Einzelpreis 3.- Mk. Die reibet" erscheint täglich einmal als Morgenausgabe unt Montags als Abenbausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freis Welt"," Frauen Welt" und" Der Jugend- Genosse". Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Saus für den Monat Auguſt 48, M., im boraus zahlbar. Bestellungen nehmen sämtliche Bostanstalten ent gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar unb Memelgebiet fomie bie früheren deutschen Gebiete Polens und Luxemburg 88,- M., für das übrige Ausland 116,- M. Berl, u. Erp. Berlin N. 40, Kronprinzenufer 27 L Tel. Moabit 2021. Freifag, den 21. Juli 1922 5. Jahrg, Nummer 277 Die wolfgespaltene Ronpareillegeile oder deren Raum loftet 25,- M., einschließlich Inferatensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgebrudte Bors m., jedes weitere Bort 3, M. einschließlich Inseratenftener. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 16, m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fert gebrudte Mort 3, M., jedes weitere Wort 2, M. Redaktion: Fernsprecher Dönhoff 4190, 4191 und 4192, Berlin SW. 68, Ritterstr. 75, III. Freiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Moratorium und Überwachung der deutschen Finanzen| Der Berrat der Kommuniſten ( DA.) Berlin, 20. Juli. Wie die„ Dena" aus wohlinformierten, der Reparationstommission fernstehenden Kreisen erfährt, ist das Garantiefomitee der Ansicht, daß ein mindestens zweijähriges Mora= torium für die deutsche Regierung gewährt werden muß, wenn eine Gesundung der finanziellen Verhältnisse eintreten soll. Das Garantiekomitee wird seinen Bericht in Paris in diesem Sinne erstatten, hat jedoch gleichzeitig der deutschen Regierung die Bedingungen mitgeteilt, unter denen allein nach seiner Ansicht das erste( drei- oder sechsmonatiges Versuchsmoratorium) wie das zweite Moratorium bewilligt werden können. Die deutsche Regierung verpflichtet sich, sowohl den Etat wie alle finanziellen Gefeßentwürfe zwei Delegierten der Reparationskommission, die sich in Berlin zum Zwecke der finanziellen Beobachtung ständig aufhalten werden, vorzu Tegen. Es muß indessen ausdrücklich betont werden, daß diese Verpflichtung zur Vorlage ausdrücklich erst dann Geltung gewinnt, wenn die in Frage kommenden Gesezentwürfe, Etat, Nachtragskredite, Stenergeseze, ohnehin das Kabinett passiert haben und den parlamentarischen Körperschaften be= reits zur Beschlußfassung zugegangen sind. Die deutsche Regierung hat ferner zugesagt, daß sie nunmehr ihren alten Plan eines fliegenden Kontrolldienstes verwirklichen will. Besondere Beamten und Kommissionen des Reichsfinanzministeriums werden bei den einzelnen Finanzämtern Einsicht in die Durchführung der Veranla gung und Steuererhebung nehmen und die genaue Durchführung der Steuergesehe überwachen. Diese fliegenden Inspektionen werden von Zeit zu Zeit von einem Vertreter der Interalliierten Finanzkontrollkommiffion begleitet sein, der sich selbst davon überzeugen fann durch Stichproben oder durch eine andere Art der Prüfung- ob und wie der Laufende Kontrollapparat des Reichsfinanzministeriums funktioniert. Die Tätigkeit dieses alliierten Begleitfommissars ist aber immer und unter allen Umständen streng begrenzt durch die von der Wahrung der von der deutschen Regierung heute wie stets beanspruchten Rechte des Steuergeheimnisses, der Aufrechterhaltung der Steuersouveränität und der Verhinderung jedes Eingriffs in die Verwaltung. Ueber die Nachprüfung der deutschen Finanzen hinaus erstrecken sich die vom Garantiekomitee geforderten Maßnahmen auf wirksamere Bekämpfung der Kapitalflucht und Wiederausbau der Ein- und Ausfuhrstatistik auf die Höhe des Vorkriegsstandes. Fortan wird jede Kapitalausfuhr der Genehmigung unterliegen. Eine Ausnahme soll nur da erfolgen dürfen, wo es sich um Personen oder Firmen handelt, die berufsmäßig und ständig mit dem Auslande Geschäfte machen. Hier soll eine generelle Bescheinigung der Handelsfammer ausreichen. Diese Regelung ist getroffen worden, weil anders der Exportverkehr tödlich getroffen würde. Die in Börsen- und Finanzkreisen gerüchtweise behauptete Wiederbelebung der Devisenkontrolle durch eine zentrale Stelle kommt in feiner Weise in Frage. Schließlich hat sich die deutsche Regierung noch verpflichtet, gewiffe finanz- statistische Einrichtungen zu treffen, um den interalliierten Kontrollorganen auch auf diesem Gebiete ihre Tätigkeit zu er= leichtern, Die Gültigkeit der vorstehend geschilderten Finanzkontrolle wird beschränkt werden auf die Dauer der Gültigkeit des Moratoriums. Die Inferalliierte Verschuldung Die erste Veröffentlichung authentischer Ziffern ( DA.) London, 20. Juli. 6 ˊ • 23 200 000 Rumänien 2 800 000 Rußland 187 700 000 23 500 000 Serbien 26 200 000 3 300 000 Insgesamt beläuft sich die alliierte Verschuldung gegen: über Amerika auf 10 150 300 000 Dollars mit einem Zinsengesamtbetrag von 1 172 200 000 Dollars. II. Die Verschuldung gegenüber England. Es schuldeten am 31. März d. J. aus Kriegsanleihen: Rußland 655 000 000 Pfund Sterling Frankreich 584 000 000 Italien 503 000 000 Jugoslavien . • i • 7 Portugal, Rumänien, Griechenland u. andere Alliierte Insgesamt " " " " 25 000 000 " 39 67 000 000 PP " 1 834 000 000 Pfund Sterling Aus Silfs- und Wiederaufbauanleihen: Desterreich 12 100 000 fund Sterling Polen. Rumänien Jugoslavien Andere Staaten Insgesamt. 4 7 3 900 000 " " T 2 200 000 " " 2 000 000 " " 4 1 000 000 " 1 " • • Belg. Wiederaufbauanleibe Andere Anleihen: Armenien 21 000 000 Pfund Sterling 9 000 000 Pfund Sterling 829 000 " " " Tschecho- Slowa atei 2000 000 Die Gesamtverschuldung an Groß- Britannien unter Einrechnung der Schuld der Dominien von rd. 150 432 000 Pfund Sterling beläuft sich auf 2017 461 000 Pfund Sterling. III. Die Verschuldung Englands Nach dem Stande vom 31. März d. J. schuldete England an Amerika 856 093 000 fund Sterling Canada Javan 4 Straits Settlements Mauritius Andere alliierte Regierungen Jusgesamt. .. 25 360 000 " " 3 000 000 " " 7 656 000 " " 538 000 " " 128 000 000 " " 1 020 647 000 Pfund Sterling IV. Verschuldung gegenüber Frankreich Es schuldeten am 31. März an Frankreich: 5 939 000 000 Francs Rußland Belgien. 1 684 000 000 Serbien. Rumänien 7 Griechenland Polen Tschecho- Slowakei Italien Verschiedene Staaten Insgesamt • " 1795 000 000 " B 1 181 000 000 " 861 000 000 1056 000 000 " " 574 000 000 " 49 000 000 " 42 000 000 15 181 000 000 Francs. V. Verschuldung Frankreichs. Frankreich schuldete am 31 März an 584 000 000 Pfund Sterling 2 950 800 000 Dollars 133 000 000 en Groß- Britannien Amerika Japan. . • • Für Italiens und Belgiens Gesamtverschuldung fehlen die Einzelziffern, auch sind die darüber bestehenden Statistiken teilweise sehr widersprechend. Die Beschlüsse des Garantiekomitees Im Hinblick auf die bevorstehende Konferenz der Minister- Nacht in Paris eingetroffen. Ein Mitarbeiter des Präfiden= präsidenten Englands und Frankreichs, in der das Reparationsproblem und das damit in engstem Zusammenhange stehende Problem der interalliierten Verschuldung. die Hauptberatungsgegenstände bilden werden, gelangen jett zum ersten Male authentische Biffern aus bester Quelle über das Ausmaß der gegenseitigen Verschuldung zwischen den alliterten und affoziierten Regierungen zur Veröffentlichung. Diese Ziffern find, wie hervorgehoben werden muß, Schäßungsziffern, stüben sich aber auf die besten und erst in allerjüngster Zeit zugänglich gewordenen Quellen, so daß ihnen autoritativer Wert zufommt. I. Die Schulden der Alliierten gegenüber Amerika. Bis zum 31. 12. 1921 nichtbezahlte Zinsen Dollars Tschecho- Slowakei Kapital Dollars 42 700 000 7.100 000 357 900 000 509 200 000 Belgien Cuba • 347 700 000 8 100 000 61 300 000 Frankreich 2 950 800 000 Groß- Britannien Griechenland 1 15 000 000 Italien 3 1 648 000 000 202 300 000 4 166 300 000 ( EE.) Paris, 20. Juli. Das Garantiekomitee ist gestern ten Manclère versicherte einem Vertreter des Excelsior, die Abreise habe sich deshalb verzögert, weil Dr. Wirth längere Besprechungen mit den Führern des Garantiekomitees hatte. Doch sei ein eingehender Bericht über die Beobachtungen und die Beschlüsse des Garantickomitees bereits vorher in Paris angelangt. Die Reparationsfommission sei daher bereits über die Arbeiten, die das Garantiefomitee verrichtet habe, unterrichtet. Es wurden vier Beschlüsse gefaßt: 1. Das Reichsbudget muß vollständig der Kontrolle des Romitees unterworfen werden. Ausgaben und Einnahmen des Reiches müssen sämtlich vom Komitee beglaubigt werden. Ausgabenprojekte müssen, che sie dem Reichstag vorgelegt werden, der Kontrolle des Komitees unterbreitet werden. 2. Aus- und Einfuhr des Reiches werden gleichfalls einer aufmerksamen Kontrolle unterzogen. 3. Die Kapitalflucht wird scharf überwacht werden. Sämtliche finanziellen, wirtschaftlichen und industriellen Statistiken werden vom Garantiekomitee künftighin aufmerksam geprüft werden. Das in Berlin verbreitet gewesene Gerücht, daß als Be: bingung für ein Moratorium die Auslieferung einer Anzahl von Aktien der deutschen Industrie gefordert werden würde, entspricht nicht den Tatsachen. Das Verratsgeschrei der Kommunisten gegen die USP. und SPD. füllt wieder die Spalten der Roten Fahne". Aber es zieht nicht mehr, zumal die kom. munistischen Schreier denselben Verrat begangen haben, dessen sie die beiden sozialistischen Parteien anklagen. Sie werfen diesen vor, die gemeinsamen Forderungen im Reichstage nicht restlos durchgesetzt und den ungenügenden Schußgefeßen zugestimmt zu haben. Ganz dasselbe haben die Kommu= nisten getan. In der von Stoecker im Reichstage verlesenen Erklärung des kommunistischen Grüppchens heißt es über das Amnestiegesetz: Nicht erfüllt ist auch die Forderung der Amnestie im Reiche und in den Ländern für alle wegen politischer Vergehen verurteil ten Arbeiter. Nicht erfüllt ist die Forderung der Amnestie für die aus Anlaß des Eisenbahnerstreiks zur Verantwortung Gezogenen und der Einstellung aller aus demselben Anlaß eingeleiteten Disziplinarberfahren. Trotzdem haben die Kommunisten dem mangelhaften Amnestiegesetz im Reichstage zugestimmt. Darüber aber sagt die„ Rote Fahne" kein Wort! Dagegen ist fie schamlos genug, der USP. und SPD. dieselbe Zu= stimmung zum Amnestiegesetz als Verrat an den politischen Gefangenen vorzuwerfen. Der Gipfel der Perfidie! In Stoeckers Erklärung heißt es weiter: Die Gesetze enthalten feine Vorschriften zur wirksamen Säuberung der Regierungsstellen und Behörden, einschließlich der Gerichte und der Reichswehr von allen monarchistischen und antirepublikanischen Elementen. Nicht aufgehoben sind die Beamtenrechte, die dieser Säuberung entgegenstehen. Trotzdem haben die Kommunisten dem unzuläng lichen Beamtendisziplinargefeß zugestimmt. Auch darüber sagt die" Rote Fahne" kein Wort! Aber sie beschimpft USP. und SPD., weil sie das gleiche getan haben. Die Kommunisten hätten trotz ihres Verratsgeschreies gegen die beiden sozialistischen Parteien sogar für das Schuhgesez gestimmt, wenn dessen An nahme nicht durch die Deutsche Volkspartei gesichert. gewesen wäre. Umgekehrt hätten sie auch gegen das Amnestiegesetz und das Beamtendisziplinargesetz gestimmt, wenn die Deutsche Volkspartei dafür gestimmt haben würde. Da aber die Stinnes- Partei gegen diese Gesetze stimmte, bekamen es die Kommunisten mit der Angst, daß sie abgelehnt werden könnten und sie stimmten deshalb schleunigst dafür. Sie waren ängstlich besorgt, daß ja keines der Gesetze unter den Tisch fiel und spähten immer danach aus, einzuspringen, wenn die Annahme eines der Geseze bedroht schien. Nur wo es auf ihre Stimmen nicht antam, beim Schußgesez und dem Gesetz über die Mittel dafür, mimten sie den Radikalen und stimmten dagegen. Parlamentarischer Schieber= Opportunismus verächtlichster Sorte! Und den kommunistischen Arbeitern serviert die„ Rote Fahne" das alles als rrrrevolutionäre Taktik! Die Kommunistischen Führer sind im Innern ihres Herzens heilfroh über das in den Gesetzen Erreichte. Vor den Arbeitern aber denunzieren sie es als Verrat am Proletariat. Dabei entschlüpft ihnen ungewollt hin und wieder doch die Wahrheit. So schreibt die„ Note Fahne" über die kommunistische Niederlage bei der Wahl des Bevollmächtigten des Metallarbeiterverbandes in Berlin: Wenn es nun troßdem anders gekommen ist, so zeigt dies, daß eben große Massen noch nicht begriffen haben, um was es geht und daß wir Kommmisten, die wir überall im Bordertreffen stehen, allzuleicht geneigt sind, die politische Trägheit eines großen Teils des Proletariats zu unterstützen. Aus dieser Tatsache gilt es für unsere Genossen zu lernen und die Aufrüttelungsarbeit mit um so größerem Eifer fortzusetzen." Das ist ein wertvolles Eingeständnis! So ist es in der Tat: Die kommunistischen Führer haben feine blaffe Ahnung von der wirklichen Geistesver faffung des deutschen Proletariats. Deshalb geberden sie sich bei jeder Aktion des Proletariats als Amofläufer. Weil die beiden sozialistischen Parteien diesen Wahnsinn nicht mitmachen, deshalb Räuber und Mörder! Es wird den kommunistischen Schreiern diesmal nicht gelingen, im Trüben zu fischen. Das Proletariat hat das ewige Verratsgeschrei gründlich satt. Es wird über seine Urheber zur Tagesordnung übergehen und sich sammeln zum Stampfe um das Banner des vereinigten Sozialismus! Regierungskrise in Italien Sturz des Kabinetts Facta In der Mittwochsitzung der italienischen Kammer wurde anläßlich einer Abstimmung über einen Mißtrauensantrag für die Regierung das Kabinett Facta mit 288 gegen 103 Stimmen gestürzt. Ueber die Einzelheiten der Kammersizung wird folgendes ge meldet: Nach Eröffnung der Sigung legte Turati die eine Motion der Sozialisten bor ,, worauf der Ministerpräsident in einer furzen Ansprache die innerpolitische Lage des Landes schilderte und erklärte, daß die Regierung ben Behörden die strengste Anwendung der Gesetze des Landes auferlegt habe. Die Regierung appelliere an die Hilfe des Parlaments. Im Namen der Volkspartei legte Longinetti folgende Entschließung vor: ,, Die Kammer stellt fest, daß die Regierung die zum Aufbau der Volkswirtschaft und der Finanzen des Landes unentbehrliche innere Befriedigung nicht durchführen konnte." Der Redner der Liberal demokraten sowohl wie Mussolini im Namen der Faszisten sprachen sich für das Mißtrauensbotum aus. Mussolini erklärte noch, wenn eine Regierung folgen werde, die die faszistische Bewegung zu unter brüden gedenke, werde die gutorganisierte Fassistengruppe eine folche Regierung ablehnen. Im Namen der Demokraten sprach der frühere Minister Alessio, der erklärte, daß seine Gruppe gegen die Entschließung stimme. Im gleichen Sinne äußerten sich die Vertreter der Nationalisten und der agrarischen Partei. Nach weiteren Parteiäußerungen erklärte Ministerpräsident acta, bas bie Regierung den Antrag Longinettis nicht annehmen werde und verlange Abstimmung. Von den anwesenden 392 Deputierten. stimmten 391, 103 für, und 288 gegen die Regierung. Für sie stimmten nur die Nationalisten, die Rechtsliberalen, Giolittianer Agrarier. Facta erklärte, daß die Regierung sich die Entscheidung vorbehalte und schlug Vertagung der Sigung vor. Nach der Sigung bersammelten sich die Mitglieder der Regierung. Nach kurzer Aussprache wurde der Rücktritt der Regierung beschlossen. Man nimmt allgemein an, daß ein Kabinett ber Linfen gebildet werden wird. * 4 Die Regierungsfrise in Jtalien stellt die italienische Sozialistenpartei bor sehr ernste Entscheidungen. Die jeßige Regierung ist gefüürzt ben den Rechts parteien, weil sie angeblich zu scharf die Faszisten bekämpft, bon den Linksparteien, weil sie der Regierung Schlappheit gegenüber den Faszisten vorwarfen. Sollte eine Links. regierung dem Kabinett Facta folgen, was nicht unwahrscheinlich ist, so wird zweifellos an die italienischen Sozialisten die Frage des Regierungseintritts herantreten, über die bekanntlich seit Monaten in der Partei diskutiert wird. Die Richtung Turati, die für den Regierungseintritt ist, hat in legter Zeit immer mehr an Boden gewonnen und es ist zu erwarten, daß die legten Ereignisse dieser Richtung das Uebergewicht verschaffen werden. Auf alle Fälle werden heftige Auseinandersegungen in der Partei die Folge sein, wobei die Befürchtung einer Spaltung nicht unbegründet ist, da es in der Partei immer noch unbelehrbare Anhänger Moskaus gibt. Generalstreik und Faszistenkämpfe ( EP.) Mailand, 20. Juli. Der Zentralausschuß des Arbeiterverbandes hat die Profiamation des Generalftreiks über ganz Italien beschlossen. Das Datum wird später feft= gefeßt werden. ( EP.) Mailand, 20. Juli. Der Vorstand der Mailän der Faszistenpartei veröffentlicht ein Manifest, in welchem der Generalstreik in Mailand als eine unbegründete Herausforderung bezeichnet wird ure betont wird, daß die Faszisten sich den Uebergriffen ihrer Gegner widerlegen werden.„ Poplo d'Italia" veröfentlicht heute ein Manifest des Vorstandes der Legionen, worin sämtliche Faszisten Mailands und der Provinz aufgefordert werden, sich von heute morgen ab als mobilisiert zu betrachten. EP. Mailand, 20. Juli. Der Streit ist bis jetzt ruhig verlaufen. Die Fabritarbeiter und die Straßenbahner enthalten sich der Arbeit. In den kleinen Privatwerkstätten wird noch garbeitet. Auch der Post- und Telegraphendienst wird noch gearbeitet. Ebenso wird die Arbeit in den ElekNur die Gastrizitätswerfen ungestört weitergeführt. arbeiter haben die Arbeit heute nicht wieder aufgenommen, so daß die Stadt nur noch bis morgen mittag versorgt ist. Zu Ruhestörungen ist es bis jetzt noch nicht gekommen. Einige Kommunisten wurden verhaftet. Infolge der Ermordung des Fassistensekretärs von Belgere zerstörten die Faszisten das Gebäude der Arbeitskammer von Vimervato und steckten es in Brand. Auch die Arbeitskammer von Bergamo hat den Streit verkündet. Die Straßenbahnen dort verkehren nicht, und auch die Zeitungen sind nicht erschtenen. Die polnische Regierungskrise Staatschef Pilsudsky zurückgetreten ( WTB.) Warschau, 20. Juli. Der vom Hauptansschuß bes Seim zum Ministerpräsidenten designierte Abgeordnete erschien gestern Mittag beim Korfanty Staatschef Pilsudsky in Audienz, über deren Verlauf von der Zivilkanzlei des Staatschefs folgende Mitteilung veröffentlicht wurde: Am 19. d. Mts. hat sich Abgeordneter Korfanty zu einer Andienz beim Staatschef angemeldet und ihm die Liste dez von ihm vorgeschlagenen Kabinetts vorgelegt. Es ent= fpann sich eine kurze Anssprache, in deren Verlauf sich der Staatschef auf sein am 14. d. Mts. an den Präsidenten des Sejm gerichtetes Schreiben berief, in dem er erklärt hatte, er könne mit Korfanty an der Bildung eines Kabinetts nicht mitwirken und kündigte seinen Rücktritt an. Bezüglich seines weiteren Vorgehens verwies der Staatschef Korfanty an seine Auftraggeber. Warschan, 19. Juli. Gazeta Poranna bezeichnet die neue Regierung als parteiloses Beamtentabinett. Kurjer Poranny bezweifelt die Zustimmung Sfirmunts und Michalskis zum Eintritt in das Kabinett und betont das Recht des Staatschefs, die Bestätigung dieser Regierung zu verweigern. Nasa Kurjer nimmt an, daß der Klub der konstitionellen Arbeit sich von der Fronde gegen den Staatschef ausschließen werde. Kurjer Polsti sieht die Zusammensetzung des Kabinetts als Zeichen der Neigung zur Verständigung an. Der von den Sozialisten propagierte Proteststreit gegen Korfanty wurde am Dienstag in Warschau durchgeführt. Nach öffentlichen Versammlungen bewegte sich ein Arbeiterzug in mustergültiger Ordnung durch die Hauptstraßen zum Sejmgebäude. Gegendemonstrationen der Freunde Korfantys fanden nitch statt. Deutsch- Polnische Verhandlungen ( W. T. B.) Warschau, 20. Jult. Gestern wurde zwischen dem deutschen Bevollmächtigten, Ministerialdirektor von Stockhammern und dem polnischen Bevollmächtigten Minister Olzewski das Programm für die deutsch- polnischen Verhandlungen auf Grund der beiderseits aufgestellten Listen vereinbart. Es umfaßt in weitem Umfange politische, finan= zielle und wirtschaftliche Fragen. Zugleich wurde schon jetzt vereinbart, daß Polen den Transit nach Rußland für Deutschland freigibt, und daß Deutschland hinsichtlich der Warenausfuhr Polen ebenso wie andere valutaschwache Länder behandelt. Die in der Kommission zu erledigenden Verhandlungen werden voraussichtlich am Montag beginnen. Augen auf! Sie wechseln die Firma! DerJungdeutsche Orden( Jungde) ist in verschiedenen Teilen Deutschlands bereits aufgelöst. In anderen besteht er noch weiter. Von dem Pressedienst der thüringischen Regierung wird darauf aufmerksam gemacht, wie schnell diese Organisation fich den Verhältnissen anzupassen versteht. Aus Anlaß des Erzbergermordes gab sie folgende Richtlinien heraus: Auflösung: Da bei der Suche nach den Mördern Erzbergers die Staatsanwaltschaft von dem Bestehen unserer Organisation offiziell Kenntnis bekommen hatte, sah sich die Leitung genötigt, die Organisation aufzulösen und ihren Sit deutschnationale Beitung ihre Meldung haben könnte, darüber schweigt sich Herr Geßler aus, obwohl das genaue Programm mit Angaben der Straßen usto. beröffentlicht wurde. Herrn Geßlers Antwort, die der Vorwärts" unglaublich nennt, ist nichts mehr als eine Ausrede. Denn bekanntlich hat die Reichsregierung, zu der ja wohl auch Herr Geßler gehört, für den felben Tag allen Staatsbehörden Anweisung gegeben, amtliche Trauerfundgebungen zu veranstalten. Um diesen Punkt drückt sich Herr Geßler bezeichnenderweise herum und fühlt sich in der Pose des belehrenden Professors den Regierungsparteien gegenüber. Hoffentlich werben ihm diese zu berstehen geben, daß sie seine böllig ungerechtfertigten Ermahnungen ablehnen und seine Antwort" eine unerhörte Brüstierung, wenn nicht gar Verhöhnung, ist. " Sozialistische Arbeitsgemeinschaft auch in Braunschweig Durch den Rücktritt des Stahlhelmministers v. Raefer in Braunschweig, mit dem sich die Wirtschaftspartei solida risch erklärte, wurde bekanntlich eine Regierungsfrise her vorgerufen. Nunmehr soll diese Krise auf folgende Art beigelegt werden: Unsere Fraktion hat sich mit der Fraftion der SPD. zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Diese sozialistische Arbeitsgemeinschaft ist an die Demokraten herangetreten mit der Aufforderung, sich an der Regierungsbildung zu beteiligen. Die Demptraten erklärten sich auch bereit, mit der USP. in der Regierung zusammen zu arbeiten, aber nur unter Mitteilnahme der Deutschen Volkspartei. Unsere Fraktion lehnte jedoch diese Forderung ab. Es wurden so neue Verhandlungen nötig, die zur Stunde unter Teilnahme der SPD., USPD. und der Demokraten noch andauern. zu verlegen. Es liegt im Intereffe der Sache, daß die einzel- Nicht die Eisenbahndirektion nen Gaue weiter bestehen und vorläufig selbständig auch weiter ausbauen. Neugründung: Damit man nicht auflösen kann, haben wir hier in Gotha die Kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger Fronts und Freifämpfer" gegründet. Der Deffentlichkeit gegenüber sind wir nur diese Vereinigung. Was wir in Wirklichkeit sind, muß jeder Angehörige unserer Organiz sation wiffen, ebenso wie auch jeder auf die eigentlichen Sagungen verpflichtet sein muß. Es folgen weiter genaue Anweisungen über Meldungen, die zu führenden Stammrollen, den Schriftwechsel, Kurierdienst usw. Sie laffen darauf schließen, daß die Organisation auch heute nicht ohne weiteres vor dem Willen des Staates fapitulieren wird. Also Augen offen gegenüber allen ,, kameradschaftlichen" Vereinigungen! Entlassung des Ministerialdirektors Bachem Wie die P. P. N. hören, hat das Preußische Staatsministerium auf Antraa des Finanzministers Dr. von Richter den Ministerialdirektor Dr. Bachem zur Disposition aeſtellt. Bachem hat bekanntlich vor längerer Zeit sein Abschiedsgesuch eingereicht, weil er als bisheriger Dezernent für die Abfindungsfrage der Hohenzollern die Beobachtung machen au fönnen geglaubt hatte, daß der gegenwärtige preußische Finanzminister ihn ausschalte und in der Abfindungsfrage Wege einschlage, die er nicht vertreten könne, Ministerialdirektor Bachem befindet sich agenwärtig auf einer Urlaubsreise in Argentinien. und man hatte angenommen, daß sein vor der Abreise eingereichtes Abschiedsgesuch erst nach feiner Rückkehr erledigt werden würde. Soweit die PPN. Bachem hat in der Hohenzollernabfindungsfrage gegen die Millionenverschlenderung opponiert. Es handelt sich also feineswegs nur um die Ausschaltung. Diese fommt vielmehr hinzu. Daß der Finanzminister gerade die Zeit der Abwesenheit Bachems zu seiner Entlassung vornimmt, ist bezeichnend. Deutschnationale„ Ideale" Bei der deutschnationalen Entlastungsoffensive wird sehr oft auf die durchaus„ ideale Gesinnung" der Mörder Rathenaus, Erzberger usw. hingewiesen. Dazu schreibt die SK.Korrespondenz: Wir möchten diese Lobredner der deutschnationalen Mordgesellen, einschließlich der volksparteilichen " Zeit", doch ersuchen, recht vorsichtig zu sein. Die Gerichtsverhandlung wird noch erweisen, daß der dritte Mittäter, der Student Techow unmittelbar nach der Tat geäußert hat: „ Es blieb uns nichts anderes übrig als Rathenan umzubringen. Wir hatten alle kein Geld mehr. Wir müssen einen großen Kommunistenaufstand provozieren, damit wir wieder in eine anständige Stellung Tommen." Der Jdealismus der Mörder war also auch echt deutschnational: er hing mit dem Geldbeutel zusammen. Geßlers Höchstleistung Auf das Schreiben der drei Casseler Regierungsparteien, Zentcum, Demokraten und Sozialdemokraten, über die nationalistische Demonstration der Reichswehr am Trauertage für Walter Nathenau. hat sich nunmehr der Reichswehrminister Geßler ge äußert. Bekanntlich zog das Reichswehr- Infanterie- Regiment 18 am 28. Juni mittags unter Abspielung von nationalistischen Liedern, wie: Ich bin ein Preuße usw. durch Cassel. Diese offenfundige Herausforderung an alle Republikaner, ausgerechnet an einem Trauertage, to 60 000 Arbeiter demonstrierten, wurde merfwürdigerweise am Tage vorher vom Caffeler deutschnationa Ieu Blatte angekündigt. Was hat der Demokrat Ge ßler num barauf zu antworten? Hören wir: sondern die Polizei ist schuld Wir wiesen in einem Artifel vom 12. Juli ,, Umzingelung der Rathenau- Mörder" darauf hin, daß durch verspäteten Abtransport der Schupobeamten nach Gardelegen die Er mittelung der Mörder stark verzögert wurde. Die Eisenbahndirektion sandte uns wiederholt eine lange Erklärung, „ daß weder der Eisenbahndirektionspräsident noch irgend ein Beamter der Eisenbahndirektion irgend etwas getan hätten, um den Transport zu verhindern". Nach der Darstellung der Eisenbahndirektion hat das Polizeipräsidium wegen des hohen Preises selbst auf die Stellung eines Sonderzuges verzichtet und das Gesuch auf Beförderung mit dem etwas später fahrenden D- Bug 12 ebenfalls rückgängig gemacht, weil die Beamten nicht rechtzeitig fertig sein könnten. Deshalb set der Personenzug 2,20 Uhr ab Lehrter Bahnhof benutzt worden. Wir werden uns nachträglich nicht in große Auseinandersetzungen über diesen Punkt einlassen. Schon deshalb nicht, weil inzwischen die Verfolgung durch den Tod der Mörder ihre Erledigung gefunden hat. Aber merkwürdig berührt die Berichtigung angesichts der Tatsache, daß auch der„ Vorwärts" noch am Sonnabend von seinem nach Gardelegen entfandten Sonderberichterstatter einen Bericht bringt, in dem nicht nur auf den Streit der Eisenbahn", sondern auch darauf hingewiesen wird, daß die Oberpostdirektion Magdeburg es abgelehnt hat, für die Ermittlung der Mörder, als fie fich in Gardelegen aufhielten, durch ausgiebigstes Zur Verfügung- Stellen der Telephonleitungen zur schnellsten Er> greifung der Mörder beizutragen. Republikanische Eisenbahnbeamte Wie manche Eisenbahnbeamte zur Republik stehen, zeigt folgender Vorfall, der sich am 16. Juli in Fürstenberg in Mecklenburg abspielte. Der stramm nationalistische med lenburgische Sängerbund hatte dort. ein Sängerfest veranstaltet. Bei dieser Gelegenheit konnte es der Bahnhofsvorsteher in Fürstenberg nicht unterlassen, dieser monarchistischen Gesellschaft zu Ehren das Dienstgebäude mit einer großen schwarz- weiß- roten ahne zu beflaggen. Der Herr Verfehrsminister Gröner hat also die beste Gelegenheit, diesem fchwarz- weiß- roten Republikaner einmal gehörig auf die Finger zu klopfen. Es fragt sich nur, ob er dazu der geeignete Mann ist. Dr.Wiemer, Oberpräsident der Grenzmark Der deutsch- volksparteiliche Abgeordnete Dr. Wiemer ist zum Oberpräsidenten der Grenzmark mit dem Sitz in Schneidemühl bestimmt worden. Ein Memorandum Poincarés ( EP.) Paris, 20. Juli: Poincaré überreichte heute dem Präsidenten der Reparationskommission Dubois ein Memorandum, das er gemeinsam mit dem Finanzminister Delasteyrie ausgearbeitet hat, und in welchem die Verantwort lichkeit Deutschlands für seine gegenwärtige Finanzlage bewiesen werden soll. Fortsetzung der Haager Petroleumkonferenz in London ( EE.) Haag, 20. Juli. Die Petroleumverhandlungen zwischen der Standard Dil Company und der Royal Durch Company werden von heute an in England geführt werden, wo der Präsident der Standard Oil Company Walther Teagi und der Vizepräsident John Simson bereits eingetroffen sind. Man glaubt, daß auch der Präsident der Royal Dutch Detering von hier nach London reisen wird, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Die französische Delegation reiste heute nach Paris zurück. im irischen Bürgerkrieg Die Annahme ist falsch, daß das Spielen der Musik bor einer marschierenden Truppe ein festlicher Aft, etiva. wie ein öffentliches Konzert sei. Die Musir ist ein Teil der Truppe und hat die dienstliche Bestimmung, ihren Geist zu beleben und dadurch ihre Marschfähigkeit zu heben... Auch bei der Rückkehr von Truppenteilen bon Beerdigungen hat die Mausit bie üblichen Friedensverhandlungen Armeemärsche zu spielen... Die Annahme, daß das Verhalten der Truppen beim Durchmarsch in Caffel eine politische, gegen die Republik gerichtete Demonstration dargestellt habe, ist vollständig unbegründet. Die Truppen haben sich korrekt und ihren Vorschriften entsprechend benommen. Um so weniger kann ich es berstehen, daß aus diesem Anlaß die Drganisationen der drei Parteien schwere Berdächtigungen gegen die Reichswehr und maß lose Forderungen erhoben haben. Weiter behauptet Herr Geßler, daß keiner Zeitung von dem Durchmarsch der Truppen Mitteilung gemacht wurde. Woher die ( W. T. B.) London, 20. Juli. Im irischen Bürgerfrieg ist anscheinend eine Wendung eingetreten. Vertreter der Frregulären sind in Cork, dem Hauptquartier der Regierungstruppen, eingetroffen, um über Friedensbedingungen zu verhandeln. Es steht allerdings noch nicht fest, ob alle Führer diesen Schritt billigen. Seit 8 Tagen ist Zimmerid der Mittelpunkt der Kämpfe, 3wei wichtige Stützpunkte der Aufständischen wurden von Regie rungstruppen genommen. Deutschnationaler Hexensabbat Vor der Gründung einer Mörderpartei? Bei den deutschnationalen Brüdern gehts drunter und drüber. Das faule Parteigebilde hat durch die Auswirfungen des Nathenaumordes einen bedenklichen nag erhalten und allem Anscheine nach sind die Deutschnationalen dabei, sich zu spalten. Bei den anständigeren Mitgliedern regt sich so etwas wie Reinlichkeitsgefühl. Sie lehnen die Gemeinschaft mit Mordheßern und Helfershelfern ab. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Prof. Düringer hat bereits seinen Austritt aus der deutschnationalen Fraftion vollzogen. Darauf schien es die Fraktion mit der Angst zu tun zu bekommen vor der Gefahr weiterer Austritte und sie beschloß, den Abgeordneten Major Senning auszuschließen. Henning hatte bei der Partei einen Untersuchungsausschuß gegen sich beantragt, weil er verschiedentlich in Verbindung mit der Mörderorganisation C genannt wurde. Der Ausschuß entschied daraufhin in einer Sibung, daß Henning der Partei unerwünscht sei und schloß ihn aus. Die Pressestelle der Deutschnationalen erklärt dazu: ,, Um jeder Legendenbildung vorzubeugen, stellen wir hierzu fest, daß die Zugehörigkeit des Abg. Henning aur deutschvölkischen Bewegung mit den Gründen, die zu seinem Ausscheiden aus der Fraktion geführt haben, nichts zu tun hat. Diese Gründe liegen vielmehr nur in der persönlichen Art des Abg. Henning, sich politisch zu be tätigen." Aus diesem Fall Henning ist aber nunmehr ein offener Parteifonflikt entstanden. Es haben sich nämlich mit Henning solidarisch erklärt die Abgeordneten Wulle und von Graefe- Goldebee, die ihren Austritt aus der Fraktion mitgeteilt haben. Ueber die Schwere des Konflifts lassen die deutschnationalen Blätter feinen 3weifel. So schreibt im Wulleblatt dessen Direktor Fr. Sonntag: Mag auch der Abgeordnete Henning nicht der Vertreter der völlischen Bewegung sein, und ist auch die völkiiche Bewegung selber nicht auf eine einzige Partei festgelegt, fo war und ist Henning doch zweifellos ein mannhafter und aufrechter Bertreter des völkischen GeDantcns, der sich im Gegensatz zu anderen schwankenden Gestalten sowohl innerhalb als auch außerhalb des Vars laments stets unbeirrt für die völkische Sache eingefeht hat, und mit dessen unverständlicher Brüstierung id deshalb die völkische Bewegung ebenso zweifellos in weitestgehen= dem Umfange solidarisch erklären wird. Bom völkischen Standpunft aus ist der Beschlith des Parteivorstandes oufrichtig zu begrüßen. Er bedeutet uns einen ersten Schritt auf dem Wege einer längst nois wendigen reinlichen Edheidung der Geister, die sich vermutlich nicht nur auf die Deutschnationale Bolkspartei be= schränken wird. Ganz abgesehen davon, daß zwischen Män nern wie Türinger, dem roten Grafen" ufm. einerseits und den Völlischen andererseits Abgründe in der Weltanschauung flaffen, waren auch die Stellung und die Behandlung durchaus unwürdig, die die Bö tischent bisher in der Deutschnationalen Volkspartei erfahren haben. Um die Wahlschlachten der Deutschnationalen zu schla= gen und darüber hinaus der Prügeljunge der Partei in nubequemen Situationen zu sein, dazu sind die Bölkischen au aut und hätten fie fich langit zu gut sein sollen Deitas haben sie bisher acichwiegen und in ihrer ungeheuer fchwierigen Stellung Selbstbescheidung geü5:, da sie es nicht verantworten zu können glaubten, in dieser ernsten Zeit eine Spaltung des nationalen Lagers und eine Ber splitterung der nationalen Einheitsfront herbeizuführen. Rachdem jedoch die deutschnationale Parteileitung in nus glaublicher Kurzsichtigkeit den„ Trennungsstrich" ihrerseits gezogen hat, wird es niemand den Völflichen verübeln Fönnen, wenn fie die Gelegenheit þenuzen sollten, um sich auch im Parlament diejenige Bewegungsfreiheit und Vertretung ihrer Gedanken an schaffen, die ihnen bisher durch den Fraktionszwang versagt geblieben find." Hier wird also nicht mehr und nicht weniger als eine Epaltung der Deutschnationalen verlangt. Bei der eigenartigen Zusammensetzung der Deutschnationalen ist nur noch nicht abzusehen, wer nun spaltet: werfen. Die Völfischen raus, oder werden sie rausgeworfen? Jedenfalls ist die Antwort auf diese Frage nicht so einfach, wie aus folgender Auslassung der Deutschen 3eitung" hervorgeht: Troßdem wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, daß fich eine Verständigung ermöglichen lassen wird. Das scharfe Betonen der völkischen Einstellung seitens der Deutschnationalen Volfspartei(!) und das fehr cr freuliche Ausscheiden des Abgeordneten Profeffors Dis ringer müßte eigentlich eine Grundlage schaffen, auf der man sich einigen tönnte. Was für die Dentiche nationale Volkspartei auf dem Spiele steht, wenn sich die Völkischen von ihr lossagen, braucht wohl nicht des Näheren erörtert zu werden. Wir können uns eine Deutschnationale Bolkspartei ohne Bölkische überhaupt nicht vorstellen, Andererseits würden wir es aber aus verschiedenen Erwägungen heraus auch für durchaus falich halten, wenn einzelne völkische Abgeordnete ohne zwingenden Grund eine Personenfrage zum Anlaß nähmen, mit der Deutschnationalen Volkspartei zu brechen. Die Deutschnationale Volkspartei ist einstweilen der stärkte politische Sort anf rechten und bewußten Deutschtums. Möge das Triumphgeschrei der ganzen jüdischen Preise über den Zusammenbruch der Deutschnationalen Volkspartei warnend allen Beteiligten in den Ohren flingen! Auch die Kreuzzeitung" versucht noch zu kleistern, indem sie sich mit dem deutsch- völkischen Geiste verbrüdert erflärt: Der politische Standpunkt der Kreuzzeitung" fann durch die Vorgänge in teiner Weise berührt werden. Unsere konservative Tendenz hat sich bisher als wohl vereinbar mit dem gefonden völkischen Gedanken erwiesen, wobei wir getreu unserer Tradition eine fachliche politische Kampfesweise, stets innegehalten haben und sie tonnte fich so in dem Rahmen der deutschnationalen Politik betätigen. Aus diesen Presseäußerungen erhellt zur Genüge, welch starken Einfluß die Deutschvölkischen in der Partei haben und die Deutsche Zeitung" mag schon recht haben, wenn Sie sich eine deutschnationale Partei, ohne Deutschvölkische überhaupt. nicht denken fann. Wie dem auch sei, der Ausschluß enning& und der Austritt Düringers, Wulles und Graefes dürfte weitere Kreise ziehen. Und in diesem Zusammenhange verdient die vor einigen Tagen erfolgte Zeitungsmeldung, wonach. Wulle eine besondere Partei bilden wolle, eine besondere Bedeutung. Wie es hieß, sollte der italienische Faszistenführer Mussolini zu diesem Zwecke nach Berlin Funktionärversammlung der USP. Großberlin In der aestern abend stattgefundenen Funktionärfonferenz des Bezirksverbandes der USP. Berlin- Brandenburg referierte Genosse Baul Revi über die politische Lage. Nach Erörterung der Tatsache, daß das Problem, das jetzt das deutiche Proletariat beschäftigt, nicht ein deutsches Problem sei, sondern das internationale Broblem des Kampfes gegen die außerstaatlich organisierte Brachialaewalt der Bour: geoisie, das Problem des Kampfes gegen die inter= nationale Reaktion. führte Gen. Levi weiter aus: Eine proletarische Revolution fann nur werden und nur aedeihen, das ist die Lehre der letzten Jahre, wenn die internationalen Verhältnisse nach der Revolution hin tendieren. Solange die Dinge wie jest liegen, ist allen Bewegungen, auch in Deutschland, der Charakter der Defensive aufgedrückt. Die Grenzen der Aktion in Deutschland waren feftaeleat vom ersten Augenblick an, fie fonnten nicht über den engen Zirkel der bürgerlichen Re: publik achen. Nicht aus Schwachmut der Führer, nicht durch ein Versagen des ADGB., sondern aus dem allge= meinen Geschic heraus. das jede proletarische Bewegung aufs engste verknüpft ist mit der proletarischen Gesamtbewegung. Die fommunistische Parole: Auflösung des Reichstags, be: wegt sich vollkommen auf dem Boden der bürgerlichen Demo: fratie. In dieser Situation trat an uns die Frage heran, ob möglich sei, diese Republik zu verteidigen mit den Mitteln des Proletariats allein oder ob es unumgänglich sei zusammenzuwirken mit den republikanischen bürgerlichen Parteien. Die Formel: Für oder gegen Soalition 3politif" erfaßt nicht das Problem, fie ist eine mathematische Formel und um mathematische Formeln ide und um die Schon im Kommunistischen Manifest sagt Karl Marx, daß die proletarische Bewegung angewiesen ist auf Absplitterungen aus anderen Klassen, daß die Kommunisten bürgerliche republikanische Parteien unterstüben werden und in feiner Kritik des Gothaer Parteiprogramms be= zeichnet Karl Marx das Wort von der einen reaktionären Mafie" als ein laialleaninisches Schlagwort. Der Eintritt in die Regierung bedeutet nur etwas, wenn den neuen Mis nistern durch die Lebendigen Massen des Proletariats ein derartig starfer Rückhalt gegeben wird, daß das Wesen bes Ministerinms eine Kenderung erfährt. Ich habe das Gefühl, daß diese Situation von der Reichskonferenz nicht richtig eingeschätzt worden ist. Ich hatte meine Bedenken, ob die Bewegung in den Massen derart lebendig ist und fich vor allem aufrechterhalten läßt, daß durch den Eintritt eines oder mehrerer Minister sich nicht nur die Abstimmungsverhältnisse im Kabinett ändern, sondern auch der Geist des Kabinetts. Ich glaube fast, daß diese Ereignisfe diesem Zweifel recht gegeben haben. Dieser Beschluß der Reichsfonferenz war es, der die Geschicke der USPD. in dieser Aftion und insbesondere die Reichstagsfraktion fest Tegte. Eine gebundene Mazich route erhielten Reichstagsfraktion und Partei durch die Be schlüsse der Spizenorganisationen. Diese Beschlüsse verlangten in erster Linie bestimmte Paragraphen für bestimmte Delikte. Man kann den Standpunkt einnehmen, daß es wichtiger gewesen wäre, statt neue Strafgesetze zu schaffen, Mittel au finden zur Durchführung der bereits bestehenden Strafgeiebe. Nach links behen die alten Gesetze genügt, nach links war feine Masche offent. Die Kommunisten fagen, die Gefeße, die nunmehr geschaffen fins, wirften auch nach links. Solange man im Rahmen einer bürgerlichen Republik und nicht über den Rahmen einer Demokratie hinaus ,. Geseze gibt, ist es nicht möglich, zu sagen: Diese Gefeße gelten nur für rechts. Wenn ein Gesez festgelegt wird, dann sind dies natur gemäß nur Normen, die sich an die Allgemeinheit wenden. Die Rechtsparteien außerhalb des Gesetzes zu stellen, ist int Nahmen der bürgerlichen Demokratie unmöglich. Die Gejeze, die vom Reichstag jebt beschlossen wurden. sollen dem Staat Rechtsmittel zur Verfügung stellen, daß das, was in Deutschland rechtens iit, auch gegen rechts durchgeführt werden fann. Ein besseres Gericht wie den Staatsgerichtss hof hat Deutschland nicht, wenn die Regierung anspaßt. Die Berufsrichter fönnen zu einer Zuschauerrolle verurteilt werden, wenn die Laienrichter unter sich einig sind. Wir haben starte Garantien dafür, daß die Geseke gegen rechts angewandt werden und ein Mißbrauch gegen links verhindert wird. Dem Staat wurde außerdem ein partes Disziplinargeseh zur Verfügung gestellt. Die ganzen Diisiplinarfammern des Reiches treten am 31. August dieses Jahres außer Kraft. Die Regierung hat die Möglichkeit und die Pflicht, dafür au jorgen, daß in diefe Disziplinatfammern ein neuer Wind fommt. Zum ersten Male haben deutsche Richter gesehen, daß man sehr wohl in der Lage und unter Umständen willens ist, an ihrer Lebenslänglichkeit und unantastbarkeit 3! t rütteln. Mag der Justizifandal noch ein Jahr zum Himmel schreien, es wird der Tag fommen, wo man diesen lebenslänglichen Mißbrauch der Geseze unmöglich machen wird. Bei der Reiskriminalpolizei waren wir uns klar darüber, daß auch gegen links unerwünschte Begleiterscheinungen kommen fönnen. Das revolutionäre Proletariat profilierte bisher nichts von der Des organisation der Polizei. Wenn es gegen revolutionäre Ars beiter ging. arbeiteten Preuhen und Bayern einträchtig zu= fammen. Nur bei der Verfolgung der Orgesch, den Mördern Erzbergers und anderer. und der Organisation C, da besann sich der bayerische Löwe darauf, daß über die weißblauen Greuspfähle fein preußischer Polizist dürfe. kommen. Die Vossische Zeitung" teilt schon mit, daß der linke Flügel der Deutschnationalen binnen furzem in einer Stadt des Rheinlandes zusammen treten werde. Der„ Vorwärts" bemerkt denn auch mit Recht: Was sich da vollzieht, ist nicht nur für die Politik interessant, sondern auch für die Polizei! Berichtigung Wir erhalten auf Grund des§ 11 des Breßgefeges folgende Berichtigung: " Ich bin niemals polizeilich bernommen worden und habe niemals die von Claus gegen mich ausgesprochenen Verdächtigungen zugegeben. Diese sind unwahr. Ich beziehe mich betreffs des Vorgangs auf meine am 5. Juli von der Tribüne des Reichstags abgegebene Erklärung und betone nochmals, daß ich im April 1921, als Claus bei mir borsprach, vom Bestehen einer Organisation Konsul" nicht das Geringste gewußt habe. b. Gallwitz, General der Artillerie a. D., Mitglied des Reichstags." Bei der Frage der Amnestie glaubten wir es nicht verantworten zu können, nachdem die bürgerlichen Parteien unseren Forderungen ein fategorisches Rein entgegenseßten, eine Amnestie auszuschlagen, wenn sie auch nur zwei Proletariern die Freiheit brächte. Die Wirkung der jetzigen Amnestie wird sein, daß von den 270 bis 300 politischen Gefangenen 200 die Freiheit erhalten. Etwa 70 werden in den Gefäng nissen bleiben, aber nicht hoffnungslos. Ein Ausschuß. der neben dem Justizministerium amtiert, wird die Fälle, die durch die Amnestie nicht erfaßt werden. nachprüfen. Mit einer Solidarisierung mit allen, die in den verschiedenen Aftionen verurteilt sind, ist uns nicht gedient. Es sind auch Elemente darunter, mit denen das Proletariat die Solidarität im Interesse der Reinhaltung seiner Interessen ablehnen muß. Im weiteren Verlaufe entschieden wir uns, die Forderungen des Eintritts der Unabhängigen in die Regierung zurückzustellen, um damit die Reichstagsanflösung Reichstagszu vermeiden. Ueber die Wirkung einer auflösung waren wir uns im flaren, wirtschaftlich hätte sie in der jetzigen Situation das Chaos bedeutet. Die Durchführung des Wahlkampfes hätte am Wahl: tag einen Dollarkurs von 1000 oder mehr bedeutet. Die Reichstagsauflösung in den Tagen der ersten großen Erregung nach der Ermordung von Rathenau hätte einen Sinn gehabt. Wir hatten damals die große Parole des Brotwuchers mit einer zweifellos gewaltigen Wirkung, wir hätten fest formulierte Forderungen für die Sicherung der Republik gehabt. Die Kornumlage wurde aber ihrem Wesen nach entsprechend unseren Wünschen konzidiert. Wollte man eine Auflösung des Reichtages, dann hätte man den Entwurf des Gefeßes zum Schuße der Republik als einen Fezen Papier bezeichnen müssen. Den Inhalt einer Wahlkampagne bestimmen nicht nur wir, sondern auch unsere Gegner. Sie hätten gesagt: weil nicht zwei oder drei unserer Leute Minifter aeworden seien, hätten wir den Reichstag aufgelöst. Damit wäre zunächst die Wahlkampagne auf ein Gebiet ge= schoben worden, auf dem unsere Mitglieder und unsere Wähler am allerempfindlichsten sind. Gewiß, wir werden noch den Tag erleben, wo der Dollarkurs auf 1000 steht. aber auch der böseste Verleumder darf nicht die Möglichkeit haben, zu sagen: Weil die USPD. feine Minister erhalten bat, stica der Kurs auf 1000 infolge einer Reichstagsauflösuna. Glaubt aber jemand im Ernst. daß bei dieier Situation für die proletarische Klasse durch eine Reichstagsauf lösuna gewonnen worden wäre? Die Beschlüsse der Reichskonferenz brachten weiter in ges wisser Konsequenz die Bildung der Arbeitsgemeinschaft. Was ist, das ist und es wäre verfehrt, Tatsachen nicht fehen zu wollen. Eine Agitation, die jetzt fagen würde, die Arbeitsgemeinschaft aefällt uns nicht, wir fündigen sie wieder, wäre eine verfehlte. Wir haben ehrlich und treu zusammens zuarbeiten mit denen, mit denen wir einmal Schulter an Schulter gestanden haben und mit denen wir noch in vielen schweren Tagen zusammenarbeiten müssen. Die Arbeitsgemeinschaft tendiert nach ihrem eigenen Gewicht weiter und letzten Endes auf einen Zusammenschluß der Fraktion oder Parteien in fürzerer oder längerer frist. Bei aller Treue zu der Arbeitsgemeinschaft haben wir die Pflicht, genau wie wir Kritif an uns üben, Kritik zu üben án unseren Freunden, die jetzt mit uns in einer Arbeitsgemeinschaft stehen. Wir brauchen nur die Frage aufzutwerfen, warum die Bürgerlichen uns fürchten, während sie sich mit den Mehrheitssozialisten vertragen. Wenn überhaupt aus der Arbeitsgemeinschaft sich eine g größere Einigkeit entwideIn fann, dann nur, wenn diese Frage erörtert und geklärt ist. Erhobenen Hauptes und ohne etwas abzugeben, tönnen wir in Ruhe bekennen, was wir sind. Wir können gegenüber der Politik der Sozialdemokratischen Partei nach wie wir vor und mehr denn je daß betonen, auf den großen Gedanken der sozialen Revolution, der in der Arbeiterbewegung lebt und lebendig ist, einen Teil unieres Wesens bedeutet, auf den wir nicht verzichten können. Das Schlucken des Görliger Programme, die Politik der Sozialdemokratischen Partei als richtia ananerkennen, das ist. kein Boden. Dieie Betonung unseres Wesens ist notwendig. nicht nur aus idealen Gründen, sondern aus Grün Die deutsche den der praktischen Tagespolitif. Republik besteht nur dank der Kraft und des Willens ihrer Arbeiter und sie wird verlinken an dem ersten Tage, an dem die Arbeiter ihr gegenüber gleichgültig werden. Die Schwere und die Wirkung eines Beschlusses müffen wir unter Hinsicht auf seine internationalen Wirkungen bes denken. Vorläufia ist Deutschland, und hier wiederum die USP. der stärkite ideologische Voiten, der, itärfite geistige Posten des internationalen Proletariats. Bedenken wir die Wirkung auf fämtliche Parteien, die der Wiener Arbeits gemeinichaft anaeichlofen find. In diesen Parteien ist der ideologische Schatz des Gedankens der sozialen Revolution verkörpert. Diesen Schab dürfen wir nicht schädigen. Würde die deutsche Partei falsche Beschlüsse faffen. so würde auf Jahre hinaus, vielleicht auf Jahrzehnte hinaus, unser Gedanke leiden. Zwei Menschengeschlechter, viele Tote aus unseren Rethen und viele kommende Geschlechter werden auf unsere Beschlüsse sehen. Als Korreferent sprach Genoffe Le debour. Den Schlußbericht bringen wir morgen. 2170 Kronen für ein Leib Brot. Der letzten Erhöhung des Brotprcises in Wien, die am 14. Juli eintrat, folgte am Mittwoch eine neuerliche Erhöhung, und zwar im Ausmaße von 20 Prozent, in dem der Brotpreis bon 1700 auf 2170 Stronen per Laib erhöht wird. Von morgen ab kosten die weißen Weden 1500 Kronen, die Semmel pro Stüd 140 Kronen. Kanada und Rußland. Nach einem Telegramm aus Dttava hat die kanadische Regierung die Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland wieder aufgenommen. Der frühere fanabische Oberfommissär in Rußland, Welgreß, wird demnächst nach Rußland zurückkehren. Hühneraugen Jn Apotheken und besseren erhältlich Drogerien Hornhaut, Schwielen und Warzen beseitigt schnell, sicher und schmerzlos Kukirol Arztlich empfohlen Millionenfach bewährt! Gegen Fußschweiß und Wundlaufen Kukirol- Fußbad! Maffary. Delft edel wie der Name KON LINON L Fritzi Maffary eine Zigarette von Kana Theateru.Vergnügungen täglich 71, Uhr 71, Uhr Boltsbühne Walhalla- Theate Robert u. 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LELEWITSCH Die Konstituante von Samara ( Ein Beitrag zur„ Humanität“ und„, Demokratie" der Partei der Sozialrevolutionäre) Der Verfasser, Teilnehmer an den Kämpfen der proletarischen Regierung gegen die kapitalistische Offensive, schildert auf Grund der Dokumente die blutige Episode aus dem Jahre 1918 Preis 25.- Mark Verlag Carl Hoym Nacht. Louis Cahnbley, Hambg.8 USPD. 5. Verw.- Bez. 17. Eistrikt. Durch Beru suntall verstarb unser Genosse, der Maurer Wilh. Winkel D.e Ein scherung erfolgt am Freitag. den 21 Jui, nachm. 42 Uhr in Kr matorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung erwartet Die Distriktsleitung. ankaufsstelle Osten Grün. Wag 30 zahlt Tagespreise f. Metalla Kupfer, Messing, Blei Zink usw. Für 75 Mark wöchentl. erhalten Sie bei klein Anzahlung einz. Möbelieder Art sowie ward ac, ettdecken, Steppdecken, Teppiche, ettwäche für wöchentlich 25 Mark Zorndorfer Str. 54 Barthel. 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Bestri: Gale Bellevue, Lichtenberg, Hauptstr. 2, nachm. 4% Uhr. 5. Bezirk: Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147, abends 7 Uhr. 7. Bezirk: Hohenstaufen- Säle, S., Rottbujer Damm 76, abends 7 Uhr. 8.- 10. Besirt: Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 4, abends 7 Uhr. 11. Bezirk: Linden- Parl, Schöneberg, Hauptstraße 13, nachm, 4% Uhr. 12. Bezirk: Steglit, Heesestraße, Gymnasium, nachm. 5. Uhr. 14. Bezirk: Schulaula, Zwinglisiraße 2, abends 7 Uhr. 16. Begirl: Pharus- Sale, fleiner Saal, Müllerstraße 142, abends 7 Uhr. 17.- 19. Besirt: Geibel, Rolberger Salon, Kolberger Straße 23, abends 7 Uhr. 20. Bezirt: Schulaula, Grünthaler Straße 5, nachm. 5 Uhr, Tagesordnung in allen Versammlungen, 1. Bericht vom Gewerkschaftstongreß zu Leipzig. 2. Diskussion. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Allgem. Ortskrankenkasse für Berlin- Tempelhof. Bekanntmachung, Der 13. Nachtrag zur Sagung, betr..& amiifenhilfe, 11t unterm 3. Juli 1922 bom Oberber fiaerungsamt Berlin genehmigt wor ben und tritt mit dem 1. August 1922 in Kraft. Die diesoezügl. Nachträge tonnen in einigen Lagen im Kassenlotal entgegengenomen werden. Desgleimen ist der 14. Nachtrag zur Sagung genehmigt, ben wir nach nehend veröffentlichen: § 51 erhält folgende Gaffung: Hüdstände werden wie Gemeinde abgaben beigetrieben. Dem Bet treibungsberjayren geht seitens der Kaffe eine schriftliche Mahnung vor aus, für die eine Gebühr erhoben wird. Diefelbe beträgt ausschließlich Porto: für Beträge bis 50,- m. 1 M. für Beträge über 50, M. bis 200, M. 2 M. für Beträge über 200,- M. bis 500, M. 3 M. für Beträge über 500,- W. bis 1000, . 4 M. für jebe weiteren angefangenen 1000,-. 3. Diefe Aenderung tritt mit bem Tage der Genehmigung burch das Bersicherungsamt der Stadt Berlin in Kraft, Genehmigt gemäß§ 28 Abr. 2 ber Reichsversicherungsordnung. ( 1796 Berf. A. A. 22.) Berlin, den 3. Juli 1922. Versicherungsamt der Stadt Berlin. Hauptstelle. Rieslich. Der Borstand der Allgemeinen Dris trantentasse für Berlin- Tempelhof. Paul Kollmer, 1. Borfizend. Erich Timm, Schriftführer. Allgem. Ortskrankenkaffe Berlin- Pankow. Bekanntmachung. Das Borstandsmitglied Paul Schabert hat sein Amt niebergelegt. An feine Stelle ist aus der Liste ber gewählten Erfaßmänner ber Beichner Rißmann Berlin- Pankow, Mühlenstraße 70, ge treten. Otto Berlin- Pankow, ben 18. Juli 1922. Der Vorstand. O. Gütig. Vorsitzender, Werbt für unser Blatt! Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht. daß folgende Mitglieder storben sind: Der Stanzer ge Wilhelm Büldt Me zerstr. 15. am 17, d. Mts. Die Beerdigung findet am Sonnabend. den 22. Juli, nachmitt' gs, Chr, von der Leichenb lle des Bartholomäus- Kirch hofes i Weißensee, Falke, bergerstraße aus statt. Der Arbeiter Gustav Wegener Brunnen tr. 95, am 17. d. Mts. Die Einäscherung findet am Freitag, d. 21, Juli, nachmittags 22 Uhr, vom Krematorium Gerichtsstraße aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. SOEBEN ERSCHIENEN Die Rofe GewerkschaftsInternationale Herausgegeben vom Dolizugsbüro der Roten Gewerkschafts- Internationale Nr. 4( 15) Kurzer Auszug aus dem reichen Inhalt: A. Losowski: Die drei Internationalen und die gewerkschaftliche Einheitsfront M. Smith: Der englische Kapitalismus im Konflikt mit den Arbeitern der Produktionsmittelerzeugung( Zur Aussperrung der Maschinen- und Schiffsbauarbeiter) H. Brandler: Die Kommunisten, die Rote Gewerkschafts Inter nationale und die Syndikalisten A. N.: Der Kon greß des Verbandes Italienischer Syndikalisten S. Forgeron: Wie die Amsterdamer die Interessen der Arbeiterklasse verteidigent. Internationale Ars beiterbewegung: Frankreich: S. G.: Zwei Tendenzen in der Unitarischen Arbeitskonföderation England: M. Schü.: Der Konflikt in der Metallindustrie. Holland: Der Kongreß der holländischen Syndika kalisten Kanada: Die Grindung der Arbeiterpartei Kanadas. Vereinigte Staaten: Die Liga der Ge werkschaftspropaganda. Südafrika: D. Joon Jones: Der Aufstand der Bergleute. Schwarze und weiße Arbeit. China: Ch. E.: Der Streik der Hongkonger Seeleute. Aus den internationalen Industrievers bänden: Die internationale Konferenz der revolu tionären Holzarbeiter. Die russischen Nahrungs. mittelarbeiter und die Internationale der Nahrungss mittelarbeiter. Chronik des russischen Gewerk schaftslebens: Die Gewerkschaftsfrage auf dem XL Kongreß der K. P. R. Offizielle Mitteilungen. Aufrufe, Telegramme usw.. Bücherbesprechungen. 4 • . Preis M. 25. Organisationsausgabe M. 15, Zu bezießen durch den BuchBandel oder direki von der Auslieferungsstelle für Deutschland: Phöbus- Verlag, Berlin SW 11, Königgrätzer Straße Nr. 109 Jackett- Anzüge, Kleide Dich billig, elegant! Indel- Anzdée, Covercoats, Gummimäntel, Cutaways, Schlüßler im Leihhaus Moritzplatz 58 a Weinberger SchuhPabrik Jetzt von 1000 M. an. 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Die Folgen dieser grauenhaften Wirtschaft werden von der Tageschronik registriert: Jm Gefängnis zu Ufa sterben täglich 7 bis 11 Personen an Erschöpfung; im Gefängnis Busuluk zeigt sich bei den Gefangenen infolge des Hungers Verblödung; in allen Gefängnissen find zu nehmende Krankheiten und Typhusepidemien zu bezeichnen. Und diesem grauenhaften Dasein werden von der Regierung Tausende proletarische Klaffenkämpfer ausgeliefert! + Preffe die Nachricht veröffentlicht, daß nach den Angaben des Ehrhardt, der Tunichtgut und Galgenstrick russischen Justizkommissariats in den letzten vier Monaten sirfa 60 Proz. aller politischen Gefangenen auf die sozialistischen Parteien und 15 Proz. auf die„ parteilosen" Arbeiter enifallen. Danach refrutieren sich also drei Viertel aller politischen Gefangenen in den Gefängnissen der Sowjetregierung aus Angehörigen der sozialistischen Parteien und der eng mit ihnen verknüpften Schichten des Proletariats. Der größte Teil der Insassen der russischen Gefängnisse besteht aus Proletariern, die nicht wegen irgendwelche Verbrechen, sondern wegen ihrer abweichenden politischen Anschauungen oder ihrer Zugehörigkeit zu den sozialistischen Parteien von der Regierung verfolat werden. Die Nachrichten aus Moskau werden von Tag zu Tag alarmierender und beunruhigender. Wohl spätestens am Montag werden die Würfel fallen, wird das Urteil gesprochen sein. Es ist und bleibt ein unerträglicher Gedanke, sich vorzustellen, daß in der Arbeiterund Bauernrepublik Revolver von Rotarmisten durch die berüchtigten Nackenschüsse Revolutionäre niederstrecken werden, die jahrelang ihr Leben für die Befreiung des russischen Volkes eingesetzt haben. Mögen doch diejenigen, die das Todesurteil fordern, fällen und sanktionieren werden, sich selbst in die Rolle der Urteilsvollstrecker hineinversezen. Mögen die Anfläger Bucharin und Krylenko, die Richter Pjatdakoff, Galfin und Karklin und alle die Lente aus dem Allrussischen Vollzugsrat, die gemeinsam mit den Angeklagten die Gräuel der zaristischen Zwangsarbeit durchkostet haben, den Sozialrevolutionären gegenüber nicht allein im Gerichtssaale ihren Mann stellen, sondern sich selbst auch mit den Revolvern in der Hand auf dem Hinrichtungsplaze Auge in Auge den gefesselten Todes, kandidaten gegenüber vorstellen. Würden sie den Mut aufbringen, nicht nur das Todesurteil auszusprechen und seine Vollstreckung den automatisch handelnden, unbewußten jungen Rotarmisten zu überlassen, sondern es eigenhändig zu vollziehen? Das zu tun, wären sie wohl doch nicht imstande. Im legten Augenblick politische und Kriminalgefangene enthalten). Die Gefängwürde troy alledem in ihnen etwas ähnliches wie das revolutionäre Gewissen schlagen. Mehrfach wurde uns mitgeteilt, daß schon vor vier Wochen das Politische Büro der Kommunistischen Partei in Moskau die Erschießung von fünf Angeflagten beschlossen habe.. Hartnäckig behaupten sich die Gerüchte, obgleich der Prozeß noch nicht zu Ende ist, daß die Erschießung eines der Angeklagten sofort nach der Urteilsfällung vollzogen werden wird. Geschicht dies wirklich, so würde hierdurch der eklatante Beweis erbracht sein, daß das Urteil nicht vom Tribunal, das im Namen des russischen Proletariats Recht zu sprechen vorgibt, sondern vom Zentralfomitee der russischen Kommunistischen Partei diftiert worden ist. Wie leben diese vielen Tausende russischer Gefangenen. Aufschluß darüber gibt uns der soeben veröffentlichte offizielle Bericht des russischen Justizkommissariats über den Stand des Gefängniswesens im Jahre 1921. Danach hat die Zahl der Gefangenen im Berichtsjahre zugenommen; sie be= lief sich zum 1 November 1921 auf 78 194( in dieser Zahl sind nisse sind überfüllt. In vielen Gefängnissen entfallen auf je 100 Pläge 250 bis 300 Gefangene. Obwohl die Gefangenen selbst das Heizmaterial für die Gefängnisse beschaffen, ist ein solcher Mangel an Heizstoffen zu verzeichnen, daß viele Gefängnisse nicht geheist und das Essen für die Gefangenen nicht zubereitet werden konnte. Die Gefangenen gehen in Pumpen, meil die alten Vorräte an Kleidern und Wäsche zum Teil aufgebraucht, zum Teil vom Militärressort für die Armee requiriert worden sind. Die hygienischen Verhältnisse in den Gefängnissen spotten jeder Beschreibung, da weder Seife noch Arzneimittel für die Gefangenen beschafft werden können. An Gefängnispersonal herrscht nach dem amtlichen Bericht ein solcher Mangel, daß die Regierung sich genötigt gesehen Noch in lezter Stunde richten wir ein Mahnwort hat, einen Teil der Gefangenen zur Ausübung der Verwalan die leitenden Männer der Sowjetrepublik: Besudelt nicht eure Hände mit dem Blute von Revolutionären. Keine Macht der Welt wird euch davon reinwaschen fönnen. Gegen euren Willen besorgt ihr die Geschäfte der Reaktion, die sich ins Fäustchen lacht, da die Sozialisten Rußlands einander vernichten. Die Geschichte wird aber über euch ein hartes Urteil sprechen. Auts tungs- und Bewachungsfunktionen herananziehen! welchen Kreisen sich diese Gefangenen rekrutieren, ist kein brechen eingesperrt werden mußten, jezt aber Geheimnis. Es sind Kommunisten, die wegen schwerer Verübrigen Gefangenen ihr Mütchen fühlen können. an den Fast die Hälfte aller Gefangenen( 47,4 Prozent), sind Untersuchungsgefangene. Charakteristisch ist ferner, daß fast zwei Drittel( 61,4 Prozent) der Gefangenen der Ausnahmejustiz( der Tscheka und den revolutionären Tribunalen) unterstellt sind. Je weiter von den Hauptstädten, desto Vor einem neuen Massenprozeß in Moskau größer ist die Rolle der Ticheta, desto mehr Gefangene find ( RB) Wie aus Moskan gemeldet wird, sind dort am 3. Juli 35 Sozialdemokraten verhaftet werden, darunter die Genoffen Weinstein, Behr und Rubin, die von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei als offizielle Verteidiger zum Prozeß der Sozialrevolutionäre delegiert, aber vom Gericht abgelehnt wurden. In Verbindung mit diesen Verhaftungen trägt sich die Sowjetregierung mit der Absicht, nach dem Muster des jetzt seinem Abschluß entgegengehenden Prozesses gegen die Sozialrevolutionäre, einen Maffenprozeß gegen Unfer fremden Menschen Von Maxim Gorki. Einsia autorifterte Ueberlegung von Auguft Sols. Amerikanisches Copyright 1918 by uuftein& Co., Berlin. ( 114. Fortsegung.) Gemein und schmutzig ist das Leben, das wir alle führen das ist die Wahrheit! Ich liebe die Menschen aufrichtig und möchte niemandem Pein bereiten aber wir dürfen nicht sentimental sein, dürfen die rauhe Wahrheit nicht hinter dem bunten Wortrand reizvoller Lüge verbergen. Hinein ins Leben, ins Leben! Laßt uns in ihm alles das verwirklichen, was an Schönem, Menschlich- Edlem in unsern Herzen und Hirnen lebt! Ganz besonders empörte mich das Verhalten der Männer gegen die Frauen. Die Romane, die ich geLesen, hatten mich gelehrt, in den Frauen das Beste und Edelste im Leben zu sehen. Eine Bestätigung dieser Auffassung fand ich in den Erzählungen der Großmutter von der Mutter Gottes und der weisen Wassilissa, in der Gestalt der Wäscherin Natalia, in dem beglückenden Lächeln und den tausend freundlichen Blicken, mit denen die Frauen, die Mütter des Lebens, eben dieses an Freuden und Liebe so arme Reben verschönen. Das Lob der Frau verkündeten Turgenjews Bücher, und alles Schöne, das ich von den Frauen wußte, wand ich zum Ruhmestranze um das mir unvergeßliche Bild meiner Königin. Heine und Turgenjem boten mir ganz besonders fostbare Blüten für diesen Kranz. Wenn ich des Abends vom Jahrmarkt heimkehrte, machte ich auf dem Berge an der Kremlmauer halt und sah, wie jenseits der Wolga die Sonne unterging, wie am Himmel feurige Ströme dahinflossen und der ge= liebte Erdenstrom darunter sich tiefblau und purpurrot färbte. Die ganze Erde erschien mir in solchen Augenblicken zuweilen wie eine ungeheure Arrestantenbarke, die gleich einem Schweine von einem unsichtbaren Dampfer langsam irgendwohin geschleppt wurde. Noch häufiger jedoch sann ich über die endlosen Weiten der Erde nach, über die mir aus den Büchern bekannten Städte, über die fremden Länder, in denen die Menschen anders lebten, als bei uns daheim. In den Büchern der ausländischen Schriftsteller stellte sich das Leben reiner, milder, weniger beschwerlich dar als in der Wirklichkeit, die um mich herum langsam und einförmig wogte. Das beschwichtigte die quälende Un= ruhe, die mich erfüllte, und nährte in mir den trosigen Gedanken, daß noch ein anderes Leben möglich sei. Und der Willkür dieses Terrorinstituts ausgeliefert. ..Das Granenhafteste ist aber folgendes: Die Regierung ist außerstande, die Gefangenen auch nur notdürftig zu ernähren! Es ist nur die Hälfte der vorgesehenen Hungerrationen bewilligt, aber auch diese Rationen wurden nur zum Teil und sehr unregelmäßig geliefert. Seit dem Frühjahr 1921 ist nach den Worten des amtlichen Berichtes ,, in vielen Gefängnissen außer einem halben, ja selbst einem Viertelpfund Brot( pro Tag und Gefangenen) nichts ge= es war mir, als müsse ich jeden Augenblick einem| schlichten, weisen Menschen begegnen, der mich auf den breiten, hellen Weg des Lichtes geleiten würde.... ... Eines Tages, als ich wieder einmal auf einer Bank an der Kremlmauer saß, tauchte plößlich mein Onkel Jakom neben mir auf. Ich hatte sein Herannahen nicht beachtet und erkannte ihn nicht sogleich. Obschon wir durch viele Jahre in derselben Stadt wohnten, waren wir einander doch nur selten, ganz zufällig und flüchtig, begegnet. „ Bist du aber hochgeschossen!" sagteer in scherzendem Tone und stieß mich in die Seite. Wir sprachen miteinander, als wenn wir einander fremd, doch schon seit langem bekannt wären. Von der Großmutter hatte ich gehört, daß Onfel Jakow in den letzten Jahren alles, was er besessen, durchgebracht hatte und gänzlich heruntergekommen war. Er hatte zuletzt eine Stelle als Hilfsinspektor im Etappengefängnis bekleidet, doch hatte diese Anstellung ein schlimmes Ende gefunden: der Gefängnisinspektor war erkrankt, und Enkel Jakow, der ihn verfür die Arrestanten veranstaltet. Die Sache war betrat, hatte in seiner Wohnung lustige Schmausereien kannt geworden, er wurde entlassen und in eine Untersuchung verwickelt, weil er den Arrestanten Nachturlaub in die Stadt erteilt hätte. Es entfloh zwar feiner von ihnen, einer jedoch wurde abgefaßt, als cr gerade einen Diaton an der Gurgel hatte. Die Unterfuchung dauerte geraume Zeit, es kam aber nicht zum Prozeß, weil die Arrestanten und Aufseher den guten Onkel aus der Patsche zu ziehen wußten. Jetzt war er ohne Beschäftigung und lebte auf Kosten seines Sohnes, der in dem um sene Zeit sehr bekannten Rukawischnifowschen Kirchenchore sang. Von diesem Sohne rühmte Onkel Jakow: " Mein Herr Sohn ist ein ernsthoster und wichtiger Herr geworden, nämlich ein Solist. Wenn man ihm nicht pünktlich den Siamowar hinstellt oder die Kleider bürstet, wird er mächtig böse. Ein sehr genauer Bursche und sehr sauber..." Bekanntlich starben die beiden Rathenaumörder mit cinem Hoch auf Ehrhardt. Ueber die Persönlichkeit dieses Räuberhauptmanns- Offiziers bringen die Basler Nachrichten" folgende bemerkenswerte Mitteilungen: ,, Kapitän Ehrhardt, der Sohn eines früheren Pfarrers in dem Basel benachbarten Markgräflerort Weil, war in seiner Jugend, troß strengster Erziehung, der größte Tus nichtgut und Galgenstrid, der jemals das Weiler Kiefelfeld unsicher gemacht hat. Vor seinem Flobert war fein Vogel und feine Kaße sicher, und bei allen Lansbubenstreichen war er sicher der Rädelsführer. Die Bänke des Gymnastums in Lörrach drückte er nicht allzu lange; er geriet mit einem Lehrer in Meinungsverschiedenheiten und sandte ihm zweds bündiger Lösung kurzerhand eine Forderung auf Pistolen. Merkwürdigerweise zeigte die Lehrerschaft für dieses ritterliche und mannhafte" Vorgehen des Bengels blizwenig Ver ständnis und Ehrhardt mußte die Lörracher Bildungsstätte auf Knall und Fall verlassen. Nun brachte ihn sein Vater bei der deutschen Kriegss: marine unter, hoffend, daß der strenge Dienst den unruhigen Geist des Jungen dämpfen würde. Auch dieses Experiment gelang gründlich vorbei; lediglich wurde seinen sonstigen schönen Eigenschaften noch eine gehörige Dosis Offtziers hochmut und Standesdünkel aufgepfropft. Im Kriege befehligte er als Kapitänleutnant eine TorpedoHalbflottille und war als rücksichtsloser Draufgänger bes kannt, aber auch als Lenteschinder berüchtigt. Man erzählt fich, daß, als in der Nordsee sein Führerboot von einem cuglischen Untereseeboot torpediert wurde und er mit seiner Mannschaft auf die anderen, die Unglücksstelle im Kreise umfahrenden Fahrzeuge sich rettete, ein neben ihm schwim mender Matrose vor ihm das Rettungstau ergriff mit den entschuldigenden Worten:„ Herr Kapitän, ich habe noch 24 Stunden abzufigen!" In der weiteren Oeffentlichkeit wurde Ehrhardt bekannt durch seine Teilnahme an dem so schnell und schmählich zusammengebrochenen Kapp- Putsch. Unbehelligt konnte er vom Rockstedter Lager aus nach Hamburg zur Beerdigung seiner Mutter reisen und später seinen Aufenthaltsort nach Salzburg verlegen, von wo aus er, trotz des gegen ihn erlassenen Steckbriefes, gelegentlich Eleine Sprigtouren nach München machte und während der Regierung des Herrn v. Kahr gemütlich auf dem Müns chener Polizeipräsidium verkehrte. Hätte die Wiege Ehrhardts statt in einem Pfarrhause in einer Arbeiterwohnung gestanden, hätte er sich auf Grund seiner natürlichen Veranlagung und bei den jeßigen Zeitumständen wohl zu einem Linksfommunistene und Räuberhauptmann wie Hölz entwickelt; so wurde er auf dem Umweg über die Offizierslaufbahn Freiforps- und Bandenführer, Gründer und Leiter der Geheim- und Mordorganisation C und war als Rechtskommunist in der Lage, seinem deutschen Vaterlande unsaglich mehr Schaden zuzufügen, als Lente vom Schlage eines Hölz es vermochten." Ich war froh, wieder einmal mit einem Menschen sprechen zu können, der heiter zu leben wußte, viel gesehen hatte und viel wissen mußte. Seine fecken, Spaßigen Liefer wurden in meiner Erinnerung lebendig, und es fiel mir ein, was der Großvater über ihn gesagt hatte: Seinen Liedern nach ein König David, aber seinen Taten nach ein böser Absalom!" Elegante Spaziergänger, gepuzte Damen, Beamte und Offiziere schritten auf dem Boulevard an uns vorüber. Der Onkel schämte sich anscheinend seines schäbigen Anzugs, und wir gingen in einen Ausschank der Potschainskij- Schlucht, wo wir an einem Tische am Fenster, mit der Aussicht nach dem Markte, Plazz nahmen. „ Erinnern Sie sich noch," sagte ich ,,, wie Sie immer sangen: , Bettler hängt sein altes Hemd heraus, Und ein zweiter stiehlt's und reißt schnell aus...?" Als ich jetzt die Worte des Liedchens wiederholte, ging mir zum erstenmal ihr ironischer Sinn auf, und ich hatte den Eindruck, daß der lustige Onfel ein fluger, aber boshafter Mensch war. " Ja, ich hab' mein Leben genossen und tolle Streiche gemacht," sprach er nachdenklich, während er sein Branntweingläschen nen füllte. Dieses Lied ist aber nicht von mir, sondern von einem mir befreundeten Seminarlehrer, der schon tot ist. Wie hieß er doch gleich? Na, ich hab's vergessen. Hat sich betrunken und ist im Suff erfroren. Herrgott, wieviel Menschen hab' ich am Fusel zugrunde gehen sehen! Du trinkst nicht? Recht so, warte damit! Siehst du den Großvater oft? Ein frazbürstiger alter Mann, scheint nicht mehr ganz richtig im Kopfe." Als er getrunken hatte, wurde er plötzlich lebhaft, erschien flotter und jünger, und seine Reden klangen munterer. Ich fragte ihn nach der Geschichte mit den Arrestanten. Hast auch davon gehört?" fragte er, sah sich um und fuhr leiser fort:„ Was gingen mich die Arreſtanten an? Ich war nicht zum Richter über sie berufen. Ich sehe: es sind Menschen wie alle anderen, und ich sage zu ihnen: Kinder, laßt uns brüderlich miteinander leben, laßt uns luftig sein! Es gibt solch ein Liedchen, Der Onfel selbst war sehr gealtert und sah schmuddlig, abgeschabt und zermürbt aus. Sein flottes Sodenbaar war start getirme Obren stan; intes, und das Weiße der Augen wie die saffianweiche Haut fag' ich: der rasierten Wangen waren von einem dichten Netz von roten Aederchen durchzogen. Er sprach in seiner alten, scherzhaften Weise, doch schien es, als stecke etwas in seinem Munde und behindere seine Zunge, wiewohl feine Zähne ganz waren. Das Schicksal soll uns nimmermehr Der Fröhlichkeit berauben! Wie hart's auch sei, wir wollen stet An Lust und Lachen glauben!"" ( Schluß folgt.) Der Groß- Berlin Feriensitzung im Rathaus Die Güterverpachtung zurückgestellt Schulgeldstaffelung angenommen stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Dr. Meyer erinnert zu Beginn der Sigung an den 75. Geburtstag Max Liebermanns, dem die Stadt ihre Glückwünsche übermittelt hat. Er gedenkt des verstorbenen Berichterstatters Thiele, der über 50 Jahre für einen großen Teil der Presse die Berichte über die Stadtverordnetenfizungen verfaßt hat. In der Sigung selbst ist die Linke stärker vertreten als die Rechte. Gegen die Beratung der Vorlage über die Berpachtung der vier unrentablen städtischen Güter wird von den Kommunisten, wie auch von unserer Fraktion Widerspruch erhoben. Ebenso gegen den Bewirtschaftungsvertrag mit der sogenannten Konsortia- G. m. b. H. Die Verträge können deswegen erst im September zur Beratung kommen. Der Antrag der Volkshochschule auf Erhöhung threr Unterstügung um 350 000 Mart wird nach einer Verabredung im Aeltestenausschuß einstimmig an den Etatsausschuß verwiesen, und es besteht begründete Aussicht, daß er dort zur Annahme kommt. Für die Regelung der Schulgeldstaffelung wurde während der Beratung ein Ausschuß eingesetzt, der aber zu feiner Einigung kommen wollte. Der Widerspruch der rechten Seite gegen die Vornahme der Abstimmung wird von der Mehrheit der Versamlung mit Unterstüßung der Demofraten abgelehnt. Da die Anträge zum zweiten Male auf der Tagesordnung stehen, und infolgedessen unter den Schutz des§ 57 fallen, wird dann die Schulgeldstaffelung mit Mehrheit im Sinne der Linken angenommen. Es werden außerdem noch eine ganze Reihe kleinerer Vorlagen erledigt. So z. B. die Vorlage über die Erhöhung der Barlöhne der städtischen Gutsarbeiter, da die Deutschnationalen es diesmal für richtig halten, feinen Widerspruch zu erheben. Bei der Erhöhung der Berpflegungsfäße in städtischen Heimstätten wird ein Antrag Dr. Weyl und Genossen angenommen, nachdem die halben Säße bei einem Einkommen von unter 50 000 Mark zu zahlen sind. Die Erhöhung der Gebühren über die Magistratsvorlage hinaus wird gegen die Stimmen der Rechten abgelehnt. Mit langer Unterbrechung der Sizung, während der der Aeltestenausschuß tagt, wird ein fommunistischer Dringlichkeitsantrag angenommen, der den Magistrat ermächtigt, bei Schiedssprüchen für die städtischen Arbeiter die Löhne vorschußweise zu zahlen. Ein dafür eingesezter Ausschuß soll die Befugnis haben, auch über die Dedung zu beschließen. Nach Erledigung unbedeutender Tagesordnungspunkte ist Schluß der Eizung um 9½ Uhr. „ Masse Mensch" in Treptow Es tut sich was da draußen bei der beginnenden Oberspree, wo noch vor weniger als einem halben Jahrhundert, im Jahre 1876, erit 37 bebaute Grundstücke mit 560 Einwohnern waren und heute teils in Mietsfasernen, teils in villenartigen Gebäuden über 30 000 Seelen wohnen. An jonnigen Sommertagen verzehnfacht sich die Kopfzahl. Schwarz von„ Masse Mensch" ist die nach Treptow durch den gleichnamigen Park fübrende Chauffec. Vollgepfropit mit lufthungrigen Menschen find die Straßenbahnzüge. Ströme von Menschenleibern schüttet jeder Ringbahnzug aus. Himmel, wo werden die alle ein vergnügliches Bläßchen finden! Die ältesten Treptower entsinnen sich nicht, mit Ausnahme zu den Pfingstfrühkonzerten, wenn schon um 6 Uhr morgens manche Lokale wegen Ueberfüllung gesperrt sind, solche Menschenmaßen auf der Jagd nach Erholung und Sonntagsvergnügen gesehen zu haben. So war es noch nicht einmal bei der im Jahre 1896 auf dem weiten Gelände des Treptower Parts abgehaltenen Berliner Gewerbe- Ausstellung, die eigentlich das Sprungbreit zu der späteren großzügigen Entwickelung der bis dahin sehr bescheidenen Landgemeinde Treptow abgab. Und es wird hier mit jedem Sommer lebendiger. Vielleicht nirgends sonst tritt der Geldbeutelzwang, infolge hoher Fahrpreise die Wahl des Ausflugsortes immer enger au ziehen, so charakteristisch in Erscheinung. Was im dichtbevölkerten Often wohnt, eine föpfereiche Familie hat und nicht fünfzig oder noch mehr Wharf nur für die Eisenbahn opsern will oder fann, wandert mit Kind und Regel auf Schusters Nappen nach Treptow. Am regenlofen Sonntag ist die große Spielwiese, die ja auch so oft der Schauplab machtvoller politischer Demonstrationen war, ein wogendes Köpfemeer. Mehr als Fünfzigtausend lassen sich hier nieder, sparen das hohe Eintrittsgeld zu den Konzertlofalen, stillen den Durit an mitgebrachten Getränken oder an den zahlreichen fliegenden Budiken". Das achtlose Wegwerfen von Etullenpapier scheint leider unausrottbar au fein. Schon am Nachmittag liegen die fettigen Papierfeßen zu vielen Tausenden umher. Wie in einem Lumpenfeller ficht's aus. Der Naturreiz, den ein dem Schuße des Publikums ,, anvertrauter Schmuck" und Spielplab haben soll, geht start in die Brüche. Auch das fonntägliche Erobern und Belagern von Rasenflächen, die nicht dem allgmeinen Verkehr freigegeben find, sollte vermieden werden. Ahnt ihr denn, was die Pflege eines so großen Parkes und die fortgesetzte Erneuerung beschädigter Anlagen foftet? Drüben an der Spreeſeite vergnügt Masse Mensch fich ganz anders. Vor den Lokalen flutet es hin und her in dichten Wellen. Es gibt noch immer genug, für die fechs, acht, zehn Mark Eintrittsgeld, die eine Lappalie bedeuten. Aber schließlich die Musikanten wollen auch leben, und eine gute Kapelle fostet ein Heidengeld. Nur wenige Lofale haben sich von der Kaffe am Eingana emanzipiert. Wozu sich und die Besucher in Untoften stürzen, wenn man von nebenan das Konzert genau so gut hört? Noch mehr Kapellen auf diesem beschränkten Raum wären des Guten zu viel. Und dein Geld wirst du hier auch so los, wenn du dir irgendeinen Jug erlauben willst. Es ist alles, da ein Reil den anderen treibt, mindestens verzehnfacht, an Würfelbuden und Schießstand, beim Schaukeln und Ringwerfen. Selbst die Niete" aus der Blumenverlosungstrommel mußt du mit einem Papiermeter bezahlen. Auch das geschäftstüchtige Neukölln fnöpft dir Brückengeld ab, wenn es dich nach der schönen Abtei- Insel gelüftet. Krieg' es aber beileibe nicht mit der Wut beim Anblick der Weinabteilung, die hier wie auch in manchem anderen Treptower Lokal in höchster Nepp- Blüte steht. Bach' nach innen oder außen über die probige Dummheit iener Zeitgenossen, die früher faum einen Straßenbahngroschen in der Tasche hatten und heute sich vergebens Mühe geben, die sogenannte Bornehmheit zu fopieren. Das ist nicht Maffe Mensch, es ist Masse Schieber und Masse Wucherer. Wohin wenden sich Kriegsbeschädigte 6 und Kriegshinterbliebene? Nach der Verfügung des Ministers des Innern vom 25. Januar 1922, betreffend Kriegsbeschädigtenfürsorge, sind alle Gesuche in Sachen der Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene zur Erledigung stets an die hierfür zuständigen Fürsorgestellen abzugeben, Die Hauptfürsorgestelle der Stadt Berlin befindet sich Berlin C. 25, Landsberger Straße 43-47, Eingang Landwehrstraße. Telephon: Alexander 5085-87, Königstadt 2671, Magistrat 304, 407/8 und 461. Die Fürsorgestellen für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene 1-20 in Berlin befinden sich: Im Verwaltungsbezirk 1. Berlin- Mitte: C., An der Stralauer Brücke 6. Telephon: Magistrat 628. 2. Tiergarten: NW., Alt- Moabit 98-108, Meierei Bolle. Telephon: Moabit 8522, 3immer 45. 8. Webbing: N., Schönstedtstraße, Eingang Orthstraße 10. Fernsprecher 723, 724, 726. Das Hauptbüro, die Kasse und die Kriegsbeschädigtenabteilung befinden sich Eulerstr. 21. 4. Brenzlauer Berg: NO., Brauerei Königstadt, rechter Seitenflügel I, Schönhauser Allee 10-11. Telephon: Norden 9812 und 9969.- 5. Friedrichshain: O., für Kriegsbeschädigte Edertstraße 16. Telephon: Magistrat 757, 2880, für Kriegshinterbliebene Frankfurter Allee 37. Telephon: Königstadt 3508. 6. Kreuzberg: SW., für Kriegshinterbliebene Friedrichstraße 16. Telephon: Nollendorf 4036, Magistrat 682, 633, Morigplatz 14 796, für Kriegsbeschädigte Hollmannstr. 15. Telephon: Morisplay 14 796. 7. Charlottenburg: Stadtschloß. Am Luisenplatz, linter Seitenflügel I, Telephon: Diagistrat 376 riegsbeschädigte, Magistrat 322, Kriegshinterbliebene. 8. Spandan: Stadthaus, Telephon: Spandau 2151-53. 9. Wilmersdorf: Badische Sraße 43/44. Telephon: Pfalzburg 2450, 10. Rehlendorf: 3chlendorf- Wann feebahn. Teltower Straße 19. Telephon: Zehlendorf 1201-8. 11. Schöneberg: Neues Nathaus. Telephon: Stephan 1727, Leitung, 26, 21, 20 und 84..- 12. Steglig: Grunewaldstr. 2 ( Baracke). Telephon: Steglig 901-7. 18. Tempelhof: Berlin- Mariendorf. Rathausstraße 69-72. Telephon: Südring 1230-35.- 14. Neukölln: Rathaus, Berliner Straße 64. 15. Treptow: Rathaus. TeTelephon: Neukölln 1510-19. lephon: Morigplay 12 480-12 486.- 16. Cöpenick: Rathaus, Zimmer 18. Telephon: Cöpenick 648-657. 17. Lichtenberg: Rathausstraße. Barade 1. Telephon: Lichtenberg 6-15, Zentrale. 18. Weißensee: Parkstraße 106. Telephon: Weißen jee 399-404.- 19. Beutow: Breitestraße 22a. Telephon: Panfow 480-485.- 20. Reinickendorf: Hauptstraße 45. Te lephon: Reinickendorf 1300-1814. Jit Selbstmordversuch eine Gemeingefährlichkeit? Vor fünf Wochen beging die 24jährige Ehefrau eines Herrn W. in der Elsenstraße in Treptow einen Selbstmordversuch durch Aufschneiden der Pulsader. Kurz vorher war Frau W. aus Königsberg zurückgekehrt, wo sie bei Verwandten weilte und einige Wochen in der psychiatrischen UniDie Nervenüberversitätsklinik behandelt worden war. reizung war die offenbare Folge einer sehr schweren Entbindung. In Berlin famen dann noch die Anstrengungen der langen Reise hinzu. Die Eheleute leben sehr glücklich, ein Streit hat vor dem Selbstmordverfuch nicht stattgefunden. Der Ehemann unterband sofort die offene Alder, Iteß auch noch durch den Arzt Dr. A. cinen sachgemäßen Verband anlegen und schaffte die Kranke nach dem Urban- Krantenhaus. Von hier ist die Frau W., da man annahm, daß sie die übrigen Kranken stören werde, bewußtlos nach der Frrenanstalt Hezberge transportiert worden. Ob das unbedingt nötig war, fanu bezweifelt werden. Warum hat man nicht die für solche Fälle durchaus genügende NervenElinik der Charitee in Anspruch genommen? Dem Ehemann war es bisher nicht möglich, die Ehefrau aus der Frrenanstalt, wo fie zeitweise unter Tobsüchtigen liegt, herauszubekommen. Er begab sich in voriger Woche zum Bürgermeister Ritter, der über die eigenartige Behandlung der Angelegenheit sehr verwundert gewesen sein soll. Beim Polizei- Bezirksamt Neukölln hat sich W. schriftlich verpflich tet, die volle Berantwortung für die Entlassung zu übernehmen. Daraufhin stellte der Dezernent eine Bescheinigung aus, daß der Entlassung polizeilicherfeits nichts im Wege ftht, falls nicht Gemeingefährlichkeit vorliegt. Als W. am vorigen Sonntag diese Bescheinigung in der Frrenanstalt Herzberge vorlegte, erklärte der Oberarzt, Sanitätsrat Dr. Klippstein: Ich gebe Ihnen Ihre Frau nicht heraus, fie ist gemeingefährlich. Wir haben fürzlich eine Kranfe entlassen, die hinterher Selbstmord beging. Deshalb müssen wir die Entlassung Ihrer Frau verweigern." Von einer Gemeingefährlichkeit der Frau W. hat bisher kein anderer Arzt etwas bemerkt und behauptet, Sie ist oder war, wie alle Selbstmordkandidaten, nur sich selbst gefährlich. geht nicht an, solche Leute für lange Zeit einzusperren. Der flügfte Arzt kann nicht übersehen, ob ein neuer Selbstmordversuch unternommen wird oder nicht. Auf bloße Redensarten, herbeigeführt durch eine widerwärtige Umgebung, ist meist gar fein Wert zu legen. Die Schußhaft ist auch ein Radikalmittel. Selbst in der Frrenanstalt haben sich Häufig genug Patienten das Leben genommen. Wenn Ber wandte die Verantwortung übernehmen, muß die Entlaffung erfolgen. Die städtischen Frrenanstalten in Dalldorf und Buch kommen den berechtigten Interessen des Publifums weit mehr entgegen. Ueber die Rigorosität der Irrenärzte in Herzberge wird seit Jahren geklagt. Bon moder nem Geiste ist hier noch nichts zu spüren. Es sputt wohl noch zu sehr der Geist des verstorbenen Direktors, Geheimrats Moeli, der ein waschechter Anstaltsbürokrat war. Baluta: Pfefferlinge E3 Kommen die Pfefferlinge zu uns vom Ausland? Stehen etwa auch ihre gepfefferten Preise unter dem Einfluß einer Valuta. Vielleicht bei keinem anderen Nahrungsmittel ſieht man so flar den nichtsverschonenden Wucher. Die Pfeffer linge haben keinen lebenden Erzenger, der uns Gestehungsfosten vorrechnen könnte. Wild wachsen sie im Walde, strichweise massenhaft, für jeden erreichbar mit oder ohne Sammelerlaubnisschein Wer sammelt? Frauen, Kinder, alte Leute vom Lande. So war es schon immer, so ist's noch heute. Aber heute lungern Auffäufer in den Dörfern umher, bieten sechs, acht und zehn Mark für das Pfund und reißen den Sammlern die Ware aus der Hand. Die Ware kommt auch feineswegs aus sehr entfernten Gegenden, schon weil sie einen allzu langen Transport gar nicht aushält. In den märkischen Wäldern wimmelt es von Pfefferlingen und anderen eßbaren Bilzen. Die Fracht und sonstigen Fuhrkosten find also nicht übermäßig boch. Und was fostet das Pfund in Berlin für den Verbraucher? Die Kleinigkeit von 28 bis 32 M. zurzeit! Mit einem einzigen Pfund fann man nicht viel anfangen. Kartoffeln und etwas Speck gehören auch dazu. Also kostet ein Pilagericht für drei Personen rund 100 Papiermark. Der Regen der lezten Tage hat die Pilze in Unmaffen hervorgebracht. Es ist ValutaRegen. Die Preise werden mit der Gaumenluft nach Pfefferlingen noch steigen. Aber Wucher ist das nicht... bewahre, nur Konjunktur. Wieder Kartoffelnot Die Hausfrauen rennen nach Kartoffeln und können nur wenig oder teine auftreiben. Der anhaltende Regen der lezten Tage hat die Kartoffelzufuhren fast völlig unterbun den. In vielen Gegenden stehen die Kartoffelfelder so unter Wasser, daß vorläufig an Buddeln nicht zu denken ist. Vorjährige Ware fommt aber kaum nach Berlin, ist auch nichts mehr wert. Schon am Mittwoch wurde sofort die Not ausgenügt. Wer neue Kartoffeln noch für 7 Mark erhielt konnte zufrieden sein. Die meisten Händler fordern 8-10 M. für das Pfund. Der Zentner Kartoffeln 1000 Mark es wird immer herrlicher! Absperrung der Wasserlieferung Der Magistrat hat in der lebten Sizung die Frage der Absperrung der Wasserlieferung dahin erledigt, daß das Recht der Wasserabsperrung, das auch in den neuen Wasserlieferungsbedingungen für die neu gebildete Verwaltung der Gesamtwasserwerke der Stadtgemeinde vorgesehen ist, den Wasserwerken verbleiben muß, wenn nicht schwerwiegende Störungen in der Wassergeldeinziehung eintreten sollen. Die Verwaltung der Wasserwerke soll daher berechtigt sein, die Absperrung anzudrohen. Zur Ausführung der Absperrung bedarf es jedoch eines Beschlusses des Magistrats. Rüdgabe der 167. Gemeindeschule zu Schulzweden. Ber seinem Aufbau hatte das Bezirksamt Wedding ungeheure Schwierigkeiten räumlicher Art zu überwinden, die auch heute feineswegs behoben find. Eine Reihe Dienststellen mußte eingerichtet werden, ohne daß die Voraussetzungen dazu in räumlicher Sinsicht gegeben waren. Die vom Zentralmagistrat geforderte Uebernahme einzelner Arbeitsgebiete mußte deshalb bis jetzt unterbleiben. Wieder andere Dienststellen waren in Räumen untergebracht, die zu einem wichtigeren 3wed erstellt waren, und deren Verlegung in andere Räume dringend geboten war. Eo war auch in der 167. Gemeindeschule, Putbuser Straße 22 die Erwerbslojen. Fürsorge untergebracht, als das Bezirksamt Wedding er richtet wurde. Der sehnliche Wunsch des Bezirksamts, die Schule ihrem eigentlichen Zweck wieder dienstbar zu machen, hat sich jetzt endlich verwirklichen lassen. Seit einigen Tagen ist die Schule geräumt und befindet sich die Geschäftsstelle der Erwerbslosen- Fürsorge und SozialrentnerFürsorge in der Gerichtstraße 12-13. Freibäder an der Oberspree. Trob der polizeilichen Freis gabe des Badens in öffentlichen Gewässern. erfreuen sich die Freibadanlagen der Stadt immer noch eines regen Zuspruchs. bieten sie doch dem Besucher erhebliche Vorteile, die den Wert des geringen Eintrittsaeldes weit überholen. Das Wichtigste ist, daß durch die Absperrung der Untiefen und die ständige Aufsicht eine Sicherheit gegen Unfälle gegeben wird, die der außerhalb der Anstalten Badende nirgends hat, denn auch der sicherste Schwimmer ist acaen Unfälle nicht absolut gefeit. Dann aber bieten die öffentlichen Bäder Umkleideräume, Kleider- und Wertsachenablagen, Trinkwasser, zum Teil sonstige Grischungsgelegenheit, Rettungsfähne und-ringe, Sanitätseinrichtungen, furzum mancherlei Annehmlichkeiten. Die dem Stadtinnern am nächsten gelegenen Freibäder an der Oberspree sind„ Adlershof" neben dem Restaurant Neptune. hain( Saltstelle Oberspree der Spindlersfelder Eisenbahn) und Oberschöneweide" neben dem Spreerestaurant Sadowa ( Haltestelle Eichbuschweg der Straßenbahnlinie 83, pder Stationen Sadowa oder Cöpenick der Erknerbahn). Das Freibad Oberschönemcide bietet wohl als einzigstes in Berlins Umgebung den Besuchern Turngerüft und Schaufel zur freien Benugung. Ein Vorteil dieser beiden Bäder ist, daß sie weniger überfüllt find als die beiden weiter daußen liegenden bekannteren Anstalten in Friedrichshagen und Grünau und es auch beim abendlichen Heimgange weniger Andrang zu den Verkehrsmitteln gibt. Der Schleichhandel mit Kohlen blüht wieder. In der letzten Zeit häufen sich die Fälle wieder, daß im Schleich handel Steinfohlen und Briketts, lettere unter Ueberschrei tung der Höchstpreise, von wilden Händlern öffentlich zum Verkauf angeboten werden. Hierdurch wird das einheitliche Berteilungssystem des Kohlenamtes auf das äußerste gefährdet. fährdet. Die polizeilichen Dienststellen sind angewiesen worden, diesem Mißstande im verschärften Maße ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Lichtreklame wieder zugelassen. Nachdem die Bundes. ratsverordnung, betreffend die Ersparnis von Brennstoffen und Beleuchtungsmitteln vom 11. Dezember 1916, laut Verordnung des Reichsministers des Innern vom 16. Juni 1922 mit Ablauf des 25. Juni 1922 außer Kraft getreten ist, ist die Bekanntmachung vom 1. Februar 1922 aufgehoben woren. Anträgen auf Genehmigung von Lichtreklame fann demnach nunmehr wieder stattgegeben werden, soweit nicht die Bestimmungen der Straßenpolizeiverordnung enta gegenstehen oder Verkehrsstörungen zu befürchten sind. Eine Ausstelluna Hungersnot und Hungerhilfe in Ruß land findet anläßlich des Zweiten Internationalen Hungerhilfstongresses vom 7. bis 25. Jult in den bisherigen Räumen des ruffifchen Konsulats, Unter den Linden 11, statt. Die Ausstellung bietet eingehende Statistiken über Umfang, Ursachen, Wirkungen der Hungersnot, gibt Aufschlüsse über das Hungerhilfswerk und enthält eine Sammlung von Plakaten, Literatur, Photos, Kunst und Kunsthandwerk aus. dem Hungergebiete und dem übrigen Rußland. Photos, Literatur, verschiedene Plakate, feltene Briefmarken stehen zum Verkauf. Eintritt 6 Mart. Besuchszeit: Wochentags 9½- 8 Uhr, Sonntags 10-7 Uhr. Der gesamte Reinertrag fließt den Hungergebieten zu.-Führungen finden mit eingehenden Erläuterungen statt. Opfer der Arbeit wurde die jugendliche Arbeiterin Eckhardt. Als sie in der Metallwarenfabrik von Georg Notfreuz, Urbanstr. 116, ein Streichholz entflammte, fiel dieſes auf ihren mit Del getränkten Arbeitsrock, der sofort lichterIph brannte. Sie wurde mit Brandwunden am ganzen Körper nach dem Urban- Krankenhause geschafft. Zum Sport nur Bären- Stiefel Der Stiefel für schwere Beanspruchung. 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Juli 1922 versammelten Betriebs- und Beamtenräte des DEV. im Eisenbahndirektionsbezirk Hannover sind sich ihrer Pflicht voll bewußt und bestrebt gewesen, It.§ 70, Abi. 1 und§ 42, Abs. 1, der Betriebs- bezw. Beamtenräteverordnung für einen möglichst hohen Stand der Leistungen und für möglichste Wirtschaftlichkeit des Eisenbahnbetriebes zu sorgen. Wenn dieses bisher noch nicht in vollem Umfange erreicht ist, so müssen die Betriebs- und Beamtenräte hierfür jede Verantwortung ablehnen, weil maßgebende Bertreter der Eisenbahnverwaltung gegenwärtig mehr denn je unter Anwendung aller juristischen Schliche versuchen, die Betriebs: und Beamtenvertretungen an die Wand zu drücken. Die Taktik derartiger Verwaltungsorgane trägt aber nicht dazu bei, in friedlicher Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Personal den Eisenbahnbetrieb wirtschaftlich au gestalten, sondern bezweckt nur die Verschlechte= rung der finanziellen Lage der Eisenbahn, um damit gleichzeitig den republikanischen Staat zu unterminieren. Im Interesse des Schutzes der deutschen Republik, der Reichseinheit und der wirtschaftlichen Weiterentwidlung unseres Eisenbahnwesens muß die Demokratisierung der Berwaltung darum restlos durchgeführt werden. Die Konferenz der Betriebs- und Beamtenräte des DEV. im Eisenbahndirektionsbezirk Hannover erwartet daher von der Reichsregierung, daß dieselbe den Reichsverfehrsminister dringend ersucht, die Demokratisierung seiner Berwaltung ernstlich in Angriff zu nehmen, auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten energisch durchgreift und an Stelle der noch zum großen Teil vorhandenen monarchistisch gesinnten eine echt republikanische icht. Die Betriebs- und Beamtenräte nehmen für sich in Auspruch, im Stande au sein, tüchtige, auf dem Boden der heuti gen republikanischen Verfassung stehende Beamte in Vorschlag bringen zu können." Die armen Mühlenbesitzer Uns wird geschrieben: In der Reihe der Großverdiener stehen bekanntlich die Mühlenbetriebe mit an erster Stelle und ist kein Grund vorhanden anzunehmen, daß die Firma F. W. Schittt, Dampfmühlen A.-G., Stromstraße, in Punkto Verdienst eine für sie ungünstigere Sonderstellung innehat. Wie aber die Bezahlung der Arbeitnehmer aussieht, dafür folgender Fall als Beweis: Ein Pförtner dieser sauberen Firma, 39 Jahre alt, 40 Prozent Kriegsbeschädigter, verheiratet und Vater von 3 unmündigen Kindern, bezieht heute bei achtstündiger Arbeitszeit ein Brutto- Einkommen von insgesamt 2000 Mt. monatlich. Also 150 mt. pro Monat auviel, um in den Besiz der für Kriegsbeschädigte mit nur anderthalbfachen Bezügen der Erwerbslosenunterstübuna besonders ausgefeßten Teuerungszuschüsse zu gelangen. Und dies bei soller Arbeitsacit und Arbeitsleistung. Rommentar überflüssig. Die nenen Löhne der Maßschuhmacher Nach Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses GroßBerlin vom 13. Juli 1922, der von beiden Parteien angenommen wurde, gestalten sich die Mindestlöhne der Maßschuhmacher Groß- Berlins folgendermaßen: Der Mindest stundenlohn beträgt für männliche Zeitlohnarbeiter 30 M. ab 3. Juli und 33 M. ab 17. Juli, für weibliche Zeitlohnarbeiter 27 M. ab 3. Juli und 30 M. ab 17. Juli. Als Affordbasis der Affordarbeiter für neue Arbeiten beträgt der Was ist das für ein Geschrei/ In der Kinderstube/ Schnell den Safergrief herbet/ Kocht ihm einen feinen Brei Lachen soll der Bube! Solche raiche Wandlung führt bei Verdauungsstörungen der Säug linge tatsächlich berbet unier feit Jabrsebuten als Milchzufaß und Wiilcherfaß beitbewährter Thalysia- Bafergrieß Für größere Rinder, Rrante und Genelende träftige, leicht. verdauliche Stoft und gesündelte Familiensuppe.* zu haben Dilhelmitraße 37; Thalysia, Friedenau, Rheinitraße 34 und in sämtlichen Geschäften der Meierei C. Bolle Aft.- Gef. SaisonAusverkauf Schluss: Sonnabend, Stundenlohn 30 M. ab 3. Juli und 33 M. ab 17. Juli. Für Reparaturen beträgt der Stundenlohn 28 M. ab 3. Juli und 31. ab 17. Juli. Für den Monat August werden neue Löhne vereinbart. Verbandstag der Fabrikarbeiter der Fabrikarbeiter DU Den Opfern der letzten Explosionen widmete Bren einen warmen Nachruf. Die Statutenberatung nahm den heutigen Verhandlungstag völlig in Anspruch. Die Meinungen der DeTegierten gingen in der Beitragsfrage ziemlich einig. Chne Unterschied erklären sich die Redner für eine Erhöhung. Ein Streitobjekt bildet das Delegationsrecht der Gauleiter, denen ein Teil Redner das Stimmrecht streitig machen will. Wegen der Streif- und Gemaßregeltenunterstützung kam es au heftigen Debatten, trotzdem sie bedeutend erhöht werden sollen. Hauptkaffierer Rökler- Hannover warnt davor, in den Unterstüßungsiäßen noch höher an gehen, sonst fönne leicht das Gegenteil von dem eintreten, was die Befürworter davon erhoffen. Die Organisation sei feine Waffe mehr in den Händen der Arbeiter, wenn man fie finanziell schachmatt setze. Es wurden zwei grundiäbliche Abstimmungen vorgenommen über die Höhe der Beiträge und über die Forderung, ob die Zahlstellen auch in Zukunft Lofalbeiträge erheben dürfen. Dies wurde abgelehnt. Beschlossen wurde ferner, einen Stundenlohn als Beitrag zu erheben. Alle Unterstübungen wurden nach den Vorschlägen der Kommission beschlossen. Ein Antrag, die Gewerkschaftliche Frauenzeitung" nicht mehr zu liefern, wurde abgelehnt. Demselben Schicksal verfielen jämtliche Anträge, die auf eine Aenderung der Streiftaktik und des Streifreglements hinausliefen. Der lebte Taa begann mit einem Vortrag des Vorsitzenden August Bren über Betriebs- und Industrieorganisationen, desen Inhalt dem Verbandstage in Form von Leitsäßen vorlag, die einstimmig Annahme fanden, Der Verband sei heute schon mehr als eine Industrieorganisation im Sinne der Leipziger Gewerkschaftsbeschlüffe. Er umfasse die wesentlichen Teile von sechs großen Industriegruppen. Die Verbandsgenossen und funktionäre werden aufgefordert, Einbrüche in das Organisationsgebiet abzuwehren, zugleich aber auch noch mehr als bisher liebergriffe in den Bereich anderer Organisationen zu vermeiden und die Abstoßung nicht au uns gehörender Mitglieder zu vollziehen". Der Verbandstag bekennt sich zu dem Grundsatz, daß sich die Entwicklung der Gewerkschaften in der Richtung zu großen Teistungsfähigen Industrieverbänden vollzieht, und ist auch in Zukunft bereit, jeden Antrag auf Anfachen eines anderen Verbandes in den Fabrifarbeiterverband zur Grlangung noch größerer Leistungsfähigkeit und Schlagkraft in bereitwilligster Weise zu prüfen. Der Vorstand wird zu Verhandlungen ermächtigt, die sich aus der Umformung der Organisation ergeben, doch ist jede Organisationsumstellung, die dem Verbande der Fabritarbeiter die Tätigkeit für Kollegengruppen, deren geistig- ioaiale Interessen er bislang zu verteidigen hatte, im wesentlichen entzieht. abzulehnen. Die Leitfäße schließen: An der Mitgliedschaft in einem Gewerkschaftsbunde, der einer der ältesten, an Mitglieder zurzeit zweitstärksten freigewerkschaftlichen Organisation den Boden für fernere newertschaftliche Tätigkeit untergraben will, hat der Verband der Fabritarbeiter fein Interesse. Der Vorstand wird für diesen Fall ermächtigt, die Loslösung vom Allgemeinen Dentschen Gewerkschaftsbund in Erwägung aut ziehen." Eine Unterstüßungstaffe für die Verbandsfunktionäre befürwortete Genosse Reimann Berlin, dessen Vorschlag einstimmige Billianna fand. Weiter stimmt der Verbandstag einer Entschließung zu, die Prüll- Hannover begründet, gegen die Schlichtungsordnung, für die Einheitlichkeit der Arbeitsgerichte und deren Unterstelluna unter das Reichsarbeitsministerium, sowie für Beseitigung des Prämien- und Affordsystems und für die Durchführung des Achtstundentages. Die Wahlen des Vorstandes und des Aus= ichuiies brachten keine Veränderung; sowohl der gesamte Vorstand wie der Ausschußvorfißende wurden einstimmig wiedergewählt. Lehrmädchen im Alter von 14-16 Jahren für Verkauf sofort gesucht. Meldung in Begleitung des Vaters oder des Vormundes von 9-12 Uhr mittags oder 5-6 Uhr abends in der Personalverwaltung. A. Jandorf& Co., Belle- Alliancestr. 1-2 22. Jul Zeitungs- Botinnen Anzüge Paletots, Schlüpfer, Cutaways, Covertcoats teils aus alten, billigen Abschlüssen stam1200mend, aus besten, z. T. engl. Stoffen, in erst1500 1800 2100 2800 3200 Mark klassiger prima Verarbeitung hergestellt. Unsere Kleidungsstücke zeichnen sich durch unerreichte Formenschönheit, tadellosen Sitz und mäßige Preise aus. Kaufen Sie jetzt, da eine solche vorteilhafte Gelegenheit sobald nicht wiederkehrt! Keine Lombardware. Des großen Andranges wegen empfiehlt es sich, uns möglichst in den Vormittagsstunden zu besuchen. Leihhaus Brunnenstraße 5 direkt am Rosenthaler Platz. Bitte genau auf Firma und Hausnummer zu achten. 193 Time verlangt Berläufe Gardinen Sonderangebot! Damit waren die Arbeiten des Verbandstages erledigt Der nächste Verbandstag soll 1924 in Stettin statt. finden. Buchbinder. Vertrauensleute und Betriebsräte der reinen Buchbindereien und Briefumschlagfabriken, die sich im Streit befinden, heute vormittag 11 Uhr im Saal 1 des Gewerk. schaftshauses, Engelufer 25, wichtige Versammlung. Erscheinen aller obengenannten ist unbedingt Pflicht. *** Das An das Buchbindereipersonal in den Buchdruckereien sowie für alle während des Buchdruckerstreiks ausgesperrten, auch für die während dieser Zeit im Betrieb tätigen Personen wird eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe in derselben Höhe ausgezahlt, wie solche den Buchdruckergehilfen resp. den Hilfsarbeiterinnen gewährt worden ist und zwar für männliche 300 M., für weibliche über 17 Jahre 250 M., für weibliche unter 17 Jahren 150 M. Die Tarifverträge für Geschäfts-, Jndustrie- und Wohns Die häuser vom Magistrat der Stadt Berlin anerkannt. Tarifverträge für das Hauspersonal der städtischen Geschäfts-, Industrie- und Wohnhäuser sind nachdem die Stadtverordnetenversammlung der Vorlage zugestimmt hat, am 18. Juli unterzeichnet worden. Für Geschäfts- und Industriehäuser gilt der Tarifvertrag rückwirkend ab 1. Oftober 1921, für Portiers und Hausreiniger in Wohnhäusern ab 1. März 1922. Auskunft über die Tarifverträge wird im Büro des Deutschen Portier- Verbandes, Berlin W. 62, Bayreuther Straße 31, erteilt. Parteiveranstaltungen Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Das Büro der Arbeiter- Bildungsschule( Verbands- Bildungs- Kommission) und die Bibliothek befinden sich wie bisher Breite Str. 8/9, Telephon: Zentrum 15 236, Wilhelm Schenk. Alle rückständigen Abrechnungen( Feierstunden Maschinenstürmer) bitte sofort zu erledigen. Eintrittskarten zu der Aufführung am Dienstag, den 25 Juli, abends, im Großen Schauspielhause sind in unserem Büro zu haben. 20. Diftritt. Rinderschutzkommission. Es wird nochmals auf die Ferienspiele der Arbeitsgemeinschaft Kinderfreunde bingewiesen, die Mittwoch und Sonnabend nachmittag ab 143 lbr auf dem ehemaligen Schießplats am Tempelhofer Feld stattfinden. Treffpunkte 2 Uhr Görliger Bahnhof Seitungefiost und Prinzen-, Ede Gitschiner Straße Hochbahn, sowie um 2 Uhr Kaiser- Friedrich- Kirche Hasenheide. Freitag, den 21. Juli. der Die 5. Berwaltungsbezirk. Arbeitsgemeinschaft Kinderfreunde. Rinder treffen sich mittags 1 lbr Andreaspiaß, Baltenplay und Rudolfplatz zum Abmarsch nach der Spielwiese 8 in Treptow. Trinkbecher mitbringen, Spieltage find Dienstag. Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 2-7 Uhr. Steglth. Die Stommission aur Durchführung des Waldfeftes tritt abends 8 1hr bei Martin, Fichtestraße, au einer Besprechung zusammen, Sonnabend, den 22. Juli. 5. Berwaltungsbezirt. 17. Diftrift. Borstandsfisung und Abrechnung bet Wittschus. Petersburger Straße 5, abends 6 Uhr, Abrechnung der Billetts vom Sommerfest. 19. Berwaltungsbezirk( Pantaw). Sonnabend, den 22. Juli, abends 7 Ubr, in Pantow( Rathaus, Simmer 17). Sigung der Kommunalen Kommiffion und Frattion. 3. Diftrift. Abends 7 Uhr Vorstandsfisung bei Kaiser, Gotlowsthftraße 34. Diftrift Nicberbarnim- Nord. Sämtliche Ortsgruppen des Distrikts Niederbarnim- Norb müssen abends 6 Uhr zu einer wichtigen Konferenz im Lofal von Karl Böling, Brunnenstraße 79, erfcheinen. Jeder Ort muß vertreten fein. Die Borsfände der Arbeitsbezirle müssen erscheinen. Montag, den 24. Juli. 5. Berwaltungsbezirt. 17. Diftritt. Frauen und Mädchen, Kinder und Jugendliche gemeinsamer Ausflug und Naffeelochen im Lindenpart, Reftan rant Gutzeit, Friedrichsfelde, Kitche. Die Genoffen Tommen nach. Abmarsch bom Schleidenplat, 2 Uhr, mit Fahnen. Dienstag, den 25. Juli. 9. Distrilt. Frauenarbeits- inderfibusfommiffion. Giung abends 7% Uhr bei Aroff, Utrechter Straße 21. Wichtige Tagesordnung. Vereinskalender Montag, den 24. Juli. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Abends 7 Uhr bei Items, Safenbeide( fleiner Saal), Bezirksversammlung des 14. Besiris( Neu föln). Die Bezirksleitung Horeis. Berantwortlich für die Redaktion mit Rauch, Berlin; für den Inferatenteil und geschäftliche Mitteilungen: Ludwig Komeriner Werlin. Berlags- Genoffenschaft Freiheit", e. G. m. b. S., Berlin. Drud von Gehring& Reimers, G. m. b. 5.. Berlin E. 68, Ritterftraße 75 Kleine Anzeigen 3000 Anzüge, Schlüpfer, Belannt aum Staunenerregend! Silber Rotfüchte! Möbel Raufgefuche Gummi- reusfülchfe! mäntel, Sofen, Com- filfe! meriaden, Damenmän asiafücfe! SobelOpoffum! tel, Belsfragen, Wäsche fühle! Rie ufw. gelangen täglicölfe! Gluntfe! Pistolen Mabel- Lechner. fenauswahl! Fabel Binig Aus Sommer Brunnenstr. 7 offertert und Brismenfeldstecher unferen alten Waren Berlauf. Gahrtbergi balt billige Leibhaus Borberlauf im breife! beständen stellen Spezial- Belz- Schlafzimmer, Speifea, fauft su höchsten Breimir tung. Leibhaus, Herrenzimmer, Klubgarfen Sirftein, Liniennachstehende Artikel bagener Straße 47 Barschauer Straße 7. nituren, Küchen umfrabe 50. 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Geht er ungehemmt zielbewußte Wege weiter, dann wird er auch den Staat aufsaugen. Der Weg zum Verschlingen des Staates, zur letzten Herrschaft über das Volk, führt über das Geistesleben. Diesem aber hat der Kapitalismus in der unerhörten Steigerung unserer Tage so sehr schon seinen Stempel aufgedrückt, daß von einer Selbständigkeit unseres Geisteslebens kaum mehr die Rede sein kann. Gerade die großen bürgerlichen Schlagworte von unserer Kulturnot sind es, die grell in das Dunkel einer erschreckend fortschreitenden geistigen Volksverelendung hineinleuchten, die Worte von Not der Presse, der Wissenschaft und Kunst, der geistigen Arbeit überhaupt weil sie, ungewollt und nicht in diesem Sinne ge= braucht, das 3errbild Geistesleben bloßstellen, das Kultur- und volksfeindlicher Kapitalismus geseitigt hat. Schlagworte des Kapitalismus selbst, lebende Brandfackeln auf dem Wege zum Zusammenbruch, gebildet aus Angehörigen des eigentlichen Volfes und nur aus ihnen. Schlagworte, denen wir Schlagfräftigeres entgegenzufetzen haben: Vertrustung der Presse, republik= feindliche Politisierung der Wissenschaft, tapitalistisches Monopolrecht an Kunst, Versklavung des geistigen Arbeiters oder Proletarifierung und Untergang. Kapitalistischer Kulturgeist auf Mittel- und Hochschulen, Hemmung aus dem Volke gewachsener geistiger Bestrebungen, wirtschaftliche Unterdrückung von Volkshochschulen; verfassungsfeindliche Politisierung der Erziehungs- und BilJugend- Genoffe Wird dies Volf, das Volk der Sport-, Rennen-, Bettenund Borkampfenthusiasten, so start und tatfreudig sein wie das Geschlecht vor dem Kriege, das, unterdrückt und vom Staat eingeengt, nie erlahmte in Taten wahrer Volkskultur? Wir haben ein Hoffen und in ihm liegt Keim zu machtvoller Erfüllung. Proletarier rafften sich auf und strömten auf freiem Plaze im Herzen Berlins zusammen, um Widerspruch gegen den kapitalistischen Gesellschaftsgeist zu erheben, der mit Sport tapitalistischen Gesellschaftsgeist zu erheben, der mit Sport und Spiel Massen einzufangen sucht, um sie davon abzu lenken, daß er ihnen nicht genügend und nur teures Brot zu geben vermag. Wir haben ein Hoffen. Und in diesem Hoffen liegt uns die Gewißheit von neu gewollter, erkämpfter Zukunft. Dies Hoffen bist du, sozialistische Proletarierjugend! Deine Aufgabe ist es, mit den natürlichen Kräften deines gesunden Empfindens die Werbearbeit zu übernehmen, die zu Taten der Vernichtung heutigen Neugeistes führen soll. Gewachsen und denkend geworden in Zeiten voll Wunden und Schmach, tretet ihr mit Ernst und Willensstärke in das Leben des Kampfes ein. Nicht Aufgabe allein, Bestimmung ist es euch, Verbrauchten, Müden, Erschlafften die Gesundheit des Empfindens und Wollens wiederzugeben. Seid Vorkämpfer auf dem Wege zu Geistesbesig! Tragt das Geistige, das in jedem jungen Herzen wohnt, in eine Zeit hinein, die von Ueberwucherung durch tapitalistisch- wirtschaftliche Kulturerfassung bedroht ist! In euch, Jugendgenossen, ist etwas von dem Voike der Dichter und Denter als werdende Kraft- helft mit, daß es wirklich ersteht, daß das Schmachwort vom Volke der Makler und Ausbeuter nicht zum Kennwort des Landes curer Geburt und Arbeit wird! Freunde und Torwächter geistigen Volksbesizes an den Fabriken( Hüter der Natur, der Kunst, der Wissenschaft und alles menschlich Hohen) in Feierstunden, immer und überall aber siegesfrohe Kämpfe für Freiheit und Glück der Zukunft so werdet ihr, Jugendgenossen, die edelste und schärfste Waffe im großen Kulturkampf sein, der heute kapitalistisches Denken und Wollen Schritt für Schritt vordringen sieht, vor oßend ins Herz des Volkes der Arbeitenden. bungsmittel in breitester Allgemeinheit, Beseelung des Films Nie wieder Krieg! Bon A. Krämer.Neukölln in fapitalistisch- monarchistischem Sinn; Zerstörung des freien Geisteslebens, der freien Berufe; Ende des Volkes der Dichter und Denker, Beginn des Volkes der Industrie- und Agrarherrscher, man könnte die Reihe der Gegenschlagworte jast endlos erweitern und könnte doch nicht stärfer überzeugend die Kulturzerrüttung der heutigen herrschenden Gesellschaft, die sichere Vernichtung allgemeinen Volksgeistesbefizes, schildern. Und doch ist damit noch nicht der kapitalistische Mensch und das kapitalistischem Geiste verfallende Volf gekennzeich= net und ergründet. Und es ist noch nicht begreiflich, weshalb in der Zeit einer starten Arbeiterbewegung die Sumpfpflanze des schärfsten Kapitalismus um ein ganzes Volk Schlingen zu legen vermag. Wir wollen es ehrlich aussprechen: es ist nur begreiflich und möglich, weil das Volt selbst in starter Entwidlung zu kapitalistischem Gesellschafts= abbild begriffen ist und sich darüber keine Rechenschaft ablegen kann. Ist nur deshalb möglich, weil die fapitalistische Welt, in ihrer gewaltigen Macht aus Geist und Geschichte des Westens flutend, das ganze öffentliche eben überschwemmt und verheert. Seht euch, Genossen, einmal Sinn und Geist dieses öffentlichen Lebens an und fragt euch dann, wer von euch nicht auch schon etwas in seinen Strudelkreis geraten ist. Dies neue, westlich orientierte Leben des deutschen Volfes, dies Allgemeinleben eines Volfsherrschaft begehrenden Sportes dies maßlos die Allgeleinheit verschlingende Seuchenmüten der Rennen und Wetten und Bogkämpfe dies leidenschaftliche Aufgehen aller in der Verherrlichung rein animalischer Kräfte, gleichbedeutend mit einer Erhebung der rohen Kraft über den Geist, mit einer ungeheuren Gefahr für das Geistesleben, für den Geistesbesitz des Volkes! Diefer all beherrschende Sportgeist, heute Volksgeist geworden was ist er anders als das ganz getreue Abbild dessen, was wir Kapitalismus nennen? Was anders als Pulsschlag aus dem Fieber seines Erfolgjagens, des Kampfes um den Erfolg, dem geistiger und sittlicher Wert fremd ist, der nur Berechnung, Kraft, Roheit, Herrschaftswillen fennt? Und dieser Gesellschaftsgeist hat nicht halt gemacht vor Arbeiterwohnungen und Fabriken und wühlt und zehrt als schlimmster Feind an einem Volke, das nur dann aufsteigen fann, wenn es im zielbewußten Ringen um Wirtschafts- und Geistesbesis Freiheit und Recht politischer Macht an sich reißt! Ungeheuer sind die Gefahren, die sich dem Volfe auf den Wegen nach dem Besitz der selbstgeschaffenen, allen bestimmten Güter entgegenstellen. Niemals fann es zur Wirtschaftsfreiheit gelangen, läßt es sein Geistesleben verfümmern, sich hineinzwingen in ein geistiges Allgemeinleben, das aus dem Geiste rein fapitalistischen Wesens geboren ist. Jugendgenossen! Wieder jähren sich die Tage, die für alle Zeiten wohl als Unglückstage in der Geschichte der Menschheit eingezeichnet werden, die Tage des 24. und des 31. Juli. Als am 28. Juni in Serajewo der österreichische Thronfolger durch die Schüsse der serbischen Nationalisten dahingestreckt wurde, hielt alle Welt den Atem an. Mit schrecklicher Deutlichkeit war das drohende Gespenst des Weltkrieges, das Europa seit Jahren beunruhigte, am Horizonte aufgetaucht. Noten wurden zwischen den Regierungen gewechselt, fieberhaft wurde gearbeitet und gerüstet, bis am 24. der österreichische Gesandte Serbien ein Ultimatum überreichte, das aller Welt klar und deutlich bewies, daß man den Krieg unter allen Umständen wollte. Noch wenige Tage, und am 31. Juli wurde der Kriegszustand in Deutschland erklärt. Schlag auf Schlag folgten die Krieserklärungen der einzelnen Staaten. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trafen die Nachrichten; die Ferienzeit, die für viele unserer heutigen Jugendgenossen froh und heiter begonnen hatte, schloß mit Abschiedsschmerz und Tränen, als der Vater, der ältere Bruder fortgeholl wurden von der Familie, von der friedlichen, aufbauenden Arbeit und hinaus mußte, um fremde Interessen zu ver teidigen. War auch viel von einem Kriege geschrieben und geredet worden, hatten auch die sozialistischen Arbeiter und Arbeiterinnen aller Länder immer und immer auf die durch das Wettrüsten entstehende Kriegsgefahr hingewiesen, so waren alle diese Warnungen ungehört verhalt. Die Völker, betrogen und mißbraucht von den größenwahnsinnigen Regierungen, hatten geschlafen und erwachten noch nicht einmal, als das Schreckgespenst Krieg da war. Zu Tausenden zogen sie am Tage des Kriegsausbruchs ,, Unter den Linden" einher, jubelten sie dem„ Heldenkaiser" zu, als er vom Balkon des Schlosses von der Notwehr sprach, die Deutschland das Schwert in die Hand drückte, und sie aufforderte, Gott um Hilfe zu bitten. Wie fonnte es geschehen, daß so jede Vernunft verjagte?" fragen wir heute. Gab es denn keinen Warner, niemanden, der auf das Schreckliche hinwies, das der Krieg mit sich bringen mußte? Wies feiner auf die Lüge hin, den Christengott, den Gott der. Liebe, um Beistand für die Waffen anzurufen? ersten Bleisoldaten zum Weihnachtsfest schenkte, jede Mutter, die stolz auf ihren Jungen war, der mit dem Papphelm und Holzschwert als kleiner Knirps schon einhermarschierte, tragen mit einen Teil der Schuld. Welche ungeheure Schuld hat der Lehrer auf sich geladen, der schon die Kleinen für das Sol. datenspielen begeisterte, ihnen erzählte von den Helden, den gewonnenen Schlachten und Kriegen, aber nie ein Wort darüber verlor, wieviel Kinder den Vater einbüßten, wieviel Frauen vergeblich auf den Gatten warteten und wieviel Krüppel und Kranke, einst rüstige Männer, im Elend ver famen. Ueber vier Jahre hinaus wurde das deutsche Volk be. trogen, über. vier Jahre dauerte das Menschenmorden. Mit Empörung muß man heute daran denken, wie wir als 17- und 18jährige hinaus mußten, als halbe Kinder an die Front, um das Vaterland zu verteidigen, ein Vaterland, das für die arbeitende Jugend nur die schlechte überfüllte Volksschule, nur Not und Arbeit in frühester Jugend zu bieten hatte. Gerade die Jugend war es, die man überall dort einsetzte, wo der sichere Tod wartete, die man drangsalierte und zu Tode marterte Ueberall liegen die Gebeine unserer Arbeitsbrüder, und im Kampfe zwischen den Völkern hat der Tod sich als einigendes Band um die Menschheit gelegt. Und alle diejenigen, die ihr daheim wart, was war cuer Los? Vater im Felde, Not und Elend daheim, die Mutter in der Fabrik, habt ihr den Hunger kennen gelernt, habt ihr anstehen müssen nach den wenigen Lebensmitteln, die man euch zuteilte. Die Volksschule, so schlecht sie an sich schon, konnte euch nicht den nötigen Unterricht geben, da der Lehrer im Felde stand. Heute, nach acht Jahren, schauen wir zurück. Ein ungeheures Leichenfeld liegt hinter uns. Millionen von Waisen, Millionen von Witwen, Millionen von Krüppeln und Millionen, die krank und zermürbt von den Strapazen des Krieges, den Tod in sich tragen. Nicht nur hier in Deutschland seht ihr das traurige Bild, ganz Europa duldet dieselben Schmerzen. Aber Jugend, sich vorwärts! Schon rüstet man aufs neue, schon wagen die Verbrecher von gestern sich frei hervor, schon hezen dieselben Massenmörder zum Rachekrieg! In den Masken der Schuzorganisationen wird ein neues Heer gebildet, sammelt man deine Arbeitsbrüder in den nationalistischen Verbänden, um sie vorzubereiten, wieder zu morden. Arbeitende Jugend, du sollst das Kanonenfutter sein, während dein Blut vergossen wird, werden sich hier die Schieber die Taschen füllen, während deine Leiber zerrissen werden, will man wie einst Siege feiern. Denke an die Opfer die gefallen, denke an Hunger und Not während des Krieges. Sorget dafür, daß kein neuer Krieg entstehen kann. Sammelt alle eure Arbeitsbrüder und schwestern, die heute noch abseits stehen. Erinnert sie an alles, was sie während des Krieges ausstehen mußten. Sorgt, daß sich die Erkenntnis Bahn bricht, daß die Menschheit trotz der verschiedenen Sprachen, troß aller künstlichen Grenzpfähle eins ist, daß hier wie auch in anderen Ländern die arbeitende Jugend an den Tagen, wo der Ausbruch des Völkermordens sich jährt, aufs neue gelobt „ Nie wieder Krieg!" Drachenfaat In wie raffinierter Weise die unschuldigen Herzen unserer das zeigt recht drastisch ein Bericht über den 1. Bundestag des Jungnationalen Bundes in Hildesheim, den wir den Norddeutschen Blättern" entnehmen. In dem Bericht über diesen Pfingst bundestag heißt es: Der Oberbürgermeister begrüßte zunächst den Bund im Namen der Stadt. Dann sprach Admiral Scheer. Er ermahnte die Jugend, zusammenzustehen, das Vaterland über alles zu stellen, aedachte der Heldentaten der deutschen Flotte im Wehltkriege und forderte auf, fich für die Zus funft zu ertüchtigen und zu stählen. Abends füllte dann die vieltausendköpfige Schar die weite Andreaskirche zu einer Orgelandacht. Die vollen schönen Töne rauschten durch den Raum und fein still gab sich jeder dem Zauber der Stunde hin. Als dann zum Schluß die alten Weisen des niederländischen Dankgebets erflangen, sprang alles spontan auf und wie ein Schrei nach Erlösung flangs aus den jungen Seelen: Herr mach ung frei! Mit solcher Jugend kann und wird Deutschland einmal gefunden!" Die haltlose Aufmachung dieses Berichtes zeigt trotzdem, in welcher Weise die Jugend bereits nationalistisch verhezt Es wird endlich Zeit, daß die Regierung nicht mehr immer solange wartet bis diese in die jugendlichen Seelen gestreute Drachensaat aufgeht und erst wieder Ermordete auf der Bahre liegen, sondern beizeiten alle Seelenvergifter gründlich das Handwerk gelegt wird. Nur wenige Getreue ließen sich nicht von der Massenstimmung hinreißen, glaubten nicht den lügnerischen Verficherungen einer Regierung, die aufs eifrigste ihren Friedenswillen beteuerte und alle Schuld den heimtückischen Nachbarn zuschob Beschämt denken wir an den Tag, als Schöne und wahre Worte Sozialdemokraten die Kriegskredite bewilligten, als sie dem Ausreißer Wilhelm, der in der Stunde der Not keine Parteien mehr kennen wollte, die Hand reichen. Aber nicht nur die Regierung, nicht die Lügenberichte der Zeitungen über angebliche Greneltaten der Feinde, über Angriffe deutschen Gebietes, nicht die Hezze, die die Regierung gegen alle einsetzte, die ihre Stimme gen das Völkermorden erhoben, sind allein schuldig, sondern jeder Vater, der seinem Sohne die Wer Schwache leiten will, der sei Von ihrer Schwachheit selber frei! Lichtwer, Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn findet, hat Kultur. Am Sonntag, den 30. Juli, vorm. 11 Uhr: ,, Nie wieder Krieg!" Oskar Wilde.i Jugendgenossinnen! Demonstration im Lustgarten Zeigt den nationalistischen Hetzern Euren Friedens willen! Erscheint in Massen. Treffpunkt: Schloßterrasse. Zentrale der Soz. Proletarier Jugend.