Einzelpreis 3.- Mk. Die Freiheit" erscheint täglich einmal als Morgenausgabe und Montags als Aberdausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freie Belt" Frauen- Welt" und" Der Jugend- Genosse". Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für den Mona Juli 48,- M., im voraus zahlbar. Bestellungen nehmen fämtliche Poftanstalten ent. gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Tanzig, das Saarund Memelgebiet fomic die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luxemburg 88,-., für das übrige Ausland 116,- M. Betl, u. Erp. Berlin NW. 40, Kronprinzenufer 27 I. Tel. Moabit 2021. Dienstag, den 18. Juli 1922 5. Jahrg, Nummer 274 Die zwölfgefbaltene Nonpareillezeile oder deren Raum loftet 25,-., einschließlich Inseratensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgebrudte Bor 4, M., fedes weitere Wort 3,- M. einschließlich Inseratenftener Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuchy 16. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fett gebrudte Wort 3, M., jebes weitere Wort 2,- M. Redaktion: Fernsprecher Mpl. 4167, 4391, u. 159 97. Berlin SW. 68, Rifferstr. 75, IIL greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Die deutschnationale Mörderpartei Zu den aufsehenerregenden Enthüllungen des früheren Mitgliedes Claus der Fasziste norganisation Consul" wird uns mitgeteilt, daß die darin der Begünstigung und Unterstützung dieser Organisation beschuldigten deutschnationalen Führer von Gallwitz, Reichstagsabgeordneter, Major von Henning, Reichstagsabgeordneter, von Knigge, Ehrenvorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei des Kreises Westpreußen und Hermann Fredersdorf, preußischer Landtagsabge= ordneter bereits bei der polizeilichen Vernehmung die von Claus gemachten Angaben als richtig zugegeben haben. Wir sind heute in der Lage, weitere Enthüllungen zu veröffentlichen, die nur den Ruf der Deutschnationalen als Mörderpartei noch mehr bekräftigen. Mit der Bitte um Veröffentlichung erhalten wir von demselben Claus folgende Mitteilungen: .Da der Deutschnationalen Volkspartei meine bisher veröffentlichten Namen scheinbar noch nicht genügen, so vin ich bereit, weitere Namen zu nennen. td stvar werde ich Ihnen einen Kleinen Beitrag liefern zu dem Rapitel: Gibt es in Deutschland Richter, welche Leute, die wegen politischer Delikte von der Staatsanwaltschaft gesucht werben, mit Geld unterstützen?" Einer dieser Herren ist der republikanische Landrichter z. D. Arumrey, Spandau, Strefowplay 16a. Jah meldete mich bei dem Geschäftsführer der Deutschnationalen Boltspartei, Oberst von Ruffad, Spandau, Am Damm 2, bem ich mich als Mitglied der Organisation C borstellte und legitimierte. Jch frug wegen Unterstützung an, habe auch gleichzeitig bekanntgegeben, daß ich von der Staatsanwaltschaft gesucht werde. Darauf erhielt ich die Antwort: " Ich, Oberst Lussac, bin doch kein Helfer der Polizei, daß ich Parteigenossen ausliefere." Da Oberst bon Russad nicht über größere Geldmittel ber fügen konnte, sondern bazu die Einwilligung des Vorsitzenden gebrauchte Landrichter Krumrey( derselbe war jedoch an diesem Tage nicht in Spandau), so gab mir Oberst Aussad einen Brief und einen fleinen Betrag für diesen Tag. Ich habe an diesem Zag in der Herberge zur Heimat" in Spandau geschlafen. Am anderen Morgen meldete ich mich mit dem bon Oberst Sussad übergebenen Briese bei dem Vorfitenden der Deutschnationalen Volkspartei, Landrichter Krumrey, gab den Brief ab, mußte mich auch hier wieder legitimieren, und erhielt von ihm Geld ausgezahlt. ben Wenn es wirklich an dem ist, wie von dem Vorsitzen. ber Deutschnationalen Volkspartei, Staatsminister a. D. Hergt, behauptet wird, seine Bartei habe mit Verbrechern nichts zu tun, warum tat Herr Oberst von Kussad nicht seine Pflicht und meldete mich der Bolizei, da er doch wußte, wo ich mich an jenem Tag aufhielt, und daß ich in der„ Herberge zur Heimat" schlief. Ebenso Herr Landrichter Krumrey, der doch an jenem Tage gerade auf dem Wege zu feiner Amtsstelle war. Erwähnen will ich noch, daß Herr Landrichter Arumreh mir wörtlich sagte: Wir müssen uns jetzt in acht nehmen, denn es kommen bei uns Leute, die nicht mehr in ber Bewegung stehen, und dadurch müssen diejenigen, die flüchtig find und wirkich in Not, darunter leiden." Diese meine Angaben werde ich jederzeit bei einer Gegenüber ftellung mit den obenerwähnten Herren vor einem unparteiischen Gericht wiederholen. Inwieweit der alte Adel sich an der Unterstützung politischer Flüchtlinge beteiligt, dazu werden folgende Beilen zur Jn formation beitragen. Von dem Vorfizenden der Deutschnationalen Volkspartei in Regenwalde( Pommern) wurde ich mit einer Karte zu den Generalsekretär der Partei, Herrn Major a. D. Schreiber, Stargard( Bommern), geschidt. Derselbe ist zugleich Bribatsekretär des Grafen von Borte, Stargord Major Schreiber gab mir einen Brief und meldete mich bei dem Grafen von Borke telephonisch an. Un demselben Tage wurde mir von dem Grafen von Borke Duartier angeboten. Am andern Morgen erhielt ich von dem Grafen eine größere Summe persönlich ausgezahlt. Auch diese meine Angaben halte ich bollkommen aufrecht und berantworte dieselben vor Gericht. Felix Claus, Beiß, ehemaliges Mitglied der Organisation C. Nr. 341. Soweit der Brief. Er spricht genug für sich, so daß wir nichts weiter hinzufügen wollen, als die Erwartung, daß die Behövden endlich in die Verschwörernester fester hineingreifen werden, als das bisher geschehen ist. Militärische Geheimbündelei der Breslauer Studentenschaft Die Auflösung des Hochschulringes deutscher Art Die Pressestelle des Oberpräsidiums Breslau macht über, die Gründe zur Auflösung des Hochschulringes deutscher Art an der Breslauer Universität folgende interessante Mitteilungen: Die Auflösung des Hochschulringes deutscher Art an der Breslauer Universität ist erfolgt, weil er zur Teilnahme an einer militärischen Geheimorganisation aufgefor: dert hat. Die Ermittlungen haben ergeben, daß im Glazer Bergland vom Herbst v. J. bis zum Sommer d. J. wiederholt militärische Uebungen einer Organisation stattgefunden haben, deren Zeitung in den Händen der Studenten Heinrich und Dietrich von Zedlig und Neukirch lag. Als weitere Führer haben die Studenten Friedrich und Ulrich Koppe, Bernhardt, Herzog, Nixdorf und Kusche an den Uebungen Die Genannten befinden sich sämtlich in teilgenommen. Untersuchungshaft. Gegen den Polizeihauptmann v. Steinaecker, der an der letzten Uebung im Juni d. J. a 13 militärischer Instrukteur teilgenommen hat, ist die sofortige Einleitung des Disziplinarverfahrens veranlaßt worden; er befindet sich gleichfalls in Haft. Die Beamtenzahl der Teilnehmer an den Uebungen betrug etwa 70. Ihre Namen sind durchweg bekannt. Die bisherigen Vernehmungen haben ergeben, daß fie zur Teilnahme an der Geheimorganisation, die sich aus Studenten, Gymnafiaften, Lehrern, darunter Mitglieder des Deutsch- völkischen Schuh- und Trug bundes und der früheren Arbeitsgemeinschaft Roßbach zusammensetzte, vom Hochschulring deutscher Art aufgefordert worden sind. Der verhaftete Student Rusche hat zugegeben, daß der Das aufgefundene Surjus vom Hochschulring ausging. Material zeigt, daß die Organisation streng militärisch gegliedert war. Die Teilnehmer zerfielen in Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, der genau eingeteilte Dienst umfaßte Egerzieren, 3ielübungen, Gefechtsdienst, Gewehrreinigen usw. Scharf geschoffen wurde mit Gewehren und Maschinen. usw. Scharf geschoffen wurde mit' Gewehren und Maschinen» gewehren. Die Herkunft der Waffen und Munition ist noch gewehren. Die Herkunft der Waffen und Munition ist noch nicht einwandfrei festgestellt. Die Behauptung einiger Verhafteten, daß sie die Waffen zufällig" gefunden Verhafteten, daß sie die Waffen zufällig" gefunden hätten, wird dadurch widerlegt, daß nach den getroffenen Feststellungen die Maschinengewehre und Patronen zusammen mit Lebensmitteln. Decken und Stroh auf einem von Studenten begleiteten Leiterwagen zur Serbenbaude gefahren und dort abgeladen wurden. Die Behauptung innerpolitischer Harmlosigkeit des gesamten Unternehmens wird bereits dadurch widerlegt, daß es, ganz gleich, welches seine Ziele waren, Geheimbündelei darstellt und damit unter den§ 128 StrGB. fällt. Sie wird weiter aufs schwerste dadurch erschüttert, daß die eigentlichen Führer die Bril der Koppe und Kusche Mitglieder der Organisation„ C“ find. Ihr angebliches Ausscheiden aus der Organisation& im letzten Winter stellt sich als Vorspiegelung falscher Tats sachen dar, da nach den Satzungen die Ausgetretenen weiter den Bestimmungen der Organisation unterworfen sind und als Verräter der Geme" verfallen. Auf den weist auch der bis in die jüngste Zeit sich erstreckende Briefnoch bestehenden Zusammenhang mit der Organisation& wechsel mit Angehörigen der Organisation G in anderen Landesteilen hin. Diese Umstände lassen keinen Zweifel daran, welchen Zielen die militärische Ausbildung und die Zusammenfassung der Mitglieder dienstbar gemacht werden sollte. Darauf deutet auch die von außen koma mende Finanzierung des Unternehmens hin, dessen Geldgeber noch nicht ermittelt werden konnte. Die Bevollmächtigtenwahl im Metallarbeiterverband Ziska gewählt. Unter leider sehr schwacher Beteiligung wurden gestern die Wahlen des Bevollmächtigten des Metallarbeitervei bandes beendet. Nur wenig über ein Drittel der zur Bere liner Ortsverwaltung gehörenden Berbandsmitglieder hat an der Wahl teilgenommen. Bis gestern abend 10% Uhi waren 30 598 Stimmen für 3ista( USPD.) und 25717 Stimmen für Walcher( KPD.) gezählt. Es standen nur noch unwesentliche Wahlresultate aus. An dem Endresultat konnten sie nichts mehr ändern. Deutschlands Aussprechen was iſt! eSchutz der Republik! Unter dieser Losung stand die deutsche Politik seit dem Morde au Rathenau. Das Proletariat ist dafür mit mächtigen Kundgebungen auf den Plan getreten. Die drei sozialistischen Arbeiterparteien und die freigewerkschaftlichen Organisas tionen der Arbeiter und Angestellten haben gemeins same Forderungen zum Schuße der Republik an gierung und Reichstag gestellt. Die Reichsregierung. hat nach Erlaß zweier Ausnahmeverordnungen ein Gesetz zum Schuße der Republik, ein Amnestiegeses, ein Beamten- Disziplinargesetz und ein Reichskriminalgesetz an den Reichsrat und schließlich an den Reichs= tag gebracht. Heute werden alle diese Geseze im Reichstag in dritter Lesung verabschiedet werden. Sie bleiben weit zurück hinter den gemeinsamen Forderungen der Arbeiterorganisationen. Trotzdem haben die beibc= den sozialdemokratischen Reichstagsfraktionen schlossen, ihnen zuzustimmen, wenn es gelingt- besonders beim Gesetz zum Schutz der Republik-, gegenüber der zweiten Lesung noch bestimmte Berbesserungen durchzusetzen. Der mangelhafte Inhalt dieser Gesetze zeigt klar die Grenze, bis zu welcher die bürgerlichen Mittelparteien für den Schutz der Republik einzutreten bereit sind und damit zugleich auch die Grenze für den parlamentarischen Einfluß des Proletariats bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Reichstages. Die rechtssozialistische Reichstagsfraktion hatte i der durch den Mord an Rathenau geschaffenen politischen Ausnahmesituation unsere Fraktion aufgefordert, mit in die Reichsregierung einzutreten, um die Erefutive zum Schuße der Republik und zur Wahrung der proletarischen Interessen mit in die Hand zit nehmen. Unsere Partei hatte sich bereit erklärt, darüber zu verhandeln. Die rechtssozialistische Frattion hatte uns erklärt, daß diesmal die früher bei Zentrum und Demokraten gegen unseren Eintritt in die Reichsregierung hervorgetretenen Schwierigkeiten zu überwinden seien. Als aber die Probe aufs Erempel gemacht wurde, stellte sich diese Erwartung der Rechtssozialisten als ein Irrtum heraus, Zentrum und Demokraten weigerten sich, wie wir es stets und auch diesmal vorausgesagt haben, die Regierungskoalition durch unseren Eintritt nach links zu erweitern. Sie fürchteten die quantitative und qualitative Stärkung des sozialistischen Einflusses in der Regierung. Um ihn zu paralisieren, forderten sie den gleichzeitigen Eintritt der Deutschen Volkspartei, das heißt einer monarchistischen Partei, in die Reichsregierung in einer politischen Situation, in der der Schuß der Republik die Hauptaufgabe dieser Regierung sein muß. Eine Forderung, die natürlich völlig undistutabel war. Die Rechtssozialisten glaubten nunmehr, die bürgerlichen Parteten doch noch dazu bringen zu können, unserem Eintritt in die Regierung zuzustimmen durch die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der beiden sozialistischen Fraktionen, die sich praktisch bereits durch die enge Zufammenarbeit der letzten Tage ergeben hatte. Unsere Fraktion stimmte aus letterer Erwägung zu. Und wieder ergab sich, daß die rechtssozialistische Fraktion sich auch diesmal geirrt hatte. Die bürgerlichen Mittelparteien antworteten mit dem Gegenſchachzug einer bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft von den Demokraten über das Zentrum bis zur Deutschen Volkspartei. Der aufgetauchte Gedanke, durch völlige Ver schmelzung der beiden sozialistischen Reichstagsfraktionen die bürgerlichen Mittelparteien doch noch zur Regierungserweiterung nach links durch unseren Eintritt zu zwingen, wurde von unserer Reichstagsfraktion einmütig verworfen. Eine Fraktionsverschmelzung fann nur die Folge einer organisatorischen Parteiverschmelzung sein. Zudem hätte durch eine solche Fraktionsverschmelzung auch fein absoluter Zwang ausgeübt werden können, weil Zentrum und Demokraten mit Berufung auf das Fortbestehen der beiden selbständigen sozialistischen Parteien die Homogenität einer Ihr folchen Fraktion bestritten haben würden. affenintereffe läßt eben feine einseitige Erweiterung der Reichs= regierung nach links zu. Der Versuch der Rechtssozialisten, durch Hinzuziehung unserer Partei zur Reichsregierung den proletarischen Einfluß auf die Exekutive zu stärken hat sich jetzt durch das Erempel als völlig unmöglich erwiesen. Wir haben von vornherein nichts anderes erwartet und hoffen, daß jetzt auch die rechtssozialistischen Arbeiter flar erkennen werden, wie recht wir mit unseren immer wiederholten Versicherungen hatten, daß die Klaffenaeaensäze, nicht irgendwelche„ doktri näre Verranntheit" der USPD. einen solchen Schritt nicht zulassen. Unsere Partei hat in der Ausnahmefituation jedenfalls bewiesen, daß sie die Gemeinsamkeit und Einheitlichkeit der sozialistisch- proletarischen Aktion über alles stellt. Das sozialistische Gesamtproletariat darf sich nicht wieder auseinander manöverieren lassen. Es muß im Gegenteil aus den Ereignissen der letzten Tage die Lehre ziehen, daß es die jetzige Kampfgemeinschaft zu einer dauernden machen muß und die organisatorischen und programmatischen Voraussetzungen dafür in nächster Zeit zu schaffen hat, damit der kommende Herbst beim Wiederzusammentritt des Reichstags bereits eine feste sozialistische Klassentampfgemein schaft vorfindet, die parlamentarisch und außer parlamentarisch als Einheit auftritt und den ge= schlossenen Massendruck des ganzen sozialistischen deutschen Proletariats hinter ihre Forderungen zu setzen vermag. Ein merkwürdiges Doppelspiel Wir lesen in der gestrigen Abendausgabe des Berli. ner Tageblattes" auf der ersten Seite folgendes: Die Deutsche Volkspartei bestritt anfänglich ihre ganze Agitation von der monarchistischen Idee und von dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Und jetzt? Nach drei Jahren hat sie nach und nach einsehen gelernt, daß sie damit nicht weiterfommt. daß es für einen Politiker auf die Dauer unmöglich und uns erträglich ist, an starren Dogmen einer überlebten Vergangenheit festzuhalten, wenn das flutende Leben längst darüber hinweggegangen ist. Die Deutsche Volkspartei ist willens, Hand in Hand brüderlich mit der Sozialdemokratie zusammen zu arbeiten. wie fie es heute schon in Preußen und in anderen Ländern tut, und hat erst in diesen Tagen kategorisch. durch ihre höchste Parteiinstanz, erklären laffen, daß der Wiederaufbau Deutschlands auf unabsehbare Zeit nur auf republikanischer Grundlage möglich ist. Dagegen war auf der dritten Seite derselben Ausgabe des Tageblattes wie folgt zu lesen: In Pommern wird durch die Rechtspreffe sowie durch riesengroße Plakate. namentlich an allen Anschlagsäulen Stettins, ein Aufruf verbreitet, der zu einer„ vaterländischen Einheitsfront" gegen die Sozialdemokratie aufruft und insbesondere ausführt: „ Der an dem Reichsminister Rathenau verübte Meuchelmord, der von allen anständigen Menschen verurteilt wird, hat folgen schwerster Art gezeitigt. Unter dem geheuchelten Vorwand, die Republik zu schüßen, wird die unselige Tat ausgeschlachtet, um weiteste Kreise unse= res Volkes politisch zu entrechten, die nichts anderes getan haben, als ihrer Ueberzeugung gemäß die ihnen verfassungsgemäß auftehenden Rechte zu vertreten. Es ist nicht wahr: Es geht nicht um Monarchie oder Republik. Es geht um Verfaffung oder bolichewistische Tyrannei. Soll das deutsche Volk untergehen in dem Blutfumpf bolichewistischer Diktatur oder soll es, aufwärts schreiten zu freier verfassungsmäßiger Entwicklung? Arbeiter, Angestellte, Beamte, Bauern und Bürger! Euch alle rufen wir auf, die Ihr des Vaterlandes Wohl höher stellt als parteipolitische Verblendung, tretet in eine Reihe au einem festen Schußwall der verfassungsmäßigen Rechte! Wir wollen und werden uns nicht entrechten und knechten lassen, Ihr seid stärker als Ihr glaubt, wenn Ihr einig seid." Dieser Aufruf ist von all den bekannten rechtsradikalen and deutschnationalen Organisationen unterschrieben. Unterzeichnet hat endlich, und das ist besonders bemerkens: wert, die Deutsche Bolkspartei. Diefélbe Partei alio, die im preußischen Landtag die Schußgefeße für die Republik angenommen, weitgehende Anträge für die Republikanisierung der Verwaltuna und Justiz nicht nur afzeptiert, sondern selbst gestellt hat, die im Reichstag an diesen Schußgesehen mitarbeitet und sich zum Eintritt in eine Arbeitsgemeins schaft mit den revublikanischen bürgerlichen Parteien anschickt, diese Partei bekämpft in Pommern die Gefeße und Maßregeln Arm in Arm nicht nur mit Sundezüchtern und Zigarrenhändlern, sondern auch mit den sämtlichen monarchistischen Organisationen, fogar mit denen, die wegen ihrer antirepublikanischen Seke verboten worden sind. Das ist ein standalöies Doppelspiel. deffen sofortige Aufklärung verlangt werden muß." zwet andere Fälle zu berichten weiß, nach denen in Düsseldorf| herigen Zustand bewenden lassen, bei dem fie zwar nicht das Büro der Verbindungsstelle der Heeresfriedenskommis- formell aber doch tatsächlich oft genug eine Arbeitsgemeins fton„ aufs schwerste belästigt" wurde und in Kassel ein Reichs- fchaft gebildet haben. wehr- Gefreiter blutiggeschlagen wurde. Wenn die nationalianders auszugehen. Nichtsdestoweniger wird ieder mit uns stischen Heldensöhne sich an die Arbeit" machen, pflegt es bedauern, wenn Unschuldige für die Taten anderer von in Erregung geratenen Leuten auch nur in Ungelegenheiten ge= jetzt werden. Wulle's Mordhezze Die deutschnationalen Mordheter suchen immer neue Opfer, auf die sie ihre katilinarischen Bravos mit Revolver, Gift und Totschläger dressieren. Wer im bürgerlichen Lager gegen ihr Treiben zu opponieren wagt, wird von ihnen strupellos auf die Liste der Opfer gesezt. Sogar der Führer diesem Los verfallen. Wulle denunziert ihn wegen seiner der Deutschen Volkspartei ,, Dr. Stresemann, ist nunmehr legten Reichstagsrede frisch drauf los den deutschnationalen Mordbündlern als verruchten Schädling am deutschen Volks körper", der das deutsche Volk der Entente ausliefert und dessen Beseitigung ein nationales Verdienst sei. In seiner Wochenübersicht vom Sonnabend, den 15. Juli, schreibt dieser deutschvölkische Mordheter wörtlich: „ Nachdem Herr Stresemann es durchgedrückt hat, daß feine Partei die Erklärung abgab, der Wiederaufbau Deutschlands sei nur auf dem Boden der( heutigen) republikanischen Staatsform denkbar, hat er sich und seine Partei end= gültig aus der Reihe der Rechtsparteien gelöst. Diese Klärung ist wie jede Klärung außerordentlich begrüßenswert, wozu ja noch der in diesem Augenblick besonders unerhörte Vorstoß Stresemanns gegen die Völtischen kommt, der ihm nicht vergessen bleiben wird. Man flammerte sich an das Wort, daß die Politik die Kunst des Möglichen set, und so ist es möglich geworden, daß heute Herr Adolf Hoffmann und Herr Stresemann in einer Reihe stehen. Wir beglückwünschen beide zu dieser Errungenschaft. In Wirklichkeit haben die in der heutigen Koalition vertretenen Richtungen ja auch von Anfang an an dem gleichen Ziele gearbeitet, nämlich an dem Abbau der starken Staatsgewalt und an der Einführung des westlichen Parlamentarismus. Wir erinnern daran, daß Herr Stresemann während des Krieges den 3anfapfel der preußischen Wahlreform in das Volk geworfen hat, daß Herr Stresemann während des Krieges schon die Einführung des Parlamentarismus forderte. Wir erinnern daran, daß Herr Strese= mann in der 3abernaffäre den Sturm gegen die Armee und die kaiserliche Befehlsgewalt angeführt hat. Wir könnten noch an ein Duhend andere Dinge erinnern, die Herr Stresemann unter dem Jubel der Herren Erzberger, Scheidemann und Hoffmann in Szene gesetzt hat. Wir werden zu geTegener Zeit und namentlich dann, wenn es Herrn Stresemann besonders unangenehm ist, auf alle diese Dinge in der Oeffentlichkeit zurückkommen, damit hier endlich Klarheit in der Beurteilung der politischen Persönlichkeit dieses Mannes geschaffen wird. Wir glauben das auch den breiten Massen der Völkischen in der Boltspartei schuldig zu sein, die nach dem Angriff Streſe= manns nach einem neuen Halt suchen. Schon die eine Tatsache aber genügt gerade im Hinblick auf den Ausgang des Krieges und auf unsere heutige Lage, daß Herr Stresemann die Einführung einer Verfassung forderte, die zu gleicher Seit bei allen anderen kriegführenden Mächten vollkommen ausgeschaltet und durch die schärfst e Diktatur ersetzt worden ist. Wir haben unsere Kraft zersezen lassen, die Feinde haben sie zusammengefaßt. Bannerführer in diesem Kampfe aber ist, wir wiederholen es, Herr Dr. Stresemann gewesen." Das ist dieselbe Sprache, mit der die Heze gegen Erzberger und Rathenau begann. Wenn dann das Opfer liegt, vergießen Herr Wulle und die Seinen wieder Kroto= bilstränen, wie bei den Morden an Erzberger und Nathenau. Und diese Wulle'sche Mordhezze tann geschehen trop der angeblichen Ausnahme"- Verordnu gen gegen die deutschnationalen Mörderklubs und Mordhezzer! So wenig wie es Erzberger und Rathenau waren, ist Herr Dr. Stresemann politisch unser Mann". Das ist für unsere Stellungnahme völlig gleichgültig. Wir verlangen grundsäßlich das Einschreiten gegen die Mordhezze, gegen wen sie sich auch richte. Wie sehr es Wulle lediglich auf persönliche Infamierung ankommt, beweist sein InSoweit, so gut. Aber das„ Berl. Tageblatt" überschreibt verbindungöringen Stresemanns mit der Zabern- Affaire und die letzte Nachricht: Ein Doppelspiel. Gewiß ein Doppelspiel, das die Stresemänner schon immer treiben und auch in der alten Nationalliberalen Partei trieben. Das schlimme ist nur, daß immer noch Leute auf dieses Doppelspiel hineinfallen, auch die Redaktion des Berliner Tageblattes". Wie Figura zeigt, ist das ,, B. T." leider immer noch nicht von dem Wahn geheilt, mit der Deutschen Volkspartei„ brüderlich" zufammen zu arbeiten. Angriffe auf Reichswehrangehörige Eine Berliner Korrespondenz berichtet von Ueberfällen auf Reichswehrangehörige. In Neurode im Glaber Vergland feien am 28. Juni der General Edelbüttel und der Hauptmann Graf Brockdorff, die in einem Auto über den Marktplab fuhren, von Teilnehmern einer dort stattgefundenen Bersammlung umringt und der General durch Stockhtebe auf den Kopf verletzt worden. Die beiden Angegriffenen feien geflüchtet, als sie aber später erneut den Versuch machten, über den Marktplatz zu gelangen, abermals angegriffen worden. Dem General fet babei die Uniform völlig zerrissen. Auf dem Bahnhofe habe der Bahnhofsvorsteber eine Güterlokomotive vorfahren laffen, mittels deren die beiden Offiziere tros Verfolgung durch Radfahrer schließlich nach Glas gelangt seien. Der Vorfall ereignete fich am 28. Juni. Am 24. ist Nathenau ermordet worden. Da bei allen Einsichtigen von mit Erzberger, Scheidemann und Hoffmann. Zurzeit der Babern- Affaire gehörte Stresemann dem Reichtstag überhaupt nicht an. Erzberger ist bei den Wulle'schen Mordbanditen als„ Eraichuft", Scheidemann als„ Landesverräter" und Hoffmann als Gottjeibeiuns" stigmatisiert. Stresemann soll als ihnen gleichwertig" und deshalb abschußreif" hingestellt werden. Nicht weniger als elfmal ist in dem obigen Zitat sein Name genannt. Eindringlicher läßt sich die Mordhege faum betreiben. Und die Verhöhnung der Ebertschen Schutzverord nungen auch nicht! s Sie wollen ihre Ruhe haben Die Tagung der Internationale Die vom Internationalen Gewerkschaftsbund einberufene Konferenz zur Beratung der Frage einer Revision des Ver sailler Vertrages und des Wiederaufbaues Europas ist, wie die P. P. N. hören, nunmehr endgültig auf Mittwoch in Amsterdam festgesetzt. Auch die deutschen Vertreter werden nach vorläufiger Klärung der innerpolitischen Lage rechtzeitig in Amsterdam eintreffen. Die von der Zweiten Internationale für den 1. Oktober einberufene Konferenz nach Hamburg wird durch die Amsterdamer Konferenz nicht aufgehoben. Unfall infolge Ueberfalles Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Rieseberg ist am Montag im Reichstag am Eingang zum Sigungssaal ohnmächtig zusammengebrochen und ins Krankenzimmer des Reichstages gebracht worden, wo sich zunächst unser Genosse Dr. Moses um ihn bemühte. Abgeordneter Rieseberg hatte, wie die PP.N. hören, am Sonnabend auf der Straße einen Zusammenstoß mit einer ihm gänzlich fremden Gesellschaft von zwei Herren und einer Dame gehabt, die über ihn her fielen und ihn durch Schläge gegen den Kopf erheblich vera letzten. Sein Ohnmachtsanfall am Montag war eine Folge der erlittenen, ziemlich schweren Verletzung. Der Ueberfallene kann sich den Ueberfall selbst nur so erklären, daß er das Opfer einer Personenverwechslung geworden sein muß. Irgendwelche politischen Zusammenhänge scheinen nach Lage der Dinge gänzlich ausgeschloffen. Parteitag der SPD. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei beruft den diesjährigen Parteitag zu Sonntag, dem 17. September, nach Augsburg ein. Die vorläufige Tagesordnung enthält außer den geschäftlichen Berichten des Vorstandes, der Kontrollfommission und der Reichstagsfraktion ein Referat„ Die Sozialdemokratie im Kampfe um die soziale Stellung der Frau," ein Referat über die Justizreform und einen Bericht einer Kommission, der die Ausarbeitung eines Gesundheitsprogrammes übertragen wird. Korfanty bei der Kabinetfsbildung Korfanty ist fieberhaft bemüht, ein neues Kabinett zu stande zu bringen. Er hat dabei bereits acht Absagen erbalten. Podljudskn soll erklärt haben, daß nicht die Person Korfantys, sondern die mißlungene Vermittlung zwischen den Parteiblocks und die durch die neue Interpretation der kleinen Verfassung erfolgte Einengung der Befugnisse des Staatschefs ihn zu der Rücktrittsdrohung veranlaßt haben. Der Krakauer„ Csas" prophezeit Korfantys Niederlage. Die neuen Parteien rüsten zum geschlossenen Kampf gegen die Reaktion. Forderungen des Garantiekomitees ( EP.) Paris, 17. Juli. Obgleich das Garantiekomitee einstimmig der Ansicht ist, daß Deutschland für seine finannicht, daß die Neparationsfommission ein absichtliches ziellen Schwierigkeiten selbst verantwortlich ist, glaubt man Verfehlen Deutschlands feststellen wird, obwohl Poincaré in seiner Unterredung mit Dubois darauf bestand, daß die Kommission ein absichtliches Verfehlen Deutschlands feststellt. Das Garantiefomitee wird verlangen, daß es etwas Bücher zu revidieren habe. Frankreich wird diese Forde höher eingeschätzt werde als eine Körperschaft, die nur rung als Eröffnung finanzieller Sanktionen aufgreifen. Die deutsche Zahlungseinstellung wird eine besondere Rüdwirkung auf das französische Budget haben, das auf die deutschen Zahlungen eingestellt ist. Die Reparationsfommission wird darum ersucht werden, Mittel und Wege zu beraten, damit Frankreich wenigstens seine laufenden Besagungsfosten bezahlt bekommt. Dubois wird zu diesem Zwecke die Anwendung der Bestimmungen des Versailler Vertrages fordern, wonach die Reparationskommission für die Reporationszahlungen die absolute Priorität vor den inneren deutschen Zahlungen fordert. Vor dem Ende der Justizkomödie in Moskau ( O. E.) Moskan, 17. Juli 1922. Seit dem 14. Juli hat sich die Beweisaufnahme im Moskauer Prozeß gegen die Sozialrevolutionäre dem letzten Punkt der Anklage zugewandt, nämlich den politischen Terrorakten, insbesondere dem Attentat auf Lenin im Jahre 1918. Die Angeklagten der zweiten, inzwischen zu den Kommunisten übergetretenen Gruppe, die zum Teil an den Attentaten mitgewirkt haben, behaupten, die Attentate gegen Lenin, Wolodarski u. a. ieien unter Zustimmung des Zentralfomitees der Sozialrevolutivnären Partet und unter direkter Teilnahme einzelner Mitglieder desselben ausgeführt worden, was von diesen bestritten wird. Verschiedene Zeugen haben ausgesagt, daß bereits im Februar 1918 der Terror als Kampfmittel gegen die Bolichewisten vom Zentralkomitee der Sozialrevolutionären Partei durch Mehrheitsbeschluß verworfen worden fet. Der Prozeß nähert sich seinem Ende. Die Beweisaufnahme dürfte nur noch wenige Tage in Anspruch nehmen. vor dem englischen Kabinett ( OE.) Moskau, 17. Juli. Die Moskauer„ Prawda", das Sentralorgan der russischen kommunistischen Bartet, weist Das Moratorium auf die Notwendigkeit hin, auf der für den August anbe raumten Konferenz der RKP, die Besserung der materiellen Lage des Kommando- Sternbestandes" der Partei und die Sebung der Parteidisziplin auf die Tagesordnung zu stellen, Selbst in Moskau sei nämlich die Mobilisation der Kommu niften" einer ablehnenden und oft sogar feindlichen Haltung begegnet. Von den Parteibeamten, die häufig von Stadt zu Stadt kommandiert werden mußten, fel vielfach die Antwort erfolgt, man solle sie in Ruhe laffen. vornherein gar fein Aweifel barüber bestehen konnte, daß Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft nationalistische Mörderzentralen, in denen Offiziere des ehemaligen Heeres die Rolle führen, den Mordplan ausgehect. und den Mord felbst zur Ausführung gebracht haben, ist die Erregung der republikanischen Bevölkerung gegen die Träaer der Offiziersuniform begreiflich. Die nationalistische Bresse wird den Vorfall aroß aufbauschen und versuchen, die Mikhandlung der Offiatere als ebenso schlimmes Verbrechen hinzustellen wie die Mordtaten nationalistischer Verbrecherban den. Die Mikhandlungen selbst find, wenn sie ohne Grund erfolgten, aufs schärfite au verurteilen. Aber verglichen mit dem Mordheldentum und der Mordhezze der schwarz- weißroten Amokläufer, durch deren Bluthanówert erst der Anlaß zu dem Vorkommnis in Neurode gegeben wurde, find die Bera ren sehr glimpflich davongekommen. Diese Tatsache wird auch dadurch nicht erschüttert, daß dieselbe Korrespondenz noch im Berliner Rathaus Den waderen bürgerlichen Republikanern ist auch im Berliner Rathaus der Schreck in die Glieder gefahren. Sie halteu es für der Weisheit höchstes Riel gegen die drohende sozialistische Gefahr" einen Bürgerblock der Mittelparteten" von den Demokraten bis zur Denischen Bolkspartei zu bilden. Wie wir hören, follen heute darüber bei den Frats tionen der bürgerlichen Parteien Verhandlungen stattfinden. Die Aussichten versprechen recht nett an werden. Es bleibt uur noch die Frage offen, was dann aus den Parteien werden foll die an diesem Bilden von Arbeitsgemeinschaften bisher noch nicht beteiligt find: den Deutschnationalen und den Kommunisten. Wahrscheinlich werden sie es bei dem bisLondon, 17. Juli. Der politische Korrespondent der ,, Times" will wissen, daß das englische Kabinett sich morgen mit der Frage eines Moratoriums für Deutschland befassen werde. Man hoffe, einen Plan aufzustellen, der für die Altierten anehmbar sei und die europäische Wirtschaftslage auf einen festen Grund stelle. Zwei Mitwisser verhaftet Rastatt, 17. Jult. Die Gendarmerie verhaftete gestern in Detigheim awei junge Leute, die für Mitwisser des Mordes an Rathenau gehalten werden. Sie hatten sich durch verschiedene Fragen perdächtig gemacht. Dr. Simons Reichsgerichtspräsident. Der Reichsrat hat, wie die P.P.N. erfahren, in seiner Sizung am Montag einstimmig beschloffen, den Reichspräsidenten als Reichsgerichts. präsidenten an Stelle des verstorbenen Dr. Delbrück Dr. Simons, dem früheren Reichsaußenminister, vorzuschlagen. In der Finanzkommission des italienischen Parlaments wurde festgestellt, daß die Heeresverwaltung eine Armee von mehr als 260 Tausend Mann unterhält, obwohl nur eine solche von 175 tausend Mann vorgesehen ist. Die Parteipresse zu der fana aur Vereinigung des dentiden lozialistischen Proletas riats in einer- weil start und mächtigen- unüberwind: Sozialistischen Arbeitsgemeinschaftlichen Einheitspartei!" „ Leipziger Volkszeitung“:„ Wenn irgendein deutscher Arbeiter Zweifel hegen sollte an der Notwendigkeit Dieser Entschließung, dann gibt die bürgerliche Bresse von links bis rechts die denkbar klarste Erläuterung dazu. Wohl selten seit den Tagen der Revolution haben sich fo einschneidende Veränderungen an dem Körper der Klassen des deutschen Volkes bemerkbar gemacht, als in diefer Zeit. In geschlossener Phalanx steht die gesamte bür gerliche Presse beieinander und tobt wie besessen, ob der „ Eingriffe von außen", die von seiten der Gewerkschafts02ganisationen unternommen worden seien, um einmal den Rechtssozialisten das Rückgrat zu steifen, andererseits aber, um den bürgerlichen Parteien zu zeigen, bis hierher und nicht weiter". Wenn jemals das Wort des alten Bebel Bedeutung hatte, daß der Wert oder Unwert eines Beschlusses in der Haltung der Presse unserer Gegner seine beste Erklärung fände, dann zeigt ihr wüten, wie notwendig das geschlossene Vorgehen der Gewerkschaftler, unserer Partei und des linken Flügels der Rechtssozialisten war. Der Zusammenschluß der beiden Fraktionen war angesichts dieser Vorstöße der Schlußstein, der aus praktischen und taktischen Gründen einzufügen notwendig war. Wir sind uns klar darüber, daß weite Kreise unserer Genossen diesen Schritt vorläufig nicht zu verstehen vermögen. Aber die Freiheit" schrieb in den Tagen des Rathenantmordes mit Recht, daß eine große Zeit ein großes Geschlecht erfordere. Bisher haben mit Recht oder Unrecht die Arbeiter ihren Führern den Vorwurf gemacht, daß sie es gewesen seien, die bisher den Zusammenschluß der Arbeiterklasse gegen den Willen der Arbeitenden selbst verhindert haben. Jezt haben die führenden Häupter der beiden Parteien die Initiative ergriffen und haben einen Beschluß gefaßt, der in seinen Auswirkungen von weittragender Bedeutung sein wird. Der Zu sammenschluß der beiden Fraktionen wird den Beginn eines nenen Kapitels in der Geschichte der deutschen Arbeiter: bewegung bedenten." " Der Sozialist"-Stuttgart: Dieser Beschluß der beiden Reichstagsfraktionen ist nur die notwendige Folge der polis tischen Ereignisse. Die Form der Arbeitsgemeinschaft gibt den beiden Parteien die Gelegenheit, in einheitlicher Linie ihre Aktionen an unternehmen. Ein abgekürztes Verfahren gegenüber der bisherigen Form. Es sind also nicht erst lange Unterhandlungen nötig, wenn es gilt, schnelle Ent= schlüsse zu faffen. Auf der anderen Seite bietet die Arbeitsgemeinschaft die Garantien für die Selbständigkeit der Parteien. Es kann keine Rede davon sein, daß sich unsere Partei unter ein Diktat beugt. Hier sprechen Gleichberechtigte miteinander und handeln frei. Die SPD. hat auch zu ihrem Teil eingesehen, daß ihre bisherige Politik nicht gerade glücklich war. Ein Gutes hat sie aber gehabt: sie hat gezeigt, daß die Massen der Arbeiter nur eine Lebensfrage haben. Daß mit bürgerlichen Parteien feine entscheidenden Schritte unternommen werden können. Darum wollen wir den Schritt begrüßen. Dieser Beschluß zeigt, daß die Verantwortlichen in den Parteien die kleinlichen Bedenken zurückgestellt haben. Er ist aber zugleich eine Mahnung an die Arbeiterschaft, alles aufzubieten was in ihren Kräften steht, um unsere Reihen zu stärken. Die Entscheidung kommt." Volksrecht", Frankfurt a. M.:„ Wie bürgerliche Blätter mitteilen die eigene Parteipresse bleibt wie immer ohne rechtzeitige Information, ist dieser Beschluß in unserer Fraktion gegen eine große Minderheit angenommen worden. Auch wir halten ihn mindestens für sehr verfrüht. Die rechtsozialistische Reichstagsfraktion hat in den letzten Tagen bekundet, daß sie jedem Kampf um wirkliche Sicherungen gegenüber der Reaktion ausweichen will. Mit einer foI. chen Gesellschaft darf sich unsere Partei nicht verbünden, zu mal die Vermutung sehr naheliegt, daß die Leitung der SPD. diese Arbeitsgemeinschaft" gerade erstrebte, um nichts tun zu müssen! Arbeitsgemeinschaft tann es für uns nur geben mit den auf entscheidende Taten drängenden rechtssozialistischen Arbeitern, nicht mit an politischer Knochenerweichung erkrankten Führern!" " ,, Magdeburger Volkszeitung":" Dieser Beschluß ist von der allergrößten Tragweite und dittiert von der politischen Situation. Wir sehen ihn aber nicht als ein Allheilmittel an, sondern als ein Mittel mehr, die mordlüfterne Reaktion zu zähmen, als eine Etappe im Kampte mit dieser. Die Arbeitsgemeinschaft stärkt zwar die Position der Linken, aber daraus hinaus müssen wir darauf bestehen, daß das Volk befragt wird, ob es sich diese Mordgesellschaft und die heutigen wahnsinnigen Zustände noch länger gefallen lassen will. Durch parlamentarische Attionen allein lassen sich bei den heutigen Mehrheitsverhältnissen im Parlament die brennenden Gegenwartsfra gen nicht lösen. Die Beratung des Schutzgesetzes für die Republik hat das flar erwiesen. Und in allen Fragen von einschneidender Bedeutung für das Proletariat wird sich Sem geschlossenen sozialistischen Block das geschlossene Bürgertum entgegenstellen, einschließlich der Koalitionsbrüder von heute. Darum noch einmal: Benutzt die Kraft, die das Proletariat noch immer für ench bereit hält und dann mit vereinter Kraft vowärts!" „ Volkszeitung"-Halle:„ Es bedarf kaum der ausdrücklichen Versicherung, daß wir die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der Reichstagsfraktionen der beiden sozialisttschen Parteien auch als einen weiteren entscheidenden Schritt einer sich anbahnenden organisatorischen Widerver einigung der bis jetzt getrennt marschierenden Parteien noch besonders begrüßen. Es ist uns eherne Gewißheit: wie Sie Spaltung der Sozialdemokratie ein von der großen Linte geschichtlicher Entwidlung getragenen unabänderliches Geschehnis eine geschichtliche Notwendigkeit war, so wird die Wiedervereinigung der zerrissenen sozialistischen Parteien früher oder später wieder zu einer geschichtlichen Notwendig= teit, weil anders das Proletariat seine große geschicht liche Aufgabe, den Sozialismus zu verwirklichen, überhaupt nicht zu erfüllen vermag!... Für manchen Genossen wird der Schritt noch überraschender gekommen sein, als bereits der Beschluß der Reichskonferenz. Saben sie schon in ihm eine Ueberschreitung der Zuständigkeit der Reichstonferens und verlangten Einberufung eines außerordentlichen Parteitages, fo läßt sich zum Beschluß der Reichstagsfraktion, der ia von noch weit größerer Tragweite ist, die gleiche Forderung mit nicht min derer Berechtigung erheben. Aber gleichviel: in dem einen wie dem anderen alle galt cs, rasch und ohne Aufschub au handeln. Maa auch in beiden Fällen ein Verstoß gegen die Strenge Auffaffung der Grundfäße der Demokratte vorliegen: die Beschliffe felbft finden ihre Rechtfertigung als geschichtliche Notwendigkeit. Einigkeit im Handeln gegen die Reattion! Das ist es, was die Stunde fordert. Diesem Gebot will die sozialistische Arbeitsgemeinschaft aunächst diener. Ihre eigentliche Wirkung wird aber viel weiter reichen: sie ist der verheißungsvolle. tatkräftige An= Deutscher Reichstag Sigung vom Montag, den 17. Juli. Präsident Löbe eröffnet die Sibung 1 Uhr 15 Minuten. Das Gesetz über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld wird debattelos in allen drei Lesungen angenommen. Der Gesebentwurf über Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Notlage der Preise wird in zwetter Beratung ohne wesentliche Debatte unter Ablehnung aller einschneidenden Abänderungsanträge angenommen. In der Abstimmung über die von den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei cingebrachten Gesezentwürfr zur Abänderung der bschaftssten er werden die Anträge der Koalitionspartei angenommen. Zweite Beratung des Gesetzes über die Zwangsanleihe Abg. Helfferich( Dtn.): Die Wirkung der Zwangsanleihe wird legten Endes eine noch größere Geldentwertung sein, Wir müssen befürchten, daß die Erhebung der Zwangsanleihe nichts weiter bedeutet, als daß wertvolle Teile der deutschen Volkswirtschaft in den Nachen des Molochs Reparation ge= worfen werden sollen. Wir lehnen die 3wangsanleihe ab. Abg. Curt Geyer( USP.): Die sogenannte nationale Opposition mit Herrn Helfferich muß heute schon notgedrungen die Erfolge der bisherigen Reparationspolitik anerkennen; sie versucht allerdings diese Erfolge für sich in Anspruch zu nehmen.( Sehr wahr, links.) Dieser Zwang, die bisherigen Erfolge und das Heranreifen der Situation für weitere Erfolge aneifennen zu müssen, tritt in einem Augenblick ein, wo von dieser nationalen Opposition versucht wird, mit den schlechtesten, mit den unmoralischsten, für Deutschland verderb lichsten Mitteln gegen das Gefüge des republikanischen Staatswesens vorzugehen. Trotz aller Warnungen vor der Anwendung einer Zwangsanleihe haben die Verhältnisse iezt doch zu einer solchen Maßnahme geführt. In den vors hergegangenen Präzedenzfällen, in denen in der Geschichte Zwangsanleihen aufgetreten sind, haben wir es zu tun gehabt mit ganz grob zufassenden Gesetzeswerken, diese 3wangsanleihe jedoch ist fast wie ein Vermögenssteuergesetz durcharbeitet und nach der Leistungsfähigkeit des einzelnen Betroffenen differenziert. Diese Durcharbeitung ist allerdings verkauft um den Preis einer sehr langen Hinauszögerung einer unbedingt notwendigen finanzpolitischen Maßnahme. Wir haben schon im Frühjahr Vorschläge gemacht, um wenigstens durch eine Vorauserhebung auf die zu schaffende Zwangsanleihe der Republik die notwendigen Mittel so schnell wie möglich zuzuführen. Wir haben für diese Vorschläge Gegenliebe nicht gefunden. Die Höhe der Zwangs anleihe ist gefeßlich angenügend, der Binsfuß nach den Beschlüssen des Ausschusses viel höher, als es in der Absicht der beim Steuerfompromiß beteiligten Parteien gelegen hat. Die Verpflichtung zur Zwangsanleihe ist aufgehoben. Die Zwangsanleihe ist ein leßtes Glied in der Kette, dte eine Erfassung der Sachwerte vermeiden soll. Deshalb ist sie von den bürgerlichen Parteien als das kleinere Uebel gewählt worden. Es ist die oberste Aufgabe eines republttanischen Parlaments, die deutschen Staatsfinanzen so zu gestalten, daß einmal der Kredit der Republik nach außen und innen nicht weiter erschüttert wird und daß die Vers wirklichung einer Reform der Staatsfinanzen für die gesamte, namentlich für die arbeitende Bevölkerung der Republik günstig find. Im Vordergrunde der Finanzpolitik unserer Partei steht daher der Abbau der Inflation in schrecken, daß die Durchführung dieser Zwangsanleihe das Gespenst des Hungers für die arbettende Bevölkerung herDie augenblicklichen Leistungen zur aufbeschwören wird. Abdeckung der Verpflichtungen zu Sachleistungen müssen aufgebracht werden. Werden sie nicht aus den Mitteln der Zwangsanleihe aufgebracht werden, dann müssen sie durch vermehrten Notendruck aufgebracht, durch vermehrte Inflation, die Folge abermalige Erhöhung. des Preisniveaus sei, was wiederum die Erhöhung des Hungers und der Leiden der arbeitenden Bevölkerung bedeutet. Die Sozialdemokratische Arbeitsgemein schaft hat im Steuerausschuß des Reichstages den Versuch gemacht, die Höhe dieser Zwangsanleihe auf eine Goldmilliarde zu normieren. Leider ist dieser Versuch vergeblich gewesen. Wir stellen denselben Antrag hente im Plenum wieder. Für den Fall der Ablehnung aber beantragen wir, die Höhe der Zwangsanleihe auf 80 Milliarden Papiermart feftaurfeßen, was der Goldparität nach dem ungefähren Stande der deutschen Valuta in diefen Tagen entspricht. Wir haben ferner Anträge gestellt, die den Zinsfuß nach der Regierungsvorlage wieder herstellen sollen, die das Risiko einer Ente wertung der Mart auf den Zeichnungspflichtigen abwälzen wollen. Wir werden diesem Gefeß austimmen, weil es uns als ein geeignetes finanspolitisches, wenn auch unzureichendes als ein geeignetes finanspolitisches, wenn auch unzureichendes Mittel erscheint, um der Fortsetzung der Inflation entgegen zuwirken.( Bravo bei den SPD.) Man kann uns nicht mit der Behauptung wovon Abg. Höllein( KPD.) erklärt das Gesetz als völlig unzulänglich. Abg. Curtius( D. Vp): Wir haben uns entschlossen, ben fatastrophalen Weg dieser Zwangsanleihe zu beschreiten. In der Abstimmung wird im wesentlichen die Ausschußvorlage angenommen, die eine sehr erhebliche Verschlechterung der Regierungsvorlage bedeutet. Die Abänderungen der Einkommensteuer und der Erbichaftsste uter werden gegen die Stimmen der Kommunisten auch in der britten Lesung angenommen. Bei der dritten Lesung der Zwangsanleihe stimmen auch die Kommunisten für dieses Gesetz, dagegen stimmen nur die Deutschnationaler. Bei der Beratung des von den Koalitionspartelen eingebrachten Gesebentwurfs über die Bereitstellung von Mitteln zum Schutz der Republik führt der Aba. Philipp( Din.) aus: Diefem Antrag mitßte ein Begräbnis erster Klaffe bereitet werden. Die Koalitionsparteten wagen es, uns einen Entwurf von so einschneidender Bedeutung ohne Begründung vorzulegen. Wozu brauchen die Regierungen Mittel? Die fächsische Reaterung hat einen Ministerialdirektor völlig unbegründet entlassen, trobem er nach der Revolution mitgeholfen hat, den Beamtenapparat aufzubauen und stets seine Pflicht getan hat. Sächsischer Minister Lipinski: Der betreffende Minifte rtaldirektor, von dem Aba. Philipp gesprochen hat, ist nicht entlassen worden, sondern auf Wartegeld gefeßt. Allerdings ist jetzt gegen ihn ein Disziplinarverfahren auf Entlassung eingeleitet worden. Die fächsische Regierung behält sich das Recht vor, feden Beamten zu entlaffen, der feine Pflicht nicht tut.( Sehr wahr! links.) Aba. Müller- Franken( SPD.): Die Koalitionsparteien nahmen an, daß ein solcher Antrag feiner besonderen Begründung bedarf.( Sehr wahr! links.) Wir wollen aber Ionalerweise den Antrag im Haushaltungsausschus beraten lassen. Reichspolizei und Landeskriminalpolizeibehörden Bayerischer Gesandter v. Preger: Bayern vermag einen inneren Zusammenhang zwischen diesem Gesetz und den Ereignissen der letzten Wochen nicht zu erkennen. Die Bayerische Regierung kann diesem Gesetz auch nicht in der gemilderten Ausschußfassung zustimmen. Es ist nicht ge= willt, sich seine Rechte ohne Not schmälern zu lassen. Abg. Emminger( B. Vp.): Auch ich kann die Not des Reiches zum Erlaß eines solchen Gefeßes nicht anerkennen. Abg. Lübbring( SPD.): Man darf den Entwurf nicht nur durch die bayerische Brille sehen. Der deutschen Polizei fehlt es an fachmännischer und einheitlicher Leitung. Sie ist fast machtlos, da es ihr auch an der notwendigen Ausbildung und Ausrüstung fehlt. Mit der Annahme dieses Gesetzes wird der gewünschte Zweck erreicht werden, in der deutschen Polizei eine wirksame Bekämpfung des gemeinen Verbrechertums heranzuziehen. Abg. Bell( Str.) spricht fich für den Entwurf aus. Abg. Kardorff( D. Vp.): Wir können dem Gesez unsere Zustimmung nicht geben. Wir fürchten die Konsequenzen einer Reichstagsauflösung nicht, aber wir machen auf die innen- und außenpolitischen Folgen aufmerksam. Abg. Koch- Weser( Dem.): Der Sozialdemokratie haften noch immer die Eierschalen einer 50jährigen Opposition an. Lediglich aus fachlichen Gründen stimmen wir dem Entwurf zu. Reichsminister des Innern Röster: Wir dürfen uns nicht über Zuständigkeiten streiten, während sich aus der Hefe des Volkes Mordbanden bilden, die dem deutschen Reiche die Gurgel abschneiden. Nach dem Rathenau- Mord gab es nirgends einen Kopf, der die Fäden, die zusammenliefen, flar erkennen konnte, da nirgends Material gesammelt war. Wir müssen aus der Zeit der Drohungen heraus, nicht nur aus der Zeit der Drohungen mit dem Generalstreit, sondern auch aus der Zeit der Drohungen mit dem Abfall vom Reich ( Sehr gut! links). Abg. Geck( USP.): Wir sind diejenigen, die in der Vergangenheit am metten unter Verfolgungen, unter der Polizei zu leiden hatten. Das Sozialistengesez, das sich gegen eine rein geistige Bewegung wandte, lieferte uns der Polizei aus. Die damalige Polizei war nach faiserlichem Muster gut organisiert, vom Zentralpunkt Berlin ans erstreckte sie sich über das ganze deutsche Reich, ohne daß damals ein Gefeß über eine Reichspolizei bestanden hätte. Bismarck wollte auch noch die Freiheit der Schweiz für uns unmöglich machen. Das deutsche Spiteltum in der Schweiz nahm überhand. Wenn man uns an die Zeiten erinnern will, wo wir Deutsche genannt wurden, die nicht wert waren, den Namen Deutsche zu tragen, so könnten wir ein Kapitel lesen, das nicht gegen uns, sondern für uns sprechen würde.( Sehr wahr! links.) Wir haben gar nichts gegen die Hoheitsrechte Bayerns einzuwenden. Wir gönnen ihnen den Miesbacher Anzeiger, die Kalbshagen, das Hofbräuhaus und das einzige große Recht: das„ Rupprecht". ( Sehr gut! und große Heiterfeit im ganzen Hause.) Aber die Herren aus Bayern sollen doch auch daran denken, daß der Einheitsgedante gerade von Bayern ausgegangen ist: waren es doch die bayerische und die badische Krone, die 1871 entgegen den Wünschen Preußens das einheitliche Reich gefordert haben. Wir hätten im November 1918 gründlich aufräumen sollen. Wir hätten damals, als die Kronen auf das Pflaster rollter, auch die Schlagbäume der Länder beseitigen sollen.( Sehr wahr! links.) Dieses Gefeß ist nicht erst notwendig geworden durch die Ermordung Rathenaus, sondern es war schon eine Notwendigkeit, als durch den Mord an unferem Genossen Gareis bekannt wurde, wie der Hase läuft. Es muß allen Ernstes ein neues System eingeführt werden. Wir verlangen die Durchführung des Geseßentwurfes über eine Reichspolizei, denn die deutsche Republik ist uns tausend mal mehr wert als die überlebten Reservatrechte des alten blauweißen Staates!( Lebhaftes Bravo bei der USB.). Abg. Koenen( KPD): In diesem Gesez ist nichts mehr übrig geblieben von der Anwendung gegen die Monarchisten. Gegen Arbeiter ist die Polizei immer gleich mit der Massenhazz dabei, während man die Monarchisten nie faßt. Abg. Unterleitner( USP.): Die Heze in Bayern wird nicht so sehr von bayerischen Einheimischen als von norddeutschen Offizieren betrieben, die in Bayern ihr Asyl aufgeschlagen haben. Wir haben in München einen Hezzapostel gegen das Reich, der nicht einmal Deutscher ist, der sich aber bei den maßgebenden Instanzen wie der Münchener Polizei einer sehr hohen Achtung erfreut. Dieser Tscheche vertritt die Interessen Bayerns gegen das Reich. Wir begrüßen es, daß endlich einmal vom Reich aus ernst gemacht wird gegen die Widerstände Bayerns. Bayern ist der Schlupfwinkel aller Mörs derbanden. Das bayerische Volk wird es verstehen und begrüßen, wenn in Baern Ordnung geschaffen wird. Heute hat man die Mörder des Dienstmädchens Sandlmayer und des Abg. Garets nicht auffinden können. Der bayerische Landtag hat sich durch Polizeiberichte trreführen lassen und die Mörder gedeckt. Dadurch ist in Bayern eine Rechtsunsicherheit geschaffen, die nicht nur die Rechtsbegriffe der Arbeiterschaft, sondern auch die des Bürgertums sehr start erschüttert hat. Dem Offenburger Staatsanwalt sind bet seinen Ermittlungen der Erzbergermörder in Bayern die bereitet größten Schwierigkeiten worden. Bis Er wurde von der Münchener Polizei bespipe It. Tatsache ist es auch, daß der damalige Polizeipräsident Pöhner, der jeßt eine hohe Stellung in der bayrischen Justiz einnimmt, mit den Mödern von Erzberger telephonisch ver kehrt hat, daß er ihre Adresse wußte. Und die Vermutung besteht, daß Herr Pöhner die Mörder Erzbergers gewarnt hat, daß sie rechtzeitig nach Ungarn flüchten konnten.( Lebhaftes ört! Sört!) Die Münchener Poltzet beschäftigt Beamte, die mit Mörderorganisationen in enger Verbindung stehen.( Hört! Hört!) Dieser Tage fand in München ein Landfriedensbruch- Prozeß statt, bei dem festgestellt wurde, daß die Münchener Polizei mit den Nationalsozialisten in Verbindung steht. In den Mitgliederversammlungen der Nationalsozialisten ist offen zum Mord an Rathenau aufgeforbert worden, dort find Pläne ausgearbeitet worden, wie man Wirth nnd andere Regierungsmitglieder beseitigen fann. Die Münchener Polizei beschäftigt sogar Mitglieder dieser Bartet, fie läßt ihre Beamten durch sie im Boxen unterrichten.( Sört! Hört! Itnts.) Es wurde in diesem Prozeß festgestellt, daß Münchener Polizeibeamte Anzeigen gegen Nationalsozialisten nicht weitergegeben haben, daß solche Atten überflebt waren, daß ein Wachtmeister der Seite Münchener Polizei fich offen auf die der steht in Ludendorff Nationalsozialisten engster Verbindung dem Vorsitzenden des Berbandes nationalgesinnter Soldaten, er hätte schon längst verhaftet und aus Bavern ausgewiesen werden müssen. Alles das ist der bayerischen Regierung bekannt. Auf die bayerischen Polizeiorgane, die so forrupt find, fann sich kein Staat, der auf Ordnung mit Recht hält, verlassen, sondern dem Reich muß weiteste Vollmacht gegeben werden, um die Verbrechen, die in Banern die Polizei mit den Mörderorganisationen ausheckt, zu verhindern,( Rebhaftes Bravo! fints.) ftelte. Der Gefeßentwurf wird unter Ablehnung aller Abänderungsanträge in zweiter Lesung erledigt. Schluß: 10 Uhr. KON LINON Maffary. Delft edel wie der Name Fritzi Maffary eine Zigarette von Rang Theateru.Bergnügungen Boltsbühne Komödienhaus täglich 71, Uhr Robert u. Bertram 8 U. 19 G eichen“ Rotter- Bühnen Neues Volkstheater Täglich 8 Uhr: Residenz- Theater Rovenicker Straße 6 71 Uhr: Die erste Geige Eine Frau Staats- Theater Schauspielhans 71, Obr Operettengas spiel ohne Bedeutung 7 Trianon- Theater Moral Die beidenNachtigallen v. Luw. Thoma Denisches Theater 71 Uhr: Potasch und Perimutter Kammerspiele 71Uhr Theater am Nollendorfplatz 734 Uhr Verliebte Leute Teilzahlung! 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Er fördert den Sport, dessen Wahlspruch lautet: ,, Unsere Aufgabe ist, dem revolutionären Proletariat an Körper und Geist gestählte Kämpfer heranzubilden." Jeder klassenbewußte Arbeitersportler liest den Arbeiter- Sport". Er ist das einzigste Organ, welches seine Interessen wahrnimmt. Verlag des Arbeiter- Sport" Berlin SO 16, Köpenicker Straße 108. Deutscher Metallarbeiter Berband Berwaltungsstelle Berlin N 54 Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vormittags 9 bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 833, 834, 835, 836 Achtung! Achtung! Am Mittwoch, den 19. Juli 1922, abends 7 Uhr, bei Wagner, Stottbuser Straße 19. Gruppenleitungssigung der Hauptgruppe 4, Untergruppen 8 bis 13. Die Gruppenleitung. Mittwoch, den 19. Juli, abends 7 Uhr: Branchen Versammlung der Bau- Anschläger im Gewerkschaftshaus, Engelufer 25, Saal 10. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Schiedsspruch. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Jeder Kollege ist berpflichtet, zu er fcheinen. Mitgliedsbuch legitimtiert. 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Daß ein Kriminalwachtmeister einen faßte wie den Dieb, weil er beim Begeisterungs- Kleister ,, Hoch der Kaiser!"- sizen blieb; daß die Schußmannsfaust ihn pact: bis den armen Kerl verknackte dann ein hohes Amtsgericht: Unterm Kaiser war das nicht. Daß der Landrat den Ranglisten aber schleunigst denunziert, weil er bei den Sozialisten eine Zeitung abonniert; daß man ihn dann rausgeschmissen und um die Pension beschummelt wie den schlimmsten Bösewicht-: Unterm Kaiser war das nicht. Heute, was find das für Seiten Sieh mal bloß die Politik! Schuld an allen Schenßlichkeiten ist doch nur die Republik. Wenn die Kurse unten liegen, wenn die Mädchen Kinder kriegen, wenn ein junges Pferd sich losmacht, wenn sich Frißchen in die Hos' macht gibt es irgendwo Tumult: Nur die Republik hat schuld. Wie es früher mal gewesen, friegst du nirgendwo zu lesen. Und der ganze Laden spricht: Unterin Raiser gabs das nicht!" Der Berliner Ferienverkehr Eine halbe Million Reisende in den ersten Ferientagen. Die Klagen über die Verteuerung des Reiseverkehrs die Eisenbahnfahrpreise sind etwa auf das Dreizehnfache der Friedenssäße erhöht haben nicht vermocht, den Ferienverkehr einzuschränken; in den ersten Ferientagen, vom 5. bis zum 11. Juli, sind von Berliner Bahnhöfen nicht weniger als 508 320 Reisende abgefertigt worden. Das bedeutet gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres- vom 7. bis 13.11 wurden 431 535 Personen befördert- etn Mehr von 17 v. H. Den größten Andrang hatten wieder, wie die„ Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung" mitteilt, die Fernbahnhöfe der Stadtbahn zu bewältigen, die insgesamt 189 033 Reisende abfertigten, davon allein der Schltsische Bahnhof 97 112; der Stettiner Bahnhof beförderte in diesen Tagen 103 598 Personen, an seinem verkehrsreichsten Tage, am Freitag, den 7. Juli, allein 19 325; es folgte der Anhalter Bahnhof mit 69 480 Reisenden, der Lehrter Bahnhof mit 33 295, der Potsdamer mit 25 186 und der Görlizer Bahnhof mit 24 239 Reisenden. In den 20 Vertretungen des Mitteleuropäischen Reisebureaus( MER.) wurden allein 51 070 Fahrkarten verkauft, 16 074 mehr als im Vorjahre. Der stärkste Reisetag war Sonnabend, der 8. Juli, an dem über 99 000 Reisende Berlin verließen. Um diesen Andrang der Hunderttausende zu bewältigen, stellte die Eisenbahndirektion in den Tagen vom 6. bis zum 10. Juli insgesamt 186 Ferienzüge ein, am Sonnabend allein wurden 57 Züge zur Entlastung der fahrplanmäßigen Züge gefahren. Wäh rend fast alle Berliner Bahnhöfe eine starke Zunahme des Ferienverkehrs aufzuweisen hatten der Stettiner Bahnhof allein z. B. 24 623 oder fast 25 v. H. ging die Zahl der vom Lehrter Bahnhof Abreisenden gegen das Vorjahr um 10542 oder fast 23 v. H. zurück. Recht start war auch die Nachfrage nach den etwa 50 Feriensonderzügen, die im Juli verkehrten. Trotz der vielfach übertriebenen Nachrichten über die Teuerung in Bayern waren gerade die Sonderzüge nach Süddeutschland fast stets in den ersten Tagen des Vorverkaufs voll besetzt, besonders die Züge nach -w Unter fremden Menschen Von Marim Gorki. Einzia autorisierte Uebersetzung von Auguft Sola. tianisches Copyright 1918 by ulstein& Co., Berlin. ( 111. Fortsetzung.) 21. Drei Sommer verbrachte ich als„ Aufseher" in der toten Stadt, zwischen den leeren Gebäuden, und hatte achtzugeben, wie die Arbeiter im Herbst die plumpen Jahrmarktsläden abtrugen, um sie im Frühjahr wieder aufzubauen. Mein Prinzipal hielt darauf, daß ich die fünf Rubel, die er mir zahlte, auch reell verdiente. Wurde in einem Laden der Fußboden neu gelegt, so mußte ich auf der ganzen Fläche die Erde eine Elle tief ausheben lassen die Barfüßler bekamen dafür einen Rubel Tagelohn, ich aber ging leer aus. Während ich nun diese Arbeit beaufsichtigte, konnte ich die ZimmerTeute nicht im Auge behalten, und die schraubten in zwischen alle Türschlösser und Klinken los und stahlen, was sich stehlen ließ. Arbeiter und Unternehmer waren auf gleiche Weise bedacht, mich zu hintergehen und zu mausen, was sie konnten. Sie taten das fast offen, als ob sie sich einer lästigen Pflicht unterzögen, und machten gar nicht viel her, wenn ich sie dabei ertappte. " Ereiferst dich für deine fünf Rubel, als ob du zwanzig bekämest! Lächerlich!" jagten sie gleichmütig. Ich suchte dem Prinzipal nachzuweisen, daß es verkehrt sei, mir allein die Aufsicht zu überlassen; er verliere auf andere Weise zehn Rubel, während er an mir einen Rubel spare. Ach, verstell' dich doch nicht!" sagte er mit einem pfiffigen Blingeln. Ich begriff, daß er mich im Verdacht hatte, ich begünstige die Unterschleife, und ich hatte dabei eine Empfindung, die mehr Abscheu als Kränkung wan Das war nun mal die eingeführte Ordnung: alle stahlen, und der Prinzipal hatte nichts dagegen, weil auch er sich gelegentlich an fremdem Gute vergriff. Wenn er nach dem Jahrmarkt die Läden besichtigte, deren Instandhaltung er übernommen hatte, und einen vergessenen Shamowar, einen Teppich, ein Stück | Beilage zur Freiheit" München. Die Sonderzüge nach Hamburg und Stettin wurden nicht ausverkauft, Sagegen mußten nach Königsberg drei neue Sonderzüge eingelegt werden, da die vorgesehenen zwei Züge der Nachfrage nicht genügten. Gesetzliche Miete erst ab 1. Oktober Zu der Streitfrage, ob die gesetzliche Miete, wie fic im Reichsmietengesetz in Verbindung mit§ 565 des Bürgerlichen Gesetzbuches vorgesehen ist, vom 1. August oder vom 1. Ottober 1922 ab gezahlt werden muß, haben sich die maßgebenden Oberbehörden bisher nicht klar geäußert. Verwirrung ist dadurch entstanden, daß die meisten Großberliner Hausbesitzer ihren Mietern gedruckte Zettel zustellten, wonach sie die gesetzliche Miete schon am 1. August beanspruchen. Im Grundeigentum" hat nun aber der Hausbesitzerbündler Herr Ladendorff allen Bundeskollegen empfohlen, in die Druckzettel als Termin für den Beginn der geseßlichen Miete den 1. Oktober hineinzuschreiben, soweit nicht Mietverträge eine monatliche Kündiaunasfrist vereinbart haben. Herr Ladendorff hat demnach in diesem Falle die Bedeutung der gesetzlichen Bestimmungen durchaus richtig erkannt. Trop dem haben die Hausbefiber auf irgendeine Parole hin diesmal die Empfehlung ihres Bundesvorsitzenden nicht befolgt. Die Mietervertretungen gehen nunmehr dazu über, dem Hauswirt zu erklären, daß fie die unberechtigten Forderungen geseßlicher Miete vom 1. August nicht anerkennen. Die schriftliche Forderung der Hausbesitzer ist daher mindestens bis zum 1. Oktober, vielleicht sogar überhaupt, rechtsungültig. Ebenso haben Bettel, die bei vierteljährlicher Kündigungsfrist den Mietern erst nach dem 4. Juli zugestellt sind, keine Gültigkeit. In diesem Falle wird die bisherige Miete auch noch über den Oktober 1922 hinaus gezahlt. Wo schon vor dem Inkrafttreten des Reichsmietengesetes eine neue Grundmiete festgesetzt ist, haben die Hauswirte gewöhnlich keinen neuen schriftlichen Vertrag geschlossen. Die Festsetzung des Mieteinigungsamtes bildet also eine Erneuerung bezw. Ergänzung des alten, ia nur formell gekündigten, Mietvertrages. Die Mieter und Mietervertretungen sollen darauf achten, ob, wie es meistens der Fall sein wird, in dem Beschluß des Mieteinigungsamtes die einzelnen erhöhten Grundmieten als Jahresbeträge aufgeführt sind. Dann kann der Hauswirt auch hier nicht sich auf monatliche Mietsbemefuna" berufen. Ein Pfund Zucker 30 Mark Die Zuderknappheit, die ohne den Wucher sicher nicht nötig wäre, treibt die Preise immer mehr in die Höhe. Es ist das alte abscheuliche Spiel: eine Zeitlang ist fast gar kein Zucker zu haben. Händler, die noch billig eingekaufte Vorräte befizen, balten sie verborgen und warten ab, bis ihre Kunden in höchster Not bereit sind, fünf oder zehn Mark mehr für das Pfund zu zahlen. Natürlich verwandelt sich dann der Zucker in Auslandsware. So war es bei der letzten großen Zuckerschiebung vor einem Vierteljahr, als es nach längerer Pause fast nur noch Auslandszucker für 22,50 M. gab. Trotz des boben Breifes wurde sofort gehamstert. Wer zahlungskräftia war und viel andere Ware kaufte, erhielt heimlich auch viel Zucker. Die meniger faufträftigen. Kunden mußten froh sein, ein einziges Pfund zu erhalten. Es gab vereinzelt auch anständige Geschäftsleute, die alle Kunden gleichmäßig bedachten und sogar billiger als für 22 50. M. verkauften, aber diese Kleinhändler mußte man mit der Laterne suchen. Gegenwärtig ist die Zuckernot wieder auf den Höhepunkt gestiegen. Die Kleinhändler erklären, daß für sie Zucker nur zum Großhandeíspreise von 27 M. zu haben set und dann für 30 m. verkauft werden müffe. Von den maßgebenden Stellen, die für den stetig frecher betriebenen Wucher mitverantwortlich sind, gilt das Spottwort: Was gebt Ihr der Regierung schuld- und klagt sie schmählich an? Unschuldig ist sie ganz und gar Sie hat ja-- nichts getan! ! Die Wartehallen der Straßenbahn Wie bereits furg berichtet, hat die Verkehrsdeputation einem Vertrag zwischen der Berliner Straßenbahn und einem Privatunternehmer zugestimmt, wonach an zunächst etwa 50 Verkehrspunkten bis zum 1. Oktober 25 Wartehallen zur Ware oder sonst einen vergessenen Gegenstand sah, sagte er lächelnd zu mir: Stell' ein Verzeichnis der Sachen auf und bring sie nach der Handkammer!" Aus der Handkammer brachte er dann nach seiner Wohnung, was ihm gefiel, ich aber mußte das Verzeichnis immer wieder abändern und umschreiben. Ich selbst legte feinen Wert auf irgendwelches Eigentum, ich wollte nichts haben, selbst der Besitz von Büchern war mir unbequem. Ich nannte auch nichts mein eigen als ein kleines Bändchen Béranger und Heines Buch der Lieder". Ich wollte mir einen Buschfin taufen, aber der Preis, den mir der einzige Antiquar der Stadt, ein bissiger Alter, dafür abverlangte, war mir zu hoch. Die Möbel, Teppiche, Spiegel und was sonst die Wohnung meines Brotherrn anfüllte, waren nicht nach meinem Geschmack und fielen mir durch ihre plumpe, schwere Form und ihren mir durch ihre plumpe, schwere Form und ihren Farben- und Lackgeruch lästig. Ueberhaupt gefiel mir diese Wohnung, die mir wie ein mit allem möglichen überflüssigen Plunder angefüllter Riesentoffer vorfam, nicht im geringsten. Und daß der Prinzipal nun gar fremde Sachen herbeischleppte, um diesen Plunder zu mehren, war mir vollends unverständlich. Auch bei Königin Margot war es ja eng, aber dafür doch auch schön gewesen. Das Leben der Menschen schien mir überhaupt zusammenhanglos und ungereimt, es wies viel zu viel handgreiflichen Widersinn, viel zu viel Torheiten auf. Da bauten wir nun im Herbst die Läden um und wußten doch, daß die Hochflut sie im Frühjahr überschwemmen, die Fußböden auftreiben und die Türen müssen die feuchten Balken in Fäulnis übergehen. beschädigen würde. Wenn das Wasser wieder fällt, Seit Jahrzehnten wird der Jahrmarkt in jedem Frühjahr überschwemmt, Gebäude und Bürgersteige werden arg mitgenommen, ein gewaltiger Schaden entsteht, und jedermann weiß, daß diese Ueberschwemmungen nicht von selbst aufhören. In jedem Frühling vernichtet der Eisgang ganze Duyende von Barfen und sonstigen fleinen Flußfahrzeugen; die Leute aber stöhnen nur und bauen neue Fahrzeuge, die der Eisgang wieder vernichtet. Was für ein törichtes, immer wieder neu in Betrieb tretendes Stampfwert! Dienstag, 18. Juli 1922 Benutzung der Straßenbahnfahrgäste aufgestellt werben jollen. Zunächst sollen mindestens 5 Hallen, möglichst im Be zirk Alt- Berlin, bis zum 1. April 1923 und mindestens wei tere 35 allen bis zum 1. Oktober 1923 errichtet werden. Die Wartehallen müssen neben Stehpläßen auch Sizgelegenheit für etwa 10 bis 12 Personen bieten und außerdem einen fleinen Raum zum Unterstellen von Gerätschaften und für einen Straßenbahn- Dienstfernsprecher enthalten. Die Birb schaftlichkeit dieser Wartehallen wird für den Unternehmer dadurch begründet, daß Läden und Fernsprechzellen ange bracht werden. In den Läden sollen Gegenstände aller Art verkauft oder auaelaffene Gewerbe betrieben werden. Nur der Ausschank und Verkauf von Alkohol ist unter allen Um ständen verboten. Außerdem darf der Unternehmer die Außen- und Innenflächen zur Reklame benußen. Von den Bruttoeinnahmen hieraus hat er zunächst 40, später 50% am die Straßenbahn abzuführen. Nach den vorgelegten Stizzen sollen die Wartehallen in verschiedenen Formen, in jedem Fall aber ansprechend und künstlerisch errichtet werden. Rathenaus Der Nachfolger Christi und Vom Polizeigefängnis am Alexanderplatz aus hat der ,, neue Heiland" Louis Haeusser an den Reichskanzler einen Brief gerichtet, mit dem er sich um den Posten des Außenministers bewirbt. Das hirnverbrannte Zeug hat folgenden Wortlaut: Lieber Freund und quasi Landsmann! Ich bestätige den Inhalt meiner geftrigen Karten an den Reichspräsidenten, Reichstag, Reichskanzler! Mit Meiner Bewerbung um den Posten eines Außenministers ist es mir ernst, sehr ernst!!! Im Reich ist kein Mann, der so viel Rüdhalt in allen Volksschichten hat und so stark vom Voltswillen getragen ist! Dem Ausland- insonderheit Frant reich gegenüber ist Niemand so geeignet, die Interessen des Reiches zu vertreten, wie es Ich bin!!! Wenn Sie mit mir reden, beweise tch ich es prompt!" Nun sage noch einer, daß dieser Kerl nicht verrückt ist! Werden uns nun endlich die Psychiater von solcher Gedankenpest erlösen? Republikanische Straßennamen Die städtischen Körperschaften haben die Umbenennung der Bismarckstraße in August- Bebel- Straße, der Blücherstraße in Karl- Liebknecht- Straße, der Moltkestraße in Walter- Rathenau- Straße zugestimmt. Ferner wurde die Entfernung des Kaiserdenkmals auf dem Marktplatz beschlossen. Damit die Freude unserer Leser aber nicht zu groß wird, müssen wir bemerken, das geschah nicht etwa in Berlin, sondern mur in- Eisleben. Kartoffelpreise, wie sie sein sollen. Die Kommission zur Ermittelung von angemessenen Kartoffelpreisen für die Provinz Brandenburg hat fürzlich für brandenburgische Speisefartoffeln alter Ernte einen Erzeugerpreis( Angemeffenheitspreis) von 100 bis 110 Mark pro Zentner ab Erzeugerstation festgesetzt. Den Kleinhändlern billigt die Preißprüfungsstelle für brandenburgische Kartoffeln alter Ernte jetzt 20 Prozent Verdienst zu. Zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf der Linie 56 Herstellung früherer und späterer Verbindungen zwischen Lichterfelde- Süd und Stettiner Bahnhof sind die folgenden Wagen versuchsweise eingelegt worden: früh 5,58 Uhr ab Lichterfelde- Süd, am Stettiner Bahnhof 7.14 abend8 7.34, 8.34, 9.84 und 10.04, ip pat bis 7.04 Biertelstundenbetrieb und dann bis 10.04 halbstündlich durchgehende Verkehrsverbindungen vom Stettiner Babfiht nach Lichterfelde- Süd bestehen. Ferner ist der Betrieb auf der Linie 87 ebenfalls verlängert worden. Anstatt bisher 9.11 fährt jetzt der letzte Wagen 9.48 ab Steglit nach Treptow, von Treptow 11.20 anstatt bisher 10.40, Sonn- und Feiertag ab Steglig 9.52, ab Treptow 11.10. Mehr Badegelegenheit für Schulkinder. Um den Schulfindern eine größere Badegelegenheit zu verschaffen, werden während der Ferien die Flußbadeanstalten Fruchtstraße und Hinter der Mühlenstr. 50 schon um 10 1hr vormittags geöffnet. Rettungswesen der Stadt Berlin. Am 20. Jult d. I., vormittags, wird die städtische Rettungsstelle 43 von BerlinSteglitz nach Berlin- Friedenau, Kaiser- Allee 105 verlegt. Ich sprach mit Ossip über diese Dinge, und er lachte mich aus: " 1 Ach, du Küken, wo du nicht überall hinkiekst! Was geht dich denn die Sache an?" Dann aber fuhr er, nicht ohne Ernst, in seiner launigen Weise fort:„ Recht hast du ja, und es kann am Ende nicht schaden, wenn du auf so etwas achtest. Da flagen die Leute zum Beispiel, sie hätten zu wenig Land, und dabei reißt die Wolga in jedem Frühjahr ganze Stücke von den Ufern los und setzt sie als Sandbänke im Flußbett ab. Die andern flagen dann wieder: Die Wolga wird immer flacher! Die Frühjahrsüberschwemmungen und die Regengüsse im Sommer höhlen tiefe Schluchten aus- wohin geht die Erde? Alles in den Fluß!" Er sagt das ganz falt, ohne Klage, ohne Zorn, als ob's ganz angenehm wäre, diese menschlichen Nöte zu kennen. Aber wenn auch seine Worte mit meinen eigenen Gedanken übereinstimmen, so ist doch die Art, wie er von den Dingen redet, nicht nach meinem Geschmack. „ Oder nimm mal ein anderes Beispiel Feuersbrünste..." die Kein Sommer verging wohl, in dem nicht jenseits der Wolga die Wälder gebrannt hätten, jedesmal im Juli war der Himmel von trübgelbem Rauch umzogen, aus dem die purpurrote, strahlenlose Sonne wie ein frankes Auge auf die Erde niederschqute. Die Waldbrände haben nichts zu sagen," meinte Ossip,„ die Wälder gehören den Gutsbesitzern oder dem Staate, der Bauer hat keine Wälder. Wenn die Städte brennen, ist der Schaden auch nicht groß, in den Städten leben die reichen Leute, die man nicht zu bedauern braucht. Aber dent' an die Dörfer und Weiler, die im Sommer abbrennen, hundert werden nicht reichen! Das ist ein Schaden!" Er lachte still vor sich hin. Besitz ist wohl da, aber aufs Behalten versteht man sich nicht! Schließlich kommi's, nach unser beider Meinung, darauf hinaus, daß der Mensch nicht für sich arbeitet und nicht für die Mutter Erde, sondern für Feuer und Wasser!" und darüber kannst du lachen?" ( Fortfegumg folgt.) Gewerkschaftliches Schützt den Betriebsrat Unter diesem Titel brachte die Deutsche Zeitung" Nr. 287 vom 26. Juni 1922 eine Notiz der Firma Bergmann, Elektrizitätswerke, Seestraße, in der über Gewerkschaftsautokratie geklagt und behauptet wird, daß einem Mitglied des Betriebsrates zum Besuch von Partei- und Gewerkschaftsversammlungen während der Arbeitszeit der Urlaub verweigert und mit fristloser Entlassung gedroht wurde, und daß aus diesem Grunde eine Demonstration von einigen Getreuen" vor dem Verwaltungsgebäude stattge= funden hätte, um dem tüchtigen Betriebsratsmitglied die Futterkrippe zu erhalten. Der Verfasser dieses Berichtes scheint es mit der Wahrheit nicht sehr genau zu nehmen, sonst hätte er eine derartig irreführende, den Tatsachen hohnsprechende Behaup= tung niemals öffentlich aufzustellen gewagt. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Der Vorsitzende des Betriebsrates Hesse ist, wie das sehr häufig der Fall ist, auch Beisitzer beim Schlichtungsausschuß am Kaufmannsgericht, ferner Mitglied der Außenhandelsstelle Elektro- Industrie und der Tarifverhandlungskommission des Zentralverbandes der Angestellten. Er hat diese Funktion z. E. schon seit 2-3 Jahren ausgeübt, ohne daß ihm dieserhalb bisher besondere Schwierigkeiten bereitet wurden, was an sich auch für jeden einsichtigen Menschen selbstverständlich sein dürfte. Die Wahlen der Kaufmannsgerichtsbeisiger sind z. B. öffentlich erfolgt und eine Ablehnung des Amtes nur unter ganz gewissen Voraussehungen überhaupt möglich. Das müßte auch dem wildgewordenen Juristen Dr. Neidhardt bei der Firma Bergmann bekannt sein. Dieser Herr hat nämlich, angeblich im Auftrage der Direktion, Herrn Hesse verboten, seine Beifizzerämter weiter auszuüben oder an den Tarifverhandlungen teilzunehmen, und ihm im Falle des Zuwiderhandelns die fristlose Entlassung angedroht. Hesse. hat also niemals Urlaub zum Besuch von Partei- oder Gewerfschaftsversammlungen während der Arbeitszeit verlangt oder erhalten, sondern lediglich zur Ausübung seiner ehrenamtlichen Beisihertätigkeit. Daß die gesamte Betriebsbelegschaft über dieses unverständliche Verhalten der Firma aufs äußerste empört ist, darf nicht wundernehmen, wenn man die Kette von kleinlichen Schikanen fennt, denen Hesse schon seit geraumer Beit ausgesetzt ist. Dazu kommt serner, daß die Firma auf ein Schreiben des 3. d. A., worin die Zurücknahme der rigorosen Maßnahme gefordert wird, nicht geantwortet und der Verband Berliner Metall- Industrieller, dem die Firma angehört, ein Eingreifen abgelehnt hat. Es hat den Anschein, als wenn hier bewußt provoziert werden soll. Also nicht Gewerkschaftsautokratie, sondern rücksichtslose Unternehmerwillkür! Das Verhalten jenes Herrn Dr. Neidhardt erscheint in einem unt so eigentümlicheren Lichte, als dieser Herr, der als Rechtsberater bei der Firma tätig ist, sich über jedem Nichtjuristen geläufige Bestimmungen der Reichsverfassung hinwegzusetzen glaubt. Im übrigen wäre es nicht das erste Mal, daß seine Maßnahmen von der Werksleitung wieder rüdgängig gemacht werden müßten, da er bereits vor einiger Zeit in ähnlicher Weise gegen den Vorsitzenden des Betriebsrats vorgegangen ist, allerdings mit dem Ergeb= nis, daß die Firmenleitung seine Handlungsweise nicht gedeckt hat.. Die Angestellten und Arbeiter des Werkes und darüber hinaus der Berliner Metall- Industrie sind nicht gewillt, diese Willkür widerstandslos hinzunehmen. In folgender Resolution, der sich auch die gesamten Funktionäre des Afabundes" angeschlossen haben, kommt dies deutlich zum Ausdruck: ,, Die am 28. Juni 1922 versammelten Angestellten der mit Ent Bergmann- Werke( Berliner Werk) nehmen rüstung Kenntnis von den Maßnahmen, welche die Firmenleitung gegen den Betriebs- und AngestelltenratsVorsitzenden, Kollegen Hesse, angekündigt hat. Sie ver= urteilen diese auf das schärfste und verlangen von der Firmenleitung, daß dem Kollegen Hesse nach wie vor die Teilnahme an den Tarifverhandlungen sowie die gesetzlich geregelte Ausübung des Amtes als Beisitzer des Kaufmannsgerichts und des Schlichtungsausschusses gestattet wird. Die Angestellten sind bereit, im Einvernehmen mit den Angestelltenorganisationen alle Mittel anzuwenden,| Lage, in der Deutschland lebt, aufrollte und mit den Kritikern eine scharfe Abrechnung hielt. um den Kollegen Hesse in seine alten Rechte wieder einzusetzen." Die Firma Bergmann wird also gut tun, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben, sondern zu versuchen, mit der zuständigen Organisation zu einer Verständigung zu kommen. Mit Speck fängt man Mäuse Im Anschluß an das vertrauliche Rundschreiben der Brauereien anläßlich der großen Demonstration teilten wir auch das eigenartige Verhalten der Schultheiß- PazenhoferBrauerei mit. Von zwei verschiedenen Seiten bekamen wir nun Zuschriften, wonach in der Abteilung 2 im Flaschenbierfeller 11 eberstunden von dem Personal verlangt wurden, die auch geleistet wurden. Um die Arbeiter geneigter zu machen, Ueber Zeit zu arbeiten, wurde ihnen Brot und Wurst verabreicht! Die Brauereien find wahrhaftig generös. Am Tage der Demonstration ziehen sie ihnen die paar Stunden vom Lohn ab, um ihnen tags darauf Wurst und Brot zu spendieren. Die Belegschaft aller drei Nichtungen hat diese Gaben nicht zurückgewiefen. Ein altes Sprichwort sagt: Mit Speck fängt man Mäuse! Auch Schultheiß- Babenhofer verfolgte mit jenen Liebesgaben" ganz bestimmte Zwecke, die zu durchschauen das be= treffende Personal alle Veranlassung gehabt hätte. Vielleicht genügt dieser Hinweis, um das Entwürdigende dieser Beschenkung in Zukunft zu durchschauen. Verbandstag der Fabrikarbeiter In der Debatte über den Geschäftsbericht wendet sich gleich der erste Diskussionsredner Koch- Fürth gegen die Tätigkeit des Verbands- Vorstandes, soweit seine Mitarbeit beim ADGB. in Frage kommt. Kimmich- Mügeln stimmt mit dieser Kritik überein. Löscher- Ludwigshafen richtet seine Kritik ebenfalls gegen den Vorstand, soweit sich dessen Tätigkeit auf die süddeutschen Kollegen erstreckte. Vor allen Dingen erhebt dieser Redner gegen die Arbeitsgemein= schaft schwere Vorwürfe. Diesem Redner tritt mit starfer Entschiedenheit Schnei der Erfurt entgegen. Er stellt fest, daß der Verband der Fabrikarbeiter doch mit allen Mitteln dafür gesorgt habe, daß der gewerkschaftliche Einfluß zur Geltung fam, daß es aber die Richtung Soenen gewesen ist, die versuchen wollte, den gewerkschaftlichen Einfluß zu unterbinden. Wer die Beweguna in Mitteldeutschland mitgemacht habe, könne die Stellung des Vorredners nicht begreifen. Er könne auch nicht die Anträge befürworten, die aeftellt worden find, um dem Vorstand einen Tadel für seine Tätigkeit in den letzten 2 Jahren auszusprechen. Redner zeigt an einigen Beispielen, wie die Arbeit der Organisation zur Hebung der allgemeinen Lage der Arbeiterschaft von unverantwortlicher Seite oft unterbunden wird. Die weitere Diskussion dreht sich fast ausschließlich um die Frage Arbeitsgemeinschaft, Sozialisieruna und die 10 Punkte. Die Mehrzahl der Redner, die am ersten Verhandlungstag zum Wort tamen, wandten sich gegen die Arbeitsgemeinschaft in ihrer heutigen Form. Sie wünschen auch im Intereffe des Proletariats fchnellere Arbeit in der Frage der Sozialisierung. In ziemlich weitgehender Uebereinstimmung sind sich die Redner darin einig, daß die Kämpfe auf einer breiteren Grundlage gestellt werden müssen, doch finden sich gerade in der letteren Forderung eine Reihe Diskussionsredner, die vor einer solchen Verbreiterung warnen. Im Verlauf der Diskussion geht ein Antrag ein, der verlangt, daß in bezua auf die Tarifverträge die Loslösung von der Arbeitsgemeinschaft für notwendia erachtet wird. Der Hauptvorstand soll beauftragt werden, in Zukunft mit den in Betracht kommenden Arbeitgeberverbänden TarifVerträge ohne Mitwirkuna der Arbeitsgemeinschaft abzuschließen. Wo noch Tarif- Verträge mit der Arbeitsgemeinschaft vorhanden sind, soll der Hauptvorstand unter Wahrung der Intereffen der Mitglieder dieses Verhältnis lösen. Die Arbeitsgemeinschaften werden auf ein engeres Gebiet begrenzt, als da sind: Besebung der wirtschaftlichen Selbstverwaltungsförper, Außenhandelsstellen und des vorläufigen Reichswirtschaftsrates. Darin soll nach dem Antrag der Verbandstag auch in Zukunft weiter mit der Arbeitsgemeinschaft zusammenarbeiten. Hierauf folgten die Schlußworte der Berichterstatter, wobei besonders Vorsitzender Bren die heutige wirtschaftliche Zwischen zwei Frühstücken wird einmal warmes Herz fürs Stimmungsbild aus dem Reichstag Bott" gespielt- für das Stimmvieb, den Untertan, das von Ignaz Wrobel. Wenn heute im Reichstag ein einigermaßen gescheiter Mensch eine Rede hält, verlassen die Deutsch- Nationalen prompt das Lokal. Die Edelsten der Nation erheben sich von ihren Sitzen und gehen. Es hagelt Rufe: Feiglinge! Jetzt gehen sie!" Die deutsch- nationalen Stirnen zienhen sich hoch, die Mundfalten herunter, sie sind verletzt über so viel schlechte Manieren Besonders die Frauen wissen sich gar nicht zu lassen vor lauter Vornehmheit. Drüben ruft einer: Helfferich geht auch!" Karlchen, diese Mischung von Assessor und Kellner, dreht sich noch einmal um und minkt frohgemut herüber. Er ist schon wieder obenauf. Und die Sitze der Rechten, wo so viel Gesäße und so wenig Köpfe versammelt sind, bleiben leer. Was machen diese Leute während des größten Teils der Sizungen? Ihre Wähler denken, sie hörten zu und nähmen tell denn dazu sind sie ja gewählt worden. Nein, das tun sie nicht. Was machen sie also-? Im Wandelgang auf der rechten Seite des Hauses steht eine seltsame Gruppe. In tiefen Seffeln fizzen uralte Frauen, drum herum stehen uralte Männer. Es sieht aus wie die Abordnung eines königlich preußischen Armenhauses oder noch beffer: wie die Vorsitzenden eines Vereins früheres Schloßkastellane. Es sind kleine Leute, das sieht man. Sie haben alle etwas Geducktes im Blick, sie stehen gleichsam mit den Augen stramm. In ihrer Mitte sitzt ein Abgeordneter der Rechten, ein wün diger Mann mit einem großen Fußsack im Gesicht: Er liest den armen Leuten aus einem Schriftstück etwas vor. Die Gesichter bleiben bekümmert wahrscheinlich vertröstet er sie, verspricht ihnen irgend etwas, das er in der nächsten halben Stunde vergessen hat, weil er laufen muß, wenn Stinnes pfeift. Und dann werden die armen Leute nach Hause gehn. Und der Zuschauer fragt sich verwundert: Warum gehen diese Armen zu diesen Leuten-? Wie kann ein vernünftiger Mensch mit fünf gesunden Sinnen zu dieser Partei hingehen diese Partei wählen, die von Großverdienern und Stapitalisten stroßt, die während der ganzen Reichstags- Session nur nachfinnt, wie sie deren Rechte halten und erweitern tann? Kanonenfutter. Die armen Beute wackeln jetzt aus dem Reichstag und debattieren leise und eifrig. Sie sprechen darüber, was ihnen der dicke Satte vorgelesen hat. Arme Leute! Ihr seid die Dummen. Man hat euch detrogen. Geht in euer Landstädtchen zurück oder in euer Altersheim. Und wartet die paar Jahre, die ihr noch zu leben habt, darauf, daß euch der Deutschnationale seine Versprechungen erfüllt. Er wird's nie tun. Er hat keine Zeit. Er muß dem Unternehmer Hugenberg helfen, er muß Berbände finanzieren, die den deutschen Geist" bewahren.( Im Wappen: eine Handgranate). Die armen Leute! Sie haben auf der falschen Seite des Hauses gestanden. Volkskunst Rosebery d'Arguto, ein sehr ernstzunehmender Reformer auf dem Gebiete der Gesangs- und Volkspädagogik, gab einen Kunstabend in der Singakademie. Es wirkten mit: der von ihm geleitete Jugendchor, der dem Schubert- Chor angegliedert ist, dieser selbst und die Damen des Chores Groß- Berlin, drei erwachsene Solisten und zwei iunge, etwa zehnjährige Solistinnen. Diese Solistinnen stellten den Höhepunkt des im ganzen sehr erfolgreich verlaufenen Abends dar. Man sah und hörte fleine Künstlerinnen, die Kinderlieder mit einer technischen Delikatesse und mit einem seelischen Anteil vortrugen, wie man sie bei Kindern und gar bei Arbeiterkindern( Hört, hört!) noch niemals gehört hat. Man denke: diese Kinder traten vor ein großes Publifum, produzierten sich mit starkem und zugleich naivem künstlerischem Bewußtsein, atmeten bewußt, phrasierten, intonierten bewußt, setten feinfühlig ab und gaben dem Inhalt sein Recht. Wie wirkt ein solches Beispiel auf die übrigen Kinder, wie kann da einem ganzen Volke mit der Zeit durch Kunst geholfen werden! Auch das Programm war vorzüglich. Alles auf freiheitlichen Inhalt und fünftlerische Kultur gestellt. Bei allem Lob darf wohl auch einiges getadelt werden: die oft recht ungefchickte und bombastische Propaganda in Bei den Abstimmungen wurde zunächst mit 128 gegen 88 Stimmen der Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft ab gelehnt, ebenso mit 90 gegen 105 Stimmen ein Antrag, der die Zusammenarbeit mit den christlichen und HirschDunckerschen Gewerkschaften abgelehnt wissen wollte. Alle übrigen Anträge, darunter auch die, die der Redaktion einen Tadel aussprechen wollten, wurden gegen ganz geringe Minderheiten abgelehnt. Annahme fand eine Resolution, in der in einer zu engen Verbindung zwischen Tarif- und Arbeitsgemeinschaft eine Gefährdung des Tarifgedankens erblickt wird, den Austritt aus den Arbeitsgemeinschaften so lange nicht für ratsam hält, bis nicht eine andere gesetzliche Regelung der Besetzung dieser Stellen gebildet ist. Gegen 10-12 Stimmen wurde der Gesamtvorstand ent I afte t. Nunmehr trat der Verbandstag in die Erörterung über den Leipziger Gewerkschaftsfongreß ein, über den Woll. mann Danzig berichtet. Angestellte der Berliner Metallindustrie Die am Montag, vormittags 11 Uhr, mit dem V. B. M. J. stattgefundenen Verhandlungen haben zu feinem Ergebnis geführt. Das Angebot der Arbeitgeber( Verdoppelung des Grundgehalts plus 130% Zuschlag- das macht 17% 2% Erhöhung des Gesamteinkommens-) wurde von den Gewerkschaften als Verhöhnung angesehen und einstimmig abgelehnt. Das Reichsarbeitsministerium ist bereits angerufen worden. Wir bitten unsere Kollegenschaft, sich nicht durch eventuelle Bekanntmachungen des V. B. M. J. irreführen zu lassen. Die Einheitlichkeit in den Betrieben muß Wir bitten unter allen Umständen gewahrt bleiben. unsere Funktionäre nochmals, restlos zu der am Mittwoch stattfindenden AfA- Funktionärversammlung zu erscheinen. AFA- Bund, Ortskartell Groß- Berlin. Sozialistische Proletarier- Jugend. Alle Jugendlichen die im Graphischen Hilfsarbeiterverband find, werden zu einer dringenden Aussprache am Donnerstag, den 20. Juli, abends 7½ Uhr, bet Baum, Stallschreiberstr. 47, eingeladen. Vollzähliges Erscheinen erwartet die Zentrale. Parteiveranstaltungen Geschäftsleitungssigung( Bezirksleitung) Mittwoch, den 19. Juli, nachmittags 4 Uhr, Parteibüro, Breite Straße. Wichtige Tagesordnung. Pünktliches Erscheinen dringend nötig. Schöneberg- Briedenau. Die Mitgliederversammlung für den Friedenauer Ortsteil findet erst Mittwoch in 8 Tagen statt. Dienstag, den 18. Juli. 2. Verwaltungsbezirk, 4. Distrikt, Westen. Abends 8 Uhr bei Wiemers, Bülowstraße 58, Funtionärligung. Nurse und wichtige Besprechung. 4. Verwaltungsbezirf. 11., 12., 13. und 14. Distrikt. Abends 7 Uhr Sizung der Frauenarbeits- und Kinderschußkommission bei Hoffmann, Lhchener Str. 8. Erscheinen aller Genossen dringend notwendig. 7. Distrikt, 1. Abteilung. Die zu heute bei Leuschner einberufene Funktionärfibung findet umständehalber nicht statt. Die nächste Sigung wird an dieser Stelle bekanntgegeben. 19. Diftrift. 8 Uhr bei Bieler, Dieffenbachstraße 76, Sigung der Agita tionsfommiffion. Jeder Besirr muß einen Bertreter stellen. Lichtenberg- Stadt. Biertelsführer heute die Billetts zum Sommerfest bom Genossen Seiple, Kronprinzenstraße 47, abholen. Für die Bildungskommission Ausgabe der Billetts Donnerstag Abend 7 Uhr. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Bez. Prenzlauer Berg. Sigung aller Helfer und helferinnen abends Uhr Danziger Straße 61/63, Bimmer 310 Vereinskalender Dienstag, den 18. Juli. Berbaub der Buchbinder und Papierverarbeiter( 2uguspapierbranche). Nachmittags 5% Uhr im Gesangsfaal des Köllnischen Chmnaftums, Insel straße 2/5( Ede Wallstraße). Koloriftinnen- Bersammlung. Bollzähliges Er fcheinen erwartet unbedingt. Geschäftsbuchbranche! An bie Betriebsräte und Bertrauensleute der Geschäftsbuchbranche! Bormittags 10 Uhr im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25, wichtige Sigung. Das Erscheinen aller Etuis und Kartenbranche! Nach Obengenannten ist unbedingte Pflicht. mittag 4% Uhr im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25, Branchenbersammlung Tagesordnung: Bericht von den Weimarer Berhandlungen. Im Intereffe eines jeden Einzelnen ist unbedingtes Erscheinen geboten! Album, Mappen- und Galanteriebranche. Nachmittags 5 Uhr bei ille, Seba stianstraße 39, Branchenversammlung gemeinsam mit den Sattlern und Portefeuillern, Pünktliches Erscheinen erwartet. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Branche: Graph. Gewerbe, Branche 7, Buchdruckereien. Abends 5 Uhr in der Schulaula, Stallschreiberstr. 54 a, Gruppenversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Lohnverhandlung. Berantwortlich für die Redaktion mit Rauch, Berlin; für den Inferatenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Romeriner Berlin. Berlags- Genossenschaft Greiheit", e. G. m. b. S., Berlin.- Drud bon Gehring& Reimers, G. m. 6. S., Berlin G. 68, Ritterstraße 75 Schrift und Wort, die Temponahme und die Unfreiheit der Dirigierkunst d'Argutos und die Wahl mancher Nummer, die das Können der Ausführenden weit überstieg; ich meine einer Nummer etwa wie ,, Auf den Tod der Nachtigall" von Mozart. Es genügt nicht, daß man den„ Englischen Sängern" das Sizzen nachahmt, man muß auch so funstvoll wie sie fingen. Was aber sollen all diese kleinen Einwände des Kritikers vor der wirklichen Tat d'Argutos! Diese wird weiterwirken, und das Proletariat und hoffentlich auch das Kultusministerium wird und soll d'Arguto zu weiterer Arbeit helfen. Was uns not tut?" fragt d'Arguto in seinen einleitenden Programmworten, und er antwortet: eine gesunde, kraftvolle, im Wesen des werftätigen Volfes wurzelnde Wechselbeziehung von individualistischer und individualistischer und gemeinschaftlicher Kunst. Eine wissenschaftliche Kunst, die den tragischen Lebensinhalt der nach vollkommener geistiger und sozialer Harmonie strebenden Gleichgesinnten bewußt und gefühlsmäßig organisiert." Ja, wahrhaftig, das tut uns neben allem und vielem anderen sehr, sehr not. Der Komponist James Rotstein wirkte als anregender und tüchtiger A. N. Begleiter mit. Münzen des Krösus. Dreißig aus der Zeit des berühmten Lyderkönigs Krösus stammende Münzen, die zu den ersten überhaupt geprägten Goldmünzen gehören, sind von ameri= fanischen Archäologen in den Ruinen von Sardes, der alten Indischen Hauptstadt. in Kleinafien gefunden worden. Sie müssen der Zeit zwischen 561 und 546 vor Christi entstammen, also dem Zeitraum von der Thronbesteigung des Krösus bis zur Einnahme seiner Hauptstadt durch die Perser unter Cyrus. Die Münzen, die zur Gattung der Statere gehören, sind außerordentlich gut erhalten, obwohl einige davon längere Zeit im Umlauf gewesen au sein scheinen. Die Nachricht von dem Fund ist durch den Archäologen an der Universität Columbia, Dr. Leslie Shear, nach den Vereinigten Staaten gebracht worden, der berichtet, daß man die Goldstücke in einem irdenen Gefäß unter den Ruinen eines Grabes entdeckt hat. Er meint, sie seien dort von einem reichen Under während der vierzehn Tage dauernden Belagerung der Stadt durch Cyrus verborgen worden. Gegenwärtig sind sie im Besitz der Entdecker, da noch keine endgültige Entscheidung über das Eigentumsrecht getroffen ist. Die Ruinen liegen in einem Gebiet, in dem nach dem Vertrag von Sevres Altertumsfunde zur Hälfte dem Museum in Konstantinopel, zur anderen Hälfte den Findern gehören sollen.