Einzelpreis 4.- Mk. Die rethe t" ericbeint täglich einmal als Morgenausgabe und Montags als Abenbausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freie Der Bezugspreis Welt"" Frauen- Welt" und Der Jugend- Genoffe". beträgt bet treter But- flung ins Haus für den Monat August 70,- M., im voraus zahlbar Feitellungen nebmen fämtliche Boftanstalten entgegen. Bernsprecher: Sanfa 1970, 1971 unb 1972. Redaktionssekretariat: Dönhoff 5593. Verlag und Exped. Berlin NW 40, Kronprinzennfer 27, I. 355210 Sonntag, den 27. August 1922 5. Jahrg, Nummer 314 Die zwölfgespaltene Nonpareillezeile oder beren Raum foftet 25,-., einschließlich Inferatensteuer. Aleine Anzeigen: Das fettgebrudte Work 4, M., tedes weitere Wort 3- M. einschließlich Inferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 16, M. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: bas fett gedruckte Wort 3,- M., tedes weitere Wort 2,- M. Redaktion: Fernsprecher Dönhoff 4190, 4191 und 4192 Berlin SW, 68, Nitterstr. 75, III, Freiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Regierungsmaßnahmen gegen Hungersnot Woche um Woche verrinnt Berlin, 26. August. Heute vormittag fand unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten ein Ministerrat statt. an dem alle Reichsminister beaw. in ihrer Vertretuna die Staatssekretäre teilnahmen; auch ein Vertreter der preußischen Staatsregierung wohnte der Sibuna bei. Auf dem Gebiete des allgemeinen Wirtschaftslebens sind vom Reichskabinett zwecks Verringerung des Bedarfs an Einfuhrdevisen bereits Beschränkungen in der Einfuhr von Lurusaegenständen beschlossen; ferner werden Erhöhungen der Ausfuhrabaabe in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Es find Maßnahmen in Vorbereitung, um die reine Devisenspekulation durch eine pertodisch erfolgende nachträgliche Kontrolle der getätigten Devisengeschäfte zu unterbinden. ohne daß durch dieie Maßregel der notwendige Devisenhandel für die Bedürfnisse des Geschäftsverkehrs bes hindert werden soll. Ob auf dem Gebiete des Geldwesens und der Valutagestaltung, insbesondere im inneren Gelda marft noch weitere Maßregeln getroffen werden können, unterliegt noch der Prüfung. Der besonders wichtigen Sicherstellung der Voltsernäh rung sollen folgende Maßnahmen dienen: Die angebahnte Regelung der Kartoffelversorgung für den Winter wird durch nachdrückliche Förderung des Vertragsabschlußics zwischen Erzeugern und Verbrauchern weiter verfolgt werden. Die Verwertung von Kartoffeln in den Brennes reien wird auf das mit Rücksicht auf die Viehhaltung ge= botene Mindestmaß beschränft. Die Teuerungszuschüsse für bedürftige Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene find mit Wirkung vom 1. August 1922 erhöht worden und erhöhen sich mit Wirkung vom 1. September 1922 um durch.chnittlich weitere 66%. Die Hauptfürsorgestellen sind ferner ermächtigt, für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene Wintervorräte vorichußs weise zu beschaffen. Auch die Mittel der Sozialen Fürserge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene sind vers doppelt. Die Verdoppelung der Mittel für Kleinrentner steht bevor. Die Bezüge der Sozialrentner sind erst vor furzem aufgebessert worden. Verhandlungen über weitere Hilfsmaßnahmen stehen vor dem Abschluß. Um eine bessere und sparsame Ernährung besonders bedürftiger Volfsfreise zu ermöglichen, soll der Ausbau und die Erweiterung der Volks, Kinder- und Studentenspeiseanstalten soweit wie frgend möglich angestrebt werden. Auf dem Gebiete des Transportwesens find von der Reichsbahnverwaltung alle Vorbereitungen getroffen, um für den Winter einen möalichit aeregelten Abtransport der Kohlen, der Kartoffeln und des Getreides zu sichern. Der Lokomotivbestand ist gegen das Vorjahr etwas, der Bestand an Güterwagen erheblich vermehrt. Es bestand im Ministerrat Einmütigkeit darüber, daß die Uebertretung der bestehenden und der neu hinzukommenden, im Intereffe des Volksganzen erlassenen Verbote unter scharfe Strafen, insbesondere unter Gefängnisstrafen gestellt werden müßte. Das Reichsfabinett ist entschlossen, in Erkenntnis der Gefahren, denen bei einer weiteren Verschlechterung der wirtIchaftlichen Lage weite Bevölkerungsschichten ausaeiebt sein I würden, mit schnellen und umfassenden vorbeugenden Maßnahmen einzugreifen. Die in der Sibung des Ministerrats vorbereiteten und hier skizzierten Absichten der Reichsregierung werden am Montaa mit den Vertretern der Länder durchberaten, nach ihren Anregungen eventuell erwei tert und unmittelbar durchgeführt werden. Durch geeignete Maßnahmen wird eine fachgemäße Ber. teilung des Zuders im nächsten Wirtschaftsjahr herbet geführt werden. Die Verwendung von inländischem Zuder zur Herstellung von Trinkbranntwein wird verboten, die Verwendung von inländischem Zucker zur Herstellung von Süßigkeiten weitgehend eingeschränkt. In Aussicht genommen ist ferner nach Einvernehmen mit den Ländern ein Berbot der Herstellung starter Biere. In der angesichts der hohen Fleischpreise besonders wichtigen Frage der Ver= sorgung der Bevölkerung mit Seefischen soll auf eine genügende Versorgung der Hochseefischerei mit deutscher Kohle hingewirkt werden; die Belteferung mit deutscher Kohle würde es gleichzeitig ermöglichen, ein Verbot des Löschens in fremden Höfen au deutsche Fischsampfer und ein Ausfuhrverbot für Seefische zu erlassen. Dem ärgernißgebenden und widerlichen Treiben in den Schlemmergaststätten und in manchen Vergnügungslokalen muß Einhalt geboten werden; es ist Aufgabe der Länder und Gemeinden, durch Steuern und sonstige durchgre fende Maßregeln diefem wachsenden und beschämenden Unfug entgegenzutreten. In der preußischen Staa 3reaterung tit be= reits eine Verfügung vorbereitet dahin. daß bei Behandlung von neuen Konzessionsgesuchen für Schanklokale das Be dürfnis grundsäklich verneint werden solle. Auf dem Gebiete der Fürsorge für die notle dende Bes völkerung sind vor allem verstärkte Silfsmaßnahmen für Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterbliebene, Sozial- und Klein rentner eingeleitet. Dieser offiziöse Bericht über die Ministerratssigung ist so allgemein gehalten, daß man wenig darauf eingehen fann. Die getroffenen und angekündigten Maßnahmen sind notwendig. Sie reichen bei weitem nicht aus, der schlimmsten Not zu steuern. Noch notwendiger aber ist, daß schnell eingegriffen wird. Jede Stunde Verzögerung gebiert neue unübersehbare Gefahren. Die organisierte Aushungerung des Volkes| schwerde bürgt die Tatsache, daß die Agrarier sich der BeAls die Freiheit" vor zwei Monaten die geheimen Richtlinien des Landbundes zur Sabotage der Getreideumlage veröffentlichte, famen von agrarischer Seite Ableugnungen und Anschuldigungen gegen die Verleumder", die dem Landbund Dinge unterschieben, an die fein Agrarier denfe. Mittlerweile sind weitere Anweisungen seitens des Landbundes ergangen, die sich in der gleichen Richtung bewegen und die auf eine Aushungerung der Städter und auf die Erhöhung der Getreidepreise bis zum Weltmarktpreis hinauslaufen. Da seitens der Regierung energische Maßnahmen gegen die Sabotageversuche der Agrarier nicht unternommen wurden, schwoll diesen natürlich der Kamm und sie setzen nun erst recht ihre Agitation fort, um die Ablieferung des Umlagegetreides zu hintertreiben. So hat der Pommersche Landbund, Kreisgruppe Rügen, am 22. Jult ein Schreiben an seine Mitglieder verschickt, in dem es u. a. heißt: Der Landbund wird sich dieser Getreideumlage gegenüber folgendermaßen verhalten: Jede Mitarbeit, welche die Getreideumlage fördert ( Ernteschäzungen, Verteilerausschüsse und dergl. wird vera weigert. Jedes unserer Mitglieder soll sofort nach Zu= stellung der Umlage Beschwerde erheben und auf Grund des§ 4 des Gefeßes seine Lieferungsfähigkeit nach der Wirtschaftslage, dem Ernteergebnis, den Pachtpreisen, Unkosten usw, bestreiten. Die Beschwerde wird durch die Beschwerdeausschüsse entschieden. In diesen Beschwerdeausschüssen hoffen wir einen dos minierenden Einfluß an erhalten und in allen Fällen, in denen Beschwerde erhoben worden ist, eine Abstimmung dahin zu erreichen, daß die Beschwerde als begründet an= gesehen ist. Das heißt, die Agrarter werden feinen Finger rühren, sie werden im Gegenteil den Behörden alle erdenklichen Echwierigkeiten machen und werden, um vorerst der Lieferungspflicht zu entgehen, Beschwerde gegen die ihnen auferlegte Umlage erheben. und für den Erfolg der Be schwerdeausschüsse bemächtigt haben. Ausländische Arbeitervertreter beim Reichskanzler Der Sekretär der 2. Internationale, Tom Shor, der Vizepräsident der Gewerkschaftsinternationale, Leon Jouhaur und ihr Sekretär Udo Fimmen wurden heute nachmittag 4 Uhr vom Reichskanzler Dr. Wirth empfangen. Sie crjuchten ihn um Auskunft über eine Reihe von Fragen, die der Reichsfanzler bereitwilligst gab. Insbesondere fragten die Arbeitervertreter, ob die Sicherheit der Republik und der Temokratie in Deutschland genügend gewährleistet sei, auch angesichts der Absprechung der Schutzgesetze durch die Verhandlungen mit Bayern. Der Reichsfanzler erwiderte, daß abgesehen von der drohenden Wirischaftsgefahr die Republik als ganz gefestigt angesehen werden könnte. Er unterrichtete dann die Vertreter der Internationale über den Stand der Reparationsverhandlungen und legte ihnen dar, daß Deutschland Pfänder nicht geben könne, ohne sich wirtschaftlich vollig zu ruinieren, daß es aber sonst in seinem Erfüllungswillen bis an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen sei. Für die von der Internationale veranstaltete Enquete über die wirkliche Wirtschaftslage Deutschlands konnte der Reichskanaler reiches Material beisteuern. Er wies auch darauf hin, daß die Regierung entschlossen sei, durch energische Maßnahmen der wucherischen Ausbeutung der Notlage des deutschen Volkes tatkräftig entgegenzuwirken. Aufhebung der Reforsionen Berlin, 26. August. Die Zeitungsmeldungen über die teilweise Aufhebuna der französischen Retorsionsmaßnahmen werden durch eine der deutschen Regierung zugegangene amtliche Mitteilung der hiesiaen französischen Botschaft nunmehr bestätigt. Danach werden einstweilen neue Massenausweisungen von deutschen Einwohnern Elsaß- Lothringens nicht mehr erfolgen. Die Sequestration der Güter der Ver triebenen ist aufgehoben. Auch die deutschen Guthaben sind wieder freigegeben. Die Aufhebuna der weiteren Retor= fionsmaßnahmen wird für den Fall der Zahlung der restlichen Ausgleichsrate in Aussicht gestellt. Während die Abgesandten der Entente in Berlin ihrer Suche nach produktiven Pfändern oblagen, erlebte die Mark ihren tiefsten Sturz. Man sollte meinen, daß diese neueste Katastrophe auch auf die Stegerländer nicht ohne tiefen Eindruck bleiben könnte, z= mal die diesmalige Verwinzigung der Mark auch beträchtlich am Mark sowohl der englischen wie der französischen Währung zehrte. Die Verhandlungen in Berlin verliefen resultatlos. Die Reichsregierung hat, wie schon aus den gestrigen Meldungen zu era sehen war, die französische Forderung, deutsche Forsten und Staatsbesitz als Pfänder in Gegenleistung für ein Moratorium auszuliefern, abgelehnt. Frankreich verlangte diese Pfänder besonders mit Hinweis auf rückständige Lieferungen an Holz und Kohle. deutsche Gegenvorschlag, einen Betrag in Gold, ents sprechend dem zu errechnenden Betrage für Rückstände an Holz und Kohle im besetzten Gebiet, zu deponieren, wurde als undiskutierbar abgelehnt. Der Damit waren die Verhandlungen wieder einmal auf dem toten Punkt angekommen. Es ist schließlich noch ein letter Vorschlag der Reichsregierung den Herren Bradbury und Mauclère unterbreitet worden. Danach ist die deutsche Regierung bereit, die Deutschland auferlegten Holz- und Kohlelieferungen durch bestimmte formulierte, mit Konventionalstrafen ge= festigte Lieferungsverträge mit den Produzenten die Reparationslieferungen sicherzustellen. Mit diesent Vorschlage glaubt die Reichsregierung die Befürch tungen Frankreichs zu zerstreuen, die deutsche Industrie könne sich bewußt der Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen entziehen. Die deutschen Industriellen hatten zuvor zu diesem Vorschlage thre Zustimmung. gegeben, da die Bereitschaft der Bergarbeiter, Ueberschichten zu verfahren, ihnen diese Zustimmung er mögliche. Die Vertreter der Reparationskommission haben diesen neuen Vorschlag ohne Gegenäußerung mit auf die Heimreise genommen. Auch die neuesten Verhandlungen haben also nicht in geringstem Maße das Dunkel aufzuhellen vermocht. Die Unsicherheit mit all ihren Gefahren für die europäische Wirtschaft, besonders für Deutschland besteht weiter. Wie weit Europas Wirtschaftsmöglichkeiten heruntergekommen sind, beleuchtet drastisch das Urteil des in Weltwirtschaftsfragen sachverständigen ameri fanischen Banfiers Vanderlip, der am Freitag einem Korrespondenten der Londoner„ Daily Mail" erklärte: Ich befürchte, daß es fast schon zu spät ist, um einige Länder des Kontinents vor dem finanziellen Zufammenbruch zu retten. Deutschland geht dem finanziellen Chaos rasch entgegen, das in Desterreich schon besteht. Deutschland ist bankerott. Frankreich befindet sich finanziell in einer fritischen Lage, und die finanzielle Lage in Italien ist außerordentlich schwierig. Ju feinem Lande hat sich bis jetzt ein Staatsmann gezeigt, der den Mut hat, den Tatsachen offen ins Auge zu sehen." Jm Augenblick braucht es noch nicht zu spät zu sein. Noch ist nicht alle Aussicht entschwunden, durch eine wirklich durchgreifende Hilfsaktion der totwunden europäischen Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Aber diese Hilfsaktion muß bald einsetzen. Es geht mit ungeheurer Geschwindigkeit dem Abgrund entgegen. Darf man sich mit Hoffnungen auf Ginhalt des Elends tragen? So wild, wie zuzeiten der Londoner Konferenz, schäumen augenblicklich die Wogen der französischen Presse nicht, wenngleich das Echo von den produktiven Pfändern noch nicht sonderlich abgeebbt ist. Gleichzeitig schallen aber auch verschnupfte Stimmen aus dem englischen Blätterwald. Die deutsche Regierung habe sich bei den soeben beendeten Verhandlungen zi 1510 einsichtslos gezeigt. Die deutsche Arbeiterschaft steht den auf eine voll ständig verfehlte, alles ruinierende Reparationspolitik zurückzuführenden Ereignissen der jüngsten Zeit ohn mächtig gegenüber. Es ist ihre Pflicht, mit allen Mitteln auf Regierung und Politik einzuwirken, dem weiteren Anschwellen des Teuerungselends entgegenzutreten. Durch den ADGB. sind eine Reihe von Forderungen der Regierung unterbreitet worden. Sie fönnen lindern, aber nicht vor dem Untergang retten. Aus dem gegenwärtigen Chaos ist Deutschland, ist ganz Europa ohne Hilfe von außerhalb Europa nicht herauszubringen. Diese Hilfe aber wird ihm nur erstehen, wenn eine Politik eingeschlagen wird, die das Chaos nicht fortgesetzt mehr verwirrt, die denen, die Hilfe gewähren können, auch die Zuversicht gibt, daß das Chaos nicht verschlingt, was eventuell hilfespendend Europa zugewendet wird. Denn solche Hilfe wird doch durchaus nicht der schönen Augen willen,| sondern nur in der Hoffnung auf gute Zinsen gewährt. Solche Hilfe muß aber bald fommen, wenn es nicht zu spät werden soll. Die letzten Kauffraftschwunde der Mark übersteigen alles bisher in einem so großen Wirtschaftsgebiet wie Deutschland dagewesene. Hat man in Desterreich schlimmeres erleben müssen, ohne daß es vor der Hand große neue außenpolitische Verwidelungen schuf, so darf man doch nicht vergessen, daß eine gleiche Katastrophe in Deutschland sich auch weltpolitisch ganz anders, geradezu unheilvoll auswirken müßte. Die Arbeiter, Angestellten- und Beamten schaft sind über die Grenze des Erträglichen weit hinausgetrieben. Wenn es bisher tros alledem ohne Unruhen abging, so ist das einzig und allein der guten Disziplinierung zu danken. Doch man soll sich nicht täuschen. Kommt der über Hunger und Verelendung fich erhebende Vulkan zum Ausbruch, so muß er alles verschütten und vernichten auf lange Zeit hinaus. Und der Trümmerfelder und Menschenopfer sind wahrlich genug, als daß nicht jeder mit Grauen davor zurückschreckte, in Ereignisse eingeteilt zu werden, die die Ruinen und Gräber der Kriegs- und Nachkriegszeit noch vermehren. Ueberschichten und Kohlenpreise Die ,, Boffische Zeitung" teilt mit, daß die Bergarbeiter fich bereit erklärt haben, wöchentlich dreimal zwei Ueberstunden au leisten. Die Lage auf dem Kohlenmarkt sei unhaltbar ge wesen und der Beschluß der Bergarbeiter anerkennenswert. Allerdings wäre es nicht zu verstehen, marum die Bergarbeiter nicht täglich eine Stunde länger arbeiten wollten. Der Betrieb war noch immer auf die achtstündige Arbeitszeit eingestellt und würde eigentlich nur dann rationell ausgenust. Befürchtungen wegen Verlängerung der Arbeitszeit seien nicht am Plate, denn die Arbeitszeit war doch gesetzlich festgelegt. Dann teilt die Vostsche Zeitung" die neuen Lohnjäße mit und gibt die Tagung des Reichskohlenrats bekannt, der am 30. August über eine Erhöhung der Breise beschließen wird. Im Anschluß folgt folgender Paffus: „ Durch den scharfen Sturz der Mark ist die beinahe ver Loren gegangene Konkurrenzfähigkeit dem Weltmarkt gegen: über, wenigstens was den Preis anlangt, wieder hergestellt worden. Während noch im Juli und Anfang August der Preisunterschied gegenüber dem Weltmarkt nicht mehr als 200 bis 300 Mart betrug, besteht augenblicklich, wenn man den neuen Preis etwa mit 3400 bis 3500 Marf in Ansab bringt, eine Differenz von rund 8000 Mart, da unter 11 000 Marf ab Samburg feine englische Kohle zu haben ist. Es ist ersichtlich, daß für längere Zeit der deutsche Bergbau nicht in der Lage ist, für den vierten Teil der Bezahlung zu arbeiten, die der englische Berabau verlangt." Was hat nun die Konkurrensfähigkeit der deutschen Kohle auf dem Weltmarkt zu bedeuten? Wir hören doch immer, daß die deutsche Kohle nicht zureicht und das DeutschLand ein Defizit von jährlich hunderte Millionen Zentner hat. Im übrigen läßt die Bossische Zeitung" durchblicken, daß die Preiserhöhungen bedeutend sein werden, well man auf die Existenz der Gruben Rücksicht nehmen müsse. Es tommt also immer wieder darauf hinaus, daß, wie die Dinge auch liegen mögen, zunächst der Profit der Kapitalisten ge fichert werden muß. dos indiegma Neuss Beamtengesetz in Sachsen Dem sächsischen Landtag ist gestern ein Gefeßentwurf über die Pflichten der Beamten zugegangen, der zur Festigung der verfassungsmäßigen republikanischen Staatsform dienen und deshalb möglichst schnell verabschiedet werden soll. Der Gefeßentwurf begründet zunächst die Pflicht der Be amten zur Einstellung auf die Republik in enger Anlehnung an das entsprechende Reichsgeseh. Der Beamte muß in seiner amtlichen Tätigkeit für die verDer General auf Rädern Von Ignaz Wrobel. „ Hier in München wird es täglich nießer. Am Montag tommt Hindenburg. Da wird es besser."( Aus einem Iuftigen Münchener Brief.) Wir haben in Deutschland so eine Art patriotischer Feuerwehr: Wenn irgendwo etwas los ist, dann wird der gute, alte Papa Hindenburg aus der Schachtel geholt und ein bißchen aufgebaut. Jetzt war er im Salonwagen in München. Man muß in der Münchner Seitung" die Richtlinien" gelesen haben, die da für die Empfangsfeierlichkeiten des geschlagenen Generals veröffentlicht waren. Wie im tiefsten Frieden. Der Nummel war ganz genau organistert: mit der strengen Trennung von Herren und Kerls, mit der fauberen Scheidung von gewöhnlichen Offizieren und Stabsoffizieren, mit den Vorschriften über Anmarsch, Abmarsch and Anzug( für Fahnendeputationen dunkler Anzug und Joher Hut!) und es braucht nicht betont zu werden, daß 3 die alte schnarrende Kasinofprache war, in der alles gegrieben stand. Man hörte ordentlich die Stimme, die das diftiert hatte:„ Unbedingt muß vermieden werden, daß ein zelne Vereine für sich selbständig zum Hofgarten marfchieren..." und: Die versäumte Zeit kann durch Ueberstunden oder in sonstiger Weise eingebracht werden."( Durch dieses Ju sonstiger Weise" haben wir den Krieg verloren. So war alles organisiert. Nur nicht Ludendorffs Flucht.) Ja, also München. Wer an diesem Jahrmarft teilnahm-? Run, Mitglieder jener in anderen Bundesstaaten verbotenen Mordorganisationen. Mitglieder aller möglichen und unmöglichen Offistersbünde und ähnliche Ueberflüssigkeiten. Das rottete fich zusammen und begeisterte sich vorschriftsnäßig. Nicht ohne dabei gewissermaßen von Amts wegen einen wehrlosen Republikaner, den tapferen Hauptmann Chüzinger, in Massen zu überfallen. Soweit der deutsche Mannesmut. Was die Reichswehr anging, so hatte Geßler, der ganzfich abgeseeckte Geßler, nicht die Macht, die Teilnahme der republikanischen Wehrmacht an einer rein monarchistischen Demonstration zu verbieten. Und weil er durch seine Unfähigkeit diese Macht nicht mehr in Händen hat ob er fie je besessen hat, ist fraglich, deshalb erlaubte er der Reichswehr, die ihn in Bayern gar nicht mehr fragt, sie dürfe sindenburg an einem abgesonderten Ort" empfangen. Was darunter zu verstehen ist, weiß ich nicht: die Herrenfaffungsmäßige republikanische Staatsform eintreten und allgemein alles unterlassen, was mit seiner Stellung als Beamter der Republik nicht zu vereinen ist. Darüber hinaus bringt der Gefeßentwurf eine vollkommene neue Ge= staltung sämtlicher Disziplinargerichte, die erheblich über die Vorbilder des Reiches und Preußen hinausgeht. Die Besetzung der Disziplinargerichte ausschließlich mit Berufsrichtern wird ebenso beseitigt, wie das Uebergewicht der richterlichen Mitglieder. Den Disziplinargerichten braucht fünftig überhaupt kein Berufsrichter anzugehören. Für die Spruchkammer genügt ein Mitglied mit Fähigkeit zum Richteramte und für den Spruchhof, die Berufungsinstanz, zwei solcher Mitglieder. Die Amtsdauer aller bisherigen Disziplinargerichte endet am 30. September. Endlich bringt das Gesez eine außerordentlich weitgehende Erstreckung des Begriffs der politischen Beamten, die jederzeit durch das vorgesetzte Ministerium einstweilen in den Ruhestand versetzt werden können. Zu diesen politischen Beamten sollen gehören, die Ministerialdirektoren, die Ministerialräte, die Kreishauptleute und ihre Stellvertreter, die Amishauptleute, der Präsident und Vizepräsident des Staatsrechnungshofes, der Präsident des Statistischen Landesamts, der Präsident der Brandversicherungstammer, der Leiter des Landeswohnungsamts, der Letter des Perfonalamts beim Ministerium des Innern, der Vorstand des Landesamts für Kriegerfürsorge, die Bezirksschulräte, die Oberstudiendirektoren, die Oberstrafanstaltsdirektoren, der Generalstaatsanwalt und sein Stellvertreter, die Oberstaatsanwälte, sowie alle planmäßigen Beamten der Staatskanzlei, der Ministerten, der auswärtigen Vertretungen Sachsens, der Landgendarmerie, der Kriminalpolizei, der Landespolizei und der Polizeiämter, soweit diese Beamten mindestens der Besoldungsgruppe XII angehören. Um dieses Gesez noch zu verabschieden, werden Regierung und sozialistische Parteien das Bestreben auf sofortige Auflösung des Landtags aufs Nachdrücklichste befämpfen, " Freie Fahrt" dem Tüchtigen Wozu Schlaubeit gut ist, teilt die Berliner Volkszei tung" mit: ,, lettert da an jedem Sonnabendnachmittag auf dem Bahnhof Rottbus ftolz und wohlgemut ein jurger Herr auf die Lokomotive, zeigt dem Lokomotivführer einen richtiggehenden Ausweis, der ihn zur Benuzung dieses, fedem anderen Zeitgenossen strena verbotenen Großfraftfahrzeuges berechtigt, und fährt auf Reichsunfosten zu den lieben Eltern nach Sorau. Am Sonntag abend erflimmt der Passagier dann in Soran ebenso siegesbewußt den Rokomotivführerſtand und läßt sich vom schnaubenden Dampfroß gratis und franko zurückbefördern. Wie erklärt sich das Geheimnis dieses verwunderlichen Vorganges? Ganz einfach. Der junae Mann aus Kottbus hat sich, um zu feinen fostenlosen Wochenendfahrten" zu gelangen, bei der Technischen Nothilfe" gemeldet und macht seine wöchentlichen Erholungsreisen als sogenannte ,, Ausbildungsfahrten" auf der Rotomotive," Wozu doch die„ Teno" nicht alles gut ist! Beschlüsse der Zentralkörperschaften Am 25 und 26. August tagten die zentralen Körperschaften unferer Partei. Gingehend wurde über die Frage der Einigung verhandelt. Eingangs wurde berichtet: Die grundfäbliche Bereitwilligkeit beider Parteien, die Einigungsverhandlungen ernsthaft in die Wege zu leiten, ist vor= handen. Die Bentrallettung wurde beauftragt, mit der SPD. über die Vorbedingungen zur Vereinigung offiziell zu verhandeln. Mit der Erfüllung dieses Auftrages wurden die Genossen Crispien, Dittmann und Hilferding betraut. Außerdem tagten die drei Körperschaften gemeinsam mit der Neichstagsfrattion. Besprochen wurde die bayerische Angelegenheit als auch die Notwendigkeit wirtschaftlicher Maßnahmen, um dem gegenwärtigen Rotstand entegenzuwirken. Es wurde beschlossen, mit den übrigen Organisationen, toilette des Münchener Hauptbahnhofß wird es wohl nicht gewesen sein. Und wiederum ereignet sich der Skandal, daß dieser abgetakelte General mit der schlechten Tradition des schlechtesten Preußens( das doch Bayern angeblich so haẞt) daß dieser Mann die Parade vor Leuten abnimmt, die wir bezahlen. Aber schließlich: er bekommt ja für seine jetzige Tätigkeit auch von uns die Pension, und so ist denn alles in schönster Ordnung. Aber es muß eimal im Ernst hier ausgesprochen werden: Wenn dem alten Mann feiner in Güte sagt, daß es eine politische Taft- und Geschmadlosigkeit ist, in solchen brenzlichen Stunden, in Seiten solcher Spannung verbrecherische Hezdemonstrationen abzuhalten, dann müssen sie ihm eben verboten werden. Hindenburg in Ostpreußen Sindenburg in Bayern wie lange noch? Von seiner Person sehe ich dabet ganz ab. Ich kann beim besten Willen und bei aller Rücksichtnahme auf die grauen Haare des Mannes feinen deutschen Offister achten, der es fertig bekommen hat, den toten Erzberger zu beschimpfen und ihm ins Grab nachzurufen: Wie? Man sagt, daß ich Ihnen einmal, nach dem Waffenstillstand, die Hand gedrückt habe? Das ist nicht wahr! Ich habe Ihnen niemals die Hand gegeben! Seit die Weltgeschichte steht, haben noch immer Generale ihren Waffenstillstand unterzeichnet und nicht Zivilisten vorgeschickt, die das ausfressen durften, was jene ihnen eingebrockt hatten. Die Kapitulation tit Sache des Feldherrn. Dazu war Herr Hindenburg zu feige. Er hatte mit Foch zu verhandeln- er hatte jenen Waffenstillstand zu erbitten, den er bei der deutschen Regierung dringlichst gefordert hatte. Schlechte Mittelware. Wir lehnen das erste Mitglied der Obersten Heeres. Ieitung, dieser deutschen Unterschätzungskommission, ab. Und wir rücken nachdrücklich von einem Vertreter der plattesten Ungeistigfeit ab, die heute noch nicht begriffen hat, was unter ihm angerichtet worden ist und wir grüßen voller Ernst und Scham die belgischen Witwen und Waisen, deren Männer und Väter damals ermordet worden sind. Hindenburg übt augenblicklich seinen Beruf im Umhersiehen aus. Kaum ist das Land ruhig, kaum gelingt es, unter den schwierigsten Umständen zur gedeihlichen Zu sammenarbeit zu kommen, dann taucht irgendeine uniformierte Schießbudenfigur auf und heßt die Leute auf. Ein geplagter Mann aber die Auftraggeber lassen nicht locker. Ein General auf Rädern. Er muß feste ran, Die Frage ADGB., AFA und SPD. in Fühlung zu bleiben und über weitere geeignete Maßnahmen sich zu verständigen. In die Kommission, die mit der Erledigung der letterwähnten Aufgaben beauftragt wurde, wählte man die Genossen und Genoffinnen Aufhäuser. Dißmann, Herß. Kersten, Sander, Simon und Wurm. Bentralleitung, Kontrollkommission und Parteirat be schäftigten sich in einer gemeinsamen Eitung vom 25. Auguft auch mit der fatastrophalen Wirkung der Geldentwertung auf die Parteieinrichtungen und die Parteiorganisationen. Sie halten für unbedingt erforderlich, daß die Bezirks leitungen mindestens allmonatlich die Parteibeiträge den jeweiligen Verhältnissen anpassen müssen. Von dem statutarischen Recht(§ 6 Absatz 1), Mindest beiträge feftauseßen, machen die obengenannten Instanzen nur soweit Gebrauch, daß sie ab 1. September 1922 eine Verdoppelung der jetzigen Betträge, mindestens aber Sie Leistung für Männer auf 5 Mark pro Woche, für weibliche Mitglieder auf 2,50 Mart festsetzen. Die Mitgliedschaften haben danach zu streben, ab 1. Ot tober 1922 die Monatsbeiträge annähernd den jeweiligen Stundenlöhnen in ihrem Bezirk gleichzustellen. Die gegenwärtige Zeit erfordert mehr als bisher aftionsfähige Organisationen. Sollen die Organisationen aber aktionsfähig bleiben, müssen sich die Mitgliedschaften in erhöhtem Maße opferwillig.zeigen. Zum Parteitag. Die Bekanntmachung der Zentralleitung vom 10. August, wonach bei den Delegiertenwahlen zum Parteitag der§ 14, Absatz 5 des Organisationsstatuts zu beachten sei, wird auf gemeinschaftlichem Beschluß des Parteirats und der Zentral leitung unter Sustimmung der Kontrollkommission aufges hoben. Es bleibt hiernach bei der Ausschreibung der Urwahl vom 25. Juli und der Wahlordnung, befanntgemacht am gleichen Tage. Anträge von Parteiorganisationen find bis zum 15. Sep tember spätestens bei der Zentrallettung einzureichen. Berlin, den 25, August 1922. Die Zentralleitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Die bestochene USP. entlarvt. So frohlockt die Rote Fahne"( Nr. 193), indem sie eine Erklärung unserer Ortsgruppe Neunkirchen vom 12. August für ihre dunklen Swede mißbraucht. Aus den uns vorgelegten Originalpapieren geht hervor, daß keinerlei französische Gelder in Frage kommen. Die Prüfung der Gefamtunterlagen erhärtete diese Tatsache. Jede Behauptung, daß unsere Saargebietsgenossen durch französische Gelder bestochen. ihre Zeitungsgründuna mit Bestechungsgeldern vor genommen wurde, ist deshalb eine elende Unterstellung. Im übrigen wird den Neunkirchener Genoffen Gelegenheit aegeben werden, unter Teilnahme eines Vertreters der Rentrale Einblick in die geschäftlichen Angelegenheiten zu nehmen. Berlin, den 25. August 1922. Ludwia. Kassierer der USP. Adolf Schwarz, Mitglied der Kontrollkomm Erklärung. Die Rote Fahne" stellt zum zweiten Male an die reis heit" die Anfrage, welche Rolle ich im Saaraebiet ipiele. Sofern in der Roten Fahne" feine Analphabeten fitzen, fonnte sie sich die Antwort aus Nr. 39 der Saartribüne" holen, Im übrigen fordere ich die Note Fahne" auf, ihr Material der Deffentlich eit zu unterbreiten und sich nicht in Verdächtigungen zu ergehen. Ein solches Gebaren ist mehr als eigentümlich. Arno Bruchardt, M. d. R. Wilhelm auf Freiersfüßen. Die Times" teilt mit, daß der frühere deutsche Kaiser die Absicht habe, sich demnächst mit einer deutschen Witwe aus föniglichem Hause zu ver heiraten. Möge es ihm ebenso gut bekommen, wie das Solabaden. taucht auf: Habt Ihr bloß den einen?" Nein, sie haben noch einen. Herrn Ludendorff. Weitaus das fleinste Gehirn und das größte Mundwerk im Lande. Ein Verleumder und Hochverräter( Kapp!), der dem von ihm zitierten Buche ,, Die Weisen von Zion" ein neues:„ Die Dummen aus dem Großen Hauptquartier entgegenzustellen hätte. Freuen wir uns, daß wir zwei solcher Kerle haben! Bilder zur Geldentwertung Einst Jezt 1 Weste 1 Baar Kinderschathe Man fonnte Faufen: Für 1000 M 20 Anzüge 900 1 gutes labier 800 100 Mastgänse 700 " " 5 Milo Feinfilber " 600 1 Motorrad SP 500 1 Wohnungseinrich urg 400 1 Milchfuh PP 300 " 1 Waggon Kartoffeln 200 1 Monat Badereise 100 75 1 Nuderboot 19 50 1 seidenes Damenkleid 10 1 Meter Brennholz 5 1 Mideluhr 4 1 Riste Zigarren 3 5 Zentner Briketts 1 " 1 Mittagsmah! 1 Nähmaschine 1 Herrenhut 5 Kilo Blei 1 Kilo Baumwolle 2 Paar wollene Frauenstrümpfe 2 Pfund Butter 2 Mandel Gier 1 mal Uebernachten nich mal 1 Rolle Dbergarn 1 Stehfragen 1 Taschentuch 1 Bleistift 1 Pädchen Stednadeln 2 Zigaretten 112 Schachteln Zündhölzer 1 Nagel viel der vielleicht fräftig genug ist, sich daran aufzuhängen leicht auch nicht. ( Aus dem Hamburger Echo".) Tagesnotizen Der Besuch der Staatlichen Museen in Berlin bat jest baburch eine Er leichterung erfahren, daß an Jebermann Semestertarten au 10 Mart und Sabrestarten au 20 Mart im Sentralbüro, Altes Museum am Luftgarten, Aur Ausgabe gelangen. In der Ausgabe von Jabrestarten au 10 Mart an etubierenbe und Schüler bat fich nichts geändert. Das Semester rechnet ftets bon April bis einschließlich September beam, von Oftober bis ein fchließlich fommenden März und das Jahr von April bis einschließli Tommenden März. n Die Kammerspiele des Deutschen Theaters bringen zur Hauptmannfeier Dienstag, den 20. d. M. eine Reueinstubierung des Lustspiels Die Jungfern bom Bischofsberg", das Mittwoch und Donnerstag wiederbolt wird. Montag den 28. d. m, gelangt in Abänderung des Spielplans Zolitois Er ift an allem fchuld", Gogols Spieler" und Tschechows Beiratsantrag", mit ger mann Thimig, Mag Gilstorff und Karl Hannemann in den Hauptrollen zur Aufführung. Die Winterspielzeit des Deutschen Theaters wird mit bet Premiere bon Gerhart Hauptmanns Saifer Karls Geifel" eröffnet. Jetzt oder später? Zur Einigungsfrage. un. In der vorletzten Nummer der Freiheit" veröffentlicht Genosse Dr. Rosenfeld einen langen Artikel über die Einigung des Proletariats. Er läßt darin die Ereignisse seit dem Rathenau- Mord Revue passieren, spricht sich gegen das Votum der letzten Reichskonferenz der Partei aus, gegen die Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Reichstagsfrattionen, gegen die Zustimmung der unabhängigen Reichstagsfraktion zum Schutzgesetz für die Republik und gegen die Vereinigung der USP. und SPD. im jezigen Augenblick. Genosse Rosenfeld legt das Schwergewicht seiner Argumentation auf den Beit punkt, auf das jetzt". Seiner Meinung nach ist die SPD. jetzt noch zu reformistisch eingestellt und er glaubt nicht, daß die besten Vereinbarungen über Programm und Organisation der heutigen USP. die Möglichkeit geben können, in ihrem Sinne die Praxis der Bereinigten Sozialistischen Partei" zu einer revolutionären zu gestalten. Eine Verschmelzung der beiden Parteien zum jezigen Zeitpunkt ist deshalb nach Rosenfelds Meinung verfrüht. In breiten Schichten des sozialistischen Proletariats aller Richtungen urteilt man über diese Frage entgegengesetzt wie der Genosse Rosenfeld. Man ist sich auf Grund bitterer Erfahrungen darüber klar geworden, daß die Zersplitterung und gegenseitige Befehdung eine der Hauptursachen der Ohnmacht des ProIetariats ist. Nicht zu früh, sondern eher zu spät kommt diesen Genossen die Einigung, wenn sie jetzt erfolgt. Es ist auch nicht so, als wenn die Einigungsfrage im Anschluß an die Aktionen onläßlich des Rathenau- Mordes plößlich unvermittelt aufgetaucht set und jetzt verwirklicht werden soll, ohne daß sie im ProTetariat genügend diskutiert worden wäre. Man kann im Gegenteil behaupten, daß in den letzten Jahren feine Frage so stark diskutiert worden ist, als die Einigungsfrage. Wenn das Proletariat später einmal die seit der Revolution bis jetzt verflossene Zeit fritisch würdigen wird, so wird es vielleicht als eine der schwersten Fehler dieser Zeit feststellen, daß die proletarische Einigung nicht erfolgte, daß der historische Augenblick für die Einigung der Ausbruch der Revolution war und daß man damals nicht nur gemeinsam Regierungen und Arbeiter- und Soldatenräte hätte bilden, sondern vor allem die einheitliche politische Organisation des sozialistischen Proletariats hätte wiederherstellen müssen. Der Drang breiter proletarischer Massen ging damals zweifellos nach dieser Richtung. Der Glaube an die hinreißende und aufbauende Kraft zündender Parolen einerseits, die Anlehnung an die Mächte des alten Regimes andererseits verhinderte in jener ersten Revolutionszeit die Durchführung dieses instinktiv von den Massen richtig erfaßten Gedankens. Aber jedesmal, wenn seitdem die Bedrohung der Errungenschaften der Revolution und des proletarischen Emanzipationskampfes durch die Reaktion be= sonders bedenkliche Form annahm, lebte der Gedanke der Einigung wieder elementar auf. So in den Januartagen 1919, beim Sapp- Butsch 1920, beim Erzbergermord 1921 und nun nach dem Rathenaumord 1922. Die Abwehr der Reaktion hat die Arbeiter der sozialistischen Parteien jedesmal zu gemeinsamen Aftionen zusammengeführt und die gemeinsame Aktion hat dann immer den Wunsch hervorgerufen, das Zusammenarbeiten zu einem dauernden zu gestalten, die politischen Kampforganisationen zu ver= schmelzen. 1312 Vor einem Jahre, vor dem Erzbergermord, hatte sich bereits eine starke Annäherung zwischen USP. und SPD. herausgebildet, vor allem infolge der politischen Unterstützung, die dem im Mai des Vorjahres, anläßlich des Londoner Ultimatums, gebildeten Kabinett Wirth durch die Usp. in der Außenpolitik zuteil geworden war. Der Erzbergermord führte die Parteien noch näher. Diese Entwicklung wurde damals jäh unterbrochen durch Görlitz und die dort ausgesprochene Bereitschaft der SPD., sogar mit der Partei des Großfapitalismus eine gemeinsame Regierung zu bilden. Gleichzeitig erfolgte in Görlig eine unfreundliche Abfage an die USB. Das war ein Reis in der Frühlingsnacht". Man darf wohl behaupten, daß ohne Görlitz die Verschmelzung von USP. und SPD. bereits im Anschluß an den Erzbergermord gekommen und heute vollzogene Tatsache wäre. Die Koalitionspolitik und ihre Ausdehnung auf die Stinnes- Partei war in Görliß zwischen USP. und SPD. als Scheidewand aufgerichtet worden. Darauf war der Leipziger Parteitag der Usp. mit seiner Absage an die Koalis tionspolitik der SPD. die Antwort. Das war psychologisch natürlich und politisch notwendig. Als nun der Rathenaumord die sozialistischen Parteien wieder zu gemeinsamer Aktion zusammenführte, wurden dadurch zugleich auch die Hindernisse fortgeräumt, die durch Görlig einer Annäherung und Vereinigung der beiden sozialistischen Parteien berettet worden waren, wurde der Faden dort wieder angeEnüpft, wo er nach dem Erzbergermord zerrissen wor den war. Er wurde weitergesponnen in dem gemeinfamen Arbeiten der beiden Reichstagsfraktionen bei der Beratung der Schutzgesetze für die Republik und der Bildung der Arbeitsgemeinschaft der beiden Fraftionen. Jetzt" soll die Vereinigung der beiden Parteiorganisationen folgen. Dieses„ Jetzt", an dem Genojie Rosenfeld so starken Anstoß nimmt, ist ganz Logisch und organisch herangeretft und wird von den Massen durchaus nicht als ein zu früh" empfunben. Sie begrüßen es im Gegenteil freudig, daß jetzt sendlich" ihr Sehnen nach Einigung Erfüllung finden wird. Es ist charakteristisch dafür, wie sehr die Einigungsfrage tatsächlich„ reis" ist, daß icht bei den bevortehenden Gemeindewahlen in Thüringen die beiden fozialistischen Parteien trotz der Erklärungen der beiderseitigen Parteizentralen, solange die Parteien| selbständig seien, müßten sie auch bei Wahlen selb= ständig vorgehen- an vielen Orten gemeinsam Kandidatenlisten aufstellen, ja, daß teils sogar die Kommunisten dabei mitmachen! Der Einigungsdrang kommt aus den Massen. Darum, und um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, als sei die Einigung ein egoistisches Parteiintereffe der Uusp., haben wir bisher auch unterlassen, durch Artikel„ Stimmung" für Sie Einigung zu machen, trotzdem uns sofort nach Reichstagsschluß von einem bekannten Genossen ein Artikel für die Einigung zugestellt worden war. Genosse Rosenfeld dürfte für sein zu früh um so weniger Verständnis finden, als er über das„ später", weniger Berständnis finden, als er über das„ später", das der Vereinigung günstiger sein tönnte, nichts weiter sagt. Der Druck der wirtschaftlichen Not, der außenpolitischen Gefahr und der reaktionären Gefahr im Innern schweißen die Proletarier i etzt" zusammen zu gemeinsamem Kampfe um ihre Lebensinteressen und deshalb ist es auch dringend notwendig, die Einigung des Proletariats i ezt durchzuführen und nicht zu warten bis zu einem Zeitpunkt, den die Geschichte einst als zu spät" bezeichnen könnte. Das Waffendepot im Schweinestall 883 Gewehre und 50 000 Schuß Munition in Bremen pagefunden. ( Eigenbericht der kreibett".) Bremen, 26. Auguft. Durch Eingriff der USP. Bremen wurde Freitag in einem früheren Schweine stall auf dem Landante eines Bremer Kaufmannes ein großes Waffendepot der Reaktion aufgedeckt. Die Polizei be= fchlagnahmte 888 ufanteriegewehre, Modelil 71-84, und 50000 Schuß dazugehörige Munition. Die Gewehre standen in Stuken zu ie 45 Stück. Im Schuppen befand sich auch eine Gewehrreinigungsanlage. Gegen den Besiker des Waffenlagers. den Drogenhändler Wiedermann, ist cin Verfahren wenen Verstoßes gegen§ 7 des Gesekes anm Schuke der Republik eingeleitet worden. Gegen den Kaufmann Wiedermann ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. Generalausstand in Le Havre ( EP.) Paris, 26. Auguft. In Le Havre ist der Ausstand aller Gewerkschaften vollständig. Es kam gestern au mehreren blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Streif( WTB.) Paris, 25. August. Nach einer Temps- Melduna sind wegen der Streiflage Truppen nach Le Havre ge= fandt worden. Die organisierten Seeleute stimmten für einen 24 stün= digen Streik als Reichen der Solidarität mit den Metallarbeitern. Die Schiffahrt wird bis Sonntag Morgen eiu: gestellt. Französisches Panzerschiff gesunken Brest, 26. Auguft.( Havas.) Das Panzerschiff rance stieß bei der Rüdfehr von einer nächtlichen Schießübung in der Bucht von Quiberon auf einen Felsen und mußte, da es manövrierunfäbia wurde, Anter werfen. Nach den lekten Nachrichten versant das Schiff in einer Tiefe von 20 Metern. Bisher ift feine Meldung über Verluste an Menschenleben eingelaufen. Berhängnisvoller Grubenbrand Dortmund, 25. August. Tas preußische Oberbergamt in Dortmund teilt mit: In der Nacht vom 24. zum 25. b. M. nach der Abfahrt der Mittagsschicht geriet auf der Schachtanlage Vereinigte Melheim die Bremstammer eines Blindschachtes in Brand. Beim Vordringen zum Brandherd sind zwei Grubenbeamte. troßdem fie mit Rettungsgeräten ausgerüstet waren, an den Brandgasen erstickt. Weitere vier Grubenbeamte, die zur Hilfeleistung herangezogen waren, sowie ein Hauer find auf der mit der Bereinigten Melheim durchschlägigen Schachtanlage Matthias Stinnes I und II an den von Vereinigte Melbeim abatehenden Brandgasen, als sie mehrere ihrer Ansicht nach gefährdete Beraleute retten wollten, tödlich verun glückt. Der Betriebsführer, der sich ebenfalls an den Rettungsarbeiten beteiligt hatte, schwebt in Leben 3gefahr, außerdem haben sich bei dem Versuch, den Brand zu löschen, noch zwei Beamte schwere Gas vergif= tungen zugezogen, somit find also 7 Personen tödlich und drei weitere lebensgefährlich verunglückt. Weitere Leute sind nicht gefährdet. Die Leichen der Berunglückten sind mit Hilfe der Rettungsmannschaften der umliegenden Schachtanlagen geborgen worden. Der Brand ist noch nicht gelöscht, wird aber zur Zeit abgedämmt. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. Die bergbehörd= liche Untersuchung ist im Gange. Die Justizmorde in Moskau Rede des Genoffen Nosenfeld in der Funktionärkonferenz der USPD. Der Vortrag, den der Genosse Rosenfeld am Freitag vor den Funktionären unserer Partei über die Moskauer Justiafampagne hielt. enthüllte das ebenso schamloſe wie schmachvolle Verhalten des Moskauer Revolutionstribunals. Genosse Rosenfeld fnüpfte an die Tätigkeit der kommunistischen Sprengfolonnen am Dienstag an und brachte die bereits gestern mitgeteilte Resolution zum Protest gegen die Erdroffeiung der Versammlungsreiheit ein, die einstimmig angenommen wurde. Die Angeklagten waren zum Teil wegen Handlungen angeklagt, die im Jahre 1917 begangen waren, obwohl im Jahre 1919 eine Amnestie ergangen war. Man teilte die Angeklagten in zwei Gruppen. Die eine bestritt, an den ihnen zur Last gelegten Bandlungen beteiligt zu sein. Die andere gab zu, auf Benin und Wolodarski geschossen und die tugein vergiftet zu haben. Diese Verbrecher aber wurden serade von Bucharin und anderen Kommunisten verteidigt. Daraus ergibt sich wohl zur Genüge, wie demagogisch es war, Nosenfeld, Liebknecht und Vandervelde einen Vorwurf daraus zu machen, daß sie diejenigen verteidigten, die be= stritten, sich strafbar gemacht zu haben. Man erklärte offen, so führte Genosse Rosenfeld aus, das Gericht ist ein Gericht der russischen Arbeiter- und Bauernregierung. Es ist ein Klaffengericht, und es hat gar keinen 3wed, zu leugnen, daß ein Klaffengericht auch Klaffenurteile spricht. Wir aber wollen bewußt Klaffenjuftia üben." betrachtete die Angeklagten als Klaffenfeinde, die bei be wußter Klaffenjustiz. Klasse gegen Klasse vor Gericht, verurteit werden. Die Angeklagten lehnten das Gericht ab, beftritten deffen Zuständigkeit, und wenn sie gefragt wurden, ob sie sich schuldia bekennen, sagten fie: Jawohl, wir bekennen uns schuldig, nicht genug getan zu haben um die Revolution im Sinne des Proletariats durchzuführen. ( Buruf: 3ur Ehre der Verurteilten auf von den Pläßen. Die Versammelten erheben sich.) Ich freue mich, daß Sie sich zur Ehrung von den Bläben erhoben haben. Die Männer und Frauen, derentwegen diese Ehrung erfolgte, sind der Ehruna würdig. Sie haben in den schwersten Zeiten des Barismus für die Nevolution und den Sozialismus ge fämpft. Ich habe absolutes Vertrauen für jedes Wort, das diese Angeklagten uns gegenüber abgegeben haben. Sie haben uns sofort erklärt: Wir denken gar nicht daran, den bewaffneten Kampf von neuem gegen die Sowjetregierung aufzunehmen. Sie haben den Kampf feinerzeit geführt, als sie und ihre Bartei die Mehrheit in der Volksvertretung hatten und dann von den Kommunisten auseinandergesprengt wurden. Uns aber haben sie gesagt: Jetzt ist eine andere Situation. Jest handelt es sich darum, im Rahmen des russischen Staates unfere Ideen mit den in Rußland zulässigen Mitteln auszubreiten. Wir haben darauf gedrungen, daß diese Erklärung vor Gericht abgegeben wird. Das ist ge schehen. In der russischen Preffe aber wurde sie gefällt. Dieselbe Erklärung ist zum zweiten Male abgegeben worden. Aber heute noch finden Sie in der ganzen kommunistischen Preffe die Behauptung, man muste so scharf vorgehen, sonst würde ia der Kampf sofort wieder aufgenommen werden.. Zwölf Todesurteile wurden gefällt. Am Dienstag riefen die Kommunisten„ Bravo!", als ich davon sprach.( PfitiRufe.) Die Todesurteile widersprechen dem Berliner Abtommen, widersprechen aller sozialistischen Auffassung; sie sind ein schweres Verbrechen. Schlimmer aber noch als die Urteile ist die Bedingung, von der die Nichtvollstreckung der Todesurteile abhängig gemacht wurde. Leben und Tod der Angeklagten wurde abhängig gemacht nicht von ihrem Berhalten sondern von dem Verhalten von Leuten, auf die bie, Verurteilten im Gefänanis gar keinen Einfluß haben. Die Angeklagten fürchten den Tod nicht. Es war ers schütternd für uns Verteidiger, als wir sie gelegentlich erfuchten, eine Erklärung nicht so scharf zu formulieren. Die Angeklagten erklärten: ,, Unter feinen Umständen darf bei der Verteidigung Rücksicht genommen werden auf die Gefahr. die uns droht. ( Zuruf: Brandler machte es anders.) Ja sehr richtig. Es ist gut. daß Sie mich daran erinnern. Ich will noch eins hinzufügen: Brandler ist der Mann, von dem es abhängt, zum aroßen Teil, ob die Todesstrafe vollstreckt wird. ( Große Bewegung.) Ich will heute zum erstenmal auch von Vechandungen reden, über die ich bisher geschwiegen habe. Als wir aus dem Prozeß ausgeschieden waren, haben Kom munisten den Verfuch gemacht. uns wieder in den Prozeß hineinzuziehen. Wir haben verhandelt über eine flare Grklärung, daß die Todesstrafe ausgeschlossen sein soll. Die Verhandlungen find gescheitert an dem Ver: halten Brandlers. ( Stürmische Pfui- Rufe und Zwischenruf: Heldentat eines Feiglings.) Radet, der letzt in der Presse fortwährend Artifel veröffentlicht aur Rechtfertigung der Todesstrafe, hat mir feinen Zweifel darüber gelassen, daß es ein schwerer Fehler sein würde, wenn die Sowjetreniering die Todes urteile vollstreckt. Man handelt dort mit Menschenleben, wie man mit Ware handelt. Als wir von den Angeklagten Abschied nahmen es war eine Stunde, die mir unvergeßlich sein wird. eine Stunde, in der die Angeklagten sich abermals als Helden zeigten als wir uns zum Abschied die Hände reichten. da stimmten fie die Internationale an. Es qina uns allen aufs tiefite zu Herzen. Wir versicherten ihnen: Wir verlassen euch nicht. Wir appellieren an das höchste Revolutionstribunal, an das internationale Proletariat.( Große Bewegung und Leb= baftes Bravo.) Der Appell an das internationale Proletariat ist nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen. In allen Ländern hat die Arbeiterschaft laut und deutlich ihre Stimme erhoben für eine Amnestie, für die Freilassung der Angeflagten, um zugleich auch ein Ende zu machen mit aller Berfolgung, der in Rußland die Sozialisten aller Richtungen unterliegen. Redner empfiehlt den Veriammelten, die gestern bereits veröffentlichte Resolution zur Annahme und ichließt seine Ausführungen: Wir gingen nach Moskau. zu helfen, ein Hindernis zur Herbeiführung der Einheitsfront des Proletariats hinwegzuräumen. Ein neues Hindernis tut fich auf. Den Herren in Moskau wollen wir zurufen: Wenn die Kluft, die sich erneut auftut, fich füllt mit dem Blut der verurteilten Revolutionäre, dann ist sie niemals überbrüdbar.( Brausender Beifall.) Darum fordern wir die Aufhebung der Todesurteile, die Freilassung der Angeflagten, Amnestie für alle politischen Gefangenen in Sowjetrußland im Interesse der Menschlichkeit und vor allem im Interesse der Einheitsfront des Proletariats.( Brausender, langanhaltender Beifall.) Verhaftungen in Sowjet- Nußland. Dem Rul" wird aus Reval folgendes mitgeteilt: Die Verteidiger der Angeklagten im Prozeß der Sozialrevolutionäre, Tager und Murawfeff. sind nach Archangelif verbannt worden, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Todesstrafe gleichkommt. Die Ausbeutung der Waldreichtümer Rußlands. In London hat sich die„ Ruß- Golando- Eeß Ltd."( Russisch- holländische Holzverwertungsgesellschaft) mit einem Attienfapital von 150 000 Pfd. Sterling fonstituiert. Die Gesellschaft wird, wie die im Februar ds. J. gegründete Rußangloles Bld.( Ruß.- Engl. Holzverwertungsgesellschaft) mit Heranziehung ausländischen Kapitals an die Erwerbung von Baldkonzessionen heranzutreten. Zunächst soll eine Konzeffion für fünf Holzfägewerke in Archangelsk erworben werden. Die Gesellschaft ist in England registriert, da zwischen Holland und Rußland kein Handelsvertrag besteht. Das Telegramm des deutschen Gewerkschaftsbundes, in dem ein sofortiges und eneraisches Vorgehen der Trade Union gefordert wird, um den Martiturz aufzuhalten, ist bei dem permanenten Komitee der Trade Union eingegangen. Der Generalsekretär des Komitees, Bowerman, erklärte gestern abend, daß dieses Telegramm dem nationalen Vollzugsausschuß in seiner nächsten Versammlung unterbreite: werde. ähne 30 u. 35 Mk. mit Friedenskautschuk 3 Jahre schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 60 Mk. an Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise ( Hochbahnstation). ( Bebhafte Viui- Nufe.) A13 man das erflärte, wußten wir Zahn- Praxis Halvani, Janz.ger Straße 1 nicht mehr, was wir als Verteidiger sollten. Das Gericht In den letztes 2 Jahren über 2500 Gebisse zur vollsten Zufriedenheit geliefert. Parteiveranstaltungen Bezirksverband Berlin- Brandenburg. Die nächste 8entralvorstandssigung findet am Mittwoch, den 30. August, abends 6 Uhr, in der Arbeiter= bildungsschule, Breite Straße 8/9, statt. Die Geschäftsleitungssigung Mittwoch nach mittag 4 Uhr im Verbandsbüro Breite Straße 8/9. Sigung 7 Uhr im Rathaus, Neukölln- Briz. Kommunale Kommission. Bimmer 137( Saal 1). Bortrag Genosse Reinhard. Die Fraltionsmit glieder werden um Erscheinen bringend ersucht. Lichtenberg Stadt. Abends 8 Uhr im Lolal bon Seible Aronprinzen, Ede Scharnweberstraße, Frauenabend. Referentin Genoffin Neumann. Sonntag, den 27. August 5. Verwaltungsbezirt, 17. Distrikt. Nachmittags 5 Uhr im Linbengarten Sigung der Distriktsleitung. 5. Berwaltungsbezirt, 15., 16., 17. Diftritt. Zum Parteifest im Lindengarten Abmarsch von der Weberwiese Frankfurter, Ede Memeler Straße, um 1 Uhr mit Musif. Montag, den 28. August 5. Berwaltungsbezirk. Sigung des Wahllomitee um 7% Uhr abends bei Koblenz, Borhagener Str. 17. 9. Berwaltungsbezirk( Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald). 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Kulla, Lauenburger Straße. Erscheinen dringend erforderlich. Tagesordnung: Parteitagswahlen, öffentliche Bersammlung. 19. Diftritt( Kreuzberg). Abends 7 Uhr Frauenabend bei Vorbrecht, Bergmann, Ede Bärwaldstraße. Bortrag der Genoffin Dr. Anna Siemsen. Gäste willkommen. 12. Diftritt, Generalversammlung abends 7 Uhr in der Aula Pappelallee 40/41. Tagesordnung: Aufgaben des Parteitages und die Einigungsfrage. Aufstellung der Kandidaten. Referent: A. Stein. 8. Distrikt. Abends 7 Uhr Vorstandssitung bei Barleben. 5. Distrift. # traße 34. Abends 7 Uhr Vorstandssigung bei Kaiser, Gotłowskh. 13. Distrikt. Abends 7 Uhr Fortsetzung der Generalversammlung in ber Schulaula, Sonnenburger Straße. Wichtige Tagesordnung; Kandidatenaufs stellung zum Parteitag. Pflicht aller Genoffen ist, zu erscheinen. Zentralverband der Angestellten( Eeinzelhandel). Abends 7% uhr große Bersammlung aller Angestellten der Waren., Kaufhäuser und Spezial gefchäfte, Stadthalle, Klosterstraße. Tagesordnung: Vor der Entscheidung. Referentin: Grete Beinberg. Es ist Pflicht jedes Angestellten, zu erscheinen. Friedenau. Frauenleseabend, abends 8 Uhr bei labe, Sandjerhstr. 60/81. Bortrag. Potsdam. Abends 8 1hr Frauenleseabend, Kaiser- Wilhelm- Str. 38, bei Prast. Referent Genosse Franke. Vereinskalender Boltsfürforge. Da ble Fernfprechzentrale der Gewerkschaftskommiffion neue Anschlußnummern erhalten bat, ist auch die Volksfürforge. Rechnungsstelle 1 Berlin, Engelufer 28, barterre, nur noch unter den Nummern: Moripplag 11500 bis 11508 in den befannten Dienststunden von 8 bis 4 Uhr, Dienstags bon 8 bis 7 Uhr und Sonnabends von 8 bis 1 Uhr zu erreichen. Funttionäre und Interessenten werden gebeten, bie Mitteilung weiter zugeben. Sonntag, den 27. Auguft Bereinigung der Freunde für Religion und Billerfrieben. Abends 6 Uhr hält Genoffe Pfarrer Bleier in der Trinitatislirche, Charlottenburg, Karl August- Plat, eine religiöse Geierstunde ab. Thema:" Der Pharisäer und der Gottsucher" Montag, den 28. August Berband ber Gärtner und Gärtneretarbeiter( ruppe Landschaftsgärtnerei. Gruppenbersammlung abends 8 Uhr, in Haverlands Festsälen, Berlin, Neue Friedrichstr. 35. Gartensaal. Zentralverband der Schuhmacher. Branchenberfammlungen ber Reife und Kamelbaarschuh- Wender und Wenderinnen, Brandfohlennablerinnen und Die Einleister, abends 6 Uhr, Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 3. Bezirksversammlungen der Maß- und Reparatur- Schuhmacher finden abends 7 Uhr in folgenden Lokalen statt: Charlottenburg: Gantte Schillerstr. 34. Westen: Wiemers, Bülowstr. 58. Südost: Görlich, Adalbertstr. 84. Neuföln: Stegliß: Behnte, Heefeftr. 1 Norden: Lokal, Usedomstr. 12. Ahlburg, Biethenstr. 58. Oft- Lichtenberg: Hoffmann, Gubener Str. 5. Moabit: Marg, Oldenburger Straße 10. Schildermaler! Branchenverfammlung um 5 Uhr bei Wollschläger, Adalbertftraße 21. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Am Montag, ben 28. Auguft 1922, im Arbeiter- Jugendheim, Doffeftr. 22( Ede), pünktlich 28 Uhr, Konferens sämtlicher Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde des 17. Berwaltungsbezirks. Es find alle Freunde unserer Bewegung herzlichst eingeladen. Afa Mitglieder der chemischen Industrie! Abends 7 Uhr im Weißen Saal" ber Sophien- Eäle", Berlin, Sophienftr. 17-18, Bersammlung. Einzelhandelsangestellte! Versammlung aller Angestellten des Einzel handels abends 7 Uhr in der Stadthalle, Klosterstraße. Der Ernst der Situation erfordert zahlreiches Erscheinen. Jugendbewegung Sozialistische Proletarier- Jugend Groß Berlin. Die Sentralfizung Montag abend fält aus. Dafür Montag 27 Ubr in der Arbeiterbildungsschule, Breite Str. 8/9, Busammen! unft der Gruppenliter. Wegen der wichtigen Ebendort um 7 ühr Tagesordnung müssen alle Gruppen bertreten fein, Uebungsabend des Sprech- und Gesangchors. Zahlreiche Beteiligung ist Borauslegung für das Gelingen unferes Geftes. Sonntag, den 5. September, Fest der S. P. J. in Sadowa, Wiefe bet Sanssouci. Die Gruppen sind bers bflichtet, spätestens morgens um 10 Uhr mit Bannern und Fahnen auf der Wiese zu sein. Freitag, Sozialistische Proletarier- Jugend, Agitationsbezirk Weften. 7 Uhr, Fortsetzung der Generalversammlung des Bezirks. Tagungsort wird noch befanntgegeben. Tagesordnung: Tie Einigung des Jungproletariats. Die besonderen Gruppenveranstaltungen fallen an diesem Abend aus. Sozialistische Proletarie- Jugend. Sekretariat: Breite Str. 8/9. Montag 18 Uhr, Schule. Neutölln, Kaiser- Friedrich- Str. 4, Sibung der Zentrale. Dienstag und Mittwoch Materialausgabe. Gruppen müffen unbedingt ab rechnen, Fragebogen abliefern. an ber Nordosten: Dienstag Beteiligung Gruppenveranstaltungen. Mittwoch Svielen Agitationsbezirtsfizung, Lbzeum, Greifswalder Str. 25. auf dem Egergierplaz. Freitag Schule, Gipsstr. 23a, 7½ Uhr. Vortrag des Sonnabend 6 Uhr Genossen Eschbach: Jugendrecht und Jugendfchus. Helferfitung beim Genoffen Hawranke, sionstirchstr. 8. Sonntag Be teiligung am Waldfeft. Berlin- Mitte: Mittwoch Spielen auf dem Erersierplay. Freitag: Schule, Gipsstr. 23a, Petersburger Viertel: Peters burger Str. 4( Phyfitzimmer). Montag und Mittwoch Spielen im Friedrichs hain. Prenzlauer Berg: Montag und Mittwoch Spielen auf dem Ererzier platz. Moabit: Mittwoch Borfrug: Die gesellschaftliche Entwicklung des Menschen. Steglis- Friedenau: Heim Aniephofs, Ede Jebestraße. Montag 27 Uhr Sportplay. Mittwoch Mitgliederversammlung und Bablabend. Südosten: 27 Uhr Bücherausgabe in der Spedition Sinner, Stalizerstr. 101. 18 Uhr Schule, Glogauer Str. 12/16, Mitgliederversammlung; bolitische Lage. Sonntag Beteiligung Donnerstag Spielen in Treptow, Wiese 11. am Waldfeft. Treffpunkt wird noch bekanntgegeben. Sozialistische Proletarier- Jugend. Die Sigung der Bentrale findet am Montag, 27 Uhr, im Sekretariat, Breite Straße 8/9, nicht im Jugendheim. Neuföln statt. Montag, 27 Uhr, wichtige Bufammentunft aller Gruppen leiter in der Arbeiter- Bildungschule. Breite Straße 8/9. Erscheinen Pflicht! Donnerstag, den 31. August, Zentralvorstandssizung. Ort wird noch bekanntgegeben. Sozialistische Proletarier- Jugend, Gruppe Dften. Gemeinsamer Treffpunft zum Sommerfest Beberwiese, 1 Uhr. Montag fällt das Spielen im Friedrichshain aus, dafür Leilnahme am Sprechchor in der Breite Straße. Mittwoch Spielen im Friedrichshain. Donnerstag gemeinsame Funktionär fizung mit der A, 3. in der Schule Naglerstr. 3. Freitag Unterhaltungsabend im Jugendheim Große Frantfurter Straße 16, 8immer 5. Arbeitersport allo Turnverein Fichte" Berlin. Sonntag, den 27. Auguft, bortfeft auf bem Sportvlag der Bolizeigruppe Süd, Gofffener Straße, am Garnisonfriedhof. Möge die Arbeiterschaft den Berein durch Massenbesuch unterstüßen, Berantwortlich für die Redaktion& mi! Rauch Berlin, für den Inferatenteil und geschäftliche Mitteilungen: 1. B.: Gustav natusch, Drud Bertm. Berlags- Genoffenfchaft Greiheit" e. 6 m. b... Berlin. bon Gebring& Reimers, G. m. b. 5.. Berlin SW. 68. Ritterstraße 75 S เส สะ เ in Nuze dein Herdfeuer! Sauerkraut mit Erbsenbrei Etwas Pökelfleisch dabei, Ist ein wunderbares Essen! Beim Bereiten nicht vergessen: Zeit und Kohlen sparst Du viel, Nimmst zur Wäsche Du Persil*). *) Persil, das selbsttätige Waschmittel reinigt, bleicht. und desinfiziert die Wäsche in einmaligem kurzen Kochen und bringt durch Mitbenutzung des täglichen Herdfeuers für die Wäsche größte Kohlenersparnis. 6 Persil wäschi selbsttätig سى Für Mieter unentbehrlich Einzelne Möbe Reichsmietengeset in Nußbaum und Eiche sow kompl Schlaf- und Wohnzimme. Sofas, Um anten, Ruhebetten, weiße u. farbige Küchen zu niedr. 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Die Zahlungsunfähigkeit einer Gemeinde wie Berlin, die allein in ihren großen Betrieben und Verwaltungen Zehntausenden von Arbeitern und Angestellten Lebensunterhalt gibt, würde eine Katastrophe von ungeheurem Umfang sein, von der die arbeitende Bevölkerung om allerersten betroffen würde, die ohne jede Reserve von der Hand in den Mund zu leben gezwungen ist. Hinzu käme, daß die ganze soziale Unterstützungsarbeit in Frage gestellt wird. Das Reich ist ebenfalls in seiner finanziellen Leistungsfähigkeit durch die neue Katastrophe aufs schwerste betroffen. Alle Pläne und Abmachungen, die eventuell vom Reiche aus zur Unterstützung der Gemeinden in Aussicht genommen werden, können nicht heute oder morgen die sofort und unverzüglich notwendige Hilfe bringen. Berlin steht deshalb vor der Notwendigkeit für die Aufrechterhaltung seiner Betriebe, vor allen Dingen seiner großen Wirtschaftsbetriebe, die Mittel aus eigenen Kräften zu beschaffen. Wenn auch in Wirklichkeit alle Tariferhöhungen, die die Stadt vornimmt, immer nur ein zögerndes Hinterherhinken hinter der allgemeinen Geldentwertung bedeuten, so sind sie doch das einzige Mittel, das der Gemeinde zur Verfügug steht. Die werbenden Anlagen der Stadt müssen sich selbst erhalten und können ihre Waren oder ihre Leistungen nur zum Selbstkostenpreise und nicht darunter abgeben. Man follte meinen, daß über diesen Grundsatz eigentlich kein Streit entstehen würde. Meinungsverschiedenheiten wären verständlich, wenn es sich darum handelt, zu untersuchen, ob die Betriebe der Gemeinde leistungsfähig und modern genug sind, und ob in ihnen alles getan wird, was man billigerweise zur Steigerung und Verbilligung der Produktion verTangen kann. Wird das anerkannt, dann müßte jeder für den Grundsatz eintreten, daß bet steigenden Produktionsfosten auch höhere Tarife von der Bevölkerung getragen werden müssen. In Sowjetrußland, dem Paradies unserer kommunistischen Freunde, befolgt man schon sehr lange diesen Grundsatz. Seitdem die sogenannte„ Nepo" sich durchgesezt hat, erleben die Petersburger und Moskauer Bürger der freien sozialistischen Sowjetrepublik beinahe jede Woche Tariferhöhungen, um 50 Prozent, 100 Prozent und so fort. Die fommunistischen Führer( in Deutschland sagt man Bonzen") sezen zudem in der„ Prawda" oft genug der Bevölferung auseinander, daß jeder Betrieb, auch die Staatsbetriebe, fich rentieren muß. Ist irgendein Betrieb nicht rentabel, dann wird er mit einer Energie geschlossen und die Arbeiter aufs Pflaster geworfen, von der Hugo Stinnes noch sehr viel lernen könnte. Immerhin hat er ja schon anerkennende Worte für den bewußten Staatsund Machtwillen" der bolschewistischen Volksbeglücker gefunden. In Deutschland ist das freilich alles anders. Da nennt man so etwas Berrat" und da werden deswegen die " Bonzen" wegen ihres Verrates entlarvt". Wir werden in Berlin diese Entlarvungsreden noch des öfteren hören müssen, und uns dabei in unser Schicksal zu fügen haben. Mit Arbeiterpolitik hat natürlich dieses Verhalten der Kommunisten gar nichts zu tun. Sie unterstützten auch gestern wieder bei der Beratung der Berliner Tariferhöhungen den Vorstoß, den die Deutsche Volkspartei zusammen mit den Deutsch nationalen gegen die Straßenbahn unternahm, weil die Straßenbahn ein städtisches Unternehmen ist. Der Entgleiste Roman von Wilhelm Holzamer. ( 30. Fortsetzung.) Sie saß auf der Treppe und band den Kranz. Sie war nicht geschickt darin, in ihrem ganzen Leben hatte ste so etwas noch nicht gemacht. Aber es mußte gehen. Sie hatte an einem Zuber einen Reif abgeschlagen und hatte ihn mit Stroh umwidelt. Darum band fie nun den Buchs. Und dahinein band sie die Blumen. Dicht aneinander, Farbe neben Farbe, und unten eine schwere Fülle, die weißen Rosen und die roten Rosen dazwischen, und mitten in den Ring frei hineinragend die Schwertlilien. Es war lange schon Abend geworden, da saß sie noch. Und noch drin bei der Rampe, die halbe Nacht hindurch. Es gab einen vollen bunten Kranz. Sie wunderte sich selbst, daß er ihr so gelungen war. Sie war zufrieden, und es tat ihr wohl, daß fie fich sagen fonnte, sie habe doch nun noch etwas für den alten Krafft getan. Am andern Morgen ging fie mit ihrem Philipp hinaus ins Sterbehaus. Sie trug ihren Kranz nicht ohne Stolz. Und gerade vor den Leuten und wenn fie fich blau und gelb und grün ärgerten. Gerade. Sie trug dem alten Krafft ihren Kranz hin. Im Vorderzimmer waren viele Leute. Lehrer aus der Umgegend, weißhaarige Männer, die den Krafft feit seinem Fall kaum noch einmal gesehen hatten. Er nicht sie. Es hatte Jahre gegeben, da hätte Mut dazu gehört, mit ihm zu verkehren. Aber er lebte in ihnen weiter. Er war nicht tot zu machen gewesen durch eine " höhere Order". Er hatte ihnen etwas in die Gedanken gelegt, das war zähe und stark. Das ward manchmal wie ein Feuerschein, in dem man ihn selbst sah. Das formte ſein Bild. Das Kämpferbild- und das Bild Nun er unter dem weißen Laken lag, da hatte es sie nicht zu Hause gehalten, da waren sie gekommen, noch einmal auf seine Stirne zu sehen. Auf die Stirne, die für sie alle gedacht hatte. und manchem fiel es ein: wenn sie ihm damals die Hände geliehen hätten, daß Die beiden sozialdemokratischen Fraktionen stellten sich auf den Standpunkt, daß die Unternehmungen der Stadt unbedingt gehalten werden müssen, und stimmten deswegen der Tariferhöhung für das elektrische Licht von 13,- auf 16, Mark und für die Straßenbahn von 5- auf 8,- Mark zu. Zu bemerken ist noch, daß durch den Antrag unserer Vertreter die Erhöhung für einen Umsteigefahrschein auf 12 M. begrenzt wurde, und die Einkommensgrenze, bis zu der Arbeschädigte bezogen werden können, auf 50 000 m. erhöht beiterwochenkarten und ermäßigte Fahrscheine für Kriegswurde. Im übrigen wird die am Donnerstag wieder zusammentretende Stadtverordnetenversammlung sich einmüssen. Wir werden in diesem Zusammenhang eingehender gehend mit der ganzen Finanzlage Berlins beschäftigen zur ganzen Frage der städtischen Finanzen und der Erhaltung der städtischen Betriebe Stellung nehmen. Welche Miete zahle ich am 1. Oktober? Das Reichsmietengefeß, das die Berechnung der Höhe der Miete auf eine ganz neue Grundlage stellt, wird nun endgiltig zum 1. Oktober in Kraft treten. Die Beschlüsse des Magistrats über die Höhe der einzelnen Zuschläge haben zwar noch nicht die Zustimmung des preußischen Wohlfahrts ministers gefunden, lassen aber bereits erkennen, wie groß die Belastung sein wird, die jeden Mieter erwartet. Um so mehr dürfte es Wunsch jedes Mieters sein, angesichts der schweren Belastung seines Haushaltes seine Rechte und Pflichten kennenzulernen, die von ihm zu zahlende Miete selbst zu errechnen und in den so häufigen Streitfällen eine fichere Stütze zu haben. Die Möslichkeit dazu bietet ihm die Benutzung des von der Buchhandlung, Freiheit" herausgegebenen Kommentare zum Reichsmietengeset von Rechtsanwalt Dr. Boenheim und Dr. Herb, von dem soeben die zweite, wesentlich erweiterte Auflage erschienen ist. Neben dem Gesetz selbst enthält die neue Ausgabe auch die preußische Ausführungsverordnung, die ebenfalls eingehend erläutert ist. Jedem Bezieher des Kommentars in Groß- Berlin wird ferner auf Wunsch die Magistratsverordnung mit Erläuterungen als Sonderdruck nachgeliefert, sobald sie die Zustimmung des preußischen Wohlfahrtsministers gefunden hat. Der Preis des Kommentars beträgt 25, M., so daß der Kommentar der Freiheit" nach wie vor der billigste und für die Mieter praktischste Ratgeber ist. Allgemeine Volkshilfe für die notleidenden Erwerbsnnfähigen. Auf Einladung des Zentral- Verbandes der Invaliden und Witwen Deutschlands waren die Vertreter der Arbeits geber und Arbeitnehmer Deutschlands, der Industrie. der Landwirtschaft, des Reichsarbeitsministeriums, des preußischen Wohlfahrtsministeriums unter Mitwirkung des " Deutschen Volksbundes zur Förderung der Intereffen der Invaliden". zu einer Besprechung im Reichstag zusammen getreten, um über Hilfsmaßnahmen für die notleidenden Erwerbsunfähigen Deutschlands aus Anlaß der Valutatatastrophe zu beraten. Bereits in der Sibuna am 15. Auguft wurden die Grundlinien dieses Hilfswertes besprochen und die Durchführung für notwendig erachtet. Allgemein wurde gewünscht, von der Schaffung besonderer Verwaltungsorgane Abstand zu nehmen, und erklärten sich die Vertreter mehrerer Spißenorganisationen bereit, ihren Organisationsförper für die Durchführung zur Verfügung zu stellen. In einer weiteren Sibung, die am Freitag, den 25. d. M., im Reichstage ftattfand, gaben insbesondere die Vertreter der Spikenorganis sationen der Arbeitnehmer thre offizielle Zustimmung zur Mitwirkung bei dem Hilfswerk, und wurde beschloffen, an das Reichsarbeitsministerium heranzutreten, um schnellstens die Herausgabe eines Aufrufes an das deutsche Volk zu ver= anlaffen. es zum Handeln gekommen wäre! Und sie fühlten sich selbst klein und sie fühlten sein Leben stark und ihn groß und wägten nur, und zählten nicht, wie, eng der Kreis war und verschwindend im Großen und Ganzen, der seiner Persönlichkeit zugeteilt worden war. Die Klar klopfte an und trat ein und hielt nicht Lange an- grüßte faum- fie schritt auf das Totenbett zu und legte ihren Kranz darauf. Da traten ihr die Tränen in die Augen. " Siehst du," sagte sie zum Philipp, das ist das End." Dann trat sie resolut zum Kopfende des Bettes, bob das Laken auf und schlug es zurück, daß der Kopf frei wurde. Halb fürchtig hatte der Philipp hingesehen. Nun er das Totenhaupt sah, schwand die Furcht. Eine scheue Ehrfurcht ergriff ihn, in der alles feierlich, gar nichts Aengstliches war. Das war sein Haupt. Die Furchen in seiner Stirne, die Furchen an den Schläfen die Tränensäde welk und erstarrt. Eisern, marmorn. Eine leise Tönung noch in der Bläffe. Groß der Kopf. Und so ruhig, so ernst, so fest. Ihn berührte nichts mehr. Das war die Ewigkeit. Der Philipp stand und sah ihn lange an. Er empfand das Große des Todes. Das Ruhige, Feste, Feierliche. Es bedrückte ihn nicht. Es schien ihm schön. Als ob er sich von nun an den Krafft so nur vorstellen könnte. Alles von ihm abgefallen, was es an Nerger und Garstigem für ihn gegeben hatte. Bollendet. Er hatte ihnen einmal von Statuen und großen Meistern erzählt, von Michel Angelo, der den Marmor meisterte. Das fiel ihm jezt ein. Er trat näher und nahm das Laken noch etwas tiefer zurück. Er wollte die Hände sehen. Die Hände tiefer zurück. Er wollte die Hände sehen. Die Hände des Krafft fehlten ihm. Und wie fein Antlig lagen sie, ruhig und gut, schweigsam und gelassen. Leise ge= faltet- so wie er sie zu falten die Gewohnheit gehabt hatte, wenn er Märchen etzählt hatte. Aber da war ein Zittern in ihnen gelaufen, das man in den Adern und Muskeln sehen konnte. Nun waren sie still, Sonntag, 27. August 1922 Gleichzeitig werden die Verhandlungen in der Zentrala Arbeitsgemeinschaft unverzüglich weitergeführt und ist, wenn auch, wie es in diesem Falle nur zu begrüßen wäre, das Reichsarbeitsministerium schnell arbeitet, binnen kurzem mit der Inangriffnahme dieses großzügigen Hilfswerkes rechnen. Die Wiederherstellung der Friedrichstraße. au Die Bauarbeiten an der städtischen Untergrundbahn Nord Süd nähern fich ihrem Ende. An zahlreichen Stellen ist bereits die Baugrube endgültig geschlossen, und nur die vor läufige Stopffteinpflasterung erinnert an den eben beendeten. Bau. Vor einiger Zeit ist zwischen der Oranienburger Straße und der Weidendammer Brücke damit begonnen worden, daß endgültige Pflaster herzustellen, wobei man auch gleichzeitia die Straßenbahngleise wieder bis aur Weidendammer Brüde verlängern wird. Im übrigen wird der Fahrdamm in der Nordsüdrichtung verbreitert und der öst liche Bürgerfteia wesentlich schmäler gemacht, so daß die für den Verkehr bestehende Straßenbreite erheblich größer als früher wird. Die Fertigstellung der Straßenbahngleise an dieser Stelle weist außerdem noch eine Neuerung auf. Während man bisher die Straßenbahngleise genau in der Mitte der Straße zu liegen hatte und die Ausgänge der Untergrundbahn zwischen den beiden Gleisen, hat man hier beide Straßenbahngleise nach Osten verschoben. Auch die Zugänge der Untergrundbahn liegen nicht genau in der Mitte des Straßendammes, sondern auf der westlichen Hälfte, so daß die Straßenbahngleise von den Fahrgästen der Untergrundbahn nur dann gekreuzt werden müssen, wenn sie nach der Ostseite der Friedrichstraße wollen. Für den südlichen Teil der Friedrichstraße wird demnächst ebenfalls mit der Fertigstelluna des Straßendammes begonnen. Durch die südliche Friedrichstraße verkehrten vor dem Bau der Untergrundbahn zwischen der Kochstraße und dem Halleschen Tor eine ganze Reihe von Straßenbahnlineien, die z. E. nach Tempelhof, Mariendorf, z. T. nach Neukölln fuhren. Daß diese Gleisanlagen wieder hergestellt werden, steht außer Zweifel. Es soll nur noch geprüft werden, welche Linien durch die Friedrichstraße, welche Linien durch die Königgräßer- Bimmnerstraße und welche Linien durch die LindenMarkgrafenstraße aeführt werden sollen. Es hat sich gezeigt, daß eine Verbindung zwischen Mariendorf und dem Potsdamer Plazz, wie sie die Verlegung der Linien 70 und 73 gebracht hat, erforderlich ist. Andererseits ist auch erwiesen, daß die Befahrung der Linden-- Markgrafenstraße durch die von Neukölln kommenden Linien eine ganze Reise von Vorteilen mit sich bringt. Darum wird das Verkehrsamt voraussichtlich fich dahin entscheiden, eine Linie, die von Neutölln kommt, durch die Martarafenstraße, eine zweite Neutöllner Linie durch die Friedrichstraße zu leiten, während von den Mariendorfer Bahnen die eine Linie durch die Königgräßer- 3immerstraße, die andere Linie durch die Friedrich- Kochstraße geführt wird. Die Einfablinien, deren Wagen nur zu bestimmten Tageszeiten verkehren, soll dann durch die Markgrafen- Kochstraße fahren. Sierbei sollte aleichzeitig geprüft werden, ob nicht eine Verlängerung der Straßenbahngleise über die Kochstraße hinaus bis etwa zur Leipziger oder aber, was noch wichtiger wäre, bis zur Behrenstraße in Frage kommt. Allerdings würde damit eine außerordentliche Konkurrenz für die neue Bahn geschaffen, die aber ohnehin den übrigen Verkehrsmitteln die Fahrgäste entzieht. Zweifellos würden bei der Straßenbahn neue wertvolle Verkehrsverbindungen geschaffen werden können, und der Verkehr von Tempelhof nach dem Stadtinnern würde eine bedeutende Beschleunigung erfahren. Die Vorbereitungen für den Wiederaufbau der alten Eisenkonstruktion der Weidendammer Brücke( eine neue würde viel zu teuer werden) ist ebenfalls schon vorbereitet. Die beiden Landstöße, ebenso wie auch die beiden Stromfelder find fertia mit Natursteinen verkleidet, so daß die Wiederherstellung der Brücke feinerlei Schwierigkeiten mehr hat. Ein markenfreies Brot 60 Mark Die neuen Preise für markenfreies Gepäd. Die Kalfulationskommission des Bäckergewerbes GroßBerlin hat eine Erhöhung des markenfreien Gebäcks und der Kuchenpreise vornehmen müssen. Die Mehlpreise sind , Guck dir ihn noch mal an. Das war er," sagte die Mutter. Dann warf sie das Laken wieder über ihn. Und als sie draußen im Gange waren, nahm sie ihren Philipp fest bei der Hand und riß ihn ungestüm an sich. " Jezt müssen wir's doch packen, wenn er auch tot ift." Der Philipp verstand nicht gleich, was sie damit sagen wollte. Dann ging es ihm allmählich auf. Er jah einmal zur Mutter hinauf. Dann faßte er fester ihre Hand und ging stolz neben ihr her. Ueber dem Dorfe stand ein schöner klarer Sommers tag. Ringsum auf den Rebenhängen die hohen goldenen Sonnensäulen, die das blaue Himmelsgewölbe trugen. Zwitschernd im Hin und Her die Schwalben. Die Birken in Doktor Sieberts Garten dufteten. Und als die klar und der Philipp an Josef Häfner seinem Bienenstand vorbeikamen, vernahmen sie ein lautes Summen. An den Fluglöchern drängten sich Bienen. Sie hatten heute einen guten Tag und konnten tapfer eintragen. 13. Bom Grabe weg ging der Philipp in einem starken Stolzgefühl neben seiner Mutter her. Er und seine Mutter, die gehörten jetzt zusammen. Sie hatten allen Einflüssen standgehalten. Sie hatten gewollt, die Superflugen und Neunmalweisen und Einzigwohlmei nenden, daß er in die Volksschule zurückkäme und dann in die Ziegelei gehe oder höchstens ein Geschäft lerne. Bauter wohlgemeinten Rat. Es wäre gut, daß der alte Strafft gestorben set. Nun set's gerade noch Zeit für den Philipp. Aber die Mutter hatte standgehalten und war fest geblieben. Nein, und gerade nicht! Dabei blieb sie. Und wenn sie feinen Rock auf den Leib zu tun hätt. Sie ging noch einmal zum Pfarrer. Sie sollte mit ihrem Philipp einen Revers unterschreiben, daß er Pfarrer werde und zu diesem zweck die Stipendien annähme, andernfalls alles mit Zinsen zurückzahle. Die Klar verstand sich dazu nicht. ( Fortsetzung folgt.) in zehn Tagen um hundert Prozent gestiegen. Von Montag ab tostet die martenfreie Schrippe 3 Mt., das marfenfreie Brot 60 Mt., Hörnchen, Kaiserbrötchen, Schnecken 4 Mt., Plunderstücke, Blechkuchen 6 Mt.; ein Pid. gerösteter Zwieback 72 Mt.( ein Viertelpfund 18 Mt.). Das Abbacken von Napf- und Blechfuchen 12 Mt bis 15 Mit. Diese Preise haben der Preisprüfungsstelle vorgelegen. Auch die vorstehenden Preise dürften bald wieder überholt sein, da Die Mehlpreise ununterbrochen weiter anziehen. Ein„ Großkampftag" in der Berliner Stadtverordneten: versammlung vor Gericht Die zahlreichen Tumultszenen, die sich in der Berliner Stadtverordnetenversammlung in der letzten Sibungsperiode abgespielt haben, werden nun auch vor die Schranken des Moabiter Gerichts kommen. Am 16. September wird sich, wie die„ Dena" erfährt, der kommunistische Stadtverordnete Nawrocki wegen des tätlichen Angriffes auf den Stadtver= ordneten Oberstudienrat Dr. Tropffe von der Deutschen Volkspartei zu verantworten haben. Eine der wüstesten Szenen, die die Stadtverordnetenversammlung bisher erlebt hat, spielte sich bekanntlich im Frühjahr d. J. ab und artete in ein Handgemenge aus. Der fommunistische Stadtverordnete Leupold ergriff ein Stuhlbein und wollte in eine Gruppe rechtsstehender Stadtverordneter einschlagen. Andere Stadtverordnete traten dazwischen, und es entspann sich ein Handgemenge, in dessen Verlauf Nawrocki den Stadtverordneten Dr. Tropffe geschlagen haben soll. Stadtverordneter Dr. Tropfte hat deswegen Strafantrag gestellt, und der Staatsanwalt hat aegen Nawrocki Anklage erhoben. Als Zeugen find zahlreiche Stadtverordnete der Rechten und Linken ge= laden worden. Nawrocki wird von R.-A. Dr. S. Weinberg verteidigt. Volkskonzerte. In der kommenden Woche veranstaltet das Philbarmonische Orchester folgende städtische Volks- Konzerte: Orpheum, vormals Etablissement Happoldt, Montag, den 28. August, abends 8 Uhr. Programm: 1. Ouvertüre zu„ Die Stumme von Portici" D. F. G. Auber, 2. Marionetten- Trauermarsch Ch. Gounod, 3. Nocturne aus Ein Sommernachtstraum". Mendelsohn, 4. Neapolitanische Szenen J. Massenet, 5. Ouvertüre zu„ Coriolan" L. v. Beethoven, 6. Nomanze für Violine J. Dvendien, 7. Menuett 2. Boccherini, 8. Juristenballtänze J. Strauß. Brauerei Friedrichshain Dienstag, den 29. August, abends 8 Uhr. Programm: 1. Ouvertüre zu„ Der Freischütz", C. M. v. Weber, 2. Konzert für Violine und Violon= cello mit Orchester, op. 102 J. Brahms, 3. Ländliche Hochzeit, Sinfonie in 5 Säßen, E. Goldmark. " Brauerei Königstadt. Donnerstag, den 81. August, abends 8 Uhr. Programm: 1. Triumphmarsch aus " Aida", G. Verdi, 2. Ouvertüre zu Die lustigen Weiber von Windsor D. Nicolai. 3. Lecende Nr. 6 A. Dvorat, 4. Ballettmusik aus„ Boabdil", M. Moszkowskn. 5. Ouvertüre zu Mignon" A. Thomas, 6. Kolnidrei für Violoncello M. Bruch, 7, Perpetuum mobile( ein musikalischer Scherz) 3. Strauß. 8. Die Schönbrunner". Walzer. Banner. Der Vorverkauf zu den Volks- Konzerten des Philharmonischen Orchesters findet statt: bei A. Wertheim, Leipziger Straße, in der Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 25 im Bigarrengeschäft von Horsch, und in den betreffenden Konzertfälen. Die im Vorverkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Eintritt 5 Mt., Raffeneröffnung 7 Uhr. Programm 1 Mr. In der kommenden Woche veranstalten Berliner Gesangvereine auf städtischen Bläßen nachstehende Konzerte: am 28: August, ab 7 Uhr abends, Terrasse am Schillerpart, Norden; am 29. August. ab 7 Uhr abends. Viktoriapart, SoSüdenio is st Ein Platfonzert veranstaltet am Sonntaa der Lichtenberger Lehrer- Gesang- Verein" auf dem Viktoria- Platz in Lichtenbera( Ortsteil Rummelsburg, gegenüber dem Stadthause). Recht zahlreiche Anteilnahme der Bevölkerung wird erwartet. Stadtverordneten- Fraktion. Die Fraktionssihung findet am Dienstag, den 29. Auguft, abends 6 Uhr, Nathaus, Zimmer 109, statt. Stadtzuschuk für die Volkshochschule. Der Magistrat batte kürzlich beschlossen, für die Volkshochschule Groß- Berlin eine weitere Beihilfe von 150 000 Mt. zu bewilligen. Der Sto verordnetenversammluna ist jetzt eine entsprechende Vorl zur Beschlußfassung zugegangen. Großes Sommerfest. Der 5. Verwaltungsbezirk unserer Berliner Parteiorganisation veranstaltet am Sonntag, dem 27. August 1922, im„ Lindenpart"( Friedrichsfelde) eint großes Sommerfest. verbunden mit Konzert, Gefangsvorträgen, turnerischen Aufführungen, sowie unter Mitwirkung der proletarischen Jugend. Gemeinsamer Abmarsch mit Musik um 1 Uhr von der Weberwiese. Eintritt 5 Mt. inkl. Steuer. Jugendweihe Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade. Anmeldungen bis zum Mittwoch, den 81. d. M. bei den Funktionären oder Gen. Neumann, Tempelhof, Stolbergstr. 9. Der Vorbereitungskursus findet statt jeden Sonnabend von 3 Uhr an in der Schule Werderstr. Eltern haben jederzeit Zutritt. Jugendweihe am 24. September, vorm. 10 Uhr im Lyzeum, Tempelhof, Germaniastr. 4/5. am Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen, Ortsgruppe Neukölln, veranstaltet am Montag, dem 28. August, in der Aula des KaiserFriedrich- Realgymnasiums, Neukölln, Kaiser FriedrichStraße 209/10, eine Mitglieder- Versammlung und 11. September in denselben Räumlichkeiten eine öffentliche Versammluna aller Kriegsopfer Neuköllns und Umgegend; das Erscheinen eines ieden, ob Beschädigter oder Sinterbliebener, ist unbedingt erforderlich. Die Tagesordnuna ift derartig reichhaltig, daß der Beginn beider Versammlungen pünktlich 7½ Uhr festgesetzt ist. Gewerkschaftliches Verbandstag der Gemeinde- und Staatsarbeiter Fünfter Verhandlungstag. In der Freitagsverhandlung wurde die Statuten beratung zu Ende geführt. In namentlicher Abstimmung wurde ein Antrag, die Gauleiter fünftia durch die Gaufonferenzen zu wählen, mit 146 gegen 114 Stimmen abge= lehnt. Die unbesoldeten Hauptvorstandsmit glieder sollen nicht mehr wie bisher von der Berliner Filiale gewählt werden, sondern vom Verbandstag. Das Recht zur Gestellung dieser Mitglieder verbleibt jedoch den Berlinern. Ferner wurde die Schaffung eines Verbandsbeirates beschlossen. Das abgeänderte Statut wurde schließlich gegen wenige Stimmen ange= nommen. Ohne Diskussion wurde eine Geschäfts= ordnung für die Filialversammlungen, ein Lohnbewegungs- und Streikreglement und das Verbandsprogramn genehmigt. Dann folgte die Wahl des Ausschusses und der besoldeten Vorstandsmitglieder. Die von der Filiale Stuttgart vorgeschlagenen Ausschußmitglieder wurden gewählt. In den Vorstand wurde Müntner als erster, Becker als zweiter Verbandsvorsitzender gegen wenige Stimmen, Hauptkassierer Ruppert wurde einstimmig, Sekretär Stetter gegen etwa 30, Sekreter Sch it Iz und der Redakteur Dittmer gegen etwa 50 Stimmen wiedergewählt. Damit besteht der Vorstand in seiner alten 3u= sammensetzung weiter. Als unbesoldete Hauptvorstandsbeisiger wurden Bord, Eliz, Hepprich, Moldman, Krüger und Kamin, sämtlich aus Berlin, ge= wählt. Die bisherigen Verbandsrevisoren wurden gleichfalls wiedergewählt. Eine von der Statutenberatungskommission empfohlene Gehaltsvorlage für die Verbandsangestellten wurde angenommen. Hierauf wurden die Verhandlungen auf Sonnabend vertagt. Ehemalige Hörer der Betriebsräteschule! In der ersten Oktoberwoche wird ein neuer Unterrichtsabschnitt unserer Schule beginnen. Der Lehrplan, deffen 53 Kurse wiederum in die Gebiete des Arbeiterrechts, der Privat- und Betriebswirtschaft, der Volkswirtschaft und der Hygiene und Sozialversicherung einführen, ist insbesondere darauf zugeschnitten, den bisherigen, nun bereits vorgeschritteneren Hörern der Betriebsräteschule, die Möglichkeit einer systematischen Weiterarbeit zu geben. In einem längern Aufsatz, den eine graphische Darstellung des Systems unseres Lehrplans ergänzt, wird die Methode einer solchen Arbeit ausführlich dargelegt. Wir sind jedoch nicht in der Lage, allen unseren ehemaligen Sörern unser neues Verzeichnis durch die Post zuzustellen. Alle diejenigen, die ihre Bildungsarbeit ernst auffaffen und es sich nicht an dem vorübergehenden Besuch eines einzelnen Kurses genügen lassen wollen, bitten wir, sich das Verzeichnis von uns einzufordern. Hörerkarten zum Preise von 15 Mart( für Arbeitslose unentgeltlich) find ebenfalls im Büro der Schule Engelufer 24/25, 2. Hof ,, 1 Tr., sowie in den Ortsverwaltungen der Gewerkschaften erhältlich. Wegen ihres Ausbildungsganges fönnen sich die Kollegen auch an die Lehrberatungs- Sprechstunden der Schule( Montags und Freitags von 4-8 Uhr) wenden. Von den bisherinen Hörern der Schule erwarten wir aber auch, daß sie die Erkenntnis von der Notwendigkeit der rechtlichen uns wirtschaftlichen Schulung der Arbeitnehmerschaft nun in weitere Kreise der Kollegen tragen und in Betrieb und Gewerkschaft rege Propaganda für den Besuch der Kurse entfalten. Propagandamaterial( Unterrichtsverzeichnisse und Werbeplakate) fönnen in gewünschter Bahl im Büro der Schule angefordert werden. Freigewerkschaftliche Betriebsrätefchnle. Lohnforderungen in der Zigarettenindustrie Bon intereffierter Seite erhalten wir folgenden Bericht: Eine äußerst stark besuchte Versammluna sämtlicher gewerblichen Arbeitnehmer der Berliner ZigarettenIndustrie nahm am Dienstag in den Germaniasälen den Bericht des Kartellvorstandes über die Verhand Iungen mit dem Arbeitgeberverband entgegen. In längeren Ausführungen wies Koch darauf hin, daß der Arbeitgeberverband eine Verhandlung zwecks Erhöhung der Löhne zugesagt hatte, sich dann aber weigerte, zu verhandeln, nachdem in drei Betrieben ein Teil der Zigarettenmaschinenführer die Kündigung eingereicht hatte, um besser bezahite Arbeit anzunehmen. Dem Kartellvorstand gelang es, die Arbeitgeber trotzdem an den Verhandlungstisch zu bringen. Statt aber über die verlangte Bohnerhöhung zu verhandeln, erklärten die Unternehmer, daß sie nicht daran dächten, eine Lohnerhöhung vorzunehmen, erst müßten die Maschinenführer ihre Kündigung zurücknehmen. Man versuchte also, eine Gruppe der Arbeitnehmer gegen die andere auszuspielen. Um die Einheitsfront der gesamten Arbeiterschaft in der Zigaretten- Industrie zu wahren. hatte ein Teil der Maschinenführer bereits vor der Versammlung die Kündi gung zurückgezogen, der andere Teil gab in der Versammlung die Erklärung ab, daß fie am Mittwoch früh dasselb tun wollten. Es wurde jedoch schärfster Protest gegen das unerhörte Vorgehen der Unternehmer erhoben und erklärt, daß ein Kampf unvermeidlich sei, falls die Zugeständnisse der Arbeitgeber nicht genügen. Die Ausführungen des Vertreters der Maschinenführer wurden mit großem Beifall von der Versammlung berüt. Die Versammlung nahm dann einstimmig eine ResoIntion an, welche gegen das Verbot der„ Roten Fahne" protestiert. Bei dieser Gelegenheit jei darauf hingewiesen, daß allgemein angenommen wird, die Arbeiterschaft der BigarettenIndustrie beziehe enorm hohe Löhne. Die bürgerliche Preise der Zigaretten in erster Linie durch die hohert Preffe, vor allem der„ Tag", weist darauf hin, daß die hohen Löhne verursacht werden. Zur Aufklärung sei mitgeteilt. daß etwa 95 Prozent der beteiligten Arbeiter einen Wochenlohn von 1923 M. für Arbeiter, von 1100 Mart für Arbeiterinnen erhalten. Ob diese Löhne bei der heutigen Teuerung als hoch zu bezeichnen sind, überlassen wir dem Urteil der Oeffentlichkeit. Am Dienstag, den 29. August 1922, nachmittags 3½ Uhr, findet in den„ Germania- Sälen", Chauffeestraße 110, eine Versammlung für die Zigarettenindustrie statt. Tagesordnung: Bericht über die Lohnverhandlungen mit dem Unternehmerverband. Das Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ist Pflicht! Der Kartellvorstand. Nenes Lohnabkommen im Friseurgewerbe. Zwischen dem Arbeitnehmerverband des Friseur- und Saargewerbes und den Organisationen der selbständigen Friseure ist ein Lohnabkommen abgeschlossen worden, wonach folgende Mindestwochenlöhne festgesetzt werden: für Herrenfriseure 1000 M., für Damenfriseure 1050 M., Damenfriseurgehilfinnen mit dreijähriger Lehrzeit oder dreijähriger ununterbrochener Berufstätigkeit 1000 M. Gehilfen und Gehilfinnen unter 21 Jahre erhalten 100 M. weniger. Haararbeiter und-arbeiterinnen erhalten 1100.. wenn besonders qualifiziert, 1150 M., Einrichter und Reparateure 1200 M., Handpflegerinnen erhalten 650 M. Für Aushilfe beträgt 22 M. für einen Herrenfriseur und 25 M. ab und Sonntags 250 M., für einen vollen Sonnabend 225 Mart, von 1 Uhr ab 160 M. Für einen Sonn- oder Feiertag 100 M. und für eine Woche 1100 M. Der Stundenlohn für Aushilfe betuägt 22 M. für einen Herrenfriseur und 25 M. für einen Damenfriseur. Der Urlaub beträgt nach ein- bis zweijähriger Tätigkeit 5 Tage, nach mehr als zwei Jahren 7 Tage. Bestehende bessere Arbeitsverhältnisse dürfen nicht verschlechtert werden. Die Lehrlingsentschädigung ist nach wie vor dem Gutdünken der einzelnen Meister überlassen. Der Streik der Mühlenarbeiter beendet Der Arbeitgeber- Verband der Mühlenindustrie GroßBerlins bat zur Beilegung des Streiks der Mühlenarbeiter den Schlichtungsausschuß angerufen, der unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Reifenstuhl folgenden Schiedsspruch fällte: 1. Die Löhne werden wie folgt festgefebt: Für die Zeit vom 16.- 21. August für Gelernte M. 2050, Ungelernte M. 2030,-. Frauen M. 1375,-, für die Zeit vom 1. bis 15. September für Gelernte M. 2450,-, Ungelernte M. 2430,-, Frauen M. 1635,-. Streiftage werden nicht bezahlt. Maßregelungen aus Anlaß des Streits finden nicht ſtatt. Am Dienstag, den 22. August nahm eine Vollversammlung der Mühlenarbeiter Stellung zu dem Schiedsspruch. Nach langer zum Teil erregter Diskussion wurde über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspiuchs abgestimmt. Die Abstimmung ergab feine 3weidrittelmehrheit für Ablehnung des Schiedsspruchs baw. Fortsetzung des Streifs. Der Schiedsspruch war somit angenommen. Die Arbeit wurde am Mittwoch, dem 23. d. Mts., in allen Be trieben wieder aufgenommen. Die Notlage im Buchdruckgewerbe. Aus Kreisen der Arbeitslosen im Buchdrudgewerbe geht uns ein Bericht über eine Arbeitslosenversammlung zu, in der lebhafte Klagen über die Maßnahmen des Gauvorstandes zur Arbeitslosenfrage geführt wurden. Danach find gegenwärtig etwa 500 bis 600 Arbeitslose auf dem Nachweis angemeldet; trotzdem sollen in vielen Betrieben Ueberstunden geleistet werden. Es erscheint uns notwendig, daß der Gauvorstand der Buchdrucker nachprüft, ob diese Angabe zutrifft. Die Generalversammlung hat zwar beschlossen, die Arbeitslosenunterstützung um 100 Mark pro Woche zu erhöhen, doch ist dies natürlich keine wirksame Hilfe. Wenn Arbeitsmöglichkeit besteht, so muß es selbstverständliche Pflicht der Organisation sein, dafür zu sorgen, daß die Arbeitslosen in die Betriebe hineinkommen. AfA- Funktionäre der Metall- Judustrie! Am Dienstag, dem 29. Auguft 1922, abends 62 Uhr, findet im Großen Saal" des Deutschen Hofes", Berlin, Luckauer Straße 15, eine AFA- Funktionärversammlung mit der Tagesordnung Beschlußfassung über den gefällten Schied z spruch" statt. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter, Buchs binderbranche. Dienstag, den 29. August. nachmittags 5 Uhr, findet in den Kammer- Sälen, Teltowerftr. 1-3 eine allgemeine Versammlung für alle unter dem Apt- Vertrag stehenden und in Buchbindereien, Geschäftsbuchfabriken und Briefumschlagfabriken Beschäftigten statt. Tagesordnung: Die Antwort der Unternehmer auf unser Verlangen nach örtlichen Verhandlungen. Das Er scheinen aller Beschäftigten ist unbedingte Pflicht. Die Betriebsräte obengenannter Betriebe haben am Montag, den 28. d3. Mts., nachmittags 5 Uhr, bei Wiebert ( fr. Mierisch), Friedrichstr. 16, eine wichtige Sibuna Das Erscheinen aller Betriebsräte ist unbedingte Pflicht. hervorragend bewährt bei: Gicht. Grippe, Jogal Rheuma, Serenicus, 3schias, Nervenfchmerzen. Bogal ftillf die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. In allen Apoth erh. west. 64,30% Acid, acet, salic. 0406% Chinin. 12.6% Lithium, ad 100 Amylum. Ausführliche Broschüre grafis nnd franko. Fabrik Pharmacia. München 72. WENESTI RUND AMCAY PERLINAS RUND NEST WENEST RUND RUN WENE 70 to m ja Ste δέ ga டு St au fü: Ба FEINE MILDE CONSUM- ZIGARETTE wa MIT UND OHNE GOLD! nu Fr Be Si mii Eri Un t 5. C 54 it e 24 CY St int ch 5I 16 03 te it312 II. ent 15, tg 3. 1g td uf ĦA t ## rt 1. 31 27. Auguft 1922 Unterhaltungsbeilage der Freiheit" Die Stadt der hungernden Millionäre Von Mar Winter- Wien. Da draußen in Favoriten fann man immer wieder aufrüttelnde Tatsachen kennenlernen. Im Laufe der letzten Woche war mal wieder eine Fremdenführung nötig. Einige amerikanische Aerzte, die hier sind, um, wenn nötig, zu helfen, oder weitere Hilfe zu organisieren, wollten das wirkliche Leben schauen, das abseits der großen fremden Hotels. Mit diesen führte uns der Weg in die große Schornsteinstadt hinter dem Südbahnviadukt. Es galt den Gästen die Ueberzeugung zu verschaffen, daß sie feine gestellten Bilder sehen sollten. Also, auf gut Glück in eines der Proletarierquartiere: Quellengasse, Gudrunstraße, Absberggaße, Hofherrgasse. ,, Bitte, in welcher Gasse wollen Sie in eine Wohnung gehen? Hier oder zur Linken, dort rechts oder in der Parallelgaffe"? Gehen wir in diese", entscheidet der Amerikaner. In welches Haus wollen Sie treten?" ,, Wir gehen einige Häuser weit. In dieses vielleicht!" Wir treten also ein. Im Flur wieder die Frage: In welche Wohnung wollen Sie eintreten? Wir werden um die Erlaubnis bitten, eintreten zu dürfen". Der Zufall führt uns in die Wohnung des Hausbesitzers. Dort haben wir für unsere Zwede nichts zu sehen, aber der Hausbefizer versteht uns sofort. Wir wollen einige Wohnungen aufrechter Proletarierfamilien sehen und mit ihren Inhabern sprechen. Er führt uns. Ein Bäcker, dem das Brot zu wenig wird. arbeitslos, in dieser Zeit war ein Kind frank und mußte ins Preyersche Kinderspital gebracht werden, zur selben Zeit lief bei der Gemeinde das Zuständigkeitsansuchen, die Spitalskosten mußten also bar bezahlt werden, sonst wäre die Zuständigkeit gefährdet gewesen und das alles ist vor allem an der armen blassen Frau ausgegangen. Der Mann verdient jezt 80 000 kronen in der Woche. 5000 bis 6000 behält er sich, etwas fürs Bier, aber alles andere betommt die Frau. Da gibt es denn täglich nur Suppe und Buspeise. Die Tochter trägt dem Vater das Essen zur Fabrik. Die ganze Woche über kein Fleisch, nur am Sonntag. Diesen Sonntag haben wir feines gehabt. Es ist nicht ausgegangen und ich darf keine Schulden machen." Die Kinder wie die Mutter sind blutarm. Ob sie nicht mit einer Hilfsaktion auf dem Land waren? In der Schule sei es versprochen worden, aber es sei nichts ge= schehen. So bleibt ihnen auch für die Ferien nichts als die staubige Straße. Von den Kinderfreunden weiß die Frau noch nichts. Eines nur bessert sie zu ihrer Kost täglich zu: Einen Viertelliter Milch, Preis 350 Kronen. Von heute an ist auch die Milch wieder teurer word'n. Heut' hat's schon 410 Kronen koft't, das Viertel."„ Das ist für den Kaffee?"„ Ja, aber für'n Zucker bleibt kein Geld. Der ist zu teuer. Wir nehmen nur Sacharin..." Den Weg in die Tuberkulosen fürsorge hat die Frau noch nicht gefunden. Vielleicht aber tönnte ihr dort durch vorbeugende Hilfe doch das Los etwas erleichtert werden. Vielleicht könnte das Schicksal noch abgewendet werden. Auch diese Wohnung ist sauber, genau wie die der Bäckersfrau. Zwei„ Millionäre" können einen Säugling nicht ernähren. In der nächsten Wohnung haust eine Witwe mit ihrer neunzehnjährigen, jüngst an einen Bauschreiber verheirateten Gleich eine der Nachbarwohnungen bietet sich uns an. In Tochter und ihrem Sohn, der auf der Ostbahn Hilfsarbeiter der offenen Gangtür steht eine abgehärmte Frau. ,, Können wir eintreten? Einige amerikanische Freunde möchten gern das Wiener Leben schauen."" bitte". Die Frau versteht uns sofort und sie gibt uns bereitwilligst auf alle Fragen Antwort. Zimmer und Küche. 286 Kronen Miete. Bier Bewohner. Vater und Mutter, ein sechzehnjähriger Junge, der Lehrling ist, und ein elfjähriger. Was ist Ihr Mann?" ,, Bäcker in der Brotfabrik." „ Was verdient er?" Siebzig-, achtzig-, neunzigtausend Kronen." Wieviel gibt er Ihnen?" Vorige Woche hat er mir siebzigtausend Kronen gegeben. Er behält sich zehntausend auf Tabak und andere Sachen, ein Viertel Wein trinkt er auch in der Woche." Sie haben also siebzigtausend Kronen? Was kochen Sie ba?" Nun kommt in langsamer Errechnung der Wochenspeisezettel. Sonntag ein halbes Kilo Rindfleisch mit einer Tunke und dazu Knödel, Tunke und Knödel gibts auch abends. Bum Frühstück täglich schwarzen Kaffee( Was glaub'ns denn, a Liter Milch tost't ja schon 1640 Kronen") und dazu Brot, und dasselbe zur Jause( Abendbrot). Vormittagsessen gibt es feines. Die Familie braucht täglich anderthalb Laib Brot. Preis: 2090 der Laib, zusammen. 3135 Kronen.( VonMontag an tostet das Brot 8140 Stronen, anderhalb Laib also 4710.) Was dann? Schon beim Montagsspeisezettel stellt sich heraus, wie die Familie schon jetzt mit dem Brot spart. Da gibt es als Hauptmahlzeit Bröselnoderin mit Gurkensalat. Und Brot?" fragt der fremde Arzt. Brot tans". Nockerln san eh a Mehlpreis. Da möcht uns bald das Brot zu wenig werden." ,, Was kostet denn das alles?"- Am Sonntag hab't braucht 6000 Rronen für das halbe Kilo Fleisch, 3000 kronen für die Knödeln, 1000 Kronen für die Soß, 3000 kronen fürs Brot, Kaffee und Heizung."- ,, Also 13 000 kronen rund?" Das langt nicht... Na und am Montag ein Kilo Mehl 2900 Kronen Vorzugspreis in der Fabrik, ein Viertelkilo Bröseln 500 Kronen, wieder das Brot, die Gurfen, Eisig, Del; ett brauch' i in der Woch'n ein Kilo, sind 16 000 Sronen und ein Vierteltilo Margarin, das war'n in dera Woch'n 3500 Kronen. Der Bua soll's sag'n. Er hat's g'holt. Dann an Malzkaffee 1200 Stronen, ein Viertelfilo Feigentaffee 800 Kronen und ein Kilo Gurken in der. Woch'n 8060 Kronen.", und Gabelfrühstück gibt's auch unter der Woche feines?"„ Den großen Bub'n gibi a Stücel Schmalzbrot mit, der Vater kriegt in der Fabrik a Stückel Brot." Dann geht es weiter. Dienstag dreißig Defagramm Suppenfleisch, dazu Nockerln. Mittwoch: Kohl und Erdäpfel und am Donnerstag, dem Schlappermenstag", Erdäpfelsuppe und Erdäpfelschmarren. Nicht einmal eine Tunfe bazu oder etwas Salat. Abends ist Auszahlung. Freitag und Samstag wieder Suppe und Mehlspeis.„ Kochen Sie am Freitag denn nichts Besseres, fein Fleisch?"" Nein, wir wollen alle Tage essen." Bleibt Ihnen denn von den 70 000 kronen nichts übrig?"- ,, Nein, im Gegenteil, da tomme ich nicht aus und muß noch jede Woche Schulden machen." Borgt Ihnen wer etwas?", ja, ich zahle ja auch alles pünktlich zurück." Der Hausherr, der dabei steht, nicht zustimmend mit dem Kopf. hab lauter anständige Parteien im Haus. Aber 70 000 kronen san halt heut gar nir. Schauns da oben im dritten Stock, da wohnt ein Gießer mit seiner Frau und seine zwei Kinder auf einer Kammer, die hab'n aa net weniger und hab'n doch das größte Elend. Wanns da' nauf gingerten, die schau'n alle so schlecht aus." Das läßt sich denken, warum," sagt der amerikanische Arzt, ,, 70 Kronen zahlt er Miete und 20 000 Kronen für den Alkohol." Der Hausbesitzer wie die Frau des Bäckers wehren ab. Nein, der Mann ist kein Trinfer. Er hat nur Unglück. Die Frau schaut furchtbar schlecht aus, wahrscheinlich ist sie frank. Ein Eisengießer ist kaum einmal wöchentlich Fleisch. Die zweifelnde Bemerkung des Amerifaners zwingt uns nun, auch dieser Familie einen Besuch abzustatten und die Frau zu befragen. Sie lehnt an dem Kopfende des einzigen Bettes, das in der schmalen Kammer steht. Wie schlafen Sie hier?" Der Mann und ich im Bett", sagt die Fraumit der gelblich ledernen Saut, und die Kinder auf der Erd" Diese sind neun und elf Jahre alt. Die Ursache des ist und der binnen kurzem abgebaut werden soll. Er verdient nur etwa 100 000 Kronen im Monat, der Schwiegersohn gibt 50 000 kronen wöchentlich her, davon will er selber aber auch Samstag und Sonntag verföstigt sein und noch etwas für die Woche in seinem Rucksack mitbekommen. Er arbeitet auswärts uns kommt nur über den Sonntag heim. Und die Großmutter soll alles herbeischaffen. Zwei Millionenverdienste" kommen ins Haus und während der letzten Nacht hat die ganze Familie nicht schlafen können, weil der Säugling so unruhig war. Wir haben gestern an Kelch g'habt und das spürt der kleine Kerl glei in der Milch. Da hab'n ihn so die Wind' plagt, daß er fast die ganze Nacht g'schrien hat. Was soll i aber tun? Die Milch ist teuer. Sie sollt anderthalb Biter trinken alle Tag', mei Tochter. Aber heut' hab i wieder nur an halb'n Piter kauf'n können. Da muß ste Buspeis effen und das büßt das Kind. Heut' fostet a Liter Milch ja schon 1600 und i was net wie viel Krone no dazu. I hab's gestern scho teurer zahl'n müss'n." " Da können also zwei Millionäre" nicht einen Säugling ernähren? 3wei Millionäre?" Ja, der Vater verdient 90 000 kronen in der Woche oder viereinhalb Millionen im Jahr und der Onkel 100 000 Stronen monatlich, auch mehr als eine Million im Jahr, und doch kann die sängende Mutter und durch fie der Säugling nicht sachgemäß ernährt werden, weil auch solche Einkommen heute nicht hinreichen, um auch nur Milch zu kaufen Der Arzt schreibt fleißig sein Buch. Dann sieht er auf ... freilich... Kronenmillionäre! Daß es im Kellergeschoß nichts Besseres zu schauen gibt, das die Witwe nach einem verunglückten Eisenbahnschaffner mit ihren Kindern bewohnt 100 000 ronen monatlich Pension, und schon gar nichts Besseres in der Wohnung des Arsenalarbeiters, wohin uns sein rachitisches Kind führt, das wir auf der Straße auslesen, ist nach dem Erzählten glaubhaft. Die Frau des Arsenalarbeiters ist seit drei Jahren erblindet und die Kinder gehen mit den SuppenJahren erblindet und die Kinder gehen mit den Suppenhäfen zur öffentlichen Kinderausspeisung betteln, weil die Mutter die 500 Kronen Wochenbeitrag bisher nicht aufbringen konnte. * So die Bilder aus dem Leben, aus diesem harten Leben des Proletariats. Da gibt es aber Schwäger, die immer wieder davon erzählen, wie gut es jetzt dem Proletariat geht, die von den hohen Löhnen faseln, von den Rieseneinkommen, von der gehobenen Lebenslage. Nichtswisser sind sie oder Böswillige, die nur geheilt werden könnten, wenn man sie zu einigen Wochen solchen Lebens verurteilen könnte. Die Amerikaner gehen mit starken Eindrücken wieder nach der Stadt zurüd: Das war ein gut angebrachter Vormittag. Jezt können wir erzählen, wie das Wien außerhalb des Hotel Bristol ausschaut. Bisher haben wir Wien nicht ge= tannt. Man redet drüben immer, daß es in Wien so gut zu leben ist und daß es keine Not gibt, nun wissen wir, woran wir sind." Ein altkarthagischer Friedhof Ein Bericht über die neuesten französischen Ausgrabungen in Karthago, erstattet von dem Direktor und dem Inspektor der Altertümer von Tunis, Poinssot und Lantier, wurde in der letzten Eihung der Pariser Akademie der Inschriftent und schönen Künste vorgelegt. Es handelt sich um ein Heiligtum der Tanit, das auf der Stätte des alten Karthago entdeckt wurde. Man fand ein Feld von Weihgeschenken, bei denen unter jedem sich ein in die Erde gegrabenes Ton gefäß befand, das die Ueberreste des dargebrachten Opfers enthielt. Vier übereinanderliegende Schichten solcher Weihgeschenke, sowohl Altäre mie Stolen, wurden freigelegt; die unterste Schicht, die sich in einer Tiefe von 5 m befindet, entspricht dem 7. und 6. vorchriftlichen Jahrhundert; die oberste und jüngste Schicht stammt aus der lezten Zeit der farthagischen Unabhängigkeit. In den Tongefäßen all dieser Schichten, die mit Stöpseln aus Erz verschloffen waren, entdeckte man Knochen, besonders Zähne. Diese Ueberreste, die von Dr. Henry untersucht wurden, können nur ganz jungen Kinder angehören, entweder Neugeborenen oder Kindern von 2½ und 3 Jahren. Auf einer Stole ist eine stehende Person dargestellt, die mit der rechten Hand eine Gebärde der Anbetung macht und mit der anderen ein kleines nacktes Kind gegen die Brust hält. Nach der Ansicht der beiden Archäologen ist dies ein Friedhof der Kinderopfer, die der Göttin Tanit in ibrem Seiliatum in regelmäßiger form Jahrhunderte hindurch dargebracht wurden. Es ist augenscheinlich ein uralter syrisch- valästinensischer Brauch, daß bie *. Auguff 1922 Erstgeborenen von ihren Eltern der Gottheit geopfert und verbrannt werden. Dieses Opfer des Erstgeborenen haben die Karthager noch während der ganzen Dauer der römischen Oberherrschaft ausgeübt. 6. R. Fahrzeiten deutscher Schnellzüge 1880-1922 Seit 1880 war die Geschwindigkeit deutscher Eisenbahnen in stetem Steigen begriffen; das Jahr 1913 brachte zum erstenmal bedeutende Verbesserungen, und der schnellste deutsche Zug. der die 287 Kilometer lange Strecke Ber lin Hamburg in 3 Stunden 14 Minuten zurückleate, entwidelte eine Reisegeschwindigkeit von 89 kilometern in der Stunde; es folate der Rug Berlin- Breslau, der 330 Kilometer in 4 Stunden 15 Minuten zurücklegte und eine Reisegeschwindigkeit von 78 Kilometern erreichte. Bemerkenswert ist das stete Wachsen der Geschwindigkeit: Der Zug Berlin- Königsberg brauchte im Jahre 1880 11 Stunden 48 Minuten, 1900 war die Fahrzeit auf 9 Stunden 4 Minuten herabgedrückt, 1910 auf 8 Stunden 55 Minuten und 1913 wurde die 590 Kilometer lange Strecke in 7 Stunden 44 Minuten zurückgelegt, was einer Reiiegeschwindigkeit von 76 Kilometern entspricht; in ähnlicher Steigerung beweaten sich die Fahrzeiten München- Berlin: man fuhr 1880 noch 17 Stunden 25 Minuter, 1900 10 Stunden 2 Minuten, 1910 9 Stunden 48 Minuten, 1913 jedoch nur noch 8 Stunden 41 Minuten und hatte damit eine Reisegeschwindigkeit von 76 Kilometern erreicht. Diese deutschen Reisegeschwindigfeiten übertraf in Europa nur der Schnellzua Paris- Calais. der 298 Kilometer in 3 Stunden 15 Minuten durchfuhr und eine Reisegeschwindigkeit von 91,7 Kilometern erreichte. Die englischen Bahnen fuhren durchschnittlich 76,5 Kilometer, die italienischen 51-55 Kilometer. Der Krieg unterbrach jäh diese günstige Entwicklung: infolge der Kohlennot und des schlechten Rustandes der Lokomotiven mußte die Reisegeschwindigkeit immer mehr herabgefeßt werden und erreichte 1919 ihren Tiefstand; da fuhr man nach Königsberg wieder 11% Stunde, nach Breslau fast sechs, nach Wien sogar 2012 Stunde( 1913: 12 Stunden). nach Hambura 4 Stunden 38 Minuten. nach München 1234 Stunden, nach Frankfurt a. M. 11% Stunde. Jebt, nach drei Jahren angestrengten Wiederaufbaus sind, wie Reg.- Baurat Röbe- Nordhaufen in dem joeben im Verlage für Politik und Wirtschaft erschienenen, vom Ministerialrat Dr. Sarter herausgegebene Jahrbuch des Deutschen Verfehrswesens 1922 ausführt, die Schwierigkeiten zwar teilweise behoben. Die Reichsbahn hat vor, möglichst überall bet Schnellzügen die Grundgeschwindigkeit von 80 Kilometer- Stunden au erreichen( darüber hinaus nur in besonderen Ausnahmefällen). Das entspricht einer ungefähren Reisegeschwindigkeit von 60 Kilometer- Stunden. Auf diesem Stande wird sie aber voraussichtlich längere Beit verharren, so daß mit einer wesentlichen Erhöhung der Reisegeschwindigkett im Schnellzugsverfehr oder gar einer Erreichung der Geschwindigkeit vor dem Kriege( Grundgeschwindigkeit etwa 85-90 KilometerStunden, Reisegeschwindigkeit etw 65-75 Silometer) vorerit nicht gedacht werden kann. Eine weitere Erhöhuna der Geschwindigkeit wäre zurzeit nur Kosten der iebt mühfam erreichten Pünktlichkeit des Quaverkehrs zu ermöglichen. R.D. V. Der Mensch soll arbeiten; aber nicht wie ein Lasttier, das unter seiner Bürde in den Schlaf finkt und nach der notdürftigsten Erholung der erschöpften Kraft zum Tragen derselben Bürde wieder aufgestört wird. Er soll angstlos, mit Lust und mit Freudigkeit arbeiten und Zeit übrig behalten, seinen Geist und sein Auge zum Himmel zu erheben, zu dessen Anblick er gebildet ist. Fichte. Ruffische Sprichwörter.. Der Wolf lud die Ricae sum Mittagmahle, allein fie lehnte ab. Der Fuchs schläft, zählt jedoch Hühner im Traume. Der Wolf wechselt alljährlich das Saar, bleibt immer aber ein Wolf. Liebe, Feuer und Susten sind nicht au verbergen.- Befreunde dich mit einem Alles ist Bären, doch behalte dabei din Art in der Hand. demjenigen bitter, der Galle im Munde hat. Ein voller Magen ist gegen alle Lehren taub. Wer zwei Hafen jagt, wird keinen fangen. Man kann dem Teufel die Türe vor der Nafe zumachen, allein er kommt zum Fenster herein. Lobe die Ernte nicht, bis du sie in die Scheune gebracht haft. Es ist nicht notwendig Toren au fäen, fie wachsen von selbst. Die Wahrheit ertrinkt nicht im Wasser und verbrennt nicht int Feuer. Ein Tor fann einen Stein in einen Teich werfen, und es fann fieben fluger Leute bedürfen, um ihn wieder daraus hervorzuholen. Einer Mutter Hand bricht feine Knochen. Viele sind bereit, Rat zu erteilen, wenige nur, Hilfe zu leisten.- Rügen geben auf vermorichten Beinen Kos. einher. Wer lügt, der stiehlt auch. Nene Silberfunde von der Armada. Wie von der Tober. morybai an der Westküste Schottlands, dem Grab eines Teiles der 1568 in den Wellen verschwundenen spanischen Armada, gemeldet wird, hat man in lester Zeit bedeutungsvolle Funde aus einem Wrack heraufgeholt, in dem man die Almirante de Florencia", das Schabichiff der Armada, vermuten zu dürfen glaubt. Wie das Gerücht besagt, sollen an Bord der die Schazkammer der spanischen Flotte bildenden Gallione 30 Millionen Reale fich befunden haben. Der Silberreal befibt einen Wert von etwa 6 Pence. Seit dem Jahre 1661 tit man bemüht gewesen, diesen Schatz zu heben, aber immer wieder mußte man es erleben. daß das Schiff wieder in die Tiefe sank. Bet Untersuchungen im Jahre 1910 wurde festgestellt, daß es in einer Tiefe von rund 20 Metern liegt und von einer Schlammschicht von 9 Metern überdeckt ist. Trobdem aelana es den Tauchern das Deck der Gallione zu erreichen und hier und da Münzen, Kanonen, Degen, Proben eines nickelreichen Kanonenmetalls und große Mengen eines in England unbekannten harten Eichenholaes zutage zu fördern. Diese Gegenstände wurden als Reliquien verkauft und erzielten bisher einen Erlös von 900 Pfund Sterling Neuerdings haben nun die Taucher, unter denen sich auch eine Frau befindet, weitere Funde gemacht, unter denen sich als Sauptstücke ein meterlange filbernes Servierbrett und die reich eingeleate Scheibe eines Degens befinden Kurz vorher wurde ein Vorderladergeschütz heraufaebracht, das die Marken P. und J.( Philipp und Isabella von Spanien?) zeigt. Wie der Leiter der unternehmuna versichert, ist der arößte Teil der Schwierigkeiten, die der Hebearbeit entgegenstehen, icht überwunden. Auch fann man faum noch weifel hegen, daß es sich wirklich hier um das Wrack des Schabichiffes handelt. Man weiß, daß der Kapitän diefes Schiffes Pereira bieß, und man hat vor Jahren eine Silberschüffel heraufgebracht, die das Familienwappen der Pereira trug. So ist es durchaus nicht ausgeschlossen, daß es bald gelingen wird, das Brad zu heben, und wenn die Gallione auch nur in Stücken autage gefördert wird, so würde auch das von aroßem Wert sein. Keln Gegründet 1894, Engr.Laden Herabgesetzte Preise Lager Damen- Mäntel Sommer u. Herbst Donegal 3500 1850 650 350 Homespun 2500 1850 1250 950 Kostüme 2500 2250 1350 Tuch Valour de laine 2500 1350 850 Seiden- Eolienne- Mäntel 2150 Maniel 360 2900 1850 675 Alpakka 1350 850 950 575 Strickjacken 1550 1350 750 Kinderstrickjacken 675 450 Neue Winter- Konfektion Jetzt noch zu sehr billigen Preisen Astrachan- Krimmer Katzen- Jacken, AffenhautWinter- Ulster. Seal- Pillsch- Mäntel Biberett- Mäntel. -Welten und Längen Spezialität: Extra tur starke u. große Damen am Alexanderplatz, M. 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Der Arbeiter- Sport" vertritt die Interessen des revolutionären Arbeitersportlers. Er will nicht nur Sportzeitung, sondern gleichzeitig auch Kampforgan sein. Der Arbeiter- Sport" wirkt in dem Bewußtsein, daß der Arbeitersportler ein tätiges Mitglied der proletarischen Kämpferschar sein muß. Der ArbeiterSport" wendet sich gegen alle bürgerlichen Sportorganisationen und gegen die, die durch Neutralitätsbestrebungen des Sportes zur Verflachung des polltischen Kampfes die Hand reichen. Er fördert den Sport, dessen Wahlspruch lautet: ,, Unsere Aufgabe ist, dem revolutionären Proletariat an Körper und Geist gestählte Kämpfer heranzubilden." Jeder klassenbewußte Arbeitersportler liest den Arbeiter- Sport". Er ist das einzigste Organ, welches seine Interessen wahrnimmt. Verlag des Arbeiter- Sport" Berlin SO 16, Köpenicker Straße 108. Die beften und billigſten Taschenuhren v. 630.- M. an liefer! Berlin 2, Uhren- kloje 3offener Str. 8 Preisliste grafts. Zahngebisse! 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Deutscher Metallarbeiter- Berband Berwaltungsstelle Berlin R 54 Linienftr. 83-85 Geschäftszeit von 9 bis 4 Uhr Telephon: Amt Norden 833-836 Dienstag, den 29. August 1922, abends 5 Uhr Branchen Bersammlung $ aller Metallschleifer, Galvaniseure, Kraker, Berzinner, Berzinker, Silberpolierer, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen in den Sophiensälen", Sophienstraße 17-18. Tagesordnumg: 1. Unsere Lohn- und Arbeitsver hältnisse, 2. Diskussion, 3. Bran chenangelegenheiten und VerschieDeutscher Bekleidungsarbeiter Verband benes. Ohne Mitgliedsbuch tein Zutritt! Erscheinen aller ist Pflicht. Achtung! Achtung! Filiale Berlin, Sebastianstr. 37-38 Achtung! Achtung! Herren, Knaben-, Burschenfon Metallarbeiter im Tiefbau. Bur Jugendweihe fettions- Schneider, Näherinnen, Dienstag, den 29. Auguſt 1922, Enladungskarten Glückwunsch.arten Geschenkwerke für die schulentlassene Jugend mit gediegenem Inhalt in wirklich vornehmer Ausstattung Buchhandlung Freiheit" G- m- b. Berlin SW 61 Urbanstraße Z ( Nahe Hallesches Tor) abends 7 Uhr Berjammlung Zuschneider und Zuschneiderinnen, Gummimantel- Konfektions-, Uni formlieferungs-, Fantasiewestenund Hosenträger- Branche aller Metallarbeiter, die im TiefMitglieder- Versammlung bau Groß- Berlins beschäftigt sind. am Montag, den 28. August 1922, im Rosenthaler Hof", Rosenabends 7 Uhr, Brauerei Bögow, thaler Straße 11-12. TagesordPrenzlauer Allee 242. Tagesord-| nung: Stellungnahme zum Lohn nung: 1. Wahl des Branchen- berhältnis. leiters für die Herrenkonfektion, Kollegen ist Pflicht. 2. Diskussion und Verschiebenes. Außerdem Erscheinen aller Am Montag, den 4. September 1922, abends 6 Uhr, findet in den Sophiensälen, Sophien ftraße 16-17 eine außerordentlige Generalversammlung Mitglieder- Versammlung für die Herrenkonfektions- Branche ( Schneider, Näherinnen, Zuschneider, Zuschneiderinnen) am Don den 31. August 1922, nerstag, abends 7 Uhr bei Böker, Weber statt. Tagesordnung: Stellungstraße 17. Die Betriebsrätenahme zur Erhöhung des Lokalder Herrenkonfektions Branche beitrages. Die Wahlkörperkommen bereits um 5 Uhr im versammlungen für diese GeneZahle für gleichen Lokal zusammen. ralversammlung finden Dom 28. Auguft bis 2. September M.980.Gold ff. bruch pr Silber ff. M. 30.am Donnerstag, den 31. August Platin M. 3500.- 1922 nachm. 5% Uhr in HaberZähne M. 200.- lands Festfälen, Neue Friedrich Knaben- und Burschen Konfet- statt. tions- Branche Mitglieder- Bersammlung freibleibend Die ordentliche Generalversammlung Straße 35, Eingang Rochstraße. findet am Montag, den 2. Ot Tagesordnung für die letzten tober 1922, abends 6 Uhr, in den Metallkontor beiben Versammlungen: 1. B Germaniasälen, Chauffees W. John richt bon der Lohnberhandlung ftraße 110 ftatt. Tagesordnung: Quartal; Alte Jakobstr. 138. mit den Arbeitgebern, 2. Dis 1. Raffenbericht, 2 kussion und Verschiedenes. Be- 2. Bericht der Revisoren; 3. Er stimmtes Erscheinen ist erforder- ledigung der an die Verwaltung lich. Mitgliedsausweis legiti- gelangten Anträge. Wahlmiert; ohne diefen oder mit mehr förperversammlungen müssen in als sechs restierenden Beitrags- der Zeit vom 13. bis 25. Septem toochen tein Zutritt. ber stattfinden. Teilzahlung! Garderobe für Damen, Herren u. Burschen sehr preiswert infolge groß alt. Lagerbestände bel bequemen Ratenzahlungen Die Kommission. J. A.: A. Alde. Sterbekasse ehem. Pflug'scher Arbeiter Sterbekasse ehem. He zer'sche Kasse) Die Ortsverwaltung. Bekanntmachung. Sonntag, den 10. September 1922, Sanbestcüpenbrigade 3, bat bormittags 10 Uhr Der Fahrer Bartelt, früher hat nach einem Bermerte in militärgerichtlichen Aften brei im Mära 1919 wegen TeilAußerord. Generalversammlungnahme an den Unruhen am Schle im Rosenthaler Hof, Rosenthaler fiden Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Erhöhung der Beiträge beatv. Beistungen und Aenderung ber biesbezügl. Paragraphen. Bahnhof vorläufig Festges nommene, Hans Galusta, Otto Wer ner, Kurt Friebrich, bie feiner Be wachung anvertraut waren, erschossen, und war, wie er angibt, bei einem H. Tyra& Co., 2. Erhöhung der Entschädigung für Dingen etwaiger mit ben Erfchoffenen Berlin, Beußelstr.20 Kaffenverwaltung. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand J. A.: J. Eisele, Vorsitzender. Fluchtversuche. Mitteilungen, die aur Auftlärung biefes Borfalles bienlic find, insbesondere der Nennung und Benennung bon Tatzeugen, bor allen Inhaftierte, wird zu den Borgängen 1. 3. 602, 22 entgegengefeben. Der Untersuchungsrichter bei dem Landgericht I, Berlin NW. 52, Zurmstraße 91. Bekanntmachung. Die Firma Rona- Seifenwert G. m B. S. beabsichtigt die Errichtung einer Seifenfabrik in Berlin auf dem Grundstüde Fransedyftr. 6. Etwaige Einwendungen gegen diefs Anlage find bei dem unterzeichneten Stadtausschuß binnen 14 Tagen, bom Tage nach der Veröffentlichung ab gerechnet, schriftlich in doppelter Aus fertigung oder au Protokoll anzu bringen. Nach Ablauf dieser Frist tönnen Einwendungen nicht mehr er und Beschreibung Zeichnungen der geplanten Anlage liegen in unferem Büro, Berlin. 2, Waisenstr. 27, I Treppe, Zimmer Nr. 25, an den Geschäftstagen in der Beit von 9 bis 2 Uhr während der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. hoben werden. Zur mündlichen Erörterung ber Einwendungen rhtzeitig erhobenen wird vor unferem Kommiffar, Serrn Stadtamtmann Weber, auf Freitag, den 15. September 1922, bormittags Uhr in unserem Sizungsfaale 9 Waifenstr. 27, I Treppe, ein Termin anberaumt, zu dem die Unternehmerin fowie die Bidersprechenden unter ber Eröffnung eingeladen werden, daß auch bei ihrem Ausbleiben mit der geladen werden, daß gegangen wird. Eröffnung Berlin, den 21. Auguft 1922. Der Stadtausschuh Bertin, Abt. I Schneider. Bekanntmachung. Die Aktiengesellschaft für Seifen fabritation, Berlin, beabsichtigt die Er richtung einer Seifenfabril in Berlin auf dem Grundstüde Greifenhagener Straße 46. Etwaige Einwendungen gegen biefe Anlage find bei bem unterzeichneten Stadtausschuß binnen 14 Tagen, bom Tage nach der Veröffentlichung ab ge rechnet, schriftlich in doppelter Aus anzu zu Protokol fertigung oder Nach Ablauf dieser Frist bringen. fönnen Einwendungen nicht mehr er hoben werden. Beschreibung und Beichnungen der geplanten Anlage liegen in unserem Büro, Berlin C. 2, Waisenstr. 27, I Treppe. Simmer Nr. 25, an den Geschäftstagen in der Beit von 9 bis 2 Uhr während der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. Bur mündlichen Erörterung ber Einwendungen wird vor unserem Rommiffar, Herrn Stadtamtmann Weber, auf Freitag, den 15. September 1922, bormittags rechtzeitig erhobenen 11 Uhr in unserem Sigungssaale Waisenstr. 27, I Treppe, ein Termin anberaumt, zu bem die Unternehmerin fowie die Widersprechenden unter der Eröffnung eingeladen werden, dak auch bei ihrem Ausbleiben mit ber Eröffnung geladen werden, bab gegangen wird. Berlin, den 25. Auguft 1922. Der Stadtansschuß Berlin, Abt. I Schneider. Bekanntmachung. Herr Karl Sandhoff beabfichtigt ble Beränderung feiner bereits feit 1867 bestehenden und genehmigten Schlacht hausanlage in Hermsdorf auf dem Grundstüde Hauptstr. 39. Etwaige Einwendungen gegen biefe Anlage sind bei dem unterzeichneten Stadtausschuß binnen 14 Tagen, bom Tage nach der Beröffentlichung ab ge rechnet, schriftlich in doppelter Aus fertigung oder Alt Protokoll angu bringen. Nach Ablauf dieser Frist fönnen Einwendungen nicht mehr er hoben werden. Beschreibung und Zeichnungen ber geplanten Anlage liegen in unserem Büro, Berlin C. 2, Waisenstr. 27, I Treppe. Simmer Nr. 25, an den Geschäftstagen in ber Beit von 9 bis 2 1hr während der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird vor unserem Kommissar, Herrn Stadtamtmann Weber, auf Freitag, ben 15. September 1922, vormittags 10 Uhr in unserem Situngssaale Waifenftr. 27, I Treppe, ein Termin anberaumt, zu bem ber Unternehmer sowie die Widersprechenden unter der Eröffnung eingeladen werden. das auch bei ihrem Ausbleiben mit ber Eröffming geladen werben, ba gegangen wird. Berlin, den 24. Auguft 1922. Der Stadtausichuk Berlin, Abt. I Schneider. Annahme in allen Speditionen des Berlages Geschäftsstelle: Berlin RB. 40, R: onprinzenufer 271 Kleine Anzeigen Das Übe schriftswort 4.- M., jedes weitere Wort im Zert 3.-M. netto. Stellengesuche: Über Schriftswort 3.-, jed. weitere 2ort i. Zegt 2.-M. Verläufe Gardinen! Staunenerregend! Silber Rotfüchie! Bobel Näderweiblich. Möbel Möbelhans Rebfeld, Babstr. 84. 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