Mr. S59 Adomkmknts-Z-dlngimgtn: «bvnueüienlS ptänumcranb«: «'.ertcljäW. 3,3o Ml., mor.atl. l.iofflt., »vi-lbcollich LS Pfg. lret tu« Hau». Sinjelne Nu, inner 5 P'g. Sonnlagt, Zlummec inil lllufirirter Tonnlagt» Beilage„Die Neue Kell" lo Pfg. Boft» Adonneinenl: Z,Z? Mark pro Quartal. Eings.'ragen in der Post- Zeitung», PreiSlifie für 1807 unter Hr. 7437. Unter»reuiband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für bat übrige RuSlanv S Marl pro Monat. 14. Iahrg- Die Instrttons-Gebllhr detrSgt für die fechtgefpallene»olonel- ietle oder deren Raum 40 Pfg., für vereint- undBerfammlungS-Anzeige», sowie Arbeiitmarll 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bit 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtage» bit a Uhr vormitlagt geössnel. «rschein! täglich auger Montag«, Verlinev VolksblAkk. Zernsprecher: Smt l, Hr. 1508. Telegramm-Adresse: «Hchialdetnokrai Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19, N-uty-Straß- S. Freitag, den 3. November tSSV. KFpedltion: 8V. 19, Ilettty-Straße 3. Die NukoviMk vee Vttteinv- VevtVNNung. In der hochnäsigsten Weise von der Welt werden seitens der offiziös bedienten Presse alle Einwände gegen das Marilie» septennat mit der billigen Ausflucht zu entkräften versucht, daß die Gegner der Vorlage samnit und sonders gegenüber der Autorität der Marineverwaltung zu schweigen hätten. Gerade wie Bismarck einst dem Abgeordneten Windthorst, der einer Militärvorlage zu opponiren für gnt fand, den Kindlmoltke spöttisch an den Kopf warf, so niachen's jetzt die kleinen Geister, die dem Meister glücklich a� geguckt haben, wie er sich räuspert und spuckt, mit den Gegnern der Marinevorlage. Und wenn irgendwo, so gilt hier wenigstens daS ueugcflügelte Wort des preußischen Justizuiinisters: Wenn zwei dasselbe thnu, so ist es doch nicht dasselbe. Die Marineverwaltung, die der Staatssekretär des Reichs- Marineamts unter Verantwortlichkeit des Reichskanzlers leitet, erhebt Anspruch ans Autorität dem deutschen Reichstage und Volke gegenüber. Gilt. Wir wollen einmal den offiziösen Verherrlichern der Subalterncnmoral von vornherein recht geben und uns so weit herablassen, daß wir unsere gänzliche Inkompetenz zur Benrtheilung der Marinevorlage anerkennen. Wir wissen, daß der neue Staatssekretär des Reichs- Marincanits, der zufällig Tirpitz heißt, eineil Flottenplan vertritt, der innerhalb sieben Jahre 410 Millionen Mark zur Vermehrung der deutschen Kriegsmarine verlaugt. Man wird zugebe», daß ein solcher Plan von dem bisherigen Gebrauch, durch den Etat dasjenige zu fordern, was die Marine zur .Erfüllung ihrer Aufgaben braucht, abgeht. Denn bisher forderte die Marincverwaltung ihre Positionen im Rahmen des allgemeinen EtatS; Tirpitz will aber von vornherein seine Schiffe auf sieben Jahre bewilligt erhalten. Man wird serner zugeben, daß die Tirpitz'sche Vorlage ein weitausschanender Plan, jedenfalls aber eine besondere Marinevorlage ist. Wer wollte diese Behauptung abstreiten? Die Marineverwaltung ist so selbstbewußt in ihrem Vo* gehen, daß sie die Opposition gegen ihre Pläne sehr gereizt in ihren für sie arbeitenden Orgauen angreift rind daß die frei- willigen Vertheidiger des Marineseptennats sogar mit einem Konflikt drohen. Und das kann man doch nur, wenn ivirktich über die Nothwendigkeit einer Vorlage bei vernünftigen Menschen, erst recht aber bei den kompetenten Fachleuten, auch nicht der leiseste Zweifel bestehen könnte. Run machen sich aber in der That sehr erhebliche Bedenken über die Bedürfniß frage des Marineseptennats geltend. Nicht wir Laien, die wir nicht Fachleute sind, wagen solche Bedenken zn haben; nicht etwa ein ausgedienter Kapitän oder Adniiral kann beurtheile», was dem Reiche frommt; auch keine Autorität soll der deutschen Regierung entgegengestellt werden. Damit würden wir bei den so selbstbewußten Vcr � tretern der geplanten Marincvorlage keine Beeinträchtigung ihres Autoritätsprinzips hervorrufen. Nein, wir wollen der Autorität der Marinevcrwaltung nie- wand anders entgegenstellen, wie eben die Autorität der Marincverwaltnng selbst. Hollmann, der frühere Staats- sekrctär des Reichs-Marine-Amts, nannte schivarz, was sein Nachfolger Tirpitz heute weiß nennt. Oder: noch vor einem Jahre hatte die höchste Autorität in Marine-Angelegenheiten das absprechendste Urtheil über die Pläne des Flaggoffiziers, Kontre-Admiral Tirpitz. Die Mariiieverwaltling war sich sicher, daß sie mit dem nämlichen dem Tirpitz heute seine Pläne als die allein maßgebenden ver- tritt, die Tirpitziaden öffentlich im„Reichs-Anzeiger" des- avoniren ließ. Damals wies der„Reichs-Anzeiger" in seiner Nummer vom 13. September 1896 auf die Beunruhigung hin, die im Volke auf grnnd eines kostspieligen FlottenvermehrungsplaneS, der von dem Kontre-Admiral Tirpitz dem Kaiser vorgelegt worden wäre, entstanden sei. Der„Reichs-Anzeiger" leugnete zunächst, daß die Vorlage eines solchen Planes an den Kaiser stattgefunden habe, versetzte aber in weiterer Folge dem„Flaggoffizier" Tirpitz einen nicht mißzn- verstehenden Hieb, indem er schrieb: Der Kontre-Admiral Tirpitz ist zu einer derartigen Vorlage nie berufen gewesen und hat sich auch nie in einer Stellung befunden, in der ihm ein Auftrag zur Ausarbeitung einer Marinevorlage hätte zu- gehen können. Die Heranziehung seiiles Namens in die Zeitungspoleinik dürste ebenso wenig seinen persönlichen Interessen dienen, wie es den Gepflogenheiten militärischer Tradition in unserem Lande entspricht, einen Offizier in un- verantwortlicher Stellung in Gegensatz zu den leitenden Stellen zu bringen. Die Hereinzichnng des Namens Tirpitz in die Zeitungs- Polemik hat den persönlichen Interessen des damaligen„Flagg- Offiziers" so wenig geschadet, daß er sich heute vielmehr an der Stelle befindet, von wo sein Plan damals so energisch zurückgewiesen wurde. Denn wie ans dem Artikel des „Reichs- Anzeigers" weiter hervorgeht, war die Marine- verwaltnug heute vor einem Jahre noch eine ausgesprochene und entschiedene Gegnerin jeglichen Tirpitz-Planes. Ueber ihn schrieb am nämlichen Tage das amtliche Blatt in amtlichem Auftrag die amtliche Ueberzcngung der Marineverivaltung: „Es liegt nicht in der Absicht der Marineverwaltung, von dem"bisherigen Gebrauch, durch den Etat dasjenige zn damals ihrer Sache so Selbstbewußtsein, mit fordern, was die Marine zur Erfüllung ihrer Aufgaben ge- braucht, abzugehen und den gesetzgebenden Körperschaften einen iv eitausschaue»den Plan oder eine besondere Marinevorlage zu übergeben, die durch die un- übersehbare weitere Entwickelung der Dinge in kürze st er Zeit werthlos werden können. Den Versicherungen des Staatssekretärs im Reichstage vor der Budget- Kommission, daß exorbitante Forderungen nicht werden ge- stellt werden, dieselben sich vielmehr in denjenigen Grenzen halten sollen, die entsprechend der ivachsendcn Bedeutung der Flotte für die Zlufrechterhaltung des Ansehens des Reiches und zum Schutze desselben und seiner Interessen in Krieg und Frieden gezogen werden müssen, sollte von dem deutschen Volke und der patriotisch gesinnten Presse ein höherer Werth beigemessen werden, als den grundlosen Andeutungen über nfer- lose Pläne, von denen sich die maßgebenden.Stellen ferne wissen." So dachte und äußerte sich die Marineverwaltung vom vorigen Jahre über die Pläne der Marineverwaltnng von heute. Sie war gegen weitschauende Pläne, gegen ein Septennat, gegen Vorlagen, deren Durchführung die ge baicken Schiffe infolge der unübersehbaren weiteren Entwickelung der Schiffs- und Geschütztechnik in kürzester Zeit iverthlos gemacht hätte, und sie verlangte damals blindes Vertrauen in die Versicherung ihrer Absichten und An- schanungcn. Heute verlangt die nämliche patriotische Presse und der inzwischen avanzirte Flagg-Offizier vom vorigen Jahre mit dem nämliche» Rechte wie Hollmann vom vorigen Jahre gleichfalls blindes Vertrauen zn der Versicherung von der Roth wendigkcit des Marine-Septennats. Greifen wir auf den Ansang unseres Artikels zurück. Wir anerkannten rücksichtslos die Autorität der Marincverwaltung in Marine- Angelegenheiten. Wir mußten aber zu unserem Erstaunen die Wahrnehmung machen, daß die Marine- Verwaltung heute für unumgänglich nothwendig erachtet, was sie gestern noch rücksichtslos verdammt hat. Wem soll nun der arme Laie in seinem Urthcile folgen? Der Marine- verivaltung von 1897, der von 1896? Beide Male folgen wir doch der höchsten offiziellen Marine-Autorität? Mau sieht an diesem Widerspruche, waS es mit der Autorität der Marineverwaltung auf sich hat. Man kann sie nicht allzu ernst nehmen; sie wechselt von Jahr zu Jahr, und was Tirpitz auf sieben Jahre hinaus verlangt, wird am besten damit zurückgewiesen, daß der Staatssekretär des Reichs-Marine-Amtcs unter der gegenwärtigen Regierung überhaupt nicht kompetent und vertrauenswürdig sein kann, für längere, als nur für die allernächste Zeit seine Forderungen zu stellen. Denn kein Mensch glaubt daran, daß im Jahre 1898 die Marineverwaltung noch die nämlichen Anschauungen und Absichten haben kann, wie die vom Jahre 1897. Was heute weiß ist, wird wohl nächstes Jahr schon wieder schivarz sein. Diese Behauptung erlauben wir uns mit Berufung ans die Autorität der Marineverivaltung. Dolitifihe MebevfiM» Berlin, 4. November. — Strafvollzug. Es wurde kürzlich benchlet, daß der Bundesrath sich mit neuen Bestimmunge» über de» Vollzug von Freiheitsstrafen beschäftige. Bedauerlicherweise handelt es sich hierbei, wie jetzt die„Nat.-Zlg." erfährt, nicht um einen Gesetzes- entwurf, bei dem auch der Reichstag initzureden halte, sondern nur Iii» die Ausstellung von Grundsätzen seitens des Bundesralhs, zu deren Einhaltung sich die eiiizeluen Buudesrcgier»»geu verpflichtet haben. Der Entivurf wird deinnächst veröffentlicht iverden, nud es sollen ans diese Weise, wie dem zitirte» Blatt berichtet wird, manche Härten in der Behandlung der Gesangenen beseitigt werden. Wir werden sehen, ob der Entwurf wenigstens die häßlichste» Härten des heutige» Strafvollzuges deseilige» ivird. Hochgespannt sind unsere Erwartungen nicht.— — Vorbereitung der Handelsverträge. Vom Reichsamt des Innern ist die Herausgab« einer Sonderstatistil deS „Auswärtigen Handels des deutsche» Zollgebietes»ach Herkunsts- und Beslimmuugsländern in den Jahren ISS0 bis 1SS6" eingeleitet worden. Die Statistik wird eine nach Ländern geordnete, die Ein- »nd Ausfuhr der wichtigsten Maaren nach Menge und Werth dar- stellende Zusammenstellung enthalten. Sie erscheint in 23 einzelne» Hefte», deren jedes ei» oder mehrere Länder umfaßt. DaS den Waarenverkehr mit Belgien enthaltende Heft ist bereits erschienen.— Der wirlhschaftliche Ausschuß, der dazu bestimmt ist, der Re- gierung bei de» Vorarbeiten für die künstigen Handelsverträge an die Hand zu gehen, ist nunmehr vollzählig besetzt. Die drei große» Vertretnnge» von Industrie, Landwirthschast und Handel, der Zentralverbaud deutscher Industrieller, der Deutsche Landwirth- schasisralh und der Deutsche Handelstag, haben je süus Delegirte gewählt. Außerdem sind bereits die drei ans die„Zentralstelle für die Vorbereitung der Handelsverträge" entfallenden Vertreter bekannt; sodann ist in der letzte» AuSschußsitzung des Zeutralverbandes deutscher Industrieller bestiiumt versichert worden, daß der Geh. Kommerziell. ralh Vogel aus Chemnitz und Kommerzienrath Möller. Brackwede vom Reichskanzler in de» Slusschuß gewählt sind, und schließlich verlautet ueneslens. daß Freiherr v. Los als Vertreter der Land- wirthschaft vom Reichskanzler berufen ist. Es sind demnach schon 21 Mitglieder des Ausschusses bekannt, 2S waren in Aussicht ge- nominell, eS würden also noch 4 fehlen. Die Arbeiter und Vertreter ihrer Interessen bleiben in diesem wichtigen Ausschüsse, dessen Arbeiten die Interessen des Proletariats in hohem Maße berühre», ganz unvertreten. Das ist charakteristisch für uusere Zustände.— — Wieder findet eine Konferenz zur Erörte. rnng der Getreidepreisnotirungen im preußischen Handelsministerium statt. Da die berufsmäßigen Getreidehändler wegen der Ausführung des Börsengesetzes, vor allem wegen des Verbotes des Terminhandels noch immer streiken, dürfte auch diese Zusammenkunft ergebnißlos bleiben. Die„Voss. Ztg." vermuthet vielleicht nicht mit unrecht, daß die Regierung vor den Wahlen eine Revision des Börsengesetzes nicht in die Hand nehmen könne, nachher aber mit Freuden die Hand dazu biete» iverde.— — Zur Militär-Strafprozeß-Reform. Die„Köln. Ztg." will wissen, daß an der Ermöglichung der Einbringlnig der Vorlage zur Reform des Militär-Strasversahrens insbesondere der badische Grobherzog mitgewirkt habe. Die„Köln. Ztg." feiert darob den Großherzog über all« maßen. Es kann, jedoch recht gleichgiltig sein, ob wirklich eine solche Mitwirkung des Großherzogs vorliegt. Wichtig ist allein, daß gegebene Versprechungen eingehalten werden. Dazu mitzuwirken ist kein besonderes Verdienst, sondern elementare Pflichterfüllung.— — Herr Tirpitz reist zur Zeit an den süddeutschen Hosen herum. Jetzt ist er in Bayer». Jedenfalls will er bei den süd- deutschen Regierungen Stimmung für seine Pläne machen.— —„Sankt Seda n". Unser Parteigenosse Auer übersendet uns folgende Zeilen: „Die„Germania" zankt sich mit dem protestantischen Pfarrer Kremers ans Kirchenbollenbach herui», welcher in einer Haupt- Versammlung des Evangelischen Bundes behauptet hat:„das Spott« wort von„Sankt Sedau" entstamme nicht irgend einem Sozialdemokraten,„sondern dem stillen, fromme» Bischofs- ziinmer des Mainzer Demokratenbischoss v. Ketleler". Von der „Germania" aufgefordert, die Quelle für seine Behauptung an- zugeben, schreibt Herr Kremers an das genannte Blatt, er habe die betreffende Angabe enlnomuien aus Rippold:„Die internationale Seite der päpstlichen Politik:c." Leipzig I8SS. Flugschristen des Ev. Bundes IIS— IIS, Seite SI von oben. Rippold bezieht sich auf eine bisher unividersprochen gebliebene Aeußerung A u e r's und aus eine Schrift von Ketleler's vom Jahre 1874. Die„Germania" bemerkt zu diesen Angaben:„KremerS beruft sich also mit Rippold ans Auer. Was dieser behauptet, wird er nun beweisen müssen." Es berührt mich zwar komisch, plötzlich in eine» Kampf zwischen geschorenen»nd gescheitelten Gottesstreitern verwickelt zu iverde». trotzdem bin ich aber gern bereit, meinerseits das Rothwendige zur Ausklärung beizutrage». In einer von mir am 4, September 1895 gehaltenen Rede, welche nnter dem Titel„Sedanfeier und Sozial- demokratie" im Drucke erschienen ist, befindet sich aus Seite 10 folgende Stelle: „Das Sedanfest war von Haus au? nur ein Partcifest, von Anfang an dazu bestimmt, bestinimteu Parteizwecken dienstbar zu sein. Auch hierfür ist ein klassischer Zeuge ins Feld zu sühre». Der verstorbene Bischof Ketteler von Mainz, ein feiner Kops und ein in den Gang der politischen Strömungen ivohl eingeweihter Mann, äußerte sich i» einem Rundschreiben an seine Diözesaupsarrer am 19. August 1374 über den Charakter des Sedanfestes solgender- »laßen: „Die Sedanfeier geht nicht vom gesammten deutschen Volk aus, sonder» hauptsächlich von einer Partei. Daher entspringt sie nicht dem allgemeinen Volksbewußtsein, sondern ist künstlich ge- macht und dient nicht selten Nebenabsichten, ivelchc mit wahrem Patriotismus nichts zu thnn haben. Dem Feste fehlt die innere Wahrheit.... Durch die Theilnahuie an der Feier würden wir unsere» Charakter herablvürdigen, denn es wäre doch über- ans charakterlos, wenn wir mit tiefem Schmerze im Innern Freudenfeste feiern wollte», nur um lügenhaften Anschuldigungeu zn entgehen." Wie Herr Rippold— vorausgesetzt, daß sieh Herr ZireMers nicht irrt— dazu kam, aus dieser Stelle herauszulesen, ich hätte be- hauptet, Bischof v. Ketteler habe daS Wort vom„Sankt Sedau" geprägt, verstehe ich nicht. Das von mir zitirte Rundschreiben hat zu seiner Zeit die Runde durch die gesammte Presse gemacht und ist, dessen Echtheit, meines Wissens, nie bestritten worden.>> — Ein Hohenzollern-Jnhrbuch ist daS neueste in der patriotischen Bncherproduklio». Ist daS nöthig geivorden. weil Kohlhorst's Bismarck-Jahrbuch so wenig den Wünschen mancher Patrioten entspricht? Das Hohenzollern-Jahrbuch soll alljährlich herausgegeben werden. Aus svtassenverbrcitnng wird nicht gerechnet, kostet doch das gebundene Exemplar 24 M.— — Der Mini st er der öffentlichen Arbeiten hat einige Erlasse an die Eisenbahn-Direktionen gerichtet, welch« einige technische Vorschriften zur Erhöhung der Sicherheit des Eisenbahn- betriebes enthalten. Die Erlasse beziehe» sich auf das ordnungs- mäßige Kuppeln der Wagen i» de» Güterzügen, auf die häufigere Untersuchung der Bremsschläuche zwischen Lokomotive und Tender und auf die beschleunigte Einführung von Führersitzen auf den Lokomotiven.— — Eine E i s e» b a h n- K o n s« r e n z ist heut aus Einladung des ReichS-Eisenbahnamles im Reichstagsgebäude zusanimengetretc». Man will wissen, daß es sich bei dieser Konferenz auch um die Be- sprechung der Eisenbahn-Uusälle handeln werde. Dies wäre auch sehr nothwendig.— — Eine freie kirchlich-soziale Konferenz soll am 9. und 10. November in Barmen stattfinden. Die Ramen der Referenten v. Bodelschivingh, Stöcker, Lic. Weber charakterisiren de» Geist dieses Koiilurrenz-UnlernehmenS gegen de» evangelisch-sozialen Kongreß.— — Die Scharfmacher der Kompagnie Stumm haben endlich eine» großen Erfolg zn verzeichnen, sie haben nun wirklich ein klein wenig scharf gemacht: aber bei ihrem glücklichen Ungeschick haben sie nicht gegen ihre bis aufs Blut gehaßte» Feinde, sondern gegen sich scharf gemacht. Wir habe» schon darauf hin- gewiesen�wie die würdelose, niedrig dennnziatorische Hetze gegen den für die Erhaltung der Koalilioussreiheit eintretenden Herrn von Rottenburg selbst von der„Kreuz-Ztg." scharf abgewiesen wurde. Und nun kommt die überaus zahme„Rational-Ztg.", ein Organ, das auch die Interessen der Großindustrielle» vertritt, und schreibt: „In einem Artikel, dessen Ton man nur als skandalös be- zeichnen kann, fährt die„Post" fort, staatliches Einschreiten gegen de» Kurator der Universität Bon», Dr. von Rotteuburg, zu ver- faiiflen. Wir kommen auf diese schimpfliche und durch und durch perfide Hetze des Blattes nochmals zurück, weil der Artikel de- zeichnend ist für die publizistische Höhenlage, in welcher jetzt die „Post" gesucht werden wilsn Für die politische Urtheilsfähigkeit und die staalswisseuschastliche» Kenntnisse der Redaktion der „Post" giebt der Schluß des Artikels ei» glänzendes Zeugnih; er lautet: „Keines der gegnerischen Organe hat erfreulicher Weise abgeleugnet, daß es eine„eminent politische Angelegenheitist, die unser Artikel anschnitt, ob es nämlich wünschens- werth sei, daß die die Universität Bonn mit Vorliebe freqnentirenden deutsche» Prinzen und Söhne der ersten Familien des Landes in dieses Milieu kämen. Vorläufig find «vir mit dem durch Echiveigen seitens unserer Gegner hierin bekundeten Einverständnisse zufrieden. Wenn uns die „National-Ztg."„belehrt", daß ja der Kultiisininister«in- zweifelhaft Disziplinarbefugnisse betreffs der Univerfiläts- kuratoren habe, dann um so besser." Welche Konfusion in dem Kopse herrschen muß, dem dieser Erguß enlsprungen ist! Er hält es für„Echiveigen des Geguers". wenn man sich über die„eminent politische Angelegenheit" lustig »nacht,«vi««vir es getha» haben. Ferner sollen»vir das Blatt �„belehrt" haben, daß der Kultusminister unzweifelhaft Disziplinar- befugnisse über die Universitätsknratoren habe;«vir habe» in« Gegentheil«in« ähnliche Behauptung, die von der„Post" ausgesprochen«vorden ist, als ans der Höhe ihrer sonstigen in ihrem ersten deuunziatorischen Artikel entivickelten Anschauungen stehend bezeichnet. Wenn das Hauptorgan der Freikonservativen noch immer nicht«veiß,«ver die Disziplinargeivalt über die Uuiversitätskuratoren ausübt, so wollen wir ei darüber„be- lehren": eS ist in erster Instanz der Disziplinarhof für nicht- richterliche Beamte und in der Berusungsinstanz das �Staats- »ninisteriuu«. Wir haben schon früher wiederholt darauf hinzuweisen Ver. anlasfnng gehabt, daß die Freikonfervativen jetzt fast„och reaktionärer sind alS die Konservativen. Ein neuer Beleg dafür ist diese Hetze der„Post", deren„Rufen„ach der Zensur des Staates" selbst der„Kreuz-Zeitung" unangebracht erscheint. Wir müssen heute unsere Beobachtung dahin vervollständige»«, daß, je geringer der geistige Gehalt des Freikonservatismns«vird, eine «m so betriebsamere Geivaltthätigkeit und unschickliche Sprache bei ihin in Aufnahme kommt." , Wir können uns zu den Erfolgen der Siuinm'schen Presse nur gratuliren. Daß Leute von Verstand, Wissen und Charakter für«ine Politik der S�arsmacher nicht thälig sein können, versteht sich von selbst. Wir«vunschen, daß die Herren recht eifrig und mit gleichem Geschick weiterarbeiten. Die oben augeführte Stelle über die Gefahren, die durch Herr» v. Rottenburg den in Bonn sich StndirenS halber aufhaltenden Prinzen envachsen würden, hat noch eine von der übrigen Presse nicht beachtete Bedeutung. Nicht unverständlich ist sie,«vie viele Zeitungen meinen,„ein, im Gegentheil, sie wird klar, verständlich und zielbe»vußt,«venu man erkennt, für ,v e n sie geschrieben«vnrde. Sie«var für den Leser bestimmt, auf den das Blatt den größten Einfluß nehmen möchte, d e n es scharf gemacht wiffen will, für den Kaiser, dessen Söhne«vohl auch einmal t» Bonn ftudiren werden.— — An stell« Hainmacher'S soll Herr Möller, der frühere Abgeordnet« für Dortmund, im Wahlkreis« DuiSburg-Rnhrorl von den Nationalliberalen kandidirt«verde». Die Aussichten für diesen reinsten Vertreter des engherzigsten GroßkapitalismuS, in de» Reichstag geivählt zu»Verden, sind sehr geringe.— — Herr Gäbel, der Präsident deS ReichS-VersicherungSamtS, hat entschieden Pech mit seinem Beinühe», die Andeutung anS der Welt zu schaffen, daß von« Kaiser oder der Kaiserin die Anregung rniS- fegange«, se», de» Hülle'schen Produkten Massenverbreitung zu ver. Haffen. Nun schreibt der Gc«vührSmani» der„Franks. Ztg." gegen» über der auch von uns erivähnte» Berichtigung deS Herrn Gäbel: „Die Berichtigung kann sich nur auf for»«eU« Ausdrücke meines Berichtes beziehen, sachlich«verde ich nichts zurücknehmen. Ich kann aber Herrn Präsident Gäbel heute«veiter frage», ob ihn« »virklich nicht mehr erinnerlich ist,«vie i» einer vertrauliche» Sitzung Prof. Krieg-Kaiserslanter», Vorstandsmitglied der füd- «vestdeutschcn Konferenz für innere Miffion, den Fall Hüll« zur Sprache gebracht hat." Herr Gäbel dürfte nun das Berichtigen einstellen. Die„Nalionalliberale Korrespondenz" macht über die Thätigkeit ldes Herrn Hülle»och folgende interessante Mittheilungen: „Ans die Zeitschriftenfabrik des Herrn Prediger Hülle, deren amtliche Empfehlung der Geschäftsführung des neuen Präsidenten des Reichs-VersicherungSamtes Herrn Gaebel so»venig nützlich ge- «vesen ist, haben«vir bereits im verflossene» Sommer i» Verfolg einer Mittheilung ans Thüringen hingeiviesen, als Emissär« des Herrn Hülle, deS Leiters des Verlag? des christliche» Zeitschriftcnvereins iin Lande versuchte».»nit angeblich unparteiischen Publikationen Stimmung für die VercinSgesetznovelle zu machen. ES gehen u»S nun«veitere Mittheilungen zu,«velche daS Verfahre» des Herrn Präsidenten Gäbel begreiflich machen. Danach erfreut auch seile««? anderer Reichsresforts und der preußischen Regierung der Verlag des Herrn Hülle sich entsprechender„Empfehluirg". Wir«varcn immer der Meinung, daß die unter der Aeglde des Pastor Hülle herausgegebene«» Schriften viel mehr offiziös und kapitalistendienerisch als christlich waren.— — Offiziös nS kontra Offiziös um. Wir find wieder in die heitere Zeit deS Kampfes der offiziösen Organe gegen«in- ander gekon'inen. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt heut« gegen das Lieblingsorgan deS Herrn v. Miqncl, des Bizepräsidentei« des Etaatsininistertnins, die Echiveinburg'schen„Berl. Pol. Nachr.": I» einer Betrachllnig der„Berliner Politischen Nachrichten" über die badischen Wahlen wird der Leitung der ansivärtigeu ReichSpolitik nachgesagt, sie habe demokratische» und nltra>no»la»en Preßorganen ei» besonderes Vertranen geschenkt und dadurch der gesannnten Tendenz dieser Organe«vie dem Urtheil« der Oeffentlichkeil einen quasi amtlichen Stempel verliehen... Z» jener Ansicht, die de» ungünstigen Allssall der badischen Wahlen begründen soll, könne» die„Berliner Politischen Nachrichten" nicht a»S eigener Wahrnehmung gekomme» sei», da ihr Herausgeber feit Jahren a» der jetzt von seinem Organ««ml haltlosen Jnsinnationen angefeindeten Stelle nicht mehr«mpfanaen«vird. Herr Schiveinburg antivortet in seinen„Berl. Pol. Nachr.": „... Wenn die„Nordd. Allg. Ztg. offenkundige Thatsachen alS haltlose Insinuationen bezeichnet, so«vird sie damit nirgends Glauben finde». Will sie aber mit ihrer Aeußerung weiter andeuten, als »väre der Herallsgeber der„Berl. Pol. Nachr." nicht empfangen «vorden, obschon er eii«en Empfang nachgesucht hätte, so ist dies«ine haltlose Jnstnnation." Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. — Zur Ausiv eisung der russischen Arbeiter au? dem rheinisch-ivestfälische» Bergrevier«vird der„Franks. Ztg." geschrieben:„Die Bochuiner Stadt-Polizeiverivaltung hat die Aus- iveisungsdekrete für die dort wohnenden rnssisch-galizischen Arbeiter noch zurückgehalte» und sich bei der Regierung zu gunften der Be- troffenen venvendet, da die Leute sich ruhig und a n st ä» d i g verhielten und kein ersichtlicher Grund zu einer Aus- ,v e i s u» g vorliege. Die Autivort der Regierung ist»och nicht ein- getroffen." Und auS Gelsenkirchen»vird dem gleichen Blatte ge- schrieben:„Unter den ausländischen Bergleuten deS hiesigen Distrikts herrscht nicht geringe Aufregung, denn auf fast allen Bürger- meistereien und Aenitern bereitet man Ausweisungen in größere»« Umfange vor. In Gelsenkirchen und auch in de» Nachbarorten hat die Polizei die Leiter der Werke und die sonstigen Unternehmer auf- gefordert, eine Liste aller bei ihnen beschäftigten Ausländer an- zufertigen und tinzureiche». Viele dieser Leilte sind schon seit Jahre» hier in der Gegend ansässig, die meisten aber wurden in den letzten Monaten von Abgesandten der Zechen auS Oesterreich, Ungarn und Rußland herbeigeholt, und nnn sollen sie, nachdem sie kaum so viel erübrigt haben, wie sie zur Herreise brauchten, einfach wieder ab- geschoben«verden."— — Wie ein orthodoxer chrifilich-sozialerPastor behandelt«vird, schildert heule die„Vvlks-Zeituug" in einer Weise, die jeden Komnieutar erübrigt: „Der Pastor Schall, gegen den seit„numehr zwei Jahren ein Disziplinarprozeß schivebt, und der, wie bekannt, jetzt i» Bahrdorf internirt ist, erfreut sich nebst feinen Angehörigen seit lauger Zeit der ganz besondere» Ausmerkfamkeit der Behörde». Wir«volle» einige Beispiele anführen: Pastor Schall's Frau und Schiviegermutter gehen an einen, Sonutag an einem Kornfeld vorbei, sie sehen der Wind hat einige Garben umgeivorfen und sie stellen dieselben wieder ans, damit der Rege» sie nicht durchnäßt: gleich daraus erhalten sie ein Mandat «vegen Sonntagsenthetlignng. Pastor Schall«vird in einer Zeugnißsach« gegen«inen Lehrer vom Gericht vernommen; er wird gefragt, ob er dem Lehrer feindlich gesinnt fei, er antivortet: durchaus nicht. Dauu erhebt der Slaatsainvalt gegen ihn Anklage«vegen Meineides,«veil er dem Lehrer feindlich gesinnt sei, und nun«vird er von einem AintSrichter über die Anklage des Meineides vernommen. Vom Landgericht»vird die Er- Hebung der Anklage abgelehnt. Pastor Schall hat auf einer Filiale das Abeiidmahl auszutheilen, eS ist ein einsames, von« Weltverkehr abgelegenes Dorf. Wie er da- hin kounnt, sind keine Hostien da; er schickt sofort seinen Knecht zu Pferde zurück, um Hostien vom Pastorat zu holen. Das Konsisto- riuin»nacht ihn« Vorivürfe darüber, daß keine Hostien da»vare». Pastor Schall antivortet, er habe doch nicht für Hostie» zu sorgen und könne doch nicht mehr thun, als daß er sofort, wie der Mangel entdeckt»vird,«nit Extrapost Hostien habe hole» laffe». DaS Konsistorium beschuldigt ihn nun der lluwahrhastlgkeit, denn er hätte nicht durch Extrapost, sondern durch seine» Knecht die Hostien holen lassen. Da einen, Geistlichen auf ein««» entlegene» Dorfe Extrapost nicht zur Verfügung steht, uiu Hostien hole» zu lasse», so hat Pastor Schall nur eine Redensart, die gang und gäbe ist im deutschen Volk«, gebraucht. Ein andermal läßt das Konsistorium untersuchen, ob eS wahr sei, daß Pastor Schall seine Frau schlecht behandle. Eine ganze Reihe von Zeugen, Tagelöhner, Förster, Frauen«vird abgehört, und nichts, rein garnichts, auch nicht ein Schimmer, der diese Behauptung rechtfertigt, stellt sich heraus. Pastor Schall ist die Hälfte sein«? GebaltS genommen; er wird in Bahrdorf«vider seinen Willen festgehalle». Das Konsistorium hat die Verivaltnng seines Einkoiumeiis selbst in die Hand genominen. Und noch hat nicht ein einziger VerhandlungS- t e r in i n vor dem Gericht stattgefunden!"— — Zwei unschuldig Verurtheilte haben in Viele- feld eine achtmonatliche bez>v. 1'/« jährige Gesängiiißstrafe absitzen müssen; es sind dies der Fuhrmann Picht und Arbeiter Bauer, die von« hiesigen Schivurgericht verurtheilt«vorden waren,»veil sie de» Wirthssöhnen Gebrüder F. und H. Harri« zu Nannnen gemein- schaftlich gefährliche Körperverletzung beigebracht haben sollen, als deren Vater durch eine» Dritte» erschlagen»vurde, der dieserhald zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt ist. Nur dem Umstand?, daß die Harri« es versäumt, ihren Zivil- Entschädigungsanspruch als Nebenklägerin zugleich im Schivurgerichts- Verfahren gellend zu »lachen, verdanken Picht und Bauer ihre»acdträgliche Freisprechung, denn als Friedrich Harr«, in» Zivilprozeßivege seinen Schade» gegen B. und P. einklagte, gelang es diese», zu belveisen, daß nicht sie, sondern der Todtschläger des alten Harri« auch derjenige gewesen ist, der die Verletzungen de«« Harrn'schen Söhnen ebenfalls zugefügt hatte. Daraushin kam es zur Wiederaufnahme des Verfahrens. «vobei die beiden freigesprochen«vurden, ohne daß jedoch der Staatskasse die Kosten der Bertheidigung auf- erlegt ,v n r d e n.— — Soldaten alS F a b r i k a r b e i t e r. Die vom Infanterie- Regiment Nr. 33 zur Aushilfe i» eine F r a n k e» st e i u e r Zucker- fabrik gesandten Arbeiter kehrten, wie gen«eldet wird, diese Woche «vieder in ihre Garnison z»»ück,„nachdem es der Direktion gelungen ist, von AusivärlS Arbeitskräfte zu erhalten". Wenn die Frauken- steiner Zuckerfabrik sich früher nur gehörig nach auSivärtigen Arbeits- kräflen— natürlich unter Aubietnug anständiger Löhne— um- gesehe» hätte, so«vürde sie geiviß genug Leute für ihre Fabrik ge- funde» haben. Festzustellen ist, daß bisher noch keine Aufklärung gegebe» «vorden ist.«vie die Militärbehörde ihre sonderbare Unierstiitzung eines Privatmannes durch Arbeit von Soldaten rechtfertigen«vill. Wenn die Auebildung der Soldaten nicht die vorgeschriebene Militärdienstzeit ausfüllt, sondern auch für etivaige völlig außer- militärische Dinge Zelt übrig bleibt, so niüßte eben die Dienstzeil verkürzt«verde»!— Höchst auffallend ist eine Mittheilung der.Rheinische» Zeitung", wonach in Köln ein ähnlicher Fall von K o n z e s s i o n s- ver»veigeruug vorgekoinmen sei» soll,«vie«vir einen solchen kürz- lich aus Schlesivig berichtet habe». DaS genannt« Blatt schreibt: „Unter eigentbümlicher Begründung ist,«vi« in der am Freitag in Deutz stattgehabten Bürgerversanimlung mitgetheilt wurde, dem Besitzer des in Deutz belegeneu Paradiesgarte» die liachgesucht« Konzcssion„eriveigert«vorden. Es sei vorauszusetzen, heißt es in dem abschlägige» Vescheid, daß»ach der Konzessions- «rtheilung auch Arbeiter dort verkehren«vürden und deshalb sei dieKonzession zu verweigern!" Das klingt kaum glanblich»nd hoffen wir. daß»nser rheinisches Parteiorgan in der Lage sein«vird, näheres über diese Angelegenheit zu erfahren.— — Beschlagnahmt, von dem Organ deS deutschen FreidenkerbnndeS„Freidenker" wurde i» Wiesbaden die letzte Nummer beschlagnahmt. Der Grund der Beschlagnahme wird in einem Artikel„Ainen" von W. Ecbauinbnrg gesucht, in welchen« eine Gotteslästerung enthallei« sein soll.— — Behördlich« Jrrthümer. AuS Bochum»vird der „Frankfurter Zeitung" geschrieben: Im benachbarte» Bulmke hat sich ei«, Gegenstück zu den, Ueckendorser Fall zugetragen. Während in Ueckendorf ei» Ausländer(Oesterreicher) ausgeiviese»«vurde, ob- «vohl er drei Jahre beim preußischen Heere gedient hatte und Ge- ireiter geivorden war,«vurde in Butinke ein A u S l ä n d e r als flüchtiger HeereSpflichtiger steckbrieflich ver- folgt. Er«var nach seinein HeiinathSlandr gereist und als er in diesem seiner Militärpflicht genügt halte, wieder nach Bulmke zurückgekehrt. Hier nah»« ihn die Polizei sofort fest«nid steckte ihn in daS Gefängniß, wo er blieb, bis er nachgeiviesen hatte, daß er in Preußen als Ausländer nicht zum Dienst in der Arme« heran- gezogen«verde» könne.— — Ein Z, vifchenfall an der dentsch-franzö- fischen Grenze. AuS Nancy«vird gemeldet, daß ein f r a n- zösischer Bürger auf d e u t s ch e«n Gebiete verhastet und zum Militärdienst gezivungen wurde. ES handelt sich»in einen öS jährigen Gemüsehändler Bourson in Villernpt, der eine Frau und sechs Kinder hat. Bourson glaubte, durch fein» Option und feine,, Militärdienst in Frankreich vor jeder deutsche» Reklamation sicher zu sei», und begab sich daher argloS aus deutsches Gebiet. DaS gleiche begegnete letzthin zwei anderen Lothringer». Die französisch« Press« bestreitet nicht, daß die deut- scheu Militärbehörde» formell iin Rechte sind, verlangt aber von den französischen Behörde» an der Grenze, daß sie alle Elsaß- Lothringer, die für Frankreich optirt haben, genau über ihre Stellung gegenüber den deutschen Militärgesetzen unterrichten.— — Der sächsische Landtag wird ain 9. November zu- sammentrete». Die ersten Sitzungen»verden»nit Formalitäten aus- gefüllt werden, die eigentlichen Verhandlungen werden am N. No- vember ailfgenommen werde». — Sächsische Eisenbahn-Zustände. Wir hatten gestern die Darlegungen«ineS Dresdener Eisenbahn-Unterbeamten mitgetheilt, der mit seinen Kollegen«inen ihm zugeiviesene» Sonder- dienst«vegen Uebennüdung nicht ausführen zu können erklärt hatte. Der.Dresd. Anz." veröffentlicht auch eine Darstellung deS Falles von amtlicher Seite. Diese Darstellung ist recht bezeichnend für die Auffassung der betreffenden amtlichen Stelle über solche Dinge. Die Thatsachen«verde» nämlich durchiveg zugegeben, aber de» Dienst, den das Fahrpersonal als„anstrengenden Dienst" be- zeichnet hat, nennt die amtliche Darstellung„leichten Dienst"; und die Sonderdienstleistmig, die dem Fahrpersonal zugeinnthet«var und die das Fahrpersonal sich physisch außer Stande sah zu leisten, wird von der amtlichen Seite als„eine anstrengende, keinesivegs aber solche Dienstleistung" bezeichnet,„die zu verrichten sie außer Slande ge- «vesen iväre". So kommt die amtliche Seite zu dem Schluß:„Ihre Weigerung«var daher durchaus nicht zu entschuldigen und, wenn trotzdem gegen die Betheiligten Nachsicht geübt«vurde, so ist dieS lediglich in der Erivägung geschehen, daß sie sich bisher im all- gemeinen gut geführt hallen und sich offenbar nicht beivußt gewesen sind,«velche s ch>v e r e Verfehlung sie beginge»." Hierzu läßt sich kaum«tivas anders wiuischen, als daß die Herren von der„amtlichen Seite" einmal in die Lage versetzt«verde» möchten, s e l b st den„leichten Dienst" z«, verrichten. Bezeichnend ist übrigens, daß mau doch„Nachsicht" gegenüber der.schivere» Verfehlung" zu üben sich bemüßigt sah. Man«veiß, «vie es in den Kreise» der sächsischen Eisenbahn-Unterbeamten«vegen der überinäßigen Dienstansordernngen bei nngenügendei« Besoldungen gährt und«vill sich hüte», noch Oel in das Feuer zu gießen.— — AuS einem sächsischen Gefängniß. Unser Partei- genösse W i t t r i sch, der längere Zeit veranlivortlicher Redakteur der„Sachs. Arb.-Ztg." war,>st»ach ömonatlicher Strafzeit anS dem Gefängniß Hoheneck zurückgekehrt. Ans seine» Erlebnissen i», Gefängniß theilt er u. a. solgendes Gespräch mit, das der Anstalt-« geistliche mit ihm führte. Geistlicher:„Was habe» Sie für eine religiöse Anschauung?" Witlrisch:„Ich wüßte nicht, auf welche bestimmte Formel ich mich verpsiichie» sollte." Geistlicher:„Run, Sie müssen doch eine bestimmte Anschauung haben!" W.:„Ei, wenn's schon einmal etwas Bestimmtes sein soll, dann bin ich Spinozist. Geistl.:„So I Na, da Sie Ihre» Gott verloren haben, werde» Sie schon immer tiefer und liefer sinken. Gehen Sie!"...... Der wohlgenährte, beleibte Herr Pastor hatte wohl zuvor lebhaft über den Predigltext nachgedacht, der da lautet:„Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute... oder auch wie dieser Zöllner!" Es sind aber„och andere, weit bedenklichere Dinge über die Behandlimg politischer Gefangener in der genannten Gefangenen- anfialt zu berichten. Zur Zeil verbüßen dort noch unsere Partei- genossen Schulze und Reichard, ebensalls frühere Redakteure unseres Dresdener Parteiorgans, Cirafe wegen Preßvergehen. Die- selbe» werden genan so behandelt wie die übrige» Gefangenen, d. h. jede, auch nach der Gefängnißordnung zulässige Vergünstigung wird ihnen verwehrt. Selbst eine Zeitung dürfen sie stch nicht hallen; Schulze, der dreimal darum nachgesiicht Hai, wurde jedesmal mit seinem Begehren abgeiviese». Das ist ei» ganz sonderbares Ver- halten der Anstallsdireklion. Sonderbar, insofern es so merkwürdig Weierle, Maß zeigt, denn es bekommen selbst gewöhnliche Gefangene ihre Zeitnug. Und in diesem Falle bekundet die Entziehung der Zeiiung gleichzeitig eine beträchtliche Schädi- g u n g Schulze's und Reichard's. Denn wie soll der Jonritzalift nach Beendigung seiner Strafzeit sich über das unterrichte», was in der Zwischenzeit vorgegangen ist?! Es kann unmög« lich in der Absicht des Gesetzes liegen, demj Gefangenen in seinem künftigen Fortkommen Hinderungen zu bereiten, die über den Ziveck der Strafe hinanSreichen,— solches geschieht aber durch dies« Maßnahme. ES muß verlangt werden, daß hier Aenderung ge- schaffen wird; ist es doch nach der Anffassung aller politisch nicht ganz rückständigen Leute schon nicht i» Ordnung, daß beide Genoffen mit einer Arbeit beschäftigt werden(Fabrikation von Papier-Zigarreu« spitzen), die mit ihrem Berufe so gar nichts gemein hat. — EtivaS für Herrn ReichSgerichtS-Rath Mittel städt. Unsere Parteigenosse» A.Lorenz, F. Knak« und F. Geyer auS Marienthal i» Sachsen verbreiteten am 2. Mai in dem Orte Lichtentanne«ine Anzahl Nuinmern des in Zwickau erscheinenden„Sächsischen Bollsblattes, die am Kopfe de» Vermerk trugen:„Agitationsnummer. Auflage 43 000." Vom Gendarm zur Anzeige gebracht, erhielten sie von der AmtShaiiptmannfchaft ein Strafmandat über S0 M. oder 10 Tage Gefängniß, weil sie durch Verbreitung der Nummer grobe» Uiifug begangen hätte». Sie riefen richiertiche Entscheidniig an, aber sowohl das Scdöffe»-«vie das Landgericht erkannte sie ebenfalls des groben Unfugs schuldig. Das Landgericht begründete seinen Spruch damit, daß die Angeklaglen in aufdringlicher Weis«, ohne die G e s i n n u n g d e r L e u t e zu kenne», die Zeitung von Hans zu Ha»S getragen, die Leute dadurch belästigt und somit grobe» Unfug verübt hätten. Wenn auch die betreffende Nummer ein« fortlaufende Nummer des„Sächs. Volksblatts" geivese» sei, so hätten sie doch die Bemerk,,»gen a», Kopse als eine AgitationS« »ummer ausgezeichnet, was auch die hohe Auflage beweise. Weil also möglicherweise auch Gegner der Sozialdemokratie— andere Leute könne» sich doch wohl nicht belästigt gesuhlt haben «ine Rümmer geschenkt bekäme», deshalb soll grober Unfug verübt sein. Naive Menschen werden»im annehmen, daß dann auch die Ver- breiter konservativer und liberaler Agitationsschriste» bestrast würden, wenn sie solche Schriften, worin bekanntlich nur zu häufig die gröbste,, Verdächtigungen gegen»msere Partei enthalte» sind. E o z i a l d e n, o l r a t e» in die Mohunng bringe». Dan» würden aber die Gerichte, unserer B«rmi»hu»g nach, sage»: ES ist Recht jedes Staatsbürgers, die bürgerliche Ordnung gegen die destrnktive» Tendenzen der Sozialdemokratie zu verlheidigen,»nd von den BuiideSralhsbänken im Reichslage würde auf die Be- schwerden unserer Genosse» höchstwahrscheinlich wiederum das tief- sinnige Wort des Herrn v. Schönstedt erschalle»: Wenn zwei dasselbe thu», ist eS n i ch t dasselbe.— Hamburg, 3. November. Der„Hamburgische Korrespondent" meldet: An die Bürgerschaft gelangte ein Antrag des CenatS be- treffend das Staatsbudget für das Jahr 1393. Nach demselben sind die Einnahmen auf 77 403 696 M., die Zlusgabe» auf 7939!Z6Z8M.» somit der Fehlbetrag auf 1 93S 942 M. veranschlagt.— Miinchen» 3. November.(Eig. Ber.) In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer brachte unser Genosse Schern, folgend«» schier»»glaubliche,, Fall zur Sprache' Am 22. Oktober haben die Arbeiter der Artilleriewerkstälte sich mit Erlaubniß ihre? Direktors an der Leichenfeier für den verstorben«» Abgeordneten Grillen berger belheiligl und diesem einen Kranz mit einer rothen Schleife gestiftet, die folgende Inschrift trug:„Dem aufrichtigen Vorkämpfer die Arbeiter der kgl. Arlilleriewertstätte". DieS»vurde feitenS deS Direktor? als ei»« politische Demonstratio» aufgefaßt und an» 2S. Okiober den b e« treffenden Arbeitern gekündigt. Ich unterlasse eS, Hiera» eine Kritik zu üben«nd stelle alleS Weitere dem Hause anheiin. Kriegsminister v. A s ch erwiderte hierauf: Der Abg. Schern, berührte ein Vorkommniß, das mit den Leichenfeierlichkeiten des Abg. Grillenbcrger zusammenhängt. Den Arbeiter» wurde behufs Betheiligung a» der Feierlichkeil die Er- laubniß eingeräumt. Nachdem bereits die Arbeit geschlossen war, erfuhr die Direktion, daß ein Kranz mit einer Schleife gestiftet worden sei, die de» Gesinnungen der Mehrzahl der Arbeiter nicht entsprach. Trotz«viederholter Versuche, auch durch die Polizei- direktion, war e? nicht möglich, die Enlsernung der Schleife zu erzielen. Nachdem dieS nicht gelungen war. wurde fünf Arbeitern am LS. Oktober die Arbeit ge- kündigt, um nicht den Schein auskommen zu lassen. alS habe sich die Artilleriewerkstälte offiziell betheiligt. Ich billigte daS nicht und habe den Direktor veranlaßt, die Leute wieder einzustellen. Dieser war auch bereit dazu, wenn die betreffenden Sniiler um Zurücknahm« der Kündigung bitten würden. Das»st nicht ge- schehe» und so ist die Sache für uns erledigt. Dieser Erklärung des KriegSininisters gegenüber konstatirte»nser Genosse v. Volkmar, daß n„ r vier von den delreffeiiden Ar- beitern wieder eingestellt, der sünste dagegen anS Messer geliefert werden feilte. Darauf konnten die Arbeiter natürlich nicht ein» gehe». Das Vorgehen des betreffenden Beamten fei ein brutaler und unberechligier Eingriff in die bürgerlichen Rechte der Arbeiter. Auch die Älbg. Dr. Heim(Z.), v. Sianssenberg(lib.) und Dr. Ratzinger(Bbd.) äußerten sich mißbilligend über diese ungerecht» fertig e Maßregelung der Arbeiter. Rur der Kriegsminister wollte nicht einsehen, daß der Direktor hier brutal gehandelt habe und fand diesen Ausdruck denn doch zu weitgehend. Der Präsident belehrte ihn jedoch sofort darüber, daß ein'Abgeordneter zu solcher Kritik einer Handlung eine? Beamten das Recht hat.- München, s. November. Die Kammer der Abgeordneten nahm heut« den Militäretat mit 113 gegen 14 Stimmen an. Da» gegen stimmten die Sozialdemokraten, die Bauernbündler, der Demokrat Wießner und vom Zentrum Dr. Heim. Im Laufe der Debatte wurde daS Anwachsen der Pensionslast und die Art der Offizierpensionirung von Rednern aller Parteien bekämpft. Der Kriegsminister Freiherr v. Asch erklärte, von einem jungen Offiziers» korps könne mau in Bayern nicht sprechen, da das Durchschnitts» alter der höheren Offiziere hier höher sei als anderswo. Das Anwachsen der Pensionslast beklage auch er selbst, aber eine Bende- rung sei nicht möglich, denn alle PensionSgesuche würden sorgfältig geprüft. Der Forderung, Offiziere doch im Truppendienst zu ver- wenden, welche sich dafür nicht mehr eignen, könne er nicht nach» kommen. Ein Antrag Heim aus Streichung des Mehrbedarfs für Ossizierspensionen wurde abgelehnt, eine Resolution dagegen, auf Herabmindernng der Zahl der pensionirten Osfiziere hinzuwirke», mit großer Mehrheit angenommen.— — Eine politische Maßregelung. AuS München meldet die»Franks. Ztg.":„Der Rentbeamte Regiernngsrath Burkart wurde wegen einer Broschüre über die bayerische Finanz» Verwaltung penstonirt." Regierungsrath Burkart hat sich durch eine Reihe von ver» öffentlichungen, vor allem in Schanz'„Finanz-Archiv" einen sehr geachteten Namen unter den wissenschaftlichen Vertretern der Finanz- Wissenschaft erworben. Es ist eine eigenartige Illustration für die Freiheit der Wissen» fchafl. wie sie von unseren Behörden verstanden wird, daß ein solcher Mann gemaßregelt wird, weil er seine wissenschaftlichen Ueber» zeugungen nicht den jeweiligen politischen Rücksichten seines Chefs unterordnen wollte.— — Erhebungen über die Wirkungen der Bäckerei- Verordnung Hai, wie die anderen Bundesregierungen auch die bayerische Regierung angeordnet. Der»Soz. Praxis" entnehmen wir hierüber das folgende:»Die Behörde» sind beauftragt, sich nach protokollarischer Einvernahme der Bäckermeister und Konditoren, i» deren Betriebe» Gehilfen tbätig sind, sowie der belreffenden Ge- Hilfen selbst Bericht zu erstatten darüber, ob sich bei der praktischen Durchführung der Verordnung ersichtliche nachtheilige Wirkungen herausgesiellt haben, worin diese eventuellen Schäden bestehen, und ob Umstände zu tage getreten find, welche die Klage» über die angeblich eingetretene wirthschastliche Schädigung de? Bäcker» gewerbeZ und das Schwinden des guten Einvernehmens zwischen Meistern und Gesellen als begründet erscheinen lassen. Schließlich soll darüber berichtet werde», ob die Verordnung mit Nachdruck oder mit Nachsicht durchgeführt worden und ob in letzterem Falle die Annahme begründet sei, daß bei Anwendung gröberer Strenge die Klagen über nachtheilige Wirkungen lebhafter gewesen wären.— Ueber den Einfluß der Verordnung in Bayern liegt in den amtlichen Berichten der Fabrikinspektoren bereits de» achtenswertheS Material vor. Der Ausfichtsbeamt» für die Pfalz theilt mit,»daß sich wenig Betriebe voll nach der Verordnung richten, andere ivenig oder noch gar nicht". In dem Bericht für Oberbayern heißt eS:„Von einer thatsächlichen Schädigung dcS Gewerbes kann demnach bis jetzt nicht gesprochen werden".— Für Oberfranketi wird gesagt:»Immerhin scheinen die seitens der Gegner der Verordnung erhobenen Klagen und Beschwerden über die Schädigungen der Bäckerindustrie und deZ guten Einvernehmens zwischen Meistern und Gehilfern nicht soweit gerechtfertigt, daß sie eine wesentliche Abänderung der Verordnung nothwendig machen." Der Beamte für Niederbayern konstatirt, daß auS der Durchführung der Maximalarbeitszeit sich Schwierigkeiten für eine beschränkte An» zahl von Betrieben ergeben. An? den übrigen vier JnspektionS- bezirken sind keine Angaben gemacht. Auf grund dieser Aeußerungen wird in der Einleitung zu den bayerischen Berichten gesagt:»In- sofern Miltheilungen überhaupt vorliegen, sprechen sie nicht für das Bedürfniß einer Aufhebung der Vorschriften, sondern machen es im Gegentheil wünschenswerth, diese im wesentlichen unangetastet zu lassen." Die Jnnungsmeistcr dürften sich trotzdem nicht so bald be» ruhigen.— Stuttgart, 3. November.(Eig. Ber.) Muckireinfluß ist An« typische Erscheinung, die unserem Königreich und dessen Ver» waltung wie früher, so auch heute noch ihren Stempel anfdrückt. Der Muckereinfluß zeigt sich wieder in der Thatsache, daß unser Polizeiminister P i s ch e k und dessen Untergeben«, unsere Fabrik. inspektoren, als Vermittlerinnen zwischen Arbeiterinnen und Fabrik- inspektoren bar n> herzige Schwestern und Diako» n i s s i n n e n aufstellen wollen. Als v. Pischek in der Sitzung des Landtags vom 26. März d. I. diese» Plan zum ersten Male erwähnte, wurde ihm sofort erwidert, daß man sich bei aller Achtung vor den betreffenden Schwestern für ihre Vermittelung bedanke. ES sei ganz ausgeschlossen, daß diese Frauen, die in der Fabrik ganz fremd sind, das Vertrauen der Arbeiterinnen genössen. DaS hindert natürlich nicht, daß jetzt dieser Plan zur Ausführung kommen soll. Aus einem Bericht über eine Sitzung der Ortsarmenbehörde in Ulm geht hervor, daß der Fabrikinspektor de? Bezirks darum ersucht, die am Ort thätigen Diakonissinnen und barmherzigen Schivestern als Vertrauenssranen aufstellen zu dürfen, um diese Einrichtung nicht in die Hände der Sozialdemokratie fallen zu lassen. Man kann gegen die von den Geiverkschaften aufgestellten Vertrauensmänner nichts einwenden, aber weils Sozialdemokralen sind, ärgert man sich eben. Wenn man die einzig richtigen Vertreterinnen zur Vermittelung auf- stellen wollte, Arbeilerinnen selbst, so befürchtet man dasselbe und das kann im Musterstaate nicht sei», daher versucht man den Ar- beiterinnen-Diakonissinnen auszuoktroyiren.— — Chronik der MajestätSbeleidigungS-Prozefse. Die Strafkammer in L i e g n i tz verurtheilte einen Arbeiter namens Kuppisch wegen Beleidigung der K a i s e r i n zu der außerordent- lieh hohen Strafe von einem Jahr 6 Monaten Gr- sängniß.— Oesterrekch. — Der österreichisch« Kaiser hat sich mit der allen Regeln des Parlamentarismus wiverfprechenden und allgemein als brutal und gesetzwidrig gekennzeichneten Behandlung der Opposition durch die beide» Vizepräfidenten deS Abgeordnetenhauses solidarisch erklärt, er sprach denselben bei einem mit Absichilichkeit veranlaßten Empfange seine Zufriedenheit aus über ihre Ausdauer, sowie über die ruhige und feste Führung der Verhandlungen im Abgeordneten- Hanse. Ein derartiges Hervortreten deS Monarchen hat den monarchi- schen Institutionen selten genützt.— Wie», 4. November. Die»Neue Freie Presse" meldet: Die Regierung beabsichtigt, falls es in der heutigen Nachtsitzung zu große» Tumulten kommen sollte, den ReichSrath sofort zu vertagen. Pafsirt daS Ansgleicbs- Provisorium, die erste Lesung, dann erfolgt die Vertagung Mitte November. Die Vertagung wird mehrere Monate dauern. Die Hoffnung» daS AuS- g le i ch S- P ro v i s or i u m durch den Reichsrath votirt zu erhalten, ist aufgegeben.— Wien, S.November. Abgeordnetenhaus. In Beant- wortung einer Aufrage DaSzinSki'S(Soz.) betreffend die protokollarische Aufnahme von Interpellationen, welche in fremden Sprachen gestellt werden, erklärt Vizepräsident Abrabamowicz, die Geschäftsordnung enthalte kein« hieraus bezügliche Bestimmung, die Entscheidung über diese Frage liege bei dem zukünftigen Präsidenten des Hanfes, dessen Entscheidungen er nicht vorgreifen wolle. Der Vizepräsident beantwortet hierauf verschiedene Anfrage», warum mehrcrenAbgeordnetendasWortzurformalenGeschäflsbehandlungnicht erlheilt worden sei, verweist aus die stürmische» Szenen der letzten Sitzung sowie ans die Bestimmungen der Geschäftsordnung und erklärt, das Präsidium des Hauses werde auch weiterhin die Geschäftsordnung so handhaben, wie sie gehandhabt werden solle, uneiiigeschüchtert durch Vorkommnisse und Drohungen, weil das Präsidium von der Ueberzeugung ausgehe, durch eine derartige Handhabung der Geschäftsordnung in erster Reihe dem Wohle der Allgemeinheit, dem Wohle des Staates zu dienen, vor allem aber die Verfassung in Schutz zu nehmen.(Lebhafter Beifall, Händeklatschen rechts; Lärm links.) Schönerer beantragt namentliche Abstimmung über eine Petition, worauf eine zweite namentliche Abstimmung aus einen ähnlichen Antrag des Abgeordneten Herbst folgt. Die Sitzung dauert fort. Nach fünf namentlichen Abstimmungen unterbrach Vizepräsident Kramarcz die öffentliche Sitzung und beraumte«ine geheime Sitzung behufs Richtigstellung deS ProtokolleS der letzten geheimen Sitzung an. Die geheim» Sitzung dauert fort.— — Im Wiener Gemeinderathe erklärt» der Bürger- meister Dr. L u e g e r in Beantwortung einer Interpellation deS liberalen Gemeinderathsmitgliedes Mittler, es sei vollkommen unwahr, daß er irgendwie mitgewirkt habe, die Obstruktionsparteien zu vergewaltigen. Er wies sodann die in dem Briefe des Professors M o m m f e n an die„N. fr. Presse" enthaltene Beleidigung der Wiener Bevölkerung, die in den Worten liege, die Bevölkerung fei lendenlahm, volklos und ehrlos, entschieden zurück nnd rief Mo„msm zu: »Hand weg von Oesterreich!" Im Verlaufe der Sitzung wurde der deutsch-nationale Gemeinderath Gruber wegen verschiedener Zwischenrufe von der heutigen und der nächsten Sitzung ans» geschlossen. Gruber leistete jedoch der d r« i in a l i g e n Auf- fordern ng, den Saal zu verlassen, keineFolge und blieb auch auf seinem Platze, nachdem der Bürgermeister den Amts- diener aufgefordert hatte. Gruber zu berühre». Im weiteren Ver- laufe der Sitzung wurde auch der G e m e i n d e r a t h T o m a n e k aus demselben Grunde von der heutigen und der nächsten Sitzung ausgeschlossen. Der Bürgermeister unter- brach hierauf die Sitzung. Nach Wiederaufnahme derselben schloß der Bürgermeister dieselbe wieder, indem er bemerkte, er könne in Anwesenheit der beiden ansgefchlossenen Gemeinderäthe keine Geschäfte erledigen. Erwerb« indessen über de»Vorfall der Staatsanwaltschaft Bericht erstatten. Eine Versammlung der Deutschnationalen in dem Etablissement„Zu den drei Engeln" nahm die Mittheilung des GemeinderalheS Tomanek, daß der Bürgermeister Lueger erklärt habe, gegen die renitenten Deutschnationalen Anzeig« bei der Staats- anwaltschast erstatten zu wollen, mit nicht wiederzugebenden Be- schimpsiitige» Lueger's, der Christlich-Sozialen und der Klerikalen aus. Die Polizeiknüppelwirthschaft im Wiener Rathhause wird die Sympathie für die antisemitische Wirthschaft nicht vermehren.— Ungar««. Budapest, 4. November. Abgeordnetenhaus. Minister» Präsident Baron Banffy erklärt« in Beantwortung der Interpellation Serban'S wegen der Verleihung eineS OrdenS an den Ministerialrath Dr. JeSzenSky durch den König von Rumänien: Wie er bereits gestern erwähnt habe, gehöre die Interpellation nicht vor dieses HauS; er wolle nur auf die gestrige Bemerkung Serban'S«lngehen, nach welcher nicht zwischen Rumänien und Ungarn, sondern zwischen der rumänischen und der ungarischen Regierung Gegensätze bestehen, und hinzufügen. auch Gegensätze zwischen der rumänischen und ungarischen Regierung beständen nicht, sondern«S beständen nur Gegensätze zwischen der ungarischen Nation und den rumänischen Agitatoren, deren größter Theil die Agitation als Erwerbszweig betreibe. Die Antwort»vurde zur Kenntniß genommen. Man sieht, daß man auch in Ungarn kein« anderen geistigen Waffen gegen unbequeme Volksbewegungen hat, wie anderwärts. Daß die rumänisch national« Propaganda ihre innere Berechtigung durch die brutale und gesetzwidrig« MagyarisirungSpolitik der ungarischen Machthaber erhält, daS ivagt in dem ungarischen Paria- mentShause kein Mann zu sagen, und doch hat Ungarn 2 Söl SOS rumänische Einwohner unter seiner Gesamuitbevölkerung von 17 463 791 Seelen.— Schweiz. Bern» 3. November.(Franks. Ztg.) Der B undeSrath hat gegen den brasilianischen Generalkonsul Dr. Pedro Korde in Genf ein« Untersuchung angeordnet, da derselbe in gesetzwidriger Weise die AnSwanderung von Schweizern nach Sao Paulo(Brasilien) betrieb; die Auswanderer gerathen dort i» das bitterste Elend, Vom Standpunkte deS Völkerrechtes ist der Fall hochinteressant, daß ein diplomatischer Vertreter für eine im Interesse seines Landes auSgeführle Handlung von dem Staate, bei dem er beglaubigt ist, gerichtlichlich belangt wird.— Bern, 3. November. Die Schweiz hat mit Chile eine a n dels Übereinkunft auf der Grundlage der Meist- e g ü u st i g u n g abgeschlossen. Cbile darf jedoch den latino- amerikanischen Republiken für ihre LandeSprodukte besondere Zollbegünstigungen gewähren, die von der Schweiz aus grund der Meist- begüostigung nicht beansprucht werden, so lange dritte Staaten von denselben ebenfalls ausgefchlosfen bleiben.— Zürich, 2. November.(Eig. Ber.) Die städtischen Behörden haben mit der KantonSregieriing einen Vertrag abgeschlossen be- treffend die Ausdehnung der unentgeltlichen Krankenpflege durch die Poliklinik auf mittellose Kranke. Di« Ausgaben sind a»f 21000 biS 28 000 Fr. pro Jahr veranschlagt, wovon allein 14 000 Fr. für Medikament«. Ferner sollen an der Sladtgrenze zwei Aerzte an- gestellt werden für Krankenbesuche. Der Vertrag wird dem Volke zur Abstimmung vorgelegt.— Genf, 2. November.(Eig. Ber.) Nach Zürich wird nun der Kanton Genf der zweite Schweizerkanton und Staat sein, der einen sozialistischen Minister erhält. AIS Konzession für die von unseren Genossen bei den National- und EiänderathS-Wahlen im vorigen Herbste den Radikalen geleistete Unterstützmig überlassen letztere bei den am nächsten Sonntag stattfindenden RegiernngSrathS- Wahlen den Sozialdemokraten«inen Sitz. Es ist nun Genosse T hie band, Gcoßrath(Landtags- Abgeordneter und Redakteur von„Le Peuple de Genöve") als sozialistischer Kandidat aufgestellt worden. Ein Eitz wird den Konservativen überlassen, so daß die Radikalen sieben Mandate für sich behalten.— Frankreich. — D i e Pariser Börse setzt alle Mittel in Bewegung, um die geringfügige Bestenerung ausländischer Werthpapier« zu ver- hindern. Englaud. Glasgow, 4. November. Der Staatssekretär für dl« Kolonien C h a in b e r 1 a i n hielt gestern Abend in einer ihm als Lord-Rektor der Universität zu Ehren veranstalteten nicht öffentlichen Versamm- luiig«ine Rede, in deren Verlauf er seine Ansicht dahin aussprach, daß die Verhältnisse, welche eimual das Land in eine Lage der Ver- Wickelung, wenn nicht aktueller Gefahr, brachten, sich nun- mehr vollkommen anders gestaltet hätten, und daß die B«» ziehungen Englands zu Süd- Afrika besser seien als feit langer Zeit. ES läge» durchaus befriedigende Anzeichen dafür vor, daß Forderungen nach einem engeren Zusammenschluß aus den Kolonien nach England gelangen würden. Er glaub«, daß die Aussicht auf ein wirk- (ich vereinigtes Reich eine Frage der praktischen Politik iverde. Italien« Rom, 0. November. Wie die„Opinione" meldet, ist das Wiederzusammentreten deS Parlaments, wie in den Borjahren, für End« November in Aussicht genommen.— — EntHaftung sozlakistischerRedakteure. Gegen die Redaktion deS sozialistischen Blattes„Avanti" ging die italienische Regierung in letzterer Zeit sehr scharf vor. Sobald in oder um Rom eiwaS Außergewöhnliches passirte, konnte man sicher darauf rechnen, daß gleich darauf irgend ein Mitglied der„Avanti"- Redaktion dingfest gemacht wurde, um dafür zu büßen, und es gab eiten, wo fast der ganze RedaktionSstab des Blattes in Haft war. ber blinder Eifer schadet nur— daS mußte zu ihrem Leidwesen auch die italienische Regierung erkennen; vor Gericht konnte keine der ausgeführten Verhaftungen zn Recht bestehen, und die Ver- hafteten wurden sämmtlich wieder entlassen. In den letzlen Tagen wurden nicht weniger als fünf Mitglieder der„Avanti"-Redaktion der Freiheit wiedergegeben. Zuerst der Redakteur Cherubino Trenta, der ali Mitschuldiger deS Attentäters Acciarito verhaftet worden war; die Anklage erwies sich als ganz haltlos und irnißte niedergeschlagen werden. Ihm folgt« der Lokalredakteur Podrecca, der wegen der in Montecompali vorgekommenen Unruhen festgenommen worden war. Dann wurden der Zeichner Galantara und zwei andere Redaktionsmitglieder freigelassen, die anläßlich der Antisteuer- Agitation verhastet worden waren. Die Regierung deS Herrn Rudint hat sich also wieder einmal gründlich blamirt.— Spanie«. Madrid, S. November. Der Ministerrath beauftragte den Mariueininister Bermejo und den KriegSiiiinister Correa,«ine Denkschrift über Schiffsbauten und über den Ankauf von Material auszuarbeiien, und erlheilte dem Gouverneur der Philippinen die Vollmacht, die Familien der Auf- ständischen zu begnadigen. Der KriegSminister Correa wird Maßnahmen treffen hinsichtlich der Amnestie von Personen auf Porioriko. welch« wegen politischer Vergehen veruriheilt find. Der Finanzminister Puigcerver gab«inen Ueberblick über die Staatseinnahmen im Monat Oltober, welche etwa 700 000 Pesetas geringer seien alt diejenigen im Oktober 1896: die AuSsälle seien den Mindereinnahmen für Loskauf vom Militärdienst nnd für Zölle zuzuschreiben. Minisleipräsident Sagasta erörterte die Frage, ob die Worte W e y l e r' S vor Aufgabe seines Kommandos Ver- anlaffuiig zu gerichtlichem Einschreiten gäben. Der Ministerrath beschloß, sich Klarheit über die Wort« zu verschassen, sobald Weyler in Santander eingetroffen sein werde.— Barcelona, 4. November. Gestern Abend wurden die letzten angeblichen Anarchisten, die in Monljuich gesangen gehalten worden waren, sreigelassen.— Rnstland. — Verhaftungen. Im August ist in Nowgorod«ine geheime Druckerei in die Hände der Polizei gerathen. ES sind dabei nach einer Mitlheilnng 16. nach einer anderen 32 Personen verhaftet worden. Anfangs September haben in T u l e Ber« baflungen stattgefunden. Es sind verhaftet worden der Statistiker Boikow, Nikolai Welilschlin und drei Arbeiter, welche auS Moskau nach Tule ausgewiesen worden waren. Ee sind noch weitere Verhaftungen vorgenommen worden, da jedoch mehrere nach ein paar Tagen aus � der Hast«ntlassen worden sind, so kann nicht festgestellt werden, wie viel sich jetzt in Haft befinden. In Narwa sird im August fünf Personen verhastet worden.— — DiernssischePolizeinnddiePressi stehen für gewöhnlich nicht auf dem besten Fuße mit«inander und die russisch« Preff« hat wohl auch noch nie GnieS von der russischen Polizei erfahren. Anders steht'S mit der ausländischen Presse, oder wenigstens mit deren Vertretern, die nach Rußland kommen, um über Rußland zu schreiben. Diesen gegen« über trieft die russisch« Polizei von Liebenswürdigkeit. Wir erzählten schon vor Monaten nach Privatbriefen, daß ZeitungS- korrespondenten, die zu den Festlichkeiten anläßlich der letzten deutschen und französischen Hofbesuche nach Rußland geschickt waren, an der Grenze von als Genlleinen gekleideten Polizisten in Empfang genommen, überall hingeführt und überall freigebalten wurden. Seitdem haben wir weiter» Nachrichten empfangen. Von einem amerikanischen und von einem englischen Korrespondenten. die jetzt nach mehrmonatlichem Aufenthalt in Rußland zurückgekehrt sind, hören wir, daß es ihnen genau so ergangen ist. wie wir damals schilderten. Sie konnten sich der russischen Polizei nicht erwehren. Liebenswürdige Begleiter gingen ihnen nicht von der Seite, und wohin st« kamen, wurden sie von den Behörden mit gleicher Liebenswürdigkeit aufgenommen und— nie auS den Augen gelassen. Vor lauter Liebenswürdigkeit kamen sie nicht dazu, selbständig etwas zu sehen. Jeder Versuch, die freund. liche Gesellschaft abzuschütteln, scheiterte an der heftigen Liebens- Würdigkeit, die um so»nwiderstehlicher war, alZ sie nach Jnchleit und sibirischen Bergwerken roch. Unser Engländer und unser Amerikaner sind nicht aus de» Leim gegangen. So aber macht man heutzutage die„P ot« mkin' s ch«» Dörfer".— Türkei. Koustantlnopel,« November.(Meldung deS Wiener K. K. Telegr.. Corresp.- BureauS.) In den Friedensverhandlungen boffen die griechischen Bevollmächtigien aus eine Einigung über die Entschädigungsfrage: dagegen befürchtet man, daß in betreff der Abänderung der Kapilnlationen ein Schiedsgericht der Mächte iinvermeidlich sein werde. Wie verlautet, hat sich die Gienzberichtigungs-Kommission dahin ausgesprochen, daß die Position von Nezero» welch« Griechenland zurückverlangte, der Türkei verbleiben solle.—- Griechenland. Athen, 3. November. Die Deputirtenkammer ist auf den 12. d. M. znsaiilmenbernfen worden. Das Eintreffen der türkischen Konsulii wird morgen erwartet; da? Dekret, durch welche? sie an» erkannt werden, ist unlerzeichnet worden. Die Regierung richlele an die Vertreter der fremden Mächt« eine Note, in welcher sie mit Nachdruck auf die Langsamkeit der Berhandtniigen belreffend den Abschluß deS definitiven Frieden? verweist. Afrika. — Vom«n g l i sch- fr a nz ö si sch en Nigerkonflikt erfährt das„Reuier'sche Bureau": Sobald bekannt geworden war, daß eine französische Triippenablheilung die Grenze zwischen Dahomey und LagoS Überschritten und Sali besetzt halte, wurde von dem Gouverneur von Lagos eine Abiheilung englischer Truppen entsandt. bei deren Ankunft sich die Franzosen zurückzogen. Kishi ist noch immer von französischen Streitkräften besetzt.— Amerika. — DI« längst« ParlamentSrede. Wir haben gleich nach der denkwürdigen Nachtsitznng deS österreichischen Abgeordnetenhauses. in der Dr. Lecher seine Zwöls-Stunden-Red« gehalten hat, nach der„N. Fr. Pr.", aus ähnliche oralorisch« Nraftleistungen in anderen Parlamenten, namentlich im englischen, hingewiesen, die aber in bezng ans die iinunterbrochc»« Ansdaner der Rede Lecher'? nicht gleichloninien. Man muß, schreibt das genannte Blatt, biS nach Amerika, dem Lande der niigehenren Dimensionen, gehen, um dort einen Redner zu finden, dessen Rekord bisher noch nicht geschlagen worden ist. Allerdings muß man bedenken, daß in den Parlamente» Englands und Amerikas den Rednern daS Vorlesen von Schrisistücken ? �stattet ist, während Dr. Lecher zwölf Slnndeii lang ganz frei ge- prochen hat. Die erwähnte längste Rede wurde im Jahre 1393 in der gesetzgebenden Versammlung von Brilisch-Colnmbien gehalten, der damals eine Vorlage unterbreitet worden war, welche beantragte. vielen Ansiedlern ihren Landbesitz zu nehmen. Dieselbe kam am Tage vor Schluß der Session zur Debatte. Falls dieselbe nicht vor der MittagSstniide um nächsten Tag« zum Gesetz erhoben war, konnte die Konfiskation des Landes nicht stattfinden. Das Parlaments- Mitglied De CosmoS erhielt das Wort. Er fing um 10 Uhr morgenZ gegen die Vorlage»n sprechen an. Sein« Freunde glaubten, er würde um 2 Uhr geendet haben und«ine Abstimmung über die- selb« dann stattfinden. 1 Uhr kam und der Redner hatte kaum den Gegenstand berührt. CS schlug L Uhr.,. und n sagte: «Zweitens". Um 8 Uhr zog er ein Bündel Papiere auS seiner Nocktasche und schickte sich au, dieselben zu ver- lesen. Die Majorität fing nun zu ahnen an, daß er bis zum nächsten Mitlag sprechen werde, um der Vorlage den Garaus zu inachen. Zuerst amüsirte sie der Gedanke, dann aber wurde sie unruhig. Sie versuchte den Redner zu unterbrechen; diese Unterbrechungen gaben ihm jedoch Gelegenheit, Abschiveisnngei« zu machen und Zeit zu gewinnen. Dann versuchte sie, ihn niederzu- schreien, aber alles vergeblich, und zuletzt beschlossen sie, sich in das Unvermeidliche zu sögen. Keine Vertagung über die Mittagsstunde wurde erlaubt: der Redner konnte seine Lippen nur mit Wasser au- feuchten. Der Älbend kam heran, das Gas wurde angezündet, das Morgeulicht dämmerte, und der Redner war noch nicht erschöpft. Er fuhr fort, bis zlir Mittagsstunde zu sprechen. Seine Stimme, die zuerst klar und deutlich war, konnte nur mehr leise wispern; sein Aug- war fast ganz geschlossen, geschwollen und entzündet. Die Beine zitterten ihm, die Lippen waren schivarz und aufgesprungen n»d bluteten. De Cosmos hatte 26 Stunden lang gesprochen, und das Land. daS konfiszirt werde» sollte, blieb im Besitz der Pflanzer.— — Die Neutralität der Vereinigten Staaten dem kubanischen Ausstände gegenüber hindert es nicht, daß die In» surgenten sich mit allem, was sie zum Kriegsühren brauchen, aus den Vereinigten Staaten versehen. Nach einer Depesche aus Keywest soll der Dampfer„Damckleß" vermittelst des Schooners„Silver Heels" zwei von dem in New- Aorks.hätigen Vollzugsausschuß der kubanischen Aufständischen aus- gerüstete Expeditionen auf Kuba gelandet habe», und zwar die eine in Camaguey(?), die andere in der Provinz Santa Clara! die Ex- peditione», die aus 600 Bewaffneten bestehen und 4000 Gewehre, 500 000 Patronen und 8 Dynamit» Kanonen mit sich führen, sollen in das Innere gegangen sei».— Einem New-Iorker Blatte wird anS S t. LouiS geschrieben: »Seit etwa 14 Tagen waren Col. George Johnston vom Stabe des Generals Roloff, Col. Ed. Betancourt und Kapt. H. A. Smith von der kubanischen Armee hier und kauften, wie sie sagten, für 225 000 Dollar(ca. 1000 000 Mark) Kriegsmaterial ein, das theils am Sonntag von New-Dork abgegangen ist, theils heute von einem Punkte in Texas nach Kuba abgeht. Alle drei erklärten es für Zeit- Verschwendung, über die Autonomie zu unterHandel», denn die kubanische Armee werde sie nicht annehmtn, jetzt, wo sie mit Aus- »ahme von Havana und einiger befestigte» Plätze die ganze Insel habe. Wenu der Kongreß die Insurgenten als kriegführende Macht anerkenne, wären die Spanier bis Neujahr vertrieben, wenn nicht, könnten sie sich vielleicht noch bis März, sicher aber nicht länger halten."— AnS Venezuela wurde in letzter Zeit häufig von aufständische» Bewegungen berichtet. Der„New- Jork Herald" hat nun aus Caracas, der Hauptstadt der Staaten von Venezuela, Meldungen erhalten, denen zufolge in de» Staaten Lara und Bolivar Unruhen durch Aufständische veranlaßt wäre». Zwei Kompagnien Infanterie seien nach Ciudad und Bolivar geschickt; mehrere Hundert Personen seien in der Republik verhaftet worden.— Dem„Vorwärts" wird von einem Parieiblatt ein Vorwurf daraus gemacht, daß er gewisse Parleivorkomninisse nicht früher veröffentliche als bürgerliche Blätter. Das betreffende Blatt sollte sich doch sage», daß ein Partei organ, und daß namentlich das Zentral organ der Partei gewissen»och nicht zum Abschluß gelangten Parteivorkommnissen gegenüber eine Diskretion zu beobachten hat, zu der ein gegnerisches Blatt nicht verpflichtet ist. Das, dächten wir, sollte doch jedem ein. leuchtend sein. Freilich es scheint, als ob es parteigenösfische Journalisten gäbe, bei denen der Journalist mitunter dem Partei- genossen vorangeht. Eine gntbcsnchtc Parteiversammlnng in Liegnitz nahm nach dem Bericht des Parteitags-Delegirten B r u h n s aus Breslau ein- stimmig eine Resolution an. ivorin sie sich mit den Beschlüssen des Hamburger Parteitags«inverstanden erklärt, ausgenommen den über die Betheiligung an den preußischen Landtagsivahlen. Hinsichtlich dieses Beschluffes sei die Versanimlung der Ansicht,»daß durch frühzeitige Einbernfimg des nächsten Parteitages die Möglichkeit zu geben sei, die Unklarheit des Beschlusses rechtzeitig zu beseitigen." AlS VertranenSman» fiir Görlitz wurde der Parteigenosse Karl Nixdorf(Dresdenerstr. 13) wiedergewählt. In Frankfurt a. M. hatte der Vertrauensmann Trompeter im Geschäftsjahr 1896/97 eine Gesammteinnahme von 6119, 6ö M., einschließlich eines früheren Kassenbestands von 180S,I5 M., so daß die Reineinnahme 4312,60 M. betrug, während im vorigen Jahre 5783,81 M. erzielt ivnrden. Die Ausgaben betrugen 5276.52 M.(im Vorjahre 4005,07). Für Agilationskosten ivurde» 1502,50 M. aus» gegeben(gegen 665,36 M. im Vorjahre). Der Kassenbestand betrug am 1. September 843,13. Genosse Trompeter ivurde einstimmig wieder niit deu Funktionen des Vertraneusmanncs betraut. In Eschwegc wurde der Parteigenosse W. Hugo(Grünweg 1) zum ersten Vertrauensmann gewählt, und zum zweiten Vertrauens. mann, dein die Kassennngelegenheiten obliegen, der Genosse I. H e i s n c r(Dünzebacherstr. 6). Tie deutschen Parteigenosse» in Transvaal werden, wie das„Hamburger Echo" miltheilt, in nächster Zeit eine Flugblatt. Verbreitung nach deutschem Muster vornehmen. Eine packend geschriebene Flugschrist ist bei Auer». Ko. in Haniburg in be- trächtlicher Auslage gedruckt worden und befindet sich bereits auf dem Wege nach Süd-Afrika, wo sie der sozialistischen Propaganda dienen soll. Polizeiliches. Gerichtliche»«. — Der Parteigenosse Korn in Kiel, Redakteur der „Schleswig-Holsteinsche» Volkszeitung", hat am 4. November eine zweimonatige' Gefängnißstrase angetreten, die ihm wegen Preß- Vergehens auserlegt ist._ Getvevslfls;crftlils;eV. Vcrlin und llingcbnng. Die Modell- und Fabriktischler beschlossen in einer Ver- sammlung, bei der Ortsverivallung des HolzarbeilerverbandeS anzu- fragen, wie sie sich zu der Thalsache zu verhalten haben, daß bei L.Löwe, Märtinikenfelde, englische Modelle angefertigt werden. Deutsches Reich. � Ter Vorstand deö Ortsvercins der deutschen Kellner (Berlin 1) berust zum 15. Dezember d. I. nach Berlin eine» Dele- girtentag ein zur Gründung eines Gewerkvereiiis der deutschen Kellner. Die Zcntralleituug deS Verbandes der Gold- und Silber» arbeiter und die Redaktion des Fachorgans„Der Goldarbeiter" de- finden sich jetzt in Pforzheim, St. Georgenstr. 50. Eine Streikankündigung: grober Unfug. Dem Vertrauens- mann der Schneider in Magdeburg ging folgender Strafbefehl zu:„Sie haben durch Plakate an den öffentlichen Anschlagsäulen sowie durch eine in Nr. 213 der hier erscheinenden Zeitung„Volks- stimme" vom 11. September 1897 enthaltene Annonce einen Streik der Schneider bei Schröder zu Magdeburg-Sndenburg veröffentlicht. Diese Ankündigung war unwahr und dazu angelhan, bei dem Publikum Unwillen hervorzurufen und dem Geschäfts- inhaber Schaden zuzufügen. Die Ucbertretuug wird bewiesen durch das Zeugniß des Kaufmanns Karl Schröder. Es wird deshalb hiermit gegen Sie wegen groben Unfugs... eine ... Geldstrafe von 20 M., an deren Stelle, wenn sie nicht bei- zutreiben ist, eine Haftstrafe von drei Tagen tritt, festgesetzt..." Damit hätte also die Magdeburger Polizei schon wieder ein neues Mittel entdeckt, um die Kämpfe der Arbeiter zu erschweren und wie schön ersonnen mit Hilfe des groben Unfugs. Mit einer solchen Verwendung des groben UnfngS kann jede Bekanntgabe des Streiks verhindert werden und ein Lieblingswunsch jener fanatischen Arbeiter- feinde, die das Koalitionsrecht der Arbeiter vernichten möchten, käme der Verwirklichung eine» bedeutenden Schritt näher. Warten wir ab, ob sich ein Gericht findet, daS auch die juristische Formel für den Polizei-Ukas entwirst. Lohudiffcreuzc» in der Schriftgiesterei do» Ludwig und Mayer in Frankfurt a. M. habe» zu einem Ausstand des gesammten Personals geführt. Bekanntlich haben die Schristgießer in ganz Deutschland in diesem Frühjahr eine Tarifbewegung durch. geführt, die im allgemeinen für sie günstig verlaufen ist. Zu den Firmen, die den Tarif bewilligten, gehörte auch die Firma Ludwig und Mayer. Schon im Sommer versuchte der Faktor hier und da kleine Abzüge zu machen, bis schließlich den Arbeitern ein Tarif vor- gelegt wurde, der einen Abzug von 12—20 pCt. enthielt. Da eine gütliche Verständigung von der Firma abgelehnt wurde, so kündigten sämmtliche Arbeiter und ist ihnen die Unterstützung des Deutschen Buchdruckerverbandes zugesagt. Eine eigcuthiiinliche Beschwcrdc-Erledigung Miebt die Amtshauptmannschast Meißen. Der Einberuser der Versammlung, die am 23. Oktober in Wilsdruff stattfinden sollte, vom Bürgermeister aber deswegen aufgelöst wurde, weil keine Anzeige- bescheinigung eingegangen war, hatte sich darüber beschwert. Die Beschwerde war gegen die Amtshanptmannschafl gerichtet, weil sie nicht rechtzeitig eine Anzeigebcscheiuigung ertheilt hatte, und gegen den Bürgermeister von Wilsdruff, weil er die richtig und rechtzeitig angemeldete Versammlung aufgelöst hatte. Die Amts- hanptmanuschaft erwiderte darauf, sie hätte die Anzeigebescheinigung am 23. mittags, also nur 9 Stunden vor Beginn der Versammlung, nachdem sie die Anzeige schon niindestens einen Tag in Händen hatte, abgeschickt und damit sei für sie die Sache erledigt. Die Be- scheinigung ist erst spät abends in Wilsdruff angekommen und erst am andern Tage früh durch die Post befördert worden. Wen» der Bescheid der Aintshauplmannschaft berechtigt wäre, dann stände der Einberufer rechtlos da. Er hat alle Vorschriften des Gesetzes erfüllt, die Versammlung ist ihm trotzdem aufgelöst worden und für die Behörde ist die Sache erledigt. Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch ein ältere? Vor- kommniß, das ebenfalls Wilsdruff und die Amtshauptmannschast Meißen betrifft, erwähnen, weil es außerordentlich kennzeichnend ist und vielleicht auch den vorbesprocheueu Bescheid etwas beleuchtet. Die in Wilsdruff zahlreichen Holzarbeiter wollten einen Holz- arbeiterverein gründen. Sie bekamen ihre Anzeige fammt den ein- gesandten Statuten zurück mit dem Bescheide, daß die Gründung eines solchen Vereines überflüssig wäre, da sie alles das, was sie durch den Verein zu erreichen be- absichtigte u. auch ohne Berein erreichen könnten. Von dieser Weisung der Behörde haben ja die Arbeiter wohl oder übel Gebrauch machen müssen und schließlich hat auch die Be- Hörde recht, es ist auch so gegangen. Aber wo bleibt die rechtliche Grundlage für solche Maßnahmen und wen» die Behörde selbst so einsichtig ist, daß derselbe Zweck ohne Vereine erreicht werden kann, warum schafft sie den jetzigen Zustand und verbietet alle Gewerkschasls- organisationen? Der Verein der Arbeitgeber deS TöpfergewerbeS hat an seine Mitglieder ein Verzeichniß derjenigen Gehilsen versandt, die in der Ofenfabrik Saxonia in Meißen streiken. Da von den 67 Streikenden bereits 47 anderweitig in Beschäftigung getreten sind, kann man der Wiikuug der schwarzen Liste keine große Bedeutung beimessen. Der Direktion der Saxonia scheinen die Folgen des Streiks bereits recht unangenehm fühlbar zu werden, denn der Ersatz von ungeübten und ungelernten Arbeitskräfte», den sie an stelle der Streikenden herangezogen hat, kann die Firma auf ehe- malige Leistungsfähigkeit nicht heben. So ist denn die schwarze Liste, die herbeiführen soll die Arbeiter brotlos zu machen, nur der letzte Slkt einer Unteruehmerrache. Die Errichtnug eiueS ArbeltcrsckrctariatS fiir Ham- bnrg wurde in der gestrigen Sitzung deS GewerkschaftskarlellS angeregt und einer sehr ernsten Debatte unterzogen. Bereits vor 2 Jahren war den Gewerkschaften Hamburgs dieselbe Frage zwecks Urabstimmung unterbreitet und hatte die einstimmig« prinzipielle Er- klärnng zu gunsten des Arbeitersekretariats zur Folge. Jetzt haben die Holzarbeiter in einen Abänderungsantrag des Regulativs zum Gewerkschaftskartell die Klausel aufgenommen, das Kartell möge die Beschwerden an den Gewerbe-Jnspektor übernehmen, um somit ein« Gewähr für die Aufrechterhaltung der bestehenden Arbeiterschutz. gesetze zu bieten. Das Kartell übergab diesen Antrag einer Kom- Mission zwecks näherer Berathung und sie dürfte diesmal, wenn sich die Personensrage regeln läßt, auch die Verwirklichung dieses prak- tischen Gedankens herbeiführe». AnSlaud. I» Belostok in West-Rußland findet wieder eine lebhafte Be- wegung unter den Arbeitern statt. Gegenwärtig streiken sämmtliche Schneider und Schneiderinnen. Außerdem streiken 240 Arbeiterinnen der Tabaksabrik von JanowSky. Sieben von diesen letzteren sind verhastet worden. Die belgische Bergarbeitcr-Konfereuz in C Harleroi, die von Vertretern aller vier belgischen Kohlenreviere besucht war, hat beschlossen, da Lohnerhöhungen theils bewilligt, theils zugesagt sind, mit den Zechen weiter zu verhandeln und den Generalansstand nicht zu verkünden. Den Bergarbeitern wird empfohlen, zur Verhinderung der Ucberprodnktion keine Ueberstnnden zu liefern und alle theil- weisen Ausstände zu vermeiden. Die Zahl der streikcuden Tiainantarbeiter in Antwerpen beläuft sich jetzt ans 800. Sie fordern die Durchführung der letzte» Kougreßbeschlüsse. Ter Streik der Pariser Schlächtergcselle» dauert fort. Direkter Mangel an Fleisch hat sich zwar noch nicht ergeben, aber die Preise steigen. Verhandlungen sollen angebahnt sein und vor dem Friedensrichter stattfinden. Die Forderungen der Gehilfen sind äußerst bescheiden. Sie erklären sich bereit, auch des Sonntags zu arbeiten; aber früh wollen sie nicht mehr vor 5 Uhr ansangen, da sie bis 6 Uhr abends beschäftigt sind. Der Pariser Stadtraih hat, wie der„Voss. Ztg." aus Paris gemeldet wird, die Vermittelung zwischen den Ausständigen und den Meistern übernommen. Ncbor den Kampf der englischen Maschinenbauer schreibt heute„Daily Chronicle":„Immer schwächer und schwächer wird die Hoffnung, daß es noch zu einer Konferenz zwischen den Unter- nehmern und den Arbeitern kommen werde. Wohl fährt Herr Ritchie mit seinen Versuchen noch fort/ die Unternehmer zur Vernunft zu bringen, aber diese sind halsstarrig. Sie sind der Meinung, daß es die Arbeiter doch nur noch ein paar Wochen nushalleu. dann müßten sie nachgeben und die Arbeit bedingungslos wieder auf- nehmen."— Und in der Tdat, die Arbeiter haben eine» harten Stand, die Armee der Arbeitslosen, der zu Unterstützenden ist eine zu gewaltige. Die 60 000 Mitglieder der Maschinenbauer-Geweri- schaft, die in Arbeit sich befinden, werden in den nächsten Woche» »och höhere Beiträge zur Unterstützung der Ausständigen zahlen müssen.— Der Sekretär der Vereinigten Gesellschaft der Maschinenbauer halte gestern eine Besprechung mit dem Präsidenten des H a n d e l s a m t e s. Letzterer will,»vi« ver. lautet, die Maschinenbauer veranlaffen, auf die Bedingung, daß die Konferenz unter einem unparteiischen Vorsitzenden znsaminentreten soll, zu verzichten. Eine Depesche ans London von heute meldet: Die vereinigte Gesellschaft der Maschinenbauer erließ gestern ein Manifest, das den erbarmungslosen Kampf des Verbandes der Unternehmer gegen de» Trade-Unionismus näher charaklerisirt. Die Arbeiter aller Länder werden um Beiträge ersucht, damit die Maschinenbauer den Kampf gegen die stärkste Koalition von Kapitalisten, die je bestand, fortsetzen und ihr bedrohtes Koalitionsrecht retten. Soziales. Ncber die BnndcsrathS-Perordnung für die KousektlonS- Jndustrie schreibt das Unternehmer-Organ„Der Konseklionäi": „Die angeblich zum Schutze der Konfektionsarbeiterinneii erlasseneu Bestimmungen sind werlhlos, weil dieselben diesen Schutz gar nicht ver- langt haben; ihnen ist vielmehr damit gedient, wenn sie Sonnabends ein paar Stunden länger arbeilen können und Geld verdienen. Die Praxis hat auch hier Abhilfe geschaffen. Die Zivischenmeister geben den Ar- beiterinuen, und zwar immer nur aus deren Wunsch. Arbeit mit nach Hause und dadurch nimmt die Hausindustrie, die unlonlrollirbar ist. immer mehr an Umfang zu. Wenn man also glaubte, durch die neue Koufektioiisverordnung die Arbeilsthätigkeit in Belriebs-Werk- statten zu konzentrire», so hat auch in dieser Beziehung das ne»- Gesetz versagt." Daß die Wirkung der BundesrathZ- Verordnung so sei» wird, wie das Unternehmerblatt sie schildert, haben wir voraus- gesagt.'.-n Die Konsequenz davon wäre allerdings, und das ist das Ver- laugen der betheiliglen Arbeiter und Arbeiterinnen, wirkungs- volle gesetzliche Bestimniungen zur Eindämmung der krassen Ucbel in der Konsektion zu treffen. Dazu wird sich die Regierung aber nicht aufraffen, weil stärkere Einflüsse sich gegen die Schaffung eines wirkungsvollen Arbeiterschutzcs wenden. De» Segen der deutsche» Hochseefischerei priesen dieser Tage die„Berlrner Politischen Nachrichten" deS Herrn Schweinburg in den höchsten Tönen. Nicht nur seien wir dadurch fast unabhängig von der ausländischen Zufuhr geworden, sondern auch die Erhaltung eines Stammes wetterharler Seeleute verdankte» wir der Hochsee- fischerci, nachdem der llinckgang der Segel-Schiffiahrl und das moderne Badelebcn an der Nordseekliste den Stand unserer Seeleute und Fischer arg gefährdet hätte». Vor allem sei diese Aenderung der Verhältnisse dem Auskommen des Großbetriebes in der See- fischerei zu danken, der bekanntlich mit zahlreichen Dampfern arbeitet. Wir können in diesen Lobgesang nicht einstimmen. Abgesehen davon, daß der Großbetrieb in der Seefischerei der Küstenbevöllerung eine wichtige Nahrungsquelle mindert, weil er mit ver- hältnißniäßig geringem Personal arbeitet, schadet er durch seine Raubwirthschaft auch der Gesaiuintheil. Ju einer frühereu Mitlheiluug hat der„Vorwärts" schon darauf hingewiesen, daß durch die Art und Weise, wie mit den Fischdampfern der Fang betrieben wird, die F i s ch g r ii n d e total v e r w n st c t werden. Je mehr Fischdampser ausgerüstet werden, um so mehr wird die Vermehrung der Fische gehindert. Da? bestätigen die „Berliner Politischen Nachrichten" selbst, indem sie am Schluß ihres Lobgesangs sagen:„Da die Hochseefischerei der übrigen die Nordsee berührenden Staaten gleichfalls stark zugenommen hat, so gehen s o- wohl die Fänge als auch die F i s ch g r ö ß e n in der Nord- fee bereits zurück und es beginnt unsere Dampifischerei seit einigen Jahren sich den isländischen Gewässern und ihreni Reichlhuin an Kabljau, Schellfisch und Heilbutt zuzuwenden." Das ist aber ein schlechter Trost, denn auch die reichen Fisch- gründe Islands müsse» bei der Raubwirthschast, die die Rheder mit dem Dampfer-Fifchfaug treibe», um möglichst hohe Profite einzusacken, in verhältuißmäßig kurzer Zeit erschöpft werden. Die Fischpreise sind durch die Hochseefischerei nicht besonders niedrig geworden. Die„Berliner Polilischen Nachrichten" schieben die Schuld auf die Zwischenhändler. Aber wenn der Fischreichlhnrn nachläßt, so können die Preise nicht billiger werden; billigere Preis« sind aber nöthig, wenn der Binnenländer Fisch an stelle anderer Fleischnahrung regelmäßig konsnniiren soll. Gewiß ist der Großbetrieb in der Fischerei nicht ohne Nutzen, es müssen aber, und zwar von Reichs wegen, strenge Borschriften er- lassen werden, damit er nicht zur Vernichtung der Fischerei führt. Depeptzen und letzke Vsdjtttchken. Köln, 4. November.(B. H.) Die„Kölnische Volkszeitung" schreibt unter der Ueberschrist„Heransforderimgen in A»Z- ficht", die Anzeichen mehren sich, daß die Mittel für unabweisbare Verstärkiiilgen der Landarmee, wenn deren gebieterische Nothwendigkeit sich herausstellen sollte, bereit geHallen werden müssen. Einerseits sei Aussicht ans Einführung des kleinkalibrigen Gewehres unbedingt vor- handtn, andererseits fei durch die jüngste Verstärkung der russischen Feldartillerie um 38 Batterien diese stärker als die denlsche. Auch die Perspektive aus Einführung des SchuellfeuergeschützeS sei keines- wegs eine unbestimmte. Köln. 4. November.(W. T B.) Die„Kölnische Volkszeitung" Meldet aus Kaldenkirchen im Rheinland, in der chinesischen Provinz Süd-Schantung seien die Missionare des Mtssionshanses Steyl NieS und Heule ermordet worden. Mainz, 4. November.(N. D. B.) In der AktUn-Braumi Schiefferhof-Dreikönigshos stiegen gestern Abend 2 Maschinisten in einen Brunne», nm eine Reparatur vorzunehnien. Bei dieser Arbeit wurde einer derselben durch Gase betäubt, er stürzte in den Brunnen- schacht hinab und blieb todt, der andere konnte sich mit Mühe rettew Wien, 4. November.(W. T B.) Abgeordnetenhaus.(Fort- setzimg.) Nachdem die geheime Sitzung um 53/i Uhr unterbrochen war, begann gegen 7l/s Uhr die öffentliche Sitzung wieder. Ans der Tagesordnung' steht die Forlsetznug der ersten Lesung des AiiSgleichsprovisorinms. Die Linke verlangt stürmisch die Fortsetzimg der geheimen Sitzung. Vizepräsident Dr. von Abrahamoivitsch erklärt, das Präsidium könne bei allem Entgegenkommen nicht zugeben, daß die Geschäflsordniing dazu benutzt wecke, um jede Th'ätigkeit des Hauses zu verhindern. Auf sei» Befragen bc- schließt das Haus mit großer Mehrheit, daß in der gegen- wärtigen Sitzung ausschließlich das Älusgleichs- Provisorium verhandelt werden soll. Diese Abstimuning vollzieht sich nuter stürmischem Widerspruche und Lärmen der Linken. Der Lärm steigert sich noch, als der Vizepräsident dem ersten Redner zur Tagesordnung, Dr. Lneger, das Wort ertheilt. Während des Schreiens und Lärmens haben einige Abgeordnete der Linken, ins- besondere Wolf, auf der Tribüne des Präsidenten Posta gefaßt und sind nicht zu bewegen. dieselbe zu verlassen. Schönerer verlangt schreiend das Wort. Lneger ist nicht im stände, seine Rede zu beginnen und wartet stehend, von seinen Parteigenossen umgeben, während Schönerer unter stetem Lärm zu reden anfängt und einen Zettel vorzeigt, ans welchem mit großen Buchstabe» steht: „Ich.bitte ums Wort."(Schallende Heiterkeit und Lärm.) Schönerer und Wolf halten gleichzeitig unter großem Lärm Reden, Wolf hört ans, während Schönerer fyrlspricht. Das wiederholte Glockenzeichen des Vizepräsidenten n»d der Ordnungsruf an Schönerer werden von der Linke» mit neuem Lärm beantwortet. Der Vizepräsident verläßt den Prasidentensitz um 6 Uhr 10 Mi». Nach 10 Minnien wird die Sitzung wieder anfgenoinmeii. Paris, 4. November.(W. T. B.) Der Senat berielh heute die Vorlage betreffend Ernenernug des Privilegs der Bank von Frankreich. Nach kurzer Berathung wurde die Vorlage für dring- lich erklärt und die ersten 12 Artikel angenommc». Die Depulirtenkainmer berieth die Konvenlion über den Post. dainpferdicnft mit Algier und Tunis. Die Kammer beschloß ferner mit 330 gegen 156 Stimmen, am Montag die Beratbung des Budgets zu beginnen. Brüssel, 4. November.(W. T. B.) Heule fand ans dem Bahnhofe Hongaerde der Linie Naniour-Tirlemont zwischen einen, Persviieiiziige»nd einem ans entgegengesetzter Richtung einlaiiscndei» Güterzuge ein Zusammenstoß statt, bei welchem 15 Personen ver- letzt wurden. New- Aor?, 4. November.(„Voss. Ztg.") Der„New- Aork Herald" hat aus Caracas Meldniigen erhallen, deucii zufolge in den Staaten Lara und Bolivar Unruhen durch Aufständische ver- anlaßt waren. Zwei Kompagnien Infanterie seien nach Cindad und Bolivar geschickt; mehrere hundert Personen seien in der Republik verhaftet worden. Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen u Untcrhaltiingsblatt.. Äerantwortlicher Medakteur: August Jacobey in Verlin. Fiir den Uiscratentheil vcrnnlivortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Bcrlag von i.,» ii mw« i. KilM te Jotmäifü" Krliiltt lolWlnlt. f»«.»■ � Arbeiter? Handwerker! Parteigenossen! Nm 84 November finden im 3.» 8., 10.» IZ.» 14.» 19.» AI.» AS.» A6.» A8., 3A.» 34.» 38. nnd 40. Kommunal-Wahlbezirk in der dritten Abtheilnng die EvgAtrznllgSMethlott fnr die Stadtnerovdneten-Uersammlnng statt. Parteigenossen! Es ist nicht nur unsere Aufgabe, die sozialdemokratischen Sitze wieder zu erobern, wir müssen auch neue Mandate dazm gewinnen. Die dritte Abtheilnng, die Abtheilung der Arbeiter und der wirthschaftlich Schwachen, gehört der Sozialdemokratie. Mögen die Mandate der ersten und zweiten Abtheilung den Geldsacksinteressen geopfert werden, wir können es bei dem herrschenden Wahlsystem nicht hindern. Aber die Hunderttausende, deren Arbeit erst den Wohlstand und den Neichthum der privilegirten Wähler schafft, haben die Pflicht dafür zu sorgen, daß auch ihre Ansichten im Rothen Hause zur Geltung kommen. Parteigenossen! Heut herrscht im Rathhaus die freisinnige Bourgeoisie, die erbitterte Feindin der sozialdemokratisch organisirten Arbeiter» klaffe. Sorgt dafür, daß der sozialistische Gedanke mehr noch wie bisher die Verhandlungen des Stadtparlaments durchdringt, indem Ihr alles aufbietet, die Mandate der dritten Abtheilung für die Sozialdemokratie zu erobern. VormÄvks zuv Agitakio»: VsvmÄvks znm Mampf l Nommunoles. Stadtverordneten- Versammlung. O e f f en tl i ch e Sitzung vom Donnerstag, 4. November, nachmittags 5 Uhr. Dem verstorbenen Stadtv. D i e r s ch, dessen Beerdigung heute stallgefunden hat. widmet der Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s einen ehrenden Stachruf. Zur Verhandlung steht zunächst der Antrag Ladewig und Gen. auf Siiedersetzung einer gemischten Depntation behufs Beralhung über ein den am 18. März 1843 Gefallenen zu errichtendes D e n l m a l. Bekanntlich war es ein freisinniger Stadt- verordneter, Herr Großdestillateur Fähndrich, der durch seine» Widerspruch die Beralhung dieses Antrages in der vorige» Sitzung verhinderte. Sladtv. Perls: Die Antragsteller können sich dem Eindruck nicht verschließen, daß der Magistrat die ihm obliegende Pflicht der Initiative in dieser Angelegenheit nicht so erfüllt hat, wie die Bürger- schast wünschen muß. Daß er mit dieser politischen Angelegenheit nichts zu thun hätte, kann nicht behanptet werden. Befleißigt sich doch der Magistrat bei sonstige» politischen Anlässen keineswegs der- selben ängstlichen Zurückhallung! Auch ist die Ehrung der März- gefallenen keine rein politische Angelegenheit. Mit der Feier jenes TageS begehen wir im nächsten Jahre auch das SOjährige Jubiläum der Verfassung.(Zurufe bei den Soz.) Ob fle gut oder schlecht ist, ist eine Sache für sich. Im Jahre 1843 haben sich die Mitglieder des Magistrais nnd nnsercr Versammlung geradezu an die Spitze der politischen Bewegung gestellt! Als die Märzkämpfer uns die Vcr- sassnng errungen hatten, waren jene es wieder, die sich mit diesen Kämpfern identifizirten; sie sorgten für die Bestattung, sie erschienen in voller Amtstracht mit der Kette dabei, sie traten für die Hinter- bliebenen ei». Es ist lange genug hingezogen worden, die erforder- lichen Vorkehrungen für die Ehrung jener Männer zu treffen. Wir haben hier eine Pflicht zu erfüllen; Berlin ist nicht bloS dazu da, militaristische und dynastische Festlichkeiten mitzufeiern und dafür daZ Geld der Steuerzahler zu opfern. Stadlralh N a m s l a n: Der Magistrat ist nicht gleichgiltig gegen die Angelegenheit gewesen. Schon im Juni hat er eine große Kommission eingesetzt, welche nach den Ferien sofort ihre Beralhnngen wieder aufgenommen hat. Es ist im Magistrat Beschluß dahin gesaßt worden, sofern der Antrag Ladewig Annahme findet, sich an der Beralhung in gemischter Deputation zu betheiligen. Etadlv. Singers ES ist erfreulich zuhören, daß für diese Angelegenheit im Magistrat von Anfang an lebhaftes Interesse ge- waltet hat. WaS in der Presse darüber verlautete, stimmte damit nicht überein, vielmehr mußte man zu dem Glauben kommen, daß der Magistrat sich der Tage von 1348 nicht mehr gern erinnert. (Zustimmung.) Wenn der Antragsteller sagt, der Antrag sei auch durch daS Jubiläum der Verfassung eingegeben worden, so läuft ihm doch ein Jrrthnm dabei unter. Die Verfassung von 1843, die man zu feiern alle Veranlassnng hätte, ist nicht die geltende, diese dalirt erst vom Jahre 1851. (Znruf: 1830) und diese Verfassung ist auch danach! Wir stimmen für den Antrag, weil wir den Gedenktag der Revolution von 1348 damit feiern wollen nnd weil wir hoffen, daß die Feier in der Bürgerschaft den Sinn für Freiheit und Recht wieder etwa? mehr beleben wird, als eS zur Zeil leider der Fall ist.(Beifall.) Stadtv. Gersten berg tritt für den Antrag ein; auch er erkennt an, daß daS Jahr 1848 im Sinne des Fortschritts zur Frei heit von höchster Bedeutung gewesen ist. Stadtv. PerlS: Es handelt sich nicht sowohl um die Feier des Jubiläums einer bestimmten Verfassung, sondern deS Uebergangs zu konstitutionellen Zuständen überhaupt. Der Antrag wird darauf mit großer Mehrheit angenommen Ueber den Antrag Borgmann, betreffend die Errichtung von noch zwei städtischen Nieselgütern zur so- fortigen Aufnahme von Lungenleidenden beider, lei Geschlechts und betreffend den Neubau einer Heil- a n st a l t für Tuberkulöse ist die AnSschußberalhung bereits zum Abschluß gelangt. Der Ausschuß, für den Stadtv. SanitätSrath Rüge referirt, empfiehlt der Versammlung die Annahme des Au- trags, den Magistrat zu ersuchen, auf den Rieselfeldern b a l d ni ö g l i ch st zwei n e u e H e i m st ä t l e n f ii r L u n g e n- leidende einzurichten. Die Empfehlung des Antrages auf Nieder- setzuug einer gemischten Deputation wegen Erbauung von Heilstätten oder Sicchenhäusern für Tuberkulöse wurde dagegen vom Ausschüsse abgelehnt. Vom Magistrat ist mitgetheilt worden, daß man in Osdorf und Ruhlsdorf neue Heimstätten in Aussicht genommen hat. Sladtv. Dr. Z a d e k: Das Ergebniß der Ausschußberathung be- friedigt uns nach zwei Richtungen nicht, indem unsere grundsätzliche Forderung nach Heilstätten rundweg abgelehnt ist, und weil es anderer- seits bis 1899 dauern soll, bis die neuen Heimstätte» zugänglich sein werden. UebrigenS ließe sich die Einrichtung wohl so beschleunigen, daß die neue» Anstalten schon im Sommer 1398 in Benutzung zu nehmen, wären, wen» nur die Versammlung auf den Magistrat einen ordentlichen Druck ausüben wollte. Dem Magistrat kann der Vorwurf nicht er« spart werde», daß er unterlassen hat, mit einer entsprechenden Vorlage schon früher anS eigener Initiative an uns heranzutreten. Bereits im vorigen Jahre war die Uebersüllung von Malchow und BlankenfeldeThatsache, war derAndrang von Tuberkulösen so groß, daß einzelne 8, ja 10 und 12 Wochen auf die Aufnahme haben warten müssen, Die Versendung von Tuberkulösen nach Görbcrsdorf und anderen Sanatorien wird von der Verwaltung wegen organisatorischer Schwierigkeiten, die wir nicht für unüberwindbar halte», abgelehnt; auch von der provisorischen Einrichtung von städtischen Bauten und l l Grundstücken für diesen Zweck will man nichts wissen. Wohl vdert übel wird man aber zu diesem AushilfSmittel sehr bald greifen müssen. Die Ablehnung auch nur der Erwägung des Vorschlag? eines besonderen Sanatoriums für Brustkranke wird von uns noch mehr bedauert. Man hält nnS entgegen. daß die Heilbarkeit der Tuberkulose nicht»riviesen, von wirklichen Heilungen nichts sicheres bekannt sei. Dieser Standpunkt wird sogar von Herrn Spinola, der heute nicht hier sein kann, als befremdlich bezeichnet. Zahlreiche andere große Städte haben solche Sanatorien errichtet, so u. a. München, Nürnberg, Würzburg, Sletli», Worms, Hannover, Stuttgart; in Hamburg sind 230 000, in Leipzig 400 000 M. in jüngster Zeit für diesen Zweck ausgeworfen worden. Da sollte Berlin nicht milthun? Wie die Dinge liegen, müssen wir ebenso im Interesse der unbemittelten Tuberkulöse» wie im Interesse der Sanirung der Stadt über die Ausschubvorschläge hinausgehe». Wenn die Stadt erst vor einem halben Jahre 230 000 M. zum Fenster hinauswerfen konnte, xour le roi de Prusse, so würde sie sich durch diese Weigerung dein Vorwurf aussetzen, daß sie für die unbemittelte» Tuberkulösen nichts übrig hat, als die dustigcn Gefilde von Osdorf und von Ruhlsdorf.(Zustimmung.) Stadlralh Marggraff: Es wird trotz aller Beschleunigung nicht möglich sein, auch wenn niit Dampf gearbeilet würde, vor 1899 die neuen Heimstätte» beziehbar zu mache». Hieraus werden die Ausschußanträge angenommen. Von dem städtischen Grundbesitz in R n m m e l S b u r g soll eine Parzelle an die E r l ö s e r- K i r ch e n g e m e i n d e zum Zweck der Erbauung einerKrankenhans-Baracke. eine andere an die Gemeinde RummelSburg verkauft werden. Nach den bezüglichen Vorlagen sollte ein Preis von 3 bezw. 10,77 M. für daS Quadratmeter g* fordert werde». Der Ausschuß hat beide Preise für viel zu niedrig erachtet. Im erslerr» Falle komme der Preis von 3M. nahezu einem Geschenk an die Kirchengemeinde gleich; zu einem solchen habe man aber angesichts der Wiederbelebung der vergilbten nnd ver- staubten Konsistorial-Verordnung von 1573 nicht die mindeste Veranlassung. Nach wiederholten Verhandlungen ist der Ausschuß dazu gelangt, für die betreffenden Parzellen eine» Preis von 10 M. bezw. 26 M. zu noriniren. Gegen die Erhöhung des Preises von 10 auf 26 M. erhebt Stadtv. Kyllmann Widerspruch; die Nachbargemeinde würde damit um eine viertel Million stärker belastet, und das könne sie nicht tragen. Redner schlägt vor, den Preis auf 13 M. festzusetzen. In der Diskussion macht auch Stadtv. Stadthage» gellend, daß es doch einen ganz ungerechlsertigle» Unterschied macheu heiße, für den Quadratmeter in einem Falle nur 10 und in einem andere» Falle 26 M. zu fordern, Ivo beide Flächen doch nicht so sehr auS einander läge». Redner tritt für de» Antrag Kyllmann ein. Schließlich dringen die Ausschußanträge durch. Unterm 23. Oktober er. hat der Magistrat die— auf Anregung der Versammlung vom 16. Januar 1396— durch die Gewerbe Deputation aufgestellte tabellarische Uebersicht über die Kranken- und U n f a l l f ü r s o r g e für die in st ä d t i s ch e n Betrieben nnd im städtischen Dienst beschäftigten Personen zur Keunlnißuahme übcrsandt. Es wird vom Stadtv. Ullstein Ausschußberathung beantragt. Sladtv. S t a d t h a g e n: Die uiiS zugegangene Uebersicht beruht auf einem Beschlüsse der Versammlung vom Januar 1896. ES lag damals ein zweiter Antrag von uns vor, für die städtischen Angestellten durchweg Kranken- und Unfallfürsorge eintreten zu lasse», der biS nach Eingang deS Materials zurück- gestellt wurde. Der gegebene Gang dertVerhandlung würde doch nun sein, jenen damals zurückgestellten Antrag zu verhandeln, nicht aber Ausschußberathung zu beschließen. Ans der Vorlage ergiebt sich, daß die Stadt etwa 10 679 Angestellle hat, welche keine Beamteuqualität haben, nnd daß von diesen nicht weniger alS 2350 nicht der KrankenversicherungS-, 3103 nicht der Unfall< VersichcrungSpflicht unterliege». Darunter befindet sich auch das Hilfs- und Wärterpersonal in den Krankenhäusern. In den vielen Fällen, wo derartige Angestellte verunglückten, ist bisher eine Entschädigung höchstens dann und wann durch ei» Almosen seitens des Magistrats erfolgt; Rechtsansprüche bestehen für diese zur Zeit nicht. DaS muß eben anders werden. Bei großen Kale« gorien von Arbeitern ist nach der Meinung des Magistrats selbst die Rechslage zweifelhaft. Auch sind die indirekt von der Stadt Beschäftigten, z. B. die Gehilfen der Geometer. in der Uebersicht garuicht enthalten. ES würde also jedenfalls zunächst in der nächsten Sitzung über unseren früheren zweiten Antrag zu verhandeln sein. Sladtv. U l l st e i n nieint, man könne doch sehr wohl die Ueber- sicht in einen Ausschuß verweisen. Sie ergebe ein trübes Bild von der Art und Weise, wie die Krankenversicherung bei der Stadt durchgeführt oder vielmehr nicht durchgeführt ist. Der einzusetzende Ausschuß könnte jedenfalls auch auf die Beschleunigung der Ent- scheidung über die seinerzeit von der Gewerbedeputalion angeregte Frage hinwirken, ob nicht von dem durch Gesetz gegebenen Rechte des Erlasses eines Ortsstalnts Gebrauch zu machen wäre, um eine Reihe städtischer Arbeiter und Angestellter kraukenversicherungspflichtig zu machen. Stadt. S t a d t h a g e n: DaS ist ja der Inhalt unseres An- trageS vom Dezember 1893, den man im Januar 1396 zurückgestellt hat, um zuvor das statistische Material zu forden. UnS liegt sehr daran, daß ein solches Ortsstatnt möglichst rasch zu stände kommt; aber unser damaliger zweiter Antrag steht ja heute nicht auf der Tagesordnung. Stadtv. Ullstein erweitert den Antrag ans Ausschußberathung dahin, daß dem event. zu wählenden Ausschüsse auch jener zweite Antrag vom Dezember 1393 überwiesen werden soll. Die Versammlung nimmt diesen so erweiterten Antrag an. Schluß nach 7 Uhr. � Zur Frage der Miillvcrbrennuna. Die Stadtverordneten Zadeck, Borgmann, Jakobey, Gleinert, GieShvit, Wernau, Bruns, Stadthagen, Tolksdorf und Dupont haben in der Stadtverordneten- Versammlung folgende Anfrage eingebracht:„Die Unterzeichneten' fragen den Magistrat an, wie derselbe sich zur allgemeinen Durch- i führuug der Müllverbrennung in Berlin stellt?" Die Subkoinmisfion der städtischen Verkehrsdcputation beschäftigte sich gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschneri 1. mit dem Entwurf eines Vertrages mit der Grunderwerbs- und! Baugesellschast über die von derselben projektirte Bahn Berlm— Hohen-Schönhausen; 2. mit dem Entwurf eines Vertrages mit dem' Berliner Dampf-Straßenbahn-Konsortium über die von demselben� projektirte» Straßenbahn-Linien; 3. mit dem Entwurf eines V«r-i träges mit dem Konsortium der südlichen Vorortbahn über die von; ihm projektirlen Linien. Nachdem sämmtliche Paragraphen dieser' Verträge dnrchberathen worden sind, beschloß die Kommission, mit! den Unternehmern in Verhandlung zu treten und dann die Ver-' träge der Verkehrsdeputation zur Genehmigung zu unterbreiten. Die städtische Schuldepntatio» hat beschlossen, eine Slatisiiki über die Erwerbsthätigkeit der Schulkinder auszunehmen. DaS Statistische Amt ist ersucht worden. Ermittelungen hierüber und über- die voraussichtlich entstehenden Kosten anznstellen. Uokktles. Parteigenossen im zehnten Konttiinnal-Wahlbezirk, welche am Sonntag, den 7. November, bei der Flugblattvcrtheilung helfen wollen, mögen sich morgens 7>/s Uhr bei Kitziug, Belleallianceftr. 74a und bei Lüdke, Zossenerstr. 10 einfinden. Diejenigen Genossen, welche am Tage der Wahl thätig sein wollen, müssen sich morgens 3 Uhr bei Lüdke, Zossenerstr. 10 melden. Das Komitee. Partelgenoss««, welche im 19. Wahlbezirk bei der am Montag stattfindenden Stadtverordnetenwahl behilflich sein wollen. werden ersucht, sich bei Sandrock, Stall schreiberstraße 12a, nnd Richter, Dresdenerstr. 103, zu melden; wer im 21. Bezirk sich be- theiligen will, wolle sich bei Wörner, Kürassierstr. 10a, und bei Lenz /.Alte Jakobstr. 69, melden. Achtung! 4. Wahlkreis, Südost! Die Parteigenossen werden ersucht, sich zu der am Sonntag, den 7. November, früh T/s Uhr stattfindenden Flugblattverbreitung in folgenden Lokalen einzufinden: Erbe, Cuvrystr. 23, Stadelmann. Falkenstein. straße 7, Bayer, Wrangelstr. 131, Bieberstein, Lausitzer Platz 12a, Tolksdorf, Görlitzerstr. 53, Golz, Grünauerstr. 3, Seidler, Siatiborstr. 16.. In diesen Lokalen liegen zugleich die Wählerlisten zur Einfichtnahme aus. Diejenigen Parteigenossen, welche gewillt sind. ani Tage der Wahl sich in den Dienst der Partei zu stellen, haben sich am Montag, den 8. November, früh 7Ve Uhr, im Zentralbureau bei Tolksdorf, Görlitzerstr. 58, zu melden. Parteigenossen deS K. sWahlkreises, welche gewillt sind, sich an der am Sonntag früh stattfindenden Flugblattverbreitung zu betheiligen, werden ersucht, sich an dem betreffenden Tage früh 8 Uhr in folgenden Lokalen zu melden: Fr. Lietzke, Schwedter- straße 33, für den 32. Wahlbezirk, E. Dieke, Ackerstr. 123, für den 34. Wahlbezirk. E. Ernst, Schwartzkopffstr. 11. für den 33. Wahl- bezirk, I o h. P f a r r, Pnttlitzstr. 10, für den 40. Wahlbezirk. Hente, Freitag, den 5. November, abends 8'/, Uhr, findet im Saale der Norddeutschen Brauerei, Chausseestr. 37/53, eine große öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Ge- nosse Arthur Sladthagen einen Vortrag„Her mit dem Rothen Hans" hält. Wir ersuchen die Genossen und Genossinnen, namentlich aber die Wähler der III. Abtheilnng de» 38. K o m- m u n a l- W a h l b e z i r k s, sich recht zahlreich einzufinden. DaS Wahlkomitee. Wahlvcrcin dcS sechsten Reichstags- Wahlkreises. Die Mitglieder werden ersucht, sich zu der am Sonntag stallfindcnden Flugblatt-Vertheilung zur Stadtverordnetenwahl an den bekannten Stellen zahlreich einzufinden. Auch ist cS Pflicht derselben, sich, so« weit es möglich, am Wahltag den einzelnen Wahlkomitees zur Ver- fügung zu stellen. Viele Mitglieder haben die Meinung, weil ihre diesbezüglichen Bezirke diesmal von der Wahl ausgeschlossen sind.i sich nicht agitatorisch belheiligen zu brauchen. Dies ist ein Jrrthum. Geradezu Ehrenpflicht eines jeden Mitgliedes ist es, mitzuarbeiten/ damit der Sieg am Montag u»S zufällt. Ohne Kamps kein Sieg! Der V o r st a n d. Wir machen auf die heute Abend in Feuerstein'S Festsälen. Alte Jakobstr. 73, stattfindende öffentliche Versammlung aufmerksam, in der Genosse Alphons Borchardt über das Thema:„Die Handlungsgehilfen und die Stadtverordnetenwahlen" reserirt. Genosse Gnstav Baader wurde gestern zur letzten Ruhe be- stattet. Einfach nnd scdlicht, wi, der Verstorben« gelebt, ging die Beerdigung vor sich. Ein zahlreiches Trauergefolge hatte sich an der Leichenhalle des Krankenhaufes Friedrichshain eingefunden. Unter den dem Verstorbenen gewidmeten Kränzen bemerkte man! zwei besonders große nnd schöne. Der eine war vom Wahlverein des vierte» Wahlkreises(Osten), der andere von den Parteigenossen Berlins gespendet. Kurz nach 3 Uhr setzte sich der aus mehreren hundert Proletariern und Proletarierinnen bestehende Zug in Be-! wegung, durch die Straßen des Oftens nach dem städlischm Fried«! Hose in Friedrichsfelde, wo sich beim letzten Schein des klaren Herbsttages die Gruft über der sterblichen Hülle des wackeren Ge- nossen schloß. Die Polizei hat bei der Beerdigung unseres Genossen Baader eine außerordentlich rege Thäligkeit entfaltet. I» der Nähe des Einganges zur Leichenhalle bemerkte man einen Polizei-Lieutenant, einen Wacht- Meister und etwa ein Dutzend Schutzleute. Ms sich derTranerzug in Beivegnng setzte, faßte zu jeder Seite des Leichenwagens je ein Schutzmann Posta. So ging es fort unter polizeilicher Eskorte, während anfangs etwa alle hundert Schritt an jeder Seite des Straßendammcs ein Schntzmannsposten aufgestellt war. In der Nähe der Frankfurter Allee verließen endlich die beiden behelmten Begleiter den Zug, auch die Posten an den Straßen wurden seltener, bis an der Grenze Berlins auch die letzte Pickel- hanbe verschwand. Was mag sich wohl die Polizeibehörde denken, wenn sie eS für biithig hält, bei der Beerdigung eines Sozialdemokraten ein so un- gewöhnliches Aufgebot von Beamten mobil zu machen? Die Wadelstriiinpflcrci unserer Kommnnalfrcisiunigen scheint unausrottbar zu fein— das zeigte auch die gestrige Stadtverordneten- Sitzung. Zu Beginn derselben begründete der linksliberale Stadt- verordnete Perls den Antrag, über ei» Denkmal zu Ehren der März- kälnpfer von IS4S in gemischter Deputation mit dem Magistrat zu verhandeln. Da der Magistrat seine Zustimmung zu diesem Antrage bereits vor S Tagen beschlossen halte, lag es nicht in der Absicht, eine längere Debattte zu veranlassen. Die Art der Begründung des Antrages durch den Stadtverordneten Perls war aber niehr eine Ärt Entschttldigung für die Vertheidigung des Antrags als eine wirkliche Begriindnng. Der Hinweis, daß die.„Berfassung" ihr fünfzigjähriges Jubiläum im nächsten Jahre feiere, veranlaßle mit recht den Genosse» Singer, darauf hinzuweisen, daß die 1843 königlich versprochene freiheitliche Verfassung aufgehoben und durch die jetzige sogenannte Verfassung vom 31. Januar 1830 ersetzt ist. Mit recht wies Singer darauf hin, daß wir keinerlei Anlaß habe», ein Jubiläum der jetzigen Verfassung mit ihrer Ständevertrelnug — die 1848er hatte— z. B. das direkte, geheime Wahlrecht für den Landtag zu feiern. Die schönste Ehrung der Märzkämpfer besteht in dem nnablässigen Streben zur Erreichung derjenigen Kullurziele, für die jene ihr Leben lassen mußte». Wie weit der liberale Freisinn von diesem Kulturstreben entfernt ist, zeigte i» derselben Sitzung eine an sich nicht sehr erhebliche Vorlage. Die Kirchengemeinde sowohl wie die politische Gemeinde Runimelsburg-B oxhagen hatten von der Stadl Berlin den Verkauf von Grundstücken erbeten— die politische Gemeinde für Erbauung eines Schulhauses. Der Magistrat wollte an die Kirchs und an die Gemeinde die betreffenden Grundstücke für je 10 Mark pro Quadratmeter überlassen. Der Ausschuß wollte zedoch das Grundstück, das zu Schul zwecken erbeten wurde, nur zu 28 Mark pro Quadratmeter verkauft wissen. Vergeblich legte» der Magistrat und mehrere Stadtverordnete die Ungerechtigkeit dieses hohen Satzes der armen Gemeinde gegenüber dar. Die allerdings knappe Mehrheil beschloß, nachdem zehn Minuten zuvor der Preis für das von der Kirche beanspruchte Grundstück auf nur 10 Mark pro Meter festgesetzt war— der politischen Gemeinde das Grnnd- stück für Schulzwecke nur zu 26 Mark abzulassen! Hoffentlich lehnt die Gcmemde diesen lediglich vom Standpunkt des Geldmanus erklärlichen Preis ab und stellt die Stadt- verordneten- Versammlung nochmals vor die Frage, ob es kulturfreundlich ist, zu guuste» der Kirche mir einem Preise von 10 M. sich zu begnügen, für Schulzwecke aber einen anderthalb mal so hohen Preis zu verlangen. Den Ausschlag bei dicscni kulturfeindlichen Beschluß gaben dieselben..Linksliberalen", die zu Beginn der Sitzung den Antrag betr. ein Denkmal für die März- gefallenen begründet oder eulschnldigt hatten. Freilich handelt es sich in RuimnelSbnrg nicht um eine unter kaiserlichem Patrouat stehende Schule. Ja, wäre das gewesen— wer weiß, ob nicht auch der Kommunal-Liberalismus sich dazu aufgeschwungeil hätte, für Schulzwccke nicht mehr wie für Kirchenzwecke zu verlange». Der urkomische Bcndix will nicht zurückbleiben,>vo sonst alle Welt a» Jubiläum denkt. Auch er ist ja ein Stück Berlinischer Kultur, wenn auch nicht gerade der reinlichsten Gattung. Zudem, so denkt er, ist es gut, mau frischt die Popularität, die in den jüngste» Jahren allmälig geschwunden war, ivieder ein wenig auf. Also heran ans fünfnudzwauzigjährige Jubiläum, das-- an der Hauptftätte seiner Erfolge, im A m eri ca n-T h e a t e r. gefeiert werden soll. Daß Martin Bendix zur Berlinischen Spezialität wurde, daß er zum Beinamen vom Urkomischen kam, dazu trugen mancherlei Ver- bältniffe bei. Er selbst gebietet von Hause aus nicht über»rsprüng- liche, behäbige komische Kraft; der Nichtberliner, der ihn zun» ersten Male sieht, begreift kaum,>vie dieser Mann die Rolle des -beliebten Hosnarren, nicht für das Volk, sondern für einen ganz komplicirten Pöbel spielen konnte. Es war eben eine nierkwürdige Zeit, in der dieser trockene Ll)riker seinen Vorlheil »vahrnehme» durfte. Berlin reckte und räkelte sich»ach allen Seiten; der Milliardensegen ivar hereingebrochen; Gründer, Profit- und Glücks- jäger strömten von alle» Enden herbei. Alte, harmlose Volks- vcrg>»üglichkeit war verblichen; der brave L'Arronge erhaschte sie noch einmal beim Zipfel, als er das Volksstück„Mein Leopold" schrieb. In» übrigen drängte die turbnlenle Menge nach Radau, nach gepfefferten Genüssen. Im Hochmuth und in» Radau- gefühl»var ein beträchtlicher Theil der Studentenschaft erwachsen, das Beispiel ivüsier, genußgieriger Finanzivelt erfaßte selbst»nanchen kleinen Koinmis mit seinem„Verhältniß." Das »var günstig für die Cynismen von Bendix. Der überschwengliche Hochmuth schuf Redensarten,»vie das Wort„uns kann keiner", das von» Nmerican-Theater des Herrn Bendix später noch ins Parla- »nent gelangte. Zugleich fühlte man sich im Lokalchanvinismus, im hochmüthigen Wähnen nicht sicher; es blieb Raum für echt Berlinische Ironie. Die konnte Bendix»nit trockenen» Tone pflegen. Bei dem im»nensen Wachsthum von Berlin fehlte es nicht an schmie- rigem Zustrom; Prostitution, Lumpenproletariat»vuchsen; und ei» übriges that die zermalmende Prosithetze. Man gröhlte und jauchzte im Publikum über die cynischen Zoten von Bendix und ahnte kaum, daß man da selber an einem trübseligen Kapitel Berlinischer Lokal- geschichte niitarbeite. Ma» arbeitete ja immer bei Bendix in» Au»erican- Theater mit. Bendix»vartete, bis die Berühriliig mit seinem Publik»»» hergestellt»var; er blinzelte mit den Augen, öffnete den Ml»»d und— nach einem Weilchen erst warf er die gepfefferte Zote, den haarsträubenden Kalauer im dürrsten, absichtlich so gehaltenen Phlegma ins Publikum. T»)pisch für diese zersetzend elpiische Gattung»var der Bendix'sche Vortrag von der „feinen Familie". In den letzten Jahren fanden die Monologe von Bendix,>» denen häßliche Erscheinungen Berliner Lebens preis- gegeben»varen. nicht mehr ihr Publikum. Kleine Dramen,»vie Oskar Wagner's„Trockemvohner"»vurden statt ihrer ausgeführt »nid Bendix»vnrde in ihnen beschäftigt.— Heute scheint die alte Zugkraft völlig gebrochen und das Jubiläum soll nun aufhelfen. Wechsel in» Gewerbegenchts-Personal in Berlin. Das Ber« liuer Geiverbegericht hat 420 Beisitzer und zivar 210 Arbeitgeber und 210 Arbeitnehmer. Alle zivei Jahre scheidet statutengemäß ein Drittel jeder Kategorie durch Aüsloosung aus. Abgesehen von dieser Ausloosnug sind in Berlin in der kurze»» Zeit des Bestehens seines Geiverbegerichts(10. April 1893) von de» Beisitzern 41 Arbeitgeber und 38 Arbeitnehmer ausgeschieden, also rirnd 20pCt. Gewiß ein hoher Satz. Die Abgai'igsgründe sind: 16 infolge Ablebens, 12»vegen Verzuges, 3 wegen Verlustes ihrer Eigenschaft als Arbeit- geber, 10 Arbeitnehmer,»veil sie Arbeitgeber(und zivar fünf von ihnen Gastivirth)»vurden, 13 ans Antrag infolge Beschlusses der Sladlverordneten-Versammlnng, 1 wegen Konkurses, 15»vegen Zugehörigkeit zur Innung, 7 Arbeitnehmer»vegen Empfanges von Armenunterstütznng. Die Geselzesliebe von so energischen Staatsstützen wie es die In», ungsbrüder sind,»vird durch folgende Mittheilung der „Tägl. Rundschan" illustrirt:„Die Durchführung der Bäckerei- Verordnung scheint stelle, iiveise noch viel zu»vünsche» übrig zu lassen. Bei einer unvermuthete» Untersuchung, die von einer Kon- trollkomniission Berliner Bäckergesellen in den Bäckereien eines größeren Vorortes an einen» Sonntag Morgen veranstaltet wurde, sind in einen» vollen Drittel der Bäckereien Uebertretungei, der Verordnung, d. h. Nichteinhaltung des rechtzeitigen Arbeitsschlusses, festgestellt. Die Kommission hat die schuldig«» Meister zur Anzeig« gebracht.' Unter den Eisenbahn-Hilfsarbeiter« ans den, Güterboden des Lehrter Bahnhofs macht sich eine begreifliche Un- znfriedenheit geltend. Den Hilfsarbeitern»var vor einigen Monaten bereits eine Erhöhung ihres kärglichen Lohnes zugesichert»vordeu, und»vie es heißt, soll auch überall der niedrigste Tagelohn von 2 M. 30 Pf. z. B. auf 2 M. 30 Pf. hinausgesetzt»Vörden sein. Das ist für die überaus anstrengende, manchmal bis auf 13 Stunden ausgedehnte Beschäftigung, die die Arbeiter derart»nitnimmt, daß sie sich an» Abend oft»vie gerädert fühlen, gelviß noch viel zu»venig. Genügt dieser Geldbetrag in» theuren Berlin doch kaini» für eine einzelne Person, um sich einigermaßen satt zu essen, geschiveige denn zur FrisUing der übrige» körperlichen Bedürsniffe und zur Zahlung der Wohnungsmiethe, oder gar zur Ernährung einer Familie. Aber es ist doch iminerhin eine,»venu auch»venig»virksame Lohnerhöhung. Der geringe Aufschlag»vird nun aber den auf dem Lehrter Güterbahnhof beschäftigten Arbeitern bis jetzt noch vorenthalten; sie»verde»» nach»vie vor»nt einen» Anfaugsloh» von 2 M. 30 Ps. abgespeist. Dies kommt daher, daß die Direktion die Arbeiter an sogenannte„Korps" an Gruppen von Akkordarbeiter» vergiebt,»velche ihrerseits ivieder für bestimmte Arbeiten Tagelöhner anstellen. Durch dies Arbeitssystem,»velches ails keinen» anderen Güterbahnhof besteht»lud dessen Abschaffung von den schlecht ent- lohnte» Leuten fehnlichst herbeigeivünscht»vird, sind die in Tagelohn beschäftigten Personen nicht allein einer fast»naßlosen Ausnutzung »nterivorfe», sondern auch unschuldige Opfer der niedrigeren Ent- lohnung geivorde». Den» die Akkordarbeiter,»velche ihnen den Lohn auszahlen, erklären, daß sie aus ihrer Tasche keine Erhöhung ein- treten lasse» könne», und die Direktion, an»velche sich die Hilfs- arbciter beschiverdeführend»vandte», hat bis jetzt noch nicht die er- hoffte Abhilfe angeordnet. Wann»vird hier endlich Besserung ge- schafft»verde»? Eine Eriunernng an die Zeit des von Bismarck gepflegten Aitentalsschreckeus lebt heute noch in Gestalt einer»venig in An- »vendung gebrachte», kurz nach dem Nobiling'schen Altentat er- lassenen Polizeivorschrift fort, die aber doch unter Uuistäuden zur Bestrafung von Personen führen kann, die sich eine solche nicht haben träume» lassen. Unter dem 9. Juli 1878 erließ die Behörde einen Nachtrag zu den bisherigen Vorschriften über die Meldepolizei, »velcher besagt, daß alle Personen,»velche hier zuziehen, biiine» 24 Stunde»» polizeilich gemeldet»verde»»»uüsseu. Diese Bestiunnung ist bis zum heutigen Tage bestehen geblieben. I», allgeineinen verhält sich die Polizei bei Ueberlretnngen dieser Vorschrift völlig passiv, doch sind in letzter Zeit»vieder mehrere Fälle vor de» Schöffen zur Verhandlung gelaugt, bei deuen Privatpersonen, die nahe Verivandle nur eine Nacht beherbergt hatten, der Beslrafnng versielcn. Während die Polizeistrafe 15 Mark beträgt, erkenne» die Schöffe»» meist auf 5 Mark. Die Aushebung der gedachten Vorschrisl»vürde sich»lnler den obivalteuden U,»ständen»vohl dringend empfehlen. Umfangveichc Nntcrsnchnngen an der elektrischen Bahn- linie in der Aorkstraße»vurden auf Verla>»gen des Magistrais in der letzten Woche unter Leitung des Stadt-Elektrikers Dr. 5ialln»a>»n und Belheiligung technischer Beamten des Neichspostaintz. der Elektrizitäts-Werke, der Pferdebahu-Gesellschast»». s. w. ausgesührt. Es handelte sich bei diesen unter A,»vendung hoher Ströme aus- geführten Versuchen»»» die Ermittelung des elektrische» Wider- standes der neuen Bahugeleise, zur Feststellung der Größe der aiiS den Schienen austretenden sogenannte» vagabondirenden Erdströnie. Diese Messungen bestätigten die bereits seitens des Magistrats auch auf andere» Strecke»» der elektrischen Bahnlinien erhaltenen Ergeb- nisse,»vonach die Erdströme infolge der soliden Herstellung der iliück- leitungen in Berlin auf ein sehr geringes Maß rcduzirt»vorbei» sind und Beschädigungen anderer Leitungen im Straßenlörper durch dieselben ansgeschloffei» erscheinen. Taö Alnininium-Lnftschiff, über dessen verunglückte Fahrt »vir gestern berichteten, hatte eine Höhe von 13 und eine Länge von 45 Metern und»vog nicht»veniger als 75 Zentner. Die Idee zu diesem„lenkbaren" Ballon stammt von dem Ingenieur Schivartz, der mit den» Bau schon in» Jahre 1893 begonnen halte, inzivischen jedoch verstorben ist. Nach seinem Tode hatte seine Gattin das Werk»veiter fortgesetzt und.»vie es der„Voss. Ztg." zufolge heißt, nach Aufivendnng von nicht weniger als drei Millionen Mark unter Beivältignng vieler Schivierigkeiten soiveit gebracht, daß der Ballon gestern seine erste und vielleicht auch letzte Auffahrt machen konnte. Ist doch das kunstvolle Werk, dessen Bau vier volle Jahre in An- sprach genominen hat, so zugerichtet, daß es schiverlich»vird ivieder hergestellt»verde»» können. Im Verein„Berliner Presse" hat Herr Geheimrath Ernst Wichert,»vie die„Verl. Ztg." hört,»vege» Meinnngsdifferenzen»nit den, gesaminte» übrigen Vorstand sein Amt als Vorsitzender, das er vor 14 Tagen übernominen hatte,»vieder niedergelegt. Ter liberalen Stadtvertretnng i>»S Stammbuch. Das „Berl. Tagebl." veröffentlicht folgende Meldung: „Morgen tritt der A ch t st» n d e n t a g für alle Arbeiter der hiesigen kommunalen Gas>ve»ks in kraft. Daß diese Reform zuerst von der Stadt als Arbeitgeber durchgeführt»vorden, ist von erheblicher Bedeutung und zeigt den Einfluß des stetigen Zlnivachsens der liberalen und sozialdemokratische» Stadlverordnete»." Die Botschaft slannnt natürlich nicht a»ls der Haliptstadt des Reiches der Sozialreform; zu solchen revolutionären Maßregeln geben sich die biederen Frcisinnsmanuen nicht her. Die verständige »lud humane Anordnung ist in K o p e n h a g e n getroffen»vorden. Elendsstatistik. Im städtischen Obdach befanden sich an, I.Oktober er. 23 Familien mit 113 Person ei», darunter 8 Säuglinge. und 33 Einzelpersonen. Am 1. November»var der Bestand 20 Familie»» mit 60 Personen, darunter 12 Säuglinge,»nid 49 Einzelpersonen. Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten in» Laufe deS Monats Oktober 15 798 Personen und zivar 13 039 Männer, 759 Frauen. Von diesen Personen»vurden 9 dem Kranken- am FriedrichShain, 41 den» Krankenhause Moabit, 6 der Charitee, der Krankenstatio» des Obdachs 23, der Anstalt Wuhlgarten 2 Per- soneii überiviesen, 265 der Polizei vorgeführt. Gebadet haben im Laufe des Monats Oktober 11 867 Personen. Für die Tezcmber-Tonntage beabsichtigt das Polizeipräsidium diesmal geänderte Bestiuununge»» bezüglich der Verkaufsstunden zu treffen. Es sind bekanntlich zahlreiche Eingaben und Petitiouc» dem Polizeipräsidium übermittelt, in»velchen die verschiedenartigsten Wünsche bezüglich der Verkanfsstllnden ausgesprochen»verde». Im Einverständniß mit den Aeltesten der Kaufinannschaft dürfte nunmehr für die»»eiste» Branchen die Geschäftszeit ans 7 bis 10 Uhr und 1 bis 3 Uhr festgelegt»verde»». Ein von verschiedenen Seiten ausgesprochener Wunsch, die Nach- »nitlags-Verkanfsstundei» auf 12—3 festzulegen, ist nicht zulässig, da hierdurch die durch Gesetz festgelegte Verkaufsfrist vo»» 10 Stunde» überschritten»väre. Unseres Erachlens hat sich, vom letzten Sonntag vor Weihnacht abgesehen, überhaupt kein Bedürfniß zu erkennen ge- geben, den Handelsangestellten die Sonntagsruhe zi» rauben. Kein „freier" Sonntag ist bisher vergange», ohne daß in bürgerlichen Blätter» die Klage laut»vnrde, die Geschästslente hätten nicht die Kosten für Beleuchtung verdient. Und nun gar unter den» hrntigen fromme» Regi»»e»t eine Ausdehnung der Sonntagsentheiligung? Zur Behandlung der QnittuugSkarten der JnvaliditätS- und Altersversicherung wird jetzt im Hinblick auf das Herannahen des Jahresschlusses von de» Behörden darauf aiifmerksani gemacht, daß bei denjenigen Quittungskarte», die nicht bis zum Ende des dritten Jahres, d. h. vo» den» Jahre der Ausstellung der Karte an, das am Kopfe der Karte verzeichnet ist, zum Umtausch eingereicht sind, die Giltigkeit mit dem Schlüsse dieses Jahres abläuft. Daher sind alle Karte», die im Jahre 1894 ausgestellt sind, bis zun» 31. De- zember d. I. zum Umtausch vorzulegen, ganz gleich, ob sie mit Marken vollgeklebt sind oder nichts Die Versicherungsanstalt erkennt die Eil- tigkeit der Karte», die nicht rechtzeitig unigelaufcht werden, nur in besonderen Ausnahmesällen an. Ter Fernsprechverkehr mit Osnabrück ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 5 Minuten beträgt 1 M. Das„Ende der Zelten" und die Verschmelzung der bekannten Restaurants Zelt Nr. 2, 3 und 4 zn einem Riesen- Biergarten soll, »vie das„Gasthans" aus zuverlässiger Quelle erfährt,'bereits iin nächsten Frühjahr erfolgen. Eine hiesige Brauerei soll die drei Lokale angekauft und deren Umwandlung in ein einziges Etablisse- »»ent beschlossen haben. Durch cinei» Bierwagen getödtet wurde Mittwoch Abend um 7 Uhr die 55 Jahre alte Wittive Friederike Habermann aus der Jnvalidenstraße. Der Kutscher Heinrich Neinhold des Bierverlegers Klnth aus der Friedrichsbergerstraße kam mit seinem Gespann die' Brunnenstraße heranfgesabren. Als er in die Veteranenstraße einbog, erfaßte der Wage» die Frau und riß sie zu Boden; die Räder gingen ihr über die Brust,»vähreud das Pferde sie durch Huf- trilte an» Kopfe verletzte Ein Schutzmann und ein Unteroffizier des 24. Regiments nahmen sich der Frau an und brachten sie zum Arzte' Dr. Zwirn i» der Jnvalidenstraße. Dieser legte ihr einen Verband an und»vollte sie dann dem Lazarns-Kranrenhanse zuführen lassen. Die Verunglückte starb aber auf dem Wege dorthin, und die Leiche' »vurde in das Schanhans gebracht. Der Bierlutscher suchte zu ent» fliehen,»vurde aber festgenommen. Ein wohl noch nie dagewesener entsetzlicher SchiffsnilfalT ereignete sich gestern Vormittag KWc Uhr ans der Oberspree beim Case Alfen. Ter Schleppdampfer„Berlin" sollte die Zille deS Steneriiianns Schulz aus Kräsen ins Schlepptau nehmen. Bei dein Anziehen des Dampfers geriethen der Slenermann nnd der BootS- manu der Zille in die spiralförmigen Schlingen des Taues. Durch die furchtbare Gewalt»vurden dem Bootsmann beide Beine»md dem Stenern»««» das rechte Bein fortgerisse». Ersterer»vnrde in' die Spree geschlendert und fand darin seinen Tod. Der verunglückte Steuer»»»»»» wurde durch den Dampfer„Hamburg" nach Berlin ge- schafft und einem Krankenhause zngesührt. Die Leiche ist noch nicht gesunde». Fcncrbcricht. Mittivoch Abend 9 Uhr»vurde die Berliner Wehr nach Stralau gerufen,»vo in der Soinmerlatte'schen Schneidemühle ein größerer Brand ausgebrochen»var, der a» den dort lagernden Spähnen große Nahrung fand und das Dach des Kesselhauses vollständig einäscherte. Die Berliner Wehr brauchte jedoch nicht mehr in Thäligkeit zu treten, da das Feuer durch die Stralauer Wehr bereits bewältigt»var. Donnerstag snäh 10 Uhr»var Schönhauser Allee 74c:»och ein kleiner Brand zn beseitigen. der Kleidungsstücke und Möbel erfaßt hatte. Schwer verletzt durch Messerstiche»vnrde in vergangener Nacht der 30 Jahre alte Adols Gerlach, der in der LrnidSbergerstraße zwei in Streit geratheiie Individuen trennen»vollte. Kaum hatten die beiden feine friedliche Absicht geinerkt, als sie von einander ab» ließe» und nun vereint über den unglücklichen Friedensstifter herfielen und ihn mit Schlägen und Messerstichen schiver verletzten. Im Zirkns Bnsch ist an» Mittivoch das aus der vorigen Saison her bekannte Ausstattungsstück„Nach Sibirien" in erweiterter Darstellung»vieder ausgeführt»vorde». Ter Glanz der inaiinigfacheii Bilder und die Pracht der neuen Kostüme»virkten vorgestern ivomöglich noch imposanter als früher, und selbst» verständlich ist es. daß das Publikum die Kunststücke»vaghalsiger Natur soivohl»vie die Gesangseinlagen wieder»«, mit rauschendem Beifall belohnte. Die Hauptrollen»vurden von Frl. PaSkoli sowie von den Herren Carriot nnd Terci mit Verständiiiß und Geschick dargestellt. In der Urania in der Jnvalidenstraße wird Freitag Abend Dr. Erich von Drygalski seinen mit so vielem Beffall aufgenoii»ne>l«n Vortrag über„Grönland"»och einmal halte». Sonnabend»vird ver Direktor des anatomischen Instituts, Geheimer Medizinalrath- Professor Waldeyer, über den Aufbau der Nervenzelle einen populären Vortrag halte». AnS de» Nachbavortc». Tie Schönebergcr Schulaffäre,»velche die Einwohnerschaft des Ortes fortgesetzt lebhaft beschäftigt, wird jedenfalls noch sehr »veile Kreise ziehen, da von mehreren Eltern beabsichtigt»vird, die Ausmerksamkeit der höheren Schulbehörden aus die dortigen Schulverhältnisse zu lenke» nnd»lamentlich über die vielfach maß- lose Ueberschreitnng des Züchtiguugsrechts n. s. w. einer ganzen Anzahl von Lehrern gegen ihre Schüler und Schülerinnen bei de« königlichen Regierung B e s ch>v e r d e zu erheben. In der Knabenschule i» der Kolonnenstraße soll besonders arg geprügelt ivorden sein, so daß die Lehrer»»nd namentlich ein Oberlehrer des bis Michaelis d. I. provisorisch dort nntergebracht gelvesenen Schöne- berger Reforiugyiiinasiilms bei ihrem Direktor wiederholt darüber Beschwerde geführt habe»,»veil sie infolge des Schreiens der Kinder in de» ninliegeliden Gelneiiideschulklaffen im Unterricht gestört wurde». Vielfach solle» neben de» Mißhandlungen auch noch Be- fchinlpsungen der Kinder und überhaupt Ausdrücke üblich sein, die gerade bei den Kindern der Volksschule geeignet sind, in schlimmster Weise zu wirken, wie zum Beispiel:„altes Kaineel",„alteZ Schwein",—„Saubesen",„ihr habt wohl Dreck im Kopf",„was glotzt ihr mich so au, ihr Affen" u. s. iv. u. s. w. Zille diese Zu- stände sollen jetzt, wie gesagt, den höheren Schnlbehörden zur Keuutniß gebracht werden. Alle Parteigenosse» vo» Niedcrschöucwcide nnd Johannis- thal werden hiermit aus die am Sonnabend in Johannisthal im Lokale zum„Waldkater" statlsindende Versammlung des Arbeiter» BildungsvereinS, in welcher Herr Dr. Bernstein einen Vortrag halten wird, nnfmerksam gemacht; ganz besonders werden alle dem Verein noch fernstehende Genossen dringend ersucht, in dieser Ver. sammlung zu erscheinen und sich als Mitglieder nnfuehiuen zu lassen. Es ist unsere Pflicht, eine Organisation auszubauen, welche gegen die Art, wie man vor den Thoren von Berlin die Sozialdemokraten behandelt, wirksam protestiren kann. Der V o r st a n d. Ter Tcltowcr Kreistag hat den vom Baurath Schmieden aufgestellten, 950 000 M. erfordernden Plan für die Erbauung und Einrichtung eines KreiS-Krankenhauses zu Groß-Lichterfelde abgelehnt und beschlossen, einer mit dem Rechte der Znivahl von Snchver- ständigen ausgestalteten Kommission die Beschaffung eines neuen Planes für ein Krankenhans zn 150 Betten anszntrage», dessen Bankosten die Summe von 650 000 und dessen Einrichtungs- kosten die von 100 000 M. nicht überschreiten solle». Gleich» zeitig ist der Kreisausschnß ermächtigt worden, den von der Kom- Mission seslgestellteu Entwurf auszuführen und die hierzu erforder- lichen Mittel bis zu 750 000 Mark durch eine Anleihe zu beschaffen. Dieser Beschluß werde, so schreibt ei» Berichterstatter, nur gefaßt,»m das Krankenhans, für das in Lichterfelde schon ein sehr geeigneter Bauplatz unter vortheilhaften Vediilgiingen erworben ist, nicht gänzlich aufzugeben. Beschlossen wurde ferner, sich gutachtlich für eine anderweite Grenzregelung der Gemeinden Charlotlenburg und Wilmersdorf am Knrsürsteiidamni und an der Nürnbergerstraße auszusprechen. Ter Sclbstmoid cineS Unteroffiziers wird dem„Berliner Tageblatt" ans der Nachbarstadt Spandau gemeldet. Dort hat heute früh der Unteroffizier Stürmer vom 3. Train-Bataillon mittels eines l»it Wasser geladenen Karabiners durch einen Schuß in den Mund seinem Leben ein gewaltsames Ende gemacht. Unglückliche Liebe wird als Motiv der That bezeichnet. In der Angelegenheit der Erinordnng der kleine» Vahren- dorf aus Spandau fanden jetzt abermals mehrere Vernehiunngen von Zeugen vor dem Untersuchungsrichter am Landgericht II zu Moabit statt. Wie verlautet, handelte es sich hierbei wiederum um eine Gegenüberstellung derjenigen Kinder mit einem Verdächtigen, welche am Tage der Mordthat den mnlhmaßlichen Thäter gesehen haben. Gevilkzks•Bcifuitö« ' Unser Parteigenosse, NcichötagS-Zlbgeordiicter Richard Fischer hatte sich gestern abermals i» der bekannten Angelegenheit der am 10. Februar vorigen Jahres von der Polizei„entdeckten" Versannnlnug im Möhring'sche» Lokale zu verantivorte». Ans dein Bericht über die vor einigen Wochen abgehaltene Schöffengerichts- sitzilng dürfte derThatbcstand dieserAffäre noch bekannt sei». DasSchöffen- gericht erkannte auf Einstellmig des Verfahrens, weil es mit dem Rechtsanivalt F r e n d e n t h a l der Ansicht war, daß Verjährung vorlag. Nach Art. 31 der Reichsverfassnng sei die Genehmigung des Reichstages zur strafrechtlichen Verfolgung eines Reichstags- Mitgliedes nicht erforderlich, wenn letzteres bei Ausübung der T h a t oder im Laufe des folgenden Tages ergriffen werde. Ein solches Ergreifen aus frischer That liege hier unbedingt vor und deshalb sei Verjährung eingetreten. Gegen dieses Urlheil halte der Staatsanivalt Berufung eingelegt, und in der gestrigen Verhandlung vor der Strafkammer beantragte der Vertreter der Anklagebchörde ISO M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Freude nthal hielt die rechtlichen Ans- führungen des Staatsanwalts in einem eingehenden Plaidoyer für unzutreffend, bestritt, daß in der fraglichen Versammlung„öffentliche Angelegenheiten" verhandelt werden sollten und wies nach, daß that- sächlich Verjährung vorliege.— Das Gericht stesite sich auf den Standpunkt des Staatsanwalts. Nach seiner Ansicht sei es nicht zweifelhaft, daß die Versamnilung öffentlichen Angelegenheiten dienen sollte. Auch wenn die Prcßkommission nichts weiter berathen würde als blos innere Organisntionsfragen des„Vorwärts", so wäre das bei einem so eminent politischen Blatt.das so sehr die öffentlichenAngclegen> heilen berührt und beeinflußt, hinreichend, außerdem stelle die Bemerkung des Schutzmanns Haase:„Sie sind mein Arrestant!" kein Ergreifen bei Ausübung der That" dar, da eine weitere Verfolgung nicht vor- gelegen habe. Eine Verjährung liege somit nicht vor. Der Gerichtshof hob das erste Erkenntniß auf und vernrlheilte den An- geklagten ,u 40 M. Geldstrafe event. S Tagen Haft. Da Fischer Revision einlegt, wird das Kammergericht sich noch mit der Sache z» befassen haben. Ter Rechtskonsulent Franz Dctcr, der im Etadtheil Moabit eine umfangreiche Praxis betreibt und in früheren Jahren schon wiederholt mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen ist. stand gestern unter der Anklage des Betruges vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I. Im Mai d. I. wandle sich der Musiklchrer Zugbaum in einem Erbschastsstreite an ihn und ersuchte ihn um Wahrnehmung seiner Interessen. Er mußte einen Kostenvorschuß von zehn Mark erlege». Der Angeklagte wird nun beschuldigt, seinem Klienten weitere 300 M. unter dem Vorgeben entlockt zu haben, daß diese Summe auf dem Gerichte dcponirt werden müsse. Herr Zogbaum zahlte die 300 M.. wurde dann aber bedenklich, als der Angeklagte an ihn das schrist- liche Elsuchen richtete, ihm zur Vergrößerung seines Geschäfts 1000 M. zu leihe». Z. zog es vor, dem Angeklagten das Mandat zu entziehen und sich nnnmehr an den Rechtsanwalt Jarccki zu wenden. Als dieser den Angeklagten»m Herausgabe der Papiere und Ausmachung seiner Rechnung ersuchte, liquidirte letzterer eine Summe von 201,00 M., die er auf die erhaltenen 300 M. verrechnete, lieber diese Forderung kain es zum Prozeß, der damit endete, daß dein Angeklagten«in Honorar von 40 M. zugesprochen wurde. Die Anklage beruht auf der Behauptung des Zeugen Zogbauin, daß er die 300 M. nur hingegeben habe, weil ihm vorgespiegelt worden, daß sie ans dem Gc- richt z» hinterlegen seien. Der Angeklagte bestritt dies entschieden und behauptete, diese Summe als Kostcnvorschuß verlangt zu haben. Der Staatsanwalt hielt die Schuld des Angeklagten durch die Beweisaufnahme für criviesen und beantragte ein Jahr Zuchthans und 500 M. Geldstrafe. weil er der Meinung war, daß solche Rechtskonsulenten die Verlranenslente kleiner nn- wissender bezw. geschäftsunkundiger Leute seien und deshalb hier ei» schwer zu ahndender Vertrauensbrnch vorliege. Rechtsanwalt Dr. Schwindt hielt einen Jrrthnm des Zeugen nicht für ausgeschlossen und beantragte Freisprechung, event. die Zubilligung mildernder Umstände, da kein Schaden entstanden sei. Der Gerichtshof erkannte auf 9 Monate Gefängniß. Wegen„Nngcbiihr" vor Gericht wurde gestern der Rechtsanwalt Steinau vom Schöffengericht ain Amtsgericht II in eine Ordnung?- strafe genommen. Der Anwalt funklionirte als Vertheidiger des Arbeiters Joseph P r c z y z i n s k i aus RnmmelSbnrg. welcher wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt angeklagt war. Der Vertheidiger, der für Freisprechung des Angeklagten plaidirte. führte.unter anderem zu dessen gunsten an?, daß sich die Gendarmen in den Vororten als Herrn der Straße dünken und in diese,» Falle habe der Gendarm ohne Roth wie ein Verrückter ans den Angeklagte» eingehanen. Diese Aeußerung veranlaßte den Vertreter der Staats- anwallschaft, eine Ordnungsstrafe zu beantragen, da es auch einem Vertheidiger nicht gestaltet sein könne, Zeugen zn beleidigen. Der Gerichtshof erkannte gegen den Vertheidiger, der weit über die Grenzen des§ 193(Wahniehmung berechtigter Interessen) hinaus- gegangen sei. auf 10 M. G e l d st r a f e. Der Angeklagte wurde freigesprochen, weil der Gerichtshos im Zweifel darüber war, ob in dem Verhalle» des Augeklagten ein direkter Widerstand zu finden sei. Tic Markthalle« sind fiir Rcstanratcnre frei. Bekannt sind die maunigjachcn Strafprozesse, die ans Betreiben der städti- scheu Markthallen- Verwaltung gegen solche Gastwirlhe geführt wurde», welche den Standinhabern Speisen und Getränke brachte». Der Magistrat wollte den Markthallen-Restanratenren eine Monopol- stellung sicher» und hat deshalb gegen andere Wirthe, welche die Standiuhabcr bedienten, vielfach Anklage wegen Hausfriedeusbrnchs erheben lassen; die städtische Behörde stützte sich bei diesen n'nnderlichen Anklage» auf eine Potizeiverordunng vom 14. März 1896, in welcher steht, daß die Markthallen nur z» Markt- zwecke» betreten werde» dürfen. Ter Restauratcur Roßjah», der sich in der erwähnten Weise vergange» habe» sollte, war in zwei Instanzen freigesprochen worden, doch hatte die Slaatsanwaltschast beim K n>» m e r g e r i ch t Revision eingelegt. Das Kammergcricht nnes gestern die Revision der Staatsanwaltschaft als u n b e g r ü n d e t zurück, indem es ausdrücklich seinen früheren gegen die Restanra- teure gerichteten Standpunkt aufgab. Aus der Entstehnngs- geschichte der Polizeiverordnung vom 14. März 1836 gehe hervor, daß der Senat bisher den Begriff„Marklzivccke" zu eng aus- gelegt habe. Es werde jetzt angenommen, daß die Einführung von Lebensmitteln für die Slandinhaber durch die Restauratenr« der Uuigegeud der Markthallen zn Marktzwecken erfolge. TnS Atelier deö Malcrö Liebernian». Max Liebermann. der berühmte Maler, liegt augenblicklich mit der Polizei im Streit. Er beabsichtigt, sich im dritten Stockwerk seines Hanfes Pariserplatz 7 ei» Atelier bauen zu lassen und ist deshalb um die baupolizeiliche Erlnnbniß dazu eingekommen. Die Glasdeckung soll sich sünf Meter hoch über die Dachbalkenlage erheben. Das Polizcipräsidini» verweigerte die erforderliche Bau- erlanbniß mit der Begründung, der geplante Aufbau sei geeignet, die Umgebung des Brandenburger Thores. an daS sich das Haus unmittelbar im Norde» anschließt, zn verunstalten. Die Polizei stützte sich dabei auf de» ß 06 I 8 des Allgemeinen Landrech ls. Ter Oberpräsident wies die Beschwerde des Künstlers zurück, indem er auf die Schönheit des Platzes und die vornehme Architektur seiner sich dem Brandenburger Thor würdig anpassenden Häuser verwies. Nnnmehr erhob Herr Liebermann beim O b e r- V e r w a l I n n g s g e r i ch t die Klage gegen den Oberpräsidenten. Das Gericht beschloß, eine Bc- weikerheliung über die ästhetische Wirkung des geplante» Baues zu veranstalten._ Vevssttttinlunigen. Tie National Sozialen nnb die ReichStagöwahlc». lieber dies Thema sprach Pfarrer Naumann am Miltivoch in einer größteulheils von seine» Anhängern, aber auch z» einem nicht ge- ringen Theil von Sozialdemokraten besuchten VolkZversaminlnng. Der Redner sagte, es habe sich in den letzten 5 Jahren viel Gefühl allgemeinen Nnbehageus im Volke angesammelt. Eine gewisse Nu- sicherheit hinsichtlich der inneren wie der äußeren Politik mache sich mehr und mehr bemerkbar, so daß man sich frage» müsse: Wie soll das weiter gehen? Wir bekämen von Jahr z» Jahr mehr das Gefühl, daß Deutschlands führende Stellung in der äußeren Politik im Schwinden begriffen sei. Daran seien weniger die leitenden Personen, als vlelniehr der Umstand schuld, daß auf die Entwickelung Deutschlands und die ständig wachsende Zahl seiner Einivohner nicht genügend Rücksicht genommen werde. Wenn auch Deutschland keine Kolonialpolitik in dem Maße wie England und Rußland treiben könne, so dürfe eS doch nicht ruhig zusehen, wie diese beiden Nationen ihre Herrschast außerhalb Europa's ausdehnen. Deutsch- land müsse für seine wachsende Einwohnerzahl Ansiedelungs- gebiete und für seine Industrie Absatzplätze i» außer- europäischen denlschen Kolonien suchen. I» dem„Knmpse um die Futterplätze" dürfe Dentschlnnd nicht hinter anderen Nationen zurückbleibe». Arbeit, Freiheit und Flotte— das seien die Bedingungen, unter denen sich ein Boll auf dem Welt- markt halten könne. Die deutsche Arbeit sei— dank unserer all- gemeinen Volksbildung, die sich auch als wirthschaftlicher Faktor bemerkbar mache— der englischen gegenüber konkurrenzsähig. Deutschland habe auf dem Wellmarkt gute Aussichten. wenn es lerne, die Arbeitskraft zu schonen, zu schützen. Die deutsch« Einheit sei ja seit 1370 in der Hauptsache verwirklicht; nicht sowohl die Freiheit. Die innere Lage sei derart, daß das deutsche Volk sich in seinem Valerlande nicht mehr wie zu Hanse fühle. Die politische Freiheit sei die Vorbedingung der soziaie» Freiheit. Ehe die Forderungen des wahrhaften Liberalismus nicht vcrivirllicht seien, könne auch an die Lösung der sozialen Frage nicht gedacht werbe». Daß der Liberalismus in Deutschland so schwach geworden sei, das sei zum theil— nicht direkt, aber indirekt- dem Auftreten der Sozialdemokratie znzuschreibc». In- dem sie mit ihrem Freiheitsdrang den Gedanken des Jnter- Nationalismus verbinde und de» gegenwärtigen Staat brechen und knicken wolle, habe sie die Liberalen vor die Frage gestellt, ob sie der Freiheit oder dem nationalen Gedanken dienen wollen; da hätte» sich denn die Liberalen für das letzlere entschieden und, nm die Nationalität zu erhalten, ans die freiheit- lichen Bestrebungen verzichtet und sich gegen die Sozialdemokratie gewandt. Somit babe die Sozialdemokratie sowohl die innere Freiheit wie die Entwickelung der Arbeiterklasse gehemmt. Der Gedanke sozialer Entwickelung und politischer Freiheit inüsse ge- trennt iverden von dcm Gedanken internationaler revolutionärer Bcstrebniige». Ein Zlnsatz zur Betonung des nationalen Gedankens mache sich in der Sozialdemokratie bereits bc- merkbar. Dafür sprächen die Aeußernngen, welche Schippet, Auer»nd Bebel auf dem Parteitage hinsichtlich der Bewaffnung der Armee gemacht habe». Ter Zwiespalt, welcher sich innerhalb der Sozialdemokratie zwischen national und international bemerkbar mache, werde mit der Zeit noch bedeutender werde». Indem die Sozialdemokratie sich bisher gegen den nationalen Gedanken ab- lehnend verhielt, habe sie die Liberalen geschivächt, und sei schuld daran, daß die Konservative» zu ihrer gegenwärtigen Machtstellung im Reiche gelangt seien. Die Konservative» seien nicht nur bestreb!, die innere Freiheit z» unterdrücken, sie gingen auch darauf ans, die Trrnngenfchnflcn von 1870 wieder rückgängig zu machen. Als Vertreter des Großgrundbesitzes verhindern sie daS Emporkommen eine» kräftigen Bauernstandes, sie heminen die Arbeiterbewegung und sind also ein Hinderniß der Entwickeluug des deutschen Volkes. Die Wahl- p a r o I e der N a li o n a l- S o z i a l e n müsse demnach lauten: Gegen d i e K o n s e r v a t i v e»; es gelte zunächst, daS Kaiserthnm freizniniichen anS ihren Händen. Was sie aber gutes habe»: die Vertretung des nationalen Gedankens, das machen auch die Nalional-Sozialen sich z» eigen. Letztere seien zwar— wie es jeder Bewegung anfangs gehe— noch schwach, sie würde» aber weitere Anhänger werben und dazu sei die Zeit der Reichstags-Wahlc» die geeignetste. Es würde nur eine beschränkte Zahl von Kandidaten in sorgsältig ausgesuchten Kreisen aufgestellt werden. Auch die Berliner Freunde würden sich die Frage vorlege», ob sie nicht wenigstens«ine» Kreis in Ülngriff nehme» sollten und ob es nicht möglich sei, im Herze» Berlins dein national-sozialen Gedanke» eine Vertretung zu schaffen. Dem mit großem Beifall aufgenoininenen Vortrage folgte eine ans- gedehnte sebr interessante Debatte, die hauptsächlich zwischen»»sere» Parteigenossen T i m m und P ö tz s ch einerseiis und Tischen- dörfer»nd Naumann andererseits geführt wurde. Erster« er- klärte» sich mit den sozialen Bestrebungen der National-Sozialen einverstanden, begründeten den ablehnenden Standpunkt der Sozialdemokratie gegenüber dcm Militarisinns, der Kolonial- und Flottenpoliiik. Sie sührtcn weiter aus, daß uuser Jnternationalis- »ins sich keineswegs gegen die berechtigten nationalen Eigenlhümlich- ketten richte— international sei nicht antinalional— daß aber, wie sich der Partiknlarisuius zum nationale» Einheitsstaat entwickelt habe, dieNationen sich schließlich z» iiiternntionalenVercinigungen weiter- bilde» würden, wozu ja die Ansähe in Gestatl tnteriialionaler Kongresse, Handels-, Post- und sonstigen Verträgen bereits vorhanden seien, und daß »»tcr Jniernalionalismns anfder Erkenntniß basirc, die Interesse» der Arbeiterklasse seien gegenüber der Kapitalistenklassc in allen Kultur- länder» die gleichen. Ans eine dahingehende Nenßernng der Frau Gnbel a erwiderte Herr Naumann: Prinzipieller Gegner des Franenstimmrechls sei er nicht. Zunächst handele eS sich darum, das allgemeine Wahlrecht der Männer, welches ernstlich gefährdet sei, z» sichern. Jetzt das Franenstiminrecht zu fordern, sei verfehlt. Später werde es sich fragen, ob die Frauen so weit politisch reif seien, daß ihnen das Slimmrccht gewährt werden müsse. Wie Tischen- dörfer bemerkte, wollen die National-Sozialen im ersten Berliner Wahlkreise einen Kandidaten aufstellen. Fiir den Wahlsonds wurde in der Versammlung fleißig ans Bons gesammelt. lieber den RnSgang dcS Streiks bei Simon». Komp. berichtete Hildebrand in einer gnlbesnchten Schiihmacherversammlnng, die am 3. November im Lokale„Königshos" stattfand. Die Streikenden hätten sich durch die Thatsache, daß Simon 20 Ar- Keiler zur Verfügung hatte, bewegen lasse», Einignngs- Verhandlungen anzubahnen, und Simon sei darauf eingegangen. Schließlich habe man sich unter folgenden Bedingungen geeinigt: Von 27 Sireikenden, die noch in betracht kommen, werden 22 sofort wieder eingestellt. Die übrigen 5 soll eventuell später eingestellt werden. Simon kommt seinen allen Leuten info- weit entgegen, als er dem Werkmeister Eggert die Besnguiß entzieht, Arbeiter aiizunehme»»nd zn entlassen. Außerdem erlheilt er dcm Werkmeister öffentlich eine Rüge über sein Verhalte», das die Arbeiter so empört hat.— Ans die genannten Bedingungen hätten die Arbeiter unter den obwaltenden Berhällnisien eingehen müssen, habe doch die Behörde den Unternehmer und die„Arbeits- willigen" in jeder Beziehung unterstützt. Auch der Arbeitsnachweis des Unternehinerrings sei vollständig in den Dienst der Firma gc- stellt worden."—?ln den Bericht schloß sich eine längere Debatte. Es wurde mitgethcilt, daß die nicht wieder Eingestellten natürlich weiter unterstützt würden. Ruf den Näher Dahlman», der erst mit- gestreikt, dann aber die Arbeit eigenmächtig aufgenommen hat, waren mehrere Redner nicht gut zn sprechen. Der Herr hat sein Mitglieds- buch vor den Augen eines Kommissionsmiiglicde? zerrissen. Man befürwortete eine kräftige Agitation und die Stärkung der Or- ganisation. Wie stellen wir»nS dein Arbeilsnachweis des Fabrikantenringes gegenüber? lautete der zweite Punkt der Tagesordnung. Hildebrand leitete die Diskussion ein. Die einseitige Hand- habnng deZ Nachweises müsse aufhöre». ES müsse eine Betheilignng der Arbeiter an seiner Verwaltung erstrebt werden. Lehne man die Forderimg ab, dann hätte» sich die Schuhmacher einfach einen eigenen Arbcit-nachiveis zu schaffen und den der Unternehmer z» meide». Von Brand und anderen wurde festgestellt, daß der Vermittler Lsllteii, die nicht bei Simon arbeiten wollte», gesagt habe, dann bc- käme» sie überhaupt keine Arbeit. Königs erklärte, er sei in der Lage, mehr als 24 Leute z» nennen, die wegen ihrer Ueberzengung und ihreZ Wirkens im Interesse der Kollegen vom Arbeits» l Nachweis der Unternehmee boykottirt worden seien. Ver» schieden« siiedner gaben dann die unangenehmen Erfahrungen zum beste», die sie mit dem Arbeitsnachweis des Ringes gemacht haben. Folgende Resolution wurde angenommen:„Die Ver- sammelten erklären sich mit den Vereinbarungen einverstanden, die die streikenden Arbeiter von der Firma Simon u. Ko. mit dieser unter dem Drucke der Verhältnisse abgeschlossen haben. Jedoch! spricht die Bersammlung ihre Mißbilligung anS über das Verhalten des Leiters vom Nachweis des Fabrikantcnringes. Sie fordert diei Agitalionskommission auf, bei dem Fabrikantenverei» Beschwerde zu führen wegen der Alissperrnng der Kollege», welche dem Verlangen, als Streikbrecher zu jungiren, nicht Folge leisteten."— Die Ver- samnilung beschloß da»» noch, ans dem vorhandenen Fonds 200 M. der Gewerkschafts-Kommission für die streikenden Maschinenbauer Englands zu iiberiveisoii. Auch die Hülste der lanfenden Einnahnien für den Streiksonds wurde dieser Geiverlschast zugesprochen, ebenso der Ueberschiiß der Tellersammlung. I» einer öffentlichen Versammlung der Buchbinderei- Arbeiter nnd-Arbeiterinnen sprach H o s fi» a n n über die Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen in kleinen Werkstiiben. Redner betonte, daß die in der vorjährigen Lohnbeivegung durchgedrückten Hanptforderniigen, 3 stündige Arbeitszeit, Miniiuallohn männlicher Arbeiter 21 M., weiblicher 13,50 M., 33Vz pCt. Aufschlag für Ueberzeit- arbeit, in Groß- und Mitlclbetriebe» eingehalle» werden, davon in kleinen Werkstätten aber nicht die Rede sein kau». Er betrachtet diese Be- triebe als eine Art Zwischenmeisterthui». Was de» Kleinineistcrn an Verdienst verloren geht, soll durch billigere Arbeilskräste, Ver- längernng der Arbeitszeit, Nichlzahlnng der Prozente jc. wieder ersetzt werben. Es folgen eine Reihe Beispiele: Ebeling beschäftigt 3 Kollegen b.r zehnstündiger Arbeitszeit, zwei erhalten 17 M., einer 12 M. Wochenloh»(2 haben seit Ostern ausgelernt). Für Ueberstniiden werde» 23 und 20 Pf. pro Stunde bezahlt. Engelma»», Wilsnackeistraße, beschäftigt 2 Kollege» bei 10 Stunden, Lohn 21 M.; 1 Heslerin erhält 15 M. Beil beschäftigt 3 Kollegen ä 18 M., Uebersliliidcn 27 Pf.; außerdem 6 Mädchen bei zehn- stiindiger Arbeitszeit. Bigajewsly beschäftigt 1 Kollege» bei zehnstündiger Arbeitszeit. Desgleichen Boensch 4 Kollege», Miniiuallohn nnd Prozente werden bezahlt. Jacob beschäsligt 4 Kollegen 10 Slnndeii, Anfaiigslohn 18 M., Neberstiindc» 27 Pf. Bcnstcin beschäftigt 5 Kollegen bei zehnstündiger Arbeitszeit, Löhne I Kollege 2t M.. 2 Kollegen 18 M.. 1 Kollege 16,50 M.. I Kollege 15 M.. für Ueberzeit-Arbeit iverden 35, 30, 27 und 25 Pf. gezahlt. Redner schließt seine Ausführungen mit der Ruffordermig an nicht organisirte Kollege», sich dem Verbände anzuschließen. Nnter Ver- schiedenem wird»och bekannt, daß bei Engelhardt ei» Wochenlohn von 15 M. gezahlt wird, trotzdem abends ini>»»ter bis'/jlO Uhr gearbeitet wird. W»ttig. Etallschreiberstraße, vergütet gleichfalls keine Ueberstlinde» und zahlt 18 M. Loh». Die Hofbuchbindcrei von Colli» zahlt a» zwei Kollege» 14 M. Loh». Bnchdrnckerei-Hilss« arbeiter Jahns weist auf die überaus niedrigen Löhne des„Christ- lichen ZeitschrisleiivereinS hin; es erhält ein Prester 13 M.. ein Buchbinder 15 M., ein Goldschnittniacher 19 M. Trotzdem hält eS keiner für nöthig, sich dein Verbände anzuschließe». Nachdei» Kollege P. Jahn und Frau G r e i s s e n b e r g nochmals die Roth- ivendigkeit des Ziisaiinnenschlnsses bclont habe», gelangt eine Rcso- lulio» zur einstimmigen Annahme, des Inhalts, mit allen Kräften für die Anfkläriiiig der nnS bis jetzt fernsteheiidc» Kollegen»nb Kolleginnen zu sorge». Tcr Zwcigvcrein Berlin des Verbandes deutscher Barbier-, Friseur- nnd Perrütkenmachcr- Gehilfen hielt am 28. Oktober seine Vcrcinsvcrsannnlung ab. Kollege Zivirner gab Bericht über die Verhaudlniige» über den Arbcitsnachiveis mit der„Freien Ver- einignng selbständiger Barbiere sc." vom 18. Oktober wie folgt: Die Vereinigung hielt die Kandidatur des Kollegen Schrolle aufrecht nnd wir gaben, nnserem Auftrags gemäß, unsere Zustimmung. Infolge dessen wurde eine Wahl überflüssig. Die Geschästsstunden des„Z e n t r a I- S t e l l e n n a ch>v e i s c s für Barbiere nnd Friseure" wurden festgesetzt auf 9—11 Uhr vormittags an jedem Sonnabend»nd von 2—4 Uhr iiachinitlagS an jedem Wochentag. DaS Lokal vo» Schiller. Rosenthalerstr. 57, ivnrde beibehalte». Die Freie Vereinigung beschloß ferner, de» Gehilse» die Wahl eines Stellvertreters des NachweisvorstcherS zu empsehlcn und der Ziveig« verein ernaiinte de» Vorsitzenden Klostcrinann hierzu. Sodann ivnrde eine Nachwcisko»imission geivählt, bestehend ans Zwirnet, B a s ch w i tz nnd Most. Die nächste Vereinsversamnilung sindet am II. November bei Schiller, Rosenthalerstr. 57, statt. Wciflensee. Der hiesige Arbeiterverein hielt am Montag, den 1. November, seine Giiieralverfaminlniig ab. Der Kassenbericht ergab: Einiinhine 879.45 M., Ausgabe 51,90 M.. bleibt Bestand 324,50 M. Mitgliederzahl zur Zeit 262. Als Revisoren wurden I[a>i b in an». Klose nnd R i ch a r d tt i r ch» e r; zu Beisitzern Gatts, Rang nnd für WilhelmSberg E l s h o I z gewählt. Durch Beschluß der Geiieralversainmlnng sind den englischen Maschineiibanerii 50 M. zu überweisen nnd dcm hiesigen Vertranens- inaiin 150 M. für Agitation z» bewilligen. Es wird auf die AgitationStour, welche am 7. November stattfindet, besonders auf- merksain gemacht. Tresspunkt früh 3 Uhr bei Pseiscn-Miiller, Königs- Chaussee 33., A> isliriinvelNinl». L»teMr. 10, v. ZTr. Mittwoch: National. ölvnomie(iL:»ndbegl tfse der S!a!io»alötoiw»>ie! Dr. Co»r. Schmidi) Donnerstag: ffl e sch i ch l e lDie vorgeichichilichc Zeit und die ersten geschichtlichen Ncberlicferungcn: Dr. Seorg Zepvlcr). stireilag: weseveSIund» iZIibcttSverirag, die sozialpolilische«Selehgebnng, Strasrechi, gewerdlicheS Nor.» zclstonSivesen, Vhercchl, MtettiSrccht, ikrb- und Bornnindschastsrcch», östenttVze« Ncchi: NcchiSanwali Wolsgang Heine). Die Biblioihel ist vo»»— o Nvr gcöstnci. Milgiicdiidciirag monail. üs Pf., Kursus(10 SIdcnde) 1 M. pro Fach. Dhctlnehmer werden aukgcnoinine» Inder Schule»nd in folg. Slellen: wottfr. Schul:,, iNdmiralstr.««a:»i«»l, Barnimstr. ee? Schiller,»ioleiNValerstr. e?: wleinert, Mülierstr. 7a: Paul Miitte, Manieusteistr. Ii«: H. Küttig«, Dielfenbachstr.!U>. Alle Zulchristc» stud au den Vorsistende» Paul 9)1 u tt c jv., SO. Man. leullcistr. I2S, Deldieudttttgeu a» de» Nalstrer H. König», 8. Diesteubuchstr.»o, zu leude». Kerllner Ardelieruertreter- ßierel» tagt lede» Dienstag nach dem ersten im 9>Ionat bei Busle, Drenadierstr. es, abend»«iz u?r. Uneiiigeltttchcr Nach wird erlheilt: |m hiol de» zieriin«: Für Unfall-, JnvalidlicitS-»»d AIter«-B«rstchirung, abend« von 7— s Uhr: A. D a e h n e, Dennninerstr.«s, v. 3 Dr. K. w u t h e i l, Wiclettstr. ssa, vo» s-o Uhr abends. F. Pieichel, iSarienstr.«s, v. i Dr. ö, Simon oro«Ii, Barlenliv. 78, Porlailii, 2 Dr. M. S l n h l m a n», Oderbergcr: firaßc»7, i Dr., oo» 6- 9 Uhr abend«, vi. Ta mm, Httistienstr«, von 8—9 Uhr abend«.N. V o i g l. Wiefenstr.«I—«9. I» a n II, Bctterinainistr. 83. F. D r a p p, Schulstr. 89, vo» 7—8 Uhr abend?. Sin ziord-«ften: Nur für Jnvaiidttält- und«lierSvirstchirung W. Mo hs, Schönhauser Allee«2. 7>,» Gste»! Nur für Jnvalidiiliii- und AllerSversicherung! E. Bader Er. Fraulsivlerstr. s«. v. s Dr. ?,» Kiid. eisten! Für Uufall-, Jnvalidttiit«- und UllerSverstcheruiig: S ch a l I h o fs, Michaelkirch sir.!8. »,» Sude»! Fiir Unfall-, JnvalidliSii-»nd AlierSverstcherung: F. S l ü g i I- maier,«Srimulstrahe 89.— Nur für JnvaltdtiüiS- und AllerSveri-cherung. P. Keller, Nixdorf. Panlerflr. 88, Hof pari. 3m Kiid Weste»: Nur fiir ilnfaUvcrficherunz: s. Hänel, SolinSfir. U ZI» Mord Westen: Nur für Unfallversicherung: I«raufe, WtlSnacker strahe ls. R. Slcphan, Lefstngstr. s«. Im Zentrum! Nur für Unfallversicherung: E. Loffler, Klostcrstr. 91, Bei saittmiliche» vorgenannten Personen, bei dene» hier keine Sprechieil an- gegeben, ist bieselbe Mocheniag» vo» 7—9 Uhr. Wctter-Proguosc für Freitag, de» 5. November IH07. Vielfach heiter, zeitweise ivolkig bei mäßigen östlichen Winde». etwa» kälterer Nacht nnd wenig veränderter Tagesleii'peratiir; keine oder nnerhebliche Niederschläge. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde sindet am Montag, Dienstag und Soiinabeud abends bv»« bis 8 Iliir statt. Lippacher. Sic kflniien sclbslversiäiidlich Ihr Wahlrecht ausüben. Nehnieu Sic den Slcuerzcttcl vom 114. Quartal(Juli bis Septbr.) mit. StudtUerordncreuwahl. Der Wahlakt dauert von morgens 9 vis abends 7 Uhr. Es ist Ihnen anheimgestellt, während dieser Zeit Ihr Wahl- recht auszutiben. gleichviel vl> Boriiiittag oder Nachmittag. Engter. Es erschien nnö bisher nicht nälhig, aus die Angelegenheit einzugehen. Im Übrigen werden Sic gewiß mich ohne ein Urthcil dcS„P." dem Gegner eine treffliche Antwort gebe» lüimcit. «. 9*. SO. Nur Me Plätterin haftet füt die Klieve.- E.«. IS. Sie wendrn sich mit diesrr Frage besser direkt an ein sächsisches Parteiblatt vder einen lächsischen Abgeordnete».— Zl. treter der Arbeitgeber und der Kassen- Mitglieder hiermit eingeladen werden.. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahlen für den Vorstand pro 1898—1999: o.) für Kassenmit- glieder; b) für Arbeitgeber. 2. Wahl des Ausschusses zur Vorprüfung der Rechnung d. laufenden Jahres. 3. Be- schlutzfassung über Abänderung des§ 2 Abs. 3 des Statuts. 4. Verschiedenes. Berlin, den 3. November 1897. Der Borstand. 1669d, Max Stuhl mann, Vorsitzender. Für 10 Mark liefere Stoff zu einem ff. Herren- Winterpaletot, für 8 M. liefere Stoff zu einein kompletten Herrenanzug, für 8—19 feinen, für 12 M. guten Kammganistoff oder Cheviot. Reste zu stnabenanzitgen sehr grob 2—3 M. Man überzenge sich im Riefenftoffillger' Krallstllstr. 11,1., kein Weil. Billig! Nester z. Anzügen. Billig!; Mädchenklcider, Knaben- Anzüge und' -Paletots sehr preiswerth. O. lloirniann, Veteranenstr. 14 Aufruf zur Gründung einer Rettungsgesellschaft in Berlin. In keinem Falle wird unser Mitgefühl und unsere Lust am Helfen so schnell geweckt, wie in dem eines unvermuthet und plötzlich über unsere Mitmenschen hineinbreohendeu tlnglück«. Tief erschüttert standen wir unter dem Eindrucke der Erdbeben, die eine grosse und blühende Studt zertrümmerten, und der Ueberschwemmnngen, welche Schlesiens Thäler verheerten. Wei helfen konnte, der half. Was hier in grauenvoller Wendung Hunderte von fleissigen und glücklichen Menschen mit einem Schlage traf, trifft in der grossen Stadt, in der wir wohnen, täglich einzeln..'. Je mehr die Arbeit schafft und der Vorkehr wachst, desto grösser wird auch die Gefahr in unseren Werkstätten und auf unseren Wegen. Die Eisenhahmmfälle und die Listen der Verunglückten, welche abends unsere Blätter bringen, führen das jedem vor Augen, Es gilt hier zu helfen und die Hände, welche noch nicht getroffen oder gelähmt wurden, zu öffnen. Was Noth thut, ist schnelle und sichere Hilfe. Unsere Stadt besitzt trefflich gehaute und reich ausgestattete Krankenhäuser, aber die Einrichtungen, um dem Bedürftigen die erste Hilf« angedeihen und sohneil ihn ins Hospital schaffen zu lassen, sind noch höchst mangelhaft oder fehlen sogar ganz. Hier soll für den einzelnen die Gesammtheit eintreten. Die vom Unfälle und von der Krankheit Verschonten sollen dem, welchen das Unglück traf, ihre Hand zur Rettung bieten. Das stellt sich die„Berliner Rettungsgesellschaft" zur Aufgabe und dazu fordert sie ihre Mitbürger auf. Nicht mit leeren Händen tritt sie heute vor die Oeffentliohkeit. Es ist ihr gelungen, die gössen staatlichen und städtischen, sowie die von religiösen Vereinen unterhaltenen grössten rankenhäuser Berlins mit einander in eine geordnete Verbindung zubringen. Jedes dieser Krankonhäuser: die Königliche Charit», die Königliche Klinik, die Krankenhäuser Friedrichshatn, Moabit, Urban, das Katholische Krankenhaus, die Anstalten der evangelischen Diakonie, Bethanien, Lazarus, : das jüdische Krankenhaus, haben einen regelmässigen Dienst für Tag und Nacht al« Hanpt- wachen der Berliner RettnnsaecMCllachaft. eingerichtet. Ein auch des Nachts beleuchtetes Schild kennzeichnet sie als solche. Alle diese Hospitäler sind mit einer Ccntralatello— Ober- wallatraaae 10— durch eigene Telephondrähte verbunden. In dieser Centrale empfangen täglich zwei mal— Morgens und Abends um 8 Uhr— Beamte der Gosellsohaft Nachricht über die in jedem Hospital freie Bettenzahl für Männer, Frauen und Kinder. Von der Centrale gehen wieder eigene Drähte �u den drei grossen K r a n[k e n t r a n s p o r t- G e s c h äf t e n unserer Stadt. Geschieht irgend ein Unglück oder will einer unserer Aerzte einen Kranken, der schneller oder besonderer Hilfe in einem Hospitale bedarf, dorthin schaffen lassen; so genügt es, der Centrale anter Amt 1 a, No. 6228, zu telephoniren, um in kürzester Zeit einen für den Krankentransport zweckmässig ausgestatteten Wagen an die betreffende Stelle zu bekommen. Die Kosten für dieses Fuhrwerk soll, soweit der Kranke dazu nicht im Stande ist, die Rettungsgesellschaft bestreiten. Dazu hat sie möglichst vortheilhafte Abmachungen mit den drei Fuhrgeschäften, die ihr in freigebiger Weise entgegenkommen, getroffen. Das ist, was die Rettungsgesellschaft jetzt schon erreicht hat. Von heute an ist ihre Thätigkeit eröffnet und jeder in den Stand gesetzt worden, wenige Minuten, nachdem er an die Centrale telophonirt hat, seinen Kranken in das nächste Krankenhaus, welches einen Platz frei hat, bringen zu lassen. Die„Berliner Rettungsgesellschaft" hat an erster Stelle gesorgt, sich dieMitarhoit der grossen öffentlichenKrankenhäuser zuverschaffen, und dann das Krankentransportwesen so zu ordnen, wie dies oben beschrieben ist Dadurch ist dem Bedürftigen die Stätte gesichert, wo er Pflege und Aufnahme, so gut als„ie der Staat und die Stadt nur bieten können, findet, ohne, wie das bis jetzt nur allzu oft geschehen ist, von einem Hospital zum andern sich schleppen zu lassen, um immer wieder zu erfahren, das» es für ihn keinen freien Platz giebt. Das hat jetzt ihr den aufgehört, der die Vermittelung der Centrale der Rettungsgesellschaft in Anspruch nimmt. Ebenso sind die Verhandlungen über die Kosten für den Transport, durch welche oft die beste Zeit für eine wirksame Hilfe verloren ging, beseitigt. Es ist die Aufgabe der Zentrale ihre Regulirung zu besorgen. Was die Berliner Rettungsgesellschaft noch weiter will und soll, ist die Errichtung von Rettungswachen überall in der Stadt, welche nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tage i den Verunglückton und Kranken offen stehen sollen. Dankbar ist anzuerkennen, was in ihrem schon langen Bestände und au» eigenen Mitteln die Sanitätswachen hierfür gethnn haben. Aber wer kann es leugnen, dass das Weichbild der Stadt Berlin von der Zeit her, da die Sanitätswachen gegründet wurden, grösser und hodürfnissreicher geworden ist? Die Sanitätswachen leisten ihren Dienst nur in der Nacht. Die Rettungsgesellschaft wünscht Tag und Nacht Dienst— durch Aerzte. In aufopfernder Weise sind ihr die Berliner Aerzte entgegengekommen. Die Aerzte eines Bezirks zollen die Organisation der Rettungswachen und ihre Verbindung mit der Centrale in Angriff nehmen. In welcher Weise das am besten geschehen kann, sollen nur die Aerzte in Verbindung mit den Einwohnern des Bezirks bestimmen und dabei durch eine ausgedehnte Vertretung in der technischen Kommission der Rettungsgesellschaft den ihnen gebührenden Einfiuss erhalten. Wo Anstalten und Fabriken, Vereine und Private durch eigene Stiftung von Rettungswachen mithelfen wollen, finden sie alle und alles hierzu bereit. Was andere Städte, namentlich Pest und Wien, sich in vollkommener Weise und lediglich durch private Wohlthätigkeit verschafft haben, ein organisirtes Rettungswesen in Unfall und Krankheit, müsste doch wohl auch das grössere und reichere Berlin sich erringen können! Es muss dieser Aufgabe in allgemeiner Weise nachkommen, d. h. durch eine Betheiligung aller, die ihre Hände noch rühren können. Deswegen wäre es ein Fehler, der grösser nicht gedacht werden kann, wenn die Allgemeinheit der Berliner Bürger und Einwohner hierfür nicht eintreten, sondern sich dabei beruhigen wollte, dass zur Zeit eine Privat-Gesellschaft, die der Berliner Unfallstationen, im Nohen- ......-••■......."'''"*-----------■«--<*—--ettründot— noch 'olikliniken treibt. geschält— denn sie ist urprünglich für Zwecke einiger Berufsgenossenschaften erste Hilfe und weitere Behandlung in ihren Privat-Ambulanzen oder Privat- Hier handelt es sich nm einen scharfen Gegensatz. Der privaten Angelegenheit steht die allgemeine dem Geschäfte die Gabe gegenüber..... Die Berliner Rettungs-Gesellschaft hat mit nur geringen Mitteln das erreicht, worüber sie eben Bericht erstattete. Ihr standen allein die Summen zu Gebote, welche eine frühere Sammlung von Vertretern der Aerzteschaft in Verbindung mit angesehenen Bürgern für eine Neugestaltung do» Berliner Reitlings- und Kranken- Transportwesens ergeben hatte, sowie Zuwendungen emer Kommission der Krankenkassen. Soll sie in der ganzen geplanten Ausdehnung ihren Aufgaben genügen, so braucht sie allerdings viel mehr. Indessen sie rechnet und hofft auf das Hinzutreten möglichst vieler Bürger Berlins. Ihre Mitgliedschaft soll durch eine jährliche Zahlung von nur einer Mark erworben werden, wobei selbstverständlich grössere und reiche Beiträge erwünscht und willkommen sind. Die Meldungen und Einzahlungen können in allen Apotheken geschehen.*) Es genügt hierfür, seinen Namen in eine dortiiegende Mitgliedsliste zu schreiben und die Mark oder eine grössere, Summ« einzuzahlen. Die eigenhändige Eintragung gilt als Quittung. Weitere Melde- und Em- zahlungastellen sind: I das Bureau der Gesellschaft in der Centrale(Oberwasserstr. 19); II. das Bureau dos Gustos im Langenbeckhause(Ziegelstr. 10/11)— Herr Anders; III. das medizinische Waarenhaus(Friedrichstr. 108)._ Endlich sind die unterzeichneten Vorstandsmitglieder bereit, Beitrittserklärungen entgegenzunehmen und über sie zu quittiren.. Wenn der Mensch aus dem Unglück wie aus den Wasserwogen, die ihn zu verschlingen drohen, sich erheben soll, so streckt er die Arme nach dem Nächsten, an den er sich zu klammem _ucht, aus. So wird ihm dieser, wer es auch sei, zum rettenden Freunde. Die Berliner Rettungsgesellschaft soll der grosso Freundschaftsbund sein, welcher bei dem Weh der Mitmenschen nicht in Ruhe bleibt, sondern Mitleid fühlt und Barmherzigkeit übt. Der Foratand der Berliner Rettangaceaellschaft: Professor Dr. E. von Bergmann, Geh. Medizinalrath. Direktor der kgl. Klinik, Generalarzt I. Kl. k la suite, Vorsitzender, Alexander-Ufer i. Geh. Sanitätsrath Dr. Becher, Präsident der Brandenburgischen Aerztekammer, Münzstrasse 1.— Es mann, Maurer- und Zimmermeister, Stadtverordneter, Vorsitzender der Nordöstl. Baugewerks- ßeruisgenossenschoft, Sekt. I, Grossbeeronstr. 60.— G. Fromberg, Kurfürstonstr. 132.— Richard V.Hardt, Rittergutsbesitzer, Thiergartenstr. 35.— Alb. Herrmann, Aug. Kuhntke, Centrale, Oborwasserstr. 10.- Geh Rath Professor Dr. Langenbuch, Chefarzt des Lazarus-Krankenhauses, Schiffbauer-Damm 18.— Dr. W. L e v y, Scharmstr. 9a.— Franz Ludwig, Centrale, Oberwasser- �tr.jLse 10.— Dr. Otto Hugdan, Knrfürstenstr. 139.— Spinola, Geh. Ober- Regierungsrath, Verwaltungs-Direktor der Kgl. Charitö und des Klinikums, Stadtverordneter, Unterbaumstrasse 7.— Ticnauer. Rechtsanwalt und Notar, Zimmerstr. 61. Dr. Biesenthal. Sanitätsrath.— E. Böhme, Pastor, Vorstand des Lazarus-Krankenhauses.— Freiherr von Broich, Geh. Ober-Regierungsrath und vortragender Rath im Staats- ministerium.— Richard Ermelor, in Firma: Wilh. Ermeler& Co.— Dr. Förster, Geh. Ober- Regierungsrath, vortragender Rath im Kultusministerium. Professor Dr. A. Frankel, Direktor der inneren Abtheilung des Krankenhauses am Urban.— Professor Dr. F ü r b r i n g e r, Direktor der inneren Abfcheilung des Krankenhauses Friedrichshain.— Dr. med. Genzmer.— Professor Dr. Gerhardt, Geh. Medizinalrath.— Professor Dr. Goldscheidor, Dirig. Arzt am Kranken-- hause Moabit.— A. Gora mert, Rendant der Allgem. Orts-Krankenkasse gewerbl. Arbeiter und Arbeiterinnen.— Engelbert Hardt, Kommerzienrath.— Dr. Arthur Hartmann, Sanitätsrath.— Emil Heck er, König). Kommerzienrath.— M. Hertling, Königl. Hof- und Amts- Zimmermeister.— Hermann Herz.— Wilhelm Herz, Geh. Kommerzienrath.-- Professor Dr.J. Jorael, Dirig. Arzt der chir. Abtheilung am jüdischen Krankenhause.— A. von K n o b e 1 s-' d o rf f- B r e n k e n h o f f, Oberstlieutenant und Geschäftsführer der Brandenburgischen landwirth- schaftlichen Berufsgenossenschaft.— Dr. Köllen, Sanitätsrath, dirig. Arzt der inneren Abtheilung am St. Hedwigs-Krankenhause.— Professor Dr. Fr. König, Geh. Medizinalrath.— Dr. Koppel, Sanitätsrath.— Dr. W. Körte, Direktor der chirurgischen Abtheilung des städtischen Krankenhauses am Urban.-- Kretsohmnr, Bildhauer.— von Lattre, Exzellenz, General der Infanterie z. D., Vorsitzender des Kuratoriums von Bethanien.-- Eugen Landau, Kgl. spanischer Generalkonsul.— Sanitätsrath Dr. Lazarus, Dirig. Arzt der inneren Abtheilung am jüdischen Krankenhause.— Prof. Dr. E. von Leyden, Geh. Medizinalrath.— Dr. med. E. L ö h 1 e i n.— B. L ö s e r, Königl. Kommerzienrath.— Dr. S. Marcuse, Geh. Sanitätsrath.— Professor Dr. A. Martin.— — Neubor. Geistlicher Rath.— Professor Dr. R e n v e r s, Direktor der inneren Abtheilung am Krankenhause{Moabit.— Professor Dr. E d m. Rose, Geheimer Medizinalrath und dirig. Arzt der chirurgischen Station in Bethanien.— Professor Dr. R o 1 1 e r, Chefarzt der chirurgischen Abtheilung am St. Hedwigs-Krankenhause.-- Dr. med. H. Saatz.— Louis Sachs, Stadtverordneter.— S artig, Maurermeister.— Schauer. Generalarzt I. Kl. und Geh, Ober-Medizinalrath.— Fritz Scheff, Rechtsanwalt.— Carl Schilling, Königl. Hof-Steinmetzmeister.— Philipp Sohlesinger.— R, S o h w a r z k o p f f, Fabrikbesitzer.— Professor Dr. Senator," Geh. Medizinalrath.— Professor Dr. Sonnenburg, Direktor der chirurg. Abtheilung am Krankenhause Moabit.— Fr. Stephany, Chefredakteur der„Vossischen Zeitung".— Dr. von Steinau- Steinrüok, Sanitätsrath, dirig. Arzt der inneren Station in Bethanien.— Jooef Sucher, Hofkapellmeister.— Albert Träger, Mitglied des Reichstages und preuss. Abgeordnetenhauses.— Vollmer, Raths-Maurermeister.— Justizrath Winterfeld, Generalkonsul.— Dr. R. Witte, Sanitätsrath.— W. von Wittgenstein. ffletmitiworUidjev Redakteur: August Jarobey in Berlin. Für den JnseratentHeil verantwortlich:?h. Glocke in Berlin. Druck und«erlag von Max Bading in Berlin. |r. 259 ■"»"!"i 2. Stiltgt drs„UmSck" Krim UcksW. Frkikg, 5. Nsvkmbtt 1897. Llnkrrm nrurflen Mnrs. Oktober 1. Düsseldorf. Genosse Mit tau 20 Mark und Genosse W i n d h o f s 100 Mark Geldstrafe»regen öffentlicher Be- leidigung. „ Hamburg. Ein Fabrikarbeiter»uegen Bedrohung 14 Tage Gefängniß.— Tie gleiche Strafe Genosse W a b e r s k y ivegci» Vergehens gegen Z 153 der Gelverbe-Ordnnng. „ Leipzig. 8 Tage Gefängniß der Ma»»rer Schiedler wegen VeltMöiguiig von Streikbrechern. „ Crcfcld. Wegen Beleidigung eines Fabrikanten Genosse Wolters 80 M. Geldstrafe. 2. Bremen. In der Berufungsinstanz Genosse Rhein ivegeu Belcidignng eincS Obersten 25 M. Geldstrafe. „ Ztvicka». Die Genosse» Lorenz und Vogel je 75 M. Geldstrafe ivcgen Verlibnug groben Unfugs. 6. Spandau. Der Maurer G r a in in wegen de» gleichen Delikts 2 Wochen Haft. 7. TrcSdcn. Eine Woche Gefängniß der Former Bergmann wegen Bedrohung. „ Stendal. 8 Genossen wegen Vergehens gegen das Vereins- gesrtz je 15 M. Geldstrafe. 8. Goldbcrg. Wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung der Zigarrenarbeiler S'ch u b e r t- Georgenthal drei Tage Gefängniß. 8. Mülhgilsx,,, Genosse Blieb 18 Monate Gefängniß wegen Veiächtlichmachnng von Slaatseinrichtungen.— Wegen jivlportngevergehcns Genosse Blintz 2 Monate Gefängniß und 20 M. Geldstrafe. K Magdeburg. Wegen Zengnißverweigernng Genosse Vahle 188 M. Geldstrafe. 1 1. Leipzig. In der Bernsungsinstanz der Maurer Kießling eine Woche Gefängniß wegen Vergehens gegen§ 163 der Gewerbe-Ordnung. „ Hamburg. Acht Monate Gefängniß Genosse Stenz el ivcgen Beleidigung des Königs von Belgien. „ Leipzig. In der Nevisionsinstanz Genosse Lütgen au 3 Monat« Gefängniß wegen Majeslätsbeleidignng. 12. Hauiburg. Wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung ei» Streikender 3 Wochen Gefängniß. „ Leipzig. 4 Monate Gefängniß Genosse Liebknecht in der 3ter>jsto»sinstanz wegen Majestälsbclcidignng. „ Nnrnbcrg. Ein Genosse wegen Vergehens gegen das Vercinsgesctz L5 M. Geldstrafe. , Leipzig. Wegen Slreikvergehens ei» Maurer 2 Woche», ein anderer 4 Woche» Gefängniß und 3 Tage Haft. 13. Königsberg. Genosse Erd man>» wegen Beleidigung des Offizierkorps 388 M. Geldstrafe. Antrag: 6 Monate Gefängniß. 18. Stettin. 3 Mark Geldstrafe Genosse Prochnow wegen V.rbreilnng von Drnckschrifle». „ Dortmund. Genosse Theiß wegen Beleidigung des Gendarm Munter 188 M. Geldstrafe. » Dresden. Drei Banaibeiter wegen Nöthignng drei bezw. eine» Monat Gefängniß. 21. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Vahle-Magdc- bnrg ivegen Beleidigung der Polizeibehörde 188 M. Geldstrafe. 21 23. 25. Bielefeld. Genosse Hossmann wegen Bernbung groben Unfugs 28 M. Geldstrafe. Liegnit;. Wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewe»be- Ordnnng ei» Wirker 5, zivei andere je 3 Monate, einer 2 und einer 1 Woche Gefängniß. Ein sechster erhielt 38 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung. Magdeburg. 3 VorstanosniitglUder der Sektion der Schiffer des Verbandes deutscher Hafenarbeiter je 15 M. Geldstrafe ivegen Vergehens gegen das Vereinsgeletz. Leipzig. I» der Revisionsinstanz Genosse H o f r i ch t e r» Köln 1 Monat Gefängniß wegen Beleidigung eines Notars. Saalfeld. Genosse Becker wegen Vernbung groben Unfugs 188 M. Geldstrafe. Köiiigsbcrg. Wege» Beleidigung eines Oberförsters Genosse Erd mann 14 Tage Gefängniß. Leipzig. Der Maurer E b e l i» g 12 und seine Kollegen K r a lz und B e r g n e r je 6 M. Geldstrafe wegen Ueber- lrctnng der Straßen-Ordnnng. Magdeburg. Wegen Vergeben? gegen das Vereinsgesctz Genosse Bernstein 25 M. Geldstrafe. Elberfeld. Vier Monate Gefängniß Eenoffe Grimpe ivegen mehrfacher Belcidignng. Bielefeld. Genosse Hoffmann wegen Beleidigung eines Polizeibeamten 188 M Geldslraie. Zivickau. 58 M. Geldstrafe Genosse Gold st ein wegen Beleidigung eines Slcigers. Stade. Wegen Belcidignng der Polizeibebörde Genosse id a n f s in a n n in Harburg 200 M. Geldstrafe. Gera. Ein streikender Weber wegen Vergehens gegen§ 153 der Geiverbe-Ordnung 3 Tage Gefängniß. Leipzig. I» der Revisionsiiistanz Genosse Schöpflin 1 Monat Gefängniß wegen Beleidigung der Polizeibehörde. Erfurt. Genosse Hülle wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz 38 M. Geldstrafe. „ Laugciibielan. 50 M. Geldstrafe Genosse Feld mann ivcgen Beleidigung des Abg. Schoos. „ Haiiiburg. Wegen Belcidignng des antisemitischen Führers Porzellanmalcrs Raab, Grnosfc Korn- Kicl 288 M. Geldstrafe. Jn-gefamint wurde erkannt aus 1861 M Geld- und 4 Jahre Monate 2 Wochen und 3 Tage Gefäiignißstrnfe. Berlin, den 3. November 1837. _ D er P a r t e i v o r st a n d. 26. 27. 28 30. VerZÄntmIttttigen. Eine öffentliche Koinniuiiallvählcr- Brrsaiumluiig für den litt, und Ll. Wahlbezirk tagte am Mittwoch bei Brochnow, in der die Gcnossen T h. Mehner und R. Mi lln r g über:„Die „liberale" Vonrgeoisie in der Sladtveriretung und die Arbeiterklasse" rcferirlen. Während der Genosse Mehner in seinem Bortrnge das Verhalte» der freisinnigen Majorität im„Rothen Hause" in treffender Weise kennzeichnete und deren Stellung zn de» von den sozialdemokratischen Vertretern eingebrachten Anträgen, insbcfoiiders bei denjenigen, welche die Schule und das Sttbmissionswescn be- treffen, kritisch belenchtele, erörterte der Kandidat für den 13 Wahl- bezirk Gen. M i l l a r g die vcrschiedentlichen Aufgaben, welche die Sladtvcrivnllnng zu ersiillen hatte, aber bisher unberücksichtigt ließ. Der Redner, der eingangs das gegenwärtige Wahlsystem zur Stadt- verordneten-Verfaminliing einer Kritik unterzog und darauf hinwies, daß die liberale Partei seinerzeit wohl in der Lage war, die Städte- Ordnung in dieser und auch in anderer Beziehung, wenn sie den Willen dazu gehabt hätte, freiheitlicher zu geslallen, behandelte sodann in eingehender Weise das Verhältniß der Stadtverwaltung zn den in ihren Betrieben beschäftigten Arbeitern. Er verwies auf die Zustände in den Gasanstalten und aus andere von der Stadt selbst verwaltete Betriebe und auf die unwürdigen Zustände in den- jenigen, welche die Stadt an Private, unbekümmert um die von den betr. Unternehmern festgestellten Lohn- und Arbeitsbedingungen, verpachtet hat. So z. B. werden wohl aus den der Stadl gehörigen Ltestaurauts, Markthallen, Ntathhanskellcr u. f. iv. hohe Pachtsumincn hcransgeschlagen, dafür aber sind die Gastwirthsgehilfen, die daselbst beschäftigt sind, direkt auf die Trinkgelder der Gäste angewiesen, weil diese auch in den städtischen Betrieben keinen Lohn erhalten. Ebenso wenig wie in diesen Beirieben geregelte Arbeitsbedingungen vorhanden sind, wird auch bei der Vergebung von städtischen Ar- beiten an die Unternehmer, entgegen den Forderungen der sozial- demokratischen Verlrelcr, keine Rücksicht ans die Arbeiter g«« nomine». So wurden unter anderem die Drucksachen für die Stadt in einer Druckerei hergestellt, in der nicht einmal der Tarif bezahlt wurde, der üblich und von den Unterrnehmern und Arbeitern gemeinsam aufgestellt ist. Bei der Schilderung der Miß- stände des Snbniissionsivesens führt der Redner an, daß es vor- gekommen sein soll, daß nicht nnr einer, sondern mehrere mit städti- scheu Arbeiten betraute Sleinsetzmeister, die der Stadt gehörigen Pflastersteine von den Slätteplätzen abgefahren und sich dieselben nngceiguet haben. Die Ansführnngeii beider Referenten wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Nach einer kurzen Diskussion und einem kräftigen Schlußwort deS Genossen M e tz n e r, der zur regen Betheiligung bei den Wahlen aufforderte und einen Appell an die Frauen richtete, daß sie, soweit ihnen dies möglich, mitarbeilen. um dem Klindidateii der Sozialdeinokralie zum Siege zu verhelfen, erfolgte der Schluß der Versammlung. In Wilmersdorf fand am Mittwoch ein« öffentliche Pariei- Versammlung stall, in der Genosse Görke ans Charlottenburg über reu Hamburger Parteitag Bericht erstattet«. Er ließ anZ- siilnlich die in Hamburg gepflogenen Deballen Revue passiren. Die Hallung Schippel's zum Militarismus fand der Redner unerklärlich und anfS äußerste zu tadeln. Ter Beschluß des Purteilags in der Landtagswahl-Frage sei ans dem Geist der Theoretiker der Partei entsprungen. Durch die Annahme deS Zu- satzcs zur Resolution Bebel sei man noch mit dem blauen Auge davon gekommen. Die Rcsolnlion lasse zu, daß man, wo die Gc» »ossen eS nicht für angebracht halten, von der Wahlbelheiligimg absehen köniic. Davon würde jedenfalls zahlreich Gebrauch ge- macht werden. In der Diskussion meinte der Vorsitzende Behrcnd, daß es im Wahlkreis Teltow- Bceskoiv- Charlolleiiburg gänzlich aussichtslos sei, an den Landtag ivahlcn lhcilzunehmcn; es sei des« ivcgen besser, das Geld, das eine Wahl loste, zu sparen. Die Ver« sammluiig erklärte schließlich ibr Einvcrsländniß mit dem Verhallen der Tclcgjitcn des Kreises auf dem Portcilag. Ter bisherige Verlraneiismann erstattete sodann seinen Bericht. Es bat sich eine Einnahme von 882 M., eine Ausgabe von 536 M. ei geben, bleibt ein Ueberschuß von 66 M. Es haben eine Kreis-, drei Volksversammlnngcn, eine Agitalionstonr und fünf Flugblatt- vertheilimgeii slatigesunden. Zum Verlraneiismann sür Wilinersdorf wnrde sodan» Genosse Klinge nberg gewählt. In die Lokalkommissio» wurden Nene, Greß, Gollmer gewählt. Die drei Lokalkommissions- Mitglieder haben zugleich die Funktion als Revisoren auszuüben. Kür den Inhalt der Inserate nberiiiinmt die Redaktion dem Piibliknin gegenüber keinerlei Verantwortung. Freitag, den 5. November. Opernhaus. 3. Symphonie- Abend der königl. Kapell«. Echanspielhaus. Helgas Hochzeit. Ansang 7V2 Uhr. Deutsches. Die versunken« Glocke. Ansang 7V, Uhr. Berliner. Der Pfarrer von Kirch- selb. Ansang IV, Uhr. Goethe. Ein Sommernachtstraum. Anfang 7-/- Uhr. Lesstng. Hans Huckebein. Anfang 7-/2 Uhr. Neues. La morte civile(Der bürgerliche Tod). Ansang 7»/, Uhr. Nesideiiz. Odette. Anfang Uhr. Schiller. Das Stärkere. Mitten in der Nacht, ilufang 8 Uhr. Unter de» Linden. Die Groß- Herzogin von Gerolstein. Anfang 8 Uhr. Luisen. Maria Stuart. Anfang 8 Uhr. Thalia. Tohu-Bohu. Ans. 7>/z Uhr. Ofteiib. Ain Altar. Anfang 8 Uhr. Eentral. Berliner Fahrten. Ansang 7i/, Uhr. Friedrich• WIlheln, städtische». Die Hexe. Ansang 8 Uhr. Alexanderplatz. Im Sumpf- Ans. 8 Uhr. Neichshallen. Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. «lmerica». Berlin, wie's näht und trennt. Anfang 8 Uhr. «Polls. Spezialitäten. Ans. 71/, Uhr. Feen.Palast. Spezialitäten. »-a Schillrr-lllhraker (Wallner-Thcater). abends 8 Uhr: Das Stärkere. Hierauf: Mitten in der Nacht. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Stärkere. Hierans: Mitten in der Nacht. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Dritte Vorstellung im Schillcr-Cyclus: Don Carlos. Abends 8 Uhr: Papa Nitsche. Luisen- Theater 34. Reichenbergerstrasle 34. Abends 8 Uhr: Maria Stuart. Ein Trauerspiel von Fr. v. Schiller. Sonnabend: Z u m 3. Male: gas alte Iled. Schauspiel in 3 Aufzügen von Felix Philippi. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Volks-Borstellnng zu kleinen Preisen unter Regie von�al!«» Türk; Maria Stuart. Billets ä 60 Pf. zu der Sonntag- Nachmittag-Bolksvorstellung in den -bekannten Verkaufsstellen. Urania �Taubcnatranac 48—40. Katurkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissonschaftl. Theater. InvalidcnstrasseKo. 57/68: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschlilge! Passage-Panoplicum. Y om 6. d. M. ab: Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. BVa-lO Uhr. Castan's Fanopticnm. Friedrichslr. 165. Bären weil» die grösste Sehenswürdigkeit des ablaufenden Jahrhunderts ist wieder da!!! NPH 1 1talienische Kapelle nCU. des Maestro Liberti, 5 Herron, 2 Damen. Ostend-Theater. Gr. Franksurlerslr.löS. Dir. C. Weist. Heute auf Verlangen: Am Altar. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: Großes — Frei-Konzert.— Sonnabend: Die Gcistcrglocke. Sonn- tag Nachmittag Volksvorstellung zu halben Preisen: Lieder des Musi- kanten. Abends: Klippen der Weltstadt. Maehr'sTheater Oranlenstrasse 84 Wäglidx Tlieatcr- n. Spexlalltaten- Vorstellnng. UfoTitüten-Prosram»>• U. 0.; Deta Waldau, U. a.: bildschöne Kostüm> Soubrette. Xenl Mr. Gilfon Neu! und Miss Margaritta, Jongleur und Equilibrist. Neu! Des Berftostenen Heimkehr. Schauspiel. . Wochentags 8 Uhr. » Sonntags 6 Uhr. Preis« wie gewöhnlich. Central-Theater »llte Aakobstr. 30. Direktion Hicliard Mchnltx. Freitag, den 5. November 1897; llmll Tliomnis n. G. Zum 63. Male: Berliner Fahrten. Burleske AiiSstattmigSpossemitGcsang und Tanz in 6 Bildern von Fulins Freund»nd Wilhelm Mannstäd t. Mnnl von Inf Einödshojer. Ansang i/t8 Uhr. Morgen inib die soigciideii Tage: Berliner Fahrten. Keietttdatlen-Ttiealer. lielpEiscmU-assc 77. Erfolg auf Erfolg!,! I'axton'a ScliUnheits- (iallerle! Die verrückten Musiker Morlay's! Noch immer der Kassen-Magnet; Das flammende w Räthsei? Ein Programm, wie es schöner nicht sein kann. Anfang des Konzerts 71/2 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entrde 56 Pfg. Im Eeichshallen-Tunnel: Militär-Off en«y-Concert, Kapelle des 5. Garde-Gren.- Ecg. in Uniform. Anfang 8 Uhr. Entrea 20 Pf.| Thalia- Theater. Donnerstag, den 4. November 1837: Zum 81. Male: Hotel Tohu-Bohu. (L'Anberge dn Tohn-Bobu.) Vaudcville in 3 Akten von Maurice Ordonncau. Deutsch von Viktor Leon. Musik von Viktor Roger. _ Morgen: Dieselbe Vorslellimg. Volks- Tiieatei* im WcIt-Rcstanrant 97. DreSdener-Ttraste 97. Novität! Täglich: Novität! Ö diese Radler! Possen- Burleske von O. R 0 e d e r. Das Damenregiment. Operette von Elp.— Mustl von E i» ö d S h 0 f e r. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Woche»- _ tngS 7'/, stbr. ttuarg' Vaudeville Theater Grand-Hotel Alcxaiiderplast. Die 1. Orig. Budapester (Lautzky und Spitzer) bringen heute, Freitag, 5. Novbr.: 8«ie�e lllaadelkaani u. Hfeseiie Geititer. Riesenerfolg erzielen allabendlich die unvergleichlichen Spe- zialitätcn: Neu l Frl.«hrist'l Schönau. Morgen, Sonnabend, den 6. November: Madame Le- ntoui und Chinesische Thee- hansgeschichte. In Vorbereitung: Das Modell! Burleske von Leonh. Haskel. Dazu: Das Armband. Schwan! von Malwine Müller. W. Noack's Theater Brnnnen-Slrassc 10. Heute, Freitag, 5. November: Die Grille. Ländliches Charakterbild in 5 Auf- zügen von Charlotte Birch-Pserfer. MM- Sonnabend wegen Privat- fesilichleit keine Vorstellung. Eine Selieasvi iiediAkelt der Residcux ist nn- ■trcltig Gebrüder Herrnfeld's 1. Original-Budapester Vossen- u. Operetten- Tlieatcr in Kaufmann's Variete. Ganz Berlin spricht von Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. Einen nenenjnbelnden Erfolg erzielt das Gastspiel des Tenors Gustav Schmidt vom Stadttheater in Leipzig. Ausserdem; Nene 8pezialltliten und Attraktionen. Concerthaus I.eipzigerstr.Mo.48. Täglich: Hoffmann's Quartett und Humoristen. Wltfrtllrt' Sonntag 7 Uhr MWg. Wochcnt. 8 Uhr U. a.: Walde alS„Rofel von»er Mosel«. Horst als»Primadonna«. Hoffmann als„Junggeselle«. Zum 205. Male:„Lene. liebe Lene«. «3 Feen-Palast 88 Itnrgstr. 88. Dir.: Winkler 4t ErObel. Neu! Die Neu! Kallet-Ratten. Hauptrollen Rich. W i n l l e r und Wilhelm F r ö b e l. Da�u das neue seniattonelle Novcmber-Prograiilin n. a. Woipcrt Tris— Greffens Adolphi». Cmesto Niesricö — Frid Hanson- Ballet Bar- barina und die hier so beiiebleu lebende» Photographie». Anfang 71/. Uhr. Sonntags 6 Uhr. Enlrce 30 Ps. bis 1,50 M. Firens linsel» (Itnlinliof ROrse). Freitag, 5. Novbr., abds.-V, Uhr: Sports-Äbettd. AM- Zum 3. Male in dieser Saison: Aach Mmtn. DaS großartigste»»er NianSge- Schauftülkc. Neu arrangirt, neu ausgestattet. ollständig neue Einlagen.«-WL Außerdem: Die vorzüglichsten Frei- ycttsdreffuren des Direktors Busch. Sign. Eorradini als Schnlreiter u. Dresseur. Ailstr. d. berühmten Schul- reiterin Mine. Maria 1» o r<5. Sämnttl. neu engagirten Spezialitäten. Gebr. Batta i Eine Belocipede-Fahrt an der Zirkusdecke. Morgen: Räch Sibirien. Sonntag: Zwei Borstellungen, nachm. 4 und abends 7'/, Uhr(Nachmittags 1 Kind unter 10 Jahren frei): weitere Kinder zahlen auf allen Plätzen halbe Preise. Abends: Nach Sibirien. Alcazav Variitd- Theater X. Ranges, Dresdenersiraßc 52/53(Cith-Passage) Anneiistraße 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Vornehmster Familien- Ausenthalt. Neu! Novität t Neu! vor Mer�verfUkrer. Große Allssiattnnas-Opcrctte in 1 Akt von Leop. Ely. Musik von Holländer. Ren! Vorher: Neu l In tansend Aengsten. Lustspiel in I Alt. Austreten sämnttl. Kunst-Spczialitöten. AillilUll' Wochentags 8 Uhr. 41 II| II Ii sj» Sonntags 61/2 Uhr. AGt- Entree!i<»»'f.«WW Reservirtrr Play 50 Ps. Uohnru7t' Sanssouci Kottvuser Straffe Nr. 4 a. Dir. H. Pierry. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Stürmischer Beifall. — Kolossaler Lach-Erfolg.— Spreeathener. 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Anfang der Vorstellung 8 Uhr.__ Wohl fühlt sich bei jetziger Wittenmg, wer Brannenstrasse JJO (neben dem Pferdebahn-Depot) beiAgnatzSello bezieht anerkannt gut. gtiim, 1/1 FI. C/ä Ltr.) inkl. von 99 Pf. vorziigl. Gliihwcin-Gxtr. V.Fl- CA Ltr.) inkl. FI. 0. 1,19 Mk. an, Jngiver, Pfeffermnnz- u. ff. Liqneure Vi Liierst, inkl. 1,19 Mk., V. Liierst, inkl. 55 Pf., StonSdorfer inkl. Ong.-Fl.(V. Ltr.) 89 Pf.. Halb 11. Halb, feinste Limieurmischimg, per V, Champagner-Flasche inkl. 99 Pf., alten Nordhäuser per Liter 59 Ps., süft. Ungarmciu, Orig.-Fl.(V2 Ltt) inkl. von 99 Ps. an, sowie sämmtl. Sorten Weine, Cognacs 11. s. w., Spirituosen auch im Einzelverkauf mir zu Eligrosprctscn. Billigste Bezugs- emelle. DM" Bitte genau aus Nr. 119 Brunnenstr. Nr. 119 zu achten. H. Ehert's Festsäle Koniniundanteastrasse 78. 21�- Habe noch einige Sonn- abende u. Sonntage im November und Dezember frei.-Wqg 1445b 27. November sofort gratis zu vergeben. 3324»« Nieft'S Msätt. Webcrstr. 17. fite! Hütt! 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Abthcilungen am Sonntag, den It. November d. I., vormittags 9 Uhr gefälligst einzufinden: Zlbthcilnng I: Alle im Südosten und Süden Beschäftigten im Lokal Von Arn»mann, Naunynstr. 27, zur Wahl von 69 Delegirten. Abtheilnng II: Alle im Südwesten, Westen und Zentrum Beschäftigten im Lokal des„Englischen Gartens", Alexanderstr. 27 o, znr Wahl von 73 Delegirten. Abtheilnng III: Alle im Nordwesten und Norden Beschäftigten im Lokal von Schröder, Müllcrstr. 178, zur Wahl von 59 Delegirten. Abtheilnng IV: Alle im Nordosten mid Osten Beschäftigten im Lokal von N t e f t, Weberstr. 17, znr Wahl von 51 Delegirten. Abtheilnng V: Alle berechtigte»(einzelzahlenden) Mitglieder am Freitag, de» 12. November d. I., abends 8�/, Uhr im Lokal von Buske, Grenadierstr. 33, zur Wahl von 23 Delegirten. Die Herren Arbeitgeber am Sonntag, den II. November d. I., vormittags II Uhr, iin Lokal von Frädrichs, Alte Jalobstr. 89, zur Wahl von 126 Delegirten. Die Wahl ist geheim. Abgabe der Stimmzettel daher in den ersten vier Avtheilnngeu von 9—12 Uhr vormittags, in der Abtheilnng V von 8Vz bis 10 Uhr abendS, bei den Arbeitgeber» von 11 bis 1 Uhr mittags. Die Stimmzettel dürfen nicht mehr Namen enthalten, als oben die Zahlen angegeben sind, ferner müssen die Stimmzettel enthalten: Vor- und Zunamen, die Wohnung und die Buchnummer der zu Wählenden. Stinnuzettel, welche obige Angaben nicht oder wehr als die betreffende Zahl der in den Abtheilungen angegebenen Zahlen enthalten, sind ungiltig. Um 12 Uhr wird der Wahlakt in den ersten wer Abtheilungen geschloffen, in der fünften Abtheilnng abends 10 Uhr, bei den Arbeitgebern mittags 1 Uhr und die Ermittelung des Wahlresultats beginnt. Wahlberechtigt und wählbar sind männliche und weibliche Knffenmitglieder, welche großjährig(21 Jahr) und im Bcsib der biirgerlichcn Ehrenrechte sind. DaS Legitimationsbnch ist beim Eintritt in das Wahllokal und bei Abgabe des Stimmzettels vorzuzeigen. Die Herren Arbeitgeber und Betriebsunternehmer werden daher dringend ersucht, den Mitgliedern ihre Legitimationsbücher zum Zweck der Wahl auszuhändigen. Die Herren Arbeitgeber legitimirc» sich durch das ihnen durch die Post zugesandte Schreibe». Berlin, den 1. November 1897. 268/8__ A. Härtel. Vorsitzender. Künstl. Zählte in tadelloser AuS- lührung v. 3M� Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen mitt. Cocain, Clorsthhl, Chlorofort» und Lachgas unter Leitung eines prall. Arztes. Bei Bestellung v. künstl. Zähnen Zahn- ziehen, Zahnreinigcn umsonst! Raten- zahlung gestattet, Woche 1 M.* Onckcl, Lausitzcr Platz 2, Elsasserstraßc 12, Steglitzerstraße 71. Strilkwolle-Ansverkanf.* Neste in Zcphyr und Nockwolle zu Fabrikpr. Holzmarktstr. 60, H. l. 1. Tr. dirUcn ein ganze« Jahr. sind absolut waschecht. Eliulgstor Schutz vor eom Erfasstwerden rotlrender Maschlnenthelle. Wichtiger als das Mar- kenklebcn. Angabe ob Hein, mittel, tros», eztranrosi. Halb-Invalldo werdeu als Agenten angestellt. II. 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(Ohne Bewahr.) 62 Iii 886 346 419«64 736 69 83 jSOOl 938 1262 86 343 75 493 794[1500] 999«IL« 33 235 401 53[3000] 504 95 708 40 43[1500] 999 3110 12[30001 41 274 827 410 49 0-21 46 96 742 7 2 965 4092 112 483 533 1300] 52 749 89[30001 871 913 72 5032 123 220(500) 367 556 CG« 93 98 701 30«431 1300] 698 622 78 13000] 707 1300] 32 57[3001 807 7091 113 221 345 561 63 698 718 [500] 45 802 98 910 58 8116 255 380 484 519 66 617 751 874 937«02« 116001 85 441 78 589 948 69 10079 140 253 67« 99 708 937 ,111« 115000] 602 911 27 13061 75[30001 78 264 310 45 66 431 53 78 512 76 655 56 77 897 1«298 321 1300] 400 30 769 865 14034 110 351 487 542 643 793 820 89 919 20 1 5077 234 458 64 548 65 650 924 91 10108 239 99 339 97 451 679 93 977 17016 195[1500] 241 322 569 91 683 775[1500] 962 [300] 18200 99 312 679 636 878 10026 72 321 405 38 729 86 20061 89 444 611 632 76 742 95 850 67 21101 32 45 85 392 529[16001 613 46 808 99 925 82«2010 63 413 611 43 23067 117 557 90 98 645 87[5001 737 823 24[300] 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Zieh, mg d. 4. Mnsse 197. Kgl. Prenß. Lotterie. Ziehmig vom 4. November 1327,«achnilttitgl. Nur die Beioinne über 310 Mark find de» benehende» Nummern lu Parenlhese beigefügt (Ohne Eewahr.) 61 103 31 4 462 83[300] 548 51[300] 957 1 380 94 429 58 823 «12 54 84 94 3132 231 83 454 555 617 764»244 326 637 612 744 71 87 847 4061 258 78 387 88 511 783 806 7 974 82 5359 483 710 72 817 79 900«105 51 201 355 429[3000] 41 44 50 60 699 774 814 16»026 94 128 1600] 38 87 347 815 67[3001 928 46«052 114 221 33 396[300] 766 824 31 0067 146 336 448 573 735 858 810 26 IO007 58 278 320[500] 402 85 626 735 66 893 1 1212 857 422 57 60 606 668 717 24[3000] 826 92 12098[3000] 204 11600] 444 803 926 45 61 1:1310 75 648 720 24 1300] 34233 397 409 508 627 69 11500] 85 99 720 981 83 15130 49 513 744 47 l«065 183 210 61 442 528 92[1500]— 704 26 951 17015 170 299[300] 415 500 80 834 924 1H079 142 201 349 519 659 66 89 705[1500] 6 46' 328 441 589[500] 628 702 16 98 821 964 20080 213[600] 20 49 99 606 801[1500] 68 83 967 81044 256 487 573 610 702 83 847 961 75 82028 308 4 602[3000] 20 871 23247 477 520 33 714 845 49 84373 732 916 17 39 25102 73 325 56 84 438 685 840 77 957 2«007 76[500] 223 50 513 31 36 73 8b 721 900 27018 61 HO 261 307 492 541 59 755 70 2 8249 62 317 33 53 427 583 748 72 823 31 48 71 20004 8 64 212 396 459 82 711 30 822 947 68 30295 389 489 625 619 753 884 969»1037 115 294 575 850 13000) 56 82255 474 532 57 90 öl 629 738 972 ;>:»021 200 39 316 538 664 741 84134 419 58 696 792 «69 33181 409 654 70 715 854 969 80082 119(5001227 62 603 728 800 73 993»»013 181 82 355 96 473 511 [30001 1« 639 91 788 832 983 88068 102 86 497 598 [3000] 627 915«0028 218 40 99 345 84 538 80 708[3001 30 36 58 957 80 40238[300] 75 458 614 615 44 89 917 41 092 256 78 [3001)] 821 932 4 2052 83 87 175 452 653 730 827 950 48159 66 248 402 511 99 646 67 901 46(15001 91 4 4073 163 355 4 95 45002 25 306 444 639 46 90 960 40150 66 280 336 66 420 76 604 36 852 47005 80 146 202 [IStOl 325 405 91 567 662 80 700 878 901 52 48004 109 «9 21 6 96 337 73 402 10 33 54 632 829 918 68 40133 Ci i zaq ßrvQ qc QO.» ueo 40202 40 326 56 13000] 413 21 541 51 60 65? 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Für den Jnseraleutheil neraittwortlich: Th. Glotte in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin.