Einzelpreis 3.- Mk. Die rethet" erscheint täglich einmal als Morgenausgabe und Montags als Abenbausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freie Belt", Frauen- Welt" und" Der Jugend- Genoffe". Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für den Monat August 70,- M tm boraus zahlbar. Bestellungen nehmen fämtliche Bostanstalten ent gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar nb Memelgebiet fowie bie früheren deutschen Gebiete Bolens und Buremburg 110, M., für das übrige Ausland 140,- M. Beat. x. Exp. Beatin R. 40, Kronprinzenufer 271 Tel. Moabit 2021. Dienstag, den 1. Auguff 1922 5. Jahrg, Nummer 288 Die golfgefbaltene Nonpareillezeile oder deren Raum loftet 25,- M. einschließlich Inferatenfteuer, Aleine Anzeigen: Das fettgedrudte Wort 4, M., jedes meitere Wort 3,- M. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 16, M. netto pro Beile. Stellen- Gefuche in Wort- Anzeigen: das fettgebrudte Bort 3, M., jedes weitere Wort 2, M. Redaktion: Fernsprecher Dönhoff 4190, 4191 und 4192, Berlin SW. 68, Ritterstr. 75, III, greiheit Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Herabsetzung der Ausgleichszahlungen? Das Gesuch der Deutschen Regierung, die Ausgleichszahlungen herabzusetzen, wurde, wie mitgeteilt, von Frankreich schroff abgelehnt. Es sei in Erinnerung gebracht, um was es sich handelt. Durch gemischte Schiedsgerichtshofe wurden die Zahlungen feitgefest, die Deutschland Privaten zu leisten hat für Schäden, die ihnen durch unnötige Kriegsmaßnahmen deutscher Offiziere zugefügt wurden. Diese Zahlungen belaufen fich zurzeit auf zwei Millionen Pfund Sterlinge. Die deutsche Regierung ersuchte, die Zahlungen auf 500 000 Pfund Sterling herabzusetzen und die überschießenden Beträge bis 1924 zu stunden. In London hat man nicht die schroff ablehnende Haltung wie in Paris eingenommen. Die englische Regierung antwortete vielmehr, daß sie die beregte Frage baldigst mit den anderen beteiligten Mächten erörtern werde, um zu gegebener Zeit in Gemeinschaft mit den anderen alliierten Mächten der deutschen Regierung eine Antwort zu erteilen. Aehnlich scheint der Standpunkt der belgischen Regierung zu sein. Reuter erfährt, daß Lloyd George Poincaré eingeladen habe, sich mit ihm am 7. August in London zu treffen. Lloyd George schlage vor, die Beratungen auf die Reparationsfrage zu beschränken. Es heißt, daß auch Italien und Belgien eingeladen werden sollen, Vertreter zu entsenden. Die Antwort der belgischen Regierung auf die deutsche Note betr. die Ausgleichszahlungen lautet: Die belgische Regierung wird sich über den Antrag auf Herabfezung der an die Ausgleichsämter zu leistenden Zah= lungen sowie gleichzeitig über das Gesuch um Gewährung cines Moratoriums äußern. Sie erklärt indessen schon jetzt ihre Absicht, dem Friedensvertrag gemäß den Reparations: zahlungen den Vorrang vor allen anderen Verpflichtungen des Deutschen Reiches zu geben." Die deutsche Antwort an Frankreich. fertiggestellt In der Kabinettssitzung, zu der die Reichsregierung am Montag, mittags um 122 Uhr zusammengetreten war, wurde von den Mitaliedern der Regierung, wie die P. P. N. von zu= ständiger Stelle erfahren, nur der Entwurf der deutschen Antwort an die französische Regierung wieder furs zuvor in einer Chefbesprechung um 12 Uhr durch beraten worden war, zur Kenntnis genommen. Nach dieser kurzen Kabinettssikung trat dann nachmittags um 3½ Uhr das Reichskabinett nochmals zu einer Sizung zusammen, in der dann die Antwort auf die französische Note endgültig festgestellt wurde. Sie wurde gestern Abend noch telegraphisch nach Paris bermittelt und wird dort heute vom deutschen Botschafter der französischen Regierung übergeben werden. Nach der Uebergabe wird dann die Veröffentlichung des Wortlautes erfolgen. ( DA.) Berlin, 31. Juli. Für die Auffassung der deutschen Regierung, die in der Note auch klar zum Ausdruck gebracht werden soll, daß nämlich die Abtrennung der Frage der Ausgleichszahlungen als einer Einzelfrage von den zurzeit noch von der Reparationskommission behandelten Fragen der Reparationszahlungen und der deutschen Leistungsfähig= feit nicht angängia ift, fann sich die deutsche Regierung mit Fug und Recht auf die in Berlin jetzt vorliegende Antwort der belgischen Regierung stützen, die gleichfalls die einheit= liche Behandlung des gesamten Fragenkomplexes zur Voraussetzung hat. In der belgischen Note wird ausdrücklich eine Aeußerung der belgischen Regierung sowohl über die Frage der Herabjebung der Ausgleichszahlungen wie über das Moratorium in Aussicht gestellt, womit Belgien klar zu erkennen gibt, daß es eine Trennung dieser Fragen nicht für möglich hält. Damit ist im wesentlichen der voraussichtliche Inhalt der deutschen Antwort umschrieben. Die deutsche Regierung wird noch einmal betonen, daß nach ihrer Auffassung ein Auseinanderreißen und eine getrennte Behandlung der Reparationszahlungen und der Nebenzahlungen aus dem Clearingverfahren nicht möglich erscheine. Diese Stellungnahme läuft natürlich im wesentlichen auf eine Ablehnung der französischen Forderungen hinaus. Der Bericht des Garantiekomitees EP. Paris, 31. Juli. Der„ Temps" teilt mit, daß das Ga rantiekomitee feinen Bericht an die Reparationskommission noch nicht überreicht habe. Es müsse aber gesagt werden, daß die Informationen über diesen Bericht veröffentlicht werden, unrichtig sind. Der Bericht mache in der Tat keine Vorschläge über die Sanierung der deutschen Finanzen, sondern spreche sich ausschließlich über die Kontrolle der deutschen Einnahmen und Ausgaben, die Verhütung der Kapitalflucht und die Statistik aus. Der noch zu veröffentlichende Bericht wird über die Arbeiten der drei Unterkommissionen sprechen und fich mit der Zwangsanleihe beschäftigen. Gegenwärtig wird an der endgültigen Ausarbeitung des Berichtes gearbeitet, und man hofft, ihn im Laufe der nächsten Woche zum Ahschluß zu bringen. Teuerung und Presse Mit dem Elend der Bevölkerung steigt auch die Not der Presse. Von Monat zu Monat müssen Erhöhungen des Abonnementspreises vorgenommen werden. Trozdem gelingt es in zahlreichen Fällen nicht, die Existenz der Presse sicherzustellen. Erst vor wenigen Tagen mußten wir berichten, daß nach dem Ausweis Neuer griechisch- türkischer Zusammenstoß des 12. Nachtrages der amtlichen Zeitungspreisliste ( EE.) Paris, 31. Juli. Ein neuer Zusammenstoß zwischen griechischen Frregulären und türkischer Gendarmerie ereignete sich, wie der„ Temps" meldet, in der Um= der neutralen Zone hinausgeworfen. Die Nachricht von gebung von Tichadalta. Dabei wurden die Griechen ans einem griechischen Vorrücken auf Konstantinopel rief in der Stadt große Beunruhigung hervor. Ein Teil der Familien, die die europäische Küste bewohnen, verließen ihre Woh nungen, um auf die asiatische Seite des Bosporns überzu: siedeln. Die Polizei mußte Maßnahmen ergreifen, um Un= ordnungen zu vermeiden. Die Griechen von Pera ver: anstalteten mehr oder minder offene Kundgebungen gegen die türkische Bevölkerung. ( EE.) Konstantinopel, 31. Juli. General Townsend verließ gestern Angora, um nach London zurückzukehren. Er erflärte Zeitungsvertretern, daß er der türkischen Nationalversammlung für den ihm bereiteten Empfang sehr dankbar sei. Die Türkei sei stark und mächtig. In privater Weise habe er an der Wiederherstellung des Friedens mit durchaus befriedigendem Erfolg gearbeitet. Er sei überseugt, daß ein rascher Friede möglich wäre, wenn die griechischen Streitkräfte sofort die von ihnen in Kleinasien besetzten Gebiete räumten, und wenn diese Gebiete den Türfen zurückgegeben würden. Die italienische Krise Eingreifen der Sozialisten ( E.) Rom, 31. Juli. Laut„ Prefe" planen die Sozialiften, wenn jetzt nicht eine Regierung zustandekommt, die die Autorität wieder herzustellen weiß, gleichzeitig alle Provinzial- und Gemeindeverwaltungen mit sozialistischen Mehrheiten zurücktreten zu lassen, wie es bereits in 44 Städten der Provinz Cremona geschah. Ebenso würden die Deportierten zurücktreten. Varteigewerkschaften würden auf Grund eines Bündnisses aller Parteien der äußersten Linken zum Kampfe gegen das Regime nengeordnet. Die Regierungskrise besteht heute noch so wie vor acht Tagen. Die Sozialisten lehnen die Beteiligung an einer Regierung, in der auch Faizisten siben, ab. Für ein Kabinett der Linken sind aber die Wege noch nicht frei. Zur Streifbewegung in Italien ( EP.) Mailand, den 31. Juli. Der Generalftreit in Nas venna hat aufgehört. In der Provinz Recagna herricht wieder Rube. Der größte Teil der Faszisten, die vom Lande in die Stadt gefommen waren, ist wieder abgerückt. Dagegen blieben große Truppenabteilungen in der Stadt zuritd. Die Unruhen in Ravenna haben 12 Menschen das Leben gekostet. Vor dem Ende des Eisenbahnerstreiks Es London, 31. Juli. Reuter meldet aus New York, in Kreisen, die genaue Kenntnis über die Streillage hätten, werde versichert, daß über die Friedensbedingungen im Eisenbahaerstreik infolge der Bemühungen des Präsidenten Harding bereits eine Einigung erzielt worden sei. bleibe zur Beendigung des Etreifes nur noch übrig, daß die Bedingungen morgen endgültig auf der Versammlung der Vollzugsausschüsse der Eisenbahner und auf der Versammlung der Streifführer in New York, bzw. in Chicago, angenommen würden. Deutsche Arbeiter beim Wiederaufbau Frankreichs? ( EP.) Paris, 31. Juli. Das Programm, das der franzö sische Arbeitsminister Le Trocquer ausarbeitete und wonach große Arbeiten von allgemeinem Interesse von deutschen Arbeitern mit deutschem Material ausgeführt werden sollen, wird, wie der emps" berichtet, zur Zeit von dem Dienstzweige der Reparationskommission studiert, der sich mit den Rückforderungen in natura bejaßt. Die Schlußfolgerungen dieses Dienstzweiges sollen demnächst der Reparations. tommission vorgelegt werden. Ungarische Krone und deutsche Mark Budapest, 31. Juli 1922. In der Nationalversammlung befaßte sich Finanzminister Kallan mit dem Kursrückgang der ungarischen Krone und sagte u. a.: Diese Erscheinung wird durch keinerlei innere Verhältnisse gerechtfertigt. Weder der Zustand des Staatshaushaltes noch die allgemeine Wirtschaftslage oder die Lage des Außenhandels und der Industrie würden hierfür eine annehmbare Erklärung liefern. Es muß daher angenommen werden, daß dies eine Folge des Kursrückganges der deutschen Mart ist, was wiederum auf die Reparationspolitik der Entente zurückgeführt wird. für 1922 wiederum 226 Zeitungen ihr Erscheinen eingestellt haben. Das gleiche Los ist sicher noch vielen anderen Zeitungen beschieden. Am ehesten werden davon die politischen Zeitungen betroffen, die nicht durch große Inserateneinnahmen einen beträchtlichen Teil ihrer Unkosten decken können. Neben all dem macht sich auch in Deutschland eine Entwicklung bemerkbar, wie wir sie in England und Amerika seit langem haben. Es bilden sich große Verlagskonzerne heraus, die zahlreichen Blätter erscheinen lassen. Sie nennen sich parteilose Blätter. Soweit sie überhaupt Politisches in ihren Spalten bieten, suchen sie vorher die Stimmung des Publikums herauszus fühlen und dann in der Zeitung mit ihren hiernach abgestimmten Artikeln größten Anklang zu finden. Solche Zeitungen sind zum Teil, vom technischen Standpunkt aus betrachtet, nicht schlecht redigiert. So ein Konzern pflegt auch manchmal sich den Lurus einiger politischer Blätter zu leisten, die mit großem Defizit arbeiten. So steht es zum Beispiel mit der Londoner„ Times", die dem Northcliffe- Konzern einen schönen Batzen Geld kostet, dafür aber Northcliffe selbst den Nimbus eines großen machtvollen Politikers gibt. In Deutschland ist es Stinnes, der auf dem besten Wege ist, sich die öffentliche Meinung durch zahlreiche Presseunternehmungen zu unterwerfen. Die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" ist neben unzähligen anderen Zeitungen auch sein Blatt. Daß er darin den ehemaligen erzradikalen Chefredakteur der„ Leipziger Volkszeitung", ießigen stinnesfrommen Profeffor Dr. Paul Lensch beschäftigt, daß er sogar die anders bewährten" Redakteure, die mit Lensch nicht zn= sammen arbeiten wollten, fristlos entließ, hat gewiß nicht zuletzt auch seine politischen Gründe. Das ist der Weg, auf dem man neue Leser in seinen Baun zu ziehen sucht. Im übrigen ist Stinnes auch bereit, materielle„ Opfer" für seine Ideen zu bringen. Wie ganz anders steht die Arbeiterpresse da. Ihr stehen keine anderen Mittel, als die Abonnementsund Inseratengelder zur Verfügung. Arbeiterblätter sind daher sehr bald gezwungen, durch Erhöhung der Abonnementseingänge den gestiegenen Ausgabeetat zu decken. Die Leser der Arbeiterpreise sind zugleich aber auch am wenigsten in der Lage, die ins Riesenhafte gestiegenen Bezugspreise für Zeitungen zu zahlen. Aus diesem Widerspruch ergibt sich die Gefahr, daß immer größere Kreise der Arbeiter der politisch indifferenten Presse verfallen. Diese Tendenz wird noch dadurch verstärkt, daß gar mancher Reser glaubt, was die sogenannte parteilose" Presse alt Abonnementssäßen leisten fann, müsse auch die Arbeiterpresse leisten können. Suchen wir uns ein Bild zu machen von den ge= waltigen Steigerungen all der mit der Herstellung einer Zeitung verbundenen Kosten. Das Papier wav bis zum Juni gegenüber den Friedenspreiseu um das 79fache gestiegen und hat im Juli eine Steigerung auf das 100fache erfahren. Druckfarbe tostete im Juni das 44fache, im Juli dagegen das 60fache. Kohle erforderte im Juni das 96fache der Friedensausgabe und ver schlang im Juli das 125fache. Die Löhne waren im Juni auf etwa den 32fachen Friedenssaß gestiegen und haben jetzt eine weitere Steigerung auf 47fache erfahren. Schon seit langem wurde der Reichstag angerufent, um dieser für Zeitungsunternehmen und hinsichtlich der Korrumpierung der öffentlichen Meinung fatas Dem strophalen Entwicklung entgegenzuwirken. Wucher auf dem Papiermarkte muß entgegengetreten werden. Der Reichstag beschloß, der Presse nach Kräften zu helfen. Die Regierung legte einen Gesezentwurf vor, durch den Mittel zur Unterstüßung der notleidenden Presse beschafft werden sollen. Der Reichstag hieß ihn troß seiner Unzulänglichkeit gut. Danach ist von der Ausfuhr aller Waren, auch der ausfuhrfreien, ein Halb vom Hundert des Ausfuhrwertes an die Rückvergütungskasse für die deutsche Preise zu entrichten. Die Regierung wurde zugleich ermächtigt, Ausfuhrbewilligungen von der Bedingung abhängig zu machen, daß ein besonderer Beitrag von 1% Prozent des Ausfuhrwertes an die genannte Rückvergütungskasse entrichtet wird. Aber die Beträge, die dadurch aufgebracht werden, gleichen einem Tropfen auf einen heißen Stein. Zudent vergeht noch mancher Monat, che irgendwie für den Zwed nennenswerte Beträge sich ansammeln können. Inzwischen schreitet die Not der Presse mit Riesenschritten fort. Im ganzen Reiche sind unausgesetzt Abonnementspreiserhöhungen notwendig geworden. Wie die Verlegerorganisation mitteilt, werden auch die in Berlin erscheinenden Blätter für August ihre Bezugspreise beträchtlich erhöhen. Angesichts der enormen Preissteigerungen für alle zur Herstellung einer Zeitung notwendigen Ausgaben wird es keinen Leser mehr verwundern, wenn tros der schon erfolgten Erhöhung der Abonnementspreise unseres Blattes auch eine weitere Erhöhung sich nicht umgehen läßt. Die Erhöhung der Abonnementspreise ist bis jetzt weit hinter der Erhöhung der Preise für die zur Zeitungsherstellung wichtigsten Verbrauchsstoffe zurückgeblieben. Der Abonnementspreis dürfte als etwa 44mal so hoch als zu Friedenszeiten angesehen werden. Dem stelle man die Verteuerung des Druckpapiers, der Farben und der Kohle gegenüber. Besonders die Steigerung des Papiers macht den Zeitungen die Existenz schwer, da das Papier den größten Ausgabeposten bei der Herstellung der Zeitung überhaupt ausmacht. Die Hauptsache aber ist: eine Arbeiterzeitung ist mehr als bloß ein über die Tagesereignisse unterrichtendes Organ. Sie ist zugleich Wegweiser im proletarischen Kampf gegen den Kapitalismus. Unter feinen Umständen darf sie durch die wirtschaftliche Mifere in ihren Aufgaben beschränkt oder gar gelähmt werden. Es ist daher Pflicht jedes Parteigenossen, auf die Ursachen der Zeitungsteuerung aufmerksam zu machen und auf die Gefahren hinzuweisen, die daraus für die Arbeiterbewegung entstehen, wenn die Ar= beiterpresse einen Rückgang erleidet. Es ist ebenso die Pflicht aller Parteigenossen, unausgesetzt für die Erweiterung des Leserkreises und für die Berminderung der Armec der Indifferenten Sorge zu tragen. Treibt Bayern Hochverrat? Die bayerische Regierung hat auf Grund ihrer verfassungswidrigen, also ungefeßlichen Ausnahmeverordnung unjer Nürnberger Parteiblatt, den Sozialdemokrat", auf zeha Tage verboten. In der betreffenden Nummer, die das Verbot herbeigeführt hat, wird der bekannte Heimatlandbrief an die bayerische Reichswehr abgedruckt. Sollte das der tiefere Grund für das Berbot sein? Oder fühlt sich die bayerische Regierung getroffen, weil ihr in einem anderen Artikel der gleichen Nummer der Vorwurf des Hochverrats gemacht wird? Warum auf einmal so empfindlich? Bayern hat durch seinen Schritt den Bench mit der Reichsverfassung vollzogen. Es hat ein mit zwei Drittel Majorität beschlossenes Gesetz, dem selbst der reaktionäre Reichsrat, bis auf die Stimme Bayerns, seine Zustimmung gab, für das bayerische Hoheitsgebiet außer Kraft gescht. Diese Wandlung ist nichts weiter als der erste Schritt zur Selbständigmachung Bayerns, zum Abfall Bayerns vom Reiche. Darüber sind sich nicht nur die sozialistischen Parteien einig, auch die Demofrate of fobst namhafte Führer der Deutschen Volkspartei mißbilligen die Haltung Bayerns auf das schärfste, nennen sie Verfassungsbruch. Verfassungsbruch aber ist in der Art, wie er in Bayern vollzogen wurde, Hochverrat, denn er zerstört die Reichseinheit, die gerade in dieser Stunde, schon aus wirtschaft.ichen und außenpolitischen Gründen hochgehalten werden mup. Die bayerische Regierung will eine republikanische Regierung sein, sie ist es aber nicht! Sie ist der Schrittmacher der Monarchie und tritt deshalb republikanisches Recht und Schulunterricht im Geiste der Völkerversöhnung Eine Verfügung des preußischen Kultusministers Der preußische Stultusminister, Dr. Boeliz, hat in einer Verfügung entschieden, daß der Artikel 148 Abs. 1 und 2 der Reichsverfassung, wonach der Unterricht Im Geiste des deutschen Volkstums und der Völkerversöhnung zu erteilen sei, bereits heute geltendes Recht darstelle( Amtlicher Teil des Zentralblattes für die gesamte Unterrichtsverwaltung Preußens, Heft 12, Jahrgang 1922). Wie wir erfahren, liegt dieser Verfügung folgender Vorfall zu Grunde: Der Berliner Studienrat Dr. Erich Witte hatte in einer Eingabe an dem Berliner Provinzialschulfollegium das Recht für sich in Anspruch genommen, im Unterricht u. a. die folgenden Gegenstände zu behandeln, wenn sich die Gelegenheit dazu biete: Das Problem des Völker= bundes nebst dem Selbstbestimmmungsrecht und dem Problem der internatioalen Schiedsgerichte; das internationale Leben der Gegenwart; Aufklärung der Schüler über die Kulturwidrigkeit der Kriege." Das Provinzialschulkollegium entgegnete ihm, daß es poli tische Erörterungen dieser Artim Unterricht nicht billigen fönne. In einer Zeit, in der sich die politischen Gegenfräfte so scharf ausprägen und sich so heftig auswirken wie in der jeßigen, sei es Pflicht jedes gewissenhaften Lehrers, im Unterricht alles zu vermei den, was Andersdenkende verleben könnte. Dr. Witte berief sich gegenüber dieser Antwort auf Ar= tikel 148, Abs. 1 der Reichsverfassung, wonach der Unterricht im Geiste der Völkerversöhnung zu erteilen set. Gegenüber diesem Hinweis erklärte das Provinzialschulkollegium, daß dieser Absatz nur das in allen Schulen zu erstrebende Ziel aufstelle, aber noch nicht vom Unterricht spreche. Im übrigen verkenne Dr. Witte die Bedeutung der Verfassung des deutschen Reiches, die feineswegs bestimmt sei, die Landesgesetzgebung und die Verordnungen der Verwaltungsbehörden überflüssig zu machen. Vielmehr bestimme Artifel 10 der Verfassung, daß das Reich im Wege der Gesetzgebung Grundsätze aufstellen könne, z. B. auch für das Schulwesen. Da es sich um eine Angelegenheit von prinzipieller Bedeutung handele, rief Dr. Witte nunmehr die Entscheidung des Ministeriums für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung an. In einer Eingabe wies er darauf hin, daß nach der Auffassung des Provinzialschulfollegiums, der Unterricht anscheinend erst dann im Geiste der Völferversöhnung crteilt werden dürfe, wenn das Ministerium dahingehende Ausführungsbestimmungen erlassen habe. Auf diese Weise aber hätten die Militaristen im Unterricht völlig freie Hand, während die auf dem Boden der Reichsverfassung stehenden Lehrer den Unterricht nicht im Geiste der Völkerversöhnung geben könnten. Daraufhin hat Minister Dr, Boeliß nun entschieden, daß der Artikel 148 Abs. 1 und 2 der Reichsverfassung bereits heute geltendes Recht darstelle. Die Zahl der preußischen Beamten In einigen Blättern wurde auf Grund der dem Bandtag zugegangenen Denkschrift festgestellt, daß gegenwärtig im preußischen Staatsdienst beschäftigt seien: 160 690 Be= amte, 15 645 Hilfsbeamte und 14 366 Angestellte. insaciamt alio 191201 Söpfe. 1914 seien nur 110 926 Röpfe in den aleichen Verwaltungen beschäftigt ge= wesen, mithin ieien jett 80 275 Söpfe mehr einge= stellt. obwohl Preußens Gebiet erheblich verkleinert set. Dieser letzte Sat ist, wie der amtliche Preußische Pressedienst schreibt, durchaus irreführend. Aus der in den Blättern zitierten Denkschrift( Drucksache 3210 des Preußischen Landtags) ist ersichtlich, daß 1. in der für den 1. April 1914 angegebenen Zahl der Beamten die auf die abaetretenen Gebiete entfallenden Beamtenstellen nicht berücksichtigt worden sind, so daß die Gegenber= stellung von dem verkleinerten Preußen gegenüber dem damaligen Staatsgebiet feine Berechtigung hat: 2. daß das Anwachsen der Zahl der preußischen Beamten im weientlichen auf das Hinzutre ten der Schußpolizei mit rund 60 000 St öpfen zurückzuführen ist. Die Deutsche Zeitung" pflichtet natürlich der Deutschmnationalen Parteilorrespondenz„ rückhaltlos bei" und nennt Düringers Vorgehen unentschuldbarer Treubruch. Weiter meldet das Maurenbrecherblatt: Der Deutsche Herold", der bekanntlich vom Reichs. tagsabgeordneten Wulle gegründet wurde und geistig geleitet wird, hat auf seinem gestrigen außerordentlichen Bertretertag fich für Aufrechterhaltung der deutschnationalen Parteieinheit ausgesprochen. Er kann aber nach ben Vorgängen den ihm angehörenden böllischen Abgeordneten die weitere Mitarbeit in der Fraktion nur zumuten, wenn gewisse Sicherungen gewährleistet sind, zu denen Neuwahl der Parteileitung und des Parteivorstandes entsprechend der Zusammen. schung der Wählerschaft und Einberüfung des Parteivertreter. tages und des Parteitages gehören. Die Deutschböltischen bleiben also demnach bei den Deutsch nationalen, geben sich ihr eigenes Programm, das nichts weiter heißt, als Parteieroberung von innen heraus. Für dieses ProDas gramm werden fortan die deutschbölfischen Zellen wirken. verspricht recht heiter zu werden, besonders dann, wenn Wulle und Henning erst mal zu reinigen anfangen. Arme Erzellenzen, Professoren usw.! Die F Die Fluf der„ kleinen Anfragen" im Reichstag Nachdem erst kürzlich durch die gesamte deutsche Presse eine Notiz gegangen ist, aus der hervorging, welche Kosten die Institution der kleinen Anfragen dem Reiche macht, hätte. man annehmen sollen, daß die Reichstagsabgeordneten sich etwas mit den fíeinen Anfragen einschränken würden, und daß sie nur dann solche Anfragen in Druck geben, wenn wirflich ein ernstlicher Anlaß dafür vorliegt. Dem ist aber nicht so, obwohl jest Reichstagsferien sind, sind bereits wie. der siebzehn tieine Anfragen eingegangen, von denen nicht weniger als elf auf die Rechnung der Deutsch nationalen Volks= partei tom men. Welche Sorgen dabei dem so teuren Druckpapier anvertraut werden, geht daraus hervor, daß die meisten dieser Anfraden nichts weiter find als Abdrucke aus Tageszeitungen, denen dann am Schluß die übliche Phrase ,, Was gedenkt die Reichsregierung zu tun" angehängt ist. Selbst bloße Gerüchte genügen den tüchtigen Fragestellern zu einer kleinen Anfrage. die dann pflichtgemäß gefeßt und gedruckt werden muß. Die Deutsche Volkspartei hat zwei Eleine Anfragen eingebracht, von denen die eine fich mit einer Notiz der Freiheit" acaen den Reichsverkehrsminister, die andere mit den 28 Avianon- Gefangenen beschäftigt. Zwei fleine Anfragen wichtigeren Inhalts stammen von den Demokraten und ie eine von den Unabhängigen und Sozialdemokraten. Ludendorff empfiehlt sich ... ( EE.) Paris, 31. Juli. Der Berliner Vertreter des ,, New York Herald" hatte eine Unterredung mit Ludendorff, der ihm erklärte: Die Rettung Europas liegt in der Unterdrückung des Bolschewis= mus. Mit Hilfe Amrifas muß es gelingen, Rußland wiederum in Sie Gesellschaft der Völker hineinzubringen. Durchgreifende Abänderungen der Reparationsbedin gungen jelen notwendig, um einen finanziellen Zusammen. bruch Deutschlands zu verhüten. Deutschlands Wohlfahrt und der Zukunft hänge von von der Wiederherstellung Monarchie ab, wie sie von Bismard eingerichtet wurde. Uebrigens ist nach Ludendorffs Ansicht die Frage, ob die Staatsform Deutschlands, republikanisch oder monarchistisch sein soll, von untergeordneter Bedeutung. Das wichtigste. sei der Schutz Europas vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und einem etwaigen Ueberhandnehmen des Bolschemismus. Die Reparationsforderungen der Altiierten jedoch stärkten den Bolschewis mus und schüfen wirtschaftliche Unordnung. Eine normale Lage in Europa fann nur wiederhergestellt werden, wenn Frankreich, England und Deutschland von den Vereinigten Staaten unterstit, Bemühungen machen werde, das rui freien. Wenn ein Konsortium zur wirtschaftlichen Ausbeutung Rußlands gebildet würde, könnte dies zum Heile des russischen Volfes, Europas und der ganzen Welt ge= schehen. Eine wesentliche Vorbedingung ist jedoch die, daß die Alliierten ihre Politik Deutschland gegenüber ändern und die Völker sich andere politische Anschauungen zu eigen machen." Gesetz mit Füßen. Alle schönen Gesten nüßen da nichts. Der Streit unter Deutschnationalen e Bolf von der Sowjetherrichaft an bes Es mag den Machthabern ja unangenehm sein, muß aber doch immer wieder gesagt werden, daß Bayern durch die Echuld seiner Regierung der Herd der Verschwörung und des politischen Verbrechertums geworden ist. Der Erz bergermor wurde in München beschlossen. Die Täter Stammten aus München. Sie fonnten nicht verhaftet wer= den, weil sie von München aus gewarnt, mit falschen Pässen versorgt uns über die Grenze gebracht worden sind. Die Geheimorganisation E., die den Erzbergermord befahl, hai ihren Eig in München. Die bayerische Regierung hat nichts getan, die Genossenschaft auszuheben und sie dem Richter zuzuführen. So fonnte dank dieser Tatsache ein Jahr später der Mord an Rathenau durch dieselbe Organisation ausgeführt werden. Unser Genosse Gareis wurde vor Jahresfrist in München ermordet. Keine Hand hat sich bisher gerührt, um die Täter zu fassen. Dusende von Mordanschlägen und Gewaltakten gegen republikanische Führer find im letzten Jahre in Bayern verübt worden, aber in keinem Fall hat die Polizei die Täter gepackt und sie den Gerichten zur Bestrafung zugeführt. Diese Bassivität der Regierung muß zwangsläufig immer weitere Berbrechen heransloden, für die dann eben folgerichtig nur die Regie: rung verantwortlich zu machen ist. Das festzustellen, mag der bayerischen Regierung wehe tun, aber es muß gesagt werden, weil für uns nicht das Gedeihen der Münchener Verschwörer, sondern die Eristens der Republik zur Entscheidung steht. Breßverbote ändern an diesen Tatsachen nichts. Sie beweisen nur, daß die baye rische Regierung die Wahrheit zu fürchten hat. Der Staatsgerichtshof in Tätigkeit Leipzig, 31. Juli. Die erste Verhandlung des Staatsgerichtshofes zum Schuße der Nepublik findet unter dem Vorfiz des Senatspräsidenten Dr. Schmidt, des Leiters der Kriegsbeschuldigten- Prozesse, am 10. August statt. Als Richter nehmen die Reichsgerichtsräte Niedner und Dr. Baumgarten, außerdem der frühere Reichskanzler Fehrenbach, die Reichstagsmitglieder Hermann Jaeckel und Erfelenz teil. Berhandelt wird zunächst gegen den Archivar Karl Laun- Füssen und Genossen, den Kaufmann Julius Men gert- Nürnberg, den Kapitän Eduard Geerfen- Hamburg, den Kaufmann Georg Buehler Oppurg, den Studenten Manfred Bacherer Heidelberg und Genossen und gegen den Landwirtschaftseleven Rudolf 3icpfe Greifswald. 1 Dollar 666 Mark Mörus Düringer Wulle baut Zellen In den Breslauer Neuesten Nachrichten" wendet sich der aus der deutschnationalen Fraktion ausgetretene Reichstagsabgeordnete Minister a. D. Düringer gegen die Deutschnationalen. Er erklärt eine Regierung gegen die Sozialdemo= traten für unmöglich, weil sie Generalstreit und Bürgerkrieg entfeffeln würde. Keine Partei würde zurzeit bereit sein, mit den Deutschnationalen in eine Koalition zu gehen, weil diese schon zum zweiten Male das deutsche Volk in die Gefahr einer schweren Katastrophe gestürzt habe. Sie ver. trete cine Richtung, die einen diretten wider christlichen haß gegen bestimmie Persönlich teiten und eine ganze Kategorie Kategorie deutscher Staatsbürger in Wort und Schrif propagiere. In unreifen Röpfen lege das den Willen zur Zat aus, der sich schließlich im fluch würdigen Ber brechen auswirke. Die deutschnationale Partei habe sich selbst ausgeschaltet. Niemals habe sie gegen die Auswüchse ihrer Bresse rechtzeitig Stellung genommen. Durch die Auswahl ihrer Redner bei der Beratung der Schußgefeße habe sie provozierend gewirkt und wüste und unwürdige Zumultszenen hervorgerufen. Dazu schreibt die Korrespondenz der deutschynationalen Volkspartei: " Erzellenz Düringer ist wohl von allen Bartcifreunden, auch wenn sie feine politischen Anschauungen und sein politisches Auftreten nicht billigten, wegen der Vornehmheit feines Charakters immer hochgeschätzt worden. Das ist vorbei. Mag er auch innerlich längst mit uns gebrochen haben, so erfüllt uns mit besonderer Trauer, daß er die bergifteten Waffen der Gegner aufnimant. Es war ftill geworden davon, daß die Deutschnationale Vollspartei schuld an der Gr mordung Erzergers und Rathenaus fei jet tönnen sich die Gegrer für ihre Lüge berufen auf den ehemaligen deutschnationalen Abgeordneten Dr. Düringer. Er hat dazu beigetragen, daß das Feuer der Feindschaft von neuem aufflammt, daß ein neuer Strom der Vergiftung sich über eine Partei ergießt, der er so lange, zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, aber nur äußerlich angehört hat. Das war eine Barricida Lat." Bei den Deutschnationalen ist also nur hochgeschäßt, wer deutschnational ist. Weil Düringer genug Reinlichkeitsgefüh! besaß, sich von der Gemeinschaft mit Wulle und Konsorten loszufagen, deshalb ist es mit der Hochschätzung der Deutschnationalen für Düringer vorbei. Wer die Wahrheit sagt, darf nicht hausen, irog aller Vornehmheit des Charakters". Es ist Ludendorffs Spezialität geworden, in engli= schen Zeitungen für gutes Honorar seine von FachSenntnis völlig ungetrübten politischen Weisheiten zu verzapfen oder Interviews zu geben. Dabei malt er in echter alldeutscher Manier immer gern den bolschewistischen Schreck an die Wand, empfiehlt militärische Niederwerfung Rußlands, wobei natürlich zwischen den Zeilen seine Generalseigenschaft in empfehlende Erinnerung gebracht wird. Es ist die alte alldeutsche Schule, der Ludendorff dient: Erst wird die Gefahr selbst großgezogen, um dann damit politische Geschäfte zu treiben. So hezten die Ludendorffer zum Krieg und jetzt wieder zum Bürgerkrieg. Denn niemand anders, als diese Kreise geben dem sp= genannten Bolschewismus immer wieder neue Nahrung und halten das längst zusammengebrochene System weiterhin künstlich am Leben. Sie leben vom Spalten! Die Moskauer lassen sich ihre Tätigkeit, die Spaltung der Arbeiterorganisationen, viel Geld kosten. Alle naselang gibt es Konferenzen, Zentralausschüsse, Gewerkschaftsfunktionärkonferenzen usw. Wie es scheint, soll jetzt auch die Arbeitersportbewegung von den Kommunisten gespalten werden. Nach der Roten Fahne" hat in diesen Tagen in Berlin ein Kongreß der Roten Sport Internationale" getagt. Es wurde beschloffen, der Führung der Luzerner Internationale, die in Händen deutscher Genossen liegt, Surch die Kommunisten ,, ein Ende zu machen". Wir sind überzeugt, daß unsere Genoffen Eine diesen schädlichen Treibereien zu begegnen wissen. Spaltung der Sportbewegung soll den Moskauer Stipendiaten nicht gelingen. Herr Bruno Lieste mag sich anderweitig betätigen und seinen Unterhalt verdienen. Lenin bald völlig wiederhergestellt. Der Volkskommissar für Gesundheitswesen Semaichko erflärte auf zahlreiche Anfragen, daß Lenin bald völlig wiederhergestellt sein werde. Schon jetzt fühle er sich den Umständen nach durchaus wohl und empfange seine Mitarbeiter, die ihm über die laufenden Angelegenheiten Bericht erstatten. Beräußerung russischer Prawda Kunstgegenstände. meldet, die Sowjetregierung arbeite einen Plan zur Veräußerung der Kunstgegenstände Rußlands im Auslande aus. P. D. Berliner Bezirksparteitag der S. p. 9. Poincaré und die Ausgleichszahlungen Am Sonntag tagte der Bezirksparteitag der Sozialdemokratie Groß- Berlin. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes erwähnenswert: Im ersten Quartal des Berichtsjahres war ein Rückgang der Mitgliederzahlen zu verzeichnen; es waren 53 126 Mitglieder vorhanden. Durch die Abgabe der Kreise Niederbarnim und Teltow- Beeskow an den Bezirksverband Brandenburg verminderte sich die Zahl auf 41 124 Mitglie der. Am Schluß des Berichtsjahres stieg die Zahl auf 44 462 vollzahlende Mitglieder. Der Berichterstatter Zehn Tage Frist dann„ weifere Maßnahmen" Die Note, mit der die französische Re-| beträge anzunehmen die nicht die Gesamtheit ihrer gierung am 26. Juli 1922 die deutsche Note vom Schulden darstellen. 14. Juli 1922 wegen Barzahlungen im Ausgleichsverfahren und aus Urteilen der gemischten SchiedsZweifelsohne haftet die dentiche Regierung für die Schulden ihrer Staatsangehörigen, Theodor Fischer führte aus:„ Nach der voraussichtlichen gerichte, Art. 297e, beantwortet hat, hat folgenden abgesehen von den im Artikel 296 b vorgesehenen Ausund Vereinigung der beiden Parteien USP. und SPD. werden also rund 140.000 organisierte Parteigenossen in BerlinBrandenburg zu zählen sein." Folgende Entschließung ge= langte einstimmig zur Annahme:„ Der Bezirtstag begrüßt die Bildung der zwischen den Fraktionen der SPD. und USP. zustandegekommenen Arbeitsgemeinschaft spricht die Hoffnung aus, daß es bald gelingen möge, die einer organisatorischen Wiedervereinigung der beiden soaialistischen Parteien etwa noch im Wege stehenden Hinder: niffe hinwegzuräumen. Die von den Berliner Genossen der SPD. stets erstrebte sozialistische Einigung kann jedoch vorläufig nur durch die beiden sozialistischen Parteien her geftellt werden. Die KPD. hat durch ihr Verhalten auch in letzter Zeit, insbesondere gelegentlich der jüngsten Demonstrationen, gezeigt, daß ihr an einer wirklichen Eins heitsfront des Proletariats nichts liegt, wenn damit nicht gleichzeitig die Wünsche der Moskauer Gewalthaber erfüllt werden. Anstatt einigend, wirkt diese Partei überall durch ihre verlogene Politik und ihre anerzogene Verleumdungsfucht gegenüber Andersdenken nur zerstörend und treibt dadurch die Arbeiter ins Lager der indifferenten Masse und der bürgerlichen Parteien. Die Wirksamkeit der Kommu nisten kommt daher am Ende nur der Reaktion zugute. Der Bezirkstag lehnt deshalb jede Gemeinschaft mit einer solchen Partei ab und verurteilt auf das Entschiedenste auch ein Zusammengehen in einzelnen kleinen Bezirken und Gruppen, sowie die Bildung sogenannter Kontrollausschüsse und ähnlicher Körperschaften." Der Bezirk Südwestsachsen für die Einigung In den letzten Tagen haben eine Anzahl Ortsgruppen im Wahlkreis Plauen- 3 wickau den Bericht vom sächsischen Landesparteitag entgegengenommen und sich dabei mit der politischen Lage und der Politik der Partei befaßt. Fast überall erflärten sich die Parteigenossen mit den von der Reichsleitung der Partei und von der sächsischen Landesversammlung gefaßten Beschlüssen einverstanden, wenn auch hier und da von einzelnen Genossen zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Einigung nicht über stürzt werden dürfe. In Plauen wurde nach längerer sachlicher Diskussion die folgende von Genossen Bieligt und G. Seger eingebrachte Resolution gegen nur wenige Stimmen angenommen: Die Ortsgruppe Plauen der USPD. begrüßt die Beschlüsse der Reichstagsfraktion und der Reichskonferenz; insbesondere die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft dec beiden sozialdemokratischen Fraktionen. Sie erkennt an, daß der proletarische Kampf um die politische Macht in ein Stadium eingetreten ist, das eine einheitliche zum entschlossenen Handeln bereite Arbeiterklasse zu1 unerbittlichen Notwendigkeit macht. Des halb ersuchen die Parteigenossen die Zentralleitung, ihre Bemühungen um die Wiedervereinigung der sozialistis schen Parteien bis zum endgültigen Erfolg fortzusetzen. Sie erwarten, daß die gleiche Erkenntnis die Genoffen der Sozialdemokratischen Partei zu den gleichen ehrlichen Bemühungen veranlaßt. Sie bedauert, daß die Führe der Kommunistischen Partei nur höhnische Beschimpfungen für den Einigungswillen übrig haben, Von den Parteigenossen wird gefordert, daß sie in den Betrieben die noch der Kommunistischen Partei nachlaufenden Arbeiter für die große Tat der Einigung gewinnen. Die Parteileitung aber muß ununterbrochen versuchen, die der Wiedervereinigung noch im Wege stehenden Hin dernisse zu beseitigen, damit die bevorstehenden Parteitage das deutsche Proletariat nach Jahren folgenschwere Berrissenheit endgültig aufammenführen fönnen. wird die große starfe sozialistische Massenpartei erstehen, unter deren Führung die Arbeiterklasse den Kampf um ihre legten Ziele siegreich schlagen wird." Dann Es läßt sich schon jetzt sagen, daß die große Mehrheit der Barteigenossen im Bezirk für die Einigung der sozialdemo fratischen Parteien ist. Opfer des Bergsports ( EP.) Bern. 31 Juli. Laut Bund" sind am Sonntag morgen vier Schweizer beim Besteigen der Jungfrau abge= stürzt. Die Partie bestand aus zwei Herren, zwei Damen und einem Führer. Es besteht feine Hoffnung, daß sie lebend aufgefunden werden. Eine Rettungsfolonne ist hente morgen abgegangen. T Zeitungsverbot in Hannover Wie den PPN. von zuständiger Stelle aus Hannover mitgeteilt wird, hat das Oberpräsidium der Provinz Hannover auf Grund des Gesetzes zum Schuße der Republik das Erscheinen des Bielefelder Kreisanzeigers" für die nächsten drei Nummern verboten. Auf 14 Tage ist der„ Ostfriesische Generalanzeiger" in Leer verboten worden, der in der Druckerei Der verbotenen Windauer Zeitung" verschickt wird. Bom Zeitungssterben. Der demokratische Gelsen firchener Anzeiger" stellt wegen der herrschenden Papiernot sein Erscheinen ein. Die Westfälische Morgenzeitung" früher Dortmunder Tageblatt", das Organ der Demofratischen Partei, macht bekannt, daß sie ihr Erscheinen einstellt. Die Frankfurter Nachrichten" erscheinen ab 1. August nunmehr einmal täglich als Morgenausgabe. Die Tägliche Rundschau" 100 M. monatlich. Verlag und Schriftleitung der„ Täglichen Rundschau" sehen sich ge= nötigt, den Abonnementsbetrag auf 100,- M. monatlich heraufzujeßen. Auch die Deutsche Zeitung" fieht sich genötigt, ihren Bezugspreis erheblich zu erhöhen. Joffe Verhandlungsführer mit Japan. Joffe ist nicht nur zum bevollmächtigten Bertreter der Sowjetrepublit in China ernannt worden, sondern wird auch zugleich die Sowjetrepublit bei den Verhandlungen mit Japan ver treten. Berbot der Getreide- Einfuhr nach Sowjet- Rußland. In einem Rundtelegramm an seine ausländischen Vertretungen verbietet das Russische Volfskommissariat für Außenhandel die Erteilung von Einfuhrbewilligungen nach Rußland für Brot, Getreide, Mehl und Zucker. Regenflnten in China. Seit acht Tagen gehen über Nordchina ununterbrochen Regengüsse von nie gekaunter Gewalt hernieder. Sie haben in den Provinzen des nördWortlaut: Durch Schreiben vom 14. Juli haben Sie mir einen Antrag Ihrer Regierung wegen Herabsetzung der monatlichen Zahlung von zwei Millionen Pfund auf 500 000 Pfund zugehen lassen, zu denen sich das Deutsche Amt in dem Londoner Abkommen vom 10. Juni 1921 zwecks Abdeckung der deutschen Verpflichtungen bereit erklärt hat, die sich aus dem durch Artikel 296 des Vertrages von Versailles vorgesehenen Verfahren zum Ausgleich der deutschen Forderungen und Schulden ergeben. Ihre Regierung hat zugleich gebeten, von den Zahlungen, die für sie aus Abschnitt IV, Teil X des Vertrags von Versailles und besondrs aus Artifel 297e folgen, für die Dauer des Moratoriums befreit zu sein, da sie bei der Reparationstommission zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen in bar zum Konto Reparationen nachgesucht hat. Ich sehe mich zunächst genötigt, einen Irrtum zu be= richtigen, der sich in Guerer Erzellenz Schreiben findet. Euere Exzellenz haben in der Tat geschrieben, daß die sich für Deutschland aus Abschnitt IV und insbesondere aus Artifel 297e ergebenden Verpflichtungen in erster Linie aus dem Erlös des liquidierten deutschen Eigen= tums in den beteiligten Ländern zu erfüllen sind. Ich glaube, Euere Exzellenz daran erinnern zu sollen, daß der Friedensvertrag in dieser Hinsicht keine Ver= pflichtung für die alliierten und assoziirten Mächte enthält, sondern einfach die Möglichkeit ins Auge faßt, den Erlöß aus den in Rede stehenden Liquidationen zur Zahlung der Entschädigungen an die alliierten Staatsangehörigen in Ausführung des Artikels 297e zu verwenden. Der Erlöß aus der Liquidation könnte gemäß § 4 der Anlage zu Abschnitt IV nach dem Belieben einer jeden der alliierten und assoziierten Regierungen anderweitig verbraucht werden. Euere Exzellenz hat sicherlich erfahren, daß nach Unterzeichnung des Londoner Abkommens vom 10. Juni 1921, das nach Auffassung der dem Ausgleichsverfahren beigetretenen alliierten Mächte hinsichtlich der durch das Deutsche Amt vorzunehmenden Monatssalden alle Schwierigkeiten. end= gültia behob, die alliierten Unterhändler den deutschen Vertretern eine Erklärung übergeben haben, worin sich in Anbetracht des vom 10. Juni 1921 getroffenen Abkommens die beteiligten alliierten Regierungen verpflichteten, Ver= handlungen mit der Deutschen Regierung zu dem Zwecke zu eröffnen, Deutschland von der in den Vertrag aufgenommen Möglichkeit, den Erlös aus den Liquidationen zur Zahlung. der in Artikel 297e genannten Entschädigungen zu verwenden, Vorteil ziehen zu lassen. Die zwischen Frankreich und Großbritannien einerseits und Deutschland andererseits geführten Verhandlungen haben zu dem Abkommen über die Zahlung der Entschädigungen und über den Artikel 297 geführt. Aus vorstehendem erhellt somit. daß die Kündigung des Londoner Abkommens, die aus der Nichtausführung der Hauptbestimmung dieses Abkommens durch das Deutsche Amt folgen fönnte, dem ein Ende fezzen würde, da diese Abfommen wie ich wiederhole mit Rücksicht auf den Abschluß des Londoner Abkommens getroffen und ratifiziert worden sind. Mit dem Antrag auf Serabsehung des durch das Abkommen vom 10. Juni auf zwei Millionen Pfund festgesetzten Pauschalbetrages auf 500 000 Pfund will Euere Exzellenz wohl sagen, daß die Zahlungen von 500 000 fund allmonatlich erfolgen würden, ohne, der Gläubiger- und Schuldnerlage Deutschlands Rechnung zu tragen. Wenn die Regierung der Republik von der Erklärung Aft nimmt, daß das Deutsche Amt nicht an der Auslegung festhalten würde, die es dem Abkommen vom 10. Juni 1921 gegeben hat und wonach es sich der Zahlung der zwei Millionen Pfund entziehe, sobald die übrigens zu oft aus berechneter Langsamkeit hervorgehen: den Kontoabrechnungen es augenblicklich als Gläubiger der alliierten Aemter erscheinen läßt, vermag sie den von Euerer Exzellenz gemachien Vorschlag nicht zu genehmigen. Sie hält diesen Vorschlaa nicht nur für unangenehm, sondern sie lehnt es ab, das Abkommen vom 10. Juni 1921 wieder zur Erörterung zu stellen. Sie könnte allein die Kündiguna des Abkommens ins Auge fassen, welche die Rückkehr zu der status quo ante für den Fall zur Folge hätte, daß das Deutsche Amt den Pauschalbetrag von zwei Millionen Pfund nicht zahlt. Bei dieser Annahme würden die Vorteile des dem Deutschen Amt zugestandenen Pauschals verschwinden. Alsdann würde die strikte Anwendung des Artikels 296 des Vertrages von Versailles und der Anlage zu diesem Artikel nötia werden. Die deutsche Regierung wäre perpflichtet, das Reichs= ausgleichgeieb unverzüglich aufzuheben. Das Deutsche Amtist tatsächlich ebenso wenig berechtigt, deutschen Staatsangehörigen den Gesamtbetrag ihrer Forderunaen an alliierte Staatsangehörige nicht zu zahlen, als darin einzuwilligen, von diesen nur Mart. lichen Chinas furchtbare Ueberschwemmungen verursacht und nahezu die gesamte Ernte vernichtet. In Peking haben die Regenfluten nicht weniger als 1800 Wohnhäuser zum Einstürzen gebracht, so daß in einzelnen Stadtvierteln viele Tausende ohne Obdach sind.. Schwere Munitionskatastrophe in Rumänien. In Foc= sani ist infolge außergewöhnlicher Hize in der Kaserne des 3. Genieregiments durch Selbstenzündung ein Munitionsdepot explodiert. Die Munitionskatastrophe ver= ursachte sech& Tote und zehn Verwundete. Der Posthilfsschaffner Arpholt, der am Sonnabend vier Millionen Mark unterschlagen hatte, ist festgenommen worden. Das Geld wurde vollständig zur Stelle geschafft. Deutsche Einfuhr in England. In den Monaten Juni und Juli find in England für 333 484 Pfund Sterling mehr deutsche Waren eingeführt worden, als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Der Bürgerkrieg in England. Man meldet aus Dublin, daß seit zwei Tagen in der Grafschaft Limerick die Kämpfe wieder eine besondere Heftigkeit angenommen haben. Gestern wurde die Stadt Cashel von den Regierungstruppen eingenommen. Die Republikaner zogen sich unter nahmen. Diese Haltung fann jedoch bis zur wohlwollenden Belastung mit der Valori. sierung privater Schulden gehen; einer Valorisierung, die durch nichts zu rechtfertigen wäre, wenn die Schuldner zahlungsfähig sind. Im Falle der Aufhebung des Reichsausgleichsgesetzes und bei ausschließlicher Anwendung des Vera fahrens gemäß Artikel 296 durch das Deutsche Amt, wäre die Regierung der Republif, zwecks genauer Festlegung der Lasten, die sich für Deutschland aus der in Artifel 296 b vorgesehenen regierungsseitigen Haftung ergeben, geneigt, vorläufig und auf Grund festzulegender Modalitäten und Bedingungen neben den regelmäßigen Avis, wodurch das Deutsche Ami die von deutschen Schuldnern anerkannten und gezahlten Beträge dem Französischen Amt gutschreibt, Avise entgegenzunehmen, welche die Forderungen bekanntgeben, zu deren gänzlicher Abtragung sich die Schuldner außerstande erklären. Die llebergabe dieser Avis würde Deutschland selbstver ständlich nicht von der Haftung in Ansehung der in Rede stehenden Schulden entbinden, aber Prüfungen über die Zahlungsunfähigkeit der Schuldner ge= ftatten. Die Namen dieser Schuldner wären außerdem öffentlich bekanntzugeben, damit für alle Fälle die alliierten Staatsangehörigen diejenigen fennenlernen, die ihren Vorkriegsverpflich- ungen nicht nachkommn können, oder sich weigern, dies zu tun. Die Ankündigung der Bekanntgabe würde dem Deutschen Amte sicherlich gestatten, die ich: cunige Deckung der alliierten Forderungen sicherzustellen. Die Regierung der Republik tönnte hierzu eine Unterstützung des Deutschen Amts durch anderweitige Informationen oder Mittel in Aussicht nehmen. Die Regierung der Republik hat die Pflicht, ihre Staatsangehörigen zu schüßen, ebenso wie mit demselben Rechte die deutsche Regierung als haft bar für ihre Schulden in Ansehung der deutschen Gläubiger nicht gegen diese Pflicht verstoßen wird. Ueberdies ist die deutsche Regierung wenig berech tigt, sich zwecks Aenderung des Londoner Abkommens vom 10. Juni 1921 auf die Lasten zu berufen, die ihr Artifel 296 des Vertrages von Versailles auferlegt.§ 9 der Anlage zum Artikel 296 ermächtigt übrigens das Deutsche Amt, die Abzüge vorzunehmen, die für Ausfälle, Kosten und Vermittlungsgebühren erforderlich sind. Die Anwendung dieser Bestimmung in Verbindung mit der Aufhebung des Reichsausgleichsgefebes würde aller Wahrscheinlichkeit nach genügen, um die Last zu verringern, über die sich die deutsche Regierung beklagt und von der sie sich durch ihren Antrag auf Herabsetzung der Monatssalden zu befreien wünscht. Was die Verpflichtungen aus Artikel 297 e anlangt, so ist diese Frage jetzt durch die vorhandenen Abkommen geregelt. In diesen Abkommen hat sich die deutsche Regierung verpflichtet, die erforderlichen Gelder zu beschaffen, falls der Reinerlös aus dem liquidierten deutschen Eigentum nicht ausreicht. Diese Verpflichtung ist formell. Die deutsche Regierung fann sich, um ihr nachzukommen, ieder zeit die etwa nötigen Hilfsmittel dadurch be= schaffen, daß sie, solange als ihr dies angezeigt erscheint, die Anwendung des§ 1 des Artikels 297 des Vertrags von Versailles ausieẞt oder verlangsamt. Die Regierung der Republik kann nicht zugeben, daß alliierte Staatsangehörige für die ihrem Eigentum durch Anwendung außerordentlicher Kriegsmaßnahmen zuge= fügten Nachteile nicht entschädigt werden, während die deutschen Staatsangehörigen fortgefekte Zahlungen für Schäden gleicher Art erhalten. Die Regierung der Republik kann bei dieser Sachlage Enerer Exzellenz Antrag vom 14. Juli nur als null und nichtig ansehen. Sie rechnet daher mit der getreuen Aus* führung des Londoner Abkommens vom 10. Junt 1921 durch das Deutsche Amt und zweifelt nicht, daß den Verwahrungen gegenüber den systematischen Verzögerungen des Deutschen Amts bei der Anerkennung der allierten Forderungen Rechnung getraen wird. Es besteht übrigens die ganz bestimmte Absicht, die Aemter in Paris und Straßburg solange nicht über deutsche Forderungen erkennen zu lassen, als sie nicht die Gewißheit erlangt haben, daß die Interessen der französischen Gläubiger gewahrt sind oder gewahrt werden. Ich habe daher die Ehre, Sie zu bitten, mir binnen einer Frist von zehn Tagen vom Datum dieses Schreibens ab gerechnet die Zusiche rung zugeben, daß das Deutsche Amt fünftig das Londoner Abkommen dadurch ausführt, daß es jeden Mongt den Pauschalbetrag von zwei Millionen Pfund zahlt. Da mich der von Euerer Exzellenz übersandte Antrag auf den Gedanken gebracht hat, daß das Deutsche Amt nicht mehr die Absicht hatte, den Pauschalbetrag von zwei Millionen Pfund zu zahlen, habe ich für diese Eventualität eine bestimmte Anzahl von Maßnahmen beschlossen. Sollte die deutsche Regierung in der vorbezeichneten Frist nicht die Zusicherungen gemacht haben, die ich von Enerer Exzellenz dringend fordere, so schließe ich daraus, daß meine Annahme richtig ist, und die vorgesehenen Maßnahmen wer den sofort und automatisch zur Anwendung gelangen. von Zurücklassung gefangengenommen, gez. Poincaré. 26 wurden zurück. zwei Toten Aufstände in Sowjetrußland. Der„ Matin" erfährt von seinem Korrespondenten in Riga, daß im Ura I ein Aarfstand gegen die Sowietregierung ausgebrochen ist. Der Aufstand wird von den Soldaten Petrofs ausgeführt. Die Truppen haben auf dem Marsche gegen Petersburg schon die Stadt Viatta eingenommen. Die Regierung von Moskau hat den Aufständischen zwei Divifionen entgegengeschickt. Der größte Teil dieser Truppen aina aber zu den Aufständischen über.Seit acht Tagen werden bereits ähnliche Aufstände aus andern Teilen Rußlands gemeldet. Der internationale Kongreß der Seelente wird nächsten Dienstaa in Paris eröffnet werden. Eine vorbereitende Versammlung der Sekretäre der Nationalverbände wird morgen stattfinden. Wegen Streifaufruf verurteilt. Der australische Arbeiterverband wurde in Sydney zu 300 Pfund Sterling Geldstrafe verurteilt mit der Begründung, daß er seine Mitglieder anläßlich einer Lohnstreitigkeit zum Streit aufge fordert habe. MANDER SALAM MARK SALAM LLAMAND MARKE SALAM ANDER DER GEDIEGENE STIEFEL Theatern.Vergnügungen Boltsbühne täglich 71, Uhr: Theater am Nollendorfplatz 734 Uhr Robert u. Bertram verliebte Leute Nenes Volkstheater Walhalla- Theater Köpenicker Straße 68 7 Uhr: Die erste Geige 742 Uhr Er und seine Schwester Staats- Theater potter- Bühnen Schauspielhaus 7, Uhr Rotter- Bühnen Täglich& Uhr: Operettengastspiel Residenz- Theater ie beiden Nachtigallen Fedora Deutsches Theater 71 Uhr: Parasch und Perlmutter Trianon- Theater Kammerspiele 71, Uhr Der Raub derSabinerinnen Großes Schauspielhaus 712 Uhr: Eine Frau ohne Bedeutung AETROPO Die Maschinenstürmer RIETE Theater in der Honiggrätzer Str. & Uhr: Die wunderlichen Gesa ichien des Kapellmeisters Kreisler. Behrenstr. 54 3,8 Uhr Carl Bolesko in der Komödienhaus Theater agenfur ,, Gretchen" Ramaskow- Truppe Tgi. Berliner Theater 7.45 Uhr: Madame Flir Kasino- Theater. Eröfnung 11. August Lämmelmanns Bummelfahrt. Heinrich Kohlbrandt 3 Sellons Willy Agoston 2 Bollingers Lo Fleuron Canova Ilonka Szartory Ernst Riedel LUNA- PARK Generaldirektion: Siegbert Goldschmidt und Max Goldberg Heute Volkstag! Doppel- Konzert Höhen- und Wasserfeuerwerk Die weltberühmten Gebr. Niagara Turnseil künstler sind aus Paris eingetroffen! Wein- und Bier- Terrassen Konditoreigarten Theater des Ostens 5 Uhr: Konzert 14 Uhr: Dorns Resi Theater am Koffbuser For Jed. Abend 7% Uhr: EliteSänger Volkspraise! Berliner Prater Kastanien- Allee 7/9 Täglich 71, Uhr Die Prinzessin vom Nil Operette in 3 Akten, dazu das Spezialit.- Programm Beginn des Konzerts 4, Uhr Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Täglich Münchener Kellerfest Oberbayern/ Drehstübl Tanzdiele/ Pariser Jazband/ 100 bayr. Mad! 5 Kapellen Riesen- Fronten Feuerwerk Ball. Anfang 5 Uhr Zum Prozeß gegen die - Anfang 5 Uhr Konterrevolution in Rußland G. LELEWITSCH: Die Konstituante von Samara.( Ein Beitrag zur» Humanítätu.» Demokratie der Partei der Sozialrevolutionäre.) Preis Mark 25,-. G. SSEMJONOW( WASSILJEW): Die Partel der Sozialrevolutionäre in den Jahren 1917 bis 1918( ihre Kampftätigkeit u. militärischen Aktionen). Preis Mark 4.50. W. KNJASEW: W. Wolodarski. Preis Mark 35.-. N. MESCHTSCHERJAKOW: Das menschewistische Georgien.( Anmerkungen zur Broschüre Kautskys über Georgien.) Preis Mark 1.50. N. MESCHTSCHERJAKOW: Der Terror der georgischen Menschewiki. Preis Mark 20.L. TROTZKI: Zwischen Imperialismus und Revolution. Die Grundfragen der Revolution an dem Einzelbeispiel Georgiens. Preis Mark 35.-, geb. Mark 45.-. L. WARDIN: Die Partei der Menschewiki in der russischen Revolution. Preis Mark 6.-. RUSSISCHE KORRESPONDENZ Nr. 4-5 des dritten Jahrganges mit Aufsätzen über die Tätigkelt der Sozialrevolutionäre und Menschewiki. Preis Mark 45.Demnächst erscheint! Demnächst erscheint! W. BYSTRANSKY: Menschewiki und Sozialrevolutionäre. Preis Mark 60.-. Ausführliche Prospekte auf Verlangen. Verlag Carl Hoym Nacht. Louis Cahnbley, Hambg.8 Weiche mif Henko die Wäsche ein! Henko Henkel's Wasch. u. Bleich- Soda für Wäsche und Hausputz. Henkel& Cie. Düsseldorf Vorzügliche Küche, wohlgepflegte Biere bei Musik u. 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Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. ,, Arbeiter- Sport" Wochenschrift zur Förderung der Sportbewegung in Arbeiterkreisen. Publikationsorgan des Kartell- Verbandes Groß- Berlin und des 1. Kreises des ArbeiterTurn- und Sport- Bundes. Der Arbeiter- Sport" vertritt die Interessen des revolutionären Arbeitersportlers. Er will nicht nur Sportzeitung, sondern gleichzeitig auch Kampforgan sein. Der Arbeiter- Sport" wirkt in dem Bewußtsein, daß der Arbeitersportler ein tätiges Mitglied der proletarischen Kämpferschar sein muß. Der ArbeiterSport" wendet sich gegen alle bürgerlichen Sportorganisationen und gegen die, die durch Neutralitätsbestrebungen des Sportes zur Verflachung des politischen Kampfes die Hand reichen. Er fördert den Sport, dessen Wahlspruch lautet: ,, Unsere Aufgabe ist, dem revolutionären Proletariat an Körper und Geist gestählte Kämpfer heranzubilden." Jeder klassenbewußte Arbeitersportler liest den Arbeiter- Sport". Er ist das einzigste Organ, welches seine Interessen wahrnimmt. Verlag des ,, Arbeiter- Sport" Berlin SO 16, Köpenicker Straße 108. Deutscher Metallarbeiter Verband Berwaltungsstelle Berlin R 54 Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von vormittage 9 bis nachm. 4 før Telephon: Amt Norden 833, 834, 835, 836 Donnerstag, den 3. August 1992, abends 6 Uhr, Arbeiterinnen- Versammlung aller in der Metallindustrie beschäftigten Kolleginnen in der Aula des Sophien- Lyzeum, Weinmeisterstr. 16. Tagesordnung: 1. Bericht vom Gewerkschaftskongres. 2. Berbandsangelegenheiten Berschiedenes. und Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Achtung! Armaturengürtler. Achtung! Donnerstag, den 3. August 1922, nachm. 4½ Uhr, im„ Reichenberger Hof", Reichenberger Straße, Bersammlung aller in den Armaturenbetrieben bes schäftigten Kolleginnen und Kollegen Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältniffe in unseren Betrieben. 2. Distuffion. 3. Verschiedenes. Rege Beteiligung ist unbedingte Pflicht. Innungsschmiede Donnerstag, den 3. August 1922, abends 7 Uhr, Bollversammlung aller Kollegen der Innungsbetriebe in der Schulaula, Koppen- Plas 12. Tagesordnung: 1. Das Ergebnis der legten Ber handlung. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten, 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Platin-, Gold- u. Silberbruch Zahngebisse, Uhren, Ketten, Ringe sowie Altmetalle kauft zu sämtl. Engrospreisen Roseneck, Berlin O., Schreinerstraße 32( Laden) 1 Min. v. Bhf. Frankt. Allee. Fahrgeldverg. Gr. Absatzg.f. Händler. Kleine Anzeigen Bettwäsche billig! Bettwäsche billig! Wintermäntel Nirgends besser 34. int Möbelhaus Unsere Angebote, durch Riefenauswahl, laufen laufen Sie ersttlasfige Rehfeld, Badftr. frühzeitige Baletots, Gelegenheitstäufe Einläufe Sie ieht noch sehr bil- Anzüge, staunend billig. 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Soweit es Teine Lage gestattet, bekämpfe das In. als Harden- Attentäter verhaftet sentum auch öffentlich und lasse teine Gelegenheit vorüberIn dem Strafverfahren gegen den angeblichen Studenter Werner Flesch, der bekanntlich seinerzeit verhaftet wor den war, weil er unmittelbar nach Bekanntgabe der Ermordung Rathenaus im Reichstage dem Abgeordneten Tr. Helfferich einen Blumenstrauß mit einer schwarz- weißroten Schleife überbracht hatte, ist jetzt eine Wendung eingetreten durch die am Sonnabend erfolgte neuerliche Verhaftung des Flesch. F. war bald nach dem Ueberbringen des Straußes von dem Abgeordneten Memmele und Unterleitner etwas unsanft auf das Unerhörte seiner Handlungsweise hingewiesen worden. Er hat deshalb durch feinen Rechtsbeistand Rechtsanwalt Dr. Theodor Ahrens beim Reichstage die Genehmigung zur Strafverfolgung der beiden Abgeordneten nachgesucht. Ferner hai er sich beschwerdeführend an den Untersuchungsrichter bein Staatsgerichtshof in Leipzig gewandt und die eventl. Ein. leitung eines Etrafverfahrens gegen die beteiligten Be amten wegen Freiheitsberaubung beantragt, weil er ent gegen den Vorschriften der Strafprozeßordnung 14 Tage in Untersuchungshaft gesessen habe, ohne dem Rich ter vorgeführt zu sein. Nachdem F. wieder aus der Haft entlaffen worden war, ist er am Sonnabend anfs nene ver: haftet worden, und zwar wegen Teilnahme an dem Attentat auf Maximilian Harden. Die Die echten Teutschen Mitgliedskarten Jes ,, Deutschvölkischen Schuh- und Truzbundes" enthalten unter anderem fogenannte Lebensregeln, die wir nachstehend unseren efern bekannt geben: 1. Deutscher, wenn Du Deines Deutschtums bewußt bist und auch Deine Frau reinblütig ist, so bekämpfe jede Heirat mit fremdem Geblüt in Deiner Familie. 2. Vermeide jeden gesellschaftlichen Verkehr mit Undeutschen und lasse Dich geschäftlich nur dann mit ihnen ein, wenn es unvermeidlich ist.( Mit anderen Worten:„ Nur, wenn etwas zu verdienen ist.") 3. Raufe nic in jüdischen Warenhäusern und verbiete es auch Deiner Frau und Deinen Kindern. 4. Du darfst niemals Grundbesitz an einen jüdischen Käufer abgeben.( Aber sicher an einen„ teutschen" Vermittler.) 5. Halte keine jüdische Zeitung, es sei denn zum Zwecke der Erkenntnis des Judentums.( Teutsche Zeitungen dürfen aber mit dem-Geld arbeiten!) 6. Gehe nicht ins Theater, wenn jüdische Stücke aufgeführt werden. Lies feine jüdischen Romane. " 7. Frage Dich bei allen Vorgängen, die Du nicht völlig zu durchschauen vermagst: Wie stellen sich die Ju= den dazu?" Was sie verwerfen und schlechtmachen, das nüht gewiß uns Deutschen. 8. Als deutscher Student vermeide möglichst die Vorlesungen jüdischer Professoren zu hören. Mußt Du es, so höre sie kritisch.( Alles andere ist reine Wahrheit und braucht nicht kritisch gehört werden! Und das werden dann Führer der Nation.) Der Entgleiste Roman von Wilhelm Holzamer. ( 7. Fortsetzung.) Er hatte einen Haufen Kinder im Hose, Buben und Mädchen, sechs, sieben Jahre alt, neun, zehn auch wohl ein paar. Er lehrte sie singen. Er saß auf dem Bumpenschwengel und sang ihnen vor. Sie mußten ihm nachfingen, und er schlug den Takt. Er sang: ' s war emal en kleiner Mann ju, bal di ra Der hatte eine große Frau na di bums di ra Große Frau wollt tangen gehn ju, bal di ra Kleiner Mann' wollt auch mitgehn na di bums di ra Reiner Mann muß zu Hause bleiben ju, bal di ra Muß die Küh und Rälber treiben na di bums di ra Rüh und Kälber treibt er nicht ju, bal di ra Und von dem Brot da bleibt er nicht na di bums di ra Als die Frau nach Hause kam ju, bal bi ra Da saß der Mann im Butterfes na di bums di ra Gehst de raus, so triegste was ju, bal di ra Gchst de raus, so triegste was na di bums di ra. Frau sucht sich e Stedelche ju, bal di ra Und schlägt dem Mann aufs Bedelche na di bums di ra. So, jest fann ich fanzen gehn ju, val di ra So, jest fann ich tanzen gehn na di bums bi ra. Bausbub," sagte die slar,..moher fennit du dos?" Bon der Odenwälder Gret." jagte der Philipp, die ing alte Friedensrichters ist." gehen, Volksgenoffen über icine Schädlichkeit im völkischen Leben aufzuklären.( Sage aber nichts bei teutsche Aus. beuter und Kapitalisten.) 12. Belenne Dich überall als Teutscher und stehe zu Teinem Deutschtum; Tu banst damit an der Zukunft unjeres Wolfes.( Ter Monarchie und dem Zuchthausstaat.) Diese Lebensregeln des. reinen unverfälschten Deutsch. tums, die schon an reine unverfälschte Idiotic grenzen, bedürften eigentlich nicht eines besonderen Kommentars. Wil fönnen es uns aber nicht verjagen, den Botaniden als weitere Lebensregeln vorzuschlagen: 13. Solange bei den Behörden und in der Regierung Ju den arbeiten, lehne als Beamter Gehalt usw. ab. 14. Solange Juden in Deutschland leben, lehne es ab, dieselbe Lust mit ihnen zu atmen. Das Beste wäre es, wenn der Punkt 14 strifte befolgt würde, dann wäre man eine ganze Anzahl gefährlicher Kranfer( vs. Wohnungsnot Zu diesem Kapitel schreibt uns eine Leserin: ,, Bei der jetzt herrschenden Wohnungsnot wird es sicherlich für viele Kreise von Interesse sein au hören, daß wenn nirgends sonst so doch in Charlottenburg Ueberfluß an freien Wohnungen herrscht. Denn anders läßt es sich wohl faum erflären, daß im Hause Schillerstr. 9( Charlottenburg) eine wunderschöne Achtzimmer Wohnung seit dem 1. April leersteht, ebenso seit dem 15. Juni eine Sechszimmer Wohnung in dem gleichen Hause. Man könnte wohl fragen: Was geht in bezug auf diese Wohnungen auf dem Charlottenburger Wohnungsamt vor? Toch wir sind selbstverständlich überzeugt, daß das Wohnungsamt seinerseits alles tut, um für die beiden leerstehenden Wohnungen Mieter zu finden. Scheinbar ohne Er folg. Um der guten Sache willen sollte man die offenbar so ich were Aufgabe dem Wohnungsamt erleichtern und rechnen wir dabei auf Ihre gütige Unterstüßung, zumal Ihnen zahreiche Leser Ihrer Zeitung für die Bekanntgabe dieser momentan unausgenußten Wohnungsmöglichkeit dankbar sein werden." Beim Wohnungsamt in Charlottenburg ist scheinbar alles möglich. Es wirkt wie blutiger Hohn, daß auf der einen Seite geräumige Wohnungen monatelang leerstehen und auf der anderen Seite in enge Wohnungen einige Familien zusammengepfercht werden. Indirekt trägt das Wohnungsamt in Charlottenburg zur Verschärfung des Wohnungselendes. bei. Die Ursache des Leerstehens der oben aufgeführten Wohnungen ist von allgemeinem Interesse. Das Hochhaus am Bahnhof Friedrichstraße Nunmehr steht der Bauplan für das seit langem geplante Turmhaus Friedrichstraße fest. Die Wettbewerbsentwürfe haben aus dem Grunde nicht besonders berücksichtigt werden können, weil der Baugrund zum Teil nicht tragfähig genug ist. Neuerliche Bohrungen haben ergeben, daß fast die gauze Straßenfront an der Friedrichstraße für schwere Bauten nicht in Frage fommen faun. Daher ist jetzt ein neuer Entwurf geschaffen worden, der an der Straßenfront der Friedrichstraße zwischen der Weidendammer Brücke ein zweigeschossiges Bauwerk vorfieht. 3wischen diesem und dem übrigen Baufomplex ist eine Entlastungsstraße für die Friedrichstraße „ Sollst ja die närrisch Kränk friegen! Nu machs noch emal!" Und die Kinder saugen das Lied noch mal durch, machten den Ringelkranz um die Pumpe herum, und der Kaiserphilipp dirigierte mit närrischen Bewegun lachte, daß es häuserweit schallte. Und als die Kinder gen. Die Klar hopste oben auf der Treppe mit und schon zum dritten Male den Reihen sangen, da rief fie unaufhörlich und sich ganz vergessend, ihrem Philipp zu:„ Danz doch, danz doch!" Sie rief es mit dem hohen, hellen A, das sie von ihrer Mutter geerbt hatte, und das allen Lenten so fomisch wirkte. Da die Gasse nun auch von Leuten vollstand, so rief's von draußen, erst vereinzelt, dann laut und spöttisch von vielen Stimmen:„ Danz doch, danz doch!" Erst fiel es der Klar nicht auf. Sie rief ihrem Buben weiter ermunternd zu. Der war in seiner Rolle und tat die närrischsten Bocksprünge. Und immer noch, mit deutlicherem Spott und quietschender Nachahmung des A, obgleich sich die Leute über das Lied und das Spiel der Kinder freuten, rief es draußen „ Danz doch!" Da wurde die Klar aufmerksam: Mach den Leuten nicht den Aff, Philipp, fomm!" rief fie. In dies Komm" hatte sich aber etwas vom hellen A ihrer Sprechweise hineingestohlen, und da es Rheinhessenart ist, jede Kleinigkeit aufzugreifen und zu einem Spott auszudehnen, so gab's cin Hallo, und das„ Komm!" mit dem flachen Tone wurde nachgeahmt. „ Danz doch!" und Komm!" rief es. Der Philipp war nun auf die Treppe getreten und wußte nicht, was er tun sollte. Die Mutter stieß ihn zur Tür hinein. „ Affengesichter!" rief sie den enten zu.„ Macht, daß ihr heim kommt. Was habt ihr denn überhaupt vor meiner Tür verlorn? Geht zum Deiwel, ihr Schneidbanksföpp!" „ Oho!" rief's dagegen und Schneidbanksfopp!" und„ Danz doch!" und„ Komm!" Dienstag, 1. August 1922 vorgesehen, die durch einen breiten Durchgang in der Mitte des niedrigen Gebäudes, sowie an beiden Enden mit der Friedrichstraße in Verbindung steht. Die Front zur Entlastungsstraße hat ein Gebäude gewöhnlicher Höhe, ebenso wird auch dem Bahnhof Friedrichstraße gegenüber( also an der zweiten Seite des dreieckigen Bauplatzes ein Haus gewöhnlicher Höhe aufgeführt. Nur an der Spreeseite, also die Front nach dem Reichstagsufer, erhält ein höheres zwölfgeichoisines Gebäude, wodurch feinem der anliegenden Gebände Licht und Rust genommen wird. Städtebaulich und vortechnisch bedeutet diese Lösung die glücklichste aller bisher entstandenen Entwürfe. da auch die neuentstehende Untergrundbahn zum Turmhaus einen guten Zugang besitzt. Man hofft, noch in diesem Jahre einen erheblichen Teil der ganzen Anlage Herstellen zu fünnen, da auch die Frage der Geldbeschaffung zur Zufriedenheit aclöst ist. Der Anhänger für Raucher Den Berliner Rauchern ist vor längerer Zeit der Mund wässerig gemacht worden, daß es ihnen in Zukunft gestattet sein werde, auch im Innern der Anhängewagen zu rauchen, so daß sie in Zukunft nicht mehr auf den Plattformen sich Wind und Wetter aussetzen brauchen, sondern wie jeder Nichtraucher auch Anspruch auf einen Sizplatz haben werden. Troß der Zusage der Aufsichtsbehörden, der Eisenbahndirektion sowie des Polizeipräsidiums ist das Nauchverbot für die Anhänger noch nicht aufgehoben. Auch die übergeordnete Stelle, das preußische Handelsministerium, hat sich für die Freigabe der Anhängewagen als Raucher- Abteile ausgesprochen und noch immer ist der schriftliche Bescheid nicht eingegangen, trotzdem auch in anderen deutschen Städten die Erfahrung gemacht worden ist, daß durch Einführung einer derartigen Erleichterung eine Mehreinnahme erzielt worden ist. Eine solche könnte die Straßenbahn aber wirtlich gebrauchen. Eine bürokratische Verschleppung der Angelegenheit liegt also weder im Interesse der Benutzer noch der Verwaltung der Straßenbahn, also der Stadt Berlin selbst. Barüberweisung statt Steuermarken Zur Vermeidung der bei der Ablieferung der Einfommensteuermarfen für 1921 vorgekommenen großen Un= zuträglichkeiten, welche sich im Januar 1923 bei der Abführung der Einlagebogen für das Jahr 1922 in verstärktem Maße wiederholen würden, da an Stelle der Steuereinnahmestellen die Finanzämter treten, die Annahmestellen so= mit bedeutend eingeschränkt sind, kann nicht dringend genug empfohlen werden, daß Arbeitgeber, welche mehr als 75 Arbeiter beschäftigen, von der gesetzlich zugelassenen Barablieferung der einbehaltenen Steuerbeträge unter Wegfall des Klebens von Steuermarten Gebrauch machen. Diese Bestimmungen sind in der Arbeitgeberschaft noch wenig bekannt, verdienen aber wegen der in ihnen ent= haltenen Erleichterungen für die Lohnbüros der großen Betriebe ganz besondere Beachtung. Ein ganz besonders großes Interesse an dieser Regelung haben auch die Arbeitnehmer. Sie brauchen nicht mit den Markenbüchern sich zum Finanzamt zu begeben. Sie sparen Wege und Fahrkosten und das stundenlange Warten in überfüllten Kassenräumen. Weiterführung der fommunalen Brennstoffenrian handlungen. #spidam 191* ng Zur einheitlichen Weiterführung der bisherigen fommunalen Brennstoffhandlungen in den Außenbezirken GroßBerlins ist die Berliner Brennstoff- Beschaffungs- Gesellschaft m. b. H. begründet worden. Die zur Prüfung der Frage eingejezte Kommission hat beschlossen, sämtliche in den Außen bezirken bestehenden fommunalen Brennstoffhandlungen so= wie die damit verbundenen Versorgungsstellen der städtischen Dienstbetriebe durch die neue Gesellschaft spätestens bis zum 31. Juli 1922 zu übernehmen. Die Betriebe sollen möglichst durch die in den Bezirken damit bisher beschäftigten, mit der Lage der Brennstoffversorgung vertranten Dienststellen „ Lumpenbaggasch," schmetterte die Klar wie ein Zorniger Hahn heraus. „ Na, was Lumpe anbelangt," rief eine dagegen „ da könnt'st du dich zuerst mal am Ropp fragen. Wir haben noch nit unsern Mann hinausgeschmissen, daß fein Mensch weiß, wie's ihm geht und was aus ihm geworden is!" „ Nein," sagte die Klar und lachte,„ du dumm Bufertsnanne, du säusst nur mit dei'm und läßt dir als ein sind nach em andern im Suff machen!" Die Spengler Schlüsselsen frähte mit ihrer schenßlichen Stimme, die flang, als wenn ein Hinkel den Sahnenruf tut: " Du Zieglermensch! Du mänst), du wärst schon überm Gräbelchen und hättst dein Bub schon zum Schullehrer gemacht. Ja, Möpelchen!" ,, Ueberm Gräbelchen bin ich noch nit," erwiderte die" Klar.„ Aber ich hab auch noch ni mit ei'm drin gelegen, wie Ihr, Schlüsselsen, und s ist noch keiner über mich gehupst." Die Schlüsselsen wußte auf diesen saftigen Hieb nichts zu erwidern. Sie bewegte nur den Unterkiefer, als fane sie an einem zu dicken Kloßc, und krähte dann: " Zu Lebtag nit bringst du dein Bub zum Schullehrer und wenn dein ganz Gärstche drauf geht du Zieglermensch!" Die Klar lachte die Schlüsselsen verkroch sich. " Ich will dir was sagen, Klar," rief jetzt eine Männerstimme - es war der Weißejakov so hoch hinaus brauchst du nit zu wollen. Schuster, bleib bei dei'm Leisten, war schon zu Lebtag richtig. Wer so und du hilfft noch Faren macht wie dein Aff.dv, dazu der wird seiner Lebtag nir. Und warum soll er auch nicht bleibe, was mir auch sind. Weil dich der Hochmutsdeiwel hat. Steck's uff! Sted die Posse uff! ' s wird nir Gutes draus.' 3 foit dich nur dein bißchen Sach- fitr so ei'm Aff iein are." # Die andern zollten ihm Beifall. Dazwischen rief's: „ Danz doch!" Schneidbaufskopp!"" Komm!" ... kommt und" und die tar flatschte auf ihren Sintern. Dann trat sie in die Tür und schmiß sie zu. Nun war aus dem Scherz Ernst geworden. Die Ses/ Spajes halber aus ihren Türen und Höfen ge= Die Nachbarn verliefen sich. fommen waren, die fühlten sich nun beleidigt und gereist, obgleich sie doch gereizt hatten. Töriierart. Das ist so *) meinit ( Fortiesung solgt.) wenigstens bis zum Ablauf Ses Kohlenwirtschaftsfahres unter der Oberleitung der Brennstoff- Beschaffungs- Gesellschaft weitergeführt werden. Nur völlig unwirtschaftliche Handlungen sollen abgebaut werden, Die Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege Wie bereits mitgeteilt, treten von heute ab auf sämtlichen Reichsbahnstrecken neue Bestimmungen über die Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege in Kraft. Die neuen Bestimmungen schreiben vor, daß jeder Verein, der beabsichtigt, diese Fahrpreisermäßigung in Anspruch zu nehmen, besonders von den Eisenbahndirektionen des Wohnfizzes in eine Liste aufgenommen werden, die ihnen den Anspruch auf die Ermäßigung gibt. Neben dieser Eintragung wird den Vereinen von der Eisenbahndirektion eine Ausweiskarte in Postkartengröße nach vorgeschriebenem Muster ausgestellt, die der Fahrkartenausgabe vorgewiesen werden muß. Diese müssen die Vorlegung der Ausweisbarte von nun an verlangen. Kinderverschickung nach Dänemark Bom Internationalen Bund der Kriegsopfer wird uns folgendes geschrieben: Wie die dänische Bruderorganisation mitteilt, find die Verhandlungen mit der dänischen Regierung betr. freier Fahrt auf den dänischen Bahnen und Einreiseerlaubnis leider noch nicht beendet. Die Abfahrt der Kinder wird sich deshalb etwas verzögern und höchstwahrscheinlich im Laufe der ersten Hälfte des Monats August erfolgen. Schon heute ist festzustellen, daß das Elend der Kinder der Berliner Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen ungeheuer groß ist. Troßdem bisher nur 100 offene Stellen für die Aufnahme von Kindern gemeldet sind, haben sich schon mehrere hundert Eltern darum beworben. Die Unterernährung schaut allen Kindern schon aus dem Gesicht; es ist furchtbar schwer, eine richtige Entscheidung darüber zu fällen, welche Kinder berücksichtigt werden sollen. Erholungsbedürftig sind sie alle. Ein Gefühl der Ohnmacht steigt auf, wenn man die abgemagerten Körper sieht, denen man recht gern helfen möchte und es doch nicht kann. An dieser jungen Generation können wir es erst ermessen, wie ungeheuerlich der kapitalistische Raubfrieg gewirkt hat. Wir wollen hoffen, daß wir im nächften Jahr die Zahl derer vervielfachen können, denen durch die Mithilfe unserer Bruderorganisationen, die der Internationale der Kriegsopfer angeschlossen sind, die Gesundheit wenigstens zum Teil aufgebessert werden kann. Augenzeugen, die gesehen haben, wie am Donnerstag, den 27. Juli, abends ½5 Uhr, in der Mühlenstraße, Ecke der Fruchtstraße ein kleines Mädel überfahren wurde, werden gebeten, sich bei Höfert, Friedrichsfelder Straße 14, vorn 4. Etage, zu melden. 4 Großhandelspreise in Berlin Die Preise verstehen sich für 50 Kg. frei Haus Groß- BerIin, soweit nicht auf Grund des Ortsgebrauchs Rollgeld berechnet wird. Gerstenaraupen lose 2075-2150, Gerstengrüße, loje 2075-2115, Haferflocken, Ipfe 2525-2575, Hafergrüße, Iose 2575-2600, Sartoffelstärkemehl 2650-3000, Maisflocken, lose 1900-2000, Maisgrieß 1750-1850, Maismehl 1550-1650, Maispuder, Ipie 2300-2400, Makkaroni, lose 3250-3350, Schnittnudeln, lose 2650-2750, Birma- Reis 2725-2825, glai. Tafelreis 2725-4200, grober Bruchreis 2275-2500, Reismehl, Loje 2300-2400, Reisgrieß, Loje 1890-2200, Ringäpfel, amerik. 18 050-18 550, getr. Aprikosen, cal, 22 150-22 350, getr. Birnen, cal. 14 760-14 920, getr. Pfirsiche, cal. 10 356-10 670, getr. Pflaumen 4875-4995, Sorinthen, 1921er Ernte 9100-9200, Rosinen, tiup. carab. 1921er Ernte 6525-6630, Sultaninen in Risten 1921er Ernte 18 590-18 960, Mandeln, bittere 10 560 bis 10 760, Mandeln, süße 19 095-19 250, Raneel 19 300-19 500, Kümmel 12 435-12 540, Schwarzer Pfeffer 11 945-12 090, Weißer Pfeffer 14 725-14 860, Kaffee superior roh 18 500 bis 18 800, Raffee prime roh 17 900-18 400 M. Parteijubiläen. Der Genosse Wilhelm Bedmann, Türrschmidtstraße 48, fann heute auf eine 25jährige Der Genoffe. Paul Parteizugehörigkeit.blicken. Haad in Weißensee, Gäblerstraße 7, gehört heute der Partei 30 Jahre an. Er hat in allen Stürmen der Arbeiterbewegung seinen Mann gestanden und stets als Funktionär seine Pflicht erfüllt. Zur gleichen Zeit feiert der Genosse Robert Neumann in Weißensee, Charlottenburger Straße, Ecke Roelckestraße, sein 45jähriges Parteijubiläum. Genosse Neumann ist einer von den alten Genossen, die unter der Ausnahmegesetzgebung schwer zu leiden gehabt haben. Der Männerchor Reinickendorf- Oft wird am Mittwoch, abends 7 Uhr, auf der Spielwiese im Schillerpark einige Arbeiter- und Volkslieder singen. Freunde des Gesanges find eingeladen. Wohnungsamt Wedding. Vom 1. August 1922 ab werden die Sprechstunden im Bezirkswohnungsamt Wedding auf die Tage Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12 Uhr festgesetzt. Noch ein schwerer Kraftwagenuufall ereignete sich gestern vormittag auf der Kreuzung Brinzessinnenweg- FriedrichKarl- Straße in Wannsee. Hier stießen zwei Privatkraftwagen IA 14594- und IA 5905- mit voller Gewalt zusammen und wurden erheblich beschädigt. Der Insasse des ersten Autos, der Fabrifbesizer Otto Hagedorn, Wannsee, Kleine Seestraße 4 wohnhaft, trug schwere innere Berlegungen davon. Von den Insassen des letzteren Autos, Mitgliedern einer Filmgesellschaft, erlitten der Hilfs= regiffeur Hans Nauendorf einen Oberschenkelbruch, Frau Regisseur Gambeß einen Nasenbeinbruch, zwei weitere Insaffen Hautabschürfungen. Der Tod unterwegs. In der gestrigen Nacht gegen 4 Uhr teilte ein Wächter der Polizei mit, daß in dem Haupteingang des Kriminalgerichtsgebäudes, Ecke Turmstraße und Alt- Moabit, ein Mann liege, der nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebe. Man brachte den Befinnungslosen nach der Rettungsstelle, wo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Nach Ansicht des Arztes lag entweder eine Nikotin- oder Alkoholvergiftung vor. Auf Grund vorgefundener Papiere wurde der Tote als der 52jährige Bureauvorsteher Karl H. aus der Straße Alt- Moabit identifiziert. An den Unrechten gekommen. In der gestrigen Nacht gegen 1% Uhr überfiel der 22 Jahre alte Schneider Johann Trzebinsti aus Lichtenberg vor dem Hause Tasdorfer Straße 8 in Lichtenberg den 26 Jahre alten Schlosser Ernst Bauer und drang mit einem Messer auf ihn ein. Bauer wehrte den Angreifer ab. Als Schutzpolizisten erschienen, flüchtete Trzebinski. Er wurde ergriffen und zur Wache gebracht. Der Täter trug einen Zeitungsausschnitt in der Tasche mit der Notiz Messer- Attentat eines Betrunkenen". In der Notiz wird mitgeteilt, daß T. bereits vor einigen Tagen einen Ueberfall mit dem Messer begangen hatte. Gewerkschaftliches Bevorstehender Streik bei der Hochbahn? Vom Deutschen Verkehrsbund wird uns geschrieben: Zur Beilegung der Lohnstreitsache bei der Berliner Hochbahn wurde der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin ange= rufen, der am Freitag, den 28. Juli, unter dem Vorsitz des Herrn Landgerichts- Direktors Dr. Tölf- tagte. Der gefällte Spruch besagt in seinem ersten Teil, daß bis zum Abschluß neuer Reichsmanteltarifverträge der alte 3stand bestehen bleibt. Auf die geforderte Nachzahlung für Monat Juli und die gestellte Lohnforderung für Monat August besagt der Spruch, daß zu den im Juli 1922 gezahlten Lohnsäßen ein Stundenzuschlag gewährt werde von je 8,- M. für Vorhandwerker, Handwerker, Vorarbeiter, an gelernte und ungelernte Arbeiter, von je 6,75 M. für Portters und Telefonisten, 5,75 M. für Arbeiterinnen von über 18 Jahren, 4,75 M. für unter 18 Jahre alten Arbeiterinnen, 7,75 M. für die Gruppe 1-4 des Verkehrspersonals, 5,25 M. für die Gruppe 5 und 7, 7,25 M. für die Gruppe 6 und 3,75 M. für die Gruppe 8 des Verkehrspersonals. Alle übrigen Zu lagen bleiben unverändert bestehen. Durch die vorstehenden Zuschläge für August 1922 soll auch ein Ausgleich für die durch die vereinbarten Julilöhne nicht berücksichtigte Teuerung des Juli gegeben sein. Demnach bezieht jetzt der ungelernte Arbeiter über 24 Jahre im August 26,75 M., der angelernte Arbeiter 27,25 M., der Vorarbeiter 27,75 M., der Handwerker 28,25 M., der Vorhandwerker 29,25 M., Portier und Telefonisten 24,75 M., Arbeiterinnen über 24 Jahren 19,20 M. und jugendliche Arbeiterinnen unter 18 Jahren 16,15. Dem männlichen Verkehrspersonal brachte der Spruch nur eine Stundenzulage von 7,75 M. oder monatlich 1612, M. Demnach erhält nach fünfzehnjähriger Dienstzeit der Zugprüfer 5616,- M., die Gruppe Zugfahrer 5566,- M., die Gruppe Zugbegleiter 5514, M., die Gruppe Zugabfertiger 5462, M., die Gruppe Dienstanwärter und Aushelfer wurde wiederum schlechter gestellt, sie erhält eine Zulage von 7,25 M. für die Stunde oder monatlich 1508,- M., also ein monatliches Gehalt von 5270, M. Die Fahrkartenausgeberinnen, Dienstanwärterinnen und Aushelferinnen erhalten eine Bulaae von 5,25 M. für die Stunde oder monatlich 1092, M., das moatliche Gehalt der Fahrkartenausgeberin nen beträgt also nach 6 Jahren Dienstzeit 4128,- M. Das Gehalt der Dienstanwärterinnen beträgt 3988,- M., somit beträgt der Stundenlohn 16,90 M. Mit diesem Schiedsspruch beschäftigten sich am Sonne abend die Funktionäre. Nach Würdigung aller Umt= stände lehnten die Funktionäre den Spruch, soweit die Lohnzulagen in Betracht kommen, ab, da er weit hinter den Be dürfnissen der Zeit und der Forderung zurückbleibt. Der Spruch berücksichtigt nicht einmal die Löhne, die der Staat und die Stadt Berlin ihren Arbeitern zahlt. Die Differenz beträgt mit der im Staat und bei der Stadt Berlin gezahlten erhöhten Kinderaulage im August bei dem technischen Personal im Durchschnitt 2,50 M. pro Stunde. Die Funktionäre empfahlen der am Sonntag, den 30, Juli, in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, tagenden Vollversammlung, die Ablehnuna. In der sehr gut besuchten Vollversammlung aab die Verhandlungskommission durch den Vertreter des Deutschen Verkehrsbundes eingehend Bericht über die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber- Verband jowie über die vor dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin. Sic empfahl die von den Funktionären gefaßte Resolution, die besagt, daß am Dienstag, den 1. August, die Urabstimmung über den Sprnch stattfinden soll, anzunehmen. Sollte der Spruch abgelehnt werden, so haben die in Frage kommenden Organisationen den Zeitpunkt des Streits zu bestimmen und die Vorarbeiten so schnell wie möglich durchzuführen, damit der Streit unverzüglich beginnen fann. Die Resolution fand ein: stimmige Annahme. Mit dem Appell einig zu sein und den bevorstehenden Kampf einmütig durchzusehen, schloß die Versammlung. Die Lage des Arbeitsmarkts In der Zeit vom 1. Juni zum 1. Juli 1922 ist die Rahl der unterstützten Bollerwerbslosen im Reich von 28 700 auf 19 900 zurückgegangen. Bei den männlichen Bollerwerbs losen ist eine Abnahme von 20 100 auf 14 000, bei den weiblichen von 8500 auf 5900 erfolgt. Die Zahl der Zuschlags= empfänger( unterstübungsberechtigten Familienangehörigen der Vollerwerbslosen) ist von 35 900 auf 25 800 gesunken. Zu berücksichtigen ist bei diesen Ziffern, daß sie nur die unterstützten Erwerslosen umfassen, und daß nach den geltenden Bestimmungen nicht alle Erwerbslosen Unterstüßung erhalten. Immerhin lassen die Zahlen deutlich erkennen, daß die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem Tiefpunft angelangt ist, wie er auch in der Vorkriegszeit nicht häufig ge= wesen ist. Die Entwicklung steht im engsten Zusammenhang mit dem Niedergang der Valuta, der die Wareneinfuhr aus dem Auslande immer mehr ausschließt, auch den Rohstoffbezug von dort fortschreitend vermindert und statt dessen zur Ersaberzeugung im Inland unter Mehreinsatz von Arbeitsträften zwingt( sogenannte verschleierte Arbeitslosigkeit). Auch begünstigt der Valutastand den Verkauf deutscher Er= zeugnisse nach dem Auslande, teilweise zum Nachteil der deutschen Verbraucher. Die ganze Entwicklung muß, wenn auch die Verminderung der Erwerbslosenzahl an fich erfreulich ist, als durchaus ungesund bezeichnet werden. Russische Gewerkschaftsbewegung ( RB.) Für die Arbeitsbedingungen in der ruffischen Gewerkschaftsbewegung ist folgender Notschrei des Kommu nistischen Gewerkschafters Posnanski in den Odeñaer " Jeweftija" charakteristisch: Wenn man offen gegen die bürokratischen Verzerrungen auftritt und energisch Maßnahmen zur Besseruna der Lage der Arbeiter verlangt, fommt man leicht in den Geruch eines unruhigen und un= Da an der Spite unserer disziplinierten Genossen. Wirtschaftsorgane oft sehr verantwortliche Genossen stehen. wird die Kritik an ihren Handlungen oft als„ varteifeindlich" ausgelegt, was bestimmie Einwirkungen nach sich zieht. Es muß für die Gewerkschaftsfunktionäre eine solche Atmosphäre in den Gewerkschaften geschaffen werden, die ihnen die Möglichkeit geben soll, aktiv gegen die bürokratischen Auswüchse vorzugehen." Wie muß es in den russischen Gewerkschaften aussehen, wenn selbst ein offizielles Sowjetorgan sich genötigt sieht, diesen Notschrei eines kommunistischen Gewerkschaftlers zu veröffentlichen. Die Tariflöhne der Berliner Metallarbeiter Wie uns das Büro der Berliner Ortsverwaltung des D. M. V. mitteilt, haben die Nachverhandlungen über Erhöhung der Julilöhne nicht stattgefunden, da der B. B. M. J. und das Reichsarbeitsministerium eine Verhandlung ablehnten. Die Lohnverhandlungen über die Tariflöhne für Monat August haben in der ersten Be sprechung zwischen den Parteien zu feiner Einigung ge führt. Am Dienstag, den 1. August werden die VerhandBis auf das Hemd ausgezogen. In der vergangenen Nacht gegen 11% Uhr wurde der 43 Jahre alte Arbeiter Johann Jafzewski, der sich hier auf der Durchreise aufhielt, auf dem Hofe der Bäckerherberge, Krautstraße 38, in sinnlos betrunkenem Zustande aufgefunden. Noch unbetannte Täter hatten ihn bis auf das Hemd ausgeplündert. i lungen endgültig fortgeführt." Mitglieder des Tabatarbeiter- Verbandes. Aus der„ Ro ten Fahne" ist zu ersehen, daß sich seit längerer Zeit eine festgefügte Organisation innerhalb unserer Organisation ge bildet hat. Dadurch wird, nicht nur die bisherige Geschlossenheit der Organisation gefährdet, sondern der Bestand der Zahlstelle überhaupt in Frage gestellt. Um die Zerrüttung innerhalb der Zahlstelle zu vermeiden, ist es notwendig, daß sich alle SPD.- und SPD.- Kollegen und Kolleginnen mit allen denen die Einheit der Gewerkschaft höchstes Gut ist, zusammenschließen. Wohl stehen wir auf dem Standpunkt, daß eine Bildung von Fraktionen überflüssig ist, wenn alle Mitglieder auf dem Standpunkt stehen, die Gewerkschaft darf nicht zum Tummelplaß einer politischen Partei oder zur Austragung parteipolitischer Gegenfäße mißbraucht werden. Wir ersuchen Sarum alle, die sich mit unseren Ansichten eins fühlen, zu einer Zusammenkunft, die am Dienstag, den 1. August, abends 6 Uhr im Rosenthaler Hof" Rosenthaler Str. 11-12 stattfindet, zu erscheinen. Parteiausweis ist mitzubringen. Eingeladen sind auch die Kollegen die keiner Partei angehören, aber dennoch die kommunistischen Treibereien innerhalb unserer Zahlstelle verurteilen. Mehrere Kollegen der Zahlstelle Berlin. Zimmerer. Am Donnerstag, den 3. August 1922, nachmittags 3 Uhr, findet im Gewerkschaftshaus, Saal 5, eine Versammlung sämtlicher Platz- und Baudelegierten des Hoch-, Beton- und Tiefbaugewerbes sowie sämtlicher a britbetriebe statt. Da es sich um äußerst wichtige Angelegenheiten handelt, ist es unbedingt notwendig, daß jede Arbeitsstelle durch ihren Vertrauensmann vertreten ist. Tagesordnuna wird in der Versammlung bekanntgegeben. Berbandsbuch sowie Betriebsratsausweis legitimiert. Der Vorstand. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Am Sonnabend, den 5. August, von 12-5 Uhr, findet die Urs abstimmung über die Erhöhuna der Lokalbeiträge in den befannten Lokalen statt. Am Mittwoch, den 16. August, nach mittags 5 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 25, Saal 4, Vierteljahrs- Generalversammlung. Anträge hierzu müssen bis Freitag, den 4. August, in den Händen der Ber waltung sein. Die Ortsverwaltuna. Die Lebens: nnd andere Versicherungen der amerikanis schen Gewerkschaften. Die dem amerikanischen Gewerkschaftsbund( American Federation of Labor) angeschloffenen ,, nationalen", d. h. über die ganze Union ausgebreiteten Gewerfschaften, haben im letzten Jahr laut dem auf der kürzlich abgehaltenen Jahresversammlung erstatteten Bericht folgende Versicherungsbeträge an ihre Mitglieder ausgezahlt: Bei Todesfällen von Mitgliedern 1 145 724 Doll., bei Todesfällen von Frauen der Mitglieder 65.962 Doll., an Krankenunterstübungen 1 305 048 Doll., an Reiseversicherungen 30712 Doll.. an Werkzeugversicherungen 2082 Doll, an Arbeitslosenversicherungen 605 289 Doll., insgesamt 3 154 817 Doll, Bei diesen Beträgen handelt es sich nur um die von den ,, nationalen" Gewerkschaften ausbezahlten Summen. Viele lofale Gewerkschaften verfügen über eigene Kranken- und Sterbefaffen, deren Auszahlungen sich auf ein Mehrfache der obengenannten Summen belaufen. Parteiveranstaltungen Mittwoch, den 2. Auguft. 2. Berwaltungsbezirt, 4. Bezirk( Westen). Die Begirlsführer werben ez sucht, bestimmt abends 7½ Uhr bei Mausolf, sulmitr. 36 a, su erscheinen. Die Sammellisten von der Ferienkolonie Gorinweg find restlos abzurechnen. Anschließend Borstandssigung. 9. Distrikt. Kindergruppe. Die Kinder treffen sich nachmittags 5 Uhr im Stadtbad, Gerichtstraße. 13. Diftrift. 7% 11hr Sigung der Frauenarbeits- und Kinderschuh- om mission Schule Echönfließer Straße 7, 3immer 1: Bortrag der Genoffin Rozobret. Alle Genoffinnen, auch die nicht in der Kommiffion tätig sind, bitten wir zu erscheinen. Steglit. Abends 8 Uhr bei Schellbase, Abornstraße 15 a, fortfepung ber Mitgliederversammlung. Rorreferent ist bestellt. Die Versammlung wird pünktlich 8 Uhr eröffnet. Bezirksführer müssen dazu einladen. Bezirk Weißensee. Abends 7 Uhr Sibung der Kommunalen Rommiffion, Bezirksamtsmitglieder und Bezirksverordneten im Rathaus, Simmer 21. Donnerstag, den 3. Auguft. 4. Berwaltungsbezirk. Abends 7 Uhr bei Kluge, Dansiger Straße 71, Beamte, Angestellte, Lehrer und freiwillige Jugendpflegerinnen, Bartelbuch legitimiert. 16. Berwaltungsbezirk( Köpenid, Friedrichshagen, Rahnsdorf, Bohuddart, Grünau und Erfner). Abends 6 1hr Eizung aller Funktionäre im Köpe nider Rathaus, Bimmer 19. Tagesordnung: Barteitag und die Einigungs frage." Erscheinen aller Funktionäre des Bezirtes erforderlich. 20. Berwaltungsbezirk Reinidendorf, Tegel, Wittenau, Hermsdorf. Abends 6 Uhr Borstandssigung im Berwaltungsgebäude, Hauptstraße 46, Zimmer 60. Jede Abteilung muß vertreten fein. 8. Diftrift. 7 Uhr Bildungskommiffton Sibung Bbbfilzimmer Schule Tegeler Straße 18/20. Vereinskalender Dienstag, den 1. August. Deutscher Holzarbeiter- Berbanb. Bergolber und Rahmenmacher. Rach mtitags 5 Uhr, Andreas- Festfäle, Andreasftraße 21, Branchenversammlung. Tagesordnung: Bericht über den Anschluß der Tarifverhandlungen. Die Ortsverwaltung. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Holzrahmen- Brande. Tagesordnung: Berichterstattung von den Bohnverhandlungen, Bollzähliges Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen wird erwartet. Mittwoch, den 2. Auguft. Kunst- und Bauschloffereten, Abends 5% 1hr findet in ber Schulaula Dottorstraße eine Mitgliederversammlung statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Deutscher Transportarbriter- Verband. Rolffutscher, Speditionsarbeiter uft. Abends 6% Uhr bei Böfer, Weberstraße 17, Bollversammlung. Zagesordnung: Bericht der Lohnlommission über die Verhandlung mit den Spebiteuren. Handelsgewerbe Handelshilfsarbeiter und arbeiterinnen aus allen Betrieben des Chemikalien- Großhandels, des Mineralöl- und Fette- Großbandels und der Verbandsmittelhersteller. Abends 5% Uhr im Dresdener Rafino, Dresdener Straße 76. Bollversammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Lohn beweging. Donnerstag, den 3. August. Afa- Mitglieder der Feinmechanit and Optir. Abends 7 1hr findet in ber Neuen Philharmonie, Röpenider Straße 96/97, eine Branchenversammlung statt, in der Bericht über das getätigte Abfommen für Juli erstattet wird. Mitgliedsbuch legitimiert. Berantwortlich für die Redaktion mit Raug, Berlin; für den Inseratenteil und geschäftliche Mitteilungen: i, B.: Gustav Rainfo. Berlin. Berlags- Genoffenschaft Greiheit", e. G. m. b. S., Berlin. Drud von Gehring& Reimers, G. m. 6. S., Berlin S. 68, Ritterstraße 75 muß es sich zur Pflicht machen, Jeder Parteigenosse! einen Abonnenten zu gewinnen! Ausschneiden! Außerhalb Groß- Berlins Wohnende bitte beim Bostamt bestellen! Unterzeichneter bestellt hiermit vom 1 Exemplar der einmal täglich erscheinenden Zeifung „ Freiheit“ mit den Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Unterhaltungsbeil. Freie Welt",„ Frauenwelt" u. Jugend- Genoffe zum Preise von monatlich 70.-, halbmonatlich 35.- Mk. bei freier Zustellung ins Haus. Straße: Nr... Name: Ort: ( Name deutlich schreiben, Adresse genau ausfüllen: vorn, Hof, Stfl., Quergeb. Diesen Bestellschein bitten wir in einer unserer Speditionen abzugeben oder an die Hauptexpedition, Berlin NW, Kronprinzen- Ufer 271, im Kuvert als Drucksache, einzusenden.