. Gevom Kolleges wertschaftskongreß in Leipzig, wurde Schmidtke ohne Aussprache erledigt. Verband der Buchbinder und Papierarbeiter. Am Sonn abend, nachmittags 4 Uhr, findet in den Berliner Vereins. und Konzertsälen( früher Arminhallen) Kommandanten. straße 58/59 eine Branchenversammlung aller in Buchdrucke. reien beschäftigten Kolleginnen und Scollegen statt. Tagesordnung: Bericht von den Lohnverhandlungen mit den Berliner Buchdruckereibefizern. Das unbedingte Erscheinen aller Damit geben die Kommunisten zu, daß auch Walcher nichts befferes bieten und bringen kann als Ziska und Urich. An den Kenntnissen und Fähigkeiten Biskas zweifelt niemand. Diefe Eigenschaften hat bisher an Walcher niemand entdecken können. Dann ist für ihn die Gewerkschaftsbewegung vollkommen Neuland. Hilflos stände er den wirtschaftlichen Gefeßen" gegenüber. Und die Lage der Berliner Metallarbeiter? Kann ein solcher Mann Besserung bringen? Das haben sich die Berliner Metallarbeiter zu überlegen. Wenn Wahlen zum Verbandstage der Transportarbeiter Kolleginnen und Kollegen erwartet. ganz bestimmt also die„ Rote Fahne" schreibt, daß auch die Kommunisten an die wirtschaftlichen Gesetze gebunden sind und die SachTage nicht ändern können, wozu dann eine Aenderung; doch nur, um an Stelle der Amsterdamer einen Vertreter der Roten Gewerkschafts- Internationale" an leitender Stelle au bringen, der Internationale, deren Verdienst es ist, alle Arbeiterorganisationen der Welt zerrissen zu haben. Deren Verdienst es ist, daß sich die Arbeiter mit gegenseitigem Mißtrauen begegnen und sich im ewigen Bruderkampf befinden. Was haben wir zu erwarten, wenn Walcher als einzelner in die Leitung eintritt? Nach berühmtem Muster werden Konfliktsstoffe gesucht, gefunden, Märtyrer geschaffen, und zuguterlebt wird die Konfliktsfrage in die Betriebe, in die Massen gebracht und neuer Hader steigert den Mißmut und die Hoffnungslosigfeit. Das ist der Boden, den die Reaktion für ihre Pläne braucht. Das ist die Atmosphäre, in der die Unternehmer ihre Interessen wahrnehmen fönnen.- Wollt Ihr das, Metallarbeiter? Mit ihren ewig wechselnden Parolen haben die Vertreter der Roten Gew.- Jutern. das größte Unheil in der Welt augerichtet. Und trotzdem behaupten die Kommunisten, daß fie die wahren Vertreter der wirklichen Einheitsfront sind. Einheitsfront", die es bedingt, daß Arbeitslose in die Betriebe, vor die Gewerkschaftshäuser geschickt werden, um mit der Faust den Kampf gegen Arbeitsbrüder aufzunehmen. Arbeiter gegen Arbeiter. Soll dieser Unfug sich wiederholen? Und das befehlen diejenigen, denen es erlaubt ist, heute zu spalten, morgen zu vereinigen, um übermorgen, wenn es nicht nach Moskauer Wunsch geht, wieder zu spalten. Immer im Lebens- Interesse der proletarischen Revolution". Heute toben die Kommunisten im Ruhrgebiet gegen den weißen Schrecken, morgen schließen sie in München mit Gr- Studenten einen Schutz- und Trusbund. Ihnen ist alles erlaubt. Sie, die heute die Einheitsfront fordern, werfen bei einer machtvollen Demonstration. ihre widerlichen Traftätchen un ter die Masse zur Freude der Reaktion. Und so sind sie überall. Senin sagte in seiner Rede auf dem russischen Metallarbeiter- Kongres 1922: Wir müssen die Regierungsmaschine so gestalten, daß an der Spike wichtiger Aemter nicht Männer stehen, die auf diesem Gebiet nichts verstehen. Unsere Komm. nisten find ja lauter prächtige Sterle, aber für die praktische Arbeit taugen sie nicht. In der Theorie ist bei uns alles io vorzüglich, daß der pünktlichste Deutsche daran seine Freude haben müßte, aber in der Praxis geht alles drun ter und drüber, und niemand weiß, wofür er eigentlich verantwortlich ist. Wir haben zwar eine große Reinigung der Aemter durchgeführt. Hunderttausende von Lumpen, Diehen und Faulenzern haben wir zum Teufel gejagt. Das var gut, aber das genügt noch lange nicht. Zehntausende müssen noch dasselbe Schicksal erleiden. Wir brauchen ausschließlich Leute, die wirklich was leisten können und wollen. Unser gefährlichster Feind ist heute der kommunis tische Redner, der auf wichtiger und verantwortlicher Berwaltungsstelle fißt. Von diesem Feinde müssen wir uns und den Staat befreien. Die große bevorstehende Reinianna gilt den Parteiführern, die sich auch für Adminiftra: toren halten. Das sind die großen Propagandisten und Agitatoren, die zwar altes niederzureißen verstanden, aber nufähig find, Neues an seine Stelle zu sezen. Ihr ganzes Tagewerk besteht in der Erfindung von neuen und immer schöneren Theorien. Die Kleinarbeit des Alltages intereffiert sie nicht, ist ihnen lästig und beschwerlich. Das trifft auch auf viele deutsche Kommunisten zu. Darum eben können wir die Geschäfte einer so großen Organisation Am Sonntag, den 16. Juli, findet in der Zeit von 9 bis 3 Uhr die Wahl der Kandidaten zum Verbandstage der Transportarbeiter statt, welcher am 7. September in Berlin zusammentritt. Da sich die Kommunisten veranlaßt sahen, in der„ Roten Fahne" die Kandidaten ihrer Richtung bekanntzugeben, zwingen sie uns, ein Gleiches zu tun. Die gegenwärtige wirtschaftliche und politische Situation gebietet dem Proletariat mit allen Mitteln die aktionsfähige, revolutionäre Einheitsfront auch in den Gewerkschaften schnellstens zu verwirklichen. Getreu diesem Streben hat sich die USPD. auch innerhalb des Transportarbeiterverbandes gegen die unmargistischen Kampjesmethoden von rechts und lints bewährt. Ihr ist es zu danken, wenn diese Organisation ein ungersplittertes Instrument des Klaffenkampfes geblieben ist. Wer als Transportarbeiter will, daß es auch fünftig so bleibe und die Arbeiten des kommenden Verbandstages von dem Einheitswillen proletarischen Klassenkampfgeistes getragen wissen möchte, der gebe am Wahltage seine Stimme folgenden Kandidaten: Seftion I: 931 27. 3. 98 Reuschner, Otto, Chemie. 50 352 15. 9. 06 Kohlschmidt, Paul, Branche Eisenhandel. 63 720 28. 10. 07 Solter, Karl, Branche Textil. 39 751 1. 1. 19. Lambrecht, Emil, Textil. 64 986 8. 8. 08 Podubrin, Max, Branche Graph. Gewerbe. 60 055 8. 11. 02 Sanfer, Walter, Branche Wäschereien. 30 259 18. 4. 14 Oltersdorf, Karl, Branche Reichsbetriebe. 812 023 7. 1. 19 Horst. Paul, Reichsbetriebe. 431 881 17. 6. 07 Schneidewind, Hedwig, Botenfrauen. Sektion II: 65 418 6. 11, 10 Schirmer, Paul, Schwer- und Leichtfuhrwerk. 21 228 27. 1. 06 Rehmann, Alfred, Speicherarbeiter. Sektion III: 117 071 1. 10, 06 Siemann, Friz, Hochbahn. 115 398 21. 12. 18 Linke, Friedrich, Hochbahn. 37 531 1. 12. 18 Wagner, Georg, Straßenbahn. 5343 30. 7. 04 Stahr, Georg, Straßenbahn. Seftion IV: 43 870 23. 10. 07 Sante, Paul, Kraftwagenführer. 83 976 1. 11. 11 Schünemann, Erich, Kraftwagenführer. 44 366 6. 7. 10 Schmidt, Max, Kraftwagenführer. Seftion V: 51 673 18. 2. 17 Müller, August, Industriearbeiter. 27 752 11. 7. 13 Bergmann, Erich, Industriearbeiter. 6 248 1. 6. 12 Soltwisch, Heinrich, Industricarbeiter. 48 316 5. 9. 06 Beyersdorf, With., Industriearbeiter. 46 365 25. 8, 10 Marquardt, Wilh.. Industriearbeiter. Seftion VI: 166 214 1. 11. 17 Oestmann, Alfred, Telegr.= Arbeiter. 166 888 1. 1. 14 Will, May, Branche Telegraphenarbeiter. 53 192 15. 11. 09 Weiß, Georg, Postarbeiter. 31 521 1. 6. 11 Serbote, Friß. Silfsschaffner. Sektion VII: 61 914 29. 4. Reube, Carl, Hausreinigerbranche. 138 429 26. 11. 18 Hußner, Lucie, Reinemacherfrauen. 89 390 4. 11. 06, Hellermann, Max, Waschangestellte. 49 244 10. 7. 15 Kluwe, Otto, Privatwächter. Forderungen der Eisenbahner Am Dienstag, den 11. Juli d. Js., abends 6 Uhr, fand in der Bözow- Brauerei eine Mitglieder- Versammlung statt, in welcher zwei Punkte zur Tagesordnung standen, und zwar: 1. Unsere Forderungen zur neuen Lohn- und Gehaltsbewegung und 2. Bericht über den 11, Gewerkschaftsfongreß in Leipzig. Der 1. Bevollmächtigte Veeser schilderte die wirtschaftliche Notlage der Lohn- und Gehaltsempfänger feit der Testen Lohn- und Gehaltsbewegung. An Sand statistischen Materials meist Redner darauf hin, daß die Preise für die notwendigen Lebens- und Bekleidungsmittel seit dem Mord Lohnnachzahlung für Monat Juli im Einzelhandel. Die Handelshilfsarbeiter haben, nachdem der Tarifvertrag für, Monat Juni und Juli abgeschlossen, infolge der enormen Steigerung der Lebensmittelpreise eine außertarifliche Lohnnachforderung von 20 Prozent für den Juli gestellt. Die Einzelhandelsgemeinschaft hat daraufhin den Transportarbeiter Verband zu Sonnabend, dem 15. Juli d. I., mittags 12 1hr, erneut zu Verhandlungen eingeladen. Beitragsregelung der Brauerei: und Mühlenarbeiter. Der Lokalbeitrag wird ab 30. Juli 1922( Beginn der 31. Beitragswoche) einheitlich auf 3 Mt. je Woche festgesetzt. An den LoFalunterstübungen wird nichts geändert. Bis zum Eintritt der Rechtskraft des auf dem Verbandstag 1922 in Dresden beschlossenen Statuts( d. i. Beginn der 3. Beitragswoche) werden gemäß Beschluß des Verbandstages ab 2. Juft 1922 ( Beginn der 27. Beitragswoche 1922) folgende Pflichtbeiträge erhoben: Männliche Mitglieder 16 Mt. Verband, 4 Mt. Lokal insgesamt 20 ME.; weibliche Mitglieder 12 Mt. Verband. 4 Mt. Lokal, insgesamt 16 Mr. Nicht voll Beschäftigte( darunter gehören alle in Stundenlohn beschäftigten Reinemachefrauen), Invalide und Jugendliche Teisten Verbandsbeiträge nach ihrem Verdienst. Nach dem Inkrafttreten des neuen Verbandsstatutes( Beginn der 31. Beitragswoche) werden Verbandsbeiträge nach folgenden Grundsäßen erhoben: Bis 400 Wt. Wochenlohn 6 Mr. Verbandsbeitrag. Bei je 120 Mr. Lohnsteigerung erhöht sich der Verbandsbeitrag um 2 MF. ie Woche bis au einem Wochenlohn von 1600 Mt. Bon 1601 Mr. Wochenlohn wird für je 100 ME. Rohnerhöhung ein unt 2 Mr, erhöhter Verbandsbeitrag erhoben. Entsprechend erhöhen sich auch die Unterstützungsfäße. Parteiveranstaltungen Sonnabend, den 15. Juli. 5. Berwaltungsbezirt, 17. Diftritt. Nachmittag von 2 Uhr ab Sommerfen der USPD. bei Meete, Röderstraße. Zahlreichen Befuch erwartet bie Diftriftsleitung. Sonntag, den 16. Juli. Berwaltungsbezirk( 4. Distrikt, Westen). Alle Parteigenoffen und Eltern, die gewillt sind, am Sonntag die Ferienfinder am Gorin- See au Besuchen, treffen sich morgens 6% 1hr an der Hochbahn Bülowstraße. Ab fabrt pünktlich 7 Uhr nach Stettiner Borortbahnhof. Die Bezirksführer rechnen Sonnabend, von 6-8 Ubr, bei Wienters, Bülowstraße 58, ab. 13. Diftritt. Gemeinsamer Ausflug nach Schulzendorf, Lofal Sommerfufi ( Inh. Weife). Abfahrt 8.06 Gesundbrunnen, Treffpunkt mit Kindern 7 1r in Gefundbrunnen, Straße zum Fernbahnsteig. 18. Diftrift( Kreuzberg). Samilienausflug nach Hirschgarten, Lotal Wil helmshof. Abfahrt 8.50 von der Jannowigbrüde. Nachzügler treffen sic im Lokal. 19. Bezirk. Der Männergesangberein Bufunft M. d. A. B. veranstaltet am Sonntag, den 16. Juli, vormittags 11 Uhr ein Stonzert im Schloßparl Niederschönbaufen. 20. Diftrift. Wer am Tommenden Sonntag, den 16. Juli 1922, einige schöne Stunden im Freien verbringen will, fahre sum Krummenfee be Röngewusterhausen- Schenfendorf. Dort beranſtalten die Genoffen des 20 Diftritts mit der Coz. Prol. Jugend Süd- Ost ein Waldfest. Teilnehmer welche von Königswusterbaufen mit Mufir zum See geben wollen, benuger den Zug 7.50 morgens vom Görlizer Bahnhof. Für ein lustiges Treiber am See ist bestens gforgt. Nieberbarnim- Norb. Arbeitsgebiet Liebenwalder und Groß- Schönebedes Bahnstrecke. In Basdorf öffentliche Bolfsversammlung bei Siebele, abendi 7 Uhr. Bortrag über die politische Lage. Steglik. Aindergruppe. Wanderung Botsdam, Lienewit, Flottstelle Caputh, Potsdam. Bersammlung 7 Uhr Bahnhof Steglit. Vereinskalender Sonnabend, den 15. Juli. Sentralverband der Maschinisten und Seizer, Geschäftsstelle Groß- Berlin Abends 7 Uhr Bezirksversammlung bei Wörliger, Lichtenberg, Gürtelſtr. 38 Abends 7 Uhr Bezirksversammlung bei Aopante, Schöneberg, Gifenache Straße 63. Berantwortlich für bie Redaktion mit Rauch Berlin; für bes Juferatenteil und geschäftliche Witteilungen: Budwig Romeriner Drue Berlin. Berlags- Genoffenfchaft Greiheit", e. G. m. b. S., Berlin. von Gehring& Meimers, G. m. b... Berlin EW. 68, Ritterstraße 75. S MARKE LAMAN Zu jeder Zeit gut und billig Galamander Stiefel XXX Frauen Welt Katholische Geschlechtsethik und Geburten nicht richtig, denn die Beobachtung der von Capellmann rückgang Wenn in der letzten Nummer der Frauen- Welt" in dem Artikel Geburtenrückgang und Religion" die Rede ist von den beweglichen Klagen des verstorbenen katholischen Theologieprofessors Hitze über„ Die schleichende tückische Krankheit", die in dem„ bewußten und freventlich herbeigeführten Geburtenrückgang" liegt, über die Feigheit vor dem Kinde", die ihre Ursache allein in der Abkehr breiter Massen vom Glauben hat, so muß festgestellt werden, daß die katholische Kirche nicht immer so unduldsam gegenüber der Geburtenregelung gewesen ist. Ueberhaupt stellt die Serualethik der fatholischen Kirche durchaus kein starres System dar; im Gegenteil: ihre sittliche Stellung zur sexuellen Frage ist außerordentlich wandlungsfähig und hat sich im Lauf der Jahrhunderte stets den herrschenden Strömungen angepaßt, vorausgesetzt, daß das Wohl der Kirche dabei gefördert wurde. Sie predigte im Mittelalter als höchstes Ideal die geschlechtliche Enthaltsamkeit, die in Klöstern und Orden verwirklicht werden sollte. Sie tam, ganz abgesehen von ihren eigensten Bedürfnissen und Wünschen den Bedürfnissen des Adels entgegen, der damals für seine jüngeren Söhne und Töchter eine Versorgung brauchte, um den Besitz im Erbgang nicht zu zersplittern. Sie fanden diese Versorgung als Ordensritter, Priester, Mönche und Nonnen in mit besonderem Nimbus umgebener Ehelosigkeit. Unter die schützenden Fittiche der Kirche tamen später auch Söhne und Töchter wohlhabender Bürger und Bauern trotz des Verbots legitimer Fortpflanzung. Gefällig duldete die Kirche aber zu gleicher Zeit das jus primae noctis, das Recht des Grundherrn, bei Eingehung einer Ehe seines Leibeigenen die erste Nacht nach der Hochzeit mit der Braut zu ver= bringen. Das war zur Zeit ihrer höchsten Macht, als sie die Seelen unbedingt in ihrer Gewalt hatte. Dyck sagt in seiner Schrift Bevölkerungsprobleme" zusammenfassend über die Folgen der katholischen Segualethit in jener Zeit:„ Im Mittelalter und über das Mittelalter hinaus hat die katholische Kirche durch Verherrlichung der Ehelosigkeit und sexuellen Abstinenz, durch Vermehrung des Besitzes der Toten Hand und Verminderung des freien Grund und Bodens, durch Duldung und Begünstigung der Beraubung freier Bauern und ihre Verwandlung in Hörige, durch die. Cheverbote an Hörige, durch Duldung des jus primae noctis und der sexuellen Ausschreitungen der Grundherren den Frauen ihrer Hörigen gegenüber ideell und mate= riell geburtenhemmend gewirkt. Sie hat die Ehebande selbst damit gelockert, die sie im Dogma für heilig erKlärte." Es vertrug sich auch mit der Sexualethik der katholischen Kirche, wenn sie später gegen die Maitressen= wirtschaft der Fürsten nicht einschritt. In der Neuzeit ist bemerkenswert, daß die politische Interessenvertretung der katholischen Kirche, die Zentrumspartei, sich noch im Jahre 1918 unter Führung Hizes der von den ausgesprochenen Vorschrift hat durchaus alle wesentlichen Merkmale eines Präventivmittels, wenn auch eines unzweckmäßigen und unzuverlässigen." Die Curia Sacra Poenitentaria hatte, wie Dyck feststellt, vor etwa 25 Johren das Mittel ausdrücklich für erlaubt erklärt und damit den Willen zur Unfruchtbarkeit gebilligt. Hatte der gelehrte Professor Hiße diese gravierenden Tatsachen vergessen? Sollte er wirklich keine Ahnung gehabt haben von der Elastizität der Geschlechtsethik seiner Kirche? Schon bei einer mäßigen Rationalisierung der Geburten sah er den„ sittlich nationalen Abstieg klar gezeichnet". Ueber Zweifindersystem, Einkind- und kinderlose Ehe geht es ab= wärts zur freien Liebe" und das Grab der Nation ist geschaufelt." Woher dieser Wandel in der Auffassung gegenüber der Geburtenregelung? Inzwischen sind die Arbeiter den Ermahnungen zur Geversitäten müßte den Medizinern in besonderen Vorlesungen Gelegenheit gegeben werden, sich mit den Ergebnissen der Wissenschaft von der Vererbung bekanntzumachen. Zusammenfassend sagte Genosse Weyl:„ Die Ehezeugnisse sind nur ein kleines negatives Mittel zur Verbesserung der Rasse. Ein positives und zugleich das größte aller Mittel wäre die Schaffung gleicher wirtschaftlicher Bedingungen für alle Volksgenossen, damit tatsächlich dem Tüchtigen die Möglichfeit zum Aufstieg und zur Vermehrung gegeben wird." Die Besprechung der Frage, was von Preußen aus zu geschehen hat, um die Gesundheitszeugnisse vor Eingehung der Ehe zur gesetzgel rischen Tat werden zu lassen, wurde nach einem ausführlich n Referat des Regierungsvertreters Ges heimrat Krohne ve tagt bis nach der Sommerpause des Landtags. burtenbeschränkung und dem Beispiel der Bourgeoisie so ge- Helen- Keller wissenhaft gefolgt, daß angesichts des Geburtenrückganges jetzt wieder der Schrei nach verstärktem Bevölkerungszuwachs ertönt. Die Lücken, die der Krieg gerissen, sollen, um einen fommenden Rachekrieg führen zu können, so schnell wie möglich wieder aufgefüllt werden. Und entgegenkommend wie immer, schwenkt die katholische Kirche ein. Eine ihrer Leuchten, der Jesuitenpater Muckermann, dessen Name schon ein Programm, ist, reist in ganz Deutschland umher und predigt überall das Evangelium vom gottgewollten Kinde in der naturtreuen Familie. Die katholische Presse treibt Geburtenvermehrungspropaganda. Volksmissionen werden zahlreich ab= gehalten, in denen den Eheleuten das Gewissen geschärft wird, und Missionsfinder nennt man die infolge= dessen erzeugten Kinder. Im übrigen kontrolliert die fatholische Kirche die Eheleute ganz ungeniert durch den Beichtstuhl. Allein das Bemühen der Kirche scheitert heute im allgemeinen doch an den wirtschaftlchen Verhältnissen, an der herrschenden Teuerung, an Wohnungsnot, an Kleidungs- und Wärmemangel. Auch in fatholischen Gegenden nimmt die Geburtenzahl ab, und auch hier benutzen die Frauen jetzt andere, gefährlichere, aber mehr Sicherheit versprechende Methoden als die Capellmannsche. Noch nie waren die Vorbedingungen zur Aufzucht von Kindern so ungünstig wiejezt. Das muß den 3eugungswillen und die Gebärfreudigkeit gerade der gewissenhaften Eltern lähmen. Erst wenn Staat und Gesellschaft die Hemmungen wirtschaftlicher und sozialer Natur beseitigen können, die gegenwärtig feine reine Freude am Kinderreichtum aufkommen, die ihm vielmehr zum Fluch Tausender armer Glern werden lassen, erst wenn das Volk seinem Nachwuchs ein Leben bereiten kann, das lebenswert ist, dann erst wird der heute unter schmerzlichen Konflikten unterdrückte Wille zm in de wieder allgemein geweckt und gestärkt werden.... Marie Kunert. Eine blinde und tanbstumme Frauenrechtlerin. Die Frauenbewegung, das Eintreten kluger und tatfräftiger Männer und Frauen für die Befreiung der Frauen aus schimpflichen und schmählichen Fesseln ist verhältnismäßig noch jungen Datums. Wenn auch die Republik in Deutschland den Frauen endlich das aktive und passive Wahlrecht beschert hat, bleibt doch noch bei uns viel auf diesem Feld zu schaffen übrig, und wir alle wissen ja zur Genüge, daß es in Preußen noch heute eine große Anzahl lieber Zeitgenossen gibt, denen es höchst lästig ist, daß die Frauen ein wenig mehr Bewegungs- und Ellbogenfreiheit erhalten haben. In der Reihe der Unitarinnen für die Frauenbewegung, die alle diese Dinge nicht mit bürgerlicher Beschränktheit, sondern von großen und wahrhaft freiheitlichen Gesichtspunkten betrachtet haben, muß vor allem die Amerikanerin Helen Keller genannt werden. In Büchern und Schriften mit einer glänzenden und von warmer Gläubigkeit durchstrahlten Sprache ist sie namentlich für eine Besserung des traurigen Lebens und Loses der Fabrikarbeiterinnen eingetreten und hat mit ihrer Propa ganda nicht tauben Ohren gepredigt. Helen Keller ist aber auch merkwürdig genug durch den Umstand, daß diese Frauenrechtlerin blind und taub= st um mist. Trotzdem das Schicksal sie so hart geschlagen, hat sie sich zu einer herrlichen Menschenblüte entwickelt, und alle Mütter unter unseren Leserinnen wird es gewiß interessieren, näheres über den Bildungsgang dies armen Mädchens zu erfahren. Die beste Auskunft darüber gibt: Helen Keller selbst in ihrer Lebensgeschichte, die unwahrscheinlich wie ein Märchen anmutet. Sie wurde ant 27. Juni 1880 in Buscambia im Staate Alabama in NordAmerika geboren. Mit neunzehn Monaten erfitt sie einen Anfall von Hirnhautentzündung, durch den sie blind, taub und stumm blieb. Mit sieben Jahren erhielt sie eine Rehrerin, Miß Sullivan, die sich mit unermüdlicher Geduld und Unabhängigen beantragten Aufhebung der Bor Gesundheitszeugnisse vor der Eheschließung lieve mit dem Kinde beschäftigte und schließlich die überdelle, der Kasernierung der Prostituier= ten sowie der Toleranzstraßen widersetzte. Dabei bilden die Bordelle den stärksten Anreiz zum außerehelichen Geschlechtsverkehr, der nicht nur unfruchtbar zu sein pflegt, sondern auch die Hauptquelle der Verseuchung des Volkes mit Geschlechtskrankheiten ist, die wieder geburten= mindernd wirken. Was die Frage der Fruchtabtreibung anlangt, so war lange die Auffassung des kanonischen Rechtes maßgebend, das die Rechtsanschauung der fatholischen Kirche wider spiegelt. Dieses kanonische Recht unterschied zwischen der unbeseelten Frucht in den ersten Monaten der Schwangerschaft und der beseelten Frucht im späteren Stadium. Die Vernichtung der unbeseelten Frucht wurde geduldet, die der beseelten als Mord verurteilt. Als Ende des 16. Jahrhunderts ein Papst den Unterschied zwischen beseelter und unbeseelter Frucht aufhob, erkannte ihn sein Nachfolger wieder an mit der Begründung, die Kirche dürfe denen, die an ihr Herz zurück wollten, den Weg nicht allzu schwer machen. Es ist noch nicht allzu lange her, daß die Kirche diese Theorie aufgab und die Frucht vom Moment der Zeugung ab für beseelt erflärte. Damit wurde für sie die Fruchtabtreibung zu einem verabscheuenswürdigen Verbrechen. Davon abgesehen, hatte die katholische Kirche es in der Neuzeit zunächst für richtig gehalten, gegenüber der in Aufnahme kommenden Geburtenbeschränkung durch Empfängnis verhütung duldsam duldsam zu sein. Der Bischof Bouvier von le Mons hatte, als er 1842 den Papst Gregor XIV. hierüber interpellierte, die Besorgnis ausgesprochen, die Beichtkinder könnten dem Beichtstuhl fernbleiben, wenn die Empfängnisverhütung als Todsünde behandelt werde. Die Kirche hielt es also für geraten, bestimmte Maßnahmen zur Abwehr allzu großen Kindersegens unbeachtet zu lassen. Der aufstrebenden Arbeiterklasse, die ihre Forderungen auf ein menschenwürdiges Dasein aumeldete und in wirtschaftlichen Kämpfen verfocht, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den bürgerlichen National ökonomen immer wieder versichert, ihr allzu großer Kinderreichtum sei die wahre Ursache ihres Elends. Prompt kam die katholische Kirche dem Bedürfnis großer Schichten nach Regelung der Kinderzahl noch weiter entgegen, indem sie ausdrücklich erlaubte, ein bestimmtes Mittel dazu in Anwendung zu bringen. Schon 1885 empfahl der Jesuit 2. Lehmkuhl in seiner Theologia moralis„ Eheleuten, die eine zahlreiche Nachkommenschaft befürchten", dasselbe Verfahren, das 1896 des Pastoralmediziner G. Capellmann ( E. Capellmann, fakultative Sterilität ohne Verletzung der Sittengejeße) eingehend erläuterte. Lehmkuhl und Capellmann raten, die dem Beginn der Menstruation folgenden beiden Wochen und die letzten drei oder vier Tage vor Einjetzen der Periode die Beiwohnung zu unterlassen. Grotlahn, Forel und andere namhafte Aerzte halten das Mittel nicht für absolut sicher, aber doch für geeignet, wenn es Eingang in breite Schichten findet, die Geburtenzahl des Volkes tark zu beschränken. Grotjahn fragt mit Recht, wie gerade von einer Seite, die sonst jedes andere empfängnisverhütende Mittel verwirft, diese Methode empfohlen werden kann. Daß die katholische Kirche die Präventiv nittel von Grund aus verwirft, ist also Einer Anregung der USP. im Preußischen Landtag folgend, hat das Ministerium für Volkswohlfahrt eine Dentschrift über die Forderung von Gesundheitszeugnissen vor der Eheschließung ausgearbeitet. Die Einbuße von Millionen wertvoller Menschen im besten Mannesalter durch die ungeheuren Blutopfer des Krieges, die allgemeine Verschlechterung der Volksgesundheit infolge jahrelanger Untersuchung, insbesondere die Zunahme von Tuberkulose, Alkoholismus und Geschlechtskrankheiten im Gefolge des Krieges legen dem Staate die zwingende Verpflichtung auf, alle Mittel anzuwenden, die einer Degeneration entgegenzuwirken imstande sind. 3weifellos vermögen auch Gesundheitszeugnisse vor Eingehen der Ehe hier Ersprießliches zu leisten. Die meisten Menschen gehen insofern recht leichtfertig in die Ehe, als alle möglichen äußeren Umstände, Stellung, Vermögen. Familie usw. gewöhnlich sehr sorgfältig vorher erwogen werden, während man sich sowohl um die eigene wie um die Gesundheit des Ehepartners nicht so zu kümmern pflegt, wie es die Verantwortung gegenüber der Nachkommenschaft erfor= dert. Das Unglück, das über die Eheleute und Kind- und Kindeskinder heraufbeschworen werden kann, wenn Krankheiten direkt übertragen oder franfhafte Anlagen vererbt werden, ist größer, als man gemeinhin ahnt. Auch für die Gesamtheit kann die Vermehrung erblich belasteter Menschen feine gleichgültige Sache sein. Zwingt der Staat alle Ehebewerber, vor der Heirat Ehezeugnisse auszutauschen, dann wird das Gewissen des einzelnen geschärft, und in Verbindung mit weitgehender Aufklärung des Volkes über die Bedeutung der Erzeugung einer gesunden Nachkommenschaft ist sehr wohl eine ersiehliche Einwirkung zu erwarten, durch die allgemein das Verantwortungsgefühl geweckt wird. Viele in gesundheitlicher Hinsicht nicht einwandfreie Ghen würden dann nicht mehr geschlossen oder auf einen späteren Zeitraum verschoben werden, wenn Bedenken nicht mehr vorliegen. Eine große Anzahl Minderwertiger. 3. B. mit Erbsyphilis Behafteter, Geisteskranker, Epileptiker, Schwachsinniger würde dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geboren werden. Damit verbessert sich die Qualität des übrigen Nachwuchses. Aerztliche Eheberater sollen berufen werden, um auf Grund ihrer Untersuchung das Beugnis auszustellen, das keine Einzelheiten über den Befund bringen, sondern nur mitteilen soll, daß Bedenken gegen die Eheschließung nicht bestehen, oder daß sie zurzeit aus gesundheitlichen Gründen widerraten werden muß. Das sind in aller Kürze die Nichtlinien der Denkschrift, die eine sehr fleißige und wohldurchdachte Arbeit darstellt. Der bevölkerungspolitische Ausschuß des Landtags beschäftigte sich am 23. Juni mit dieser Denkschrift. Es wurden von verschiedenen Parteien Einwände gegen die Kompetenz Preußens erhoben, in einer so wichtigen Sache selbständig vorzugehen. Insbesondere die Deutsche Volfspartei wünschte feine Inangriffnahme der Frage durch Preußen. Man möge ein Reichsgesetz abwarten. Demgegenüber betonte Gen. Dr. Wenl, daß Preußen zum mindesten einen Druck auf das Reich ausüben müsse, damit im Sinne der Denkschrift schleunigst etwas geschehe. Die Aufgabe, Belehrung über die Bedeutung der Gesundheit für die Ehe zu verbreiten, wies er der Presse, den Schulen und den Fortbildungsschulen zu. An den Uniraschendsten Erfolge erzielte. Sie begann damit, dem Kind ein paar Worte auf die Handfläche zu buchstabieren, und nach etwa vier Wochen konnte Hellen Keller achtzehn Hauptwörter und drei Zeitwörter auf ihrer Hand buchstabieren, ohne freilich zu wissen, was sie bedeuteten. Da ließ die Lehrerin eines Tages das Kind einen Krug unter die Pumpe halten, und als das kalte Wasser dem Kind über die Hand lief, buchstabierte die Lehrerin das Wort Wasser in die Hand der fleinen Helen. Wie eine Erleuchtung kam es über sie, denn sie wußte jetzt, was Wasser war. Es ist rührend, in der Lebensgeschichte die Freude von Helen Keller über diese Entdeckung zu lesen. Sie wollte durchaus ihren Hund lehren, indem sie ihm das Wort Wasser auf die Pfoten buchstabierte. Jetzt erwachte auch der Wissensdurst der Schülerin ganz ungeheuer. Alle Gegenstände betastete sie, wollte wissen, wie sie heißen, und stellte tausend Fragen über das Aussehen der Sonne, der Erde, der Vögel und der Pflanzen. Aber noch war der Weg weit zum Erfolg, noch mußten unendliche Schwierigkeiten überwunden werden. Die Lehrerin versuchte nun ihrer Schülerin das Sprechen beizubringen. Auch das gelang, wenn auch natürlich Helen Keller niemals fließend sprechen gelernt hat. Jedenfalls aber fonnte sie bald eine Anzahl von Worten deutlich aussprechen, und ihre Freude darüber war ungeheuer groß. Helen Keller selbst schreibt darüber:„ Ich werde niemals die Ueberraschung und Freude vergessen, die ich empfand, als ich meinen ersten Satz: Es ist warm! aussprach. Gewiß, es waren gebrochene, stammelnde Silben, aber es war menschliche Sprache. Meine Seele, neuer Stärfe sich bewußt, fam hervor aus der Knechtschaft. Nur, wer es aus Erfahrung kennt, kann den Eifer begreifen, mit dem ich mit meinen Spielsachen sprach, oder die Freude, die ich empfand, wenn auf meinen Ruf meine Schwester zu mir gelaufen kam oder mein Hund meiner Stimme gehorchte. Meine Arbeit war Uebung, lebung, Uebung. Entmutigung und Müdigkeit warfen mich häufig wieder, aber im nächsten Augenblick spornte mich der Gedanke an, daß ich bald meinen Lieben zeigen würde, was ich vollbracht, daß meine Schwester mich verstehen wird." Ein paar Jahre später, und Helen Keller ist so meit fort. geschritten, daß sie eine öffentliche Schule besuchen und darauf die Universität beziehen kann, wo sie einen akademischen Grad erlangt. Sie verblüfft Professoren und Studenten durch ihre Kenntnis lateinischer, griechischer ,. französischer, englischer und deutscher Schriftsteller; sie liebt Dichtkunst und Geschichte leidenschaftlich und schreibt den reinsten englischen Stil. Viele Jahre wie im Kerfer lebend und noch immer gewissermaßen in der Dunkelzelle figend, hat sich Helen Keller mit besonderer Liebe und mit besonderem Verständnis ihrer Mitschwestern angenommen, die unter den harten Fesseln einer ungerechten gesellschaftlichen Ordnung schmachten und durch die Ausbeutung und Schikane der Kapitalisten wie in cinem trostlosen Gefängnis gehalten werden. Baul Padan,